Kr. 253. Bbonnements-Bedingungen: XSonnemcntä- Preis pränumerando: Pierteljährl. Z.M Mk, monatl. l.I» Mk, wöchcnllich 2S Pjg. frei ins Haus. Nnzelne Kummet 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Weit' 10 Pfg. Post- »lbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliilo.' Uiiier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,20 Mark, für das übrige ilusland s Marl pro Monat, Postabonncmcius nebmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Bumänicn, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. We Tnfertions« Gebühr kietriigt für die scchsgcspältenc Kolonel- zeilc oder deren Slaiun 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bcrsainnilungs-Anzeigen M P-g, „Kleine Hnreigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg, tjUlüssig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort>0 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenän- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Worts Pfg, Worte über loBuch- flaben zählen für zwei Worte, Inserate für die Nächsie Kummer müffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben Iverden, Die Expediimv ist bis 7 Uhr abends geöffnet, cr!che!nt täglich. Verlinev Dolksblatt. Zctttralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Telegramm-Adresse: „SgzialiKmdkrat sserliD" Redaktion; 8ÄI. 68, Lindcnstrasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplat», Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1984. persönliches Regiment. Aus Wien wird uns vom 26. September geschrieben: Das Merkmal des„persönlichen Regiments" ist, daß das Regieren nach sachlichen Grundsätzen und besonnenen Er- wägungen aufhört und launenhafte Einfälle und persönliche Eitelkeiten dessen Stelle einnehmen. Das arme Oesterreich- Ungarn lernt nun die Annehmlichkeit dieses persönlichen „Eingreifens" des Inhabers der Macht kennen. Natürlich ist unter diesem Inhaber nicht der alte Kaiser zu verstehen, der sich im Gegenteil jeder Beeinflussung der Politik vollständig enthält und beinahe schon zu einer legendenhaften Person ge. worden ist: das persönliche Regiment geht vielmehr immer deutlicher vom Thronfolger aus. Ein Vorfall der letzten Tage- über den in Wien weniger gesprochen als getuschelt wird, hat die österreichische Welt w die Auffassungen, die Franz Ferdinand vom Regieren hat. einen Einblick verschafft, der die braven Oesterreicher alles andere denn erfreut und selbst die gewiegtesten Patrioten mit gewissen Bekleinnrungen erfüllt, Es ist nämlich plötzlich der Chef der Generalstabes bei dem Thronfolger in Ungnade gefallen. Nun inuß man wissen, daß dieser Generalstabschef, der Freiherr Konrad von Hötzendorf. ein Stolz Oesterreichs ist. als Reorganisator der Armee unablässig gefeiert wird und überhaupt den öfter- reichischen Kriegsruhm darstellt, wenn der nüchterne Beobachter auch nicht recht weiß, was deni General diesen unbestrittenen Ruf eigentlich verschafft haben soll. Konrad von Hötzendorf galt auch alle Zeit als der Mann Franz Ferdinands. Er mutzt? vor einigen Iahren von seinem Posten scheiden: er hatte nämlich den»vundersamcn Plan gehabt, das„bundes- genössische Italien", als es sich mit Tripolis in den größten Fährlichkciten befand, mit Krieg zu überfallen, welchem „Plane" sich der damalige Minister des Aeußern. Aehrenthal, natürlich mit aller Kraft widersetzte. In diesem Konflikt stellte sich der alte Kaiser, der ja immer für Frieden und Ruhe ist, auf feiten des Verantwortlichen Ministers, und Konrad mutzte gehen. Aber sein Scheiden wurde mit den größten Ehrungen begleitet, und insbesondere der Thron- folger konnte sich in Beteuerungen, daß der Verabschiedete in seiner'Schätzung unerschüttert bleibe, nicht genug, tun. Als der Balkankrieg ausgebrochen war und die Gefahr kriegerischer Verwickelungen in die Nähe rückte, wurde Konrad sofort hervorgeholt und auf den überragenden Posten neuerlich gestellt: die Ernennung des Mannes, den man als den ersten Militär Oesterreichs hinstellt, sollte der Welt zeigen, daß sich Oesterreich in jeder Hinsicht auf den Krieg vorbereite. Und dieser Held, der in Sachen der Armee als der eigentliche Ver- trauensmann des Thronfolgers galt, muß sich nun aus dem Armeeverband geradezu flüchten, und der ihn dazu veranlaßt, ist ganz bestimmt der Thronfolger selbst! Ist das also nicht ein Musterbeispiel jenes persönlichen Regiments, innerhalb dessen die sachhchen Notwendigkeiten allezeit zurückstehen müssen und alles nach Gunst und Ungunst entschieden wird? Den letzten Anstoß zu den„Verstimmungen" zwischen dem neuen Herrn Generalinspektor der bewaffneten Macht und dein Generalstabschef haben die böhmischen Manöver geliefert. Bei diesen Manövern scheint es ganz wunderbar zugegangen zu sein. Es hatten ztvci Armeen mit- einander„Krieg" zu führen, von denen die eine dem General Auffenberg zur Führung zugewiesen wurde. Das ist der frühere Kriegsnrinister, dessen plötzliche Entlassung— gleichfalls während des Balkankrieges— so viel Verwunderung er- regt hat. Aus mannigfaltigen Verhandlungen im Gerichts- saale sind über die Gebarung dieses Kriegsministers Einzel- heiten bekannt geworden, die ihn als einen sehr zweifelliaftcn Patron erkennen lassen: es waren Geldgeschichten und Weiber- geschichten ganz unsauberer Art. Teingemäß wird er auch in der ganzen Armee eingeschätzt. Bei dem Thronfolger scheint er aber noch aus anderen Gründen in Mißkredit gekonunen zu sein, und die Manöver sollten ihn nun den Hals brachen. Tie Dispositionen wurden nämlich so angelegt, daß der Armee des Auffenberg die Nioderlage sicher schien: danach hätte inan ihn natürlich wegen Unfähigkeit springen lassen können. Aber es zeigte sich, wie schoii oft, daß militärische Qualitäten von moralischer Tugendhaftigkeit ganz unabhängig sind: der Auffenberg, den man mit der Disposition hinein- legen wollte, besiegte seinen Gegner, den General Bruder- mann(offenbar einen Günstling des Belvedere) so gründlich, daß im Ernstfalle die ganze gegnerische Armee verloren ge- Wesen wäre. Nun wurden die ganzen Manöver plötzlich abgebrochen, und an Stelle der feldmäßigen Uebungen trat eine m i l l t ä r i s ch e Parade. Man arrangierte eine„Uebuug gegen einen markierten Feind",- deren Schluß eine riesige Reiterattacke bildete._" j!S prunkhaftes, eines Reinhard würdiges Schauspiel, das jedoch militärisch betrachtet, der blanke Wahnwitz war. Das aufgedonnerte Schauspiel hatte vornehmli-ch den Zweck, der � den Manövern erschienenen ferzogin Hohenberg, der Frail des Thronfolgers, eine hübsche ugenweide zu bieten. Wie in den Manövern, deren oberste Führung in den Händen des Thronfolgers lag. alles nur auf den äußerlichen Glanz hergerichtet wurde hat ein anderer Umstand gezeigt, den man sich in Offizier'skreisen mit behag- lichem Schmunzeln erzählt. Die dritte Infanteriedivision kam mit ihren Vortruppen an den„markierten Feind". Sie will ihn angreifen. Aber durch den einzelnen Angriff wäre das schöne Bild des„allgemeinen Sturines" zerstört worden. und so kam der Auftrag:„Der Angriff stt für 16 Uhr an- beraumt." Bis der hohe Zuschauer zur Stelle war! Dann wurde freilich mit Elan„gestürmt". Aber ob der Feind im Ernstfalle„bis 10 Uhr" gewartet hätte? Alles war aufs Schauen präpariert. So hörte man in inanchen Abtei- lungen, nachdem schon die Manöver„abgeblasen" ivaren: Marschieren Sie, Herr Oberst, noch bis zu jenem Punkte, da- mit man die Truppen vom„Hügel" aus besser sieht! Auf dem„Hügel" saßen nämlich die hohen Zuschauer! Daß all das dem Generalstabschcf über die Schnur..ging und er seiner Geringschätzung über diese Miltärspielerei un- verhohlen Ausdruck gegeben haben wird, kann man sich schon denken. Also wird er abgeschoben! Das persönliche Regiment verträgt eben keine Kritik, und wer an seiner Gottähnlichkeit zu zweifeln sich herausnimmt, büßt es mit Verlust der Gnade. So-verhält sich ja des persönliche Regiment gegenüber jeder kritischen Aeußerung. weshalb in Oesterreich auch die schüchternste und sachlichste Beanstandung irgendeiner Verfügung oder Ansicht des Thronsolgers in der Presse der Konfiskation sicher ist. Wie es am Mittwoch der „Arbeiter-Zeitung" passierte, deren Besprechung dieser Manövergeschichteu vom ersten bis zum letzten Wort der Be- schlagnahme verfiel. Allerdings wußte sich unser Blatt zu helfen: der beanstandete Artikel wurde sogleich im niederösterreichischen Landtag inimunisiert und erschien schon am anderen Tag in vollem Wortlaut an der Spitze des Blattes, und ganz Wien liest ihn mit Interesse und Entzücken.... Aber man kann sich denken, wenn Franz Ferdinand seine persönlichen Stimmungen nun selbst über die m i I i- tärischen Notwendigkeiten stellt, über Notwendigkeiten also, die den Monarchen allezeit die wichtigsten waren, wie es dann erst in der eigentlichen Politik werden wird! Um so mehr, als sein Charakter zu den jähesten Umschlägen neigt und es bekannt ist, daß seine Meinungen über Menschen alles andere denn dauerhaft sind. Das traurigste ist. daß der Thronfolger von einer Mauer klerikaler Schmeichler und Streber fest umschlossen ist und daß sein Ohr ein freimütiges Wort nie erreicht. Das wird nämlich unweiger- lich konfisziert. Wie soll aber ein Monarch denn erzogen wer- den, wenn nicht durch die unbeugsame Kritik der unbe- stochenen öffentlichen Meinung? Tie Geschichte von dein jähen Sturze des Generalstabschef sagt an. welchen Zeiten die Oester- reicher entgegengehen. Daß sie deshalb alle, auch die unentwegtesten Patrioten, beklommen werden, kann nian also wirk- lich verstehen.__. Der Krieg zwilchen Serbien und Illbanien. Aus Belgrad wird uns geschrieben: Das, was sich jetzt in der Gegend von Mouastir bis Prizrend vollzieht, ist nichts anderes als ein Krieg, ein dritter Krieg im ßeJe'II ' �*6Bc.„ O_ Sovipazar-A. 'crana\%~ � WfWitä 0 esm. � -JSasenD fhtäina '3kowa$t\ P frlzremf fSlPandelen„d ' Üshub TßSßky •. o yTruseya r/da � tywsp'r "X#-ff ■y 0_ 20 W SO Stf -v- Karle zu den serbisch-albanischen ßpenzkämpfeni Balkan. Die angreifenden Albanesen haben auf der ganzen Linie große Erfolge gehabt. Nachdem sie Tubra genommen haben, ver- teilten sie sich in zwei Kolonnen: eine richtete ihren Angriff gegen Madagsa, Struga, Resau, Monastir, die andere hat zum Ziel Kitschewo, Gostiwar, llesküb. Eine besondere Kolonne dringt von Djakowiza über Prizrend. nach Mitrowiza. Diese letztere hat einen stärkeren Widerstand gefunden, die zwei ersten rücken aber rasch vorwärts. Man erwartet den Fall Monastirs. Es scheint, daß erst auf der Linie Pirlepe-Gostiwar die Albanesen aufgehalten werden können. Im alten und neuen Serbien sind zurzeit nicht mehr als 20 000 Mann unter den Waffen..Sie wurden alle nach der südlichen Grenze hingeschickt, um bloß die Angreifer aufzuhalten, bis die Mobilisation der zwei Divisionen(I. Donau- und I. Moravadivi- sion) vollzogen ist. Das wird aber kaum bis zum 28. September der Fall sein. Man rechnet aber damit, daß in zehn Tagen eine Armee von 100 000 Mann mit den zugehörigen Artillerie- und Mitrailleusenabteilungen zur Stelle sei» wird, und glaubt, es werde geniigen, die Angreifer zurückzutveisen und zu„bestrafen", d. h. nicht nur die Menschen, sondern alle Ansätze der menschlichen Kultur im Bereich der Militärgewalt zu vernichten. Es ist ausgeschlossen, daß sich die Albanesen zu dem Angriff aus eigenem entschlossen haben. Unmöglich ist es auch, daß sie allein die Sache so gut organisiert und ausreichende Waffen, besonders aber die Munition, sich verschafft hätten. Wohl aber hat das Vor- halten der serbischen Truppen, die Behandlung der albancsischcn Bebölkerung durch die serbische Militärbehörde und die Ab- schneidung Nordalbaniens von seiner natürlichen wirtschaftlichen Basis, erst die Stimmung der Bevölkerung für die Annahme eines so gesährlichen Ratschlags geschaffen. Ihre ersten Erfolge haben die Angreifer ihrer numerischen Ueberlegcnheit und der Ueberraschung zu verdanken. Sie sind mit den Terrainvcrhältnissen sehr gut bekannt. Deshalb ist es ihnen gelungen, die Truppen aus den befestigten serbischen Stellungen herauszumanövericren und sie zum Rückzug zu zwingen. Nach den Privatmeldungen haben sie sich auch in den Besitz einiger scrbi- scheu Kanonen und Mitrailleusen gesetzt. Das kann aber nicht lange dauern. Den serbischen Streitkräften werden sie nicht standhalten können. Von zuverlässiger Seite wurde uns mitgeteilt, daß die Rech- nung der Angreifer folgende war: man solle das Beispiel der Türken in Thrazien befolgen. Die serbische Besatzung könne nicht Wider- stand leisten; nachdem alles bis auf Monastir genommen sei, könn- teil die Serbien nichts anderes tun ,als an die Großmächte appcl- lieren, an die die Bulgaren schon vergebens appelliert hätten. Weder wird Serbien wieder mobilisieren können, noch hätte es genügend Geld und Munition, um einen neuen Krieg z« eröffnen. Außerdem könnteu auch Komplikationen mit Bulgarien ausbrechen. Nun sagt mau hier: die serbische Regierung verfügt über ge- uügcnd Geld und Munition, uni Herr der Lage zu bleiben, und in zehn Tagen werden 100 000 Mann kriegsbereit sein. Bulgarien hat den Versuch gemacht, zwei Divisionen in Kjustendil zu mobili- sieren, hat aber damit keinen Erfolg gehabt, weil die Soldaten nicht kommen wollten. Gegen Bulgarien findet Serbien seinen Schutz im Bunde mit Rumänien und Griechenland, die das dnrch den Friedensvertrag in Bukarest Geschaffene mit den Waffen zu schützen verpflichtet sind. Von den.Großinächten wird Serbien nur das eine verlangen: freie Hand. Es war das leitende Prinzip der serbischen albanischen Politik, im Falle des Widerstandes alles zu vernichten, nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen und die Kinder, und ihre Dörfer in Brand zu setzen. Das wird jetzt wiederholt werden. Um sich jetzt für die ungeheuren Opfer, die sie verloren haben, zu rächen, töten, plündern und rauben die Albanesen, wo sie immer hinkommen. Ebenso wird das serbische Militär mit der albanischen Bevölkerung und ihren Ortschaften verfahren. Eine Fläche von hunderttausend Ouadratkilomctcrn wird in eine traurige Wüste verwandelt werden. In Serbien herrscht allgemeine Unzufriedenheit. Mit der Mobilisation geht es ziemlich schwer. Niemand hat Lust, an dem dritten Kriege teilzunehmen. Es wird ja ganz offenkundig, daß die Politik der gegenseitigen Vernichtung der Balkanvölker voll- ständig Schiffbruch gelitten hat. Was soll geschehen? Wann finden die traurigen Zustände ihr Ende? War Serbien wirklich gezwungen, das albanische Volk zu unterjochen, halb zu vernichten, und aus ihm einen Todfeind und ein Werkzeug fremder Politik zu machen, statt es zum Freunde und Bundesgenossen zu gewinnen? Der Gang der Ereignisse hat bewiesen, daß nur die Politik der gegenseitigen Verständigung und Verbrüderung der Balkanvölker, die Politik der Sozialdemokratie, die einzige ist, die der Zukunft und den vitalsten Interessen der Völker entspricht. Die serbische Mobilisierung. Belgrad, 27. September. Der Kriegsminister hat die Ein- Berufung der Wehrpflichtigen ersten Aufgebots, das zwölf Regimenter umfaßt, angeordnet. Wegen großer militärischer Transporte wird der Bahnverkehr für Reisende agj«stnige Tage eingestellt. Einer.amtlichen Nachricht zufolge haben die eingetroffenen Ver- stärkungen. unterstützt durch Artillerie, gestern die Albanesen aus Mavrovo und Kitschevo zurückgeworfen. Die Albanesen sollen sich in eiligem Rückzüge befinden. Abbruch der türkisch-griechischen Verstandlungen? Paris, 27. September. Der„Petit parisicnne" will erfahren haben, daß die Türkei die Absicht habe, die Verhandlungen mit Griechenland abzubrechen und nur unter der Be- dingung wieder auszunehmen, daß ihr die Inseln C h i 0 s und Mhtilene zurückerstattet werden. Die Türkei soll gegen- über Chios ein Landungskorps bereithalten. politische Justiz. Ter Prozeh gegen den Rechtsanwalt Falkenfeld zu Frank furt a. über dessen Verhandlung vor dem Schöfsengcricht wir seinerzeit berichteten, ist am Freitag vor der Straflammer des Landgerichts Frankfurt a. O. in der Berufungs i n st a n z verhandelt worden. Rechtsanwalt Falkenfeld stellte als Vertreter einer Anzahl von Besitzern der Gemeinde Neu-Drewitz einen Antrag auf Aus gemeindung dieses Teils des Dorfes. Der Regicrungs a s s e s s o r Fröhlich verhandelte als Vertreter des Landrats in dieser Angelegenheit amtlich mit dem Landwirt Stiegemann Hierbei äußerte er:„Es ist nicht gerade schön von Ihnen, daß Sie einen sozialdemokratischen Anwalt bei einer derartigen Strei tigkeit gewählt haben. Ich bezweifle, daß das sehr förderlich für Ihre Sache sein wird." Fröhlich hat erklärt, er hätte damit beabsichtigt,„den Ge mcindeteil Neu-Drewitz vor weiterer Verbindung mit Angehörigen der den Umsturz des bestehenden Staates erstrebenden sozial- demokratischen Partei zu schützen". Rechtsanwalt Falkenfeld stellte deshalb zwei Strafan- träge gegen Fröhlich: einen wegen Beleidigung, der von der Staatsanwaltschaft mangels öffentlichen Interesses abgelehnt wurde, und einen wegen Mihbrauchs der Amtsgewalt. Auch dieser zweite wurde in allen Instanzen zurückgewiesen. Rechtsanwalt Falkenfeld schickte dem Assessor Fröhlich Ab- schrift seines Strafantrages. Er ersuchte dabei brieflich den Assessor Fröhlich, sein Gedächtnis an jenes Gespräch aufzufrischen und warnte ihn unter Androhung einer Zivilklage auf Unter- lassung, dieses Vorgehen zu wiederholen. Deswegen und wegen der in dem Strafantrag gebrauchten Charakterisierung der Früh- lichschen Handlungsweise als„hinterhaltig" und„Mangel an Mut wurde Rechtsanwalt Falkenfeld wegen Beleidigung des Assessors Fröhlich angeklagt. Das Verfahren, dessen Eröff nung die Strafkammer zunächst abgelehnt hatte, wurde vom Kammergericht eröffnet. Vor dem Schöffen- g e r i ch t wurde der Rechtsanwalt zu 50 M. Geldstrafe ver- urteilt. Das Schöffengericht sah die Beleidigung in der Auffordc rung, das Gedächtnis aufzufrischen und in dem Vorwurf des Mangels an Mut. Die Berufungsverhandlung wurde durch den L a n d g e- richtsdirektor Parthey geleitet, welcher bei den Reichs- tagswahlen 1912 als sreikonservativer Kandidat für Cottbus un- seren Parteigenossen unterlegen ist. Rechtsanwalt Falkenfeld wahrte seinen Rechtsstandpunkt in ausführlichen Darlegungen und betonte, er habe Grund genug gehabt, den Assessor Fröhlich zur Aufffischung seines Gedächtnisses zu veranlassen. In einem ganz gleichen Falle, loa ein Amtsvorsteher v. Stölzner ebenfalls auf Klienten von ihm einzuwirken gesucht hätte, sie möchten einen anderen Anwalt nehmen, hätte dieser den Vorgang nachher ab- gestritten und die Klientin, welche Falkenfeld Mitteilung davon gemacht hatte, zu sich kommen lassen und heruntergemacht. Diese Klientin hatte der Angeklagte zur Hauptverhandlung geladen. Sie bestätigte den Vorgang vollkommen. Ter Amtsvorsteher v. Stölzner hatte ihr und ihrem Vater zu- geredet, sich einen anderen Rechtsanwalt zu nehmen und hatte bei einer Zeugenvernehmung in einer Beleidigungssache recht ostentativ hervorgehoben, daß Rechtsanwalt Falkenfeld, der Ver- treter der einen Partei, Sozialdemokrat wäre, obgleich dies mit der gänzlich unpolitischen Straffache nicht das geringste zu tun hatte. Der Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgang Heine aus Berlin legte besonderes Gewicht auf den Nachweis, daß Fröh- lichs Acußcrung, die Tätigkeit des Rechtsanwalts Falkenfeld als Vertreters würde„der Sache nicht förderlich sein", ein nach§ 339 St.-G.-B. strafbarer Mißbrauch der Amtsgewalt wäre. Demnach wäre auch die Androhung eines Prozesses auf Unterlassung nach§ 823 ff. des B.-G.-B. eine Vertretung durchaus berechtigter Interessen gewesen. Auch das Schöffengericht hätte anerkannt, daß diese Aeutzerung des Assessors Fröhlich„ein ge- Misses Taktgefühl vermissen lasse" und nicht zu den Amtsbefugnissen des Assessors Fröhlich gehört habe. Ferner griff Rechtsanwalt Heine die Behauptung des Schöffen- gerichts an, daß Assessor Fröhlich bei seiner Aeußerung einen besonderen Mut bewiesen hättte. Man möge nur einmal die Stellung der beiden Parteien in dieser Sache vergleichen. Fröhlich greife mit einer Kundgebung der Geringschätzung und mit einer strafbaren Drohung, welche zugleich die schwerste Bloß- stellung der Verwaltungsrechtspflege enthalte, Herrn Rechtsanwalt Falkenfeld an, ohne daß es diesem möglich gemacht werde, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Alle Behörden hiel- ten schützend ihre Hände über Fröhlich bis zum Strafsenat des Kammergerichts hinauf. Andererseits werde gegen Falkenfeld, der sich nur seiner Haut gewehrt habe, sofort ein Strafverfahren ein- geleitet und wiederum trete der höchste Gerichtshof Preußens, der Straffenat des Kammergerichts in Aktion, um den Angegriffenen, der nur sein Recht vertrete, auf die Anklagebank zu bringen. Fröhlich habe genau gewußt, daß er jede nur mögliche Unterstützung finden werde, Falkenfeld habe sich von vornherein sagen müssen, daß, wie die Verhältnisse bei uns lägen, sich alles gegen ihn wenden werde, wenn er sein Recht wahre.„Auf welcher Seite i st hfer der Mut?" Sicherlich nicht auf der Seite desjenigen, der gegen einen anderen hinter dessen Rücken heimliche Angriffe richtet, ihn aus dem Vertrauen seiner Klienten zu verdrängen sucht, und der dabei von vornherein darauf rechnen kann, daß der Angegriffene sich noch nicht einmal wehren kann, ohne sich iveitere Nachteile zuzuziehen. Der Verteidiger verlangte die Freisprechung des Angeklagten. DaS Urteil lautete auf Verwerfung der Be- rufung. In der Anzeige und dem Begleitschreiben, namentlich auch dem Zweck der Aufffischung des Gedächtnisses, sah das Ge- richt die Absicht der Beleidigung. In der mündlichen Begründung wurde mit keinem Worte auf die Frage eingegangen, auf welcher Seite der Mut lag. Während aber das Schöffengericht offen und ehrlich zugegeben hatte, daß die Aeußerung des Assessors Fröhlich zu den Klienten Falkenfelds eine Taktlosigkeit und eine Ueberschreitung der Amtsbefugnisse gewesen war, waren die fünf beamteten Richter nicht so empfindlich Hinsicht- lich der Grenzen dessen, was ein Beamter tun darf. Obgleich Fröhlich ausdrücklich doch klar angedeutet hatte, die Behörden wür- den, lediglich weil Falkenfeld Sozialdemokrat wäre, dies die Klienten entgelten lassen, d. h. nicht nach sachlichen Gründen ent- scheiden, erklärte das Gericht, es halte die Aeußerung des Re- gicrungsassessors„nicht für befremdend", weil es sich„um eine kommunalpolitische Angelegenheit" gehandelt habe. Ob die Herren sich die Konsequenzen dieses Satzes ganz klar gemacht haben. Die Konsequenz selber wäre jedenfalls diese: Beamte sind im Recht, wenn sie eine kommunalpolitische An- gclegenhcit zuungunsten einer Partei behandeln, weil deren Ver- trctcr Sozialdemokrat ist. Also doch wohl erst recht, wenn der Klient selbst der Sozialdemokratie angehört. Im Jahre 1899 tourde der Redakteur des„Vorwärts" frei- gesprochen, weil er den Nachweis gefiihrt hatte, daß die s ä ch s i s ch e Justiz die Sozialdemokraten als„minderen Rechtes" be- handelt. Wir werden uns das Frankfurter Urteil als wertvollen Beitrag für den Fall merken, daß die Preuße n sich wieder einmal beklagen sollten, daß wir von„politischer Justiz" sprechen. polhikhe �leberficbt. Der Krupp-Prozes; vor dem Landgericht. Das offiziöse Wolffsche Bureau niacht folgende Mitteilung: „Am 23. Oktober wird vor der 11. Strafkammer des könig- lichen Landgerichts I die Hauptverhandlung gegen Brandt und Genossen wegen Verrats militärischer Geheimnisse und Bestechung beginnen. Es ist dies die Bezeichnuim, unter der die sogenannte „Kruppaffäre" die Gerichtsbehörden beschäftigt. Die im Februar dieses Jahres zuerst gegen Brandt und zwei andere Angestellte der Firma Krupp eingeleitete Untersuchung hat zeilweise einen großen Umfang angenommen und sich im ganzen gegen elf Per- sonen gerichtet, von denen zehn als Leiter oder Angestellte der Firm Krupp angehören oder angehört haben. Die Staats anwaltschaft hat aber nach Abschluß der gerichtlichen Vorunter suchung die öffentliche Klage nur gegen drei der An- geschuldigten aufrechterhalten, und auch von diesen hat das Gericht noch einen außer Verfolgung gesetzt, so daß sich in der mündlichen Verhandlung neben den bereits aus der Verhandlung des königlichen Kommaudanturgerichts hierselbsi gegen Titian und Genossen bekannten Berliner Vertreter der Firma Krupp, Maximilian Brandl, noch einer der maßgebenden Leiter der Essener Firma zu ver antworten haben wird." Es berührt einigermaßen seltsam, daß das Gericht nicht eintnal gegen die paar Leute Anklage erhoben hat, gegen die nach Ansicht des Staatsanwalts hinreichender Verdacht vor lag, um das Brandtsche Vergehen gewußt und es nicht Pflicht gemäß verhindert zu haben. Außer Herrn Maximilian Brandt 'oll also nur ein Direktor der Kruppschen Werke die Anklage� dank zieren. Wer dieser Sündenbock sein soll, wird leider nicht einmal mitgeteilt. .Nun, wenn die anderen Herren Direktoren nicht auf der Anklagebank sitzen, iverden sie unter Umständen als Zeugen um so wertvoller sein können. Freilich, wenn sie etwa Ge- ahr laufen, sich durch ihre Aussagen selbst zu belasten, können auch sie ihre Aussage verweigern. Immerhin: bei energischer Prozeßführung ließe sich sicherlich noch manches Interessante herausholen. Es fragt sich nur, ob man ein Interesse daran hat, Weiteres über die Geschäftsgepflogenheiten der Firma Krupp zu erfahren, die dem Oberkommandanturgericht— so weit sie nicht den Brandt selbst und seine bekannten Opfer angingen— so erstaunlich gleichgültig zu sein 'chienen! Am meisten könnte der Angeklagte Brandt selbst zur Aufhellung der Affäre beitragen. Aber der wird ja wohl immer noch an jener auffälligen Gedächtnisschwäche leiden, die er in der Verhandlung vor dem Oberkommandanturgcricht zur Schau trug. Außerdem hat er ja auch rund heraus er- klärt, daß er nicht mehr sagen w o l l e, da des Skandals schon genug sei. Erbat dafür ja auch eine Art Lob vom Vertreter der militärgerichtlichen Anklage erhalten. Erst recht aber wird es nicht sein materieller Schade sein, wenn er auch ferner das von der Firma Krupp in ihn gesetzte Vertrauen der Diskretion rechtfertigt. Trotzalledem wird die Oeffentlichkeit gut tun. auch diesen Prozeß mit besonderer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Hoffentlich sorgt auch die 11. Strafkammer des Landgerichts I dafür. daß die Verhandlungen nicht wieder unter Umständen, speziell auch unter Raumverhältnissen geführt werden, die einem Aus- chluß der Oeffentlichkeit nahekommen! Innere Konflikte im bayerischen Staatsministerium. Wie der„Franks. Ztg." aus München gemeldet wird, stößt das Kabinett Hertling nicht nur bei den gegnerischen Parteien und im Zentrum in steigendem Maße auf Schwierigkeiten, sondern es sind auch neuerdings im Ministerium selbst allerlei Unstimmigkeiten hervorgetreten. Die Ursachen hierfür sind weniger in politischen, als in wirtschaftlichen Gründen zu suchen. Während nämlich der Minister des Innern v. Soden der Firma Schuckert wegen der Er- richtuilg einer Ueberlandzentrale für Unterstanken bestimmte Zu- sicherungen gemacht hat, möchte der Verkehrsminister v. Seidlein die Elektrizitätsversorgung dieses Gebiets durch Ausnutzung einiger Braunkohlenbergwerke betreiben, deren Ankauf für den Staat er bereits ins Werk gesetzt hat. Ueber die widerstrebenden Tendenzen dieser Projekte ist es in letzter Zeit zwischen den beiden Ministern zu starken Differenzen gekoinmen, die im Ministerrat zu heftigen Auseinandersetzungen geführt haben. Da Herr v. Soden wie auch Herr v. Seidlein als ehemalige Zeutrumsführer im Zentrumslager über persönliche Anhänger verfügen, wird sich der Konflikt wohl auch auf die Reihen der Mehrheitsparteien übertragen und nicht ohne eigenartige Wirkung bleiben._ Gemeindcschöffe und Sozialdemokrat. Die Frankfurter„Volksstimme" veröffentlicht jetzt den wesent- lichen Inhalt der Begründung des Urteils vom Kreisausschuß Wies- baden, das den Genosse Liebig seines Amtes als Gemeindeschöffe enthebt, weil er bei der jüngsten Landtagswahl sozialdemokratisch gewählt hat und als sozialdemokratischer Wahlmann aufgestellt worden war. Nach dem Urteil des Kreisausschusses gehören die Schöffen zu den mittelbaren Staatsbeamten. Staatsbeamte unter- liegen in Beziehung auf die Ausübung staatsbürgerlicher Reckte Beschränkungen, die für andere Staatsbürger nicht bestehen:„Die Beschränkungen ergeben sich aus den besonderen Pflichten der Staatsbeamten, denen sie sich auch durch Berufung auf Berfassungs- rechte nicht entziehen können. Die Pflichten setzen der außer- amtlichen Tätigkeit der Beamten bestimmte Grenzen, die unbedingt einzuhalten sind. Unter anderem ist eine solche Grenze gegeben durch die Pflicht aller Beamten, die Bestrebungen von Parteien, die die Grundlagen der bestehenden Rechts- und Staatsordnung bekämpfen, nicht bewußtermaßen zu fördern und zu unterstützen. Zu den Parteien, die die Grundlagen, die die bestehende Staats- und Rechtsordnung bekämpfen, gehört die Sozialdemokratie. Durch die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei macht sich ein Beamter nicht nur des Vertrauens unwürdig, das sein Beruf er- /ordert, sondern er verletzt auch die Pflichten seines Amtes, das von ihm das Eintreten für die bestehende Staats- und Rechts- ordnung verlangt, mit deren Wahrung die Ziele der Sozialdemo- kratie in Widerspruch stehen.(Entsch. des O.-V.-G. vom 4. Juni 1907. D. S. 33/06.) Tatsächlich steht fest, daß der Angeschuldigte bei der diesjährigen Wahl zum Abgeordnetenhaus von der sozial- demokratischen Partei als Wahlmannn aufgestellt und gewählt wurde und selbst die von dieser Partei aufgestellten Wahlmänner gewählt hat." Großes Gewicht wird dann in der Begründung auf den Um- stand gelegt, daß Genosse Liebig angeblich vor seiner Vereidigung als Schöffe auf die besonderen Verpflichtungen, die er durch Ab- leistung des Eides auf sich nehme, hingewiesen worden sei und sich zu ihrer Erfüllung bereit erklärt habe. Es habe angenommen wer- den müssen, daß er sich in Zukunft von der sozialdemokratischen Partei fernhalten werde. Dies habe er jedoch nicht getan. Biel- mehr wird aus der Tatsache, daß Liebig als Wahlmann für die Sozialdemokratie aufgestellt worden ist, und deren Kandidaten ge. wählt hat, sowie aus dem Besuch einer sozialdemokratischen Ver- sammlung und aus dem von ihm in der Gemeindeverwaltung ge- stellten Antrag auf Einführung der Fristivahl gefolgert und fest- gestellt, daß Liebig noch Mitglied der sozialdemokratischen Partei sei und für die Bestrebungen dieser Partei eintrete. Das geht aber nach der Meinung des Kreisausschusses für einen Gcmeindeschöffen nicht an, denn„ein so offenes Eintreten des An- gcschuldigten für die sozialdemokratische Partei ist mit den Pflich- ten seines Amtes nicht vereinbar. Durch sein Verbleiben bei dieser Partei und die Bekundung seiner Zugehörigkeit hat er sich nach der Ucberzeugung des Krcisausschusses des Vertrauens unwürdig ge- zeigt, das sein Amt erfordert. Auch hat er die mit seinem Amte verbundene Pflicht, für die bestehende Staats- und Rechtsordnung einzutreten, gröb» l i ch v e r l e tz t. Er ist deshalb des Dienstvergehens schuldig. Gegen das Urteil ist die Entscheidung des Obervcrwaltungs» gerichts angerufen worden. Das Zuchthans als Retter vor dem Massenstreik« Es geht doch nichts über den Polizcigeist! Die herrschenden Kreise haben sich bisher vergeblich- den Kopf zerbrochen, wie sie bei einem ausbrechenden Massenstreik der Arbeiterklasse diese wuchtige Waffe aus der Hand schlagen können. Jetzt ist ihnen ein Retter in der Not erstanden. Dieser edle Menschenfreund will nicht mehr und nicht weniger, als jeden streikenden Arbeiter auf fünf Jahre ins Zuchthaus schicken. Und dazu bedarf es bei ihm noch nicht einmal einer Gesetzcsänderung. Ter 8 105 des Reichs» strafgefetzbuchs genügt ihm vollkommen! In der Zeitschrift„Tie Polizei"(Nr. 13) schreibt er folgendes: „Die Sozialdemokratie liebäugelt gegenwärtig mit dem Ge» danken eines Massenausstandes zur Erzwingung einer Aenderung des Wahlrechts in Preußen. Dieser Ausstand hat mit dem in 8 168 der Reichsgewerbeordnung gestatteten Koalitionsrecht nicht das geringste zu tun, da es sich bei ihm nicht um Per» abredungen oder Vereinbarungen zur Erziclung besserer Ar. beits- oder Lohnbedingungen handelt. Er soll auch nicht zu einem Druck auf die Arbeitgeber benutzt werden, sondern zu einem Druck auf die Gesctzgcbungsfaktorcn, d. h. auf die Re» gierung und die beiden Häuser des Landtags. Das Vorgehen wäre durchaus ungesetzlich. Abgesehen von der Hastung für den der gesamten Industrie und weiten Kreisen der Bevölkerung durch etlvaige widerrechtliche Arbeitsniederlegung der durch Arbeits. und Tarifverträge verpflichteten Arbeiter erwachsenden Schäden, würden die Unternehmer eines Massenausstandcs sich auch unter Umständen eines Verbrechens gegen 8 19ö des Rcichsstrafgcsctz» bucks schuldig machen. Dort wird mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren oder mit Festungshaft von gleicher Tauer bedroht, wer es unternimmt, eine gesetzgebende Versammlung eines Bundesstaates zur Fassung von Beschlüssen zu nötigen. Ist es nun die Absicht der Unternehmer des politischen Massenaus, tan- des, den Landtag durch die Lahmlegung allen gewerblichen Lebens zu nötigen, das Rcichstagwablrecht aus Preußen zu übertragen, also die gesetzgeberischen Beschlüsse, die hierfür erforderlich sind, zu fassen, dann ist mit Hein Ausbruch des Aufftaudes das Verbrechen begangen. Da die Zustimmung beider Häuser des Land» tags zur Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen er» forderlich ist, kann man wohl nur annehmen, daß der Zwang in der angegebenen Richtung beabsichtigt war. Eine ander- weitigc Behauptung müßte jedenfalls bewiesen werden. Auch eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze liegt dann vor, wenn auch die durch Verträge gebundenen Arbeiter zur Ar» beitsniederlegung ausgefordert werden. Auch Zivilge setze sind Gesetze, zu deren Beobachtung jedermann verpflichtet ist. Da» bürgerliche Recht fordert aber die Einhaltung geschlossener Per- träge. Die bisherigen Erörterungen in der sozialdemokratischen Presse und in den Versammlungen geben zu einem Eingreifen noch keinen Anlaß, da sie sich im Rahmen der Theorie bewegen und einen bestimmten Plan für einen bestimmten Zeitpunkt noch nicht zur Ausführung vorschlagen. Erst die auf bestimmte Massenarbeitseinstellung an die gesamte Arbeiterschaft Preußens, einzelner Gebietsteile oder Arbeitszwcige gerichtete Aufforde- rung gilt als Unternehmen im Sinne des 8 106, als Anstiftung dazu oder als Aufforderung zur Begehung dieses Verbrechens im Sinne des§ 49a des Strafgesetzbuchs. Da der politische Ausstand ungesetzlich ist, auch wenn er nicht gegen das Parlament, sondern nur gegen die Regierung gerichtet ist. wird diese sich mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln wehren müssen. Die Polizei aber hat dem poli- tischen Ausstand nicht wie dem wirtschaftlichen Gewehr bei Fuß gegenüberzusteben.(?? Red.) Sie hat nicht nur Körperver- letzungen, Sachbeschädigungen. Nötigungen, Verrufserklärungen und andere durch besondere Strafbestimmungen verbotene Hand- lungen zur Bestrafung zu bringen und zu verhindern, sondern hat von vornherein gegen die Ausstandsbewegung Kampfstellung einzunehmen. Als Organ der Regierung ist auch sie in dem Kampf Partei. Ernstlich wird die Sozialdemokratie übrigens gar nicht an den Massenausstand denken. Es ist nur ein so furchtbar dankbares Gebiet zum Verhetzen der Bevölkerung." Soweit der geniale Polizeimann. Als Beweis für den Geist, der die„Staatsorgane" beherrscht, sind diese Auslassungen immer. hin bemerkenswert, wen man sich auch mit der Widerlegung des genialen Polizisten, der eine gewaltige Volksbewegung mit Gesetzes- Paragraphen totschlagen will, nicht aufzuhalten braucht. Tic Gewaltherrschaft des Zentrums in Köln. Seit den, 12. Januar 1912 ist Köln, die Krone des Zentrums. turmes, im Reichstage sozialdemokratisch vertreten. An dieser er» freulichen Tatsache hat die Anmaßung des Zentrums im Kölner Stadtverordnetenkollegium starken Anteil. Unter dem Schutze der öffentlichen Dreiklassenwahl hat die schwarze Partei dort nämlich die große Mehrheit der Sitze. Die Sozialdemo. kratie aber als weitaus stärkste Partei Kölns hat im Rathause nicht einen einzigen Sitz inne. Trotz der Dreiklassenwahl würde es ihr gelingen, die dritte Klasse zu erobern, wenn nicht die angeblich so wahlrechtsfreundliche Zentrums- Partei das elendeste aller Wahlrechte noch durch eine echt lesuitisch« Gaunerei verschlechterte. Die Zenlrumsmehrheit im Rathause zwingt nämlich alle Bürger, die ihr Wahlrecht ausüben w?�en, in einige wenige Wahllokale im Innern der Stadt zu kommen. Was das für eine Stadt mit einem Gebiet von 11743 Hektar bedeutet, ist klar. Von den 86 000 Wählern der dritten Klasse haben die meisten einen Weg von e i n b c S z w e i S t un d e n zum Wahlraume, und es ist sicher, daß vtele sich dadurch ab- halten lassen, abzustimmen. Dazu setzt das Zentrum den Schluß der Wahlzeit auf 8 Uhr abends, am dritten Tage sogar auf 6 Uhr abends fest, so daß es den Angestellten und Arbeitern aus den tvcit entlegenen Vororten gar nicht möglich ist, rechtzeitig am Wahltische zu fem.. Anfang November sind nun wieder Stadtratswahlen in Köln. Wieder hat die Sozioldeinokrane beantragt, daß jener schmähliche Zustand geändert werde. Zchar halte nach der rheinischen Städte» ordnung der Oberbürgermeister das Recht, Remedur zu schaffen, aber die Furcht vor dem schwarzen Schrecken hindert ihn daran. Die ZemrllmSinehrheit hat nun dieser Tage abermals die Errichtung von Wahllokalen in den Vororten abgelehnt: 86 000 Wähler sollen taiizeii, wie das Zentrum pfeift. Mit seltener Offenheit hat das Zentrum diesmal zugestanden, von welchen Gesichtspunkten es Wahl» rechrsfragen löst. Zynisch sagt nämlich der Wortführer der Kleri» iolcn:„Weshalb sollen wir den Zustand ändern? Wir sind doch gut dabei gefahren." DaS fft echte Zentrumspolitik. Eine besondere Ehre. Wieder hatte sich der Staatsanwalt des aus dem D e u h e r Landfricdensbruche bekannten Zeugen Hauptmann ange» nommen, um dessentwillen bereits fünf Verurteilunaen gegen unser Kölner Parteiblatt ergangen sind. Dabei ist Hauptmann ein ge- richtsnotorischer Verbrecher und Zuhälter. Diesmal sollte Genosse M e e r f e l d, wie wir schon neulich berichteten, diesen ehrenwerten Zeugen dadurch beleidigt haben, daß er das Wort Kronzeuge in Gänsefüßchen setzte und eine Stelle in einem Gerichtsbericht durch Fettdruck hervorgehoben hatte. Doch scheint die hohe Behörde in dem großen Kampfe gegen Gänsefüßchen und Fettdruck inzwischen ein Haar gefunden zu haben; mit süßsaurer Miene gab nämlich der Staatsanwalt in der Verhandlung die Anklage wegen der Gänse- füßchen preis; dagegen schätzte er die Ehre seines viclbestraften Schützlings hoch genug ein, um wegen formaler Beleidigung 30 M. Strafe zu beantragen. Das Gericht taxierte die Ehre des Jperrn Hauptmann etwas niedriger und verhängte fünf Mark Strafe. Lbcrbürgermeister v. Schuh als Aufsichtsratsmitglied. Als kürzlich Herr Oberbürgermeister Dr. v. Schuh sein Rück- trittsgesuch einreichte, bemerkte die.Fränkische Tagespost" ironisch, daß Herr v. Schuh sich vielleicht gelegentlich um einen Aufsichtsrats- Posten umsehen werde. Dies wurde rasch zur Wahrheit. Der„aus .Gesundheitsrücksichten" so schleunigst abtretende Herr v. Schuh wurde am letzten Donnerstag in den Aufsichtsrat der Tucherbrauerei A.-G. in Nürnberg gewählt. Die Tucherbrauerei zahlte im letzten Jahre 14 Proz. Dividende. Sie wird Herrn v. Schuh, der nur 19 000 M. Pension bezichen wird, eine anständige Tantieme bezahlen können. Die Tucherbrauerei machte übrigens erst vor kurzem ein größeres Geschäft mit der Stadt Nürnberg; sie verkaufte an diese ein größeres Brauercianwesen, aus dem die Stadt ein großes Bcrwal- tungsgebäudc macht. Ter Exzeh eines Unteroffiziers— ein Gegenstück z« dem Erfurter Schreckensnrteil. Vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt stand am Freitag der Unteroffizier Ernst Ottomar Klinghammer von der 12. Kompagnie des 90. Infanterieregiments in R u d o l- st a d t. angeklagt der Beleidigung, Körperverletzung und des Beharrens im Ungehorsam vor versam» melier Mannschaft— also im militärischen Sinne recht respektabler Straftaten. Aus einem an sich gleichgültigen Anlaß, hatte der Angeklagte Klinghammer mit einer Anzahl anderer Unteroffiziere am 6. August d. I. ein Zechgelage in einem Restaurant in Rudolstadt veranstaltet. Im Laufe des Abends kam es zwischen den Unteroffizieren und den im Lokale an- wesenden Arbeitern zu einem Streite, wobei ein Feldwebel mit erhobener Stimme rief:„Wer das preußische Unter- offizierkorps beleidigt, den werfe ich hinau s." Gegen dieses anmaßende Auftreten des Feldwebels protestierte der Schneider Ewald Müller, wofür ihm von den Unteroffizieren — nach seiner festen Ueberzeugung war es der Angeklagte Kling- Hammen— das Schimpfwort Lausejunge zugerufen wurde. Auf dem Nachhausewege traf Müller den Klinghammer und stellte ihn wegen der Beschimpfung zur Rede. Einige Faust schlüge, so daß das Blut aus Mund und Nase floß, waren die Antwort. Dann lief der Held davon. Vor der Kaserne wurde er von dem Mißhandelten wieder gestellt. Nun aber benahm sich der wackere Vaterlandsvertcidiger wie ein Rasender. Er prügelte so lange in brutalster Weise auf den Wehrlosen ein, bis dieser von dem wachthabenden Gefreiten in eine Arrestzelle gesperrt wurde, um ihn vor weiteren Mißhandlungen zu schützen. Der Gefreite, der als Wachthabender der Vorgesetzte des Angeklagten war, befahl diesem wiederholt vergeblich, die Wache zu verlassen, eS mußte erst ein Offizier geweckt werden, um Ruhe zu stiften. Der Mißhandelte gab vor Gericht an, daß seiner Ueberzeugung nach der Unter- offizier auch daS Seitengewehr gezogen habe. Der Angeklagte be- stritt das, betonte aber, daß er sich von keinem Zivilisten etwas gefallen lasse, denn ein preußischer Unteroffizier trage seine Tressen in Ehren. Vor dem Kriegsgericht wurde der Sachverhalt sc wie hier geschildert. Der Anklagevertreter ist von der Schuld des Angeklagten Klinghammer überzeugt, wenn auch berücksichtigt werden müsse, daß dieser in der Betrunkenheit gehandelt habe. Er beantrage— 45 Tage Gefängnis und 10 M. Geldstrafe. Das U r t e i l fiel über alles Erwarten milde aus: es lautete aus— 30 Mark Geldstrafe. In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende, es sei möglich, daß der Angeklagte den Befehl des wacht- habenden Gefreiten in der Erregung über- hörthabc. Was den Ausgang dieses Prozesses auch für weitere Kreise recht interessant macht, ist die Tatsache, daß sowohl der Vorsitzende wie der Anklagevertreter in der gleichen Eigenschaft in jener denk- würdigen Sitzung am 27. Juni d. I. fungiert haben, in der gegen die sieben Wolkramshausener Reservisten und Landwchrlcute wegen ihrer, auch in der Trunkenheit verübten Vergehen so ent- setzlich hohe Zuchthaus- und Gefängnisstrafen beantragt und ver- hängt wurden. Für Paschawirtschaft— Stubenarrest! Als eine Paschawirtschaft kennzeichnete in einer Ver- Handlung bor den, Kriegsgericht der 11. Gardcdivision der VerHand- lungSführer das Schalte» und Walten eines wegen Soldaten- Mißhandlung angeklagten Unteroffiziers. Beim Ziel- bonkommando in Zossen waren dem Unterosfizier Pohlen von, Königin« Augusta- Gardegrenadierregiment von verschiedenen Earderegimentern Mannschaften zugeteilt worden. Als P. in den Baracken die Betten kontrollierte, war daS Bett des Grenadiers Latzke nicht richtig aufgebaut. Der Unteroffizier versetzte ihm darauf eine Ohrfeige und meinte lachend. L. könne sich nun beschweren, wenn er wolle. Am anderen Tage fragte er den Grenadier, wie lange ihm ein am Rock abgerissener Knopf fehle. Der Gefragte erwiderte:„Seit heute, Herr Unteroffizier!' Kaum � pjxK gesagt, so versetzte ihm der Vor- gesetzle mit den Worten:„Was. Du Schwein, willst mir frech in die Aug�, lügen! Seit gestern fehlt der Knopf!" einen Fußtritt gegen den Oberschenkel. Er befahl dann dem L., abends um acht Uhr mit gewaschener Drillichjacke sich zu melden. Als»ach 8 Uhr L. ohne gewaschene Jacke erschien, ließ ihn der Angeklagte etwa 10 Blinuien lang hin und her laufen und auf und nieder gehen. Sodann befahl er ihm, noch am Abend den ganzen Drillichanzug zu wasche,, und ihn am nächsten Morgen vor- zuzcigen. Der Verhandlungsirj� konnte nicht umhin, daS will- kürliche Verhalten des Unteroffiziers als eine Art Pascha- Wirtschaft zu bezeichnen. Die Anklage gegen Unterosfizier B lautete auf Mißhandlung in' �gen und auf vor- schriftswidrige Behandlung Obwohl nach den Bekun- düngen dcS Grenadiers Latzke sowohl der Schlag ins Gesicht als auch der Fußtritt ihm Schmerzen bereitet hatten, nahm das Kriegsgericht nur vorschriftswidrige Behandlung an und erkannte auf msgesamt fieten Tage Mittrlarrest! Und da soll man glauben, daß der Kampf gegen daS nieder- trächtige System der Soldatenschindereien mit dem erforderlichen Nachdruck geführt werde? Durch solche Strafen für schwere Beleidigungen und Mißhandlungen von Staatsbürgern schreckt man natürlich vor Soldatenmißhandlungeil nicht ab. Im Gegenteil: unter solchen Umständen wird noch mancher Soldatenschinder einem Miß- handelten hohnlachend sagen, daß er sich ja beschlveren könne! Ver japamfeb-eMnertfebe Konfüht Ein japanisches Ultimatum. London, 21. September. Die„Morning Post" meldet aus Schanghai: Der japanische Konsul in Nanking hat alle Japaner aufgefordert, in das'Konsulat zu kommen, wo sie von Maschinengewehren beschützt seien. Wie sich jetzt herausstellt, hat General Changh- suen im Gegensatz zu den früheren Meldungen bis jetzt sich nicht deswegen entschuldigt, daß seine Truppen in de» letzten Gefechten drei Japaner getötet haben. Die„Times" melden aus Peking: Der japanische Gesandte lenkte die Aufmerksamkeit der_ chinesischen Regierung auf die Tatsache, daß sie den japanischen For- dcrungen betreffs des Zwischenfalles in Nanking keine Folge gegeben habe. Der Gesandte erklärte, daß, wenn diese Forderungen nicht binnen drei Tagen erfüllt würden, Japan sich für ermächtigt halten würde, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. Zechn mit Marinesoldaten voll besetzte japanische Kriegsschiffe warten bei Nanking das Ergebnis ab. Englische Kauflcute in China betrachten mit einiger Be- sorgnis die Treibereien in Japan. In den? Aangtsetal rückt eine japanische Abteilung, die 750 Mann stark ist, gegen Hankau vor. Zwiespalt im japanische« Ministerium. Tokio, 27. September.(P. C.) Ueber die Art, wie der Konflikt mit China beizulegen sei, ob auf friedlichem, ob auf kriegerischem Wege, darüber herrscht auch innerhalb des Ministeriums leine Einig- feit. Der Kriegs mini st er tritt, wie daS weit verbreitete Partei- lose Blatt.Chozi" behauptet, dafür ein, China mit bewaffneter Hand zum Nachgeben zu zwingen, während der M i n i st e r des Aeußeren eine Friedenspolitik bevorzugt. Dänemark. Ter Kampf um die Verfaffnugsreform'. Am 13. September trat der dänische Reichstag zusammen. einen Monat früher als sonst üblich. Die radikale Regierung des Herrn Zahle will den Kampf um die Verfassungsreform so schnell als möglich durchkämpfen, und diesen Wunsch teilt sie mit allen wirklichen Freunden der Verfassungsreform. insbesondere mit unseren Genossen, die während der Dauer dieses Kampfes für die parlamentarische Mehrheitsbildung des Ministeriums unerläßlich sind. Der Ministerpräsident hat ausdrücklich erklärt, daß die Verfassungsfrage während dieser Tagung zur Erledigung kommen muß. Und seine erste Tat lvar auch die Einbringung der Verfassungsvorlage in der gleichen Fassung, wie sie von seinem Vorgänger Klaus B e r n t s e n formuliert und zur Annahme in der Zweiten Kammer gebracht worden ist. An der Parteikonstellation hat die Neuwahl nur insofern etwas geändert, daß die Radikalen und die Sozialdemokraten jetzt allein die Mehrheit haben. während die Konservativen zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken sind und auch die Liberalen einige Mandate durch die unzuverlässige Haltung ihres rechten Flügels verloren haben. Die Mehrheit für die Verfassungsreform ist durch die Neuwahlen aber eine noch größere als zuvor. In der Debatte zur ersten Lesung der Regierungsvorlage gab Berntsen als Führer der Liberalen die unzweideutige Erklärung ab. daß er auf dem gleichen Boden steht wie im Vorjahre: die Regierung habe seine volle Unterstützung bei der Durchführung dieser Vorlage, insbesondere soweit sie den Weg der Verhandlung gehe. Entschieden desavouierte Berntsen seinen rechtsliberalen Parteigänger I. � C. Christcnsen, der außerhalb des Parlaments in seinem Blatte neue Reformvorschlägc veröffentlicht hat, die nur den Zweck haben, der Verfassungsrevision Schwee- rigkciten zu bereiten. Berntsen erklärte ruirdweg, daß die Vorschläge des Zeitungsherausgebers Christensen nichts zu tun haben mit der liberalen Partei, deren Vor- sitzender dieser ist. Christensen selbst bestätigte dann, nachdem unser Genosse Borgbjerg und der Ministerpräsident ihn eine Weile hatten Spießruten laufen lassen, daß er sich die Frei- heit vorbehalte, seine Gedanken weiter zu verfolgen, falls er in der Ersten Kammer Anhänger findet. Diese Erklärung veranlaßte Borgbjerg, sofort Ausschußberatung der Vorlage zu beantragen, damit Christensen bereits hier Gelegenheit zur Vertretung seiner abweichenden Meinung fände. Der Ausschuß hat in der Zwischenzeit mit Berntsen als Vorsitzenden getagt. Aber Christcnsen kniff, so daß die Regierungsvorlage ohne Abändcrungsanträge mit 14 gegen 1 Stimme angenommen wurde. Die zweite Lesung im Plenum fand am 23. September statt. Nach kurzen Erklärungen der Parteiführer wurde die Vorlage angenommen. Die dritte Lesung ergab am Sonnabend nach telegraphischer Meldung die Annahme der Vorlage mit 101 gegen 0 Stimmen der Rechten. Sie geht nun an die Erste Kammer, die sie am 7. Oktober zur Verhandlung stellen will. Hier haben die Wahlrochtsgegner eine knappe Mehrheit. Sofern die Erste Kanuner bei ihrer Haltung vom letzten Winter bleibt, wird diese Kammer sofort aufgelöst werden. R-ußlaiid. Ein Ritualmordprozest. Die zarische Verdummungspolitik hat sich jetzt glücklich zu der Schmach erniedrigt, das antisemitische Ritualmordmärchen offiziell anzuerkennen, und läßt gegen«inen armen Juden die Anklage erheben, aus religiösen Gründen einen Christenknabcn ermordet zu haben. Dagegen hat nun eine große Anzahl bekannter tschechischer Persönlichkeiten einen Protest erlassen, der folgendermaßen lautet: In Kiew wurde gegen den jüdischen Kleinbürger Bejlis der fürchterliche Verdacht ausgesprochen, daß er den christlichen Knaben Justschinsky ermordet habe, um sein Blut zu rituellen Zwecken zu verwenden. Seit 2 Jahren schon schmachtet BejliS in der Untersuchungshaft, trotz zahlreicher Versuche ehr- licher russischer Männer, seine Unschuld zu erweisen, von der auch der erste Untersuchngsrichtcr, welcher sich um seine Ent- lassuirg eingesetzt hat, überzeugt ist. Alles vergebens! Die Agi- tation der russischen Reaktionäre bat gesiegt. Die Untersuchung wurde unter dem Einfluß und der Kontrolle der„echten russischen Leute" fortgesetzt, und das Resultat ist: daß gegen Bejlis die Anklage wegen Ritualmordes erhoben wurde. Ter Ritualabcrglaube lebt leider noch jetzt im Volke und wird oft zur fürchterlichsten Waffe in den Händen reaktionärer Kreise. Leider blieb nicht einmal unser Volk trotz seiner großen Tradition von Religtonsfveiheit und Demokratie von dieser sitt- lichen Katastrophe verschont. Die Polnaer Affäre, welche im höh- mischen Volke solche Verheerungen anrichtete, ist noch in lebhafter Erinnerung.— Um so mehr halten wir Söhne des böhmischen Volkes, als Slawen und fortschrittliche Männer, es für unsere Pflicht, im letzten Augenblicke Worte des Protestes zu erheben, gegen den Aberglauben, der alle Gefühle der Menschlichkeit untergräbt.— Bisher hat der Ritualaberglaube sich der den unwissenden Schichten der Bevölkerung erhalten. Die jurnstffchen und theo- logischen Autoritäten aller Nationen haben aber die Grundlosig- keit aller auf die Existenz des Ritualmordes gerichtet«» Behaup- tungen nachgewiesen. In Kiew ist zum erstenmal der Ritual- aberglaube durch die staatliche Autorität gestützt worden. Dort soll zum erstenmal— seit dem Trienter Prozeß— ein Jude durch einen staatlichen Gerichtshof wegen Ritualmordes abgc- urteilt werden. Das Herz stockt bei dem Gedanken, welch unselige Folgen dieser Prozeß für Millionen, ohnehin in größtem Elend und Erniedrigung lebender russischer Juden haben kann.— Wir fürchten, daß der Prozeß Bejlis das Signal zu neuen Pogroms und zu neuem Vergießen unschuldigen Blutes werden wird.— Im Namen der flämischen Humanität, im Lebensinteresse der ungerecht verfolgten russischen Juden protestieren wir dagegen, daß dem fürchterlichen Aberglauben die Unterstützung durch die staatliche Autorität zuteil werde, daß wegen politischer Agitation. aus Rassen- und Glaubenshaß, das Recht vergewaltigt und ein unschuldiger Mensch geopfert werde.— Im Lande der Pogroms, deren Protektor und Nutznießer deö Zar ist, wird freilich auch dieser Protest wie so mancher andere, ungehört verhallen. Und der Ritualmordprozeß wird ebensowenig die jüdische Hochfinanz sBleichröder!) abhalten, mit der Zaren- regierung ihre guten Geschäfte zu machen, wie die Wortführer der tschechischen Bourgeoisie- ihre zarenfreundliche ÄuSlandspolitik fortzusetzen. Sozialed« Betriebsunfall beim Besteigen der Straßenbahn. Ein bei den Leiter.Jndustriewerken in Berlin beschäftigter Arbeiter erhielt von dem Betriebsdirektor den Auftrag, mit der elektrischen Straßenbahn nach der Elßholzstraße zu fahren, um dort einem Kutscher der Firma beim Abladen von Holz behilflich zu sein. Gleichzeitig wurde er von dem Direktor beauftragt, eine Schaufel mitzunehmen, die auf der Abladestelle gebraucht wurde. In Ausführung dieses Auftrages wollte der Arbeiter die elektrische Straßenbahn in der Köpcnicker Straße in Verlin besteigen. Der Wagen befand sich in Bewegung. Er fiel dabei über die mit- genommene Schaufel, wurde zirka drei Meter mitgeschleift und erlitt dabei einen Bruch des rechten Beines. Die Bernfßgenossen- schaft lehnte eS ab, d:n Verletzten für die Unfallfolgen zu ent- schädigen, da er den Unfall durch eine selbstgeschaffene Gefahr erlitten habe. Der gegen den ablehnenden Bescheid eingelegten Berufung gab das Oberversschcrungsamt in Merseburg statt und verurteilte die BernfSgenosscnschaft zur Zahlung der gesetzlichen Rente. In der Begründung heißt es: „Unstreitig befand sich Kläger im Auftrage seines Arbeitgebers auf einem Betriebswege, den er mit der elektrischen Straßenbahn unter Mitnahme einer zu Betriebszwecken notwendigen Schaufel zurücklegen sollte. Er hat dabei den Versuch gemacht, einen im Fahren befindlichen Straßenbahnwagen zu besteigen. Da nun die Entfernung zwisckfcn den beiden in Betracht kommenden Halte- stellen keine große ist, und da die Köpenicker Straße in Berlin, wo der Unfall sich ereignete, zu den verkehrsreichsten Straßen gehört, konnte nicht als erwiesen angesehen werden, daß der Wagen, den Kläger besteigen wollte, an der Unfallstelle in voller Fahrt begriffen war und eine Fahrgeschwindigkeit von 15 Kilo- meter pro Stunde hatte; die verhältnismäßig kurze Entferuung von der verlassenen bis zur nächsten Haltestelle und die Rücksicht auf den starken Fuhrwerksverkehr in jener Straße ermöglichten nicht die Erreichung der vollen Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Stunde, bedingen vielmehr ein langsameres Fahren. Das Oberversicherungsamt hält«S überhaupt nach eigener Sachkenntnis für ausgeschlossen, daß jemand den Versuch machen könnte, auf einen mit der angegebenen vollen Geschwindigkeit fahrenden Wagen aufzuspringen; es nimmt vielmehr an, daß der fragliche Wagen in dem Zeitpunkt und an der Stelle, wo Kläger ihn besteigen wollte, eine tvesentlich geringere Fahrgeschwindigkeit hatte, die an sich sehr wohl ohne besondere Gefahr ein Aufspringen ermög- lichte. Wenn also Kläger einen solchen Versuch machte, und zwar unbestritten im Interesse seines Betriebes, so kann daraus nicht gefolgert werden, daß er sich einer außerhalb des Betriebes liegenden selbstgeschaffenen Gefahr ausgesetzt habe und'dadurch zu Schaden gekommen sei. DaS Oberversicherungsamt hat deshalb nach Lage der Akten für erwiesen erachtet, daß nicht der Versuch des Aufspringens an sich den Unfall herbeigeführt hat, sondern daß Kläger in erster Linie durch die zu Betriebszwccken mitgeführte Schaufel und in- folge der ebenfalls im Betriebsinteresse gebotenen Eile zu Fall gekommen ist. Damit sind die Voraussetzungen eines Betriebs- Unfalles erfüllt und die Beklagte verpflichtet, den Kläger für die Folgen des Unfalles zu entschädigen. Der angefochtene Bescheid war somit aufzuheben."_ Hetzt* JHachricbtcn. Eine Niederlage des Zentrums in Württemberg.- Rottweil, 27. September.(W. T. B.) Bei der heutigen Landtagsersatzwahl wurde im zweiten Wahlgang der liberale Kandidat Müller mit einer Mehrheit von 217 Stimmen gewählt. Das Mandat gehörte bisher dem Zentrum. Die Reckste verfügt infolgedessen in der Zweiten Kammer, wo sie bisher so stark war wie die Linke, nnr noch über 45 Sitze von 92. Mobilisation der Balkanstaaten. Belgrad, 27. September.(P. C.) Gegen mittag verlautet hier, daß Bulgarien mobilisiere. Zwei Divisionen stehen marschbereit. Di« Türkei hat gleichfalls eine Mobilisation angeordnet. Der Abzug der serbischen Truppen nach dem Aufstandsgebiet macht den besten Eindruck. Die Truppen marschieren in Eilmärschen nach Albanien. Der Reiseverkehr ist vollständig aufgehoben. Sämtliche Züge sind von der Militärverwaltung belegt. Albaaesen reiben eine serbische Abteilung auf. Belgrad, 27. September.(P. C.) Große Albanesenbanden griffen heute die serbische Stellung bei Wasjati an. Die ser- bischen Truppen mußten sich vor der Ueberzahl flüchten. Die Albanesen verfolgten die Fliehenden. Die Anzahl der Toten und Schwerverwundcten soll außerordentlich groß sein. Ein Deutscher von persischen Räubern überfallen. Teheran, 27. September. jMeldung des Reuterschen Bureaus.) Wie ein Telegramm aus Meshed berichtet, ist der deutsche Reisende Niedemeyer in der Nähe von Meshed von Räubern völlig aus- geplündert worden. Durchfahrt durch die Panamakanalschleuse. New Aork, 27. September. sP. C.) Der Hochseeschlepper „Gatun" hat beute die schleuse bei Gatun(Columbia) im Panama- kanal ohne Unfall passiert und in der Bucht gleichen Namens Anker geworfen. Die Schleusentore und die Wasscrhebcmaschinen haben sich ausgezeichnet bewährt. Der Herbst® WPl�A ist da! und die Richtung in der sich die neue Mode bewegt, steht außer Zweifel Der„cut-away"- Schnitt gibt ihr die elegante Wirkung Die„durchgeschnittene Passe*«, das ausgesprochen Neuartige. Der neue Aermel„vorne eingesetzt"-„hinten Kimono" verleiht ihr wohlige Behaglichkeit Dazu bedient sich die Mode diesmal ganz besonders schöner Stoffe. Vor allem sind es die warm gefönten Unistoffe mit ihren vielen aparten Nuancen, die in ihren diversen Webarten— diagonal— cotelö— flansch— stark bevorzugt werden, Auch eine äusserst gelungene Kopie der englischen Stoffe, die ihrem Original an Schönheit nichts nachgibt, ist sehr beliebt. Der Favorit aus schöner, warmer Diagonalware, eins Kombination d. mod.Cutaway,d. schick. durehge- nur � schnitt. Passe u. n-.0 des neuenAerm.*./ Astrachan und Krimmer zu schicken Jacken und Paletots verarbeitet, bilden in dieser Saison die„pidce de r6sistance" der eleganten Dame. In Kaum zu überbietender Auswahl und Mannigfaltigkeit finden Sie bei uns das moderne Kleidungsstück zu erstaunlich billigen Preisen, und selbst das Billigste entbehrt nicht der charakteristischen Merkmale der herrschenden Model Kktanto, Redalt.: Alfred Wielepp, NeuZölln. Inseratenteil Verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Truck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. tjeriagsanstaU Paul Singer& Co., Berlin S\V. Hierzu 5 Beilage». Rönigstraße 33 sonntags geschlossen stieße 113 am Bahnhof AlesantforplaU Ar. 253. 30. Iahrglmg. i Stilnjc Ks Jotmärts" Sttlinrt WIKsM Sonntag, 28. Zeptember 1913. Achtung! Krankenkaffeuwahl! Angestellte! Arbeiter! Arbeiterionen! Die Liste der freien Gewerkschaften und Angestellten ist die Nr. i der Zentralverbände. Heute, am Sonntag, den 28. September, von 1t) Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags findet die Wahl zur Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin in folgenden 21 Lokalen statt: für die rechts der Spree wohnenden Versicherten: Englischer Hof, Alexanderstr. 27c. �ranz Scholz, Andreasstr. 21. Comenius-Säle, Memeler Str. 67, Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152. „Elyfium", Landsberger Allee 40/41 �Kleiner Saal). A. Boeker, Weberstt. 17. Siegmund Ffeist, Neue Königstt. 7, 1 Tr. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. E. Jentsch, Brunnenstt. 36. Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Moabiter Gesellschaftshaus, Wicleffstr. 24. Frankes Festsäle, Badstr. 19. Pharus-Säle, Müllerstt. 142. Germania-Säle, Chaufieestt. 110. Für die links der Spree wohnenden Versicherten: C. Augustin, Oranienstr. 103. S. Wendt, Zossener Str. 1. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Etablissement Südost, Waldemarstt. 75. Restaurant Eberlein, Britzer Str. 22. Allgemeine Ortskrankenkasse, Köpenicker Str. 80/82, Viktoria-Brauerei, Lützowstr. 111/112. Versäume niemand, fein Wahlrecht auszuüben. Die Kässeulokale sind de» ganzen Tag geöffnet. Der Husfchiiß der Gewerkfcbaftshomirurfioii Berlins und Umgegend. GewerhrcbaftUcbes. Berlin und Qmgcgcnd. An die organisierte Arbeiterschaft! Wieder ist der Termin herangekommen, an dem Tausende von Arbeiterkindern die Schule verlassen und in da? Handels- g e w e r b e eintreten, um den Beruf des Handlungsgehilfen zu er- lernen. Andere haben ihre Lehrzeit beendet und wollen nun die Früchte dieser Lehrzeit in Gestalt besserer Entlohnung und geregelter Arbeitszeit ernten. Nur zu bald aber werden sie bemerken, daß ihre Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen, daß vielmehr sowohl die Arbeitszeit als auch die Entlohnung, sogar vielfach die Behandlung außerordentlich zu wünschen übrig lassen. Dazu kommt, daß in der jetzigen Zeit des beginnenden wirtschaftlichen Niederganges viele von ihnen der Arbeitslosigkeit anheimfallen werden. Das alles wird ihnen Veranlassung geben müssen, über die Ursachen dieser Erscheinungen nachzudenken und über Mittel und Wege nachzusinnen, wie diesen Uebelständen zu steuern ist. Da wäre es Pflicht der Arbeiter- eitern, die den Weg auS eigener Erfahrung kennen, ihre Sinder auf die gewerkschaftliche Organisation, den Zentral- verband der Handlungsgehilfen, hinzuweisen, der e« sich zur Aufgabe gemacht hat. durch gewerkschaftlichen Kampf die wirtschaftliche Lage der Handlungsgehilfen zu verbeffern. Diese Befferung kann aber in um so höherem Maße erreicht werden, je mehr sich die Gehilfen beiderlei Geschlechts der gewerkschaftlichen Organisation anschließen. Daher ersuchen wir die organisierte Arbeiterschaft, ihre im Handels� gewerbe als Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen tätigen Kinder auf den Zentralverband der Handlungsgehilfen aufmerksam zu machen und zum Anschluß an ihn zu veranlassen, Nähere Auskunft erteilt das Ortsbureau: Münzstraße 20, H Telephon: Königstadt 1622._ Eine freie Gewerkschaft der Privatangestellten? Wir erhalten folgende Zuschrift: .Ter.Borwärls'bericht vom 26. d. MtS. über die Versammlung deS Verbandes der Bureauangestellten vom 24. d. Mts. läßt mich sagen, daß ich eine Gefahr sehe in dem vom Zentralverband der Handlungsgehilfen angeblich beliebten Kokettieren mit der Sozial- demokralie. Das ist nicht richtig. Ich habe gesagt, daß das Kokettieren des Zcutralverbandcs mit dem Gedanken der sozialdemo- kralischen Gewerkschaft nicht die Taktik sei, mit der man in der Agitation unter den Privatangestellien vorwärts komme. H. Lehmann/ /. Uhr: Der Elebeannbel. IVIetilililil IlisÄsi Nachm. 3 Uhr: 's HuHvpI. Abends 7 Uhr 55 präzise; BilM Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung deS Jules Verne'fchen Romane» von Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Richard Schultz. Guido ThielseliBF. Alfred Setunasow. Leopold WolL Ludwig Wolf. Helene Ballol. Idaüusska. J.de Lande. Neu! Von 9—1 Uhr: Neu! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. X Kapellen. frankes festsäle Badstr. 19. Heute; Leipziger Sänger sowie Konzert und Ball. Beginn der Vorstellung 7 Uhr. Eintritt 30 und 39 Ps._ Passage-Panoptikam Der Mann mit der eisernen Faust d.größt. Kraftphän. aller Zeiten lebend zu sehen I AGA die schwebende Jungfrau. Buddha die geheimnisvolle Tafel. Alles ohne Extra-Entree! Reiebsbailen-Tbeater Slelhr Säipr Heute nachm. 3 Uhr (zu ermäßigten Preisen): ..�HztomiH SfloneiistiEir Logen 1 M., Entree 39 Pf. Neu!.Alarm. Balkon 75 Abends 8 Uhr: V oigt- Theater Badstrahe 58. Heute SoMntag, den 28. Sept.: Nachm. 3 U.: Nohliäler d. Menschheit. Mds. 7 uhr: Die Mönche im I>1onnenki0ster. Lustspiel m 3 Alien von Wittmann. Kafseneröffn. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. nm Brauerei Friedrichshain ma Am Köuigstur. Oek.: Ernst Eleblnx. Dienstag, den 39. September, abends 8>/, Uhr: Dopnläres Konzert des Blüthner-Orchester(60�») und des Männerchors fioble-veorginis 1379'MZ.LZ Dirigent für Chor und Orchester Tb. Gervais. Abendkasse 75 Pf.. Billetts im Vorverkauf a 30 Pf. sind bei den ,Vorwäris--SpediIeurcn Zucht. Jmmanuelkirchstraßc 12 und Hanisch, Ackerstr. 174, bei den BeretuSmitgliedern und in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. ■■ fc Mauerstraßfl 82.— i :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstraüe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Musikkorps des t. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.: Dberm. Baarz. Musikkorps Kalser-Franz-Garde-Grenad.-Regts. Dirig. Oberm. A. Becker. Anfang 4'/, Uhr. Eintritt 5» PI Anfang 41/, Uhr. wJbÄ»: Cr. Mactimillags-Ionierl bei freiem Eintritt. ii Volkshaus Charlottenburg|| ( l Heute Sonntag in den beiden neu renovierten Sälen: iivssf Frei-Konzert.. Nißle8 Pestsäle Dennewihstrafze 13. Fernsprecher: Kursürst 2994. Jeden Donnerstag und Sonntag: Groller«all. Die Säle sind noch sör Bußtag, Totensoimtag, 1. Weihnachtsseiertag und Sonnabend, 29. November, S. und 13. Dezember s r e i I 2291b' Zirkus Busch Heute Sonntag, 28. September l ßroße Gala-Mllimpii l nachm. S1/. Uhr, abends 71/, Uhr. Nachm. hat jed. Erwachsene das Recht, ein angehör. Kind unter iv Jahren aus all. Sitzplätzen frei einzuführen. Jed. weit. Kind unt 10 Jahren zahlt die Hälfte aus den Sitzplätzen" Nachm. 3>/, Uhr: Besondere Jngend-Vorstellung. U. a.: Briant, Mensch oder Puppe? Kajpt. Wall mit seinen Alligatoren. Ausneahl der besten kern. Entrees der Clows Gebr. Fratellini und des Zwergclcwns Franpois. R. Weise mit seinen Wunderbaren. Zum Schluß auf vielseit. Wunsch die pantomimiftisch. BurleSke: Der Dorfbarbier sowie zum 1. Mal: Schneider Elps, komisches Manegeschaustück, dargestellt von sämtlichen Clowns d. Gesellschaft. Abends 7'/, Ehr: ins uoseren Kolonien Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Einzig. Barietstheat. I.Ranges. Neu I der phänomenale Jules Cheroy. Magcagno Truppe. Der rote Domino. Der Aktien-Tenor oder Caruso auf Teilung. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree. Admlralspalast. Eis- Arena Heute Sonntag 2 Vorstellungen 2 Das sensationelle Eis-Ballett Fürt in Sl. Moritz. Beg. d. Naclim.-Yorst.(s. halb. Preisen) um 41/, Uhr. Beginn der Abend-Vorstellung'/,9Ubr. Ab 19'/, ühr halbe Preise. — Erstklassige Küche.— Wein- n. Hier Abteil._ Berliner Praier-Tbeater 7—9 Kastanien. Allee 7—9. Mein Leopold. Volksstück mit Gesang m 3 Alten von A. L'Arronge. Ansang 8 Uhr. Ät Gr. Ball. Polles Gaprice. Anfang S'/. Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißg/eburt Tolkstbeater Neukölln Hermannstraste 29. Sonntag. 28. 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Torstellnngcn A nachni.3Vsn.abds.7VjU.~ In beiden Yorstellungon; lO Bengalische lO KSnigstigsr Die boxenden Katzen Die boxenden Hnnde RoUschublauf. Affen 8 akrob. russ. Bären 8 lO Euftvoltigeure lO und weitere 12 Attraktionen. Nachm. hat jeder Erwachsene 1 Kind unter 10 Jahren frei auf allen Sitzplätzen. Alhambra Wallner-Theater-Straste 15. Großer Ball. Jeden Sonntag: Großes Orchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Inh.: M. Wendt& A. Schütze. 64 Andreasstr. 64. Jeden Sonntag; Üitar-Slreicliteert ausgeführt von der Kapelle d. Garde- Pioniere unt Leitung des kgl. Oder- musikmstr. R. Kühle. Hoffmanns Sänger. Jede Woche neues Programm. nfang des Konzerts 6 Uhr, der VorsteUung 7 Uhr. Im oberen Saale von 6 ühr an: Großer BALL. Kord-�alast Inh. Kart Hampel. Frnsp. Moabit 7230. CSsliner Str. 8 Jed.©onntg.: Gr. Ball. Der herrliche 800 Pers. saffende Festsaal m. groß.Theaterbübne ist Sonnabends und Toten- sonntag für Vereine noch frei. 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Der zum Beschluß erhobene Antrag der Be- schwerdekommission lautet: „Perjonen, die aus einer dem Internationalen Sozialisti- schen Bureau angeschlossenen Bruderpartei wegen ehrloser Hand- lungen ausgeschlossen worden sind, können in der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands ohne Zustimmung der Partei, die den Ausschluß vollzogen hat, die Mitgliedschaft nicht erwerben." Der Parteitag beschloß mit großer Mehrheit auf Antrag der Weschwerdekommission weiter, daß dieser Antrag auf den Fall öiadek Anwendung findet. Damit war der Fall Radek erledigt. Der später angenommen« Antrag 115 hat lediglich die Be- deutung, daß die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie im Internationalen Sozialistischen Bureau den Auftrag haben, für «ine allgemeine Regelung des Ausnahmeverfahrcns der aus einer Bruderpartei Ausgeschlossenen zu wirken, wobei auch die Frage der Rechtsgaranticn geprüft werden soll. Das ist m i t Z u st i m m u n g des Parteitags in einer Erklärung des Vorsitzenden, Genossen Ebert, festgestellt worden, die folgenden Wortlaut hat: «Ich habe hier eine Mitteilung zu machen, die die Erledi- gung des Antrags 115 betrifft. Es sind nach Annahme dieses Antrags mehrfach Anfragen an mich und au das Bureau ge- richtet worden, wie dieser Antrag aufgefaßt werden soll. Im Einvernehmen mit dem Genossen Liebknecht kann ich erklären: es ist außer Zweifel, daß durch die Annahme des Antrags 115 die Vertreter der deutschen Partei im Internationalen Soziali- ftischen Bureau dahin wirken sollen, daß die Frage, die für Deutschland durch die Annahme des An- trags der Beschwerdekommission zunächst er- ledigt ist, eine internationale Regelung findet." �. Die in der Parteipresse bei Besprechung des Falles Rädel auf- gestellte Behauptung, daß mit der Annahme des Antrags der Be- schwerdekommission ein Gesetz mit rückwirkender Kraft geschaffen worden sei, ist hinfällig, denn eS handelt sich einfach darum, daß der Chemnitzer Parteitag nach dem Bericht feiner Beschwerdekommission den Bremer Protest gegen die Aufnahme Radets dem Partcivor- stand überwiesen hatte, der gleichzeitig prüfen sollte, ob ein von einer ausländischen Organisation ausgeschlossener Genosse ohne weiteres aufgenommen werden kann oder ob die Möglichkeit der Nachprüfung des Urteils besteht. Der Parteivorstand hat den Auf- trag des Chemnitzer Parteitages erfüllt, und der Parteitag hat den zur Erledigung dieses Auftrags gestellten Antrag 45 mit dem Amendement Beims zum Beschluß erhoben. Damit ist diese Organisationsfrag« für die deutsche Partei erledigt. Die Organisationen zum Parteitag. Mit den Beschlüssen des Parteitages beschäftigten sich am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Parteiversammluugen in Königshütte, Gleiwitz und Beuthen. In allen Ber- sammlungen erstattete der gemeinsame Delegierte aller ober- schlcsischen Wahlkreis«, Genosse H ö r r i n g»Beuthen, den Bericht, wobei er insbesondere auf den vom Parteitag angenommenen An- trag detreffend die Auflösung der P. P. S. als selbständige Parte!- organisation hinwies. Er gab dabei der Meinung Ausdruck, daß die Mehrzahl der Mitglieder der P. P. S. als zielbewußte Sozial- demokraten sich nicht als Separatisten außerhalb der Partei stellen werden, zumal es das Bestreben der deutschen Genossen in Ober- schlesien iei, für die p o l n i s ch e n G e n o s s e n d a S p o I n i sch e Wort und die polnische Schrift in den Vorder- g r n n d zu stellen. In allen Versammlungen erklärten sich alle Diskussionsredner mit den auf dem Parteitage gefaßten Beschlüssen einverstanden. Auch in der Frage der P. P. S. herrschte vollkommene Ein- m ü t i g k e i t. Mit dem Jenaer Parteitag und die dort gefaßten Beschlüsse beschäftigte sich eine gut besuchte Versammlung des sozialdemo- kratischen Vereins Breslau. Nach der Berichterstattung durch die Genossen Darf und Z i e g le r und Genossen K u r tz er folgte eine längere Diskussion. Mit wenigen Ausnahmen fanden die Be- schlüsse volle Billigung. Von den Gegnern wurde behauptet, daß sich die Fraktion mit der Bewilligung der Deckungsfragc auf eine schiefe Ebene begeben habe. Mit etwa 600 gegen 4 Stimmen wurde folgende Resolution angenommen:.. „Die BreSlauer Parteiversammlung erklärt sich nnt den Arbeiten des Jenaer Parteitages einverstanden und billigt ins- besondere seine Beschlüsse in der Deckungsfrage und in der Massenstreikfraac." Eine zweite Resolution, die zum Ausdruck bringen sollte, daß die Breslauer Delegierten auf dem Parteitage in Jena nach bester Ueberzeugung die Breslauer Genossen vertreten haben, wurde mit Rücksicht auf die Haltung eines Delegierten, der für die Resolution Luxemburg und gegen die Haltung der Fraktion stimmte, mit überaus großer Mehrheit abgelehnt. » Der sozialdemokratische Wahlverein für den 8. Hannover- schen Wahlkreis(H a n n o v e r- L i n d e n) nahm am Miti- tvochabend in einer stark besuchten Mitgliederversammlung den Bericht über den Parteitag entgegen. Die Berichterstatter, Arbeiter- sekretär Chr. Schräder und Parteisekretär Lau, betonten, daß in den Fragen de� Massenstreiks und der S t e u e r b e» willigung durch die Reichstagsfraktion das Urteil des Partei- tags mit der Haltung übereingestimmt habe, die die hannoverschen Genossen vor dem Parteitage eingenommen hätten. Was die Maifeier anbetreffe, so könne nicht geleugnet werden, daß die Partei der Frage, wie die Maifeier anders zu gestalten sei, auf die Dauer nicht aus dem Wege gehen könne.— In der folgenden lebhaften Debatte wurde u. a. vom Genossen Handtmann darauf hingewiesen, daß die in den Abstimmungen über die Massen- streik- und die Steuerbewilligungsfrage zutage getretenen starken Minoritäten zu denken geben. Im Gegensatz hierzu nannte Genosse A n d r e e es ein erfreuliches Zeichen, daß nicht immer ein ein- stimmiges Abstimmungsergebnis zu verzeichnen sei._ Hinsichtlich der Erledigung der Massenstreik- und Steucrbewilllgungsfrage könne man nicht von einem Siege des Revisionismus reden, son» dern es handle sich um einen Sieg des sozialdemokratischen Prinzips. Genosse Prüll, ReichLtagsabgeordneter Genosse Gustav Fischer sowie Genosse L e i n e r t waren derselben Ansicht. Ge- nosse Fischer erwartete im übrigen, daß im nächsten Jahre die hannoverschen Delegierten einen entsprechenden Antrag auf Aen- derung der Maifeier stellen würden. Im Schlußwort konnte der Vorsitzende feststellen, daß der Verlauf der Debatte die Zustimmung zu der Haltung der hannoverschen Delegierten ergeben hat. » In einer gut besuchten Parteiversammlung für Dresden- A l t st a d t wurde von den Delegierten und den Debatterednern mit einer einzigen Ausnahme der Freude über den guten Verlauf Ausdruck verliehen. Man erklärte sich mit den Beschlüssen und der Behandlung der wichtigsten Fragen einverstanden. Nur die Erledigung der Maifeierfrage befriedigte nicht. Wenn nicht ein- mal die Abführung des MaifeierbeitragS zu erreichen fei, dann fei eS schon besser, die Maifeier ganz aufzuheben. Sind er- mann polemisierte in der Massenstreikfrage gegen die Genossin Luxemburg, die nicht im wirklichen Leben stehe, wenn sie behaupte, die Unorganisierten würden mitgerissen, wenn der Massenstreik proklamiert werde. Auch mit der Behandlung der Steuerfrage sei er einverstanden. Wenn im Wahlkampfe in DreSden-Rcustadt unsere Redner für die Ablehnung der direkten Steuern eintreten wollten, würden sie die Arbeiter vom Podium herunterholen. Die indirekte Besteuerung müsse mit dem Erstarken der Partei durch die direkte ersetzt, die geschaffenen Mittel für soziale Aufgaben der- wendet und auch der Verwendungszweck bestimmt werden. Genosse Beger meinte, es sei angesichts des Verlangens der breiten Massen nach stärkeren Mitteln dringend nötig, die ganze Stoßkraft der Partei auf Massenaktionen zu verlegen. Wenn alle so arm wären an Idealen, wie der Genosse Bauer, dann wäre es kleines Feuilleton. Kaserncnhygieiie. Der Verein zur Erregung europäischer Zwistig- keiten, vulgo Wehrverein, gibt ein Blättchen heraus. Lehrreich immerhin... Da berichtet zum Beispiel einer über die preußischen Kasernen. Nein, wirklich, diese Notiz ist keinem Parteiblatt entnommen, sie stand wirklich in der„Wehr", so heißt das Papier. Ein schärfere« Urteil über die hygienisch-miserable Einrichtung dieser unmodernen Häuser kann nicht gefällt werden. Warum, fragt der Schreiber, werden heute noch Kasernen ohne Wasserleitung gebaut?— Da empfindet selbst der freudigste Soldat das Wassertragen als eine Schinderei. Warum, fragt der Schreiber, wird noch immer soviel an alten Uniformen herumgeflickl? Das ist unnötig, spart kein Geld, weil eS zuviel kostbare Zeit kostet, und erbittert die Gemüter. Warum, fragt der Schreiber, gibt es noch überall in den Kasernen Ungeziefer?— Weil man keinen Beton mit Linoleumbelag hat, weil man noch Scheuerleisten hat, die un- praktisch sind.... „Ja, wer spricht denn da?— Ein Genosse?— Ein Rebell?— DaS werden wir sehen. Aber hat er nicht recht?— Reißen nicht die Helden den Mund auf und' preisen das Soldatenlcben, ohne die einfachsten Regeln der Sauberkeit und der gesunden Lüftung zu be- folgen?—- Sieben schlafen in einer Stube,— und dann sind es nicht einmal viel— und die Luft ist zum Durchschneiden und die Lazarette taugen nichts. Aber weiß denn der Schreiber nicht, daß hier nichts um seiner selbst willen geichieht?— Daß alles nur den einen Zweck hat, den Eigenwillen zu tvten{— Daß der Mann nichts, und der Vorgesetzte alles ist?— Er sollte es wissen. Denn der, der ausnahmsweise einmal die Wahrheit über preußisch« Kasernenschmutzereien sagte, ist ein Stabsarzt. Aber ein anonymer!— Und daß ein Militär nicht einmal offen die Wahrheit sagen darf, weil man ihn sonst einsteckt, das zeigt so recht diese Gesellschaft in bengaliichem Licht. Muß noch pggx Seiten später im Blättchen stehen, daß man dem Vorw-w'Sschreiber, der das Sedansest verspottete, da« Blut aus den Fingern heraushauen sollte, daß es ihm in die Augen spritzt?— Wörtlich. Aber wir wußten längst, daß diese verabschiedeten Majore an unterdrücktem Sadtsinus leiden. Und es muß ja auch nicht angenehm sein, erst über tausend Leute brüllend befehlen zu dürfen, die schweigend gehorchen mußten, weil sie einen bunten Rock trugen, und weil der Vorgeietzte vor ihnen und das Zuchthaus hinter ihnen stand, und nun?— Nun ist man pensioniert, inemand. nicht einmal der Bäckerjunge hört mehr, wenn man flucht, und die große Welt ist durchaus kein Kasemcnhof. Sondern ein Arbeitsfeld. Und da machen Unter- und Oberoffiziere allerdings immer Fiasko. Gottbegnadeter Kitsch. Ueber Herrn Limans lippische Ordens- erfolge wurde schon berichtet. Es muß aber noch nachgetragen werden, wie der jahrmarktende Schreibjoivgix„r Hein« Hoheit den Fürsten durch Literatur amüsierte. Der ldurchlauchtige Krön- anzeiger jauchzt über die Matinee, die der Deutsch« Schriftsteller- verband(nicht zu verwechseln mit deni sachlich und auf gewerk- schaftlicher Grundlage arbeitenden Schutzverband Deutscher Schrift« steller) den begeisterten Detmoldcrn servierte. Es wäre ein Jammer, wenn solche sagenhafte Schleimproduktion eines tintigen Reptils spurlos verloren ging«. So öffne man also die Nase: „Von 11% Uhr sprangen die Wasserkünste im fürstlichen Palais- garten und um 11% Uhr begann die Matinee... Dr. Liman entpuppte sich dabei als ein ganz vorzüglicher Konferencicr, der die einzelnen Dichter ganz vorzüglich auf die Bretter stellte... Otto Ernst plauderte von seinem„Appclschnutt" in so herziger und drolliger Weise, daß beinahe kein Auge trocken blieb... Klara Blüthgen, ebenso wie die beiden Herren mit lebhaftem Applaus empfangen, führte dem Publikum den unwiderstehlichen Kurt vor... Eine Abwechselung in das rein dichterische Pro- gramm kam, als Dr. Lima» die Kgl. Hofopernsängerin Frau Hemtz« auf die Bühne geleitete. Drei Lieder sang die gottbegnadete Sängerin... Eine liebe Bekannte der Frauenwelt, Hermione v. Preuschen trug einige ihrer Gedichte vor, die in ihrer Eigenart wirkten, und dann kam der Rideamus mit seiner Frühlingsballade. die zwerchfellerschütternd wirkte. Mit der ganzen Persönlichkeit des Dichters schon fiel ein Strahl goldenen Humors auf die Bretter. Zu köstlich, diese frohen Hoffnungen eines werdenden Papas... Mit der Matinee der Schriftsteller ist etwas an dem Dctmoldcr Publikum vorübergerauscht, das unvergessen sein wird. Habt Dank daher: alle, alle, die Ihr uns ein Stückchen gottbegnadeten Erden- ldaseins hören ließet." Paul Liman, Otto Ernst, die Blüthgcns, die preuschcsche Her- mione: ein unerreichbares Ragout hörbaren Erdendaseins. Es mutz etwas wie einen Magnetismus des Kitsches geben. Der Teller-Philoioph. Er tritt augenblicklich jeden Abend im ..Apollo-Thcater" auf. Zwischen Films, die langweilig und Varietenummern, die ganz hübsch sind. Der Vorhang geht auf und eine dralle Hausfrau in weißer Schürze stellt sich bor einen Serviertisch und jongliert ein wenig mit Tellern und Apfelsinen. Man kennt das. Dann kommt Er. Er rutscht aus einer Seitenkulisse herein und hat einen Lohn- dienerfrack an mit viel zu weiten Hosen und viel zu großen weißen Handschuhen und einer riesigen weißen Halsbinde. Und er steht da und sieht mit seinen rotgeränderten Augen traurig und vcr- wundert dem Treiben dieser, seiner Frau, zu. Noch hat ihn da? Getriebe nicht ergriffen, noch bückt er sich, wenn ein Teller auf ihn zufliegt, noch beteiligt er sich nicht. Aber in seinen Mienen ist die Ähnung des kommenden Unheils. Ein Teller fliegt durch die Lrft. Baggesen fängt ihn auf. Aber das Auffangen ist durchaus keine so einfache Sache. Der Schwung des bösartigen Tellers reißt den hilflosen Mann noch ein Stückchen fort. Tann verliert er die Gewalt über das Pot- zellanticr, der Teller fällt und zerbricht. Das weckt seinen Ehrgeiz und er versucht sich im Jonglieren. Wir haben schon viel groteske Jongleure gesehen, die vorspiegelten, sie verständen von ihrem Fache nichts. Aber noch nie einen so traurigen Philosophen, der uns zeigt, wie groß die Tücke des Objekts und wie Nein die Macht des Menschen ist. Die Teller fallen und zerbrechen; da ist nichts zu machen. Und was macht er nicht alles?— Als ein riesiger Stoß Teller rebellisch wird, weil ein Kollege nebenan zerbricht, legt er sich mit der ganzen Porzellangeselllchaft auf den Boden, weil es da am sichersten ist. Und erhebt sich todestraurig und verflicht, den Stoß auf den Tisch zu stellen. Wie Baggesen da oben klebt, traurig, verständnislos, über das rohe Lachen seiner Umgebung— das muß man sehen, um die ganze Tiefe einer philosophischen Auffassung verstehen zu können, die uns die menschliche Ohnmacht erst ganz, begreifen läßt. Dazwischen hackt und backt ein Stück Fliegenpapier- an den weißen Handschuhfingern, an der Weste, am Aerniel, auf der Kehrseite... und bewahrt dem Meister eine traurige Anhänglich- keit, die er mit lächelnder Großmut und Tränen in den rotgeän- dertcn Augen hinnimmt. Auch das noch, auch daS nochl Seht Euch diesen großen Komiker, diesen großen Jongleur und diesen kleinen Menschen an! Es lohnt sich! tu. Notizen. — Theaterchronik. Im D e u t s ch e n T h e a t e r bringt der Spielplan Sonnabend„Faust II."(Faust: Ed. v. Winterstein. MephistopheleS: Alb. Bassermann, Helena: Elfe Heims).— In den K a m m e r s p i e l e n des Deutschen Theaters sind für heute und morgen die letzten Aufführungen von„Franziska"(Gastspiel Wede- kind) angesetzt. Mittwoch folgt die Erstaufführung des Lustspiels „Die goldenen Palmen".— Frau Elisabeth B o e h m van Endert singt am Montag zum ersten Mal die Partie der Marie im„Waffenschmied" im Deutschen Opernhause zu Charlottcnburg.— Im Kgl. Oper»Hause wird heute Saint« SasnS„Samson und Dalila" zum 100. Male aufgeführt. Erstmals wurde das Werk 1901 aufgeführt. Die übernächste Vorstellung wird der Komponist selbst dirigieren.— Das von den Veretnigten Berliner Volksbühnen erlassene Preisausschreiben zur Er- langung eines Berliner VandevilleS ist jetzt geschlossen. DaS Ergebnis wird der Oeffentlichkeit in nächster Zeit bekannt gegeben. — K ll n st ch r o n i k. Im K u n st s a l o n Paul Ca s sirer ist die SommcrauSstelluiig geschlossen worden. Eine neue Aus- stellung wird heute mittag um 12 Uhr eröffnet. Sie enthält u. a. eine Sammlung von Bildern von Karl Steffeck(1880—1890). — AuS der Vergangenheit der Erde. Privatdozent Dr. Edwin Hennig spricht in der Humboldt-Akademie zum erstenmal über die geologischen Epochen der Vorzeit, ihre Tier- und Pflanzen- Welt. Lehrstätte Jnvalidenstr. 48, Hörsaal des Geolog.-paläontolog. Institutes im Museum für Naturkunde, Donnerstags 8— 9, Beginn 9. Oktober. — Das Goethe-Denkmal für Chikago. Das für Chikago bestimmte, von dem Münchener Hermann Hahn geschaffene Goethe-Denkmal ist nunmehr vollendet. Das Ausschreiben forderte keine Porträtsta-ue, sondern ein dem Genius und der Bedeutung Goethes entspreöhendeS Kunstwerk. Hahn schuf eine, nur mit leichtem Ueber- Wurf bekleidete Jllnglingsfigur, deren rechter Fuß sich auf einen Felsblock stützt. Aus dem Knie hat sich ein Adler niedergelassen, der mit stolzer Ruhe in die Ferne schaut. mit der Bewegung schlimm desielld. Tie Zeit werde sicher kommen, in der von der schärfsten Waffe Gebrauch gemacht werden müsse. Bis dahin müßte die Frage des Massenstreiks genügend ventiliert sein. Er stehe auf dem Boden der Minderheit des Parteitages und werde alles tun, um dieser Richtung Einfluß zu verschaffen. Gradnaner begrüßt es lebhaft, daß sich auf dem ersten Partei- tag nach Bebels Tode nicht Selbstzerfleischung und persönlicher Ehrgeiz gezeigt habe, sondern ein würdiges Schauspiel geboten wurde. Tie Genossin Luxemburg habe eine gedämpfte Resolu- tion vorgelegt. Wenn sie nicht so vorsichtig gewesen wäre, wären viel weniger Stimmen auf ihre Resolution gefallen. Gerade die- jenigen, die am wenigsten mit den Massen in Berührung kommen, wollten diesen die Taktik angeben. Das sei ein ungesundes Ver- hältnis.(Zustimmung.) Die Rede Bauers sei allerdings nüchtern gewesen. Aber die Wirklichkeit sei eben nun einmal prosaisch. Die Steuerpolitik der Partei ermögliche für die Zukunft gutes Weiter- arbeiten. Man setze die Massenaktion in Gegensatz zum Parlamen- tarismus und doch sei die ganze Parteipolitik in der Masse be- gründet. Das Erfreuliche am Parteitag sei die Klärung verschiede- ner Fragen, die er gebracht. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Der Vorsitzende stellte aber ohne Widerspruch das Einverständnis mit den Arbeiten des Partei- tages fest. Em Induftne und F)andeL Fiskus und Kohlensyndikat. Wie die„Frankfurter Ztg." meldet, sollen die Verhandlungen wegen Verlängerung des rheinisch-west- fälischen Kohlenshndikats am 20. Oktober wieder aufgenommen werden. Die anderweitigen Nachrichten, daß in der Zwischenzeit zwischen dem preußischen Fiskus und dem Kohlensyndikat ein Ein- Verständnis über den Beitritt des elfteren zu dem Syndikat erzielt worden sei, und in Zusammenhang damit die Absicht bestehe, von feiten des Konsortiums die gesamten Hiberniaaktien an den Staat auszuliefern, werden von maßgebender Seite für unrichtig erklärt. Aendcrung des belgischen Aktienrechts. Für internationale nnd nicht selten auch für nicht ganz saubere Gründung war bisher die belgische Societe anonyme die bequemste Form, um über Finanz- Verhältnisse und Geschäfte der Oeffentlichkeit nicht allzuviel mit- teilen zu müssen. Außerdem gab das belgische Aktienrecht mit seiner Bestimmung, daß nur der zehnte Teil des Aktienkapitals ein- gezahlt zu sein brauchte, die manchen Aktiengesellschaften sehr er- wünschte Gelegenheit, unvorsichtige Leute recht gründlich über die Ohren zu hauen. Die Klagen darüber mehrten sich von Jahr zu Jahr; sie haben die belgische Regierung endlich veranlaßt, eine Reihe Reformen durchzuführen. Wichtig ist die Bestimmung, daß das Aktienkapital bei der Gründung in Zukunft mindestens zu �(bisher zu Vi») eingezahlt sein mutz. In Verbindung damit sind die Bestimmungen über die Veröffentlichungen verschärft worden. All- jährlich müssen veröffentlicht werden: die Bilanz und das Gewinn- und Verlustkonto über das verflossene Geschäftsjahr, das Verzeich- nis aller Aktionäre, welche den Betrag ihrer Aktien noch nicht voll eingezahlt haben, jede Satzungsänderung sowie die Ernennung neuer Kommissare und Administratoren. Die Ausgabe und der öffent- liche Verkauf von Aktien dürfen erst erfolgen, wenn im„Moniteur belge" seine Bekanntmachung veröffentlicht ist, über deren Inhalt genaue Vorschriften bestehen. Vorher können die Aktien auch nicht zur Börse zugelassen oder sonstwie feilgeboten werden. Die Be- stimmungen für die Verwaltung der.Gesellschaften sind gleichfalls verschärft worden. Ein beliebtes Schwindelmanöver war bisher oft mit der Aus- gäbe von Obligationen verbunden. Es wurden Schuldver- schreibungen ausgegeben, deren Höhe zu dem nominellen Aktienkapital in einem guten zu der zehnprozentigen Einzahlung des Aktienkapitals aber in einem um so schlechteren Verhältnis stkkyd. Dem ist jetzt ein Ende gemacht worden. Schuldverschreibun- gen dürfen in Zukunft erst dann ausgegeben werden, wenn be- stimmte Veröffentlichungen, ähnlich denen für Aktienausgaben, vor- hergegangen sind. Die Inhaber von Schuldverschreibungen erhalten das Recht, ebenso wie die Aktionäre, außer von der Bilanz, von dem Gewinn- und Verlustkonto und von dem Verzeichnis der Werte, die das Portefeuille der Gesellschaft bilden, Einsicht zu nehmen. Reu eingeführt ist eine Generalversammlung der Inhaber von Schuldverschreibungen, die einberufen werden mutz, wenn die Be- sitzer von einem Fünftel der in Umlauf befindlichen Schuld- verschreibungen es verlangen. Das neue Gesetz wird die Möglichkeit bieten, den schlimmsten Auswüchsen und den ärgsten Schwindeleien zu Leibe zu gehen. Ob das freilich mit der nötigen Entschiedenheit geschehen wird, ist fraglich. Die B. E. W. als Neberlandzentrale. Die Bildung von Ueber- landzentralen wird überall da befördert, wo die natürlichen Ver- Hältnisse die Anlage von billig arbeitenden Kraftquellen gestatten. An Flutzläufen mit ausreichend starkem Gefälle entstehen daher am leichtesten große Elektrizitätswerke, die weite Bezirke mit elektri- scher Energie versorgen. Ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht auch bereits dann, wenn die Kraftwerke in das Produktionsgebiet der für die Herstellung der Elektrizität notwendigen Brennstoffe verlegt werden können. So gehören die Braunkohlenbergwerke des Wasser- > armen nördlichen Mitteldeutschlands neuerdings zu den begehrten Ankaufsobjekten von Elektrizitätszentralen. Auch die Berliner Elektrizitäts-Werke haben dort in diesem Jahre mehrere Bergwerke erworben. Neben den früher angekauften Gruben Folpa- Jessenitz ist in diesen Tagen auch das Braunkohlenbergwerk Sachsen- bürg(bei Bitterfeld) in den Besitz der B. E. W. übergegangen. Vermehrter Baumwollanbau in Britisch-Jndien. Der inter- nationale Baumwollkongretz dieses Jahres hat die Förderung des Baumwollanbaues als eine wichtige Aufgabe der englisch-indischen Regierung bezeichnet. In einer Resolution wurde die Ansicht aus- gesprochen, daß eine verständige Erfüllung dieser Aufgabe die Baumwollnot wesentlich mildern könne. Daß die englische Regie- rung alles tut, um den Anbau von Baumwolle in Vorderindien zu fördern, zeigt das vor kurzem veröffentlichte erste Memorandum über den Stand der Baumwollsaat in Britisch-Jndien. Darin wird mitgeteilt, daß die Gesamtanbaufläche von 10 766 OOV Acres im Vorjahre auf 12 744 000 Acres, also um 18,4 Prozent, gestiegen ist. Zur Bankkrisis in Indien. Nach einem Telegramm aus Lahore hat eine weitere Bank, die Bank von Peschawar, die zu den Ein- gcborenenbanken gehört, ihre Zahlungen eingestellt. Mocken-Spielplan cier Serlmer Chtater. Kiinigl. Opernhans. Sonntag: Samson und Dalila. Montag: Bohsmc. Dienstag: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Fidelio. Donnerstag: Eavaloria iiisticana. Bajazzi. Freitag: Der Nosentavalicr. Sonnabend: Lohengrm.(Anfang 7 Ubr.) Sonntag: Mignon(Ansang 7E, Uhr.) Montag: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Schwanenweiß. Montag: Die Ouitzows. Dienstag: Schwanenweiß. Mittwoch: Die Rabeustcinerin. Donnerstag: Götz von Berlichingerr.(Ansang 7 Ubr.) Freitag: Schwanenweiß. Sonnabend und Sonntag: Die drei Brüder von Damaskus. Mon- tag: Schwanenweiß.(Ansang Tj, Uhr.) Neues Opernthcatcr(Kröll). Sonntagnachmittag Ztz. Uhr: Der Prinz Nazi. Abends: Der ewige Jungg'scll. Montag bis Donnerstag: Der ewige Jungg'sell. Freitag bis Montag: Die ZImeisenhex.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntdg und Montag: Torquato Tasso. Diens- tag: Der lebende Leichnam. Mittwoch: Torquato Tasso. Donnerstag: Der lebende Leichnam. Freitag: Torquato Taffo. Sonnabend: Faust. 2. Teil. (Ansang 61/2 Uhr.) Sonntag und Montag: Torquato Tasso.(Ansang VI, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag und Montag: Franziska. Dienstag: K aiserliche Hoheit. Mittwoch: Die goldenen Palmen.(Ansang 7si, Uhr.) Donnerstag: Maria Magdalena. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Die goldenen Palmen. Montag: Schöne Frauen.(Anfang 8 Uhr.) Lessing-Tbeater. Sonntagnachmütag 3 Uhr: Magdalena. Abends und Allabendlich: Peer Gynt.(Anfang VI, Uhr.) Berliner Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bummelftudcnten. Sonntag bis Donnerstag: Filmzauber.(Ansang 8 Uhr.) Freitag: Geschlossen. Sonnabend, Sonntag und Montag: Wie einst im Mai.(Ansang VI, Uhr.) Theater in der KöniggräUer Ttraste. Sonntag: Das vierte Gebot. Montag: Die süns Frankfurter. Dienstag und Mittwoch: Das vierte Gebot. Donnerstag: Brand.(Ansang l1!, Uhr.) Freitag: Die süns Frank- surter. Sonnabend: Das vierte Gckwt.(Ansang 8 Uhr.) Sonnlag und Montag: Brand.(Ansang VI, Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Die Stützen der Gesellschast. Abends: Der gute Ruf. Montag: Fraulein Julie. Erste Warnung. Dienstag: Der gute Ruf. Mittwoch: Fräulein Julie. Erste Warnung.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag bis Montag: Der erste Beste. Satans Maske.(Anfang V/, Uhr.) KoinödienhauS. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die süns Frankfurter. Allabendlich: Das Paar nach der Mode.(Ansang 8 Uhr.) Künstler- Theater.(Kursürsten- Oper.)«onntagnachmittag 3 Uhr: Das Prinzip. Abends: Wilhelm Tell. Montag: Der Biberpelz.(An> fang 8 Uhr.) Dienstag: John Gabriel Borkman.(Ansang 8 Uhr.) Witt- woch: Wilhelm Tell. Donnerstag: Der zerbrochene Krug. HanneleS Himmelfahrt. Freitag: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend und Sonntag: Der zerbrochene Krug. HanneleS Himmelsahrt.(Ansang 8 Uhr. Montag: Unbestimmt.(Ansang VI, Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Figaros Hochzeit. Abends: Die Jüdin. Montag: Der Waffenschmied. Dienstag: Lobelanz. Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Die Jüdin. Frei- tag: Lobetanz. Sonnabend: Fidelio. Sonntag: Der Waffenschmied. Mon- tag: Die Jüdin.(Anfang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Majolika. Allabendlich: 777: 10.(Ansang 8-/, Uhr.) Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Der liebe Augustin. Allabendlich: Gräfin Fifi.(Anfang 8 Uhr.) Thalia-Thcater. Sonntag bis Mittwoch: Puppchen.(Ansang 3 Uhr.) Donnerstag und Freitag: Geschlossen. Sonnabend bis Montag: Die Tangoprinzessin.(Ansang 7st, Uhr.) Restdenz-Theater. Sonntag nachmittag 3 Ubr; Der Schlastvagen- kontrolleur. Allabendlich: Im Ehekäsig.(Ansang 81/« Uhr.) Trianon-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Untreu. Die Briestasche. Allabendlich: Seine Geliebte.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater V. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Freiwild. Abends: und Montag: Die Stützen der Gesellschaft. Dienstag: Cyrano von Bcrgerac. Mittwoch: Die Stützen der Gesellschaft. Donnerstag: Cyrano von Bergerac. Freitag: Die Stützen der Gesellschaft. Sonnabend: Cyrano von Bcrgerac. Sonntag: Die Großstadtlust. Montag: Cyrano von Bergerac. (Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlotteuburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends und Montag: Die Großstadtluft. Dienstag: Wenn der junge Wein blüht. Mittwoch: Die Kroßstadtlust. Donnerstag: Wenn der junge Wein blüht. Freitag: Die Großstadtluft. Sonnabend, Sonntag und Montag: Wenn der junge Wein blüht.(An- sang 8 Uhr.) � Luisen- Theater. Sonntag nachmittag_ 3 Uhr: Die Allwördens. Abends und Montag: Die salsche Hoheit. Dienstag: Die Allwördens. Mittwoch: Die Intrigantin. Donnerstag: Die salsche Hoheit. Freitag: Die Allwördens. Sonnabend: Weh' dem, der lügt. Sonntag: Der Hüttenbesitzer. Montag: Die salsche Hochzeit.(Ansang 8'/, Uhry Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3'jt Uhr: Der Dieb. Lottchens Geburtstag. Täglich: In Ewigkeit, Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Beriac.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die gelbe Gesahr. Allabendlich: Der Liebesonkcl.(Ansang 8'lt Uhr.) Montis Operetten- Theater. Sonntag, nachmittag 3 Uhr: Der Vogelhändler. Allabendlich: Der lachende Ehemann.(Anfang 8 Uhr.) Neues Aolts-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Muddcr Mews. Abends: Mudder Metes. Montag: Die Siebzehnjährigen. Diens- tag: Mudder Mews. Mittwoch: Di« Siebzehnjährigen. Donnerstag: Muddcr Mews. Freitag: Der ledige Hos. Sonnabend: Die Siebzehn- jährigen. Sonntag: Mudder Mews. Montag: Der ledige Hos.(Ansang S'L Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Di« Schiffbrüchigen. Abends und Montag: Die Ahnfrau. Dienstag: Die Schiffbrüchigen. Mittwoch und Donnerstag: Die Ahnsrau. Freitag: Maria Stuart. Sonn- abend: Die Ahnsrau. Sonntag und Montag: Laura massiert.(Ansang S'/« Uhr.)_ Urania- Theater. Allabendlich: Mit dem.Imperator' nach Re» Jork.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Herrnseld-Theater. Allabendlich: Was sagen Sie zu Lei» busch?!(Anfang 8 Uhr.) Kafino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Am grünen Stranh der Spree. Allabendlich: Der Äktientenor.(Ansang 8 Uhr.) Foljes Gaprice. Allabendlich: Ntttcr Baldrian. Mißgeburt. Adoptrt» kind.(Ansang 81/, Ubr.) Theater am Nollendorfplafc. Sonntag, Montag und Dienstage Die Kino- Königin.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch bis Montag: Die Heim- kehr des Odysseus.(Ansang VL Uhr.) Metropol. Sonntag nachmittag 3 Uhr:'s Nullerl. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.«Ansang 8 Uhr.)_ Reichshallcn-Thcater. �-onntagnachmittag 3 Uhr: Stcttincr Sänger. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 71/, Uhr.) Zirkus Busch.«onntag nachmittag 3'l, Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Anfang 8 Uhr.) ZirkuS Schuman». Sonntag nachmittag 3'l, Uhr: Galavorstellung. Allabentlich: Galavorstellung.(Ansang VI, Uhr.) Admiralcpalast. Eisballell: Flirt ui St. Moritz.(Ansang 9 Uhr.) KmfKaften der Redahtion. <2. 142. 1. Wiederholen Sie die Aufrage und geben Sie noch an, wo. der erste Ehewohnsitz gewesen ist. 2. Läßt sich im Rahmen de? Briefkastens nicht behandeln. Verfolgen Sie die im„Vorwärts' erscheinenden Abhandlungen unter der Rubrik„Frauenbewegung' — K. Schi. 1883. Ihre Frau ist zahlungSpllichtig.— E. K. 23. Ja» sofern die Steuer nicht länger als'/< Jahr rüaständig ist, andernfalls nein. — E. R. 33. Nein.— P. 2. 74. Sofern Ihr in der Lehre befindliche Sohn beim Lchrhcrrn Unterhalt erhält, ist der Bescheid zutreffend.— Martha. Ein Erbrecht besteht nicht. Alimcntationsansvrüche sind ver- jährt.— C. G. 33. Ja.— G. K. 100. Der AuSeinandersctzungs- anspruch kann gepfändet werden.— F. P. 56. Leider nein.— P. 777. Die Anrechnung ist nur zulässig, wenn der Lohn auch tatsächlich vereinbart bczw. gezahlt worden ist. Die Absicht, aus der Landeskirche auszuscheiden, müssen Sie unter Angabe der Personalien dem Amtsgericht Berlin-Mitte, Neue Friedrichstr. 12/15, mitteilen. Sic erhalten alsdann eine Vorladung, der Sie Folge leisten müssen. Wahlverein €liarlotteiftl»iii*g'. Dienstag, den 30. September, abends 8V2 Dhr, im Volkshause, Rosinenstraßc 3: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. Diskussion. - Mitgliedsbuch legitimiert. i _ Der Vorstand. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, S!,;,"., 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Buehhandlnng Vorwärts Lindenstr. 69(Laden) Ansichtskarten vom Riesengebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Dresden, Berlin in reicher AuswahL Stück 5 Pf. H Berliner ymor-fiuiirtett W.WntzkyK OderbergerStr-Sf j. Baer Baistr.26prinEzckAii6. Herren- und Knaben- Moden. Berufskleidung. MtfrliBra Eleg. Paletots. Einseg- nungs-änriige. GroBo» Stofflager zur Anfertigung nach MaB. Allerbilligste streng feste Preise.____ ibessinier-Bnuiiieii zum«clbstaufiteUc» für 3 m Tiefe schon b.'lSÜ)!. an. Hospumpcn, Garten- und Druckpumpen usw. 5 Jahre Garantie. Jllu- stricrte Preisliste gratis. Koblank& Co., Pumpensabrik, Berlin X. Reinickendorfer Sir. 95. Technische Kurse Berlin: Reanderstraße 3 und „ Nathenowcr Str. 3. Hochbau, Tiefbau, Maschinenbau, Elektrotechnik. Kgl. Regier.-Baumeister a. D. Vr.'Worilor.* Prospcttc frei. Möbel-.! 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Irinep, Benkestr. 9. , Reinickendorf-West: F. Köhn, Waldstr. 63. , Wittenau: W. I.climann, Charlottenburgerstr. 43. , Mariendorf u. Umg.: M. Herbst, Schwert nstr. 75. , Tempelhof: K. Pecbal. Friedrich-Wilhelm-Slr. 7. , Südende, Lankwitz: G. Thiele, Südende, Lichter- felber Str. 35. für GroB■ Lichterfelde: W. Wagner, Mariannen« straße 31. Zentralvorsitzender: Cr. Jacob, Berlin NW 21, Emdener Straße 45 « Berliner Str. 115 . m'. l�cr?, SuufgJ1rkrUSt?�4 16 Britz: A. TlepkWiffmonnftr 26 Treptow: Knpyal.'-mfct Str Iii Baumschulenweg: E.-�str. 29. Nied.-SchSnhausen; E. H 83. ,«ÄS— b-�ÄSK; Sieglitz: A. Damm, Zimmer. Westen; M. Erdmann, Katzle, Südwesten: H. Döll, Testower So SchSneberg: M. Schmidt, Cherur Süden; M. Tbnrm, Boeckhstr. 37. A. Steinhaner, Prinzenstr. Südwesten: Fr. Vlet, Fidicinftr. 42.. Spandau: Ct. Rnhnke, Weißenburger Str Fürstenwalde: R. Flicke, Holzstr. 3. Wilhelms. _ Allgememe - Krankenkasse für den Stadtkreis Cltörloltsndiirji. bef'bei""�" riiermif»ur Kenntnis Krmtr.tr t. vorgenannten Orts- ffiiontcnra sc zuständigen Personen k?) von leiten der Arbeitgeber für d'/ Wahlen zum Ausschuß nur eine 9°s?eöu��""o�'°�We aus- gereicht Wördes, ein- ÄÄfVÄÄ OTroto.f� befunden wurde. 0.7, 5� emer Gegenliste «tt o demnach die vorgeschlage. nen Kandidaten der Arbeitgeber unb«rsabmch� dum Ausichust gewählt. fühlten erhalten noch eine «idmte.��uochoichtigung, das Der. Gewahlten liegt im ?,!k t /au zur Einficht aus Der � de» 4. Oktober er. festgefehte Wahlt-rm,,. zur Stimmabgabe wird demnach für die«rh.ir »eber aufgehoben. ifhI'ei,y"�tuP3 diese? Wahlergeb. snllr?*''nnerhalb 2 Wochen beim anzichringen �ottenburg Charlottenburg, den 27. Sev. teuiber 1913. Der Kasseuvorstaud. gez. A h r e n s. (TeL: Mb. 1134). Orts- Krankenkasse der Schmiede uud vkrwllMtN Gmerbk zu Berlin. Lichtenberger Str. 8 II. Bekanntmachung. Zusolge Beschlusses des Königlichen Oberversicherungsamts Kroß« Berlin vom! 30. August 1913 wird die Kasse am 31. Dezember 1913 geschlossen. Nach§301 der ReichSversicherungS- ordnung bringen mir dieses zur öffenttichen Kenntnis mit dem Hin- weis, daß etwaige Gläubiger ihre vermeintlichen Forderungen innerhalb drei Monaten vom Tage dieser Be- kanntmachung ab gerechnet im Kassen- lokal schriftlich geltend zu machen haben. Ansprüche, welche später angemeldet werden, können verweigert werden. Berlin, den 28. September 1313. Der Forstand. 277/7 Adolt Pilgrim, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse für die Amtsbezirke Kerlin- Wittenan, Fublirs- Maldmannslustuchtmsdlirf in Serlm- Mitteua». Bekanntmachung. Laut Beschluß des Königlichen Ober» versicherungsamts Groß-Berlin vom 30. August 1913 wird die OrtS- krankenlasse sür die Amtsbezirke Berlin- Wittenau, Lübars- Waid» mannSIust und HermSdorf in Berlin» Wittenan mit dem 31. Dezember 1913 geschlossen, weil die Zulassung der Kasse rechtSkräslig versagt worden ist. Nach§ 301 der Reichsversiche- rungSordnung sind Forderungen binnen drei Monaten nach der öffentlichen Bekanntmachung anzu. melden, widrigensallS die Bezahlung verlveigert werden kann. Für die Ansprüche auS der Versicherung gelten diese Vorschriften nicht. Ferner geben wir bekannt, daß Arbeitgeber und Versicherte unserer Kasse mit dem 1. Januar 1914 zur Allgemeinen OrtSkrantenkasse Nieder- barnim gehören. Berlin-Wittenau, de» 27. Sep- tember 1913. 2464b Der Vorstand. P. Kienast, Vorsitzender. Bekanntmachung. Laut Beschluß des KönigL Ober- versicherungSamtS vom30.Augustl913 wird die Ortskrankenkafle der Tabakfabrikarbeiter zu Berlin mit Ablauf des 31. Dezember 1913 geschloffen und haben die an diesem Tage vorhandenen versicherungsberechtigten Mitglieder das Recht aus Mitglied- schaft bei der„Allgemeinen- Orts» trantenkasse" zu Berlin, Köpenicker Straße 80/82. Die übergehenden Mitglieder setzen dadurch ihr Ver. ficherungsoerhältnis unmittelbar sort. Vir bringen dies gemäß§ 301 der Reichsversicherungsordnung mit demHinweiS zur öffentlichen Kennt. »iS, daß etwaige Gläubiger ihre An» spräche innerhalb drei Monaten vom heutigen Tage ab im Kassenlokal schrisllich geltend zu machen haben. Für sväter einlaufende Forderungen kann Zahlung verweigert werden. Berlin, den 28. September 1913. Dez- Vorstand. Heinrich KockS. Vorsitzender. Sie fühlen sich wie neugeboren, «I- schnupfen. Bester russischer Angentabnk. MÜC gegen Schnupfen MÜO gegen Verschleimung MS Im gegen Trockenheit der »VlSBTJ Nasenschleimhäute MlEO belebt die Sehkraft IUBSIm ist frei von schädlichen IVIIIO Substanzen BföHn der beste Schnupftabak der ■VBBIU Gegenwart und Zukunft BUISIa wird nach altbewährtem IVölBT? 100jShr. Rezept hergestellt MÜC lostet die Dose 10 Pf. lySSlA durch denZigarrenhande! IViaEU jU beziehen General-fertrieb für Deutsehlanil S. 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Tie Arbeitnehmermitglieder der Schlichtungskommissioi� 3 Parteigenosse, 29 Jahre, bisher GewerkschäftSangestellter, perfekter Stenograph, ans- gebildet in Buchführung, sucht entsprechende Stellung und erbittet Offerten unter W. 1 an die Hauptexvedition des„Vorwärts». 2470b Aektung! Sehulanflasseue! Achtung! Eltern! Uormnnder! Durch den Inseratenteil der bürgerlichen Presse geht eine Notiz dvr Obermeister der Berliner Glaserinnung, in welcher das Glaserhandwerk so bargestellt wird, als ob darin Ausgebildete nach beendeter Lehrzeit ein leichtes Fortkommen finden. Die Notiz ist in der Absicht eingesetzt, in überreicher Zahl dem Kleinmeisterium Lehrpersonal zuzusühren. Die Arbeitslosenziffern der bestehenden Arbeitsnachweise reden eine andere Sprache. Die Arbeitslosigkeit im Glaser. gewerbe ist eine ungeheure, nicht npr in lepter Zeit. sondern auch in besseren Baujahren liegt Beruss» Überfüllimg vor, so daß eine ganz gewaltige Zahl Personen im Gewerbe kein Unterkommen findet und sich kümmerlich durch Hausierhandel ernähren muß. Die Statistik der Nachweise ergibt die höchste Arbeitslosenziffer aller Gewerbe. 70/3* Wir warnen Interessenten, ohne sich vorher genau bei der unterzeichneten Verwaltung erkundigt zu haben. Lehr. vertrüge tm Glasergewerbe abzuschließen. Die statistischen Arbeitslosenziffern sieben jedem zur Versügung. Iür iw N-rd»»d der«lastr: Jf Für den Agitationsbezirk zum baldigen Antritt ein wird Schleswig- Holstein beÄrh-Mizekrelsr gesucht. Verlangt wird eine tüchtige agitatorische und organisatorische Kraft. Ansangsgehalt 2600 M., steigend alljährlich- um 100 M. bis zum Höchst- gehalt von 3600 M. Dienstjahre in der Arbeiterbewegung werden in An- rechnung gebracht. Bewerbungen sind bis zum 10. Oktober einzureichen bei Fr. Bartels, Altona<<5ibe), Adolsstr. 29. 291/9 Der Bezirksvorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Für das Bureau wird ein ZUfClfCr ICcSSSIGPGK* gesucht. AIS Bewerber sind nur Verbandsmitglieder zugelassen, die mit den Berliner Verhältnissen gut vertraut sind. Dieselben müssen in alle» Kassengeschästen sowie in allen schriftlichen Arbeiten und der Instandhaltung der Kartothek gut bewandert sein, daneben auch möglichst zu agitatorischer Tätigkeit als Redner in Versammlungen usw. befähigt fem. Bewerber müssen mindestens fünf Jahre dem Deutschen Holzarbester- verband und der politischen Organisation angehören. Verbandsmitglieder, welche sich um die Stelle bewerben wollen, haben einen selbstgeschriebenen Bericht über die Art und Zestdauer ihrer Tätigkest im Verband ihrer Bewerbung beizusügen und dieselbe bis zum 15. Oktober an das Bureau, Rungestr. 30 I, unter der Anffchrist»Bewerbung» emzu- senden.__ 89/9 Die Ortsverwaltung. Werantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neulölln. Lür dea LnicraicnteU verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck n. Verlag: Borwart? tvnchdruckerei«. Verlagsanstalt Paul Singer it.Co� Berlin r« in1« f inr.n:ii i nnra�nnmnrTTTirTTTrrir-rrimnmmnrTinnrrriniTnrrinnnnni mi a 11 inrinnacnmnmmnnmaDDQiiocxoTTrrTTinnmuDiJULH Mi i n h mi i n nnnnn HERMANN II ETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE besonders vor teil baffe Angebote Zum llmmg 'Diese Wofie somit Vorrat Linoleum 1 M H M§«B durchgemustert, III Sil SM 200 cm breit, zum Belegen von Räumen, in Kupons von 12—30 Quadr-Mtr. Teppiche M DA ca. 150/200 cm jetzt Qualität III PflJS pro □ Meter jetzt Teppiche � KA ca. 200/250 cm jetzt Qualität II pro □ Meter jetzt Teppiche ca. 200/300 cm Jetzt Qualität 1'S f 5 pro D Meter jetzt 2|Sfl ca. 90 cm �25 c&' 67 cm lfd. Meter S lfd. Meter jetzt 0 jetzt ca. 60 cm lfd. Meter Pf, jetzt Cardinen Fenster-Dekoration. Cardinen Tttll-finrillneii rÄ?,?; 5":: Z" T 450 TBII-Storej weiss nns creme. 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Luise Zietz als Referentin legte den Erschienenen, die große Ausmerk- samkeit zeigten, mit warmen und eindringlichen Worten die Aus- gaben ans Herz, die ihnen als dem sugendlichen Nachwuchs des Proletariats erwachsen, um gerüstet zu sein für den Kamps ums Dasein. Stürmischer Beifall folgte ihren Ausführungen. Eine rege Diskussion zeigte den Eiser der Jugendlichen, sich zu bilden und der Arbciterjugendbewegung neue Anhänger zuzu- führen. Mit einem Hoch aus die Jugendbewegung schloß die Vcr- fammlung. In den„P h a r u ss ä s e n", Müllerstr. 142, hatte sich eben- ■falls eine stattliche Sckar Jugendlicher beiderlei Geschlechts cingc- sunden, um den prächtigen, zu Herzen gehenden Worten des Rc- serentcn Erwin N e u m a n n zu lauschen, der in leicht faßlicher Weise seinen aufmerksamen Zuhörern die Ziele und Wege der Freien Jugendbewegung vor Augen führte. Sehr gut charakteri- sierte er die Bestrebungen der bürgerlichen Kreise, die geradezu verzweifelte Anstrengungen unternehmen, der Arbeiterschaft die Jugend zu entfremden. Das Los des Proletarierkindes, seine Kindheit, seine Schulzeit, die Lehrjahre, all das ließ der Redner unter kritischer Würdigung Revue passieren. Stürmischer Beifall lohnte die tresslichen Ausführungen des Redners. Tie Polizei war weder im Saale noch aus der Straße zu sehen. Mit einem begeisterten Hoch war die Versammlung zu Ende. In B a 1 1 sch m i e d c r s F c st s ä l e n verlies die überfüllt« Versammlung in vollster Harmonie. Bewasstretc Macht war nicht erschienen. In klarer Rede verstand es hier Genosse R e i tz, die heutige Ausbeutung jugendlicher Arbeitskräste den Anwesenden zu veranschaulichen, um dann im weiteren Verlauf die der proletari- schen Jugendbewegung feindlich gesinnten Elemente einer gründ- lichen Kritik zu unterziehen. In der wirkungsvollsten Weise er- gänzien dann noch die Jugendlichen Wormann, Quer. Laub und Wartenberg die tretslichen Ausführungen. In den Mienen der Anwesenden spiegelte sich das Bewußtsein, ihre ganze Persönlichkeit für die proletarische Jugendbewegung einzusetzen, um so die Erwartungen der modernen Arbeiterschaft voll und ganz einzulösen. Auch die im B e ro l i n a sa a l in der Schönhauser Allee äb- gehaltene Versammlung war recht gut besucht. Mit Aufmerksam- kcit und regem Interesse folgten die jugendlichen Zuhörer dem Vortrage des Genossen Davidsohn, der das verblödende Treiben der bürgerlichen Jugendbewegung kennzeichnete und ihr die proletarische Jugendbewegung gegenüberstellte, die bestrebt ist, das heranwachsende Geschlecht geistig aus eine höhere Stuse zu heben. Trotz aller Anfechtungen durch Polizei und Gerichte schreitet die proletarische Jugendbewegung rüstig vorwärts. Sie hat sich ihren Platz in der Gegenwart erobert und wird die Zukunft beherrschen, trotz alledem. Die Polizei hielt sich auch hier— was ja in Berlin leider nicht selbstverständlich ist, wenn es sich um proletarische Jugend- Versammlungen handelt— in den Grenzen, die ihr das Vereins- gesetz gesteckt hat. Sie blieb der unpolitischen Versammlung fern, die deshalb einen durch nichts gestörten Verlaus nahui. Der sehr gute Besuch der Versammlung in B o e k c r s F e st- sälen zeigte, wie wenig der bisherige Kamps der Polizei der proletarischen Jugendbewegung geschadet hat. Auch die Polizei selbst schien das Nutzlose ihres Vorgehens eingesehen zu haben, sie war wengstens öffentlich nicht zu bemerken. Der Referent, Simon K o tz e n st c i u, wußte in leicht faßlicher Weise ein an- schaulichcs Bild der Gegenwart zu entwerfen. Er zeigte an einer Fülle von Beispielen, wie die Bestrebungen der Arbeiterjugend einen unschätzbaren Kultürwert besitzen im Gegensatz zur natio- nalen Jugendpflege. Ter Redner ließ dann in kurzen»strichen das bisher Erreichte vorüberziehen, zeigte, wie unendlich viel aber auch noch zu tun sei und wies die Mittel und Wege, die die prole- tarische Jugendbewegung vorwärts zu bringen vermögen. Wenn ober auch die Jugendlichen vieles geboten bekommen, sei doch die Arbeit an sich selbst, die Selbsterziehung, das wertvollste, denn das gebe Kraft und Selbstbewußtsein, die notwendig sür den schweren Kamps ums Dasein sind.„Und setzet Ihr nicht das Leben ein, nie wird Euch das Leben gewonnen sein!" schloß dcr Referent unter stürmischem Beifall der Versammelten. Nach einer kurzen Diskussion, in der von selten der Jugend- llichen zu eifriger Werbearbeit aufgefordert wurde, fand die Ver- -fammlung mit einem trefflichen Schlußwort des Referenten und einem vom Versammlungsleiter Matschte ausgebrachten, begeistert ausgenommenen Hoch aus die proletarische Jugendbewegung ihr Ende. Partei- Hngelegcnbeiten* Zur Lokalliste. Int 3. Kreis hat das Marinehaus, Brandenburger Ufer 1, den Besitzer gewechselt. Die jetzigen Inhaber, Gebr. Krause, haben sich der Marinehaus-Gesellschast gegenüber verpflichtet, keine öffentlichen sozialdemokratischen Versammlungen in ihren Räumen stattfinden zu lassen. Wir ersuchen deshalb, das Marinehaus von der Lokalliste zu st reichen; es gilt für die organisierte Arbeiterschaft als gesperrt. In Köpenick(T.-B.) hat da» Lokal„Orleans", Berliner Str. 27 den Besitzer gewechselt: der neue Inhaber, Herr Paul Schmidt, stellt dasselbe nach wie vor zur Verfügung. In Zittau hat ebenfalls das Lokal„HubertuShos" den Besitzer gewechselt. Herr Pierenkempcr sjetziger" Inhaber) gibt seilt Lokal ebenfalls frei. Dagegen sind in Buckow bei Britz die Lokale von K l o x i n und Schulz nach wie vor gesperrt. Die Lokalkommission. 5. Kreis. Der vom Bildungsausschuß arrangierte Kursus„Die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung" beginnt am Donnerstag, den 2. Oktober, in den„Sophien-Sälen", Sovhienstr. 17/18. Einige Karten sind noch bei Gen. Rosemann, Wmsstr. 58. zu haben. Neukölln. Am Montag, den 29. September, abends 8>/, Uhr, findet in Bartschs Feftsälen, Neukölln. Hermannstraße 49�der'dritte Abend de« Vortraaskursus des Genossen Baege über„Ursachen und treibende Kräfte der Entwickelung" statt. Billetts a 30 Pfennig sind noch am Saaleingana m haben. Wir bitten, davon recht regen Gebrauch zu machen. Schönebcrg. An, Dienstag, den 39. d. M., abends 8 Uhr: Wahlvercinsversammlung in den„Neuen RathauSsälen", Meininger Straße 8. 1. Bericht vom Parteitag in Jena. Referent: Genosse K. Thielccke. Diskussion, o Die Stadtverordneten- wählen. 3. Verschiedenes. Lichterfelde. Am Dienstag, abends 8H<> Uhr, bei Wahrend orf: Mitgliederversammlung des Wahlvereins''Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Gomoll-Nowawes. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Zehlendorf(Wannfeebahn). Am Dienstag, den 30. Sept ember, abends 8 Uhr, bei Mick, Karlstr. 12: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. DiS- kuffion. 3. Wahl eines Bibliothekars und Jugendausschutzmitgliedes. 4. Bereinsangelegenheiten. S. Verschiedenes. Adlershof. Der dritte Vortragsabend der Jugendsektion findet am Dienstag, den 30. September, abends 8'/z Uhr, im Jugendheim mit dem Thema„Reformation und Bauernkrieg" statt. Zahlreiches Erscheinen der jungen und der älteren Parteigenossen wird erwartet. Die Vorträge sind so gestaltet, daß jung und alt dabei gewinnen kann. Königs-Wusterhausen und Umgegend. Am Mittwoch, 1. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal der Witwe Wedhorn: Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referentin: Genossin Ryneck. 2. Bericht von der Kreis-Generalver- fammlung. 3. Kassenbericht vom 2. Quartal. 4. Verschiedenes. Pankow. Am Dienstag, den 39. September er., abends 8�/g Uhr, im Lokale von Roczycki, Kreuzstr. 3/4: Mitgliederversamm- lung. Tagesordnung:. Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Schindler. Ortsangelegenheiten. Verschiedenes. Niedcr-Schönhausen-Nordend. Am Dienstag, den 39. September, abends Sll2 Uhr. im Lokale von C. Manke, Beuthstraße, Ecke Char- lottenstraße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent: Kreisvorsitzender Emil Lehmann. 2. Dis- kussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Rcinickendorf-Ost. Dienstag, den 39. September, abends 8 Uhr, im Restaurant S a d a u, Resideilzstraße 124, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Berichterstattung vom Parteitag. Referent Genosse Brühl. Lerlmer I�acdr lebten. Die Stadtverordnetenwahlen und die liberalen Frauen. Zu den Stadtverordnetenwahlen, die wir in Berlin und mehreren Vororten in diesem Herbst haben, rüsten die Liberalen mit Eifer. Um für sie zu werben, hatte ain Freitig der„Verein der liberalen Frauen von Groß- B e r l i n" eine öffentliche Versammlung einberufen. In ihr wurden besonders die Wünsche für Berlin erörtert. Ueber:„Die Stadtverordnetewvahlen und die Frauen" referierte einleitend Fräulein MarieLischnewska. Sie pries das Berliner Gemeinwesen als ein großartiges Werk, das nur dem liberalen Bürgertum zu danken sei. Von dem Wort„großartig" machte sie überhaupt in ihrem Loblied auf die Einrichtungen unserer Stadt Berlin einen sehr reichlichen Gebrauch, und was sie an Uebertreibungeu leistete, ging selber ins„Großartige". Dazu kam eine arge Unkenntnis des Zahlenmaterials, mit dem die Rednerin ihre Darstellung unterstützen zu können meinte. So erzählte sie, Berlin ver- wende jährlich auf die Krankenpflege 102� Millionen Mark, auf die Armenpflege 91 14 Millionen Mark.„Immer jähr- lich!" fügte sie ausdrücklich hinzu. Anscheinend hat sie eine Zusammenstellung über einen fünfjährigen Zeitraum benutzt, dessen Ausgabesummen sie dann mit einer Jahresausgabe verwechselte. Die Jahresausgabe, die z. B. in dein Etat sür 1912 eingestellt wurde, betrug für das Gesundheitswesen (Krankenhäuser, Irrenanstalten, Badeanstalten, Desinfektions- anstalt, Heimstätten usw.) rund 24(4 Millionen, wovon etwa 11(4 Millionen durch zu erwartende Einnahmen gedeckt waren, und für das gesamte Armenwesen(Unterstützungen, Hospitäler, Obdach, Arbeitshaus, auch Waisenpflege und Für- sorgerziehung) II Millionen,.gegenüber' einer zu erwartenden Einnächne von 224 Millionen. ,Jn all ihrer Begeisterung für die Kommunalpolitik der Berliner Liberalen bedauerte die Resernttiir nur, daß die liberalen Männer bisher von einer Mitarbeit der Frauen in der Ge in ein deVerwaltung nicht viel haben wissen wollen. Sie hofft aber, daß das mal anders werden wird. Daß die Forderung voller Gleich- bcrechtigung für die Frauen seit langem von der Sozial- demokratie vertreten wird, verschwieg Fräulein Lisch- newska. Komisch wirkte die Mahnung, mit der diese Führerin liberaler Frauen schloß:„Sorgen Sie dafür, daß Männer in die Stadtverordneten ver saninilung hin- einkommen, die von freiheitlichen! und sozialem G e i st erfüllt sin d." Als Männer mit „freiheitlichem und sozialem Geist" gelten ihr die Berliner Konmiunalliberalen! Einn paar andere Rcdnerinnen gaben kurze Referate über die Wünsche bezüglich der höheren Mädchenschulen, der Volksschulen, der Mädcheu-Fortbildungsschulen, des Heb- ammenwesens. Die Ausführungen der L e h r e r i n H a n n e- m a n 11 aus Schöneberg, der Vorsitzenden des dortigen Volks- schullehreriniieiwereins, brachten den Schöneberger Stadt- verordneten Zobel gewaltig in Harnisch. Dieser Führer der„Liberalen Fraktion" in der Stadtverordiieteiiversaniin- lung Schönebergs erklärte, daß er die vorgetragenen Wünsche der Lehrerinnen nicht unterstützen könne. Gestreift wurde auch die der Lehrerschaft aufgepackte„n a t i 0 n a l e I u g en d- pfleg e", die von vielen Lehrern und Lehrerinnen immer mehr als schwere Last empfunden wird. Herr Zobel stellte sich als speziellen Förderer dieser Sorte„Jugendpflege" vor und sagte ganz offen, daß die Stadt Turnlehrerinnen, die nicht ihren Sonntag dafür hergeben wollen, nicht brauchen könne. Das klinge vielleicht brutal gegen die Lehrerinnen, aber es sei sozial gegenüber den Kindern. Von dieser „sozialen" Arbeit für die Kinder sagte er in demselben Atem- zuge:„Wir wollen etwas schaffen, damit wir d e r S 0 z i a l- demokratie den Boden abgrabe n." Na gewiß doch! Die Veranstaltung dieser öffentlichen Aussprache über die Stadtverordneteuwahleii hatte hauptsächlich den Zweck, für die den Liberalen zu leistende W a h l h i l f e die nötigen Hilfskräfte beizeiten anzuwerben. Die Leiterin der Versamm- lung sagte sogleich in ihrer Begrüßungsansprache, wiederum sei an die liberalen Frauen der Ruf ergangen, bei den Stadt- verordnetenwahleii zu helfen. Da an einem Sonntag ge- wählt werde, so hoffe sie, daß auch Frauen, die im Erwerb stehen, mitarbeiten werden, um der Fortschrittlichen Volks- Partei zum Siege zu verhelfen. Nnchher wurden für Berlin besonders die Stadtteile Moabit und L u i s c 11 st a d t genannt, in denen man kräftig arbeiten wolle. Gemeint sind natürlich nur Wahlbezirke der dritten Klasse, denn in Berlin darf ja der Freisinn die zweite und die erste Klasse als unbestrittenen Besitz ansehen. Von der Hilfe der Damen erwartet inan vor allem eine persönlicheBearbeit uu g der Wähler: schon jetzt sollen diese in ihren Wohnungen mit Visiten beehrt werden. Es wurde daran erinnert, daß für die Liberalen schon bei der Reichstagswahl in Berlin I und bei der Landtagswahl in Berlin XII solche Mitarbeit der Frauen sich sehr bewährt habe. Wohl um den liberalen Damen noch ein Kompliment zu sagen, versicherte Herr Zobel sie im voraus des Dankes aller Liberalen für ihre nun auch bei den Stadtverordnetenwahlen zu leistende Hilfe. Ihm antwortete eine der liberalen Damen mit der vorwitzigen Frage, worin denn der Dank bestehen solle. Bisher habe doch der Liberalismus gegenüber dem Ruf der Frauen nach mehr Recht noch sehr versagt. Ein paar Herren suchten zu beschwichtigen, um die Wirkung dieses in den Schluß der Versammlung hineinklingenden Mißtons abzuschwächen. Die meisten der liberalen Damen werden sich durch solche Kleinigkeiten nicht stören lassen. Die Wähler der dritten Klasse, vor allem wohl die kleinen Gewerbetreibenden und die kleinen Beamten, mögen sich nur immer vorbereiten. In den nächsten Wochen werden sie das Vergnügen haben, sich von de ii Wahl Helferin n endes Berliner Stadt- f r e i s i n 11 s umworben zu sehen. Dafür zu sorgen, daß dieser Eifer erfolglos bleibt, wird Aufgabe unserer Ge- Nossen und Genossinnen sein. Neues von der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Uns wird geschrieben: Der Riesenbau der Königlichen Bibliothek in Berlin geht seiner Vollendung entgegen. Um vor dem Abschluß für die innere Ausgestaltung des Hauses und die niechanischen Hilfsmittel des Büchertransportes noch weitere Anregung zu gewinnen, haben, wie der soeben er- schienene Jahresbericht der Verwaltung für das Jahr 1912/13 mitteilt, der erste Direktor der Bibliothek und der technische Leiter des Neubaues im April und Mai 1912 zahlreiche Bibliotheken in den östlichen Teilen der Vereinigten Staaten von Amerika besucht. Eine wichtige Aenderung in der Organi- sation der Bibliothek ist die Vereinigung der alten Musik- sammlung und der deutschen Musiksaninilung zu einer Musik- abteilung, die sich nun als dritte neben die Druckschriften- und die Handschriftenabteilung stellt. Eine Erhöhung des Vermehrungsfonds um 83 990 M. ist durch den preußischen Etat für 1913 bewilligt worden. Sie war vor allem zu einer möglichst vollständigen Beschaffung der deutschen Literatur notwendig: auf die vollständige Berücksichtigung der neuen deutschen Bücherproduktion sollen 45 990 M., für Technik 8000, für Musik 3909 und für den Bucheinband 27 999 M. von dieser Summe verwendet werden. Die vor einigen Jahren eingeführten Leihgebühren haben zu den Kosten der Bibliothek nur 37 737,69 M. beigetragen: gegen das Vorjahr ist der Betrag um wenig mehr als tausend Mark gestiegen. Die Kosten des Bücherkaufes in der Druckschriften- abteilung beliefen sich auf 144171,25 M., und zwar kaufte die VErwaltung 16 583 Bände, während ihr 13 139 geschenkt wurden, 14 863 als Pflichtlieferungen und 3993 als amtliche Drucksachen zugingen. Die verschiedenen Wissenszweige sind dabei natürlich mit sehr verschiedenen Summen vertreten. Verhältnismäßig sehr hohe Preise mußten selbstverständlich für die allein aufgeführten Drucke des 15. Jahrhunderts (Wiegendrucke) bezahlt werden. Die angeschaffenen 49 Bände kosten 29 751,75 Mk. Der Fust-Schöffcrsche Druck vonCicero„Vvokkieies" aus dem Jähre 1465, eine „ganz außerordentliche Anschaffung", kostete 1 599 9 M. Die höchste Summe, 31511,25 M., entfiel auf die 4532 Bände Geschichte und Hilfswissenschaften: ihnen folgen 3565 Bände Sprachen und Literatur sür 18 975,96 M., 1913 Bände Natur- Wissenschaften und Mathematik für 16 414,19 M., 773 Bände Medizin für 19186,39 M.: je inehr als 6999 M. beanspruchte Theologie, Kunst und Rechtswissenschaft, der geringste Posten, 2796,44 M., entfiel auf Philosophie und Pädagogik. Natür- lich war ohne die Rubrik„Allgemeines" nicht auszukommen: die für sie angeschafften 2316 Bände kosteten 16 765,69 M. Der Bestand der Zeitschristen wuchs im Berichtsjahr um 836, von denen 599 deutsch, 86 englisch, 68 französisch und auch ein Esperanto war. 298 Zeitschriften stellten ihr Er- scheinen ein. Der Bericht für die Benutzung der Bibliothek teilt mit, daß rund 15 990 Leihkarten und rund 9999 Lesesaalkartcn ausgestellt worden sind. Die Zahl der Bücherbestellscheine stieg auf 746 611 gegen 704 854 ini Vorjahre: darauf konnten 564 287 Werke, d. h. 75,58 Proz, verabfolgt werden, während rund 15 Proz. verliehen, rund 5% Proz. nicht vorhanden war. Unter den Entleihern befanden sich nach den Bernsen u. a. 290 Hochschullehrer, 6029 Studierende und Kandidaten, 481 Lehrer an höheren, 283 an niederen Schulen, 261 Schrift- steller und Künstler. 648 männliche Personen ohne Beruf. Auffällig ist in unserer Zeit der starken weiblichen Berufs- und Erwerbstätigkeit die Aufführung: 898 Frauen. Der große Lesesaal wurde von 273 705 Personen, darunter 17 543 Frauen besucht, das macht einen Tagesdurchschnitt von 931 Personen: die Besuchszahl im Zeitschriftensaal betrug 99 478. Aus dem Bericht der Haudschristenabtcilung sei der Zu- wachs durch die Sammlung deutscher Handschriften aus der P h i l ich p s- B i b l i 0 t h c k zu Cheltenhaiii erwähnt, ferner sonders umfangreich und wertvoll war der Zugang an arabi- scheu Handschriften. Weitere Kreise dürfte interessieren, daß der I e a n- P a u l- N a ch l a ß der Bibliothek in der Auto- graphensammlung um 499 Briefe, Billette, Dokumente be- reichert worden ist, die teils von dem Dichter, teils von seiner Gattin geschrieben sind, daß mehrere Briefe und eine Anzahl Schulhefte Theodor Mommsens von seinen Söhnen geschenkt worden sind. Fortbildungsschulwesen in Groft-Berlin. Die Bestrebungen der Stadt Berlin-Schöneberg zur Vereinheit- lichung des Fortbildungsschulwesens Groß-Berlins finden jetzt auch daS Interesse und die Unterstützung der Gewerbetreibenden. In der dritten diesjährigen Sitzung der ständigen Deputation des Jnnunzsausschusses der vereinigten Innungen zu Berlin wies Herr Obermeister Marcus- Schöneberg auf die Notwendigkeit eine« Zusammenschlusses des Fortbildungsschulwesens von Groß-Berlin hin. Bisher haben die Berliner Handwerker- Fortbildungsschulen die Aufnahme von Schülern aus den Nachbargemeinden abgelehnt mit der Begründung, daß die Betriebe ihrer Lehrherren sich nicht in Berlin befinden. Da die Nachbargemeinden jedoch, abgesehen von den Rücksichten auf ihre Finanzverhältnisse, mangels der Schülerzahl in den einzelnen Branchen nicht in der Lage seien, jede für sich den Fachunterricht für die verschiedenen Gewerbe auszubauen, so sei ein Hand in Hand gehen der Schulleitungen von Groß-Berlin dringend erforderlich. Er bat deshalb, nach dem Vor- bilde des Schöneberger Magistrats, der sich diesbezüglich an den Handelsminister gewandt hat, Material zusammenzubringen, und beim Oberbürgermeister von Berlin in dem Sinne vorstellig zu werden, daß auch die Lehrlinge der Berliner Vorortgemeinden— natürlich unter Ersetzung der Berlin entstehende« Kosten, die Berliner Fachschulen besuchen dürfen. Allenfalls müsse, um wirklich ersprießliche und fruchtbare Arbeit leisten zu könne», auch au dem Fachschulgebiet ein Groß-Berliner Zweckverband begründet werden. Wie man fleht, rächt flch auch auf dem Gebiete des Fach- und Fortbildungsschulwesens die kommunale Zersplitterung Groß- Berlins._ Zur kommunalen Arbeitslosenversicherung. In der gestrigen Sitzung der städtischen gemischten Deputation zur Beratung des Antrages auf Einführung der „Arbeitslosenversicherung" wurde ein Antrag zur Bereit- stellung von städtischen Mitteln zur Unterstützung von arbeits- losen Berliner Arbeitern und Handwerkern einem Ausschuß überwiesen, der in nächster Woche zusammentreten wird. Von der Suche nach der verschwundenen Wirtschafterin Die Nachforschungen nach der vermißten Wirtschafterin Gertrud Galle werden jetzt, wie wir schon ankündigten, wieder in großem Umfange betrieben. Berliner Kriminalbeamte suchen unter der Leitung des Kriminalkommissars Kuhn das ganze Waldgebiet, be- sonders in der Gegend von Trebus, mit Polizeihunden sorgfältig ab. Leider sind die Nachforschungen in dem ausgedehnten, auch mit Seen, Teichen und Mooren durchsetzten Gebiete bisher noch erfolg- los geblieben. Der neue Säulenanschlag hat wiederum viele Per- sonen zu Mitteilungen veranlaßt, die von der Kriminalpolizei noch nachgeprüft werden. Sie haben aber bisher auch noch keinen Finger- zeit für den Verbleib des verschwundenen und ohne Zweifel er- mordeten Mädchens geliefert. Daß der verhaftete Former Hermann Henk mit Gertrud Galle ebenso wie mit anderen Mädchen, die er früher beschwindelte, in jener Gegend gewesen ist, steht jetzt außer Zweifel. Er wurde gestern von der Kriminalpolizei gefesselt nach dem Amtsgericht in Fürftcnwalde an der Spree gebracht und dort von einem Vertreter der Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. O., die für die Mordsache zuständig ist, den Zeugen gegenüber gestellt. Alle Zeugen, u. a. ein Gastwirt aus Trebus, erkannten in ihm bestimmt den Mann wieder, der am 29. Juli mit einem Mädchen dort ge- wcsen ist. In dem Bilde der Gertrud Galle erkannten sie auch seine Begleiterin. Trotzdem ist Henk zu irgendeinem Geständnis nicht zu bewegen. Man hat aber einen Mann ermittelt, dessen Be- kundung ihn noch verdächtiger erscheinen läßt als bisher schon. Diesem Zeugen gegenüber, mit dem er in einer Anstalt zusammen- traf, sagte er, daß er auch später bei dem bleiben werde, was er vorher gemacht habe. Er werde es künftig nur so machen, daß man ihm nichts anhaben kann. Er werde dafür sorgen, daß die Person so wegkomme, daß kein Hahn mehr danach krähe. Henk wird nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit zurückgebracht werden, weil hier die Untersuchung wegen seiner Betrügereien geführt wird. Rufgeklärt ist jetzt der vermeintliche Mord in der Gabel-Z�crger- straße. Die Obduktion der Leiche der Frau Noller, die, wie wir ausführlich berichteten, unter zunächst verdächtigen Umständen auf- gefunden wurde, hat das Ergebnis der vorläufigen Besichtigung durchaus bestätigt. Sie lieferte nicht einen einzigen Anhalt für einen gewaltsamen Tod. vielmehr zeigte die Oeffnung der großen Blutgefäße, daß Frau Roller, die schon länger krank war, eines natürlichen Todes gestorben ist. Die Leiche wird jetzt von der Staatsanwaltschaft zur Beerdigung freigegeben. Fingierter Einbruch? Der bei der Kriminalpolizei seit dem vorigen Jahre beschäftigte Be- amte Voß, Lachmannstr. 2, bei welchem vor einiger Zeit ein Ein- bruchsdiebstahl erfolgte und der bei dieser Gelegenheit eine Person lebensgefährlich verietzle, ist wegen versuchten Totschlages fest- gcnonvnen und der Königlichen Staatsanwaltschaft II vorgeführt worden. Es besteht der dringende Verdacht, daß der Einbruch fingiert ist_ Zwei Personen bei einer Gasexplosion schwer verletzt. Gestern abend kurz vor 8 Uhr wurden drei Löschzüge der Ber- liner Feuerwehr nach der städtischen Gasanstalt in der Fichte- straße 4/12 gerufert, wo eine Gasexplosin erfolgt war. Da es sich um ein städtisches Gebäude handelt, eilte auch Brandirektor Reichel zur Unfallstelle. Der Explosionsherd lag in einem Par- terrezimmer, das in der letzten Zeit als Baubureau gedient hatte. Im ganzen Beamtenwohnhaus hatte sich schon um 6 Uhr abends ein starker Gasgeruch bemerkbar gemacht. Der Gasmeister Wil- Helm Lange, ein S7 Jahre alter Mann, suchte nun in der achten Abendstunde die Ursache der Gasausströmung festzustellen. Er holte den Schlüssel zum Baubureau herbei, da in diesem Zimmer ein Defekt an der Gaslestung vorzuliegen schien. Zum Unglück übersah er, daß auf dem darüberliegenden Korridor ein: Gas- lampe brannte. Als er die Tür zum Daubureau öffnete, ent- zündeten sich plötzlich die ausgeströmten Gasmengen, und es er- folgte eine heftige Detonation. Ein 21jähriges Mädchen Martha Schumacher, die Pflegetochter der Familie Lange, die neben dem Gasmeister stand, wurde durch die Gewalt der Explosion zu Boden geschleudert und von der nachstürzenden Zimmertür und den Mauerteilen verschüttet. Eine Stichflamme hafte die Kleider des Mädchens und die Holztür in Brand gesteckt. Der Gasmeister Lange, der selbst Brandwunden im Gesicht und an den Händen davongetragen hatte, sowie seine Frau warfen sich auf die brcn- nende Pflegetochter, um die Flammen an dem Körper der Un- glücklichen zu ersticken; dies gelang auch nach kurzer Zeit, doch hatte das Mädchen am ganzen Körper lebensgefährliche Brand- wunden erlitten. Außerdem war ihm durch die einstürzende Tür eine schwere Kopfwunde zugefügt worden. Die Feuertvchr brachte das Mädchen und den Gasmeister nach dem nahegelegenen Kranken- bauS am Urban. Das Befinden gibt zu Bedenken Anlaß. Die Frau des Gasmeisters Lange hat sich leichtere Brandwunden an der linken Gesichtshälfte und am linken Arm zugezogen. Von einer Kraftdroschke überfahren und getötet wurde gestern nachmittag der 6 Jahre alte Sohn Johann des Schriftsetzers Kay- daß aus der Schönhauser Allee 63. Der Kleine kam aus dem elterlichen Hause heraus und wollte über den Fahrdamm nach dem Mittelweg laufen. In seinem Eifer sah er nicht, daß eine Kraftdroschke herangesahren kam. Deren Führer bremste im letzten Augenblick noch nach Kräften, konnte aber das Unglück nicht mehr verhindern. Ter Wagen stieß den Kleinen um, die Räder gingen ihm über Leib und Brust und verletzten ihn so schwer, daß er auf der Stelle verschied. An einer Rotationsmaschine erheblich verlebt worden ist der in der Abteilung„Woche" beschäftigt gewesene Hilfsarbeiter Artur H a b e k o st. H. wollte mittels der Handkurbel die Maschine drehen; plötzlich schaltete sich die Maschine ein. die Kurbel schlug H. gegen den linken Arm, brach ihn zweimal und verletzte den Unglücklichen erheblich an der Schulter, so daß ihm auf der Unfallstation die erste Hilfe zuteil werden mußte. Für Ertaubte und Schwerhörige beginnen in der Kgl. UniversitätS- Ohrcnklinik an d?r Charilo im Oktober die neuen Kurse rm Absehen der Sprache und zur Spracherhaltung unter fachärztlicher Leitung. Meldungen dazu werden Monrags, Dienstags. Donnerstags und Freitags von 12 bis 1 Uhr daselbst entgegengenommen. sEingang Luisenstraße 11.) Die Teilnahme ist für Unbemittelte unentgeltlich. Arbeiter-Bildungsschule. Heute abend 7 Uhr, in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 68/59: Lichtbildervortrag des Genossen M. H. Baege über»Unsere Kenntnis des prähistorischen Menschen". In der Säuglingsfürsorgcstclle 1 findet im Oktober wieder un» entgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt mit prakstschen Uebungen, wöchentlich einmal.— Meldungen schriftlich oder mündlich von 2 bis 4 Uhr im Bureau des Kinderhauses, Blumenstraße 97. Verloren. Am Freitag, den 19. d. Mts., ist auf dem Wege von der Badstraße bis zur Beusselstraße unter Benutzung der Stadtbahn ein Notizbuch, auf den Namen Stanislaus Michalak, Beuflelstr. 20, lautend, verloren gegangen. Dasselbe enthielt außer verschiedenen Adressen noch 17 Stück Agitationsmarken des Deutschen Transport- arbeiterverbandes(Sektion V). Es wird gebeten, dasselbe an obige Adresse oder an Edgar Arndt, Grünthaler Str. 11, abzugeben. Vorort- l�acbricdten. Charlottenburg. „Die Anträge der städtische» Arbeiter zum Etat 1914" lautete die Tagesordnung einer Versammlung der städtischen Arbeiter und Angestellten, die am Mittwoch den großen Saal und die Galerien des VolkShauseS füllte. Die Stadtverordneten waren eingeladen. Vertreten war aber, nur die sozialdemokratische Fraktion. Von-den Mitgliedern der beiden bürgerltchen Fraktion hatte es nur ein Mit- glied für notwendig gehalten, sich zu entschuldigen. Der Referent, Polcnske vom Gemeindearbeiterverband, führte in seinem einleitenden Referat aus, daß der Mißerfolg der vorjährigen'Lohnbewegung zu einem großen Teil durch die Uneinigkeit der städtischen Arbeiter verschuldet sei. Die Löhne der städtischen Arbeiter seien «t dem Jahre 1908 nicht mehr aufgebessert worden. Löhne von 4 M. pro Tag, wie sie bei den nichtständigen Arbeiten: bestehen, Monatslöhnc von 107,60 M. bei den Kämmerei- arbcitern sind einer Stadt wie Charlottcnburg unwürdig und von den anderen Gemeinden Groß-Berlins überholt. Dies sei um so bedauerlicher, als finanziell Charlottenburg die zweitreichste Stadt Preußens sei. Zu der günstigen finanziellen Situation tragen auch die städtischen Arbeiter in reichem Maße bei. Betrogen doch allein die Reinüberichüsse des Gas- und Elektrizitätswerks 6 106 766 M., 60 Proz. der gesamten direkten Steuerleistung. Angesichts dessen seien die Anträge auf Erhöhung der Löhne im Durchschnitt um 10 Proz. als äußerst bescheiden und maßvoll zu bezeichnen. Sie bringen kaum einen Ausgleich gegenüber der Teuerung. Scharf kritisierte Redner besonders das Durcheinander in den Löhnen, das selbst von einem Vertreter des Magistrats als sehr verbesserungsbedürftig be- zeichnet wurde. Neben Monatslöhnen gebe es noch Wochen-, Tage-, Schicht- und Stundenlöhne. In einzelnen Betrieben werde der Höchstlohn in 3 Jahren, in anderen in 10, 12 und 16 Jahren erreicht. Doneben bestehe noch eine Verschiedenartigkeit str dre gleichen Kategorien in der Lohnhöhe! So erhält z. B. der Maurer der Gasanstalt 30—38,10 M. Lohn pro Woche, sein Kollege im Elektrizitätswerk 38—43 M. Die Bestimmungen über die Stän- digkeit schließen einen großen Teil der städtischen Arbeiter von den sogenannten sozialen Einrichtungen aus. So lange diese Be- stimmungen nicht beseitigt seien, müßten die Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter als rückständige bezeichnet werden. Zur Durchsetzung dieses Zieles und vor allem der Lobn- forderungen ist aber die Solidarität aller städtischen Arbeiter Er- fordernis. In der Diskussion wies Stadtv. Genosse Gebert besonders darauf hin. daß die Kommission zur Beratung über den Abschluß eines Tarifvertrages, trotzdem sie schon vier Monate besteht, noch nicht einmal getagt habe. Es sei dies bezeichnend für die Art und Weise, wie in Charlottenburg Arbeiter- fragen behandelt werden. Wenn in einer Sitzung der Bürgermeister Dr. Maier die sozialdemokratischen Stadt- verordneten als die berufenen Vertreter der städtischen Arbeiter be- zeichnet habe, so müßten die städtischen Arbeiter bei den Stadt- verordnetenwahlen im November dafür Sorge tragen, daß die Zahl der sozialdemokratischen Stadtverordneten nach Möglichkeit vermehrt werde. sStarker Beifall.) Nachdem noch eine Anzahl Redner aus den verschiedenen Be- trieben im Sinne des Referenten gesprochen hatten, gelangte die nachstehende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die am 24. September im Volkshause tagende, von tausend Kollegen besuchte Versammlung der städtischen Arbeiler, Handwerker und Angestellten erklärt, daß die in den Gemeindebetrieben der Stadt Charlottenburg bestehenden Löhne angesichts der bestehenden und noch weiter steigenden Teuerung nicht ausreichen, um die Kosten für die notwendigsten Lebensbedürfnisse zu decken. Die Versammelten beauftragen daher die Ortsleitung des Ver- bandcs der Gemeinde- und Staatsarbeiter und die vereinigten Arbeiter-AnSschüsse, unverzüglich die in Versammlungen der einzelnen Betriebe beratenen und angenommenen Anträge auf Erhöhung der Löhne den städtischen Körperschaften zu unterbreiten. Um diese Forderungen zur Durchführung zu bnngen. bedarf es des entschlossenen Zusammenwirkens aller städtischen Arbeiter. Dle Bersammelten appellieren an das Solidaritätsgefühl aller Kollegen, und fordern sie auf, durch Anschluß an die gewerkschaftliche Organi- sation ihre Pflicht als denkende Arbeiter zu erfüllen." Arbeiterentlassungen in städtischen Betrieben. Während sich unsere weisen Stadtväter darüber ihre Köpfe zerbrechen, wie sie unter Ver- meidung der sozialdemokratischen Forderung der Arbeitslosenunter- ftützung den Folgen der Arbeitslosigkeit steuern können, sind einzelne Verwaltungen drauf und dran, das Heer der Arbeitslosen weiter zu vermehren. So wird aus der Straßenreinigung bekannt. daß dort ca. 80 Arbeiter am 1. Oktober zur Ent- l a s s u n g kommen sollen. Ist es schon in Zeiten günstiger Konjunktur hart, angesichts des Winters arbeitslos zu werden, so bedeutet die Entlassung in einer Zeit wie der jetzigen Hunger und Elend für die davon Betroffenen. Was nützen alle schönen Reden und Beschlüsse der städtischen Körperschaften zur Linderung der Arbeitslosigkeit, wenn die nachgeordneten Stellen im Gegensatz hierzu handeln. Wie mitgeteilt wird, ist in der Straßenreinigung Arbeit zur Genüge vorhanden. Die Verwaltung handelt hier einfach nach der bisher üblichen Gepflogenheit, ans finanziellen Gründen Anfang Oktober die sogenannten nichtständigen Zlrbeiter zu entlassen. Es wäre wirklich am Platze in diesem Jahre davon Abstand zu nehmen. Achtung, Gewerkschaften! Die Adresse deS Obmanns der Char- lottenburger GcwerkschaftSkommission, Genossen Wilh. Richter, ist jetzt H a e s e l e r st r. 1 1, III. Die Stadtverordnetenwahlcn in Charlottenburg sind für die III. Abteilung auf Sonntag, den 9. November, von 10�.(3 iifft; für die II. Abteilung aus Montag, den 19. No- vember, von 11—7 Uhr. und für die I. Abteilung auf Dienstag, den II. November, von 9—4 Uhr festgesetzt. Neukölln. Die Neuköllner Handwcrkerkrankenkasse nahm in einer Versamm- lung in den Bürgersälen Stellung gegen die Aeußerung des Regierungsrats Dr. Abegg aus dem Polizeipräsidium, die dieser in bezug auf die Kommissionsmitglicder getan hatte. Nach einem Referat und einer längeren DiSlussio» gelangte eine Resolution zur Annahme, in der es heißt: „Die heulige Versammlung gibt ihrem Bedauern darüber AuS- druck, daß Herr Regterungsrat Dr. Abegg, nachdem er dem jetzigen provisorischen Vorsitzenden Völker zuerst empfohlen hatte, den Mit- gliedern der Beschwerdekommission die Hand zum Frieden zu bieten, nunmehr zum Vorwurf macht, diesen die Hand zu weit gereicht zu haben, obwohl er wissen muß, daß gerade durch daS gemeinsame Arbeiten des Vorstandes mit der Kommission am besten und sichersten geordnete Zustände innerhalb der Kassenberwaltung herbeigeführt werden. Ganz besonders aber verwahrt sich die Versammlung dagegen. daß Herr Dr. Abegg den Kommissionsmitgliedern, die das vollste Vertrauen der Mitglieder besitzen, ständig zum VerWurf macht, sie seien erfüllt von sozialdemokratischem Geiste und ihre Agitation sei nichts anderes als»sozialdemokratische Mache"; sie verwahrt sich ferner dagegen, daß die Kommisfionsmitglicder seitens des Herrn Dr. Abegg ständig als»Rambow und Genossen" bezeichnet werden, und sie beauftragt den Vorstand des Vereins zur Wahrung der Mitgliederrechte, hiergegen beim Herrn Polizeipräsidenten v. Jagow und eventuell auch beim Herrn Minister des Innern Beschwerde zu führen." . In letzter Minute geht der Versammlung die Nachricht zu, daß Herr Dr. Abegg die in Berlin gestern vollzogenen Delegiertenwahlen für ungültig erkläre. Die Versammelten legen hiergegen energischen Protest ein und verpflichten den Vorstand des Vereins zur Wahrung der Mitglicderrcchtc. hiergegen unverzüglich Beschwerde zu führen und eine öffentliche Protestversammlung einzuberufen. Gchöueberg. Ten Tätigkeitsbericht der Stadtvemdnetcnfraktion nahm eine außerordeniliche Milgtiederversammlung des Wahlvereins entgegen. An Stelle des Genossen Obst gab Genosse Kllter einen Ueberblick über die Tätigkeit unserer Fraktion im Stadtparlament. Redner konstatierte, daß manches zugunsten der arbeitenden Bevölkerung durchgesetzt sei. Die Stadt habe in den letzten Jahren erhebliche Ausgaben machen müssen für das errichtete KindererholungSheim in Boldixum auf Föhr, ebenso sür das Tuberkuloseheim für Frauen in Sternberg. Hieraus habe sich eine Neuregelung der Sleucrfrage ergeben. Von unseren Genossen sei vor allem dahin gewirkt worden, die Bevölkerung vor indirekten Steuern. zu verschonen, vielmehr habe sie veranlaßt, die Einkommensteuer zu erhöben. Der Stadt erständen ganz besonders erhebliche Unkosteii dadurch, daß sich die Nachbargemeindcn wie Wilmersdorf usw. noch immer nicht dazu aufschwingen könnten, eigene Krankenhäuser zu errichten. Unser Krankenhaus werde infolgedessen sehr in Anspruch genommen, aber die Einnahmen decken sich bei weitem nicht mit den Ausgaben. Ein Antrag, den untersten Steuersatz von 900 M. auf 1200 M. zu erhöhen, wurde angenommen, auch habe die sozialdemokratische Fraktion immer wieder gefordert, endlich ein kommunales Groß» Berlin zu schaffen, hierzu scheine allerdings noch wenig Neigung vor» handen zu sein. Zur Schulfrage habe die Fraktion wieder die Forde» rung der unentgeltlichen Lieferung von Lehr- und Lernmittel erhoben, die Durchführung derselben sei daran gescheitert, daß die Bürgerlichen behaupteten, eine solche Maßnahme würde der Stadt zu teuer, eine An» nähme, die von unseren Genossen unter Hinweis auf Stuttgart widerlegt sei. Die Sache sei nunmehr vertagt worden. Weiter sei zur Frage der lleberfüllung der Klassen, sowie zur vollständigen Durchführung der Schulspeisung auch während der Sommermonate, Stellung genommen worden. Für besonders widerspenstige Fortbildungsschüler habe die bürgerliche Mehrheit eine sechsstündige Arreststrafe einführen wollen, durch tatkräftiges Eingreifen unserer Genossen habe man nur drei Stunden vorgesehen. Dem Antrage unserer Genossen, frei» gewordenes Land als Laubcnland zum Selbstkostenpreis ab« zugeben, sei zugestimmt worden. Außerdem sei eine Wohnungs« inspektion eingeführt, in der ein Pfleger sowie eine Pflegerin tätig find. In Sternberg seien die Betten von 37 auf 77 erhöht worden, so daß den Ansprüchen etwas mehr Rechnung getragen ist. Ein Antrag uiisercr Genossen, den Kleinwohnungsbau mehr zu sördcrn sei angenommen worden. Auch sür die Interessen der städtischen Arbeiter habe die Fraktion ihr möglichstes getan. Der Antrag, eine soziale Deputation einzurichten, in der auch die städtischen Arbeiter vertreten sind, wurde abgelehnt. Die bekannte Arbeitslosen» Unterstützung i», Ort werde durch das rigorose Vorgehen der Beamten zum Teil illusorisch gemacht, so daß von dem im ersten Jahre zur Verfügung gestellten Gclde(16 000 M.) nur 3000 M. zur Auszahlung gelangten. Im zweiten Jahre seien 7000 M. ausgezahlt woroen. Trotzdem seien die Bürgerlichen nicht zur Aendernng der, erhebliche Härten enthaltenden Paragraphen zu bewegen. Zum Schlüsse bemerkte Küter, die sozialdemokratische Fraktion sei mit zwei Mann in das Parlament eingezogen, heute bestehe dieselbe aus 13 Vertretern. Werde bei der kommenden Stadivcrordnetenwahl alles eingesetzt, so könne sich die Zahl um drei vermehren. In der Diskussion bemängelte Genosse Flamme den heutigen Zustand der Fortbildungsschule, in welcher die Schüler in Klassen untergebracht würden, die für sechsjährige Kinder bestimmt seien. Es möge in Zukunft von unseren Genossen im Parlament die Errichtung eines eigenen SchulhauseS angeregt werden. Genosse Köster erhob Beschwerden über verschiedene Mißstände im Arbeits» aint, denen wohl nicht rechtzeitig durch unsere Genossen entgegen» gearbeitet worden sei, ebenso hätte man den alten Sitzungssaal der Stadtverordneten für die Schöneberger Jugend mieten sollen. Im Schlußwort betonte Genosse Küter, daß die Fraktion den Wünschen betreffs Schulbau für die Fortbildungsschule im weitgehendsten Sinne Rechnung tragen werde, im übrigen sei alles getan worden, was zu tun möglich war. Die Mictung des Rathaussaales sei infolge des hohen Preises nicht möglich gewesen. Es wurden sodann der Versammlung die Borschläge der Stadtverordnetenkandidaten unter» breitet und zwar für de» 1. Bezirk die Genossen Eckert und L a z e r als Mieter, für den 2. Bezirk Genosse Ullrich als HauS« besitzer, für den 6. Bezirk Genosse Molkenbuhr als Mieter, für ven 6. Bezirk Genosse Küter als Hausbesitzer, für den 8. Bezirk Genosse B ä u m l e r als Mieter, sür den 10. Bezirk Genosse Eichelhardt als Hausbesitzer und Genosse C b e m i n s k y als Mieter. Die Versammlung stimmte den Vorschlägen zu. 3»"' Schluß wurde vom Genosse» Petri noch auf die am Sonntag st"1'' findende Jugendfeier hingewiesen, und die Eltern ersucht, ihre schul« entlassene Jugend auf dies- Fcier aufmerksam zu machen. Trcvtow-Baumschuleuwcg. Den Bericht vom Parteitag in Jena erstattete in der Mit- gliederversammlung des Wahlvereins Genosse Haß. Redner be» merkte zum Vorstandsbericht: Die Tatsache, daß unsere Organi» sation zahlenmäßig nicht vorwärtsgeschritten sei. gebe zu Be» fürchtungen keinen Anlaß, denn ein Aus- und Niedergehen, habe es in der Bewegung von je gegeben. Die einmal Gewonnenen mit dem Grundgedanken des Sozialismus vertraut zu machen, müsse jetzt unsere Hauptaufgabe sein. Für grundfalsch habe der Parteitag die Ansicht der Genossin Luxemburg gehalten, die die Stagnation darauf zurückführt, daß der Parteivorstand keine offene konsequente Taktik in der Wahlrechtsfragc sowohl, wie bei An» Wesenheit des Blutzaren in Berlin eingeschlagen habe. Zur Frage des Massenstreiks sei soviel geredet und geschrieben worden, wie nie zuvor. Scheideinann sei gegen all die Kritiker scharf aber sachlich zu Felde gezogen, was von der Gegenseite nicht gesagt werden könne. Die Ausführungen oer Genossin Luxemburg hätten den Eindruck völliger Berstäntmislosigkeit gemacht. Genosse Bauer habe das Für und Wider richtig getroffen; wenn er die Acnderung deS preußischen Wahlrechts als Lebensfrage verneint habe, so habe er in diesem Punkt übers Ziel hinausgeschossen. Ter Höhepunkt der Massenstreikdebatte sei die Rede Franks gewesen, als er ausführte: entweder das gleiche Wahlrecht in Preußen oder den Massenstreik!.....,, Zum Fraktronsberrcht müsse das Fehlen einzelner Abgeord- neter bei wichtigen Abstimmungen scharf getadelt werden. Bei der Stcuerfrage lx-be man die Haltung der Fraktion alS richtig aner» könnt. Der Satz: diesem System keinen Mann und keinen Groschen sei seit 1893 nur noch ein Schlagwort. In der Praxis sei unsere Stellung stets eine andere gewesen. Nachdem die Militärvorlage nicht habe verhindert werden können, habe die Frage so gestellt werden müssen: bewilligen wir dem Militarismus direkte oder indirekte Steuern? Da neun Zehntel aller Einnahmen des Reiches dem Mili- tariSmus geopfert werden, konnte die Entscheidung nicht schwer fallen. Der Standpunkt Geyer und Genossen sei vielleicht ange- bracht gewesen zu einer Zeit, wo die Partei noch klein war und alles negieren und ablehnen konnte; heute sei er überlebt. Die Annahme der Resolution Wurm mit so großer Mehrheit, sei leb- Haft zu begrüßen. Zur Arbeits losen frage habe der Referent dem Parteitag eine solche Fülle von Not und Elend vorgetragen, daß man einniütig der Ueberzeugung war, alle Kräfte anzuspannen, um die staatliche Arbeitslosenfürsorge zu fördern. Tiefen Eindruck hätten die Aus- führungen des Genossen Winnig gemacht, als er das namenlose Elend der Bauarbeiter geschildert habe. Der Fall Rädel, der die Partei schon lange beschäftigte, sei in der vom Parteivorstand vor- geschlagenen Weise am besten erledigt. Daß R. nicht würdig sei, der Partei anzugehören, bedürfe nach dem. was bis jetzt bekannt, keiner näheren Begründung. Redner schloß seinen Bericht mit dem Wunsche, daß die Tagung von Jena alle Genossen befriedigt haben dürfte, denn der Wille zur praktischen Arbeit sei zur Tat geworden. Genossin N h n e ck referierte über die zur Frauen- und Jugend- bewegung gestellten Anträge und begrüßte die in Aussicht gestellte populäre Schreibweise der„Gleichheit". Zur Frage des Kinder- schutzes müsse von unseren Vertretern in der Kommune mehr getan werden wie bisher. Der Frauentag, dessen agitatorische Erfolge allgemein anerkannt werden, müsse in Zukunft besser vor- bereitet und zu einer ständigen Einrichtung toerden. Freigang kritisierte sie Haltung des Parteivorstandes, der durch seine Dämpfungspolitik die Funktionäre mißmutig ge- macht habe und daraus resultiere der Stillstand. Am Kassenbericht sei von Interesse, daß alle Kreise, welche die Hauskassierung haben, Fortschritte zu verzeichnen hätten, während die übrigen Kreise, zu denen auch Groß-Berlin gehört, Verluste zu buchen hätten. Es sei also erwiesen, daß unsere Organisation reform- bedürftig sei. Die Rede Bauers zum Massenstreik sei zu miß- billigen. L ü d k e bedauert, daß der Fall Radek in der Weise erledigt wurde. Dies bedeute eine Gefahr, denn in eine solche Situation könne jeder kommen. Auch der Fall Borchardt hätte in aüderer Weise Erledigung finden können. Neuthal besprach die proletarische und die bürgerliche Jugendbewegung und forderte auf,-mehr wie bisher die Gemein- gefährlichkeit des bürgerlichen Jugendfanges in die Oeffentlichkeit zu tragen. Wissel! meinte, ehe wir die Jugend nicht haben, könnten wir an keinen Massenstreik denken. Mit dem Resultat unserer Fortschritte können wir- zufrieden sein. Hätten wir die Ilgitatons- mittel wie unsere Gegner, dann ständen wir anders da. Was Lüdke zum Fall Radek sage, sei beschämend. Hoffentlich würde sich ein solches Vorkommnis.nicht mehr wiederholen. Auf Rein- heit unserer Bewegung müßten wir sehen. Unsere Stellung zur Steuerfrage sei klar. Der Standpunkt, das Prinzip über alles, wenn auch die Masse noch so sehr darunter leidet, könne nicht aufrecht erhalten werden. Wenn gesagt würde, die Gewerkschafts- führer mögen ihre Meinung über den Massenstreik sagen, so antworte er, Redner: den Massenstreik schätze ich viel zu hoch, als daß ich jetzt damit Unfug, treibe, wie es in den letzten Wochen geschehen. Benutzen wir lieber diese Zeit zur Organisierung und Aufklärung, tragen wir den Gedanken des Sozialismus in die entferntesten Hütten, dann nützen wir ihm mehr, als alles Reden. Wenn dann der große historische Moment naht, dann soll der Massenstreik dahinbrausen wie ein verheerendes Feuer, das alles mit sich fortreißt. äu seinem �Schlußwort wies der Referent die Vorwürfe gegen eioerischaften und deren Angestellte zurück. Folgende Reso- lution fand einstimmig Annahme: Tie Mitgliederversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden und gelobt, mit erneuter Kraft oen weiteren Ausbau unserer Organi- sation, sowie die Frauen- und Jugendbewegung zu fördern. Tempelhof. Mit der Arbeitsloscnfürsorgc mußte sich in Kürze auch die letzte Gcmeiadevertretersitzung beschäftigen. Es waren nicht etwa d'esbezügliche Anträge auf die Tagesordnung gesetzt, sondern Ge- nasse Schmidt nahm vor Eintritt in die Tagesordnung Gelegen- heit, auf die Vertröstungen in dieser Angelegenheit hinzuweisen. Bürgermeister Wiesener betonte hierbei, daß es nicht zweckdienlich sei, wenn eine Gemeinde einzeln vorgehe; die Gemeinde habe still- schweigend getan, was andere Gemeinden als Notstandsarbeiten bezeichneten; so sei das Lyzeum im Bau, auch die Regulierung der Attila- und Dorfstraße sei veranlaßt worden. Nebenbei wurde auch bemerkt, daß in erster Reihe ansässige Arbeiter beschäftigt werden, während die tarifliche Entlohnung ganz außer acht ge- lassen wurde. Die völlige Teilnahmslosigkeit der bürgerlichen Vertreter in dieser Sache braucht nicht noch besonders erwähnt zu werden. Zur Regelung der Anstellungsverhältnisse der Gemeinde- beamten macht ein Ministerialerlaß vom 1. Mai d. I. die Ver- sicherungsfreiheit von der Voraussetzung abhängig, daß die An- stellung der Beamten regelmäßig nach Ablauf einer einschließ- lich der Probedienstzeit höchstens zwölfjährigen Frist in eine lebenslängliche übergeht. Die Kommission war sich darüber einig, daß für die Gemeinde die Befreiung von der Versichcrungspslicht nur für die noch nicht auf Lebenszeit angestellten Assistenten und für den zur Aufrückung in die Stellen der Bureaubeamten be- stimmten Beamtenersatz in Frage kommen. Die Assistenten wurden bis jetzt auf die Dauer von 19 Jahren als Kommunalbeamte auf Kündigung angestellt, sie gehen, soweit Zivilanwärter in Betracht kommen, regelmäßig aus der Reihe der gegen Entgelt ohne Be- «mteneigenschaft angestellten Hilfsarbeiter hervor. Zur Einstellung als Supernumerar werden nur solche Bewerber zugelassen, die das Einjährigcnzeugnis besitzen. Einem Antrage des Genossen Müller, der bezweckte, diesen Paragraph zu beseitigen, um auch den Kindern ver Volksschule diesen Weg offen zu lassen, wurde vom Bürgermeister widersprochen. Eine Begrenzung sei in dieser Hinsicht notwendig, da fast täglich Gesuche eingingen. Schöffe Jung wünscht, was von unseren Genossen erst bei der letzten Etats- vc ratung zum Ausdruck gebracht wurde, die möglichste Ein- schränkung der dauernden Ikeberstundenbeschöftigung der Beamten. Bürgermeister Wiesener gab zwar zu, daß die Beamten monate- lang erhebliche Ueberstundcn machen, er könne jedoch eine besondere Bezahlung dieser Stunden nicht empfehlen. Nachdem noch das Oasstatut betr. die Gewähtung von Witwen- und Waisengeld eine Ergänzung' erfahren, die besagt, daß die Hinterbliebenen von Bemntcn, die auf Probe, zu vorübergehenden Dienstleistungen oder zur Vorbereitung angestellt sind oder deren Zeit und Kräfte durch die ihnen übertrageneu Geschäfte nur nebenbei in Anspruch ge- nommen werden, keine Anwendung findet, wurde das ganze Werk bei einer Stimmenthaltung angenommen. Steglitz-j?riedcnau. Die überaus rege Anteilnahme an den Ferienspielen— es waren durchschnittlich 150 Kinder anwesend— gibt dem Komitee für die Ferienspiele Veranlassung, auch j» den Herbstferien die Kinder aus der Enge der Höfe und dem Trubel der Straße hinauszuführen in den Grunewald. Waren die Ausflüge in den Sommerferien reine Spielpartien, so ist jetzt beabsichijgi Nachmittagswanderfahrten zu veranstalten, um der Jugend Gelegenheit zu geben, den Wald in seiner Herbstcspracht kennen zu lernen. Wenn auch die Anforde- rungen an die Marschfähiykeit des einzelnen nicht hoch gestellt sind. ist eS doch nicht möglich, dre gar zu Kiemen mitzunehmen. Kinder unter 8 Jahren müssen daher von diesen Ausflügen ausgeschlossen werden. Es wird mit der Eisenbahn bis Zehlendors-Wcst gefahren werden und von da auch wieder zurück. Kinder bis zu 19 Jahren haben 19 Pf.. Kinder über 19 Jahre 29 Pf. Fahrgeld mitzubringen. Andere Unkosten entstehen nicht. Der Treffpunkt ist am Bahnhof Steglitz, mittags 1 Uhr, und zwar am Dienstag, den 39. September, und Donnerstag, den 2. Oktober. Finden diese Ausflüge Anklang, ist beabsichtigt, auch späterhin an einigen Sonntagen mit marsch- fähigen Kindern weiter derartige Wanderungen, auch Tagestouren, zu unternehmen. An die Arbeiterschaft von Steglitz ergeht die Aufforderung, ihre Kinder auf diese Ausflüge aufmerksam zu machen und zu reger Be- teiligung anzuregen. Die SchulentlassungSfeicr findet am heutigen Sonntag, den 28. September, nachmittags 3 Uhr, im Albrechtshof, Steglitz, Albrecht- straße 1, statt. Die schulentlassenen Jugendlichen und deren Eltern sind herzlich eingeladen. Steglitz. Am Dienstag, den 39. d. M., bei Schellhase, Ahorn- straße Iba: Mitgliederversammlung des Wahlvercins. Tagesord- nung: 1. Bericht vom Parteitag; Berichterstatter Johannes Haß- Treptow. 2. Antrag des Sängerchors. 3. Wahl eines Kassierers. 4. Antrag des Vorstandes und der Bezirksführcr: Reorganisation in Steglitz. 5. Bericht über die Ferienspiele. 9. Berichte von der Kreis- und Vcrbandsgeneralversammlung. Mit Rücksicht auf die reichhaltige Tagesordnung wird pünktlich lhS Uhr angefangen. Köpenick. Die Eröffnung beS Jugendheims findet heute bei Stippckohl, Schönerlinder Straße S, Hof parterre, statt. Die Jugendlichen sowie deren Eltern sind hierzu herzlichst eingeladen. Adlershof. Zu der Notiz:„Ein Bild des Jammers' wird uns auf Veranlassung de» in dem Schriftsatz erwähnten Verwalters Herrn Donner mitgeteilt, daß die Exmission auf Grund eines gerichtlichen Urteils durch den Gerichtsvollzieher im Auftrage deS Hauseigentümers erfolgt sei. nachdem der Mieter seit Monaten die Miete nicht gezahlt und sich geweigert habe, die Wohnung freiwillig zu verlassen. Der HauS- eigentümcr will sogar dem Mieter den Ersatz der Umzugskosten in Höhe von 29 M. angerechnet haben. An der Tatsache, daß die Familie mit ihren vier Kindern im strömenden Regen stundenlang auf der Straße zubringen mußte, wird durch diese Mitteilung nichts geändert. Medrichsfelde. In dem gestrigen Bericht über die öffentliche Versammlung ist davon die Rede, daß die Gemeinde im OrtstcU Karlshorst einen billigen Fleischverkauf eingerichtet hat. Nicht um einen Fleischverkauf, sondern um einen F i s ch v e r k a u f handelt es sich in diesem Falle. Einen solchen für Friedrichsselde einzurichten war nicht möglich, da sich kein Händler für den Verkauf gefunden hat. Ferner wurde von unserem Gemeindevertreter in der Versammlung gesagt, daß versucht worden sei, die aus Wohlfahrtsfonds gewährten Unterstützungen als Armenunterstützungen anzusehen und diese Unterstützungen in Raten wieder einzuziehen. In dem gestrigen Bericht war irrtümlich von Stillprämien die Rede. Spanvan. Zum Boykott deS„Roten Adlers". Durch Aufführung von Sensationsstncken, massenhafter Ausgabe von Gratisbilletts und VorzugSkarten sowie Entfaltung einer gewaltigen und kostspieligen Rektame versuchen die Pächter des Lokals für die Theaterauf führungen und sonstigen Veranstaltungen ein volles Haus zu er- zielen. Nach außen hin soll durch diese Manöver der Anschein er- weckt werden, als wenn der Boykott keinen Einfluß auf den Besuch des Lokals ausübt. Ein hiesiges, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinendes Blättchen gab sogar anläßlich einer gutbesuchtcn Theateraufführung den Pächtern des„Roten Adlers" den guten Rat, sie möchten sich, um immer ein volles HauS zu haben, mit der Bitte an die Partei wenden, täglich Boykottflugblätter verteilen zu lassen. Dieser Bitte wird st» weitestem Umfange ent- sprachen werden. Verschämt verschweigt übrigens das Blättchen feinen wenigen Lesern, wenn die Thealeraufführungen sehr schlecht besucht sind trotz aller Gratisbilletts usw. Die Lokal kommission ist mit dem bisherigen Verlauf des Boykotts, dem nicht nur fast die gesamte Einwohnerschaft Spandaus, sondern sogar die bürgerlichen Saalbesitzer sympathisch gegenüberstehen, äußerst zu frieden. Die Saalbesitzer hegen im allgemeinen den Wunsch, daß durch diesen zweiten Saalboykott, den die hiesige organisierte Arbeiter schaft jetzt ausführt, endlich der verderbliche Einfluß der Militär- behördeu gebrochen wird und sie jeder beliebigen Partei ihre Säle zur Verfügung stellen können, ohne mit dem Militärboykott bedroht zu werden. � Sämtliche bürgerlichen Vereine müssen sich mit dem Boykott beschästigen, da sie zu ihren Mitgliedern leider noch eine sehr große Anzahl organisierter Arbeiter zählen. Soll dieser Kampf siegreich beendet werden, so muß jeder organisierte Arbeiter seinen Mann stehen. In erster Linie müssen die eigenen Familienangehörigen und die jüngeren organisierten Kollegen über die Wichtigkeit der Lokalfrage aufgeklärt und darauf hingewiesen werden, daß Theatervorstellungen, wie überhaupt sämtliche Ver- anstaltungen im„Roten Adler" streng zu meiden und Gratisbilletts und Borzugskartön zurückzuweisen sind. Ferner haben insbesondere die Frauen der Parteigenossen darauf zu achten, daß nicht die Ge- schäftsleute, denen sie ihre sauer verdienten Groschen hintragen, durch Aushängen von Plakaten des boykottierten Lokals der Arbeiterschaft in den Rücken fallen. Zum Schluß ersucht die Lokalkommission auch die Gewerkschasten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer wieder auf den Boykott hinzuweisen. Kein organisierter Arbeiter darf zum Boykottbrecher, zum Verräter an seinen eigenen Klassengenosscn werden. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Pankotv. Dienstag, den 39. September, nachmittags L Uhr. im Rat- Hause, Breitestr. 25—26. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige iß de- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Allgemeine Familieusterbekaffe. Heute Zahl- und Ausnahmetag von 3—6 Uhr im Restaurant Ackerstr. 122 und Buclower Sttaßc 14. Hus aller Alelt. Sine fürlltUcbc Sbc. Vor kurzem fand in Sigmaringen mit dem üblichen höfischen Prunke in Gegenwart zahlreicher Fürstlichkeiten die Hochzeit deS früheren Königs von Portugal, jetzigen Privatiers Manuel mit der Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern-Sigmaringen statt. Der Bräutigam hatte sich durch zahlreiche Liebschaften, unter anderem mit einer bekannten französischen Varictö-Künstlerin, für den schweren Beruf des Ehemannes vorbereitet. Offenbar hat er aus einer dieser Liebschaften eine sehr unangenehme Eigenschaft zurückbehalten, die gewöhnlich für qualifiziert. Denn bald nach der die Presse die Meldung, daß die sunde, kräftig gebaute junge Ehefrau in krank daniederliege. Die einen sprachen von einer Becken- c n t z ü n d u n g, während andere auf noch unangenehmere Krank- heitSursachen rieten. Jetzt bringen mehrere Wiener Zeitungen Räch- richten auö München, wonach die Krankheit der Prinzessin ein Unter- leibsleiden sei. das in der Münchener Hofgesellschaft einen äußerst peinlichen Eindruck gemacht hat. Die junge Frau soll sich zu ihrer Umgebung geäußert haben, daß sie auf keinen Fall zu ihrem Manne zurückkehre, da sie dessen Exentrizitäten nicht weiter zu dulden die Abficht habe. den Ehestand nicht Hochzeit ging durch bis dahin völlig ge- einer Münchener Klinik Es ist geradezu freventlich, wenn auf derartig gewissenlose Weise in Hofkreiien Ehen geschlossen werden. Nicht genug damit, daß die jungen Prinzessinnen oftmals Männern die Hand zum Ehe- bunde reichen müssen, vor denen sie den größten persönlichen i d e r w i l l e n haben, sie laufen auch manchmal Gefahr, daß ihr Körper ruiniert wird. Wir wollen nur daran erinnern, daß die Königin Wilhelmina von Holland mit ihrem Prinzgemahl gleichfalls böse Erfahrungen machen mutzte. Grohfener i« einem westfälischen Dorfe. In dem Dorfe Meinerzhagen brach am Sonnabend morgen ein Grotzfeuer aus, dem 24 Häuser zum Opfer ge- fallen sind. Der Brand ist in einem Heuhaufen vor der Brennerei Krugmann entstanden und hat dann infolge des starken Windes auf die benachbarten Häuser übergegriffen, die mit Stroh gedeckt waren. Von allen Seiten eilten Feuerwehren zur Hilfe- leistung herbei. Trotzdem gelang es erst nach stundenlangen Be- mühungcn, des Feuers Herr zu werden. Menschenleben sind glück- licherwcise nicht zu beklagen, aber der Schaden für die Be- wohner, die nur das nackte Leben gerettet haben, ist doch sehr groß, da die gesamten Erntevorräte mitvcrb rannt sind.__ Katastrophe in einem französischen Hafen. In der französischen Hafenstadt Lorient hat sich am Sonnabendnachmittag eine schwere Bankatastrophe zugetragen. Ein Senkkasten, in dem ze'hnArbeiter beschäftigt waren, stürzte infolge Explosion komprimierter Luft im Hafen um und sank. Sieben Arbeiter wurden schwer verletzt und bewußtlos durch Boote gerettet, ein achter kam noch an die Oberfläche, war aber bereits tot. Der Senkkasten, der sieben Meter tief liegt, muß zertrümmert werden, damit die Leichen der letzten beiden Ver- un glückten geborgen werden können. Kleine Notizen. Schreckenstat eines Geisteskranken. In einem plötzlichen Anfalle von Geisteskrankheit hat in H a m b u r g das Dienstmädchen Anna Fcnkl das vierjährige Kind ihrer Dienstherrschaft mit einem Strick erdrosselt und dann mit dem zweijährigen Kinde die Wohnung verlassen. In einem hmterlasseneu Brief teilte sie mit, daß sie die Absicht habe, sich mit dein zweiten Kinde selbst das Leben zu nehmen. Explosion auf einem Stahlwerk. Im Martinstahlwerl der Gewerk- schaft Grillo, Funke u.Co. in Gelsenkirchen ereignete sich Sonn- abendnachmittag eine Explosion, wodurch vier Arbeiter verletzt wurden, davon zwei lebensgefährlich. Eifenbahnräuber.'Auf verwegene Weise wurde bei Englewood im amerikanisch«: Staate Alabama ein Zug beraubt. Drei Räuber brachten den Zug zum Halten und bedrohten Zugpersonal und Reisende mit Revolvern. Nachdem sie S999 Dollar geraubt hatten, koppelten sie die L o k o m o t i v e los u n d f u h r e n auf dieser davon._ Fugendveranstaltungeu. Dreptow-Baumichnlenweg. Heute Sonntag, den 28. Seplcmberg: Fahrt nach Groß-Beslen. Marsch nach Forstbaus Sauberg, Radeberge, Duberowcr Forst, Hölzerner See, Schmöldc, Senziger Heide. Tiergarten, Königs-Wusterhausen. Fahrgeld 1,26 M. Treffpunkt und Absabtt: Bahn- hos Baumschutcnweg 6.48 Uhr. Proviant sür den ganzen Tag ist mitzu« bringen. Liederbücher nicht vergessen. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der JugendauSschuß. Schöncbcrg. Heute Sonntag, nachmittags 21/, Uhr: Jugendweihe in den Neuen Rathaussäle», Meiningerstr. 8. Musikalische Vor- träge, Rezitation und Ansprache deS Herrn Rudolf Wisscll. Die Eiter» Schulentlassener werden ganz besonders hierzu eingeladen. Paiikow Niederschonhauscn. Die Arbeiterjugend veranstaltet heute nachmittag 2 Uhr tu Pankow aus dem Spielplatz Kissingenstraße tncbe» Amtsgerlchtj ein großes Spieljest. Hierzu sind auch die Jugendlichen anderer Orte geladen. Es werden gespielt: Fußball. Faustball, Tambiercn, GesellschastSspielc usw. Die Jugend und deren Eltern sind zu dieser Ver- anstaltung eingeladen._ frauen-Lefcabcndc. FriedrichShagen. Morgen Montag, den 2g. September, 8'/, Uhr. im Jugendheim. Friedrichstr. 69, zweiter Hos Part. IwkS: Porttag deS Genossen Farwig über:„Was ist Religion?* Lankwitz. Morgen Montag, den 29. Septembex, Im Lokal von Schulz, Mühlcnstr. 21. Tagesordnung: Der Ecbärftreik. eingegangene Drucfercbriften. Heimwärts. Gedichte von W. Schüssen. 112 S.— Medard Rombold. Von W. Schüssen. 189 S. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Die Weiberherrschaft in der Geschichte der'Menschheit. Von Eduard Fuchs und Alsrcd Kind. Mit vielen Jllusttattonen. In dreißig Lieserungen zu je 1 M. Verlag von Albert Langen in München. Marktpreise von Berlin am SK. September 1918, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. MaiS(mixed), gute Sötte 16,89—17,19, mittel 99,99—09,99, gettnge 99,99— 99,99. Mais(ninder), gute Sötte 14,89—16,29. Heu 6,89-7,40. Markthallenpreise. 199 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 39.99—60.90. Speisebohnen, weiße 36,99—69,99. Linsen 36,99—70,09. Kartoffeln(Kletnhdl.) 4,99—7,09. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,79-2.40. Rindfleisch, Bauchsieisch 1,30—1.89. Schweinefleisch 1,59— 2.19. Kalbfleisch 1.49—2,49. Hammelfleisch 1,69—2,49. Butter 2,49-3.99. 60 Stück Eier 3,89—6.99. 1 Kilogramm Karpfen 1,29—2,49. 81 nie 1,49—2,89. Zander 1,39-3,29. Hechte 1,20-2,89. Barsch- 9,89-2,40. Schleie 1,49—3,29. Bleie 9,89—1,89. 69 Stück Krebse 1,50—49,09. WitterungSüberficht vom 87. September 1918. CtatUmcn Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien «tatlone» K II taparanda eterSburg Scillh Aberdee» Patts 764 773 767 761 763 l| vß W SW SO SSW ONO «etter 4 wolkenl wolkig 4 wolkig wolkenl 1 wolkig K* ti Bk 9 6 15 13 10 Wetterprognose für Sonntag, de» 88. September 1918. Trocken, ein wenig wärmer bei veränderlicher Bewölkung und ziemlich sttschcn östlichen Winden. Berliner Wette r-bureau. Wasserstands-Nnchrichten der Landesanstalt für Eewäfferkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetierburcau Wafferstand M e m e I. Tilsit P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krassen . Franksutt arth e, Schnmm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmctttz , Dresden , Barby , Magdeburg J)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*3 Unterpegel. Kaftee* Tassen 95« mit Goldrand und Linie 6 Stück r# Potsdamer Strafe 10/1 13 Friedrichstra�e 110/112 (PASSAGE-KAUFHAUS) Leipziger Strafe 75/76 Kaffee� Service dekoriert* 9 Teile../ 45 (Reste und flbsdßitte von(Kleider- und Seidensteffen 35 IM Baumwoll- Flanell Kinder-Schotten.......... J Rest Zephir gestreift, für Blusen...... J Meter Bedruckter Velours| im* m Bedruckte Satin-Flanelle....| Rest& � Kleiderstoffe, Blusenstoffe.. J Meter* Pf. Pf. Blusenstoffe, Kleiderstoffe, Schotten, imitierte Flanelle, Seidenstoffe, Serge halbseiden Kostümstofie 130 cm breit---- Reinwollene Uni-Stoffe•.. Seidenstoffe schwarz und farbig im Rest Meter im Rest Meter 65 90 Pf Pf. Seidenstoffe schwarz und farbig,. Schwarzer Köper- Velvet... Kleider- und Blusenstoffe... Seidenstoffe schwarz und farbig.. Lindener Velvet 70 cm br., schwarz Kostüm- und Kleiderstoffe.. . im Rest Meter im Rest Meter 1.25 1.80 Ein Posten Damenstrümpfe und HerrenSOCken mit kleinen repassierten Webefehlern, verschied. Qualitäten 38 Pf. PoVn Trikotagen für Herren Normal- rv/j bemkleider Pf-. N or m a I hertvde n doppelter Brust mit 1.10 Fingerhandschuhe reineseide 12 Knopf lang, Mousquefaireform, glattes■ 25 Gewebe, Besonders billig! Schmortöpfe.......... 25, 35, 45 Pf. Schmortöpfe mit Ring... 30, 45, 60 Pf. Ringtöpfe............... 95 Pf, 1.25 Wasserkessel für Gas... 35, 50, 65 Pf. Wasserkessel zum Einhängen.. 95 Pf ,1.20 Konsole Land, Leite, Loda........ 85 Pf. Bürstenwaren Roßhaarbesen...... 95 Pf., 1.45, 1.70 Roßhaarhandbesen.... 50, 70, 85 Pf. Borstenbesen......... 55, 70, 90 Pf. Borstenhandbesen..... 30, 40, 50 Pf. Bohnerschrubber... 2.85, 3.50, 4.50 �eppichkehrmsschinen.. 7.00, 8.75 Ein Posten Tischmesser... örnaille-Qestitim Schüsseln, Trichter, Teller, Schöpflöffel, Becher,) Tassen.................................... /' Kochtöpfe, Kasserollen, Kaffeekocher, Wasch-\ h [Stück 10 Pf- hecken, Bratpfannen, Milchkocher........... J stuck 35 Pf. Besonders billig! Salatsiebe............... 45, 65 Pf. Löfielbleche................ 95 Pf. Teigschüsseln......... 55, 75, 90 Pf. Wannen oval............ 90 Pf, 1.05 Mülleimer.............. 90 Pf., 1.45 Waschtöpfe......... 1.75, 2.10, 2.50 Aluminium Eierpfannen.......... 45, 65, 90 Pf. Milchkocher............ 1.65, 2.15 Maschinentöpfe..... 1.10, 1.35, 1.65 Kasserollen flach.... 1.55, 1.75, 2.10 Fleischtöpfe........ 1.55, 2.10, 2.50 Schmortöpfe....... 2.05, 2.45, 2.75 ............ regulär bis 1,00 Stück 45 Pf- Polsterbettstellen Strf.';5.25,?odfnpiral:6.75 Bettstellen ÄÄ5™". 14.60 Kinderbetfstellen 10.75 Bettstellen«» sp».ibod.n... 6.50,»» Kk, 8.25 Bettstellen iZK-m Sf: 23.50 Kinderbettstellen S, l!1!?". 14.75 Wassereimer, Wasserkannen, Petroleumkannen,\ � � Milchkocher.............................. j stück Pf- Lampen Zugampel mit Perlreifen........................ 11.75, 14.50 Zugampel mit Qrätzinbrenner..................... 13,50, 16.60 Herrenzimmer kröne 4 Qrätzinbrenner.................. 29.50 Speisezimmerkrone 4 Qrätzinbrenner................... 49.50 Petroleum-Tischlampen 14"' mit Messingfuß.............. 2.45 Glühstrümpfe für stehendes Licht.. 16Pf, für HängcliCht..... 20 Pf. ----- regulär bis 60 Rf. Stück 20 Pf-° Etil POStCD BfOtmCSSCF en Bestehend aus Büfett, Tisch, 2Stühlen, Handtuchhalter, Rahmen und Kohlenkasten.......... 57.00 Bestehend aus Büfett, Tisch, 2 Stühlen, Eimerspind, Handtuchhalter und Kohlenkasten..... 87.00 Bestehend aus Büfett, Anrichte, Tisch, 3 Stühlen, Rahmen, Kohlenkasten und Handtuchhalter.... 90.00 Glas öteingut Bierbecher mit Goldrand........ 12 Stück 90 Pf. Teebecher mit Bordüre........... Stück 9 Pf. Zitronenpresse steüig........... stück 12 Pf. Sturzkaraffen Eisglas weiß 43 Pf., farbig.. 48 Pf. Pilsener Bierpokale Ballonform, mit Goldrand w/ao Liter Inhalt................... Stück 68 Pf. Weinglasgarnitur„Amanda" hübsche, hohe Form, aparte Gravierung Rotweinglas..... 42 Pf. Rheinweinglas... 48 Pf. Portweinglas---- 35 Pf. Likörglas....... 30 Pf. Bowlenglas..... 60 Pf. Champagnerglas. 58 Pf. Bierbecher...... 30 Pf. Selterbecher---- 25 Pf. Abendbrotteller Feston, weiß.. Tassen Schalenform mit Untertassen kobaltblau mit Goldhenkel.............. 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Singer u. �.o., Berti» 5» «t 2ä3 3# � i Keilte des LmMts" Derliller WidslilM.««?..««»» im. Serickts- Deining. »Die ruhende Nymphe" vor Gericht. Die Bolksbühncnbuchhandlung, deren Laden sich im Hause bei Neuen Voltstheaters, Köpenicker Straße 68, befindet, ist seiner- zeit auf Veranlassung der Neuen Freien Bollöbühne ins Leben gerufen Morden, um durch Verbreitung guter Literatur und gediegener Kunstwerke die Volksbühnenbestrebungen zu unterstützen. Derartige Bestrebungen werden natürlich von allen Muckern und Dunkelmännern tödlich gehaßt, zumal Das meiste von dem, was normalempfindende Menschen als schönste und edelste Kunst an- sprechen, von Leuten mit verschrobenem Sittlichkeitsempfinden als höchst verwerflich und verderblich angesehen wird. Irgendein un- bekannter Sittlichkeitsfatzke hat denn auch das Schaufenster der Volksbühnenbuchhandlung daraufhin fortgesetzt kontrolliert, ob da nichts zu finden sei, woran muckerische„Sittlichkeit" Anstoß nehmen könne. Eines Tages entdeckte er endlich ein Bild, welches eine unbekleidete weibliche Figur zeigte. Flugs machte er die Polizei auf seine Entdeckung aufmerksam. Die Polizei zeigte volles Ver- ständnis für die Schmerzen des anonymen Denunzianten. Sie schickte den Schutzmann Licbenow in den Laden der Volksbühnen- buchhandlung, damit er das angeblich unsittliche Bild käuflich er- werbe. Was der Schutzmann erstand, das toar eine im Verlage der„Jugend" in München erschienene Reproduktion eines Ge- mäldeö von Anselm Feuerbach:„Ruhende Nymphe". Da Schutz- mann Liebenow gerade dabei war, Material für einen Sittlich- keitsfcldzug zu sammeln, so tat er noch ein übriges und kaufte auch eine im Laden ausliegende Postkarte, die auch eine auf blumiger Wiese lagernde nackte Frauengestalt zeigte. Der biedere Anselm Feuerbach als Maler unzüchtiger Bilder! — Wer die Kunstgeschichte auch nur ganz oberflächlich kennt, wird bei diesem Gedanken den Kopf schütteln. Nun wurde Heinrich Wilcker, der Inhaber der Volksbühnen- buchhandlung, angeklagt, sich durch Ausstellung unzüchtiger Bilder gegen Z 184 des Strafgesetzbuches vergangen zu haben. In mehrstündiger Verhandlung beschäftigte sich gestern die 12. Strafkammer des Landgerichts I mit der Prüfung des angeb- lichen Sittlichkeitsvergehens der Volksbühnenbuchhandlung. Die Verteidigung, die in den Händen des Rechtsanwalts Lesser lag, hatte Zeugen und Sachverständige geladen, um zu beweisen, daß hier weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht die Ver- breitung unzüchtiger Bilder vorliege. Der Vorsitzende der Neuen Freien Volksbühne, Berlagsbuch- Händler Springer, sagte, daß nach dem Charakter der Volksbühnen- buchhandlung und ihres Inhabers bei der Auswahl der zum Ver- kauf kommenden Bilder keine anderen als rein künstlerische Prin- zipien obwalten könnten. Würde die Buchhandlung jemals von diesen Prinzipien abweichen, dann würde die Leitung der Neuen Freien Volksbühne sofort eingreifen. Dazu habe sie aber noch nicht die geringste Veranlassung gehabt. Das hier in Rede stehende Bild könne bei keinem Menschen, der nicht schon sittlich verdorben sei, andere als künstlerische Empfindungen hervorrufen. In demselben Sinne äußerte sich auch der Zeuge und Sach- verständige, Kunstschriftsteller Dr. Deri, der Assistent des Museums- direktorS Bode war und seit mehreren Jahren dem künstlerischen Ausschuß der Neuen Freien Volksbühne angehört. Er erklärte, es sei ganz ausgeschlossen, daß daS Feuerbachsche Bild unzüchtig wirken könne, aucy nicht, wenn es im Schaufenster ausgestellt werde. Der bekannte Maler, Professor Lovis Corinth erklärte: Das vorliegende Bild ist einer der besten Akte, die Feucrbach gemalt hat. Der Ausdruck der ruhenden Nymphe ist keusch, ja sogar herb. Die vollkommene Ruhe des Körpers, namentlich sie Haltung des Kopfes läßt erkennen, daß Feuerbach yichts Sinnliches hat darstellen wollen. Das Bild ist durchaus uusinnlich, ich finde es wunderbar. Auch die vorliegende Reproduktion ist sehr gut und künstlerisch. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen der Postkarte aus formalen Gründen fallen. Die Ausstellung von Feuerbachs ruhen- der Nymphe aber erklärt: er trotz der sachverständigen Gutachten für strafbar. Könnte man den Gesetzgeber fragen, dann würde er sagen, daß die Ausstellung dieses Biloes im Schaufenster nicht geduldet werden könne. Söhne aus guter Familie mögen bei solchem Bild sich nichts denken. Aber die Großstadtjugend be- trachtet es mit anderen Augen. Das muß verhindert werden. Es muß möglich sein, daß ein Vater mit 14° bis 16jährigen Töchtern, ohne ihnen die Augen zu verbinden, durch die Straßen Berlins gehen kann. Zu einer Geldstrafe von 16 M. sollte nach dem Antrage des Staatsanwalts der Angeklagte verurteilt werden. Rechtsanwalt Lesser kennzeichnete die Ausführungen des Staatsanwalts über die Absichten, die der Gesetzgeber mit dem § 184 verfolgte, mit den Worten: Als Poesie gut, aber durch die Entstehungsgeschichte des Gesetzes nicht begründet. Erst in neuerer Zeit machen sich die Bestrebungen geltend, das, was durch die abgelehnte Verschärfung des Gesetzes erreicht werden sollte, durch Auslegung des bestehenden Gesetzes zu erreichen. Der Gesetz- geber hat nicht gesagt, alles was nackt ist, ist unsittlich. Gegen das Feuerbachsche Bild ist nichts weiter vorgebracht, als daß es eine Nacktheit darstellt. Das natürliche Empfinden erblickt darin nichts Unsittliches. Erst eine Degeneration des natürlichen Emp- finbens hat es mit sich gebracht, daß solche künstlerischen Dar- stellungen von gewissen Leuten als unsittlich angesehen werden. Das Volk hat nicht eine so schmutzige Phantasie, daß es durch die künstlerische Darstellung des Nackten sinnlich erregt würde. Das Volk will edle Kunst und hat sich deshalb die Volksbühnen geschaffen. Alle, die berufsmäßig mit dem Volke zu tun haben, wissen, daß es in seinem Empfinden sittlich ist und nicht durch eine Judikatur, wie sie hier in dem§ 184 gegeben werden soll, beglückt zu werden brauche. Aus objektiven und subjektiven Gründen mutz der Angeklagte freigesprochen werden. Der Staatsanwalt beantragte nun, falls das Gericht zu einer Freisprechung kommen sollte, die Verhandlung zu vertagen und den Kinofilmzensor drS Polizeipräsidiums, Professor Brunner, als Sachverständigen zu laden. Nach längerer Beratung gab das Gericht diesem Antrage des Staatsanwalts statt. Zu dem neuen Termin sollen die heute vernommenen Zeugen und Sachverständigen geladen, sowie Pro- fessor Brunner, der begutachten soll, ob der Angeklagte sich bewußt sein müsse, daß die Darstellung nackter menschlicher Körper ge- eignet sei, auf die heranwachsende Jugend unsittlich zu wirken. Wenn Professor Brunner nicht irrlichterierender Gedanken- leser ist, dann wird er die Aufgabe, die ihm daS Gericht stellen will, schwerlich bejahen können. Die Krupp-Affäre wird in ihrem zweiten Teile nun im nächsten Monat die Straf- kammer beschäftigen. Das Hauptverfahren ist eröffnet worden gegen den frühereu Vorsteher des Berliner Bureaus Brandt und dem Ver- nehmen nach auch gegen Herrn Eccius. Termin zur Hauptver- Handlung ist vor der 2. Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichts- Direktors Karsten auf den 23. Oktober und folgende Tage angesetzt. Die Verteidigung führen Rechtsanwalt Dr. Löwcnstein und Justiz- rat Dr. v. Gordon._ Ist der Turnverekn„Fichte" ein politischer Berein? Mit dieser Frage hatte sich vor kurzem bereits das Obervcr- waltungsgericht zu beschäftigen, da der Turnverein„Fichte" gegen die Verfügung des Berliner Polizeipräsidenten, wonach der Verein dem Z 3 des Reichsvereinsgesetzes unterstellt wurde, den Klageweg beschritten hatte. DaS Oberverwaltungsgericht kam jedoch nicht zu einer Entscheidung, weil der Verein die Klage vor der Urteilsver- kündung zurückzog. Nunmehr richtete der Polizeipräsident erneut an den Verein die Aufforderung, sich dem§ 3 des Reichsvereinsgesetzes zu unterstellen und Statut und Vorstandsverzeichnis ein- zureicken. Gegen diese Aufforderung klagte der Verein vor dem Bezirksausschuß der Stadt Berlin, der sich vorgestern mit dieser Frage zu beschäftigen hatte. Der Turnverein„Fichte" wurde durch Rechtsanwalt Dr. Cohn vertreten. In eingehenden Dar- legungen zerpflückte der Verteidiger das..Beweismaterial" des Polizeipräsidenten. In Preußen sei mit Unrecht der Arbeiter- turnerbund für politisch erklärt. Demgegenüber habe die sächsische Regierung, die doch in scharfer Bekämpfung der Arbeiterschaft wirklich nichts zu wünschen übrig lasse, ebenso wie die Leipziger Polizeibehörde, die die Leitung des Arbeiterturnerbundes fort- laufend unter Kontrolle habe, mit Recht erklärt, eine politische Be- tätigung des Arbciterturnerbundes liege nicht vor. Ueber diese Gutachten setze sich Preußen und einige andere Staaten einfach hinweg. Das Material des Berliner Polizeipräsidiums entbehre jeder Beweiskraft. Rote Schärpen bei turnerischen Vorführungen könnten doch nicht ohne weiteres als sozialdemokratische De- monstration bezeichnet werden. Bekanntlich benutzen auch die deutschen Turner sehr oft rote Schärpen, weil rot in Verbindung mit der weißen Turnkleidung die Turnerfarbe rot-weitz ergibt. Dann sei angeführt, der Verein benutze den„Vorwärts" für seine Bekanntmachungen. Daraus folge nicht das geringste, zumal an- dere Zeitungen diese Bekanntmachungen nicht aufnehmen würden. Ferner werde den Arbeiterturnvereinen zum Vorwurf gemacht, daß sie in sozialdemokratischen Lokalen ihre Zusammenkünfte ab- halten. Wo sollen die Arbeiterturnvereine hin, wenn ihnen durch Behörden und Privatpersonen ein Lokal nach dem anderen abge- trieben werde? Und ist das eine„politische Betätigung"?_ Ebenso unhaltbar sei es, daß man die politische Ueberzeugung der einzelnen Mitglieder als Beweis dafür ansehen wolle, daß der Verein sozial- demokratisch sei. Auch bei einem Richterkollegium könne sehr leicht der Fall eintreten, daß alle Richter eine bestimmte politische Ansicht haben. Würde es nicht geradezu der gesunden Vernunft wider- sprechen, wenn man von diesen Richtern dann behaupten wolle, sie bildeten einen politischen Verein? Nicht aus der Tätigkeit der einzelnen Mitglieder dürfe auf den Charakter des Vereins ge- schlössen werden; man müsse vielmehr dem Verein als solchen eine politische Tätigkeit nachweisen. Eine solche sei aber schon durch das Statut ausgeschlossen; es fehle jeder Beweis. Der Bezirksausschuß verkündete als Urteil: Die Klage deS Turnvereins„Fichte" auf Aufhebung der Verfügung des Ber- liner Polizeipräsidenten wird zurückgewiesen. Der Turnverein „Fichte" gehöre dem Arbeiterturnerbunde an, der ein politischer Verein sei und müsse daher demselben in der Tendenz gleich- gestellt werden. Der Bezirksausschutz habe die Ueberzeugung, daß der Verein sich politisch betätigt habe. Demzufolge mußte auf Ab- Weisung der Klage erkannt werden. Das Urteil ist selbstverständlich nicht endgültig, sondern kann angefochten werden. Dieses Urteil ist ein neuer Beweis dafür, daß die herrschenden Klassen fest entschlossen sind, den Kampf um die Jugend— denn darum handelt es sich in der Hauptsache— mit Zähigkeit weiterzuführen. Dabei spielt es auch gar keine Rolle, daß die bürger- liche Jugendbewegung versteckt oder offen den Kampf gegen die Sozialdemokratie predigt. Und das wiewohl es in der Verfassung heißt:„Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich." Fahrlässige Tötung durch Elektrizität. Vom Landgericht Essen a. N. ist am 3. März der Installateur Otto Fülling zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er be- treibt ohne theoretische Ausbildung seit zehn Jahren ein Jnstalla- tionsgeschäft und hatte in seinem Wohnorte die Anschlüsse verschie- dener Betriebe an das Elektrizitätsnetz bewirkt. In einer Bäckerei wurde die Anbringung eines Nullä-Ausspannungsschalters verlangt und der Angeklagte brachte einen solchen am Motor an. Er unter- ließ es aber, trotzdem der Strom eine Spannung von 356 Volt hatte, eine Schutzkappe anzubringen. Als der Abnehmebeamte das Fehlen der Kappe rügte, sagte der Angeklagte, die Leute würden sie selbst anbringen. Als am Nachmittag des 26. Oktober 1912 zwei Bäckergesellen auf dem Mehlspeicher der erwähnten Bäckerei waren, machte sich der eine an dem Kegel des Schalters zu schaffen. Plötz- lich schrie er auf und fiel tot nieder. Der Starkstrom hatte ihn ge- tötet. Dem Angeklagten ist die Schuld an diesem Unfall beigemessen worden. Seine Revision wurde am Freitag vom Reichsgericht ver- warfen. Hexerei und Zauberei. Ein geradezu unglaubliches Beispiel von Aberglauben lieferte eine Gerichtsverhandlung, der Strafkammer in Prenzlau, wo eine Frau Weingarten aus Schöpfurth bei Eberswalde wegen Beleidi- gung und Verleumdung in der Berufungsinstanz zu 75 M. Geld- strafe verurteilt wurde. Der Untergrund der Klage war Zauberei und Hexerei, der sich die Angeschuldigte befleißigt hatte. Die Pferd« eines Kohlen- Händlers in Eberswalde hatten die Frcßlust verloren. Dieser gigg nun nicht zum Tierarzt, sondern zu Frau Weingarten, die in dem Gerüche einer weisen Frau steht und die durch Zauberei die Pferde zum Fressen bringen sollte. Sie kam, sah die Pferde, strich sie, und — die Pferde fraßen wieder. Nach der Art weiser Frauen forderte sie kein Geld, vielmehr. gab es der hexengläubige Kohlenhändler unaufgefordert und fuhr ihr auch unentgeltlich Kohlen an. In einem anderen Falle bildete sich ein« Frau ein, unterleibsleidend zu sein, sie Mhrte ihre Appetitlosigkeit darauf zurück. Die weise Frau verordnete ihr ein weißes Pulver, und der Frau war ge- Holsen. Besonders erleichtert mag sie sich gefühlt hohen, als sie 11 M. für die Konsultation abgeliefert hatte. In beiden Fällen be- gnügte sich die weise Frau aber nicht mit dem Erfolg, sondern sie gab den Rat, daß sich die Hilfesuchenden vor der Berührung mit bestimmten Personen hüten müßten, da sonst der Erfolg in Frage gestellt sei. Diese erfuhren davon und klagten wegen Beleidigung und Verleumdung. Das Gericht sah den geringen Bildungsgrad der Beklagten als strafmildernd an. Preisausschreiben-Erledigung! Wir geben hierdurch den Einsendern auf unser Preisausschreiben vom Januar 1913 bekannt, daß die Bedingung 4 „Gesetzliche Schutzfähigkeit" die Erledigung des Preisausschreibens wider Erwarten um einige Monate verzögert hat und schließlich sämtlichen von den Preisrichtern gewählten Namen der pafenfamfll che Worfschatz nicht erteilt worden ist. Die Ablehnung erfolgte mit Gründen, die bis auf einen Fall jeden weiteren Widerspruch ausschließen. Dieser einzige noch zur Entscheidung stehende Fall betrifit den Namen 99 PICHELBRAU welcher somit als Preisträger nur noch in Frage kommt. Da aber die diesbezügliche Entscheidung des Patentamtes sich noch längereZeit hinziehen wird, haben wir uns bereits jetzt entschlossen, die in unserem Ausschreiben ausgesetzte Gesamtsumme von 44 auf die 29 Einsender des Wortes„PICHELBRÄU" HP gleichmäßig zur Verteilung zubringen. BERLIN, den 28. September 1913. Deutsche Bierbrauerei Aktiengesellschaft Todes-Anzeigen Am Donnerstag, den 26. September, srüh 3 Nhr, verschied nach langem, schweren, mit großer Gc- bulb ertragenem Leiden mein innigstgeliebtcr �lltami, unser lieber Sohn, Brude� Schwager und Onlel Emü Bochert im Slltrr von 38 Jahren. Dies zeigt ticfbctrübt an im Namen der trauernden Hinter. bliebene» Vitne Lmma öoodert, geb. Belau. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. September, nach- mittags 3>/,Uhr, von der Leichen- balle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes am Maricndorfcr Weg aus statt. StA SozIaldeffloMssiier WaUvereiG Am W. September verstarb?nser Parteigenosse, der Schlosser UnuZ Bochert Berliner Str. 90, 5. Bezirk. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 28. Septbr., nach- mittag» 3V, Nhr, aus dem Neu- köllncr Gemeindesriedhof, Marien- dorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 238/10 Ter Vorstand. lIeMderüetsIIardeiter-VeftisGll Verwaltungsstelle Berlin. Den Sollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Kmil Bochert am 25. d. MtS. an Lungenletden gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 28. September. nachmittags 31/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- Hofes in Neukölln, Mariendorser Weg, auS statt. Ferner starb»nfer Mitglied, der Werkzeugmacher Karl I�ahe ins Lichtenberg, Wagnerstr. 24, am 25. d. M. an Blinddarmleiden. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 29. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoss in Lichtenberg, Bornitzstraße, auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 26/20 Die Ortsverwaltung. Berlchtl�ans. Die Beerdigung des Kollegen Preppcrnau findet nicht um 4 Uhr, sondern um 3 Uhr statt. Sozküdemolcat. KreisvaUferein liederbarnim. Bewirk I-Ichtenberg;. Den Diitgliedrrn zur Nachricht, daß der Genosse ]£»rl Rabe Wagnerstr. 24 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4 Uhr aus dem Gememde-Friedhos in Lichtenberg. Bornitzstraße, statt. 14/19 Rege Beteiligung erwartet vis Bezirksleitung. Allgemeine Kranken- rniil Sterbekasse öer üetallarbeiter E. H. Hamburg. Filiale Lichtenberg I Am 25. September verstarb unser Kollege Rarl Rabe. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet am Montagnachmittag 4 Uhr aus dem Gcmeindc-Friedhos in Lichtenberg, Bornitzstraße, statt. 127/2 vis Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verbanö. Steirtisverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter l�emholä Klenke {9 am 21. d. Mts. im Alter von 23 Jahren verstarben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Bartholomäus-KirchhosS in Weißensee aus statt. 68/8 vis Bezirksverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- ' enden bei der Beerdigung unseres ..eben Sohnes und Bruders, des Klempners Artur Herzog, sagen wir allen Beteiligten, insbesondere den Kollegen der Firma Gerecke bästTta herzlichen Dank. Die trauernde» Hinterbliebenen Familie Herzog- DStS Verband IGemelnde-n. Staatsarb. Filiale Groß- Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Alfred Tripke welcher im Betriebe des städttschen Gaswerks Danzigerstraße beschäs- ligt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Montag, den 29. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Jmmanuel-Kirch- böses in Weißcnsee, Falkenberger Chaussee, aus statt. 35/10 vis Ortsverwaltung. lost stak« mein Lnreau von Neue Königstr. 35 nach Berlin C.2, Klosterslr. 65-67, am Uutergnmdbahnhof Klosterstraße, gegenüber dem Stadthaus verlegt. Mein Telephonanschluß bleibt» Königstadt 11516. 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Mgdsleue Steiumann 29A nebst Kindern. ArbkiltriitlmKaudkrUllter- grvvdbchn Alezanderplatz! Zeugen gesucht. Am 7. September ISIS ver- unglüdte der Kaufmann Krauskopf beim Ueberschreiten der Gleise der Straßenbahn am Alexanderplatz. Zwei Arbeiter brachten den Ver- unglückten in eine Droschke und boten fich als Zeugen an. Um ihre Adressen, die sie damals im Hotel de Hambourg, Heiligegeiststraße 17/18, niedergelegt haben, wird gebeten. 2142b Witwe Krauskopf. Adressen find abzugeben im Bureau Justizrat Löwe. Alexanderstr. 41. Fertle»m Lager: GebroiWge5";";36u.| MiDHnziisKiOM| |Cütawayu. Weste Seinltleider"-to5: 8*. Fertige schwarze Kleidung: fiir Knaben and Jünglinge :: in größter Auswahl:: Feine Maß- Anfertigung j :: in ca. 10 Standes:: Baer Sohn Kleider- Werke Berlin, Gegr. 1891. Chuideesiraße 29— 30. II. BrückenstiaBe II, Gr. Franlclurter Str. 20. tohöneberg. Hauplatr. 10. Spezialarzt fBr Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Heilung. 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