( 5 Pfennig) MoNtttgSltUSgltite Nr> 254. Udonnementz-Kellliigungen: LbonnementS- Preis pränumerando: Vierteljöhrl. SLS Ml, tnonatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, stet WS HauS, Einzelne Nummer b Pfg. Sonntags, Eingetragen in die Post» ZeilungS- Preiklislä Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige tlusland 4 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an Belgien Dänemarl, Holland. Italien Luxemburg. Portugal. Rumänien Schweden und die Schweiz. cklchtwl tZgllch. 30. Jahrg. vie Inseftlsnh-Seblllif beträgt für die lechsgespaltene Kolonel- Zeile oder deren Www SO Pfg, für politische und gewerkschastliche BcreinS- und VcrsammlnungS-Anzeigen SO Psg. „bileine Anreisen", das settgedruclte Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedrullte Worte), sedeS wtitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geofsnet. Telegramm> ildreffe: „ZMiztilemdhrsl Selli»". Zentralorgan der Ibzialdemokrattfchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8ÄI. 68, Linden ftraße 69. Fernsprecher: Amt«OTorihplo«, Nr. 1983. Montag, den 29. September 1913. Expedition: 8Al. 68, Lindenstraße 69. kiernsprechcr: Amt Nioritivlnti. Nr. 1981. ZeMawer Ihandel. Wie könisfliche Ticnstpferde anackauft werden. Die große Heeresvorlage dieses Jahres hat neben anderen Nutznießern auch den Pferdehändlern und Pferde- züchtern gute Zeiten beschert. Dank der Bewilligungs- Freudigkeit der Reichstagsmehrheit sind fa sechs neue Kavallerieregimenter geschaffen worden, die Bespannung vieler Feldbatterien wurde vermehrt und auch für andere Truppen- einheiten sind Pferde anzuschaffen. Ter Bedarf für die Armee beträgt in diesem Jahre rund 40 000 Pferde. Einzelne Landwirtschaftskammern haben, noch ehe die Hceresvorlage unter Dach und Fach war, die Pferdebesitzer von Verkäufen an Private getvarnt. weil mit dem Staate ein besseres Geschäft gemacht werden kann. In den letzten Wochen haben die Remonteankaufskommifsionen fieberhaft gearbeitet, um zum 1. Oktober den Truppenteilen die nötigen Pferde zu liefern. Bei solchen Pferdeankänfen ist es manchmal recht merkwürdig zugegangen. Im„Ostdeutschen Grenzboten" von Stal- lupönen, einem amtlichen Anzeigeblatt, findet sich folgen- des Eingesandt: „Am Mittwoch, den 17. d. M., fand in Pillkallen Markt zum Ankauf volljähriger Pferde statt. Als vollständig Unbeteiligter hatte ich Gelegenheit, die Handhabung des Ankaufs zu beobachten. Die- selbe läßt aber meiner Ansicht nach recht viel zu wünschen übrig. Beim Ankauf sollten hauptsächlich Pferde von Besitzern berück- stchtigt werden. Es leuchtet nun auch jedem Laien ohne weiteres ein, daß der Besitzer in der notwendigen Arbeitszeit, in welcher der Markt stattfand, die Pferde nicht ausgefüttert und ausgeputzt aus der Egge oder dem Pflug bringen kann. Da die Kommission nun aber nicht das Fleisch, sondern das Pferd kauft, so hätte sie die Pferde des Besitzers etwas eingehender mustern können. Dieses ist an- scheinend nicht der Fall gewesen, denn es gingen wohl zehn oder mehr Pferde der Reihe nach durch, ohne daß dieselben gemustert wurden, der Herr Major äußerte nur, jetzt käme die Elite. Dann brachte Herr Kaufmann Törfer-Pillkallen ein Pferd, welches der Herr Major mit den Worten begrüßte:„Was wollen Sie mit der dicken Sau, die ist gut in die Dunggrube zu werfen." Es ist meiner Ansicht nach wohl Sache des Herrn Majors, über Kauf oder Nicht- kauf eines Pferdes zu entscheiden, er hat aber kein Recht, ein Pferd in solcher Weise zu kritisieren; die Acußcrung ist überhaupt eines gebildeten Menschen unwürdig, denn nicht jeder Besitzer hat soviel Verständnis, ein Pferd zu beurteilen, ob es sich zu Militärzwcckcn eignet oder sich. Herr Gutsbesitzer Sauskat-Martingken stellte der Kommission drei Pferde vor, eins wurde ihm abgekauft: ein zweites— einen Fuchswallach— konnte der Herr Major nicht brauchen, er sagte vielmehr:„Gehen Sic zu Rachmann(einem Pferdehändler aus Königsberg) und verkaufen Sic ihm das Pferd". Kaum hatte Saus- kat den Musterungsplatz verlassen, als er auch schon umringt wurde und ehe er noch zur Besiinnung kam, wurde ihm das Pferd von Sandclowski u. Nachmann für den von ihm geforderten Preis ab- genommen. Es macht keinen guten Eindruck, wenn ein preußischer Major der Ankaufsko in Mission an- scheinend den Pfcrdcankauf Dritter vermittelt. Dann hatte Herr Besitzer Aug. Specr-Jentkutkampen drei Pferde vorgestellt, alle drei Pferde bekamen Nummern und wurden schließlich aus dem Kreis als untauglich zurückgewiesen. Auch von diesen Pferden kauften Sandelowski u. Rachmann sofort zwei Stück für den Preis von 2490 Mark. Herr Gutsbesitzer Simon-Druskcn stellte in Stallupönen ein schwereres Pferd, ein Rappwallach mit Schutzstcrn und weißen Fesseln vor, welches ebenfalls eine Nummer erhielt, aber auch n l s untauglich aus dem Kreis gewiesen wurde. Tiefes Pferd verkaufte Herr Simon ebenfalls an Sandelowski u. Räch- mann für 9M M. und noch am selben Nachmittag wurde das Pferd von diesen Herren von der Kommission für 1400 M. angekauft. Der Besitzer Berg stellte auf dem Markt in Neukirch ein Pferd vor. welches als untauglich abgewiesen wurde; er wurde durch den Herrn Major an Sandelowski u. Rachmann als Käufer gewiesen; diese kauften das Pferd und sollen es nach wcni- gen Tagen der Kommission gestellt und verkauft haben. strner stellte ein namhaft zu machender Besitzer des Kreises Stallupönen aus dem Markte daselbst ein Pferd vor, welches abgewiesen und von Sandelowski u. Rachmann angekauft wurde. Die Kommisfio» kaufte auch dieses Pferd von ihnen, als der Besitzer deshalb Skandal machen wollte, soll er von einem der Beteiligten einen größeren Geldbetrag erhalten haben, damit er nichts weiter veranlasste. Das von Herrn 4minon gestellte Pserd, war wie schon oben er- wähnt, ein schwerer Rappwallach mit Schutzstern und weißen Fesseln und auch einem RichUPferdekenner fällt ein solches Pferd sofort auf. Wen» der Herr Major das Pferd am Vormittag auf dem öffentlichen Musterungsplatz nicht brauchen konnte und es am Nach- mittag auf dem Ladwigschcn Hofe dennoch kauft, wirft dieses kein gutes Licht auf das Verständnis desselben für Pferde und weshalb konnte nicht der Besitzer selbst die redlich verdienten 1400 M. erhalten? Herr Rittergutsbesitzer Bracmer-Doristhal stellte auf dem Pillkaller Markte ein Pferd, einen schweren braunen Wallach vor, der Herr Major bedauerte, das Pferd nicht kaufen zu können, wies Herrn Braemer aber an Sandelowski u. Rachmann. Diese würden das Pfvd kaufen, weil sie noch Lieferung für die Maschincngewchrabtcilung hätten. Sandelowski u. Rachmann waren auch sofort bei der Hand, boten zunächst 800 M. für das Pferd und kauften es schließlich für die von Herrn Braemer geforderten 1(300 Mark. Es drängt sich dem Unbeteiligten hier unwillkürlich die Frage auf, ob die Kommission nicht auch für die Maschinengewehr- abteilung die Pferde direkt vom Besitzer ankaufen kann oder mag die Firma Sandelowski u. Rachmann allein ein Recht oder Privi- leg zu deren Ankauf baben. Ohne die Rechtlichkeit des Herrn Majors in Zweifel ziehen zu wollen, ist es allgemein aufgefallen, daß gerade die Firma Sandelowski u. Räch ni an»-Königsberg eine große Anzahl zurückgestellter Pferde zu Verhältnis- mäßig hohen Preisen aufkauft, offenbar in der Absicht, sie wieder vorzustellen und der Kommis- sionzuverkaufen. Wäre eine dahingehende Ansicht nicht voll- kommen widersinnig, dann wäre man fast versucht anzunehmen, daß die genannte Firma auf höheren Befehl oder sichere Garantie handele. Aber auch die Art der Musterung der gestellten Pferde gibt zu berechtigter Kritik Anlaß. Während der größte Teil der Pferde zu Anfang des Marktes schon nach einigen Schritten numeriert wur- den, wurden andere und, wie der bloße Augenschein lehrte, nicht die schlechtesten Pferde drei- und viermal über die ganze Bahn geführt, um sie schließlich als untauglich zurückzuweisen. Der größte Teil dieser zurückgewiesenen Pferde wurde aber noch selben Tages an eine andere Kommission verkauft. Ein Gutsbesitzer, wohl aus dem Kreise Ragnit, wenn ich nicht irre, stellte 50 Pferde vor, sechs wurden ihm abgekauft. Der Herr Major fragte ihn nach Schluß des Marktes, was er mit den übri- gen Pferden jetzt anfangen werde, er gebe ihm den Rat, den Stall anzustecken und die Luders zu verbrennen. Ter Betreffende gab ihm zur Antwort, der Herr Major wisse wohl, was auf Brand- stiftung folgt. Eine Nachmusterung der angekauften Pferde wäre zu emp- fehlen und würde ergeben, daß ein großer Teil derselben für Militärzwecke wenig tauglich sein dürft«; von vielen Sachverständigen wurde beim Ankauf manchen Pferdes der Kopf geschüttelt. Endlich mißfiel auch die Art der Nachmusterung ausgemusterter Pferde im Kreise. Es erweckt den Anschein, als wenn zunächst der Name des Besitzers aus dem Kontrollbuch festgestellt wurde und dann erst die Ausweisung erfolgte.. Es war nicht klar zu verstehen, ob das Pferd oder der Besitzer ausgemustert werden sollte. Es ist zu bedauern, daß nicht einer der anwesenden Besitzer eine passende Antwort zu geben vermochte, denn aüch der Herr Major wird mit von den Steuern besoldet, welche die Besitzer zum größten Teil aufzubringen haben, sie durften sich nicht eines etwaigen kleinen Vorteils wegen ihrer Selbstachtung begeben. Wundernehmen würde es jedenfalls nicht, wenn der Herr Major nicht die erforderliche Anzahl Reit- und Wagenpferd« wird ankaufen können, denn der größte Teil der Besitzer und auch der Händler wird sich zu»ückziehcn. Vielleicht wird aber auch dann die Firma Sandclowski u. Räch- mann aus der Not helfen dürfen. Schwirgallen, im September 1913. F. Eigner." lieber dieselbe Kommission und die gleiche Firma wird uns noch ans Darkehmen geschrieben, daß beide am 23. September dort im Hofe der Jnfanteriekasernc Markt ab- gehalten und, wie in Pillkallen. hübsch Hand in Hand ge- arbeitet haben. So versteht eine geschäftstüchtige Pfcrdehändlerfirma mit Hilfe eines Nemontekommissars an der Schlagfcrtigkeit der Armee mitzuarbeiten. Das jetzt zur Einstellung kommende minderwertige Pfcrdematerial muß in wenigen Jahren natürlich unbrauchbar sein, dann blüht der Weizen der Händler von neuem. Das große Opferjahr 1913 zeitigt doch recht übel duftende Blüten._ poUtifche Geber Hebt. Eine Niederlage des Zentrums. Bei der wllrttcmbergischcn Landtagscrsatzwahl im Oberamt Rottweil hat das Zentrum am Sonnabend eine empfindliche Niederlage erlitten. Das Mandat, das seil 13 Fahren im Besitz des Zentrums war, ist ihm entrissen worden. Gewählt wurde der gemeinsame liberale Kandidat Müller mit 4551 Stimmen gegen den Zentrumskandidatcn Glückher, der 4334 Stimmen erhielt. Die Sozialdemokratie hatte unter Berücksichtigung des Stärkevcrhält- nisses der Fraktionen im Landtag die Parole für den liberalen Kandidaten ausgegeben, der die sozialdemokratischen Wähler bis auf den letzten Mann Folge leisteten. Das Obcramt Rottweil ist zu mehr als zwei Drittel katholisch, und die.Klerisei übt dort den schärfsten Tcrrorismus aus. Wenn trotzdem der Bezirk dem Zell- trum verloren ging, so ist das ein Zeichen dafür, daß die Be- völkerung die Gefahr erkennt, die ihm von der schwarz-blaucn Herr- schaft droht. Das Ergebnis dieser Wahl hat größere Bedeutung, als sonst einer Landtagsersatzwahl zukommt, weil es die bisherige Stimmen- gleichheit der Rechten und der Linken im Landtag aufhebt. Bleiben die beiden weiteren neu zu besetzenden Mandate Gcrabronn und Stuttgart-Amt im Besitze der Parteien, die sie bisher innehätten, so werden sich künftig nicht mehr je 46 Stimmen der Rechten und der Linken gegenüberstehen, sondern 47 Stimmen der Linken gegen 45 Stimmen der Rechten, der noch die Stimme des Präsidenten entgeht, stehen. Ohne die praktische Bedeutung dieser Verschiebung zu überschätzen, darf man doch feststellen, daß die klerikal-konfcrva- tive Woge, die bei den letzten Landtagswahlen das Schwabenland überflutete, wieder im Rückgang begriffen ist. Es befindet sich im Besitz der Rechten eine'Reihe von Mandaten, die auf noch viel unsicherem Boden stehen als das für Rottweil. Zuwendungen an bürgerliche Parteiblätter aus dem städtischen Steuersäckel. Hinter eine bisher wohl einzig dastehende Zuwendung an bürgerliche Blätter aus den städtischen Steucrgcldcrn ist unser Partciblatt in Düsseldorf gekommen. Die dem Zentrum und der liberalen Partei angehörende Stadtverordnetenversammlung in Düsseldorf hat vor längerer Zeit in geheimer Sitzung einen erst jetzt bekannt gewordenen Beschluß gefaßt, nach welchem den poli- tischen Tageszeitungen der beiden Parteien aus dem 200 000 M. betragenden Dispositionsfonds ein größerer Betrag zur Verfügung gestellt wurde mit der Verpflichtung,„zur Propaganda für die Stadt Düsseldorf" eine bestimmte Anzahl Zeitungen nach auswärts zu versenden. Im Etatsjahr 1912 sollen dafür 35 000 M. ausge- warfen worden sein. Der Beschluß ist um so ungeheuerlicher, als eine Anzahl Stadtverordneter finanziell an ihren Parteiblättcrn beteiligt sind bezw. Gesellschafter oder Aufsichtsmitglied bei deren Gesellschaften sind. Das liberale Blatt, die„Düsseldorfer Zeitung", hat im Vorjahre mit 118 800 M. Untcrbilanz abgc- schlössen. Auf eine offene Anfrage, die vor einigen Tagen unser Parteiblatt in dieser Slngelegenheit an die Stadtverwaltung richtete, hat bisher weder diese, noch eine der beteiligten Zeitungen geant- wartet. Das liberale Blatt sowohl wie das zentrümlichc„Düsscl- dorfer Tageblatt" hüllen sich in Schweigen. Dagegen läßt man— anscheinend offiziös— durch eine auswärtige Zeitung die Nachricht verbreiten, daß es„sich lediglich um eine einfache?Naßnahme zur Propaganda für die Stadt Düsseldorf durch die zu diesem Zweck geeigneten politischen Zeitungen handelt". Gewiß eine sonderbare politische Moral, die sich da in dieser Entschuldigung äußert! Am Dienstag ist Stadtverordnetensitzung, und man darf gespannt fein, ob die Stadtverwaltung in dieser Sitzung Aufklärung gibt.... Berfassungswidriji. Einen Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte der Beamten in Baden kündigte in einer Wählerversammlung in Weingarten bei Karlsruhe der konservative Landtagskandidat Oberamtmann Schmitt aus Karlsruhe an. Er soll sich folgendermaßen gc- äußert haben: „Jeder, der mit den Sozialdemokraten paktiert, kann nicht als national gelten. Wir werden besonders die Beamten aufs Korn nehmen. Ich habe da vor allem Verwaltungsbeamte im Auge. Sie können mir glauben, daß ich verpflichtet bin, Anzeige zu machen; wo Beamte dem Großblock Vorspanndienste leisten, da wird Abhilfe geschaffen werden. Beim Minister(gemeint ist Minister v. Bodman) weht kein Großstadtwind." Das wäre ein Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte der Beamten, der als verfassungswidrig nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. Zunächst wird man jedoch abwarten müssen, was das Ministerium zu dieser Ankündigung sagt. Tie„Titanie"-Konferenz. Die internationale Konferenz, die aus Anlaß der furchtbaren .,Titanic"-Katastrophe gewünscht wurde, wird am 12. November in London tagen. Vierzehn Staaten nehmen an ihr teil. Nach den deutschen Vorschlägen müßten u. a. Passagierdampfer, die ein- schließlich ihrer Besatzung 75 Personen und mehr an Bord haben, mit einer funkentelegraphischen Einrichtung von mindestens 100 Seemeilen Reichweite ausgerüstet sein. Als Passagierdampfer sollen alle Dampfer gelten, die überwiegend zur Beförderung von min- bestens 25 Personen eingerichtet sind. Der gleichen Verpflichtung sollen auch alle Frachtdampfer unterworfen werden, die mebr als 60 Personen an Bord haben, ausgenommen für die Nord- und Oft- seefabrten, sowie das Mittelländische und Schwarze Meer. Viel wird bei dieser Konferenz nicht herauskommen, da alle wirklich durchgreifenden Maßnahmen an den Geldbeutel der Reeder gehen. Ter Kampf der Ulstcrleutegegen die irische Selbstregierung. Bei der am Sonnabend in Belfast abgehaltenen Parade der Freiwilligen von Ulster hielt der Führer der Protestanten Ulsters Sir Edward Carson eine kurze Ansprache, in der er sagte: Alle Regierungen müssen auf Macht beruhen. Ange- sichts des glänzenden, überwältigenden Machtaufgebots, das ich hier vor mir habe, bin ich überzeugt, daß es imstande wäre, mit Erfolg die provisorische Regierung aufzurichten. Er per- sprach dann den Freiwilligen, daß sie niemals Home- rule erhalten würden, solange sie festblie- b e n. An der Parade nahmen 14 Bataillone Freiwillige von Ulster teil. Anstat des üblichen Ehrensaluts brachten sie drei Hurrarufe auf das Vereinigte Königreich aus, während gleichzeitig eine große Unionjackflagge entfaltet wurde. Tie Freiwilligen und die Zuschauer fangen hierauf die Na- tionalhymne. Die Parade wurde von dem inaktiven General Sir George Richardfon befehligt. Als Bataillonskomman- deure fungierten inaktive Offiziere der Armee und Miliz- offiziere. London, 28. September.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Lordadvokat von Schottland Alexander Ure hielt gestern in Uphall, nahe Edinburgh, eine Rede, in der er vorschlug, daß die provisorische Regierung von den Banken ebenso behandelt werde wie eine südamerikanisch« Republik, denn dann würde diese Regie. rung in wenigen Wochen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen- brechen. Wenn die Konservativen die Herrschaft der Belfaster Extremen abschütteln wollten, so würde die Regierung bereit sein, mit ihnen über die Frage einer stärkeren Vertretung Ulster» im irischen Parlament zu verhandeln. Die Regierung würde dann auch den Vorschlägen, daß Ulster i n Angelegenheiten des Unterrichts und der Reli- gion volle Selbständigkeit erhalte, ein geneigtes Ohr leihen. Er freue sich, Anzeichen zu sehen, von denen er hoffe, daß sie im Laufe der nächsten Woche zu einer Konferenz und einem freundschaftlichen Kompromiß führen würden. Aar Verfassnngsreform in Dänemark. Das Folkething nahm am Sonnabend den Gesehentwurf über die Aenderung der Verfassung in dritter Lesung mit allen gegen die 6 Stimmen der Konservativen ohne Debatte an, nachdem auch der Ministerprästdent die Annahme de» Entwurfs empfohlen hatte. Das Oberhaus wird sich in dieser Woche mit dem Gesetzentwurf beschäftigen. Auslieferung der Kriegsgefangenen zwischen Türkei und Bulgarien. Konstantinopel, 23. September. Nach dem zwischen der Türkei und Bulgarien zustandegekommenen Uebereinkommen werden die Kriegsgefangenen binnen Monatsfrist'freigelassen werden. Wie verlautet, bestimmt das Protokoll, daß Bulgarien für den Unterhalt der Kriegsgefangenen keine Entschädigung erhalten wird, da die Kosten durch den Ertrag aus der Kapitalisierung eines Teiles der Vakufgüter ausgeglichen werden. Man weiß noch nicht, auf welche Weis« die Prwatinteressenten der Vakufs entschädigt werden. Sie nicdcrbarnimcr Genossen und der IParteitag. In der am Sonntag abgehaltenen Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den Kreis Niederbarnim er- stattete Schwarzburger Bericht über den Verlauf des Partei- tages. Zur Frage des Massenstreiks bemerkte er, daß die Tele- gierten des Kreises für die Resolution Luxemburg gestimmt haben, um dadurch der Stellung der Niederbarnimer Genossen Ausdruck zu geben. Der Redner bedauert, daß die Genossin Luxemburg zur Frage des Massenstreiks auf dem Parteitage nicht s o Stellung genommen habe, wie sie es in der Niederbarnimer Generalver- sammlung getan habe. Anstatt allgemeine Ausführungen zu machen, hätte sie den Standpunkt der Niederbarninier Resolution vertreten sollen. Es sei nur darüber diskutiert worden, zu welcher Zeit etwa der Massenstreik ausgeführt werden könne. Doch darauf komme es nicht an. Die Hauptsache sei, daß die Frage in der Ar- beitcrschaft diskutiert werde, damit das Proletariat bereit sei, diese Waffe zu gebrauchen, sobald es notwendig ist. Außer der Errin- gung des Wahlrechts in Preußen gebe es noch manche andere Frage, welche die Anwendung des Massenstreiks notwendig machen könne. Die Ausführungen des Genossen Bauer hätten erkennen lassen, daß die Gewerkschaften nur eine platonische Liebeserklärung bätten, aber von seiner praktischen Durchführung wohl nichts wissen wollen. Das sei zu bedauern. Bei der Besprechung des Fraktions- Berichtes bemerkte der Redner: Es sei unter keinen Umständen zu villigen, daß bei der Abstimmung über den Proportionalwahlrechts- antrag ein Teil der Fraktionsmitglieder fehlten und der Antrag deshalb abgelehnt wurde. Hinsichtlich der Steuerftage hält es der Redner für selbstverständlich, daß wir indirekte Steuern ablehnen, wenn sie durch direkte ersetzt werden können. Es sei mit Recht von der„Mannheimer Volksstimme" gesagt worden, die Konsequenz der Resolution Wurm führe dahin, daß sie auch zur Rechtfertigung der Budgetbewilligung in den Landtagen herangezogen werden könne. — Der Beschluß zur Maifeier bringe nicht die notwendige Klärung. Wenn man immer an der Maifeier herumdoktort, dann wäre es schon besser, mit der Arbeitsruhe ein Ende zu machen und die "eier auf einen Sonntag zu verlegen.— Eine unerquickliche Ange- l�genheit sei der Fall Radek. Die Entscheidung des Partei- lages sei zum großen Teil zurückzuführen auf eine Animosität egen die Person Rädels, die Radek durch sein Auftreten aus der juhörergalerie des Parteitages bestärkt habe. Zur Sache selbst meint der Redner, der von einer ausländischen Äruderpartei be- schlossene Ausschluß müsse auch für uns maßgebend sein.— Eigen- docbcnfilrn. ,.. Tieweil de? Menschen Fürrecht Lachen ist. Rabelais. Als vor Wochen Ex-Kameraden von Butzemacher Unter den Linden traf, sagte er:„Komme gerade von Breslau. Hauptmann- Festspiel angesehen. Scheußlicher Bockmist. Aber Breslau recht angenehme Statt. Kenner von grünem Gemüse kommen auf ihre Rechnung. Rate zu Versuch." Ich:„Wie, bitte, Kamerad?" Aber Butzemacher war schon, mit Augen zwinkernd, weiter.„Vorwärts" weigerte mir damals dringend benötigten Vorschuß, mußte mir also Reise nach Breslau verkneifen. Muß aber ehrlich sagen, bin heute lerzlich froh drum, wer weiß, Staatsanwalt interessierte sich sonst auch für konservativen August. Im Grunde genommen, ekelhafte beschichte, nicht nur für die Ringeschlidderten. Jubiläums- stimmung, Hurra hoch in Permanenz, 1813, und noch einmal 1813 und zum dritten Male 1813, Trinksprüche von kernfestem Bürger- tum, und nun mit einemmal kernfestes Bürgertum in zahllosen .Exemplaren zuchthausreif erklärt. Waren gerade die besten Ver- treter kernfesten Bürgertums, die sich in Jubiläumsstadt und Fubiläumsjahr feste mit kleinen Mädchens unter 11 amüsiert haben, Handwerksmeister, Kaufleute, Zahnärzte— alles was so in Krieger- vereinen vorneweg ist, stramm konservatives Wählermatcrial, Patrioten mit einem Wort! Unter sotanen Umständen hätte Poli- zei wirklich mal beide Augen zudrücken und an Beteiligte Warnung unterderhand ergehen lassen können, statt plump zuzupacken. Jetzt vaben wir den Kladderadatsch. Paar Dutzend Vertreter kernfesten Bürgertums sitzen im Kittchen, paar Dutzend sind ä ternpo ausgeflitzt und ein rundes Dutzend hat von der irdischen an die himm- tische Gerechtigkeit appelliert. Ging in Breslau zu wie auf Bal- tan. An jeder Ecke fielen Schüsse. Wenn Polizei nachsah, immer neues Opfer der Amüsieraffäre mit kleinen Mädchen(an sich übrigens harmlose und unschuldige Sache!). Nur ein Trost im Unglück! Verfolge natürlich, anstatt Quatsch von verschiedenen Kongressen über Arbcitersachen, Arbeiterfürsorge und Arbeiterschweiß zu lesen, eifrig jeden Bericht über Wachstum der Breslauer Sache. Fiel mir effektiv Mühlstein vom Herzen, als in„Breslauer Zeitung" las: „Der Selbstmord des Badeanstaltsbesitzers Strauß bei seiner Verhaftung auf dem hiesigen Polizeipräsidium verdichtet« die schon schwebenden Gerüchte über schwere Sittlichkeitsver- gehen an noch schulpflichtigen Mädchen besserer Stände. Man redete von dem Bestehen eines ganzen Klubs und tümlich habe es berührt, daß Genosse W e lS eine Kandidatur zum Parteivorstande angenommen habe, obgleich die Berliner Delegation sich für die Genoffen Brühl und Wengels als Beisitzer erklärt habe. Diese Handlungsweise des Genossen Wels sei nicht fair. Von der rechten Seite der Partei habe sich Wels aufstellen lassen. Die Berliner Genossen würden ihm hoffentlich trotz seines großen Mundes die Wahrheit sagen. Brühl sei bei der Vorstandswahl des- halb unterlegen, weil er den radikalen Standpunkt vertreten habe. H a e n i s ch, der als erster Diskussionsredner das Wort er- hielt, sprach sein Bedauern darüber aus, daß jemand wegen seiner radikalen Haltung bestraft werde, wie es durch die Richtwiederwahl des Genossen Brühl geschehen sei. Ebenso lebhaft bedauert der Redner den Parteitagsbeschlutz im Falle Radek. Er wolle nicht für die Person Radeks eine Lanze einlegen, sondern er wende sich nur dagegen, daß man Radek den Weg eines geordneten Gerichtsver- fahrens abgeschnitten habe. Obgleich es sich hier um eine Rechts- frage von erheblicher Bedeutung handele, habe der„Vorwärts" in seiner Registrierung der Preßstimmen nicht die Parteiblätter an- geführt, die sich zum Falle Radek äußerten. Hervorragende Partei- genossen und Juristen halten den Standpunkt für unhaltbar den der Parteivorstand in der Sonntagsnummcr des„Vorwärts" zum Fall Radek einnimmt. Stadthagen führte aus, die Ergebnisse des Parteitages seien keineswegs erhebend. Eine Glanzleistung sei nur das Re- ferat und die Diskussion über die Arbcitslosenfürsocge. In allen anderen Fragen habe der Parteitag nichts befriedigendes geleistet. In der Massenstreikfrage habe nicht einmal die Niederbarnimer Resolution begründet werden können. Gegen diese Resolution sei ohne Anlaß der Vorwurf erhoben worden, sie bringe� die Propagie- rung' des Syndikalismus, des syndikalistischen Klassenstreiks zum Ausdruck. Auch bei der Stcuerfrage sei dem Genossen Geyer mit Unrecht der Vorwurf gemacht worden, daß er den syndikalistischen Standpunkt vertrete. Man habe in die Niederbarnimer Resolution etwas hineingelegt, was gar nicht darinsteht und den Angegriffenen sei nicht Gelegenheit gegeben worden, sich zu verteidigen. Solche Einseitigkeit konnte nicht gute Früchte tragen. Wenn in der Niederbarnimer Resolution vom Massenstreik mit allen Konsequen- zen die Rede sei, so sei das nicht so zu verstehen, wie es von mehreren Parteitagsrednern ausgelegt wurde. Mit den Konse- quenzen sei nur gemeint: Jeder Genosse müsse sich klar darüber sein, daß bei einem Massenstreik alles für ihn auf dem Spiele steht und daß er zu den größten Opfern bereit sein muß.— Es sei ein Unding, wenn man sagen wolle, wegen dieser oder jener Angelegenheit treten wir in den Massenstreik. Es komme nur darauf an, daß die Taktik der Partei eine kühne und entschlossene sein muß, damit der Massenstreik zu gegebener Zeit angewandi werden kann. Dabei werde es sich wohl nicht in erster Linie um das preußische Wahlrecht handeln, sondern um andere Fragen, loie das Koalitionsrecht, die Teuerung oder andere wichtige Angelegenheiten.— Richtig sei es, wenn die„Mann- heimer Voltsstimme" meint, die Konsequenz der zur Steuerftage angenommenen Resolution Wurm führe zur Rechtfertigung der Budgetbcwilligung. Aber— sagte der Redner— ich hoffe, daß es zu dieser Konsequenz nicht konimt, da die Resolution auch eine andere Auslegung zuläßt.— Schließlich äußerte sich der Redner noch zur Vorstandswahl. Er sei über die Wahl des Genossen Wels in den Parteivorstand deshalb nicht ungehalten, weil es ein Glück sei, daß Wels dadurch als Vorsitzender der Preßkommission nicht mehr in Frage komme. Wels sei als Vertrauensmann der rechten Seite in den Partei vorstand gewählt worden. Dadurch sagte der Redner— ist bewiesen, was ich schon öfter sagte: Wels steht auf der rechten Seite oder mindestens im Sumpf. Lorenz stimmt der Ansicht des Genossen Haenisch über den Fall Radek nicht zu. Mit dieser Angelegenheit habe endlich radnla rasa gemacht werden müssen.— Ter Maifeierbeschluß sei bedauerlich. Wenn wir die Maifeier nickt durchführen können, sollten wir sie lieber fallen lassen.— In der Frage des Massen- streis habe Rosa Luxemburg nicht den von ihr in Niederbarnim eingenommenen Standpunkt vertreten, sondern nur den Partei- vorstand angegriffen. Der Massenstreik— das ist die Meinung des Redners— wird kommen aus dem Bedürfnis der Masse und aus der Situation heraus, aber ohne hochtönende Phrasen. Er werde uns aufgedrängt werden. In der Steuerftage billigt der Redner die Haltung der Parteitagsmehrheit. Brühl wandte sich scharf gegen die auf dem Parteitage zum Ausdruck gekommene Auffassung, als ob die Resolution Luxemburg syndikalistischen Bestrebungen das Wort rede. Nicht wir denken an Blutvergießen beim Massenstreik, aber wir wissen doch, daß es bei jedem Streik durch das Eingreifen von gegnerischer Seite zu Blutvergießen kommen kann. Man denke nur an ManSfeld. Es sei wohl möglich, daß die Gewerkschaften, vielleicht um daS K o a l i t i o n S r e ch t zu sichern, die ersten sein müßten, die von der Waffe des Massenstreiks Gebrauch machen. Dann könnten sie der Partei dankbar sein, daß sie die Arbeiter mit der Handhabung dieser Waffe vertraut gemacht habe. Man sagt, die Rechte der Partei sei durch den Parteitag zu Boden geworfen. Das trifft nicht zu. Wir haben es nicht gemacht wie die 66 des Nürnberger Parteitages, welche erklärten, daß sie sich dem Beschlutz nicht fügen. Wir werden auch ferner unsere Schuldigkeit tun. von Klubräumen auf der Augustastraße, in denen es zu wahren Orgien gekommen sein sollte. Auch das Ableben einiger anderen Persönlichkeiten(eines Maurermeisters und'eines Hoteliers) der letzten Zeit wurde mit dieser unsittlichen Affäre in Verbindung gebracht und als gewaltsam erfolgt angesehen. Indessen hat sich eine systematische Verführung junger Madchen»der gar Frauen besserer Stände in keiner Hinsicht bewahr- h e i t e t." Gottlob! Mädchen und Frauen besserer Stände bei peinlicher Sache also nicht beteiligt! Kommen zwar auch dolle Chosen vor, aber bleibt alles unter uns katholischen Pfarrerstöchtern. Nichts ausplaudern! Kavalier genießt und schweigt! In Breslau, wo das Amüsement mehr öffentliche Angelegenheit war, kommen nur Jähren von Proleten in Frage. Begreife da nicht, was Geschrei soll. Aufgabe der Gesetzgebung und Rechtsprechung ist in erster Linie ganz selbstverständlich, zu sorgen, daß den besseren Ständen kein Schaden geschieht. Hier nichts davon! Und Mädels von Prole- ten, so weit hübsch und gut gewachsen, werden doch auf Friedrich- straße enden. Also nur ganz nützlich, wenn schon im heranwachsen- den Alter Unterweisung in Kunst erhalten, die olle Griechen auf Liebesakademie auf Lesbos gelehrt haben. Gewissermaßen Prinzip der Jugendwehr ins Weibliche und Erotische übertragen. Aber nun Schwamm drüber. Schluß mit Breslau. Und mag der und jener sagen, was er will: Hauptmann-Festspiel war doch der größere Skandal! In Malchin auch böse Sache! Verdammt böse Sache! Irgend- ein angestellter Kuli unserer Partei ist vor Gericht ringesegelt wegen Beleidigung eines fortschrittlichen Fritzen. Schadet nichts! Aber leider bei dieser Gelegenheit auch festgestellt worden, daß konser- vativer Malermeister, Vorstandsmitglied eines konservativen Ver- eins, nach sozialdemokratischer Stichwahlhilse für Konservativen Leimruten ausgeworfen hat. Und Gericht nahm als festgestellt an, daß Buhlschaft um die-fj-f Roten in Einverständnis und Auftrag von konservativer Parteileitung erfolgt sei. Und Esel von Kuli stellt sich auch noch hin und erklärt naiv, jede Partei suche in der Stichwahl bei anderen Parteien Hilfe, wo sie sie finden könne. Ver- dämmt und zugenäht! Dieser Esel mutz sofort aufs Pflaster ge- feuert werden. Heydebrand wird schön toben, auch alle Ver- tuschungsversuche Oertels helfen nichts! Klipp und klar ist unser Reinfall festgestellt: Wir haben bei Sozen um Stichwahl- Hilfe so demütig angehalten, wie beim lieben Gott um schönes Wetter. Da beitzt keine Maus'nen�Faden von ab! Wären dumme Kerle, wenn wir's nicht täten. Von Prinzipien allein wird der Kohl nicht fett. Und es geht uns so wie so mies genug! Macht sich Schwenk bezeichnet es als Fehler, daß die Angelegenheit der Parteivorstandswahl nur in der Konferenz der Berliner Dele- gierten und nicht durch die Organisation behandelt worden sei. Lehmann, der Vorsitzende des Wahlvereins, dem mehrfach zum Vorwurf gemacht worden war, daß er gegen die Resolution Luxemburg gestimmt hat, rechtfertigte seine Haltung mit dem Hinweis, daß er auch im Kreise gegen die Resolution Luxem- bürg gestimmt habe und nach Beschlüssen des Kreises gebundene Mandate nicht existieren.— Es sei nicht wahr, daß auf dem Partei- tage der Revisionismus gesiegt habe. Man könne nicht einmal von einem Siege der mittleren Linie reden. Otto Braun, Parteivorstandsmitglied, führte aus, daß er die pessimistische Auffassung über den Parteitag nicht teile, er sei der Meinung, daß man mit den Ergebnissen des Parteitages sehr zufrieden sein könne. Der Redner verteidigt die Massenstreikreso- lution des Parteivorstandes und betont, daß sie sich von der Reso- lution Luxemburg nur dadurch unterscheide, daß diese schärfere Redewendungen gebraucht. Wenn die Resolution von Niederbarnim Massenaktionen ohne Rücksicht auf die Konsequenzen fordert, so sei das der syndikalistische Standpunkt. Nachdem dieser Passus aus der Resolution Luxemburg entfernt ist, unterscheidet sie sich inhalt- lich nicht mehr von der Resolution oes Parteivorstandes. Wenn doch einer sogen möchte, was für Massenaktionen gemeint sind. Aber keiner habe sich darüber geäußert. Diejenigen, die über die Bajonette verfügen, möchten, daß der Massenstreik recht bald ins Werk gesetzt werde, denn noch halten sie sich für stark genug, ihn niederzuschalgen. Diesem Verlangen würden wir entgegenkommen, wenn wir ohne Rücksicht auf die Konsequenzen den Massenstreik be- ginnen. Das wollen wir nicht, sondern wir werden den Massen- streik so vorbereiten, daß wir, wenn es notwendig ist, mit Wucht losschlagen zu können.— Die Resolution Wurm bewegt sich nicht in der Richtung der Budgetbewilligung. Im Falle Radek ist der Grundsatz zur Anwendung gekommen, daß jemand, der von einer ausländischen Bruderpartei ausgeschlossen ist, von uns nicht aufge- nommen werden darf. In diesem Falle hat der Parteitag nicht juristische Unklarheit, sondern organisatorische Klarheit geschaffen. Nachdem noch mehrere Redner die Aussprache fortgesponnen hatten, ohne noch neue Gesichtspunkte zu berühren, wurde die Dis- kussion geschlossen. Von der Annahme einer Resolution sah man ab. Ferner befaßte sich die Versanimlung mit organisatorischen Angelegenheiten. Ein Antrag des Vorstandes und der Kreiskon- ferenz, der eine längere Debatte hervorrief, wurde schließlich mit großer Mehrheit angenommen. Er lautet: „Die Kosten der Landagitation übernimmt die Kreiskasse. Zur Deckung der hierdurch für die Kreiskasse entstehenden Mehraus- gaben haben die Bezirke in Zukunft 76 Proz. der WahlvereinSbei- träge an die Kreiskasse abzuführen." Aus Anlaß einer auf der vorigen Generalversammlung auf. geworfenen, den Bezirken überwiesenen Frage wurde beschlossen, daß über die endgültige Aufnahme von Mitgliedern nicht die Wahl- Vereins- und Bezirksleitungen, sondern der Kreisvorstand bzw. die Kreiskonferenz und die Generalversammlung zu ent- scheiden haben. Hus 6roß- Berlin. Figaro, Herr Staatsanwalt. Ich bin gestern im Deutschen Opernhaus gewesen; man gab den„Figaro". Es waren viele junge Mädchen da, auch Kinder von dreizehn und zwölf Jahren. Das finde ich unverantwortlich. Was ist eS doch mit dem„Figaro": ein Wüstling spitzt auf das �sus primae noctis; ein Jncest wird erst im letzten Augenblick ver- hindert; ein außerehelicher Papa übt sich als Zutrciber; ein Minder- jähriger windet sich in Pubertätsseufzern. Das ist es, und zu so etwas läßt man seine harmlosen Töchter gehen. Wie: hätte der Direktor sich nicht sagen müssen, daß solche Häufung erotischer Untaten auf daS große Publikum und besonders auf Kinder un- züchtig wirken müsse. Herr Staatsanwalt, gibt es da für Sie nicht? zu tun? Sie schütteln ihren(übrigens sehr gut sitzenden) Talar und schelten mich einen perversen Menschen, dessen natürliche? Empfinden degeneriert sein müsse, und der für die Kunst ewig verloren sei. Herr Staatsanwalt(ihr Friseur ist ein Meister), Herr Staatsbeschützer, vorgestern hätte ich von solchen Schweinereien noch nichts bemerkt; ich hätte naiv und innig Mozarts tönendes Rokoko mir durch die Sinne klingelieren lassen und wäre ein seliger Tänzer geistiger Figuren gewesen. Seitdem ich aber Ihre moralischen Geitzclhiebe gegen den träumenden Leib der Feuerbach- schen Nymphe habe klatschen hören, seitdem sind mir die Augen ge- öffnet, und ich sehe ihn nun, den Schmutz, ich sehe da? Säuische. Ich weiß es jetzt, daß der„Figaro" diese? verbuhlten Mozart ver- boten werden mutz. Und noch eins: die Bibel muß konfisziert werden; ich erinnere mich jetzt(seit vorgestern), daß wir als JungenS unS eiftig die unzüchtigen Stellen aufschlugen, Noah, sehr schön und ist stets wirksames Zugmittel für etwas verklebte Köpfe, wenn wir grünes Banner der Landwirtschaft gegen roten Fetzen schwenken und Sie sollen mal Oldenburg-Januschau sehen, wenn er im Zirkus Busch die vaterlandslose Rotte von beut- schen Bauernstiefeln in Grund und Boden trampeln läßt— Schlager ersten Ranges, gegen den Staatssekretär B r h a n im Variete gar nichts ist. Aber warum soll man im Dunkeln, hinter den Kulissen, nicht ein bißchen mit derselben Rotte techtelmechteln, wenn Kerle dumm genug sind, uns Mandat zuzuschanzen. Nur rauskommen darf es nicht. Nicht Unter Linden grüßen. Nicht vor Gericht an- nageln lassen. Sonst ist ganze Reputation zum Teufel, und viel ist ohnehin nicht mehr zu verlieren! Roter Parteitag in Jena war blödsinnig langweilige Sache. Kein Schmitz drin, kein Pfeffer und Salz, kein Paprika! Statt sich saftige Jnvektiven an Kopf zu werfen, haben Jenossen so gesittet verhandelt wie nationalliberale Geheimräte. War, mutz eö ge- stehen, lieber„Vorwärts", große Enttäuschung! Hatte auch von Rosa Luxemburg mehr erwartet. Kouraschiertes Frauen- zimmer— Respekt! Aber auch sie scheint Lust verloren zu haben, Massen vor Maschinengewehre zu führen. Schade! Wäre passendste Lösung der sozialen Frage, zehn Maschinengewehre machen� alle Kongresse über Arbeitslosenversicherung und dies und das über- flüssig, und Vetter Botho von der Garde-Feldartillerie seufzt immer, wenn er mich trifft, nach Gelegenheit, mal feste hineinzubullern in die roten Hallunken. Nun wird's in absehbarer Zeit wohl nichts werden damit! Wie gesagt, schade drum! So hat� mir eigentlich nur Jenosse imponiert, der von Inszenierung des Mieterstreiks schwärmte. Mutz sagen: ganz prächtige, ganz famose Idee! Ist mir nicht ganz neu und keinesfalls ganz sozialdemokratisch. Denn der ergebcnst Unterzeichnete ist selbst von Theorie zur Praxis über- gegangen und zielbewußt und entschlossen in Mieterstreik einge- treten: habe schon seit drei Monaten keine Miete mehr bezahlt! Wird aber auf die Dauer unhaltbarer Zustand. Bitte deshalb um „Vorschuß", aber nicht zu knapp! Der konservative Aug» st. Bitte übrigens um Auskunft, liebe Redaktion! Lese überall, auch in beliebter fortschrittlicher Presse. Nachrichten über Hochzeit der Königs von Portugal und finde in illustrierten Zeit- schriften Bilder de? Königs von Portugal mit seiner Neu- vermählten. Habe daraufhin pflichtschuldigst ergebenen Glückwunsch an Seine Majestät nach Lissabon geschickt(mit Bitte um kleines Darlehn), kam aber zurück:„Adressat hier unbekannt. Postverwal- tung der R e p u b l i k Portugal." Wie verhält sich das? Loth und so. Herr Staatsanwalt, Sie werden Lei einiger Konse» «juenz viel zu tun haben. Ich bedaure Sie. Sie wollen Volksfürsorge treiben. Sie wollen des Volkes Vormund sein. Wenn Ihnen das nur nicht schlecht bekommt. Das Volt lder große Lümmel) behauptet, daß es mündig sei und selber und besser wisse, was ihm Schaden oder Nutzen bringt. Tas Volk verlacht Ihre Erziehungsabsichten. Ge- wiß, ich will es Ihnen glauben, daß Sie in solch einem Bild nur das nackte Frauenzimmer zu sehen vermögen, und daß Sie einen Feuerbach nicht von einem Ruppiner Bilderbogen unterscheiden können. Die Mitglieder der Volksbühnen aber sind von anderer Art; die haben sich ihren Instinkt offen und rein erhalten, die haben ihre Sinne geläutert und geschliffen, die haben sich die natürliche Ehrfurcht vor der schönen Form bewahrt. Sie, Herr Staatsanwalt, und Ihre Reichsgerichtsentscheidungen fragen immer nach Inhalten. Die Kunst ist Form. Das zeigt Ihnen der„Figaro". Der Inhalt schreit nach Zuchthaus. Die Form(Sie müssen das einmal ver- suchen) hebt mächtig uns aus aller Erdenschwere. So steht es auch um die Nymphe des unendlich melancholischen Anselm, der einst diese Worte schrieb:„Macht nur fort, ihr Herren, begeifert das Edelste, und die bittere Stunde der Vergeltung wird auch euch schlagen." Tie Einweihung des städtischen Osthafens ging gestern Mittag auf dem Stralauer Anger im Beisein der Vertreter der Staats, und Stadtbehörden vor sich. Als die Teilnehmer die neue Anlage betraten, schwebten auf allen Kränen Lasten, Ballen und Tonnen, Hölzer und Kisten auf und nieder; ein Riesenkrahn hob und senkte gleichsam spielend in schwindelnder Höhe eine veritable Eisenbahnlowry, auf der obendrein eine volle Eisenladung ruhte. Alle Kräne drehten sich, Lokomotiven und Eisenbahnzüge rangierten hin und her. Stadtbaurat Krause und Oberbürgermeister Mermuth hoben die Bedeutung des vollendeten Werkes hervor, den es für das Verkehrsleben habe. Unsere Stadtverordnetenfraktion war der Feier ferngeblieben, weil wieder einmal höfische Ova- tionen zu erwarten waren. Tiese blieben denn auch nicht aus; an einzelne Personen der Bauverwalwng wurden sogar Orden verteilt.___ Die Explosion in der städtischen Gasanstalt Fichtcstraste hat ein Todesopfer gefordert. Noch in der Nacht zu gestern ist die 21jährige Pflegetochter Martha Schumacher, die von einer Stichflamme getroffen und schwer verletzt wurde, im Krankenhaus am Urban gestorben. Das Befinden des Gasmeisters Wilhelm Lange, der gleichfalls im Urbankrankenhause Aufnahme gefunden hat, war gestern zufriedenstellend.— Gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Gneisenaustr. 37 gerufen, wo in einem Fabrikgebäude ein größeres Feuer ausge- brachen war. ES brannte ein Pechraum und«in größeres Quantum Teer und Asphalt in einer Akkumulatorenfabrik. Um die Ge- fahr zu beseitigen, mußte längere Zeit Wasser gegeben werden. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt.— Eine Laube ging in der verlängerten Kniprodestrahe in Flammen auf. Auch hier nahmen die Löscharbeiten längere Zeit in Anspruch. Ein Strastenbahnunfall, bei denen zwei Kinder zu Schaden kamen, ereignete sick am gestrigen Sonntagnachmittag nach 4 Uhr vor dem Hause Müller- straße IIS. Dort wollte die fünfjährige Wally mit ihrem drei- jährigen Bruder Erich Wcrny den Straßendamm kurz vor einem herannahenden Stratzenbahnzug der Linie 31 II überschreiten. Die beiden Kinder wurden von dem Motorwagen 1143 erfaßt und zu Boden geschleudert. Während das Mädchen neben dem Wagen zu liegen kam, geriet der Knabe mit dem linken Fuß unter den Schutz- rahmen. Durch Straßenbahnpassanten wurde der Wagen angehoben und der Kleine befreit. Die beiden Kinder wurden in das Paul Gerhardtstift geschafft, wo bei dem Knaben ein Bruch des rechten Oberschenkel? und eine Schädelkontusion festgestellt wurde. Das Mädchen trug leichte Hautabschürfungen davon. Für 4lKX) M. Blusen und Kleider erbeuteten Einbrecher in der Nacht zum Sonntag in der Grünstr. 7-8. Eine Frau auS dem Hause, die mit Bekannten das Theater besucht hatte und um iK Uhr heimkehrte, sah zwei Männer mit Paketen die Treppe herunterkommen. Es ergab sich, daß sie aus den Räumen von Abrahamsohn u. Will im ersten Stock einen großen Musterkoffer, der eben für die Reise gefüllt worden war, und mehrere Pakete mitgenommen hatten. Die Wahlen zur Allgemeinen Ortskrankenkaffe. Der Anschluß einer Reihe von Ortskrankenkassen an die Allge- meine Ortskrankenkasse der Stadt Berlin bedingte am Sonntag die Neuwahl des Ausschusses der neuen gemeinsamen Krankenkasse. In den 21 Wahllokalen wurden insgesamt 38 466 Stimmen abge- geben. Naturgemäß war die Beteiligung in den Außenbezirken am stärksten. So wurden beispielsweise in der Brauerei König- stadt 8898 Stimmen gezählt. Die nächstftärkste Beteiligung war im Restaurant Eberlein, Britzer Straße, zu verzeichnen; dort wur- den 36öS Stimmen abgegeben, dann folgen Etablissement Süd-Ost mit 3113, Franke? Festsäle mit 2457. Elysium mit 2227, Prachtsäle des Ostens mit 2114 und Mendt, Zossener Straße mit 2675 Stim- men. In der inneren Stadt wurden verhältnismäßig wenig Stim- men abgegeben. Das genaue Resultat der Wahlen kann erst nach der Auszählung in einigen Tagen bekanntgegeben werden. naster suggestiver Phantasiegewalt könnte die in der Struktur des Stückes selbst liegenden Hemmungen ganz überwinden, und� eine genialisch naturhafte Verkörperung schaffen, die alles Abstoßende als ein in der gegebenen Anlage unauflöslich Verankertes fühlen, uns in dieser Erdgebundenheit etwas wie ein unentrinnbares und damit typisch bedeutsames Schicksal empfinden ließe. M o i s s i s T a? s o stand höher als der, den Kainz bei seinen letzten Berliner Gastspielen, rein deklamierend, gab. Er war weicher, versonnener, wärmer. Aber der Reiz des Jünglingshaften, der Moissis Hamlet, Romeo und Prinz Heinz in so hohem Grade eignete, von dem war diesmal kaum etwas zu spüren. Man sah einen gereiften Mann, dem sich die Stirne in der Erregung furchte, der in den Mienen, in dem Auf- und Abschweben des Organs immer Moissi, der bekannte Schauspieler, blieb, ohne Tasso zu werden. Gewiß, im einzelnen war vieles trefflich, so die durch- brechende Seligkeit, als er in dem Gespräch mit der Prinzessin einen Hauch ihrer Liebe verspürt hat, das stürmische Werben um Antonios Gunst, die in wilden Zorn umschlagende Enttäuschung, als sein Werben auf Widerstände stößt, oder auch die Art, wie er die Bisionen von Tassos ewig reger Phantasie mit plastisch ein- drucksvollen Worten malte. Aber er verschmolz nicht mit der Figur, und der Abstand erweiterte sich im Verlauf des Abends. Der Argwohn, die Zerrissenheit und Tassos Schmerz zog gleichsam nur als äußere, auch psychologisch wenig interessierende Begeben- heit vorüber. Um so geschlossener war die ja freilich unverhältnismäßig leichter zu fassende Gestalt des Antonio von Alfred Abel, die des Fürsten von Eduard von Winter st ein, die der Prin- zessin Leonore von Else Heims herausgearbeitet. Auf alles stilisierend Jmvonierende verzichtend, lieh sie der schönen, klugen, im Schatten frühzeitiger Entsagung gewordenen Frauenseele einen Ton der Güte, der die Herzen unwiderstehlich gewann. L e o p o l- dine Konstantin überraschte durch eine im Ganzen recht ge- lungene Darstellung der Leonore Sanvitale. Die Anordnung der Stellungen und Gruppen, die bei den langen Reden besondere Schwierigkeiten bot, war von der Regie mit klügster Umsicht durch- geführt. Direktor Reinhardt erschien am Schluß, um für den Applaus zu danken._ dt. Hus aller Melt. 6tn geftraucbelter Htntsncbtcr. Fein davongekommen ist in einer Versammlung des DiSzipli- narsenats in Dresden der Amtsrichter Dr. Kloeppel aus Stollberg in Sachsen, der sich im März d. I. an einer noch schulpflichtigen Tochter eines Stollberger Einwohners durch kühne Griffe und Redensarten unsittlich vergangen hatte. Der Amtsrichter, außerberuflich auch Reserveoffizier und Familien- Vater, hatte bei seinem Wandeln auf der Bahn des Bösen doppeltes Glück. Einmal hatte das zwar schulpflichtige Kind das 14. Leben®. jähr bereits überschritten, so daß gegen den Sünder nicht straf rechtlich vorgegangen werden konnte. Zum zweiten hatte er Glück bei dem Disziplinarsenat. In dem Urteil des Gericht? wurden die Handlungen des Amtsrichters zwar eines Richters für u n w ü r d i g bezeichnet, von einer Amtsenthebung aber abgesehen. Der gestrauchelte Richter bleibt also der Justiz erhalten. Hoffentlich hat er nicht das Pech, daß ihm einmal auf der An� klagebank ein Gleichgesinnter in die Quere kommt. Er könnte dann in schwere Gewissenskonflikte geraten. Als Mensch hätte er mit seinen eigenartigen Neigungen volles Verständnis für die Untaten des betreffenden Angeklagten, als Richter aber wäre er gezwungen, das Schwert der Gerechtigkeit auf den Sünder herniedersausen zu lassen. Vielleicht bedenkt das ein hohes sächsi schcs Justizministerium und jagt den Amtsrichter hinterher noch davon. TlKeater. Deutsches Theater: Torquato Tasso, Schauspiel von Goethe. Eine Aufführung, die von den seelenvollen Feinheiten der Dichtung, dem Stimmungszauber des leis beschwingten Empfin- dungs. und Gedankenspiels eine Fülle in ihrem Spiegel auffing, die aber in der zweiten Hälfte, wo sich aus dem Hinüber und Her- "b» pshchjsch� Berührungen etwas wie eine Handlung losschält, et �teilnähme und die innere Spannung nicht in gleichem Matze sestzuhalten vermochte. .>u einem Teil liegt das wohl in der Dichtung selbst. Durch oen Kontrast inu der festlich erhöhten, von intensivster ästhetischer » rr» ti�B�ränften Umgebung, in die der Dichter seinen Helden fleul, erschemt das Pathologische des Tasso, wie es in jener Hand- lung sich entfaltet, die springende Exzentrizität, die zwischen Selbst- Vergötterung und Selbstverzweiflung schwankt, der von niedrigem Mißtrauen genährte Verfalgungswahn. doppelt abstoßend. Wenn Schwächen so lange man nur die liebenden und, liebenswürdigen Frauen und den gleichmütigen Fürsten davon reden sf 3"nQchft nur als die Trübung eines im Grund hochstrebenden, edlen Genius empsindet, scheint schließlich doch das harte Urteil Antonios, des Weltmannes, recht zu behalten. Goethe tut nichts, tl™ rf r'• 16 bi?'ec übt, abzumildern dadurch, daß er den Tasso in allein seinem Irren zugleich von edelmütigeren Re- gungen beseelt zeigt, für die der Weltmann, der nur nach Maßstäben der Klugheit und des augeren Erfolges miß, kein Auge hat. So kommt es, daß die.Teilnahme an Tassos selbstgeschaffenem Leiden, durch keme Große der Individualität geadelt wird, sich ab- kublt, und daß sich an des Mitleids Stell« ein mebr theoretisches, auf das Detail der psychologisch.pathologischen Durchführung des Falles gerichtetes Interesse schiebt. Nur ein Schauspieler von mäch- Der mitleidsvolle Schmock. In Porz bei Köln sind vor einigen Tagen bei einer Explosion in einer Dynamitfabrik drei Personen getötet und etwa zehn mehr oder weniger schwer verletzt worden. Der Betrieb dieser Fabrik hatte erst vor einem Jahre zwei Opfer gefordert. Bezeichnend für den Seelenzustand mancher bürgerlichen Pressemenschen ist die Art, wie das„Kölner Tageblatt" über die Katastrophe be- richtet. Den auf dem Schlachtfeld der Arbeit Gefallenen hat es kein Wort zu widmen. Dann aber kommt Herr Schmock auf den Fabrikanten zu sprechen, der, weit vom Schusse, mit heiler Haut davongekommen ist. Und siehe da. die Mitleidstränen rinnen: „Der Inhaber der Fabrik, Herr Bartsch, wohnt in Deutz. Ihm bringt man allgemeine herzliche Teil- nähme ob des schweren Unglücks entgegen. Der erhebliche Schaden an den Gebäuden und Maschinen ist durch Versicherung gedeckt." Unbewußt enthüllt die bürgerliche Presse durch solche Eni- gleisungen ihr wahres Wesen. Mitleid dem 5lapitalistcn, auch wenn er keinen Schaden, vielleicht sogar finanziellen Nutzen hatte; Gefühllosigkeit dem Arbeiter, auch wenn er zerfetzt auf der Wahl> statt liegt._ Der Revolver. Eine Revolverschießerei, die lebhaft an die Affäre im Ber- liner Landwehrkasino erinnert, gab es am Sonnabend in einer Verhandlung bor dem Ehrengericht der Aerzte in Münster in Westfalen. Wegen einer beruflichen Angelegenheit hatte sich der praktische Arzt Dr. Arndt aus Paderborn vor dem Ehrengericht zu verantworten. Tas Gericht erkannte auf eine Strafe von 300 M. Nach Verkündigung des Urteils zog Arndt einen Revolver und gab auf den Vcrhandlungsleiter. Geheimen Regierungsrat Cludius, fünf Schüsse ab, die jedoch nie- mand verletzten. Der Täter wurde verhaftet. Auch diese Schießerei zeigt, wie unsinnig das Geschrei ist, man müsse den zunehmenden Revolverschicßereien durch Erschwerung des Waffenhandels entgegentreten. Leute, wie Professor M a a tz und Dr. Arndt würden anstandslos vor der Polizei Waffen- scheine ausgestellt werden, auch wenn das Gesetz noch so sehr verschärft würde. Verbrecher aber, die sich des Revolvers bei ihren Untaten bedienen, werden sich stets in den Besitz von Waffen zu setzen wissen. Spiel und Sport Die RcrMtflugwocbe in �sobannistbal. Die Johannisthaler Herbstflugwoche hat gleich am ersten Tage mit einem vollen Erfolge eingesetzt. Trotz des heftigen außer- ordentlich böigen Windes gingen die Flieger gestern so ziemlich von vornherein auf größere Höhen und Sablatnig glückte es sogar, den deutschen Höhenrekord mit zwei Passagieren erheblich zu ver- bessern. Bis zu 500 Meter Höhe herrschten steife Vertikalböen, die die Apparate tüchtig hin und herschaukelten und den Flug- zeugen namentlich bei dem Start viele Schwierigkeiten machten. Am schlimmsten war es dicht über dem Boden und so fielen denn auch zwei Apparate beim Rollen dem Winde zum Opfer. Schon um 3�4 Uhr nachmittags kamen Stiploschek auf Jcannin-Stahl- taube und Kanitz auf Grade-Eindecker an den Start, um bis 4 Uhr die vorgeschriebenen Dauerflüge zu erledigen. Während der erstcre knapp vom Boden abkam, wurde Kanitz vom Winde gepackt, der den Grade-Eindecker umwarf und den Flieger so außer Gefecht setzte. In schneller Reihenfolge stiegen dann Sablatnig, Reiterer. Krieger, Fiedler. Rupp und Viktor Stoeffler auf. Alle suchten so- fort größere Höhen auf, landeten jedoch zum Teil dakK wkver, s» ihnen das Wetter viele Schwierigkeiten bereitete. Sablatnig, auf Union-Doppcldccker, der zwei Paffagiere an Bord hatte, kletterte langsam auf 2100 Meter und verbesserte somit den alten Rekord im Fluge mit zwei Passagieren, welchen bisher Viktor Stoeffler mit 1700 Metern hielt, um 400 Meter. Reiterer auf Etrich-Eindecker schraubte sich bis auf 2000 Meter Höhe und ging dann nach Ablauf einer Stunde in einem eleganten Spiralen-Gleitflug nieder. Bei der Landung wurde der Eindecker von einer Bö gepackt und auf den Kopf gestellt; die Maschine wurde jedoch nur leicht beschädigt. Lediglich der Propeller ging in Trümmern, so daß Reiterer, der noch in dieser Woche den deutschen Höhenrekord verbessern will, morgen wieder aufsteigen kann. Die übrigen Flieger verließen zeitweilig den Platz und machten Spazierflüge bis zum Wannsee und den Müggelbergcn. Die weitaus beste Leistung des gestrigen Tages hatte Viktor Stoeffler zu verzeichnen, der mit seinem Aviatik-Doppeldecker auf- stieg und bis nach Küstrin flog.' Auf der Rückkehr führte er über Berlin die gewagtesten Kurven und Gleitflüge auS und landet« nach �6 Uhr wieder in Johannisthal. Seine größte erreicht« Höhe be- trug 3600 Meter. Die Ergebnisse des ersten Tages sind folgende: Dauerflüge: Stiploschek 1 Stunde 14 Minuten, Retterer 58 Minuten, Ernst Stoeffler 42 Minuten, Rupp 34 Minuten, Fiedler 24 Minuten, Kießling 18 Minuten, Schüler 16 Minuten, Thelen 14 Minuten, Sablatnig 14 Minuten, RemuS 13 Minuten, Lind- paintner 11 Minuten. Höhenflüge: Reiterer 2000 Meter, Sablatnig 2100 Vttirt mit zwei Passagieren(neuer deutscher Rekord), Rupp 670 Meter. Flugzeug-Rennen: Loitsch 10 Minuten 24 Sekunden. Stiploschek und Fiedler wurden nicht gewertet. Fußball. Turn- und Sportverein Berlin-Schmargendorf spielte gegen Tempelhof-Mariendorfer Freie Turnerschaft, Resultats 1:5.— Schöneberg gegen Liberia, 1. Mannschaft, Resultat 4: 0 für Schöne» berg. Halbzeit 1:0.— Johannisthaler Ballspielklub, 2. Mann- sc&aft, gegen Verein für Bewegungsspiele-Friedrichshagen, 3. Mann- schaft, Resultat 11: 0 für Johannisthal. Halbzeit 5:0.— Wil» mersdorfer Freie Turnerschaft, 2. Mannschaft, gegen Tempelhof, 2. Mannschaft, Resultat 7:0 für Wilmersdorf.— Fußballklub Hansa-Johannisthal gegen Freie Spielvereinigung, 2. Männer- Mannschaft, Resultat 5:2 für Hansa.— Fichte 16 gegen Adler, 1. Mannschaft, Resultat 1:0.— Die 2. Mannschaft von Fichte 16 sollte gegen die 3. Maiinschast von Adler spielen. Da Adler nicht antrat, wurde das Spiel kampflos gewonnen.— Spiel- und Sportvereinigung Lankwitz gegen Neukölln-Britz lieferten sich ein weiteres Serienspiel. Resultat 14:2 für Lankwitz.— Verein für Spiel und Sport-Weißensee gegen Forst(Lausitz), 7. Jugendabteilung, unent- schieden 3: 3. Das Spiel fand in Weißensee statt.— Arbeiterturn- verein Weißensee gegen Fußballklub Sperber, Resultat 5:4 für Wcißensee.— Rüstig-Vorwärts, 1. Jugendmannschaft, gegen Fichte 6, Resultat 2: 1 für Rüstig-Vorwärts. Halbzeit 1:1.— Rüstig-Vorwärts, 2. Männermannschaft, gegen Hellas 1890, Re- sultat 3: 7 für Hellas.— Rüstig-Vorwärts, 1. Männermannschaft, gegen Rapide, 1. Männermannschaft, Resultat 10: 1 für Rüstig- Vorwärts. Halbzeit 3:1.— Neukölln-Britz, 1. Jugendmannschaft, gegen Fichte 10, 1. Jugendmannschaft, Resultat 8:2 für Fichte 10. Halbzeit 3:0 für Fichte. Faustball. Verein für Spiel und Sport-Weißensee gegen Forst(Lausitz), 1. Mannschaften, unentschieden mit 75: 75 Punkten.— Dieselben, 2. Mannschaften, 67:54 Punkte für Weißensee.— Reinickendorf gegen Nowawes, 2. Jugendmannschaft, Resultat 24: 10 Punkte.— Neinickendorf, 1. Mannschaft, gegen Nowawes, 1. Mannschaft, Re- sultat 77: 56 Punkte.— Reinickendorf, 1. Jugendmannschaft, gegen NowaweS, 1. Jugendmannschaft, Resultat 47: 49 Punkte. Achtung! Frouenabteilungen de? Turnverein?„Fichte". Die Mitglieder der 4. und 5. Frauenab�tilung müssen wegen wichtiger Vorkommnisse heute, Montag, die Mitglieder der 1., 2., ö. und 6. Abteilung am Dienstag, den 30. September, unbedingt vollzählig auf dem Turnsaal erscheinen. Hetzte NadmcSiten« Der Evangelische Bund und die Jesuiten. Görlitz, 23. September. Die Hauptversammlung de» hier tagenden Evangelischen Bundes beschloß zur Frage des Jesuiten- gesetzes folgende Kundgebung: „Die 26. Generalversammlung deS Evangelischen Bunde» zu Görlitz erblickt in der Tatsache, daß der Metzcr Katholikentag, un- bekümmert um den einmütigen Widerspruch iveiiester evangelischer Volkskreise die völlige Bewcgungs- und Betätigungsfreiheit des Jesuitenordens im Deutschen Reich gefordert hat, eine erneute Ansage verschärften konfessionellen Kampfes. In der Ueberzeugung. daß die deutsche Volksgemeinschaft und nationale Gemeinbürgschaft nur möglich ist, wenn die Volksteile aufeinander Rücksicht nehmen, der Jesuitenorden aber die rücksichtslose Bekämpfung deS Protestantismus und wichtiger Kulturerrungenschaften zur traditio- nellen Aufgabe hat, erwartet die Generalversammlung Zuversicht- lich, daß der Bundesrat im Interesse dcS konfessionellen und inneren Friedens weder einer Aufhebung noch einer Abbröckelung des Jesuitengesetzcs zustimmt. Tie asiatische Cholera in Prag. Prag, 28. September. Eine aus Bosnisch Brod hier zu- gereiste Frau Fanni Galdi erkrankte am 25. d. MtS. unter cholera- verdächtigen Erscheinungen und starb letzte Nacht. Die Unter- suchung ergab asiatische Cholera als Todesursache. Die Familie der Frau wurde isoliert. Umfassende Vorkehrungen gegen Ver- breitung der Seuche sind getroffen worden. Eine Familicntragödie. Prag, 28. September. Heute früh hat hier der 57jährige Handelsschulleiter Hlavacek auf seine Frau und seine drei Kinder geschossen und dann Selbstmord begangen. Hlavacek, die Frau und zwei Kinder sind tot, das dritte Kind ist schwer ver- wundct. Finanzielle Schwierigkeiten und unheilbare Krankheit der Frau und der Kinder gelten als Beweggründe der Tat. Die Nase abgebissen. Paris, 28. September. Eine wüste Szene spielte sich gester» in einem Pariser Cafe ab. Ein Damenschneider italienischer Abkunft geriet mit einer jungen Frau, die sich in seiner Begleitung befand, in Streit. Plötzlich stürzte sich der wütende Schneider auf die Frau und biß ihr die Nase vollständig ab. Die schrecklich Per- stümmelte wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Der Unhold wurde verhaftet._ Ein neuer Höhenflugrekord. Paris, 23. September. Bei den heute vormittag stattgcfun- denen Versuchen zuin großen Flugmeeting in Reims hat der Flieger Gilbert den bisherigen Höhenrekord geschlagen, indem es ihm ge- lang, mit seinem Flugzeug eine Höhe von über 6000 Metern zu erreichen. Bei seiner Landung bereitete ihm die Menge begeisterte Ovationen. Theater, Montag, 29. Septbr. 1913. Ansang 7'f, Uhr. Sgl. Opernhaus. BohSme. Sgl. Ichanspielhaus. Die QuitzowS. Deutsches. Torquato Tasto. Lessing. Peer Gynt. irknö Schumann. Galavorstellung. irtus Busch. Galavorstellimg. Ansang 8 Wr. llrania. Mit de« Imperator nach ??ew Jork. Dentschcs 5?ünftlerthrater. Der Biberpelz. SSntggraher Strafte. Die 5 Frank- furter. Sammersptele« Franziska. Lomödieiihans. Da» Paar nach der Mode. Theater deS WesteuS. Gräfin SV- VtontlS Operette». Der lachende Ehemann. Berliner. Ftlmzauber. Kleines. In Ewigkeit Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Berriae. Neues Operutheater(Kroll). Der ewige Jungg'sell. Deutsches Schauspielhaus. Fräu- lein Julie. Erste Warnung. Deutsches Opernhaus. Der Waffen schmicd.» Schiller O. Die Stützen der Gesell� schalt. Schiller Uharlotteuburg. Großstadtlust. Thalia. Puppchen. Theater am Nolleudorfplatz. Die Kwo-Königin. Merropol. Die Keife um die Welt in 40 Tagen. Kafiuo. Der Aktientenor»der Taruso Di- aus Teilung. Seine Geliebte. sogen Sie zu Triauon. Herrufeld. Was Leibusch? Wintergarten. Spezialitäten Reichshalleu. Stetliner Sänger. Anfang S'l, Mr. Residenz. Im Ehekäfig. Lustspielhaus. 777:10. Rose. Die Ahnsrau. Luisen. Die salsche Hoheit. Folie» Eapricc. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. DaS Adoptivkind. Walhalla. Der LiebeSonkel. Antang 8'/, Ubr. ReueS BolkStheater. Die Sieb- zehnjährigen Ansang 9 Nbr. Admiralsvalast. Eisballett: Flirt in Sl. Moritz. »» « Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62 Ü€ifr@l IHBtsr, Paletots, getragene Mo- natsgrirtlerobe von Hemchnf- ten, KavaÜSroa eto. in besten Weikstätten(teils auf Seide) gearbeitet, für jede.Figur passend auf Lager, Fi Oberer Anchaffunes- proi* bis Äl 120.—, 7,u folgenden billigen Preisen: Winter-Ulster Henen-Faietots JackGtt-Anzütia ßehrsck-Anzui Jüm l:nns Anzug Hosen M. 12, 16. 22 etc. . 6. 8. 12„ . 10. 16, 20„ „ 18, 22, 27„ _ 8. 10. 14 w w 2, 3 bis 6- Institut für Verleihung eleg. Gosel Ischafts-AnzOge. tiaräerobeniiaus. Hauptgescbäft; Gr. Frankfurter Str. 110, an der Andteasstraßo. ? Rocr.h•alb-Suropa. Als Karl Emil Franzos. er bekannte Autor des„Pojaz" und der„Judith Trachtenberg", ein großes kulturelles Buch über jene entfernten östlichen Länder schrieb, die dem gc- bildeten Westeuropäer als Podolien und Wolhynien dem— ötamen nach bekannt sind, nannte er dieses Werk kurz und be- zeichnend:„Halb-Asien". Wer über den Balkan schreibt, wird beinahe mit Not- wendigkeit an Franzos ein Plagiat begehen müssen, sucht er nach einem ähnlich prägnanten Kennwort für den Inhalt seiner Arbeit. Will man mit einem kurzen Wort den Kern all lener Eindrücke sprachlich festlegen, die während. längeren Aufenthaltes in den verschiedenen Gegenden des Balkans ge- Wonnen werden, so drängt sich förmlich das Wort„Halb- Europa" m die Feder.„Halb-Asien"— das ist ein Europa, dem der Gcisl der asiatischen Welt seinen Stempel ausgedrückt hat.„Halb-Europa"— das ist ein Stück Asien, das ein sieg- reiches Europa schon in die Knie gezwungen hat. Daß der Geograph behauptet.„Halb-Asien" liege in Europa,„Halb- Europa" könne nimmerniehr zu Asien gezählt werden, hat demgegenüber— trotz aller objektiven Richtigkeit— keine Tedcutiing. Die kulturelle Landkarte zeigt ganz andere Grenzen, als die politische und die physikalische. Grenzen, die nicht so unverrückbar sind wie Fluß und Berg und Meer, die aber auch nicht von heute auf morgen Abänderungen erfahren wie jene, die von vielfarbigen Pfählen und einem bunten Fahnentuch gekennzeichnet werden. Tie verschiedenen Völker und Völklein auf dem Balkan rechnen».ch selbswerständlich zu Europa. Als Hauptbcweis nennen sie ihrevRugehörigkeit zur heiligen Kirche von Moskau. Väterchen Zar ist ihr Schirm- und Schutzherr, an den Koloß Rußland lehnen sich all diese mittelgroßen, kleinen und aller- kleinsten Staatsgebilde, wie sich die Küken unter die Flügel der aufgeplusterten Glucke drängen. Und wer sich geistig— u»d in inanchem Fall ja auch räumlich— Rußland so nahe fühlt, der darf sich doch Wohl zu„Europa" rechnen. Das ist Balkanlogik als solche unverwundbar. Ich will mir nicht das Wort einer boshaften Freundin zu eigen machen, die behauptet, die europäisch-asiatische Grenze laufe mitten durch Wien und die Stadtvätcr sorgten dafür, dag sie jedes Jahr sein neu gepflastert werde. Aber sicher ist's: in Budapest n!an den Strudel, in dem die Wasser Europas und der Asia ineinanderfließen, in Belgrad verlassen die letzten europäische Ratten den Zug und in Nisch hat man die für den Neuling merkwürdig, aufregende und beglückende Gewißheit:„Du bist im Orient". Was aber den Namen Orient mit gutem Recht beanspruchen kann, das hat unser Oricntlerungssinn stets Asien zugerechnet. Es ist keine Schande, es gestehen: ich liebe den Orient, den echten, mag er auch in Europa liegen. Ich danke ihm un- vergeßliche, schöne Stunden. Stunden die iii mir selbst ein verschollenes Stück Orient geweckt haben Ich babe sie lieben gelernt, diese kleinen Nester aus elenden Lehmhütten, die an den wilden, zerklüfteten Berghängen des Schar Dagh kleben. denke an sie mit Freude wegen der Menschen die ich dort ge- funden, deren Seele so rein wie ihr Hemd schmutzig, deren Sinn so kraus wie ihr Haar, und deren Zutrauen so stark und bezwingend wie der komisch-füvchterliche Mut. mit dem sie I echten und eingebildeten Feinden zu begegnen wissen. Ich habe begreifen gelernt, warum diese Mensche» noch heute unver- söhnliche Feinde der Eisenbahn geblieben sind und ihr mit Haß in den Augen nachblickest, während sie selbst auf den hoch- räderigen Wagen stehen und die Geißel schwingen über Rindern, die das schwere Joch auf mächtigem Gehörn trpgen. Ich kenne sie wohl die Einsamkeiten, wo die griechischen „Gauner" dem abreisenden Gaste ein kleines Geschenk reichen, statt die Hand hohl zu machen für ein Alnwsen, das man bei uns mit geringen Euphemismus„Trinkgeld" nennt. Und ich denke noch der kleinen türkischen Dörfer, in denen die Ge- schlechter langsam aussterben und die Ueberlebenden dem Dienste der Toten mehr Sttrnden des Tages zu widmen scheinen als den Forderungen des Lebens. Ich kenne und liebe ihn— den alten Orient im neuen Europa. Ich kenne und hasse es— das neue Europa im alten Orient. Dieser Haß— ich weiß es— ist komisch,— es ist der Haß gegen etwas, das unaufhaltbar einherschreitct und niedertritt, was sich entgegenstemmt. Europa hält auf dem Balkan seinen Einzug. Es gleitet im elektrischen Funken durch den Draht, es hockt zwischen den Scheinwerfern der Loko- moliven, es steht auf der Kommandobrücke der Schiffe. Es wirft seine Bataillone hinüber, schmuggelt seine Agenten hinein. In den sehnlichst herbeigerufenen fremden Ingenieuren und Militärs zieht es in allen Ehren und Würden drüben ein— Europa, der Lehrer, der Erzieher. Im Abenteurer, moralischen und wirtschaftlichen Bankrotteur, im gewissenlosen Spekulanten und Anreißer, im Produzenten von inateriellem und geistigein Schund bricht es dnibm durch — Europa, der Kuppler, der Ausbeuter, der Zerstörer! Drüben ist Halb-Europa, weil von Europa— in über- tragenem Sinne gesprochen— nur„Halbwelt" hinüber- kommt. Das soll keinen der Faktoren treffen, die wirklich Europa dort repräsentieren und denen Europa so oft diese Repräsentationspflicht schwer genug macht. Man muß zur Zeit der ungarischen Parlainentskrawalle manches türkische Blatt gelesen haben, um zu wissen, wie außerordentlich schwer der Kredit derartiger europäischer Institutionen dadurch ge- schädigt werden kann. Aber die Zahl derer, die die Verantwortlichkeit Europa gegenüber kennen, ist gering. In der Mehrzahl leben drüben Europäer, denen gegenüber die„Wilden" doch stets die besseren Menschen sistd. Sie bringen von Europa nicht das herüber, was Werte schafft, nur das. womit man Geschäfte macht. In diesen Ländern, in denen Titel und Würden für Europäer vogelsrei sind und wo eine mehrzeilige Visitenkarte einen Passepartout bedeutet wird jeder stellungslose Kommis ein„Lehrer der Handelswissenschaft" und jeder Spekulant, dessen Ausbeuterfrechheit im umgekehrten Verhältnis zum Inhalt seines Portemonnaies steht, ein Betriebsdirektor. Und alles, was an sogenannter Kultur im alten Europa eines natürlichen oder gewaltsamen Todes gestorben ist. feiert drüben profitbringende Auferstehung. Längst verlachte Ideen gelangen drüben noch einmal zum Nimbus der neuen Wahr- heit, geistiger Ramsch wird der kritiklosen Naivität genau so leicht als„Derniöi'e Nouveaut6" aufgebunden, wie der Ausschuß europäischer Warenlager mit vierfachem Preisauf- schlag verkauft werden kann. Mir brachte einmal ein Schüler ein Heft, auf dem noch das titelbedruckte Etikett eines Mann- heimer Gymnasiums klebte. Er hatte einen Silberpiaster da- für geopfert, das Dreifache des Wertes. Um der Etikette willen kauft man drüben Kultur, wie bei uns in manchen Fällen den Wein. Wein wie Kultur zu wässern und zu fälschen ist längst nicht das aussichtsloseste Geschäft für findige Köpfe. Findig sein heißt: Den zu finden wissen, dem man nicht unbedingt zu geben braucht, was er zu finden meint. Und nun gehen jene Pseudoeuropäer hin mit ihren teuer erworbenen Schellenkappen und inszenieren einen Kultur- fasching, der Liebhaber guter Parodien zum Lachen bringen kann. An kleinen Zügen erkennt man es am besten. Ich be- gegnete in Saloniki auf dem österreichischen Postamt jeden Morgen zweien solcher Karnevalshelden. Ein jeder trug das Nationalkostüm— des anderen. Der Kawaß des französischen Konsulats— vielleicht war es auch der des spanischen— schritt einher in hundertfach gefältelter Fustanella und gut gestopften Waden, wie eine Urimu ballerina mit Schnurrbart. Der chriechische Konsulatsbote aber sah im blauen Rock mit himnielstürmender Goldstickerei aus wie ein Luxeniburger Pompier. Die Beispiele kann man häufen. Wie man drüben Häuser in neuester Betontechnik errichtet und zunächst einmal das Mittelgeschoß ins Blaue hineinbaut, so reißt man soziale Probleme mit der Wurzel aus und pflanzt sie mit der Spitze in den fruchtbringenden Grund praktischer Konsequenz. Cholerakranke heilt man durch Toppelposten vor der Tür, da- mit der Patient, den kein Arzt freiwillig stört, ohne fremde Einmischung bei seiner Rechnung mit dem Leben vom Tode geprellt werde, aber höchst niodern dekretiert man eine Billett- steuer für das Kino mit der verblüffenden Begründung, mit den so gewonnenen Riesensummen ein großzügiges Schul- werk zu fundieren oder eine— Ehrenpforte zu bauen zu Ehren des„konstitutionellen" Padischahs. Halbwelt! Halbkultur! Halb-Europa! Man wird drüben jetzt mehr als je sich zu Europa rechnen. Mit gutem Grund. Man hat eine echt europäische Vertrautheit im Umgang mit modernen Kriegswaffen— substantiellen wie geistigen— zur Genüge bewiesen. Mau hat zeitweise die klugen diploniatischen Lehrer und Meister an der Nase herumgeführt. Man hat den Balkan mit modernem Ltriegsdünger befruchtet, und wird nun mit Staß- furter Abraumsalz und südamerikanischem Vogeldreck nach- helfen, um nach modernen Grundsätzen rationellen Wirt- schaftsbetriebes Erträge zu gewinnen, mit denen sich Haussen auf dem europäischen Markt erzeugen lassen, man wird Truste gründen und aus der Korruption eine Kunst machen. Und die Naivität des Balkans wird lernen, lernen! Und an dem Tage, wo sie nichts mehr zu lernen haben wird, wo sie all unsere Kniffe und Schliche, all unsere Hintertüren der Moral kennen wird, und es auch dem gerissensten Europäer nicht mehr gelingt, auch nur einen Pfennig„Lehrgeld" von ihr zu erlisten.— an dem Tage werden wir aufhören, von „Halb-Europa" zu reden. Meine boshafte Freundin aber wird dann vielleicht mit gutem Recht behaupten,— daß die europäisch-asiatische Grenze um mehr als ein Dutzend Breitengrade nach Norden aeflüchtet ist. Auf europäischer Seite liegt dorm noch daS nördliche Eis- meer und sein repräsentativer Vertreter ist— der Eskimo I Ch. L. Klötzel, phantafien über den Jahrgang 1913. Nein, wer mit Leib und Seele auf die Abstinenz ein- geschworen ist, braucht nicht zu erschrecken und sich nicht zu entrüsten, der Weinjahrgang 1913 hängt noch an den Reb- stöcken, und nicht um Phantasien handelt es sich hier, wie sie der selige Hauff im Bremer Ratskeller erlebt, sondern der Ausgangspunkt dieser Betrachtungen ist ein Buch, genannt ,. Statt st ischesJahrbuch für das Deutsche Reich, Jahrgang 1913". Es kann kaum etwas Nüchterneres geben. In dem Kaiserlichen Statistischen Amte sitzen sie bei- einander, Geheimräte, wirkliche und unwirkliche, Assessoren, angestellte und nichtangestellte, Kanzleiräte, Hilfsarbeiter und Kanzlisten, und alle füllen tagaus, tagein große Aktenbogen mit Ziffern, nehmen zuweilen ein Lineal und ziehen einen schnurgeraden preußischen Strich, und dann kommen wieder die Ziffern daran, Bataillone von Ziffern, Regimenter, Bri- gaden, Divisionen, ganze kriegsstarke Armeekorps von Ziffern. Und wenn derart durch gemeinsame Mitarbeit der neue Jahr- gang zustande gekommen ist, wimmelt auch er von Ziffern, über 500 Seiten nichts als Ziffern und Tabellen. So bietet es sich nicht gerade als unterhaltsame Backfischlektüre an, aber in Wahrheit gibt es kein Buch, das interessanter wäre im echten Sinne deS Wortes. Denn diese Ziffern sind ja keine langweiligen, abstrakten Zahlen, wie sie der Mathematikprosessor mit Kreide an die Wandtafel malt, sondern sie stellen das Leben eines ganzen großen Volkes während eines ganzen langen Jahres dar, in geronnenem, in erstarrtem Zustand gewissermaßen, und wenn man Seite auf Seite des Buches nachdenklich umschlägt, verwandeln sich die toten Ziffern wieder in frisches Leben, und mehr an Liebe und Haß, an Hoffnung und Enttäuschung, an Glück und Elend, an Hunger und Verzweiflung, an Laster und Tod um- schließt dann dieses Werk namenloser Bureaukraten, als alle Tragödien aller Dramatiker zusammengenommen, von Euripides hinweg über Shakespeare und Schiller bis zu Schnitzler. Mehr Stoff enthält es, als alle lebenden Dichter je zu ver- arbeiten imstande wären, und säßen sie auch hundert Jahre am Schreibtisch! Ein paar Tabellen nur: auf dem Gebiete des Deutschen Reiches von heute saßen 1810 24 Millionen Menschen, 1864 waren es erst 39, 1910 aber 65 Millionen I Hier sind's ein paar Ziffern, aber in der Wirklichkeit birgt sich hinter diesem Be- Völkerungszuwachs ein ganzer Rattenkönig von ökononnschen, sozialen und politischen Problemen. Es birgt sich dahinter ein ganzer llniwälzungsprozeß, dessen Ergebnis, Jndustriali- sierung, Zurückdrängung der Landwirtschaft, Zertrümmerung selbständiger Existenzen, auf anderen Tabellen verzeichnet steht, in Ziffern, immer in nüchternen Ziffern. Tabelle I, 8. enthüllt die„Reichsbevölkcrung nach Geburtsjahr en und Familienstand am I.Dezember 1910. Da marschieren als Junioren der männlichen Abteilung auf: ein Verheirateter, der im Jahre 1895 das Licht der Welt erblickte, ein Witwer, dessen Geburts- datum in das Jahr 1894 fällt und ein Geschiedener, der 1892 als geboren in die Register eingetragen wurde. Wer in dem krausesten Roman drei Jünglinge dieser Art nebeneinander- stellte, einen fünfzehnjährigen Ehemann, einen sechszehnjährigen Witlver und einen achtzehnjährigen, der bereits wieder die Fesseln der Ehe abgestreift hat, der würde als heilloser Phantast erledigt sein. Das Leben ist talentvoller als jeder Roman: es hat die drei Gestalten geschaffen, aber das Statistische Jahrbuch verrät uns nur die Ziffern. Was den einen dazu trieb, sich in einem Alter zu binden, da man noch gemeiniglich von den Freuden des Jndianerspiels mehr hält als von den Freuden der Ehe, was den andern zwang, zwei Jahre vor dem militärpflichtigen Alter, wieder der Ehe den Rücken zu kehren, wer weiß es und wer will's enträtseln? Man weiß nur, daß die beiden Senioren derselben Abteilung IVlanövermarfcd. Von Sson BeuBeL Bepackt mit mörderischem Blei und Sklavenqual, bestürmen wir ein Dorf, drin niemals Schlachtgesänge tobten. Der Tanzschritt, den wir auf den Äöfen der Kasernen probten, reißt müde Bauern auf vom kargen Mittagsmahl. Der knappen Uniformen übertreßtes Lügenbunt fängt Kinderjubel und der Mädchen jäh entflammtes Gieren. Am Funkeln des Gewehrs klebt junger Burschen blödes Stieren. Gejaul der Körner klirrt geschlossne Fenster wund. Doch unsre Augen, die ein harter Kelm beschattet, sind schon zu müde aufzublitzen im Gefühl, und das Geschlecht ruht dumpfbesinnungslos ermattet. Wir warten nur auf eine rot heraufbeschworne Stunde mit rauchverdreckten Horizonten, draus gewitterkühl Kommandos fallen, die uns hetzen wie auf Wild geworsne Kunde. Nachdichtung __ von Paul Zech. ZZls Vater lebte und starb. .Da lebst Du so hin! Ein Tag ist so häßlich wie der andere, jede Stunde zerbricht eine Hoffnung, jede Minute splittert eine Sehnsucht der Armen. Du kommst nie hoch aus dem Alltagskram. lleberall find Ketten, überall sind Mauern. Deine Kräfte zerspringen in erbärmliche Funken, Dein ehr- kichstes Mühen ist nicht mehr als ein Raketenschuß in die Nacht. Eine Minute Glanz und Gefunkel— dann Rauch und Qualm. Aber einmal bricht doch grausame Klarheit in Dein Leben. Da siehst Du den Jammer um Dich. Da siehst Du: alle die Fäden, die Du zur endlichen Rettung geknüpft hast— alle die Fäden sind morsch und zerrissen. Du siehst alle Wege, die Du gegangen bist— es waren Irrwege. Da siehst Du das Ringen Deiner Klasse r- die wie Du geboren wird, lebt und stirbt. dagegen trivial erscheinen: 1810 geboren, paradieren sie in der Rubrik Ledige, sie wollen's sich noch überlegen.... Sind in dieser Tabelle Männlein und Weiblein streng getrennt wie in einem Kölner Bad, so stehen sie auf Tabelle II, 8. in den allerintimsten Beziehungen zueinander. Nach- prüfen kann man bis aufs tz, wer wen geheiratet hat, das heißt: natürlich nicht nach Namen, son- dern nur nach Altersklassen. Wer neugierig ist, erfährt nicht, ob Herr Müller doch Fräulein Schulze bekommen hat und ob nicht die Verlobung von Fräulein Lehmann zurück- gegangen ist, aber wir nehmen zur Kenntnis, daß die meisten Frauen im Alter von 22 bis 25 Jahren das Standesamt besuchen und zwar sind es 56 762 von insgesamt 512 819, die im Jähre 1911 ihren Namen gegen den eines Mannes ver- tauscht haben. Die Männer dagegen haben es im Alter von 25 bis 26 Jahren am eiligsten: da verzichteten 58 574 auf ihr Junggesellendasein und— hoffentlich— auch auf ihre Junggesellengewohnhciten. Auch hier- finden sich seltsame Schlafgefährten zusanimen: wenn 727 Männlein über 60 Jahren sich niit ebensoviel Weiblein über 60 Jahren kopulieren, so ist das in aller Ordnung und aller Ehren wert, aber bei dem ©reise über sechzig, der ein Mädel von siebzehn freite, bei der Fünfzig- bis Fünfundfünfzigjährigen, mit der sich ein Ein- undzwanzigjähriger einte, sieht der Dichter und der Psychologe auf die Dauer Tragödien, Komödien und Tragikomödien voraus. In dem Statistischen Jahrbuch freilich nehmen diese Tragödien, Komödien und Tragikomödien nur nach ihrem Ab- schluß ziffernmäßige Gestalt an, in der Tabelle II, 10. „Ehescheidungen" oder wohl auch II, 11.„Selbst- morde im Jahre 1911". Natürlich steht bei den Ehescheidungen das„Sündenbabel" Berlin an der Spitze mit 96,2 Ehescheidungen auf 100000 Ein- wohner im Gegensatz zu der Staatsspielschachtel Lippe, wo auf die gleiche Einwohnerzahl nur 5,9 Scheidungen entfallen. Allerdings hängt das wohl mit anderen Ursachen als mit der „Babelhaftigkeit" der Reichshauptstadt zusammen, wie denn industrielle Gegenden einen weit höheren. Prozentsatz der Scheidungen aufweisen als agrarische Landstriche. So kommen im Königreich Sachsen 34,2, in der Provinz Posen nur 9,0 Scheidungen auf 100000 Einwohner. Aehnlich ist es mit den Selbstmorden, deren Ursachen, von Ausnahmefällen ab- gesehen, immer die gleichen sein mögen: Hunger und Liebe. Da überflügelt Sachsen-Kobnrg-Gotha mit 45,7 Selbstmorden auf 100 000 Einwohner selbst Berlin mit 35,0 auf die gleiche Einwohnerzahl ganz bedeutend. Man könnte an einen Zufall denken, wenn nicht immer im Statistischen Jahrbuch dieser thüringische Kleinstaat mit einem Prozentsatz von Selbstmorden aufträte, als befände sich ein Monte Carlo innerhalb seiner Grenzpfähle. Aber sonst gilt auch hier das Gesetz: hoch- entivickelte Industrie, hohe Selbstmordziffer(Königreich Sachsen 31,5, Provinz Posen 9,0 Selbstmorde auf 100 000 Einivohner) I Doch häufiger noch als zum Selbstmord treibt der Hunger zur Auswanderung. Ihre Ziffern sind in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, aber noch immer genug. noch immer zu viel Deutsche schütteln den Staub des Vaterlandes, das ihnen als Stiefvaterland erscheint, von den Füßen: 25 531 waren's 1910, 22 690 1911 und 18 545 im Jahre 1912. Wieder nur ein paar dürre, nüchterne Ziffern und doch sieht man sie, die bleichen Kolonnen des Elends, sich in die Zwischendecks der riesigen Ucberseedampfer ergießen, Mann und Weib, Greis und Kind, mit Sack und Pack und mit so viel Enttäuschung und so viel Hoffnung im Herzen. Was diese 18 545 hier erduldet, was diese 18 545 drüben er- wartet, welcher Dichter könnte es unternehmen, das zu schil- dern— eine Folge und Fülle von Romanen wäre es 1 Woher sie kommen, wohin sie gehen, verrät noch das Statistische Jahrbuch: am meisten strömen- aus den agrarischen, am wenigsten aus den industriellen Provinzen übers Meer: 57 Auswanderer auf 100000 Einwohner in Posen, 17 auf 100000 im Königreich Sachsen! Auch hier hebt sich Sachsen- Schon als Kind wurde ich sehend. Trotzdem der Vater schon jahrelang lungenkrank war, mühte er sich als Maurer ab. Die Not zwang ihn. Anfangs war er Baumeister. Die mächtige Krise der neunziger Jahre zerbrach sein bisheriges Leben. Er baute sich aus den Stücken ein neues— er nahm Kelle und Hammer und schaffte an fremdem Werk. Den jähen Sturz hat er nicht überwunden. Er trank hier und da seinen Schnaps. ES kam vor, daß er betrunken oder ar- beitslos war. Das war für uns der gleiche Jammer. Die Mutter schickte jeden Sonnabend einen ihrer fünf Buben auf den Bau, Vater abzuholen. An den Tagen war gewöhnlich kein Brot im Haus. Wir Kleinen ahnten kaum das Ungeheuerliche dieses Lebens. Wenn der Vater krank war. gingen wir mit ihm in den Wald, Weidenkätzchen, Moos oder Reisig zu holen. Daß das verboten war, kümmerte uns nicht. Die Mutter band Kränze. Sie mutzte uns durchbringen. Die Toten gaben unS Brot. Das waren graue Tage. Doch ab und zu zuckte ein Wetterleuchten auf und unser Leben stand vor uns, anklagend und mißgestaltet. Mit den Brüdern verkaufte ich Seife, Soda und Wichse. Auch Weidenkätzchen und Blumen. Wir brachten uns eben so durch. An jedem MonatSersten verdüsterten sich die so wie so schon finsteren Gesichter der Eltern. Die Mutter wurde mürrisch und zänkisch, das Brot seltener. Mietzins war ein Wort, das uns unverständlich blieb. Auch in der Schule war's ein Elend. Von den Kameraden wurde ich verhöhnt und verspottet— meine Kleider waren ja gottserbärmlich. Einmal frug der Lehrer, wo unsere Väter arbeiten. Vater sucht Arbeit, sagte ich. Mit was, fragte der Lehrer— mit dem Schubkarren oder dem Opernglas? Ich schämte mich.� Ich wußte auch noch nicht, daß Armut Schande sei und daß Lüge darüber weghilft. Eine Tante schickte einmal getragene Kleider und eine neue Mütze für mich. Der Lehrer machte einen Witz: ob wir geerbt hätten. Alle Kinder lachten. Da schämte ich mich wieder. Warum. weiß ich nicht mehr. Vielleicht der schönen Kleider wegen. Vater kam eines Sonntags ohne Ausbeute heim. Um die ihm angetane Schande zu vergessen, hatte er getrunken. Der Feld- jäger hatte seinen Sack beschlagnahmt. Und der war dazu noch ein alter Bekannter. Als Vater Baumeister war, hatte er oft mit ihm Bier getrunken und Zigarren geraucht. Und nun?! Vater war ein Dieb...... Ter Gemeinderat ließ die Sache auf sich beruhen, oenn alle kannten Vater. Er schrieb, das Reisig könne abgeholt werden. Ich sollte es holen. Doch auf dem Wege kehrte ich um— der Sohn eines Diebes...... Nach einigen Wochen sollte die Mutter zwei Kränze binden. Ich mutzte nach den: Unglücksdorf, Flieder laufen. Der Gartennbesitzer frug nach meinem Namen. Ob der und der mein Vater sei. Ja. Und was wir jetzt machen. Ich Koburg-Gotha durch eine Merkwürdigkeit ab: das Land der verhältnismäßig meisten>selbstmörder Hot die verhältnismäßig wenigsten Auswanderer— nur ihrer 2 entfallen hier auf das Hunderttausend! Das Ziel der deutschen Auswanderer aber ist in jedem Jahr mehr eine beschämende Abfuhr für die kolonialpolitischen Schreihälse, die nach einem„größeren Teuffchland" in Afrika sich heiser rufen, damit die nach diesem Erdteil strömende„überschüssige Bevölkerung" indirekt wenig- stens dem Vaterland erhalten bleibt, denn von den 18 543 zogen nicht weniger als 18 129 nach Amerika und nicht mehr als 4(in Buchstaben: vier!) nach Afrika. Wegen dieses „Ueberschusses" von vier Mann noch einen Krieg mit Frank- reich zum Zwecke der Eroberung Marokkos zu beginnen, dürfte am Ende doch nicht recht lohnen. Aber noch in anderen und besseren Ziffern kommt Seine Majestät der Hunger in diesem Buche zum Ausdruck. Was er über das Meer nach anderen Erdteilen treibt, gibt hier den Kampf auf. Wertvoller ist, was hier entschlossen den Kampf weiterführt, und davon berichtet Tabelle V, 5, die uns verkündet, daß im Jahre 1912 von insgesamt 2510 Streiks im Deutschen Reich 415 ganz und 1001 tcilweis erfolgreich ab- schlössen. Die sich aufbäumende Kraft der mächtig empor- wachsenden Arbeiterklasse steckt in diesen Ziffern ebenso wie in ein paar anderen, die sich in Tabelle XIII finden. Da heißt es: Ergebnisse der Reichstags ivahlen: Von den gültigen Stimmen kamen auf Angehörige folgender Parteiflellung: Sozialdemokraten: 1893 1898 1903 1907 1912 1786 700 2 107 100 3 010 800 3 259 000 4 250 400 Und das sind wohl die stolzesten Ziffern des ganzen ziffernreichen Buches! Sin liberales Jubiläum. Wir wollen auch einmal ein wenig in Jubiläen machen. Warum sollte man diese angenehme Beschäftigung so ganz der Gegenseite überlassen? Für die sind ja in diesem Jahre die Arbeitsloge nur noch dringend nötige Ruhepausen, um die Heiserkeit vom Hurra- schreien zu kurieren. In Königsberg, Breslau, Berlin, Ketzlheim (hier unler besonders heiterem Gelächter der ganzen Welt und bei geschlossenen Fensterläden der UntertanenZ, in jeder Stadt, auf jedem Schlachtfest ist gefeiert worden. Kassel schiebt sinnigerweise als Abwechselung seine Tausend- Jahrseier ein, unter kleinlichster Vermeidung des Königs Jerome, der Wilhelms Vorfahren auch einmal als ilonsieur mon frere anreden durfte, und am Horizont droht schon wieder die Völkerschlachtdenkmalenthüllungsfeier(kein schlechtes Wort!) in Leipzig, zu der die Allerhöchsten, Höchsten, und Hohen Herrschaften bereits eingeladen worden sind, während der Deutsche Reichstag mit gutem Geschmack bis jetzt nicht aulgefordert wurde. Es wird also seinen streng monarchisch und patriotisch ge« stimmten Mitgliedern nicht möglich sein, ihr Hurra mit dem der Edelsten der Nation harmonisch zu verbinden, was besonders im Interesse der liberalen Ritter des Roten Adlers zu bedauern ist, die sich bei dieser Gelegenheit sicherlich gern kirschblau und in eine neue Ordensklane geschrien hätten. Ihnen aber gilt das Jubiläum, daS wir heule feiern wollen, das 26 jährige Jubiläum liberaler Denkunfähigkeit. Vor 25 Jahren erschien nämlich das Tagebuch Friedrichs III., den das fortschrittlich loyale Bürgertum einen liberalen Kaiser zu nennen sich erlaubte. An seiner Bahre eriönte aus liberalen Bratenröcken die dumpfe Klage, jetzt sei es mit der erhofften freiheitlichen Aera in Deutschland herum-uid der Ordensregen. den Friedrichs Regierungsantritt so angenehm eingeleitet hatte, werde leider der erste und lezte bleiben, der sich in liberalen Knopflöchern blitzend festhefte. gab Auskunft. Da bekam ich ein Glas Milch und für den Vater einen Brief. Das Geld für die Blumen durfte ich behalten. Vater weinte vor ohnmächtigem Zorn, als er oas Schreiben laS. Er wurde aufgefordert, bald die fünfzig Mark Schulden zu be- zahlen. Was für Schulden, wutzte:ch nicht. Ich bekam Schläge, weil ich bei solch einem Kerl Flieder ge- kauft hatte. Das Geld behielt ich. Vater hätte nur noch mehx getobt. In der Schule brauchten wir schon lange neue Bücher, ich war der letzte, der sie laufte..... Als Vater starb, war ich gerade zehn Jahre alt. Ich hatte noch nie einen Toten gesehen. Der erste war mein Vater. Er wußte von seinem Ende und— schwieg. Alle die papiernen Ge» sichtshelden der Schule waren nichts gegen meinen Vater. In den letzten Tagen sah ich seinen harten Kampf. Er lag in der Stube auf dem harten Sofa und wälzte sich hin und� hek. Sein Atem ging pfeifend. Das Gesicht war blau und auf Stirn und Händen krochen die Adern wie dicke Regcnwürmer. Er konnte nicht sprechen. Er winkte mit der Hand, ich solle gehen. Zum Sterben brauche er niemand. Der Mutter sagte ich nichts. Ich rannte auf die Vorstadtfelder und heulte wie ein Hund. Erst spät am Abend ging ich heim. Die Lampe brannte nichts- sagend wie gewöhnlich. In der Küche saßen Mutter und Brüder beim Abendbrot. Dem Vater gehe es besser, sagte die Mutter. Wenn nur erst der Winter vorüber sei, seufzte sie. Da ahnte ich, daß im Winter viele Lungenkranke sterben. Bis zum Winter brauchten wir nicht zu warten. Vater starb in der ersten Herbstnacht. Um Mitternacht rief er dreimal meinen Namen, er bat um Wasser. Als er trank, gluckste es eigentümlich. Es war. als ob die Flüssigkeit ins Bodenlose fiele. Früh, als wir erwachten, war er tot. Die Mutter schrie auf, wir Kinder weinten. Ich sah den ersten Toten.... Die rechte Gesichtsseite war blau und rot an- gelaufen, auch die Brust war so häßlich gefleckt. Herz- und Ge- Hirnschlag zerbrach endlich sein Leben. Die Mutter schnitt sich zum Andenken von Vaters prächtigem Haar eine Lecke ab. Nach drei Tagen wurde er begraben. Der Pastor hielt seine Leichen- rede uno bekam 10 Mark dafür. Die Verwandten trösteten die Mutter, so gut es ging. Dar- auf erzählte sie. daß in jener Nacht cm Hahn dreimal laut ge- kräht habe und die Uhr sei stehen geblieben. Fast alle der Gäste wußten eine gleiche Geschichte. Zuletzt mutzten wir vortreten und der Mutter doppelten Gehorsam versprechen. Als der Schwärm auseinander ging, sagte eine alte Tante: Mutter könne eigentlich froh sein, Vater sei doch nur ein unnützer Esser gewesen. Am liebsten hätte ich sie angespuckt, aber oas ging nicht vor so vielen Leuten. � � Wir haben der Mutter nicht doppelt gehorcht. Da erzahlte sie unö, was der Vater in seinen letzten Tagen gesagt habe: Mutter, wenn Dir die Kinder nicht gehorchen, schlage sie, bis Dir die Arme weh tun, meinen Lederriemen lasse ich Dir da. Ein liberaler Hohenzoller! Das war dem angestammten Bürger- tum vorbehalten, das zu entdecken. Einiger munterer Seitensprünge wegen, wie sie eben ein mißgestimmter Kronprinz in seinem Tage- buch macht, nennen die Leute, die für sich den Ehrentitel liberal in Anspruch nehmen, einen künftigen König von Preußen freiheitS- liebend. Man sieht, welch geringe Ansprüche die Herren an die eigene Liberalität stellen, wenn sie so bereitwillig ein paar verärgerte Worte als Gesinnungsnachweis hin« nehmen. Sie haben sich durch diese Komödie unüber- trefflich selbst gezeichnet. Solange die Herren verärgert sind, sind sie gar nicht so heftig für Thron und Altar, aber wenn die Gnadensonne sie auch nur von ferne bescheint, gehen sie auf, wie ein ganze» Kaiserblumenfcld. Friedrich Hl. hätte nur einmal ein Jahr den durch Parlament und Minister mehr kostspielig als wirksam ver« brämlen preußischen Absolutismus genießen sollen, dann hätte er sicherlich auf seine paar irrgegangenen Roten Böge! einige wohl» gezielte Fußtritte folgen lassen, und zwar auf die Körperteile, die sich gerade unter der Devise: Hoch lebe der liberale Kaiserl an den Stufen des Thrones niederlassen wollten. Die Liberalen träumen immer noch den gleichen Traum. Ein liberaler Kaiser— dieser Wonnegedanke läßt sich nicht mehr fest- halten. Dafür entdecken sie bald einen lieberalen Minister(im Preußen Wilhelms II.), bald einen liberalen Agrarier, bald einen liberalen Kronprinzen. Sie könnenS nicht glauben, daß die Regierung gegen sie, die allerbravsten im Staat, so bös sein sollte, sie hoffen immer, soviel katzbuckelnde Loyalität müßte schließlich ihren königlich preußischen Titel finden. Daß sie bei all dem Bestreben konservativ werden und nicht die preußischen Regierenden liberal, das sehen sie nicht. Sie sind die vollendete Un- fähigkeit, Macht zu erlangen, weil sie immer schon halb zur Macht übergehen, ehe ein Schuß gefallen ist. Wollte man ihnen heute, an diesem Jubiläum ihrer Schwäche, klar machen, ein schein- bar liberaler Kaiser wäre das schlimmste, viel schlimmer als der unklare Gottesgnadenapostel, dann würden sie Mord und Brand schreien und behaupten, eS läge unS nichts an der freiheitlichen Ge- stallung deS Reiches. So werden sie träumerisch sich abwechselnd über ihre zwei Ohren hauen lassen und wenn wir das fünfzig- jährige Jubiläum des.liberalen Kaisers" feiern, wird sich der letzte Liberale in Bratenrock und Ordensschmuck unter leisen Altersblöd- sinnSerscheinungen an seinem Stammtisch über die selige Zeit aus- lasten, als er nebst seinen Gesinnungsgenoffen noch leibhaftigen Ministern die Hand drücken durste und der Kaiser beinahe mal einen angesprochen hätte. Vom Jahrmarkt cles Gebens. �kucleutscke Kultur. Uns trennt eine Weltanschauung von den anderen! Das ist nicht nur unser, sondern auch der Jagowiter Grundsatz. Ihnen, die noch dem Bibelspruche anhängen:„Selig sind, die da geistig arm sind", kommt instinktiv zum Bewußtsein, daß der Drang der Arbeiterschaft nach Bildung, ihr Sehnen sich zu erbauen an den großen Werken der Kunst, eine revolutionäre Tat ist. Uns trennt eine Weltanschauung von den anderen! Um des- willen versucht ein Jagow, den Arbeitern den Genuß einer Bachschen Fuge zu hintertreiben, um deswillen werden die Volks- bühnen unter Polizeiaufsicht gestellt� und nur ein Ausfluß des- selben GeistcS ist es, wenn der Saal der Neuen Welt für un- würdig erklärt wird, daß die Arbeiter an christlichen Feiertagen in ihm an den großen Schöpfungen der Tonkunst sich erbauen. Ganz instinktiv fühlt das Polizeihirn, daß es revolutionär wirkt, die Arbeiterschaft mit Bildung zu erfüllen, sie einzuführen in die hehren Hallen der Kunst. Die Mutter hat nicht geschlagen. Ich habe ihr das mit dem Vater nicht geglaubt und den Riemen unters Bett versteckt. Nach einigen Wochen hatte sie ihren Schmerz überwunden und ging zum erstenmal zu einem Vergnügen. Sie war ja noch so jung— zweiunddreitzig Jahre. Ter Vater war vierzig, als er starb. Auch einen Liebhaber hatte sie bald. Später kam ein Kino.... Aber geheiratet hat sie nicht mehr." DaS ist die Geschichte vom Leben und Sterben der armen Leute. Ein Oestcrrcicher Schübling hat sie mir in einer schlaf- losen Nacht erzählt, als wir von Genua nach Neapel fuhren. Max Barthel. Gerettet. Von Wladimir von Bereust am m. Eine Sitzung des Kriegsgerichts.— Es geht zum Schluß.... Die vier Angeklagten schweigen.... Sie sind von Wachen um- geben. Man hat sie aus dem Gefängnis hierhergebracht.... Sie sind angeklagt, daß sie zu einer Gruppe von Sozialisten— Revolutionären— Maximalisten*) gehören. Im Torfe, wo sie ein„Nest" gehabt haben sollen, fand man ein Lager mit Bomben, Dynamit. Sie— ist eine junge Dorfschullehrerin, die Tochter eines Landrates. Ein hübsches Kindergesicht, sanfte blaue Augen. Die beiden Studenten waren zu ihr zu Besuch gekommen; auch vor Gericht erscheinen sie in schwarzen Blusen mit weißen Knöpfen. Ter vierte ist ein hiesiger Bauer. Beim Gutsbesitzer war in der Nacht von maskierten Leuten eine Expropriation vorgenommen worden, an der Stimme hatte er diesen Bauer erkannt. Die übrigen hatten mit dem Bauer Bekanntschaft gepflogen. Auf dem. Schulhof war eine Durch- suchung gemacht worden. Der Holzschuppen stand immer offen. Unter dem Schutt, kleinem Holz und anderem Gerümpel war der schreckliche Korb versteckt, der jetzt auf dem Tisch als wesentliches Beweisobjekt stand; daneben liegen entladene Mäntel von Bomben und so weiter. Der Saal ist vollständig leer. Auf der Tribüne, wo das Publikum gewöhnlich sitzt, hat ein Offizier Platz genommen,— die Wachen... die beiden Verteidiger und sonst niemand. Im Saale wird es merklich dunkel. Der Staatsanwalt be- schuldigt, spricht lang und breit davon, wie schrecklich diese An- geklagten sind; nichts Heiliges fei in ihnen geblieben. Er fordert Todesurteil— und im Saale wird es noch trauriger. Ein Kolleg, hiesiger Advokat, ein alter Verteidiger, steht auf und hält eine überzeugende Rede. „Wen klagt der Staatsanwalt an? Die friedlichsten Leute, die niemand etwas zu Leide getan haben. Wo ist der Beweis, daß sie Mitglieder irgendeiner Partei sind?— Ein Lager von •) Maximalisten— Anarchisten. Als ob wir nicht wirklich genug polizeilich konzessionierte und protegierte Kunst hätten. Haben wir nicht die„große Kanone", den„Mister Mcschugge" und die„Blödsinnskandidaten"? Und welch klassische Geistesrichtung erschließt sich mit der Ankündigung an den Plakatsäulen, daß Mister Gänseklein alle Kanonen und sonstige Musikidioten übertrifft! Wenn diese dem Musikbedürfnis der sogenannten Gebildeten genügen, was braucht die ungebildete Menge einen anderen Maßstab der Kunst? Uns trennt eine Weltanschauung von den anderen! Mit welch unsäglicher Verachtung mögen die Musiker, die sich meschugge stellen müssen, um ihr Brot zu verdienen, auf die blöde Menge der Gebildeten herabsehen, die ihre Gliederverrenkungen mit fre- netischem Beifall belohnt. Jagows getreueste Untertanen! Denen geht nicht das Herz auf, wenn Beethovensche Klänge sie um- rauschen. Sie werden nicht erschüttert durch die Seelenkonflikte, die ein Ibsen ihnen ausmalt. Sie sind die Vertreter der Jagow- schen Kultur, sind gute Patrioten! Uns trennt eine Weltanschauung von den anderen! Das kam uns wieder recht eindringlich zum Bewußtsein in einem der großen Berliner Konzertcafes. Um zugkräftig zu bleiben, finden dort Kabarettoorstellungen statt. Eintritt frei, die Tasse Kaffee 50 Pf. Der weite Saal ist bis in die äußersten Winkel gefüllt. Auf dem Podium trägt eine Sängerin ein Chanson vor:„Mein Fritze hat den schärfsten!" Tie Pointen unterstreicht sie mit drastischen Armbewegungen. Ihr folgt nach einiger Zeit ein dramatischer Jüngling, der mit rührend falschem Pathos in dieser leichtsinnige Umgebung eine ernste Episode aus dem deutsch-fran- zösischen Kriege vorträgt. Als gegen Schluß der Deklamation die Musik die Klänge der Preußenhymne immer lauter ertönen läßt, bricht ein patriotischer Jubel aus, der vielleicht noch stärker ist als beim Vortrage des schönen LiedeS„Mein Fritze hat den schärfsten". Jagows allergetreueste Untertanen, Vertreter der polizeilich abgestempelten neudeutschen Kultur. Ihrem Kunstgenuß wird keine Polizeifaust hindernd in den Weg treten. Das geschieht nur bei den anderen, die eine Weltanschauung davon trennt. Die Kalfcrparade m Öntcrbofen. Aus Posen wird der„Frankfurter Zeitung" eine nette Episode mitgeteilt, die sich dort während der Kaisertage bei der großen Parade abspielte: Von oben herab war die Order gekommen, daß Mannschaften und Offiziere in Drillichhosen vor Seiner Majestät erscheinen sollten. Aber der Himmel hatte weder Ver- ständnis für das imposante Schauspiel, das sich auf dem Parade- feld abwickeln sollte, noch für die dazu befohlenen weißen Unaus- sprechlichen. Dräuend zogen sich die Wolken zusammen und ein leiser Sprühregen ließ noch auf einen gehörigen Guß rechnen. DaS brachte die Herren Hauptleute einigermaßen aus dem Konzept, denn es war nicht üblich, bei Regenwetter eine Parade in Drillich- hosen abzuhalten. Eine eingehende Konferenz, dann kam der Be- scheid:„Tuchhosen anziehen und für alle Fälle die Drillich- hosen im Tornister mitnehmen." Dieses salomonische Urteil fand aber nicht den Beifall der oberen Gewalten, die auf Aus- führung des ursprünglichen Befehls drangen. Nun ging, eine Viertelstunde vor der Ankunft des Kaisers, angesichts einer tausend- köpfigen Zuschauermenge, die U m k l e i d e s z e n e vor sich. Da gab es für manchen Offizier und Grenadier einen höchst peinlichen Moment. In der Eile hatten sie nämlich vergessen, ihre Drillich- Hosen einzupacken, und standen im Augenblick ratlos da. Ein junger Offizier wußte sich zu helfen. Er requirierte einfach für sich die weißen Hosen seines Burschen und schob den also Beraubten, den nur noch seine Unterhose schmückte, tief in die Reihen hinein. Wenn die Zahl der Sansculotten auch groß gewesen sein soll, so tat es doch dem Erfolg des Tages keinen Abbruch, denn weder die Augen der Kritiker noch der Zuschauer merkten die Parade in Unterhosen. Die �iebesfreuden im pfarrbaufe. Im Pfarrhofe in Giebing bei Dachau waltet seit dem Jahre 1S06 eine jetzt 23 Jahre alte Barbara S. als Köchin. Im Mai Bomben?— Aber das ist doch der Schulhof. Die Türen des Hauses und des Kellers sind immer offen. Jeder konnte etwas hineintragen." Er argumentiert, beweist, und es sieht auS, als ob sie freigesprochen werden würden. » „Sie haben das letzte Wort," wandte sich jetzt der Vorsitzende an den ersten Angeklagten. In fieberhafter Aufregung erhebt sich ein Grusier. Er ist augenscheinlich ein unberechenbarer, zügelloser Mensch. Das Ver- sprechen, zu schweigen, das er dem Verteidiger gegeben, hat er vollständig vergessen. „Unser Verteidiger hat gesagt, daß wir zu keiner Organisafion gehören,—" rief er mit funkelnden Augen.„Das ist nicht wahr! --- Wir sind kein Vieh!— Sogar Sie... stellen abends Kartenpartien zusammen. Wir sind Anarchisten!— Wir hassen Ihre Ordnung der Gewalt und würden es mit Vergnügen be- grüßen...." Der Präsident läßt ihn nicht weitersprechen, der wachthabende Offizier und die Wachen schleppen den Grusier, der mit den Fäusten wütend um sich schlägt, aus dem Saale. Die Sitzung wird unterbrochen. Der Gerichtshof bleibt lange draußen. Endlich kommt der wachhabende Offizier zurück; in den Händen hält er ein brennendes Licht. Mit ihm kommen zwei Soldaten. Es sieht aus wie ein feierlicher Umzug in einer katholischen Kirche. Der Offizier probiert sorgfältig alle Schlösser, hebt die Vorhänge. Die Sol- daten kriechen auf allen Vieren unter den langen Gerichtsfisch. Der Offizier hebt das bis auf den Boden hängende Tischtuch auf und leuchtet ihnen. „Nicht da!" sagen die Soldaten. „Seht besser nach," befahl der Offizier,„ist hier nichts unter- gelegt worden?" Dann entfernen sich der Offizier und die Soldaten. „Der Gerichtshof kommt!" verkündigt nach einigen Augen- blicken ein anderer Offizier. Es erscheint ein General, umgeben von vielen Obersten. „Sie haben das letzte Wort," wandte er sich jetzt an den zweiten Angeklagten. Dieselbe Szene wiederholt sich. Der zweite Student scheint sich an der Aufregung des ersten angesteckt zu haben. Er verflucht den ganzen Gerichtshof und hört sogar nicht auf, als man ihn aus dem Saale schleppt. Es scheint, als ob die Flüche nur so in der Luft hingen, denn„gegen alles Erwarten" beginnt auch der Bauer zu fluchen, und zwar„echt russisch" mit auserlesenen Schimpfwörtern,-- er hat augenscheinlich vergessen, daß die Lehrerin ihn auch hört. Er wird auch hinausgeschleppt und wieder folgt eine Unter- brechung. 1907 ließ sich die Jungfer vom Herrn Pfarrer beurlauben, ging nach München und schenkte da einem ganz kleinen Kindchen das Leben. Nach ihrem Erholungsurlaube kehrte sie in das Pfarr- haus zurück, um weiter für die leiblichen Bedürfnisse des geistlichen Herrn zu sorgen. Das Kind wanderte zur Mutter nach Ellbach. Im Frühjahr dieses Jahres wurde das Kind unter dem Name» Marie Balde zur Schule angemeldet. Der Lokalschulinspektor in Ellbach, Benefiziat Bierlinger, wollte durchaus einen Nachweis für die Existenzberechtigung des Kindes haben. Er hielt in verschiedenen Standesämtern Umfrage und kam schließlich aus den niederträch- tigen Gedanken, daß der Herr Pfarrer in Giebing der Vater des Kindes sei. In einer Verhandlung, die jetzt wegen Fälschung des Per- sonenstandsregisters gegen die Köchin stattfand, wurde dieser ganz absonderliche Gedanke aber widerlegt. Nicht der Herr Pfarrer, son- dern sein Bruder, der pensionierte Postasfistent Behnel, wollte die Liebesfreuden mit dem Mädchen genossen haben. Er er- klärte in der Verhandlung, daß er der Vater des Kindes sei, er habe alljährlich seinen Urlaub bei seinem Bruder im Pfarr. Hof zugebracht und dort ebenso regelmäßig mit dem Mädchen verkehrt. In große Verwunderung wuxde das Gericht durch die Behauptung des Postassistenten versetzt, daß er erst seit einigen Monaten Kenntnis davon habe, daß er der Vater eines sechsjährigen Kindes sei. Ebenso sonderbar erschien es dem Gericht, daß weder der Herr Pfarrer noch seine Schwester etwas von dem Zustande des Mädchens gemerkt hatten. Es erschien dem Vorsitzenden so unglaubhaft, daß der Postassistent der Vater des Kindes sei, daß er den Zeugen unvereidigt ließ. Aber noch eine andere Unbcgreiflichkeit brachte der Prozeß. Der Staatsanwalt hatte die Kühnheit, zu behaupten, die drei Zeug e n, der Pfarrer, der Bruder und die Schwester, seien der T e i l n ah m e an der zur Aburteilung stehenden Straftat dringend verdächtig. Ter Staatsanwalt erklärte, daß er sehr wohl in der Lage sei, wenn eS gewünscht werde, die Gründe dafür in der ausführlich st en Weise zu geben. Schließlich blieben die drei Zeugen unvereidigt. DaS Mädchen wurde freigesprochen, weil die Straftat verjährt sei. Hoffentlich erlebt der Herr Postassistent an seinem Kinde, von dem er erst so spät Kenntnis erhielt, groß« Freude. Das wird um so wahrscheinlicher sein, als vielleicht auch sein Bruder, der geistliche Herr, sich um die Erziehung seiner.Nichte" bemühen wird. Dundeleben. Ich kenn ein glücklich Hundevieh, Das wäscht man nur mit Patschusi Und wohlriechender Seife. Zum Frühstück kriegt er schon Filet;— Kriegt er was anders, sagt er:.Nee! Solch Futter, das ist.treffe"." Natürlich wird er dick und fett; DeS Nachts schläft er im Daunenbett; Bei Tag trägt er'ne Decke.-- Ich lauf herum als wie ein Schwein; Der Wind pfeift mir durchs Hosenbein; Ich friere an der Ecke. O du beneidenswertes Tier! Welch' glücklich Schicksal wurde dir! Mir ward's nicht so gegeben. Du sitzest wie die Mab' im Speck Und ich verkomm' im tiefsten Dreck— Das nennt man Hundeleben. ES ist die reine Ironie! Du bist doch nur ein Hundevieh Und lebst wie ein Prälate;— Ich muß mich schinden spät und früh; Nu frag ick Sie: Wo bleibt da die Gerechtigkeit im Staate?! Auf der Anklagebank sitzt sie nun ganz allein. In der Hand hält sie eine schwarze lederne Handtasche an einer Stahlkette. Der wachthabende Offizier hat schon verkündigt, daß die Richter sich nahen, und diese zeigen sich jetzt in der Tür ihres Zimmers. Plötzlich blickt der General die Angeklagte an und weicht augenscheinlich bestürzt zurück; auch die Richter, die es bemerken, tun dasselbe. Der ivachthabende Offizier ist ihnen gefolgt, kehrt aber schnell zurück, und tritt auf sie zu. „Gestatten Sie, Fräulein, Ihre Handtasche." „Warum?" „Weil....eS befohlen ist." „Um nichts in der Welt...." „Das erschwert Ihre Sache." „Es ist mir egal." „In dem Falle zeigen Sie sie mir nur.<. „Was fällt Ihnen ein? Um nichts in...." „Ihre Weigerung wird den Gerichtshof sehr ärgern, und das wird auf Ihr Schicksal wirken. Ich gebe Ihnen einen guten Rat.... Sie sind noch so jung, Fräulein...." „Ich sagte Ihnen schon, es sei mir ganz egal." Der Offizier entfernt sich und ruft einen Kamerade» zur Hilfe. Bald kommen sie beide zurück. Der Kamerad bittet, sie möchte ihm doch die Sache geben, der Gerichtshof würde sonst nicht zurückkommen. „Sie selbst wünschen dach auch, daß die Sache schneller zn Ende gehe." Sie willigte gern ein und übergab dem zweiten Offizier die Tasche. Als die Richter endlich auf ihrem Platze saßen, nahm der zweite Offizier die Tasche, drehte sie und öffnete sie demonstrativ, um den Gerichtshof endgültig zu beruhigen. Man erblickt weiter nichts darin als ein Taschentuch. Plötzlich springt sie von ihrem Platze auf, beugt sich über das Gitter der Barriere und reißt ihre Tasche an sich. „Ich bin unschuldig!"— ruft die junge erregte Stimme— „ich konnte im Gefängnis kein reines Taschentuch bekommen,.— ich bin unschuldig daran, daß ich solch ein schmutziges Taschentuch habe." Alle lachen gutmütig-- und solches Lachen will bei einem Kriegsgericht sehr viel bedeuten. Ihr Schrei der Verzweiflung rettet sie alle.— Man konnte sie nicht mehr hängen. Wir wußten aus Erfahrung, daß der Ge- richtshof jetzt selbst mildernde Umstände befürworten würde. Und trotzdem auch sie von ihrem Haß zu sprechen begann,— man hörte gar nicht aus sie.... Die Richter lachen wie vorher gutmütig. llebersetzt von Amalie Klonower. Hub ISeu-ßyzanz. In der in Velbert(Rheinland) erscheinenden„Velberter Zeitung" sinden wir die folgende welterschütternde Meldung: „Tüte angenehme Erinnerung hat der aus Velbert ge- hurtige Feldwebel Overhamm von der 2. Kompagnie des Jn- Sinterie-RegimentS von der Marwitz Nr. 61 mit heimgebracht. ach dem großen Gefecht am IS. 3. 13 bei dem Gehöft Friedrichs- Hof im Kreise Tchlawe(Hinterpommcrn) wollte sich der Kronprinz vor Beginn der Besprechung, zu der die Offiziere vom kommandierenden General zusammengerufen waren, eine Zigarette anzünden. Feldwebel Overhamm, der in der Nähe stand, trat mitderBitteheran, Feuer reichen zu dürfen. Der Kronprinz nahm dies an, dankte für die Aufmerksamkeit und überreichte ihm einen Jubi- l ä u m s t a l e r." Feldwebel Overhamm hat mit seinem JubiläumStaler mit einem Schlage sich und feine Vaterstadt berühmt gemacht. Wenn die Velfeerter nun noch des Zigarettenstummels des Kronprinzen Hab- Haft werden könnten, würde mit den auf den Gefilden Hinter- Pommerns eroberten Reliquien der Grundstock zu einem neuen vaterländischen Museum gegeben sein. Verlin C. Roßskratze 34 Vsllnifeher Fifetzmnrkt 4-5-6 Aischerskrahe 1 Kättel-Anzflg'e von Mark 6.— bis Matf21.— Biusen-Anzüge von Mark 3.50 bis Mark 21.— Jacken-AMflg� von Mark 5.- bis Mark 22.— Ongma!- Kieler Kleidung ffüt die Schule! J Oppen=A O � fig'0 von Mark 10.— bis Mark 28.— Knaben- Ulster u. Paletots von Mark 8.- bis Mark 35.- KielerPyjacks Jüngllngs- Anzüge u. Ulster von Mark 13.50 bis Mark 50.— Joppen, Hosen rinen Mützen, Ulsterlnüte SchZupfblufen- Anzüge in blau und grauem yjfattUotfl Kammgarn und Cheviot von 7. SO Mark an Jl-v lil� v I i» Meine in eigenen Velriebswerkstätten hergestellke Knaben- und Iünglings-Kleidung ist preiswert und unübertroffen in Sitz und solider Verarbeitung. vsokssxniis. 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