Nr. 269. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. food Ericheint täglich. für Vorwärts Berliner Volksblatt. 30. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raumt 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das feitgedruckte Mort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Monarchenparade. Dienstag, den 14. Oftober 1913. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Nr. 1984. ganz anders über die Fürsten des Rheinbundes und die Weisheit letzten Schluß verkündet! Anständiger benehmen sich die deutschen Fürsten überhaupt. Bezeugte ihnen doch ein Patriot Nationalliberalen im gegenwärtigen Wahlkampfe. Das ist aber mhin wie Ernst Moriz Arndt, daß sie nie als eine getrennte auch fast alles, was man ihnen zum Lob sagen kann. Ihnen fehlt Am Gedenktage der Völkerschlacht bei Leipzig soll der Nation so fern von der Nation gestanden, ja ihr gegenüber- vor allem der Elan. Die innerparteilichen Zwiftigkeiten, die höfisch- byzantinische Zauber der Jahrhundertfeier seinen Gipfel- gestanden" hatten, wie damals:" Sie erröteten nicht im An- Disziplinlosigkeit, die da und dort in geradezu erschreckender Weise punft erreichen. Das Riesendenkmal in Leipzig soll die gesicht eines starken, braven, tapferen Volkes, das sie wie ein zutage trat, hat die Nationalliberalen gegenüber dem Zentrum und Staffage für die Feier bilden, von der das eigentliche Volt unterjochtes behandeln ließen, um den Raub teilen zu den Konservativen in die Defensive gedrängt. Will man die Wahlausgeschlossen sein soll. Wie bezeichnend! Man türmt ein fönnen". Und schrieb doch der Freiherr v. Stein von chancen unserer Partei abtvägen, dann wird man gut tun, die nationalRiesendenkmal, tolossal wie die Cheops Pyramide, zum Ge- ihnen im Jahre 1811:" Der allgemeine Unwille sieht liberale Hilfe im zweiten Wahlgang nicht allzu hoch anzuschlagen. denken der Völkerschlacht", man lädt zur Monsterfeier alles in ihnen( den Fürsten) feige Flüchtlinge, die nur für Wie bei den letzten Landtagswahlen, so wird auch diesmal wieder zu Gast, was Rang und Titel hat in unserem borussifizierten ihre Erhaltung besorgt, sich durch Flucht retteten, taub die Sozialdemokratie mehr die Gebende als die Nehmende gegenüber Reiche und schlägt dem Volk die Tür vor der Nase zu. Welch gegen die Forderungen der Ehre und Pflicht, oder betitelte den liberalen Parteien sein. wundervolles Symbol dieser pompösesten der Jahrhundertfeiern! Sklaven und Intervögte, die mit dem Gut und Blut ihrer Daß dem Zentrum im Wahlkampf kein Mittel zu schlecht ist, Was soll auch das Volk bei diesen Feiern! Sollte es Untertanen eine heimliche Existenz erbetteln. Die daß boshafte Lügen und Verleumdungen im Kampf gegen den poli etwa feinen Sieg, seine Befreiung feiern? Ach nein, danach Individualität der Fürstentümer selbst ist herabgesunken, tischen Gegner herhalten müssen, ist selbstverständlich. Dabei passierte ist ihm in Preußen- Deutschland nicht zu Mute. Nicht in durchaus herrscht in ihnen Erbärmlichkeit, Schwäche, Nieder- es in diesen Tagen dem Karlsruher Zentrumsführer Trunk, dem VizeSachsen, wo die reaktionäre Voltsentrechtung mit an der trächtigkeit, frankhafte Selbstsucht." präses des Meter Katholikentages, daß er einer Sünde wider das achte Spize marschiert, und erst recht nicht in Preußen, wo sich auf Soviel für heute der Stimmen underdächtigster Zeugen Gebot überführt wurde. Auf Grund freier Erfindung behauptete er das Befehl der Junker und der Industrieherren Minister ihr über die Fürsten. Aber nicht nur die Fürsten, sondern die Bestehen eines Geheimabkommens zwischen Liberalen und Sozialarmes Hirn zermartern, um eine nicht allzu sonderbare Aus- ganze herrschende Schichte wurde damals von den hervor- demokraten. Den Betveis dafür ist er schuldig geblieben. Die rede für die Nichteinlösung des legten Königlichen Versprechens ragendsten Männern in Grund und Boden verdammt. So tonservativen Verbündeten der Schwarzen üben sich weiter im auf Schaffung wirklicher Volksrechte zu finden! Der heute, urteilte Clausewit, jener preußische Generalmajor, Schwadronieren. In ihren Versammlungen und ihren Zeitungen hundert Jahre nach der Leipziger Freiheitsschlacht herrschende der heute als größter deutscher Militärtheoretiker gilt, im wird die Sozialdemokratie tagtäglich nach Reichsverbandsmanier Zustand ist ja die blutigste Verhöhnung all der schönen Festtotgeschlagen, was unseren Genossen aber bisher nichts geschadet tiraden, die man in Leipzig verzapfen wird. Wohl aber wird hat. Der 21. Oktober wird zeigen, daß die Sozialdemokratie in man des fühlen Wortes Goethes gedenken, der wenige Tage Baden dem Ansturm der Reaktion gewachsen ist. nach der Schlacht bei Leipzig achselzuckend erklärte, daß er die : allgemeine Begeisterung nicht begreife. Man wähne sich für die Freiheit geschlagen zu haben. Gewiß, den westlichen Bedränger sei man ja wohl los. Aber dafür sei das Land von Rosaken und Kalmüden überschwemmit, sei es um so schlimmer von den Mächten des barbarischen Ostens bedrückt. Ein Wort, so prophetisch wahr, daß ein paar Jahrzehnte später ein anderer großer deutscher Dichter seinen Zornstrahl gegen die schmutzigen Westfalmücken" schleudern mußte. Und welche Blize würde ein zeitgenössischer Freiligrath heute erst schleudern! Jahre 1912: Der Wahlaufruf der Sozialdemokratie. Karlsruhe, 18. Oktober.( Privattelegramm.) Heute ist der Wahlaufruf unserer Partei erschienen. In der „ Die vornehmeren Stände sind die verderbteren, Hof- und Staatsbeamte die verderbtesten. Sie wünschen nicht bloß, wie die anderen, Ruhe und Sicherheit, sie sind nicht bloß des Gedankens entwöhnt, unter Gefahren ihre Pflicht zu erfüllen, sondern sie verfolgen auch jeden mit unversöhnlichem Haß, der nicht verzweifelt. Wer also nicht verzweifelt an der Erhaltung des Staates auf dem Wege der Pflicht und der Ehre, wer nicht Einleitung heißt es: c glaubt, daß nur die bedingungsloseste, schändlichste Unterwerfung Das Volksgericht am 21. Oktober soll darüber entPflicht sei, der darf sicher sein, von jenen pflichtvergessenen scheiden, ob in Baden Bahn für eine politische und geistig Staatsbeamten gehaßt, verfolgt, vor dem Publiko verleugnet, vor freiheitliche Entwickelung offen bleibt, oder ob eine reaktionäre dem Könige angeklagt und dem französischen Ge- Mehrheit in den badischen Landtag einziehen soll. Alles, was sandten verraten zu werden." zur Reaktion gehört, hat sich zusammengeschlossen, um in Als vor einigen Monaten, im März, die Berliner Sozial- Ja, heute ist für unsere Fürsten, Beamten und staats- erster Linie den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu demokratie durch den Mund ihres Fraftionsredners im Stadt- erhaltenden" Streise nicht schwer, die Völkerbefreiung zu feiern, führen. parlament erklärte, daß sie bei der in den Stil des ödesten wohlverstanden die von 1813, die durch die reationäre Züde: Der Aufruf weist dann darauf hin, daß die sozialdemound borniertesten Byzantinismus gepreßten Feier des Gedent- der Herrschenden zu einer Fürstenbefreiung zurückgeschraubt kratische Frattion im Landtage sehr viel an positiver Arbeit tages des Aufrufs an mein Volt" nicht mittun wolle, erregte wurde. Von einer Volts bewegung, von einer wahrhaften geleistet habe und fährt fort: " das den Entrüftungssturm aller Hurra- und Prozentpatrioten. Freiheit der Nation wollen allerdings die Feiernden heute Die Sozialdemokratie ist eine revolutionäre Partei, und Was, bei einer so großen Sache wie einer Gedächtnisfeier ebensowenig wissen, wie ihre Vorfahren vor 100 Jahren. wir haben daraus nie ein Hehl gemacht. Aber unsere repoder Befreiungskriege wolle sich das ſozialdemokratische Abermals hat sich da ein Dichter als Prophet erwiesen, als lutionären Ziele bedingen keineswegs den gewaltsamen UmProletariat, vaterlandslos und alles historischen Verständ- Prophet für seine Zeit und die künstige. Ernst Moriz sturz. Wir kämpfen für eine völlig grundlegende Umgestaltung nisses bar, ausschließen? Nun, die deutsche Sozialdemokratie Arndt nämlich. Im Jahre 1813 rief er den Fürsten zu: der kapitalistischen in eine sozialistische Gesellschaftsordnung. hat seitdem gezeigt, daß sie nicht abseits steht, daß auch sie" Selig sind die Fürsten, welche Gott fürchten und die Nicht durch den wachsenden politischen Einfluß der Sozialhistorische Gedenktage zu würdigen weiß. So wird sie auch Völler ehren.... Ich sage es vorher, und mögen meine dentokratie, sondern dadurch, daß man ihn fünstlich mit allen das Jubiläum der Schlacht bei Leipzig festlich begehen, nur Worte nicht fassandrisch werden! Es wird alles umsonst Mitteln einer reaktionären Gewaltpolitik zu unterbinden verfreilich in anderer Weise als unsere Herrschenden. Wie sich sein, so viele schöne Arbeit, soviel edles Blut wird umsonst ver- sucht, wird die revolutionäre Gefahr heraufbeschworen. Unsere am 19. Oktober das Berliner Proletariat zum Gedächtnis schwendet und vergossen sein, wenn die Herrscher sich nicht zu der Tattit und unsere Politik bewegten sich immer auf dem Boden der großen Völferschlacht zusammenfinden wird, so wird das Höhe der Gesinnung und des Glaubens an Gott und die Völker der Verfassung und der Reformen. Der Kampf, den wir deutsche Proletariat sich allerorts zur würdigen Feier zusammenerheben wollen... Will man immer nur das Kleine und Geizige, diesmal gegen die Reaktion führen, hat nicht nur für Baden, scharen. Nur zweifeln wir freilich, daß unsere Byzantiner beso wird das Zeitalter durch die schrecklichsten Revolu er hat für ganz Deutschland die größte politische Bedeutung. sondere Freude an diesen proletarischen Feiern haben werden! tionen umgewirbelt werden, und erst lange hinter Wir fämpfen nicht nur gegen die Reaktion, sondern auch unseren Gräbern wird wieder eine neue Welt erstehen." gegen den Liberalismus in allen seinen Schattierungen, dessen politischer Schwäche, Programmlosigkeit und Unzuverlässigkeit wir die politisch rückständigen Verhältnisse in Preußen- Deutschland zu politische Stultur. Aber das ist nicht unsere Schuld, sondern ihre eigene Schande. Denn vor den offiziellen Gedenkfeiern verhüllt der Genius der Geschichte nicht minder das Haupt, als das Volk Arbeit dieſen letzten Tagen empfabt in einem führenden Die Landtagswahlbewegung in Baden. echt des Boltes, für eine höhere jostale und Erst in is Wandervogel, flieg! aus der der Junkerorgan ein bemitleidenswertes Opfer unserer preußischen Die badische Sozialdemokratie hat bei den diesmaligen badischen Lehrerseminare, daß man künftig den sozialdemokratischen Be- Landtagswahlen die Forderung auf Einführung des Verhältnisstrebungen durch eine energischere Frisierung der vaterländischen wahlsystems für die Landtagswahlen in den Vordergrund der WahlGeschichte im reaktionären Sinne entgegentreten müsse. Man bewegung gestellt. Sie tat gut daran. Die Verhältniswahl gewähr sollte doch wirklich glauben, daß noch mehr des Byzantinismus, leistet allein eine ihrer Stimmenzahl entsprechende Vertretung der Ein Wort Hegels, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen mehr der Geschichtsfälschung, als sie schon heute im Dienste Barteien; sie macht Wahlabkommen, wie das zwischen der Sozial- fich sozusagen zweimal ereignen, hat Marg dahin ergänzt, daß er der herrschenden Klasse von der Schule geleistet wird, wirklich demokratie und den beiden liberalen Parteien für den zweiten Wahl- hinzufügte: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. nicht zu leisten wäre. Denn was hat man aus der französischen gang abgeschlossene, überflüssig und gibt damit jeder Partei das wie von den großen, gilt das von den fleinen Ereignissen, und wird Revolution, was aus den Napoleonischen Striegen, was aus fenige Maß von Selbständigkeit wieder, das sie haben muß, will sie wieder einmal bewiesen durch eine schlechte Kopie des Wartburgdem Zusammenbruch der preußischen Reaktion bei Jena, und ihre Grundsäge unbeengt von taktischen Rücksichten zur Geltung festes von 1817. Die Bedeutung jener Demonstration ist bekannt. was aus den Befreiungskriegen gemacht! Ein unsäglich bringen. Am 18. Oktober 1817 hielten Studenten, erfüllt von dem frischen läppisches Märchen, zu armselig selbst für die Kinderstube. Die tlerifal fonservative Reaktion fürchtet diese Folgen. Zen- Geist der eben gegründeten Burschenschaft, auf der Wartburg bei Aber das deutsche Bolt hält man seit Jahr und Tag für trumsparteiler und Konservative verleugnen ihre früher gegebene Eisenach eine Gedächtnisfeier an die Leipziger Schlacht ab, die solch eine Kinderstube, der man ungeniert die gröbsten Ge- Bustimmung zur Einführung der Verhältniswahl, weil sie sich in mit vielem mystischen Brimborium vor sich ging, schichtslegenden vorseyen kann. Immerhin, mögen sich die zwischen darüber klar geworden sind, daß die Aussichten für eine aber den mißtrauischen Machthabern in Nord und Sild nur die Schichten von Bildung und Besiz" an diesen Geschichtchen flerital- konservative Mehrheit im Landtage für immer dahin wären. rebellischen Reden gegen die Reaktion und die feierliche Verbrennung aus der politischen Kinderfibel ergößen das wirkliche Volk, Der Eifer unserer Genossen in der Propagierung der Verhältnis großer Ballen reaktionärer Literatur und eines Ulanenschnürleibs, das zum Klassenbewußtsein erwachte Proletariat feiert die wahl wird besonders geschürt durch das Verhalten der Fort- eines Storporalstocks und eines Bopfes in die Nase stachen. Das hundertste Wiederkehr der Leipziger Völkerschlacht mit wachen schrittler im gegenwärtigen Wahlkampf uns gegenüber. In den Wartburgfest wurde dann der Ausgang für die Heimtüdischen BerSinnen und jenem scharfen historischen Verständnis, das der Versammlungen der Fortschrittler wird die Sozialdemokratie folgungen der freiheitlich gesinnten Studentenschaft, und schon an Aehnlichkeit der geschichtlichen Situation entspringt. heruntergerissen und verleumdet, Arbeiterforderungen, wie z. B. dem Wartburgfest teilgenommen zu haben, galt den verbisfenen Ein grotestes Schauspiel geradezu, wenn sich am 18. Oktober die kommunale Arbeitslosenfürsorge, werden von fortschrittlichen Demagogenriechern als Hochverrat und Majestätsverbrechen. ein Fürstenparkett" als Mittelpunkt der Feier gebärdet. Rednern als„ Wahnwiz" bezeichnet, Wahlrechtsräubereien, wie die Als ob nicht zahlreiche deutsche Fürsten in all den Jahren der Altonaer, werden von Fortschrittlern verteidigt, dazu kommen noch nationalen Schmach" die getreuen Vasallen Napoleons ge- persönliche Verdächtigungen und Beleidigungen sozialdemokratischer bildet hätten. Als ob nicht 1806 sechzehn deutsche Fürsten Führer und dann soll man mit denselben Leuten im zweiten dem Rheinbund beigetreten wären, die Könige von Bayern Wahlgang an einem Strang ziehen?! Da ist es fein Wunder, wenn und Württemberg, der Kurfürst von Baden und andere an unsere Genossen alles daran sezen, solchen Möglichkeiten für die der Spize. Und auch der Kurfürst von Sachsen trat zum Butunft durch die Einführung der Verhältniswahl vorzubeugen. Rheinbund über, als ihm von Napoleon der Königstitel zu- Uebrigens sind die Fortschrittler in mindestens drei Bezirken gesichert wurde. Und noch auf dem Schlachtfelde von Leipzig ihres seitherigen Besisstandes auf sozialdemokratische Hilfe standen deutsche Bundestruppen den Deutschen gegenüber. angewiesen. Das politische Ansehen der Fortschrittler Man könnte diese politische Entwürdigung, die zu der fürsten- durch ihr zweideutiges Verhalten in der Dotationsfrage sehr lädiert begönnerten Jubiläumsfeier in Leipzig die schrillste und tollste worden. Was sollen denn die Wähler noch von einer Partei Dissonanz bildet, allenfalls aus der Zwangslage der Verhält- halten, die ihnen heute in einer Broschüre die Trennung von Staat nisse heraus erklären wollen. Aber gerade die berühmtesten und Kirche predigt und morgen durch einen ihrer Parteigänger die und besten Zeitgenossen aus den Befreiungskriegen dachten Weiterbewilligung der Kirchendotationen aus Staatsmitteln als der " Zu einer zweiten Auflage dieses Wartburgfestes trommelte nun vor einigen Wochen folgender Aufruf Teilnehmer zusammen: Mit Stolz gedenken wir der Begeisterung und der Taten, die vor hundert Jahren unser Vaterland aus tiefer Schmach erhoben haben. Wir fühlen, daß vieles von dem, was die Dichter der Freiheitskriege besungen, was Fichte und Stein gesonnen und gewollt haben, heute noch der Gr. füllung barrt. Aber wir fühlen auch, daß frische Kräfte sich in unserem Volte regen, die zu inner. licher nationaler Erneuerung drängen. iſt ländische Erinnerungsfeste werden 1913 in großer Zahl gefeiert, aber noch fehlt das Fest der Jugend, die, der Gegenwart zu gewandt, im Gelöbnis der Tat die wahre Waterlandsliebe befunden will. Schon einmal in der deutschen Geschichte als die Burschenschaft gegründet wurde hat die deutsche Jugend am Anfang einer Bewegung gestanden. Und wieder geht heute Water burdjjic ein starkes SSjnen, ein festes Wollen des Kommenden Ihr Selbst frei zu entwickeln, um es dann dem Dienst der Zill Gemeinheit zu widmen, ist die höchste vaterländische Aufgabe der Jugend. Allem geichraubten und gezwungenen Wesen stellen wir Natürlichkeit, Wahrhaftigkeit, Echtheit, Gerad h e i t gegenüber; aller Engherzigkeit das ernste, freie Gefühl der Verantwortlichkeit t Statt des Strebertums aufrechte Ueberzeugungs� treue! Statt der Blasiertheit Jugendfreude und Empfänglichkeit Ausbildung desKö cperS und strenge Selbstzucht statt derBergeudung der Jugendkraft! Wir blicken auf dieJugend der verwandten germanischen Länder, auf die Skandinavier, auf England, selbst auf Amerika Ohne die Eigenart vornehmlich unseres akademischen Lebens auf geben zu wollen, sehen wir in manchen seiner Formen Enge und geschichtliche Ueberlebtheit. Vor allen Dingen hassen ivir den unfruchtbaren Patriotismus, der nur in Worten und Gefühlen schwelgt, der sich— o f t auf Kosten der h i st o r i s ch e n Wahrheit— rückwärts begeistert, und nicht daran denkt, sich neue Ziele zu stecken. Alle, für die das „Vorwärts" unseres Blücher gilt, mögen uns die Hand reichen! Im Oktober, auf dem Hohen Meißner bei Bebra, wollen wir frei deutsche Jugend uns verbrüdern zu gemeinsamer Arbeit I Heil deutsches Volk und Vaterland! Heil deutsche Jugend und F r e i h e i t I Die deutsche akademische Schülerbund Germania Freischar Deutscher Bund für freie Deutscher Bund abstinenter Schulgemeinden Studenten Akademische Vereinigung- Deutscher Vorttuppbund Marburg Wandervogel e. V. Akademische Vereinigung-Jena Jungwandervogel Serakreis- Jena Bund deutscher Wanderer Burschenschaft Vandalia-Jena Nicht übel, das muß man gestehen I Eine Sprache, die man bislang in dem widerwärtigen Schwulst unserer Jubiläumsbarden vermißt hat, und auch eine Gesinnung, die sich in einer Zeit all gemeinen Lakaientums sehen lassen kann, und doch! und doch! und doch I Wo denn regen sich, abseits der modernen Arbeiterbewegung, „frische Kräfte in unserem Volke, die zu innerlicher nationaler Er- Neuerung hindrängen'? Auch iver Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören, weiß von solchen Kräften nichts zu berichten An die Jugend appelliert der Aufruf, denn mit Recht erwarten diese Heerrufer„nationaler Erneuerung" nichts von den zitternden Tapergreisen, die den bürgerlichen Parteien das Fähnlein einer eng herzigen Jnteresienpolitik vorantragen. Aber ach I die bürgerliche Jugend! Wer hat sich denn hinter den Aufruf zu dem 191S.er Wartburgfest geschart? Ein paar Gruppen, die alle hoffnungslose Minderheiten darstellen und in ihrer Art leidlich gute Menschen, aber recht schlechte Musikanten sein mögen und sicher nicht die Welt aus den Angeln heben werden. Alle die großen studentischen Berbände, die immer noch dem akademischen Leben unserer Universitätsstädte ihr mittelalterliches Gepräge aufdrücken, fehlen, denn wo gegen Eng Herzigkeit, Strebertum und Blasiertheit mobilgemacht, wo für Gerad heit, aufrechte UeberzeugungStreue und neue Ziele die Losung aus gegeben wird, waS haben da die Korps, Burschenschaften, LandSi Mannschaften und Turnerschaften zu suchen und wie alle die durch bunte Farben ausgezeichneten Dressuranstalten für geschmeidige Staats diener und hnrrabrüllende Untertanen heißen! Auch die reaktionäre Presse ist offenbar stußig geworden und betrachtet die„sreideutschc Jugend" mit Mißtrauen, die noch der Erfüllung harren sieht, was Fichte und Stein gesonnen und gewollt haben, und die die historische Wahrheit gegen die rückwärts gerichtete Begeistennig verteidigen möchte, denn mit der historischen Wahrheit ist et ein böses Ding. Besonders mußte natürlich befremden, daß der„Deutsche Bund abstinenter Studenten" zu den Ausrufern gehört. dem, ReaktionSpolitikcr wie der dicke Oertel wissen nur zu gut den sioatSerhaltenden Wert eines BierherzenS zu schätzen, als daß sie in nüchternen Studenten mehr sähen als des Ausmerzens werte Fremd- körper. Bor kurzem erst haben wir ja das Agrarierorzan toben sehen gegen die Greifswalder abstinenten Akademiker und gegen die lommentfeindlichen deutschen Studenten in den Vereinigten Staaten, und in derselben„Deutschen Tageszeitung" erging sich, gleichfalls vor nicht langem, ein Marburger Student in wehmütigen Betrach- tnngen über den Wandel der Dinge: Dieseö Jahr zogen zwei Häuflein getrennt hinauf zur Sonn- Wendseier: eines prangend in alter Burschen Herrlichkeit, lauter buuie Mützen, die Gesichter narbengesurcht; ein anderes, in dem herrschen die Hüte, die wenigen Mützen sind weiß oder doch so einzeln, daß sie oerschwinden. I st das d i'e neue Generation? Mau findet kaum Schmisse odv doch nur wenig. Da schien mir jedenfalls alte? Studeutentum trotziger und stattlicher, nnd ich glaube auch, der Bierwagen, der ihnen voraus fuhr, war höher delade«. Schlimme Zeiten, demokratische Zeiten, da mit der Höhe der Bierwogen auch die Höhe der hurrapatriotischen Stimmung bei den Studenten abnimmt I So waren eS denn hauptsächlich linksstehende Blätter, die dem .Freideutschen Jugendtag" die Wege ebneten. Aber noch ehe er ab- gehalten wnrde— er hat am Sonnabend und Sonntag stattgefunden — widerfuhr ihn herbes Leid. Zwar die Festschrift, die zu diesem „Aartbnrgfest" erschienen ist. enthält eine Reihe mehr oder minder trefflicher Artikel von mehr oder minder fortschrittlich gesinnten Männern wie Gurlitt, Jode, Kerschenfteiner und Natorp, aber eS gab doch ein Aber. Wenn nämlich eine von den Organisationen, deren Namen sich unter dem Ausruf finden, durch die Zahl ihrer Mitglieder Be- deutung hat, ist es der„Wandervogel", ein Seitenstück zu dem„Bauernschrock", der just in österreichischen Gauen gejagt wird, denn auch die Wandervögel sind durch rücksichtsloses Zer- trampeln von Saaten und Expropriation von Obst. Rüben und dergleichen mehr den Landwirten furchtbar. Für die Führer dieses WandervogelbundeS wird nun eins besondere„Wandervogel-Führer- zeitnng" herausgegeben, und die letzte Nummer dieses Blattes ist. wie die für de»„Freideutschen Jugendtag" eben noch begeisterte „Frankfurter Zeitung' in bewegten Tönen klagt, eine einzige Werbe- schrift für den Antisemitismus. Antisemitismus hinten, ArnisemitiS- muS vorn—„das ganze Heft bringt zum Ausdruck, daß Juden im Wandervogel nichts zu suchen hätten, und � cS fehlt sogar nicht an Witzen unter der ebenso bezeichnenden wie schönen Ueberfchrift: Nu wenn schon I" Nichts ist kennzeichnender für den„fortschrittlichen" Geist der bürger- lichen Jugend als diese Zusammenstellung: Gegen Enge und Eng- Herzigkeit! und zugleich von allen Niederträchligkeiten die engherzigste: der Antisemitismus,„Heil deutsche Jugend und Freiheit!" und daneben:„Hepp, hepp! Inden'raus!" Mögen sie! Wie den fortschrittlichen Helden ihr Neinsall zu gönnen ist, so hinterläßt uns dieses von vornherein verunglückte„Wartburgfest" der„freideutschen Jugend" die tröstliche Erkenntnis, daß, wer die Jugend hat, noch lange nicht die Zukunft hat. Wandervogel, flieg l polltircbe Ocberlicbt. Eine Tienstanweisnng für die schwarze Gendarmerie. Die besten und erfolgreichsten Agitatoren des Zentrums sind die katholischen Geistlichen, die vermöge ihrer geistlichen Autorität einen ungeheueren Einfluß auf daS gläubige katholische Volk besitzen. Ohne diese Agitatoren, die nichts kosten und in allen Städtchen und Dörfern sitzen, wäre die Zenirumspartei längst zur BedeninngS losigleit herabgestmlcn. Wie wenig sich diese Pfarrer, Kapläne usw. bei ihrer politischen Tätigkeit durch Skrupeln beirren lassen, geht ans einer Art polilischen Leitfadens hervor, den wir in der Theologisch-Prakiischen Monatsschrift, dem Zentralorgan der katholischen Geistlichkeit Bayerns, finden. Der Artikel ist überschrieben„Was kann der Priester im Kampf gegen die Sozialdemokralie tun?" und hat einen Dr. Seb. Eden zum Verfasser. Zunächst wird recht schön die stteng-monarchische Gesinnung gekennzeichnet, mit der namentlich daS bayerische Zentrum immer prunkt, und die ihm zum Vorwand der brutalsten Gewaltstreiche gegen Andersgesinnte dient: „Auf politischem Gebiete erstreb: die Sozialdemokratie die Republik. An und für sich ist es ja gleich, welche StaaiSform wir haben. Man kann auch darüber streiten, ob ein monarchischer Staat oder eine Republik vorzuziehen ist. Da aber bei uns einmal der monarchische Staat historisch geworden ist, haben wir keinen Grund, ihn zu beseitigen. Um so weniger haben wir Ver anlassung, die Republik herbeizuwünschen, als die beiden großen Republiken der Gegenwart gar nichts Verlockendes au sich haben. Frankreich ist eine Republik, und zwar eine sozialistische Re- publik..." Daß ein akademisch gebildeter Mann nicht wissen sollte, daß in Frankreich dieselbe Kapitalsherrschaft besteht wie im monarchischen Deutschland, ist kaum anzunehmen. Man kann also nur eine wissent- liche Unwahrheit annehmen. Sehr intereffant ist die Beantwortung der Frage:„Wann und wie wir die Aufklärung über die Sozialdemokratie unseren Leuten vermitteln sollen?" „Anfangen können wir schon in der Schule, besonders.in der Feiertagsschule. Hier gibt uns das siebente Gebot Gelegenheit wo wir vom Eigentum reden. Die Sozialdemokratie lehrt: Eigentum ist Diebstahl, will damit den heutigen Besitzern die Produktionsmittel abnehmen und steht damit in direktem Gegen- satz zum göttlichen Gebote: Du sollst nicht stehlen. Daher dürfen lvir von diesem GesichtSpunlle aus schon in der Schule Auf klärung über das wiitschaftliche Programm der Sozialdemokratie bringen. Bei dem vierten Gebot, wo wir von der Autorität reden, haben wir Gelegenheit, daS politische Programm der Sozial demokraten zu behandeln. DaS religiöse Programm der Sozial- demokratie können wir bei recht vielen Gelegenheiten heranziehen. Selbstverständlich muß man in der Schule vorsichtig zu Werke gehen. Man hat nicht notwendig, den Sozial- demokraten Stoff für die Zeitungen zugeben. Man kann betonen, daß man bei all diesen Dingen die Sozial- demokratie nicht als politische Partei verurteilt, sondern als eine religiöse Irrlehre, welche in diesem und jenem Punkte gegen die göttlichen und kirchlichen Gebote, gegen die Tugend desGlaubens usw. sich richtet...„ Dam, kommen Anweisungen für die Organisationsarbeit: «Eine intensive Bekämpfung der Sozialdemokratie können wir nur dann leisten, wenn wir unsere Leute in Vereinen um uns scharen. Die wichtigsten Vereine sind die Standes- oder Berufs- vereine. Wir b r a st ch e n für j e d e n S t a n d e i n e n b e- sonderen katholischen Verein, der den besonderen Bedürfnissen angepaßt ist. Für die Arbeiter brauchen wir kaiholiscke Arbeitervereine, für die Dienstmädchen der Städte kaiholische Dienstmädchenvereine, für die Dienstboten auf dem Lande einschließlich der Banernjöhne und Bauermöchter katholische Diensiboienvereine.... Mit Predigen allein richten wir nichts aus. Wir müssen zeigen, daß wir auch in irdischen Angelegenheiten unseren Leuten helfen wollen. Dann wird die notwendige soziale Schulung, welche gleichbedeutend ist mit der Abwehr der Sozialdemokratie, nnS leicht fallen. Bei der Leittmg der Vereine dürfen wir nicht engherzig sein. W i r müssen den Mitgliedern hie und da auch ein an- ständiges, erlaubtes Vergnügen gewähren.... Daneben dürfen wir die Großmacht Presse nicht vergesien. Wer das Zeug hat zur positiven Mitarbeit, loll seine Feder in den Dienst der katholischen Presse stellen.... Kein Haus ohne eine gut geleitete katholische Zeitung, das muß unser Ziel sein,.. Diese echt jesuitischen Anweisungen sind recht kennzeichnend für die Qualität der hehren klerikalen Ethik. Der Zweck der Befestigung der Kirchenherrschaft heiligt alle Mittel. Rücksichtslosigkeit und Kurzfichtigkeit der Militär- Verwaltung. In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und der großen Ar- beitslosigkeii sollte doch erlvartet werden, daß der Staat seine Ar- beitSaufträge nicht ebenso planlos und rücksichtslos vergibt, wie mancher Privatunternehmer. Durch die große Heeresvorlage tritt auch eine gewaltige Vermehrung des Flugzeugwesens ein. Bei Vergebung von Aufträgen für Flugnmschinen durch die Heeresver- walwng wird gar keine Rücksicht auf den gegenwärtigen Arbeit»- markt genommen. Im letzten halben Jahre wurden von der Heeres- Verwaltung 1S0 bis 200 Flugzeuge in Auftrag gegeben, mit Liefer- serminen, die cS der Flugzeugindustrie unmöglich machten, bei nor- maler Arbeitszeit die Aufträge zu erledigen. Die Folge war, daß die in dieser Industrie beschäftigten Arbeiter Ueberstnnden und Nachtarbeit in großem Umfang leisten mußten. So sind in der Flugzeugindustrie wöchentliche Arbciiszcitcn von 80, 90 bis sogar 100 Stunden nicht» Seltenes. Welcher Raubbau wird da mit der Arbeitskraft des Arbeiters getrieben! Bedenklich ist aber auch, daß bei so forciertem Arbeiten an solch einem in der Hast zusammen- gestellten Flugzeuge, dem der Flieger sein Leben anvertrauen muß, die Gefahr besteht, daß das Arbeitsprodukt nicht mit der gerade hier notwendigen Sorgfalt und technischen Genauig- k e i t angefertigt wird. Ein Arbeiter, der täglich seine neun Sinn- den gearbeitet hat, ist nicht mehr in der Lage, seine Anfmerkfamkeit o orzuspannen, wie es gerade in dieser Industrie notwendig wäre, denn ein Versehen beim Bau des Apparates kann dem Flieger das Leben kosten. An diesen Zuständen trägt nun der Staat als größter Auftrag- geber mit die Schuld. Die Arbeiter sind der Auffassung, daß die Aufträge des Staates gleichmäßiger auf das ganze Jahr verteilt werden sollten. Es würde sich dadurch die Möglich- keit schaffen lassen, die Betriebseinrichtungen den vorhandenen Auf- trägen entsprechend so einzurichten, daß nur bei Tage und ohne Ueberstundem-gearbeitet werden brauchie. Ein Teil der Arbeits-! losen könnte dadurch Beschäftigung finden. Und was vor allen 1 Dingen von Wert für die Industrie wäre, es würden gute qnalifi- i zierte Arbeitskräfte in dieser Industrie Ausnahme finden. Bei der jetzigen Art der Vergebung von Austrägen werden Arbeiter über Arbeiter eingestellt, trotzdem wird noch mit Ueberstnnden gearbrnet, so daß schon nach wenigen Wochen die Aufträge erledigt sind. Ein Teil der Beschäftigten wird entlassen und der übrige Teil muß dann verkürzte Zeit arbeiten, bis zu fünf Stunden täglich herab. Daß es bei dieser Unsicherheit in der Beschäftigung der intelligente Arbeiter vorzieht, sich anderen Industrien zuzuwenden, kann man ihm nicht verdenken. iernber der Höhepunkt der Fleischnot erreicht wurde, der selbst die Regierung zu Llbhilfemaßnahmen— wenn auch nur ganz unzulänglicher Natur— zwang. Um so charalteristischer ist es, daß selbst gegen die vorjährigen Ziffern die Preise für Hammelfleisch gar nicht und die für Kalbfleisch n u r um 2 Pf. zurückgegangen sind. Ein richtiges Bild von den gegenwärtigen Verhältnissen gewinnt man erst durch den Vergleich mit dem Jahre 1911, in dem doch auch mit Recht über Teuerung geklagt wurde. ES kostete ein Kilogramm sin Pfennigen) September also i. 1. 1918 1911 1913 mehr Rindfleisch.... 169 183 14 Schweinefleisch 149 176 21 Kalbfleisch.... 187 203>6 Hammelfleisch... 182 199 17 Pferdefleisch. 78 02 14 Speck..... 170 202 32 Diese Zahlen bedürfen keines Kommentars. Um so peinlicher muß es berühren, daß der preußische Land- wirtschaftsminister die seit vem vergangenen Herbst beschlossenen Einfuhrerleichterungen praktisch außer Kraft setzt. Der Stadt Frankfurt a. M. zum Beispiel ist in diesen Tagen die nach- gesuchte Erlaubnis auf Einfuhr holländische» Rindviehs völlig ver- weigert und die Einfuhr russischen Rindfleisches nur bis zum 31. Dezember genehmigt worden. Will der Landwirtschaftsminister durchaus wieder die Preishöhe von 1912 eintreten lassen? Die Begründung der Ablehnung mit Seuchengefahr in Holland ist doch nur der alte V o r w a n d, der so oft herhalten muß, daß man an ihn nicht mehr glaubt. Die zeitliche Begrenzung der Einfuhr ans Rußland wirlt schließlich auch nur dahin, eine stetige, rationelle Ein- fuhr, die allein eine Besserung der Preisverhältnisse zur Folge haben kann, der Stadl unmöglich zu machen. Steuerzwang und Steuerfreiheit. Arbeiier, Handwerker und kleine Beamte werden gezwungen, ihr Einkommen bis auf den letzten Pfennig zu versteuern, während auf der anderen Seite Agrarier und Kapilalisten in der Lage sind, durch Steuerhinterziehung sich vor der Zahlung zu drücken. Selbst Leute, die sich von ihrem Einkommen kaum satt essen können, müssen hier- von Kommunalstenern zahlen. In dem Orte Lanz, Kreis Lauenburg in Pommern, wohnt ein 63 jähriger Sleinschläger Hermann Becker, der nur noch mühsam seinen Körper zur Arbeitsställe schleppt, um für sich und seine alte Frau da» Notwendigste zum Lebensunterhalt zu erwerben. Nachweislich hat er im letzten Jahre 494 M. verdient. Prompt kam die Gemeinde Lanz und verlangte von ihm den Pflichtigen Stenerbetrag von 2,40 M. Er wendete sich deshalb an die Verankagnngskommission des Kreises Lauenburg mit der Bitte, mau möge ihn alS alten Mann von der Steuerpflicht entbinden. Begründend fübrte er anS:„Ich muß jährlich 90 M. Miete zahlen, ca. 60 M. brauche ich für Heizung, IlO M. für mich und meine Frau für die notwendige Kleidung und Wäsche, 12 M. muß ich noch für daS Handwerlszeug ausgeben; es bleiben mir daher nur noch 220 M. für den Lebens unter- halt, davon muß ich mit meiner Frau das ganze Jahr hindurch leben." Die VetanlagungSkommission blieb nnerbitierlich. Sie schickte ihm folgende Antwort: Der Vorsitzende der Einkommen- stener-Veranlagungskommlssion J.-Nr. 2644. Berusungsbescheid. Auf Ihre gegen die Veranlagung zur fingierten Nonualstener für da« Stenerjahr 1. April 1913 bis 31. März 1914 eingelegte Berufung hat die hiesige Veranlagungskommission Ihr steuer- pflichtigeS Einkommen auf 494 M. ermittelt und demzufolge die von Ihnen tarifmäßig zu enlrichtcnde Jabressieuer wie bei der Veranlagung auf 2.40 M. festgestellt, Ihren in der Berufung gestellten Antrag auf Herabsetzung der Steuer daher zurück- gewiesen. In: einzelnen setzt sich nach dem Gesamtergebnis der Feststellungen Ihr steuerpflichliges Einkommen wie folgt zu- sammen: Arbeitsverdienst.... 494 M. Diese Entscheidung ist endgültig und durch ein RechiSmiitel nicht anfechtbar. Dr. Kutscher. Diese Antwort zeigt, welche Auffassung in den maßgebenden VerwalliingSkörperschaslen über die Lebenslage armer Leute vor- handcn ssi._ Eine zusammengebrochene Qrdnungsstiitze. In Nikolai O. S. stellte sich der Rechtsanwalt und Notar Schott der Staatsanwaltschaft unter der Selbstbezichtignng, ihm anvertraute Gelder unterschlagen zu haben. Angeblich sollen es nur 20 000 Mark sein.— Schott, der sofort in Haft genommen wurde, war einer der lautesten Hakatistenschreier in ganz Oberschlesien und Ordnungsstütze ersten Ranges. In seiner Eigenschaft als Vor- sitzender des Ost marken Vereins und Vorstandsmit- g l l e d verschiedener anderer patriotischer Vereine führte er immer das große Wort von der vaterländischen Gesinnung und Treue im Munde._ Einstellung des serbischen Torrnarscbes. Belgrad, 13. Oktober. Tie Regierung hat Befehl erteilt, daß die s e r b i s ch e n T r u p p c n an der serbisch-albanischcn Grenze ihren Vormarsch auf der ganzen Linie einstellen. Gibt's noch eine �lcischnot? Während die„Deutsche Tageszeitung" die amtlichen Preisbcrichie der„Statistischen Korrespondenz" für gewöhnlich ängstlich ihren Lesern vorenthält, beliebt es ihr. einmal die Zahlen der Preise für den September dieieS Jahres mit denen des Vorjahres zu vergleichen.. Tatsächlich zeigt sich da, daß Rindfleisch heute n»t 11 Pf.. Schweinefleisch um 9—10 Pf. pro Kilogramm billiger ist als im September! 1912. Dabei muß aber erinnert werden, daß im vorjährigen Sep-: OerUmicb. Ter klerikale Wahlschwindel. Wien, 13. Oktober.(P r i v a t t e l e g r a m m des „V o r w ä r t s".) Bei der Nachwahl im früheren Wiener Kreise des Genossen Schuhmeier haben die Christlich- sozialen wieder geschwindelt was das Zeug hielt. Tie„Wiener Arbeiterzeitung" veröffentlicht eine Liste von 837 abgereisten und unauifindvaren Wählern des betreffenden Wahlbezirks. denen die Wahllcgitimationen nicht zugestellt wurden, so daß sie au den Magistrat zurückgelangten und von dort an die christlichsozialen Wahlschwindler weitergegeben wurden, die dann auf Grund dieser Legitimationen durch thre Leute das Wahlrecht, natürlich im christlichsozialen Sinne, ausüben ließen. Diese Methode des Wahlschwindels rn Wien war schon lange bekannt und ist auch mehrfach bewiesen worden; daß sie aber in einem solchen Umfange geübt wird, ist hier zum ersten Male festgenagelt worden. Besonders bezeichnend rstt daß d,e Kuverts mit diesen Legitimationen, von denen der Magistrat vorher wußte daß sie nicht bestellbar seien, eigens mit dem Vermerk versehen waren:„Persönlich zu bestellen", damit. wenn der Mann nicht angetroffen wurde, die Post die Le- gitimationen nicht etwa sonst beim Portier oder bei Nachbars- leuten usw. zurücklasse. Es konnte natürlich noch nicht festgestellt werden, ob für alle diese 837 Wähler klerikal gewählt wurde, aber für einen großen Teil von ihnen war es sicher der Fall. Bei der Stichwahl am Tienstag werden die sozialdemokratischen Mitglieder der Wahlkommissionen darauf achten, ob für diese Wähler gewählt wird. Die Lisie wurde aber auch den Ne- gierungsvertretcrii in den Wahlkommissionen übermittelt, man wird also erfahren, ob die Regierung den christlich- sozialen Wahlschwindel decken will.— Tie Stinimenzunahme der Christlichsozialcn erklärt sich auf diese Weise höchst einfach! Frankreich. Beim Punkt Preise wurde eine Resolution einstimmig angenommen, wonach sich der Bezirkstag mit der Haltung des " allischen Volksblatts" in jeder Beziehung, hauptsächlich in prinzipieller Hinsicht, einverstanden erklärt. Die Entschließung war die Folge von Vorgängen, die sich in einigen Hallischen Parteiberfammlungen abgespielt haben und in denen ausdrücklich eine andere Schreibweise des Boltsblattes" verlangt wurde. In einer Proflamation an die Bevölkerung erklärt| Halischen Parteis und Gewerkschaftsinftanzen die Erledigung der Huerta, die Mehrheit der Deputierten babe beschlossen, Angelegenheit zu übertragen. Der Zusammenschluß der Gegner. ihm jede finanzielle Unterstützung zu verweigern, obwohl das Paris, 13. Oktober. In Dijon wurde bei der gestrigen and im Innern und nach außen schwere Verpflichtungen Kammerersagwahl der fonservative Kandidat habe. Wenn die Opposition von einer mächtigen Wolfsbewe Hébert im zweiten Wahlgang mit 9228 Stimmen gegen gung unterstützt würde, würde er zurücktreten, doch sei das den Kandidaten der geeinigten Sozialisten Bara- nicht der Fall. bant gewählt, der 8974 Stimmen erhielt. Es heißt, daß ein beträchtlicher Zeil der Radikalen für Hébert gestimmt habe. Das Mandat war bisher im Besitz der Geeinigten sozialistischen Partei. Hus der Partei. Zum Fall Radek. Der vorgerückten Zeit wegen wurde das Referat über die der wichtigsten Beschlüsse des Parteitages von Tagesordnung abgesetzt und nach einer langen Geschäftsordnungsbebatte folgender Entschluß gefaßt: Der Bezirtstag ertlärt, daß er mit den Beschlüssen des Parteitags betr. den Massenstreit und die Steuerfrage nicht einverstanden ist. Er fügt sich aber den Beschlüssen aus demokratischen Gründen." Wählerstreik. Die Bremer Parteigenossen beschäftigten sich in der vorigen Baris, 18. Oftober. Jm Bezirf Riceys( Departement Aube) follte gestern eine Ersazwahl zum Bezirksrat stattfinden. Der Woche in einer zweiten Versammlung mit dem Fall Nadek.( Die Berichterstattung über die anderen Verhandlungsgegenstände des ausgegebenen Barole entsprechend, daß vollständige Wahlent- Parteitages, Massenstreit, Steuerfrage usw., wurde bekanntlich von haltung geübt werden sollte, so lange das Aube departeden Bremer Genossen zurückgestellt.) Der zweiten Bersammlung Als Mitglied des Parteiausschusses wurde Genosse Redakteur ment nicht in das Champagnegebiet einbezogen sei, er- wurde außer dem von uns bereits mitgeteilten Antrag des Genossen Hennig- Halle, als Stellvertreter Reichstagsabg. Albrechtschien tein einziger Wähler. Pannekoek noch folgender Antrag des Genossen Böhlandt vor alle einstimmig wiedergewählt. But Delegierten für den Intergelegt: " In Anbetracht der außergewöhnlichen Umstände, unter wel- nationalen Stongreß wurden die Genossen Raumann- Mühlberg und Schaper- Bristeriz bestimmt. chen der Parteitagsbeschluß im Falle Radek" zustandekam, erDamit waren die Arbeiten des Vezirtstags erledigt. klärt sich die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Bremen außerstande, dem Beschluß Folge zu leisten, Radek aus der Partei auszuschließen." Japan. Satiura. Mit dem Tode des Fürsten Taro Katsura hat das konservative, das reaktionäre Japan seinen bedeutendsten Staatsmann und mächtige Stüße verloren. Bei der regierenden Kaste, vor allem bei dem verstorbenen Mikado Mutsuhito stand er hoch in Gunst. Dreimal wurde er beauftragt, als Ministerpräsident die Pläne der Militärpartei im Parlament zu verfechten, oft ist er mit wichtigen Missionen im Ausland betraut worden. Von 1898 bis 1901 gehörte er drei Ministerien als Kriegsminister an, dann wurde er dreimal mit der Bildung des Kabinetts betraut. Zweimal hat ihn Saionji, der Führer der„ liberalen" Seijukai ( Partei), das letztemal( im März 1913) der Admiral Jamamoto abgelöst. Viel Seide hat Katsura in der inneren Politik nicht gesponnen. Daran mochte er vielleicht weniger Schuld tragen als die allmächtige Militärpartei, deren Werkzeug er war, von der er Amt und Gunst empfing. Seine eigentlichen Gebiete waren das Militärwesen und die äußere Politik, und in beiden ist der Samurai ( Krieger) des Clans der Schoschu sicherlich erfolgreich gewesen, erfolgreich für das imperialistische Japan. Er war das typische Produkt des neuen Japan, womit er groß geworden und zu Ehren gekommen ist. Als blutjunger Samurai focht er gegen das Schogunat( Militärkaisertum) der Tokugawa, dann gegen die die Restauration beKämpfenden Daimios( Feudalherren), für die Alleinherrschaft des Mikado. Dieser hat die Dienste des Samurai nicht vergessen. Von 1869 bis 1878 wurde Katsura als Militärattaché nach Berlin ge= sandt, stieg dann nach und nach zum Kommandanten der Nagoyaer Division empor und machte als solcher den Feldzug in China mit. Das Jahr 1896 sah ihn als Generalstatthalter in Korea. Als 1901 das vierte Ministerium Jtos zurüdtrat, mußte er dem„ Nat der Allen" feinen würdigeren Nachfolger vorzuschlagen als Katsura. In der Diskussion sprach zunächst Genosse Senke. Seine Kritik an dem Zustandekommen des Parteitagsbeschlusses im Falle Radek gipfelte in den Säßen: Die Organisationen zum Parteitage. des Versammlung Wahlkreises gutbesuchten Jit einer Sorau Forst nahmen die Genossen in Forst Stellung zu den Beschlüssen des Parteitages in Jena. Genosse Reichstagsabgeordneter Er ist mit den Beschlüssen und Oswald Schumann referierte. den Verhandlungen des Parteitages durchaus zufrieden und behandelte in längeren Ausführungen seine Stellungnahme zur Frage des Massenstreils. Er stellt es ganz und gar in Abrede, daß die Maffen auf den Streit warten. Aus feiner praktischen Tätigkeit als Vertreter einer großen Zentralorganisation fönne Stimme feine die erheben, Massen nicht in die Noch fei deutsche suggestieren. Bit er nur Ich bin zu der Entscheidung gekommen, Ihnen empfehlen zu sollen, der Partei deutlich zu sagen, daß wir den Beschluß für einen äußerst schädlichen und unhaltbaren Beschluß halten. Ich halte es nicht für möglich, daß wir uns dem Beschlusse fügen, und ich hoffe, daß auf dem nächsten Parteitag dieser Beschluß aufgehoben und durch einen vernünftigeren ersetzt wird." Der Versammlung wurde vom Genossen edler noch fol- warnend dieser Weise gender Antrag unterbreitet: " Die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Ver- Drganisationstätigkeit nicht zum Abschluß gekommen, um so Wenn aber der Raub eins bedauert lebhaft die Erledigung des Falles Radek auf dem folgenschweren Entschluß zu wagen. Parteitage, besonders die Bestimmung, dem Antrag 45 rüd- des Reichstagswahlrechts drohe oder das Koalitionsrecht in Gefahr wirkende Kraft zu verleihen. Die Versammlung erkennt den schwebe, dann sei der Massenstreit aktuell. flaren Willen der Mehrheit des Parteitages an, Radek zu streichen, beschließt jedoch, an den nächsten Parteitag den Antrag zu stellen, eine Revision des Beschlusses herbeizuführen." Genosse Wellmann warnte vor der Annahme des Antrages Bannekoek. Genosse Pannekoek rühmte sodann die Verdienste Radeks um die Bremer Bürgerzeitung" und kritisierte das Vorgehen des Parteitages und die Auslegung der Anträge 45 und 115 Abfah 2. Genosse Pannekoek brachte noch folgenden Antrag ein: Die Versammlung spricht ihre Anerkennung über die Tätigkeit Radeks für die Bremer Bürgerzeitung" aus und erklärt, daß ungeachtet der Entscheidung über die Mitgliedschaft der weiteren Mitarbeit Radeks an der Bremer Bürgerzeitung" nichts im Wege steht." Genosse Winkelmann wandte sich scharf gegen die Ausführungen Hentes und Pannekoeks, dessen Anträge er abzulehnen ersuchte. Die Versammlung wurde schließlich wiederum vertagt. " In der Diskussion traten die Genoffen Petite und Förster dem Genossen Schumann scharf entgegen. Genosse Betschte segt seine ganze Hoffnung auf die Not und Drangsalierung, denen die Arbeiter ausgesetzt sind. Im übrigen aber waren beide Genossen in der Steuerfrage und mit der Behandlung der Arbeitslosentesolution einverstanden. Ausbau der Parteiorganisation in Nordbayern. Nachdem auf dem außerordentlichen Landesparteitag der Sozialdemokratie Bayerns zur Erweiterung und Vertiefung der Agitation beschlossen wurde, daß mit Zustimmung der zuständigen Gauorganisation und des Landesvorstandes innerhalb der Gauverbände Unterbezirke, sogenannte Bezirksverbände gegründet werden können, ist an den Gauvorstand für Nordbayern der Antrag gerichtet worden, die oberfränkischen Wahlkreise Bayreuth- Wunsiedel und ForchheimBegnig sowie den oberpfälzischen Wahlfreis Neustadt a. d. Waldnaab zu einem Bezirksverband mit dem Siz in Bayreuth zu vereinigen und diesen Bezirk durch einen Parteisekretär bearbeiten zu lassen. Parteiliteratur. Völkerschlachten und Klassentämpfe. Soeben erschien im Verlage der Buchhandlung Vorwärts der zweite Teil dieses der Buchhandlung Vorwärts der zweite Teil dieses Werkes, dessen ersten Teil wir bereits angekündigt haben. Genosse Dr. Conrady liefert hier weitere urkundliche Beiträge Befreiungstriege und des Vormärz ist hier wieder sehr wertvolles zur Jahrhundertfeier. Aus der Literatur zur Zeitber Material zur Beurteilung des heutigen Jubiläumerummels zusammengetragen, so z. B. aus den Schriften Arndts, der Generäle Bohen, Gneifenau u. a., Varnhagen von Enfes usw. Dieser zweite Teil bringt Stimmen aus der Zeit des Waffenstillstandes und des Herbstseldzuges, über die Kämpfe in Frankreich und den Wiener Kongreß. wei weitere Stapitel bringen selagen der Enttäuschung über die dürftigen Früchte, die der Freiheitskampf den Wölfern eingetragen, und über das wüten der Reaktion nach 1815. Der Preis dieses wie des ersten Bandes beträgt 1 M. In die erste Ministerpräsidentschaft Statsuras( 1901 bis 1905) fällt der Abschluß des ersten englisch- japanischen Bünd Bezirkstag für den Agitationsbezirk Halle. nisvertrages, der in seiner Anerkennung Japans als eine Am Sonntag tagte im Volkspart zu alle der diesjährige den Großmächten ebenbürtige Macht einen ungeheuren moralischen Bezirkstag für den Agitationsbezirt Halle, zu dem die acht WahlErfolg für den Asiatenstaat darstellte und dem japanischen National- freise Torgau- Liebenwerda, Delitzsch- Bitterfeld, Wittenberg- Schweinig, stola nicht wenig schmeichelte. Nicht weniger bedeutungsvoll war Halle Saalfreis, Merseburg- Querfurt, Mansfeld, Sangerhausendie Vorbereitung und Durchführung des Krieges mit Ruß- Edertsberga und Beiz- Weißenfels gehören. Die Konferenz war von 60 stimmberechtigten Mitgliedern besucht. Tand. Die erhoffte große Kriegsentschädigung blieb jedoch ebenso Der gebrudt vorliegende Geschäftsbericht, ber die Beit wie der wirtschaftliche Aufschwung aus. Die gewaltigen Opfer an bom 1. Juli 1912 bis 31. März 1913 umfaßt, wurde Gut und Blut hatten unendlich weniger Vorteile gebracht als der vom Bezirkssekretär Genossen Drescher noch mündlich ergänzt. viel geringere Opfer heischende Krieg mit China. Die Annahme Das vorige Berichtsjahr hatte eine Zunahme an Mitgliedern um fast der„ unwürdigen" Friedensbedingungen hat Katsura den Haß der 25 Broz. gebracht, dagegen das verflossene einen Rückgang um Patrioten eingetragen, der bis zu seinem Ende andauern sollte und 1.8 Proz. Die Zahl der Mitglieder ging von 24 360 auf 28 907 womit die Demagogie geschidt zu ihrem Vorteil gewuchert hat. zurüid. Den Hauptanteil an dem bebauerlichen Verlust trägt der Daß ein anderer günstigere Bedingungen in Portsmouth er- Mansfelder Wahlfreis( 25 Prog). Das in ganz Deutichland be aielt hätte, war nach Lage der Dinge vollständig ausgeschlossen. rüchtigte Gewaltsystem der Mansfelder Grubenbarone hat fortgesetzt Wenn einmal der Schleier von den Portsmouther Verhandlungen bis in die letzte Beit Hunderte von Familienvätern aus der Heimat gehegt, und zwar waren es natürlich meist nur Barteimitglieder. ( im September 1905) genommen wird, wird sich's zeigen, daß Den stärksten Mitgliederstand weist Halle mit 7961 Mitgliedern auf; Japan ebensowohl, wenn nicht noch mehr als Rußland Ursache der nächste Kreis ist geiz- Weißenfels mit 5501, ihm folgt Bitterfeld Polizeiliches, Gerichtliches uTw. hatte, die Feindseligkeiten einzustellen. Roosevelt gilt zwar mit 3082, Merseburg mit 3032, Torgau 1774, Mansfeld 1200, als der Friedensstifter, in Wirklichkeit aber war es das europäische Wittenberg 879, Sangerhausen 478. Die Frauenbewegung Der Sieg der roten Fahne in Baden. und amerikanische Kapital, das in Portsmouth den Ausschlag gab. macht so gut wie gar feine Fortschritte; im Vorjahre wurden im Aus Anlaß eines Arbeiter- Sängertages war von der PolizeiAn die Weiterführung des Feldzuges in der Mandschurei fonnte Bezirk 4038 weibliche Mitglieder gezählt, in diesem Jahre 3720, also direktion in Karlsruhe das Umbertragen roter Fahnen auf ein Rückgang um 813. Um weder Roosevelt noch Japan ohne die Hilfe der ausländischen Kapi- rbonn bendit in die Frauenbewegung fräftiger zu Straßen, Versammlungs- und Feſtplähen verboten worden. Diese fördern, follen demnächst im ganzen Bezirk Frauenfonferenzen talisten denken. Diese jedoch hatten ein dringendes Interesse daran, abgehalten werden. Schöne Erfolge hat trog der erheblichen Wider- Polizeiverfügung wurde im Verwaltungsstreitverfahren ange= daß Rußland nicht noch mehr geschwächt wurde, weil sonst die stände die Jugend bewegung gemacht. Die Zahl der Jugend- fochten und der badische Verwaltungsgerichtshof hat nunmehr dic Herbeiführung eines dem Staatsbankerott gleichenden Zustandes ausschüsse stieg um 12, von 54 auf 66 und der Abonnentenstand der Verordnung mit folgender Begründung aufgehoben: und der Sieg der Revolution gegeben gewesen wäre, was eine Ge- Arbeiterjugend um 1210, nämlich von 2765 auf 3975. In der Stadt fahr für die in Rußland angelegten Kapitalien bedeutet hätte. Die alle stieg die Leserzahl allein von 581 auf rund 1400. Gunft des internationalen Kapitals durfte sich Japan durch Un- Die Bildungsbestrebungen wurden auch in den ländlichen nachgiebigkeit nicht verscherzen, denn es brauchte seine Unterstüßung Wahlfreifen berücksichtigt durch Veranstaltungen aller Art. Um dieses ebenso dringend wie Rußland. Dem Machtwort des geldgebenden wichtige Gebiet noch mehr zu pflegen soll ein Bezirksbildungsausschuß Auslandes hatte sich der japanische Unterhändler in Portsmouth gegründet werden. Die Parteipreffe hat gleichfalls einen fleinen Rückgang zu verzeichnen. Das„ allische Woltsblatt" hat zu fügen. durch Einführung einer täglichen Unterhaltungsbeilage seinen Um Katsuras zweite wie auch seine dritte Ministerpräsidentschaft fang bedeutend erweitert, wodurch der Werluft sicher bald wieder begannen mit dem Versprechen, den Steuerdruck zu mildern sowie wettgemacht wird. Die Landtagswahl hat auch im Bezirk die Volksrechte zu vermehren, und sie endeten beide mit einer ein höchst erfreuliches Ergebnis gehabt, benn 1913 wurden noch größeren Schuldenlast und stärkerem innerpolitischen Wirr- 23 291 Stimmen aufgebracht gegen 16 513 im Jahre 1908. Wahlwarr. Nach seiner zweiten großen Niederlage im Parlament ver- männer wurden 634 durchgebracht gegen 544 bei der vorigen Wahl. fuchte Katsura sich eine eigene Partei au schaffen, womit er später Das Interesse an öffentlichen Versammlungen war, troßdem einige die Pläne seiner Auftraggeber, der Militärpartei, vollbringen größere Aftionen stattgefunden haben, gering, denn es wurden nur 311 öffentliche Versammlungen abgehalten gegen 849 im vorherigen konnte. Diese Gründung, der Zentraltlub, hat es nie auf Berichtsjahre. Die Drte, in denen Versammlungen abgehalten mehr als 50 Abgeordnete gebracht und wäre schon seiner Zahl werden fönnen, stiegen von 157 auf 182. Die schriftliche Agitation nach gegenüber der die Mehrheit bildenden Seijukai vollständig war sehr rege. Flugblätter, einschließlich des Stadt und Landmachtlos gewesen, auch wenn er fähigere und volkstümliche Mitglieder gehabt, hätte. boten" und der" Fackel"( im Kreise Weißenfels) find in einer Auflage von insgesamt 927 500 verbreitet worden; außerdem geDas viertelDen letzten Versuch ohne Partei, gegen den Willen der langten 145 200 Boltskalender zur Verteilung. Parlamentsmehrheit und des politisch denkenden Voltes zu re- jährlich einmal zur Verteilung gelangende Landarbeiterblatt hat sich gieren, begann am 11. Dezember 1912 und wurde am 12. März famteinnahme von 20 096 M. und einer Ausgabe von 288 M. einen gut eingeführt. Der Bezirksmai fonds hatte bei einer Ge1913 gewaltsam durch einen Volksaufstand beendet, wobei es Tote Bestand von 19 808 W. und Verwundete in Masse gab. Dem Volfszorn weichen zu müssen, Der Kassenbestand der Bezirkslasse weist bei einem Behat dem selbstherrischen Militär, der nie geneigt war, viel nach stande von 169,77 W. eine Einnahme von 23 460,67 M. und eine Volksstimmung zu fragen, der immer strebte, ohne Konzessionen Ausgabe von 23 290,90 m. auf. Vom Barteivorstand wurde ein Zu an das Parlament seine Politik durchzusehen, schweren Summer schuß zur Landtagswahl in Höhe von 2000 m. gewährt. An Beibereitet und fein Ende beschleunigt. Das imperialistische Japan irägen zur Bezirkslasie brachten die Streife insgesamt 2962,20 9. hat seinen fähigsten Staatsmann verloren, das arbeitende Japan auf und erhielten an Agitationszuschuß 2595,31 M. An die Haupteinen Feind, der durch seine reaktionäre Politik viel zu seiner Aus- fasse in Berlin wurden 13 239.43 M. abgeführt. Die einzelnen Wahlsaugung durch den Fiskus und zu seiner politischen Rechtlosigkeit gabe von insgesamt 55 459,49 M. sowie einen Kaffenbestand von freise hatten eine Gesamteinnahme von 85 491,28 M. und eine Ausbeigetragen hat. Mexiko. Der Staatsstreich. 30 031,90 M. Dem Vertreter des Staatsinteresses ist einzuräumen, daß die demonstrative Verwendung der roten Fahnen bei einer Beranstaltung der vorliegenden Art in der Tat zu einer Störung der öffentlichen Ordnung führen kann. Die Befugnis der Polizeibehörde, aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit das Umbertragen roter Fahnen unter gewissen nach Sachlage hier nicht näher zu erörternden Voraussetzungen zu verbieten, fann an sich nicht in Zweifel gezogen werden. Dagegen tann die Polizeibehörde aber nicht als befugt erach= tet werden, das Tragen roter Fahnen ganz allgemein, schlechthin zu verbieten. In der angefochtenen Verfügung fehlt eine nähere Umgrenzung des Verbots, das Umbertragen roter Fahnen wird darin allgemein verboten. Eine Erläuterung darüber, was unter„ roben Fahnen" im Sinne der Verfügung zu verstehen sei, ist dem Kläger weder schriftlich noch mündlich eröffnet worden. Die allgemeine Fassung der Verfügung legt die Deutung nahe, daß unter den roten Fahnen die Fahnen der am Feste beteiligten Vereine, also lediglich Vereinsfahnen zu verstehen seien. In diesem Sinne hat der Kläger das Verbot auch aufgefaßt und es den Festteilnehmern bekanntgegeben. Aber gerade die Vereinsfahnen sollten nach der Grflärung des Vertreters des Staatsinteresses von dem Verbote nicht getroffen werden, die Staatsbehörde hat also in dieser Richtung die Unzulässigkeit der Verfügung eingeräumt.... Die angefochtene Verfügung beruht in ihrer allgemeinen Fassung auf einer unrichtigen Anwendung des§ 30 des Polizeiftrafgesetzbuches, fic verlegt insofern die Rechte des Klägers und mußte daher aufgehoben werden." Letzte Nachrichten. Ein urgetreuer Kassierer. sicherungsanstalt in Leipzig hat ein feit Jahren angestellter Leipzig, 13. Oftober.( W. T. B.) Bei der Leipziger FeuerberRaffierer größere Unterschlagungen vorgenommen, die sich angeblich auf über 300 000 Mark belaufen sollen. Wie die vorläufige Untersuchung ergeben hat, find die Unregelmäßigkeiten in der Kaffenführung schon vor einiger Zeit vorgenommen worden. In der umfangreichen Diskussion waren sich alle Genossen einig, daß der Frauen- und Jugendbewegung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. Sämtliche Redner untersuchten die Ursachen New York, 13. Oktober. Nach einem Telegramm aus des Mitgliederverluftes und gaben allerlei Anregungen, wie die Meriko hat der Minister Alda pe erklärt, daß die ver- Arbeitsfreudigkeit der Genossen wieder gesteigert werden könne. hafteten Abgeordneten ihre Freiheit nicht erhalten Ueber den Ausfall der Landtagswahl und die überhandnehmende Auflösung und Neuwahlen der Sobranje. fönnten, sondern vor Gericht gestellt werden sollen. Kein gelbe Belegung war man verschiedener Anficht. Um im Landtags einziger jei freigelassen worden. Die Auflösung wahlkampf vorwärts zukommen, müssen schärfere Mittel als bisher Sofia, 13. Oktober.( W. T. B.) Das Amtsblatt veröffentlicht einen des Kongresses bedeute nicht etwa, daß keine Neuwahlen statt- angewendet werden; auch Straßendemonstrationen würden sich nicht Erlaß, durch den die Sobranje aufgelöst wird und die vermeiden lassen. Genoffin Sperling meinte, man müsie den Neuwahlen für den 6. Dezember angesetzt werden.- Der Befinden sollten. Frauen mehr Pflichten auferlegen, dann würde das Interesse an der Lagerungszustand wird von morgen an aufgehoben. Da die GoBewegung zweifellos ein größeres werden. Nach einem Referat des Genossen Bied- Berlin wurde ein branje nicht versammelt ist, hat der Ministerrat das BudgetAntrag angenommen, einen Bildungsausschuß zu gründen und den provisorium für die letzten drei Monate des Jahres bewilligt. Die Straßen werden fortgesetzt von Truppen durch zogen, doch hat sich die durch den Staatsstreich hervorgerufene Erregung gelegt.(?) Enorm billig! feinste BEBEL- BÜSTE User und Anzüge Der Bildhauer JULIUS OBST- Berlin hat eine Büste von AUGUST BEBEL geschaffen, deren Generalvertrieb die Buchhandlung Vorwärts Berlin übernommen hat. Die Büste ist in vier Größen vorrätig: Größe 1, 80 cm hoch.... Preis 20 Mark Größe 2, 60 cm hoch Preis 15 Mark 8 Mark Größe 3, 40 cm hoch.... Preis Größe 4, 20 cm hoch.... 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Gewerkschaftliches. Eine neue Taktik der britischen Bergarbeiter. London, 11. Oktober.( Eig. Ber.) Dienstag, 14. Oktober 1913. Der Antrag wurde von dem jungen südwalisischen Dele- wie sie denn auch in der politischen Betätigung der Arbeitergierten Hodges begründet, der folgendes ausführte: schaft, wenn auch als Liberale, die Bahnbrecher gewesen sind. " Die Resolution bezwedt, der Organisation der Kapitalisten Auf der Konferenz wurde das Resultat der Abstimmung beeine" vollständigere und wirksamere Organisation der Arbeiter fannt gemacht, die die Föderation hat vornehmen lassen gegegenüberzustellen. Die Bergarbeiter haben die vollkommenste mäß des legten Gewerkschaftsgesetzes, das das Osborneurteil Organisation in der Gewerkschaftswelt, aber in bezug auf die teilweise aufhebt und das Recht zur politischen Betätigung allgemeine Arbeiterbewegung geht sie planlos vor. Man hat ge- davon abhängig macht, daß sich die Mehrheit der Organisation sehen, wie die Eisenbahner und dann die Bergarbeiter ihren dafür erklärt. Es stimmten für die Schaffung eines politiGeneralstreik führten, ohne aufeinander Rücksicht zu nehmen. Die diese Woche in Scarborough tagende Jahreskonferenz der Bergarbeiterfonföderation Großbritanniens gestaltete sich au einem Ereignis von ungewöhnlichem Interesse. Die Bergarbeiter bilden heute mit ihren starken und festgefügten Organisationen das Rückgrat der britischen Arbeiterbewegung. In keinem anderen Berufe ist das Solidaritätsgefühl so groß toie unter den Bergknappen, und vor keiner anderen Arbeitergruppe haben die Stapitalisten des Landes einen so großen Respekt. Dazu sind sie stets emsig wie die Bienen dabei, ihr Gemeinwesen auszubauen und zu reparieren. Im vergangenen Jahre haben sie mehr als 74 000 neue Mitglieder gewonnen, so daß ihre Föderation zurzeit 660 000 Mitglieder umfaßt. Einzelne Verbände, die noch Schulden vom letzten Generalstreit abzubezahlen haben, geben aus leicht erklärlichen Gründen ihre wirkliche Mitgliederzahl nicht an; geschähe das, so würde sich herausstellen, daß die Bergarbeiterföderation Großbritanniens, wie der Vorsitzende Genosse Smillie in der Eröffnungsrede angab, nahezu 800 000 Mitglieder hat. Man kann ohne die geringste Uebertreibung sagen, daß jeder unterirdisch beschäftigte Arbeiter in Großbritannien organiVon einigen ist die Abstimmung so ausgelegt worden, Gesetzgebung abhängen, kaum aufkommen können. Allerdings fiert ist. Jezt macht sich der Verband ernstlich an die voll- als wenn es sich lediglich um eine akademische Sache handle, wenden sich die Bergknappen energisch gegen die Theorien ständige Organisierung der Obertagsarbeiter, die teilweise in der man feine ernstlichen Schritte zu tun beabsichtige. Das und Ausführungen jener Nurparlamentarier in der englischen noch Sonderorganisationen angehören. Dieses Bestreben stimmt jedoch nicht. Es handelt sich nicht einfach darum, den Arbeiterpartei, die bei jeder Gelegenheit die gewerkschaftliche kommt am besten in einigen von der Konferenz angenom- jungen Elementen ein Beruhigungstränklein zu geben. Be- Aktion herabießen und den Parlamentarismus als das Allmenen Resolutionen zum Ausdruck, in denen verlangt wird, fürworter der in der Resolution zum Ausdruck gebrachten heilmittel preisen. Gegen ihren Hauptführer Snowden daß das Achtstundengesetz auch auf die Obertagsarbeiter aus- Taktik siken im hohen Nat der Föderation und genießen als polemisierte der Vorsitzende Smillie in seiner Eröffnungsgedehnt werden soll. Ein solcher Riesenverband muß natur- Taktiker das höchste Ansehen. Es ist natürlich ganz verkehrt, rede, indem er die Behauptung Snowdens, das Mindeſtgemäß eine wichtige Rolle in der Gesamtbewegung spielen. Die Resolution als eine Aufmunterung zum Shapathieſtreit lohngesez habe den Bergarbeitern mehr gebracht als alle ihre Und die Bergarbeiter sind sich dieser Rolle wohl bewußt. Wo auszulegen, wie es verschiedene Londoner Bläter tun. Daran früheren gewerkschaftlichen Aktionen, als lächerlich bezeichnete. immer die Arbeitsbrüder hart bedrängt sind, da springen die denkt niemand, daß zum Beispiel die Bergarbeiter streifen Gewiß hat die Bergarbeiterföderation Großbritanniens feine Bergknappen helfend bei. Das bewiesen sie erst wieder diese sollen, wenn die Transportarbeiter in einem Stampfe stehen. Ursache, sich ihrer Geschichte zu schämen. Sie hat die LebensWoche, als sie beschlossen, den ausgesperrten Dubliner Arbei- Es handelt sich nur darum, die drei genannten Berufsgruppen haltung ihrer Mitglieder gewaltig gehoben und dem britischen tern eine Unterstügung von 1000 Pfund Sterling wöchentlich zu gewähren, bis der Kampf zu Ende ist. Aber unter ihrer 34 einem gemeinsamen Vorgehen zur Durchführung der jeder Bergarbeiter ein Selbstbewußtsein gegeben, wie man es in jezigen Leitung zeigt die Föderation nicht allein Verständnis Gruppe eigenen Forderungen zu bewegen, um so einen wenigen Berufsgruppen findet. größeren Druck ausüben zu können. Unter den Eisenbahnern für den alltäglichen gewerkschaftlichen Kampf, sondern auch hat der Gedanke viele Anhänger. Auch die Transportarbeiter fiir andere wichtige Dinge in der Arbeiterbewegung. Als es befassen sich schon seit einiger Zeit mit der Idee des gemeinschien, daß das Tageblatt der Arbeiterschaft, der„ Daily jamen Vorgehens der drei Berufsgruppen. Schon während Citizen", über furz oder lang in Geldverlegenheit geraten des Londoner Hafenarbeiterstreits im vorigen Jahre machten mußte, sagten sich die Bergarbeiter: Wir allein find ſtart die Transportarbeiter einen Vorschlag, der auf das Zusammen genug, um das Blatt, das der Arbeiterbewegung schon so viele gehen der drei Berufsgruppen hinzielte. Die Zeit war jedoch gute Dienste geleistet hat, über Wasser zu halten. Sie ver- höchst ungeeignet zur Ausführung des Planes. Die britischen anstalteten eine Urabstimmung, um zu erfahren, ob die Mit- Transportarbeiter mit ihrer losen Organisation und ihrem glieder bereit waren, für den„ Daily Citizen" auf drei Jahre leeren Geldbeutel wären gewiß das schwächste Glied in dieser hinaus je einen Schilling zu opfern. Die Knappen bejahten Stette. Sie würden sich zu einem Einheitsverband zusammendie Frage, und der„ Daily Citizen" kann mit einem Zuschuß schließen müssen, wenn sie ihren Mann stellen sollen. Ein von etwa 30 000 Pfund jährlich einer sorgenfreien Zukunft Argument, das gegen den Plan vorgebracht worden ist, verdient besondere Beachtung. Man hat eingewendet: Kommt Doch was am meisten die Aufmerksamkeit der Deffent es zum Kampfe und zur vollständigen Einstellung der Translichkeit auf sich gelenkt hat, ist eine unscheinbar aussehende portindustrie, was nüßt es dann, daß die Bergarbeiter Resolution, die die Konferenz zu Scarborough mit allen gegen streifen? Sie würden sowieso arbeitslos werden. Was aus eine Stimme anniahm und die Wege für ein fünftiges Bu- dem Blane werden wird, kann man erst erfahren, wenn die sammengehen der Bergarbeiter, Eisenbahner und Transportarbeiter ebnet. Es ist hier schon gelegentlich der Besprechung Vorstände der verschiedenen Organisationen miteinander beüber die Absicht englischer Kapitalisten, einen Abwehrfonds in der Höhe von 50 Millionen Pfund zu sammeln, auf die Kristenz eines solchen Planes hingewiesen worden. Die Resolution der Bergarbeiter lautet: Unser Generalstreit hat Leuten Not gebracht, die gegen ihre Ar- schen Fonds 261 643, dagegen 194 800 Mitglieder der Födebeitgeber keine Beschwerden hatten. Die Zeit ist da, um diese ration. Wie man sieht, ist die Zahl derer, die mit Nein Methode zu ändern. Die Eisenbahner haben jetzt ein Programm, stimmten, fast ebenso groß wie die der sich der Stimme entauf dem der Achtstundentag und der Mindestlohn steht. Die haltenden Mitglieder. Man hat versucht, diese Ziffern so aus. Dodarbeiter sind daran, ein Programm zu formulieren. Im zulegen, als ob sich unter den britischen Bergarbeitern eine Jahre 1915 laufen die Distriktsverträge der Bergarbeiter ab. In- starke antipolitische Tendenz bemerkbar machte. Diese Auszwischen werden wir damit beschäftigt sein, unsere Forderungen legung ist jedoch grundfalsch. Die Mitglieder der Föderation, zu entwickeln, ohne auf die anderen Gewerkschaften und deren die sich der Stimme enthielten oder gegen den politischen Forderungen Rücksicht zu nehmen. Würde es nicht im Interesse der industriellen Organisation unendlich besser sein, wenn die Fonds stimmten, waren sicher zu mehr als 99 Proz. entBergarbeiter die Initiative ergriffen und sich den Vorständen weder politisch indifferente Leute oder Liberale und Konseranderer großer Gewerkschaften näherten, um zu erfahren, in- vative, die von der Arbeiterpartei, der die Föderation angewieweit wir gemeinschaftlich vorgehen können? In Südwales schlossen ist, nichts wissen wollen. Gewiß befindet sich unter glauben wir, daß die Bergarbeiterföderation die Körperschaft ist, den liberalen Gegnern auch die Mehrheit der Bergarbeiter die dazu bestimmt ist, die Planlosigkeit in wirtschaftlichen Stämpfen Derbyshires und anderer mittelenglischer Grafschaften, die auszumerzen. Die Kämpfe der Arbeiterklasse würden beträchtlich die liberalen Wahlorganisationen füllen. Eine antipolitische Beverringert werden, wenn wir in der gekennzeichneten wirksamen wegung wird unter den Bergarbeitern Großbritanniens, deren Weise organisiert wären." Leben und Gesundheit so sehr von den Entscheidungen der entgegensehen. " Der Grefutivausschuß wird ersucht, mit dem Eyekutivausschuß anderer großer Gewerkschaften in Verbindung zu treten aweds gemeinschaftlicher Aktion zur gegenseitigen Unterstützung bei der Erhebung von Forderungen." Kleines feuilleton. " raten haben. Wie bei allen neuen Erscheinungen in der britischen Gewerkschaftswelt hört man jekt wieder den Ruf: Aber das ist ja Syndikalismus. Und die Syndikalisten, die wie eine Fliege auf dem Gewerkschaftsrad siben und sich einbilden, es zu bewegen, stimmen in den Ruf mit ein. Sonderbar ist nur, daß die Bergarbeiter, die die obige Resolution annahmen, sich zu gleicher Zeit auch für die politische Aktion aussprachen, Berlin und Umgegend. " Es fand Die Reichskonferenz der Anwaltsangestellten. des Reiches besucht. Ueber die Verhandlungen mit dem Die Konferenz war von etwa 40 Delegierten aus allen Teilen sozialen Ausschuß des Deutschen Anwaltsvereins" referierte der erste Vorsitzende Giebel: Als der Anwaltsverein den Sozialen Ausschuß eingefegt hatte, wandten wir uns sofort an den Vorstand des Anwaltsvereins mit dem Ersuchen um gemeinsame Beratung und Regelung der Angestelltenverhältnisse. schließlich die gemeinsame Sigung mit dem Sozialen Ausschuß am 8. Juni b. J. statt, an der auch die Vertreter einiger anderer Angestelltenvereine teilnahmen. Aus den Mitteilungen des Geheimen Justizrats Jakobson ging hervor, daß ein Tarifabschluß von dem Sozialen Ausschuß nicht ins Auge gefaßt war- taifächlich ist die Bewegung hierfür ja auch noch nicht reif; tu den Reihen der Angestellten bedarf es dazu noch eines stärkeren Ausbaues der Organisation, in den Reihen der Anwälte des Eindringens moderner bezw. sozialer Jbeen. Bei den Verhandlungen mit dem Sozialen Ausschuß wurde die Regelung der gesamten Berufsverhältnisse erörtert. In einigen Fragen tauchtea Differenzen auch unter den Vertretern der Organisationen der Angestellten auf. o wollte der Leipziger Verband eine recht lange Kündigungsfrist erlangen, vor allem die sechswöchentliche, um mit den Handlungsgehilfen gleichgestellt zu sein. Er übersieht, daß es sich dort um die gefeßliche Regelung mangels einer Vereinbarung handelt, hier aber um die Schaffung einer Vereinbarung. Wir befürchten von einer langen Kündigungsfrist, daß namentlich die jüngeren Kollegen in Lieder " A den Dörfern, der Gebrauch der Seife verbreitet ist. Man sieht jetzt| Naturanmut, aber auch an seinem schalkhaften Humor ergößen. Und weit weniger alte Leute mit von ungesunden Geschwüren und Ge- dann Franz Schuberts D- moll Quartett, das der Gedanke an den schwülsten zerfrejsenem Gesicht; solche Geschwülste zeigen sich eben Tod beherricht, an ein rasa dahinstürmendes Leben, das kaum so meist auf schlecht gewaschenen Gesichtern. Leider aber haben wir recht genossen, gleich einer Blume des Feldes verblüht und verwelft! Nietzsche, Wagner und Parsifal. Von einem bisher unbekannt diese Hygiene des Gefichts nicht auch auf unsere Verdauungsorgane Beider Werke erfuhren durch das Flonzaley Quartett eine gebliebenem Gespräche, das Richard Wagner und Friedrich Nietzsche ausgedehnt. Und daher kommt sicherlich das ganze Unglück. Man bezaubernde Klangschöne Wiedergabe im einzelnen und als Ganzes. 1876 in Sorrent über den Parsifal führten, macht neuerdings Nietzsches soll also nicht mehr von erblichem Krebs spremen. Wenn in der- Frau Gertrud Fischer Mareşti fang zwischenein bon Beethoven, Mozart und Robert Franz. In Schwester in dem nächstens erscheinenden Buche„ Der einsame selben Familie oder in demselben Hause der Krebs mehrere Opfer Neigsche" Mitteilung. Mit Erlaubnis des Verlages von Alfred fordert, so geschieht das darum, veil alle, welche unter dem- Mozarts „ Veilchen", ungleich fühner in Beethovens herrlicher Kröner in Leipzig können wir dieses Gespräch bereits jetzt mitteilen: selben Dache wohnen, gewöhnlich auch dieselbe schlechte Hygiene glutboller Adelaïde" wurde ja zum ersten Male die alte ,, Am letzten Abend ihres Zusammenseins machten Wagner und haben. Form der Arie, des ariofen Rezitativs, der Kantate usw. durch. mein Bruder einen wundervollen einsamen Spaziergang die„ Sie glauben also, daß man sich gegen den Krebs schützen brochen und das einfach gebaute Versgefüge des Liedes zur breitKüste entlang und zur Höhe hinauf, wo der Blick sich fann?" fragte der Journalist. Bei Robert Franz, dem größten ausladenden Szene erweitert. tveit über Meer, Insel und Bachten ausbreiten und das herrliche„ Ganz sicher", erwiderte Professor Metschnikow, und das Rezept Liederschöpfer feit Schubert, begegnete sich hinwiederum Ilassischer Bild in sich aufnehmen kann. Es war ein schöner Herbsttag, ist einfach: man genieße feine rohen Speisen und befolge ein paar und romantischer Musikstil in selten inniger Verschmelzung. In mild, mit einer getvissen Melancholie der Beleuchtung. einfache Vorsichtsmaßregeln. Hier sehen Sie z. B. ein paar Bananen, Zwei welte Rosen" war außerdem reichliche Gelegenheit gegeben, die den Winter vorahnen läßt.„ Abschiedsstimmung" sagte Wagner. die ich mir soeben getauft habe, um sie nach Hause mitzunehmen. zu hören, wie eigenartig und doch immer organisch Franz die KlavierDa begann er plöglich und zum ersten Male ausführlich von dem Weil diese Frucht mit einer dicken Schale bedeckt ist, glauben viele, begleitung mit der Melodie und Singstimme verwoben hat. Mit Parsifal" zu reden und zwar gang merkwürdig, nicht als von einem daß die Banane keine Mikroben habe. Weit gefehlt! Die Banane reifer Seunst wußte die Sängerin sämtliche Lieder zu gestalten, so Künstlerischen Plan, sondern von einem christlich religiöien Erlebnis. reift erst, wenn gewisse Keime des Fleisch der Frucht erreichen, nach zwar, daß deren innerfie Struktur und musikalische Schönheit jeweils Und wieder fonnte man die Vielleicht fühlte Wagner, daß ein Bühnenfestspiel" erdacht und kom- dem sie durch die Schale, die es schüßt, gedrungen sind. Bei mir charakterisch in Erscheinung trat. poniert von einem so schroffen Atheisten, wie er sich meinem Bruder werden daher die Bananen immer erst gebrüht", bevor sie ge- Beobachtung machen, wie grausam es doch ist, beispielsweise Mozarts in Tribschen immer gezeigt hatte( und wie ihn ficher alle seine gessen werden. Jch tauche sie etwa eine Minute lang in kochendes so charmant nedische Warnung", die man sich nur von einer weibFreunde in den techsten Aussprüchen bis zum Anfang der 70er Jahre Wasser, und die Frucht verliert dabei nichts von ihrem Wohl- lichen Stimme vorgetragen denken mag, in einen immerhin rauhgekannt haben), faum als ein christlich- religiöser Aft empfunden werden geschmack. An der Flamme eines Bunsenbrenners oder eines fehligen schwerfällig bleibenden- Männerchor zu verschandeln! fönnte, wie er doch sollte. Rostes lasse ich immer Messer, Gabeln, Löffel ausbrennen", und Mein Bruder hatte eine große Vorliebe für aufrichtige, redliche ich röste das Brot, um die Wikroben, die auf seiner goldbraunen Christen, wie sie ihm z. B. in Basel begegnet sind, aber er hielt es Kruste figen fönnen, zu vernichten. Alle Gerichte werden gebraten für unmöglich, daß jemand, der sich so wie Wagner bis zu den äußersten oder gekocht. Die Salate müssen angewärmt werden; das Wasser Konsequenzen als Atheist ausgesprochen hatte, jemals wieder zu filtriert und gekocht. Weiter verbanne ich von meiner Tafel alle Die Reform des Doktortitelwesens wurde auf einem frommen, naiven Glauben zurückkehren könnte. Er konnte rohen Gemüse und Früchte. Ich esse niemals Erdbeeren und ich dem fünften deutschen Hochschullehrertage beraten, der in Straßburg deshalb Wagners plögliche Wandlung nur als einen rate denen, welche sie gern essen, die Früchte in einen Durchschlag im Eliaß zusammengetreten ist. Der Münchener Professor Amira Versuch ansehen, sich mit den fromm gewordenen zu legen und sie dann eine oder zwei Minuten lang in fochendes schilderte die llebel, die auf genanntem Gebiete grassieren. Ihre Zahl herrschenden Mächten in Deutschland zu arran Wasser zu tauchen. Das alles ist natürlich ein bißchen mühsam und gieren zu dem einzigen Zweck: um Erfolg zu haben. geeignet, Leute, die nicht daran gewöhnt sind, abzuschrecken. Aber Während Wagner redete und redet, verschwand über dem Meer man gewöhnt sich rasch an ein hygienisches Leben, wenn man gesund der letzte Sonnenstrahl, und ein leichter Rebel und die wachsende bleiben und sein Leben verlängern will...." Dunkelheit breiteten sich aus. Auch in Herzen meines Bruders war es dunkel geworden. Endlich fragte Wagner: Sie verstummen ja ganz, lieber Freund?" Mit irgend einer Ausrede juchte mein Bruder fein Schweigen zu erklären, aber das Herz war ihm zum Zerspringen vol Kummer über diese Schauspielerei Wagners gegen sich selbst. Er schrieb folgende harte Worte nieder: " Ich bin nicht imstande, irgend eine Größe anzuerkennen, welche nicht mit Redlichkeit gegen sich verbunden ist; die Schauspielerei gegen sich flögt mir Efel ein; entdecke ich so etwas, so gelten mir alle Leistungen nichts; ich weiß, sie haben überall und im tiefsten Grunde diese Schauspielerei." Und wenn das nötige Geld vorhanden ist. Denn loftspielig ist die Hygiene, von der Metschnitoff schwärmt, und für Leute, die den Pfennig zehnmal in der Hand herumkehren müssen, ehe sie ihn aus geben, wird sie leider zum Luxus. Mafit. " Notizen. ek. ist Legion. Getlagt wurde über den Massenandrang zur Doktorwürde, der den Titel entwerte, und über die Bemühungen, ihn auf alle möglichen Sonderfächer auszudehnen, die ebenso auf Entwertung des Titels hinauslaufen. Aufgeben mag aber den Titel niemand. Wenigstens war davon auf der Tagung nicht die Rede. Theaterchronit. Das Deutsche Künstler- Theater wird Sans syfers neues Drama Die Erziehung zur Liebe" in dieser Spielzeit aufführen. Auch das Nosensche Fremdenlegionsstück, das den Titel„ Cafard" trägt, wurde vom Künstler- Theater, und zwar zur Uraufführung erworben. " Neu3weiter Kammermusit- Abend des Kartells der- Wujitchronif. Oratorienverein zu Freien Voltsbühnen Berlin. Vor einem den Saal der ölln. Dienstag, 14. Oftober, Neue Welt, Hasenheide 108. LiederSingakademie füllenden Publikum famen diesmal zwei Streich abend. quartette von Jofeph Haydn( Opus 64, Nr. 5 in D dur) und Franz Kunst chroni!. Der Maler Hermann Sandluhl, der bisSchubert( nachgelassenes unnumeriertes Werk in D- moll) zu Gehör. herige Vorsitzende der Vereinigung bildender Künstler, hat den VorEs ist was Eignes um diese Art Musik, die die intimsten Gedanken fig im Vorstande der Vereinigung und der„ Juryfreien Kunstschau" Das Frühstück eines Gelehrten. Professor Metschnikoff, der in und Empfindungen ihrer jeweiligen Schöpfer in Tönen offenbart. niedergelegt. Baris lebende befannte russische Forscher, unterhielt sich dieser Tage Haydn hat ja diese Kunstart, sowohl der Form wie dem Inhalte Ein neues Polarland? Kapitän Wilitky von den mit einem Mitarbeiter des„ Eclair" über neue Entdeckungen auf dem nach, eigentlich erst geschaffen. So wurde er nicht blos das Vorbild russischen Regierungsdampfern Taimur“ und„ Waygatsch" ist nach Gebiete der Bekämpfung des Strebies und sagte bei dieser Gelegen für Mozart und Beethoven, indem auch gerade seine Adagios als einer dreijährigen Erpedition ins Nördliche Eismeer in St. Michael heit u. a. folgendes:" Seit fünfzehn Jahren behaupte ich immer Vorläufer für die allerdings tongewaltigeren, schöneren und innigeren( Alaska) angelangt. Er berichtet, er habe unter 81 Grad nördlicher wieder, daß die Krebsmitroben in den Organismus eindringen, weil Beethovens erscheinen; sondern an seinem Urquell haben besonders Breite und 102 Grad östlicher Länge ein Land von der Größe Grönwir zu viel rohe Speisen genießen. Die trebsartigen Auswüchse die neueren Italiener bis auf Sgambati gesogen. Immerhin können lands entdeckt. Er habe dort früher schon auf Grund von Ebbeund Geschwülste am Gesicht verschwinden, seitdem überall, auch auf wir uns nun an seiner innigen Heiterkeit, Liebenswürdigkeit und und Flutbeobachtungen Land vermutet. " tfjrer Bewegungsfreiheit eingeengt werden. Auch aus gewerkschaft li-ben Gründen müssen wir einer zu langen Kündigungsfrist wider- sprechen, damit in einem und demselben Bureau nichr verschiedene Kündigungsfristen bestehen. In der Lehrlingsfrage befürchtete unser VezirkSleiter aus Posen aus der Schaffung eines festen Lehrlingsvertrages ein stärkeres An- gebot jugendlicher Arbeitskräfte und damit ein Sinken der Löhne. Wir wollen einen festen Lehrlingsvertrag, aber nur in Verbindung mit einer Festsetzung der Zahl der Lehrlinge. In den Groffstädten haben wir es ja durch die Kraft der Organisation schon erreicht, daß ein Anwalt häufig gar keinen Lehrling mehr bekommt, aber in den kleinen Städten steht eS ganz trostlos; die Haupt- masse der Jugendlichen kommt ja auch aus den kleinstädtischen Bureaus.(Sehr richtig!) In der Frage des freien Sonnabend- nachmittags haben wir den Anwälten insoweit nachgegeben, als wir darauf eingegangen sind, daß diejenigen Angestellten, die am Sonn- abend keine Arbeitszeitverkürzung hauen, diese Verkürzung an einem anderen Wochentag bekommen. Schließlich haben wir dem Sozialen Ausschuß ein Avkommen oder Grundsätze für die AustellungS bedingungen vorgeschlagen, die heute auch den Delegierten zur Bus* spräche vorgelegt sind. Darin wird das Lebrlingsivesen, die Arbeits� zeit, die Kündigungsfrist, das Recht auf Zeugnis, der Urlaub, der Gehaltszahlungsterinin, die Gehaltszahlung bei Dienstbehinderung geregelt und die Einsetzung einer paritätischen Kommission zur Ein» sührung der Grundsätze gefordert. Würde es zu diesem Abkommen kommen, so würde cS noch durch die Aufstellung von Mindestgehältern und von Angestellteugruppen zu ergänze» sein. Ob da? Abkommen zustande kommen wird, ist freilich noch sehr fraglich; deshalb wird es nötig sein, Stimmung zu machen, damit die Anwälte willfährig sind, dem Sozialen Ausschuß die Regelung der Berufsverhälmisie zu übertragen. In der sehr ausgedehnten Diskussion stand die Frage der Kündigungsfrist im Vordergrunde. Die vorgelegten Grundsätze wurden von der Versammlung gebilligt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung„Unsere Mindest- gehaltssorderungen" ist Berichterstatter Aman- Berlin. Er empfiehlt die vom Vorstand anögearbeilete Vorlage, die vier Städteklassen vorsieht und für die männlichen Angestellten vier Gruppen(Lehrlinge, Gehilfen, Angestellte mit selb- ständigen Arbeiten und Bureauvor sicher, erste Bureauvorsteher). Für die Lehrlinge werden im ersten Jahre nur je nach der Stadt- Ilasse 2t> bis 3V M. monatlich gefordert. Im zweiten Jahre 30 bis bO M., im drillen Jahre 40 bis 70 M., l'ür Gehilfen von 18 Jahren 00 bis 30 M., für ältere Gehilfen 100 bis 130 M., für Steno- typistinnen bis 13 Jahre 30 bis SO M., nach halbjähriger Tätigkeit lO bis 70 M., nach ganzjähriger 00 bis 30 M., Bureauvorsteher sollen 120 bis 150 M.', wenn sie älter als 25 Jahre sind, 150 bis loO M. erhalten, und erste Bureauvorsteher in größeren Bureaus mit mehr als fünf Angestellten 180 bis 250 M. Die Vorlage des Borstandes fand unverändert Annahme. Zum nächsten Pinikt„Unsere Forderungen zur ge- setzlichcn Regelung des Arbeitsvertragsrcchls" rerichtete Lehmann- Berlin. Er knüpfte an die offizielle An- ündigung der Negierung, daß in dem Entwurf zur Anwalisordnung sie Gehaltsverhältnisse der Anwaltsangestelllen geregelt werden »lleu. Demgegenüber müssen wir verlangen, daß nicht nur die Verhältnisse der Anwaltsangestelllen, sondern die aller Bureau- mgcstelltc» in gewerblichen und nicht gewerblichen Betrieben ge- etzlich geregelt werden. Es liegt durchaus kein Grund vor, oiese Regelung in der Anwalisordnung vorzunehmen, viel richtiger wäre es, die Angelegenheit in der Gewerbeordnung zu regeln, wodurch der Bureaubetrieb in die Kaufmanns- ierichtsborkeit und die Gewerbeinspektion einbezogen werden önnte, es müßten auch Arbeitcrkanimern mit Abteilungen für Jureauaitgcstellte errichtet und die Unfallversicherung aus die Bureau- ngestellten ausgedehnt werden. Wir müssen unS entschieden dem >estreben entgegensetzen, das Arbeitsrecht immer weiter zu zer- olittern und dadurch einzelne Berufsgruppen zu benachteiligen. ielmehr ist die Zentralisation des gesamten Arbeitsrechtes er Privatangeftelllen zu einem einheitlichen Angestellten- echt notwendig. Leider ist in den Kreisen der Bureauangestellten och eine starke Gleichgültigkeit gegen ihre Berufsinteressen zu oer- püren, sonst würde es leichter sein, den gereckten Forderungen der lngestellten zum Durchbruch zu verhelfen.(Lebhafter Beifall.) Eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution fand ein- , immige Annahme. Hierauf wurden Fragen der Agitation in interner Sitzung erörtert und dann die Konferenz geschlossen. Achtung, Töpfer! Laut Vers«mmlungsbeschl>kß wird vom 15. Oktober ab auf allen den Bauten die Arbeit eingestellt, wo die Kollegen nicht durch genügend verglaste Fenster gegen Zuglust ge- ichiitzt arbeiten können. Die von der Arbeitseinstellung Betroffenen haben sich sofort selbst oder durch den BauvertrauenSmann gegen Vorlegung des BerbandSbuches im Filialbureau, Engelufer 15. in äe Streiflisten einzeichnen zu lassen und sich dort täglich zur Kon- rolle zu melden. Das Streilburcau ist geöffnet von 10--1 und von -5 Uhr. Die Bauvertrauensleute sind ganz besonders verpflichtet, für die Keldung ihrer Bauten Sorge zu tragen. Ferner sind auch die Bauten u melden, wo die Arbeit nicht eingestellt zu werden braucht, um -stzustellen, wieviel derartige Bauten in Frage kommen. Alles rnltige betreffs der Fensterbewegung siehe in der letzten Nummer eS„Töpfer". Die Verbandsleitung. In den Refidenz-Festsälen, Inhaber Alb. M a n t h e y, Lands- 'erger Str. 31, legten am 12. Oktober die Kellner die Arbeit nieder, oeil der Unternehmer sich fortgesetzt weigert, mit der Organisation sie Lohn- und Arbeitsverhältnisse für die Angestellten zu regeln. llle Versuche, diese Angelegenheit in Güte zu erledigen, scheiterten il der Starrköpfigtclt des Herrn Monthey. Nach langen Verhandlungen ist es jetzt gelungen. Herrn Mantbcy i einem Vertragsabschluß mit dem Verband der Gastwirts gehilfen u bewegen. DeutTdies Rctcb. Keine Arbeitsgelegenheit in Kassel. Ein findiger Kapitalist scheint der Direktor des Ziegeleiunter- tehmens Möncheberger Gewerkschaft bei Kassel, Herr Lins, zu sein. Kr, dessen Unternehmen infolge der übermäßig langen Arbeitszeit md des geringen Verdienstes Arbeiter in genügender Zahl nicht be- ommen kann, nicht einmal polnische und italienische, und deshalb zroße Aufwendungen für Zeitungsinserate und Agenten machen muß. benutzte«ine kürzlich in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung geführte Debatte über Notstandsarbeiten und Arbeitslofenkürforge. mr den Zuzug von Arbeitern nach Kassel anzuregen. Er stellte die Behauptung auf, daß in Kassel von einer Arbeitslosigkeit nickt ge- fprochen werden könne, eher von einem Mangel an Arbeitskräften»nd nannte neben seiner Fabrik einige größere Fabriken der Lokomotiv- und Waggonbranche, die angeblich Arbeiter suchten und keine be- kommen könnten. Der Zweck dieser Uebung dürfte klar sein, be« sonders wenn man sieht, daß bürgerliche Zeitungen fast im ganzen Reiche die den Tatsacken widersprechende Aeußerung jeiies Stadt- verordneten teilweise im Sperrdruck verbreiten, ohne natürlich den berichtigenden Widerspruch der Arbeitervertreter hinzuzufügen. Da die Gefahr nahe liegt, daß beschäftigungslose Arbeiter durch diese Ausführungen des bürgerlichen Stadtverordneten und Fabrik- direktorS zu der Annahme veranlaßt werden könnten, es ließe sich in Kassel leicht lohnende Beschäftigung finden, so hat unser dortiges Parteiblatt zum Zwecke der Warnung eine Zuiammenstellung von Konjunkrurberichteit aus den Industriezweigen veröffentlicht, die im Kasseler Bezirk vornehmlich vertreten sind. Daraus geht mit Deut» lickleir hervor, daß von einer Krise zwar noch nickt die Rede sein kann daß sie aber bereits im Anzüge ist: daß von Arbeitermangel nickt' entfernt gesprochen werden kann, daß vielmehr tatsächlich schon heute in wichtigen Erwerbszweigen eine erhebliche Arbeitslosigkeit Jfotae deshalb niemand den Lockungen eines Fabrikdirektors, der «it deshalb Arbeitskräfte braucht, weil er sie noch billiger haben möchte. Wer sich in Kassel um Arbeit zu bemühen gedenkt, unter- lasse jedenfalls nicht, sich vorher bei den Gewerkschaftsleitungen zu erkundigen I_ Ein empfindlicher Streikbrecher agent ist der berühmte Herr Adolf H e s b e r g aus Blankenese. Er klagt bald einmal wegen Belei- digung. Wie jetzt nach Stettin, hat er seinerzeit auch nach Emden allerhand unsortierte Hamburger Importen gesandt. Dadurch, daß die Streikleitung ab und zu eine Waggonladung der edlen Ware abschob, fühlte sich Herr H e s b e r g geschädigt. Er ricktete ein über alle Maßen provokatorisches Schreiben an die Streikleitung, auf das der„Courier", Zcnlralorgan des Transportarbeilerverbandes, antwortete. Durch diese Antwort fühlte Herr H e S b e r g sich be- leidigt. Er lief zum Kadi und verklagte den Verantwortlichen des „Courier", Genossen Lindow,„sowie seine Mittäter und Gehilfen"(!) wegen Beleidigung aus§ 185 Str.-G.-B. Herr HeSberg bezeichnet sich als Kaufmann. Warum verschweigt er so schamhaft den wirklichen Stand und Beruf? Dek ßrand des Dampfers„Volturno". lieber das schreckliche Brandunglück an Bord des Dampfers„Volturno" werden jetzt nähere Einzelheiten be- kannt. Eine Depesche vom Lloyddampfer„Großer Kurfürst" nieldet: Als wir beim„Volwrno" eintrafen, brannte der „Volturno" furchtbar. Es wurde durch drahtlose Telegramme festgestellt, daß das Feuer im Vordcrraum ausgebrochen war und zwar infolge einer Explosion. Am Donnerstag früh um 7 Uhr loderten die Flammen aus einer Luke 80 Fuß hoch empor. Es wurde ermittelt, daß von der Mannschaft und den Zwischendeckpassagicren oll Personen durch die Explosion und das Feuer umgekommen sind. Von sechs Booten des„Volturno" zerschellten drei, die leer waren, ein viertes Boot mit 40 In- fassen kenterte, alle ertranken. Zwei Boote mit 68 bis 86 Insassen fuhren davon, sie sind jedoch dem Anscheine nach verloren. Die Hobe Seegang machte die UebernaHme der Passagiere unmöglich. Der„Große Kurfürst" fischte 32 Personen aus dem Meere. Am TonnerLtagabmb 3 Uhr 46 Minuten erfolgte eine zweite Explosion. Beim Tagesanbruch am Freitag konnten dann die übrigen Ge- retteten übernommen werden. lieber die Geretteten wird aus Le Havre gemeldet: Der Vertreter der„Compagnie Transatlantigue" hat von dem Kapitän der„Touraine" eine Liste der Schiffbrüchigen des„Volturno", die sich an Vod des Schiffes befinden, er- balten. Die Liste enthält 16 Oesterreicher, 12 Russen, 7 Deutsche, 2 Holländer, 2 Italiener, 1 Bulgaren, 1 Rumänen und 1 Passagier, dessen Nationalität unbekannt ist. Unter den Schiffbrüchigen befinden sich 39 Auswanderer, darunter zwei Frauen, zehn Kinder und drei Mann der Besaßung. Mehrere Kinder sind bei der Katastrophe von ihren Eltern getrennt worden. lieber die furchtbaren Szenen, die sich benn Brande des Dampfers„Volturno" abgespielt haben, berichtete ein Deutscher namens Trintepohl, der vom Dampfer „Carmania" aufgenommen wurde, folgende Einzelheiten: Am Donnerstag früh ertönte auf dem„Volturno" Feueralarm. Alle Passagiere wurden geweckt, und an- gewiesen, auf Deck zu gehen. Dort wurden die Rettungs- gürtcl angelegt. ES waren viele kleine Kinder an Bord. Um 16 Uhr ging man an daS Aussetzen der RettungS- boote. Das erste Boot wurde, alS eS das Waffer berührte. gegen das Schiff geschleudert und zertümmert. Alle Insassen ertranken. Ebenso erging es mit dem zweiten Boot. Diese Boote waren mittschiffs herabgelassen worden. Am Hinterschiff �wurden nun drei weitere Boote herabgelassen. Alles war in größter Verwirrung. Die Insassen stürzten ins Waffer und ertranken; kein einziges Boot kam vom Schiffe weg. Als der Kapitän dies sah, schnitt er das Tauwerk durch, daß keine Boote mehr herabgelassen werden könnten. Trintepohl sagt weiter: Die Heizer kamen an Deck und weigerten sich, wieder zurück- zugchen. Der Kapitän zog einen Revolver und trieb sie zurück, doch bald darauf, als das Feuer sich ausbreitete, gaben sie es auf, die Maschinen zu bedienen. Als die„Carmania" in Sicht kam, ließ der Kapitän alle Frauen und Kinder auf eine Seite gehen und die Männer auf die andere. Er hatte die Brücke wegen der Hitze verlassen müssen und befand sich auf dem Hinterteil des Schiffes. Während des ganzen Brandes hatten sich gräßliche Szenen abgespielt. Frauen und Kinder schrien und beteten; viele Frauen bekamen Nervenanfälle, fielen in Ohnmacht oder rauften sich das Haar. Endlich entschloß ich mich, das Schiff zu verlassen und inS Meer zu springen; ich weiß also nicht, maS nachher noch geschehen ist. Das letzte, was ich sah. waren die schreienden Frauen und dieFlammen, die emporloderten. Dann sprang ich über Bord und ein Mann und eine Frau sprangen nach. Ich bin ein guter Schwimmer und suchte möglichst weit vom brennenden Schiffe fortzukommen. Dann bin ich zwei Stunden lang von den Wellen hin und her geworfen worden, ehe ich von dem Boote der„Carmania" autgenommen wurde. Die Frau und den Mann, die mit mir ins Meer gesprungen waren, habe ich nach meinem Sprunge nicht wiedergesehen. Schulmediai» oder Freiheit der Blllfenfchaft? Vor dem Schöffengericht in Lichterfrltze unter Vorsitz des Assessors Mussehl wurde gestern ein Prozeß verhandelt, der in den beteiligten Kreisen mit größtem Interesse verfolgt wird und erheb- lichcs Aufsehen erregt._ Herr Dr. phil. Hermann Edwin Krüger, Syndikus des Deutschen Volkswirtschaftlichen Verbandes(einer Organisation der Verbands- und Kammer-Syndici) und gleichzeitig„Staatswisien- schaftlicher Beirat" deS„ZentralverbandcS für Parität der Heil- Methoden", klagte wegen Beleidigung gegen den Dr. med. Neustättrr in Dresdcn-Hellerau, der Schriftführer der„Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschcrtums" ist. Letzterem stand Rechte- anivalt Grünspach, dem Prwatkläger stand Rechtsanwalt Bitter- mann zur Seite. In dem erwähnten.Zentralverband" haben sich die Naturärzte zusammengctan und d,e Aerzte und nichtärztlichen Personen, die mehr oder weniger dem allopathischen Verfahren feindlich gegenüberstehen. Am 21. Januar d. I. hat nun Herr Dr. Neustattcr nach vorheriger mündlicher Aussprache an den Vor- sitzenden des Deutschen Volkswirtschaftlichen Verbandes, Herrn Prof. Dr. Albrecht, der zugleich Leiter der Zentrale für Volks- Wohlfahrt ist, einen Brief geschrieben und darin gegen den Syn- dikus dieser Gesellschaft, Herrn Dr. Krüger, den Vorwurf erhoben, daß er die als verwerflich bezeichneten Zwecke deL„Zentralverbandes für Parität der Heilmethoden" unterstütze. In dem Briefe heißt eS u. a., daß Dr. Krüger jedenfalls auch den das Heilgewerbe treibenden Nichtärzten die bezeichnenden Ratschläge und Winke ausgearbeitet habe, wie sich die Kurpfuscher durch allerlei Kniffe vor gerichtlichen Bestrafungen schützen können; es wird von einem „merkwürdigen Treiben" gesprochen, dem Dr. Krüger seine Hilfe leihe usw.— Dieser Brief hat zur Privatklage Veranlassung ge- geben. Angekl. Dr. Neustattcr erklärte u. a.: In seiner 15jährigen Tätigkeit in der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung des Kur- pfuschcrtums sei ihm noch kein so betrüblicher Fall vorgekommen, daß ein Llkademirer sich in den Dienst von Leuten gestellt, die auf alle, die akademische Bildung genossen, mit Hohn und Spott herab- sehen. Noch betrüblicher werde diese Tatsache dadurch, daß der Be- treffende gleichzeitig einem Verein angehört, der es sich zur Auf- gäbe gemacht, für Volkswohlfahrt zu Wirten und soziale Arbeit zu leisten. Und gerade der Privatkläger habe auf letzterwähnte Be- strebungen besondere Rücksicht zu nehmen, denn er stehe in Be- Ziehungen zu den Behörden, zu Reichstagsabgeordneten usw. Des- halb müsse au sein Verhalten ein ganz besonderer Maßstab an- gelegt werden. Es handele sich hier um moralische Dinge, um die Tatsache, daß Dr. Krüger Sachen unterstütze, die vom Volkswirt- schaftlichen und idealen Standpunkte aus gleichermaßen verwerflich seien. Er werde dafür den Wahrheitsbeweis antreten. Für den Privatkläger erklärte Rechtsanwalt Bittrrmann: Es handle sich keineswegs um einen Verband von„Kurpfuschern", sondern um eine Vcrcinignng, die 40 000 Mitglieder umfasse und eine Bewegung, der sich 3 Millionen Deutsche angeschlossen haben: um eine berechtigte Kulturbrwcgung. Der Verband umfasse nicht nur Leute, die kurieren, sondern Interessenten dieser Bewegung, die, wie seinerzeit Priesnitz bewiesen habe, der Medizin auch gute Dienste leisten können, selbst wenn sie nicht akademisch gebildet sind. Nach der Aussage eines Mannes wie Schwenninger befinden sich unsere Aerzte in einem falschen Fahrtvasser, sie werden auf den Unlversitäten zu guten Diagnostilern herangezogen, seien aber schlechte Praktiker. Sie leiden am Uebcrmaß von Doktrin. Der vom Verbände verkörperten rein wissen schaftlichrn Belvegun� leihe der Privatkläger seine Kräfte. Man sei im Verbände eifmg be- müht, unlautere Elemente fernzuhalten, es komme keineswegs daS Bestreben zum Ausdruck, Naturärzte und was sonst damit zu- sammenhängt, vor dem Staatsanwalt zu schützen; der Verband stehe nicht auf so tiefem Niveau und der Privatkläger habe nie eine solche Tendenz hineingetragen, er fühle sich daher mit Recht durch jenen Brief beleidigt. Rechtsanwalt Grnnspirch verwies darauf, daß der Verband mit aller Kraft den Gesetzentwurf der Regierung g«g«n Mißstände im Heilgewerbe bekämpft habe. Dieses Gesetz hatte nicht den Zweck), die Kuricrftciheit aufzuheben, sondern sie zu beschränken und unter staatliche Aufsicht zu stellen. Zum Zwecke der Bekämpftmg dieses Gesetzes sei Dr. Krüger vom„Zentratverbande" gegen ein Gehalt von 0000 M. engagiert worden. Letzterer segle unter falscher Flagge und sei in Wahrheit kein Verband für..Parität der Heil» Methoden", sondern ein„Kurpfuscher-Sthutzverband", und dieser sein Charakter wäre dem Dr. Krüger wohl bekannt. Wegen dieser sonderbaren Zwitterstellung des Dr. Krüger habe Prof. Dr. Akbrecht sein Amt als Vorsitzender des Volkswirtschaftlichen Verbandes niedergelegt. Tatsächlich habe der Zentralverband für Parität der Heilmethoden die Tendenz, die Kurpfuscher zu schützen. Redner suchte dies unter Vorlegung verschiedener offizieller Verbands- schriften nachzuweisen, so u. a. aus dem an nichtabprobierte Krankenbehandlcr gerichteten„Mitgliedcr-Werbeschreiben", ins- besondere aber aus einer„vertraulichen Rechtsbelchrung betreffend das Verhalten in Anklageföllen für auwdiktate Heilkundige". In dieser Rechtsbelehrung des Verbandes, der früher„Bund für freie Hcilkunst" hieß, tvcrdc u. a. gesagt:„Nur nicht verblüffen lassen, möchten wir als Grundsatz hinstellen. Der Prozeß ist die wirk- samfte Reklame für den Betreffenden, schon mancher Heilkundige hat auf solche Art sein Glück gemacht." In einem Schreiben des Borstandsmitgliedes Brieden komme folgende Stelle vor:„Wenn irgendeiner in einer Prozeßverhandlung etwas sagen sollte, was Ihnen nicht paffen sollte, so springen Sie auf und reden kräftig da- zwischen. Wenn der Redner Sie dann zur Ordnung rufen sollte, so verweisen Sie ihn nur ganz kaltblütig auf den Prozeß deS Fürsten Eulenburg, der auch immer dazwischen sprach. Dort hat der Richter den Ausspruch getan:„Der Angeklagte hat jeden Augen- blick das Recht, sich zu verteidigen. Was dem einen billig ist, ist dem anderen recht." In demselben Schreiben werde dem Angeklagten ein Rezept gegeben, wie er dem Barsitzenden imponieren könne: „Schwarzer Anzug, weiße Krawatte, Zhlinderhut, schwarze Macve« Handschuhe. Im Termin ziehen Sie den rechten aus und nebmcn ihn in die behandschuhte Linke. Auch eine Suggestion macht vielk Dranf wie Blücher, lieber Kollege! Gut Heil!" Auch der Bundes- Präsident Olottticb, ein früherer Musiker, erteile entsprechende Winke und Ratschläge, wie sich die Kurpfuscher vor Gericht zu benehmen» was bei Beschlagnahme von Büchern zu befürchten sei, daß man also die Bücher wegschaffen solle usw. Eine falsche Flagge sei es auch, daß die Mitgliederzahl immer auf„über 40 000" angegeben werde. Tatsächlich habe der..Zentralverband" noch nicht 1000 Mit- glieder. Zu der Zahl von 40 000 komme er nur dadurch, daß er die Mitglieder der ihm angeschlossenen großen Vereine als eigene Mitglieder zähle. Der Privatkläger müsse alle diese Dinge jartz genau kennen, da er seit 1900 volkswirtschaftlicher und juristischer Syndikus des.Zentralverbandes" sei und als geistiger Führer des- selben die Kampfrichtung und Kampftaktik bestimmte. Er müsse auch gesehe« haben, daß� laufend in der Verbandszeiffckrift ei» Inserat des Verbandsvorsitzcnden erscheine, in welchem dieser ei» sogenanntes„Hautfunktionsöl" für alle möglichen Krankheiten— darunter Syphilis und Krebs— anbiete. Der Privatklägcr müsse aus den genau auch nach den Vorstrafen ausgefüllten Fragebogen wissen, daß manche unlauteren, auch mit Zuchthaus schon vorbe» straften Menschen in den Zentralverband aufgenommen wurden. Rechtsanwalt Bittcrmann: Das Gesetz zur Bekämpfung deS KurpfufchertumS fei seinerzeit mit Recht abgelehnt worden. Die Aerzte verfolgen in dem Kampfe gegen alles, was sich ihnen in den Weg stelle, rein wirtschaftliche und keineswegs ideelle Interessen: sie fürchten die Konkurrenz der nickst approbierten Aerzte! Gegen jenes Gesetz habe sich die allgemeine Volksstimmung gesträubt auS dem Gefühl heraus, daß bei den Aerztcn auch nicht alles in schönster Ordnung sei. Das hier vom Gegner vorgebrachte Material stamme von einem ehemaligen Angestellten des„ZentralverbandcS", der entlassen worden sei, weil er gestohlen habe. Die vorgebrachten Au- schuldigungen treffen jetzt, nach dem EntwickelungSgange, den der „Zentralverband" genommen und der besonders seit dem Eintritt des Dr. Krüger datiert, längst nicht mehr zu, das zeige schon die Tatsache, daß viele Personen in hoher Stellung ihm angehören. Auch Dr. Krüger selbst trat in längerer Ausführung den Be- hauptungen der Gegenpartei gegenüber. Sämtliche vorgebrachte« Einzelheiten seien nicht beweisbar. Mit Kenntnis des Vorstandes würden keine unlauteren Elemente in den„Zentrawerband" auf- genommen. Die..Rechtsbelehrung" bore er heute zum ersten Mal« und kenne den Verfasser nicht. Sie liege wahrscheinlich 0—7 Jahre zurück und sei längst zurückgezogen. Tie Anfeindungen, denen er ausgesetzt werde, wundern ihn nicht, denn jederniann, der sich er- laube, für Naturheilkunde oder Hömopathie einzutreten, werde von den Allopathen sofort verdächtigt. Es handle sich um eine große Volksbewegung gegen die allop'athischc Schulmedizin, nicht aber um daS Häuflein von 500 Männern, die die Heilkunde ausüben, ebne approbiert zu fein. Der„Zentralvcrband" bezwecke gerade, die unlauteren Elemente'abzustoßen und die anstandigen Elemente herauszuheben. Die Gegner haben unter den 500 Mannern muh. sam 3-4 herausgefunden, die vorbestraft sein sollen. Er bitte m eine möglichst umfangreiche und eingehende Beweisaufnahme ein- zutreten. Er babe sein Amt übernommen unter der ausdruck- lichen Bedingung, daß ihm vollständige wissenschauliche UnaHtong»� keit garantiert werde. Eine große Reihe von Per,onllchte,ten m angesehener Stellung gehöre dem Verbände an, der keineswegs ein Kurpfuscherverband sei, und im Volkswirt, chaftttchen Berbm, de sei es durchaus kern Geheimnis, daß er dem..Zentralverband' als Berater zur Seite stehe. Die Gegner, die oft m,t größte» statistischen Fälschungen arbeiten, wollen ihn moralisch totschlagen. Richtig sei es, daß er verschiedene wipenschaftliche Streitschriften auf diesem Gebiete veranlaßt und dahin gewirkt habe, daß die Reichstagsabgeordneten davon Kenntnis nahmen. Der Gesetzent» wurs sei mit einer erstaunlichen Einmütigkeit der Parteien fei««» zeit verworfen worden, weil dieses durch die Gegner veranlaßte der wohl sofort erkannt hatte, wes Geistes Kind J. war und sofort bemerkt. Die offiziöse Meldung schloß mit der Versicherung, Gesez hundsmäßig schlecht gewesen. den Plan faßte, ihn gründlich zu schröpfen. Er versprach, ihm durch daß eine Untersuchung Klarheit über die Person des Atten Nach weiteren Redeschlachten der Parteien wurden von diesen seinen Freund, der Inspektor bei den städtischen Gaswerken sei, täters bringen werde. Die Untersuchung, so meldet am Montag das umfangreiche Beweisanträge und Gegenbeweisanträge gestellt. eine Anstellung als Kassierer zu beschaffen, allerdings müsse er Das Gericht beschloß, alle diese Beweise zu erheben und Anfang dann aber eine Raution von 500 Mart stellen.- 3. erzählte nun offiziöse Telegraphenbureau, hat ergeben, daß die vorgefundenen November einen neuen Termin anzusehen. in aller Harmlosigkeit, daß er zirka 2000 Mart Ersparnisse habe. Steine von einem Elch, dessen Spuren deutlich zu Am nächsten Tage erschien der angebliche Gasanstaltsinspektor, der sehen waren, auf den von dem Automobil zu passierenden Weg jezige Angeklagte Heilmann, an den J., ohne sich nach den näheren geworfen worden waren. Umständen zu erkundigen, fünf neue schöne Hundertmarkscheine So ein Untier! Den Prinzen und sein Gefolge in Angst und ohne Quittung zahlte. Ginige Tage später erzählte Berndt dem Schrecken zu versetzen. Welche Maßnahmen mag nun die„ Post" 3., daß er ein Geschäft faufen wolle. Er zeigte ihm hierbei zwei gegen die attentatslüfterne Sozialdemokratie verlangen? " Tausendmarkscheine" mit dem Bemerken, daß er, um Waren zu kaufen, gezwungen sei, einen der Scheine zu wechseln. Dies sei ihm sehr unangenehm, da gewöhnlich, wenn man einen Schein wechsele, das Geld auch bald alle sei. Ohne Bedenken gab J. nochmals 200 Mart. Hus Induftrie und Handel. Kapitalserhöhung bei der Hapag. Troydem die Hamburg Amerika- Linie erst im vergangenen Jahre ihr Kapital um 25 Mil lionen auf 150 Millionen erhöht hat, nimmt sie jest bereits wieder eine Vermehrung ihrer Mittel vor. Die Verwaltung verwendet dazu eine Mitteilung, in der es u. a. heißt: Trotzdem die Hamburg- Amerita- Linie im gegenwärtigen Jahre etwa 87 Millionen Mark für den Ausbau ihrer Flotte und andere Grtveiterungen des Unternehmens aufwendet, hat die Verwaltung in den vergangenen Jahren stets Wert " wörtlich: Dr. Diesels Leiche aufgefunden. Nach einem Telegramm aus Vlissingen ist jetzt nicht mehr daran zu zweifeln, daß der bekannte Münchener Erfinder Um dem J. auch den Rest des Geldes abzunehmen, wurde fol- Dr. Diesel bei der Ueberfahrt nach England seinen Tod in den gende Komödie inszeniert. Berndt entrierte eines Tages ein Spiel- Wellen gefunden hat. In der Scheldemündung wurde am Montag chen, bei dem er aber nicht, wie sonst die Bauernfänger, durch darauf gelegt, dem großen Unternehmen eine möglichst weitreichende Falschspiel gewann, sondern er warf plötzlich die Karten hin und die stark in Berivesung übergegangene Leiche eines gut gekleideten Liquidität zu wahren, angesichts der Notwendigkeit einer großen behauptete, J. habe falsch gespielt. Der Herr Gasanstaltsinspektor Mannes gefunden. Mehrere bei der Leiche befindliche WertVermehrung der Frachtdampfer- Tonnage infolge der bekräftigte diese Behauptung unter Berufung auf seinen„ Dienst- gegenstände wurden geborgen; die Reiche selbst aber wurde des Ausdehnung, welche der Gütertransport auf fast allen Verkehrs- eid" und erklärte, daß ihm, J., die Geschichte ein paar Jahre Geschlechten Wetters wegen wieder ins Wasser geworfen gebisten der Geſellſchaft genommen hat, sowie der neuen Auf- fängnis oder Zuchthaus einbringe, da die Gerichte seit den großen Da man annahm, es handele sich um die Ueberreste des seit einiger gaben, welche der Gesellschaft durch den Eintritt in den Post- Spielerprozessen gegen Falschspieler sehr scharf vorgehen. Dem Beit vermißten Dr. Diesel, wurde dessen in München wohnender und Passagier Dampferdienst Ostafiens und andere aussichtsvolle armen Provinzialen wurde bei diesen Reden angst und bange. Troß- Sohn telegraphisch herbeigerufen, um die Wertsachen zu rekognosErweiterungen erwachsen. Es ist der Beschluß gefaßt worden, dem er bei allen Heiligen beteuerte, daß er nicht falsch gespielt zieren. Er erklärte auch, die bei der Leiche vorgefundenen Gegenan eine demnächst zu berufende außerordentliche General habe, ging Berndt auf einige Zeit weg und kam mit der Erklärung versammlung der Aktionäre mit dem Antrage auf eine Erhöhung zurüd, daß er Anzeige erstattet habe. Diese Tatsache hinderte jedoch stände seien Eigentum seines Baters. des Stammkapitals um 30 Millionen( also van 150 Millionen alle drei nicht, eine Kneiperei zu veranstalten, bei der sich Berndt Mart auf 180 Millionen Már f) beranzutreten. Auf die allmählich versöhnlicher zeigte und sich schließlich bereit erklärte, Das Werfen mit faulen Eiern ist verboten! jungen Afrien, die an der Dividende des nächsten Geschäftsjahres die Anzeige zurückzunehmen, wenn J. die recht hohen Gerichts- In einer Verordnung des ungarischen Polizeiministers, die das schon vollen Anteil erhalten, foll den gegenwärtigen Aftionären ein foften" aus seiner Tasche bezahlen würde. J. erklärte sich zu fehlende Vereins- und Versammlungsgesetz ersetzen soll, wird zunächst Bezugsrecht in der Form angeboten werden, daß, ähnlich wie bei allem bereit und war feelenfroh, als ihn die Gauner zum nächsten die Bestrafung aller Uebertretungen der Polizei überwiesen der letzten Aftionemiffion, auf je fünf alte Aftien eine neue Attie Vormittag nach dem Gerichtsgebäude in der Grunerstraße be- und vorgeschrieben, daß jede Versammlungsanmeldung von vier eutfällt. stellten, wo Berndt die Rücknahme des Strafantrages durch seinen ortsansässigen vertrauenswürdigen Staatsbürgern gezeichnet Das Elend der kleinen Glühlampenfabriken. Die Deutsche Rechtsanwalt veranlassen wollte. Der dritte Angeklagte Rau be- fein muß. Ein eigener Paragraph der Verordnung bestimmt Glühlampenfabrik A.-G. in Plauen beruft eine außer schaffte sich aus einem Mastenverleihgeschäft eine Anwaltsrobe ordentliche Generalversammlung, um entweder einen Antrag auf und bewaffnete sich mit einer Aftentasche. Als die beiden anderen Erhöhung des Aktienkapitals um 0,5 bis 0,6 Millionen Mark durch- Gauner in Begleitung des J. dann auf dem Gericht erschienen, zusehen oder die Genehmigung zur Auflösung der Gesellschaft zu verkündete der falsche Herr Rechtsanwalt, daß die Rücknahme des erhalten. Das Unternehmen hat ganz besonders unter der Kon- Strafantrages mit großen Kosten verknüpft sei, da mehrere Beamte furrenz der großen Glühlampenfabriken zu leiden gehabt. Es schloß bestochen werden müßten. Schließlich erklärte der Herr Rechtsdas Geschäftsjahr 1911/12 mit einem Verlust von rund 392 000 M. anwalt mit strenger Amtamiene, daß an Gerichtskosten und Ausab. In der Generalversammlung vom Oftober 1912 bemerkte die lagen 720 Mart zu zahlen seien. Schweren Herzens zahlte J. sofort Verwalkmg, daß die Lage der Glühlampenindustrie durch die diese Summe und war froh, mit dem Staatsanwalt nichts zu tun Preisherabsehung großer Firmen vecht ungünstig beeinflußt worden zu kriegen. fei. Auf der Tagesordnung der Generalversammlung stand damals fchon ein Antrag auf Zusammenlegung der Attien. Diefer Antrag wurde aber auf die hoffnungsvollen Mitteilungen der Verwaltung hin von der Tagesordnung abgesetzt. Im Januar 1913 mußte jedoch das Kapital herabgefest werden, und zwar im Verhältnis von 2 zu 1 auf 1 Million Mart. Es wurde eine Wiedererhöhung um mindestens 300 000 M. und um höchstens 600 000 M. beschlossen. Die Sanierung sollte bis 30. September d. J. erfolgt sein. Sie hat sich aber nicht durchführen lassen, und die Verwaltung sah sich gezwungen, im Mai dieses Jahres ein Darlehn von 250 000 M. zu 6 Proz. aufzunehmen. Der im September dieses Jahres veröffentlichte Abschluß zeigte trotz der neuen Betriebsmittel eine Erhöhung des vorjährigen Verlustes. Die Verwaltung wies in dem Geschäftsberichte darauf hin, daß eine weitere Stärkung des Betriebskapitals Gaunerstreich Handele. unbedingt notwendig sei. Jest beantragt sie die Kapitalserhöhung durch Ausgabe von Vorzugsaflien. Die Gniwidelung dieses Unternehmens ist besonders tennzeichnend für die schlimme Lage der Heinen Glühlampenfabriken, die sich gegenüber den großen Firmen taum noch halten fönnen. Soziales. Kinderarbeit auf dem Lande. Er wurde erst stubig, als Berndt und der angebliche Gasanstaltsinspektor vom nächsten Tage an spurlos verschwunden waren. Als er zur Polizei ging und hier seine Erlebnisse in voller Ausführlichkeit schilderte, entstand eine allgemeine Heiterkeit, in die schließlich auch der Geprellte selbst einstimmte, nachdem er eingesehen hatte, was für eine unglaubliche Vertrauensseligkeit er bewiesen hatte. Das Gericht Da J. eine ziemlich genaue Personalbeschreibung der drei Gauner geben konnte, war es der Kriminalpolizei möglich, die brei jezigen Angeklagten als die Täter zu ermitteln. erkannte gegen Berndt und Heilmann auf ie 6 Monate und gegen Nau auf 2 Monate Gefängnis, da alle drei Angeklagte zwar noch nicht vorbestraft sind, es sich jedoch um einen ganz raffinierten Tödlicher Unfall durch ein Militärauto. Strafbar ist, wer in einer öffentlichen Versammlung oder in einem öffentlichen Aufzug, oder in einer behufs Veranstaltung der Versammlung oder des Aufzuges versammelten Menge oder aus Parteileidenschaft auch außerhalb einer öffentlichen Ver sammlung oder eines Aufzuges in einer Gruppe oder sonst jea manden bewirft oder gegen jemanden eine gewaltsame terrorisierende oder beschämende handlung begeht. Also eine Leg faule Gier! Wie sagt doch der Ungar: Extra hungariam non est vita, si est vita, non est item!"„ Außer halb Ungarns gibt es fein Leben, und wenn es eins gibt, ist es boch feins! " Die ,, Schwarze Hand". eine zur Schwarzen Hand" gehörige Berbrecherbande, die der New York, 12. Oktober. Die New- Yorber Polizei verhaftete Falschmüngerei, des Werfens von Bomben und anderer schwerer Verbrechen angetlagt ist. Acht Personen wurden in New York verhaftet und sieben in Troy, einem Städtchen im Staate New York. Einer der in Troy Verhafteten beging sofort nach der Ginlieferung in das Gefängnis Selbstmord. Wan and underte von falschen Fünf- und Gindollarnoten. Kleine Notizen. Absturz zweier Militärflieger. Auf einem Fluge Berlin- Stuttgart find in Straubing am Montag nachmittag die Oberleutnants ständig zertrümmert, die Infaffen erheblich verlegt. Serno und Bohnstädt abgestürzt. Der Apparat wurde vollAm 14. November 1911 fuhr der Generaloberst von Bülow in einem Automobil des Generalfommandos des 3. Armeekorps in der Richtung von Berlin her durch die Bismarckstraße in Charlottenburg. Der Kraftwagen wurde von dem Schlosser und Chauffeur Selbstmordversuch im Erfurter Dom. Am Montag morgen feuerte Hahne gelenkt, der damals seine Militärzeit abdiente und zur im Erfurter Dom während der Frühmesse ein etwa 40 Jahre alter Führung des Autos tommandiert war. Vor dem Auto fuhr ein Mann, der im Kirchenschiff in einer Bank saß, einen Revolver14 jähriger Radfahrer. An der Leibnizstraße kreuzte ein aus dieser schuß auf sich ab. Die Kugel drang oberhalb des rechten Auges in Mom schreibt uns aus Pommern:„ Die Schulferien nützen die großen Landwirte in Poltz aus," Kinder beiderlei Ge- Straße kommender Mörtelwagen die Bismarckstraße. Der Rad- den Kopf und verursachte eine schwere, jedoch nicht lebensgefährliche fahrer fuhr infolgedessen langsam in Schlangenlinie, hinter ihm Verlegung. Es handelt sich um einen arbeits. und obdach schlechts hinter dem Kartoffelpflüger zu verwenden. Scharen bas Auto, das sein Tempo etwas verlangsamt hatte. Als der lofen Müllergesellen, der an diesem ungewöhnlichen Orte von 30 bis 40 Kinder zichen morgens auf das Feld. Da das Mörtelwagen vorbei war, wollte der Chauffeur S. mit dem Auto ſeinem bejammernswerten Dasein ein Ende machen wollte. Land durch den Pflüger aufgewühlt ist, ist es schon für Erden Stadfahrer an der linken Seite überholen. Da dieser aber einem Zanglofal in 2uisenhain( Bosen) zu Streitigkeiten wachsene eine anstrengende Arbeit, von morgens bis abends noch in der Schlangenbewegung war, kam er gleichfalls etwas nach zwischen Infanteristen und Pionieren, die schließlich auf die Kartoffeln aufzufammeln. Der Besizer treibt die Kinder links. Nun versuchte das Auto, rechts vorbeizukommen. Der Rad- der Straße in Tätlichkeiten ausarteten. Hierbei erhielten ein Ges an, schnell zu sammeln, damit auch die eine Mark pro Tag, fahrer fuhr auch seinerseits wieder nach rechts, tam aber dabei freiter und ein Gemeiner vermutlich mit einem Seitengewehr die das Kind erhält, verdient wird. Erwachsenen Leuten für zum Sturz. Um ihn nicht zu überfahren, lenkte. das Auto ich were Stichwunden. Der Gemeine ist nach furzer Zeit Startoffelausnehmen 1,60 m. pro Tag zu zahlen, ist ihnen zu noch weiter nach rechts und geriet dabei hart an eine Straßeninsel. einen Berlegungen erlegen. Als Täter wurden zwei biel. Den Anfang mit dieser Kinderbeschäftigung machte ein Die dort stehenden, auf die Straßenbahn wartenden Leute fingen Soldaten vom Infanterie- Regiment Nr. 46 ermittelt und festLehrer, der zugleich Landwirt ist." Wann endlich wird die ländliche Erwerbsarbeit für Kinder nun an zu schreien und die Frau des Geschäftsführers B. lief in genommen. Der Zigeuner Ebender festgenommen. Am Sonnabend ist auf ihrer Angst auf die Fahrstraße. berboten werden? Die Sozialdemokraten haben vergeblich überfahren und getötet. Der Chauffeur H. ist vom Striegsgericht Zigeuner Hermann bender, einer der Mörder des bei Dort wurde sie von dem Auto braunschweigischem Gebiet in der Nähe von Neuhaldensleben, der ein solches Verbot seit Jahrzehnten erstrebt. Im Jahre 1902 von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. ulda erichoffenen Försters Romanus, verba ftet worden. Der wurde wenigftens erreicht, daß die Regierung durch den Reichs Der Ehemann B. erhob dann gegen den Reichsmilitärfiskus und ältere Bruder Ebenders, der als zweiter an dem Word des Förfters tag zu einer Enquete über die Erwerbsarbeit von Kindern Die beiden Zigeuner, die als Kar= auf dem Sande aufgefordert wurde. Diese Enquete ist seit gegen den Chauffeur S. eine Klage auf Schadenersatz für die ihm beteiligt war, entfam. entgangenen Dienste seiner Frau. toffelarbeiter im Dienst eines Landwirts standen, hatten Jahren abgeschloffen, aber ihre Ergebnisse sind bis heute nicht veröffentlicht. Enthält die Enquete trog ihrer recht einseitigen beide Beklagte verurteilt, allen dem Kläger entstandenen Schaden Das Landgericht III zu Berlin und das Kammergericht haben sich in der Trunkenheit ihres Verbrechens geAufnahme so viel ungeheuerliches Anflagematerial auf dem zu ersetzen. In seiner Urteilsbegründung führt das Kammergericht hat sich Montag vormittag in St. Quen( Frankreich) ereignet. In Schwere Straßenbahnunfälle. Ein schwerer Straßenbahnunfall Gebiete der Kinderverwüstung gegen die bestehende Gesell- aus, daß nach der Beweisaufnahme ein Verschulden des Chauffeurs folge des dichten Nebels fuhren zwei bollbefeste schaftsordnung, daß man vor ihrer Veröffentlichung zurück als bargetan zu erachten ist. Er hat entgegen der Bundesrats- Straßenbahnwagen ineinander. Der Anprall war so start, schaudert? Das Kind hat ein Recht auf Schutz. Vor wenigen berordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vor dem Ueber daß drei Personen mit schweren Verlegungen ins Jahren versprach der Minister im Reichstag die Publitation holen des Radfahrers die Fahrgeschwindigkeit nicht so eingerichtet, Strankenhaus gebracht werden mußten. 18 Personen erhielten der Enquete. Wann endlich wird die Enquete und ein Gesetz als es nach Lage der Sache geboten war. Schon die Situation, in leichtere Verlegungen. In Meche In( Belgien) ereignete fich entwurf zur Beseitigung der gesundheitsmordenden Kinder- der sich der Radfahrer an der Straßenkreuzung befand, mußte den arbeit veröffentlicht werden? Jugendbewegung. Jugendheimkonferenz. Gine Jugendheimkonferenz für die größeren Berliner Jugendheime fand am Sonntag unter lebhafter Beteiligung im Gewertschaftshause statt. Genoffe Dr. Rosenfeld referierte über die rechtlicen Grundlagen der Jugendheim e, während Genoffe Schenk über die Aufgaben der Jugend heime( prad. Die beiden Referenten forderten, der eine aus juristischen, der andere aus pädagogischen Gründen, daß in den Jugendheimen auch in Zukunft teine Politik getrieben und daß überhaupt alles vermieden würde, was eine Schädigung der Jugendheime zur Folge haben tönnte. Die den Referenten folgende angeregte und anregende Diskussion ergab völlige Uebereinstimmung hierüber. Beschlossen wurde noch, auf eine größere Buziehung der Jugendlichen zu den Heimkommissionen hinzuwirken und Jugendheimkonferenzen öfter abzuhalten. Zeigte sich doch, daß die Arbeit in den Jugendheimen durch solche Zusammenkünfte der in den Jugendheimen tätigen Helfern und Helferinnen nur gefördert werden lann. Gerichts- Zeitung. Der falsche Herr Rechtsanwalt. rühmt. Montag morgen auf dem Boulevard Port Sablon ein schwerer Straßenbahnzusammenstoß. Ein Wagen der Linie Mecheln- Boom fuhr im Nebel gegen einen von Aerschot kommenben Straßenbahnzug. Der Anprall war so start, daß aehn Personen schwer verletzt wurden. Der Schaden beträgt 100 000 Frank." Verfammlungen. Chauffeur veranlassen, so langsam zu fahren, daß er jederzeit sofort halten konnte. Durch das Vorbeifahren an der rechten Seite des Radfahrers hat der Chauffeur auch gegen§ 21 der Bundesratsverordnung verstoßen. Der Umstand, daß das Verhalten des Radfahrers ursächlich für das Ausweichen nach rechts war, fann den Chauffeur nicht entlasten. Die Möglichkeit eines Zusammenftoßes mit dem Radfahrer lag so nahe, daß er rechtzeitig seine Fahrgeschwindigkeit mäßigen mußte. Dadurch, daß infolge des Was haben die Schiffer vom Parlament zu erwarten? nahen Heranfahrens des Autos an die Straßeninsel die Situation Nichts und abermals nichts! In prächtigen Ausführungen für die auf der Insel stehenden Personen gefährlich wurde, ist es bewies Genosse se Iü in wohlbesuchter Schifferversammlung, baß der Chefrau des Klägers nicht zum Verschulden anzurechnen, daß die Binnenschiffer weder vom Reichstag noch vom preußischen sie auf die Fahrbahn lief. Da. hiernach nicht jede nach den Geldsadparlament das geringste zu erwarten haben. Noch nie hat Umständen des Falles gebotene Gorgfalt beobachtet hat, haftet der sich der Reichstag veranlaßt gefühlt, dem arbeitenden Bolfe Reichsmilitärfiskus als Halter des Kraftfahrzeugs. Diese Haftung günstige Geseke zu geben. In noch wenigerem Maße bekümmert ist aber auch gegeben, weil ein selbständiges Verschulden des ver- sich das Junkerparlament um die Sorgen und Mühen der Binnenfassungsmäßig berufenen Vertreters des fistus vorliegt. Der Generaloberst von B. mußte das unsachgemäße Verhalten des Chauffeurs erkennen und ihn, etwa durch Klopfen an das Fenster, zum Anhalten veranlassen. In der Unterlassung dieses Eingreifens ist ein Verschulden im Sinne des§ 823 B.G.B. zu erblicken. Das Neichsgericht hat die Revision des Reichsmilitärfiskus und des Chauffeurs H. am Sonnabend zurückgewiesen. Aus aller Welt. schiffer. Die Gesetze, die für die Schiffahrt erlassen wurden, dienen ausschließlich den Interessen der Großschiffahrtskapitalisten. Nichts ist getan, um die drückenden Schiffsabgaben zu beseitigen; diese haben sich im Gegenteil noch gemehrt. Zu alledem ist die allgemeine Rebenslage durch die Wucher- und Liebesgabenpolitik im. höchsten Grade berteuert. Ins Unermessene sind die Militärlaften gestiegen. Die kleinen Schiffseigner werden im Eiltempo proletarisiert. Der Kapitalismus weiht die Kleinschiffahrt sowie die Kleinhandwerker dem sicheren Untergang. Dies bietet Grund genug, sich in die Gedankenwelt der Sozialdemokratie einzuleben. Mit einem martigen Appell, unsere Kampfesreihen zu stärken, schloß& Iüß seine Rede. In der Diskussion wies Schwedler darauf hin, da doch die Schiffer früher oder später in der Proletariermasse aufgehen, Dem Herzlosen Anschlage eines Attentäters ist am Sonnabend diese schon jetzt allen Anlaß haben, mit den Arbeitern Hand in Prinz Wilhelm von Schweden wie durch ein Wunder ent- Hand zu gehen. Vernichtende Kritik übte Redner an den SchifferDer Prinz hatte bei Grönsinta dem Waidwerke ob- schulen und-kirchen. In ihren Heimatsorten sollten sich die egen Betruges bezw. Beihilfe waren die Arbeiter Max Berndt, Mar Heilmann und Mag Rau angeflagt. Im Früh gelegen und wollte im Automobil nach Stockholm zurückkehren. Wie Schiffer mehr als bisher den jeweiligen Parteiorganisationen anjahr b. J. tam der 21 jährige Arbeiter J. aus seinem hinter das offiziöie Telegraphenbureau meldete, war auf den Brinzen ein schließen und sich nicht von Krieger- und ähnlichen Bereinen födern pommerschen Dörfchen zum ersten Mal nach Berlin. Er fand auch Attentat dadurch versucht worden, daß ein Unbekannter über If fowie Schwedler endeten unter lebhaftem Beifall bald Arbeit, mit der er aber nicht zufrieden war. Eines Tages den Weg, den das Automobil paisieren mußte, Steine gelegt ihre trefflichen Ausführungen. Der Erfolg dieser machte sich denn machte er in einem Lokal die Bekanntschaft des Angeklagten Berndt, Ihatte. Erfreulicherweise wurde der ruchlose Anschlag rechtzeitig auch in verschiedenen Aufnahmen für die Partei bemerkbar. Gine Gaunerfomödie, die nur durch die kaum glaubliche Leichtgläubigkeit des Opfers ermöglicht worden war, lag einer Anflage zugrunde, welche gestern unter Vorsiz des Amtsrichters Dr. Hanke das Schöffengericht Berlin- Mitte beschäftigte. ronnen. Ein gefährlicher Königsmörder. Tassen. Beute billige A.Wertheim Lebensmittel Fleisch, Wurstwaren Seflügel, Fische, Obst, Gemüse Verkäufe. 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In Friedrichshagen Hai das Lokal Bellevue(Inhaber Herr Karl Fiscber) Waldowstraste, seine Unterschrift zurückgezogen. Das Lokal Bellevue ist somit von der Lokalliste zu streichen und als ge- sperrt zu betrachten. Die L o k a l k o»n m i s s i o n. 2. Wahlkreis. 7. und 8. Kommunalwahlbezirk. Heute abend 8t/3 Uhr, im Hofjäger-Palast, Hasenheide 52: Oeffentliche Versammlung� Tagesordnung: Die Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordneten im Roten Hause. Referenten: Stadtverordnete Genossen Job. Sassenbach und Gottfried Schulz, Der Vorstand. Vierter Wahlkreis. Am Freitag, den 17. Oktober, findet in der Brauerei Friedrichshain ein Kunst- und Heiterer Abend statt. Mit- loirtende sind Künstler aus den besten Theatern. Das Billett kostet 10 Pf. Anfang um 8 Uhr, nicht, wie irrtümlich auf den Billetts angegeben, um 7 Uhr. Bei der Gelegenheit sei nochmals auf die heute abend 8% Uhr, bei Boeker, Weberstlaste 17, stattfindende Versammlung hingewiesen, in der Schriftsteller Genosse M. H. Baege über.Die Abstammungs- lehre und ihre Beweise' spricht. Charlottenburg. III. Gruppe. Heute Dienstag, den 14. Oktober, abends SVa Uhr: Grnppenversammlung im Volkshause, Rosinen- straste 3. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Moses. 2. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. 3. Verschiedenes. Ge- nassen, sorgt für regen Besuch! Neukölln. Heute abend 8Vz Uhr, findet bei Bartsch, Hermann- straste 49, eine Frnuenversammlung statt. Thema: Der Geburten- rückgang in Deutschland. Reserenlin Genossin Klara Bohm-Schuch. Diskussion. ES wird zahlreicher Besuch dieser Versammlung erwartet. Mitgliedsbuch legitimiert. Lichtenberg. 2. Abteilung. Heute abend 8'/? Uhr: Abteilungs- Versammlung im Logenkasino, Knorrpromenade 2. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl der Delegierten. 3. Verschiedenes. Wilmersdorf. Am Sonntag, den 9. November, nachmittags 3 Uhr, findet im großen Saale des„Vikioriagartens' eine k ü n st» lerische Unterhaltung(Dichtung und Musik) statt. Neben dem Rezitator Ludwig Hardt, der Dichtungen von Heine. Liliencron, Dehmel, Andersen zum Vortrag bringt, lvirkt das Kestrnberg-Trio (Werte von Saint-Saens und Tschaiiowsky) mit. Billetts a 30 Pf. sind im Vorverkauf bei den Funktionären, in der„Vorwärts"- Expedition, Wilhelmsaue 27. bei R. Becker. Wilbelmsaue 133, in der Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft, Augustastr. 3, zu haben. An der Tageskasse 40 Pf. Rege Beteiligung erwartet Der Bildungsausschuß. AdlerShof. Die Genofien werden darauf hingewiesen, daß beute abend, pünktlich SVa Uhr, im Gesellschaftshaus, Bismarckstraße 10, der Vortragszhklus mit dem Thema:„Die Gegenwartsforderungen des Erfurter Programms' beginnt. Vortragender: Genosse Emil Eichhorn. Mar cufelde-Lichtenrade. Am Donnerstag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal Wirtshaus Lichtenrade. Inhaber Butzmann: Volksveriamnilung. Genosse W. Pieck spricht über„Die Wirtschaft- tichen und politischen Zustände vor 100 Jahren.' Friedrichshagen. Am Donnerstag, den 16. Oktober, abends 8� Uhr. beginnt im Lindengarten, Friedrichstr. 74, ein Vortrags- k u r s u s über:„Aus Theorie und Praxis der deutschen Gewerk- schaften". Der Eintrittspreis beträgt für alle fünf Vorträge 26 Pf. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der BildungSausschuß. Nowawcs. Am Donnerstag, den 16,, 23,, 30. Oktober, DonnerS- tag. den 6., 13. und 20, November, abends pünktlich SVo Uhr, finden im Lokal des Herrn Ernst Schmidt, kl. Saal, Wilhelmstr. 4l/43, Vorträge über„Die wifienschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung' statt. Vortragender: Genosse Emil Dittmer. Zossen. Wir machen die Parteigenossen auf folgende Veranstal- tungen auimerkiam: Donnerstag, den 16. Oktober, abends 8>/z Uhr, bei Scherler: AußerordcntlicheMitgliederversammlung. Tagesordnung: Unsere bevorstehende Sladlverordnetenwahl. Sonnabend, den 18. Oktober, abends 3V-> Uhr, bei Scherler: Oeffentliche Versammlung. Thema: 1. Weshalb wählen wir Sozialdemokraten in das Stadtparlament? 2. Auf- stellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Sonntag, früh 8 Uhr, von Scherler aus, Broschüren und Kaleiiderverbreiiung in Zossen und im Agitationsbezirk. Jeder be- teilige sich an den vorstehenden Veranstaltungen, damit alles prompt erledigt wird._ ßerlimr Nachricbtem Patrioteu-Rummel. Unter unseren Patrioten herrscht wieder große Freude. Es gilt ein neues Jubiläum zu begehen und zu— begießen. Man ist von den verflossenen Jubiläen noch nicht ganz nüchtern und schon wird von neuem gerüstet. Nicht nur auf Leipzig beschränkt sich der Patriotentaumel aus Anlaß der Völker- schlacht bei Leipzig, sondern„das ganze Deutschland soll es sein". In Berlin sind zum Sonnabend und Sonntag zahlreiche Feiern geplant und eine Unmenge Säle und Vereinszimmer sind gemietet, in denen zu Ehren der vor hundert Jahren bei Leipzig Gefallenen gegessen imd getrunken werben soll. Der Jungdeutschlandbund, der am Sonntag einen Umzug, ver- Kunden mit Fackelzug, veranstaltet, muß aber den geplanten Vorbeimarsch vor dem Kaiser aufgeben, weil der Kaiser am Sonntag verreist. In der Domkirche findet am Sonnabend ein Festgottesdienst statt, bei dem der Kriegerbund durch seinen Vorstand und durch Fahnendeputationen vertreten sein wird. Die Fortschrittliche Volkspartei hält am Sonntagmittag im Rheingold eine Festversammlung ab. Alle staatlichen und städtischen Bureaus werden am Sonnabend geschlossen. Das Ministerium hat Schulschluß aber Abhaltung von Gedenkfeiern angeordnet. Gegen diese dem Chauvinismus und dem Militarismus dienende Gedenkfeier» wird unsere Partei die Vorgänge vor 100 Jahren von geschichtlichen und kulturellen Gesichtspunkten würdigen und nachweisen, in welchem Interesse die betriebene Völkerhetze liegt. An unseren Genossen liegt es, für Massen- besuch der zum Sonntag einberufenen Versammlungen Sorge zu tragen._ Die ersten Nachtfröste sind nun über das Land gegangen. Wenn die Sonne sich hebt und die Nebel sich langsam zu verziehen beginnen, liegen die spärlich die Großstadt umsäumenden grünen Flächen weiß überstäubt da. In der steigenden Sonne schwindet dieser Frosthauch gar bald. Allein das letzte Sommergrün geht an ihm zugrunde, wird unansehnlich, braun und bröcklig. Die Zeit ist gekommen, daß nun auch die letzten Halme und Gräser, sterben müssen." i Mit gesteigerter Gewalt hat in diesen Tagen der Laub- fall eingesetzt. Der Oststurm weht die welken Blätter zu Hügeln und Wällen zusammen, zerrt das Gezweige der Baumkronen kahl und leer und jagt die Altweibersommersäden um Stamm und Ast. Raschelnd umtanzt das welke Laub die blattüberwehten Meilensteine und umknistert in seinem wilden Wirbeltanze den Fuß des Schreitenden. Grau hängt nun der Himmel. Noch ziehen die Wolken träge an ihm dahin, denn" die Spätherbstwetter haben sich noch nicht aufgemacht. Nun streichen auch die letzten Zugvögel südwärts. Die Wildgänse schreien. In lauggezogenen Keilen segeln sie in ihrer bekannten Flugordnung hoch in den Lüften dahin. Ueber den Schirmkronen der alten Kiefern lärmen die Krähen. Ihre Zeit ist jetzt gekommen. Wenn die Nebel ziehen und die Flocken fallen, dann erfüllt ihr heiserer Schrei die Winterluft. Nun werden auch die Tage bald ihre forsche, herbstliche Gangart verlieren. Schleichend Iverden sie kommen und gehen, aus Dämmerung steigen und in Dämmerung versinken, kaum daß sie selbst mehr als Dämmerung sind. Der letzte Glanz will ersterben. Die Winde ivehen kalt. Und wenji ein Regen fällt, dann haben seine Tropfen schon etwas Eisiges, das gleichsam auf den Winter vorbereiten ivill. In der Stadt selbst aber zeitigen das Elend und die Arbeitslosigkeit der Gegenwart immer greifbarere Bilder. Die fröstelnden, ausgehungerten Gestalten mit der fadenscheinigen Kleidung und den hochgeschlagenen Rockkragen heische« dring- licher Einlaß in die Asyle und Wärmehallen, und umlagern in von Tag zu Tag wachsenden Scharen die Arbeitsnachweise und die Stätten, an denen Stellenangebote bekannt gegeben werden. In seinen gewaltigen Dimensionen tritt der Groß- stadtjammer wieder jedem vor die Augen, der sie nicht ab- sichtlich vor dem Elend verschließt. Die schönen Tage sind dahin; auch in den Straßen der Stadt. Kalt geht der Wind. Der Herbst schreitet dem Winter entgegen. Der Verkauf russifche» Fleisches in den Berliner Fleischerläden. Ueber den Verkauf des russischen Fleisches in den Fleischer- läden berieten, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" berichtet, gestern Obermeister Kriesche und die Vorsitzenden der Bezirks- vereine. Beim Magistrat soll die Absicht vorhanden sein, das russische Fleisch durch die Ladenfleischermeister in Berlin zum Verkauf bringen zu lassen, und zwar unter der Bedingung, daß dieser Verkauf getrennt von dem des inländischen statt finden muß. Als Garantie für die Einhaltung der zu verein barenden Bestimmungen soll jeder Meister, der den Verkauf dieses Fleisches übernimmt, den Betrag von 100 Mark hinter legen. Die Bezirksvereinsvorsitzenden werden in den nächsten Tagen ihre Mitglieder einberufen, um weitere Entschließungen herbeizuführen. Nach den in Vororten und in den Markthallen gemachten Erfahrungen dürfte der Verkauf ausländischen Fleisches in den Schlächterläden bei der Bevölkerung wenig Gegenliebe finden._ Vom städtischen Krematorium in der Gerichtstraste. Nach Mitteilung der Krematoriumsverwaltung sind Per sonen, die hier Angehörige einäschern ließen, zu der Auf fassung gekommen, daß alle Holzsärge vor der Einäscherung zerschlagen, also vorher die Leichen herausgenommen und ohne Sarg in das Feuer geschoben werden. Eine solche Be- Handlung der Leichen ist natürlich ausgeschlossen, wie sich die ängstlichen Gemüter doch eigentlich hätten von selbst sagen können. Die betreffenden Bestimmungen lauten wörtlich: „Die Särge müssen aus dünnem weichen Holz oder aus Zinkblech gefertigt und dürfen weder ausgepicht noch an- gestrichen oder lackiert sein, auch keine Eisen- oder Bronze- teile, weder zur Verbindung noch zur Verzierung enthalten. Särge, die den Vorschriften nicht eutsprecheu oder die nicht mit der vorgeschriebenen amtlichen Plombe versehen sind, sind von der Einäscherung ausgeschlossen. Im Krematorium findet eine Umbettung aus einem un- vorschriftsmäßigen in einen vorschriftsmäßigen Sarg nicht statt. Die Leichen dürfen nur in den zur Verbrennung be- stimmten Särgen, nicht mit Uebersärgen, eingeliefert werden." Leichen in unvorschriftsmäßigen, also auch lieber- särgen, die aus Groß-Berlin kommen, werden hiernach durch- weg zurückgewiesen, bis die Vorschriften erfüllt sind. In seltenen Fällen kommt eS vor, daß von außerhalb durch Bahntransport, für den ja schon immer ein Zinksarg oder ein Zinkeinsatz im Holzsarg vorgeschrieben ivar, auch ein Ueber- sarg geliefert»vird und daß dieser Uebersarg auch die amt- liche Plombe trägt. Die Zurückweisung eines solchen vielleicht aus weiter Ferne kommenden Sarges wäre für die An- gehörigen mit großen Unzuträglichkeiten verbundeil. Mit amtlicher Genehmigung wird dann die Plombe am Uebersarg gelöst und nachgesehen, ob der innere Zinksarg. der in seiner Ausführung natürlich auch den Vorschriften für die Einäscherung entsprechen muß, plombiert ist; � eventuell wird die Plombierung nachgeholt. Nur in diesen s e l- tenen Fällen wird der überflüssig gewordene Holzsarg(Uebersarg) zerschlagen. Die Oeffnung des zur Verbrennung bestimmten Holz- oder Zinksarges und eine Besichtigung der Leiche ist demnach im Krematorium ganz- lich ausgeschlossen. Gleichzeitig sei auf vielfache Anfragen bemerkt, daß der Wille, sich einäschern zu lassen, schon vor jeder zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigten Person, in Berlin bei- spielsweise vor dem Bezirksvorsteher, in rechtsgültiger Form verkündet werden kann. Die darüber auszustellende Urkunde ist stempelfrei._ UePtr die Treptower Postbestellung wird lebhaft Klage geführt. Die postalischen Verhältnisse sind hier noch so krähwinklig, wie man es dicht vor den Tore» Berlins nicht erwarten sollte. Die Brief- kästen werden teils von Berlin(Postamt e-kalitzer Str. 74), teils von Treptow geleert. Die Leerung erfolgt nicht mit untergcscho- benem Sicherheitsbeutel, sondern wie aus dem Torfe: durch Heraus- nehmen der einzelnen Postsendungen aus den Seitenklappcn. Tie herausgenommen Sendungen werden sofort vor dem Kasten erst- nmlig sortiert, wobei in der Dunkelbeit leicht etwas verlorengehen kann. Mittags ruht der Postbetrieb in Treptow fast vollständig, Rohrpost gibt es natürlich erst recht nicht. Die Leerung der Brief- kästen am Sonntag erfolgt nur einmalig um 61- Uhr nachmittags, dann erst wieder zwischen 8 und 9 Uhr am nächsten Morgeiu San- düngen, die nach tsich Uhr in den Kasten kommen, brauchen also bis zur Ankunft in Berlin um 3 Uhr nachmittags fast einen ganzen Tag. Man sieht auch hieran, wie nötig es ist, daß in Treptow durch Eingemeindung„Berliner Licht" einzieht. Der Botanische Garten nebst den Gewächshäusern ist in der Z.it von Mitte Oktober dl' Ende März am ersten Sonntag eines jeden Monats von 11 bis 4 Uhr zu freiem Eintritt geöffnet. An den Wochentagen der Wintermemate ist der Garten von 8 Uhr bis zur Dämmerung, die Gewächshäuser — ausgenommen des Sonnabends— sind von 10— 4 Uhr für Inhaber von Erlaubnisscheinen, die den käuflichen Führern beiliegen, zugänglich. Das Botanische Museum ist jeden Mittwoch von 10 bis 3 Uhr und jeden ersten Sonntag int Monat von 11 bis 2 Uhr ohne Entgelt zu besichtigen. Ucicrspannung des Polizcircchtcs auf Razzien. Vor einigen Tagen veranstalteten Beamte des 91. Polizeireviers' am Bor- mittag eine Streife durch die Anlagen des an der Ecke der Müller- und Gerichtstraße gelegenen Courbisreplatzcs, Es wurden elf Per- sonen sistiert, von denen man sechs wegen Obdachlosigkeit dem Polizeipräsidium zuführte. Das Recht, in dieser Form auch schon am hellen Tage die Besucher von Parkanlagen zu attackieren und Personen, gegen die wissentlich nichts vorliegt, auf blauen Dunst zu ststieren, muß doch als sehr fragwürdig bezeichnet werden. Wenn die Polizei nächtlicherweile Personen aufgreift, die im Freien nächtigen, so mag das nach den geltenden Bestimmungen zulässig sein. ES geht aber über die Hutschnur, auf einen bloßen, vielleicht durch reduzierte Kleidung erwecken Verdacht am bellen Tage»nd auf öffentlichen Wegen Personen gleich rudelweise zu verhasten, die sich keiner Uebertretmig schuldig gemacht haben und wieder entlassen werden müssen. Wenn das Polizeirccht, anrüchige Restaurations- lokale am hellen Tage auszuräumen, auch schon auf die Straße und die Parkanlagen übertragen wird, erscheint das für die Ruhe der Straße und der Parkanlagen in hohem Grade bedenklich. Gerade in Zeiten der Arbeitslosigkeit werden sich in Parkanlagen auch viele Arbeitslose aufhalten, die von solcher Ueberspannung des Polizei- rechtes empfindlich gelrosfcn weiden können. Die neuen Schneflbahnlinicn. Ueber eine Viertelmillion Fahrgäste wurden am Sonntag in- folge der Eröffnung der neuen Schnellbahnlinien nach Wilmersdorf« Dahlem und»ach der UHIandstraße auf der Hoch- und Untergrund- bahn befördert. Der Verkehr auf den neuen Strecken hat also gleich energisch eingesetzt und der Hochbahngesellschaft am Sonnrag mehr als 60000 neue Fahrgäste zugeführt. Wenngleich darunter natürlich viele waren, die nur eine„Besichtigungsfahrt" auf den Neu- bauslrecken machten, so zeigt sich doch in dieser großen Verkehrs- zunähme das rege Interesse der Bevölkerung für die neuerschloffenen Vorortgebiete. Das Berufsgeheimnis des Irrenarztes. Soll schon der praltiiche Arzt das Berufsgeheimnis mit Pein- licher Gewissenhaftigkeit hüten, so muß das vom Irrenärzte in noch höherem Grade verlangt werden, weil durch, unvorsichtige Aeuße- rungen, die der Irrenarzt weiterträgt, unberechenbarer Wirtschaft- licher und ideeller Schaden entstehen kann. Erfahrungsgemäß gehen manche Irrenärzte mit dem Berufsgeheimnis wenig sorgfältig um. Das ist ja schon aus dem alten, auch bei den Berliner städtischen Irrenanstalten noch immer bestehenden Mißstande er- sichtlich, daß Patienten, die oft recht viel auf dem Kerbholz haben, mit deni Abschreiben bon Krankengeschichten und anderen Anstaltsakten beschäftigt werden und nun mit der erlangten Aklenkenntnis nach der Entlassung groben Mißbrauch treiben können, auch schon getrieben haben. Gegen einen Oberarzt der städtischen Irrenanstalten schwebt jetzt ein Verfahren, weil er in einer Privat- klageiache der Klägerin über die Familie deS Beklagten amtliche Mitteilungen machte, zu denen er schwerlich befugt war. Er hätte seine gerichtliche Vernehmung als Zeuge oder Sachverständiger ab- warten muffen. Es ist wünschenswert, daß die vorgesetzte Behörde ihren Irrenärzten die strengste Wahrung deS Berussgeheimniffes ins Gedächtnis ruft._ Im Stadion tödlich verunglückt. Im Stadion fand am Sonntag das zweite Herbstfcst de? ReichSausschusses für olympische Spiele statt, dessen Programm auch einige Radrennen enthielt. Eine Mannschaft der„Konkordia" fuhr gegen eine Anzahl anderer Fahrer. In der borletzten Runde kam ein Fahrer so unglücklich zu Fall, daß sämtliche ihm folgende „51onkordia-Fahrer" über ihn hinwegstürzteii. Einer der Gestürzten, Kaufmann Max Hansen, erlitt bei der Heimfahrt einen Ohnmachts- anfall und mußte nach der Unfallstation gebracht werden, wo eine Gehirnerschütterung festgestellt wurde. In der Charitö. wohin Hausen geschafft wurde, konnte Hilfe nicht mehr geleistet werden, weil der schwer Verunglückkte bald nach der Einlieferung starb. Ein schwerer Fahrstuhlunfall ereignete sich gestern nachmittag im Hause Kaiserdamm 87. Dort wollte das Kinderfräulein Berta Hansen, die den Fahrstuhl in eine obere Etage benutzt hatte, ein zwei Monate altes Kind holen, das sie einen Moment im Fahrstuhl allein gelassen hatte. In diesem Augenblick aber setzte sich der Fahrstuhl wieder in Bewegung. Das Mädchen wurde festgeklemmt und ihm der Brustkasten eingedrückt. Es war sofort tot. Das Kind blieb unverletzt. Ei» mysteriöser Todesfall beschäftigt zurzeit die Charlottenburger Kriminalpolizei. In dem Zimmer des 27jülirigen Hausdieners Ludwig Stumpf, der im Cafv Abbazia angestellt ist, wurde gestern die Leiche des siebzehnjährigen Friseurlehrlings Wilhelm Schikel auf- gefunden. Der Hausdiener gab an, den Schikel in der Nacht zum Sonntag auf einer Bank im Tiergarten völlig entkräftet aufgefunden zu haben. Aus Mitleid habe er ihn in sein Zimmer genommen, wo ihm Schicke! mitteilte, daß er Gilt genommen habe. Noch ehe er (Stumpf) einen Arzt herbeirufen konnte, sei Schikel gestorben. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schau- hause gebracht.— Die Polizei sieht den Angaben des St. skeptisch gegenüber. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Todesfall durch Herzschlag, wobei allerdings eine gewisse krankhafte Veranlagung mit in Betracht kommt. Ein leichtsinniger Patron ist der 21 Jahre alte Chauffcur Emil Tylicke aus der Baruther Straße. Dieser junge Mann flüchtet mit 2000 M., die er als� Angestellter einer Zigaretteufinua eingezogen hatte, nachdem er den von ihm geführten Kraftioagen in der Kaiser- Allee herrenlos stehen ließ. Die bürgerlichen Blätter eilten, um ihren Lesern von einem ungetreuen Ehauffeur berichten zu können und die unter großen Schwierigkeiten ihren Berus ausübenden Chauffeure dadurch in Mißkredit zu bringen. Tylicke reiste nach Rotterdam und ließ sich hier als Kohlentrimmer nach Amerika anwerben, beging aber die Unvorsichtigkeit, sich von Notier- dämm aus bei seiner Geliebten nach deren Befinden zu erkundigen. Das wurde ihm zum Verhängnis, da der junge Mann nicht weniger als drei Bräute hatte. Dadurch erfuhr die Kriminal» Polizei seinen Aufenthalt und nahm ihn fest in dem Augenblick, als er den Dampfer besteigen wollte. Tödlicher Megerabsturz. Der Offiziersflugschüler Leutnant König vom Jnf.-Regimuit Nr. 162 stürzte gestern auf dem Flugfelde der A. E. G. bei N i e d e r- neuendorf a. Havel infolge zu steilen Gleitfluges ab und blieb auf der Stelle tot. Der Flieger scheint die Herrschaft über den Apparat verloren zu haben, da die Maschine, immer steiler fliegend, zuletzt fast senkrecht herabschoß. Der Apparat über- schlug sich und zerschellte am Boden. Der Höhenmesser stand auf 1700 Meter, Jagd a»f Drehorgelspieler. Die Polizei scheint die Absicht zu haben, die Drehorgelspicler von den Höfen zu beseitigen. Nur der Drehorgelspieler ist vor der Polizei sicher, der einen Erlaubnisschein hat. Wie uns mjjc geteilt wird, werden aber solche Scheine nur in bestimmten Fchllen erteilt. Wird nun ein armer Teufel, der ohne Erlaubnisschein spielt, erwischt, so gibt es das übliche Strafmandat. Die Polizei hat für solche Fälle bereits gedruckte Formulare, auf denen steht: Sie haben am..... Drehorgel gespielt, ohne hierzu Erlaubnis zu besitzen. An anderer Stelle ist gleich die Strafe in Höhe von drei oder fünf Mark vermerkt. Selbst die Worte:»An den Drehorgelspieler" sind vorgedruckt. Dieser Tage lasen wir ein solches Strafmandat, das ein Drehorgel spieler erhalten hatte, der an den Händen vollkommen verkrüppelt war, der auch schwere Sprachfehler hatte und sich nur schwer ver-- ständlich machen konnte. Der arme Mann bekommt von der Armen Verwaltung monatlich 12 M. Was soll er tun? Betteln ist verboten, Stehlen wird bestraft. Die Drehorgel ist das einzige, was ihn über Wasser halten kann. Warum werden solchen Leuten, die sich ehrlich durchs Leben schlagen wollen, solche Schwierigkeiten gemacht, die doch ganz unverständlich sind? Hat die Polizei nichts Besseres zu tun, als Jagd auf arme Drehorgelspieler zu machen? Gibt es nicht ein besseres Betätigungsfeld für die Polizei? Die Akademischen Unterrichtökurse wollen Männern und Frauen, die nicht mehr die Fortbildungsschule besuchen können. Gelegenheit zu gründlicher Ausbildung in den elementaren Unterrichtsfächern bieten, vor allem sollen die Hörer richtig schreiben, sprechen und rechnen lernen. Personen unter IS Jahren können nicht aufgenommen werden. Den Unterricht erteilen Etudrerende der Berlmer Hochschulen. Jeder Kursus findet wöchentlich einmal in den Abendstunden von S bis 10 Uhr statt. Anmeldungen werden in folgenden Lokalen entgegen« genommen: Pankftr. 17, am Bahnhof Wedding, am 17. Oktober. abends S— 10 Uhr.— GipSstr. 23a, am Bahnhos Börse, am IS. und 21. Oktober, abends S— 10 Uhr.— Langestr. 31, am Schlesischen Bahnhof, am 17. und 21. Oktober, abends 8—10 Uhr.— Neukölln, Kaiser-Friedrich-Straße 203—210, am 20. und 22. Oktober, abends g— 10 Uhr.-*■ Am 18. und 25. Oktober, abends 8 Uhr, finden im Saale des Zentralarbeitsnachweises, Gormannstraße 13, allgemeine Hörerversammlungen statt, in denen nähere Mitteilungen über die Art deS Unterrichts und die Organisation gemacht werden. In diesen Versammlungen werden auch noch Anmeldungen ent» gegengenommen. Bei der Anmeldung ist eine einmalige Gebühr von 50 Pf. für den Besuch jedes Kurses sowie 25 bis 50 Pf. für Lehrmittel zu entrichten. Programme sind auch in den städtischen Lesehallen, in den Zahl« stellen der Volksbühnen sowie in den Berkaufsstellen der Konsum- vereine zu haben. Der AdmiralSPalast brachte am Sonnabend zum ersten Male ein neues Eisballett:.Die lustige Puppe" zur Anschauung. Ein bunte« Bild rollt sich auf dem Eile ab. Prinz Karneval schwingt das Szepter. Die Fröhlichkeit entwickelt sich zur Ausgelassenheit. Eine Gauklertruppe produziert sich. Dahinein spielt wie immer eine Liebesszene. Pierot verliebt sich in die.lustige Puppe", die noch immer von der»kleinen Charlotte", einer äußerst gewandten Eis- lauflünstlerin, dargestellt wird. Recht hübsch macht sich die Puppen- Vorstellung und schließlich die Huldigung der Bewohner des Meeres und der Erde. Prachtvolle Kostüme blenden das Auge, und hübsche Balletts auf Schlittschuhen ergänzen das mit vielen Lichteffekten ver- sehene neue Ausstattungsstück, bei welchem auch ein Freund schöner Bewegungen und der Eislauslunst voll auf seine Rechnung kommen dürfte. Das Kafinotheaier gab am Sonnabend eine vielbclachte Posse: »Ferdinand der Tugendhafte", in welcher der Direktor HanS Berg wieder die Hauptrolle mimte. Aus dem bunten Teil seien die Ballerinen Soeurs MyosotiS in ihrer aparten Kunst-Tanz« Szene besonders vermerkt. Kleine Rachrichten. Aus der Spree gelandet wurden gestern die Leiche eines Mannes und einer Frau. Letztere ist noch unbekannt und schon so stark in Verwesung übergegangen, daß ihr Alter nicht mehr festzustellen war. Sie ist 1,64 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und trug ein schwarzgestreiftes Kostüm, schwarze, ziemlich neue Schnürschuhe und eine blaue Bluse.— Die männliche Leiche ist identisch mit einem 24 Jahre alten Korbmacher Friedrich Wachtel aus der Hochmeisterstr. 16. Wachtel war schon seit längerer Zeit arbeitslos und hat wohl auZ diesem Grunde den Tod im Wasser gesucht. Er entfernte sich vergangenen Freitag aus seiner Schlaf- stelle und kehrte nicht wieder in diese zurück.— In der Behren- stvatze wurde gestern früh von Arbeiiskollegcn in dem Keller der Elektrizitätswerke Schadowstraße, G. m. b. H., in dem Hause 55/57 der 63 Jahre alte Maschinist Adolf Winter aus der Mohrenstr. 1 tot aufgefunden. Winter hatte Nachtdienst. Wahrscheinlich ist er nun, nachdem er eingeschlafen, infolge des ausströmenden Kohlen- gcrfeS gestorben.__ Vorort- Nacbnchtcm Neukölln. Um die Gültigkeit einer Delcgicrtenwahl der Neuköllner Orts- krankenkassx handelte es sich bei einem Itechtsstreit zwischen dem Kassenvorstande und dem Magistrat als Aufsichtsbehörde. Im No- vember 1011 waren zur Generalversammlung der genannten Kasse 241 Delegierte der Versicherten neu zu wählen. Es war Listenwahl gemäß dem Statut, bei der nur eine Liste in Frage kam. Die ge- druckte Liste enthielt 240 Namen. 8 Wähler schrieben auf dem von ihnen dann abgegebenen Exemplar noch den Namen N. hinzu. Während der Vorstand der Kasse N. nicht für gewählt erachtete, erklärte der Magistrat als Aufsichtsbehörde auch ihn für gewählt. Der Bezirksausschuß wies die nun vom Vorstand gegen den Magistrat angestrengte Klage ab. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte das Urteil und führte aus: Wenn im Statut stehe, jeder Wähler müsse soviel Namen auf den Zettel schreiben, wie Delegierte zu wählen sind, dann wäre das eine unzulässige Beschränkung der Wähler. Natürlich könne der Wähler nicht mehr wählen. Es sei ihm aber u n b e- nommen, weniger zu wählen. Somit seien die Zettel, die nur 240 Namen oder weniger enthielten, gültig. Daß infolge der Numerierung einige Irrtümer vorgekommen seien und Wähler zur Annahme kamen, es seien 241 Namen auf der Liste, sei nicht wesent- lich. Denn jeder Leser sei fair den Inhalt des Zettels, den er ab- gebe, selbst verantwortlich. Nun seien 8 Zettel da, die 241 Namen enthielten, indem auf ihnen der Name N. zugeschrieben sei. Da nun 241 Delegierte zu wählen waren, so sei auch N. trotz seiner nur 8 Stimmen gewählt, wobei es ganz gleichgültig sei, daß für die anderen 240 Namen auf dem Zettel etwa 1400 Stimmen ab- gegeben worden seien. Eine Vorschrift, daß der einzelne eine gc- wisse Anzahl von Stimmen haben müsse, existiere nicht« Lichtenberg. DgS erste im„Schwarzen Adler" veranstaltete Sinfonickonzert des Blüthner-Orchesters erfreute sich eines regen Beiuchs. Unter Leituirg des Kapellmeisters Weyersberg wurden in formvollendeter Weise die Mozartsche Sinfonie in lüs-ciur, Richard WagnerZ.Waldweben' aus.Siegfried", Ouvertüre aus„Tannhäuser" und am Schlich Franz Liszts Ungarische Rhapsodie II. zum Vortrag gebracht. Leider war die Lichtenberger Arbeiterschaft nur schwach vertreten, um Ach den Kunstgenuß, der von der Stadt auf Drängen unserer Vertreter im Stadlparlament der Bürgerschaft Lichtenberg? geboten wArde, zu eigen zu machen. Es wäre wünschensioert, daß der Billettvertrieb für da? am 13. Dezember stattfindende zweite Sinfoniekonzert nicht nur vom Rathaus aus erfolgt, sondern daß in den Parleispeditionen in Alt- Boxhagcn und in der Wartenbergstraße gleichfalls Billetts zu haben find. Auf den Programmen könnte die Anfangszeit und der Ver- merk:„Rauchen während des Konzerts verboten" stehen. Steglitz. Aus der Gemeindevertretung. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Antrag des Gemeindevorstandes:.Beschlußfassung über den Bebauungsplan für den Breitcnbach- platz". Schon vor Jahren war ein Bebauungsplan für diesen Platz, bis vor kurzem Rastatter Platz genannt, ün Einverständnis mir den beteiligten Gemeinden Wilmersdorf und Dahlem beschlossen, jedoch nicht ausgeführt worden. Mit der Inbetriebnahme der Schnellbahn Wilmersdorf— Dahlem, die auf resp. unter diesem Platz einen Bahnhof gebracht hat, ist die Regulierung nunmehr äußerst erwünscht. Der ehemalige Bebauungsplan fand jedoch nicht die Zustimmung des mittlerweile geschaffenen Zweck- Verbandes, ebensowenig zwei weitere Entwürfe. Da auf dem Platz nicht weniger als sieben Straßen münden, waren alle Projekte naturgemäß in erster Linie von VerkehrSrückjickiten diktiert worden. Daß unter diesen Umständen die Ansichten der modernen Städtebauer nicht ganz zur Geltung kommen konnten, niag zugegeben werden. Der nunmehr zur Beschlußfassung vorliegende Entwurf IV, der im Zweckverband entstanden ist. zeigt nun zwar eine dem Auge gefällige, geschlossene, moderne Anlage, nimmt dafür aber auf den Verkehr so wenig Rücksicht, daß ihn der Bau aus- schuß rundweg ablehnte. Der Gemeindcvorstand ver- suchte nun trotzdem, im Plenum die Besöblußfassung durchzudrücken, jedoch, wie vorweg bcmerlt sei, ohne Erfolg. Selbst die von ästhetischem Empfinden fast triefende Reederei des freiwilligen Regierungskomminars Korthaus und die Unterstützung durch Herrn Lehmann, der befürchtet, durch Ablehnung die Regulierung hinaus- zuschieben, wodurch die Anliegerintcressen geschädigt würden, konnten das Schicksal der Borlage nicht ändern. Die Ablehnung wäre sicher erfolgt, wenn nicht noch im letzten Augenblick ein Antrag auf Zurück- Verweisung gestellt worden wäre, der schließlich angenommen iourde. Die Widerspenstigkeit der Versammlung hatte den Bürgermeister so verschnupft, daß er nunmehr beantragte, zwei Gemeindevertretcr mit den weiteren Verbandlungen im Zweckverband zu beauftragen. Die von ihm borgeschlagenen Herren hielten eS jedoch für richtiger, daß auch er dabei mitwirke, und so muß er wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Es ist übrigens unverständlich, weshalb der Gemeindevorstand ein st immig dem Plan IV zustimmt, trotzdem der Bürgermeister versicherte, daß alle in der Debatte vor- gebrachten Bedenken auch von ihm im Zweckverband schon geltend gemacht worden seien. DaS heißt doch nichts anderes, als bewußt auS ästhetischen Rücksichten ein Verkchrshinder- nis schlimmster Sorte auf dem Breitenbachplatz zu schaffen. Daß sich die Steglitzer, mit Ausnahme des Herrn Korthaus, dafür erklärten, ist begreiflich. Grüna». Die Gemeindevertretung erledigte in ihrer letzten Sitzung eine Reihe kleinerer Vorlagen. Ein Ortsstatut gegen die Verunstaltung von Gebietsteilen Grünaus wurde mit den vom Landratsamt ge- wünschten Aenderungen angenommen. Eingemeindet mit allen Rechten und Pflichten soll das dem Fiskus gehörende zirka 18 Heltar große Gelände zwischen dem alten Bahnhof und der Unterführimg, owic das Terrain, auf dem das Sportdenkmal sieht, werden. Tic Verpflichtung zur Instandhaltung des Sportdenkmals hat die Ge- meinde leider bereits vor längerer Zeit übernommen. Der Pro- menadenweg am Endpunkt der Straßenbahn soll zirka 40 Zcnti- meter aufgeschüttet werden, um den Weg passierbar zu machen. Die Böschung und Umzäunung des Eisenbahndammes zwischen dem alten und neuen Bahnhof befindet sich in einem skandalösen Zu- tand. Wiederholte Eingaben des Verschönerungsvcrcins und euch die Bemühungen des Gemeindevorstehers hatten bisher einen negativen Erfolg. Bei dem sehr starken Verkehr aui Bahnhof ist die Errichtung einer Bedürfnisanstalt ein dringendes Erfordernis. Die Eisenbahnverwaltung hat festgestellt,„daß ein Bedürfnis in diesem Fall nicht anerkannt werden kann". Jetzt hat die Eisenbahnverwal- tung gnädigst gestattet, daß die Gemeinde auf ihre Kosten genau nach den Wünscken und Angaben der Eisenbahnverwaltung den Schandfleck zwischen dem alten und neuen Bahnhof instand setzen darf.— Die chemischen Werke Landshoff u. Meyer beabsichtigen, eine Automobilspritze anzuschaffen und ersuchen die Gemeinde, ein Viertel der Anschaffungskosten, etwa 3500 M., beizusteuern. Da nach Ausführung des Oberführers die freiwillige Feuerwehr gegen- wärtig allen Anforderungen gewachsen ist, wurde das Ansuchen einstweilen abgelehnt. Für die Ablage, die für die Gemeinde eine gute Einnahmequelle geworden ist, lag ein Antrag zur lieber- nähme derselben zur Beratung vor. Einstimmig wurde der Antrag abgewiesen. Auf Anregung unseres Genossen soll der Schulweg jetzt wieder beleuchtet werden. Der Wahlverein hatte in einer Re- solution an die Gemeindevertretung Matznahmen gegen die Ar- beitslosigkeit sowie bei Vergebung von Arbeiten der Gemeinde an Unternehmer Beachtung der Tarifverträge gefordert. Genosse Mitzner nahm Anlaß, auf die Notwendigkeit und große Bedeutung dieser Fragen hinzuweisen und ersuchte den Gemeindevorsteher, zur nächsten Sitzung positive Vorschläge zu machen. Den bürgerlichen Vertretern scheint diese Materie ganz neu zu sein. Wie überall zeigt sich auch hier bei diesen Herren eine gewisse Weltftemdhcit diesen wichtigen Fragen gegenüber. Es muß von allen in Betracht kommenden Instanzen fortgesetzt das Gewissen dieser Vertreter ge- schärst werden, um den notwendigen Forderungen Gehör zu ver« schaffen. Der Wahlverein nahm den Bericht des Genossen Witzler-Köpe- nick über den Parteitag entgegen. In der Diskussion bedauerte Ge- nosse Fcchner, daß durch die kleinlichen Dispute mit der Genossin Luxemburg viel Zeit verloren gegangen sei, die zur praktischen Lösung der Frage des Massenstreiks hätte besser verwendet werden können. Unsere Vertreter im Reichstag hätten unbedingt, soweit sie nicht dringend verhindert sind, zu allen Sitzungen zu erscheinen. Die Haltung der Fraktion bei der Deckungsfrage zur Militärvorlage verurteilte Redner Die Maifeier müsse von den Gewerkschaften mehr forciert oder ganz fallen gelassen werden. Genosse Bluhme schloß sich diesen Ausführungen an und betonte, daß die Gewerk- schaften vielleicht sehr bald die Frage deS Massenstreiks zu lösen haben werden, und daß es sich dann rächen werde, daß der Parteitag keine positive Stellung zu dieser wichtigen Frage genommen habe. Köpenick. Die Forderungen der Acrztc und die Allgemeine OrtSkrankcnkasse. Wenn man nach den bisherigen Mitteilungen annahm, daß bei der Neuregelung der Verhältnisse zwischen Krankenkassen und Aerzten in Groß-Berlin in allernächster Zeit eine Einigung Mischen beiden Körperschaften erfolgen würde, so scheint dies für Köpenick nicht zu- zutreffen. Denn wie in einer in den letzten Tagen im„Kaiserhof" stattgefundenen Versammlung der Delegierten der zur Allgemeinen Ortskrankenkasse auszugestaltenden OrtLkrankenkasse für Köpenick und Müggelheim und der zum 1. Januar 1914 sich aufzulösenden Unierstiitzungskasse für Fabrikarbeiter und der Handwerkerkrankenkasse durch den Vorsitzenden erstgenannter Kasse milgeteilt wurde, find die Aerzte mit ganz unerwarteten Forderungen hervorgetreten. Zunächst wurde mitgeteilt, daß die Aerzte den noch bis Ende Juni 1914 laufenden Vertrag zum l. Januar 1914 gekündigt haben und daß sie ab 1. Januar 1014 für die Behandlung der Kassenmitglieder folgende Honorarsätze fordern: Für Mitglieder, welche bis 1800 M. Einkommen haben, pro Kops und Jahr 6 M.; für solche von 1800— 2400 M. Einkommen 9 M. Bisher wurde pro Kopf und Jahr 4.50 M. gezahlt. Für geburtshilfliche Leistungen werden verlangt 25 M. bei Tage und 55 M. bei Nacht. Für Nacht« konsultationen 3 M., für Nachlbesuche 6 M. Für freiwillige Mit- glieder sollen die Leistungen der Kasse satzungsgemäß nur auf Krankengeld ohne Krankenpflege beschränkt werden. An Stelle eines Panschalhonorars tritt hier die Bezahlung nach Einzel- leistlingen, und zwar für den TageSbesuch 3 M. Durch diese Be- stimmung werden den kleinen Handwerkern und Arbeitgebern, welche nicht mehr als zwei Lohnarbeiter beschäftigen, und daher freiwillige Mitglieder der Kasse werden können, die Segnungen der Kranken- Versicherung illusorisch gemacht. Außerdem sollen die Nachunter- suchungen, bisher frei, mit 1,50 M. pro Person honoriert werden. Nach angestellten Berechnungen würde dies für die Kasse vom nächsten Jabre ab eine Mehrausgabe von 14 000 SR. bedeuten, und aus alle Fälle eine Erhöbung der vorgesehenen Beiträge notwendig machen. Die Aerzte erklären allerdings, daß nicht der Arbeit- g e b e r, das ist die Kasse, sondern die Arbeitnehmer, das sind die Aerzte, die Höhe des Honorars zu bestimmen haben. Es wird also hier, wohl der einzige Ort in Groß-Berlm, die Forderung des Leipziger Verbandes, welchem die hiesigen Aerzte angehören, voll und ganz erhoben. Die Frage, was nun geschehen soll, beantwortete der Referent dahin, daß nur auf Grund des vom Berliner Obcrversicherungsamt eingegangenen Vertragsentwurfs ver- handelt werden könne, da der Entwurf der Aerzte dazu vollständig ungeeignet sei. Die Kasse lehne es auch ab, einen Verlrag mit dem Aerzteverein abzuschließen, sie sei bereit, auf der vorerwähnten Grundlage mit den einzelnen Aerzten zu verhandeln. Sollte es jedoch bei den Vertragsverhandlungcn nicht zu einem Abschluß kommen, so soll das OberversicherungSamt angerufen werden. Nötigenfalls werde man von dem Z370 der Reichsversilhcrungsordnung Gebrauch machen. Jedenfalls würden aber alle Maßnahmen ge- troffen werden, damit die ärztliche Versorgung der Mitglieder im kommenden Jabre keine llittervrccvung erceioe.— In ver nun folgenden Debatte verurteilten alle Redner, Arbeitgeber sowohl als Arbeitnehmer, die unerhörten Forderungen der Aerzie und eesuchteii den Vorstand, der Frage der Festanstcllung von Kassenärzten näher zu treten.— Vertreten waren außer den oben angeführten noch die Ortskrankenkasse von Adlcrshof und die Belricbskrankcnkasie der Firma Vogel, Adlershof. Die Vertreter beider Kassen erklärten siw mit der Maßnahme des hiesigen Vorstandes voll und ganz einverstanden. Schöneiche sNieder-Barnim). Die Schulzahnpflege stand wieder einmal auf der Tagesordnung der Gemeindeverireterfitzung, sie wurde jedoch wieder vertagt. Seit Juli vorigen Jahres Iviederholt sich mm stets dasselbe Spiel: Ver- tagung, Einholung von Gutachten, Vertagung und erneute Ein- ziehung von Erkundigungen. WaS bei dieser„gewissenhaften" Bc- Handlung herauskommen wird, muß mit Spannung abgewartet werden. Ein Ende ist allerdings noch nicht abzusehen. Bon der vollständigen Umwandlung der Gemeindevertretung durch den letzten bürgerlichen Zuzug, die einige in Verzückung geratene bürgerliche Auckkommunalpoliltker bis zum Erbrechen gepriesen haben, ist in der Behandlung kultureller, den Nichtbesttzenden zugute kommenden Forderungen nichts zu spüren. Im Gegenteil, es ist alles beim alten geblieben und wird auch beim atlen bleiben, bis durch die Wahl sozialdemokratischer Vertreter neues Blut und neu«, Geist in die Gemeindevertretung einzieht. Pankow. Die EinkomincnstenrrvcranlagungSkomirissien für den KreiS Niederbarnim hat sich bekanntlich infolge der rapiden Entwicklung ihres VeranlagungsgcbietcS veranlaßt gesehen, ihre Verwaltung zu teilen und einen Teil derselben nach Pankow zu verlegen. Nach- dem nunmehr die für diesen Zweck auserschcne ehemalige alte Dorf« schule den entsprechenden Umbau erfahren, soll das Gebäude am 22. Oktober feinem neuen BeftimmungSzweck zugeführt werden. Die bisherige Einkommensleuerveranlagtingskommiision des KreiieS Nieder» barnim" in Berlin ist mit dem 1. Oktober d. I. in die beiden Kom« Missionen Niederbarnim-West unter dem Vorsitz des Regiernngsrats Dr. K l e i n a u und N i e d e r b a r>» i in- O st unter dem Vorsitz des Geb. Regierungsrat H a b a b i tz ki geteilt worden. Die Orte westlich der Beilin.Stettincr Bahn gehören zur Veranlagungskommisnon Niederbarnim-West, diejenigen östlich �dcr Bahn zur Veranlagnngskommisiion Nt«derbarnim-Ost. Der Sitz der erfteren befindet sich vom 22. Oktober ab in Berlm-Pankow, Breite Straße 37; der S>tz der letzteren verbleibt in dem bisherigen Amtsgebäude in Berlin 0.. Steberstr. 1/2. Wegen des Umzugs und der Einrichtung der Amtsräume in Pankow bleiben die AmtSräume beider Kommissionen vom 20.— 25. Oktober für den persönlichen Ver» kehr mit den Steuerpflichtigen geschlossen. Reinickendorf. Ucbcr Mangel an erster Hilfe führte am 4. August ein Leser des.Vorwärts" Klage. Unier anderem wurde eine Aeußerung wiedergegeben, die einem Verletzten gegenüber auf der Hilfswache getan ivorden sei, nämlich, daß das Lokal für erste Hilfe nur Sonn« tag? besetzt und geöffnet sei. Einige Tage später wurde von den Mitgliedern der SanitätSkalonne vom Roten Kreuz diese Aeußerung berichtigt. Am Sonntag, den 12. Oktober, nachmittags 2 Uhr, er» krankte auf der Chaussee plötzlich ein Radfahrer, er wurde durch Polizeibeamte in bewußtlosem Zustande nach der oben erwähnten Hilfsstelle gebracht. Leider trafen die Beamten auf der Station niemand an. Zufällig konnten zwei Arbeitersamariler einspringen und auf der Hilfsstelle vom Roten Kreuz in Aktion treten, um den Erkrankten nicht noch lange ohne Hilfe auf der Hilfe« wache liegen zu lassen. Da es in Reinickendorf mit der ersten Hilfe nicht so ist, wie es sein könnte, hat die Arbciter-Samariterkolonne nunmehr hier zwei Hilfsstellen eingerichtet, die zu jeder Zeit in An« spruch genommen werden können. Die Hilfelcistcnden sind selb« ständige Geschäftsleute, die den ganzen Tag im Hause find. Die Hilfsstellen der Arbciter-Samariterkolonne find: Granatenftr. 37, Friseur Eggcnstein; Nascbdorfstr. 84. Friseur Brzezinski und Frau. Die Hilfe geschieht unentgeltlich. Jugendveranstaltunge». Kriedrichshagen. Heute Dienstag, abends'1,9 Uhr. findet te de» Bürgeriälen, Fncdiichstr. 112. eine öffentliche unpolitische Jugendoerlamm. lung mit solgender Tagesordnung statt:.Jugend heraus!" Referent: Herr Paul Schwenk. �„ Lehrlinge, jugendliche Arbclter und Arbeiterinnen l Zeigt, das auch Ihr zu der gungmannschait des Proletariats gehört I Darum erscheint in Massen in dieser Versammlung! � Titzungstage von Ttadt« nnd IHcmeindevertrctnngen. Lichtenberg. Donnerstag, abends 6 Ahr, im SihungSsaale, Möllen: Biilmersdork Mittwoch, den Ib. Oktober, abends 6 Ahr, in der Aula der�iktor�Luisenich nie. Uhlondstraße. Aus der Tagesordnung steht u.°.- Einsetzung einer Deputation sür das Wohnungswesen. Satzung der Landlrankcntaffc. Tiefe Sitzungen find IffcntNch. Jeder Gemeindeangehlrtge if H- rechtigt, ihnen als ZuhSrer beizuwohnen. fraucn-Lcreabcndc. Drfti« Wahlkreis. Heute Dienstag. 8-/- Ahr. im GewerkschastShau». Saal 5. Genossin Wurm spricht über:.Die Grundbegriffe des Sotztg. lisnuis"._____ Arbeiter-Rbstincnten.Nund. Ortsgruppe Berlin-West. Vbim Mittwoch. ab-ndS 8>/, Uhr: Versammlung im Charlottenburger Voltsh««,. Roffnenstr. 3. Vortrag, Diskussion. Gäste willkomme». Briefkaften der Redaktion. Wafferstauds- Nachrichten Marktpreise von Berlin am 11. Oftober 1913, nach Ermittelungen des fgl. Volizeipräsidiums. Mais( mixed), gute Sorte 16,50-16,80, mittel der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau 00,00-00,00, geringe 00,00-00,00. Mais( runder), gute Sorte 14,40-14,80. Richtstroh 4,60-5,00. Seu 6,00-7,50. Wasserstand Martthallenpreise. 100 Stilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen Speisebobnen, weiße 35,00-60,00. Rinien 36,00-70,00. 30,00-50,00. Startoffeln( Kleinbbl.) 4,00-7,00. 1 Silogramm Rindfleisch, von der Neule Memel, Tilfit 1,70-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Sweinefleisch 1,50-2,00. Bregel, Insterburg Hammelfleisch 1,60-2,40. Butter 2,40-3,00. 23 eisel, Thorn Aale Dder, Ratibor 1 Kilogramm Starpfen 1,20-2,40. Krossen Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Nete, Bordamm 60 Stud Gier 4,00-6,00. 1,40-3,00. Bander 1,20-3,20. Hechte 1.40-2,80. Barjaje 0,80-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,80. 60 Stüd Strebje 1,00-40,00. Witterungsübersicht vom 13. Oktober 1913. Die juristische Sprechstunde findet Studentrabe 69, born vier Zreppen - wochentäglich von 4% bis 7½ Uhr abends, Sonnabends, Fahrstuhl bon 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnementsquittung beigefügt tt, verden nicht beantwortet. Ellige Fragen trage man in ber Sprechstunde vor. G. W. Nr. 100. 1. Die Forderung müßte, bevor der Versteigerungs. Stalbfleisch 1,40-2,40. antrag gestellt werden kann, ausgeklagt werden. 2. Nein, jedoch muß die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts eingeholt werden. 3. Hängt von den Eintragungsbedingungen ab. 4. Nach Rechtstraft des Urteils Antrag beim Vollstreckungsgericht. 5. Die Kosten richten sich nach dem Objekt. Zeifion 100. Die Abtretungserklärung hat nur Wirkung, soweit die Lohnforderung 28,85 m. wöchentlich oder 125 M. monatlich übersteigt. G.. 1886. Ja. O. 2. 03. Die Kosten richten sich nach dem Objekt und sind in Alimentationsprozessen erheblich, da der Objeftsberech mung der fünfjährige Betrag der mit der Klage geforderten Alimente zu grunde gelegi wird. G. R. 33. Gie tönnen Klage auf Herausgabe er heben. Fahrschein 100. Sie fönnen vom Hauswirt Abhilfe fordern. St. P. 26. Gejetlich besteht ein solches Recht nicht. M. 543. Rein. R. 3. 1892. Nein. H. Sch. 110. Gehen Sie in den Vormittagsstunden zum Amtsgericht und verlangen Sie die Entgegennahme Ihrer Austrittserklärung. Dies muß geschehen, bevor 6 Wochen, vom Zeltpunkt Swinembe. 775 der Anmeldung ab gerechnet, verstrichen sind. 2. R. 100. Die Stadt Hamburg Tonnte mit landesherrlicher Genehmigung die Erbschaft antreten, was Berlin offenbar geschehen ist. Falls die Stadt alleinige Erbin geworden ist, hat sie Frantj. a. auch das Kündigungsrecht. Ein Gesuch an den Kaiser erscheint muglos. München Bir raten zu einer Petition an die Stadtverordnetenversammlung. Wien E. H. 35. Nein, es genügt. wenn ein Teil das Aufgebot bestellt. 2. 3. 100. Ja. Anna 69. Der Gerichtsvollzieher Stationen BarometerStand min sichtung Wind. Windstärke ND 776 DND 7759 773 NO 773 7709 Better 2heiter Temp. n. 6. 38 of 9 Stationen Barometer fland mm ind. bue sepa 9 Haparanda 768 2molten! 4 Petersburg 773 NNW 1 mollig 4 Scilly 769 S 1mollig 10 Aberdeen 768 2bedect 8 Paris 3bedeckt 8 774 indstärke Better Zemp. n. G. Ibe, Leitmerit Dresden Barby Magdeburg 0 24 5 am ſcit 12.10. 11.10. cin cm³) 151 31+4 254+6 84 174 10 169 +-16 145+1 56 0 +1 -14-10 -25 Wasserstand Saale, Grochlik Havel, Spandau 2) Rathenow 2) Spree, Spremberg2) am jeit 12.10. 11.10. cm 62 24 cm¹) 3 Beestow 93 115 Minden 188 Rhein, Marimiliansau 378 159 Stoln 143 -144-4 Nedar, Heilbronn 40 84 0 Main, Hanau 114 74 0 Mosel, Trier 63 Befer, Münden Staub 1)+ bedeutet Buchs, Fall. Unterbegel. ±± ltoblbotboo Wer hat eine Idee? Bruchbandagen, Angebote an Ing. Dudenhöffer, Berlin W 30, E. Rosenheimer Str. 22. 2 heiter 1wolkig 3wolfig 14 4bebedt 12 -2 -1 1 Nebel 6 In Freien Stunden Wetterprognose für Dienstag, den 14. Oktober 1913. Die + Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt Fabrikant Pollmann, Beitweise etwas nebelig, vorwiegend heiter und troden, nachts ziemlich Wochenschrift für Arbeiterfamilien jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. Krankenkass. Fachgem. Bedienung. tann so oft erscheinen, als tie er vom Gläubiger Auftrag dazu bat. Die Anwesenheit des Gläubigers bei der Pfändung ist zulässig. Die falt, am Mittag mild bei mäßigen südöstlichen Winden. Zwangsvollstretung fann bis 9 Uhr abends vorgenominen werden. Berliner etterbureau. Eigene Werkstatt. Lieferant für BioCITIN verordnet der erfahrene Arzt zur Kräftigung und Auffrischung geschwächter und abgespannter Nerven mit vorzüglichem Erfolg, denn Biocitin ist das einzige Präparat, das 10% physiologisch reines Lecithin, hergestellt nach dem patentierten Verfahren des Herrn Professor Habermann, enthält. Aber nicht bloß die Nerven, sondern der ganze menschliche Körper wird durch Biocitin gekräftigt, weil dieses neben seinem hohen Gehalt an Lecithin auch noch andere wertvolle Nährstoffe in konzentrierter Form enthält, die Blut und Muskeln neu bilden und den ganzen Organismus kräftigen. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Ein Geschmacksmuster sowie eine Broschüre über rationelle Nervenpflege sendet gratis die Biocitin- Fabrik, Berlin S 61 c 11. Bekanntmachung betreffend die Wahlen der Vertreter und Ersahmänner zum Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkaffe für Berlin- Mariendorf und Umgegend. Auf Grund des§ 97 der neuen Staffenordnung sind für die Wahlperiode vom 1. Januar 1914 bis zum 31. Dezember 1917 bon den Ver sicherten und den bei der Kasse zuständigen Arbeitgebern Vertreter zum Ausschuß zu wählen und zwar: 15 Arbeitgebervertreter und 30 Ersatmänner, 20 Versichertenvertreter und 60 Ersatmänner. Die Wahlen für die Arbeitgebervertreter finden statt: am Dienstag, den 18. November 1913, von 12 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmitags, im Restaurant von Herlin, Berlin- Mariendorf, Chauffeeftr. 283. Die Wahlen für die Versichertenvertreter finden statt: am Montag, den 17. November 1913, von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags, im Restaurant von Heublein, Berlin Mariendorf, Dorfstr. 1. Die Wahlen find geheim. Gewählt wird nach den Grundsägen der Berhältniswahl nach Maßgabe der Wahlordnung. Das Wahlrecht ist in Person auszuüben. Wir fordein hiermit alle Wahlberechtigten auf, fich bis zum Tage der Wahl zur Eintragung in die Wählerliste an den Werktagen von 9 bis 7 Uhr, Sonntags von 10 bis 12 Uhr im Kaffenlotal, Berlin- Mariendorf, Chauffeeſtr. 44, zu melden. Eine besondere Benachrichtigung der einzelnen Wähler findet nicht statt. Anträge zur Aufnahme in die Wählerliste fönnen auch durch Beauftragte eingereicht werden, die mit den erforderlichen Nach weisen für die Wahlberechtigung versehen sein müssen. Ein Arbeitgeber, der die Wahl ohne zulässigen Grund ablehnt, tann vom Vorsitzenden des Borstandes mit Geldstrafen bis zu fünfhundert Mark bestraft werden. Die Wahlberechtigten werden hiermit aufgefordert, Wahl. vorschläge gefondert für die beteiligten Arbeitgeber und Ber bis zum 3. November 1913 einzureichen. ficherten aufzustellen und dem unterzeichneten Bork and spätestens Die Bahlvorschläge müssen von mindestens 10 Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe mit zusammen 30 Stimmen unterzeichnet sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wahlvorschlag, so wird sein Name nur auf dem zuerst eingereichten Wahlvorschlag gezählt und auf den übrigen Borschlägen gestrichen. Sind mehrere Wahlvorschläge, die von dem selben Balberechtigten unterzeichnet sind, gleichzeitig eingereicht, so gilt die unterschrift auf demjenigen Wahlvorschlage. welchen der Unterzeichner binnen einer ihm gefeßten Frist von höchstens 2 Zagen bestimmt. Unterläßt dies der Unterzeichner, so entscheidet das Los. Deutscher Kürschner- Verband. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: NO. 43, einftr. 8. Fernspr.: Königstadt 6789. Morgen Mittwoch, den 15. Oktober, abends 8½ Uhr: effentliche Versammlung aller in der Pelzbranche beschäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen in den Musiker- Sälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tagesordnung: 1. Die stattgefundenen Verhandlungen vor dem Gewerbegericht und unsere Stellungnahme. Referent: Kollege StarI Frike. 2. Disfussion. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind hierdurch höflichst eingeladen der Vorstand Jeder Bahlvorschlag barf höchstens dreimal fobiel Bewerber benennen, des Arbeitgeberverbandes sowie fämtliche Arbeitgeber der Brauche, als Vertreter zu wählen find. Die einzelnen Bewerber find unter fort- Fabrikanten, Detailliften, selbständige Kürschnermeister usw., usw. laufender Nummer aufzuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung Von den Arbeitern und Arbeiterinnen erwarten wir, daß es jeder ausdrüdt, und nach Familien- und Vor-( Ruf-) Namen, Beruf und Wohnort zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie als Ehrenpflicht betrachtet, tu der Versammlung anwesend zu sein. 100/14 beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlägen für Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wahlvorschlägen für Arbeitgeber ist eine solche Erflärung nur erforderlich, soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der Reichsversicherungsordnung zur Ablehnung der Wahl befugt ist. Die in die Wählerliste Aufgenommenen erhalten eine Wahl farte ausgestellt, die als Ausweis der Wahlberechtigung bei der In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahlvorschlags und Wahl vorzulegen ist. Wahlberechtigte, die nicht in die Wählerliste auf- ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu bezeichnen. genommen sind, werden zur Wahl nur zugelassen, wenn sie in einer, fämt 3ft dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des liche Mitglieder des Wahlausschusses überzeugenden Weise ihre Wahl- Wahlvorschlags und, soweit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als berechtigung nachweisen können. Der Wahlausschuß ist befugt, am Tage fein Stellvertreter. Der Wahlvorschlagsvertreter ist berechtigt und ber der Wahl die Wahl- und Stimmberechtigung jedes Wählers bei der Wahlpflichtet, dem Vorstand die zur Beseitigung etwaiger Anstände erforderlichen handlung zu prüfen. Erklärungen abzugeben. Die Wähler lönnen die Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnisse während Die Anstände müssen spätestens bis zum 10. November 1913 der Kassenstunden von 9 bis 1 ühr im Stasjenlokal einsehen. Einsprüche beseitigt fein. gegen die Richtigkeit der sich aus dem Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnis ergebenden Wahl- und Stimmberechtigung sind bei Bermeidung des Ausschlusses spätestens bis zum 3. November 1913 unter Beifügung von Ben eismitteln beim Vorstand der Kaffe einzulegen. Wahlberechtigt find: die volljährigen Arbeitgeber und Versicherten der Gemeinsamen Drtsfranfenfaffe für Berlin- Mariendorf und Umgegend. 2ählbar als Vertreter der Arbeitgeber sind nur solche Arbeitgeber, die für ihre verficherungspflichtig Beschäftigten Beiträge an die Gemeinsame Ortstrantentasse für Berlin- Mariendorf und Umgegend zu zahlen baben. Arbeitgeber, die selbn versichert sind, zählen zu den Arbeitgebern nur dann, wenn sie regelmäßig mehr als zwei Versicherungspflichtige beschäftigen; andernfalls zu den Versichertent. Für die Wählbarkeit sieben den Arbeitgebern bevollmächtigte BetriebsLeiter, Geschäftsführer und Betriebsbeamte der beteiligten Arbeitgeber gleich. Nicht wählbar sind Mitglieder einer Behörde, welche Aussichtsbefugnisse über die Kaffe hat. Bis zu diesem Zeitpunkt fönnen Wahlvorschläge auch zurüdgenommen werden. Die zugelassenen Wahlvorschläge werden eine Woche vor der Wahl nach§ 116 der Sagung befannt gemacht und den Beteiligten auf Wunsch im Kaffenlokal Berlin- Mariendorf, Chausseestr. 44, werftäglich von 8-7 Uhr zur Einsicht vorgelegt. Enthält ein Wahlvorschlag mehr Bewerber, als zugelassen find, so werden diejenigen Borgeschlagenen gestrichen, deren Namen den in der zu lässigen Zahl vor ihnen Genannten folgen. Die Wahlvorschläge sind ungültig, wenn sie verspätet eingereicht werden, oder wenn sie nicht mit den erforderlichen Unterschriften versehen, oder wenn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenfolge aufgeführt sind, es sei denn, daß die Mängel rechtzeitig beseitigt werden. Die Stimmabgabe ist an die Wahlvorschläge gebunden. Sind auf gültigen Wahlvorschlägen im ganzen nur so viele wählbare Bewerber benannt, wie Vertreter zu wählen sind, so gelten sie als gewählt. Sind weniger Bewerber vorgeschlagen, so gelten diese ebenfalls als gewählt, Arbeitgeber, die einen Versicherungspflichtigen beschäftigen, führen eine Der Wähler erhält einen der Umschläge, die mit dem Stempel der Stimme; Arbeitgeber, die mehrere Versicherungspflichtige beschäftigen, führen Stasse versehen und im Wahlraum bereit zu halten sind, tritt sodann an bis zu 50 versicherungspflichtig Beschäftigter eine Stimme, bis zu 100 ber- einen abgesonderten Tisch, wo er feinen Stimmzettel unbeobachtet in den ficherungspflichtig Bejaäftigter zwei Stimmen, für je weitere 100 ver. Umschlag legt und übergibt hierauf den Umschlag unverschlossen unter Aus ficherungspflichtig Beschäftigter eine Stimme mehr, bis zur Höchstzahl von händigung seiner Wahltarte dem Borsitzenden oder dem von diesem be zehn Stimmen. zeichneten anderen Mitgliede des Wahlausschusses. Dieser läßt die Abgabe Bahlberechtigt find ferner die am 1. Januar 1914 durch die Reichs- des Stimmzettels vermerken und wirst hierauf den Umschlag in die Wahlbersicherungsordnung neu in die Krankenversicherung einbezogenen voll- urne. Arbeitgeber mit mehrfachem Stimmrecht haben soviel Stimmzettel je jährigen Mitglieder der Allgemeinen Ortstrantenfasse für Berlin- Mariendorf in einem besonderen Umschlage abzugeben, als sie Stimmen haben und und Umgegend und die volljährigen Arbeitgeber solcher Mitglieder, soweit abgeben wollen, In diesem Falle ist die Zahl der abgegebenen Umschläge fich dieselben in der oben angegebenen Zeit zur Eintragung in die Wähler zu vermerken. lifte und Ausstellung der Wahlfarte melden. Ausgenommen hiervon sind Wäbler, die durch förperliche Gebrechen behindert sind, ihren Stimmdie Arbeitgeber unständig Beschäftigter als solche, sowie unftändig Be zettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des fchäftigte, die nach§ 455 der Neichsversicherungsordnung teine Beitragsteile Bablausschusses zu übergeben, dürfen sich der Beihilfe einer Bertrauenszablen, und ferner solche Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Griak person bedienen. kaffe sind und deren eigene Rechte und Pflichten auf ihren Antrag ruhen. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist nur, wer bei der Kaffe versichert ist. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Nicht wählbar ist: öffnet ist; Der Stimmzettel, der dem Wähler im Wahllokal aus. Sem der Wähler seine Stimme geben will, enthalten. Der Wähler gehändigt wird, muß die Ordnungsnummer des Wahlvorschlages, tann nur einen solchen Stimmzettel abgeben, der mit einer Ordnungsnummer der zugelassenen Wahlvorschläge vollständig übereinstimmt. groß sein; Stimmzettel, die von diesen Bestimmungen abweichen, sind un Die Stimmzettel sollen von weißer Farbe und 10 mal 8 Zentimeter gültig, wenn das Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahr1. mer infolge ftrafgerichtlicher Berurteilung die Fähigkeit zur Befleioung öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eines Berbrechens oder Bergehens, das den Verlust diefer Fähigkeit zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn das Hauptverfahren er- scheinlich macht. 2. mer infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über sein BerWer als Arbeitgeber wählbar ist, kann die Wahl mur ablehnen, 1. das sechzigste Lebensjahr vollendet hat; wenn er mögen beschränkt ist. 2. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat; Kinder, die ein anderer an Stindesstatt angenommen hat, werden dabei nicht mit gerechnet; 3. burch Strankheit oder Gebrechen verhindert ist, das Amt ordnungsmäßig zu führen; 4. mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt. Die Vormundschaft oder Pflegschaft über mehrere Geschwister gilt nur als eine; zwei Gegenvormundschaften stehen einer Vormundschaft, ein Ehrenamt der Reichsversicherung einer Gegenvormundschaft gleich; 5. während der unmittelbar vorhergehenden Wahlzeit das Amt minbestens zwei Jahre geführt hat. nummer irgendeinen Bermerk tragen, oder deren Umschläge ein Merkmal Stimmzettel, die außer der Bezeichnung einer zugelassenen Ordnungs haben, welches die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht, oder die unterschrieben sind, find ungültig. Dasselbe gilt von Stimmzetteln, die fich in einem nicht mit dem Stempel der Staffe versehenen Umschlag befinden. Ungültig ist ferner der Inhalt eines Stimmzettels, soweit er zweifelhaft ist. Befinden sich in einem Umschlage, der nur für einen Stimmzettel bestimmt ist, mehrere Stimmzettel, so werden sie, wenn sie angesehen. Die Ortsverwaltung. Hausarztverein Westen Zwei öffentliche Volksversammlungen PP mit dem das Tagesgespräch bildenden Thema: Der Gebärstreik im Arbeiterhause" Referent: Genosse Dr. Alfred Bernstein finden abends pünktlich 8 Uhr statt am Dienstag, den 14. Oktober, bei Ristow, Anhaltische Refsource, Möckernftr. 114, am Freitag, den 17. Oktober, in Schöneberg, Schwarzer Adler, Hauptstr. 144. Zahlreiches Erscheinen, insbesondere der Frauen, erwünscht. Der Hausarztverein Westen gewährt seinen Mitgliedern bei einem Monatsbeitrag von 1 9. 10 Pf. außer vielen anderen Borteilen freien Arzt und Medizin( laut Statut) unbegrenzt auf die Anzahl und Daner der Erkrankungen. Aufnahmen nehmen entgegen die Vertrauensmänner für Westen: Mar Erdmanu, Kaplerstr. 18, Duergeb. III. Südwesten: Hugo Döll, Teltower Str. 32, Seitenfl. II. Schöneberg: Max Schmidt, Cheruskerstr. 29, born III. 292/ 10* angesehen, übereinstimmen, nur einfach gezählt, andernfalls als ungültig H. Die Wahl wird zu der festgesetten Zeit geschlossen; nur die am Schluß der Wahlhandlung im Wahlraum anwesenden Wähler dürfen dann noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Berlin- Mariendorf, den 13. Oftober 1913. Der Vorstand. Aug. Leip, Schriftführer. Joseph Maret, Borsigender. 278/1 Der Einberufer: Max Erdmann, Staplerstr. 18. Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung und Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupitabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche bezu Originalpreisen. kannten Marken Zigaretten Amt 4, 3014. 6. Wahlkreis. Am Dienstag, den 14. Oktober 1913, abends 8½ thr: Oeffentliche Kommunalwähler. Versamlungen Musiker- Säle, in folgenden Lokalen: Kaiser- Wilhem- Straße 31. Büttners Fest- Säle, Schwedter Straße 23/24. Berolina- Säle, Schönhauser Allee 28. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. Artushof, Perleberger Straße 26. Pazenhofer Ausschank, Orts Krankenkaffe der Handwerker zu Spandan. Bekanntmachung. Laut Beschluß des Königlichen Ob erversicherungsamtes Groß- Berlin, vom 30. April cr., wird die DrtsKrankenkasse der Handwerker zu Spandau mit dem 31. Dezember cr. aufgelöst. Wir bringen dies hiermit gemäß§ 301 der Reichsversicherungsordnung zur öffentlichen Stenntnis und fordern alle Gläubiger auf, ihre Forderungen innerhalb drei Monaten bei der Kaffe geltend zu machen. Später gestellte Forderungen können vom Vorstand abgelehnt werden. Ansprüche aus der Versicherung werden durch diese Vorschriften nicht berührt. 278/2 Der Vorstand. Ludewig, Vorsitzender. Bekanntmachung der Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis Am 11. d. M. verstarb unser Genosse, der Schneider Ernst Jache früher Stromstr. 35. Bezirk 719. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße 37/39 statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/2 Der Vorstand. Verb. d. Schneider, Schneiderinnen u. Wäschearbeiter Deutschlands. Unseren Mitgliedern hiermit zur der HerrenOrtskrankenkasse d. Tischler majhneider, Stollege zu Spandau. Laut Beschluß des töniglichen Oberversicherungsamtes Groß- Berlin vom 30. April cr. wird die Ortskrankentaffe der Tischler zu Spandau mit dem 31. Dezember cr. aufgelöst. Wir bringen dies hiermit gemäß § 301 der Reichsversicherungsordnung zur öffentlichen Kenntnis und fordern alle Gläubiger auf, ihre Forderungen Turm- Straße 26. innerhalb 3 Monaten bei der Kaise Schönhauser Fest- Säle, Frankes Fest- Säle, Schönhauser Allee 129. Bad- Straße 19. Am Mittwoch, den 15. Oktober 1913, abends 8 Uhr, in folgenden Lokalen: Süßmilchs Fest- Säle, Mila- Säle, Bornholmer Straße 7.18 Schönhauser Allee 130. Café Gärtner, Holsteiner Ufer 27/28. Tagesordnung: 1. Die Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordneten im Roten Hause. 2. Diskussion. Referenten sind die Stadtverordneten: Dr. Oskar Cohn, Dupont, Th. Fischer, Th. Glocke, Karl Leid, Wilh. Pfannkuch, Dr. Kurt Rosenfeld, Dr. Hermann Weyl, Emanuel Wurm, Frik Zubeil und Redakteur Hans Weber. 230/ 20* Der Vorstand. Zentral- Verband der Zimmerer. Zahlftelle Berlin und Umgegend. Mittwoch, den 15. Oftober 1913, abends 8½ Uhr: 2 allgemeine Mitgliederversammlungen in den Lokalen Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42 und Graumanus Festjäle, Naunynstraße 27. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Das Submissionsverfahren bei der Vergebung städtischer Bauten und die Stellungnahme der Groß- Berliner Gemeinden zur Frage der Arbeitslosenversicherung. Referenten: Stadtverordneter Theodor Fischer und Arbeitersekretär Gustav Link. 254/12 Der Vorstand. Vollzähligen Beiuch der Kameraden erwartet Ortskrankenkasse... Maurergewerbes Berlin C. 54, Sophienstr. 6. Einladung zu der am 20 Donnerstag, den 16. Oktober 1913, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3, stattfindenden 25685* Außerordentlichen General- Versammlung der Vertreter der Kasseumitglieder und Arbeitgeber. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die vom Vorstand vorgeschlagene Dienstordnung für die Angestellten der Kasse gemäß§ 349 der Neichsversicherungsordnung. 2. Erläuterungen über das nach der Reichsversicherungsordnung vorgeschriebene Wahlverfahren zum Ausschuß der Kaffe. 3. Verschiedene Mitteilungen. ( Etwaige Beschwerden, welche Erledigung finden sollen, müssen dem Vorstand der Kasse 3 Tage vor der Generalversammlung bekanntgegeben werden.) Berlin, den 5. Dftober 14. Dftober 1913. Der Vorstand der Ortskrankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin. G. Lehmpfuhl, Schriftführer. A. Daehne, Borsitzender. Tanzlehrer- Verband ,, Solidarität", Den geehrten Vereinen, Gewerkschaften und Saalbesitzern zur gefl. Kenntnis, daß wir unsere Geschäftsstelle nach Neukölln, Weichselstraße 8 verlegt haben. Telephon: Neukölln 406( Heinrich) Wir empfehlen uns zur Erteilung von Tanzunterricht, Einstudierung von Quadrillen, speziell zur Leitung von Ballfestlichkeiten. Bestellungen erbitten nach Neukölln, Weichselstraße 8, Telephon: Neukölln 406( Rich. Heinrich). Spezial- Arzt 0., 198/ 3* Der Vorstand. Dr. Simmel H.Pfau, Bandagist Bertin Dircksenstraße 20 für Haut und Harnleiden. mifen Bahnhof Alexanderplat und Bolizeipräsidium.- Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen- Bedienung. 10-2.5-7. Sonntags 10-12. Lieferant für alle Krankenkassen. Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz geltend zu machen. Später gestellte Forderungen können vom Vorstand abgelehnt werden. 278/3 Ansprüche aus der Versicherung werden durch diese Borschriften nicht berührt. Der Vorstand. Beitel, Vorsitzender. 1 Mark woohenti. Tellzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig und nach Mass S. Boltuch Frankf.Allee 75 Eing. Tilsiter Strasse Howw= i. < Blasen leiden 2c. find in vielen Fällen heilbar. Durch den Ge brauch von Sanotalkapseln ( Paracop.Bals.) Schacht.2M., u. besonders mit Sanotaltee ( Boldoblätter v.Peru), Paket 1 M., wird eine wirks. Besserung, selbst b. alt. verschleppt. Leiden, wie auch weibl. Unterleibskatarrh( Weißfluß) herbeigeführt. Wenn in Drogerien nicht erhältlich, d. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Urbin strahlt gar zu schön sagt Rieke wenn ich auf meine Stiebeln kieke Ernst Jache am 11. Ottober cr. im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Krematoriums, Gerichtstraße 37, aus statt. 164/17 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Dnkel, der Schneider Ernst Jache nach langem schweren Leiden im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Im Namen der Hinterbliebenen. Oskar Jache. Die Einäscherung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, im städtischen Krematorium in der Gerichtstraße 37 statt. 44A Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Spanner Karl Saeger Bezirk Wedding am 11. Ditober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 14. Oktober, nachm. 31, Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth- Kirchhofes, Kögelstraße, in Reinickendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 145/ 19Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kammarbeiter Otto Vonhof Bellermannstraße 15, im Alter von 55 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 14. Oftober, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Bauls- Kirchhofes in Plößensee aus statt. 90/7 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Emil Sperling Petersburger Straße, am 9. Dttober verunglückt ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. Oftober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Ahrensfelder Kirchhofes aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schloffer Artur Thieme Tegeler Str. 30, am 11. d. Mts. an Lungenleiden. am Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. Oftober, nachmittags 33, Uhr, von der Reichen halle des Städtischen Friedhofes, Müllerstraße, Ede Seestraße, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 127/17 Die Ortsverwaltung. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler u. deren Berufsgenossen( E. H. 86) Bezirk D. Am 10. Dktober verstarb unser Mitglied Albert Krüger. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. Oftober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Der Tod nahm unserem lieben Kollegen, dem Anzeigenmetteur Paul Cassier ( geb. 16. 1. 1850 in Stargard, Pommern) am Sonnabend, den 11. Oktober, mitten in seiner Tätigkeit die Arbeit aus der Hand. Ein Schlaganfall setzte seinem Leben ein Ziel. In 40 Jahren gemeinsamen Wirkens mit uns hat sich der Ver storbene durch seine stete Rechts lichkeit und Aufopferung für die Sollegenschaft ein bleibendes Andenken bei uns gesichert. Berlin, den 12. Oftober 1913. Die Kollegen der Norddeutschen Buchdruckerei. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. d. M., nachm. 5 Uhr, auf dem Heilig- Kreuz- Kirchhofe in Mariendorf, Eisenacher Straße, statt. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 5. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Fritz Mucha am 9. d. Mts. nach langjähriger Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 14. d. Mts., nach mittags 3 Uhr, auf dem Kirchhof der St. Andreas- und Markusgemeinde in Hohen- Schönhausen statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/14 Der Vorstand. Am Sonnabend, den 11. Oftober, starb nach langen, schweren Leiden meine inniggeliebte Frau, unsere herzensgute Mutter und Schwiegermutter Wilhelmine Träubler geb. Thomas. Dies zeigen in tiefer Trauer an G. Träubler nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des EmmausKirchhofes aus statt. 67A Zentral- Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Abteilung Frauen- Sterbekasse. Am Sonnabend, den 11. DItoher, verschieb nach längerem Leiden unser Mitglied, Frau Wilhelmine Träubler Naunynstraße 69. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. Ottober, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Bezirk 17. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Telnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Rudolf Blümke sagen wir hiermit allen Verwandten, Arbeitskollegen und Bekannten unseri innigsten Danf. 26595 Die Hinterbliebenen. Verspätet! Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei der Beer digung meines so früh verlorenen, unvergeßlichen Mannes Ernst Schulz sage ich hier mit besonders den Herren Kollegen der Firma Karl Flohr auf diesem Wege meinen herzlichsten Dant. Im Namen der Hinterbliebenen: Witwe Helene Schulz Boltastraße 41. 1012 Kranzspenden sowie sämtliche Blumenarrangements liefert schnell und billig Paul Gross, Lindenstr. 69, Tel.Mpl. 7203. Spezialarzt 1 f. Haut, Harn, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in u. Co. fonz. Laborat. j Blut: untersuchung., Fäden i. Harn usw. Dr. Homeyer Friedrichstr. 81, gegenüber Banoptikum. Spr. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Spezialarzt für Syphilis, Harn- u. 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