Kr. 363. kdonnemenk-keSingungtn: Abonnements- Preis pränumerando! Prerteljähr!. 3,30 SKI, monatl. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Plg. Sonntags- nummer mit illusnicrler Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poil-Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Numänicn, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. ErldKint tSglldi. � f. Berliner Die Tnter(lonS'6cbül)r beträgt sür die scchsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum oo Pfg., für politische und gewerkschaftliche Lercins. und Persnmmlungs-Anzcigen M Pfg. ..Aleine Anoeigen". das seltgedruckie Wort 20 Pfg. lzulnssig 2 fettgedruckt- Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellennn- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über läBuch- 5 laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächsle Nummer»iLssen bis » Uhr uachinittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adroffe: „SKUMemolllsl Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplah, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Am» Moritzplatz. Nr. 1984. Internationale veritänckigung. Ani Sonntag und Montag tagte in Nürnberg zum zweiten Male der Verband für internationale Verständigung. Städtische und Landesbehörden— bis hinauf zu dem�Trio Hertling-soden-Knilling— hatten der Tagung ihren Segen gegeben und ihre Grüße übersandt. Tie„Teutsche Tages- zeitung" hatte die Unterzeichnung der Kongreßeinladuug durch Vertreter der Stadt und der Äreisregierung schon vor Wochen zum Anlaß genommen, um diesen Herren den Kops zu waschen. Aber die Aufregung der„Deutschen Tageszeitung" war iibel am Platze. Der Verband— oder wenigstens seine Leitung— verfolgt so harmlose Ziele, daß selbst ein schwarzer Regierungsrat da ruhig mittun kann. Tie offizielle Programmrede, die der Sekretär des Ver- bandes, Professor N i p p 0 l d, hielt, begann gleich mit einem begeisterten Lob der glorreichen Regierung unseres Friedens- kaisers. Und sie versicherte auch, daß der Verband nicht für den„Frieden um jeden Preis" sei; wenn die„Ehre des Vater- landes", wenn seine„Lebensinteressen" es erforderten, habe er nichts gegen den Krieg einzuwenden. Viel mehr sagen die Chauvinisten schließlich auch nicht. Tabei sei allerdings gern zugegeben, daß sie den Begriff der„Ehre des Vater- landes" etwas anders umschreiben mögen als die Herreu vom Verbände für internationale Verständigung: die aber ihrerseits vergaßen, genau zu sagen, was sie sich als billigeus- werte Voraussetzung sür einen Krieg dächten.-Um den Reigen beruhigender Versicherungen voll zu macheu, ließ der Vorsitzende des Verbandes die erschienenen„Spitzen der Be- Hörden" dann auch noch wissen, daß man nichts gegen die Rüstungen der Nationen einzuwenden habe: Würde doch ausdrücklich immer wieder von den„maßgebenden" Stellen versichert, daßjie nur dem Frieden dienen sollten. Wenn maßgebende Stellen das sagen, muß es natürlich wahr sein. So können auch die Verständigungsfreunde für das Weit rüsten eintreten; nur möchten sie neben das„»i vis pacem para bellum"(Wenn Du den Frieden willst, bereite den Krieg vor) ein„si vis pacem, para pacem"(Wenn Du den Frieden willst, bereite den Frieden) stellen'— neben die K r i e gs r ü st u n g„zur Wahrung des Friedens" die Ver ständigungspropaganda. Töne wie diese beherrschten die ganze Tagung, deren meiste Teilnehmer Professoren und liberale Politiker waren Freilich, in die Harmonie dieser Stimmen klangen zum Schluß auch ein paar Mißtöne. Das war in der öfsent lichen Versammlung ani Montagabend. Tie Veranstalter waren sicher unschuldig daran. Um ja den Einklang der Meinungen nicht zu stören, wurde in letzter Stunde sogar die erst angekündigte Diskussionsfreiheit wieder aufgehoben. Trotzdem passierte das Malheur. Man war in der Auswahl der Redner»och nicht vorsichtig genug gewesen. Der Baron d'Estournelles de Constant wahrte noch ganz den Ton der vorherigen Sitzungen. In patheti schen Worten feierte er Zne Friedensliebe der R e g i e r u n g e n, der deutschen im besonderen. So viele schöne Gelegenheiten zum Kriegführen hätten die letzten Jahre ge bracht. Aber der Friedenswille der Regierungen hätte alles aus dem Wege der Verständigung erledigt. Selbst der Balkankrieg hätte wieder diesen Friedenswillen gezeigt: Frankreich und Deutschland hätten Hand in Hand gearbeitet und einem Zusammenstoß aller europäischen Mächte glücklich vorgebeugt. Aber nach d�Estournelles kam K 0 n r a d Haußmann. Vielleicht gedachte er früherer Reden, die er oder seine Frak- tionskollegeu gegen die Regierung gehalten: wahrscheinlicher noch: er fühlte das Bedürfnis, die Zustimmung der Fort- schrittler zu den Rüstungsvorlagen zu rechtfertigen— nach dem System, das er schon vor Monaten im„März" ange- wandt. Tie Fehler der Regierung verpflichteten uns, für die Heeresvorlage zu stimme».... Jedenfalls: Er dementierte den Vorredner. Er tat es vorsichtig, verhüllt, aber er tat es dock). Und die glorreichen Regierungen schrumpften zusamnien, arg, arg zusammen, als Herr Hauß- mann dartat, wie die Generalstäbler überall den leitenden Männern ihre Haltung diktieren, und die Sätze aussprach: Für eine g u t e P 0 l i t i k bleibt kein S p i e l r a u ni mehr übrig: nirgends sehen wir eine g r 0 ß e Staatskunst, nirgends ein aufwärtsfüh- r e n d e s Ziel. Auch die schöne Mär von der Friedenswehr der Großmächte während der Balkauwirren löste sich in Wohl- gefallen auf: es war gar nicht ungeschickt, wie Haußmann die Rivalitäten der Mächte untereinander zeigte, ihre Ohnmacht, den Frieden auf dem Balkan zu wahren, ihr klägliches Ver- sagen, so oft es eine Willenskundgebung durchzudrücken galt. Und dann sprach noch Herr Dr. Walter S ch ü ck i n g, Professor der Rechte in Marburg. Der nahm wieder seinen Freund Haußmann zart, aber fühlbar bei den Ohren,— Haußmann und all die anderen, die direkt oder indirekt das System der Rüstungen gedeckt hatten. Walter Schücking, selbst Fortschrittler. fand zwar nicht die Kraft, mit aller Deut- lichkeit die letzte Rüstungsbewilliguug zu verurteilen. Aber was Ohren hatte, zu hören, das hörte das Verdammungs- urteil dennoch deutlich genug heraus. Mit Worte», für einen preußischen Professor aller Ehren wert, geißelte er den Wahnsinn des Wettrüstens, während für Kultur- aufgaben nichts übrig bleibe. 350 000 Säuglinge sterben all jährlich in Deutschland, 35 000 Wöchnerinnen dazu— zum guten Teil nur aus Mangel au geeigneter Pflege. Kein Krieg habe noch solche Opfer gefordert, wie jahraus, jahrein bei uns das Fehlen einer hinreichenden sozialen Fürsorge Was das Reich aufwende für seine gerühmte Arbeiterversiche rung, mache im Jahr noch nicht soviel aus, wie ein einziges inodernes Panzerschiff koste. Scharf verurteilte Schücking die Ablehnung der Herabsetzung der Altersgrenze bei der Invalidenversicherung: mit beißendem Hohn kennzeichnete er die Witwenversicheruug als eine leere Atrappe: Um dann da- neben zu halten jene Milliarden, die jahraus, jahrein für R ü st u n g s z w e ck e verschwendet würden. Das Publikum— lauter Bourgeois— war zunächst ein wenig betreten. Aber dann siegte doch der Beifall. Warum auch nicht? Schließlich waren es ja nur Worte-— Worte... Worte. Das war schließlich auch der Eindruck der ganzen Tagung auf den Hörer mit einem anderen als dem bourgeoisen Gesichtskreis. Ten löblichen Willen dieser Ver ständigungsfreunde in allen Ehren, manch treffliches Wort, das in den Versammlungen fiel, auch gern anerkannt— aber es ward doch nicht der Finger in jene Wunde gelegt, die am weite st eu klafft, ohne deren Heilung keine dauernde Verständigung möglich ist. Die Weltgeschichte ist nicht, wie der Hosrat Dr. F r i e d täubet in einem Vortrage sich darzutun bemühte, bloß eine Folge von„Massensuggestionen" durch die großen„Führer der Menschheit", sondern da3 Resultat wirtschaftlicher Eist- Wickelungsprozesse und daraus entsprungener sozialer und nationaler Kämpfe: die Suggestion spielt eine recht geringe Rolle dabei. Auch der Chauvinismus, die Kriegstreibereien, sind nicht das Resultat einer„Massensuggestion", wie Herr Dr. Friedläuder glauben macheu wollte,— einmal, weil sie gar nicht in Massen Wurzel», und sodann, iveil sie heraus lvachsen aus wohlbedachten wirtschaftlich en Interessen einer kleinen Schicht von Kapitalisten. Es kann auch nicht, genügen, iveii» andere Redner dann wieder darzutun bestrebt waren, daß die für den Frieden sprechen- den Interessen- stärker seien als jene, die eine imperialistische Ausdehnung heischen. Das ist recht gut und schön. Aber Tatsache ist, daß die Vertreter der im p e r a I i st i scheu Interessen diejenigen sind, die in einem kapitalistischen Staatswesen w i e dem unseren, auch die politische Macht haben und auf die Politik einen)v e i t g e h e» d e n Einfluß ausüben, der jeden Tag den Kampf herbeiführen kann. Es kann nicht genügen, die zum Frieden drängenden Jnter essen recht schön und leuchtend hinzumalen, noch auch schöne Reden über das„Sich-Kennen-Lernen" der Völker zu halten: Es heißt, den Interessenten des Imperialismus den Ein- f l u ß nehmen, die Macht entwinden und statt dessen maßgebend machen die Massen des Volkes, die nach ihren ivirtschastlichen Interessen den Frieden wollen müssen. Gewiß ist die Propaganda friedlicher Verständigung mehr als Parteiarbeit, ist wahrhaft Kulturarbeit. Aber dies Stück Kultur kann wie so manches andere nur erobert werden auf d e m W e g e über den politischen Kampf- durch die Partei, die das Interesse des Proletariats verficht, durch die inter- nationale Sozialdemokratie. Wer den Frieden will, muß die Herrschaft des Proletariats wollen, das mehr und mehr eins wird mit der Volksgesamtheit: Durch Volks Herrschaft zum Frieden! lleiicht der Dubliner ilnteriuchungs- Kommission. Londou, 7. Oktober.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Die mit der öffentlichen Untersuchung über die wirtschaftlichen Konflikte in Dublin betraute Kom- Mission ist gestern mit ihrem Bericht zu Ende gekommen. AuS demselben geht hervor, daß die Unternehmer sich nach ivie vor weigern, die Vorschläge der Kommission anzunehmen. Die drei Kommissare erkennen an, daß die Arbeiter der Stadt in verschiedenen Industrien allen Grund zur Klage hatten. Der Bericht verurteilt allerdings den Sympathie- streik, aber ebenso auch das Vorgehen der Unter- nehmer, die ihre Arbeiter zwingen wollten, den Transportarbeiter- Verband zu verlassen: dieses Ver- langen verstoße gegen die individuelle Freiheit des Arbeiters. Die Kommission schlug sodann die Errichtung eines Einigungsamtes vor, über dessen Tätigkeit ein.Plan entworfen wurde. In der darauf folgenden privaten Sitzung der Unternehmer erklärten die- selben, daß das Einigungsamt keine Lösung darstelle und daß es ihnen viel mehr um Beseitigung der bestehenden Schwierig- leiten als um künftige Probleme zu tun sei. Die Arbeiter- Vertreter nahmen jedoch den Kommissionsbericht als Basis für weitere Verhandlungen an. Der Kampf geht also vorläufig weiter. Es ist nicht zu verkennen, daß durch die öffentliche Unter-! suchung und durch ihre Weigerung, den Vorschlag der Kom-I Mission anzunehmen, sich die Position der Unternehmer in den Augen der Oeffentlichkeit sehr verschlechtert hat. Die kriegzwäkige liebung der Keiervebrigsde. Endlich hat die Militärbehörde sich entschlossen, Aufklärung über die Folgen der Manöverübung zu geben, die die Reservisten und Landwehrleute Thüringens auf ihre militärische Brauchbarkeit im Kriegsfalle erproben sollte. Die Aufklärung — offenbar rührt sie vom Generalkommando des XI. Armeekorps her— zeichnet sich zwar durch militärische Kürze, iveniger aber durch Klarheit aus. Denn die in ihr enthaltenen Feststellungen stehen in scharfem Gegensatz zu den Mitteilungen, die in unseren Thüringer Parteiblättern jetzt von Teilnehmern an der Uebung veröffentlicht werden. Wir tuid die anderen Parteiblätter hatten nicht behauptet, daß die Uebung 18 Tote und über 300 Kranke ergeben habe. Wir hatten nur Auf- klärung über die tollen Gerüchte, die unter der Thüringer Bevölkerung umliefen, verlangt. Die Militärbehörde erklärt darauf folgendes: t. Es ist k e i n T 0 d e s f a I l vorgekommen. 2. lieber den Entlassungstermin(1. Oktober) sind wegen Krankheit insgesamt 48 Mann zurückbehalten worden. Davon sind 21 inzwischen entlassen worden, 27 befinden sich noch in Be« Handlung. 3. Es handelt sich durchweg um leicht Erkrankte, meistenteils Fußkranke. Der Gesundheitszustand während der Uebung war durchaus gut. 3. Von U e b e r a n st r e n g u n g der Leute kann keine Rede sein. Die Anzahl der Fußkranken, der Erkrankten überhaupt, ist im Verhältnis zur Gesamtstärke der Jnfauteriebrigade(sechs« tausend Mann) eine äußerst geringe. Die Feststellung, daß kein Todesfall vorgekommen fei, steht im Widerspruch zu der gestrigen Mitteilung des„Berliner Tageblatt", dem von„gut unterrichteter Seite" aus Thüringen zwei Todesfälle gemeldet Ivurden. lieber die lieber- anstrengungen und Krankheitsfälle können unsere Thüringer Parteiblätter Einzelheiten veröffentlichen, zu denen die amt- lichen Angaben nicht recht stimmen wollen. So sind der „Erfurter Tribüne" noch eine ganze Anzahl Schreiben zu- gegangen, die den von ihr veröffentlichten Bericht eines Teil- nehmers an der Uebung bestätigen. Sogar Beanite und Mit- glieder von Kriegervereinen befinden sich unter den Brief- schreibern. Auch in der„Eisenacher V 0 l k s z e i t» n g* veröffentlicht ein Eisenacher Reservist ein Bild übet seine Be- obachtungeu in der Kompagnie, mit der er die Reserve- und Landwehr-Brigadeübung mitmachte. Der Reservemann führt aus, daß, trotzdem seine Kompagnie als„stramm" galt, fast die ganze Kompagnie„verpflasterte Füße" hatte. Im ersten Biwak sei ein Mann au Lungenentzündung erkrankt. Sein Feldwebel erlitt einen Nervenschlag, der Hauptmann stürzte vom Pferde und wurde durch Huftritte arg zugerichtet. Mehrere Leute erkrankten an Fieber. Bei Ausrücken stellte die Kompagnie des Eisenachers L40 Gewöhre zusamnien, beim Verladen am Dienstag voriger Woche in Ohrdruf waren es nur noch L00. Zum Schluß teilt er noch mit,„daß er per- sönlich ein Geheimschreiben gelesen habe, worin stand, daß in den umliegenden Garnisonen je 15 bis LO Betten bereit stehen für die Krauken. Man hatte also im voraus er- wartet, daß es viele Kranke gibt." Wenn nach dieser Schilderung schon eine einzige Kom« pagnie 40 Mann Abgang gehabt hat, können die LI Kom- pagnieu der Brigade nicht bloß 48 Kranke aufzuweisen haben, wie die amtliche Erklärung behauptet. Es kann bei militärischen Hebungen, auch solchen von Reservisten und Landwehrleuten, ohne Strapazen nicht ab- gehen. Das wird sich auch in einem reinen Volksheere nicht vermeiden lassen. Im Falle der Thüringer Reservebrigade scheint aber der Bogen zu sehr überspannt worden zu sein. Der Hauptgrund dafür ist zu suchen in dem Prinzip der Schneidigkeit um jeden Preis �und in der Verständnis- losigkeit,- die das exklusive Offizierkorps den sozialen Erscheinungen des Volkslebens entgegenbringt. Die Herren Offiziere und Generale haben doch nur in den seltensten Fällen eine Ahnung von den Lebensbedingungen, unter denen die Reservisten und Landivehrleute im Zivilstande sich durch- 'chlageu müssen. Die Forderung der„Kriegsmäßigkeit" ist von» militärischen Standpunkt ans gewiß begreiflich, sie zer- 'chellt aber an den harten Tatsachen sozialer und Wirtschaft- sicher Mißstände, unter denen das Volk zu leiden hat. Die Ausbeutung von Millionen im Wirtschaftsleben und die Rück- 'ichtslosigkeiten des militaristischen Systems werden die mili- iärische Leistungsfähigkeit eines modernen stehenden Heeres äets beeinträchtigen. Nur ein auf der Grundlage allgemeinen ozialen Wohlstandes und demokratischer Gerechtigkeit auf- gebautes wirkliches Volksheer tvird in Krieg und Frieden am leistungsfähigsten sein. Die reaktionären Zeitungen benutzen �übrigens die Thüringer Manöveraffäre, um eine Verschärfung der Gesetze gegen die Presse zu verlangen, damit künftig die Veröffeut- lichung solcher Nachrichten unmöglich gemacht werde. Die Reaktionäre rennen damit offene Türen ein. denn ein solcher Gesetzentlvurf ist bereits fertig, es ist der Entwurf des neuen Spionagegesetzes, der jede Veröffentlichung militärischer Mißstände unmöglich machen würde. Die Bestimmungen des neuen Entwurfs sind so dehnbar, daß selbst die bürgerlichen Zeituugs- Verleger sich dagegen gewendet haben. Der Vorfall in Thüringen beweist aber gerade, wie dringend notwendig es ist, daß der Presse die Möglichkeit der Kritik gewahrt wird. Enthüllungen zum neuen Krupp-Prozeß. Der wichtigste Zeuge im neuen Krupp- Prozeß, Haupt- manu a. D. v. M e tz e n, der ehemalige Vorgesetzte des Herrn Brandt, hat sich zu einer Flucht au die Oeffentlichkcit ge- nötigt gesehen. Er veröffentlicht im„Berliner Tage- b l a t t" folgende Darstellung: „Als nationalgcsinnter Manu wollte ich anfangs schweigen. Ich sagte mir, daß durch mein Hervortreten leicht einige Direktoren von Krupp falle» wurde», und daß das in den Augen der Urteilslosen einer Verurteilung der Firma Krupp gleichgestellt werden könne. Dabei würde verkannt werden, daß durch die Maßnahmen einzelner die Firma nicht verächtlich gemacht werden kann, die ihre großen Verdienste sich erworben hat. Die nationale Forderung scheint mir eher zu sein, daß die Leitung eines großen Werkes, das zahlreiche Fäden mit den Behörden der Landesverteidigung verbinden, nicht in falsche Hände gerät. Leider ist es nicht nur der Fall Brandt, der das ausweist, wenn auch die öffentliche Meinung durch einen Zufall nur über diese Angelegenheit unterrichtet worden ist. Jedenfalls habe ich eingesehen, daß mein Schweigen zu allerhand Mißdeutungen Anlaß gegeben hat. Deshalb habe ich auf Drängen meiner Freunde, Verwandten und Bekannten mich ent- schloffen, niemanden mehr zu schonen. Bezeichnend dafür, wie gegen mich gearbeitet und Stimmung gemacht wurde, sind drei Episoden, die sich gelegentlich meiner Zivilklage beim Essener Landgericht gegen die Firma Krupp ab- gespielt haben. Wenige Tage vor dem ersten Verhandlungstermin im Juni legte mein Essener Anwalt, Herr Dr. W a l l a ch H, das Mandat nieder, wie er mir sagte, nach wiederholter Rücksprache mit seinem Bruder, Justizrat Wallach, der es ungern sehen würde, daß er die Klage vertrete, ivcil er(der Bruder) gewisse Niickfichten zu nehmen habe. Es erging dann Versäumnisurteil, wie das nur natürlich war; wie hätte ich bei der Kürze der Zeit und der Schwierigkeit des juristischen Tatbestandes einen neuen Vertreter in- struieren können? Dann übernahm Herr Dr. Bell- Essen meine Vcr- trctung und überreichte nach Einlegung des Einspruchs einen längeren Schriftsatz, in dem sich die nachstehenden Ausführungen befanden: „Der Kläger ist auch in der Lage nachzuweisen, daß er schon vor dem 22. Juni 1912 der Beklagten wiederholt mitgeteilt hat, daß er mit dem System, daS in Berlin eingerichtet worden sei, nicht einverstanden sei und daß er vor diesem System gewarnt hat. Ein näheres Eingehen hierauf wird sich erübrigen, da der Beklagten(der Firma) die fraglichen Briefe be- fei mit sind und sie die Behauptung des Klägers nicht bestreiten wird. Trotzdem hat die Beklagte das System in Berlin nicht geändert. Der Kläger, der in der Beklagten die erste Firma Deutschlands gesehen hat, mußte daher annehmen, daß die Be- klagte das System, obwohl sie auf diese Bedenken aufmerksam gemacht Ivar, nicht für geschäftlich unzulässig ansah. Es ist da- neben weiter zu erwägen, daß die Dinge m Berlin nicht das einzige gewesen sind, ivas der Kläger in den Diensten der Be- klagten gesehen hat und was bei ihm Bedenken ausgelöst hat, sondern daß noch eine ganze Reihe anderer Dinge ihm zur Kennt- ins kam, die gleichfalls seine Bedenken erregten, die aber nach den Anschauungen der beklagten Firma doch zulässig sein mußten." Von diesem Schriftsatz erhielt auch, wie das in Essen üblich ist, die Firma Krupp eine Kopie. Anderen Tages erschien ein Abgesandter von ihr bei Rechtsanwalt Bell und fragte ihn, ob er selbst der Verfasser wäre. Dr. Bell wies darauf hin, daß er ja seine Unterschrift darunter gesetzt habe. Darauf sagte der Herr: „Dann müssen wir u n s e r e K o n s e q u e n z e n daraus ziehen!" Ich muß auch annehmen, daß der Vorsitzende der Kammer, Landgerichtsdirektor Dettmar, befangen war. Vor Eintritt in die Verhandlung, am 19. September, während Dr. Bell gerade einen Augenblick den Sitzungssaal verlassen hatte, fragte er mich:„Sind Sie Offizier?"—„Ja, ich war aktiv und bin Hauptmann d. R."—„Schwebt nicht ein Verfahren beim Eh r enge ri cht gegen Sie?"—„Rein, weshalb sollte eS denn?"—„Nun, das wird schon noch kommen, daS kennen wir!" Damals wußte ich nicht, daß ich die Möglich- keit hatte, wegen dieser Aeußerung den Landgerichtsdirektor Dettmar als befangen abzulehnen, sonst hätte ich Dr. Bell sofort darauf hingewiesen. Später, als ich es erfuhr, war eS zu spät. Auch jetzt noch bringen einige Zeitungen die völlig unrichtige Be- Häuptling, ich sei in eine ehrengerichtliche Untersuchung verwickelt. Selbst wenn da? so wäre, könnten die Zeitungen gar nicht in derLage sein, es zu melden. Denn alle Be- teiligten müssen selbst über die Tatsache, daß eine Untersuchung schwebt, unverbrüchlich schweigen. Oder soll das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein? Selbstverständlich werde ich gegen daS klagc- abweisende Erkenntnis Berufung einlegen. Daß die gesamte Oeffcntlichkeit in solch ungünstiger Weise gegen mich beeinflußt wurde, hat zum größten Teil seine Ursache in den unverantwortlichen Aeußerungen des Rechtsanwalts Ulrich zu Berlin in seinem Schlnßplaidoyer vor dem Kommandanturgericht, der damals sagte: „Auf der einen Seite steht Herr v. Metzen, der wegen schwerer Verfehlungen plötzlich von Krupp entlasse» worden ist, und der aus rein erpresserischen Motiven eine Anzahl der Kornwalzer in Abschriften an sich genommen und für sich zurückbehalten hat. um die Firma Krupp in der Hand zu behalten. Diese Abschriften spielte Herr v. Metzen dem Abgeordneten Liebknecht in die Hände." Gegen Herrn Rechtsanwalt Ulrich ist wegen dieser schwer be- leidigenden Aeußerungen, für die ihm noch nicht einmal der Schutz des tz 193 des Strafgesetzbuches zur Seite steht, an daS Amtsgericht Berlin-Mitte unterm 16. September die Privatklage eingereicht worden. Ich bin an der Liefernng der Kornwalzcr an den Abgeordneten Liebknecht nicht beteiligt. Die Anzeige dieser Sache war für mich im Gegenteil ein schtverer Schlag, lieber die Tätigkeit Brandts war ich unterrichtet. Darum hielt ich eS für meine Pflicht, die Firma Krupp mündlich und schriftlich auf die meinem Gefühl nach unmöglichen Zustände, die in dem Militärprozeß zum Teil ausgedeckt worden sind, auf- m e r k s a m zu mache n. DieS tat ich schonend und bescheiden. Trotzdem wurden meine Mahnungen salsch ausgelegt, und man be- nutzte die Angelegenheit mit Wingen, um sich meiner zu entledigen. Im Dermin am 83. wird sich manches aufklären. Wilhelm v. Metzen." Diese Darstellung, für die ja Herr v. Metzen auch die betveiskräftigen Unterlagen in der Hand haben dürfte, spricht so sehr für sich selbst, daß tvir uns einstweilen jeden Konimentars enthalten können. Nur ein Moment sei hervorgehoben: Die Firma Krupp, das heißt die leitenden Direktoren der Firma, hatten bereits im Juni 1918 erfahren, welche Dinge Herr Brandt in Berlin trieb, es siel ihr jedoch gar nicht ein, dem Treiben ihres Werkzeugs das Handwerk zu legen! Erstaunlich ist es freilich, daß nach solch frühzeitigen Warnungen bei der berühmten „Haussuchung" in Essen überhaupt noch„Kornwalzer" ge funden wurden. Aber offenbar dachten die Herren von der Firma Krupp,„uns kann ja doch keiner". In der Tat ist die Affäre, ja erst durch das Eingreifen des Genossen Liebknecht ins Rollen gebracht worden. Hätte nicht ein Anonymus— der nach der obigen Erklärung mit Herrn V. Metzen nicht identisch ist— Liebknecht eine Kollektion Kornwalzer zugesandt, so triebe trotz aller Vor stellungen und gerichtlichen Eingaben des Herrn v. Metzen Herr Brandt im Auftrage der Firma Krupp wahrscheinlich noch immer in Berlin sein Unwesen! politische(lebersicbt. Eine Idylle in der Fortschrittspartei. Unter dem Eindruck der starken Bewegung gegen den schwarz- blauen Block und unter dem Einfluffe der liberalen Intellektuellen hat bei der letzten Reichstagswahl ein großer Teil der Liberalen Kölns der Sozialdemokratie geholfen, das Zentrum in seiner deutschen Hochburg zu besiegen. Nach dieser Anstrengung war es jedoch mit dem„Lo beralismuS" in Köln bald wieder vorbei. Bei der letzten Landtags- Wahl haben sich die Fortschrittler sowohl wie die Nationalliberalen überhaupt nicht am Wahlkampf beteiligt, und bei der jetzt bevor- stehenden Stadiverordnctenwahl stehen sie in der dritten Klaffe dem Wahlkampfe fast apathisch gegenüber. Gegen diese Apathie hat sich nun innerhalb der Fortschrittlichen Volkspartei selbst eine Rebellion erhoben. In einem Rundschreiben an die„geehrten Parteifreunde liest man: Der Verein der Fortschrittlichen Volkspartei hat sich bei den letzten L a n d t a g s w a h l e n über- Haupt nicht gerührt. Die Schuld trägt einzig und allein der Vorstand und besonders der jetzige Vorsitzende Herr Schaaf. In tz 16 der Statuten heißt eS wörtlich;„Die Hauptversammlung beschließt über das Verhalten bei den Wahlen". Die Haupt- Versammlung ist überhaupt nicht gefragt, es hat überhaupt keine Hauptversammlung stattgefunden.... Dieser Fall ist aber nur einer von den vielen. Ohne die Mehrheit zu fragen, tut der Vorstand, was ihm zweckmäßig erscheint. Zweck- mäßig erscheint ihm aber, gar nichts zu t u n. Man hat den Eindruck, als wenn seit den Reichstags- Wahlen die Fortschrittliche Volkspartei in Köln überhaupt von der Erdoberfläche verschwunden wäre. Eine einzige öffentliche Versammlung hat der Verein seitdem veranstaltet, und die war schlecht besucht'.... Woher kommt das? Daher, daß in dem Verein selbst jegliches politische Leben erloschen ist. Etwa 29 bis 36 Herren sitzen jeden Montagabend beim Biertische zusammen und beraten über das Wohl der Stadt. DaS ist alles. Um die Rebellion gegen sich niederzuhalten, macht der Vorstand des Vereins der Aufnahme neuer Mitglieder allerhand Schwierig- leiten. Er sucht buchstäblich den Zuzug vom Verein fernzuhalten. Um das zu erreichen, hat er, wie es in dem Rundschreiben heißt, erklärt, die Neugemeldeten müßten erst auf ihre Unbescholtenheit geprüft werden. Wörtlich wird berichtet: So hat er einem unbescholtenen Manne, der sich angemeldet hatte, erklärt, er nehme die Anmeldung nicht an. Den ein- gesandten Mitgliedsbeitrag hat der Vorstand zurückgewiesen, und den Mann, als er zur Wahrung seiner Rechte einen Vereinsabend besuchte, unter Androhung von Polizeigewalt hinausgewiesen. Dieser Hinausgewiesene ist der Rechtsanwalt Dr. B i e s a n tz, der noch im Jahre 1912 in Solingen gegen den Genoffen Scheide- mann für die Fortschrittliche Volkspartei kandidiert hat. Er war bis dahin Mitglied des fortschrittlichen Jugendvereins. lieber das sozialpolitische Verständnis des fortschrittlichen Vor- standcs sagt das Rundschreiben: Sozialpolitik— dem jetzigen Vorstande ein Buch mit sieben Siegeln. Der Vorsitzende hat erklärt:„Ar- beiter sind ein notwendiges llebel". Von den neu gegründeten liberalen Arbeitervereinen hat er in der Vereins- sitzung erklärt, mit dem Vereine sei doch nicht viel_ zu wollen. DaS seien die Hirsch-Dunckerschen, da kä m e nicht viel bei heraus. Von unserer Sozialpolitik befürchte er Erschwerung der Konkurrenz mit dem Auslande. Am 13. Oktober wollen deshalb die Rebellen in einer General- Versammlung den alten Vorstand stürzen zum Zweck der Bildung „eines starken Linksblockes" in Köln. Romen über Knittel. Der Geheime Kriegsrat Dr. Romen. der es sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, jede reaktionäre Maßnahme zu verteidigen, bestreitet, daß es sich im Falle Knittel um einen politischen Prozeß handle, denn es könne gar keine Rede davon sein, daß dem Amtsrichter Knittel sestens der Militärbehörde ein Unrecht zugefügt worden sei. Schließlich prägt Dr. Romen folgenden Satz: „Zu einem stark ausgeprägten RechtSbewußtseiu gehört in erster Linie auch die Achtung der Rechte, insbesondere der Ehre anderer." Das sagt derselbe Romen, der als Staatsanwalt in Hantburg sich vor Gericht dazu verstieg, zu behaupten, die Sozialdemokratie billige und fördere den Meineid. Wer also leichtfertig mit der Ehre anderer um- ging, der ist ganz besonders dazu berufen, einem anderen, der sich im Kampf um sein Recht befand, Vorhaltungen zu machen. Seinen kritischen Betrachtungen! setzt dieser militärische Richter aber damit die Krone auf, daß er dem F a u st r e ch t das Wort redet, indem er ausführt: „Viel ist in der Gegenwart geklagt worden, daß von den Ge- richten die Angriffe auf die Ehre anderer zu gering bestraft werden, und nicht mit Unrecht ist dies in vielen Fällen als die Quelle unberechtigter und unerlaubter Selbsthilfe hingestellt worden. Auch die Bestrafung des Amtsrichters Knittel zu einer Geldstrafe kann als eine entsprechende Genugtuung für die Be- leidigtcn nicht angesehen werden. Und man wird sich in der Tat nicht wund er n dürfen, wenn solch milden Urteilen gegenüber bei schweren Beleidi- guugen dieser oder jener es vorzieht, sich auf andere Weise s e l b st Genugtuung zu vcr- schaffen." Diese Auslassung eines niilitärischen Richters, der die Verletzung der Gesetze, also auch die Duell- vergehen, sühnen soll, verdient festgenagelt zu werden. Welche Strafe würde übrigens den Amtsrichter Knittel wohl ereilt haben, wenn er einer Strafkammer überliefert worden wäre, die aus fünf Richtern vom Schlage des Dr. Romen bestanden hätte!_ Ein Posten für den Regenten von Braunschweig. Der Arbeitsnachweis für die Regiercndeu scheint zu klappen. Wie die„Post" aus„absolut sicherer Ouelle" erfahren haben will, soll der durch den kaiserlichen Schwiegersohn verdrängte Herzog A I b r e ch t von Braunschweig Statthalter von E l s a ß- L o thr ingen werden. Die Nachricht wurde schon einmal verbreitet, damals aber prompt dementiert. Die„Post" und ihre Gewährsleute behaupten jedoch, bestimmt zu wissen, daß der jetzige Statthalter von Elsaß- Lothringen in absehbarer Zeit gehen werde und daß dann gewisser- maßen vertretungsweise, bis Prinz August Wilhelm in„reifere Jahre" gelangt ist, der Herzog Johann Albrccht Statthalter werden soll. Die Nachricht klingt durchaus wahrscheinlich, man muß doch den jetzigen Rrgeiiten von Braunschweig irgendwo unterbringen, wenn der Schwiegersohn des Kaisers demnächst seinen Thron einnimmt! Der Gothaer Majestätsbeleidigungs-Prozest. Aus Gotha wird uns nachträglich zu diesem Prozeß geschrieben: Der Mojestätsbeleidigungs-Prozeß gegen daS„Gothaer Volksblatt" zeigt, daß man auch mit der Neufassung des Majestäts- beleidigungs-Paragraphen bei einigem„guten Willen" jeden sozial- demokratischen Pretzsünder beim Kragen fassen kann. Bei der Be- gründung jener Vorlage durch den Staatssekretär Dr. Nieberding führte dieser am 23. November 1997 im Namen der Regierung im Reichstage aus: „Die Verbündeten Regierungen hoffen, daß dieser Gesetz- cntwurf dazu beitragen wird, die Gefahren zu vermindern, wenn nicht zu beseitigen, welche damit verbunden sind, daß in vielen MajestätSbeleidigungsprozeffen Urteile ergehen, die mit dem all- gemeinen Rechtsempfinden sich nicht verbinden lassen.... Wir haben uns bemüht, ganz loyal und unzweideutig einen Ausdruck zu finden, der gegen jede falsche Auslegung gesichert ist. Trotz aller Bemiibimg ist es nnS nicht besser gelungen, als durch die im Entwurf gewählte Fassung." Die Absicht der Regierung war durch den Geburtstagserlaß Wilhelms II., der seiner Freude über den damaligen„Wohlsieg" durch einen„Gnadenbeweis" Ausdruck geben wollte, festumrisien vorgezeichnet, hieß es doch in jenem Erlaß: „Es entspricht meinem-Wunsche, daß wegen Majestäts« beleidigung oder Beleidigung eines Mitgliedes meines königlichen Hauses nur solche Personen die gesetzliche Strafe erleiden, welche sich jener Vergehen mit Vorbedacht und in böser Absicht, und nicht bhoß aus Unverstand, Un» Besonnenheit, Uebereilung oder sonst ohne bösen Willen schuldig gemacht haben." Mußte schon die Regierung zugeben, daß es ihr„trotz aller Bemühung" nicht gelungen sei, eine einwandfreie Fassung des Majestätsbeleidigungs-Paragraphen zu finden, so war es selbst- verständlich, daß die Parteipresse auf Grund ihrer reichen Er- fahrung den neuen Gesetzentwurs recht pessimistisch beurteilte. Unter dem Protest der entrüsteten, ob deS Gnadenerlasses in Entzücken schwelgenden Patriotenpresse schrieb damals die„Leipziger VolkSzeitnng": „Wenn ein Unterschied gemacht werden soll zwischen„bös- willigen" und„gutwilligen" Majcstätsbeleidigern, so ist dies nur ein Privilegium odiosum, ein hassenswertes Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie. Den Sozialdemokraten wird in Zukunft das aufgebrainit werden, was den„Gutwilligen" ans aV--» andern Lagern geschenkt werden soll. Daß in Deutschland überyaupt noch ein Gesetz existiert, das die Beleidigung eines Fürsten nnler be- sonders harte Strafen stellt, drückt uns auf die Stufe Rußlands herab. In Kulturländern haben wir derartige Vorschriften über- Haupt nicht." Uiffer Leipziger Bruderblatt„ahnte" die Gothaer Richter von 1913 voraus. Trotzdem der Gesetzgeber ausdrücklich festlegt, daß nur die mit Vorbedacht und in böswilliger Absicht getane Aeußerung als strafbar angesehen werden dürfe, kam das Gericht zu einer Verurieilung deS Genossen Geitbner. Dabei schilderte unser Genosse ausführlich und drastisch die Hast und Uebereilung, mit der er während einer mehrere Monate langen Tagung der koburg- gothaischcn Landtage zu arbeiten gezwungen war. Währender nämlich mit anderen schriftlichen Arbeiten beschäftigt war, wurde ihm, der nicht selbst Verfasser der inkriminierien Notiz ist, die fragliche Nachricht, die einen geringfügigen Rodclunfall mit den obligaten„Hautabschürfungen" des Herzogs von Koburg-Gotha meldet, vorgelesen. Mit den Gedanken bei seiner eigenen Arbeit. hörte er nur mit halbem Ohr hin. Trotzdem nimmt das Gericht an. daß er mit„V o r b e d a ch t" und in„böswilliger Absicht" die„Beleidigung" begangen habe. Dabei soll die„Beleidigung" nicht etwa darin liegen, daß man dem Herzog irgend etwas Ehrenrühriges nachsagt, sondern einzig und allein darin, daß ein Stichwort in gothaischem Dialekt die kurze, nur wenige Zeilen umfasiende Notiz einleitete. Ohne jede Nachprüfung, ob auch die Erfordernisie des Gesetzes die Anklage rechtfertigen, wurde einfach Anklage erhoben und verurteilt. Freilich, so ganz ohne Schwierigkeiten scheint die Anklage nicht durchgedruckt worden zu sein. Am 22. Februar stand die Unfallmeldung im Blatt, am 23.� März fand die richterliche Vernehmung statt und erst über fünf Monate später, die letzten Tage im August, tourde die Anklage erhoben. Und nicht die gewöhnliche Strafkammer erhob die Klage, sondern ausgerechnet der Ferienstrafkammer blieb dies vorbehalten. Die ursprüngliche Langsamkeit war nun plötzlich einer fieberhaften Eile gewichen, die nicht früher ruhte, bis der Sünder„gehängt" war. Als„straf- mildernd" wurden nicht etwa die besonderen Umstände angesehen, unter denen die angebliche„Beleidigung" zu stände kam, sondern einzig und allein die Unbeschollenheit deS noch nicht, resp. ganz geringfügig vorbestraften Angeklagten. Tie bayerischen Köuigsmacher hinter den Kulissen. Man erinnert sich noch per Tragikomödie, die seinerzeit vom bayerischen Kammerzentrum und dem schwarzen Ministerium auf- geführt wurde, als sich nach dem Tode des Prinzregcnlcn Luitpold Bestrebungen geltend machten, den geisteskranken König Otto zu entthronen und den neuen Prinzregenten Ludwig zum Komg zu erheben. Es war davon die Rede, daß Prinz Ludwig kurzweg durch eine Proklamation zum König ausgerufen werden solle. Ucber die Art, wie man die Königsmacherei betreiben will, hat sich der Ab- geordnete Adolf Müller in München ein seinerzeit erstattetes Gut- achten verschafft, aus dem er auf dem sozialdcmokrati>cheii Landes- Parteitag zu Nürnberg einiges mitteilte. Es heißt da: ..Eine Proklamation ohne gesetzliche Grundlage wurde bei den Kammern des Landtages keine einstunwige Billigung,, andern entschiedenen Widerspruch finden, darüber lieyen d'e Aeußerungen. welche die Führer der einzelnen Parteien unverbindlich für deren Stellungnahme verlauten ließen, keinen Zweifel übrig. JnSbe- sondere hat der Führer der liberalen Parteien seine Zustimmungs- erklärung nachträglich dahin erläutert, daß er d-n Weg des«er- sassungsgesetzes als selbstverständlich vorausge,etzt habe. Auch aus der Mitte der ZcntrumSpartci sind Aeußerungen verichledener maß- gebender Nersonen dahin laut geworden, daß eine Aenderung. wenn sie angängig sei, nur auf dem Wege deS Versassungsgefttzes möglich erscheine Die äußerste Linke wüvde sich gewiß eiiz Vergnügen daraus macken, sick, als Hüterin der Verfassung aufzuspielen! Daß ab» für den Träger der Krone ein Bestreiten der Gesetzmäßigkeit seines Vorgehens von Ucbel wäre, das Ansehen der Krone und der eiaenen�Persou beeinträchtigen würde, bedürfe kaum einer weiteren Ausführung. Die Möglichkeit hierfür könne sich bei den berschje. deniten Gelegenheiten ergeben— in den Kammern des Landtags, bei der Beratung des Etats des Königlichen Hauses, in Gerichts- verbandlungcn, namentlich vor dem Schwurgerichte bei Anklagen wegen Majcstatsbeleidigungcn, begangen durch die Presse. Dazu komme die Gefahr, daß in Ansehung jedes Erlasses des Königs drc Frage der Gesetzmäßigkeit vor Gericht und Vollzugsbehörden auf- geworfen werden könnte, ein Zustand, der schon im Interesse der Rechtssicherheit unleidlich wäre. Es kann sich nach diesen Ausführungen daher nur darum han- deln, den Weg der Gesetzgebung zu beschreiten und dafür die ange- megcne Form zu finden." Nach der Eidesleistung des Regenten auf die Verfassung ist, wie Genosse Müller im Anschluß an diese Mitteilung betonte, der gesetzliche Weg verrammelt. Bleibt also nur der ungesetzliche, der Weg des U in st u r z c s, den beschritten zu sehen den Sozialdcmo- kratcn ein besonderer Genuß sein wird. Eine Zentrumskomödie im bayerischen Landtage. Am Dicnstagnachmittag begann der Landtag die Erörterung der ZentrumS-Jnterpellation über den Vollzug der Steuer- g e s e tz e. Obwohl die Steucrgesetze noch nicht zwei Jahre in Kraft und obwohl sie vom Zentrum gemacht sind und die landwirtschast- liche Bevölkerung durch sie sehr begünstigt ist, interpellierte schon in der vorigen Session das Zentrum über den Vollzug der Stcuergesctzc, und beginnt die diesjährige Session mit der gleichen Interpellation. Wenn jetzt da? Zentrum mit besonderer Schärfe gegen den Vollzug der Stcuergesctze vorgeht, so deshalb, weil es die überraschende Niederlage bei den letzten Nachwahlen wesentlich aus die Unzufriedenheil seiner ländlichen Wähler mit den Steuergesetzen zurückführt. Die Verantwortlichkeit für die Gesetze will nu» die Mehrheitspartei auf den Vollzug der Gesetze abwälzen. Die Interpellation begründete für das Zentruin der Abg. Schlittenbauer, der eine große Anzahl von an- geblichen Mißständen in der Steuerveranlagung zuminenstcllte. Er richtete— und das hat allgemeineres Interesse— heftige An- griffe gegen die Bevorzugung des großen Grund- beiitzes gegenüber den kleineren und mittleren Bauern. Das Fideikommiß werde geschont. Einem Großgrundbesitzer wurde aus seine Beschwerde hin die Steuer von 2208 M. auf 08 M. herabgesetzt.©in Besitzer von 1000 Morgen habe nicht mehr Steuern zu entrichte>,. als ein Bauer mit 17 Morgen. Der ZentrumSredner forderte den beim Zentrum in Ungnade gefallenen Minister v. Soden aus, seine Standesgenossen aus Nächstenliebe durch ein Gesetz zu hindern, Güter zu kaufen, die sich so schlecht rentieren, daß ihre Besitzer keine Steuern bezahlen können. Diese Wendung fand stürmische Zu- stimmung auf der linken Seite des Hauses. Der F i n a n z m i n i st e r bestritt in seiner Antwort, daß all- gemeinere Mißstände sich beim Vollzug der Steuergesetze ergeben hätten, ohne auf die Aitgrifse deS ZeutrumSredncrs im einzelnen des näheren einzugehen. Darauf machte sich Genosse von Haller über den demokratischen Theaterdonner des Zentrumsredners lustig, durch den er draußen aus die. mißtrauisch geivordenen Zentrums- Wähler Eindruck machen wolle.— Die Verhandlung geht weiter; zu der Interpellation haben sich rund 20 Redner gemeldet. Preußischer Polizeigeist in Baden. Kürzlich sollte in Griesbach eine sozialdemokratische Bersamm- lung durch den Ortsdiener bekanntgemacht werden, wie das in Baden vielfach geschieht. Als der Ortsdiener sich anschicken wollte. mit der Schelle seines Amles zu walten, vergaß er sich so weit, sich mit zwei Sozialdemokraten auf dem Schulhofe zu unterhalten. Dieses„Verbrechen" wurde von einem GendarmeriewaÄtmeister entdeckt und der Ortsdiener mußte nun mit dem Herrn Wachtmeister auf da? Liathaus. Die Bekanntgabe durch den Orlsdiener unterblieb und die Versammlung konnte infolgedessen nicht stattfinden. Mehr nimmt fich schließlich auch ein preußischer Polizei- oder Gendarmeriewachtmeister nicht heraus! Die Kalkanfrszen. Die griechisch-türkischc» Berhandlungcu. Athen, 1. Oktober. lP.-C.) Die gestrige Zusammenkunst der Vertreter der türkischen Regierung mit den Bcvoll- nrächtigten der griechischen Regierung ist verhältnismäßig kurz gewesen. da die griechischen Vertreter nach Kenntnis- nähme der türkischen Forderungen und Bedingungen er- klärten, daß sie mindestens drei Tage Zeit brauchten, um eine Sichtung des Ricsenmaterials vorzunehmen. Die Situatton ist nach wie vor äußerst schwierig und vertvickelt und man müßte jeden Augenblick den erneuten Abbruch der Verhandlungen befürchten, ivenn nicht die Großmächte noch gestern in Noten sowohl an die Pforte wie an die griechische Regierung erklärt hätten, daß sie eine direkte Verständigung zwischen Athen und Konstantinopel für absolut notwendig erachteten. Diese deutliche Stellung- nähme der Großmächte hat auf beide Regierungen starken Eindruck gemacht, so daß man hoffen kann, daß auf beiden Seiten alles getan werden wird, um die bestehenden Schwierigkeiten, speziell in der Jnselfrage, aus dem Weg zu räumen.__ Bcbwciz. Tie„meuternden" Milizen. Bern, 7. Ottober.'Im Laufe der letzten Gcbirgs- manövcr im Kanton Graubünden hatten, wie bereits gemeldet, zwei b ü n d n e r i s ch c Bataillone, als sie bei Schneegestöber auf dem Flüelapaß>.2500 Meter) nach Abbruch der Manöver, während die Offiziere bei der Kritik waren, längere Zeit auf den Abmarschbefehl warten mußten, gegen die Verzögerung protestiert. O b c r st Wille, der Kommandant des 3. Armeekorps, hatte in der„Neuen Zürcher Zeitung" einen heftigen Artikel gegen die In- disziplin dieser Truppen veröffentlicht und ihnen Kricgsunbrauch- barkeit vorgeworfen. Dieser Artikel, der in der Schweizer Presse und im Auslande viel kommentiert wurde, war heute im Ratio- na l rate vor überfüllten Tribünen der Gegenstand zweier Jnter- pellationen. Vital- Graubündcn versuchte die Haltung der Truppen mit der Rücksicht auf die furchtbaren Witterungsverhält- nisse zu entschuldigen, während der zweite Interpellant die Truppen scharf kritisierte. Bundesrat H o f f m a n n. der Chef des MilitärdepartementS, rügte scharf die Jndisziplin der Truppen. Die amtlich- Dar- stcllung der Vorgänge stimme indessen keineswegs mit derjenigen des Obersten Wille überein, der in seinem Artikel von Revolten rede, denn die Mannschaft sei nicht ohne Befehl, sondern auf Be- fehl in Kantonements marschiert. Der Rodner betonte, daß die Instruktion der neu in der Schweiz geschaffenen Gebirgstruppen besondere Sorgfalt verlange. Bevor die Einzelausbildung be- endigt sei, dürstenvcgung hinwegzn- gehen. Gegen die Entscheidung im Fall Radek wendet er sich mit großer Schärfe. Thomas überläßt die Richtungsschcidung Leuten, die an theoretischem Spintisieren Gefallen finden. Wenn in Sachen Radek ein Fehlurteil vorliege, so trcssc d,e Schuld die Beschwerdekommission und nicht den Parteitag. Er selbst habe auch dagegen gestimmt, daß dem Beschluß rückwirkende Kraft gegeben wurde. Pieper bedauert, daß Radek nicht vor ein deutsches 'Parteigcricht gestellt wurde. Er begrüßt die Debatten über die Bit- dungsarbeit unter den Genossen von 18 bis 21 Jahren. Ein Be- schiuß wurde nicht gefaßt. Der Sozialdemokratische Verein für Kiel hielt am letzten Donnerstag vier Versammlungen ab. die sich mit den VerHand- lungcn des Parteitages in Jena beschäftigten. Die Delegierten sprachen sich sämtlich sehr befriedigt über die Verhandlungen des Parteitages aus. Nur in der Frage des Massenstreiks war der Delegierte Fröhlich anderer Meinung als seine Kollegen. Er habe für die Resolution Luxemburg gestimmt, weil ihm die Reso- lution des Parteivorstandcs nicht weitgehend genug war. Zwei Redner kritisierten in der Debatte scharf, daß durch Unachtsamkeit sozialdemokratischer Konnnissionsmitgliedcr im Reichstage reaktios närc Bestimmungen ins Stcmpcljtcuergcsctz hineingekommen seien. Ein Redner bedauerte, daß auf dem Parteitage nicht genügend zum Ausdruck gebracht worden sei, daß die Stagnation in her Parteiorganisation mit auf die sich verringernde Anteilnahme aft der persönlichen Parteiarbeit zurückzuführen sei. Alles Reden. über Abneigung der Gewerkschaftsführer gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai und gegen MassenstreikSiskussionen nütze gar nichts, hier helfe nur die Erziehungsarbeit der in der GewcrkschastSbe- wegung tätigen Parteigenossen, die jede Gelegenheit wahrnehmen müßten, die Gewerkschaftsmitglieder mit sozialistischem Geiste zu erfüllen. Tic Beschränkung der Abführung des Tagesverdienstes am 1. Mai nur auf die Beamten der Partei und Gewerkschaften wurde allgemein bedauert. Mehrere Redner sprachen sich auch dagegen aus, daß der durch den Fall Radek hervorgerufene Be- schluß rückwirkende Kraft erhalten hat. Ein Antrag, der einen Protest erhebt gegen die Ausführungen des Genossen Bauer von der Generalkommission in der Massenstrcikdebattc des Partei- tageS über den Werftarbeiterstreik, weil diese Ausführungen lln- Wahrheiten enthalten sollen, wurde abgelehnt. Letzte Nachrichten. Ein neuer Tollwutfall. Der Kellner Bayer in Hohen-Ncuendorf bemerkte vor einigen Tagen, daß sein Hund ein verändertes Wesen zur Schau trug und benachrichtigte, da alle Symptome auf Tollwut hinzu- weisen schienen, die Polizei. Der Hund wurde getötet und der Kopf des Tieres»ach Berlin ins Institut für Infektionskrankheiten gesandt. In der Wutschutzstation stellte man fest, daß tatsächlich Tollwut vorlag. Es wurden deshalb sofort entsprechende Berichte an den Landrat des Kreises Nicderbarnim und an den Regierungspräsidenten in Potsdam geschickt, die nun die weite- rcn Maßnahmen treffen werden. Bemerkt sei noch, daß der Hund ein«» Maulkorb getragen hatte und weder Mensch noch Tier von dem Hunde gebissen worden sind. Rrichstagscrsatzwahl in Baden. Rastatt, 7. Oktober. CW. T. B.) Nach dem vorläufigen, ami- lichen Wahlergebnis bei der heutigen Reichstagsersatzwahl für den 8. badischen ReichstagswahlkreiS erhielt Neuhaus(Zentrum) 13 298, Unser lliberaler Blockkandidat) 3873 und Müller (Sozialdemokrat) 4500 Stimmen. N e u h a u s ist somit gewählt. Japan erkennt dir chinesische Republik an. Peking, 7. Oktober.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Japan hat die chinesische Republik eine Viertelstunde nach der Wahl VuaiischitaiS anerkannt. % Bergarbcitcrstreik in Böhmen. Prag, 7. Oktober.(W. T. B.) In Kummerpürsch sind aus dem zum Brucher Kohlenbergwerk gehörigen Schacht„Venus-Tief- bau" von siebenhundert Arbeitern neunzig Prozent wegen Lohn- disfercnzcn in den Ausstand getreten. Frau Tosclli dementiert. Lindau, 7. Oktober.(W. T. B.) Der Londoner Vertreter Evcleigh Nash erklärt, daß die frühere Kronprinzessin von Sachsen ihn ersucht hat. festzustellen, daß sie nicht eine einzige Zeile der Operette„La Principessa Bizzarra" ge- ' ch r i e b e n h a b e. Der Text dieser Operette sei von Paolo Reni aus Mailand verfaßt. Es Hab: der Prinzessin den größten Ver- druß bereitet, daß ihr Name mit diesem Erzeugnis verknüpft worden sei. Mmmmmmmm: ModefUSl© 11 ULSTER 1013 1Q14L Erzetsgnlsse unserer einzig in ilrrer Art djaslelrericieii KlelderwerRe, welche die größten. Oeutsdilancis stiid T FI ef z=i'p Nr. 3. Dunkel und hell gemasfer.'e N/s Cheviots mil cesfi-eifler Abseife..... i- i Ulsfer Ulster Ulster Ulster Cheviots mit Qestreifter Abseile., Nr. 4. 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Jahrgang. 1. Anlagt ki Jotmärfs" fittlintt UalksM Mitwach, 8. Oktaber 1913. Geieverksckaftlickes. Vcrlin unci Qmzeg-N't- Ter Bautischlertarif und die heutige Konjunktur. Seit 1907 ist noch keine richtige Konjunktur für die Bautischler gewesen. So sind von 352 Betrieben in Grojj-Berlin allein 81 eingegangen, des weiteren sind ca. 25 Prozent der Bautischler arbeits- los. Diese schlechte Situation suchen nun die llnternehmer noch weidlich auszunutzen. So werden Submissionsarbeiten, besonders solche, die in der heutigen Krisenzeit zum Teil als NmstandSarbeiten vergeben werden, nicht nur schlecht bezahlt, sondern auch von hiesigen Unternehmern weiter nach auswärts gegeben. Wie unter dem Tarif gearbeitet wird, beweist folgendes: Die Firma H e d k e dezahlte bei einer Gemeindearbeit für je ein neunslügeligeS Fenster 8,35 M. weniger, als im Tarif vorgesehen. Bei der Firma Rabe zahlt man statt 26 M. nur 10 M., statt 28,55 M. nur 14 M., statt 21 M. nur 9 M., statt 18 M. nur 10 M. usw. Auch streben die Unter- nehmer an, jetzt in Lohn arbeiten zu lassen, weil sie dadurch in der Lage sind, die Löhne noch mehr zu drücken. Zum Teil tragen die Kommunen die Schuld an den schlechten Verhältnissen. So liest man, dast bei den verschiedensten Ausschreibungen der höchste Anschlag 177 692 M., der Zuschlag 93446 M.oar, als er das Rundschreiben „Singulari" erliest. Zuerst: JndifferentismuS, dann Aufsessigkeit gegen die geistliche Obrigkeit usw. usw." Ja, tatsächlich wehren' sich die S t e g e r w a l d und Genossen dagegen, treue Söhne ihrer Kirche zu sein. Huslanck. Allgemcincr Strasjenbahncrstreik in Moskau! Ain 2. d. SD?, traten die Arbeiter und Angestellten, der städtischen elektrischen Strastenbahnen in Moskau— über 7000 an der Zahl— in den Ausstand. Es streiken die Arbeiter der elektrischen Kraft- station, die Wagenführer, die Schaffner, hie Weichensteller und die Remontearbeiter. Da die Kraftstation auch die städtischen Ein- richtungen und groste Teile der Stadt mit Licht versorgt, sind ganze Stadtteile in Dunkelheit gehüllt. Da gleichzeitig auch über lausend Bäcker in einen wirtschaftlichen Streik getreten sind, und Gerüchte umlaufen, dast die städtischen Wasserleitungs- und Gasarbeiter in den Ausstand treten wollen, gibt die Polizei den Einwohnern den Rat, sich mit Wasser und Brot für drei Tage zu versorgen. Das ganze Leben der Millionenstadt ist plötzlich aus seinem gewohnten Geleise gehoben. Der Verkehr, der Handel stockt, die abenteuer- lichstcn Gerüchte schwirren durch die Stadt, zumal die Polizei droht, mit bewaffneter Macht gegen die Streikenden vorzugehen. Aeusterst bezeichnend für die Barbarei der russischen Rechts- zustände ist die Entstehungsgeschichte des Moskauer Sirastenbahner- streiks. Schon seit Wochen gärt es unter den Angestellten der Strastenbahnen in vielen russischen Städten, die in Anbetracht der von ihnen geforderten erhöhten Arbeitsleistungen und der zunehmenden Lebensmittelteuerung um eine Aufbesserung ihrer Arbeitsbedingungen bedacht sind. In einigen Städten ist es bereits zu Ausständen ge- kommen. In T i f I i s, wo die Stratzenbahner 17 Tage streikten, hat der Kampf mit einem glänzenden Sieg der Angestellten geendet. Ueber die Bewegung unter den Moskauer Strastenbahnern, die bei einem 10— 12stündigen Arbeitstag einen Lohn von 30— 35 Rubel monat- lich beziehen, war die Stadtverivaltung ausgezeichnet unterrichtet. Die liberalen Herren in der Stadtduma rührten aber keinen Finger, um ihren Arbeitern entgegenzukommen. Die Delegierten der Arbeiter erschienen endlich selbst bei dem Dezernenten der städtischen Stratzen- bahnen Ingenieur P o l i w a n o w, der ihnen empfahl, ihre Forde- rungen in einer gemeinsamen Petition der Stadtverwaltung zu unterbreiten. 25 Delegierte versammelten sich daraufhin in einer Privatwohnung, um die Petition auszuarbeiten. Aber die Polizei wachte! Sie umzingelte das Haus, verhaftete die Delegierten und übergab sie als schwere„Staatsverbrecher" der hochwohllöblichen Gendarmcriepolizei. Auf die Nachricht von diesem Gewaltakt legten die Arbeiter und Angestellten der Strastenbahn wie ein Mann die Arbeit nieder und stellten neben einer Reihe wirtschaftlicher Forderungen in erster Linie die Forderung der Freilassung ihrer Delegierten auf. Nun möchten die liberalen Stadtväter, die durch ihre verbreche- rische Kurzsichtigkeit den Streik heraufbeschworen haben, gerne zu einer Vetständigung mit den Arbeitern komntsn, zumal sie die Be- rechtigung ihrer Forderungen anerkennen. Dem steht aber die Vcr- Haftung der Delegierten im Wege. Das stellvertretende Stadthaupt B r j a n s k y versuchte zwar, die Schuld an den Vorgängen deit Arbeitern selbst zuzuschreiben und sie in hochfahrendem Tone zur Wiederaufnahme der Arbeit aufzufordern. Aber sein Aufruf Halle nur den Erfolg, dast der Streik sich noch mehr ausbreitete. Ntm versuchen es die Stadlväter mit Interventionen bei der Polizei. Diese erklärt aber auf das verspätete Lameitto der Liberalen kühl, die„Sache" sei der politischen Polizei übergeben. Und ihrer Forde- rung Nachdruck zu verleihen, dazu haben die Liberalen nicht die nötige Energie.___ Siebenter österrekhiicljer Gewerk- [(Hafts-Kongreß. W i e n, 7. Oktober 1913. Telegraph i scher Bericht. Die zentralistischcn Tschechen gaben durch Genossen Viktor Stein folgende Erklärung ab: „Durch die Zertrümmerung auch der letzten GewcrkschaftS- organisation(Eisenbahner) hat der Separatismus sein vcr- hcerendes Werk vollendet; durch seinen unseligen Kampf gegen die einheitliche Gewcrkschaftsorganisatiou hat er die ganze Gc- werkschaftsbcwegung ungemein geschwächt, das Vertrauen der Arbeiter in die Organisation sehr erschüttert und dadurch den Kapitalismus gestärkt. Langsam, aber sicher regt sich nun auch in den Reihen der zum Separatismus haltenden Arbeiter die Ernüchterung und es kehrt die Erkenntnis wieder, kth die internationale Organisierung der wirtschaftlichen Kämpfe gegen den Kapitalismus eine unabwendbare Notwendigkeit ist. Deshalb ist auch der Kampf gegen den Separatismus ein Kampf für die ge- samte geioerkschaitlichc Internationale." Hierauf. Wird der Gcwerkschaftskommission einstimmig die Eni- lastung erteilt. Auf Antrag Huegers beschlicstt der Kongreh einstimmig ciite Resolution gegen den neuerlichen Anschlag der Regierung auf die Krankenkassen. Tic Krankenkassen der Provinz haben sich nämlich dem Verband angeschlossen, den die Wiener Krankenkassen gebildet haben, um gemeinsam die Krankenkontrolle zu besorgen und das Verhältnis mit den Aerzten zu regeln. Die Acrztc, die ebenso wie in Teutschland seit langem im Kampf gegen die Krankenkassen stehen, glauben, daß durch diesen Anschlust der Provinzkraukenkafsen an die Wiener ihre Rchte beeinträchtigt werden und sie haben alles unternommen, um diesen Anschluß zunichte zu machen. Dieselbe Regierung, die den Anschluß zuerst bewilligt hatte, hat ihn nach- träglich als gesetzwidrig erklärt und damit den Wiener Kaffenvcr- band um große Aufwendungen, die er für die Provinzkrankcnkasselt gemacht hat, geschädigt. Das Vorgehen der Regierung richtet sich in seinen Wirkungen aber auch gegen die Wohnungsfürsorge für die Arbeiter, die von dem Wiener Krankenkasseuverband in groß- zügiger Weise und mit einem Kapital von 10 Millionen Kronen in Angriff genommen wurde. Gegen dieses, Vorgehen also erhebt der Gewerkschaftskongreß schärfsten Protest. Es folgte das Referat des Genossen G r ü n w a l d von der Gewcrkschaftskommission über die Jugendorganisation. Er bespricht die Jugendabteilung in den Gewerkschaften und erklärt, daß diese den Bedürfnissen der Jugend nicht genügen können, weil die Jugend noch andere Anregungen suche, als sie ihnen dort geboten werden können. Die Jugendabtciluugen der Gc» werkschasten stellen also noch nicht die letzte Form der Jugendorga» nisation dar und das Auftreten und Gedeihen der freien Jugend- organisation in Deutschland und des Verbandes jugendlicher Ar- beiter Oesterreichs beweisen, daß in der Arbeiterjugend ein, starkes Bedürfnis nach solchen speziellen Organisationen besteht. Es wurde darauf eine Resolution angenommen, die zum Kampf gegen die bürgerliche Jugendverführung durch konsequente Auf- klärung und Erziehung der arbeitenden Jugend im proletarischen Sinne auffordert. Da aber den Gewerkschaften Oesterreichs bis jetzt noch Zeit und Kräfte mangeln, um diese Aufklärungsarbeit mit Erfolg verheißender und zweckentsprechender Art im eigenen Wir- kungskreis planmäßig durchführen zu können, empfiehlt der Kon- greß den gewerkschaftlichen Organisationen, die heranwachsende Ar- bciterjugend auf den Verband der jugendlichen Arbeiter Oester- reichs zu verweisen, ferner die fachliche Ausbildung der Lehrlinge zu überwachen und durch unentgeltliche Beileistung fachtechnischer Zeitschristen, unentgeltliche Zulassung zu eventuelleit Unterrichten und Ausstellungen usw. zu fördern. Den hcranivachsenden Arbei- lern soll die Zugehörigkeit zum Verband jugendlicher Arbeiter Weines feuiUeton. „Dienstlich". In Diedenbofen hat ein Leutnant einen Fähnrich erschossen. Bei einer nächtlichen Sauferei: der Leutnant erklärte schlucksend, er wolle sich nunmehr das Leben nehmen. Nun, das sagt man schon so des Nachts um halber zwölf. Aber dem da schien es ernst zu sein, denn er zog einen Revolver und fuchtelte damit herum. Der Fähnrich, der das Unheil kommen sah, nahm seinem betrunkenen Vorgesetzten das Schießgewehr weg. Darauf wurde der nüchtern und„befabl wiederholt dem Fähnrich dienstlich", ihm den Revolver zurückzugeben. Was dieser auch tat.— der Leutnant holte sich von seinem Burschen Patronen und schoß den Fähnricb tot. Es wird Sache der Gerichte sein, sich mit diesem Tatbestand näher zu befassen. Wir haben uns bloü mit dem Wort„dienstlich" zu beschäftigen. Es steht immer in diesen Berichten, die wir zur Genüge kennen. Wenn ein Otsizter eine Weibergeschichte hat, einen Zusammenstoß mir Vorgesetzten aus privaten Gründen,— immer wird die Sache irgendwo dienstlich. Bis dahin stand man sich als Mitmensch und Gegner gegenüber.— wenn man aber nicht mehr weiter kann, befiehlt man..dienstlich". Praktisch: die Kommando- gewalt gilt immer. Das ist eine gefährliche Waffe in Händen von Leuten, die noch nicht weit genug sind, um zwischen Privatverhältnisscn und dem Dienst zu untersweiden. Im Gegenteil: nachts um zwei, wenn man nicht mehr gerade stehen kann, hört die Gemütlichkeit' aber auch der Dienst auf. Das Wort imponiert. Niemand nimmt mehr Anstoß daran, wenn so ein junger Leutnant nachher im� Gerichtssaal erklärt:„Ich befahl dem Angeklagten dienstlich..." lind wenn man näher hinhört, saßen sie alle zusammen beim Jeu und waren alle zu- sammen heillos betrunken. Das ist eine Farce, die abgetan werden muß. Sie bilden einen Staat im Staate denn wenn jemand bei einer Rauferei sich auf den Postaisislenten� ausspielt, wird er ausgelacht. Hier fliegt der andere in den Kasten, wenn er nicht noch im Rinnstein mit den Händen an der Hosennaht salutiert: „Zu Befehl, Herr Leutnant!"— Der TieiV gehört in die Kaserne. Beim Sekt hat er nichts zu suchen. Die Zahnpflege im Heere. Die Zahnpflege genießt heute im allgemeinen noch nicht die Würdigung, die sie verdient. Erst in letzter Zeil Hai man damit begonnen, sich die eminente Wichtigkeit des normalen, sowie die Folgen des defekten Gebisses für den Orga- nismus vor Augen zu führen. Auch Staat und Gemeinde nehmen sich seit einigen Jahren dieses Zweiges der Volkshygiene an. In letzter Zeit haben Militärärzte Untersuchungen über die Be- schaffenhsit der Zähne von Soldaten vorgenommen. Es wurde nach einem Bericht vom Militärarzt Dr. Müller in der„Münchener Me- dtzinischen Wochenschrist" festgestellt, daß nur zirka 5 Prozent der Untersuchten normale, d. h. nicht kariöse Zähne besitzen. Es wurde dabei nicht berücksichtigt, ob das Gebiß lückenlos war oder ob schon Zahne fehlten. Int Durchschnitt hatte jeder deutsche Soldat fünf bis acht mangelhafte Zähne, die entweder gezogen oder gefüllt werden mußten. Diese Tatsache ist um so betrübender, wenn man bedenkt, dast der Gesundheitszustand der Mannschaft den des Volkes weit übertrifft. Der Militäroberarzt Dr. Richter teilte die Mannschaften, je nach ihren Zahn- und Mundverhältnissen in drei Grnppen. Er fand, dast die dritte Gruppe mit vollkommen verwahrlosten Gebissen die geringste Zunahme des Körpergewichts aufwies, nämlich nur um 0,88 Kilo- gramm vom Diensteintritt bis zur Entlassung. In Würzburg ist zwischen der Garniionverwaltung und der Universitätszahnklinik seit dem 1. Januar 1912 ein Vertrag abge- schlössen worden, durch den sämtliche Mannschaften nnentgeltliche Zahnbehandlung erhielten. Im ersten Jahre der Durchführung der Einricblung wurde die Klinik von rund 3000 Soldaten aufgesucht. In München, Nürnberg, Landau sind Militärstationen eingeführt worden. In den meisten Garnisonen aber, namentlich in Preiisten, ist noch nichts geschehen. Dr. Müller fordert, daß in jedem Garnison- lazarett eine Zahnstation errichtet wird. Jedem Armeekorps sei eine technische Station anzugliedern, die den zu ihr beorderten Soldaten künstliche Gebisse anfertigt. Solange noch nicht genügend aktive Militärzahnärzte vorhanden sind, die heute noch eine«eltenheil bilden, ist die Leitung der Militärzahnstutionen Zivilzahnärztcn zu übertragen, die ein bestimmtes Gehalt beziehen. Theater. H e r r n f e l d t h e a t e r:„Eine fei neFamilie". Im Herrnfeldt-Theater haben sie jetzt eine neue Posse einstudiert. Aber nicht wieder so eine, wie sie hier schon Tradition geworden war. mit dem obligaten Ehebruch und der Angst der schlotternden Ehemänner und so. Diesmal ist es den beiden ausgezeichneten Brüdern ge- lnnaen, ein Symbol darzustellen, ein Symbol der bürgerlichen (speziell jüdischen) Familie. Sie zeigen, was selten gezeigt wurde: wie diesen Leuten das ZusammengebörigkeiiSgesühl in Fleisch und Blut sitzt, wie sie bei- cinanderbocken und sich hassen, aber sie lassen sich nicht, sie lassen sich nicht. Sie wollen alle zusammen verhindern. dast Onkel Leibusch, von dem sie erben werden, wenn er Gott- lob! tot sein wird, heiratet. Er toll nicht heiraten l Wozu soll er betraten?— Und sie grübeln und denken und spintisieren, wie sie ihn daran hindern können. Nnn, es gelang ihnen nicht. Aber anläßlich dieser Intrigen, dieser kleinlichen Kabalen enthüllt sich uns die ganze Gesellschaft in ihres Lebens Maienblüte. Zieht man die schwankmätzigen Situationen, die Witze, den Geist der Uebeitreibung ab, dann ist die Bühne ein Spiegel des Parketts. Aber das wollen wohl die Leute nicht so sehen. Sie meinen, der Spiegel sei ein Bild. Und belachen die Uebertreibungen, die Witze, den Schwank. Ohne daß die Herrnfelds Partei genommen hätten— hier ist mehr. Der das Stück gemacht hat, der muß sehr viel und gut be- obachtet haben. Der muß gesehen und verstanden haben. Begriffen. wie nach all dem Zank, dem Aerger, den häuslichen Schlachten doch wieder alle an der festlich geschmückten Hochzeitstafel zusammen- hocken, toasten, Gedichte aufsagen und der Welt— in diesem Falle den Kellnern— ein trauliches Bild deutschen Familienlebens vor Augen führen. Die ersten zwei Akte haben die Kellner nicht gesehen. Aver wir. Und wenn wir nun Ivieder von dem traulichen Familienleben lesen, dann wollen wir uns an diese zwei und an den letzten Akt gern erinnern._€u. Notizen. — Nobert-Koch-Jnstitut. An Stelle Professor Gaffkys, der die Leitung des Instituts für Infektionskrankheiten niedergelegt hat, wurde der Gr eifswald er Professor Dr. Loeffler be- rufen, der als Entdecker des Diphtheriebazillus bekannt geworden ist. — Wagner-Vorträge. Im Schillersaal des Charlotten- burger Schiller-Theaters finden von Montag, den 6. Oktober, ab abends 8ft.2— 10 Uhr einführende Vorträge und musikalische Er- läuterungen des Kapellmeisters Willi Starck'über Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen" statt. — Der Schluß der Internationalen Baufach» a u S st e I l u n g. Die Leitung der Internationalen Baufachaus- stellung Leipzig 1913 hat den Schluß der Ausstellung auf den 31. Oktober festgesetzt. — Ein Sentinar für Genossenschaftswesen. Die Regierung des Kantons Zürich hat nach der„Franks. Ztg." zum Beginn des Sommersemesters 1914 an der staatSwissenschaft- lichen Fakultät der Universität ein Seminar für Genossenschaftswesen zu errichten beschlossen. — Das verba nnte Zarendenkmal. Trubetzkois Denkmal Alexanders Hl, das in Petersburg steht/ soll, weil eS einigen hochstehenden Herrschasten nicht gefällt, nach Wladiwostock abgeschoben werden. Es fehlt dem Werke nämlich die übliche Heldenpose. Dem Denkmal des angstschlotternden Heros der Verschickung auf administrativen Wege wird eS im sibirischen Osten sicherlich nicht an Wirkung fehlen. — Der neue Komet, der zuerst von einer argentinischen Sternwarte beobachtet wurde, hat sich als identisch mit dem Kometen Westphal erwiesen, der eine Umlaufszeit von etwa 61 Jahren um die Sonne hat. Der Komet hat an Helligkeit inzwischen zu« genommen, so daß er bereits in einem Feldstecher zu sehen ist. Der Komet steht zurzeit zwischen den Sternbildern„Wassermann" und „PegasuS". — Ein drahtloses Telegramm über 40 300 Kilo- in e t e r. Das Brüsseler Institut für drahtlose Telegraphie unter- nahm ain Dienstag Versuche, nnt einem Kunden in Birma(Hinter- indien) zu sprechen. Die Entfernung dorthin beträgt 40 300 Kilo- nreter. Es ist das erste Mal, dast ein drahtlose? Telegramm auf eine so große Entfernung übermittelt wurde. Oesterreichs auch materiell erleichtert weröen, indem den Mitglie dern dieses Verbandes beim Uebertritt zur Gewerkschaft gewisse Vergünstigungen bezüglich der Fristen für die Bczugsbcrechtigung eingeräumt werden. Mit allem Nachdruck erklärt jedoch der Kon- grcß, daß die Mitgliedschaft beim Verband der jugendlichen Arbeiter nicht an die Stelle der Mitgliedschaft bei der zuständigen Gewcrk- schaft. die für jeden seiner Klassenlagc bewußten erwachsenen mann- lichen und weiblichen Arbeiter Pflicht ist, treten darf. Vom Ver- band der jugendlichen Arbeiter wird erwartet, daß er seine Mit- glieder verpflichte,»ach Erreichung des 16. Lebensjahres bezw. nach Beendigung der Lehrzeit auch ihrer zuständigen Gewerkschaft bei zutreten. lieber die Tätigkeit des k. k. Arbeitsstatistischcn Amtes referierte Abg. Mülle r-Wicn(Eisenbahner): Der Arbeitsbeirat, der dem Arbeitsstatistischem Amt angegliedert ist, besteht aus 46 Mitgliedern, und zwar 12 Arbeitern, 12 Unternehmern, 12� höheren Wissenschaftlern und 12 Staatsbeamten. Wir können also seine Tätigkeit immer kontrollieren und er hat auch so manches wertvoll« sozialpolitische Gutachten abgegeben; aber die Regierung legt den Arbeiten dieses von ihr selbst ins Leben gerufenen Bei- rates infolge des zunehmenden Einflusses der Scharfmacher immer geringeren Wert bei. Sic läßt seine Gutachten im Papierkorb ruhen und gibt ihnen bei ihrer Mitarbeit an der Gesetzgebung oder bei ihrer Tätigkeit auf dem Verordnungswege keine Folge. Dazu kommt noch, daß die Regierung ihre Vorlagen jetzt nicht nur der Begutachtung des Arbeitsbcirates, sondern auch zwei anderen Bei- raten unterbreitet, nämlich dem von Nrbeitervcrtrctern völlig freien Industrierat und dem ebenso beschaffenen Gewerberat. Das Arbcitsstatistischc Ruit gibt auch die„Soziale Rundschau" heraus, die zu einem billigen Preis eine llebersicht über die Sozialpolitik in der ganzen Welt gibt. Die„Sozale Rundschau" soll aber be- deutend eingeschränkt werden, weil man in dem Staat der unge- heuerlichsten Rüstungen, für die man jetzt eben wieder eine Mil- liarde auszugeben beabsichtigt, für Sozialpolitik kein Geld hat. Nach einigen Bemerkungen des Genossen Dr. Viktor Adler über die klägliche Rückständigkeit der österreichischen Sozialpolitik beschloß der Kongreß einen scharfen Protest gegen diesen schmäh- lichen Zustand und forderte die sozialdemokratischen Abgeordneten auf, zu geeigneter Zeit im Parlament die nötigen Schritte einzu- leiten, damit in den Staatsvoranschlag die für eine gedeihliche Tätigkeit des Arbeitsstatistischen Amts nötigen Mittel eingestellt werden. Die gesetzliche Regelung der Heimarbeit war der nächste Gegenstand der Tagesordnung. Abg. Smitka- Wien, der Obmann des Schncidcrverbandcs, legte als Referent die Greuel der Heimarbeit in Oesterreich dar. In anderen Ländern, in Deutschland, Frankreich, besonders aber in Australien und Eng- land hat man Hcimarbeitsgesctze geschaffen oder wenigstens um- fangreiche Vorarbeiten dafür geleistet. Die sozialdemokratischen Mitglieder des ArbeitsbeiratcS haben auch einen vollendeten Ent- Wurf ausgearbeitet und der Arbeitsbcirat hat auch sonst mancherlei Material zu einem Gesetz über die Heimarbeit geliefert, die Re- gierung will aber-den Gesetzentwurf nicht vorlegen! In der hierauf einstimmig angenommenen Resolution werden als Grundsätze für ein wirksames HeimarbeitSgesetz gefordert: Festsetzung rechtsverbindlicher Minimallöhne und sonstiger Arbeitsbedingungen durch paritätische Heimarbeiterkommissionen; strenge Vorschriften über die Arbeitsstätten in der Heim- arbeit; Verbot der Heimarbeit in Räumen, in welchen sich Personen mit ansteckenden Krankheiten aufhalten und Vernichtung aller unter llcbertretung dieses Verbots hergestellten Waren auf Kosten dcS Unternehmers; Verbot erwerbsmäßiger Kinderarbeit; Heimarbeitsinspektoren aus Arbeiterkreisen; genaue Listcnführung der Unternehmer über die Heim- arbciter und Zwischenmeister und regelmäßige Zusendung dieser Listen an den Gcwerbeinspcktor und an die Krankenkasse; Verbot der Ausgabe von Arbeit außer dem Hause durch Zwischenpersonen; Lohnbücher und Kundmachung der Lohntarife; Kranken- und Unfallversicherung für die Heimarbeiter, volle Beitragsleistung des Hauptunternehmers für die Heimarbeiter und Stückmeister; Lohnlistcnzwang; Möglichkeit der Ausdehnung eines in der Heimarbeit abge- schlossenen Kollektivarbcitsvertrages auf sämtliche in Betracht kommenden Unternehmen durch Beschluß der Kommissionen und endlich Sicherung der Einhaltung des Gesetzes durch Androhung wirksamer Strafen. Als Pflicht aller Gewerkschaften wird erklärt, der Organisierung der Heimarbeiter besondere Aufmerksamkeit zu widmen, um auch auf diesem Wege die ungeheuren Mißstände in der Heimarbeit be- seitigen zu helfen und womöglich bessere Arbeitsbedingungen zu er- ringen. jfugeuclbe�egiiiig. Heulen und Zähneklappern. Stolz hat die Zeitschrift„Arbeiter-Jugend" am Kopfe ihrer letzten Nummer verkündigt, daß sie 100 006 Leser um sich geschart hat. Manche stürmische Drängcr in unseren Reihen hätten gerne in den vier Jahren des Bestehens der-„Arbeiter-Jugend" noch mehr erreicht, aber alle freuen wir uns einmütig des durch ge- mcinfame Arbeit erreichten Erfolges. Nicht so die Gegner. Mit langen Gesichtern stehen sie da und jammern, daß rein gar nichts die rote junge Garde aufhalten kann. Weil sie am Ende ihres Lateins und so furchtbar erickirocken sind, fangen sie gar gottes- ästerlich an zu schimpfen. Am besten können das die frommen Zentrumsblätter. In einem Artikel, der gerade bei ihnen die Runde macht, heißt es: Massenweise verstricken sich die Jugendlichen, die ahnungS- loS und flatterhaft wie die Fliegen sich am Sonnenlichte baden und mit leidenschaftlicher Vorlieoe an neuen Ideen sich berauschen, in dem engmaschigen Netz der organisierten Jugendverführung. Dann kommt die rote Spinne, der M o I o ch S o z i a l i s m u s, der am Zentrum des Gewebes lauernd und sprungbereit steht, fällt erbarmungslos über die Jugendseelen her und saugt ihnen, wonnetrunken von dem Massenlustmord, das B l u t der Religiosität und christlichen Ge- sinnung aus, um sie durch und durch mit dem sozialdemo« kratischen Gift zu durchtränken. Dieses frevelhafte Hand- werk organisierter Jugendverführung und systematischen Massen- mordeS an den Jugendseelen treibt die Sozialdemokratie nun schon seit Jahr und Tag. Staat und Kirche konnten diese unheimliche Minierarbeit, die dem einen so gut wie dem andern die Lebenswurzeln für die Zukunft abzuschneiden droht, nicht länger mit ansehen. Auf uns und unsere jungen Freunde wird diese Sprache eines -.fernden Pfaffen die Wirkung haben, daß sie noch recht viele in die organisierte Jugendverführung" mitziehen. 100 000 ist gewiß eine coße Zahl, aber sie ist nicht groß genug. ES gibt v i e r z l g m a l ) viel junge Arbeiter und Arbeiterinnen in Deutschland. Die müssen earbeitet werden. Em Induftne und Rande!. Kartellpreise. Wie wir vor einigen Tagen meldeten, ist nach vergeh- lichen Erneuerungsverhandlungen das R h e i n i s ch- W e st- fälische Zement syndikat endgültig aufgelöst worden. Bis zu Ende dieses Jahres sind die Mitglieder noch an die Syndikatsprcise gebunden. Für nächstjährige Lieferung ver- kaufen die Werke aber bereits jetzt und zwar zu einem Preise, der mehr als um die Hälfte niedriger ist als die gegenwärtigen Preise. Nach dem„Berl. Tagebl." offerieren die Wickingerwerke Portlandzcment für 191-1 ab Werk zu ILO M. für zehn Tonnen, während der bis Jahresende noch in Kraft befindliche Syndikatspreis sich auf 240 bis 259 M. stellt. Die Gewerkschaft Elsa soll sogar schon Zement für 109 M. anbieten. Selbst der mit Auflösung des Rheinisch Westfälischen Syndikats in Kraft getretene„V e r b a n d W e st fälischer Portlandzementwcrke"(dem 14 Werke Westfalens angehören) wird seinen Preis auf 125 M. bemessen. Diese plötzliche Ermäßigung um IVO Prozent zeigt, welche Wucherpreise die Syndizicrung einer Industrie den betefligten Werken zu nehmen gestattet. Internationale Lebensmitteltcuernng. Die agrarische Presse hat triumphierend darauf hinge- wiesen, daß die Lebensmittelteuerung auch in dem Freihandels- land England während des letzten Jahrzehnts ganz erhebliche Fortschritte gemacht hat. Es sei daher unsinnig, wenn die deutschen„Freihändler" der„bewährten" deutschen Wirtschafts- Politik irgendwelche Schuld an den steigenden Preisen bei- mäßen. Nun ist von sachverständiger Seite niemals bestritten worden, daß das Steigen der Lebensmittelpreise eine inter- nationale Erscheinung ist, die keineswegs ausschließlich auf die Schutzzolltarife der Welthandelsstaatcn zurückzuführen ist. Eine andere Frage ist es, inwieweit diese natürliche Preisentwicke- lung durch künstliche Tarifmaßnahnien noch verschärft worden ist. Hierzu bringt ein vor kurzem vom Board of Trade veröffentlichtes Blaubuch sehr lehrreiches und einwand- freies Material. Wenn die Indexziffer für Nahrungsmittelpreise im Jahre 1900— 100 gesetzt wird, so hat sich das Preisniveau bis zun: Jahre 1912 in den untenstehenden Ländern wie folgt entwickelt: Großbritannien. Deutschland.. Holland.... M Italien...... 120 * Index im Jahre 1011. Die Lebensmittelpreise sind also in den letzten 12 Jahren in D e u t s ch l a n d um nicht weniger als 15 Prozent oder gerade um das Doppelte mehr gestiegen als in England. Sollten unsere Lebensmittelzölle daran wirklich so ganz schuldlos sein? Nach einem jüngst vom Department of Commerce and Labor der Vereinigten Staaten veröffentlichten Bericht be- trug die Indexziffer der Vereinigten Staaten für 1912 so- gar 150!_ Erweiterung der ManneSmann-Werke. Im vergangenen Jahre sind die Mannesmannwerke dem Bei- spiel der großen Moatanunternehmungen gefolgt und haben sich durch Angliederung einer Kohlenzeche von einem reinen Eisen- Walzwerk zum gemischten Großbetrieb entwickelt. Jetzt plant die Verwaltung auch die Fabrikation anderer Eisenerzeugnisse als Röhren. Mannesmann würde damit den großen gemischten Werken wie Gelsenkirchen, Phönix usw. an die Seite treten. Der Geschäfts- bericht sagt über diese Pläne: „In der Geschichte unserer Gesellschaft wird das Geschäftsjahr 1012/13 einen Markstein bilden. Es brachte uns eine Hoch konjunktur, Rekovdzisfern in der Produktion und damit die Bestätigung, daß unsere in den letzten Jahren unter Aufwendung bedeutender Mittel teils neu geschaffenen, teils verbesserten Her- 'tellungsanlagen und Einrichtungen wirtschaftlich notwendig waren und technisch auf der Höhe stehen. Auf dem Wege, der vom reinen Walzwerk zum unabhängigen Großbetrieb fiihrt, ist durch den Erwerb fast aller Kuxe der Gewerkschaft des Steinkohlen- bergwcrks„Königin Elisabeth" zu Frillendorf bei Essen eine be- deutende Strecke zurückgelegt worden. Unsere Gesellschaft hat'ihre Existenz auf einem Spezial-Fertigfabrikategebiet(Röhrcnfabrikation) aufgebaut und auf diesem Wege dem Umfange und dem Ansehen nach nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt eine AuS- nahmcstellung erreicht. Eine solche Gesellschaft kann der Entwicke- lung unserer modernen Großbetriebe, die nichts anderes als die gewaltsame Eroberung der Produktion und der Märkte aller Fertigerzeugnisse bedeutet, nicht ruhig Gewehr bei Fuß zuschauen. Sie muß beizeiten dafür sorgen, daß sie in der Lage ist, auch ihrerseits auf andere Gebiete überzugreifen, wenn ihn etwa Arbeits- und Entwickelungsmöglichkeiten auf ihrem eigensten Tätigkeitsfeld« streitig gemacht werden sollten. Wir wer- den dieses Ziel im Auge behalten und zu gegebener Zeit und Ge- legenhcit unsere Maßnahmen danach zu treffen haben." Der Entwickelung zum Großbetrieb hat die Gesellschaft auch durch die V e r k a u f s g c m c i n s ch a f t vorgearbeitet, die sie mit folgenden Werken unterhält: Balcke, Tcllcring u. Co. A.-G., Benrath, Wittcner Stahlröhrenwerke, Witten a. Ruhr, Siegener Stahl- röhrcnwcrke G. m. b. H., Weidenau a. Sieg, Gustav Kuntzc, Wasser- gasschweißwcrk A.-G., Worms, Gewerkschaft Grillo, Funke u. Co., Gelsenkirchen-Schalke, Gewerkschaft Käfcrnburg, Elisenhütte in Nassau und Röhrenwerk Raunheim G. m. b. H., Raunheim a. M. Ter Umfang der neuen Interessengemeinschaften tritt auch in der Bilanz zutage. Dort stieg das Konto„Beteiligung an anderen Gesellschaften" gegen 1012 von 22 auf 52 Millionen Mark. Zur Syndikatsfrage äußert sich der diesjährige Ge- schäftsbericht wesentlich anders als der vom Jahre 1011/12. Da- mals hieß es, die Verwaltung stehe der Syndizierung skeptisch gegenüher, da solche Verbände leicht zum Hemmnis für die Wirt- «chaftliche EntWickelung einer Industrie würden. Heute beeilt sich die Verwaltung zu betonen, daß das Röhrensyndikat das Berichts- jähr nicht überlebt habe, daß die Verwaltung aber lebhaft an dem Zustandekommen mitgearbeitet habe und die Auflösung nicht auf sie zurückzuführen sei. Die Gesellschaft hat von dem Hochkonjunkturjahre, wie wir be- reits meldeten, außerordentlich profitiert. Der Gesamtumsatz stieg von 06 auf 118 Millionen, der Bruttogewinn von 11 auf 16 Mil- lionen. der Reingewinn von 6,8 auf 0,8 Millionen Mark. Die Aktionäre erhalten wie im Vorjahre 13sh Proz. Dividend«. Die Hamburg-Amerika-Linie will ihren gesamten Passagier- dienst abtrennen und einem Tochterunternehmen übergeben. Unter der Firma„Hapag Schiffahrtsgesellschaft m. b. H." mit dem Sitz in Hamburg ist ein Unternehmen errichtet worden für den Betrieb der Schiffahrt und aller damit verwandten Geschäftszweige, ins- besondere für den Abschluß von Ueberfahrtsverträgen mit Reisen- den für die Schiffe der Hambuvg-Amerikanischen Paketfahrt A.-G. (Hapag). Das Stammkapital beträgt 100 000 M. Geschäftsführer ist der Direktor der Hamburg-Amerika-Linie und Leiter der Passagierabteilung dieser Gesellschaft. Montanstatistik. Das 3. Vierteljahrshest zur Statistik des Deutschen Reichs enthält erstmalig die Ergebnisse der abgeänderten Montanstatistik für 1012. Die Abweichungen gegen früher bestehen darin, daß die Hütten und Roheisen verarbeitenden Betriebe in die Veröffentlichung nicht einbezogen worden sind. Es wird nicht mehr die gesamte Förderung, sondern nur die Förderung der v e r w e r t- baren Produkte festgestellt. Die Produktion an Steinkohle belief sich auf 174.9 Millionen Tonnen im Werte von 1,8 Milliarden Mark, die Produktion an Braunkohle auf 80,9 Millionen Tonnen im Werte von 175,6 Millionen Mark. An Eisenerz wurden 27,2 Millionen Tonnen im Werte von 110,1 Millionen Mark, an Blei-, Silber- und Zinkerz 2,0 Millionen Tonnen im Werte von 50,2 Millionen Mark gewonnen. Dazu kommt die Förderung von Arsen-, Kupfer-, Schwefel-, Wolfram-, Uran-, Zinn- und anderen Erzen im Werte von rund 35 Millionen Mark. Die Jahresförderung an rohem Erdöl betrug 135 000 Tonnen im Werte von 0,5 Millionen Mark, au Asphaltgestein 96 000 Tonnen im Werte von 825 000 Mark. Die Salinen erzeugten 671 600 Tonnen Siedesalz im Werte von 17,6 Millionen Mark, während sich die Förderung der Salzbergbaubetriebe auf insgesamt 12,5 Millionen Tonnen im Werte von 125,9 Millionen Mark stellte. Ein neues Kohlenlager. In Kreuzwald(Lothringen) wurde ein neues Kohlenlager von beträchtlicher Ausdehnung angebohrt. Gerichts-Leitung. Vereiteltes Vorgehen gegen ein Gewerkschaftsfest. Das Gewerkschaftskartcll für Gronau und Umgegeni hatte für die Mitglieder der ihm angeschlossenen Gewerk» schaften einen K u n st a b e n d mit nachfolgendem Tanz veranstaltet. Man hatte an der Saaltür ein Schild mit der Aufschrift:„Geschlossene Gesellschaft" an- gebracht und es wurde auch eine Kontrolle geübt, daß nur die Mitglieder der dein Kartell zugehörenden Gewerkschaften, ihre Familienangehörigen und eingeführte Gäste Zutritt er- hielten. Trotzdem wurde gegen den Kartellvorsitzenden An- klage erhoben, weil er eine öffentliche Tanzlustbarkeit ver- anstaltet habe, ohne dazu eine polizeiliche Erlaubnis einzu- holen. Die Strafkammer Hildesheim als Berufungs- instanz sprach jedoch den Angeklagten frei, indem sie an- nahm, daß es sich um eine geschlossene Gesellschaft gehandelt habe. Die Staatsanwaltschaft legte Revision e i n. Sie operierte mit dem Begriff der großen und söge- nannten lockeren Vereine. Bei den Mitgliedern der dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften könne nicht von einem nach außen abgeschlossenen Kreise innerlich miteinander ver- bundener Personen die Rede sein. Das Kanimergericht verwarf jetzt die Re- Vision der Staatsanwaltschaft. Es vertritt den Standpunkt, daß als geschlossene Gesellschaft anzusehen ist ein nach außen abgeschlossener Kreis von Personen, welche nach innen miteinander verbunden sind; das die Gesellschaft zusammenschließende Band kann auf persönlichen Beziehungen beruhen, die bereits bestehen oder durch die Vereinigung her- gestellt werden sollen, oder aber auf der Gemeinsamkeit des sachlichen Zwecks. Im vorliegenden Falle habe das Land- gericht dielen Rechtsbegrisf der geschlossenen Gesellschaft nicht verkannt, indem es tatsächlich feststellte, daß es sich um eine geschlossene Gesellschaft handelte. War es aber eine ge- schlossene Gesellschaft, dann brauchte eine polizeiliche Er- laubnis nicht eingeholt werden und Angeklagter sei mit Recht freigesprochen worden. Zickel gegen Nissen und Schlaikjer. Ein Theaterprozrh, der schon fast zwei Jahre die Gerichte be- schäftigt, wurde gestern vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I unter Porsitz des Landgerichtsdireitors Schwache verhandelt. Es handelt sich um eine Privwtbeleidigungsklage, welche der Theatcrdircktor Dr. Zickel, vertreten von Rechtsanwalt Dr. Rosen» bcrger, gegen den Präsidenten der Bühnengcnossenschaft, Hermann Nissen, und den Schriftsteller Erich Schlailjer angestrengt hatte. Nissen, der vom persönlichen Erscheinen entbunden war, wurde von Rechtsanwalt Dr. Schelsinger, Schlaikjer von Rechtsanwalt Dr. S. Locwenstcin vertreten. Gegenstand des Verfahrens bildet einerseits ein in dem Ge- nossenschaftsorgan„Ter neue Weg" erschienener Artikel„Die Bro- schüre Nissen— bestellte Arbeit", andererseits fühlt sich Dr. Zickel durch zwei von Schlaikjer in der„Welt am Montag" veröffentlichte Artikel mit der Ueberschrift„Enthüllungen aus dem deutschen Theater- leben" beleidigt. Tie Beleidigungsklage war seinerzeit vom Schöffen- gericht bis zur Erledigung der Zickelschen Konzessionsangclegen- heiten ausgesetzt worden. Erst nachdem das Lberverwaltungsgericht bekanntlich zuungunsten de? Dr. Zickel entschieden hatte, kam das jetzige Bcleidigungsverfahren in Fluß. In 4>er Verhandlung vor dem Schöffengericht wurde aus eine Anregung der Beklagten hier festgestellt, daß inzwischen Verjährung eingetreten war. Dr. Zickel, der damals bedauerte, daß er durch diesen Einwand nicht in die Lage komme, seine Behauptungen zu beweisen, betrat nun den Jnitanzenweg und erreichte schließlich durch Beschlutz der jetzigen Strafkammer, daß jener Beschluß aufgehoben wurde. Zu Beginn der Verhandlung wies der Vorsitzende, Landgerichts- direttor Schwartze, den Privatbeklagten Schlaikjer darauf hin, daß die in feinen Artikeln aufgestellten Behauptungen inzwischen durch das Urteil in dem Verwaltungsstreitversabren gegen Dr. Z. als unrichtig sich herausgestellt hätten. Schlaikjer erklärte, daß er die jetzt zur Anklage stehenden Artikel auf Grund der damals fast in der gesamten Presse erschienenen Artikel geschrieben habe. Wenn ihm jetzt gesagt werde, daß diese Artikel falsch sind, so sei dies für ihn eine neue Tatsache und er stehe nicht an, dem Dr. Z. eine ausreichende Erklärung zu geben. Nach längerem Hin und Her erklärte der Privatbeklagte Schlaikjer:„Ich habe die den Gegenstand der Privatklage bildenden Artikel, soweit sie den Privat- kläger betreffen, auf Grund der übereinstimmenden ZeitungS- berichte der Berliner Presse über das Ergebnis der polizeilichen Ermittelungen in dem Berwaltungsstreitverfahren geschrieben. Nachdem seitens dcS Herrn Vorsitzenden mitgeteilt worden ist, daß diese Berichte unzutreffend waren und in dem Verwaltungsstreit- verfahren nicht erwiesen worden sind, entfallen selbstverständlich die von mir aus diesen Zeitungsberichten gezogenen Schliißfolge- rungen."— Der Privatkläger Dr. Zickel zog darauf die Privat- klage, soweit sie den Beklagten Schlaikjer betrifft, zurück. Bezüglich des zweiten Teiles der Privatklag« gegen Nissen machte Rechtsanwalt Dr. Schlesinger geltend, daß die Klageruf Grund des Z 415 der Strafprozeßordnung überhaupt unzulässig sei. Dr, Zickel hätte sich der wegen des gleichen Artikels anhängig und rechtskräftig eingestellten Privatklage Vogt kontra Nissen als Kläger anschließen müssen. Da er dies unterlassen habe, so fei auf Grund des§ 415 eine nochmalige Klageerhebung wegen dieses Artikels nicht möglich. TaS Gericht kam zu der Ueberzeugung. daß die Voraussetzungen des§ 415 hier vorlagen und erkannte deshalb auf Einstellung deS Verfahrens. Eingegangene Druckschriften. Der Kampf. Sozialdemokratische Monatsschrist, Wien, Jahrgang 7: Hest 1 Heinrich Beer: Der siebente Mewerkschaskskongretz— Viktor Adler, Der Bridwechsel zwischen Marx und Engels,— Oda Olberg(Rom): Oesterreich in italienischer Beleuchtung,— Hermann Diamand(Lemberg): Der S 14 und feine Anwendung.— Sicgsried schab:§ 14, Obstruktion und Sozialdemokratie.— Jakob Pistiner lEjernowitz): Die Gesahr dt« . 14_ cito gang(Zürich): Der Grundsatz der Jndioiduallsierung im österreichischen Strasgeletzentwurf.— Wilhelm Ellenbogen: Geschorenen. gerichte und Parteiprogramm.— Jakob Brod: Die sozialhogienischen Zu- stände im mäbrisch-schiesischen Steinkohlenrevier.— Dr, I. Bach: D»r Arbeiter und die Kunst Illustrierte Geschichte des valkankrieges ISIL— IZ. Vag A. Hemd erger. Lieser, 21—25. Erscheint in zirka 40 Heften a SS Pf. A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 4i, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Möbel Wir liefern direkt an Private frei HauS durch eig. 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Sehr leicht verdaulich, zugleich aber nahrhaft, wohlschmeckend und billig ist das alt« bewährte Nährmittel„Kufele"; es regt den Appetit an, hält die Ver. dauung in Ordnung und trägt wesentlich zur Hebung des allgemeinen Wohlbefindens bei.„Stuf et e" ist Bcqueu in den gewohnten täglichen Speisen zu nehmen,— bei der Zubereitung bediene man sich des ,K uf e k e"- KochbüchleinZ, das in den Verkaufsstellen gratis abgegeben wird. Theater und Vergnügungen Mittwoch, den 8. Oktober 1913. Anfang 6 Uhr. Eines Palast am Zoo. Varietö. Lichtspiele. Ansang 6'/, Uhr. EinesNollendorf-Dhcater.Varietö- Lichtspiele. Ansang 7V, Ubr. Kgl. Opernhaus. Tannhäuser. Kgl. Schauspielhaus. Ariadne aus Naros. Deutsches. Torquato Taflo. Deutsches Künstlertheater. Wil- Helm Tell. Köuiggräner Strohe. Brand. Leising. Peer Gqnt. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach Neiv Jork. L m H o r s a a I: Dr. W. Berndt: Der Entwickelungsgedanke im Wechsel der Zeiten. Zirkus Pufch. Galavorstellung. Kammeripicle. Maria Magdalena. Berliner. Wie einst im Mai. Thalia. Die Tangoprinzessin. Deutsches Schauspielhaus. Der erste Beste. Satan» Maske. Theater am Rollendorfplah. Die Heimkehr des OdysseuS. Komödienhaus. Das Paar nach der Mode. Theater deS Westens. Gräfü, Fifi. Deutsches Opernhaus. Die Jüdin. Schiller O. Chrono von Bergerae. Schiller Charloiteubnrg. Wenn der neue Wein blüht. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Neues Opcrutheaier(Kroll). Der ewige Junggfiell. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Kleines. Belinde. Trianon. Seine Geliebte. Herrnfel». Was sagen Sie zu Leibusch? Wintergarten. Spezialitäten. Reichsballen. Sleliiner Sanger. Eiurs Apollo-Theater. Variete- Lichtspiele... Eines Friedrich- Wilhelmstädt. Varietö-Llchtspiele. Äntang S'l, Ubr. Residenz. Im Ehekäsig. UustspielbauS. 777: 10. Luise». Der Hüttenbesiher. Rose. Laura massiert. FolicS Caprice. Ritter Baldrian. Die Mixgeburt. DaS Adaptiv- kind. Walhalla. Der Liebesonkel. Ansang 8'/, Ubr. Neues BolkSthcater. Der ledige Hoj. Ansang 9 Ubr. AdmiralSvalaft. Eisballett: Flirt in St. Moritz. CinesNollcndorf-Theater.Bariete- Lichtspiele. Sternwarte. Juvalidenstr. 57—62 HertineF IhealeF. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater in tierKöniggrätzer Straße ?'/. uhr; JSranifl. Komödienhaus. • Das Paar Daeh der Schiller-Theater 0. (W allner-Tlieater). Mittwoch, abends 8 Uhr: vvi-aa« von Ber�orac. Donnerstag, abends 8 Ubr: Die Stützen der Gesellsctiaft. Freitag, abends 8 Ubr: Am Tage des Cierlclits. Schiller-Theater Charlottenbure. Mittwoch, abends 8 Uhr: Wenn der neue Wein blüht Donnerstag, abends 8 Uhr: Die(xroUstadtluft. Freitag, abends 8 Uhr: Wenn der neneWein blüht Theater des Westens. s uhr: Gräfin Fifi. Sonnt, nachm. 3'/,: Der liebe Auguslin Lessing-Theater. Heute 7'/, Ubr: PEER GYNT. BentHohesSchuuHpielhaun 8 Uhr: Ter erste Beste. Hieraus: Satans Maske. Theater am Nolleßdorlpiatz 5. Täglich abends 8 Uhr: Die Heimkehr des Odliffeus. Burlesle-Operette. Moutrs Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Th.) 8 Uhr: Gastspiel Jul. Spielmann: ver lachende Clieniann. Deutsches Künstlertheater 8ozletüt. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. 7'/. uhr: Wilhelm Teil. ?'/. Residonz-Thealar im Ekekäfig. (Lcs Maris en oage.) Schwant in 3 Akten v. Antony Mars und Maurice Desvallibrs Morg. u. folg. Tage: Im Ghckäfig. SOSE=THEATE Grone Frantiurier Str. 132 8'/, Uhr: Zum ersten Male: l-anra ina�xlert. Eine heilere Geschichte in drei Akten von Karl M. Jaeoby. Donnerstag: Die Schifsbrüchigen. Sonnabeudnachmittag: Frau Holle. Passag�p�ptikum Mundmaler Schuidis der Kafael ohne/ Arme bei seinen Arbeiten. Lebend zu sehen! Der Mann mit der eisernen Harn! und die anderen Attraktionen. Voigt-Theater Badstraste 58. Heute Mittwoch, de» 8. Oktober 1913: Die Hioiik. Schwank in 3 Alten von Kurt Krad. Kasiencrössnung 7 Uhr. Ans. S'u Uhr. &»Clou" "— MauRPStraßfl 82.— 7 :: Berliner Konzerthaus Mauerstrafie 82.— ZimmerstraBe 90/91. Oroßes Doppel- Konzert! Blon mp und als Gastdirigent; Hofkapellmeister Prof. Traugott Oohs. Musikkorps Garde-Fllsllier-Regiments. Dlrig. Oberm. Olppel. Anfang 8 Uhr. Eintritt ÖO PL Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr. Maehim«ags-Konzerl beiE?npteritctm p» Brauerei Friedrichshain m Dienstag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr: Popnlüres Konzert dea Berliner Volks- Orchesters Alfred Hir«ch sowie Gastspiel der Opemsängerin Erna Hallennlcbcn, Dr. Heinz C'aspary— Lieder zur Laute— und Wladimir Dasvingoff aus Petembarg, der chtjige Kapellmeister, welcher durch hunderte Posen und Bewegungen Musik illustriert. Abendkasse 5« Pf., Billetts im Barverkauf a SV Pf. sind bei den„VormürtS-.Spedilcuren Zuckt, Lmmanuelkirchstraste 12 und Haniscb. Ackerftr. 174, zu haben. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Ivulsen-Theatcr. 8'/, Uhr: Der Hüttenbesltzer. Schauspiel in 5 Akten von W. Ohnet. Folies Caprice. Anfang 8'/, Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Germania-Prachtsäle N., Chausseestr. 110. K.Richter. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger. Ansang 8 Uhr. Antritt a« Pf. Nachdem freitanz. — Vorzugskarten gelten.— Jede» Donnerstag:* Grolles Militär-Streich-Konzert a nschl. Familienkränzchen. Walhalla-Theater. Täglich 8'/, Uhr: Der Llebenonkel. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Kelchshallen-Thealer Stettiner Sänger „Alarm!" Milit. Humoreske Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. Z Uhr zu er> mähigt. Preisen: „Denlta vor Gericht". Log. 1 M., Salt. 75 Pf., Entree 39 Pf. CasinosTheater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. HM- Nur noch bis 10. Oktober Des Aktien-Tenor u. das glänzende Varietö-Programm. Freitag, d. 11. Ottober, zum I.Mal: Ferdinand der Tugendhafte. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree. ILirhas Alb. Sclmmann Heute Mittwoch, 8. Oktober IMF- Anf. J'li, Ende 1 1 Uhr-WtU Große Sport-Vorstellung. U. a. 10 Bengalische 10 vorgef. vonHerrn Sawade. Zoolog-Potpourri Miß Octavia. 10 Luftvoltigeure 10 Hcgelmann-Trnppe und weitere 14 Attraktionen. Metropol Theater Abends 7 Uhr 55 präzise: Gr. AuSstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollstönd. freier Benutzung des lules Verne'sdicn Romanes von Jalins Vrennd. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Richard Schultr. Karl Baehmann. Joseph Glampietro. Guido Thielscher, illred Schtnasow. Leopold Woll. Ludwig Wolt. Helene Ballet. IdaRusska. J. de Lande. Ncn! Bon S— 1 Uhr: Aieak Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 2 Kapellen. URANIA TaJS'B'' 8 Ubr: Mit dem„Imperator" nach Mewlfork. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt; Der Entwickelungsgedanks im Wechsel der Zeiten. Prospekt Uber Golehrten-Vorträge (im Wissenschaftlichen Theater) und naturwissenschaftliche HSrsaalkurse kostenlos. Zirkus Busch.| Heute Mittwoch, den 8. Oktober, abends TL Uhr: Grohe Gala-Borstellung. Dieneue große Ausstatt.. Paniom. Ans nnseren Kolonien. Vorher die grohen Attraktionen. In Anbetracht des auherordent- lichen Andrangs zu den Nach- mittags-Vorstellungen und des hierdurch eiilstehenden Ausenthalts an den Kassen wird daraus hin- gewiesen, daß die Nachmittags- billettS schon täglich an der Kasse vormittags von 16 bis 1 Uhr im Vorverkauf zu haben sind._ Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: 8smo Geliebte. UT Lichtspiele. flT Weinbergsweg 16—17 " 1(2 Min. v. Eosenth.Tor). Emannel Reicher in Heimat und Fremde. Anfang 6 Uhr. DT Moritiplatz und U I Hasenheide. Quo vadis? Anfang 6 Uhr. ICP Reinickendorfer ü I Straße 14. Carl Clewing in dem Drama Der Thronfolger. Anlang 6 Uhr. Admiralspalast Einziger Eispalast mit prunkvollen Eisballetten. Flirt In St. Moritz. Tango auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von 10a/4 Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges. Wein- u, Bier-Abteilung. Beginn d. Vorstellung'1,9 Uhr. Für den Inhalt der In, erat« übernimm: die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beraneworrung. » G ® Z **U7'0'J?K&'J?'4S I Unserem Genossen D kei'liiiiskil! Kodetli iiedÄ krsii Z zur Silbernen Hochzeit am A 8. Ottober die herzlichsten!g Glückwünsche. Ö49( J Die Genossinnen u. Genossen v des 322. Bezirks. Teil II.'A 28. Abteilung. � Todes-Anzeigen f. i 6. Beri. Reichstaijswablkreis Stachruf. Am Freitag verstarb unser Gc- nasse August Marüus Zwinglistr. 9, Bezirk 688. Ghre seinem Andenke»: Die Beerdigung sand bereits am Montagnachmittag aus dem Zentralsricdhos in Stahnsdorf statt. Ferner verstarb am 6. d. Mts. unsere Genossin Manila Raffner Salzwedeler Str. 11, Bez. 723. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3°/, Uhr, von der Halle des städt. Fried- böses in der Müllerstraße, Ecke Seestraste, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 239/17 Der Vorstand. Zenlral-yerband der Töpfer q. Berufspcssen Deutschlands. Filiale Grofi-Berlln. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Töhser Rieliard Runkel (Bezirk Osten) am 5. Oktober im Alter von 4S Jahren an Herzlähmung ver- starben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 8. Oktober, nach- mittags 4 llbr, von der Leichen- balle des ZentralsricdhoseS in Friedrichsseide aus statt. 133/2 Der Vorstand. Zentral-Kranken- und Sterhekasse der deutschen Wagenbauer. Filiale NeukSlln I. Am 6. Oktober starb unser alter Kollege Otto.Susi. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Oktober, nach- mittags l'/zUhr, von der Leichen- Halle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, auS statt. 25911 Die Ortsverwaltung. Am Montag früh 7 Uhr ver- schied sanst nach kurzer, schwerer Krankheit meine liebe Frau, unsere gute Tochter und Schwester Manna HaRner geb. Göbel im Alter von 29 Jahren. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiesbetrübt an Konrad Haffner Familie Karl Göbel. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittag'/,4 Uhr, von der Leichenhalle des städt. Friedhofs in der Scestraste Ecke Müllerstraße auS statt. 2692b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben, unvergeßlichen Frau, unserer guten Mutler s98A Hedwix Schillert sagen wir hiermit allen Freunden, Be- kannten und Verwandten, insbesondere dem Männerchor Weißensee und dem Arbeiter-Radsahrerverein Weißensee meinen herzlichsten Dank. "Die trauernden Hinterbliebenen Ott« Scblllert nebst Kindern. Für Danksagung. die herzliche Teilnahm herzliche die'jiranzspenden bei der lieben 3 chme und ecrdiqung Mannes, deS Gast- 9431 meines Wirtes Wilhelm Tillwick sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekanilten meinen herzlichsten Dank. _ Frau Ww. Tlllwlelt. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme anläßlich des Todes meines Mannes sage allen Freunden und Bekannten sowie dem Wahl- verein deS sechsten Kreises. dem Verein freier Gastwirte und dem Slngelverein.Schlei" meinen innigsten Dank. 79A krau Marie Sehvandt. Sozialdemokrat. Kreiswahlvereln Niederbarnim. Bezirk liichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bäcker Johann Hsuke Wuhlestr. 2, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofs in Lichtenberg, Bornitz- straße, aus statt. 14/29 Ziege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Zlm Sonnabend verstarb Plötz- lich infolge eines Herzschlages, in der Blüte feiner Jahre, ein Mit- gllcd unseres Personals, der Bäcker sloksnn Hanke Wir verlieren in demselben einen von gewissenhafter Pfiichtcrsüllung durchdrungenen Mitarbeiter. Sein Fleiß und seine Redlich- keit, verbunden mit Lauterkeit des Charakters, war stets das Vor- bild eines braven, von genossen- schasilichcn Ausgaben erfüllten Menschen. Er hat sich dadurch ein danerndrS, ehrendes Andenke» bei allen gesichert. 197/7 Die Verwaltung der KonsumgcnostciischaftBerlin nud Umgegend, Lichtenberg. Die Beerdigung findet Donners- tag, nachmittags 33/4 Uhr, auf dein städtischen Friedhofe, Lichten- bcrg, Borniystrage statt. Slm 5. Oktober verstarb plötzlich infolge Herzschlag unser treuer, unvergeßlicher Kollege «Johann Hanke. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die stoiiegen der Konsum- ( Bäckerei. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes, Bornitzstraßc, Lichten- berg, aus statt. 2694b Zentralverband der Bäcker und Konditoren. Alle» unseren Mitgliedern, ins- sondere der Jugendsettion der 9. Abteilung des Arbeiter- Rad- fahrerbundes und dem Diskutier- klub„Freie Meinung" hiermit die schmerzliche Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Bäcker «lolmim Hanke im Alter von 29 Jahren in der Nacht zum Sonntag, den 5. Okt., plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Oktober, nach- mittags 3°/, Uhr, aui dem Städtischen Friedhose, Bornitz- straße, statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 2697b Die Drtsverwaitung Arbeiter- Hadlahrer-Bund „Solidarität", Ortsgruppe Berlin, Abt. 9. Sektion der Bäcker u. Konditoren. Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Bundesgenosse, der frühere Abteilungsleiter Johann Hanke am Sonntag, den 5. Oktober, im Alter von 29 Jahren plötzlich ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Oktober, nach- mittags 33/, Uhr, aui dem Städtischen Friedhose, Bornitz. straße, statt. Die Mitglieder treffen sich nachm. >/,3 Uhr b. Wicke, Schillingstr. 22. Rege Beteiligung wünscht 2698b Der Verstand. Daakrtaxanx. Für die vielen Beweise herzlicher Telnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau 68A Hvlvnv Thiem sage ich allen Beteiligten, insbesondere dem Genossen Rintors sür die ein- drucksvollen Worte am Sarge meinen herzlichsten Dank. Willy Thlom. tepuoecken größte Auswahl, billigst; auch Aufarbeiten alter Steppdecken. Fabrik Borllii, Wallstr. 72, zwischen Rotz- u. Jnselstr. Reiseführer, Wanderkarten und Bücher, Kursbücher hält stets am Lager Buchhandlung Vorwärts Liindenstr. 69. desanpreiD Jorgeif aueo". Die Gesangstunde am Donnerstag fällt aus. Die Sänger treffen sich an diesem Tage um 31/, Uhr Frankfurter Chaussee 45, bei Glockauer. 49/6 B«?i> Vorstand. £ Jr Ohne jede Anzahlung! Keine Kassierer, kleine Raten! Bett- u. Leibwäsche, Teppiche, Portieren, Bilder, Gardinen. Stores, Stepp- u. and. Decken. MATZVER,* Hnfelandstraste Nr. 41. Ilm heutigen, wie an allen Zahlabenden halten unsere Funktionäre keine Sprechstunden ab. Näheres siehe SonntagSinserat. Hausarztvereiii„Westen" Drei öffentliche Volks'Versammlungen mit dem das Tagesgespräch bildenden Thema: Dn GkdiilUmb im Ardkitkrhnch Resereitt: Genosse Br. Altrod Bci-nstoli» finden pünktlich 8'/, Uhr abends statt am Freitag, den 1«. Oktober, bei Rapp ffrüher Nihle), Tennewitzstr. 1», am Dienstag, den 14. Oktober, bei Ristow, Anhaltische Ressource, Möckernstr. 114, am Freitag, den 17. Oktober, in Schöneberg, Schwarzer Adler, Hauptstr. 144. DV Zahlreiches Erscheinen, insbesondere der Frauen, erwünscht. Der Hausarztverein Westen gewährt den Familicnangebörigen seiner Mitglieder sür einen iVkonatsbeitrag von l M. 10 Pf. außer vielen anderen Vorteilen freien Arzt und freie Medizin flaut Statut) unbegrenzt der Zahl und Dauer der Er- krankungen. zgz/z Aufnahmen nehmen entgegen die Vertrauensmänner sür 'W-Nten: Max Erdmann, Katzlerstr. 18, Ouergcbäudc III; sür »»ttdHvente«: Hugo Toll, Teltvwcr Str. 32, Seitenflügel II; sür «cliOiiekei-e: Max Schmidt, Cherustcrstr. 29, vorn III. Der Einberufer: biax Erdmann, Katzlerstr. 18. Deutscher Tabakarbeiter-Verband ===== Zahlstelle Berlin.= Donnerstag, 9. Oktober, abends'/z9 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalcrstr. 11/12 t Mitglieder- Uersammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1913. 2. Wahl deS 3. Bevollmächtigten. 3. Beschlußsassung über den Antrag betreffs Extraunterstützung an aus- gesteuerte, arbeitslose Mitglieder. 4. Verschiedenes. 187/16' _ Die Ortsverwnltnnsr. flnnal/meftelkn für„Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Hahnisch, Ackcrstr. 174. 1v. G. Srhniidt, Kirchbachstr. 14. Ö. R. Hackclbusch, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppen- straße 82.!lt. Wengels, Gr. Frankfurter Str. 129. NO. L. Zucht. Jmmanuelkirwstr. 12. I. Reul. Barnimftr. 42. ?i. A. Wolgast. Wattstraße 9. H. Fischer. Bastianstraße 6. Karl Mars. Greisenhagener Str. 22. I. Hönisch, Müllerstr. 34» H. Vogel, Lortzingstr. 37. A. Tie». Jnvalidenstr. 124 S/W. Saloino» Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. hiHV. 4>. Werner, Gneiienausu 72. Dach», Hagelbcrger Str. 27. 8. St. Fri«, Prinzenstr. 31. H. Lehmann. Kottbuicr Damm 8. 80. Pnnl Böhm, Lausitzcr Platz 14! Iä. P. Harsch, Engeluser lö. Adleenhet. Karl Schwarzlose, Bismarckftr. 59. Itnnniaehnlen'wezr. H. Hornig. Maricntbalerstr. 13, I. Bei-«izpvnlde. Paul Kieiiast, Räuschstr. 19. Chnrlottenhurg. Gustav Scharnberg, Seienbeimer Str. 1. irrlcdrichNhagcn. Ernst Werkmann, Köpenickcr Str. 18. «etinnn. Franz Klein, Fricdrichstr. 19. dokannlstlinl. Max Gonschnr. Parkstr. 6. linel«l>ei'at. Richard Kütcr, Rödclslr 9. II. lliepenlele. Emil Wisiler, Kictzerslr.'>. Laden. l,ielitenl>ei-x. Otto Setkel. Wartenbcrgstr. 1. Xledee-tseköneneide. Will». Unruh. Brückenstr. 19. Tiirwa-ne*. Wilhelm Jappe. Lutherstr. 2. Oiier-SiebtineHveide. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden Danleesv. Otto Riffmann. Mühlensti. 39. Belnloleendeet. P. Gursch. Provinzstr. 56, Laden. ktz'enltiilln. M. Heinrich. Neckarstr. 2. Conrad, Hermannstr. 59 C. Rohr, Siegsriedstr. 28/29. KuniiiieUburg. A. Rosenkranz. Alt-Roxhagen 56. tzieliünekers» Wilhelm Bäumler, Marttn-Luther-Str. 69 im Laden. «pandnn. Köppen, Breitestr. 64. Steglitz. H. Bernsee, Alsenstr. 5. Tcmpelhof. Joh. Strohn, Borussiastr. 62. Treptow. Robert Gramenz, Kiefbolzstr. 412, Laden. zVeillennee. Fuhrmann, Sedansrr. 195 Schiller:. Berliner Allee 251. Wilmersdorf. Paul Schubert, Wilirlmsaue 27. lletitecher Klireehiier- Verband. k�itigle kerlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: XO. 43, Weinstr. 8. Fernspr.: Königstadi 6789. Heute Mittwoch, den 8. Oktober, nachmittags 3 Uhr, in den ZIusllier-8iilen. Kaiser-Wilhelm-Straste 31: Große öffentliche gemeinichaMiche Versammlung nlter sethkändigrn Kürschnermkister und ntter i» der pettbrnncht dkschMigtkn Arbeitkr». Arbeiterinnen. i. Tagesordnung: die Wirkunaen ac» Welches wären die Wirkungen gewesen, wenn die Selb- ständigen den Borschlag: 10 Proz. und die Arbeiterschaft >/, Stunde Arbeitszeitverkürzung, angenommen hätten. Rcsercuten: Kollegen ZTeldmann und A. Hegge. Diskussion. Verschiedenes. 190/13 __ Kollege». Kolleginnen, selbständige Kürschnermeifter! erscheint in Massen in der Bersammlung. SSV Tie Herren Arbeitgeber sind freundlichst eingeladen. Bereinigung d. selbftänd.KürschnertPelzbranche) Berlins u. Ilmgeg. I. A.: A. Feldmann. Deutscher Kürschner-Berband tFiliale Berlin.)_ Tanzlehrer-Verband„Solidarität". Den geehrten Vereinen, Gewerkschaften und Saalbesitzern zur gefl. Kenntnis, daß wir unsere Geschäftsstelle nach Neukölln, Weichselstraße 8 Telephon: Keukolln 496(Heinrich) verlegt haben. Wir empfehlen uns zur Erteilung von Tanzunterricht, Ein- studierung von Quadrillen, speziell zur Leitung von Ballfestlichkeiten. Bestellungen erbitten nach Neukölln, Weichselstraße 8, Telephon: Neukölln 496(Rieh. Heinrich). 198/3* Der Torstand. HHEöbel Xreilithans Jrankfnrter Tor| yo- 1 Gr- Frankfurter Str. Xw- 1 (bitte auf meine Hausnummer zu achten) liefert bei kleinsten An- und Abzahlungen MöbeLf Kredit --------- Riesen. Auswahl------- Anzahlungen auf Stube und Küche «c 15 Mark-n. Einzelne Möbelstücke von 5 Mark Anzahlung an. GröBte Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit. Inserat ausschneiden! Mitbringen! Wert 5 Mark. 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Oktober 1993 80 m 19. Januar 1904 beschlossen in der Generalversamm- lung vom lö. September 1913. § 31 erhält folgende Fassung: Die wöchentlichen Kafsenbeiträge betragen 5 Proz. des durchschnilllichen Tagelohnes der Kaffenmitglieder und zwar: o.) sür Mitglieder dea 1. Klasse 135 Ps. b).., IL, 105. o)�.«. III.„ 75„ d)... IV.. 54. e)... V.. 30. Die Beiträge sind sür jede Woche innerhalb welcher der Verficherte der Kasse angehört hat, ihrem vollen Betrage nach zu entrichten, dabei gilt als Woche de: Zeitraum von Montag bis Sonntag einschließlich. Vorstehender Nachtrag Witt nach ersolgter Genebmigung mit dem Tage der Veröffentlichung durch den Vor- stand in Kraft. 277/17 Berlin-Pankow, 8. Oktober 1913. vor Voriitnnd. Otto Rißmann, Vorsitzender. Allgemeine Orts- Krankenkasse für den Stadtkreis GbatloMlitg. Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Kaffenmitglieder, daß bei den am 4. Oktober er. stattgesundenen Ausschußwahlen der Versicherten die aus der zugelassenen Wahlvorschlags- liste Nr. 1 benannten Vertreter und Ersatzmänner sämtlich gewählt worden sind. Die Gewählten erhalten noch eine schriftliche Benachrichtigung. Einspruch gegen die Gültigkeit der Ausschußwahl ist innerhalb zwei Wochen beim Versicherungsamt in Charlottenburg einzulegen. Charlottenburg, den 7. Oktober 1913. "Ih"0 e nS. 279/11 *-w,--------______~...___ II.--: Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärts Buchoruckerei u. Vertagsanstalt Paul � stentzmvslt PrlllwItzM nnger u. Co., Berlin! Nr. 268. 30. Jahrgang. 2. KnlM Ks Jmmrts" Kerlim WiKsM MMuiach, 8. Oktober 1918. Heute abend 8 llhr: Zabiabend in Groß-IMn. Opfer gewilfenlofer fluswanderungs- agenten. Einen Massenbesuch von Auswanderern erhielt gestern das hiesige Polizeipräsidium infolge einer unwarteten Wirkung der Anwendung des Zluswanderungsgesetzes. Es ist bekannt, daß namentlich Brasilien unmittelbar oder mittelbar durch Gesell- schaftcn, die von der Regierung unterstützt werden, eine lebhafte Werbetätigkeit unter Auswanderungslustigcn entfaltet. Im Laufe der Zeit haben wir wiederholt über das Zluftreten von Agenten berichtet, die außer in anderen Teilen Teutschlands auch in Berlin und Umgegend für die Auswanderung nach Brasilien mit allen Mitteln tätig sind, und auch vor dieser Auswanderung gewarnt. Um dieser Werbetätigkeit, die für die Auswanderungslustigen oft nur bitterste Enttäuschung im Gefolge hat, Einhalt zu tun, be- stimmt der Z 23c des Auswanderungsgesetzes, daß Reichsangehörige an der Grenze angehalten werden können, falls sie auf Kosten eines auswärtigen Staates auswandern. Von dieser Bestimmung war bisher noch kein Gebrauch gemacht worden. Das Treiben der gewissenlosen Agenten veranlasste aber jetzt eine Ministerialver- fügung, in der die zuständigen Stellen auf ihre Befugnis aus den Bestimmungen des Auswanderungsgesetzes aufmerksam gemacht wurden. Jetzt ließ der Landrat von Bentheim 76 Männer, Frauen und Kinder aus Berlin und anderen Orten, die von dem Sammel ort Rheine über die holländische Grenze nach Amsterdam und von dort mit dem Dampfer„Hollandia" heute nach Brasilien ausfahren wollten, in Rheine anhalten und, ohne daß sie den.Zug wieder verlassen durften, nach Berlin zurückbringen. Hier konnten nun oder die Leute, für die Brasilien die Ueberfahrt bezahlen wollte, und die alle ihre Habseligkeiten, soweit sie sie nicht vor der Abreise zu Geld gemacht hatten, schon auf dem Dampfer haben, nicht im Eiscnbahnzug bleiben. Deshalb mutzte sich ihrer zunächst die Polizei annehmen und sie konnte das nur dadurch, daß sie sie in Schutzhast nahm. Die ganze große Reisegesellschaft wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht und fand hier einstweilen Unterkunft in einem großen Zimmer, das für besondere Zwecke immer zur Verfügung gehalten wird. Damit konnte aber die Sorge für die Leute, die zum Teil gar kein« Mittel mehr besitzen, nicht erschöpft sein. Die Kinder vor allem verlangten zu essen und schrien bald vor Hunger. Tie Erwachsenen bedurften nicht minder der Speisung. Nach Kräften griff nun die Fürsorgedame des Polizeipräsidiums, Fräulein Margarete Dittmer, ein, indem sie Backwaren, Milch usw. soviel als möglich heranschaffen ließ. In Schutzhaft aber konnten die zurückgehaltenen Sluswandcrcr auch nicht immer bleiben. Man mutzte ihnen, weil ja sonst nichts gegen sie vorlag, die Freiheit wiedergeben. Damit allein war jedoch den Leuten auch nicht geholfen. Sie erklärten, daß sie auswandern wollten, und daß man ihnen auch anstandslos Auswanderungs- Papiere verabfolgt habe. Tie meisten hüben bereits Angehörige drüben und wollten nun die Gelegenheit der freien Fahrt, die ihnen von auswärts angeboten wurde, benutzen, ohne daß sie von den Schwierigkeiten, die unter diesen Umständen ihrem Beginnen er- wachsen konnten, eine Ahnung hatten, um ebenfalls hinüberzu- kommen. Sie meinen, auf die Bestimmungen des Auswanderungs- gcsctzes hätte man sie vor dev Auslzändigung der Papiere doch wenigstens aufmerksam machen müssen. Darin haben die Leute zweifellos recht. Nach den ersten 76 trafen im Laufe des Vormittags noch 20 Mann ein, denen es an der Grenze ebenso ergangen war. Iluch sie befinden sich in derselben unangenehmen Lage wie die anderen. Ihr Gepäck ist über die Grenze hinübergegangen und schwimmt �vielleicht schon mit der„Hollandia" auf See. während sie ohne Hab und Gut zurückgeschickt wurden. Die Schwierigkeiten wurden dadurch behoben, daß das Ministerium den Leuten Reise- geld nach dem von ihnen angegebenen Ziele bewilligt. Die Leute sind Opfer gewissenloser Auswanderungsagenten ge- worden. Sie haben ihr Hab und Gut verkauft und sitzen nun vollständig mittellos da. Das Ministerium hätte aber die Pflicht gehabt, von der beabsichtigten Anwendung einer neuen Verfügung öffentlich Kenntnis zu geben und so vorbeugend zu wirken; dann hätte mancher von der Ausführung seiner Absicht Abstand ge nommen. Partei- Angelegenheiten. . Zweiter Kreis. Bezirke 107. 109, 114. Zahlabend bei Jung- nitich, Mutenioalder Str. 13. Vortrag des Genossen Dr. Grumach. Zweiter Wahlkreis, Frirdrichstadt<3. Abteilung», östliche Hälfte. Mittwoch, den 8. Oktober, abends �9 Uhr. bei Witwe Augustin. Oranienstr. 103: Zahlabend. Z a h l n a ch t: 12 Uhr nachts. Vortrag des Genossen A. Müller: .Amerikanische Kulturbilder und Arbeitsverhältnisse." Zahlmorgen: Donnerstag, den 9. d. Mts., früh 5 Uhr. Vortrag des Genossen Dr. Rud. Breitscheid:„Die Frage des politischen Massenstreiks". Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Vierter Wahlkreis. Die Vortragskurse über:„Die Entstehung des wissen- schaftlichen Sozialismus"(Marr und Engels) werden ab- gehalten abends 8�/, Uhr im Lokal Süd-Ost, Waldemarstr. 75, am Montag, den 3.. 10.. 17. November und 1. Dezember. Vortragender ist Schriftsteller Genosse Emil Eichhorn. Im Lokal bei Boeker finden die Kurse statt am Freitag, den 21. "nd 28. November, und Freitag, den 3. und 12. Dezember, abends 8V:> Uhr. Vortragender ist v Neichstagsabgcordneter Genosse Otto Rühle. Teilnehmerkarten fiir den Kursus zum Preise von 20 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Die Kurse über:„Zur Einführung in die Gedankengänge des wissenschaftlichen Sozialismus" mußten umständehalber aus einige Wochen später verlegt werden. Die Tage werden später bekannt gemacht._ Der Bildungsausschutz. Sechster Wahlkreis. Den Wünschen der Mitglieder Rechnung tragend, werden im Laufe des Oktober-Novembcr folgende vier ivtssenschaft- liche Vortragskurse abgehalten mit deni Thema: Die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbe ivegung. Am Freitag, den 10., 17., 24., 31. Oktober und 7. No- bentber bei Puhlmann, Schönhauser Allee 147. Referent: Smil Elchhorn. An denselben Tagen in den Pharussälen, Müllerstr. 142. Referentin: Käthe Duncker. Am Donnerstag, den 9., 16., 23., 30. Oktober und 6. November bei Franke, Badstr. 19. Referentin: Käthe Duncker. Durch besondere Umstände veranlaßt, wird der Kursus im Moabiter Gescllschaftshaus, Wiclefstr. 24, an folgenden Tagen abgehalten: Am Donnerstag, den 9., Freitag, den 17. und 24., Donnerstag, den 30. Oktober und Donnerstag, den 6. November. Referent: Ernst Däumig. Die Teilnehmer erhalten an den Vortragsabenden ge- druckte Dispositionen. Beginn pünktlich abends SVa Uhr. Ebenfalls»vollen wir noch besonders auf die nächsten Veranstaltungen hinweisen: Am Sonntag, den 19. Oktober, abends 7 Uhr: Beethovew Abend in den Pharussälen, Müllerstr. 142. Eintritt 30 Pf. Am Sonnabend, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Heiterer Kunstabend im Moabitcr Stadt-Theater. Eintritt 50 Pf. Am Sonnabend, den 15. November, abends 8 Uhr: Kunst abend(Moderne soziale Dichter) bei Ballschmieder. Eintritt 60 Pf. inklusive Garderobe. Billetts sind bei den Bezirksführern zu haben. Schmargendorf. Die heutige Mitgliederversammlung findet, da uns das Restaurant Lindenbaum vom 1. Oktober d. I. nicht mehr zur Verfügung steht, im Restaurant Waldkatcr, Warncmünder Strasse 14—13 statt. Fricdrichsfelde. Heute gemeinsamer Zahlabend bei Schulz, Lindenpark. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag, Ge- nosse E. Lehmann. 2. Vereinsangelegenheiten. Johannisthal. Heute, Mittwoch, abends 8'/z Uhr, Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins im Arbeilerheim„Restaurant Linden- hos". Vortrag des Genossen Lehner über Volksfürsorge. Bohnsdorf. Die heute fällige Mitgliederversammlung findet nicht statt. Montag, den 13. Oktober: Beginn der Vortragskurse über den praktischen Teil des sozialdemokratischen Parteiprogramms. Anfang pünktlich s'ft Uhr in„Villa Kahl". Zcnthcn-Miersdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heute bei Robert Barnack in Zeuthen statt. Erkner. Heute Mittwoch, abends 8Vz Uhr, bei Grund, Friedrich- straße 21: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Schwarzburger, Ober-Schöneweide, Biesdorf. Der Zahlabend findet erst am Donnerstag, den 9. Oktober statt. Aus der Tagesordnung steht: Bericht vom Partei- tag. Referent Genosse Wilhelm Schünig. Tegel. Am Donnerstag, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, findet in Trapps Festsälen(Jnh. Ziegs), Bahnhofstr. 1, der zweite Vortrag des Lichtbilderkursus: Entwicklung des Tierreiches und Abstammung des Menschen statt. Vortragender: Herr M. H. Baege. Jeder Vor- trag ist für sich abgeschlossen. Röittgental, Zepernick, Buch. Donnerstag, den 9. Oktober, abends 8V., Uhr, im Lokale von August Lange, Röntgental, Siemens- straße 19, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag in Jena. Referent Genosse Schwarzburger-Oberschöneweide. 2. Diskussion. 3. Halbjahrsberichr. 4. Bezirksangelegenheiten. ö. Ver- schiedenes. öerlmer Nacbncbten, Die Villa. So oft ich an ihr vorüberkomme, bleibe ich stehen lind umfasse sie mit einem Blick, in dem sich Schmerz mit In- grimm vermischt. Still und vornehm, guckt sie, wie ver träumt hinter Baum und Busch hervor— ein verwunschenes Schlotz, ein Dornröschenheini. Immer wieder packt mich der Zauber dieses Hauses, das mit seinen ewig geschlossenen Fenstern aussieht, als schlafe es seit Jahrhunderten. Ich sah es ini Winter, im Frühling, im Sommer und Herbst-- immer verlassen, schweigsam, tot. Ein prächtiger Rokokobau, inmitten sattgrüner Fläche» von weitzstämmigen Birken, düsteren Tannen und Kiefern und hochragenden Pappeln umgeben. Und Rosen blühen, wenn der Sonne Strahlen warm vom Himmel fluten, und Vögel singen in diesem Paradiese, wo keine frevle Hand sie scheucht. Wie oft lauschte ich in warmen mondklaren Früh lingsnächten dem Schluchzen und Jauchzen der scheuen Nachti gall, die tief in den Büschen des Gartens saß und ihr Brunst lied sang. Auf der glitzernden Wasserfläche zogen zwei schwüne gravitätisch ihre Furchen und oben in den Kronen der Bäume sang der Nachtwind eine ferne vergessene Melodie. Nie sah ich ein menschliches Wesen in Hans und Garten, und doch ließ mchts die peinliche Pflege verinissen. Es schien, als hielten geheininisvollc Hände das Anwesen in Ordnung, das zwecklos die Tage verträumt, niemanden zur Freude, niemanden zum Genuß. Das ist es, was meinen Grimm entfacht und mich die Jaust ballen läßt, so oft ich da vorüber komme. Ich habe gehört, daß es einem kinderlosen Ehepaare ge hört, das noch mehr solcher Besitztümer hat. Der Herr soll bald in Rußlands Wäldern, bald in Afrikas Dschungeln der Jagd obliegen und dazwischen in Monte Carlo spielen, wäh- rend die Frau sämtliche fashionablen Bäder bereist, ihrer 27 Krankheiten wegen, unter-denen die Langeweile die schlimmste sein soll. Manchmal vergeht ein Jahr, manchmal auch mehrere, ehe der eine oder der andere von ihnen die Rokokovilla aufsucht, und auch dann nur auf wenige Stunden oder Tage. Sonst steht sie leer, nur ein alter Gärtner und dessen Frau lausen darin, im Souterrain. Die übrigen 20 Räume bleiben un- benutzt. All die großen und kleinen Zimmer, mit Balkons und Veranden und Erkern, mit kostbaren Tapeten- und Holz- Verkleidungen, mit den teuersten Möbeln, den Gold-, Silber- und Bronzegegcnständen, den Gobelins, den teuer» Gemälde» — der Zahn der Zeit nagt an alledem. Kein Auge ruht ent- zückt darauf, keine müden Glieder räkeln sich wohlig in den schwellenden Polstern, kein nienschlicher Körper sinkt nach getaner Arbeit in die weichen Daunenbetten zum erquickenden Schlaf. Zwanzig Zimmer stehen frei, unbenutzt. Ein ganzes Haus, ein Garten, in Luxus und Schönheit— viele Tausende von armen Menschen aber haben kein Dach über dem Kopfe oder hausen in erbärmlichen Löchern und Höhlen, wohnen zusammengepfercht im engen Räume, Kinder und Greise, Männer und Frauen, Familienangehörige und fremde Schlaf« gänger, dieweil das Wohnungselend ein gar schreckliches ist- Ich sah einmal im Norden Berlins einen Menschen- auflauf. Zwischen allerlei morschem Hausgerät und Ge- rünipel auf der Straße neben dem Bürgersteig, saß eine alte Frau und weinte. Ihr Gesicht war gramdurchfurcht und die arbeitsharten, gichtgekrümmten Finger stützten den müden Kopf. Der rauhe Äbendwind zerzauste das graue Haar der Alten und ließ die Strähnen wirr über die Stirn fallen, Zwei Kinder schmiegten sich angstvoll an die Seite der Mutter und heulten um die Wette.— Es war einer jener November« tage, die grau wie das lebendige Elend sind, und der Regen rieselte fein, aber ausdauernd auf die Möbel, Kinder und Frau herab.■ Exmittiert! Die Extreme berühren sich am ehesten in der Großstadt. Und andere Bilder steigen vor meinem Geiste auf. Menschen, die in starrer Frostnacht in irgendeinem Hausflur kauern, unter Brückengewölben nächtigen oder planlos bis morgens einen Dauerlauf durch die Straßen vollführen, um sich warm zu halten.— So ist das Leben auf der besten aller Welten. Und die gottgewollte Ordnung spiegelt sich hier am drastischsten wider. Darum packt mich immer eine stumme Wut, so oft ich an der�Villa vorübergehe und so oft ich ihre toten� Fenster sehe, hinter denen Räume und Werte nutzlos im Schlummer liegen.__ Der Fahrkartenverkauf am Ringbahnhof Treptow entspricht nicht den Anforderungen, die das Publikum stellen kann. An der Berliner Seite des Bahnhofes, die wenig in Anspruch genommen wird, sind Fahrkartenschalter vorhanden und geöffnet wie an allen anderen Ringbahnhöfen. Dagegen sind auf der Treptower Seite, die nicht mit der anderen Seite durch einen freien Tunnel verbunden ist und im Sommer sowie selbst noch in der kälteren Jahreszeit starken Verkehr aufweist, die vorhandenen vier Fahrkartenschalter während aller sechs Werktage ständig geschlossen. Nur an Sonn- und Feiertagen sind sie zeitweise geöffnet und dann auch nur für den Stadt- und Ringbahnverkehr, nicht für den Vorort- verkehr. Als Ersatz dienen elf Automaten, die aber nur Fahrkarten bis zum Betrage von 39 Pfennig für die zweite Klasse abgeben. Wer Fahrkarten für den Vorortverkehr haben will, muß den Umweg über die Treptower Chaussee nach der anderen Bahnhofsseite machen. An der Fahrkartenkontrolle im Schalterraum befindet sich ein amtliches Plakat, wonach hier ohne Vergütung Wechselgeld für die Automaten zu haben ist. Das ist ja ganz praktisch, bringt aber den weiteren Uebelstand, daß das geld- wechselnde Publikum innerhalb des Kontrollganges stehen bleiben muß und den Durchlaß fiir andere Fahrgäste sperrt. Dadurch ent- stehen häufiger unliebsame Szenen. Der Eiseubahnfiskus zieht auch aus dem Riesenvcrkehr nach Treptow so erhebliche Einnahmen, daß hier Sparsamkeit an den Schaltern sehr wenig angebracht erscheint. Mindestens ein Schalter für den Fahrkartenverkauf sollte auch' än Wochentagen auf der Treptower Bahnhossseite, die auch viel Ver« lehr von Stralau empfängt, ständig geöffnet sein.., Dezernate in der Armen- und Waisenpflege. Stadtrat Düring ist aus dem Kollegium des Berliner Magistrats ausgeschieden. Seine Dezernate in der Berliner Verwaltung hat der neu eingetretene Stadtrat Löhnin g übernommen. Dieser ist Vorsitzender der städtischen Waisen- Verwaltung und Mitglied der Gewerbedeputation und der Armcndirektion, Den Vorsitz in der Berliner Armeudirektion an Stelle des Stadtrats K a l i s ch führt nun Stadtrat D o f l e i n, der aus der Deputation für die Straßenreinigung, aus der Markt- Hallendeputation und dem Kuratorium für das Turn- und Badewesen ausgeschieden ist. Stadtrat Kalisch ist in die Markthallen- und Hafendeputation eingetreten und hat den Vorsitz in dem Kuratorium der Friedrich-Wilhelm-Anstalt für Arbeitsame übernommen, aus dem Stadtrat Jacoby aus- geschieden ist. Es war schon längst notwendig, mit dem Amte des Vorsitzenden der Armendircktion einen Mann zu betrauen, der den Aufgaben mehr gewachsen ist und sich ihnen ganz widmen kann. Herr Doflein ist besoldeter Stadtrat und war früher Oberbürgermeister in Rudolstadt. Es wird abzuwarten sein, ob Herr Doflein die humane Gesinnung mitbringt, die ein Vorsitzender einer Armenverwaltung, insbesondere in Verlin haben muß.___ Die Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Die gestern stattgefundenen Partciversammlungon be- schäftigten sich neben der Berichterstattung vom Parteitag auch mit den Stadtverordnetenkandidaturcn. Es kandidieren im: 7. Komm.-Wahlb. Dr. Alfred Bernstein, 8. 9. 16. 22. 2ß. 27. 29. 30. 31. 32. 33. 37. 38. 41. 44. Zigarrenhändler Gottfried Schulz, Zeitungsspediteur Paul Boehm, Schmied Emil Basner, Zeitungsspediteur Robert WengelS, Kürschnermeister' Emil BarkowSki, Dr. Hermann Wehl, Parteisekretär Theodor Fischer, Eigentümer Paul Schulz, Expedient Fritz Zubeil, Redakteur Karl Leid, Parteisekretär Wilhelm Pfannkuch, Gastwirt Hermann Hcyse, Redatteur Hugo Poetzsch, Expedient Theodor Glocke. Schriftsteller Emanucl Wurm. Freistellen in den Heimstätten. In den Heimstätten der Stadt Berlin gibt es Freistellen für in Berlin ortsangehörige bedürftige Personen, die keiner Kasse an« gehören»nd auch nicht die Armenpflege in Anspruch nehmen wollen Zur Deckung der Kosten, die durch Freistellen enfftehen, Sverden die Mittel teils aus einigen hierfür bestimmten Stiftungen, teils aus dem alljährlich durch den Etat bereitgestellten Freistellenfonds hergegeben. Allen, die es angeht, empfehlen wir aufs neue, sich gegebenenfalls um solche Freistellen zu bewer�n. Gesuche sind christlich oder mündlich an das Bureau der Heimstättenverivaltung (Stadthaus, Stralauer Straße) zu richten, doch ist ein ärztliches Attest beizufügen, zu dessen Ausfertigung das vorgeschriebene Formular kostenlos m Bureau verabfolgt wird. Die Gewährung solcher Freistellen in Heimstätten gilt nicht als Unterstützung aus Armenpflegemitteln. Es kommt leider bor, daß auch Personen, die einer Krankenkasse angehören, eigentlich auf Freistellen gewährung antragen müßten. Manche Kassen wollen, wenn Heimstättenüberweisung gewünscht wird, zur Kostendeckung nicht mehr als den Betrag des Kranken- g e I d e s zahlen, und zu einem Mehr können sie auch nicht ge zwungen werden. Kann das Kassenmitglied nicht aus eigener Tasche das Fehlende dazuzahlen, so wird vielleicht versucht, eine Uebernahme der Mehrkosten auf den Freistellenfonds oder auf StiftungSmittel zu erwirken. Aber leider wird durch die für den Fonds wie für die Stiftungen geltenden Bestimmungen es unmöglich gemacht, in solchen Fällen einen Zuschuß zu bewilligen. Die Freistellen sollen be' stimmungSgemäß nur denjenigen Personen zugute kommen, für die überhaupt keine Kasse eintreten könnte. Sie werden gewährt nach dem Grundsatz„ganz— oder gar nicht". Für diejenigen, deren Gesuche um Freistellen oder auch nur um Kostenzuschüsse aus diesem Grunde zurückgewiesen werden müssen, ist das sehr bitter. So wurde uns kürzlich mitgeteilt, daß eine herzleidende Näherin, Mitglied der Ortskrankenkasse der Schneider, vom Kassenarzt zur Ueberweisung in eine Heimstätte empfohlen worden war, aber von der Kasse nur 85 Pf. Kostenbeitrag pro Tag erhalten sollte. Ein dem Heimstättenbureau eingereichtes Gesuch um Bewilligung eines Kostenzuschusses wurde abgelehnt aus dem oben erwähnten Grunde. Die OrtSkrankcnkasse der Schneider gehört zu denjenigen Kasten, die mit t. Januar 1914 in der Allgemeinen OrtSkrankenkaste aufgehen. Es bleibt mithin der herzleidenden Näherin und anderen Mitgliedern, denen eS etwa in letzter Zeit ebenso ergangen ist, noch die Hoffnung, daß dann die Allgemeine OrtSkrankenkaste sie in eine Heimstätte schicken und die vollen Kosten tragen wird. Wir setzen voraus, daß jenes bei der Ortskrankenkasse der Schneider ge- übte Verfahren nicht von der Allgemeinen Ortskrankenkasse mitüber- uommen werden wird._ Die Berliner Stadtvibliothck hat eine wertvolle Brief- samm lu n g zum Geschenk erhalten. Professor Dr. R u d o lp h GenSe hat ihr eine umfangreiche Auswahl von Briefen, die er während seines langen Lebens— er steht kurz vor Vollendung des 39. Lebensjahres— und infolge seiner vielfachen literarischen und künstlerischen Beziehungen von einer ansehnlichen Reihe bedeutender Männer und Frauen erhalten hat, übergeben. Was den Wert dieses zwei Menschenalter umfassenden Oorpus epistolarurn noch erhöht, ist, daß Professor Gcnse ihm aus seinem untrüglichen Gedächtnis eine Fülle schriftlicher Erläuterungen gegeben hat, die nicht nur seine vielfachen persönlichen Beziehungen zu den Briefschreibern angehen, sondern ein allgemeines Interesse beanspruchen. Die Sammlung enthält u. a. Briefe von Fr. Bodenstedt, Bogumil Dawison, Emil Devrient, Franz Duncker, Georg Ebers, Theodor Fontane. Gustav Freytag, Karl Gutzkow, Karl v. Holtet, Joseph Joachim, Ernst Kossak, Karl Freiherr v. Perfall, Franz v. Rottenburg, Marie Seebach, Spiel- Hägen, Max Maria v. Weber, Mathilde Wesendonck, Ernst Wichert, Ad. Wilbrandt, Ernst v. Wildenbruch. Auch GeneeS Verhältnis zu Herzog Ernst II. von Sachsen-Koburg-Gotha als Redakteur der von diesem gegründeten„Koburger Zeitung" findet in ein paar vom Herzog teils selbst geschriebenen, teils als Diktate GenäeS zu- geschickten Anweifimgen drastischen Ausdruck. Ferner hat Genöe der Stadtbibliothek eine Sammlung von Briefen aus den Märztagen 1843 übergeben, die die in der Stadtbibliothck aufbewahrte f riedlaendersche Sammlung zur Geschichte der Bewegung von 1343 ere ichern._ Zur russischen Fleischeinfuhr. Die gemischte Deputation zur Beratung über Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung hat bekanntlich in ihrer Sitzung vom 29. v. M. beschlossen, den Bezug des russischen Fleisches wieder aufzunehmen. Nachdem inzwischen der Land- wirtschastsministcr die Genehmigung zur Einfuhr erteilt hat, fand gestern vormittag in dieser Angelegenheit im Berliner Rathause eine Besprechung mit Vertretern der Berliner Vorortgemeinden statt. Die Besprechung hatte das Er- gebnis, daß im großen und ganzen alle Gemeinden, die sich bisher an dem Bezug russischen Fleisches beteiligt hatten, auch diesmal ihre Beteiligung hieran zusagten. Ihren 101. Gcdurtstng feierte eine Frau A. Heinrichs, Zions- ktrchstraße 4S. Ueber den angeblichen Selbstmord dcS flüchtigen Rechtsanwalts Bredereck wird jetzl nach Angaben berichtet, die ein aus Brasilien heimgekehrter Berliner Geschäftsreisender gemacht hat. Hiernach soll der ehemalige Anwalt, der eine Zeitlang in Curitiba ein Blumen- geschäft hatte, sich im Hotel de l'Oste in Sao Paolo in Brasilien vergiftet haben, als ein anderer Reisender, ein Freund des Berliners, die Behörden auf den von ihm erkannten Gesuchten aufmerksam ge- macht habe. Hiernach müßte der Selbstmord doch schon geraume Zeit zurückliegen und es wäre ausfallend, daß er in der Zwischen- zeit noch nicht amtlich hierher gemeldet worden wäre. Irgend eine amtliche Mitteilung ist aber bis jetzt noch nicht hierher gelangt. Die Arbeitcr-Bildungsschule, Greuadierstr. 37, befindet sich mit ihren Kursen in der Er- öffnungswoche. Die etwaigen Teilnehmer an Literatur- g e s ch i ch t e werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Unterricht am heutigen Zahlabend ri i ch t ausfällt. Die Be- treffenden wollen sich bei ihrem Zahlabendleitcr entschuldigen. Am nächsten Zahlabend, im November, fällt der Unterricht wieder aus._ Kleine Nachrichten. Im Kleiderschrank erhängt hat sich der 35 Jahr alte Kellner Emil Metza aus der Borsigstr. 26. M. hatte seit längerer Zeil keine Beschäftigung.— Von einem Auto- omnibus überfahren wurde an der Ecke der Hohenstaufen- und Martin-Luther-Siratze eine Frau R. aus der Helmstädter Straße. Sie liegt an einem Schädelbruch in einer Klinik schwer danieder.— In den Lichtschacht gestürzt ist der 34 Jahre alte Schlosser Paul Riediger aus der Waldeherstr. 6. An den Folgen der Verletzungen, die er sich hierbei zuzog, ist er gestern im Krankenhause gestorben. — Nach der Rettung gestorben ist die 17 Jahre alte Schneiderin Gertrud Schulz, die bei ihren Eltern in Neukölln am Wasser wohnte. Da? junge Mädchen sprang am Sonnabend in der Nähe der Kaiser- Friedrich-Brücke am Kupfergraben in den Kanal, wurde aber von Schiffern und Schutzmännern gerettet und nach der Königl. Klinik gebracht. Hier ist die Gerettete jetzt an Herzschwäche gestorben. Vorort- acbricbten. Neukölln. Die Ortskraukenkassenwahlcn finden am Sonntag, den 26. Oktober statt. Es ist notwendig, daß sich sowohl die Wahl- berechtigten Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in die Wählerliste eintragen lassen. Die Eintragung geschieht im Kassenlokal Weichselstraße 8(Jdeal-Passage). Eine besondere Benach- richtigung ergeht an die Wahlberechtigten nicht. Die Anträge zur Ausnahme in die Wählerliste können auch durch Beauftragte eingereichk�werden. Für die Wahlangelegenheiten ist die Kasse geöffnet: Werktags von 8—3 und von 5—7 Uhr, Sonntags von 10 bis 12 Uhr vormittags. Alle Funktionäre und Vertrauensmänner werden hiermit aufgefordert, in ihren Bezirken oder Betrieben darauf zu achten, daß die Eintragung geschieht. Ucber Mangel au polizeilichem Schutz beklagt sich ein Leser des „Vorwärts" in einer au uns gerichteten Zuschrift. Derselbe besuckte am Sonntagabend in derTreptower Straße Verwandte. Als er V«11 Uhr mit seiner Frau auf dem Nachhausewege begriffen die Ganghoferstraße passierte, wurde das Ehepaar von zwei Männern durch unflätige Redensarten belästigt. Die Beichimpsten gingen jedoch weiter. Bald darauf erging es anderen desselben Weges daherkommenden Passanten ebenso. Als der Schreiber sich nunmehr noch einmal umsah, kam einer der Schimpfenden auf seine Frau zu und versetzte ihr einen Stoß. Infolge Hinzukommens weiterer Passanten flüchteten die Rowdies. Nunmehr begab sich das Ehepaar nach dem einige Schritte entfernt liegenden früheren Denkmalsplatz in der Berg- und Richard- straße, um einen Schutzmann von dem Vorgang zu unterrichten: sie suchten indessen vergeblich nach einem solchen. Ein in der Nähe der Hermannstraße stehendes Schutzmannspaar erklärte den Fragenden: „Ja, dort steht kein Posten, soll doch die Behörde mehr Leute ein- stellen". Daß jene Gegend, von der der Schreiber berichtet, zu so früher Zeit von der Polizei entblößt ist, scheint nicht an einem Mangel an Schutzleuten, sondern an der Art der Verteilung derselben zu liegen. Zudem werden erfahrungsgemäß Schutzleute oft bei Ge- legenheiten verwendet, bei denen sie völlig überflüssig sind. Wilmersdorf. Der Borsitzende deS Vereins„Arbeiter-Jugeudheim", Herr Die- ringer, Joachim-Friedrichstr. 28, nimmt Mitgliederanmeldungen ent- gegen. Der Monatsbeitrag ist auf 19 Pf. festgesetzt; doch steht eS frei, auch höhere freiwillige Beiträge zu leisten. Alt-Glienicke. In der Generalversammlung des Wahlvereins gab der Borsitzende den Jahresbericht. Danach gehören dem Verein 143 Genossen und 47 Genossinnen an. Vorwärtsleser sind 183 am Orte. Nachdem Genosse Diehr den Kassenbericht und Genosse Bartel den Bericht der Gemeindevertreter erstattet halte, wurden folgende Anträge Roden- busch beraten und auch angenommen: 1. Sämtliche Sitzungen sind im„Jugendheim" abzuhalten. 2. Die Bibliothek wird im„Jugend- heim" untergebracht. 3. Vor jedem Bezirksabend hat eine kombi- nierte Borstandssitzung stattzufinden. 4. Alle Parteiämter sind Ehrenämter; in Zukunft wird für Sitzungen keine Entschädigung ge- zahlt. Sodann gab Genosse Thielicke-Schöneberg den Bericht vom Parteitage. In der Diskussion sprach Genosse Kaufmann im Sinne deS Referenten. Genosse Uhlig wies nochmals auf den im Novem- ber stattfindenden Vortragszyklus sowie auf den heiteren Abend am 16. November hin. Spanvim. Der seit acht Tagen vermißte Genosse Töpfer Karl Fischer wurde vor einigen Tagen als Leiche am Kaiser-Wilhelm-GedächtniS-Tunn aufgefunden. Der Verstorbene litt seit mehreren Jahren an einer schweren Krankheit und er zeigte in der letzten Zeit Spuren großer Niedergeschlagenheit. Aus Verzweiflung über seinen Zustand ist er wohl freiwillig in den Tod gegangen. Die Partei und Gewerkschaft verliert in dem Verstorbenen einen langjährigen und treuen An- Hänger und wird ihm ein ehrende? Andenken bewahren. Die Beerdigung wird im Inseratenteil bekanntgegeben; die Genossen werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Bernau. In der Stadtverordnetenversauiuilung erstatteten der Bürger- meister, der Vorsteher und Genosse Salzmann Bericht über den Städtetag. Die MagistratZvorlage betreffend die Beschlußfassung über den Bebauungsplan wurde auf Antrag des Genossen Knöschke mit 11 gegen 19 Timmen bis zur Anhörung des Landmessers Küchenmeister ausgesetzt. Es hatte nämlich besagter Landmesser unier sämtliche Kartenblätter die Bemerkung gesetzt:„Auf Veran- lassung des Herrn A. Wernicke". Nachträglich ist diese Bemerkung enlfernt und dafür„Die Bebauungsdeputation" gesetzt worden. Genosse Knöschke monierte diese Bemerkung; er gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß wohl der betreffende Landmesser mit den An- gaben für den Bebauungsplan nicht einverstanden gewesen wäre und dafür die erste Bemerkung darunter gesetzt habe. Es dürfte daher die Anhörung deS Landmessers Küchenmeister sehr zur Auf klärung beitragen. Hierauf 8388,59 M. unter Einbehaltung dem Landmesser Küchenmeister ausgearbeiteten Bebauungsplan, Ein' Gärtner, der an einer noch.. Morgen großes Terrain zur Errickitung einer Gärtnerei erstanden hat, beabsichtigt aus seinem Grundstück ein Wohnhaus zum Selbst- bewohnen zu errichten. Er hatte sich deshalb um Auskunft über die Genehmigung zur Errichtung des Wohnhauses an den Magistrat ge- wandt; dieser hatte die Genehmigung abgelehnt. In einer sehr langen Debatte, in der sich außer unseren Genossen auch mehrere Bürgerlichen für die Genehmigung ausgesprochen hatten, wurde mit 18 gegen 1 Stimme beschlossen, daß der Magistriat den Besitzer um die Einreichung einer Bauzeichnung ersuchen solle, und sofern daraus zu ersehen ist, daß das Haus nur für seine Zwecke, also nicht zum Vermieten errichtet gedacht ist, ihm Ungelegenheiten nicht entgegen- gesetzt werden sollen. ES wurden dann noch Zuschläge für Maler- und Töpferarbeiten des alten Krankenhauses, das zu Wohnzwecken hergerichtet wird, sowie für Lieferungen von Fleisch- und Wurstwaren sowie Kartoffeln für daS neue Krankenhaus erteilt.— In nicht- öffentlicher Sitzung wurden drei Polizeisergeanten angestellt. Es sollen, da die Nachtwächterstellcn eingehen, sämtliche Polizei- sergeanten von nun an abwechselnd Tag- und Nachtdienst versehen. Potsdam. Ter Stadtrat Jänike ist zum zweiten Bürgermeister in Elbing gewählt worden. Jänike war u. a. Dezernent der Armenverwal- tung. Unter seiner Leitung sind die Ausgaben für dieselbe ständig zurückgegangen, trotzdem von einer Verminderung der Armen in Potsdam nichts zu merken gewesen ist. bewilligte die'Versammlung einer Kaution von 6189 M. als Teilzahlung für den der 31 968,69 M. kostet. nicht regulierten Straße ein elf O�nitiung über Beiträge zum Bebel-Fonds. Moritz Pfeil, Berlin-Friedenau, Fehlerstraße 1 10,—. St. R. Lissa 10,— tilssarbcilcr des Vorwärts, Werkabteilung 30,—. Franz Bachmann 1,— urt Rosenjeld 100,—. Stavl Weber, Kr. Hamburger Straße 18/19 20,—. Angestellte der Buchhandlung Vorwärts 60,—. Moritz Fourien, Pankow 20,—. Sattlerwerkstatt Demuth, Mittelstr. 29 10.—. Arbeiter und Ar- bciterinnen der Rechenmaschinensabrik Ludwig Schütz u. Co. für die Jugend 60,—. Otto Krüger, Eiscnbahnstr., 39 1,60. Kollegen der Firma Ztiesling, Möbelfabrik, Waldemarstr. 69 10,—. Vob den Genossen der Erholungs- stätte Jungsernheide durch Mittcnzweig 4,66. M. Rofcnbaum. Grunewald 300,—. Von Kollegen und Kolleginnen der Hutfabrik Herkules. Wollincr Straße 27a 6,20, Eduard Richnow, Neukölln 10,—. Von den Schneidern der Firma Wolfs u. Schulz 15,—. Von den Buchdruckern der Firma Köbkc, Alexandrinenstraßc 99 12,06. W. O. 100,—. Dr. R. Silberstein in Neukölln 10,—. Zur Erinnerung a» August Bebel lOOtx— Hermann Ulrich 10,—. K. SB. 10,—, Von den Gesellen der Wurst- jabrik W. Vehr, Schöncberg 23,96, W. G., Pankow, Lchmidstr. 19 10,—. 4. Wahlkreis, Abt. 40, erste Rate 11,—. Fr. Vtarkus, Charlotienburg 3,—. Von der Arbeiterschaft der Brandenburger Karossenesabrik durch Göhrkc 80—, Zweigverein der Kaffee-Angestellten Berlin 100,—. Sammlung der Schlächter d. B. 16,31. Lackierer der N. A.-G., Oberschönewcidc 15,—, Personal der Buchdruckerci und Buchbinderei der Firma Juergens 10 Scchserkasse der Elektrischen Zentrale, Auer- Gesellschaft u. Co. 2l'—' Hilfsarbeiter der Abteilung Illustrierte Rotation Ullstein 11,26. Von den'Kollegen»nd Kolleginnen der Firma Stock u. Co., Maßbranche 20 66. Kellerarbeitcr der Wcinkellerei der Firma Brand u. Co., Berlin. Lindcnstraßc 3 10,60. Zenlralvcrband der Handlungsgchilscn, Bezirk Berlin 25,— Das Vcrkaufspcrsonal der 4. Verkaussstellc der Konsum- genossenschast 4,60. HanS Welling, Sachau. Böhmen 2,—. Ueberschuß aus der Scchserkasse der Arbciler des Betriebes H. Schubert, Alexandrincn- straße 110 10,—. Gesammelt bei Hase u. Schön 10,—. Schlosseret Schütte ».Deichen, 10 Ps.-Kasse. I.A.: Hannemcmn 20,—. Freiorganisirtte Metallarbeiter der Firma Götzke, Pankow 10,60. Organisierte Transport. arbeiter bei Lautenschläger 18,—, Von der Arbetterschaft der Firma Dr. Max Lebh 18,—. Dr. M. 3,—. Personal der Firma Döhring u. Henning 17.—. 2. Wahlkreis. Borstandssitzung 10,—. Bon Transportarbeitern der Firma Dr. M. Leoy durch Schulz 5,—. Otto Dannenbergcr 1,—. Max Stahn, Neubrandenburg 3,—. Von den Kollegen der Firma Hamann,«chöneberg, Bennigsenstr. 23, Saal 1.10,60, Saal II 13,50 24,—. Von den Kollegen der Firma Ebel u. Lohmann 10,05. Otto Kalefeld, M. d. D. Metallarb.-Verb. 3,60. E. und M. W. 50,—. Kollege» R. Weimann, Charlottenburg 10,—. Arbeiter der Firma Maggi 23,55. Buchdruckeret Janiszewsli 10,—. Nachruf f. Bebel Arbeiterjugend d. F. A. G. 20,—, Mix u. Genest, Abt. Revision 6,06. Ziviebusch u. Co., Charlotienburg, Salzuser 118,35. Personal der Firma Hans Dorn G. m. b. H. 11,40. Personal der Hausdruckerei A. E.-G. 6,70. Tagschneider Peel u. Cloppenburg 60,—. Buchdruckerci und Geschästsbüchersabrit Jagert 3,60. Werkstubenkasse der Groß-Buchbinderei Bleistein 5,—. Kollegen der Firma Rieve durch Köhler 10,—. Bezirk 383, 1. Till, 4. Kreis 6,—. Schlachthaus Gens 26,—. Kranzspendenüberschuß der Betriebsarbeiter der Brauerei Engelhardt, Charlottenburg 10,—. Kupserschmiede durch Kühne 26,—. Rauchklub„Fidelilas", Neukölln, A.-R.-B. 5,—. Personal der Buchdruckerei Gehring u. Reimers 10,60. Kollegen der Firma Knorr-Bremse, Lichtenberg durch Külz 89,70. Heinz Lauter u. Co., Berlin, Boxhagener Straße 17 a 23,—. Aus der Sechierkasse des Zählbaues der Bergmann-Elektrizitäts- werke 20,—, Paul Kinncr, Lichtenberg, Krünberger Straße 11 17,60. Von den Arbeitern der Firma Wendt u. Redlich. Unter den Linden 29 30,—. Ewald Fabian, WUmerSdorf 3,—. Von den Kollegen der Firma Albert Kurtz 10,—. Von den Arbeitern der Firma Zimmer u. Löbner 8,66. V. W. 70,—. Krastdroschkensührer der Firma Eberl u. Ko. 6.—. Sammcl- listen von der Liste der Tapezierer Simons 6,—. Karosseriefabrik, Lackiererei Franke 21,76, Rotationsmaschinenmeister„Vorwärts- 30,—. Scchserkasse 4. Kreis, Abt. 30, Bezirk 343 10,—. Sechserkasse 4. Kreis, Abt. 30, Bezirk 344 10,—, Sechserkasse der 8. Gruppe. Charlottenburg 10,—, Schneiderwerkstätte der Firma Ebenstein 30,—. Vom technischen Personal des Deutschen Druck- und Verlagshaus, Lindenstr. 26 59,60..Kontobuch- arbeiter und-arbeiterinnen der Firma Riesenstahl u. Zumpe, Holzmarkt. straße 67 20,—. Organisierte Kollegen der Firma Franz Schmidt u. Hönsch, Prinzessinnenstr. 16 10,05. Von den Kollegen deS Marmorwerks der Firma Jller, Weißenfee 16,—. Schneider und Schneiderinnen von Peeck u. Cloppenburg, Kottbuser Ufer 41 30,—. 2. Kreis, Bezirk 126 3,—. 2. Kreis, Bezirk 88 10,—. 2. Kreis, Funktionäre der 8. Abt. 14,—. 2. Kreis, Funktionäre der 5. Wt. 12,—. Durch Jakob 7,—. Modeltischlerei Bergmann 20,—. Personal der Firma Boll- stoß u. Apel 21,—. C. S. 4,—. A. G. 200.—, Tischlerei Bünger, Görlitzer User 3 10,—, Vom Leseabend Süden bei Fröhlich 10,—. Maschinenmeister der„Berliner Morgcnpost" 50,—. Hilsspersonal der Druckerei Nauck u. Hartmann 10,—, Tischlerei Nickel, Kenricke u. Lebmann 20,—. Personal der Buchdruckerei Julius Sittenscld 54,20. A. d. O. B. 10,—. Leseabend der 19. Abt., 6. Wahlkreis 5,—. Von den Kollegin der Firma Baer Sohn 60,—. H. Schulz S,—. O. Levinger London C. u. G., Berlin 5,40. Ges. v. d. Kollegen der Firma Klaus, Neukölln, Kncsebcckstr. 61 10,06. Von der Sechserkasse Silbermann. Gründer, Blank u. Co. durch Eilensew 10,—. A. G., Diäten III,—. Gcsttsiet von sämtlichen organisierten Kollegen der Firma H. Klemme, Friedenau, Bauschlosscrci. Schmargendorser Straße 32 30,—. Photo-Wteilung des Arbeitcr-WanderbundeS.Naturfreunds". Neu- kölln 10,—. Metallschlelfer N. A. G., Oberschöneweide 10,—. Tischlerei Karl Meißner, Stargarder Straße 2 6,—. L. Märten, Steglitz. Albrecht- straße 72 3,—. Aus der Groschenkafse der organisierten Kollegen der Favorit-Vergaser-Gcscllschast 5,—. Sammlungs-Ueberschuß der Kollegen und Kolleginnen der Firma Schucherdt 43,30. Von den Kollegen der Firma Danncberg u. Ouandt 17,30. 4. Kreis, 40. Abteilung, 2. Rate 25,—. Skatklub.Waidhaus" 5,—. Lotterievcrein„Immer Pech", Palewalker Straße 1 15,—. Hilsspersonal der„Woche" 20,—, Abteilung 6 3,—. Abt, 7, Bezirk 146, 2. Teil 10,—. Bauarbeiter des Konsumbaues Lichten- berg 36,—. Aus Listen 4024 und 4025 22,60. Arbeiter der Tischlerei Flick. Manteuffclstr. 13 3,—. Frauenleseabend der 28. Abt. 10,—. Frauenlese- abend der 13. Abt. 6,—. DaS Zentralwahlkcmttee bei der Delegiertenwabl 5,—. Kelch und Herzig 5,—. Sektion der Darmarbcitcr. Zentralverband der Fleischer, OrtSverwaltung Berlin 26,10. Bierkaffe der Kollegen der Kunststciiisabifk Czarnikow, Waidmannslust 10,—. Scchserkasse der Sattler, Kabelwerk Obersprce 7,20. Gesammelt von den Tapezierern der Firma Trcichelt 6,—. Weitere Beiträge sind zu richten an Emil Boeste, Berlin SW. 68, Lindcnstraffe 3 I._ Zentral-Kranken-Unterstütznngsverein der Schmiede und ver- wandten Gewerbe Deutschlands, Zablstelle Berlin 2, und Sterbekasse sür Mitglieder und deren Krauen. Gegründet am 1. August 1892. Geschäfts- stunden: Jeden Freitag und Sonnabend, abends von 7'/»— 9 Uhr, bei A. Paersch, Oldenburgsr Str. 10, vorn im Laden. ßnlfhaften der Redaktion. Jf. L. 21. Da« Testament ist ungültig. Für dl« Beantwortimg der übrigen Fragen reicht Ihre Darstellung nicht aus.— H. O., Friedenau. Ja.— Hcimftr. 1ö. 1. Nur für den Stadtbezirk Berlin. 2. Nein. 3. 10 Jahrs.— R. M. 8. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nach Familien. 4. Ja. — P.@. 11. 1. Für den Fall der Abwesenheit ja. 2. AM zweckmäßigsten eine Erklärung bei einem zur Führung eines öffentlichen Dienststegels be- rcchtigten Beamten, z. B. Polizeirevier. 3. Da? liegt im Ermessen des Richters. Strasantrag kann auch nur gegen einen Teil gestellt werden.— Marktpreise von Berlin am 6. Oktober 1S1Z, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 00,00—00,00, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 00,00— 00,00. Richtstroh 0,00—0,00. Heu 0,00-0,00. Markthallenvreie. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—60,00. Speisebobnen. weiße 36,00-60.00. Linien 36,00—70.00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,40. Rindsicitch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,60—2.00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelsteiich 1,60—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,00—6.00. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Aale 1,40—2,80. Zander 1,30—3,20. Hechte 1,20—3,00. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,00—40,00. Witterungsübersicht vom 7. Oktober ISIS. klasionen Swinemdc. �761 OSO Hamburg 769OSO Berlin 760 O §ranks. a.M 768.Still tünchen 760 SsO Wien>760 NO Vetter 4 wolkig 4 bedeckt Ibedeckt Dunst 2heiter l'wolkcnl »II *s> Stationen P iE es Haparanda 752 NSS Petersburg! 767jSW Scilly 742 D Aberdeen I76SWNW PariS �76�SO Vetter tt & 4 wölken!—8 3bedeckt 6 bedeckt 2 halb bd. Ibedeckt 1 12 6 13 Wetterprognose für Mittwoch, den 8. Oktober 191S. Zunächst vielfach heller, nach» etwa» kühl bei mäßigen südöstlichen Winden; später wieder zunehmende Erwärmung, Bewölkung und etwa« Regen. Berliner W etterbureau. WasierftandS-Rachrichten der LandeSanstall sür Gewässerkunde, mitgetettl vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e I, Tilsit P r e g e l, Jnfterburg Weichsel. Thorn Oder, Rattbor , Krossen . Franksurt Warthe, Echvimm . LandSberg Netze, Verdamm Elb«, Leitmerttz » Dresden » Barbh , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochsitz Havel. Spandau ff , Rathenowff Spree, Spretnbergff , Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianZau , Kaub . Köln Neckar, Heiwronn Main, Hanau Mosel, Trier am 6.10. cm 58 24 2 72 92 137 178 380 169 151 60 110 30 seit B. 10. cm ff +4 —1 —3 —10 0 +45 4-5 *—3 4-15 0 +1 ff 4- bedeutet Wuchs,— Fall.— ff Unterpegel. Die reellsten und billigsten Möbel and Polsterwaren orhält man zu Kassapreisen in der seit 35 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Schale, Raichenberger Strase 8. Größte Auswahl in allen Holz- und ßtilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahhmf mof das L Hausmittsl. Erscheint 2 mal öchentlich. | BezugsgifleSieii-VerzeiciiwSsa Crunow's Kaffee-Versd. Bresdnerst.TO �ihohaHreis Betränke Fr anz Abraham Hanb. Mcasin*-u.R5mertrank-Kell. OZSBaWliirSa�eniag�getjmOS A rDeiter-BerutsHleiduno Keiner, Otto, Gerichtstrafle 86. Partiewareng., Tegel, Br«ii«»aU9 F. Zillat, Waldemars tr. 64«. Centr. Ante Technikum Norden Prinzen-Allee42Il3ChaurfeirscbiIe Tages- und Abend-Kursus Kalrltt icdmeil. Prwpekl» aratla. Canlro ör. 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Kleiner, feclmlstr. loa l BaadtlMr. i, Max Kmtfert, Landab. Allee Friedrich Knop, liodestr. si Paul Köbernick, Wilh. stolzoetr.ss A. Kosubeck, Sparratr. 4 Josef Krell, Weaerstr. 179 Alb. Kratky, Cadinerstr. 19. Max Kühl, Triftatr. 9 Langestr. 40.' Tones n. Uochdeatirt«,■ Kytta»!, Iiänenatr. 6. imfa, Immanuelkircbstr. 20 rar __ I K». Liesepnng, Danzigerstr. 42 Carl Lindenberg, lyelMieritr. 4. W. Luremann, O., Gabriel Mnvtt. 2 W. Megow, Uehteui)g.,G»rtuersl.J. KteMaas, iDlliersfraße 58 «. Markwonh, Pflügerstr. 11. ". HoadUer, licitcsberj, Odrritr, 17• H.HoltzyBL'Aunsbcrgerstr.dReinigg. W. Liebreich, Jablonskistr. 4. SB l«e» tnd«ranze Dreschest Jr», Landsbergerstr. 116 Blumcn-Fischer-Zöllner SeestSO Jal. Großer, Pankow, Florastr. 94 Menzel, Neukölln, Bergstr. 110/111 A.MielM7.S«l»8Ta\»eber«U,r»eiaickwid.W A.Schneidep,Bschw3.>Bajmsi'h.8t.Vil. Tonraszewslu,\Veißcq�.Llcbtenbgst.J2. R.Wagner,l'aukow,Wollanktrtr.lM W. Wirlke Friednnatr. 98 �{5raraüerei„ BiortianOg. i Akt.-Brauer.Potadam.Eig.Niederl. Berlin SW, Tempelhofer Ufer. 15 Brandenban a. II., Wilhelrasdorferit. 1 10 Spez. Potsd. Stangenbier ISer/l�nor ß2öplbrauoreS- : Geaellschen m. b. rt. s �nnnctiBtrn. Kafttenienallee 68. üü ilisstain feinste Quaiitätsbiere. i | Ender s Brauerei t:» ( Walzbier, Cli>!nsent40,/41T.S. iogas WelssiiiiF- Capanielbjer Brauerei E. WiUner Pankow. Orolcrjans Ntlztier. actönk-Alle«»O. T. m, 5«6Z. 0. Habels Brauerei bell— Habelbpau- dunkel. Vhser Goldbiei* ist nicht nur ein ErfrUchnngtgetrlnk,»ondern such ein Gmindheltsbler ersten Rsnges. Berliner Dnlons-BfaBerei, Berlins, Hempcl, E., MüDerstr, ll8d, Löwen-Braflerei vorzügliche Faß- und Flascben-Biere. dje Qualität ist neruorragend chulz, lierm!�chonlein8tr72� Vereliis-EraßBrßilBotonia.liWSJ. Weissbier, 0. Breithaupt, Pal�adenstrSjT�Tel�-A��� BSS Landdrot Zu fordern in allen Geschäften B, öFlten u. Seileruiaren H.Wallhauser,Teg.,BahnhqfstT5 H. 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Es können doch solche Taten nicht bloß von einem kühl berechnenden Meuchelmörder, sondern auch im Affekt begangen werden, es kann doch Totschlag vorliegen.— S a ch v e r st.: Auf Totschlag hat sich mein Gutachten nicht bezogen. Im übrigen bleibe ich bei meiner Ueberzeugung, daß der erste Schuß... Bors,(unterbrechend) Herr Major, wenn Sic nicht neue Momente vorführen wollen, würde ich weitere Ausführungen nicht zulassen können, denn ich müßte dann jeden der anderen Sachverständigen wieder zur Wieder- holung ihrer Ausführungen das Wort geben müssen. S a ck v e r st.: Neue Momente will ich nickt beibringen, ich will nur betonen, daß ich bei meiner gestrigen Ausführung bleibe. Justizrat Fried- mann: Der Herr Vorfitzende hat wiederholt betont, daß alles gc- tan werden solle, um möglichste Aufklärung zu schaffen und da bitte ich doch, dein Sachverständigen das Wort zu gestatten. Vors. Selbstverständlich ist die Ausklärung nach allen Ricktunge» hin wünschenswert, doch kann ich Wiedcrbolungen nickt zulassen. Justiz- rat F r i e d m a n n: Dann erlaube ich mir die Frage an den Vor- sitzenden, ob er seiner Meinung verbleibt, daß der zweite und dritte Schuß in den Kopf des töteten gegangen ist und der e r st e Schuß den Hut der Angeklagten getroffen hat? � Vors.: Ich muß da- bei bleiben, daß ich dem Sachverständigen nur zur etwaigen Vorbringung»euer Momente das Wort geben kann.— Justizrat Friedman»!: Nach der Prozeßordnung sollen nur solche Kragen abgelehnt werden können, die als ungeeignet erachtet werden. — Vorsitzender: Ungeeignet sind solche Fragen, die nur Wiederholungen zur Folge haben können.— Justizrat Fried- m a n n bittet um Gerichtsbeschluß, nimmt diesen Antrag aber wieder zurück und fügt hinzu: die Geicktvorenen würden ja a u ch s o w i s s e n, woran s i e s i n d. Ein Geschworener wünscht zu wissen wo eigentlich der Hut des getöteten Rcintimn geblieben ist, den er doch bei dem Zusammentreffen im Tiergarten aus dem Kopf gehabt habe.— staatsanwallsckaftsrat Dr. Gysae erklärt, daß bisher auf den Hut von der Anklagebehörde keinerlei Wert gelegt worden sei.— Der Zeuge Z i b e l l kann sick nicht besinnen, ob der Hut neben der Leiche gelegen hat oder nicht.— Die Zeugin Anna R e i m a n n weist daraus hin, daß der Hut, der keine Brand- spuren aufwies, im Leichcnschauhause bei der Leiche gelegen hatte. Die Beweisaufnahme»vird hierauf geschlossen. Der Vorsitzende verliest die von ihm entworfenen Schuldfragen, die auf Mord oder Totschlag lauten und für den Fall der Bejahung eines Totschlags die Unterfragen hinzufügen und ob der Tob schläger ohne eigene Schuld durch Mißhandlung oder schwere Be leidigung von dem Getöteten zum Zorn' g e r c i z t und hierdurch aus der Stelle zur Tat hingerissen worden ist(§ 213) odep ob andere mildernde Umstände vorhanden sind. Plaidoycrs. StaatSanwaltschaftSrat Dr. Gysae führt u. a. aus: Es bandelte sich wieder um ein Opfer der verhängnisvollen Revolverschießerei, von der die spalten der Zeitungen und die Ge� richtssäle jetzt so häufig widerhallen und mit der auch Sie sich in der arbeilsvollcn Sitzungsperiode sehr viel zu beschäftigen halten. Auch hier handelt es sich ivieder um einen jener Fälle, in denen das Schießeisen eine verhängnisvolle Rolle gespielt hat. Sie, meine Herren Geschworenen, sind nun heute berufen, das letzte Wort zu sprechen in dem Drama, und zwar als Richter. Eine ganze Reihe von Momenten hatten die Möglichkeit nahe gelegt, daß in der Tat ein Mord vorliege, und daher war es notwendig, in diesen» Rahmen die Tal der Angeklagten Ihrer Entscheidung zu unterbreiten. Die Hauptverhandlung hat dicS aus einem wichtigen und tatsätilichen Grunde nicht bestätigt. Wenn man einen Mord annehmen will, so muß nach dem Standpunkl des Reichsgerichts die Ucberlegung für alle Teile der Tal gefordert werden, nicht bloß>ür die Vor- bcreitung. sondern auch für die Ans führ ung der Tat, so daß der Mörder sorgsam gezielt haben muß, um sein Opfer zur Strecke zu bringen. Ich stehe nicht au, daß hier in diesem Falle im Moment der Tat keinesfalls die llcberlegung vorhanden gewesen ist. Es handelt sich alio, wie vorweg zu bemerken ist. nickt um den Kopf der Angeklagten! Ick tvill hier glcick hinzufügen: Ich werde beantragen: die Frage nach Totschlag zu bejahen, ferner die Frage zu bejahen, daß die Angeschuldigte zum Zorn gereizt war und endlich die Frage nach mildernden Umständen zu bejahen, denn solche sind im weitesten Maße vorhanden. Sie werden vielleicht einen anderen Antrag von mir erwartet haben mir Rücksicht vielleicht auf das Gutachten des Sack/ verständigen Dr. Toby Cohn. Ick würde diesem Gut'- achten entschieden folgen, wenn ich es für berechtigt hielte. Ich halte es aber nicht stir berechtigt und würde einen nach diesem Gutachten zu stellenden Antrag für so unerhört halten, daß ick nie auf den Ge- danken gekommen wäre, ihn zu stellen. Geiviß ist Herr Dr. Toby Cohn cm Mann von anerlaniiter wissenschaftlicher Bedeutung, er hat aber trotzdem ein Gutachten abgegeben, an dem ich die schärfste Kritik üben ninß. Denn es ist abgegeben ohne ausreichende Unter- läge, ohne ausreichende Vergleichsmäßigkeit und ohne den Mut der Konsequenz. DaS Gutachten des Geh. Rats Dr. Korlum klang Ihnen vielleicht ähnlich. In Wahrheit ober war eS grundverschieden. Unser langjähriger, verdienter Gerichlsarzl, Herr Medizinalrat Dr. H o s f m a n n. der leider auf Urlaub von Berlin abwesend ist, hat seinerseits nicht die Meinung gehabt, daß die Angeklagte geisteS- krank sei, hat es aber doch für seine Pflicht gehalten, wegen einiger Krankheitserscheinungen der Angeklagten den Antrag auS Z 81 zu stellen. Herr Dr. Cohn hat die Angeklagte einmal gesehen und ausgiebig geiprockcu und basiert sein Gutachten ans die eigenen Angaben der Angeklagten, die er alle als wahr annimmt, obwohl die Angeklagte dock ausgesprochen hysterisch ist und Hysterische bekanntlich zur UnWahrhaftigkeit und zur Lüge hinneigen. Es bat mir fast einen körperlichen Schmerz bere-let. daß ein Mann von der wiffenschastlichen Bedeutung des Herrn Dr. Cohn .Zwangsvorstellungen" feststellen zu können glaubt, lediglich auf die Angaben dcr Angeklagten hin. Er hat die ZwangSvorslellniigen mit der Platzsurcht verglichen— wo aber sind denn irgendwelche Vor- fälle erwiesen, daß sich diese Angst und Platzfnrckt irgendwo doku- menliert hat? Nirgends! Es ist ausfallend, daß der Sack- verständige eine Zwangsvorstellung feststellen zu können glaubte. Es wird aus die Versassung verwiesen, in welcher die drei Zeugen, die auf den Knall hinzugeeilt waren, die Angeklagte vorgesiinden haben. Ja, würde denn ein normaler Mensch, nachdem er in daS Medusen- haupl einer so entsetzlichen Tat geschaut, sich anders verhallen? Dr. Cohn sagt, er habe einen normalen Menschen in einer olchen Situation noch nicht gesehen. ES fehlt ihm also an Vergleichs- I Möglichkeit. Diese Herren Psychiater, die gewiß sehr gründlich und j sehr gewissenhaft ihres Amtes walten, sehen eben fast mir Kranke »und vergessen ganz, daß, Gott sci�Dank, ein größerer Prozentsatz der ' Menschen noch normal ist. Der Sachverständige hat ja auch die An- geklagte nach der Tat nicht gesehen, sondern nur die Darstellung gehört, die die drei braven Männer, die als die ersten hinzugeeilt waren, nach ihrem besten Wissen gegeben haben. Es ist doch selbst- verständlich, daß ein LOjährigcS Mädchen nach einer solchen furcht- baren Szene ganz erschüttert und sprachlos dasteht, dazu braucht man doch nicht an einen Dämmerzustand zu denken. Herr Dr. Cohn müßte doch die Konsequenz seines eigenen Artikels ziehen, den er im Anschluß an den Fall Ritter geschrieben hat und in welchem er einen Schutz vor Geisteskranken fordert. Einem solchen Gutachten kann ich also keinesfalls folgen. Auf eine Zwischenbemerkung des Justizrats Friedmann habe ich gestern keineswegs mit einer für die Angeklagte noch fühl- bareren Strafe drohen wollen; es kann gar keine Rede davon sein, daß ich die Angeklagte als Geisteskranke ins Irrenhaus schicken will. Ganz anders lautet doch das Gutachten des Geheim- r a t S Dr. K o r t u m, der als Voraussetzung hinstellt, daß die Angaben der Angeklagten wahr sind und bei Wegfall dieser Voraus- setznng die Verantwortlichkeit der Angeklagten bestehen läßt. Ich bebaupts, daß daS letztere der Fall ist und die Angeklagte über die Vorgänge nicht die Wahrheit sagt. Sie ist eine außer- ordentlich begabte Person, ihre Niederschrift ist außerordentlich ge- schickt gemacht, klingt etwas hochtrabend und ihre werte Person in den Vordergrund stellend. Sie haben selbst gehört, wenn sie das Wort ergreift, wie sie in fabelhafter Weise immer eine Antwort fand und von dem Recht des Angeklagten, zu leugnen und zu lügen, .ausreichenden Gebrauch' machte.— Der Staatsanwalt geht dann aussührlich aus den EnttvickelungSgang der Angeklagten und ihre ganze Persönlichkeit ein. Er weist darauf hin, daß sie aus einer guten und früher gut situiertcn Familie stamme, die durch den trunk- süchtigen und liederlichen Vater herabgekommen sei. Die Angeklagte sei eine frische, zur Fröhlichkeit hinneigende Person, die in nicht all- täglicher Weise frisch und freudig den Kampf mit dem Leben aufgenommen und in jungem?llter tapfer mitgearbeitet habe, um ihre Mutter mit zu er- halten. Sie ist ja erblich belastet, aber nirgends hat sich gezeigt, daß sie mehr als hysteriffh ist, das hat sich so wenig gezeigt, daß der Zahnarzt Dr. Oppler dieser angeblich„Fallsüchtigen" seine Kinder zur Obhut anvertraute. Als ihr dann der Dr. Sternberg seine Freundschaft und seine Liebe schenkte, wurde dieses Verhältnis für sie und für den Dr. St. eine Quelle des Glücks, denn dieses Verhältnis war nicht alltäglicher Art. Sie kam in einen neuen Daseinskreis, dem sie sich durch Erlveiterung ihrer Bildung und Festigung ihrer ganzen Persönlichkeit gern an- zupassen suchte. Sie haben zusammen Bücher gelesen, lasen die Reise- beschreibilngen, die der oft beruflich auf Reisen befindliche Dr. St. in Briefen gegeben hat. sich vor, besuchtest gute Opern und gute Theaterstücke und es ist ganz zurücktretend, daß die Angeklagte ab und zu auch einmal das Wohlleben kennen lernte. Sie war nicht bestrebt, aus diesen Beziehungen sin an- zielle Vorteile zu erzielen. Da kam das Verderben über sie in dem Augenblicke, als ihre Beziehungen zu Georg Reimann begannen, einem jungen Mann, auch aus besserer Familie stammend, auch ein Sohn eines verarmten Architekten aus Glatz, auch ein Mann, der eine bessere Bildung genossen hat. Das„mütterliche" oder„schwesterliche" Verhältnis, welches die An- geklagte glauben machen will, konnte in dieser Form nicht lange be- sieben bleiben. Der Reimann war, wie die Angeklagte sagte,„halb Kavalier, halb Page", aber der Page begann bald die Augen zu er- heben zu seiner Herzogin, er dachte daran, daß er ein Mann ge- worden, und als er erfuhr, daß sie mit einem anderen Manne in Verkehr stand, wurde ihm sofort klar, daß dies nicht bloß ein schrift- licher Verkehr sein könne. Als er die briefliche Bestätigung davon vor Augen sah, da begann sür ihn die Eifersucht, da wurde er liebeSrasend. Sie hat in frevelhafter Weise mit dem jungen Mann gespielt, wie dieK atze mit der Maus, nach und nach ist er aus dem Liebesrasendeu ein ganz gemeiner Erpresser geworden. Die Angeklagte ist ein gewecktes Mädchen, jeder Situation gewachsen, sie ist ein Berliner Kind im besten Sinne des Wortes und sie mußte sich von selbst sagen, daß, wenn sie sich dem Reimann hingab, sür diesen dcr Appetit mit dem Essen kommen mußte. Dieses Doppelspiel, welches die Angeklagte spielte, hätte jeden normalen Menschen schließlich in den Zustand bringen können, in dem sich die Angeklagte befand, als sie nach und nach bis zum Grade der Verzweif- l u n g kam, wo sie den» Reimann schrieb:„Du oder ich; einer von uns ist zu viel auf der Welt". Als dann Reimann den ano- nymcn Brief an den Mann schrieb, der ihr ganzes Glück war, als Reimann diese letzte, gemeinste Waffe aller Schwächlinge in An- wendung gebracht hatte, da reifte in ihr der Entschluß, der Sacke ein Ende zu machen, so oder so! Die Situation für sie war un- baltbar, sie setzte ihr eigenes Leben ein, wollte aber auch dem Vcrmchtcr ihres Lebensglückes mit anS dem Leben iichmeii. Wenn ein Mädchen, das so drangsaliert und zum Aeußersten getrieben wird, zur Selbstbeficiung schreitet, so ist das erklärlich, aber st r a f b a r. Es i st geradezu unheimlich, wie R e i mann sie gequält und verfolgt hat. Er balle ihr mit der Vernichtung ihrer Existenz gedroht, sie stand dem schonungslos vorgehenden Manne machtlos gegenüber. Da ist der übervolle Becker zun» Ueberlaufen gekommen. Ihr Plan ging nicht mehr dahin:„Du oder ich", sondern„Du und ich". Die Angeklagte hat die Tat ganz planvoll vorbereitet. Man denke nur daran, daß sie das Zusammentreffen mit R. von 8 auf 10 Uhr verlegt und daß das Mädchen, welches in den Tod gehen wollte, auch noch daran dachte, den Hausschlüssel des Dr. Sternberg zurück zu verlangen und die Verlegung der Zeit damit erklären will, daß sie sich schämte, mit dem R. sich noch sehen zu lassen. Es wäre ja doch unerhört, wenn jemand straflos bleiben sollte, weil er es versteht, über die entscheidenden Minuten den chleier des Vergessens zu breiten und einfach sagt: er weiß davon nichts mehr. Sie weiß sicher mehr, als sie sagen will. Man kann sich die Vorgänge an dem Orte der Tat recht klar zeichnen. Der Mann, der vorher schon sich gemein und gefahrdrohend gezeigt hat, der wird sie bei dem Geplänkle um den Brief in derselben Weise beschimpft und schlecht gemacht und den aufgespeicherten Zorn ent- laden haben. Und da setzte die Angeklagte die Waffe dem jungen Mann an den Hinterkopf, gab zwei Schüsse auf ihn ob und den dritten auf sick selber, der bei ihrer Aufregung das Ziel verfehlte. Und da stand sie denn da in voller Verziveiflung, als sie dies Furchtbare erlebt balle. Ter allbeivährte und zuverlässige Medizinalrat Dr. Hoffmann, der die Obduktion vorgenommen hat, hat klipp und klar crtläri, daß nach dem Ergebnis dcr Obduktion Selbstmord ausgeschlossen ist. Auch die Möglichkeit, daß beim Ringen die tödlichen Schüsse losgegangen sein sollten, ist un- denkbar, alle sonst vorgeführten Möglichleiten erscheinen absurd. Wenn Justizral Friedmann die Möglichkeit, daß der Gelötete sich beim Hinfallen gedreht habe, durch den Hinweis darauf bekräftigen wollte, daß eine solche Drehung auch bei den auf dem Theater „Sterbenden" üblich ist, so stimmt das nicht; denn auf dem Theater erfolgt diese Umdrehung aus dem Giunde weil man den Schau- spieler nicht in der schwierigen Lage lange liegen lassen will. Ein altes Wort sagt:„Die Szene ivird zum Tribunal", hüten Sie sich aber, hier nicht die Szene zum Tribunal werden zu lassen und hier einen Thcatergebrauch als Beweis dienen zu lassen. Denken Sie auch an das ganze Verhalten der Angeklagten nach der Tat, an ihre Bemerkungen, die sie dem Polizeibeamten machte, als sie zur Haft gebracht wurde. Solche Witze und solche Bemerkungen wird in einem so bedeutungsvollen Moment doch gewiß kein Mensch inachen, der sich unschuldig fühlt, selbst wenn man einen guten Prozentsatz von den schnoddrigen Berliner Redensarten in Abzug bringt. Alles, was die Angeklagte über die Vorgänge bei der Tat gesagt hat, ist nach meiner festen Ueberzeugung nicht wahr. Er« klären Sie die Angeklagte des Totschlages schuldig, aber bewilligen Sie ihr mildernde Umstände. Folgen Sic der zweiten Alternative des Geheimen Rats Kortum, dcr da sagte: loenn die Behauptungen der Angeklagten nicht wahr sind, ist sie für ihre Tat verantwortlich. Aber sie ist hysterisch und bis zur Vernichtung ihres eigenen Lebens bis aufs Blut gepeinigt worden. Reimann war in der letzten Zeit kein besonders achtungswertes Mitglied der Mensci.qeit. Alles in allem werden Sie das richtige finden, weizit Sie di« Schuldfragen in meinem Sinne beantworten. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Ledermann setzte seinen Ausführungen das Wort voran:„ds mortui» nil nisi bene1' sUeber Tote nur Gutes), meinte aber, daß dieses Wort auch Aus- nahmen zulasse und daß der aus dem Leben geschiedene Reimann zu einer solchen Ausnahme zwinge. Der Verteidiger weist an einzelnen Punkten nach, daß Reimann nicht wahrheitsliebend war, daß er ein phantastischer Phrasenheld gewesen sei, der von sich selbst renommierte. Nicht Liebe habe der Angeklagten ein größeres Interesse für Reimann eingeflößt, sondern ein gewisses Mitleid. Er sei ihr als ein netter, guter Kerl erschienen, vis er nach u n d nach seine wahre Natur zeigte. Wenn sie ihn geliebt hätte, hätte sie doch niemand gehindert, ihm allein anzugehören. Sie liebte ihn nicht, sondern hatte Aug st vor ihm, der alles daran setzte, sie ganz unter seine Macht zu bekommen; sie hatte Angst uin ihre Stellung, Angst um ihre Mutter, deren Ernährerin sie war. Auch Reimann liebte sie nicht, sonst wäre er nicht so gemein gegen sie vorgegangen. Denn es ist mehr als wahrscheinlich, daß er sie nicht nur beschimpft, sondern auch daran gedacht bat, sie zur Dirne zu machen und ihr Zuhälter zu werden. Die Angeklagte sei keine Person, der man die Absicht zu morden oder zu töten zutrauen könne. Sie sei ein lustiger, fröhlicher Kerl gewesen, ein Sonnenschein für alle, die mit ihr zu tun gehabt haben, deren Gutmütigkeit. Stolz und deren Ehrgefühl von den verschiedensten Zeugen bekundet wurde. Die Angeklagte habe nie die Absicht gehabt zu töten, sondern nur die, sich selb st daS Leben zu nehmen. Die Darlegungen des Staatsanwalts bezüglich der vermeint- lichen Entwickelung der Dinge an dem Tatorte treffen gegenüber den Tatsachen nicht zu, wie der Verteidiger im einzelnen nachzuweisen sucht. Er hebt auch hervor, daß jemand, der einen Menschen tötet, doch sickerlich nicht bei der Leiche stehen bleibe. Nach dem Gutachten der Sachverständigen� sei gar kein Zweifel, daß die Angeklagte zu der Zeit, als die Schüsse fielen, sich in einem Dämmerzustand befand. Ganz entschieden müsse sich die Verteidigung gegen die Kritik verwahren, die der Staats- anivalt dem von ihr gestellten Sachverständigen habe zuteil werden lassen. Es handle sich hier um einen wissenschaftlich anerkannten Sachverständigen, der aus seiner reichen ärztlichen Erfahrung heraus seine mit guten Gründen belegte lleberzeugung klargelegt habe. Nack diesem Gutachten schon müßten die Geschworenen die Angeklagte freisprechen. Die Geschworenen mögen eindringen in die komplizierte Psyche des Mädchens und in die komplizierten Vorgänge. Zuzugeben sei, daß der Verdacht groß ist, aber die Angaben der Angeklagten seien nicht Wider- legt und auch wahrscheinlich. Geben Sie, so schließt der Verteidiger, die Angeklagte dem bürgerlichen Leben Ivieder, dem sie schon sechs Monate entzögen ist, geben Sie sie ihrer Mutter wieder. der sie eine Stütze im Alter sein muß l Verteidiger Justizrat Friedmann: Nicht bloß Sie werden e r st a u n t sein, daß der Staatsanwalt heute einen An- trag auf schuldig stellt, sondern von diesem Erstaunen werden weitere Kreise erfaßt werden ebenso wie die Männer auf der Ver- teidigerbank. Ein solcher Antrag ist nach dem G u t- achten derpsychialrischen Sachvcrständigen kaum v e r st ä n d l i ch und ist mit den» ganzen Gange der Verhandlung der Vorgeschichte des Prozesses und den Er- gebnissen der Verhandlung nicht vereinbar. Nack diesen Er- gebnissen kann man unmöglich zu einer sicheren Ent- scheidung kommen: die Angeklagte ist des Mordes oder de? Totschlages. wenn auch mcinetlvegen mit allen möglichen mildernden Um- ständen schuldig. Der Verteidiger richtet dann an die Geschworenen die ernste Mahnung, über den Einzelheiten, auf die so großes Gewicht gelegt sei, über den Details nicht den großen Gesichtspunkt zu ver- liercn, der allein die Geschworenen leiten könne, wenn sie die Wahrheit finden wollen. Nach einem längeren geistvollen Hinweis auf Wesen und Bedeutung der Geschworenengerichte und auf die manchmal nicht unberechtigte Furcht dcr gelehrten Richter, legt dcr Verteidiger in warmherzigen Worten den Geschworenen ans Herz, nicht nach Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu urteilen, sondern sich einzig und allein zu fragen: was ist erwiesen? Den Geschworenen müsse als einziger Leitfaden die freie Be- wcisführung dienen und wenn diese freie Beweisführung und ihre Grenzen richtig eingeschätzt würden, müssen sie zu einem nichtschuldig kommen. Die Tatsachen treiben zu diesem Schluß, aber die An- geklagte sei auch nicht eine Persönlichkeit, der man ohne weiteres eine solche Tar zutrauen könne. Dcr Verteidiger nimmt den Sach- verständigen Dr. Toby Cohn nachdrücklich gegen die Ausführungen des Staatsanwalts in Schutz und führt aus, daß dessen Gutachten ein in jeder Beziehung ivohl begründetes und durchaus nicht im Gegensatz zum Korlumschen Gutachten stehendes war. Es erübrige sich dnher�alle vorhandenen Möglichkeiten noch einmal durchzugehen und die Schlußfolgerungen des Staatsanwalts zu widerlegen, denn schon nach diesem Gutachten müßten die Geschworenen zu einem Nicktickuldig kommen, da danach die freie Willensbestimmung der Angeklagten in den kritischen Minuten ausgeschlossen war. Zu den„Möglichkeiten" würde auch die noch gar nicht berührte Frage der Notwehr gehören. Wenn man annehme, daß der erste Schuß derjenige gewesen, der den Hut dcr Angeklagten durchbohrte, so sei die weitere Tätigkeit der letzteren auch aus dem Gesichtspunkte dcr Notwehr diskutabel. Aber wie gesagt, sei dies auch nur eine Kom- binativn, die sich den anderen angliedern lasse. Die Geschworenen dürften nicht das Unwahrscheinliche ohne weiteres als unwahr be« trachten, denn oft sei gerade dieses Unwahrscheinliche die Wahrheit. Die ganze Vorgeschichte des Prozesses zeige ja auch, daß man ursprünglich an eine Schuld der Angeklagten über- Haupt nicht dachte, denn der Untersuchungsrichter Haber seiner Zeit die Absicht gehabt, sie aus der Haft zu entlassen, waS doch unmöjj- lick gewesen wäre, wenn er sie eines so schweren Verbrechens für verdächtig gehalten hätte. Die Geschworenen müßten sich der schweren Aufgabe unterziehen, in die Seele einer doch sehr eigenartigen Persönlichkeit zu schauen, bei der man auch mit etwaigen Unwahr- scheinlichkeiten zu ihren Gunsten rechnen müsse. Der Verteidiger schließt mit den Worten Fichtes l„Volle Wahrheit nur allein— darf des Spruches Stütze sein— nimmermehr Wahrscheinlichkeit— Wahrheitsschein, Wahrheits Kleid I" Die am Schlüsse des Plaidopers ertönenden vereinzelten Beifalls- zeichen des Publikums untersagt der B o r s i tz e n d e als völlig un« zulässig. Mit Rücksicht auf eine Bemerkung in dem Plaidoycr des JustizralS Friedmann hat der Vorsitzende den Unter suchungs- richter Landrichter Dr. Metzner zitiert, der sich auf Be- fragen wie folgt äußert: Ich habe dringenden Tatverdacht nicht angenommen, sondern nur einen hinreichenden zur Eröffnung dcS Hauptverfahrens. Die Angaben dcr Angeklagten waren nicht sicher widerlegbar, sie klongeii vielmehr fast glaubhaft. Die Beratung dcr Geschworrucn dauert über 2 Stunden. Um 5% Uhr verkündet der Obmann, Professor Dr. Kühne» den Spruch der Geschworenen; er lautet auf Schuldig des Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände. StaatSanwaltschaftSrat D r. Ghsae: Die mil� dernden Umstände fliehen aus zwei Quellen. Einerseits aus der Erwägung, dah die Angeklagte infolge ihrer Veranlagung minder zurechnungsfähig bei der Ausführung der Tat war; andererseits, dah die Angeklagte sich in einer Lage befand, nicht ganz ohne ihre Schuld, ober doch nicht ganz durch ihre Schuld, von der sie nicht wuhte. wie sie anders enden solle. Andererseits handelt es sich um ein Menschen- leben, man muh aber berücksichtigen: um welches Menschenleben; um einen Menschen, der sie bis ans» Vlut gepeinigt und verfolgt hat. Unter Berücksichtigung auch der Jugend der Angeklagten beantrage ich l Jahr 6 Monate Gefängnis und Anrechnung eines Teils der linrersiichungshaft. Justizrat ff r i e d m a n n: Falls der Gerichtshof nicht den Z 317 der Strafprozeßordnung anwenden will sBerweisung an ein anderes Schwurgericht wegen einstimmiger Ansicht des Gerichts, daß die Ge- schworenen sich zu Ungunsten der Angeklagten geirrt haben), so habe ich teine Ausführungen zu machen. Das Gericht wird wissen, welche Strafe es nach dem Spruche der Geschioorenen zu finden hat. Jedenfalls beantrage ich die H a f t e n l l a s s u n g der Angeklagten. Nach kurzer Beratung des Gerichts verkündet der Vorsitzende folgendes Urteil: Innerhalb des Rahmens, den der Spruch der Herren Ge schworenen gezogen, hat da? Gericht die Slrase festzustellen. Da hat das Gericht folgende? geprüft: Die Angeklagte hatte vom Vater nicht nur die Intelligenz, sondern auch den Leichtsinn geerbt und so war es für sie notwendig, daß sie eine besonders starke moralische Stütze durch ernste und sorgsame Erziehung erhielt, ihr fehlte das gute Elternhaus, die sorgfältigen Eltern, die einem jungen Mädchen einerseits eine gewisse Freiheit lassen, anderseits aber auch mit Strenge darauf sehen, daß die Grenzen dieser Freiheit nicht überschritten werden. So kam sie in die Großstadt, wo die Ver- lockungcn an sie herantraten und wo eine besondere Kontrolle durch zuverlässige Freundinnen besonders notwendig gewesen wäre. So war der Boden für sie vorbereitet; sie ging ein Liebesverhältnis ein, mit einem Maune, der in anderen Kreisen wie sie lebte. So ideal das gewesen sein mag, so bestand doch eine Kluft zwischen ihnen und bei der sinnlichen Natur und der ihr innewohnenden Erotik blieb noch ein Platz für einen Zweiten. Georg Reimann war das Gegenstück von Dr. Sternberg und wenn er etwas Lasterhaftes an sich hatte, so war dies vielleicht das, was die Angeklagte reizte. „Einen Kuh auf Dcineir losen, frechen Mund 1" so schrieb sie und dies beweist, daß sie sich nicht immer so brav und gebildet unter- halten wollte, wie mit Dr. St. Sie sagt selbst: Eine Doppelnatur wohne in ihr, wie ja Wohl in jedem Menschen etwas von einer solchen steckt. Sie liebte es, sich mit Reimann etwas nachlässiger und weniger ernst zu unterhalten. So kam eine gewisse Neigung zu ihm. Bei Dr. St. hatte sie einen gewissen Respekt zu bewahren, bei dem jungen Menschen war sie die Königin allein. Dieses Doppelspiel war eine Lage, der sie nicht gewachsen war, Denn nun zeigte sich Reimann von der schlechten Seite. Er hatte sie, nach dem letzten Brief zu urteilen, auf alle Art bedroht und geängstigt. So kam es bei ihrer hhsterischcn Natur, daß sie sich zu dem Schritt entschloß, der sie von dieser Fessel befreien sollte. In dieser Verfassung hat sie die Tat begangen, die die Herren Geschworenen als Totschlag erkannt und für die sie ihr mildernde Umstände bewilligt habe». Danach hat der Gerichtshof in Erwägung, daß sie trotz ihrer Intelligenz eine mangelhafte moralische Bildung besaß, sich in einer Notlage befand, da sie einen Erpresser in ihre Gewalt gebracht hatte, in fernerer Er- wägung, daß sie geistig dem Dr. St. nahe, moralisch aber dem Rei- mann näher stand, gemeint, eine Strafe mittlerer Art verhängen zu sollen. Da ein großer Teil der niildernden Umstände schon in dem Wahrspruch der Geschworenen selbst liegt, so hat das Gericht auf 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis erkannt, S Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet und die Einziehung des Revolvers verfügt. Die bei der Urteilsverkündung total zusammengebrochene An- geklagte erklärte, die Strafe noch nicht annehmen zu wollen. Ein Bild des Jammers bot die Mutter der Angeklagten, die in sich zu- sammengesunkcn schluchzte und jammerte. Mit Erlaubnis des Vor- sitzenden wurde ihr Gelegenheit gegeben, nach der Verhandlung noch mit ihrer Tochter Rücksprache zu nehmen. Das Urteil ist gefällt auf Grund deS Wahrspruchs der Ge- schworenen. Es ist härter als der Antrag des Staatsanwalts. Aus der Begründung des Urteils klang ebenso wie aus der gesamten Verhandlungsleitung heraus, daß das Gericht der Ueberzeugung zu- geneigt habe, es liege vorsätzliche Tötung vor, die mit U eberleg ung ausgeführt ist, also Mord, nicht nur ohne Ueberlegung, aber mit Vorsatz ausgeführte Tötung(Totschlag). Ist diese Annahme gerechtfertigt oder ist nicht sie und auch der Wahrspruch der Geschwornen ein Fehlspruch? Hat wirklich die Angeklagte im Augenblick der Tat das Bewußtsein ihres Tuns gehabt? Selbst wenn der Sachverständige nicht auf das Bcstimniteste diese Frage verneint hätte, liegen eine große Reihe von Umständen vor, die auf den Mangel an Bewußtsein zur Zeit der Tat schließen lassen. Dem Gericht und den Ge« schworenen war die außerordentlich schwierige Aufgabe gestellt. daS Seelenleben der Angeklagten zu erfassen. Sind sie dieser Aufgabe gerecht geworden? Haben sie nicht übersehen, daß die Angeklagte, wo sie Unwahres gesagt haben mag. nur sagte, was sie für wahr hielt? Ein Mädchen, daS im Alter von 17 Jahren mit einem Gehalt von 45 M. sich und ihre Mutter ernährt, dabei des Abends Stenographie und Schreibniaschine erlernt, schließlich mit einem Gehalt von 60, zuletzt von 76 M. sich und ihre Mutter unterhält, denkt anders, als eine sorgsam vor jeder AuSgleitung behütete„höhere Tochter". Und doch sind all die Reflexionen des Staatsanwalts und des Gerichts nur einem Vergleich mit einer solchen entnommen. Der lebensprühende, übermütige, mit Berliner Ironie und Schnoddrigkcit gemischte Humor scheint die Richter irregeführt zu haben.„Machen Sie Hackepeter aus mir: vergessen Sie aber nicht das Ge- würz dazu", diese freilich nicht von übermäßiger AutoritätS- duselei vor der Polizei zeugende Bemerkung zu dein Kriminal- kommissar und andere Aeußerungen scheinen die Richter zu der wohl durchaus irrigen Ansicht verleitet zu haben, die Angeklagte sei leicht- fertig und unglaubwürdig. Sonst hätte schwerlich, da die Schuld zum mindesten nicht voll nachgewiesen war und außerdem das ärztliche Gutachten die Zurechnungsfähigkeit verneinte, der Spruch auf Schuldig lauten können. Nicht die Angeklagte hatte ihre Unschuld, die Verhandlung hatte ihre Schuld nachzuweisen. 8o2ialeg. Aus Ostelbien! Tie BeHandlungsweise, denen die Landarbeiter des öfteren ausgesetzt sind, haben wir an einer großen Reihe von Beispielen gekennzeichnet. Daß aber auch Guts- b e a m t e nicht gerade auf Rosen gebettet sind, zeigt folgende Schilderung: War da auf dem Gute des Herrn Walter Kaul in Dickte bei Friesack ein Inspektor beschäftigt. Er hatte sich vertragsgemäß vom 22. Dezember 1912 bis 1. April 1913 verdungen. Der Grund des außergewöhnlichen Ein- stellungstermins lag darin, daß der Vorgänger dieses Inspektors seinen Posten aus etwas ungewöhnlichein Wege verlassen hatte,— er war ausgerückt. Das Ausrücken scheint auf dem Gute des Herrn Kaul zu den üblichen Arten, den Dienst zu verlassen, zu gehören. Denn außer diesem Vorgänger des Inspektors hat auch eine Stütze während dtzr Tätigkeit des Inspektors den Dienst auf diesem Wege verlassen, ebenso die Stütze, die unter der Tätigkeit des Nach- folgers in Diensten der gnädigen Frau stand. Der Grund ist in der angenehmen Behandlung zu suchen, der die Angestellten auf dem Gute ausgesetzt sind. Wie die bc° schaffen ist, lehrt die von Herrn Kaul angewandte Er- ziehungsmethode. So hat er im vorigen Jahre einem Eleven nach Verabfolgung von Schlägen einen Eimer an den Kopf geworfen, daß das Gesicht des jungen Mannes blutete. Infolge eines Wortwechsels, bei dem der Herr Guts- besitzcr dem Inspektor vorwarf, er habe ihm 59 Zentner Hafer und 19 Zentner Roggen gestohlen, suchte er diese Er- ziehungsmethode auch auf diesen anzuwenden. Erst durch das energische Auftreten des Inspektors wurde er davon ab- gehalten. Nach diesen und anderen Annehmlichkeiten zog es der Inspektor vor, seinen Dienst, der mit dem gewaltigen Gehalt von 729 M. nebst freier Station dotiert war, zu kündigen. Das hatte nun augenscheinlich den Herrn Guts- bcsitzer erst recht in Harnisch gebracht. Er schickte ihm durch den Kutscher ein„Zeugnis", worin in lakonischer Kürze ver- zeichnet stand, daß R. vom 1. Januar bis zum 31. März bei ihm in Stellung war, und daß er gegen den Herrn Guts- besitzer und seine Frau stets unhöflich war. Infolge dieser Abfertigung und dieses Zeugnisses war es in der Folge dem Inspektor natürlich nicht möglich, eine andere Stellung zu erlangen. Ja, Herr Kaul gab auch einem anderen Guts- besitzer, der den Inspektor bereits engagiert hatte, auf dessen Anfrage eine Auskunft, wonach dieser sich gemüßigt sah, den Vertrag aufzuheben. Tie Zeugnisse des Inspektors aus früheren Dienststellen zeigen, daß es sich in der Tat um einen außerordentlich tüchtigen Landwirt handelt, der sich überall in feinem Benehmen sowohl wie in seinen Leistungen der lveitgehendsten Zufriedenheit erfreute. Nichtsdestoweniger ist er durch das Vorgehen dieses Agrariers in ähnlicher Weise geschädigt, wie Landarbeiter in ihrem Fortkommen geschädigt zu werden pflegen. Darüber, wieweit der Gutsbesitzer dem Inspektor schadenersatzpflichtig ist, wird das Gericht zu ent- scheiden haben. Zur Beleuchtung der Zustände auf dem Lande aber glaubten wir auch diesen Fall registrieren zu sollen, und können den Landarbeitern und Gutsbeamten, die Sehnsucht nach ostelbischer Behandlung haben, das Gut des Herrn Walter Kaul in Tickte bei Friesack angelegentlichst empfehlen._ Die Konkurrenzklausel gegen den auf Probe angestellten Pro- visionSreisenben. Wie dringend notwendig eine gesetzliche Neuregelung der Konkurrenzklauselbestimmungcn ist, zeigt ein Urteil des Berliner Landgerichts, daS jetzt vor der 6. Kammer des Berliner Kauf- mannsgerichts zur Verlesung kam. In dem zur Entscheidung ge- kommenen Falle trat das Wach- und Schließ-Jnstitut„Groß- Berlin" als Kläger gegen den Reisenden Z. auf. Letzterer war von der klägerischen Firma als Reisender gegen Provision einge- stellt worden, auch war das Engagement nur zur Probe abge- schloffen worden. Bei diesen Bedingungen mußte sich Z. noch christlich verpflichten, innerhalb eines Jahres nach Austritt für kein ähnliches Institut innerhalb Groß-Berlins tätig zu sein. Das Berliner Kausmannsgericht hielt diese Konkurrenzklausel für un- gültig, weil es gegen die guten Sitten verstoße, einen nur auf Probe angenommenen Provisionsreisenden derart zu binden. Dieses gewiß verständliche Urteil hob die 33. Zivilkammer des Landgerichts merkwürdigerweise auf. Es könne in der Verpflich- tung zur Unterlassung von Konkurrenz für ein Jahr auch für einen auf Probe Angestellten keine unbillige Erschwerung gefunden werden. Dies Urteil beweist, daß die schlimmen Folgen der Kon- kurrenzverbotsverträge nur durch eine Gesetzesänderung ausge- merzt � werden können. Ein Druckfehler ist zu berichtigen in dem Artikel über den„Verein für soziale innere Kolonisation Deutschlands"(in Nr. 2ö2, Beilage 1). Nach dem Satz über die halbe Million Arbeitsloser ist fortzufahren:„Sollen die alle (nicht aber) einstweilen auf Oedland beschäftigt werden, bis sie anderswo wieder Arbeit und Brot finden?" Eue aller Weit. Eine Stadt durch Unwetter vernichtet. Die Stadt N o m e in Alaska ist durch einen gewaltigen Wolken- hruch fast vollständig zerstört worden. Fünfhundert Häuser, barocken- artige Gebäude, sind eingestürzt, und eine große Anzahl anderer sind vom Untergange bedroht. Die Straßen sind vollständig über- chwemmt, und trotz des fortwährend strömenden Regens wird der Verkehr mit Hilfe von CanoeS aufrecht erhalten. Männer und Frauen versuchen in ihre Häuser zu gelangen, aus denen sie sich Hals über Kopf auf eine benachbarte Hügelkette flüchten mußten, um dem Tode deS Ertrinkens zu entgehen. Die Verbindung mit der Außenwelt kann nur durch Schiffe aufrecht erhallen werden, da die Landwege völlig unter Wasser sind. Die Lebensmittel sind unge- heuer im Preise gestiegen. Das Pfund Brot wird mit fünf Dollar bezahlt, während Fleisch überhaupt nicht mehr aufzutreiben ist. Unter der ärmeren Bevölkerung ist bereits eine Skorbut- epidemie ausgebrochen/ Das Elend droht sich noch zu steigern, da der Winter vor der Tür steht und die Lebensmittelzufuhr zu Wasser eingestellt werden muß. Der durch die Fluten angerichtete Schaden wird auf nahezu sechs Millionen Dollar geschätzt. Nome City ist ein Ort an der Nordwestküste von Alaska und zählte 1909 zirka 13 900 Einwohner, die im Goldfiebcrjahre 1898 durch die Nachrickit von den Goldreichtümern des NomedistriktS angelockt wurden. Nach dem Abflauen des Goldfiebers ist die Ein- Wohnerschaft stark zurückgegangen. Hoch mit dem Brotkorb! Frau Toselli, die ehemalige sächsische Kronprinzessin, hat, wie bereils gemeldet, eine Operette geschrieben, die in Rom ihre erste Aufführung erleben soll. Das Stück heißt:„Die bizarre Prinzessin". Glücklicherweise erfuhr das nationalliberale „Leipziger Tageblatt" etwas von dem Jnbalt des Stückes, der für jedes gute patriotische Herz, namentlich sächsischer Bauart, einfach unerträglich sein soll. Das Leipziger Blatt fühlte sich des- halb berufen, Lärm zu schlagen, das Slück als„ e i n e einzige Gemeinheit" zu denunzieren imddie Regierung aufzufordern, Schritte zu tun, um die Erstaufführung in Rom zu ver« hindern. Gleichzeitig wurde dem sächsischen Hausministerium nahe« gelegt, der ehemaligen Kronprinzessin den Brotkorb höher zu hän gen, ihr dieRcnte zu beschneiden, wenn die Aufführung inRom dennoch erfolgt. Das„Tageblatt" kann nun einen Erfolg buchen. Denn in seiner Abendausgabe vom Monlag teilt es mit. daß sein Artikel dem sächsischen Hausministerium vorliege. Doch bätte dieses bisher nicht die Absicht, gegen Frau Toselli einzuschreiten. Das Ministe- rium könne dies erst dann tun. wenn es erfahren, daß in der Operette Angriffe gegen Mitglieder des königlichen Hauses enthalten seien(z. B. gegen den ehemaligen Mann der jetzt wiederum geschiedenen Frau Toselli, den König von Sachsen. R. d. V.).„Es würde dann wahrscheinlich in finanzieller Hinsicht gegen die Prinzessin vorgegangen und ihre Rente, die schon einmal von 49 999 auf 29 999 M. herab- gesetzt ist, erneut beschnitten werden." Das nationalliberale Blatt kann also einen schönen Erfolg seiner lieblichen Denunziation buchen. Kleine Notizen. AuS der Zwangsfürsorgc entwichen. Wie aus Bromberg ge- meldet wird, sind aus der evangelischen Erziehungsanstalt Z e r l- witz 16Fürsorgezöglinge in der Anstaltskleidung enlflohen. Zwei Kinder vom Zuge überfahren. Von einem v-Auge wurden bei R i n g s h e i ni in Bade» zwei Kinder auf dem Bahnüber- gange überfahren und getötet. Schuld an dem Unglück soll der Bahnwärter tragen, der die Bahnschranke offen gelassen haben soll. Reiche Beute. In das Goldwarcngeschäft von Schubert in Breslau drangen in der Nacht zum Dienstag Diebe, die wahr- scheinlich einer internationalen Bande angehören, durch den Keller ein. Sie sprengten zwei Panzerschränke und raubten für 79 999 Mark Gold und Juwelen. Bekanntmachung betreffend die Wahlen der'Vertreter und Ersatzmänner zum Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkaffe der Stadt Berlin aus dem Kreise der Versicherten. DaS Ergebnis der am 28. September 1913 stattgcfundenen Wahlen ist gemäß§ 14 der Wahlordnung durch den Vorstand wie solgt festgestellt worden: Insgesamt sind abgegeben....... 38 475 Stimmen, wovon................ 106 Stimmen für ungültig erklärt wurden. von den verbleibenden........ 38 369 Stimmen sind die aus jede Listi entfallenden Stimmen in der nachstehenden Uebersicht des Wahlergebnisses bei den cilizelnen Listen vermerkt, daselbst auch die Zahl der Vertreter und Ersatzmänner, sowie die Stimmen angegeben, unter denen die Gewählten in der betreffenden Vorschlagsliste verzeichnet stehen. _ Uebersicht des Wahlergebnisses._ Bezeichnung der Vorschlagsliste Nr. I: Liste der freien tvcwcrl schasten und Air gestellten Berlins Nr. II: Liste des Verbandes der deutschen Ge- wcrtvereine... Nr. III: Liste de§ WahlauZschusie» der katholischen Arbeiter und Ar- beiterinnen Ber- linS........ Nr. IV: Liste der „Berliner Ge- schästSdiener- u. . Packer- Vercini- gütig", freie un- abhäna. Berussorganisation... Gesamtzahl der erhaltenen gültigen Stimmen 35 934 839 838 717 AIS Vertreter der Persichertcn im Ausschuß sind ge- wählt die Bewerber der Liste 1 Nr. 1-57 II Nv. 1 III Nr. 1 IV Nr. 1 AIS Ersatzmänner der Versicherten im Ausschuß find ge- wählt die Bewerber der Liste I Str. 58- 171 II Nr. 2 u. 3 III Ztr. 2 u. 3 IV Nr. 2 u, 3 Die Wahlzcit aller Gewählten dauert 4 Jahre, also bis Ende 1917. Anfechtungen gegen die Gültigkeit der Wahl der Versicherten sind bis zum 23. Oktober 1913 bei dem unterzeichneten Vorstand oder beim VerfichcrungS- aml der Stadt Berlin, Abteilung sür Kranken- und Unsallver-sicherung. an- zubringen. 277/16 Berlin, den 6. Oktober 1913. Allgemeine Ortskrankenkaffe zu Berlin. Der Borstand: W. P i e h l, Vorsitzender. Q�r LÖFFEL Quaker Oats Pakete enthalten Gutscheine, ftir welche wertvolle Löffel gänzlich kostenlos erhältlich sind. A.us bestem Metall hergestellt und schwer versilbert sind diese Quaker Oats Löffel von gosserr Haltbarkeit. 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