Nr. 261. ( 5 Pfennig) MoNtltgSltUSglttte( 5 Pfennig) Abonnements-Bedingungen: monnemcnl?- jSrciä pränumerando: Viertcljührl. 8,30 alt,, inonatl. 1,10 Mt„ wöchenllick 28 Pfg. frei ins HauS, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonmags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- «boimement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband lür Teutschland und Oesterreich> Ungarn 2,50 ivtart, sür das übrige Ausland « Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien, Dnnemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. ktlchcidt tsglich. 39. Jahrg. Vie Inseetions-SeblilN kelrägt sür die sechsgespallene Kolonel- jeilc oder deren Raum 00 Pfg., sür politische und gewertschastliche Vereins- und Versaiiunlnungs-Anzeigen 30 Pfg. „kleine �ureigen", da- settgedruckte Wort LO Pfg,(zulässig 2 sellgedruclte Wortes, jedes wlitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch- sladen zählen für zwei Warle. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Sxpeditio» abgegeben werden. Die Expediiio» ist vis 7 Uhr abesids geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozUltUmokrat Rerlii". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion; 8d. 68, Linden ftraße 69. ircrnsprechcr: Amt Moritsvla«, Rr. IS«.?. Montag, den S. Oktober 1913. Expedition: 8M. 68, Lindenstraße 69. Jpermfcredier: Amt Moriüvlat!. Nr. IS«1. liuzläiiäer heraus! In dem junkerlichen Preußen kontingentiert man alles: nicht nur die Schweine, die jährlich ans dem Osten die deutsche Grenze passieren dürsen, sondern jetzt auch die Ausländer, die an Universitäten von Königsberg bis Bonn aus dein Quell der Wissenschaft schöpfen wollen. Tie„Norddeutsclje Allgemeine Zeitung" rückte vor kurzem mit der Bekanntmachung heraus, daß sich der Kultusminister„veranlaßt gesehen" habe, für die Hochschulen eine bestimmte Höchstziffer festzusetzen, die von den Studierenden keiner fremden Nation überschritten werden dürfe, und daß die Universitätskuratoren mit Antvei- sungen zur Ausführung dieses Erlasses versehen worden seien. Mit ungemischtem Jubel nahm die reaktionäre Presse auf der ganzen Linie diese Ankündigung auf, nur daß sie hier und da unverhohlen andeutete, diese Aussperrungsmaßregel dürfe Engländer, Amerikaner und Skandinavier nicht treffen, son- dern müsse sich in erster Reihe gegen„die Gäste unserer Wissen- fchaft aus dem halb- oder ganzasiatischen Osten" richten. Auch in den Kreisen der tcutschnationalen Studentenschaft wird ob des Ukases ans dem Kultusministerium helle Freude herrschen und zu Ehren des Herrn Trott zu Solz wird mancher Salamander gerieben werden, denn nun haben sie es ja erreicht, wonach sie so lange sich heiser geschrien, die Stätten der deutschen Wissenschaft werden mit einem Stacheldrahtzann umgeben und hineingelassen wird, außer den Schwarz-Weiß- Rot-Abgestempelten, nur, wer in jeder Richtung genehm ist. Tie deutschen Musensöhne begründeten ihre Forderung, den Zustrom von Ausländern zu Teutschlands hohen Schulen ein- zudänimen, stets lnit der Behauptung, die fremden Gäste nähmen den eingeborenen Studenten die besten Arbeitsplätze weg.„Taß i not ladjl" sagt der Münchner, und in der TatI deutsche Studiosen, die da jammern, daß ihnen die Arbeits- gelegenheit verküinmert werde— da geschehen Zeichen und Wunder Der Tag jener Hochschüler, die sich mit Stolz als die Blüte von Teutschlands studierender Jugend fühlen, ist mit gaiW anderen Dingen angefüllt als mit �vissenschaftlicher Ar- beit. Da gibt es offizielle Kneipe und Spielabende, gemein- samen Mittagstisch und Paukboden. Bummel und Ex- Bummel, Frühschoppen und Mensuren— alles hochwichtige Ereignisse im Leben des farbentragenden Studenten, bei deren keinem er, unter Vermeidung kleinerer und größerer Geld- strafen, fehlen darf. Was an Zeit für Arbeit bleibt, kann schon deshalb nicht genutzt werden, weil der Kopf voll Alkohol- dünsten ist oder weil man einen Jodoformverband um die z�r- hackte Becke trägt, und wozu auch ernsthaft arbeiten? Für das Examen nimmt inan sich einen„Einpauker", pfropft sich den Schädel mit dem allernotwendigsten Paragraphenkram voll und macht das Rennen. Nach dem Examen gchts dann, dank der Protektionen und der Konnexionen, ganz von selbst auf der Leiter �des � staatlichen Mandarincntums weiter, von Sprosse zu Sprosse. Wozu ernsthaft arbeiten? Das ist eine Proletensitte, und sie alle, die das dreifarbige Band vorher getragen, haben sich ja nie mit Eifer in die Kollegs oder > hinter die Bücher gesetzt und sind dock) heute Staatsanwälte und Richter, Landrätc und Regicrungsassessorcn, ja! Der Botho ist sogar, dank besonders ausgezeichneter Protektionen und Konnexionen, preußischer Staatsminister geworden. Na also! Wirklich ist es nicht der rege Arbeitseifer unserer aka- demischen Jugend, der sie gegen die Ausländer toben läßt. Mag hier und da ein Kliniker verstimnit sein, daß ein rns- sischer Mediziner ihm ein besseres Präparat vor der Nase weggesckmappt hat, für die Planmäßige Ausländerhetze sind ganz andere Gründe maßgebend, und einer davon ist häßlicher als der andere. Die„Kölnische Zeitung" ist wenigstens offen- herzig genug, einen dieser triftigen Gründe ohne Gram und Scham auszusprechen: „Wir wollen unsere Erzeugnisse den Völkern der Wel: verkaufen. Auf unfern Hochschulen sollen Pio- nierc deutschen Könnens ausgebildet werden, die in die Welt hinausgehen und draußen vermöge ihrer überlegenen wissen- schaftlichen Schulung leitende Stellungen einnehmen. W i r wollen und müssen im Wettbewerb der Völker Menschen und Waren erster Qualität einsetzen. Ist es da überhaupt klug und weise, ununterbrochen junge - Leu te des Auslandes, deren Vaterländer unsere A b s a tz l ä n d c r sind und uns kulturell und wissenschaftlich nichts geben können, heranzubilden, daß sie unsere wissen- schaftlich-tcchnischen Verfahren meistern, unsere Methoden kennen und lernen, wie wir zu Werke gehen, um unsere Erfolge zu erzielen? Müssen wir Tausende und aber Tausende von Aus- ländern sorgfältig zu Konkurrenten heranbilden?" Das ist's! Aus dem Volk der Dichter und Denker ist längst ein Krämervolk geworden, und während unsere Vorfahren stolz waren, wenn deutsche Wissenschaft die ganze Welt berieselte und befruchtete, sperren wir ängstlich unsere Er- kenntnisse gegen die ganze Welt ab. Tie deutsche Wissenschaft ist nicht mehr ein kulturrelles Gemeingut, das allen ausgeteilt wird, eine kapitalistische Ware ist sie geworden, mit der der deutsche Techniker, der deutsche Ingenieur und der deutsche Arzt auf dem Weltmarkt gute Geschäfte machen soll. Die Tore zu für die Ausländer I Ausländer heraus! Aber dazu kommen andere Erwägungen. Die reaktiv- �näre Presse betont mit besonderer Beflissenheit wieder und wieder, daß die Gäste aus dem Osten art- und lvesensver- schieden seien von den deutschen Studenten. Wahrhaftig, si6 sind es! Sic kommen in dem naiven Glauben herüber, daß Student wirklich von studieren abgeleitet ist und demzufolge zum Studieren verpflichtet, Sie entwickeln in den Hörsälen Eigenschaften, die der flotte Korpsbursche nur in seiner Kneipe glorreich entfaltet: Fleiß und Zähigkeit. Sie saufen nicht und sie raufen nicht, und da ihnen die Magerkeit ihres Geld- bcutels alle feudalen Geflogenheiten von vornhereii� verbietet, hungern sie sich meist bei Tee und trockenem Brot'Semester um Semester durch. Und mit diesen ganz und gar nicht korpsburschenhaften Elementen, deren Väter vielleicht im Kaftan durch die Judengassen von Kiew und Odessa wandeln, sollen Söhne von preußischen Regierungsräten und Regi- mentskomandcuren auf ein- und derselben Bank sitzen? Un- denbar! Ausländer heraus!. Auch ein Stück vulgären Chauvinismus spricht mit. Der eine oder andere deutsche Student könne doch mit den Aus- ländern in Berührung treten und dabei entdecken, daß es im Grunde recht ehrenwerte Gesellen sind und daß man sich in den Zirkeln der schwarz-wciß-roten Beschränktheit vom Aus- land und den Ausländern mannigfache falsche Vorstellungen macht. Das darf nicht sein! Deutschland, Deutschland über alles! Ausländer heraus I Was aber wie Bomben und Granaten durchschlägt, ist die spießerhafte Revolutionsfurcht in den deutschen akademischen Kreisen selbst und darüber hinaus bei der Polizei bis ins Kultusministerium hinauf. Tie russischen Studenten sind in der Vorstellung dieser Spießer allesamt Schnorrer und Ver- schwörer von der Rasse der Silberfarb und Mandelstamm, die einst der seiltanzende Kanzler v. Bülow mit unsäglich platten Späßen verhöhnt hat. Tie russischen Studenten be- fassen sich alle insgeheim mit Sprengstoffen und Schieß- Waffen. Zum allermindesten aber— und das dürfte in der Tat stimmen!— sind sie oppositionell gesinnt und sehen in der zarischen Knute kein Ehrfurcht einflößendes Instrument, vor deni man huldigend in die Knie sinken muß. Der deutsche Korpsstudent in seinen vorbildlichsten Vertretern ist das ge- naue Gegenteil. Er ist„patriotisch" bis zum lallenden Stumpf- sinn. Er brüllt Hurra bis zum Tcliriuin tremens. Jene sind Feuerköpfe, diese Wasserköpfe, und sie passen so wenig zu einander, wie Feuer und Wasser zueinander gehören. Dar um Ausländer heraus! Und der Herr Kultusininister setzt sich hin und willfahrt dem Wunsch, des Dankes der unterschiedlickjen Borussen gewiß, denen der Anblick der fleißigsten und intelligentesten Studenten— unbefangene Professoren haben den Russen dieses Ehrenzeugnis ausgestellt— nun keine Gewissensbisse mehr zu bereiten braucht. Und sie sckiaren sich zu fröhlichem Kommers zusammen, und in das Zimmer des Ministers, der über die preußische Wissenschaft zu wachen hat, klingt der bierehrli-chc Gesang der Jünglinge, die uns übermorgen als Richter und Rechtsanwälte, als Landräte und Regierungs assessoren beherrschen werden: Laßt uns den Verstand versaufen! Wozu nützt uns der Verstand? Tie Familie des Prinzen Friedrich Leopold ist eine ent- f c r n t e Seitenlinie der Hohcnzollern. Wohin soll es führen, tvenn man selbst dem jüngsten Sprößling einer entfernten Seiten- linie einen Adjutanten auf Kosten der Steuerzahler stellen zu müssen meint! Bedürfen die Herren einer steten?lnfsicht und Leitung, dann mag der Vater die Kosten dieser?lussicht selbst tragen; die Steuererträge dürfen dafür um so lveniger verwendet werden, als ein gesetzlicher Anspruch der Prinzen auf Stellung eines Adjutanten überhaupt nicht besteht. Für diese Umgehung des Willens des Reichs- t a g e s wird der neue Äriegsminister Rede und Antwort stehen müssen. Ter Reichstag aber hat die entschiedene Pflicht, alle diese ganz überflüssigen Qffiziersstellen einfach zu streichen. ili an der Budka. Der Kefonnelfer des Kriegsminifters. Unter den verschiedenen Resolutionen, die der Reichstag in Verbindung mit der Verabschiedung der Heeresvorlage annahm, befand sich auch eine, die eine Einschränkung der p r i n z l i ch c n Sldjutanturen fordert. Aus einer Uebersicht, die der Budget- kommission des Reichstags vorgelegt worden war, ergab sich, daß die Söhne des Kaisers, je zwei Adjutanten hatten. Ter Kriegö- minister v. Heeringen begründete dies damit, daß die Prinzen einen älteren Begleiter brauchten, der eine gewisse Autorität über sie habe, und einen jüngeren, zu dem sie besonderes Vertrauen hätten. Außerdem wurde festgestellt, daß der Prinz Friedrich Leopold von Preußen nicht lveniger als fünf Adjutanten hatte. Die Mitteilung dieser Tatsache löste bei einem Teil der B u d g e t k 0 m m i s s i 0 n geradezu Ent- r ü st u n g aus und die oben erwähnte Resolution fand in der Kommission lediglich gegen die Stimmen der Konservativen?ln- nähme. In gleichem Sinne entschied das Plenum. Die Söhne des Kaisers haben darauf auf einen Adjutanten verzichtet, und zwar betraf dieser Verzicht mit einer einzigen Ausnahme den angeblichen„Träger der Autorität!" Die Art aber, wie die Frage der Adjutantur beim Prinzen Fried- rich Leopold gelöst wurde, steht in direktem Gegensatz zur Absicht des Reichstages. Dem Prinzen wurde nämlich ein Adjutant bc- lassen, und außerdem erhielten seine drei Söhne je einen Ad- jutanten zugewiesen, so daß von den fünf Adjutanten nur ein ein- ziger, ein Major, in Abgang kommt. Das war sicherlich nicht die Absicht des Reichs- tags. Man hat dort vielmehr mit aller Deutlichkeit zum Aus- druck gemacht, daß den Söhnen des Prinzen überhaupt kein Adjutant zusteht. Zwei dieser Söhne nehmen seit kurzer Zeit Offizicrsstellen in Langfuhr bei Tanzig ein; der eine hat einen Major, der andere einen Hauptmann als?ldjutanten; der dritte Sohn, erst IS Jahre alt, hat einen Rittmeister zum persönlichen Adjutanten erhalten. Kniitel hieß der Mann, dem ein so bitteres Unrecht geschah, wie selten einem königstrcuen Preußen. Tie Feder sträubt sich, das Entsetzliche niederzuschreiben. Aber lvas sein muß, muß sein. Also: Knittcl, Amtsrichter Knittel,.Mitglied des Kriegcrvereins Rybnik, ist voin Leutnant der Reserve zum Leutnant der Landwehr degradiert worden. Wie sagt der jüdische Teil der Bevölkerung dieses glücklichen, oberschlesischen Kulturstüdtchens?„Dem seine Sorgen möcht' ich haben!" Allerdings ist ihm diese entsetzliche Herabwürdigung deswegen passiert, weil er für einen polnischen Wahlmann gestimmt hat. Woher man das wußte? Nun, die Wahl in Preußen ist doch öffenl- lich. Herr Knittel hat also die Segnungen der Trciklassenwahl am eigenen Leibe, mehr noch: am eigenen Rock empfunden und kann jetzt seiner, der Zentruinspartei, als Experte dafür dienen, wie moralisch dies Wahlrecht wirkt imd wie herrlich sich bei ihm der Grundsatz durchführen läßt, daß jeder Staatsbürger in der Ausübung seiner politischen Rechte frei sei! Vogelfrei sogar! Herr Knittel hat einfach die Segnungen der Stellilng seiner Partei zur Wahlreform genossen. Ihm geschah, wie er Ivollte. Was ihin dafür passierte, daß er(wie ein Oberleutnant so schön sagte) nicht„richtig" gewählt hat, ist au und für sich so lächerlich, daß sich darauf wirklich kein Michael-Äolhaas-Kampf aufbauen läßt. Wer in den Grundfesten seines Daseins wankt, wenn er auf seine Visitenkarte statt L. d. R. nun L. d. L. drucken lassen muß, der gehört eben mit Leib und Seele gerade zu den Leuten, die ihm den Reserverock abgeknöpft haben. Mau sollte meinen, logisch wäre, daß man die militärische Maskerade hinwirft, wenn man endlich selber erleben muß, was man eigentlich schon vorher hätte wissen müssen, daß nämlich eine charaktervolle politische Betätigung sich mit ihr nicht vereinbaren läßt.?lber nein, Herr Knittel hängt an dem Firlefanz und macht aus dem militaristischen Karneval eine Weltanschauungsgeschichle. lind da sollte man mittun? Nein! Daß in Preußen nicht gewählt werden darf, tvie der Wähler, son- dern so, wie der Vorgesetzte oder der Bczirkskommandeur oder der Landrat oder der Gutsbesitzer es will, wußten wir schon lange. Daß dies System nun auch einmal einen Anhänger des höchst- christlichen, staatserhaltenden, königstrcuen Zentrums getroffen hat, kann uns nur angenehm sein. Vielleicht Hilsts am Ende doch etwas! Rybnik liegt in Oberschlesien, Ivo bekanntlich teulsch-nationale Männer auf der Wacht an der Rudka stehen. Zu diesem Zweck haben sie sich in Vereine zusammengeschlossen, die wohl so ziemlich das höchste darstellen, was man an cntschieden-nationaler Gesinnung in Preußen findet. Auch die Frauen helfen die nationalen Güter gegen den polnischen Erbfeind verteidigen, lim jeden, der nicht deutschvölkisch ist, von sich fernzuhalten, sehen sie darauf, so schlicht und reizloS auszuschauen wie möglich. Ter Verkehr niit ihnen ist schon deswegen jedem Fremdvölkischen unmöglich, tveil nur echte Söhne Teuts die ihnen zükommenden Titel, z. B. Frau Stadt- sparkassenrendant oder Frau Landratamtshilsskoncipist, mit dem nötigen Ernst aussprechen können. So sitzen die edlen deutschen Frauen auf den Vorposten nationaler Kultur, sticken Ostmarken- vereinsfahnen oder plaudern blauäugig von Wodan und Brünhilde und der Staatsbürgerzeitung, wenn sie nicht gerade errötend und ergriffen den Worten des Hausptinanns Kammler lauschen, der in seiner schlichtdeutschcn Art erzählt, wie oft er zur Tante Maier muß. Ueber dem ganzen Städtchen liegt eine Atmosphäre wie von lange getragenem wollenen Unterzeug. Aus dieser Atmosphäre kamen Kläger,?lngeklagter und Zeugen. Kann das schöne, männliche Wort des Kaineraden Hauptmanns Kämmler, das Testament, das Knittel in seiner Eigenschaft als Amtsrichter aufzunehmen hatte, könne warten, erst komme der Ehrcnrat! Bürgerlicher Beruf? Lächerlich. Ter Ehrenrat ist das Zentrum jedes königstreuen Männerlebens! Taß bei solcher Auf- fassung ein alter, kaltgestellter Bezirksoffizicr einem Amtsrichter auch die Wahl vorschreiben will, ist doch ganz klar. In Rybnik an der Rudka steht eben das ganze Leben unter dem Gesichtswinkel des Reserveofsizierstums, und seine zivile Beschäftigung soll dem Gesinnungstüchtigen nur die Mittel geben, die nächste Leutnants- Übung mit der nötigen Besoffenheit hinter sich zu bringen. Und diese Sluffassung— das ist der Kernpunkt der?lffäre Knittel— hat Amtsrichter Knittel jahrelang widerspruchslos mitgemacht, er war also ebenso mitschuldig wie die Kammler und Genossen und hat bei der Verhandlung in Gleiwitz nur geerntet, was er gesät hat. Wer im Alkoholdampf so Dft. Wilhelm II., den Schutzhcrrn aller Rybniks in Preußen, hat hochleben lassen, darf sich eigentlich nicht wundern, wenn ein schwächeres Gehirn dies Ucbermaß von nationaler Gesinnung und Königstrcue nicht auShält und plötzlich Wilhelm III. hochlÄten läßt. poUrtfcbe Qeberlicbt Konservative AbleugnungSversuche. Es ist unglaublich, mit welcher Unverfrorenheit die„Kon- servative Korrespondenz"— die die ganze blaue Provinz- presse fiittert— gerichtlich festgestellte Tatsachen abzuleugnen versucht. Vor etlichen Tagen fand in der mecklenburgischen Stadt Waren ein Beleidigunsprozeß des fortschrittlichen Ab- geordneten Wendorff gegen den dortigen konservativen Partei- sekretär Jordan statt. In diesem Prozeß wurde zeugen- eidlich festgestellt, daß der Vorsitzende des Konservativen Vereins in Waren, der Maurermeister Reinholz, zu einem ihm bekannten Sozialdemokraten gegangen ist und mit diesem über die damals bevorstehende Stichwahl und über ein Zu- sammengehen bei dieser gesprochen hat. Diese Tatsache der Unterredung hat die konservative Presse selbst in ihren Pro- zeßberichten mitgeteilt: sie brachte dann aber hinterher zur Entschuldigung des konservativen Unterhändlers eine Er- klärung des Kreisvorsitzenden der Konservativen, eines Herrn von Gundlach, worin gesagt wurde, der konservative Vereins- Vorsitzende habe jene Unterredung nur„als eine private" gepflogen. Die Tatsache an sich wurde also nicht zu be- streiten gewagt. Doch jetzt bringt die„Konservative Korre- spondenz"(Nr. 79) eine„authentische Darstellung", in der es heißt: „Schließlich haben sowohl der Vorsitzende de? sozialdemo- kratischen Kreisverins, wie noch ein andere» als Zeuge genanntes Mitglied der Sozialdemokratie im Kreise Atalchin-Waren vor Gericht unter ihrem Eide ausgesagt, daß zwischen ihnen und Herrn Maurermeister Reinholz niemals eine Unter- redung stattgefunden hat." Diesen offenkundigen Schwindel druckt die konservative Provinzpresse nach, sogar die Junkerorgane, die noch vor ein paar Tagen bei der Wiedergabe der Erklärung des Herrn von Gundlach die Tatsache der stattgefnndenen Unterredung s e I b st zugegeben haben! Angesichts dieses erstaunlich dreisten Verdunkelungs- Manövers der Konservativen sei hier mitgeteilt, was die liberale„Rostocker Zeitung" über die Zeugenvernehmung vor dem Schöffengericht in Waren ausführlich berichtet: „Zeuge Möller(Soz.) sagt auS: Zwischen Haupt- und Stichwahl kam Herr Reinholz(der Vorsitzende des konservativen Ortsvereins) zu mir und bat mich, dafür zu sorgen, daß meine politischen Freunde in der Stichwahl Herrn von Maltzan wählen möchten, da dann möglicher- weise die Maurerarbeiten für die Grafschaft Basedow wieder nach Malchin kommen würden, was doch, auch für die Maurer und Zimmerleute gut sein würde. Ich habe Reinholz erwidert, daß das wohl nicht in seiner Wacht stehe und daß wir übrigens für die Stichwahl besondere Bedingungen stellten. Da fragte Rein- holz, ob wir schon mit den Liberalen ein Stichwahlabkommen geschlossen hätten. Ich antwortete: Es seien Verhandlungen im Gange, aber noch nicht abgeschlossen. Da sagte Reinholz:„Spaß beiseite. Welches sind Ihre Bedingungen?" Ich erwiderte:„Die vom Jenaer Parteitag aufgestellten." Reinholz verlangte diese zu lesen. Ich gab sie ihm. Er las sie durch und meinte:„Den ersten Teil derselben würde Herr von Maltzan wenigstens auch unterschreiben. Den letzten dagegen nicht. Den würden auch die Liberalen wohl nicht unterschreiben." Ich habe Reinholz dann gesagt, ich sei für weitere Verhandlungen nicht zuständig, er müsse sich an unseren Vorsitzenden Arbeiter Johann Krüger wenden. Auf Befragen durch den Richter sagt Möller aus:„Ich bin jetzt nicht Vorstandsmitglied des sozialdemokratischen Vcr- eins. Ich war es aber bis vor einigen Jahren." Ter Arbeiter Johann Krüger(Vorsitzender des sozialdemo- kratischen Vereins) sagt aus:„Ich hörte von meiner Frau, daß zwischen Haupt- und Stichwahl Reinholz mich habe sprechen wollen." � Zeugin Frau Krüger sagt aus:„Herr Reinholz war zwischen Haupt- und Stichwahl in u n s e r em Hause und wollte meinen Mann sprechen. Der war aber nicht zu Hause." In ihrer Nummer 80 koninit die„Konservative Korre- spondenz" noch einmal in einer Polemik gegen die„Frank- furter Zeitung" auf die Angelegenheit zu sprechen und ver- sichert abermals: „Sowohl der Herr Maurermeister Reinholz, der als die Persönlichkeit genannt worden war, die angeblich mit Vertretern der Sozialdemokratie in Verbindung getreten sein sollte, wie die Führer der Sozialdemokratie selbst in jenem Kreise haben vor Gericht unter ihrem Eide ausgesagt, daß niemals zwischen ihnen eine Unterredung stattgefunden hat, geschtvcige denn eine auf die Reichstagswahlen bezügliche Vereinbarung getroffen worden ist." Dreister kann die Wahrheit nicht auf den Kopf gestellt werden.__ Tic falsch ausgelegte Enzyklika„Singular! quadarn". In tiefer Stille hat am Freitag, den 26. September, im erz- .bischöflichen Palais zu Köln eine Beratung zahlreicher Bischöse unter dem Vorsitz des Erzbischofs Felix v. Hart mann stattgefunden. Man verhandelte über kanonische Fragen. Auch das Thema der strikten Anwendung der Enzyklika:„Singulan quadarn" an Kardinal Kopp vom 24. September 1912 wurde gc- streift. Die angeblich vom Bischof Dr. Schulte von P a d e r- b o r n verfaßte„Interpretation"(Auslegung) jenes päpstlichen Aktenstückes, wie sie auf der Essener Tagung der christlichen Gc- Werkschaftsführer am 26. November 1912 zur Verlesung kam, ist nach der Ansicht der Mehrheit des Episkopats nicht mehr haltbar, weil die jener milden Auslegung zugrunde liegende Ucbersetzung in ihren Hauptcilcn irrig sei. Der Wirrwarr in der christlichen Gewerkschaftsfragc wird immer größer. Jetzt soll gar die bischöfliche Interpretation der Gowerkschastsenzyklika falsch sein. Vielleicht erscheint demnächst eine Interpretation der Interpretation; doch ist damit nicht gesagt, daß dann diese als genaue Auslegung der Meinung und des Willens der römischen Kurie bzw. des Papstes anzusehen ist; da, wie es scheint, trotz aller Dressur der Geist der preußischen Bischöfe zu schwach ist, um die Gedankentiefe ihres kirchlichen Oberhauptes völlig zu erfassen. Auf der Polizeiwache zu Tode gequält. Zu der bereits gestern gemeldeten Verhaftung zweier Poli- zisten in Königshütte wegen Erstechung eines Verhafteten gehen uns von dort folgende nähere Mitteilungen zu: In Königshütte(Oberschlesien) sollte am 25. August der Bergmann G rz i k durch den Schutzmann Preiß verhaftet werden. Grzik widersetzt/ sich jedoch derartig, daß der Schutzmann Gewalt an- wenden mußte. Beide erlitten dabei blutende Verletzungen. Erst nachdem der Schutzmann Kokott seinem Kollegen zu Hilfe kam, ge- lang es, Grzik zu übenvältigen und nach der Polizeiwache zu bringen. Dort ist G. plötzlich gestorben. Schon damals gingen allerlei Gerüchte um, daß G. keineswegs natürlichen Todes ge- starben sei. Der Polizeibericht dementierte aber diese Gerüchte und erklärte kurz und bündig:„Auf der Polizeiwache fiel Grzik um und der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Kaiser konnte nur den Tod feststellen." Daß der Bergmann an den Verletzungen, die er sich bei der Rauferei mit dem Schutzmann Preiß zugezogen hatte, gestorben sei, glaubte niemand. Diese Vermutungen haben sich jetzt'bestätigt. Grzik ist, als er sich schon in der Arre st zelle befand, von den Schutzleuten Kokott und Wegehaupt über- fallen und durch Säbelhiebe mißhandelt worden. Der Polizeibericht vom 4. Oktober meldet nämlich: „Die weiteren Ermittelungen in dem Falle Grzik haben den Verdacht begründet erscheinen lassen, daß der Tod des Grzik in- folge von Mißhandlungen durch die Polizeisergeanten Kokott und Wegehaupt eingetreten ist. Bei der Schwere des anscheinend vorliegenden Verbrechens sind deshalb die beiden Beamten vor. läufig festgenommen und dem Richter zugefübrt worden. Sie baben ihr Amt als Polizcisergeanten niedergelegt. Zwei weitere Beamten, die bei' den Vorgängen zugegen gewesen sind, keine Anzeige erstattet und wahrhcitswidrigc Angaben gcmackit haben, ist die Stellung als Polizeisergeanten gekündigt worden." Die beiden Hüter des Gesetzes haben schließlich ein umfassen- des Geständnis abgelegt und zugegeben, daß sie Grzib auf der Wache ohne Veranlassung mit dem Säbel mißhandelt haben. Nur den tätlichen Stich will keiner ausgeführt haben. Ei! eik In einem Artikel des„Berl. Tagebl.", der die Verpflichtung der Brautpaare auf eine ärztliche Untersuchung vor der Ehe- schließruig fordert, lesen wir: Niemand hat die betrübenden Erscheinungen, denen auf diesem Gebiete jeder Arzt häufig begegnet, so zutreffend ge- schildert, wie der Gynäkologe Hofmcicr(Siehe: Schröder-Hof- meier:„Handbuch der Krankheiten der weiblichen Geschlechts- organe", Leipzig 1893), der sich folgendermaßen äußerte:„Es gibt kaum etwas Traurigeres, als das Schiksal der in der Hoch- zeitsnacht schwer gonorrhoisch infizierten jungen Frau. Als blühendes Mädchen ist sie mit seligen Hoffnungen in die Ehe getreten. Schon während der HochzeitS- reise kommt es zu heftigen Schmerzen in der Beckengegend, es folgt mitunter schon jetzt ein Wochen langes Krankenlager an„Unterleibs- c n t z ü n d u n g", und eine gebrochene Frau steht wieder auf, und die nachweisbare Teilnahme der Tuben an der Erkrankung läßt die Hoffnung, die sie noch aufrecht erhält, daß sie Mutter werden möge, dem kundigen Arzt als absolut unerfüllbar er- scheinen." Hm! Hm! Bekanntlich ist die Gattin des portugiesischen Ex- königs sofort nach der Hochzeit unter ganz ähnlichen Symptomen in das Münchener Krankenhaus gebracht worden. Aber natürlich ist das reiner Zufall, denn Könige, selbst solche, denen das Volk die Krone vom Kopf geschlugen hat, leiden nicht an der ominösen Krankheit, die Wedekind zuerst in die Lyrik eingeführt hat. DaS Ei! ei! und das Hm! hm! dieser Notiz sind also, bei Licht be- trachtet, eine Unverschämtheit. Und Doch: Ei! ei! Hm! hm! Ter Krieg als Wecker der Bestialität. Die Mitteilungen über die wahnsinnigen Greuel der Solda- tcska auf den Schlachtfeldern des ersten und zweiten Balkankrieges wollen kein Ende nehmen. Eine der kriegführenden Regierungen beschuldigt die andere unerhörter Greueltaten, und der Gegner antwortet mit den gleichen Anschuldigungen. Es steht jetzt nach allen Berichten und Nachrichten der Aerzte und Zeitungsbericht- erstattcr fest, daß jede der kriegführenden Nationen ihr mög- lichstes getan hat, die andere an solchen Greueltaten und Ver- Wüstungen zu übertrumpfen. Vor kurzem ist als letzter Beleg ein faksimilierter Auszug aus den Briefen veröffentlicht worden, die bei einem Kurier des 19. Regiments der 7. griechischen Division gefunden worden sind, als er durch bulgarische Truppen in der Gegend von Razlog gefangen genommen wurde. Diese Auszüge, die auch uns zur Verfügung gestellt worden sind, bezichen sich also auf Briefe, die in keinem Fall für die Oeffcntlichkeit bestimmt waren, die rein persönlich-familiärer Natur sind und denen man aus diesem Grunde in ihren positiven Angaben noch mehr Glauben schenken darf, wie jenen Berichten der Aerzte und Zeiwngskorrc- spondenten, die doch von vornherein für die Oeffentlichkeit ge- schrieben waren. Aus der Fülle des entsetzlichen Materials, da? in diesen Briefen niedergelegt ist, die bei dem griechischen Kurier abgefangen wurden, geben wir hier einiges wieder. In einem Briefe vom 11. Juli 1913 lesen wir: „Dieser Krieg ist außerordentlich grausam gewesen. Wir haben alle Dörfer, die schon von den Bulgaren geplün- dert worden, angezündet. Jene zünden die griechischen Dörfer an, wir zünden die bulgarischen an. Dies« massakrieren, und wir massakrieren alles, was von ihnen unter unsere Hände k o m in t. Ueber 1209 Gefangene, welche wir bei Nigrita gemacht, sind auf 41 in den Gefängnissen zusammengeschmolzen, und wir haben die Ab- ficht, keinen von dieser Rasse am Leben zu lassen." Aus einem Briefe vom 12. Juli 1913: „Auf diesem Marsche haben wir einen Kampf mit bul- garischen Komitadschas gehabt. Wir haben sie zerstreut und die größte Zahl getötet. Dann haben wir die beiden Dörfer Doutli und Banitza angezündet und dann die schrecklichen Komitadschas durch das Feuer und durch die Bajonette hin- durchlaufen lassen. Ausgenommen wurden allein die Frauen, die Kinder und die Greise, die noch eine grau- samere Strafe zu erwarten hatten." In einem anderen Briefe vom 12. Juli 1913: ..... Hier in Vroudou habe ich 5 Bulgaren mit einem Mädchen aus Serres gefangen genommen. Wir haben sie in eine Wendeltreppe eingesperrt und darin zurückgehalten. Das Mädchen starb. WasvondcnöBulgarennoch lebendblicb, haben wir geblendet..." In dieser Art geht es durch die ganzen Briefe. Alles wird niedergebrannt, massakriert,, ins Feuer gestoßen oder auf noch grau» samere Art getötet. Die Frauen und Mädchen werden g e s ch ä n- d e t, die Kinder und Eltern müssen da? mit ansehen, um nach der Exekution ihrer Angehörigen das gleiche Schicksal zu erleiden. Mocbenfilm. ,«, Dieweil drS Menschen Fllrrecht Lachen ist. Rabelais. Ver Ghrenhal im Scbutzmannshcnn. Schutzleute sind sozusagen auch Menschen. ES mag manche gutmütige Seele unter ihnen geben, deren weiches Gemüt in stetem Konflikt liegt mit der Strenge ihres GcsetzeswächteramtcS und der schier unübersehbaren Fülle von Dienstvorschriften, die sie zu be- achten haben, soll der Königlich preußische Polizeistaat nicht aus den Fugen gehen. Solch seelische Konflikte machen reizbar und nervös. In solchen- Zustande schimpft, pufft, haut und schießt auch ein mit Gemüt begnadeter Blauer drauflos und erdrosselt so halb bewußt, halb unbewußt, was Jagows Erlasse und Tienstanweisun- gen in seiner Brust noch von Regungen der Menschlichkeit am Leben gelassen haben. Jedenfalls sind derartige seelischen Erregungen gepaart mit den Anstrengungen des Dienstes der Gesundheit des Schutzmannes nicht zuträglich. Es gibt aber auch andere, robustere Naturen. Und das ist die Mehrzahl. Die sechs oder neun Jahre, in denen sie sich auf dem Kasernenhofe erst als Gedrillte, dann als Drillende die Mannes- reife erwarben, hat sie gegen alles, was seelische Konflikte heißt, gefeit. Sie bringen die Traditionen edelster Kascrnenkultur mit in die Polizciwachtstube und nehmen es als eine selbstverständliche und gottgewollte Tatsache hin, daß die polizeilichen Würdenträger vom Wachtmeister bis zum Präsidenten genau so mit ihnen umspringen wie einst Feldwebel, Hauptmann und all die höheren Tiere der Kriegerkaste. Kein Wunder, daß sie dem Zivilistenpack, das sie einer Legende zufolge zu schützen und zu betreuen haben, die gleiche Wert- fchätzung entgegenbringen, mit der sie einst das ihrer Erziehungs- kunst anvertraute krumme Rekrutcngcschmeiß betrachteten. Frei- lich, mit Zahnbürsten den Fußboden scheuern, einige hundertmal Ge- wehrstrecken, auf die Schränke klettern und„Heil dir im Sicgcrkranz" singen lassen kann man das sogenannte Publikum nicht. Aber es gibt ja, Jagow sei dank, andere Mittel, um der Bande Raison bei- zubringen. Und des Schutzmanns erzieherisches Walten leuchtet wie die Sonne des lieben Gottes über Gerechte und Ungerechte. Wobei die Ungerechten meist besser wegkommen, denn mancher Mord, mancher Einbruch bleibt trotz der Jagowitcn Eifer ein ewiges Mysterium, während man noch nicht davon gehört hat, daß des Schutzmanns Faust bei Streikposten, politischen Sündern und sonstig sich mißliebig bemerkbar machenden Untertanen ins Leere gepackt habe. Doch sei dem wie ihm wolle. Fest steht, daß das SchutzmannSamt ein schweres ist, daß auch robuste, im blauen, silberbetreßten Rock steckende Charaktere davon aufgerieben werden, daß die kostbare Schutzmannsgesundheit Schäden und Gefahren aus- gesetzt ist. Die bei vielen würdigen Vertretern der Staatsautorität unterhalb der Pickelhaube hervorquellend« Wohlbeleibtheit darf über diese bedenkliche Erscheinung im Volksleben nicht hinwegtäuschen. Es war daher nur ein Akt edelster Humanität und echtchrist- licher Nächstenliebe, daß im vorigen Jahre ein Verein Schutz- mannSerholungsheim in Berlin ins Leben gerufen wurde. Die finanzielle Basis dieses, einem schreienden Bcdürftiis abhelfen- den Vereins bilden hochherzige Spenden der Berliner Bürgerschaft. Es zeugt von der ganzen Verwahrlosung und Verhetzung der Ber- liner Arbeiterschaft, daß in den BeitragSlistcn des aus einem sozialen Empfinden geborenen Vereins die Namen von Arbeitern nicht zu finden sind, obgleich die hilfsbedürftigen Pfleglinge des Vereins bei der Betreuung gerade der Arbeiter ihre Gesundheit am meisten zu Markte tragen. Auch ein Beitrag zu dem Kapitel: sozialistische Theorie und Praxis! Dagegen sollen sich verschiedene Inhaber großer eleganter Nachtlokale, einige renommierte allein- stehende aber nie allein nach Hause gehende Damen usw. als hoch- herzige Spender erwiesen haben. Auch eine ganze Anzahl von Herrschaften der Handels- und Jndustriewelt, die offenbar nichts davon wissen, daß kranke Arbeiter und Angestellte in ihren Be- trieben nicht geduldet werden oder daß schwindsüchtige Näherinnen Tag und Nacht in engen, dumpfen Buden für sie schuften, haben aus dem Schatze ihres Feuerfesten und ihres überströmenden McnschlichkeitSgefühls dem Verein Schutzmannserholungsheim er- hebliche Zuwendungen gcniacht. Der Verein hat in diesen Tagen seinen ersten Jahresbericht herausgegeben. Leider waren die Mittel noch nicht ausreichend genug, um schon mit dem Bau eines eigenen großen Erholungs- Heims für die Männer, die Tag und Nacht Polizcischwcrt und Browningkoppel umgürten müssen, beginnen zu können. Das soll aber noch kommen. Vorläufig hat man sich und den zu schützenden Schutzleuten anders geholfen. Man hat ihnen Geldmittel zu Bade- reisen und zum Besuch von in gesunder Gegend wohnenden Vcr- wandten gegeben. Ueber 20 909 M. hat der Verein im Jahre 1912 für diese edlen Zwecke springen lassen. Mit tiefster Rührung aber nimmt man Kunde von einer Mitteilung de» Jahresberichts, die davon zeugt, daß reine, uneigennützige Menschenliebe bei einer Klasse von Volksgenossen zu finden ist, die von böswilligen Mcn- scheu als besonders egoistisch und brutal verlästert wird. Der Verein hat durch die Vermittelung von Landräten— man sieht, auch in der Brust dcS Königs Landrat klopft ein menschlich fühlend Herz— Gu t s b e s i tz e r ausfindig gemacht, die sich der Berliner Schutzleute mit wackliger Gesundheit angenommen haben.„Guts- besitzer aus allen Teilen Deutschlands haben sich zur Verfügung gestellt, die einem oder mehreren Beamten, in vereinzelten Fälle« sogar mit Familie für mehrere Wochen auf ihrem Gute nnrntgelt» lich Gastfteundschaft gewährt haben." Nun sage jemand noch einen Ton über agrarische Rücksichts- losigkeit und Selbstsucht! Schutzmann Nr. 7437, der vier Wochen beim Gutsbesitzer Christian Schollert schlampampen konnte, wird ihm als lebendiges Zeugnis agrarischen Edelmutes das Lästermaul stopfen können. Kein Zeitungsfritze darf mehr über die Großstadt- feindschaft der Agrarier Gift und Tinte verspritzen. Schutzmann Nr. 3582, der sich drei Wochen lang beim Rittergutsbesitzer Joachim von Dungler auf Dunglowitz ahlen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen konnte, weiß es besser. Wie es auch viele Damen im Sündenbabel Berlin besser wissen, deren weibliches Anlehnungsverlangcn in der agrarischen Woche gerade bei den biederen Männern vom Lande vollstes Verständnis und noch viel mehr findet. Die den Berliner Schutzleuten von agrarischer Seite zuteil gewordene Gastfreundschaft widerlegt auch alle gehässigen Märchen von schlechter Behandlung, Ernährung und Unterbringung der Landarbeiter. Wer an einen ihm wildfremden Großstadtschutz- mann handelt wie der barmherzige Samariter der Bibel, der kann seinen Arbeitern gegenüber nur als edler Menschenfreund auftreten. Vielleicht hat auch der eine oder der andere der braven flauen bei diesem Landaufenthalte für Naß noch cttvas für seine beruf- liche Ausbildung profitieren können. Er konnte den Ton und die Arr des Verkehrs beobachten, den Hosmeister oder Inspektor des Gutes, wo er zu Gaste war. den Pollaken gegenüber cinh.eltcn. Manche Anregung für den Verkehr mit dem Berliner Publikum wird ihm dabei zugeflogen sein. Auch die Art, wie der Gnädig- Ochsen- und Pferdeknechte oder die Pslugcr auf dem Acker d.r:glcrtc. wird ihm für die Jnnehaltung Jagoivscher Ver ehrSvorschr.f en nützliche Fingerzeige gegeben haben Die Gutsbesitzer haben sich also nicht allein um die Gesundheit, sondern auch um die Au«. bildung der Berliner Schutzleute Verdienste erworben, die einfach unbez-ahlbar sind. �. 23ir hoffen und wünschen, daß der Verein Schutzmanns- erholuugShcim seine Absicht, für seine Schützlinge ein stattlich Haus zu bauen, recht bald verwirklicht. ES kann ja, selbst wenn alle erholungsbedürftigen Schutzleute bei groß- und edelmütigen Agrariern untergebracht werden können, als Nachkurstätte und als Brennpunkt des kameradschaftlichen und geistig fördernden«er- Unterm 15. Juli schreibt einer in einem Briefe, dag er nicht glaubt, daß seit Christi Geburt jemals solche Grausamkeiten vorgekommen seien. Tie Einzel- heiten seien unbeschreiblich, und was davon mitgeteilt wird, ist in der Tat nicht wiederzugeben. Es sind immer die gleichen Wahn- finnigen Methoden des Krieges, und wenn man zwei, drei Briefe in dieser Sammlung gelesen hat, hat man alle gelesen. Ihr bc- sonderer Wert besteht lediglich darin, daß sie eben niemals für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, und dag sie darum ein um so zuverlässigeres Material darstellen für die B e u r t e i- lung der Verbrechen nicht nur des Balkankricges, sondern der Kriege überhaupt. Sie flrbeltslofigkeit. Mit der Frage der Arbeitslosigkeit beschäftigten sich am gestri- gen Sonntag zwei Bauarbcitcrversammlungcn, die vom Verband nach den„Germania-Sälen" in der Chaussee- stratzc und nach„Kellers Festsälen" in der Koppenstrage einberufen waren. In den„Germania-Sälen" referierte Hanke, in„Kellers Festsälen" Metzle. Nach den Ausführungen der Referenten er- gaben die Feststellungen der Organisation vom Frühjahr bis in die jetzige Zeit einen Durchschnitt von allein 2000 organisierten arbeitslosen Bauarbeitern Groh-Berlins. Die Zahl der arbeitslosen unorganiserten Bauarbeiter dieses Bezirks ist etwa ebenso hoch zu schätzen. Auch die Verhältnisse der noch Arbei- tenden werden erheblich beeinslugt, indem die Unternehmer glau- den, sich nicht an die Tarifvorschriften halten zu brauchen, namcnt- lich in bezug auf die Arbeitszeit. Wenn die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter nicht ganz so groh ist, wie zum Beispiel bei den Holz- arbeitern, so liegt das daran, dag viele Bauarbeiter aus Berlin abgewandert sind. Ein längeres Kapitel ihrer Darlegungen wid- meten die Redner den Pflichten von Kommune und Staat gegen« über der in der kapitalistischen Produktionsweise begründeten Ar- bcitslosigkeit, deren ausserordentliche Ausdehnung jetzt selbst von den Vertretern der bürgerlichen Gesellschaft zugegeben werden mutz. Beide Referenten empfahlen eine vom Zweigverein Berlin des Deutsch«: Bauarbeiterverbandes vorgelegte Resolution, die ein- stimmig angenommen wurde. In dieser Resolution forderten die Versammelten von Staat und Gemeinde, datz sie alles tun, um die Not von den Bauarbeitern abzuwenden, indem beide: 1. alle Arbeiten, besonders alle Bauarbeiten in Angriff nehmen lassen, deren Herstellung zurzeit irgendwie möglich ist. Dabei ist Vorbedingung, datz der Lohn und die Arbeitszeit sich nach den tariflichen Arbeitsbedingungen richten; 2. die Vermittelung aller Arbeitskräfte besser gestalten und eine Regelung der Arbeitsnachweisfrage anzubahnen; 3. eine Unterstützung aller Arbeitslosen durchführen, denen Arbeit nicht nachgelviesen werden kann, die ihren beruflichen Fähigkeiten entspricht. Diese Unterstützung darf nicht als Armenunterstützung gelten. Von den Gemeinoen Grotz-Berlins erwarten die Versam- melten, datz allgemein eine Bestimmung in den Bauverträgen auf- genommen und strikte durchgeführt wird, wonach in der jetzigen Periode grvtzcr Arbeitslosigkeit nur Arbeiter beschäftigt werden, die in einer der Gemeinden von Groß-Berlin ihren Wohnsitz haben. Von den noch in Arbeit stehenden Kollegen aller Bauberufe erwarten die Versammelten, datz sie sich in der jetzigen Zeit noch mehr wie sonst jedem Verlangen der Unternehmer widersetzen, die Arbeitszeit über die tariflich festgesetzte Zeit zu verlängern. Vielmehr soll sich jeder einzeln« von dem Gedanken leiten lassen, daß nur strikte Durchführung der verkürzten Arbeitszeit in den Wintermonaten in etwas eine Erleichterung des Arbeitsmarktcs durch vermehrte Einstellung arbeitsloser Kollegen zu erreichen ist. * Die Polizei fühlte sich den Arbeitslosen gegenüber höchst über- flüssigcrweise in ihrer Roll« als Staatsrettcrin. So hatten sich in den„Gcrmaniasälen" die ersten Besucher zwar schon frühzeitig eingefunden, noch früher jedoch war die Polizei auf den Beinen. die lange vor der angesetzten Zeit sich auf die Hauslürnischen und Straßenecken verteilt hatte. Bei Schwartzkopff war sogar eine fliegende Wache errichtet. Datz der Revolver gebrauchsfertig im gelben Ledergut paradierte, ist im preußischen Polizcistaat ganz selbstverständlich. -st» __ ♦ kchrs der Blauen dienen. Wir gestatten uns, mit einem wohl- meinenden Rate für die Ausführung des Baues zu dienen: Man errichte darin nach Art der sslles d'honncur in französischen Regimentskasernen einen Ehrensaal, in dem große Taten und Männer aus der Geschichte der Schutzmannschaft in künstlerischer Form verewigt werden. Ter Verein müßte schon jetzt mit der Bekannt- gäbe zahlreicher Preisausschreiben für Maler und Bildhauer be- ginnen. Das so viel bekrittelte Verhältnis zwischen Kunst und Polizei würde dadurch ein recht inniges werden. Daß in dem Ehrcnsaale die Porträts der agrarischen Schutzmannsmäzene an be- sonders ins Auge fallender Stelle hängen müssen, ist selbftverständ- lich. Und auch andere Freunde und Gönner der Blauen können hier noch künstlerisch verewigt werden. Wir möchten aber auch noch auf andere dankbare Motive hinweisen. Welch schönen allegorischen Stoff gibt einem Künstler die Tat der beiden, bescheiden im ruhmlosen Tun- kel verbleibenden blauen Helden, die den Arbeiter Herrmann aus diesem Jammertal in die Gefilde der Seligen beförderten! Zu welch feiner, symbolischer Darstellung eignet sich der ebenso unbekannt gebliebene Mann des obrigkeitlichen Schwertes, der dem Arbeiter Biewald die sündhafte Hand abhackte! Wie sinnig und mit welchen fein erotischen und doch dezenten Schmelz könnte ein Künstlerpinscl die dienstlichen und außerdienstlichen Taten mancher Sittcnschutz- leute auf der Leinwand schildern. Ein vorzüglicher Stoff für eine heroische Marmorgruppe drängt sich auch in Gestalt der beiden Schutzleute auf, die jüngst in Breslau mit echtpreußischem Schneid in einer Kneipe die Polizeiplempen gegeneinander schuxmgen. stlnd ein düsteres uuo ergreifendes Notturno ließe sich gestalten aus der Tat jenes gewesenen Schutzmannes, der es sogar bis zum Kaiscrlakai gebracht hatte und doch dieser-rage dem Henkerbeil zum Opfer fiel. Wir könnten noch mit einer Unmenge künstlerischer Motive für den Ehrensaal des Schutzmannserholungsheims dienen. Auf Wunsch stehen sie dem edlen und hochherzigen Verein gratis und franko zur Verfügung. Ornst. UKeater. K g l. Schauspielhaus: Tic drei Brüder von Damaskus, Komödienspiel von Alexander Zinn. Gin hübscher Einfall, der in Märchenform auf einigen Buchseiten er- »ählt, anregend und gefällig wäre, ist ohne weitere Zutaten als die einer äußeren Arrangierkunst zu drei langen, im Grunde recht langweiligen Akten ausgewalzt. Das Volk von Damaskus, unter dem Willkurregiment eines grausamen Sahibs seufzend, hat seine Hoffnung auf Chassips Stamm gesetzt. Es geht die Sage, daß -iirbas, den sein verstorbener Vater wie die beiden anderen Söhne, Tieselbe Frage beschäftigte gestern auch einen Gantag des Bunde? der technisch-industriellen Beamten. Tort sprach Dr. Bernhard vom Verband Märkischer Ar- beitsnachweise über die Frage der Arbeitslosenversicherung in Groß-Berlin. Ter Gautag sprach sich dahin aus, datz nur im Wege der Reichsgesetzgebung eine endgültige Regelung der Arbeitslosen- Versicherung herbeizuführen sei, solange aber die reichsgesctzliche Arbeitslosenversicherung nicht bestehe, sei es Pflicht der Gemeinden, an eine vorläufige Regelung der Frage heranzutreten und dabei die Arbeiter- und Angestelltenorganisationen zur Mitwirkung Heroin- zuziehen. Die Grundlage der Arbeitslosenversicherung müsse ein öffent- licher, gut geleiteter und zentralisierter Arbeitsnachweis bilden, der mit den öftcntlichen Arbeitsnachweisen des gesamten deutschen Wirtschaftsgebietes in engster Fühlung stehe. Tie erforderlichen Zuschutzleistungen zur Arbeitslosenversicherung aus öffentlichen Mitteln seien von den öffentlichen Körperschaften zu tragen. Mit Rücksicht darauf, datz die Grohberliner Gemeinden ein zusammen- hängendes Arbeits- und Wohngebiet darstellen, sei zur Regelung der Arbeitslosenversicherung für Groß-Berlin ein einheitliches Vorgehen aller in Betracht kommenden Gemeinden erforderlich. Der Gautag forderte deshalb die Groß-Berliner Gemeinden aus, unverzüglich auf dem Gebiet des Zwcckvcrbandcs Groß-Berlin mit der Einführung einer gemeinsamen Arbeitslosenversicherung vor- zugehen und gleichzeitig an das Reich heranzutreten, damit ihnen die Einführung einer Zwangsversicherung durch Gesetz gestattet wird. Hus Groß- Berlin« Zwei Meiern für die schulentlassene Jugend und deren Eltern brachten am gestrigen Sonntag den beiden Festlokalen imposanten Massenbesuch. In der arbeitenden Bevölkerung Groß-Berlins sind diese herzerquickenden Veranstaltungen unn schon zu einem wirklichen Fest geworden, dessen intimer und doch wahrhaft sozialer Charakter zugleich mit seinen künstlerischen Darbietungen immer mehr Freunde wirbt. Die mächtigen Gevierte des Konkordia-Saals in der Andreas- stratze und des Pharus-saals in der Müllerstraße waren bis auf das letzte Plätzchen gefüllt von strahlender Augend und frohbcwegten Eltern. Was fragte man nach dem regnerischen Sonntagswetter, wo es das Wohl und die Enwickelung des frischen, kanipfmutigen Arbeiternachwuchses gilt! Das hohe Ziel vereint alle, setzt über alle Schranken hinweg, was unser ist. Im Konkordia-Saal hielt Emil Eichhorn die Festrede. In großen Zügen schilderte er, wie wenig unsere Volksschul. erziehung dem Proletariat biete. Nicht eine Freude sei sie der heranwachsenden Jugend, nur eine Last, trotz allen Bildungsstrebens. Wohl jedes Schulkind sehne den Tag herbei, wo es den Zwang dieser unzulänglichen Schule von sich werfen kam:, und merke nur zu bald, daß eine neue Periode der Unfreiheit begonnen habe: die Pflicht geswn das harte Leben, das schwerg Ringen um die Existenz. So müsse denn gerade unsere Jugend, um zur Höhe zu gelangen, vom ersten Schritt an in die Schule des Lebens die Pflichten gegen sich selbst und gegen die Mitmenschen in echt sozialem Sinne er- füllen. Mit ähnlich zündender Mahnung an das Gewissen der Edelmenschen begeisterte Wilhelm Diiwell die Jugend des Berliner Nordens. In der Andreasstraße riß Herr Emil Kühne mit Rezitationen, aus denen der Geist der Menschen- würde sprach, zu Veifallsstürinen hin, in der Müllerstraße in gleicher Weise Herr A. G. Bürger. Hatte die schulentlassene Jugend manches davon auch schon in der Schule kennen- gelernt, so drang es doch hier ans berufenem Munde und unter dem zwingenden Eindruck der festlichen Stunde ganz anders, viel tiefer und nachhaltiger in das junge, stürmende Herz. Die Männerchöre der„Gesundbrunner Harmonie" und der „Arbciter-Sängerabteilung l Berlin" gaben Vortreffliches. Und unausgesprochen lag über beiden Festakten der Hauch eines Jubiläums: Die„Arbeiter-Jugend", das Spezial- organ unserer Jugendpflege, hat das erste Hunderttausend ihrer Abonnenten überschritten. Das erste Fähnlein ist im Sturni geholt, übers Jahr sollen die Fahnen der freien Jugendbewegung, aller unfreien Jugendcutschlandbündelei zum Trotz, noch eiinal so siegreich flattern.__ den geizigen Damin und den sorglosen Taugenichts Aslan vor Jahren in die Ferne sandte, ein starker Held geworden. Wenn der sich einmal an des Volkes Spitze stellen wollte, dann müßte eS gelingen, des Sahibs Macht zu brechen. Indes statt seiner kehrt Aslan zurück, arm und bloß. Auf den Rat eines alten verschla- genen Dieners gibt er sich als der lang ersehnte Dirbas aus, und mit dem Kleid und mit der Maske eines Helden kommt zugleich etwas von dem Geiste eines solchen über ihn. Tie Gelegenheit, die Diebe macht, macht auch Helden. So wird ASlan— dies ist wohl der Sinn, der dein Verfasser vorschwebt,— zu dem, was er am Anfange nur scheinen wollte. Das Vertrauen der anderen hebt ihn, den alle Welt vorher als Taugenichts verachtete. So war der Plan, so hätte aus dem Märchenstücke auch dramatisch etwas werden können. Aber das Gestaltungsvermögen versagt und die Erfindung biegt nach ein paar tastenden Ansätzen�sofort ins Opern- und Ope- rettcnhafte ab. Aslan, der in dem Schlußakte als der Befreier feines Volkes und Bürge der Gerechtigkeit gefeiert wird, betätigt diese Oualitäten dadurch, daß er beim Anblicke Naomis, des tyran- nischen Sahibs schöner Tochter, total den Kopf verliert und, ein girrender Liebhaber, in die Haremsgärten des Feindes schleicht. Ein abgeschmackter Abenteuerkarneval hebt an. Dem Sahib fällt es plötzlich ein, dem angeblichen Dirbas die Hand der Tochter anzu- tragen. Ein vergifteter Verlobungsring soll ihn geräuschlos beiseite schaffen. Enthüllung des verbrecherischen Anschlags durch das edelmütige Mädchen. Sieg der Rebellion, bei dem Aslan so ziemlich die Rolle eines dummen Jungen spielt. Aber dieser Esel in der Löwenhaut wird dann zuletzt als richtiger Löwe präsentiert, als ein Auserlesener, den die Natur mit seltenen Herrschcrgabcn schmückte. Der wirkliche Dirbas, der in Begleitung des obersten Kalifen in Bagdad einzieht, entpuppt sich dem eniläuschten Volk als einfältiger Tropf. Aslan soll seines Ruhmes Erbe iem. Lebendiger als die völlig ins Unbestimmte vcrschwimmende Haupt- figur sind die de? alten gaunerhaften Dieners, der in der ganzen Maskerade nur ein Mittel sieht, den leeren Beutel zu füllen, und des ihm wahlverwandten Bettlers Ewaz gezeichnet. Tie Sprache hier und da shakcspeareschen Vorbildern nacheifernd, häuft Bilder, ohne dadurch anschaulicher zu werden. Die dekorative Ausstattung war wie gewöhnlich glänzend. Herr C l e w i n g gab dem jungen Hans im Glück in allen seinen kraus gemischten Widersprüchen einen feurigen Schwung. Sonst waren Herr Vollmer in der Bettlerrolle, K r a u ß n e ck in der des spitzbübisch drcinsckiauenden Sabib, Vallentin als alter wiener, und Fräulein T h i m i g als liebende Naomi noch besonders zu erwähnen. ät. Berliner Theater: Wie einst im Mai, Tanz- und Gesangsposse. Wie die geschwitzt haben mögen, die beiden Ver- sasser und die beiden Komponisten, und die Tanzmeister und Kostümschneider, und die sonstigen Mitarbeiter, um die fällige Jahresposse zustande zu bringen! Ein Jahr und, so Publikus will, Streikbeschluß der Etuisarbeiter. In einer Versammlung der Etuisarbeiter teilte Würz- b e r g e r gestern mit, daß die Firmen R u d. Link und H e y s e u. Z e u n e r unterschrieben haben. W. Hoffmann erkennt die Billigkeit der Forderungen der Etuisarbeiter an und ist bereit zu unterhandeln. Der Vorsitzende der Unternehmervereinigung lehnt im Namen seine Organisation sowie dreier NichtMitglieder Einzelunterschriften ab und bemerkt, nur die Anerkennung der Akkordarbeit könne die Unternehmcrvereinigung veranlassen, in Verhandlungen einzutreten. Man wolle, so führte der Re- ferent aus, wie in Hanau, die Organisation ausschalten. Das werde hier jedoch nicht gelingen, denn dazu sei diese in Berlin zu fest gefügt. Die Einführung des Akkordshstems bedeute aber ein Jnfragestellen des Tarifvertrages überhaupt. Länger sich abwar« tend zu verhalten sei zwecklos.— In der Diskussion kam zum Ausdruck, daß die Unternehmer offenbar eine friedliche Lö- sung nicht wollen und deshalb der Kampf freudig aufge- nommen werden müsse. Die geheime Ildstimmung darüber, ob heute die Arbeit fortgesetzt werden soll oder nicht, ergab 117 S t i m- men für und nur 2 Stimmen gegen die Arbeits- c i n st e l lu n g._ Gemeindevertreterwahl. In Kaulsdorf(O st b.) fand am gestrigen Sonntag Ge- meindevertreterwahl statt. Unser Genosse Paul S e h f e r t siegte mit 97 Stimmen gegen den von sämtlichen bürgerlichen Parteien aufgestellten Kandidaten, welcher nur 38 Stimmen bekam. Eine Jugendversammlung in Neukölln. Die Versammlung der proletarischen Jugend, die am gestrigen Sonntag in den„Bürger- sälcn" tagte, war überaus stark besucht. Die Ausführungen des Genossen Dr. Breitscheid übten starken Eindruck auf die jugendliche Zuhörerschaft und gaben der massenhaft aufgebotenen Polizei keine Gelegenheit zu störendem Einschreiten, so daß zum erstenmal seit einem Jahre wieder eine Jngendversammlung in Neukölln unge- stört verlief. Kleine Nachrichten. Die Leiche eine? neugeborenen Kindes wurde gestern früh in einem mit Bindfaden verschnürten Pakete im Hausflur Zionskirchstraßc 27 gefunden.— Im Eilzuge vou Potsdam nach Berlin erschoß sich Sonnabend nacht ein anscheinend dem Kaufmannsstandc angehörender Mami.— Von einem Straßenbahnwagen gestürzt ist in der Nacht zu Sonntag während einer Fahrt durch die Kurfürstenstraße der Kaufmann Seliger aus der Dcnnewitzstratzc. S. liegt besinnungslos im Elisabethkrankenhause. betete NachHchtcn. Deutschland und der neue amerikanische Zolltarif. New?)ork, 5. Oktober. Die„New Aork Times" meldet aus Washington, daß nach einer Entscheidung des Schatz- amtcs eine fünfprozentigc Zollermäßigung nach den Bestimmungen des alten mit Preußen abgeschlossenen Vertrages auf Waren aus dem gesamten Deutschen Reich An- Wendungen zu finden hat. Internationale Regelung der Eisenbahntarife. Paris, 5. Oktober. Wie verlautet, wird demnächst in Paris eine internationale Konferenz zusammentreten, tvelcha die Frage neuer Eisenbahntarife für die Beförderung von Reisenden und Waren von Rußland nach Deutschland. Oester- reick)-Ungarn, Frankreich und Belgien und insbesondere die Frage eines Tarifs für die Verbindung Petersburg— Moskau— Kiew— Wien— Paris prüfen soll. Mord und Selbstmord. Saarbrücken, S. Oktober. Der Privatier Albert L i e tz m a n n tötete in der Nacht zum Sonntag seine Ehefrau durch Schlüge mit einem spitzen Dachdeckerhammcr gegen die Schlagader und auf den Kopf und beging dann Selbstmord durch Erschießen. Der Täter hat anscheinend in einem Anfall von Geistesstörung gehandelt. Gefaßte Mörder. Krakau, 5. Oktober. Vor einigen Tagen fand man den Ge- schäftsführer der Gebnetschen Buchbandlung, Swieznezowski, in seinem Laden ermordet auf. Die Täter hatten die Kasse er- krochen und über 9000 M. geraubt. Heute nun wurden von der Polizei vier Individuen als des Mordes verdächtig verhaftet.� Einer von ihnen hat seine Schuld bereits eingestanden, während die übri» gen drei die Teilnahme an dem Morde abstreiten. noch länger, soll der Apparat vorhalten und die Kritiker der bür- gerlichen Presse, die ihren Beruf mit dem eines Reklamechefs ver- wechseln, verkünden denn auch schon, daß jeder Berliner und jeder Zugereiste sich die Chose ansehen wird. Sogar� die Kunst wird davon profitieren: denn wenn das den Musen auf immer entftem» dete Theater in der Charlottenstratzc Geschäfte macht, darf das asso- ziierte Theater in der Königgrätzcr Straße sich den Luxus gestatten, sich für weniger einträgliche Autoren zu interessieren. Von der Wiedererweckung der älteren Berliner Posse ist die Firma Meinhard und Bernauer bald zur Neufabrikation im eige- neu Betriebe übergegangen. Die guten Oualitäten der alten Posse wurden als für das moderne Amüsicrpublikum ungeeignet, fallen gelassen; die Sentimentalität, die leichte Mache blieben. Dazu kam ein ordentlicher Schuß Metropol und Tingeltangel. Das neueste Produkt schwelgt in Ausstattung und vor allem in— Tänzen.(SBic sagte doch Reinhardt? Das Interesse am Tanz wird das Interesse am Theater verdrängen.) Wo man sich ftüher mit dem Gesang begnügte, stellt sich jetzt auch noch der Tanz ein. ES wird Gavotte getanzt und Kankan und Polka und nickt zu vergessen das neueste auf diesem Gebiete: der Tango(Motiv: der Hahn, der die Henne tritt). Der Haupterfolg des Abends war schließlich der Schieber, den Meinhard als Lebegreis paro- dierte. Um die Gelegenheit zu einer Jahrhundertmodenschau und zu recht mannigfacher Tmizcntfaltung zu geben, ist die Handlung auf vier Generationen verteilt: Biedermeierzeit, zweites Kaiserreich lBall bei Kroll. Es lebe die Krinolinel), 1888 und 1913(ein chiker Modensalon mit Vorsiibrung der neuesten Moden am lebenden Mo- dell). Der Schlosscrlehrling der ersten Generation bekommt zwar nicht die Oberstentochter, aber dafür finden sich Enkel und Enkelin ldie natürlich von den gleichen Darstellern gegeben werden wie die Alten). Zum Trost für das bürgerliche Publikum sinkt die Adels- familie im Lauf der Generationen, während die SchlosserSleute zum Reichtum und zum Adel emporsteigen; auch wird in Couplets, die sich genau so rechtzeitig einstelleii wie die Tänze, das aktuelle Interesse der Zuschauer(der jüdische Reserveleutnant z. B.) be- friedigt. Ein alle Wechsel überdauernder Lebemann(v. Methu- salcm), ein Justizrat, der in zwei Generationen von der einen Redensart lebt, eine falsch betonende Exotin, kontrastieren die Liebes- und Maiftimmungen. Die Musik frischte angenehm Reminiszenzen auf und war nur einige Male plump orchestriert. Der Dank des Abends, dessen sich die Aktionäre und Hausfreunde immerhin etwas weniger auf- dringlich entäußern könnten, gebührt den Künsten der Dekoration und des Kostüms(Adressen gibt der Theaterzettel an). Die Auf- führung war tadellos; besonders das temperamentvolle Liebespaar in zwei Generationen(Lisa Weise und Oskar S a b o) und die exotische Dame(Frl. Dora) spielten, tanzten und sangen mit Bravour. Für die Fortführung der Schauerballadc aus Haiti sollen hier noch zwei übersehene Reime beigesteuert werden: unser« La— iti und die Theatcrpta— iti.— r. 'Cbeater» Mo» tag, denk. Oltober ISIS. Anfang�Ubr. Eines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Anfarig 6'/, Ubr. EincsNoUeiiporf-Theater.Varicle- Lichtspiele. »lnfang 7 Ubr. Tristan und «gl. Opernhaus. Isolde. Anfang 7'iz Uhr. «gl. Tchaufpielhaus. Schwanen. weist. Deutsches. Torquato Tasso. Lcfstiig. Peer Gynt. KöniggraNer Stpasie. Brand. Zirkus Schnmnn». Galavorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Aork. Kammerspiele. Schöne Frauen. Berliner. Wie einst im Mai. Tbalia. Die Tangoprinzessin. Deutsches Künstlerthcater. John Gabriel Borlma». Deutsches Schauspielhaus. Der gute Rus. Dhcater am Nollendorfplatz. Die Heimkehr deS Odysscus. KoinödienhauS. Das Paar nach der Mode. Theater des Westens. Gräsin Flsi. Deutsches Opernhaus. Die Jüdin. Schiller O. Cyrano von Bergerac. Schiller Eharlottenbnrg. Wenn der neue Wein blüht. Montjs Operetten. Der lachende Ehemann. Kleines. Paul und Paula. Nenrs Operntheater(Kroll). Der ewige Junggstell. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Der Altientenor oder Caruso aus Teilung. Triano». Seine Geliebte. Herrufeld. Was sagen Sie zu Leibusch? ZirkuS Busch. Galavorstellung. Wintergarten. Spezialitäten. Rcichslialle«. Stctliner Sänger. Eines Apollo-Theater. Varictj- Lichtspiele. Eines Friedrich- Wilhelmstädt. Pmicts-Lichtspielc. Änsang 8'/, Ubr. Residenz. Im Ehekäsig. Lustspirllians. 777:l0. Luise». Die salsche Hoheit. Rose. Maria Stuart. FolicS Eaprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adaptiv- lind. Walhalla. Der Liebcsonkel. Ansang S'/j Ubr. Ebtikemdi Neues Volkstheater. Der ledige Hos. Ansang 9 Ubr. Admiralsvalast. Eisballett: Flirt in St. Moritz. EinesNollcndorf-Thcater.Varietö- Lichtspiele. Sternwarte. Jnvalidenstr. hl— 62 Buht Suppenwürfeln nahrhafte, billige Suppen! 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Wem aber die blauen Scheine nicht so lose sitzen, der kann schon für 6 M. unter dem gewöhnlichen„Volk" seinen patriotischen Gefühlen freien Lauf lassen. Für den. der die vaterländische Geschichte kennt, stellt sich gerade diese Jubelfeier als ein ganz absonderliches nationales Fest dar. Da bringen die Nachkommen Hochs auf die nationale Einheit aus, während ihre Vorfahren bei der Völkerschlacht bei Leipzig auf feiten des korsischen Eroberers gestanden haben. Sachsen feiert natürlich mit, und doch gingen erst nach Leipzig die Sachsen zu den Feinden Napoleons über. Ganz ähnlich liegt es bei den aus Bayern und Württemberg zu erwartenden Gästen. Auch ihre Vorfahren standen treu zu Napoleon, bis sie erkannten, daß es nun Zeit sei, zum Feinde überzugehen, da sonst der Thron ins Wackeln geraten könnte. Es kommen Gäste aus einzelnen Kleinstaaten, bei denen Napoleon im Vorbeigehen nur vergessen hatte, diese Staatengebilbe vom Erdboden verschwinden zu lassen. Auch unser treuester Bun- desftcund im Osten, Rußland, nimmt offiziell an der Jubel- feier teil. Dabei war es gerade der russische Heerführer Witt- gen stein, der Blücher und andere durch sein feiges Zau- dein in dick» größten Schwierigkeiten brachte. Alle nehmen sie teil an der Feier des Niederringens des kor- fischen Eroberers, nur einer fehlt: das wirkliche Volk! Es weiß, daß die Jubelfeier der Befreiung erst in künftigen Tagen begangen werden wird. UebrigenS wird bei dieser Feier der technische Betrieb des „ReichsanzeigerS" zeigen müssen, ob er den modernen Anforde- rungen gewachsen ist. Bei dem zu erwartenden außerordentlichen Ordensregen ist die pünktliche Herstellung der Ordensliste keine Kleinigkeit. Denn das Wichtigste ist doch nicht, daß man einen Orden bekommt, sondern daß die anderen mit grimmem Neid lesen müssen, daß General X., Major D. und Museums- diener Z. dekoriert worden sind. Slutracke auf Sarcimien. Eine an die schlimmsten Zeiten des Mittelalters ge< mahnende Tragödie spielt sich, wie uns unser römischer Korrespondent schreibt, seit sechs Jahren zwischen den Familien C o r r a i n e und C o s s u in Orgosola auf Sardinien ab. Es handelt sich um einen Familienzwist, der seinen Anfang in einer Erbschaftsstreitigkeit hat und in einer verweigerten Eheschließung. Die beiden Familien hatten einen gemeinsamen Onkel, der in dem Rufe stand, einen Schah von über 200 OVO Lire in Gold zu besitzen. Als er starb, wurde das Geld nicht gefunden, so daß nur die großen Ländereien geteilt werden konnten.. Der Verdacht, das Geld zurückbe- halten zu haben, fiel auf Giovanni C o r r a i n e. dessen Sohn man deshalb die Hand einer Cousine, Maria C o s s u. ver- weigerte. Seit diesem Tage wurden die Cossu beständig bedroht. Man tötete ihnen das Vieh auf der Weide und hing ihnen Schafhäute vor die Fenster, die mit Messerstichen durch- bohrt waren, was in Sardinien eine Todesdrohung bedeutet. Das erste Todesopfer fiel aber aus der Familie der Cor- r a i n e. Ein Verwandter der Cossu erschoß einen C o r r a i n e. Nachdem beide ifut einander gerungen und der viel stärkere C o r r a i n e den Gegner entwaffnet hatte, gab er ihm als Zeichen der Nichtachtung das entwundene Ge- wehr zurück. Der Besiegte entfernte sich und erschoß seinen nehmen ihr letztes bißchen Mut, den letzten Rest ihrer Energie zu- stimmen und streichen ihr Leben aus— aus der Kulturmensch» heit, ja. Schwerer— und jedenfalls länger— leiden die, die ihre letzte Kraft verzweifelt ans Leben hängen und Stunde für Stunde, Tag für Tag mit dem Gespenst ringen; deren Sinn unablässig nur von dem einen Gedanken beherrscht und befeuert wird: Brot, Brot! „Da ist ein Rembrandt für ein paarmal hunderttausend Mar! verkauft worden." Schön, Herr Professor, aber— „Gpethe ist in einer neuen Luxusausgabc erschienen..." Ja, Herr, Professor, aber— „Richard Wagner wird frei..." Ja, ja, gewiß. Aber— „Der Südpol ist entdeckt..." Erfreulich, aber— „Welch grandioser Triumph der Technik: der Panama- kanal..." Wohl, wohl, aber— „Wohin Sie blicken, überall sehen Sie ein beispielloses Blühen dxr Kultur." Ueberall? Ein Blühen? Ich sehe ein entsetzliches Verdorren und Verkümmern. Sehe, daß man Hunderttausende von jungen frischen Leben leiblich und seelisch zum Siechtum verdammt; sehe den Strom der Kranken, Elenden und Verbrecher in die weit geöffneten Tore der Spitalc, Asyle, Irrenanstalten, Gefängnisse, Zuchthäuser fließen, sehe— Ach ja. dann sehe ich unsere Kultur: Wie Aerzte, Psychiater, Juristen und andere Menschenfreunde Heilung, Besserung, Rettung beraten. Und wenn hundert von diesen Hunderttausend mühsam wieder aufgerichtet und einem gesunden Dasein zurückgegeben worden sind, dann, seht, dann erklingen wieder die Triumphreden unserer Kulturträger: Wie herrlich weit haben wir es doch gebracht! Ist's nicht eine Lust, zu leben? Nein, es ist kein« Lust zu leben. Oder doch nur für die Leute mit einem robusten Gewissen. Nur für die, die sich berauschen können an dieser sogenannten Kultur, die wie dünner Lack unser Barbarentum übertüncht. Nur für die, die nicht sehen können, nicht sehen wollen.— Wir aber sind die Barbaren. Weil wir nicht mit einstimmen in den Löbgesang. Weil wir ihrer„Kultur" das Gespenst der Unkultur zeigen: den Hunger— den ganz gemeinen leiblichen Hunger, der wühlend und nagend die Eingeweide der Menschheit zerfrißt. Gegner, als dieser ihm den Rücken wandte. Ter Mörder wurde flüchtig, aber die Verwandten des Ermordeten fingen ihn und hätten ihn getötet, wenn nicht der Stammesältcste der C o r r a i n e, der Vater des Ermordeten, darairf be- standen hätte, ihn den Gerichten zu übergeben. Vor den Assisen wurde der Mörder freigesprochen, was man durch Bestechung der Geschworenen durch die Reichtümer der C o s s u s erklärte. Von diesen: Tage an begann ein Krieg zwischen den beiden Geschlechtern, dessen Ende heute nicht abzusehen ist. Zunächst versuchte man in: Winter 1909 das Haus der Cossu durch Dynamit zu sprengen, ohne aber den Zweck ganz zu erreichen. Tos Gebäude wurde schwer beschädigt, aber niemand getötet. Seitdem ist von der Familie Cor- r a i n e ein Mitglied getötet worden. Die Mörder drangen in sein Haus und erwürgten ihn in der Nacht. Als sie den Leichnan: wegtragen wollten, wurden sie von einem Kinde gesehen: wenigstens nimmt man das an, denn ein zehnjähriger Knabe, der in dieser Nacht vor das Tor des Nachbarhauses ge- gangen war, verschwand und ist nie wieder aufgefunden worden. Die Leiche des C o r r a i n e wurde vorläufig in den: Hause einer befieundeten Familie der C o s s u versteckt, wo zwei junge Töchter des Hauses sie sahen und sich so sehr er- schreckten, daß sie kurze Zeit darauf starben. In der nächst- folgenden Nacht warf man dann die Leiche des Ermordete>: in den Brunnen seines Hauses. Ter Arzt gab an. daß ein Selbstmord vorliege, und mußte aus dem Orts fliehen, um sein Leben vor der Rache der C o r r a i n e zu retten. Seit- dem ergab sich Giovanni C o r r a i n e, der Sohn des Er- mordeten, dem Banditenleben im Verein mit drei Individuen, die wegen gemeiner Verbrechen vorbestraft waren. Tie Banditen haben in den letzten Monaten fünf Mitglieder oder Freunde der Familie Cossu ermordet, zwei halbwüchsige Jungen geraubt, ohne daß man über ihr Schicksals etwas weiß, und über zehn Personen schwer verwundet. Die Beliörden haben je 10 000 Lire Kopfgeld für die Tötung oder Verhaftung der Banditen ausgesetzt, die Familie Cossu weitere 4000 Lire. Trotzdem und obwohl die ganze Umgebung mit Karabinieri besät ist, hat man der Banditen noch nicht habhaft werden können. Die Knaben, die sie geraubt haben, befanden sich unter der Bewachung von acht Karabinieri und ent« gingen doch nicht ihrem Schicksal. Tie Banditen zeigen jede ihrer Bluttaten vorher an und vollbringen sie auch am hellen Tage. Man hat jetzt die Mutter. Schwester und Braut von Giovanni Corraine verhaftet, und diese verfluchten noch auf dem Wagen, in dem man sie ins Gefängnis brachte, die Familie Cossu, von der überhaupt nur noch vier Personen iibrig sind. Zwei von diesen, die beiden Männer, sind aus- gewandert, zwei Frauen leben in ihrem Hause in Orgosola. das von Karabinieri bewacht ist und in dem fast alle Türen und Fenster zugemauert sind. Die Banditen haben wissen lassen, daß sie sich lebend nie ergeben würden, aber den Karabinieri nichts zu leide tun wollen, wenn sie sich nicht im Zustand der Notwehr befänden. Die öffentliche Meinung des noch halbbarbarischen Ortes ist ganz auf feiten der Familie Corraine!_ Spiel und Sport. Den: Arbeitersport dient seit knrzem eine besondere Bei- läge der Arbeiter-Turnerzeitung".„Jugend und und Sport". Illustrierte Zeitschrift für körperliche Erziehung— so nennt sich die Beilage—, erscheint alle 14 Tage und bringt Be- sprechungen über verschiedene die Arbeiterschaft interessierende Sportarten. Da es sich um eine Gründung der Arbeiterturner handelt, so beschäftigen sich auch die einzelnen Darlegungen mit den: von den Turnern gepflegten Sport: mit der Leicht- athletik, mit Fußball, auch dem Schwimmen wird Aufmerk- samkeit gewidmet. Sportministcrium. Wir lesen in„Jugend und Sport": Wer da behauptet, Rußland 1«: cm kulturell rückständiges Land, der wird durch einen Ukas des Zaren eines anderen delehrt werden. Durch diesen Ukas ist ein Sportmimsterium, mit einem neuernanntcn Sportminister an der Spitze, gebildet worden. Be-» Befriedigt diesen Hunger— und der Hunger nach Kultur'wird erwachen. Brot dem Manne, der Frau und vor allem, vor allem den Kindern! ES gibt keine größere Kulturtat. Aber vorher seid nicht stolz, seid ja nicht stolz! Denn bis dahin seid Ihr Barbaren. Schlimmer als diese. KelheimUches. Die„Fränkische Volkstribüne" hat aus dem „Vorwärts" das Bild zur Kclhcimcr Feier entnommen und ihr R-daiteur ist dasür wegen Beleidigung des Prinzregcnten zu einem Monat Festung verurteilt worden. In Kelheim trafen sich die Herrn (Zwei Dutzend fast) von Gottes Gnaden. Die Bürger preßten froh die Schiern An den verschlossnen Fensterladen. Die Polizei in langen Rcihn, Das Militär in tiefen Gliedern, Man sah die Fürsten kaum, doch ein Gefühl brach los im Hurraschreiu: Wir sind ein einig Volk von Brüdern! Dies malte nun ein Maler zierlich. So impsrator, rex und dux, DaS sah die Polizei und flugs Erkannte fies als konsiszierlich. Nun nah'n auch Sie. Herr Staatsanwalt. Der Sic von jeher auf uns brennen Und meinen, hierbei die Gestalt Des Prinzregenten zu erkenn«!:. Und sagen:„Hm.. und meinen:„Aeh.. Ter... also... jener... wie ich sagte... 'nem Troddel gleicht.. Sie schweigen jäh Als ob Sie eine Ahnung packte. Herr Staatsanwalt, das tut ja nix, Denn das Gericht ist schon im Reinen Und packt den Sozen strengen Blicks Wie immer an den Hammelbeinen. Daß Sie von Troddel... hm und so Als von Beweisen sich ergingen...! Tut nichts. Sie setzen sich doch ftoh Und hochbelobt auf den Popo, Dieweil Sie einen Sozen singen! Vom Jahrmarkt des Lebens* Hrrnes Braunfchweig. Die Braunschweiger Patrioten sind in ihren höchsten Erwar- tungen geiäuscht worden. Schon waren aus den Bratenröcken die Motten geklopft und den Angströhren war ein neuer schimmernder Glanz angebügelt worden, alles war vorbereitet, den neuen Herzog von Preußens Gnaden mit der geziemenden Untertänig» keit einzuholen. Da ereignet sich das schier Unglaubliche. Ernst August will nicht, er will partout nicht, wenn ihm neben der Her- zogswürde von Braunschweig nicht auch das etwas schemenhafte Anrecht auf Hannover erhalten bleibt. Dieses Fiasko der preutzi- schen Diplomatie konnte selbst ein B e t h m a n n nicht voraus- sehen; hatte sich doch ein hervorragender junger Diplomat und Rechtsgelehrter, Prinz August Wilhelm, der mit heißem Bemühn Cameralia und andere Dinge studiert hatte» um das Zustande- kommen der Eh» zwischen seiner Schwester und dem Welsen Aller- höchst sich bemüht. Beinahe wäre die ganze Sache vor der Hoch- zeit noch in die Brüche gegangen. Nur dem diplomatischen Ein- greifen August Wilhelms, der den widerstrebenden und ausreißen- den Ernst August zurückholte, ist es zu danken, daß nicht zwei Herzen mehr in hoffnungsloser Liebe sich verzehren. Armes Braunschweig! Was soll aus dir werden, wenn nicht bald ein„angestammtes" landesväterliches Auge vorsorgend deine Geschicke lenkt. Bete, daß der Herr die Herzen der Beteiligten erleuchte, damit der rechtlich dir zukommende Herzog von Gottes Gnaden dir bald beschert werde. Denn es ist ans die Dauer un- möglich zu ertragen, daß der Schwiegersohn des Deutschen Kaisers als Prinz ohne Land herumläuft. Die moralischen Yankees. Die smarten Amerikaner können bei aller Robustheit auch sehr moralisch sein. Robust sind sie, wenn es sich um die grenzen- jose Ausbeutung der Arbeitskraft oder um das mutige Ertragen unglaublicher Polizeiskandale handelt. Aber der geschäftstüchtige Amerikaner ist bei all seiner Robustheit auch ein gläubiger Christ. Er muß daher auch die Tugenden des Christen beweisen, moralisch sein und sittliche Verfehlungen verabscheuen. Das heißt natür- lich, soweit es sich um die Moral und Sittlichkeit der anderen handelt. Zur vollen Höhe der Sittenstrenge und Moralität hat sich die vom Staate New U o r k eingesetzte Einwanderung S- Kommission emporgeschwungen. Der in England sehr be- kannte Jockei Dillon hatte für die Varietesängerin Mary Lloyd tiefe Neigung gefaßt, die auch erwidert wurde. Was war da ein- facher, als nach dem freien Amerika zu fahren und dort die Scheidung der Frau von ihrem Manne abzuwarten. Die sitten- Etwa so: Die hervorragendsten Geister aller Fakultäten, denen »in günstiges Geschick eine vollendete Ausbildung und EntWickelung ermöglichte, wirken als Gärtner, erfüllt von demselben sorgsamen und liebevollen Geiste, der über Blumen. Büsche und Bäume wacht. Ihr Ziel und ganzes Sein kulminiere in dem heißen Bestreben, das wuchernde. Unkraut der Unwissenheit und Verderbtheit in der Menschheit auszureißen und ihre warnende, scheuchende, ankla- gende Stimme zu erheben, wenn großes oder kleines Raubzeug nahe, um die Aufwärtsentwickelung zu stören. Die Aufgabe dieser Kulwrhüter sei es, die ganze Kulturmenschheit zu Kampf und Widerstand aufzurufen, sobald die zur Vordertür hinausgeworfene Barbarei zur Hintertür wieder hereinkomme. Nicht ruhen und rasten sollten sie, wenn sich aus dem Kleide der Kulturmenschheit ein Schandfleck zeigt, bis dieses Kleid wieder gereinigt und ganz sauber ist. Ganz, ganz sauber.... Worauf ist die Kulturmenschheit nur so stolz? Ich denke nach und suche. Und werde kleiner und kleiner. Ein Gespenst geht durch die Gassen. Ein hohnlachendes Gespenst. Der Hunger. Es ist immer da, hockt immer in irgendwelchen dunklen Ecken und grinst. Die Kulturmenschheit grinst es an. Stößt hier einen nieder und da. Heimlich, ohne viel Aufsehen zu machen. So ganz nebenher. Nur das Bureau, in dem die Armenleichen registriert werden, merkt'S, weil die Nummern im Register immer höher werden Aber zu Zeiten wächst das Gespenst und geht auf die Gasse. Ganz offen und herrisch; denn seine Zeit ist wieder einmal ge- kommen. Die Zeit der Massenernte. In jedes Haus, da Arbeiter wohnen, kehrt es ein. Kehrt ein und würgt und mäht. In allen Zeitungen knallt eS: Kultur, Kultur! Ueber dem Strich, unter dem Strich.» Und nur im lokalen Teile stehen ein paar anspruchslose Notizen: „Gestern erhängte sich der Maurer..." „Erschossen hat sich..." „Ins Waffer gegangen ist die Frau eines Arbeiters..." «Als Ursache wird anhaltende Arbeitslosigkeit angenommen..." „Nahrungssorgen bilden das Motiv der Tat." „Weil sie den Kindern nichts zu essen geben konnte., Und so weiter. Vielleicht— schwer schreibt's die Feder hin— sind die, die frei- Willig sterben können, noch nicht die Allerbedauernswcrtesten. Sie deutende Geldsummen und ein Stab von Mitarbeitern sollen zur Hebung des russischen Sports(Hängcsport?) verwendet werden. Also Nußland in der sportlichen Welt voran, weil � ja weil da andere Kulturaufgaben nicht mehr zu lösen sind? Johannisthaler Herbstflugwoche.(Letzter Tag.) Die wenigen Besucher, die am Sonntagnachmittag nach Johannis- thal hinausgefahren waren, hatten wohl kaum geglaubt, einen Flug zu Gesicht zu bekommen. Um so angenehmer wurden sie durch oen starken Betrieb enttäuscht, der von 3 Uhr an bis zum Einbruch der Dunkelheit auf dem Flugfelde herrschte. Die Flieger ließen sich weder vom Nebel, noch vom Regen abhalten, die ange- setzten Konkurrenzen zu bestreiten. Dabei war die Wetterlage die denkbar ungünstigste. Dicht über dem Boden lagen graue Nebel- massen, die sich bis zu 1S00 Meter erstreckten, und ein feiner Regen trug dazu bei, den Aufenthalt in der Luft vollends ungemütlich zu machen. Mitunter sah man überhaupt nichts in der Luft, son- dern man hörte nur über sich das Surren einer vorüberfliegenden Maschine. Setzte dann einmal ein Windstoß ein, so wurden die Apparate wohl für Sekunden sichtbar, verschwanden dann aber sofort wieder in dem grauen Dunst. Es ist lounderbar genug, daß bei der unsichtigen Luft ein Zusammenstoß nicht vorkam. Die Flie- ger waren jedoch ebenso wie ihre Beobachter eifrig bemüht, die vorgeschriebene Richtung einzuhalten, um Kollisionen zu der- meiden. Um 3 Uhr stiegen Schulz, Stiploschek, Reiterer, Jngold, Gruner, Schwankt, Krieger, Kammerer und Wrobel auf, um wäh- rend der ersten Stunde auf Dauer zu fliegen. Da der Aufenthalt in geringeren Höhen recht gefährlich war, stieg Reiterer auf 1900 Meter, V. Stöffler auf 899 Meter und Stiploschek auf 2899 Meter Höhe mit Passagier. Gruner erreichte aus dem Harlan-Eindecker mit seiner Passagierin Fräulein Adler eine Höhe von 1299 Metern, in der er sich eine volle Stunde aufhielt. Nach 4 Uhr begannen die Rennen. Zuerst fand ein Geschwindigkeitsrennen zwischen zwei Wright-Maschinen, den einzigen, die am Start er- schienen, statt. Wrobel konnte, obwohl er beim Start einen recht bedeutenden Umweg machte, die Rennstrecke in 16 Minuten 33 Se künden zurücklegen. Kammerer verirrte sich und kehrte erst nach 29 Minuten wieder zurück. Hierauf wurde ein Vorgaberennen ausgefochten, das auf Gruna der merkwürdigen für das Rennen gültigen Formeln von dem schnellen Aviatik-Eindecker Jngolds, der von der langsamen Wrightmaschine eine beträchtliche Vorgabe, hatte, in 11 Minuten 31 Sekunden gewonnen wurde. Die inoffiziellen Resultate der Herbstflugwoche sind folgende: Wettbewerb im Fluge um die Dauer: Stiploschek 8 Stunden 28 Minutdn, Reiterer 8 Std. 22 Min., Könitz 6 Std. 32 Min., Schulz 6 Std. 31 Min., Fiedler 6 Std. 6 Min., Gruner 3 Std. 34 Min., Remus 3 Std. 35 Min., Rupp 4 Std. 4 Min., Schwandt 3 Std. 58 Min., Wrobel 3 Std. 47 Min., Kanunerer 3 Std. 35 Min., Ernst Stoeffler 3 Std. 21 Min., Jngold 2 Std. 33 Min., Thelen 2 Std. 35 Min., Krieger 2 Std. 11 Min., Kießling 2 Std. 6 Min., Böhm 2 Std. 4 Min., Janisch 2 Std., Viktor Stoeffler 1 Std. 33 Min., Lindpaintner 1 Std. 18 Min., Kohnert 1 Std. Ii Min., Röder 1 Std. 6 Min., Sablatnig 29 Min.. Schüler 16 Min., Laitsch 12 Min. Im Propagandaspiel des Kottbuser Sportklubs gegen Groß-Berlin, das gestern aus dem Sportplatz in Weitzensce ausgetragen wurde, siegte die Mannschaft von Grost-Bcrliu überlegen gegen die Kottbuter Spieler mit7:v Trotz des Regenwetters hatte sich eine große Anzahl Schaulustiger einge- sundcn, die dem Spiel mit regem Interesse folgten. Freie Turnerschaft Rummelsburg, I: Jugend gegen„Vorwärts", Fried- richsbagcn. I. Jugend, 10: 0 zugunsten Rummclsburgs. Freie Turncrschast Friedrichsselde, I.Jugend gegen Fichte 7. Das Spiel wurde kampflos von Friedrichsfelde gewonnen. A.-B.-C. 1. Jugend gegen Fichte 17, 2:9 für A.-B.-C. Jahn, Treptow, II. Jugend gegen Rummelsburg, Ii. Jugend, 6:9 für Jahn. Reinickendorf, II. Jugend, gegen Pankow, II. Jugend, 7:1 für Reinickendorf. Freie Sportvereinigung 2. Mannschaft gegen.Hansa" 1. Mannschaft 4: 1 für Freie Sportvereinigung.— I. Jugend gegen Turnverein Lichtenberg 4: 1 für Freie Sportvereinigung.— Fichte 18, 1. Mannschaft gegen Turnab! eilung Fichte 18, 6:1 für Fichte 18.— Fichte 18, II. Jugend gegen Fichte 4, II. Jugend, 8: 9 für Fichte� 18. Im Faustballspiel zwischen Reinickendorf und Wittenau erzielte dl« Reinickendorfer Mannschaft 78 und die Wittenauer Mannschaft 61 Punkt«. Spiel der Freien Turnerschaft Nowawes, Jugendabteilung gege« Fichte, III. Abteilung, Jugendmannschaft. Faustball: Nowawes 76 Punkte, Fichte 77 Punkte; Spielzeit 39 Minuten. Barlaus: Nowawes 25 Punkte, Fichte 26 Punkte; Spielzeit 39 Minuten. Ratzball: Resultat 2:�2. Stafette: 1999 Meter, 19 Mann; Nowawes 2 Minute« 35st,„ Sekunden, Fichte 2 Minuten2 TU Sekunden. Mannschastslugelstotzeni 19 Mann, 15 Pfund; Nowawes 61,23 Meter, Fichte 69 Meter. Der Schwimmverein„Vorwärts" Berlin 1897 hielt am gestrigen Sonntag das von der Abteilung Schillingsbrücke veranstaltete 3. Abteilungsschwimmfest in der städtischen Volksbadeanftalt An der Schillingbrücke ab. Der Besuch der Berliner Arbeiterschaft scheint bei dem bekannten Verein immer der gleiche zu sein. Durch ein Versehen der Musiker mußte der Aufmarsch der Jugendmit» gliedcr ohne Musik stattfinden. Ter darauffolgende Reigen, den di eAbteilung Bärtvaldstraße in lobenswerter Weise ausführte und die am Schlüsse des Reigens aufgeführte Pyramide im Wasser waren recht gut gelungen. Bei den Wasserballspielen der Jugend wie der Männer zeigten die Spieler ein außerordentliches Können und große Disziplin. Tie Jugend der Bärwaldstraße siegte mit 7 zu 9 Toren gegenüber der Ldcrbcrger Straße. Bei den Män- nern war das Resultat für Schillingsbrücke mit 4 zu 1 Toren gegenüber der Bärwaldstratze. Ein gutgelungcner Lampionreigcn bildete den Schluß des Festes. Tie Radrennen auf der Olympiabahn, die am Sonntag den Große« Herbstpreis mit der Besetzung: L. Didier, Fosfier, Janke, Luycken und Timmer» mann sowie ein Match Berfhet-Pawke bringen sollten, mußten des lang» anhaltenden Regens wegen aussallen. Am nächsten Sonntag soll ein 69 Kilo- mctersahren mit Zweisitzcrführung von Berthet, Egg, Pawke und Rütt bestritten werden, dem ein Rennen.Rund um Berlin aus der Bahn" mit Absteige-Kontrollen folgen soll. ölutsrme° Kranke trinken während der Rekonvaleszenz feurig süßen Santa Lucia ,?i50 Miii ie mmmi K O X W GIVI dl Aa—» Känfl. in Apotheken, Drogerien n, Delikat-Gescb „Zur grossen Fabrik" Stefan EsÖers Kaiser-Wilhelm-Str. 41-42 BERLIN C Ecke Spandauer Strasse ULSTER Für Knaben 6.50 7.50 8.50 10.50 12.50 14— 16.— 18.— bu 30.— Für Jünglinge 19.— 21.— 24.— 26— 29.— 33.— d,« 52.— PALETOTS Für Knaben 4.50 5.50 6.50 7.50 9.50 11.50 bi« 20.— Für Jünglinge 19.— 21.— 26.— 29.— 32.— 35.—«->, 39.— [Illllü | Reiche Auswahl Neueste Dessins| | Haltbare Stoffe Billigste Preise| VII>IIIIl>>III!>I>iIIlIIIIIIIlI>lI!l!IIIIIIlIII>I>lI>I!!IIIIIII!IIIIIlIIIIlIIIIIlI!I!!II>IIIiIIIIlII>III>IIiIIIII>IIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIII>II»I>I»lII!IIIIlIII>lIIlM£ Her neue IQatalog wird auf Wunsch portofrei übersandt. 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Giebel. Osten. Kopernikusstr. 11, Klockau. Petersburger Str. 5, Hohnert. Romintcner Str. 18, G. Liebecke. Thaer Str. 19, Gron. Adlershof. Bismarckfw. 59, K. Schwarzlose. Charlottenburg. Cauerstr. 29, B. Leupoid. Lichtenberg. Möllendorffstr. 73, Dopichai. Lenbachstr. 3, G. Hielscher. Neukölln. Biebrichstr. 14, I. Hirsch. terinannstr. 59, W. Conrad. öhmische Str. 9, R, Krüger. Panniersw. 8, Karl Borges. Nicdcr-Schöneweide. Fennstr. 16, am Kaisersteg, G. Begcner. Ober-Schöncweide. Edisonstraße 6t, K. Ohlrich. Spandau. Bahnhosstr. 7, R. Lorenz, Wilmersdorf. Berliner Str. 46, F. Pieper. IZsi vurdsn glänzende Erfolge erzielt mit meinem gesetzlich geschützten Geradehalter-Apparat Original- System„Haas" 16 AnszeichnanKCn, u. a. auf dem 19. Aerztekongreß in Lemberg und der Internat. Hygiene-Ausstellung inDresden. Soeben preisgekrönt auf dem 17. Intern. Aerztekongreß in London 1913. Dauernde Regulierung des Apparates kostenlos I Reicbillustiierte Broschüre gratis. Franz Menzel, BerlinW. 35. 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