Kr. 860. fl bonnemen fS'Bcdi ngungen: •ffioitncmcnts• Preis Iiränumerando! »iertcljährl. 3,30 MI, monat!. 1,10 MI, wöchentlich 23 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonnlagS- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. «bonnemenl! 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zcitungs. Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2,ö0 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, ' olland, Italien, Luxemburg, Portugal, ulnänicn, Schweden und die Schweiz. & Sil 30. Jahrg. Die Iiifertioi)S--Gebül)r beträgt für die sechzqespaltcne Kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersnmmiungs-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine An-cigcn", das fettgedruckie Wort 20 Pfg. tzuläfsig 2fettgedr»ch- Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllcnaii- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Cifdieint täglich. Verlinev Volltsblntk. Telegramm- Adresse: „Soslsiilev�siizt kkllia". Zcntralorgan der rozialdcmokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. Iit8S. Sonntag, den 5. Oktober 1913. Expedition: 8Al. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moripplach. Nr. 1.984. Mehr ZoÄalpolitik! Einschränkung der Sozialpolitik! Zu dieser Forderung be- kannte sich der Zentralverband der Industriellen auf seiner am 15. September 1913 in Leipzig abgehaltenen Delegiertenversamm- lung. In diesen Ruf nach Stillstand in der sozialpolitischen Ge- setzgebung stimmen Agrarier und Mittelständler begeistert ein. Angeblich leidet Deutschland unter einem Zuviel an sozialer Für- sorge. Man meint/ dem Wohle der Arbeiter sei nun überreich Genüge geschehen. Das bekannte, seltsame Wort von der gefüllten Kompottschüssel der Arbeiter haben die Scharfmacher und die Junker zu ihren Gunsten im Kampfe für Lebensmittelwucher und gegen Arbeiterschutz weidlich ausgeschlachtet. Leider auch mit offen- sichtlichem Erfolg. Es fanden sich sogar einige Professoren, die mehr kühne als gewissenhafte Gründe zu der Theorie von der Ueberspannung in der Sozialpolitik lieferten. Sie bemühten sich, der Scharfmachcrei ein wissenschaftliches Mäntelchcn zu schneidern. In Wirklichkeit ist mehr Arbeiterschutz ein dringendes Gebot der Stunde. Wenn es dessen noch eines Beweises bedurft hätte, so liefert die Veränderung im Altersausbau der Bevölkerung ihn in der denkbar einwandfreiesten Weise. Der Anteil der über v« Jahre alten Personen an der Gesamtbevölkerung ist zurück- gegangen. Das Bekanntwerden dieser Tatsache müßte aufrütteln, müßte die öffentlichen Gewalten auf den Plan rufen zur Abwehr des Unheils. Die amtlich festgestellte Verminderung der älteren Leute im Volksganzen hat ein früheres Sterben als bisher zur Voraussetzung, wenigstens in einem Teile der Bevölkerung. Aber kein Alarmruf wegen Vernichtung der Volkskraft ertönt. Mit Polizeiknüppeln und Mönchskutten soll die Gebärfreudigkeit an- geregt werden, aber tatenlos sieht man zu, wie die Volkskraft ver- wüstet wird. Allerdings, das Aufziehen der Proletarierkinder kostet das �Kapital nichts, aber verwüstender Raubbau an der Ar- beitskraft des Proletariats steigert den Profit. Und darum ruft das Ausbeutertum: Weniger Arbeiterschutz! Verschiedene Anzeichen sprachen schon längst dafür, daß die industrielle Entwickelung in gesteigertem Maße die Arbeitskraft verbrauche. Die Maschine in gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrieben, die fortschreitende Mechanisierung des Produktion�- Prozesses macht Arbeiter Werflüssig. Das bedeutet aber keine Entlastung des einzelnen an die Maschine gefesselten Arbeiters, keine Milderung in der Ausbeutung der Arbeitskraft. Im Gegenteil, die Maschine, der automatische Betrieb frißt mehr Lebensmari, reibt die Nerven des zum Sklaven des eisernen Herrn gewordenen Arbeiters schneller und gründlicher auf. Nach den Feststellungen der königlichen Gcwerbebeamten ist die Zahl der älteren Leute im Vergleich zur Gesamtarbeiterschaft in den Fabriken zurückgegangen. Die Hauptursache dieses Rück- ganges ist die künstliche Verjüngung des Arbeiterstammes. Der Beamte des Bezirks Düsseldorf schreibt wörtlich: „Zweifellos stellt ein großer Teil der in den Großeisenwerkcn vorkommenden Arbeiten an die Körperkraft der Arbeiter so hohe Anforderungen, daß nur junge, in der Vollkraft der Jahre stehende Leute sie überhaupt und auch diese sie nicht für lange Dauer zu leisten vermögen. Ein erheblicher Prozentsatz der Arbeiter ist daher schon aus diesem Grunde nach verhältnismäßig kurzer Zeit genötigt, zu einer anderen, weniger anstrengenden Tätigkeit über- zugchen. Di« Vcrlvendungsmöglichkeit nicht mehr voll leistungsfähiger Arbeiter ist aber in der Großeisenindustric naturgemäß beschränkt und nur ein verhältnismäßig kleiner Teil dieser Arbeiter kann auf den Werken selbst weiter lohnende Beschäftigung finden. Dazu kommt, daß die Betriebsleiter wenig geneigt sind, ältere Arbeiter neu einzustellen, so daß als- E i n st el l u n g s g r e n z e des Großeisenarbeitcrs im allgemeinen das 4 9. Lebensjahr gelten kann." Auch in anderen Gewerben, z. B. in der Zement- und der chemischen Industrie, ist es vielfach üblich, Arbeiter im Betriebe nicht alt werden zu lassen. Wenn man sie nach einiger Zeit gründ- lich ausgebeutet hat und die Leute anfangen, zu kränkeln, dann wirft das Kapital sie auf das Pflaster. Das hat für das Unter- nehmertum zweifache erwünschte Folgen. Die Weriherren er- zielen so verhältnismäßig günstige Erkrankungsziffern für ihre Betriebe. Das erweckt den Anschein, als ob die Arbeitsverhältnisse zu Bedenken keinen Anlaß böten. So täuscht man die Oeffcnt- lichkeit und macht für die eigenen Krankenkassen Ersparnisse. Die Entlassung gibt den ausgemergelten Arbeitern die Lebenskraft und die Gesundheit natürlich nicht zurück. Sie bleiben frühzeitige Todeskandidaten. Die geschilderte künstliche Ver- jüngung des Arbeiterstamms, die fortgesetzte Zuführung„frischer Ware", das Heranholen junger Leute, das Abstoßen der krank und elend gemachte» Arbeiter verschleiert ein sehr gefährliches Ver- wüsten von Arbeits- und Volkskraft. So schlimm, so erschreckend groß ist das Vernichten, daß es sich sogar schon im Altersaufbau der Gesamtbevölkerung bemerkbar macht. Mit der von dem Gewcrbeinspcktor gekennzeichneten Praxis wird natürlich eine Verjüngung des Arbeiterstammes er- zielt. Aber die Opfer der Ausbeutung verschwinden nicht aus der Gesamtbevölkerung. Ein früheres Sterben der von der Industrie Abgestoßenen muß daher den Altersausbau der Gesamtbcvölkcrung trotz der allgemeinen Abnahme der Sterblichkeit beeinflussen. Und das ist tatsächlich bereits der Fall. Die Ergebnisse der Berufszählung im Jahre 1997 beweisen das deutlich. Von 199 der Gesamtbevölkerung entfielen nämlich auf die Altersgruppen: 1882 1893 1997 bis 29 Jahre... 44.8 44.8 44,4 29-59„... 39.4 39,7 49.S über 59„... 15,3 15,5 15,9 Der Anteil der über 59 Jahre alten Personen an der Gc- samtbevölkerung ist von 15,8 im Jahre 1882 auf 15,5 im Jahre 1895 und dann in einem stärkeren Abstieg auf 15,9 im Jahre 1997 zurückgegangen. Wahrscheinlich ist diese Gruppe in den letzten sechs Jahren noch weiter zusammengeschrumpft. Und das Zu- sammenschmelzen wird nicht aufhören, tvenn nicht ein energischer Arbeiterschutz dem Verwüsten der Volkskraft ein Halt setzt. Die vorstehenden Ergebnisse geben dem Altersaufbau der Er- werbstätigen eine besondere Bedeutung. An dem früheren Ster- ben sind die besitzenden Schichten kaum beteiligt. Es ist vielmehr anzunehmen, daß deren Durchschnittsalter größer geworden ist. Demnach mutz es in dem übrigen Volksteil über die dargestellte Verkürzung gesunken sein. Tatsächtlich ist bei den Erwerbs- tätigen— ausschließlich der Mithelfenden— die Gruppe der älteren Personen stärker zurückgegangen, als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Von 199 der Gesamtbevölkerung standen im Alter: Personen männliche Iveibliche 1895 1997 1895 1997 bis 29 Jahre.. 16,2 15.8 � 26,9 27,8 von 29—50 Jahre 63,6 66,3 53,2 54,7 über 59 Jahre.. 29,2 17.» 29,8 17,5 Hier also beträgt der Rückgang auf 199 der Bevölkerung allein in der letzten Zählperio!� bei den männlichen 2,3 und bei den weiblichen Personen sogar 3,2. Einen noch erheblicheren Rückgang erlitten die höheren Altersgruppen in Handel und Industrie. Und hier geht der Rückgang bis auf daS 49. Lebensjahr zurück. Im Jahre 1882 gehörten z. B. von 199 männlichen in der Industrie beschäftigten Arbeitern 31,8 zu der Gruppe der über 49 Jahre alten Personen. Im Jahre 1997 nur noch 28,9. Bei den Weib- lichen Beschäftigten ergab sich ein Rückgang von 27,1 auf 22,4. Die Ziffern aus dem Handelsgewebbe zeigen folgende Veränderung: bei den männlichen Beschäftigten eine Verkleinerung des Anteils der über 49 Jahre alten Personen von 49,3 auf 35,9, bei den Weib- lichen Beschäftigten von 46,3 auf 32,3. Hier ist das vermehrte Einstellen nur junger Arbeitskräfte die Ursache der Verjüngung. Man will ältere Personen nicht mehr; sie sind den vielfach un- heimlich gesteigerten Ansprüchen an die körperliche Leistungs- fähigkcit nicht genügend gewachsen. Dem Menschcnkraft, Gesund- heit, Lebensmark gierig fressenden Wirtschaftskörper führt man ununterbrochen frisches Menschenfleisch zu.. Die verdorrten, zer- mürbten Arbeiter wirft man hinaus. Diese Ergebnisse heischen gebieterisch ein Eingreifen. Das Aufwerfen eines Schutzwalles gegen ein entsetzliches Vernichten von Leben, gegen ein tolles Verschleudern von Volkskraft, ist eine der dringlichsten Aufgaben der Gegenwart. Mit der Ausrede, daß lediglich das stärkere Heranziehen junger Arbeitskräfte den Anteil der höheren Altersgruppe an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen vermindert habe, kann man jetzt nicht mehr durch. Die Ergebnisse der Berufszählungen lassen erkennen, daß der Raubbau an der Arbeitskraft Herdts den Anteil der über 59 Jahre alten Personen an der Gesamtbevölkerung verkleinert hat. Wem es wirklich um die Stärkung des Volkes und um ein Entgegenarbeiten gegen Verelendung und Degeneration zu tun ist, müßte mit der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften ein- stimmen in die Forderung: Mehr Arbeiter schütz! öffentlich zu verkünden, daß er für eine Erhöhung der Lebensmittelzölle nicht zn haben ist. Bis zur Festsetzung des neuen Zolltarifs wird ja noch viel Wasser den Berg hinab- laufen— und wenn dann die Lage eine günstigere sein sollte, kann man sich ja wieder den Strategen des, Bundes der Land- Wirte nähern. In ihrer Zuschrift an die„Köln. Ztg." räsoniert die Leitung des Zentralverbandes zunächst über das Verhalten der„linksstehenden Presse" und stellt sich selbst und ihrer vaterländischen Wirtschaftspolitik ein komisches Ehrenzeugnis ans— und dann heißt es: „Darum haben sich die Gegner des Zentralverbande? die Formel zurechtgemacht, daß er und der Bund der Landwirte in ein enges taktisches Verhältnis zum Zweck lder Durchsetzung ein- seitiger, egoistischer Forderungen getreten wären. An dieser Formel hält die gesamte demokratische Presse fest, obwohl auf der Delegierten Versammlung oes Zentralvcr- b a n d c s einstimmig ein B e s ch l>rß gefaßt ist, der in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise gegen die über das jetzige Maß des Z o I l s ch u tz c s für Lebensmittel hinausgeh/enden Wünsche des Verbandes der A g r a rk o n/s e r va t i v e n und gegen den lückenlosen Zolltarif Stellung n i m m t. Deutlich beleuchtet diese unschöne Kampfesweise die Tatsache, daß trotz der bündigen und unzweideutigen Beschluß- fassung der Delegiertenbersammlung in Leipzig iminer wieder davon gefabelt wird, eS sei ein festes Kartell— ein„Zusammen. schluß in sehr enger Form"— zwischen dem Zentralverband und dem Bund der Landwirte geschlossen. Diese Fabel/o s e n: bereits dem Handelsvertrags verein a. s" Mittel zur Mitglieder Werbung, und /luih.pcht d e „Nationälzeitnng" dieser Irreführung die Krone, �us„.indcin sip am 29. September versichert, daß trotz des in Lftf ü» nüreoe gestellten Bündnisses der Zentralverband- und �-Lnudbuiid zu einem„Kartell" sich vereinigt hätten, ea sej/dch geuicinsamer Reichsansschuß geplant, ferner Provinziäl- u>w Landeskartelle. An dieser Meldung ist kein wahres WoroöBpF Die Behauptung, mit der die zentealverbandfeindlichen Agitatoren arbeiten, ist also für jeden, der den Dingen nichk Gewalt antun will, schon deshalb erledigt. Bleibt noch der V ersuch, den Bund der Lg n.ppkts r t e und die deutsche Landwirtschaft zu i d.q stizieren. Der Zentralverband hat niemals einen Zttzdfel jdarüber gelassen, daß er den Bund der Landwirte, sowohl wegen seiner Kampf Methode wie jSri.tlnRiü ck s i ch t ans feine übertriebenen, n n e r s s: I l l a r e n Forde- r n n g e it als die G e s a m t v c r i r e der deutschen Landwirtschaft nicht a n c r k c k a n n.... Wer aber dennoch nicht davon üiver.p ugt: ist, daß der Zen- tralverband unter keinen ll niji u n d r n gewillt ist, für die extremen Forderungen des Bündel der Landwirte ein- zutreten, den muß die Rede des preußischen Landwirtschafts- Ministers Jrhrn. v. Schorlemer-Lieser auf der landwirtschaft- lichen Ausstellung in Essen eines Bessern chetehrt haben." Das ist— wenn sie auch nicht so Höfe gemeint ist— eine deutliche Absage an die Generalstäbler dös Bundes der MCsfWZ Landwirte. Wir sind neugierig, was diesd werde,!. lilinillerreisen und ■ 9$ Eine gestörte Ciaifon. Der Zentralverband deutscher Industrieller hält es für angebracht, in einer langen, auffallend scharfen Erklärung, die er an die„Köln. Ztg." gerichtet hat, sich dagegen zn ver- wahren, daß er die extremen Zollforderungen wie die Agitationsweise des Bundes der Landwirte billige und ge- willt sei, diese Forderungen zu unterstützen. Der Grund, der ihn zu dieser auffälligen Erklärung bestimmt hat, ist leicht zu begreifen. Die Verbrüderung des Zentralverbandes mit den Landbündlern hat keineswegs bei allen Zentralverbändlern freudige Zustimmung gefunden. Ein Teil der dein Zentral- verband angehörenden Großindustriellen ist über die Tcchtel- mechtelei ihres Vorstandes init dem Bund der Landwirte ver- stimmt, und diese Verstimmung wird von dem Bund der Industriellen und dem Handelsvertragsverein geschickt ans- genützt. Das ist dem Vorstand des Zentralverbandes natür- lich höchst unbequem, und so hält er es für angebracht, vor- läufig von dem Bund der Landwirte etwas abzurücken und Cxpansionsbeslrebunsen. Petersburg, 2. Oktober.(Eig. Ber.)' Der Ministerpräsident und Finanzminister K o k o w z e lo und der Minister des Aeußern S s a f o n o w haben in diesen Tagen ihre feit langem angekündigte große Tour nach Europa angetreten, die sie nach Berlin. Paris, London und Rom führen soll. Wcklterschiiternde Fragen sind zwar nicht mit dex Auslandsreise der Coinmi» vo.yageurs des Zaren verknüpft, aber immerhin sind dig hier in Betracht kommenden Fragen interessant genug, um einer kurzen Betrachtung unter- zogen zu werden. Im allgemeinen dient die Reise der russischen Minister denr Zweck, die durch die B a l k a n k r i c g e eingetretenen Verschiebungen mit den Richtlinien der russischen Politik in Einklang zn bringen. Daneben dürften wohl auch Be- fprechungen laufen, die mit der kritischen Lage im fernen Osten in Verbindung stehen. Hier wie dort ist die Richtung der russischen Politik in ausreichendem Maße bekannt, und die Rolle Rußlands im nahen wie im fernen Osten genügend ge- klärt. In diesem Zusammenhang treten aber neuerdings einige Momente besonders deutlich hervor, deren Erörterung zum Verständnis des altgemeinen Charakters der russischen imperialistischen Expansion einiges beitragen dürfte. Es ist die Frage der russischen Eisenbahn- bauten als Werkzeug der politischen Ausbreitung, die in der letzten Zeit imnier deutlicher in den Vordergrund tritt und bei den politischen Besprechungen der russischen Minister im Auslande eine wesentliche Rolle spielen wird. Rußland ist infolge seiner geographischen Lange imstande, gerade auf diesem Gebiete in zähcni Vorwärtsdringen einen Erfolg nach dem andern zu erringen. Man braucht nur die sibirische, die ostchinesische und die mittelasiatischen Bahnen zn nennen, um zu erkennen, welche ungeheure Rolle die russischen Eisenbahn- bauten in der kolonialen Ausbreitung Rußlands, in der An- gliederung immer neuer Läitdmicn an das Mutterland ge» spielt haben und ncd) heute spielen. Wie Polypcnarinc strecken sich die russischen Buhnen nach allen Richtungen aus. um die Besitzungen der schwächeren asiatischen Staaten in den Bann- kreis der russischen Raubpolitik zu ziehen. In den Iahren nach dem japanischen Kriege mußte die russische Regierung das Tempo dieser Politik verlangsamen. Nun aber tritt sie, gestützt auf ihre westeuropäischen Bündnisse und auf die Hilfe der europäischen Börse, immer energischer auf demselben Ge- biete auf. dvs 1904 zum blutigen Zusammenstoß mit Japan gcfiihrt hat. Zur besseren Uebersichtlichkeit untersuchen wir die Be- strcbungen dieser Politik auf den einzelnen großen Gebieten der russischen Kolonialpolitik: 1. O st a s i e n. Nach dem zweigleisigen Ausbau der sibirischen Bahn und der Vollendung der 1908 begonnenen Aniur�Bahn. die im Nächsten Jahre erfolgen soll, tritt Ruß- land in viel stärkerer Rüstung auf dem ostasiatischen Kampf- platze auf. Im Einklänge mit der allgemeinen Richtung der jüngsten ostasiatischen Politik, die auf eine Aufteilung der Rt a n d s ch u r c i zwischen Rußland und Japan hinzielt. tritt die russische Trplomatie jetzt mit Forderungen an China heran, ihr neue ktonzessionen für den Bau von Anschluß- bahnen an der(russischen) ostchinesischen Bahn nach Nord- Westen hin bis zuna. Amur zu gewähren. Diese Forderungen, die natürlich nur im Anbetracht der inneren Wirren Chinas und der Schwenkung der japanischen Politik gestellt werden konnten, zielen offkusichtlich darauf hin, die Nordmandschurei, die zum Teil bereits durch die ostchinesische Bahn beherrscht wird, noch fester«in Rußland zu ketten. - 2. Mittelasien. Neben den bereits seit vorigem Jahre begonnemw. Vorarbeiten für den Bau einer Bahn nach Kjachta und Urga im Anschluß an die große sibirische Bahn. die die unter russische..Schutzherrschaft" gefallene Mongolei an Rußtand anyt iedern soll, werden jetzt Schritte unter- nommen, um auch die neulich besetzte W e st m o n g o l e i und vor allem das strategisch und politisch wichtige chinesische Türke st an duvch neue Bahnen dem russischen Einfluß näher zu bringen. Rußland hat bereits seine militärischen Straßen und Bahn en bis an die Grenzen Afghanistans und Chinesisch-Turkeftan s geführt. Nun sollen diese Bahnen niit dem System der mi itelasiatischen und sibirischen Bahnen ver- bunden werden. Es werden schon jetzt die Vorarbeiten aus- geführt siir den Bau einer neuen Bahn, die das SennrjetschenSk-Gcchiet in einen wichtigen Mittelpunkt Zentralasiens verwirndeln soll. Diese Bahn soll von Pischpek über Fergana nach Andishan gehen: da sich in Pischpek die Bahnen nach Taschkent, Kuldscha, Andishan und der großen sibirischen Bahn kreuzen sollen, verwandelt sich dieser Ort in einen wichtigen Mittelpunkt der militärischen Kräfte Ruß- chands, die jetzt schon, in feindlicher Front gegen China, an den Grenzen Chinesisch-Turkestans aufmarschiert sind. 3. V o r d e r a? i e n. Am weitesten vorgeschritten sind Vre nniitär-politischmr Eroberungen Rußlands in seiner nord- pe�silchen„Einflußsphäre". Hier folgen, nach der Vernich- butg der Selbständigkeit Persiens, die russischen Eisenbahn- Pläne schnell einer auf den andern. Genosse E. Barth hat kürzlich iu seinen instruktiven Artikeln über die persische Cisendahnfrahch in der„Neuen Zeit"(XXXI. Nr. 45/40) eingehend geschildert mit welchen Gewaltmitteln die russische Regierung um die persischen Eisenbahnen in ihre Hand zu bekommen. Nachdem sie ini Januar dieses Jahres nach heftiger Presston auf das persische Kabinett die Konzession zum Bau der Eisepbahnen Dschulfa— Täbris und Tschulfa— Urmia erzwang, ichreitet sie nun bereits zum Bau dieser Bahnen. NanienSlvh p:c erste Bahn dürfte bereits in kurzer Zeit vollendet sietn. da* die früher errichtete russische Chaussee nach Täbris mit cistest für den Eisenbahnbau notwendigen Vorrichtungen v«ridi»a ist. Mit der Vollendung dieser Bahn aber tritt die Benin'plichung der von Rußland angestrebten t r a n s p e r s i sch e i>'Bahn wieder in den Vordergrund. England weigert sich«ms guten Gründen, den Bau dieser Bahn, die die rltssi'�cm Regimenter an die Grenzen Indiens bringen kann, zu upn-rftiitzeu. Bei der russischen Regierung jedoch ist es besächhieae Sache, die transpersische Bahn zu bauen, um so tuc-m als die Moskauer Industriellen den Widerstand gegen dies? Bahn aufgegeben haben. In London dürfte wohl auch diese Frage zwischen den russischen und den englischen Mtriisieim erörtert werden. , Zurzpit piy ivichri-gsten ist aber die Frage der klein- a.j i a t-i.j-chh p Bahnen, die in der letzten Zeit, im An- still uß an die Liquidation des Balkankrieges, zu lebhaften Verhandlungen zwischen den Prätendenten auf das türkische Eibe: Deutschland.'Rußland, Frankreich und England, ge- fuhrt hat. Was den russischen Anspruch betrifft, so gilt es .«zeit bereits als feststehend, daß Rußland und Frankreich fcrpnn die Konzessionen teilen, die Rußland auf Grund seines Mkomniens vom Jahre 1900 von der Türkei fordert. Ruß- land tritt danach, unter Vorbehalt seiner definitiven Be- stätigung einer jeden Konzession, das Recht auf den Bau von Eisenbahnen ini südlichen und westlichen Teile Kleinasiens an Frankreich ab. lvenn das französische Kapital den Bau einer russischen Bahn von Trafiezund'nach Erserum und von dort nach der russischen Grenze finanziert. Die Verhandlungen über diese Frage haben bereits so greifbare Formen angc- nommen, daß nach der kürzlichen Meldung der„Nowoje Wremja" einige Mitglieder der Pariser Hautefinance in der vorigen Woche in Petersburg eingetroffen waren, um mit Kokowzew Vorverhandlungen über den Abschluß einer Anleihe von 200 Millionen Frank für die Bahnbauten in Kleinasien zu sichren. Der Abschluß dieser Verhandlungen wird während des Pariser Aufenthaltes Kokowzews erwartet. Daneben wird aber auch von diesem Besuch des russischen Ministerpräsidenten und Finanzministers bei den französischen Gläubigern mit aller Bestimmtheit erwartet, daß die Placierung der russischen E i s e n b a h u w e r t e an der Pariser Börse, die bisher immer auf Schwierigkeiten stieß, generell geregelt wird. Rußland hat nänllich, trotz der viel gerühmten Stabilität seiner Finanzen, nicht genügend Geld, um seine Bahnen zu bauen. Jährlich werden garantierte Eisenbahnobligationen für Hunderte von Millionen Mark im Auslande realisiert. Diese-Emissionen sind nichts weiter als versteckte Staatsanleihen, die die allgemeine Finanzlage Rußlands keineswegs verbessern. Wenn nicht alles trügt, werden diese Anleihen in der nächsten Zeit um vieles zu- nehmen, um Rußlaccd in den Stand zu setzen, mit dem in Westeuropa gepumpten Gelde eine neue Aertl der Expansions- Politik in Asien einzuleiten. k>olitisckL deberllckt. Agitation statt Abhilfe. Das Organ des Herrn v. Bcthmann Hollweg sieht sich genötigt, endlich auch einmal zu der herrschenden Arbeitslosigkeit Stellung zu nehmen. Aber es ist bezeichnend für die Auffassung der Regierung, daß sie die ganze Frage benutzt, um sich die scharfmacherische Hetze der„Kölnischen Zeitung" gegen die vorläufig noch gar nicht stattgefundcnen Arbeitslosen- demonstrationen zu eigen zu machen. Bei dieser rein Politischen Aus- Nutzung der Not von Hunderttausenden unfreiwillig Arbeitsloser macht es sich besonders nett, daß die„Norddeutsche" uns vorwirft, die Partei nehme es gar nicht ernst mit einer wirk- lichen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: uns sei die Notlage vor allen Dingen als politische Waffe willkommen und wir fürchteten, Abhilfe würde diese Waffe vor der Zeit stumpf machen. Diese perfide Unterstellung richtet sich von selbst. Uebrigens braucht die Regierung ja nur eine wirkliche Ab- Hilfe in die Wege zu leiten, um der Partei die Waffe der Demonstration aus der Hand zu schlagen. Aber solange die Regierung sich gegen Hilssmaßregeln, insbesondere die Reichs- arbcitslosenversicherung, sträubt, muß ihr eben gezeigt werden, wie groß die Not bereits ist. Im übrigen sorgt die Regierung selbst durch ihre ganze Politik für so viel Agitationsstoff, daß wir die Sorge der„Norddeutschen" in dieser Hinsicht ganz unnötig finden._ Menschenjagd in Teutsch-Siidlucstafrika. Die Buschmänner Südafrikas sind ein Stamm, der auf der tiessten Kulturstufe steht. Sie leben hauptsächlich von der Jagd, und Viehdiebstähle erscheinen ihnen ans Grund ihrer moralischen An- chauungen nicht als Verbrechen. Mit diesen Anschauungen geraten ic natürlich in Konflikt mit den europäischen Kulturpionicren, und eZ hat den Anschein, als ob man diesen Nomadenstamm systematisch ausrotten wolle. So meldet die„Koloniale Korrespondenz": „Nach übereinstimncenden Meldungen der Schutzgebietszeitungen kam es Anfang September im Bezirk Grootkontein im Norden von Dcutsch-Südwostafrika zu einem offenen Aufruhr der Buschleute, der nur durch das schnelle und energische Eingreifen der Schutz- inippe im Keime erstickt wurde. Wegen vollendeten Giftmordes an dem Farmer Max Müller auf Klein-Huis und wegen eines Gistmordversuchs an dem Farmer Andrea? Thonias auf Farm Buschfcld wurden 12 Buschlente von der Polizei verhaftet und dem Bezirksamt vorgeführt. Hier zeigten sie sich offenkundig aufsässig und erklärten mit stecher Stirn, den alten Farmer Müller gemeinschaftlich vergiftet zu haben. Angesichts der bedrohlichen Lage taten sich die Farmer der bedrohten Gegend zusavnccn, um einer Bande von Busch- leutcn, die schon seit längerer Zeit die Farmen durch fort- währende Viehdiebstähle unsicher machte, habhaft zu werden. Am Otjitjika-Berg kam es zu einem regelrechten Kampf mit der Bande, welche die Farmer mit vergifteten Pfeilen empfingen. Diese machten daraufhin von ihren Waffen Gebrauch und erschossen mehrere Buschlente. Die von Okanjande zu Hilfe gerufene 4. Kompagnie der Schutztruppe nahm eine gründliche Säuberung der ganzen Gegend vor, wobei 15 Buschleute erschossen und eine ganze Anzahl gefangen genommen courde. Die Gefahr erscheint gegenwärtig beseitigt, da_&ie Truppe nach den neuesten Meldungen bereits wieder an ihren Standort zurückgekehrt ist." Daß die deutsch-südwestafrikanifche Preffe die Tatsache in ge- hässiger Weise übertreibt, geht aus folgender Wolff-Mcldung hervor: „lieber die aus Dentsch-Südcvestafrika gemeldeten Kämpfe der Schutztruppen mit Buschleuten erfahren wir, daß es sich dabei. lediglich um eine stärkere Patrouille der 4. Kompagnie gehandelt hat, die auf Anircisung des Gouvernements oeu nord- östlichen Teil des Bezirks Grootfonteni, in dem sich die Klagen über das Treiben der Buschleute in Atzter Zeit vermehrt hatten, absuchen und von dem herumstreifenden, gefährlichen Gesindel säubern sollte. Bei der Streife wurde ein größerer Erfolg des- halb nicht erzielt, weil nur auf den Farmen beschäftigte Busch- leute als Führer der Patrouille dienten, die selbstverständlich ihre Stammesgenossen nicht verraten wollten und deshalb als Führer versagten. Infolgedessen gelang es den verfolgten Busch- leutcn, in den meisten Fällen rechtzeitig zu entkommen. Auf der Flucht wurden drei Mitglieder einer Werft erschossen, zwei Weiber mit einem Kind wurocn festgenommen." Aber auch hiernach ist das Niederknallen der kolonialen Kul- turarbcit letzter Schluß._ Allzu scharf macht schartig. Die Wahrheit dieses alten Sprichwortes muß der konservative Oberamtmann von Kw r I s r n h e erfahren, der kürzlich in einer Wählerversammlung bei Karlsruhe sich dazu verstieg, unter Berufung auf das Ministerium einen Eingriff der Regierung in die staalS- bürgerlichen Rechte jener Beamten anzukündigen, die dem Großblock Vorspanndienste leisten würden. Nachdem die Rede des Herrn Ober- amtmanns an die Ocffentlichkcit gebracht und kommentiert worden war, sah er wohl eim, daß er sich schwer verrannt hatte. Er ließ nun eine Berichtigung loS, in der er sich darauf hinausredete, er habe die konservativen Wähler gegen Wahlbeeinflussung schützen wollen. Abgesehen davon, daß cS dem Herrn Oberamtmann schwer fallen dürfte, zu beweisen, daß einmal ein konservativer Beamter Jich als Wähler zugunsten des Großblocks hätte beeinflussen lassen, passiert ihm jetzt noch ein anderes Malheur. Seine Wahlrede ist nämlich im Slcnogramm aufgenommen und die Stelle seiner Rede, die berechtigtes Aufsehen und Widerspruch erregte, ist von Bericht- erstattern verschiedener Zeitungen in gleichlautendem Wortlaut festgestellt. Damit ist die Berichtigung gründlich all»dscirSuia gejührt._ Militärjustiz. Vom Dresdener Kriegsgericht wurden jetzt wieder einmal zwei Urteile gefällt, die, einander gegenübergestellt, direkt aufreizend wirken müssen. Die erste Strafsache richtete sich gegen den Sergeanten M a n i tz vom Jnfanterie-Regiment Nr. 182 wegen einer Reihe brutaler Mißhandlungen und Schikanen. Obgleich der Angeklagte seine„erzieherische" Tätigkeit schon längere Zeit be- treibt, ist doch die ganze MißhandlungSaffäre erst durch einen Vorgang in Fluß gekommen, der sich am 22. August ereignete. An dem fraglichen Tage war der Sergeant Aussichtsführer beim Zcllba», wobei nach seiner Meinung der Soldat Wöhncr nn- tätig dastand. Der Angeklagte stürzte sich auf den Soldaten und schlug ihn mit dem in der Scheide befindlichen Seitengewehr vier bis fünf mal kräftig gegen Oberschenkel und Rücken, so daß der Mißhandelte längere Zeit erhebliche Schmerzen hatte. Dann brüllte der Angeklagte noch:„Du Rotzjunge. Du mußt behandelt werden wie ein Rotzjunge, wir sind ja noch ein Jahr zusammen, da werde ich Dir dasLebe» sauer machen, Du soll si keine frohe Stunde mehr haben!" Da der Soldat Wöhner schon früher unter den Roheiten des Angeklagten zu leiden hatte, nun abermals schwer mißhandelt ivorden war und die Aeuße- rung wenig gute Aussichten für die Zukunft eröffnete, erstattete er Meldung. Im Laufe der Untersuchung kamen denn auch die übrigen Brutalitäten zur Sprache. Bei verschiedenen Gelegenheiten ist Wöhner in sch nc erzhafter Weise geohrfeigt und gegen den Hinterkopf geschlagen werde», Beim Fechten erhielt der Soldat, als er stillstand, zwei kräftige schmerzhafte Stöße mit dem Fechtgewehr in den Rücken. Aus reiner Lust am Quälen ließ der Angeklagte eines Sonntags die ganze Korporalschaft in seine Stube kommen und befahl den Mannschaften unter gemeinen Drohungen, Wöhners Sachen zu putzen. Wöhner mußte sich dann zum allgemeinen Gaudium vollständig ausziehen und in diesem Zustande nach seiner Stube laufen und dort eine halbe Stunde warten. Das war um die WeihnachtszeitI Trotz seines dreisten Leugnens wurde der Rohling allenthalben überführt. Wegen Mißhandlung i n v i er F ä l l en, in einen, Falle unter Mißbrauch der Waffe, Beleidigung und vorschriftswidrige Be» Handlung warf da? Gericht die sehr milde Strafe von— scchsWochcn mittleren Arrest aus und beließ ihm die Vorgesetzten» eigenschaft. Und dabei erkannte man selbst an, daß der An- geklagte durch sein brutales Verhalten das Ansehen des Unter- offizierssiandes schwer geschädigt habe und Rücksichtnahme nicht verdiene. Ein schreiendes Gegenstück dazu liefert das Urteil in nachstehender Strafsache, bei der es sich allerdings»m eine Verfehlung eines gemeinen Soldaten gegen die heilige Disziplin handelt. Während des letzten Herbstmanövers nahm das Ulanenregiment Nr. 17. am 5. September in Bautzen Quartier, und gleich nach dem Essen fand Stalldienst statt. Durch einen Kameraden erhielt der Ulan S ch n e i e r vom Sergeanten den Befehl, das Pferd„Mars" zu putzen. Schneier kam dem nicht nach, weil er s e I b st sehr viel zu tun hatte und das Pferd auch ein Beiß er war. Als »ach einiger Zeit der Sergeant in den Stall kam, erhielt Schneier erneut den Befehl. Er ließ ihn aber unbefolgt und erklärte aus den angeführten Gründen:„Ich putze das Pferd nicht!" Als er auch einen weiteren Befehl unbeachtet ließ und äußerte:„Ich putze das Pferd nichl, es hat mich schon mal gebissen!" wurde Schneier sofort arretiert und in Untersuchungshaft gebracht. Der Anklagevertreter war der Meinung, daß es sich hier um einen besonders schweren Fall von Insubordination handelt und es sehr schlimm sei, wenn der Angeklagte als Soldat aus Furcht vor persönlicher Gefahr den Befehl unbefolgt gelasien habe und fügte hinzu, die Disziplin sei das höchste Gut der Armee und nur durch harte Strafen aufrecht zu erhalten! Das Gericht erkannte auch antragsgemäß wegen Beharrens im Ungehorsam und aus- drücklicher Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft auf die unerhörte Strafe von-- 3 Monaten Gcfäiigins! Außerdem steht dem Angellagten die Arbeiterabteilung in Aussicht. Das staatsgefährdende„Vorwärts"- Inserat. Die„K r e u z z e i t u n g" ist geradezu aus dem Häuschen dar- über geraten, daß die Mannheimer Oberbürgermeisier-Ausschrei» bung im Inseratenteil des„Vorwärts" veröffentlicht worden ist. Sie wirft Herrn Basscrmann vor, daß er durch seine Namens- Unterschrift diese„Suche nach einem sozialdemokratischen Qber- bürgermcistcr" gebilligt habe. Herr Bassermann hätte es nun höchst einfach gehabt, diesen albernen Angriff des konservativen Organs abzuwehren. Er hätte einfach sagen können: Da in Mannheim die Sozialdemokraten ,m Stadtvcrordnetenkollegium ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben, baben sie es durchgesetzt, daß auch in dem Zentralorgan ihrer Partei, dem„Vorwärts", die Ausschreib, mg inseriert wurde. Herr Bassermann hätte noch weiter gehen und erklären können: es ist auch durchaus in der Ordnung, daß die Sozialdemokratie ihren Einfluß aufbietet, um ihrem Organ ebenfalls amtliche Jnse» rate zu sichern, denn die Blätter der weitaus größten deutschen Partei haben natürlich dasselbe Recht, wie die Organe irgendeiner anderen Partei, zu amtlichen Bekanntmachungen her- angezogen zu werden. Herr Baffermann hat freilich dergleichen nicht erklärt, sondern sich mit allerhand Nebensächlichkeiten herauszureden �versucht. Offenbar habe doch ein Beschluß des Mannheimer Stadtver- ordnetenkollogiums vorgelegen, nach dem auch im„Vorwärts" das Stellengesuch veröffentlicht werden mußte. Tie„Kveuzzeitung" rückt ihm deshalb mit der Frage aus den Leib, ob er denn auch selbst seine Zustimmung zu den, Beschluß gegeben, oder ob er Widerspruch dagegen erhoben habe. Selbst wenn das letztere der Fall sei, könnten ihm höchstens mildernde Ilmstande dafür zugc- billigt werden, daß er seinen Namen zu der Veröffentlichung im „Vorwärts"„hergegeben" habe. Das sind natürlich abgeschmackte Anmaßungen des konser- vativen Organs. Aber Herr Bassermann und seine nationallibc- rälen Freunde haben durch ihre Rcchnungsträgerei und politische Hasenhcrzigkeit den Junkern ja selbst dw Courage eingeflößt, den politischen Vormund des Liberalismus zu spielen. Brächten es die Herren Nationalliberalen nur einmal fertig, sich zu einem solchen Grade der Rücksichtslosigkeit und des politischen Selbst- bcwußtseins aufzuraffen, wie die Herren Konservativen, so würde den Junkern die Lust zu so kindischen Inquisitionen rasch genug vergehen. Aber unsere 5konservativen wissen, was sie den National- liberalen bieten dürfen._ «in ostelbischcs Kultnrbild. Wie groß der Aberglaube in einzelnen Teilen des Ostens unseres Kulturstaates ist, zeigt folgendes Beispiel. Im Jahr- 1010 verstarb die Mutter des Arbeiters Johann Dettlaff in Polchan: sie wurde auf dem katholischen Friedhofe in Putzig beerdigt. In dieser Familie ereigneten sich bald darauf eine Anzahl Todesfälle, die fast alle auf Tuberkulose zurückzuführen sind. Dem Gatten der Verstorbenen wurde beigebracht, der Tod seiner Frau würde noch weiteres Unheil in der Fainilie anrichten: die Todesfälle seien nur abzuwenden, wenn man der Toten in der Nacht den Kopf abhacke und ihn der Leiche zwischen die Füße lege! Ter alle Mann glaubte dies. Er suchte nach Leuten, die bereit waren, die Leichcnverjtümmelung vorzunehmen. Dem Arbeiter Mundlass ver- sprach der Alte 100 M., wenn er die Tat ausführe, lind dieser sagte auch zu. Er, sein Sohn, Jöhani, Dettlass, der Sohn der Ver- storbcnen und cinjächwager des Dettlaff begaben sich in der Jo- Hannisnacht, mit Spaten und Picken bewaffnet, auf den Kirchhof, öffneten das Grab und den Sarg, worauf der Arbeiter Mundlass der Leiche den Kopf mit dem Spaten abstach und ihn zwischen die Füße kegle. Dann wurde das Grab wieder zugemacht. Die Sache wurde bekannt und alle vier hatten sich jüngst wegen Leichenschändung vor Gericht zu verantworten. Infolge der Einfalt. die von den Anqeklaaten an den Tag gelegt wurde, erkannte� der Gerichtshof auf mäßige Strafen. Der alte Mundlaff erhielt fechs Wochen, die übrigen einen Monat Gefängnis. Bauernlegen und kein Ende! Je mehr die agrarischen Zeitungen das Auftaufen von ganzen Bauerndörfern durch Großagrarwr zu betrc.ben versuchen, um so eifriger ist die klcritale„Schl-stlche Volkszeltung bemuht, tat- sächliches Material über die Bauernlegcre, herbeizuschaffen. Erst kürzlich erbrachte das Blatt den Beweis, daß in den Kreisen Frankenstein und Münsterberg ganze Bauerndorfer nach und nach von den Großagrariern aufgekauft worden sind, und fetzt veroffent- licht das Blatt sch"" wieder eine Zuschrift aus dem Reiche des un- gekrönten Königs von Preußen, des Abg. v. Heydebrand, wo die Großagrarier in der gleichen Weise ihre Liebe für den kleinen Bauern offenbare». Es heißt da: „Der Kreis Trebnitz bietet zahlreiche Bel,piele. wie ehemalige Baucrndörfcr langsam verschwin- den Man gehe dort von Pfarrei zu Pfarrei und wird das allemal bestätigt finden. Das ganze Gebiet des Katzengebirges mit seinem Vor- und Umland ist gllmählich von einigen Großgrundbesitzern, auch von der sächsischen Königb Kammer, aufgekauft und fiir immer dem kleinen Besitz entrissen worden. Schreiber dieses hat schon vor Jahren an maßgebender Stelle auf die Schäden dieser Giiter-Aufsaugung und dieser Vernichtung kleinbäuerlicher Nrbei hingewiesen: das wurde ihm übel vermerkt. Mit dieser kurz� sichtigen Wirtschast sind wir dahin gelangt, daß es im Trebnitzer Kreise bald kein Bauerndorf mehr geben wird.— Diese Erdrosselung der kleinen Bauern durch die Großagrarier wird natürlich die Häuplinge des Bundes der Landwirte nicht hin dern, nach wie vor ihre Liebe für den kleinen Bauern im Brustton innerer Ueberzeugung zu beteuern. Die Kalkanfragen. Niederlage der Arnauten. Belgrad, 4. Oktober. Wie das Preßburean, neidet, sind die Arnauten bei Dibra, Strnga und Ochrida vollständig zurückgeschlagen und aus dem serbischen Gebiet ver- jagt worden. In der Umgegend von P r i z r e n d wird noch gekämpft: indessen haben die serbischen Truppen die Arnauten aus ihren Stellungen herausgedrängt. Ter Entscheidungs kämpf steht hier unmittelbar bevor. Belgrad, 4. Oktober.(Meldung des Serbischen Presse bureaus.) Gestern wurde während des ganzen Tages in der Stellung von. Guridevrun im Kreise Gorski, Be zirk Prizrend, geläinpft. Am Nachmittag besetzten die serbi schen Truppen nach erbittertem Widerstande der Arnauten diese Stellung. Gegenwärtig wird der Feind verfolgt. Es treffen fortgesetzt serbische Verstärkungen ein. Im ganzen Bezirk Prizrend herrscht Ordnung. Besetzung von Dcdeagatsch durch mohammedanische Freiwillige. Konstantinopcl, 4. Oktober. Es bestätigt sich, daß das in West- thrazien gelegene, an die Bulgaren von der Türkei abgetretene Dedcagatsch nach Räumung durch die Griechen von in Gümüldschina gebildeten Miliztruppcn besetzt worden ist. Bändenkämpfc. Sofia, 4. Oktober. Wie die Morgenblätter melden, haben sich ans der Landbevölkerung des an Bnlgarien grenzenden m a z c- donischen Gebiets Banden gebiloet, die die serbische n Besatzungen aus Kotsckana, Zarewo Scelo und Pctschcwo vertrieben haben und gemeinsam gegen Jstip vorgc- rückt sind. Oeftemlch. Eine halbe Milliarde für Rüstungen. Wien, 4. Oktober. In dem gemeinsamen Ministerrat sind die Verhandlungen über neue militärische Forderungen im wesentlichen abgeschlossen worden. Das Resultat der Konferenz besteht darin, daß die Heeresverwaltung in der Hauptsache ihre Ansprüche, die allerdings gegenüber den früheren Forderungen erheblich verringert sind, durchsetzen konnte, jedoch in der Richtung Zugeständnisse ge- macht hat, daß die Durchführung der geklanten Ausgestaltung des Heeres und der Marine auf einen längeren Zeitraum verteilt wer- den soll, als von der Heeresverwaltung ursprünglich in Aussicht genommen worden ist. Einen sehr bedeutenden Posten bilden die neuen Dreadnoughts. Es scheint, daß der HeereSverwal- tung zwei Dreadnoughts prinzipiell bewilligt worden sind. Wie verlautet, soll die Herstellung sich auf einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren erstrecken. Die Kosten können mit 200 Millionen Kronen beziffert werden. Die Kosten, die durch die politischen Verhältnisse der letzten Zeit entstanden sind und für welche erst Deckung zu bewilligen ist, belaufen sich auf rund WO M i l- l i o n e n Kronen. Es würde sich sonach folgendes Resultat er- geben: Deckung der Kosten der politischen Kampagne WO Millionen Kronen, zwei Dreadnoughts rund 140 Millionen Kronen, einmalige Ausgabe für die Rekrutcncrhöhung 50 Millionen Kronen, zusammen 540 Millionen Kronen. Die finanzielle Belastung würde zum ersten Male daS Budget 49l4/I5 treffen, so daß also die Wirksamkeit der neuen Militär- forderung nach einem Jahre beginnt. Auf den anderen Gebieten der militärischen Ausgestaltung scheinen soioohl Abstriche als auch Konzessionen hinsichtlich der Verwaltung erfolgt zu sein. Das Rc- sultat würde also kurz zusammengqjaßt folgendes sein: Dreijährige Durchführung eines um WOOO Mann erhöhten Rekruten- k o n t i n g e n t s, 4- bis 5 jährige Verteilung der neuen Marine- bauten. Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß, wenngleich vorläufig zwei Dreadnoughts endgültig bewilligt worden sind, die Heeres- Verwaltung sich im Prinzip den Bau eines dritten Dreadnoughts bereit? gesichert haben dürfte. franhrdcb. „Schwarze Kabinette" und Lockspitzel. In einem ofrenen Schreiben an den Genossen Pressense, dem Vorsitzenden der Liga der Menschenrechte, tritt W. B u r z e w mit der Anklage hervor, daß die russische politische Polizei, ent- gegen den Versprechungen Elömenceaus im Juli 19lO, in Frank- reich geduldet wird und Hand in Hand mit der französischen Polizei ein u m f a s s e n d e§ S p i tz e l s y st e m organisiert hat. Es ist festgestellt, daß die jetzigen Rachfolger Hartings, der bekannten Ber- liner Lockspitzelexzellenz,..schwarze Kabinette" in Paris eingerichtet haben, in denen die von Agenten abgefangenen Briefe russischer Flüchtlinge geöffnet und zu Spitzelzwcckcn verwertet werden. Regen Anteil an dieser Spitzeltätigkeit nimmt der berüchtigte Wiener Lock- spitzel A. Weißmann, der bereits mehrfach wegen gemeiner Verbrechen Zuchthausstrafen verbüßt hat. Portugal, Tie Amnestie. Lissabon, 4. Oktober. Das Diario de Goderno wird morgen das Dekret veröffentlichen, durch das 2 S 8 p o l i t i s ch c G e s a n- gene begnadigt werden. Die hauptsächlichen Führer der verschiedenen monarchistischen Bewegungen sind von der Am- n e st i e ausgeschlossen. Huö der partei Zum Fall Radck. Der sozialdemokratisch« Berein Bremen nahm am Diens. tag den Bericht vom Parteitag in Jena cwgegcn.. an einigt« sich dahin, den Fall Rade! zunächst ausführlich behandeln, da die Bremer Organisation in erster Linie daran u M*, nnd die übrigen Beschlüsse des Parteitages'�'en- Genotze«nie f gab als Berichterstatter eine aussu�-.che �'Ide. rung der einzelnen Phasen des Falles Radek. Die-lumahmo Radets in den Verein, das Zustandetominen der Untorfuchungs- kommifiton, das Verhalten de» deutschen und des polniichen Partei- Vorstandes wurde vom Referenten noch einmal dargelegt, JJ""ch™ das Zustaiidetomm-n des Jenaer Beschlusses kritisierte. Nach°er..... Meinung des Genossen Knief ließen im Falle Radck Bc- � �r�V'Wr'Mlüisdbcn Lebens in Teutschland, der Müsse vor. die einander durchaus widersprechen i Di� B�mer � �°" dcr Zentral� Die Versammlung verwahrt sich gegen Organisation soll? Radek streichen nach Antrag 45, sie könne>hn preußischen WahIrc-ytSsrage.-o.e, aber nicht streichen nach Antrag 115 Absatz 2, der die Rechts garanticn forlwrt, die in der polnischen Partei nicht vorhanden seien. Genosse Knief glaubt, daß es keinen besseren Ausweg aus diesem Zwiespalt gibt, als den, Radek auf Grund der einander widerstrebenden Beschlüsse nicht zu streichen, sondern seine Rechte und Pflichten ruhen zu lassen, bis der nächste Parteitag Klarheit geschaffen habe. Genosse Rhein trat sehr scharf der Auffassung Kniefs ent gegen. Der ParteitagAbeschlutz stelle durchaus keinen Justizirrtum dar. Auch Genosse Donath war mit Kniefs Ausführungen nicht einverstanden und bedauerte die Aufnahme Radeks in die Bremer Organisation. Vom Genossen Pannekock wurde folgender Antrag cingereichr: „Die Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Bremen bedauert die Art und Weise, wie der Parteitag den Fall Radek be handelt hat und dem Antrag 45 rückwirkende Kraft aus eine Auf nähme gab, die nach dem damals geltenden Statut völlig statuten gemäß stattgefunden hat. Trotz dieser Bedenken spricht die Ver sammlung aus, daß der Sozialdemokratische Verein Bremen sich den Beschlüssen des Parteitages nicht widersetzen darf, sondern einfach diese Beschlüsse auszuführen hat. Sic stellt fest, daß durch die Annahme des zweiten Teiles des Antrages 115 Liebknecht, der dem Antrag 45 die Forderung von Rechtsgarantien hinzufügt, die Aufnahme Radeks der neugeschaffenen Bestimmung nicht wider spricht und seiner Mitgliedschaft also nichts im Wege steht, daß aber durch die Erklärung des Parteivorstandes, die von anderen Genossen bestritten wird. Unklarheit darüber herrscht, ob dieser Beschluß als eiuc Abänderung des Antrages 45 zu gelten hat. Weil der Sozialdemokratische Verein sich außerstande sieht, diese Unklarheit zu beseitigen, und sie auch von keiner anderen Instanz als nur von einem Parteitag zweifelsfrei gelöst werden kann, be schließt die Versammlung, den nächsten Parteitag um eine zweifelsfreic Entscheidung in dieser Frage anzurufen und bis dahin die Mitgliedschaft Radeks ruhen zn lassen." Wegen vorgerückter Zeit wurde die Versammlung dann vertagt. Die Organisationen zum Parteitage. Ucber die Verhandlungen des Parteitages in Jena berichteten in der Mitgliederversammlung des Sozialdemokra- tischen Vereins Harburg die Delegierten Z i e l k e und Günther. Zielte bedauerte bei der Berichterstattung über die Maifeierfrage, daß der Parteitag zur Annahme des An träges 58, in dem der Parteitag von den Partei- und Gewerk schaftsangestelltcn die Abführung des Tagesverdienstes erwarte durch die Verhältnisse gezwungen worden sei. Daß, entgegen der Auslegung durch die Ehcmnitzer„Volks stimme", der Fall Radek vorläufig für die deutsche Sozialdemo kratie erledigt sei durch die Annahme des Antrages 45, sei zweifelS frei. Die Resolution des Parteivorstandes betr. der P. P. S. sc zugunsten einer einheitlichen Organisation zu begrüßen. Zuletzt gab Genosse Zielke ein knappes Stimmungsbild Die Darstellung in der bürgerlichen Presse und in einem süd- deutschen Partciblatt, als häbe in Jena der Revisionismus einen großen Sieg erfochten, sei sehr oberflächlich. Rechts und links stehende Genossen fanden sich in wichtigen Fragen zusammen. Wenn von einer Trenungslinie gesprochen werden dürfte, dann lag sie nicht in der Differenz zwischen Ultraraditalen und Revisionisten. Diesmal schioden sich die Phrase nnd das tiefere Wissen; nicht im Programm verankerte„Grundsätze" und das Eindringen in die Situation. Daß die Massenstreikdebatte mit der Rede der G« nossin Luxemburg den Höhepunkt erreicht habe, wie im„Vorwärts" zu lesen, sei falsch. Worte, schön gesetzte Worte ersetzten nicht den Mangel des erwarteten Eingehens auf den Kern der Frage. Alles in allem habe der Parteitag förderlich und nutzbringend für die Partei gearbeitet. iBeifall.s Genösse Günther verbreitet« sich über die Frage des Massen- streik» und der Arbcitslosenfürsorge. In der Diskilssiön erklärte sich Genosse Schubert mit der Haltung der Delegierten einverstanden. Das innere Leben der Partei kasse zu wünschen übrig. Den Maifeierbeschluß hält Redner für nicht gut. Es müsse der Feter eine andere Form gegeben wer den, um Unstimmigkeiten zu vermeiden. In der heutigen Form sei die Feier der Opfer nicht wert, die sie erfordert. Beschlossen wurde, die Steuerfragc in einer der nächsten Ver sammlungcn gesondert zu behandeln. Einstimmig wurde ein Antrag, der die Abstimmung der Har burger Delegierten billigt, angenommen. » In Braun schweig berichtete Genösse D. Jasper über den Parteitag in Jena. Der Redner hat einen wesentlichen Unter- schied im Sinne der beiden zum Massenstreik vorliegenden Mesa lutioncn nicht finden können. Solle man aus der Resolution Luxemburg entnehmen, daß der Massenstreik auch ohne Zustimmung der Gewerkschaften durchgeführt werden könne, so würde ihn das in seiner ablehnenden Haltung hierzu nur bestärken. Die Behand- lung der isteuerfrage auf dem Parteitage habe darunter gelitten, daß sie nicht rein abstrakt, sondern in Verbindung mit der Haltung der Fraktion erörtert wurde. Man dürfe bei dieser Frage nicht nur wirtschaftliche Gründe beachten, dürfe vielmebr die taktischen Gründe nicht außer acht lassen. Jedenfalls bedeute der Jenaer Parteitag keinen Rückschritt. Genosse Antrick trat dem Bericht erstattcr scharf entgegen. Der Parteitag habe eine deutliche Schwenkung nach rechts gemacht, eine Abweichung von der Taktik, die uns bisher von Sieg zu Sieg geführt hat. Es sei«in wesent- licher Unterschied in den zwei Massenstreikresolutioncn enthalten. Die von Genossin Luxemburg vertretene inicht verfaßte) Resolution fordert zur Vorbereitung auf den Massenstreik auf. Davon ent« hält die Vorstandsresolution nichts. Ohne Vorbereitung läßt sich aber ein Massenstreik nicht führen. In der Steuerfrage hat der Parteitag ebenfalls entgegen unseren früheren Grundsätzen ent- schieden. Wenn die Partei so verfährt, wie bei der letzten Deckungssrage. dann hat eS die Regierung jederzeit in der Hand, sie zur Bewilligung von Geldmitteln für alle Zwecke zu bringen. Tic Resolution Wurm hat sehr bedenkliche Konsequenzen. Genosse Kolb hat es schon klar ausgesprochen, daß nach Annahme der Wurmschen Resolution die Nürnberger und Magdeburger Reso- lutionen über die Budgetabstimmung unhaltbar geworden seien. — Der Beschluß über den Fall Radck bedeutet eine flagrante Rechtsverletzung. Genosse Kirchner sprach sich im Sinne An- tricks aus. Eine weitere Debatte sowie eine Beschlußfassung fand wegen der vorgerückten Zeit nicht statt. Ter Sozialdemokratische Verein Elberfeld- Barmen hielt! am I. Oktober eine Versammlung ab, in der die in einer acht Tage vorher stattgcfundcncn Versammlung er- statteten Berichte vom Parteitag in Jena zur Diskussion standen. Besonders die Massenstreikresolution und die Resolution Wurm wurden von einigen Rednern angegriffen, während andere Redner diese Resolutionen energisch verteidigten. Schließlich fand folgende Resolution Hoffmann eine Mehrheit:„Die Versammlung ist von dem Verlauf des diesjährigen Parteitages im allgemeinen befrie- digt. Wenn auch anerkannt werden muß, daß der Parteitag sehr viel positive Arbeit geleistet hat, so bedeutete doch in der Frage des politischen Massenstreiks die Annahme der Vorstandsresolution eine Verkcnnung der Sachlage, ein Ausweichen, ein Hinausschieben. Versammlung bekennt sich daher zu der Resolution Luxemburg, die das Wiedercrwachcn weiter Kreise an der Frage des Massen- strciks und vor allen Dingen die Forderung einer angreifenden, entschlossenen und konsequenten Taktik erhebt, die zur Forderung außerparlamentarischer Aktionen dringend notwendig ist, um wci- terc parlamentarische Erfolge durchzusetzen, um die immer frecher werdenden reaktionären Anschläge zu hintertreiben, ganz abgesehen die den Befürwortern schärferer Kampfesmittel gemachten Vor- würfe:„Revolutionsromantiker", �.Syndikalisten", usw., die durch nichts gerechtfertigt sind. In der Steuersrage, die mit der Haltung der Reichstagsfraktion verbunden war, hält die Versammlung das besondere Vertrauensvotum, das der Fraktion bezüglich ihrer Haltung in der Deckungsfrage zur Wehrvorlage ausgesprochen wurde, nicht für richtig, zumal der gedruckte Fraktionsbcricht das Mißtrauen nicht beseitigte, daß auch die Besorgnis vor einer eventl. Auflösung des Reichstages für die Stellungnahme der Fraktionsmehrheit eine Rolle gespielt habe. Solche Bedenken dürfen in einer revolutio- nären Klassenpartei niemals ausschlaggebend sein. Wenn auch der Parteitag durch die Annahme der Wurmschen Leitsätze die Steuer- frage für vorläufig erledigt erklärte, so begrüßt die Versammlung doch das Drängen der Minderheit auf prinzipielle Schärfe unserer Be- kämpfung des Militarismus und Imperialismus. Die Versammlung wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen den Opportunismus und die sogen. Staatsmännerei, die sich in gewissen Parteikrcisen geltend macht und besonders in den„Sozialistischen Monatsheften" propa- giert wird und nur zur Versandung der Partei führt. Nur in grwrdsätzlicher, zielklarer Weise kann die Sozialdemokratie sieg- reich vordringen." * I m sozialdemokratischen Verein Stuttgart wurde die Debatte über den Parteitag in Jena am Donnerstag- abend fortgesetzt. Den Standpunkt der Mehrheit des Parteitages verteidigten Redakteur Genosse P f l ü g e r, der Vorsitzende des Landesvorstandes Fischer und Genosse M a r t e r st e i g. Für die Steuerresolution Geyer und die Rassenstreikresolution Luxemburg sprachen Schlör, Schneck, Hcidinger, Walckcr, Götz, Schumacher, Crispien, Hammer; eine mehr vermittelnde Stellung nahm �Genosse Ost er ein. Mit erdrückender Majorität(gegen etwa 15 Stimmen) wurden folgende Resolutionen angenommen: I.„Die Parteiocrsammlung des Sozialdemokratischen Ver- eins Stuttgart erklärt ihr volles Einverständnis mit der Haltung ihrer Delegierten Crispien und Westmeycr auf dem Jenaer Parteitag. Sie bedauert, daß die Mehrheit des Parteitags den konsequenten, rücksichtslosen Kamps gegen das stärkste Bollwerk des Klassenstaats, den Mörderischen Militarismus, durch ihre Ent- scheidung in der Steuerfragc erschwert, das Vertrauen weiter Kreise der Arbeiterschaft zu unserer prinzipiellen Ablehnung des imperialistischen Rüstungslc'ahnsinns erschüttert hat. Die Ver- sammelten sind in der Masscnstreikfragc nach wie vor der Ucber- zeugung, daß nur eine entschlossen angreifende Taktik, die den Schwerpuntt des Kampfes aus dem Parlament in die Aktion der Massen selbst verlegt, geeignet ist, in der Arbeiterschaft die Kampf- energie und den Idealismus wachzuhalten, die Angriffe der Gcg- ner abzutvehren und mehr Recht zu erobern. Sie spricht den 140 Delegierten Tank aus. die sich in der Steuer- und Massen- streikfrage der Tämpsungstaktik der'Mehrheit entschlossen Wider- setzten, einer Taktik, die letzten Endes auf die Umwandlung der Sozialdemokratie als einer revolutionären Klassenkampfpartci zu einer radikalen Reforinpartei hinausgeht." II.„Die Versammlung verpflichtet alle Genossen, für die Be- schlüsie des Parteitags und für die Geschlossenheit der Partei gegenüber den Gegnern einzutreten." III.„Die Versammlung spricht der Redaktion der„Tag- wacht" Dank und Anerkennung aus für die entschieden« Ver- tretung unserer Grundsätze. Sic cwvartet, daß die Redaktion un- bekümmert um etwaige Angriffe den prolctarfi'chen Klassenkampf auch weiterhin klar und konsequent propagiert." Sozialdemokratische Wahlcrfolge in der Schweiz. In C h u r, der Hauptstadt des Kantons Graubünden, haben am Sonntag die S t a d t r a t s w a h I e n stattgefunden, wobei jede der drei Parteien mit einer selbständigen Kandidatenliste vorging. Das Ergebnis war die Wahl von 7(bisher ö) Sozialdemokraten, 15(15) Liberalen und 3 l4» Konservativen. Unsere Parteikandi- daten erhielten 656 bis 80ö,�dic Liberalen 748 bis 896 und die Konservativen 481 bis 532 stimmen. Gegenüber 1909 sind die sozialdemokratischen Stimmen um 200 bis 300 gestiegen. polizexlidiCB, ßerichtiiebes ukw. Prrtzprozessc. Wegen Bcamlenbeleidigung wurde der Verantwortliche der „Düsseldorfer V oi k s z c i t u n g", Genosse Ger lach, vom Schöffengericht zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. In einer Lokalnotiz hatte die„Volkszeitung" mitgeteilt, daß ein höherer Beamter der städtischen Ring- und Hasenbahn in Neuß wegen Sittlichkcitsverbrechens verhaftet worden war. Die Darstellung des Sachverhalts war völlig richtig, nur war der Titel deZ Be- amten falsch angegeben; es handelte sich um einen Beamten im Rcuher Bauburcau der Staatsbahn. Trotzdem die„Volkszeitung" diesen Irrtum sofort richtig stellte, wurde auf Antrag des Reußer Bürgermeisters Anklage wegen Beleidigung der städtischen Hafen- bahnbeamtcn gestellt und der Redakteur zu der oben mitgeteilten Strafe verurteilt. Das Landgericht in Lüneburg verurteilte den Genossen Schubert vom Harburger„Volksblatt" wegen angeblicher Be- lcidigung eines Amtsgerichtsrats zu 200 M. Geldstrafe. Anläß- lich einer Strasverbüßung im Harburg« Gcrichtsgcfängnis hatte Schubert über verschiedene Mißstände beim Strafvollzug zu klagen und schrieb deswegen einen Artikel. Weil sämtliche An- gaben des Artikels der Wahrheit entsprachen und 8 193 zugebilligt wurde, gelangte das Landgericht in Stade, wo die Sache schon«in- mal zur Verhandlung stand, zur Freisprechung. Auf Revision des Staatsanwalts hob das Reichsgericht da? Urteil aus und verwies die Sache an das Landgericht Lüneburg, das zu obigem Urteil gelangte. Bemerkenswert war in der Be- gründung des Urteils der Ausspruch des Vorsitzenden:„Infolge der Entscheidung des Reichsgerichts lag für das Langericht eine gewisse Notwendigkeit vor, den Angeklagten zu verurteilen." Nachrichten. Tie serbisch-albanischen Kämpfe. Belgrad, 4. Oktober.(P. C.) Trotz der entscheidenden Nieder- lagen der Albaner, die aus Belgrad fortgesetzt gemeldet werden und trotz der Meinung der serbischen politischen Kreise, daß die Bewe- gung der Albaner durch die letzte große Schlacht eingeschränkt wor» den sei, finden fortgesetzt neue Kämpfe mit dem kleinen revol- tierenden Volke statt. Ter Kampfschauplatz von Prizrend ist mit Leichen überfüllt. Tie flüchtenden Albaner befinden sich westlich des Kampfplatzes. Tie albanische Kolonne ist vollkommen vernichtet. trotzdem sie den anrückenden Serben heldenhaften Widerstand ent- gegensetzte. Die Kämpfe, um Malibrod dauern noch an. Auch Jssa Boljetinaz macht den Serben viel zu schaffen, indem er alles, was sich ihm auf dem Wege nach den albanischen Dörfern ent- gegcnstellt, massakriert. Die albanischen Horden, die überall hin zersprengt sind, beginnen sich wieder am Weißen Drin zu sammeln. Eine Kolonne der Albaner unternahm einen erneuten Einfall in Pischkopaja, wobei sie zurückgeschlagen wurde und 200 Mann zurück- lassen mutzte. Tic Regierung hat über Neu-Scrbien den Kriegs- zustand erklärt. Auch im Lujagcbirt erlitten die albanischen Hör- den eine große Niederlage, ebenso bei Opcljc Cura und Ma- mastrirca. Die serbischen Truppen rieben bei Nadowischte 200 bul- garische Komitatschis auf. Die serbischen Truppen sind 25 Kilo- metcr weit in albanisches Gebiet eingedrungen. HßRMANN 11 D leip/igerstr. 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Oktober 1913. GcwerkfcbaftUcbeö. Die Sinfübrung der Arbeitslosenunterstützung im Lauarbeiterverband beschästiltt diese Organisation bereits seit Jahresfrist. Tie Frage steht jetzt erneut wieder zur Verhandlung. Im Herbst d. I. wurde in dem Verbandsorgan, dem„Grund- stein", eine sehr eingehende Diskilssion über die Arbeitslosen- Unterstützung geführt, aus deren Verlauf sich eine Vorlage des Verbandsvorstandes an den ordentlichen Verbandstag in Jena im Januar d. I. entwickelte. Auf diesem Verbandstag wurde in Rücksicht auf die bevorstehende allgemeine Tarif- Kewegung im Baugewerbe die Frage der Einführung nur im Prinzip erledigt und die Vorlage selbst zur Umarbeitung einer Kommission überwiesen. Im übrigen wurde die An- gclegcnheit auf einen späteren Verbandstag vertagt, der über die Lohnbewegung zu entscheiden hatte. Aus diesein außerordentlichen Vcrbandstag, der im Mai dieses Jahres in Berlin stattfand, fand die in manchen Punkten verbesserte Vorlage nicht die Zweidrittelmajorität der auf dem Verbandstagc anwesenden Delegierten, die für endgültige Annahme vorgesehen war, und so wurde die Vor- läge mit 154 gegen 237 Stimmen abgelehnt. Im Anschluß an diese Ablehnung fand ein Antrag Annahme, woitach die .Kommissionsvorlage im„Grundstein" veröffentlicht werden sollte, um den Zweigvereinen Gelegenheit zu einer Aus- spräche zu geben. Wenn sich bis zum 1. Oktober d. I. mindestens ein Viertel der Zweigvercine für die Einführung der Arbeitslosenunterstützung aussprechen werde, dann sollte damit der Verbandsvorstand beauftragt sein, einen außer- ordentlichen Verbandstag einzuberufen. Diese Bedingung ist jetzt erfüllt. Es haben sich bis zu dem angesetzten Termin rund 5>10 Zweigvercine f ü r d i e Einführung der Arbeitslosen unter- stütz un g ausgesprochen, in denen über die Hälfte der Verbands Mitglieder eingetragen sind. Der Verbandsvorstand wird deshalb einen außerordentlichen Vcr- bandstag einberufen, der zu Anfang des Monats Dezember in Hamburg abgehalten werden soll. In Vorschlag bringt der Verbandsvorstand die von der Kommission seinerzeit ausgestellte Vorlage. Da er nach reif- licher Erwägung sich nicht hat entschließen können, irgend- welche Aenderungen vorzunehmen, die itach den früheren An- trägen aus den Zweigvereinen auf Zahlung der Unterstützung für das ganze Jahr usw. hinausliefen, so soll in Ken Monaten Januar und Februar keine Unterstützung gezahlt werden. Die Unterstützungssätze sollen nach einer zweijährigen un- unterbrochenen Mitgliedschaft und Leistung von 88 Wochen- beitrügen bei einem Beitrag von 40 Pf. täglich 75 Pf. betragen und sich von zwei zu zwei Jahren oder darüber auf 90 Pf., 1,05 M. resp. 1,20 M. steigern. Die Unterstützung erhöht sich bei den Beitragssätzen bis zu 90 Pf. auf 1,40 M., 1,50 M., 1,70 M. resp. 1,85 M., je nach der Mitgliedsdauer und soll für 48 Tage im Verlauf eines Jahres mit der, vorhin bezeichneten Ausnahme gezahlt werdeit. Wenn der Verbandstag diesmal die Einführung beschließt, soll die Unterstützung mit dem 1. Juli 1914 beginnen für alle Mitglieder des Bauarbeitervcrbandes, soweit sie an diesem Tage die vorgesehene Karenzzeit in der Organisation zurückgelegt haben._ Berlin und Umgegend. Zum Streik in der Pelzbranche. Am Sonnabend haben Verhandlungen zwischen den beiden Parteien vor dem Gewerbegericht stattgefunden. Für die Hausindustriellen führte Feld mann au«, daß es ihnen auf das Zustandekommen eines einheitlichen Tarifs mehr an- komme als auf die Erringung eines hoben Prozentsatzes. Ein Ein- heitstarif liege im Interesse der ganzen Branche, somit auch im Interesse der Arbeitgeber. Der Vertreter der letzteren bestritt überhaupt die Möglichkeit eines Einheitstarifs aus technischen Gründen. Die Arbeiten seien zu verschieden, der Tarif würde eine Quelle fortlaufender Differenzen sein. Darum lehnten sie einen Tarif rundweg ab. Vorsitzender Magistratsrat v. Schulz bemerkte hierzu, daß dieselben Bedenken seinerzeit auch von den Arbeitgebern aus der Holz- und aus der Wäscheindustrie geäußert wurden r trotzdem gehe es dort seit Bestehen der Tarife sehr gut und die betreffenden Unternehmer möchten die Verträge nicht mehr missen. Zwischenmeister F e l d»i a n n erklärte noch, es bestehe übrigens schon seit 1908 so eine Art von Tarif, den die Zwischeiimeister ausgearbeitet und nach dem die Unternehmer zum Zweck der Orientierung sich bisher stillschweigend gerichtet hätten. Die Zwischenmeister, als Fachleute, könnten doch am ehesten beurteilen, ob ein Tarif möglich sei. ES wurde sodann beschlossen, am 9. Oktober wiederum eine Sitzung abzuhalten, in der die Unternehmer mit den Zwischen- meistern unter Mitwirkung des Magistralsrats v. Schulz und der Unparteiischen eine unverbindliche Beratung pflegen sollen, ob in diesem Geiverbe ein Tarifvertrag durchführbar ist. Am 14. Oktober wird dann eine gemeinsame Sitzung stattfinden. Tarifgegnerischer Schuhmachermeister ist Herr K. K u tz e r, Zelterstr. 47. Einem AuShilfSarbeiter wurden in 1 Vi Tag 3,20 M. von dem vereinbarten Minimallohn abgezogen. Auf unseren Ein- spruch erklärte Herr K u tz e r schriftlich, daß er nie wieder organisierte Arbeiter beschäftigen würde. Die organisierten Schuhmacher mögen sich dieses merken. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Ter Tarifbruch bei Fflcifchertneister Hudy. Wie schon gemeldet, hat Herr Fleischermeister Hudy den mit der Fleischerorganisation vereinbarten Tarifvertrag gebrochen und ver- sucht, auch'noch weitere Fleischermeister zum Tarifbruch zu verleiten. Ilm das Publikum aufzuklären gibt die Tariskonunission ein Flug- blatt heraus, wovon am Sonnabendabend einige Exemplare an das Publikum verteilt wurden. Herrn Hudy hat eS sehr erregt, daß vor seinem Laden Flugblätter ausgegeben wurden. Er sprang die Straße auf und ab und alarmierte Schutzleute. Diese folgten natürlich so- fort. Das Ende vom Liede Ivar die Ansammlung von neugierigen Menschen.— Die Tarifkommission wird sich nicht abhalten lassen, wenn ein Arbeitgeber einen Tarif abgeschlossen hat, diesen bricht und noch andere Fleischermeister zum Tarisbruch verleitet, das Pu- blikum über solche Handlungsweise aufzuklären. veuitebes Reich. Einen„nationalen" Arbciterkongreft, den dritten seines Zeichens, berufen die christlichen Gewerkschaften zum 30. November nach Berlin ein. Zur Beteiligung an diesem Kongreß werden alle christlichen und nationalen Arbeitervereine auf- gerufen. Die Tagesordnung ist für eine viertägige Verhandlung reichlich bemessen. Die deutsche Sozialpolitik und ihre Gegner soll behandelt werden, die Bedeutung der Koalitionsfreiheit für An- gestellte und Arbeiter, Lebensmittelversorgung und Lebensmittel- teuerung, die Wohnungsfrage, Arbeitslosenfürsorge und einiges andere. Und daneben soll noch das hochschutzzöllnerische Bündnis zwischen Mittelständlern, Agrariern und Zentralverband deutscher Industrieller besprochen werden. Das„Zentralblatt der christ- lichen Gewerkschaften" erwartet von dem Kartell natürlich nichts Gutes und nimmt in seiner neuesten Nunimer dagegen entschieden Stellung. Es erklärt, das Arbeitsprogramm dieses Kartells ließe zwischen den Zeilen folgenden Ziveck erkennen: 1. Arbeitswilligen- schutz, Zertrünnnerung der Gewerkschaften und der Tarifverträge, um die Arbeiter an der Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen zu hindern r 2. Erhaltung und Vermehrung der Lebensmittelzülle ohne Rücksicht auf die herrschende Teuerung und auf die Ernährungs- Möglichkeiten des Volkes 3. Zertrümmerung der Genossenschaften zum Zwecke des gemeinschaftlichen Einkaufs von Lebensmitteln, um den Arbeiter zu bindein, sür seinen sauer verdienten Lohn die Lebensmittel günstig einzukaufen. Als nächste Aktion dieser neuen „Arbeitsgemeinschaft"— so meint daß christliche Blatt— sei ein Vorstoß gegen das Koalitionsrechts und Verweigerung aller Maßnahmen zur Linderung der Teuerung zu erwarten. Das Batt ist weiter ungehalten darüber, daß diese Arbeitsgemeinschaft bereits den Segen der preußischen Regierung erhalten hat, und zwar durch eine Rede des preußischen Landwirtschaftsministers v. Schorlenier auf der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins sür das Rheinland. Als ob von' dort etwas anderes zu erwarten wärej! Wird dieser nationale Arbeiterkongreß in dieser zusammeii- gewürfelten Zusammenkunft der ividersprechendsten Meinungen mit seinen Beschlüssen irgend welchen Eindruck auf die Oeffentlichkeit machen? Wir glauben'-? kaum. Erst wenn die Einheit und Ge- schlosscnheit, die sich hier in dem Zusammenschluß dieser Unternehmer- Interessengruppen zeigt, auch in den Arbeiterorganisationen an- zutreffen ist, werden die Arbeiter der einflußreichen Macht der Scharfmacher und Agrarier ihre berechtigten Wünsche mit Nachdruck entgegenstellen können. Wie Worte und Taten der Unterzeichner deS Aufrufs zur Einberufung des nationalen Arbeiterkongresses passen, dürfte nicht un- interessant sein, zu erwähnen. Unterzeichnet ist der Aufruf von Behrens, Steger toald, Schiffer, ferner von B e ch I y, dem Lorsteher des Deutschnationalcn Handlungsgehilfenverbandes und anderen christlichen Organisationen. Man tut gut, sich gegenüber den tönenden Worten an die Taten der christlichen Führer zu cr- innern, die vor 10 Jahren bei den Zolltarifkämpfen sich auf die Seite der Zollwucherer schlugen, 1909 die Finanzreform mitmachten nnd bei den letzten Wahlen den Scharfmachern und Junkern ihre Wähler zuführten. Noch vor kurzer Zeit wagte es die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", von„Fleischnotrummel" und von der„roten Flcischnot-Walze" zu schreiben: ES sei auch daran erinnert, daß der christliche Arbeiterfekretär Koßmann, der Reichstagsabgeordnete von Ottweiler-St. Wendel und der Abgeordnete Bell sMoers-Reess, dem Bunde der Landwirte gegenüber bindende Verpflichtungen abgaben, sür den lückenlosen Zolltarif einzutreten. Dir Militärsattler in Hannover stehen in einer Lohn- bewcgung. Bei der Firma F ö r st e r% es bereits zur einmütigen Arbeitsniederlegung gekommen. Die Firma zahlt für den Tornister 80 Pf. weniger Lohn, als im Berliner Tarif vorgesehen ist. Sic entschuldigt ihr Verhalten damit: das Bekleidungsamt zahlt so niedrige Preise, daß bei dem jetzigen Lohn keine 80 Pf. Unier- neHmergewinn verbleiben. Die Arbeiter wandten sich beschwerde- führend an das Kriegs Ministerium, das der Innung zu Hannover bedeutete, die tariflichen Ab- in ach un gen auf jeden Fall zu beachten. Die Seidenstoffweberci Raes in Säckingen nahm in letzter Zeit Lohnreduklionen vor, die ftir den einzelnen Arbeiter einen Ver- dienstausfall von 3—3 M. in 14 Tagen im Gefolge hatten. Die Arbeiter, die meist christlich organisiert sind, wollten mit der Fabrik- leitung verhandeln, wurden aber abgewiesen. Der Obermeister der Fabrik soll, als die Kommission der Arbeiter erschien, um zu ver- handeln, die Tür abgeschlossen haben. Soziales. Einigung zwischen Krankcnknsfcn und Kassenärzten? Das Verl. Tagebl." und einige andere Zeitungen be- haupten. zwischen dem Zentralverband der Kassenärzte von Berlin und den Krankenkassen sei eine Einigung erzielt, deren Einzelheiten mitgeteilt werden. Tatsächlich ist eine Einigung noch nicht zustande gekommen. Es schweben Einigungsverhandlungen, diese werden naturgemäß durch Verbreitung der unrichtigen detaillierten Mitteilungen über einen Friedensschluß lediglich gefährdet. Das Kaufmannsgericht im Kampf gegen„Schiebungen". Mit erfreulicher Energie setzt das Berliner Kaufmannsgencht seinen Kampf gegen die ungesunden Auswüchse kaufmännischen und gelverblichen Lebens fort. Das zeigte wieder ein Fall, der gestern vor der 5. Kammer zur Entscheidung kam. In einem Vor- Prozeß vor derselben Kammer hatte eine Verkäuferin gegen den Bäckermeister Alwin Olibelmann Klage erheben müssen, weil er ihr kein Gehalt zahlen wollte. G. wurde auch vom Kaufmannsgericht zur Gehaltszahlung verurteilt, der Betrag konnte aber nicht bei- getrieben werden, weil sich bei der Vollstreckung herausstellte, daß der Bäckermeister gar nicht mehr Eigentümer der Bäckerei ivar, sondern daß jetzt der Schwiegervater als Inhaber figurierte. Das enttäuschte junge Mädchen klagte nunmehr gegen den Schwieger- vater. Er wandte ein, er habe die Klägerin nicht engagiert, sei ihr darum auch nichts schuldig. Sodann sei bereits ein rechts- Fvleines feuillcton Zwci Welten. Kultur. Sie bat sich draußen auf die Mole gesetzt und mit einem bär- tigcn Fischer, der da mit seinen Netzen lautiert, eine 5lvnversation eingeleitet. Ihre Beine stecken in Lackschuhen und bunten Strümpfen uno sind bis an die Knie zu sehen. Zwischendurch zupft sie am Unterrock; aber das geschieht eben nur, um die Beine zu zeigen. Außerdem hat sie einen großen Sonnenschirm und nackte Arme, wrz gesagt, trägt ein Gewebe von Lug und Trug und billigen Spitzen. „Schiffer... haben Sie niemals Angst, Sie könnten kentern, wenn's draußen um Si« weht?— Was sangen Sie an, wen« die §ische nicht anbeißen wollen, Schiffer?— Wie langweilig das sür hre Frau sein muß, wenn Sie des Nachts draußen sind.— Beißen die Fische nicht am besten des Nachts an?— Ich hielte es nicht aus, einen Schisser zum Mann zu haben." Auf einmal hält sie den Muud und starrt. Voin Lande her komme» in einer Reihe fünf junge Männer gelaufen. Die sind ganz nackt. Ihre sonnenbrauncn Köpfe und Hände stechen ab gegen die weißen Körper. Sie schlagen sich auf die Schenkel, daß es klatscht, und grinsen, als sie an ihr vorüber- laufen— ein anderer Weg blecbt ihnen nicht. Dann springen sie ins Wasser unter lautem Rufen und Lachen. „Gott, Schiffer," sagt sie und legt die Hände vors Gesicht. „Ist was nickst in Ordnung, liebe Frau?" sagt er freunolich. »Wenn Sic was andres sehen, als was unser Herrgott gescbassen hat, dann dürfen Sic ruhig schreien. Natu r. Ich habe einen weiten Weg hinter mir zwischen hohen Hecken durch, wo es �u deiden leiten funkelt von Bogelbeeren, Schlöben und Bronibeeren. Der Weg geht noch weiter, ich weiß nicht wohin. Die Beeren rufen verlangend nach den Vögeln des Himmels. Nun schwenke ich in eine Allee ein, wo alle Zweige sich wichtig tun mit den Halmen, die sie auf den Kornsuhren stibitzt haben. An einem Gehöft vorbei, das seinen Mittagsschlaf hält. Und dann bin ich cnn Strande, wo ich inir einen geeigneten-stein aussuche, um den Nacken oagegen zu lehnen, und wo ich mich dem einzig- artigen Genüsse hingebe, wie eine prima Zigarre, an einem prima Gewässer geraucht, ihn stets zu bieten vermag. Ich höre etwäs rascheln und sehe nach, was es gibt. Ein kleines Ende Ivcit von mir steht ein junges Mädchen, in, Begriff, sich zu entkleiden. Sic sielst mich an, und ich sehe sie an. „Verzeihen Sie." sage ich.„Ich hatte nicht gesehen, daß Sic eben ins Waffer steigen wollten." »Was macht das denn?" sagt sie.„Schief gewachsen bin ich M Vicht." Froh lacht sie und entkleidet fich weiter. Jetzt zu gehen. "♦ mir unanständig vor. Und nun ist sie schon weit draußen, schlägt mit den Armen und spannt ihre Brust den Wogen cnt- gegen.„Es ist kalt," ruft sie mir zu. „Wie heißt denn Ihr Schatz?" rufe ich zurück. ..Wer sagt Ihnen, daß ich einen habe?" Sie lacht und platscht fürchterlich im Wasser umher.„Na, es ist der Sohn vom Mads Jensen. Im November machen wir Hock, zeit." Nun ist sie wieder am Lande, schlüpft in ihr Hemde und bindet den Unterrock zu. „?ldieu!" ..Adieu! Und grüßen Sie den Sohn vom Mads Jensen von mir!" „Schönen Tank," sagt sie und lacht und steigt den Weg hin- auf, ohne sich umzusehen. _ Karl Ewald. Die Wiedergebart de« Kino. Die Kammerlichtspiele haben sich löblicherweise entschlossen, zu den kleinen Filmstücken zurückzukehren, die uns in den ersten Jahre» des Kinos soviel Spaß bereiteten. Hailptsächlicb hat sie dazu die üble Alifnahme bewogen, die der neue Basiermannsilm gefunden hat. Und nicht nur der. Schon lange ist man der Riejendramen müde, die uns immer wieder auseinandersetzten, daß eine geschiedene Frau eine unglückliche Frau und ein Desraudant kein ehrlicher Mann sei. Man schlief bei Munt. Man träumte als Kind fich zurück und sehnte sich nach harmlosen Belanglosigkeiten und Scherzen technischer Art, nach landschaftlichen Bildern und nach aktuellen Neuigkeiten. Nun— vielleicht wird es jetzt etwas. Wenn die Kammerlichtspiele ihr Versprechen halten, werden die anderen schon nachkommen. Und vielleicht werden wir wirklich von dem Un- getüm„Filmdrama" befreit. Zu wünschen wäre es. Lilieucron im Himmel. In der katholisch-literarischen Zeitschrift „lieber den Wassern" teilt die Baronin v. Krane Briefe mit, die Detlev v. Liliencron in den neunziger Jahren an sie geschrieben hat. Bei der Gelegenheit eiitschlüpfc» ihr allerlei tiefsinnige Ge- danken, die ihren ÄulminalionSpni'.kt finden in dein Satze:„Im chri st lichen Himmel kann ich mir Freund De t l e v nicht recht vorstellen." Aber:„Ich bleibe dabei, der liebe Gott hat auch Welten für Leute wie Detlev und dort ist er froh und glücklich." Diese menschenfreundliche Ueber- zeugung klingt dann aus in die Worte: „Wir haben beide nicht das im Leben gehabt, was sich jeder Geld- sack kaufen kann, ohne es zu. verstehen, und was unsere Künstlerseelen in Verzückung versetzt haben würde! Nun, ich bin'S zufrieden, habe ich doch mein Genügen in einer Welt gefunden, die dein armen Detlev zeitlebens fremd blieb. Ich hoffe, durch Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung zu gelangen und in einem bescheidenen Eckchen des Himmels dereinst glücklich zu werden. Ob ich dann hie und da Detlev besuchen darf, auf dem Sterne, wo er und seinesgleichen glücklich sind? Ich hoffe es. Es wäre sehr schön." Was sich doch die Leute zuweilen fiir absonderliche Gedanken macheu. Theater. Marionetten-Theater MünchnerKün stier. Von Paul Brauns Unternehmen, dem ältesten deutschen Faust- spiel seinen Platz auf der Puppenbiihne zurückzugeben, war im „Vorwärts" schon im Anschluß an die Münchner Aufführungen die Rede. Das Unternehmen verdient in der Tat Anerkennung und Förderung. Nicht bloß deshalb, weil wieder einmal ein Stück Puppensplelkunst genossen werden kann, die aus dem Zauberschrein des Naiv-Primitiveu so ergötzlich ernsthafte Komik hervorgehen läßt. Auch nicht deshalb allein, weil der junge Wolfgang Goethe in Frankfurt das alte Faustspiel sah, das nun in ihm, wie er in„Dichtung und Wahrheit" erzählt.„gar vielgestaltig zu summen und zu tönen" begann und zum Urbild des neuen Faust wurde, dessen Keimstellen da und dort in dem alten Volksstücköhe, bezahlen. Hingegen muten die Inhaber der„besseren" lestaurants und der„feinen" Cafes den Kellnerinnen zu, datz fie hns Lohn, vollständig unentgeltlich, arbeiten müssen. Diese Kell- crinnen sind ganz auf den guten Willen der Gäste, auf deren Trinkgeld angewiesen. Es werden diese Kellnerinnen aber auch in anderer Weise ausgebeutet, ja geradezu betrogen. Dieser Tage fand an einer Nürnberger Strafkammer ein Re- gistrierkassenprozetz statt, bei dem sehr bemerkenswerte Feststellungen gemacht wurden. Der Cafetier Jakob Kerzinger und dessen Frau, deren Cafe, wie Herr Kerzinger selbst angab, ein jährliches Rein- einkommcn von LOW M. abwirft, hatten sich wegen Urkunden- fälschung und wegen versuchten und vollendeten Betruges zu ver- antworten. Die Kellnerinnen dieses Cafctiers, die ohne Lohn ar- beiten müssen, hatten, jueil sie keine Schlüssel zu dem Kontroll- streifen an der Registrierkasse hatten, eininal durch Zufall heraus- gebracht, datz an der Kasse durch„Drücken" auf die Konten der Kellnerinnen schon Beträge notiert waren, obwohl die Kellnerinnen noch nichts am Büfett erhalten hatten. Da die Kellnerinnen schon seit längerer Zeit vermuteten, datz durch den Cafetier unreelle Manipulationen an der Registrierkasse vorgenommen werden, ver- schafften sie sich bei einem Monteur einen Schlüssel zum Kontroll- weifen an der Kasse. Hierauf notierte sich eine Kellnerin alles, as sie am Büfett erhielt, acht Tage hindurch genau auf und fand, atz ihr täglich eine Mark zuviel angerechnet wurde. Durch genaue ontrolle stellten die Kellnerinnen alsdann gemeinsam fest, datz ne Woche hindurch täglich jeder Kellnerin je eine Mark und am .onnabcnd und am Sonntag je 2 M.„gedrückt" wurden, ehe etwas om Büfett abgegeben wurde. Die Kellnerinnen vermuteten, datz äcses Treiben schon längere Zeit vor sich ginge. Eines der ge- chädigten Mädchen sagte dem Cafetier auf den Kopf zu, datz an der u Parma, so in einigem Figürlichen, das den Humor vermissen ietz. wie vor allem in den zauberischen Erscheinungen, für die das farblose, tokwirkende Lichtbild zu Hilfe genommen wurde. Hier sollte gebessert werden. Und ein wenig Nachprüfung verdiente auch das Gesprochene des Mcphostopheles. ES Uetze sich wohl charakteristischer geben. Man möchte es in der Vollendung der Art deS krähenstimmigen Teufels Auerhahn haben. Dies von Hanswurst geprellte, in allem wundervoll groteske Vieh stach die gesamte Brüderschaft der TeufelSfratze sieghaft aus. krä. Humor und Satire. Das Urteil im Knittel-Prozetz. Kaltherzig und gefühllos wär'S Und würd' sich ivenig schicken, Herrn K n i t t e l nicht im Knittelvers Ein Beileid auszudrücken. En Ratibor als Urteil galt: Nittel wird freigesprochen! In Gleiwitz wollt' der Staatsanwalt Sechs Monat' ein ihn lochen. Im Richterspruch, der d'rauf gefällt, Sah man zwar ab vom Kerker; Doch lautete die Pön auf Geld, Lies: zwei vier null null Märker. Zu mild ist grab' das Urteil nicht— Wer weitz, aus welchem Grunde— Auch diesmal heiht'S wohl bei Gericht: „Der Knittel liegt beim Hunde". _ N. O e r g l e r. Notizen. — Atlantisfilm-Neklame. Wer A gesagt hat. mutz auch B sagen. Erst hat Gerhart Hauptmann seinen Atlantis-Roman dem Filmkapital preisgegeben und jetzt holt man ihn auch an die Tamtam-Trommel heran. Einem Mitarbeiter der.Kunstschau", die für Filmlunst tätig ist, hat er gesagt: „Die Aufnahmen für den Allantisfilm habe ich den Fachleuten überlassen. Sie sind ja am besten in der Lage, das aus ihm zu machen, was er in der Tat ist: eine I l lu st r i e r u n g der Er- zählung. Ich bin sehr darauf gespannt, wie die Sache sich im Lichtbilde macht, und werde nicht versäumen, es zu betrachten. Ich lasse mich gerne angenehm überraschen und hoffe, datz eine dem großen Aufwände entsprechende Wirkung erzielt werden wird." Nun fehlt nur noch die Bolschast, Hauptmann habe sich ent- schlössen, die.augenehme Ueberraschung" bei der Premiere des Films persönlich entgegenzunehmen. — Theaterchronik. Im Lessing-Theater findet am Sonnabend die Uraufführung- von Herbert EulenbergS vieraktigem Schauspiel.Zeitwende" statt.— JmDeutschenOpern- hause zu Charlottenburg findet am nächsten Donnerstag zur Feier Kasse betrogen wird. Trotz dieses schweren Vorwurfes wurde die Kellnerin nicht entlassen. Die Strafkammer sprach die Cafetierseheleute, obwohl der Staatsanwalt dringend beantragte, den Cafetier zu Gefängnis zu verurteilen, frei. In der Urteilsbegründung hietz es: Das Gericht betrachtet es als festgestellt, daß an der Kasse unreell manipuliert wurde, um die Kellnerinnen zu betrügen. Es sei anzunehmen, datz diese Manipulationen lange Zeit hindurch vor sich gingen. Gegen den Cafetier bestehe der schwerste Verdacht, datz er selbst es war, der die betrügerischen Manipulationen machte, jedoch es sei die Möglichkeit nicht ganz ausgeschlossen, datz jemand anders an der Kasse manipulierte. Dieser Vorsicht des Gerichtes, die recht sehr für andere Fälle erwünscht wäre, wo sie vermitzt wird, hatte der Cafetier seine Freisprechung zu danken. Einkommen und Vermögen. Auf 40 Milliarden Mark hat Dr. Helfferich, Direktor der Deutschen Bank, das jährliche Volkseinkommen Deutschlands, wie wir kürzlich mitteilten, berechnet. Ungefähr ein Viertel davon dient der Mehrung des sogenannten Volksvermögens. Das ist in Wirklichkeit das Vermögen der Besitzenden. Einiges Interesse be- ansprucht loohl die Frage, wie sich das Volkseinkommen verteilt. Die Berufszählung von 1307 ergab 26 827 362 Erwerbstätige. Für das Jahr 1912 kann man mit rund 29 Millionen Erwerbstätiger rechnen. Deren Einkommen wird nirgends statistisch erfatzt. Nach der Berechnung Helfferichs entfiel auf den Kopf im Durchschnitt ein Einkommen in Höhe von 1466 M. Demnach müßte eine Fa- milie, in der beide Eltern und noch ein Sohn oder eine Tochter oder nur der Vater und zwei schulentlassene Kinder erwerbstätig sind, 5260 M. Einkommen erzielen. Die Gruppe der Erwerbs- tätigen umschließt Personen mit vielen Tausenden Mark Ein- kommen und solche mit ein paar Hundert Mark. Die höchsten Löhne und Gehälter werden zweifellos in der Industrie gezahlt. Aber auch hier reicht das Einkommen der Arbeiter und Angestellten längst nicht an den angegebenen Durchschnitt heran. Nach den Angaben der Berufsgenossenschaften stellt sich das durchschnittliche Ein- kommen der 9 846 599 im Jahre 1911 versicherten Personen auf nur 1668 M. Für den übrigen Teil der Erwerbstätigen in Handel und Landwirtschaft, in den freien Berufen usw. geht das Durch- schnittseinkommen bis auf die Hälfte des für die von der Unfall- Versicherung Erfaßten hinab. Würde das von Dr. Helfferich er- rechnete Volkseinkommen auf die Erwerbstätigen verteilt, dann würde sich für die Arbeiter das Einkommen ganz beträchtlich, in einer für sie berauschenden Weise, erhöhen. Nach der obigen Berechnung käme nämlich auf jeden Lehrling, jeden Laufburschen, jedes Ladenmädchen, jede Heimarbeiterin usw. ein Einkommen von 1469 M. Da diese Erwerbstätigen nur einige Hundert Mark bekommen, müßte sich natürlich das Einkommen der erwachsenen Arbeiter entsprechend erhöhen. Aber sie erhalten nicht einmal den errechneten Durchschnitt. Einen großen Teil schluckt das Kapital. Nach Helfferich belögt das deutsche VolkSvcrmögcn jetzt 360 Milliarden Mark. Auf den Kopf der Bevölkerung ergäbe das rund 4560 M. oder auf zede Familie von 5 Personen im Durchschnitt 22 500 M. Vermögen. Angenommen, nur ein Drittel des sogenannten Volksvermögens sei gewinnschluckendes Kapital, dann müßte allein dafür pro Jahr 5 000 000 000 M. Zinsen und Renten aufgebracht werden, wenn man auf einen durchschnittlichen Profit von nur 3 Proz. rechnet. Fast 15 Milliarden Mark sind in Teutschland in Aktiengesellschaften angelegt, die im vergangenen Jahre über 1�4 Milliarden Mark oder über 10 Proz. erbrachten. Diese Zahlen beweisen, datz Deutschland beträchtlich reich ist. Aber da die allermeisten Arbeiter gar nichts besitzen, bedeuten die Zahlen auch, datz der Reichtum in verhältnismäßig wenigen Händen vereinigt ist— und dort weiter wuchert. 5Zus aller Melt. Schutzleute als Cotfchlager. Während man in B r e s l a u immer noch vergeblich nach dem beamteten Verbrecher sucht, der dem Arbeiter B i e w a l d die Hand abgeschlagen hat und in Berlin der Schutzmann immer noch frei herumläuft, der während der Moabiter Krawalle den Arbeiter Herrmann erschlug, ist je�t ein neues von Schutzleuten begangenes Verbrechen ent- deckt worden. Nur mit dem Unterschiede, datz man in dem betreffenden Falle schneller gearbeitet hat und so die beamteten Verbrecher in Haft nehmen konnte. Vor etwa 6 Wochen wurde in Königshütte gelegentlich eines nächtlichen Zusammenstotzes der Polizei mit Arbeitern der 24 Jahre alte des 100. Geburtstages Verdis die erste Aufführung des „Troubadour" in neuer szenischer und musikalischer Einrichtung statt. Heute und am nächsten Sonntag geht nachmittags zu kleinen Preisen„Figaros Hochzeit" in Szene. — Freie Hochschule Berlin. Die größte Zahl der Vor- lesungen nehmen in dieser Woche ihren Anfang. Im ganzen sind 123 zehnstündige Vorlesungen und Führungen in Museen und im Zoologiscken Garten usw. im Programm angezeigt. Außerdem finden Einzelvorträge statt. Das 64 Seiten starke Programm wird kostenlos in allen öffentlichen Bibliotheken und Lesehallen aus« gegeben. — Freie Volksbühne. DaS erste große Chor- k o n z e r t des Kartells der Freien Volksbühnen findet Sonnabend, den 11. Oktober, abends 8 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide, dem größten Konzertsaal Berlins, statt. ES werden unter Leitung Oskar Frieds Werke von Richard Strauß(Don Juan und Lieder mit Orchester), Gustav Mahler(1. Sinfonie und Lieder aus Des Knaben Wunderhorn) und Oskar Fried(Erntelied für Männerchor und Orchester) aufgeführt. Alfred Kerr wird einige Worte zur Einführung sprechen. Hans Nachod-Kiel, das auf 100 Mann verstärkte Blüthner- Orchester und ein 300 Sänger starker Männerchor sind an der Auf- führung beteiligt. Die Erläuterung zu den einzelnen Werken hat Dr. Karl Stork übernommen. Eintrillskarlen a 80 Pf. sind in der Volksbühnenbuchhandlung, Köpenicker Str. 68, sowie an der Abend- lasse zu haben. — Die Lessing-Hochschule, besten Vorlesungen am 18. Oktober im Lessing-Museum(Brüderstr. 13) beginnen, versendet soeben ihr Programm. — DaS Kunstgewerbemuseum veranstaltet im Oktober bis Dezember im Hörsaal, Prinz-Albrecht-Straße 7a, Hof, folgende öffentliche Vortragsreihen: 1. Prof. Jean L o u b i e r: Geschichte des Bucheinbandes bis zur Gegenwart, 8 Vorträge, Montags abends unn W/. Iii« g>/» llfir Sn-niim Montaa. de» 13.: 2. Dr. Ernst von bis 9Va I a f f ö: Glaskunst Uhr,' Beginn Montag, den 13.; 2. Dr. Ernst unserer Zeit, 6 Vorträge, Dienstags abends von 8Vs bis 9Va Uhr, Beginn Dienstag. den 14.; 3. Dr. Georg Möller: Das Kunstbandwerk im alten Aegypten, 6 Vorträge, Donnerstags abends von 8'/- bis 9Va Uhr, Beginn Donnerstag, den 16. d. M. Die Vorträge sind unentgeltlich. — Frankfurt als Radiumzentrale. Für das Radium und die Radiumbeschaffung wird Frankfurt in Zukunft eine be- deutende Rolle spielen. Denn die Voifa-Werke, die bekannte Fabrik medizinisch-wissenschaftlicher Apparate, wollen mit einem Kapital von drei Millionen Mark einen zentralisierten Radiumvertrieb er- richten. — Schauspielerorganisation. Die Genossenschaft österreichischer Bühnenangehöriger hat eine Engeagmcntsvermiltelungs- stelle geschaffen, die keine Agentur, sondern ein kostenloser Stellennachweis sein soll. Weiter wird eine Reisedarlehns- lasse und eine EngagementSlosenkasse mit 1,50 M. täglicher Unterstützung bis zur Dauer von 60 Tagen gegründet. Der Monatsbeitrag soll nur 10 Pf. bettagen. Außerdem besteht schon von ftüher eine Kostümzenttale. Grubenarbeiter G r z h k verhaftet. Am anderen Morgen fand man Grzyk in der Zelle tot vor. Wie aus dem Leichen- befund zu ersehen war, konnte er nur auf gewaltsame Weise ums Leben gebracht worden sein. Die daraufhin angestellte Untersuchung hat nunmehr ergeben, datz Grzyk auf der Wache von zweiPolizeibeamten mitzhandelt worden ist und von einem derselben einen tödlichen Säbel st ich in die Lunge erhalten hat. Die beiden Beamten wurden verhaftet._ Zwei T ampferkatastroph en. Durch Zusammenstöße von Dampfern wurden am Freitag und Sonnabend zwei schwere Schiffsunfälle herlheigeführt. In der Nähe der brasilianischen K ü st e finden zurzeit Marine- manöver statt. Ein zur brasilianischen Marine gehörender Schlepp- dampfer„G u a r a n y" wurde dabei am Freitag von dem Dampfer „Borborema" in den Grund gebohrt. Der Schleppdampfer hatte 51 Mann an Bord, darunter mehrere Fähnriche zur See. Einzelheiten über das Unglück fehlen noch. Etwa 3 0 Per- sonen sollen ertrunken sein. Ein ähnliches Unglück ereignete sich am Sonnabend im eng- lischen Kanal. Dort stieß im Nebel der Dampfer„Gardenia" mit dem Dampfer„Cornwood" zusammen. Der Dampfer„Gardenia" sank nach kurzer Zeit. Von der Mannschaft konnten nur vier Personen gerettet werden, während achtzehn Ver» mißte wahrscheinlich ertrunken sind. Ein Held. Vor einigen Tagen meldeten wir den Untergang des Dampfers „Templemore", der auf hoher See in der Nähe des Kaps Vir- ginia in Brand geriet und sank. Bekanntlich wurde die aus 53 Personen bestehende Besatzung durch den Dampfer „Arkadia" gerettet. Wie aus dem Bericht des Kapitäns Johns des verloren gegangenen Schiffes hervorgeht, haben die Geretteten ihr Leben in erster Linie dem heldenmütigen Verhalten des Telegraphisten vom„Templemore" zu ver« danken. Nach dem Bericht brach das Feuer am Montag kurz vor Mitternacht in der Baumwolladung des Schiffes aus und ftah gierig um sich. Der Telegraphist gab ünunterbrochen Not- s i g n a l e ab, ohne auf das Vordringen des Feuers zu achten. Die Mannschaft hatte sich bereits in die Rettungsboote geflüchtet, der brave Telegraphist aber saß unentwegt an seinem Appa» r a t und rief etwa in der Nähe weilende Schiffe zur Hilfe her- bei. Erst als die Reserveakkumulatoren des Telegraphcnapparates nicht mehr funktionierten, verlietz er als letzter das Schiff. Di« funkentelegraphischen Hilferufe waren vom Dampfer»Arkadia" aufgefangen worden und etwas später erschien dann der Dampfer zur Rettung und nahm die Besatzung des„Templemore" aus. Ausschreitungen betrunkener Deutschen in Frankreich. In der Trunkenheit haben sich am Freitagabend in der ftan- zösischen Ortschaft C r u s n e s bei Longwy drei Deutsche zu be- dauerlichen Ausschreitungen hinreißen lassen, in deren Verlauf in der Notwehr einer der Tumultanten erschossen wurde. In die von einem Italiener gehaltene Schankwirtschast Riasetto in Crusnes drangen drei aus Deutschland kommende bettunkene Männer ein. Die Wirtin wagte, da sie allein war, gegenüber den Drohungen der drei Betrunkenen nicht, ihnen die Hergäbe von Getränken zu verweigern. Als sie dann aber zum zweiten Male Getränke forderten, lehnte die Wirtin das ab. Daraufhin ver« ließen die drei die Wirtschaft und bombardierten sie mit Steinen. Die geängstigte Wirtin gab gegen die Angreifer einen Revolverschutz ab, der den einen, einen 36 Jahre alten Ar- beiter Viktor M o s s a l l aus A u m e tz in Deutsch-Lothringcn tötete. Das zuständige Gericht hat eine Untersuchung über die Vorgänge eingeleitet. Vmfhaften der Redaktion. Tie Inristilche E»rcqftundc findet Linden st ra he LS, vorn vier Treppen — F-hrftnhl—, niochentagilch»on dis Uhr abends, Eonnadends, von 4Vj bis 6 Uhr abends statt. Jeder für drn Bricfiastea bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht cneilt. Anfragen, denen keine AdonncmentSguittnng detgrfüg» ist, perd-n nicht beantwortet, lkiligc Fragen trage man tu der eprcchftnndr dar. litt. Rate. 1. Taufschein. 2. Amtsgericht Charlottenburg. 3. Für daS laufende und kommende Kalenderjahr. 4. Die Anmeldung muß spätestens Ansang November ersolgt fem. S. Etwa 7 M.— O. St. 100. 1. Der Abzug war unzulässig. 2. Das geschieht am zweckmäßigsten sofort, da sonst stillschweigen» des Einverständnis angenommen werden kann. 3. In den Vormittagsstunden. — N. V. 657. Erkrankung des Herzens.— K.®„ Tamaritcrftrafte. Wenn Sie einen Schaden nachweisen können, wäre eine Schadenersatzklage durchsübibar.— 3t. F. 1873. Sofern der Sohn die Grabstelle bezahlt bat, läßt sich leider gegen diese Ungezogenheil nichts unternehmen.— I. H. 3. DaS Verfahren der Steuerbehörde entspricht dem Gesetz.— K. W. 17. Friedenau. Auszahlung der Rente kaim nicht gefordert werden. Soscrn die Frau in derselben Gemeinde wiederum ihren Wohnsitz nimmt, wäre sie, sosern fie unterslützungsbedürfttg ist, auch zu unterstützeu. — E. N. 400. Es ist zweckmäßig, wenn auch nicht unbedingt notwendig, dem Antrage eine Bescheinigung deS Arztes bcizusügen.— O. S. 70. Nein.—«. R. 73. 1. Rem. 2. Sa.— 31. 1. 1. u. 2. Ja. 3. Melden Sie die Austrittsabsicht unter Angabc Ihrer Personalien und Ihrer Kon« scssionSzugehörigkcit beim Amtsgericht Ebarlottenburg an. Sie bekommen dann eine Vorladung, der Sie Folge leisten müssen, um den Austritt persönlich zu erklären. 4. Ja, in derselben Weise.� 5. Ja und zwar für daS lausende und kommende Kalenderjahr— nicht Steuerjahr—. 6. Nein. — Beelitz 25. 1. Nein. 2. Standesamtliche Geburtsurkunde und Staats- zugehörigteitszcugnis vom Polizeipräsidium.—(£. L. 50. Für Sie und das Kind tonnten etwa 66 M. monatlich gesordert werden.— H. M. 123. Zurücknahme des Strusaniragcs ist nicht zulässig. Tie Höbe des SttasmaßcS liegt im Ennesscn des Richters. Falls Sie sich vorher einigen, würden Ihnen voraussichtlich mildernde Umstände zugebilligt werden.— Nr. 444. Konfessionslos. — E. 31. 40. Die Frau kann intervenieren, muß allerdings ihr Eigen- tumsrecht glaubhast machen bczw. nachweisen.— Vorwärts 100» l. Ja, sofern Beschlagnahme veranlaßt worden ist. Auch Sie können durch Ladung zum Lsfenbarringseid und zur Auskunfterteilung gezwungen werden. 2. Wäre anscchtbar. 3. Wäschespind oder Kommode.— M. B. 500. 1. Ja. 2. Unseres Erachtens ist nichts beschlagnahmefähig. — R. S. 100. Nein.— O. B. 50. 1. Für den lausenden Monat. 2. Ja.— P. D. 06. Der Abzug war unbegriindet.— P. St. 19. Für die Zeit bis einschließlich Dezember 1312.— Hausarzt 34. Erst vom 1. Januar 1914 ab.— H. 31. 55. 1. Nur dann, wenn Dienobeschädigung nachgewiesen werden kann. 2. Beschränkter Zeitraum.— F. F. 9. Nein. Wasserstands-Rachrichteu der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. Das gerettete FamMengWck. ..... und tg sage: tun Sie es ihm nicht vreffen, before Sie seh' sein' Mutter an dem Tore!" „Aber Miß! Cr muh ihn doch anprobieren. Wo m« hier auf dem Lande keinen Ersah haben kann, und keine Näherin und nichts! Wenn was zu ändern ist, kann ich's doch bis morgen früh selber machen!" ,M right! Unser ganzes feierliches Empfang wird verdorben sein. Tu' Sie dies Unglückskind sein weißes Anzug an! Zg ntgt. Ig geh' nach mein' Zimmer!" „At jS, Miß Darling l Fall Sie nich aber Ihr' Nasenspih'I"— bemerkte hier ein unver- muteter Jemand. Die Miß Nappte wütend die Tür zu.— Mamsell Burhenne aber faßte gott- ergeben unter den Tisch und zog richtig einen übel zerzausten kleinen Buben hervor. Cr machte sich sogleich los und begann einen Indianertanz mit begleitendem Geheul.— Mamsell Burhenne fing ihn mit einiger Schwierigkeit wieder ein und verlegte fich auf's gütliche Zureden: „Fritz!— Fritzeken! Sei doch mal fünf Minuten gut!— Kuck den schönen Anzug! Den hat Vater geschickt! Damit du nett bist, wenn morgen Mutter kommt I— Bloß anprob'n sollen wir'n!— Denk' doch: wo die liebe Mama auf'n Tod gelegen hat in der Klinik! Und beinah' über- Haupt nicht wieder zu uns gekommen wäre!!"— Dies kehtere Argument ging Fritzeken auf's Gemüt. Cr ließ sich verhältnismäßig leicht ein- fangen, ausziehen und hielt sogar seine wenig sauberen Pfoten steif vom Leibe ab, als die Mamsell den fleckenlosen Leinenanzug über ihn streifte wie einen sauberen Kiffenbezug. Eben wollte sie die Knöpfe schließen, als das Küchen- mädchen hereinstürzte: „Iotte doch, Mamsell, die Iufie ts mit'n Daumen in die Wurstmafchine—!!!" „Fritzeken— um Gotteswillen, bleib' eine Minute so stehen! Gehe bloß nicht vom Flecke — eine Minute— ich bin gleich wieder da, hörst du? Denk an die liebe Mama!!" Und Fritzeken stand allein, den neuen Anzug dreiviertel an. Cr aab fich wirklich die redlichste Mühe, nicht vom Flecke zu gehen.— Aber man glaubt nicht, wie lang so eine dämlige Minute sein kann, wenn man fich nicht rühren soll. Gott sei Dank strich wenigstens, als fie zur Hälfte um war, Mauzelchen herein, der älteste Sohn von Mieh, der Katze.— Mauzelchen war drei Wochen alt, schneeweiß mit schwarzem Schwanz; und er wurde von Frau Mietz so peinlich sauber gehal- tcn, daß er wirklich selbst dem weißesten Anzug nicht gefährlich werden konnte. Fritzeken nahm ihn hoch, als er fich an seinem Schuh rieb und preßte ihn liebevoll an fich:.Mauzelmännchen, morgen kommt die Mama und bringt uns Schokolade mit!" Die kleine Katze quiekte etwas unbehaglich. Aber Fritzeken drückte fie, durch die Ausficht auf die Schokolade zärtlich gestimmt, nur noch fester ans Herz. plötzlich roch es sehr Übel. Mauzel flog in die nächste Ecke und Fritzchen starrte entgeistert auf einen gelbbraunen Stteifen, der über seine weiße Hof.- lief:„Da! So ein Biest! Und dabei sagte Mamsell, Katzen wären stubenrein!" Sein erster Gedanke war: Waschhauskathrin! — Sein zweiter: Badewanne— denn die war näher. Cr stürzte also ins Badezimmer hinüber und bearbeitete den gelben Streif mit dem Schwamm— und dem Erfolg, daß nunmehr das ganze Hosenbein gelbbraun wurde. Zum Ueber- fluß knarrt« just da die Treppe: Gott, da kam die Mamsell wieder!— Im ersten Schreck wollte Fritzeken wenigstens auf' seinen alten Fleck zurückspringen. Aber er verhedderte fich in der Hast mit seinem kleinen Schulpültchen. und sauste holterdipolter mit Pult und allem an die Crde.— Eben als fich die Tür auftat, schoß das Tintenfaß im Bogen aus seinem Loche und entleerte fich über seinen Rücken. Die Mamsell, der dieser Knäuel Junge- Pult-Bücher-Tintcnfaß just vor die Füße rollte, ließ vor jähem Schreck ein Tragbrett fallen, auf dem fie das Vesperbrot mit heraufgebracht hatte. Und eine Tasse Milch, ein Kännchen Kaffee und ein Glas Himbeergelee machten im Nu der Tinte und dem Katzendreck den Nanz streitig. FnyekrtVals'man Ihn aufgefammekk�hatte, sah aus wie ein in jeder Beziehung mißratenes Osterei, und roch auch so. Mamsell Burhenn« schluchzte fassungslos:„Was wird Mise Herr sagen— was wird unse Herr sagen!"— Und Miß Darling tobt«:„Haben ich es nicht pro-, phetet! Die ganze Empfang is verdorbenl Man wird dem Unglückskinde einsperren muffen! — Wie kann man zeigen so eine kleine SnkUi zu seine liebe Mama!" --- Und der Empfang? Als die Mama am nächsten Morgen'wirklich kam, stand unter den Girlanden des Garten- tores ein blitzsauberer, weißer, frischduftender kleiner Bub, mit einem Rosenstrauß in der Hand. Und die Mama weinte vor Rührung,' und dankte jedem einzelnen, weil das Kind im Leben noch nicht so manierlich ausgesehen hätte. Mamsell Burhenne dienerte strahlend, Miß Darling sah förmlich erhaben aus— und bloß die alte Äaschhauskathrin bemerkte später zu ihrem Busenfreunde, dem noch älteren Kutscher: „Det von mir keen Mensch jeredet hat. de! nehm' ick fie ja nich weiter übel. Bei det Mittet hat man ja selber von't Waschen keene Arbeit mehr von. Aber det det janze Familijenjlück jerettet is, bloß weil ick den Jung sein neuet Zeuch die Nacht über in Perfil jestochen habe. det hätten se doch nu eijentlich dabei sage» können l" Die Mamsell ließ vor Schreck das Tragbrett fallen———(siehe obige Crz.> /illlliilllllllllllilllllllillllliilllillllllllllllllililMIilliil'tt'li u« seibsttüHue Waschmittel für jede Rrt von Wäsche, besonders: Für Spitzenwäsche, Stickereien, Gardinen und sonstige zarte leiefif zerretßbare SloHe, die kein starkes Reiben imd keine, raybe Behandlung vertragen, Für WoII- u. Buntwäsche, Für Krankenwäsche, Für Kinderwäsche, die nicht gekocht, sondern nur 1n stark handwarmer Persillauge etwa'A Stunde geschwenkt werden darf, um sie vollkommen rein zu machen. Hieraul die Wäsche gut aus? spülen und ausdrücken, nicht aus wringen, Die Wolle bleibt dann stets locker, griffig und filzt nie. da Persil nach bakteriologischen Feststellungen stark desinfU zierende Wirkung besitzt, Bakterien tötet und Krankheitskeime erstickt und zwar schon bei einer Temperatur von 30—40° C, deren meist scharfen Geruch Persil beseitigt und die dca frischen Geruch der Rasenbleiche erhält. In allen Fällen Gewährt sich Persil hervorragend, die Reinigung jst eine, vollkommene bei garantierter Unschädlichkeit. Man beachte jedoch, dass Irgendwelche Waschzusätze, wie Seife, Seifenpulver etc. nicht erforderlich sind� diese beeinträchtigen nur die selbsttätige Wirkung von Persil und verteuern.unnütz dessen Gebrauch. 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Abteilung 1 dieses Kapitels„Grundstücke in der Stadt" erbrachte infolge günstigerer Vermietungen und Verpachtungen ein Mehr von 27 849 M., desgleichen ergab sich bei Abteilung 3 „Berechtigungen" ein höherer Ueberschuß von 798 811 M., der hauptsächlich durch höhere Abgaben der Berliner elektrischen Werke und der Straßenbahn entstanden ist. Demgegenüber steht bei Abteilung 2„Grundstücke außerhalb der Stadt" eine Mindereinnahme von 156 224 M.. die insbesondere ver- anlaßt ist durch Zahlung von Anliegerbeiträgen an die Ge mcinde Treptow. Die städtischen Werke, Kapitel II. schließen gegen den Etat um 3 182 757 M. Mehreinnahme und 864 628 M. Minderbedarf, mithin uin 4 947 385 M. günstiger ab. und zwar entfallen von den Mehrüberschllssen auf die Gaswerke 2 345229 M. hauptsächlich infolge Mehreinnahmen aus dem Verkauf der Nebenprodukte, von 591 156 M. auf die Vieh und Tchlachthofverwaltung, im wesentlichen veranlaßt durch die Mehreinnahmen aus dem Verkauf von Futtermitteln durch Mieterhöhung und durch Minderausgaben infolge Eim führung der Äraunkohlenbrikettfeuerung. von 354 453 M. au die Wasserwerke, von 3999 M. auf die Beschau auf das von auswärts eingeführte Fleisch und 37 198 M. auf die Marli hallen und von 146 233 M. auf die Straßenbahn. Ein Minderbedarf ist zu verzeichnen bei den Kanalisationswerken von 658 799 M. und bei den Hafenanlagen von 19 948 M. während die Fleischvernichtungsanstalt Rüdnitz einen Mehr Zuschuß von 17 632 M. erforderte. Bei der Steuerverwaltung, Kapitel III, ergab sich ein Mehrertrag von 3 894 979 M. Die Gemeindeeinkommen steuer schließt um 1 471 869 M., die Gemeindegrundsteuer infolge Steigerung des gemeinen Wertes der Grundstücke um 2 285 773 M. günstiger ab. desgleichen brachten die Betriebs- steuer. der Braumalzsteuerzuschlag und die Wanderlagersteuer zusammen 33 225 M. mehr. Ebenso weist die Zuwachssteuer einen Mehrertrag von 1392 446 M. auf, der sich im wesent lichen aus der nachträglichen Veranlagung zur Gemeinde wertzuwachssteuer ergibt. Wahrscheinlich infolge des allge mein wirtschaftlichen Stillstandes erbrachte die Gewerbesteuer 326 379 M. weniger. Auch die Hundesteuer zeigte, wie im Vorjahre, einen Rückgang, und zwar von 89 575 M., der au' Abmeldung von Hunden zurückzuführen ist. Ferner ist die Umsatzsteuer infolge der anhaltenden Ruhe aus dem Grund stücksmarkte um 873 289 M. gegen den Voranschlag zurück geblieben. Die gesamte Schulverwaltung. Kapitel IV. ergab ein günstigeres, auf Minderausgaben beruhendes Ergebnis von 282 511 M. Die Armenpflege, Kapitel V. erforderte einen Minder zuschuß von 194 719 Mk., der sich zusammensetzt: a) aus einer Mehreinnahme von 39 921 M. bei den Hospitälern infolge gültigerer Ergebnisse bei Einziehring der Verpflegungs- und Beerdigungskosten von den Unterhaltungspflichtigen Ver wandten sowie von erstattungspflichtigen Gemeinden und K) aus einer Minderausgabe von 163 798 M. insbesondere bei der offenen Armenpflege. Bei der jtranken- und Gesundheitspflege, Kapitel VI, ist ein Minderzuschuß von 878 397 M. entstanden, der durch eine Mehreinnahme von 168 453 M. und durch eine Minder- ausgäbe von 799 854 M. veranlaßt ist. Die Mehreinnahme ist nur bei den eigentlichen Krankenhäusern zu verzeichnen. und zwar infolge höheren Erlöses aus dem Verkauf von Küchenabgängen und Altmaterial usw. sowie infolge günstigerer Ergebnisse bei Einziehung der.Kurkosten. Die Irrenanstalten schloffen infolge Minderausgaben bei den Ver pflcgungskosten und infolge geringerer Belegung unr 574 949 Mark günstiger ab. Ferner sind an den Minderausgaben noch beteiligt: die Badeanstalten, die Heimstätten, verschiedene Ein- richtungen für die öffentliche Gesundheitspflege und das städtische Untersuchungsamt. Ungünstig war dagegen das Ergebnis bei der Zentrale Buch, veranlaßt durch die Aus- führung eines Anschlußgleises sowie Beschaffung einer elektrischen Lokomotive. Kapitel VII— Polizei. Gerichte, Standesämter— verursachte einen Mchrzuschuß von 32 917 M. Kapitel VIII— Oeffentliche Beleuchtung. Straßcn- reiuigung. Park- und Friedhofsvcrwaltung— erforderte insgesamt einen Minderzuschuß von 374 778 M., der ins- besondere auf die Zahlung höherer Reinigungskostenbeiträge seitens der Straßcnbahngesellschaften sowie auf Minderaus- gaben infolge des schneoarmen Winters zurückzuführen ist. Die Bauverwaltung, Kapitel IX, ergab infolge Minder- ausgaben einen um 19357 M. günstigeren Abschluß. Bei den Verwaltungskosten, Kapitel XI, ist ein Mehr- bedarf von 125377 M. entstanden, und zwar dadurch, daß zahlreiche Ruhegehälter bewilligt tverden mußten, und daß für den Neubau des Verwaltungsgebäudes in der Jüden- ftraße— Stadthaus— erhebliche Mehrkosten erforderlich waren. Die Kapital- und Schuldenverwaltung. Kapitel XU, schloß bei einer Mehreinnahme an Zinsen von 1298637 M. infolge Belegung erheblicher Barbestände, darunter die Ab- findungssumme der Großen Berliner Straßenbahn in Höhe von 19 Millionen Mark, und bei einer Minderausgabe von 726 485 M., also um 1 935 122 M. gegen das Vorjahr günstiger ab. Der Mindcrbedarf ist durch Ersparnisse infolge Ankaufs von Anleihen zu Tilgungszwecken verursacht. Kapitel XIII— Verschiedene Einnahmen und Aus- gaben— weist eine Minderausgabe von 422 914 M. auf. Dieser günstige Abschluß erklärt sich dadurch, daß beim Extra- ordinarium I größere Beträge in Abgang gestellt worden sind infolge Jnzugangstellung gleich hoher Beträge bei den in Betracht kommenden Einzeletats.— Diese Angaben des Magistrats bedürfen einer besonderen Nachprüfung, wenn die Einzelabschlüsse vorliegen. Soweit es sich um Mehreinnahmen handelt, zeigt es sich, daß die Steuern und die Werke im wesentlichen die Ueberschüsse ge- bracht haben. Gerade deshalb dürfte die im April eingeführte Lustbarkeitssterler für die Finanzen besonders überflüssig ge» Wesen sein, desto drückender ist Re aber für die breite Massen der Bevölkerung und die Gewerbetreibenden. Was die Mindereinnahmen betrifft, so zeigt sich, wie sehr beim Armenetat geknausert worden ist. Andere Mindereinnahmen sind aus anderen Gründen entstanden. Genau genommen beträgt der Ueberschuß eigentlich nicht ganz 5 Millionen Mark, da im Vorjahre 7� Millionen Mark Ueberschuß vom Jahre zuvor als Einnahme in den Etat ein- gestellt worden sind._ Partei- �lngelegenkeiten. Aufklärungsarbeit. In der Arbeiterklasse lebt ein starkes Verlangen nach politischer Aufklärung. Die nächstliegenden Hilfsmittel, die dem Wissensdurstigen sich bieten, sind unsere Presse und unser Versammlungswesen. Weitere Aufklärungsarbeit sollen die Vortragszyklen leisten, die von den Bildungsausschüssen ver- anstaltet werden. Im Reichstagswahlkreis Berlin II begann am Freitag der vom Bildungsausschuß veranstaltete Vortragszyklus über:„Jmperia- lismus und Militarismus". Die Referentin Genossin R o s a L u x e m b u r g will in vier Vorträgen die auf Machtausdehnung gerichlete. zu immer tolleren Kriegs- rüstungen treibende Weltpolitik beleuchten und den Zu- sammenhang dieser wachsenden Zuspitzung internationaler Gegensätze mit der kapitalistischen EntWickelung darlegen. Der erste Vortrag(im kleinen Saal der Bockbrauerei, Fidicin- straße) war gut besucht und die Ausführungen der Referentin fanden bei den Zuhörern, unter denen wir auch viele Frauen sahen, lebhafte Zustimmung. In Anbetracht der Wichtigkeit des Themas wäre aber doch eine noch stärkere Beteiligung zu erwarten gewesen, und man kann nur wünschen, daß bei den nächsten Vorträgen die Teilnehmerzahl sich noch steigert. Die Arbeiterklasse hat allen Grund, die Entwickelung der vom Kapitalismus beherrschten Weltpolitik mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Die übrigen drei Vorträge finden am 19., 17. und 24. Oktober statt. Neukölln. Am Montag, den 6. Oktober, abends SlU Uhr. findet in Bartschs Festsälen. Hermannstr. 4S. der vierte Vortrag des Kursus:.Ursachen und treibende Kräfte der Entwickelung(mit Lichtbildern) statt. Vortragender: Genosse M. H. Baege. Eintritt«- karten a 30 Pf. sind noch in genügender Anzahl am Saalemgang zu haben. Genofien. die arbeitslos sind, haben fieien Eintritt. Charlottenburg. 8. Gruppe. Mittwoch, 8. Oktober, gemein- samer Zahlabend bei Ahrens. Ansbacher Str. It. Vortrag:„Der wirtschaftliche Niedergang, seine Ursachen und Wirkungen. An- fang 8% Uhr. Wilmersdorf. Am Montag, den 8. Oktober, abends 8% Uhr, beginnt der Vortragskursus über„Geschichte und Programme der politischen Parteien mit dem ersten Vortrage„Die Konser- vativen". Referent: Dr. Rud. Breitscheid. Eintritts- preis 10 Pf. für jeden Abend; für arbeitslose Parte,- und Ge- Werkschaftsmitglieder frei! Gäste— Männer und Frauen stud willkommen! Der Bildungs- und Jugendausschuß. Britz-Buckow. Am Sonnabend, den 11. Oktober d. I., ver- anstaltet der Bildungsausschuß einen Liederabend mit daran an- schließendem Tanzkränzchen. Für gute Besetzung der Vortragenden ist bestens gesorgt, so daß den Teilnehmern ein angenehmer Abend bevorsteht. Billetts a 30 Pf. sind in allen m,t Plakaten belegten Geschäften sowie an der Kasse zu haben. Arbeitslose und deren Frauen haben fieien Eintritt. Grünau. Mittwoch, den 8. d. M., abends ö Uhr, in der „grünen Ecke": Mitgliederversammlung. Bericht vom Parteitag ,n Jena. Kassenbericht. Vereinsangelegenheiten. K-nigswustcrhausen«. Umg. Der am Mittwoch, den 8 Ok- tpber fällige Zahlabend findet in unseren Bezirken nicht statt. Maricndorf. Dienstag, den 7. Oktober, Mitgliederversamm- lung bei Haack, Chausseestr. 43. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag; Referentin: Genossin Rhneck. 2. Dis.kusfion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Rowawes. Mittwoch, den 8. Oktober, abends 8)4 Uhr pünkt- lich, im Schmidtschen Lokal, Wilhelmstr. 41/43: Versammlung des Wahlvercins. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag; Referent Genosse Gomoll. 2. Geschäftliches. 3. Verschiedenes. gegen den Bodenwucher, der in der falschen Zumessung von Laubenland zu erkennen sei, gerichtlich wegen Betruges vorgehen müsse. Die Versammlung faßte einstimmig den Beschluß, den Ver- band der Groß-Berliner Laubenkolonisten zur Einberufung einer öffentlichen Versammlung zu veranlassen und die Presse anzu- rufen. Wenn das nicht zieht, will man den Spieß umkehren und a tempo durch sämtliche 210 Vereinspächter die Laubenpacht kün- digen, damit der Versuch der Frau Keuchert, den Verein«uszu- räuchern, auf sie zurückfällt. Es stimmt nur mit den Grundsätzen des Kapitalismus über- ein, wenn Kommerzienrat Bötzow die Generalpachtsumme ein- streicht, aber sich um die Interessen der Unterpächtcr, aus deren Taschen ihm das Geld zufließt, nicht oder nicht genügend bc- kümmert. Näher liegen ihm offenbar die Interessen der General- pächterin, die als Laubenkantinenwirtin wenigstens bisher eine kräftige Abnehmcrin von Bötzow-Bier war. fkrliiw Nadmcbten. Kommerzienrat Bötzow und die Laubenkolonisten. Nette Zustände in der großen, von 230 Unterpächtern besetzten Laubenkolonie Nord ring, die seit etiva einem Jahr- zchnt besteht, und deren Gelände den durch Kommerzienrat Bötzow vertretenen Bötzowschcn Erben gehört, kamen zur erregten Aus- spräche in einer von mehr als SOO Personen besuchten Bersainm- lung, die am Freitag bis nach Mitternacht der kürzlich gegründete „Pflanzcrverein Nordring" im Elysium in der Landsberger Allee abhielt. Das Laubcngelände ist seit Jahren in Generalpacht ge- geben an eine Witwe Keuchert. Diese Frau soll ein so selbstherr- liches Regiment führen, daß es oas Generalpächterunwesen aller anderen Laubenkolonien übertrifft. Nach den in der Versammlung von den verschiedensten Seiten gemachten Mitteilungen zahlen viele Pächter schon jahrelang die Pacht für mehr Ouadratruten, als das Laubenland groß ist, weil es falsch zugemessen wurde. Genaue Nachmessungen sollen Differenzen bis zu neun Ouadrat- ruten im einzelnen ergeben haben. Willkürlich hat Frau Keuchert die Pachtverträge vom Zeitlauf des Kalenderjahres auf den des Ouartalsjahres verschoben und forderte die Pacht für ein Viertel- jähr nach, weil ihr die entsprechenden Generalpachtsummen auch von den Bötzowschcn Erben abverlangt tverden. Diese vor etwa 150 Pächtern gefallene Behauptung hat sich als unrichtig heraus- gestellt. Der neue Pflanzerverein Nordring ist der General- pächterin ein Dorn im Auge. Es muß doch wohl System darin liegen, daß dem Vereinsvorstand und einer Kommission, die beide bei der Verlvaltung der Bötzowschcn Erbländereien ernste Vor- tellungen über das Verhalten der Generalpächtcrin erhoben haben, dfort ihr Laubenland zum 31. Dezember 1013 gekündigt worden ist. Dasselbe Schicksal erfuhren schon immer andere Kolonisten, wenn sie sich über die Mißstände in der Kolonie bei Bötzows be- 'chwerten, was die Generalpächtcrin bald erfuhr. Auf eine schrift- liche Beschwerde des Vereinsvorswndes hat jetzt die Bötzowsche Laubenlandverwaltung erwidert, daß sie keine Berechtigung habe, ich einzumischen in den Streit, es sei jedoch der Generalpächtcrin nahegelegt worden, friedlich zu verhandeln und Entgegenkommen zu zeigen. Die Generalpächtcrin antwortete mit neuen Heraus- forderungen und stellte in Aussicht, daß den Vereinsmitgliedern fortab der Pachtzins von 75 auf 90 Pf. pro Quadratrute erhöht werde. Weitere Unterhandlungen mit dem Bötzowbureau hatten keinen Erfolg. Mehrfach wurde von Rednern verlangt� daß man Um die Kochküche. Die Waschmädchen der Stadt Berlin, die in der Zentrale Buch beschäftigt sind, haben schon sehr häufig über das ihnen gelieferte Essen gelagt. Mehrere Male wurde von ihnen auch die Arbeit des- wegen eingestellt. Immer wurde ihnen bei solchen Gelegenheiten Abhilfe versprochen und geduldig arbeiteten sie dann weiter. Trotz ihrer schweren Arbeit ist ihre Arbeitszeit recht lang, sie beträgt pro Tag 11 Stunden. Außer Kost und Logis erhalten sie dann noch monatlich durchschnittlich 30 M. Das Essen wurde ihnen früher von der Anstaltsküche des Irrenhauses in Buch, jetzt von der Küche des dortigen Hospitals geliefert. Das Kuratorium für die Zentrale Buch hat die Klagen der Waschmädchen als durchaus berechtigt an- erkannt und mehrmals den Bau und die Einrichtung einer eigenen Kochküche empfohlen. Vom Magistrat ist dieser Antrag aber stets abgelehnt worden. Das Kuratorium hat in seiner letzten Sitzung den Etat für 1014 beraten und in diesem wiederum fiir den Bau einer Kochküche die Summe von 14 200 M. als Ausgabe eingestellt. Wie uns von glaubwürdiger Seite versichert wird, soll das an die Mädchen gelieferte Essen nicht gerade schlecht sein; aber für junge Menschen, die sehr schwer und stets wie im Schweiße gebadet arbeiten müssen, wird dasselbe als vollständig ungenügend be- zeichnet. Die Stadt Berlin sollte sich wirklich nicht so kleinlich zeigen und sollte ihren Arbeiterinnen zur Herstellung ordentlicher Mahlzeiten eine Kochküche einrichten. Bei Fürstenbesuchen und sonstigen patriotischen Feierlichkeiten wird auf ein paar Tausend Mark nicht gesehen. Bemerkenswert ist auch, daß im vergangenen Jahre für ein Gutachten für Kohlen und Dampferverbrauch für die Zentrale in Buch zirka 17 000 M. ausgegeben wurden. Sollten für die armen proletarischen Waschmädchen nicht auch ein paar Tausend Mark vorhanden sein? Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Mona! Sep- tember nächtigten im Männerafyl 14 499 Personen, wovon 7984 badeten, im Frauenasyl 2392 Personen, wovon 626 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer und fiir Frauen: Wiefensfiaße 55/59. Mangel a» Papierkörben im Treptower Park. Zu dieser Notiz in Nr. 257 teilt uns der Magistrat mit, daß bereits 50 neue Papier- körbe angeschafft sind und in der allernächsten Zeit zur Aufstellung gelangen. Damit dürfte unser Wunsch erfüllt werden. Bon 12 biS 2. Vom heutigen Sonntag ab sind die Ladengeschäfte nicht mehr von 8 bis 19 Uhr, sondern von 12 bis 2 Uhr ge» öffnet, was sich unsere Leser und Leserinnen merken wollen. Der Hauswirt und die vier Kinder auf dem Kirchhof. Einen hübschen Reinfall erlebte ein Hausbesitzer am Halleschen Tore, der in seinem Hause nur„Mieter ohne Kinder" duldete. Als sich vor einigen Wochen eine Frau um eine freigewordene Wohnung in feinem Hause bewarb, ent- gegnete sie auf die Frage, ob sie Kinder habe:„Vier, die sind aber alle auf dem Kirchhof." Jetzt nach dem Einzüge brachte die Frau vier Trabanten mit. Diese waren damals wirklich auf dem Kirchhof, um Vaters Grab zu begießen I Der Haus- Wirt schäumt vor Wut._ Kleine Ursachen— grofie Wirkungen! Bei der am vorigen Sonntag erfolgten Einweihung deS Ost- Hafens ist eS zu einer kleinen Differenz gekommen. Bei der Fest» tafel wurden von verschiedenen Vertretern Ansprachen gehalten. Unter anderen waren auch Ansprachen des Vertreter» der Handelskammer Geheimrat Dr. Ravenö und des Vertreters der Aeltesten der Kaufmannschaft Herrn Kaenipf vorgesehen. Herr Kaempf soll sich früher als Herr Ravenö gemeldet haben; aber Herr Raben» �wollte durchaus vor Herrn Kaempf sprechen, letzterer wollte wiederum nicht hinter Herrn Ravens zurücktreten. Und f» geschah das Unerwartete. Herr Ravens stand von der Tafel auf und entfernte sich ostentativ. Gestern, am Sonnabend, hat Herr Ravens, der zweiter Vizepräsident der Handelskammer ist, einer Vollversammlung der Kammer die Angelegenheit vorgetragen- Einstimmig erklärten sich die Anwesenden mit dem Vorgehen des Herrn Ravens einverstanden. So erzeugen oft kleine Ursachen große Wirkungen. Eö wird jetzt die große Frage diskutiert werden müssen: Handelskammer oder Aclteste der Kaufmannschaft, Ravens oder Kaempf; wer von beiden hat den höheren Rang? Wir brauchen uns den Kopf darüber nicht zerbrechen. Offene Bebauung für da« östliche Temprlhofer Feld. Schneller, als man erwarten durfte, ist das Schicksal de« östlichen Tempelhofcr Feldes entschieden worden: Für fast die gesamte Flächt diese« Ge« lande? ist jetzt die offene Bebauung vorgeschrieben Ivorden. Mit dem gestrigen Tage(Sonnabend) ist als vierler Nachtrag zur Baupolizei- Verordnung für die Vororte von Berlin eine Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten zu Potsdam in Kraft ge- treten, in der unter Zustimmung des BezirksauSschuffeS zu Potsdam und nach Anhörung des VerbandSausschusseS de« ZweckvcrbandeS Groß-Bcrlin folgendes bestimmt wird:„Der Abschnitt Tempel- Hof enthält folgende Fassung: Berlin- Tempelbof. Gemeinde, mit Ausnahme deS nördlich der Ringbahn, westlich der Tempel- Hafer Chaussee gelegenen Gemeindegebietes, welches gemäß meiner Polizeiverordnung vom 18. November 10V7 der Baupolizeiverordnuna vom 22. August 1803 untersteht. 1. Geschlossene Bauweise:») In dem Gebiete außerhalb der Ringbahn mit Ausnahme des unter 2 genannten Gebietes, d) in dem Gebiet der nördlich der Ringbahn an der Schwiebuser Straße in einer Tiefe bis zur Mittelachse der verlängerten Prinz-August-von-Württemberg-Straße. 2. Baullasse G oder v nach Wahl der Bauenden; in dem Gebiete, welches um- schlössen wird von der Lankwitzer Straße, der Straße 12a und ihrer Verlängerung bis zur Südostecke der Schöneberger Gemeindegrenze und den Gemeindegrenzen gegen Schöncberg und Mariendorf. 3. Bauklasse?: in dein Gebiete nördlich der Ringbahn mit Ausnahme des unter 1d genannten Gebiete». Aus der KrankeuhauSvertvaltung. Die von der Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege eingesetzte ständige Kommission für Lohnfragen verhandelte am gestrigen Sonnabend über eine Reihe von Eingaben, die von den in den Krankenhäusern beschäftigten An- gestellten der Deputation unterbreitet waren. Unseren Genossen ge- lang es, in wesentlichen Punkten Zugeständnisse annehmbarer Art für das Personal zu erringen. Die vorübergehend angestellten Hand- iverker, wie Schlosser, Maler, Maurer usw. sollen künftig die t a r i f- lich festgelegten Löhne erhalten. Die Bezüge der Hausdiener werden aufgebessert von 35 M. im Anfang auf 38 M. nionatlich, nach einem halben Jahre 40 M. statt 33.50 M., nach einem Jahre von 33 M. auf 42 M. usw. Sie beziehen daneben Wohnung mit Heizung und Beleuchtung, Arbeitskleidung und5kost. Für verheiratete Hausdiener wird eine Entschädigung von 250 M. gegen bisher 150 M. für die Wohnung gewährt. Die ständig beschäftigten Näherinnen erhalten künftig 50 M. monatlichen Lohn, Beköstigung und eine Ar- beitsschürze gegen bisher 45 M. usw. Eine Petition des Arbeits- ausschusses vom Krankenhaus Friedrichs Hain, den Bertretern des Kesselwärters während der Vertretung an den Wochen- lagen wieder Abendbrot und Sonntags die ganze Verpflegung zu gewähren, wurde gutgeheißen— gegen den Willen der Direktiow Die neu in den Dienst des 5krankenhauses tretenden Angestellten sollen künstig diese Bezüge nicht mehr erhalten. Vor Taschendieben wird gewarnt! Neue Banden von Taschendieben haben sich in Berlin cinge- fanden, um beim Beginn der Wintcrspielzeit der Theater gleich zur Stelle zu sein. Im Laufe des Sommers war es auf diesem Gebiet« in Berlin ziemlich ruhig geworden. Die Kriminalpolizei hat eine große Zahl dieser„Spezialisten" ermittelt und fcstgenom- men, und viele von ihnen sind zu schweren Strafen verurteilt ivordcn. Aber der Nachwuchs bleibt auch hier nicht aus. Viele Ticbstahlsanzeigcn beweisen es. Die neucingctroffcnen Langfinger haben sich schon in mehreren Theatern sehr unliebsam bemerkbar gemacht. Ten Tag über aber benutzen sie auch jetzt wieder das Gedränge an den Haltestellen der Straßenbahnen, um besonders Frauen heimlich die Handtasche zu össticn und daraus die ge- nillien Börsen zu stehlen. Das Publikum wird guttun, selbst aufzu- passen und die Langsinger, wo sie bei der„Arbeit" betroffen wer- den, gleich beim Wickel zu nehmen. Nur so wird es möglich sein, der Plage möglich bald wioder ein Ende zu machen. Gestohlene Orden. Eine seltene Beute, die aber für ihn kaum einen großen Wert haben wird, machte ein v-Zug-Dieb auf der Fahrt von Leipzig nach Berlin. Hier erwischte er ein Paket, das einem mitreisenden höheren sächsischen Offizier gehörte, der auf kurze Zeit das Abteil verlassen hatte. Das Paket enthielt die Abzeichen des sächsischen Albrechtsordens, des preußischen Kronenordens III. Klasse, des roten Adlerordens IV. Klasse, das sächsische Dienstauszeichnungskreuz, die Kriegsmedaille von 1870/71 mit der Spange Paris- Saint Ouentin und die Zentenarmedaille, außerdem ein Paar Lackstiefel niit Sporen und Stiefelüberzüge für hohe und kleine Stiefel. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden des 24 Jahre alten Kutschers Willi Schmidt aus der Antonstraße 27 gesunden. .-'ckaiüdt, der bei seinen Eltern wohnte, kehrte am Sonnabend voriger Woche von der Arbeit nicht nackt Hause zurück. Die Er- Mittelungen ergäben, daß er abends mit Bekannten mehrere Wirt- schaften besucht hatte. Am nächsten Tage fand mau am Nordhofen gegenüber dem Hause Nr. 3, in der Nähe der Bedürfnisanstalt seinen Hut aus dem Ufer liegen. Die Vermutung, daß der junge Mann dort ins Wasser gefallen und ertrunken war, hat sich jetzt bestätigt. Gestern fand man ganz in der Nähe seine Leiche im Nordhafen. Ohne Zweifel hat er die am Ufer stehende Bedürfnisanstalt aufsuchen wollen und ist dabei über das Geländer in den Hafen gefallen. Tie Leiche eines neugeborenen Knaben wurde aus dem Teltow- kanal in der Nähe von Teltow gelandet. Sie scheint schon lange im Wasser gelegen zu haben, denn sie war schon stark in Ver- ivesung übergegangen. Es ließ sich daher auch nicht mehr fest- stellen, ob der Knabe nach der Geburt gelebt hat. Die Kriminal- Polizei leitete sofort Ermittelungen nach der Mutter ein, die jedoch bis jetzt erfolglos waren. Eine Belohnung von 500 M. hat der Polizeipräsident auf die Ergreifung eines Räubers ausgesetzt, der eine Frau v. I. im Tier- garten anfiel. Wie jetzt feststehl. ist der Räuber ein junger Mensch, der zunächst langsam vor Frau v. I. des Weges ging. Er hemmte seine Schritte so, daß die Frau gezwungen war, an ihm vorbei- zugehen. Weil er ihr keinen guten Eindruck machte, so mied Frau v. I. seine Nähe nnd ging in einem kleinen Bogen an ihm vorbei. Kaum aber halte sie ihn überholt, als sie auch schon den Schlag ins Gesicht erhielt. Den Burschen müssen auch zwei Frauen gesehen haben, die in der Nähe das Laub zusammenfegten. Sie werden er- sucht, sich unverzüglich bei der Kriminalpolizei zu melden. Ebenso andere Personen, die den Räuber oder vielleicht auch den Ueberfall aus der Ferne gesehen haben mögen. Die Ueberfallene ist nur leicht verletzt worden, mußte sich aber infolge der großen Aufregung in ärztliche Behandlung begeben. Ter Selbstmord eines Offizicrsburschen erregte gestern abend in der Uhlandstraßc in Wilmersdorf Aufsehen. Ter bei einem Major bedienstete Bursche, der vom Husarenregiment Nr. 13 ab- kommandiert war, sollte am Donnerstag früh im Auftrage des Nkajors ein Pferd nach dem Bahnhof bringen, von wo aus es nach Halle a. S. befördert werden sollte. Er verschlief aber die Zeit und um noch rechtzeitig zum Bahnhof zu gelangen, bestieg er der In- struktion zuwider das kranke Pferd. Dieses stürzte und verletzte sich so schwer, daß es transportunfähig war. Als nun der Major, der schon nach Halle vorausgercist Ivar, von dort nach dem Verbleib des Pferdes anfragte, war der Bursche ratlos. Wahrscheinlich aus Furcht vor Strafe erschoß er sich gestern abend. Ans der Spree gelandet wurde gestern abend die Leiche eines jungen Mannes, bei dem man keine Papiere fand, die zur Fest- stellung seiner Persönlichkeit dienen konnten. In seinen Taschen fand mau nur einen Zettel mit folgender Niederschrift:„Liebe Mutter, ich habe keine Lust mehr zu leben, darum will ich lieber sterben. Bei meinem Begräbnis will ich keinen Prediger haben, auch sollen keine anderen Menschen zugegen sein, wie meine Mutier. Dein Sohn Paul." Die Ermittelungen ergaben bald, daß es sich um den 19 Jahre alten Arbeiter Paul Nocke handelt, der bei seiner Mutter in der Lübbeuer Straße 23 wohnte. Verletztes Ehrgefühl haben den jungen Mann in den Tod getrieben. Er glaubte, daß seine Entlassung, die vor 14 Tagen erfolgt war, zu Unrecht geschehen sei und ivar seitdem niedergeschlagen und ver- zweifelt. Vor 8 Tagen verließ er die elterliche Wohnung, ohne loieder in diese zurückzukehren. Nach dem Befunde der Leiche ist er damals sofort ins Wasser gegangen. Die Leiche wurde beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Spurlos verschwunden ist seit Sonntag, den 21. September, der 17jährige Malerlehrling Otto Domning, der bei den Eltern in Friedenau, Odenwaldstraße 23, wohnte. Er ist 1,55 bis 1,58 Meter groß, trug dunkele» Anzug, weißen Strohhut mit gerader Krempe, hatte ferner einen hohen Umlegekragen, einen Selbstbinder und trug schwarze halbe Schuhe mit Lackspitzen. Wer über den Verbleib des jungen Menschen Auskunft geben kann, wird gebeten, den Eltern Mitteilung zu machen. J,n neuen Aquarium sind nun auch die längst erwarteten Riesen- Schildkröten von den Seyschellen eingetroffen und erregen in ihrem von Härder reizend ausgemalten Käfig das größte Aufsehen. Das große Männchen� ist 1,30 Meter lang, wiegt 8 Zentner und wird auf 70 Jahre geschätzt. Ihm ist bereits der schöne Spitzname„Herr Theobald" angehängt worden. Aber auch die beiden anderen Kolosse sind sehr stattliche Tiere, die sich ihren Kohl recht gut schmecken lassen. Diese leider schnell im�Anssterben begriffene Art der Riesen- Landschildkröten wird auf der Seyschellen-Gruppe wie eine Art von Haustier gehalten. Sie sind Pflanzenfresser, da sie ja bei ihrer Schwerfälligkeit niemals andere Beute machen können. Mit ihrer dicken Panzerung wandeln sie gleichsam als Sinnbilder für de» sogenannten passiven Widerstand daher. In der Gefahr ziehen sie nämlich Kopf, Füße und Schwanz ein und sind so für jeden Feind unangreifbar. Nebenbei sei bemerkt, daß unsere sehr beliebte Schild- kröteusuppe von den Mecrschildkröten kommt. Der Wintergarten bietet in seinem neuen Spielplanwechsel eine Anzahl trefflicher Schlager. Schon der Universalkünsiicr Alderich setzt durch seine schnellen Umkleidungen, die zudem von einer erfrischenden Komik begleitet sind, das Publikum in Erstaunen. In einer späteren grotesken Szene amüsiert Alderich durch die Eigenart seiner Dar- stellunge» seine Zuhörer noch längere Zeit. Als Tierstimmenimitator von zwerchfellerschüllernder Wirkung zeigte sich Adler in der Nummer Adler Arline. Aus seinem Munde vernehmen wir das Gackern der Henne, das Bellen eines allen Dorfhundes, das Miauen der Katzen in ihren verschiedenen Variationen. Selbst das Kreischen und Aechzen einer Dampfsäge, die sich durch verschiedenes Holz hindurch- frißt, dringt naturgetreu an unser Ohr. Von verblüffender Vielseitig- kcit zeigt sich Vasco, das verrückte Musikgcnie: des weiteren er- wähnen wir die gewandten Lassowerfer Jack Joyce, Johnion und Dean mit ihren tanzenden Niggern sowie„General" La Vine als Jongleur von Klasse. Vielen Beifall fanden die lebenden Bilder und Skulpturen, die durch ihre wunderbare Anordnung sowie durch malerische Reflexionen von künstlerischer Wirkung sind. Farben- prächtige Bilder bieteit sich uns noch im„Meißener Porzellan" und einer anschließenden Tanzszene, arrangiert und einstudiert von John Tillcr. Johaunisthaler Herbstflugwoche. Am gestrigen Nachmittag waren in Johannisthal wieder vor- zügliche Leistungen zu verzeichnen. Schon vor Beginn der offiziellen Konkurrenzen war Remus auf dem Ago-Doppcldecker um 12,42 Uhr aufgestiegen, um sich um den längsten Flug zu bewerben. Der Montagcwettbewerb, der früh 3 Uhr angesetzt war, mußte aus- fallen, da Loitsch mit dem L. B. G.-Eindccker als einziger an den Start kam, Hanuschke, der sich um diese Ausschreibung des Kriegs- Ministeriums ebenfalls beworben hatte, mußte zurücktreten, weil sein Apparat nicht fertig geworden war. Infolgedessen wurde lcdig- lich um Dauer und Höhe geflogen. Zehn bis zwölf Maschinen umkreisten ständig die Flugbahn in wechselnden Höhen. Man sah Schulz, Kämmerer, Rciterer, Stiploschek, V. Stoefsler, Wrobel, ischlvandt, Jngold, Kanitz, E, Stoefsler, Krieger, Kohncrt, Böhm. Loitsch führte den neuen L. V. G.-Eindccker vor, der nach sehr kurzem Anlauf vom Boden frei kam und mit rasender Geschwindig- kcit die Luft durchschnitt. Diese neue Rennmaschine ist zweifellos der schnellste Apparat den Johannisthal zurzeit besitzt. Sablatnig, der gestern einen Angriff auf den Höhenwelirckord machen wollte, konnte sein Vorhaben nicht ausführen, da seine Höhenmesser nicht genügend in Ordnung waren. Er will jedoch am heutigen Sonntag mittag schon um 12 Uhr aufsteigen, um vor Beginn der Konkur- rcnzcn die Leistung des Weltrckordsicgcrs Perrcyons, der auf 5850 Meter steht, zu brechen. Sablatnig hat sich zu diesem Zwecke eine originelle Vorrichtung einbauen lassen, die ihn in größeren Höhen mit Sauerstoff versorgen soll. Auch Kanitz, der gestern den An- griff auf den Höhenweltrekord machen wollte, war wenig glücklich. In über 2000 Metern Höhe ließ der Motor in seiner Leistung so erheblich nach, daß der Flieger gezwungen war, wieder die unteren Luftschichten aufzusuchen. Dagegen gelang es Stiploschek auf der Jcannin-Taube mit einem Passagier auf 3530 Meter Höhe zu klettern. Krieger auf der Harlan-Taube brachte es mit Paffagier in 50 Minuten nur aus 2350 Meter Höhe. Die übrigen Flieger hielten sich in geringeren Höhen. Leider wurde seitens der Renn- lcitung auch diesmal wieder nicht genügend gegen diejenigen Flieger eingeschritten, die andauernd ihre Kunststückchen über den Häuptern der Zuschauer auszuführen belieben. So leistete sich einer der Herren den Scherz, im Gleitflug bis auf 10 Meter über dem Publi- tum> herabzukommen und dann eine scharfe Kurve nach dem Felde hin zu machen. Infolge der Aufregung, in welche die Zuschauer gerieten, wurde eine Dame ohnmächtig und mutzte die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen. Hoffentlich wenden in Zukunft der- artige ganz ungeeignete Bravourleistungen seitens der Oberleitung zu verhindern gesucht. Ilm den Preis des Kriegsminiskeriums um die größte Differenz der Geschwindigkeit starteten Thelen und Lind- paintner sowie Rupp nnd Krieger. Rtipp war jedoch der einzige, der für die Preisverteilung in Betracht kam, da er wie das Kriegs- Ministerium es verlangt, seine Geschwindigkeit bis auf 70 Kilometer herabmindern konnte. Tie anderen Bewerber flogen sämtlich schneller. Am heutigen Sonntag findet ein interessante? Match statt, zu welchem Loitsch mehrere Flieger herausgefordert hat. Es handelt sich um ein Geschwindigkeitsrennen über eine Strecke von 20 Kilo- inctcrn, für die die Flugplatzgsellschaft einen Preis von 750 M. ge- stiftet hat._ Vorort- Nacbncbtem Wilmersdorf. Das Jugendheim in Wilmersdorf. Unsere Ankündigung, daß am heutigen Sonntag ein Arbeiter- Jugendheim in Wilmersdorf eröffnet wird, ist der„Wilmersd. Ztg." schwer ans die Nerven gefallen. Das Blättchen, das lediglich als Sprachrohr des reaktionären Klüngels Interesse ver- dient, ist zwar kühn genug, die Protektion der„nationalen" Jugend« pflege, die in enger Beziehung zur Wilmersdorfer Filiale des„Reichs- Verbandes" steht, zu bestreiten, dafür gibt es seinem Aerger auf be- quemcre Weise Ausdruck. Es entlehnt seinem umfangreichen Schimpflexikon in der„Polemik" gegen unsere Notiz die Vokabeln„lächerliche Ausfälle, Gewäsch, platte Unwahrheit, Wühlarbeit", immerhin eine ganz gute Leistung für eine Notiz von wenigen Zeilen. Uns ist es überaus erfreulich, zu sehen, wie die bloße Eröffnung deS JugendbeimS bereits auf die Hintermänner des Lokalblättchens wirkt. Wir hoffen, daß ihnen die Früchte unserer Arbeit, die sich in einem guten Aufschwung der freien Jugendbewegung zeigen sollen, noch weit weniger gefallen werden. Die proletarische Jugend wird unserem Ruf:„Heraus aus dem Jungdeutschland- bund und ähnlichen Vereinigungen, die Feinde der Arbeiterklasse sind", freudig Folge leisten und sich im Kreise der proletarischen Klasseiigenossen einfinden, wo sie sich allein körperlich und geistig frei entwickeln kann. Für unsere Genossen und Genossinnen wird das Gezeter der Gegner nur ein doppelter Ansporn sein, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um die freie Jugendbewegung zu fördern. In viel höherem Matze noch als bisher müssen sie sich dem „Verein Arbeiterjugendheim" anschließen. Der Monatsbeitrag ist auf 10 Pf. festgesetzt, doch werden auch höhere freiwillige Beiträge entgegengenommen._« Gchöneberg. Der Wahltermin für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahleit ist nunmehr bekanntgegeben. Die dritte Abteilung wählt Sonntag, den 9. November, von 9—7 Uhr; die zweite Abteilung am Mittwoch, den 12. November, von 12— 8 Uhr, und die erste Abteilung am Donnerstag, den 13. November, von 2— 3 Uhr. Zur Neuwahl stehen der erste Bezirk, dort scheiden der Mieter und der Hausbesitzer aus; zu wählen find zwei Mieter. Bisher wurde dieser Bezirk von den Herren Deneke und Lassen vertreten. Im zweiten Bezirk ist wiederum ein Hausbesitzer zu, wählen. Bisher wurde dieser Bezirk durch Gottschalh. Mitglied der Liberalen Fraktion vertreten. Im fünften Bezirk ist ein Mieter zu wählen; dieser Bezirk war bisher durch den Genoyen Molkenbuhr vertreten. Den sechsten Be» zirk vertrat bisher ein Mieler, jetzt muß ein Hausbesitzer gewählt werden. Im a cb t e n Bezirk ist wieder ein Mieter zu wählen. Im zehnten Bezirk loaren bisher zwei Mieter, jetzt sind ein Mieter und ein Hausbesitzer zu wählen. Für den ersten Bezirk kandidieren als Mieter die Genossen Albert Lazar und Karl Eckert; für den fünften Bezirk Genosse Hermann Molkenbuhr; für den sechsten Bezirk Genosse R e i n h o l d Küfler; für den achten Bezirk Genosse Wilhelm B ä n m l e r und für den zehnten Bezirk Genosse H e r- mann Eichelhardt als Hausbesitzer und Genosse Franz Czeminski als Mieter. Der Kandidat für deu zweiten Bezirk wird später bekannt gegeben. Da die Wahl wiederum Sonntags stattfindet, so kann jeder Wähler von seinem Wahlrecht Gebrauch machen. In der Zeit bis zum Wahttermin mutz jeder Arbeiter es als seine heiligste Pflicht erachten, die Indifferenten aus» zuklären und für eine starke Wahlbeleilung zu sorgen. Die Gegner inackien die größten Anstrengungen unter Anwendung der schäbigsten Mittel auch die Bezirke der dritten Abteilung an sich zu reißen. Die Bezirke 5, 3 und 8, die bisher in unserem Besitz waren, müssen mir vermehrter Stimineiizahl erhalten bleiben, während die Bezirke 1, 2 und 10 bei rühriger Agitation erobert werden können. Turnhallciicntzichnng. Am 1. Oktober ist auf Auordnung des Probinzialschulkollegiums auch dein hiesigen Arbeiterturnverein noch eine Turnhalle entzogen worden. Die Turnübungen des Arbeiter- turnvereins finden vorläufig nur Montag und Freitag von 8'/., bis lO1,'« Uhr abends in den„Neuen Rathaussälen", Äartin-Lulher» Straße, statt. Dienstag, den 7. Oktober, abends 8>/., llhr, findet bei Obst, Martin-Lulher-Straße, eine Versammlung aller Fußballsport trcibxudcn Arbeiter statt, wozu Jnleressenteu eingeladen sind. Charlottenburg. Zweite Hypotheken in Eharlottcnburg. Nachdem bereits mehrere Groß-Berliner Gemeinden Einrichtungen für Gewährung von zweiten Hypotheken getroffen haben, unterbreitet der Ma- gistrat den Stadtverordneten eine Vorlage, deren Gegenstand die Bürgschaftsübernahme für die Pfandbriefe eines Hypotheken» Bankvereins für zweite Hypotheken bildet. Danach erklärt sich die Stadtgemeindc Charlottenburg bereit, bis zu einer Höhe von 20 Millionen Mark die Garantie für Schuldverschreibungen(Pfand- briefe) eines auf Grund bestimmter Satzungen zu gründenden. Hypotheken-Bankvereins zu übernehmen, sobald diesem mindestens 100 Mitglieder beigetreten sind. Nach dem Satzungsentwurf dcZ Magistrats setzt sich dieser Verein aus Eigentümern Charlotten» burger Hausgrundstücke zusammen und beleiht nur Hausgrund- stücke seiner Mitglieder gegen Einräumung zweiter Hypotheken. Tie erforderlichen Dtittcl sollen durch Ausgabe von Pfandbriefen be- schafft werden, für welche die Stadt bis zur Höhe von 20 Millionen die Bürgschaft übernimmt. Der Erwerb der Mitgliedschaft des Vereins ist an ein Eintrittsgeld von 500 M. geknüpft. Nach ein- jähriger Mitgliedschaft haben die Vereinsmitglicder Anspruch auf satzungsmäßige Belcihung ihrer Häuser, soweit verfügbare Mittel vorhanden sind. Von besonderer Bedeutung ist, daß die Nachhypo- theken nur als unkündbare Tilgungshypotheken� umgewandelt werden müssen, wodurch eine allmähliche Grundcntschuldung ange» bahnt wird. Zur Sicherung der Stadtgemeinde dient eine ganze Reihe der Satzungsbeitimmungen, vor allem die Nachschußpflicht der Mit- glieder. im Falle der Ucbcrschuldung oder Zahlungsunfähigkeit des Percins und die ständige Bcauffichtigung der Vereinsgeschäfte durch einen Magistratskommissar, der vom Magistratsdirigenten be- stellt loird. Die Stadt selbst wird, sobald der Hypotheken-Bankverein mit der Ausgabe von Pfandbriefen beginnt, eine eigene Sicherheitsrücklage für die Garantieübernahme in der Weise ansammeln, daß alljähr» lich ein Betrag von 1 Proz. des Nennwertes der insgesamt um- laufenden Pfandbriefe zurückgestellt wird. Die Stelle des Hciuptrendanten in der städtischen Verwaltung, die seit der im Oktober d. I. erfolgten Amtsenthebung des Haupt- rendanten Bartels ftellvertretungsweis« verwaltet wird, soll nach einem Antrage des Magistrats an die Stadtverordneten mit Wir» kung vom 1. Oktober d. I. ab endgültig neu besetzt werden. Ter Ausgang des gegen Bartels schwebenden Straf, nnd Disziplinar- Verfahrens soll nicht erst abgewartet werden, da es nach Lage der Verhältnisse gänzlich ausgeschlossen ist, daß er in sein Amt zurück- kehrt, zumal inzwischen vom Gericht seine Entmündigung wegen Geisteskrankheit eingeleitet ist. Die städtische Desinfektionsanstalt in der Mollwitzstrahe(Fern. ruf: Amt Wilhelm 427) hat seit dem Jahre 1911 die Desinfektion von Büchern eingeführt. Bis auf werteres werden derartige Des» infektioncn am ersten Donnerstag eines jeden Monats ausgeführt. Die zu desinfizierenden Bücher find mit einer Inhaltsangabe spätestens bis zum vorhergehenden Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, an die Desinfektionsanstalt abzuliefern und am darauffolgenden Freitag von dort wieder abzuholen. Für die Einwohner von Char- lottenburg erfolgt Abholung und Rücktransport auf Wunsch durch Angestellte der Desinfektionsanstalt gegen die tarifmäßige Gebühr. Nicht in Charlottenburg wohnhafte Personen haben für die Hin- und Rückschaffung der Bücher selbst Sorge zu tragen. Sendungen durch die Post dürfen nur unter Berücksichtigung der sanitätspoli- zeilichen Vorschriften aufgegeben werden utw müssen portofrei erfolgen. Lichterfelve. Den Bericht vom Parteitage erstattete in der letzten Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins Genosse Gomoll-Nowawes. An der dem Bericht folgenden Diskussion beteiligten sich die Genossen Julian Borchardt, Träger. Balkow, Schönwelter, Kretzig, Holzhuhn, Müller, Hübner und Weissel, die sich zum größten Teil mit den Beschlüssen des Parteitages betreffs Massenstreik, Steuerfrage, Fall Rädel nicht einverstanden erklärten.� Als Vorsteherin der Kinderschutzkommission wurde die Genossin Gesche gewählt. Am 20. und 27. Oktober und einem noch näher festzusetzenden dritten Abend finden bei Wahren- dorff Vorträge des Genosien Julian Borchardt über die gegenwärtige Teuerung und die Nationalökonomie statt. Aufgenommen wurden vier männliche Mitglieder. Neukölln. Die Deputation für die städtische Badeanstalt beschloß in ihrer Sitzung, für die medizinischen Bäder ausschließlich Feuertonwannen, für die übrigen Wannenbader zur Hälfte Feuertonwannen und zur Hälfte gußeiserne emaillierte Wannen zu verwenden. Jedoch sollen nur die besten gusi et fernen Wannen eingebaut werden. Bezüglich der inneren Etnrtchtungen der Badeanstalt wurde beschlossen:-0 Dem Borichlage des Hochbau- amts gemäß der Firma Heinrich Timm. Berlin-Reimckendorf. die Lieferung der für dte Wäscherei erforderlichen zwei Waschmaschinen. zwei Zentrifugaltrockenmaschinen, eines Kulissenirockenapparats mit 12 Kulissen und zweier Laugenfässer nebst Zubehör zu ubertragen. d) Die Deputation stimmt den bezüglich der Sprungbretter und «chwimmlehrvorrichtungen gemachten Borschlägen zu. Es sollen jedoch in jeder Halle drei Einsteigeleitern seine unter dem Hochsprung. brett. zwei an den Seiten) eingebaut werden, ferner sollen die Einzel- schwimmlehrvorrichtungen in der Männerschwimmhalle 3—4 Meter nach dem Abteil für Nichtschwimmer hin verschoben werden, o) Die Deputation erklärt sich mit den hinsichtlich der Brausen und tech- nischen Einrichlungeit im Schreiben an das Hochbauamt gemachten Vorschlägen einverstanden. Insbesondere legt� sie Wert auf den Anbau einer Werkstelle auf dem Hose, ck) Es sollen zunächst aus- gebaut werden: 34 Brausebäder für Männer, 8 Brausebäder für Frauen, 25 Wannenbäder für Männer, 14 Wannenbäder für Frauen (davon 3 im 4. Stockwerk). Der Raum im 1. Stockwerl zwischen den Brausebädern für Männern und denen für Frauen bleibt für spätere Erweiterungen reserviert. s> Die Deputalion stimmt dem vorgelegten Entwürfe über die Uhren», Telephon- und Klingel- anlagen i�u. f) Die Beschlußfassung über die Licht- und Kraftanlage und die Reservebeleuchtung wird bis auf weiteres ausgesetzt. Der am 9. September unter dem Verdacht des Gattciimordcs verhaftete 25 Jahre alte Werkzeugschlosser Sehne aus der Richard- straße 2 ist am gestrigen Tage wieder aus der Haft entlassen worden. Die gegen ihn erhobene Beschuldigung hat sich als völlig halt- los er wiesen. Dieser Fall beweist wieder einmal, daß gerade die Presse solche Gerüchte mit der gebotenen Vorsicht behandeln sollte., Lankwitz. Zur Bekämpfung der Schundliteratur ist bei Frau Klara Dehnst, Seydlitzstr. 6, eine Bücherausgabestelle eingerichtet worden. Gegen Bezahlung von 19, 29 oder 39 Pf. erhält dort jedcrinann nach Aus- wähl gute Bücher, die er entweder behalten oder nach dem Lesen gegen ein anderes Buch umtauschen kann. Wenn kein neues Buch enlnommen wird, erhält der Zurückbringer den vollen bezahlten Be- trag zurück. Alle Arbeiterellern werden gebeten, von dieser Ein- richtung für sich und vor allem für ihre Kinder recht regen Gebrauch zu machen. Am Dienstag, den 7. d. Mts., werden die Kinder zu den Märchen- aufführungen bei der Weihnachtsfeier ausgesucht, und wollen die- jenigen, die milspielen wollen, pünktlich abends 7 Uhr bei Schulz in der Kurfürstenstraße sein. Steglitz. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins gab Genosie Haß den Bericht über den Parteitag. Die Darlegungen des Red- iwrs deckten sich inhaltlich mit denen, die er bereits in anderen Or- tcn gemacht hat und von uns wiedergegeben wurden. � In der Diskussion bedauerte Genosse Blechschmidt, oaß die im Orte wohnenden Parteigrößen nicht anwesend seien, um zu dem Bericht Stellung zu nehmen.� Die Genossin Luxemburg habe ihre frühere Stellung in der Massenstreiksrage abgeschwächt und Genosse Bauer habe nur ausdrücken wollen, daß die Debatten über den Massenstreik und die Inangriffnahme desselben jetzt nicht angebracht sei. Genossin Selinger meinte, daß auf jeder Frauenkonferenz die Schreibweise der„Gleichheit" eine Rolle spiele. Die Genossin .Luxemburg habe sich" nur gegen die Spitzen gewendet. Die Aus- führungcn Bauers seien bedauerlich. Der Parteitag habe sie nicht befriedigt. Ehomse kritisierte das Auftreten der Genossin Luxem- bürg und meinte, die Gewerkschaftsführer hätten ein größeres Verantwortlschkcitsgefühl und seien in der Massenstrcikfrage zurück- haltender. Nicht bloß einige Gewerkschaftsführer, sondern auch verschiedene Parteiführer sähen die Maifeier in der jetzigen Form ganz gern verschtvinden. Genosse Möglich meinte, der Parteitag sei von dem Kapitalismus der Gewerkschaften erschlagen worden. In der Genossin Luxemburg habe ein Stück von unserem alten Parteigewissen gesprochen. Der Massenstreik sei in Jena erledigt, doch der Gedanke sei nicht mehr totzukriegen und wenn noch mehr Bauer kämen. Leimbach betonte, die Richtung Luxemburg sei die- jenijje, die den Generalstreik proklamiere und Bauer die Richtung, die chn auslöffeln müsse. Heinrich Schulz äußerte, daß die Gc- nosscn den einzelnen Personen zu große Bedeutung beimessen. Infolge der rapiden EntWickelung habe sich in der Partei die Burcaukratie zu sehr in den Vordergrund gedrängt. In den De- batten komme das Ringen der Massen mit dem BureaukratismuS zum Ausdruck; wenn es auch augenscheinlich scheine, als ob letzterer siege, so zeige doch die EntWickelung, daß sich schließlich der gesunde Sinn der Massen durchsetze. Die Stellung der Fraktion in der Steuerfrage sei richtig gewesen, sie sei eine taktische und keine prinzipielle Frage, also habe die Fraktion keinen Disziplinbruch begangen. Der Massenstreit komme, e� sei bloß die Frage, wann, doch solle man sich damit beschäftigen, damit man vorbereitet sei. In dem Schlußwort trat Genosse Haß den Ausführungen Möglichs und einigen anderen Genossen entgegen. Der Jenaer Parteitag sei noch ein Stück weiter gegangen als der Mannheimer, indem er den Massenstreik nicht nur als letztes. Mittel zur Verteidigung, sondern auch zur Erringung politischer Rechte gutheiße. Er sei der Meinung, daß wir mit den Beschlüssen des Parteitages zufrieden sein könnten. Anstelle Spließgarths wurde Genosse Leue als erster Kassierer gewählt. Es wurde beschlossen,, im Oktober keine Abteilungsabende, sondern Bezirksabende stattfinden zu lassen. Wegen der vor- gerückten Zeit wurde die weitere Tagesordnung bis zur nächsten Mitgliederversammlung vertagt. Zehlendorf(Wannscebahn). Ten Bericht vom Parteitag erstattete in der Wahlvereinsver- sammlung Genossin R h n e ck. Sie schilderte die dort gepflogenen Verhandlungen und erklärte zum Schluß ihr Einverständnis mit den dort gefaßten Beschlüssen. In der Diskussion kritisierte als erster Redner Genosse Fuchs die sogenannte Geschlossenheit des Parteitages; er ist der Meinung, daß der Parteivorstand sich nicht so sehr der Ruhe und der Dämpfungspolitik hingeben, sondern mehr die Initiative zu Aktionen ergreifen solle. Auch hätte man bei der Teckungsvorlage zur Militärvorlage ganz ruhig eine Reichs- tagsauflösung riskieren können, dann hatte man wenigstens für die Massen ein Agitaiionsmittel gehabt. Ferner findet er es für eine moderne Organisation ganz abnorm, daß man im Falle Radek ein Gesetz mit rückwirkender Kraft habe schaffen können. Im gleichen Sinne sprach Genosse Simon, auch er ist mit den Arbeiten des Parteitages in verschiedenen Fragen nicht zufrieden. Genosse Göhre wandte sich in längeren Ausführungen gegen die beiden Vorredner. Er verteidigte vor allem die Haltung der Fraktion in der Teckungsfrage. Sodann trat noch Genosse Krekeler und die Reserentin den Ausführungen der Genossen Fuchs und Simon entgegen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Als stellvertretender Bibliothekar und Jugendausschußmitglied wurde Genosse Friede- wald gewählti Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten erfolgte Schluß der gutbesuchten Versammlung. Weihensee. Aus der Gemeindevertretung. Zur Verschönerung des See- Panoramas sollen die letzten beiden großen Eisschuppen abgerissen werden. Seit zwei Jahren hat sich übrigens kein Eispächter ge- sunden und der Eisbetrieb durch die Gemeinde hat sich als nicht lohnend erwiesen. Der dadurch gewonnene Platz soll einstweilen in Grünflächen umgewandelt werden. Die Lichtewberger Straße konnte bisher an dem Ausgangspunkt nicht reguliert werden, weil ein Besitzer sich weigerte, das nötige Straßcnland herzugeben. Nach- dem das Enteignungsverfahren gegen ihn eingeleitet war, hat sich derselbe bereit erklärt, für 399 M. die Ouadratrute abzugeben; die Vertretung erklärte sich bereit, für 8199 M. das Straßenland zu erwerben. Für die neu zu gründende Hypothekenanstalt wurde eine Anleihe von einer Million Mark von der Kur- und Neumär- kischcn Ritterschaftlichen Darlehnskasse aufgenommen; trotzdem die Anstalt noch nicht eröffnet ist, liegen schon zahlreiche Anträge zur Erlangung von zweiten Hypotheken vor. Dem Inspektor des Ge- meindefriedhofes Kühn, der feit längerer Zeit krank ist, wurde gekündigt und ihm eine Unterstützung �von 1599 M. jährlich zugesagt, trotzdem er keine pensionsfähige Stellung inne hätte. Unsere Fraktion stimmte für den Antrag. Hierbei forderte sie, daß der Nachfolger mehr Toleranz üben sollte als der bisherige Inspektor. Unsere Genossen hatten oft Gelegenheit nehmen müssen, über eigenmächtige Handlungen des Gemeindefriedhofsinspektors Be- schwerde zu führen. Außerdem batte die Vertretung eine Reihe Pacht- und Mietsverträge zu erledigen. Pankow. Genosse Hermann Lesser ersucht uns um Ausnahme folgender Zeilen: Der Bericht über die letzte Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins iParteilag-Berichterstaltungs läßt mich sagen:„Genosse Lesser wendet sich dagegen, daß über die Massenstreikfrage so ängstlich ver- handelt wurde". Das habe ich nicht gesagt, sondern ausgeführt,� daß an einen Massenstreik weder für den Moment noch für die nächste Zeit zu denken sei, da bei einem solchen Kampf es sich um große Ziele handeln müsse, die zurzeit nicht gegeben seien. Ich wandte mich nur dagegen, daß Genosse Scheidemann sich in feiner Rebe mit so unnötiger Schärfe gegen alle diejenigen richtete, � die dieses Kampfmittel propagiert sehen wollen und am liebsten ein Schweige» gebot erlassen hätte. � Nowawe?. Für die Benutzung des Müllabladeplatzes an der Gartenskraße, den die Wirtschaftsgenossenschaft der Haus- und Grundbesitzer von der Gemeinde gepachtet hat, sind folgende Gebühren festgesetzt wor- den: Für eine ZweiMnnersuhre 1 M., eine Einspännerfuhre 75 Pf. und für einen Handwagen 19 Pf. Der Platzwärter, dessen Anordnungen unbedingt Folge zu leisten ist, darf nur gegen Vor» zeigung gelöster Abfuhrmarken das Abladen des Mülls gestatten. Die Marsen sind zu haben beim Kaufmann Hach, Kreuzstr. 12, sowie auf der Klärstation beim Klärmeister Scheel. Der Platz ist geöffnet im Winter von 8 bis 12 und von 2 bis 5 Uhr. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Mariendorf. Montag, den 6. Okober, im Rathause, Kaiserstr. 125. Neukölln. Nächsten Dienstag, den 7., und Freitag, den 19. Oktober, nachmittags 5 Uhr, im neuen Sitzungssaal des Rathauses: Außer» ordentliche Stadtverordnetenversammlungen. Nieder- 2 chönhausc». Dienstag, den 7. Oktober, nachmittags 6 Uhr, im Rathaufe. Diese Sitzungen find SffcnUich. Jeder Gcmeindcangehilrige iß be» rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. frauen-I�eleabencle. Wilmersdorf. Dienstag 8'/, Uhr Sei Söhlke, Brandenvurgifche Straße. Ecke Mannheimer Straße. Genosse E. Scholz über:„Bürgerliche und proletarische Jugendbewegung". Jugendveranstaltunge«. Schöneberg. Heute Sonntag: Partie nach Zehlendorf. Daselbst Spiele im Freien. Kastcekochen und gemütliches Beisammensein im Restaurant„Zur Rennbahn". Treffpunkt 19 Uhr vormittags Kaiser- Wilhclni-Platz. Fahrgeld 29 Ps. An Extrabciträge» für die„Bereinigung Jugendheim» Neukölln gingen beim Unterzeichneten folgende Beträge cm: Durch Genossin Jeetzc l,—. E. L. 5,—, Ueberschuß der Kranzspende der Arbeiter der Firma Malik u. Waltow 1,59. Durch Gen. Tinzmann 9.89. Kranzspendcn-Uebcrschuß, Teinveliws 9,—. Durch Gen. Haber, 17. Bez. 3,—. Durch Ken. Schulz, 9. Bez. 9,—. Durch Gen. Feller 18,95. Durch Gen. Tinzmann 1,39. Durch Genossin Marschall, 3. Bez. 9,59. Prozente der Hauskassiernng des 22. Bezirks 8,—. ReseratentschädigungS- überweisung d. Gen. Bohm-Schuch 2,—. Ges. v.'Arbeitern d. Firma Mali! u. Wallum 5,99. Tcllersammlung dcS 1. Bezirks 9,—. Durch Gen. Ol*.?* �-I.,« J 1 tili,.1 k> i ren Of»-fi t l-w X CXiyt+vsr Q&ithfa o vlirr»>___ Gen. Zcpmcisel 19,—. I» Summ 122,25 M. Weitere Beiträge werden gern entgegengenommen. O t t o G a u d i g. 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Co.. Berlin SM »..260 3o.Ww 3. KeilWe des Jotinärtf Kerlimr MlkslilM. Der Ißord im tiergarten. Aweiter Tag. Stach Eröffnung der Sitzung durch Landg.-Rat Dr. Schli ch- iing beschließt der Gerichtshof zunächst den Ausschluß der O e f f e n t l i ch ke i t, da Dinge zur Erörterung kommen, die im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit bei verschlossenen Türen der- handelt werden solle. Es handelt sich um die Verlesung von Briefen und um nochmalige Vernehmung des Dr. St. über seinen Verkehr mit der Angeklagten. Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit geht der Vorsitzende mit der Angeklagten noch einmal das Ergebnis oes gestrigen Tages kurz durch.— Vor s.: Sie sind, wie wir gestern gehört haben, in einem Zustand großer Erregung und seelischer Depression ge- Wesen. Die Mutter hat uns gesagt, Sie seien heiter gewesen, es sei aber eine krankhafte Heiterkeit gewesen, der Arzt hat uns gesagt, er habe sich gewundert, daß ein so junges Mädchen so nervös sei. Der Grund dieser seelischen Depression war doch darin zu sinden, daß Sie das Doppelspiel mit den beiden Männern spielten. Wie Sie sagen, seien Sie durch Reimann dazu gezwun- gen worden, jedenfalls sagten Sie sich: Dieses Doppelspiel geht nicht mehr. Reimann wurde von der Liebe zu Ihnen surchtbar erregt, er wollte wohl auch die Liebschaft mit Dr. St. zerstören. Angekl.: Ich kann nicht sagen, welche Gründe den Rei- mann bewogen.— Vors.: Sie geben doch selbst zu» daß Rei- mann Sie tvahnsinnig liebte?— Angekl.: Wenn er gewußt hätte, daß ich von Dr. St. reiche Geldunterstützungen erhielt, so würde er seinerseits wohl ganz ruhig gewsen sein.— Präs.: Wollen Sic damit sagen, daß er bereit gewesen wäre, Ihr Zu- hälter zu werden?— Hier springt die Mutter des Ge« töteten auf und ruft: Das ist nicht wahr! Di« Zeugin wurde vom Vorsitzenden bedeutet, nicht zu unterbrechen.— R.-A. Dr. Lebermann; Reimann hat der Angeklagten wiederholt gesagt: .Du mußt aus dem Geschäft, diesen Dreckverlag, heraus. Das beste wäre, wenn wir beide kündigten, ich werde Dir einen Strich ziehen,� auf dem Du laufen kannst.— Angekl.: Ich habe ihm oft gesagt, er sollte sich doch eine bessere Stelle suchen, dl« seinen Fähigkeiten besser entspreche, denn er sei doch ein ganz intelli- gentes Kerlchen. Er antwortete aber: Und wenn ich täglich die Dielen scheuern sollte, so würde ich doch nicht gehen, solange Sie hier bleiben.— Vors.: Das beweist doch wieder, daß Reimann in toller Liebe zu Ihnen entbrannt war.— Angekl.(verächtlich): Ach Liebe! Das war ja keine Liebe. Es ist ja Unsinn, so etwas als Liebe zu betrachten.— Vors.: Georg Reimann war doch von Ihnen als eine Kette betrachtet worden, die Sie durchs Leben schleifen sollten?— An geil.: Ja!— Vors.: Und wie wollten Sie ihn los werden? Sie behaupten: Durch Selbstmord.— An gell.: Ich wollte ihn durch gutes, immer wiederholtes ver- künftiges Zureden endlich dazu bewegen, sein unnützes Vorgehen endlich zu unterlassen.— Vors.: Jedenfalls war Ihre Stimmung eine sehr ungleiche. Es war das heraufziehende Gewitter and die drohende Explosion. Wiederholen wir noch einmal die Vorgänge: Am 3. März hatten Sie bis Uhr morgens den Dr. St. besucht und bei Ihrem Weggehen spielte sich die Szene mit dem Weg- nehmen des Hausschlüssels ab. Sie sind dann nach Hause ge- gangen und haben Reimann einen Brief geschrieben. Welchen Inhalt hatte dieser?— Angekl.: Daß ich es nicht länger aus- halten kann, daß ich alles über mich zusammenbrechen lassen würde — ob er seinen Leuten etwas sagen würde, war mir ganz egal. — Vors.: In dem Brief« steht aber: Du oder ich! Einer von uns beiden ist zuviel aus der Welt.' Von den Leuten, die es anging, ist es so aufgefaßt worden, daß Sie Selbstmord begehen wollten, denn wenn man jemand töten will, zeigt man es ihm nicht vorher an.— Angekl.: Ich wollte ihm nur sagen, daß wir beide zusammen nicht mehr so weiter leben könnten, da ich das nrcht mehr aushalte.— Vors.: Dann kam ein Brief des Reimann folgenden Inhalts: «Kleine Müllern! Wie konntest Du so einen Brief mit der- artigem Inhalt schreiben! Das war zu viel, immer Oel ins Feuer, wo es schon so furchtbar brennt. Nur alles, weil Du es sv haben willst. Hast Du es gewagt, mich so lasterhaft und gemein in Deinem Schreiben hinzustellen, wie ich es in Wirklich» keit nicht war, so will ich es jetzt mit Gewalt versuchen, es zu werden. Denn Du treibst mich ja dazu. Dein Berkehr mit St. ist vielleicht nicht so gemein und ekelhaft wie unser gewesen ist, was? Nur der eine Unterschied, daß er ein Mann von Bil- dung, einen Titel und die.Hauptsache wohl Geld hat und ich in Deinen Augen nur ein Kuli bin. Das ist der eine Unter- schied und möchte ich nur wissen, warum Du in erster Zeit so an mir gehangen, auch immer hinbestellt hast und ich mich jedesmal gesträubt hatte, weil ich immer dachte, Du bist keine Dirne. Und dennoch habe ich mich fangen lassen und warum? Werl ich Dir nicht widerstehen konnte!-Ja, wann ist ein Tor nicht willig, wenn eine Törin will?" Kleine Hilde, ich tu Dir weh, das weiß ich, solche Opfer sucht sich nur eine Kokotte, denn diese Erfahrungen hat man leider schon so oft gemacht. Nun befinde ich mich in Deinen Krallen, zetzt kann und will ich nicht mehr raus. Magst Du jetzt nichts mehr von mir wissen, so sollst Du doch noch an mich denken.„Die Zeit kann Furchen schreiben ins Gesicht, doch daraus vertreiben kann sie nicht." „O, Rache, Du kennst sie, ihr Genuß ist Mord und ihre Sättigung das Grausen." Hole Dir Freitag den Schlüssel, es war ja ver- rückt, daß ich mich so habe hinreißen lassen, brauche derartige Zeugen nicht. Also erwarte Dich um �8 Uhr' Vor s.: Wie war denn nun das Verhalten des Dr. St., als er von Reimann den ominösen Brief erhielt und Ihnen davon Mitteilung machte?— Angekl.: Dr. St. fragte, ob das wahr ist, was in dem Briefe steht.— Vors.: Und was antworteten Sie darauf?— Angekl.: Ich sagte nur: Ja!— erledigt!— Vor s.:' Sie haben gar kein Wort der Rechtfertigung gesagt?— Angekl.: Ich sagte nur: Es ist ein Mann, der mich verfolgt. Was sollte ich sagen. Er hatte doch geschrieben, daß ich mich ihm wie eine Dirne hingegeben habe, ich konnte mich ja doch nicht rechtfertigen, denn es war ja doch wahr! Mir blieb eben nichts übrig, als ausdemLebenzuscheiden.— Vors.: Nun hat Ihnen ja Dr. St. noch sehr gut zugeredet und Ihnen offenbar verziehen, es lag doch also eigentlich für Sie kein Grund zum Selbstmord vor. Hat nicht Dr. St. auch über Ihre Zukunft mit Ihnen ge- sprachen?— Angekl.: Ja, er wollte mich aus Berlin weg- bringen, ich schlug diesen Vorschlag aber aus.— Vors.: Sie konnten den Dr. St. also ganz beruhigt verlassen und brauchten doch nicht aus dem Leben scheiden.— Angekl.: Ich hatte mich über diese ganze Sache furchtbar geschämt und war darüber so ver- zweifelt, daß mir einer sonst was hätte bieten können— für mich gab es kein Zurück, der Gedanke des Selbstmordes st and unwandelbar bei mir fest. Ich mußte mir eine Kugel durch den Schädel jagen.— Vors.: Nun haben Sic anderen Leuten aber gar nichts von Ihren Selbstmordgedanken verraten. — Angekl.: Nein! Ich werde doch nicht dritten Personen sagen, daß ich mich totschießen werde. Das wäre doch von mir blödsinnig gewesen. Der Vorsitzende hebt hervor, daß Reimann das letzte Rendezvous auf 8 Uhr vorgeschlagen, die Angeklagte aber die Zeit auf 10 Uhr abends verschoben habe, indem sie ihm schrieb:„Ich habe keine Lust, mich noch mit Dir sehen zu lassen und werde Dich heute um 10 Uhr erwarten Wullenweber- Ecke Jagowstraße." Ferner gelangt ein Brief zur Verlesung, den Reimann an die Mutter der Angeklagten geschrieben hat. Wann der Brief geschrieben ist, ist nicht festgestellt, der Brief ist auch nicht in die Hände der Frau Müller gelangt. Dieser Brief lautet: !„Liebe Frau Müller! Es tut mir leid, daß ich Ihnen mit diesem Briefe einen großen Schmerz antue, doch kann ich es nicht mehr für mich behalten. Den Grund will ich Ihnen sagen, warum ich so sehr an Hilde gehangen habe. Sie werden zürnen als Mutter, das weiß ich, doch war es nicht meine Schuld. Schon von Anfang an, wo ich bei Mittler anfing zu arbeiten, konnten wir uns sehr gut verstehen, was Sie wohl auch wissen. Wenn sie die Lecke- reien von zu Hause immer mitbrachte. Das war ja auch nicht das schlimmste. Aber später, wo Sie im Sommer in Fangschleuse waren, da kamen andere Sachen vor, woran ich schließlich im Leben nicht gedacht hatte. Sie lud mich Sonnabends zum Kaffee ein usw. Liebe Frau Müller, mir tut das heute so leid, daß ich sie habe kennen gelernt und auf so eine Art und Weise. Aber wann ist ein Tor nicht willig, wenn eine Törin will. Nun verkehrt sie mit Dr. St. und seit der Zeit bin ich abgetan. Liebe Frau Müller, wofür sind diese wunderbaren Geschenke alle Augenblicke._ Nur für ihre Schandtaten, hat sie ja selber gesagt, wofür sie sich jedoch ehrlos hinwirft. Ob so was ein Mutterherz nicht kränken kann? Ich weiß es ja nicht. Verzeihen Sie mir» daß ich mich gegen Ihre Tochter so habe gehen lassen. Zeigen Sie ihr dieses Schreiben nicht. Sie können es ihr vielleicht anders beibringen. Doch will ich schließen, wenn Sie auch diese Zeilen nicht sehr erfreuen werden. Ihr ergebener Georg." Die Angeklagte erklärt sich zu den ihr vorgehaltenen Punkten in überaus lebhafter und gewandter Weise, wobei sie wiederholt auseinander setzt, daß„logischerweise" dies oder jenes doch so oder so hätte sein müssen. Bei einer solchen Gelegenheit erklärt ihr der Borsitzende: Angeklagte, Sie dürfen aber doch nicht Ihren Verteidiger Herrn Dr. Ledermann in einer so zutraulichen Weise anfassen, wenn Sie etwas sagen wollen. Er ist hier nicht der Freund Ihres Freundes, sondern Ihr Verteidiger! Die Angeklagte schildert auf Verlangen nochmals die Vorgänge am Tage vor der Tat und erklärt dabei:„Es war mir ja alles egal, was Reimann machte, wenn ich tot war. Meinethalben konnte er sich auf den Pariser Platz stellen und alles hinausschreien!"— Der Vor- sitzende weist darauf hin, daß es etwas auffällig sei, daß sowohl die Angeklagte wie auch Reimann am Tage der Tat Briefe ge- fchrieben haben, aus denen nach keiner Richtung hin Selbstmordgedanken hervorgehen. Der von der Angeklagten an den Dr. St. gerichtete Brief, der am Morgen nach der Tat eintraf, beginnt mit den Worten:„Mein lieber, lieber Leo! Ich gehe jetzt den Schlüssel holen und hoffe die häßliche Sache endlich aus der Welt zu schaffen. Wenn ich nicht morgen abend bei Dir bin, dann weißt Du ja meine Adresse" usw.— Vors.: In diesem Brief, der doch erst am nächsten Morgen eintreffen sollte, äußern Sie doch aber, wie es eigentlich naheliegend wäre, gar keine Selbstmordgedanken?— A n geil.: Nein, absolut nicht, das lag auch gar nicht in meinem Sinn, dem Dr. St. etwas von meinem Plan mitzuteilen oder überhaupt meine Absichten zu Papier zu bringen. Der Brief ist in einer Art Galgenhumor geschrieben worden und außerdem hatte mir Dr. St. gesagt, wenn ich einmal nicht kommen sollte, so sollte ich ihm wenigstens ein paar Zeilen schreiben.— Gleichzeitig hatte auch Reimann an die Angeklagte einen Brief geschrieben, der mit den Worten beginnt:„Na, Kleines, wie geht's? Hat Dir Dein Doktorchen verziehen? Das wäre doch nett von ihm, oder will st Du Dich noch totschießen? Gehe nur wieder hin zu ihm, das verdunkelte Licht an seinem Fenster wird es ja verraten, wie Iveit Du wieder mit ihm bist. Ich weiß ja doch. Du kannst ihn nicht lassen. Aber was ich bis jetzt getan habe, ist ja eine Kleinigkeit, es kommt noch viel schlimmer" usw.— Vors.: Was hat Sie denn eigentlich veranlaßt, nachdem Reimann um �8 Uhr Sie nach dem Tiergarten bestellt hatte, ihm schleunigst einen Brief zu schreiben und ihn um 10 Uhr zu bestellen, zumal Sie doch sonst nichts weiter vorhatten? Diese späte Stunde ist doch eigentlich etwas auffällig.— A n g e k l.: Da mir Reimann am Donnerstag auf der Straße einen Auftritt gemacht hatte, mußte ich auf einen gleichen Auftritt im Tiergarten gefaßt sein. Ich weiß ja, daß auch dies gegen mich spricht, wenn ich vielleicht auch nicht sehr klug bin, so dumm wäre ich doch aber nicht gewesen, um nicht, wenn ich einen Mord hätte begehen wollen, von vornherein alle Verdachtsmomente zu beseitigen.— Vors.: Das sollen Sie ja auch getan haben. Sie sollen ja den Brief, in welchem Sie den Reimann zu diesem verhängnisvollen nächtlichen Rendezvous be- stellten, von ihm zurückgefordert und zerrissen haben.— Angekl. (in sehr erregtem Tone): Davon weiß ich nichts mehr. Es ist mir gesagt worden, ich hätte den Brief in zwei Teile zerrissen. Das wäre doch sehr töricht gewesen, ich will wetten, daß zeder Straßen- kehrer zwei so große Stücke ausgehoben und gelesen hätte. Es gibt doch auch noch eine Kriminalpolizei, die bald m dem Besitz des Briefes gewesen wäre. Das wäre ja Wahnsinn, wenn ich so etwas gemacht hätte! Vors.: Hatten Sie bei Ihrer Selbstmordabsicht nicht auch an eine andere Todesart gedacht, junge Mädchen springen doch eher ins Wasser.— Angekl.: Nein, ich hatte von vornherein die Ab- ficht, mich zu erschießen, an eine andere Todesart habe ich nie gedacht, auch an Gift habe ich schon deshalb nicht gedacht, da mir dies zu unsicher war und ich auch große Angst vor körperlichen Schmerzen habe.— Staatsanwalt Dr. G h s a e: ES ist doch auf- fällig, daß die Angeklagte, die ein Dutzend Patronen gekauft hatte, die Waffe nur mit drei Kugeln geladen hat, und zwar so, daß gleich beim ersten Abdrücken die erste Patrone losgehen mußte. — Angekl.: Ich habe immer, wenn ich nicht wußte, wieviel ich nehmeck sollte, die Zahl 3 gewählt. Ich sagte mir auch, die erste Kugel kann vielleicht fehlgehen, dann nimmst du die zweite und vielleicht kannst Du dann auch noch die dritte Kugel brauchen! Ein Geschworener stellt die Frage, ob sich auch Dr. St. im Besitze eines Revolvers befunden habe.— Diese Frage soll bei der nochmaligen Vernehmung des Dr. St. beantwortet werden.— Vo r s.: Fräulein Müller, Sie hatten doch nun alle Vorbereitungen zu Ihrer Tat getroffen. Es fällt mir nun folgendes auf. Wenn Sie sich erschießen wollten, so konnten Sie doch nach einer ganz anderen Stelle des Tiergartens gehen und brauchten doch absolut nicht den Ort auffuchen, nach welchem Sie den Georg Reimann um 10 Uhr hinbestellt hatten. Wenn Sie sich erschießen wollten, brauchten Sie doch nicht den Reimann dazu hinbestellen?— Angeklagte: Ja, das weiß ich selbst nicht, wie das gekommen ist, ich war so verwirrt damals und wollte doch vor allem den Schlüssel des Dr. St. haben.— Vors.: Das ist doch aber mehr wie merk- würdig, daß Sie in dieser Situation noch an den Schlüssel gedacht haben. Ihnen war doch alles gleichgültig, wie6t-6 ItfLntcr'- fctiCcttc„ dincL fcßdnier'cnjüL öCfiün Unuöcftföfene{elbüxriqöfdfdq Kett e® foesicfvtigung afinc Kaiifsudang ef beten! TTTT SSO Der Unterschied zwischen einem nach Maß gefertigten Ulster u. einem in unseren WerKstätten hergestellten, der absoluten Maßersatz bietet, ist in Bezug auf Stoß, Verarbeitung u. Sitz Kaum bemerKbar Der Unterschied im Preis aber ist ein ganz gewaltiger: zirKa M. 35- die Sie sparen! Verband der MusterwerRstätten N, Friedrichstrasse 108 S, Kottbuser Damm 77 Charlottenburg, Scharrenstr. 36 hx jMi v�tur von' DA ist won heute all mi Mit-iaiiis an Sa- noil Fidagi gifoat und bitte ich daher das verehrte Publikum, diese Zelt für beabsichtigte Einkäufe In Möbeln oder Konfektion benutien zu Mollen. 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In den letzten Monaten hat der seit 1310 zu beobachtende Preisrückgang von Kautschuk weitere Fortschritte gemacht, sodatz die Interessenten, insbesondere die Produzenten, von einer Krisis sprechen. Für den Konsum ist diese Preisermäßigung nur von Vorteil, da Kautschuk und Kautschukprodukte in ständig wachsendem Maße Verwendung finden. Vornehmlich die Elektrizitätsindustrie, die Guttapercha als Jsoliermittel verwendet, und die Fahrrad- und Automobilindustrien haben den Bedarf und damit die Produktion au Kaulschuk in den letzten Jahren rasch gesteigert. Für das laufende Jahr schätzt man den Weltverbrauck auf 120 000 Tonnen, während die Wel'.produktion von 1900 erst 50 000 Tonnen betrug. Diese gewaltige Steigerung der Erzeugung auf mehr als das Doppelte in 10 Jahren konnte nur durch einen planmäßigen Anbau in Plantagen bewälligi werden, während bisher die Verbraucher auf den Kauisckuk angewiesen waren, der als sogenannter Wild- kautschuk in den Urwäldern gewonnen wurde. Im Jahre 1906 be- trug die Gewinnung von Plantagen-Kaulschuk erst 500 Tonnen. Im Jahre 1912 lourden etwa 27500 Tonnen Pflanzergummi erzeugt, und für das laufende Jahr schätzt man die Produktion auf 45 000 Tonnen, für das nächste Jahr bereits auf 60 000 Tonnen. Damit würde die Produktion auf Plantagen die von Wildkautschuk fast ein- geholt haben, denn zurzeit beträgt diese etwa 70 000 Tonnen. Diese gewaltige Steigerung erklärt zugleich den Preissturz von Kautsckuk. Im Durchschnitt des Jahres 1910 notiertte ein Kilogramm bester Oualität noch 18,60 M. Der Preis fiel auf 11,10 M. im Jahre 1911. Im August dieses Jahres kostete aber die gleiche Sorte nur noch 3 M. pro Kilogramm. Von dem Preissturz werden in erster Linie die Produzenten von Wildkautschuk getroffen. Im systematischen Plantagenbau stellen sich die Erzeugungskosten viel geringer als selbst bei dem Raubbau, der von den Kautschukgesellschasten in den Urwäldern an Bäumen und — Arbeitern getrieben wird. Die P u t o m a y o- G r e u ei in dem Staate Peru haben ja »in Bild von den Ausbeutungsmethoden dieser Gesellschaften gegeben. Aber selbst da, wo die Behandlung der Eingeborenen besser ist, liegen die Verhältnisse noch traurig genug. Nach dem offiziellen Bericht der Regierung von Brasilien, dem Hauptausfuhrlande für Kautschuk, kehren nur zwei Drittel der Kautschukzapfec lebend aus den Urwäldern des Amazonengebietes zurück. Es ist daher kein Wunder, daß der gleiche Bericht über Arbeitermangel klagt. Der brasilianische Staat, auf den etwa 40 000 Tonnen der Weltprodnktion von 70 000 Tonnen an Wildkautschuk entfallen, ist natürlich an diesem Kolonialprodukt stark interessiert. Durch die Kautschukausfuhrzölle deckt er einen großen Teil seiner Ausgaben. Um aber die Ausfuhr für die Produzenten rentabel zu gestalten, will er sich zur Er- Mäßigung oder zeitweiligen Aufhebung dieser Zölle entschließen. Stärker noch als in Brasilien leidet die Wildkautschukproduktion in Mexiko und vor allem in Afrika. Die Konkurrenz des Plantagen- kautschuks, der in Slldasien angebaut wird, drängt den afrikanischen Wildkautschuk mehr und mehr zurück. Die Kautschukeinfuhr nach Deutschland z. B. steigerte sich von 1910 auf 1911 aus Britisch- Indien von 10 000 auf 21300 Tonnen, während die aus Belgisch- Kongo von 19100 auf 17 900 Donnen,.zurückging. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres aber betrug die Einfuhr aus Indien bereits 29 800 Tonnen, während die aus dem Kongo wiederum abgenommen hat. Von dieser Entwickelung werden natürlich auch unsere deutschen Kolonien betroffen. Kamerun führte im Jahre 1912 in das Mutterland 20 400 Tonnen, Ostafrika 8600 Tonnen Kautschuk ein. Das sind bei einer Gesamteinsuhr Deutschlands von 205 900 Tonnen relativ geringe Mengen. Dennoch regen sich die Produzenten recht lebhaft, um den Staar zu Hilfsaktionen zu veranlassen. In beiden Kolonial- gebieten fordert man die Aufhebung der Kautschukausfuhrzölle. In Ostafrika verlangen die Plantagenbesitzer weiter die Einführung von Notstandtarifen und die zwangs mäßige Heranziehung von ein- geborenen Arbeitern. An Stelle der bestehenden einjährigen Dienst- kontrakte wird die Einführung dreijähriger gefordert. Das kolonial- wirtschaftliche Komitee, das sich die Aufgabe gestellt hat, die Forderungen der Kolonialinteressenten ständig im Mutterlande zu vertreten, knüpft daran noch weitere Wünsche auf Ausbau des Eisenbahnnetzes, der Automobilstraßen und der Wasserwege. Iii i Kamerun sind die Produzenten auf einen besonders ge- rissemd r Ausweg gekommen. Bekanntlich gehören zu Kamerun auch die i u Marokkoabkommen neugewonnenen Teile des Kongo- gebi.etes. In diesem Gebiete arbeiten mehrere französische Ge- sellsch«rften, die auch Konzessionen zur Ausbeute von Rohkautschuk besitze«i. Die Konzessionsgesellschaften, deren Manipulationen be- reits i i einem früheren Falle den Reichstag beschäftigten, unterhandeln nun, Ivie die„Rhein.- Wests. Ztg. auf Grund französischer Presse- notiz! Al berichtet, mit der dcntschen Regierung behufs Ablösung d i e s i' r Konzession. Die Regierung will die Gesellschaften durch'Abtretung von großen Territorien oder durch Zahlung be- deutender Summen abfinden. Nach den mit der französischen Re- gien»ig abgeschlossenen Verträgen, in die mit der Ueber- nahn U des Gebietes die deutsche Regierung eintrat, haben die Gese jlschaften aber nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Ausbeute— eine Bestimmung, die ge- schaffen wurde, um der französischen Regierung Einnahmen an'Ausfuhrzöllen zu garantieren. Würde die Regierung jetzt iauf Jnnehaltung des Vertrages dringen, so würde das den l Gesellschaften nur unter großen Verlusten möglich sein. Die „Rhei fl.-Westf.-Ztg." schreibt deshalb mit Recht: „Unler diesen Uniständen wäre es doch geradezu sinnlos, für Ablösung dieser Konzessionen oder Ausbeuteverpflichtung auch nur einen Pfennig zu bezahlen. Die Gesellschaften haben ja bei den Äiesenverlusten, die ihnen durch Einhaltung ihrer Verpflich- tum|pn entständen, selbst das größte Interesse, von ihren Verpflichtungen entbunden zu werden. Sie, die Gesell- schccjten, müßten dafür bezahlen, daß man sie freisläßt; denn, wenn die deutsche Regierung auf Durchführung der von ihnen übernommenen Ausbeuteverpflichtungen besteht, wäre tl die Gesellschaften gezwungen, in kürzester Zeit zu liquidieren." Jedtenfalls wäre es unbegreiflich, wenn die Regierung die gegen- wärtlge p Verhältnisse am Kautschukmarkt nicht benutzen würde, um den für sie lästigen Konzessionsverträgen ein Ende zu machen. der Uebernahme von Nebenarbeiten wie Böttcherei usw.— in eigene Regie und von der größeren Ausnutzung des gesamten Pro- duktionsapparates überhaupt. Der kapitalkräftige Großbetrieb be- findet sich ferner beim Einkauf von Rohstoffen wie bei der Ge- Währung besonderer Vorteile an die Abnehmer(Hypotheken, Ein- richtung an Gastwirtschaften usw.) gegenüber dem Kleinbetriebe im Vorteil. Es ist ihm deshalb leichter, die Absatzverhältnisse sicher« zustellen und zu vergrößern. Schließlich hat die Biersteuer- gesetzgebung diesen Konzentrationsprozeß wesentlich beschleunigt. Die Konzentrationsbewegung im Brauereigewerbe vollzog sich a>n frühesten in England. Sie wurde natürlich von den Schwankungen der allgemeinen wirtschaftlichen Konjunktur ziemlich stark beeinflußt. Nach den Ermittelungen der„Versuchs- und Lehranstalt für Braue- reien in Berlin" betrüg die Zahl der Brauereien in Deutschland sowie der Absatz von Bier in den Jahren 1880 bis 1911/12: -im-lokr- Zahl der Biererzeugung Einfuhr Ausfuhr ■vZM �ayre Brauereien in 1000 Hektoliter 855 1830/81 1890/91 1900 1905 1911/12 22 046 19 093 15 162 13 549 12 422 88 572 52 830 70 857 72 756 69 361 94 229 564 613 373 626 802 931 708 /Jus Induftnc und Handel. Die Tarifreform ist Gesetz. Wa shington, 3. Oktober. Präsident Wilson hat heute abend dir Tarifbill unterzeichnet. Was hington, 4. Oktober. Nach der Unterzeichnung des Tarifcnti durfs hielt President Wilson eine Ansprache, in der er sagte, die gesetzgeberische Arbeit sei erst teilweise vollendet. Der zwei.hp Schritt in der Emanzipation des Handels sei die Reform des Geldumlaufs. Wilson gab der leb- haften Zu Persicht Ausdruck, daß der Gesetzentwurf über den Geldumlai Pf, der bereits von der Kammer angenommen sei, schneller v» in dem Senat gebilligt werde, als einige Pessimisten glaubten. Washützgton, 4. Oktober. Es wird wahnscheinlich zehn Tage dauert!, bis der Zolldienst in allen Teilen des Landes sich iveiügsti/jis im allgemeinen den durch das Tarifgesetz ge- schaffenen m weit Verhältnissen angepaßt hat, und es wird Monate dau prn, bis alle verwickelten Fragen, die sich aus dem Inkrafttreten des Gesetzes ergeben, erledigt sind. Man schätzt, daß importierite Waren im Werte von 71 Millionen Dollar in Lagerhäusern unter Zollverschluß liegen und auf das Inkrafttreten der RÄ en warten._ Di«: Kouzentration des Brauereikapitals. In der Bi erbrauerei hat viele Jahrhunderte hindurch der Klein- betrieb die voi herrschende Rolle gespielt, und zwar wurde es ur- sprllnglich in Pen deutschen Städten vorwiegend als Neben- ge werbe mit besonderen Braurechten ausgestatteter Hausbesitzer betrieben. Spä her wurden diese Privilegien vielfach durch Erteilung von Schankkonzessionen abgelöst, die Biergewinnung wurde in den S t a d t b r a u e'.r e i e n konzentriert. Sie blieb also immer noch ein Vorrecht d�tv eingesessenen Bürger, die an den kommunalen Brauereien scho» lange vor der Entstehung des modernen Aktien- Wesens mit gewissen Anteilen partizipierten. Erst verhältnismäßig spät ist die Bie rbrauerei in den Kreis der selbständigen freien Ge- werbe eingetretc p und erst in allerneuester Zeit Hai sich hier eine großkapitalistische Konzentration vollzogen. Wie in anderen Gewerben bietei l sich auch in der Biergewinnung dem Groß- betriebe ganz 1«deutende technische und kommerzielle Vorteile. Dies gilt bes pnders von den Organisationen des Bier- transports, von der Nutzbarmachung der technischen Neuerungen, Mithin hat sich in den letzten 30 Jahren die Zahl der Brauereien Ilm 9624� verringert, während die Bierproduktion um 30789 Hektoliter gestiegen ist. Der Bierverbrauch zeigte folgende Ent« Wicklung: 1330/81 1890/91 1900 1905 1911 Gesamtverbrauch in ein- tausend Hektoliter.. 37 811 62 433 70 619 72 442 70 353 Konsum pro Kopf der Be- völlerung..... 84,6 105,9 125,1 119,4 106,4 Das Jahr 1900, das im Zeichen gewerblicher Hochkonjunktur stand, brachte einen relativ sehr bedeutenden Bierkonsum. Die Konzentration des Brauereikapitals ist eine inter- nationale Erscheinung. So verringerte sich die Zahl der Brauereien in England von 17 110 im Jahre 1880/81 auf 4226 im Jahre 1911/12, während ihre Produktion gleichzeitig von 48,3 Millionen Hektoliter auf 58,8 Millionen Hektoliter gestiegen ist. In O e st e r r e i ch- U n g a r n ist in den letzten dreißig Jahren die Zahl der Brauereien von 2215 auf 1240 zurückgegangen, die Bier- gewinnung ist jedoch von 10,96 auf 25,43 Millionen Hektoliter ge- stiegen. In den Vereinigten Staaten von Amerika produzierten im Jahre 1910/11 1524 Brauereien insgesamt 74,23 Millionen Hektoliter. Im Jahre 1881/82 stellte sich die gesamte Er- zeugung bei 2474 Brauereien auf 19,53 Millionen Hektoliter. Am Arbeitsmarkt der deutsche» Großstädte macht die Ver- schlechterung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage immer weitere Fortschritte, so daß man der EntWickelung der Arbcitsmarkt- läge im kommenden Winter mit großer Sorge entgegensehen muß. Ein Verschärfung der jetzigen Arbeitslosigkeit ist angesichts der fort- dauernden Lebensmittelteuerung gleichbedeutend mit der völligen Verelendung eines beträchtlichen Teils des Großstadlproletariats. An den nachgcnannten Plätzen kanten auf je 100 offene Stellen durchschnittlich Arbeitsuchende: August 1911 Berlin.... 123,35 Stettin..... 113,00 Kiel...... 202,73 Breslau..... 111,55 Magdeburg.... 135,69 Dortmund.... 95,05 frankfurt a. M... 117,86 öln...... 158,19 Düsseldorf.... 122,99 München..... 112,78 Chemnitz..... 112,89 Dresden..... 127,09 Leipzig..... 125,23 Stuttgart.... 97,71 Hamburg.... 146,79 Unter dem Niveau des Vorjahres blieb die Andraiigsziffer nur in Köln. Eine recht bedeutende Verschlechterung der Arbeitsmarkt- läge zeigt sich in Brestau, Leipzig, München, Nürnberg und Stettin. Kein Zemcntsyndikat. Die Verwaltung des rheinisch-wesi- fälischen Zementsyndikats versendet an die Werke folgendes Rund- schreiben: Die Wickingwerke, die Werke Ruhrort und Stein-Wetzlar sowie das belgische Syndikat haben ihre Zustimmung für eine Hinausschiebung des Beginns der Verkaufstätigkeit nicht gegeben. Infolgedessen sind die Werke für den Verkauf für 1914 frei. Da- mit ist die Erneuerung des Zementsyndilates vollständig gescheitert. 1912 121,88 119,94 200,84 165,14 143,35 117,86 118,31 154,21 122,26 125,22 109,71 136,52 125,46 103,19 153,02 1913 139,32 165,54 218,00 218,22 156,41 156,48 141,25 132,85 142,58 176,17 119,67 165,63 187,32 132,58 183,49 Modeimste ULSTER 1Q13 1014 Erzeugnisse unserer einizlg l:i\ I irrer Art dgnstelLenden Kleider werRe, welche die«preßten Oeutselrlands sind Ulster Ulster Ulster Ulster Nr. 3. Dunkel und hell gemuskerte k/f Cheviots mit gestreifter Abseite..... 1 1. Nr. 4. Fein gemusterte Cheviots In V/f den neuesten Farbenstellungen... 1 1. Tl of Nr. 5. Grau, oliv und braune Phon- ivr vii-i lasiesfoffe, sehr schick.......... 1 1. Nr. 7. FlauschstofTe In 18 neuesten h/t Farbenslell. ganz besonders emptohl. 1 1. Nr. 8. Dunkelgrau melierter Cheviot h/t mit feinen farbigen Streifen....... 1 1. 24 27 30 3ö 40 LCster Ulster T 1 1 of Nr. 13. Karierte oder gesfreifle Chevlofs V/f Vw/ J.OJ.Vw'i od. 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Ausstellung der Kandidateu zur Stadtverorduetenwahl. 2. Bericht vom Parteitag in Jena. 3. Diskussion. Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet.— Im sechsten Wahlkreise geschieht die Besetzung der Versammlung durch Delegierte.— Mitgliedsbuch resp. Delegiertenkarte legitimiere». Die Vorstände. AchtUng! Achtung! rtallarbeitrr! Montag, den 6. Oktober er., abends Uhr, im grosteu Saale der„Blrminhallen", Kommandantenstr. 37/58: nuöerorclentllche Gene rawersammwng aller lliitglicdei' der llnvalidenuiiteriMzlingZkslie der Lürtler zu Kerllo. Tagesordnung: 1. Anträge des Verstandes: s) Beitragserhöhung; b) Statutenänderung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.* MW" Do/ eintritt ilt nur JMitglicdern gc stattet. Um zahlreichen Besuch ersucht____ Der Vorstand. Or dentlicb.e General-Versaralung der Krankeu- u. SegrDmskasse der Deutschtu Kztscher und»erwandten Brrussgenosse» Ewg. HLsskasse Str. LS zu Berlin am Montag, den 3. Nol»cmverl913, Wcberftr. 6, NestauttNit Voll. Tagesordnung: 1. Entlastung deS Vi»rstandes aus Bericht des Ausschusses. 2. Erledigung von Beschwerden iwer den Vorstand. 3. Entschädigung sstrt den Vorstand. 4. Wahl des gesaN�en Vorstandes und des Ausschusses. S. Auslösung der H slsskasse. 291/19 Der'lloratand. MälSei Wir liesern bhijlt an Private frei HauS durch ctg. Gespann Stube n. Küche M. 208, 244,50, 276,50, 317, 3° f7, 370, 429, 493. 2 Stuben u. Küche M. 2ö0, 309, 359. 427/10. 501, 590. Schlafzimmer M. 223, 276, 313, 355, 429, 460. 540. Küchen M. 51. 58. 75, 92. Stand. Lager 3s' v Einrichtungen. Reichhalt. Preisii. gratis u. sranlo. Abgabe cinzel aer Stücke ohne Preisai lhöhung l tiüffnes'Z Loel»,«. 201. Voloeanons»». l>, 12, 13. » VerHsaltung lierlin. Sonntag, den 6. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Svancben» Vevkammlung »er Bautischler. Tagesordnung: 1. Unser Tarif und die jetzige Konjunktur. 2. Diskussion. 3. BerbandSangelegenheiten. n Heute nachmittag von 2 Uhr an im„BolkShnuse", Rosinrnftr. 3: HIAmWWm Lebensmitteln!!! aus Geschäften der Konsumgenossenschaft und auS Privatgeschäften. »»»»- ülatritt Ire!!-»»-» Um S Uhr: Oeffentliche Versammlung Vortrag des Schristslellers üibvrt Stürmer über: Familienhaushalt und Konsumverein. WM- Nachher: Gemütliches Beisammensein nnd Tanz. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 107/3 Die Abtellnngsleltnng. ir des C. 54, Sophicustr. 6. re«r zu Einladung zu der am Donnerstag, den 16. Oktober 1913, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufcr 15, Saal 3, stailsiudenden 2568B* AghtMeMchen Gkneml-NechMliillg der Vertreter der Kasscumitgliedcr und Arbeitgeber. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die vom Borstand vorgeschlagene Dlenstordnung sür die Angestellten der Kasse gemäß§ 349 der ReichsversichcrungSordnung. 2. Erläuterungen über das nach der ReichsversichcrungSordnung vor- geschriebene Wahiversahre» zum Ausschuß der Kasse. 3. Verschiedene Mitteilungen. (Elwaigc Beschwerden, welche Erledigung sinden sollen, müssen dem Vor- stand der Kasse 3 Tage vor der Generalversammlung bekanntgegeben werden.) 5. Oktober Berlin, den 1913. Vefein für Frauen u.Mädclien der A rbeiferklasse Montag, den 6. Oktober, abends 81/, Uhr, im Kellers„Neue Philharmonie�, Köpenicker Straße 1 16/97: sprftng: Das Wesen dös Vu!!!8ku lickemgulig> Referent: Herr Dr. Devh Gäste willkommen._[53/16]* g>er Yorstond. Deutscher Tabakarbeitiir-Verband ===== Zahlstelle Berlin.>-= Donnerstag, 9. Oktober, abends Uhr, i m Rosenthaler Hof, Rosenthalerstr. 11/12 r MitgUeder-Uersannmlung Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1913. 2. Wahl dies 3. Bevollmächtigten. 3. Beschlußfassung über den Antrag betreffs Extr i uinterstutzung an ausgesteuerte, arbeitslose Mitglieder. 4. Verschiedenes. 187/16» llie Ortsverwaltung. ZentralverbandderHausarogestellten Sonntag, den 5. Oktober, abe nds 7 Uhr,' in den Corona- Prachtsälen, Kommc mdantenstr. 72, I: � Ve�kammlu«»g. � 48/14 Vortrag des Arbeitersekretärs Adolt Rlttei> über:»Die Kranke«- Versicherung für alle im Haushalt S Zeschäftigten-. Nach dem Vortrage: Cleintitllehea Bclsai mnensein u. Tanz. 14. Oktober Der Borpand der OrtSkrankenkassc deS MaurcrgewerbeS zu Berlin. Bez. Abteilung 13. 44A H Unserem Genossen Wildelm Schade nebst Gemahlin die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. 67SI Die Genossen v. Bez. 193, I. Todes-Anzeigen SozialtieniokratisclierWaiilveFein f. d. UerLReieiistagswahlkreis. Köpenickep Viertel. Bezirk 171. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Helene Thiem Manteusielslr. 122, getwrbcn ist. Ehre ihrem Nndenkrn 1 Die Beerdigung findet am Montag, den K. Oktober, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Zentral- FricdhosS in FriedrichSselde aus statt. 217/1S Um rege Beteiligung, ersucht Iben Vorstand. Am 3. Oktober verschied nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Sohn und Bruder, der Gastwirt Hennsnn Schwandt im 38. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Frau Uane Schwandt und Angehörige. Di« Beerdigung findet am Montag, den 6. Oktober, nach- mittags 2'/« Uhr, von der Halle des Philippus-Apostel-ZkirchhofeS, Müllerftr. 44/45, aus statt. 79A SDziaideinokratiseherWahiverein| !. d. ß. BerL Helclistagswahlkreisl Am 8. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Gastwirt ttermsilli Lcdwgliclt Müllerftr. 30a, Bezirk 757. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 6. Oktober, nach- mittags 21li Uhr. von der Halle des städtischen Friedhofes in der Müllerstratze, Ecke Seestratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/16 Der Vorstand. Verband der treten Gast- und Sebankwlrte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege ttennsim Ldmandt Müller str. 30a, Bezirk 2, verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 6. Oktober, nachm. 2'/, Uhr von der Leichenhalle des Philippus- Apostel- Kirchhofes, Müllerftr. 44, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/1 Die Drtsverwaltung. VerbandderSattlepn.Portete!!iileF Deutsehlands. Ortöncrwaltnng Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, datz unser Mitglied, der Militärsattler �udolk Nehmer (Werkstatt Gommlick) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. d. Mts., nach- mittag? 3>/, Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus- Kirchhofes, Neukölln, Hermannstr., aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 158/2 Die Ortsvcrwaltung. Zentral-Kranken- undSterbekassej der deutsehen Wagenhauer. Abteilung Frauen-Starbekasse. Bez. Lichtenberg II, Gummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz am Dienstag, den 30. Sept., die Frau Klara Zugbaum an den Folgen eines erlittenen Unfalls verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 6. Oktober, nachm. i'l, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofs, Lürk- stratzc, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 2580b Die Drtsver«aitung. Deutseher fioIzarheiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Ernst Werkmann Jmmanuelkirchstratze 32, im Alter von 72 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 6. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Georgcn-Kirchhofes, Weitzcn- sec, Rölckestratze, aus statt. 89/18 Die Ortsverwaltnng. DentsEherTahakarheiter-Yerhanö Zahlstelle Berlin. Am 2. Oktober verstarb unser Mitglied, der Zigarettenarbeiter ttans vlaskeld. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung frndei am Montag, den 6. Oktober, von der Halle deS jüdischen FriedhoseS in Weitzensee aus statt. 187/18 Die Ortsverwaltnng. Deutscher Banarhelterverhand. Zwelgrcreln Berlin. Am 2. Oktober starb unser Mit- glied, der Bauarbeiter L«cmi8 Schulze (Bezirk Süd-West). Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 6. Oktober, nach- mittags 3'/z Uhr, von der Halle des Heilig- Kreuz- Kirchhofes in Mariendorf auS statt. 145/15 Her Vorstnnd. Deutscher Buehhinder-Verband, (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege L,(>ui8 Tieger nach langem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Oktober, nach- mittags S Uhr, aus dem Emmaus- Kirchhose in Neukölln, Hermann- stratze, statt. 24/A> Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltun«. Verband d. Gemeinde- u.Btaatsari!. Filiale Groß-Bcriin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz der Kollege Wtarl Radde welcher im Berliner Wasserwerk in Tegel beschäftigt war. ver- starben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet ain Sonntag, den 5. Oktober, nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- halle des Wittenau«: Friedhofes aus statt. 35/12 Die Drisvervaltung. MohrenstrJSI Kolonnaden. 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September 1913, an welcher teilgenommen haben: 1. der Gebeime RegierungSrat im Kaiserlichen AussichtSamte für Privatverficherung W a g e n e r als Vorsitzender, 2. der Kaiserliche RegierungSrat Mehlis. 3. der Kaiserliche RegierungSrat Dr. Av ellis als ständige Mitglieder, 4. der Generaldnektor der Deutschen Lcbcnsversicherungs- Gesellschaft in Lübeck Böttcher, daselbst, und 5. der Königlich Bahrische Re< gierungSdirektor, Generaldirektor der Bayrischen VerficherungS- bank, Aktiengesellschast, vormals Versicherungsanstalten der Bah- rischen Hypotheken- und Wechsel- bank in München, Ritter von R a S p in München als Mitglieder des Verfiche- rungsbeirats, nach mündlicher Beratung folgende Entscheidung getrosten: Der Lichterfelder Kranken- und Sterbekaste für sämtliche Berufs- zweige in Berlin-Lichterfelde wird unter Anerkennung als kleinerer Verein im Sinne des§ 53 des Gesetzes über die privaten Ver- sicherungsunternehmungen vom 12. Mai 1901(ReichS-Gesetzbiatt S. 139 st.) die Genehmigung zu der von der Generalversammlung am 6. April 1913 beschlossenen Satzung erteilt, wobei der Abs. 2 des K 32 die von den Abgeordneten nachttäglich beschlossene Form er- hält. Urkundlich unter Siegel und Unterschrift.. Das Kaiserlivh« Aufsichtsamt für Privatversicherung, (gez.) Wagener. Ausferttgung. J.-Nr. IV. 2059/25. Vorstehende Satzungsgenehmigung wird hierdurch gemätz S 54 der neuen Satzungen mit dem Bemerken zur Kenntnis gebracht, datz die neuen Satzungen mit dem 1. Januar 1914 in Krast treten. Der iiauptverslaml der lichterfelder Kranken- und Sterbekasse für sämtliche Berufs- zweige, V.V. a. Q.(bisher E.H. 54). Verlin-Lichtersclde, 1. Oktober 1913. F. Geisen-Kerstlng, 291/16» Vorsitzender. Orts-Krankenkasse Kertm-Mchkiiskt. Die Kassenräume bleiben wegen des Umzugs am Sonnabend, den 11. Oktober w- geschloffen und befinden sich vom Montag, den 13. Oktober ab Pistoriusstraße 17. 277/12 Der Toratand. 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I »••1 Vereinigte Berliner Volksbühnen. f, ul sen-Theater. Heute 3 Uhr: Tie gelbe Gefahr. Schwank in 3 Akten. Ab. 8>/4 Uhr: Ter Hiittenbesitzer. �Valballa-Tbcatcr. Heute 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends 8'/. Uhr: Ter Ltebesonkel. Posse in. Gesang u. Tanz in 3 Akten. EE Märkische SpielrereimgiiDg Mitgl. d. Arb.- Turnerbundes Sonntag, den 5. Oktober 1913, nachmittags S'/jUhr: Qroßes Fußballspiel zweier kombinierter Mannschaften der Spielbezirke mmmm CottbussPorst— Qroß=Berlin in WeiQensee, Rennbabnstraße 40(Rennbahngclände). Eintritt 0,20 M. Der SpielansschnU. Fahrverbindung mit Straßenbahn No. 59, 61, 62 bis Rennbahnstraße, 17. 60, 72, 162 bis Schloß Weißensee, 55 bis Mirbachplatz(Endstation). 2569b 18«............... I.1................1 Berlins nmfflfXßtBorf im L�oulette de banse. Besselstf. Tcke F'fl'eSr-lchftraste�s tHi«« r<& Rl U? t t unter jyfttwirhung von IT O B S®■ Kß 3. i � 60 der elegantesten Damen. Srltklaffige Küche und Meine. Out gepflegte Biere. 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Die Säle sind noch für Bußtag, Totensonntag und Sonnabend, den 6. und 13. Dezember zu günstigen Bedingungen s r e i l IKarkn« Alb. Schumann Hente Sonntag, 5. Okt.: 2gr. Vorstellungen Q nacbm.S'/jU.abds�'/jU. In beiden Vorstellungen: 10 Bengal-Königs-Tiger 10. Die Sehlcnderfahrt im EnftschiaT. 8 akrob. raus. Büren 8 Zoologisches Potpourri 10 Enftvoltigearc lO Abends 7'/» Ehr: Wiederauftreten des Direktors Alb. Schumann. Nachm. hat jeder Erwachsene 1 Kind xmter 10 Jahren frei auf allen Sitzplätzen. Metropol Theater Nachmittags 3 Uhr; 's Nullerl. Abends 7 Uhr 55 präzise; II« Ii III 1 Gr. AusstattungSst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. voliständ. freier Benutzung des lules Verne'jdjen Romancs von Jalins Frcnnd. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Richard Schultz. Ksrl Bachmann. Joseph Giampietro. Guido Ihielscher. Alfred Schmasow. Leopold Wolf. Ludwig Wolf. Helene Bailot. IdaRusska. J. de Lande. Seu! Von 9-1 Uhr: Xeu! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. £ Kapellen. 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U. a.: Briant, Mensch oder Puppe? Kapt. Wall mit feinen AUigntoren. Auswahl der besten kom. Entrees der Clows Gebr. Fratelllni und des Zwergclawns Franoois. Zum Schluß auf vielseit. Wunsch die pantomimistisch. Burleske: Der Dorfbarbier. Ferner: 8cbaeide»' Fips, komisches Manegeschaustück, dargestellt von sämtlichen Clowns d. Gesellschaft. Abends 7'l2 Ehr: Uns KU Kolii. BeFlineF PFateF-TlieateF 7—9 Kastanien-Allee 7—9. I. Heile Austret. nur erstklassiger Bühnenkräste. Ansang 8 Uhr. VmÄllung: keiehshallea-IheateF Stettiner Sänger Heute nachm. 3 Uhr (zu errnätziglen Preisen): „Sanatorium Sonnenstieli". (Logen 1 M., Balkon 75 Pf-, Entree 39 Ps.) Abends 8 Uhr: Neul Alarm. Militärische Humoreske. Voigt- Tlieater Badstraste 58. Heute Sonntag, 5. Ollober 1913: Nachmittags 3 Uhr: Die Mönche im Nonnenkloster. Abends 7 Uhr: Evtt. ichausp. in 5 Au'z. von Aich. Voh. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. Kasfeneröfin. f Admiralspalast. Eis-Arena Heute 8onntag 2 Vorstellungen 2 Das sensationelle Eis-Ballett (abends zum 330. Male) Flirl in Sl. Moriiz. Beg. d. Nachm.-Vorst.(z. halb. Preisen) um t'/j Uhr. Beginn der Abend- Vorstellung'/�Ubr. Ab 103/« Uhr halbe Preise — Erstklassige Küche.— Wein- n. VolkslhealeF Neukölln Hermaunstraste 20. Sonntag, den 5. Oktober, 7'/. Uhr: Das Tagebuch einer Verlorenen. Lebensbild in süns Auszügen von W. v. Metzsch-Schiibach. Montag, den 6. Ltlober, 3'/, Uhr: Der Dieb. Schauspiel von H. Bernstein. ChZslottonhiiTcios Festsäle, Charlottenh.Kaiser-Friedrichst.24. SB?" Heute Großer Ballon 2 Kapellen.— Anfang 4 Uhr. Dienstag, Donnerst., Sonnbd.: Ball. Alhambra VSallner-TIieater-Straste 15. Großer Ball. Jeden Sonntag; Grofies Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zameltat. Volkshaus Charlottenburg| Hente 8onntag in den beiden neu renovierten Sälen: Anfang « L'hr. Frei-Konzert. 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Gaeisenaustrafie 10, So Gran, billigste u. beste Reznie'sauello für Wahlausschreiben der Allgemtintn Ortskranken- kaffe Seriin-Weißensee. Auf Grund des ß 88 der neuen Kassensatzung sind sür die Wahlperiode vom 1. Januar 1914 bis zum 31. De- zember 1917 von den Versicherten und den bei der Kasse zuständigen Arbeitgebern Vertreter zum Ausschuß (früher Generalversammlung) nach näherer Vorschrift der Wahlordnung zu wählen. Die Versicherten haben 60 Vev- treter und 120 Ersatzmänner ans ihrer Mitte und die Arbeitgeber 30 Vertreter und 60 Ersatzmänner aus ihrer Mitte in getrennter Wahl- Handlung zu wählen. Wahlberechtigt sind volljährige Arbeitgeber und Äer- sicherte, w elfte der Kasse angehören. Die Versicherten sowohl als die Arbeitgeber haben daS Wahl- recht in Person ansznüben, dürfen sich also nicht vertreten lasten. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Die Arbeitgeber tonnen auch alS Vertreter und als Ersatz- männer zum Ausschuk bevollmäch- ligte Betriebsleiter, Geschäft ssührcr und Betriebsbeamte der beteiligten Arbeitgeber wählen. Die Wahl findet statt: Am Donnerstag, den k. Novbr. 1013 im Restaurant„Zum Prä- taten* in Berlin- Weistensee, Lehderstr. 1SL. und zwar wählen die Arbeitgeber in der Zeit von 'i—t Uhr nachmittags und die Versicherten i» der Zeit von S bis 1« Uhr nachmittags. Jeder Wähler, ivelcher an der Wahl am 6. November 1913 teilnehmen will, erhält ans sein Verlangen bis spätestens 28. Oktober 1913 im Kassen- bureau während der Dienststunden von 8—1 Uhr eine Wahlkarte aus- gehändigt, die am Wahltage als Ausweis über seine Wahl- und Slimmberechttgung dient, und welche er dem Wahlausschuh vorzuweisen hat. Wähler, die nicht im Besitze einer Wahlkarte sind, werden zur Wahl nur zugelassen, wenn sie in einer sämt- liche Mitglieder des Wahlausschusses überzeugenden Weise idre Wahlbcrech- lignng nachweisen können. Auf der Wahlkarte sür die Arbeitgeber wird auch die Zahl ihrer Stimmen ver« merkt. Der Wahlausschuß am Tage der Wahl ist befugt, die Wahl- und Stimnkberechtigung jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Die Wähler können die Arbeit- gcber- und Mitgliederverzeichnisse während der Kassenstunden von 8 bis 1 Uhr im Kassenbureau einsehen. Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus dem Arbeitgeber- und Mit- gliederverzeichnis ergebenden Wahl- und Stimmbercchligung sind bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens bis zum LI. Oktober 1S13 unter Beifügung von Be- weismttteln bei dem Kaffenvor- stand einzulegen. Wir fordern nnnmehr die Wähler(Versicherte und Arbeit- geber) auf, bis spätestens zum LI. Oktober 1SI3 schriftliche Vorschläge bei dem Kastenvor- stand getrennt für Arbeitgeber und für Versicherte einzureichen. Die Stimmabgabe der Wühler ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens je 10 Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe mit zu- sammen mindestens 30 Stimmen unterzeichnet sein. Die einzelnen Reihenfolge ihrer Benennung drückt, und nach Familien- Beiverber sind unter sortlausendec Nummer auszuführen, welche die aus- nach Familien- und Vor- (Ruf-) Namen, Berus und Wohnort zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlägen sür Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur An- nähme der Wahl bereit ist. Bei den Wahlvorschlägen sür Arbeitgeber ist eine solche Ertlärung nur crsorder- lich, soweit ein vorgeschlagener Be- Werber nach H 17 der Reichsverffche- rungsordnung zur Ablehnung der Wahl bcjugl ist. In jedem Wahlvorjchlag Ist sermcr ein Vertreter des WahlvorschlageS und ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu be- zeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Ver- lreter deS Wahlvorschlages und, so- Iveit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als fein Stellvertreter. Der Wahlvorschlagsvertreter ist berechtigt und verpslichtet, dem Vorstand die zur Befeiiigung etwaiger Anstände erforderlichen Erklärungen abzugeben. Die zngclaffenen Wahlvorfchläge können von den Wählern im Kassen- bureau während der Kassenstundcn, von 8—1 Uhr, eingesehen werden. Berlin-Weihensee, den 2. Okt. 1913. Der Kassenvorstand. K. Fuhrmann. Bekanntmachung. Im Anschluß an oblge Bekannt- machung deS Vorstandes der All- gemeinen Ortskrankenkaffe sür den Gemeindebcztrk Berlin- Wetßenlec bringen wir folgend«« zur öffeotlichen Kenntnis: Wahlberechtigt sind serner die am 1. Januar 1914 durch die Reichsver- sicherungsordmmg neu in dicKranken- Versicherung einbezogenen volljährigen Mitglieder der Allgemeinen Orts- krankenkaffe sür den Gemeindebezirk Berlin-Weißensce und die volljährigen Arbeitgeber solcher Mitglieder. Ausgenommen hiervon sind die Arbeit« gcber unständig Beschäftigter alS solche, sowie unständig Beschästigtc, die nach H 455 der Reichsversichc- rungsordnung keine Beitragsteil:: zahlen, und ferner solche Versicherungspflichtigen, die Mitglieder einer Ersatz- kasse sind und deren eigene Rech!: und Pflichten auf ihren Antrag ruhen. Die wahlberechtigten Personen werden aufgefordert, sich zwecks Eintragung in die Wählerliste bis spätestens den 28. Oktober 1913, werktäglich von 8— 1 Uhr, im Kasten- bureau der Allgemeinen Ortskramen- lasse sür den Gemeindebeztrk Berlin- Weihensee einzufinden. Die Arbeit- nehmcr haben sich dort durch eine Bescheinigung ihrer Arbeitgeber über das bestehende Bcschästigungsverhält- nis auszuweisen. Den in dir Wähler- liste ausgenommenen Personen wird im Kassenbuceau der Allgemeinen Ortskrankenkasse eine Wahlkarte als Ausweis zur Ausübung ihres Stimm- rechts ausgebändigt werden. Im übrigen wird noch daraus hinge- wiesen, daß die in der vorstehenden Bekanntmachung der Allgememcn Ortskrankenkaffe enthaltenen Be- stimmungcn über den Gang der Wahl auch für die hier genanntcip Personen in allen Punkten Geltung haben. Berlin-Weißensee, den 3. Okt. 19t3. Das Berfichernngsamt. 177/14 J. B.: Dr. Brandt. OSETII Viktüria-Fortbllöungs- und Fachschule. Knrfürstenstr. 160. Berlin W. Telephon: Lzw. 9706. I,(Seminare: a) Seminar für Handelslehrerinnen(Ausbildung lürKontoristinnen-n. Vorkäu fohmionklassen), b) Seminar für Geworbeschullehrerinnon (Wäsoheanfortigung, Schneidern, Putz). II. Facb- nnd Fortbildongskurse(Tages- und Abendkurse). ! Geschlossener Haushaltungs- kursua. Kleiner HaushaHungskursus. Vorbereitung für die technischen, Volkschullehrerinnen u. Kindergärtnerinnen-Seminare. 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Tlchlbei ist Hanle's Vätkerei, Wo buies Brot in Hütt' und isiiir Man baden kann jo o!i man will.— Denn. retnes Mo�ttenbrol' von Hanl« Ist liir Geiunbe aut und Kraute. Weti Hanle's Brot auch jedermann Mit Advetii stets essen lann. Ans»reinem Roggen' ganz famos, Sidi er uns Brot UeiS tadetlos Denn Hanle ist der rechte Mann, Der groß und diltig lielern lann! FiÄnke's LrotdAGicsreisn in allen Stacjtteilsn Lerlins uncl �MASASnc! � C. Alte Schönt»iller E» UO.AO N. . Prenzlauer Str. AS, IV, anuolibeiifit. 150. . aSeiiiberneioea 7. . atntlanier Str. S», . Swiiiemiiuder Str. IIA .Miilterstr.>00». » Sietn icken dvrfer Str. SS. . Schöttwalder Str. I A» , Schcretftr. ISt» » Liebenwalder Etr. AA„ » ülciiiidenbi'rier Str. 50, . Piitimter Str.>iO, , Pringena Ilce>0. . Slettiner Str. 7, « Beilermanustr. SA, . Kreteuwalder Str. 20 , Pautlir. ill, .«jzttjierftr. 8», . Wattitr. 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CtJCrnfiouö. Sonntag: Hansel und Gretel. Die Puppcnsee. (Anfang 2>/. Uhr.) Abends: Mignon, Montag: Tristan und Isolde.(An- sang 7 Uhr.) Dienstag: Der Wildschütz. Mittwoch: Tannhäuscr. Donners- tag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Freitag: Violetta. Sonnabend: Don Carlos. Sonntag: Die Meistersinger vou Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Don Carlos.(Ansang 71/2 Uhr.) König!. Schauspielhaus. Sonntag: Wilhelm Tell.(Ansang Lst. Uhr.) Abends: Die drei Brüder von Damaskus. Montag: Schwanenweiß. Diens- tag: Die drei Brüder von Damaskus. Mittwoch: Ariadne aus Naros. Donnerstag: Schwanenweiß. Freitag: Die drei Brüder von Damaskus. �aoimabend: König Richard III. Sonntag: Die drei Brüdder von Damas- lus. Montag: Schwanenweiß.(Ansang 7'/, Uhr.) Ticues Dpcrnthcatcr(Kroll). Sonntagnachmittag 3'/2 Uhr: Almen- rausch und Edelweiß. Abends: Der ewige Iunggstcll. Montag bis DonnerS- tag: Der ewige Junggh'ell. Freitag bis Wontag: Fröschl.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Torquato Tasso. Diens- tag: Der lebende Leichnam. � Mittwoch: Torquato Tasso. Donnerstag: Hamlet Freitag: Torquato Tasso. Sonnabend: Don Carlos. Sonntag: Torquato Tasso. Montag: Faust. 1. Teil.(Ansang 7'/, Uhr.) Kammcrspiele. Sonntag: Die goldenen Palmen.' Montag: Schöne Frauen. Dienstag: Die galdencn Palmen. Mittwoch; Maria Magdalena. Donnerstag: Musik.(Ansang T/, Uhr.) Freitag: Die goldenen Palmen. Sonnabend: Musik,«onntag': Maria Magdclcna. Montag: Bürger Schivvel.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Tbcatcr. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Professer Bernhard!. Abends bis Freitag: Peer iSynl. Von Sonnabend allabendlich: Zeitwende. (Anfang 71/. Uhr.«onntag und Montag 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Bummelswdenten. Abends und allabendlich: Wie einst im Mai.(iilnsang 8 Uhr.) Theater in der Königgrützer Strafte. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Das Lebenssest. Abends und Montag: Brand.(Ansang 71/2 Uhr.) Dienstag: Das vierte Gebot.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch und Donnerstag; Brand.(Ansang 7l/2 Uhr.) Freitag: Die süns Franksurtcr.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend und Sonntag: Brand. Montag: Macbetb.(Ansang 7>/2 Uhr.) TentichcS Schauspielhaus. Sonntag nachmittag.P/2 Uhr: Hcdda Gabler, illbends: Der erste Beste. Satans Mäste. Montag: Der gute Rus. Dienstag und Mittwoch: Der erste Beste. Satans Maske. Donners- tag: Der gute Rus. Freitag: Fräulein Julie. Erste Warnung. Sonn- abend bis Montag: Der erste Beste. Satans MaSkc.(Ansang 8 Uhr.) KomodienhauS. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die süns Franksurtcr. Allabendlich: Das Paar nach der Mode.(Ansang 8 Uhr.) Küustler- Theater.(Kursürslen- Oper.) sonntagnachmittag 3 Uhr: , Das Prinzip. Abends: Der zerbrochene Krug. Hanneles Himmelfahrt. Montag: John Gabriel Borkman. Dienstag: Der zerbrochene Krug. Hanneles Himmeljahrt. Mittwoch: Wilhelm Tell.(Ansang 71/j Uhr.) Donnerstag: Der zerbrochene Krug. Hanneles Himmelsahrt. Freitag: Gespenster: Sonnabend und Sonntag: Der zerbrochene Krug. Hanneles Himmelsahrt.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. DentscheS Opernhaus. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Figaros Hochzeit. Abends: Der Waffenschmied. Montag: Die Jüdin. Dienstag: Die Königin von Saba. Mittwoch: Die Jüdin. Donnerstag: Der Trou- badour. Freitag: Die luitigcn Weiber von Windsor. Sonnabend: Lobe- tanz. Sonntag: Die Jüdin. Montag: Lobetanz.(Ansang 8 Uhr.) Luftipielbnns. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Majolika. Allabendlich bis Freitag: 777: 10. Von Sonnabend bis Montag: Die Puppenklinik. (Ansang 8'/, Uhr.) Theater deS Westens. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Der liebe Augustin. Allabendlich: Gräsin Fifi.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Allabendlich: Die Tangoprinzesfin.(Anfang 7'/- Uhr.) Rrfidenz-Theater. Sonntag nachmittag 3Ubr: Die Frau Präsi- dentin. Allabendlich: Im Eheläfig.(Ansang 8'lt Uhr.) Trianon-Thcater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Untreu. Die Briestasche. Allabendlich: Seine Geliebte.(Ansang 8 Uhr.) Sehiller-Thcatcr O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Freiwild. Abends: Die Großstadtluft. Montag: Chrano von Bergerac. Dienstag: Die Stützen der Gcsellschast. Mittwoch: Chrono von Bergerac. Donnerstag: Die Stützen der Gesellschaft. Freitag: Am Tage des Gerichts. Sonnabend: Die Stützen der Gesellschaft. Sonntag: Wenn der neue Wein blüht. Montag: Die Großstadtluft.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Thcater Gharlottenburz. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseld. Abends und Montag: Weim der neue Wein blüht. Dienstag: Die Großstadtlnst. Mittwoch: Wenn der neue Wein blüht. Donnerstag: Die Großstadtlust. Freitag: Wenn der neue Wein blüht. Sonnabend: Die Großstadtlust. Sonntag: Götz von Bcrlichingen. Mon- tag: Wenn der neue Wein blüht.(Ansang 3 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die gewe Gesabr. Abends: Der Hüttenbesitzer. Montag und Dienstag: Die falsche Hoheit. Mittwoch: Der Hüttenbesitzer. Donnerstag: Die falsche Hoheit. Freitag: Von Stufe zu Stufe Sonnabend: Die Allwördens. Sonntag und Mon- tag: Von Stuse zu Stufe.(Anfang S'l, Uhr.) Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3>/2 Uhr: Der Dieb. LottchenS Geburtstag. Abends und Montag: In Ewigkeit. Amen. Paul und Paula. Der Barbier von Beriac. Dienstag(Ansang VI, Uhr) sowie täglich: Belinde.(Ansang 8 Uhr.) Walballa-Thrater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Allabendlich: Der Liebesonkel.(Ansang 8'/. Uhr.) ÄNontiS Operetten- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Vogelhändler. Allabendlich: Der lachende Ehemann.(Ansang 8 Uhr.) NeueS VolkS-Tkeater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Muddcr Mews. Abends: Mudder Mews. Montag: Der ledige Hos. Dienstag Mudder Mews. Mittwoch: Der ledige Hof. Donnerstag: Die Siebzehn- ädrigen. Freitag: Rausch. Sonnabend:'Der ledige Hos. Sonntag: Die Siebzehnjährigen. Montag: Der ledige Hos.(Ansang 8>/2 Uhr.) Rose-Thearer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ahnfrau. Abends: Die Schiffbrüchigen. Montag: Maria Stuart Dienstag: Die Schiffbrüchigen. Mittwoch: Laura massiert. Donnerstag: Die Schiffbrüchigen. Freitag bic> Montag: Laura niassiert.(Ansang8st. Uhr.) Theater am Nollendorfplaft. Sonntagnachmittags 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Allabendlich: Die Heimkehr des Odyffeus.(Ansang 8 Uhr.) Urania- Theater, isonntagnachmittag 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Allabendlich: Mit dem.Imperator' nach NewAork.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Herrnseld-Theater. Allabendlich: Was sagen Sie zu Lei- busch?!(Ansang 8 Uhr.) Kasino-Tbcater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree. Allabendlich: Der Aktienienor.(Ansang 3 Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: Ritter Baldrian. Mißgeburt. Adaptiv- find.(Ansang S1!, Uhr.) Metropol. Sonntag nachmittag 3 Uhr:'s Nullerl. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallen-Theaeer. �.onntagiiachmittag 3 Uhr: Stcttiner Sänger. Allabendlich: Stettincr Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags VI, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag nachmittag 3>/, Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang 8 Uhr.) Zirkus Schumann. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Galavorstellung. Allabentlich: Galavorstellung.(Ansang 7l/2 Uhr.) Admiralspalast. Eisballelt: Flirt in>st. Moritz.(Ansang S Uhr.) Marktpreise von Berlin am 3. Oktober 1913, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,80— 17,10, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00— 00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,70—15,00. Richtstroh 4,80—5,00. Heu 6,00-7,60. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00-50,00. Sveisebobnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 36,00—70,00. Kartoffeln(Klcinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindsteisch, von der Keule 1,70-2,40. Rindfleisch. Banchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,50—2.10. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,20— 2,40, Aale 1,40—3,00. Zander 1,30—3,20. Hechte 1,20—3,00. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,50—40.00. Jedes Wort 10 Pfennig. 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ES wird auf eme e r st e K r a s t reflettiert. die mit den Arbeiten eines solchen Instituts durchaus vertraut ist und womöglich eiue mehriahnge Tätigkeit in gleicher Stellung nachweisen kann. Dtenstjahre werden angerechnet. Der Antritt müßle möglichst zum 1. November öieseS Jahres erfolgen. Eine Probearbcit wird vorbehalten. Bewerbungen sind bis zum 15. Oktober dieses Jahres an den Vorsitzenden des GewerkschastskartellS Magdeburg. August Flügge, Große Miinzslraße 3, zu senden.__ 291/18* Kotmlbeamter. sucht der Die Zahlstelle Bremen des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes s -um baldigen Antritt einen erste» Borfttzendeu. Derselbe muß in l-übruna von Lohnbewegungen und samtlichen Verwaliungsarbetten vertraut still. Rednerische Begabung ist erforderlich. Es wird aus eme erste Kraft resiekttert 89/17 DaS Gehalt bettägt 195,00 M. pro Monat, steigend um 10,00 M. pro anno bis 245,00 M. Eventuelle Dienstjahre m der Arbeiterbewegung werden angerechnet; das Ansangsgehait kann event. nach Ucberemkunft er- ��jkollegeri, die sich besähigt halten, einer Zahlstelle von 4000 Mitgliedern vorstehen zu können und mindestens 5 Jabre dem Deutschen Holzarbeiter- verbände und der sozialdemokratischen Partei angehören, wollen ihre Offerte unter Angabe ihrer bisherigen Tättgkeit mit der Au'schrist.Bewer- bunq* biS zum lt. Oktober einschließlich an die Adresse unserer Zahlstelle: I. Ahl em e Y er, Bremen, F a u I e n st r. 58/60 senden._ Zu sofort wird ein klgitationsleitel' gesucht jür die agitatorische und organisatorische Kleinarbeit im Landgcbtete des ersten brauuschweigischen Wahlkreises. Sitz Blankenburg(Ha�). Ansangsgehait 1800 M. Meldungen mit kurzem Lebcnslauj werden bis IS. Oktober erbeten an»r.«jssnor, Braunschweig, Bullenweg 85, unter der Ausschrist.Austellung*. �_,, 292/1 Der Krelsvorstand. Vorderzimmer, einfenftrig, vermietet Jäckel, Wassertorsttaße 60 II. 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Stellmacher- innung und der Wagenfabrt- kanten. Kaiser-Franz-Grcnadiei- Platz. 89/14* Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsyerwaltnng Berlin des Dentschen Holzarbeiterverbandes Achtung! Achtung! Cafö- Angestellte! Das 32/8* Promenadeii-Cafö Inhaber Hau SchrStep, Schönhauser Allee 151, ist bis aus weiteres ge- sperrt. Vkibsiri der Gastwirtsgehilfen. Zweigverein der Cafh-Angestellten. Der heutigen Auflage unseres Blattes liegen folgende Pro- spette bei: Für Norden und Osten: Sichnh- V ertriehshans AlexanderpIatB. Für Westen: �ahnpraxln Phönix, Berlin W., BtUowntap. Verantwortlicher Nedaktei«: Alfred Wielepp, Neukölln. Für de» Lnjeratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku-Berlag: Vorwärt, Luchdruckerei u. Berlagsanjialt Paul Singer».So.. Berlin SM