f 5 Pfennig) Ur. 368. Redahtion: 8Al. 68, Ltndcnftraßc 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz. Nr. 1S83. Montag, den 13. Oktober 1S13. Cxpedttion: 8 Tl. 68, LindenCtraSe 69. Fernsprecher: Amt Moripplat,. Nr. Ii>84. Montagsausgaite d 30. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: Slfionncmcnlä- Preis ptdnumcraubo: «ierteljährl. 3,3« Mr., monnU. 1,10 Mk. wöchentlich W Psg. frei ins HciuS. Einzelne Nummer S P'g. Sonntags- nummcr mit illultriertcr Zomiiags- Seilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl vro Monai. Emzetragen in die Post- ZeitungS- Breislislc. Unter Kreuzband ,ür Deutschland und Oesterreich- Ungani S.ö0 Marl, für das übrige Ausland 4 Mari pro Monat. Poftabonnemcnts nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Aumäliicn, Schweden und die Schweiz. erfchdBt täglich. Zcntralorgati Die InierticnS' Gebühr beträgt für die scchsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Psg,, für politische und gewerlschastliche Vereins- und VcrsanmilnungS-Aiizeigcn 30 Pig. „lilcrne ZZnacigcn", das fettgedruckte Wort stt) PfS. ijuläfsig 2 fettgedruckte W ortet, jedes wtitere Wort 10 Psg, Ctelleiigcfuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg,. jedes weitere Wort ö Psg, Worte über 15 Buch- staben zählen für Zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer inüffcn bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedilwn ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Telegramm» Adresse: „SozUliKBioiirat BtrliB*. Partei Dcutfchlands. der rozialdemokratird�en Polizei und Wieder wirft, wie es bei dem steten Wechsel von Hoch- konjunktur und Krise in der kapitalistischen Gesellschaft unver- meidlich ist, die Arbeitslosigkeit ihre düstern Schatten.iiber breite Massen der Bevölkerung, wieder nisten sich Hunger und Elend in den Mietskasernen des Proletariats ein, wieder schnellen die Ziffern der Krankheits- und Todesfälle, der Selbstmorde und Verbrechen unheimlich in die Höhe, und stürmischer denn je erhebt die Sozialdemokratie als Ver- treterin des arbeitenden Volkes den Ruf nach einer Fürsorge für die Opfer des wirtschaftlichen Niederganges von Staatswegen. In allen Gauen Deutschlands werden wir in der nächsten Zeit Versammlungen haben, die sich mit der Frage der Arbeitslosigkeit und oer Arbeitslosenversicherung befassen, und ganz von selbst werden, namentlich in den Groß- städten, sich diese Versammlnngen zu Arbeitslosenvcrsamm- lungcn auswachsen. Da nun ein Blatt wie die„Kölnische Zeitung" danach trachtet, sich des Lobes auch der schärfsten Scharfmacher würdig zn erweisen, indem sie die gepanzerte Faust gegen die Möglichkeit von Arbeitslosendemonstrationen anruft, mag eine kleine geschichtliche Erinnerung an eine Zeit nicht unangebracht sein, da sich in Berlin die Staatsgewalt— ganz nach dem Rezept des nationnlliberalen rheinischen Blattes— liebevoll mit den Arbeitslosen beschäftigte. Auf den loirtschast- lichen Aufschwung, der mit dem Jahre 1888 begonnen hatte, folgte mit dem Beginn des neuen Jahr- zehnts eine Periode wachsender Flauheit, und schon im Winter 1890 hatte das Elend der Arbeitslosigkeit, ver- schärft durch die Wirkung der künstlich heraufgepeitschten Brot- preise, einen schier erschreckenden Umfang angenonimen. Der Januar 1891 sah dann in Berlin die ersten großen Arbeits- losenversammlungen, die von der Sozialdemokratie ein- berufen waren und ganz und gar ruhig verliefen. Nicht anders ging es mit sozialdemokratischen Arbeits- losenversammlungen im Januar des folgetiden Jahres. Aber als im Februar eine Versammlung arbeitsloser Bau- Handwerker von der Polizei aufgelöst wurde, uuternahni eine Anzahl Teilnehmer, Arbeitslose, aber auch viele halb- wüchsige Burschen und Großstadtmob, einen Zug in die innere Stadt, scharfe Zusammenstöße mit der Schutzmannschaft und sogar Plünderungen von Eßwarenläden folgten, die man wohl nicht zu Unrecht nicht nur dem Hunger, sondern auch der Aufreizung von Lockspitzeln zuschrieb. Aber jedenfalls zitterte von da ab der satte Bourgeois hinter seinem Kassen- schrank, schon wenn er das Wort Arbeitsloser und Arbeits- loscnversammlung hörte, und auch die hohe Obrigkeit gefiel sich zum mindesten in einer sehr unangebrachten Aengstlichkeit. Das zeigte sich besonders bei den„Arbeitsloscnkrawallen", richtiger bei den Polizeikrawallen, die am 18. Januar 1891 nach einer Arbeitslosenversammlung in der Brauerei .Friedrichshain" stattfanden und von allen am„be- rühmtesten" geworden sind. Die stark besuchte Versammlung selbst konnte nicht stattfinden, denn dem Ein- berufer R o d r i a n war, iveil ihm die sofortige Ver- Haftung angedroht war, nicht erschienen. So verließen denn die Zusammengeströmten in voller Ruhe und Ordnung den Saal, um sich fortzubegeben. Aber draußen harrte ein gar fürchterliches Kriegsheer, aus berittenen Polizisten, Fußmann- schasten und verkleideten Kriminalbeamten bestehend, aus die Versammlungsbesucher und ging sofort in forschem Angriff gegen sie vor, ohne daß auch nur der allergeringste Anlaß dazu gewesen wäre. Von mehreren Seiten wurde die Menge zusammengekeilt, so daß sie sich nicht schnell vom Fleck bewegen konnte, und dann mit dem Pferdehuf, dem Säbel und dem Gummikuüttel bearbeitet, weil sie sich nicht schnell genug entfernte. Groß war die Zahl der Verletzten, aber wohlweislich hatte nian auch nicht einen Mann sistiert, weil man eben auch nicht einem eine strafbare Handlung nachtragen konnte. Selbst die rechts- stehende Presse wie„Krcuz-Zeitung" und„Reichsbote"— das Jahr 1891 erscheint uns heute als eine Zeit der Zeichen und Wunderl— äußerten ihr Mißfallen über die brutale Polizciattacke, und freisinnige Blätter fanden sich mit sozial- demokratischen und anarchistischen zusammen in der schärfsten Verurteilung der Schutzmanusheldentaten. Da konnte die Behörde nicht länger Ruhe bewahren und sie griff zu, aber, wie eS in Preußen seit jeher Brauch ist, ging sie nicht gegen die schuldigen Beamten, sondern gegen die kritisierenden Re- dakteure vor. Am 8. Mai 1891 nmßten die Redakteure Grüttesicn und Paul vom„Berliner Tageblatt", Wißberger von der„Berliner Zeitung", Schütte von der„Allgemeinen Fahrzeitung" und Harnisch von den anarchistischen„Licht- strahlen" neben den Genossen Robert Schntidt vom „Vorwärts". Max Zach au vom„Sozialdemokrat" und Gustav Keßler vom„Volksblatt für Teltow-Beeskow" vor der berüchtigten Brausewetter scheu Strafkammer auf der Anklagebank Platz nehmen. Der Prozeß gestaltete sich zu einem interessanten Kultur- bild, schon dadurch, daß der Landgerichtsdirektor Brause- weiter, sicher bereits gestreift von den Schatten des Irr- finns, die später sein Hirn umhüllten, sich in allem Glanz und aller Glorie zeigte. Schon bei dem Namensaufruf der Meitsiole. Angeklagten»vetterte er heftig gegen die sozialdemokratische Presse, die bloß anreizen»volle,„daß die Leute»veiter im- zufrieden gemacht werden", und gebärdete sich um so rücksichts- loser, je mehr die fortschreitende Beweisausnahme das Vorgehen der Polizei in ein immer merkwürdigeres Licht rückte. Ein paar Proben: Verteidiger Berg:'„Ich stelle fest.. B r a u s e w e t t e r(dazwischen fahrend):„Sie können über- Haupt nichts feststellen. Das interessiert den Gerichtshof nicht." Oder: Redakteur G r ü t t e f i e n:„Ich möchte eine Bemerkung machen, ich möchte darauf hinweisen.. Brausewetter(unterbrechend):„Sie haben nicht zu be- merken und Hinzuweisen." Nicht minder gefiel er sich darin, Kernsprüche von bleibender Denkivürdigkeit zu prägen,»vie: „Bei allen Sachen, die»vir in den Zeitungen lesen, sind»vir doch überzeugt, daß sie zum Teil nicht»oahr sind." Oder: „Ich gehöre auch zum Volke, und weiß von Polizeispitzeln nichts." Oder das berühmt gctvordene:„Die Oeffentlichkeit existiert nicht!" Aber manchmal schlidderte er auch sehr er- heblich herein,»vie bei folgender Szene. B r a n s e»v e t t e r: Weshalb reden Sie immer von Lockspitzeln? Weshalb sagen Sie nicht Vigilant'<■" Verteidiger M o s s e:„Es ist der technische Ausdruck für einen Polizeispitzel." B r a u s e>v e t t e r:„In den sozialdemokrattschen und anarchistischen Blättern bloß; außerhalb derselben jedem a n st ä u d i g e n M e n s ch e n u n b e k a nn t." M o s s e:„Nein, Herr Präsident, hier habe ich ein Blatt, das den Ausdruck gebraucht hat." Brause»vetter:„Wahrscheinlich auch zur sozialdemo- kratischen Presse gehörig?" Masse:„Nein, es i st d i c„ N o r d d e u t s ch e Allgemeine Zeitung"! Der Vertreter der Anklage, Staatsanlvalt Dr. B e n e d i x, zeigte sich des Vorsitzenden»vert und würdig. Die Arbeits- losenfrage erschöpfte sich ihm mit der Tatsache,„daß im Winter etivas»veuiger Arbeit ist wie im Sommer und nicht bloß in Berlin, sondern auch in den anderen Großstädten, wo das Gesindel hinzieht, um die Freuden der Großstadt arbeitS- los zu genießen". Er sah»vährend der Verhandlung seine Hauptaufgabe darin. Entlastungszeugen einzuschüchtern, nach ihrer politischen Gesinnung auszuhorchen und Ungebührstrafen zu beantragen. Aber das für ihn sehr klägliche Ergebnis der BelveiSaufnahme hinderte ihn nicht, gegen sämtliche Angeklagte, mit Ausnahme eines einzigen, Gefängnisstrafen biS zur Höhe von einem Jahre zu verlangen. Sehr kläglich ist sogar ein milder Ausdruck für das,»vaS für die Behörde bei der Beiveisaufnahme herauskam. Während die hohen und niederen Polizeibeamten nur davon zu schlvatzen wußten, nach ihrer„Ansicht" und ihrem„Ein- druck" sei eine Demonstration geplant gewesen und nicht eine greifbare Tatsache anzuführen, auch keine strafbare Handlung der Vcrsammlungsteilnehnier zu nennen vermochten, bekundeten die Entlastungszeugen, dabei so unbefangene Be- trachter der Dinge»vie die Berichterstatter der„Post" und der„Kreuz- Zeitung", daß für das brutale Vorgehen der Polizei auch nicht der geringste Anlaß vorgelegen habe:»vehrlose, friedliche Bürger seien jählings von Bclvaffnetcn überfallen»vorden. Der vor- nehmste Zeuge»var der bekannte Sozialethiker, Oberst- leutnant a. D. Moritz v o n E g i d»), der der Versammlung beigeivohnt und nachher in seiner Zeitschrift„Versöhnung" gc- schrieben hatte, noch nie habe er eine Beerdigungsversannnlung den Kirchhof so ruhig verlassen sehen, aber die feindselige Er- regung der deutschen Soldaten in Frankreich sei nicht so groß geivcsen»vie die der Schutzleute an diesem 18. Januar, und jedermann im deutschen Vaterland, der noch für sich die Bezeichnung patriotisch, religiös, ehrlich, gesittet, edeb, gut, ordnungsliebend oder auch nur feinfühlig in Anspruch nehme, müsse als Zeuge dieser 15 Minuten von einem nnsäglicheu Schmerze erfüllt sein. Unter seinem Zeugeneid stand E g i d y durchaus zu seinen geschriebenen Worten. Er erklärte, die Versammelten hätten ihm nur den Eindruck von Furcht und Niedergeschlagenheit gemacht, und betonte:„Ich war gänzlich überrascht, als ich die Polizei einschreiten sah; nicht ein Schatten von Veranlassung»var nach meinem Empfinden dazu vorhanden." Aber Egidys Zeugnis»vurdc so»venig»vie das der anderen EntlastungS- zeugen von der Brausewctter- Kammer hoch beivertet. Die Polizistenaussagcn, so nichtssagend sie an sich»varen, schlugen durch, und nach ziveitägiger Verhandlung wurden drei der angeklagten Redakteure mit Geldstrafen, die anderen mit Gefängnisstrafen von zwei bis fünf Monaten bedacht— die fünf Monate erhielt der Genosse Schmidt aufgebrummt, gegen den der Staatsamvalt ein Jahr beantragt hatte. So endete dieses Nachspiel zu den„Arbeitslosenkratvallen im Friedrichshain". Heute sind»vir erheblich stärkeren Tabak gewöhnt, denn hinter uns liegen die Säbeleien der Polizei bei den preußischen WaHlrechtsdenionstrationen, hinter uns liegt die Blutorgie von Moabit. Aber nicht minder zeigt sich die Verschärfung der Klassengegensätze daran, daß heute keine „Kreuz-Zeitung" und kein„Reichsbote" Worte des Tadels mehr für Polizeiuntaten gegen Arbeiter aufbringen würde. sminge» und Airrungen des Gottespadentums. Aus München wird uns geschrieben: Seit Richard Wagners unglücklicher Förderer L u d!o i g II. im Starnberger See umgekommen ist, also seit ficbenuudzwanzig Jahren, führt sein irrsinniger Bruder Otto den Titel König von Bayern. Der Arme ist unheilbar verrückt. Die Frau des Kammersängers Brucks, die frühere Gräsin L a r i s ch, übel bekannt au» der Kuppeleigeschichte, die mit dem Mord oder Selbstmord des österreichischen Krön- Prinzen Rudolf verknüpft war, behauptet im letzten ihrer Eni- hüllungsbücher, Ottos Krankheit sei die Folge einer Ansteckung, die er sich bei einem romantischen Abenteuer während einer Orient- reise geholt habe. Die bayerische Verfassung kennt gleich der württembcrgischcu der kurhessischen, der großherzoglich hessischen und der königlich sächsischen keinen Ausschluß von der Thronfolge wegen körperlicher oder geistiger Defekte. Das ist nach dem Staatsrechtslehrer Tab o r deshalb so herrlich eingerichtet,„weil das Beste der monarchisch regierten Völker fordert, daß die Thronfolge möglich genau be- stimmt uiid unabhängig von irgendeiner Ansicht vder einem Willen sei". Otto war also fähig zur Thronfolge, aber da er nicht frei»var „von solchen Körper- und Geistesfehlern, welche zur Regierung untüchtig machen", das heißt nicht in der Lage ist,„das an sich be- gründete Erbrecht auf die Krone auszuüben", erhielt er in Gestalt des Reichsverwesers oder Regenten einen Vormund, der indessen seine Handlungen„im Namen des Königs" vollzieht. Die Ver- össentlichung der Gesetze erfolgt im Namen des Königs ebenso wie die Verkündigung der Gerichksurteile, und der Beamtcneid»vie der StaatSbiirgeretd»vird dem irren Könige geleistet. Der Rechlszuständ der GotteSgnadentiimer vor der Auflösung des Deutschen Reiches(im Jahre ISOfi) war ein anderer. Hier galt auf Grund der Goldenen Bulle Karls IV. vom Jahre 1356 der Satz„des gemeinen Privatfürstenrechts", daß der wegen körper- licher oder geistiger Gebrechen untaugliche Gottesgnadcnmann von der Regierungsfolge überhaupt ausgeschlossen blieb. Das galt aber nur für die Frage des Regierungsantritts. Der Blinde, Gelähmte oder Verrückte verschwand von der monarchischen Bildfläche. War er aber aus irgendeinem Grunde doch unangesochten zur Thron- folge gelangt, dann blieb er unabsetzbar. Diese flüchtige Skizze»var zu zeichnen, um den mit gottes- gnadentümlichen Rechtsverhältnissen Unvertranten einigermaßen in die Ursachen des Streites zn führen, der unter den bayerischen Monarchisten jetzt wieder tobt. Jetzt wieder. Denn die Frage der Absetzung des Königs Otto ist nicht neu. Sie»var natürlich am brennendsten im Jahre 188ti und wurde von dem damaligen Ministerium auch einen Augenblick erlvogen. Aber wer diese Zeiten miterlebt hat, weiß, daß es ein lebensgefährliches Wagnis für die Linie Lnitpvld geivcsen wäre, mit solchen Plänen an die Oeffentlichkeit zu treten, die aufs äußerste erregt»var von der plumpen Ungeschicklichkeit, mit der man den geisteskranken Ludwig II. gewaltsam aus der Herrschaft gerissen und in den Tod getrieben hatte. Damit»var aber die Möglichkeit einer späteren Absetzung unter Bezugnahme auf die sechshundertjährige Goldeue Bulle für Bayern ausgeschlossen. Es blieb also nur der Weg einer Verfassuiigsünderung übrig oder der �er Getvalt, des Staatsstreichs. Für Anwendung der Gewalt, der höchsteigenen Selbst- Proklamation des Regenten zum König,»varen im Ministerräte, der vor der Vereidigung des Prinzen Ludwig(am Ende des ver- gangenen Jahres) tagte, nur die feudalen Herren von H erkling und von Soden. Dieser Beratung lag das Gutachten zugrunde, aus dem Genosse Adolf Müller auf dem Nürnberger Landes- Parteitage die im„Vorwärts" bereits veröffentlichte Stelle bekannt« gegeben hat. Tie Staatsstreichler blieben in der Minderheit im Ministerium und der Beschluß»vnrde gefaßt, mit den bürgerlichen Parteiführern zn verhandeln, um eine Aenderung der Verfassung herbeizuführen. Die Liberalen wären dazu bereit gewesen, das Zentrum unter dem Einfluß des auf H e r t l i n g erbosten Frei- Herrn von Walsen und des von diesem beherrschten von Franken st e in lehnte mit 56 gegen 29 Stimmen aus „legitiinistischcn Gründen" seine Mitwirkung bei der Ab- setzung Ottos ab. Der Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Herr Lerno, gab dann in einer Versammlung in Amberg eine ver-i trauliche Definition der monarchischen Anschauungen jener Mehr- heti. Er sagte: „Wir haben den Staatsbürgereid geleistet: Ich schioöre Treue dem König. Hieße das dem König die Treue halten,»venn der Abgeordnete hergeht und sagt: der Mann ist geisteskrank, darum setzen wir ihn ab. Einen König absetzen geht nicht so leicht. Ein königstrcuer, konservativer Abgeordneter kann sich niemals ohne weiteres daran wagen. Wenn man es mit seinem Eid als Ab- geordneter genau nimmt, muß man zu der Schlußfolgerung kommen: c» geht nicht." Tb?r was der konservative königstreue ZentrumSmann..ohne weiteres" kann, das kann nach Herrn L e r n o der Regent, denn so erklärte er weiter: „Wenn es sich so fügt, daß der Regent selb st sich dicKroncaufsetzt, dann hätten wir keine weiteren Schwic- rigkcttcn gemacht. Das ist seine Sache. Wenn er das hätte tun wollen, hätten wir keinen W i d e r st a n d g e l e i st e t." Das war die Aufmunterung zum frohen Umsturz, zum Staats- streich. Und in dieser Aufmunterung fuhr ein Teil der Zentrums- presse jetzt fort, ohne Rücksicht daraus, daß inzwischen der Regent doch den unzweideutigen Eid auf die Verfassung geleistet hat. Er- muntert zu diesem Vorgehen war diese Presse allerdings von der Regierung, die mit einer Erhöhung der Zivilliste für den geisteskranken König Otio im Betrage von einer Million und zwei ma lh u n d e r t tau s e nd Mark vor da? Land tritt. Damit ist nach der Meinung der Loyalen, der Streber, der Titel- und Ordensjägcr bekundet, daß der Regent König Ludwig III. zu werden wünscht trotz des feierlichen Verzichts, den er nach der mißglückten Dezemberaktion öffentlich ausgesprochen hatte. Ein sogenannter Kirchenrechtslehrer lvar übrigens in der Zwischenzeit dem Kabinett Hertling zu Hilfe gekommen, indem er in langen Artikeln die Entdeckung breit trat, der arme Otto lebe überhaupt nicht mehr, er sei längst„geistig tot". Einen„geistig Toten" aber brauche man natürlich nicht erst abzusetzen, und Lud- wig habe deshalb gar nichts zu tun, als dieses Faktum durch ein- faclw Bekanntmachung, er sei von jetzt ab König, zu bestätigen. Das habe der Landtag und das Volk einfach hinzunehmen. Zu dieser Hinnahme erklärte sich auch ein Teil der Zentrumsprcsse aller- unterwürfigst bereit, allein Krone und Regierung fanden die Lösung doch zu gewagt und unterließen es weislich, den allzu genialen . Rat jenes erleuchteten Kanonikus zu befolgen. Dann sprangen allerlei weltliche Staatsjuristen aus ihren Kästen mit mehr oder weniger wunderlichen Vorschlägen. Darunter ein Münchsner Rechtsanwalt Bloch, dem man sehr feudale Be- Ziehungen nachsagt. Er versuchte, in einer juristischen Fachzeit- schrift mit einem großen Aufwand juristischer Redensarten den Nachweis zu führen, daß die goldene Bulle für Bayern noch gelte und demnach ein Interregnum bestehe, da Otto von vornherein nicht thronfolgeberechtigt gewesen sei und Bayern also seit srebenund- zwanzig Jahren ein unglückliches königloses Land sei. Auch diese Theorie fand eine sehr beifällige Aufnahme in der Zentrumspresse, die sich in ihrem Eiser, einen klerikalen König zu erhalten, weiter nicht um die Folgen dieser Blvchschen Lehre kümmerte, die eben nicht klein wären, da sämtliche im Namen Ottos erlassene Gesetze, Urteile usw. doch einfach als ungültig erklärt werden müßten. Ein Abenteuer, auf das sich weder der Regent noch das Ministerium einlassen will. Das hält aber die Zentrumspresse nicht ab, stürmisch einen König Ludwig III. zu fordern, und ein Teil der Generalanzeiger- presse sekundiert ihr nach Kräften.„Etwas muß geschehen," sagt zum Beispiel ein einflußreiches ultramontanes Provinzblatt, die .Lands hu irr Zeitung" und fährt los: „Wie wäre es denn, wenn die angesehensten Männer aller bürgerlichen Parteien— wir meinen nicht ausschließlich die Ab- geordneten-- sich in einer gemeinsamen Kundgebung an den Regenten wenden würden, in der sie ihn namens des Volkes bitten, der unhaltbaren Situation ein Ende zu machen und sich die Krone auf das Haupt zu setzen? Dazu würde man gar kein eigentliches Landeskomitee brauchen. Das könnte in jeder Stadt und in jedem Markte und der entsprechenden Umgebung gemacht werden. Vielleicht würde das allen Teilen über gewisse Klippen, die man jetzt noch zu deutlich sieht, hinweghelfen." Von da bis zur Erörterung des Staatsstreichversuchs in Volks- Versammlungen ist nur ein Schritt. Man könnte dabei gleichzeitig die Erhöhung der Zivilliste und das von der Regierung uneingelöste Regentcnwort in Sachen der Arbeitslosenversicherung zur Dis- kusston stellen. Diese Unterhaltung verspräche ebenso lehrreich wie lustig zu werden. Jedoch, es wird allem Anschein nach nicht dazu kommen. Die Stellungnahme der sozialistischen Organe in München und Nürn- beg war so deutlich, daß die Proklamantcn in der Regierung und am Hofe vorderhand ihre Pläne aufgegeben haben. Und da mittler- weile in der„Frankfurter Zeitung" der ftir das Verhalten der Ministermchrhcit im Dezember 1912 maßgebende Teil des staatS- rechtlichen Gutachtens, offenbar nicht ohne Mitwirkung sehr ein- geweihter Ltreise, veröffentlicht worden ist, darf Otto weiter König bleiben. Ein Zustand, der für die klerikalen Königsmacher gewiß be- trüblich ist, der aber so außerordentlich gut zum Milieu des Un- glücksministeriums Hertling paßt, daß er bei dessen Lebzeiten kaum geändert werden kann. Es sei denn, daß Otto allcrhöchstselbst ge- ruhe, dieses nionarchische Jammertal zu verlassen. Wozu er aber. unbeschadet der Furukulose, von der die ultramontane Presse jüngst zu berichten wußte, vorläufig nicht das geringste Bedürfnis zu empfinden scheint._ politische(leberlickt. Der Pfcrdehandel in Ostpreußen. Tie konservative„Ostpreußische Warte", die in Jnster- bürg erscheint, bringt neues Material über die Zu- stände beim Pferdehandel in Ostpreußen. So schreibt daZ Blatt: „In Neukirch fKreiS Niederung) wurden durch die ostpreußi- sche Ankaufskommission von zirka 299 Pferden nur 29 angekauft, eine große Anzahl guter Pferde aber mit dem Anheimgegeben zurückgewiesen, dieselben doch an die bekannte Pserdegroß Handlung Sandels wski und Räch mann zu veräußern. Die- selbe kaufte in Neukirch, wie auch auf zahlreichen anderen Märkten, eine Anzahl dieser Pferde an, um sie später der Kom- Mission vorzustellen und zu Ivescutlich höheren Preisen an die- selbe zu verwerten. Zwei Besitzer aus Lokidcn hatten je ein Pferd und ein Besitzer aus Krcpwehlen hatte zwei Pferde in Ncuiirch erfolglos vorgestellt und a u f d e n Rat der Kommission an die genannte Firma verkauft. Tieselbe bezahlte zwei dieser Perde mit je 999 Mk. und zwei mit je 959 Mk. und verkaufte sie an die Kommission bereits vier Tage später in Tilsit weiter. Auf die Höhe des Händlergewiuns läßt der Umstand schließen, daß drei dieser Pferde für die Muschinengewehrabteilung angekauft wurden, also mit je 1479 Mk. bezahlt worden sein dürften." s Es Wird weiter ausgeführt, daß damit der Pferdehau- delsfirma eine Monopolstellung eingeräumt werde und daß sie R i e s e n g c w i n n e einheimse. Die Praktiken der Kommission bedeuten eine ungerechte schwere Schädi- gung der Pferdezüchter. In der„Ostpreußischen Zeitung", im Hauptorgan der preußischen Junker, wird der Handel nach Möglichkeit zu ver- Leidigen versucht. Dem Blatt geht von„fachkundiger land- wirtschaftlicher �cite" eine Znschrist zu, in der es heißt: „Am meisten Aufsehen und Befremden hat die Nachricht erregt, daß der Präses der Ankaufskommission einzelnen Land- Wirten, deren Pferde er nicht nahm, geraten hat, diese der Händlerfirma Sandelowski und Rachmann zu verkaufen. Es ist dieses nach unserer Information zu- treffend.... Aber, so wird weiter gesagt, es handele sich um Kreuzungspferde für die Maschinengewehrabteilung, die nur paarweise gekauft werden dürften. Die Firma stelle die Paare erst zusammen. Daß die Kommission selbst die so- fort verwendbaren Pferdepaare zusammen- suche, sei wohl ausgeschlossen." Damit wird bestätigt, daß die Händler nicht nur die Pferde für die Maschinengewehrabteilung, sondern auch im großen Umfange für die Artillerie und Kavallerie liefern. Die Zuschrift macht im übrigen ganz den Eindruck einer offiziösen Verteidigung des sonderbaren Pferdehandels. Die geschädig- ten Landwirte werden die Antwort sicher nicht schuldig bleiben._ Klasiettgcgensatz im Zentrum. In der Presse der Zentrumsarbeiter rumort es noch kräftig gegen das„Kartell der schaffenden Arbeit", die Ver- cinigung der Großindustriellen mit dem Agrariertuin. Die klerikale„Westdeutsche Arbeitcr-Zeitung" traut ihrer eigenen Partei in bezug ans die Scharfmacherplänc nicht über den Weg. Sie droht: Man hört oft:„D a s Z e n t r u m i st„a g r a r i s ch" oder cs wird nicht sein!" Wenn damit gesagt sein soll, daß die Jen- trumspartci der jeweiligen Lage oer Landwirtschaft und ihrer Bedürfnisse aufmerksame Beachtung zu schenken hat, so stimmen wir dem durchaus zu. Aber andererseits gilt auch:„Das Zcn- trum ist sozialpolitisch oder cs wird nicht sein." Wst r wissen, daß in verschiedenen Kreisen dieser Satz wcni- gcr beliebt i.st. Er hat aber seine Berechtigung genau wie der erste. Nun verweist man uns auf den bisherigen sozialen Eharaktcr des Zentrums. Die Arbeitcrwähler kenneu diese Ver- dienste und haben sie jederzeit voll anerkannt. Jedoch wenn es gelänge, einen starken Teil seiner Wählerschaft durch das..Kar- tell" im Sinne einer Gegnerschaft gegen eine verständige Weiter» führung oder gar für eine Beschränkung der Sozialpolitik zu orientieren, und wenn gar ein Teil der Zentrums- abgeordneten durch ihre nahen Beziehungen zudcnBerbän den des„Kartells wohl oder übel in den Kreis dieser Ziele hineingezogen würde: kann jemand glauben, daß das nicht eine schwere Bedrohung des sozialen Charakters der Partei wäre? Man merke sich das Eingeständnis, daß in verschiedenen Kreisen des Zentrums die Sozialpolitik„weniger beliebt" ist und daß Abgeordnete des Zen- t r u m s nahe Beziehungen zum Scharfmacher- k a r t e l l haben. Und zur Wahl dieser Leute werden die Zentrunisarbeiter mißbraucht! Die Oppositionsstimmeu aus den Arbeiterkreisen darf man übrigens nicht überschätzen. Auch bei den Zolltarif- kämpfen 1902 rebellierten Arbeiter gegen die Verteuerungs- zölle. Heute sitzen die Wortführer von damals in fetten Posten und sind stumm gemacht. Nur die großstädtische Ar- beiterschast ist in„Gefahr" in den Kleinstädten und auf dem Lande gelingt es der katholischen Geistlichkeit nach immer, den wirtschaftlichen Jnteresscnkampf im Zentrum hinter sckiönen Kulissen mit Bildern von den Freuden der ewigen Seligkeit zu verbergen._ Tie Krupp-Kommission. Die ReichstagSkommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen soll ein bestimmtes Arbeitsprogramm er- halten. Der Entwurf dieses Arbeitsprogramms sieht vor. die Be- Handlung allgemeiner und einzelner Fragen der Rüstungsliefc- rungen. Als allgemeine Fragen kommen in Betracht die Eni- Wickelung der Grundsätze und Methoden für die Lieferung von Rüstungsgcgenständen unter Berücksichtigung der großen Privat- betriebe im Inland und großer Betriebe im Ausland, ferner der wirtschaftliche Zusammenhang der die Nüstungslieferungen be- rührenden Fragen mit der wirtschaftlichen EntWickelung. Die„ein. zelnen Fragen" sollen sowohl für inländische wie für ausländische .Verhältnisse erörtert werden. Diese Einzelfragen betvefjen die Möglichkeiten der Beschaffung, die Art der Vergebung und daS Ab- nahmevcrfahrcn. Ter Kampf flehen die Junker. London, 12. Oktober. Lloyd George hielt gestern abend eine zweite Ansprache in B e d s o r d, in der er über die Landfrage sagte, die Gegner der Regierung verlangten eine Rege- lung der Frage durch ein Ucbereinkommen. Er habe nichts dagegen, doch müsse es ein wirkliche? Uebcreinkommcn sein. Die Regierung werde auf kein Kompromiß eingehen. Er möchte seine Zu- Hörer in ein Kabinettsgeheimnis einweihen. Vor einiger Zeit nämlich habe eine Kommission des Kabinetts Aussagen über die Unruhe in der Arbeiter Welt entgegengenommen. Dabei sei es den Mitgliedern der Kommission am meisten auf- gefallen, daß die Löhne in vielen Gewcrbrzweigen heruntergegangen seien, weil die landwirtschaftlichen Arbeiter ungenügend bezahlt waren. Bezüglich des Vorschlages, die Landbesitzer aus- zukaufen, wies Lloyd George darauf hin, daß dies fünf- hundert Jahre in Anspruch nehmen würde. Nachdem die Regierung die Bewegung jetzt in Lauf gebracht habe, werde sie nicht davon abgehen, bis das Land frei gemacht sei. Ter mexikanische Staatsstreich. Washington. 11. Oktober. Wie dem Staatsdepartement aus Mexiko gemeldet wird, sind alle Deputierten, die gestern abend gefangen genommen wurden, heute wieder freigelassen worden._ Ein Erfolg der Albaner. Balona, 12. Oktober. fMeldung des Wiener K. K- Telegr.» Korresp.-Bureaus.) Hier eingetroffenen sicheren Nachrichten zu- folge haben in der Gegend zwischen Jpek und Tjakowa zwischen Montenegrinern, Serben und Albanesen Kämpfe stattgefunden, bei denen die o n t e n e g r i n c r und Serben geschlagen wurden. Tie Albanesen besetzten Batuscha, einen wichtigen Punkt an der Verbindungslinie zwischen Jpek und Tjakowa.(Die Nachricht klingt nicht sehr wahrscheinlich.) Mockenfilm. ,-. Diewcil des Menschen Fürrecht Lachen ist. 3t a b e l a i S. Affäre K n i t t e l- K a m m l e r hält ganzes deutsches Vater- land in scheußlicher Aufregung. Finde auch, daß Sache hätte etwas standesgemäßer gedeichselt werden können. Erfreulich ist nur, daß Strafkammer in Glciwitz quasi für die nächste Ewigkeit gcrichts- notorisch festgelegt hat, wie„musterhafter Offizier" und..vollen- deter Ehrenmann" in Preußen auszusehen hat. Nämlich wie Hauptmann Kam ml er. Werde mich bemühen, diesem Jdealtyp möglichst nahe zu kommen. Geschrei.der demoiratischen Presse über diesen Ehrenmann finde ich einfach lächerlich. Sknndalicrcn, weil er häufig Damen zugerufen:„Pardon— habe Eile— muß jetzt ganzen Tag zu Tante Meyer!" Durchaus einwandfreies, direkt korrektes Benehmen. War, freimaurerisch gesprochen, gewissermaßen Meister vom Stuhlgang. Und Ehrenmann wird nicht durch Be- Ziehungen zu Tante Meyer diskreditiert, sondern nur zu Eiertantc. wie Fall des Rescrvcoffizieraspirantcn in Straßburg bewies— Kerls im Reichstag haben seinerzeit lange darüber gequasselt. Herr Müller-Stratzburg hatte eine Tante, die kaufte und verkaufte Eier und machte unwert ihn der Epaulcttcnzier— Doch Hauptmann Kammler-Rybnik rannte ä tempo oft zur Tante Meyer, das zeigt den„musterhaften Offizier". Famos, was? Beinahe Leutnant v. Vcrscwitz! Doch um auf besagten Hammel zurückzukommen, finde, daß dergleichen Angc- lcgenheiten nur durch Waffe zu erledigen sind. K n i t t e l und Kammler zehn Schritt Distanz— Pistole in der Faust— piff paff! und Sache ist aus der Welt geschafft. Bemühung des Kadis wie in diesem Fall einfach plebejisch. Macht jeder Schneider- mcisber auch so. Wenn Affäre überhaupt noch standesgemäß ein- gerenkt werden kann, denn folgendermaßen: Strafkammer in Rntibor hat Hauptmann K a in m l e r als bösartigen und lügne- ristben Geistesschwachen bezeichnet. Affront ersten Ranges für Seiner Majestät Offizier! Infolgedessen muß Kammlcr fünf Ratiborer Richter fordern. Strafkammer in Gleiwitz hat Leutnant d" Kniitel bösartigen Ouerulanten genannt. Ebenfalls Affront für Seiner Majestät Offzier l Infolgedessen muß K n i t t e l fünf Gleiwitzcr Richter vor Pistole legen. Würde aber wegen Massenhaftigkeit der Fälle für diese Schießerei Benutzung von Maschinengewehren vorschlagen. Hoffe, daß Kabinettsordcr künftig Beteiligte an solchen Angelegenheiten von vornherein aus Austrag mit Waffe hinweist. Sehe im übrigen nicht ein, warum Kamerad von Reserve nicht für Polen eintreten sollte. Langjähriger Chef der Polen in Schwatz- bude am Königsplatz. F ü r st R a d z i w i l l. Patenter, alter Herr, und nach Ausweis des„Kleinen Kürschner": Oberstleutnant der Reserve des t. Brandcnburgischen Nlanenregiments Kaiser Alerander II. von Rußland Nr. 3. Fabelhaft hohes Tier also. Leutnant d. R., der für Polen stimmt, wird zur Landwehr über- führt; Obersttentnant d. R., der selber Pole(nach Geburt und Partei) bleibt in Slcserve, trotzdem schon längst über � das Land- sturmalier hinaus— Durchlaucht Radziwill sind nämlich schon an die achtzig! Kann mir leider keinen Reim darauf machen. Weit erfreulicher Remontenankaufs-Geschichte in Ostprmißcn und Mecklenburg. Remontenankaufskommission� hat bekanntlich Landwirten, die mit Gäulen angerückt kamen, gesagt:„Nee, mein Lieber, nischt für uns! Gehn Se man zum Pferdejndcn mit Ihrer Mähre." Bauer hat Gaul an Pferdejuden ftir 999 M. losge- schlagen und ein paar Stunden danach nimmt Kommission dem Pferdejudcn denselben Gaul für 1409 M. ab. Geschichte deshalb erfreulich und geeignet, antimilitaristischer Agitation der Roten Wasser abzugraben, weil 1. bewiesen wird, daß der Staat kein Knauser ist. Eine Milliarde eingenommen auf dem Wege des Wchrbeitrags— schön! Geld muß wieder unter Leute, Geld muß rollen. So macht der Bauer sein Profitchcn, so macht der Pferde- jude sein Prositchen und so macht der— nein Halt! Damit ist's ja zu Ende. Aber ganz gleich! Es lebe das Opfcrjahr 1913. 2. Geschichte bester Beweis dafür, daß Antisemitismus in maß- gebenden Kreisen des preußischen Heeres unbekannt. Remontcn- kommission zahlt nicht dem Agrarier die 1493 M. auf� die flache Hand, sondern sagt ihm wohlwollend: Gehn Sie zum Pwrdejuden! Und Pferdcjude macht auch seinen flotten Rebbach. Geschichte muß immer wieder aufgewärmt werden, wenn freisinniges Geseires über Zurücksetzung der Juden im Heer ertönt. Endlich werden drittens durch die Chosc alle Störgier zum Verstummen gebracht, die Offizieren, im Zusammenhang mit Thema„KontorleutnantS", geschäftticke Talente abgesprochen haben. Mann wie Major von Ii u n d st e d t hat sogar ganz hervorragende geschäftliche Talente, ganz hervorragende, und besteht Hoffnung, daß solches an maß- gebender Stelle geziemende Anerkennung findet. Auch tüchtige Gcschäftstalente sind Gendarmen, die mit Buch- machern auf Grunewaldrennbahn'n bißchen Schmu gemacht haben. Finde ich nicht so schlimm und sofortige Verhaftung ist etwas kraß. Wir haben ja alle am Toto gesündigt, bald so, bald so, und es ist schließlich nur Zeichen von Anpassungsfähigkeit, die preußischem Beamten immer zu Unrecht abgesprochen wird, wenn Gendarmen sich der allgemeinen Schieberatmosphäre auf Rennbahn akklimati- sieren. Der Rubel rollt! ZcugleuinantS im Krupp-Prozcß. Der Rubel rollt! Gendarmen auf Grunewaldrennbahn. Der Rubel rollt! Militärmusikmcistcr in Hannover, der seine Stelle Nach- folgcr für 2999 M. anbot und Feststellung des Kriegsgerichts, daß derart allgemeiner Brauch in Armee. Der Ruhcl rollt! Finde da? gar nicht tragisch, sondern amüsant. Vive l'arniee! Auch sonst rollt der Rubel. Als ich Zeitungsnachrichten laS. daß Prinz Joachim, jüngster Sproß von S. M., in esicaßburg, allwo er sich Studien halber aufhält, auf Anhieb halbe Nüllion Schulden gemacht, war ich schauderhaft angenehm berührt. Schon die Hoheit von Koburg. Luise von Belgien, hatte mir Achtung abgenötigt. Aber Kaiscrsohn erst— Hui ab! Prinzlicher Sck>ulden- machcr ist immer eine Art Rechtfertigung für tausend simple PumpicrS in Armee. Marine und Zivilstellungcn. War darum enttäuscht, als ich hörte, Geschichte sei auS Luft gegrlften, und ehrlich empört, da jetzt Staatsanwalt gegen glatter lo-donnert, die Geschichtchcn weiter kolportiert habe». Damit wird schulden- machen gewissermaßen zu ehrlosem Handwerk gestempel. wahrend es— das sollte selbst Prvvinzstaatsanwalt wiyen— feinste Blute feinsten Kaval.ertums ist. Lerne zu pumpen, ohne verklagt zu werben' ist Losung aller Ehrenmänner sei. altersher. Wenn Pumpcrci ehrenrührig, könnte OffizierkorpS morgen aufgelöst werden. Wollte mich in diesem Zusammenhang noch über Herrn Rechts. anwalt Brcdereck verbreiten, Säule der konservativen Partei und Spielratze und jetzt selig im Herrn und an Zyankali ent- schlafen, muß aber— bemühe mich dem Ideal des„musterhaften Offiziers" nahezukommen— fortwährend zur Tante Meyer laufen. Drum rasch die„Kreuzzeitung" her und Adieu l Der konservaiive August. Hus Groß-Berlin. Das verhängnisvolle Lotterielos. Die Hoffnung, durch einen Lotteriegewinn gleicht und schnell reich zu werden, hat schon manchen veranlaßt, Lotterie zu spielen; aber nur wenigen ist daL Glück hold gewesen; gewonnen haben immer diejenigen, die nicht spielten. Viele Spieler aber hofften und hofften, erlebten Enttäuschung über Enttäuschung. Ein erschütterndes Drama, in dessen Mittel- Punkt ein Lotterielos steht, wird aus Pankow berichtet. Ein in der Kaiser-Friedrich-Straße wohnhafter Eisenbahnwagen- Wäscher W. hatte seit Jahren ein Viertellos der preußischen Klassenlotterie gespielt. Mit mehreren Verwandten hatte er sich das Los erworben. Da er aber niemals etwas gewann, nieinte er im Scherz zu seiner Frau, er glaube, die betreffende Losnummer sei gar nicht in der Gewinntrommel enthalten. Tie Ehefrau nahm dies ernst und sie ging ohne Wissen ihres Mannes zum Lotteriekollekteur, um das Los gegen ein an- deres umzutauschen. Nun kam aber das erste Los mit einem Gewinn von 20 000 Mark heraus. Als W., der keine Ahnung von dem Loswcchscl hatte, freudestrahlend heimkehrte und seiner Frau die frohe Botschaft überbrachte, brach die Bedauernswerte bewußtlos zusammen. Nachdem sie wieder zum Bewußtsein gekommen war. unternahm sie einen Selbstmord- versuch, der aber an dem Einschreiten des Ehemannes schei- terte. Bei der Unglücklichen brach dann Tiefsinn aus, sjd in ihrem Zustand verließ sie die eheliche Wohnung, umVhcht wieder zurückzukehren. Man befürchtet, daß sich die Vcr- schwundene das Leben genommen hat. Einweihung eines Arbeiter-Bootshaases. Der Berliner Zlrbeitcr-Rudcrvcrein„Vorwärts" hat am gestrigen Tage sein ncuerbauteS Bootshaus neben dem„Spree- schloß" in Ober-Schöneweide mit einer Bootsparade und an- schließendem geselligen Beisammensein übernommen. TaS alte Haus in Stralau genügte lange nicht mehr den Bedürfnissen des Vereins, der mit zirka 7l) Booten und etwa 330 Mitgliedern zu den größten und gcachtetsten Klubs in Teutschland gehört, wenn er nicht gar der größte überhaupt ist. Unter den Arbeiter-Ruder- vereinen steht er zweifellos in der ganzen Welt an der Spitze. TaS neue, praktisch eingerichtete Haus läßt noch ein starkes Wachs- tum zu. Tie Bootsräume befinden sich zu ebener Erde und der- mögen über 100 der größten Boote aufzunehmen. Tic übrigen Geschosie des Hauses beherbergen Umkleide- und Toilettenräume, das erste Stockwerk eine behagliche Restauration mit mächtiger Veranda, die einen herrlichen Ueberblick über die gerade hier außer- ordentlich belebte Spree gestattet. Die Mitgliedschaft des Klubs, der im Vorjahre schon sein 25 jähriges Stiftungsfest feiern konnte, setzt sich aus rein proletarischen Elementen zusammen, unter denen die Metallarbeiter, Holzarbeiter, Buchdrucker und Handlungs- gehilfcn die größten Gruppen bilden. Sehr stark im Verein vcr- treten ist auch das weibliche Element. Auf dem Gebiete des Tamcn- rudernS hat der Verein geradezu vorbildlich gewirkt, war er es doch, der zuallererst einen Damen-Achter auf die Berliner Ge- wäsicc setzte.— Wir wünschen unserem Namensvetter, daß seine weiße, rotgezeichnete Flagge bald vom Heck deS hundertsten Bootes wehen möge! Ein Bubenstreich. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag haben Rowdys den von der städtischen Parkverwaltung zur Freude der Anwohner hübsch hergcrichteten Brunnenplatz vor dem Amtsgericht Wedding in niederträchtiger Weise verschandelt. Waren schon früher Zier- pflanzen und Sträucher gestohlen worden, so übertrafen sich die Schandbuben in der genannten Nacht dadurch, daß sie mit einer Schere von den Buxbäumen und Taxussträuchern, den Edeltannen und Lebensbäumen die Kronen abschnitten, auch viele andere neue Triebe wurden vernichtet oder so zugerichtet, daß sie am Wachstum gehindert und eingehen werden. Es ist noch nicht gelungen, die elenden Burschen festzustellen. Zwei junge Mädchen durch Gas vergiftet. Eine verhängnisvolle Gasvergiftung hat sich in der Rächt zum Sonntag in dem Hause Friedrichstr. 30 zugetragen. Ter im dritten Stockwerk wohnhafte Kommissionär Ruth, der gemeinsam mit seinen zwei erwachsenen Töchtern eine größere Wohnung teilt, nahm Sonntag morgen, als er das Schlafzimmer verließ, einen vcr- dächtigen Gasgeruch wahr. Nichts Gutes ahnend, rief er nach seinen Töchtern, doch vergeblich; er erhielt keine Antwort. Nun drang er in die beiden Zimmer, in denen die jungen Mädchen schlafen, und fand die letzteren in völlig leblosem Zustande auf den Betten liegend auf. Die Räume waren vollständig mit Gas angefüllt. Ein schleunigst hinzugerufcner Arzt aus der Nachbar- schaft nahm mit Hilfe eines Sauerstoffapparatcs Wiederbelebungs- versuche bei den jungen Mädchen vor, die fchließlich auch von Erfolg gekrönt sein sollten. Die Ursache des verhängnisvollen Unfalles ist darauf zurückzuführen, daß an der an der Decke entlang laufen- den Gasleitung eine undichte Stelle entstand, durch die die Gase unentwegt hinausströmten. Die Oeffnung war durch einen Sprung im Rohrmetall hervorgerufen worden. Tragisches Ende eines Erfinders. Tie Drahtseilattentate auf Automobile hatten einen Mann namens Macrinus auf die Idee gebracht, eine Vorrichtung zur Vcr- hütung von Unfällen bei Trahtfeilattcntaten zu erfinden. Um die Erfindung praktisch zu erproben, lenkte er selber das Automobil, an dem die Erfindung angebracht war. Das Unglück wallte es, daß M. selber von dem besonders aufgespannten Drahtseil erfaßt, vom Wagen geschleudert und getötet wurde. Nach einer staltgefundenen Untersuchung soll bei Anbringung eines Bügels am Automobil ein Fehler begangen worden sein, der das Mißglücken des Versuchs her- bcigeführt haue,(ei solle übersehen worden sein, einen Bolzen im Gelenk des Bügels einzusetzen, und als der Haken des Schutzappa- ratcs das über die Straße binwcggcspannte Seil erfaßte, sei der Bügel eingeknickt und habe das Seil nicht auffangen können. In- folgdessen sei der Insasse erfaßt und heruntergeschleudcrt worden. Gegen den Schlossermcister aus Berlin, der den Apparat ange- bracht hat, soll ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet werden. Tie Preißvcrtcilunz kür dir Johannisthalcr Klugwoche stellt sich ivie folgt: Wettbewerb um den kürze st cn Anlauf: Theten 70,81 Meter(1080 MI. E. Stoesfler 92,67 Meier(990 M.l. Wettbewerb u m den kürzesten AuSlauf: Rupp 50,95 Meter(1980 M.). V. Stoesfler 61,80 Meter i990 Mi. Wettbewerb um die Steigfähigkeit(800 Meter Höhe): Thclcn 7 Min. 36 Sek.(1980 Mi, E. Stoesfler 12 Min. 12 Sek. (990 Mi. Wettbewerb um den Unterschied zwischen der kleinsten und größten Geschwindigkeit: Rupp 68,75 Kilometer-Std., 102,00 Kilometer-Std., Differenz 33L5 Kilo- rneter-Std.(2175 Mi, Thelen 70,5 Kilometer-Std., 105,6 Kilometer- Std., Differenz 33,00 Kilometer-Std., Krieger 57,2 Kilometer-'«�, 80,9 Kilometer-Std., Differenz 32,70 Kilometer-Std. Das Kriegsministerium soll gebeten werden, Theten den zioeitcn Preis und Krieger der dritten Preis zuzusprechen, da daS Preisgericht der Ansicht ist, daß die Leistungen der beiden Genannten wahrscheinlich innerhalb der vom Kricgsministerinin vorgeschriebenen Grenzen liegen. Wettbewerb um die Tragfähigkeit(800 Meter Höhe): Thelen 300 Kilogramm 8 Min. 54 Sek.(1980 M.). Wettbewerb um den längsten Einzelflug: Remus 4 Std. 55 Min.(Ehrenpreis des K. A.-C. und 1732,50 M.). W e t t- bclverb uin die größte Höhe: Stiploscheck 4070 Mersp (Ehrenpreis des Berliner Vereins für Luftschiffahrt). Rennen: Schwere E ind c ck c r: Loitsch 10 Min. 251, Sek.(1320 Mi, Jngold 11 Mi». 26?� Sek.(600 Mi, Krieger 13 Min. II1/« Sek. (330 M.), Reiterer 13 Min. 471/i Sek.(165 M.). Schwere Doppeldecker: Janisch 11 Min. 14'/,» Sek.(1508,55 M.j, Lind- paitner 11 Min. 501/,,, Sek.(731,30 M.), V. Stoesfler 12 Min. 321/.« Sek.(377,15 M.),.Kießling 13 Min. 33'/.° Sek.(188,00 M.). Leichte Doppeldecker: Wrobel 16 Min. 35 Sek.(707,15 M.). Vorgaberennen: 30. September: Loitsch 11 Min. 25 Sek. (1010,25 Mi, Lindpaitner 13 Min. 25°/.» Sek.(505,10 M.). Stiplo- scheck 13 Min. 29 Sek.(252,55 M.); 2. Oktober: B. Stoesfler 12 Min. 11°/,» Sek.(707,14 Mi, Thelen 13 Min. 12% Sek.(358,56 Mark); 5. Oktober: Jngold 14 Min. 51°/.« Sek.(707.11 M.). Wrobel 16 Min. 421/,o Sek.(353,56 Mi. Montage-Wettbewerb: Loitsch 12 Min. 10 Sek.(2970 M.), Rover 16 Min. 29 Sek.(Trost- preis 090 Mi. Photographier-Wettbewerb: Photo» g r a p h c n: Leutnant Groebedückel 163 Punkte(400 M.), Ober- leutnant Zimmermann 108 Punkte(300 Mi, Leutnant Horn 86 Punkte(200 M.), Leutnant z. S. Tempsky 21 Punkte(100 M.). Flugführer: Stiploschek 99 Punkte(898 M.), Remus 98 Punkte (297 M.), Rcitcrer 82 Punkte(198 Mi, Gruner 69 Punkte(99 Mi. Dauer Wettbewerb: Reiterer 10 Std.(1897 Mi, Stiploschek 8 Std. 35 Min.(1867 M.), Gruner 6 Std. 29 Min.(1266 M.), Könitz 7 Std. 27 Min.(1231 M.), Schulz 6 Std. 11 Min.(1011 M.). iiedler 6 Std. 14 Min.(1058 Mi, Rupp 3 Std. 56 Min.(930 M.), Remus 5 Std. 10 Min.(964 M.), Schwandt 4 Std. 12 Min. 703 M.), Wrobel 3 Std. 59 Min.(675 M.), Kammerer 3 Std. 28 Min.(518 Mi. Krieger 1 Std. 48 Min.(316 Mi, E. Stoesfler 2 Std. 40 Min.(004 M.), V. Stoesfler 2 Std. 59 Min.(476 Mi, Kießling 1 Std. 43 Min.(370 Mi. Jngold 3 Std. 3 Min.(372 M.), Sablatnig 1 Std. 4 Min. i232 Mi, Kohnert 1 Std. 34 Min.(227 Mark). Röver 2 Std. 15 Min.(192 M.), Thelen 37 Min.(117 M.). kleines fcuillcton» Musik. Erstes großes Chorkonzert des Kartells der Freien Volksbühnen Berlin. Die Musik der Gegen- wart ist, wie Alfred Kerr am Sonnabend in der Neuen Welt in seiner blitzenden Ansprache sagte, nicht der„Ausdruck der Sattheit", sondern der„Sehnsucht und des großen Ringens dieser Zeit". Und sie ist nicht das Ende aller Musik, sondern der„Anfang neuer Stufungen des Horchens". Von diesen Stufungen geben zunächst die Orchcstcrwerkc von Richard Strauß, Gustav Makler und Oskar Fried bedeutsame Beweise. Denn nicht so sehr von der Opern- bühne aus unternimmt diese neue Gattung den Ansturm auf die Massen. Sie beansprucht riesige Räume, eine Arena, die für Tau sende Platz bietet, in der Gcgcnwarts-Jdccn miteinander kämpfen, glühende Leidenschaften sich regen. Ihr Rhythmus zeichnet die Zuckungen des Herzens der modernen Menschheit; in ihrer Polyphonie dröhnt der ErlösungSschrci, donnert der Schritt von Millionen. Es ist im Grunde demokratische Musik; nicht mehr bloß die Empftndung deS Einzelnem sondern einer ganzen Volkheit spricht aus ihr in den verworrensten und kühnsten Tonkombinationen durch de» beseelten Körper der verschiedensten Instrumente und durch die menschliche Stimme. Wir hören Lieder, gesungen von einem; aber ein großes Orchester begleitet: solcherweise das Einzelmisdrucksvcrmögen, symphonisch ins Grandiose steigernd. Und wir hören Masscnchöre und Orchester rivalisierend ihre Kräfte wessen, wie in Frieds machtvollem„Erntelied". Konzerte dieser Art suchen nicht vwß das Volk, dessen Schmerzen, Sehnsüchte und ZukunftSfreuden sie verkünden; sondern— und das ist von cmi- nentcr Wichtigkeit— sie weisen den Sängerchörcn, vor allen den Arbcitersängcrchören ihre eigentliche Ausgabe: nämlich zu bilden und zu sein ein verstärkendes dekoratives Element im groizcn Jnstrumentalkörper. In den Werken der genannten drei Komponisten feiert die Bc- J?""0 der Tvnamit im Sinne Wagners ihre Wiedergeburt. «-a9"et c§' der in allen seinen Schöpfungen mit dem bis dahin �brachten nnd sonst noch üblichem Gesetz- crescendo vom An- fang der Phrase bis zu der dynamischen Hauptnote, driminuendo von da bis zu Ende der Phrase, gebrochen hat, indem er gerade entgegengesetzt auf das fortiffimo der Hcmptnoie direkt ein Pia- nissimo vorzuschreiben beliebt. Wunderbar ist die Art gerade Oskar Frieds zu dirigieren. Wie anders klang nun sein Erntelied! Allerdings: ein Orchester von hundert Musikern mit vollständiger instrumenteller Besetzung und nahezu dreihundert Sänger, näm- lich die T h i l o s ch c n E h ö r c, und diese unter den Willen des Licdkomponistcn gcgebcnl Die Wirkung würde eine noch weit ge- waltigcre gewesen sein, wäre die Tonmasse nicht zu einem beträcht- liehen Grade in der Kuppel des Musikpodiums aufgefangen worden. Ten solistischcn Gesongpart in einigen Liedern mit Orchestern von Strauß, Fried und Mahlcr vollftihrte Hans Nachod aus Kiel. Ein schmiegsam weicher Tenor von strahlendem Klang in hohen Re- gistern, scheint dieser Sänger den eigenartigen Anforderungen des Vortrags dieser ncutönigen Lieder gewachsen zu sein. An 4000 Zuhörer mögen diesem in seiner Anlage und Ausführung gran- diosen Konzert gelauscht haben. Oskar Fried wurde am Schlüsse immer wieder herauSgeiubelt. Sein Erntelied mußte wiederholt werden. Es war ein Abend, reich an seltenen erhebenden Ein- drücken. Möchte ihm doch bald ein ähnlicher folgen! elc. Theater. L u st sp i c lh a u s: Tie Puppenklinik von Franz von Schönthan und Rudolf Presbcr. Presber, der in den„Luftigen Blättern" oft fo witzig schreibt, und der als erfolg- reicher Schwankverfasser renommierte Schönthan sind wetteifernd bemüht gewesen, die Kosten dieses sogen. Lustspiels mit peinlicher Vermeidung geistigen Aufwandes aus altererbtem Hausrat zu be- streiten. Man kann die Sparsamkeit und kann die Harmlosigkeit nicht weiter treiben. Ein Baron von dem bekannten Schwerenöter- typus, diesmal durch einen Einschuß„Herz" noch unwiderstehlicher, fühlt sich von den ungebildeten Berliner Verwandten einer amen- kam scheu Millionärin, auf deren Dollars er als Mitgiftjäger fpeku- liert, bei einem Festessen derartig abgestoßen, daß er beim Abschied- nehmen aus dem Ehekontrattentwurfe eine Tüte dreht nnd sie mit Konfekt gefüllt den Herrschaften nach Hause mitgibt. Nach welcher Heldentat er dann bei seiner geschiedenen Frau, die sich und ihre beiden Kinder bescheidentlich durch ein Puppengeschäft er- nährt, als Werber anrückt. Ehrlich währt am längsten! Das Ganze strahlt in rosenrotem Backfischoptimismus, erinnert an die * Hue aller CClelt» Eine neue Zugnummer. Ter„Kölner Lokalanzeiger" brachte in seiner Nummer 278 diese Anzeige: Parteitag in Jena Massenstreik . SteverbewiMgung. Herr Theodor Linfert redet am kommenden Freitag, den 10. Oktober, abends 9 Uhr, über dieses Thema in der regelmäßigen Per- sanunlnng des Windthorstbundes Köln-Mitte im Apostclnbräu. Ten sozialdemokratischen Standpunkt vertritt als Korreferent Herr GcwcrkschaftZsekretär L. Sedlmayr. Bitte Parteifreunde mitbringen. Ter Vorstand. Jeder Unbefangene muß nach der Ankündigung natürlich glauben, daß die Schwarzen plötzlich tolerant geworden find und einem Sozialdemokraten gestatten, seine sozialistischen An» schauungen in einer Zentrnmsversammlung zu vertreten. Vor» läufig ist dem noch nicht so, denn das Zentrum hält an seinen bewährten„geistigen Kampfmitteln" Andersdenkenden gegenüber fest. Herrn Sedlmayr wird kein Maßkrug an den klugen Kops geflogen sein, auch brauchte er keine nähere Bekanntschaft mit derben Zentruwssäustcn zu machen, denn er ist christlicher GewerkschaftSsekretär, der den sozialdemokratischen Standpunkt mit zentrümlicher Wahrheitsliebe nur mimte. Zum Untergang des Dampfers„Bolturno"» Die'Zahl der bei dem Brande des Ozeandampfers „Boltnrno" ums Leben Gekommenen läßt sich bis zur Stunde noch nicht genau feststellen. Nach vorläufigen Schätzungen glaubt man, daß 1 3 T o t e z u b e k l a g e n sind. Eine genaue Aufstellung der Verlustliste ist erst nach dem Ein» treffen der zahlreichen zur Rettung herbeigeeilten Dampfer möglich. So groß und schmerzlich der Verlust so zahlreicher Menschen ist, viel ungeheuerlicher wäre die Katastrophe ge» worden, wenn die Leitung des verloren gegangenen Dampfers nicht mit Hilfe der drahtlosen Telegraphie die Retwng des überwiegend großen Teiles der Passagiere hätte bewerk» stelligen können. Nach den vorliegenden Telegrammen haben mehrere der zur Rettungsaktion herbeigeeilten Dampfer viele Stunden lang an der U u f c. l l st e l l c gekreuzt, um die vermißten Boote aufzunehmen; leider aber waren alle Be- mühungen erfolglos. Auch mehrere deutsche Dampfer haben sich bei der Rettung der Ueberlebenden in hervorragender Weise betätigt. Letzte Nadbmbtcn. Gegen die Kiewer Kulturschmach. Prag, 12. Oktober. Nach einer von 2000 Personen, meistens Israeliten, besuchten P r o t e st v er sa m in l u n g gegen den Kiew er Ritualmordprozeß versuchten mehrere hundert Teilnehmer, vor dem russischen Konsulat eine Kund» gebung zu veranstalten. Die Polizei sperrte die zum Konsulat führenden Straßen ab und räumte die umliegenden Seitenstraßen. Vier Personen wurden feftgenommeu. Jliegerabsturz. Bukarest, 12. Oktober. Der Leutnant Regel stürzte gelegent» lieb eines Fluges aus dem sich überstürzenden Aeroplan. Er vlieb tot liegen. Sein Begleiter kam mit einigen Haut- abschürfungen davon. Unwetter auf dem Schwarzen Meere. Sebastapal, 12. Oktober. Infolge eines heftigen NordsturmeS haben die Schifte auf hoher See mannigfachen Schaden erlitten. Der Verbleib mehrerer Schiffe ist unbekannt. Der Verkehr ist unterbrochen._ Mißglückter Coup. Jrkutsk, 12. Oktober. In der Poststraße hat die Polizei einen unterirdischen Gang entdeckt, der von einem Hause, in dem 54 Chinesen wohnten, quer hinüber zur Post führte. Die Chinesen sind verhaftet worden._ Zeiten, da der selige Bcndix das Bühnenszepter führte. Wenn trotz aller Unmöglichkeit und Dürftigkeit der Szenen das Stück doch freundliche Aufnahme fand, so verdankt es das(abgesehen von der Beihilfe, die der jeden Modenwechsel im Stillen überdauernde Publikumsgeschmack für solche Süßigkeiten spendet) dem brillanten Spiele Richard Alexanders in der Hauptrolle. Berühmt durch die drastische Drausgänger-Komik, mit dem er jahrzehntelang die schwindelnden und die ertappten Ehemänner der Pariser Schwanke im Rcsidenz-Theatcr mimte, überraschte, er hier durch eine seinsinnig diskrete Nuanz'.crung, die die von den Autoren nach äußerem Schablonenrezepte grob gemischten Züge der Gestalt so eigenartig ineinander schillern ließ, daß nahezu der Schein wirk- licher Lebendigkeit entstand. Der„gute Kerl" leuchtete ihm auS den Augen. Im übrigen ließ die Darstellung, Fräulein Kollandt ausgenommen, manches zu wünschen übrig. dt. Begegnung. Theobalden faßte jüngst der Drang, Irgendwas in München zu erled'gen, Änd er machte danach einen Gang Auf die Wiese zum Orang-Utang, Wo Johanna heißt, das Affenmädchen. Lange stand er sinnend vor dem Tier, Das zuerst beschaulich weiterschmatzte, Dann sich langsam drehte, daß man schier Nichts mehr sah als des Gesäßes Zier Llnd sich dann in stiller Anmut kratzte. Da erseufzte Theobald und sprach: „Wertes Tier, dein Rat kann mir nichtS helfen Ach, ich machte dirs so gerne nach, Aber glaube mir, in meinem Fach Muß man heulen mit den Welsen!- Theater. Montag. 13. Ottober 1918. üuiiaitg 7'/, Nkr. Kgl. LpcrnhaiiK. Don Carlo». «gl.-LchtinspielhauS.«chwancn- lveitz. Deutsches. Faust. 1. Teil. Königgräder Ttraiie. Macbeth. Zirkus Busch. Galavorslcllung. Zirkus Schumnu». Galavorstellung. Riiiang 8 Udr. Ilrauia. Mit dem Imperator nach S!ev?)ork. Lessing. Das Licht scheinet in der Finsternis. ilkammerspiele. Bürger Schippel. Deutsches Opernhaus. Lobelanz. Deutsches Schauspielhaus. Der erste Belle. Satan» Maske. Neues Opernthrater(Kroll). Fröschl. Deutsches Künstlertheater. Der zerbrochene Krug. HanneleS Hiinmelsahrt. Berliner. Wie einst im Mai. Dhalia. Die Tangoprinzcssin. Dhenter am Nolleudorfplah. Die Heimkehr deS OdysscuS. Komödienhaus. Da» Paar nach der Mode. Dheater deS Westens. Gräsin Sich in» O. Die Drohstadtlust. Schiller Charlottenbnrg. Wenn der neue Wein blüht. MontiS Operette». Der lachende Ehemann. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kafino. Ferdinand der Tugend- hafte. Kleines. Belinde. Drianon. Seine Gesiebte. Herrnfeld. WaS sagen Tie zu Leibusch? Wintergarte«. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Eines Apollo-Theater. Variete Lichtspiele. Eines Friedrich- WilhclmstSdt. Barielo-Lichlspiele. Ansang S'l, Uhr. Restdeuz. Im Eh '.HLtSHKHSS««�SSSSZ� & Unserem Genossen'ü I Albert Bäron nebst Frau| ® die herzlichsten Glückwünsche W B zur Silberhochzeit. � lloriele 821. VI. steoie. Ä, ■J ReukersWerke • 3 Bände 4 INort• Buchhandlung Vorwärts Esperanto- Kurse beginnen: Zcntrnm: Rest. Siegert, Marsiliussir. 8. Freitag, 17. Okt., 9 Uhr. : Rest. Opitz, Elbinger Str. 38, Donnerstag, 16. Okt., 9 Uhr. >euIi.»1Ii»:Jdeal-Passage,Weichsel-Fuldaslr., Dienstag, 14.Okt,9Nhr. Zum Pankgrafen, Pankstr. 8, Dienstag, 14. Okt., 9 Uhr. : Rest. Frosch, GotzkowZkhslr. 34, Donnerstag, 16. 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Als die christliche Kirche zur Herrschaft gelangt war, feierte der künstlich genährte Blutaberglaube in den An- schuldigungen gegen die Christengemeinden seine Orgien, die die offizielle Staatskirchc nicht anerkennen wollten und nach dem Vorbilde der Urchristen lebten. Ja noch znr Zeit der Reformation diente die Ritualmordanklage hier und da als Waffe bei den Kämpfen zwischen den Katholiken und den Lutheranern. Am furchtbarsten hatten jedoch die Juden unter diesem von Aberwitz und nationalem Hag geborenen Irrwahn zu leiden. Zuerst taucht die Ritualmordanklage bei der Juden- austreibung aus Frankreich im XII. Jahrhundert auf, um namentlich im XIV. und XV. Jahrhundert als Vorspiel zu den grasten Judenverfolgungen in Deutschland zu dienen. Die Juden wurden eingekerkert, gefoltert und in groster Zahl hin- gerichtet. So wurden noch 1310 in Berlin 31 Juden unter der Anklage der Hostienschändung, der damaligen Abart des Blutaberglaubens, dem Tode überliefert. Vergeblich erhoben aufgeklärte Päpste gegen den Wahnsinn des Blutaberglaubens ihre Stinime. Vergeblich war der Hinweis darauf, dast der Ritualmord noch niemals nachgewiesen worden ist. Noch bis in die jüngste Zeit spukt der Irrwahn des Blutabcrglaubens in den Köpfen dunkler Fanatiker, und noch 1900 sah Deutschland sich, anlästlich der Konitzer Mordaffäre, der Sckzmach einer künstlich genährten Ritualmordhetze, die glücklicherweise keinen Erfolg hatte, ausgcontwortet. Aus der gesamten 5iulturwelt vertrieben, fristet der Blut- aberglaube heute im zarischen Rustland sein Dasein. Hier ist er, so wollen es die Herrschenden, keine Seuche, kein Irrwahn mehr, der vom Staate wie von der Kirche bekämpft tvird, hier ist er eine ,. staatliche Notwendigkeit", ein Bestandteil des S y st e m S, nach dem ein ILO-Millioncn-Volk von einer Verbrecherbande regiert wird. Wo anders sonst hätte eine staatliche Einrichtung sich dazu hergegeben, eine Ritualmordanklage, nach Verwischung der eigentlichen Spuren, künstlich zu inszenieren? Wo wären gelehrte Richter und Staatsanwälte so tief gesunken, um eine Anklage wegen„rituellen Mordes" zu erheben? Und wo wären Geistliche von dem Schlage des Archi- mandriten Ambrosius und des katholischen Priesters P r a n a i t i s aufgetreten, um den von Päpsten ge- brandmarkten Irrwahn als begründet zu bezeichnen, wo sonst hätte ein alter Universitätsprofessor sich gefunden, der wie der„Sachverständige" der Anklage Prof. S i k o r s k i, aus dem Sektionsbefund des ermordeten Knaben Juschtschinski zur Empörung der gesamten europäischen Gelehrtenwclt, einen „kriminal-anthropologischen Typus" der jüdischen„Vendetta" konstruierte? Es sind alles Glieder einer und derselben Kette, Merkmale eines bestimmten staatlichen und moralischen Zer- setzungsprozesses, die uns das heutige Rustland vor Augen führen. In der Tat, wer tiefer eindringt in die russische Geschichte der letzten Jahre, sieht den inneren Zusammenhang zwischen dem Gerichtsdrama in Kiew und dem gewaltigen Umwand lungsprozcst des Zarenreiches an der Jahrhundertwende. Die um Selbstbestimmung und Freiheit ringenden Völkerschaften Rustlands rütteln immer heftiger an den Ketten, die ihnen aus erlegt sind. Hier und da wird die äustere Hülle gesprengt, die der inneren Entwicklung nicht mehr entspricht. JDoch die herrschenden Gesellschaftsschichten, und an ihrer Spitze der„legitime" Monarch von Gottes und der Knute Gnaden, klammern sich an den überlieferten staatlichen Absolutismus. Der Krieg mit Japan, der die Aufmerksamkeit des Volkes in andere Bahnen lenken sollte, verschärft nur noch die innere Krise. Es kommt zu einem Ausbruch der revolutionären Kräfte, der Absolutismus sieht sich genötigt, mindestens sein Aeusteres zu modernisieren und dcm'Volke etliche Konzessionen zu machen. Aber zu gleicher Zeit spannt er alle seine Kräfte an, uiil die kiilturelle Wiedergeburt Rustlands, die sich im Zeichen der Revolution vollzieht, in dem Blute der Revolutionskänipfer zu ersticken. Er kämpft unl seine Existenz! Und deshalb verschmäht er es nicht, neben seinen staatlichen Machtmitteln, neben dem Heer, der Kirche, der Polizei, der Gerichte, neben seinen großen und kleinen Asews auch das künstlich großgezogene„cchtrussische" Hooli gancntum gegen die Völkerschaften Rußlands ins Feld zu führen. Die Aera der„Strafexpcditionen", der Kriegs- und Feldgerichte, der MassenHinrichtungen bildete den Höhepunkt des Blutrauschcs, der die Sinne der siegreichen Gegenrevolution umnebelte. Ein langjähriges Mitglied der Kriegsgerichte, General A. S h i r k e w i t s ch, bekundete noch kürzlich in seiner erschütternden Anklageschrift, daß die Mehrzahl der Militärrichter ihr Henkeramt mit einer Wollust ausübten, als rächten sie sich für die Angst, die sie auszustehen hatten. Dasselbe gilt von allen, die als Werkzeuge der Gegenrevo- lution, sei es alS Richter oder Kerkermeister, als Henker oder als echtrussischer Bandenführer, Gewalt, Willkür, Totschlag lind Verwilderung in das russische Volksleben hineintrugen. Jedes System der Gewalt bedarf aber einer Ideologie, die sein Bestehen rechtfertigen könnte. Und diese Ideologie entspricht dem moralischen Niveau derjenigen, die an der Aufrechterhaltung dieses Systems interessiert sind. Nachdem die Galgcnjustiz nicht genügend Opfer mehr finden konnte, fand diese Ideologie ihren Ausdruck in der Verhetzung der verschiedenen Völkerschaften untereinander, in der wahnsinnigen Bedrückung der„Fremdstämmigen", in dem Kultus eines„großrussischen" Chauvinismus, der gleich- bedeutend ist mit der Predigt des ungezügeltsten Rassenhasses. In seinen Grundzügen— kein neues System! Schon früher hatte man mit nationalistischer Verhetzung, mit echtrussischcn Pogromen gegen die Juden gearbeitet. Aber entsprechend den neuen, weitergehenden Anforderungen wurde das Programm erweitert. Noch vor einem Jahrzehnt begnügte man sich mit dem Pogrom in Kischinew, um die revolutionären Juden zu„bändigen". Jetzt aber erhebt man in Kiew Blutanklage gegen das ganze jüdische Volk, um dem Blutdurst und der moralischen Verwilderung neue Nahrung zu geben, und eine Rechtfertigung zu finden für ein System der Politik, das auf nationalistischer Verhetzung auf- gebaut ist. Wie das große nationale Drama in Kiew auch ausgeht, schon jetzt gestaltet es sich, in seiner Verkettung mit dem ganzen Komplex der inneren Politik, zu einem bedeut- samen Ereignis der russischen Geschichte. Es ist kein Zufall, daß riesige Arbeiterdemonstrationen in den größten russischen Städten, dast eine Welle flammenden Protestes im ganzen Reiche den Hintergrund der Kiewer Vcr- Handlungen bilden. In dem Augenblick, Ivo das herrschende Systeni seine letzten Konsequenzen zieht, regen sich auch in stürmischer Weise die vulkanischen Kräfte, die des Augen- blicks zum Losbrechen harren. Auf den Blutrausch der Herrschenden dürfte wohl schon bald ein jähes Erwachen folgen._ fmdeutfebe Jugend. Der Fusel des Jahres 1913, Marke„Hurra 1813", ist immer noch nicht ganz ausgeschenkt. Eine ordentliche, zwischen Fürst und Volk zu verteilende Portion ist noch für Leipzig aufgehoben worden, wo endlich die richtige Siebung des Unter- tanenpacks dadurch erzielt werden soll, daß Platz für Platz 100 M. kostet. Ein �Vertreter des russischen Zaren wird sinn- gemäß ebenfalls an der Freiheitsfeier teilnehmen und er wird sicherlich allen Anwesenden als der beglaubigte Botschafter freiheitlichen Geistes erscheinen. Denn Wilhelm H. hat mit allen Anstrengungen von fünfundzwanzig Jahren nicht er- reichen können,'seinem erlauchten Herrn Bruder i« dieser Branche gleichzukommen. Vor dem Triumph der Absperrung, deffcn Schmiplatz das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig sein soll, schiebt sich aber an diesem Sonntag ein Fest, das sich den Freideutschen Jugendtag nennt und auf dem Hohen Meißner bei Bebra ge- feiert werden soll. Die Veranstalter sind jugendliche Vereine, die noch nicht lange- bestehen und die eine Wiedergeburt der deutschen Jugend, abseits der Politik, abseits aber auch von dem billigen'Patriotismus der heutigen Tage anstreben. Anti- alkoholismus, Wanderlust, Naturfreude, Neugestaltung der Schule, das sind so ungefähr die Fahnenbänder, unter denen sie sich gesunden haben, und die gemeinsame Abneigung gegen die heutige Form des Studententums und gegen die staatliche Einfangung in beglaubigt patriotische Verbände hat sie noch inniger zusammengeführt. Sie nehmen das Jahr 1813 wohl als äußeren Anlaß ihres Zweckes, aber dessen Merkmal soll der Protest gegen die Patrioten sein, die sich die Heldentaten der Väter in großen Worten aneignen, ohne sich zu eigenen Taten verpflichtet zu fühlen. Die deutsche Jugend hat zwei große Zeiten erlebt. DaS Jahr 1818, als die deutsche Burschenschast gegründet wurde (die mit der heutigen nur mebr den Namen gemeinsam hat), und das Jahr 1818, als sie Tckz in ihren bewußt gewordenen Vertretern den Männern anschloß, die der deutschen Republik den Weg ebnen wollten. Beide Male war das Austreten der gen so?, die die Verbindung mit der Zivilisation notdürftig ljer« stellen. Die Zeitenrchr geht hier allerdings um eine Woche nach und die großen Ereignisse der Weltgeschichte sind in den großen, kurz- lebigen Kulturzentren bereits vergessen oder durch andere ver- drängt, aber für uns in unserer Abgeschiedenheit haben die Er- eignifse erst jetzt den Wert des Neuesten. So wartet auch heute wie an jedem Posttag eine Anzahl mit Spannung auf die Zeitun- gen, die sie auf kurze Zeit über die Einsamkeit hinweghelfen und den harten Kampf ums Dasein vergessen lassen. Hart ist der Kampf ums Dasein hier in der Zone des ewigen Frühlings, wo die Sonne nur allzu oft den Boden ausdörrt oder die Heuschrecken Wüsteneien hinter sich zurücklassen und den Land- mann um die Früchte seiner Arbeit bringen in schlechten Jahren. In guten muß er zur Bereicherung derjenigen dienen, die ihm alles, vom Blechlöffel bis zur letzten Ackerbaumaschine, mit l Ott Pro- zent Aufschlag vorstrecken und für das Geld, das der Pächter schuldig bleibt, schuldig bleiben mutz, außerdem Wucherzinsen be- rechnen. Die ihm seine Ernten, die er, da ihm die nötigen Räum- lichkeiten mangeln, sobald wie möglich zu jeder Bedingung los- schlagen muß, zu den niedrigsten Preisen abkaufen. Es ist überall dasselbe Elend, bis auch hier einmal das Wort aus dem Liebe Wahrheit wird:„Wenn Du müde Deiner Last in die Ecke lehnst den Pflug, wenn Du rufst: Es ist genug!" Der Postwagen ist angelangt und nach Abladen der Sen- düngen bereits wieder in voller Fahrt gen Süden davongesaust. Bald hält auch der erste der Farmer die erwartete Zeitung, das in Buchform herausgegebene Wochenblatt des in Buenos Aires erscheinenden„Deutschen Tageblattes" in Händen und blättert nachlässig darin. Plötzlich ein verwunderter Blick und im nächsten Augenblick die Worte:„Bebel ist tot!" Bebel tot? tönt das Echo von den Lippen aller Anwesenden zurück, und es klingt ein Ton des Schmerzes und des Bedauerns hindurch. Jeder drängt sich um die Zeitung, die ein wohlgetroffcnes Bildnis des großen Toten bringt. Aufmerksam und andächtig lauscht jeder der Vor- lesung der dem Toten gewidmeten sympathischen Worte der Re- daktion. Keiner der Anwesenden hat Bebel je gesehen und nicht viele wohl das, was von ihm geschrieben wurde, gelesen, und doch ist jedem in diesem Augenblick, als wenn ihm ein Stück seiner selbst mit dem Tode Bebels verloren ging. In der fernen, fernen Schweiz starb einer, dessen ganzes Leben Kampf für die Enterbten war, und hier im fernen Urwald ruft sein Tod schmerzliches Bedauern hervor bei Menschen, die weit entfernt von allen Zentren der Kultur, losgelöst von allen Verhältnissen der Heimat und allem politischen Ringen den harten Kampf mit der Natur führen! Was sind das für unsichtbare Fäden, die von jener Schweizer Stadt hierher führen? Es ist der Instinkt, der jedem Unterdrückten zum Bewußtsein bringt: Du hast einen Kämpfer auch für deine Sache verloren, dort, jenseits des Ozeans, ging ein Leben zur Rüste, das auch für dich gestritten und gelitten hat. Von der Poststation der kleinen Kolonie wandern die Kalo- nisten in die Einsamkeit ihrer Farmen zurück, und mit ihnen geht die erschütternde Neuigkeit: Bebel ist tot! Aber sein Andenken wird fortleben hier im Urwalde wie überall in der Welt. Vom"Zakrmarkt cles Gebens. parinoten. Der Glanzpunkt des ganzen JahrhundertfeierrummelS, die fest- liche Enthüllung des Bölkerschlachtdenkmals bei Leipzig, rückt immer näher. Es nimmt daher nicht wunder, daß die bürgerliche Presse sich bemüht, durch Reklamenotizen das Interesse derer zu wecken, die bisher versäumt haben, einen der noch zahlreich vorhandenen Tribüncnplätze zur Enchüllungsseicr— Preis 105 M.— zu erwerben. Aber auch für die Patrioten, deren Geldbeutel zu schmal ist, um die Spritztour nach Leipzig mitzumachen, muß natürlich gesorgt werden. Auf zahlreichen Festkommersen wird bei schäu- mendem Glase ihre Begeisterung geweckt werden. Die Arrangeure dieser Veranstaltungen durchleben zurzeit arbeitsreiche Tage. Denn es ist wahrlich nicht leicht, den Patriotismus in die richtigen Bahnen zu lenken. Am Tage des Kommerses muß alles klappen. Da mutz vorgesorgt sein, daß bei der zündenden Ansprache, die natürlich in ein Hoch auf den allerhöchsten Kriegsherrn ausklingt, die Musik zur rechten Zeit einsetzt und dann nicht etwa mit dem üblichen„Hoch soll er leben!" beginnt und mit einem„Ein Prosit der Gemütlich- keit" schließt. Bei so feierlichen Gelegenheiten geziemt es sich, das Lied von der Wonnegans nach dem Hoch zu intonieren. Und dann die Schwierigkeiten mit den Festrednern. Was hilft es, daß der Kriegervereinsvorsitzende Lehmann tapfer seinen Mann steht, wenn es den Sturm auf eine Geburtstagslage gilt. und doch bei jedem Versuch, eine Rede zu schwingen, stecken bleibt und vorschnell mit einem schlichten„In diesem Sinne, prost Käme- raden" seine rednerische Leistung beschließt. Da heißt es also bei- zeiten Vorsorge treffen, die Allzukühnen, die sich gern reden hören, beiseite zu schieben, damit nicht hinterher der ganze Verein bla- miert ist. Erfreulicherweise hat ein Schulmann, Rektor K o h st a l l. der aus seiner Vereinspraxis wohl solche tragikomischen Vorkommnisse kennt, die Gelegenheit beim Schöpse genommen, und die Behaup- tung, daß man die Begeisterung nicht auf Flaschen ziehen könne, glänzend widerlegt durch Herausgabe von zwölf volkstüm- lichen und zündenden Festreden und Ansprachen zur Völkerschlachtseier. Immerhin ist für Feftrediier evangelischer Konfession etwas Vorsicht geboten, da der Herr Rektor seine Festreden in der christlich-katholischen„Germania" anpreist. Bei der manchmal etwas eigenartigen Stellung des Zentrums zur Monarchie und zum Vaterlande könnten am Ende die volkstüm- lichen und zündenden Festreden des Rektors Kohstall nicht d i e Begeisterung auslösen, die von den diversen Festleitungen gewünscht wird. Wenn wir einen Vorschlag für eine patriotische Festrede machen dürfen, dann möchten wir auf einen recht dankbaren Stoff hin- weisen. Durch die Presse geht eine?kotiz, wonach eine ganze An- zahl Familien aus Straßburg und Colmar beschlossen hat, ihren bisherigen Wohnsitz nach Genf zu verlegen. Durch den Wohnsitzwechsel wollen sie dem einmaligen Wchrbei- trag entgehen. Ueber diese patriotische Leistung ließe sich schon eine ganz nette Festrede schwingen. Mer anclern eine Grube gräbt... Vor einiger Zeit hatte in Berlin ein Rechtsanwalt Schwabe die Lachmuskeln seiner lieben Nächsten in Bewegung gesetzt. Er ist ein braver Bürger und empfand es daher als einen Schimpi, daß er mit dem sozialdemokratischen Rechtsanwalt Karl Lrebcknecht einer Anwaltskammer angehöre. Sein nationaler Eifer trieb ihn dazu, gegen Genossen Liebknecht ein Verfahren bei der Anwaltskammer auf Ausschluß Liebknechts zu beantragen. Damit war es aber nichts. Das erbost« Herrn Schwabe so. daß er den Rat Wilhelms II. befolgte und den Staub Berlins von seinen Füßen schüttelte. Die Auflösung seiner hiesigen Praxis soll ihm nicht allzu schwer geworden sein, schon um deswegen, da er bis zu seinem mutigen Auftreten geg«n Liebknecht in den weitesten Kreisen unbekannt war. Schwabe zog nach Koblenz. Dort, in der Stadt, wo die verstorbene Kaiserin Augusta so gern weilte, glaubte er einen besseren Muttsrboden für sein nationales Emvfinden zu finden. Als guter Bürger suchte er Fühlung mit den Honoratioren. Das kommt nämlich gewöhnlich nicht nur dem Menschen, sondern auch dem Gewerbe zugute. Aber auch in Koblenz wurde sein mann- Haftes Auftreten gegen den Umsturz schnöde verkannt. AIS sich Rechtsanwalt Schwabe um Zulassung zum dortigen Zivil» kasino, einer Vereinigung der angesehensten Herren der Ko- blenzer Gesellschaft, bewarb, wurde er abgelehnt. Rechtsanwalt Schwab« ist von doppeltem Mißgeschick betroffen worden. Er mußte nicht nur erfahren, daß der Prophet nichts in seinem Vaterlande gilt, sondern daß man vom Propheten auch in der Ferne manchmal nichts wissen will. Vielleicht versucht er'S nun anderswo? Jugend ein ausgesprochen politisches. DaS sollte den jungen Burschen zu denken geben, die sich auf dem Hohen Meißner mit dem ausgesprochenen Willen zusammenfanden, Politik von ihren Bestrebungen fernzuhalten. Damit haben sie von voniherein die Nabelschnur zerschnitten, die ihr Werk mit der lebendigen Volksschaft verband, damit haben sie sich der stärksten Fähigkeit, zu wirken und zu schaffen, begeben. Sie werden mit Liedern und Fackeln den Hohen Meißner be- steigen, dort ein Biwack abhalten und den Sonntag mit Spielen und Reden begeistert verbringen, aber sie werden bei ihrem Abstieg in der Nacht zum tverktäglichen Montag nichts in die Niederung mitbringen als Gefühle und einige wenig dauerhafte Begeisterungen. Wenn sich die Jugend heute wirksam zusammenschließen will, dann kann es nur auf politischer Grundlage geschehen. Heute, wo der große Kampf gegen den Klassenstaat im Gange ist und jedes Jahr die Entscheidung bringen kann, wird einem alles unter den Händen zur Politik. Was hilft es denn, wenn der Freideutsche Jugendtag für ein paar Semester jugendlich-begeisterte Gemüter zu einein unklaren Freiheits- taumel vereint, wenn diese jungen Menschen gleich nach dem Examen in die ersten Kampfreihen des Staates treten, dem jede freiheitliche Regung den Krieg ansagen muß. Wenn sie zufrieden und korrekt an der L�rippe anfangen wiederzukäuen, die wir umstürzen wollen. Dann fällt eben ihr ganzes Tun und Treiben unter die beruhigende Devise: Jugend muß stch aus- toben I und auch sie werden nach der staatlichen Abstempelung brav, dumm und faul und zum Staatsdiener immer geeigneter. Ein solches Strohfeuer ist schlimmer, als die blödeste Korpsier- Reaktion, weil es auch wirklich freiheitliche Kräfte zum Spiel verzehrt und die Kampflinien verwischt. Den Streber, den kann man mit Ohrfeigen oder Gelächter bekämpfen. Den scheinbaren Freigeist aber kann man erst dann entlarven und unschädlich machen,'.venu er Regierungsreferendar geworden ist. Die Jugend, die uns etwas nützen kann, muß nicht auf eine Erneuerung des Studentenlebens allein ausgehen, sondern sich weigern, am Ende der Universitäts- zeit dem Vater Staat demütig in die Arme zu sinken. Sie darf nicht in Gefühlen machen, sondern in Taten. Sie muß nicht den Studenten reformieren, sondern den Philister, der dann von Jugendtorheiten spricht, wenn er nichts mehr ver- trägt. Ein solches Reforniationsfest kann man aber nicht romantisch auf Berggipfeln abhalten und mit unklaren Worten garnieren. Der richtige Platz für eine Verschwörung der Jugend gegen die Reaktion wäre die Vorstadt Berlins, wo sich die Ar- beiterwohnungen wie Gefängniszellen aneinanderreihen, wo keine goldenenHerbsttage, sondern rußige, geschwärzte Arbeitstage über den sechsstöckigen Mietskasernen lagern. Da fände das Wort von der freiheitlichen Jugend die richtige Illustration in einer geknebelten, von Lust und Schönheit ferngehaltenen Gene- ration, da würden verwelkte Weiber und arbeitsgemarterte Männer die richtige Antwort auf den Ruf vom billigen Patriotismus geben. Da ständen in Reihen die Märtyrer des heutigen Prcußen-Deutschlands und zugleich die Bataillone der künftigen Schlachten. Denn hier sähe die sorglose, träum- selige Jugend mit eigenen Augen die eherne Umkehrung des bluttriefenden Wortes der preußischen Könige:„Die Welt ruht nicht sicherer auf den Schultern des Atlas, als die künstige Freiheit auf der gärenden Kraft der Enterbten! Bebel ilt tot! Ein Bild aus dem argentinischen Urwald. Aus der argentinischen Provinz Santa Fe wird uns folgender Brief gesandt: Posttag! Vor der Poslstation einer kleinen Kolonie im fernen Argentinien hat sich eine Anzahl der in meilenweiter Runde wohnenden Kolonisten zusammengefunden und wartet sehnsüchtig auf das Auftauchen des Postwagens, der heute die Zeitungen brin- Der Eisenwerker. Meine Wiege stand im Grünen— und die rührende Baracke, die mein Knabenglück geschaut — Gärtchen d'rum mit Karst und Kacke, jeder Busch und Pfad vertraut— hat den irdischen Weg genommen ist schon längst hinabgeschwommen und mit ihr die Jugendzeit auf dem Strom Vergänglichkeit. Keimat ward mir jetzt die Arbeit: wenn die Kalle dröhnt vom Stampfen der Maschinen, Röhren dampfen, Räder sausen, Funken sprühn, Eisen in der Esse glühn— wenn ein einziger Fingerdruck, lautlos schier und ohne Ruck, ungeheure Erzlast hebt, bis sie leicht und drehbar schwebt: fühl ich: hier quillt deine Stärke, und von diesem Riesenwerke bist du ein gewichtig Glied— sing ich mir ein eisern Lied... Aber manchmal im Gewühle und von Glut und Dampf umwallt, hör ich Kinderlied und Spiele traumhaft ziehn durch Flur und Wald: And ich wähne, daß die Wiege, daß die Keimat meiner Kinder wieder drauß' im Grünen liege, fem von Eisenlärm und Schlacke— ach, und wärs ein Küttchen nur, war- nur eine Kolzbaracke,, während eine Jugendzeit, an dem Strom Vergänglichkeit. Ludwig Scharf. Oer Irrsinnige. Ein Erlebnis von Sepp Oerie r. Als ich in diesem Frühjahr während des Generalstreiks in Belgien weilte, besuchte ich auch das Industriegebiet von Charleroi. Ich fuhr von Brüssel zuerst nach Namnr und bestieg nach einem kurzen Aufenthalt dort den Zug Lüttich— Möns. Im Eisenbahnabteil traf ich eine Gesellschaft von drei Geistlichen an. Ich ließ mich ihnen gegenüber auf einer Bank nieder. Auf derselben Bank saß noch ein älterer Mann. Er trug ebenfalls ein geistliches Ge- wand. Sein langer, ungepflegter, stark grauer Bart ließ mich jedoch daran zweifeln, ob er wirklich dem geistlichen Stande an- gehöre. Die drei Geistlichen mir gegenüber beteten eifrig in ihren Brevieren. Sie bekreuzten sich, schlugen auf die Brust und schienen für ihre Umgebung keine Augen zu haben. Zwei von ihnen waren noch sehr jung; der älteste hatte ein recht edeles Gesicht. Er ver- unstaltete es selbst durch die stechenden Blicke, welche er auf den alten Mann aus meiner Seite und hie und da auch aui seine jüngeren Begleiter und mich warf. Mich interessierte der Priester, und ich beobachtete rhu so unauffällig, als es möglich war. Aber so oft ich von meinem Zeitungsblatte zu ihm hinblickte, immer ruhte sein Auge schars, durchdringend und mit einem hochmütigen und beleidigenden Mitleid aus dem Alten. Man sah es, daß er gar nicht bei seinen Breviergebeten war, so lebhaft er auch seine Lippen bewegte, so groß er seine Kreuze schlug und so dröhnend er auf seine Brust klopfte. Wir hatten eben die Station Jemeppe hinter uns, als der Alte plötzlich ganz nahe an mich heranrückte und mich flüsternd fragte: „Was tat Jesus von Nazareth bis in sein dreißigstes Lebens- jähr?" Ich war durch diese Frage einigermaßen überrascht. Und da ich jedes französische Wort erst im Kopf ins Deutsche übersetzen und die Antwort wieder vom Deutschen in das Französisch« und überhaupt nicht recht wußte, was ich antworten solle, starrte ich den alten Mann eine Zeitlang vlelleicht nicht besonders klug an. Er wartete auch meine Antwort gar nicht ab, sondern sagte, indem er sich von seinem Platze erhob, laut und feierlich: „Jesus von Nazareth hat gearbeitet bis in sein dreißigstes Lebensjahr, treu und fleißig gearbeitet." Als er diese Worte gesprochen hatte, setzte er sich wieder hin und blickte die drei Geistlichen vorwurfsvoll an. Der Aelteste von ihnen schien zuerst etwas sagen zu wollen. Eine glühende Loh« war ihm in das Gesicht geschlagen. Doch er gab sich einen kleinen Ruck, schwieg, zog einen Rosenkranz hervor und begann mit strengen, aus den Alten gerichteten Blicken zu beten. Die beiden anderen Geistlichen svlgten sofort seinem Beispiel. Die Rosenkranz- perlen rollten durch ihre Finger, die Lippen bewegten sich mechanisch und aller Augen waren auf den alten Mann gerichtet. Die Szene war peinlich und ein wenig lächerlich. Ich konnte nicht anders und mußte lächeln. Es trug mir strenge, verweisende Blicke ein. Der Zug führte uns allmählich in industriellere Gegenden. Er rollte vorbei an Fabrikanlagen, Hüttenwerken, Kohlengruben, und all diese Werke standen still. Die Arbeit ruhte. Hoch in der Luft an ihren Drahtseilen hingen die Karren, welche den Schutt aus den Kohlengruben über die Bahn hinweg auf das jenseitige Ufer der Sambre beförderten und dort kleine Gebirge aufschütteten. In den Straßen der Orte, die wir durchfuhren, sah man die Ar- beiter mit ihren Frauen und Kindern spazieren gehen. Ich sah eine Weil« durch das Fenster auf die vorbeihuschenden Szenen. Der Alte war anscheinend meinen Blicken gefolgt. Er rückte mir wieder näher und sagte sehr ernst: „Sehen Sic, wie alles tot und erstarrt ist, weil die Arbeit ruht. O die Arbeit, sie ist der Herzschlag eines Landes. Aber man erkennt es nicht, will es nicht erkennen. Man verachtet die Arbeit. Und so haben die Drohnen mehr Recht als die Arbeiter, die dem Lande Leben und Nahrung geben." Ich nickte nur, und der alte Mann sprach weiter: „Wenn aber das Herz still steht, dann kommt die Verwesung. Einige Wochen noch— und alles bricht zusammen. Die Erde wird ihren Schoß geschlossen haben und kein Brot mehr den Fabriken, den Bahnen, den Werken für Licht und Kraft geben. Sie müssen verhungern. Es wird ganz stille werden und finster, finster im Lande, finsterer, als es schon ist." Er schaute mit weit aufgerissenen Augen in das Leere und hob die Hand: „Aber nein, ein Licht scheucht die Finsternis hinweg, ein strah- lendes Licht. Ah, wie es strahlt und den Erdball erleuchtet. Die Arbeitenden tragen es. Sie geben der Arbeit die Achtung zurück, und die Ehre und die Herzen der Länder beginnen wieder zu schlagen!" Die Augen deS Alten leuchteten fieberhaft. Die Geistlichen ließen ihre Rosenkranzperlen hörbar durch die leise zitternden Finger gleiten. Ihre Gebete wurden zum Murmeln. Der Aelteste beobachtete schars jede Bewegung des alten Mannes. Dieser schwieg wieder. Es ging gegen Abend. Leere Arbeiterzügc rasselten vorbei oder standen auf den Bahnhöfen der kleinen Jndustrieorte, die unser Zug durchfuhr. Der Alte begann wieder zusprechen: Die Pilgerzüge der Arbeit sind leer. Möchten sie leer bleiben, solange man der Arbeit kein« Altäre der Hochachtung und Wert- schätzung errichtet! Nein, keine Altäre mehr den Menschen- schlächtern. toten Schemen und blutigen Idolen!� Der Arbeit Altäre! Sie ist alles Leben, alles Gute und Große." Ich war erschüttert. Tie Geistlichen beteten mit bebenden Lippen. Plötzlich kehrte er sich gegen sie: „Ich habe Euch geliebt wi« meine Kinder und ich wollt«, daß Ihr die Arbeit lieb gewinnet. Ihr habt meine Worte und mich verachtet. Der Hochmut steckt in Euch. Christus, dessen Jünger Ihr sein wollt, war nicht voll des Hochmutes wie Ihr. Er hat di« Cm Huowcg. Was alle bürgerlichen Sozialreformer bisher vergeblich er- strebten: innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft einen Ausgleich der Klassengegensätze und oamit einen Ausweg aus dem Klassen- kämpf zu finden, ist jetzt zur Tat geworden. Unter dem Titel „Ein Ausweg" gibt die Zentralstelle einer neugegründeten „Neutral-Partei" eine offizielle Programmschrift heraus, die spielend beweist, wie leicht es ist, einen Ausweg zu finden. Jeder einzelne braucht nur den Teil sseines eventuellen Vermögens, den er im Augenblick nicht anzugreifen braucht, den anderen, die derartige Reserven nicht haben, zur Verfügung stellen, und die Frage ist gelöst. Tas ist in kurzen Worten das mit philosophischer Klarheit abgefaßte Programm der neugegründeten„Neutral- Partei". Der Begründer der Neutral-Partei, ein Philosoph Theo- dor Rudert, geht seinen zukünftigen Mitgliedern mit gutem Bei- spiel voran. Geld hat er zwar nicht, dafür aber wird er seinen unschätzbaren„Verlag für aktuelle Pilosophie" in die Masse einbringen. Jedes Mitglied der Neutral-Partei braucht vor- läufig nur 16 Mark an die Zentralstelle zu zahlen, um dann erfolgreich für die Verbreitung der neuen Organisation wirken zu können. Der Gründer der Partei scheint wirklich ein„aktueller Philo- soph" zu sein. Er hält es nämlich für wünschenswert, daß durch- schnittlich nicht nur der Mindestbeitrag von 16 M., sondern„gerade- zu schlechthin alles Verfügbare, ohne Anspruch auf Rückgewährung, dem Werbezweck gestiftet werde". Als richtiger Philosoph sagt er in der Begründung, daß es nur zwei Möglichkeiten gebe. Eni- weder geht das Geld drauf, oder es wird nicht gebraucht und dann bleibt es der Bewegung erhalten. Das Risiko ist also nicht so groß und verringert sich noch dadurch, daß eine Anzahl der im Verlage erschienenen Schriften jedem Mitglieds, der wenigstens 16 M. ein- bringt, gratis geliefert werden. Da der philosophische Begründer und Zentralstellenleiter der Neutral-Partei ganz überflüssiger- weise noch versichert, daß die von ihm verfaßten Parteischriften bald in Millionenauflage begehrt werden würden, ist für die zu- künftigen Mitglieder der neuen Partei auf ein glänzendes Ge- schüft zu rechnen. Es ist daher ohne weiteres anzunehmen, daß alle bestehenden Parteien in der nächsten Zukunft ihrer Liquidation entgegensehen. Die Neutral-Partei, die sich dann um ihren Be- gründer und vorläufig wohl einzigem Mitgliedc schart, ist das Panier der Zukunft. Der ötmhbrechcr.*) Bedecke dich, mein Augenstern, Justitia. Und übe, dem Knaben gleich, Der Disteln köpfl, An streikenden Arbeitern dich l Mußt ja meine Talen Doch lassen geschehn. Denn du siehst ja, wie ich gebaut bin, Und meine Handschuhnummcr, Um deren Wucht Du mich beneidest. Ich kenne nichts AermereS Unier der Sonn, als euch Richter! Ihr nähret kümmerlich (Die folgenden Verse sind von uns selbst schon konfisziert.) Da ich noch frei war, Nichl wußte, was mein und dein, Kehrl' ich mein vertiertes Auge Zur Sonne, als wenn drüben war' Ein Ohr. zu hören meine Flüche, Ein Herz, wie mein's, _ Sich des Betränklen zu erbarmen. ") Der Stettiner Arbeitswillige Hermann Brandenburg, der am Mittwoch wegen Totschlages an einem Streikenden freigesprochen wurde, bekam in der Untersuchungshaft Goethes Gedichte als Lektüre. Er dichtete den Prometheus in der oben wiedergegebenen Meise um. Arbeit nicht verachtet. Bis in fein dreißigstes Lebensjahr hat er gearbeitet und dann erst begann er zu lehren. Ihr aber wollt lehren und kennt nichl das Leben, weil Ihr die Arbeit nicht kennt. Geht in die Fabriken und in die Hütten, lebt mit den Arbeitern, teilet ihre Not und ihre Armut, horchet bei ihnen auf den Puls- schlag eines neuen Lebens und einer neuen Zeit— dann gehet hin- aus und seid Apostel. Und Ihr werdet Apostel der Arbeit werden und des Lebens! O, ein großes Licht leuchtet in die Finsternis, deren Diener Ihr seid. Ich sehe--" Er sprang auf und stand in wahrhaft prophetischer Stellung da. Auch der ältere der drei Geistlichen war aufgesprungen. Nicht rauh, aber mit starker Faust drückte er den Alten auf die Bank nieder. Er sagte dabei vor sich hin— vielleicht sollte es eine Ent- fchuldigung oder Erklärung mir gegenüber fein: „O, dieser schreckliche Streik! Er war bisher so still in seinem Wahn. Aber dieser Streik— wir müssen ihn in eine Anstalt bringen." Der Zug fuhr in die schwarze Halle des Bahnhofes von Charleroi ein und stand still. Die Geistlichen hatten sich erhoben, nahmen den alten Mann in die Mitte und stiegen äüS. nachdem sie mir stumm zugenickt hatten. Ich folgte ihnen. Als wir aus dem Bahnhofsgebäude auf den Vorplatz traten, kamen in gewaltigem Zuge die feiernden Arbeiter von Charleroi daher. Hell klang das Lied:„Tas ist der Arbeit hcil'ger Krieg!" Ter Alte im Priesterrock und grauem Bart hob die Hände und wollte dem Zug der Arbeiter entgegen eilen. Aber rasch hatten ihn die Geistlichen umringt. Sie drängten ihn gegen einen fahren- den Wagen und schoben ihn hinein. Rasch fuhr der Wagen davon. Ich aber stand und sah diese ernsten Männer mit den schwic- ligen Fäusten, in den Augen den hohen Blick in gewaltigem Zug an mir vorüberwallen. Mein Herz schlug hoch. Dann wanderte ich durch die Straßen von Charleroi. Und überall, da sah ich es und hörte ich es von vielen Zungen, nicht in denselben Worten, doch im selben Sinne, was der alte Geistliche auf der Fahrt zu mir gesprochen hatte: „Tie Arbeit ist der Herzschlag des Landesl" frau I�iebetka!, Alfons unä Irma. Liebe, Ehe und Alimente in drei Zwischenspielen. 1 (Heiratsvermittelunesbureon Marie Liebethal: saniilientrautes Zimmer mit Amorbildern, Engeln und Familicnphotographien. Die Verhandlung ist im Gange.) Frau Liebethal(ehrbares Aeußercs, rundes, biederes Besicht):... Eine Ausstattung, 16 000 Mark Vermögen und noch etwas, wenn der Onkel stirbt— damit werden Sie Ihr Glück machen, Fräulein! Wenigstens die Herrschaften, die ich bedient Wer half mir Wider der Streikenden Uebennut I Wer rettete von Faulheit mich Mit Streikarbeit? Hast du nicht alles selbst vollende� Heiliges Glühweinherz? Und glühtest jung und dhun, Branntweinvoll, Rettungsdank Dem Unternehmer droben? Ich dich ehren, Justiz? Mußt du denn nicht verknacken Immer die Streikenden? Mußt du nicht frei uns sprechen,' Die Arbeitswilligen? Hat nicht Dich zum Popanz geschmiedet DaS Großkapital Und der mächtige Junker, Keine Herrn und deine? Wähntest du etwa, Ich sollte den Totschlag hassen, Den Streikbrnch fliehen, Weil nicht alle Streikbruchträume reifen? Hier sitz' ich, aber Hintze Formt Menschen Nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Streik zu brechen. Streikende zu erstechen Und zu erschießen Und zu betrinken sich Und dein nicht zu achten, Wie ich! Sine fürcbterlicke Gefakr. In sozialdemokratischen Kreisen wird seit einiger Zeit der Gebärstreik oder die Geburteneinschränkung diskutiert. Diese Frage dürfen wir nun wohl auf sich beruhen lassen. Unsere Gegner find uns nämlich zuvorgekommen uird arbeiten bereits im geheimen an dem Untergang der Menschheit— wenigstens der„besseren". Während nämlich die Masse des Volkes sich zunächst noch ausreichend vermehrt, ist der Gebärstreik und die Geburtencinschränkung bei den„Führenden der Nation", in den Kreisen von Bildung und Besitz eine von niemand bezweifelte Tatsache. Allerdings hat man hier andere Gründe, Die Prole- tarierin bangt um Nahrung und Wohlergehen ihrer Kinder; die wohlhabende Frau fürchtet fiir Taille und Figur. Dieser Gebär- streik der Besitzenden hat die Sozialdemokratie bisher kalt gelassen. Mit Unrecht! In ihrer Kurzsichtigkcit hat sie nämlich die fürchter- liche Gefahr übersehen, die aus jener Tatsache entspringt! Glücklicherweise wird uns noch eben zu rechter Zeit der Star gestochen. Und zwar besorgte dies gründlich und mit Eleganz der Obermedizinalrat Professor Dr. Gruber aus München. Auf dem verflossenen Kongreß des Deutschen Vereins für öffentliche Gc- funoheitspflege in Aachen hat er feine warnende Stimme erhoben -und folgenden Kassandraruf von sich gegeben: „Die außerordentlich geringe Fruchtbarkeit in den Klassen der Besitzenden und Höhergebildeten erweckt die Sorge eines noch rascheren Versiegens des Nachwuchses an hoch- begabten, zur Führung im Staats- und Gesell- schaftsleben befähigten und für das Wohl der Masse unentbehrlichen Persone n." Hand aufs Herz: Haben wir diese drohende Kalamität bisher auch nur im geringsten beachtet? Nein, nur um unsere eigene Brut kreiste unsere Sorge! Nun aber öffnet sich uns der Ab- habe, sind alle sehr glücklich und zufrieden. Fragen Sie meine Kunden, alle werden Ihnen versichern: Frau Liebethal hat unser Glück begründet. Eigner Herd ist Goldes wert? Also, womit könnte ich Ihnen dienen? ES möchic doch etwas Apartes sein! Irma(28 Jahre, mittelmäß p-s Acußcre, steif vom Sessel aufgerichtet): Ich dachte— vielleicht ein mittlerer Staatsbeamter mit Pensions... Frau Liebethal(die momentan keinen Beamten auf Lager hat): Aber ich bitte Sie, Fräulein, ein Beamter...! Das ist ja gar nicht mehr modern. Der kann ja bei dem bißchen Gehalt nichts hinter sich bringen! Und die lumpige Pension heut- zutage. Du lieber Gott! Wie wärs denn mit einem soliden Handwerksmeister? Handwerk hat goldenen Boden.». Irma: Nein, ich dachte, ich hätte gern.. Frau Liebethal: Einen besseren Kaufmann meinen Sic wohl! Etwas sehr Apartes, jawohl. Wird von den Damen sehr gern genommen. Und kommt nie aus der Model Irma(nestelt unschlüssig an den Handschuhen). Frau Liebethal(schlägt ein auf dem Tische liegendes Album auf): Da hält' ich etwas sehr Vorteilhaftes am Platze! Würde eine sehr glückliche Ehe geben!(Zeigt auf eine Photo- graphie.) Irma(bctrachict das Bild eines Mannes in mittleren Jahren, mit aufgezwirbeltcm Schnurrbart, glattem Scheitel, kor- rekiem, nichtssagendem Gesicht): Und das Einkommen? Frau Liebethal: Etwas sehr Vorteilhaftes! Schönes Einkommen! 7000 Marli Kaufmännischer Leiter einer Fabrik. Sie würden ein Dienstmädchen haben... Sehr nett, wirklich. Allerdings, der Herr ist Witwer mit Kind,(eifrig) was aber doch von den Damen jetzt sehr gern genommen wird, weil Gottes Segen in so einer Ehe doch schon drin ist. Ein Witwer mit Kind ist bei mir immer gleich vergriffen! Irma(will in dem Album weiter blättern). Frau Liebethal: Ja. verehrtes Fräuleiji, da kommen Sic allerdings in eine andere Abteilung. Nur für Vermögen von 26 000 Mark an! Irma(zögernd): Wenn mein Onkel stirbt.,, Er ist immer krank... Frau Liebenthal: Ja, aber solange ein Onkel eben doch noch lebt...! Die Herren in dieser Zlbteilung haben nur feste Preise.(Mit Ehrfurcht:) Offiziere, Adel und so Ränge... Ich glaube bestimmt— das große Glück für Sie wäre der Witwer mit Kind... Alfons ist sein Vorname. Alfons— ein herrlicher Name. Und er hat ein so trauliches Heim... Ist solid, in verünftjgem Alter, hat sich die Hörner abgelaufen... Irma(mustert das Mannsbild mit dem gezwirbelten Schnurr- bart): 7000 Mark Einkommen...? Frau Llebethal: 7000 Mark. Und das steigt nochl (Eifriger:) Verlassen Sie sich ganz auf mich, liebes Fräulein. Ich vermittle nur reelle Sachen. Ich bin das älteste Geschäft am Platze. gruud, in dem alle Kultur, Weisheit, alles Gedeihen der Zukunft rettungslos versinken muß! Denn wenn Oberlehrer Meier keine Söhne hinterläßt, wer soll künftighin die Kultur auf seine Achseln nehmen? Wenn unsere dicke, zehnfache Hausbesitzerin, Frau Ida Lebe- fett, den Gebärstrcik proklamiert— wer wird unseren Kindern Wohnungen vermieten— und steigern? Da ist Oberleutnant a. D. von Habenichts, Weinreisender und Versicherungsagent. Der Mann weigert sich hartnäckig, Kinder in die Welt zu setzen. Was wird aus unserer militärischen Strategie, was aus der Vaterlandsverteidigung? Professor Sperrisieein liest über römisches Recht. Hat er Nachkommen? Keine Spur! Wer wird unfern Nachkommen Ge- rechtigkeit beibringen? Die Justiz muß versumpfen. Auf welche Weise sollen die internationalen Beziehungen Deutschlands vermurkst werden, wenn auch die Diplomatengattinneu sich dem Gebärstreik anschließen? Und nun gar die erste Wählerklasse in Altona! Was wird aus ihr, wenn die Bordellwirte ihre bedeutende Mitarbeit an der kulturellen Höherführung der preußischen Nation verweigern?! Auch der Fabrikant und achtfache Millionär Jgnaz Drückdcu- lohn hinterläßt niedcrträchtigerwcise Betrieb und Millionen Herren- los. Die Millionen nimmt ja schließlich der Staat, aber was wird aus der Fabrik? Wenn es nun alle Fabrikanten, alle Aktio- näre und Tividendenschlucker so machen— tvas finge die Arbeiter- schaft ohne diese Herren an? Da doch bekanntlich alle Produktion auf den Schultern jener Führenden ruht und wir ohne sie gänz- lich hilflos würden. Der Handel geht natürlich auch flöten. Kaufmann Bier- wurms Konserven müssen elendiglich verderben, und seinen Käse fressen die Maden. Der Grohkonfektionär Schwitzleben verweigert jede Heimarbeit und erzeugt weder Kinder noch Buckskinhojcn. Sein Schwager, der Bankier Veilchenfeld, läßt sich mit sämtlichen echten und falschen Wechseln verbrennen, nachdem er die Depo- fiten durchgebracht hat. Was bleibt? Ein Häuflein Asche, aber keine Kinder. Die Börse stirbt auf diese Weise überhaupt aus, und die letzte Illtimoregulierung bleibt in der Luft hängen, Ja, wir gehen fürchterlichen Zeiten entgegen! Denn ich bitte Euch: Was soll geschehen, wenn all« die gläu- zenden Köpfe, die heute die Ministerien und uns regieren, ohne Nachfolge bleiben? Was fangen wir an ohne Dallwitze, SchorlemerS« tutti qnanti, was vor allem ohne— o Gott— ohne Bethmann Holl- Wege?! Noch höher hinauf? Nein, da hat's keine Not. Da ist vor- gesorgt. Auf Generationen hinaus. Daß auch die Throne ver- Waisen— der Schmerz bleibt uns erspart. Aber die anderen„hochbegabten, zur Führung im Staats- und Gefellfchaftsleben Befähigten"! Die Geheimen und Wirklichen Geheimen Räte, die Regie- rungspräsidenten und preußischen Landräte! Ja, wenn die Land- räte aussterben— armes Preußen! Und— beispielsweise— Herr von Hehdebrand, Herr Dr. Oertcl, Herr Diederich Hahn, Herr Fuhrmann und— Erzberger! Wer könnte einen Erzberger ersetzen? Nein, dieser Geschlechter-Massenselbstmord ist in seinen Folgen gar nicht auszudenken! Und wir fragen uns schaudernd: Was bezweckt man damit? Ist's eine Intrige gegen die Sozialdemokratie? Will man aussterben, um uns meuchlings und hinterrücks allein zu lassen?„So, nun seht, wie Ihr ohne uns fertig werdet!?" O, lasset uns versuchen, sie umzustimmen! Alle müssen uns erhalten bleiben, alle! Es geht ja nicht ohne sie, kann nicht ohne sie gehen. Ohne die „für das Wohl der Masse unentbehrlichen Personen"! Professor Gruber hat recht. Denn zum Wohl der Masse gehört der Humor. Und sie geben uns soviel Anlaß zu herzlichem Vergnügen! Wie Figura zeigt. P an. ll. (Drei Tage später. HeiratsvermittelungSburcau Marie Liebe- thal. Die Verhandlung ist im Gange.) Frau Liebethal:... Verlassen Sie sich drauf, Herr, die Dame ist als wäre sie vom lieben Gott für Si« geschaffen! Irma heißt sie, Irma— ein himmlischer Name. Alfons(betrachtet Irmas Photographie im Damenalbums: Etwas zu schlank. Frau Liebethal: Aber das ist doch sehr modern, sehr apart. Die große Mode. Wird von den Herren jetzt sehr gern genommen. Die Molligkcit kommt mit den Jahren, Die Damen, die ich bedient habe, sind all« molliger geworden. Alfons(hat die Augen immer noch auf dem Bilde). Frau Liebetha'l: Und aus sehr guter Familie. Mit tadelloser Vergangenheit... Ihnen als Witwer mit Kind wird sich kaum etwas Aparteres bieten! Mit tadelloser Vergangenheit, ohne Anhang! Alfons: 16 000 Mark, sagten Sie? Frau Liebethal: 16 000! Und noch einmal soviel, wenn der Onkel stirbt. Er ist immer sehr krank. Sie werden«in glück- liches Paar werden, verlassen Sie sich ganz auf mich... Ich erledige Ihnen alles für 3 Prozent vom Vermögen. Nur 8 Prozent. Ich bin das reellste Geschäft am Platze. Die Herrschaften, die ich bedient habe, sind alle sehr glücklich und zufrieden.« III. (Alfons und Irma sind zwei Jähre verheiratet. Irmas Salon. Die Verhandlung ist im Gange.) Irma:... Ich habe Ihren Zustand eigentlich schon längst bemerkt, Anna, aber ich hielt so etwas von Unsittlichkeit bei meinem Dienstboten nicht für möglich! A ii n a(hat den blonden Kopf gesenkt, bezwingt da» Weinen). Alfons(geht im Nebenzimmer erregt auf und ab). Irma:«chämen Sie sich, daß Sie sich an den ersten besten wegwerfen. Irgend eine Tanzbodenbekanntschaft, nicht wahr? Und daraus soll dann eine glückliche Ehe werden! Ach, die Mädchen heutzutage! Alfons(geht im Nebenzimmer nervös auf und ab, bleibt manchmal stehen, horcht angestrengt). Irma(streng): Ich kann Si« nicht mehr behalten. Anno! Schon wegen der Kinder nicht. Und was sollen denn die Leute von mir denken! So was von Unsittlichkeit«,,(Geht empört zur Küche ab.) Anna(hat den Kopf gesenkt, weint). Alfons(kommt aus dem Nebenzimmer, blickt scheu um sich. Zu Anna gewendet, rauneich): Daß Sie um Gotteswillen nichts verraten, Anna! Ich bezahle die Entbindung... Werde auch sonst nicht knausern.,. Schreiben Sie mir Ihre Adresse in» Geschäft... Robert Grötzsch. Spiel und Sport Für Volksgesundhelt und Geistesfortschritt. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestalteten sich am gestrigen Tage die vom Kartellverband Grost-Berlin für Schott und Körperpflege einberufenen 14 Versammlungen. Der Kampf, den die Arbeitersportvereine heute nach allen cheitcn hin führen müssen, zeigt am deutlichsten den Haß der teaktion gegen alles, was die Arbeiterschaft unternimmt, um in körperlich gesundes und geistig regsames Geschlecht heran- iUziehen. Es ist ein Akt der Notwehr, wenn die bedrängten llereine sich immer enger aneinanderschließen und in entschie- enster Weise ihre Gegenmaßregeln treffen. Druck erzeugt Zegendruck. Uebrigens: würde Lächerlichkeit töten, die Reaktion läge heute tot zu unseren Füßen! Eine Anzahl Sportvereins Ber- 'ins berufen Versammlungen ein, um sich mit den sie am neisten interessierenden Fragen zu beschäftigen, und dies ist er Berliner Polizei Grund genug, ein Sckmhmannsaufgcbot i Bewegung zu bringen, als stampfte die Revolution bereits nit dröhnendem Schritt durch die Straßen. Als wir durch die Hasenheide kamen, konnten wir man- crlei Betrachtungen anstellen. Durch den srostkühlen Herbst- morgen kamen elastischen Tritts Scharen von Arbeitersport- rn, die ihren Weg nach dem„Hofjäger" nahmen. Ueberall litzten Schutzmannshclme auf und die tödliche Browning- istole im gelben Ledergurt erinnerte in aufdringlichster Leise daran, daß wir uns„im Lande der Freien und From- len" befinden. Ja, ja! Aus den grünen Büschen herüber blickte der alte Vater ahn ganz wehmütig und auf seinen kalten Wangen glitzer- n Tränen— vielleicht waren es mich Tautropfen—, jeden- ills aber war er sehr betrübt. Er sah die jungen, schmucken .urner vorbeidefilieren, er sah die Polizei, und er sah auch e— Schildwache, die mit geschultertem Gewehr und auto- natischen Bewegungen zu seinen Füßen ans und abging. Er atte ja die Jahre an sich vorüberziehen sehen, und es war och beinahe wie dazumal, als er wegen staatsgefährdender �limmzüge und Bauchwellen hinter Kerkermauern schmachten uußte. Tie Referenten ließen sich durch die Polizeiaufgebote und uich durch die überwachenden Beamten nicht beirren. Viel- nehr konnten sie nunmehr um so wirksamer die Zustände nßeln, unter denen die proletarischen Sport- und Jugend- ereine fortwährend zu leiden haben. Vornehmlich ist es der Jungdeutschland-Bund, der sich :S zärtlichsten Schutzes der Behörden und sonstigen Fugendfreunde" erfreut, was den Rednern Gelegenheit bot, nit diesem Jugendgebilde ganz besonders abzurechnen und ie Arbeitereltern eindringlich zu warnen, ihre Kinder dessen erblödenden Bestrebungen auszuliefern. Im Anschluß iran war es den Referenten nicht schwer, die Ziele und chege der Arbeitersport-Vereine zu erläutern und zum Nassenbeitritt aufzufordern. Nicht minder eindringlich war wer auch die Mahnung an die genannten Vereine, sich immer nehr zusammenzuschließen, um als Ganzes mit vereinten iräften noch erfolgreicher alle reaktionären Schläge ab- vehren zu können. Man muß es unserer lieben Polizei lassen, sie hat den Sonntag nickst untätig vorübergehen lassen und ihres heiligen Amtes von verschiedenen Stellen gewaltet. Und mit Recht! Es geht doch nicht, daß Irgendwer irgendwo für Jrgendwen Versammlungen einberuft und Reden halten läßt über Volks- gesundheit, Sport und Körperpflege, daß Arbeiter-Gesang- vereine freiheitatmende Lieder singen und daß diesem der- dächtigen Treiben auch junge Leute beiwohnen sollen, deren Taufschein noch nicht volle 18 Jahre zurückreicht. So trieb sie in den„Pharussälen" die Jugendlichen aus dem Versammlungsraum mit dem Erfolg, daß die Er- mitierten dann wo anders eine eigene Versammlung abhielten. In Lichtenberg wurden die Jugendlichen sogar paarweise nach der Wache gebracht und bis zum Schluß der Versamm- lung dort behalten. Im„Hofjäger" nahmen die Gesetzeshüter sogar den Kartellvorsitzcnden L i e s k e mit, weil er das Wort„Reichs- Vereinsgesetz" aussprach. So wacht die Hermandad über das Wohl und Wehe des Reiches! Der gestrige Tag aber hat sicherlich den Erfolg zu ver- zeichnen, daß die Arbeitersport-Vereine sich noch fester zu- sammenschließen und mit der Arbeiterbewegung eine kom- Pakte Masse bilden werden, die allen reaktionären Maßnahmen spotten kann und der Volksgesundheit und dem Geistesfort- schritt die Wege ebnen wird. Für die Arbeitersport-Vereine, im Interesse der Ar- beiterbewegung, das sei die Losung! Fußball. Viktoria, 1. Mannschaft, gegen Schöncberg, 1. Maimschaft: unent- schieden 3: 3(Halbzeit 2: 0).— Tempelhof-Maricndorf gegen Viktoria, 2. Mannschaft: 3: 14 für Viktoria.— Freie Turnerschaft Schöneberg, Jugendmannschaft, gegen Rüstig-Vorwärts, Jugend- inannschaft: 4:3.— Rüstig-VortvärtS, 2. Männermannschaft gegen Fichte 3, 2. Männermannschaft: 3:1 für Rüstig-Vorwärts.— Rüstig-Vorwärts, 1. Männermannschaft, gegen Zehlendorfer Vor- wärts, 1. Männermannschaft, 7: 3 für Rüstig-Vorwärts.— Fichte 10, 1. Männermannschaft, gegen Freie Sportvereinigung, 1. Männermannschaft: 3:2 für Fichte 13(Halbzeit 1:1).— Fichte 10, 1. Jugendmannschaft, gegen Fichte 3, 2. Jugendmann- schaft: 3: 1 für Fichte 10(Halbzeit 1:1).— Spiel- und Sportver- ein Lankwitz gegen Rapide-Mariendorf: 7: 1 für Spiel- und Sport- verein.— R. V. C., 1. Mannschaft, gegen Liberias: 7:3 für R. B. C.— R. B. C., 2. Männschaft, gegen Hertha 1012, 3. Mann- schaft: 13:3 für R. B. C.— R. B. C., 1. Jugendmannschaft, gegen Fichte 9: 1:1— R. B. C., 2. Jugendmannschaft, gegen Jung-Bolk: R. B. C. kampslos gewonnen.— Weißensee gegen Fichte 17: 6:1 für Weißensec.— Sportklub Oberschöneweide, 2. Mannschaft, gegen Allemauia-Friedrichshagen: 11: 3 für Allemania.— Freie Turner- schaft Schöneberg, 2. Jugendmannschaft, gegen Jung-Volk: 4:1 für Schöneberg.— Rummelsburg, 1. Mannschaft, gegen Spandau: 6: 4 für Rummelsburg.— Rummelsburg, 2. Mannschaft, gegen V. f. B.: 6:2 für Rummelsburg.— Rummclsburg, i. Jugendmannschaft, gegen Eiche-Köpenick: 3: 0 für Köpenick.— Rummels- burg, 2. Jugendmannschaft, gegen Adlershof, 2. Jugendmannschaft: 6:3 für Rummelsburg.— Jung-Stralau gegen Friedrichsfeldc, 1. Mannschaft: 12:1 für Stralau.— Allemauia-Friedrichshagen gegen Fichte 12: 2:1 für Allemania.— Adler gegen Fichte 6:6:1 für Adler.— Fichte 8 gegen Fichte 6: 1. Mannschaft: 9:0 für Fichte 8.— Arbeiterturnocrein Pankow gegen Freie Turnerschaft Bernau, 1. Mannschaft: 6:3 für Pankow.— Freie Turnerfchaft ilharlottenburg gegen Friedrichshagener Vorwärts, 1. Mannschaft: 2:2.— Fichte 18 gegen Velten, 1. Mannschaft: 1:1. Fichte 11 gegen V. f. B.f i. Mannschaft: 6:3 für V. f. B.— sftchie 11, 2. Mannschaft, gegen Freie Turner Velten: 2:0 für Fichte 11.— Goldleisten. Auswärtige bedeutende Fabrik sucht um 1. Januar 1914 für Silber und 'arack tüchtigen Werkmeister. Angebote mit Angabc bisheriger itigteit und OiehallSanfprüche unter L. 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Radrennen auf der Olnmpiabahn am Sonntag, den 12. Oktober. Die vorletzten Rennen dieses Jahres konnten bei trockenem Wetter ausgefahren werden. Infolge der herbstlichen Kühle war der Be- such nur mäßig. Das Programm wies als Neuheit ein„Runo um Berlin" genanntes Rennen ohne Führung über 20 Kilometer auf, bei dem die Fahrer nach 7, 14, 20, 25, 32, 38, 45 und 50 Runden in der Reihenfolge ihres Eintreffens in den einzelnen„Kontrollen" gewertet wurden. Schade, daß der letzte Teil dieses von den Be- suchern mit Beifall aufgenommenen Rennens in der Dunkelheit ausgefahren weroen mutzte und dadurch viel an Uebersichtlichleit verlor. Der Große Herbstpreis mit Tandemführung, der durch verschiedene Vorstöße der Fahrer belebt wurde, sah R ü t t als Sieger, und das Görnemann-Erinnerungsrennen gewann E r x- leben. Einen Fernflug nach Dänemark unterahm gestern früh der Flieger Franz Reiterer. Er stieg um 8 Uhr 33 Min. in Johannis- thal auf. Bei sehr günstigen Windverhältnissen landete er nach einem Fluge von 4 Stunden 23 Minuten glatt in Kopenhagen. Reiterer flog in einer Höhe von 730 bis 800 Meter, erhob sich aber über dem Meere bis zu 1530 Meter. Eine große Radrennbahn wird in Mariendorf auf dem Stoll- bergschen Gelände errichtet. Von mehreren Seiten waren Einsprüche gegen das Unternehmen erhoben worden; sie wurden aber zurückge- wiesen. Zweiter Wahlkreis. siil den 7. und 8. Kommunal-Wahlbezirk. am Dienstag, den 14. Oktober, abends 8I/4 Uhr im Lokal des„Hofjäger-Palasi", Hasenheide 52-53. Referenten: Stadwerordn. Joh. Sassenbach und Gottfried Schulz. Der Einberufer. Zweigverein Berlin.— Sektion der Gips- and Zementbranche. Gipsbaubranche. Rabitzputzer, Träger und Spanner. Dienstag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr, im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1 Bericht über das Ergebnis der Beschwerde an den VerbandSausschuft. 2. Neuwahl des Gruppcnvorstandes. 145/17» � Mitgliedsbuch legitimiert.===== Zahlreichen Besuch aller im Gipsbaugewerbe beschäftigten Kollegen er- wartet mit lollegialem Grus;_ Der Sektiansvoritand. liefere an jedermann auf K�r-edit: bei Zahluni einer Konetsrale laut Vereinbarung u. bequem. Abzuhl. bompletle U'obnuugs. Einrlebtuujjen sowie ciosclne Möbelstücke, Polsterwaren, tarb. Küchen Portieren, ßapHinon Leib-u. Bettwäsche, Steppdecken, Teppiche,**«1 Ulilcll, Betten. Kronen, Kinderwagen usw Garderobe tür Herren, Damen u. Kinder Pelze, Stolas, Muffen Gibssie Aoiwahl ceuwier Faitene Muskeln und Gesundheil kommen in einen hervorragend guten Zustand durch Gehrauch unserer CHEST-EXPANDER. Wir bieten solche bei allerbester Qualität zum erstenmal gee-en Ratenzahlung an. Prospekt gratis und franko. Wrangel-Hag». BcrHn S O, Wrangclatr. 48 Y. kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene sowie im vT0Tr z gewesona JackettaMü*«, Rockanzfige, Paletot«, Serie 1: 1Ü- 18 M-. 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