Nr. 258. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer Bfg. Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breislije Unter Kreuzband für Deutic und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemar!, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 30. Jahrg. Die Infertions- Gebilhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Heinrich Dietz. Freitag, den 3. Oftober 1913. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 1984. Druckerei wenigstens vorläufig aufrechtzuerhalten und das später die„ Kleine Bibliothek" anreihte, längst das erste halbe Beitererscheinen der Gerichtszeitung" zu ermöglichen. Um Hundert Bände überschritten. in der Nähe des Geschäfts zu bleiben, ging Diez mit Auer Und neben diesen Werken sind eine Reihe anderer soziaund Hillmann nach dem benachbarten Harburg und suchte von listischer Schriften, größere und kleinere, im Dietzschen Verlage Lichter und lichter werden die Reihen der Alten in unserer dort aus den Betrieb zu leiten vergebens; als man in erschienen, darunter verschiedene historische und naturwissenPartei, die sich schon in der ersten Sturm- und Drangperiode Berlin sah, daß troz aller Ausweisungen die„ Gerichtszeitung" schaftliche Lieferungswerke; denn bald stellte sich nicht nur in der deutschen Sozialdemokratie der roten Fahne angeschlossen nicht einging, erfolgte am 22. März 1881 aus den nichtigsten unserer Partei die Notwendigkeit ein, eine populäre billige und die rauhen, traurigen Tage des Sozialistengefeges mit Gründen ihr Verbot. Literatur zu schaffen, die aufklärend in die Massen drang, ihren Verfolgungen und bitteren Leiden durchgemacht haben. Genosse Dietz ging nun nach Stuttgart und übernahm sondern zugleich auch Ueberschüsse abwarf, denn die Herausgabe Um so mehr freuen wir uns, wenn heute noch Mitglieder dieser dort die infolge der Verhängung des Belagerungszustandes der wissenschaftlichen Literatur erforderte zunächst Zuschüsse und alten Avantgarde in voller Rüstigkeit unter uns weilen, und über Leipzig von der Pleißestadt nach Stuttgart verlegte wieder Zuschüsse. Anerkennung verdient aber, daß selbst bei gerne feiern wir ihre Jubiläumstage mit, denn diese sind im ehemalige Leipziger Genossenschaftsbuchdruckerei. Doch auch der Herausgabe dieser Lieferungswerke der Dietsche Verlag gewissen Sinne auch unsere. dort noch wurde Genosse Dietz während der nächsten Jahre auf wissenschaftliche Qualität gesehen und nie auf die Zu diesen Alten unserer Partei, die so manches Dienstjahr durch wiederholte Haussuchungen und Beschlagnahmen von Sensationslust des großen Lesepublikums spekuliert hat. in der Partei hinter sich haben, gehört auch Johann Heinrich Broschüren und Wahlflugblättern in seinem Betriebe gestört. Mehr als zwei Jahrzehnte hindurch hat so der Dietsche Wilhelm Diet, der, da er am 3. Oftober 1843 geboren ist, Auch die Bekanntschaft mit dem Gefängnis blieb ihm nicht Verlag fast allein die wissenschaftliche Literatur der Sozialheute seinen siebzigsten Geburtstag feiert. Als Kämpfer erspart. 1886 wurde er in den Freiburger Geheimbundprozeß demokratie herausgebracht; erst in jüngerer Zeit, nachdem das in der parlamentarischen Arena ist zwar Dieß, wenn er auch im verwickelt und zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe ver- Lesebedürfnis in unseren Reihen mehr und mehr zunahm, Deutschen Reichstag wie im Württembergischen Landtag oft seinen urteilt, die er vom November 1886 bis Mai 1887 in Chemnik sind andere Parteiverlage ihm zur Seite getreten und haben Mann gestanden hat, weniger hervorgetreten; seine großen verbüßte. ebenfalls größere wissenschaftliche Werke verlegt, vornehmlich die Verlagsbuchhandlung Vorwärts. Verdienste um die sozialdemokratische Partei liegen auf Bald nach dieser Uebersiedelung des Genossen Dietz nach anderem Gebiet: auf dem Gebiet der sozialistischen Literatur. Stuttgart im Sommer 1882 hatte ihm Genosse Kautsky, Trotz dieser mühevollen Tätigkeit als Verleger, in geDhne das unermüdliche Wirken des Genossen Dieß, seinen damals noch ein junger Schriftsteller von 28 Jahren, die wissem Sinne kann man sagen: als Bahnbrecher der großen Sinn und sein geschäftliches Geschick, hätten wir heute Gründung einer wissenschaftlichen, im Geiste der Marrschen sozialistischen Parteiliteratur, fand Genosse nicht unsere ausgebreitete wissenschaftliche Parteiliteratur, vor Lehre redigierten Monatsschrift vorgeschlagen. Die Lage der Dieß infolge seiner außergewöhnlichen Arbeitskraft dennoch allem nicht unsere marristische Literatur. Jahrzehntelang haben Partei war gerade in jener Zeit eine äußerst ungünstige. Der die Zeit, cifrig in der politischen Agitation und im Parlament unsere Altmeister Marr, Engels, Lassalle an die Türe bürger- innere Zusammenhang war vielfach durch den Kampf gegen zu wirken. Seit 1881 vertritt er ununterbrochen den zweiten licher Verleger klopfen müssen, um ihre Werke gedruckt zu das Sozialistengesez erschüttert, die Parteibetriebe schwebten, fort- Hamburger Wahlkreis im Reichstag und verschiedentlich hat sehen und sie der Arbeiterschaft zugänglich machen zu können; während von der Vernichtung bedroht, zwischen Tod und Leben. er den deutschen Parteitagen präsidiert. erst im höheren Alter hatte Friedrich Engels die Genugtuung, Alle Anstrengungen konzentrierten sich auf die Aufrechterhaltung So tann heute Dieß an seinem siebzigsten Geburtstage seine wissenschaftlichen Werke in einem Parteiverlag erscheinen der gefährdeten politischen Stellung, die Aussichten, daß die mit Stolz und Befriedigung auf das Werk zurückblicken, das Lassen zu können und zusehen, wie sie von dort aus in schneller Folge Herausgabe der neuen Monatsrevue sich in nächster Zeit er seit mehr als drei Jahrzehnten in rastloser Arbeit geschaffen in die breite Masse des arbeitenden Volkes drangen. Nicht nur rentieren werde, waren also äußerst gering. Eine nicht gerade hat, ihm selbst und der Partei zur Ehre. Wir wünschen ihm den unermüdlichen Agitatoren und Parlamentariern, die in günstige Situation für ein solches Unternehmen. Dennoch heute, daß er noch gar manches Jahr in gleicher Rüstigkeit der Kleinagitation und auf der Rednertribüne zum Kampfe willigte Dietz ein, das Wagnis zu übernehmen und im Oktober und mit gleicher Umsicht im Dienste der Partei wirken möge. gegen die fapitalistische Gesellschaftsordnung aufriefen, ge- 1882 wurde von Diez, Kautsky, Liebknecht, Bebel und Heinrich bührt der Dank der heute zu einer mächtigen Arbeiterpartei Braun die Gründung beschlossen. Die Redaktion wurde Kautsky erstartten Sozialdemokratie, auch den sozialistischen Schrift. übertragen. stellern, die mit Schädel und Hirn gepflügt haben, um den Diese Gründung der neuen Revue, der Neuen Zeit", Kämpfenden die geistige Munition zu liefern, und nicht minder war ein um so riskanteres Unternehmen, als das Blatt die dem Mann, der es mit Ausdauer und Umsicht verstanden Marrsche Lehre vertreten und in die deutsche Sozialdemokratie tag die bayerischen Geschworenen in Bayreuth. Das dortige hat, den Büchervertrieb der sozialistischen Propaganda dienst- einführen sollte; diese Lehre aber gegen die damals herr- Parteiblatt, die Fränkische Volkstribüne", hatte eine polibar zu machen, und die sozialistische Literatur nicht nur schenden sozialistischen Anschauungen in der Partei aufs tische Karikatur veröffentlicht, die vorher in dem Montagsfleine billige politische Agitationsschriften, sondern auch größere schärfste verstieß. Schon vorher hatte der schnelle Aufschwung der blatt des Vorwärts" gebracht worden war. Sicherlich die ökonomische, historische, naturwissenschaftliche Werte in sozialdemokratischen Partei nach der Einigung- sie errang bei den harmloseste Karikatur, die der Vorwärts" bisher veröffentweite Leserkreise zu bringen. Eine Aufgabe, die eine Reichstagswahlen im Jahre 1877 rund 493000 Stimmen einige licht hat. Das unter Anklage gestellte Bild behandelte die Fülle ernster, sorgfältiger Arbeit erforderte; denn als wohlmeinende und wohlhabende Anhänger des Sozialismus Enthüllungsfeier der Kelheimer Festhalle. Natürlich nicht Dietz seine Verlegertätigkeit begann, fehlte es noch zur Gründung sozialistischer Revuen bestimmt. 1877 hatte vom Standpunkte des Festgebers und der Festteilnehmer aus. an einer in Betracht kommenden größeren Lesegemeinde für Dr. Wiede in Zürich die Neue Gesellschaft" gegründet und Dem falschen Bathos der Fürstenfestfeier wurde die Aufsolche Werke. Sie mußte erst allmählich unter sorg- zur Mitarbeit auch Karl Marr und Friedrich Engels ein" Der Gruß aus Kelheim. Einen wundersamen Urteilsspruch fällten am Donnersfältiger Berücksichtigung des Charakters und der Bedürfnisse geladen: eine Einladung, die von beiden aber kurzweg ab- fassung des Volkes von solchen Geiern in Form einer ihrer verschiedenartigen Elemente herangezogen und heran- gelehnt worden war wie aus den zwischen Marr und Satire gegenübergestellt, die eigentlich an Harmlosigkeit und gebildet werden. Und nicht nur auf dem Gebiete der Engels im Juli 1877 gewechselten Briefen hervorgeht, weil sie Gutmütigkeit gar nicht zu überbieten war. Der hochdeutschen, auch um die Entwickelung der russischen sozialistischen auf Grund ihrer Kenntnis des Mitarbeiterstabes befürchteten, patriotische" Festakt war einfach als gemütlicher Festtrunk Literatur hat Genosse Diez sich die größten Verdienste er- daß diese Revue sich alsbald zu einem scheinwissenschaftlichen abkonterfeit, bei dem die in Bayern regierenden Schwarzen worben. Er war um so mehr zu dieser Leistung befähigt, als eklektischen Allerweltsorgan gestalten würde, in der eine rücksichts- die schmunzelnden Schankherren spielten. er jahrelang in russischen Druckereien und Verlagsgeschäften lose Kritik dieses Eklektizismus schwerlich eine Stätte finden Kann man sich eine sanftere Satierung vom Standgearbeitet und sich dort nicht nur die Kenntnis der russischen würde. Auch in Deutschland selbst, und zwar in Berlin, wat punkte des Volfes aus denken? Man vergegenwärtige sich Sprache, sondern auch des russischen Buchhandels und der vom Ottober 1877 bis zum 1. November 1878 eine nur die Situation. Nach dem Urteil nicht nur der Sozialrussischen revolutionären Literatur erworben hatte. sozialistische Halbmonatsschrift erschienen, die von Karl Geboren ist Dieß am 3. Oktober 1843 in Lübeck. Nach Höchberg demokratie, sondern aller ernsthaften Historiker gegründete und redigierte„ Zukunft", die Besuch der dortigen Betri- Knabenschule wurde er Buchdrucker jedoch im wesentlichen auf demselben Boden stand, wie waren die Freiheitskriege nicht nur ein Krieg zur Befreiung und arbeitete darauf als Schriftfeger in verschiedenen deutschen die Neue Neue Gesellschaft" und einen ethisch- humanitär- der Fürsten von der Umklammerung ihres forsischen Beund russischen Städten, wurde aber durch den Ausbruch des philosophischen, völlig unhistorischen Sozialismus vertrat, der drängers, sondern auch eine gewaltige Voltserhebung zur Krieges von 1866 gezwungen, nach Deutschland zurückzukehren. seine Theorien aus den verschiedenartigsten Systemen zusammen- Schaffung eines neuen Staats- und Gesellschaftslebens, zur Im Jahre 1874 tam er nach Hamburg, wo er in die Philipp- schleppte, wie denn die Zukunft auch zu Mitarbeitern Konstituierung des bürgerlichen Staats, zur sonsche Buchdruckerei eintrat und sich der sozialistischen Be- Proudhoniſten und Bodenreformer, Dühringianer und Rod- Etablierung der bürgerlichen Freiheit. Gerade die wegung anschloß. Er erwarb sich in kurzem dermaßen das bertianer, Schäfflenianer und darwinistische Sozialtheoretiker hervorragendsten Geister in Deutschland, gerade die fortgeVertrauen der Hamburger Genossen, daß sie ihm 1876, nach zählte. Die neugegründete Neue Zeit" vertrat hingegen von schrittensten Streise hatten die französische Revolution und der Einigung der Eisenacher und Lassalleaner in Gotha, die vornherein die marristische Theorie. Sie ließ zwar nicht nur Napoleon keineswegs als ihren geschworenen Feind betrachtet. technische Leitung der zur Herstellung des Hamburg- ausschließlich Marristen zu Worte kommen und verschloß nicht Sie hatten vielmehr anerkannt, daß gerade von der französi Altonaer Voltsblatts" neueingerichteten Genossen- turzweg abweichenden Meinungen die Tür, wollte sie doch ein schaftsdruckerei übertrugen. Organ der theoretischen Diskussion und Klärung sein; aber schen Revolution und ihrem Erben Napoleon aus die fruchtDoch das junge Zeitungsunternehmen fiel alsbald dem ihr Grundzug war streng marristisch. Und bald wurde sie in bringenden Keime einer fortgeschrittenen Kultur auch nach Sozialistengesetz zum Opfer. Wie anderswo, fegte auch in dem aufreibenden Tagestampfe jener Zeit zu einem Organ Deutschland hineingetragen worden waren. Und so sehr sich Hamburg die Sense des Schandgesetzes fast alle Arbeiter- der wissenschaftlichen Sammlung, das in dem durch den Druck auch das nationale Bewußtsein gegen die napoleonische Deorganisationen hinweg, ebenso die politischen und Gewerk des Sozialistengesezes geförderten Meinungsstreit und den spotie auflehnte, so wenig zog die Volksmasse begeistert in den schaftsblätter. Um die Genossenschaftsdruckerei vor dem Zu- vielfach auftauchenden putschistischen Neigungen zur richtung Rampf, um dem Volfe nichts zurückzuerobern als die alte sammenbruch zu retten, übernahm sie Dieß im Dftober 1879 weisenden Standarte wurde. selbstherrliche Souveränität der deutschen Fürsten. Nein, „ fäuflich. Die Polizei fehrte sich nicht daran, schon am Dafür, daß sie diese Aufgabe zu erfüllen vermochte, ge31. Oktober wurde das Hamburg- Altonaer Voltsblatt" ver- bührt neben dem Leiter des Blattes vor allem dem Genossen nicht der Fürstenbefreiung galt der Volkssturm des Jahres boten. Dadurch wurde das gesamte Redaktions- und Er- Dietz der Dant; denn die„ Neue Zeit" hat natürlich zunächst 1813, sondern der Befreiung des Volkes vom fremdpeditionspersonal sowie eine große Anzahl Buchdrucker, Seher gar manche Zuschüsse erfordert. Es war deshalb durchaus herrlichen Joche nicht nur, sondern auch von der beund Zeitungskolporteure broflos. Genosse Diez suchte den berechtigt, daß die Redaktion der„ Neuen Zeit" dem Genossen en genden Despotie der angestammten BeSchlag zu parieren, indem er als Ersatz für das unterdrückte Diet, als zu Beginn des Jahres 1905 das Blatt zeitweilig dränger! Parteiblatt die, Gerichtszeitung" herausgab. in den Verlag von Paul Singer überging in der Nr. 15 Unser Liberalismus freilich hat verabsäumt, diesen freiDie sozialdemokratische Bewegung in Hamburg hielt jedoch dieses Jahrganges ein tiefempfundenes Wort des Dankes" Heitlichen politisch- sozialen Charakter der Befreiungskriege allen Bedrückungsmaßnahmen stand. Am 27. April 1880 widmete. gegenüber den höfischen Jubiläumsfeiern gebührend hervorwurde vom zweiten Hamburger Wahlkreise G. W. Hartmann Zugleich begann Dietz mit der Herausgabe einer Reihe zuheben. Es ist der Sozialdemokratie vorbehalten geblieben, als erster sozialdemokratischer Abgeordneter der Hansestadt sozialistischer Werke. Zunächst erschien eine deutsche Ueber den durch die höfischen Veranstaltungen verbreiteten GeHamburg in den Reichstag gesandt. Die Hamburger Polizei sezung der Marrschen gegen Proudhon gerichteten Streitschrift schichtslegenden die historische Wahrheit gegenüberzustellen. holte auf Drängen der preußischen Regierung zu einem neuen" Das Elend der Philosophie". Ihr folgten als schichtslegenden die historische Wahrheit gegenüberzustellen. Schlage aus. Auch über Hamburg- Altona wurde der Be- bald als erstes Buch der neugegründeten„ Internatio. Ein kleiner, ganz kleiner Beitrag dazu sollte auch das Bild lagerungszustand verhängt und darauf am 27. Oftober 1880 nalen Bibliothek" Ed. Avelings„ Darwinsche Theorie", von der Kelheimer Feier sein. Es sollte die dynastischen das Redaktions- und Expeditionspersonal sowie mehrere Sezer dem sich alsbald eine Popularisierung der Marrschen ökono- Prunkfeiern, die so gänzlich den wahren Inhalt der Volksder Gerichtszeitung" ausgewiesen ebenso auch Dietz mischen Lehren von Karl Kautsky anschloß. Wert folgte auf begeisterung bei den Befreiungskriegen außer acht ließen, felbst. Mit größter Mühe gelang es Diet, den Betrieb der Werk. Heute hat die Internationale Bibliothek", der sich im Sinne der Volksauffaffung fennzeichnen. Es sollte die " miierliche Hohcheit jenes auch von bürgerlicher Seite so un Zählige Male verspotteten„Festefeierns" zeigen, dessen wir wahrhaftig schon übergenug haben. Und die angeklagte Karikatur tat das mit einer geradezu ausgesuchten Gutmütig. kcit und Harmlosigkeit! Der Herr Staatsanwalt freilich hat aus der harmlosen Karikatur die fürchterlichsten Beleidigungen des bayerischen Prinzregenten herausgelesen. Weil der Prinzregent auf dem Bilde eine der Situation entsprechende legere Stellung ein- nahm, folgerte der Herr Staatsanwalt, daß der Herr Prinz- regent als Opfer des Alkohols verächtlich gemacht werden sollte. Man muß schon Staatsanwalt sein, keine Spur von Humor besitzen und das Recht der politischen Satire voll- ständig verkennen, um eine so groteske Auffassung vertreten zn können. Aber freilich, trotzdem ein Sachverständiger für die politische Karikatur, der bekannte Schriftsteller Eduard Fuchs, sowohl dem Herrn Staatsanwalt als auch dem Gerichtshof ein eingehendes Privatissimum iiber das Wesen der Karikatur und über die sowohl ästhetisch als auch politisch erworbenen unveräußerlichen Rechte der politischen Karikatur gelesen hatte, schlug doch der Gerichtshof schließlich alle diese Belehrungen völlig in den Wind, indem er unbegreiflicher- weise auf ein Schuldig erkannte und den Verantwortlichen Redakteur unseres Bayreuther Brudcrorgans zu einem Monat Festung verurteilte. Bayern braucht auf diesen Triumph seiner Justiz wirklich nicht stolz zu sein. Diese banausische Aechtung der politischen Satire durch die bayerischen Geschworeneu ist um so unbegreiflicher, als tagtäglich in den Witzblättern Deutsch- lands nicht nur, sondern gerade auch in spezifisch bayerischen Witzblättern politische Karikaturen erscheinen, die an Drastik uild satirischer Schärfe das harmlose Kelheimer Bild weitaus in den Schatten stellen. Daß der in München erscheinende „Simplicissimus" beispielsweise ein so wohl begründetes Ansehen im In- und Auslande genießt, verdankt er gerade seiner schneidigen Satire. Aus nur zu guten Gründen hütet man sich aber, gegen dieses Blatt vorzugehen, selbst wenn das manchmal von schwarzberockten Tartüffes oder prozent-patriotischen Byzantinern verlangt wird. Gegen das sozialdemokratische Organ in Bayreuth vorzugehen, erschien offenbar erfolgverheißender. Die Verurteilung hat ja auch bewiesen, wessen hurrapatriotische Verblendung und byzantini- scher Uebereifer fähig sind. Aber wir hoffen trotzdem, daß dieser Prozeß gegen seine Urheber ausschlagen und ähnliche Prozesse für die Zukunft unmöglich machen wird. Trotz der Verurteilung des Angeklagten dürste es dem Staatsanwalt bald einleuchten, daß er der Sache der Monarchie und der„staatlichen Ordnung" nur einen Bärendienst geleistet hat, als er das Gericht gegen eine Polstische Satire mobil machte, die selbst in dem pedantischen und byzantinischen Preußen unter Anklage zu stellen auch der betriebsamste Staatsanwalt nicht den Mut hatte! Die Verhandlung. (Telcgraphischer Bericht.) Bayreuth, 2. Ottober 1913. Kurz nach den Kelheimer Festlichkeiten, bei denen eine Armee von Soldaten, Polizisten und hungrigen Gendarmen, die ein miserables Nachtlager hinter sich hatten, die wenigen patriottschen Zuschauer in höchst unpatriotischc Entrüstung ver- setzten, brachte unser Bayreuther Parteiblatt, die„Fränkische Volkstribüne", ein gutmüttges Bild, das die versammelten deutschen Fürsten ani Biertisch darstellt, während die kutten- tragenden Stützen der Hertlingschen Regierung Würste und Radi mit unnachahmlicher Anmut kredenzen. In der Mitte der Festtafel sah man des Prinzregenten Ludwig bekannte Gestalt, der auch die größten Verehrer des bayerischen Re- gcnten nicht gerade übermäßige Schneidigkeit nachsagen dürften. Prinz Ludwig war in gut Münchener Bräu-Pose ab- gebildet, den bebrillten Kopf auf die neben dem Maßkrug auf- gestützten Arnie gelegt und nachdenklich auf den Bierttsch her- niederblickend— kurz wie ein guter Münchener Bürger, der zn sein er ja auch erst letzthin wieder bei einer Denkmals- cnthüllung für seinen Vater erklärt hat, wie ein guter Münchencr Bürger eben morgens im Matheserbräu sitzt, das mit seinem besseren Bier und seinen besseren Weißwürsten das altangestammte königliche Hofbräuhaus zwar nicht von seinem„Platzl", wohl aber aus"den Herzen der nicht frisch zugereisten Münchener verdrängt hat. Die Staatsanwaltschaft in Bayreuth war über dieses Bild ttef empört, sie ließ das Blatt beschlagnahmen und erhob gegen den verantwortlichen Redakteur, Genossen P u ch t a, die An- klage wegen Majestätsbeleidigung, die heute vor den hiesigen Geschworenen zur Verhandlung kommt. Als Sachverständiger ist der bekannte Karikaturenmaler Eduard Fuchs-Berlin erschienen. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Oberlandesgerichtsrat Christ, die Anklage vertritt Erster Staats- anwalt Seitz, den Angeklagten verteidigt der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Dr. S ü ß h e i m- Nürnberg. Zum Zuhörerraum herrscht großer Andrang, so daß vier Gendarmen und noch mehr Schutzleute die.Ordnung aufrecht zu erhalten" haben. Die Anklage lautet auf Regentenbeleidigung. Verteidigung und Staatsanwalt machen von dem Recht der Ab- lchnrmg von Geschworenen vollen Gebrauch. Zu Beginn der Ver- Handlung erllätt Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Süßheim: Ich will mich in diesem Stadium über die Raschheit dieses Verfahrens nicht verbreiten, die das gute Recht der Staatsanwaltschaft ist, aber auf der anderen Seite mutz dem Angeklagten das Recht ge- wahrt bleiben, alles für sich vorzubringen, was durch Zeugen und Sachverständige zu seinen Gunsten zur Stelle geschaffl werden kann. Eine ruhigere, sachlichere Erörterung in der kommenden Schwurgerichts- Periode schien mir ursprünglich auch deshalb notwendig, weil hier in Bayreuth von dem.Bahreuther Tagblatt' eine unerhörte P resthetze wegen dieser Sache getrieben worden ist, von der zu befürchten ist, daß sie nicht ganz ohne Einfluß geblieben ist. Aber ich habe doch das volle Vertrauen zu dem Oberfränkischen Schwurgericht, daß die Herren Geschworenen sich nicht beeinflussen lassen und unbefangen gemäß ihrem Eid entscheiden werden, was Recht und Gerechtigkeit ist. Es ist auch nicht unwesentlich, daß festgestellt würde, daß der Prinzregent mit der Strafverfolgung dieses Bildes nicht einverstanden ist. Bei der Kürze der Zeit war die Vorbereitung eines vollständigen Sachverständigenbeweises nicht möglich. Mein Vertagungs- antrag ist abgelehnt worden. Im allerletzten Augenblick aber ist es mir noch gelungen, den als erste Autorität auf dem Gebiete der Karikatur zu betrachtenden Kulturforscher und Karikaturen- sammler Eduard Fuchs aus Zehlendorf bei Berlin hier an Gerichts- stelle zu bringen, und ich bitte, ihn als Sachverständigen zu ver- nehmen. Es wird nun der Angeklagte Redakteur Puchta zur Anklage vernommen. Der Eröffnungsbeschluß beschuldigt ihn, in dem Bilde den Prinzregenten Ludwig als eine flegelhaft sich benehmende, nach Hallung und Aussehen tölpelhafte Person dargestellt zu haben. Der Prinzregent werde nach dem Eröffnungsbesckilutz als ein halbeingeschlafener Betrunkener dargestellt in einer Stellung, lvie man sie kaum in einer Winkelkneipe an- treffen würde.— Angeklagter Puchta(zu den Geschwornen): Ueber die Feier in Kelheim hat die Presse in sehr ver- schiedcner Weise berichtet. Ein Teil der Presse schwelgte in einem Meer von Wonne und Begeisterung; andere Blätter— nicht bloß sozialdemokratische— hatten manches an der Kelheimer Feier auszusetzen, sowohl an ihrer historischen Berechtigung, als auch an ihrer' Durchführung. Ich hatte in meinem Blatt kaum Notiz von der Feier genommen, aber einige Tage nachher ein Humor- volles Bild gebracht, das nur das steife Hoszeremoniell, wie es in Kelheim geherrscht hatte, in das Humorvolle, in das gemütlich Bayerische übertragen sollte. Aus dem Bilde spricht nichts weiter als Humor, aber niemals das ätzende Gift beleidigender Absicht. Man darf nicht eine einzelne Figur, die manche Leute als den Prinz- regenten erkennen wollen, herausreißen, sondern man muß die ganze Zeichnung im Zusammenhang betrachten, und da sieht man eine humoristische Darstellung: Girlanden von Würsten, Rettichen usw. Die einzelnen Personen sollen dabei keineswegs herabgesetzt werden. Ich glaubte, zur Veröffentlichung dieses Bildes berechtigt zu sein, denn wir haben ja Prestfreiheit auch für die Satire. Hätten wir dieses Recht nicht, so müßten die verschiedenen Witzblätter ihr Erscheinen einstellen und von den Nummern des.Simplicissimus" dürfte kaum die Hälfte der Beschlag- nähme entgehen. Keineswegs habe ich die Absicht böswilliger Ehr- Verletzung gehabt. Das kann auch aus dem Bilde nicht heraus- gelesen werden. Das Bild ist vorher in anderen Blättern erschienen, ohne daß der Staatsanwalt eingriff. Das.Bahreuther Tageblatt" hat seine Hetze gegen dieses Bild aus persönlicher Rachsucht gegen mich und aus geschäftlichen Konkurrenzgründen eingeleitet. Der Vorsitzende legt den Geschworenen das unter Anklage ge- stellte Bild vor. Es werden den Geschworenen auch mehrere Bilder des.SimplicisfimuS" über die Kelheimer Festlichkeiten vorgelegt, die von der Verteidigung dem Gericht überreicht werden, um zu be- weisen, daß der.SimplicisfimuS' mindestens ebenso scharfe Kari- katuren über den Prinzregenten gebracht habe. ES wird nun der Sachverständige Eduard Fuchs vereidigt. Er gibt ein längeres Exposö über das Wesen der politischen Karikatur unter Vorlegung zahlreicher politischer Karikaturen an die Ge- schworencn. Er führte aus: Sie alle wissen, daß das Leben und unsere Gefühle sich nicht in einer ewig gleichbleibenden Linie ent- wickeln, sondern sich in einer Kurve bewegen. Das trifft auch für das Leben der Gesamtheit zu. und zwar in allen geschichtlichen Epochen. Da die Geschichte ein stetiger Kampf ist. so ist der Humor auch immer schon als eine Waffe dieses Kampfes dort verwendet worden, wo die Geister aufcinanderplatzten, und das ist seit drei- bis vierhundert Jahren in den Zeitungen der Fall. Die Zeitungen bevorzugen die Karikatur, weil die bildliche Darstellung die überzeugendste und augenfälligste ist, die es gibt. Die Folge der Karikatur ist in fast allen Fällen eine Popularisierung der dargestellten Persönlichkeiten. Der Sachverständige demonstriert dann den Geschworenen eine Anzahl von Karikaturen, so insbesondere die schärfsten Karikaturen über die englischen Könige Georg HI. und Georg IV. sowie eine große Anzahl weiterer Karikaturen über Ludwig I. und Lola Montez. Diese Karikaturen waren zum Teil von den Ministern selbst veranlaßt, um die Herrscher zu einem besseren Lebenswandel zu bringen. Schließlich demonstriert er den Geschworenen Karikaturen über Friedrich Wilhelm IV., über Wilhelm I. und auch iiber Wilhelm IL, um den Unterschied zwischen Karikatur und Verächtlich- m a ch u n g klarzustellen. Der Sachverständige bespricht dann die zunehmende Verbreitung der Karikaturen infolge des zunehmenden Gefühls des einzelnen, daß er nicht nur sich selbst, sondern auch für die Gesamt- heit zu sorgen und an ihren Kämpfen Anteil zu nehmen habe. Die führenden Persönlichkeiten in allen Ländern freuen sich darüber, daß sie karikiert werden. Der Humor versöhnt und gleicht aus. Uebrigens ist die Karikatur eine Waffe, die mit Rosen bekränzt ist. Man sagt sich einander lächelnd die Wahrheit und ist sich nicht weiter böse. Der Humor versöhnt. Schließlich verweist der Sachverständige darauf, daß der französische K a r i k a tu r e n s a m m l e r Grand Charteret an Kaiser Wilhelm U. in einem offenen Briefe sich gewandt hat, um das einer Karikaturensammlung über Wilhelm II. drohende Zensurverbot abzuwenden. Der Kaiser hat damals diese Sammlung zugelassen und auch seitdem den Karikaturenbildern über sich selbst nichts in den Weg golegt. Noch gestern habe ich in der Leipziger Straße in Berlin die deutsche Ausgabe der betreffenden Sammlung unter dem Titel.Er" gekauft, darin sind sehr scharfe Karikaturen. Schließ« lich hat.Grand Charteret" einmal sogar die Liberalität Wilhelms II. dem englischen König Eduard VII. als Muster vorgeführt. Zum Schluß weist der Sachverständige darauf hin, daß die unter Anklage stehende Karikatur niemals dem Prinzregenten den Vorwurf der Trunkenheit machen könne, denn es sei offenbar die Tasel der Fürsten vor dem eigentlichen Festakt be- zeichnet, wobei der Kaiser eine einleitende Rede halte. Die anderen Fürsten sitzen ganz leger wie be- freundete Menschen dabei. Das Bild gebe nur eine h u m o- ristische Formel für die Kelheimer Vorgänge und richte sich durchaus nicht persönlich gegen den Prinzregenten, der nur als einer der Anwesenden mit berücksichtigt sei. Darauf legte der Gerichtshof den Geschworenen folgende S ch u l d f r a g c n vor: 1. Ist der Angeklagte des Vergehens der Regentenbeleidigung schuldig, und zwar der bewußten Ehrverletzung mit Ueberlegung und aus Böswilligkeit begangen? 2. Sind mildernde Umstände vorhanden? Erster Staatsanwalt Seitz führt dann zur Begründung der Anklage aus: Am 20. August feierte in Kelheim der Priuzregent mit sämtlichen deutschen Fürsten ein erhebendes Fest in der Befreiungshalle, die Ludwig I. hat er- richten lassen zum Gedächtnis deS Befreiungskampfes von 1313, damit sich die Deutschen stets daran erinnern, was die Befreiungskämpfe notwendig gemacht haben und wodurch schließlich der Sieg errungen sei. Ueber diese Feier ist in den Zeitungen sehr viel geschrieben worden. Auch die Bayreuther„Fränkische Volkstribüne" hat einen Artikel gebracht, in dem über die deutschen Fürsten nicht in angenehmer Weise gesprochen wurde. Einige Zeit später erschien dieses Bild im „Vorwärts". Dem Angeklagten hat eS so gut gefallen, daß er so- fort nach Berlin darum schrieb. Es soll die Feier in Kelheim dar- stellen, aber dargestellt ist nicht das Volk, sondern die Fürsten. In der Mitte der Deutsche Kaiser, links von ihm ganz unverkennbar der König von Sachsen und der Großherzog von Hessen, rechts von ihm ist das Bild des Prinzregenten. Ich gebe dem Sachverständigen den guten Willen zu. Aber bedenken Sie, daß es seine Lebens- aufgäbe ist. Karikaturen zu sammeln und darüber zu schreiben. Er steht auf einem wissenschaftlichen Standpunkt, während die Zeichnung der.Vollstribüne" in die breiten Volksmassen hinauskam und gerade den gegenteiligen Eindruck hervorrufen mutzte, den der Sach- verständige annimmt. Wenn der„Vorwärts" in Berlin anstandslos verbreitet werden konnte, so hat das seinen guten Grund. Denn dort wäre die Verfolgung wegen Beleidigung des Prinzregenlen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Prinz« regenten möglich gewesen. Das tun aber die Staatsanwalt- schaften nicht, daß sie Strafanträge, die nicht von selbst gestellt werden, einholen. Und außerdem will man doch dem hohen Herrn nicht den Schmerz bereiten, ihm derartige herabwürdigende Bilder vorzulegen. Für mich aber hier in Bayreuth war es eine un- abweisbore Notwendigkeit, gegen etwas, was ich als strafbar erkannte, auch die strafrechtlichen Schritte zu tun. Meine Herren Geschworenen, wenn Sie der Meinung sind, daß es richtig ist, daß eine Zeitung im Volke draußen solche Bilder gegen die Monarchie ungestraft bringt, dann sprechen Sie den Angeklagten frei. Wenn Sie aber anderer Meinung sind, dann bejahen Sie die Schuldfrage und verneinen Sie die Frage nach mildernden Umständen. Verteidiger Landtagsabg. Dr. Süßhcim-Nürnberg: Am 18. Januar 1303 sagte ein Parlamentarier im Reichstage, man kann nur sagen, daß es ein Glück ist, daß in Bayern die für Preußen geltende MajestätsbeleidigungSmaxime nicht Geltung hat. Heute allerdings sehen wir das seltene Schauspiel, daß ein bayerischer Staatsbürger sich vor bayerischen Ge- schworenen wegen eine« angeblich majestätsbeleidigenden Bildes zu verantworten bat, das selbst dem schärfsten preußischen Staatsanwalt keine Ursache zum Einschreiten gegeben hat. Deshalb sollen Sie, meine Herren Geschworenen, den Stab über den Angeklagten brechen. Was will es gegenüber dem inhaltsreichen Gutachten des Sachver- ständigen heißen, wenn der Staatsanwalt, ohne jede Begründung und ohne das Material zu kennen, ihm den Ernst abspricht. Man muß blindlings auf eine Verurteilung hinstreben, wenn man alles übersieht, was diesen Fall zu einer Verurteilung absolut untauglich macht. Das Bild richtet sich nicht gegen eine einzelne Person, sondern gegen die von der Partei des Angeklagten scharf kritisierten Kelheimer Vorgänge. Nicht nur in der Sozialdemo- kratie, sondern auch darüber hinaus in weiten Kreisen des Volkes hat man an derKelheimer FeierscharfeKritik geübt und man fragte, was denn für eine Ursache zu dieser Feier bestand, etwa die Erinnerung an die nicht gehaltenen Versprechungen? Wenn man mit diesem Bild den Prinzregenten hätte treffen wollen, so hätte man doch ihn allein dargestellt oder ihn als den Ver« anstalter der Kelheimer Feier in den Vordergrund gestellt. Aber von all dem ist gar keine Rede. Und welche« Interesse sollte denn der preußische Zeichner dieses Bildes an einer Herabsetzung deS bayerischen Prinzregenten haben, der ihm ganz gleichgültig sein dürfte und den er wahrscheinlich gar nicht kennt? Es ist ein Aus- nahmefall, daß sich ein bayerisches Schwurgericht mit einem Majestätsbeleidigungsprozeß zu befassen hat. Sie alle werden keinen solchen Fall in Erinnerung haben. Die Staatsanwaltschaft möchte zwar manchmal schon, aber unsere bayerischen Schwurgerichle be- weisen in solchen Fällen so viel Volksgefühl und Mannes- mut, daß sie sich für derartige politische Zwecke nicht hergeben und derartige Verurteilungen noch immer abgelehnt haben. Der Geburtstag unserer Schwurgerichte fällt zusammen mit dem Geburtstag unserer Preß- und Versammlungsfreiheit, und die Schwurgerichte haben sich immer noch als gjn Hort der Preßsreiheit erwiesen. Schon Monate vorher ist im„Simplicissimus" auf die Kelheimer Feier hingewiesen worden, auch dort ist das Maß- krug- und Rettickmotiv verwendet worden. Natürlich will ich den Staatsanwalt nicht gegen den„SinrplicisssmuS" aufhetzen, aber es ist doch eigenartig, daß nirgendwo als in Bayreuth an diesem Bild Anstoß genommen wurde. Auch ich möchte darauf hinweisen, daß daS Bild den Moment vor der Feier darstellt, wo sich die Herren eben zum Imbiß hinsetzen. Denn die Weißwürste auf dem Tisch ersteuen sich ja noch ihres ungestörten Daseins. (Heiterkeit.) AIS eS sich im Reichstag um die Milderung deS MajestätsbelcidigungSparagraphen handelte, als sogar die rech t s« stehenden Parteien und ihre Presse die schärffie Kritik am Kaiser übten, da sagte ein Abgeordneter, die Zeit des Fürficnabsolntismus sei vorüber und da müßte sich der Kaiser eine Kritik gefallen lassen. Der daS ausgesprochen hat, war der Freiherr v. Hertling, der jetzt in Bayern Ministerpräsident ist. Wohin soll eS denn führen, wenn jetzt zum Beispiel irgend ein Staatsanwalt in einem deutschen Kleinstaat unter dem auf diesem Bilde dargestellten zehn Personen auch noch seinen Duodezfürsten erkennt und wieder einen Prozeß einleitet. Ich bitte die Geschworenen, das alles wohl zu überlegen und zu be- denken, daß der AngeNagte, als er das Bild erst veröffentlichte weil eS in Preußen nicht beschlagnahmt und nicht verboten wurde, im besten Glauben gehandelt hat. Der Redner untersucht zum Schluß nochmals die Frage des Vorhandenseins der vom Gesetz ge- forderten absichtlichen Ueberlegung und Böswilligkeit, die er v e r« neint. Er fordett die Geschworenen aus, trotz der in Bayreuth getriebenen Hetze der liberalen Presse sich nicht zu politischen Zwecken gebrauchen zu lassen und den AngeNagten freizu- p r e ch e n. Der Vorsitzende erteilt den Geschworenen eine eingehende Rechtsbelehrung, worauf nach zwanzigminutenlanger Beratung der Obmann der Geschworenen verkündet, daß die erste Frage mit mehr als 7 Stimmen bejaht worden ist, ebenso die zweite Frage auf mildernde Umstände. Der Staatsanwalt be« antragt darauf eine Gefängnisstrafe von vier Monaten zu verhängen. ES sei nicht angebracht, eine FestungSstrafe zu wählen, da die Schwere der Beleidigung nur mit Gefängnis gesühnt werden könne. Nach einer ziemlich langen Beratung verkündet der Vorfitzend« des Gerichtshofs, Oberlandesgerichtsrat Christ, das Urteil. Es lautet: Der Angeklagte Redakteur Puchta wird zu 1 Moa«t Festung und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Außerdem wird die Unbrauchbarmachung der beschlagnahmten Exemplare und Platten der„Fränkischen Volkstribüne" ausgesprochen. politifche CUberHcbt. Die parteilose Jnseratenpresse und die Behörden. Bor einiger Zeit berichteten wir, daß in einem Prozeß wegen krasser Schwindelinserate der Amtsanwalt Pohl gegen den so- genannten parteilosen.Breslauer Gencral-Anzeiger" folgende» bezeichnende Urteil gefällt hat: „Ich kann nicht umhin, der Schriftleitung des.Breslauer General-Anzeiger»* und dem Angeklagten Bergbuich jedes Ge- fühl für Scham, Ehre und Anstand abzusprechen. Gerade der.Breslauer General-Anzeiger" würdigt sich schon seit Jahren dazu herab, diesen schimpflichen Handel durch Aufnahme von Inseraten zu unterstützen. Das Ehrgefühl der Schriftleitungen aller anderen hiesigen Tages- zeilungen sträubt sich dagegen, in einer so skrupellosen Weise dem Schwindel Vorschub zu leisten. Ich kenne den Inseratenteil der .Volkswacht", der.Schlesischcn" und.Morgen-Zeitung", der .Schlesischen Volkszeitung": nirgends habe ich solche Schmutzinserale entdecken können, wie gerade im.General- Anzeiger". Eine Nachfrage nach solchen Schwindelpräparaten ist tatsächlich gar nicht vorhanden. Daß soviel Geld dafür geopfert wird, erklärt fich nur dnrcki die Inserate, auf die leider so viele leichtgläubige Frauen hineinfallen. Die Schriftleitung einer solchen Zeitung handelt ehrlos und verwerflich. Dem Angeklagten Bergbusch steht als einziger Milderungsgrund zur Seite, daß er unter der ausdrücklickcn Billigung der Schrifileitung solche Inserate nicht zurückweisen kann oder darf. Ich bin der Meinung, diesem Heilmittelschwindcl würde mit einem Male der Boden abgegraben, wenn eine gewisse Sorte Presse solche Inserate grundsätzlich nicht aufnehmen würde". Zum Belag für seine scharfen Sätze verlas dann der Amtsanwalt eine Blütenlese solcher Schwindelinserate und der Vor- sitzende des Gerichts schloß sich dem AmtSanwalt an, indem er bei der Urteilsbegründung sagte, das Verhalten des Blattes müsse aufs schärfste gemißbilligt werden. Am 1. Oktober feierte nun>das so gekennzeichnete Blatt sein 25 jähriges Jubiläum. Als Gratulanten fanden sich ein: der Oberpräsident der Provinz Schlesien, der Regierungspräsident von Breslau, der kommandierende General des VI. Armeekorps, der OberlandeSgerichtspräsidcnt Vierhaus, der Polizeipräsident von Oppen, der Rektor der Universität Breslau, der Eisenbahnpräfi- denk, der Oberpostdirektor, also die Spitzen aller Behörden von Schlesien. Sie wünschten dem Blatt, daß es weiter wie bisher in patriotischem, nationalem, monarchischem Sinn« wirken und Sitte und Sittlichkeit im Volke fördern soll! Diese Glückwünsche und das vorstehende Gerichtsurteil be- leuchten eine recht interessante Seite der— parteilosen Presse. Sie zeigen deutlich, wie es mit der angeblichen Parteilosigkeit be- stellt ist. Die„Trinkgelder" der Kriminalpolizei. Vor dem Schwurgericht zu Köln stand dieser Tage der Krimi- nalkommissar Hannemann unter der Anklage, für eine in sein Amt einschlagende, an sich nicht pflichtwidrige Handlung Geschenke an- genommen zu haben. Während des Prozesses ergaben sich inter- effantc Einblicke in gewisse Praktiken des Betriebes der Kölner Kriminalpolizei. Man erfuhr, daß eS den Kriminalbeamten g e- stattet ist, für ihre Tätigkeit Geschenke anzu- nehmen; jedoch existiert eine Verfügung des Polizeipräsidenten, daß die Beamten die Geschenke nicht persönlich annehmen sollen, der Präsident behält sich vielmehr selbst die Verteilung der Be- träge vor. Dem Kriminalkommissar Hannemann wurde nun zur Last gelegt, daß er in. einem Falle, wo es ihm gelungen war, mit Hilfe seiner Beamten eine geswhlene Brieftasche wieder herbeizu- schaffen, von dem Besiohlenen 300 Mark angenommen hatte. Die Hälfte des Betrages hatte Hannemann an seine beiden Beamten gegeben. Der angeklagte Kriminalkommissar wehrte sich kräftig und er- klärte, er könne Hunderte von Fällen angeben, wo die Beamten von den höchsten bis zu den niedrigsten Graden Geschenke angenommen hätten. Die Verordnung des Polizeipräsi- Kenten habe er gar nicht gekannt, und es sei sicher, daß trotz dieser Verfügung gerade die höheren Beamten Geschenke an- nähmen. Es wäre ihm noch aus der neuesten Zeit ein derartiger Fall bekannt, der sicher zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft ge° langt sei, ohne daß diese etwas unternommen habe. Die Verteidi- gung stellte einen umfangreichen Beweisantrag, daß solche„Trink- gelder" allgemein von den Polizeibeamtcn angenommen loürden und nannte zum Beweise lange Reihen von Namen, darunter eine sehr bekannte vielfache Millionärin in Köln. Das Gericht lehnte den Beweisantrag ab, unter st ellte aber diese Behaup- tun gen als wahr. Der angeklagte Kriminalkommissar teilte dann in seinem Schlußwort mit, es seien ihm drei Fälle bekannt, wo Beamte im Einverständnis mit der Staats» anwal tschaft Belohnungen erhalten hätten. Auch wisse er in einem Falle bestimmt, daß bei der Gewährung einer W i rtschaftskonzession dem betreffenden Kom- missar lOOOMark ausgehändigt worden seien. D-as Gericht kam zur Freisprechung des Angeklagten. Man habe ihm nicht nachweisen können, daß er in dem Augenblick, als er das Geld erhielt, sich sagte:„Das bekommst du für deine Tätig- keit als Kriminalkommissar!" Wer also die Hilfe der Kriminalpolizei in Anspruch nimmt, tut gut, Geld in seinen Beutel zu tun. Er kann oann auf be- sonders gute und prompte Bedienung rechnen. Ergänzungen der Militärvorlage. Die.Rheinisch- Westfälische Zeitung" läßt sich aus Straßburg melden: „Von hoher militärischer Seite verlautet, daß als unumgäng- lich abzuleitende Forderungen der HeercSvermehrung Veterinär- stellen bei der Infanterie infolge des großen Pferdezuwachses durch SlaaSmajorc, Stabshaupllcute sowie Maschinengewehrkompagnien dem Reichstag vorgelegt werden. Außerdem sind Jnsanterie-Reit- schulen für Reiter und Fahrer der Maschinengewebrtompagnien geplant." So treibt immer ein Keil den anderen, ohne daß sich ein Ende absehen ließe. Was hier unter dem Titel„Ergänzungen" vom Reichstage verlangt werden soll, beläuft sich in die Millionen. Es scheint in der Tat so. als ob im Kriegsministrrium bereits eifrig an einer neuen Militärvorlage gearbeitet wird, die alles das nach- holen soll, was nach Ansicht der Keimlinge bei der diesjährigen Riesenvorlage vergessen worden ist. Der neue Knittel-Prozeß. Am Donnerstag, dem dritten Verhandlungstage, kam der Staatsanwalt nach längerem Plaidoyer zu folgendem Strafantrag: Wegen Beleidigung des Hauptmanns Kammler eine Gefängnisstrafe von drei Monaten, wegen Beleidigung des Oberstleutnants Vittinghoff, des Generalmajors v. Wind- heim und des Generals v. d. Groeben eine Gefängnisstrafe von je zwei Monaten, im ganzen eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis. Vor Beginn der Plaidoyers drang der Vorsitzende noch in den Angeklagten, um aus ihm eine Eni- schuldigung zu bringen. Dieser erklärte, er gebe zu, daß er sich in vieler Beziehung getäuscht habe. Selbstverständlich habe er nicht die Absicht gehabt, irgend jemand zu beleidigen.. Natürlich nehme er seine Ausdrücke zurück, nachdem die Sach- verständigen, auf die er sich gestützt hatte, ihn jetzt nicht mehr stützen. Der Vorsitzende drückte seine Verwunderung aus darüber, daß der Angeklagte nicht mehr zu sagen habe als diese Zurücknahme._ Preußische Kulturarbeit in Nordschlestvig. Vor dem Flensburger Landgericht wurden am Diens- tag die beiden dänischen Redakteure Hansen von„Hejmdal" und Otzcn von„Dhppclposten" wegen Beleidigung des Landrats Schönberg in Sonderburg zu je einem Monat Gefängnis der- urteilt. Es handelt sich um ein Nachspiel der bekannten Coucheran- Aamat-Asfäre, die seinerzeit weit über die Grenzen Schleswig- Holsteins hinaus Aufsehen erregte. Der wegen seiner Landung»- verböte gegen reichsdänische Touristen bekanntgewordene Landrat Schönberg in Sonderburg wies, wie unseren Lesern noch in Er- innerung sein dürste, seinerzeit den norwegischen Schriftsteller Coucheran-Aamat aus, als dieser in einigen dänischen Versamm- lungshäusern im Kreise Sonderburg Vorträge über seine Er- lebnisse im Reiche der Mitte hielt. Die Sache erhielt für unsere Behörden insofern einen unangenehmen Anstrich, als es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Dienstknecht, sondern um einen Mann handelte, der nicht nur Offizier in der norwegischen Marine ist, sondern der— auch persönlich mit Wilhelm II. bekannt ist und diesem gelegentlich seiner Nordlandfahrten Gastfreundschaft er- wiesen hat. Kurz nach der Ausweisung erschien in den genannten beiden dänischen Blättern ein Artikel, der in satirischer Form ein Gespräch zwischen dem Ausgewiesenen und dem Landrat wiedergab. Danach soll dieser, als ersterer ihn über sein Verhältnis zum deutschen Kaiser aufklärte, versucht haben, die Ausweisung rückgängig zu machen, indem er sich unter dem Vorwande, es könne ein Fehlgriff vorliegen, die Ausweisungsordre zurückerbeten haben soll. Der Norweger soll aber die Zurückgabe verweigert haben mit dem Bemerken, das Kulturdokument dem deutschen Kaiser bei dessen, nächstem Besuch in Norwegen zeigen zu wollen. Später stellte sich heraus, daß das Gespräch nicht stattgefunden hatte. Durch die Zeitungsnotiz fühlte sich aber der Landrat so schwer beleidigt, daß er meinte, nur durch die Vermittclung des Gericht? könne er wieder rehabilitiert werden. Das ist nun geschehen, indem die beiden Prcßsünder je einen Monat hinter schwedischen Gardinen verbringen müssen. Wie in Bayern Beschwerden über Geistliche untersucht werden. In dem unweit von München liegenden Städtchen Dachau ent- wickelt die Sozialdemokratie sich recht flott. Darüber ist der Orts- Pfarrer sehr ungehalten. Um der roten Flut„einen Damm" ent- gegenzusetzen, benutzten er und seine zwei Kooperatoren den Religionsunterricht, den sie in der Schule zu erteilen haben, nebenbei auch dazu, über die Sozialdemokratie und sozial- demokratische Zeitungen abfällig zu urteilen. Den Dachauer Genossen ging diese politische Agitation zu weit, sie reichten an daS kgl. Bezirksamt Dachau eine Beschwerde ein, in der sie da- gegen protestierten, daß sie in der Schule in den Augen ihrer eigenen Kinder herab- gesetzt werden, und um Beseitigung des Mißstandes baten. Was tat nun die Regierung? Sie verlangte von den Geist- lichen, über die Beschwerde geführt worden war, einen Bericht, und einzig und allein auf Grund dieser Berichte ließ sie dann den Dachauer Genossen mitteilen, daß sie sich b e i m E r z- b i s ch o f beschweren sollten, wenn sie mit der Art des Religions- Unterrichts nicht zufrieden seien. Im schwarzen Bayern ist die Geschichte also so: Beschwert man sich bei der Regierung über einen katholischen Geistlichen, so ent- scheidet die Regierung die Beschwerde einfach nach dem, wa§ der Geistliche dazu sagt. Das ist zweifellos ein sehr kurzes Verfahren und sorgt zugleich dafür, daß die Hoch- würden immer Recht kriegen. Interessant ist auch, daß die Regierung in der eingangs besprochenen Angelegenheit die Beschwerdeführer an den Erzbischof wies. Die bayerische Regierung hat demnach in der Aera Hertling schon so weit vor der Geistlichkeit kapituliert, daß sie dieser gegenüber ihr Aufsichtsrecht über die Schule gar nicht mehr ausübt. Die Verpfaffung ist in Bayern gewiß herrlich weit gediehen._ Die Balhanfragen. Griechenland mobilisiert. Athen, 2. Oktober. Der Marinemini st er hat an die Reservisten der Jahrgänge 1900—1906 den Befehl ergehen lassen, sich binnen drei Tagen bei den Fahnen einzufinden. Die verschiedenen Zweige der Landes- Verteidigung treffen alle Maßnahmen, welche die durch die türkischen Winkelzüge geschaffene un- bestimmte Lage nötig macht. Die griechischen Befürchtungen. London, 2. Oktober. Das Reuterfche Bureau erfährt, daß die neuerdings aufgestellten Forderungen der Türken, obgleich sie keine Ueberraschungen hervorrufen, doch in den amtlichen griechischen Kreisen als Ursache für eine ernsthaftere Gestaltung der Lage an- gesehen werden. Bei der letzten Verschiebung der Rückkehr Reschid Bcis nach Athen wurde mitgeteilt, daß er plötzlich erkrankt sei und durch einen anderen Vertreter ersetzt werden würde; zur selben Zeit ließ man durchblicken, daß die Türkei die Absicht hätte, die Frage der Inseln aufzuwerfen, indem sie so die Basis der lürkisch« griechischen Verhandlungen vollständig verschob. Die griechische Regierung ist jedoch der Ansicht, daß die Jnselfrage nichts mit dem Vertrage zu tun hat, der seinem sachlichen Inhalt nach bereits abgeschlossen ist. Nach der Meinung der griechischen Re- gierung ist die Frage bereits durch die formelle Entscheidung der Mächte, an der man nichts ändern lönne, geregelt. Inzwischen zwingen die Vereinigung beträchtlicher türkischer Streitkräfte auf dem kleinasiatischen Festlande drei Kilometer von Cbios und die Vorschiebung türkischer Truppen, welche als Irreguläre verlleidet sind, die griechische Regierung zu V o r s i ch t S- maßregeln, um jede Ueberraschung von selten der türkischen Streitkräfte zu verhindern. Die Türkei verspricht Nachgiebigkeit. Äonstantinopel, 2. Oktober. An maßgebender türkischer Stelle ist man offenbar bemüht, die Verhandlungen mit Griechenland zu einem günstigen Ende zu führen. Die Rc- gierung hat deshalb beschlossen, bereits am Sonnabend mit der D c m o b i l i s a t i o n zu beginnen und in der Wakuf- frage, besonders in der Frage der Anstellung der Muftis, Zugeständnisse zu machen, während die Insel- frage vollkommen gesonderten Verhandlungen vorbehalten bleiben soll. Paschitsch in Wien. Wien, 2. Oktober.(W. T. B.) Der serbische Ministerpräsident Paschitsch ist heute abend hier eingetroffen. Eine österreichische Warnung. Wien, 2. Oktober.(W. T. B.) DaS Wiener K. K. Tel.-Torr.» Bureau meldet aus Belgrad: Der österreichisch-ungarische Ge- schäftsträgcr S t o r ck erschien auf dem hiesigen Auswärtigen Amte und erinnerte im Namen der österreichisch-ungarischen Re- gierung in zugleich freundschaftlicher und eindringlich warnender Weise aus Anlaß der militärischen Matznahmen, welche serbischer- seits gegen den auf serbischem Territorium ausgebrochenen Auf- stand ergriffen werden, an die Notwendigkeit der Respektierung der Londoner Beschlüsse betreffend Albanien und dessen Grenzen. Der Stellvertreter des serbischen Ministers des Aeußeren S p a- lajkowitsch erwiderte, daß Serbien nur BerteidigungSmaß- nahmen gegen die albanesischcn Angriffe getroffen habe und daß es nicht daran denke, sich des albanesischen Territoriums zu be« mächtigen und fest entschlossen sei, die Beschlüsse der Mächte zu achten. Analoge Erklärungen gab Spalajkowitsch auch gegenüber Vertretern anderer Mächte ab. franhmeb. Das Bündnis mit Spanien. Pari?, 2. Oktober. Ueber die französifch-spanische Annäherung berichtet der Madrider Korrespondent des„Echo de Paris", eine hervorragende diplomatische Persönlichkeit habe ihm erklärt, daß die Grundlagen der künftigen Entente bereits festständen und die Verhandlungen nach Regelung ewiger Einzelheiten in ernster Weise in Angriff genommen werden wür- den. Frankreich und Spanien würden zu einer voll- ständigen Entente kommen, und zwar sowohl in betreff ihres gemeinsamen Vorgehens in Marokko, wie bezüglich einer Flottcnpolitik im Mittelmeer. Die englische Regierung habe als Vermittlerin gedient, um die ersten Hindernisse inter- nationaler Natur zu beseitigen. Man brauche nicht erst zu be- merken, daß es sich um eine dreifache Entente handle. China. Die Präsidentenwahl. London, 2. Oktober. Wie die„Morning Post" aus Schanghai gemeldet wird, ist die Wahl des Präsidenten der chine- fischen Republik auf den 5. d. M., die Wahl des Vizepräsi- deuten aus den 6. d. M. festgesetzt worden; die feierliche Amts- einführung soll am 10. Oktober stattfinden. Hmenha. Die Kämpfe in Mexiko. Nach einem offiziellen bei der Berliner mexikanischen Ge- sandtschast eingegangenen Telegramm der Regierung von Mexiko ist die Revolution niedergeworfen. Die militärischen Operationen gegen die Rebellen im Norden haben keine Beden- tung mshr. Die Regierung verfügt bereits die endgültige Per» legung der Truppen behufs Kontrolle über die Nordstaaten, die sich in Rebellion befanden. Die Wahlen sollen stattfinden, weil dies in Uebereinstimmung mit dem Versprechen steht, das die Regierung am 1. April dieses Jahres der Nation gegeben hat. Die Regierung ist entschlossen, allen Kandidaten Garantien zu gewähren. Es liegen bereits zwei Bewerbungen vor für den Posten des Präfidenten beziehurrgsweise des Vizepräsidenten: D i a z, Requena und Gamboa, Rascon. Andere wer- den angekündigt, unter ihnen C a l e r o und FloreS Mahon. Soziales. Der Verband deutscher Kinderschutzvcreine hielt in Darmstadt im Anschluß an die Tagung der Zentrale für Jugendfürsorge am Mittwoch seinen ersten Jahreskongreß ab. Er! war aus zahlreichen Städten des Reiches beschickt. Wie der Vor- sitzende, Prof. v. Sodcn-Berlin, darlegte, will der Verband durch private Liebestätigkeit den Schutz der Kinoer vom zweiten Lebens. jähre ab, also unter Ausschluß der Säuglinge. Die Kinderschutz- vereine sollen sich kümmern um die Berhälwisse, unter»denen die Kinder in Familie und Häuslichkeit leben. Daß eine gesetzliche Organisation des Kinderschutzes das durchgreifendste uno auch eines Staates wie Deutschland würdigste Mittel wäre, mußte der erste Referent der Tagung, Pastor Bahnson-Hamburg wohl anerkennen. Aber als unverbesserliche Utopisten versprechen sie fich auch eine Besserung auf diesem Gebiete durch private Vereine. Die Ausbreitung des Kinderschutzes über Stedt und Land war das Thema dieses Herrn. Zunächst müssen, so forderte er, die Helfer grund- lich ausgebildet werden. Für die Vereine handelt es sich in erster Linie um gefährdete Kinder von guten Eltern; Kinder schlechter Eltern müßten den Behörden zur Behandlung überlassen werden. Schon dieses Programm, das also die Aermsten der Armen unter den Kindern beiseite schieben muß, zeigt die gmze Halbheit des Wollens. Um so mehr als man sich als Ziel eine ähnliche große Organisafton denkt, wie in England und Amerika. Der zweite Referent, Dr. Recke-Brcslau empfahl, aus der umfassenden Kinder- schutzorganisation Englands viel zu lernen. Als Grundprinzip habe man dort aufgestellt, die Verhältnisse in de» Familie», der natürlichen Umgebung des Kindes, zu bessern. Zur Zwangs- erziehung greife man höchst selten und zu Strafen erst allerletzten Endes. Weiter rühmte der Redner die groß« Opferwilligkett in England für den Kinderschutz seitens Privater. In der Organ i- safton ist daS zentralistifche System durchgeführt, da» qnch für Deutschland anzustreben fei. Hetzte Nachrichten. Die französisch-spanischen Annähcrungsbcstrebtmgen. Madrid, 2. Oktober.(W. T. B.) Der Ministerrat»«ter Vor- sitz des Königs hörte einen Vortrag des Ministerpräsidenten Grafen RomanoneS über verschiedene internaftonale Fragen, besonders über die Lage Spaniens unter dem Gesichtspunkt der internationalen Politik. Graf RomanoneS hofft, daß die Reise de» Präsidenten: Poincare einen Erfolg bedeuten werde. Ein neuer Dynnmitardcn-Prozeß in Nordamerrka? New Dork, 2. Oktober.(W. T. B.) Hier ist ein Man» namens Davis alias O'Donell unter der Beschuldigung verhaftet worden, daß er am 3. September 1911 eine Eisenbahn- brücke bei Dtount Vernon im Staate New{Jork itt die Luft gesprengt habe. Nach der Aussage des Polizei, beamten, der ihn verhaftete, hat Davis ein Geständnis abgelegt(?), durch da§ verschiedene Beamte der Labour Union in big Angelegenheit verwickelt wurden. Traurige Folgen der Eutinger Brandkatastrophe. Pforzheim, 2. Oktober.(W. T. B.) Bei den Aufräumung»- arbeiten in dem benachbarten Eutingen stürzte heute nach- mittag eine Decke ein und erschlug den daselbst arbeitenden 49jährigen Maurer und Totengräber Karl Zahulecker und den lchährigen Goldarbeiter Emil Nippel. Zahnlecker hinter- läßt vier Kinder._ Schwerer Unfall eines Fliegers. Kopenhagen, 2. Oktober. iW. T. B.) Der dänische Marine- flicger B i r ch stürzte heute abend ö Uhr infolge Kentern seines Flugzeuges in einer Kurve mit Leutnant Thiele als Passagier aus zehn Meter Höhe ab. Während Thiele rechtzeitig abspringen konnte, wurde Birch unter den Trümmern des Apparate? begraben. Er wurde schwerverletzt nach dem Krankenhaus gebrocht. Todes- Anzeigen Hierdurch die traurige Mitteilung, daß der Möbelpolierer Wilhelm Christ bon langen, schweren Leiden durch den Tod erlöst worden ist. 2551b Die trauerndenHinterbliebenen. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 4. Oktober, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Simeons Kirchhofes in Briz, Tempelhofer Weg, aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein 1. d. 2. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Bezirk 134. Am 1. Dktober verstarb unser Mitglied, der Möbelpolierer Wilhelm Christ. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet 4. Dttober, nachmittags 4, Uhr, von der Halle des SimeonsKirchhofes in Brik, Tempelhoferipeg, aus ftatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 206/11 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein des 2.Berl. Reichstagswahlkreises. Bezirk 134. Am 1. Oktober verstarb unser Genosse, der Möbelpolierer Wilhelm Christ. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. Dttober, nachmittags 4%, Uhr, von der Halle d.& Simeons- Kirchhofes, Briz, Tempelhofer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 2552b Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbelpolierer Wilhelm Christ Brizer Straße 12, im Alter von 59 Jahren gestorben ist am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 4. Oktober, nachmittags 4%, Uhr, von der Halle des Simeons- Kirchhofes in Briz, Germaniapromenade, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 89/16 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der DroschtenChauffeur Max Alperstädt am 29. September im Alter von 35 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. 5. Mts., nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes, Müllerstraße, Ede Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht. 68/10 Die Bezirksverwaltung. Zentralverband der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Hierdurch den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Felix Meier am Dienstag, den 30. September, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. Oktober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Virchow- Krankenhauses aus auf dem neuen Pauls- Kirchhof statt. Um zahlreiches Geleit ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für Tempelhof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Wilhelm Arndt Friedrich- Wilhelm- Straße 63 verstorben ist. 203/1 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes an der Germaniastraße aus statt. Der Vorstand. Nach kurzem schweren Leiden starb plößlich mein lieber Mann, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt Wilhelm Tillwick Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. An alle Mitglieder des Zweigvereins! Zwei Am Sonntag, den 5. Oktober d. J., vormittags 10 Uhr, finden Allgemeine Orts- Krankenkasse Spandau. Bekanntmachung. An Stelle des verstorbenen Heil gehilfen Herrn Rostod steht den Mitglieder- Versammlungen Mitgliedern der Allgemeinen Drtsstatt mit der Tagesordnung: ,, Die Arbeitslosigkeit unter den Berliner Bauarbeitern und die hiergegen zu ergreifenden Maßnahmen." Für Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf und alle anderen Vororte im Westen, Nord- Westen und Norden sowie für die Bezirke Moabit, Wedding, Norden 2 und Dranienburger Borstadt im Lokal Germania- Säle, Chausseestr. 110. Für Weißensee, Richtenberg, Neukölln und alle anderen Vororte im Nord- Osten, Osten und Süd- Osten sowie für die Bezirke Norden 1, Nord- Osten, Osten 1 und 2, Süd- Osten, Süden, Süd- Westen und Westen im Lokal Kellers Festsäle, Koppenstr. 29. Von allen augenblicklich noch in Arbeit stehenden Kollegen, Maurern, Puzern, Stuffateuren, Spannern, Zementierern, Isolierern, Steinholzlegern und Hilfsarbeitern müssen wir unbedingt verlangen, daß sie selber in den Versammlungen erscheinen und durch rege Agitation für guten Besuch Sorge tragen helfen! ,, In die Demonstrations- Versammlung!" muß es am Sonntag bei jedem einzelnen heißen. 145113* Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes. Zweigverein Berlin. frankenkasse, der Ortstrankenkasse der Handwerker und der Ortskrankenkasse der Tischler zu Spandau der Zahn techniker und Heilgehilfe Herr Theobald Griesch, Spandau, Schönwalder Straße 90, 1 r., als Masseur zur Verfügung. Die Vorstände 277/11 der vorgenannten Kaffen. Landund Bauparzellen für Vorwärtsleser schon mit 100 Mark Anzahlung, fleine jährliche Teilzahlung, im westlichen Vorort, direkt am Bahnhof. Guter Boden, größte Wertsteigerung zu er warten. Bevor Sie ander weitig befichtigen, prüfen Sie dieses Angebot, da streng reel. Schreiben Sie fofort an M. Buchholz, Berlin, Kniprodestr. 19. Bläne, Prospekte. Auskunft fostenlos. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. was ich Verwaltungsstelle Berlin. C 54, finienftr. 83-85. Montag, den 6. Oktober, abends 8½ Uhr, bei Grauim 51. Lebensjahre, was ich Freunden und Bekannten im Namen aller trauernden Hinterbliebenen hierdurch anzeige. 94A Wwe. Tillwick. Die Beerdigung findet am Conn abend, den 4. Oftober, nachmittags 4, Uhr, vom Trauerhause, Straßmannstraße 14, aus nach dem Georgen Kirchhof, Landsberger Allee, statt. 4 Am 1. Oktober verschied nach langem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Groß- und Schwiegermutter, 2560b Frau Berta Fäse geb. Reichert. Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinterbliebenen Otto Fäse. Die Beerdigung findet Sonnabendnachmittag 4%, Uhr von der Halle des Philippus- Apostel- Kirch boss, Müllerstr. 44/45, nach d. städt. Friedhof in der Seestraße aus statt. Deutscher Metallarheiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Metallarbeiterin Klara Krüger Ravenéstr. 7, gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Einäscherung hat gestern stattgefunden. 127/7 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meines lieben, unvergeßlichen Mannes und unseres guten Baters Georg Hafner age auf diesem Wege allen Befeiligten meinen innigsten Dant. A Witwe Hedwig Hafner und Kinder Sprengelstr. 4/5. Verband d.Gemeinde- u. Staatsarh. Nationale Kranken- u. SterbeFiliale Groß- Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Heinrich Kuschel welcher in der Berliner Parkverwaltung( Schillerpart) beschäftigt war, berstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Freitag, den 3. Oktober, nach mittags 42 Uhr, bon der Leichenhalle des Anstaltsfriedhofes in Buch, aus statt. 35/11 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die traurige Mitteilung, daß meine liebe, unvergeßliche Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester und Schwägerin Hedwig Schillert geb. Schäricke nach schwerem Leiden am 1.Oktober, früh 4 Uhr, im vollendeten 34. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an der trauernde Gatte kasse der Droschkenkutscher und verwandter Berufsgenossen. E. H.-K. Nr. 75 in Liquidation. Den Mitgliedern obengenannter Kasse hiermit zur Kenntnis, daß die Verteilung des vorhandenen Bers mögens an die Anteilberechtigten wie folgt stattfindet: Arbeitsnachweis: Amt Norden 1239, 9714. Verwaltung: Kassierer: Teleph. Amt Norden 1987. Amt Norden 185. Sonntag, den 5. Oktober 1913, vormittags 9½ Uhr Versammlung der Kesselschmiede im Lokal von Haberland, Linienstr. 73. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Kesselschmiedeberuf. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. 書 mann, Naunynstr. 27: Allgemeine Vertrauensmännerversammlung. Tagesordnung: 1. Antrag der Verwaltung auf Anstellung eines vierten Beamten und Reorganisation der Bureauverhältnisse. 2. Antrag der Militärbranche auf Entschädigung der Werkstattkommissionen und Vertrauensleute sowie Entschädigung der Vertrauensmänner fitzungen. 3. Verschiedenes. Kollegen! Es handelt sich um eine außerordentlich wichtige Versamm lung, weshalb sämtliche Vertrauensleute anwesend sein müssen. Jede Werk Kollegen! Wir erwarten, daß jeder Metrieb, in welchen Steffel- statt muß unbedingt eine Vertretung enisenden. schmiede beschäftigt werden, vertreten ist. 158/1 Die Ortsverwaltung. Achtung! Emaillierer. Achtung! Sonntag, den 5. Oktober 1913, vormittags 10% Uhr Versammlung der Emaillierer Berlins und Umgegend im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Vortrag über die ,, Volksfürsorge", Referent: J. Kna a ď. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. 127/6 Achtung! Glasschleifer, Polierer, Beleger! Achtung! Heute, Freitag, den 3. Oktober, nachmittags 4 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Versammlung Tagesordnung: Die neuen Vorschläge der Unternehmer. Es ist Pflicht, daß alle Kollegen erscheinen. 71/6 J. A. Schröder. Ferner machen wir alle Mitglieder darauf aufmerksam, dak Zentralverband der Lederarbeiter von der 41. Woche ab, also mit dem 4. Oktober beginnend, der Wochenbeitrag 90 Pf. beträgt. Dafür tritt vom gleichen Tage an eine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung um 2 M. und der Streit- und Gemaßregeltenunterstützung um 1 M. pro Woche ein. und-arbeiterinnen Deutschlands. Filiale Berlin I. Protokolle vom Verbandstage in Breslau sind im Bureau Sonntag, den 5. Oktober, 1913, vormittags 10 Uhr, und bei den Bezirkskassierern zu haben. Stück 50 Pf. Die Zahlstelle von Felsmann, Ritterstr. 1, ist nach dem Lokal von Sitlach, Ritterstr. 121, verlegt worden. Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verhand Verwaltung Berlin. Sonntag, den 5. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Branchen- Verfammlung der Bautischler. Tagesordnung: 1. Unser Tarif und die jetzige Konjunktur. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Maschinenarbeiter! Montag, den 6. Oktober cr., abends 5½ Uhr, bei Kaczerowski, Ravenéstr. 6: Bezirks- Verfammlung Die Auszahlung erfolgt Dienstag für Norden, Moabit, Tegel und Charlottenburg. Mittwoch und Sonnabend, nachmittags 4-7 Uhr, Engelufer 15, 2 Tr., Zimmer Nr. 27. Als Legitimation gilt die aus. gestellte Quittung über das abgegebene Mitgliedsbuch, worauf die Mitgliedsnummer verzeichnet ist. Die Abfertigung erfolgt: Dienstag, den 7. 10. 13, an Mitglieder mit der Buchnummer von 1-549, Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Verbands. angelegenheiten. Achtung! in Schmidts Festsälen, Prinzenallee 33: Versammlung. Tagesordnung: Verbandsangelegenheiten. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. 134/11 Zigarrengeschäfte mache ich aufmerksam auf meine Kantabat: Spezialitäten: Skandia- Skraa und Solidaritäts- Tabak Max Ziegenhals, Neue König- Straße 70 ( Königstadt: 3047). Sämtliche eingeführte Fabrikate in Zigaretten, Tabaken, Zigarren zu billigsten Preisen. Gänse- Artikel täglich frisch in großer Auswahl, empfiehlt 35 89/15 Achtung! Goldleiftenarbeiter und Rahmenmacher. Mittwoch, den 8. 10. 13, ab nur noch im paritätischen Arbeitsnachweis in der Zeit Die Arbeitsvermittlung erfolgt vom Sonnabend, den 4. Okt., bon 550-1322, Sonnabend, den 11. 10. 13, bon 1323-2897, Dienstag. von 1 bis 3 1hr nachmittags. den 14. 10. 13, bon 2898-4457. Bom 1. Oftober d. J. ab befindet sich der paritätische Mittwoch, den 15. 10. 13, von 4458 Arbeitsnachweis in der Rückerstraße 9, 3 Treppen( auch kann bis 5728, Sonnabend, den 18. 10. 13, der Durchgang von der Gormannstr. 13 aus benutzt werden). bon 5729-7228, Dienstag, den Die Ortsverwaltung. 162/14 Hermann Leißner, Kaiser- Wilhelm- Str. 11( Edhaus Klosterstraße). Verkauf nur im Fabrikgebände! 35 Sie sparen Geld! öbel direkt in der Wenn Sie Möbelfabrik H. Walter Inh. Willi Maaß, Brunnenstr. 35 kein Laden Tel.: A. III, 5157 eigene Keln Kaufzwang! kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebände Tischlerei und Polsterei. Auf Wunsch Teilzahlung. Permanente Musterzimmer- Ausstellung. 35 Fernsprechanschluß, wie bisher, für Tischler: Norden 3691 u. 3692; für 35 21. 10. 13, von 7229-8299, Mittwoch, alle übrigen Branchen: Norden 9764. den 22. 10. 13, bon 8300-8879, Sonnabend, den 25. 10. 13, von 8880-9453, Dienstag, den 28. 10. 13, bon 9454-9921. 291/15 W. Knütter, Vorsitzender. Otto Schillert nebst Kindern. Dr. Simmel Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Oktober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Weißenseer Gemeindefriedhofs, Nöldestraße, aus ftatt. Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz 10-2.5-7. Sonntags 10-12. Beber Arbeiter. jeder jeder praktisch arbeitende Handwerker, Mann Berufskleidung. der für seine Arbeit, für seinen Beruf, besonders vorteilhaft geeignete Kleidung nötig hat, faust diese bei der bekannten Firma Kohnen& Jöring, Berlin 49. Arbeitskleidung Größtes Spezialgeschäft dieser Art. 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Berlin und Hamburg waren nicht vertreten. �Dennoch erfolgte die Gründung des„Allgemeinen Deutschen Schneidervcreins". 1868 zählte dieser Verein be- reits 3009 Mitglieder. Aber schon 1869 kam es durch die Gründung der„Allgemeinen Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Kappenmacher" zu einer Spaltung, die erst 1873 durch die Vereinigung beider Organisationen geheilt ward. Am 24. Oktober 1876 erschien� die erste Nummer des Verbandsorgans, des„Fortschritt". Auch in Berlin bestanden bereits in den siebziger Jahren je eine lokale und eine zentrale Organisation, die sich am 1. April 1875 miteinander verschmolzen und damals etwa 3000 Mitglieder zählten. Das Sozialistengesetz zertrümmerte neben anderen auch die Gewerkschaft der Schneider. Aber schon 1884 regte sich das gewerkschaftliche Leben von neuem: doch sollte es erst auf dem Kongreß zu Erfurt, vom 3. bis 7. August 1888, zu einem Beschluß kommen, der die Gründung einer Einheits- organisation ins Auge faßte, und am 1. Oktober dieses Jahres kam es denn auch zu dieser Gründung. An wöchentlichem Beitrag wurden damals 10 Pf. erhoben und die„Fachzeitung für. Schneider" geliefert. Der Sitz des Hauptvorstandes war Hannover. 1890 wurde in Halberstadt beschlossen, auch die Schneiderinnen in den Verband aufzunehmen. Im gleichen Jahre tagte in Bernburg ein Kongreß, auf dem namentlich die für Berlin äußerst strittige Frage über die größere Zweckmäßigkeit der lokalen oder zentralen Organisations- form eine Rolle spielte. Beseitigt wurde die Zersplitterung für Berlin aber nicht. Im Reiche tauchte dagegen der Gedanke eines Jndustrieverbandes für das Bekleidungsgewerbe auf. Dazu sollte es jedoch nicht kommen: der Kongreß von 1894 zu Erfurt lehnte das ab. Am 1. Januar 1903 siedelte dann die Verbandsleitung nach Berlin über, nachdem sie vorher 1892 nach Flensburg und 1898 nach Stuttgart verlegt worden war. Durch den Anschluß der Wäschcarbeiter am 1. November 1907 wurde die Basis des Verbandes abermals erweitert. Das erfreuliche Wachstum der Organisation mögen folgende Zahlen veran- fchaulichen: Jahr Männliche Weibliche Zusammen 1388.... 3 470— 3 470 1389.... 10 806— 10 806 1390.... 9 026— 9 026 1891.... 7244 134 7378 1892.... 6 141 131 6 272 1893.... 6 966 363 7 313 1894.... 7921 458 8379 1896.... 7 666 681 8 236 189».... 8009 1176 9 184 1897.... 8 192 637 8 829 1898.... 9 238 389 9 627 1899.... 11376 411 11 778 1900.... 14 731 689 16 320 1901.... 16989 704 16693 1902.... 18 172 763 18 936 1903.... 20 844 880 21 724 1904.... 22 966 1 287 24 252 Gegenwärtig, am Schlüsse des 2. Quartals 1913 wurden 40 194 männliche und 9912 weibliche Mitglieder gezählt, ins- gesamt 5V 166. Dementsprechend waren auch die Einnahmen resp. Aus- gaben, die sich in den 25 Jahren des Bestehens des Verbandes auf 7 744 833,03 bezw. 6 796 142,72 M- belaufen. Die Aus- gaben betrugen: für Fachzeitung 560 040 M., Reiseuntcr- stützung 358 639 M., Krankenunterstützung 840 202 M., Lohnbewegungen 21 32 092 M.. Gemaßregcltenuntcrstützung 46 129 M., Umzugskosten 13 757 M., sonstige Unterstützungen 10358 M. und Rechtsschutz 16 806 M. * Die Berliner Filiale hatte, wie schon angedeutet. sehr unter den Meinungsverschiedenheiten über die zweckmäßigste Organisationsform zu leiden, die zur Folge hatten, daß sich lange Zeit eine Anzahl lokaler Organisationen am Leben hielten. Hier mußte eine Agitationskommission das not- dürftige Bindeglied zwischen den einzelnen Branchen abgeben. So sehr nun die Kraft der Organisation geschwächt war infolge der Zersplitterung, an Kühnheit fehlte es den Plänen der Kommission nicht, die sich in erster Linie der Konfektions- industrie mit ihren überaus beklagenswerten Zuständen an- nahm. Zuvor mußte aber noch mächtig am Ausbau der Organisation gearbeitet werden. Endlich 1896 konnte man sich an einen Streik ivagen, der auch einen gewaltigen Um- fang annahm. 30000 Schneider und Schneiderinnen traten in den Ausstand. Vom 9. bis 21. Februar währte der Kampf, der eine beachtenswerte Lohnerhöhung brachte. Freilich ging später manches von dem Erreichten durch die Lauheit der Ar- beiter verloren. 1911 kam es wieder zu einer gewaltigen Lohnbewegung in der Konfektionsbranche, wo auch wieder zirka 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen, diesmal 3 Wochen lang, im Streik aus- harrten. Neben diesen gewaltigen Kämpfen gingen eine Reihe von geringerem Umfang einher, die darum nicht weniger von Bedeutung waren. Die Mitgliederzahl ist in der Zeit von 1890 von 530 auf etwas über 16 666 angewachsen. Hoffen wir, daß die Entwicklung allseits einen stetigen, erfreulichen Fortschritt nimmt._ Berlin und Hmgcgmd. Einigungsverhandlungen im Kurschnergewerbe. Das Gewerbegericht hatte am vergangenen Sonnabend die drei Vorsitzende» vom Arbeitgeberverband, vom Verband der Haus- industriellen und von der hiesigen Filiale des Kürschnerverbandes zwecks Vorbesprechung über die strittigen Differenzpunkte eingeladen. Es finden nunmehr am kommenden Sonnabendvormittag 11 Uhr Einigungsverhandlungen vor dem Gewerbegericht statt. Die Etuiarbeiter hatten in ihrer letzten Versammlung beschlossen, obgleich der alte Tarif am Dienstag abgelaufen und ein neuer in- folge des ablehnenden Verhaltens des Herrn Nasse nicht zustande gekommen war, doch zunächst die Arbeit fortzusetzen. Diesem Be- schlutz waren die Arbeiter nachgekommen. Man hätte nun erwarten dürfen, die Unternehmer würden, den hochtönenden Worten ihres Sekretärs entsprechend, den von ihnen vorgelegten Gegenentwurf eines Tarifvertrages den Arbeitern zur Unterschrift vorlegen. Das ist nicht eingetreten! Vielmehr haben sich eine ganze Anzahl Arbeit- geber in dem Sinne geäußert, daß sie sehnlichst wünschen, es möge auf friedlichem Wege eine Vereinbarung zustande kommen. Daraufhin wird nunmehr durch die Organisation den einzelnen Unternehmern ein Tarif zur Unterschrift vorgelegt werden, der unter Berücksichtigung der Verhältnisse eine ganze Anzahl Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen enthält, jedoch in keiner Weise über das Maß des Erreichbaren hinausgeht. Damit soll gesagt sein, daß die Arbeiter nicht gewillt sind, sich auch nur ein Geringes ab- dingen zu lassen! In der Aussprache hierüber wurden eine ganze Anzahl Sttmmen laut, die viel weitergehende Forderungen gestellt wünschten, doch ließ es die Versammlung bei den von der Tarif- kommission formulierten Bestiminungen, um auch ihrerseits zu be- künden, daß die Arbeiter einer friedlichen Verständigung kein Hindernis bereiten. Den Unternehmern wird bis Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, Frist gewährt, sich für oder gegen Annahme des Tarifs zu entscheiden._ Mit der Wurstfabrik W i l h. Vehr- Schöneberg hat der Verband der Fleischer einen neuen Vertrag abgeschlossen. Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden, der Anfaugslohn 32 M., für Gesellen mit be- sonderer Verantwnrtung unterliegt der Lohn der freien Vereinbarung. Für 23 Gesellen wurde der Lohn um 1 M. pro Woche erhöht. Die Firma gewährt jedem Gesellen 3 bis 10 Tage Ferien, der Lohn wird weiter gezahlt. Für die Expedienten wurde ebenfalls ein Tarif- vertrag abgeschlossen. Die Arbeitszeit beträgt ebenfalls 10 Stunden. Ueberstunden werden wie bei den Gesellen mit 60 Pf. pro Stunde bezahlt, desgleichen erhalten dieselben unter denselben Bedingungen wie die Gesellen Ferien. Alle unter 160 M. Monatsgehalt beschäf- tigten erhalten 150 M._ Ein„warmes Nest". Seit dem 13. August d. I. stehen die Arbeiter und Arbeite- rinnen der Otis-Elevator-Werke in Wittenau in einem Abwehr- streik. Zwölf uniformierte Gesetzeshüter scheinen der Firma noch nicht zu genügen, so daß sie noch ihre eigenen Beamten gegen die Streikposten aufbietet. Bei den Verhandlungen mit der Betriebs- leitung gab diese ihrer Verwunderung Ausdruck, daß die Arbeiter Streikposten stellten und glaubte daraus schließen zu müssen, daß die Otis-Werke doch ein recht„warmes Nest" sein müssen. Wie sieht nun dieses warme Nest ans. lieber 300 Mann sind in der Fabrik beschäftigt. Dieser Arbeiterzahl stehen ganze 8 Klosetts zur Verfügung. Im Waschraum sind 20 Wasserhähne vorhanden, die jedoch noch„reguliert" wurden, damit nicht zuviel Wasser vcr- braucht werde. Die Arbeiter und Arbeiterinnen, die im Akkord- Verhältnis stehen, sollen laut Arbeitsordnung vor der Entgegen- name der Akkordkarte die Arbeit nicht anfangen. Da aber das Kalkulationsbureau nicht das ist, was es sein sollte, konnte sich das Personal mit dem Preise nicht einverstanden erklären. Es kani zu Differenzen, die eine Kommission schlichten sollte. Der Be- triebsleiter Herr Döring ließ die Kommission trotz mehrmaliger Anmeldung drei Tage auf die nachgesuchte Verhandlung warten. Nach Feierabend wurde dann endlich verhandelt und zugestanden, daß der Betriebsleiter die Kalkulation selbst in die Hand nehmen würde. Um des lieben Friedens willen gingen die Arbeiter darauf ein, daß eilige Arbeiten auch ohne Akkordkart« sollten angefertigt werden. Die alten Preise wurden garantiert. Dem schon mehrfach geäußerten Wunsche nach einem Arbeiterausschutz stimmte die Firma zu. Jedoch mußte dieser Ausschuß gewählt werden, ohne daß die Wahl durch Bekanntmachung usw. von der Betriebsleitung unterstützt wurde. Der Arbeiterausschuß wurde zwar von der Firma bestätigt, aber schon nach kurzer Zeit erhielt ein Mitglied dieser Vertretung seine Entlassung, angeblich wegen ungebührlichen Verhaltens gegenüber dem Betriebsleiter. Bei den Verhandlungen wurde auch von der Betriebsleitung und Direktion zugegeben, daß Herr Döring den Entlassenen zu Unrecht beschuldigt hatte. Trotzdem sollte die Wiedereinstellung des Vertrauensmannes im Werk Wittenau nicht erfolgen. Da es sich nun auch herausstellte, daß auch die Unregelmäßigkeiten in den Akkordpreisen mehr zu als abgenommen hatten, wurde eine Betriebsversammlung einberufen. Hierzu waren auch Beamte und Meister eingeladen, die auch erschienen. Das Resultat dieser fünfeinviertelstündigen Versaminlung war der Streikbeschlutz. Es ist schon der fünfte Streik in diesem Jahre, von dem dieses„warme Nest" betroffen war. Durch Inserate und unter tätiger Mithilfe des Herrn H a n s ch kleines Feuilleton. DaS futuristische Orchester. Nachdem die Futuristen der ultra modernen Malerei neue Entwickelungsmöglichkeiien verraten haben und nachdem der höchste Prophet und Reklamechef des Futurismus F. T. Marinettt vor kurzem in Palermo mit einem eigenen Werke der Welt gezeigt hat, was futuristische Dichtkunst vermag, hat man sich jetzt der Veredelung und Vervollkommnung der Musik gewidmet. Schon ist ein den neuen Anforderungen entsprechender Klangkörper geschaffen, und in Mailand hat das erste futuristische Konzert stattgefunden. Ja, man muß es zugeben, hier handelt es sich um eine neue Kunst, und der Maler Rusiolo, der zusammen mit seineni Kollegen Ugo Piatti die Ausgabe übernommen hat, futuristisch zu komponieren und das geeignete Orchester zu- sammenzustelle», darf sich mit Recht der„Schöpfer der Lärm- k u n st" nennen. Allein das Orchester wird durch seine Zusammensetzung selbst den boshaftesten Skeptiker davon überzeugen, daß hier eine ganz neue Auffassung voi� Musik und Klangwirkungen erstanden ist. Denn dieses Orchester� das einstweilen sich mit 16 Mitgliedern begnügt, besteht aus drei„Summern", einem„Donnerer", drei „Pfeifern", zwei„Raschlenr", zwei„Gurglern", einem„Schmetterer", einem„Knirscher und Schneider" und einem„Schnarcher". Schon diese Liste läßt ahnen, welche höchst eigenartigen Klangkombinationen sich mit dieser ungewöhnlichen Musikerschar bei Fleiß und Ausdauer hervorbringen lassen und welche neue Möglichkeilen sich damit der Lärmkunst erschließen. Ausgezeichnet stimmen mit diesen Mitteln auch die musikalischen Inspirationen der futuristischen Komponisten zusammen, die ihre Tondichtungen.Lärmgespinste" nennen. Die vier Lärmgespinste, die man in Mailand zu hören bekam, hießen „Das Erwachen der Großstadt",„Das Stelldichein der Autos und Flugzeuge",„Man speist auf der Terrasse des Kasinos" sniit einigen prächtigen Solonummern für den Gurgler und den Knirscher) und schließlich„Das Scharmützel in der Oase", wobei allerdings die Darstellung des Scharmützels besser gelang als die der Oase. In den Zwischenakten erschienen Marinetti und sein Kollege Praiella als Redner auf der Bühne und tauschten mit den außerordentlich angeregten Zuhörern einige sehr drasttslbe und kraftvolle Scheltworte, im ganzen aber sind Marinetti und seine Getreuen mit dem erzielten tiefen Eindruck zufrieden und erklärten, daß vor allem die„harmonische Verschmelzung der Pfeifer, Gurgler und„Platzer" einen ergreifenden Eindruck futuristischer Kunst vermittelte, einen Eindruck, der bisher seinesgleichen noch nicht gehabt habe." Das letztere wird sogar von den Gegnern ein- geräumt. Theater. Kammerspiele: Die goldenen Palmen, Lustspiel von R. de F l e r s und G. de Caillavet. Die Firma, die in ihrem seinerzeit am Lessing-Theater gespielten satirisch schillernden Schwank„Der König" so unerschöpflich schien an Geist und lustigen Einfällen, hat sich seither in billiger Massenprodukton mehr und mehr verzettelt. Ihre letzte Novität,„Die goldenen Palmen", eine Ver- spottung der französischen Akademie, deren neuerwählte Mitglieder bei ihrer Aufnahme in den Kreis der„Unsterblichen" als Redner in goldgestickten Palmenfräcken debütieren, zeigt kaum noch einige Spuren der einstigen Behendigkeit. In Paris mag die Persiflage auf das Perrücken- und Cliquenwesen dieser Körperschaft so viel aktuelle Pikanterie gehabt haben, daß dies für das gehäufte Maß sonstiger Langweiligkeit entschädigte. Hier, wo ein solches Interesse wegfiel, tat sich die Enttäuschung, als nach dem Fallen des Vor- Hanges sich schwache Ansätze des Applauses vorwagten, durch recht vernehmliches Zischen kund. Aehnlich wie einer seiner Vorfahren aus dem Geschlecht de Latour-Latour, der, als er beim Fußfall vor der königlichen Mätresse überrascht wurde, alsbald die Beförderung zum Abb« er- hielt, gelangt der harmlos einfältige Urenkel zur Würde eines Akademikers. Dem Herzoge und Vorsitzenden der Akademie, der ihn vor seiner Gemahlin knieend findet, wird vorgeredet, der nette junge Mann habe die hohe Dame so um ihre Protektion bei der nächsten Akademiewahl bitten wollen. Und der Gemahl in seiner potenzierten Trottelhaftigkeit beeilt sich, die Kollegen für die Sache zu gewinnen. Der Grafentitel deckt jedes intellektuelle Defizit. Die Feierlich- leiten einer öffentlichen Akadcmieversammlung werden zum Teil ganz ulkig parodiert. Der Graf hält seine Antrittsrede, die in der Einleitung die üblichen an die Adresse der Erlauchten gerichteten Schmeicheleien, in ihrer faden, süßlichen Geziertheit sehr witzig nachahmt. Auch in dem weiteren, der obligatorischen Lobrede auf den verstorbenen Vor- gänger ist manches Drollige. Dann sollen aber wieder an den Haaren herangeschleifte Theatertricks weiter helfen. Im Schlußakt, für den den Autoren sonst nichts einfällt, wird zur Deckung der Unkosten der Präsident der Republik herbeizitiert, der sich in mäßigen Witzeleien über seine Einflußlosigkeit ergeht. Nicht eine der Figuren, die selbst bescheidensten Ansprüchen an Menschenmöglichkeit genügt oder doch durch sÄwankmäßige Ausgestaltung für ein solche? Manko Ersatz geboten hätte. Parineline, der einzige, über den man herzlich lachen konnte — das quecksilberne verrückte Musikgenie, das im Salon seine Liebesabenteuer mit Klavierbegleitung vorträgt— war mehr im ZirkuS- als im Schwankstil karikiert. Herr Biensfeldt ließ da sehr ergötzlich seinem grotesk phantastischen Hunwr die Zügel schießen. Rosa Bertens spielte die, je nach dem Grade augenblicklicher Verliebtheit mehr oder weniger englisch radebrechende Herzogin, Viktor Arnold den Herzog. W a ß m a n n liebenswürdig flott den Grafen. dt. M«nr. Theater am Nollendorfplatz. Seit Jahren wurde nicht eine Operette geschaffen, die mehr als ein kurzes Scheinleben verdient hätte. Damit hängt das Bestreben zusammen, dem Genre der„leichtgeschürzten Muse" erfrischende Blutsäste zuzuführen, indem man ans verschollenen Musikgebilden, die sich an die Namen einzelner Schöpfer der älteren,„klassischen" Operette knüpfen, neue Bühnenwerke rekonstruierte. Nunmehr hat Leopold Schmidt, der wohlakkreditierle Berliner Musikkritiker, das Erneuerungsverfahren bei Jacques O f f e n b a ch angewendet. Offenbach ist nicht bloß der Vater der Operette schlechtweg; sondern von seinem unerschöpflichen Geiste haben alle Nachtreter bis auf unsere Tage gesogen. Das erweist sich jetzt wieder an dieser nach Offenbach scheu Motiven bearbeiteten Musik zu der Operette„Die HeimlehrdesOdhsseuS", für die Karl Ettling er und Erich Motz nicht ohne Witz und Geschick die textliche Unterlage ge- schaffen haben. Offenbach hat neben etlichen Dutzend mehr oder minder zug- kräftigen Operetten in seiner Frühzeil auch zahlreiche Singspiet- einakter und später sogar eine deutsche romantische Oper(Die Rhein- nixe) komponiert. Aus seinem Ueberreichtum an verschollener Musik hat Schmidt die pikantesten und entzückendsten Melodien und Motive herausgehoben. So ist ein geschlossenes Ganzes entstanden, das auch gerade in der wohl zumeist vom Bearbeiter herrührenden Jnstru- mentierung Offenbachsche Klangfarben und Offenbachschen Geist zeigt. Wüßte man nicht ohnehin, welch hoher Musikkultur neben einer be- deutenden komisch-drastischen Gestaltungskraft man sich bei Offenbach zu versehen habe: dies oftmals allzu musivisch gesponnene Gewebe bestätigt es aufs neue. Der Wert dieser Musik mit ihren preziösen Couplets, Duetten, Trios, SeptettS, Arietten, Barcarolen, Liedern und Chören ist maßgebend für den künstlerischen Erfolg, dem der materielle freilich dauernd kaum bcschieden sein dürfte. Das Libretto ist nämlich nur spärlich dramatisch und witzig. Immerhin schließt es zu kleinen Handlungen zusammen, die dann zuletzt dank der vorzüg- lich verarbeiteten Musik einen einheitlich wirksamen Abschluß erhäll. Die Titelfigur giebt Max Pallenberg mit einem Ueberschuß an wirklicher Komik zwar— aber auch mit Kulissenreißerei— im Parterrestil. Den Lacherfolg hat er natürlich sicher. Vorzüglich in Stimme und Spiel ist Fritzi M a s s a r y; die Zauberin Kirke„liegt" ihr wie aufgegossen. Karl P f a nn sXenophon) zeigt sich wieder als sorgsam studierter Sänger, dem eS gegebenenfalls doch auch nicht an komischen Einfällen mangelt. Else Verna macht eine ver- führcrische Penelope, Walter Form es einen mit feinem SarkaSmnS gewürzten Hoftheaterindentanten. Putzig sind auch die drei Freier. Dekoration, Inszenierung können sich sehen lassen. Die ganze Auf- führung wird musikalisch sicher von Kapellmeister Schwarz ge- leitet. Das Werk fand sehr eine freundliche Aufnahme. olc. Notizen. — Vorträge für die freien Volksbühnen. Am Sonnabend, abends 8V3 Uhr, spricht im Hörsaal des Kunstgewerbe- Museums, Prinz-Albrechtstraße Robert Breuer über„Kunst form und Z e i t g e t st". Der Vortrog ist der erste einer Serie von dreien. Die Karten kosten 30 Pf. für den einzelnen Abend, 80 Pf. für die Serie und sind in den Zahlstellen der Volksbühnen zu haben. — Die nächsten VolkS-Sinfoniekonzerte des Blüthner-Orchefters finden stutt: am 3. Oktober: Berliner � Bock-Brauerei; 6. Oktober: Brauerei Friedrichshain; 7. Oktober: Kammersäle; 16. Oktober: Brauerei Friedrichshain(Richard Wagner- Abend); 17. Oktober: Neue Philharmonie; 12. November: Brauerei Friedrichshain. Eintrittskarten 30 Pf. — Das„M arionetten-Theater Münchner Künstler" eröffnet am 3. Oktober. S1/« Uhr. sein Gastspiel im großen Saale von Keller u. Reiner, Potsdamer Str. 118b. Zur Erstauffübrung gelangte das älteste deutsche Faustspiel in der Bearbeitung von Paul Braun. — Das Kind, seine Erziehung und Entartung. Der Kriminalpsychologe Dr. Erich Wulffen hält am Freitag in der Singakademie einen Borttag über dieses Thema zu poMären Preisen. t von Iber Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik suchte Herr Döring seinen Betrieb mit Arbeitswilligen zu füllen. Speziell der katholische Fachverein stellte einen hohen Prozentsatz dieser nützlichen Elemente. Von Diedenhofen im Elsaß kamen sieben Nichtorganisierte Arbeiter, die jedoch dem Betrieb den Rücken kehr- ten, als sie erfuhren, um was es sich handelte. Das Arbeitermaterial, das Herr H a n s ch seinem Freunde Döring liefert«, scheint allerdings die Erwartungen nicht erftillt zu haben, die man auf es setzte, denn durch Meister und Beamte läßt Herr Döring streikende Arbeiter besuchen, um sie durch die allerschönsten Versprechungen und Wochenkontrakte zur Wieder- aufnahm« der Arbeit zu beivegen. Ja, selbst aus die Frauen der Streikenden wird eingewirkt, damit sie ihre Männer zur Wieder- aufnahm« der Arbeit veranlassen sollen. Es geht demnach der Firma nicht zum Besten, was schon daraus hervorgeht, daß sie gezwungen ist, neue Aufträge abzulehnen. Sie motiviert dies dautit, daß sie angeblich schon mit Arbeit überbürdet sei. In Wirklichkeit kann sie eben mit ihrem jetzigen Arbeiter- material nichts leisten. Versucht sie doch, Teile, wie Türen, Fahr- körbe. Schlöffer und Werkzeuge, bei anderen Firmen anfertigen zu lassen, was bereits zu Differenzen in jenen Betrieben geführt hat. Die Streikenden sehen dem weiteren Verlauf der Dinge un- gebeugten Mutes entgegen. Sie erwarten aber auch, daß ehrliche Arbeiter und Arbeiterinnen den Betrieb der Otis-Elevator-Gesell- schast, Wittenau, Hauptgeschäft Berlin, Königgrätzer Straße, streng meiden werden,. Deutfchcs Reich, Ter Konflikt im Hanpttarifamt des Baugewerbes ist beendet. Der geschäftsführende Unparteiische de-Z Haupttarifamts hat am 22. September ein Schreiben an den Zentralverband der Zimmerer gerichtet, das besagt, daß die Unparteiischen durch eine Er, klärung B r i n g m a n n s in Nr. 8S des„Zimmerer* die entstandenen Differenzen als erledigt ansehen. Die nächste. Sitzung des Haupttarifamts soll nun am 7. und 8. Oktober in den Räumen des Berliner Gewerbe« und Kaufmanns- gerichtS in der Zimmerftraße tagen. Der Direktor des ReichstagSgebäudeS hat es abgelehnt, für diese Sitzung Räume im ReichstagSgebäude zur Ber- fügung zu stellenl Zur Entscheidung steht eine Anzahl grundsätzlicher Fragen, unter anderen auch die, ob die Unternehmer die Möglichkeit bekommen sollen, den Arbeitern in einem Hauptberuf die Akkordarbeit auch dann aufzuzwingen, wenn bis jetzt nur in einem Spezialberuf, nicht aber im Hauptberuf selbst, im Akkord gearbeilet worden ist. Neue Disserenzeu i» der Binnenschiffahrt. Als am b. Mai, nach elfwöchigem Kampfe in den Strom- gebieten der Elbe, der Oder und der märkischen Wasserstraßen die Arbeit aufgenommen wurde, ohne daß es zu einem Vertragsschluß gekommen war, wurde beiderseitig zum Ausdruck gebracht, daß man nicht abgeneigt sei, die Verhandlungen fortzuführen. Der Unter- nehmerverband war der Meinung, daß jedoch eine andere Ver- Handlungsbasis geschaffen werden müsse, er machte dem Transport« arbeiterverband im Juli dahingehende Vorschläge. Nach diesen sollte ein Vertrag bis Ende 1916 abgeschlossen werden, der für die Elbe und die märkischen Wasserstraßen eine Lohnerhöhung von ö M. monatlich vorsieht und die Ueberstundenlöhne um ö Pf. erhöht werden sollten. Für die Oder sollte dieselbe Tarifdauer, dieselbe Lohnzulage, nur keine Erhöhung der Ueberstundensätze gelten. Als Sicherheitsleistung für die Einhaltung des Tarifs forderte der Unter- nehmerverband eine Hinterlegung von 50 000 M. Der Transportarbeiterverband erklärt« sich, soweit die Elbe in Betracht kommt, mit der Tarifdauer sowohl als auch mit der Lohn« erhübung einverstanden, nur die Normierung der Ueberstundensätze wünschte er anders geregelt. Für die Oder wurde die Tarifdauer ebenfalls angenommen, nur mit der Bedingung, daß innerhalb der Tarifdauer eine weitere Lohnerhöhung erfolgen müßte. sDie Löhne auf der Oder sind um 15 M. niedriger als auf der Elbe.) Weiter wurde für die Oder eine Aufbesserung der Ueberstundensätze ge- fordert. Das waren die Hauptpunkte. Eine Reihe Nebenfragen sind nicht von großer Bedeutung. Die Forderung auf Stellung einer Kaution lehnte jedoch der Verband ab. Nachdem die Vorverhandlungen soweit gediehen, mußte erwartet werden, daß mündliche Verhandlungen über die Differenzpunkte statt- finden würden. Der Unternehmerverband gab jedoch Ende September an die Arbeiterorganisationen den Bescheid, daß er es ablehne, in Verhandlungen einzutreten; angeblich, weil die Arbeiter die ver- langte Kaution nicht stellen wollten. Zur Stellung der ver« langten Kaution aber liegt keinerlei Veranlassung vor, denn gerade jn der Binnenschiffahrt sind keine Kontraktbruchfälle zu verzeichnen. So vereitelt die Leitung des ttnternehmerverbandes den Abschluß eines Vertrages. Sehr viele Unternehmer haben dazu aber wieder- I. holt ihre Bereitwilligkeit bekundet und erklärt, froh zu sein, weim der Bertrag endlich zustande käme. Es ist daher nicht anzunehmen, daß die Stellung der Leitung des Unternehmerverbandes den Wünschen seiner gesamten Mitglieder entspricht. Der Transportarbeiterverband hat die ablehnende Stellung des Unternehmerverbandes damit beantwortet, daß er die Forderungen der Schiffsmannschaften einer Reihe von Betrieben eingereicht hat, so dem Berliner Lloyd, der Vereinigten Berlin— Hamburger Schlepp- schiffahrt und der sächsischen Steineschiffahrt. Die Schiffs- Mannschaften sind empört über dieses Verhalten der Unternehnrer. Wie die Dinge sich entwickeln werden, kann gegenwärtig noch nicht gesagt werden. Die Oeffentlichkeit ersieht aber aus dieser Dar« stellung, daß die Arbeiterorganisation alles getan hat, um den Frieden in der Binnenschiffahrt sicherzustellen. Die Differenzen, namentlich auf dem Stromgebiet der Elbe und der märkischen Wasser- straßen, find materiell so minimal, daß sie einer Einigung nicht im Wege stehen sollten. Zu betonen ist, daß die gestellten Forderungen bereits in einer Reihe von anderen Betrieben eingeführt sind und somit ihre Durchführbarkeit bewiesen ist. Es liegt gegenwärtig in der Hand de? UnteniehmerverbandeS, neue Unruhen, die auf den Güterverkehr Hemmend wirken würden, abzuwehren. Dies wird allerdings nicht dadurch geschehen, daß man mit allen Mitteln versucht, gelbe Organisationen zu züchten. Für solche Gebilde sind die Schiffsmannschaften nicht zu haben; dies sollten Me Unternehmer in den letzten fünf Monaten doch zur Genüge festgestellt haben. Ein BertragSschluß, der den Parteien Gerechtigkeit widerfahren läßt und keine einseitigen Bestimmungen enthält, könnte die Un- ruhen beseitigen, die gegenwärtig ihren Anfang nehmen und die sich auf die Schiffahrtsperiode 1914 noch sehr lebhaft bemerkbar machen dürften._____ Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge. Darmstadt, 30. September. Kinder als Erwerbsmittel, insbesondere die Miß- stände im Pflege- und Advptionswesen, bildeten den Gegenstand der Verhandlungen am heutigen zweiten Tag der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge. Der Referent, Gerichts- assessor Tormin-Berlin, bestätigte unumwunden das Ver- sagen der heute für das hilflose, namentlich uneheliche Kino' vor- lmndenen Schutzinstanzen, wie Vormund, Gemeindewaisenrat, Haltekinderpolizei usw. Er wandte sich gegen die gewerbsmäßigen Haltefrauen, die sich infolge unzureichender Vorschriften einer Kontrolle zu entziehen wüßten, gegen die leichtfertige Weggabe— das„Verschenken"— von Kindern, lediglich um sich der pekuniären und sonstigen Lasten zu entziehen, gegen die Gewissenlosigkeit solcher Personen, die ein Kind nur um des VermögenSvortcils willen gegen Abfindungssumme annehmen, gegen Engelmacherei. Besonders auch ging er mit dem Unfug und Schwindel in der Pflege und Adoptionsvermittelung ins Gericht. Aber es blieb bei aller Freimütigkeit doch der Bekennermut zu vermissen, um auch das zu sagen, was hier unbedingt gesagt werden mußte: Wer ist es denn, der die junge außereheliche Mutter geradezu zwingt, das dem Weibe ureigenste, die Mutterliebe, zu unterdrücken, und mit bluten- dem Herzen das arme Wurm wegzugeben? Ist das nicht dieselbe privatkapitalistische Wirtschafisordnung, die nicht einmal für die werdende Wöchnerin einen ausreichenden Schutz gewähren mag, vielweniger, daß sie der jungen Mutter ihr Liebstes läßt, weil sie um das tägliche Brot in der Fabrik frondcn muß?! Die heutige Rechtsordnung und laute Moral unseres bürgerlichen Klassenstaats ist es doch, die der unehelichen Mutter einen Makel anheftet und so viele veranlaßt, das Neugeborene zu verstecken bei irgendeiner Engelmacherin. Ter Kinderhände!, die kleine weiße Sklaverei wird nicht ausgerottet werden können, wenn nicht auch die heutige Rechts- und Wirtschaftsordnung geändert wird. Der Referent hat ja den Schriften von Henriette Arendt Gerechtigkeit werden lassen; aber er mußte in der Diskussion merken, in welches Wespennest er dabei gestochen hatte.— Pastor Bahn son-Ham bürg eiferte gegen die frühere Stuttgarter Polizeiassistcntin; ihre Schriften und ihr Kampf hätten dem Kindcrschutz nur geschadet. Jn dieser be weislosen Behauptung spiegelte sich drastisch die satte Selbstgefällig. koit pasioraler Freude an ocm heutigen Gescllschaftszustand. Frei. lich mußte sich der wackere Hamburger Gottesmann von einem GlaubenSbruder, dem Pfarrer Bruhns in Straßburg, zurechtsetzen lassen, daß es nicht nur Leute gibt, die etwas kritiklos annehmen, sondern auch solche, die kritiklos ablehnen. Pfarrer Bruhns hat mit Henriette Arendt zusammengearbeitet und ist zur Erkenntnis gekommen, daß vieles, was sie sagt, stimmt, daß sie schwere Schäden aufgedeckt habe. Jn der Schweiz gäben ange- sehenc, hochgestellte Beamte und Organisationen, durch sie angeregt, die Ilebel zu und kämpften dagegen; warum bei uns nicht so? Mit anerkennenswerter Offenheit legte der Referent auch die schweren Schäden dar, die die gewissen Inserate auf dem hier fraglichen Ge- biete in den Annoncenplantagen der bürgerlichen Presse hervor- rufen. Unter dem stürmischen Beifall der Versammlung verlangte er, dieser Presse müsse das soziale Gewissen geschärft werden. Seine Ausführungen gipfelten in der Forderung eines Auskiues des VormundschaftÄvesens und Regelung des Haltekinderwcsens; Vereinheitlichung von Pflcgestellen-Nachwciscn, Schaffung eines Netzes von Uebertvachungsstellen über das ganze Land, Ucber- wachung jener Annoncen. Der Korreferent, Ver w alt ungsdirektorDr. Blau m- Straßburg, berichtete über die Einrichtungen, die man in Straßburg zur Bekämpfung der von dem Vorredner angeführten Mißstände geschaffen habe. Dort ist durch das städtische Waisen- und Jugendfürsorgeamt die Vermittelung des Pflege- stellen- und Adoptionswcsens in die Hand genommen, und zwar für alle bevormundeten Kinder und alle unter Schutzaufsicht stehen- den gefährdeten Kinder und Jugendliche. Ferner muß zur An- nähme eines Kindes in fremde Pflege die polizeiliche Erlaubnis nachgesucht werden, die nur auf ein Gutachten des Waisenanites erteilt wird, wenn dieses die betreffende Person in gesundheitlicher und sittlicher Hinsicht einwandfrei hält. Endlich unterstehen alle in fremder Pflege gehaltenen Kinder, auch die ohne Entgelt unter- gebrachten und die ehelichen, bis zum zweiten Lebensjahre der waisenärztlichen Kontrolle, ebenso von Berufswaiseninspektorinnen. Diese Einrichtungen beständen jetzt 10 Jahre; Mißstände erheb- licher Art seien seitdem nicht mehr hervorgetreten. Den Beschluß der Tagung machten zwei Referate über die sozialhpgienischen Aufgaben der Aerzte im Zusammenhang mit der gesamten Jugendfürsorge. Die beiden Referenten, Dr. Lewandowski-Berlin und Sanitätsrat Dr. Sonnenberger-Worms, hatten gemeinsame Forderungen aufgestellt. Der Arzt müsse sich nach drei Richtungen hin bewähren, als Arzt, als Hhgieniker und als Lehrer der Gesundheit. Die Ausbildung der Aerzteschaft könne zurzeit allgemein noch nicht als ausreichend angesehen werden. Darum müßte auf den Universitäten besondere sozialhygicnische Jugendfürsorge gelehrt werden. Es fehlen Schulärzte noch in vielen kleineren Städten, in den meisten Landkreisen, an der Mehrzahl der höheren Schulen, an den Studienanstalten, den Fortbildungsschulen usw. Ferner ist die schwierige und brennende Frage der Behandlung der von den Schulärzten als krank oder hilfsbedürftig befundenen Schulkinder immer noch ungelöst. Auch sind die deutschen Kinderhorte ärztlich fast unversorgt. Die ärztliche Tätigkeit müsse dabei ein angemessenes Entgelt finden. Stadtschulrat Dr. Peters-Halle besprach die Erwerbstätigkeit der Schulkinder, die in seinem Bezirk sehr groß sei. Diese Tätigkeit ist für die Kinder nicht nur gesundheitlich von Nachteil, denn auch die Schul- leistungen müssen stark darunter leiden. Ein weiterer DiSkussions- redner Dr. F ü r st e n h e i m von M i ch e l st a d t bekannte offen. daß auf dem Lande der Arzt zumeist gar nicht die Zeit findet, sich auf dem Gebiete der Jugendfürsorge zu betätigen. Warum? Weil er Geld verdienen muß. Gibt es eine bessere Rechtfertigung un- serer Parteiforderung nach Verstaatlichung des Aerztewescns? Stadtverordneten- Versammlung. 28. Sitzung vom Donnerstag, den 2. Oktober 1913, nachmittags 5 Uhr. Borsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 6X Uhr. Zunächst erfolgt die E i n f ü h r u n g des an Stelle des gestern aus dem Amte geschiedenen Stadtrats Düring gewählten be- soldeten Stadtrats Karl L ö h n i n g, bisher zu Posen. Der Ober- b ü r g e r m e i st e r und sodann auch der S t a d t V e r o r d- netenvorsteher begrüßen das neue Magistratsmitglied. Jn den Ausschuß für die Vorlage wegen Bildung emer be- sonderen Verwaltungsstelle für die Angelegenheiten des Ä r b e i t s- Nachweises sind auch die Stadtv. Brückner, Glocke, Hintze, Ritter und Sassenbach(Soz.) deputiert; Sagen- bach ist stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses. Nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt ist zur Kennt- niSnahme die Magistratsvorlage wegen Veranstaltung einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig. Die Feier soll am 18. Oktober, nachmittags 2 Uhr, auf dem Kreuzberg stattfinoen und aus Gesang, Musik und �est- rede bestehen; die Versammlung wird ersucht, zehn Mitglieder zur Vorbereitung abzuordnen. Wie der V o r st e h e r mitteilt, soll diese Vorlage in der g e- Heimen Sitzung verhandelt werden.. Den Ankauf der Herrschast L a n k e für rund 20 Millionen Mark hat der niedergesetzte Ausschuß am Montag, den 22. Sep- tember, nach vier Stunden langer Beratung mit 13 gegen 2 Stimmen zur Genehmigung empfohlen. Das Referat erstattet Stadtv. Körte(Fr. Fr.). Eine Minorität im Ausschusse nahm an der Höhe des Kaufpreises(4400 M. pro Hektar) Anstoß und erhob wiederholt die Forderung, daß hinsichtlich der Preisfrage nochmals mit den Verkäufern verhandelt werden sollte. Außerdem bemängelte ein Teil des Ausschusses die große Entfernung Lankes von Berlin und die ungenügenden Verbindungen dahin, die dem Gros der Berliner Bevölkerung Ausslüge nach Lanke noch auf lange Zeit sehr erschweren würden. Alle diese Bedenken aber hat die überwiegendste Mehrheit als ausschlaggebend nicht anzuer- kennen vermocht.,, Oberbürgermeister Mermuth: Ich habe der aufrichtigsten Freude darüber Ausdruck zu geben, daß der Ausschuß mit so großer Mehrheit beschlossen hat. auf den Boden der Vorlage zu treten. Stimmt die Versammlung bei, so erwächst dem Magistrat die un- abweisbare Pflicht, die in der Herrschaft steckenden Werte alsbald fruchtbar zu machen, und zwar so. daß auch die finanziellen Ruck« sichten zu ihrem Rechte kommen. Auch meinerseits wiederhole ich, daß die Frage, ob näher au Berlin gelegene Guter oder GntSteile jetzt abzustoßen seien, ausgiebig geprüft und untersucht werden ivird. Es liegt nun die Erwartung sozusagen in der Luft, daß heute eine neue Debatte über die Steuererhöhung in Nieder-Barnim entspinnen wird. Was w i r darüber haben sagen können, ist früher gesagt worden; das weitere muß im Ver- anlagungsvcrfahren vorgebracht werden. Die inzwischen uns zu- teil gewordenen Gegenbemerkungen treffen, wie ich meine, den Kern der Sache nicht.(Sehr richtig!) Es ist erklärt worden, die Leiter des Kreises würden schlechte Geschäftsführer gewesen sein, wenn sie nicht auf die Nachricht von dem Ankauf Lankes hin die Erhöhung der Umsatzsteuer beschleunigt hätten. Darin beruht ja eben der Urgrund unserer Beschwerden; wir sind der Meinung, daß die Steuerhoheit nicht im Sinne eines Geschäftes geübt werden darf, bei welchem durch Sclbstzusassen ein Gewinn erzielt wird, son- dern im Sinne gleichmäßiger Gerechtigkeit für alle.(Lebhaftes Sehr richtig!) Die Steuergesetzgebung richtet sich auf die Zukunft; wir halten nicht für zulässig, sie in Bewegung zu setzen, um Rechts- akte zu erfassen, welche unter Zugrundelegung der bestehenden Steuer vollzogen worden sind und hier noch dazu so eminent dem Gemeindewohl dienen.(Wiederholte lebhafte Zustimmung.) Unsere Besorgnisse sind in der Richtung erfüllt und leider sogar noch übertroffen worden, daß der berlinische Besitz im Kreise Nieder- barnim von der Verwaltung dieses Kreises als eine Art unerfreu- licher Fremdkörper angesehen wird, daß weniger die ungeheuren Fortschritte Beachtung finden, welche der Kreis durch den Zu- sammenhang mit Berlin gemacht hat, als die kleinen Unebenheiten und Unbequemlichkeiten, welche die Ausstrahlungen der Großstadt für die traditionelle Verwaltung eines Kreises naturnotwendig bringen müssen. Es handelt sich um einen Verwaltungsbezirk, dessen näher an Berlin gelegene Grundstücke mindestens um das Zehn- bis Zwanzigsache im Werte gestiegen sind und dessen ferner gelegene Teile, wie der Vertrag mit Lanke beweist, auch schon von der Nachbarschaft Berlins einen recht achtbaren Nutzen haben. Es handelt sich um einen Bezirk, in den allein die Berliner Stadt- lasse Hunderte von Millionen hineingetragen hat; nach einer sehr niedrigen Berechnung sind es 240 Millionen, ein bescheidener Teil davon dürfte doch auch der Bevölkerung Niederbarnims zugute ge- kommen sein. Ein Verwaltungsbezirk solcher Art durfte nicht mit uns über wenige tausend Mark rechten, welche ihm vermeintlich durch die den großstädtischen Anforderungen entsprechende Ver- Wendung unseres Grundbesitzes entgangen sind. Daß ein uns so ungünstiger Gedankengang sich wiederspruchslos im Kreistage durchsetzen konnte, erklärt sich nur daraus, daß unsere Interessen in diesem Kreistage so gut wie gar nicht vertreten waren.(Zu- stimmuug.) Unser Grundbesitz beträgt mit Lanke ein Zehntel der ganzen Kreisfläche, trotzdem ist unter den 66 Mitgliedern des Kreistages bestenfalls ein einziges, welches die Wünsche Berlins und des Berliner Grundbesitzes vertreten könnte. Die Gerechtig- keit erfordert, daß über das Wohl und Wehe unseres gewaltigen Besitzes nicht entschieden werden sollte, ohne daß dieser Besitz selbst gebührend zum Wort und zur Geltung gelangt. Im Ausschuß des Groß-Berliner Zweckvcrbandes hat Berlin von 19 Vertretern nur 6, Niederbarnim aber 3 Mitglieder lHörtl hört!), obwohl der Kreis in der Bevölkerung um das Fünffache und in der Steuerkraft um das Zehnfache hinter Berlin zurücksteht. Auch im Plenum ist Niederbarnim in diesem Sinne weitaus Berlin überlegen. Wir hören ja gern die Verkündung, daß die Zeit kommen wird, wo die beiden Verwaltungen nicht gegeneinander, sondern Hand in Hand gehen werden; aber das Einvernehmen muß sich doch vollziehen bei gleicher Verteilung von Licht und Luft, und wir dürfen auch nicht mit sanfter Hand einer Entwickelung zugeführt werden, wo die Rechte des Bürgertums aufgehen in einen wohlmeinenden behörd» lichen Organismus. Lassen Sie uns durch einmütige Abfertigung der Vorlage kundtun, daß Berlin entschlossen ist, seine Stellung und seine Rechte zu behaupten und dadurch auch dem Wohle des Ganzen zu dienen. CLebhafter Beifall!) Stadtv. Cassel(A. L.): Nach dem Gange der Ausschutzberatung sind meine Freunde immer noch der Ansicht, daß der zu zahlende Preis ein außerordentlich hoher ist; ja, es will uns jetzt scheinen, als ob auch Schönwalde-Gorin früher schon zu teuer bezahlt worden ist. Eine Minorität von uns kann deshalb für die Vorlage nicht stimmen. Wir verkennen nicht, daß das Terrain geeignet ist, der Bevölkerung Berlins zu großem Nutzen zu gereichen, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Auf die Erleichterung der Wasserversorgung Berlins von Lanke her legen wir weniger Wert; die Hauptsache bleibt für uns die Möglichkeit, das Terrain durch teilweise Bebauung wertvoller zu gestalten und den Verkehr Berlins zur Erholung der Bevölkerung zu einem wesentlichen Teile dahin zu leiten. Das hängt nun ganz erheblich von guten und billigen Verbindungen mit Lanke ab. Wenn auch die Schwierigkeiten in dieser Beziehung noch nicht behoben sind, so nehmen wir doch an, daß früher oder später bessere Verbindungen nach Erwerbung dieses Besitzes für die Stadt geschaffen werden müssen. Wir geben auch zu, daß die Entwickelung Berlins nach Norden und Nordosten zu alle Förderung verdient. Endlich ist es auch ein fragwürdiges Unternehmen, bei einer Aktion von dieser Bedeutung dem"Magistrat in den Arm zu fallen. Die Rede des Landrats Dr. Busch zur Ver- teidigung des Vorgehens des Kreistages wird man im Ver- waltungsstreitverfahren in beträchtlichem Umfange gerade für die Berliner Interessen verwerten können.(Zustimmung.) Die Aeußerung auf dem Kreistage, daß der Kreis von Berlin bloß den Segen habe, daß das Berliner Gesindel da eindringe, genügt es wohl, niedriger zu hängen. Daß wir mit unserer Klage über den Kreistagsbeschluß und gegen die Selbstverwaltung versündigt hätten, ist ein leeres Schlagwort. Wir haben den Beschlutz be- kämpft, weil er eine Abweichung von der Gleichheit allervordem Gesetz statuiert. Auch in der Selbstverwaltung muß die Gerechtigkeit nach dem Spruche„Jedem das Seine!" auf- recht erhalten werden. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Wir stellen uns einmütig auf den Boden der Vorlage und stimmen ihr gern zu, nicht weil wir den Magistrat nicht im Stich lassen wollen, sondern weil wir finden, daß er damit durchaus auf dem richtigen Wege war. Die Opfer, die wir heute übernehmen, werden uns in der Zukunft sehr ge« dankt werden. Stadtv. Ladewig(N. L.): Mit einer einzigen Ausnahme stimmen wir der Vorlage zu. Obwohl der Preis exorbitant hoch ist, hoffen auch wir, daß uns die große Ausgabe, die jetzt gemacht werden muß, in der Zukunft reiche Früchte tragen wird. Stadtv. Bruns(Soz.): Wir stimmen der Vorlage einstimmig zu. Was den Beschluß des Kreistages betrifft, so habe ich zu konstatieren, daß meine Freunde in demselben die Erklärung ab« gegeben haben, sie würden für die betreffende Vorlage nicht ge« stimmt haben, wenn sie gewußt hätten, daß sie sich gegen Berlin wende... Die Vorlage wird hierauf fast einstimmig angenommen. Für eine große Anzahl von Rechnungen aus den Jahren 1909, 1910 und 1911 wird nach den Anträgen des RechnungsauS« schusseS Entlastung erteilt und von dem Abschluß deS Lager- b u ch s der Stadt Berlin für 1911 Kenntnis genommen. Mit sehr umfangreichen Erläuterungen hat der Magistrat der Versammlung jetzt das Bauprogramm und den Vorentwurf zum Neubau einer Heil- und Pflege statte Buch vorgelegt, die zur Aufnahme von Brusttranken(tuberkulösen lungen- und tehlkopfleidendeii Männern, Frauen und Kindern) dienen, die städtischen Krankenhäuser und Heimstätten entlasten und ergänzen und für 500, erweiterungsfähig bis zu 1000 Krankenbetten angelegt werden soll. Der Kostenüberschlag beläuft sich cmf 8)4 Millionen Mark. Stadtv. Dr. Weist(Soz.): Diese Vorlage erfüllt meine Freund« mit großer Genugtuung, denn sie bedeutet unter allen Umstanden einen Schritt vorwärts in der Richtung, unsere Stadt zu verge;und» heitlichen. Wir haben schon seit mehr als 20 Jahren die Forderung aufgestellt, Spezialkrankenhäuser für Tuberkulöse zu errichten; wir haben diese Anregung fort und fort gegeben und durch unablässig« Kritik die Stadt Berlin zu diesem Ziel hinzudrangen gesucht. ES bedurfte aber erst deS Eingreifens hervorragender Manner der Tuberknlofeforschung, eines Robert Koch, emeS Bernhard Frankel« bis die Sache tatkräftige Förderung erfuhr.(Der Vorsteher ersucht wiederholt um größere Ruhe.) In unseren öffentlichen Krankenhäusern sind die schwerkranken Tuberkulösen am allcr- schlechtesten aufgehoben; außerdem ist die Zeit des Platzmangels in unseren Krankenhäusern noch nicht entschwunden. Wird das Projekt verwirklicht, dann wird die Forderung„der Bazillenstreuer mutz isoliert werden" auf diesem Wege endlich erfüllt. Wir haben aber in Berlin noch viel zu tun, um die Tuberkulose als Volks- krankheit zu bekämpfen, wenn auch die Stadt durch ihre Einrich- tungen viel dazu beigetragen hat, daß in den letzten 20 Jahren die Zahl der Sterbefälle unter 10 000 von 30 auf 15 heruntergegangen ist.(Andauernde große Unruhe. Vorsteher: So können wir nicht weiter verhandeln; ich mutz unbedingt um Ruhe bitten; es sind auch Herren da, die etwas von dem Redner hören wollen!) Alle die mannigfachen Einrichtungen und Matznahmen, die gegenwärtig schon öffentlich und privat bestehen, werden erst dann insgesamt in den Dienst der großen Sache dieser Seuchen- bekämpfung einzubeziehen sein, wenn wir zu dem gelangen, was uns noch fehlt, zu einem me t h o d i s ch e n, s y st e m a t i s ch e n Vorgehen in dieser Richtung. Hier liegt eine sehr dankenswerte Aufgabe für den neuen Stadtmedizinalrat vor. Im einzelnen habe ich gegen die Vorschläge des Magistrats eine Reihe von Bedenken, die gründlich in einem Ausschutz erörtert werden müssen. Ich wundere mich, daß auch hier wieder die großen Krankensäle auf- tauchen. Einzelzimmer, Zimnier für eine kleine Anzahl von Kran- ken sind dringend nötig. Die Säle mit L0 Betten sind in der Deputation mit geringer Mehrheit zugestanden worden. Säle mit LO und mehr Betten sind aber in einem modernen Krankenhause für Tuberkulöse unerhört. Im Programm ist eine chirurgische Ab- teilung nicht vorgesehen; das verstehe ich nicht, bei 500 Kranken kann doch der Fall der Notwendigkeit eines chirurgischen Eingrifss nicht ausgeschlossen sein. Hoffentlich wird die weitere Beratung des Projekts im Ausschutz so beschleunigt, daß die Bauausführung bald in Angriff genommen werden kann.(Beifall bei den Sozial demokraten.) Stadtrat Selbcrg: Einer unserer hervorragendsten Sachver ständigen hat die Säle mit 20 Kranken für sehr geeignet erklärt. Das schließt, aber nicht aus, daß auch Einzelzimmer eingerichtet Werden. Stadtv. Cremer(St. L.): Wir wünschen Ausschutzberatung, hauptsächlich wegen der großen Kosten der Anlage. Stadtv. Prof. Lazarus(Fr. Fr.) hält gleichfalls Ausschutz- beratung für nötig. Die Vorlage wird einem Slusschutz von 15 Mitgliedern überwiesen. Der Petitionsausschutz ist über eine Petition der Freien Vereinigung des Privat- und Platz-Kohlen-Grotzhanüels in Berlin und Vororten um öffentliche Slusschreibung der Koksmengen der städtischen Gaswerke wiederholt zur Tagesordnung übergc- gangen. Im Ausschusse hat der Magistratsvertreter bemerkt, daß die Gasverwaltung den Kleinhandel niemals zugunsten der Groß- abnehmer benachteiligt habe, oatz die Kleinhändler sich aber den von der Verlvaltung zu stellenden Bedingungen oft nicht unter- werfen wollen oder können. Stadtv. Sassenbach(Soz.): Wir werden den Antrag auf Ueber- gang zur Tagesordnung annehmen, da wir durch die erhaltene Mitteilung zu der Ueberzeugung gelangt sind, daß oie Petition zum Teil von falschen Voraussetzungen ausgeht. Wir halten aber das Verlangen der Kleinhändler, bei der Abgabe von Koks berück- sichtigt zu werden, für durchaus berechtigt; man soll nicht durch Bevorzugung oer Großhändler die Kleinhändler zwingen, sich nach- her von oen Großhändlern die Preise diktieren zu lassen. Es liegt keine Veranlassung vor. einen Zwischengewinn zu begünstigen. Nach den Erklärungen der Verwaltung der Gaswerke besteht aber auch eine solche Vergünstigung nicht. Es darf also wohl erwartet werden, daß sowohl dem Bedürfnis der Kleinhändler als auch der kleinen Selbstverbraucher Entgegenkommen gezeigt wird und auch eine schnelle Abfertigung erfolgt. In der Petition heißt es, es be- stehen Bestrebungen, den Berliner Koksmartt zu mono- polisieren, und ihn in die Hände einer bestimmten Jnter- essengruppe zu bringen(Hört! hört!); es wird dabei der Name Stinnes genannt. Im Westen Deutschlands ist diese Firma mit den mit ihr in Verbindung stehenden auf dem Wege zur Mono- polisierung dieses Handels, und es laufen Gerüchte, daß auch von ihr Versuche gemacht worden sind, den Berliner Koksmarkt in die Hände zu bekommen. Es ist schwer, diesem Gerücht auf den Grund zu gehen; jedenfalls wird aber behauptet, daß diese Be- strebungen nicht allein auf die Monopolisierung des Kokshanoels hinauslaufen, sondern darüber hinaus der Plan greifbare Form angenommen hat, die Gaserzeugung selb st in die Hände einer Jnteressentengruppe zu bringen, bei der Stinnes irgendwo im Hintergrund steht. Ich will hier die Frage, was an diesen Gerücht-n Wahres ist, nicht anschneiden, ich möchte nur erklären, daß meine Freunde jeden Versuch, die Gas- erzeugung oder den Koksverbrauch in eine mehr oder minder große Abhängigkeit von Interessengruppen zu bringen, aufs schärfste be- kämpfen werden, da das weder im Interesse der Stadt noch der Bürgerschaft liegt.(Beifall.) Stadtrat Rast: Wir haben niemals die Kleinhändler zurück- gewiesen, sondern seit Jahren wie die Großhändler berücksichtigt. Voriges Jahr haben wir ca. 30 000 Tonnen Koks an die Klein- Händler abgegeben. Die Kleinhändler nehmen aber sehr viel Koks von außerhalb, aus Magdeburg, Hamburg usw., auch von den Vor- orten, sobald die nur ein paar Pfennige billiger sind als wir. Das ist bei den Großhändlern niemals der Fall gavesen. Was die Monopolisierungsversuche Stinnes' betrifft, so mutz ich auch das bestreiten, wenn auch die Absicht vielleicht bestanden hat.(Hört! hört!) Von einer Monopolisierung kann gar keine Rede sein. Stadtv. Hintze(Soz.): Das angeführte Quantum, was die Kleinhändler bekamen, ist Mir der zehnte Teil; an die Großhändler gingen 23 000 Waggons, nicht Tonnen. Unsere Kleinhändler kriegen waggonweise von der Gasvcrwaltung überhaupt nichts, höchstens 10 bis 20 Hektoliter, wenn soviel da ist; es ist auch vorgekommen, daß sie leer mit ihren Wagen wieder haben ab- fahren müssen, weil der gesamte vorrätige Koks in Waggons verladen war. Warum bezichen die Kleinhändler von außen? Weil sie in Berlin keinen Koks waggonweise bekommen können. Es ist soweit gekommen, daß dadurch oie Preise ganz enbrm ge- stiegen sind. Vor zwei Jahren kostete der Waggon 105,jetzt285 M.(Hört! hört!) Der Einzelpreis ist noch höher gestiegen, von 0,05 bis 1,60 M. pro Hektoliter. Die dem Klein- Handel gestellten Bedingungen sind für ihn unerfüllbar; selbst bei 1000 Waggons werden 25 000 M. Kaution verlangt! Die Klein- Händler haben sich vereinigt und versucht, diese 25 000 M. aufzubringen, aber es ist heute noch fraglich, ob sie selbst dann die 1000 Waggons kriegen, weil man den Grotzhändlern uno dem Syndikat den ganzen Vorrat in die Hände spielen will. Unsere Kleinhändler können als Steuerzahler mit Recht Berücksichtigung von der Stadt verlangen. Noch 1008 hatte sich eine Vereinigung von Kleinhänd- lern gebildet, welche 200 Waggons beziehen wollte; oa verlangte man 3500 M., heute aber 25 000 M. Kaution! Da kommt man unwillkürlich zu�der Meinung, daß eine solche Begünstigungsabsicht besteht. Das Syndikat uno die Großhändler haben zum Preise von 230 M. abgeschlossen; sie nehmen aber.285 M., das ist ein Pluö von 55 M. oder ein Nutzen von 20 Proz., und der ist g e- legt auf ein allernotwendigstes Verbrauchs- bedürfnis der Berliner Bevölkerung! Das ist ganz unerhört, da muß Remedur gesckmffen werden. Die Gasverwal- tung hat allein im letzten Jahr den Preis um 60 M. pro Waggon gesteigert: das macht pro Zentner 30 Pf., ebenfalls ein ganz un- erhörter Aufschlag. Die Nachbargemeinde Charlottenburg ist gegen den Berein der Kleinhändler weit entgegenkommender; sie hat ihm nur 3000 M. Kaution auferlegt und ihm dafür 150 000 Hektoliter anrantiert. Neukölln ist noch entgegenkommender, es verlangt überhaupt keine Kaution. Große Klage wird auch darüber geführt, »oft der Koks autzeroridentlich naß gehefert wird. Die Lieferungs- WwiHpmqen für di« Kleinhändler müssen unter allen Umständen geändert werden; Kautionen in der verlangten Höhe können Klein- Händler nicht aufbringen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtrat Rast- Ich muß ganz entschieden bestreiten, daß den Grotzhändlern der Koks in die Hände gespielt werden soll. Kein Kleinhändler wird zurückgewiesen, wenn er sich unseren Anord- nungcn fügt.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ja, das ist ganz selbstverständlich; Sie können ooch nicht Maßnahmen zu- Ungunsten der Großhändler verlangen, bei größeren Gasabnahmcn z. B. zeigen wir doch auch größeres Entgegenkommen, bis zu 20 Proz. Berlin nimmt doch auch nicht allein solche Kokspreise. Die Steinkohlen sind doch auch um so viel teurer geworden; wir zahlen in diesem Etat 2 Millionen mehr dafür als im Vorjahr. Unser Koks gilt auch allgemein als besser und ist daher auch immer eine Kleinigkeit teurer. Die Kleinhändler haben uns sehr oft im Stiche gelassen; die Großfirmen noch nie, oie sind nicht nach Magdeburg oder Hamburg gegangen, sobald sie ihn ein paar Pfennige billiger kriegen können. Kaution und Abfuhrbedingungen müssen die Klein- Händler innehalten; wir können nicht jedem Kleinhändler gestatten, nach Belieben.Koks abzufahren; das würde einen gar nicht zu be- wältigenden Wirrwarr ergeben. Stadtv. Sasscnbach: Von der Erklärung, daß eine Gefahr der Monopolisierung nicht vorliegt, nehme ich Notiz, betone aber, daß vor nicht allzu langer Zeit diese Gefahr tatsächlich bestanden hat. In der Deputation ist davon allerdings nicht die Rede gewesen. Wenn eine Sache in der Deputation zur Sprache kommt, ist es viel- fach schon zu spät.(Hört! hört!) c«a-r Der U ebergang zur Tagesordnung wird darauf beschlossen. Die Verwaltung der städtischen Lagerhalle am Hum- b o l d t h a f e n und des städtischen H a f e n s am U r b a n soll von der Verkehrsdeputation auf die zur Verwaltung des O st h a f e n s eingesetzte Hafendeputation übergehen. Die Versammlung stimmt zu..... Der spezielle Entwurf für den Erweiterungsbau der V. Realschule, Stephan st r. 1/2, Kostenanschlag 170 000 Mark, wird genehmigt. Für den M a g i st r a t soll ein d r i t t e s Automobil ange- kauft und von der Neuen Auwmobilgescllschaft in Oberschöneweide für 12 500 M. geliefert werden. Stadtv. Ullstein(Fr. Fr.) bittet, den Ausdruck„Magistrats- automobil" nicht allzu wörtlich zu nehmen, sondern das Automobil auch den beiden Vorstehern zur Verfügung zu stellen. Auf Antrag des Stado. Bamberg(A. L.), der u. a. auch die Bedürfnisfrage noch prüfen will, wird Ausschußberatung be- schlössen. Schluß der öffentlichen Sitzung nach �8 Uhr. Hua der partcü Wilhelm Gewehrs letzter Gang. Donnerstag vormittag wurde Wilhelm Gewehr in Elber- selb zur letzten Ruhe geleitet. Nachdem im Laufe des Mittwochs Tausende von Wuppertaler Proletariern an der im Volkshause aufgebahrten Leiche vorbeidefiliert waren, um das Angesicht des teuren Toten noch einmal zu sehen, fand am Donnerstagvorniittag die Leichenfeier statt. Fast alle Wahlvereine des Niederrheins hatten Trauerdelegationen entsandt. Unter frischen Blumen fast begraben, stand der geschlossene Sarg in der Mitte des Saales. Die Elberfelder Arbeitersänger eröffneten und schlössen die Trauer, feier mit einem weihevollen Gesänge. Namens der sozialdema kratischen Partei Elberfelds und Barmens sprach Genosse Ernst D r ö n e r einige Abschiedswort«. Reichstagsabgeordneter Haber land sprach namens des Niederrheinischen Agitationskomitees, und als Vertreter des Parteivorstandes hielt Genosse Ebert einen schmerzerfüllten Nachruf. Die Zahl der Leidtragenden im Traue* zuge war außerordentlich groß, trotz des ungünstigen Wetters und trotzdem die Beerdigung auf einen Wochentag gelegt war. Uni 10 Uhr vormittags nahm der Zug seinen Weg vom Volkshause durch Elberfeld, Barmen, Langerfeld, Schwelm, Milspe, Gevels- berg und Haspe nach Hamm. Gegen 5 Uhr nachmittag? traf der Zug im Krematorium zu Hamm ein. Vor der Einäscherung wurde die eigentliche Trauerfeier abgehalten, bei der die Depu- tationen dem Verstorbenen Worte tiefster Trauer widmeten. Die Organisationen zum Parteitag. In einer leidlich besuchten Versammlung nahmen die Ge- nassen in Altenburg Stellung zu den Beschlüssen des Partei- tageS. Parteisekretär Genosse S ch u h m a ch e r referierte. Er bezeichnete den Parteitag als einen der erfreulichsten, die wir bis- her gehabt haben. Mit den Beschlüssen, die gefaßt worden seien, habe die Partei gezeigt, daß sie geschlossen sei. Die Befürchtungen, die man an die ungenügende Zunahme der Mitgliedcrzahl im verflossenen Jahre geknüpft habe, treffen nicht zu. da die Partei ihre alte Werbekraft noch besitze. Ein besonderes Verdienst habe sich der Parteitag mit der Besprechung der Arbeitslosenfrage er- warben. Es müßten Staat, Gemeinde und Reich in dieser Frage vorwärts geschoben werden, darüber herrsche in Parteikreisen Ein- stimmigkeit. Nicht so beim Massenstreik. Jedoch sei zu bemerken, daß bei der Abstimmung darüber keineswegs eine scharfe Linie zwischen Revisionisten und Radikalen zu ziehen sei. Es sei jedoch nicht richtig, wenn man sage, die Massen warteten bloß darauf, daß sie losschlagen könnten; gewissenlos aber sei es, zu behaupten, die Organisationen ständen der Entwickelung im Wege. Not- wendig sei, die Organisation erst auszubauen. Der Parteitag habe also recht gehandelt, der Vorstandsresolution zuzustimmen. Ebenso erklärt der Redner die Annahme der Resolution Wurm in der Steuerfrage für richtig. Dieser Betzicht wurde ohne Diskussion entgegengenommen, womit ausgedrückt war, daß man mit den Beschlüssen einvtzr- standen ist. « Die Fortsetzung der Parteiversammlung im 16. sächsischen Reichstags W ahlkreise(Chemnitz) galt wiederum in der Hauptsache� der Kritik der Beschlüsie des Partei« tages, ganz besonders denen bezüglich der Masscnstreikfrage und der Radek-Angelegcnheit. Wieder standen zwei Anschauungen einander gegenüber; die eine Richtung fand keine Befriedigung mit der Erledigung dieser Fragen durch de» Parteitag, während die andere Richtung die Lösung und Erledigung dieser Fragen als der Silualion entsprechend günstig bezeichnete. Bezüglich der Massenstreikfrage soll dem Bedürfnis nach sachlicher Aussprache in den Bczirksvereinen Gelegenheit gegeben werden. Sonst wurden Beschlüsse nicht gefaßt. Roch einmal der Fall Brückner. Genosse Kopp- Göppingen veröffentlicht eine Erwiderung auf die Erklärung des Genossen Hildenbrand. Er hält darin namens der Mitglieder des vorjährigen Kreisvorstandes die Be- hauptung aufrecht, daß Genosse Hildenbrand auf dem Jenaer Parteitage über die Kandidatur Kinkel unwahre Behauptungen aufgestellt habe._ Gemeinderatswahlsieg. In den Gemeinberat von Neustadt in Odenwald(Hessen) wurden am 29. September vier Sozialdemokraten und ein Bürger- licher gewählt. Letzterer war Kandidat der sozialdemokraiischen Partei. Die Wahlbeteiligung war ungemein stark. Unsere Genossen erhielten die absolute Mehrheit der Waylberechrigien. Der Gemeinderat besteht nunmehr aus einer sozialdemokratischen Mehrheit. Das neue Heim der Hamburger Arbeiter wird in diesen Tagen eröffnet. Der groß« Bau am Besenbinder. Hof darf wähl als das größte Gewerkschaftshaus Deutschlands an- gesprochen werden. Im Jahre 1905 wurde der sogenannte Alt- bau mit einem Kostenaufwand von 1 500 000 M. errichtet. Nur zu bald stellte sich heraus, daß der Verkehr im Haus« auch die kühnsten Erwartungen übertraf, und Erweiterungspläne tauchten auf. Glücklicherwerfe waren diese durch weitsichtige Grundstücks- erwerbungen möglich. Im vorigen Jahre wurde mit dem An- und Umbau begonnen, der in diesen Tagen fertiggestellt ist. Aber- mals 1500 000 M. waren nötig, den neuen Bau zu vollenden. Mit den Kaufsummen für die Grundstücke kostet nunmehr das GeWerk- schaftshaus etwa 3 560 000 M. Die eigenartige Lage des Hauses an der Kante des Geest- rückens setzt Grundstückserwerbungen in der Tiefe des jetzigen Grundstückes natürliche Schranken. So kommt es, datz das Gc- werkschastshaus jetzt dem Beschauer m einer gewaltigen Front von 90 Metern gegenübersteht. Das ganze Grundstück ist 4390 Quadratmeter groß, die Räume umfassen etwa 13 000 Quadrat- meter nutzbare Fläche. Nicht eingerechnet ist dabei das„Hotel Gewerkschaftshaus", ein neben dem Gewcrkschaftshause liegendes Gebäude, das 14 helle, freundliche Hotelzimmer enthält. Auf die Herberge, die sich zum Unterschied von vielen anderen Städten ebenfalls an der Straßenfront erhebt, entfallen 890 Quadratmeter Raumflächc. Das Hauptgebäude weist unten Läden auf, in der ersten Etage sind kleinere Säle eingebaut, während die oberen Stockwerke Bureauzwecken dienen. Hinter und unter dem Haupt- gebäude liegt der große Saal, der mit seinen Nebenräumen 2600 Personen Platz bietet. Die Rcstaurationsräume sind zusammen 960 Quadratmeter groß, lieber dem Restaurant befindet sich in der ersten Etage das Cafe und hinter diesem, durch eine Wandel- halle lautdicht abgeschlossen, ein neuer Saal, der etwa 700 Per- sonen saßt. Der neue Saal, das Cafe und die Restaurants bieten allein 3000 bis 3500 Personen Platz. In der Slusstattung der neuen Räume darf sich das Gewerkschaftshaus neben den ersten Hamburger Lokalitäten sehen lassen; die Mehrzahl der Lokale wird es weit übertreffen. Auf gediegene Holzarbeiten ist das größte Gewicht gelegt. Das Hauptrestaurant weist Holzbildhauer- arbeiten auf, unter anderem einen großen Fries, die an sich dc>S Gewerkschaftshaus zu einer Sehenswürdigkeit machen. Im übri- gen ist das neue Haus mit allen Errungenschaften der modernen Technik verschen. In der ersten Etage ist ein Apparat für die Vorführung von Lichtbildern vorgesehen. Die Hamburger Arbeiter können auf ihre„SLaffenschmicdc", wie August Bebel 1906 bei der Einweihung den Bau tau�e, stolz sein, um so mehr, als das Gewerkschaftshaus zugleich ein mäch- tiger Zeuge des schnellen Wachstums und der Kraft der Arbeiter- bcwegung ist._ Die ungarische Sozialdemokratie. Aus B u d a p e st wird uns geschrieben: Der Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Partei« leitung Ungarns im Jahre 1912—13 wurde die vergangene Woche veröffentlicht. Aus dem Berichte gehl hervor, daß die großen politischen stürme und Erschütterungen, deren Schauplatz Ungarn war, die Kämpfe um die Wablreform das Wachstum der Sozial« demokratie befördert, ihr Ansehen gehoben, ihre Institutionen ge-> stärkt haben. Der größte Teil des Berichtes erstreckt sich auf diejenige Zeit, in welcher die hereinbrechende Wirtschaftskrise, verschärst durch die anhaltende Gefahr triegerischer Verwickelungen un, die Einberufungen der Reservisten, der Werbearbeit der Partei große Hindernisse in den Weg legten. Trotzdem ist ein erfreulicher Slufschwung auf allen Gebieten der Bcwegung zu verzeichnen. Die Gewerkschaften, die das Rückgrat. der Bewegung und die eigentliche Organisation der Partei geben, haben ihre Mitgliederzahl von 95 130 auf 111906 erhöht. Die Zahl der Parteisteuer zahlenden Mitglieder der Gewerkschaften stieg von 52 733 auf 59 623. Die wirliicbe Zu- nähme ist aber viel größer. Das Zcntralorgan der Partei „Röpsztiv!," erreicknc im Berichtsjahre seine höchste Auslage und warf seit seinem Bestände zum ersten Male einen Ueberschutz ab: es standen nämlich im Berichtsjahre 656 081 Kronen Auslagen 073 821 Kronen Einnahmen gegenüber. Die Einnahmen des Parteisekretariats betrugen im Borjahre 77 044 Kronen, im Berichts- jähre 98 778 Kronen. Auch die konsumgenossensckastliche Be- wegung zeigt das Bild einer gesunden und kräftigen Entwickelung. Die Mitgliederzahl wuchs von 10 265 in 1911 ans 22 447; der llmsatz erreichte den stattlichen Betrag von rund 3 Millionen Kronen, den 2 245 000 Kronen des Jahres 1911 gegenüber, was einer Zu- nähme von 34.9 Proz. entspricht. Die bisher ziemlich im argen daniederliegenden Zweige der Bewegungen der jugendlichen Slrbeiter und der Frauen haben einen vielversprechenden Auf- schwung genommen. Seit einem Jahre erscheint(Die Arbeiterini monatlich zweimal in 6000 und„Itju-namiidis''(Der jugendliche Arbeiter) monatlich einmal in 3100—3400 Exemplaren. Diese ganz jungen Organe sind in finanzieller Hinsicht schon aktiv. Die im VI. Jahrgange monatlich einmal erscheinende wissenschaftliche Zeit- schrift der Partei,„Szocializmus", weist dagegen noch immer ein Defizit von 2400 Kronen auf, Ivos zum großen Teil mit dem außerordentlich niedrigen Preise: drei Druckbogen monatlich für 40 Heller, zusammen- hängen mag. Die Gesamteinnahmen der Partei(Presse, nur die Zentralorgane in Budapest, Buchhandlung, Sekretariat) betrugen 907 070 Kronen, die Ausgaben 89 t 374 Kronen. Die entsprechenden Zahlen vor zehn Jahren sind 133 939 und 135 203. In diesen Zahlen spiegelt sich der gewaltige Aufschwung, den die Bewegung nach der Ueberwindung der ersten Hindernisse genommen hat. Das Straf- konto der Bewegung ist im Verhältnis zu der Zahl der angestrengten Prozesse sehr günstig, was durch die regierungsfeindliche Stimmung der Schwurgerichte zu erklären ist. Politische Prozesse endeten fast ausnahmslos mit der Freisprechung der Angeklagten. ES wurden zwölf Prozesse wegen Aufreizung, 177 wegen gewaltsamen Widerstandes gegen Behörden und Private, 39 wegen Verleumdung und Ehrenbeleidigung geführt. Tie verfügten Gesamtstrafen betrugen 24 Jahre 11 Monate, deren größter Teil in Gefängnis- und Zuchthausstrafen besteht. Die schon seit Jahren anhaltende Spannung, die stete Kampf- bereitschaft der Arbeiter, die fortwährenden Demonstrationen und Versammlungen, andererseits aber der verhältnismäßige Mangel an geeigneten Kräften standen einer planmäßigen und intensiven Bit- dungsarbeit hindernd im Wege. Es wurden zwar in allen Organi- sationen Vorträge gehalten, nian veranstaltete Vortragskurse, versuchte eö schon zweimal mit der Gründung einer Parteischule, aber es will in diesem Belange nicht ordentlich vorwärts kommen. Dies ist umso bedauerlicher, als durch die politische Situation gezwungen, die Partei an der Kooperation mit de» oppositionellen Parteien fest- halten muß. Da wäre eine intensive Bildungsarbeit, die die großen, den politischen Tageskampf überragenden Ziele des Sozialis- mus den Arbeitern vorführt, ihr Klassenbewußtsein schärft und sie auf den gegen alle Parteien und Klassen zu führenden, notwendig kommenden Kampf vorbereitet, doppelt notwendig. ES wird eine der wichtigsten Aufgaben des kommenden Parteitages fein, die Mmel zu suchen, mit deren Hilfe da ordentlich Wandel geschaffen werden kann._ Erklärung. In Nr. 257 de».Vorwärts' beschäftigt sich der Genosse Wels in einer Erklärung gegenüber dem Genossen Schwarz- burger auch mit meiner Person. Wenngleich mein Name nicht ge- nannt wurde, so ist doch aus dem Inhalt klar ersichtlich, daß nur der Unterzeichnete gemeint sein kann. Hierzu will ich bemerken, daß während der Zeit, wo ich dem Parteivorstand angehörte, ich auch überall da. wo ich denselben nach außenhin vertrat, wie beispiels- weise auf Bezirksparteitagen usw., stets die Beschlüsse des Parteivorstandes gedeckt habe. Anders jedoch auf dem Parteitage der Gesamtpartei. Dieser bat als die höchste Instanz der Partei über die taktischen Maßnahmen so- wohl wie prinzipiellen Richtlinien zu entscheiden. Bei dieser Tagung halte ich es nicht nur für das Recht, sondern auch die Pflicht jedes zur Teilnahme Berechtigten, so abzustimmen, wie er es nach reiflicher Prüfung zum Besten der Gesamtpartei für notwendig hälr. Auf dem Parteitag soll und wird nicht nach Körperschaften abgestimmt, sondern nach der freien Ueberzengung jede» Teilnehmers. Diese meine Auffassung wird auch unterstützt durch das Verhalten unterer alten Vorkämpfer Bebel, Liebknecht, Auer und Singer, welche wiederholt auf Parteitagen nicht nur verschieden gestimmt. sondern auch rednerisch ihre von einander abweichenden Auf- fassungen mit aller Entschiedenheit vertreten haben, wie dies & B. in der Agrarfrage und der Beteiligung an den preutzi- schen Landtagswahlen der Fall war und in den in Frage kommenden Parleitagsprotokollen nachzulesen ist. Ferner will ich bemerken, daß ich diese durch meine Abstimmung auf dem Parteitag bekundete Stellungnahme auch bereits vorher im Parteivorstand vertreten und dort auch meine oben skizzierte Anschauung klargelegt habe. Auf die in der Nr. 255 vom Genossen Wels unter meiner direkten Namensnennung erfolgte Erklärung besonders einzugehen, halte ich nicht für notwendig, da alle Genossen, die das Vergnügen haben. Wels zu kennen, wissen, daß diese Schreibweise mit solchen Ausdrücken eben ganz Wels ist. Zum Schluß möchte ich der Hoff- nung Ausdruck geben, daß der radikale Wels in Zukunft stets von den R e v i s i o n i st e n als, st u b e n r e i n � augesehen wird. Paul Brühl. /Ziis Induftm und Ftendd. Die Zolltarifreform. Washington, 2. Oktober. Die demokratische Parteiver- sammlung erklärte sich gestern abend init der Tarifvorlage in der Form des Berichtes des gemeinsamen Ausschusses beider Häuser einverstanden und beschloß, die Frage der Be- steuerung von Termingeschäften in Baumwolle später zu er- ledigen._ Erhöhung des Bankzinsfußes. Während bei uns in Deutschland eine Ermäßigung des(zurzeit K Prozent betragenden) Zinsfußes der Reichsbank gefordert wird. hat das englische Zentralnoteninstitut eine Erhöhung des Zinsfußes vorgenommen. Die Bank von England hat am Donnerstag ihren Diskontsatz(den Zinsfuß für die Beleihung von Wechseln) von 4�/z auf 5 Prozent erhöbt. Die mit der vor- läufigen Erledigung der Balkankrisis erhoffte Geldverbilligung ist also nicht eingetreten. Vielmehr haben die starken Geldansprüche eine weitere Verteuerung hervorgerufen. Diskonterhöhungen werden gerade im Herbst nötig, weil die Banken zu dieser Zeit be- sonders durch Geldforderungen zur Finanzierung des Erntegeschäfts in Anspruch genommen werden. So sind in den letzten Tagen große Goldexporte von England nach Aegypten gegangen, weil dort die Baumwollernte vollendet und die Verkäufer durch Bargeld be- friedigt werden müssen, während die Käufer(Großhändler und Baum» Wollexporteure) ihre Geldbedürfnisse auf dem Kredilwege bei den Banken und der.Bank von England' befriedigen. Auch die Inanspruchnahme der Deutschen Reichsbank ist in der vergangenen Woche ganz erheblich gestiegen. Während ihr Goldbestand gegen die Borwoche um 36'/e Millionen zurück- ging, stieg der Bestand an Wechseln, für die die Bank Geld(Bargeld und Noten) hergeben mußte, um 537�/, Millionen. Der Notenumlauf (der von der Bank eingeräumte Kredit) erhöhte sich um fast 668 Millionen. Auch hier erklärt sich die Steigerung der Kredit« inanspruchnahme durch die Geldbedürfnisse für den Verkauf der Ernte und die besonderen Ansprüche an jedem Ouartalsersten(Ge- haltSzahlungen, Ausgleich der Spekulationsgewinne usw.). Eine neue Lampe. Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft und die Deutsche Gasglühlichtgesellschaft(Auer) haben am 1. Oktober eine neue Lampe herausgebracht, die nur Walt pro Kerze Strom ver- braucht gegen ein früheres Minimum von 6,9 Watt. Diese Lampe wird zunächst nur hochkerzig fabriziert, für Stärken von 660 bis 3666 Kerzen. Sie ist die bisher schärfste Konkurrentin der Bogen- lampen mit Kohlenstift, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sie die Bogenlampen verdrängt. Auch die Siemenswerke werden die Lampe an den Markt bringen, und die A. E.-G., Auer und Siemens werden nach der zwischen ihnen bestehenden Glühlampenverabredung in wichtigen Punkten auf gemeinsamer Basis vorgeben. Die drei Unternehmungen haben dasselbe Patent erworben und arbeiten ihre Lampen im Rahnren dieses Patentes individuell. Die Lampe der einen Gesellschaft ist also in den Grundzügen wie die der anderen beiden Unternehmungen, nur die Ausstattungen weichen von einander ab. DaS ist auch insofern interessant, als man daraus ersieht, daß auf dem Markte der elektrischen Glühlampen nicht ein freier Wett« bewerb herrscht. Zusammengetan haben sich nur die Grobfirmen, was für die kleinen Firmen eine schwere Bedrückung bedeutet. Doch ein Zementsyndikat. Gestern meldeten die Interessenten, daß die Verhandlungen zur Erneuerung des Rheinisch-Westfälischen Zementsyndikats endgültig abgebrochen seien. Heute liegt nun eine Nachricht vor, daß die beteiligten Werke in Verhandlungen ein- getreten seien. Die beschlossene und am 1. d. Mts. eingetretene Erlaubnis zum freien Verkauf soll schleunigst wieder rückgängig ge- macht werden. Neue Preisermäßigung in der Eisenindustrie. Die General- Versammlung des Walzdrahtverbandes hat beschlossen, den Preis für Flußeisemvalzdraht um S M. pro Tonne für das viert« Quartal herunterzusetzen und den Verkauf für das erste Quartal 1914 zum gleichen Preise aufzunehmen. Urber dir Entwickelung der japanischen Baumwollindustrie enthält ein Bericht des deutschen Generalkonsulats in Aokohama interessante Angaben: In der Deckung seine« Bedarfes an Baumwolle ist Japan ganz vom Auslande abhängig, doch werden die Bemühungen, Baum- wolle in den neujapanischen Gebietsteilen zu ziehen, eifrig fortgesetzt. Die Baumwollspinnerei blühte im vergangenen Jahre lebhaft auf. Nach den Angaben des japanischen Ackerbau- und Handels- Ministeriums wurden 27 Millionen Mark in Neugründungen und 22,6 Millionen Mark in alten Unternehmungen der Spinnerei- industrie im Jahre 1912 angelegt. Der japanische Baumwollspinner- verband veröffentlicht eine Aufstellung füe die zweite Hälfte deS JahreS 1912, nach der der R e i n v e r d i e n st der 24 japanischen Spinnereigesellschaften trotz besonders hoher Abschreibungen, Reserve- Überweisungen und Vorträgen 18,7 Millionen Mark betrug, gewiß ein außerordentlich günstiges Resultat für eine Industrie, deren ein- gezahltes Kapital zu 141 Millionen Mark, Reservefonds zu 53,2 Millionen Mark und Anleihen zu 41,9 Millionen Mark angegeben werden, was einer Verzinsung des investierten Kapitals von 15 Pro z. entspricht. Fast alle Spinnereien konnten daher außer der üblichen hoben Dividende noch eine Spezialdividende verteilen, so die Kanega- fuchi im ganzen 16 Proz., die Nippon 14 Proz., die Osaka 12 Proz., die Fukushima 24 Proz. und die Settsu- und Amagasaki sogar je 36 Proz. Die guten pekuniären Erfolge sind vor allem der reich- lichen Baumwollernte in Amerika, die die Preise für Roh- baumwolle niedrig hielt, sowie der Kauflust Chinas für Garne und Baumwollwaren zu verdanken, von wo mit dem wachsenden Ver- trauen auf den Bestand leidlich geordneter Verhältnisse auch deS- halb zahlreiche Aufträge kamen, weil aus dem politisch unruhigen Vorjahre nur sehr geringe Bestände übernommen worden waren. Ein Teil der Ausfuhr gelangte sogar nach Europa; so gingen nach Deutschland für 63 666 M. gekreppte Baumwollgcwebe und für 31 866 M. gewirkte Unterzeuge. Wenn die japanischen Baumwoll- exportwaren auch nicht an Aussehen und Haltbarkeit mit europäischen und amerikanischen Erzeugnissen konkurrieren können, so dürste doch der Vorwurf, den kürzlich ein japanischer Sachverständiger seinen Landsleuten machte, japanische Jndustrieerzeugniffe für den Export seien so schlecht, daß jeder, der sie einmal gekauft habe, nicht zum zweitenmal darauf hereinfiele, im allgemeinen und auch fiir die Baumwollwaren übertrieben sein oder nur auf einer nicht zu verallgemeinernden Einzelbeobachtung beruhen. Auf dem ostasiatischen Markte findet das Allerbilligste wohl immer noch einen Käufer, andererseits aber bildet sich Japan an diesen geringwertigen Massenerzeugnissen, die es nach China abstoßen kann, einen Ar- b e i t e r st a n d in der Textilindustrie heran, mit dem später Besseres geleistet werden kann. Bei dem gegenwärtigen Stande der japanischen Textilindustrie müssen die Bedürfnisse der wohl- habenden Kreise Japans allerdings in der Hauptsache noch vom Auslande befriedigt werden. GencKts- Zeitung. Sagen Sie Ihrer Streikleitung, daß sie bestochen ist. Mit diesen Worten empfing der Stuckmeister Heine« mann die früher bei ihm beschäftigten Arbeiter, als diese während des Streiks und der Aussperrung im April dieses Jahres ihren Lohn holen wollten. Im April streikten die Berliner Stukkateure. Im BoardinghauS am Kurfürstendamm wurden die Arbeiten von einer Breslauer Firma, die die Forderungen der Arbeiter bewilligt hatte, weiter- geführt. Heinemann hatte in dem genannten Hause Rabitz- arbeiten auszuführen. Da der Verdacht bestand, daß es Streikarbeit sein könnte, stellten die Arbeiter die Arbeit ein. Heinemann sperrte daraufhin sein gesamtes Arbeiterpersonal aus. Als nun am Sonnabend die Arbeiter ihr Geld holten, redete er ihnen zu, doch wieder zu arbeiten, die Streikleitung sei bestochen und erhalte pro Mann und Tag 7 Mark, darunr dürfe bei der Breslauer Firma weiter gearbeitet werden. Als die Arbeiter fragten, ob er dies auftecht erhalten wolle, erklärte Heinemann ausdrücklich, daß er das nicht nur aufrecht erhalten, sondern auch dafür ein- stehen werde. Man solle ihn verklagen. Er habe für seine Be- hauptungen Zeugen und Beweise. Dies löste unter den Arbeitern begreiflicherweise große Erregung aus. Die Streikleitung wurde unverzüglich in Kenntnis gesetzt. Deren Mitglieder WengelS, Dietrich, Kopisch, Fuchs und Peterson klagten hierauf gegen Heinemann. DaS Schöffengericht billigte dem Beklagten den Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches zu und sprach ihn frei. Hiergegen legten die Kläger Berufung ein. Das Landgericht verurteilte den Beklagten zu 36 Mark wegen Beleidigung. In der Begründung wurde ausgeführt, daß er nicht in Wahrung seiner Interessen ge- handelt haben könne, da er ja sämtliche Arbeiter und zwar auch die auf anderen Bauten beschäftigten aussperrte. Aus Re- Vision Heinemanns gegen dies Urteil hob das Kammergericht das Urteil auf und wie? die Sache an eine andere Straf- kammer zurück, da mit Unrecht der Schutz des§ 193 dem Be- klagten nicht zugebilligt zu sein schien. In vierter Instanz hatte sich nun die vierte Straf- kammer des Landgerichts HI mit der Sache zu befassen. Ein vom Vorsitzenden angeregter Vergleich kam nicht zustande, da Wengels im Namen der Mitkläger erNärte, daß nur eine rück- haltlose Ehrenerklärung des Beklagten einen Vergleich ermöglichen würde. Es erklärte der Beklagte: Er habe nicht die Absicht gehabt, von den Klägern zu behaupten, daß sie als Einzelpersonen materielle Vorteile erhalten und angenommen hätten, vielmehr habe er nur zum Ausdruck bringen wollen, daß der Streikkasse, für die er die Bezeichnung Streikleitung gebraucht habe, laufende Geld- Unterstützungen von interessierter Seite zugewendet worden seien. UebrigenS sei er sehr erregt gewesen und im Verkehr mit Arbeitern lege man nicht jedes Wort auf die Goldwage. Die Kläger legten dar, daß sie der Ansicht seien, der An- geklagte habe sie mit Absicht beleidigen und vor ihren Kollegen diskreditieren wollen. Aber selbst wenn Heinemann nur gesagt haben wollte, das Komitee sei bestochen zuungunsten der streikenden Arbeiter, so sei das noch ein viel schwererer Vorwurf. Von den vernommenen Zeugen konnte keiner irgend etwas von einer direkten oder indirekten Zuwendung an die Kläger oder an die Verbandskasse bekunden. Der Direktor des BoardinghauseS erklärte, infolge des Streiks hätten die Herstellungskosten sich um etwa 45 666 M. erhöht. Der Vertreter der Kläger, Rechtsanwalt Dr. Herz- feld führte aus: Heinemann wollte bloß Zwiespalt schaffen und Mißtrauen unter die Arbeiter säen. Es könne ihm auch nicht darum zu tun gewesen sein, daß die Arbeit aufgenommen werde, denn er habe ja selbst, und zwar auch die nichtbeteiligten Arbeiter, aus- gesperrt. Der Zweck seiner Aeußerung konnte nur sein, die Streit- leitung zu verdächtigen, um dtn Kampf für die Unternehmer zu ge- Winnen. Von Anwendung des 8 193 könne deshalb keine Rede sein. Er beantrage Bestrafung. Rechtsanwalt Dr. D e t e r t plädierte als Verteidiger des Be- klagten auf F re i s p r e ch u n g. Unter den Arbeitern seien wilde Gerüchte umhergegangen, daß die Streikleitung Vorteile habe, wes- halb die Breslauer Firma arbeiten könne. Heinemann habe dieses Gerücht nur weiter gegeben in der Absicht, daß die Arbeit wieder aufgenommen werden sollte. Man befand sich im Kampf, darum müsse ihm der ß 193 zugebilligt werden. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Das Gericht habe nicht angenommen, daß der Beklagte Heinemann den Privat- klägern habe nachsagen wollen, sie hätten persönliche Borteile er- halten. Hierzu fehle jeder Anhalt. Vielmehr habe er nur sagen wollen, daß der Streikleitung, die für ihn gleichbedeutend wie Streik lasse sei, Vorteile zugeflossen seien. Damit sei ja wohl auck, eine gewisse Unehrlichkeit gemeint. Doch sei damit gemeint, daß dieselbe zugunsten der Kasse der Streikenden vorgenommen worden sei. Der Beklagte habe sich aus Gerüchte gestützt. Daß etwas daran wahr wäre, habe die Verhandlung frei- lich nicht ergeben. Vielmehr sei festgestellt, daß von der Streikleitung weder direkt noch indirekt eine Pflicht- widrige Handlungsweise in Betracht kommen könne. Dem Beklagten sei es darum zu tun gewesen, daß die Arbeit wieder aufgenommen werde. Er habe damit seine eigenen Interessen vertreten. ES frage sich num ob dieses Interesse das größere war, oder das Interesse der Kläger. Das Gericht habe sich auf den Standpunkt gestellt, daß das Interesse des Beklagten übetwogen habe. Die angewendete Form von Bestechen sei ein ganz ungeeignetes Wort, aber der Beklagte habe es nicht absichtlich gewählt, sondern sich nur im Aus- druck vergriffen. DaS Gericht habe dem Beklagten deshalb den Z 193 zu gute gehalten. Eine recht weitgehende Zubilligung deS Schutzes berechtigter Interessen. Zu ihr steht in schroffstem Widerspruch die hohe Ver- urteilung von st reitenden Arbeitern, die aus Anlaß des Streits und zur Wahrnehmung berechtigter Interessen sich zu formalen Beleidigungen hinreißen lassen. Schutz gegen Kritiker. Ist eine Sache gut, so schützt sie sich selbst und hält bor der derbsten Kritik stand. Taugt sie nichts, so läuft der über eine tadelnde Kritik Verschnupfte zum Kadi. An diese bekannre Er- scheinung erinnerte eine gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Milte angestrengte Klage. Im Mittelpunkte des Prozesses stand die vom Bunde der Land- Wirte eingerichtete.Prämiens parkasse für Land» a r b e i t e r, Dienstboten und Angestellte'. Die Beleidigungsklage war von dem Oberbürgermeister a. D. Wadehn an- gestrengt und richtete sich gegen den Redakteur der Zeitschrift„Der Landarbeiter", Fritz Faaß. Der Kläger ist Mitglied des Bundes der Landwirte und der geistige Vater und Leiter der genannten Prämien- sparkasse, der Angellagte ist Vorstandsmitglied des 26666 Mitglieder umfassenden Landarbeilerverbandes. Als das Statut der Prämien- sparkaste in einem der„Deutschen Tageszeitung' beigelegten und in einem Artikel der„Deutschen Tageszeitung" näher erläuterten Prospekt bekannt gegeben worden war, knüpfte sich an das Unter- nehmen in verschiedenen Blättern eine Kritik. Auch der„Land- arbeiter' widmete dieser eigenartigen Schöpfung des Bundes der Landwirte mit Recht einen sehr absprechenden kritischen Artikel, öcr unter der Ueberschrift.Sparkassenschwindel der Agrarier' erschien. Das wurmte den Kläger und er erhob Klage wegen—„wissentlicher Verleumdung'. Für den Angeklagten bestritt Rechtsanwalt Dr. S. R o s e n f e l d die Aktivlegitimation des Privatklägers. Die Bezeichnung.Agrarier' sei ein Kollektivbegriff, der ebensowenig individuell faßbar sei, wie wenn bei Angriffen gegen die„Juden", das„Bürgertum" u. dergl. nicht jeder einzelne dieser Kreise als aktiv legitimiert zur Anstrengung einer Beleidigungsklage erachtet werden könne. Der Verteidiger zergliederte des längeren die einzelnen Bestimmungen des Statuts, um nachzuweisen, daß die B e h a u p t u n g, es handle sich um ein „gemeinnütziges Unternehmen des Bundes der Landwirte', falsch fei, daß nicht gemeinnützige, sondern eigensüchtige Jnter- essen der Agrarier verfolgt und unter dem Deck- mantel der Gemeinnützigkeit die Arbeiter zum Beilritt überredet würden, um ihn für die Jahre seines Lebens an seinen Arbeitgeber zu fesseln. Die schärfste Kritik gegen die Bestimmungen des Statuts sei in dem Organ des Landarbeiterverbandes dringend geboten gewesen. Deshalb stehe dem Angeklagten der Schutz des § 193 zur Seite, denn seine Kritik habe sich durchaus sachlich gehalten. Das Gericht kam zur Verurteilung des Angeklagten aus folgenden Gesichtspunkten: Die Aktivlegitimation des Privat- klägerS liege vor, denn dieser sei Vorstandsmitglied des Bundes der Landwirte und Leiter und treibende Kraft der Prämien- sparkasse. 8 193 Str.-G.-B. sei dem Angeklagten an sich zugebilligt, denn er vertrete eine Organisation, die in erbittertem Kampfe mit der„Deutschen Tageszeitung' und dem Bunde der Landwirte stehe. V e rl e u m d e ri s ch e Beleidigung liege n i ch t vor. Er habe die Dinge von seinem Parteistandpunkte betrachtet, aber leichtfertig ge- handelt, indem er nur die Statuten und nicht den erörternden Ar- tikel der„Deutschen Tageszlg.' vor Ausübung seiner Kritik las. Die gebrauchten Ausdrücke lassen die Absicht der Beleidigung erkennen, doch habe das Gericht berücksichtigt, daß es sich um einen parteipolitischen Kampf handle und das Organ des Angeklagten ein Lesepublikum habe, das kräftige Ausdrücke gewöhnt fei. Der Gerichtshof habe deshalb auf 56 Mark Geldstrafe erkannt und dem Privatkläger die Publikationsbefugnis in der„D. TageSztg.' und dem„Landarbeiter" zugesprochen. Mit der nicht vollen Zubilligung des Schutzes des 8 193 des Strafgesetzbuches in diesem Falle vergleiche man den vorstehenden Fall. Dort handelt es sich um ein vermeintliches Interesse eines Arbeit g e b e r s, hier um die dringend erforderliche Wahrnehmung deS Interesses von Landarbeitern. Straßenraub»der Diebstahl au« Not? Der er st«Fall, daß auch von den Geschworene» die Novelle zum Strafgesetz in Anwendung ge« bracht wird, trug sich in der gestrigen Sitzung des Schwur- gerichts des Landgerichts I zu, welches gegen den früheren Gerichts- diener Sebastian M ä tz l e r eine Anklage wegen Straßenraubes zu verhandeln hatte. Der Angeklagte, dem überall das Zeugnis eines fleißigen und nüchternen Menschen ausgestellt wird, ist von den Stürmen deS Lebens schon hart angefaßt worden. Er hat zehn Jahre beim Militär gedient und ist als Invalide entlassen worden. Mit Hilfe des Zivilversorgungsscheins fand er eine An- stellung als G e r r ch t s d i e n e r bei dem Landgericht in Lissa, wo er sich verheiratete. Eheunglück veranlaßte ihn, nach Frankfurt a. M. zu flüchten. Dort erhielt er eine Stellung als Postbote. Diese gab er auf, als seine Frau seinen Aufenthaltsort entdeckt hatte. Der Angeklagte kam dann nach Berlin, wo er als G c l e g e n h e i t s- arbeiter. Kontorbote usw. sein Leben ftistete. Da er auf eine Anstellung als Krankenpfleger in dem Lazarett des IX. Armeekorps in Altona hoffen konnte, glaubte er sich wieder auf längere Zeit geborgen. Als er jedoch plötzlich seine Stellung bei einer hiesigen Baufirma verlor, die Einberufung nach Altona sich verzögerte, saß der Angeklagte längere Zeit in Berlin fest, so daß er auch das zu der Fahrt nach Altona bestimmte Geld verbrauchen mußte. Völlig n, ittellos und hungernd wanderte er durch die Straßen Berlins. Plötzlich sah er an der Straßenbahn- Haltestelle am Stettiner Bahnhof eine Dame stehen, die sorglos ein kleines silbernes Täschchen in der Hand hielt, durch dessen Maschen einige Talerstücke durchschimmerten. Die Versuchung, sich durch einen schnellen Griff von aller Rot zu befreien, war zu stark! mit einem schwachen Ruck hatte er der Dame das Täschchen entrissen. In demselben Augenblick war es aber auch mit seiner Kraft vorbei, er blieb ruhig stehen und ließ sich fest- nehmen. Nach fünfmonatiger Untersuchungshaft mußte sich M. nun gestern als 2 tr a ß e n r ä u b e r vor den Geschworenen verantworten. Der Staatsanwalt trat für Bejahung der Schuldftage nach schwerem Raub unter Zubilligung mildernder Um- stände ein, während Rechtsanwalt Dr. Walter Fränkel den Geschworenen nahelegte, nur die Frage nach Diebstahl zu be- jähen, da vost der Anwendung einer wirklichen Gewalt im Sinne des Raubparagraphen hier nicht die Rede sein könne. Ferner bat er, den 8 243» der Novelle zum Strafgesetz in Anwendung zu bringen, nach welchem ein in der Not begangener Diebstahl an gering- wertigen Gegenstände» mit Geldstrafe oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten zu bestrafen sei. Die Geschworenen bejahten nur die Frage nach Diebstahl im Sinne des genannten 8 248». Das Gericht erkannte auf z w e i M o n a t e G e s ä n g n i s. die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Außerdem wurde der Angellagte sofort auf freien Fuß gesetzt. Ei» Webcrprozeß. Ein Beleidigungsprozeß gegen den Schriftsteller A. O. Weber, der über 2>/, Jahre gedauert hat, ist am Mittwoch vor dem Schöffen- gericht Charloltenburg endlich zum Abschluß gekommen. Der An- geklagte hatte in dem bekannten Prozeß des Redakteurs der„Königs- berger Hartungschen Zeitung" behauptet, daß der damalige Theater- kritiker und Redakteur am Feuilleton der„Post" und „National-Zeitung", Dr. jur. Hugo Äussack, einen Schmähartikcl gegen ihn beabsichtiht habe, der deshalb nicht erschienen sei, weil A. O. Weber der„Post" Jnseratenaufträge gegeben hätte. Der Staatsanwalt erhob wegen öffentlicher Beleidigung Anklage, der sich Dr. Russack als Nebenkläger anschloß. Da««erfahren zog fich so außerordentlich in die Länge, da der Angeklagte die Vorsitzenden Richter wiederholt wegen Befangenheit ablehnte. In der jetzt stattgekundenen Verhandlung wurde durch die Zeugen festgestellt, daß Dr. Russack niemals einen Artikel gegen A. O. Weber zu bringen beabsichtigt hat und außerdem von den Inseraten, an denen er als Redakteur auch nicht das geringste Interesse haben konnte» nicht einmal Kenntnis gehabt hatte.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Beleidigung kostenpfluchttg z» Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für de» ____________ o___ � �_______________ 100 M. Geldstrafe________ JnjerateateU derantw.: Xh. Gl»««.»erlin. Druck n«erlag: vorwart» wuchdruckere» u. Verlagsanstalt Kaul Singer»So, Verli» Ar. 258. 30. Jahrgang. 2. Ktilaze des Jormirts" fnliitct pollislilall FreAag, 3. Oktober 1913. volkzlchullssten- klusgleich von Groß'föerlin. Die kommunale Zerrissenheit Grotz-Berlins hat auf den der- fchiedensten Gebieten zu recht unerquicklichen Verhältnissen zwischen den einzelnen Gemeinden geführt. Soweit es sich um das Verkehrs- Wesen, um Erhaltung von Wald- und Wiesenflächen, um Schaffung einheitlicher Bebauungspläne handelt, haben die staatlichen Behörden unter besonderer Berücksichtigung fiskalischer Interessen den Zweck- verband geschaffen. Die Frage einer Regelung des Armen- und Schulwesens für Grofi-Berlin ist bei dieser Gelegenheit ausgeschaltet worden, obwohl gerade diese Angelegenheiten von großer deutung für die Groß- Berliner Gemeinden sind. Soweit das Schulwesen in Betracht kommt, liegen sich die einzelnen Gemeinden, insbesondere Berlin mit Lichtenberg Weißensec, Neukölln, Rummelsburg und Reinickendorf seit Jahren in den Haaren. Die Prozesse wollen kein Ende nehmen. Jetzt wird berichtet, daß eine Novelle zum Kommunalabgabengesetz dem Land- tag zugehen wird, in welcher die verschiedenartige Belastung durch das Bolksschulwesen in einem Z 53a geregelt werden soll, aber nur für einheitliche Wirtschaftsgebiete mit gemeinsamen Verkehrs- und Geschäftsbeziehungen. Auf Groß-Berlin wird also dieses neue Gesetz Anwendung finden. In der„Vosstschen Zeitung" vom 2. Oktober macht Beigeordneter Dr. Kühn in Oberschöneweide über diese Novelle einige Angaben mit einigen Berechnungen, die der Verfasser selber aufgemacht hat. In diesen Auslassungen heißt es u. a.: „Die Begründung zur Novelle führt unter anderem aus, daß die Verhältnisse im ganzen Staate nach diesem Ausgleich drängen, daß aber eine Abhilfe ganz besonders dringend ist, wenn inner- halb eines einheitlichen Wirtschaftsgebietes mit gemeinsamem Ortsverkehr solche verbitternden Gegensätze in den Verhältnissen verschiedener Gemeinden bestehen, die immer mehr eine Ab- Wanderung nach den an sich schon günstiger gestellten Gemeinden zur Folge haben müßten. Man erhofft offenbar mit dieser Regelung auch ein Verschwinden der lästigen Schullastenprozesse vor den Verwaltungsgerichteu auf Grund des§ 53 des Kommunal- abgabengesetzes, welche, ganz abgesehen von ihrer jahrelangen Dauer, meist auch wenig fruchtbar zu sein den Vorzug haben. Welche Ueberraschungen bringt nun diese gesetzlich gedachte Regelung den Groß-Berliner Gemeinden? Nach einer kürzlich von mir vcranlaßrcn Umfrage bei etwa 50 Gemeinden Groß- Berlins ergeben sich auf Grund der aufgestellten Berechnung recht interessante Resultate, deren zahlenmäßige Grundlagen mit ein- gehenderer Sachdarstellung der Veröffentlichung in einer Fachzeit- schrist vorbehalten bleiben soll, da sie nur für den Kommunal- Politiker im einzelnen von Interesse sind.— Nur einige Beispiele daraus sollen hier folgen, da schließlich die finanzielle Belastung bezw. Entlastung am meisten auch die öffentliche Aufmerksamkeit aus sich ziehen wird. Die Hauptleidtragenden sind naturgemäß die steuerkräftigen Kommunen. Einen baren Zuschuß für die anderen Gemeinden des Vcrbandsgebietes würden in nachstehender Höhe zu leisten haben: Berlin....... mit 645 710 M. Charlottenburg...., 495 666, Wilmersdorf..... 308 390, Schöneberg...... 213 513, Grunewald...... 110 492, Friedenau...... 52 596„ Zehlendorf...... 46 456, Lichterfelde....., 26 968, Dahlem....... 26 527, Wannsee....... 26 181, Steglitz....... 12 634„ Schmargendorf..... 8 953, Diese baren Einzahlungen � fonds perdu würden auf der anderen Seite unter anderen den folgenden Kommunen, in erster Linie Jnduslriegemeinden, zustatten kommen, indem sie bare Zu- schüsse in nachstehender Höhe erh'.'t-n: Neukölln....... 648 777 M. Lichtenberg...... 357 014. Spandau....... 199 422, Weißensee....... 118 240, Reinickendorf...... 107 918, Köpenick....... 85 853, Pankow....... 73 918, Oberschöneweide.... 63136, Adlershof....... 36 427. Niederschönhausen.... 33439, Britz........ 29 561, Fricdrichsfelde..... 28 822, Tegel........ 25 861, Weitere Gemeinden sind mit kleineren Beträgen anteilsberech- tigt. Die Berechnung kann natürlich nur eine überschlägliche sein; denn der Kreis der beitragspflichtigen und teilweise zugleich emp- fangsberechtigteu Gemeinden ist in vorstehender Ausstellung ziem- lich weit gezogen. 41 Gemeinden Groß- Berlins sind dabei dem gesetzlich gedachten Ausgleichsverbande zugeteilt worden. Die Be- flimmung des einheitlichen Wirtschaftsgebietes ist für Groß-Berlin Sache oberpräsidialer Entscheidung, die sich nicht mit Gewißheit voraussagen läßt. Immerhin gibt die Berechnung ein ungefähres Bild, da es. um die Tragweite der gesetzlichen Bestimmungen zu erkennen, auf einige kleinere Gemeinden und auf ein paar tausend Mark gar nicht ankommt. Für Neukölln bedeutet die Zuschußsumme über V» der Gesamt ausgäbe für Volksschulzwecke in 1913, für Lichtenberg über Vs. für Spandau säst>/« und für Köpenick gar Vs- Sm übrigen ist der Dnrchschnitr 7, vis% dieser Ausgaben. Ob die Novelle in der vorgeschlagenen Form Gesetz wird, muß abgewartet werden. Immerhin gibt die obige Berechnung ein un gefähres Bild über die Wirkung desselben. Daß der gegenwärtige Zustand ein unhaltbarer ist, wird nicht bestritten. Aber die vor- geschlagene Lösung läuft doch nur darauf hinaus, den Staat von seiner Zuschußpflicht gänzlich zu befreien, dem Staate die Schullaften abzunehmen und sie der Gesamtheit der Gemeinden aufzuerlegen- DaS alte Lied!_ Partei- Hncfelegenbeiten. Zweiter Kreis. Der Vorstand des Wahlvercins hat festgestellt, daß Genosse Paul K 0 t h e, Wmterseldtslr. 35, am 16. Mai d I. im Urwahlbezirk 106 des 1. Landtagswahlkreises sein Wahlrecht aus- geübt hat. Lerlmer Nacbricbten. Tie Stadtverordnetenversammlung hatte gestern über den Ankauf der Herrschaft Lanke zu beschließen, der angeblich den Kreis Nicderbarnim so schmerzt, daß nur das Pflaster einer den Stadtsäckel Berlins kräftig schröpfenden Extrabesteuerung sein Weh lindern kann. In der Debatte, die sich an den Bericht des Ausschusses noch knüpfte, nahm die Auseinandersetzung mit dem Kreistag für Niederbarnim' und die Abweisung der von dort gegen Berlin gerichteten Angriffe einen breiten Raum ein. Oberbürgermeister Mermuth rechnete ab mit den Nieder- barnimern und ihrem Landrat, Stadtv. Cassel sekundierte ihm— und beide trösteten sich schließlich mit der Hoffnung, daß in dem Verivaltungsstreitverfahren die gerechte Sache Berlins siegen werde. Genosse Bruns stellte fest, daß im Kreistag die sozialdemokratischen Vertreter für jene Extra- besteuerung nicht gestimmt hätten, wenn sie damals schon gewußt hätten, daß der Beschluß sich gegen Berlin richtete. Herr Cassel berührte wieder auch die finanzielle Seite des Projektes, und aus den gegen die Höhe des Preises sich richtenden Bedenken erklärte er es, daß ein Teil seiner Leute gegen den Ankauf stimmen werde. Gegen die Stimmen dieser wenigen wurde der Ankauf fast einstimmig b e- schlössen. Der Plan, einSpezialkrankenhausfürBrust- kranke zu schaffen, entspricht einen? oft geäußerten Wunsch der sozialdemokratischen Fraktion. Genosse Wehl begrüßte die Magistratsvorlage mit Genugtuung, doch äußerte er gegeniiber dem Bauprogramni und Vorentwurf einige Be- denken, die in einem Ausschuß noch zu prüfen seien. Gegen seine Forderung, iin Interesse der Kranken die Säle kleiner einzurichten, setzte Stadtrat Se l b er g die Be Häuptling, daß Säle mit 20 Betten, wie sie hier geplant sind sich als„sehr geeignet" erwiesen hätten. Wir verniuten, daß die Kranken selber ihm darin nicht beistinimen werden. Die Ueberweisung an einen Ausschuß wurde beschlossen. Eine Petition von Kohlenhändlern, die den Koksverkauf der Gaswerke Berlins betraf, führte zu einer Erörterung der den großen Händlern gewährten Be günstigung und der Gefahr einer Monopolisierung des Koks� Marktes. Unsere Genossen S a s s e n b a ch und H i n tz e brachten diese Dinge zur Sprache und traten nachdrücklich für eine gerechtere" Berücksichtigung der kleinen Händler ein, die gegenüber der bei den Gas Werken üblichen Bevorzugung der Großhändler einen schweren Stand haben. Stadtrat R a st bestritt, daß bei den Gas Werken der Stadt jemals die Kleinhändler zurückgesetzt worden seien. Er machte aber kein Geheimnis daraus, daß diese dort auf eine besondere'Berücksichtigung nicht zu rechnen haben. Die Petition wurde durch Uebergang zur Tages ordnung erledigt.__ Die Schleifenausstellung im Gewerkschaftshause wird heute nachmittag 5 Uhr geschlossen. Bildungsstätten für Arbeiter. Anfang Oktober beginnen wieder die allgemein bekannten Lehrkurse der Arbeiter-Bildungsschule, der freien Hochschule und der Humboldt-Akademie. Sind erstere infolge ihrer populären, dabei streng wissenschaftlichen Lehrmethode allen Arbeitern zu empfehlen, so läßt, sich das von den Lehrgebieten der beiden letzten Institute nur in bedingtem Maße sagen, da hier viele Dinge behandelt werden, die dem Arbeiter weniger nahe liegen, die aber auch oft gewisse Vorkenntnisse erfordern. Im November nehmen dann die sogenannten„Akademischen Unterrichtskurse", veranstaltet von der freien Studentenschaft, ihren Anfang. Sie bestehen nahezu ein Jahrzehnt und haben es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeitern, welche die Fori' bildungsschule nicht mehr besuchen können, Gelegenheit zu geben, sich in den Elementarfächern weiterzubilden. Es ist also den Arbeitern der Großstadt unter gewissen Bedingungen die Möglichkeit gegeben, die von der Volksschule an ihnen begangenen Sünden wenigstens zum Teil wieder gut zu machen. Voraussetzung dafür ist natürlich einmal die nötige Zeit, dann aber auch ein innerer Trieb zur Vervoll kommnung und Erweiterung der Allgemeinbilbung. Ist ersteres notwendig, um überhaupt die Teilnahme zu ermög' lichen, so ist das letztere die Vorbedingung zur Erreichung eines möglichst hohen Nutzungswertes aus den gewählten Gebieten. Vor der Festlegung auf ein bestimmtes Gebiet liegt es im Interesse jedes einzelnen, sich sorgfältig zu prüfen, ob er für den oder jenen Lehrstoff mit den genügenden Vorkenntnissen ausgerüstet ist, oder ob es nicht besser ist, etwas weiter auszuholen und lieber den längeren, aber gründlicheren Weg zu wählen. Eine weitere unbedingte Notwendigkeit ist ein planmäßiges und systematisches Arbeiten, das nicht nur nötig ist, um Fortschritte zu machen, sondern auch, uni durch diese immer wieder Lust und Liebe zu neuem Schaffen zu gewinnen.__ Achtung! Arbeitereltern! Am Sonntag, den L. Oktober 1913, finden in Berlin zwei Feiern für die schulentlassene Jugend statt und zwar nachmittags 7-2 Uhr in den Concordia-Fest- sälen, Andreasstraße 64, und 2 Uhr in den Pharus-Sälen, Müllerstraße 162. Das Programm ist dem Charakter der Feier entsprechend ausgewählt und besteht aus Rezitation, Gesang und Festansprache. Mitwirkende sind die Herren Emil Eichhorn und Wilhelm Düwell(Ansprachen), Emil Kühne und W. H. Bürger(Rezitation), sowie der Gesang- verein Gesundbrunner Harmonie und die Sängerabteilung I Berlin(Männerchöre). Alle Arbeitereltern werden auf diese Feiern aufmerksam gemacht und mit ihren schulentlassenen Söhnen und Töchtern dazu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist vollständig frei. Die Stadt Berlin und der Spiritnsring. In einer Delegiertenversammlung des Berliner Gastwirte- Verbandes machte der Vcrbandspräsident Strauß Mitteilungen über eine auffällige Begünstigung des Spiritusringes durch die Berliner Stadtverwaltung: „Der Magistrat von Berlin produziert auf seinen Gütern jähr- lich 220000 Liter Spiritus. Wir Gastwirte haben nun allen Grund zu wünschen, daß dieser Spirüus an eine ringfreie Firma abgegeben wird. Nun ist aber schon seit 1909 die Spiritus- Produktion der städtischen Güter an die Zentrale für Spiritus- Verwertung bezw. deren Mittelmännern verpachtet worden, obwohl andere ringfreie Firmen, an deren Bonität nicht zu zweifeln ist, höhere Gebote abgegeben hatten(pro Hektoliter etwa 2—3 M. mehr). Gegenwärtig findet wieder eine Ausschreibung der Spiritus- Verpachtung statt und es haben sich drei große ringfreie Firmen an der Bietung beteiligt. Aber obwohl die bekannte Firma M. W. Müller wieder höhere Preise als die Spirituszentrale ge- boten habe, ist ihr der Zuschlag nicht erteilt worden. Der Wer» dingungstermin ist vielmehr vertagt worden, es muß eine neue Ausschreibung stattfinden. Es ist doch eigentümlich, daß der Magistrat, der doch immer über zu geringe Einnahmen klagt, einfach über ein höheres Gebot hinweg geht. Da muß man denn doch die Frage auswerfen: „Welche unsichtbaren Fäden müssen sich da zwischen Magistrat und der Zentrale für Spiritusverwertung spinnen?" Der Berliner Magistrat dürfte genötigt sein, sich über diese Frage zu äußern._ Aufsichtsmangel in der Jdiotenanstalt. In Nr. 235 berichteten wir, daß in der Berliner Jdiotenanstalt Dalldorf ein dort untergebrachter vierjähriger Knabe arg zer- kratzt worden war. Erwiesen ist, daß nicht etwa das Kind selber sich so zugerichtet hatte. Ein anderes Kind, ein älteres Mädchen, hatte Zutritt zu dem Saal erlangt und dann den hilflosen Kleinen mit den Fingernägeln bearbeitet. Solche Vorkommnisse lasten darauf schließen, daß die Aufsicht unzulänglich war. Wundern dürften wir nns hierüber nicht; es ist ja bekannt, wie die Heil- und Pflege- anstalten der Stadt Berlin sich mit möglichst wenig Personal zu behelfen suchen. Auch die von uns geschilderte Unsauberkeit, von der wir leicht noch mehr Proben anführen könnten, läßt sich aus Mangel an Personal sehr wohl erklären. Von der Beschwerde des Vaters jenes zerkratzten Kindes wird mancher die Wirkung erwartet haben, daß man nunmehr das Per- sonal vermehren werde. Wir wissen nicht, ob das als notwendig erkannt worden ist und gekratzt wird. Inzwischen hat man aber gegen das Kind, das damals ein Opfer des Aussichtsmangels ge- worden und gekratzt worden war, eine Maßregel verfügt, die nach Versicherungen der Pflegerinnen und des Arztes eine besondere Fürsorge sein soll. Als der Vater wieder einen Besuch in der Anstalt machte, fand er zu seiner Ueberraschung den Kleinen in einer Jacke mit langen Aermeln, die weil über die Hände reichten und unten zugebunden waren. Die Hände waren so vollständig durch die Aermel eingehüllt, daß das Kind aussah, wie wenn es nur handlose Armstumpfe hätte. Erstaunt fragte der Vater, was denn das zu bedeuten habe, daß man sein Kind in dieser Weise am G e- brauch der Hände hinderte. Er wurde belehrt, der Kleine habe die Gewohnheit, sich mit den Fingernägeln in das Gesicht zu fahren und sich selber zu verletzen. Hat der Knabe diese Gewohnheit erst jetzt plötzlich an- genommen? Oder ist sie dem Personal erst jetzt an ihm aufgefallen? Daß er nicht schon damals sich selber gekratzt hatte, sondern durch ein anderes Kind gekratzt worden war, ist— wie gesagt— erwiesen und zugegeben. Selbst wenn inzwischen eine Neigung, sich selber zu verletzen, bei dem Kinde aufgetreten ist, so will uns nicht einleuchten, daß dagegen kein anderes Mittel zu finden sein sollte. Man stelle sich dieses Kind vor, das noch nicht laufen kann, an das Bett oder an den Stuhl gefesselt ist, oder höchstens mal auf dem Fußboden umherrutscht. Das Kind spricht auch noch nicht, giebt nur unverständliche Laute von sich, und scheint auch für die Reden anderer kaum Verständnis zu haben. Einem solchen Kinde nimmt man auch noch den Gebrauch der Hände I Diesem bemitleidenswerten Wesen raubt man noch das fast einzige Mittel, sich zu betätigenl Ist das nötig? würden nicht z. B. Handschuhe, die aus widerstandsfähigem Stoff angefertigt sind und fest mit den Aermeln verbunden werden, vollkommen genügen, um eine Selbst- beschädigung zu verhüten? Mit Recht hatte der Vater gegen die geschilderte Behandlung, die man nicht anders als grausam nennen kann, Einspruch erhoben. Er hat bisher nicht mehr erreicht als das Zugeständnis, daß dem Kinde die Aermel wenigstens für einige Stunden des Tages auf- gebunden werden sollen..Sachverständige" werden uns vielleicht sagen, daß wir keine Ahnung davon haben, wie ein solches Kind behandelt werden muß. Das wird uns nicht irre machen in unserer Ueberzeugung, daß diese Behandlung eine unnötige Härte ist. Wir können uns eine derartige Maßregel nur erklären aus der Ver- legenheit, die de» Aerztcn aus dem Aufsichtsmangel erwächst. Man stelle mehr Personal an, dann wird kein Arzt zu solchen Mitteln zu greifen brauchen._ Im städtischen Krematorium in der Gerlchtstraße fanden im Monat September 78 Einäscherungen statt. Von den Verstorbenen waren 46 Männer, 39 Frauen, 3 Kinder. 30 stammten von Berlin, 30 von den übrigen Gemeinden Groß-Berlins und 18 von aus- würts. 66 waren evangelisch, 2 katholisch, 5 mosaisch und 5 Dissi- deuten. Es wurden 49 religiöse Feiern abgehalten. Seit Eröffnung des Krematoriums(1. Dezember 1912) haben 677 Einäscherungen stattgefunden, die sich auf die einzelnen Monate folgendermaßen verteilen: Dezember: 66, Januar: 53, Februar: 65, März: 72, April: 62, Mai: 72, Juni: 70, Juli: 74. August: 65, September: 78. Aus Not in den Tod. In erschreckender Weise häufen sich die Verzweiflungstaten Arbeitsloser. Es wird berichtet: Arbeitslosigkeit und Nahrungssorgen haben den 42 Jahre alten Arbeiter Paul Schönian aus der Wolgaster Str. 3/4 zum Selbst- mord. veranlaßt. Der Mann hatte seit einem halbe« Jahr keine Beschäftigung mehr. Seine Frau, mit der er in kinderloser Ehe lebte, suchte durch Aufwarten und Reinemachen soviel zu verdienen als sie konnte. Für den Lebensunterhalt und die Miete reichte es aher doch nicht. Jetzt waren die Leute schon seit vier Monaten mit der Miete im Rückstand. Aussicht auf Besserung ihrer Lage war nicht vorhanden. Während die Frau noch auf einer Arbeitsstelle war, erhängte sich Schönian gestern abend am Bettpfosten. Bei der Heimkehr der Frau war er schon tot. DaS Gerücht von einem Morde war gestern nachmittag in Rummelsburg und Lichtenberg verbreitet. Veranlassung dazu gab ein Leichenfund, der in dem Hause Wühlischstraße 40/41 gemacht wurde. Die Mordkommission des Lichtenbcrger Polizeipräsidiums begab sich unverzüglich an Ort und Stelle. Ihre Feststellungen er- gaben, daß ein Verbrechen nicht in Frage kommt. Wir erhalten hierzu folgende nähere Mitteilungen: In dem Hause Wühlisch- trotze 40/41 im Rummelsburger Ortsteile von Lichtenberg wohnte eit dem 1. April dieses Jahres die 32 jährige geschiedene )*au Margarete Mietzker. Da Frau M. sehr zurückgezogen lebte, iel es nicht weiter auf, daß sie seit einigen Tagen nicht gesehen worden war. Die M. hatte ihre Wohnung zum 1. Oktober gekündigt und heute mittag gegen 1 Uhr erschien bei dem Hauswirt ein Reflektant auf die Wohnung. Als der Wirt klingelte, erhielt er keinen Einlaß und er ließ deshalb die Korridortür durch emen Schlosser öffnen. Die Eintretenden fanden nun die Mieterin tot in ihrem Bette liegend vor; die Leiche war schon stark verwest. Nun wurde sofort das nächste Polizeirevier verständigt und von dort aus das Polizeipräsidium benachrichtigt. Da manZ zuerst annahm, es handle sich um einen Mord, traf alsbald die Mordkommission an Ort und Stelle ein. Die Feststellungen ergaben jedoch bald, daß es sich zweifellos nicht um ein Verbrechen handelt. In der Wohnung befand sich alles in bester Ordnung. In der Korridortür steckten noch die Wohnungsschlüssel. Auch die Tote zeigte in ihrer Lage lein« Anhaltspunkte dafür, daß ein Ver- brechen verübt worden sei. Die Mießter war schon seit längerer| Charlottenburg. aber schon vor fünf bis sechs Tagen eingetreten sein. Die Leiche Der Ausschuß der Charlottenburger Gewerkschaftskommission. Neukölln. beschäftigte sich eine öffentliche Versammlung. Die Gemeindevertreter der Hausbesitzerpartei waren öffentlich geladen und auch erschienen. Zeit herzleidend und offenbar ist sie einem Herzschlage erlegen. Parteigenossen und Gewerkschaften! Morgen, Sonnabend, Der Referent Genosse Franz Käming schilderte in vortrefflichen AusDieser Ansicht war auch der hinzugezogene Arzt. Der Tod muß den 4. Oktober cr., mittags 12 Uhr bis abends 9 Uhr, finden führungen, wie sich die Friedhofsfrage am Ort geradezu zu einem wurde polizeilich beschlagnahmt und wird obduziert, um festzustellen, im großen Saale des Voltshauses", Rosinenſtr. 3, die Wahlen zum öffentlichen Skandal ausgewachsen habe. Da die hiesige Kirchenob vielleicht Selbstmord durch Vergiftung vorliegt. Ausschuß der Allgemeinen Ortsfrankenkasse für den Stadtkreis Char- gemeinde über feine Leichenhalle verfüge, so werde zu diesem Zweck Stenerlisten. Nach den Bestimmungen des Einkommensteuer- lottenburg statt. Als Ausweis der Wahlberechtigung gilt die aus das alte Sprigenhaus in der Köpenider Anee benutzt, gleichfalls und des Ergänzungssteuergesetzes vom 19. Juni 1906 soll behufs gestellte Wahlkarte, wenn eine solche nicht vorhanden, die Vorzeigung werde in dem Nebenraume die Freibant abgehalten. Wenn man Veranlagung der Einkommen- und Ergänzungssteuer für das Steuer- des Kassenmitgliedsbuches oder auch sonst eine Bescheinigung des bedenke, daß Leichen in diesem Neume aufgebahrt und im Nebenjahr 1914 eine vollständige Aufnahme des Personenstandes der Stadt Arbeitgebers. Die Liste der freien Gewerkschaften und Angestellten raume das minderwertige Fleisch an die ärmere Bevölkerung verBerlin am 15. Oktober d. Js. stattfinden. Zu diesem Zwed werden trägt die Ordnungsnummer I. Wir bitten nun, in Anbetracht der kauft werde, so feien das skandalöse Zustände. Eine anständige Leichenfeier lasse sich in diesem Raume auch nicht abhalten, durch die Steuererheber sämtlichen Hausbesizern oder ihren Stell- Verhältniswahl, daß ein jeder für die Liste I kein Votum einlegen deshalb hätten es bereits verschiedene Einwohner vorgezogen, bertretern die erforderlichen Formulare zugestellt werden. Die möge, damit wir mit einer achtunggebietenden Stimmenzahl aus der die Leichen ihrer Angehörigen in einem Stallgebäude auf Abholung der gehörig auszufüllenden Liften erfolgt auszufüllenden Liften erfolgt eben- Wahl hervorgehen. zubahren. Daß all diese unwürdigen Zustände von den Vertretern falls durch die Steuererheber vom 17. Oktober d. Js. ab. der bürgerlichen Hausbefizerpartei nicht bekämpft würden, müsse Bezüglich der Ausfüllung der Formulare wird auf die denselben ihnen zum Vorwurf gemacht werden. Vor 8 Jahren hätten unsere vorgedruckten Bestimmungen verwiesen und es wird noch besonders Gemeindevertreter die Errichtung eines Friedhofs mit einer Leichen darauf aufmerksam gemacht, daß mit Ausnahme der auf der Durch Die Spielpartien am Sonntag und Mittwoch fallen aus. Dafür balle gefordert und auch durchgesezt; das notwendige Gelände, reise befindlichen oder nur zum vorübergehenden Besuch hier an- findet am Sonntag, den 5. Oftober, nachmittags 4 Uhr, bei Bartich, 10 Morgen, sei bereits angetauft und die Konzession zum Bau er wesenden Personen sämtliche Einwohner aufzuführen sind. Für die Hermannstr. 49, eine Märchenaufführung statt. Zur Aufführung geteilt. Bei dem erfolgten Preisausschreiben für eine würdige Anlage vollständige Angabe der auf den Grundstücken vorhandenen Ber- langt„ Das Binsenmännchen und der Binsenmichel". Eintritt für sowie eine Leichenhalle hätten die bürgerlichen Parteien jedoch ans fonen, soweit sie Mieter sind, haften die Hausbefizer oder deren Erwachsene 20 Pf., für Kinder 10 Pf. Nach der Vorstellung Tanz. geblich der hohen Kosten wegen gegen die Ausführung protestiert, Stellvertreter, während für die richtige Angabe der zu ihrem Haus- Mittwoch, den 8. Oftober: Märchenvorlesung in den beiden Jugend- auf diese Weise hätten es die Herren verstanden, die Sache hinzuschleppen. stande gehörigen Berfonen, einschließlich der Unter- und Schlafstellen heimen, dealpaffage und Nogatstr. 15. Anfang 5 Uhr nachmittags. Redner verlas folgende eingegangene Resolution: Die öffentliche mieter die Haushaltungsvorstände verantwortlich find(§ 28 des Gin Gintritt frei. Um zahlreiche Beteiligung an den Veranstaltungen Versammlung erklärt die Errichtung einer Friedhofsanlage nebst tommensteuergesetzes). Der Ausschuß. Leichenhalle durch die Gemeinde für eine zwingende Notwendigkeit. Sie verurteilt die ablehnende Haltung der Hausbefizerfraktion auf das entschiedenste und beauftragt die sozialdemokratischen Gemeindevertreter, an die Gemeindeverwaltung den Antrag zu stellen, im Wege der Anleihe die Mittel zur schleunigen Anlage eines Friedhofs nebst Leichenhalle zu beschaffen. Einen unheimlichen Fund machte gestern der Pförtner des Hauses Levegowstraße 19a. Dort wohnte bis vor einem halben Jahr eine Witwe mit einer erwachienen Tochter und zwei fremden Mädchen, an die sie abvermietet hatte. Nachdem sie ausgezogen war, blieb die Wohnung leer stehen. Grst gestern zog ein neuer Mieter ein. Als diesem der Pförtner den zur Wohnung gehörigen Boden zeigte, fand man in dem Verschlag noch ein altes Kleideripind der früheren Mieterin stehen. Der Pförtner öffnete es und fand darin einen Pappkarton, der die völlig verweste Leiche eines neugeborenen Kindes enthielt. Wie die Leiche in das Spind hineingekommen ist, ließ sich noch nicht feststellen. Der Sportplatz an der Schönhauser Allee. Fertig und doch unbenut. bittet Weißensee. vorgehen. in und zu weiter Die Weißenseer Bant hat ihre Pforten geöffnet, es werden jedoch nur die fälligen Einzahlungen entgegengenommen. Die gewünschten Beträge auf die erhöhten Anteile der Genossenschafter gehen sehr Die Versammlung lohnte den Redner durch lebhafte 8uspärlich ein, doch gibt man sich der Hoffnung hin, in einigen Tagen die erforderliche Summe von 200 000 M. zusammen zu haben, um ſtimmung. In der Diskussion erklärten die Vertreter der Hausdann mit Hilfe der Gemeinde und einer Großbank die Genossen befizer, daß fie feineswegs gegen die Errichtung der notwendigen wieder im bollen Betriebe zu eröffnen. Eine Woolfahrtseinrichtungen wären, nur sind ihr die vorgeschlagenen fchaftsbant Herr Bartsch meinte, man föme ja Versammlung der Sparer hat beschlossen, der Bank ent- Projette au fostspielig. zwar gegenzukommen und der Weise, daß die Sparer die oben bezeichnete Einrichtung trennen und die Freibank im 10 Prozent ihres Guthabens streichen lassen ferner neuen Sprigenhause oder im Schulteller abhalten, ein Jahr auf den Zinsgenuß verzichten. Mit diesem Beschluß, wenn waren die Herren Klein, Schilling und Henkel der Meinung, er einheitlich durchgeführt werden kann, leisten die Sparer einen daß man dem jezigen Gemeindevorsteher nicht so runde Summen Verzicht von 300 000 auf ihr Guthaben und außerdem noch in die Hände geben fönne, er wäre zu sehr geneigt, nicht in ihrem Der mit so großer Freude begrüßte Sport- und Spielplatz an 120 000 M. Binsen. Die Durchführung dieses Beschlusses hat eine Sinne damit zu wirtschaften. Unsere Genoffen verurteilten die der Schönhauser Allee, für den die Stadt Berlin 6 Millionen Mart Kommiffion übernommen. Im Falle eines Konkurses würden die Bosheitspolitik der Hausbesizer gegen den Gemeindevorsteher, durch Den Vorwurf, an den Militärfistus zahlte, bat ein eigenartiges Schicksal. Jm De- Sparer weit schlechter fahren, da man damit rechnet, nur 15 bis die die Entwickelung der Gemeinde leiden müsse. zember vorigen Jahres bewilligten die Stadtverordneten 200 000 Mart 20 Proz. Herauszutvirtschaften. Wie man weiter erfährt, sind zum daß unsere Gemeindevertreter mit dem Vorsteher durch dick und dünn für die Ausgestaltung der östlichen Hälfte des Ererzierplates an der 1: Januar 1914 annähernd 70 Kündigungen der Genossenschafter gingen, wies der Referent in seinem Schlußwort entschieden zurück; einsamen Bappel zu einem großen Sport- und Spielplatz, eingegangen, um sich dadurch ihrer Verpflichtung zu entledigen. Der die Beweggründe des Herrn Tammer und Genossen feien indes rein und allseitig wurde es mit Genugtuung begrüßt, daß die neue Aufsichtsrat will mit allen Mitteln gegen diese Fahnenflüchtigen gehäffiger Art und da machen die sozialdemokratischen Vertreter nicht mit. Wenn übrigens die Gemeindevertreter ihre Schuldigkeit täten, Stadtverwaltung von der ursprünglich in Aussicht gestellten Randdann könnte der Vorsteher nicht schalten und walten, wie man es bebauung Abstand nahm. Auch feine Schmudanlage" sollte Schöneberg. ihm zum Vorwurf mache. Die Versammlung stimmte der Resolution Hier entstehen, sondern nach dem Entwurf des Gartenbirektors Den Bericht des Parteitages erstattete in der legten Mitglieder gegen die Stimmen der Hausbefizer zu. Redner ließ die Brodersen eine große Bolts- und Festwiese mit mehreren Spiel- versammlung des Wahlvereins Genoffe Thielicke. Boffen. plätzen gefchaffen werden, wo sich das Volk und die Jugend nach einzelnen Beratungsgegenstände Revue paffieren. Der Resolution Ein Betriebsunfall ereignete sich in der Dampfwäscherei der Herzensluft tummeln kann. Mit Energie wurde das schöne Wert in des Parteivorstandes zum Massenstreit tönne man zustimmen. Zur Angriff genommen, und die städtische Bartverwaltung stellte in Resolution Luxemburg müsse er seine Verwunderung ausdrücken, Internationalen Schlafwagengesellschaft. Die dort tätige Ehefrau da dieselbe im allgemeinen nichts neues bringe, als daß des Arbeiters 2. tam mit der linken Hand den Walzen zu nahe, fie emfiger Arbeit zuerst die beiden großen Spielwiesen, die einen darin gesagt werde, man müsse mit der Masse mehr Fühlung wurde von denselben erfaßt und vollständig abgequetscht. Wie man Flächeninhalt von 17 580 und 16 770 Quadratmetern haben, im Laufe nehmen. Genosse Bauer habe in seinen Ausführungen mehr als uns mitteilt, soll in jenem Betriebe das Ueberstundenunwesen sehr des Sommers fertig. An den fleineren Spielplägen und der Volks- schwarz gemalt. Als den Höhepunkt des Parteitages bezeichnete in Blüte stehen, auch wird behauptet, daß der jugendliche Aufsichtswiese wird noch gearbeitet. Seit zwei Monaten sind die großen Redner die Stellungnahme zur Arbeitslosenfürsorge. Das beamte die in dem Betriebe beschäftigten Frauen oft zu MehrSpielwiesen fertig, die für Schüler und für Mitglieder von Turn- Referat Timms biete für jeden eine Fülle neuer Momente. Die leistungen anspornt. Solche Umstände seien geeignet, die Unfallund Sportvereinen zur Veranstaltung von Spielen bestimmt find Deffentlichkeit werde sich mit dieser Frage in nächster Zeit eingehend gefahren zu erhöhen. Die Spielpläge liegen planiert und umfriedet ba. Die städtische beschäftigen müssen. Obwohl er, Redner, der Resolution Wurm zur Bankow. Barkverwaltung teilte die Fertigstellung der beiden Spielwiesen der Steuer- und Dedungsfrage zustimme, sei er der Meinung, daß die Die Gemeindevertretung beschäftigte sich am Dienstag mit dem Frage noch eingehend diskutiert werden müsse; er empfehle hierzu Deputation für das Turn- und Badewesen mit, die für die Debie Bahlabende. Mit der Regelung der Maifeierfrage tönne er fich Grlaß eines Ortsstatuts über die Errichtung einer Genugung und Vergebung von Spielplätzen zuständig ist. Bergebens nicht zufrieden geben und er bedauere, daß es zu feinem end meindeanstalt für zweite Sypotheken. Im Dezember harren die Spielwiesen an der Schönhauser Allee noch heute gültigen Entschlusse gekommen sei; man folle bie 25. Wiederkehr der borigen Jahres wurde von bürgerlicher Seite ein entsprechender auf die Schuljugend nnd die Sportvereine. Einsam und verlassen Feier zu einem anständigen Begräbnis derselben gestalten. Nach Antrag gestellt und mit der bedrängten Lage des Kleingrundbesitzes liegen die schön hergerichteten Spielpläge da, und doch würden sie den beifällig aufgenommenen Ausführungen betonte Genoffe Hoff- gegenüber den für letteren äußerst ungünstigen Verhältnissen des gerade jest zu den Herbstferien der Schuljugend eine willlommene mann, daß in der Jugendfrage mehr hätte geschehen müssen. Ebenso Hypothekenmarktes begründet. Die damalige Aussprache zeitigte Gelegenheit zur Veranstaltung von Spielen geben. Selbst in bedauere er, Redner, daß für die Ausübung der Maifeier nicht mehr die prinzipielle Zustimmung der Vertretung zur Gewährung zweitstädtischen Kreisen bat diefe auffällige Erscheinung Erstaunen hervor. der nötige Idealismus vorhanden sei. Die Genossen Betersen und stelliger Sypothefen durch die Gemeinde. Es wurde eine besondere Unger unterstrichen im wesentlichen die Ausführungen des Referenten. Kommission mit der Aufgabe betraut, die Angelegenheit in Gemeingerufen. Und die Ursache? Die Turn- und Badedeputation hat es Sierauf teilte der Vorsigende, Genosse Küter mit, daß Mitte Oktober schaft mit dem Gemeindevorstand näher zu prüfen und dann ber aus irgend welchen Gründen bisher unterlassen, die Fertigstellung eine öffentliche Kommunalwählerversammlung für die bevorstehenden Vertretung geeignete Vorschläge zu machen. Ein solcher Vorschlag der beiden Spielwiefen amtlich bekanntzugeben. Ein Wert, das mit Stadtverordnetenwahlen abgehalten werde, in welcher der Referent lag nun zur Beratung und Beschlußfassung vor. Er paßt sich im so schönem Eifer begonnen wurde, liegt jetzt zum großen Teile uns das Kommunalprogramm behandeln werde. Außerdem solle am wesentlichen dem entsprechenden Ortsstatut der Stadt Neukölln benutzt da. Hoffentlich trägt diese Mahmung dazu bei, daß die 16. Oktober eine Theatervorstellung stattfinden, in der Die Ge- an, da nur die in letterem niedergelegten Grundsäße Aussicht auf spenster" von Jbsen zur Aufführung gelangen. Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden haben. Danach werden Spielwiesen nun endlich ihrer Bestimmung übergeben werden. im Gemeindebezirk Berlin- Pankow liegende bebaute Grundstücke, deren Eigentümer nachweislich mindestens ein Jahr lang im Besitz derselben sind, gegen zweitstellige Sypotheken in der Regel nicht über 75 Proz. des Grundstückswertes hinaus beliehen. Unter be= leihungsgrenze auf 80 Proz. ausgedehnt werden, in welchem Falle das Darlehen nicht über 50 000 m. betragen darf. Die Verwaltung dieser Gemeindeanstalt soll durch eine besondere Deputation geführt werden, welche aus brei vom Gemeindevorsteher zu er nennenden Mitgliedern des Gemeindeborstandes und sechs von der Gemeindevertretung zu wählenden Gemeindeverordneten- von denen der Deputation mindestens drei angehören müssen und Die ausgedehnte Debatte brachte Bürgerdeputierten besteht: naturgemäß wieder die beweglichsten Klagen über die angeblich hundsjämmerliche Lage des Pankower Grundbesizes. Schließlich fand die Vorlage trotz starker pessimistischer Beurteilung ihres Wertes Annahme. Für die Aufstellung einer Fuhrwerts. wage in der Schulstraße wurden die Baukosten in Höhe von 3000 m. bewilligt. Die weiteren Beratungsgegenstände entbehrten allgemeineren Interesses. Der öffentlichen folgte eine geheime Sizung. Vorort- Nachrichten. Wilmersdorf. Ein Jugendheim für Wilmersdorf. In dem Versammlungsbericht über die außerordentliche Mit gliederversammlung des Wahlvereins, in welchem von der Tätigkeit unferer Stadtverordnetenfraktion die Rede war, ist dem Bericht erstatter insofern ein Irrtum unterlaufen, als ein von unseren Gesonders günstigen Umständen kann in Ausnahmefällen die Benossen gestellter Antrag, den untersten Steuerfaz von 900 auf 1200 Mark zu erhöhen, nicht angenommen sondern abgelehnt worden ist. Tempelhof- Mariendorf- Marienfelde. Krankenkassenwahlen! Zu den Wahlen für den Ausschuß der Seit langer Zeit plant die Arbeiterschaft von Wilmersdorf für die schulentlassene Jugend die Errichtung eines eigenen Heims. Drtstrantentasse Tempelhof wollen die Vertrauensleute der Betriebe, Gerade in Wilmersdorf, in deffen Stadtverwaltung die Minder- welche bei obiger Kaffe versichert sind, fofort geeignete Personen in bemittelten nur eine sehr spärliche Vertretung besigen, erfreuen sich Borschlag bringen. Die Adressen derselben sind umgehend an die patriotischen Turnvereine, katholische und evangelische Jung- P. Lentichu, Tempelhof, Ringbahnstr. 6, einzusenden. frauen und Jünglingsvereine fowie ähnliche Vereinigungen stets der Für die Vertrauensleute der zu der Ortsfrankenkasse Mariendorf materiellen und ideellen Unterstützung der Behörden, während bei- wahlberechtigten Betriebe findet am Montag, den 6. Dktober, abends spielsweise Arbeiterturnern noch jede Beihilfe versagt worden ist. 6 Uhr, bei Heublein, Dorfstr. 1, eine Versammlung statt. Die Gewerkschaftstommiffion. Mit allen Mitteln wird versucht, der freien Jugendbewegung die proletarische Jugend zu entfremden und sie in realtionärem Sinne Friedrichsfelde- Karlshorst. und Sigungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Hohen- Neuendorf. Heute Freitag, abends 6 Uhr, im Sigungssaale Berliner Str. 48/49. Diese Sigungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige i berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Spiel und Sport. Turner. Veranstaltungen des Turnverein" Fichte" am Sonntag, den 5. Dktober: Aus Anlaß des 20jährigen Bestehens der 2. Männerabteilung: Schauturnen der Männer- und Lehrlingsabteilung in der Gormannstr. 4. Nachdem Feier in Scholz' Festfälen, Andreasstr. 21. zu drillen. Darum ist es freudig zu begrüßen, daß es nun endlich Antifoziale Strömungen in der Gemeindeverwaltung sind am dant der Opferwilligkeit der Arbeiterschaft im all- Werte, um die durch jahrelange Kämpfe unferer Vertreter im gemeinen und besonders einiger Parteimitglieder am Orte möglich Ortsparlament durchgefeßten Einrichtungen sozialer Art, wenn geworden ist, in den nächsten Tagen ein eigenes Jugend- nicht zu beseitigen, so doch nach Möglichkeit wirkungslos zu machen. Heim, Mannheimer Straße 51, born parterre, der Man will aus dem Wohlfahrtsfonds gewährte Mittel zur Bekämp Deffentlichkeit zu übergeben. Das Heim, das in erster Linie für fung der Tuberkulose, wie auch der Säuglingssterblichkeit, als Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen bestimmt ist, dürfte Armen unterstübung betrachtet und behandelt wissen, um mit seinen Einrichtungen in jeder Beziehung den Wünschen der denen, die diese Mittel in Anspruch zu nehmen beabsichtigen, was ficher nur in Fällen dringenden Bedürfnisses geschieht, die Absicht arbeitenden Jugend entsprechen. Durch eine reichhaltige. Bibliothek und ein Lesezimmer mit einer Reihe von Zeit- tommenen Verständnislosigkeit in sozialen Dingen. Ehe ein noch zu verleiden. Gin folches Gebaren zeugt geradezu von einer voll schriften und Zeitungen ist Gelegenheit geboten, das mangelhafte so sehr in Bedürftigkeit Lebender eine als Armenunterstüßung Wissen der Volksschulbildung zu bereichern und zu vertiefen; ein wir dürfen heute leider sagen gebrandmarkte Einrichtung in in dem die Spielzimmer, jungen Leute fpielen Anspruch nimmt, entblößt er sich lieber auch der unentbehrlichsten und plaudern können, forbert zu fröhlicher edler Mittel. Dadurch aber wird gerade die beabsichtigte Wirkung Gefelligkeit auf. Daneben sollen von Zeit zu Zeit Vorträge obenbezeichneter Einrichtungen bereitelt. Und doch liegt diese Art und musikalische Darbietungen stattfinden, zu denen der Wohlfahrtspflege, follte man meinen, ganz und gar nicht im stets freier Eintritt gewährt wird. Der Arbeiterjugend werden zwar Intereffe der bürgerlichen Gesellschaft, um deret willen, nicht feine bunten Uniformen und teine Kriegsspiele, mit denen die um der Notleidenden willen zumeist den Fürsorgeeinrichtungen zubürgerliche Jugendbewegung die Jugend zu locken versteht, wohl gestimmt wird. Wir erinnern daran, daß noch vor nicht zu langer Zeit der Verdacht, man wolle die Wohlfahrtseinrichtungen als aber Wanderungen in die freie Natur geboten werden. So ist zu Armenunterstügung stempeln, von dem Dezernenten entrüstet weit hoffen, daß die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen mit Freuden sich weggewiesen wurde. Und jetzt? Heute abend wird eine diesbezügan all diesen Veranstaltungen, in denen der Geist der Freiheit liche Anfrage unserer Vertreter dem Gemeindevorstand GelegenHerschen soll, beteiligen werden. Zur Gröffnung des Jugendheims heit bieten, in öffentlicher Sibung sich zu der Sache zu 12 veranstaltet der Bildungs- und Jugendausschuß eine Ein- äußern. Gine weitere Anfrage betrifft die Wiedereinführung des weihungsfeier am Sonntag, den 5. Ottober, nach Bertaufs von billigem Fleisch. Die Allgemeinheit wird mit Inter- 1 mittags 4 Uhr, in der Mannheimer Str. 51. Neben der Mite effe der Haltung der Gemeinndevertretung entgegensehen. Hier wirkung des Wilmersdorfer Männerchors und von Frl. Wally Kussel ist die Möglichkeit gegeben, den im Frühjahr gefaßten, unverständlichen Beschluß, der viel Untvillen erregte, aufzuheben und einen ( Rezitation) wird der Schriftsteller Emil unger eine Ansprache schweren Fehler wieder einigermaßen gut zu machen. halten. Der Eintritt ist für Jugendliche und für Freunde der Arbeiterjugend, soweit der verfügbare Raum es zuläßt, völlig frei. Wahlsdorf an der Ostbahn. Das Heim ist alsdann täglich von 6-10 Uhr abends, an Sonntagen Mit der Notwendigkeit der Errichtung eines Gemeinde- Bebon nachmittags 4-10 Uhr geöffnet. gräbnisplatzes und dem Verhalten der Hausbesizerfraktion hierzu 13. Männerabteilung: Beginn des Wintertrainings im Laufen; 8. Männerabteilung: Niegenpartie nach Oranienburg. Treff nur Sonntags vormittags auf dem städtischen Spielplat in Treptow. zwischen 12-1 Uhr im Waldhaus Sandhausen, Schüßenstr. 34. Um 2 Uhr Antreten zu den Bettlämpfen. Dann Fußballwettspiel gegen den dortigen 11. Männer abteilung: Partie nach Belten. Treff 7 Uhr Berein. Bon 6 Uhr an Kommers und Fidelitas. Gäste find gern gesehen. Stettiner Bahnhof. 16. Männerabteilung: Stiegenturnfahrt nach Hohenschöpping. 17. Mannerabteilung: Niegenturnfahrt nach Marwik. Treff Ubr. ust. Frauenabteilung: Niegenturnfahrt nach Schöneiche. Treff 1. Uhr. 1. 2ehrling 3. Lehrling bteilung: Riegenturnfahrt nach Schönblid. bteilung: Riegenturnfahrt nach Nowawes. 6. Lehrlingsabteilung: Riegenturnfahrt nach Münchehoje. Treff 1 Uhr. Bernau, 10. Rehrlingsabteilung: Rübnik, Liepnisjee. Treff 5.45 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Liederbücher und Kochgeschirr mitbringen. 14. Rebrlingsabteilung: Riegenpartie nach Königsmufter Hausen. Treff der Riegen um 1 Uhr im Alten Schützenhaus. Nachmittag 4 Kampf- und Wettspiele mit der Königswusterhausener freien Turnerschaft. Gäste herzlich willkommen. Ober- Schöneweide. Der Turnverein Dberfpree"( M. b. A.-.- B.) beranſtaltet nächsten Sonntag eine Startoffel und Heringspartie nach Ertner, Gasthof" Bum alten Krug", Inb. Degebrodt, Friedrichstr. 70. Der Abmarsch der einzelnen Riegen und Abteilungen ist Bunft 7 Uhr vom Vereinslokal Wilhelminenhof Für Nachzügler Abfahrt 1,1 Uhr vom Markt plaz mit der Elektrischen bis Karlshorst Bahnhof. " Heinrich Diek zum 70. Geburtstag. Von Klara Zetkin. Die Tätigkeit| W. S. 27. 1. und 2. Es genügen Zeichnungen, eventuell Modelle. der Frau in der Gemeinde. VII. Bon Anna Bloš. Der Geburten 3. Gitschiner Str. 98/108. 4. 20 M. 5. Nicht unbedingt notwendig, aber I. Bon Therese Schlesinger. II. rüdgang in Berlin. Bon Mathilde medmäßig. In beiden Fällen 5. M., Hennigsdorfer Str. 9. Wurm. Die Frau in der Invalidenversicherung. Bon Fr. Kleeis. halten wir gerichtliche Schritte für aussichtslos. N. J. 99. Nein. Rein Gegensaz, Zusammenwirken. Bon R. W. 7. S. 30. Nein. Georg. 16. Die Klage würde voraussichtlich ab= Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer gewiesen werden. P. G. 88. Ja, die Haushaltungsgegenstände ver K. St. Die Klage erscheint 10 Bf., durch die Poft bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich bleiben jedoch dem überlebenden Ehegatten. ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 M. wenig aussichtsvoll. Zuständig wäre das Gewerbegericht Charlottenburg. Die Freie Turnerschaft Alt- Glienicke veranstaltet am Sonntag, Bom Wahren Jacob" ist soeben die 21. Nummer des 30. Jahr 20. N. 14. Nur dann, wenn der Unfall die Ursache des Ablebens den 5. d. M., ein Abturnen auf ihrem Turnplab. Um 2 Uhr nach- ganges 16 Seiten start erschienen und bringt u. a. aus Anlaß des bevor- gewesen ist. Sie wenden sich in der Angelegenheit am zweckmäßighten an F. E. B. Ja. E. V. 507. mittags ist Abmarsch vom Vereinslokal( F. Bohn). Grünauer Straße 55. ftehenden 100. Geburtstages von Georg Büchner einen Aufsatz über das Arbeitersekretariat Engelufer 14/15. Nach dem Turnen ist Tanzkränzchen und Beteiligung an dem Lichtbilder diesen jung verstorbenen Dichter der Freiheit von Baul Enderling, dem ein Die Bestimmung des Lohnbeschlagnahmegefeßes besteht noch zu Recht. Die vortrag des Bildungsausschusses. Die Turngenoffinnen und-Genossen gutes Porträt des Dichters beigegeben ist Pfändung von entbehrlichen Sachen ist zulässig. Erbrecht. 1. Dazu ist werden ersucht, sich an diesem Feft recht zahlreich zu beteiligen. Im Interesse der Be allerdings der Nachlaßverwalter verpflichtet. schleunigung ist es aber zweckmäßig, daß Ihre Frau wenn möglich die Nachforschungen anstellt bezw. unterstützt. 2. Mitteilung an den Nachlaß-. berwalter und das Amtsgericht, in dessen Bezirk die Erblasserin verstorben ift. 3. Sa. 4. Nein, sofern eine Auseinanderseßung nach dem Tode des Mannes stattgefunden hat. J. K. 1. Eimerspind. 2. und 3. Nein. A. 5. 60. 1. Es bleibt nur eine Beschwerde bei dem Kreisausschuß zu Händen des Landrats übrig. 2. Fragen Sie beim Landarbeiterverband, 2. 3. 1001. 1. Bis Michaeltirchplatz 1, an. 3. Das ist zweifelhaft. zum Ablauf der Kündigungsfrist die Herrschaft, für spätere Zeit Ihre Schwägerin. 2. Befragen Sie einen Mediziner. E. Pr. 86. 1. und 2. Ja. 2. 100. 1. und 2. Ja. F. B. 20. Ein eigenhändig. geschriebenes, mit Drtsbezeichnung, Datum und Unterschrift versehenes Testament genügt. A. K. Die Auslosung geschieht immer zum Nennwerte, nicht zum Tagesturse, also volle 1000., nicht 940 m. in dem genannten Falle. Der Männerturnverein zu Bernau feiert morgen Sonnabend, den 4. Ditober, sein diesjähriges Herbstvergnügen, verbunden mit Refruten abschiedsfeier, bestehend in Konzert, turnerischen Aufführungen, Theater und Ball, im Schüßenhaus. Schöneberg. Sein Abturnen, bestehend in leichtathletischen Wetttämpfen für Turner und Turnerinnen, Wettspielen usw., begeht der Arbeiter. turnverein am Sonntag, den 5. Oktober, auf dem Spielplatz an der Rubensstraße. Anfang 2 Uhr nachmittags. Radfahrer. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag J. H. W. Die Nachf. G. m. 6. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Abstinenten. Heute Freitag, den 3. Oktober, abends 81, Uhr, im Gewertschaftshause, Engelufer 15: Deffentliche Versammlung. Tages: ordnung: 1. Vortrag des Herrn Paul Linte, Psychopädagoge und Charalterologe, über: Hypnose und Suggestion im Dienste der Erziehung. 2. Disfussion. 3. Berschiedenes. Jugendveranstaltungen. Paukow- Schönhausen. Die Arbeiterjugend veranstaltet am Sonntag, den 5. Oftober, eine Wanderpartie nach: Röntgental, Liepnitsee, Bernau. Treffpunkt: 18 Uhr Bahnhof Pantow- Schönhausen. Abfahrt 7.43 Uhr. Kocher, Proviant und Liederbücher nicht vergeffen. Briefkaften der Redaktion. Marktpreise von Berlin am 1. Oktober 1913, nach Ermittelungen des fgl. Polizeipräsidiums. Mais( mixed), gute Sorte 16,80-17,10, mittel 00,00-00,00, geringe 00,00-00,00. Mais( runder), gute Sorte 14,70-15,00. Nichtstroh 4,60-5,00. eu 6,00-7,40. Arbeiter- Radfahrerverein Groß Berlin. Sonntag, 5. d. Mts., früh 7 Uhr nach Saltberge; nachmittags 1 Uhr nach Schöneiche( Waldschloß). Hauptstart: Mariannenstraße. Anschlußstart: Bahnhof Treptow. Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität( Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 5. Dktober. 1. Abt.: 12 Uhr: Neu Dabendorf. Start: Bülowftr. 58. 2. Abt.: 6, Uhr: Streifzüge durch den Blumenthal( Abkochen). 1 Uhr: Mahlsdorf( Bu den Rathausbären"). Start: Fontanepromenade 18. 3. Abt.: 7 Uhr: Streifzüge durch den Südosten( Endziel: Müggelheim, Klein). 1 Uhr: Müggelheim, Klein. Start: Laufiger Plat 12. 4. Abt.: 6 Uhr: Hoppegarten( Wilden Mann). 1 Uhr: Mahlsdorf( Rathausbären). Start: Küfiriner Plaz. 5. Abt.: Die juristische Sprechstunde finbet 8tnbenzake 69, born bier Treppen Martthallenpreise. 100 Stilogr. Erbsen, gelbe, zum Sochen 1 Uhr Röntgental( Waldhaus). Start: Elysium. Fahrstuhl, wochentäglich von 4½ bis 7% Uhr abends, Sonnabends, 30,00-50,00. Linsen 86,00-70,00. 6. Abt.: 7 Uhr: Speisebohnen, weiße 35,00-60,00. Bergluch am Werlfee( Seeblid). 1 Uhr: Köpenid( Schweizergarten). bon 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeber für den Briefkasten bestimmten Anfrage Startoffeln( Seleinhdl.) 4,00-7,00. 1 kilogramm Rindfleisch, von der Keule Start: Dderberger Straße 28. 7. Abt.: 7 Uhr: Zwiebusch. 1 Uhr: ft ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen betzufügen. Briefliche Antwort 1,70-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,50-2,10. Adlershof( Wönstein). Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: 6 Uhr: Luden wird nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnementsquittung beigefügt tt, Ralbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,60-2,40. Butter 2,40-3,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,40. Aale walde( Schulz). 1 Uhr: Lichtenrabe( Baul am Bahnhof). Start: Revezomerben nicht beantwortet. Ellige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 60 Stud Gier 4,00-6,00. Straße. 9. Abt. Behlendorf( Miet). Start: Schillingstr. 22. N. 1913. Die Mutter fann ihren Aufenthalt selber wählen; der Sohn 1,40-3,00. Bander 1,30-3,20. Hechte 1,20-3,00. Barje 0,80-2,40. 10. Abt.: 1 Uhr: Blantenseide bei Mahlow( Nude) Start: Gr. Frant ist zahlungspflichtig. Eine Klage hat Aussicht auf Erfolg. M. T., Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,80. 60 Stüd Streble 1,50-40,00. furter Str. 30. Neukölln 104. Ja. Vorwärts 100. 1. Wäschespind oder Kommode, Sofa, Küchenrahmen, Nähmaschine und Lampe. 2. Ja, jedoch nicht in der Abficht, Gläubiger zu benachteiligen. 3. Für den Fall eines Anfechtungsprozesses ja. 4. Falls Sie außerdem noch nachweisen können, daß die Be zahlung mit Ihren eigenen Mitteln erfolgt ist, tönnten Sie intervenieren. G. t. 36. 1. Das Einkommen des einzelnen muß den genannten Betrag übersteigen, andernfalls ist Pfändung nicht zulässig, sofern es sich um privatrechtliche Forderungen handelt. 2. Gleichgültig. 3. Auch ohne befondere Vereinbarung beireht Gütergemeinschaft nicht. Ein Ehevertrag fann bor oder nach der Eheschließung gemacht werden. Charlottenburg. 12 Uhr: Waidmannsluft( Schweizerhäuschen). Lichtenberg. i Uhr: Hennickendorf( Wachtelburg). Start: Pfarrftraße 74. Neukölln. 1 Uhr: Zwiebusch. Start: Hohenzollernplag. Pantow- Schönhausen. 1 Uhr: Schulzendorf( Hubertus). Schöneberg. 12 Uhr: Neu- Dabendorf. Start bei Dbft Treptow Baumschulenweg. 2 Uhr früh: Lübben. 6 Uhr: Wendisch, Buchholz( Schöne). Start: Baumschulenweg bei Strauſe. Allee 251. Stationen Witterungsübersicht vom 2. Oktober 1913. fland mm Barometer richtung Wind Windstärke 765 Better Kemp. n. T. 5° C.= 4° R. Stationen Barometer Stanb mm Bind Bir Bindstärke Better Temp. n.. 10 R= 4%. 2halb bb. 3 1 bededt 0 3moltig 13 mollig 11 3bebedt 13 2wollen! 7 Haparanda 763 M 9 Petersburg 759 N 4Dunst 3bedeckt 7 Scilly 757ND Dunst 10 Aberdeen 765 SHI 2 bedeckt 12 Paris 758SD 763 SD 2moltig 13 Wetterprognose für Freitag, den 3. Oktober 1913. Tells heiter, teils nebelig, nachts fühl, am Mittag zleinlich mild bei mäßigen östlichen Winden; teine wesentlichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Tegel. 2 Uhr: Tour wird am Start bekannt gegeben. B. 01. Die An- Swinemde. 766 DSD Weißensee. 12 Uhr: Pichelswerder( Alter Freund). Start: Berliner fechtungsflage ist verfährt. Strafanzeige und Klage auf Herausgabe Hamburg 764 SSD erscheint aussichtslos. Semper 897. Eine Versicherungspflicht für Berlin Dienstboten besteht zurzeit noch nicht. Solche tritt aber mit dem 1. Januar Frankj. a.M 762 Stil 763 N 1914 ein. Die Herrschaften" versichern sich gegen die Verpflichtungen, die München für sie aus den Bestimmungen der Gesindeordnung im Krankheitsfalle der Wien Dienstboten sich ergeben, bei dem Abonnementsverein. R. 2. 23. 1. Nein. 2. Der Vater ist zur Zahlung des vollen Betrages verpflichtet. Patient Beelit 88. Die Rechte leben erst wieder auf, wenn mindestens 200 Beitragswochen in gesetzlich vorgeschriebener Weise geleistet sind. Wilmersdorf. 6 Uhr: Luckenwalde. 1 Uhr: Groß- Beeren. Stralan- Rummelsburg. 2 Uhr: Baumschulentweg( Dembrowski). Kartoffel- und Heringstour. Start: Leffingstraße Ede Türrschmidtstraße. Wanderer. Arbeiter Wanderverein Berlin. Sonntag, den 5. Dftober. Studienfahrt nach Jüterbog und Kloster 8inna. Bes fichtigung und Erklärung unserer mittelalterlichen Behrbauten( Tor burgen, Türme, Stadtmauern, Weichhäuser). Besichtigung und Besteigung der Nikolaikirche. Wanderung durch Neumarkt nach Stlofter Zinna. Besichtigung der noch vorhandenen Klostergebäude. Beglänge zirka 12 Kilometer. Führung Krause. Abfahrt 6.15 Anhalter Bahnhof bis Jüterbog. Teilnehmerfarten a 30 Pj. für Mitglieder und 50 Pf. für Gäste( für Führung und Besichtigung) sind in unseren Zahlstellen Friz Wählisch, Stalizer Str. 22, und Georg Weihnacht, Grünftr. 21, zu haben. Gäste willkommen! Arbeiter- Wanderbund„ Die Naturfreunde". Am Sonntag, den 5. Dttober, werden folgende Touren unternommen: 1. Buberow- LindowGrieben. Abfahrt Stettiner Fernbahnhof 5,42 Uhr vorm. 2. Wissenschaftl. Tour nach Chorinchen. Abfahrt Stettiner Fernbbf. 5,59 Uhr vorm. 3. Durch die Dubrow. Abfahrt Sonnabend abends 8,40 Uhr Görliger Bahnhof nach Königswusterhausen. 4. Ertner- Stahlberg- Königswusterhausen. Abfahrt Schlesischer Babnhof 6,03 Uhr vormittags. 5. Birkenweider- GorinseeBuch. Abfahrt vom Stettiner Vorortbahnhof 5,48 Uhr vormittags. 6. Melchow Nonnenfließ- Schwärze- Melchow. Abfahrt Stettiner Fernbahnhof 5,59 Uhr vormittags. Gäste willkommen. Arbeiter Touristenverein Die Naturfreunde". Drtsgruppe Berlin. Sonntag, den 5. Oftober: I.( startoffel- und Heringstour) Straus berg, Annatal Spigmühle, Petershagen. Abfahrt nach Strausberg: Schles. Bhf. 6.23. II. Biesenthal, Samithjee, Melchow. Abfahrt nach Biesenthal: Stett. Bhf. 5.59. III. Müllrose( Frankfurt a. D. umsteigen). Bhf. Charlottenburg 3.39 früh, Schles. Bhf. 4.15. Gäste stets willkommen. Schwimmer. Schwimmverein Vorwärts" Berlin 1897 hält am Sonntag, den 5. Oftober, nachmittags 3 Uhr, in der städtischen Badeanstalt Schillingsbrüde, das 3. Abteilungs- Schwimmfest, veranstaltet von der Abteilung Schillingsbrüde, ab. Es finden Vereins- und Abteilungswettkämpfe, Herren-, Damen- und Jugendschwimmen, Springen, Tauchen, zwei teigen und zwei Bafferballspiele statt. Der Eintritt foftet 50 Pf. Die Nachfeier findet im großen Saale des Gewerkschaftshauses statt. Anfragen sind an den Vorsitzenden Alfred Seibt, Neukölln, Lahnstr. 5, zu richten. Interessenten wird auf Wunsch eine Nummer des Vereins- Mitteilungsblattes zugesandt. Fußball. Propaganda- Fußballiptel. Am tommenden Sonntag, nachmittags 24 Uhr, findet in Belgensee, Rennbahnstr. 40( Bundesplat der M.-S.-B.) ein Propaganda- Fußballwettspiel der Märkischen Spielbereinigung statt. Es stehen sich awei tombinierte Mannschaften der Spielbezirke Groß- Berlin und Cottbus Forst gegenüber. Die den Fußballsport tretbenden Arbeiter feien auf dieses Spiel besonders aufmerksam gemacht. Die Märkische Spielbereinigung, Mitglied des Ar beiter Turnerbundes, veranstaltet an den Sonntagen für Jugendliche und Männer rund 50 Spiele. An der jekt beginnenden Herbstferie beteiligen fich 75 Vereine mit über 160 Mannschaften, was einen Fortschritt, im Vergleich zum Vorjahre, von über 100 Broz. darstellt. Am 28. September veranstaltete die 9. Männerabteilung nach der Bartie in Belten mit dem Beltener Bruderverein verschiedene Bettspiele: 1. Fauft ball Belten- Fichte 9 85: 74, 2. Fußball bei Halbzeit 0: 0. 20 Minuten bor Schluß wurde seitens Fichte 9 das Spiel wegen der unschönen Spielweise der Beltener abgebrochen. 3. 1000 Meter Stafette in Gasse: Fichte 9 2,17%, Belten 100 Meter zurüd, 4. Kugelstoßen( Mannschaftsstoßen) Fichte 9 79 Meter, Velten 76,40 Meter. * Arbeiter- Samariterbund, Kreis Brandenburg. Rehrabend haben in dieser Woche( Beginn 8%, Uhr): Berlin. 3. bt. Donnerstag, 9. Dtt., Schöneberg, Borbergstr. 9, Restaurant Haendel. Berlin, 4. Abt. Donnerstag, 9. Dtt., Lichtenberg, Scharnweberstraße 60, bei Bidenhagen. Berlin, 5. 26t. Freitag, 3. Dtt., Neukölln, Idealkafino, Weichselstr. 8. Berlin, 6. Abt. Montag, 6. Oft., Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichstr. 35. Dber Schöne weide. Montag, 6. Oktober, Siemensstr. 12, bei Schulz. Spandau. Mittwoch, 8. Dftober, Pichelsdorfer Straße 5, bei Danneberg. Nowawes. Montag, 6. Dktober, Wilhelm, Ede Friedrichstraße, bei Schmidt. 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Oktober 1913. Kleine Notizen. Dr. Diesels rätselhaftes Berschwinden. Die holländische Zeitung Metropole" erklärt, daß ein Angestellter der Great Eastern Company in Antwerpen die feste Versicherung abgegeben hatte, daß Dr. Diesel Das Schwurgericht in Trier verurteilte dieser Tage einen gar nicht die Ueberfahrt gemacht habe, da der Steward seinen Namen nicht auf die Liste der Kabinenpassagiere gedreißigjährigen Aderer aus dem Moselgebiet zu fünf Jahren schrieben habe. Diese offizielle Erklärung steht allerdings in stärksten Gefängnis und die mitangeklagte Ehefrau wegen Beihilfe zu Die Explosion beim Bagdadbahnbau. Widerspruch mit den Behauptungen der Reisebegleiter Dr. Diesels. einem Jahre und sechs Monaten Gefängnis. Beide Die bereits gemeldete Explosionstatastrophe im großen Der Harwicher Vertreter des Handelsamtes bat jetzt eine Unter hatten gleich nach der Geburt eines Kindes das junge Lebewesen Bagtsche- Tunnel der Neubaustrecke der Bagdadbahn uchung über das Verschwinden Dr. Diesels eingeleitet, doch bisher borsäglich getötet. Der Fall verdient als ein Beitrag zur hat 3 a hlreiche Opfer gefordert. Wie sich jetzt nach ohne Erfolg. Die Cholera in Rumänien. Nach amtlicher Feststellung waren Psychologie frommer Moral in weitesten Kreisen bekannt zu werden. Vollendung der Aufräumungsarbeiten ergibt, fanden 22 rin 188 verfeuchten Gemeinden Rumäniens bisher 1159 CholeraDie beiden Angeklagten unterhielten ein Liebesverhältnis, das beiter den Tod, 11 sind verlegt. Der Sachschaden fälle zu verzeichnen. 76 Erkrankte sind gestorben und schließlich zu intimem Umgang führte. Als die Folgen fich bemerkbar ist nicht erheblich. Die Bauarbeiten an der Unfallstelle sind 89 genesen. machten, begann gegen das Mädchen im Dorfe eine wütende wieder aufgenommen worden. Eine Untersuchung über die Erdbeben in Zentral- Amerika. Ein heftiges Erdbeben suchte an Heze. Es wurde als Hure gebrandmarkt; als das Liebespaar sich Ursachen des Unglücks ist von der Baudirektion alsbald ein- Mittwochabend den ganzen Isthmus heim. Zwei Erdstöße, von denen entschloß zu heiraten, erreichte die Heze ihren Höhepunkt. Im ganzen geleitet worden. der zweite 10 Sekunden dauerte, wurden wahrgenommen. Dorfe hieß es, daß Liebesleute, die vor ihrer Verheiratung miteinander Die Bevölkerung ergriff panischer Schrecken, doch ist bis jetzt fein verkehren, keine Hochzeit feiern dürfen. Allenfalls sei ihnen ernsthafter Verlust und auch keine Beschädigung des Panama erlaubt, sich morgens früh durch den Pfarrer in der Kirche in ein- Ein gewaltiger Wolkenbruch, einer der stärksten seit Gründung fanals gemeldet worden. facher Form verbinden zu lassen. So waren die beiden durchaus der Stadt New York, ist am Mittwoch über die Stadt niederreligiös gesinnten Leute geächtet, und das wirkte so niederdrückend, gegangen. Innerhalb einer Stunde waren 9 Zentimeter Regen ge- der Landesanstalt für Gewäffertunde, mitgeteilt vom Berliner Betterbureau daß in ihnen der furchtbare Gedante erwachte, um jeden Preis der fallen. Der Hudsonfluß ist derart gestiegen, daß die Zugbrücke nicht bermeintlichen Schande zu entgehen. Sie stellten entschieden in Ab. Heruntergelassen werden konnte und der Verkehr zwischen New York rede, daß sie heiraten müßten. Am 8. Mai d. J. feierten sie ihre und Brooklyn völlig unterbrochen war. Sämtliche VerkehrsHochzeit. Obwohl die Frau nur wenige Wochen vor der Niederkunft mittel, Straßenbahnen, Automobile und insbesondere das Haupt- Memel, Tilfit stand, brachten die Gehezten es fertig, gegen ganz nahe Verwandte verkehrsmittel New Yorks, die Untergrundbahn, stellten ihre Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn mit Beleidigungsflagen vorzugehen, weil sie der Ehefrau Tätigkeit mehrere Stunden völlig ein, und gerade in Oder, Ratibor ihren Zustand vorgeworfen hatten. Einige Wochen nach der Hochzeit kam der Zeit, wo der Verkehr aus der City nach den Vororten am lebdie Frau nieder und bald nach der Ankunft des jungen Weltbürgers haftesten war, verkehrte nicht ein einziger Zug, da die Straße erdrosselte der Ehemann das Kind unter Beihilfe seiner Frau. völlig überschwemmt war. Tausende von Leuten sahen Die Leiche wurde in einen Sad verpackt, auf dem Felde verscharrt sich genötigt, darauf zu verzichten, aus dem Geschäft am Abend nach und dort durch einen Zufall später gefunden. Das Gericht hielt im Hause zurückzugehen, da keinerlei Beförderungsmittel aufzutreiben Anfang einen Mord für vorliegend, weil es in dem hartnädigen war. Hotels und Restaurants wurden förmlich bestürmt. VerBestreben der beiden Angeklagten, den Zustand der Frau zu verschiedene große Zeitungen konnten am Donnerstag erst mit großer heimlichen, die Absicht zur später erfolgten Tat vermutete. Wenn Verspätung erscheinen, da das Personal nicht nach den Druckereien schließlich nur Anklage wegen vorfäglicher Tötung erhoben wurde, und den Redaktionen gelangen konnte. Wasserstand Strossen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg nete, Bordamm Ibe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg Wasserstands- Nachrichten )+ bedeutet Wuchs, Befer, Münden 實際 999999 am jeit am 1. 10. 30. 9. cm cm³) 192 62 -7 -13 Wasserstand Saale, Grochlik abel, Spandau) Rathenow³) 1. 10. 30. 9. cm cm¹) 58 33 Spree, Spremberg) 80 175-2 170-5 68 33-1 -4+3 -10-5 Beestow 90 107 0 Minden 178 Rhein, Maximiliansau 406 Raub 198 Stoln 188 -131 -6 Nedar, Hellbronn 55 112 98 -12 -10 Main, Hanau 113-1 Mosel, Trier 26+1 Fall. ³) Unterbegel. Die Herrin des Nils ( Cleopatra) Dieser Film, der ein hervorragendes Meisterwerk technischer Film- und Regie- Kunst ist, führt uns in lebenstreuen Bildern das tragische Schicksal des römischen Feldherrn Marc Anton und der ägyptischen Königin Cleopatra vor Augen. Von gewaltiger Wirkung ist die Massenentfaltung der römischen und ägyptischen Heere, die in der nächtlichen Durchschreitung des Nils, der Erstürmung und dem Brande Alexandriens ihren Höhepunkt findet. 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