Kr. 270. flbonnementS'Btdingungen: HEonr.emcnlS- Preis pränumerandai Lierteijährl. S.Z0 Mk., nlonatl. 1,1V TU, wöchentlich 28 Pfg. frei inS HauZ. Einzelne Nununer 5 Pig, Sonntags- nunnner inil iXIufiriertet Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg, Pafl- Abonnement: I.IV Mar! Pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiiungs- Prctfliiic. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn ZA) Mar!, für das übrige Ausland 4 Mar! Pro Monat Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemar!, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. cilchelnl täglich. Nerlinev Volksblakk. Die Tnlcrtions- Gebühr Beträgt für die scchSgcfpastene Kolonel- geile oder deren Raum KV Pfg,, für Politische und gewerlschastliche Vereins- und LerfmnmlungS-Aitzeigen M Pfg, ,, Kleine Anreizen", das fettgedruckte Wort M Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ü Pfg. Worte über ISBueh. i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Stummer itiüstcn bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „S»t!iltlem«lirsl Berlin". Zcntralorgan der fozialdemokrati feben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritsplati. Nr. 1983. Mittwoch, den 15» Oktober 1913. expedition: 8AI. 68, Lindenstrassc 69. Fcrusprcchcr: Zimt Moristplatz- Nr. 1981» Iliorn�al�er-Zlmschenspie!. Wenige Tage vor dem Beginn des neuen und wirklichen Krupp-Prozesses— denn die Verhandlung vor dem Kriegs- gericht war ja nur ein kleines Vorspiel, bei dein die Opfer der wirklich Schuldigen zur Strecke gebracht wurden— ist vor dein Kriegsgericht sang- und klanglos abermals ein Zeug- feldwebcl abgeurteilt worden. Auch der Zeugfeldwebel Linde war ein Werkzeug des Brandt, dieses Werkzeuges der Firma Krupp. Auch er hat, als er noch bei der Artilleriepriifungs- kommission war, dem Kruppagenten Brandt militärische Ge- Heimnisse verraten. Angeblich aus purer Freundschaft, ohne einen Pfennig Entgelt. Er hatte eben den ehemaligen Kollegen, den auch er auf dem berühmten Kegelabcnd der Feucrlverker kennen gelernt hatte, so sehr ins Herz geschlossen, daß er ihm ohne irgend eine Gegengabe seine Mitteilungen machte. Der Zeuge Brandt bestätigte das und das Kriegs gericht glaubte es. So kam der jetzige Zeugfeldwebel mit der relativ geringen Strafe von vier Wochen gelinde ni Arrest davon.*" Trotzdem er dem Zeugen Brandt streng geheim zu haltende Dienstgeheimnisse verraten hatte, deren Mißbrauch zu einer Gefährdung der deutschen Landesintercssen hätte führen können! Immerhin. Der Zeugfeldwebel Linde war ja nur das Werkzeug des Werkzeugs und hatte darum allen Anspruch auf ein mildes Urteil. Ucberhaupt hätte der ganze Prozeß mit drei Zeilen abgetan werden können, da er dem ersten Prozeß auch nicht einen neuen Zug hinzufügte, wenn nicht der Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt einen neuen originellen Persuch unternommen hätte, das militärische «Panama" des Krupp-Prozesses wiederum auf das gewünschte Minimum zurückzuführen. Er deduzierte nämlich: Nachdem nun auch der Zeugfeldwebel Linde glücklich entdeckt worden ist, bleiben von all den beschlagnahmten Be- richten des Brandt(die anderen hatte man Vorsichtigeriveise vernichtet!) nur noch einige wenige übrig, deren Urheber nicht abgeurteilt worden sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach und auch nach der Aussage des Zeugen Brandt selbst kommt also höchstens noch ein unentdeckter Verräter militärischer Gc- Heimnisse in Frage. Da nun aber der Zeuge Brandt in der Dienstagsverhandlung auf ausdrückliches Befragen besümmt und feierlich erklärt hat, daß er n i c ni a l s von höheren Offizieren Mitteilungen erhalten hat, daß also die noch nicht erwischte Militärperson höchstens ein Zeugfeldwebel oder Zeug- leutnant sein kann, so ist damit erwiesen, daß die Presse völlig daneben griff, wenn sie als Informatoren der Firma Krupp auch höhere Offiziere vermutete. So Herr Dr. Welt. Es will uns doch scheinen, als ob sich Herr Kriegsgerichts- rat Dr. Welt die Sache ein wenig leicht gemacht habe. Wir wollen uns gar nicht erst darüber mokieren, daß Herr Dr. Welt seinen„Zeugen" Brandt für einen so einwandfreien Kronzeugen zu halten scheint, obwohl dieser Zeuge zugleich Angeklagter in dem unmittelbar bevorstehenden neuen Krupp- Prozeß ist und sich schon deshalb hüten wird, sich in diesen früheren Prozessen durch Zeugenaussagen selbst zu belasten. Der Zeuge Brandt ist natürlich weder in diesem noch in dem früheren Prozeß vereidigt worden,(ja ist also nach jeder Richtung hin ein Zeuge, auf dessen Aussage sich auch nicht die geringste Wahrscheinlichkeitsfolgvrung. geschweige denn eine irgend begründete Ueberzeugung bauen läßt. Schweigen wir also doch lieber vom„Zeugen" Brandt! Zudem ließen sich diesem„Zeugen" trotz aller seiner Vor- sichtigkeit und nur zu begründeten Zurückhaltung allerlei Widersprüche nachweisen. Am Dienstag behauptete er zum Beispiel, seine Acußerungen im ersten Prozeß, tt wolle nicht noch mehr Leute unglücklich machen, habe sich nur auf den Zeugen Linde bezogen. Auch Herr Dr. Welt hätte sich erinnern können, daß diese Aeußernng in einem ganz anderen Zusammenhang gc- fallen war. Brandt hatte sich vielmehr gerühnit, auch die Geschäftsgeheimnisse der Firma Ehrljardt, die sich genau der gleichen Methode bediene wie die Firma Krupp, zu kennen. Er wolle nur darüber nicht reden, weil ja ohnehin schon Leute genug ins Unglück gebracht worden seien und er„den Skandal nicht noch größer machen" wolle. Jedenfalls hätte auch der Vertreter der Anklage, Kriegs- gerichtsrat Dr. Welt, wissen sollen, daß die Presse mit ihren Andeutungen von weit höher hinaufreichenden Indiskretionen natürlich nicht hatte sagen ivollen, daß Herr Maximilian Brandt der Beichtvater solcher militärischen Stellen gewesen sei- Im Gegenteil. Die Presse war ja gerade durch die Leußerungen des Herrn Brandt und der Kruppdirektoren, daß eö für die Firma Krupp überhaupt keine militärischen Geheim- Hnse gegeben habe, und daß der Inhalt der Brandtschen Korn- Walzer den Kruppdirrktoren absolut nichts Neues ge- sagt habe, auf die nur zu nahe liegende Berinutung gekommen, daß die Firma Krupp auch noch anderweitige Berbin- düngen gepflogen habe. Die Aburteilung des Zcugfeldivebels Linde ist also nur ein belangloses Zwischenspiel, und nicht minder belang- los waren die Erklärungen des Herrn Kriegsgerichts- rats Dr. Welt, soweit sie auf eine Gencralentlastnng militärischer Kreise hinausliefen. Interessantere Aufschlüsse verspricht erst der Krupp- Prozeß in Moabit. Vielleicht wird nach dessen Abschluß auch das Kriegsgericht noch einmal Veranlassung haben, auf die Sache zurückzukoimnen. enthülluvgen de; beugen v. Ifictzen. Ein Berliner Journalist, der beruflich mit Herrn Wilhelm v. Mctzen in Fühlung gekommen war, wurde von ihm in seiner Wohnung in Schlachtcnsce empfangen. Gleich zu Be- ginn der Unterredung betonte Herr v. Metzen, es habe nicht in seiner Absicht gelegen, aus der bisher beobachteten Zurück- Haltung herauszutreten; darum habe er auch verschiedene Journalisten nicht empfangen. Der Selbsterhaltungstrieb nötige ihn aber dazu, von seiner ursprünglichen Absicht abzn- kommen. Nach>vie vor müsse er es a b l e h neu, auf alle Fragen Rede und Antwort zu stehen, um nicht dem Gericht vorzugreifen. Doch sei es ihm nicht unerwünscht, wenn der Oeffcntlichkcit über einige Dinge klarer Wein ein- geschenkt werde, da von anderer Seite alles nur Erdenkliche geschähe, n m ihn zu ver d ä ch t i g c n. Die erste Frage an Herrn v. Mctzen ging dahin: Sie Habel, noch Schriftstücke im Besitz, von denen das Gericht noch keine Kenntnis hat. Welche Gründe haben Sie veranlaßt, sie n 0 ch n i ch t b e k a 11 n t zu geben? Sic vergessen, daß die Untersuchung sich auch aus mich erstreckte, und daß ich. so unschuldig ich mich fühle und fiihlen mußte, der Sache doch nicht von vornherein mit völliger Frei- heit gegenüberstand. Ich glaube auch, daß der Inhalt der noch in meinen Händen befindlichen Korrespondenz fiir einige Personen recht ungünstig ist, und ich hatte weder Lust, noch Veranlassung, irgend jemanden ohne Not ans Messer zu liefern. Jetzt ist jedoch die Notwendigkeit für mich eingetreten, der- artige Rücksichten fallen zu lassen. Mit- bestimmend waren nationale Gründe. Bedenken Sie doch, daß zur Zeit meiner Verhaftung die Wehrvorlage auf dem Spiele stand und daß es für deren Schicksal immerhin ungünstig ewirkt hätte, wenn damals in vollem Umfange die'Wahrheit ekannt geworden wäre. Können Sie mir nicht Einblick in die von Ihnen geheim gehaltene Korrespondenz gewähren? Sie können sich doch denken, daß nach den bisher gefallenen Andeutungen die Presse nach weiteren Einzelheiten begierig ist. Das muß ich leider ablehnen. Die Korrespondenz werde ich dem Gericht ans Verlangen ausliefern. Sic hadert ja gesehen, wie mir jetzt schon von verschiedenen Seiten' zum Vorwurf gemacht wurde, daß in der V durchgesickert ist. Halten Sie Ihr Material wirklich für so wichtig und durch- schlagend, daß dadurch der Gang der Perhandlnng wesentlich beeinflußt werden könnte? Ich glaube— ja? Insbesondere glaube ich, daß aus dem Inhalt der Korrespondenz mit Gewißheit hervor- geht, daß das Krupp-Direktorium über Brandts Tätigkeit und über die Mittel, die zur Erlangung der vertraulichen Aus- künfte angewandt wurden, nicht im Zweifel sein konnte. Wer von den Essener Direttorialmitgliedcrn muß nach Ihrer Ansicht Kenntnis von Brandts Tätigkeit gehabt haben? Das ergibt sich aus einem Briefe des stellvertretenden Direktors Marquardt vom 13. September 1909, ivorin mir mitgeteilt wurde, daß„die Kornwalzer regelmäßig außer dem Herrn Landrat R ö t g c r ,*) den Direktoren der K. M. Abteilung(K. M.— Kriegs-Matcrial; damals D r e g e r, Gillhausen, E c c i n s), M 0 u t h S und von Dewitz diejenigen Herren, insbesondere Herr Ehrcnsbergcr und Krone", bekämen, die „besonderes Interesse" für sie hätten. Außerdem habe ich mich über das Treiben Brandts mündlich und schriftlich Herrn Eccins und.Herrn Dr. Mühlen gegenüber derartig unzweideutig ausgedrückt, namentlich in nieinem Briefe vom 22. Juli 1912 an Dr. Mühlen, daß eine Kenntnis der geübten unlauteren Praxis schlechterdings nicht geleugnet werden kann. Selbstverständlich war auch der Berliner Vertreter der Firma, Max Dreger, *) Herr Landrat a. D. Rötger ist der bekannte Vorsitzende des Zentralverbandes deutscher Industrieller, ein rücksichtsloser Vorkämpfer der Scharsmacherei und des„ArbeitSwilligenichutzes". Anm. d. Red. laufend über alle Einzelheiten der Affäre Brandt unter- richtet. Können Sie mir den wesentlichen Inhalt gerade dieses Briefes bekannt geben? Der Anlaß war die von Brandt während meiner Abwesenheit in Italien betriebene Erhöhung seiner„Ortszulage" von 3000 auf 5000 M. Ich ivider setzte mich der Er- höhung energisch und wies darauf hin, daß bei einer un- gemessenen Erhöhung der Zulage„die Version nicht mehr aufrecht zu erhalten" sei, wonach es eben eine Repräsen- tationszulage sein sollte und daß dann der Zweck, näm- lich als Deckmantel für die Beftechnngsgeldcr zu dienen, verfehlt sein würde. Wie ist diese Repräsentationszulage überhaupt zustande gekommen? Brandt war doch eigentlich kein Vertreter, sondern ein Bureaubeamter.. Auch darüber gibt die Korrespondenz Aufschluß. Bis zu meiner Versetzung nach Berlin liquidierte Herr Brandt b e- sondere Auslagen von Fall zu Fall. Ich l e h n t e c s a b, diese Geider durch meine Hand gehen zu lassen, und Herr Eccins fand sich mit meinem Standpunkt ab, indem er mir am 24. August 1909 mitteilte, er loünsche eine Auf- stellung von Brandt über den Jahresdurchschnitt seiner Aus- lagen zu erhalten. Diese Aufstellung dürfte Wohl zur Festsetzung der bekannt gewordenen Ortszulage geführt haben. Zur Regelung der Angelegenheit reiste Herr Brandt nach Essen, von lvo er mir schrieb, daß er mit Herrn Mar- q u a r d t d i e G e s ch i ch t c in Ordnung gebracht hätte, nachdem dieser sich vorher an den damals ans Essen ab- wesenden Herm Eccins gewandt hätte. Wie glauben Sie nun, daß Brandt die Repräsentationszulage von 3SlX) M. angewandt hat? Jedenfalls in sehr geschickter Weise. Die vom Kriegs- gericht verurteilten Mili'tärbcamtcn sind in meinen Augen nichts anderes als Opfer der Brandtschen Gerissenheit, der unter dem Anschein der Kameradschaft sie eingewickelt hat. Ich glaube auch kaum, daß Brandt die 3500 M. voll zu Bestechungszwecken ausgegeben hat, obgleich er mir fast täglich vorjammerte, daß er mit dem Geldc nicht auskäme und daß ihm das„Geschmeiß"— so beliebte er die Kameraden, die jetzt für ihn leiden müssen, zu nennen— nicht„von der Pelle" gehe. Brandt galt mir ebenso wie denen, an die ich über seine Machenschaften berichtete, als höchst gefährlich und zwei- schneidig, öluf den Brief vom 22. Juli 1912 an Dr. Mühlen, worin ich von der„Uebcrhebnng" des Brandt und von seiner „Tendenz, die.Konjunktur' auszunutzen, je mehr er durch An- Wendung der von ihm beliebten Pressionsmittel" weiterkäme, geschrieben hatte, antwortete mir Dr. Mühlen unterm 23. Juli, daß„ihm diese Ausführungen ganz richtig erschienen und bestens bemerkt seien." Wenn ihn die Firma so einschätzte— wie kam eS dann, baß sie ihn gleichzeitig mit Gratisikationcu geradezu überhäufte? Man fürchtete i h n. Bei jeder Gelegenheit(in einem Briefe habe ich den Ausdruck„terminmüßig" gebraucht) drohte Brandt, er wolle„seine unappetitliche Aufgabe nicht mehr weiter machen, die„ruiniere ihn körperlich und moralisch". Damit verquickte er allerdings vielfach neue Forderungen finanzieller Natur. Um diesen zu begegnen, war Herr Eccins schon im Jahre 1911 ans den Gedanken verfallen, ihm eine besondere Gratifikation von jährlich 1000 Mark zu versprechen, die aber erst nach 10 Jahren fällig und nur dann ausbezahlt werden würde, wenn das Dienstverhältnis dann noch bestehe. Mit anderen Worten: wenn Herr Brandt, dessen Vertrag nur bis 1915 lief, zehn Jahre lang seine„weiteren dauernden guten D i e n st e" fortsetze n würde. Dieser Brief ist Hand- schriftlich von. Direktor Eccins geschrieben, von Direktor Hanx mitunterzcichnet und trägt, gleichfalls von der Hand"des Herrn Eccins, den besonderen Vermerk„Vertraulich!" Außer- dem war er an mich gerichtet mit dem Ersuchen, von seinem Inhalt Herrn Brandt in Kenntnis zu setzen und über das Ergebnis der Unterredung„zu berichten". Beim Abschied sagte Herr v. Mctzen noch: Der Inhalt der Briefe erhält natürlich seinen lvirklichen Wert erst durch die K e n n t n i s der Vorgänge, auf die sich der Schrift- Wechsel bezieht, die aber durch ihn zugleich tvieder ihre Be- stätigung erhalten. Ich habe keinen Grund, irgendwelche Geheimniskrämerei zu treiben, da ich in einigen Tagen vor Gericht als Zeuge doch alles offenbaren muß.' eine furchtbsre Grubenhataitrophe. 400 Bergleute tot! Eine furchtbare Grubenkatastrophe, deren Tragweite sich noch nicht in allen Teilen übersehen läßt, wird aus CüdwaleS gemeldet. Im ll n i v e r s a l- B e r g lv e r k in der Nähe von Cardiff erfolgte gestern vormittag eine Explosion, durch die der Hauptschacht voll- kommen zerstört Ivurde. 700 Bergleute wurden eingeschlossen, und es besteht keine Hoffnung, sie alle zu retten. Eine RettungS- kolonne, die um 9 Uhr durch einen Seitenschacht heruntergegangen war, war bis 10 Uhr noch nicht zurückgekehrt. Den Anstrengungen der Rettungsmannschaften gelang eS, bis um 11 Uhr 327 Mann der Belegschaft lebend zu retten. In dem einen Seitengang, der besonders durch die Explosion gelitten hatte, wurden-,„ 150 Leichen gefunden. Ein Teil der Leichen konnte bereits zutage gefördert werden. Die Rettungsarbeiten werden mit fieberhafter Hast unter der persönlichen Leitung mehrer Inspektoren und anderer hohen Beamten oer Bergbehörde fortgesetzt. Das im Innern wütende Feuer hindert jedoch die Rettungs- Mannen am weiteren Vordringen. Das Feuer befindet sich zwischen den Leuten und dem Schacht. Der Chef der Bergwerksinspektion sagte, daß eine Rettung unmöglich sei, bevor das Feuer gelöscht iväre. Nach den neuesten Feststellungen befanden sich zur Zeit der Explosion 031 Bergleute in den Schächten. Bis zum Nachmittag waren 511 gerettet. *» » Zahlreiche Angehörigen der Eingeschlosseneu hatten sich auf die Kunde von der Katastrophe vor der Grube eingefunden, um die näheren Nachrichten abzuwarten. Als die Geretteten aus dem Förderkorb in den Zechenhof gelangten, spielten sich erschütternde Szenen zwischen den Angehörigen und ihren wieder znm Leben er- standenen Ernährern ab. Die Frauen waren, obgleich der Ein- gang zum Zechenhof durch Konstabler und Feuerleute ab- gesperrt war, nicht zu halten, drangen bis an die Maschinenhalle vor und verlangten stürmisch alle Einzelheiten über den Umfang des Unglücks zu wissen. ** * Hebet die furchtbare Katastrophe erhalten wir noch nach- stehendes Telegramm: London, 14. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- wärt§*.) Eine furchtbare Explosion fand heute morgen auf der Universal-Grube in Senghenhdd(Südwales) statt. Kurz nach der Einfahrt der Tagesbelegschaft erschütterte eine gewaltige Ex- p l o s i o n die ganze Nachbarschaft der Zeche. Der Fahrkorb wurde aus dem Schacht hinaus hoch in die Luft geschleudert und die Maschinerie an der Oberfläche in tausend Stücke zertrümmert. Zwei Obertagsarbeiter, die sich in der Nähe des Schachtes befanden, wurden auf der Stelle getötet, einem davon wurde der Kops buchstäblich abgerissen. Von der Be- legschaft sind bis jetzt 489 Mann gerettet. 30 Leichen konnten schon geborgen werden. Von der Belegschaft sind noch 418 Mann im Schachte, die durch das Feuer, das nach der Explosion ausbrach, ab- geschnitten wurden. Es besteht wenig Hoffnung, sie zu retten. Aus allen Teilen Südwales eilen die Bergarbeiter herbei, um zu helfen. Sie machen heroische Anstrengungen, um ihre Kameraden zu er- reichen. Große Partien der Grube sind eingestürzt. Vor 12 Jahren fand auf derselben Zeche schon einmal eine Explosion statt, bei der im ganzen 81 Menschen umkamen. Wie verlautet, konnte an einem Orte der Grube gestern abend wegen Vorhandenseins von Schlag- wettern nicht gearbeitet werden. Nach den letzten hier eingetroffenen Nachrichten ist alle Hoffnung, die in der Grube einge- 's'chlossenen 418 Mann zu retten, aufgegeben worden. Die Rettungsarbeiten mußten vorläufig eingestellt werden, da die Rettungsmannschaften erst abwarten müssen, bis �daS Feuer gelöscht' oder ausgebrannt ist. Zunglieliticher«ifiegskoller. In der Nr. 4 der„I u n gd e u t sch l and- P o st", die vom Jungdeutschlandbund und der Deutschen Turnerschaft als Wochen- schrift für Deutschlands Jugend herausgegeben wird, betreibt ein Herr Otto von Gottberg„Ertüchtigung" der Jugend, so wie es dem ganzen Wesen des Jungdeutschlandbundes entspricht. Und denen, die noch bestreiten wollen, daß dieser Bund die Jugend lediglich für die Hurra- und Kriegsbegeisterung mißbraucht, sei der Artikel des Herrn von Gottberg über den Krieg zum Studium empfohlen. Da wird folgendes geschrieben: Auch uns Deutsche und Christen lehrt Ehre und Pflicht, daß die Seelen von Toten und Lebenden ruhelos sind, bis ein Kampf mit Sieg und Triumph unserer Mafien geendet hat. Warum zog in den Tagen unserer Schande und Schmach der tapfere Major von Schill auf eigene Faust in den Krieg? Weil keines guten Preußen Seele Ruhe fand, bis Bonaparte bezwungen und der Sieg wieder unser war! Das Leben für die Brüder, für das Vaterland, für Kaiser und Reich, für den Sieg zu geben, damit die Lebenden Frieden und die Toten Ruhe haben, lehrt nicht nur der heidnische, sondern auch der christliche Glaube. Darum ist der Krieg die hehr st e und heilig st e Aeutzerung menschlichen Handelns. Er gibt Gelegenheit, nach GotteS Geheiß das Höchste für die Briider zu opfern, und schenkt den Tapferen ewiges Leben. Wir sehen das, wenn wir Sonn- tags in die Soldatenkirche unseres Wohnortes gehen. Vom Ge- sangbuch fallen die Augen- unwillkürlich auf Tafeln an den Wänden. Ueber oft langen, langen Namenslisten steht geschrieben: „Es starben den Heldentod mit Gott für König und Vaterland." Studieren wir die Liste! Kein frommer Pfarrer, der in deut- schen Worten den Herrgott anruft, nimmt's uns übel. Er weiß, die Tafeln tragen die Namen von treuen Toten, die nach des Heilandes Vorbild starben. Wünschen wir uns allsonntäglich auf senen Tafeln einmal verzeichnet zu stehen! Dann leben wir ewiglich und werden nach Jahrhunderten noch beneidet. Drunten im Kirchenschiff nämlich zählen die Männer in Uniform die Namen auf jeder Tafel und am stolzesten, am meisten beneidet ist die Truppe, die von lieben Kameraden die größte Zahl für König und Vaterland geben durfte. � Auch uns wird einmal die frohe, große Stunde eines Kampfes schlagen. In Tagen zweifelnder, vorläufig nur heim- lich frohlockender Erwartung geht dann von Herz zu Herz und Mund zu Mund der alte königliche Ruf zur Schlacht:„Mit Gott für König und Vaterland." In die Straße, durch die wir heute fröhlich plaudernd oder lachend schreiten, fällt bald ein noch feuchtes Druckblatt, und von den Lippen des ersten deutschen Mannes, der es liest, bricht fest und zuversichtlich:„Es braust ein Ruf wie Tonnerhall." Ein echter Schlachtenchoral ist das Lied und doch klingt jauchzend des Deutschen Freude an Krieg und Heldensterben hinein. Sein Echo hallt bis in die fernsten Gäßchen mit dem jubelnden Gelöbnis: Wir alle wollen Hüter sein. Ja, das wird eine frohe, eine große Stunde, die wir uns heimlich wünschen dürfen. Der laute Wunsch nach Krieg wird oft zu eitlem Prahlen und lächerlichem Säbelrasseln. Aber still und tief im deutschen Herzen muß die Freude am Krieg und ein Sehnen nach ihm leben, weil wir der Feinde genug haben und der Sieg nur einem Volke wird, das mit Sang und Klang -um Krica wie zum Fest geht. Ehren wir unseren Herrn und �andesvater, der in unermüdlicher Arbeit der Welt den Frieden weil er dermaleinst vor Gottes Thron Rechenschaft abzu- leaen'bat nicht nur über Deutschlands Ruhm, Ehre und Macht, sondern auch über jeden Tropfen Menschenblut, der auf sein Gebein vergossen wurde. Seine Schultern werden mit zentner- schwerer Verantwortung die Sorgen eines Kampfes tragen. Wir aber dürfen auf seinen Ruf leichten, flohen Herzens zu den Waffen greisen und uns des Krieges freuen. Verlachen wir also aus vollem Halse alte Weiber in Männerhosen, die den Krieg fürchten und darum jammern, er sei grausig oder häßlich.. Nein, der Krieg ist schön. Seine hehre Größe hebt das Menschenherz hoch über Irdisches, Alltägliches hinaus.... Auch unserer warten solche Stunden. Wir wollen ihnen entgegengehen mit dem männlichen Wissen, daß es schöner, Herr- licher ist, nach ihrem Verklingen auf der Heldentafel in der Kirche clvig fortzuleben, als namenlos den Strohtod im Bett zu sterben. Wir sind auf dem kugelrunden Ameisenhaufen Erde von Be- dcutung nur als Glieder einer Gemeinschaft, des Vaterlandes. Teutschland allein muß nach.einem Kriege leben, blühen und gedeihen. Was aus uns wird, mag und soll uns piepe sein! So dachten die Väter, die das Reich nur schaffen konnten, weil auch sie zum Kampf mit dem entschlossenen Willen zu Sieg und Tod auch ihren festen, frominen Glauben trugen. Ein Soldaten- lied erzählt uns, wie sie sich ihren Lohn und Himmel dachten. Im Wolkensaal droben sitzen„Held Friedrich, Held Blücher, die Männer der Tat".(Aber nicht die Stubenhocker, die uns den Krieg verleiden wollen.) Der große Kaiser, sein Moltke, sein Roon, sein Bismarck sind da. lind wenn drunten auf Erden mit deutschen Waffen eine Schlacht geschlagen ist und die treuen Toten von der blutigen Wahlstatt zum Himmel steigen, ruft „aus Potsdam ein Gefreiter" die Wache ins Tor. Der alte Fritz springt vom goldenen Stuhl, läßt Präsentiermarsch schlagen und herrscht die Könige und Helden an: Respekt, ihr Herren, ixnd aufgeschaut, die jetzt herein ich führe, Auch Helden sind's und allvoran des Königs Grenadiere! Das sei Jungdeutschlands Himmelreich. So sehne es sich, an unseres Herrgotts Tür zu klopfen. Auf diese Verquickung der Kriegshetzerei unter der Jugend mit der christlichen Lehre und den Einrichtungen der Kirche läßt Herr Professor Weincl-Jena in der„Christlichen Freiheit" dem Jugend-Ertüchtigungsblatt„Jungdeutschland-Post" eine Abfuhr zu- teil werden, die eine überaus treffende Kennzeichnung der Jugend- pflege des Jungdeutschlandbundes und der Deutschen Turnerschaft darstellt. Er sagt zu den verstiegenen und gemeingefährlichen Ausführungen des Herrn von Gottberg folgendes: „Einen Kommentar brauche ich zu der„Jungdeutschland- Post" nicht hinzuzufügen. Rur möchte ich die Leute, die solche Artikel schreiben und unserer Jugend zu geben für recht finden, bitten, nicht Gottes so zu mißbrauchen, wie es hier geschieht, sondern ruhig überall Wotan zu schreiben und statt Himmel Walhalla. Dann Iveiß man doch, auf welcher Stufe der Religion man sich befindet: das Christentum soll man außer Spiel lassen." Wir können mit Genugtuung konstatieren, daß hier auch ein- mal von angesehener bürgerlicher Seite die Arbeit des Jung- deutschlandbundes nach Gebühr beurteilt wird. Wir sind aber der Meinung, daß für die bürgerliche Welt gar keine Veranlassung besteht, sich darüber zu entsetzen; auch nicht für Kreise, die re- ligiöse Bestrebungen pflegen, wie das in der„Christlichen Freiheit" geschieht. Die Jungdeutschlandheroen werden sich deshalb auch gar nicht viel aus der— vom christlichen Standpunkt aus gesehen— geradezu vernichtenden Kritik machen. Sie werden weiter, ans den Mitteln der Allgemeinheit unterstützt, in ihrer Weise Jugendpflege betreiben und sich nicht vom eingeschlagenen Wege ahbringen lassen. Wissen sie doch ganz genau, daß die heutige Staatskirche zum Krieg die gleiche Stellung einnimmt und mit ihnen in dieser Frage eins ist. Die um Weinel bilden eben innerhalb der Kirche eine Ausnahme, die auch hier bestätigt, daß das Gegenteil ihrer An- schauung die Regel ist. Trotzdem bleibt die Abwehr Weinels was sie ist: eine überaus zutreffende Charakterisierung der skrupellosen uud für die Jugend verderblichen Methoden des Jungdeutschland- bundes und der Deutschen Turnerschaft im Kampf um die Arbeiter- jugend. Im übrigen haben wir die Ausführungen des Herrn von Gott- berg hier ausführlich wiedergegeben, um unseren Lesern darzutun, weS Geistes Kind die Leute sind, die am nächsten Sonntag den Jubiläumsrummel des Jungdeutschland- bundes in den Straßen Berlins inszenieren. Diese Art Kriegshetze paßt so ganz zu der JubiläumSmaSkerade, zu der sich die bürgerliche Jugend hergibt. Und die bürgerliche Presse vom rechten bis zum äußersten linken Flügel gibt dazu ihren Segen._ Die Candfrage in Großbritannien. London, 13. Oktober.(Eig. Ber.) Der liberale Feldzug zur Befreiung des englischen Bodens aus den Klauen der Großgrundbesitzer, der mit so großer Reklame angekündigt worden war, wurde ani 11. Okto- ber von dem Schatzkanzler mit einer Rede in der Stadt Bed- ford eröffnet. Selten ist ein Ereignis mit solcher Spannung erwartet worden. Mehrere Male verkündeten die englischen Liberalen in den letzten zwei Jahren, daß in wenigen Wochen Lloyd George die Tribüne besteigen werde, um die groß- zügigen Pläne der Regierung zu entfalten, die das Land dem Volke zurückgeben und der dahinsterbenden Landwirt- schaft neufS Leben einflößen würden. Nach der Erledigung der Fragen der irischen Selbstverwaltung und der Entstaat- lichung der Kirche in Wales, so hieß es, sei endlich nun die Bahn frei geworden und der Liberalismus könne sich unge- hindert der Umgestaltung des ganzen sozialen und tvirtschaft- liehen Lebens hingeben. Aber iminer kam etwas dazwischen und der Feldzug wurde aufgeschoben. Allerhand Ereignisse, unter anderem auch der Balkankrieg, mußten als Entschuldi- gung herhalten. Die wirklichen Gründe der liberalen Unent- schlossenheit blieben jedoch niemandem verborgen. Den ein- flnßreichen liberalen Grundbesitzern gefällt das bestehende System ganz gut, unter dem sich der Reichtum anhäuft und die Menschen verderben, wie Goldsmith in seinem Gedicht„Das verlassene Dorf" sang. Sie wollen von den Plänen der liberalen Landreformer nichts wissen. Daher die Verzögerungen und daher auch die Erscheinung, daß der Schatzkanzlcr nicht den geringsten Versuch machte, die Mittel anzugeben, die die Regierung zur Abstellung der von ihni in so beredten Worten gekennzeichneten Uebelstände anwenden will. Mit der von ihm gelieferten Diagnose des Uebels ist so zimlich jedermann einverstanden. Auch der hartgesottenste Tory gibt zu, daß man der englischen Landwirtschaft wieder auf die Beine helfen muß. Worüber man streitet, sind die anzuwendenden Mittel und die Tragweite der Reformen. Und in diesem Punkte hat der Schatzkanzler vollständig versagt. In Arbeiterkreisen hoffte man, daß Lloyd George den Land- arbeitern wenigstens den M i n d e st l o h n versprechen werde. Aber auch hier ging er nicht über nebelhafte Andeutungen hinaus. Das Endergebnis der großen Rederei bestätigt nur, was vielen kein Geheimnis war: daß die Kapitalisten und die Grundbesitzer heute so eng verschwistert und verschwägert sind, daß die liberale Partei nicht daran denken kann, die Aufgaben zu lösen, die ihr ihre Bodenrcformcr vorschreiben. Ter Landfcldzug hat sich als ein Versuch entpuppt, die Stini- men der Landarbeiter und Pächter zu fangen, die die liberale Partei notwendig brauchen wird, wenn nach der Lösung der irischen Frage die Zahl der irischen Bundesgenossen im Reichsparlament um die Hälfte reduziert worden ist. Aber als Diagnose der Lage der englischen Landwirtschaft war des Schatzkanzlcrs Rede dennoch eine bemerkenswerte Leistung. Einleitend wies er darauf hin, daß der Grundbesitz das größte und das am wenigsten beaufsichtigste Monopol sei. Der Grundbesitzer kann Heimstätten zerstören, die Bauern ins Exil treiben und nach Belieben das Land in eine Wüste verwandeln. Im Norden Schottlands findet nian noch die Spuren des Kleinbauern, wo das Wild jetzt haust. Vor 50 Jahren waren in der Landwirtschaft Großbritanniens nock) 2132 000 Personen beschäftigt; heute sind es nur noch iy2 Millionen. Aber der Staat braucht zu seiner Verteidi- gung eine große und kräftige Landbevölkerung. Was ist an, deni Hinsiechen unserer Landwirtschaft schuld? Das elende System des Grundbesitzes, das in Großbritannien herrscht. Daß dieses System unhaltbar geworden, geben selbst die Konservativen zu. Sie haben nur ein Mittel gegen das Hebel: der Staat soll den Bauern das Geld vorschießen, um das Land zu kaufen. Sie wollen der Nation eine ungeheure Schuld aufbürden; sie trachten danach, den Uebelstand zu kapitalisieren. Tarauf kann die Regierung nicht eingehen. Ter Landarbeiter ist aus einem zufriedenen, wohlgenährten, unabhängigen Bauern zu einem hoffnungslosen, unterbezahl- ten und landlosen Sklaven des Bodens geworden. Er wird schlechter bezahlt, arbeitet länger und wohnt schlechter als der Arbeiter in irgendeiner anderen Industrie des Landes. 30 Prozent der Landarbeiter erhalten weniger an Lohn, als die Summe ausmacht, die für die Erhaltung einer Familie in einem Arbeitshanse ausgegeben wird. Sie erhalten an Geldlohn 12, 13 und 14 Schilling die Woche und beziehen allerlei Zuschüsse in Naturalien, um nur nicht zu verhungern. Nicht Zuschüsse braucht der Landarbeiter, sondern einen aus- kömmlichen Lohn. Das Gesetz befiehlt den Kohlengruben- besitzern, ihren Arbeitern einen auskömmlichen Lohn zu be- zahlen, und verbietet ihnen, sie länger als eine gewisse Zeit zn beschäftigen. Warum soll dies nur unter der Erde gelten und nicht an der Oberfläche? Wenn wir zwischen dem Wohl- ergehen des Grundbesitzers und des Landarbeiters nun ein- mal zu wählen haben, so laßt uns ein Stück aus der Grund- rente des Landeigentümers nehmen und es dem Landarbeiter geben. Und dann läuft in keinem Lande so viel Wild auf be- bautem Boden umher, wie in Großbritannien. Seit 1851 hat sich die Zahl der Wildhüter nm 250 Proz. vermehrt, während die Zahl der Landarbeiter um 600 000 zurück- gegangen ist. Wir müssen das Wild mindestens um zwei Drittel reduzieren. Was ist nun zu tun? Dem Landarbeiter müssen ein auskömmlicher Lohn, eine kürzere Arbeitszeit und bessere Arbeitsverhält- nisse gesichert werden. Er mnß ein anständiges Haus haben mit einem Stückchen Land dabei. Den unternehmenderen Geistern muß eine Parzelle oder gar ein kleines Pachtgut ge- sichert werden. Das System der Gemeindesteuern, das den Pächter bedrückt, muß verändert werden. Es muß dem Pächter erleichtert werden, seine Waren zum Markt zu bringen. Der Praxis der Eisenbahnen, den Ausländern Vor- zugstarife einzuräumen, muß ein Ende bereitet werden. Dem Staate muß erleichtert werden, zu gerechten Preisen Grund und Boden zu erwerben. Dies sind die wichtigsten Punkte einer Rede, die uns leider über die Absichten der englischen Regierung ganz im Dunkeln läßt, wiewohl sie geeignet ist. zu allerlei Spcku- lationen Anlaß zu geben..Der„Daily Citizen" bemerkt sehr treffend zu den Ausführungen:„Wir hören, daß die größte Jagdbeute der Saison auf den Gütern des Herrn Lulu Ha r» c o u r t, eines hervorragenden Mitglieds der Regierung, eingeheimst worden ist; der Schatzkanzler braucht daher nur unter seinen eigenen politischen Freunden Umschau zu halten. um viele Freunde und Verteidiger des Landmonopols in all seinen wesentlichen Zügen zu finden, mögen diese auch ge- zwungen sein, dem Geiste der Zeit unwichtige Zugeständnisse zu machen. Daher kommt es vielleicht, weshalb der Schatz- kanzler seine Reden in einen Nebel flüchtiger Bilder vcr- dunsten ließ."_ poUtifche dcbcrHcht. Steine Hauspolitik. Zur sogen,„welfischen Frage" teilt der„Verl. Lok.-Anz." offiziös mit, daß in den nächsten Tagen das preußische Staats- Ministerium seinen Antrag, dem Cumbcrländer die Ueber- nähme der Regierung in Braunschweig zu gestatten, beim Bundesrat einbringen wird. Am 24. oder 25. Oktober wird der Bundesrat über diesen Antrag entscheiden. Prinz Ernst August wird am Tage seines Einzuges in Braunschweig eine Kundgebung erlassen, die ein klares Bekenntnis zur Reich?- Verfassung enthalten wird. Die„Norddeutsche Allgemeine Ztg." setzt einstweilen das Dementieren fort. Sie bringt in ihrer' Ausgabe vom Dienstag- abend folgende amtliche Erklärung: „In einem Artilel des„Hannoverschen Courier" wird die bevorstehende Erledigung der Braunschweigischen Thronfolge als ein politisches Opfer, das dynastischen Rücksichten gebracht werde. scharf getadelt. Wejl des Kaisers Tochter den letzten Welsen- sprossen zum Gemahl erkoren habe, gehe man über wichtige Reichs- interessen hinweg und treibe HauSpolitik. Der bierin liegende Vorwurf gegen den Kaiser und König kann nicht scharf genug zurückgeiviescn werden. Mögen auch die Ansicktc» über die Bedingungen für die Thronbesteigung des Prinzen Ernst August in Braunsckiweig noch auseinandergehen, fest steht jedenfalls, daß für die Haltung des Kaisers und seiner Regierung nicht die Heirat der Kaisertochter und dynastische Haus- interessen, sondern die vom Prinzen vor seiner Verlobung und Hochzeit mit Zustimmung seines Vaters abgegebenen Er- llärungen und die damit für die Zukunft dem Reiche und Preußen geleisteten Garantien entscheidend waren." Ans Vaterland, ans teure, schließ Dich an, Doch halte fest das Geld in Deinem Beutel! Der Patriotismus der Besitzenden, der sich zur Zeit, als die Regierung im Reichstage die neue HeereSvorlage-'nbrachle gar gewaltig aufblähte und in den albernsten Prahlereien gefiel, ig>etzt, wo eS an die Aufbringung des WehrbeitrageS geht, völlig verraucht. Die Herren Kapitalisten, die noch vor wenigen Monaten versicherten, daß sie bereit seien, ihr Heldenblut aus den Schlachtfeldern für das teure Vaterland zu opfern, suchen sich heute nach allen Regeln der Kunst um den Wehrbeitrag herumzudrücken. TaS heißt. sie suchen ihr steuerpflichtiges Vermögen so niedrig als möglich hinzustellen. Und die vaterländische Presse, die konservative wie die liberale, leistet ihnen dabei willige Hilfe, indem sie die opferwilligen Patrioten darauf aufmerksam macht, daß sie durch das Wehrsteuergesetz gar nicht gezwungen sind, den vollen Wertbctrag ihres Vermögens anzugeben. So laufen zurzeit allerlei Notizen durch die bürgerliche Presse, daß die Banken nicht verpflichtet find, Auskunft über. die Höhe der bei. ihnen vorhandenen Einlagen zu geben. Es' wird nämlich befürchtet, daß die Neichen im anderen Falle einen Teil ihres Vermögens im Auslände.' anlegen würden, um der Besteuerung durch den Wehrbeitrag zu entgehen. Wenn die bürgerliche Presse es wirklich für notwendig erachtet, eine solche Ver- ficherung zu geben, dann geht daraus sicherlich hervor, dag die Ve- sitzenden die Absicht baben, daS Reich um einen Teil des Wehrbeitrages zu bemogeln; ihre Furcht, daß die Höhe ihres Vermögens bekannt wird, hätte sonst in der Tai gar keinen Sinn. Die bürgerliche Presse versichert weiter, dag die Auskunftspfl-cht der Banken nicht durch die Ausführungsbestimmungen festgelegt werden kann, die der Bundesrat zu erlassen hat. Die palriotitchen Kreise, die bisher schon den Staat nach Kräften um die Steuern bemogelt haben, werden also dieses Verfahren auch beim Wehrbeitrag in Anwendung bringen können. Die Ausführungsbestimmungen zum Wehrbeitragsgesctz werden Ende dieses Monats vom Bundesrat veröffentlicht werden und die erste Rate des Wehrbeitrags wird im April oder Mai nächsten Jahres zur Einziehung gelangen. Die Zwischenzeit ist nötig, um die Ein- fchätzung vornehmen zu können. Arbeitslosendebatte in der Hamburger Bürgerschaft. Die sozialdemokratischen Anträge auf Einführung von Mab- nahmen gegen die Arbeitslosigkeit riefen in der Montagsitzung der Haniburger Bürgerschaft sdeS Hamburger Parlament?) eine Debatte hervor, die den unsozialen Geist dieser gesetzgebenden Körperschaft aufs deutlichste offenbarte. Die Forderungen unserer Gcnoffcn be- schränkten sich auf das minimalste, was angesichts der steigenden Not der Arbeitslosen, deren Zahl in Hamburg jetzt schon schätzungS- weise 12 000 beträgt, verlangt werden niusjte. Nichts weiter als die beschleunigte Inangriffnahme schon beschlossener staatlicher Arbeiten unter Garantie tariflicher Arbeitsbedingungen, die Bereitstellung eines UmerstützungSfondS für Arbeitslose und die Speisung bedürftiger Kinder war beantragt. Außerdem sollte der hamburgische Bundesrats- Vertreter aufgefordert werden, für rcichSgesetzliche Regelung der Arbeits- losenverstcherung zu wirken. Diese Forderungen wurden vom Gc« nassen W i n n i g in einer durch reiches statistisches Material unter- stützten Rede begründet, die jede verletzende Schärfe vermied, aber eindringlich an das soziale Gcwiffen der Bürgerlichen appelliert. Wie verhielten sich dazu die Vertreter des Bürgertums? Von der Frakrion der Rechten hielt sich der allergrößte Teil während Winnigs Rede außerhalb des Saales auf, hörte also seine Argu- menre gar nicht an, auch die andereir bürgerlichen Fraktionen zeigten wenig Irrte resse für das Schicksal der Arbeitslosen, spendeten aber dem Redner der Linken, dem Sekretär des berüchtigten Wirtschaft- kichen SchutzverbandeS, Dr. M. W e st p h a l, frenetischen Beifall, als er die Arbeitslosenfürsorge in der vorgeschlagenen Form rund- weg ablehnte. Die Rede dieses Scharfmachers, gipfelte in dem Satz: Die Arbeitslosenversicherung ist nur ein Mittel zum Zweck, die Arbeiter zu den Gcwerlschafien zu ziehen; die Sozialpolitik, wie sie in den letzten Jahren von einer schwächlichen Rcichsrcgicruirg im Bunde mir der Reichstagsmehrheit gemachr wird, haben wir gründlich satt! Bon den übrigen Rednern der Rechten und des Zentrums wurde teils der Umfang der Arbeitslosigkeit, geleugnet, teils wurden die vorgeschlagenen Maßnahmen als unangebracht abgelehnt. Von dem UntersiützungSfondS für Arbeitslose wollte man nichts wissen, weil man die Faulheit und die durch Stre.ilS ftlbltverschuldete Arbeitslosigkeit nicht als unter- stützungSberechligt aber kennen dürfe." Tie"' Äereltsteifung vom Miltein für Speisung von Schulkindern sei"überflüssig, weil wohltätige Anstafteni vom Staat unterstützt, dies schon.ausrclchciid beiorgleit. Den Unternehmern in Zeiten der Krise tarifliche Löbnc vorzuschreiben, sei auch nicht gcrechrfertigt. Ueberhaupt gebe es unicr den selbständigen Gewerbetreibenden. viele Leute, die eher staatliche Unterstützung verdiemen als die Arbeiter, von denen man verlangen könnte, daß sie dorthin gingen, wo Arbeiter gebraucht werden: nach Ostpreußen oder nach Oberbahern. Den letzteren Gedanken verfocht besonders der Konservative Dr.' Koch. Auf diesen reaktiv- närcn Slmnpssinn gab Genosse Weinbeber einige kräftige Ant- Worten. Außer ihm schloß sich nur der Liberale Hey und der weiße Rabe. d«S Zentrums, Rechtsanwalt Kümpel, im wesentlichen den sozialdemokratischen Anträgen an. Der letztere befürwortete nament- lich die staatliche Regelung des Arbeitsnachweises. Dann wurde die Debatte, zu der noch ein halbes Dutzend Redner gemeldet sind, bis nächsten Monrag vertagt. Klatschrecht oder Wahlrecht? DaS Zentrum führt zwar das Wort Freiheit in seinem Wahl- spruch, aber eS erinnert sich daran immer erst dann, wemn es selbst die Zuchtrute des preußischen PolizeistaateS zu fühlen bekommt. In- folge des Falles Knittel schwärmt die gesamte Presse des Zentrums wieder einmal für das geheime Wahlrecht. Die.Friesische Landes- zeitung"(Nr. 465) z. B. zeichnet die preußischen Wahlrechtszustände folgendenveiie; ,28« nicht im Sinne der maßgebenden Kreise des OrteS strmml, ist zum Spießru t e n lausen zwischen einer Gasse von spitzen Zungen verurletlr. Dre K l a t s ch h a s e n beiderlei Gc- schlecht suchen sich als patrioniche Zionswächter aufzuspielen Um die unseligen Slatlcheret-n..„d Hetzereien einzudämmen. gibt es kein besseres Mittel. als die Stimmabgabe ge- heim zu machen. Der Staat w.rd dadurch ebensowenig gesahrltch werden als daS R«'». da« sch� fast ein halbe? Jahrhundert die geheime Wahl hat. Auf die Dausr ist dock mir eine 6 zuverlässig: da? G e w i s s° n der Beamten und Reserve! Offiziere. Sehr notwendig ist auch die geheime Stimmabgabe bei den kommunalen Wahlen. Daher kommen zu de» parteipolitischen Gegensätzen noch die p-rionlichen Gegen, atze und die Reibunaen der örtlichen Jnieressenkrcise. Das gibt den Klais chzunä/ü r c i ch l i ch e n Stoff und fuhrt oft zu schweren Aergerniffc» Unter de» heuitgen Verhalmnsen rst da? W a h l g e h- i m» i? die sicherste Gewähr, nicht blog für die W a h l f r e i h e i t, sondern auch für den Frieden. Im Abgeordnetenhause weiß da? Zentrum nichts von dieser ver- nünftigen Kritik. Dort arbeitet es Hand in Hand mir den Kon- fervativen, den geschivorenen Feinden de? geheimen Stimmrechts; dort hat das Zentrun» einer Wahlreform zugestimmt, die die Wahl der Abgeordneten durch die Wahlmänncr öffentlich vorgenommen wissen wollte. Ein Wahlvelfahrcn also, daß den Klatschweibern mit und ohne Uniform auch in Zukunft ein reiches Tätigkeitsfeld überläßt._ Ein Streik in Teutfch-Ostafrika. Wie die„ U s a m b a r a- P o st* meldet, sind die indischen An- grstellien und Handwerker der Ost afrikanischen Eiien- bahn gesell jchaft in einen Streik nach europäische:» Muster emzetrcten. Den Grund bildet eine Verfügung der Direktion, durch welche die bisherige halbstündige Frühstückspause auf eine Viertel- stunde beschränkt wird. Die Leute haben, so teilt daS ostafrilanische boller Entrüstung mit, eine tägliche Arbeitszeit von 'Stunden und werden recht gut bezahlt. � Manch indischer Hand- er er erhält S— 7 Rupien pro Tagt Dann heißt e? ganz im Stile der europäischen Scharfmacherpreffe werter:„Der Streik wird ganz nach modernen Grundsätzen geführt, mit Streikpostenstehen und allem möglichen Zubehör. Als etwa 20 arbeitswillige Inder sich zur Arbeitsstätte begeben wollten, wurden sie von den Streilposten überfallen, verhauen und am Betreten der Arbeitsstätte gehindert. Schon am frühen Morgen kontrolliert ein in tadellosem weißen Anzug in einer Rickschaw umherfahrender Inder die Wohirungen der Streikenden, um sich zu vergewissern, daß niemand arbeitet. Man sieht hier deutlich, zu welchen Auswüchsen da? indcr- freundliche Regiment führt." Dieser SchmerzeuLschrei der kolonialen Ausbeuter ist nur zu begreiflich. Ihr Ideal ist der farbige Zwangsarbeiter, den man mit der Nilpferdpeiffche zur Raison bringt. Daß Farbige sich auch ein- mal als freie Arbeiter fühlen lernen, ist ihnen ein Greuel. Es sehlt nur noch, daß sie nach der Schutztiuppe schreien, die die strei- kenden Inder iliederknalleii soll, wie vor einigen Jahren die südwest- afrikanische Schutztruppe bei einein Bahnbau beschäftigte Kaffern. Daß eine achteinhalbstündige Arbeitszeit im Tropenklima reichlich lang ist, wird natürlich von der kolonialen Presse nicht gesagt. Ebenso schweigt man über die teure Lebenshaltung bei einem Bahn- bau auf afrikanischer Steppe, unter der auch die an sich bedürfnis- losen Inder zu leiden haben. Ter Herr Reserveoffizier und die milden Richter. Von geradezu aufreizender Wirkung ist das Urteil, das vom KönigSberger Schöffengericht gegen den Gutsbesitzer und Reserveoffizier Paul Huffaß aus Schönwiese gefällt wurde. Der Herr war wegen Hausfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung angellagt. Er war am 6. Juli in die Wohnung der Arbeiterfrau Johnke gedrungen und hatte sie zur Rede gestellt, weil sie durch sein Roggcufeld gegangen war. Dabei hatte er die Frau beschimpft:„Sie verfluchtes Weib sind durch meinen Roggen gegangen I" Dann hatte er ihr mit seinem Spazier st ock drei Schläge gegen die rechte Hüfte versetzt, so daß ein Bluterguß unter der Haut erfolgte, die Hüfte anschwoll und sich eine etwa zwei Handflächen große Ver- färbung bildete. � Die Fran hat infolge dessen vier Wochen hindurch Stiche in der rechten Seile gehabt. Das Gericht sprach den Angeklagten von der Anklage des HauS- friedensbruchS frei, indem es annahm, er habe beim Betreten der Wohnung der Arberterfrau noch nicht die Absicht gehabt, die Frau zu schlagen. Er habe sie vielmehr nur zur Rede stellen wollen. Des- halb sei diese Handlung eine rechtmäßige und„kein widerrechtliches Eindringen". Schuldig dagegen sei er, die Frau beleidigt und mit einem gefährlichen Werkzeug vorsätzlich körperlich mißhandelt zu haben. Das Gericht habe aber berücksichtigt, daß der Angeklagte unbescholten sei und sich„in berechtigter Erregung" befunden habe; andererseits sei„die Schwere der Verletzungen in Be- tracht gezogen" worden, daher sei für die gefährliche Körperverletzung unter Zubilligung mildernder Umstände auf eine Geldstrafe von 10 Mark und für die Beleidigung auf eine Geldstrafe von drei Mark in Summa 13 Mark(! y erkannt worden. Für die Zuerkennung einer Buße hätte keine Ver- anlnssung vorgelegen, weil aus der Tat des Angeklagten den Eheleuten falfo auch der Fran) kein Schaden er- wachsen sei. s! I) Dieses schier unglaubliche Urteil wurde»von Rechts- wegen" gefällt. Die 13 M. Geldstrafe sind gar keine Sühne für die Vergehen des Angeklagten, der ein begüterter Mann ist und den die Strsie nicht im geringsten trifft. Dabei ist die Mißhandlung einer wehrlosen Frau durch einen Menschen, der doch gebildet sein will, besonders roh und verwerflich. Der hier in Betracht kommende Paragraph sieht als Mindeststrafe zwei Monate Gefängnis vor und daS Gericht erkennt auf 10 M. Geldstrafe. Turchlaucht schimpft über eine Staatseinrichtung. Beim 2. Ulaneu-Reaiment in Ansbach ist ein Rittmeister Fürst Wrede, der schon öfter Proben seine? großen Selbstbewußtsein? ge- liefert bat. wofür er leider nicht immer da? nötige Verständnis fand. Ein Konflikt mit einer kgl. Behörde brachte ihn kürzlich vor die Schranken de? Gericht?. Al? er einmal mit einem Fischgeschäft ein Telephongespräch führen wollte, bekam er keine Antwort, weshalb er sich mit der Aussichtsstelle verbinden ließ und dort Beschwerde führte. Dem die Beschwerde entgegennehmenden Postverwalter erklärte der Fürst:„Bei der U n, schalte st elle Ansbach fei über» Haupt ein Sau st all". Die Recherchen ergaben, daß die Fisch- Handlung trotz mehrmaligen Anruss nicht geantwortet hatte. Als der Postverwalter dies dem Fürsten mttteilte, bat er ihn, nunmehr das Wort ,.S a u st a l l" zurückzunehmen. Aber Durch- laucht geruhten zu erklären, daß sie den Saustall aufrecht erhalten und iogar dreimal unterstreichen müßten. Auch die Aufforderung der Oberpostdirektion ließ der Rittmeister unbeachtet, worauf Klage gegen ihn gestellt wurde. Das Kriegsgericht der 4. Division verurteilte ihn zu 30 M. Geldstrafe. In der Verhandlung wurde die interessante Tatsache festgestellt, daß Durchlaucht beim Telephonieren von jenem Vorfall an bevorzugt wurde zuungunsten anderer Abonnenten. Da? geschah, um ihn von weiteren Beschwerden abzuhalten. 8ieg cles chnftUcblozuiUti mahlfcbwindete. Wie», 11 Oktober.(P r i v a t t e l c g r a m m des „V o r w ä r t s".) Im Kampf um das Mandat des verstorbe- nen Abgeordneten Schuhmeier unterlag der sozial- demokratischeKandidat Eldersch init 8448 Stim- men gegen 9012 Stimmen, die auf den Christlichsozialen M a t t a j a entfielen. Die Christlichsozialen hatten ungeheure Anstrengungen gemacht, um das Mandat zu bekommen. Der Wiener Wahlschwindel und der Terrorismus der Wiener Ge- meindebehörden gegen alle von der Kommune Abhängigen ist bekannt. Diesmal haben die Christlichsozialen sich selbst über- troffen. Sie haben die Wahlzettel so ausgestaltet, daß tau- sende Stimmen von Nichtwählcrn abgewiesen werden können. Das alles ist natürlich nur möglich, weil sich die Staatsgewalt diesem Treiben gegenüber absichtlich als nutzlos erweist. Im Jahre 1911 hatte die Sozialdeinokratie das Mandat mit knapper Mehrheit in der Stichwahl uuter Verhältnissen gewonnen, die für die Opposition gegen die Christlichsozialen besonders geeignet waren. Tiesrnal war das Mandat nur zu holen, wenn alle Bürgerlichen Mann für Mann für den sozial- demokratischen Kandidaten gestimmt hätten. Das haben sie nicht getan, trotzdem sie starke Gegensätze von den Christlichen trennen. Die Erbitterung über den Ausfall der Wahl ist bei der Arbeiterschaft in ganz Wien ungeheuer. Des Abends kam es zu großen Demonstrationsumzügen, besonders in Leopoldstadt, doch ereigneten sich keine Zwischenfälle. OettemicK. Erregung unter de» Staatsbeamteu. In einige» massenhaft besuchten StaatSbeamten-Versammlungen in Wien, Reichenberg und Karlsbad wurde der Verrat der Christlich- sozialen und de? Deutschen nationalen Verbände? an den Staat?- beamteii in der schärfsten Weise gebrandmarkt, einige Abgeordnete dieser Regierungsparteien niedergeschrien und sozialdemokratische Ab- geordnete mit stürmischem Beifall begrüßt. Der größte Panamist. Exministerpräsldcnt Lukacs hat, wie erst jetzt bekannt wird, einem Konsortium von Gcldmännern eine Spiel- b a n k k o n z e s s i o n für die bei Pest gelegene Margareten- insel versprochen zu erteilen; die Geldmenschen zahlten auf dieses Versprechen hin. 1 t l l i o n c n Kronen in die Wahlkasse der Regierungspartei und 100 000 Kronen Provision an einige Regicruugsabgeordnete. Aus der Konzession wurde aber nichts, denn Liikacs flog vorher. fratikreicb. Das Verhältnis zu Spanien. Paris, 14. Oktober. Der„Petit Parisien" erklärt in einem sicht« lich offiziöse» Artikel, das Ergebnis der Madrider Reise des Präsidenten Poin carü und der Besprechung Pichon? mit Romanone? und Lopez Munoz ließe sich dahin kennzeichnen, daß zwar kein formelles Bündnis abgeschlossen, aber ein voll- kommenes Einvernehmen erzielt sei. In Marokko werde sich die spanische Regierung bemühen, die daselbst von Frank- reich befolgte Politik nachzuahmen. Sie werde die bewaffnete Er- oberung auf ein Mindestmaß einschränken und durch den Ein- fluß des Sultans sowie durch Verhandlungen mit den Stämmen den Frieden in ihrer Zone herzustellen trachten. Was die allgemeine Politik aulangt, so hätten die Verhandlungen einen vollständigen Einklang betreffs der Auslegung deS Abkommens von 1907 ergeben, durch das Frankreich, Spanien' und England sich ver- pflichteten, den Statusquo im westlichen Mittelmeer und in einem Teile des Atlantischen Ozeans zu verbürgen. Der Zweck dieses Abkommens sei ein hervorragend' friedlicher. Es bedrohe niemanden und bilde bielmehr eine Versicherung für dritte, da es jede Aenderung ausschalte. Lelgieti. Zusammentritt der Kammer. Brüssel, 14. Oktober. Die Kammer ist heute zu einer außerordentlichen Tagung zusammengetreten, die die Aufgabe hat, das neue Schulgesetz durchzubernten. DaS Haus trat sofort in die Generaldebatte ein, die der Minister der schönen Künste einleitete. ßoUaucl. Protestbewegung gegen die Wohnungsnot in Amsterdam. Unter Führung unserer Partei haben in Amsterdam sämtliche Arbeitervereine— auch die katholischen und die evangelischen— eine Protestbewegung gegen die herrschende Wohnungsnot eingeleitet. DaS jetzt heimgesandte klerikale Kabinett hat als eine seiner letzten realtionären Taten noch den Beschluß gefaßt, daS Verlangen der Stadt Amsterdam, einen Betrag von l'/z Millionen Gulden als Bausumme sieben Wohnungsbauvereinelt zur Verfügung zu stellen, abzulehnen. Als Grund der Slblehnung hat das Kabinett angegeben, die Art der geplanten Wohnungen seien zu kostspielig; in Wirklichkeit erfolgte die Ablehnung aber, weil die Regierung dem privaten Bau« geschäft nicht mit Staatsgeldern Konkurrenz machen will. Gegen diese Verfügung richtet sich nun die Protestbewegung der Arbeiter- vereme. Gefördert wird auch von der Gememdevertretliirg, die end> liche Ausführung deS vor mehr als zwei Jahren eingereichten sozial- dontolratischen Antrages, die Stadt möge zweitausend Wohnungen Herrichten lassen. Daß auch die gesamte religiöse Arbeiterbewegung sich gegen eine Verfügung deS klerikalen Kabinetts und für eine sozialdemo- kratische Vorlage ins Zeug legt, ist ein seltenes Schauspiel. Es ist ein Zeichen, wie sehr das WohnungSelend auch den von der Kirche geführten Arbeitern da? Mark aus den Knochen saugt. Amerika. Der Staatsstreich in Mexiko. Washington, 14. Oktober. Nach einer Besprechung zwischen Präsident Wilson und Staatssekretär B r y a n wurden der Sondergesandte Lind in Veracruz und der amerikanische Geschäftsträger O'Shaugnessy in Mexiko telegraphisch an- gewiesen, dem Präsidenten Huerta und der mexikanischen Regierung vorzustellen, daß es in den Vereinigten Staaten einen ungünstigen Eindruck machen würde, wenn den verhasteten mexikanischen Abgeordneten irgend etwas zu Leide geschähe. Präsident Wilson äußerte sich zu Besuchern des Weißen Hauses, er wiffe nicht, wie bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Mexiko eine v c r f a s s u n g s m ä ß i g e Wahl stattfinden solle. Obgleich die amerikanische Regierung jede Hoffnung aufgegeben habe, weiter mit Huerta zu verhandeln, würde man doch von der ursprünglichen Stellungnahme, daß die Mexikaner ihre Angelegenheiten selbst regeln müßten, nicht abgehen. Hnertas Antwort. Mexiko, 14. Oktober. Präsident Huerta hat dem amerikani« scheu Geschäftsträger O'Shaugnessy die Versicherung gegeben, daß den verhafteten Abgeordneten kein Leid geschehen werde. Die Mehrzahl von ihnen werde allerdings vor Gericht ge- stellt werden. Letzte ffochriditeit. Blutiger Zusammenstoß zwischen Griechen und Türken. Wien» 14. Oktober.(W. T. B.) Wie die ,, Südflawische Corre- spondenz" aus Saloniki meldet, ist es bei Xanthi zwischen griechischen und türkischen Truppen zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen. Die Griechen haben die türkischen Abteilungen zurückgedrängt und Kojmnkocj besetzt. Die Ursache des Schiffsbrandes. Montreal» 14. Oktober.(W. T. B.) Ein drahtloses Telegramm über Camperdown und Neuschottland von Bord der„Kroonlcmd", auf der der Kapitän, die Telegraphisten und 8S Passagiere des „Volturno" sich befinden, bringt Nachricht über das Befinden der U eberlebenden, welche erklären, die erste Explosion und da? ent- stehende Feuer seien verursacht worden durch das Anrinanderprallen einiger Kisten im Kielraum, dir Chemikalien enthielte« und deren Inhalt dadurch vermischte Verbindungen einging. Eiscnbahnerstreik in Spanien. Hnelva, 14. Oktober.•(W. T. B.) Das gesamt« Personal ein- schließlich der Werkstättenarbeiter der Rio-Tinto-Eisenbahngesell- schaft ist heute in den Ausstand getreten. E. G. m. b. H Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend Zentrale: liichtenberg, Riftergutstr. 16/26. Seefische. 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Groß, O., Frankfurt. Allee 16 Groß, Paul, Warschauerstr. 66. Schubert, Garl.Nklln. Bergstr. 148 •«rJlsassispsioj'ntpgtdK'�jnaisnaiM W. Zapletal, irsakfuner Allee 168. p�üeujamnijggsgep Q. CtnaB, Weißens, Bart Alleei' „Deutschland" Berlin ArbcHcrvergicheponf— flahütsea. Sterbe kasstnvergleherV. Straße A, .Iduna* zu Halle a. S. Borlin, Ch«rlott«n»tr. it Volks-imdLebonjTorjrt� �venMjjter [a'l PC'fiSISl u/rwÄm? A.| �ijdjjjeflüpj Qe L yMiw. LiHüpß.Fractiiiatie 1 SC«g9 Soliasl I 60 Filislen In allen Btsdtellen.| Coi-.rad�rollile!,ti:iai.0rtnl»g»L207 Orol-DeatUUt. Schiefe iL-.ähe Frsgkf.4nMli2.Hluslvk»t.n fniPnil. Idelberg. Georg Riedl. ElsoßerettkJ --■ zorndorfav ____ Str. 56. O.Wenzel, Pichslsd.StJn�pufl. 0reBJ.,ZsrSen»e', F. Frendenberg. BimaiMeieriiCsJcl-Ges. Imtnd.tlelinBi'unn runnesatis 16 iiÄÄflVSffiJ WSÄJHB »Auerhof Alte Jacobstr. 139. Hübnflr Frankfurtorsk. 1» _> UcHbCI Sehönhsuser Allee 19i Müllerstr. Nr. 163-164 [ Das lebende Bitd Sdiöneberg, Hauptstr. IM neben Scliloßbrauorel:: ] Fortsetzung«. niohsts Fortsetzung des Bezugsquellen-Verzeichnisses irtscitfften.Etebiissnm. MenerBierliaHe. Dreadtnrr-EckJ lAIesmdriiniiatJ Großdest. i. Sonne, Slr«oSberger«l. 34 bo Cafe uod Restaurant Müllerstrafie Ecke Seestr. „Hagenbech' G. Lehmann �eiÄe Ww. E. Koloski, Stendalerst.il. Lindentbeater, Lindenetr. 110. PatzeDliofer flünctianlt R-i"/-? Gi.FruUirterstr.lOl AmSttcaSbgJ'litx Potsdamerstr. Eck.Pallasstr. Täglich Kflnstler-Konrerte Kabaret-Program m O. Robloff, Uferstr. 1, Ecke. OJnnfomtsÄÄ�;: Adolf Vridt, Bergstr. 79._ Zahnateiiep Max Alm, Franseckistr, 15 P. Barein, Steinmetzstr. 30. W.Best, Skalitierstr.62 E. Wrtngelitr. M.Dresler,Grätzstr.7üI, Treptow. Düby, H., NenköIIn, Bergst, 48N-K. 1179 Alb. Endter, Alvenslebenst. 21 Goetzc, Kais.-Friedr.-St. 198II,N.-Kölln. E. Junk, Blumenstr. 38 Kgst. 13846 W. Kyrath, 0. 112, Voigtstr. 8, 1. 88Dl.Lauc!(nersÄ?-t5%)9 H. Lindeke, Warschauerstr. 80. R.Mendef rfchulstr.117, EckeMaistr. Ernst Mttller, Invalidenstr. 160. Zahn-Atel. Vol kswohl, Müll erst. 1 26&/b M. Rasenke, Birkenstr. 22. Relmmann, ßesidemst.US, Bcmickend. E. Sager,N.-KöIliLB«rgst.63,Tel.8584. Hermann Schul tze,6eusselstr.l5 Fmil Cann Große Frankfurterst. i Llllll ddllll Ecke Fruchtstraße. Karl Sommer, Frankfnrter Allee 104. SlraUChrnSnOTekford�n"!« WThiedt, Reinickendorf erstr. 7. MvUfnifl Reinickeudorf erstr. 110 . nKlD Zahlgserl. gest. Baarl0% WledstruckNcnf. P.SchultzeFenBstl Wiffo Mo v Muskaucrstr. 16 ff iliü| MCA Eck« MiDteaffeletr. ZahDpraiis.Noraen'�letgerBt.tajeihhlg. �ohnsdorf Gebhardt, G. Grob- u. Feinbäckerei G. SchülerRind-u.Schweinemetrg diershof J.Bdowsky, FIeiJcIi-Wor!t*.,Bii®.St.5 O. Galle, KolonialTr.,Bifniarctst.36 Fhoi.-Atel.R.KIIetmann.Bismtrctst.lU O.Riditer, Kolonw., Bismarckatr.lS« P. Riedel, Zaha-Atelier, Bismarchst.d. 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In Teltow-Beeskow in folgenden Orten: Adlershof— Zllt-Glienickc— Charlottenburg— Cöpenick— Dabendorf— Groß-Lichterfelde— Johannisthal— Martendorf— Neu kölln— Nowawes— Schöneberg— Steglitz— Tempelhof Wilmersdorf. In Niederbaruim in folgenden Orten: Borsigwalde— Friedrichshagen— Lichtenberg— Ober-Schöneweide— Oranienburg— Pankow— Reinickendorf-Ost— Rosenthal— Tegeh— Weitzensec. Treffpunkt in den Bezirkslokalcn. Parteigenossen! Beteiligt Euch zahlreich. Der Aktionsausschuß Lin Meiterveteran. Der Putzer Genosse WUHelm Buchholz wird heute 70 Jahr alt. Luf ein reiches Wirken aus allen Gebteten der Arbeiterbewegung kann der in Bärwalde i. d. Neumark geborene Jubilar zurückschauen Ii» Jahre 1864 kam Buchholz nach Berlin. Bald wurde er Vor- slandsmitglied der Ortskrankenkasse der Maurer. Das Vertrauen seiner Kollegen berief ihn immer wieder in den Vorstand, bis er im Jahre 1St)4 wegen eines Asthmaleidens diesen Vertrauens Posten niederlege» muhte, den er mit Ausnahme eines Zeitraumes während deS Sozialistengesetzes bekleidet hatte; während des Sozialistengesetzes legte die Behörde gegen sein Wahl Einspruch ein. Im Jahre 1869 trat Buchholz dem Allgemeinen detitschen Maurerverein unter Libkas Leitung und dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein unter Schweitzers Führung bei. Seit dieser Zeit hat der jetzt Siebzig jährige unverdroste» und opferfreudig für die gewerkschaftliche und politische Organisation der Arbeiterklosse gewirkt. Auf die An« klagebank brachte den Altgesellen, der in den Kriegen 1866 und 1870/71 mitgekämpft hatte, die politische Versolgungssucht wieder- holt. Im März 1875 führte der Staatsanwalt T c s s e n d o r f den Prozesz gegen den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein, weil er gegen das preuhische Vereinsgesetz verstohen. Der Verein wurde ausgelöst, zwölf Vorstandsmitglieder unter Anklage gestellt, unter ihnen befand sich auch Buchholz. Er wurde frei- gesprochen. Teisendorf hatte den Richtern zugerufen, mit Auflösung des Vereins werde die Sozialdemokratie vernichtet. Er mußte erleben, daß die juristischen und politischen Mißhandlungen der Partei ihre zwei Monate später in Gotha vollzogene Einigung be- schleunigten und daß die aus den Mißständen unserer GesellschastS- ordnung erwachsene und auf ihr beruhende Partei zur stärksten in Deutschland wurde. Am 16. Januar 1377 entsendete der Wahlkreis Berlin VI zum erstenmal einen Sozialdemokraten, Hasen clever, — mit 9569 Stimmen— in den Reichstag. Der Reichstag erklärte die Wahl am 13. April desselben Jahres für ungültig. Die Ersatz- wähl fand am 14. Juni 1877 statt. Hasenelever wurde mit 12 751 gegen 11656 Stimmen der vereinigten bürgerlichen Parteien abermals gewählt. Die Wut der Gegner der Sozialdemokratie kannte keine Grenzen. Sie brachten es fertig, daß gegen die Leiter der Wahlbewegung, u. a. gegen Buchholz, Anklage wegen Verleitung zur Wahlfälschung erhoben wurde: eine glänzende Freisprechung war das Resultat. Als 1878 die Nachricht vom Nobiling-Attentat durch Plakate bekanntgemacht war, äußerte Buchholz feine Zweifel mit dem Ausruf„wenn's wahr ist?*. Behelmte Ordnungshüter und solche m Zivil wollten ihn deshalb packen. Mit Not und Mühe brachte ihn ein Droschkengaul in Sicherheil vor der sinnlos aufgeregten Menge. Das Sozialistengesetz kam. Wacker und opferwillig focht Buchholz auch unter demselben in den vordersten Reihen für die gewerk- schaftliche Idee, sowie für die Ziele der Partei und sorgte im Verein mit seiner an Krücken gehenden Frau und seiner Tochter für Verbreitung des.Sozialdemokrat" und anderen verbotenen AgitationSmaterials Oftmals wurde bei ihm Haussuchung nach verbotenen Schriften ge- halten. Stets vergeblich. Nach dem Weggang der Häscher zog Frau Buchholz dann seelenvergnügt das nicht gefundene Material aus seinem Versteck und sorgte für schleunigste Verbrettung. Als im Jahre 1884 die Unfallversicherung in Kraft trat»md die Berufsgenosscnschaften erricbtet wurden, wurde Buchholz Beisitzer der Nordöstlichen Baugewerks-BerufSgenossen- s ch a s t. 1886 wurde er nichtständiges Mitglied deS Reichs- v e r s i ch e r u n g s a in t s, in den Jahren 1894 bis 1897 war er ständiges Mitglied derselben Behörde. Nach den bis heute noch unausgeführt gebliebenen k a i f e r» lichen Erlassen vom 4. Februar 1899 wurde vom Kaiser der Staatsrat zum 15. Februar 1390 einberufen. Nur die Fragen nacki einer Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit und nach einer Vertretung der Arbeiter in den Gewerbe- und Berg- aussichtsorganen wurden ihm zur Erörterung vorgelegt. Auf Befehl de« Kaisers wurden fünf Arbeitgeber und neben dem Werkmeister Spengler als einziger Arbeiter unser vom Präsidenten des Reichs- versicheiungsamtS Dr. Bödiker vorgeschlagener Wilhelm Buchholz als sachkundige Personen zu den Beratungen zugezogen. Buchholz arbeitet? bis 1897 in seinem Berus. Im Beruf erlitt er zwsimal einen Unfall: im Jahre 1890 eine Daumcnverletzung mit daran sich anschließender Blurvergifiung. 1895 eine Schulter- gelenksverrenkung. Auch nachdem Buchholz die Kelle aus der Hand legen mußte, wirkte er für die Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesieln Wirt- schaftlichcr und politischer Not. Im Jahre 1897 verzog er von Berlin nach Hohen-Neuendorf, 1900 nach Bergfelde sKreiS Niederbarnim). Seit 1906 gehört er der in diesem Jahre zum ersten Male eingesetzten Gemeindevertretung als Vertreter der Wähler dritter Klasse an. Ein reichbewegtes Leben im Dienste der Arbeiterklasse. Möge unserem Jubilar noch lange vergönnt sein, in geistiger Regsamkeit und körperlicher Frische für unser gemeinsames Ziel der Befreiung der Arbeiterflasie zu wirken. Partei- Hngelegcnbciten. Neukölln. Heute abend 8>/s Uhr findet bei Bartsch, Hermann- ftraße 49, die Versammlung der Jugendseklion statt. Thema:.Sport und Sozialismus". Referent: Genosie Preuß. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbesterinnen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Lankwitz. Am Sonnabend, den 18. Oktober, abends 8'/, Uhr. findet anläßlich des Gedenktages der Völkerschlacht bei Leipzig, bei Ginzel, Kaiser-Wilhelm-Straße 34, ein Vortrag statt über:.Die wirtschaftlichen und politischen Zustände in Preußen vor hundert Jahren". Die Parteigenosien werden um regen Besuch dieses geschichtlichen Vortroges ersucht. Der Bildungsauschuß. Tempelhof. Donnerstag, den 16. d. M., abends 8V3 Uhr, im .Wilhelmsgarten", Berliner Straße: Generalversammlung. Tages- ordnung: Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. Bericht vom Parteitag. Referentin: Genossin Elfriede Ryneck. Verschiedenes. Schmargendorf. Der Bildungsausschuß veranstaltet zu heute Mittwoch, den 15. Oktober, abends 8 Uhr. im„Waldkater", Warne- münder Str. 14. einen Lichtbildervortrag:„Ein Flug durch das Weltall". Vortragender ist der Genosie Felix Linke- Charlottenburg. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Reinickendorf.„Einführung in die sozialistische Weltanschauung" bezweckt ein vom Bildungsausschuß ver- anstalteter Vortragszyklus. Der Zyklus umfaßt sechs Abende. Die Vorträge finden zwischen dem 16. Oktober und 20. November am Donnerstag jeder Wocbc im„Seebad", Rcsidenzstr. 49, statt. Vor- tragender ist Genosie Emil Eichhorn. Der Preis der Znhörerkarte beträgt 10 Pf. pro Abend. Arbeitslose und Jugendlickie zahlen nichts. Der erste Vortrag beginnt morgen Donnerstag, pünktlich 8Vz Uhr abends. Die Teilnahme an diesen für die Parteigenossen und Genossinnen veranstalteten Vorträgen ist dringend zu enipfehlen. Mahlsdorf. Sonnabend, den 18. Oktober, abends 8ll3 Uhr. im Lokale des Herrn E. Anders, Bahnhofstraße: Mitgliederversamm- lung. Tagesordnung: t. Vortrag des Genossen Felix Hirsch über: „Die Vorzüge der.Volksfürsorge" gegenüber den privatkapttalistischen Versicherungsgesellschaften. 2. Vierteljahrsbericht. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen! Oranienburg. Heute Mittwoch, den 15. Oktober, abends 8ll3 Uhr, im Lokale.Waldhaus Sandhausen", Schützenstraße 34: Mit- gliederversammlung. Tagesordnung: 1. Auknahme neuer Mitglieder. 2. Vierteljahresbericht der Stadtverordnetenfraktion. 3. Besprechung der diesjährigen Weihnachtsbescherung. 4> Kom- munaleS. 5. Parteiangelegenheiten. Bcrlmcr Nachrichten» Aus der Armendireklio». Die Armendirektion tagte am Montag unter dem Vorsitz ihres neuen Leiters Stadtrat Doflein. Derselbe widmete dem bisherigen Vorsitzenden Stadtrat Kalisch Worte der Aner- kennung für seine bisherige Tätigkeit. Tann begrüßte der- selbe den neuen Stadtrat Löhning, welcher als Vorsitzender der Waisenvertvaltung nun auch der Armcndirektion angehört. Sieben neue Vorsteher wurden für ihr Amt bestätigt, ohne daß der Vorsitzende ihnen einen desonderen Leitsaden mit aus den Weg gab. Die so sehr wichtige Frage der Anstellung von besoldeten Berusspflegern kani nicht zur Erörterung, da das nottvendige Material den Mitgliedern der Direktion noch nicht zu- gegangen war. Zur Beratung stand dann ein Antrag unserer Genossen, die E r ö f f n u n g der A r m e n k ü ch e n in diesem Jahre schon am t. November vorzunehmen und zu diesem Zweck bei dem Magistrat weitere'25 000 M. zu beantragen. Der An trag wurde mit der herrschenden Not und Arbeitslosigkeit begründet und da sich Gegner nicht fanden, fast einstimmig angenommen. Der vorgelegte Etat für 1914, welcher mit einer Mehr ausgäbe von über 800 000 M. gegenüber dein vorigen Jahre abschließt, wurde ohne Debatte einer Subkommission über wiesen._ Arbeitslosigkeit und Armenpflege. In den Erörterungen der Frage, wie das Arbeitslosenelend zu lindern sei, wird der Ruf nach Gemeindehilse regelmäßig mit einem Hinweis auf die Armenpflege beanstvortet. Daß in Berlin die Armenpflegcmittel in den letzten Monaten ungewöhnlich stark in Anspruch genommen worden sind, wurde auch in dem Ausschuß der gemischten Deputation, die den Plan einer von der Gemeinde zu schaffenden Arbeitslosenversicherung prüfen soll, wieder hervor. gehoben.- Unzweifelhaft sei das, wurde hinzugefügt, auch den Ar- beitslosen zugute gekommen. Gewiß, das ist an sich unzlveifelhaft, aber sehr zweifelhaft ist, daß das Mehr an?lrmen- pflege von erheblicher Bedeutung für die Schar der Arbeitslosen gewesen sein kann. Will man uns nicht auch die Zahl der Arbeitslosen angeben, für die dabei etwas ao- gefallen ist, uno die Summe der Unterstützungen, mit denen sie beteiligt sind? Man spricht das so hin, der Armenetat Berlins sei schon jetzt um 650 000 M. überschritten worden, und redet in demselben Atem- zuge von den Arbeitslosen. Auch d e m Unsinn begegnen wir nicht selten, daß einer die Gesamtausgaben des Berliner Armenwesens nennt— z. B. 21% Millionen Mark im Voranschlag für daS Etatsjahr 1913— und dann erzählt, ungefähr die Hälfte hiervon werde für Arbeitslose und deren Angehörige aufgewendet. Da sollte man sich zunächst mal klarviacben, was für Bedürftige es sind, denen die Millionen der Barunterstützungen— diese betragen ungefähr die Hälfte der Gesamtausgaben des Armemvesens zufließen. Im Etatsjahr 1911(1. April 1911 bis 31. März 1912), dem letzten, über das ein Bericht der Armendirektion vor- liegt, wurden für das gesamte Armenwesen 20% Millionen Mark ausgegeben, davon für die offene Armenpflege 13% Millionen, der Rest für Hospitäler, Obdach, Arbeitshaus, ferner für Waisenpslege uno Verwahrlostenunterbringung. An den 13% Millionen der offenen Armenpflege waren beteiligt die üblichen Bar- Unterstützungen mit 10% Millionen, im besonderen die Almosen mit etwa 7% Millionen, die Pflegegelder mit 1% Millionen, die Einzclunterstützungen mit 1% Millionen, die Winterbeihilfe mit % Million. Die Winterbeihilfe steht Almosen- und Pflegegeld- empfängern zu und ist zum Antauf von Feuerung bestimmt. Pflegcgelder werden an Frauen für noch nicht aus der Schule cntlasiene Kinder gezahlt, hauptsächlich an Witwen, ferner an Geschiedene, Eheverlasienc, Ledige, mitunter auch an Ehe- rauen, meist für die in mütterlicher Pflege befindlichen Lnnder, eltener für in fremde Pflege genommene Kinder. Wie stark kann Arbeitslosigkeit eviverbstätiger Frauen auf Zahl und Betrag dieser Unterstützungen ihren Einfluß ausüben? Die Berichte der Armcndirektion bieten keinerlei Anhaltspunkte zur Beurteilung dieser Frage. Bezüglich der A l m 0 sc ne m p fän g e r aber ver- mag umn sich nach den Angaben der Armendirektion schon eher ein Bild davon zu machen, welche Rolle hier die Arbeitslosen piele» werden. Am 31. März 1912 waren in Armenpflege 35390 Almosenempfänger, davon 26452 weibliche und nur 8938 männliche. Unter den 26 452 weiblichen waren nicht weniger als 19699 Witwen, ferner 752 Geschiedene, 1172 Eheverlassene, nur 223 Verheiratete, schließlich 4606 Ledige. Nur 6107 weibliche Unterstützte waren unter 60 Jahre alt, die übrigen 20 345 waren bereits über das 60. Jahr hinaus und 10 926 von diesen hatten sogar schon das 70. Lebensjahr hinter sich. Bei den Männern sehen wir ungefähr dasselbe Bild. Von den 8938 männlichen Unterstützten waren 3253 bis 60 Jahre alt, 5685 über 60 Jahre alt, von diesen im besonderen 3009 über 70 Jahre alt. Ucbcr 70 Jahre alt waren, Männer und Frauen zusammen, 13 9 3 5 Almosenempfänger. Solche Zahlen geben zu denken. Sic müssen berücksichtigt werden, wenn wir nach den Beziehungen zwischen Arbeitslosigkeit und Armenpflege fragen. Der weitaus größte Teil der Untev- stützungen wird nicht für vorübergehend Arbeitslose, sondern für gar nicht erwerbsfähige Personen gegeben. Allerdings kann Zunahme'der Arbeitslosigkeit eine Mehrung auch der Hilfsbcdürftigkeit der nicht mehr erwerbsfähigen bewirken, wenn ihre Ernährer— z. B. Söhne, die für ihre Eltern zu sorgen haben,— selber arbeits- und crtverbslos werden. Unter- stützungen bei vorübergehender Arbeitslosigkeit werden meist als E i n z e l u n t e r ft ü tz u n g e n gewährt. Der Betrag aller im Etatsjabr 1911 bewilligten Einzelunterstützungen war nur etwa 1% Millionen Mark(genau: 1367 506 M.), worin aber noch die Einzelunterstützungen stecken, die den Almosen- und Pflege- geloempfängern als Zuschuß gegeben wurden. In Zeiten zu- nehmender Arbeitslosigkeit ist zu allererst bei den Einzcluister- stützungen eine Zunahme zu erwarten, und hier hat eine solche sich in den letzten Monaten tatsächlich gezeigt. Wenn die Armen- direktion wollte, so könnte sie sehr wohl eine ungefähr zutrefsenve Angabe darüber machen, in wicviclcn Fällen eine vorübergehende Arbeitslosigkeit den Unterstützungsgrund, wenigstens den direkten, biloetc. Daß die Arbcitcrbevölkcrung von der Gemeinde anderes erwartet als Armenunterstützung, das braucht nicht erst gesagt zu werden. Aber gegenüber dem immer wiederholten Hinweis auf die Armenpflege haben wir festzustellen, daß die Versicherung, sie habe bereits in großem Umfange helfend eingegriffen, noch sehr des Beweises bedarf. Unsere Armenpflege setzt sich wirk- lich nicht allzu geschwind in Bewegung, um bei Ar- beitslosigki.it sogleich zu helfen. Der Berliner Armenverwaltung zur Nachachtung. Eine bemerkenswerte Verfügung an die Arinenkominissionell besieht bei der Armendirektion in Charlottenburg. Nachdem darauf hingewiesen morden ist, daß die gegenwärtige Lage der wirtschaftlichen Verhältnisse viele Familien zwinge, die sonst niemals die Hilfe der Armenpflege anzurufen nötig gehabt haben, sich bittend an sie zu wenden, heißt es in der Ver- sügung: „Die Annenkommissionen wollen sich namentlich bei Ge- suchen von Personen, die noch keine Unterstützung erhalten haben, stets die Lage des Hilfsbedürftigen vor Augen halten, der ein Gesuch eingereicht hat und nun von Tag zu Tag ivartet, daß jemand erscheint, um seine Lage zu untersuchen und ihni zu helfen. Einem Unterstützungsgesuch, namentlich wenn es von ungeübter Hand geschrieben ist, kann man sehr häufig nicht ansehen, ob nicht die größte Eile geboten ist. Oft können auch durch schnelles Eingreifen der Stadt viel höhere. sonst später notwendig werdende Aufwendungen erspart werden." Zwar sollen die Armenkommissioncn in Berlin in dringenden Fällen sofortige Hilfe leisten, im allgemeinen ist es aber üblich, daß die Gesuche erst Ende des Monats ihre Erledigung finden, und am 1. des Monats erfahren viele Gesuchsteller oft zu ihrer Enttäuschung, daß ihre Anträge ab- gelehnt worden sind._ Die genasführten Wilmersdorfer. Eine wahre Völkerwanderung ergoß sich vorgestern nach den Stationen der am letzten Sonntag eröffneten westlichen Schnell- bahnen. Wie die„Wilmersdorfer Zeitung" erzählt, fanden sich gegen 3 Uhr nachmittags an allen Stationen der neuen Strecke, insbesondere an dem Kopfbahnhof Wittenbcrgplatz. zahlreiche Wilmersdorfer Bürger mir Frau und Kindern ein, alle festlich geputzt; der Haus- Herr mit Zylinder und den Steuerzettel in der Hand, und begehrten in einem Extrazuge die neue Schnellbahnstrecke gratis abfahren zu dürfen. Die Beamten hatten aber für diesen Wunsch kein Ver- ständnis, ihnen war nichts von dem„GratiSextrazuge" bekannt. Natürlich gab eS überall verdutzte Gesichter und die Enttäuschung und der Aerger waren groß, denn allgemach kam man dahinter, daß man einem Spaßvogel auf den Leim gegangen war. In den Vormittagsstunden des Montags war nämlich in Wilmers- dorf überall das Gerücht verbreitet worden, daß der Magistrat um 3 Uhr einen Extrazug für die Wilmersdorfer Bürger gratis nach Dahlem gehen lasse, um zu einer Besichtigung der Verkehrsanlage Gelegenheit zu bieten. Das Gerücht, daS sich mit Windeseile ver- breitet hatte, war geglaubt worden und oft genug wurde dem liebens« würdigen Magistrat ein unverhehlteS Lob gespendet, das nun leider verfrüht war._ Bom städtischen Wohnungsamt. Vom Magistrat wird mitgeteilt: Das städtische Woh- nungsamt, das seit acht Tagen unter der Leitung des Direk- tors seine Tätigkeit aufgenommen hat. ist mit den organi- satorischen Vorarbeiten beschäftigt. Bei der außerordentlichen Fülle des Materials(nach der Zählung vom 1. Dezember j910 waren allein 357 986 Mietwohnungen im Mietwerte bis 500 M. pro Jahr und 63 371 Haushaltungen init Schlafstellen vorhanden) und dem vorgesehenen technischen Beamten- personal von 20 Köpfen ist eine strenge Systematik des Vor- gehen» unbedingt erforderlich, um das Amt nach einheitlichen Gesichtspunkten arbeiten zu lassen. Die Vorarbeiten für die praktische Arbeit werden von dem bereits angestellten Personal(1 Direktor, 3 technischen Be- ainten und 2 Bnreaubeamten— das übrige Personal wird erst zum 1. Januar eingestellt) augenblicklich so betrieben, daß die Aufnahme der praktischen Arbeit Mitte Januar zu er- warten ist. Eingehende Vorarbeiten werden augenblicklich auch noch über die Art der anzuwendenden Kartcnregistratur gemacht. Die Vorbilder der Wohnungsämter anderer Städte werden auf ihre Brauchbarkeit für Berliner Verhältnisse hin geprüft. Es hat sich jedoch bereits jetzt schon erwiesen, daß die Einrich- tungen aiüderer Aeinter nur in beschränktem Umfange und in Einzelfragcn als Muster herangezogen werden können, da die enorme Zahl des vom Berliner Amt zu bearbeitenden Ma- terials besondere Maßnahmen erfordert.(So sind z. B. für die Kartenregistratur zirka 1 Million Karten mit verschiede nem Aufdruck vorgesehen) Aus der Krankenhausverwattuug. Nachdem die städtischen Behörden auf das unablässige Drängen der sozialdemokratischen Fraktion beschlossen haben, alle irgendwie geeigneten und vorbereiteten Arbeiten zur Verminderung der Arbeits« losigkeit unverzüglich in Angriff zu nehmen, hat die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege in einer augerordent« lichen Sitzung am gestrigen Dienstag zu dem Umbau der beiden Krankenhäuser Moabit und Friedrichshain Stellung ge- nommen. Es wurde einmütig beschlossen, alles vorzubereiten, damit die Ausführung dieser beiden Bauten schleunigst erfolgen kann. In Moabit werden die neuen Bauten 040 Betten enthalten, 106 Betten verbleiben in den massiven Pavillons, die auch für den Neubau stehen bleiben. Da zu gleicher Zeit nur 4 bis S Baracken zu je 50 Betten kassiert werden können, wird die Vollendung des Umbaues in 4 bis 5 Bauperioden stattfinden. Die Gesamtkosten schließen ab mit 6 330 000 M. Der Entwurf vom Friedrichshain-Krankenhaus betrifft den Neu- bau zweier Personalwohngebäudc mit Aerztekasino und Aerzte Wohnungen. Die Kostenanschläge schließen ab mit 1 543 000 M., von denen durch die Anstaltsetats für 1913 150 000 M. bewilligt wurden; im Statsentwurf für 1914 ist eine weitere Baurate von 100 000 M. vorgesehen. Von der Bauverwaltung wurde unseren Ge» nassen die Zusicherung gegeben, daß nur Berliner Unternehmer und Arbeiter zu den tariflichen Bedingungen bei diesen Bauten beschäftigt werden solle»; verheiratete erhalten den Borzug. Es wird Aufgabe unserer Genossen in der Hochbau- Verwaltung sein, darüber zu wachen, daß diese Zusicherungen auch immer gehalten werden. Ausammenstoh zweier Flugzeuge in Johannisthal. Auf dem Flugplatze ereignete sich kurz nach 4% Uhr ein Zusammenstoß zweier Flugzeuge in der Luft. Leutnant Freund auf Albatros-Taube und der Flieger Linne- kogel auf Rumpler-Taube, der einen Passagier mit sich führte, stießen in ungefähr 30 bis 60 Meter Höhe zusammen. Die Apparate stürzten zur Erde und wurden vollständig zertrüm- mert, der Flieger Linnekogel erlitt dabei eine Verletzung an der Stirn und eine Rückgratverstauchung. Leutnant Freund trug einen Bruch des rechten Oberschenkels und des linken Unterkiefers davon, während Golde sich anscheinend eine leichte Gehirnerschütterung zuzog. Der Zentral-Arbeitsnachweis, weibliche Abteilung, teilt den Haus- frauen und den Herren Arbeilgebern mit, daß feine Bureaus für AuShilfSpersonal sowie für gewerbliche Arbeiterinnen jeder Branche in den Wintermonaten erst um 8 Nhr geöffnet werden. Bestellungen werden von 8—1 Uhr entgegengenommen Amt Norden 3791—3797 oder durch Postkarte C. 54, Rückerstr. 9. Ein Parfümerielager in Flammen. Von drei verschiedenen Seiten aus wurde gestern nachmittag gegen 5l/3 Uhr die Charlottenburger Feuerwehr nach der Joachimsthaler Straße 9, Ecke Kurfürstendamm, gerufen. Es rückten die Züge aus der Ost- und aus der Südwache aus, die bei ihrer Ankunft schon einen größeren Brandherd vor- fanden. Das Feuer wütete in dem Lagerraum der Parsümerie Scherl und fand an den Vorräten reichliche Nahrung. Brand- direktor Bahrdt ließ mit zwei Rohren Wasser geben und erreichte dadurch, daß der Brandt auf den Lagerraum beschränkt blieb. Der Schaden ist immerhin recht beträchtlich. Die Ortsgruppe Berlin des Arbcitcr-Radfahrcrbundes„Solidarität veranstaltet zur Feier ihres neunjährigen Bestehens am Sonnabend, den 13. Oktober, abends 9 Uhr.. in der„Neuen Welt" ein Konzert de§ Philharmonischen Orchesters unter Leütung des Herrn Kapellmeisters Camilla Hildebrand. Nachher Ball. Eine sprechende Uhr kommt gratis zur Verlosung. Der Eintrittspreis beträgt 69 Pf. inklusive Tanz. Kleine Nachrichten. Von einem Droschkenautomobil überfahren wurde m Treptow der Klempner Bienewald ans Neukölln. In hoffnungslosem Zustande brachte mau den schwer Verletzten nach dem Urbankrankenhause.— Mit Salzsäure vergiftet hat sich der Arbeiter Mielsch, Koltbuser Ufer.— Neberfahren und schwer verletzt wurde Monlagnachmiltag ein kleines Mädchen an der Ecke Frankfurter Allee und Kreutzigerstraße. Die Kleine wurde von einen, Geschästswagen so schlimm zugerichtet, daß ste im Krankenhaus Friedrichshain bedenklich daniederliegt._ Vorort- Nachncbtein Der Teltower Kreistag hatte sich in seiner letzten Sitzung mit der Beratung b«r Statuten für die Ortskrankenkaffen für Adlershof und Umgegend und Schmargendorf und Uingegend zu beschäftigen. In der Februar« Sitzung hat der Kreistag beschlossen, die Ortschaft Müggelheim, welche bis jetzt der Ortskrankenkasse Köpenick angegliedert ist, der zukünftigen Allgemeinen Ortskranlenkasse Adlershof anzuschließen. Notwendig wurde dieser Beschluß, da Köpenick nach dem neuen KrankenversicherungSgcsetz ein eigenes Versicherungsamt bildet, Müggelheim aber außerhalb des Bezirks dieses Versicherungsamts liegt. Dadurch nun, daß dieser kleine Ort mit höchstens 15 Mit- glieoern der Adlershofer Kasse angegliedert wird, wurde diese mit ca. 10 090 Mitgliedern als Allgemeine Ortskrankentasse nicht zu- gelassen, sondern wird aufgelöst und neugebildet. Für Schmargen- dorf mit den Ortschaften Grunewald, Bahnhof Grunewald(bisher in der Ortskrankenkasse Wilmersdorf), Dahlem(bisher in der Steglitzer Ortskrankenlasse) und Ruhleben(bisher in der Span- oauer Landkrankenkasse) wird eine neue Ortskrankenkasse gebildet. Die neuen Kassensatzungen siuo vom Kreisausschuh ausgearbeitet worden und lagen nun dem Kreistage zur endgültigen Beschluß- fassung vor. Die im Statutenentwurf vorgesehenen Leistungen der Kassen können wohl als zeitgemäß bezeichnet iverden, sie entsprechen den Beschlüssen, wie sie für die Adlershofer Kasse bereits von der Generalversammlung dieser Kasse ebenfalls Annahme gefunden haben. Anders jedoch steht es mit der im Statut vorgesehenen Ver- waltung der Kasse. Die Kasse wird wieder einigen wenigen Groß- industriellen ausgeliefert. Schon die Zahl der Ausschußmitglieder von 45 für die Adlershofer und 21 für die Schmargendorfer Kasse muß als viel zu niedrig bezeichnet iverden. Das Kassengebiet der Adlershofer Krankenkasse erstreckt sich beispielsweise von Treptow über Johannisthal, Grünau, Woltersdors, Schulzendors bis Rauch- fangswerder. Wenn hier nur einigermaßen den verschiedenen Ver- hältnifsen durch. Delegation im Ausschuß Rechnung getragen 'verden soll, muß letzterer auS einer größeren Personenzahl zu- -ammengesetzt sem. Noch schärfer tritt der geradezu reaktionäre Geist des Statuts zutage, da den Arbeitgebern folgendes Stimm- recht eingeräumt ist. Nach dem Entwurf führen die Arbeitgeber bis zu 100 Beschäftigten für je angefangene 5 eine Stimme; bis zu 200 Beschäftigten für die ersten 100 zwanzig Stimmen, für je 10 weiteren Beschäftigten eine Stimme; bis 500 Beschäftigten 30 Stimmen für die ersten 200 und.für je 20 weiteren Beschäftigten eine Stimme; bei mehr als 500 Beschäftigten 50 Stimmen. Die kleinen Arbeitgeber werden also fast völlig ausgeschaltet, und es li-at in der Hand einiger weniger Großindustrieller, wie sie den Ausschuß durch die Arbeitgeber besetzen wollen. Geradezu mittel- altorlich sind die Bestimmungen des Wahlreglements. Trotzdem Listenwahl vorgesehen ist, w,rd aber nicht nach der gebundenen Liste gewählt, sondern jeder hat das Recht, trotz vorher eingereichter Wahlvorschläge, bei der Wahl einen xbcliebigen zu Wahlen. Unsere beiden im Kreistag sitzenden Genossen Herbst und Zabel versuchten durch Gegenanträge Verbesserungen durchzudrücken. Zunächst for- oerten ste, daß die Bezüge der Mitglieder des Vorstandes als Ersatz sonstiger baren Auslagen von 2 M. für den halben Tag und 4 It. für den ganzen Tag auf 5 und 10 M. erhöht werden. Die Zahl der Ausschußmitglieder wünschten unsere Genossen von 21 für o,e Schmlftgendorfer Kasse auf 45 und für die Adlershofer Kasse von 45 auf 60 Mitglieder erhöht. Um auch den kleineren Arbeitgebern und bor allem auch den ländlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen, forderten unsere Genossen, daß die Arbeitgeber bis höchstens 30 Stimmen auf eine Person vereinigen dürfen, und zwar sollen bis zu 100 Beschäftigten für je 10 Versicherungspflichtigen eine Stimme und von 101 Beschäftigten für je 20 eine Stimme auf den Arbeitgeber entfallen. Für die Wahlvorschläge verlangten sie streng gebundene Listen. Eingehend wurden diese Abänderungsvorschläge vom Genossen Herbst begründet. Der Schösse Lange aus Lichter- fclde erklärte, im Augenblick die Tragweite der gestellten Anträge nicht übersehen zu können. Er nahm die Vorlage des Kreis- auSschusses in Schutz und warf unserem Genossen Herbst Einseitig- keit vor. Herbst wies den Schöffen energisch zurück, und Genosse Zabel konnte nachweisen, daß gerade durch die eingebrachten An- träge Ungerechtigkeiten und einseitige Härten beseitigt werden sollen. Wie wenig der Statutenentwurf der Eigenart der Ver- Hältnisse Rechnung trägt, geht daraus herbor, daß als einzigstes Publikationsorgan der Kasse das„Teltower Kreisblatt" bestimmt ist, trotzdem doch die meisten der Kassenmitglieder das„Kreis- blatt" nicht lesen, wohl aber den„Vorwärts", und darum letzterer ebenfalls als Publikationsorgan der Kasse anerkannt werden mutz. Alles Reden unserer Genossen war jedoch umsonst. Man war keiner besseren Einsicht zugänglich, uns alle AbänderungSanträge wurden gegen die beiden Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Damit ist aufs neue dokumentiert, daß der Teltower Kreistag an Rückständigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Zugestimmt wurde nur einem Antrage des Ausschusses, nach welchem die zweite Stufe des Grundlohnes von 2 M. auf 1,80 M. herabgesetzt wurde. Der Auflösung der KrankenversicherungLkasse für Dienstboten im Kreise Teltow stimmte der Kreistag zu. Der vorhandene Reservefonds von 32 000 M. soll zur Ansammlung eines Fonds zwecks Errichtung eines Altersheims für oienstunsähige KreiL- schwestern verwendet werden. In den Kreisausschuß wurden Dr. Badewitz in Siethen, Rittergutsbesitzer Wrede in Diepensee und Bürgernieister Dr. Langerhans in Köpenick gewählt. Schöneberg. Eine Tauersitzuog. Die Stadtverordneten hatten am Montag eine Sitzung von ganz ungewöhnlicher Länge: sie dauerte volle sieben Stunden und endete erst in der Nacht um 1 Uhr. Zum größeren Teil wurde ie in Anspruch genommen von einer Debatte über Schönebergs Finanzwesen, das jetzt vor den Stadtverordnetenwahlen den Gegen- tand einer Katzbalgerei zwischen den feindlichen Brüdern liberaler Couleur bildet. Zu Beginn der Sitzung wurde die Arbeitslosenfür- o r g e gestreift. Diejenigen Arbeitslosen, die sich der Versicherung )er Organisation und Sparer nicht anschließen können, sollen wieder im Winter durch Speisemarken unterstützt werden. Die Mittel in Höhe von 1500 M. find in den Etat eingestellt, der Magistrat beantragte nur noch, daß wieder die.Speisemarken- ordnung" des vorigen Jahres gelten solle. Genosse Molken- b u h r legte dem Magistrat ans Herz, bei der zu erwartenden Steigerung des Bedürfnisses zu gegebener Zeit eine Nach- bewilligung von Mitteln zu fordern. Oberbürgermeister D o m i n i c u s versprach das. Die„Speisemarkenordnung" wurde genehmigt. Die im Jahre 1907 eingeführte kostenfreie Lieferung von Straßenbahn karten für Magistratsmitglieder, Stadtverordnete und Bürgerdeputierte erscheint dem Magistrat nicht mehr zulässig, nachdem ein Erkennt- niS des Oberverwaltungsgerichts das als eine Zuwendung geld- werter Vorteile aus Stadtmitteln hingestellt hat. Die Mehrheit der Stadtverordneten wollte dem Magistratsantrag auf Aufbebung des Beschlusses von 1907 widerstandslos zustimmen, die sozial- demokratische Fraktion aber war der Meinung, daß mit jenem Oberverloaltungsgerichtserkenntnis noch nicht das letzte Wort gesprochen zu sein brauche. Unsere Genossen beantragten folgende Resolution:, „Die Stadtverordnetenversammlung Berlin-Schoneberg kann die Entscheidung des Königlich Preußischen Oberverwaltungsgerichts 2. Senat, daß die Gewährung freier Fahrt an Stadtverordnete und Bürgcrdeputierte eine Verletzung des§ 64 Absatz 6 der Städte- ordnuna vom 30. Mai 1853 bedeute, als zutreffend nicht anerkennen. Sie erblickt in der bezeichneten Entscheidung eine durch nichts an- gezeigte Erweiterung eines Verbots, dessen Geist ohnehin i n Widerspruch steht mit der neuzeitlichen, durch das außer- ordentliche Wachstum der Städte und die Ausdehnung des Auf- gabenkreises der städtischen Verwaltungen bewirkten Ausgestaltung des städtischen Selbstverwaltungsdicnstes. Im Hinblick auf die aus ozialpolitischen Gründen so wichtige Mitwirkung von Vertretern der unbemittelten Volksschichten an der Selbstverwaltung sowie auf die steigenden Ansvrüche dieser an Zeit und Arbeitskraft der Stadt- verordneten und Bürgerdeputierten hält die Stadtverordnetenver- ämmluug nicht die Ausdehnung, sondern die Aufhebung oder min- destens Einschränkung jener Verbotsvorschrift für zeitgemäß. Sie ersucht daher den Magistrat, 1. von der vorgeschlagenen Aufhebung des Gemeindebeschlusses vom 19. Aprll/16. Mai 1997 einstweilen noch Abstand zu nehmen, um vorerst Gutachten darüber einzuholen, ob den Städteverwaltungen Preußens nicht noch Rechtsmittel offen tehen, sich die bisher unbehindert ausgeübte freie Entschließung in bezug auf die Gewährung von Fahrkarten als ihr gutes Reckt f o r t z u e r b a l t e n, 2. an die Königliche Staatsregierung und das preußische Abgeordnetenhaus Petitionen zu richten, worin die Aufhebung des§ 64 Abs. 6 zweiter Satz der Städteordnung vom 30. Mai 1853 verlangt wird." Genosse Bernstein wies in seiner ausführlichen Begründung der Resolution darauf hin, daß allerdings bereits andere Städte damit vorangegangen seien, sich ohne weiteres dem Oberverwal- tungsgericht zu fügen. Diesem Beispiel dürfe man nicht folgen. vielmehr müsse man sich zur Wehr setzen gegen die mit den Absichten des Gesetzgebers in Widersvruch stebende Auslegung der Städteordnung durch das Oberverwaltungsgericht. Nach der Städte- ordnung sei nur Vergütung barer Auslaaen zulässig, aber die Freifabrkarte solle Ersatz sein für die Einzelliquidattonen der Fahrten, die einem im Dienst der Gemeinde tätigen Bürger in einer ausgedehnten Großstadt unvermeidlich sind. Diesen Aus- fübrunaen stimmten die Redner der bürgerlichen Fraktionen im wesentlichen bei. Stadtverordneter Reinbacher erinnerte an die Vergütung für Beisitzer der Gewerbe- und KaufmannSgerichte, an die Frage der Vergütung auch für Schäften und Geschworene. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit dem EtatauSschuß überwiesen...... Zu beschließen war über eine Reibe Petit tonen, die der Petitionsausschuß geprüft hatte. Der Bezirksverein Südwest bittet, endlich ein eigenes Haus für die ,.F o n t a n e s ch u l e"(böhere Mädchenschule) zu errichten, die immer noch provisorisch im Hause der g. G e m e i n d e s ch u l e untergebracht ist. Die Petition wurde dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. Baldigste»ende- rung dieses Zustande? ist Hör allem um der Gemeindeschule willen dringend zu wünschen. Zu der Petition von Schöneberger Maler- firmen, die bei Ausschreibung der Arbeiten für den Rathaus- neubau übergangen worden waren, brachte Genosse K ü t e r Be- schwerden von Malergehilfen vor. Entgegen einem früheren Beschluß seien beim Ratbausneubau doch wieder Bleiweißfarben verwendet worden, auch habe man auswärtige Malergehilfen be- schäftigt. Stadtbaurat E g e l in g antwortete, auf Einstellung möglichst nur von Schöneberger Arbeitern suche die Stadt hinzu- wirken. Genosse B ä u m l e r wies auf das Beispiel anderer Vor- orte bin, die bei ihren Arbeiten die Beschäftigung Auswärtiger zu verhindern wissen. Ueber die Petition wurde zur Tagesordnung übergegangen. Der katholischen St. Elijabeth-Gemeinde möchte der Magistrat für die Zöglinge ihres Waisenhauses in der Kolonnenstraße die Vergünstigung gewähren, daß bis 30 auswärtige Kinder die Schulen Schönebergs unentgeltlich besuchen dürfen. Im EtatauSschuß hatte sich keine Mehrheit hierfür gefunden, aber man wollte ihm die Sache zu„nochmaliger Prüfung" zurückgeben. Unsere Genossen B e r n st e i n und K ü t e r loarnten, der durch solche Anstalten geförderten konsessionellcii Trennung der Kinder noch weiteren Vorschub zu leisten. Von den bürger- lichen Rednern priesen einige die„Mustergültigkeit" der Anstalt. Die Zurückverweisung wurde abgelehnt, abgelehnt schließlich auch die ganze Vorlage. Mehr Glück hatte die evangelische Kirchengemeinde, die gegen Hergabe von 1709 M. die gärtnerische Ausgestaltung des Gustav-Müller-Platzes eintauschen soll. Unsere Genossen Hoffmann und Küter wollten der Kirche die Pflicht zuweisen, diesen Platz aus eigenen Mitteln her- zurichten. Die Magiftratsvorlage wurde, wie der Ausschuß empfahl, angenommen. Zur Kenntnisnahme überreichte der Magistrat das Ergebnis von Untersuchungen, die wegen des Vorwurfes, daß bei der Lie» f e r u n g freier Lernmittel für bedürftige Ge- meindeschulkinder sich Mißstände gezeigt hätten, ver- anstaltet worden waren. Die Sache liegt schon eine reichliche Weile zurück; schon im Februar hatte Genosse Mohs einige hierauf be« zügliche Klagen vorgebracht, die ihm von Eltern zugegangen waren. Unter anderem sollten Kinder in der Schule bestraft worden sein, weil ihnen die Lernmittel fehlten. Die Vernehmung von Lehrern wie von Kindern durch Schulrat Stubbe hat ein negatives Ergebnis gebracht. Genosse Mohs äußerte gegen die Art dieser Unter- suchung seine Bedenken, erklärte aber im übrigen, nach dem Er- gebnis müsse er annehmen, daß man ihn falsch informiert habe. Die liberalen Stadtverordneten Zo b e l und S a l i n g e r bemän- gelten, daß Mohs die Klagen sofort in der Stadtverordnetenver- sammlung wiedergegeben habe. Genosse Bernstein antwortete, Kinderaussagen seien doch nach beiden Seiten mit Vorsicht aus- unehmen, und Genosse Küter stellte fest, daß die in der Schul- oeputation nicht vertretene sozialdemokratische Fraktion sich mit solchen Klagen nur an die Stadtverordneten- Versammlung wenden könne. Unmittelbar auf diese Debatte folgte die Beratung des erneuten Antrages der sozialdemokratischen Frak- tion, den Magistrat zu ersuchen, daß allen Gemeindeschul« lindern ohne weiteres freie Lernmittel gewährt werden. Genosse Küter begründete ibn und wies die von Stadtrat Kob angegebenen Kostenziffern als übertrieben zurüa. Der Antrag wurde von den Stadtverordneten angenommen, aber bisher hat der Magistrat gegenüber solchen Kundgebungen noch immer auf seinem ablehnenden Standpunkt verharrt. Das Hauptstück des Abends kam zuletzt, ein auf die Stadt- verordneten Wahlen berechneter Vorstoß der nach Herrschaft strebenden liberalen„Freien Fraktion" gegen die bisher im Besitz der Herrschast gewesene große„Liberale Fraktion". 9 Uhr war es bereits, als Stadtverordneter I a tz o w das Wort nahm, um den von der„Freien Fraktion" gestellten Antrag auf Abänderung der Finanzordnung und Revi» sion der Vermögensbestände zu begründen. Er entfesselte ein Redegefecht, das sich dann noch vier Stunden hindurch hinzog und mitunter in einen Krakeel auszuarten drohte. Auf den Magistrat und seinen Kämmerer schlug Jatzow los, aber die „Liberale Fraktion" und ihre Führer meinte er. Er bemängelte die in der Stadtverordnetensitzung des 22. September vom Magistrat abgegebenen Erklärungen, nach denen die Finanzlage Schönebergs in rosigem Licht erscheinen müsse. Es sei nicht wahr, daß das Stadtvermögen sich in wenigen Jahren so bedeutend gemehrt habe, und man habe doch gewiß auch nicht zum Spaß die Einkommen» steuer ans 110 Proz. erhöht. Die vermeintliche Wertsteige- rung der Vermögensobjekte beruhe auf Selbst- täuschung, auf dem Bestreben, die Werte unter Mißachtung aller laufmännischen Grundsätze möglichst hoch anzusetzen,»o male man sich den Himmel voller Geigen, während er voller Wolken hänge. Stadtkämmerer M a ch o w i c z erwiderte mit einer scharfen Abwehr. Die Finanzwirtschaft'Schönebergs stütze sich aus Grund- sähe, die in vielen großen Gemeinden gelten. Ter Vorschlag Jatzows, bei der Aufstellung des Vermögensbestandes der Stadt auch den Stadtverordneten ein Mitbestimmungsrecht zu geben, ver- stoße gegen die Städteordnung. Ohne Berechtigung und ohne Kenntnis der Dinge werde hier Schöneberg vor der Oeffentlichkeit diskreditiert. Roch gröberes Geschütz fuhr Stadtverordneter Zobel aus, der Führer der„Liberalen Fraktion", die mit dem Magistrat geht. Jatzow habe mit seiner Kritik sich selber der Lächerlichkeit preisgegeben. Dieselbe Finanzwirtschaft, die von den Männern der„Freien Fraktion" früher gebilligt worden sei, werde jetzt von dort aus angegriffen. Jetzt, wo es kurz vor den Wahlen sei, solle plötzlich nach kaufmännischen Grundsätzen gewirtschaftet werden. Wahlmache warf nachher auch Stadtverordneter G o t t s ch a l k(Lib. Frakt.) der„Freien Fraktion" vor. Im weiteren Verlauf der Debatte ergriff auch Oberbürgermeister D o m i n i c u S das Wort, um zu erklären, daß Schöneberg bei der Vermögensauf- stellung durchaus vorsichtig in der Wertbemessung verfahre. Die erhitzten Gemüter wollten noch lange sich nicht beruhigen. Schon war Mitternacht vorüber, und immer wieder sprangen hüben und drüben die Kämpen aus, um einander Unwissenheit. Unwahr- haftigkeit und ähnliche Grobheiten an den Kopf zu werfen. Die sozialdemokratische Fraktion konnte sich mit der Rolle deS „lachenden Dritten" begnügen. Um 1 Uhr machte ein An- trag auf Dcbattenschluß der Balgerei ein Ende. Der Antrag Jatzow wurde dem EtatauSschuß überwiesen. Steglitz. Für 800 Mark Patriotismus wird die Steglitzer honette Bürgerschaft zur Feier des 18. Oktober liefern— mehr für kernen Pfennig. Wenn die Gemeindevertretung diese Summe nicht aus dem großen Topf bewilligt hätte, wäre der geplante Fackelzug ins Wasser gefallen, denn in die eigene Tasche greift der Patriot nicht, selbst wenn er's dazu hat. Genosse Atzmann protestierte gegen die Verwendung von Eemeindemitieln zu diesem Privatvergnügen einiger Leute und gab ihnen den Rat, die Kosten aus eigener Tasche zu bezahlen. Er sagte auch, daß die Worte des Bürgermeisters,„der Gemeindevorstand und Finanzausschuß empfehlen die Vorlage", einer Einschränkung bedürften, denn der Finanzausschuß habe nur mit 7 gegen 6 Stimmen zugestimmt. Es sei ihm unerklärlich, aus welchen Gründen die sieben Gegner so plötzlich umgefallen seien. Herrn Korthaus juckte wieder das Fell und deshalb mußte er sich ein wenig an der Sozialdemokratie reiben. Im übrigen meinte er, wenn der Festausschuß die Kosten auf 300 Mark veranschlagt habe, dann muß diese Summe auch bewilligt werden Ein echter Bürgersmann! Patriotisch bis auf die Knochen— wernLS andere bezahlen.— Neben dem Pauschal- tarif unseres Elektrizitätswerkes, der sich für das Werk wegen der erheblichen Verwaltungskosten wenig lukrativ gestaltet, soll ein kombinierter Pauschal- und Zählertaris(der söge. nannte„Potsdamer") eingeführt werden. Hiernach zahlt der Kon- sument neben einer monatlichen Grundgebühr von 2 M. sur eine Zweizimmerwohnung, von 3 M. für eine Dreizimmerwohnung usw. pro Kilowatt verbrauchten Strom 10 Pf. Die Versammlung stimmte der Vorlage zu. Ferner wurde die Einführung der elek» irischen Beleuchtung nordwestlich der Wannseebahn beschlossen. Die Grunewald- und Schildhornstraße werden Mittel-, die übrigen Straßen Seitenbeleuchtung erhalten. Für Erweiterungsarbeiten im Stadtpark wurden zu den bereits verausgabten 22 000 M. wei- tere 28 000 M. bereitgestellt. Durch diese beiden Vorlagen hofft man der Arbeitslosigkeit gleichzeitig etwas steuern zu können. Im Januar dieses Jahre« wurde von der Gemeindevertretung gegen den Widerspruch der beiden Sozialdemokraten der Preis für Jahres- karten der Grnnewaldbahn auf 4» M. festgesetzt. Vergebens führten unsere Genossen damals aus, daß hiermit den Reichen geradezu ein Geschenk gemacht würde auf Kosten der Benutzer von Monats- und Wochenkarten, die verhältnismäßig erheblich mehr zahlen müßten. Weil das nur Sozis behaupten, durfte es natür- lich nicht wahr sein. Jetzt beantragte der Gemeindevorstand felber, den Preis auf 50 M. zu erhöhen. Nunmehr kamen auch die Bür- gerlichen zur Erkenntnis und beschlossen demgemäß. Ein Nachtrags- vertrag mit der I. C. G. A., der für Hausbesitzer und Großkonsu- menten von Gas erhöhte Rabatte bringt, während die Kleinen (die bei Einführung des Einheitspreises gehörig gerupft wurden) leer ausgehen, wurde genehmigt, trotzdem sich einige Herren da- gegen sträubten, weil sie Konkurrenz gegen unser Elektrizitätswerk befürchteten. Nachdem somit alles, was das bessere Bürgertum besonders interessierte, erledigt war, schützte Herr Korthaus Müdig- keit vor und beantragte Vertagung, was auch. angenommen wurde, so daß der Antrag Aß mann auf Ausführung vonNotstandsarbeitenundZahlungvonArbcits- losen-Unterstützung nicht mehr zur Verhandlung kam. Da unseres Wissens keiner der Herren des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung„arbeitslos" im Sinne des Antrages ist, kann man verstehen, daß sie die Sache nicht für dringlich halten. Aber soviel Kraft besaßen sie doch noch, einem Dringlichkeitsantrag auf Bewilligung von 500 M. zur erneuten Aufnahme einer Woh- nungsstatistik zuzustimmen. In dem gestrigen Vorbericht muß der letzte Satz lauten:„Daß sich die Steglitzer... dafür bedanken, ist begreiflich."— Ferner war eS überflüssig, die Rederei des Herrn Korthaus mit zwei e zu schreiben, sie war auch init einem schon reichlich lang. Das Komitee für die Fcricnspiele unternimmt am Sonn- abend, den 18. d. M., seinen nächsten Ausflug nach dem Grüne- wald. Die Arbeiterschaft von Steglitz wird ersucht, ihre Kinder im Alter von mindestens 8 Jahren zur Teilnahme anzuregen. Versammlung mittags 1 Uhr am Bahnhof Steglitz. Fahrgeld ist mitzubringen. Wannsee. Die Genossen vonWaunsee und Umgegend nahmen in der Mitgliederversammlung den vom Gen. Pagels erstatteten Bericht vom Parteitag entgegen. Nach eingehender Würdigung der Verhandlungen des Parreitages sowie der demselben vorgelegten Anträge, resümierte sich der Referent dahin: Bor und nach dem diesjährigen Parteitag seien eine Reihe von unangenehmen Dingen in die Erscheinung getreten. welche der Partei nicbt zum Vorteil gereichen können.— Ein Teil der Reichsiagsabgeordncten habe sich in össentlichen Versammlungen zur Polemik gegen die Beschlüsse der eigenen Fraklion hinreißen lassen. Genossin Luxemburg habe in einer ganz unglaublichen Weise gegen die Organisation und besonders gegen die Führer der Partei gehetzt. Nach dem Parteitage sei eine Hetze gegen den Genosien Wels, der vom Parteitag in den Borstand gewählt worden sei, eröffnet worden. Sladlhagen, Ledebour und Düwell erhoben Vorwürfe gegen Wels, weil er sich nicht an die Beschlüsse der Groß-Berliner Vorbesprechung gehalten habe und den Vorstandsposten angenommen hat.— Wie die einzelnen Delegierten bei der geheimen Vorstandswahl gestimmt haben, könne man nickt sagen, es sei ober wohl anzunehmen, daß die Stimmung gegen Brühl dadurch entstanden sei, daß er bei der Massenstreikfrage sowohl als auch bei der Steuerfrage gegen die An- träge des Parteivorstandes. dem er selbst angehörte, gestimmt hat. Schaden sei für die Berliner Genossen durch diesen Wechsel nicht entstanden, denn eS sei ein Berliner nur durch einen anderen Berliner erietzt worden. Muß man diese Dinge als unangenehm bezeichnen, so sei das Ergebnis der Verhandlungen des Parteitages um so erfreulicher.— Die Einsetzung der Agrarkommission sei sehr zu begrüßen. Wenn durch die Erledigung der Maifeierfrage der deprimierende Streit um die abzuführende» Summen beseitigt werde, dann sei auch das ein kleiner Vorteil. Die Art, in welcher Gen. Sckeidemann in seinem Referat die Genossin Luxemburg und ihre Gefolg- schaft abfertigte, wird viele mit Freude erfüllt, und zur rubigen Besonnen- heit zurückgeführt haben.— Diese Abfuhr wäre allerdings weit schlimmer geworden, wenn die Genossin Luxemburg auf dem Partei- tag dassetbe vertreten hätte, was sie vorher geredet und geschrieben hat. Durch den ausgezeichneten Bericht deS Genossen Braun sei er- wiesen, daß zu all den Befürchtungen und MonitaS, die vor dem Parteitag ausgesprochen wurden, kein Grund vorliege, und daß eben die entstandene Stagnation im wesentlichen auf das Konto der schleckten Konjunktur zu setzen sei.— Beide Berichterstatter hätten sehr viel dazu beigetragen, daß in der Matsenstreilfroge ein so vetnünftiger Beschluß gesaßt wurde, der als eine glatte Absage an alle roinantischen Bestrebungen und Ouertreibeieien bezeichnet werden müsse. Der FraklionSbericht deS Genossen H. Schulz habe gleichfalls bewiesen, daß alle Klagen über die Fraktion nur durch leeren Lärm einiger hervorgerufen worden seien. Das Referat des Genossen Timm und der Beschluß in der Angelegenheit der Arbeitslosenfürsorge sei gerade zur reckten Zeit gekommen und werde unseren Genossen im Lande ein gutes Material bei der Agitation in die Hand geben. Durck die ausgezeichneten Referate der Genossen Wurm und Südekum habe auch in der Sreuerfroge die Vernunft gesiegt- Wäre anders beschlossen worden, dann hätten Millionen von Arbeitern das nicht begreifen lönnen, und nur die Gegner hätten ihre helle Freude und Agitalionsstoff gehabt. Auch mit der Angelegenheit Radet könne man vollständig zufrieden sein.— Wenn fortgesetzt von einem Ausschluß geredet werde, so sei da? vollständig falsch, denn Rädel hatte sich im vorigen Jahre nicht zum Ueber- tritt, sondem zur Neuaufnahme in unserem Kreise gemeldet. Diese Aufnahme habe der Kreis damals abgelehnt. An die Genossen allerons trete nun von neuem die Pflicht heran, die in Jena durch ihre höchste Instanz gefällten Beschlüsse zu beachten, und die von dort ausgegebenen Anregungen und Mafien im Jnterrsie der Arbeiter- schaft zu benutzen. Das Referat des Genossen PagelS wurde mit starkem Beifall aufgenommen. In der sich anschüeßmden Diskussion erklärte der Genosse Hirche, daß Wels sich in seiner Eigenschaft alS Vorsitzender der Preßlommsssion zu Unrecht Gegner erworben habe. er verdiene eS nicht, daß jetzt verfuckl werde, Stimmung gegen ihn zu machen. Auch mit den übrigen Ausslihrungen des Genossen Pagels erklärte sich die gut besuchte Versammlung einverstanden. Grunewald. „Eine annehmbare Entschädigung." Zu der unter obiger Spitz- marke in der Nummer vom 7. Oktober gebracklen Notiz, ersucht uns der stellvertretende Gemeindevorsteher mn�wIgende�Richtiflsiclliliig: a) Die Wahlversammlung hat über die Höhe der Eni- schädiaung für den Gemeindevorsteher überhaupt nicht beschlossen, b) dem neuen Gemeindevorsteher werden für seine Auf- Wendungen nicht zehn, sondem fünf Tausend Mark bewilligt werden. Hierzu möchten wir bemerken, daß wir die Meldung, dem neu- gewählten Gemeindevorsteher sei ein RcpräsentationSgeld von 10 000 bewilligt worden, dem„Teltower Kreisblatt" entnommen hatten. Uns ist bisher nicht bekannt, daß das„Kreisblatt" eine Berichtigung gebracht hätte. Spandau.» Die Stadtverordnetenwahl c», die infolge der Vermehrung der Stadtverordneten einen größeren Umfang annehmen, sind jetzt vom Magistrat festgesetzt worden. Für die dritte Abteilung, welche im Wahlbezirk 6 und 8 je einen und in den Wahlbezirken 2, 3 und 7 je zwei Stadtverordnete zu wählen hat, ist die Wahl ans Montag, den 3. November, vormittags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 8>/z Uhr, festgesetzt worden. Die Wahl für den 2. Wahlbezirk(Nonnendamm) findet im Restaurant „Zur Wartburg". Reisstraße, für den 3. Bezirk in Kochs Restaurant in der Feldstraße, für den 6. Bezirk bei Schuster, Lynarstr. 2a, für den 7. Wahlbezirk bei Thunert, Pichelsdorfer Str. 38, und für den 8. Wahlbezirk bei Supke, Adamstr. 11, statt.— Die zweite Abteilung wählt am Montag, den 10. November, vormittag? von 9 bis 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 8 Uhr, und zwar die Wähler der Altstadt im Restaurant Altstädtisches Kasino. Ritterstr. 12; die Wähler der Neu- stadt im Nestauraut Sawade, Schönwalder Straße 98/99; die Wähler der Wilhelmstadt im Restaurant Thunert, Pichelsdorfer Straße 33, und die Wähler deS Nonnendamms im Restaurant„Zur Wartburg", ReiZstraße.— Die Wähler der 1. Abteilung wählen am Donnerstag, den 13. November, vormittags von 10 bis 1 Uhr, im Restaurant „Stern", Potsdamer Straße 35.— Jeder Wähler erhält vom Magistrat eine schriftliche Einladung, die dem Wahlvorstand bei der Wahl als Legitimation vorgelegt werden muß. Wer keine schrift- liche Einladung erhält, kann sich durch seinen Steuerzettel ausweisen.— Die Stadtverordneten haben sich an» Donnerstag noch mit einem Antrag zu beschäftigen, daß die Wahlen für die 3. Abteilung an einem Sonntag stattfinden sollen. Potsdam. Die lebte Stadtverordnetensitzung beschäftigte sich wieder mit dem Bau von Einfamilienhäusern auf den Stiefschen Wiesen. Der Baugrund ist doch schlechter, als man anfangs annahm, und der vom Magistrat geplante Bau eines Einfamilienhauses, der mit 8600 M. veranschlagt war, wird sich erheblich teurer stellen. Außerdem ist ein kleiner Konflikt der städtischen Bauabteilung mit der zu diesem Bau gewählten Stadtverordnetenkommijsion ausge- brachen, indem die Kommission in technischer Beziehung gerade das Gegenteil vertritt, was die Bauabteilung will. Ilm erst Klar- heit zu schaffen, wurde die gmrze Vorlage zur nochmaligen Durch- beratung an den Magistrat zurückverwiesen.— Nachbcwilligt wurden 300 M. zu den bereits bewilligten zirka 3000 M. für das zur Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig am 18. Oftober zu ver- anstaltende Volksfest. Man rechnete nämlich damit, daß die Militär- kapellen so patriotisch sein würden, sich unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Das ist jedoch nicht der Fall. Auch wird der am Sonn- abend auf dem Bassinplatz stattfindende Wochcnmarkt wegen des patriotischen Rummels auf den Freitag verlegt.— Der Baumeister Enders will in der Neuen Königstraße einen Tattersall größeren Stils bauen, es wird ihm daher für sechs Jahre die Grundwert- steuer zu einem großen Teile erlassen, was in den sechs Jahren etwa 7500 M. ausmachen dürfte. Ein� Zählung der benutzten und leerstehenden Wohnungen, Läden, Schankränme und gewerblich benutzten Räume soll heute Mittwoch in Potsdam vorgenommen werden. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Mahlsdorf(Lstbahn). Donnerstag, den l(5. Oktober, abends 6'/, tlhr. Spandau. Morgen Donnerstag, nachmittags 4'/« Uhr, im Sitzungs- faal des neuen Rathauses. Tempelhof. Morgen Donnerstag, den 16. Ottober, nachmittags 5'/, Uhr, im Gemeindefitzungszimmer, Dorfstr. 42. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder SemeindeangehSrige iß b«. rechtlgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. frauen-I-eleabenäe. KarlShorst. Heute Mittwoch 8»/, Uhr im Restaurant Pofer, Dönhofi- straße 8. Ecke der Hentigstraße: Vo,trag der Genolfin AzneS Fahrenwald. Lese- und Diskutierklub �Südost-, Heute Sitzung mit Vortrag. BnefTuftcn der Rcdahtfon. Sic lartftlsche errechftunde findet Ltudenftrabe es, dorn dirr rre»»en — Ladest udt—,»»«eiuzgliit, vn« dl» Uhr abend», eoimadcnd», »o» 4 Hi MS 6 Uhr abend»(ton. Jeder für den veteftaftea befiimraten anfrage tft ein Buchstabe«ad ein« Zahl al» Merkzeichen beizufügen. Briefliche«ntwon wird nicht eetrU«. Anfragen, denen keine ÄdannemcntSgnttiung deigefüg« ist, »erd-o nicht dcantwartet. CUtgc Fragen trage man tn der«»rechftnnde dar. E. T. 81. 1. Fordern Sie Ihre Fiau unter Setzung einer Frist zur Rückkehr auf. Verstreicht die Frist ersolgloS, so können Sie aus Wieder- Herstellung der ehelichen Gemeinschast klagen. 2. Nein.— St. Rr. 1. Ob den Kindern geglaubt wird oder nicht, liegt im Ermessen de» Gerichts. Die Bestellung eines Anwalts ist zweckmäßig, sobald Sie die Anklage er- kalten. Vorlaufig brauchen Sie einen Anwalt noch nicht zu bestellen. Das Honorar unterliegt der Vereinbarung mit dem Anwalt; es dürfte mindestens 40 M. betragen. Einen benimmten Anwalt empfehlen ivir nicht.— S. 3. Einen Ansrruch auf Auszahlung haben Sie nicht; jedoch können Sie die Umwandlung in eine beilragssrete Persscherung beanspruchen.— X. R. 3. 1. Nach einer Minifterialvcrsügung ja. Diese Auffassung dürfte jedoch irrig sein, da derartige Lehrer, die selbständig ein Institut betreiben, u. E. nicht zu den Angestellten im Sinne des Gesetzes gehöre». Diese Aussasjung wird z. SB. auch tn dem Kommentar des Pros. Dr. Stier-Somlo bestätigt. 2. 5000 W. 3. Bcilragshöh« 8 Proz., jedoch für jede der neuen Angestellten- klafft gleich hoch. 4. Ist bereits in Kraft getreten.— B. G. SV. Sie können stch bei der Aussichlsdehörde, Stralauer Straß« 3,8, beschweren. —(8.®. 47. Wenden Sie sich an den Verein Bürger-ReltungSinstitut. Große Präsidentenstr. 7. oder Fricdrich-Wilhelmsanslalt für Arbeitsame oder oder v. Bicdersee- Sttstung, Rathaus, Sprechstunde 3— 5. Prtoalsirmen empfeblen wir nicht; fall» Sie solche in Anspruch nehmen, raten wir, sehr vorsichtig zu fein.— S. 2V. 6. Ist bereit« im„Vorwärts' voms.Oktober aussührlich dargelegt.— Emil Teltow 777777. Am t3. AprU tSOö. WitternngSübersicht vom 14. Oktober 1913. Gtatwnea Swinemde. B= 778 777 779 erlin ranks. a.M 777 ünchen[777 Wien © SO S SO NNO 778N Vetter 4 wolkenl alb bd. L.hcitcr 1 heiter Äwolkenl 2wolkenl »ffi I <4 m£> k tattonen taparando etersburg Scillh Aderdeen Paris Wetterprognose für Mittwoch, den 15. Oktober 1913. ElwaS wärmer, vielfach wolkig bei sehr lebhasten südwestlichen Winden, keine erheblichen Riederschlage. Berliner Wettcrbureau. WaiierftandS-Nackrichten der LandeSanstaU jür Eewässerlunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau Wasserstand M e m e l, Tilfit P r e g e I, Fnsterbmg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall.— 1 Unlerpegel. Todes-Anzeigen Sozi&liieinoMeherWahM !.il.6.Beri.ßeiei!Stags-Valilkfeis. Am 11. d. Mt§. verstarb unser Genosse, der Schlosser .ATtiir Thieme Tegeler Str. 30, Bez. 754a, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, nachmittags'i,i Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes, Müllerstraße, gtfc Tee- straße aus statt.| Um rege Beteiligung crsuchi 231/3 Der Vorstand. DeutseberRetsiiarbeiter-VeriiaDil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser ltadolk Scheer am 13. Oliober an Lungenlciden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Oktober, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- Hause, Nordkapstr. 3. au« aus dem Gethscmane-ittrchhose in Nieder- Schönhaiisen statt. Rege Beteiligung erwartet 127/19 Me Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verbanl Zahlstelle Berlin. Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Ver- gower (justav Richter Demmlner Straße 13, im Alter von 64 Jahren gestorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 15. Oktoder. nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des FrlcdenS-Kirchhofcs in Nieder- ©chönhausen-Nordend aus stall. Um rege Beteiligung ersucht 90/8 Die Ortovcrwalinng Deutseber Transportarbeiter-Verbanil. Bezirksverwaltung Qrofi-Berlin. Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher' Franz Seelig am 12. d. MIS. Im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heut« Mittwoch, den 15. d. MIS.. nach- mittaas 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Schönebcrger Gemeinde- �riedhojes. Blanke Hölle, aus 68/12 vis Bezirksverwaltung. Danksagung. Anläßlich der großen Teilnahme, die mir bei der Beerdigung meiner lieben Frau Ida Xahtow in so großem Maße zuteil wurde, spreche ich allen, statt besonderer Karte, hierdurch meinen besten Dank ans. Berlin, den 14. Ottober 1913. 86a (justsv Nahtow. Danksagung. Für die herzlichen und zahlreiche. Beweise der Teilnahme sowie für dc. zahlreichen Blumenschmuck beim Hin scheiden unserer innigstgeliedlei Tochter, Schwester rttld. Braut (ierirud Kühnert welche uns der Tod plötzlich und un- erwartet aus dem Kreise ihrer Lieben durch Herzschlag im Alter Von 22 Jahren entriß, sagen wir allen Verwandten und Bekannte», Freun- binnen und Freunden unseren herz- lichsten Dank. Du, liebe Gertrud, ruhe sanst. Die schwergeprüften Eltern. famiH« Kühnert. Familie F,rhardt. Berlnt, den 12. Oktober 1913. 293t Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes Marl Rnlinke sagen wir hiermit allen Teilnehmern. besonders den Herren Kollegen der Firma Gebrüder Israel aus diesen' Wege unseren hcrzlkchsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Karl Knlml*« nebst Frau und Kindern, _ CothenwSstraßc 17. 9131 Danknaganz;. Für die herzliche Teilnahme bei der Becrdigrmg meines lieben Mannes sage ich allen Teilnehmern vieincti besten Dank. 7931 I!l«e Frltnel, und Klnh. MohrenstrJJ Kolonneden. QrfranKfurterstnttS . Trauep; Magazin WeiaeriHüfeetc je* Äußerste fteac .. farbige KonfeKfion in gröfifem Maßafabol tu billigsten -Preisen-; Westmann Gratis-Löffcl für Quaker Oats Konsumenten Quaker Oats Pakete enthalten Gutscheine, für welche wertvolle, schwer versilberte Löffel gänzlich kostenlos erhältlich •uid. 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Oktober, abends 8 Uhr, im„VoHrsdau!�', Rosinenstr. 3: Mitglieder Uersammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtoerördnetcn W. Richter:»Die Arbeitslosenfürsorge in Staat und Gemeinde". 2. VerbandSanzelegenhcitc«. 90/9__ Die Ortsvcrwaltnng. inr Verwaltungsstelle Berlin. G 54, Linienstr. 83-85. Telepbon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Donnerstag, den 16. Oktober 1913, abends o'/a Uhr: Versammlung aller in Metallbetrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Neuköllns in den Hohenstaufen-Tälen, Kottbuser Damm 76. Tagesordnung: Die bevorstehende Krankenkassenwahl und ihre Be« deutung für die Arbeiterschaft. 127/is Zahlreiches und pünliliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Thealer und Vergnügungen nnn Mittwoch, 15. Oltober 1913. Aniang 6 Ufir. lines Palast am Zoo. Variete» Lichtspiele. Ansang 6'/, Uhr. TincsNollendorf-Dheater.Variets' Lichtspiele. Ansang 7 Uhr. tgl. Opernhaus. Lohengrin. Anfang VI, Ufir, Zgl. SchauivielhauS. Die drei Brüder von Damaskus. Deutsches. Torqnaio Tasso. 'eiiinq. Zeitwende. jirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schnmau». Galavorstellung. Ansang 8 Ubr. Irania. Mit dem Imperator nach New Jork. Hörsaal 8 Uhr: Dr. 53. Berndt: Das Problem der Lebens- eutstehnng. stöniggrätier Straste. Tie süns Franksürter. stammerspiele. Die goldenen Palmen. Deutsches Opernhaus. Die Königin von Saba. Deutsches Schauspielhaus. Der erste Beste. SalanS Maske. Neues Opernrhcatcr(Kroll). ASschl. Deutsches Künftlertheater. Ge- Die nach Berliner. Wie«inst im Mai. tbaiia. Die Tangoprinzesfin. bheater am Nollendorsplab. Hcinikehr des Odysseus. Komödirnhaus. Das Paar der Mode. Dhrater des Westens. Gräfin ßisi. Schiller D. Die Großsiadtlust. Schiller Charlottcnbiirg. Wenn der neue Wein blüht. Montis Operetten. Der lachende Ehemann. Ntetropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. stasino. Ferdinand der Tugend- baslc. »leineS. Belinde. Driano». Seine Geliebte. yerrnfeld. Was sagen Sie zu Lcibusch? Wintergarten. Spezialitäten. Aeichsballen. Stettiner Sänger. Lines Apollo-Theater. Variete- Lichtspiele.- CineS Friedrich- Wilhelmstädt. Pariets-Lichtspielc. Aniang S'/« Ubr. .Residenz. Im Ehekäfig. stustipielhaus. Puppenklinik. ckniscn. Minna v. Barnhelm. ckoie. Laura massiert. polies Gavrice. Ritter Baldrian. Die Mfzgcburt. Das Adaptiv- lind. Walhalla. Der LieScsonkel. Aniang 8'/, Ubr. Acnes BolkSthcater. Der Hos. Aniang 9 Ubr. Zldmiralspalast. Die lustige Puppe. (kinesNollcndorf-Dhcater.Variete- stichifpielc. � Sternwarte. Jnvalidenstr. 67— 62 ledige »ent-,ehe«8ehan»pieihau« 3 U.: vor erste Seele. 8»tgne Maebe. S'/, Uhr Uhn Im Ehekäfig. (Les Maris en cage.) Schwank in 3 Akten v. Antpny Mar» und Maurice Oesvailidrs. «orq. u. folg. Tage: Im«hekafig. Sekillof-Iilegles 0. (Wallner-Ttieater). Mikwoch, abends 8 Uhr: Die GroBstadtluft. Donnerstag, abends 8 Ubr: Die Stützen der Gesellschaft. Freitag, abends 8 Ubr: Am Tage de» Gerichts. Schiller-Ttisater Oharlottenbnrg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Wenn der neneWein blüht Donnerstag, abends 8 Ubr: Die GroBstadtlnft. Freitag, abends 8 Uhr: Wenn der ncneWcln blüht öUhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus. 8 uh-- flas Paar naeli der Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Deutsches Künstlertheatsr Sozietät. �.HDrnberger Straße 70/71, am Zoo. 8 uhr: Gespenster. Tbeatcr am{ioilesilorlplatz 5. Täglich abends 8 Uhr: Die Heimkehr des Odysseus. Burlesle-Operctte. Moutis Operetten-Theater Schiifbauerdainm 4a. 8 Uhr: Gastspiel JuL Ipielmann: Der iaeheude Ehemann. Sonntag 3 Ubr: Ter Vogelhändler. Theater des Westens. s um: Gräfin Fifi- Somii. nachm. 3'/,: Der liebe Augustin Lessing-Theater. Anfang 7i/2 Ubr. Zum 1. State: Zeitwende. Schauspiel von Herbert Elllenberz. IOSE=THEATE Groxe Frantinncr Str. 132. Ansang 8'/, Uhr. I.anra maHsiert. — Eine heilere Geschichte in drei Allen von Karl M. Jacob!,. Donnersiag: Zum letzten Male: Die TchisfPruchrgen. reg �1 m L-m. Passage-Panoptikum Mundmaler Scbuidis der Kafael ohne Arme bei seinen Arbeilen. Lebend zu sehen! Oer Hann mit der eisernen Hand und die anderen Attraktionen. Am Freitag, den 17. Oktober, findeb in der Brauerei Friedrichshain ein Kunst- und heiterer Abend statt. Hitwirbende sind u. a.: Herr Organist Artnr Spengler, Frau Laura F r i e d m a n u, Sopran, Fräulein Elton Byk, Violine, Herr Erich van Boy, Lieder zur Laute, Frau Olga Orseli a" und Fräulein Ada K e n i: Leb. Lieder, Herr Viktor Hartberg, Rezitator, Herr Kurt Warnebold. Humorist, Frau Käte Erben, Opernsängerin. Anfang 8 Uhr, nicht wie auf den Billetts 7 Uhr. Billetts a 10 Pf. sind zn haben in der Zeitungs- spedition Leo Zucht,.Immanuelkirchstr. 12, Hanisch, Aokerstr. 174, Haokelbnsoh, Petersburger Platz 4. Bureau des Wahlveroins Stralauer Platz 10/11 und bei deu Bezirksführern zu haben. 217/11 URANIA Taubenstraßa 48/49. Mittwoch 8 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Das Problem der Lebensentstehung. Zirkus IIb. Schumann. I Heute Mittwoch, 15. Oktober MT- Anf.71/,, Ende 11 Uhr Nur noch einige Tage! das mit beispiellosem Erfolg aufgenommene sw Der Clou der Saison 10 Königs'tigerlO mit ihren Hoch- und Weitsprüngen, vorgeführt von Herrn Sawade. Vereinigte Iterliuer Volksbühnen. Enlwcn-Theater. I Walhalla-Theator. Mittwoch 8'/j Uhr: I Täglich 8-/4 Uhr: ?llnna von Burnhclm. I Der Elcbesonkcl. Lustspiel in süns Alten von Lessing.> Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akten, Äk»«Ion" MaiiPrKtraflA 8? 7 :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. Großes l>oppel-Koiizert! Berliner Konzerthaus-Orchester. Leitung: Komponist Frz. v. Blon und als Gastdirigent; Hoikapellmeisfer Prof. TraDgoROchs. Musikkorps Garde-Filsilier-Regiments. Dirig. Oberm. Dippol. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr. Kachmittags-Konzerl Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Tvmv GeBiebte. Xlarmorhatts Kurfilrslendaniin 236 an der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirchc. Der größte Lacherfolg der Saison!!! Schwank in 4 Akten v. Julius Horst und Alesander Engel. Regio Max Mack. In der Titelrolle Madge Lessing. Beginn der Vorstellungen: S 5, 7, 9 rhr. Metropol-Theater Abends 7 Uhr 55 präzise; Er. AuSstaitnngsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. ft-eier Benutzung des wies Vernelchcn RomancS von Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Riebard Schultz. Karl Baetimann. Joseph Giampietro. Guido Thielscher. Alfred Sehmasow. Leopold Woll. LudiigWoli. Helene iallol. IdaRosska. J.de lande. Xen! Bon S-l Uhr:.Xen! Bdslflipol-Saf Zirkus Suscb. Heute Mittwoch, den 15. Oktober, abends 7'!. Uhr: Große Gala-Borstellung. Nur noch 2 Tage 6. Weise's Wunder- Bären. Ferner Kapt. Wall sewen Alligatoren sowie Austreten aller großen Attraltionen. Zum Schluß: Die neue große AuSstatt.-Pantom. iW Ii«« ioiii. V oigt- Theater Badftraste 58. Mittwoch, den 15. Ottober 1913: Der Geigenmacher von Mittenwald. Volksschauspiel m LAusz.v. Ganghoser. Kassenerösfnung 7 Uhr. Ans. S'j, Uhr. Lichtspiele Reinickendorfer- strasse 14: Die Laune einer schönen Fran. Tragödie in 5 Akten. In der Hauptrolle die berühmte Tänzerin Bita Sacchetto. Reiebsballen-Tbeater Stettiner Sänger „Alarm!" Milit. Humoreske. Ansang 6 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu er» mäßigt. Preisen: „Alarm!" , BaIl.75Ps.. Entree 39 Pf. Bürgerliches Schaospielhaus Kastanienallee 7—9. Gastsp. des Neuen Opern-Th.(Kroll): Ija Traviata (Violetta). Oper in 4 Ausz. von Giuseppe VerdL Aniang S'l, Uhr. Polles Caprice. Anfang S1,'. Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Anfang: Wochentags 6 Uhr, Casinos Theater Lolhringer Str.37. Täglich 8 Uhr. Der neue Sazson-Poffe»-Tchlager Ferdinand der Tugendhafte. Das droll. Stück ieit Bestehen d. THeat. Vorher das erstll. Spezialität.-Progr. Am Sonntag, nachm. 4 Uhr. grünen Strand der Spree. Athn i ral sp al ast. EIs-Arcua. Allabendlich das neue mit durchscnlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Sie lustige flippe. w»• /> TTL.— rl mn i A3' TTl... Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wirkepp. Neukölln. Für den Anieraienieli verantw.. Td Gtocke. Rendezvous der vornehmen l-edeweU. 2 Kapellen.____________________ Berlin. Druck u- Verlaa. VorwartH Kudborndele, u. Ve clagSanstatt Pam Singer u. Eo., lSeriin SVi, Bis 6 Uhr und von 103/« Uhr halbe Kassenpreise. Germania- Praebtsäle N., Chausseestr.110. K.Richter. Jede» Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger. Änsann 8 Uhr. Eintrtlt 3« Ps. Nachdem Vreltunlz. — VorzugSkarten gelten.— fseben Donnerstag:* Großes Militär-Streich-Konzert anscht. Familienkränzchcn. H - Berliner umor-flmirteH W. Wuüky x(£oderJ)ergerSlr.3l Für den Zudall der Jii'erare »dernimmi die Redaktion dem Pudlilum gegenüber ieinerlel Beranrworruna. Dr. 270. 30. Iahrglw;. 3. KtW in Jumäits" Kerlim WlksM MMsch, Is. VKIober ISIZ. veuliche SeweriiichsfUsührer über die amerikanische Schuhindustrie. Die deutschen Schuhiudustriellen haben es schon bisher nicht bestreiten können, daß die Unternehmer in der ainerika- nischen Schuhindustrie ihren Arbeitern höhere Löhne zahlen. als wir sie in den ineiswn deutschen Schuhfabriken finden. Wenn sich aber die deutschen Schuhmacher zur Rechtfertigiuig ihrer Lohnforderungen auf die höheren amerikanischen Löhne beriefen, dann bekamen sie die Antwort: Die amerikanischen Schuhmacher leisten mehr als die deutschen: daher der Unter- schied in den Löhnen. Der Zentralverbaud der Schuhmacher Teutschlands beschloß vor drei Jahren auf seiner Generalversammlung in Köln, seinen Vorsitzenden, den Genossen Reichs- und Landtags- abgeordneten I. Simon, und seinen Gauvorsitzenden in Nürnberg. Genossen C. Höltermann, nach Amerika zu schicken, um festzustellen, wie es in Wahrheit bestellt ist, mit der Arbeit und den Löhnen in der amerikanischen Schuh- industrie. Die beiden Genossen trafen in Amerika am 20. Sep- tember 1910 ein und blieben hier drei Wochen. Diese Zeit haben sie gründlich ausgenutzt. Dank der Hilfe der dortigen Schuhmacherverbände konnten sie die wichtigsten Betriebe in den verschiedenen Städten besichtigen und die Arbeits- und Lohnverhältnisse kennen lernen. Ueber das Ergebnis ihrer Untersuchungen haben sie nun eine Tenkschrift erscheinen lassen. Leider konnte die Schrift nicht früher fertig gemacht werden. Jedoch hat sie dadurch nichts an Wert eingebüßt. Genosse Simon schreibt darüber mit Recht: „Allerdings sind in den drei Jahren seit der Fest- stellung der Tatsachen in Amerika die Löhne sowohl in Amerika, als auch in Deutschland geändert worden. Aber das ist nicht entscheidend. Die Hauptsache ist vielmehr der Vergleich der Verhältnisse hüben und drüben zu ein und der- selben Zeit. Die Lehre aus diesem Vergleich hat für abseh- bare Zeit bleibenden Wert." Und zwar, fügen wir hinzu, nicht nur für die Schuh- Macher, sondern für alle Arbeiter und weitere Kreise, die einen tieferen Einblick in die Entwickelung der Arbeits- und Lohnverhältnisse gewinnen wollen. Die Schrift bringt genaue Angaben über die besichtigten Betriebe, führt die amtlich fest- gestellten Zahlen über die Schuhindustrie im Staate Massa- chusetts an, stellt dce amerikanischen Lohntarife den deutschen gegenüber, läßt den Zahlen des Haushalts eines amerikani- Ichen Arbeiters die eines Nürnberger Arbeiters und die eines Arbeiters im Erzgebirge folgen und ermöglicht es so den Lesern, die Schlüsse zu prüfen, die die beiden Genossen aus den ermittelten Tatsachen gezogen haben. Auf die Einzelheiten können wir hier nicht eingehen, eben- so müssen wir bei Seite lassen, die Fülle wertvoller anderer Be- obachtungen, die die Genossen in Amerika nebenbei gemacht und in der Denkschrift in sehr dankenswerter Weise bei passender Gelegenheit initgeteilt haben. Dagegen verlohnt es sich für unsere Leser, einen Blick zu werfen auf das Gesamt- bild, das uns die Denkschrift bietet. Die amerikanische Schuhindustrie hat ihren Hauptsitz sn den Ncu-England-Staaten und hier wiederum im Staate Massachusetts. In Boston, der Hauptstadt von Massachusetts, befinden sich die Bureaus der Fabrikanten nebst großen Lagern, während die Fabriken in den benachbarten Orten er- richtet sind. In diesen Fabriken arbeiten 40 000 Arbeiter. Auch die bedeutendste Schuhmaschinenfabrik der Welt finden wir in der Nähe Bostons. Sie beschäftigt 2300 Arbeiter. Die Fabrik verkauft nicht die von ihr hergestellten Maschinen, fondern vermietet sie nur. läßt sich für jeden Schuh, der durch die Maschine geht, bezahlen und erhebt aus diese Weise eine beträchtliche Abgabe von den Schuhfabrikanten der ganzen Welt. Die„Teutsch-amerikanische Schuhmaschinenfabrik" in Frankfurt a. M. ist eine Tochtergesellschaft der amerikanischen Fabrik. Tie amerikanischen Schuhfabriken waren gut eingerichtet. Jedoch haben unsere Genossen fast ausschließlich größere Be- triebe besichtigt: über die Zustände in den kleineren Betrieben können sie daher aus eigener Beobachtung nichts sagen.— Die Arbeitsteilung ist nicht überall bis ins kleinste durch- geführt. Manche deutsche Fabrik geht hierin weiter.— Die technische Einrichtung ist, soweit die Verwendung von Maschinen in Frage kommt, keine andere als bei uns in Deutschland.— Größte Reinlichkeit herrscht in den Fabriken. Die Arbeitsräume werden regelmäßig ausgefegt und die Fenster gereinigt. Die Arbeiter arbeiten in Ueberkleider. Bei allen Arbeiten, die die Hände besonders beschmutzen wür- den, tragen sie Handschuhe. Auffallend ist, daß die amerikani. fchen Schuhfabriken verhältnismäßig viel weniger Arbeiter unter 21 Jahren beschäftigen, als die deutschen Schuhfabriken. Um so beachtenswerter ist es, daß die genauen und eingehenden sachverständigen Darlegungen der beiden Genossen kcimn Zweifel darüber lassen i die deutschen S ch u h m»ch e r stehen in ihrerLeistungsfähigkcitden ameri- k a n i f ch e n Schuhmachern durchaus nicht nach! — Dagegen sind die Löhne der Schuhmacher in Amerika höher als in Teutschlaiw. Der Durchschnittslohn aller Arbeiter betrug in den Schuhfabriken des Staates Massachusetts 2302,77 M. für das Jahr. 7,88 M. für den Arbeitstag, bei der Firma Herz, deren Löhne anerkanntermaßen zu den höchsten in der deutschen Schuhindustrie gehören, 1400 M. für das Jahr. 4,04 M. für den Arbeitstag, Gegen einen Vergleich der Löhne in Amerika mit denen In Teutschland wenden die deutschen Unternehmer ein: bei schlechten: Geschäftsgang schließen die Amerikaner mehrere Wochen-, ja monatelang ihre Fabriken, und die Arbeiter stehen dann ohne Verdienst da. Tic beiden Genossen haben sich hier- nach erkundigt, aber nirgends derartiges feststellen können. In Amerika wird zweimal im Jahr Inventur gemacht. Bei dieser Gelegenheit müssen die einzelnen Abteilungen einige Tage aussetzen. Das ist alles. Tie Lebenshaltung ist in Amerika nicht teurer als in Deutschland. Für die Wohnung gibt der Amerikaner in: all- gemeinen nicht mehr aus als in Deutschland. Fleisch und Ge- flügel ist billiger als in Teutschland. Brot, Mehl, Butter, Zucker kosten ebensoviel. Kartoffeln sind verhältnismäßig sehr teuer. Kaffee, von dem der Arbeiter nur guten verbraucht, ist bedeutend billiger. Unter diesen Umständen lebt der Arbeiter in Amerika Vesser als in Deutschland. Der amerikanische Arbeiter hat in der Regel morgens zum Kaffee schon mehr Fleisch und Eier als der deutsche Arbeiter den ganzen Tag. Mittags ist nur % bis 1 Stunde Pause. Und da der Arbeitsplatz in der Regel weit entfernt liegt von der Wohnung des Arbeiters, so geht der Arbeiter mittags nicht nach Hause. Er bekommt in einem nahegelegenen Speisehaus ein Essen, das nicht nur nahrhafter, sondern auch viel reichlicher ist. als es sich der Arbeiter in Deutschland leisten kann. Für 84— 105 Pf. bekommt er eine Suppe, Suppenfleisch mit Beilage, Braten mit Gemüse und eine Tasse Kaffee mit Kuchen.— Die Hauptmahlzeit nimmt dann der Arbeiter abends daheim ein. Endlich ist bezeichnend für die Arbeiterverhältnisse in Amerika, daß sich dort die Unterordnung des Arbeiters unter die Fabrikleitung nur auf die Zeit während der Arbeit selbst bezieht. Ist der Arbeiter mit seiner Arbeit fertig, dann ist er auch im Fabrikraum sein eigener Herr. Er liest z. B. seine Zeitung und läßt sich darin auch dann nicht stören, wenn der Betriebsleiter dazukommt. Der Betriebsleiter bekümmert sich gar nicht um das, was der Arbeiter treibt, wenn er nicht mehr bei der Arbeit ist.— Die Arbeiterverhältnisse in Amerika sind offenbar noch stark beeinflußt durch die außergewöhnliche Entwickelung der Industrie in der„neuen Welt". Ob aber die Arbeiterverhält- nisse in Amerika auch fernerhin unter dem Drucke der immer rücksichtsloseren Wirtschaft des vereinigten Großkapitals giin- stiger werden, ist abzuwarten. In den letzten Jahren— das betonen die beiden Genossen ausdrücklich— hat die Erhöhung der Löhne in Amerika nicht einmal gleichen Schritt gehalten mit der Steigerung der Lebensmittelpreise. Dabei haben die amerikanischen Schuhmacher ihre Kräfte in nicht weniger als sieben Fachvcrbänden zersplittert. Das Beispiel der Großkapitalisten sollte ihnen zeigen, daß sie nur durch die Vereinigung aller ihrer Kräfte eine immer größere Widerstandskraft erlangen können. Und die haben sie un- bedingt nötig. Wehe den Arbeitern auch in Amerika, die sich ihrer Haut nicht genügend wehren können. Sic versinken in Elend ebenso wie bei uns in Deutschland. Der Kapitalismus baut sich eben überall aus der möglichst rücksichtslosen Aus- bcutung der Arbeiter ruf.— Sicher sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Schuh- macher in Amerika günstiger als in Teutschland. Dies nach- gewiesen zu haben, ist das große Verdienst der in jeder Be- ziehung vortrefflichen Denkschrift der beiden Genossen. Die festgestellte Tatsache möge die deutschen Arbeiter darüber be- lehren, daß sie auf das Geschrei der Unternehmer über die unbedingte Unmöglichkeit besserer Lohn- und Arbeitsbedingun- gen gar keinen Wert zu legen haben. Sie werden aber bessere Verhältnisse nur dann erringen, wenn sie unermüdlich ihre Gewerkschaft ausbauen und auch in der politischen Arbeiter- bewegung mit allen Kräften mitarbeiten. Heilmittelanzeigen sind zulässig. Im Gegensatz zu seiner früheren Judikatur hat das Kammergericht am Montag die Berliner Polizeiverordnung vom 1. August 1912, die die öffentliche Ankündigung solcher Heilmittel verbietet, die nach der Medizinalverordnung nur in Apotheken feilgehalten oder verkauft werden dürfen, für un- gültig erklärt. Die Zahntechnischc Rundschau, das Organ des Verbandes der Dentisten im Deutschen Reich, hatte Annoncen der chemischen Fabrik vo'n Dr. Spetier und Karger gebracht, wodurch diese verschiedene chemische Mittel ankündigten, die von Zahnärzten und Dentisten bei ihrem Beruf, namentlich zur örtlichen Betäubung bei operativen Eingriffen, verwenden. Herr Dr. Speyer als derjenige, welcher die Annoncen aufgegeben hat, wurde wegen Uebertretung der für den Landespolizeibezirk Berlin erlassenen Polizeiverordnung vom 1. August 1912 angeklagt. Das Landgericht als Berusungsinstanz sprach den Angeklagten frei. Im Gegensatz zum Angeklagten nahm das Landgericht aller- Vings die Gültigkeit der Polizeiverordnung vom 1. August 1912 an, indem es sich auf frühere Entscheidungen des Kammergerichts berief. Die Freisprechung müsse aber dennoch erfolgen, weil es sich hier um eine Anzeige in einem Fachblatte handele, die nur für die beteiligten Fachkreise verständlich sei. Unter diesen Um- ständen liege keine öffentliche Ankündigung im Sinne der Polizei- Verordnung vor. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Rechtsanwalt Wolf- gang Heine und Justizrat Gohmann legten dar. daß mit Recht das Landgericht angenommen habe, daß bei entsprechenden An- kündigungen in der Fachpresse keine öffentliche Ankündigung im Sinne von Vorschriften, wie sie die Polizeiverordnung enthalte, vor- liege. Auch der Berliner Polizeipräsident habe in einer Zuschrift an eine Fachzeitung erklärt, daß es nicht in seiner Absicht liege, die Polizeiverordnuug vom 1. August 1912 auf Inserate in Fach- blättern angewendet zu sehen. Das ganze Vorgehen gegen Inserate in verschiedenen zahntechnischen Zeitschristen sei auf Anzeigen des „Wirtschaftlichen Verbandes deutscher Zahnärzte" zurückzuführen. Die Polizeiverordnung vom 1. August 1912, welche das öffent- liche Ankündigen und Anpreisen von Heilmitteln, die dem freien Verkehr entzogen sind, unter Strafe stelle, könne aber überhaupt nicht als gültig angesehen werden. Gegenüber entgegengesetzten Entscheidungen des Kammergerichts müsse entschieden eine noch- maligc Nachprüfung der Rechtslage gefordert werden.— In sehr eingebenden Nechtsausführungen begründeten eingehend die Ver- leidiger die Auffassung der Iliigültigkcit der Polizeivcrordmmg, die weder mit dem Reichsrecht noch mit dem Landesrecht vereinbar sei. Das Kammerqcricht verwarf die Revision der Staatsanwalt- schaft, indem es die Polizeiverordnung vom 1. August 1912 für ungültig erklärte. Begründend wurde ausgeführt: Es könne dahin- gestellt bleiben, ob der Angeklagte nicht schuldig fei, weil er die �Ankündigung in einem Fachblatte veröffentlicht habe. Denn bei nochmaliger Prüfung der Frage der Gültigkeit solcher Polizeiver- ordnungen, die ganz allgemein die Ankündigung von Monopol- Mitteln verbieten, sei der Senat im Gegensatz zu seiner bisherigen Auffassung zu der Ansicht gekommen, daß solche Polizciverordmingen ungültig seien. Dem Reichsgericht widerspreche die Verordnung allerdings nicht. Auch nicht dem Reichs-Preßgesetz, denn sie richte sich gegen alle Ankündigungen, nicht blosi gegen solche durch die Presse. Sie widerspreche auch nicht der Gewerbeordnung. Wenn das Reichsgericht das anzunehmen scheine, so sei das Kammergericht ihm darin nicht beigetreten. Der§ 6 der Gewerbeordnung ziehe nur die Grenzen zwischen� dem Heilmittelverkauf durch Apotheken und durch andere Verkäufer. Die Gewerbeordnung verhalte sich aber nicht darüber, ob in der Befugnis zum Verkauf auch die Be- fugnis zur Ankündigung enthalten sei. Es komme also nur die Landcsgesctzgebung in Frage. Das Kammergericht habe bisher die Gültigkeit derartiger Verordnungen, wie die hier vorliegende, aus 8 6 k des Polizeiverwaltungs-Gesetzes hergeleitet. Daran könne aber der Senat nicht mehr festhalten. Polizeiverordnungcn aus 8 6 k dieses Gesetzes setzten voraus, daß sie sich innerhalb der Grenzen des§ 19, Teil 2, Titel 17 Allgemeinen Landrechts hielten. Das heißt, daß sie sich gegen eine bevorstehende Gefahr richteten, gegen eine auf Tatsachen beruhende Wahrscheinlichkeit einer solchen. Das Vorliegen dieser Voraussetzung könne nicht angenommen werden bei einer Polizeiverordnung, die die Ankündigung jeglicher, den Apotheken vordehaltcner Mittel verbiete. Eine zahrelanye Praxis habe ergeben, daß es sich dabei vielfach um harmlose Mittel handele.— Wenn sich die Polizeiperordiymg beschränkte auf Rc- klamemittel, die an sich gefährlich seien, und auf Mittel, die sich gegen gefährliche Krankheiten richteten, dann könnte sie gültig und zulässig sein. Daran halte sich aber die Polizeiverordnung nicht, sondern sie verbiete ganz allgemein die öffentliche Ankündigung aller den Apotheken vorbchaltenen Mittel, selbst der unschädlichsten. Weil sie so allgemein sei, könne die Verordnung nicht als gültig anerkannt werden. Deshalb sei Angeklagter mit Recht freigesprochen worden._ KleinwohnungSbau. Ein recht günstiges Ergebnis mit dem Bau von 48 Arbeiter- Wohnungen in eigener Regie erzielte in Rüstringen i. Oldenburg der Bauverein Rüstringen. Gegenüber dem mindestfordernden Bauunternehmer für die schlüsselfertige Herstellung der Häuser be- trugen die Ausgaben der Genossenschaft über 29 999 M. weniger.. Dieses Resultat bewog den Verein, sofort mit dem Bau von weiteren etwa 59 Wohnungen zu beginnen. SericKts-Leitung. Kritik vor der Aufführung. Der„Fall Sudermanu-Jakotzfohu" gelaugte gestern vor dem Kadi zum Austrag. Unter der Anklage des Vergehens gegen das Gesetz öetr. das Urheberrecht an Werken der Lite- ratur und Kunst standen der Privatdozent Dr. Theodor Lessing-Hannover und der Schriststcllcr Siegfried Jacobsohn, Herausgeber der„Deutschen Schaubühne", vor der 3. Straf- kammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Schmer. Als Nebenkläger trat der Schriftsteller Hermann Sudermann unter Beistand des Rechtsanwalts Dr. Goldbaum auf. Es handelt sich um die Veröffentlichung einer Kritik über das Sudermannsche Stück„Der gute Ruf" vor dessen Erstaufführung. Das Vergehen des Nachdrucks soll vorliegen, weil in der Kritik un- berechtigt der wesentliche Inhalt des Stückes wiedergegeben sei und ganze Stellen wortgetreu abgedruckt sind. Angeklagter Dr. Lessing erklärte u. a., daß er ein wesentliches Interesse an der Erledigung dieses Prozesses und der Feststellung habe, daß er nicht dolos gehandelt habe, da außer diesem Versahren noch ein weiteres Disziplinarverfahren wider ihn bei dem Königl. Theater und beim Kultusministerium schwebt und zwar in seiner Eigenschaft einerseits als Lektor des Königl. Theaters in Hannover und andererseits als akademischer Lehrer. Er schickte voraus, daß er als Dozent der Aesthetik und Ethit sich viel mit theatralischen Werken zu beschäftigen und auch als Lektor für die Intendantur in Hannover etlva über 599 Bühnenwerke sein Urteil abgegeben habe. Er sei im Mai 1999 mit Herrn Jakovsohn bekannt geworden und habe ihm auf sein Ersuchen gelegentlich Beiträge für dessen„Schau- bühne" geliefert. Herr Jacobsohn habe ihm kein Hehl daraus ge- macht, daß die„Schaubühne" sich in schwieriger finanzieller Lage befand und er habe vom 15. August 1912 bis Oktober 1913 ihm gelegentlich Gratisbeiträge geliefjet. Nun sei in Hannover am Königl. Theater der Regisseur gestorben und es kam ein neuer Intendant, der aus der militärischen Karriere hervorgegangen war. Dieser habe bei ihm angefragt, ob er neu eingereichte Stücke für die Intendantur begutachten wolle. Er habe geglaubt, daß er diese durch seine Stellung als Dramaturg gewonnene Kenntnis der neuen Werke auch anderweitig literarisch verwerten könne. Er gestehe ohne weiteres, daß er dasselbe Reat, wegen dessen er jetzt angeklagt sei, etwa 299 mal begangen habe, d. h. daß er auf Grund eines Bühnenmanuskripts eine Besprechung über ein Werk geschrieben habe. Anfang Oktober 1912 sei ihm von der Intendanz das Stück „Der gute Ruf" zur Begutachtung �zugestellt worden. Er habe das Stück eine Zeitlang liegen gelassen, weil er keine Zeit hatte, dann habe er das Gutachten für die Intendanz geschrieben, das wörtlich dasselbe ist, wie der unter seinem Namen in der„Schau- bühne" erschienene Artikel. Diesen habe er Herrn Jacobsohn an- gesichts der in Berlin devorstehenden Premiere als Beitrag„zur gelegentlichen Verwendung" überwiesen. Herr Jacobsohn habe Viesen Brief am 29. Dezember empfangen, er hat aber diese Sache nicht nur sofort an Korrespondenzbureaus weitergegeben, sondern ihm auch noch nicht einmal� den üblichen Korrekturbogen zugestellt. Bis Januar habe er von Herrn Jacobsohn nichts gehört. Dieser habe aber die Sache für sich zu fruktifizieren gesucht, denn schon zwei Tage nach Empfang des Gutachtens habe er in der „Schaubühne" angekündigt, daß in der nächsten Nummer schon das Blatt imstande sein werde, den Inhalt des neuen Sudermannschen Werkes mitzuteilen. Als dann die betreffende Nummer der„Schau- bühne" konfisziert worden war. habe er sofort an Jacobsohn ge- schrieben, woher er die Kenntnis von dem Inhalt gewonnen und daß er natürlich angenommen habe, daß die Veröffentlichung erst nach der Erstaufführung des Stückes stattfinden würde. Er habe ferner der Königl. Intendanz zu Hannover sofort mitgeteilt, daß ein schwerer Mißbrauch seines Manuskripts vorliege und habe dann zunächst sein Amt als Lektor niedergelegt, bis die Sache vollständig aufgeklärt worden sei. Da er dann Objekt der heftigsten Preß- angriffe wurde, sei er nach Berlin gefahren und habe Jacobsohn aufgesucht und ihm seine Mißbilligung über sein Vorgehen �aus- gedrückt. Jacobsohn habe sich nach seiner Meinung in einer üblen Lage befunden und so habe er denn diese Angelegenheit weiter benutzt, um sie für die„Schaubühne" lukrativ zu machen, indem er eine Gerichtsszene in seinem Blatt veröffentlichte, dabei seine Verteidigungsrede fingiert und direkt gesagt, daß er sich den Kampf gegen Sudermann zur Lebensaufgabe gemacht habe. Er wollte sich also eine Märtyrerkrone zu herabgesetzten Preisen an- schaffen und er(Tr. L.) sollte die Kastanien ans dem Feuer holen. Das sei ihm ganz wider den Strich, denn er gestehe, daß er einen Roman von Sudermann lieber lese als die„Schaubühne". Hätte er gewußt, daß Jacobsohn den Artikel schon vor der Premiere ver- öffentlichen würde, so würde er es bis dahin auch nicht für illegal gehalten haben. Der Aiigeklagte Jacobsohn wendet sich in seiner Vernehmung gegen die Angaben des Dr. Lessing, daß er sich damals mit seiner „Schaubühne" in finanziellen Schwierigkeiten befunden hätte. Dies laufe fa schließlich darauf hinaus, als habe er den Artikel aus übler Sensationslust und um ein gutes Geschäft damit zu machen, ver- öffentlicht. Das stimme natürlich absolut nicht. Im Jahre 1999 habe einer seiner Mitarbeiter in der„Schaubühne" einen Artikel über ein neues Buch des Dr. Lessing gebracht. Jm� Jahre 1999 habe er Dr. L. dann persönlich kennen gelernt, der ihm immer und immer wieder versichert habe, daß die„Schaubühne" die beste Zeitschrift sei. Er habe darauf geäußert, daß ihm dies schon häufig gesagt sei, leider habe dies aber noch niemand in einer anderen Zeitschrift geschrieben. Bald darauf sei dann von Dr. Lessing in der„Zukunft" ein Artikel erschienen, in welchem er die„Schau- bühne" als die beste Zeitschrift in aller Welt bezeichnete. Dr. L. habe ferner geäußert, er sJacobsichn) habe sich im August 1912 in finanziellen Schwierigkeiten befunden. Richtig sei folgendes: Er habe aus verschiedenen Gründen den Plan verfolgt, wieder die „Schaubühne" selbst herauszugeben. Hierzu gehörten ein paar tausend Mark, die er aber nicht besessen habe. Um seinen Plan trotzdem aber zur Ausführung bringe» zu können, habe er seine besten Mitarbeiter gebeten, etwa ein Vierteljahr lang kein Honorar von ihm zu verlangen.— Er habe niemals anncbmen können, daß der ihm von Dr. L. zugesandte Artikel erst«ach der Premier« d«S Sudermannschen Stückes veröffentlicht werden sollte. Gegen diese Annahme spreche ja auch der Inhalt des Artikels selbst. Auf eine Frage des Borsitzenden, ob er denn, nachdem er gc- sehen hatte, dah der Artikel den wesentlichen Inhalt des Stückes wiedergebe, noch der Meinung gewesen sei, dag er den Artikel vor der Aufführung veröffentlichen dürfe, erklärte der Angklagte Jacob- söhn, dag er jenen Paragraphen des Urheberrechts gar nicht gekannt habe. Er hätte den Artikel, da er dieses Gesetz eben nicht genau kannte, ohne jede Bedenken vorher veröffentlicht. Hinzu komme noch, daß z. B. über das Stück„Das Blumenboot" etwa ein Jahr vor der Erstaufführung Artikel geschrieben worden seien. Er habe nicht wissen können, ob nicht„Der gute Ruf" ebenso wie„Das Blumenboot" schon in Buchform erschienen sei und dem Dr. Lessing vorgelegen habe. Schließlich müsse er auch noch darauf hinweisen, daß er damals gar nicht gewußt habe, daß Dr. Lessing als Drama- turg bei dem Hoftheater in Hannover tätig war. Dr. Lessing bemerkt noch: Er habe keinerlei Honorar er- halten, also keinerlei eigenes materielles Interesse verfolgt. Er frage auch, ob diese Strafverfolgung auch inszeniert worden wäre, wenn die Kritik lobend ausgefallen wäre?— Nebenkläger Sudcrmann: Ja! Zu nicht zu vereinbarenden Widersprüchen zwischen den beiden Angeklagten kommt es über die Frage, ob Angeklagter Jacobsohn gewußt habe, daß Dr. Lessing Dramaturg in Hannover war. Dr. Lessing behauptet es wiederholt, Angeklagter Jacobsohn be- streitet es ebenso bestimmt. Auf eine Frage des Vorsitzenden an Jacobsohn, woher denn Dr. Lessing nach seiner Meinung Kenntnis von dem Inhalt des Stückes erhalten haben konnte, antwortet Jacobsohn: Es sei doch bekannt, daß manche Personen Einblick in die gedruckten Manu- skripte neuer Stücke gewinnen. Im übrigen habe er den Artikel gern veröffentlicht, weil er infolgedessen nicht in das Theater zu gehen brauchte, dessen Direktor Lantz als erste Tat es betrachtet habe, ihm den Zutritt zum Theater zu verbieten. Dies habe die folge gehabt, daß 18 Berliner Kritiker dem Direktor die Alternative ellten, entweder dieses Verbot zurückzunehmen oder von der Ber- liner Kritik überhaupt ausgeschaltet zu werden. Da habe sich der Direktor Lcmtz gebeugt, er aber habe die Gnade des Herrn Direktors nicht in Anspruch nehmen wollen. Staatsanwalts-Assessor Baudouin hält die Rechtslage für ganz zweifelsfrei: Angeklagter Dr. Lessing habe nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme' keine Schuld daran, daß die Kritik vor der Premiere veröffentlicht wurde. Gegen Dr. Lessing beantrage er daher die Freisprechung. Der Angeklagte Jacobsohn dagegen müsse wegen Vergehens gegen das Urhebergesetz verurteilt werden. Es handle sich um einen recht erheblichen Vertrauensbruch und deshalb beantrage er 20» M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Dr. Goldbaum als Vertreter des Nebenklägers betont, oaß es sich um den nackten Tatbestand des Nachdruckes handle. Beide Angeklagte seien strafbar, die größere Schuld liege bei Jacobsohn. Dieser habe dolos gehandelt und in dem Bewußt- fein, etwas zu tun, was nicht anständig sei, es doch riskiert, um ür sein Blatt eine Sensation zu schassen. Der Vertreter des Nebenklägers beantragte neben der Bestrafung auch eine Buhe von 3000 Mk., die zu wohltätigen Zwecken verwendet werden sollen. Die Verteidiger Justizrat Heinemann und Dr. Epstein plä- dieren aus Rechts- und tatsächlichen Gründen für Freisprechung und drücken ihr Erstaunen aus, daß hier eine solche Lappalie von Herrn Sudermann zu einer Staatsattion gemacht worden sei. Der Nebenkläger Sudermann gibt hierauf noch folgende Er- klärung: Es liegt mir völlig fern, die Vornehmheit der Gesinnung des Herrn Dr. Lessing irgendwie zu bestreiten. Es handelt sich meinerseits in keiner Weise um einen Akt der Rache oder des Hasses, als ich gegen die Angeklagten vorging. Dieser Entschluß ist mir vielmehr vom Verband deutscher Bühnenschnftsteller ausgegeben worden. ES ist mir unsympathisch, um meine materielle Schädigung hier zu reden, es ist«nir auch unsympathisch, hier eine hohe Buße zu fordern und ich meinerseits will auf eine solche ver- zichten. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil dahin: Der Tatbestand ist klar und einlach. Verletzt ist nur der 8 39 des Urhebergesetzes, denn in der Kritik ist der wesentliche Inhalt des Stückes angegeben, die kleinen wörtlichen Zitate sind aber nur zum Zwecke der Kritik und nicht zum Zwecke des Nachdrucks angezogen. Objektiv liegt ein Verstoß gegen den ß 39 vor. In subjektiver Beziehung hat das Gericht folgendes erwogen: Dr. Lessing mußte sich sagen, daß die Kritik, die er vor der Erstaufführung versandte, auch vor derselben in der„Schaubühne" erscheinen würde. Es hat dies in seinen Willen aufgenonimen und deshalb widerrechtlich gehandelt. Jacobsohu wußte nach Ansicht des Gerichts, daß er den Artikel nicht veröffentlichen durfte. Auch er hat vor- sätzlich und rechtswidrig gehandelt. Dr. Lessing ist sich viel- leicht der Tragweite seines Tuns nicht voll bewußt gewesen, andererseits mußte er sich sagen, daß eine solche Veröffent- lichung einer Kritik vor der Premiere aus das Premieren- Publikum von erheblichem Einfluß sein konnte. Das Gericht hat Jacobsohn zu 299 M. Geldstrafe ev. 29 Tagen Gefängnis, Dr. Lessing zu 199 M. ev. 19 Tagen Gefängnis verurteilt und die Unbrauchbarmachung des Artikels, der Plaiten und Formen verfügt!_ Ein verpfuschter Feldzug gegen Jugendliche. Wegen Ucbcrtretung des Bercinsgesctzcs waren Frickc, Solders und Fcldmann vom Landgericht in Berlin verurteilt woroen. weil sie als Jugendliche einer politischen Versammlung im„Schwarzen Adler" zu Lichtcnbcrg beigewohnt hatten. Die Verteidigung rügte in der schriftlichen Revision unter anderem, daß die Angeklagten schon wegen Verjährung hätten freigesprochen werden müssen. Innerhalb einer Frist von mehr als drei Monaten vor Erlaß einer Verfügung auf TcrmtnSanbcraumung habe seinerzeit der Vor- sitzende deS Jugendgerichts immer nur die Akten eines anderen JugendprozesscL eingefordert, aber keine gegen die Angeklagten gerichtete Handlung unternommen. Nachdem daS Kammcrgericht von dem betreffenden Amts- gerichtsrat eine Auskunft eingefordert hatte, erkannte es am Dienstag auf Aufhebung des landgcrichtlichen Urteils und auf Einstellung des Verfahrens. Der Senat habe sich nicht davon überzeugen können, daß die innerhalb jener drei Monate er- gangenen Verfügungen des Amtsgerichts auf Einholung der Akten aus einem Prozeß gegen andere Jugendliche lSchönbcrg und Gen.), in welchem nach Behauptung der Verteidigung Freisprechung er- folgt sei, als gegen die Angeklagten gerichtete Hanolungen an- zusehen wären. Somit sei die Verjährungsfrist durch sie nicht unterbrochen worden und das Verfahren müsse wegen Verjährung eingestellt werden._ Ein Zivilist wegen eines Kompagnicbcfchls bestraft! Der seltene Fall, daß ein Zivilist wegen Beihilfe zur Nicht- ausführung eines Kompagniebcfehls bestraft ist, wurde am Montag vor dem Reichsgericht verhandelt. Das Landgericht Kiel hat am IS. März d. I. den Kaufmann Hermann Ziegler wegen Beihilfe zum Vergehen gegen§ 13g des Militärstrafgesetzbuchs(Vergehen nach 8 49 des Reichsstrafgesetz- buchs) zu 3 Tagen Haft verurteilt. T�r Angeklagte ist Inhaber eincS Geschäftes für MilitärbedarfSartikel. Im Januar ISIS erschien bei ihm der Maschimstenanwärter Kvnrad Weiß und be- stellte einen Extraanzug. Im Februar ISIS erging in der Kam- pagni« des W. ein Kompagniebefehl dahin, daß alle Soldaten durch Quittung Beleg dafür bringen sollten, daß ein jeder seinen Extraanzug bezahlt hatte, da niemand auf Kredit arbeiten lassen sollt«. W. ging zu dem Angeklagten und bat diesen, ihm, obwohl er seinen Anzug noch nicht bezahlt hatte, ein« Quittung darüber auszustellen, daß der Anzug bezahlt sei. Der Angeklagte tat dies, indem er W. eine Rechnung schrieb des Inhalts:„Einen Extra- anzug geliefert, Preis Mark... Betrag dankend erhalten." Diese Rechnung reichte W. dem Kompagniechef ein. Als es später an den Tag kam, daß es mit der quittierten Rechnung doch nicht seine Richtigkeit hatte, ist W. vom Militärgericht wegen Vergehens gegen § 133 des Militärstrafgesetzbuchs zu 5 Tagen Mittelarrest verurteilt worden, während der Angeklagte wegen Beihilfe zu diesem Vergehen die bereits erwähnte Strafe erhalten hat. Denn obwohl der Angeklagte behauptet hatte, er habe nicht gewußt, wozu die Quit- tung dienen sollte, hat das Gericht als erwiesen angesehen, daß er sich dessen wohl bewußt war, und daß er sich, entgegen seiner Einrede, auch nicht für berechtigt gehalten hat, eine solche Quittung aus- zustellen. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Z. Revision eingelegt. Das Reichsgericht verwarf diese. Gültigkeit des Verbots des„Anreißens". Die Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten zu Oppeln vom 17. Juni 1997 verbietet es den Geschäftsleuten, Vorübergehende oder Schaulustige durch Worte oder Zeichen zum Betreten ihrer Läden zu ermuntern. Mit anderen Worten: sie anzureißen. Wegen Verstoßes gegen diese Verordnung wurde der Geschäfts- inhaber Slawran in Beuthen von der Strafkammer in Beuthen verurteilt. Sie erachtete die Verordnung für rechtsgültig. Der Angeklagte habe sich gegen sie vergangen. Er habe hinter der Ladentür gestanden und wenn er Leute bemerkte, die sich aus- gestellte Sachen ansahen, habe er sie aufgefordert, den Laden zu betreten. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die Revision des Angeklagten, der die Ungültigkeit der Verordnung behauptete. Die Verordnung sei rechtsgültig. Der Einwand des Angeklagten sei hinfällig. Die Gewerbcfreiheit betreffe nur die Zulassung zum Gewerbe. Es werde aber durch die Gewerbeordnung nicht eine polizeiliche Regelung der Ausübung des Gewerbes ausgeschlossen. Es konime nur darauf an, daß eine solche Regelung eine Rechts- stütze habe. Das Verbot des Anreißens habe aber eine solche Rechtsstütze im 8 6b des Polizeiverwaltungsgesetzes, wonach zu den Aufgaben des polizeilichen Verordnungsrechts die Sicherheit, Leich- tigkeit und Bequemlichkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen gehöre. Das Anreihen könne zu Störungen des Verkehrs auf öffentlichen Straßen führen. Mit Recht sei Angeklagter verurteilt worden._ Huö aller Melt. Der flug nach Spanien oder: Die Caube auf dem Dache. Ein Abenteuer, bei welchem er fast wie durch ein Wunder dem sicheren Tode entronnen ist, hat gestern nacht der Flieger R e i ch e l t erlebt, der auf einer Harlan-Taube nach Sankt Sebastian fliegen wollte. In der Nähe der Ortschaft Mors- dach bei Weißbröhl nahe der französischen Grenze blieb aus noch unaufgeklärter Ursache der Motor in 2990 Meter Höhe stehen. Alle Anstrengungen halfen nichts. Der Mercedes wollte nicht niehr! Lange Uebcrlegung war nicht möglich und so ging Reichelt denn in möglichst flachem Gleitflug hernieder, um den unvermeidlichen Aufprall auf den Boden wenigstens zu mildern. Der Barograph sank und sank, bis Reichelt und sein Begleiter schließlich kaum mehr 30 Meter über dem Boden waren. Nun galt es einen Landungsplatz zu suchen. In der Dunkelheit war jedoch nichts zu erkennen. Plötzlich erhielten die Flieger einen furchtbaren Stoß. Daß Flugzeug bohrte sich in irgendeinen harten Gegen- stand, der krachend nachgab. Das Untergestell brach an dem Flugzeug weg und dann hielt der Apparat nach einigen Schwankungen still. Einige Augenblicke war alles ruhig. Tann aber tauchten plötzlich schreiende und weinende Menschen auf. Reichelt war noch inimer nicht im klaren, wo er denn eigentlich gelandet sei. Erst beim Licht einiger Laternen sah er zu seinem Entsetzen, daß er sich auf dem Dache eines unter dem gewaltigen Anprall zusammengebrochenen Hauses befand. Ein Blick auf den Passagiersitz zeigte ihm, daß auch sein Bc- gleiter unverletzt sei. Nun befreiten sich die Flieger vorsichtig aus den Trümmern der Maschine und erreichten den Boden. Glücklicherweise waren auch die Hausbewohner mit dem Schrecken davon gekommen. R e i ch e l t kehrte gestern nach Berlin zurück. Er hat eine Strecke von 425 Kilometer zurück- gelegt._ Ttofflers Weltrekord im Weitfluge. Nach einem mit seltener Kühnheit und unglaublicher Zähigkeit durchgeführten Fluge ist gestern nachmittag der bekannte Flieger Viktor Stöffler Inhaber des neuen Weltrekords im längsten Ueberlanoftugc geworden, ocssen Besitzes sich bisher der junge Franzose Brindcjonc des Moulinais durch seinen weltberühmten Flug Paris— Berlin— Warschau mit 1382 Kilometern rühmen konnte. Stöffter hat diese Leistung bei weitem überboten. Stöffler war in der Nacht zum Dienstag um 12 Uhr 6 Minuten in Johannisthal aufgestiegen und nach Posen geflogen, wo er um 2 Uhr 5S Minuten landete. Dann flog er nach Berlin zurück, wo er um 6 Uhr 5 Minuten wieder eintraf. Um ö Uhr 45 Minuten flog er weiter, um nun den größten Teil seines Fluges, die 799 Kilometer lange Strecke nach Mülhausen i. E. zu absolvieren. Es glückte ihm, tatsächlich dort um 1 Uhr 29 Minuten zu landen, nachoem er eine Strecke von 1159 Kilometer bedeckt hatte. Zum Weltrekoro fehlten noch 259 Kilometer, und so ließ der wackere Pilot sich keine Zeit. Nachdem er schnell etwas genossen hatte, be- stieg er seinen Doppeldecker, und nun ging es in schneller Fahrt nach Darmstadt, wo er um 5 Uhr 55 Minuten landete. Nun hatte er bereits den Weltrekord an sich gerissen, da seine zurückgelegte Strecke über 1499 Kilometer betrug. Brindcjoncs Leistung war also schon um 29 Kilomeier überboten.' Mit seinem Erfolge aber noch nicht zufrieden, hielt sich Stöffler nur 2 Minuten in dem Darmstäoter Militär-Fliegerlager auf und flog dann nach Mül- hausen zurück, wo er nach Zurücklegung von 1659 Kilometern Wieoer eintraf. Es herrschte bereits völlige Dunkelheit, doch ver- breitete der Vollmond an dem wolkenlosen Himmel so viel Licht, daß die Maschine schon auf große Entfernung sichtbar war. Ueber dem Flugplatz gab Stöffler mit seiner elektrischen Taschenlaterne drei Signale, daß alles an dem Flugzeug in Ordnung sei. Außer- dem gab er durch Aufblitzen der Lampe nach den Morsezeichcn oen vor der Fabrik versammelten Fliegern und Ingenieuren bekannt, daß er nicht eher landen wolle, als bis er 2999 Kilometer in der Luft zurückgelegt habe. Zur Bekräftigung dieser Nachricht drehte er wieder um, fleg um 7 Uhr 35 Minuten wieder nach T a r m st a d t weiter._ 162 Opfer der.,Volturno"-Katastrophe? Man glaubt, daß bei der Katastrophe des Dampfers„Volturno" nicht 136, sondern 162 Personen umS Leben gekommen sind. Hier. von soll ein Teil der Besatzung angehören, während der andere Teil aus Passagieren besteht. Unter den Passagieren befanden sich auch sechs ehemalige Bergleute von der ZecheRadbod,die nach Kanada aus- wandern wollten, um in dortigen Bergwerken Arbeit zu suchen. Einer hat seiner Familie gedrahtet, daß er gerettet sei; das Schick- sal der übrigen, die ihre Familien ebenfalls zurückgelassen haben, ist noch unbekannt. Der Direktor der Uraniumgesellschaft, Trinsley, veröffentlicht in der„New Kork Tribüne" blödsinnige Erklärungen zu der Kata- strophe des„Volturno". Direktor Trinsley behauptet, daß die Ur- fache der Explosion wahrscheinlich in der Explosion einer Höllen- Maschine zu suchen sei I Die holländischen und belgischen See- leute seien vor der Abfahrt des„Volturno" mit der Gesellschaft wegen Lohnerhöhung und anderer Forderungen in Streitigkeiten geraten und hätten bei der Abfahrt große Erbitterung an den Tag gelegt. Wiederholt habe die Gesellschaft Briefe erhallen, in denen gedroht wurde, eines ihrer Schiffe in die Luft zu sprengen. Di- rektor Tinsley gibt vor, zu vermuten, daß die Explosion am Don- nerstag früh 7 Uhr durch eine von verbrecherischer Hand gelegte Bombe verursacht worden seil Danach hätten sich also die Mann- schaften selbst in die Luft gesprengt. Die Unsinnigkeit dieser Behauptungen liegt auf der Hand. Wenn die„Volturno" das Opfer eines Verbrechens geworden sein sollte, darf man die Ver- brecher nicht in den Reihen der Mannschaft suchen. Eine weniger phantastisch klingende Ursache des Brandes gibt der auf der„Touraine" angekommene Koch Mennema vom„Vol- turno" an. Die Schuld an dem Brande trage ein Raucher, der seinS Zigarette in die Proviantlast geworfen habe. Das Feuer, durch die Lebensmittel und Fässer genährt, habe reißend um sich gegriffen. Mennema erzählte auch, trotz der Panik unter den Passagieren habe sich kein Fall von Jndisziplin ereignet. Kleine Notizen. Ein Opfer vom Luftschiffs-Unglück bei Helgoland, die Leiche des beim Untergang des Marinelnflschiffes L 1 ertrunkenen Oberleutnants Freiherrn von Maltzahn, ist durch den Fischdampfer„Juno" in Geestemünde gelandet worden. Erdbeben' in Messina. Ein von starkem unterirdischem Tonner begleiteter Erdstoß ist am Monlagnachmittag in Mesfina vernommen worden. Unter der Bevölkerung entstand großer Schrecken; die Einwohner verließen mit den Habseligkeiten, die sie zusammenraffen konnten, in wilder Hast die Häuier und eilten nach dem Meercsstrande. Unter den Einwohnern SüditalienS herrsch: in letzter Zeil durch die wiederholt vorkommenden Erdstöße eine starke Nervosität und es bedarf nur deS geringsten Anstoßes, um sie zu einer Panik auS- arten zu lassen. Es gelang den Behörden jedoch, die Ruhe wieder herzustellen. Der Schaden ist nickn bedeutend, Menschenleben sind nicht zu beklagen. In astronomischen Kreisen erklärt man. daß dieser Erdstoß rein lokaler Natur sei und keine größere Bedeutung habe. Mord und Selbstmord. In Radolfszell hat der Kaufmann Schweinfurth seine von ihm getrennt lebende Frau und dann sich selbst erschossen. Ein schreckliches Familiendrama hat sich am Dienstag in Paris zugetragen. Bier Kinder eines in einem Warenhause angestellten Kassierers namens Brucker haben sich in selbst- mörderischer Abs ich t in die Seine gestürzt und sind ertrunken. Der Grund zu der Verzweiflungstat ist in Nahrungssorgen zu suchen, unter denen die Familie zu leiden hatte. Die Leichen der beiden Mädchen wurden bereits aus der Seine ge- fischt. Die Leichen der beiden Knaben konnten noch nicht gefunden werden._ Marktpreise von Berlin am 1Z. Oktober 1913. nack Ermittelungen deS kgi. Polizeipräsidiums. Mais(nuxed), gute Sorte 16,40—16,80, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,00. Mais> runder), gute Sorte 14,30—14,80. Richtstroh 0,00-0,00. Heu 0,00-0,00. Martlbal lenpreise. 100 Kilogr. Erbien, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Sveiseboimen. weiye 35.00—60.00. Linien 36.00—70,00. Kartosteln(Klcmddl.» 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindkleiich. von der Keule 1,70—2.40. Rwdtleiich, Bauchsteiich 1,30— 1,80. Schwcmefletlch 1,50—2.00. Kalbsteiich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butler 2.40—3,00. 60 Stück Eier 4,20—6,00. 1 Kilogramm Karvien 1,20—2,40 Aale 1,40—3,00. Zander 1,40—3,20, Hechte 1,40—2,80.»arstbe 0.80—2,40. 5(biete 1,60—3.20. Bleie 0,80—1.80 60 Stück Kreble 1,00—36,00 BjWHWWI— I III............■II...... Uli. II 11,1 II llA't-AMQa-e» PfiSoll Z)o