Kr. 265. nbonnementS'Bcdingungen: Wonneuicnts• Preis pränumerando! Bicrteljährl. Z30 2KI., monoll. 1,10 Mk, wöchentlich 2S Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- numnicr mit illustrierter Sonntag?- Beilage„Die Neue Welt" Iii Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband iür Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2Z0 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. «unänicn. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Ccldjcint täglld). Verlinev Volksblskt. Die TnfertionS'GebOlsr Beträgt für die sechsgcspaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für polistsche und gewerlschastliche Vereins. und Versstnnnlungs-Anzcigen Lll Pfg. „kleine Hnzexgen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan. zeigen daS erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- Naben zählen für zwei Worte. Inserate kür die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Sldresie: „Sozialiicinokrat Heriin", Zentralorgan der fozialdemohrati f eben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. I.S8Z. Freitag, den Oktober 1013. Expedition: SM. 68» t.indensti'asse 69» Fernsprecher: Amt Moristplatz, Nr. 1984. Die Fraiidentenwal)! in Gl)ina. Jüanschikai ist von der Volksvertretung mit 307 gegen 179 Stimmen zuni ersten ordentlichen Präsidenten des chinesischen Freistaates erkoren worden. Dieses wichtigste Welt- politische Ereignis des Tages mag unterschiedlich gedeutet werden: aber wie hoch man auch den Vorteil oder Nachteil des Ausgangs der Wahl bewerten mag, jedenfalls bedeutet sie den Beginn eines neuen, eines hoffnungsreicheren Zeit- abschnittes der Geschichte des jungen Staates. Denn nun ist endlich das Provisorium, ein schier unerträglicher Zustand, beendet, damit auch ein guter Teil der bangen Ungewißheit im Volke und der häßlichen Zwistigkeiten des Parlaments. Das Provisorium hemmte die Entivickelung des neuen Staatswesens in jeder Hinsicht. Atem und Zungen der beiden gesetzgebenden Körperschaften wurden durch nichts anderes mehr als durch Eifersüchteleien und Intrigen um die Präsidentschaft bewegt. Hier wo energisch hätte gehandelt lverden müssen, wurde die kostbare Zeit mit unaus- stehlichcn � Zänkereien vertrödelt. Das einzige Ergebnis der vielwöchigen Verhandlungen ist die Festsetzung der Jahres- diäten der Abgeordneten auf 3000 Dollar, eine unerhört hohe Summe in einem Lande, wo der Tagesverdienst von Millionen schiver fronender Arbeiter zwischen 10 und 13 Pf. schwankt. lieber ihrem nichtigen Wortstreit vergaßen die Volksvertreter nicht bloß die großen Aufgaben, die im Innern des Landes nach Erledigung schrieen, sondern auch die Feinde, die sich draußen an den Grenzen kriegsbereit machten. Die Hand- lungsunfähigkeit des Parlaments enttäuschte die Hoffenden, ließ die Zukunft der Republik höchst fraglich erscheinen. Die allgemeine politische Ungewißheit hemnite Industrie und Handel, vermehrte die Arbeitslosigkeit, steigerte die Not der unteren Schichten bis zur Verzweiflung, die sich vielerorts zur Empörung auswuchs. Die immerwährenden Unruhen be- deuteten natürlich auch für das chinesische Volk ein schweres Unglück, weil dadurch das Werk der geistigen, wirtschaftlichen und politischen Erneuerung verzögert, ja unmöglich gemacht ward. Mit der Wahl Jüanschikais zum Oberhaupt' ist das un- glückselige Provisorium beendet, den Eifersüchteleien der poli- tischen Streber— vorderhand wenigstens— der Boden entzogen und mehr Aussicht für die Arbeitsfähigkeit der Volks- Vertretung geschaffen. Durch ein tatkräftiges Parlament werden etwaige autokratische Gelüste am Weiterwuchern gehindert werden können. Die unerivartet große Zahl von Stimmen, die Jüanschikai erhalten hat, wird seiner Macht ini Innern wie seinem Ansehen nach außen sehr förderlich sein. Wer ihm noch vor kurzen Monaten eine so hohe Mehrheit vorausgesagt hätte, dem wäre der Ruf eines Phantasten sicher gewesen. Inzwischen hat sich allerdings vieles zugunsten Juans oder eigentlich zuungunsten seiner Widersacher gewandelt. Ein ihni ebenbürtiger Gegner konnte nicht ins Feld gestellt werden. Sunjatsen sowie die anderen Republikaner von nationalem Ruf weilen im Ausland oder halten sich versteckt. Durch die Abwesenheit der anerkannten Führer sind die Bande, die die gegen Jüanschikai stehende Partei zusammenhält, gelockert worden. Ein Teil des Kumingtang(fortschrittliche Republikaner), der beim Zusammentritt des Parlaments die starke Mehrheit im Unterhaus wie im Senat besaß, ist zum konservativen Kunghotang übergegangen und hat die große Stimmenzahl für Jüanschikai bilden helfen. Unter solchen Umständen konnte es der Gegenkandidat L i i u a n h u n g, so hoch seine Gesinnung und seine Fähigkeiten von seinen Ge- treuen auch eingeschätzt werden, nur zu einem Achtungserfolg — auf 179 Stimmen— bringen. Freilich werden die Republikaner selbst trotz der hohen Stimnienzahl, die Jüan erhalten hat, keine Ursache haben, ihr tiefes Mißtrauen gegen ihn aufzugeben. Der einstige Vertrauensmann der Mandschudhnastie hat zu viel Wand- lungen durchgemacht, als daß nicht Vorsicht und Argwohn geboten wäre. Als Statthalter Koreas und als Militärkommandant holte er sich den Ruf des„großen Reformers". Die blutige Ge- ivalttätigkeit, womit er gegen die Boxerunruhen vorging, ver- schaffte ihin(1900) die Beförderung zum Gouverneur von Schantnng. Der fortschrittlich gesinnte Kaiser Kwangschu zog ihn ins Vertrauen. Dafür wurde er von Jüan, eine Stunde nachdem dieser ihm ewige Treue geschworen hatte, an die reaktionäre Hofkamarilla verraten. Durch diesen ge- meinen Streich war das so hoffnungsvoll begonnene Werk der Reformen wieder vernichtet. Der Verräter erhielt als Belohnung Titel und Orden sowie die Ernennung zum Komman- danten Pekings. In der Gunst des Eunuchcnregiments hielt sich Jüan fast acht Jahre. Für den verratenen Reformkaiser Kwangschu wurde sein Bruder Hsuantung als Regent bestellt. Da dieser befürchtete, das Schicksal seines unglücklichen Bruders zu teilen, verabschiedete er(1908) Jüan gleich nach seinem Regierungsantritt. �Der ohne Sang und Klang Entlassene wartete in seiner Heimat auf seine Gelegenheit. Sie ließ nicht lange auf sich ivarten. Am 10. Oktober begann der Ausstand in Wuschang. Die brennenden Städte am Jangtsefluß, der Uebergang der Truppen zu den Aufständigen, die Ausbreitung der Erhebung auf andere Provinzen erfüllten den Pekinger Hof mit blassem Schrecken. Die Mandschumeute schaute ängstlich nach einem Retter aus. Nur Einer konnte die schwierige Situation meistern, nur Einer war noch imstande, die noch treuen Truppen für die allgemein verhaßte Dynastie in Bewegung zu setzen: I ü a n s ch i k a i. Drei Tage nach dem Beginn der Revolution wurde er zum Vizekönig der Hukuanprovinzen und zum Leiter des Feldzugs gegen die Aufständigen ernannt. Vom ersten Tage seiner Ankunft in Peking trieb der wieder in Gnaden aufgenonimenc Ver- 'trauensmann der Mandschu ein Spiel, das weder die Re- aktionäre noch die Revolutionäre zu durchschauen vermochten. Beide SeitM mißtrauten ihm. Aus dem„großen Reformer" wurde bald ein„Diktator" und ein„Königsniachcr". Die fortschrittlichen Republikaner mißtrauen ihm auch heute noch ebenso stark wie ehedem. Der Bürgerkrieg der letzten Wochen war nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, eineFehde zwischen dem Norden und dem Süden, sondern cinKämpfzwischen Fortschrittlern und dem sich um Jüanschikai scharenden reaktionären Klüngel. Allerdings liegen die Provinzen, die der Zentralregierung die Treue ge- kündigt haben, im Süden, aber daneben gibt es südliche Pro- vinzen und in den rebellischen Gebieten Städte, die loyal ge- blieben sind, wie auch viele Leute aus deni Süden im Dienste der Zentralregierung oder für ihre Unterstützung tätig sind. Der Bürgerkrieg war und ist letzten Endes nichts als eine Erhebung gegen Jüanschikai. Die rebellischen Fortschrittler glauben Gründe genug zu haben anzunehmen, daß Jüanschikai plane, sich selbst zuni Kaiser zu machen und so wieder die verhaßte Monarchie herzustellen. Ob dieser Argwohn wirklich berechtigt ist, kann bezweifelt werden. Selbst wenn Jüanschikai bloß den zehnten Teil seiner Diplomatenklugheit besäße, so müßte er wissen, daß der Ver- such, sich zum Kaiser aufzuwerfen, einen endlosen Bürgerkrieg und schwere äußere Verwickelungen nach sich ziehen würden. Ucbrigens haben die Mächte, die die chinesische Republik an- erkannt haben, sie nicht als Monarchie, sondern als Frei- staat anerkannt. Diese Erwägungen scheinen auch für eine große Zahl Fortschrittler bei der Präsidentenivahl bestinimend gewesen zu sein. Ob das Mißtrauen- gegen Jüanschikai auch jetzt noch be- gründet ist, kann nur die Zukunft dartuu. Es wird in erster Linie an der Entschlossenheit, Wachsamkeit und Klugheit der Politik der Fortschrittler Chinas liegen, ob seine Wahl ein Vorteil für die Sache der Freiheit des chinesischen Volkes wird. Uns scheint, daß mit der Wahl, durch die Beendigung des Provisoriums doch tvcnigstcns endlich die Möglichkeit ge- geben ist, mit den Reformen zu beginnen, die die frciheit- iich gesinnte Welt von dem chinesischen Freistaat erwarten darf. Der Himmel des jungen Freistaates hängt noch voll drohender Wolken, noch voller beängstigender Ungewißheiten. Die reichen Provinzen Kiangsu, Anhui und Schekiang sind durch den Bürgerkrieg verwüstet, die Felder liegen brach, die Behausungen sind verlassen. Flüchtlinge und bitter hungernde Menschen allenthalben. In Kiangsi glimmt das Feuer der Re- bcllionbald lichterloh, baid schwelend weiter. Die vonHab nndGut vollständig entblößten Menschen sind bereit, jedem Folge zu leisten, der der Zentralregierung Fehde auf Leben und Tod verspricht. Die siegreiche Soldateska fängt vielerorts an, sich als Selbstherrscher zu fühlen und läßt ihre Siegestollheit an den Bürgern aus. An der Nordgrenze liegen die vom rollenden Rubel insgeheim und offen angespornten Mongolen ständig auf der Lauer, in rein chinesisches Gebiet einzufallen. Und die Staatskasse ist wieder vollständig leer! Auf den neuen Präsidenten und sein Ministerium, das einige tüchtige Männer birgt, warten somit Gelegenheiten übergenug, ihre Fähigkeiten und guten Willen zu zeigen. Und der Volksvertretung nicht minder. Rnftlands Erpresserfelbzug. ES verlautete schon seit einigen Wochen, daß die russische Diplo- matie ihre Verhandlungeu mit China wegen der Mongolei wieder aufgenommen habe. Diese Nachricht bestätigt sich nun im Anschluß an die Anerkennung der chinesischen Republik auch durch Rußland. Wie aus Petersburg mitgeteilt wird, hat der russische Gesandte in Peking, KrupenSky, die Verhandlungen wegen der Mongolei mit dem chinesischen Minister des Auswärtigen wieder aufgenommen. Diesen Unterhandlungen wird der russisch-mongolischc Vertrag zu Grunde gelegt, der bekanntlich die äußere Mongolei dem russischen Pro- tektorat ausliefert. Uni den Schein zu wahren, ist die russische Regierung bereit, in einigen unwesentlichen Fragen China nach- zugeben. Im großen und ganzen jedoch besteht sie auf der An- erkennung der russischen„Schutzherrschaft" über die Mongolei, deren wahrer Charakter durch die formelle Suzeränität Chinas nicht be- einträchtigt wird. Parallel mit diesen diplomatischen Verhandlungen gehen recht sonderbare militärische Maßnahmen Rußlands an der chinesischen Grenze. Nachdem die russische Regierung vor kurzem die wichtigsten Städte der Westmongolei besetzte und schon ihre Steuer- erHeber dorthin entsandte, ordnete sie nun eine sogenannte„Probe- Mobilisierung" in fünf Kreisen des Shr-Darja-Gebietes an. Diese Maßnahme soll nicht nur die diplomatischen Verhandlungen mit der chinesischen Regierung unterstützen, sie deutet auch darauf hin, daß die russische Negierung sich mit recht deutlichen Plänen gegenüber dem letzten Glied der noch nicht okkupierten chinesischen Außenländer, dem chinesischen Turkestan trägt. Sie britische» Bergarbeiter. London, 8. Oktober.(Eig. Ber.) Die britischen Bergarbeiter, die gestern zu ihrer JahreSkonserenz in Scarborough zusammen« traten, haben wieder überzeugend bewiesen, daß sie nicht nur durch ihr gewaltiges numerisches Gewicht und ihre überragende Bedeutung im nationalen Produktionsprozeß die Vorhut des britischen Prole- tariats sind. Die erste Aufgabe der Konferenz war, ohne viel Redensarten zwei überaus bedeutsame� Beschlüsse zu fassen. Sie beschloß, die kämpfenden Dubliner Arbeiter aus der Zentralkasse des britischenBergarbeiter- Verbandes mit wöchentlich Ivvl) Pfund Sterling (20 000 Mark) zu unterstützen. Dieser glänzende Beweis praktischer Arbeitersolidaritüt wird, das darf man zuversichtlich an- nehmen, den heroischen Kampf der Dublin er Ar« b e i t c r endgültig zu ihren G u n st e n e it t s ch e i d e n- Man darf nicht glauben, daß dies die erste oder einzige Hilfeleistung der Bergarbeiter für die Dubliner Kämpfer ist. Abgesehen vom Zentralverband sind von einer ganzen Anzahl von Distriktsverbändcn und Lokalorganisationen der Bergarbeiter sehr schone Beträge in den Dubliner Fonds eingelaufen und laufen noch täglich ein. So hat eben erst der Disiriktverband von Nottinghamshire 200 Pfund Sterling geschickt. Der zweite Beschluß der Bergarbeiierkonferenz ist noch groß- artiger. Er geht dahin,.zur Unterstützung des Tageblattes der Arbeiterpartei, des„Dailp Citizen", drei Jahre hin« durch eine Un: läge von einem Schilling pro Mitglied und pro Jahr vorzunehmen. Durch diesen Beschluß ist die Existenz des Arbeitertageblattes für die nächsten drei Jahre absolut garantiert. Er bedeutet, daß der„Dail>> Citizen" von den Bergarbeitern in jedem der drei Fahre mindestens 30 000 Pfund Sterling, insgesamt die Summe vou 90 000 Pfund Sterling(1 800000 Mark) erhalten wird. Der Bö- schluß ist um so bedeutungsvoller, als ihn nicht die Delegierten auf eigene Verantwortung, sondern auf Grund einer vorher vor- genommenen Urabstimmung aller organisierten Bergarbeiter gefaßt hat. Noch eine dritte große Tat haben die Bergarbeiter soeben voll« bracht.' Sie haben die Urabstimmung auf Grund des O s b 0 r n e- Gesetzes vollendet, die darüber entscheiden sollte, ob die größte Berufsorganisation Großbritanniens, die über ein Viertel der ge- samten organisierten Arbeiterschaft des Landes umfaßt, sich auch weiterhin politisch betätigen und der Arbeiterpartei angehören ivird oder nicht. Das genaue Resultat der Urab- stimmung ist bis zur Stunde noch nicht verkündet worden, aber es ist bereits bekannt, daß die überwiegende Mehrheit die entscheidende Frage bejaht hat. Mit diesem Beschluß haben die Bergarbeiter den Fortbestand der britischen Arbeiterpartei gesichert.'•'■ Auf der Konferenz sind 060000 organisierte Berg« a r b e i t e r durch 149 Delegierte vertreten. Wie aber der Präsident des Kongresses Genosse S m i l l i e ausführte, belänft sich die wirk- liche Zahl der organisierten Bergarbeiter Großbritanniens auf nahezu 800000, und Smillie erklärte gleichzeitig, daß die Berg- arbeiter nicht ruhen würden, bis sie eine Million Grubensklaven in den Verband gebracht haben. Außer den eigentlich beruflichen An- gelegenheiten wird sich die Konferenz auch mit den Begleitumständen der Wahl von C h e st e r f i e l d, Ivo bekanntlich ein Bergarbeiter- führer als Liberaler kandidierte, eingehend beschäftigen. ver Frauendorfer(Merheld vor dem Schwurgericht. Als am Abend des 3. Juni d. I. in den Straßen des Stettiner Vorortes Frcmendorf der Arbeitswillige Hermann Brandenburg den streikenden Arbeiter Reinhold K ii h l niedergestochen hatte, verlangte eine rasch sich an- sammelnde Menschenmenge stürmisch, daß der Totschläger in das Gefängnis.abgeführt werde. Da die Geduld der ans- geregten Volksmasse auf eine harte Probe gestellt wurde, kam es schließlich zu jenen turbulenten Szenen, die später, dem Polizeisäbel blutige Arbeit gaben. Wik wunderbar ziel- sicherem Instinkt hatte das Volt geahnt, daß dem Totschläger kein Haar von den Organen unseres Klassenstaates gekrümnit werde. Und es ist, tvie lvir bereits gestern meldeten, wirklich so gekommen! Schon am Tage nach der Tat wurde der Messerstecher vom Untersnchnngsrichter wieder ans der Haft entlassen, und der Landrat des Kreises Randow. Dr. Peters, riet ihm, sich aus dem Staube zu machen. Der Täter ließ sich das nicht zweimal sagen: durch das Entgegenkommen eines Zugführers konnte er sogar in einem Packwagen die Reise antreten. Aber das böse Gewissen ließ ihn den Zorn ehr- licher Arbeiter so sehr fürchten, daß er sich nirgends Aufent- halt zu nehmen getraute, am 11. Juli nach Stettin zurück- kehrte und sich bei der Polizei meldete. Nun erst, da er die Untersuchungshast gleichsam als Schutzhast begehrte, wurde Brandenburg in Untersuchungshaft genommen. Ser Totschläger war Streikbrecher, also ein„nützliches Element". Darum erklärten die Heinde der Arbeiterklasse, daß er in Notwehr c m Menschenleben vernichtet hatte. Die gesamte bürgerliche stresse benutzte das traurige Ereignis zu einer wilden Hetze gec�en das Streikpostenstchen. Selbst dann, als schon der Stettin er„Generalanzeiger" unter dem Druck der Tatsachen zugegeben hatte, daß Brandenburg ohne Not zum Totschläger geworden war, besaß die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" noch den traurigen Mut. den Täter in Schutz zu nehmen. Das waren die Umstände, die der Schwur- gcrichtsverhandlung vorausgegangen waren. Am Mittwoch stand also Brandenburg vor dem S t e t t vn e r Schwurgericht. Warum, das verriet später der Staatsanwalt, indem er zu den Geschworenen sagte:„Der Fall hat seinerzeit das größte Aofsehen erreich deshalb schien es nicht angebracht, ihn aktenmäßig zu erledigen, sondern durch richterlichen Urteilsspruchl" Tic Grschworencnbaak wurde nur mit Rittcrgutsbcfihern, Tomänen- Pächtern, Flrfoiktint'tn und Beamten besetzt. IlZ Zeugen und ein Sachverständiger wurden vernommen. Der Angeklagte ist wegen Körperverletzung und anderen Gewalttätigkeiten mehrfach vorbe- straft und macht schon durch einen finsteren stechenden Blick einen äußerst unsympathischen Eindruck. Er behauptet, daß er von den Streikposten mehrfach bedroht worden sei. So habe ihn der er- stochene Kühl mehrfach mit einem Revolver bedroht. Auf ihn hätten die Streikenden es besonders abgesehen gehabt, weil er erst während des Streiks auf der Weitzschen Zichorienfabrik Arbeit ge- nommen hatte und er hätte auch am meisten befürchten müssen, da er nicht w'ie die anderen Streikbrecher in der Fabrik einlogiert war. Am Morgen vor der Tat sei mit Steinen hinter ihm herge- warfen tvorden, die anderen Streikbrecher hätten ihn gewarnt und mittags habe auch seine Frau ihm von neuen Drohungen erzählt. Er sei abend� um den Streikposten auszuweichen, auf die andere Straßenseite gegangen. Kühl jedoch sei nun auch über die Straße gekommen, habe ihm den Weg vertreten, ihn an der Schulter ge faßt und gesagl:„Du Hund arbeitest immer noch!" Dabei griff er in die Hosentasche, um anscheinend eine Waffe herauszuholen. Der Angeklagte habe dem Angreifer zugerufen:„Mensch, was bist Du für einer, haß mich doch in Ruh!" Erst dann habe er sein Taschenmesser ergriffen, geöffnet und um sich geschlagen, wobei er Kühl getroffen Hobe. Der Streikposten Engel te sei dann hinter ihm hergelaufen und habe gedroht:„Tu Hund, Tu mußt Dein Leben lassen!" Darauf sei er zur Fabrik zurückgelaufen und dort verhaftet worden. Am nächsten Tage sei er aus der Haft entlassen worden und L a n d r a t Dr. Peters habe ihm geraten, abzureisen. Auf dem Bahnhof seien auch Streikende gewesen, deswegen habe ihn der Zugführer im Packwagen mitfahren lassen. Am 14. Juli habe er sich dann selbst gestellt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich denn wirklich so bedroht fühlte, da andere Zeugen doch ganz anders aussagten, entgegnete er mit dreister Selbstverständlichkeit:„Wie Streikende sind, das weiß doch jeder, die fragen nichts danach, wenn sie einen Menschen totstechen!" Energisch bestritt er, vor der Arbeitsannahme bei Weiß gesagt zu haben, er wolle den Streikendem die Gedärme vor die Füße legen. , In der Betveksaufnahme werden zum ich st vier Zeugen vernommen, die ebenfalls bei Weiß gearbeitet hatten und am 5. Juni abends mit Brandenburg gemeinsam tum der Arbeit kamen. Sie bekunden übereinstimmend, daß wedersie selb st jemals imBerlauf desdamals schon neun Wochen tvährenden Streiks von Strei- senden bedroh t w nrd�n, noch hätten sie Belästi- gungen gegen Brandenburg wahrgenommen. Kühl sei quer über die Straße gekommen, mit den Händen in den Hosentaschen, und habe, ohne eine drohende Hal- tung anzunehmen, den Angeklagten angesprochen. Zwei wollen gehört haben, daß Kühl sagte:„Mensch, was bist für einer", der Dritte meinte gehört zü haben:„Sage mal, was hast Du von nur gesogt?". In demselben Moment habe aber Brandenburg auch schon ein langes Messer unter der Weste hervor- xbrchstlt und de IN Kühl von unten her tief in den Leib gestoßen. Kühl, der den Angeklagten keineswegs ange- rempelt hatte, habe dann die Hände gegen den Leib gepreßt und aufgeschrien:„Der Hund hat mich gestochen!" Brandenburg aber fuchtelte dann mit dem Messer mnher und rief:„Wer zü nahe kommt, kriegt ebenso." Da nun die übrigen Streikenden hinzu- sprangen, fei Brandenburg mit dem Ruf:„Herr Wachtmeister! Herr Wachtmeister!" zur Fabrik zurückgelaufen. Nur einer dieser Zeugen bekundete, daß Brandenburg Furcht gehabt habe, doch habe er ihm gesagt, daß er keine Äugst zu haben brauche, ihm tue keiner was. Kühl ist diesem Zeugen als ruhiger Mensch bekannt gewesen. Wie aus den Akten festgestellt wurde, ist der letztere auch nie bestraft gewesen. Bon den nächsten vier Tatzen gen waren zwei am Streik Beteiligt gewesen, die anderen haben sich mit diesen über den Streik unterhalten, wobei der eine erzählte, daß auch in seinem .Hause ein Streikbrecher wohnte. Als er Brandenburg kommen sah. zeigte er auf ihn und sagte:„Da kommt er, Brandenburg, der mit dem schwarzen Hut." Darauf sei Kühl über die Straße ge- gangen. Sie haben nicht gesehen, daß Kühl den Angeklagten an- griff, auch nicht gelhört, was er sprach. Brandenburg habe jedoch sofort ein langes Messer unter der Weste hervorgeholt und Kühl in den Leib gestoßen. Kühl taumelte über die Straße und rief: „Ich bin gestochen, ich sterbe!" und sank seinem Schwager in die Arme. Brandenburg fuchtelte mit dem Messer umher und stieß Drohungen aus. Dann lief er zur Fabrik zurück und rief nach dem Wachtmeister. Ter einzige Entlastungszeuge war der frühere Arbeitswillige und jetzt in Stargard ansässige Händler Prellenthin. Er hat vom Fabriktor aus dem Brandenburg nach- gesehen und will dabei gesehen' haben, daß dieser von Kühl an der Schulter gefaßt wurde. Gleich darauf habe jedoch schon Kühl beide Hände gegen den Leib gepreßt und sei über die Straße getaumelt. Er habe angenommen, daß er einen Fautzstoß gegen den Magen bekommen habe. Brandenburg sei nun von den Streikenden verfolgt worden und zur Fabrik zurückgelaufen. Tort habe er gesagt, er haben einen gestochen, der ihn angefaßt habe. Er habe sich nicht anders retten können und in Notwehr gehandelt. Widersprach auch dieser Zeuge den Bekundungen aller anderen, die nun nochmals übereinstimmend erklärten, daß Kühl den Angeklagten nicht berührt habe, so bc- jtätigte er doch deren bestimmte Angabe, daß Brandenburg ein große? Messer benutzt habe. Der Angeklagte habe ihm selbst ein spitzes Brotmesser gezeigt, mit dem habe er gestochen. Das vor- liegende Taschenmesser sei es nicht gewesen. Weiter bekundet er, daß am Nachmittag der Angeklagte durch Streikposten bedroht wurde und daß auch Kühl gegen Arbeitswillige Drohungen ausge- stoßen habe. Der Zeuge GendarmSchmöckerhat aber eben- falls hinter Brandenburg hergesehen und auch nicht bemerkt, daß ihn Kühl bei der Schulter faßte. Ueberdies erklärte auch der nun vernommene Sachverständige Kreisarzt Dr. Seif- fert, daß nach Lage des Stichkanals es ganz ausge- schlössen sei, daß Kühl die unter allen Umständen tödliche Wunde in eine Stellung erhalten haben könne, bei der er dem Angeklagten die Hand aus die Schulter legte. Weiter er- klärte er, es könne die Wunde durch das vorliegende Taschen- messer verursacht sein, wenn es mit großer Gewalt gestoßen und gewaltsam aus der Wunde gezerrt wurde. Wahrscheinlicher sei die Anwendung eines größeren Messers. Neben der Frau des Angeklagten sollten dann noch weitere vier Zeugen bekunden, daß der Angeklagte tat- sächlich bedroht wurde. Sie können jedoch darüber alle zusammen nichts angeben. Nur Frau Brandenburg be- kündete, daß vorher ein Arbeiter ihr gesagt hatte, sie solle ihren Mann nicht bei Weiß arbeiten lassen:„Ihr Mann wird ja sehen waS er dafür bekommt." Die Zeugin gibt dann auch zu. daß ihr Mann ein großes Messer hatte, doch lveiß sie nicht, ob auch zur Zeit der Tat. Zum Schluß wurden noch zwei Arbeiterfrauen ber- 1 echtrussische Gewährsmann der„D. T." plädiert. Herr v. Trott zu nommen, die mit dem Angeklagten auf einer Ziegelei gearbeitet Solz erkläre klipp und klar, daß das preußische Unterrichtsministerium hatten und ihn warnten, Streikbrecher zu werden, als er davon sprach, bei Weiß in Arbeit zu treten. Diesen Zeuginnen gegen über hat Branocnvurg gesagt:„Wenn mich ein Streikender an- fassen würde, mir wäre das ganz egal, ich würde ihm ein Messer in dcn Bauch stoßen und itzm die Gedärme vor die Füße legen." Trotzdem durch diese Beweisaufnahme die ganze Terro- r i sni u s l e g c n d e, die sich an diesen Fall knüpfte. schmählich zusammengebrochen war, billigte der Staatsanwalt dem Angeklagten in weitgehendem Maße mildernde Umstände zu, denn der Angeklagte sei bedroht worden. Kühl habe ihn angreifen wollen. Arbeitswillige würden in letzter Zeit öfters bedroht. Aber' der Angeklagte könne nicht ohne Strafe bleiben, da er die Grenzen erlaubter Notwehr weit über-- schritten habe. Der Verteidiger gefiel sich darin, Terrorismus- gcschichten auszumalen, und forderte schließlich Freisprechung. Nach kurzer Beratung verneinten, wie wir bereits tclegraphisch ge- meldet haben, dann die Geschworenen auch die Schuldfragen. Der Angeklagte wurde freigesprochen und aus der Haft entlassen. -» Der Wahrspruch der Geschworenen muß empörend wirken. Ein Arbeiterleben durch einen vorbestraften Messerhelden ver- nichtet und der Täter freigesprochen, wiewohl seine Ausrede, er habe in Notwehr gehandelt, durch eine Anzahl Zeugen und durch den medizinischen Sachverständigen klar widerlegt ist! Wie kam das Schwurgericht zu dem„Nichtschuldig"? Die Geschworenen bestanden nicht aus Personen, die vom Volk aus allen Teilen der Bevölkerung gewählt waren, sondern sie bestanden aus Personen, die unter sorgfältiger Ausscheidung der Arbeiterklasse aus den Reihen der der Arbeiterklasse ent- gegenstehenden Klasse entnommen waren. Die so zu Ge- schworencn ausgesiebten Rittergutsbesitzer, Domänenpächter, Fabrikanten und Beamte waren nur einer Klasse der Be völkerung entnommen, waren also Klassenrichier. Sie standen ferner im Bann der Beeinflussung durch eine schamlose gegen Arbeiter und zum Mord gegen Arbeiter hetzenden„Ordnungs" presse. Denn ist die Beschönigung der Tat.�die jetzt als Mord, zum mindesten als schwerer Totschlug klar er wiesen ist, durch jene Presse etwas anderes als der Versuch, zu rechtfertigen, daß Arbeiter nieuchling- gemordet werden? Ist der Schrei„Schutz der Arbeits willigen" statt des Verlangens„Schutz gegen Arbeits willige" etwas anderes als Anstiften und Hetzen zu Schand taten und Begünstigung roher Mordtaten?„Wer Mördern Gnade schenkt, wird selbst zum Mörder." Die Hetze gegen die Arbeiterklasse macht den Schutz gegen Arbeitswillige dringend. Ungesühnt bleibt die feige Erstechung des braven Stcttiner Arbeiters wie der im September 1910 von Polizisten begangene Totschlag an dem Arbeiter Herrmann und ähnliche Frevel. Soll die zum Himmel schreiende Rechtlosigkeit des Arbeiters ewig bleiben? Soll ewig Recht in Unrecht sich wandeln, wenn es um eines Arbeiters Recht, Gesundheit und Leben sich handelt? Der Stettiner Fall möge aufpeitschend auf alle die wirken, die einen Funken Rechts' gefühl auch Arbeitern gegenüber haben. Zusammenscharm gegen das Unrecht, das frech sein Haupt erhebt, Organisierung in den sozialdemokratischen Vereinen sei eine Parole gegen die Herrschaft des Meuchelmords und der Messerstecher sowie ihrer kapitalistischen Begünsüger und Nutznießer. An Stelle einer Klassenjustiz und Klassengesetze, die gegen die Arbeiterklasse gerichtet sind, müssen wir. mit verdoppeltem Eifer Gleichberechtigung, volles gleiches Recht für die Arbeiterklasse und für dcn einzelnen Arbeiter verlangen und rücksichtslos die brandmarken, die dies Recht dem Arbeiter vorenthalten._ polltircbe Uchcrücht. Zur Ausländcrhctte an den deutschen Hochschulen. Den Geisteshelden in der„Deutschen Tageszeitung" scheinen ihre eigenen Kräfte zur Hetze gegen die ausländischen Studierenden nicht mehr auszureichen; sie holen sich deshalb Sukknrs aus den gesinnungsvcrwandten Kreisen der russischen Pogromistcn, auf deren Unterstützung sie schon durch die ganze Art ihres Auftretens rechnen können.„Ein russischer Akademiker" erteilt dort dem preußischen Unterrichtsministerium Ratschläge, wie der„ganzen Ausländerfrage" ein„schnelles Ende" zu bereiten fei. Wir haben gegen diese„Ein- Mischung eines AuSländerS in eine innere preußische Angelegenheit" nichts einzuwenden, zumal sie geeignet ist, in der bisherigen Polizei- lichen Praxis, die in ähnlichen Fällen stets mit dein Knüppel drein- nhr, Wandel zu schaffen. Und zudem zeigen die Ausführungen die Maßnahmen zum„Schutz" der deutschen Hochschulen in ihrer wahren Gestalt als den Beginn eines planmäßigen Feldzuges gegen die russisch-jiidischen Studierenden, unter der Fahne des Antisemitismus und der religiösen Unduldsamkeit. Der russische Gewährsmann des BündlerorgauS argumentiert olgendermaßen: Der größte Teil der russischen Studierenden an den deutschen Hochschulen sind Juden, denen der Zutritt zu den russischen Hochschulen— infolge der bestehenden.Aufnahmenorm" von 3 bis 5 Proz.— so gut wie versperrt ist.„Ob nun— erklärt er— die russische Regierung ihre Pflicht tut oder nicht, ob sie einen Teil der Bevölkerung besser behandelt, als einen anderen— das geht uns in diesem Falle gar nichts an. das ist innere Angelegen- heil Rußlands, in die wir uns nicht hineinmischen." Wie zart- Tihlend von dem„russischen Akademiker"! Ausschlag- gebend ist für ihn die Tatjache, daß die russischen Juden, die eine ausländische Hochschnlc absolviert haben, das Ansiedelniigsrecht im russischen Reich erwerben. Das ist nun freilich nicht ganz richtig. denn das ausländische„Diplom" tritt nur nach Ablegung eines Staatsexamens an einer russischen Hochschule in Kraft. Immerhin, diese Judengesetzgebung, die ein Sechsmillionenvolk in dem„AnsiedelungSrayon" zusammenpfercht, es der elementar- sten Bürgerrechte beraubt und dem allmählichen Unter- gange preisgibt, soll, so will es die„D. T." und ihr„Akademiker" in Zukunft auch für Preußen gelten. Deshalb verlangen sie nichts weniger als die Ausdehnung der russischen Einschränkungen gegen die jüdischen Studierenden auch auf die deutschen Hochschulen! Man bringe auch in Preußen die Borschriften des sächsischen Unterrichtsministeriums und der Universität München zur Anwen- dung, wonach nur Russen immatrikuliert werden, die mindestens ein Jahr an einer russischen Hochschule studiert haben. Da die Juden zu den russischen Hochschulen fast gar nicht zugelassen werden, so würden durch diese Bestimymng die Juden„einigermaßen ferngehalten" werden. Wir betrachten dcn oben erwähnten Borschlag keineswegs als eine Zufallserscheinung. In diesem Sinne hat die konservative Presse schon mehrfach Andeutungen gemachr und Wünsche geäußert. Das Bohren unserer echten Preußen an dieser Stelle hat seine guten Gründe. Unsere„Gesetzgebung" in der Ausländerfrage scheint sich in der Tat in der oben angedeuteten Richtung fortzubewegen. Ist dies der Fall, so habe man schon den Mut der Konsequenz! Man verstecke sich nicht hinter der �(n' sich die russische Gesetzgebung als Muster genommen habe, und auf die jüdischen Studierenden aus Rußland dieselben„Aufnahmenorincn" ausdehne, die im Reich der Knute üblich sind. Dann wird man wenigstens wissen, wie weit die WcsenSverwandtschaft der preußischen Reaktionäre und der russischen Pogromistcn gediehen ist! Schleswig-Holsteinische Schulreaktion. Die Regierung in Schleswig hat durch ihre reaklionäre Schulpolitik schon oft von sich reden gemacht. Nach den ReichstagSwahlen von 1907 drangsalierte sie einen Schnlreklor aus Tönning, der während der Wahlbewegung in einer von freisinniger Seite ein- berufenen Wählerversammlung die Brotwucherpolitik gegeißelt hatte. Bor mehreren Jahren hatte die organisierte Arbeiterschaft Kiels Unterrichtskurse im Deutschen veranstaltet und als Lehrer dafür mehrere Bolksschullehrcr gewonnen. Den Lehrern wurde von der Regierung die Erteilung dieses Unterrichts verboten. Die aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts stammende verstaubte und vermoderte Verordnung, nach der für die Erteilung von Unterricht an Schulpflichrige die Genehmigung der zuständigen Schulbehörde nötig ist, wird in Schleswig-Holstein nicht nur für Arbeiter-Turnvcrcine angewandt, selbst Näh- und Kochschulen mußten daran glauben, wenn die Lehrerin in den Verdacht kam, ihre Sympathien könnten der dänischen Volksbewegung in Nordschleswig gehören. In allerjüngster Zeit hat nun die Regierung in Schleswig, Abteilung für Schulsachen, zwei neue Blüten in dcn Kranz ihrer gloriosen" Schulpolitik geflochten. Für die sozialdemokratische„Schleswig-Hol st ei nische Volksztg." schrieb seit fünf Jahren ein Kieler Volksschullehrer die Theaterkritiken. Der literarisch und musikalisch hochgebildete Herr, R a t h m a n n ist sein Name, hatte sich durch die strenge Sach- lichkeit und den künstlerischen Wert seiner Kritiken Ansehen beim Publikum wie bei dcn Künstlern erworben. Die Nedailion der „Schleswig-Holsteinischen Vollszcitung" hatte dem Mann für seine Arbeilen vollständig freie Hand gelassen. Sic hat nie den ge« r i n g st e n Versuch unternommen, ihn zu irgend welchen politischen Zugeständnissen zu nötigen. Trotzdem hat der Regierungspräsident den Lehrer Rath mann gezwungen, seine Arbeit als Kritiker einzustellen, weil er diese nebenamtliche Tätigkeit gewerbsmäßig ohne vorherige behördliche Genehmigung ausgeübt habe. Es handelt sich um eine glatte Maßregelung. Die Tätigkeit als Theaterkritiker ist dein Volksschullehrer Rathmann nur deshalb verboten worden, weil er für ein sozialdemo» kratisches Blatt schrieb. Dafür spricht die notorische Tat» fache, daß es in Kiel viele Lehrer gibt, die Nebenbeschäftigung bc» treiben, ohne daran zu denken, dafür die Genehmigung der vor« gesetzten Behörde einzuholen. Da gibt es Lehrer, die Makler- geschäste betreiben und Grundstücksverkäufe vermitteln; andere, deren Privatstunden, die sie erteilen, dcn Umfang der amtlichen Unterrichtsstunden erreichen; solche, die für bürgerliche Zeitungen und Zeitschriften schreiben usw. Kein RegiernngSpräsident kümmert sich darum. Wäre der BolkSschullehrer Rathmann ei» eifriger Förderer und Mitarbeiter bei Jugendwehr- und Pfadfinder« vereinen gewesen, hätte er sich möglichst bei patriotischen Ver- anstaltungen hervorgetan, vielleicht gar hurrapatriotischc Reden ge- halten, er würde die Gunst der hohen Regierung gewonnen haben. Ein anderer Fall: Vor einigen Wochen veröffemlichte ein bürgerliches Lokalblatt in Kiel eine Notiz, daß in den Kieler Mittel- und Volksschulen vor kurzem die Leitung des Religionsunterrichts durch die Organe der Kirche dahin neu geordnet worden sei, daß jedem Geistliche» der verschiedenen Psarrbezirke die in seinem Bezirk liegenden Schulen zur Beaufsichtigung zugewiesen lv erden. Die sozialdemokratische Nathausfraktion verlangte nun in einer Interpellation in einer Sitzung der städtischen Kollegien Aufschluß über die Angelegenheit und besonders auch darüber, welche Beweggründe zu der Neueinrichtung geführt und welche Rechtsgründe sie hat und warum die städtischen Kollegien vorher nicht mit der Angelegenheit beschäftigt worden sind. Aus der Antwort der beiden B ü r g e r m e i st e r und aus den Feststellungen des sozialdemokratischen Stadtverordneten A d l e r In der Besprechung der Interpellation ging folgendes hervor: Die Regierung in Schleswig hat auf Ersuchen des Kieler Konsistoriums einfach die Neuerung verfügt. Für die Teilnahme der Geistlichkeit an der Leitung des Religionsunterrichts in den Schulen läßt sich eine Begründung aus gesetzlichen Bestimmungen gewinnen, nicht aber für die Bcaussichtigung de-Z Religionsunterrichts in den Schulen. Die Schulaufsicht ist weltlich und wird nur vom Staat ausgeübt. Selbst dort, wo es geistliche Schulinspektoren gibt, was natürlich in Kiel nicht der Fall ist, üben die geistlichen Schul- inspektoren die Aufsicht nur im Auftrage des Staates aus. Praktisch liegt die Sache in Kiel nun so: Bisher war ein Geistlicher mit der ans den gesetzlichen Bestimmungen sich ergebenden Teil- nähme an der Leitung des Religionsunterrichts betraut. Da-Z heißt, dieses Recht wurde eigentlich nur formell ausgeübt. Jetzt ist jedem Geistlichen der verschiedenen Psarrbezirke nicht nur die Teilnahme an der Leitung, sondern auch die B c a u f« sichtigung des Religionsunterrichtes zugewiesen worden. ES handelt sich also um einen offenbaren Vorstoß zur stärkeren Beeinflussung deS Unterrichts an den Mittel- und Volks- schulen, ein Vorstoß zur stärkeren B-rpsaffung der Schulen. Ter Modcrnifteneid. „Die Tragweite de-Z ModernisteneidcS", so schreibt das reform- katholische„Neue Jahrhunderi" in seiner Nr. 40.„erkennen viele erst jetzt allmählich infolge einzelner in seiner Konsequenz liegenden vatikanischen Akte gegen die historische» Zweige de« theolognchen Wissenschasts- und Studienbetriebs". Die Ablehnung des Lehr- buches der Kirche nqe schichte von F.* 8»»! w. d-eser Beziehung recht lehrreich. Das„Nene Jahrhundert zitiert Darlegungen eines ungenannten Katholiken in der �Nr. 4-L des „schwabitchen Merkur" Dort wird Funks Werk als hochangeiehcne-- Lehrbuch bezeichnet, in dem Funk„seine Lebensarbeit von fast 4 0 Jahren niedergelegt hat; ein Buch, das r?,0, Vrfi lang im offiziellen und approbier t en G e brauch von Tausenden junger Theologen und«entlichen ver- schiedencr Länder war". S-'nc Plötzliche Abichaffung be- deute„die schärfste Brüslierung aller der Blichvfe, die Funks Buch bisher gebilligt haben, einen der schwersten Schläae die die römische Kurie unter Pius X gegen die katholisch-thcologische Wissenschaft geführt hat, eme Dlskredttlerung hochqeschänter L-Httr vor ihren Schülern und eme Verwirrung für die stM�ttnden Theologen.." Da- Verbot der Fm.k,chen Kirchen- qeschichte sei ein Akt."ber dcn die Katholiken sich au f s tiefste schämen müßten, ob man ihn vom wiffenichastlichen oder vom pädagogischen oder vom Autoritälsstandpunkr au« betrachte. DaS Verbot wird als ein Zugeständnis an die dogmatische M e Ni o d e der Jesuiten und D o m i n i k a n c r im Gegensatz zu der historisch-empirischen Funks hingestellt. Als man im Jahre 1910 die Harmlosigkeit deS ModernisteneideS behauptete, habe man die ganze Leffenllichkeit, besonders auch die Regierungen, jesuitischen Formel, für die der I g e t ä u s ch t. Steuerdebatte im bayerischen Landtage. Die durch die Zentrumsinterpellation veranlaßte Debatte über den Steuervollzug füllte nicht nur die Sitzung vom Mittwoch au?, sie wurde auch am Donnerstag noch nicht zu Ende geführt Der Finanzminister antwortete in einer fast zweistündigen Rede aw die Beschwerden über die Veranlagung der Steuern. Er vermied jeden Angriff auf das Zentrum, von dem doch die Beschwerden ans gingen; dafür richtete er Angriffe gegen die Liberalen, die die Steuerreform als Zentrumsmachwerk bezeichnet hatten. Der Minister wandte sich entschieden gegen das Verlangen einer Vermögenssteuer Er deutete an, daß schon bei der Einziehung des Wehrbeitrages die Besitzenden merken würden, was eine Vermögenssteuer bedeute. Die ganze Steuerreform, so erklärte er, habe eine Abwälzung der Lasten von dem Lande auf die Städte bezweckt. Genosse v. Haller ergriff nochmals das Wort, um die Zentrums komvdie gegen den Steuervollzug im einzelnen nachzuweisen Haben doch Zcntrumsredner sogar Beschwerden über Bestimmungen der Steuergesetze erhoben, die durch die eigene Schuld des Zentrums entgegen Anträgen der Sozialdemokratie in das Gesetz hinein gekommen waren. Da die Zentrumsredner die Mißstände im Steuervollzug als einen Augiasstall bezeichneten, der ausgeräumt werden müßte, so schloß Haller seine Rede mit der Bemerkung der Augiasstall sei das Zentrum selbst, das au-Zgemiftet werden müßte. Es entstand große Unruhe und Haller erhielt einen Ordnungsruf.. Wie feindselig das Zentrum gegen jede Besitzsteuer ist, erhellt daraus, daß die Erklärung des Finanzministers gegen eine Vermögenssteuer die lebhafteste, stürmischste Zustimmung des Zentrums fand. Die Debatte wird am Freitag fortgesetzt. Es werden dann die Interpellationen und die Anträge über die Arbeitslosenversicherung und die Arbeitslosenfürsorge verhandelt. „Soziale Fürsorge" in einer Zentrumödomäne. In einer Anzahl Städte des Ostens ist die Wohnungsnot so groß, daß in diesem Jahre am 1. Oktober wieder eine Anzahl Familien obdachlos waren und in Notstandsquartieren untergebracht werden mußten. In der katholischen Kreisstadt Heilsberg jOst- Preußen), einer sicheren Zentrumsdomäne, waren es zwanzig Familien(für die kleine Stadt eine erhebliche Zahl), die keine Wohnung finden konnten. Das Zentrumsblatt, die fromme.War- mia", die.für Thron und Altar" kämpft, teilt in einer Notiz von sieben Zeilen mit, daß„die Aermsten zum Teil nntcr freiem Himmel kampieren müssen"!! Also soweit sind wir in unserem„christlichen Staate", im.Zeit alter der sozialen Fürsorge" bereits gekommen. Die Familien müssen indem rauhen Ostpreußen, im Oktober, wo bereits die Nacht- froste einsetzen, im Freien hausen. Und das geschieht in einer Stadt, in der man die christliche Religion der Nächstenliebe besonders pflegt, in der sich die Geistlichkeit der Schäflein liebevoll annimmt Und in der man in diesem Sommer zur.Hebung des Patriotismus" viele tausend« Mark ausgegeben hat. Die Stadt bekam ein großes Husarendenkmal, das„für olle Zeiten ein beredtes Wahrzeichen für die gottesfurchtige, vaterlandsliebende� und königstreue Gesinnung der Bevölkerung des ganzen Kreises" sein soll. Für die Errichtung dieses .Wahrzeichens"— es stellt in echt christlicher Weis« den Moment dar, in dem ein preußischer Wachtmeister einen französischen Fähnrich niedersticht— haben" sich besonders die Behörden ins Zeug gelegt. 12 000 Mark flössen ollein aus freiwilligen Spenden zusammen. Tausende Mark wurden für Festmähler, Fest- spiel« und Straßenausschmückungen ausgegeben. Sechs Generäle, S0 Kriegervereine, die Geistlichkeit beider Konfessionen und ein Mit- glicd der Hohenzollernfamilie wohnten der Enthüllung des Denkmals bei. Der Landrat hielt die Festrede. Und jetzt, wo der Jubel vcr- rauschc ist, erblickl mau die Kehrseite der Pjedaille. Die Behörden, die unanSgefetzr um die Errichtung des Denkmals bemüht gewesen sind, haben die Folgen der Wohnungsnot völlig außer acht gelassen und nicht einmal für die allernotdürftigsten Obdachlofenquartiere gesorgt. Und die fromme.Warmia" spricht nur die leise Hoffnung aus. daß die Aermsten bald ein Unterkommen finden mögen. Sonst hat das ZcntrumSblatt an diesem gottgewollten Zustande nichts auszusetzen. DaS ist die„soziale Fürsorge", die von den ZenlrumSchristen für die Armen entfaltet wird. Feldwebel als Betrüger. Wegen Betruges und Unterschlagung verurteilte das Oberkriegs- gericht zu Sllenstein den Feldwebel August Tätner zu einem Jahre, den Vizefcldwebel JatzkowSki zu 1'/� Jahre n und den Feldwebel Mansie zu neu» Monaten Gefängnis. Gegen alle drei, die im Infanterieregiment Nr. ISO dienten, wurde auch auf Degradation erkannt. JatzkowSki hatte die Nachweise über die Berpflegungsrationen nachzuprüfen. Hierbei hatte er stets die Gc- samtiumme um 100 bis 200 M. höher angegeben. Tätner erhielt die geänderten Nachweise und kassierte den ganzen Betrag ein; in die Mehrbetrage terlten sich die beiden. Insgesamt haben sie in zwe, Jahren gegen 1000 M. unterschlagen. Tätner b- h i e l t a u ch ir o ch die � o h n u n gder Mannschaften, die mit Löhnung beurlaubt waren, für sich. Auch Mansie vergriff sich an solchen ManntchaftSlohnem Fun? Tage mußte das Obcrkriegsgericht ver- handeln, um den Tatbestand festzustellen. Die Balhanfragcn. Der griechisch.tiirkische Streit. Saloniki, 9. Oktober.(Meldung des Wiener K. K. Telcgr. Korresp.-Burcaus.) In hiesigen maßgebenden Kreisen betrachtet man die in den türkisch-griechischen Ver Hand- l u n g e n eingetretene Pause als Zeichen eines g c>v i s s c n Abflauens der scharfen Krrse und ist der Ansicht, daß die Aussichten einer friedlichen Austragung der vor- liegenden Differenzen gestiegen sind. Es wird hierbei jedoch hervorgehoben, daß der Ernst der Lage»och nicht ganz gc- schwunden ist und llebcrraschungen immerhin eintreten können Demobilificrung der Türkei. Koustantioopel, 9. Oktober. Durch einen Erlaß des Sultans ist die Demobilisierung angeordnet worden. Die Oricntbahn wurde beauftragt, zu diesem Zwecke täglich fünfzia Waggons bereitzustellen. Die Serben überschreiten die Grenze. Wien, 9. Lltober. Die„Südslawische Korrespondenz" meldet aus Belgrad: General I o w a n o w i t s ch hat den Befehl erteilt, die albanische Grenze zu überschreiten und den Feind bis ins Innere Albaniens zu verfolgen. Snglancl. Der Kampf nm Homernle. London, 0. Oktober. Der Erste Lord der Admiralität Winston Churchill hielt gestern in Dundee eine Rede, in der er sich gegen die Aufwiegelungen der Opposition zu Streit und Krieg in lllster und gegen den Vorschlag eines Bohkotts der Territorialarmee wandte. Er erklärte. H o m e r u l e werde Gesetz werden. ES würde «n Unglückstag sein, wenn die Regierung sich selbst so Ich wach zeigen sollte, um der Gewalt irgend einer des Volkes feige nachzugeben. Der Minister fuhr fort: Jwrerhalb der nächsten zwei Jahre, also bevor Homernle voll wirksam sein kann und bevor irgend ein Gesetz vom irischen Parlament angenommen werden kann, müssen allgemeine Wahlen stattfinden. Sollte ihr Ergebnis eine Verschiebung der Macht sein, dann würden die Unionisten die Maßnahme wider- rufen können, und das ist unsere Antwort auf ihre Beschwerden. Wenn die Annahme von Homernle von einer Majorität zu nicht« gemacht würde, welche die gesetzlose Kühnheit hätte, ein Raufbold-Veto einzulegen, das willkürlicher sei als das Veto der Krone, das seit 300 Jahren abgeschafft sei, dann würde die konstitutionelle und parlamentarische Bewegung und die Abstellung von Mißständen überall im Reiche und in der ganzen zivilisierten Welt in schlechten Ruf gebracht und verhöhnt sein. Gegen eine solche Gefahr, gegen solche zügellose Ansprüche sei die Regierung bereit, alle noyoendigen und geeigneten Maßnahmen zu ergreifen. Aber erfreulicherweise seien auch Anzeichen einer Wendung zum Besseren vorhanden. Er habe jüngst in einen: Teil von Ulster die Neigung gesehen, die Forderungen ein- zuschränkcn durch die Beanspruchung einer besonderen Berücksichtigung von Nordost-Jrland. Dieser Anspruch sei sehr verschieden von dem, Homernle zu hemmen, und dem ganzen übrigen Irland den Weg zu versperren. Es sei ein Anspruch, der, wenn er aufrichtig verfolgt würde, nicht ignoriert werden könne. Rolland. Gemeinderat und Lehrerkollegium. Aus A m st e r d a m wird uns berichtet: Die in diesem Sommer gewählte sozialdemokratische Mehrheit in der Gemeindevertretung der holländischen Hafen- und Fabrikstadt Zaandam, die sofort den Achtstundentag für den Gemeindearbeiter einführte, hat einen neue» Schritt getan, der die helle Wut der ganzen klerikalen und auch liberalen Reaktion hervorgerufen hat. Das Schöffenkollegium, in welchem unsere Parteigenossen natürlich jetzt auch die Mehrheit haben, hat nämlich den Berufsverein der Lehrer, der den ständigen An- griffspunkt aller Reaktionäre bildet und der oft mit unserer Partei und mit den modernen Gewerkschaften für politische Zwecke zusammen arbeitet, ersucht, ihm fortan für alle Unterrichts- fachen, die in der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung vorliegen, ein Gutachten abzugeben. Daß hierdurch die sehr fortschrittlich ge- sinnte Lehrerorganisation als die offizielle Beraterin eines Gemeinde- Vorstandes fungiert, hat die Prcßmeute. laut ihrem starken Gebrüll, offenbar fast zur Verzweiflung gebracht. Amerika. Die Kämpfe in Mexiko. New Aork, 9. Ottober. Nach einer Depesche au§ Mexiko be- stätigen Privatnachrichten ein Gerücht, demzufolge dje Aufftändischen ein großes Massaker unter den Spaniern angerichtet hätten. Es sollen 175 Spanier getötet worden sein. Bus der Partei. Die Organisatioueu über den Parteitag. Die Parteigenossen in Frankfurt a. M. diskutierten in zwei gutbesuchten Versammlungen, deren letzte am Dienstag bis nachts 1 Uhr sich hinzog, sehr lebhast über die Beschlüsse des Parteitags Die Auseinandersetzungen drehten sich fast nur um die Masse n st r e i k- und die S t e u e r s r a g e. Die Frankfurter Delegierten hatten in diesen Fragen auf deni Parteitage eine geteilte Haltung eingenommen. Dasielbe Bild gab aucb die Debatte: die Hälfte der Redner trat entschieden für die Beschlüsse des Parteitags ein, wäh rcnd ein anderer Teil der Redner de» Standpunkt der Minderheit vertrat. Besonders wandten sich führende Genossen in der GeWerk schaftSbewegung gegen den Massenstreik, dessen Durchführung zurzeit noch nicht möglich sei. Demgegenüber betonte Genosse D i ß in a n n. wenn man abivartcn wolle, bis die Voraussetzungen der Borstands resolulion gegeben seien, dann könnte man bis zum St. Nimmerleins, tag warten. Der Massenstreik müsse als Kampfmittel für die Erringung eines besseren Wahlrechts in Preußen an- gewendet werden, denn man habe keine anderen Mittel mehr, Genosse Kremser sagte, gegenüber dem Wortgeklingcl in der Resolution Luxemburg müsse man vorsichtig sein. Daß oft gebremst werde, liege daran, daß die Führer weiter schauen, als die, die nur den Boden betrachten, auf dem sie stehen. Jeder wünsche, daß eS vorwärts gehe, aber nicht mit leichtfertigen Maßnahmen. Genosse Dr.Ouarck betonte, die Abstimmung über die Resolutionen zur Massenstreiksroge habe sich nicht um deren Wortlaut gedreht, sondern um die Frage, ob mau gut tue, unverantwortliche Reden über Dinge zu hallen, die man zurzeit nicht durchführen lönne. Daß der Massenstreik eine revolutionäre Waffe bei den Kämpfen der Zukunft sein werde, darüber habe kein Mensch gestritten. Jetzt drehe es sich aber nur um die Frage, ob es politisch klug sei, mit dieser Waffe nur zu rasseln, oder ob man sich nicht besser rüste, bis man das Schwert niedersauscn lassen könne, daß es auch Wunden schlage. Redakteur Hammer verteidigt« den Standpunkt der Minderheit auf dem Parteitag. Man dürfe die Anhänger des Massenstreiks nicht gleich unter die Syndikalisten urd Putschisten werfen. Genosse Cohen ist Anhänger des Massenstreiks, der aber nicht zu ungeeigneter Zeit angewandt werden dürfe. Die Vorstands resolulion sei nach den Komnientaren, die dazu gegeben worden seien, viel gefährlicher als die Resolution Luxemburg, für die er gestimmt habe. Der Augenblick zum Kampf sei erst dann gekommen, wenn aus den Massen heraus die Flamme der Empörung lodere. Genosse Dr. L e v i hat für die Resolution Luxemburg gestimmt. Er glaubt, daß bei einem Massenstreik auch die U n o r g a n i- sierten für unsere Ziele gewonnen würden. Könne man nicht auch sagen, vom Streik zur Organisation, anstatt umgekehrt? Gegen diese Ausfassung wandten sich sehr scharf die Genossen r e n n e ck e und Kirchner. Wie in der Massenstreikfrage, so gingen die Meinungen auch in der Steuerfrage auseinander. Doch schien in dieser Frage die Mehrheit der Redner auf feiten der Fraktion zu stehen. Genosse Dr. O u a r ck sagte unter Zustimmung, man hätte, anstatt die Zu- timmung der Fraktion zu den Besitzsteuern zu bekritteln, den Kampf gegen die Militärvorlage energischer aufnehmen müssen und die Re- gicrung viel heftiger wegen der Ablehnung unserer Forderungen bedrängen sollen. Die Besitzsteuern seien ein riefiger Erfolg für die Fraktion, sie bedeuteten eine Wendung in dem bisherigen Steuer- lystem. Genosse D i ß m a n n betonte, auch die Besitzsteuern würden aus den Knochen der Arbeiter geholt. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Eine sehr anregend verlaufene Versammlung in Breslau be- chäftigte sich mit de» Stcuerfragen. Genosse B e r n st e i n hatte das Referat übernommen, in dessen Verlauf er seinen Standpunkt zu den Reichssteuern darlegte. Bekanntlich zählte Bernstein zu der Minderheit in der Fraktion, die den Wehrbeitrag und die Besitzsteuern nicht bewilligen wollte: die BreSlauer Genossen aber haben sich wiederholt in öffentlichen Kundgebungen auf den Standpunkt der FraktionSmchrheit gestellt. Dieser Standpunkt wurde nun auch in der Diskussion von den Genossen Lobe und Darf vertreten. Die Breslauer Genossen erhoben gegen ihren Abgeordneten keinerlei Vorwurf,>mr könnten ie in diesem einen Punkte seine Auffassung nicht teilen. Ein Be- chluß wurde nicht gefaßt. Parteisekretär Müller als Vorsitzender erklärte zum Schluß nochmals, daß es durchaus nicht in der Absicht der Bceslaiicr Genossen gelegen habe, ihren Abgeordneten zu einer Versammlung kommen zu lassen, um Vorwürfe gegen ihn zu er- heben. Genosse Bernstein bade vielmehr selbst den Wunsch g e ä u ß e r l, sich mit seinen Wählern auszusprechen, wozu seine Anwesenheit beim Städtstag in Breslau die beste Ge- legenheit geboten habe._ Die neue Arbcitcrtcwe.qnug in Neuseeland. Eine neue Aera der australischen Arbeiterbewegung bezeichnet der Kongreß, den die perschiedenen Ard-itcrorganisationcii Neusee- lands vom 15.-22. Juli in Wellington avaehalten haben und der von 380 Vertretern von etwa 60 000 organisierten Arbeitern besucht war. Bisher war die Arbeiterschaft dieser aufblühenden Kolonie überwiegend in der Vereinigten Arbeiterpartei (United Labor Party) organisiert, die. der Arbeiterpartei des australischen Festlands entsprechend, im wesentlichen auf dem Boden des bürgerlichen Radikalismus stand und sowohl die gewerkschaftliche wie die politische Organisation der Llrbeiterschaft be- stimmte. Daneben stand die wen schwächere Arbeiter- Vereinigung(Federation of Labor) auf dem Boden des Klassenkampfes. Hinzu kam vor kurzem als ausschließlich politische Organisation die S o z i a l i st i s ch e P a r t e i. Dieser Zustand der Zersplitterung und der liberalen Arbeiterpolitik hat sein Ende ge- funden mit dem Kongreß, der sich mit überwältigender Mehrheit auf den Boden der e i n h e i t l i ch e n s o z U l i st i s ch e ir Organisation gestellt hat. Obwohl nur 68 Delegierte der Arbeitervereimgung und 12 der sozialistischen Partei angehörten, unterlagen die Verfechter der über- lieferten Politik in allen Fragen gegen Zweidrittel- bis Dreiviertel- Mehrheiten, und der feierliche Austritt von 12 bis 15 Anhängern des Alten drückte dem Wandel der Dinge den Stempel auf. Der Kongreß beschloß die Zusammenfassung der gesamten Arbeiterschaft in zwei einheitliche, unabhängig von einander, aber im Ein- Verständnis und auf dem gemeinsamen Boden des Klassen- kampses vorgehenden Organisationen: den gewerkschaft- l i ch e n Vereinigten Arbeiterverband(Unidet Federation of Labor) und die politische Sozialdemokratische Partei, die beide die Grundsätze des internationalen Sozialismus anerkennen.— Ferner wurde in der wichtigen S ch i e d s g er i ch t S f r a g e der überlieferten Auffassung eine entschiedene Absage erteilt. Er sprach sich gegen das mit dem obligatorischen Schiedsamt, dessen Einführung von der bürgerlichen Sozialpolitik als Gewährleistung des„sozialen Friedens" begrüßt worden ist, verbundene Streikverbot aus und beschloß die Anerkennung des Streiks als„Kämpsmittel, das gründlich vorbereitet und nötigen- falls als Generalstreik für das ganze Land zur Anwendung kommen soll. Dieser Beschluß führte zum Austritt der konservativen Dele- gierten. Man darf erwarten, daß dieses entschiedene Vorgehen der Arbeiter Neuseelands auch auf die Bewegung im australischen Bundes- gebiete, die noch ganz von der„Arbeiterpartei" beherrscht, jedoch auch schon immer mehr von sozialistischen Gedankengängen durch- säuert wird, seine vorwärtsdrängende Wirkung ausüben wird. poliseilickies, Omchtiichcs ufw. Ein scharfmacherischer Anonymus. Vor einigen Wochen wurde in Köln ein Flugblatt verbreitet und in den verschiedenen Werkstätten und Fabriken auch angeschlagen, daZ die Ueberschrift trug:„Wo bleiben die Kölner Arbeitergroschen?" Der Inhalt dieser Flugichrist beschäftigte sich mit den Abrechnungen der Kölner Gewerkschaften im Jahre 1912. Es wurde u. a. be- hauptet, die Kölner Gewerkschaftsmitglieder hätten im Jahre 1912 nur 29 Proz. ihrer Beiträge an Unterstützung erhalten, während alles übrige für Verwaltungskosten ausgegeben oder an die Hauptkasse gesandt worden sei. Zu diesem Ergebnis kam der Verfasser dadurch, daß er die Beiträge um über 173000 M. zu hoch und die Uiiterstiitzunge» auS der Hauptkasse u»n über 281000 M. zu niedrig angab. Das Flugblatt ivar anonym, nicht einmal ein Verleger oder Drucker war angegeben. Man zer- brach sich in den Kreisen der Kölner Gewerkschaftsmitglieder �ii Kopf, wer wohl dieser zurückhälterische Anonymus sein könne, und die.Rheinische Zeitung" brandmarkte ihn als gemeinen Verleumder, um ihn zu nötigen, mit seinem Namen an die Oeffentlichkeit zu treten. Jetzt nach sechs Wochen hat sich als Verfasser endlich ein Herr Dr. Paul S t e l l e r, der Geschäftsführer des Bundes der Industriellen in Köln gemeldet und hat den verantwortlichen Redakteur der„Rheinischen Zeitung" wegen Beleidigung verklagt._____ Letzte Nachrichten. Ein spanisch-französisches Bündnis. Madrid, 9. Oktober.(P. C.) Der„Diario Universale", das offiziöse Organ des Grafen Romanoncs, veröffentlicht heute abend einen längeren Artikel über die Stellung der politischen Parteien in Spanien zu einer Entente mit Frankreich und erklärt u. a., daß die Konversativen, die bisher stets gegen eine französisch-spanische Bündnispolitik gelvcscn sind, ihre Ansicht geändert haben, uno nun- mehr eine Entente lebhaft begrüßen tvürden. Unruhen auf Samos. Konstantinopcl, 9. Oktober. l.H. B.) Auf der Insel' SamoS ist eine Revolte ausgebrochen. Die Einwohner der Insel haben sich in zwei Parteien gespalten. Die einen sind für Gricckninland, die anderen für die Türkei. Der seit Ausbruch des Krieges ein- gesetzte griechische Gouverneur i st d c in A u s st a n d zum Opfer gefallen. Ter Oberlichter ist bereits vor einigen Tagen ermordet worden. Zwei griechische Torpedoboote umfahren die Insel, um die Flüchtlinge am Verlassen derselben zu verhindern. Strengere Behandlung der Suffragetten. London, 9. Oktober.(W. T. B.) Das Ministerium des Innern hat eine Erklärung veröffentlicht, daß die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts Mary Richardson und Rachel Peacc, die in der letzten Woche das Hampton-Haus bei London in Brand gesteckt haben und im Gefängnis die Nahrungsaufnahme verweigert haben, nicht auf Grund des Gesetzes in Freiheit gesetzt werden würden, welches die zeitweise Entlassung wegen Hungerstreiks erlaubt. Als Grund wird angegeben, daß ihre Freilassung gefährlich sein würde. Die Gefängnis- behördcn sind angewiesen worden, nötigenfalls eine Zwangs. weise Ernährung durchzuführen. Die Erklärung deutet an, daß die erwähnte Gesetzesbestimmung in Zukunft nur in Fällen leichterer Vergehen Anwendung finden soll. Proteste gegen den Ritualmordprozeß. Petersburg, 9. Oktober.(H. 33.) Um gegen den Prozeß Beilis zu protestieren, finden allenthalben Arbeiterdc monstra- tionen statt, besonders in Kiew, Warschau, Riga und Petersburg. Auch haben bereits einige den Ausstand er- klärt. Eine große Demonstration fand an der Universität in Petersburg statt, wo ein Zirkular verteilt wurde. In Kiew fanden Unruhen statt, doch ist di�dmtige Polizei verstärkt worden. Hafenarbeiterstreik iu Spanten. Httelva, 9. Oktober.(W. T. B.) Die bei dem Bau des Hafens beschäftigten Arbeiter beschlossen, in den Ausstand zu treten. Darauf. hin haben die Hafenarbeiter sich solidarisch erklärt und streiken ebenfalls. Leineweber Lettin C «Mr-ß- 34 Nöllnifeher Fischm«»rkt 4-5-6 Fischt, i Die in den großen KVIÜmIeliEr Fischmarkt 4 ausgestellten blaiagraueini im Preise von 25,-m.d>,85,-m. bieten das Iteueste in Stoffen, Aaffons und Aarben der Saison 0 o □ Knaben- und Ziinglings-Kleidung nur in eigenen Betriebs-Werk- statten hergestellt, ist preiswert und unübertroffen in Sitz und u solider Verarbeitung n Grohe Auswahl° Guke Patzform° Billige Preise ZOMNtags von 12-2 Uhr geöffnet Würzburger Htthneraugenmittel von Dr. H. Unger.— Gegen 30 Pfennig au[ 10 Pf. 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Verlag! vorwärts üZuchdr. n«»rtchpianstaU Gaul Singer-kEo.,1öerlm ZW. Hierzu 3 Beilagen u.Uuterhaltu»gshb it. 265 3». i«iW t, leiiujje des„lorinnrts" Kerliller Nsldsdlatt. ,o«w»«a GewerkfcbaftUcbca. 6111 antcmchrnerurteil über die„nützlichen Elemente". Müßte man den offiziösen Mitteilungen der bürgerlichen Blätter und den Erklärungen des Stettiner Magistrats glauben, so wäre es mit der Arbeit im dortigen Hafen Wohl- bestellt. Hesbergs verwegene Gestalten verrichteten treu und brav ihre Arbeit und der Streik berühre den Hafen- betrieb nicht. Gegenteilige Behauptungen der Streikleitung werden als univahr hingestellt. Tie Wahrheit über die Streik- läge dürfte aber vielleicht doch als bestätigt gelten, wenn der dritte Interessierte, die Spediteure, vertraulich sich darüber � äußern. Flog uns da ein Schriftstück des Stettin er Spediteurvereins zu. das anscheinend einen Beiicht an die Spediteure im Reiche bildet. Weniger interessiert uns der Bericht über den Streik selbst, als die Charakterisierung der Streikbrecher und ihrer Arbeit, wo- durch zugleich das Verhalten des Magistrats in ein sonder- bares Licht gerückt wird. Hören wir: „Der während des Streiks durch die auswärtige Streik- brechcrmannschaft geleistete Notbehelf kann naturgemäß nicht anders als mangelhaft sein, zumal es sich nicht nur um körperliche Arbeit, sondern zugleich um die unentbehrlichen Dienste des gleichfalls teilweise streiken- den Aufsichtspersonals(z. B. der Leute, die die Güter unter Austausch der Quittungen abnehmen und herausgeben) handelt. Es sind zusammengelaufene, nicht licsondcrs kräftige, ungeübte Leute, die durchschnittlich zwar das Doppelte des regulären Lohnes kosten, aber nur etwa die Hälfte leisten von dem, was geübte Leute schaffen, so daß die Arbeit etwa viermal so viel wie sonst, in vielen Fällen mehr kostet und ungeachtet der noch größeren Anzahl Leute langsamer und unregelmäßiger von- statten geht. Alle Arbeit geschieht unter Polizeischutz. Vielfach arbeiten die Kontorpersonale mit. Wir, gleich allen andern Spediteuren, nehmen dieWohltat der Streikklausel in den Verträgen und Gebräuchen in Anspruch, führen also während der Tauer des Streiks und seiner Wirkungen Geschäfte für Rechnung und Gefahr der Auf- traggeber bestmöglichst aus und berechnen die vom Magistrat erhobenen doppelten Kaigebührcn und die nach Lage jedes Falles so billig wu tunlich eingerichtete Streikzulage. Die Störungen er st recken sich nicht allein auf die Kais, wo sie verhältnismäßig noch am beste» aus- geglichen werden, obwohl unter beträchtlichen Verzögerungen, sondern auch auf den Bordüberschlag aus den Seeschiffen in Kähne und umgekehrt, zumal die Schiffsleute(Stauer, im Schiffsraum und Schiffsvolk) zivar nicht streiken, aber mit den streikenden Arbeiterkategoricn sympathisieren und deren arbeits- willige Ersatzleute teils wegekeln, teils mit ihnen, wie erforder- lich, nebeneinander zu arbeiten sich schlank weigern. Dadurch wird die Lage besonders verschärft. Nicht minder berrschen die Störungen an den amtlichen Speichern und den privaten Lagerhäusern, weil die Boden- und Lager- meister zu den Streikenden gebären. Erst recht an den offenen Bollwerken, wo kein Gleisanschluß und keine Absperrung vor- handen, muß jeder Arbeitswillige von einem Polizisten eskor- tiert sein und die Kosten betragen das Dreifache d e r g e w ö h n l i ch e n u n d m e h r. Die regelmäßigen Dampferlinien sind bemüht, den Verkehr im Gange zu erhalten. Seit mehreren Tagen ist noch empfindlicher Waggonmangel hinzugetreten, dem ungeachtet der an die Eisenbahn gerichteten Beschwerden noch nicht abgehofen ist." Und bei diesen geradezu skandalösen Zuständen kann der Stettiner Magistrat weiter sich so reaktionär verhalten? Tie Kosten betragen das Dreifache und mehr, doch die geringen kleines fcuUlcton Der alte Fahrer. Da sagen die Leute immer, der moderne Verkehr hebe alle Poesie auf. Das ist gar nicht wahr. Ich meine nicht die Romantik der Eisenbahnen, eines Bahnhofs bei Nacht und all der Dinge, in denen Gott Maschine eine beängstigende Rolle spielt. Nein, auch die Idylle ist noch nicht ausgestorben. Ich stand vorn auf der Plattform eines Wagens der elektrischen Straßenbahn zu Berlin. Ich war mit dem Fahrer allein,— und wir sausen so die schnurgerade Straße herauf bis zur Haltestelle. Da stieg ein Mann auf, mit einem fröhlicken, roten Gesicht, blauen Augen, in ganz anständiger Kleidung. Wir fuhren weiter.... „Na", sagte auf einmal der Mann zu dem Fahrer,„ick habe auch ma jesahren bei euch!"— Das durfte er aber gar nicht sagen, denn die Unterhaltung ist strengstens verboten. Er tals aber doch. Und der Fahrer überschritt seinerseits auch die Schweigevorschrift, drehte sich interessiert um und sprach:„So?— Wo denn? Der andere nannte die Linie, und gleich begannen sie sich über die Einzelheiten des Dienstes zu unterhalten, über die strengen Vorgesetzten, über die Gewohnheiten, die Handgriffe des Personals,— und es hagelte t achausdrücke und mir unverständliche Abkürzungen... Der lind pfiff uns um die Ohren,— alles konnte ich nicht hören. Aber einmal, da leuchteten dem Zivilisten die Augen. Sie sprachen von der Schnelligkeit der verschiedenen Wagen. Das hatte ich nun wieder nicht gewußt, daß nicht alle Wagen gleich schnell fahren. Nein, das taten sie nicht.„Mensch", sagte er,„wie fährt denn die Nummer 6734?"— Die Nummer wußte er auch noch!—„Das war ein Renner!"— Und von 6714 wußte er noch und von 6857 und 4532— das waren die Wagennummern, die hatte er behalten!— Und als sie alle alten Erinnerungen aus- getauscht hatten,— da bat er den Kollegen:„Laß mich doch noch einmalffahren I"— Und weil er gar so bat, tat der'S— obgleich er geflogen wäre, wenn» herausgekominen wäre. Und stolz trat der Zivilist an den Führerstand und drehte die Kurbel und bremste und ließ den Wagen laufen, wie dunnemals, als er noch Fahrer war. Die„käseklinik". In einer Berliner Straße gibt es ein Vor- kosigeschäft. das allgemein die„Käseklinik" genamit wird. Wie kam das Geschäft zu dieser merkwürdigen Bezeichnung? In dem Nachbar- Hause befindet sich eine Schuhmacherwerkstalt, deren Inhaber seitlich die Inschrift„Stiefel-Klinik" hatte anbringen laisen. Als das Vor- kostgeschäfl eingerichtet wurde, gab dessen Inhaber einem Schilder- maler den Auftrag, die inholtschweren Worte„Butter und Käse" an den der Schuhmacherwerkstatt zu gelegenen freien Teil der Wand hinzumalen. Der Maler machte sich den Spaß, dieselbe Schriftart zu wählen, die die Inschrift„Stiefel-Klinik" aufweist, und so liest man denn an der Grenze der beiden Häuser folgendes: Butter Stiefel Käse Klinik ES dauerte nicht lange, so führte daS Vorkostgeschäst allgemein den Namen„Käseklinik", mnd auch der benachbarte Schuhmacher muß sich allerlei Anulkungen wegen seiner„Butterstiesel" gefallen lassen. Immer häufiger begegnet uns das Wort„Klinik" auf dem Geschäftsschilde, und zwar nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten. Die.Puppenklinik" machte den Anfang. eS Forderungen der Streikenden können nicht erfüllt werden. Diesen unbegreiflichen Scharfmacherstandpnnkt nimmt eine städtische Behörde ein, die im Interesse aller Steuerzahler ihre Geschäfte führen soll. Wie lange noch? Lerlin unck Umgegend. Achtung, Klempner, Schlosser und Schweißer! Die Kollegen der Firma Rudolf Bunke, Tempelhof, Ringbahnstr. 36. befinden sich im Streik. Der Betrieb ist gesperrt und ersuchen wir, den Zuzug streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Verband(Ortsvcrw. Berlin). Der Streik im Kiirschnergewerbe. Am gestrigen Tage hatten sich die Parteien wiederum vor dem Einigungsämt eingesunden. Die Verhandlungen dauerten 6 Stunden und wären beinahe ergebnislos verlaufen, da die Unter- nehmer nach fünfstündiger Beratung plötzlich erklärten,'daß sie den Zwischenmeistern die seinerzeit'.zugesagten 16 Prozent Auf- schlag nicht zusprechen könnten, da das Angebot ja nicht definitiv gemacht und durch den Streik auch illusorisch geworden wäre. Zwischenmeister Feldmann erklärte hierauf, daß damit die Verhandlungen als gescheitert zu betrachten seien, da die Zwischenmeister nach sechswöchigem Kampfe gar nicht daran dächten, ohne das geringste Zugeständnis die Arbeit wieder aus- zunehmen. Wenn dies aber doch geschähe, dann könnten die Unter- nehmcr mit Sicherheit darauf rechnen, daß die Zwischcnmeister im Winter bei 16 Grad Kälte unvermutet die Arbeit einstellen und sich ihre Forderungen erzwingen würden. Dem vermittelnden Eingreifen des Magistratsrats von S cki u l z gelang es, nach weiteren Beratungen eine Einigung auf folgender Grundlage herbeizuführen: Die Vertreter der Zwischenmeister uird der Arbeitgeber einigen sich dahin, daß eine Kommission von 16 Mitgliedern unter dem Vorsitz eines Unparteiischen zusammenkommt. Diese Kommission soll Differenzen schlichten und ist von dem Unparteiischen inner- halb acht Tagen nach Anrufung bezw. Einreichung der Beschwerde einzuberufen. Neben der Schlichtung von Differenzen hat die Kommission sofort in Beratung einzutreten über die Schaffung eines Tarifvertrages. Der Tarifcntwurf ist den Generalver- sammlungen beiderseits zur Genehmigung zu unterbreiten. Für den Fall, daß es zu einem Entwurf nicht kommt bezw. die General- Versammlungen ihn ablehnen, ist das Einigungsamt von beiden Seiten anzurufen. Die Fertigstellung des Tarifs und die Per- legung desselben hat bis zum 15. Dezember zu erfolgen. Bis zuni 1. Januar 1914 soll ferner eine Zulage von 5 Prozent an die Zwischenmeister gezahlt Wehden. Der etwaige Tarif tritt spätestens am 1. Januar 1314 in Kraft und soll gelten bis 1. Juli 1916. Den Arbeitern werden solgende Vorschläge gemacht: Die Forderung auf Bezahlung der Feiertage, sowie die Regelung des Lehrlingswesens fällt weg. Die Arbeitgeber dagegen versprechen und verpflichten sich auch, das Versprochene bei ihren Kollegen in der Versammlung durchzudrücken, daß, im Gegensatz zu früher, am Sonnabend nur 7J4 Stunden gearbeitet wird. Sie vcr- pflichten sich weiterhin, mit den Arbeitern zusammen nach zwei Jahren darüber in Verhandlungen zu treten, ob eine weitere Arbeitszeltverkürzung angebracht ist. Für oen Fall, daß die Parteien über diese Frage nicht einig werden, ist das Einigungsamt des Getvcrbegerichts anzurufen. Die Arbeiter und Arbeitgeber werde» eine Kommission in der- selben Besetzung wie die Zwischenmeister und Arbeitgeber an- dcrerseits ins Leben rufen. Auch hier sollen dem Unparteiischen dieselben Befugnisse zustehen. Der Vertrag läuft bis 1. Juli 1916. Zwischenmeister sowohl als Arbeitcrvertreter �verpfliclsten sich, für den Fall der Annahme die Aufhebung des Streiks in ihren Versammlungen zu beantragen. Maßregelungen dürfen von beiden Seiten nicht vorgenommen werden. Zu diesen Einigungsvorschlägen nahm bereits gestern abend eine Versammlung der Z w i s ch e n m e i st er Stellung. Nach längerer Debatte wurden die Einigungsvorschläge angenommen und beschlossen, die Arbeit wieder auszunehmen. folgten dann„Oberhemdenkliniken",„Wäschekliniken",„Schuh- kliniken",.Stiefelkliniken",„Regenschirmkliniken" usw. DaS Wort„Klinik" ist ein Kunstausdruck der medizinischen Sprache; es ist von dem griechischen Wort ldüw'(Bett) abgeleitet, hatte ursprünglich die allgemeine Bedeutung von Krankenhaus und wurde dann zum besonderen Ausdruck für die mit einer Uni- versität in Verbindung stehenden Anstalten für Krankenbehandlung gewählt, die gleichzeitig Lehrzwecken dienen. In eine Klinik be- geben sich viele, um ihren Körper flicken oder ausbessern zu lassen; dieser Umstand sührte dazu, daß man auf einmal dazu überging, ge- iverbliche Ausbesserungsanstalten„Kliniken" zu nennen. Die Benennung „Ausbesserungsanstalt" ist, wie dies bei allen mit Hilfe des Aus- drucks„Anstalt" gebildeten Bezeichnungen der Fall ist, ein häßliches Wort; das Wort„ausbessern" erinnert allzu sehr an das verpönte „flicken", und so griff man zunächst zu dem Ausdruck„Reparatur", namentlich im Schuhmachergewerbe. Je mehr sich aber das Wort „Reparatur" einbürgerte, um so gewöhnlicher kam es vielen vor, und es griff im Schuhmachergewerbe an seiner Stelle immer mehr die Bezeichnung„Besohlanstall" Platz. Manche wählten aber nach der* Muster der Puppenklinik die Bezeichnungen Schuhklinik oder Sttefelklinik. Mit diesem Namen scheint das Wort Klinik seine Karriere auf diesem Gebiet noch nicht abgeichlossen zu haben. Spazierfahrten im gläsernen Boot. Die deutsche Zoologische Station in Rovigno, an der Westküste der Halbinsel Jstrien gelegen, hat in den letzten Jahren für die Versorgung der zoologischen An- stalten an den deutschen Hochschulen und zuletzt für die Deckung des Bedarfs des neuen großen Aquariums in Berlin eine erhöhte Be- deutung gewonnen. Früher war die Gewinnung der Tiere und Pflanzen dadurch erschwert, daß ihre Suche nur durch Taucher be- werkstelligt werden konnte, wenn man es nicht überhaupt dem Zu- fall überlassen wollte, welche Geschöpfe ans Tageslicht gefördert wurden. Selbst bei flachem Wasser, wo das Äuge bis auf den Grund zu dringe» vermag, ist eine genaue Erkennung erschwert oder unmöglich, da die Lichtbrechnng das Bild verzerrt. Ilm diesen Fehler nach Möglichkeit auszuschalten, haben die Fischer schon früher kleine Kästen mit gläsernem Boden verwandt, damit wenigstens die Be- wegung der Wasseroberfläche keine Störung verursachen könnte. Seit etwa einem Jahre ist aber für Rovigno ein besonderes Boot gebaut worden, das nicht nur für die praktischen Zwecke, sondern auch zu Spazierfahrten für Forscher und Naturfreunde ausgezeichnet verwendbar ist. In dem flachen Boden des Bootes ist, wie Dr. Mulsow in der„Allgemeinen Flscherei-Zeitung" schreibt, eine große und starke Glasscheibe eingelassen, die gegen die Spiegelung von oben und von den Seiten her durch Vorhänge abgeblendet ist. Infolgedessen tritt das Bild des vom Tageslicht erreichten Bodens deutlich hervor. Auf diese Weise kann der Meeresboden bis zu 36 Meter Tiefe und bei ungünstigem Wetter bis 16 oder 15 Meter untersucht werden. Eine Fahrt in diesem Boote gewährt einen außerordentlichen Genuß, besonders an einer zerklüfteten Steilküste, wie sie Jstrien darbietet. Die Vertiefungen, wo das Auge den Boden nicht mehr erschaut, liegen wie dunkle Inseln zwischen den Erhöhungen, wo das reiche Wachstum der buntfarbigen Algen wie versunkene Wälder oder wie eßi wogendes Kornfeld anfragt. Dazu kommen nun die Schwärme der Meertiere verschiedenster Art. Fische der mannigfaltigsten Form und Farbe. Krabben und Einsiedlerkrebse, Seewalzen und Seesterne. Alles das überschaut der Fahrgast dieses Bootes von einem bequemen Platz aus durch den gläsernen Boden. Die Arbeiter werden in einer demnächst stattfindenden Versammlung ebenfalls zu den obigen Vorschlägen Stellung nehmen. veuttebes Reich. Die Arbeitsgelegenheit auf den Seeschiffswerften. Noch immer ist eine große Zahl der früher ans den Wersten beschäsigten Arbeiter nicht wieder eingestellt, angeblich weil es an passender Beschäftigung fehlt. Immer und immer wieder müssen diese Arbeiter die Arbeitsnachweise besuchen, um andauernd die Antwort zu erhalten, daß keine Beschäftigung für sie vorhanden sei. Daß dem jedoch nicht so ist, beweisen die Tatsachen. Im Binnen- lande reisen Agenten der Werften uniher, um Arbeiter aller Branchen für die Werften anzuwerben. Hohe Löhne, große Verdienste werden versprochen. Leider lassen sich auch Arbeiter durch diese Versprechungen ködern und gehen nach � den Werstorten, um dann zu ihrem Schaden zu erfahren, daß daselbst noch genügend Arbeiter vorhanden sind, die auf Beschäftigung warten. Auch könnten sich die Arbeiter, die von den Agenten anzuwerben versucht werden, von selbst sagen, daß, wenn die Werften so hohe Löhne zu zahlen bereit sind, dann hätten sie nur etwas Entgegen« kommen bei den Verhandlungen mit den Werftarbeitern zeigen brauchen. Jeder Arbeiter sollte sich deshalb selbst sagen, mögen die Werften zunächst die noch beschäftigungslosen Werftarbeiter einstellen, bevor sie auf die Suche nach anderen Arbeitern gehen. Noch etwas auderes erwartet die heranzuziehenden Arbeiter. Mit alle» Mitteln versuchen verschiedene Wersten, die Einigkeit der Werftarbeiter und ihre Organisationen zu zerstören. Sie gründen gelbe Werkvercine, die jedoch von vornherein dazu verurteilt sind, ein bescheidenes Dasein zu fristen, ltm diesen übelduftenden Ge- bilden auf die Beine zu helfen, werden Arbeiter unter Androhung der Entlassung aufgefordert, ihnen beizutreten. Da diese Mittel an der Wasserkante nicht recht ziehen, glaube» die Unternehmer tvohl mit den herangezogenen betriebsfremden Arbeitern leichteres Spiel zu haben. Die Arbeiter des Binnenlandes sehen also, was ihrer erwartet, wenn sie den Lockungen der Werbeagenten Gehör schenken und sich an die Werftorte verschleppen lassen. In der Rheinischen Wurst- und Flcischwarenfabrik Wilhelm Kl ein. Köln a. Rh. sind ernste Differenzen ausgebrochen. Diese Firma, die als Spezialität Halberstädter Würstchen fabriziert, erhielt vom Zentralverband der Fleischer einen Tarifvertrag zugestellt mit dem Ersuchen um Verhandlungen. Die Firma lehnte nicht nur jede Verhandlung ab, sondern schrieb:„Wer von meinen Leuten nicht mit der von mir herausgegebenen Arbeitsordnung einverstanden ist und sich derselben nicht unterwerfen will, kann bei mir nicht bleiben*• resp. nicht eingestellt werden." Diese Arbeitsordnung aber zeigt alles andere, nur keine Aehnlichkeit mit dem Tarifvertragsentwurf. Die Firma beweist ihre OrganisationSfeindlichkeit dadurch, daß sie Organisierie nicht dulden will.— Die Würstchen dieser� Firma kommen in Dosen mit grünem Etikett zum Versand. Ein besonderes Absatzgebiet sind die Freimärkte und Messen, desgleichen der Ham« burger Dom. Die Münchener Kohlenarbeiter sind in eine Tarifbewegung ein« getreten. Der vom SchleifsteindrehSr des Bayerischen Industriellen- Verbandes Dr. Kuhlo geführte Arbeitgeberverband der Münchener Holz- und Kohlenhandlungen lehnte jede Tariferneueruitg ab und verfolgte dabei die Taktik des Bayerischen Jndustriellenverbandes, der prinzipieller Gegner von Tarifverträgen ist. Dr. Kuhla cnt- schlüpfte vor dem Einigungsamt das Geständnis, daß nicht di« Arbeitslöhne die Kohlenpreise erhöhen, sondern daß die Verkaufs- preise von den Kohlen syndikaten festgesetzt werden. Charakteristisch ist es, daß die hochmögenden Kohlenfirmen aus- ländische Arbeiter heranziehen, während Tausende von Familienvätern arbeitslos herumirren. Diese Tatsache, meinte der Gewerbegerichtsvorsitzende Sqrtorius, wird die Freunde der Arbeitslosenversicherung stark vermehren. ES wird dringend ersucht, den Zuzug von Arbeitern nach den Münchener Kohlenhandlunge« strengstens fern zu halten.__ Hu stand. Zum Stand des Stratzcnbahnerstreiks in Moskau. Der am 2. d. M. ausgebrochene allgemeine Straßenbahnersireil in Moskau dauert, wenn auch abgeschwächt, noch an. �Die Notizen. — Berliner VolkS-Chor. Zu der Aufführung der Schöpfung von H a h d n, die der Volks-Chor unter Leitung seines Dirigenten Dr. Zander und unter Mitwirkung von Frau Boehm-van Endert, Herrn Hans Nachod und Herrn Friedrich Plaschke am 18. Oktober in der Neuen Welt veranstaltet, sind sämtliche 4660 Einlaßkarten vergriffen. Eine Abendkasse findet nicht statt. — Vorträge. Freitag abend 8 Uhr spricht in der Sing- akademie Professor Wilhelm O st w a l d über:„Dgs Christentum als Vorstufe zum Monismus."— Einen Zyklus philosophischer Vor« träge veranstaltet die Humboldtakademie an drei Sonntagen mittag» 12 Uhr in der alten Bauakademie(Schinkelplatz). Sonntag, den 12. Oktober, spricht Prof. D e u s s e n(Kiel) über Schopenhauers Äben und Lehre. In den weiteren Vorträgen wird Professor H. Cohen„das Unvergängliche an der Lehre Kants" und Dr. Frischeisen den Monismus behandeln. — Theaterchronik. Im Lessing-Theater mußte die Erstaufführung von Herbert Eulenbergs„Zeitwende" bis zur nächsten Woche verschoben werden. Dafür geht allabendlich „Peer Gynt" in Szene. — Eine Volksuniversität lourde in A in st e r d a m eröffnet; man hofft, mit der Zeit ein eigenes Gebäude dafür ein- richten ztt können. — In der Breslauer Jahrhundertausstellung, die am 26. Oktober geschlossen ivird, wird vom 11. bis 19. Oktober eine O b st- und G e m ü s e s ch a u stattfinden. Die Gärten sind zum Teil noch in vollem Flor. — Danny Gürtler, der Teufelskerl. In der „Essener Arbeiterzeitung" lesen wir in einer redaktionellen Empfeh- lung eines Vortragsabends des auch in Berlin nicht ganz un- bekannten Danny Gürtler: „Man muß ihn nur einmal gesehen haben, wenn er seine Holz- Hackerballade rezitiert. Man sieht förmlich, wie der Holzhacker zum Schlage ausholt, um seiner ungetreuen Gattin und deren Liebhaber den Schädel zu spalten, man hört, wie krachend die Axt die.Hirnschale spaltet, man hört die mark- erschütternden Schreie, man sieht das rote Blut fließen und man sieht die Leichen regungslos am Boden liegen. Und dann herrscht Totenstille im Saal.... Es wäre jedoch ein vergebliches Bemühen, Danny Gürtler naturgetreu schildern zu wollen." Ja, kann denn die Schauerlichkeit des Kolportageromans noch weiter getrieben werden? —„Was ein junges Mädchen vor der Ehe wissen muß! Ausführliches Werk gegen Nachnahme von 2.46 M." Auf diese in zahlreichen Zeitungen von einem Münchener Buchhändler erlassene Annonce liefen nicht weniger als 25 000 Bestellungen ein. Die Bestellerinnen erhielten ein— Kochbuch, was die neugierigen Dämchen allerdings nicht erwartet hatten. Der findige Verleger wurde von einem Konkurrenten auf Unterlassung der Anzeige verklagt. Er konstatierte jedoch im Prozeß, daß von den Bestellerinnen nicht eine einzige reklamierte. So mögen wohl alle selbst eingesehen haben, daß junge Mädchen vor der Eh» in der Küche Bescheid wissen müssen. ldministration sucht um jeden Preis die Hauptforderung der streikende», die Befreiung der verhafteten Delegierten zu umgehen ind provoziert dadurch die weitere Ausbreitimg des Streiks auch uf die anderen Berufe. Am 6. streikten bereits, nach amtlichen An- aben, 15 000 Arbeiter in 50 Fabrikbetrieben, darunter in 2 Druckereien. Eine weitere Ausdehnung des Streiks ist sehr wahr 'cheinUch._ Siebenter österreichischer Gewerk- ichafls-IKongreß. (Vierter Tag.) Telegraphischer Bericht. Wien, 9. Lktober. Heute wurde die Debatte über Parlament und Arbeiterschuh rortgeseht. Die Erörterung gestaltete sich sehr eingehend. Es nahmen an ihr Vertreter fast aller Branchen und der verschiedensten Gebiete des Reiches teil und sie erhoben mannigfache schwere ! lagen darüber, daß das Parlament und die Regierung nicht nur oie Erweiterung des Arbeiterschutzes hemmen und verhindern, son- 'wrn daß auch die Behörden kaum etwas tun, um den bereits be- Gehenden Arbeiterschutz durchzuführen, ja daß die krassesten Ver- etzungen des Gesetzes nicht geahndet werden, obgleich sie vor den lugen der Behörden geschehen. Der bereits mitgeteilten umfang- eichen Resolution, die der Referent Abg. H a n u s ch vorgelegt .wt, wurde noch eine Reihe von Beschlüssen hinzugefügt. Es wur- �cn Anträge angenommen auf Einleitung einer Agitation zur Er- ichtnng weiterer Gewerbegerichte, die bisher nur in wenigen Orten oestehen, auf Beseitigung der Äorrigenden(Fürsorgezöglings)arbeit auf Bauten und auf Regelung der Arbeitsverhältnisse im Friseur- gewerbe. Als Punkt 19 wurde der Resolution die von der bürger- .�chen Mehrheit des Abgeordnetenhauses erst letzthin abgelehnte, obgleich von unserem unvergeßlichen Bebel schon Ende der sechziger Jahre im Norddeutschen Reichstag durchgesetzte Forderung nach Beseitigung des Arbeitsbuches angefügt. Alle Sonderausweise für die Arbeiterschaft sollen beseitigt werden und als alleiniger Aus- weis über die Verlvendung Zeugnisse dienen. Auf Antrag der Ge- verkschaften Triests wurde die Regierung aufgefordert, die Ge- verbeinspektion auszubauen und ein eigenes Jnspektorat für die seeleute und Hafenarbeiter zu errichten. Endlich wurde noch das ticrbot der Kindererwerbsarbeit in Handel, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft für das ganze schulpflichtige Alter verlangt. Hierauf wurde eine Protestresolution gegen die von der Regierung lorgeschlagene Gehaltsgrenze für die Krankenversicherung und ein oeiterer Protest gegen den Plan der Regierung angenommen, o.rß am 1. Oktober 1914 der Achtstundentag für das Vorschub- und Zugpersonal der Eisenbahnen aufgehoben werden soll, für welches Personal die achtstündige Arbeitszeit bereits seit 1903 besteht. Außer- dem wurde die Reichsratsfraktion aufgefordert, mit allem Nachdruck für die Gesetzwerdung der Sozialversicherung zu wirken. Schließ- lich wurde die Gewerkschastskommission beauftragt, eine Zentral. stelle für Arbeiterschutz zu errichten, die alles Material über die in- und ausländische Sozialpolitik, den Arbeiterschutz und das Ar- beiterrecht sammeln, publizistisch behandeln und alle Maßnahmen treffen soll, die geeignet sind, de» Arbeiterschutz wirksam zu fördern. Zur Beschaffung der Mittel für diese Zentralstelle soll die GeWerk- schaftskommission mit den Gewerkschaften selbst in Verbindung treten. Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung: Zoll- und Handelsverträge. referierte hierauf Reichsrats- und Landtagsabgeordneter Dr. Karl Renner- Wien. An der Wirtschaftsgeschichte der, letzten Jahr- zchnlp und mit einem reichen statistischen Material wies er nach, welch enorme Schädigung die gesamte österreichische Industrie, die wirtschaftliche EntWickelung des Landes, alle an ihrem Fortschreiten interessierten Völkerschichten, alle Konsumenten und insbesondere die Arbeiterklasse durch die Hochschutzzollpolitik erfahren haben. Der Gewerkschaftskongreß als die oberste Vertretung der wirtschaftlichen Forderungen und Interessen des organisierten denkenden Proleta- riats sei berufen, der Arbeiterschaft das Stichwort zu geben für den schweren Kampf, in den sie nun einzutrewu hat, wenn 1917, bei der Erneuerung der Zoll- und Handelsverträge, mit dem von den Agrariern und Kartcllwucherern empfohlenen verderblichen System gebrochen und eine Wirtschaftspolitik eingeschlagen werden soll, die geeignet ist, die lange zurückgehaltene wirtschaftliche Ent- Wickelung Oesterreichs sich endlich entfalten zu lassen und den brei- tcn Massen der Arbeiter, Kleinbürger, Staatsdicner und kleinen Beamten ein menschenwürdigeres Dasein zu ermöglichen.(Stür- mischer Beifall.) Genosse Dr. Renner unterbreitet dem Kongreß eine aus- führliche Resolution, in der zunächst festgestellt wird, daß die Kriegs- gefahr und die sofort nach dem Friedensschluß eingetretene Wirt- schaftskrise.nach der vorausgegangenen vieljährigen Teuerung durch Unterernährung, Arbeitslosigkeit, Aufzehrung aller Spargroschen und Auswanderung hochqualifizierter Arbeiter eine wahre Ver- heerung der Volkskraft und des Volksvermögens bewirkt haben. Die letzten Ursachen dieser Krise sind die durch den Zolltarif von 1902 hervorgerufene Steigerung aller Lebensmittelpreise, die durch ihn begünstigte Kartellierung der schweren Industrien, die seit- herige frivole Handelsvertragspolitik, �die Oesterreich die Balkaz� länder entfremdet und insbesondere Serbien mit zum Kriege ge- drängt hat, und vor allem unsere auswärtige Politik, die ohne Nötigung und ohne den Schatten eines Erfolges Oesterreich vom ganzen Balkan wirtschaftlich ausgeschaltet und dort nichts erzielt hat als die Verachtung unseres Namens und die Aechtung unserer Arbeitsprodukte! Die Vertretung der Industriellen hat sich ange- sichts dieser unverantwortlichen Zerstörung von Milliarden öfter- reichischen Volksvermögens bei einer schwächlichen Verurteilung ohne jede praktische Konsequenz beruhigt, der Kongreß aber fordert das Parlament auf, die Tchuldtragenden zur Verantwortung zu ziehen. Die bisherige verfehlte Wirtschafts- und Handelspolitik von 1906 darf nicht fortgesetzt werden, lieber alle Gegensätze hinweg appelliert der Kongreß an die Unternehmer, nicht so sehr an ihr politisches Verständnis und ihre soziale Einsicht, sondern bloß an ihr kauf- männisches und industrielles Interesse. Die Lebensmittelzöllc verteuern die Lebenskosten der Arbeiter und zwingen ihnen Lohnkämpfe auf. Rohstofszölle und die durch die Kartelle restlos ausgenützten Trutzzölle der schweren Industrie verteuern den verarbeitenden Industrien die Materialien und er- höhen ihre Produktionskosten. Die hohen Lebensmittelpreise zehren allein das Einkommen der Massen auf und lassen ihnen nichts übrig für Jndustrieprodukte, sie untergraben also den in- neren Markt der Industrie. Die hohen Produktionskosten er- zwingen hohe Produktionspreise und machen die Industrie auf dem Weltmarkt konkurrenzunfähig. Vergehens suchen die Erzeuger von Halb- und Ganzfabrikaten diese Nachteile durch Kompen- fationSzölle auszugleichen. Unser Zollsystem unterbindet die industrielle EntWickelung, sie hindert uns, neue Märkte zu erschließen, während unsere Handels- Vertrags- und insbesondere unsere Veterinärpolitik uns die alten Märkte versperrt. Die Unternehmerschaft aber unterläßt jede Abwehr und gibt sich eine untaugliche, halb zünftlerische, halb agrarische politische Vertretung(den„Deutschen Nationalverband"), welche den Aufgaben moderner Wirtschaftspolitik verständnislos gegenübersteht und daS Parlament des allgemeinen Stimmrechts durch kleinliche Quertreibereien zur Karikatur einer Volksver- tretung macht. Tie Befürchtung ist berechtigt, daß das industrielle Bürgertum auch vor 1917 wieder versagen und den ihm gebühren- den Einfluß auf die Staatspolitik nicht zur Geltung bringen wird. obwohl die industriellen Klassen heute den Staat erhalten, die Arbeiter durch die indirekten, die Unternehmer durch die direkten Steuern. Es ist daS Los der österreichischen Arbeiterklasse, erst alle Voraussetzungen deS bürgerlichen Staates erkämpfen zu müssen, denn Oesterreichs Industrielle opfern die wirtschaftliche Zukunft der Habgier der Feudalagrarier. Die österreichische Arbeiterklasse fühlt die volle Verant- wortung für tue EntWickelung zum Industriestaat, ohne die Land und Volk verarmen und der Staat finanziell und kulturell ver- elenden müssen, sie erwartet jedoch, daß auch alle anderen' indu- striellen Schichten von nun an bis 1917 ihre Pflicht tun, damit dem Industriestaat zum Siege verholfen werde. Im Namen der österreichischen Arbeiterklassen fordert der Ge- werksckmftskongreß die sozialdemokratischen Abgeordneten auf, mit aller Macht zum Entscheidungskampf des Jahres 1917 zu rüsten und unter Wahrung des prinzipiellen, vom Kongreß gebilligten Standpunktes der Verkehr»- und Handelsfreiheit zwischen allen Staaten der Welt, jede Maßregel zu unterstützen und jedes Mittel zu ergreifen, wodurch der allgemeine Abbau des Hochschutzzoll- systems eingeleitet und beschleunigt, insbesondere aber die Zölle auf Lebensmittel, die Rohstoff- und Kartellzölle beseitigt und die Politik freier Handelsverträge zum Durchbruch gebracht werden können. Morgen wird über das Nennersche Referat und diese Rcso- lution debattiert werden. Ter Kongreß geht morgen zu Ende. Her kituslmorchroaek In Kiew. Nach endlosen Verschleppungen hat jetzt in Kiew der Prozeß gegen den jüdischen Arbeiter B e i l i s wegen des angeblich an einem Christenknaben begangenen RitualmordeZ begonnen. Kein Einzel schicksal wird hier entschieden, das Geschick eines ganzen Volkes wird hier auf das Spiel gesetzt, das unter der Barbarei der russischen Zustände schon ohnedies am schwersten zu leiden hat. Aus dem dunkelsten Mittelalter ist der Irrwahn der Nitualmord beschuldigungen herangeholt worden, um den Fanatismus irre» geleiteter Pöbelmassen noch mehr gegen die Juden aufzustacheln und eine neue Aera der Pogrome in Rußland einzuleiten. Seit I'/z Jahren tobt der Kampf um diesen Prozeß, auf den die Echt- russen lind ihre hohen Gönner am Hofe und in der Regierung die allergrößten Hoffnungen gesetzt haben. Die fanatischsten, rückstän- digstcn Elemente des Zarenreiches scharen sich um die Anklage, die nicht nur gegen den Arbeiter VciliS, sondern gegen das qanze jüdische Volk erhoben wird. Sie scheuen vor keiner Fälschung, vor keinem Gewaltakt, vor keiner Infamie zurück, um den Beilis-Prozeß in den Ausgangspunkt einer reaktionären Volksbewegung zu ver- wandeln, und die planmäßig aufgestachelten Leidenschaften der dunklen Massen in daS Bett religiösen Fanatismus und nationalen HasseS zu leiten. AuS kühler politischer Berechnung ist dieser bei- spiellose Prozeß inszeniert worden, um dem zarischen Rußland noch einmal Gelegenheit zu geben, die blutige Aera von Kischinew zu wiederholen. Eine kurze Wiedergabe der Vorgänge, die zu dem BeiliS-Prozeß geführt haben, genügt, um die Richtigkeit dieser Behauptungen zu bestätigen. Am 25. März 1911, zwei Wochen vor dem jüdischen Passahfest, verschwand in Kiew der 12jährige Knabe JuschtschinSki. Eine Woche später wurde sein Leichnam am Rande der Stadt ge- sunden. Schon während der Beerdigung wurden auf dem Friedhofe echtrussische Flugblätter verbreitet, in denen die Juden des Mordes an dem Knaben beschuldigt und die Massen zu einem Judenpogrom aufgefordert wurden. Die Ritualmordanklage, die noch vor Vollendung der ge- richtlichen Obduktion erhoben' wurde, wurde von den echt- russischen Organisationen in Kiew hartnäckig aufrechterhalten. Der jetzige„Führer" der Nationalisten in der ReichSduma, A. S a w e u k o. setzte sich mit den Führern der Pogromistcn in Petersburg in Verbindung, deren Organe nun eine wüste Agitation im ganzen Reiche entfalteten. Der berüchtigte Führer der äußersten Rechten, SamySlowsky, der jetzt als Z i v i l k l ä g e r im BeiliS-Prozeß auftritt, brachte im April 1911 eine Interpellation über den„Ritualmord" an den Knaben JuschtschinSki in der Duma ei». Seine Kollegen Purischkewitsch und Markow forderten bei der Begründung der Interpellation unverhüllt zu Judenpogromen auf. Der Justizminister kam den Wünschen der Pogromisten bereit- willigst entgegen und versprach die sorgfältigsten Maßnahmen zur Aufdeckung des Sachverhalts. Die Duma jedoch lehnte die echtrussische Interpellation alS unbegründet ab. Die Pogromorganisationen aber verstärkten hierauf ihre Agitation. Hunderttausende von Flugschriften mit der Aufforderung zum Pogrom. zum Teil von dem Dumaabgeordneten Purischkewitsch verfaßt, werden unter den Augen der Administration im ganzen Reiche verbreitet. Inzwischen gerät aber die Kiewer Polizei auf die Spur der Mörder und verhaftet als der Tat ver- dächtig den Stiefvater des Ermordeten, Prichodko, den 16jährigen Bruder desselben Nikolaus Prichodko, den Onkel des Ermordeten, Neshinsky, seinen anderen Onkel T s ch i r i k o w und die in der Nachbarschaft lebende Wera Tschebirjakowa. Die Untersuchung ist allem Anscheine nach auf dem richtigen Wege. DaS Ritualmordmärchen stürzt unter den objektiven Indizienbeweisen, die sich in einer ganz anderen Richtung bewegen, zusammen, als plötzlich auf Betreiben der einflußreichen Pogro- miftenführer in Petersburg die Verhyfteten freigelassen und der Chef der Kiewer Deteltivpolizei, KrassowSky, seines Amtes enthoben wird. Am 4. August 1911 wird endlich der heißersehnte Jude ge- funden. gegen den die Ritualmordanklage erhoben wird. An diesemTage wird der Arbeiter B e i l i S verhastet, dessen einzige Schuld darin besteht, daß er in der Nachbarschaft des Tatortes des Verbrechens wohnt. Von diesem Augenblick an gilt BeiliS, trotz dem Mangel jeglicher Beweise, als der Mörder, der die Tat zu rituellen Zwecken begangen habe. Die Führer der Echtrussen. namentlich der oben genannte SamySlowsky treten nun noch zielbewußter mit ihrer Pogromagitation auf. Die Prokuratur und die UntersuchungS- richter gehen Hand in Hand mit den Echtrussen vor. denen sie daS Material der Untersuchung ausliefern, noch bevor eS dem Angeklagten unterbreitet worden ist. Im Mai 1912 reicht der Journalist B r a s u l- B r u s ch k o w S k h bei der Gendarmeriepolizei eine Erklärung ein, in der er auf Grund der von ihm unternommenen Untersuchung auf daS allerbestimmteste behauptet, der Mord an dem Knaben JuschtschinSki sei von einer Diebesbande begangen worden, die sich des Knaben, der zu viel von ihr wußte, entledigen wollte. Auf Grund dieser Erklärung, die sich auf eine Reihe von Zeugenaussagen stützte, wurde eine neue Untersuchung eingeleitet. Indessen wurden auch diese Angaben als„unwesentlich" abgelehnt, und der Chef der Deteltivpolizei KrassowSky. der den Journa- listen bei seinen Recherchen unterstützt hatte, wurde zudem noch unter Anklage gestellt und zu Gefängnishaft ver- urteilt. Neben diesen Bemühungen, die Spuren der wirklichen Mörder zu verwischen, liefen die Bemühungen, dem Mord einen aus- gesprochenen rituellen Charakter zu verleihen. Der Untersuchung«- richter für besonders wichtige Angelegenheiten, Fenenko, ein stüherer Freund und VertrauenSmann'der Echtrussen, lehnte es nach genauer Kenntnis der Umstände entschieden ab, t�n Mord an dem Knabejt JuschtschinSki als Ritualmord zu bezeichnen. Auch er wurde daraufhin, wie der frühere Chef der Detektivpolizei KrassowSky über Bord geworfen, denn die herrschende Pogromisten- Partei bedurfte eines Ritualprozesses, und wenn ein solcher nicht vorhanden war, so mußte er eben mit allen Mitteln inszeniert werden. Von rein juristischem Standpunkte bietet der Prozeß ein so un- geheuerlichcs Bild, daß nian sich fragen muß, wie so etwas im 20. Jahrhundert selbst im zarischen Rußland möglich sei. Weder ist die Schuld des unglücklichen Beilis auch nur im geringsten erwiesen, noch steht der Tatbestand des Ritualmordes überhaupt fest. Das eine wie das andere beruht auf den schändlichsten Fälschungen, auf einer Mache, die ihresgleichen nicht hat. Vor dem Gerichtshof in Kiew stehen sich nun in erbittertem Zweikampfe zwei Welten gegenüber. Die eine, die Welt der mit allen Machtmitteln des Staates ausgerüsteten Pogromisten und Dunkelmänner, die den Irrwahn des Ritualmordes absichtlich herauf- beschwören; die andere— die Welt aller vorwärtsstrebenden Ele- mente Rußlands, die Vertreter aller Rechtlosen und Unterdrückten im Zarenreiche, die den Kampf mit ungleichen Waffen ausgenommen haben, um die Barbarei, die Unkultur des zarischen Rußlands vor den Augen der ganzen zivilisierten Welt an den Schandpfahl zu nageln. ** * Kiew, 9. Oktober. Der Beginn deS Beilis-Prozesies wird von der Presse der echlrussischen Leute zu den unerhörtesten Judenhetzen benutzt. In der schmutzigsten und erbärmlichsten Weise wird in diesen Blättern da» Volk zu Gewalttaten gegen die Juden aufgehetzt. Eine« dieser Blätter, der„D o p p e I k ö p f i g e Adler", wird in den Straßen Kiews gratis verteilt. Die in dem Schandblatte erhobene Aufforderung, Pogrome gegen die Juden zu veran st alten, hat bereits teilweisen Erfolg gehabt. In der letzten Nacht wurden in einem Stadtteile Kiews Inden durch Angehörige des echlrussischen Verbandes ange- griffen. Bei der Schlägerei wurden einige Juden verwundet. Kiew, 9. Oktober. Nach der Verlesung der Anklageschrift im Beilis-Prozeß stellte � der Präsident die Frage an den An- geklagten, ob er sich schuldig bekenne. BeiliS antwortete darauf: Nein, ich bin ehemaliger Soldat, arbeitete ehrlich mein ganzes Leben lang und dachte nur an meine Familie, meine Frau und meine Kinder; man verhaftete mich und hält mich schon 25 Monate im Gefängnis; warum, weiß ich nicht. Jugendbewegung. Katholiken für den Alkoholgcnuß. Daß der Alkoholgenuß für Körper und Geist schädlich ist, weiß nachgerade jedermann, der sich für diese Frage interessiert. Ins- besondere schädigt der Alkohol die Funktionen des Gehirns, ist sonnt ein Feind der geistigen Ausklärmig. Und nicht zuletzt aus diesem Grunde bekämpft die proletarische Jugendbewegung so entschieden den Alkoholgenuß durch Jugendliche. Anders jene Leute, wie die Pfarrer der christlichen Kirche, denen es hauptsächlich darum zu tun ist, das Volk in ibrem Bannkreise festzuhalten. Je dümmer das Volk, um so leichter ist es zu be- herrschen. In dem Bestreben, das Volk in der Dummheit zu er- halten, ist der Alkohol ein guier Helfer. Seine schädigende Wirkung auf den menschlichen Organismus lvagt heutigentags allerdings auch kein Priester zu bestreiten, um sich nicht dem Hohngelächier der Zeitgenossen preiszugeben. Darum halten sie es mit der bekannten Trinker- und SednapSbrennermär: mäßig genossen sei der Alkoholgenuß ungefährlich und ein Erholungsmittel. In der Präsides-Korrespondenz(Heft 9/10 d. J-). Zeitschrift für daS katholische soziale Bereinswesen, herausgegeben von der Zentralstelle des Volks- Vereins für das katholische Deutschland findet sich als Stoff zu einem Vortrage für Jugendvereine eine Abhandlung über die Er- holung, worin unier der Rubrik„Natürliche Erholungsmittel" auch der Alkohol genannt wird: „Starker Kaffee oder Tee. der in den Großstädten gelegentlich getrunkene Absinth, dann Tabak im Uebermaß genommen, überhaupt alle Reizmittel, wie sie auch heißen mögen, können wohl gelegentlich den Anschein erwecken, als ob sie zur Erholung dienlich wären, in Wahrheit sind sie es aber alle nicht. Damit soll nun nicht gesagt sein, daß �jcder Alkohol- und Taiakgcnuß zu verurteilen sei, im Gegenteil, ein in beschaulicher Ruhe nach deS Tages Last gerauchtes Pfeifchen, oder ein auf dem Ausflug oder in froher Gesellschaft getrunkenes Glas Bier oder Wein kann sogar direkt alS Erholung gelten. Schädlich ist nur immer jedes Uebermaß und jeder Genuß zur Unzeit." WaS für geistesarme Tröpfe müssen die katholnchen Jugend- erzieher sein, wenn sie deS Bieres und Weines alS Erholungsmittel auf einer Wanderung durch die Natur bedürfen. Nirgends wirkt der Alkoholgenuß störender und lästiger als auf einem AuSfluge in di« freie Natur, weshalb er auch von unserer wandernden Jugend stark verpönt ist. Die katholischen Jugendpfleger fragen aber mcht nach den Interessen und der Gesundheit der Jugend. Als Mittel zur Verdummung und Festhaltung der Jugend ist ihnen der Alkohol gut genug. Daß sie ihn der Jugend empfehlen, obwohl ihnen seine schädigende Wir- kung auf die körperliche Entwickelung des Menschen bekannt ist, zeigt, wie skrupellos sie zu Werke gehen. Rm Industrie und ftendd. Zur Zolltarifreform. Ein Teil der Zollherabsetzungen im neuen amerikanischen Tarif wird für die Einfuhrländer, die keinen Handelsvertrag mit Amerika haben, durch die Bestimmung wieder ausgehoben, daß von der Ein- fuhr aus diesen Ländern auf nichtamerikanischen Schiffen ein fünf- prozentiger Zuschlagszoll erhoben werden soll. Außer Deutschland und Frankreich haben auch andere davon betroffene Mächte gegen diese Zollvergünstigung von 5 Proz. zugunsten amerikanischer Schiffe protestiert. So hat Deutschland mitgeteilt, daß eS gegen jede Bestimmung deS neuen TarifgesctzeS Ein- Wendungen erheben würde, durch welche die Anwendung des fünf- prozentigen Differentialzolls auf die Einfuhr auS Preußen, den hanseatischen Staaten und Mecklenburg-Schwerin beschränkt werden soll unter Ausschluß des übrigen Teutschland. DaS amerikanische Schatzamt hat daher angeordnet, daß diese Bestimmung der Tarifbill aufgehoben werden soll, bis da« Justizamt eine Entscheidung über die Auslegung dieses Paragraphen gefällt hat. Der Solicitor ,m Staatsdepartement Folk weiter suchte nach einer Unterredung mit dem Präsidenten Wilson Underwood und Simmon« auf, um zu ver- suchen, die anstößige Klausel zum Zolltarif rückgängrgmachen oder abändern zu lassen.__ Der Ruf nach dem Syndikat. Zur Zeit der Hochkonjunktur wurde fm JZ«*912 die Km- tmgentierung der ö-Produtte(stabeoen. Walzdraht. Bleche. Röhren. Guß. und Schmiedestücke) vom T�utichen StahlwerkSver- band aufgegeben und nur die der.�.Produlte(Halbzeug, E,,en. bahnmaterial, Formcisen) beibehalten. Jetzt mit dem Umschlag der Konjunktur zum Schlechteren und den Prels-rmaßigung«' au, dem Eisenmnrkt wächst das Bedürfnis der Eisenindustrie nach Bindung der Produktion, um die Preise zu halten, yur d>e Stahlindustrie ist die gegenwärtig« Lage um so unangenehmer, als die weltlichen Großbetriebe in Lothringen und Luxemburg gerade große Betriebs. erweiterungen vollendet haben. Es mehren sich daher die Stimmen nach Kontingentierung auch der ö-Prqdutte. So heißt eS in dem Geschäftsbericht der Laurahütte, des größten ichlesischen Bergwerk«. lonzernS: In der Eisenindustrie Herrschte zeitweise eine fast stürmische Nachfrage. Von den im Düffeldorfer StaHlwcrksverbande syndi- zierten Erzeugnissen blieb Halbzeug fortgesetzt stark gesucht, wogegen Formeisen etwas zurücktrat, da der teure Geldstand hemmend auf die Bautätigkeit einwirkte. Reichlichen Ersatz hierfür boten aber die großen Abrufe in EisenbaHnmaterial, die voraussichtlich auch nock, einige Zeit andauern werden. In den freien Erzeugnissen — Stabetsen, Bleche, Röhren, sowie Guß- und Schmiedeslücke— konnte den Anforderungen der Kundschaft nicht immer entsprochen werden, so sehr häuften sich die Aufträge zeitweise an. Mit Schluß des Geschäftsjahres trat aber eine bedauerliche Wendung zum Schlechteren ein. Sie wurd« eingeleitet durch die Balkan- wirren und erfuhr ein« weitere Verschärfung durch die an den Markt gebrachten bedeutenden Erzeugungsmengcn der neuen lothringisch-luxemburgischen Großbetriebe. Mit besonderer Wucht macht sich dieser Rückgang bei Stabeisen und Röhren bemerklich, welche für uns von besonderer Wichtigkeit sind. Hier waren in verhältnismäßig kurzer Frist Preisrückgänge von etwa 2 5 M. j e Tonne, bei Röhren sogar noch mehr, zu verzeichnen, und wenn man berücksichtigt, daß im Jahre 1S12 in Deutschland an Stabeisen etwa 4 gyv 000 Tonnen und an Röhren etwa 640 000 Tonnen hergestellt wurden, so läßt sich ermessen, welche großen Verluste dem heimischen Erwerbsleben durch den Preissturz entstanden sind. Neuerdings haben auch Bleche, welche sich lange Zeit gehalten hatten, der rückläufigen Bewegung folgen müssen; da es sich hierbei in Deutschland um eine Jahrescrzeugurkg von etwa 2 300 000 Tonnen handelt, so ist auch der auf diesem Ge- biete eingetretene Umschwung von besonderer Bedeutung. Man hat vor einigen Monaten in ernsthafter Arbeit unter unserer Mit- Wirkung versucht, Syndikate für Stabeisen und Röhren zu bc- gründen, leider scheiterten aber alle Bemühungen an den unerfüll- baren Ansprüchen einzelner Werke. Es erscheint im Interesse der gesamten Eisen- und Stahlindustrie dringend geboten, immerauss neue zuversuchen, hinsichtlich der heute noch freien Erzeugnisse geordnete Verhältnisse zu schaffen. Dieser Ruf nach einem Syndikat wiederbolt sich dann bei den Bemerkungen über die gegenwärtige Geschäftslage: Der Ausblick auf die Zukunft bietet leider kein erfreuliches Bild. Wie sehr die Marktlage in der Eisenindustrie sich verschlech- tert hat, geht wohl am besten daraus hervor, daß ein so fest gefügtes Syndikai wie der Düsseldorfer Stahlwerksverband innerhalb der letzten Monate den Preis für Halbzeug zweimal um je ö M., also um insgesamt 10 M., hat ermäßigen müssen, und daß auch die im allgemeinen recht gleichmäßig gehaltenen Notierungen für Form- eisen vor kurzem um 5 M. herabgesetzt werden mußten. Wenn dies schon bei den durch Verbände geschützten Erzeugnissen geschieht, so kann man ermessen, wie die freien Produkt«, wie Stabciscn, Bleche und Röhren, von dem heutigen Wettbewerb umstritten werden. Der Wert der am 1. Juli 1913 in das neue Geschäftsjahr hinüber. genommenen Aufträge für die Hüttenwerke betrug nur— 10,37 Millionen Mark gegen 22,16 Millionen Mark im Vorjahre. Soziales* Innere Kolonisation. Zu, Preußens großen Kulturtaten gehört die„innere Kolonisation". Man hat dafür eine besondere Organisation geschaffen, betreibt eine große Reklame und läßt sich'die Sache einen netten Batzen Geld kosten. Natürlich sind die Erfolge großartig. Die Königliche Generalkommission, die auf Grund des Gesetzes vom 7. Juli 1691 die Bildung von Rcntengütern zu besorgen hat, kann berichten, daß sie im Jahre 1912 für 1493 neue Rentengüter 17 833 Hektar verwendet habe. Die Leistung im Jahne vorher ergab 780„Güter" mit 21 295 Hektar Fläche. Die großartigen Erfolge auf dem Gebiete der„inneren" preußischen Kolonisation summieren sich seit 1891 auf 6426 erworbene Grundstücke mit einer Fläche in Höhe von 408 207 Hektar. Von dieser Fläche sind bisher zur Bildung von 19403 Rentengütern 219 879 Hektar auf- geteilt worden. Der Erwerbspreis der Gesamtfläche stellt sich auf 54 200 550 M. Preußen wäre nicht Preußen, wenn dieser„Aufteilung" nicht auch eine Zusammenlegung gegenüberstände. Und es ist ganz preußisch, daß dieses Zusammenlegen die„Aufteilung" überreichlich aufhebt. Die fidcisch gebundene Fläche nimmt nämlich mehr zu, als die für die RcntengutSbildung erworbene. Nach der amtlichen Statistik wurden in dem Jahrzehnt 1901/10 nicht weniger als 257 421 Hektar durch Bildung neuer Fideikommisse gebunden. Jeder Fidcikommißbesitz ist im Durchschnitt 1600 bis 2000 Hektar groß, jedes Rentengut im Durchschnitt nur 11,3 Hektar. Außer- dem wurden die bestehenden Fideikommisse durch Erweiterung um über 20 000 Hektar vergrößert. Die Königliche Generalkommission erwirbt in 22 Jahren 408 202 Hektar, be nützt aber nur 219 879 Hektar zu Rentcngutsbilung und die Fideikommisse brauchen nicht die Hälfte der Zeit, um ihren Besitzstand um fast 270 000 Hektar zu vergrößern. Selbst wenn man den Abgang durch Verklcine- rung und Ablösung abzieht, dann bleibt für die Fideikommisse doch ein gewaltiges Plus in der glächcncrwcitcrung. Ja, ja, Preußen ist ein Musterland der Scheinkultur. Beleidigung eines Maschinenmeisters. Ein Maschinenmeister klagte gestern vor dem Gewerbegericht gegen die Firma Büxen sie in aus eine Woche und einen Tag Lob», insgesamt 44 M., wegen ungerechtfertigter sofortiger Ent- lassung. Die Firma hielt sich zur Entlassung für berechtigt, weil Kläger die Arbeit verweigert habe. Der Kläger hatte eine Zweitouren- Maschine zu bedienen. Sein Helfer wurde ihm fortgenommen und ihm eine Anlegerin zugeteilt. Diese leistete jedoch angeblich nicht genügend. Der Maschinenmeister wendete sich dieserhalb an den Obermeister. Das mißfiel der Anlcgerin und es kam zu einem Wortwechsel zwischen dem Kläger und der Helferin. Dabei soll diese ihm angedroht haben, ihm in die„Fresse" zu schlagen. Da sie das einem Hausdiener gegenüber schon einmal wahr gemacht habe, nach- dem sie vorher gereizt worden, wollte der Kläger einem Skandal aus dem Wege gehen und forderte jetzt eine andere Helferin. Er erhielt diese nicht und wurde schließlich enllasse». Die Angelegenheit hatte bereits das Schiedsgericht be- schäftigt. Dieses war zu der Ansicht gekommen, daß der Kläger al« Vorgesetzter der Anlegerin anzusehen sei und deshalb wohl berechtigt war, im Falle einer groben Beleidigung die Ablösung der Arbeiterin zu verlangen. Da jedoch der angeführte beleidigende Ausdruck be- stritten wurde, mußte der Bcwers durch Eldesabnahme vor dem Gewerbeqericht geführt werden. Die Anlegerin beschwor gestern, die ,hr zur Last gelegte Aeußerung nicht getan zu haben. Die Klage wurde darauf zurückgezogen. Vom Kampfe zwischen Aerzten und Krankrnkasscn. Die Tatsache, daß in einigen Orten eine Einigung zwischen Aerzten und Krankenkassen zustande gekommen ist, hat zu der An- nähme geführt, es sei allgemein Frieden geschlossen. Das ist ein Irrtum. Die Aerzte sind sehr kampflustig, und die Kassen wehren sich selbstverständlich. In der Provinz Sachsen haben alle Kassen- arztvereine dieser Provinz in Gemeinschaft mit denen von Sachsen- Anhalt ein Schutz- und Trutzbündnis geschlossen. Der Hauptinhalt ist erstens, daß Verträge nur unter entsprechenden Bedingungen und von allen Vereinen nur zur gleichen Zeit abgeschlossen werden sollen. Die thüringischen Staaten werden sich vermutlich diesem Vorgehen anschließen._ Sicherung der Bauforderungcn. _ Durch Ministerialverordnung ist bestimmt worden, daß in den preußischen Stödten Königsberg, Stettin, Breslau, Posen, Magde- ourg. Kassel. Wiesbaden und Aachen die Geschäfte, die mit der Siche- HJln9 der Bauforderungen zusammenhängen, von der städtischen -pouzetverwallung wahrzunehmen find. Selbstmord eines Unfallverletzten. Die Witwe eines Tünchergesellen klagte auf Gewährung der Unfallrcntc, weil ihr Ehemann vor Jahren einen Betriebsunfall erlitten und an den Folgen des Unfalls verstorben sei. Ihr Ehe- mann habe im Winter als Bauarbeiter feiern müssen und sich mit seinen Nebenkollegen im Gemeindewalde bei St. Goar als Waldarbeiter beschäftigt. Bei dieser Arbeit sei ihm ein großer Baumast auf den Kopf gefallen und habe ihn schwer verletzt. Nach und nach hätten sich aber die Beschwerden verschlimmert und wäre der Verletzte zuletzt ganz erwerbsunfähig geworden und habe sich im Anfall von Wahnsinn selbst getötet. Durch Zufall wurde nun die Witwe darauf aufmerksam gemacht, daß sie Anspruch auf Hinterbliebenenrente erheben könne, da der Selbstmord doch sicher als Unsallfolge anzusehen sei. Doch die landwirtschaftliche Be- russgrnvssenschaft weigert« sich entschieden, die Rente zu zahlen und versuchte die Ursachen des Selbstmordes auf andere Gründe zurückzuführen. Die Witwe erhob Berufung. Das Oberversichc- rnngsamt ließ ein Obergutachtcn von der Marburger Klinik über die Frag« des Zusammenhanges zwischen Unfall und Selbstmord einholen. Inzwischen stellte sich auch noch heraus,' daß der Ver- letzte kurz vor seinem Tode angeklagt war, einen sechsjährigen Knaben schwer mißhandelt zu haben, jedoch vom Schöffengericht Frankfurt a. M. freigesprochen wurde, weil er für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden konnte. Die von der Witwe als Zeugen benannten Kollegen des Verstorbenen sagten aus, daß sie ein„ausfallend verändertes Wesen nach dem Unfälle an dem Ver- letzten bemerkt haben". Professor Tuczcck zu Marburg kam in seinem Obergutachten zu dem Schluß, daß ein mittelbarer Zu- sammcnhang zwischen dem Unfall und dem Tode des Verletzten unbedingt angenommen werden müsse. Sicher habe der schwere Unfall— Kopsverletzung— ein Nervenleiden hervorgerufen und dieses Leiden habe zum Tode— Selbstmord— geführt. Die Frau erhielt nun eine Rente für sich und ihre Kinder. Die Rente ist freilich sehr gering. Da der ortsübliche Jahresvcr- dienst land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter im Bezirk St. Goars- Hausen nur 600 M. beträgt, so erhält die Frau für sich und ihre Kinder nur eine Jahresrcnte von 360 M. Wäre ihr Ehemann aber als Bauarbeiter verunglückt, so wäre sicher ein Jahresvcr- dienst von 1450 M. angenommen worden und die Hinterbliebenen- rente mehr als doppelt so hoch gewesen. Das zeigt den schweren Schaden, den Bauarbeiter erleiden, wenn sie das Pech haben, im Winter als Waldarbeiter ihr Brot verdienen zu müssen. Genossen lebaftlickes. Die Fünfzigjahrfeier der Großeinkaufsgesellschaft englischer Konsumvereine. 1863, zwanzig Jahre nach dem bahnbrechenden Borgehen der 23 armen Weber von R o ch d u l e, schufen die Konsumvereine Eng- lauds sich die Cooperative Wholesale Sociely in Manchester: zunächst eine Geschäftsstelle für gemeinsamen Einkauf auf dem Welt- markl, mit der Zeit ein Zenlrum stetig wachsender Wirtschafts gemeinschaft in Warenumsatz. Produklion und Gcldverkehr. Das erste Geschäftsjahr, 1864, wies einen Umsatz von 1063 000 M. auf. 1868 folgte eine besondere C. W. S. für Schottland mit einem Umsatz von 198 800 M. Im Jahre 1912 betrug der Warenumsatz der beiden Großeiniaufsstellen 777 717 600 M., während die gesamten 1399 Konsumvereine mit 2 750 633 Mitgliedern einen Umsatz von 1 608 664 400 M. erzielten. Die Geschäftsanteile der Konsumvereine erreichten die Höhe von 708 751 000, die der Grotzeinkaufsgesell- schalten 48 336 311 M. Die Eigenproduktion der letzteren war 205 862 800 M.-= 29 Prozent ihres Gesamtumsatzes. Die Produlnon der gesamten Konsumgenossenschaften erreichte schon 1911 die Höhe von 499 778 060 M., also eine halbe Milliarde. Speziell die englische Großeinkaussgesellschast rechnet für das laufende Jahr auf einen Umsatz von 650 Millionen Mark. Sie besitzt 46 Fabriken, mehrere Seeschiffe, Teepflanzungen in Indien, Gemüse- und Obstgüter in Schottland, Palmwälder in Westafrika. Ihre Bank hat einen Geldunisatz von rund 2lL Milliarden Mark. Bon dem Festmahl, das in Manchester die 32 Direktoren der Ge- sellschaft mir sonstigen leitenden. Kräften und Vertretern der ausländischen Bruderorganisationen vereinigte, gibt C nosse Serwy. Geschäftsführer des Verbandes der belgi- s ch e n sozialistischen Konsumvereine, eine fesselnde Dar- stellung im„Peuple".„Ein Blick auf die Versammelten zeigt, daß sie alle Arbeiter sind, aus der kapitalistischen Industrie und dem Handel hervorgegangen. Alle haben, trotz ihrer Gehälter von 6500 bis 7300 M., die Einfachheit und Ungezwungenheit des Wesens bewahrt. Ihr offenes Gesicht spiegelt Frei mut und Energie. Ihre grauen oder weißen Haare — Neunzehntel sind älter als fünfzig— flößen Achtung und Ver- trauen auf die Zukunft ein. Ueberall Herzlichkeit und Humor. Herr S h i l i t t o, der ohne die geringste Ermüdung die Verhandlungen vier Stunden lang geleitet hat, ist ein wackerer und großer Alter von 81 Jahren. Er ist der Leiter der Geschäftsstelle. Nach den üblicheil Glückwunschreden und der Uebemichung der Geschenke sprachen Stewart von der schottischen G. C. E., Maxwell, Präsident des Internationalen GenosscnschaftSverbandeS und Shilitto über die Zukunft der Genossenschaft. Was uns mehr freut als die angeführten Millionen, ist der Geist der britischen Genossenschafter, ihr klares Bewußtsein von der gegenwäitigen Bedeutung ihrer Bewegung gegenüber dem Kapi- taliSmuS. Sie lassen sich nicht dura, ihren Erfolg verführen. Sie wissen, daß der große Feind des Fortschritts der Genossenschafls idee viel mehr der Konsument, der Arbeiter selbst, als der Kapitalist selbst. Neben den 2l/z Millionen Genossenschaftern und Gewerk- schaftern gibt es noch mehrere Millionen, für die die Organisation ein totes Wort ist. Auch verlangen sie. daß die Genossenschaftelt selbst immer mehr für die Erziehung ihrer Mitglieder ausgeben. Es gilt, sagen sie, die Borgwirtschaft aus den Sitten der Arbeiter zu drängen, um den Barverkauf einzuführen. Die gierige Dividenden- jägerei ist einzuschränken, die gesamte genossenschaftliche Treue zu lehren und den Hausfrauen zum Grundsatz zu machen. Der KirchlilrmSpatriolismus ist mit aller Kraft zu bekämpfen. Es gilt, die Massen zur Erkenntnis der soz-ialen Bedeutung der Ge- uossenschast zu bringen, unseres Zieles: Alle Konsumenten an allen Orten, nur ihre eigenen Läden kennend, alle Vereine nur bei ihrer Zentrale kaufend; der gesainte genossenschaftliche Konsum aufgebaut aus die genossenschaftliche Produktion; schließlich internationaler A u S t a u s ch auf der Grundlage der Großeiukaufsstellen jedes Landes I Ja, die Gcnosienschast wird triumphieren, sofern sie, in Er- kenntnis der Macht des Kapitalismus, wenn nicht Hand in Hand, so doch in gleicher Richtung mit der politischen und gewerk- s ch a f t l i ch e n Organisation der Arbeiterklasse marschiert� Diese Einsicht, die namentlich Maxwell, der Abgeordnete BarucS und die Schollen vertreten, ist heute noch die einer bedeutenden genossen- schastlichen Minderheit. Ein Komitee der drei Organisationen sucht eine» gemeinsamen Akuonsplan. Ihr Einvernehmen wird tief- greifende Umgestaltungen im englischen Arbeiterleben anbahneli." Versammlungen. Genosse Melle ersucht uns um Aufnahme einer Ergänzung dahin, daß er im Röpenicker Viertel des vierten Kreises im Schlußwort einem Diskussionsredner gegenüber besonders betont habe, daß es wohl nolioendig war, daß Genosse Scheidemann der Genossin Luxemburg so wie geschehen gegenüber getreten ist. Denn sie hat ja in Parteiversammlungen die Behandlung der Masicnstreiksfrage dazu benutzt, um Angriff« gegen die Zentralorganisation und die Führer zu richten. Ebenso habe sie die praktische agitatorische Klent- arbeit herabzusetzen versucht. Habe das dann auch aus Artikeln der „Leipziger Volkszeitung" nachgewiesen. Er erklärte dann Weiler, daß die Genossin Luxemburg auf dem Parteitage nicht darauf em- gegangen ist, was sie vorher gesagt und geschrieben hat. In dem Bericht deS vierten Kreises soll ich, der Unterzeichnete, gesagt haben, die Rede Scheidemanns habe lächerlich gewirkt. Dies ist wohl ein Formfehler des Berichterstatters. Bedauert habe ich, daß der Genosse Scheidemanu in seiner Rede über den Massenstreik sich verschiedener Witze bediente, die besser nicht gesagt worden wären bei einem solchen ernsten Thema wie die Massenstreikfrage. Franz Künstler. Genosse Zubeil bittet uns um die Aufnahme einer Erklärung dahingehend, daß er in der Versammlung des Görlitzer Viertels vom vierten Wahlkreis nicht gesagt habe: die Gewerkschaften hätten die Maifeier abgesägt. Er hätte die Gewerkschaften gar nicht erwähnt. Berichtigung. Beim Neuköllner Versammlungsbericht muß es dritte Spalte Zeile 13 heißen: Neue Heeresvorlagen winken. Der letzte Diskussionsredner heißt nicht R a d t k e. sondern R e g g e. Berichtigung. Zu dem Bericht im Stralauer Viertel des 4. Berliner Reichstagswahlkreses sendet unS Genosse Eugen Brückner folgende Berichtigung: Ich habe nicht im Fall Rädel erklärt, daß ich mit der Haltung des Parteitages nicht übereinstimme, vielmehr habe ich hervorgehoben, daß, wenn ein Beschluß gerecht gefaßt worden ist, es in Sachen Radck geschehen sei. Die Haltung der Bremer Parteiorganisation sei daher anläßlich der klaren Beschluß- faffung des Parteitages nicht zu verstehen. Des weiteren läßt mich der Bericht sagen, daß die Stellungnahme der Gewerkschaften zum Massenstreik durch die Gewerkschaftskongresse gegeben sei. Berichtigend muß ich bemerken, daß ich von Beschlüssen des Jenaer Parteitages 1905 und des darauffolgenden Parteitages in Mannheim gesprochen habe, dem sich auch die Gewerlschaftler, soweit sie Parteigenossen sind, gefügt haben. Eugen Brückner. Allgemeine Kranken- und Gterbekaffe der Metallarbeiter. tV. a. G.» zu Hamburg. Filiale«aumschulenweg. De» Mitgliedern, welche in Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 11. Oktober, abends von 8'/,— 16 Nhr, im Lokale von Jul. Schmidt, Kiesholzstr. 22, kassiert wird. SSttterungsubersicht vom 9. Oktober 1913. Ctafionen i-a i i Ii s?. Swinemde. 751 SSW Hamburg 74gSSW Berlin 753SW Franks. a.M 757iSW München i76lisW Wien|759:D A Wetter S 4 wolkig 4 bedeckt Z halb bd, 4 wolkig öchalb bd, llbcdeckt tfX t* wi «tattonen £ 6 ü~ £«: avaranda 76191 ctersburglbÄN Scilly Aberdeen Paris 759 769 BZ NNW SW wollen! wölken! heiter heiter 6 11 Wetterprognose für Freitag, den 19. Oktober 1913. Zeitweise heiter, aber veränderlich, nachts kühler, am Tage wieder etwas wärmer bei ziemlich frischen westlichen Winden, kelne erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. ZtzEEHO««* Die herzlichsten Glück- TS wünsche unserem Genossen W Otto Georgi nebst Frau| zur Silberhochzeit. 2921® Die Genossen Bez. 831a. Todes-Anzeigen Deutsctief Bolzarbeiter-yeFhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Ksrl Malchow Neukölln. Elscnstraße 53, im Alter von 34 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute, Freitag, den>0. Oktober, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des Neuköllner Gcmeinde-Fricd- hoscs am Mariendorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/2 Die Ortsverwaliung. VeMlliemeIn�u.8laa>ml]. Filiale tiroB-Bcrlln. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der pensionierte Kollege Wilhelm pritschow welcher früher im Revier II der Berliner Parlverivaltiing beschäf- tigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestallung findet am Sonnabend, den II. Oktober, nach- mittags'i-A Uhr, von der Leichenhalle des' Zentral-Friedhoscs in Friedrichsfetde aus statt. Z5/l3 Gie Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verbanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Monteur ttel-mann Fritsch (Lüderitzslr. 59), am 8. Oktober an Herzleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. Oktober, nach- mittags 3st. Uhr, von der Leichen- halle des St. PhUippus-rtpostel- Kirchhofes, Müllerstraße, aus statt. Rege BeteUIgung erwartet 127/13 Die Drtsverwaitung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzllchcr Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem 6. Berlmer Wahlkreise, dem Lotterieverein.Fortuna» Jünger", sowie dem Bund der Maurerpoliere meinen innigsten Dank. Frau Witwe Emilie Gees«. Deutscher Duebbirnter-Verbaii!!. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege Weh. Wartenberg gestorben Ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. Oktober, nachmittags 3'lt Uhr, auf dem städtischen Friedhof, Müllerstraße, Ecke Seesttaße, statt. 25/1 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise berzsicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Tochter, Schwester und Schwä- gerin Marie Xiedarih sagen wir allen Freunden und vi- kannten, Kolleginnen und Kollegen sowie dem Burcaupersonal, Beam- > innen und Beamten 216t. B und der Auergesellschastunsereninntgsten'Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Florentine Ziebarth 26196 nebst Kinde». Danksagung. Für die überaus große Tellnohmc und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner Frau, Mutter und Großmutter Marie Lehmann sagen wir allen Verwandten, den Mictcni vom Hause sowie den Freien Gast.I und: üchankwirten und dem Rauch klub Bahio sür die Beteiligung unseren herzlichsten Dank. 51Ä A. Lehmann nebst Kinder«. Danksaenng. Für die Teilnahme bei der Be- rdigung meines lieben Mannes sage cch dem Holzarbeiterverband mewen jherzlichsten Dank. 2S24b ssrau verwit, Emma Werkmann. Muskeln und Gesundheit kommen in einen hervorragend guten Zustand durch Gebrauch unterer CHEST-EXPANDER. 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Stück 28 Pf. Limburger Käse.., Pfund 45 Pf Brie-Käse vollfett.. Pfund 78 Pf. Camembert-Käse... Stück 20 Pf. Kuh- und LandKäse 2 Stück 35 Pf. Speise-QuarK..... Stück 10 Pf. Harzer Käse.... 5 Stück 10 Pf. Faust- und SpitzKäse 3 Stck. 25 Pf. Kieler SchleibUcKlinge2Stck. lOPf. BücKlinge Kiste 12— 15 Stück 38 Pf. Ahlbechsr Flundern Pfd. 40, 50 Pf, HaKrelen-BücKlinge. Stück 12 Pf. Goldfische Stck.12, Lachsstör Pfd. 68 Pf. Aale Pfund 1.10, 1.50, Bund 38 Pf. Musäpfel... Goldparmänen oler Bors . 2 Pfd. 25 Pf. ... Pfd.lSPf. Tiroler öorsdorfer od. Edelrot 15 Pf. Beurre blanc..... Pfd. 18 Pf. Tafelbirnen...... Pfd. 20 Pf. Weintrauben...... Pld. 25 Pf. Bananen........ Pfd. 22 Pf. Zitronen........ Dtz. 25 Pf. Winter- Kartoffeln 10 Pfund 22 Pf., Zentner 1.95 Zasendiog durch die Pikelfahrt 40 Pf., Sack 25 Pf. Pfand Verkauf nur Im Fabrlkgebliudc! | mm Sie sparen Qeld! IT| i Irl Ö bei Möbelfabrik lH,Wall8r«:WilliMaaBl|s|H| I kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebände— eigene! 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Die ObesbiisplneiMe»« der Stadl Mannheim Erstunler- 230/11« ist zu besetzen. Bewerbungen wollen bis zum 15. Oktober 1913' an den zeichneten gerichtet werden. Mannheim, 18. September 1913. Die vom Stadtrat mit der Vorbereitung der Mahl beauftragte Konunislion: Obmann de« Stadtoerordneleu-Vorstandes Basscrmanii, Stadtrat. Unterricht. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort» geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Ueberietzungen an- gesertigt. E. Swienty- Liebknecht Cbarloltenburg. Stuttgarterplatz 9 Gartenbaus III. 44K* Verschiedenes. Patentanwalt Müll«, Gitschmer straze 16______ Patentanwalt Weisel. Kittchiner» stratze 94a. Genossen empfehle mein Vereins- zimmer mit Klavier. 70 Personen lassend. Adolf Pollin, Graudcnzcr- straße 6. Laufkind nimmt tagsüber in Pflege. Luickhardt, Maybachuser 13 IL Vermietungen. Wohnungen. Tchöne Zweizimmer- Wohnung im GenoffenschaftShauS. 32,— Mark, sofort oder 1. November. 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Hl ..... ffe Bormitiagz 9— U. ermannstratze 115 T. flS4 'IX K5unvClLl9# vAi| tV• V/sZ- Av- S � �___________,■ i.■■ y■■ mf' Nerantmortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, N?uM��Fü�de»�Lnicrätentetl verantw.:Xh.Gl»cke.Berlln. Druck». Verlag: Vorwart? Puchdruckeret».VerlagSanftalt Paul Singer U-Eo., Äerlln S» »»»3.1."» 2. Lrilxgt des Jormirts" Derlim{lollisMatl parte!- Hngelegenbeiten. 2. Wahlkreis. Heute findet der zweite Vortragsabend über „Imperialismus und Militarismus" statt. Anfang pünktlich s'/z ilhr. Um zahlreichen Besuch bittet Der BildungsauSschutz. Fünfter Wahlkreis, 7. Abteilung. Die Flugblattverteilung am Sonntag, den 12. Oktober, im 38. Stadtverordneten-Kommunal- bezirk findet nicht von Freitag, Luisenstr. 23, sondern von Schneider, tviarienstr. 9, aus statt. Lichtenberg. Die Genossen zur L a n d a g i t a t i o n treffen sich morgen Sonnabend, abends 8'/z Uhr, im Lokale von Wilh. Schulz, Kronprinzenstr. 47.— Obleute 8 Uhr. Tempelhof. Am Sonntag, den 12. d. Mts., vormittags 19 Uhr, findet die Besichtigung de? Krematoriums in Baumschulenweg statt. Treffpunkt pünktlich 9 Uhr am Ringbahnhof Tcmpelhof. Lichtcrfelde. Heute Freitag, den 19. Oktober, abends 7�2 Uhr: Flugblattverbreitung für eine vom Sportkartell für Kultur- und Körperpflege am 12. Oktober, mittags 1 Uhr, bei Richter, Chaussee- straffe 193, stattfindende öffentliche Versammlung. Die Genossen von Ost treffen sich bei Weiffel, Kranoldplatz 2: die für Süd bei Erpel, Berliner Str. 129; für West bei Wrotnicke, Ringstr. 17, und für Chausseestraffe bei Lensky, Chauffeestr. 33. Fichtenau sNiederbarnim). Der Bildungsausschuff veranstaltet am Sonntag, den 12. Oktober, abends 7 Uhr, im„Gesellschaftshaus" einen h e i t e r e n K u n st a b e n d unter Mitwirkung von Frl. Margarete Merlbach sRezitation) und Herrn Kurt Lietzmann(Lieder zur Laute). Der Eintrittspreis ist auf 49 Pf.(einschliefflich Tanz) festgesetzt. Eine rege Beteiligung ist erwünscht. Lichtenrade. Am Sonnabend fällt der Zahlabend aus, dafür findet am Mittwoch, den 13. Oktober, abends 8Vz Uhr, im Wirtshaus Lichtenrade unsere Mitgliederversammlung statt. Bohnsdorf und Umgegend. Am Montag, den 13. Oktober, abends pünktlich 8>/j Uhr. beginnt in der„Villa Kahl" der Vortragskursus des Gen. Wilhelm Pieck über:„Der praktische Teil des Partei- Programms"(sechs Vorträge). Erster Vortrag: Der Zusammenhang unserer Gcgenwartsforderungen mit dem theoretischen Teil des Pro- gramms. Teilnehmerkarten a 39 Pf. sind zu haben beim Kassierer W. Franz, ParadieSstr. 4, und dem Gen. Molkenthin, Eickwalde, Kaiser-Friedrich-Str. 7. Arbeitslose Mitglieder haben freien Zutritt. Grünau. Am Sonnabend, den 11. Oktober, feiert der hiesige Wahlverein im Restaurant„Bellevue" sein 23. Stiftungsfest. Da für gute Unterhaltung gesorgt ist, wird reger Besuch erwartet. Grosi-Besten. Am Sonntag, den 12. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Lokal von Hermann Meinecke: Generalversammlung. Tages- ordnung: 1. Bericht vom Parteitage in Jena. 2. Diskussion. 3. Kasten- bericht. Rieder-Schönhausen-Nordend. Sonntag, den 12. Oktober, früh 8 Uhr: wichtige Handzetlelverbreitung von sämtlichen Bezirken aus. Senzig und Umgegend. Am Sonntag, den 12. Oktober, abends 7 Uhr: Mitgliederversammlung im Restaurant A. Schimke. TageS- ordnung: 1. Besprechung über unsere Agitationstonr. 2. Bericht der Gemeindeverlreter. 3. Unsere Bildungsbestrebungen. 4. Jugend- organisation und Verschiedenes. berliner Nachricbteiv Neue Tprengversuche in den Rüdersdorfer Kalkberge». Beim Bau des Simplontunnels(1898— 1905) ist flüssige Luft als Spreng mittel in größerem Matzstabe angewandt worden: allein die Handhabung dieses Sprengmittels tvar damals ziemlich schwierig, und destvegen hat man es bei anderen Gelegenheiten kaum angeivandt. Neuerdings ist auf dem Gebiete der Sprengung mit flüssiger Luft nun ein bedeutender Fortschritt erzielt worden, und seit den Versuchen, die unlängst in den Rüdersdorfcr K a l k st e i n b r ü ch e n erfolgreich ausgeführt worden sind, kann man sagen, datz flüssige Luft als Sprengmittel ein ge- fährlicher Nebenbuhler der übrigen Sprengmittel geworden ist. Früher ging durch Verdampfung sehr viele flüssige Luft der- loren, und die Vorbereitungen auf die Sprengungen waren sehr zeitraubend. Gegenwärtig ist die Handhabung sehr bequem, wie aus folgenden! Bericht über die R ü d c r s- dorfcr Sprengungen in den„Naturwissenschaften" hervorgeht: „Als Patronenhülle wurde bei den Versuchen eine Papier- hülle von 40 Millinieter Durchmesser und etwa 35 Zentimeter Länge vcrivcndet; sie wurde mit einer Mischung von Kieselgur und Petroleum im Verhältnis von(30: 40 gefüllt. Durch die Längsachse der Papierhülse geht ein 10 Millimeter Iveitcs Rohr aus feinmaschigem Drahtgcwebc, das von der Mischung frei bleibt und bei der Auffüllung der flüssigen Luft dazu dient, diese durch die ganze Masse hin zu verteilen. Das Besetzen des Bohrloches geschieht nun in der Weise, datz die Patrone, in welche eine Sprengkapsel mit elektrischem Zünder eingeführt wurde, in das Bohrloch eingeschoben wird. Befindet sich die Patrone in der Tiefe des Loches, so wird eine Räumnadel eingebracht und dann der Besatz hineingeschoben und festgestampft. Zieht man jetzt die Räum- nadel ivieder heraus, so ist die Patrone mit flüssiger Luft zu laden. Die flüssige Luft wird in einer nach dem Tewarschen Prinzip gebauten Kanne, die mit einem festen, eisernen Gc- fätzc umgeben ist, an die Sprengstrccke herangebracht. Da die flüssige Luft ständig verdampft, darf die Kanne nicht fest verschlossen sein. Zum Füllen der Bohrlöcher wird in der Kanne mit Hilfe einer daran angebrachten Handluftpunipe ein geringer Ueberdruck von 0,4 Atmosphären erzeugt, der genügt, um die flüssige Luft aus der auf dem Erdboden stehenden Kanne durch eine Pappröhrenleitung in das Bohrloch hinaufzudrücken und die Patronen zu füllen. Hierbei niinmt die flüssige Luft Wärme auf und verdampft anfangs ziemlich rasch. Die entstehenden Dämpfe treten aus dem hinteren Ende der Patrone aus und entweichen durch die Oeffnung zwischen Patrone und Bohr- loch. Hierbei umspülen die kalten Dämpfe die Patrone und schützen so die Flüssigkeit in der Patrone gegen Wärme- aufnähme voni Gestein her: cs wird auf diese Weise eine sehr gute und für den Erfolg der Sprengung sehr wesentliche Wärmeisolierung erzielt. Bei den Versuchen in Rüdersdorf wurden nach oben an- steigende Sprenglöcher von 1 Zentimeter Tiefe und der gc- wöhnlichen Weite gebohrt. Drei Sprenglöcher wurden imnier zu gleicher Zeit gefüllt und die ganze Arbeit zum Laden der drei Patronen dauerte nur ungefähr eine Minute. Die Wirkung der Detonation mit flüssiger Luft war die gleiche, wie bei dem jonst von der Bergwerksverwaltung verwendeten Ammon-Cahücit. was auch mit den früher beobachteten Ergebnissen übereinstimmt. Für einen Schutz wurde etwa ein Liter flüssige Lust verbraucht, zu deren Her-- stellung ein Energieaufwand von 2,5 Pferdestärkestunden er- forderlich ist. Bei der Wiederholung der Versuche ergaben sich verschiedene Ivesentliche Verbesserungen des Verfahrens, so wurde eine Füllflasche konstruiert, die keinerlei bewegliche Teile besitzt und daher von jedem Arbeiter leicht bedient werden kann." Das Verfahren ist zwar noch verbesserungsfähig. Es ist aber bereits— selbst wenn eine Transportflasche zerbrechen sollte— vollkommen gefahrlos; die Betriebssicherheit der Gruben wird dadurch wesentlich erhöht, und schlietzlich kann bei Verwendung in Kohlengruben die flüssige Lust an Ort und Stelle hergestellt werden, so datz das Sprengen mit flüssiger Luft auch billiger ist als das mit anderen Sprcngmitteln. Zur Arbeitslosenfrage. Der von der gemischten Deputation be- treffend Errichtung einer städtischen Arbeits- losenversicherung eingesetzte Ausschutz, dem die in der letzten Sitzung der gemischten Deputation am 27. Sep- tember gestellten Anträge zur Vorberatung überwiesen worden waren, tagte gestern(Donnerstag) und lehnte den von unseren Genossen gestellten Antrag mit vier gegen drei Stimmen ab, sofort 500 000 Mark zur Verfügung zu stellen zur Unterstützung der Arbeitslosen, die aus ihren Organisationen keine Unterstützung erhalten und der Unorganisierten, die sich täglich im Zentralverein für Arbeits- Nachweis zur Kontrolle melden. Von Magistratsvertreterseite wurde darauf hingewiesen, datz der Armenetat schon jetzt nm mehr als 650000 Mark überschritten worden fei, lvas un- zweifelhaft auch den Arbeitslosen zugute komme, dasselbe treffe auf die erhöhten Ausgaben aus Stiftungsmitteln zu. Autzer- dem seien grotze Summen zur Beschleunigung städtischer Arbeiten inzwischen bereit gestellt worden. Uebcrdies sei noch immer in der Schwebe, ob derartige Inanspruchnahme städtischer Geldmittel nicht die Beschränkung der bürgerlichen Rechte zur Folge habe, und das beabsichtigen in erster Linie doch wohl die Antragsteller nicht. Dem wurde unsererseits insoweit zugestimmt, als einwandfrei festgestellt werden sollte, ob Arbeitslose, die aus solchem Fonds Unterstützung beziehen, die Beschneidung der politischen Rechte zu gewärtigen haben. Es hietz, dem könne aus dem Wege gegangen werden durch Er- richtung einer städtischen Arbeitslosenkasse mit Beitragszwang. Das soll in Verbindung mit den übrigen dem Ausschutz über- wicsenen Anträgen, darunter der Antrag unserer Genossen auf Errichtung einer städtischen Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System und einer gesonderten städtischen Arbeitslosen- unterstützungskasse, demnächst in einer weiteren Sitzung be- raten werden. Die Kranzschleifen, die gelegentlich� der Einäscherung Bebels gestiftet lvorden sind, sollen den Spendern zum An- denken zurückgegeben werden. Die Schleifen können im Ver- bandsbureau, Lindenstr. 2, vorn 1 Treppe, in der Zeit von 9—1 und von 4—7 Uhr abgeholt werden. Eine Markthalle für den Lebensmittelhandcl. Die Verhälmisse in und vor der Engros-Markchalle am Alexander- platz sind seit Jahren- so- unhaltbare geworden, daff Polizei und Feuerwehr im Interesse der öffentlichen Sicherheit auf endliche Aenderung hindrängen. Es sind auch wiederholt Projekte vorgelegt worden, die aber wegen der Lage des Geländes nicht verwirklicht wurden. Jetzt liegt ein Projekt vor, nach dem die neue Halle an der Beusselstraffe in der Gegend der Gebauerschen Fabrik aufgeführt werden soll. Das Gelände soll 16Vz Millionen Mark kosten— da die Fabrik Gebauer abgebrochen werden soll—, die Baukosten der Halle sind auf 19 Millionen berechnet. Der Eisenbahnanschluff wird auf 2,6 Millionen Mark geschätzt. Dazu kommt eine Zinsenlast von 4 Millionen für die vierjährige Bauzeit, so daff die neue Halle 34 Millionen kosten wird, die aus Anleihemitteln gedeckt werden sollen. Es ist in Aussicht genommnn, daff die neue Halle eine Lebens- mittelhalle groffen Stils werden soll, insbesondere für Obst und Gemüse. Die Gemüsehändler erheben gegen die Verlegung des Gemüsehandels nach Moabit Einspruch, weil das aus dem Norden kommende Gemüse erst groffe Umwege erfahren muff, während andererseits für die Heranschaffung von Obst der Wasservcrkehr wieder günstiger ist._ Ter„nicht nnsachgeuiäst" gebrauchte Polizeirevolver. Jene nächtliche Schieffaffäre, die sich im August 1912 in Berlin an der Ecke der Münz- und der Dragonerstraffe abspielte und bei der ein Schutz nra»ir Gab bert einen Fürsorgezögling Fischer niederschoß, hat noch bis in die letzte Zeit hinein der Staatsanwaltschaft zu tun gegeben. Zwar galt der Staats- anwaltschaft der Fall Gabbert längst als erledigt, nachdem sie eine Strafverfolgung des Schutzmanns für ungerechtfertigt erklärt hatte, weil nach ihrer Ansicht er beim Gebrauch der Schußwaffe seine Befugnisse nicht überschritten habe. Aber die Mutter des Erschossenen hatte gehofft, durch eine von ihr selber ein- gereichte Anzeige gegen Gabbert sowie durch Beschwerde gegen die ablehnende Verfügung der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Berlin I den schießenden Schutzmann doch noch auf die Slnklägebank bringen zu können. Der Oberstaatsanwalt beim Kammer- gerichl hat jetzt die Beschwerde zurückgewiesen, weil er sie „nach Einsicht der Akten nicht für begründet erachten" könne. Welches Bild des Herganges bei jener Schießerei er aus den Akten ge- Wonnen hat, das sagt er der Mutter des Erschossenen mit folgenden Worten: „Noch de» Ermittelungen tvar der Schutzmann Gabbert von einem in der ihn bedrohenden Menschenmenge befindlichen Manne tätlich angegriffen und zu Boden geworfen worden. Er hat darauf gedroht, von seiner Schußwaffe Gebrauch zu machen, Ivenn er wiederum angegriffen werde. Es kann nun dahingestellt bleiben, ob jener Mann Ihr Sohn gewesen ist, und ob Ihr Sohn, als er auf den Beschuldigte» zuging, einen Angriff auf ihn beabsichtigte. Jedenfalls ist nach der gefährlichen Lage, in welcher sich der Schutzmann Gabbert befand, anzunehmen, daff er an einen neuen unmittelbar bevorstehenden Angriff glaubte und diesen von sich abwenden wollte. Bei dieser Sack- tage kann der Gebrauch der Schußwaffe insbesondere mit Rücksicht auf den frühere» Angriff nicht als unsachgemäß erachtet werden, und es ist ferner nicht zu beweisen, daff der Beschuldigte über die Grenze» der von ihm für notwendig gehaltenen Verteidigung hinausgegangen ist." Offenbar stützen die Ermittelungen sich hauptsächlich auf die Aussagen des beschuldigten Schutzmanns Gabbert. Nach dein Wort- laut der Antwort des Oberstaatsanwalts muff inan annehmen, daff Gabbert. selber nicht bestimmt, sagen kann, Fischer sei derjenige ge- Wesen, der gegen ihn einen Angriff machte oder einen erneuten An- griff machen wollte. Aus der ganzen Darstellung empfängt man den Eindruck, daff ein Unbeteiligter das Opfer des Polizeirev olvcrs geworden ist. Den Gebrauch der Schuß- Waffe, wie er hier geschildert ist, findet der Oberstaatsanwalt „nicht u n s wch g e m ä ff". Vielleicht wird mal bei einem Auflauf von dein Revolver eines sich bedroht und„sachgeinäff" schießenden Schutzmanns versehentlich ein vorbeigehender Oberstaatsanwalt niedergeknallt._ Der Raubanfall in der Friedrichstrahe. Zu dem Raubanfall in der Friedrichstraffe erfahren wir weiter, daff der Täter, der sich Becker aus Frankfurt a. M. nannte, jetzt festgestellt ist als ein Handlungsgehilfe Franz Ernst, der aus einem Städtchen im Harz gebürtig ist. Der junge Mensch ist erst 19 Jahre alt und scheint nicht ganz so schlimm zu sein, als man erst annahm. Er selbst gibt zwar zu, daff er sich in den Besitz der Ladenkasse setzen wollte, bestreitet aber, daff er habe schießen wollen und ver- sichert, eS sei ihm nur darauf angekommen, durch die Drohung mit dem Revolver den Geschäftsmann einzuschüchtern. Ernst ist augenscheinlich etwas phantastisch veranlagt. Bestraft ist er bisher»och nicht. Nachdem er in einem Konfektionsgeschäft im Harz gelernt hatte, blieb er noch eine kurze Zeit als Gehilfe und ging auf die Wanderschaft. Wie er sagt, wollte er allmählich nach Frankreich zu tvandern, über die Grenze gehen und in die Fremdenlegion eintreten. Von diesem Gedanken kam er jedoch wieder ab. Er begab sich nun zunächst nach Magdeburg und kaufte dort einen Revolver und 39 scharfe Patronen, weil man doch, wie er beim Verhör erklärte, auf der Wanderschaft unbedingt eine solche Waffe haben müsse. Von Magde- bürg wandte sich Ernst nach Hamburg, wiederum ohne bestimmtes Ziel. Als er von Hanlburg nach Berlin kam, tvar er mit seinen Mitteln am Ende. Um sich neue zu verschaffe», begab er sich in den Juwclierladen. den er sich nachmittags schon ausgesucht hatte. So- weit die Angaben des Verhafteten, die im einzelnen»och nachgeprüft werde» müssen. Den falschen Namen will Ernst angegeben haben, um seine Eltern zu schonen._ Tödlicher Sturz aus dem Automobil. Als am Mittwochabend gegen 19 Uhr auf der Chaussee von Schildow nach Mühleubcck ein Automobil der Berliner Städtischen Gaswerke fuhr, stürzte oder sprang plötzlich aus demselben eine Dame. Die in dem Auto befindlichen Beamten brachten die Schwer- verletzte sofort nach Mllhlenbeck in ärztliche Behandlung, hier war jedoch schon der Tod eingetreten. Der Amtsvorsteher von Mühlen- deck ordnete bis auf weiteres die Unterbringung der Leiche in die dortige Halle an. Wie sich der Unfall zugetragen, entzieht sich vor« läufig noch der öffentlichen Kenntnis. Sturz zweier Knaben aus dem Fenster. Ein auflegender Vorfall hat sich in dem Hause Wilmersdorfer Straffe 13 in Charlottcnburg zugetragen. Der sechsjährige Rudolf Rister spielte in der im ersten Stockwerk belegenen Wohnung seiner Eltern mit dem vierjährigen Franz Thiemann, dessen Eltern in dem- selben Hause wohnen. Die beiden Knaben kletterten, als sie für kurze Zeit allein im Zimmer waren, auf das Fensterbrett eines offen stehenden Fensters und traten schließlich, um auf dem Hofe spielende Kinder besser beobachten zu können, auf das vor dem Fenster an- gebrachte Blumenbrett. Unter der Last der beiden Knabe» löste sich das Blumenbrett und die Jungen stürzten auf den gepflasterten Hof hinab. Der ältere Knabe erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und muffte nach denr-Krankenhaus Westend geschafft iverden, währefid der kleine Thiemann wie durch ein Wunder mit geringfügigen Haut- abschürfungen davonkam. Zwei Arbeiter von einem Schnellzug überfahren. Auf dem Bahnhof Putlitzstratze wurden gestern abend bald »ach 7 Uhr die beiden Arbeiter Sperling und Lange durch den vom Lehrter Bahnhof kommenden D-Zug 12, der sich auf der Fahrt nach Hamburg befand, überfahren. Sperling war auf der Stelle tot, während Lange in schwer verletztem Zustande nach dem Virchowkrankenhause transportiert wurde. Die beiden?lr- bcitcr waren, aus Spandau kommend, wo sie bei den Siemens- Schuckcrtwcrken Beschäftigung hatten, auf dem Bahnhof Putlitz- straffe ausgestiegen, nm sich nach ihren Wohnungen am Wedding zu begeben. Infolge eines Windstoßes flog dem einen Ltrbcitcr der Hut vom Kopfe und beide eilten ihm über die Gleise nach, ohne den heranbrausenden Zug zu bemerken. Für 20000 M. Pelzware» erbeuteten Einbrecher in der per- gangcncn Nacht auf dem Grundstück Oranienstr. 69, an der Ecke der Kommandantenstraffe. Bon einem Postwagen überfahre» imd getötet wurde gestern abend die 88 Jahre alle Rentiere Rosalie Rosenfeld aus der Siinconstr. 28. Als die alte-Dame vor dem Hause Alte Jakob- straffe 89 den Fahrdamm überschreiten wollte, geriet sie unter die Räder des Postwagens, die ihr über die Brust gingen und so schwer verletzten, daff sie nach wenigen Augenblicken verstarb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Eine neue Faugvorrichtung wird bei de» Wage» der städtischen Straffenbabn gegenwärtig eingeführt. Bis Mitte Dezember werden sämtliche Wagen mit dieser Einrichtung versehen sei». Dieselbe hat sich, soweit bereits angebracht, bisher sehr gut bewährt. Unter anderem wurde ein Kind, welches neulich i» der Danziger und Winsstraffe quer über den Fahrdamm lief und hierbei von dem Motorwagen 239 erfaßt und umgestoßen ivurde. vom Fangrahmen aufgenommen und unverletzt von demselben aufgehoben. An der städtische» Fachschule für Maurer, Zimmerer und Dach- dcckcr beginnt das Winterhalbjahr nm Sonntag,, den 12. Oktober, früh 9 Uhr. Maurer,' Z im m e r e r und Dachdecker sowie Angehörige verwandter Beruf Sorten werden in fünf aufsteigenden'Halbjahrskurse» zu je acht Wochenstunde» theoretisch und praktisch zu L e i t e r n in ihrem Fache herangebildet. Unterrichtsfächer sind: Werkzcichnen mit praktischen Ucbungen, Baugewerbliches, ProjektionSzeichue», Fachrechue», Ein« fiihrung i» die Festigkeitslehre, Materialienkunde, BauausfiihrungS- lehre, Einführung in de» Eisenbetonbau, die erste Hilfe bei Unfällen. Das Schulgeld betrögt 8 Mark für den gcschlosfenen Halbjahrs- lursus. Fortgeschrittene Bauhandwerker werden unter- wiesen: in der Anfertigung von Bauzeichnungen unter Bcrücksichti« Lung aller konstruktiveu Einzelheiteu, im freihändigen Darstelle» von Motiven aus dem Baufache, im angewandten Projektionszeichnen in Verbindung mit Skizzierübnnge» sowie in der Berechnung von Eiseilbetonkonstruktionen, verbunden mit Uebungen. Das Schul« g eld beträgt hier halbjährlich für wöchentlich'vier Stunden 4 M., für wöchentlich weiter je zwei Stunden 2 M. mehr. Der Unterricht findet statt sonntags vormittags 9 bis 12 Uhr und wochentags abends 7—9 Uhr in den Schullokalen der drei Ableilungen: Warte»bürgst raffe 12, Müller- st r a ff e 13 8/139 und A n d r e a S st r a ff c 16 a. A u f n a h in c n erfolgen daselbst noch an den ersten Unterrichtstagen. Bierter Kreis. Am Dienstag in der Versammlung Südost, Waldemarstr. 73, ist ein Schirm stehen geblieben. Der Finder wird ersucht, denselLen im Bureau deS WahIbereinZ, Strcilauer Platz 10/11 abzugeben. Kleine �Nachrichten. Am Schiffbauerdamm wurde die Leiche der 18 Jahre Schneiderin Anna Oestreich aus dem Wasser gezogen. DaS Mädchen war feit Freitag, wo es vom Hause fortging, verschwunden. — Auf einer Ruhebank in der Frankfurter Allee verschied plötzlich die 77 Jahre alte Witwe Lange, die in der Frankfurter Str. 124 wohnte.— In der Schankwirtschaft von Tell in der Königgrätzer Str. 11 starb plötzlich der Kaufmann Paul Werter, der kurz vorher eingekehrt war. Der Männerchor Moabit hält am Sonnabend, den 11. Oktober, im Stadttheater, Alt-Moabit 47—49, ein Konzert ab unter Mit- Wirkung der Konzert- und Oratoriensängerin Frau Herta Geipelt, Sopran. Am Klavier: Herr A. Torchiana. Das Konzert beginnt pünktlich 9 lkhr. Die Mäunerchöre Nordost-Lyrania und Hilaritas veranstalten am Sonntag, den 12. Oktober, im Konzertetablissement Friedrichshain einen Volksliederabend unter Mitwirkung der Opernsängerin M. Blume und deS Berliner Tonkünstlerorchesters. Das Konzert beginnt um 5 Uhr. Vorort- Nacbricbtem Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung am Mittwoch wurden eine Reihe kleinerer Vor lagen debattelos angenommen. Die Vorlage, durch welche der Magistrat die Gewährung zweiter Hhpotheken erleichtern will, wurde einem Ausschutz von 16 Mit- glredern überwiesen. Die Vorlage steht die Schaffung eines Hhpothekenbankvereins vor, für dessen Pfandbriefe die Stadt- gemeinde die Garantie bis zu einer Höhe von 29 Millionen Mark übernehmen soll. Mitglied des Vereins soll jeder Hausbesitzer werden können, der ein Eintrittsgeld von 609 M. zahlt; nach einjähriger Mitgliedschaft haben die Vereinsmitglieder Anspruch auf satzungsgemätze Beleihung ihrer Häuser nach Mahgabe der verfügbaren Mittel. Die Hypotheken sollen als un- kündbare Tilgungshypotheken gegeben werden, und auch die vor ihnen stehenden Hypotheken müssen in solche umgewandelt werden, wenn eine Beleihung erfolgen soll. Die Stadt behält sich eine weit- gehende Auffichtsbefugnis gegenüber dem Bankverein vor, die durch einen vom Magistratsdirigenten zu bestellenden Magistratskommissar ausgeübt wird. In der Diskussion wurde von den Rednern sämtlicher Parteien betont, daß der Ausschutz sehr eingehend prüfen müsse, ob statt des vorgeschlagenen Weges nicht lieber die Stadt unmittelbar und ohne Benutzung eines Vereins die Hypotheken geben solle. Eine sehr lebhafte Debatte riefen die von liberaler und un- politischer Seite gestellten Anfragen nach der„Verunstaltung" des Wittenbergplatzes hervor. Sehr eingehend legte Stadtbaurat Bredt- schneid er die Entwicklungsgeschichte der westlichen Vorortbahnen dar, die einseitige Stellungnahme der Aufsichtsbehörde zugunsten der Wilmersdorfer Grundbesitzer am Nürnberger Platz, die eine Führung der Wilmersdorfer Linie über die Uhlandsiratze hinter- irieben, so daß Charlottenburg sich genötigt sah, auf einer ge- sonderten Linie Wittenbergplatz— Uhlandsiratze zu bestehen, die bor- läufig mit Pendelbetrieb unterhalten wird. Die Anlage auf dem Wittenbergplatz sei verkehrstechnisch notwendig und man könne nicht behaupten, das; sie den Platz verunstalte; aber selbst wenn dies der Fall wäre, müßten die ästhetischen Rücksichten den höheren Rücksichten deS Verkehrs weichen. Stadtv. Dunk(Lib.) schloß sich den Ausführungen des Stadtbaurats an und meinte, die Grundbesitzer und Geschäftsleute in der Nähe des Wittenbergplatzes, die jetzt so sehr über die Bahnhofshalle schimpften, würden sehr bald gewahr werden, welche großen Borteile sie durch die Eröffnung der neuen Untergrundbahnlinien erhielten. Notwendig sei es auch, von dem Verkehrszentruin, zu dem der Wfttenbergplatz sich immer mehr ent- wickle, endlich den Wochenmarkt wegzunehmen, der auf einen solchen grobstädtischen Verkehrspunkt nicht hingehöre. Stadtv. 'Zander(unpolitisch) wollte wissen, warum der Magistrat nicht straf- rechtlich gegen den Justizrat Schöps vorgehe, der ihn in einer Broschüre über die Angelegenheit des Bahnhofes Wittenbergplatz gröblichste Irreführung der Stadtverordneten und der Oeffentttchkeit vorgeworfen habe. Bürgermeister M a i e r erwiderte, es hieße solchen Angriffen, die den Stempel der Unsachlichkeit an der Stirn tragen, zu viel Ehre antun, wenn man sie einer Beachtung würdige. Stadtv. Stadthagen(unpol.) hob hervor, daß bei dem bor zwei Jahren gefaßten Beschlutz der Versammlung, die Ueberführung auf dem Wittenbergplatz oberhalb der Gleise zu machen, kein Mensch daran gedacht habe, die Ueberdachung der Ueberführung zu einer monumentalen Halle auszugestalten; der Magistrat hatte wohl das formale Recht dazu, eS wäre aber gut gewesen, wenn er der Stadtverordneten- Versammlung Kenntnis gegeben hätte, als da? Projekt sich zur Er- richtung dieser Bahnhofshalle verdichtete. Bürgermeister Maier er- klärte, daß eS in der Tat zweckmäßig gewesen wäre, die Versammlung und die Oeffentlichkeit schon in einem ftüheren Stadium über die endgültigen Pläne aufzuklären. Eine weitere Anfrage des Stadtv. L i e p m a n n und Gen. (unpol.) erkundigte sich nach dem Schicksal des alten Baumbestandes auf dem Kurfürstendamm, der mit der Weiterführung der Unter- grundbahn von der Uhlandsttaße nach Halensee gefährdet erscheine, wie die Vernichtung zahlreicher Bäume durch die Anlegung des Bahnhofes Uhlandsiratze beweise. Stadtbaurat Bredtsch neider betonte, daß die Bäume erhalten werden können, wenn die Bahn tiefer gelegt werden würde, was natürlich teurer sei und un- beguem hohe Treppen bedinge; wolle man das nicht, so müßten in der Tat bei Wetterführung der Bahn ein Teil der Ulmen geopfert und dasür nicht so tief wurzelnde Bäume angepflanzt werden. Von mehreren Stadtverordneten(Dr. Crüger, Bergmann, Johlenberg, Harnisch) lvurde betont, daß die Beseitigung einer Anzahl Bäume auf deni Kurfürstendamn, nur er- wünscht sein könne, da sie dort viel zu dicht stehen und Licht und Luft wegnehmen. Bürgermeister Maier erklärte dagegen, daß der Magistrat auf dem Standpunkt stehe, den alten Baumbestand überall in der Stadt nach Möglichkeit zu erhalten. Stadtv. Bollmann(lib.) begründete einen von Mitgliedern aller Fraktionen eingebrachten dringlichen Anttag, die Wahlzeit am Sonntag, den 9. November, entgegen dem gefaßten Beschlüsse des Magistrats(19 bis 6 Uhr) bis 8 Uhr abends auszudehnen, damit auch die Verkehrsbeamten ihr Wahlrecht ausüben könnten. Der An- trog wurde angenommen. Bürgermeister Mai er bemerkte, die Wahlbeteiligung an den SonntagSwahlen sei gegen die Erwartung nicht stärker, als früher an den Wochentagen und man werde daher später die Frage der Sonntagswahlen noch einmal prüfen müssen. Sieukölla» Mit Notstandsanträgen der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion tvird sich die heute abend 5 Uhr im Rathaus tagende Stadtverordneten- Versammlung zu beschäftigen haben. Die Anträge lauten: Um der in ständigem Wachstum hervortretenden Arbeits- losigkeit und dem sich daraus ergebenden Notstande der Arbeiter nach Möglichkeit zu steuern, ersucht die Stadt- derordnetenversammlung den Magistrat: ») die bereits beschlossenen und noch nicht zur Ausführung gelangten Arbeiten im Hoch- und Tiefbau schleunigst in Angriff zu nehmen, b) für die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsnachweises für das Gebiet Groß-Berlin an maßgebender Stelle einzutreten und e) der Einführung der Arbeitslosenversicherung jede mög- tiche Unterstützung angedeihen zu lassen, g) für eine kommunale Arbeitslosenfürsorge Mittel bereit zu stellen und der Stadtverordnetenversammlung schleunigst eine Vorlage zu unterbreiten. ch Bei dieser Gelegenheit dürste auch über eine Petition verhandelt werden, die der Verband Deutscher Fischhändler an die städtischen Körperschaften eingereicht hat und durch die er eine andere Regelung des städtischen Seefischverkaufes anstrebt. Der Verband schlägt vor, von einem vollständig öffentlichen Verkauf abzusehen und dafür einen Verkauf nur an bestimmte Kreise einzurichten: an Arbeitslose. an Familien mit Einkommen unter 1299,— M. und an Notleidende. Alle � diese Leute sollen auf Antrag von den Bezirks- und Armen- Vorstehern Gutscheine bekommen und nur auf diese die Fische er- halten und zwar jedesmal nicht mehr als 6 Pfund. Die Arbeitslosen und die minderbemittelten Familien unter 1299,— M. Einkommen sollen nur den halben Marktpreis zahlen, die Notleidenden sollen die Fische ganz unentgeltlich bekommen. Zur Durchführung dieses Planes schlägt der Verband der Stadtverordnetenversammlung vor, dem Magistrat 6999,— M. zur Verfügung zu stellen. � Das Ansinnen, die Notleidenden an die Bezirks- oder Armen- Vorsteher zu verweisen, muß ganz entschieden abgelehnt werden. Schon aus diesem Grunde kann der Verband Deutscher Fischhändler auf Zustimmung zu seiner Petition nicht rechnen. Der„städttsche Grundstücksspekulant". In der Stadtverordnetenversammlung stand am Dienstag eine Vorlage zur Beratung, welche mit Recht lebhafte Gegnerschaft in der sozialdemokratischen Fraktion fand. Der Magistrat will die in den letzten Jahren erworbenen großen Ländereien, darunter das Luisenstädtische Kirchengelände(zwischen Mittelweg und Kopfstraße), das Lazarussche Gelände am Mariendorfer Weg und das Industrie� gelände am Schiffahrtskanal, einer kleinen Kommission von einem Magistratsmitglied und drei Stadtverordneten über antworten, die selbständig die Veräußerung und.Ber> Wertung" des städtischen Grundbesitzes betreiben soll- Nach dem GrundstiickSerwerbsfonds handelt es sich um Gesamt werte von etwa 39 Millionen Mark. Zur„Durchführung einer aus� reichenden Propaganda" und für die geschäftlichen Angelegenheiten will man einen kaufmännischen Leiter anstellen. Bei Lichte besehen, kann es sich— wie Genosse Dr. Silberstein am Dienstag sehr richtig sagte— bei dem ganzen Plan nur darum drehen, daß der städttsche Grundbesitz verschleudert wird, um möglichst schnell neues Terrain der Bebauung zu„erschließen" Würde aber so teuer als möglich verkauft werden, so schaffe man mit dem gedachten kaufmännischen Leiter nichts anderes, als einen„städtischen Grundstücksspekulanten". Davon könne ebenso wenig die Rede sein, wie von der beabsichtigten Beschneiduag der Rechte der Stadtverordnetenversammlung durch Erteilung der Ver kaufsvollmacht an die kleine Kommission. Der Redner warf ferner auch die bedeutsame Frage auf, warum angesichts der sehr nahe> liegenden Gefahr einer Wohnungsnot der Magistrat nicht endlich an den Kleinwohnungsbau in eigener Regie denke. Es war herzlich unzulänglich, was der Oberbürgermeister auf diese Einwände ins Treffen zu führen vermochte. Die Gefahr der Terrainspekulation unter städtischer Flagge glaubte er mit der Hoffnung zu bannen, daß die Kommission durch Aufstellung ent prechender Grundsätze das verhindern werde. Den städtischen Klein Wohnungsbau bezeichnete das Stadtoberhaupt als sehr bedenklich, da es zweifelhast sei, ob die Stadt die notwendigen Mieter fände. Abgesehen davon, daß dieser Einwand sicher nicht den Neuköllner Magistrat bestimmt, so ist er auch gar nicht stichhaltig. Genosse W u tz l y verwies den Oberbürgermeister auf Zürich, wo er erst kürzlich Gelegenheit hatte. die vorbildlichen Mietshäuser bauten des dortigen Stadtrates kennen zu lernen. Ganze Häuserblocks seien dort in städtischer Regie errichtet worden die große Höfe mit Spiel- und Turnplätzen, gärtnerischen Anlagen und architettonisch schönen Brunnen umschließen. Der Erfolg sei dort ohne Frage eingetreten; denn die Stadt führe bereits weitere Bauten aus. Gleiche Erfahrungen hätten ja auch schon deutsche Städte gemacht. In Neukölln mangelt eS dazu allerdings an der notwendigen Energie. Das bewies der Ausgang der Beratung am Dienstag. Die vom Haus- agrariertum regierten bürgerlichen Parteien gingen sowohl über die sozialdemokratischen Einwände, als auch über den Antrag von derselben Seite, die so wichtige Angelegenheit erst einer De- putation von 16 Mitgliedern zur Vorberatung zu überweisen, glatt hinweg und wählten die vom Magistrat vorgeschlagene Verkaufs- kommiffion. Zwar soll diese erst einen Plan über ihre Tätigkeit noch vorlegen; wenn aber nicht alles trügt, so wird das Unerhörte Tatsache: Neukölln geht als Stadt offiziell unter die Terrain- pekulanten I_ Die MSrchenauffiihrung am letzten Sonntag hat ein überaus großes Interesse gefunden. Der große Saal bei Bartsch war bis auf den letzten Platz gefüllt und Hunderte mutzten umkehren, ohne Eintritt finden zu können. Es war auch tatsächlich eine Freude, zuzusehen, wie die Kinder spielten. Die Kommiision hat sich deshalb veranlaßt ge- ehcn, das Märchen„Das Binsenmännchen und der Binscnmichcl" am Mittwoch, den 16. Oktober, abends 7 Uhr, zu wiederholen. Der Eintritt kostet sür Kinder 19 Pf. und für Erwachsene 29 Pf. Der Saal wird um 6 Uhr geöffnet. Billetts sind bei den Bezirkssührerinnen, im Bureau des Wahlvereins Neckar- tratze 2 und bei Bartsch, Hermannstraße 49, im Restaurant zu haben. Um zahlreiche Unterstützung bittet Die Kommission. Am Sonntag, den 12. Oktober, findet eine Familien- Partie nach der Pferdebucht statt. Abfahrt morgens 8 Uhr vom Ringbahnhof Neukölln nach Johannisthal; dann Fußwanderung durch den herrlichen'Eichenwald noch Pferdebucht. Dort Treffpunkt ür Nachzügler. Bei schlechtem Welter fällt die Partie aus; dafür dann nachmittags 4 Uhr gemütliches Beisammensein im„Karls- garten". Vritz-Bnifow. Morgen Sonnabend, den 11. Oktober, abends pünktlich ll'/z Uhr. beginnt der vom Arbeiter-BildungSousschutz veranstaltete Liederabend in Beckers GesellschaftShaus, Chauffeestr. 97. Frau Käte Hyan bringt Lieder zur Laute zum Vottrage, welche sicher jeden Teilnehmer be- 'riedigen werden und einen guten Besuch voraussetzen. Während des TanzeS, welcher nach dem künstlerischen Teile beginnt, kommen wertvolle Bücher und Wandschmuck zur Verlosung. Billetts a 39 Pf. ind außer in den mit Plakaten belegten Geschäften am Abend an der Kasse zu Huben. Arbeitslose haben mit Frauen freien Eintritt. Zossen. Ein Unglücksfall ereignete sich am Mittwoch an der Stuben- rauchstratze. Dort fiel der fünfjährige Sohn des Buchdruckers R. in den diese Straße kreuzenden, über 2 Meter tiefen Graben, wobei er sich erhebliche Kopsverletzungen zuzog, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. DaS Unglück konnte� ver- mieden werden, wenn die zuständige Behörde den Graben genügend geschützt hätte. Jetzt ist der Graben bloß durch eine Eilenschiene abgegrenzt, durch die Kinder von 6 Jahren noch beguem hindurch können. Bei dieser Gelegenheit möchten wir die städtischen Behörden ersuchen, einen Spielplatz sür die Kinder einzurichten, wozu daS tädtische Gelände am Bahnhof sehr gut geeignet wäre. Es ist tat- ächlich ein Wunder, daß bei dem starken Autoverkehr nicht mehr Unsälle passieren. An der hiesigen Arbeiterschaft wird es liegen, bei der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl die Kandidaten der Sozialdemokratie zu unterstützen, damit dieselben an zuständiger Slelle auf die kommunalen Angelegenheiten einen Einfluß erlangen. Lübars-Waidmannslust. Aus der Gemeindevertretung. Mit welchem Eifer unsere Ge« meindevertrcter arbeiten können, wenn es sich um die Interessen des Großkapitals dreht, haben die letzten beiden Sitzungen wieder ein» mal gezeigt. Die Gemeindevertretung gab einem Vertrage ihre Zu- stiminung, der in nicht allzuferner Zeit den Gemeindesäckel erheblich belasten und zweierlei Recht zugunsten einer Profilgesellschaft schaffen wird. Es handelt sich um folgendes: Die Neue Boden- akticngesellschaft zu Berlin beabsichtigt das Escheh'che Waldgelände am Sreinberg zu erwerben, wenn die Gemeinde einem Vertrage zustimmt, nach welchem die Anlegung und Befestigung der Straßen mit Teerchaussierung innerhalb 19 Jahre zugestanden wird und die Weiterführung der Durchgangsstraße von d« Waidmannstratze bis zum Grcnzflietz mit Hermsdors auf Kosten der Gemeinde bis zum Jahre 1918 erfolgt. Di« Verhandlungen schweben seit alt Jahren; die Gemeiudevertrelung hat bereits zweimal diesen Vertrag mit der Begründung abgelehnt, daß die Befestigung der Straßen nach den im Ort bestehenden Normativbestimmungen, welche Kleinsteinpflaster oder polygonale Kopfsteine als Befestigung der Fahrdämme vor« sehen, zu erfolgen hat, eine Verpflichlung betreffs Fortführung der Durchgangsstratze aber nicht übernomnien werden kann. Am 29. September kam der Vertrag mit unwesentlichen Ab- änderungen wieder zur Beratung. Die strittigen Punkte: Teer» chaussierung sowie Fortführung der Durchgangsstratze usw. fanden auch diesmal nicht die Zustimmung der Vertretung. Der Gemeinde- Vorsteher schlug deshalb vor, eine Kommission zu wählen, die noch« mals mit der Gesellschaft über diese Punkte verhandeln sollte, was auch angenommen wurde. Die Kommission hat innerhalb acht Tagen zweimal darüber beraten. Hierbei wurde von den Vettretern der Gesellschaft zum Ausdruck gebracht, daß das Gelände eine höhere Belastung durch Befestigung der Straßen nach den Normativ« bestimmungen und Hergabe eines zinsfreien Darlehns von 169 999 M. sür die Fortführung der Durchgangsstratze nicht zu tragen vermag. Von unseren Genossen wurde erwidert, daß der Vertretung nicht zu- gemutet werden könne, die Steuerzahler im Interesse der Boden- spekulation zu belasten. Der Verkäufer kann es wohl möglich machen, ohne erhebliche Schmälerung seines Profits der Gesellschaft soweit entgegen zu kommen, daß dieselbe ebenso wie jeder andere Anlieger im Orte, ihren Verpflichtungen betreffs Straßen« befestigungen der Gemeinde gegenüber nachkomme. Die Kommission beschloß, der Gemeindevertretung folgendes vor- zuschlagen: Die Chaussierung der Straßen mit Oberflächenleerung zuzulassen, wenn die Gesell)chaft der Gemeinde ein Darlehen bis 189 999 M. auf 19 Jahre vom 1. November 1918 bis 1928 mit 6 Proz. Verzinsung, aber 6 Jahre zinsfrei zur provisorischen Fort- führung der Durchgangsstratze überläßt. Dieser Vorschlag wurde in der Sitzung vom 27. September angenommen und damil der Ge- sellschaft, durch Ersparung einer besseren Befestigung, nicht nur ein ansehnliches Geschenk von einigen Tausend Mark gemacht, sondern vom Jahre 1913 ab auch noch der Gemeindcctat init 169 999 M. Schulden belastet, ungerechnet der Reparaturkosten, die die Gemeinde an den minderwertigen Straßen auszuwenden haben wird. Man kann deshalb von dieser schnellen Arbeit zugunsten einer Profit« gesellschaft nicht erbaut sein. Ist sie doch zugleich ein unrühmliches Gegenstück, wie alljährlich bei der Etatsberatung die Interessen der minderbemittelten Bevölkerung behandelt werden. Alsdann wurden noch schnell die vertagten Vorlagen, Ortsstatnt und Polizei« Verordnung betreffs Anschluß an die Kanalisation, unverändert an« genommen; die Annahme der Gebührenordnung jedoch nochmals vertagt. Spa-nvau. Zum Boykott dcö„Roten Adlers". Der Traum der Pächter des Lokals auf Massenbesuch von Militär und Spießbürgern ist schnell verrauscht. Herr Passig beklagt sich bitter über die undank- baren Sozis, die jetzt seine Theatervorstellungen meiden zum Dank dasür, daß er im Frühjahr einige Monate sein. Lokal zu Vcrsamm- lungen freigegeben hätte; er könne jetzt den Saal zu Versammlungen gar nicht zur Verfügung stellen, da er denselben wochentags an Herrn Leichter verpachtet habe. Herr Passig vergißt aber hinzu- zufügen, daß er sehr wohl in der Lage ist, jeden Sonntag vormittag bezw. nachmittag seinen Saal zu Versammlungen zur Verfügung zu stellen. Der Eingang zum Lokal wird seit kurzem hauptsächlich Sonntags vor Beginn der Theatervorstellungen von einem dort ständig patrouillierenden Polizeibeamten scharf ins Auge gefaßt. Den Vogel abgeschossen hat natürlich wieder das„Spandauer Tage- blatt", das behauptet, der Boykott der Sozialdemokraten habe keinen Einfluß gehabt beim Eröffnungsball in Seitz' Festsälen. Der betreffende Berichterstatter scheint gar nicht zu wissen, daß ein Boykott über das Seitzsche Lokal gar nicht besteht. Boykottiert ist einzig und allein der„Rote Adler" und die organisierte Arbeiter- schafl wird es sich zur dringenden Aufgabe stellen, das Lokal bei allen Veranstaltungen zu meiden. Infolge weitgehendsten Entgegenkonmiens der Berliner Arbeiter- schaft ist es dem hiesigen Bildungöausschuß möglich, dem dringenden Bedürfnis der Spandauer Einwohnerschaft nach guten und billigen Theateraufführungen»achzukommen. Die erste Theateraufführung erstklassiger Schauspieler findet schon im Laufe der nächsten Zeit in einem hiesigen großen Theatersaal statt. Die Gewerkschaften sollten schon jetzt ihre Mitglieder darauf hinweisen. Alles weitere wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Bernau. Eine SchulcntlassungSfeicr findet am Sonntag, den 12. Oktober, nachmittags 4 Uhr, für die schulentlassene Jugend und deren Eltern im Restaurant„GesellschaftShaus" lJnhaber Modisch), Kaiserstraße, statt. Mitwirkende: Herr Farwig(Festrede), Frl. Kussel(Rezitation), Herr Modisch jun.(Klavier und Harmonium), gemischter Chorgesang mit Harmoniumbegleitung. Nach den Vorträgen: Familienkränzchen. Die Arbeitereltern werden ersucht, mit ihren schulentlassenen Töchtern und Söhnen rege teilzunehmen. Programme a 29 Pf. für Er- Wachsens sind bei allen Funktionären erhältlich. Für Jugendliche unter 18 Jahren Eintritt frei. Genckts- Zeitung. Wie Lehrer wohnen. Am Mittwoch gelangte vor dem Reichsgericht ein Prozeß zum Abschluß, der zeigt, wie gesundheitswidrig manche Schul- räume und Lehrerwohnungen beschaffen sind. Der Lehrer B. wurde im Jahre 1902 von der Schul- gemeinde Löwensen bei Pyrmont angestellt. Seit 1906 war er öfter kränklich und ist schließlich im Jahre 1910 wegen schweren chronischen Nervenleidens pensioniert worden. Er führt seine Erkrankung auf erhebliche Mängel des Schulhauses, insbesondere der Schulstube zurück und hat deshalb gegen die Schulgemeinde Löwensen eine Klage auf Schadenersatz erhoben. Bereits im Jahre 1903 hatte B. eine Beschwerde an den Kreisschulinspektor eingereicht, in welcher er darauf hinwies, daß die Schulstube für 80 Kinder viel zu klein und nicht genügend hell sei. daß eine unerträgliche schlechte Lust dann herrsche, der Fußboden verfault sei und daß in unmittelbarer Nähe sich Miststätten befinden. Die Gemeinde lehnte dem Landesdirettorium gegenüber die Errichtung eines Neubaues ab und ließ nur die vom Landesbauinspektor angeordneten notwendigsten Reparaturen vornehmein Das Landgericht Hannover und Oberlandes- gettcht Celle haben die beklagte Schulgemeinde dem Grunde nach zum Schadenersatz verurteilt. Zur Rechtferttgung seiner Entscheidung führt das Ober- landesgericht aus: Die Beklagte ist verpflichtet, nach Maß- gäbe des§ 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches für einen ge- sundheitlich tadellosen Zustand der Schulräume zu sorgen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme war aber der Zu- stand des Schulzimmers, in welchem der Kläger von 1902 bis 1910 unterrichtet hat, objektiv gesundheitswidrig, und zwar wesentlich wegen der dort herrschenden dumpfen, feuchten Luft. Es ist auch erwiesen, daß die schlechte Luft nicht eine Folge unzureichenden Lüftens war, sondern andere Ursachen hatte. Unmittelbar neben dem Schulzimmer befinden sich ein Schweine- und e i n Z i e g e n st a l l. An der Seite des Schulhauses, unter den Fenstern der Schulstube, führt eine Rinne hin, in der bei Regenwetter die Jauche aus den Ställen und einem daneben befindlichen Düngerhaufen abfließt. Daß das unter den Fußboden ein- dringende, mit Jauche vermischte Regenwasser die Luft des Schulzimmers erheblich beeinflussen mußte, bedarf keiner Ausführung. Dasselbe gilt auch für das ur- sprüngliche W o h n z i m m e r des Lehrers. Auch die Höhe der Schulstube war ungenügend; auf das einzelne Kind entfällt nur etwa die Hälfte dcsnot- wendigen Quantums Luft. Ebenso waren die Fenster des Zimmers unzureichend. Das eine ließ sich überhaupt nicht öffnen; beim Oeffnen eines anderen drang der Jauchen- geruch herein. Hiernach ist das Gericht der Ucberzeugung, daß sich das Schulzimmer auch jetzt noch trotz der 1904 und 1908 vorgenommenen Reparaturen in einem mangelhaften und ungesunden Zustande befindet und daß die Verhältnisse beim Amtsantritt des Klägers 1902 noch schlimmer waren. Es ist auch anzunehmen, daß die schlechten hygienischen Ver- Hältnisse des Schulhauses in ursächlichem Zusammenhang mit der Gesundheitsschädigung des Klägers stehen. Das Verschulden des Schulvorstandes ist darin zu finden, daß er es unter lassen hat, trotz Kenntnis der Mißstände für ein gcsundheit lich einwandfreies Schulzimmer zu sorgen. Es ist nicht zutreffend, daß der Schulvorstand alles mögliche getan habe Ein Neubau der Schule ist abgelehnt worden nicht aus fach lichen Gründen, sondern weil es dem verhaßten Lehrer nicht gelingen sollte, den von ihm erstrebten Neubau durchzu setzen. Der Schadcnsanspruch des Klägers ist hiernach be gründet. Das Reichsgericht hat die Revision der be klagten Gemeinde zurückgctviesen. Hervorgehoben werden mag. daß der§ 618 B. G. B auch auf alle Arbeitsverhältnisse Anwendung findet, gleichviel ob es sich um ländliche, kaufmännische, gewerbliche oder andere Arbeit handelt. Es sind demnach die Diensträume so einzu- richten und zu unterhalten, daß der Arbeiter oder Angestellte gegen Gefahr für Leben und Gesundheit möglichst geschützt ist, und wenn dem Arbeiter ein Wohn- oder Schlafraum einge räumt ist, muß dieser den hygienischen Anforderungen ent- sprechen. Auch ein„Terrorist". Die Breslauer Terroristenjustiz ist um einen bezeichnenden Fall reicher. Am 20. März d. I. traf während des Schifferstreiks der Heizer Karl Lehmann am Freiburger Bahnhof mehrere Arbeits- willige, die er mit den Worten:„Na, wo wollt Ihr denn hin?" anredete. Die Angeredeten hatten nicht einmal Zeit, stehen zu bleiben und zu antworten, als auch schon ein Schutzmann hinzu kam und Lehmann wegen— Beleidigung Arbeitswilliger ver haftete. Lehmann mußte einen vollen Monat lang in Unter- suchungshaft bleiben. Als bei dem im April anstehenden Termin wegen Nichterscheinens eines Zeugen nicht verhandelt lverden konnte, wurde Lehmann aus der Hast entlassen. Zu dem am Montag anstehenden Termin war der Angeklagte, der zurzeit in Hamburg weilt, vom persönlichen Erscheinen entbunden. Der Staatsanwalt beantragte auf Grund des§ 153 der Reichsgewerbe Ordnung drei Wochen Gefängwis. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 20 M., die durch die vierwöchige Untersuchung? hast verbüßt ist. Die Untersuchungshast gegen Lehmann wegen dieser Bagatell fache und die Verurteilung selbst sind recht auffallend. Nach der bisher in Breslau üblichen Spruchpraxis gegen sogenannte „Terroristen" und nach dem vorstehenden Urteil mag die Zeit nicht mehr fern sein, wo man sich hüten muß, in Breslau einem Arbeitswilligen auf der Straße auch nur zu begegnen, ohne für strafbar gehalten zu lverden. Revolvcrschicßerci. Wieder war eS eine Revolverschießerei, die in einer Anklage wegen versuchten Mordes und Bedrohung gestern das Schwur� gericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Rohrmann beschäftigte. Der Angeklagte Arbeiter Ernst Kappel wurde beschuldigt, seine eigene Ehefrau mit Totschlag bedroht und in weiterer Folge versucht zu haben, sie zu erschießen. Der Angeklagte, der von dem Justizrat Dr. Reiche verteidigt wurde, während Staatsanwaltsrat H o f st e d t die Anklage vertrat, ist erst seit dem Juli 1S12 verheiratet. Er wohnte mit seiner Frau in der Putbuser Str. 13. Zwischen den Eheleuten kam es wiederholt zum Krach. Als der Angeklagte eine Woche vor Pfingsten von der Firma Lautenschläger, wo er arbeitete, wegen Arbeitsmangel ent- lässen worden war und keine Arbeit finden konnte, kam es mehrfach zu heftigen Szenen. Der Angeklagte bedrohte in der Trunkenheit seine Frau einmal mit dem Messer. Als er der Frau am 24. Mai wieder einmal zu arg wurde, holte sie ihre Mutter herbei und ließ den Angeklagten, als er heimkehrte, nicht mehr in die Wohnung. Der Slngeklagte machte aber kurzen Prozeß: er stieß die Türfiillung ein, kroch durch die Oeffnnng hindurch und es kam in der Wohnung wieder zu schärfen Auseinandersetzungen, die damit endeten, daß Kappel davon ging und planlos umher bummelte. Nachts schlief er in der Herberge zur Heimat. Am 23. Mai kaufte er sich einen Revolver und eine Anzahl Platz- und scharfe Patronen. Am 27. Mai kam er in seine Wohnung zurück, traf aber seine Frau dort nicht an. die sich auf dem Wäscheboden befand. Dorthin begab sich der Angeklagte und eS entspann sich ein ganz vernünftiges Gespräch über die von der Frau gegebene Anregung, daß er doch, da er hier ja leine Arbeit finde, wieder nach Breslau gehen solle und sie bereit sei, ihm später dorthin zu folgen. Plötzlich holte der Angeklagte den Revolver hervor und setzte ihn derFrau auf dieBrust. Der Revolver ging aber nicht los, da er gesichert war. Die Frau floh angsterfüllt in ihre Wohnung zurück. Es kam aber wieder zu einer versöhnlichen Stimmung. Als sie nachmittags in der Küche mit dem Angeklagten am Kaffeetisch saß. holte der Angeklagte plötzlich wieder den Revolver hervor und knallte ihn, auf die Frau gerichtet, los. Die Frau floh zur Tür hinaus zur Nachbarin. Hinter ihr her knallte abermals ein Schuß. Beide Frauen hörten dann noch zwei Schüsse fallen, und als die schleunigst herbeigeholte Polizei den Angeklagten festnahm, ergab sich. daß sein Hut durch eine Kugel durchlöchert war. Er behauptete, daß e r sich selbst habe erschießen wollen und die auf die Frau abgegebenen Schüsse nur Platzpatronenschüsse gewesen seien. Um die Wahrscheinlichkeit oder UnWahrscheinlichkeit dieser Behauptung� drehte stch im wesentlichen die Verhandlung, in welcher als Schießsachver- ständiger Hofbüchsenmacher Barella vernommen wurde. Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme wurde der Angeklagte nur der l Bedrohung und Nötigung für schuldig befunden und zu 1 Jahr 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Abermals Kindcrmißhandlnng durch Schutzleute. Wegen Körperverletzung in Ausübung ihres Amtes mußten sich am Mittwoch vor der Strafkammer des Stettiner Land- gerichts die Schutzleute August Krause und Franz Marquardt aus Stettin verantworten. Die beiden hatten am Abend des 30. Mai d. I. einen 12jährigen Knaben von der Straße mit nach der Wache genommen, wo ihn der eine au dem Hausflur, mit Püffen und Ohrfeigen trak- t i e r l e, während der andere im Wachtlokal seinen Revolver- riemen abschnallte und dem Kind drei Schläge damit versetzte. Als Hausbewohner auf das Geschrei des Jungen aufmerksam wurden, schloffen sie schnell die Fenster des Zimmers. Sie stellten ihre Tat als eine Harmlosigkeit hin. Das Gericht verurteilte die beiden.Schutz- männer" nur zu je 50 M. Geldstrafe. Derartige Roheiten gegenüber Wehrlosen verdienen keine milde Beurteilung. Die Strafgesetzbuchnovelle, die im wesentlichen Straf Milderungen für aus Not begangene Delikte verlangt, hat mit Recht gegenüber Kindern unter 18 Jahren begangene grausame oder boshafte Mißhandlungen eine Mindest strafe von 2 Monaten Gefängnis gefordert. Gegenüber dem rohen Amtsmißbrauch wäre eine nach Jahren zu bemessende Strafe nicht zu hoch gewesen. Wie wäre ein Arbeiter bestraft, der— ohne Amts mißbrauch— die doch nicht wehrlosen Schutzleute in ähnlicher Weise verhauen hätte, als diese ein wehrloses Kind? Euq aller Melt. erft die Seele, dann der Leib. Im„Westfälischen Volksblatt", das in Paderborn er- scheint, lesen wir aus Hövelhof folgende Meldung: In der letzten Nacht wurde auf der Eisenbahnstrecke Paderborn-Bielcfeld im hiesigen Gemeindewalde ein Kötter L. aus Liemke vom Zuge überfahren. Ein Fuß wurde ihm abgefahren, an beiden Beinen erlitt er außerdem schwere Verletzungen. Der Verunglückte wurde heute morgen von Rottenarbeitern aufge- funden. Diese holten schnell mit ihrem Wagen den Herrn Kaplan von Hövelhof, welcher dem Bedauerns- werten die hl. Sterbesakramente spendete. Auch war bald der Bahnarzt Dr. Deutsch an der Unfallstelle und legte dem Verletzten einen Notverband an. Das waren einmal Arbeiter nach dem Willen der hl. Kirche. Statt erst zum Arzt zu fahren, damit der Verunglückte nicht ver blute, sorgen sie in ihrem frommen Eifer dafür, daß nur die Seele keinen Schaden nimmt. Denn sie wissen, der Leib vergeht und die Seele ivandert gen Himmel, aber mir dann, wenn vor- schriftsmäßig alle Kirchengebote erfüllt sind. Eisenbahnkatastrophe ans der Gotthardlinie. Auf dem Bahnhof Cadenazzo verunglückte Donners tag früh gegen 4 Uhr infolge Untcrwaschung des Bahndammes durch heftige Gewitterregen der Zug Bellinzona— L o c a r n o. Nur die beiden letzten Wagen blieben auf dem Gleise stehen, der vordere Teil des Zuges verschwand im Wasser. Fünf Eisenbahnbeamte wurden gc tötet, einige Reisende wurden verletzt Kleine Notizen. 25 Arbeiter verschüttet. Wie au? Astrachan telegraphiert wird, stürzte in einem in Reparatur befindlichen Hause in S o l i a n k a der Plafond ein. Hierbei wurden 26 Arbeiter verschüttet, fünf davon wurden auf der Stelle getötet, acht- zehn wurden sehr schwer, die übrigen leichter verletzt. Rüpelhafte Natunialisten. Das im Tuileriengartcn in Paris aufgestellte Denkmal d-S verstorbenen Ministerpräsidenten W a l d e ck Rousseau wurde ani Mittwochabend von einem etwa dreißig jährigen Manne mit Tinte überschüttet. Ein Schutzmann verhastete den Mann, der sich weigerte, seinen Namen zu nennen.— Bemerkenswert ist, daß seinerzeit ein eigener Wachtposten bei dem Denkmal aufgestellt worden war, weil die Camelots du roi gedroht hatten, dieses Denkmal, das sie als eine Beleidigung für einen wahren Patrioten bezeichneten, zu verstümmeln. Schweres Automobilunglück, Gestern nachmittag verunglückte kurz vor dem Dorfe Ncu-Bischofsee ein Automobil, in dem sich der Ingenieur Montag und der Betriebsingenieur Prohaska von der Ueberlandzentralc Neumark aus Frankfurt a. O. befanden. Das Automobil schlug, als es einen Wagen überholen wollte und auf den Sommerweg einbog, um und siel in den Chausscegraben Montag war sofort tot, Prohaska ist schwer ver- letzt, � Spiel und Sport. Der Kartellverband Gross Berlin für Sport und Körper- pflege ladet zum Sonntag, den 12. Oktober, nach- mittags 1 Uhr, zum Besuch seiner 15 Agitationsversamm- lungen ein! Alle Veranstaltungen der zentralen Vereine ruhen daher bis 4 Uhr nachmittags; Arbeiterelteru, Partei und Gcwerkschaftsgenosscn sollen zahlreich erscheinen und die Jugend und Mitglieder der bürgerlichen Vereine unterrichten! Tagesordnung in allen Versammlungen:„Jungdeutschland- erzichung und die Arbeitervereine für Sport und Körper- pflege. Wir verweisen auf die Annonce in der heutigen und Sonntagnummer. Turner. Die Freie Turncrschaft Alt- Glienicke nebst Fußballklub ver- anstaltct am Sonntag, den 12. Oktober, ein Abturncn und Wettspiel aus ihrem eigenen Turnplatz. Abmarsch 2 Uhr vom Vereinslokal von I. Lohn, Grünauer Straße. Radfahrer. Arbeiter< Radfahrcrbiind„Solidarität-'. Ortsgruppe Berlin. Sämtliche Touren sallen aus. Wir ersuchen um vollzählige Teilnahme an den vom Kartellverband Groß-Berlin sür Sport und Körperpflege ver- anstaltetcn öffentlichen Versammlungen. Alles Nähere besagen die Plakate und heutige Anzeige. Ortsgruppe Charlottenburg. Am 12., mittags 1 Uhr: Ocffentlichc Versammlung im Volkshaus, Rosinenstr. 3. Nach der Versammlung: Tour wird am Start bekanntgegeben. Ortsgruppe Neukölln. Am 12.: Start um 12 Uhr bei Frisch, Knescbeckstraße zur öffentlichen Sportler-Vcrsammlnng bei Bartsch, Her- mannstraße 49. Ortsgruppe Weiffensee. Am 12., mittags 12 Uhr: Treffpunkt im VcreinSlotal zur nächsten Berliner Sportlartcllversammluug. Ortsgruppe Wilmersdorf. Am 12.. mittags 1 Uhr, im Viktoria- garten, WilhelmSaue 114: Oeffcnttiche Arbeiter-Sportler-Versammlung. Ortsgruppe Lichterfelde. Sonntag um 1 Uhr: Oeffentliche Ver- sammlung der Sport- und Spickvereine bei Richter, Chausseestr. 194.— Hente Freitag, abends'/jS Uhr: Flugblattvcrbrcitung von den Bezirks- lokalen aus. Rege Beteiligung dringend erwünscht. Arbeiter-Radfalircrbund„Tolidarität". Die Genossen derjenigen Ortsgruppen der Bezirke 2 und 21, in denen Versammlungen ain Sonntag, den 12. Oktober, nicht staltsinden, ersuchen wir, sich an der nächstgclegencn zu beteiligen. Athleten.. Arbeiter-Athleteubuud(Kreis Groß-Berlin). Anläßlich der am Soontagmittag stattftndenden Volks- und Sportlerversammlmigen treffen ich die Kollegen um 12 Uhr in ihren Vereinslokalen, um von dort aus die Versammlungen zu besuchen. Es ist Pflicht, daß jeder einzelne im Interesse der steten Sportssache versteten ist. Siehe Inserat. Dxr Vorstand. Wanderer. Arbetter-Wauderverein Berlin. Anläßlich der Volks- und Sport- Versammlungen, welche am Sonntag, den 12. Oktober stattfinden: Tages- ordmmg:»Jungdeutschlands« Erziehung und die Arbeitervereine sürSport undKörperpslege" sällt unsere Vereinstour zum Werbellins-e aus. Wir ersuchen sämtliche Führer, Privat- touren ebensalls ausfallen zu lassen. Arbeitcr-Touriftenvercin„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Sonntag, 12. Oktober: Wanderungen: I. Trebbin— Blanlensee— Michendorf. Abfahrt nach Trebbin Anh. Bahnh. S.3S. II. Luckenwalde— Stülpe— Kloster Zinna. Abfahrt nach Luckenwalde Anh. Bahnh. 5,35, III. Biesentbal— Prcnden— Bernau. Abfahrt nach Biesenthal Stett. Bahnh. S,SS. Gäste stets willkommen. Schwimmer. Freie Schwimmer Ghnrlottenbnrg. Die NebungZstunden des Vereins finden im Winterhalbjahr statt: für männliche Mitglieder Mittwochs, abends von 7 Uhr ab, Donnerstags, abends von Sy,.— Uhr (reserviert) und Sonntags vorm. von 19 Uhr ab; sür weibliche Mitglieder Montags und Donnerstags, abends von 7 Uhr ab, im städt. Votlsbad, Krumme ffr. 19. Fußball. Märkische Spielvereiuigung, Bez. Groft-Berlin. Am kommenden Sonntag finden solgende Spiele der 1. Klasse statt: Wcißensee— Fichte XVII in Weißensee, Rennbahnstr. 49; Rummels- bürg— Spandau In Lichtenberg, Tristwcg; Neuhellas— Fichte III, Tcmpcl- hoser Feld; Verein sür Bewegungsspiele in Friedrtchshagen, Gemeinde- sporiplatz; Fichte XII— Allcmania in Pankow, Kissingen Straße; Viktoria— Schöncberg in Tempelhos, Friedrich-Karl-Str. 7; Lioertas— Rctnickendorser Ballspielklüb in Reinickendorf, Pankower Allee. Beginn der Spiele 3'/. Uhr. Am Sonntag, den 5. Oktober, weilte die 19. M ä n n e r- A b t e i I u n g des Turnverems Fichte, Berlin, in Frankfurt a. O., um sich mit dciii dortigen Brudervcrein im friedlichen Wettkamps zu messen. Nachstehend das Resultat der stattgesundenen Wettkämpse: F a u st b a l I: Frankurt: 1 Min. S6 Punkte; Fichte X: 86 Punkte. 1999 Meter Stafette: Frankfurt: 2 Min. 29 Sek.; Fichte X: 2 Min. 23» Sek. u ß b a II: Frankfurt: 9; Fichte X: 13. Halbzeit: Frankfurt: 9; sMic X: 8. Bezirksserienspiele d e S I.K r e i s e s, II. B e z i r k s, A.-T.-B. am S. Oktober 1913: Fanstball: Bernau— Borsigwalde: 59:86. Pankow— Schönholz: 95: 78. Wittenau— Reinickendorf: 61: 73. Velten- Tegel: 76: 79. Bernau— Borsigwalde: 2X�99 Meter Stafette in der Gasse, beide Mannschnsten je 4 Läuser: Bernau 69 Sek.; Borsigwalde ausgegeben. * Zlrbeiter-Samaritcrbund. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Begwn 8fiz Uhr): Berlin, 1. Abt. Montag, 13. Ott., Kommandantensst. 62, Beckers Festsäle(Tunnel). Berlin, 2. Slbt. Montag, 13. Okt., im Swinemünder Gesellschafts. haus, Swincmünder Straße 42. Berlin, ö. Abt. Freitag, 17. Okt., Neukölln, Jdealkafino, Wcichsclstr. 8. B erlin, 7. Abt. Mittwoch, den 15. Oktober, Charlottenvurg, Rosinen- straffe 3, BolkShauS. Ob.cr- Schöneweide. Montag,- 13. Ottober, SiemenSsst. 12, bei Schulz. Mariendors. Montag. 13. Ottober, Chausseestr. 27 bei Büro. Now awcs. Montag, 13. Oktober, Wilhelm-, Ecke Frtedttchstraßc, bei Schmidt. Nowawes(Abt. Potsdam). Mittwoch, 15. Ottober, Kaiser- Wilhelm-Straße, bei Glaser. Wilhelmsruh. Montag, 13. Ottover, Reinickendoff-Ost, Residenz- straße 6, bei Hirsch._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Hohen-Schönhauscn. Freitag, den 19. Oktober, nachmittags 6 Uhr, im Rathauie, Hauptstr. 59. Steglitz. Freitag, 19. Ottover, nachmittag? 6 Uhr, im Rathause. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gcmeindeangehörige iß de- rechttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Eingegangene DrucKfärnften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 2. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Knittcl aus dem Sack! Von Hermann Wendel— Ein Bcistag zur Geschichie der Internationale. Zwei unbekannte Artikel von Friedrich Engels und Karl Marx. Uebersetzt und eingeleitet von N. Rjasanojf.(Schluß.)— Zur Steuerfrage. Von Spcctator.— Zur Stellung der Parte! zum Gebärstretk. Von Oda Olbcrg(Rom).— Zum Streit aus den Seeschiffswersten. Von August Winnig. Die.Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- banblungen, Postanstalten und Kolporieurc zum Preist von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch lam, dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Jugendveranstaltnnge«. Friedrichsfelde. Am Sonntag, den 12. Ottober, nachmittag? 2ff, Uhr, findet in O. Bürgers BolkSgarten, Prinzen-Allee 39, eine Feier für die arbeitende Jugend statt. Auch die Ärbeitereltern sind hierzu sreundlichit eingeladen. Hohen-Schönftausen. Sonntag, den 12. Ottober, nachmittags tz,4 Uhr, find die schulentlassene Jugend und deren Eltern zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen._ Veranstaltungen. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse ver- anstaltet sür seine Mitglieder und deren Angehörigen am Mittwoch, den 15. Oktober, abends 8Vz Uhr, in Kellers.Neue PHUHarmome", Köpeiiickei Straße 96, eine Gedächtnisseier sür August Bebel. Gedenk- rede: Luise Zieh, Gesang: Mcta Zlotnicka, das 5wtschka°Streichqnartett. Eintritt stet. Garderobe 19 Ps. Marktpreise von Berlin am 8. Oktober ISIS, nach Ermittelungen dcS kgl. Potizcipräsidiums. Mais(mixcd), gute Sorte 16,59—16,89, mittel 09,99—99,99. geringe 90,99—99,99. Mais(runder), gute Sorte 14,59—14,99. Nichtstroh 5,00. Heu 6,00—7,00. Markt halle ii preise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 39,99—59,99. Spcisebohnen. weiße 35,99—69,99. Linsen 36,00— 70,00. Kartoffeln(KleinhdI.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,79—2,49. Rindfleisch, Bauchsleisch 1,39—1,89. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1,10—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,40-8,00. 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,40—2,80. Zander 1,20-3,20. Hechle 1,40—3,00. Barsche 0,80—2,40, Schleie 1,60— 3,2a Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,90-48,00. Bnefkaften der Redaktion. Sie luriftliche Sprechstunde findet Liudenstraste 6», vor» vi«« Treppe» — F a d r st u h l—, wochcntSglich von ilst vis 7>4 Uhr abends, Sonnabends, von Sin bis V Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe nnd eine Zahl als Mertzetchen betzusiigeu. Briefliche Antwort wird nicht rrteUt. Anfragen, denen keine Abonncmentsantttuug beigefügt ist, verde- nicht beantworte«. Eilige Frage» trage man t» der Sprcchstnude vor. G. Birkenste. 30. Fragen Sie an bei der Siistungsdeputatton des Magistrats Berlin, Poststr. 16.— W. F. 100. Die Zentralkommtssion der Krankenkassen, Alexanderstr. 39/40, könnte Ihne» die gewünschte Aus- kunst geben.— A. M. Einreiben mit grauer Salbe. Erhülllich in der Apolhcke.— P, M, 25. Exzellenz.— A. B. 10. Das betr. Lexikon ist ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens und gibt Auskunst über fast alle vorkomniciidcn Fragen.— R. H. 100. Bei der Geschäftsstelle Berlin XIV. 7, Dorotheenstr. 49.— Krcnzberg 47. Wenden Sic sich an einen Voaelhändler.— Tischler 01. Schlagen Sie im ReichStagshandbuch nach. In der öffentlichen Bibliothek und Lesehalle, Adalbcrtstraße 26. liegt solches zu Nachschlagezwecken aus.— W. M. Z. Nein — SÄ. H., Adlershof. Ist nichts Seltenes.— I. K. 7. 1. bis 3. Für jedes uneheliche Kind wird ein Vormund bestellt. Vormünderin kann auch die uneheliche Mutter werden. Wenn der Vorwundschastsrichtcr cincit anderen Vormund bestellt, hat die Mutter kein AblehjnmgSrccht. 4. und 5. Innerhalb Monatsfrist. 0. Nein.— N. C. 30. Innerhalb sechs Monater falls die häusliche Gcmeinschast fortgesetzt wird. Leben die Ehegatten trennt, innerhalb zehn Jahren. 2. Etwa 100 M. monatlich.— I. F. 2 t 1, und 2. Ja. Der Antrag ist be! dem Nachlaßgerich!, das ist das Arn. gericht, in dessen Bezirk der Erblasser verstorben ist, einzureichen. 3. Häl> des gesetzlichen Erbteils. 4. Ohne Kenntnis de? Testamentsinhalis nicht z beurteilen. In der Regel kann den Kindern das Pflichtteil nicht entzöge. werden.— A. M. 870. Der Ersteher des Grundstücks kann jetzt nicht mehr auslündigcn. Der mit dem früheren Eigentümer geschlossene Vertrag bleibt güllig.— Adclsbach. Für einen solchen Fall können Sic den Antrag aus Gewährung von Ratenzahlungen stellen.— F. S. 31. Die Ver- anlaaung ist zu Recht erfolgt. Bei Evangelischen beginnt die Steuerpflicht bei einem Einkommen von mehr als 1500 M.> bei Katholiken bei einem Mnkommen von mcBe alZ 1350 JU.— M. W., Mariendorf. Nein. — P. G. 79a. Falls angenommen wird, daß die Verkäuferin zur Zeit des Abschlusses des Kaufvertrages geschästsunsähig war. können Sie zur Herausgabe der Sachen verurteilt werden, und zwar auch dann, wenn die Restschuld nur noch 150 M. betrug. Die Erklärung des Kriminalbeamten bedeutet keine rechtswirksame Beschlagnahme. Sosern Ihnen eine solche nicht zugestellt ist, haben Sie unseres Trachtens auch das Veräußerung�- recht: Sie würden aber eventuell schadcnersahpflichtig sein.— A. 3. 10. Sie haben die llebennittelungshslichl. Falls die persönliche Ablieferung nicht möglich ist, können Sie den Betrag durch die Post übermitteln.— Junggeselle. 1. Sterbeurkundcn der verstorbenen Ehegatten. Wenn minder- jährige Kinder vorhanden sind, Auseinandersetzungsbescheinigung des Vor« mundschailsgerichts. 2. Mindestens 14 Tage. 3. Ein Teil kami das Aus- gebot bestellen.— C. B. 177. 1. Nur nach der Mutter, nicht aber nach dem Vater, falls letzterer nicht das uneheliche Kind testamentarisch bedacht hat. 2. Nach dem Ableben des Vaters bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk er zuletzt gewohnt hat.— Hermann P. 53. 1. Nein. 2. Ja. — H. H. 1. Durch Erklärung beim Amtsgericht. Vorher muffen Sie Ihre AuStrittsabstcht miter Angabe der Personalien und Ihrer Religion«- Zugehörigkeit dem Gericht mitteilen. 2. Für Pcrlebergcr Straße ist das Amtsgericht Berlin-Mittc, Neue Fricdrichstr. 12/15, zuständig. 3. Der Abzug ist nach Ihrer Darstellung unbegründet. 4. und 5. Das Gewerbegcricht ist nicht zuständig, sondern das Anitsgcncht, in dessen Bezirk Schuldner seinen Wohnsitz hat.— B. H. 100. Nur dann, wenn Sie sich vor der Behand- lung einen Irrankcnschcin beschafft und einen Kassenarzt konsultiert haben. — B. A. 101. Ja, sosern der Vater des Steuerpflichtigen zur Zeit der Geburt des letzteren cher Landeskirche angehört hat, andernfalls nein.— Freitag, 10. Oktober 1913. Ansang 6 Uhr. Eines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Ansang 6'/, Ubr. Einesstiollendorf-Xheater.Varietb- Lichtspiele. Ansang VI, Ubr. Sgl. Opernhaus. Violetta. Kgl. Schauspielhaus. Die drei Brüder von Damaskus. Deutsches. Torquato Tasso. Lesung. Peer Gvnt. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Weltcnentstehung u. Welten- Untergang. Hörsaal 8 Uhr: Dir. Prof. Dr. P. Schwahn: Vulkanismus der Erde. � tiammcrspiele. Die goldenen Palmen. Deutsches Opernhaus. Die lustigen Weiber von Windsor. Deutsches Schauspielhaus. Frl. Julie. Erste Warnung. Neues Operntheatcr(Kroll). Fröschl. Königgräper Strafte. Die süns Frankfurter. Deutsches Künftlertheater. Gespenster. Berliner. Wie einst im Mai. Thalia. Die Tangoprinzessin. Theater am Nollendorfplaft. Die Heimkehr des Odysseus. Komödienhaus. DaS Paar nach der Mode. Theater des Westens. Gräsm Fisi- Schiller O. Am Tage des Gerichts. Schiller Charlottenburg. Wem, der neue Wem blüht. MontiS Operetten. Der lachende Ehemann. Wtetropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Der Aktientenor oder Caruso aus Teilung. Kleines. Belüide. Triano». Seine Geliebte. Herrnseld. WaS sagen Sie zu Lcibusch? Wintcrgarteu. Spezialitäten. Reichshaven. Stettiner Sänger. «iues Apollo-Theater. Variete- Lichtipieie. Eines Friedrich- Wilhclmstadt. Varicte-Lichtspiele. Ä!lt. Änsang 8'l4 Ubr, � Residenz. Im Ehekäsig. Luitspielbaus. 777: 10. Luise». Von Stufe zu Stuse. Roie. Laura massiert. Folies Gaprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. DaS Adoptiv- kind. Walhalla. Der Liebesonlel. Ansang 8'/t Ubr. NeueS Volkstheater. Rausch. Aniang 9 Ubr. EinesNollendorf-Theater.Varietö- Lichtspiele. Sternwarte- Invaliden sir. 57—52 Sediller-sdeslerv. Themer' Freitag, abends 8 Uhr: Am Tage des Ocpichts. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft, Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Wenn der ncneWein blftlit Sehiller-Theater ChaSM: Freitag, abends 8 Uhr: Wenn der neue Wein blüht Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Großstadtluft. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Klrchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: GUtü von Bcrllchlngen. Berliner Thealer. 8 Uhr: Wie einst im Mai. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus. UM' Zum 85. Male:_ uhr: Das Paar md der Mode. MsehesKünstlertheater Soaletüt. Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. 8 uhr: Gespenster. DentschesScbansplelhana 8 Uhr: Frl. Julie.— Erste Warnung. «V, Uh Residenz-Theaters Im Ehekafig. (Les Maris en cage.) Schwank in 3 Akten v. Antony Mars und Maurice Desvallibrs. Morg. u. folg. Tage: Im Ehetiistg nun ODO □□□ Theater des Westens. suhr-. Gräfin Fifi. Sonnt, nachm. 31/<: Der liebe Augustin Theater und Vergnügungen Kessinx-Iheater. Heute 71/, Uhr: PEER GYNT. Tbeater am Holieiiderfplätz S. Täglich abends 8 Uhr: Die Heimkehr des Odyssens. Morgen 3 Uhr z. kl. Pr.: Wilhelm Teil Montis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a.(fr. Neues Tb.) 8 Uhr: Gastspiel Jul. Spiclmann: Der lacbende Ehemann. IOSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ansang 6llA Uhr. Eaura massiert. Eine heitere Geschichte in drei Akten von Karl M. Jacobh. Sonnabend 4 Uhr: Frau Holle 8V, Uhr: Laura massiert. Metropol-Tlieater Abends 7 Uhr 55 präzise; i Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung des Jules Verne'fchcu Romanes von Julias Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. lliebard Schultz. Karl Bacluuann. Joseph Giampietro. Guido Thielscher. Alfred Schmasow. Leopold Wolf. Ludwig WolS. Helene Bailot. IdaRusska. J. de Lande. Xen! Von 9—1 Uhr:\'eu! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 8 Kapellen. Passage-Panoptikmn Mundmaler Schuidis der Rafael ohne Arme bei seinen Arbeiten. Lebend zu sehen! Der Hann mit der eisernen Hand und die anderen Attraktionen. Casino= Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. DM"* Nur noch bis 10. Oktober"MS Der Aktien-Tenor u. das glänzende Varicts-Programm. Freitag, d. 11. Oktober, zum i. Mal: Ferdinand der Tugendhafte. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Am grüne» Strand der Spree. Triauou-Tkester. Täglich abends 8 Uhr: Tvlnv Gslivhie. EE Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berlios - und Umgegend.- Jnsolgc der über die Marinesäle oerhängten Sperre findet das □ □ 21. Stiftungsfest □□ am Sonntag, den 26. Oktober 1913, in beiden Sälen deS Dr«»dvii«r Kasino, Dresdener Str. 96, statt. •- Im zweiten«aale von 6 Uhr an Tauz.- Mitwirke n d e: �Typographie�, Gesangverein Berliner Buchdrucker u. Schrift- gießer(M. d. Ä.-S.-B.)— llerliner Ulk-Trio— Loni Waldon, Soubrette— The Relways. musitalischer Akt— Kraft-Akro- baton, Mitglieder des Turnvereins Fichte— Konzert von Mitgliedern des Neuen Tonkiinstler-Orohesters. —-- Eröffnung 5 Uhr.— Ansang 6 Uhr.- Die nächste Versammlung findet Sonntag, den 19. Uktoher, abends 7 Uhr, im Restaurant' Neumann, Alcxaiidrmeiistv. 37a, statt. hb Brauerei Friedrichshain m Dienstag, den 11. Oktober, abends 8 Uhr: PvpuIUrc« Konzert des Berliner Volks- Orchesters Alfred Hirsch sowie Gastspiel der Opemsängerm Erna Hallenslcbcn, Dr. Heinz Caspary— Lieder zur Laute— und Wladimir Dawlngoll aus Petersburg, der einzige Kapellmeister, welcher durch hunderte Posen und Bewegungen Musik illustriert, Abendkasse 39 Pf., Billetts im Borverkauf a 39 Pf. sind bei diu„Vorwärts�-Spedileureu Zuckt, Jmmanuelkirchstraße 12 und Nanisoh, Ackerstr. 174, zu haben. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Luisen-Theater. 1 Walhalla-Theater. Heute Freitag 81/, Uhr: 1 Heute 81/, Uhr: Von Stufe zu 8tnfe. Der Llebesonkel. Lebensbild mit Ges. u. Tanz in 5 Bild. 1 Posse m. Gesang u. Tanz m 3 Akten. &»Won" ■* /Vi»— MflUßrstraBn 82.— 7\ :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBo 82.— ZimmerstraBe 90/91. CJroßes Ooppel-Kouzert! Berliner Konzerlhaus-Orchester. Leitung: Komponist Frz. v. Blon und als Gastdirigent: Hofkapellmeister Prof. Traugott Ochs. Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.: Oberm. Baarz. Anfang 8 Ubr. Eintritt 50 PI. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr. Machrai(tags-Konzerl Reichshallen-Theater Stettiner Sänger „Alarm!" Milit. Humoreske Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. li Uhr zu er- mäßigt. Preisen: „Alarm!" Log. 1 M., Bali. 75 Pf.. Entree 39 Pf. Sozialdemokratischer Udahlvereln des dritten Bert. Relchstagswahlkrelses. ■■ fe BS Sonnabend, den 11. Oktober, in der Neuen Welt(neuer Saal), Hascnbeide 108-114 Herbst-Fest Mitwirkende: Herr Artur Bund, Herr G. Kutschka, Herr Paul Kursch, Herr F. Lederer-Prina, Frl. Susanne Frl. Hahn, Friedburg. Nach dem Konzert: Belli. Herren, dio am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Eintrittskarten 30 Pf. 208/20* Anfang S'/a Uhr. Der Bildungsansschuß. Kister Von 4 M nutim. 1„ Hoseltop ans Chicago konzertiert von 4 Uhr täglich nachmittags abends 9 Urkomisch Kerkou-Polost jHlabenillicli: Pünktlich 9 Ubr Hr. Glosneth „Die Original-Kanons" mit den neuesten n. beliebtesten Schlagern WOWlllOkM Von Mitternacht bis 6 Uhr morgens' musizieren die Jegernseer' (originelle Bavem) Eintritt frei"für i alle Gäste Palast am Zoo Nollendorf-Theater Apollo-Theater Sieben 7 Sieben grosse Varietd-Akte und uneere renommierten Lichtspiele. Ununterbrochene Vorstellung von 6 Uhr an. Eintritt jederzeit.— Sonntags von 3— 41/, Matinee. Eintrittspreise einschließlich Garderobe, Programm und Steuer von Pf. an. Die Herrin des Nils (Cleopatra) Das Filmwunder der Welt! Vorverkauf 11— 1 ühr. Vorstellung 4, 6« und 9 Uhr. Sämtl. Plätze Bind numeriert. Sieben 7 Sieben grosse Varl6t6-Akte und DeisclMzeKreis Film-Drama In 3 Akten. Anf. 8 Uhr, Sonnt. 4 u. 8 Uhr. Eintrittspreise einschlicB- Uch Garderobe, Programm und Steuer von 05 Pf- an. Friedr.-millielmsl.-Tli. Letzte Woche! Eine Meile in der Minute der Sensation. Wetlrenn-Skctcb. „AntogegcnExprrsszng" u. 4 andere grosseVaristi-Akte eowio,_ Quo vaeiisi Das grdBte Film-Drama aller Zeilen. Anf. 8 Uhr. Sonnt. 4 u. 8 Uhr. Eintrittspreise einschheS- lich Garderobe. Programm und Steuer von 5« P- bis 1-50 M.. Logenplatz 3 M. 4 Theatern: jeden Freitag Programmwechsel URANIA TaÄtr- 8 Uhr; Geh. Reg.-Kat Prof. Dr. M. Weinstein: Weltencnfstehung u. Waltenuntergang. Hörsaal 8 Uhr: Dir. Prof. Dr. P. Schwahn: Vulkanismus der Erde. Prospekt über Gelehrten-Vorträge (im Wissenschaftlichen Theater) und naturwissenschaftliche Hörsaalkurse kostenlos. Zirkus Busch. Heute Freitag, den 10. Oktober, abends Tl, Uhr: Groiic Gala-Borstellung. Die neue große Ausstatt.-Panlom. A.ns unseren Kolonien. Vorher die große» Attraktionen. In Anbetracht des außerordcnt- lichen Andrangs zu den Nach- mittags-Vorstellungen und des hierdurch entstehenden Aufenthalts an den Kassen wird daraus hin- gewiesen, daß die Nachmittags- billetts schon täglich an der Kasse vormittags von 10 bis 1 Uhr im Vorverkauf zu haben sind. Alb. Schumann. Heute Freitag, 10. Oktober DW Anf. 7'/,, Endel! Uhr-WMU Gruße Gala-Vurstellung mit dem Riesen-Weitstadtprogramni bestehend aus Sonnta, i gr," den 12. Oktober: 2gr. Voratellnn�en Q nachm. S'/s, ab. 71/. Uhr.« Kachm. hatfed.Erwachscne 1 Kintl 10'jähren �1 auf allen Sitzplätzen. Ritter Baldrian vuZ Das Adoptivkind [Die Mißgeburt Voigt- Theater Badstrafte 58. Freitag, den 10. Oktober 1913: Die Hme. Schwank in 3 Alten von Kurt Kratz. Kaisencröffnuug 7 Ubr. Ans. S'/4 Uhr. Tdmiralspalast Eis- Arena. Morgen Sonnabend: aw Premiere! des EisbaUetts Die lustige Puppe. Text von Leo Bartuschek. Musik von Julius Einödshof er. Beginn 9 Uhr. Txschbestel- lungen rechtzeitig erbeten! Heute bleibt die Eis- Arena wegen Vorbereitung zur Premiere geschlossen. - Berliner inmor-Auortett rl 7i. Wlltzky �tOderbrrgerStrJg Für den Inhalt der Jnierate »hernimmt die Redaktion de« Publikum gegenüber teinerlet Berantmorrnug. Berant�rtlicher�dakteur: Älfred�Wielepp, Neukölln- Für den Lnseratentetl verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt,«lÄdMerei u. Verlagsanitalt Paul Singer u. Co.. iSedmSW. fc»-.-um» 3. Jfilajt ks JoraMs'* Jetlintt JoWlalt.>u'»i»««c-°a Hus der frauenbetvegung. Zerstörung der weiblichen Arbeitskraft. Die kapitalistische Enllvickelung, die Gier nach billigen Arbeits- kräften gab der Physiognomie der Gesamtarbeiterschast in den letzte» Jahrzenten einen wesentlich veränderten Zug. Sie erhält einen stärkeren und stets sich schärfer ausprägenden weiblichen Ausdruck Die weibliche Arbeitskraft eroberte einen augenscheinlich fortgesetzi wachsenden Anteil an der Gesamtarbeiterschaft. Gleichzeitig aber hat sich das Stärkevcrhältnis des weiblichen Geschlechts in der Ge- samtbevölkerung zu seinen Ungunsten verschlechtert. Einem relativen Rückgang des Anteils des weiblichen Geschlechts an der Bevölkerung steht eine absolute und relative Zunahme der weiblichen Arbeits- kraft gegenüber. Auf 1000 Männer kamen im Jahre 1882 noch 1042 Frauen, 18SS nur noch 1037 und nach der letzten Berufszählung (1907) sogar nur noch 1026. Der weibliche Ueberschutz in der Be- völkcrung wird geringer und gehört vielleicht schon bald gänzlich der Vergangenheit an. Auf der anderen Seite bemerkt man eine rasend schnelle Zunahme der erwerbstätigen Frau. Nach den drei Berufs- Zählungen in Deutschland ergeben sich folgende Resultate: Personen Weibl. Erwerbstätige weibl. Geschlechts ohne Dienende 1882.... 23 071 000 4 259 000 1895.... 26 361 000 5 264 000 1907,... 31 259 000 8 243 000 In den 26 Jahren, die die Zählungen umspannen, nahm der weiblicke Teil der Gesamtbevölkerung um etwas über 8 Millionen gleich 35 Proz. zu. die Zahl der erwerbstätigen Frauen stieg um 3 985 000 oder um 92,6 Proz. Austerordentlich stark ist die Zu- nähme der weiblichen Arbeitskraft in Handel und Industrie. Im Jahre 1895 wurden in dieser Gruppe nur 2 100 700 weibliche Ar- beitskräste gezählt, im Jahre 1907 aber schon 3 035 300. Während der Spanne von 12 Jahren war die Zahl der Arbeiterinnen um 934 600 oder 44 Proz. gestiegen. Und die Steigerung vollzieht sich weiter in einem noch schnelleren Tempo. Die folgenden Angaben liefern dafür eine Bestätigung. Das Reichsarbeitsblatt, das laufend über den Mitgliederbestand der Krankenkassen berichtet, macht über die Zunahme der Mitglieder bei den gleichen Kassen folgende An- gaben: � Weibliche Männliche Mitglieder Mitglieder 1905......- 100 100 1912...... 142 125 Demnach ist die Zahl der weiblichen Kassenmitglieder seit 1905 ganz bedeutend gestiegen, viel stärker als die der männlichen Mit- glieder und unvergleichlich stärker als die weibliche Bevölkerung. Die gewaltige Zunahme der Erwcrbstäligkeit des weiblichen Geschlechls entspricht einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Die Ver- teuerung der Lebenshaltung bedingt den Miterwerb der weiblichen Familienangehörigen, und die Sibar der jungen Mädchen und der Frauen, die, sich selbst überlassen, in der Erwerbsarbeit ihren Lebensunterhalt suchen müssen, wird ständig grötzer. Für viele, viele Frauen bedeutet die Erwerbsarbeit eine Einbuße am Wohl- ergehen und Wohlbehagen: die Arbeit verursacht ihnen nur Be- schwerden, vermindert nicht ihre Sorgenlast, erweitert nicht den Spielraum ihres Lebensgenusses, llnd obendrein zerstört die viel« fach sehr ungesunde oder doch durch ihre tägliche lange Ausdehnung zerrüttend wirkende Arbeit frühzeitig die Gesundheit, schwächt den Allgemeinzustand der Frauen, schraubt die Gebärfähigkeit, aber auch die Lebensdauer der Frauen herab. Die Heimarbeit in dumpfen, licht- und luftlosen Räumen, die Beschäftigung in Gift- Hütten, die Tätigkeit in schlecht ventilierten, mit mörderisch wirkendem Staub und Dämpscir geschwängerten Fabrikräumen, Wäschereien usw., die furchtbare Ausnutzung der Arbeitskraft in der Haus- und Er- werbsarbeit, dazu vielfach die Lasten der Schwangerschaft zu der doppelten Arbeit, dieses alles zusammen zermürbt den weiblichen Körper. Für die Frauen selbst ist die beschriebene Entivickclung besonders bemerkenswert. Sie muß ein neuer Ansporn für sie sein, auch durch eigene Initiative auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen hin- zuwirken. Das ist ein Weg. um die schädlichen Einflüsse der Berufs- arbeit herabzumindern, ihren Gesundheitszustand zu schützen, und zu stärken. Dringend notwendig ist die Festsetzung vernunftgemäßer Arbeitszeit, die Einführung hygienischer Einrichtungen, eines aus- reichenden Schwangeren- und Wöchnerinnenschutzes sowie bessere Löhne, die eine Hebung der Lebenshaltung erlauben. Das Mittel der Selbsthilfe ist die politische und gewerkschaftliche Organisation. In den Organisationen muß die Frau für ihre Politische, soziale und wirtschaftliche Besserstellung eintreten. Hus der bürgerlichen Frauenbewegung. RcichstagSwahlrecht für Frauen. Wie ein Tele- gramm aus Eisenach meldet, beschloß am Donnerstag der dort ragende Verband für Frauen st im m recht entgegen einigen Abstimmungsanträgen, an der Forderung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für die Frauen f c st z n h a l t e n.— Die reaktionären Angriffe der Gruppe um Maria LischnewSla auf Be- seitigung der Forderung nach dem Reichstagswahlrecht aus den Satzungen des Verbandes scheinen damit vorläufig abgeschlagen. Wir werden auf die in der Debatte zutage getretenen Gegensätze im Verband noch ausführlich zurückkommen. Gegen Paula Müller, die Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes und zugleich Vorstandsmitglied der neugegründeten »Vereinigung konservativer Frauen', geht die Hetze in konservativen Kreisen lustig weiter. Eine»treue Leserin der..Kreuz-Zeitung" ist durch einen Aufsatz von Paula Müller über»Frauenbewegung und Parteiorganisation" in Zweifel und Sorge geraten: sie schreibt: »Fräulein Paula Müller stellt in diesem Aufsatze zunächst aller- dings und in llebeceinstimmung mit allen guten Konservativen fest, daß die»Vereinigung konservativer Frauen' niemals Frauen- bewegung an sich treiben werde oder könne, und daß sie sich von den Beschlüssen unteres konservativen Parleivorstandes immer abhängig machen müsse. In gleichem Atemzuge fährt sie dann aber fort':»Die Frauenbewegung kann aber für ihr Vorgehen, für das, was sie zu vertreten hat, keine andere B e st i in in u n g gelten lassen, als die des Fraueninteresses. Sie würde sich� selbst aufgeben an dem Tage, an dem sie sich nach den Direktiven dieser oder jener Partei richtete...' . Nun ist Fräul. Paula Müller nicht nur Vorstandsmitglied der Per- «inigung konservativer Frauen, sondern sie ist auch eine der Fnhrerinnen der Frauenbewegung. Es müssen also zwei Seelen in ihrer Brust wohnen.... Wird eine so kraftvolle uiid energische Vertreterin der Frauenbewegung sich wirklich immer so viel Objektivität bewahren können, daß sie im Vorstande der Vereinigung konservativer Frauen ver- gißt, wa? sie der Frauenbewegung an sich schuldig ist? Und ivird sie in der Führung der Frauenbewegung hinwiederum nicht doch manch- mal zu den Versuchen sich gereizt fühlen, an der, wie sie selbst sagt, zu anderer Betätigung gegründeten Vereinigung konservativer Frauen »Bekehrungsversuche" zu machen?' Auch ivir können der»treuen Leserin" nicht so unrecht geben, daß es Fräul. Paula Müller an Logik fehlt. Im„Frauenbund" für das kirchliche und kommunale Wahlrecht eintreten gnd in der„kon- servaliven Vereinigung" beides prinzipiell ablehnen, dort eine Freundin, hier eine Gegnerin der Frauenbewegung„an sich" spielen— das vermag nur, wer sich der Entwicklung nicht ganz verschließen kann, ohne die Einsicht oder den Mut zur Konsequenz zu haben. Aus der katholischen„Dienstbote»"bcwegung, In Wiesbaden tagte vor kurzem die Generalversammlung des Verbandes katholischer Dienstbotenvereine. Die»Kölnische Volkszeitung"(Nr. 862) berichtet ausführlich darüber, aber vergebens sucht man in dem Kongreßbericht nach der Lebensäußerung auch nur eines Dienstmädchens. Ja, es scheint in den Verhandlungen überhaupt kein weibliches Wesen zu Wort gelommen zu sein. Ein Rettor hielt die Begrüßungsansprache, ein Geistlicher Rat hatte die Festrede, ein Diözesanpräses zelebrierte die Messe, ein Prälat vertrat den Caritasverband für das katholische Deutschland. Ein Geistlicher Rat erstattete den Geschäftsbericht, ein Diözesanpräses führte den Vorsitz und ein Kassierer gab den Kassenbericht. Ueber die Stellenvermittelung sprach ein männlicher Doktor und das Kor- referat hatte ein Domvikar. An der Diskussion beteiligten sich ein Prälat und ein Stadtpfarrer. Weitere Referate wurden von einem Schul- lebrer und einem Sekretär gehalten. Aus dem Berichts ist nicht zu ersehen, ob überhaupt ein Dienstmädchen zur Generalversammlung ihres Verbandes zugelassen war. Man erfuhr aber, daß diese eigen- artige Dienstbotenbewegung 79 Vereine mit 12 638 und 1266 außer- ordentlichen Mitgliedern zählt. Die»Kölnische Volkszeitung" meint, daß der Verband die rechte Form für die Organisation der weiblichen Dienstboten gefunden hat. Im klerikalen Sinne trifft das gewiß zu. Eine Organisation, in der die Mitglieder von irgendwelchen»Autoritäten" wie Kindlein geführt werden, ist für den Klerikalismus immer„die rechte Form". Der Verband fortschrittlicher Frauenvereine hat auf seiner siebenten Hauptversammlung Ende vorigen Monats folgenden Beschluß ge- faßt: Die siebente Hauptversammlung des Verbandes fortschrittlicher Fcauenvereine beantragt, den Verband überzuleiten in eine Zentrale zur Erforschung des Problems Beruf und Ehe. Diese Zentralstelle behält sich vor, mit Rücksicht auf die auswärtigen Vereine des Verbandes auch andere Gebiete zu berücksichtigen. Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt, um die notwendigen organisatorischen Vorarbeiten einzuleiten.— Zurzeit sind dem Verbände 15 Vereine mit etwa 1500 Mitgliedern an- geschlossen. Gemeinsame Erziehung. Der in Breslau tagende dritte Kongreß für Jugend- bildung und Jugendkunde, veranstaltet vom Bund für Schulreform, beschäftigte sich vor einigen Tagen mit dem Thema„Der Unterschied der Geschlechter und seine Bedeutung für die Jugenderziehung". Der Psychologe Professor Dr. Stern besprach die Hauptmerkmale def seelischen Geschlechtsunterschiede im Jugendalter. Die psychologischen Forschungen haben bisher eine wichtige negative Wahrheit gelehrt: es widerspricht den Tatsachen, wenn man den Unterschied der Geschlechter als einen Rangunter- schied hinstellr. Vielmehr zeigt bald das eine, bald das andere Geschlecht einen Vorsprung der Leistungen.Wohl mag es stimmen, daß die höchsten Formen der Leistungen bei Mädchen selten sind, aber andererseits sind auch die Mindest- leistungen bei ihnen seltener als beim Knaben. Zum Teil beruhen die Unterschiede auch auf mehr äußerlichen Gründen, vor allem auf dem Z w a n g s k n r s, den Erziehung und Unterricht dem kindlichen Tun gibt. Eine Veränderung der äußeren Verhältnisse vermag auch die Gegenstände der seelischen Betätigung zu ändern. — Der Psychologe Dr. L i p m a n n kam auf Grund von Unter- suckungen an über 2000 Kindern zu dem Resultat, daß, je größere Geschlechtsunterschiede man feststellen will, man sich aus desto weniger Eigenschaften zu beschränken hat.— Ueber die Frage der erotischen Beziehungen zwischen Schülern und Schülerinnen beim gemeinsamen Unterricht sprach Professor Dr. Cohn auf Grund von Erfahrungen in Baden. Diese Frage sei mit der größten Ruhe zu behandeln, denn die Zuneigung der Geschlechter zu einander werde sich immer zeigen, ob nun der gemeinsame Unterricht be- steht oder nicht. Bedenkliche Vorkommnisse werden bei dem gemein- samen Unterricht ebenso lvenig fehlen, wie bei dem nicht gemein- samen. Man könne vielleicht eher sagen, daß der gemeinsame Unterricht dazu beitragen könne, die Spannung der Geschlechter untereinander ein wenig zu vermindern.— Hierauf behandelte Frau Dr. K e m p f- Frankfurt am Main das Thema„Die soziale und wirtschaftliche Lage in ihrer Bedeutung für das Problem der gemeinsame Erziehung". Sie wies darauf hin, daß eine stetig wachsende Zahl von Frauen im Berufsleben steht, daß aber nach Ivie vor der Zustand der Mädchenschulbildung höchst ungünstig ist. In vielen Landesteilcn werden die Mädchen in ihrer technischen Ausbildung schon von. der Volksschule an einseitig auf das Hausfrauentum hingewiesen, und zwar nicht auch auf das Haussrauentum, wie es selbstverständlich wäre, sondern nur auf dieses, und um dieser einseitigen technischen Ausbildung ivillen wird dann ihre Allgemeinbildung im Vergleich zur Knabenerziehung verkürzt. Außerdem müssen in fast allen Landesteilen die Mädchen in der Möglichkeit der Berufsbildung und der allgemeinen Weiter- bildung weit hinter dem zurückstehen, was die Fürsorge des Staates der männlichen Jugend angedeihen läßt. Die Schulen für beruf- liche Mädchenbildung sind entweder weniger zahlreich, für die Eltern nur mit größeren Kosten erreichbar als die Knabenschulen, oder sie fehlen von feiten des Staates ganz, sind private Veranstaltungen und müssen daher wegen der mangelnden Geldmittel nur zu oft einen dilettantischen Charakter tragen. Wir brauchen die rückhalt- lose Oeffnung der Fach- und Fortbildungsschulen auch für die weibliche Jugend. Aber ein solcher Zustand, so wünschenswert er ist, bedeutet noch nicht den Sieg des Prinzips der gemeinsamen Erziehung. Der volle Sieg des Prinzips der gemeinsamen Er- ziehung ist nur möglich, wo die Gleichwertigkeit der beiden Ge- schlechter nicht nur mit den schönen Worten der Trinksprüche, son- dern im allgemeinen Volksempfinden anerkannt ist, wo daher der männliche Lehrer die weibliche SdHülerin alich als gleichwertig und bezüglich der geistigen und beruflichen Förderung gleich wichtig empfindet, und wo das Ehrgefühl des Jungenalters sich nicht ver- letzt glaubt, wenn es einer weiblichen Autorität unterstellt wird. ?lin zioeiten Verhandlungstage erörterte der Kongreß die For- derungen, die sich aus der Eigenart der Geschlechter und aus den sozialen Verhältnissen fiir die Jugenderziehung ergeben. Das Problem der Differenzierung der Geschlechter in: Unterricht und in der Erziebung behandelte Schulrat Prof. Dr. Wychgram: Wie auf dem Geviete der körperlichen. Struktur und der körperlichen Daseinserhaltung, so überwiegt auch auf dem der geistigen Struktur die Gleichheit der Geschlechter weitaus. Der einzige bisher sicher erkannte Unterschied liegt in dem Tempo der geistigen Eni- ivickelung in den Lebensjahren von 12 bis 17. Ihm kann überall da, wo es sich nicht um Koedukation handelt, durch das Unterrichts« tcmpo entsprochen werden. Das Schlagwort von der„weib- lichen Eigenart", das gegenwärtig in amtlichen Bestimmungen und überall da, wo die Forderungen selbst der gemäßigten Frauen- bewegung bekämpft N-erden, eine große Rolle spielt, ist überaus b c d e n k l i ch. Die unterrichtliche Erfahrung hat bisher gezeigt, daß von den üblichen Unterrichtsgegenständen keiner außerhalb der weiblichen Interessen- und Fassungssphäre liegt. Auch scheint nicht erwiesen zu sein, daß die Begabung und das Interesse der Mädchen sich einem Fache inr besonderen Matze zuwende. Die erzicherischS Praxis des Elternhauses wie der Schule scheint zuzugeben, daß dem Mädchen eine andere, in manchen Fällen stärkere Gefühls- betonung eignet. Frauenarbeit. Weibliche Postbeamte. Im Dienste der Rcichspostverwaltung stehen zurzeit 25 000 Frauen, also ein ganzes Heer van Post-, Tele- graphen- und Telephonbeamtinncn. Uebcrblickt man diese geivaltige Zahl, so ist es gewiß verwunderlich, daß sich im Jahre 1873, als in einem Abrechnungsressort der Post weibliche Kräfte eingestellt werden sollten, keine einzige Frau zu diesem Posten meldete. Nur versuchsweise sollten Frauen damals im Postfach arbeiten, denn der Generalpostmcistcr Stephan war ein grundsätzlicher Gegner der Verwendung von Frauen. So jung» die Erwerbstätigkeit der Frau im Postsach noch ist, so schnell hat sie sich entwickelt. Aller- dings stieg die Zahl der weiblichen Kräfte im Postwesen im Ansang nur langsam, nahm aber durch die Erfindung des Fernsprechers einen ungeahnten Aufschwung. Schon zur Zeit des Norddeutschen Bundes wurden einige Frauen im Postdienst verwendet. 1871 übernahm die Reichstelegraphen- Verwaltung 99 Telegraphenbeaintinncn etatsmäßig, mit einem jähr- lichen Gehalt von 900, 1050 und 1200 M., nach den Dienstjahren abgestuft. Aber weitere weibliche Postbcamte lvarcn sehr schwer zu erlangen. Da sich, wie schon bereits erwähnt, 1873 keine Frau zum Postdienst meldete, nahm man die Hilfe des Lettevereins in Anspruch und stellte 12 von diesen ausgebildete Mädchen mit einem Gehalt von 1,50 M., später 2 M. pro Tag an. Diese Tagesgelder stiegen langsam, sie betrugen l877, als es etwa 250 Postgehilfinnen gab, 2,50 M., dann im Jahre 1890 3,75 M. Bei den Telephon- ämtern wurden Frauen zuerst im Jahre 1887 angestellt, in Hain- bürg und Berlin. Da sie sich in diesem Berufe bewährten, sich eifrig und gewandt zeigten, so wurden sie von der Reichstelephon- Verwaltung viel beschäftigt. Bis. zum Jahre 1897 gab es zirka 2800 Frauen im Fernsprechdienstc, die die gleichen Gehälter wie die Telegraphengehilfinnen bezogen: 1100 M., steigend von drei zu drei Jahren um je 100 M. auf das Höchstgehalt von 1500 M. nach 12 Jahren Berufsdauer. Nach dem Tode des Postmeisters Stephan im Jahre 1897 wurde das Arbeitsfeld der Frauen bei der Reichspostverwaltung erweitert und die Gehaltsskala verändert. Heute betragen die Gehälter Jür Post- und Telegraphengehilfinnen zwischen 1300 und 1800 M. jährlich, für Eisenbahngehilfiimen zwischen 1100 und 1600 M. und für Fernsprechgehilsinneii zwischen 1100 lind 1500 M., wozu der Woh- nungsgeldzuschutz noch kommt. Tie Gehälter sind also in den letzten 16 Jahren, seit 1897, nur ganz ininimal gewachsen, wogegen die Lebensmittel und die Wohnungsmieten sich gerade in dieser Zeit sehr verteuert haben. Auch ist die Tätigkeit der Postbeamtinnen» besonders der Telegraphengehilfinnen, sehr aufreibend. Die Be- zahlung des weiblichen Beamten im Postwesen ist in einigen an« deren Staaten, so z. B. in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten von Amerika, viel besser. Die dortigen Gehälter sollten für Deutschland vorbildlich sein. In Amerika werden Gehälter bis zu 1200 Dollar, zirka 5000 M., gezahlt; doch müssen dabei die hohen Lohnvcrhältnisse und die ganz abnorm teuren Lebensmittel in Er- wäguilg gezogen werden. Doch auch in der Schweiz bei durchaus mäßigen Preisen für Lebensmittel beginnt die Bezahlung der Post- bcamtin mit 2000 Franken, gleich 1600 M., und steigt bis zu 3600 Franken, gleich 2800 M. Allerdings werden dort von den Ange- stellten Sprachkenntnisse entweder in Französisch und Deutsch oder in Italienisch verlangt. So offenbart die Untersuchung dieser Verhältnisse auch darin, wie in vielen anderen Gebieten, ciiicn Rückstand Deutschlands. Miltter-Speisehäiiscr. Im Jahre 1904 richtete der Pariser Professor Henry C u l l o t mit seiner Fron ein Speisehaus ein, in dem jede werdende Mutter vom sechsten Monat der Schwangerschaft an und jede Mutter, die ihr Kind nährt, täglich einmal, regelmäßig oder gelegentlich, ohne irgend welche Fragen beantworten zu müssen, eine Mahlzeit unentgeltlich erhalten konme. Der Gedanke fand An« klang. Heute gibt es zehn solcher, an Restaurationen angeschlossener Speiseanstallen, und die Zahl der bisher verabreichten Portionen dürfte die Million erreicht haben. Die Mahlzeiten sind natürlich mit beiqnderer Rücksicht auf den Zustand der Frauen zusammengestellt. Ihr Preis stellt sich auf durchschnitllich 35 Cent.(28 Pf.) Nährende, deren eigene Milch nicht zureicht, erhallen ferner kostenlos die er» forderliche Menge sterilisierter Kuhmilch als Ergänzung. Eine wertvolle Ergänzung dieser materiellen Fürsorge ist die mit den Speisehäusern verbundene Säuglings- Beratungs» st e l l e. Die Mütter bringen ihre Kinder mit, die entkleidet und gewogen werden, und erhalten die erforderlichen ärzt- lichen Ratschläge. Damit ist auch eine wirksame Be- kämpfung der Unreinlichkeit, dieses gefährlichen Feindes der Kinder, gegeben. Diese weiteren Maßnahmen haben sich nicht ganz leicht eingeführt: im Bezirk Montmartre ging die Zahl der ausge« gebenen Mahlzeiten zunächst von rund 23 000 auf 16 006 zurück, da vielen der übermüdeten oder unerzogenen Mütter die Reinlichkeits« kontrolle lästig war. Doch bürgern sie sich überall ein und haben zusammeii mit der übrigen Fürsorge die Säuglingssterblichkeit, die sonst durchschnittlich 20 Proz. beträgt, für diese Kinder um Drei« vieriel vermindert. Daß ein großes Bedürfnis vorhanden ist, beweist die Tatsache, daß manche Frauen eine Stunde Wegs zurücklegen, um eine Mahlzeit zu erhallen. Wieviele andere mögen den Weg scheuen— eine erhebliche Vermehrnng der Speisestellen, namentlich ihre Errichtung in den Vororten zeig: sich notwendig: eine Aufgabe im Kampfe für die Tüchtigkeit des Nachwuchses wie gegen die Be- völkerungsverminderunz. die in vollem Umfange nur von der öffentlichen Fürsorge erfüllt werden kann. Immerhin ist das bereits Geschaffene vorbildlich geworden und hat bekanntlich auch in Deutschland Nachfolge gefunden. literarisches. Die Arbeiterinnen und die Gewerkschaften. Von Adolf Braun.(Sozialdemokratische Fraucnbiblioihek. Heft 6. Buch« Handlung Vorwärts. 36 Seiten. Preis 40 Pf.) Von der Tatsach« ausgehend, daß immer mehr Frauen in die Erwerbsarbeit hinein« gerissen werden, legt Genosse Braun die Notwendigkeit der Organi- sation für diese Frauen dar. Er schildert kurz das Wesen der Ge« werkichaften und erörtert besonders die Vorteile der Organisation für die Frau, wobei die landläufigen Einwände gegen den Eintritt in eine Gewerkschaft ividerlegl werden. Als Werbeschrift und zur ersten Einsührung in das Gewerkschaftswescn für Frauen lvird die Broschüre für Gewerlschaften und Partei gute Dienste leisten. Jed« Arbeiterin und Arbeiterfrau sollte Brmiiis Ausführungen kennen, verbreiten und in die Tat umsetzen. Verwaltung Ucrlin. Sonntag, den 12. Oktober 1913, nachmitttags 4 Uhr, in Kellers Neue Philharmonie, Berlin, Köpcnicker Str. 96/97; OkMlichk SWer-NttsimilllW. Tagesordnung: Was haben die Schiffer vom Parlament z« erwarten? Referent: Schriftsteller Joachim Kliisf.— Freie Diskussion. 197/7 Der Elnbernfer: Richard Herbst, N 58, Lettcstr. 7. Wer Iii AkmMllgssttllt Kerlin. N 54, Linienstr. 83—85. Telephon: Slnit Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag» den 12. Oktober, vormittags 19 Uhr, im Boigt-Theater, Badstr. 58: Branchen- Versammlung der Ankerwickler und Wicklerinnen. Tagesordnung: 1. Bortrag über die.Volksfürsorge*. 2. Neuwahl der Branchenleiter. 3. Verbandsangelcgenheitcn. Sonntag, den 12. Oktober, vormittags 19 Uhr, in den Sophieu-Sälen, Sophienstr. 17/18(großer Saal): Kmdiiliiiiik Kraichen-Ntrskliliulmiz aller in den Eisenkonstrltktionswerkstätten beschäftigten Arbeiter sowie Fahrstuhl- Monteure nnd Helfer. Tagesordnung: 1. Bericht des Kollegen Idaos von dem Internationalen Bauarbeiter- fchutzkongreis in Leipzig. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der gesamten Branchenleitung. 4. Verschiedenes. IHM Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.'H» Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 127/12 tsle«rtsverwaltung. Tischbranche. Sonntag, den 12. Oktober 1913, vormittags 91/3 Uhr, im Lokale von Reei�Iing, Boxhagcner Chaussee 9: Vcrtraucnsmänncr-Ücrlammlung. Tagesordnung: 1. Ausnabtne einer Statistik sür die Tischbranche. 2. Bericht der Kom- Mission. 3. Verbandsangclegcnhcitcn. MW- Jede Tischlcriverkstatt Grost-Berlins und die in Möbel- fabritcn beichäftigte» Tischmachcr müsi'cn vertreten sein. Tischler Bezirk Wedding nnd Moabit. Montag, den 13. Oktober 1913, abends Uhr, bei Kaczorowaki, Ziavensstrasie 6: Mitglieder Uersammlnng. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen>'!t»el»ke über:.Die Bolksfürsorge und die Schäden der Privatversicherung". 2. Verbandsangelegen- heiten._ Laden- und Koniormöbelbranche. Montag, den 13. Oktober 1913, abends 6 Uhr, im JLuiacnstadt-Kaslno: Mitglieder versammlttttg. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbandsangelegenheiten. Einsetzer. Am Sonntag, den 12. Oktober, vormittags 9>/z Uhr: Bezirks- Versammlungen in folgenden Lokalen: 1. Bezirk: Merkowaki, AndreaSstr. 26. 2.„ Gltesche, Kopenbagenrr Str. 74. 3.. Thunack. Ebarlottenburg. BStelandstr. 4. 4.. Schenk, Neukölln, Rosenstr. 24. 5.. WlemerH. Bülowstr. 58. 6.. Melaser. Wiesenstr. 29. 7.. Ijauseh, Bredowftr. 35. - Der 7. Bezirk ist für Moabit neu eröffnet.- Die Ort« Verwaltung. r» Zweigverein Ucriin. Sektion tief Putzer* Sonntag, de» 12. Oktober, vorm. 16 Uhr, in Obiglos Festsälen, Schwedter Sir. 23: Mitgliecler-Versammln ng. Tagesordnung: 1. Sektionsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. 115/16* Ott' Zahlreiches Erscheinen wird erwartet."�3 ___ Der Borstand. Ortskrankenkasse der Kildhautr, Stukkatturr und lttrivllndter Geuierbr in Berlin. Bekanntmachung. Die 13. Statutenänderung, wonach den Mitgliedern gemäsi§ 13 Abs. II sür giögere Heilmittel, auch Zahn- ersah, bis zum Betrage von 60 Marl gemährt werden kann, ist vom Bezirks- auSschuß am 13. September d. I. ge- nehmigt worden und tritt mit heute in Kraft. Berlin, den 11. Oltober 1913. Der Verstand. I. V.: Fritz Waldeyer, Vorsitzender. JÜ atentanwalt Prlllwitz Berlin N.W21.Thurmsf Uraße 34. 90; 1 Dr.Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzeustr. 41, ÄPa:iz 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12. yynrv;' Buchhandlung Vorwärts Eindcnstr. 69. Sozialdeiiiokrat. FSugsehrifteD: ÄO. il 21. »M ileferat v. lob. Timm-München erstattet auf dem Parteitage zu Jena 1913. 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Oktober, mittags 1 Uhr: Ssktvutlleli«, ullpoULsoll« Volk- und Sportlerversammlungen in den Lokalen: Lerlia: Konkordia-Festsäle, Andreasstraße 64, Pharns-Säle, Müllerstraße 142, Hosjäger-Palast, Hasenheide 52/53. Neukölln, Britz und Umgegend: Bartsch, Hermannstraße 49. Lichtenberg: Steuer, Frankfurter Chaussee 128. Oharlottenhurg: Bolkshaus, Rosinenstraße 3. Lchoneherg: Aiene Nathanssäle, Martin-Luther-Straße 69. Halensee- V�ilmersdork: Viktoria- Garten, Wilhelms- aue 114/115. TTempelhok-Mariendork-Marienkelde; Herolds Festsäle, Martendorf, Chausseestraße 283. Lichte rkelde und Umgegend; Richter, Lichterselde, Chausseestraße 104. Oder- und Weder- Schöne�veide, Karlshorst, Johannisthal und Umgegend: Restaurant Wilhelminenhos. Bohnsdorf-Grünau: Restaurant Gravelotte(2 Uhr). Adlershof s Köpenick: Stadttheater. ReinickendorfsOst: Anders, Hauptstraße 50/51. Reinickendorf-IVest: Wohlfahrt, Eichbornstraße 18. Tagesordnung: i. Zuiizdt>lW!>«li>Skkslkh:!iiz mid die Arbtileriitreiiit für Spürt irnd Kürpnpßcgt. 2. Fr-i- Aussprach-. Referenten: Otto Büchner, M. d. R. Redakteur Ernst Däumig. Wilhelm Deinert. Agnes Fahrenwald. Fraliz Genh. Max König-Dresden, Vorsitzender des Verbandes„Volksgesundheit". Bruno Lieste. Max Peters. Franz Preuß. Hermann Rüdiger. M. Reichert-Spandau. Frik Stühm. Richard Loppel. Wilhelm Wachs. Redakteur Fritz Wildung-Leipzig. Wff" Die Tellersammlnng ist für den Debelfonds bestimmt."WU Arbeitereltern und Mitglieder bürgerlicher Sportverbände sind besonders eingeladen!! Für die Einberufer. �verantwortlicher Redakteur: Blfctb Wielep�NeMlln.�Für'den Inseratenteil verantw.: Tb Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt,»uchvrucketet u. V« rwgSanstalt Paul Singer u. Co.. Berlins»