Ar. 866. flbonnementS'ßedingungen: Wonnements• Preis pränumerando: Vierteljährl. SLV Ml., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich W Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn SAZ Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. crfcheint täglich. Verlinev VolksblAtt. die snlertlonz-eebllhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonef. zeile oder deren Raum M Pfg.. sür politische und aewcrkschastlichc Vcreil,s. und VersnnunlungS-Anzcigcn so Pfg. „Kleine Zlnrcigen", das fcttgedruclte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedilickw Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstcllcnan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere»ort 5 Psg. Worte über Iii Buch. [laben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SMlaldenidkrat Rcnch", s" Zentralorgan der rozialdernokrati feben Parte» Deutschlands. Redaktion: SQL 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt MoriNplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den II. Oktober 1913 Expedition: SM. 68, L-indenstuasse 69. Fernsprecher: Amt MoriNplatz, Nr.»984. ehriitlichnationale Ohnmacht. 1. Als Hofprediger Stöcker aus dem Evangellschsozialen Äongretz ausgeschieden war, scharte er kurz darauf, im April 1897, zu Kassel seine Getreuen um sich und gründete die Freie kirchlichsoziale Konferenz. Das neue Unternehmen sollte nach den Satzungen dienen dem„freien Zusammen- fchlujj aller Männer und Frauen Teutschlands, die das gesamte öffentliche Volksleben mit den lebendigen Kräften des Evangeliums durchdrungen wissen wollen, die daher eine lebendige Mitarbeit der evangelischen Kirche an allen sozialen Fragen für erforderlich halten und selber zur praktischen und wissenschaftlichen Mitarbeit bereit sind". Ein Jahr vorher war Stöcker mit feinem christlichsozialen Anhang von den Konservativen abgerückt und hatte im Februar 1896 in Frankfurt am Main die Christlichsozialen als selbständige Partei neu organisiert. Die Freie kirchlichsoziale Konferenz und die Christlichsozialen gehören seitdem zu- sammen: Stöcker und sein Adoptivsohn Mumm waren hier wie da die führenden Leute. Beide hatten auch großen Ein- sluß in dem Ausschuß für Arbeitervertreterwahlen und soziale Angelegenheiten in Berlin, in dem Führer der evan- gelischen und der katholischen Arbeiterbewegung staats- retterische Pläne gegen die Sozialdemokratie schmiedeten. Dieser Ausschuß trat im Winter 1992 mit dem Vorschlag auf, einen Kongreß aller nicht auf sozialistischem Boden stehenden Arbeiterorganisationen zu veranstalten. Es fand eine Beratung von Vertretern der christlichen Gewerkschaften, der katholischen und evangelischen Arbeitervereine statt, die eine vorbereitende Kommission ernannte mit dem Auftrag, den einzelnen Verbänden und Vereinigungen geeignete Vorschläge zu machen. In dem Rundschreiben dieser Kommission heißt es: .Als Zweck des Konzresses wird hauptsächlich ins Auge gefaßt die Ermöglichung einer gemeinsamen Aktion in solchen Fragen der gesetzlichen Sozialreform, die den betreffenden Arbelterorganisaiionen gemeinsam sind. Ein solches gemeinsames Vorgehen erscheint um so notwendiger, als durch die rege und laute Agitation der Sozialdemokratie, die überall geschloffen auftritt, die in vielen Organisationen zersplitterte christlich und national denkende Arbeiter- schaft in der Oeffentlichkeit zurückgedrängt werden konnte. Es soll deshalb gelten, der breiten Oeffentlichkeit zu zeigen, daß Hunderttausende christlich und national denkende Arbeiter in den Grundfragen der sozialen Reform einig und geschloffen dastehen und unerschrocken ihre höchsten Güter: Glaube und Vaterlandstreue zu Kaiser und Reich, zu verteidigen gewillt sind." Es wird sodann die Tagesordnung des Kongresses mit- geteilt und hingewiesen auf die„Unfähigkeit" der Sozial demokratie zu praktischer Sozialreform und demgegenüber auf die Bereitwilligkeit der christlichen und nationalen Arbeiterschaft, auf diesem Gebiete mitzuarbeiten; schließlich wird der lieber- zeugung Ausdruck gegeben,„daß nur durch das einmütige Zusammenwirken der christlich und national denkenden Arbeiter- ivelt nicht nur die Fortführung der sozialen Reform erreicht wird, sondern auch der E i n f l u ß der Sozialdemokratie auf die deutsche Arbeiter- schaft zurückgedrängt werden kann". Für die Teilnahme an dem Kongreß kamen in erster Linie in Betracht die christlichen Gewerkschaften, die katholischen Arbeiter-, Gesellen- und Knappenvereine sowie die evangelischen Arbeitervereine; weiter hatte man den deutsch-nationalen Handlungsgehilfenverband zugezogen, während die Hirsch- Dunckerschcn Gewerkvcreine abgelehnt hatten. Im übrigen hatte man von den vorhandenen nichtsozialistischen Organi- sationen alles auf die Beine gebracht, wessen man nur Hab- Haft werden konnte— alles in allem eine recht gemischte Gesellschaft, die ihre Zusammengehörigkeit durch weiter nichts als durch die Gegnerschaft zur Sozialdemokratie zu begründen vermochte. Der deutsche Arbeiterkougreß— wie sich das merkwürdige Gebilde stolz nannte— hielt seine erste Tagung vom 26.-28. Oktober 1903 in Frankfurt a. M. ab. Die dort versammelten Delegierten sollten, wie pomphaft übertrieben verkündet wurde, 690 090 Arbeiter vertreten. Ver- handelt wurde über das Koalitionsrecht der Arbeiter und die Vercinsgesetzgebung, über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine und über die Arbcitskammern. Den letztgenannten Punkt be- handelte Arbcitersekretär Giesberts, der damals noch Zeichen von proletarischer Solidarität aufwies. Giesberts ivarnte, den Kongreß in eine fruchtlose Sozialistentöterei aus- laufen zu lassen: Es mag draußen vielleicht Leute geben, die uns gerne als Gturmbock gegen die Sozialdemokratie sähen, denen aber die praktische Sozialreform ein Greuel ist. Ich muß dem gegenüber betonen, mit der Sozialdemokratie mögen sich diejenigen herumschlagen, die sie geschaffen haben, diejenigen, die durch ihre Mißwirtschaft auf sozialem Gebiet den deutschen Arbeiter gewiffermaßen der Sozial- demokratie in die Arme getrieben haben. Ihr Beifall beweist mir, daß wir uits alle eins fühlen; wir sind Arbeiter und alle Arbeiter sind unsere Klassenge nossen. mit denen wir gemeinsam unter den sozialen Uebel ständen leiden. Wie wir diese beseitigen, muß unsere erste Sorge sein, denn aus diesen Uebelständen kommt nicht zuletzt das starke Wachstum der Sozialdemokratie. Das sind Worte, die in sinnfälligem Widerspruch stehen zu den Anschauungen, aus denen heraus der Kongreß entstanden war: Bekämpfung der Sozialdemokratie, die dann weiter aber auch Herr Giesberts, als Politiker wie als Ge werkschaftsmann, sehr bald vergessen sollte! Der Kongreß faßte zu den behandelten Punkten tönende Resolutionen, die dem Reichskanzler durch eine Abordnung überreicht wurden, setzte ein Komitee ein, das in der Folgezeit mehrmals zu- sammentrat und Eingaben sozialpolitischer Art an die Re gicrung und ebensolche Aufrufe an die Oeffentlichkeit richtete, um auf diese Weise die Förderung der Sozialrcform zu be- treiben. Und der Erfolg? Im Oktober 1906 erschien in der „Kölnischen V 0 l k s z e i t u n g" eine Zuschrift aus christ lichen Arbcitcrkreisen, in der es heißt: Von den Forderungen des Frankfurter Kon- gresses, die durchweg das sozialpolitische Gebiet betreffen, ist bis jetzt noch keine einzige auch nur teilweise erfüllt, wie überhaupt die sozialpolitische Gesetz- gebungSmaschine in den letzten Jahren äußerst wenig produktiv gearbeitet hat.... Trotz der Audienz, die der Reichskanzler im Dezember 1903 einer Depu- tation des Frankfurter Kongresses gewährt hat, ist das praktische Ergebnis der Bemühungen der christlichnationalen Arbeiterschaft um Besserstellung ihres Standes um Gleichberechtigung mit an- deren Ständen geradezu kläglich mager. Sonderbare Schwärmer aber auch, die da wähnten, daß man durch ein halbes Dutzend Resolutionen und eine Audienz beim Reichskanzler eine von Junkern und Scharfmachern be- herrschte Regierung für eine wirksanie Sozialrcform bekehren könne! Im November 1906 kam die Vorlage über die Rechts- fähigkeit der Berufsvereine an den Reichstag. Auch die christ- lichen Arbeiter mußten zugeben, daß durch sie den Berufs- vereinen, statt sie auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, der Boden vollends unter den Füßen weggezogen worden wäre. Die Vorlage verschwand, von niemandem bedauert, und kehrte bis heute nicht wieder. Ein halbes Jahr später, und es mußte unter dem Drängen der Scharfmacher der Mann aus der Rcichsregierung scheiden, der gerade den christlich- nationalen Arbeitern besonders gewogen war und auf den diese ihre ganz besondere Hoffnung gesetzt hatten: Graf Posadowsky. Er hatte als Staatssekretär des Innern im Reichstage wiederholt auf die Notwendigkeit hingewiesen, zur Bekänipfung der Sozialdemokratie die chrisilicheArbeiterbewegung zu unterstützen. Aber Regierung und Reichstag haben sich weder um seine Mahnungen, noch um die Forderungen des deutschen Arbeiterkongresscs gekümmert. Die Hoffnung, daß nur eine von guter Gesinnung geleitete Arbeiterbewegung zu kommen brauche, um die Sozialreform in Schwung zu bringen, hatte sich als trügerisch erwiesen und sollte sich auch für die Folge als trügerisch erweisen. Auf der Hauptversammlung der Freien kirchlichsozialen Konferenz in Karlsruhe 1907 sagte der Votsitzende Dr. von Oertzen, der beste Beweis, daß die kirchlichsoziale Konferenz praktisch arbeite und mit beiden Füßen auf dem realen Boden der Gegenwart stehe, sei die Entstehung und das Wachstum der großen christlichnationalen Arbeiter- bewegung, die nicht das wäte, was sie sei, �ohne die kirchlich- soziale Konferenz und ihren unermüdlichen Sekretär Lizentiat Mumm! Das mag stimmen. Die christlichsozialc Partei, die nicht leben und nicht sterben kann, gedachte durch die Annäherung an die christlichen Gewerkschaften und durch die Mobilmachung der evaitgelischeu Arbeitervereine ihre spärlichen Reihen zu füllen, und dieselben Erwägungen trafen zu bei den christlichen Gewerkschaften, die sich zu stärken hofften an den Mitgliedern der katholischen und evangelischen Arbeitervereine. Im Oktober 1906 wurde zu diesem Zweck eine große Aktion veranstaltet: ein Aufruf ging an„alle christlich und national denkenden Arbeiter" mit der Aufforderung, daß alle Mitglieder der christlichen Gewerkschaften den Arbeitervereinen und deren Mitglieder umgekehrt alle den christlichen Gewerkschaften beitreten sollten— und zwar, wie es in dem Ausruf hieß:„unter Hinweis auf das g e wältige Anwachsen der sozialdcmokrati- scheu Bewegung und der die Arbeiterbewegung, die soziale Rcformarbeit, wie das Votkswohl schädigenden Ten- denzen der heutigen Sozialdemokratie". Wir werden sehen, daß sich auch diese Hoffnung als trügerisch erwies. m a u 11 wie für den freisinnigen Kandidaten Klöppel wurde durch Flugblätter und Versammlungen die lebhafteste Propaganda entfaltet. Und da der Wahlkreis vier Städte und 104 ländliche Ortschaften untfaßt, konnte schon etwas an Agitation geleistet iverdcn. Während sich für den kon- servativeu Kandidaten namentlich auch die Amtspressc ins Zeug legte, schickte der Freisinn seine Koryphäen attS, um Dresden-Neustadt in seinen Besitz zu bringen. Waren doch die Wiemer, Kopsch, Potthoss, Naumann und Gothein rednerisch bis zur letzten Stunde tätig. Der Erfolg dieser Tätigkeit spiegelt sich im Wahlergebnis. Es erhielten bei der Wahl 1912 Stimmen: Sozialdemokratie..... 31 640 Reformpartei...... 13 893 Freisinn........ 12 363 Zentrum........ 319 Bei der gestrigen Ersatzwahl erhielten Stimmen: Buck(Soz.)...... 31 198 Dr. Hartman»(kons.)... 14 298 Dr. Klöppel(Fortschr. Vp.). 10 890 Unser Genosse Buck ist somit mit einer Majorität von 6999 Stimmen gewählt worden, während der Vorsprung der Sozialdemokratie im Jahre 1912 nur 3999 Stimmen betrug. Ten größten Verlust, und zwar 1473 Stimmen, haben die Fortschrittler zu verzeichnen. Tie Konservativen haben ziuar einen kleinen Zuwachs von 495 Stimmen, doch dürften ihnen die Stimmen des Zentrums, das diesmal keinen Kandidaten aufgestellt hatte, zugefallen sein. llm Kadens Wahlkreis. eenoffc Buch gewählt Bei der ReichStagSersatzwahl im 4. sächsischen Wahlkreise haben sich die Gegner ernstlich der Hoffnung hingegeben, das seit fünfzehn Jahren von der Sozialdemokratie eroberte Mandat wieder in ihren Besitz bringen zu können. Sie spe- kulierten darauf, daß Genosse Kaden, der den Wahlkreis feit 1898 vertrat, wohl vielfach durch seine Persönlichkeit Anhängerschaft erworben habe und baß deshalb die Chancen der Gegner einem neuen, im Wahlkreise weniger bekannten sozialdemokratischen Kandidaten gegenüber günstigere seien. An Agitation haben es die Gegner jedenfalls nicht fehlen lassen. Sowohl für den konservativen Kandidaten Dr. Hart- vie Röte des Radikalismus. Aus Paris wird uns geschrieben: Die letzten allgemeinen Deputiertenwahlen haben der bürgerlichen Linken die Mehrheit beivahrt, im Senat hat die „demokratische Linke", die dort den Radikalismus repräsentiert, eine starke Majorität, aber gleichwohl zeigt die politische Ge- schichte der letzten Jahre eine Niederlage der radikalen Partei nach der anderen, iieincs ihrer Ministerien zeigte sich lebensfähig und L r i a n d und B a r t h 0 u konnten ungsscheut mir Hilfe der gemäßigten Parteien eine Politik verfolgen, die der radikalen Tradition schnurstracks zuwiderlief. Bei jenem hieß sie„apaisemenf— Beruhigung—, von diesem hat sie vor ein paar Tagen das ischild der..oonoorcks nationale"— der nationalen Eintracht— erhalten, in beiden Fällen aber läuit sie darauf hinaus, den Gegensatz, der zwischen dem opportu- nistischen Republikanismus der liberalen Bourgeoisie und dem kleinbürgerlichen Jakobinismus bestand und der hauptsächlich in der Politik gegenüber den Ansprüchen der Kirche zum Aus- druckkonimt, zuüberbrücken. Diesesozialkonscrvative Sammlitngs- Politik hat sich der von den sortgesetzten internationalen Krisen begünstigten Stimmungsmache, der der zum Teil selbst dem ödesten Chauvinismus verfallene Radikalismus keine Energie und kein volkstümliches Programm entgegenzusetzen hatte, sehr geschickt gedient. Ihren sichtbarsten Triumph feierte sie im Kongreßsaal von Versailles bei der Wahl deS„starten". „nationalen" Präsidenten Poincars, die im offenen Kampf gegen die radikale Demokratie und mit unverhohlener klerikaler und monarchistischer Hilfe durchgesetzt wurde. Tie Schwäche der radikalen Partei War nun vor dem ganze« Land kundgetan, und die folgenden parlamentarischen Kämpfe um die dreijährige Dienstzeit zeigten, daß ihr in den entscheidenden natianalen Fragen die Klarheit der Ideen und die Entschlossenheit der Gesinnung abgeht. Trotz alledem gibt es noch immer etliche radikale Größen, die von einer Krise ihrer Partei nichts wissen wollen und die Ursachen des fortgesetzten Mißgeschicks in organisatorischen Mängeln sehen. Andere glauben, daß zur Reform der inneren Organisation nur noch eine Revision der parlamentarischen Taktik treten müsse. Endlich fehlt es auch an solchen nicht, die ehrlich zugeben, daß die radikale Parlamentspolitik der letzten Jahre die Erwartungen der Volks- Massen, an die die Partei appelliert habe, betrogen habe und einer grundsätzlichen Erneuerung bedürfe, solle die Partei nicht rasch zugrunde gehen.- Anläßlich des bevorstehenden radikalen Kongresses in P a u— dem mit Hinblick auf die Kammer- wählen des nächsten Frühjahrs eine entscheidende Bedeutung zukommt— hat man diese verschiedenen Auffassungen in den mannigfaltigsten Variationen in den von der radikalen Presse veröffentlichten Jntervieivs Revue passieren gesehen und schon ihr unübersehbares Durcheinander darf als bündigste Wider- legung der Kriscnlcugncr gelten. Um die politische Kraft einer Parier zu messen, muß man— um einen Ausdruck aus der Mathematik anzuwenden— das größte g c m c i n s ch a f t- l i ch e Maß der in ihren tatkräftigen Elementen ver- einigten Ideen suchen. Aber diese Suche führt in der ! Sphäre des Radikalismus dem Reich der unendlich kleinen Größe«- bedenklich nahe. Sicherlich, die Rolle der organffatorischcn Mängel unter den verschtedeneu Ursachen der Partei-Ohnmacht soll nicht unterschätzt werden. Daß die radikalen Mitglieder der Deputiertenkammer in drei Fraktionen zersplittert sind, ist I noch das wenigste. Aber von allen radikalen Deputierten ge- hören nur 130— b. h. nicht einmal die Hälfte— und don den mehr als 200 Senatoren der„demokratischen Linken" nur 00 der Parteiorganisation an. Dafür sind zahlreiche radikale Deputierte noch in andere parlamentarische Gruppen ein- geschrieben, so namentlich in die der„demokratischen und sozialen Entente", die der Kader der briandistischen Mittel- Partei ist. Die radikale Seine-Föderatio» will in Pau diese Techtelmechtel verbieten lassen. Aber das heißt nicht viel anderes, als das alte Münchhausensche Rezept zur Rettung aus dem Sumpf empfehlen. Die radikalen Parlamentarier pfeifen auf die Parteiorganisation, weil diese schwach ist und die Schwäche dieser wurzelt im korrupten Bezirkswahlsystem, dessen Aufrechterhaltung so ziemlich der einzige Erfolg der Radikalen in den letzten Jahren Ivar. Da die meisten Deputierten sich derart nur an ihre Wählerschaften, das heißt an ihre lokalen Klüngel und nicht an ihre Partei gebunden glauben, werden sie sich auch nicht viel daraus machen, wenn der Parteitag irgendeine strenge Resolution gegen ihre politische Unzuverlässigkeit beschließen sollte. Und was könnten die schärfsten Beschlüsse gegen die..falschen" Radikalen helfen, wenn sich auch der„echteste" Radikalismus schwach zeigt, so- bald die Versuchung an ihn herantritt? Hat man strammere Prinzipienmenschen gekannt als die M a s s ö und D u- m o r st— bis zum Tage, da sie gierig nach den angebotenen Ministerportefeuilles griffen? Fehlt der radikalen Partei wirklich nichts, als daß sie sich— nach Hervss Vorschlag— „lause"? Und wo fängt der reine, unanfechtbare Radikalis- mus an, welches sind die Grundsätze, die der radikale Politiker bewahren muß, um nicht in die Kategorie der Verräter gc- wiesen zu werden? Man sieht, jeder halbwegs ernste Versuch, die Partei zu reformieren, kommt um die Prüfung und Präzisicrung ihres Programms— der Parteiziele und nicht der parlamen- tarischen Taktik allein— nicht herum. Es genügt eben nicht, diese oder jene Regierung für„reaktionär" zu erklären und die Deputierten zur Opposition gegen sie zn verpflichten, sondern die radikale Partei muß, wenn sie nicht den Rest des Vertrauens und der Achtung bei den Wählern verlieren will, endlich klar aussprechen, was sie will. Bis dahin ist das taktische Schlagwort von der„Kooperation der Linken" und gar von der Wiederherstellung des„Blocks" eine hohle Phrase. Aber die veröffentlichten Aeußerungen der radikalen Poli- tiker zeigen den vollendetsten Wirrwarr. Vorherrschend ist nur der Wunsch, die gemeinsame Aktion der ganzen Linken auf der Basis des„Kampfes gegen den Klerikalismus" zu reorgam- sieren. In C 1 e m c n c e a u s hitzigen Predigten tritt dieser Vulgärradikalismus in seiner klassischen Gestalt hervor. Da ist C o in b e s noch hellsichtiger, da er immerhin ein Minimal- Programm fordert, in das er freilich die alten politischen Hauptforderungen der radikalen Partei, wie die Verfassunas- revision und die Abschaffung des Senats oder auch nur seine Wahl durch das allgemeine gleiche Wahlrecht nicht aufnehmen möchte. Aus dem offenbaren Grund, daß der Senat die Schutzwehr der Radikalen gegen den Proporz ist. Und dies hält Eombes für eine genügende Grundlage, um den Block wieder aufzurichten mit großmütiger Zulassung der„Jaurös- scheu Gruppe" zur Teilnahnw an der Regierung. Ferdinand B u i s s o n will alles Weh und Ach aus dem Punkt der Schulreform kurieren. Er ist allerdings als Führer der Proporzbewegung mit seiner Partei sonst ganz auseinander- gekommen. Der Senator Aimond möchte sogar die Steuerpolitik der Partei mildern, wogegen der ehemalige Unterstaatssekretär M a 1 V y die Einkommensteuer mit Deklarationspflicht unbedingt als Programmforderung aufrecht erhalten will. H e r r i o t. der intelligente und hochgebildete Bürgermeister Von Lyon, der auch in seinem Verhalten in den internationalen Fragen die Interessen eines entschieden demokratisch gesinnten industriellen Bürgertums ver- tritt, ist der Wortführer des fortgeschrittenen Sozial- radikalismus, der begriffen hat, daß die kultur- kämpferische Deklamation weder die kleinbürgerlichen Massen der Partei erhalten noch dem Proletariat als genügendes Argument für eine Kooperation erscheinen kann. Dieser Flügel der Partei vertritt ein Programm eingreifender demokratischer Reformen auf politischem, sozialem, fiskalischem und militärischen! Gebiet— wobei freilich dahingestellt bleiben mag, wie viel von seineni schönen ideologischen Schwung bei einem Zusammenstoß mit den harten Tatsachen des Klassen- kampfes verloren gehen würde. Bei allen Richtungen der radikalen Linken aber begegnen wir dem Wunsche einer parlamentarischen Einigung mit den Sozialisten, sei es in den Formen des alten Blocks oder in einer loseren Form. Es bleibt nur noch übrig, zu betrachten, wie sich die Sozialisten zu diesen Wünschen, Erwartungen und Auf- forderungen verhalten._ poUtifcbe GeberHcbt Ein Astell der Bachcmiten an die Bischöfe. Den Bachemiten und ihren Parteigängern brennt das Feuer auf den Nägeln, da ein Bischof nach dem anderen sich zu den„Integralen" bekennt, und jüngst, ivie wir vor einigen Tagen berichteten, auch der Erzbischof von Köln sich unzweideutig gegen den kuriosen„Jntcrkonfessionalismus" der Kölner Richtung ausgesprochen hat. In dieser bedrängten Lage greift die im Fahrwasser des Kölner Auch-Modernismus segelnde„Augsb. Postzeitung", eine der widerlichsten klerikalen Preßkloaken, zu einem gar wehleidigen Apell an den deutschen Episkopat. In einem angeblich von„hochstehender katholischer Seite" stammenden Artikel schildert das Blatt die gewaltige Bedrängnis, in der sich das Zentrum zurzeit befindet. Als gefährlichste Gegner des Klerikalismus werden bezeichnet: die Sozialdemokratie, die auf dem Jenaer Parteitage sich als „Großblockfirma aufgemacht habe und unter deren Führung auch der Liberalismus wieder erstarken werde, ferner der Evangelische Bund, der die stärkste und mächtigste Hilfsorganisation des politischen Liberalismus sei. Diesen zwei mächtigen Feinden könne das Zentrum nur eine Organisation gegenüberstellen: den Volksverein für das katholische Deutschland. Nun seien aber Kräfte am Werke, um den Volksverein zu verdächtigen, ihn in der Arbeit und Organisation zu hemmen und einzuschnüren. Deshalb sei es nötig, die deutschen Katholiken zu befreien„von der eingebildeten Macht jener Elemente und Organe, die seit Jahren Nacht für Nacht arbeiten an der Schwächung des katholischen Volksvcrcins, an der Verdächtigung der Organisation und der Führer". Die Organisationsmüdigkeit, die Z e n t r u m s m ü d i g k e i t. die da und dort zu merken sei, entspringe nicht zum geringen Teil der Verdrießlichkeit und dem Ekel an dem unseligen Str eit im eigenen Lager. Rottweil sei nicht die letzte der ultramontanen Leidensstationen. Wenn es so weiter gehe, seien der Volksverein und das Zentrum in zehn Jahren„ein- fach k a p u t". Was die Katholiken und namentlich die führenden Katholiken erbittere und entmutige, sei das Gefühl, als ob„deutsche Bischöfe schützend oder helfend die Hände halten über jene destruktiven Ele- mente und ihre öffentlichen Organe, vom „Katholischen Deutschland" und„Oester- r e i ch i s ch e n Sonntagsblatt" bis zu den„Petrus- blättern" und der„Kölner Korrespondenz". Auf sich allein gestellt, könnten jene Elemente weder finanziell noch moralisch bestehen. Deshalb müsse dafür gesorgt werden, daß das Gefühl im Volke schwinde,„als ob nur irgendein deutscher Bischof hinter einem Organ jener Quertreiber stünde". Der jämmerliche Bittgang zu den Bischöfen und ihre Anflehung um Hilfe im inneren politischen Streit ist höchst charakteristisch für eine Partei, die in feiger Verlogenheit be- hauptet, sie wäre interkonfessionell und in allen politischen Fragen unabhängig vom Episkopat und der römischen Kurie. Ganz besonders aber trifft der Vorwurf der Verlogenheit die Kölner Richtung des Klerikalismus. Unzählige Male haben die Blätter dieser Richtung großsprecherisch erklärt, die Bischöfe hätten in die Zentrumspolitik nichts hineinzureden— und nun fleht diese selbe Richtung die Bischöfe an, doch durch einen bischöflichen Machtspruch die gegnerische Agitation zu hemmen. Und noch eines ist allerliebst im Artikel der„Augsburger Postzeitung"— die Beschuldigung, daß deutsche Bischöfe die „destruktiven Elemente" des Zentrums auch finanziell unterstützen. Vielleicht erfährt man im Verlaufe der un- ausbleiblichen weiteren Auseinandersetzungen, welche Bischöfe damit gemeint sind._ Aus dem bayerischen Landtage. Im bayerischen Landtag kam auch am Freitag die Steuervoll- zugSdebatte nicht zu Ende. Die Behauplung des Zentrums, daß nur der schlechte Vollzug der an sich guten Steuergesetze die große Aufregung im Lande hervorgerufen habe, strafen eine Anzahl Zentrumsabgeordneter selbst Lügen, indem sie soeben einen Antrag auf Abänderung der Steuergesetze eingebracht haben. Dieser Antrag verlangt gelvisse Erleichterungen im Sinne von sozialdemokratischen Anträgen, die seinerzeit vom Z.urum abgelehnt worden sind. Die Hauptabsicht dieses Antrages ist aber ein Wahlrechtsraub. Das Wahlrecht ist in Bayern an eine Steuerleistung gebunden, des- halb hat inan bei der Steuerreform von 1910 auch für Einkommen von 300 bis(5lX> M. eine Mindeststeuerleistung vorgesehen. Der Zentrumsantrag will nun die Einkommen von 3 bis C00 Wl- steuerfrei lassen und damit zahlreichen Landprole- tariern das Wahlrecht nehmen. Das Zentrum fühlt sich seit den letzten Wahlen der Gefolgschaft seiner Elemente nicht mehr sicher, daher der Versuch, jetzt unter dem Verwände sozialer Schonung diese Kreise zu entrechten. Der ZentrumSantrag dürste aber sofort die ganze Steuerfrage wieder aufrollen und sich zu einer umfassenden Revision der Steuergesetze selbst auSwachsen; eine Aufgabe, die der gegenwärtige Landtag schwerlich bewältigen kann._ Tie bayerische Königsfrage. In der Frage der Königsproklamation veröffentlicht die „Mllnchener Post" ein weiteres Stück aus dem geheimen Regierungs- gutachten, das den nunmehr wieder aufgenommenen Plan des Ministerpräsidenten v. Hertling, den Prinzregenten durch Prokla- mation, d. h. durch Staatsstreich ohne Mitwirkung des Parlaments und Aenderung der Bersaffung zum König zu machen, alS völlig gesetzwidrig bezeichnet. Die Zentrumspresse, die durch die sozial- demokratischen Enthüllungen in den letzten Tagen zum Reden und zwar zu sehr unvorsichtigem Reden über ihre geheimen Pläne ge- zwungen war, und offen sich zur Königsmacheerei durch Staatsstreich bekannte, ist plötzlich auf Kommando wieder verstummt. Der Ministerpräsident v. Hertling ist durch die öffentliche Erörterung dieser Angelegenheit gegenwärtig in noch größere Schwierigkeiten geraten, wie damals, als nach dem Tode des Prinzregenten Luitpold sein Plan an seiner eigenen staatsmännischen Ungeschicklichkeit zum ersten Male scheiterte._ Warum so boshaft? Die„K r e u z- Z e i t u n g" benimmt sich recht unliebenswürdig gegen ihre nationalliberalen Freunde, von denen sie doch erwartet, daß sie den Junkern bei der Revision der Zollsätze allerlei Liebes- dienste erweisen werden. Widmet sie doch in ihrer Nr. 475 vom Freitag denen um Bassermann einen höchst boshaften Artikel, in dem es heißt: „Da veröffentlichte das„Beil. Tagebl." einen langen Feuilleton- Roman mit dem Titel„Unter den Auserwählten", der, von eineni Anonymus verfaßt, nichts weiter als ein bissiges Pamphlet gegen die nationalliberale Reichstags- fraktion und ihre Führer darstellte. Offenbar ist der Bersasser, unter dem ein früherer national- liberaler Parteigänger vermutet wird, mit den inneren Vor- gängen und Zuständen im nationalliberalen Lager außer- ordentlich vertraut. Er schildert die leitenden Persönlich- keilen trotz der Verschleierung ihres Acußeren und der Umände- rung ihrer Namen bis i n S Kleinste und so deutlich, daß sie jedermann erkennbar sind. Er läßt die Leser seines Romans, der in der Periode des„Blllow-Blocks" spielt, an ver- traulichen Unterredungen der Führer, an Auseinandersetzungen zwischen Alten und Jungen teilnehmen, eröffnet einen interessanten Einblick in die finanziellen und politischen Schwierigkeilen einer führenden Berliner naiionalliberalen Zeitung und bringt endlich den Krach in einer Eiienacher nationalliberalen Delegierten- Versammlung sehr anschaulich zur Darstellung. Das Ganze ist eine so boshafte Herausforderung der gesamten nationalliberalen Partei und ihrer Führer— die zum Teil sogar empfindlich bloßgestellt werden—. wie sie in unierein politischen Leben Wohl noch nicht gewagt worden ist. Und nichts rührt sich dagegen unter den National- liberalen, und keiner der fortschrittlicheitzBerbündeten regt auch nur eine Hand, um seine Mißbilligung gegen ein so übles Pamphlet auszudrücken-. Ist das bundesbrüderliche Schwäche? Oder schweigt man im Gefühl der Ohnmacht, weil gegen die Darstellungen des Tageblatt-Romans nichts Rechtes erwidert werden kann? Jedenfalls ist die von Rebmann empfohlene„Wanzen- taktik" in diesem Falle nicht angebracht. Da müßte doch mit einem kräftigen Worte dazwischengefahren werden, auch wenn das Pamphlet von fortschrittlich-bundeSbrüderlicher Seite stammt." Die„Kreuz-Zeitung" heuchelt in ihrer Boshaftigkeit auch eine erstaunliche Naivität. Die Rationalliberalen, so fordert sie, sollen gegen de» indiskreten Schlüsselroma» losschlagen. Wie sollen sie dos denn aber machen, wen» doch, wie die„Kreuz-Zeitung" ja gerade behauptet, die politischen Porträts so vorzüglich getroffen sind?! Sollen sich die nach dem Zeugnis der„.Kreuz-Zeitung" getreulich Konterfeiten mit einer bloßen Entrüstungserklärung begnügen, die keine Seele überzeugen, wohl aber gar viele, die den„Roman" bis- her noch nicht gelesen, nun neugierig machen würde? Oder sollen sie bis zum Kadi laufen, auf die Gefahr hin, allerhand Wahr» heitsbeweise herbeigeschleppt zu sehen? Die Nationalliberalen befinden sich also in einer fatalen Situation. Aber vielleicht finden sie nun ihrerseits einen Literaten, der einmal den Konservativen unter dem Borwand eines Romans den politischen Spiegel vorhält. Tie Hamburgische Universität. Ueber den Ausbau des öffentlichen VorlesungSwesenS, der wiffenichaftlichen Anstalten und des Kolonialinstituts zu einer Universität in Hamburg hat der Senat im Dezember 1912 der Bürgerschaft eine Vorlage zugehen lassen, die seither eifrig in der Presse und in akademischen Kreisen erörtert worden ist, jetzt aber erst in der Bürgerschaft zur Verhandlung kam. Es haben sich dabei ganz ungewöhnliche Konstellationen ergeben. Während das mittlere Bürgertum(Linke und Bereinigte Liberale) sich durch einen Antrag auf Ausschußberatung bereit erklärten, die Senatsvorlage einer Prüfung zu unterziehen, ist von der Mehrheit der Rechten und den Sozialdemokraten ein gemeinsamer Antrag gestellt, der unter Ablehnung des Senatsantrages den beschleunigten Ausbau des Kolonialinstituts als einer selbständigen. der Lehre und der praktischen Ausbildung gewidmeten Anstalt fordert. Die erste Beratung der Vorlage am 8. d. Mts. führte zu keinem Ergebnis und mußte vertagt werden. Für die Senatsvorlage sprachen Bürgermeister Dr. Predöhl, der ins» besondere unter Hinweis auf die Vorlesungen für Arbeiter die Be- denken der Sozialdemokraten zu zerstreuen versuchte und Senator Dr. v. Melle, der als Chef des hamburgischen Unterrichlswesen den besonderen Wert einer Universität mit kolonialwisienichaftlichem Kern hervorhob, einen starken Zuzug von Studenten aus ganz Deutschland prophezeite, und den Fortgang einiger bekannter Profefforen von Hamburg auf das Fehlen einer studentischen Hörerschaft zurück- führte. Wenn kleinere Städte sich an die Gründung neuer Universitäten heranmachten, dürfe Hamburg nicht zurückstehen. Gegen die Vorlage wandte sich mit großer Schärfe Dr. D ü ck e r, der zur Begründung des von Mitgliedern der Rechten und Sozialdemokraten gestellten Antrages u. a. gellend machte, daß Hamburg feine Hauptaufgabe darin erblicken müsse, eine Lehrstelle und Forschungsanstalt einzurichten für wirtfchaftlicheRechts» entwicklung und koloniales Recht. Dem praktischen Be» dürfniS derer. die in die Kolonien oder über See gehen, werde die Universität wenig nützen, das jetzt vorbildliche öffentliche Vöries ungswesen, an dem alle Volkskreise teil» nehmen können, werde aber verlieren, sobald die Professoren und Dozenten sich vorwiegend den Studenten zu widmen hätten. Der Ausbau zu einer Universität werde außerdem jahrelange Vorarbeiten beanspruchen. Mit dem Ausbau des Kolonialinstituts zu einer selb» ständigen Lehr- und Forschungsansialt müsse dagegen schnell vor» gegangen werden, weil man in Berlin schon plane, das dortige Orientalische Seminar zu einem Kolonialinstitut auszubauen. Ham- burgs Ansehen beruhe auf seiner Stellung als erster Seehandelsplatz des Kontinents. Für die Erhaltung dieser Stellung müsse jedes Opfer gebracht werden, nicht aber für die Fatamorgana einer Uni- versitäl. Der sozialdemokratische Fraktionsredner wird erst bei der Weiter- beratung am nächsten Mittwoch zu Wort kommen. Feudale Schulzustäudc. In der Hauptversammlung des mecklenburgischen Lehrer- Vereins wurden wieder einmal die trostlosen Volksschulzustände in Mecklenburg grell beleuchtet. Der Vorsitzende des Mecklen- burgischen Landes-Lehrervereins hob hervor, daß die mecklen- bnrgischen Lehrergehälter die niedrigsten in ganz Deutschland seien. Im ritterschaftlichen Gebiet, das zwei Fünftel von Mecklenburg ausmache, fehle es den Schulen im Aeußeren wie im Innern. Die reichen Ritter besolden ihre Lehrer so ärmlich, daß, hätte die Regierung nicht Einspruch erhoben, das Anfangsgehalt nur 15 M. über das Anfangsgehalt der Bahn- Hofsnachtwächter hinauskommen würde. Die Ritter haben die alten, nicht mehr dienstfähigen Lehrer von jeher darben lassen, ebenso die Lehrerwitwen und Lehrerwaisen, und erst fest 1897 ist im Ritterschaftlichen ein Pensionsrecht vorhanden. Aber >vas für eins! Erst nach abgelaufenem zwanzigsten Dienstjahre setzt die Pensionsberechtigung ein und gewährt werden mit dem 21. Dienstjahre nur 561, mit dem 60. nur 1012 Mark. Die- jenigen Lehrerwitwen und Lehrerwaisen, deren Versorger vor dem Pensionsrecht starben, haben überhaupt keine Versorgung und die Witwen von Lehrern, die vor 1897 angestellt wurden und nach 1896 verstarben, haben die überaus kärglichen Stühe- gehälter von 135 bis 213 oder 169 bis 301 Mark, das heißt, wenn der verstorbene Mann wenigstens 20 Dienstjahre hatte, sonst nichts, ebenso die Waisen nichts! Dann halten die Ritter durch ihre Kündigungs- g e w a 1 t die Lehrer in einer drückenden, unwürdigen Ab- hängigkeit und erst mit dem vollendeten zwanzigsten(!) Dienst- jähre tritt eine geringe Beschränkung der Willkürmacht ein. Um mit möglichst verdummten Tagelöhnern, die die vorwärtsstrebende Zeit nicht begreifen, wirtschaften zu können, hielten die Ritter auf ihrem Seminar die Vorbildung ihrer Lehrer ständig hintan, und erst auf beständiges Mahnen der Regierung ist es nach und nach etwas besser ge- worden. Doch fährt die Ritterschaft unbeirrt fort, in vollen Schulklassen niit beiden Geschlechtern und alten Jahrgängen immer noch 17 bis 20 jährige Schulassisteisten, die nur zwei Jahre lang ein Präparandum und noch gar kein Seminar besucht haben, zu verwenden. Ebenso sündhaft>oird auch der innere Betrieb der Schulen vernachlässigt und gehindert, unst die Ritter gestehen(zur Ausnutzung der Kinder) im Sommer bei 8flz Wochen Ernte- und Herbstferien nur 18 beziehungs- weise 12 lvöchentliche Unterrichtsstunden zu, unter Fortfall wichtiger Unterrichtszweige. Die Lehrer ließen in ihrer Hauptversammlung darüber keinen Zweifel, daß die Hauptschuld an diesen elenden Schul- zuständen in dem Mangel jeder verfassungsrechtlichen Zustände liege. Der Kampf um eine Verfassung und ein Wahlrecht in Mecklenburg ist also auch gleichzeitig ein Kampf um ver- nünfrige Schulzustände._ Protest gegen die schlestvig- holsteinische Schnlreaktion. Eine außerordentlich stark besuchte Proiestversammlung in Kiel beschästigie sich mit den reaktionären Maßnabmen der Regierung in Schleswig: der Matzregelung des Theaterkritikers der„Schleswig- Holsteinischen Volkszeitung" und der Verstärkung der geistlichen Auf» ficht des Religionsunterrichts in den Schulen. Genoste Adler rollte das ganze Sündenregister der reaktionären Regierung in Schleswig auf, von der jahrelangen Hetze gegen die Arbeitermrn- vereine bis zu den neuesten Maßnahmen. Die Versammlung klang aus in einen wuchtigen Protest gegen die beabsichtigte weitere Ver» pfaffung der Schule und in dem Gelöbnis, dieses reaktionäre Syst«« bis zum äußersten zu bekämpfen. Die ßalhan fragen. Die Folgen des Krieges. Nach den amtlichen bulgarischen Berichten, die der Korrespondent der.Fr. Ztg." zusammenstellt, stellen sich die Verluste B u l» g a r i e n S folgendermaßen dar: In den zwei Kriegen mit der Türkei sind durch den Tod 313 Offiziere und 2S711 Soldaten verloren gegangen; verschollen sind 2 Offiziere und 3193 Soldaten; verwundet 915 Offiziere und 52 550 Soldaten. Diese Ziffern sind endgültig. Annähernd stimmen die folgenden Berlustziffern des Krieges mit den Verbündeten: 263 Offiziere wurden gelötet, und verschollen sind 39; von den Mannschaften sind 14 602 tot und 4560 verschollen; 813 Offiziere und 50 303 Soldaten wurden verwundet. Die verhältnismäßig großen Ziffern der Verschollenen werden durch die mangelhafte Kontrolle er- klärt. Im ganzen also hat Bulgarien 52 716 Bürger im besten Mannesalter verloren, die Invaliden nicht gerechnet, die aus der schauderhaften Zahl von 102853 Verwundungen ver- bleiben werden. Die Verluste an Wirtschastsvieh sind nicht ein- geschätzt worden. Die Kriegsauslagen werden in einer Aufstellung der Staatsschuldenverwaltung wie folgt berechnet: 1. RequifilionS- anweifungen 300 000 000 Fr.; 2. bewilligte und noch zu bewilligende Kredite 360 052 788 Fr. Man versichert, daß dieser Gesamtbetrag der Kriegsauslagen in der Höhe von 660 Millionen Frank nicht überschritten werden wird. Immerhin muß zu dieser Summe ein Betrog von 120 bis 150 Millionen für das verbrauchte Kriegsmaterial hinzugeschlagen werden, dessen Wert nach einer zu Anfang des Krieges auf- genommenen Inventur auf 220 Millionen Frank geschätzt worden ist. so daß sich der Geldaufwand für den Krieg auf rund 800 Millionen Frank stellt. Den größten Kriegsverlust Bulgariens stellt jedoch das Beulestück dar, das sich Rumänien ohne die gerinste Anstrengung geholt hat: 7525 Quadratkilometer bestes Ackerland— die Korn- kaminer Bulgariens— mit einem Wirlschaftswerte von annähernd einer Milliarde und einer Einwohnerschaft von 236 000 Seelen, fast durchweg Bulgaren, während das neu erworbene Stück Mazedonien und Thrazien nicht mehr als drei bis fünftausend Quadratkilometer Kulturboden enthalten soll. Der Verlust an moralischem und politischem Prestige, den sich Bulgarien durch den unglücklichen Krieg mit den Verbündeten zu- gezogen, ist natürlich unberechenbar. Alles in allem kann man sagen, daß sich das Land verblutet bat. um feine Verbündeten und Nachbarn groß zu machen. Dies bringt folgende, im Generalstab ausgearbeitete Statistik zur Anschauung: Bulgarien. Quadratkilometer Einwohner 1. Vor dem Kriege........ 96 345 4 329 108 2. Nach,,........ 112 077 4 700 150 Serbien 1. Vor dem Kriege........ 48 303 2 957 207 2. Nach.......... 87 358 4 167 207 ® riech enland 1. Vor dem Kriege........ 64 657 2 635 952 2. Nach,,........ 121 268 4 251 952 Montenegro 1. Vor dem Kriege........ 9 080 275 000 2. Nach„,........ 14 256 515 000 Europäische Türkei 1. Nach dem Londoner Frieden... 9 168 420 000 2..„ Konstantinopeler Frieden. 16 201 725 000 Albanien Neu geschaffen......... 32 000 880 000 Oeltermch. Christlichsozialer Wahlschwindel. Bei der Ersatzwahl für den Genoffen Schuhmeier haben die Schwarzen fast 400 Stimmen mehr aufgebracht als 1911 und sie, die einst ganz Wien besaßen, jubeln heute, weil sie in eine(ziemlich ungünstige) Stichwahl gekommen sind. Ihr Stimmengewinn, dem übrigens ein ebenso hoher der Antiklerikalen entspricht, er- klärt sich daraus, daß seither im Wahlbezirk 60 städtische Straßen- bahner angesiedelt wurden, die christlichsozial wählen müssen und aus der massenhaften Abgabe von christlichsozialen Stimmen auf Wahllegitimationen, die dem Magistrat als unbestellbar von der Post zurückgegeben waren, weil die betreffenden Wähler entweder unauffindbar verzogen waren oder gar nicht existierten. Diesen Schwindel schützte die k. k. Polizei nach Kräften. Man sorgt bei jeder Wahl für die Bereitstellung einer genügenden Zahl derartiger Patentwähler und verhindert durch die tollsten Er- schwerungen des Nachprüfungsverfahrens ihre Streichung. Der Zweck heiligt die Mittel. Seit 1907 haben die Christlichsozialen 392, ihre Gegner aber 2422 Stimmen in diesem Bezirk gewonnen. Tie Stichwahl zwischen dem Genossen Eldersch und dem Christlichsozialen Dr. Mataja ist am Dienstag. Galizisches Elend. Die langandauernde unmittelbare Gefahr ein? Krieges mit Rußland und die allgemeine schwere Krise haben das chronische galizische Elend zur furchtbaren Katastrophe gesteigert. Es ist ein- fach ein Zusammenbruch auf allen Linien und die sieben Millionen Landbewohner sehen sich dem Nichts gegenüber. Die Suswanderung hat dem Land auch noch die besser qualisizierten Arbeiter entzogen. Der Mini st erpräsident kündigte den polnischen sozial- demokratischen Abgeordneten eine große H i l f s- a k t i o n durch Bauarbeilen an. Von der Aussührung deS gewaltigen Körberschen Kanalprojekts von 1902 ist aber nach wie vor keine Rede. Die Agrarier leiden'S nicht._ Dolland. Tas neue Ministerium und die Beamtenorganisationen. Ter liberale Verkehrsminister Dr. Lehr hat eine Maßnahme getroffen, die zeigt, daß der sozialistische Wahlsieg vom vergangenen Juni nicht ohne Folgen bleibt. Er beauftragte den General» direktor des Post- und Telegraphenwcsens eine Konferenz der Ver- treter sämtlicher Organisationen der Postangestellten einzuberufen. in der über eine Regierungsvorlage zur Aufbesserung der Löhne beraten und weitere Wünsche des Personals entgegen- genommen werden sollten. Die Konferenz hat am Mittwoch unter dem Borsitz des Generaldirektors im Haag stattgefunden. Sie war beschickt von einer Reihe von oen örtlichen Postdirektoren aus- gesuchter Personen, die das Nichtorganisierte Personal vertreten sollten. Zufälligerweise waren oiese Vertreter fast sämtlich auch organisiert. Die Angestelltenvertreter einigten sich in ihren Wünschen, die dann von unserm Parteigenossen van Stapele, dem Vertreter der Gewerkschaftszentrale, an die alle Postbeamten- organisationen angeschlossen sind, in einer längeren Rede erläutert wurden. Der Generaldirektor teilte mit, daß er fortan eine st ä n- * ig e Vertretung aus der Organisation als Mitberatungs- st�le für Personalfragen einzurichten gedenke und auch erweiterte Konferenzen, wie die jetzt abgehaltene, weiter einberufen würde. Bedenkt man, wie da» Postpersonal und besonders seine Organi- sationen unter dem borigen klerikalen Kabinett immer drangsa- liert wurden, dann ist der Fortschritt unverkennbar. England. Ein Nachspiel zu einer Nachwahl. London, 9. Oktober.(Eig. 23er.) Die Generalversammlung der Bergarbeiterföderation Großbritanniens befaßte sich gestern noch mit einer wichtigen Angelegenheit. Es handelte sich um die Erörterung der Nachwahl in Chesterfield, wo vor etlichen Wochen der Beamte des Bergarbeiterverbandes von Derby- shire, K« n y o n, als„Arbeiterkandidat und Progressiver" einen Sitz behauptete, den vor ihm der Bergarbeitervertreter Haslam innehalte. Haslam war im Jahre 1910, als sich die Bergarbeiter- föderation der Arbeiterpartei anschloß, von dieser übernommen worden, die den Wahlkreis Chesterfield fortan als den ihrigen betrachtete trotz der Tatsache, daß der Vertreter durch die An- strengungen der liberalen Wahlorganisation des Kreises ins Parlament gewählt worden war. Als sich auch Kenyon von den Liberalen als Progressiver aufstellen ließ und die Dienste eines liberalen Wahlagenien und die zahlreicher liberaler Redner an- nahm, weigerte sich die Arbeiterpartei, da seine Gewerkschaft durch die Bergarbeiterföderation angeschlossen ist, seine Kandidatur an- zuerkennen. Allein die Tatsache, daß er sich nicht einfach als Arbeiterkandidat bezeichnete, genügte, um es der Arbeiterpartei gemäß ihren Satzungen unmöglich zu machen, seine Kandidatur zu unterstützen. Dem Beschlutz der Arbeiterpartei schloß sich dann sofort das Exekutivkomitee der Bergarbeitersöderation an. Dieser Beschlutz stand nun in Scarborough zur Diskussion. Die�General- Versammlung der Bergarbeiter beschloß mit allen gegen 4 Stimmen, den Beschluß des Exekutivkomitees aufrechtzuerhalten. Es kam zu einer Diskussion, die fast den ganzen Tag in Anspruch nahm und in der die Bergarbeiter Derbyshires von keiner Seite Unterstützung fanden. Alle Kritiker wiesen darauf hin, daß es eine Ehrensache der Bergarbeiter sei, die Satzungen und Grund- sähe der Arbeiterpartei zu respektieren, da sich die Mehrheit der britischen Bergarbeiter in der Urabstimmung für den Anschluß an die Partei entschieden habe. Die Vertreter Derbyshires stellten sich auf den Standpunkt, daß nicht die Arbeiterpartei von ihnen, sondern sie von der Arbeiterpartei schäbig behandelt worden seien. Sie verstehen offenbar die Lage noch nicht; sie stecken noch zu tief in ihrem Liberalismus, um von der Notwendigkeit einer un- abhängigen Arbeitervertretung durchdrungen zu sein. Wunder nehmen braucht einen das weiter nicht; gehören doch 90 Proz. der Mitglieder des Bergarbeiterverbandes der Grafschaft der liberalen Wahlorganisation an. Beachtenswert waren die Ausführungen des Präfidenten des Bergarbeiterverbandes von Lancashire, dem großen Jndustrce- zentrum, wo die Arbeitermassen noch nicht die sozialpolitisch re- aktionären Parteiheiligen des Liberalismus vergessen haben und konservativ wählen. Er meinte: Was sollen unsere konservativen Bergarbeiter von uns denken, wenn wir die politische Unabhängig- keit der Arbeiterklasse predigen und dann nach der Wahl cn Chesterfield die liberalen Blätter mit Plakaten herauskommen, die einen großen liberalen Sieg verkünden? Die Debatte war mehr als eine Besprechung der Situation in Chesterfield; sie war eine Abrechnung mit den Bergarbeitervertretern im allgemeinen, über deren Disziplinlosigkeit die Arbeiterpartei beständig zu klagen hat. Der Kern der Schwierigkeit liegt in dem Umstand, daß die meisten der Bergarbeitervertreter im Parlament entweder liberal gesinnte Arbeiter vertreten, die politisch unter dem Einfluß der kleinbürgerlichen religiösen Sekten stehen, oder auch daneben noch von der Gnade der liberalen Parteiorganisation abhängen. Die südwalisischen Bergarbeiter haben diesen gordischen Knoten in klassischer Weise gelöst. Ihr Vorsitzender B r a c e vertritt auch einen Wahlkreis, der durch und durch liberal ist. Vrace wird nun bei der nächsten Wahl seinen Wahlkreis ausgeben� und in dem Arbeiterwahlkreis kandidieren, der jetzt von dem Sekretär seiner Organisation vertreten wird. Aber was wird mit dem„Arbeitervertr'eter Und Progressiven" Kenyon geschehen? Zu dieser� Frage hat die Generalversamm- lung der Bergarbeiter ebenfalls«tellung genommen, indem sie mit einer Mehrheit von 15 Stimmen den Exekutivausschuß beauftragte, sich mit der Arbeiterpartei zur Regelung der Situation in Ver- bindung zu setzen. Ob das heißen soll, daß nunmehr der Liberale Kenhon zu einem Arbeiterparteiler umgestempelt werden mutz? So etwas erwarten wohl die Bergarbeiter Derbyshires. Ihr Haupt- redner drohte, daß die Föderation mit 33 000 Ausnahmeschemen aus Derbyshire bedacht werden würde, wenn man ihnen nicht Gerechtigkeit widerfahren ließe. Diese Drohung bezieht sich auf eine Bestimmung des in diesem Jahre angenommenen Gewerk- schaftSgesetzeS, das das Recht der Gewerkschaften zur politischen Aktion teilweise wieder herstellt. Nach dieser Bestimmung werden Gewerkschaftsmitglieder, die von der politischen Betätigung ihrer Organisation nichts wissen wollen, von der Bezahlung des politi- schen Beitrags entbunden, wenn sie einen Schein unterschreiben. Auf den ersten Blick mag es scheinen, daß die Arbeiterpartei nur gewinnen könnte, wenn sie diese unwilligen Mitglieder verlöre. Aber nur allzu leicht könnte die angedrohte Massendemonstration ansteckend auf andere liberale Arbeiter wirken und die Konfusion nur vergrößern. China. Jüanschikais Programm. Peking, 10. Oktober. Die Amtseinführung des Präsidenten Jüanschikai ging im Taihopalast vor sich. In seiner Antrittsrede hob Jüanschikai hervor, daß er eine feste und stetige Politik führen werde; das erste Prinzip der Regierung sei eine klar« Definition und Bekanntmachung der Rechtsgrundsätze, Herstellung und Er- Haltung der öffentlichen Ordnung und danach Eingehen auf die Erfordernisse der Zeit und der Umstände; er trete für den Fort- schritt ein; extrem radikale Methoden begünstige er nicht, er sei jedoch zu einer Politik schrittweiser Reformen entschlossen. Kapital und Unterricht, besonders auf technischem Gebiete, seien für die Erschließung Chinas von Wichtigkeit. Beim Empfang des diplo- matischen Korps hielt der Doyen, der spanische Gesandte Pastor, eine Rede, in der er Jüanschikai die Glückwünsche der fremden Vertreter aussprach und der Ueberzeugung Ausdruck verlieh, daß die auswärtigen Beziehungen Chinas unter der Präsidentschaft Jüanschikais noch herzlicher werden würden., ?apan. Katsura. Tokio, 10. Oktober. Der bekannte japanische Staatsmann Fürst Katsura ist heute im 67. Lebensjahr gestorben. Katsura wurde 1901 Ministerpräsident und schloß als solcher das Bündnis mit England ab, das Japan im Kriege gegen jstußland den Rücken sicherte. Als Politiker war Katsura das Haupt der Oligarchie, die unter dem Deckmantel der Verfassung Japan regierte. Mexiko. Die Schlacht bei Torrcon. London, 10. Oktober. Die„Times" meldet aus Mexiko vom 8.'S. M. folgenoe Einzelheiten über die Schlacht bei Torreon: Eine Kolonne der BundeStruppen unter General A l v a r e z ist durch kombinierte von Norden und Westen kom- mende Streitkräfte der Rebellen von 6000 Mann zwischen Torreon und Durango übcrwälligt und nach den Berichten so gut wie ver- n i ch t e t worden. Die starke Garnison von Torreon beschloß auf die Nachricht von der Niederlage, diese wichtige strategische Stel- lung zu räumen, und sich auf die Ersatzlolonne unter Ge- neral Truch-Aubert, etwa 80 Meilen östlich, zurückzuziehen. ES herrscht allgemeine Besorgnis für die Stadt Torreon, wo große ausländische Interessen konzentriert sind. Die Stadt Mexiko ist vollständig ruhig.__ Hus der Partei. Die Organisationen zum Parteitage. Auf dem Landesparteitag für das Herzogtum G o t h a gab am Sonntag der Delegierte vom Jenaer Parteitag, Genosse Z e n t g r a s, den Bericht. Redner wandte sich sowohl in der Massenstceikfrage, wie auch in der Frage der Fraktionsdifferenzen bei der Beratung der Deck.mgsvorlage, scharf gegen die Mehrheit und ihre Beschlüsse. Redner bedauerte die Ablehnung der Luxem- burgschen Resolution zur Massenstreikfrage und hofft,' daß mir der Aussprache auf dem diesjährigen Parteirage die Debatte noch lange nicht beendet sei. Redner sieht auch in der Berguickung der Fraktions- differenzen mit der Debatte über die grundlegenden Fragen der sozialdemokratischen Steuerpolitik einen schweren Fehler, der die ganze Steuerdebalte unfruchtbar gemacht habe. Geradezu unerhört sei es aber gewesen, daß bei der Steucrfrage zwei auf dem gleichen Boden stehende, eine Resolution vertretende Referenten als Referent und Korreferent bestellt worden seien. Dadurch sei eine Per- gewaltigung des äußersten linken Flügels herbeigeführt worden, die sicher nicht dem Interesse der Partei und der Klärung der theoretr- schen Differenzen gedient habe. Mit der Erledigung der Arbeitslosenfrage durch den Parteitag erklärte der Redner sich einverstanden, mußte aber, der vorgeschrittenen Zeit wegen, aus die Erörterung der minder wichtigen Beratungsgegenstände verzichten. Eine Resolution, die sich mit den Ausführungen des Redner« und seiner Stellung auf dem Parteitage einverstanden erklärte, wurde fast einstimmig angenommen. Die Essener Genoffen beschäftigten sich in zwei Versamm- lungen mit dem Parteitag. In der ersten am Mittwoch vergangener Woche stattgefundenen erstatteten die beiden Delegierten Oelkamp und Hammer ihren Bericht. Beide erklärten, daß ihnen in der Massenstreik- wie in der Steuerfrage die Resolutionen der Minder- heit zwar nickt in allen Punkten einwandfrei erschienen seien, daß sie aber dennoch für sie gestimmt haben, weil sie nicht anders hätten zum Ausdruck bringen können, daß sie mit der in der Vorstands- bezw. der Wurmschen Resolution� vertretenen Ansichten nicht einver- standen waren. Bei der Steuerdebatte habe die völlige Wandlung Wurms die Minderheit noch mehr überrascht, als es schon durch das Bekanntwerden seiner Resolution ge- schehen sei. Mir der durch Annahme seiner Resolution fest- gelegten Taktik könnte die Partei gezwungen werden, für eine Milttärvorlage zu stimmen, um eine weitergehendere hintanzuhalten. In der Diskussion sprach Genosse L i m b e r tz in demselben Sinne, jedoch mit der Einschränkung, daß in der Sleuerfrage die Resolution der Minderheit zu weit gegangen sei. Denn wenn es sich eventuell darum handele, die Vermehrung der Volkslasten verhüten zu können, so dürfe die Fraltion das nicht unterlassen. Redner bedauert, daß die Minderheit so wenig geschickt verfahren sei. Genosse Jauscheck billigte die Beschlüsse des Parteitages rückhaltlos und warf gegen- über Genossen Oslkamp, der sich sehr skeptisch über den Wert des Parlamentarismus ausgesprochen, die Frage auf, welchen Sinn es dann habe, für die Wahlrechtsreform alles aufs Spiel setzen zu wollen. In der am letzten Mittwoch fortgesetzten äußerst lebhasten Debatte, für die die Redezeit auf 10 Minuten beschränkt worden war, nahmen elf Genossen das Wort. Von diesen billigten den Standpunkt der ParteitagSmehrheit die Genossen Wolf, Hähnsen, Mörsberger, Ebert, Obermeyer und Schmidt; Wolf mit der Maß» gäbe, daß, da nun einmal die Massenstreiksrage wieder an- geschnitten worden sei, diese besonders und eingehender hätte debattiert werden sollen. Eine gründliche Erörterung aller Schwierigkeiten und Voraussetzungen für einen solchen Kampf in D e u t s ch l a n d würde die Genossen lehren, welche Arbeit erst noch zu leisten sei, bevor an die Anwendung dieses Mittels gedacht werden könne. Die Haltung der Minderheit und damit die der Delegierten verteidigten die Genossen Paulus, Stein- Hauer, BerghauS und Niemann. Wegen vorgerückter Zeil wurde Kn Schlußantrag angenommen. Nachdem die Genossen Ostkamp und Hammer in ihrem Schlußwort ihre Ansichten nochmals dargelegt, wurde die Versammlung geschlossen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Ein sozialistischer Staatsanwalt. Nach den Wahlen wurde bestimmt behauptet, daß Genosse William C u n n e a bei den StaatSwahlen in einem Bezirke von Chicago tatsächlich die Relativmehrheit erhalten, jedoch von der Wahlkommission„hinausgezählt" worden sei. Die Parteigenossen brachten die große Summe, die zur Verfolgung eines solchen Falles notwendig ist, auf, und setzten die Einleitung eines Verfahrens wegen Wahlfälschung gegen zehn demokratische Beamte und Politiker durch. Jetzt hat die Jury ihren Wahrspruch dahin ab- gegeben, daß die„Wahl" des Staatsanwalts Hoyne durch be- rrügeriiche Machenschaften zuungunsten des republikanischen und des sozialistischen Kandidaten zustande gekommen sei. Und der Vertreter der Anklage erklärte, daß tatsächlich Cunnea die Mehrheit erhalten habe.— So wird also, allen Machenschaften zum Trotz, die Sozial- demokratie auch in der riesig wachsenden Metropole de» Westens in den Behördenorganismus eindringen. An Reinigungsarbeilen in diesem ungeheuren Augiasställe wird eS ihr, wie vorliegendes Lei- spiel zeigt, nicht fehlen._ Richtigstellung. In Nr. 262 deS.Vorwärts' brachten wk einen kurzen Bericht über eine Versammlung deS sozialdemokratischen Ber- eins in Bochum, in der zum Parteitag in Jena Stellung genommen wurde. Nack dem Berichte sollte ein Genosse Teuber gesagt haben, „daß der Massenstreik so lange Generalunsinn bedeute, als dre Unter- stützungsfrage nicht geregelt sei". Wie uns.aus Bochum mitgeteilt wird, heißt der Genosse, der diese Aeuherungen getan hat, nicht Teuber, sondern Preußer. Xctzte Nachrichten. Ein geplantes Attentat auf Jüanschikai. Peking, 10. Oktober.(W. T. B.) Der Chef der berittenen Polizei, C h e n, ist am Mittwoch verhaftet worden. Bei Durchsuchung seiner Wohnung wurden eine große Anzahl Wert- papiere gefunden. Chen gestand ein, daß die Rebellen des Südens ihn bestochen hätten, heute einen Mordversuch auf Jüan- s ch i k a i zu unternehmen. Er war dadurch in Verdacht geraten, daß er versuchte, sich für die heutigen Feierlichkeiten einen Platz in der Nähe Jüanschikais zu sichern. Revolveratteutat eines Berschmähteu. Lüttich, 10. Oktober.(P. C.) Ein Bankbeamter namens M u I k i n lauerte vor einem Warenhaus seiner früheren Geliebten, einem Fräulein Ringlet, die ihr Verlöbnis mit ihm gelöst hatte, aus und schoß vier Revolverschüsse auf sie ab. Das iunge Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt. Der Mörder entfloh. Als er sich jedoch verfolgt sah, wandte er sich gegen das Publikum und schoß mit einem zweiten Revolver auf seine Verfolger. Ein Passant wurde getötet, vier andere verletzt. Der Mörder entkam. Die polizeilichen Nachforschungen nach dem Ver- brecher waren bis in die Abendstunden erfolglos. Bankdirektor Lindner verhaftet. New S-rk, 10. Oktober.(W. T. B.) Paul Richard L i n d n e r, der frühere Generaldirektor der Land» und Industrie- dank A.-G. in Berlin, der nach Verübung von Unterschlagungen tu Höhe von 300 000 M., die er durch gefälschte Buchungen und Bi- lanzen verdeckt Hatte, Anfang dieses Jahre» aus Berlin geflüchtet war, ist auf Veranlassung des deutschen Konsuls hier verhastet worden. Lindner, der am 22. Februar d. I. in New Fork einige- troffen war, soll kürzlich bei einer Enquete über landwirtschaftliche Kredite als Sachverständiger ausgesagt haben und dabei erkannt worden sein, so daß er verhaftet werden konnte. .# wiWMIMiMPM ä%A. 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Dose 78 Melangefrüchte............»/.Dose 90 p Frisches Fleisch Schmorfleischm.".KÄ 95 pf. Schweinefilet......... p/and I.30 Rinderkaram....... Pfand 80 pf. Kalbsbrust......... 95 pi Schweinekotelettes...... Pfand los Kalbskamm........ Pfand 85 p/. Hammeldünnnng pfmd 70 pi Rückeniett.......... Pfand 68 pf Liesen.................. Pfand 78 pf Schweinekammod. Schuft Pfand 95 pf Schweinebauch Pfand 80 pi Schweineschinken!n im Ganzen Q R .Pfund Oü Pf. Ciäffisc...... pftmd 65y 70, 75 pf 'Kassler. L5, SO Kartoffeln 2.io si. 2.so Essbirnen!B!?™ lÄ 20 pr. Kochbirnen....... Pfund 13 pr. Tiroler Aepfel... Pfund 18 pr Kochäpfel.......... pmnd 12 pf. Graue Reinetten p�d 13 pr. Weintrauben...... Pfund 22 pr. M.VeiN«LMiW Kopfö, 10 Pf. Spinat.................. p�d 5 pr Mohrrüben...... 3 Pfund 10 pr Zwiebeln........ s Pfand 20 pr Meine anfl Mtuosen Roter Tischwein.......»/.nasche 78 pt Ranschbacher...........»/.nasche 80 pt LaMOS.....................»/.Flasche 90 P Stonsdorfer, Tafelkümmel � 1.10 Halb u. Halb............»/.nasche 1,10 Käse Echter Emmenthaler.... a 1,10 Bayer. Schweizerkäse Pfd. 85, 95 pf- Tilsiter Käse................. Pfand 75� Limburger Käse........... Pfund 45?' Romatour Käse............. stock 29?' Harzer Käse............. 4 stock 10pt Spitz- oder Faustkäse...... stock 5fo Käsen Kaninchen geetreift...Btück gestreift Stock 1.15, 2.95 68, SO. Suppenhühner..stock 1,75, 2,25 Gemischte Marmshds..nand25p� KunSthOnig........ ca. 3 Pfand GUs 95?'- 50.000 Kaffeetassen 40.000 Glas-Kompotteller Porzellan, mit Untertassen, reiches Golddekor Paar . Stück Pf. 1000 Waschgarniluren 2.45 4000 Butter-od. 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Löwenberg 33,—, Görlitz 549,16, Rolhenburg-Hoyerswerda 254,36) Sa. 1295,16. 9. Falkenberg O.-Schl., A. L. 3.—. Magdeburg f. Binnenschiffer 41.80, Bez. Mecklenburg f. 7 Kr. I. Qu. lHagenow 86,85, Schwerin-Wismar 329,19, Parchim 88,14, Malchin 112,92, Rostock- Doberan 544,77, Güstrow- Ribnitz 176,67, Mccklen- bürg- Strelitz 195,75) Sa. 1443,39, Bez. Pommern sür 14 Kr. l. Qu. sAnklam-Demniin 21,48, Randow-Greisenbagen 575,28, Uscdom-Wollin 151,68, Stettin 479,03, Pyritz-Saatzig 13,21, Raugard-Regenwalde 19,92, Greifenberg-Kammin 14,85. Stolp- Lauenburg 31,59, Bütow-Schlawe 8,40, Köslin-Kolberg 77,34, Belgard-Schivelbein 7,86, Neustettin 11,49, Rügen-Straliund 214,86, Greiiswald-Grimmen 94,98), Sa. 1716,98. 12. Bez. Oberrbein f. 15 Kr. I. Qu. sKöln Stadt und Land 1886,39, Aachcn-Stadt 119,20 Aachen-Land 107,—, Rheinbach- Bonn 97,68, Fürstentum Birkenfeld 73,—> Koblenz-St.-Goar 40,52, Mayen-Ahrweiler 33,60, Trier 28,57, Neuwied 25,26, Bergheim- Euskirchen 16,—, Siegburg-Waldbroel 15,12, Düren- Jülich 19,—, Verein obere Rheinprovinz 5,54), Sa. 2471,88. 13. Uebersch. einer Landpart, der Arb. d. Schuhfabr. Jakobius Söhne Nachf. 5,39, Berlin v. d. Mitgl. d. Verb, deutscher Buch- drucker im„Vorwärts� 50,—. 15. Berlin R. V. f. Aug., September 6,—, 19. Berlin, Dr. L. Sl. 199,—. 29. Bez. Nordbayern f. 21 Kr. I. Qu.(Aschaffenburg 198,47, Würzburg 382,62, Ansbach-Schwabach 322.62, Schweinfurt 255,76, Bayreuth 454,83, Hos 464,78, Eichstätt 31,26, Nürnberg 3920,84, Neunburg 2,16, Neumarkt 11,16, Kronach 123,96. Kigingen 41,76, Neustadl a. S, 21,48, Ilmberg 47,33, Er- langen-Fürth 987,06, Dinkelsbühl 45,54, Lohr 17,88, Neustadt a. SB. N 72,38, Rothenburg 32,44, Foichheim- Kulmbach 147,10, Bamberg 156,82) Sa. 7743,35. Berlin Präinie f. Umsatz 190,—. 24. Glasarbeiter, Toluca, Mexiko. 1. Halbs. 1913 114,19. 25. Gegen den Volköbetrug 10.—. Bebel-Nachlaß 20 000,—. 26. Bez. Kassel f. 2 Kr. I. Qu.(Kassel-Melsungen 791,84, Eschwege-Schmalkalden 174.76s Sa. 966,60. Berlin, Zpp. u. A. P., Hansaviertel 5,—. 27. Berlin Machetes 19,—. Bern P.L. 50,—. 29. Berlin, Fust" 5,—. Bleisteg 1,—. 30. Bez. Chemnitz f. 3 Kr. a konto(16. Kr. 2990,—, 17. Kr. 500—, 19. Kr. 360,—) Sa. 2860 M Berlin Knabe 3,—. Mitgl. d. U-Dr. 1,89, Bez. Frankfurt a. M. f. 11 Kr. I. Qu.(Höchst- Usingen 894.52, Wiesbaden 504,68, St. Goarsbausen 46,32, Diez- Limburg 33,22, Dillkreis 23,50, Frankkurl a. M. 226t,—. Hanau 1737,29, Fulda 21,36, Wctzlar-Altenkirchen 80,30, Marburg-Kirch- bain 24,88, Siegen-Wittgenstein 31,52) Sa. 5661,59." Bezirk Thüringen für 5 Kr. I. Qu.(Meiningen II 238,89, Rcuß ä. L. 267,57, Sondersbausen 199,11, Altenburg 1303.93, Weimar I 348,98) Sa. 2357,58.— Hennig. Argentinien 5,—. Gr.-Berlin a konto f. 8 Kr. 5909,—, darunter: Alexander F. 6,—, Bortrag des Gen. Dr. Moses 3,—, Giesse 0,55, Rutz d. Fuhs 19,—, B. durch Fuhs 19,—, Sechierkasse der Maschinensetzer Typogrophia 5,—, Sl. B. Mister 1.—, Höppner 2,—. Uebersch. v. Märzkranz der A. E.-G. Apparalefabr. 491,—. Maschinenfabr. 677,05, K. W. O. 538,29, Hennigsdorf 93,75. Gutenberg 25,10. Berlin, H. H, 59,—. Zu der Quittung für August ist nachzutragen unterm 27. Berlin »zurückgezahlte Diäten" 59,59. Berlin, den 6. Oktober 1913. Für den Parteivorstand: Otto Braun. Ltndenstr. 3. Postscheckkonto Nr. 7918, A. Gerisch, F. Ebect, O. Braun, Berlin, Lindenstr. 3 beim Postscheckamt Berlin. Gen»erk sckaft lickes. Die Arbeitslosigkeit. Immer drohender erhebt das Gespenst der Massenarbeits- losigkeit sein Haupt. In engster Verbindung damit greift in den von der Arbeitslosigkeit betroffenen Familien Not und Elend um sich. Zwar hat die Mehrzahl der deutschen Gewerk- schaffen durch den Ausbau der Unterstützungscinrichtungen dafür gesorgt, daß das gröfftc Elend in etwas gelindert wird. kleines fcuillcton Profcssoren-Aesthetit. Drei Tage lang haben die Gelehrten auf dem Kongreß für Aestbetik gestritten: was die Kunst sei und wie sie angeschaut werden müsse, wie sie wirke und woher sie komme. Es ist nicht anzunehmen, daß durch solche Disputation irgendein bisher Blinder oder Tauber zum Leben der Sinne erwachte. Herrn Alt zum Beispiel, dem Helden von Mannheim, der gegen alle moderne Kunst den Scheiterhaufen schürt, ist gewiß kein Licht aufgegangen. Und der gute Lasson, dieser achtzigjährige Jüngling, wird auch künftighin von dem Weltgeist donnern, der als absolutes Maß. als höchste Persönlichkeit die Kunst bestimme, daß nichts Willkürliches im Laufe der Zeiten übrigbleibe, sondern allein die Spiegelung des Ewigschönen. Die Eikenntnis fließt. Heute meint man. daß alles ästhetische Empfinden subjektiv sei. Man schaur einen Baum an, und freut sich an ihm: Ich freue mich, ich grüne und blühe und breite die Zweige. Ich fühle mich em. in die Well und in die Seele des Kunstwerkes. Das Kunstwerk erleichtere mir solch Einfühlen, dirigiert eS, konzentriert es. Das Kunstwerk, das Stück Leinwand, ist wert- los, wenn nicht das Künstlerischc. die seltsame Eigenschaft, die das Bild über die Natur hebt, dem Werk entquillt. Kunstgeschichte bekommt ihren Sinn erst durch solch Erfassen und Erleben des Künstlerischen. Die Kraft ist alles: die Gesetze sind nichts. Es gibt keine objektive Schönheit und keinen Maßstab, nach dem der Künstler Schneiderei zu betreiben hätte. Die sogenannte normative Aesthetik, eine Kunstlehre, die vorschreibt, was und wie der Künstler zu arbeiten habe, ist ein für allemal tot. Das ist das eine und wohl das wichtigste Ergebnis� des Kongreues. Besonders der Pariser Professor Bäsch ivußie solche Erkcnntnls zu verkündigen: er halte sie erlebt, er erlebte sie, während er sprach. Und noch ein anderes halte er zu sagen: Die Kunst gehört allen, sie ist nicht ein kam- plizierter Prozeß, nur denen vorbehalten, dle hochgelahrt und tief- gebildet sind. Die Kunst gehört dem Volk und kaim von allen, die sich ihr hingeben, gewonnen werden. Bäsch berichtete über Volks- kunstabende, wie er sie in Paris veranstaltet; er bestätigte, was auch«vir erfuhren. Die Kunst ist eine Offenbarung aus der Stimme des Blutes. Peter Behrens, der darüber Iprach, daß Technik nicht das Entscheidende, sondern nur eine zu überwindende Hemmung sei, pries die Kunst als Intuition starker Persönlichkeit, als freie, durch materielle Bedingungen� un- behinderte Erfüllung seelischen DrangeS. Auch für den Genießenden ist die Kunst solch ein Entzücken, das aus dem Innern hervorbricht, um durch Zusammenraffen eines Stückes Welt, durch Auslese, durch Wandlung, dem Innern des empfindenden Menschen neuen Reichtum Zuzuführen. Vor der Größe solcher Auffassung zersplittern die sogenannten «estheten, die mit violetten Strümpfen und schrecklichen Bündeln gc- Aber trotzdem muff es eine der erstew Forderungen jedes Gewerkschaftlers sein, daff die Gesellschaft, deren planlose Produktionsweise die Arbeiter in Massen auf die Straffe wirft, Vorsorge trifft, daß die Arbeitskraft der unfrcitvillig Feiernden durch Einführung der staatlichen r e s p. k o ni m u- nalen Arbeitslosenversicherung erhalten bleibt. In diesem Kampf um ein Grundrecht des Arbeiters steht die Arbeiterschaft fast allein da. Ist doch gestern erst von der Berliner Freisinnsmehrheit in der Deputation für die Errichtung einer städtischen Arbeitslosenversicherung ein Antrag unserer Genossen, sofort 5004/00 Mark zur Unterstützung der Arbeitslosen zur Ver- süguug zu stellen, abgelehnt worden mit der Be-- gründung, daß der A r m e n e t a t jetzt schon um mehr als 650 000 M. überschritten sei. Als ob dem Arbeiter bannt gedient ist, daff er Almosen bekommt, wenn er von der kapitalistischen Gesellschaft sein Recht fordert. Der Gedanke, daff es ein selbstverständliches Recht des Arbeiters ist, auch während seiner Arbeitslosigkeit in seiner Arbeitskraft erhalten zu werden, muff mehr noch als bisher in die breiten Massen der Arbeiter hineingetragen werden. Diesen Ideen dienten zwei starkbcsuchte Arbeitslosen- Versammlungen, die am Mittwoch und Donnerstag in E l b e r- seid und Barmen stattfanden. Einberufen waren diese Versammlungen von der Elberfeld-Barmer Gcwerkschafts- kommission in Gemeinschaft mit dem Ortsvcrband der Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinc. Die C h r i st l i ch e n, die an- fangs mit an den vorbereitenden Verhandlungen teilnahmen, schlössen sich später aus, obwohl die Mitglieder der christlichen Gewerkschaften nicht minder unter den Folgen der Arbeits- losigkeit zu leiden haben. lieber das Thema„Die Arbeitslosigkeit und ihre Folgen und welche Verpflichtungen haben Reich, Staat und Gemeinde, die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufene Not zu lindern?" sprachen Arbeitersekretär Genosse Krüger- Barmen und der Sekretär der Hirsch- Dunckerschen Geiverkverciue, Ingen Hofen- Düsseldorf. Obwohl sämtliche Stadtverordnete zu diesen Versammlungen eingeladen worden waren, erschienen nur mehrere sozial- demokratische, während die bürgerlichen durch Abwesenheit glänzten. Eine Resolution, die die Komnlunen Elberfeld und Barmen auffordert, eine Vorlage zur Grundlage der Einführung der Arbeitslosenunterstützung einzubringen und zu beschließen, wurde einstimmig an- genommen. * Die sozialdemokratische Sladlverordiietenfraktion auf dem Elber- felder Rathaus bat für die nächste Sitzung folgenden Antrag ein. gebracht:„Einführung der städtischen Arbeitslosenversicherung und Bereitstellung von 20 009 M. hierfür". « Die sozialdemokratische Rathausfraktion in M ii n ch e n hat im Gemeindekollegium den Antrag eingebracht, den Magistrat zu er- suchen, baldigst einen Gesetzentwurf für eine gemeindliche Arbeitslosenversicherung in Vorlage zu bringen und zu diesem Zwecke den Betrag von 159 90 9 M. bereit zu stellen. Außerordentlicher Verbandstag des Bauarbeiter- Verbandes. Ilm über die Einführung der Arbeitslosen unter- stützung im Baugewerbe zu beschließen, beruft der Zcntralvorstand des genannten Verbandes zum 1. und 2. De- zeniber einen außerordentlichen Verbandstag nach H a m- bürg ein. Berlin und Umgegend. Achtung, Glasarbeiter! Der Streik der Glasschleifer, Polierer und Bcleger ist nur scheinbar beendet worden, denn eine ganze Anzahl Firmen hat ihre Arbeiter nicht wieder eingestellt und arbeitet mit Arbeitswilligen. Das trifft auf die Firmen Röder u. Meyer, Holten-Schönhausen, I. Salomoms, Glügge u. Fertig zu. In anderen Betrieben sind die Arbeiter nur teilweise eingestellt worden. Die Betriebe gelten als gesperrt und wird der Kampf weiter geführt. Alle Kollegen haben diese Betriebe zu meiden und Arbeitsangebote bei den Firmen abzulehnen. spreizler Vokabeln das Leben in Formeln fangen möchten. Die Kunst spottet der Aestheten; sie lebt und bleibt, während die Theorien welkend sich wandeln. Ein Gang über die Felder, ein Anschauen vluge in Auge von mir zu Rembrandt, zu Liebermann oder zu Hodler, ei» einziges Erleben ist mehr als eine Biblioihek von Kunst- lhcorien. rdr Ein Junkerkontcrfei. Eine mannhafte Sprache führte der Superintendent Antonius CorvinuS zu Witzenhausen, der im 16. Jahrhundert lebte. Er sagt in feinem Buche„Bericht, wie sich der Adel verhalten solle": „Ich weiß zwar, daß ihr Edelleute euch wenig um mein Buch bekümmern werdet. Denn gelehrte Leute scheinen euch nicht viel besser als Narren, und euer wahrer Adel besteht in Ackerland, Pferden, Schlemmen, Prassen, Spielen. Huren und Fluchen. Kommt dann das letzte Stiindlem nahe, so wird ein fauler Mönch herbei- gerufen, der mit Plärren. V/gilien und Seelenmessen alles wieder tilgen soll, euch aber dabei einen Zehnten oder ein halbes Dorf aus dem Rachen reißt. Ach, wäre nur nicht zu befürchten. daß am Ende der Teufel die Mönche samt den Junkern hole. Hier habt ihr aus meiner Hand wenigstens eine Belehrung über eure Pflichten, nicht nur gegen Gott, eure Geschwister und Gesinde, sondern auch gegen eure Unterfassen. Das kommt euch seltsam vor.... Bedenkt, daß geschrieben stehet: Die Geivaltigen sollen gewaltiglich gestrait werden. Wie aber habt ihr bisher euer Gewissen verwaltet? Den Reichen wird alles übersehen.... Sündiget aber ein Armer, mit dem muß das Recht gestärkt sein.... Kein Hof, leine Hochzeit, keine Kindtaufe wird gehalten, ohne die armen Leute mit Abgaben zu bcschatzeu." Man sieht, es hat sich seitdem wenig geändert. Die Berschandelung deS LandschaftSbildes vor dein Strafrichtcr. Wer hätte nicht schon auf Wanderungen und bei Eisenbahnfahrten durch landschaftlich schöne Gegenden sich über die ausdringlichen und geschmacklosen Reklametafeln empört, die findige Reklameleute der Zigaretten- und Schokoladefabriken wie Pilze aus der Erde schießen lassen. In Hessen, für das hier in erster Linie die schöne, viel- besuchte Bergstraße in Frage kommt, hat man sich durch das Denkmalschutzgesetz, das auch Naturdenkmäler in den Bereich seines Schutzes zieht, ein wirksames Mittel geschaffen, die Verschandelung der Landschaft einzuschränken. Auf Grund des Artikels 33.3 dieses Gesetzes hat der KreiSrat von Bensheiin eine Verordnung erlassen, die das Aufstellen von Reklametaseln innerhalb dreihundert Meter Entfernung links und rechts der Bahnlinie verbietet. Zwei Kaufleute aus Frankfurt a. M. und Boxhagen-Rummelsburg weigerten sich, ihre Reklametaseln zu entfernen; sie kamen daher vor den Strafrichter und zwar in mehreren Instanzen, die verschieden urteilten. Interessant war, was der Proffessor derTechmichen Hoch- schule, Geheimrat Wickop als Sachverständiger bekundete; persönlich steht er aus dem Standpunkt, daß die Besei'tigung der Außenreklame, die das LandschaftSbild verunziert, dringend zu wünschen sei. Achtung, Klavierarbeiter, Tischler, Polierer! In der Pianofortefabrik von Krause u. Dreß, die in Berlin die niedrigsten Slkkordlöhne zählt, befinden sich die Arbeiter wegen Lohndiffercnzen im Ausstand. Nun werden in der„VolkS-Zeitung" von dem bekannten Streikbrcchcragenten W. Scheu unorganisierte Tischler und Poliere nach Kopenhagener Str. 65 verlangt. Dieselben sollen als Arbeitswillige bei der Firma Krause u. Dreß in Tätigkeit treten. Wir ersuchen alle anständigen Kollegen, den Zuzug zu dem bc- streikten Betriebe fernzuhalten.___ Die Branchenleitung. Deutfehes Reich. Zum Streik der Hafeuarbciter in Stettin. In einem von der Organisation des Gemeindearbeiterverbandes herausgegebenen Flugblatt an die Arbeitswilligen erklärt diese sich bereit, diejenigen Arbeitswilligen, die bereit seien, Stettin zu ver- lassen, auf Kosten dcS�VcrbandeS in ihre H e i m a l zu befördern. Viele waren bereit, von diesem Anerbieten Ge- brauch zu machen, sie werden jedoch mit Gewalt auf dem Freibezirk zurückgehalten, keiner darf die Kette der Schutzmcmnsposten passieren. Anscheinend von den Agenten des Herrn HeSberg wird das Gerücku weltergegeben, daß die Verbaitdslcilung garnicht gewillt sei, ihre Versprechungen den Arbeitswilligen gegenüber zu halten; ferner, daß die Streikposten mit Waffen ausgerüstet seien und leinen Streikbrecher/ herausließen. Es erscheint kaum notwendig, derartige unsinnige Verdächtigungen zurückzuweisen. Die Zentralleitung der Organisation hat ferner beschlossen, allen Streilenden, auch denen, die noch nicht voll unlerstützungsberechtigt sind, die volle Unterstützung zu zahlen, d. h. jeder erhält mindestens 12 bis 15 M. pro Woche,' wofür noch für jedes Kind ein Zuschlag von 1 M. pro Woche hinzukommt. Daß Mißhandlungen durch sogenannte Aufsichtspersonen gegen Arbeitswillige tatsächlich vorkommen, beweist die Tatsache, daß gegen einen„Kontrolleur" Sirafantrag gestellt worden ist. Der Betrieb des Freihafens ruht fast vollständig. Schuppen und Speicher sind bis obenhin gefüllt. Die Arbeitswilligen sind trotz Antre>bens gar nicht in der Lage, die Arbeit zu leisten. Wenn früher zwei Mann in der Karre gingen, so verrichten diese Arbeil jetzt sechs Mann. Mußten früher diese beiden 19—12 Zentner fortschaffen, so haben sechs Arbeitswillige mit 6—8 Zentnern vollauf genug. Auch der Betrieb der Krane ist ein äußerst mangelhafter, sür ungeübte Leute übrigens nicht ungefährlich. Die Schönfärberei des Magistrats ist lediglich ein Akt der Verzweiflung. Zur Tarifbewegung der Münchcner Speditionsarbeiter. Nach langwierigen Unterhandlungen haben die Münchener Speditionsarbelrer ihre diesmalige Tarifbewegung trotz der von den Unteriiehmcrir getroffenen Vorbereitungen glücklich zun: Abschluß ge- bracht. Eine Ueberrascbung gab es jedoch am Donnerstag, als der Vertrag von de« Parteien unterzeichnet wurde. Als der Vertrag unterschrieben war, präsentierte der Gewerbegerichtsvorsitzcndc Dr. P r e n n e r ein Schriftstück, um festzustellen, daß auch d i e christliche Organisation den Antrag gestellt habe, mit der Lademnung den gleichen Vertrag abzuschließen. Der Gauleiter des Transportarbeiter- Verbandes protestierte dagegen, daß nun auf einmal, nachdem� der ganze Tarif durchberaten, durchgefochten und unterschrieben wurde, auch die„Christlichen" auftauchen, obwohl sie von ca. 360 Spedi- tionsarbeitcrn ganze zwei Mitglieder haben. Wenn dem Antrag der Christlichen stattgegeben werde, würde er seine Unter- schrift zurückziehen.— Sowohl der Vorsitzende, als auch die Arbeit- geber pochten aber darauf, daß der Verlrag zurecht bestehe uud daß Niemand die Ladeinnung rechtlich hindern könne, den gleichen Ver- trag auch mit den„Christlichen" abzuschließen.— Die Lodeinnuiig hat dann den gleichen Tarifvertrag mit der z w e i m ä n u i gen christlichen„Kampforganisation" auch abgeschlossen. Merkwürdig war der Eifer, niit dem sich der Arbeitgeber- Verband für diesen Tarif- abschluß ins Zeug legte. Es war jedenfalls der Dank dafür, daß die„Christlichen" der Ladeinnung schon während der Bewegung 14 christliche Aushilfsarbeiter vermittelte. Erfolge der sächsisch-thüringischen Textilarbeiter. Mit dem 1. Oktober traten in dem großen sächsisch-thüringischen Industriegebiet sür die Färbereiarbeitcr erhöhte Lohnsätze in Kraft. Es erhalten dadurch Arbeiter, die über 18 Jahre alt und ununter- brachen sechs Monate in der Branche beschäftigt sind, einen Mindest- lohn von tzl'/z Pf. pro Stunde, Arbeiter von 16—17 Jahren er- halten 25 Pf. und Arbeiter von 17—18 Jahren 28 Pf. pro Stunde. Arbeiter, die noch nicht sechs Monate in der Branche beschäftigt sind, bekommen 2 und 3 Pf. weniger. Die Mindest-Stundenlöhne'für Zweifellos habe die hier in Frage stehende Gegend hohe land- schaftliche Schönheiten, die durch die Reklametafeln beeinträchtigt werden. Darunter fallen auch die an einer Scheune von BcnSbeim an- gebrachten Bilder, denn diese Scheune gehöre in das hier romantisch schöne Landschaftsbild hinein, wenn sie an sich auch häßlich ist. Da die Reklametaseln dcö einen Angeklagten sich in keiner Weise dem Land- schaftsbild einpassen, wird durch sie der Blick in häßlicher Wirkung unterbrochen. Die Tafeln des andern Angeklagten seien im Entwurf gefälliger, und in der Farbenzusammenstellung ist ein Einpassen in die Landschaft angestrebt worden. Vom Standpunkt der durchschnitt- lich Gebildeten betrachtet, nicht des Durchschnittsreisenden, stören auch diese Reklame das LandschaftSbild. Die Strafkammer Darmstadt kam zur Verurteilung zu Geld- strafen von 50 bezw. 39 Mark. Dlusik. Deutsches Opernhaus Charlotten bürg. Daß zu Kuiseppe Verdis hundertster Geburtstagsfeier gerade der „Troubadour" erwählt wurde, rechtfertigt sich nur, wenn durch eine die ursprüngliche Fassung berücksichtigende sorgsame Aufführung bewiese» werden sollte, daß dies Werk seineu üblen Ruf zu unrecht verdiene. In der Tat ist am„Troubadour" viel gesündigt worden: er bedeutet sür alle KeHlkopfequilibristen vom hohen C das Sprungbrett, um ihren Ehrgeiz zu betätigen. Dabei kriegte man dann ein Uebermaß jenes verlogenen Jtalicnertums zu kosten, das ganz danach angetan war. feinen Ohren das Werk zu verekeln. Nun, man kamt sich noch immer seiner volltönenden Gedanken, seiner üppigen Melodik, seiner gesunden Harmonik und seiner schönen Instrumentierung erfreuen, ohne deswegen blind und taub für mancherlei Schwächen zu fein. All diese noch so leidenschaftliche Musik ergibt im Grunde nur eine Folge von dramatischen Situationen— kein stileinheitliches Musikdrama, woran wohl das Libretto mit seiner ziemlich unklaren und überschüssigen Theaterromantik von Anno Tobak die meiste Schuld trägt. Es ist unS Menschen von heute nicht mehr gegebe», durch ewiges Singen auf der Bühne den logischen Fortgang der Handlung verzögert zu sehen. Immerhin machte diese Aufführung inanche Versündigung an dem Werke gut. Einige, wenn auch nicht alle Striche, sind beseitigt. Ent- schieden neu wirken die Zigeunertänze im Heerlager zu Beginn des zweiten Aktes. Wundervoll echt und turbulent, wie sie hier, dank tüchtiger Einstudierung und vorzüglicher solotänzerischer Leistungen zur Erscheinung kamen, verleihen sie dem ganzen Werke eine will- kommene. draniatische Belebung und Abwechselung. Hier hatte auch das Tempo einige Fühlung mit der leidenschaftlichen Diktion der Verdischcn Musik. Je stürmischer jenes künftig gehalten wird, desto flüssiger und lebensvoller wird sich alles andere gestalten. Die Be- setzung der Rollen ist im Rahmen der vorhandenen Kräfte des Opernhauses so günstig als möglich. Daß Alexander Kirchner als Maurio in seiner Stretta auf das dreigestriibene C zugunsten des um eine Oktave tiefer persetzten verzichtete, war verständig; Arbeiterinnen über 16 Jahre sind auf 19 Pf. festgesetzt. Die Ueber Nmidenlöhne betragen 30 bis 40 Pf. für Arbeiter. 25 Pf. für Arbeiterinnen. Die Akkordlöhne sind durchweg um 5 Proz. erhöht. Dazu kommen noch einige Sonderbeftimmungen. Die Arbeitswoche beträgt 58 Stunden. Augefanaene Arbeitstage werden voll bezahlt. Durcharbeiten der Mittagspause gilt in allen Fällen als Ueberstuude, auch wenn die Arbeitszeit des Tages nicht oder nur 10 Stunden be- tragen hat. An Sonnabenden dürfen lieberstunden nicht gemacht werden, an anderen Tagen pro Tag möglichst nicht mehr als zwei. Tie Lohnzahlung erfolgt Freitags. Mit der Festlegung dieser Bestimmungen hat die Bewegung der Färbereiarbeilcr im sächsisch-thüringischen Industriegebiet um Er- böhnng ihrer Löhne einen vorläusigen Abschlug gefunden. Der Lohn ist gewiß auch jetzt noch sehr niedrig. Immerhin stellt der Abschluß der Bewegung einen sehr beachtlichen Erfolg dar. Es kommen nur ungelernte Arbeiter in Frage. Die Bewegung erreichte ihren Höhe- punkt in der am 26. November 1912 vom Färberring verfügten Aussperrung aller Färbcreiarbeitcr aus den Orten Glauchau, Meerane, Gera, Greiz. Rekheubach, Mhlau, Weida und Mohldorf. Gegen >000 Personen wurden davon bclroffeir. Die Aussperrung wurde von Färberring verfügt, weil sieben Arbeiter der Firma Fierenkrantz u. Ehret in Glauchan sich eine Reduzierung des früher vertraglich iestgelegten Mindeftlohues für Uebcrstunden um 5 Pf. nicht gefallen lassen wollten. Der mächtige Färberring glaubte, es genüge die Verfügung der Aussperrung, um die Arbeiter zur Ilnteriverfung zu bringen. Er hatte sich indessen getäuscht. Durch die Aussperrung wurde die ge- samte Industrie des sächsisch-thüringischen Gebietes außerordentlich geschädigt. Die Schädigung der Industrie ist vom Verband lächsisch-türingtscher Webereien in dem Bericht über das Jahr 1912 in beweglichen Worten dargestellt Ivorden. Die Webereien de-S Bezirks, die über 30000 Webstühle aufgestellt haben, werden von Störungen in den Färbereibctrieben sofort in Mitleidenschaft ge- zogen. Die Ware imrö rohweise gewebt und vom Färberring gegen . Loh» im Stücke gefärbt. Ausgenommen hiervon sind Fabrikate von Glauchau und Meerane, wo im Strang gefärbt wird. Die Aus- sperrung in den Fäi.lbereibetrieben mußte deshalb in viel höherem Maße die Webereibasitzer schädigen als die Färber. Es wurden infolgedessen während der Anssperrnng Kräfte mobil, deren Vor- handeusem der Färlxrring bis dahin ignoriert hatte. Die AuSsperrnng endete mit einem vollen Erfolg des Tertil- arbeiterverbandes. Am 17. Dezember wurde die Arbeit in allen Betrieben wieder aufgenommen unter der Bedingung, daß der von den Arbeitern gewünschte Lohn für Uebcrstunden bezahlt wird, daß aber weiter ei« Konnnission ab 1. April 1913 einzusetzen ist, die mit der Konvention die weiteren Forderungen der Arbeiter bespricht und eine Regelung herbeiführt. Der Mtberring, einer der mächtigsten Unrerncymerverbände, versuchte mit allen Mitteln, nach beendeter Bussperrung den Arbeitern den Erfolg streitig zu machen. Als die Kommission zusammentrat, betrachtete der Färber- ring dieselbe nur als eine solche, die zu hören sei, die aber nichts zu bestimmen habe z er wollte diktieren und die Arbeiter sollten sich willenlos fügen. Mrndeftlöhne für Arbeiter unter 18 Jahren wurde» abgelehnt; Arbeitern von 16 bis 18 Jahren sollte nur 1 Pf. Lohnauidcsserung gewährt werden. Das Durcharbeiten der Mittags- pause sollte nicht als Ileberstunde gelten. Der angefangene Tag sollte iricht, wie bisher, voll bezahlt werden, auch wenn vorzeitig Arbeitsschluß gemacht wird. Von Mindestlöhnen sollte überhaupt keine Rede sein. Die Arbeiter hielten zähe an ihren Forderungen fest und drohten schließlich mit Störungen der Industrie. Sie machten det> Webcreiverband mobil und kennzeichneten den Färber- ring als den Störenfried im sächsisch- thüringischen Industrie- gebiet. Nicht nur. der Färberring stellte sich den Arbeiterforderungen feindlich gegenüber, auch aus Arbeiterkreisen wurden den freiorgani- sierten Arbeitern Schwierigkeilen gemacht. Stalt die Handlung des FarbminoS zu kennzeichnen, wurde der Textilarbeiterverbaud von der christlichen Organisation der Frivolität geziehen, weil er wegen sieben Arbeitern und einer Lohndifferenz von 5 Pf. pro Ueberstuude die Aussperrung von vielen Tausenden von Arbeitern auf sich nahm. Als der Färberring seine die Forderung der Arbeiter ignorierenden Angebote machte, sprachen die sogenannten nationalen Arbeiter ihm ihren Dank und ihr Vertrauen auS. So stärkten die gegnerischen Arbeiterorganisationen den Ilnternehinern den Rücken.?lber alles hat nichts geholfen. Tie Zähigkeit und Energie der im Teptil- arbeiterveroande organisierten Arbeiter hat am Ende den Sieg davongetragen und mit Hilfe des Textilarbeiterverbandes werden sie lünftig ihre Löhne auf eine angemessene Höhe bringen. Di« Be- wegung im ganzen zeigte aufs neue, daß tvirklich ernstlich nur die freie» Gewerkschaften die Forderungen der Arbeiter dem Unter- nehmertum gegenüber vertreten. denn nunmehr hinterließ er einen durchweg ungetrübten Eindruck als Sänger und Darsteller. Bei Emmy Zimmermann(Gräfin Lconore) hätte man namentlich an allen Koloraturstellen mehr Leichtigkeit der Töne gewünscht; sonst aber gab ihre volle Stimme der Rolle Fleisch und Blut. Vorzüglich war Luise M a r ck als Aauzena; nur sollte sie sich hüten, ihren volublen Mezzosopran hin und wieder allzu unnötig zu forcieren. Julius R o e t h e r(Graf Lnna) wird entschieden gewinnen, je mehr er auf schönen Vortrag bedacht ist. Endlich soll noch Richard R ü b s a m als Fernando lobend genannt sein. Die Regie bewährte Sorgfalt. Die Dekoration dot manches Reizvolle. Das Publikum war— oft leider zur Un- zcitl— sehr beifallsfreudig gestimmt. sk. Notizeu. — In den K a m m e rs pie len des Deutschen Theater« haben sich jetzt Eduard v. Winterstoin und Camilla Eibenschütz der vier Atte„Musit" angenommen, die Frank Wedekinds satirisch- ironischen Realismus in mattem Aufguß, aber doch uu- verkennbar zeigen. Das Niveau des Stückes wurde auch durch diese Aufführung nicht höher hinauf gebracht. Man läßt die Kritik aufmerkend gelten, die der Dichter an allerlei Gesellschaftlichem und Gesetzlichem übt, aber der dramatische Wert ist gering. W i n t e rst e i n s Darstellung bestätigte, daß die Figur des MusikprofesiorS mit ein paar knappen Strichen erschöpft und erledigt ist, und dem Bilde, das die E i b e n s ch ü tz von der lcidgehetzten Sängerin Klara Hühnerwadel gibt, läßt sich abfühlen, wie viel Wedekind dieser Gestalt schuldig blieb. Die Erschütterungen der Szenen gipfeln in den nervenpeitschenden Aufschreien der Dar- stellerin; die Handlung der Szenen bringt aus sich heraus keine Erschütterungen zuwege. — Das Kartell der Freien Volksbühnen ver- anstaltet diesen Sonntag, den 12. Oktober, abends 8 Uhr, in der S iug-Akademie einen zweiten Kammer nrusilabend unter Mitwirkung deS Flonzaley- Quartetts und Frau Kammer- fängerin Gertrud Fischer-Maretzki(Gesang). Das Programm lautet: Hahdn, Lerchenquartett, op. 64,?!r. 5. Schubert: Quartett Omoll, p. xostb., Lieder von Mozart, Beelhoven und Robert Franz. — Theaterchronik. Im Neue n B o l k s- T h e a t e r ist die Erstaufführung von Strindbergs»Raus ch" aus Dienstag ver» schoben worden. — GalSworthhS Drama.Justiz' wurde in der Wiener Volksbühne ausgeführt. Es ist ein packendes Stück— schreibt die Wiener Arbeiterzeitung— voll starker Wirkung, der Ehre, iiiit an einer Volksbühne aufgeführt zu werden, wert und würdig. Aber es ist in seiner Technik noch durchaus an den Raturalismus gebunden. — 19000 Kilometer Seefahrt, ohne anzu- Innre«. Der 8090 Registertonnen fassende Dampfer„Zeelandie' der englischen White-Star-Lme. der in diesen Tagen von Liverpool mit 1100 Auswanderern nach Wcstaustralien m See ging, wird die rund 19 000 Kilometer lange Fahrt zurücklegen, ohne unterwegs ein- mal anzulaufen. Die.Zeelandie' gedenkt die Reise m 34 brs 36 Togen zu machen. Siebentel' SNerrelchilchei' Geweril- schafls-IKongreß. Fünfter Tag. Wien, 10. Ottober 1913. �Telegrahpi scher Bericht.) Am heutigen Schlußtag des Kongresses wurde die Resolution Dr. Renner über die Zoll- und Handelsverträge und den Kampf für eine vernünftigere Zoll- und Handelspolitik bei der Erneue- ruug der Handelsverträge im Jahre 1917 einstimmig ange- iwinmen. Dann erörterte der Kongreß die Angelegenheit des A u s- s ch l u s s c s des T a b a k a r b e i t e r v c r b a u d e s aus der österreichischen Gewerkschaftskom Mission. Es handelt sich darum, daß der Tabakarbeiterverband, der als erste Organisation von den Separatisten gespalten wurde und infolgedessen mit den bittersten Erlebnissen zu kämpfen hatte, aus Verlangen der aus tschechischen Mitgliedern bestehenden Ortsgruppe Göding in Mähren, einer sehr großen Ortsgruppe, beschlossen hat, die Gewerkschastskoinmissious- beitrage für die Gödinger Mitglieder an die separatistische Gewerk- schastskommission in Prag zu bezahlen. Um aber zu beweisen, daß damit keinerlei Schädigung der jetzt für alle zentralistisch orgaui- sierten Arbeiter als einzige Zentrale geltenden Wiener Reichs- gcwerkschaftskommission beabsichtigt ist, beschloß der Tabakarbeiter- verband, für die Ortsgruppe Göding die Beiträge auch an die Wiener Kommission zu bezahlen,>ie also doppelt zu leisten. Die Geiverkschaftskommission Wien hat aber erklärt, daß die Tabak- arbeitcr durch die Beitragsleistung nach Prag dem zentralistiichcn Prinzip widersprochen und sich außerhalb der Gesamtorganisatiou gestellt haben. Ter Kongreß genehmigte einstimmig das Vorgehen der Kommission, stellte aber den Tabakarvcitern frei, unter Ein- Haltung der hierfür maßgebenden Beschlüsse ihre Wiederaus- n ahme in den Verband der ReichSgewerkschastskommission zu beantragen. Es folgic die Wahl der Gelvertschaftskommission. Tie der- zeitigen und zur Wiederwahl vorgeichlageiicu Mitglieder wurden sämtlich wiedergewählt. Da die GciverkschaftSkomutission zur- zeit Vertreter aller Brauchen enthält, ist ihre Mitgliedcrzahl ohne die Kontrolleure bereits auf 26 gestiegen. Es ivurde deshalb die ißLwcrkschastskoinmissiou beauftragt, mit einer Re.ichskonfercnz der Getverkschaslen Vorschläge für einen neuen Wahlinodus auszuarbeiten, der eine gedeihlicher Arbeit zuträglichere Zusammensetzung der Kommission ermöglicht, ohne den Interessen der einzel- nen Verbände zu nahe zu treten, und diese Vorschläge dem nächsten Gewerkschaftskongreß in drei Jahren vorzulegen. Der Itongrcß beschloß ivcitcr eine Resolution, in der alle In- stanzen und Funktionäre der modernen Arbeiterbeiveaung auf- gefordert werden, die vor einigen Jahren gegründete und sich nach Verschmelzung einiger lokalen Verbände gut entwickelnde Organisation der Land- und F o r st a r b c i t e r mit aller Kraft zu fördern. Mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf die österreichi- scheu Gewerkschaften und die Arbeiterbewegung der ganzen Welt wurde hicrauz der siebente österreichische Gewerkschaftskongreß ge- schlössen.____ Hue Induftm und f)andeL A. E.-G. und Fiskus im Wettbewerb. Die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft hatte in einer Berichtigung Einwendungen erhoben zzegen Mitteilungen, die von der Vereinigung elektrotechniscker Spezialrabriken über das Vorgehen der A. E.-G. in Lippe-Detnwld verbreitet wurden. Die»Vereinigung' nimmt nun nochmals Gelegenheit, die Bindung des Lippischen Staates durch die R. E.-G. klarzulegen. Sie schreibt: »Der Preußische Staat hat der lippischen Regierung angeboten, dgs Fürstentum von der Edertalsperre auS mit elektrischer Energie zu versorgen und zwar ans der Grundlage eineS ähnlichen Vertrages, wie er ihn mit einer Reihe von Kreisen des Regierungsbezirks Kassel abgeschlossen hat. Danach würde der Preußische Staat die Energie sozusagen zum Engrotpreise an den Lippischen Staat liefern und dieser sie dann in eigenen Vertcilungsnctzen an die Kon» sumenten bezw. einzelne» Gemeinden abgeben. Für die Durchführung dieses Projektes ist eS aber nötig, daß die Stadt Lemgo sich mit ihrem, für das in Frage stehende VersorgnngSgebiet ver- hältnismäßig hohem Energieverbrauch daran beteiligt. Eine Ver- Pachtung des Lemgoer Elektrizitätswerkes an die A. E.-G., welche Lemgo von ihrem EleltrizitätSwerk Weicrtal in Hameln auS ver- sorgen will, müßte daher das Projekt des Preußischen Staates empfindlich stören. Die Bestrebungen des Preußischen Staates und diejenigen der A. E.- G. stehen also mit einander im Wettbewerb. Daß eS in dem Wunsche der A. E.-G. liegt, wie sie schreibt, die Angelegenheit in Ver- bindung mit dem preußischen Projekte zu betreiben. braucht deswegen nicht bestritten zu werden. Ein derartiger Wunsch ist sogar verständlich, da ein 45jähriger Pachtvertrag mit Lemgo der A. E.-G. einen erheblichen Einfluß aus die Gestaltung des preußischen Projektes gewähren würde, falls dieses dann überhaupt noch loeiter verfolgt werdeil sollte. Die Pläne deS Preußischen Staates gehen dahin, einen Teil Mitteldeutschlands— einen breiten nordsüdlich gerichteten Streifen in der Linie Bremen— Marburg aus rein kommunaler Grundlage mit elektrischer Energie zu ver- sorgen. Der Wunsch der A. E.-G., die Angelegenheit in Verbindung mit dem preußischen Projekt zu betreiben, dürfte daher kaum Verwirklichung finden können. Daß die Bestimmung des Pachtvertrages»Löst einer der Ver- tragschließenden auf Grund gesetzlicher Bestimmungen diesen Bertrag vor Ablauf der vertragsmäßigen Frist auf. hat er dem andern vertragschließenden ein« Entschädigung im Betrage von 200 000 M. zu zahlen", wie die«. E.-G. schreibt, auf dir Anregung des Herrn Oberbürgermeisters von Lemgo hin aufgenommen worden ist, ändert nichts an der Tatsache, daß sie einem Singreifcn des Staates, selbstverständlich de» Lippischen Staates, in die Elektrizität«- Versorgung seines Landes erhebliche Schwierigkeiten in den Weg legen müßte, da sie den Wert des oerpachteten Werkes bei einer Uebernahme durch den Staat um mehr als tO Proz. erhöhen ivürde.' Eine neue LcrrechnnngSart im Schiffsbau. Die Hamburg- A nt e r i k a« L i n i e hat mit dem Bremer Vulkan eine Berein- barung getroffen, die eine neue VerrechnungSart im Schiffbau ent- hält. Danach erhält die Werft außer ihre» Selbstkosten und einem Aufschlag für Betriebskosten und Amortisation, alio außer den Ge- stebungskosten, einen bestimmten Prozentsatz al« Gewinn. Wie au« Kreisen der Werftindustrie dazu mitgeteilt wird, sei diese Ver- rechnungsart für Deutschland«in Rovum, in England dagegen finde sie häufiger Anwendung. Schon vor einer Reihe von Monaten wurde der Vorschlag gemacht, einen solche» Modus auch in Deutich- land einzuführen und eö hieß, daß einige Reedereien und Werften nicht abgeneigt seien, ,hn in Zukunft den Schiffsbauteit zugrunde zu legen. Wenn das Verrechnungsverfahren in Vergleich zu dem Modus»Selbstkostenpreis plus 10 Proz.' gestellt wird, so ist darauf hinzuweisen, daß bei der letzteren Art der Käufer keinen Einfluß auf die Festsetzung der Selbstkoften hat, während die SchiffahrtSgesell- schaften selbstverständlich bei der Fixierung der Selbstkosten ein gewichtiges Wort mitreden und erst von der Kostensumme, die ihnen annehmbar erscheint, den vorher festgesetzten Gewinnprozentsatz ge- währen. Eine Erhöhung der Ausfuhrvrrgntung hat da§ Rheinisch- West- fälische Kohlcnsßndikat vorgenommen. Die Erhöhung von IVz auf 2 st» M. pro Tonne betrifft mir Kokskohle und Hochofenkols. Für alle übrigen Kohlenprodukte bleibt die Vergütung von Ist'z M. bestehen. Durch die Erhöhung will das Syndikat der Kritik be- gegnen, die im Jntnressc der Eisenindustrie eine Preis- ermäßigung forderte. Soziales* Recherchen nach Abtreibungen. Der Minister des Innern hat die Oberpräsidente« an- gewiesen, die Aerztekammern zur Vorlegung einer Reihe von Fragen an die Äerzte ihres Bezirks zu veranlassen. Die Fragen gehen dahin, 1. ob der Arzt in seiner Praxis eine Zunahme der Fehlgeb tlrten beobachtet habe. 2. wie groß in den Jahren 1910 bis 1912 die Zahl der von ihm behandelten Fälle von Fehlgeburten war. 3. ob der Arzt „Grund ztt der Annahme habe, daß ein Teil dieser Fehlgeburten von den Betroffenen mit Absicht bezw. mit Zustimmung der be- treffenden>v ei blichen Personen herbei- geführt worden ist, und wie groß etwa der Prozentsatz solcher Fälle war. Endlich wird die Frage an die Äerzte gerichtet;„Ist Ihnen bekannt, daß weibliche Personen in zunehmendem Maße an Aerzte mit dem Ansinnen herantreten. eine vorzeitige Unterbrechung der Schwangerschaft vorzu- nehmen V" Der Minister weist,„um Bedenken einzelner Aerzte hin- sichtlich Beantwortung dieser Fragen vorzubeugen", darauf hin, daß nur das auf die Fragen eingehende Zahlenmaterial ohne Angabc der Namen der betreffenden Aerzte dem Oberpräsidenten und � durch ihn dem Minister vorgelegt iverden soll. Ausfällig ist, daß die Aerztekammer der Provinz Branden- bürg dem Ersuchen des Ministers nachgekommen ist. Denn trotz des Hinweises auf die Anonymität der Berichte dürfte die Beantwortung der Fragen zu 3 und 1 mit der Schweige- Pflicht der Aerzte stark kollidieren. Das Gesetz entzieht durch das Gebot der Schweigepflicht des Aerztcs die beruflich ihm anvertranteii Geheimnisse dem Zugriff der Anllagebehörde. Der cilizelnc Arzt ist aber nicht dagegen gesichert, daß sein an die Aerztekammer eingesandter Bericht von der Staatsanwalt- schaft mit Beschlag belegt wird. Der Rückgang der Geburten läßt sich mit sozialen Maß- nahmen bis zu einem geivissen Grade bekämpfen. Statt solche zu ergreifen, insbesondere die Lage der Wöchnerinnen, Mutter und Kinder und die Lage der Arbeiter zu heben, ruft der Polizeiminister nach dem Strafgesetz. Arm in Arm mit ihm macht der I u st i z m i n i st e r die Staatsanwälte gegen Empfängnisverhütungsmittel mobil. Er hat verfügt: »Tie Anpreisung, der Vertrieb und die Anwendung empfängnis- verhütender Mittel hat einen Umfang angenommen, der zu ernstesten Bedenken Anlaß gibt. Um der weiteren Ausbreitung tunlichst zu begegnen, erscheint es erforderlich, daß die Anklage- behördeu in allen Fällen mit größtem Nachdruck, unter Beachtung der in der Rechtsprechung de« Reichsgerichts aufgestellten Rechtsgrundsätze einschreiten. Auch erscheint es erforderlich, daß die Vertreter der Anklagebehörden regelmäßig die Unbrauchbar- machung etwa in Betracht kommender Druckschriften beantragen. Bei der Stellung der Strafanträge wird außerdem auf die außer- ordentliche Gemeingefährlichleit und die gewinnsüchtigen niedrigen Beweggründe der'Angeklagten Rücksicht zu nehmen sein. Ferner wird regelmäßig der Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Besorgnis der Gefährdung der Sittlichkeit zu beantragen sein, um zu ver- hüten, daß durch die Oeffentlichkeit der Hauptverhandlung die Auf- merkiamkelt des Publikums in ungewünf-dter Weise auf den Geschäftsbetrieb der Angeklagten gelenkt wird." Das ministerielle Vorgehen wird voraussichtlich die entaegengesctzte Wirkung haben, als die Minister sich von ihm versprechen. ES wird die Wißbegierde nach Empfängnis--Iii Mitteln erhöhen. Solche Polizcimittelchen, wie sie ja auch-ü- der begrabene Kurvfuscher-Gesetzentwurf enthielt, sind im � Kampf gegen den Geburtenrückgang völlig untaugliche Waffen. Verständiger Iväre eine Enquete über den Zusammenhang der Lebensmittelpreise, der Frauenarbeit, der gesamten sozialen Verhältnisse mit dem Geburtenrückgang gewesen. Aber freilich, eine Regierung, die auf dem Gebiet der Sozialpolitik gegen Fortschritt eintritt, sogar auf dem internationalen Kongreß in Bern einem Schutz der Jugendlichen entgegen- gewirkt und auf schritt und Tritt die Gleichberechtigung der Arbeiter bekämpft, muß befürchten, daß durch eine solche Enquete die tiefer liegenden Gründe eines Geburtenrückganges aufgedeckt werden. Und dann könnte sie vielleicht zu der Er- kenntnis gelangen: mehr Sozialpolitik, mehr Kinder. Offenlegung der Wählerliste. Um die Gültigkeit von Gemeindevrrtreterwahle« handelte eS sich bei einem RechtSsireit, der jetzt das Oberverwaltungsgericht beschäftigte. In Kurtsch waren am 9. März 1912 bei den Wahlen in den drei Abteilungen die Herren Kipke, Kuhnt und Steiner zu Gemeindevertretern gewählt worden. Der Gutsbesitzer Mittmann erhob nach vergeblichem Einspruch Klage auf Ungültigkeitserklärung sämtlicher drei Wahlen. Unter anderem machte er geltend, die Wählerliste habe innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist nicht ordnungsmäßig auLgelegen. Um sie einsehen zu können, habe er zweimal zum Gemeindevorsteher gehen müssen. Als er das erste Mal gekommen sei, habe er zwei Stunden warten müssen und dann habe der Gemeindevorsteher erklärt, er könne die Liste nicht finden, so daß er unverrichteter Sache wieder habe fortgehen müssen. Der Kreisausschuß wies die Klage ab und der Bezirksausschuß zu Breslau bestätigte d-S Urteil, indem er für ausreichend erachtete, daß dem Kläger, als er das zweite Mal erschien, die Wählerliste vorgelegt worden sei. Das Oberverwaltungsgericht hob dieser Tage daS UrteU auf und verwies die Sache an den KreiSauschuß zu nochmaliger Ver- Handlung und Entscheidung zurück. Es wurde ausgeführt: Räch dem, was Kläger unwidersprochen vorgebracht habe, scheine die Wählerliste tatsächlich während der gesetzlichen OffenlegiingSfrist nicht ordnungsmäßig während der Geschäftsstunden offengelegen zu haben. Darüber müsse der Kreisansschuß durch eine Beweiser- Hebung Klarheit schaffen, denn Wahlen, die aus Grund einer nicht ordnungsmäßig offengelegten Wählerliste stattfinden, seien un- gültig.___ Zum AUordloh». Ein Tischler klagte gestern vor dem Gewerbegericht gegen die Firma Rrschke auf Zahlung von 20 M. Dem Kläger war ein Akkord uberttagen worden. Als er am Wochenschluß anstatt der üblichen 33 M. nur 20 M. Adschlagslohn erhielt. legte er sofort die Arbeft nieder und fordarte nun die fehlenden 13 M. Abschlagszahlung und 7 M. Enffchädigung für entgangenen Akordverdienst, den er hätte haben können, wenn ihm das Weiterarbeiten nicht unmöglich gemacht worden Ware. Die Finna wendete ein, die Arbeit sei mangelhaft gewesen und der Kläger habe bereits mehr erhalten, als dem Wert der gelctfteten Arbeit entspräche. Ein Zeuge sagte aus. er habe nur deshalb längere Zeit zu der Fertigstellung der Arbeft benötigt, weil er sie nicht von Anfang an zu machen hafte. Das Gericht, Kammer 4 unter Vorst? des Mazistratsrats Dr. Gerth, kam zvr Klagrab- Weisung. Ter Kläger hätte die fünf Tage bis zur Beendlgnng des Akkords weiterarbeiten sollen, dann wäre ihm ja der gesamte Akkordpreis zugefallen. Die Entscheidung ist verfehlt. Waren Abschlagszahlungen in f>i)he von 33 M. üblich, so waren sie stillschweigend vereinbart. Der Kläger battc daher nach§ 124 Ziffer 4 das Recht, die Arbeit niederzulegen, weil ihm der bedungene Lohn nicht gezahlt wurde. War über die Hohe des Akkords nichts vereinbart, so hatte nach 8 316 der Arbeiter die Höhe des Entgelts festzusetzen. Seiner Forderung gegenüber konnte der Einwand erhoben werden, daß sie unangemessen hoch sei. Tie Beweislast hierfür lag dem Beklagten ob. Immerhin aber zeigt der Prozeß bei der Mannigfaltigkeit von Streitfragen über Akkordlöhne, wie notlvendig es ist, über Ab- schlagszahlungen feste Vereinbarungen zu treffen und bei Bemessung der Akkordlobnböhe vorsichtig zu sein. Schiebttitge». Ter Warnruf:„Hallo! Ter Gerichtsvollzieher kommt!" war Gegenstand langer Erörterungen vor der 6. Kammer des Ber- liner Kaufmannsgerichts. Er spielte in einem dort zur Verband- lung gekommenen Prozeß gegen das Damenputzgeschäft von Adolf Schmidtmeyer eine nicht unbedeutende Rolle. Ter Beklagte S. be- treibt zwei Geschäfte, das eine wurde von der Klägerin I. geleitet. Der frühere Inhaber war der Kaufmann Joseph S., der Bruder des jetzigen nominellen Inhabers. Als Joseph S. sich eine Schul- denlast von 40000 M. entriert hatte,„erwarb" der Bruder Adolf das Unternehmen und Joseph, der vom Personal auch weiterhin als Chef angeschen wurde, galt nach außenhin als angestellter „Arbeiter". Die Gläubiger ließen sich freilich durch diese Manipulation nicht abschrecken und brachten schleunige Arreste heraus. Wie nun die Klägerin in der Verhandlung ausführte, wurden die unlautersten Transaktionen im Geschäft vorgenommen, um den Vollziehungsbeamten hinterS Licht zu führen. In der Kape durf- ten nie mehr als 2 bis 3 M. sein. Detailgeschäst und Fabrik liegen sich in der Großen Frankfurter Straße gegenüber. Fand der Beamte im Teiailgeschäft nichts Pfändbares vor, dann erging, während er den Tatbestand protokollierte, nach der Fabrik der telephonische Warnruf:„Hallo! Der Gerichtsvollzieher kommt!" Wie die Klägerin angibt, wurden beim Ertönen des Warnungszeichens ganze Kisten voll Waren hintenherum beiseite gebracht, so daß der Gerichtsvollzieher, wenn er vorn hercintrat, nichts Pfändbares mehr vorfand. Fräulein I. loollte sich an diesem unlauteren Spiet nicht beteiligen und erntete dafür die bittersten Vorwürfe. Auch von dem anderen Personal, das zum Chef hielt, wurde sie verachtet. Es sei traurig, so sagte man ihr, daß sie nicht„treu zur Fahne" halte. Als sie in Gegenwart des Gerichtsvollziehers erklärte, sie könne das nicht mehr mit ansehen, wurde sie von Joseph S. mit Schimpfworten, wie«Freches Frauenzimmer" belegt und dann hinausgeworfen. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung des verlangten Restgchalts. Die gröbliche Beleidigung des Joseph S. genüge allein schon, die sofortige Lösung des Dienstverhältnisses als berechtigt erscheinen zu lassen. Der Einwand des Beklagten, Joseph S. sei gar nicht Inhaber des Geschäfts, sei nicht stichhaltig, denn angesichts der ganzen Sachlage und des nahen Verivandt- schaftsvcrhältnifses sei der Bruder Joseph als Stellvertreter deS Inhabers anzusehen._ Versammlungen. Berichtigung. Genosse Mi lku schütz ersucht uns. seine Aus- führungen in der Parteiversammlung für das Landsberger Viertel dahin zu berichtigen, daß er gegenüber dem Genossen Klingler nicht erklärt habe, dieser habe auf einer Verbandsgcneral- Versammlung von einem„Byzantinismus des Parlamentarismus" gesprochen. Richtig fei, daß er dem Genossen Klingler gesagt habe, er hätte in einer Viertelsveriammlung des 4. Kreises dem«Vor« wätts' widerlichen Byzantinismus vor dem Parlamentarismus vorgeworfen. Jngendveranftalnmge». Schöueberg. Sonntag, den 12. Oktober, abends 6 Uhr: Vortrag über:.Sexuelle Aufllärung". Rcserentin Frau Bohm-Schuch. Pflicht jedes Kollegen und jeder Kollegin ist es, zu erscheinen. Temtzethsf-Mariend-rf. Für die arbeitende Jugend kommen im Lause der Woche solgeudc Veranstaltungen iu Frage: Sonntag, den 12. Oktober: Besichtigung des Krematoriums in Baumschulenweg. Trcfs- Punkt'1,9 Uhr im Jugcndbcim. Bon 6 Uhr ab Unlerhaltungsabcnd im Jugendheim. DicnStag, de» 14. Ottober: Reigenabend sür die weibliche Jugend, Mittwoch, den IS. Oktober, abends 8 Uhr, im Restaurant.Zur Stadt Dresden", Tempelhos, Berliner Str. 78: Große unpolitische Jugendversammlung. Vorwag:„Die wahren und die falschen Freunde der Arbcilersugend". Reserenl: Herr Heinrich Farwig.— Erscheint m Massen! Bringt Freunde und Bekannte mit! Donnerstag, den lö. Ok- tober: Lelcabend. Thema:„Junge Helden". Sonntag, den 19. Oktober: Teilnahme an der Demoniwalionsveriammiung der arbeitenden Jugend in Berlin. Näheres im Mitteilungsblatt und im Jugendheim. Werbt rege sür die proletarische Jugendbewegung: Denkt an die Schulentlassenen I Adlershof. Der JuaendauSschuß veranstaltet heute Sonnabend, den 11. Ovober, abends 8 Uhr, im Gesellschastshaus. Bismarckflr. 10, eine Feier sür die schulentlasiene Jugend. Das Programm ifl dem Tharatter der Feier entsprechend gewählt und besteht aus Rezitation. Gesang und Fest- anspräche. Nach dem Programm gemütliches Beisammensein. Alle Arbeiten: ellern werden auf diese Feier ausmerlsam gemacht und ersucht, mit ihren schillentlasjeiien Söhnen und Töchtern zu erscheinen. Der Eintritt ist sür Jugendliche unter 18 Jahren srei. Rosenthal. Arbeitcr-Juaend! Heute Sonnabend, den 11. Oktober, im Restaurant von A. Feind, Kopenhageuer Str. 71: Elternabend der Arbeiterjugend. Rezitationen. Gesang. Theater. Hieraus: Gemütliches Bei- sammensein. Eintritt sür Erwachsene 2S Ps. Jugendliche srcien Eintritt. Eltern und Jugendliche sind herzlich eingeladen. Marktpreise von Berlin am S. Oktober 10X8, nach Ermittelungen de» lgl. Polizeivräsidwm«. Mais(mixed), gute Sorte 16,50—16,80, mittel 00,00—00,00. geringe 00,00—00,00. Mais Zunder), gute Sorte 14,60—14,90. Richlitroh 0,00. Heu 0,00-0,00. Markthallenprcije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sv-isebobucii, weiße 35,00—60,00. Linsen 36,00—70,00. Kartoffeln(Klemhdl.) 4,00—7,00, 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,60—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40, Aale 1,40—2,80. Zander 1,20—3,20. Hechte 1,40—3,00. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,00—48.00. «SafferftandS-Nachrichte» der Lanbe»anftalt für Gemäss ertunde. milgetellt vom Berliner Bellerbureau Bafferstand M e m e l, TUM P r e g e l. Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Kroffen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg •)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) llnterpegel. «»SSSSZKA ft/ Unicrem Gruppenführer«9 t Hugo Loser neb* Frau| 2 die berzlichsten Glückioüniche X ui zur silbernen Hochzeit am X q» 11. Ottober. 26336«p SC Die Genossen des 20b Bezirk2».- Ulster KostOme M. 9.—.1•.—.15.— b.50— M, 12.-, 15.-,18.— b 120.- Pelzkonfektion Kleider Röche »l.18...2S.-.8Z-b 160.- M. 8-,25.-b 75.« It.»-»...12..».»- Alle Weiten! Alle LSngenl Soxmiag von 12 bis 2 Uhr geöffnet. im i fj iMark wBchentllcho Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig uad nach Mass Garantie für tadel- losan Sita. Jonas Kunbers Oranienstr.1601- zwixhi n Moritz- u. Orulesplstz Jame(«nu aul Strasse I I» Hausnummtr zu loblen. 1 Heines Werke 3 TUttot 4 atetk. 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Metropol Theater Abends 7 Uhr 55 präzise: imiiDi Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr; Seine Geliebte. Vereinigte Berliner Volksbühnen. I,ui«en-Theatep. Sonnabend 8';, Uhr: Die Alltvürden*. -chanfpiel in 5 Atlcn v. lt. Ritterseldi. Wnlhalla-Theatep. Sonnabend 8'/, Uhr: Zum 50. Ma.c: Her lilcbeHonkel. Poise m. Gelang u. Tanz in 3 Aftcn. _ Brauerei Friedrichshain mm DienStag, de» 14. Oktober, abends» Uhr: PopnlüreH Konzert des Berliner Volks- Orchesters Alfred Hirsch sowie Gastspiel der Opernsängerin Krna Hallenslcben, Dr. Hein» Caspary— Lieder zur Laute— und Wladimir Dawlngott ans Petersburg, der einzige Kapellmeister welcher durch hunderte Posen und Bewegungen Musik illustriert. Abendkaffe 30 Ps., Billetts im Borvcrkans a ält Ps. sind bei den ,Aorwär!S--Spedileureu 2uohl, LmmanucUirchstratze 12 und Hanl»eh. Ack-rftr. 174, zu haben. Anfsng «-/. Übe Gr. Ausstaltungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. srcier Benutzung des lule» Verne'jchcn RomancS von JulinM Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Richard 8chultz. Karl Bactimann. Joseph Giampietro. i CDido Thielscher. Alfred Schmasow. Leopold Wolf. Lodwig Wolf. Helene Baliot. idadusska. J. de Lande. Morgen Sonntag, nachm. 3 Uhr: 's Huiisrl. Xeu! Bon 9— 1 Uhr: Xeu! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. S Kapellen. Yolkstheal er Neukölln Hermannftraste 2«. Sonntag, den 12. EBobcr 7'/, Uhr: Der Postillion von üuncheherg. G-sanasposse in 5 Bild. von Aaeobsen. Montag, den 13. Oktober. 8-/, Uhr: ver �eineitlbsuer. BoUsstüd in 3 Akt, v. L. Anzengruber. Zirkus euseii. Heute Sonnabend, den II. Oktober. I abends 7'/, Uhr: OmBs Gala-Sports-Vorstellung. Austret. aber gvojjcn Aiiraklionen.| Zum schlug: Die neue grotze AuSstatt.-Pantom AU8 unseren Kolonien! Avi«: Morgen: 2 groBa Lala- 1 Vorstellungen, nachm. 31/, midi abend? 71/, llqr. Nachm. hat jeder I Crivachsene daS Nechi, ein ange-> höriges Kind unter 10 Jahren| ans allen Sitzblätzen frei einzu sühren. Jedes weitere Kind zahl' die L>ä sie aus den Sitzvlätzen. felies Captice. Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die JWißgeburt_ Voigt- Theater Badftrasie 58. Morgen Sonntag, 12. Oktober 1913: Nachm. 3 Uhr: Ab-ndS 7 Uhr: Dit Spl0Ne Schwank in 3 Alien von Kurt Kratz. Kassenerösstr. 10 Ubr, Ans. 3 u. 7 Ubr. Casino- The ater Lothringer skr. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Posicu- Schlager Ftldivaud der Tugeudhafte. DaS droll. Stück feit Bestehen d. Thcat. Vorher das erstkb Svezialikat.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: 3km grünen Strand der Spree. AdmlralLpsfsZl. Els-Areaa. Heute Premiere Die lustige Puppe. GroBes EisballeH in einem Vorspiel und zwei Bildern von Leo Bartuscbek. Musik von Jul. Einödsliofer. In den Hauptrollen; Charlotte, Ellen Dallerup, Max feist n. Hari? Paulsen Beginn 9 Uhr. Tischbesfel- lungen rechtzeitig erbeten. Sür den Julia It der Jnicrnte nvcrniinini die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwarrnnq. Alfred Wiel'cpp, Neukölln. Für den Jnieraientetl verantw.: Th. Glocke. Bertin. Druck u. Vertagt Vorwart» Buchdruckerei u. Pertagsanstalt Paut Singer u. iöo, Berlin SWi Kr. 266. 36. Jahrg. KMs-KMe des Lmiirts" steMmDM tt. Oktober 1913. Vorort-I�ackrickteo. Charlotte«burg. Die Wahlzeit für die Stadtverorduetenwahl m der dritte» Ad- teiluug am S. November d I. ist auf die Stunden von 11 Uhr vor- mittags bis 8 Uhr abends festgesetzt. Nevköll«. Maugel a» polizeiliche« Schutz. Die von uns vor einigen Tagen wredergegebene Zuschrift eines Vorwärtslesers über das obige Thema hat unS weitere Klagen eingebracht, von denen wir noch folgende veröffentlichen möchten: Schutzleute trifft man genug in Neukölln, leider nur dann nicht, wenn man des polizeilichen Schutzes bedarf. In der Lesfingstraße, Prinz-Handjerystraßen-Ecke z. B. finden des öfteren große nächtliche Ruhestörungen statt, auch find dort in letzter Zeit Leute von Rowdys einfach niedergeschlagen worden, ohne daß fich ein Schutzmann sehen ließ. Vor kurzem wurde eine weibliche Person von einem Mann so mißhandelt, daß sie fortgetragen werden mußte. Sin paar Tage später wurde ein anständiger Mann von mehreren Männern so mißhandelt, daß er liegen blieb und später mittels Wagen vom Nachtwächter fortgebracht wurde. Der Radau ist mit- unter so groß, daß sämtliche Einwohner der betreffenden Häuser in Nachtbekleidung am Fenster fichtbar sind. ES ist wirklich entsetzlich. wie manche Leute hier gemißhandelt werden, aber keiner ttaut sich einzugreife», weil er befürchte« muß. daß eS Ihm dann ebenso er- geht. Leute, die vom Fenster aus über diese Brutalitäten und über diesen Krawall schimpfen, werden in der gemeinsten Weise an- gepöbelt. Ein Man» erzählte mir neulich, daß er wegen solcher Exzesse von dort fortgezogen sei. Man muß sich sehr wundern, daß bei all diese» Aufläufen nie ein Schutzmann zu sehen ist, während man sonst genug in de» Türnische« stehen steht, einzeln und zu zweien. Die Stadt Neukölln hat bekanntlich über eine halbe Million Mark an Polizeilaste» zu entrichten. Dafür kann eS beanspruchen, daß die Bürger vor Rowdys geschützt werden. Harte Sounabend, abends N/, Uhr, findet bei Bartsch. Her» mannsttaße, die Versammlung der Jugendsektion des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Jahresbericht und Neu- wähl des Vorstandes. Da eine große Anzahl junger Ge- nassen zum Militär eingezogen find, auch solche, die zum bisherigen Vorstand gehörten, ist es die Pflicht jedes zungen Genossen in der Versammlung zu erschemen, um eine glatte Wahl des neuen Vor- standes zu ermöglichen. Wilmersdorf. Ungültig« Polizeivorschrist betreffs der Schornsteinrrinigung. Die vom Polizeipräsidenten für Schöneberg und Wilmersdorf er- lassen« Polizeiverordnung vom 19. April 1909 bestimmt unter anderem für Wilmersdorf, wo Kehrbezirke eingerichtet sind, daß dort außer den Bezirksschornsteinfegermeistern kein Schornsteinfeger- meister eine Schornsteinreinigung ausführen darf. Der Schorn- steinfeger Borff aus Neukölln hatte trotzdem in Wilmersdorf die Sckornsteinreinlgung vorgenommen. Er wurde deshalb wegen Uebertretung jener Bestimmung vom Landgericht II zu einer Geld- strafe verurteilt. Der erste Strafsenat des Kammergerichts hob in seiner letzten Sitzung das Urteil auf und sprach den Angeklagten mit folgender Begründung frei: Allerdings stehe das Kammergericht aus dem Standpunkte, daß dort, wo Kehrbezirke eingerichtet find. eine Polizeiverordnung gültig sei. welche die Eigentümer ver- pflichte, im Jahre mehrmals innerhalb bestimmter Fristen ihre Schornsteine durch den zuständigen Bezirksschornsteinfeger- meister reinigen zu lassen. Wenn aber eine Polizeiverordnung vorschreibe, daß dort außerdem kein anderer Schornsteinfeger reinigen dürfe, dann gehe das zu weit. Ein solches Bannrecht könne durch Polizeiverordnung nicht eingeführt werden. Wenn ein Eigentümer neben der pflichtmäßigen Reinigung durch den Be- zirkSschornsteinfeger noch so und so oft durch einen anderen Schorn- steinfeger fegen lassen wolle, dann sei ihm das unbenommen. Deshalb sei die Vorschrift, gegen die der Schornsteinfeger aus Neukölln verstoßen haben soll, ungültig und der Angeklagte müsse freigesprochen werden. Johannisthal. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins hielt Genosse Lehner einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Volksfürsorge. Er geißelte insbesondere die AuSbeutungS- Methoden der.Victoria" und»Friedrich Wilhelm". Die Volksfur- sorge nannte er einen Reformator im Versicherungswesen. Des längeren berührte er deren Sparversicherung und forderte alsdann zum Beitritt auf. In der Diskussion meinte Genosse Dühring, die Versicherungen könnten zu einer Verflachung des sozialrevolutio- nären Gedankens beitragen, aber bei genauer Prüfung Wäre es nicht der Fall. Auch Genosse Steuer pries das jüngste Werk der Arbeiterschaft in Verbindung mit den Konsumgenossenschaften. Unter Parteiangelegenheiten wurde auf die Versammlung zum 19. Oktober hingewiesen. Auf die Broschüre über Bebel und die gedruckte Rede über den Generalstreik der belgischen Genossen wurde aufmerksam gemacht. Au« dem vom Kassierer erstatteten Kassenbericht über das verflossene Quartal war zu ersehen, daß seit der Hauskassierung die eingelaufenen Beiträge in die Höhe ge- gangen sind. Gemeindevertreter Dühring gab dann noch Bericht über kommunale Verhältnisse deS Ortes. Erwähnenswert sei, daß die Lehrer bei der Gemeinde um Haftpflichtversicherung einge- kommen seien. Unsere Genossen seien dagegen gewesen, weil hier- bei Ueberschreitungen deS Züchtigungsrechts ausgeschlossen seien. Der Bau einer Turnhalle sei jetzt endlich nach langer Zeit be- schlössen worden. Treptow-Baumschulenweg, Nieder-Schöneweide. Heute Sonnabend, den 11. Ottober, abends 9 Uhr. hält der »Männerchor Oberspree' im Spreegarten Treptow sein diesjähriges Herbstkonzert ab. Mitwirkende find: Das Berliner Ton- künstler-Orchester(Musikdirektor Fritz Blume), Paul Wohlgezogen (Cellosolist), Dr. Heinz Schall-Caspary(Lieder zur Laute). Da daS Programm gediegenes und gutes bietet, werden die Parteigenossen gebeten, diele Veranstaltung zahlreich zu besuchen. Der Eintritt einschl. Programm und Liedertexte bettögt KO Pf. Nowawe». In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins gab Genosse Gomoll den Bericht über den diesjährigen Parteitag in Jena. Redner schilderte den Verlauf der Verhandlungen unv gab zu den wichtigeren Erörterungen und Beschlüssen eingehende Er- läuterungen. In der Diskussion wandte sich zunächst Genosse Paul Neumann gegen die Ansicht des Genossen Kirsch, daß daS traditionelle Festhalten der Parteitage cm der bisherigen Form der Maiftier eine gänzliche Aufhebung oder Verlegung derselben auf einen Sonntag nicht wird hindern können. An dem Ab- flauen deS Interesses an der Maifeier seien zum großen Teil ein» zelne Gewerkschaftsführer schuld, die für eine einheitliche Durch- führung der Arbeitsruhe bisher keinen Finger gekrümmt hätten. Eine Verlegung der Maifeier auf einen Sonntag würde wohl das Unsinnigste darstellen, was jemals beschlossen wurde. Die den Massenstreik betreffende Resolution sei nicht scharf genug, es mache sich in ihr'der Einfluß der Gewerkschaftsführer, die allzu äugst- lich in bezug auf die eventuellen Folgen eines politischen Streik? sind, sehr deutlich bemerkbar. Solche Ausführungen wie die deS Genossen Bauer, hätte sich der Parteitag nicht gefallen lassen dürfen. Die Bewilligung der Steuern zur Heeresvermehrung durch die Fraktionsmehrheit habe der Parteitag zwar durch die Annahme der entsprechenden Resolution gutgeheißen, es fei jedoch bereits heute feststehend, daß derartige Bewilligungen für Militärzweckc in Zukunft nicht wieder vorkommen. Den Ausschluß Rädels halte er nicht für berechtigt, weil der Fall nicht genügend geklärt gewesen sei.— Genosse Krohnberg gab der Hoffnung Ausdruck, daß der nächstjährige Internationale Kongreß die Maifeier ganz- lich aufhebt, weil das notwendige Interesse für sie nicht mehr vorhanden ist. Mit den übrigen wichtigen Beschlüssen des Partei- tage? ist er einverstanden. Der Ausschluß Radeks hätte längst vollzogen werden müssen; mit einem Genossen aus dem Arbeiter- stände hätte man Wohl kaum so viel Umstände gemacht.— Genosse Wolter wünschte eine machtvollere Durchführung am 1. Mai oder gänzliche Beseitigung der Feier.— Genosse Drescher bezeichnete als das einzig Erfreuliche bei Parteitages die ausführliche Be- Handlung der ArbeitSloscnfrage. Bedauerlich fand er es, daß auch auf diesem Parteitag das Thema„Staat und Kirche" nicht zur Erörterung gekommen ist, obwohl doch oft genug zum Aus- tritt aus der Landeskirche aufgefordert werde.— In seinem Schlußwort wandte sich Gomoll besonders gegen die Behauptung Neumanns, daß der Fall Radck nicht genügend geklärt gewesen sei. Das sei absolut falsch, denn der Parteivorstand nebst Alis- schuß und auch die Kommission des Parteitages, zu deren Ob- jektivität man doch unbedingtes Vertrauen haben könne, hätten sich ausreichend genug mit dem Fall beschäftigt, che sie den Aus- schluß empfahlen. Im geschäftlichen Teil gab der Vorsitzende bekannt, daß in der nächsten Versammlung Genoff« Dr. Alfred Bernstein über das Thema:»Ist der Gebärstreik eine revolutionäre Waffe?" sprechen werde. Das Korreferat werde die Genossin Zietz vom Partcivor- stand halten.— Die Abrechnung vom 2. Quartal ergab eine Ein- nechme von 1970,27 M. und eine Ausgabe von 1945,42 M. In letzterer Summe sind die örtlichen Ausgaben in Höhe von 331,91 M. und da» an die Zentralkaff« abgeführte Drittel von 713,51 M. enthalten. Der Kasse verbleiben 24,85 M.— Eine an die Gemeindevertreter gerichtete Anfrage, ob sie für die An- stellung deS neuen Polizeikommissars gestimmt hätten, wurde'dahin beantwortet, daß die Vertretung auf die Anstellung des Kam- missars selbst keinen Einfluß habe. ES sei zwar die Bewilligung der hierzu erforderlichen Mittel verlangt worden, die Gemeinde- Vertretung habe sie jedoch bereits zweimal abgelehnt. Bewilligt seien lediglich 175 M. für die nebenamtliche Führung deZ Amtes. Wenn tatsächlich einer der Beamten zum Polizeikommissar er- nannt sein sollte, dann müßten der Amtsvorsteher und der Land- rat dafür verantwortlich gemacht werden. Genosse Wolter teilte zum Schluß mit. daß am 2S. Oktober, abends 9 Uhr. im kleinen Saal des„VolkSgartenS" ein Vortrag über Feuerbestattung statt- finden werde. Bohnsdorf. Um die Jugend vor dem verderbenden Einfluß der SchuudNteratur z« bewahren, hat der hiesige Arbeiterbildungsausschuß beim Genossen Fritz Bölke, Paradiesstraße 9, eine Ausgabestelle für billige und gute Bücher eingerichtet. Dieselbe ist jeden Freitag, abends von 7— 8 Uhr, geöffnet. Dort erhält jedermann gegen Bezahlung von 19, 29 und 30 Pf. nach Auswahl gute Lektüre. Der Zurückbringer kann nach Wunsch fortlaufend ein neue» Buch eintauschen oder erhalt den eingezahlten Betrag zurück. Spandau. Bon de« Spandauer Mustcrwerkstätten. 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Kahler, früheren Direktor deS �euerwerkslaboratoriums, der vor einigen Tagen die Geschiitzgießerei inspizierte, nur übrig, sich nach dem Wohlergehen einzelner Arbeiter und deren Familien zu erkundigen. In welcher Weise dies vor sich ging und in wie zarter Weise auf die palrio- tischen Gefühle der Staatswerkstättenarbeiter Rücksicht genommen wurde, konnten einige Arbeiter vernehmen, die eine Unterredung des Generalmajors mit einem alten Arbeiter, der schon fast ein Menschen- leben lang für den Vater Staat sich abgemüht hatte, mit an- horten. Der Generalmajor erkundigte sich bei dem Arbeiter nach seinen Dienstjahren und wieviel Kinder er hätte. Hieraus fragte er ihn, ob er nicht die Absicht hätte, nach der vom Militärfiskus in Staaken zu errichtenden Gartenstadt zu ziehen. Der Arbeiter ver- neinte die Frage mit dem Hinweis darauf, daß seine erwachsenen Kinder nicht nach dem Dorf ziehen wollen. Hierauf soll der Herr Generalmajor gesagt haben:.Nicht wahr. Ihre erwachsenen Kinder gehen wohl abends lieber nach der Kneipe'i" Diese abfällige Bemerkung über die Familienverhältnisse eines in Ehren grau ge- wordenen Arbeiters erregte bei ihrem Bekanntwerden bei jillen Arbeitern der Fabrik Empörung. In ähnlichem Sinne unterhielt sich der Herr Generalmajor auch noch mit anderen Arbeitern. Herr von Kähler steht übrigens noch bei den Staatswerkstätten- arbeitern in guter Erinnerung, weil er einmal gelegentlich einer Festrede zur Sedanfeier sich gegen die Putzsucht der Arbeiterfrauen wandte. Nach Beobachtungen, die er bezw. seine Frau gemacht haben wollten, kauften auch die Arbeiterfrauen den Schlächtern stets das beste und teuerste Fleisch ab. Seine schneidige Rede hatte damals den Erfolg, daß viele Arbeiter vorzeitig den Saal verliehen. Allgemeine Kranken- und Sterbckasse der Metallarbeiter. kB. a. G.s zu Hamburg. Filiale Berlins. Sonnabend, den 11. Oktober, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung bei Thiel. Rückerstr. 7. — Filiale Pankow. Sonnabend, den 11. Oktober, abends 9 Uhr: Versammlung bei Schröter, Jwräslr. 5/6. Arbeitcr-Touristenverein.Tic Naturfreunde-'. Ortsgruppe Berlin. Anlätzlich der am«onntag, den IS. d. M., gegen die.�Zungdeutschland- bündlerei' veranstalteten Volksversammlungen des Kartelloerbandes Brost- Berlin sür Sport und Körperpflege fallen an diesem Tage sämtliche Touren aus. Die Mtglieder werden um Besuch der Versammlungen ersucht. Wetterprognose für Sonnabend, den U. Bielsach heiter, aber kühl und veränderlich, bei lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Oktober ISIS. ziemlich srischen nörd- Moderne Ulster sind in meinem Schaufenster der Hauptstrasse in braunen, grauen, blauen und blaugrauen Farben ausgestellt. Diese sind die neuesten Erzeugnisse in bezug auf Machart und Stoffe, bieten neben Formvollenöetem Sitz Erstklassiger Verarbeitung Unerreicine pMMiMeli. 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Von packender Wucht ist das Riesenaufgebot von lOOOO Mitwirkenden, ein römisches Wagenrennen und der tollkühne Kampf mit Löwen._ Den Höhepunkt bildet der nach der Natur aufgenommene Ausbruch des Vesuv, der Brand der Stadt und die wilde Flucht des Volkes. !?.«"VaÄ?; ScKtÄ Erstauffülirungsrechl für Neukölln u. Berlin S»e™*.. Aufwendung VnfWBrlfSIlf ab nachm. »UfflilftdUl an d. Theaterkasse. Ab Freitag, den 10. Oktober 1913. Vorführung: 5, 7, 9 Uhr. Wir empfehlen dringend den Bestach der Kachmittogsvorsteilungen, da wir abends, infolge des na erwartenden größeren Andranges, den Wünschen bezüglich der Plätze nicht immer entsprechen können. Qala» Lichtspiele Neukölln, Berliner Straße 51— 53, gegenüber dem Rathaus. ■V-ufSs.�•'4»•'irf'••-'SSg&X•" ■ wv:- ckN Lichtspiele EdensPalast ■ Kottbuser Damm 2—3, neben Warenhaus Jandorf.—— Uhren, Gold. Silberwaren E. Thiede, Berlin SO 26, Dresdener Str. 8. (Nahe Hochbahnstation Kottbuser Tor.) 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UrbeitZloser, tu' Selä iu Seinen Keutel! Tu' Geld in Deinen Beutel, wenn Du sogenannten Neben- V e r d t e n st suchst, der über die Zeit des Arbeitsmangels Dir hinweghelfen soll. Denn so mancher Menschenfreund, der durch Zeitungsannoncen Dir Nebenverdienst anbietet, fordert im voraus für seine Bemühungen Dir Deine letzten paar Mark ab. Zunächst will er bar Geld von Dir haben, dann wird er Dir sagen, wie und wo Du den versprochenen Nebenverdienst kriegen kannst. Er selber hat nämlich gar keine Beschäftigung für Dich, aber er verspricht. Dir zu einer solchen zu verhelfen— immer unter der Voraussetzung, daß Du vorher bei ihm berappst. Mitunter ist trotz oller Vorsicht so einem Inserat nicht ohne weiteres anzumerken, daß ein derartiger Geschäftsbetrieb dahinter steckt. Man lese z. B. das folgende Inserat:«Zuverlässige Leute zum Austragen von Drucksachen bei guter Bezahlung in allen Teilen Groß-Berlins gesucht. Postlagerkarte 40, Hamburg 25e." Wer wird vermuten, daß auch hier der sich Meldende z u n ä ch st mal eine Gebührenforderung zu erwarten hat? Be- schäftigungsuchende, die nach Hamburg 25a schrieben, teilen uns mit, wie es ihnen ergangen ist. Sie erhielten Antwort von einem Herrn Rud. Lohff aus Hamburg- Kleinborstel(Haus«Alster- bürg" in Wellingsbüttel), der sich als«Alleiniger Inhaber de Reklame-Kompagnie Kosmos" bezeichnet und sein Geschäft als ein „1912 gegründetes Unternehmen für Drucksachen- und Warenproben- Verteilung in Stadt und Dorf von Haus zu Haus" empfiehlt. In einem gedruckten, sehr umfangreichen Prospekt gibt Herr Lohff nähere Auskunft über die Art der von ihm angebotenen Beschäfli- gung sowie über die Bedingungen, unter denen mau sie haben könne. Es handele sich darum, Drucksachen und eventuell auch Warenproben auszutragen für Unternehmungen, wie z. B. Nährmittelfabriken, Malzkaffeefabriken, Aersandgeschäfte, Fabriken pharmazeutischer Präparate, Margarine- und Pflanzen- butterfabriken..Er bemühe sich, solche Firmen schriftlich und auch durch Reisende anzuregen, daß sie ihr Reklamematerial durch seine Mit- arbeiter austragen lassen.„Wenn Sie nun— sagt Lohff— ge- willt sind, mein Mitarbeiter zu werden, so bitte ich Sie, mir Ihren Entschluß auf dem hier beigefügten Formular umgehend mit- zuteilen, damit ich Ihnen als Arbeitsfeld einen bestimmten Bezirk überweisen und mich gleichzeitig schnellstens mit den in Frage kommenden vielen tausend Firmen behufs Erlangung von Aufträgen für Sie in Verbindung setzen kann." Und weiter unten liest man dann:„Für meine Bemühungen und zur Deckung meiner nicht geringen Unkosten beanspruche ich bis auf weiteres für feden Bezirk nur 5(fünf) Mark pro Jahr. Die ersten 5 M. find sofort, die weiteren immer.je 12 Monate später fällig und stets im voraus mittels Postanweisung Porto- und bestellgeldfrei an mich ein- zusenden." Beigefügt ist sogleich ein unfrankiertes PostanweisungS- formular, auf dem Lohffs Adresse sowie der an ihn einzusendende Betrag von 5 M. vermerkt sind. Also SM. will erhaben. Der Mann unterscheidet sich immerhin von vielen anderen, die aus der Nebenerwerbsuche ihrer Mitmenschen sich selber einen bequemen Haupterwerb zu schaffen wissen. Er verlangt Geld, ehe er für den Erwerbsuchenden sich mit Firmen in Verbindung setzen will, die Reklamematerial ver- teilen-lassen. Andere verlangen Geld, nöch� ehe sie sägerfi�üm was füc; eine Erwerbstätigkeit es sich überhaupt handelt. Da Lohff doS bereits in seiner Annonce sagte, so konnte man allerdings ver- muten, daß er für sein eigenes Geschäft Drucksachen austragen lassen wollte. Die Verteilung der gedruckten Reklamen für sein eigenes Geschäft besorgt aber er selber, indem er sie den auf seine Annoncen sich meldenden Personen zuschickt. An manchen Tagen übergibt er der Post Hunderte von Briefen mit seinen Prospekten nebst PostanweisungSformularen für die geforderten S M. Das Geschäft scheint so flott zu gehen, daß er den Erwerb- suchenden, die sich bei ihm melden, nicht immer sogleich antworten kann. Einer, der für die Antwort eine mit Adresse beschriebenen Postkarle beigefügt hatte, wurde mißtrauisch, weil ihm die Antwort zu lange ausblieb. Auch er hat inzwischen Herrn Rud. Lohffs Offerte nebst Gebührenforderung und Postanwci'ungsformular glücklich noch erhalten, nachdem bereits Wochen vergangen waren und er die Hoffnung auf Ant- Wort längst aufgegeben hatte. Jetzt sieht er ein. daß Lohff ein sehr erhebliches Interesse daran hatte, ihm zu antworten. Selbst- verständlich wird Lohff möglichst alle sich Meldenden mit seinen Offerten beglücken, nm möglichst viele zu bewegen, daß sie ihre ö M. hingeben. Wie viele der Postanweisungsformulare, die er zu Hunderten abschickt, mit den gewünschten 6 Mark an ihn zurückgelangen, wissen wir nicht. Möglich ist es immer- bin. daß eine beträchtliche Zahl von Erwerbsuchenden noch daS Opfer bringt. Herr Lohff fügt übrigens seinen Offerten noch einen Zettel bei, der die Ueberschrift«Einige Beweise für die Reellität meines Unternehmens" trägt und durch Wiedergabe von Zu- schriften seiner.Mitarbeiter" den guten Erfolg seiner Bemühungen um Aufträge darlun soll. Interessant ist auch der Tarif, nach dem die„Mitarbeiter" direkt von den Firmen bezahlt werden sollen. Der Lohn richtet sich nach dem Gewicht des zu verteilenden Reklamemarerials, der Pioivekte, Kataloge, Broschüren usw. Angeboren werden für 1009 Exemplare a 1—50 Gramm 6 M., a 51—100 Gramm 10 M., a 10l bis 250 Gramm 25 M., a 251—500 Gramm 50 M., a 501—1000 Gramm 75 M. Hiernach kann das Gewicht betragen bis 1 Zentner bei 5 M., bis 2 Zentner bei 10 M., bis 5 Zentner bei 25 M.. bis 10 Zentner bei 50 M., bis 20 Zentner bei 75 M. Für solche Löhne soll einer die Prospekte. Kataloge und Broschüren zentnerweise durch die Straßen schleppen und die einzelnen Stücke Haus bei Haus und Tür bei Tür abgeben! Wer hat Lust, seine SM. einzuschicken und dann auf einen Auftrag zu warten? Partei-)Zngeiegenkeiten. An die Bildungsausschüsse und Organisationslcitungeu. Wir verweilen nochmals auf die vom Beziriebtldungsausschuß übernommenen Theatervorstellungen und ersuchen die Organisationen, ihre Aufträge bald aufzugeben. Wir empfehlen besonders die Aufführung der„Lustigen Weiber von Windsor" von Nicolei am 16. November und 14. Dezember im Deutschen Opernhaus. Besonders die westlichen Bororte haben hier Gelegen- heit, ihren Mitgliedern sür billiges Geld eine gute Opernvor- stellung zugänglich zu machen. Dasselbe gilt von den übrigen Vor- l,~"JT9en"n Deutschen Opernhaus am 28. Dezember 1913 und 21. Mai 1914. Wir möchten besonders deshalb um baldige Bestellung der Karten ersuchen, weil wir Gelegenheit zur Ucbernadme weiterer illungen haben. Bevor wir jedoch darauf eingehen, mochten wir eine Uebersichr über den Bedarf haben. Der Bezirksbildungsverein Groß-Berlin. Lindenstr. s, Hof I. Zur Lokalliste. Am 4. Oktober veröffentlichte die Lokalkommission eine Notiz, in welcher auf Anfragen mitgeteilt wird, daß das Lehrervereinshaus am Alexanderplatz, Inhaber Herr Karl Saeger, sür die organisierte Arbeiterschaft gesperrt sei. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen. daß im Hause des Lehrervereinshauscs ein automatisches Restaurant eröffnet ist, dessen Inhaber ebenfalls Herr Karl Saeger sei. UnS wird mit Bezug auf diese Notiz nun mitgeteilt, daß der Inhaber dieser Stehbierhalle nicht Herr Karl Saeger, sondern die Automat- Stehbierhallen- Gesellschaft m. b. H. sei. Oekonom der Gesellschaft sei ein Herr Pinnow- Die über seine Stehbierhalle verhängte Sperre müsse nunmehr aufgehoben werden. Das wird die Lokalkommission ohne weiteres tun, wenn, wie daS hier zu sein scheint, ein Irrtum zugrunde liegt. Zweiter Wahlkreis, 7. und 8. Kommunalwahlbezirk. Sonntag, den 12. Oktober, von den bekannten Stellen: Flugblatt- Verbreitung. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Heute Sonnabend, den 11. Oktober, abends SV-, Uhr, findet im neuen Saale der Neuen Welt, Hasenheide, das Herbstfest statt. Billetts a 30 Pf. sind außer bei den Bezirksführern beim 2. Kassierer Genossen Felsmann, Oranienstr. 180(Restaurant), zu haben. Da das Programm ein reichhaltiges ist, erwartet der Bildungsausschuß eine zahlreiche Beteiligung der Genossen und Genossinnen. Sechster WahUreis. Morgen Sonntag, den 12. Oktober, vor- mittags 8 Uhr. findet in den zur Wahl stehenden Kommunalwahl- bezirken Flugblattverbreitung statt. Wir ersuchen unsere Genossen, sich wie üblich, zahlreich daran zu beteiligen. Am Dienstag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr, in allen Bezirken: Wählerversammlungen. Ober-Schöneweide. Montag, den 18. Oktober, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung im Wilhelminenhof. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag, Bezirlsangelegenheiten und Diskussion. Spandau. Morgen, Sonntag, den 12. Oktober, früh 8 Uhr. treffen sich die Genossen der einzelnen Bezirke zwecks Vornahme wichtiger Wahlarbeiten zur bevorstehenden Stadwerordnetenwahl in folgenden Lokalen: Die Genossen des Bezirks Nonnendamm bei Kant, Siemensstr. 34. Zur Bearbeitung des 3. Wahlbezirks treffen sich die Genossen der Bezirke 1—6 bei Zettel, Bismarckstr. 6. und zur Bearbeitung des 6. Wahlbezirks die Genossen der Bezirke 7—9 bei Derz, Kurstr. 21. Die Genossen der Bezirke 10—13. welche den 7. Wahlbezirk, und die der Bezirke 14—17, welche den 8. Wahlbezirk zu bearbeiten haben, treffen sich in ihren Bezirkslokalen. ßcrlincr Nachrichten. Die Ruhegelder für städtische Angestellte. An dem Gemeindebeschluß betreffend die Gewährung von Ruhegeld und Hinterbliebenenrente an die ohne Pensionsberechtigung im Dienste der Stadt dauernd beschäftigten Personen hat der Ma- gistrat in seiner gestrigen Sitzung eine Reihe von Aenderungen vorgenommen, die demnächst der Stadtverordnetenversamm- lung unterbreitet werden sollen. Insbesondere wurde beschloffen, in Zukunft auch die länger als 13 Wochen im Kalenderjahr dauernden Ärbeitshinderungen_ infolge_ Vau— Krankheit— ufw.— bei der Feststellung der Dienstzeit des Ruhegeldberechtigten in Rückficht zu ziehen. Weiter soll der Berechnung des Ruhegeldes in Zukunft der Arbeitsverdienst deS letzten Kalenderjahres zugrunde gelegt iverden, während er bisher aus dem Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre festgestellt wurde. Nachdem fast für alle städtischen Angestellten und Arbeiter Skalen mit steigenden GehaltS- und Lohnsätzen eingeführt sind, kann es unter Umständen eine Benachteiligung deS Ruhegeldberechtigten bedeuten, wenn nach der bisherigen Praxis die letzten fünf Kalenderjahre heran« gezogen werden, in denen zum Teil niedrigere Gehälter bezw- Löhne gezahlt wurden. Um aber die im Akkord beschäftigten Arbeiter nicht eliva durch die Neuregelung zu benachteiligen, soll auch in der Folge der Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre der Ruhegehaltsberechnung zu Grunde gelegt werden, wenn sich der Arbeiter bei dieser Berechnung günstiger steht. Endlich »vurden durch die Magistratsbeschlüsse diejenigen Fälle berück- sichtigt, in denen städtische Angestellte sich sreiivillig in einer höheren Klasse der Invalidenversicherung versichern, als sie gesetzlich gezwungen sind. Während bisher bestimmt war. daß von dem Ruhegelde die Hälfte der Invaliden- bezw. Altersrente in Abzug zu bringen sei, soll in Zukunft ein der- artiger Abzug nicht stattfinden, soweit die Bezüge durch freiwillige Versicherung erworben sind. Endlich wurden noch Bestimmungen in den Gemeindebeschluß aufgenommen, welche die Anrechnung der auf Grund des Bersicherungsgesetzes für Angestellte gewährte Renten regeln. Abgewimmelte Verpflichtung. Aus dem Kreise der Bauarbeiter wird unS geschrieben: Die jüdische Gemeinde baut in der Levetzoivstraße eine Synagoge. Den dort beschäftigten Arbeitern war von ihren Unternehmern mit- geteilt worden, daß am 2. und 3. Ottober, sowie am 11. Oktober nicht gearbeitet werden darf. Ist bei normaler Arbeitsgelegenheit der Ausfall dreier Arbeits- tage in zwei Wochen ein Verlust, der dem Arbeiter merklich fühlbar wird,»vieviel mehr jetzt, wo im Baugewerbe die Zeit der Arbeits- losigkeit nur ab>md zu von einigen' Wochen Arbeit unterbrochen wird. Als die Arbeiter sich deshalb um Bezahlung der Feiertage an ihre Unternehmer wandten, wurden sie mit ihrer Forderung ab- gewiesen. Die jüdische Gemeinde hat den Unternehmern die Einhaltung der Feieriage durch Vertrag zur Pflicht gemacht und sie erklärten, daß sie die Arbeiter entlassen und nach den Feiertagen wieder ein- stellen würden, wenn Forderungen an sie gestellt werden. Die jüdische Gemeinde und die Unternehmer sind damit aller Sorgen ledig und der Aibeiter mag zusehen, wie er mit dem um ein Viertel geschmälerten Verdienst zufechr kommt. Ein Viertel ihres Lobnes müssen die Arbeiter ali'o einbüßen, weil eine der vielen religiösen Gemeinschaften die Einhaltung ihrer Feierlage verlangt, die gesetzlich nicht anerkannt sind. Wenn das jede religiöse Gemeinschaft macven wollte, müßte mancher Arbeiter sämtliche jüdischen und katholischen Feiertage im Jahre auf seine Kosten mitmachen. DaS ist denn doch ein Verlangen, da« sich nicht rechtfertigen läßt. Wenn auch die jüdische Gemeinde in diesem Falle eine recht- liche Verpflichtung, den Arbeilcrn die Feiertage zu bezahlen, nicht anerkennt, die moralische Verpflichlnng kann sie nicht abwälzen. Wir kennen einen erheblichen Teil jüdischer Arbeilgeber, die auch an den betreffenden Tagen ihre Geschäfte schließen, aber den Ar- beilern die unfreiwilligen Feiertage ivenigslens nicht noch vom Lohn abziehen. Und was diese Arbeitgeber können, sollte die Gemeinde auch nicht abweisen. Wir nehmen daher immer noch an. daß die. jüdische Gemeinde den Arbeitern an ihrem Neubau in der Leveyowstratze die Feiertage entschädigt, obwohl bis heute den Arbeitern davon noch nichts be- lannt ist. Für 20 000 Mark Ticbcsbeute. Vor ungefähr vier Wochen suchten Einbrecher die Ledergroß- Handlung von Michaelis in der Burgstr. 22 heim und schleppten für rund 20 000 M. Rohleder weg, wie nachträglich ermittelt wurde, mit einem Handwagen. Die Nachforschungen nach den Tätern blieben bisher erfolglos. Tagegen gelang es jetzt, die Beute an zwei Stellen aufzustöbern, den einen Teil bei einem Kohlenhändler iu der Manteuffelstraße, den andern bei einem Produktenhändler in der Brunnenstraße. Die Besitzer der Sachen behaupten zwar, diese in gutem Glauben von unbekannten Männern gekauft zu haben. Sie wurden jedoch wegen Verdachts der Hehlerei verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. DaS beschlagnahmte Leder wurde dem Bestohlenen wieder zugestellt. Ernstes«nd Heiteres aus dem Polizeikampf gegen die Arbeiterjugend. In den nördlichen Vororten Berlins herrscht seit langer Zeit unter den Amlsgewaltigen ein wahrer Verfolgungskoller gegenüber der proletarischen Jugendbewegimg. Fast zu jeder öffentlich bekannt gemachten Jugendversammlung wird die gesamte bewaffnete Orts- gewalt aufgeboten, um die Versammlung zu verhindern. Dabei wird meistens nicht einmal auch nur der Schein des Rechtes gewahrt. Diese blinde VerfolgungSwut zeitigt immer sonderbarere AuS- wüchse. War da zum Donnerstag abend nach dem Lokal von Wohlfahrt in Reinickendorf-West eine Jugendversammlung einberufen, in der Genosse Pieck über das Thema:„Wem gehört die prole- tarische Jugend?" sprechen sollte. Aber diese harmlose Ab- ficht wurde durch ein recht originelles Eingreifen der Polizei vereitelt. Lange vor Beginn der Versammlung mußte der Wirt auf Kommando eines Polizeileutnants den Versämmlungsaal abschließen, es wurde ihm bei Strafe verboten, die erscheinenden Versammlungs- besucher in das Lokal hineinzulassen. Leider hatte sich der Wirt zu sehr einschüchtern lassen, um nicht ganz energisch sich dieses �unerhörte Eingreifen in sein Hausrecht zu verbitten. Hoffentlich läßt er sich wenigstens von der Polizei den entgangenen Verdienst ersetzen. Da der ernste Zweck der Versammlung vereitelt war, so entschloß man sich, den Abend der Geselligkeit zu widmen, und zwar in dem Lokale von Loll in der Wartburgstraße. Um der Polizei keine Beschwer- nisse wegen eines vermeintlichen Straßenaufzuges zu machen, zogen die Jugendlichen in kleineren Trupps auf verschiedenen Wegen zu dem Lokal. Hier stellte sich heraus, daß ein Jugendgenosse Geburts- tag hatte, und so wurde ihm zu Ehren eine Geburtstags- f e i e r veranstaltet. Aber die Polizei witterte Unrat und so wollte sie auch dabei sein. Die Jugendlichen emp- singen die Polizeigewalt in der Person des Leutnants� und eines Schutzmannes lachend mit dem Gesang des übermütigen Refrains:„Lustig Blut und leichter Sinn, futsch ist futsch und hin ist hin." Genosse Pieck hielt eine Geburtstagsansprache, in der er den Lebensgang eines jugendlichen Proletariers und sein Streben nach geistiger Weiterbildung schilderte. Nachdem der Polizeileutnant sich eine zeitlang die Ansprache angehört hatte, entfernte er sich, hinterließ aber zur Vorsicht den Schutzmann. Dieser trägt nun aber den gleichen Namen wie das gefeierte Geburtstagskind, sodaß es immer argwöhnisch aufhorchte, wenn er seinen Namen Lehmann feiern hörte. Inzwischen war wohl dem Polizeileutnanl draußen in der frischen Luft ein rettender Gedanke gekommen, um dieser staats- gefährlilpen Geburtstagsfeier ein Ende zu bereiten. Die Tür auf- reißend/ fordert er schreiend, daß ein Teil der Geburtstags- gäste das Zimmer verlassen müsse, weil es über- füllt sei. Es hatte alio lange gedauert, bis der Herr Polizeileutnant zu dieser Einsicht kam, aber er hatte Recht. Rur hutie er sich � dumm nicht zu tiimiueui,-fremt-moch sind-private Geburtstagsfeiern keine öffentliche Angelegenheit. Da aber Genosse Pieck mit seiner Am'prache am Ende war, so wurde die Feier mit einem Hoch geschlossen. Sehr belustigt über die Besorgnis der Polizei, verließen die Jugendlichen das Lokal. Draußen wartete ihrer eine Schar voll Pickelbauben, deren Träger eifrig bemüht waren, Bewegung unter die Jugendlichen zu bringen. Das haben sie auch in zwiefacher Weise erreicht. Nicht allein, daß eine Anzahl Abonnenten für die„Arbeiterjugend" gewonnen wurden, eS werden auch die Jugendlichen das aufreizende Eingreifen der Polizei zu weiterer Agitation ausnutzen. Wäre das Verhalten der Polizei nicht so empörend und jeden Rechtes bar, so könnte man über den Ausgang der Jugendversamm- lung herzich lachen. O heilige Einfalt, die da wähnt, mit solchen Miiteln den Staat retten und die proletarische Jugendbewegung unterdrücken zu können. Und wenn die Polizeigewaltigen noch so grimmig dreinschauen, wir marschieren! Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern nachmittag aus dem Hochbahnhof Nollendorfplatz zugetragen. Als die 44jährige Köchin Marie Grote aus der Potsdamer Straße 26 die Treppe hinaufging, glitt sie auf den feuchten Sleinfliesen aus und fiel so unglücklich, daß sie den linken Unterschenkel brach und erhebliche Quetschungen erlitt. Die Verunglückte erbielt auf der Unfallstation in der Borbergstraße die erste ärztliche Hilfe und mußte von dort nach dem Schöneberger Krankenhause geschafft werden. Auf frischer Tat ertappt und festgenommen wurden in der ver- gangenen Nacht zwei junge Schaufenstereinbrecher in der Friedrich- straße. Im Vorbofe des Bavariahauses an der Ecke der-Tauben- straße hat der Uhrmacher Wolf einen Schaukasten mit Uhren und Goldwaren, der iu die Wand eingebaut und nachts durch ein Eisen- gftter geschützt ist. Gegen vier Uhr machten sich nun zwei junge Burschen in dem freien Vorhofe daran, den Schaukasten trotz seiner Sicherung auszuplündern. Sie langten mit Zangen durchs die Maschen des Schutzgitters hindurch, stießen die Scheibe des Kastens em und fischten die Auslagen heraus. Zwei Kraftwagenführer, die in der Nähe chielten und auf ihr Beginnen aufmerksam wurden, holten einen cschutzmann und einen Wächter der Wach- und Schließ» gesellichafl, verfolgten mit diesen die Einbrecher, die jetzt die Flucht ergriffen, mit ihren Wagen, holten sie an der Ecke der Leipziger Straße ein und nahmen sie fest. Die Ertappten sind zwei junge Burschen, der eine aus Magdeburg, der andere aus Berlin. Ein Automobilunfall ereignete sich gestern mittag am Nollendorf- platz. Der Kanzler der rumänischen Gesandtschaft wollte sich in einem Droschkenautomobil auf seine Gesandtschaft begeben. In dem Augenblick, als die Droschke in die Bülowstraße einbiegen wollte, kam ein Moloromnibus der Linie 8 hinter einem Straßenbahnwagen hervor und fuhr den Kraftwagen so heftig an, daß die Droschke gegen die Bordschwelle geschleudert wurde. Der Kanzler Michael Jvasco erlitt durch die umherfliegenden Glassplitter nicht unerhebliche Schnittwunden im Gesicht und an den Händen und mußte in seine in der Kyffhäuserstr. 17 belegene Wohnung gebracht werden. Protest der Kinobcsitzcr. Die Theaterabteilung des Berliner Polizeipräsidiums hat vor kurzem eine Verfügung an die Polizei- reviere erlassen, worin diese angewiesen wurden, künftighin die von den Lichtspieltheaterbesitzern eingereichten Programme für die Jugend- Vorstellungen nur dann zu genebmigen. wenn sich die Thealerleiter, in deren Räumen Schankerlaubnis besteht, von vornherein oerpflichten, jeden Ausschank alkoholhaltiger Getränke für die Dauer der Anwesen- heit der Jffliider in den Zuichauerräumen einzustellen. Der Verein der Lichtspieltheaterbesitzer Groß-Berlins und der Provinz Branden- bürg betrachtet diese Verfügung als rechtlich nicht begründet und will sich nunmehr beschwcrdefüdrend an den Minister wenden. Wer find die Toten? Tot aufgefunden wurden wieder zwei Männer, deren Persönlichkeiten noch nicht festgestellt werden konnten. Der eine hatte sich in AdlerShof erhängt. Er ist 50 bis 60 Jahre alt und schmächtig. Hai e-nen grauen Bart und trug einen dunklen Anzug, schwarze Schnürstiefel und einen schwarzen steifen Hut. Ja seinen Taschen fand man nur S1 Pf, ein Taschenmesser, einen ischlüssel und eine Tabaksdose. Die Leiche wurde nach der Halle in Alt- Glienicke gebracht. Der andere Mann wurde auS dem Berlin-� Charlottenburger Berbindungskanal gelandet. Er ist etwa 40 Jahre, mittelgroh und kräftig, mit schwarzem Haar und Schnurrbart und war mit einem dunklen Jackeltanzug gekleidet. Im neuen Aquarium, und zwar in der Zierfischsammlung im ersten Stock, befindet sich ein ganz merkwürdiger Fisch, der zum ersten Male in Deutschland gezeigt wird und ein Gegenstück zur bekaimten Heuschreckenart, dem wandelnden Blatt, genannt werden mutz. Die Mimicry ist auch hier erstaunlich ausgebildet. Sieht man iu das Becken hinein, so entdeckt man zackige braune Blätter, wie sie im Herbst ins Wasser geweht werden. Auch der„Blattfisch' schützt sich auf diese Weise vor seinen Feinde». Aber mehr noch: seine seltsam flache, unregelmähige Form und seine Farben unterstützen ihn auch in der Jagd auf Fische, die sorglos an dies scheinbar faulige Blatt herankommen, bis sie plötzlich weggeschnappt sind. Die Heinrat dieser ganz seltsamen Fischart ist Brasilien. Auf der Treptow- Sternwarte finden folgende wissenschaftliche Kinovorträge statt: Am Sonnabend, den 11. Oktober, nachmittags 5 Uhr:„Christoph Kolumbus", abends 7 Uhr:„Interessante Bilder aus Italien", abends 9 Uhr:„Aus fernen Landen"; am Sonntag, den 12. Oktober, nachmittags 5 Uhr:„Natur und Leben in nord- deutschen Gauen", abends 7 Uhr:„Christoph Kolumbus"; am Montag, den 13. Oktober, abends 7 Uhr:„Scotts Reise zum Südpol und ein Blick in? Weltall". Am Dienstag, den 14. Oktober, abends gl/-, Uhr, spricht Direktor Dr. F. S. Archenhold unter Borführung zahlreicher Lichtbilder über:„Sonne und Mond". Mit dem großen Fernrohr wird von 6 Uhr an der Mond und auf Wunsch Komet und Saturn gezeigt. Vermißt wird seit letzten Mttwoch der 27 Jahre alte, in der Christburger Str. 21 beschäftigt gewesene Friieur Felix Fischer. Nach einer an seine verheiratete Schwester gerichteten Karle hat er beabsichtigt, sich im Grunewald zu erschießen. Da seine Leiche jedoch noch nirgends gefunden werden konnte, ist es möglich, datz er noch lebt und irgendwo umherirrt. Der Vermißte ist 1.65 Meter groß, schlank gebaut, hat schwarzes Haar, volles Geficht, blaugraue Augen. gewöhnliche Nase, etwas aufgeworfene Lippen und Anflug von schwarzem Schnurrbart. Bekleidet war er mit schwarzem Jakett, dunkelgestreifter Hose, hellgelber Weste, schwarzem, steifem Hut. schwarzem Schlips und Schnürstiefeln. Es wird gebeten, etwaige zweckdienliche Nachrichten an die Schwester des Vermitzlen, Frau Lina Neumann, Schivelbeiner Str. 24, Ouergebäude I. zu richten. verloren. Auf dem Wege von der Neuen Jakobstratze sEcke Neue Rotzstratze) nach der Alten Jakobstr. 67 hat gestern nachmittag ein Laufbursche auS einem Paket eine neue Weste verloren. Der ehr- liche Finder wird gebeten, dieselbe bei Reimann. Alte Jakobstr. 67, abzugeben._ Gcricbta-Zeitung, vom Polizeikampf gegen dtr Arbeiter-Jugenbbewegung. Sonderbare Blüten treibt der Kampf gegen die Arbeiterjugend, die sich um die Vervollkommnung ihrer Bildung bemüht. Der Genosse Reimann in Rathenow, der sich zivar um die Arbeiterjugendbewegung in Rathenow verdient gemacht hat, aber nichts davon weiß, datz er Vorsitzender eines Jugendausschusses sei, wurde eine? Tages im September 1912 von der Polizei Gnaden einfach zu einem solchen Vorsitzenden gestempelt und er- hielt eine polizeiliche Verfügung, in der es heitzt: „Der Jugendausschnh ist hinsichtlich seiner Entstehung und Betätigung als ein politischer Berein anzusehen. Unter Hinweis auf K 8 der Vereinsgesetzes fordern wir Sie auf Grund des § 132 d-.S Landesverwaltungsgesetzes auf, die Satzung des Vereins, sowie das Verzeichnis der Vorstandsmitglieder einzureichen.— Ferner verbieten wir Ihnen, wie auch allen übrigen Mitgliedern des Jugendausschusses, jede weitere Betätigung in der Jugend- Vereinigung, wie wir auch oeren weitere Zusammenkünfte hier- mit auf Grund des Z 17 des Vereinsgcsetzes untersagen."— Für den Fall der Zuwiderhandlung wurde eine Geldstrafe angedroht. Jeimann beschwerte sich vergeblich beim Regierungspräsidenten in Porsdam und beim Oberpräsidenten. Der Oberpräsioent sagte in seinem ablehnenden Bescheid: „Aus Nr. 19 der„Brandenburger Zeitung" vom 12. Januar 1911 ergibt sich, datz im sozialdemokratischen Wahlverein in Rathenow ein Jahresberrcht des Jugendausschusses erstattet worden ist, und datz danach der Jugendausschutz mit der sozialdemokratischen Par- tei in innigster Verbindung steht. Da dieser Rechenschaftsbericht nach. Nr. 38 der„Brandenburger Zeitung" vom 15. Februar 1919 im Gewerkschaftskartell von Ihnen erstattet worden ist, ist bis auf weiteres der Schlutz gerechtfertigt, datz Sie die Stellung deS Vorsitzenden cm Jugendausschutz bekleiden. Gegenüber Ihrer Behauptung, datz Sie in keinerlei Beziehung zu einer Vereinigung ständen, welche die Jugend in der sozialdemokratischen Weltan- schauung erziehen wolle, weise ich darauf hin, datz Sie noch am 19. November 1912 im„Kristallpalast" einen Unterhaltungsabend der Arbeiterjugend geleitet haben, auf welchem die von der sozial- demokratischen Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands herausgegebene Flugschrift„Gehörst Du zu uns?", sowie die Nr. 23 der„Arbeiter-Jugend" verteilt wurden und der Redakteur Baron von der„Brandenburger Zeitung" eine Werberede für die freie Jugend hielt." Rrimann klagte nunmehr gegen den Oberpräsidenten beim Oberverwaltungsgericht. In der Verhandlung am 9. Oktober vertrat ihn Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Er führte unter anderem aus: Um die zweite Auflage der Verfügung vorwegzunehmen, so werde behauptet, datz eine„Jugendvereinigung", in der Kläger „jede Tätigkeit unterlassen" solle, überhaupt noch nicht in Rathe- now bestanden habe. Schon oeshalb sei es für R. gar nicht mög- lich, die Tätigkeit in einer solchen Jugendvereinigung zu unter- lassen.- Aber selbst wenn eine Jugendvereinigung bestehen würde. wäre der erwähnte Teil der Verfügung hinfällig, da es an jeder rechtlichen Boraussetzung dafür fehle. Bleibe daS Verlangen an Reimann, als Vorsitzender eines an- geblichen Jugendausschusses die Satzungen und ein Vorstandsver- zeichnit einzureichen. Kläger bestreitet nicht, datz er zu dem frühere» JugendauSschutz in Beziehungen stand. Er bestreitet aber nach wie vor. datz es in Rathenow noch einen JugendauSschutz gab, al» die Verfügung im Jahre 1912 erlassen wurde. DaS Gegen- teil weise der Oberprästdent nicht nach. Der Bescheid des Ober- Präsidenten lasse nur erkennen, datz 1999, 1919 und vielleicht 1911 in der sozialdemokratischen Zeitung, der„Brandenburger Zeitung", Bekanntmachungen ergangen sind, aus denen hervorgeht, datz 1999, 1919 und vielleicht.1911 ein Jugendausschutz in Rathenow bestand. Aber ein Beweis dafür, datz 1912 zur Zeit des Erlasses der Bei- fügung ein Jugendausschutz bestanden habe, sei nicht erbracht. Und ebensolvenig ein Beweis, datz Reimann Vorsitzender eines solchen Ausschusses gewesen sei.— Und loas die Jugendveranstaltung aus neuerer Zeit angehe, so habe Kläger sie nicht geleitet, sondern sei hingekommen, wie andere auch; er habe lediglich das Wort zu einigen Ausführungen ergriffen. Das Obervcrwaltuugsgericht beschloß, durch zeugeneibliche Ber- nehmungen Beweis darüber zu erheben, ob 1912 ein Jugendaus- schütz in Rathenow bestanden habe und ob Reimann dazu gehörte, und wenn, welche Stellung Reimann darin einnahm. Berdächtigung aus materiellem Interesse. Die schriftstellerische Ehre des Freiherrn Ferdinand von Reitzenstdin war gestern der Gegenstand einer vielftündigen Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amtsrichters Wachler. Der Privatkläger Herr von Reitzen- stein, bekannt als Verfasser verschiedener Werke über„Liebe und Ehe", den„Ursprung der Ehe" und anderer kulturgeschichtlicher Schriften, zurzeit Direktor der ethnographischen Abteilung des Lingnermuseums in Dresden, war unter Beistand des Rechtsan- walts Dr. Broh persönlich zum Termin erschienen. Die Privat- klage richtete sich gegen den früheren Generalsekretär des Monisten- bundes Dietrich. Letzterer hatte vor einigen Jahren für den Kläger und Dr. Helene Stöcker Vortragsabende veranstaltet und sollte dann als Geschäftsführer an einem vom Kläger inaugurierten populär-wissenschaftllchen Unternehmen„Ethnos" fungieren. Zwischen beiden entstanden Differenzen und Herr Dietrich ver- suchte nun, die Idee des Klägers ohne oder gegen ihn auszu- führen. Hierbei soll er nach den Behauptungen des Klägers, um diesen unmöglich zu machen, dessen direkten Vorgesetzten, Geh. Rat Sudhoff in Dresden, sowie dem Universitätsprofessor Weule in Leipzig unwahrerweise zugetragen haben, des Klägers früherer Lehrer, Universitätsprofessor Sclrr vom Museum für Völkerkunde in Berlin hätte erklärt:„Es wäre eine Wohltat für die Wissen- schaft, wenn man sie vom Frciherrn v. R. befreien würde." Des weiteren soll Herr Dietrich diesen Herren erzählt haben, datz V.R. in den Kreisen der Fachleute als Pornograph gelte; endlich: datz er sich nach Aufgabe seiner Stellung am Völkerkundemuseum in Berlin als Assistent desselben bezeichnet habe. Letzteres bezeichnete oer Kläger schon deshalb für widersinnig, weil er vom Berliner Museum in seine jetzige weit höhere Stellung empfohlen worden war. Als Zeugen wurden die Professoren Sudhoff, Weule und Seler vernommen. Die beiden ersten bestätigten die Angabe oes Klägers, sowie datz der Angeklagte in der Tat diese Behauptungen aufgestellt hätte und datz sie höchst erstaunt darüber gewesen wären, da sie Freiherrn v. R. als einen tüchtigen Wissenschaftler und als einen Mann kannten, den sie unfairer Handlungen für unfähig hielten; auch sei ihres Erachtens niemand berechtigt, seine Schriften als Pornographien zu bezeichnen. Professor Seler erklärte, oatz er die ihm vom Angeklagten unterschobenen Aeutzerungen niemals getan habe; nur stehe er auf dem rein persönlichen Standpunkte, datz Freiherr v. R. in einem seiner Bücher einige peruanische Altertümer wegen ihrer Anstötzigkeit nicht hätte reproduzieren dürfen. Der Angeklagte gab selbst zu, datz Professor Seler die sraliche Aeutzerung nicht getan habe; ein anderer Gelehrter, oen er aber nicht nennen könne, habe sie getan.— Rechtsanwalt Dr. Broh hob in seinem Plaidoyer hervor, datz es sich auch hier um den bekannten„großen Unbekannten" handle, der in so vielen Strafprozessen eine Rolle spiele. Mit Rücksicht darauf, oatz der Angeklagte aus rein materiellen Interessen die Ehre des Klägers hinterrücks bei seinen Vorgesetzten habe vernichten wollen, sei eine fühlbare Bestrafung geboten. Das Gericht verurteilte den Ange- klagten zu 199 M. Geldstrafe eventuell 29 Tagen Gefängnis, indem der Vorsitzende ausführte, datz oas Vorgehen des Angeklagten hart an§ 187 des Strafgesetzbuches fwider besseres Wissen) streife, oas Gericht ihm aber doch noch den guten Glauben beigemessen habe. Ein russischer Baron als Hochstapler. In der Rolle eines„Fürsten Trubetzkoi" hat sich der Baron HanS von Engelhardt als Hochstapler und Scheckschwindler be- tätigt, der gestern auS der Untersuchungshaft der 2. Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt wurde, um sich wegen Betruges, schwerer Urkundenfälfchung und Beamtenbeleidigung zu verant- Worten. Der aus Rußland stammende Angeklagte hat eine Reihe Hochstapeleien und Urknndenfälschungen begangen. Als er ver- haftet wurde, griff er die Schutzleute an uno ließ gegen sie ein Schimpfwörterlcxikon los. Die Folge war die jetzige Anklage. StaatsanwaltSasseflor Müller beantragte gegen den Angeklagten, der sich als recht gefährlicher internationaler Hochstapler gezeigt habe, eine Gefängnisstrafe von 7 Monaten. Das Gericht er- kannte demgemäß._ Hus aller Melt. Rußland gegen de« Ritualmordprozeß. Petersburg, 8. Oktober.(Eig. Ber.) DaS Gerichtsdrama in Kiew beherrscht hier durchaus das öffentliche Interesse. Alle anderen Dinge sind in den Hintergrund gedrängt. Seit langem hat in den verschiedensten GesellschafrS- klaffen, keine solcke Sinmüligkest geherrscht, wie jetzt aus Anlatz des Ritualmordprozesies. Es scheint, als ob der lang genährte Groll gegen daS innere Asiatentum jetzt zum Ausdruck gelangt. Mit Aus- nähme der echtrussischen Hetzpresse, die den Blutaberglauben für ihre politischen Geschäfte benutzt, ist die Presse einmütig in der Ver- urteilung der Kiewer Vorgänge. Und waS in der an Händen nnd Füßen geknebelten Presse nickst zum Ausdruck kommt, tritt in der fieberhaften Erregung der Arbeitermassen, der Studentenschaft und breiter Kreise der Intelligenz zutage.... Wie der Beilis-Prozetz von allen fortschrittlichen Kreisen be- urteilt wird, geht aus dem flammenden Protestartikel des bekannte» Kriminalisten Prof. Wladimir Nabokow, eines der tüchtigsten russischen Nechtsgelehrten, hervor.„Wie traurig und grausam— jcbreibl er— das Schicksal deS Beilis auch ist, es allein ist für die Bedeutung deS Prozesses nicht maßgebend.... Ein teuflisches Ge- schick ist ihm zuteil geworden. Aber wenn nicht er, so hätte irgendein anderer von feinen Stammes- genoss en als Hebel für die R i t u alm o r d o n kl a g e dienen müssen. Dies ist der Kernpunkt der Frckge, der Schlüssel zum Verständnis der internationalen Bedeutung des Beilis- Prozesses... Man wird mir entgegnen, daß es auch ftüher Ritualmord- anklagen gegeben habe. Nicht nur in den Flugschriften der Sckiwarzen Hundert, auch in ernsten Schriften wird darüber berichtet. Das ist aber ein großer Irrtum. In der Geschichte der Justiz- irrtümer gibt es nicht wenig Beispiele, datz den Schuldsprüchen gegen Unschuldige Unwissenhest und Aberglaube zugrunde lagen, die die Existenz von Ritualmorden zuließen. Und dieser Aberglaube ergänzte zu» weilen die sehlenden Glieder in der Kette der Indizien und Schuldbeweise. Bei der Ausdeckung von Verbrechen ging man in der Regel vonderPerson des entdeckten oder mutmaßlichen Täters zu seinen Motiven über. Es ist aber noch nie vorgekommen, datz man zuerst ein rituellesMotiv ersann und dann den unbekannten Täter mit diesem ersonn enen Motiv gewaltsam in Verbindung brachte. In dem Beilis-Prozetz oer- h ä l t e 3 s i ch a b e r? o. Als in Kiew, nach den Worten der An- klageschrift, die„Ansicht um sich griff, Juschtschinsky sei auS religiösen Motiven von den Juden ermordet worden", begab man sich auf die Suche nach einem Juden, der dieser Ansicht ent- sprechen konnte. Dazu war nicht viel nötig. Es mutzte lediglich ein Jude sein, mit dem der ermordete Knabe auf dem Vorwerk von Saitzew, wo er zuletzt lebend ge» sehen worden war. hätte zusammentreffen können. Dies traf bei Beilis zu— und so wurde Beilis verhaftet.... Das ist aber nicht alles. Zum ersten Male, seitdem der Krimi« nalprozetz aus finsteren Jnquisitionsräumen und unterirdischen Löcher» an das Tageslicht getreten ist, wagt d i e S t a a t s- gewalt offen und unmittelbar das Geständnis ab- zulegen, datz sie an die Existenz von Ritualmorden glaubt. Wir wissen, datz sie sich nicht ohne Schwankungen dazu entschlossen hat. Wie sehr die schwarze Presse und die Organisationen der Schwarzen Hunderte auch wüteten, eS erhob sich doch nicht so leicht die Hand, die die furchtbaren Worte von den„Motiven reli- giöser Unduldsamkeit" und„ritueller Zwecke" in der Anklage nieder» schrieb.... Nur zum Schein wird in gewohnter prozefiualer Form die Frage gestellt: Ist ein Rilualmord erwiesen? In Wirklichkeit wenden die Vertreter der Staatsgewalt sich an einfache, unaufgeklärre Leute mit der Frage, ob sie an die Existenz von Rituatmorden glauben! Und indem man sie dieser Versuchung unterwirft, erklärt man ihnen in der Anklageschrift: Wir, die Obrigkeit glauben daran!... Man entgegne mir nicht heuchlerischerweise, die Anklage richte sich ja nicht gegen alle Juden, sondern nur gegen irgendwelche un- bekannte Sekten oder gegen einzelne Fanatiker. Das ganze schwarze Loger mit seinem„Sachverständigen" Pranaitis, und nach ihm die Anklageschrift spricht keineswegs von irgendwelchen Sekten. Das „Bluk-Dogma" wird dem ganzen jüdischen Volle zur Last gelegt. Dies sei das„furchtbare Geheimnis" der jüdischen Religionslehre. Und nicht der geringste Versuch wird gemacht, die Zugehörigkeit des Angeklagten zu irgend einer Seile nachzuweisen. Es wäre auch eine vergebliche Mühe." Nach dieser vernichtenden Kritik des ganzen Prozesses spricht Prof. Nabokow die Zuversicht auS, datz die Gerechligkeil, der gesunde Menschenverstand über die Machinationen der Schöpfer de? ProzcsieS den Sieg davontragen werden. Wir sind nicht so optimistisch ge- stimmt. Wir wissen, welch mächtige Einflüsse hinter der Anklage stehen. Wir wissen, datz die Regierung nie und nimmer den für sie so kompromittierenden Schandprozetz in Kiew inszeniert hätte, wenn nicht einflußreiche Hinrermänner den Ausschlag gegeben. hätten. Der Sieg der Gerechtigkeit wird nur erzwungen werden können, und zwar dann, wenn die unver- fälschte Stimme deS VolksgewissenS sich Gehör verschafft und die Gerichtsverhandlungen in Kiew in ein Gericht über die eigentlichen Schuldigen an dieser mittelalterlichen Schmach verwandelt. • Kiew, 19. Oktober. Die Stellung der Behörden zu dem Riluak» mordprozetz ist aus ihrer Hallung zur Presse klar ersichtlich. Während in den Straßen Kiews der mit blutrünstigen Artikeln gespickte echtruisische„Doppeladler" in seinen Spalten offen zu Pogromen gegen die Juden auffordert und unter den Augen der Polizei ungehindert verbreitet wird. werden die forlschrilttichen Blätter wegen ihrer kritischen Haltung zum Beilis-Prozetz drangsaliert. In Kischiniew wurden alle fortschrittlichen Blätter wegen ihrer Er- örlerung des Beilis-Prozesses konfisziert. Zwei liberale Blätter wurden in Kiew wegen ihrer Artikel über den Beilis- Prozeß mit 599, ein drittes mit 399 Rubel admini« st ratio best rast.__ Kleine Notizen. Explosion auf eiuem japanischen Torpedoboot. Als om Freitag das japanische Torpedoboot, I s a t s u k i" auf der Höhe von Ominato Kriegsüvungen vornahm, explodierten die Kessel. Das Schiff wurde in zwei Teile zerrissen und sank sofort. Zwei Mann von der Besatzung sind tot und 16 ver» w u n d e t. Goldfunde in Alaska. Reiche Goldfunde, die im Wbiteriver- Gebiet in Alaska teilweise aus kanadischem Gebiet gemacht wurden, werden von kanadischen Zollbeamten bestätigt. Es herrscht ein riesiger Andrang von Goldsuchern. Kanadische Polizei ist zur Aufrechterhaltung der Ordnung in dem Gebiete ein» getroffen. Ein Ehcdrama. Eine blutige Eifersuchtstragödie, der drei Per» sonen zum Opfer gefallen sind, hat sich in einem der Arbeilerhäuier der Cunningham Rand Mine in Johannesburg abgespielt. Ein Bergarbeiter erschoß in Gegenwärt seiner Krnder und seiner Schwägerin aus Eifersucht seine Frau. Die Schwägerin und die Kinder flüchteten laut schreiend aus der Wohnung. Der Mörder eilte ihnen nach, streckte seine a ch lj ä hri g e T o ch t e r durch zwei Schüsse nieder und verwundete seinen sechsjährigen Sohn schwer, während es der Schwägerin gelang, unversehrt zu entkommen. Als die Nachbarn herbeieilten, fanden sie den Mörder, der Gift ge» nomme» hatte, t o t im Zimmer liegen. Schwerer Automobilunfall. In der Nacht zum Freitag rannte ein mit sieben Personen besetztes Automobil in Lyon gegen eine Mauer. Der Chauffeur wurde auf der Stelle ge- tötet, vier andere der Insassen schwer verletzt. Im Kampfe mit Wilderern. Bei einer nächtlichen Streife auf der Fürstlich Esterhazischen Besitzung Deutschkreuz bei Oeden- bürg stießen einige Forstbeamte auf eine Anzahl Wilderer. Es kam zu einem blutigen Feuergefecht, in dessen Vertauf drei Förster erschossen wurden. Eisenbahnunfall im asiatischen Rußland. Auf der Eisenbahn- linie am Amur stürzte ein Dienstzug in den Fluß. Ter Lokomotivführer, der H e i z e r und vier andere ""ahnangestellte wurden getötet, mehrere wurden verwundet. Lw« delikate Sappe: Ein Würfel von MAGOIS Pamilleii'Suppe zu 10 Pfg. wird fein zerdrückt, mit etwas kaltem Wasser sorgfältig zu dünnem Brei angerührt und in stark'/, Liter siedendes Wasser gegossen. Nach dem Wiederaufkochen 20—25 Minuten bei kleinem Feuer kochen lassen. Alan verlanxo auacknieKHcIi MAQOI8 FamiIlen=Suppe. Erscheint 2 mal woshenilich. Bezugsqueggen-ye�zeSchnSsa\ �äcHer- ü. Ccnfliloreien Alfred Mehner, Fuldastr. 55/6 �iigamein nspicriieüenes Grunow's Kaffee-Versd. 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Fortsetzung des Bezugsquellen-Verzeichnisses WÜSSLÄIS QroBdest. z. Sonne, SlnoCbergarit. Zt C.Rfl0iif8l(IlL�?elplS�: Adolf Vrldt, Bergstr. 70. 'HnEiFSH't Müllorstraße Ecke Seestr. 0. Lölunann Ä«cke Ww. E. Koloskl, Stendalerst.il. fzlndentheater, Lindenstr. 110. Palzenliater üDiscIiaiik S lir.fraiklaneritr.lOl AmStrauBbg.PIati ■�Cafö-ResSürnJer Reichahofl !■ Potsdamerstr. Eck. Pallasstr.| Täglich Künsfler-Konzerie ��Jfabaret-Programrn���l 0. RoiUolf, üferstr. 1, Ecke. �aiinateiisp Max Alm, Franseckistr. IS P. Barein. Steinmetzstr. 30. W.Best, S!t«lUieritr.«2 E.Wrangelitr. M.DresIer, Grätzstr.TÜI, Treptow. DRby, H.,KeokblIn, Bergst, 48X-K.1 179 Alb. Endter, Alvenslebenst. 21 Goetze, Kiis.-Friedr.-Sl. 19811, N-Kölla. E. Junk, Blumenstr. BSKgst. 13846 W. Kyratb, O. 112, Voigtstr. 8, I. Scböuhaus.AIl. 19 nahe Tor(5 H. Ltndeke, Warschauerstr. 80. R.Mende, Schulstr.117, EekeSatair, Ernst Müller, Invalidenstr. 160. Zahn-AteI.Volkswofal,HälIerat.i36ai1) M. Rasenhe, Birkenstr. 22. 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Glasschleifer, Polierer, Beleger. Montag, 13. Oktober, nachm. S'/a Uhr, bei Becker, Weberstr. 17 = Versammlung. Tagesordnung: Unsere� Stellungnahme zur neuen Situation. 71/8 ES ist unbedingt notwendig, daß alleS erscheint. I. 9t.; A. Schröder. Ceütfalliausinflil.lierrenljßid'eilnii t.; Xenc Frledrichstr. 35 an der Zeniral-Marrthalle II.: Vkil-nistr. 37, I. Etage, liesert an jedermann elegante Ilerren-Oarderobe� SJET" nach maß unter Karantie für tadellosen Sitz gegen wöchentliche Teilzahlung v°n X Mark°n. Zuschneiderei u. Werkstatt im Hause. 9lus Wunsch Besuch des Zieisenden mit neuesten Siosimustern. C Besondere AbfcilnngfDr tertigo Oardcrobe. Sonntags 12-2 geöffnet. mmmm �U.8.Kflcl� Kohleif-Briketts- Qroßhandlung Lagerplatz u. Hanptkontor BERLIN 0. 17 Rttdersdorfer Straße 71. Tel Amt Königstadt 3040 u. 3096. Ab Platz: (a Bruch-Briketts... 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Z.)(Nachdruck verboten) 899 804 692 781(400) 803 46 79 1103 123 666 74 749 970 2249 79 617 712 938 3631 78 665 4381 679 905 5039 175 217 38 95 986 6144 200 518 884 872 2 387 936 80 8111 62 333 690(400) 830 9111 10217 783( 3000) 85(400) 842 951«239 16 474 561 811 25(400) 903 1 2193 361 493 695 958 1 3104 229 637 895 14107 293 313 678 768 808(400) 39 1 5211 430 45 633 67 827 937 1 6222 321 73 617 66 755 875 1 7220 29 667 83 1 8280 403 629 641 727 809 88 999 1 9140 61 88 206 91 575 696(3000)' 20169 95 272 485 99 639 78 87 618J67 839 918 99 21483 616 695 702 5 881 916 77 2 2095 203 346 6S3 727 30 46(400) 2 3226 451 929 96 2 4 695 742 843 68 2 5125 631 98 818 26 037 128 66 597 703 898 983 2 7 693 614 907 63 84 2 8026 43(400) 71 226 614 721 99 820 915 2 9264 377 789 869 934 3 0673 31089 668 759 937 3 2237 423 592 739 62 846 3 3006 186 382 497 708 930 39 3 4017 318 791 641 3 5 014 195 322 99 434 94 835 92(400) 3 6651 977(IOOOO) 3 7466 80 641 3 8089 222 35 3 9165 477 953 40018 470 700 77 811 41019 330 616 641 67 937 4 2562 661 880 908 15 4 3315 75 94 640 973 44155 207 24 70 414 50(400) 4 6049 103 336 835 4 622? 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Pr,«Mch-S»dde«tsche (»ÄS. König,, xrentz.) Klassenlotterie 4.«lasse 1. ZiehungSiag 10. Oktober 1913 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hobe (Lewlnue gefallen, und zwar je»l»cr auf die Lote gleicher Nnmmcr i» den beiden Abteilungen I n. II Nut die Gewinne Über 192 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 164 676 662 760 806 68 1075 150 234 825 2141 404 94 579 657 96 662 964 3:79 217 342 456 71 682 653 743 80 805 (4001 994 4076 577 765 836 5146 282 497 654 87 6301 721 42 903 20 7536 42 856 8050 229 765 839 9 471 955 1O079 236(iOOO) 311 26 72 892 998 II 120 612 642 99 720 1221.7 391 506 1 3084 562 610 47 935 1 4074 199 283 326 462 64 93 642 R!0 12 1 5292 518 689(600) 93 19475 656780 1719? 853 990(600) 18)65 274 469 5)0 87 97 990 1 9853(1000) 947 2 0252 335 916 80 21066 308 730 62 2 2)44 214 1400) 380 428 75 634 60 77 702 2 3709 2 4 053 926 2 5 022 57 66 368 695 722 824 2 9913 16 202 323 730 33 985 2 7336 41 48 619 950 2 8)23 232 84 99 334 480 482 803 943 2 2 080 703 6 867 3 02,0 447 634 772 31381(3000) 491 850 3 2107 542 99 674 708 3 3773 864 74 3 4254 373 435 67 591 648 994 3 5 083 100 253 372 640 3 9029 54 259 479 610 700 3 7 019 345 497 661 819 27(400) 949 3 8588 73,3 El 855 912 35 3 9222 351 683 666 40060 413 613 819 95 41098 42-102 966 43257 618 44250 360 514 657 4 5 076 181 346 672(400) 90 4 6 954 92 47135 241 63 621 734 843 979 48167 300 36 39 416 30 821 48506 733 fcl 6 0481 780 879 81095 144 313 432 46 48 992 94 8 2308 438 593 634 737 5 3140 212 478 6 4007 317 709 61 822 41 5 6 218 439 5 6 353 55 99 434 567 820 92 8 7341 483 534 873 5 8009 134 83 309 51 421 640 777 78 832 6 9025 98 230 312 608 29 355 58 931 80112 15 64 688 672 61091 247 99 401 8 2035 186 369 428(400) 63172 395 436 87 921 32 6 4 041 440 668 707 952 65184(1000) 250 645 82 737 892 988 6 6838 919 77 6 7392 493 577(400) 616 84 735 53 910 61 6 8 434 600£03 69164 229 301 40(1000) 463 73 530 782 859 93 98 7 0352 746 892 71050 69 448 638 796 919 76 7 2090 662 80 920 7 3314 47<08 23 600 878 7 4050 590 809 37 918 7 5052 109 236 73 631 612(400) 94 7 6185 311 17 630 72 875 93 942 7 7162 98 473 719 7 8079 166 274 724 834 831 79631 80208 26 484 614 828 941 65 79 81094 138 254 303 405 664 734 930 8 2115 297 617 8 5 8 3 361 432 564 673 860 8 4 398 630 724 625 47 53 973 8 5020 128 90 92 289 337 538 861 9C9 8 8390 494 542 8 7 09 403 635 734 817 88 970 0 8124 677 684 713 861(400) 947 8 9013 19 378 606 14 745 49 85 9 0315 072 828 42 74 91 140 347 63(400) 631 819 34 9 2263 66 395 656 9 3031 634 629 65 9 4237 324 737 902 5 95103 203(4001 37 63<60 9 6 534(400) 552 965 0 7175 83 459 709 94 9 8006 23 34(400) 38 261 0 9006 354 76 684 912 100055 421(500) 511 101017 135<87 638 747'(5000) 881 10 2223 70 318 63 923 24 63 1 0 3063 161 416 689 607 72 104131 49 264 459 670 671 836 1 05173 334 41 737 985 10 8093 266(600) 4SI 626 671 10 7 262 327 438 634 736 41 108034 720 534 109025 293 434 633 707 — Kerantwortiicher Redakteur: Alfred Wieletzp. Neukölln. Förden Ynjeratenieil oerantw.: Tb Glocke. Berlin. Druck u.Berlag: Borwart» Auchdruckeiei u. 1187/3 516 111176 265 366 907 39 112019 190 828 451 72? 54 900 113:61 437 516 600 57 947 114:30 298 618 85 636 7t 780 813 115273 301 401 657 705 823 110472 563 87 OZI 117027 223 579 643 610 44 1(9157 715 118039 155 203 16 34 63 421 61 67 86(1000) 957 12 0243 390 442 627 963 1 21033 369 638 85-(400) 722 845 (400) 12 2242 470 860 959 1 23a'il 257 777 824!»/. 14 124122 650 813 125151 220 88 390 417 651 63 935 80 126253 88 308 405 18 553 787 938 1 2 7 094 668 85 720 829 1 2 9 05 95 283 97 326 527 680 1 2 3 026 39 97(ICOO) 270 304 89 93 V 8 646 I3O0I2 112 418 535 1 31383 603 601 828 1 8 2033 582 899 1 3 3335 480 619 764 1 34143 253 86 649 67 627 920 45 13 3 467 643 75£90 13«464 87 616-3 624 58 779 833 1 3 7 063 80 176 317 470 554 632 763 859 1 3 8277 304 37 406 49(400) 65 523 611 133162 216 300 33 582 679 754 846 14 0224(4001 343 91 524 903 1 41018 106 319 67 71(600) 501 651 990 1 4 2020 83 88 123 201 31 431 940 73 89 1 4 3328 661 144179 489 921 69 1 4 5 461 76 603 712 851 14 8390 655(400) 612 1 47141 286 342 780 1 48170 420 682 738 68 920 64 94 1 48387 434 55 84 644( 500) 936 150)10 65 95 98 218 475 615(3000: 34 744 1 51272 663 901 83 1 5 2054 85 209 563 686 63 737 930 1 53176 89 299 681 723 154209 883 1 5 5 000 133 46 77 547 81199z 158070 400 548 747 81 85 894 1 5 7 091 33 147 230 33(1000) 334 439 51 519 44 938 1 58149 204 9 65 750 1 58169 296 255 99 589 722 842 81 910 58 90 IBOK-O 353 679 825 993 1 61153 85 327 41 88 464 642 44 798 832 951 16 2260(1000) 62 338 426 60 650 738 863 1 6 8 385 463 1 040,7 178 541 633 712 1 6 5 023 165 360 840 1 6 6 523 617 902 4 5 66 95 1 6 7 444(400) 63(400) 6S5 795 908 1 68062 388 602 168409 170390 433 773 804 92 171083 91 432 609 662 788 959 17 2002 486 515 764 909 34 1 7 3 015 97 215 39 327 61 84 678 861 941 17 4 030(400) 587 649 740 63 903 16 19 1 76130 551 907 18 47 1 7 6203 632 1 77160(400) 226 460(400) 77 1 7 8238 393 667 741 933 1 73166 208 620 60 924 26 IC 0072 90(5000) 101 261 467 581 823 1 81082 884 907 18222) 76 490 659 94 819 966 80 97(4001 183012 178 453 (400) 74 95 670 1 8 4415 531(400) 817 18S03-» 33 117 218 62 85 396 697 715 929 1 8 6039 46 306 607 703 831 94 99 18 /097 107 23 734(20 000) 86 1O8U0 329 489 529 718 (5001 986 18 3 020 40 47 83>61 341 74 190258 638 762 910 1 81286 395 439 555 609 55 1 8 2053 63 172 236 97 349 700 82 1 9 3 325 650 931 19 4214 47 65 365 687 1 9 5038 173 314 40 455 530 701 976 96 1 9 8036 51 80 108 71 299 322 478 694 1 9 7 629 658 1 80135 53 84 214 433 77» 849 1 0 9231(600) 92 708 806 200203 412 836 919 201160 643 639 787 929 202384 639 853 936 2 0 3183 302 43 472 644 738 924 2 0 4021 105 69 306 647 714 73 922 2 0 5 293(400) 588 925 2 0 6679 738 811 207649 84 208106 23 295 373 87 99 440 208211 691 781 934 21 8076 95 351 692(40-9) 663 935 211276(8000) 92 347 414 602 609 2 1 2669 70 21 3135 247 83 70 91 394 475 214«? 85 223 533 758 360 96 21 5052 134 269 311 759 996 21 6079 104 273 603 63 822(400. 21 7052 302 834 21 8084 133 66 318 53 404 75 21813« 302 61 596 ,0 220292 669 708(400) 849 221058 82 298 480 614 62 90 857 63 2 2 2012 233<35 664 223095 258 78 22403« 499 225072 185 262 89 451 709 853 226010 616 09£67 75 94« 227094 695 605 812(500) 228039 323 655 67 96 818 962 gm Seiainnrabe uetMicim; 2 Gewinne zu 100 060 S1, 2 ja 60 000«»., 2 ju is 000 M-. 2 zu 10000 M-. 2 ,u 5000 St, 10 ja 3000 M.. 24 JU 1000 rn., 64 JU 600 M, 166 ja 400 R-__ Bt clagsaiisiali Paul Singer u. Ev-, Berlin S% Jlr.266 30. Iahrgasz. 3. Ktilmt des LmSrls" Kerlim WlksdlM Z«M»dt»d> It. SIMn 1913. Die deutfclien Bergarbeiter im Jahre 1912. Die Knapp schafts- Berufsgenossen schast hat ihren Rechenschaftsbericht für das Jahr 1912 herausgegeben. Ins- gesamt waren danach im Berichtsjahr 1912 19 9 9 Betriebe mit 8 9 6 4 62 Arbeitern versichert. Die Summe der gezahlten Löhne im Jahre 1912 betrug 1 393 821 bö6 M. oder pro Arbeiter und Jahr 1594,76 M. Gegen 1996 sind die Betriebe um 196 gefallen, die Zahl der beschäftigten Arbeiter dagegen um 17 7 21 4 gestiegen. Die Lohnsumme auf den einzelnen Arbeiter ist von 1293,94 M. 0996) auf 1594,76 M. oder um 219 M. rund gerechnet gestiegen. Diese Steigerung ist indessen nur eine künstliche, insofern als der Mehr- verdienst nicht aus der normalen Tagesschicht, sondern durch lieber- schichten erreicht werden konnte. Ein trauriges Kapitel in dem Bericht ist das der Unfälle. Die Zahl der gemeldeten Unfälle im Jahre 1912 betrug 121 517 gegen 114 669(1911) gleich einer Zunahme um 684 8. Die St ei- gerung im Jahre 1912 gegen 1911 ist doppelt so groß wie von 1919 zu 1911. Die Zahl der gemeldeten Unfälle ist von 22 497(1886) auf 121 5 7 7 im Jahre 1912 gestiegen. Während 1886 auf 199 versicherte Personen 65,45 Unfälle kommen, sind es im Berichtsjahr(1912) 1 4 9, 2 5 Unfälle. Die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle— also solche, die nach Abschluß des Heilverfahrens noch e r w e r b s st ö r e n d e Folgen hinterlassen haben— ist von 12 213(1911) auf 13 397 im Jahre 1912 gestiegen. Im Jahre 1886 kamen auf 1999 Ver- sicherte 6,89, im Jahre 1912 dagegen 15,46 entschädigungspflichtige Unfälle. Das Bild wird noch grausiger, wenn man die schweren Unfälle beachtet, d. b. solche, die dauernd völlige Erwerbs- rinfähigkeit hinterlassen oder den Tod zur Folge haben. Die Zahl der Unfälle mit tödlichem Ausgang ist von 1689(1911) auf 2 9 2 8 im Jahre 1912 gestiegen; in Prozentziffern kamen 1886 auf 1999 versicherte Personen 2,13, im Jahre 1912 dagegen 2,34 tödliche Unfälle. Massenunfälle— d. h. solche, bei denen 19 oder mehr Personen einen Betriebsunfall erleiden— haben sich im Jahre 1912 5 ereignet, davon bei der Sektion II(Bochum) 3; und zwar wurden auf der Zeche„Oberhauscn" 2 3 Personen ver- leht, davon 16 getötet; auf Zeche„Lothringen" 14 1, darunter 114 getötet; auf Zeche„Achenbach" 6 4, darunter 49 getötet; die beiden andern kommen auf Sektion VI((B e u t h e n i. O b e r f ch l.) auf Grube„Lithandra" wurden 12 Personen verletzt, davon 8 getötet, und auf Grube„Charlotte" wurden 1 6 Personen verletzt. Allein bei diesen 5 Maffenunfällen wurden 187 Bergarbeiter getötet. Im Kampfe ums Dasein haben die Bergarbeiter entsetzlich bohe Opfer an Leben und Gesundheit dem Grubenkapital bringen müssen. Die Zahl der Unfälle nach Wochentagen gesichtet, zeigt folgendes Bild. Bon den gemeldeten Unfällen im Jahre 1912 entfallen auf den: Sonntag Montag Dienstag Mittwoch 2792 18 591 29 443 19 573 Donnerstag Freitag Sonnabend Zusammen 19 832 19 923 29 543 121 517 Der Sonnabend steht so mit 2954 3 Unfällen an erster Stelle; ihm folgt der Dienstag mit 294 43, während die anderen Wochen- tage erheblich weniger Unfälle aufweisen. Diese auffallende Er- scheinung erklärt der Berichterstatter in folgender Weise:„Der Grund für die niedrige Ziffer am Montag dürfte darin z» suchen sein, daß nach amilichen Feststellungen ei» großer Teil der Berg- leute am Montag feiert, also keinen Betriebsunfall erleiden kann. Am Dienstag, dem zwei nicht der Erholung gewidmete Feiertage voraufgingen, treten dann naturgemäß infolge geistiger Ab- spannung die Unfälle häufiger auf. Daraus erklärt es sich auch «>um Teil, daß nahezu ein Drittel der Entschädigungspflichtigen von den Verletzten und deren Mitarbeitern verursacht wird." Diesmal soll die Ursache der hohen Unfallztffcr am Dienstag „geistige Abspannung", in den Vorjahren sollte es die Folge des Alkohols sein. Träfe das zu— tvic steht es dann mit der Ursache der noch höheren Unfallziffer des Sonnabends? Darüber schweigt sich der Bericht wohlweislich aus. In Wahrheit ist die lange Arbeitszeit der Bergarbeiter, dos Aedingewesen, die entsetzlich schrankenlose Ausbeutung dieser Lohn- sklaven durch das Grubenkapttal und der Mangel einer sorgfältigen Ueberwachung der Betriebe die Hauptursache der ungeheuerlich hohen Unfallziffer. Für den Schutz des Lebens und der Gesundheit der Armee der Kohle geschieht indessen seitens der Knappschaftsberufs- genossenschaft so gut wir g a r n i ch t s. Es ist eben nur alles „w e i tz e Salb e". Für den Erlaß von Unfallverhütungsvor- schriften verausgabten die Sektion II(Bochum) 12 9,54 M.; die Sektion IV(Halle) 2 2 4,32 M. und die Sektion V(Walden- bürg i. Schl.) 71,11 M. Für die Ueberwachung der B e» triebe wurden verausgabt von der Sektion II 2451,21 M., von der Sektion III(Clausthal) 4 7 9,85 M.. von der Sektion IV 6567,93 Mark, von der Sektion V 151,27 M., von der Sektion VIII (München) 334,39 M., die Sektion VI und VII(Beuthen und Zwickau) gaben dagegen nicht einen Pfennig für die Ueber- wachung der Betriebe, zum Schutze des Lebens und der Gesund- heit der Arbeiter aus. Insgesamt verausgabte die Knappschafts- Berufsgenossenschaft für den Arbeiterschutz bei 1999 Betrieben die lächerlich geringfügige Summe von 9 9 8 4,56 M. Es kommen also auf einen Betrieb pro Jahr rund gerechnet 5 M. Dagegen ist die ungeheuerlich hohe Summe von 8 2 4 2 4, 66 Mark an die Vorstandsmitglieder und sonstige Vertrauenspersonen für Tafelgelder, Reise- kosten und Ersatz barer Auslagen aufgewendet. Allein für die Mitglieder des Genossenschaftsvorstandes sind 1385 4,99 Mark ausgegeben. An Rentenentschädigungen wurden im Be- richtsjahre insgesamt 27 225 323,75 M. gezahlt; davon erstmalige Renten 3 575 689,87 M. Interessant ist es, die Durchschnittsrente kennen zu lernen. Die Vollrente betrug bei den Sektionen I 821,79 Mark; II 993,55 M.; III 731,12 M.; IV 775,36 M.; V 678,86 M.; VI 752,23 M.; VII 742,38 M.; VIII 781,23 M. Durchschnittlich betrug die Rente für eine Person bei der Sektion I II III IV Proz. d. gj, Proz. d.™ Pro,, d. g- Proz. d. Bollrente Vollrente Vollrente Vollrente 31,87 261,99 39,52 275.72 33,59 289,14 25,45 197,31 V VI VII VIII 32,81 222,76 27,68 298,28 31,36 232,78 35.25 275,43 Für die ganze Berufsgenossenschaft beträgt die durchschnittliche Vollrente 8 2 3,68 M.; die Durchschnittsrente fiir 1 Person 39,97 Prozent der Vollrente gleich 247,71 M. Hat die Knappschafts-Berufsgenossenschaft Anlaß, mit den Mil- lionen, die an Entschädigungen für die Verletzten gezahlt werden, zu prunken? Durchschnittlich erhält jede durch einen e n t s ch ä d i- gungsp flichtigen Betriebsunfall verletzte Person eine Jahres- rentc von 2 4 7 ,4 1 M. So sieht die„gefüllte Kompott- s ck ü s s e l" aus. Die Verwüstung an Menschenleben, an Gut und Blut und Lebensfreude unter der deutschen Ar- mee der Kohle ist entsetzlich groß. Im Kampfe um ihre Eristcnz baben sie auf dem Schlachtfelde der Arbeit von 1886 bis 1912 an Opfern gebracht 33415 Tote; 2941 dauernd völlige Krüppel; 58 993 dauernd teilweise Krüppel und 194 163 vor sich ergehend erwerbsunfähige Kriip- p e l. Diese trockenen Ziffern reden eine furchtbare Sprache über die Rot und das Elend der Bergarbeiter. Die Ursachen dieser ungeheuerlichen Verwüstung von Menschenleben haben wir oben gezeigt. Daher richten wir an die Reichsregierung den dringenden Ruf: Mehr Bergarbeiters chutz! Vor allem ist eine ständige energische behördliche Ueberwachung der Betriebe dringend erforderlich. Nicht nur auf dem Papier stehende Schutz- Vorschriften! Nickt nnr„w e i ß c S a l b e", sondern wirklichen Arbeiterschutz an Leben und Gesundheit der Berg- arbcitcr verlangen sie. Und sie haben ein Recht dazu. M. ?ugenclbev?egung. Konferenz der holländischen Jugendorganisationen. Die erste Konferenz der von der sozialdenrokratischen Partei gegründeten Jugendorganisationen wird am 19. Oktober in A in st e r d a m stattfinden. Die Tagesordnung enthält u. a. den Vorschlag zur Gründung eines Monatsblattes und den Gedanken, die Jugendorganisationen nicht nur, wie bisher, für junge Leute bis zum 18. Lebensjahre, sondern bis zum 21. Jahr offenzuhalten, ohne daß der Zwang vorhanden ist, schon mit dem 18. Lebensjahre Parteimitglied zu werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß viele junge Leute beiderlei Geschlechts mit dem 18. Lebensjahre. noch nicht genügend durchgebildet sind, um den Anschluß an die Partei zu vollziehen und deren für Erwachsene bestimmte Bil-- dungsveranstaltungen mit genügendeni Vorteil zu folgen. Jung-Zentrum auf richtiger Fahrt. Die nationale Jugendpflege mit ihrer Räuber- und Kriegs- romantik muß den Herren, die sich seit Jahrzehnten bemühen, die Jugend in den Flegeljahren zu religiösen Musterknaben zu inachen, doch schwere Konkurrenz verursachen. Ztvar versuchen die reli- giösen Jugendvcreinc durch Kricgsspielc und anderen Unfug den: unlauteren Wettbewerb zu begegnen, aber es scheint ihnen nicht recht zu gelingen. Wenigstens schlägt die katholische Jugendzeit- schrift„Wacht"(Nr. 13) mit einem Male Töne gegen die Ueber- Patrioten an, als beabsichtige sie die schwarzen Jünglinge zu Anti- Militaristen und Sozialdemokraten zu erziehen. Hören wir: „Kleine Jungen lassen sich schon leicht für Heer und Marine und selbst für den Krieg begeistern, wenn man ihnen ein kriegerisches Fähnchen und ein Soldatenuniförmchen schenkt. In solchen Stimmungen sind sie natürlich leicht für alles mög- liche Hurragcschrei in jeder beliebigen Stärke zu haben. Anders der ruhige und verständig denkende Mann. Er sieht, daß zwar genug zwingende Gründe zu ernst- lichen Kriegsrüstungen vorliegen. Er merkt aber auch, wieviel Nebensächliches und wieviel Eigennutz bei Kriegsgerüchten ebenso wie bei der kriegerisch aufgeputzten Jugendpflege im Spiel ist.... Es kommt nämlich vor, daß die Kriegsgefahr bloß„an die Wand genialt wird" von großen Gcschäftsunter- n e h m u n g e n, die gerne für Heer und Flotte größere Auf- träge bekämen. Dro-ht Krieg, dann werden die Vcrteidigimgs- inittel in wenigstens zivei Ländern in fieberhafter Eile verstärkt. Violleicht werden mehr Soloaten eingezogen(Deutschland) oder die vorhandenen Soloaten länger im Dienst behalten(Frank- reich). Jedenfalls sind mehr Waffen, mehr Schiffe, mehr Uni- formen nötig. Alles das kostet viel Geld. Darum werden neue Steuern beschlossen. Diese Gelder wandern in die Taschen oer Waffenfabrikanten.... Hat die „Kriegsgefahr' diese Dienste getan, dann hört man nichts mehr von ihr. Die großen Geldmänncr wünschen nämlich so leicht keinen wirklichen Krieg u-.ter den großen Kulturvölkern. Dabei würde ihr Geschäft zu sehr leiden. Die Kriegsgefahr ist vor- läufig ein weit besseres Geschäft. Ick sage nicht, daß solche Geschäftsberechnungen unter allen Umständen allein in Betracht kommen, wenn es sich um Krieg und Frieden Imndelt. Sicher spielen sie aber eine große Rolle.... Wie gefährlich diese Art von„Kriegsspielerei" ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Denn wer weiß, ob man nicht zur rechten Zeit bremsen und den Ausbruch des Krieges verhüten kann, wenn man.ftvei Volker b i s har.t an den Abgru»b gekeift hat? Und wer kommt für den Schaden auf, der in hlW Köpfen und Herzen all der Millionen Menschen angerichtet deren ganzes Denken sich fortivährend mit dem Kriege beschW tigcn muß?— Von Störungen im Schöße der Familien iüMk liaupt zu schweigen. Auch bei dem berühmten„kriegerischen Einschlag" AU heutigen Jugeudpflege spielen seltsame Erwägungen g c s ch ä f 4» l i ch c r Art mit. Man besehe sich nur einmal den Uniform- r u m m c l gewisser Vereinigungen! Famoser Betrieb fiir die Bekleidungsgrschäfte. Warum sollte so ein Konfcktionsunter- nehmer nickt schon ganz gerne ein GoldfüchSlein in irgendeine Jugendpflegekassc wandern lassen, wenn der Jugendpflegelassicrer ein eifriger Freund irgendeines uniformierten Vereins ist? DaS Fiichsckieii kommt hundertfach wieder herein... Da bestätigt uns ja einmal einer unserer scharfen Gegner, was wir immer behaupten. Unsere Jugend wird die Wahrheiten, die hier ein religiös-patriotisches Jugendblatt gegen die milita- riftische Jugendverseuchung ausspricht, kräftig zu gebrauchen wissen. Schaustellung unserer neuesten Modelle in eleganten Abendschuhen Unsere neuen Erzeugnisse auf dem Gebiete der Ballsdiuh- Fabrikation sind in ihrer Schönheit und Eleganz nicht zu übertreffen. 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Pr.• Bromberg• Posen• Görlitz Der Fortscl�ritl Professor Dr. Schär, Dozent an der Berliner Handels- Hochschule schreibt in der„Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis" folgendes: „Der Fortschritt in dem Vorkaufssystem— Selbstkostenpreis+ 1 0%— besteht aber gerade darin, dass die Höhe dieser Gebühr für die kaufmännische Dienstleistung Jedermann bekannt, dem Belieben des Kaufmanns entzogen und ein für allemal rechtlich und kalkulatorisch festgelegt wird. Erwiesenewassen kommt e« namentlich im Detailhandel oft vor, dass die Höhe des Gewinnzuschlages sehr elastisch Ist, dass namentlich bei den Waren, die der Käufer auf ihren Wert hin nicht zu beurteilen vermag, ein unverhältnismässig hoher Zuschlag gemacht wird. Nach dem System Selbstkostenpreis-j- 100/o sind derartige Handelspraktiken ausgeschlossen." 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Platz, 89/14' Zuzug ist streng sernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Jnsercuemell verantw.: Tb. Glocke. Berltn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei a. VerlagSanstalt Paul Singet u. Co.. Berlin