Mr. 271. RbonnemcntS'Redingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Lierleljnhrl. 3,30 SKI, monatl. 1,10 Mt,, wöchentlich W Psg. frei inS HanZ. Emzelne Nummer 5 Pfg, SonmazS- nummcr mit Mustrierter Sonntags- Pcilage»Die Neue Weit' 10 Pfg, Pofl- ktbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Pofi-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2,50 Marl, für da- übrige Ausland . Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Tänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, nänicn. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. vie Insertion!-lZebilhi' beträgt für die sechsgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins» und Versammlungs-Anzeigen SO Pfg, „Kleine Mureigen*1, das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), icdeS weitere Wort 10 Pjg. Stellengesuche und Schlafstellena». zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Worts Pfg, Worte über ISBuch. ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, cklchelnl taglich. Vevlinev Volksblatt. Telegramm- Adresse: „SobiallilmstllZi Rcrlln". Zcntrulorgan der rozialdcmokratifcbcn parte» Dcutfchlands. Redaktion: ÖCK. 68, LindcnatrasBC 69. Fernsprecher: Amt MorissplaN, Nr. 1983. Donnerstag, den 16. Oktober 1913. Expedition: 8M. 68, binden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplatz. Nr. 1984. Sie preuöiichen Ztäcite und das Selbstverivaltuligsrecht. 1. Zu einer Kundgebung gegen die von der Regierung gc- Planten Attentate auf das Selbstverwaltungsrccht der Ge- mcinden gestaltete sich die Achte Hauptversammlung des preußischen Städtetages am 6. und 7. Oktober in Breslau. Wir sind wahrlich die letzten, die sich übertriebenen Hoffnungen in bezug auf die Riickgratfcstigkeit der von Jnteressentengruppcn beherrschten Gemeindevertretungen und-Verwaltungen hin- geben. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben zur Genüge bewiesen, daß, wenn es sich darum handelt, die Rechte der Arbeiter weiter einzuschränken, die städtischen Vertreter Schulter an Schulter mit den Junkern und dem Zentrum mar- schieren. Es sei nur erinnert an das Volksschuluntcrhaltungsgesetz vom Jahre 1900, das durch einen Federstrich den Sozial- dcmokraten die Mitwirkung an der Verwaltung der Volksschule raubte, und dessen Väter zu sein gerade nationalliberale Ab- geordnete sich rühmen, ein Gesetz, deni der gesamte Liberalismus im preußischen Abgcordnetcnhause unbedenklich seine Zustimmung erteilt hat. Wenn man weiter bedenkt, nnt welchem Feuereifer die fortschrittlichen Mitglieder des Land- tages gegen die Regierung losziehen,»venu mal einem ihrer Parteifreunde die Bestätigung als Magistratsmitglied versagt wird, während�sic sich in eisiges Schweigen zu hüllen pflegen, wenn einem Sozialdemokraten das Gleiche passiert, so wird man uns zugeben, daß es sich für den Liberalismus im großen Ganzen nicht um die Wahrung des Selbstverwaltungsrechts für die Gesamtheit, sondern lediglich um die Wahrung des Selbstverwaltungsrechts der Besitzenden handelt. Aber trotzdem wird man an der Breslaucr Kundgebung nicht unbeachtet vorübergehen dürfen. Wir sind in Preußen so wcpig verwöhnt, daß uns jede, selbst die bescheülenste Regung dcS Bürgersinns mit einer gewissen Freude erfüllt als ein Zeichen beginnender Dämmerung und als ein Anfang des Widerstandes gegen die immer mehr uni sich greifende Reaktion. Zwei Fragen waren es, zu denen der preußische Städtctag Stellung zu nehmen hatte: zu den von der Regierung geplanten Aenderungen des Kommunalabgabengesetzes und zu dem in den ersten Monaten dieses Jahres veröffentlichten Wohnungsgesetzcntwurf. Beide Vorlagen sollen dem Landtage in der kommenden Session unterbreitet werden, und beide enthalten so einschneidende Bestimmungen, daß die Städte in gröblichster Weise ihre Pflicht verletzt hätten, wenn sie achtlos daran vorübergegangen wären. Was zunächst das Kommunalabgabengesetz betrifft, so läßt sich nicht bestreiten, daß die Gemeinden bei den immer wachsenden Anforderungen dringend neuer Ein- nahmcqucllen bedürfen. Die Steuerzuschläge haben in einer Reihe von Genieindcn eine solche Höhe erreicht, daß sie für die minderbemittelten Schichten der Bevölkerung eine schier unerschwingliche Last bedeuten. Wir begrüßen es deshalb, daß der Vorstand des Städtetagcs sich in seiner Denkschrift an den Finanzmipister auf den Standpunkt stellt, daß auch eine Besteuerung'des Vermögens, soweit es nicht von Real- steuern erfaßt wird, zu der logischen Vervollständigung des Gemeindesteuersystems gehört. Das mobile Kapital wird heute nur vom Staat besteuert, und noch dazu so niedrig, daß kommunale Zuschläge zu der Ergänzungssteuer gerecht- fertigt sind. Die sozialdemokratische Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses hatte bereits bei der Beratung der Novelle zum Einkommensteuer- und Ergänzungssteuergesetz vom Jahre 1908 entsprechende Anträge gestellt, die aber weder bei den bürgerlichen Parteien, noch bei der Regierung auf Gegenliebe stießen. Ebenso sind wir mit dem Vorstand des Städtetages der Ansicht, daß das Steuerprivileg der Beamten, Offiziere. Geistlichen und Lehrer weiter zu beschränken bezw. aufzuheben und daß die Gewerbe- steuerfreiheit für die wirtschaftlichen Unternehmungen des Staates zu beseitigen ist. Dagegen können wir uns mit dem Vorschlage der Einführung einer Bcrufssteuer als Ergänzung der Realsteuern nicht einverstanden erklären. Gegen den »vciteren Vorschlag, daß auch das ausländische Vermögen der Einkommensteuer unterworfen und ferner.� daß die Mög- lichkeit geschaffen wird, solche Personen, die sich kürzere Zeit als drei Monate in der Gemeinde aufhalten, zur Gemeinde- steuer heranzuziehen, wird sich nichts einwenden lassen. Im Gegenteil, diese beiden Bestimmungen sind dringend not- wendig. Insbesondere ist der Zustand unhaltbar, daß Per- sonen, die sich mehrere Wohnsitze leisten können, durch eine zwar geschickte, aber nicht loyale Anwendung der gesetzlichen Bc- stimmungen die Möglichkeit haben, die Gemeinde mit höheren Steuerzuschlägcn um die Steuer zu betrügen. Erfreulich ist es, daß der Städtetag einmütig alle Be- schränkungen der Gemeindesteuerhohcit im Gebiete der Grund- steuern zurückgewiesen hat. Bekanntlich ist es den Gemeinden heute freigestellt, ob sie die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert oder nach dem Ertragsivert erheben wollen. Aus sozial- politischen Erwägungen heraus verdient die Besteuerung nach dem gemeinen Werl, die im wesentlichen zu einer Entlastung der Wohn- Häuser fürMinderbemittcltc führt, dcnBorzug vorder Besteuerung nach deni Ertragswert. Und die Regierung hat auch bisher ünmer Wert darauf gelegt, den Gemeinden die Einführung dieser Steuer zu empfehlen. Aber dem Drängen der konservativ-klerikalen Landtagsmehrheit nachgebend, schlägt sie im Widerspruch zu der bisher von ihr vertretenen Auffassung in dem Entwurf des Kommunalabgabengesetzes eine Aenderung vor, die ans sozialpolitischen Gründen aufs schärfste zurückgewiesen werden muß, nicht nur weil sie in das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden eingreift, sondern auch weil sie der Terrain- spekulation Tür und Tor öffnet. Die Städte haben rechtzeitig die ihnen dadurch drohenden Gefahren erkannt, und wir wollen hoffen, daß ihr Protest nicht unbeachtet bleibt. Einen Vorschlag von großer Tragweite bedeutet die vom Städtetag gewünschte Beweglichkeit der einzelnen Abgabe- arten. Wenn insbesondere verlangt ist, daß die Möglich- keit geschaffen wird, die Einkommensteuer in anderer Form als durch Zuschläge zur Staatseinkommensteuer zu erheben und dadurch örtlichen Bedürfnissen anzupassen. so würde die Verwirklichung dieses Vorschlages die Genieinden in die Lage versetzen, die Zuschläge progressiv zu gestalten, die geringeren Einkommen zu entlasten, die höheren stärker heran- zuziehen. Allerdings würde diese Möglichkeit vorläufig nur auf dem Papier stehen, denn ob unter dem Dreiklassenwahl- systcm zu den Gcmeindevertreterivahlen davon Gebrauch gc- macht wird, erscheint uns mehr als fraglich. Ja, es würde sogar die Gefahr bestehen, daß die Vertreter des Geldsacks in der Praxis ihre Macht in umgekehrter Richtung mißbrauchen und sich selbst und ihre Klassengenossen zu entlasten suchen. Sollte das Gesetz nach der Richtung hin geändert werden, so müßten gleichzeitig Kautelcn gegen einen derartigen Mißbrauch geschaffen und ausdrücklich bestimmt werden, daß die höheren Einkommen nicht mit niedrigeren Zuschlägen bedacht werden dürfen, als die geringen Einkommen. vie grudevkatasttophe bei Gardiff. Das furchtbare Drama, das sich im Tale von Senghcnyd d tief drunten im Schachte der U n i v e r s a l g r u b e abgespielt hat, hat wahrscheinlich so ungeheure Opfer an Menschen gc- kostet, wie noch nie ein ähnliches Unglück im englischen Bergbau. Heber 400 Arbeiter mußten im Frondienste des Kapitalismus ihr Leben lassen, Hunderte von Frauen beweinen den Gatten, den Sohn, den Ernährer. Viele Hunderte Kind er rufen verzweiflungsvoll nach dem Vater. Tausende warten am Eingang zur Grube, ob nicht doch noch ein Wunder geschieht, der Vater, der Bruder oder der Sohn noch lebend, wenn auch als Krüppel die Grube verläßt. Zwar ist es gelungen, einige noch Lebende aus dem Innern der Erde ans Tageslicht zu schaffen, doch die- Freude des Wiedersehens macht den Schmerz der vielen anderen, die ver- geblich in dumpfer Verzweiflung auf ihre Angehörigen warten, noch schmerzhafter. Einige Tage wird man die Armen, denen so schweres Leid widerfuhr, bedauern; doch bald sind sie durch ein neues Ereignis vergessen. Stumm schleppen sie ihr müdes Leben, dem der Inhalt genommen ist, dahin. Nach wenigen Tagen vielleicht muß der Sohn, der mit Fluch der Grube gedenkt, als Ersatz für seinen Vater in dieselbe Grube hinabsteigen. Waren die furchtbaren Opfer notwendig? Hat die Grubenvcrwältung alles getan, ihre Arbeitssklaven vor der drohenden Vernichtung zu schützen? Das sind Fragen, die sich jedem aufdrängen, der da weiß, wie schwer in Punkto Arbeiterschutz von allen Kapitalisten— nicht nur von denen in England— gesündigt wird. Die Grubenverwaltung bc- hauptet natürlich, alles getan zu haben, um Katastrophen zu vermeiden. Fest steht aber bereits, daß es nach dem Brande an Wasser zur Löschung mangelte. Da liegt die Schlußfolgerung nahe, daß auch vor der Explosion nicht genügend berieselt wurde. Die Untersuchung wird hoffentlich so unparteiisch geführt werden, daß etwa vorhandene Mißstände rücksichtslos aufgedeckt, die eventuell Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden. Erhöhter Schutz dem Leben der Berg- a r b e i t e r! Diese rein menschliche Forderung muß auch nach dem gewaltigen tragischen Unglück in der Universalgrubo dem Kapitalismus und seinen Sachwaltern entgegengerufen werden. Arbeiterschutz auch gegen den Willen der Kapitalisten! Die vielen Tausende, die jahraus jahrein auf dem Schlacht- fclde der Arbeit verbluten, brauchten zu einem großen Teile nicht hingemordet zu Iverden, wenn statt Profitgier Vernunft die Leitung der Betriebe in Händen hätte. Auch die 400 zum Teil völlig zerfetzten Leichname der Univcrsalgrubc rufen ihren Mördern entgegen: Schutz der Arbeit! Tötet nicht auch noch unsere Kinder, unsere Enkel, um den Aktionären den Profit zu sichern. �sad? der Kataftrophe. liebet die Schreckensszenen, die sich nach der Explosion auf der Grube.Universal" bei Cardiff am llnglücksorte abgespielt haben, j wird noch berichtet: Eardiff. 15. Oktober. Gegen 8 Uhr morgens wurde in einem Umkreis von mehreren Meilen eine dumpfe Detonation gehört. Männer, Frauen und Kinder eilten zu den Schachteingängen, wo sie erfuhren, daß eine Explosion, die eine Feuersbrunst hervorgerufen habe, kurz nach Einfahren der Tagesschicht erfolgt sei. Nach allen Orten des Landes wurde sofort um Hilfe telephoniert. Um ö Uhr stiegen die ersten Rettungsmannschaften in den Schacht. Eine Stunde blieb man ohne Nachricht. Gegen 11 Uhr wurde bekannt, daß etwa dreihundert Bergleute gerettet worden sind. Sechs Leichen waren zu Tag gefördert worden. Den ganzen Nachmittag über standen Tausende von Leuten an dem Schacht und warteten auf Nachricht von ihren Verwandten. Es spielten sich erschütternde Szenen ab in dem Augenblick, als die Leichen vorübergetragen wurden. Eine Frau rief, als sie einen Blick auf die Bahre geworfen hatte: DaS ist mein Vater! und fiel in Ohnmacht. Eardiff, 15. Oktober. Das Tal von Senghenydd, in dem die Unglücksgrube liegt, bietet in der Nacht einen Anblick von schreck- licher Tragik. Durch den weißen Dampf der unerniüdlich arbeitenden Maschinen werfen die Bogenlampen ihr rötliches fahles Licht auf die Hügel, die dicht besetzt sind mit Menschen, die fieberhaft erregt auf den Ausgang des Dramas, das sich tief unter der Erde abspielt, harren. Es find die F r a u e n, Kinder und sonstigen A n g e�h ö r i g e n der Bergleute, die schon stundenlang ohne Nahrung in der feuchten nebligen Herbstnacht stehen, um etwas über das Schicksal der Ver- unglückten zu erfahren. Von allen Gruben des Bezirks sind in: Laufe der Nacht Hilfsmannschaften und Rettungsapparate eingetroffen und ununterbrochen lösen sich die Rettungsmannschaften ab, um mit Hilfe von Sauerstoffapparaten, durch das Meer von Rauch nach dem Feuerherde vorzudringen. Trotz allen Eifers schreiten die Arbeiten nur mühsam fort, erschwert durch die giftigen Gase. Trotz der strengen Absperrung gelang es einer Schar Bergarbeitersranen, bis zu dem Schachteingang vorzudringen; laut jammernd forderten sie Auskunft über das Schicksal ihrer Ernährer und es dauerte lange, bis sie be- ruhigt werden konnten. Eine ältere Frau, der mitgeteilt werden mußte, daß ihr Gatte, ihre vier Söhne und drei ihrer Brüder unter den noch in der Grube Befindlichen seien, machte einen Selbstmord- versuch. Der Lrand gelölckt. Cardiff, 15. Oktober. Die Feuersbrunst in den Schächten ist gelöscht. Man rüstet jetzt die Rettungsmannschaften aus, um das Bergwerk zn durchsuchen. Bis heute früh um 10 Uhr find 26 Leichen geborgen worden. Die Gesamtzahl der Gerettete» beziffert sich auf 487, das Schicksal von 393 Mann ist un- bekannt. Eardiff, 15. Oktober. Zwanzig weitere Bergleute des Kohlenbergwerks Universal sind heute früh 2 Uhr noch lebend aufgefunden worden. Cardiff, 15. Oktober. Obwohl das Feuer in der Universal« Grube erloschen ist, wird es doch längere Zeit dauern, bis das ganze Bergwerk durchsucht werden kann, da einzelne Teile der Grube mehr als zwei Meilen vom Schachteingang entfernt liegen und die Gänge durch Trümmer versperrt sind. An mehreren Stellen wurden Leichen aufgefunden, die b i s z u r Unkenntlichkeit verstümmelt waren. Andere hielten sich umschlungen. Weiterhin stieß die Rettungsmannschaft auf ein noch angeschirrtes, lebendes und unversehrtes Pferd. Die noch lebend Aufgefundenen waren fast bewußtlos und mußten unter großen Schwierigkeiten aus dem Schacht hinausgeschafft iverden. Die ganze Gegend feiert. Bergleute in Sonntags- kleidung geben den Leichen das Geleite zu ihren Woh- n u n g e n, wo sie von den Frauen erwartet werden. Mindestens tausend Frauen und Kinder sind ohne Hilfsmittel. Ver Kericbt eines lleberlebenden. Cardiff, 15. Oktober. Einer der geretteten Bergarbeiter, ein gewisser Sidney Gregory, gibt über die Katastrophe folgende Darstellung: Ich arbeitete im Lancasterschacht, als ich um 8 Uhr zwei starke Explosionen vernahm, nach denen sich der S ch a ch t m i t Rauch füllte. Die Luft wurde schwer und ich befand mich Plötz- lich in einer Atmosphäre von Kohlenstaub und Oualm, die mich am Atmen hinderte. Neben mir stand ein kleiner Junge, der mit mir arbeitete. Wir konnten keine zwei Schritt vor uns sehen und liefen verzweifelt durch die Galerien, als wir auf Feuerwehrleute stießen, die uns den Weg nach oben wiesen. Hinteruns hörten wir das Prasseln des Feuers und das Krachen der einstürzenden Schächte. Endlich kamen wir zu der Stelle, wo sich der Förderkorb befand, und um 11 Uhr waren der halbohnmächtige kleine Knabe und ich endlich oben. Die Halmng meiner Kameraden war m u st e r h a f t; ruhig. als ob nichts geschehen wäre, wartete jeder, bis die Reihe an ihn kam. Verschiedene der geretteten Bergleute wollten mit aller Gewalt sofort in den Schacht zurückiehrcn, um bei den Rettungs- arbeiten Hilfe zu leisten. Dgz ßloch-Frottlem. (33 on unscrcniPariserKorrcspon deuten.) Frage der Block-Politik wird jetzt innerhalb und Die Frage der Block-Politik wird außerhalb der geeinigten Partei lebhaft diskutiert. In der Partei hat sie als erster Gustav Heros aufgeworfen. Seit mehreren Monaten wiederholt er den Ruf nach dem Block in jeder Nummer der-„Gucrre Sociale" und stellt alle Partei- genossen, die an seiner neuesten Marotte keinen Geschmack i finden, als engstirnige Doktrinäre, fetischistische Anbeter der Kongreßformeln oder mindestens als schlvachherzige Routiniers ohne Initiative hin.. Die Predigerei Hervss entbehrt nicht der Komik. Der alte Cato hat ja auch alle seine Reden in dasselbe Sprüchlein austönen lassen, aber wenigstens blieb er bei dem einen Karthago, das zerstört werden müsse, während Hervö erst die Bourgeoisrepublik mittels Insurrektion ver- nichten wollte und jetzt alle Republikaner gegen die Pfaffen- Herrschaft aufruft. Ohne den republikanischen Block, heißt es jetzt, sei das Kaiserreich unabwendbar. Diese Alternative ist nicht bloß Hervss Bedenken. Man hat von der jungmonarchistischen Polemik das Argument übernomn'.en, daß die jetzige Republik im Innern und Aeußern vollkommen unfähig sei und nicht weiterleben könne. Vollkommen schlüssig ist der Beweis nicht. Die französische Kapitalistenklasse hat unter der dritten Republik ihre Interessen auf dem weltpolitischen Gebiet wie in der Durchsetzung der .Klassenherrschaft sehr geschickt wahrgenommen, und wenn sie den Staat aus den Krisen nicht hinausbringen konnte, so lag das Iveniger an ihr, als an der langsamen wirtschaftlichen EntWickelung, die dem politisch unzuverlässigen, demagogischen Einflüssen besonders zugänglichen Kleinbürgertum eine wichtige Rolle bewahrte. Sicherlich, der Klcrikalismus hat in den letzten Jahren eifrig gearbeitet und spekuliert darauf, von der konservativer gewordenen Republik die alte, offizielle Stellung der Kirche wiederherstellen zu lassen. Aber der wachsende Einfluß der der alten bürgerlichen Aufklärung wie der dogmatischen bürgerlichen Demokratie entgegengesetzten Strömung in der Bourgeoisie kann es Wohl der Kirche ersparen, ihre Sache auf die Bajonette des Staatsstreichs zu stellen. Das alte Schema: Reaktion— Klerikalismus— Monarchie braucht sich und wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen. Die Bourgeoisie hat an einem Umsturz der Staatsform kein Interesse, solange sie nicht vor einem sozialen Umsturz zittert, und ihre materiellen Jnter- essen können von einer Staatsstrcichära nur Schaden haben. Air sprechen hier natürlich nur unter der Voraussetzung der Fortdauer des Friedens. Was eine kriegerische Verwicklung bringen kann, läßt sich nicht voraussehen. Daß aber just die konservative Wendung der Republik zum Konflikt mit Deutsch- land hintreibe, ist eine recht»villkürliche Behauptung und jedenfalls nicht durch die Geschichte der ersten Jahrzehnte der dritten Republik zu beweisen, wo wir die großbürgerlichen, opportunistischen Elemente ein erträgliches Verhältnis zu Deutschland suchen sehen, wogegen der Radikalismus die chauvinistschen Empfindungen gerne ausbeutet. Bezeichnend ist, daß die repräsentativen Männer der aggressiven Auslands- Politik wie D o u m e r und D e l e a s s 6 Radikale waren. Heute ist das— zum Teil— anders. Neben einem Elemenceau und minderwertigen, mehr oder weniger uneigennützkgen Chauvinisten der radikalen Parlaments- gruppen und Zeitungen stehen Radikalsozialisten, die sich gleich den Sozialisten ausdrücklich zur deutsch-französischen Ver- ständigung bekennen. Aber diese hat in den nüchternen Unternehmungen des Finanzkapitalesein stärkeres Versprechen als in den sehr löblichen humanitären Bemühungen der fort- geschrittenen Demokraten. Die Bemühungen um eine Be- Hebung der zollpolitischen Schikanen hüben und drüben sind im gegenwärtigen internationalen Zustand ein verläßlicheres Mittel als die luftige Vcrbrüderungsideologie Hervös, die mit ihrer selbstgewissen Aufwerfung der elsaß- lothringischen Frage Kn Frieden und der deutsch-französischen Verständigung' leicht einen Bärendienst erweisen könnte. " Doch die klerikale Gefahr besteht und das Proletariat hat das allerstürkste Interesse daran, ihr mit aller Kraft entgegen- zuwirken. Ob die Dtarineartilleristen in den kleinasiatischen und syrischen Gewässern am Karfreitag Trauerschüsse abzu- feuern haben, wäre am Ende nicht gar so wichtig, aber von ganz anderer Bedeutung ist für die kämpfende Arbeiterklasse der S ch u tz d e r V o l k s s ch u l e. Diese ist jedoch nicht nur von der Konkurrenz der als„freie" Schulen auferstandenen Kongregationsanstalten und vom klerikalen Boykott bedroht, sondern nicht minder von der Tendenz der sozial-konservativen Parteien, die Lehrer unter die Fuchtel der Regierung zu bringen. Weil' ein ansehnlicher Teil der Volksschullehrer die wirtschaftlichen und moralischen Interessen des Berufs durch die gewerkschaftliche Organisation zu schützen unternommen und die. Aufgaben des Lehrers, über die vorschriftsmäßigen Schulstunden hinaus, in einer fortdauernden aufklärenden Wirksamkeit in den Volksmassen gesucht hat, ist eine giftige, demagogische Hetze gegen die Lehrerschaft betrieben worden, die nicht erfolglos geblieben ist. Daß jour- nalistische Schwätzer die Volksschullehrer, die nicht in den Cafös des lateinischen Viertels den„ll'smeukoutisms" — die tiefe Weltanschaunng„Ich pfeife auf alles"— ein- gesogen haben, um ihrer betätigungsfrohen, nicht vom Skep- tizismus angefressenen Gesinnung willen hochfahrend als „Primäre" beschimpfen, wäre noch zu ertragen: schlimmer aber ist, daß man in den letzten Jahren von„republikanischen" und„weltlichen" Regierungen eine Reihe von Maßregeln treffen gesehen hat, die darauf hinausliefen, die Unabhängig- keit der Lehrer und der Lehrervertretungen gegenüber der zentralen Unterrichtsverwaltung einzuschränken. Die Volks- schule ist also nicht vor den Pfaffen allein zu schützen und nicht mir in der Weltlichkeit ihrer Organisation, sondern namentlich auch in der bürgerlichen Freiheit der Lehrerschaft, der auch Regierungen nahetreten, die bei feierlichen Anlässen die Verteidigung des weltlichen Unterrichts proklamieren. Daß sich die Sozialisten bei diesem Bestreben mit den bürgerlichen Radikalen oft zusammenfinden werden, ist sicher, und da die gefährlichen Anschläge nicht in gesetzgeberischen, sondern in Verwaltungsmahregeln zur Ausführung kommen, die hernach der Kritik des Parlanients unterliegen, so ist die gemeinsame Abwehr auch ohne geschlossene Arbeitsgemeinschaft selbstverständlich. Aber dieser organisatorischen Gemeinschaft bedürfte es auch nicht, wenn es den Radikalen gelingen sollte, nach ihrem Parteitag in Pau ein für die Sozialisten annehm- bares Minimalprogramm und hernach im Parlament— in der Deputiertenkammer und im Senat— die notwendige Parteidisziplin zu seiner Durchsetzung zu finden. Ja u r 6s hat dies in der„Humanit6" klar ausgesprochen, als er schrieb: „Welchen Sinn können also die vielen MeinungSäutzerungen über den Block derzeit haben? Handelt es sich da um eine Verwirrung der Programme und der Verant- wortlichkeiten, so ist das für immer unmöglich. Und handelt es sich um ein loyales Zusammenarbeiten sür die Verwirklichung eines ernsten Programms, wann hätte die sozialistische Partei einer ehrlichen Bemühung, einer wirklichen Reform ihren Beistand versagt? Aber wo ist in diesem Augen» blick das Programm des Radikalismus? Wo ist der Mut der Radikalen? Wo ihre Einsicht? Der Kongretz in Pau wird nur eine Komödie und eine Fehlgeburt sein, wenn er nicht allen Parlamentariern der Partei, allen ohne Ausnahme, die absolute Verpflichtung auferlegt, das Dreijahrgeietz zu verwerfen und zu zerbrechen— dieses Gesetz, das zugleich die nationale Verteidigung und die republikanische Aktion kompromittiert und allem Unheil von auhen und allen Kapitulationen im Innern den Weg ge- öffnet hat. So sehr wir bereit sind, in voller Unabhängig- keit wie mit voller Loyalität jede ehrenhafte und kräftige Politik im Sinne der Demokratie, der Weltlichkeit, der fiskalischen und sozialen Reform zu unterstützen, jede wahrhaft zweckmäßige und volkstümliche Organisation der' nationalen Verteidigung, jede Diplomatie des Friedens, der Weisheit und der Gerechtigkeit, so sehr lehnen wir es ab, die geringste Rolle in einer jämmerlichen Tragikomödie zu spielen, wo die Hälfte der handelnden Personen , für, die andere �gegkn die drei Jahre wäre, und der Chor der Greise, ebenso erschreckt wie der im OedipuS, nicht wagen würde, seine Meinung zu sagen." Daß von der Masse der Radikalen derzeit mehr als eine platonische Erklärung für die Rückkehr zur zweijährigen Dienst- zeit und die militärische Jugenderziehung zu erwarten ist, glauben wohl die wenigsten— sogar das Exekutivkomitee der Partei, wo die entschiedenen Elemente überwiegen, hat in seinen Proarammentwurf die dehnbare Klausel„nach Maßgabe der Interessen der nationalen Verteidigung" auf- genommen. Und Hcrvs selbst hat schließlich die Verhinderung des Inkrafttretens des Dreijahrgesetzes als Minimalforderung für den Zusammenschluß mit den Radikalen aufgestellt. So wird voraussichtlich auch für die extremsten Reformisten der geeinigten Partei die Versuchung fehlen, die vöHiersthIschten und llisiienksmpfe. I. Der unier dem gleichen Titel im Vorwärtk-Verlag erschienenen trefflichen Materialiensammlung A. ConradhS entnehmen wir folgende Zitate: Die Freiheitskriege im Zusammenhang mit der großen Revolution. Die großen Weltbegebenheiten seit dem letzten Viertel beS abgelaufenen Jahrhunderts haben nicht bloß in einzelnen Köpfen, sondern auch in den Völkern selbst eine so getvaltige Veränderung in der religiösen und politischen Denkart bewirkt, daß die Welt- geschichte kein Zeitalter kennt, in welchem ein so tiefes Gefühl der Mängel und' UnVollkommenheiten des Vorhandenen uno ein so leb- Haftes Sinnen und Streben, abzustellen und zu bessern, was den allgemein gefühlten Bedürfnissen nicht zusagt, vorhanden war, als sich jetzt täglich mehr unter den gebildeten und mächtig sich fort- bildenden Völkern verbreitet. Eine solche Zeit mußte überall große Veräniderungen hervorbringen. Alle europäischen Völker befinoen sich daher bald mehr, bald weniger in dem Standpunkte zwischen dem Untergang älterer Einrichtungen, die Jahrhunderte binourch die Stützen der bürgerlichen Gesellschaft waren, und dem Schivanken neuer Anstalten und Organisationen. Auch Preußen befindet sich in einer ähnlichen Lage. Durch den unglücklichen �.ricg, den der Friede zu Tilsit bezeichnet, hatte eS die Hälfte seiner Provinzen, deren Schatz, seine Finanzen und sein Heer verloren. Dieser gänzlich veränderte Zustand des Staates gab seinen bis dahin nur einzelnen und langsamen Verbesserungsplänen schnellere Flügel. Das Edikt vom ö. Oktober 1L07, welches Freiheit der Person, des Eigentums und der Gewerbe aussprach, eröffnete eine Reihe von Verordnungen, wodurch die innere Einrichtung des Staates und seine Wchrverfassung eine gänzliche Umgestaltung crbielten, die es möglich machte, daß in den Kriegen von 1313/15 mit Dransetzung der Existenz der höchste Nationalruhm errungen, zugleich aber auch die Rationalkraft bis zum letzten Punkte an- gespannt wurde. Wilh. d. Sumboldt an den König, 26. Aug. 1819. Pol. Denkschr. III. 2. S. 324. * Wie die Deutschen die Revolutiou aufnahmen. Solange die Sonne am Firmamentc steht ulrd die Planeten um sie Herumkreisen, war das nicht gesehen worden, daß der Mensch sich auf den Kopf, das ist, auf den Gedanken stellt und die Wirklichkeit nach diesem erbaut. Anaxagoras hatte zuerst gesagt, daß der Nus(die Vernunft) die Welt regiert; nun aber erst ist der Mensch dazu gekomme», zu erkennen, daß der Gedanke die geistige Wirklichkeit regieren solle. ES war dieses somit ein herrlicher Sonnenaufgang. Alle denkenden Wesen haben diese Epoche mit« gefeiert. Eine erhabene Rührung hat in jener Zeit geherrscht, ein Enthusiasmus des Geistes bat die Welt durchschauert, als sei es zur wirklichen Versöhnung des Göttlichen mit der Welt nun erst gekommen. Hegel, Philosophie der Geschichte. 4. Teil, 3. Abschnitt, 3. Kapitel: Die Aufklärung und die Revolution. » Revolutionseindrücke beim Bürgertum in Preußen. Im ganzen war der Bürgerstand und unter diesem auch viele Gelehrte oen Fortschritten der Revolution geneigt. Man erwartete in diesem Kreise mit Recht von der Verbreitung dieser Anfichten die Abschaffung vieler drückender Adelsvorrechte und Stanoes- mißbrauche und der auf sie begründeten Anmaßungen; ihr mehr aebilocter Geist ließ sie dabei auf die Abstellung mancher Ver- schwendungen, die einen kleinen Kreis begünstigten, hoffen, während, lehr natürlich, die menschliche Eitelkeit und der Gedanke, nun auch auf dem Wege zu sein, eine Rolle spielen zu können, die obigen allgemeinen Ansichten in etwas egoistische verwandelte. Der Adel und die Offiziere dagegen, besonders die älteren, waren, wenn auch nicht durch klaren Blick, so doch durch natürlichen Instinkt jenem Revolutionstreiben durchaus abgeneigt, das ihre bisherige Existenz vielfach bedrohte. Auf mich machte die Abschaffung mancher törichten Adelsborrechte sowie die Bcfteiung des Land- mannes von seinen unerschwinglichen Lasten einen günstigen Ein- druck, da meme eigenen Lebensansichten damit übereinstimmten. B o y e n, Erinnerungen, I. 25. ♦ Napoleons Verdienste um Deutschland. Die von Napoleon neu eingerichteten Staaten wurden freilich von ihin und von den Franzosen überhaupt furchtbar gedrückt, aber sie erlangten auch durch ihn Anteil an den unschätzbaren Vorteilen der Revolution, den sie nimmer erlangt hätten, wenn nicht der Kaiser ohne lange Beratschlagung mit den oeutschen Beteiligten diktatorisch und militärisch den Boden zum neuen Bau geebnet hätte. Wir geben daher zu, daß ihm auch Deutschland unsäglich viel verdankt, das kann uns aber so wenig bewegen, ihn zu ver- göttern, als wir es den Engländern danken, wenn sie die Welt aussaugend und tyrannisierend gelegentlich ganze Erdstriche und Länder zivilisieren.... Auch Preußen verdankt mittelbar die besten Stücke seiner gegenwärtigen Einrichtung den Franzosen. weil diese den am Alten klebenden König und die Leute, mit denen er am liebste» verkehrte, nötigten, in eine völlige Umgestaltung der alten Einrichtungen zu willigen. Man mußte, wenn man das Volk gewinnen wollte, ein neues Preußen schaffen, wie Napoleon ein neues Frankreich gründete. Schlosser, Geschichte des 18. Jahrhunderts, VII. 1. S. 242. » Sozialisten von neuem an einen republikanischen Block zu fesseln. Die Rücksicht auf die Einigkeit der Partei rät allein schon dringend, auf einen solchen Versuch zu verzichten. Die Diskussion der Frage in der Provinzpresse hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß ein großer Teil der Parteigenossen in keinem Fall einen Verzicht auf die Selbständigkeit der Partei- aktion im Parlament zugeben wird. Sehr entschieden hat das C o m p s r e- M o r e 1 in der„Humanits" ausgesprochen. Auch Marcel Sembat, der in der antiklerikalen Propa- ganda eine hervorragende Rolle spielt, lehnt die politische Fusion und Konfusion der Linksparteien ab, indem er— in einem Interview mit einem Redakteur der„Lanterne"— darlegt, daß die sozialistische Partei wohl nie eine systematische Isolierung angestrebt habe, aber durch die Tatsachen ge- zwungen werde, alle Parteien nach der Reihe zu bekämpfen. Das schließe ein Zusammenarbeiten nicht aus, das vielmehr durch die wachsende Energie der Klerikalen notwendig werde, aber die Sozialisten müßten dabei ihre Selbständigkeit im Auge behalten:„Fangen wir nicht die Ver- gangenheit von vorn an!" Die Geschichte der französischen Arbeiterbewegung seit 13 Jahren macht aus diesem Ruf eine nicht zu überhörende Warnung._ polWcbe Cleberficbt. Der militärische Pfcrdehandcl. Das Kriegsministerium fühlt sich endlich bemüßigt, eine Er- klärung zu den Vorkommnissen bei dem Pferdeankauf in Ost- Preußen zu geben. Die Vorwürfe werden, wie das zu erwarten war, als unzutreffend zurückgewiesen. Zunächst wird behauptet, daß Händler herangezogen werden mußten, denn die Züchter hätten nur wenige volljährige Pferde im Besitz, die den militärischen Ansprüchen genügen. Ihr bestes Material hätten sie schon als Remonten ver- kauft, und von dem Rest sei seit dem Frühjahr ein großer Teil durch Spekulationsankäufe in den Besitz von Händlern übergegangen. Unter diesen Umständen habe die Kommission entsprechend der An- Weisung des Kriegsministeriums auch mit Händlern größere Ab- schlüsse machen müssen. Die Erklärung fährt dann fort: „Besonders gilt das von den Maschinengewehrpferden. Sie müssen fertig eingefahren zur Truppe kommen, weil diese kein geeignetes Personal hat, um das Einfabren selbst zu übernehmen. Die Maschinengewehrpferde waren daher auf Grund einer Be» stimmung des Kricgsministeriums paarweise anzukaufen und vor der Abnahme auf Zugfestigkeit zu prüfen. Das Zusammenstellen und Einfahren geeigneter Paare wäre für die Ankaufskommission während der Märkte mit ihrem Auftrieb von mehreren hundert Pferden eine unlösbare Aufgabe gewesen. Die rechtzeitige Be- schaffung des Bedarfs war völlig ausgeschlossen, wenn diese vor- bereitende Arbeit nicht von anderer Seite übernommen wurde. Das aber konnte, wie die Dinge nun einmal lagen, nur der Händler fein, der über eine größere Auswahl von Pferden ver- fügte— und außerdem über die der Kommission fehlende Zeit." Daß die mit den militärischen Erwägungen nicht näher ver- trauten Interessenten den ganzen Vorgang für beftemdlich gefunden hätten, könne man verstehen; denn sie vermöchten sich die Zu- Weisung einzelner Pferde durch den Kommiffar an den Händler nicht zu erklären. Es müsse aber betont werden, daß das Verfabren des Kommissars auch im Interesse der einzelnen Verkäufe lag; denn zweifellos sei auf diese Weise manches Maschinengewehrpferd schließlich noch zur Abnahme gelangt, das sonst in Ermangelung eines Paßpferdes hätte zurückgewiesen werden müssen. Das Kriegsministeritnn hofft, daß diese Aufklärung die unter den Züch- tern bestehende Erregung beseitigen würde. Allerdings dürfe man nicht annehmen, daß auch jene Leute befriedigt würden, die schon im Sommer Pferde zu Spekulationszwecken angekauft hätten und jetzt ihr ungeeignetes Material nicht loswerden könnten. Die Er- klärung schließt mit den Worten: ..Zu bedauern ist, daß die öffentliche Behandlung der ganzen Frage sich nicht immer in den Bahnen sachlicher Kritik bewegt, sondern auch zu ganz ungerechtfertigten persönlichen Verdächti- gungen des Ankaufskommissars geführt hat. Gegen die dafür Verantwortlichen ist vom Kriegsminister Strafantrag gestellt worden." Man wird also zunächst die gerichtliche Aufklärung dieses Vor» kommnisses abwarten können. In der Budgetkommission des Reichs- tages werden die Herren von der Militärverwaltung bestimmt auch Französische Revolution und preußische Reform. Der Wahn, daß man der Revolution am sichersten durch Fest- halten am Alten und durch strenge Verfolgung der durch solche geltend gemachten Grundsätze entgegenstreben könne, hat besonders dazu beigetragen, die Revolution zu befördern und derselben eine stets wachsende Ausdehnung zu geben. Die Gewalt dieser Grund- sätze ist so groß, sie sind so allgemein anerkannt und verbreitet, daß der Staat, der sie nicht annimmt, entweder seinem Untergange oder der erzwungenen Annahme derselben entgegensehen muß. Ja, selbst die Raub- und Ehr- und Herrschsucht Napoleons und seiner begünstigten Gehilfen ist dieser Gewalt untergeordnet und wird es gegen ihren Willen bleiben. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß ohnerachtet deö eisernen Despotismus, womit er regiert, er dennoch in vielen wesentlichen Dingen jene Grundsätze befolgt, wenigstens ihnen dem Scheine nach zu huldigen genötigt ist. Also eine Revolution im guten Sinn, gcrävehin führend zu dem großen Zwecke der Veredelung der Menschheit, durch Weisheit der Re- gierung und nicht ourcl, gewaltsame Jmpulsion von innen oder außen— das ist unser Ziel, unser leitendes Prinzip. Demokratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung: dieses scheint mir die angemessene Form für den gegenwärtigen Zeitgeist. Hardenbergs Denkschrift über die Reorganisation de? preußischen Staates. 12. Sept. 1807. Denkwürdig- leiten des StaatSkanzlers Fürsten v. Harden- berg. Herausgeg. v. Leopold Ranke, IV. Anh. S. 7,8. * Gneisenau über Revolution und Reform. Die Revolution hat die ganze Nationalkrast des französischen Volkes in Tätigkeit gefetzt, durch oie Gleichstellung der verschiedenen Stände und die gleiche Besteuerung des Vermögens die lebendige Kraft im Menschen und die tote der Güter zu einem wuchernden Kapital umgeschaffen und dadurch die ehemaligen Verhältnisse der Staaten zueinander und das darauf beruhende Gleichgewicht auf- gehoben. Wollten die übrigen Staaten dieses Gleichgewicht wieder herstellen, dann mußten sie sich dieselben Hilfsquellen eröffnen und sie benutzen. Sie mußten sich die Resultate der Revolution zu« eignen und gewannen so den doppelten Vorteil, daß sie ihre ganze Nationalkrast einer fremden entgegensetzen konnten und den Ge- sichren einer Revolution entginge», die darum gerade sür sie noch nicht vorüber sind, weil sie durch eine freiwillige Veränderung einer gewaltsamen nicht vorbeugen wollten. Gneisenau, Denkschrift vom Juli 1807. Pertz, Gneisenau. l. 302. » Die Aufgabe fft, eine von anderen Völkern beneidete Kon- stitntion zu haben; dabei die Mittel vorbereitet, um zur ent- scheidenden Stunde gerüstet dazustehen, andere Staaten zu über- leben. Dahin führen Wohlstand. Aufklärung, Sittlichteic. bürger- liche Freiheit; ein Volk, arm, roh, unwissend und sklavisch wird es nie unt einem an Hilfsmitteln und Kenntnissen reichen aufnehmen können. Aufzeichnungen GneisenauS aus dem Jahre 1807. Pertz. Gneisenau I. 321. Gelegenheit haben, nähere Aufschlüsse zu geben. Das Kriegs- Ministerium erklärt selbst, daß die Vorkommnisse zunächst befremd- lich erscheinen mußten. Es verdient denn auch festgestellt zu wer- den, daß die ganze Angelegenheit durch konservative Blätter in Fluß gebracht worden ist. Russisches Fleisch in Berlin. Die von der Berliner Stadtverordnetenversammlung eingesetzte gemischte Deputation zur Beratung von Maß- nahmen gegen die Lebensmütelteuerung hat am Mittwoch den Vertrag der Stadt Berlin mit dem Großkaufnmnn Samuel Aron in Wilmersdorf genehniigt. Die Fleischer- innung hat sich an den Magistrat gewendet, auch ihren Mit- gliedern den Verkauf russischen Fleisches zu überlassen. Tie Innung verpflichtet sich, aus jedem ihrer sechs Bezirksvereine Mitglieder zu bestimmen, welche ehrenamtlich die Kontrolle der Fleischerläden übernehmen. Die von der Stadt gestellten Bedingungen gehen dahin, daß der Fleischer das von der Stadt bezogene Fleisch nur an einer durch ausfällige Auf- schrift„Städtisches ausländisches Fleisch" bezeichneten Stelle lagert und feilhält. Anderes Fleisch darf an dieser Stelle nicht verkauft und gelagert werden. Entsprechendes gilt auch für die Auslagen ini Schaufenster. Der Fleischer über- nimmt die Gewähr dafür, daß das gekaufte Fleisch nicht zu höheren als zu den von der Stadtgemeinde festgesetzten Preisen an das Publikum verkauft wird und nicht anderweit in den freien Verkehr kommt. Von den Mitgliedern unserer Fraktion wurde vor Ab- schließung dieses Vertrages gewarnt, da eine Kontrolle un- möglich und die Gefahr vorhanden, daß das Publikum über- vorteilt wird, indem es russisches billiges Fleisch als teures deutsches bezahlen muß. Es wurde aber mit 8 gegen 3 Stim- nien beschlossen, versuchsweise und unter den angegebenen Bedingungen Fleisch auch an Fleischermeister zu überlassen, soweit genügend Fleisch vorhanden ist, und mit der Beteili- gung der übrigen Gruppen(Verkäufer von nur russischem Fleisch. Konsumvereine usw.) möglich ist. Mit dem Bezug russischen Fleisches wird am Donners- tag, den 23. Oktober, begonnen. Ter Fortschrittskrieg in Köln. Die Kämpfe in der Fortschrittlichen Volkspartei zu Köln, über die wir schon vor kurzem berichteten, haben in einer stürmischen Generalversammlung am Montagabend ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Die Gegensätze in der Partei wurden mit leidenschaft- licher Wucht zum AuStrag gebracht. In dem Ringen um den Vor- stand wurde mit Flugblättern, Plakaten und besonderen Wahl- bureauS im Haufe der Generalversammlung gearbeitet. Während sonst bei der VorstandSwahl ein paar Dutzend Menschen anwesend waren, hatte die aufregende Werbearbeit des„Fortschrittlichen Agi- tationskomitees" diesmal eine Generalversammlung von bS0 Per- fönen zusammengebracht. Selbst Herr Heinz Potthoff war aus Düsseldorf herbeigeeilt, um den Parteibranv löschen zu helfen. Bei dem Vorstandsbericht ging es noch ziemlich ruhig zu. Staunend hörte man, daß die Fortschrittspartei in Köln sich an den Land- tagswahlen nicht beteiligt hat, weil— die Nationalliberalen kein Geld hatten. Bei der Vorstandswahl aber trat Sturm ein. Ein Herr Bier empfahl die Wahl des bisherigen Vorsitzenden mit den Worten:„Seit 17 Jahren hat Herr Schaaf am Montagabend mit uns immer so ge- mütlichgeplaudert. ObderneueKandidatJustiz- rat Eltzbacher auch immer da sein wird?(Gelächter.) Dann brach ein Höllenlärm los: es folgte ein persönlicher Vorwurf nach dem andern, dazwischen Beschimpfungen, minutenlanges Schreien, Rufe:„Pfui",„Gelogen",„Verleumdung" usw. Die Anhänger des Dr. B i e s a n tz, dem der Vorstand die Aufnahme in den Verein verweigert hatte, weil er den temperamentvollen Rechts- anwalt fürchtet, erhoben unausgesetzt das Schlachtgeschrei:„Bie- santz, Biesantz, laßt Biesantz herein; er soll sich verteidigen." Ilm seinen Posten zu retten, griff der Vorsitzende Schaaf endlich zu einem verzweifelten Mittel; er warf seinem Gegenkandidaten, Justizrat Eltzbacher. vor, dieser habe nur deshalb 1000 Mark für den Verein gesammelt, damit man ihn (Eltzbacher) als Stadtverordnetenkandidaten a u f st e l l e. In der zweiten Morgenstunde endete das grausame Spiel mit einem Siege deS bisherigen Vorstandes. Er erhielt zirka 80 Stim- men mehr als fein Gegner. Die Opposition will den Kampf gegen den fortschrittlichen Parteisumpf fortsetzen. Ein deutscher Fürsprecher der Beilis-Anklage. Wir baben e» als ganz selbstvelständlich angesehen, daß die deutsche bürgerliche Presse, zum Teil in recht scharfer Weise, gegen den Ritualmordikandal in Kiew Front gemacht hat. Nun findet aber Professor Th. Schiemann in der.Kreuz-Zeitung", daß die öffentliche Meinung sich„durchaus mit Unrecht" über den Prozeß erregt hat.„Daß— schreibt er— in Rußland bei der tiefen Finsternis, in der die elende Judenschaft dort lebt, auch ein Aberglauben bestehen kann, der mit C h r i st e n b l u t religiös« Wahnvorstellungen verbindet, die vielleicht erst durch die umlaufenden Blutlegenden entstanden sind, ist sehr wohl denkbar." Damit stellt der Leitartikler der„Kreuz. Zeitung", wenn er auch die allgemeine Anschuldigung gegen daS jüdische Volk oder die jüdische Glaubenslehre verwirft, sich durch- aus auf den Boden der Anklageschrift, die den Juden Beilis des Mordes aus religiösem Fanatismus beschuldigt. Vergleicht man damit, was selbst die russische konservative Presse vom Schlage des „Kijcwljanin" über den Prozeß und das angebliche Beweismaterial gegen Beilis geschrieben hat, so kommt man zu dem Schluß, daß das Niveau des führenden preußischen Junkerorgans sich nur noch mit der ausgesprochenen russischen Pogrompresse messen kann. Junggescllensteuer. Tie Einführung einer Ledigensteuer beschäftigte am 18. Oktober die L ü b e ck e r Bürgerschaft. Von einer Kommission dieser Körper- schaft war beantragt worden, daß ledige Steuerpflichtige, die ein Einkommen von mehr als 2000 M. bis 10 000 M. haben, einen Zuschlag von 10 Proz., und solche mit mehr als 10 000 M. Ein- kommen einen höheren Zuschlag zur Einkommensteuer entrichten sollten. Begründet wurde diese Steuer mit der größeren Leistungs« fähigkeit der Ledigen. In der sozialdemokratischen Bürgerschafts- fraktion war man zu einer einmütigen Stellungnahme in dieser Frage nicht gelangt. Mährend die Minderheit den Gedanken der Ledigensteuer trotz der in dem Antrage liegenden Mängel für bc- rechtigt erachte«, verwarf die Mehrheit ihn mit der Begründung, daß es sich um eine Sondersteuer handele, die man prinzipiell ab- lehnen müsse, zumal die Ledigen vielfach nicht leistungsfähiger als Verheiratete seien. Die Bürgerschaft lehnte nach ein- gehender Beratung die Ledigensteuer ab, hauptsächlich aus dem Grunde, weil man befürchtete, daß durch diese Steuer reiche unverheiratete Rentner von Lübeck ferngehalten würden.— Die Ledigensteuer gelangt innerhalb des Rahmens der Beratung über ein neues Einkommensteuergesetz zur Verabschiedung. Das neue Einkommensteuergesetz gestaltete die Einkomniensteuer, die bisher nach einem festen Satz erhoben wurde, beweglich und zwar in der Form, daß in Zukunft die Steuer nach Einheiten erhoben werden soll, von der sozialdemokratischen Fraktion wurde versucht, durch Anträge,»ach denen die Einkommensteuer erst vom Einkommen von über 1000 M. erhoben und den kinderreichen Familien bedeutende Steuerermäßigungen gewährt werden sollen, gerechter zu formen. Die Anträge fanden jedoch bei der Mehrheit der Bürgerschaft, die die Arbeiter politisch entrechtet hat, keine Gegenliebe. « Arbeitslosenfürsorge. Die sozialdemokratische Fraktion der Lübecker Bürgerschaft stellte Anträge auf Ergreifung von Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit und auf Erlaß eines Gesetzes betreffend die Schaffung einer Ar- beitslosenunterstützung. Kommunale Arbeitslosenversicherung. In Elberfeld beantragte die sozialdemokratische Fraktion in der am DienSlag staltgefundenen Stadtverordnelensitzung die sofortige Bereitstellung von 20 000 M. für eine kommunale Arbeitslosen- Versicherung. Begründet wurde dieser Antrag durch eine gemeinsame Vorlage der freien Gewerkschaften und der Hirsch-Dunckerschen Gewerk« vereine. Die Christlicben ballen eine besondere ähnlich lautende Vor- löge eingebracht. Die Sladtbertreter beschlossen, entsprechend dem Vor- schlag der Stadlverwaltung, eine Kommission mit der Ausarbeitung einer Vorlage zu betrauen, bestehend aus Vertretern aller Parteien; auch wird je ein Vertreter der Freien Gewerkschaften, der Hirsch- Dunckerichen Gewerkvereine und der Christlichen an den Verhand- lungen der Kommission teilnehmen. In Barmen hat die sozialdemokratische Stadtverordneten- fraktiyn denselben Antrag wie in Elberfeld gestellt. Die dortige Gewerbeinspektion bat bereits diesen Antrag vorberaten und be- schlössen, der nächsten Stadtverordnetenversammlung vorzuschlagen, eine besondere Kommission einzusetzen, die alsbald die Prüfung und Beratung der eingereichten Vorlagen herbeiführen soll. Die Balkan frage«. Vorstellungen des Dreibundes in Belgrad. Wien, 15. Oktober. Die Meldungen über das Ein- rücken der serbischen Truppen in das autonome Albanien im Verein mit gewissen Aeußerungen der offi- ziösen Samouprava finden hier sehr ernste Beachtung, beson- ders, da die Erklärungen von Paschitsch im Belgrader radi- kalen Klub nicht dementiert wurden. Da Oesterreich-Ungarn in eine Aenderung der von den Mächten beschlossenen Grenzen Albaniens nicht einwilligen wird, steht dem Vernehmen nach demnächst ein Sch ritt der Monarchie in Belgrad be- vor. in welchem die serbische Regierung befragt werden wird, was mit der Besetzung der sogenannten strategischen Punkte beabsichtigt sei, wann Serbien die Truppen zurückziehen werde, und was die Aeußerungen der serbischen Presse zu be- deuten ihätten. Aus R o m wird ferner gemeldet, daß die i t a l i e n i s ch e Regierung die serbische in freundschaftlicher Weise darauf aufmerksam gemacht habe, die Grenzen Albaniens zu respek- tieren und Grausamkeiton zu vermeiden. Einen ähnlichen Schritt hat auch die deutsche Regierung in Belgrad unternommen. Die Anarchie in Albanien. Balona, IS. Oktober. Vor einigen Tagen erschien hier ein Vertrauensmann Effad Paschas, um eine Versöhnung Essads mit der Regierung herbeizuführen. Nachdem die Regierung die Forderungen Essads kurzweg zurückgewiesen hatte, erhielt sie heute ein Telegramm Essads, in dem er seinen Austritt aus dem Kabinett mitteilt und gleichzeitig die Regierung davon verständigt, daß er in Durazzo eine neue Regierung gebildet" habe, deren" Wirkungskreis sich auf Zentralalbanien; zwischen den Flüssen Masi und Schkumbi erstrecken solle. Die neue Regierung bestehe aus einem Senat, dessen Mitglieder aus den Städten Durazzo, Kawaja, Tirana und Schiat(je zwei aus jeder Stadt) gewählt worden seien. Ter Präsident deS Senats fei er selbst. In Regierungskreisen bemerkt man zu dem Vorgehen Essads, daß die Senatsmitglieder durchaus nicht angesehenen albattesischen t amilien angehören und daß Essad andererseits den wichtigsten istrikt Zentralalbaniens, Elbassan, völlig vergessen habe, wo er noch nicht anerkannt sei.— Essad hat von seinem Schritt der Internationalen Kontrollkommission Mitteilung gemacht. frankreich. Nicht„republikanischer", sondern„Ordnu«gs".Block. Paris, 13. Oktober.(Eig. Ber.) Die republikanischen Bourgeois von Dijon sind in die neuen Block-Akkorde mit einem schrillen Mißton hereingefahren. Sie haben nämlich, wie bereits telegraphisch gemeldet, gestern das Mandat, das der verstorbene Genosse Bouhey-Allex innegehabt hatte, geradezu verräterisch einem notorischen Klerikalen ausge- liefert. Im 1. Wahlgang hatte unser Kandidat Barabant 7019, Hebert, der V o r s i tz e n d e des katholischen E i s e n b a h n.e.r Verbandes, 6263 Stimmen bekommen. Ein„unabhängiger" Radikaler Dr. Julis brachte 3105 Stimmen auf. Juliö trat zurück, ohne eine Wahlparole aus- zugeben. Im 2. Wahlgang aber drang Hebert mit 9228 gegen 8974 Stimmen Barabants durch. Er hat 3000 Stinimen ge- Wonnen, Barabant nur 1900. Es ist richtig, daß die links- radikalen Wähler schon iin 1. Wahlgang für Barabant ge- stimmt haben, aber die Wahl zeigt doch, daß die republika- nischen Bourgeois heute mehr Sinn für den Klassenkampf als für den Kulturkanipf haben, i�ie„klerikale Gefahr" ist da. Aber sie lauert nicht außen, fondern frißt im Innern des repu- blikanischen Bürgertums um ficht. Dänemark. AuS dem Reichstage. Die erste Lesung der Verfassungsvorlage in der Ersten Kammer ergab die Ucberweisung der Vorlage an eine Kommission, in der auch ein Vertreter der Sozialdemokratie Platz erhielt. Die Kampfstimmung der Konservativen hat durch den Ausfall der Wahlen zur Zweiten Kammer eine merkbare Abschwächung g» funden. Auf ßte Erklärung des Ministerpräsidenten Zahle, daß die Regierung wohl zu Verhandlungen über die Einzelheiten der Vor- läge bereit sei, daß aber an dem Grundprinzip des allgemeinen, gleichen Wahlrechts nicht gerüttelt werden kann, antwortete der freikonservative Führer Graf F r i j s in einer längeren Rede, die nichts von dem starren Nein des letzten Winters mehr verspüren ließ. Er war im Gegenteil zu Verhandlungen geneigt, machte der „Enttvickelung" Konzessionen und trat im ganzen für eine Ver- ständigung„mit Garantien" ein. Seine Rede erweckte in kon- servativen Kreisen große Enttäuschung, so daß ein nachträglicher Kommentar in der Presse gegeben werden mußte. Aber auch diese außerparlamentarische Abschwächung der freikonservativen Rede kann nichts daran ändern, daß die Stellung im konservativen Lager nicht mehr so sicgesgewiß ist, wie vor einem Jahre. Auf den Einfluß des rechtsliberalen Führers I. C. Christensen ist eben nicht mehr zu bauen, nachdem dieser wegen seines außerparlamen- tarischen Verfassungsentwurfes von seiner eigenen Fraktion im Parlament so kräftig desavouiert wurde. Die Sozialdemokratie sieht den kommenden Dingen mit Ruhe entgegen. Draußen im Lande arbeitet sie eifrig auf die Vervoll- kommnung ihrer Organisation und an der Aufrüttelung der Massen, damit sie den eventuell kommenden Kampf mit ganzer Wucht zu führen in der Lage ist. Auch die radikale Regiccungs- Partei ist in gleicher Weise eifrigst tätig. Denn die Verhandlungs- bereitschaft der Konservativen ist immer noch leine Konzessions- bereitschast im Sinne einer demokratischen Verfassungsreform. Mit dem Kampf muß also entschieden gerechnet werden. In der Zweiten Kammer hat die s o z i a l d e m o- kratische Fraktion soeben zwei Gesetzentwürfe ein- gebracht, wovon der eine die gleiche Steuerpflicht der Militärpersonen gegenüber den Gemeinden durchführen will, die für alle anderen Steuerzahler besteht. Der andere und wichtigere Entwurf' verlangt, daß die Gemeindevorstände verpflichtet werden, während der Monate Dezember, Januar, Februar und März dafür Sorge zu tragen, daß Gemeinde- schulkinder an jedem Schultage eine warme Mahlzeit in der Schule bekommen, entweder unentgeltlich oder aber gegen ein Entgelt, das die Selbstkosten nicht übersteigt. Die hierdurch entstehenden Kosten sollen vom Staate und den Ge- meinden je zur Hälfte getragen werden. Bnßland. Die Rüstungstreiber an der Arbeit. Aus den Kreisen der Dnmaabgeordneten, die in engster Fühlung mit den Ministerien stehen, wird mit aller Bestimmt- heit versichert, daß der Ministerpräsident Kokowzew, gegen den die Gruppe Neidhardt und die äußerste Rechte auch neu- lich eine heftige Attacke führte, seinen Posten nur mit der Verpflichtung beibehalten hat, für die Verwirklichung des „großen Flottenprogramms" zu sorgen, das dem Zaren beson- ders am Herzen liegt. Ans diese Meldung hin erfolgte ein ziemlich lahmes offi- ziöses Tamenti, das aber nur bestritt, daß jetzt eine russische Anleihe von 200 Millionen Rubel zur Ausführung des Flottenprogramms auf dem Pariser Geldmarkte geplant werde. Aus allen anderen Aeußerungen geht indes hervor, daß das große Flottenprogramm bereits in allen Einzel- heiten fertiggestellt ist. daß aber seine Inangriffnahme Haupt- sächlich dadurch aufgeschoben werden müsse, weil das kleine Flottenprogramm in absehbarer Zeit noch nicht vollendet werden könne. Sehr lehrreich ist in dieser Beziehung ein Artikel der offiziösen„Nossija", der die Existenz des großen Flottenprogramms unumwunden zugibt und seine Jnangriff- nähme für das Jahr 1915 ankündigt.„Wie— schreibt das Regierungsblatt— dies Programm verwirklicht werden wird, und ob der freie Barbestand dafür ausreichen wird� darüber Erörterungen anzustellen, ist jetzt verfrüht... Zieht man in Betracht, welche Maßnahmen sämtliche Seemächte zur schnellen Verstärkung ihrer Flotten ergreifen, dürfen wir kaum annehmen, daß wir in der weiteren Verstärkung unserer Flotte ein langsameres Tempo einschlagen dürfen." Bei der Begründung der neuen Flottenforderungen weisen die russischen Rüstungstreiber vor allem auf die neuen Flottenbauten in Oe st erreich hin, wo zurzeit 4 neue Ueberdreadnoughts gebaut werden. Es wird auch auf die verstärkte Seemacht Rumäniens und Griechenlands und auf die Schwäche der Türkei hingewiesen, die es dem russischen Marineministerium zur Pflicht machten, die Schwarze-Meer- Flotte bedeutend zu verstärken. Allerdings wird auch von amtlicher Seite zugegeben, daß der Bau der russischen Kriegs- schiffe und Geschütze auf den russischen Werften und Werken nur langsam vorwärtsschreite, dies wird aber die russische Re- gierung sicherlich nicht abHallen, mit ihren neuen Milliarden- forderungen hervorzutreten, die angeblich von der Großmacht- stellung Rußlands gefordert werden. Letzte rfochrfichten. Metallarbeiterstreik in Köln a. Rh. Köln a. Rh., IS. Oktober.(Privattelegramm deS „V o r w ä r t S".) Bei der Firma Humboldt wurden in der Gießerei etwa 20 Arbeiter entlassen, worauf heute nachmittag 4 Uhr fast die gesamte Arbeiterschaft jener Abteilung— etwa 400 Mann— die Arbeit niederlegte. In einer unmittelbar darauf stattgehabten Ver- saminlung der Ausständigen ermahnte die Führerschaft der christ- lichen und der freien Gewerkschaften die Arbeiter, morgen früh die Arbeit wieder aufzunehmen. Erst nachdem die Gewerkschaften bei der Firma um Wiedereinstellung der Arbeiter vorstellig geworden, sollen bestimmte Beschlußfassungen herbeigeführt werden. Die Firma Humboldt soll ersucht werden, falls Arbeitsmangel vorliegt, eine Verkürzung der Arbeitszeit herbeizuführen und die entlassenen Arbeiter wieder einzustellen. Schweres Bergwerksunglück im belgischen Kohlenrevier. Lüttich, 15. Oktober.(P. C.) In dem Kohlenbergwerk Sirbonniers bei Seraing ist ein Schacht eingestürzt, wobei sechs Bergleute verschüttet wurden. Sofort einfetzenden Rettuugsarbeiten gelang es, drei der Verschütteten schwer- verletzt anö Tageslicht zu bringen, während drei der Verun- glückten getötet wurden._ Die bekämpfte amerikanische Zollbestimmung. Washington, 15. Oktober.(W. T. B.) Nach einer Besprechung, die Undcrwooö im Weißen Hause hatte, ist bekannt geworden, Prä- sident Wilson teile Underwoods Ansicht, die Streitfrage wegen deS ftinfprozentigen Zollrabattes für Waren, die auf amerikanischen Schiffen eingeführt werden, ließe sich besser anf diplomatischem Wege erledigen, als durch Aufhebung oder Aenderung der betreffen- den Tarifbestimmung; übrigens würde diese Frage nicht zu einem Zollkriege führen, da ja viele andere Länder derartige Unterschiede zugunsten ihrer einheimischen Schiffahrt machten. Demonstration griechischer Unteroffiziere. Athen, IS. Oktober.(P. C.) Vor dem Kriegsministerium der- anstaltcten ISO Unteroffiziere eine große Demonstration. Minister- Präsident Venizelos befahl gegen die Deuwnftranten energisch vor- zugehen. Die Mehrzahl der Unzufriedenen wurde verhaftet und dem Kriegsgericht überliefert._ Postbeförderuag durch Flieger. Paris, IS. Oktober.(P.-C.) Der Aviatiker Leutnant R o n i n, der heute früh zum ersten Male in offizieller Mission mit P o st- äcken nach Poullan aufgestiegen war, ist dort um 2 Uhr 15 Min. gelandet. Er kam gerade rechtzeitig, um die Postsäcke dem vor Poullan liegenden Postdampfer nach England übermitteln zu können. Ronin übergab die Säcke dem Postdampfer„Peru". Für diese Flugleistung erhielt er vom französische« Postminister Masse ein Glückwunschtelegramm. eManldl Mit einem«ScHlag ist der Ruf nacH solchen laut geworden- mit einem Schlag steht unsere Firma wieder im Vordergrunde des Interesses aller sachverständigen» klugprüfenden Damen. BRENNINKMEYER C.H.RH> Nicht nur die wohl einzigartige Auswahl zu allen Preislagen ist es, die uns immer neue Kunden zuführt» sondern vor allem unsere Sachkenntnis» die es ermöglicht» Ihnen selbst bei den allerbillig- sten Kleidungsstücken dasjenige an moderner, eleganter Aufmachung zu bieten» wie Sie es sonst nur bei teurer Konfektion erwarten konnten. 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Und so stellte man die Bewohner der an der Fe st- straße gelegenen Häuser eben auch unter Polizei- a u f s i ch t. Kriminalbeamte statteten den Bewohnern Besuche ab und erteilten ihnen Verhaltungsmaßregeln. Wer Fenster an der Feststraße vermietet oder Bekannte einladet, der soll auf das genaueste Namen, Stand und Wohnung feststellen, damit die Polizei zu jeder Stunde prüfen könne, wer zugesehen hat. Ferner wurde angeordnet, daß niemand Blumen st räußchen tragen, oder gar unter die vorüberfahrenden Landes- väter werfen dürfe. Denn— der Teufel traue dem Apotheker --- eS könnte in einem solchen Sträußchen etwas Explodier- liches sein und so die allgemeine Festfreude beeinträchtigen. Aber auch das genügt noch nicht. In der Zeit deS Flug- Wesens und bei der Fertigkeit, die heute schon militärischerseits im Bombenwerfen von oben erworben worden ist, wäre viel- leicht ein praktisches Experiment nicht ausgeschlossen. So verfügte denn die königliche Amtshauptmannschaft zu Leipzig, daß am 18. Oktober von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags Luft- fahrzeugcn aller Art das U eberfliegen des Weich- bildes der Stadt Leipzig verboten ist.(Ob auch in den Schleusen der Stadt Leipzig Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden, entzieht sich unserer Kenntnis.) So hätte denn nach menschlichem Ermeffen die treusorgende Polizei alles getan, was im Interesse der Feste feiernden Fürsten getan werden konnte? Nein, eins fehlt noch: die richtige polizeilich vorgeschriebene. B e g e i st e r u n g in allen Schichten der Bevölkc- rung". Zwar gaben sich seit Wochen und Monden die bürgerlichen Zeitungsschmierer alle Mühe, diese Stimmung hervorzuzaubern, aber — die fsis Sozialdemokraten sind auch noch da und sehr lebhaft dabei, dem arbeitenden Volke zu zeigen, was es mit diesem „Jubeljahre" auf sich hat. Dienstag wurden in fünf Volksversamm- lungcn, die massenhaft besucht waren, die Fälschungen der„Vater- ländischen Geschichte" zerpflückt und dem Volke gezeigt, daß es bei diesem Feste nichts zu suchen hat. Und die Patrioten selbst hatten zum Gelingen unserer Kundgebungen das ihrige beigetragen� Plakate an den öffentlichen Anschlagsäulen sollten x�m Besuche der Versammlungen auffordern. Das aber verbot der R�l der Stadl Leipzig, obwohl die Polizei sie nicht bea n standet hakte. Dem Rate mißfielen nämlich die Worte: „Vülkerschlachtrummel und Geschichtssälschung". Und auf eine Beschtverde der Leipziger Parteileitung bestätigte eine Plenarsitzung des Rates da« Verbot. So trug der Rat der Stadt Leipzig auf seine Weise mit dazu bei, daß die Demonstrationsversammlungen ihren Zweck erfüllten: Demonstrationen zu sein gegen eine verlogene Feier, die offiziell zu einem Volksfeste gestempelt wird, in Wirk- lichkeit aber nichts anderes als eine Feier der Fürsten ist zur Srinnerung an die Tage, da ein Volk in Waffen den einen Fremdherrscher zu Boden rang, um sich schließlich eine andere Fremdherrschast aufzuladen. Kampfrüstungen der Baugewaltigen. Kaui» sind die zentralen Verhandlungen für das Baugewerbe beendet und noch lange nicht sind die davon betroffenen Torifver« träge in allen Bezirken unter Dach und Fach gebracht und schon sind die Ge- walligen vom Bau wieder an der Arbeit, menetekelnd mit„unbe- rechtigten Forderungen sozialdemokratischer Gewerkschaften" ihre Kräfte zu stählen, sich auf die im Jahre ISItt beginnenden„Lohn- kämpfe", nicht Tarifverhandlungen. vorzubereiten. Ein Geheim- zirkulär, das der„Zimmerer" der Oeffentlichkeit unterbreitete, gibt davon Kunde. � Dasselbe zeigt aber auch, dag die Scharfmacher im Bangewerbe weit davon entfernt sind, das TarisvertragsverhältniS a ls ein dauerndes aufzufassen und sich mit den Gewerkschaften auf fried- lichein Wege zu verständigen. Wir wollen es uns ersparen, das Zirkular in seinem vollen Um- fange zu bringen; nur die markantesten Stellen seien daraus hervor- gehoben. Gtsagt wird in dem Schreiben, das; von der„Allgemeine» StreikenlschädigungSgescllschaft für das Bangewerbe", Sitz Strah- bnrg i. E. versandt ist, dafz sich der Gesellschaft, die erst im De- zemöer vorigen Jahres ins Leben gerufen ist, V2 Mitglieder an- geschlossen haben, die sich ans Elsasi-Lothringcn, Baden, Oberbahern, Mitteldeutschland und das Saargebiel verteilen. „Der Zweck ist»ach Z 2 der Satzungen, die wirtschaftlichen Folgen von unvermeidlichen Arbeitseinstellungen, seien es Streiks oder Aussperrungen, zu mildern, indem die Gesellschaft ihren Mit- gliedern die dadurch entstehenden Verluste zu tragen hilft"... „Nicht nur bei partiellen Streiks und Aussperrungen, sondern auch bei solchen, die genereller Natur sind", werden die Mitglieder nnterstiitzt. � Zum Zwecke einer größtmöglichsten Garantie hat sich die „Allgemeine StrcikcnlschädigungSgesellschaft für das Baugewerbe" der Nückversichernngskasse der deutschen Arbeitgeberzentrale als Mitglied angeschlossen. Da diese Rückversicherungskasse durch die anze Industrie de« Deutschen Reiches gestützt tvird, können wir ei den großen Lohnkämpfen, die uns in der Zukunft erwarten, unseren Verpflichtungen voll und ganz genügen. Wir wenden uns heute noch an Sie, sehr geehrter Herr Kollege, mit der dringenden Aufforderung, treten Sie sofort unserer Gesellschaft bei. Schon in drei Jahren werden die Lohn- kämpfe wieder beginnen. Jetzt, in der Zeit des Friedens, müssen wir»ns entwickeln und alle nnscre Kräfte anspannen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein und den unberechtigten For- dernngen sozialdemokratischer Gewerkschaften mit Erfolg entgegen- zutreten. Versäumen Sie daher nicht, sehr geehrter Herr Kollege, jetzt sofort der„Allgemeinen Streikentschädigungsgesellschaft für das Baugewerbe" beizutreten; denn leiner von uns kann voraus- sehen, wann er in die Lage kommen kann, aus diesem Anschluß Nutzen zu ziehen. Mit kollegialenr Gruße! Allgemeine Streikentschädigungsgesellschaft für das Bangewerbe. A. V r i o n, prov. erster Vorsitzender. Hustancl. Löhne und Arbcitözcit in Grostbritannien. London, 14. Oktober 1913.(Eig. Ber.) Der 29. Jahresbericht des englischen Handelsamts über Löhne und Arbeitszeit, dessen Angaben auf den Verträgen zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern fußen, gibt an, daß die Löhne in Groß- britannien seit der letzten Depression<1903/0S1 beständig gestiegen sind. Die Beivegung war bis zum Mai 1912 langsam und setzte dann flotter ein. 1318 990 Arbeiter erzielten zusammen im Jahre 1912 eine wöchentliche Lohnerhöhung von 139 999 Pfund; da aber die meisten Lohnerhöhungen erst in der zweiten Hälfte des Jahres eintraten, war der Gesamtgewinn der Arbeiter nur gegen 3 Millionen Pfund. Die Löhne von 927 999 Bergarbeitern stiegen um 77 999, die von 341 999 Textilarbeitern um 15 999 Pfund, die von 199999 Maschinenbauern und Werftarbeitern um 11999 Pfd. und die von 95 990 Bauarbeitern um 8999 Pfd. die Woche. Auf dem Wege dos EinigungSverfahrenS und der Schiedsgerichte wurden 52,4 Proz., durch direkte Verhandlungen 44,1 Proz. und durch gleitende Lohnskalen 3,5 Proz. der Lohnveränderungen bewerkstelligt. l 755 812 Arbeiter<99,9 Proz.) erhielten eine Lohnzulage ohne Arbeits- einstellung, während 92 428 Arbeiter(3,4 Proz.) eine Lohnerhöhung nach der Arbeitseinstellung erhielten. Die Aufwärtsbewegung der Löhne hielt auch in den ersten acht Monaten des Jahres 1913 an. Von 1 546 944 Arbeitern erzielten kleines Feuilleton, Des königlich prcutzischcn Porzellans Jubiläum. Wir feiern in diesem Jahre viel zu wenig Gedenklage. Also hat sich kürzlich einer von den diversen schriftstellernden Majoren a. D. beklagt. In einem rechts stehenden Blatte natürlich.— Der Herr mag sich freuen. Dafür ist nicht übersehen worden, daß es in diesen Tagen justament 159 Jahre her sind seit dem Geburtstage des königlich preußischen Porzellans. Der Kaiser wird diesem tönernen Ereignis durch feine Anwesenheit die Weihe geben, und Masses Wcltblatt hat bereits in richtiger Erkenntnis des Angebrachten einem Dezernenten der König- lichen Polzellanmanufaktur höchstselbst die Spalten für einen historischen Rückblick aufgctan. Ein solcher könnte ganz interessant sein—: als knlturhiftorische Exkursion in jene Zeiten" hinein, wo König Friedrich II. von Preußen sich(mitten zwischen den Bataillen des Siebenjährigen Krieges) dem Ehrgeiz hingab, den Sachsen ihr Meißen in Berlin nachzumachen.— auch eine„Königliche Porzellanmanufaktur" zu gründen. Was ihm nachher nicht so sehr schwer fiel, weil er dazu nur eine anzukaufen brauchte, die der Kaufmann Gotzkowski in der Leipziger Straße bis zur Pleite bstrieben hatte. Wie gesagt—: das könnte kulturhistorisch ganz interessant sein. Der„Dezernent in der Königlichen Porzellanmanufaktur" hat in seinem Tageblatt-Artikel nur leider gerade die amüsantesten Details aus seiner Historie weggelassen. Friedrich II. war bekanntlich so aufgeklärt, daß er seinen Nach- fahren heute noch manchmal zum schweren Aergernis gedeiht, und daß er, wenn er heule unerkannt ohne Krone wiederkäme, wegen Gottes- lästerung und derlei Sachen sicherlich mehr als einmal nach Moabit geladen würde. Aber er hieb auch gerne und überzeugt mit dem absolutistischen Krückstock drein. Und für die Erhöhung der Renta- bilität seiner Porzcllanfabrik hatte er ein paar probate Mittel an der Hand. Die Juden mußten ran. Wenn Solomon Veilchenstock in Kllstrin heiraten wollte, so hatte er zur Erlangung des Konsenses für 159 oder auch 259 Thaler . königliches Porzellan zu kaufen. Ebenso, wenn er ein Geschäft auf- machen ivollle. Als Abel Levin Totengräber in Freienwalde werden ivollte, kostete ihm die Konzessioir 27 Taler— für Porzellan. Und sso fort. Wenn Heinrich IV. von Frankreich jedem seiner Bauern ein SonntagShuhn in den Topf wünschte—; so wurde er von Friedrich II. von Preußen weit übertrumpft. Der sorgte dafür, daß seine(jüdischen) Untertanen zum Sonntagsbraten gleich ein Service königlichen Porzellans hatten. Und nicht nur eines. Manchmal war's auch ein ganzes Waren- lager.aS Wirken der Sozialdemokratie im städtischen Parlament einzu- gehen und zu zeigen, warum eS eine unumgängliche Notwendigkeit ist, möglichst zahlreich Arbeitervertreter dahin zu senden. £Iiis der partei. Ein marxistisches Jubiläum. Unter diesem Titel widmet die„Neue Arbeiterzeitung" in Petersburg dem Genossen Heinrich Dietz auS Anlaß seines 70jährigen Geburtstages einen herzlichen BegrllßungSartikel. Das Blatt weist auf die interessante Tatsache hin, daß sowohl Joseph Dietzgen, der erste gründliche Marxkritiker und Arbeiterphilosoph, wie Heinrich Dietz, Hand in Hand mit den russischen Arbeiter» auf Wassili-Ostrow in Petersburg gearbeitet haben. DaS Blatt drückt dem Genossen Dietz auch feine besondere Anerkennung dafür aus, daß er vor einem Jabrzehnt, als die russische sozialdemo- kratisch« Literatur noch im Auslände und zwar eine Zeitlang in Stuttgart gedruckt wurde, der russischen Sozialdemokratie unschätz- bare Dienste erwiesen hat.»Die russischen Arbeiter— schließt der Artikel— die nach den deutschen und österreichischen für die theoretische Begründung und Beleuchtung ihrer Bewegung das regste Interesse haben und die von der deutschen sozialistischen Literalur so viel genonunen haben, schließen sich dem Chor der Genossen an, die das 70jährige Jubiläum des Arbeiterlebcns des ehemaligen Buch- druckers von Wassili-Ostrow feiern." Tie Organisationen zum Parteitage. Ter sozialdemokratische Verein für Köln- Stadt und K ö l ii- L a n d beschäftigte sicki in einer zweiten Mitglieder- Versammlung mit dem Parteilag. Genosse Haas, Kartellvorsitzender, führte die Mißstiiniming mancher Organisierten darauf zurück, daß die Massen nicht inimer mit dem Erreichten zuftiedcn seien und die Schuld, statt den Verhältnissen, den Führern beimäßen. �Zunächst mache sich dieser Zustand in den Gewerkschaften mit ihrer nüchternen GegenwartSarbeit bemerkbar. Je mehr die Partei Gegenwarts- sorderungen in den Vordergrund schieben müsse, werde sich auch in ihr daS Problem„Massen und Führer" entwickeln.— Die Be- hauptung des Genossen Fries auf dem Parteitage, daß die Kölner Gewerlschaftsangestellten am 1. Mai 1912 bei der Ilebernahmc von Referaten gestreikt hätten, sei falsch.— Genosse Fries erwidert darauf, er habe nicht von„GewerkschaftSangestellten" gesprochen, sondern von„Angestellten" überhaupt. Bon der Behauptung, daß gewisse um Referate angegangene Kölner Angestellte sich geweigert hätten, zu reden, nehme er nichts zurück.— Im gleichen Sinne spricht Genosse D ü r s ch e i d t.— Genosse B a u k n e ch t polemisiert gegen die Schlußfolgerung SollmannS. Jena sei kein Parteitag der Klärung gewesen. Alle Gewerkschafter könnten mit den Arbeiten des Parteitages zufrieden sein. Reichstagsabgeordneter Genosse Hofrichter teilt unter anderm mit, daß das Verlassen des Sitzungssaales bei dem Kaiser- jubiläuni auf einem Fraktionsbeschluß beruhe. Für zukünftige Fälle werde sich die Fraktion noch einmal mit der keineswegs weit- bewegenden Frage beschäftigen, ob sie bei solchen Gelegenheiten im Saale bleibe oder nicht. Die Masieiistreikrefolution 100 habe man bedauerlicherweise durch das Hervorschieben der Person der Genossin Luxemburg zu diskreditieren versucht. Leider sei dabei der Vorstands- redner Scheidcmann mit schlechtem Beispiel vorangegangen. ES müsse an der Losung festgehalten werden: Entweder Wahlrcform oder Massenstreik. Hofrichter begründet noch einmal seine Haltung in der Steuerfrage. Er sei inil der Minderheit der Fraktion ge- Wesen, weil er nach der Erklärung des Zentrums in der zweiten Lesung die Möglichkeit des Scheiterns der Militärvorlage für gegeben erachtete. Das Zentrum wäre sicher mit Rücksicht auf seine Leser gerne vorübergehend in die Opposition getreten. � Parteisekretär Genosse Runge wünscht, daß die Presse mehr dem Geschmack der Leser an kleinen Nachrichten vom Tage Rechnung trage. Man solle nicht immer den angeblichen Gegensatz zwischen Partei und Gewerk- schaften betonen.— Reichstagsabgeordneter Dr. Erdmann: Es werde gesagt, der Massenstreikreiolution fehle der Ausdruck des WolleuS. Aber ein Wille spreche aus ihr: nämlich vorläufig die Sache ruhen zu lassen. Das sei gut so. Mit Recht habe Scheidemann die Genossin Luxemburg schärfer angefaßt, denn sie habe durch ihre Verhimmelung der Unorgani- sierten die Organisationen herabgesetzt und auf dem Parteivorstand herumgehaucu. Daß die Massen über die Führer nörgeln, sei immer so gewesen, lieber jede Regierung werde geschimpft, einst auch über die des Zukunftsstaates. Genosse W c n d l e r bezeichnet den Parteitag als eine Tagung gesunder Realpolitik. *« M i t dem Parteitag in Jena beschäftigten sich in Mainz zwei Parteiversammlungen. In der ersten erstatteten die beiden Delegierten, Genossen Donnershausen und Seel, Bericht. Beide erklärten sich vom Verlauf des Parteitags befriedigt und waren mit den einzelnen Beschlüssen voll einverstanden. Die Diskussion wurde auf die nächste Versammlung vertagt, für die auch die Genossin Luxemburg, die im benachbarten Hanauer Wahl- kreise Vorträge hält, gewonnen werden konnte. In der überfüllten zweiten Bersnnimlung erläuterte Genossin Luxemburg unter lebhaftem Beifall ihre bekannte Auffassung in der Massenstreikftag«. In der Diskussion traten die Genossen Reuter und M e V e der Ansicht der Referentiii bei, während die Genossen S ch i l d b a ch, Leinert, Seel und Adelung der Genossin Luxemburg scharf entgegentraten. Mit allen gegen fünf Stimmen nahm dann die Versaniinlllng folgende Resolution an: „Die Versammlung erklärt sich mit den vom diesjährigen Parteitage in Jena gefaßten Beschlüssen einverstanden. Sie hilligt insbesondere die Zustimmung zu dem Verhalten der Reichstags- fraktion zur Deckungsfrage, sowie die Regelung in Sachen der Steuerfrage, des Massenstreiks und der Forderung der staatlichen Arbeitslosenfürsorge. In Anbetracht der Tatsache jedoch, daß zur weiteren Durchführung erfolgreicher Aktionen starke, gutdiszipli« nierte Organisationen notwendig sind, fordert die Versamnilung die Genosien und Genossinnen auf. tatkräftig und mit Ausdauer für die Stärkung unserer Machtmittel, Partei, Gewerkschaft, Ge- nossenschafr und Presse einzutreten." 0 Im 8. sächsischen ReichStägSwahlkreise(Pirna-Sebnitz) wurde in drei Versammlungen, in Sebnitz, Mügeln und Pirna, Bericht von, Parteitag gegeben. Der Referent, Genosse S t e r z e I, und der Abgeordnete des Kreises, Genosse Rühle, gingen in allen Fragen mir der Minderheit des Parteitages. Debatteredner der- traten auch den Standpunkt der Mehrheit, doch wurden in keiner Versammlung Beschlüsse gefaßt. Genosse Rühle behandelte die Steuerfrage und den Massenstreik als Richtungsfragen. Im Gegen- 'atz zur Gewerkschaftsbewegung müsse die Sozialdemokratie als revolutionäre Kanipfpartei die Angriffstaktik durchführen und ans Endziel denke». Wenn der jetzt beschrittene Weg weiter begangen werde, müsse dies zum Schaden der Partei ausschlagen. Die Entwicklung werde hoffentlich wieder auf die revo- lutioiiäre Bahn führen. Redner bedauert die Ausführungen Bauers, und noch mehr, daß die Gewerkschaften nichts gegen die Auffassung Bauers einivendeii. Der Parteitag habe insofern volle Klarheil gebracht, als sich in nllen Fragen eine große Mehrheit für die opporlunistische Taktik ausgesprochen habe. Eine Personalunion der führenden Genossen bewirke, daß die gewerk- schaftliche Taktik, die durch Verhandlungen und Kompromisse dem Gegenwartsstaate das möglichste abzuringen versuche, auch auf die Partei übertragen werde, deren Taktik aher aus größere Ziele ge- richtet sein müsse. Die jetzt eingeschlagenen Wege müßten notwendig dazu führen, daß die Sozialdemokratie zur bürgerlichen Reform- parle! herabsinke. Die Debatteredner wichen mehr oder weniger von diesen Aussührungen ab, so daß Rühles Standpunkt nur von dem Delegierien Sterzel voll vertreten wurde. Die Genossen Schwarz und Tietz vertraten besonders in der Steuerfrage den Standpunkt der Mehrheit. Auch in der Maifeierfrage gingen die Meinungen weit auseinander. polizeilicbt», OericbtUcbes ufw. Tie Polizei im JubiliiuniStaumcl. Stuttgart, 15. Oktober.( P r i v a t t e l c g r a in m des„ Vorwärt s".) Die Stuttgarter Polizeidirektion untersagte heute das Anschlagen eines Plakates, das zur Teilnahine au den Versamm« lungen deS sozialdemokratischen Vereins zur Leipziger Völkerschlachtfeier am kommenden Freitag auffordert. Aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit erfolge daS Verbot, sagt die Polizeidirektion. Die Parteileitung wollte sodann den beanstandeten Text überkleben lassen mit dem Vermerk darauf, Plakat polizeilich verboten und nur die Bersammliliigseinladung stehen lassen. Auch das wurde untersagt. Nachspiel zum Waldenburgcr Meineidsprozeß. Der Schwur- gerichtsprozeß, der im Juli d. I. zur Verurteilung deS Geschäfts- sührers Weichelt und des Faktors Hoffmann von der„Schlesischen Bergwacht' zu insgesamt 2'/� Jahren Zuchthaus führte, wird voraus- demnächst rfn gerichtNcheS Nachspiel haben. In etwa zwanzig Artikeln hatte unser Waldenburger Parteiblatt den Prozeß kriiisiert. Ferner halte die Redaktion unseres Parteiblattes mit geteilt, daß der konservative Chefredakteur, Herr L i p p o l d, ebenso wie der Kronzeuge Köhler bei ihren eidlichen Vernehmungen vor dem Schweidnitzer Schwurgericht nichts darüber gesagt hatten, daß Köhler von L. 7o M. erhalten habe, lange ehe Köhler angestellt wurde. Dem Köhler wurde vor Gericht die Frage vor- gelegt, ob er durch die Denunziation der beiden Angeklagten irgend einen Vorteil gehabt hätte. Er verneinte das und auch der Zeuge Lippold schwieg auf diese Frage. Demgegenüber hatte der Inseratenchef des konservativen Blattes zu anderen Angestellken wiederholt geäußert, daß Köhler den oben genannten Betrag er- halten habe, der als„Vorschuß" zwar lange vor K.'s Anstellung quittiert wurde, aber niemals in die Bücher kam. Unser Walden- burger Parteiorgan legte nach mehreren Recherchen Herrn Lippold öffentlich die Frage vor, wie es damit stehe. Die Antwort, die kam, war sehr verlegen und drückte sich um den Kern herum. Schließlich gab die Redaktion unseres PartciblatteS die Sache unter Angabe der Zeugen an die Staatsanwaltschaft weiter. Jetzt wird nicht etwa auf Grund dieser Angaben gegen Lippold eine Untersuchung eingeleitet, sondern gegen die Gesamtredaktion der„Bergwacht" und gegen einige Versammlungsredner. Unsere Waldenburger Genossen hoffen, bei dem kommenden Prozeß noch manche dunkel gebliebene Frage aufklären zu können. Verurteilt trotz alledem. Der verantwortliche Redakteur der „Reußischen Tribüne" in Gera, Genosse Drechsler, wurde vom Schöffengericht Gera wegen Beleidigung eines Lehrers zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung wurde in einer Kritik ge sunden, welche der Angeklagte an einen Artikel der„Lehrerzeitung' über das Beschwerderecht der Mütter geübt hatte. Erst durch eine Beschwerde an die Oberstaatsanwaltschast hatte sich das Gericht ver- anlaßt gesehen, die öffentliche Klage anzunehmen. In der Begrün dung des Urteils wird ausgeführt, daß der Angeklagte mir den Worten„offener Zynismus" ungefähr das Richtige getroffen habe Es sei wegwerfend, wie der Lehrer Fugmann sich gegen das Be- schwerderecht der Eltern ausgesprochen habe. Hätte das Gericht in den Worten„offener Zynismus" an sich eine Beleidigung nicht er- blickt, so ergebe sich aber aus den übrigen Umständen die Absicht der Beleidigung. Zu 300 M. Geldstrafe wurde vom Landgericht Bautzen der Verantwortliche Redakteur unseres Z i t t a kl e r Parleiblaties, der Genosse Schnettler, verurteilt. Er hatte eine als ungeheuerlich erachtete Mißhandlung eines Kindes durch einen Lehrer scharf kritisiert. Für das Gericht lag jedoch keine übermäßige Züchtigung vor, und es kam zu der Verurteilung. Die Verurteilung erinnert an die Aeußerung des sächsischen Kultusministers Dr. v. Beck in der Schul- gesetzgebungs-Deputation bei einer Kritik der sozialdemokratischen LandtagSabgeordneten an Mißhandlungssällen:„Ja, meine Herren, toarum bringen Sie denn solche Fälle nicht an die Oeffentlichkeit?" Darauf antworteten unsere Genossen k„Dann werden unsere Re- dakteure bestraft." Wie recht unsere Genossen hatten, zeigt wieder der vorliegende Fall. Soziales. Änmpf zwischen Aerzten und Krankenkassen. Der Leipziger Wirtschaftliche Aeyzteverband versendet an die bürgerliche Presse eine Zuschrift, in der er die Behaup- tung aufstellt, daß durch das mangelnde Entgegenkommen der Krankenkassen eine Einigung zwischen ihnen und den Aerzten zur Unmöglichkeit gemacht werde. Die Aerzte werden deshalb einen Abschluß neuer Verträge über den 1. Januar 1914 hinaus allgemein ablehnen. Tie Entscheidung soll einem Deutschen Aerztetag überlassen werden, der mit größter Be- schleunigung zusammentreten soll. Demgegenüber versendet der Verband zur Wahrung der Interessen der Deutschen Be- tricbskrankenkassen eine Erklärung, in der die Schuld am Scheitern der Verhandlungen den Aerzten und zsvar in erster Linie dem Leipziger Verbände zugeschoben wird. Beide Or- ganisationen sind davon überzeugt, daß eine allgemeine Kriegserklärung der Aerzte an die Krankenkassen nicht inehr zu vermeiden ist. Die Kassen richten sich auch bereits darauf ein, von dem Z 370 der Reichsversicherungsordnung Gebrauch zu machen, der ihnen gestattet, an Stelle der ärztlichen Be° Handlung ein höheres Llrankengeld zu bezahlen. Tiiis Induftric und Handel. Die Lage des deytschcn Arbcitsmarktes. Die»Lage des Arbcitsmarktes im Monat September d. I. kann zwar nicht durchweg als befriedigend bezeichnet werden, trotzdem ist ober nach den Berichten der Arbeitsnachweise im allgemeinen eine Besserung gegenüber dem Vormonat zu konstatieren. Dies gilt vor allem vom Arbeitsmarkt des platten Landes sowie der kleineren und mittleren Provinzslädte. Zwei Faktoren find es, die hier eine— allerdings meist nur vorübergehende— Zunahme der Arbeitsgelegenheit bedingten: die günstigen Ernteergebnisse und die aus der Heeresverstärlüng resultierenden Arbeiten. Die Land» Wirtschaft verlangte im Berichtsmonat noch zahlreiche Arbeits- kräfte für die Drescharbeiten und für die Einbringung der Kartoffel- und Rübenernte. Auch der Beginn der Kampagne in den Zuckerfabriken brachte beachtenswerte Be- schäfiigung. Den stellenlosen Arbeitern in der Provinz bot sich daher etwas reichlichere Arbeitsgelegenheit. Diese wurde vor allein von Bauarbeitern und Ungelernten gern ergriffen. Auch aus denjenigen Betrieben der Metall- und Maschinen- i n d u st r i e, die eine Verkürzung der Arbeitszeit haben eintreten lassen, fanden vereinzelte Abwanderungen zum ländlichen Arbeits- markte statt. Die Metallindustrie ist mit wenigen Ausnahmen fast durchweg noch gut beschäftigt. Im Baugewerbe zeigte sich ver- schiedentlich eine leichte Belebung, da die Kasernen für die netigebildeteit Truppenteile im Oktober fertiggestellt werden sollen. Auch die privaten und staatlichen Waffen- f a b r i k e n stellten zahlreiche Arbeiter ein. Eine gc- ringe Besserung zeigt sich in.einigen Zweigen des Holz- g e w e r b e s. Wenig lebhaft ist die Beschäftigung in der Textilindustrie. In der Stickerei und Spitzenindustrie herrscht nach wie vor Depression. Fast übereinstimmend wird von den Arbeitsnachweisen eine erhebliche Zunahme des Angebots weiblicher Arbeitskräfte gemeldet, der eine zum Teil noch stärkere Steigerung der Nachfrage nach Fabrikarbeiterinnen gegenübersteht. Auch der Bedarf an weiblichem HaiiS- und Dienstpersonal war der Jahres- zeit entsprechend recht groß. Besonders vermerkt wird von einigen Arbeitsnachweisen die zunehmende Vcrmittelung von Lehr- mädchen. Von den Gcwerbezweigen. die lebhaft beschäftigt, seien einige noch erwähnt: die optische Industrie, da? Tiefbau-, das Maßrgewerbe, sowie teilweise das Bekleidungsgewerbe. In der Montanindustrie ist von einem allgemeinen Rückgang der Beschäftigung nichts zu spüren.__ Zur Preispolitik des Kohleiisyndikats. Während die„Rheinisch- Westsälische Zeitung" vor einigen Tagen meldete, daß das Kohlen- syndikat eine Erhöhung der Kokspreise zum 1. Januar 1914 plane, veröffentlicht das Syndikat jetzt eine Darlegung, die von der Wahr- scheinlichkeit einer Ermäßigung spricht. Das Syndikat verteidigt zu- gleich seinen Beschluß, von einer Ermäßigung bis zum Januar ab- zusehen.„Im vorigen Monat war noch nicht bekannt, wie die Preisbildung des Roheisenverbandes sich für die erste Hälfte des nächsten Jahres gestalten werde. Inzwischen hat nun der Roheisen- verband beschlossen, für diesen Zeitraum eine Preisermäßigung von rund 3 M. für die Tonne eintreien zu lassen. Dieser Beschluß wird sicherlich nicht ohne Einfluß auf die demnächstigen Entscheidungen des Kohlensyndikates bleibe». Die letzte Preisfestsetzung des Kohlensyndi- katcS für Hochofenkoks und Kokskohlen bat, da sie nur für ein Viertel- jähr erfolgte, bei den nächsten Verbrauchern wenig Widerspruch hervorgerufen, weil auch in den anderen großen Kohlenbezirken Deutschlands in Oberschlesieu und an der Saar die Kohlenpreise ebenfalls bis zum Ende dieses Jahres unverändert blieben. In Obcrschlesien sind sogar die Preiie für das Winterhalbjahr noch in die Höhe gegangen, weil die für den Sommer gewährten Rabattlätze am 1. November aufgehoben worden sind." Die Angabe des Syndikats, die Eisenindustrie nähme die jetzige Preispolitik des Syndikats ohne Widerspruch hin, ist völlig unzutreffend. Vielmehr hat die Eisenindustrie fortgesetzt die Tatsache kritisiert, daß das Syndikat die Hochkonjunkturpreise bestehen läßt, obgleick sich die Konjunktur bereits seit dem Winter dieses Jahres im Rückgange befindet. Die Berliner Elektrizitätswerke verteilen wie im Vorjahre eine Dividende von 12 Proz. auf 44,1 Millionen M. Stammaktien und von 4Vi Proz. auf 20 Millionen M. Vorzugsaktien. Da die Ein- nahmen sich günstig entwickelten, konnten zugleich die Abschreibungen von 4 78 auf 5,05 Millionen M. erhöht werden. Die Stromabgabe stieg von 223 auf 252 Millionen Kilowatlstuuden. Ein mis'glückter Feldzug gegen Konsumvereine. Auf Treibereien der Mittelstandsvereinigung gegen die Konsum- und Produktivgenossenschaft Halle-Trotha erließ der Amtsvorsteher gegen die Austrägerinnen von Backwaren an NichtMitglieder Straf- Mandate. Das Schöffengericht bestätigte auch dieselben. Die Strafkammer gelangte jetzt zu einer Freisprechung. Diese Frei- sprechung war durch die Rechtslage geboten. In§ 8 des Genossen schaftsgesetzes heißt es:„Konsumvereine(§ 1 Nr. 5) dürfen im regelmäßigen Geschäftsverkehr Waren nur in ihre Mitglieder oder deren Vertreter verkaufen." Konsumvereine sind nach dem zitierten K 1 Ziffer 5„Vereine zum gemeinschaftlichen Einkaufe von Lebens oder Wirtschaftsbedürfnissen im Großen und Ablaß im Kleinen" Von solchen Konsumvereinen verschieden sind nach dem Gesetz<§ 1 Ziffer 4) Produktivgenossenschaften, das sind„Vereine zur Her- stellung von Gegenständen und zum Verkauf derselben auf gemein schaftliche Rechnung". Auf solche Vereine bezieht sich das Verbot des§ 8 nicht. Danach können Konsumvereine, die zugleich produ- zieren, z. B. Brot backen, Vieh ausschlachten, selbst gewonnene Waren an jedermann verkaufen.._ Prämien für Unterschlagungen gegen Arbeiter Wiederholt haben wir Urteile niedriger hängen müssen, die Schädigungen von Arbeitern, Krankenkassen und Vcrsicherungskassen durch Unterschlagung von Versicherungsbeiträgen so �niedrig be- straften, daß solche Urteile sehr wohl als Aufmunterung zu ähn- lichen Unterschlagungen aufgefaßt werden konnten. Eine erfreu- liche Abkehr von dieser auch vom Kammergericht und der Regie- rung mißbilligten Milde am unrechten Platz konnten wir kürzlich aus Berlin melden. An anderen Orten, so dieser Tage in München, hat wieder die Praxis der Begünstigung von Unterschlagungen von Arbeitergroschen betätigt. Ein als Scharfmacher bekannter Baumeister Julius Christophal aus Schleifstein bei München hatte den von ihm beschäftigten Ar- beitern Beiträge ftir die Krankenkasse und die Invalidenversicherung abgezogen, die Beiträge aber nicht abgeführt. Er hatte dadurch die Krankenkasse um 500 M., die Versicherungsanstalt um 1150 M. geschädigt. Beizutreiben war von ihm nichts. Dieser Tage wegen dieser Unterschlagungen auf Grund des§ 1492 der Reichsversiche- rungsordnung angeklagt, wurde er zu insgesamt— 399 M. Geld- strafe verurteilt. Ein profitables Geschäft: 1650 Mark unterschlagen ab 300„ Strafe bleibt 1350 Mark Gewinn. Das Gesetz läßt Gefängnis und Ehrverlust für solche Räube- reien zu. Hätte ein Arbeiter einem Baulöwen 1650 M. unter- schlagen, so würde er schwerlich mit Geldstrafe davonkommen. Wes- halb soll, chenn Arbeitergroschen von einem Unternehmer schlagen werden, die Strafe so niedrig sein, daß sich die schlagung als rentables Geschäft im Endeffekt darstellt? unter- Unter- SrolZtst eines deutschen fliegen. Viktor Stöffler hat seine Absicht, einen Dauerflug von mindestens 2000 Kilometer auszuführen und damit einen neuen Weltrekord aufzustellen, in bravourösester Weise ver- »virklicht. Erst um 12 Uhr 42 Minuten in der Nacht zum Mittwoch entstieg er seinem Flugzeug, nachdem er in einer Flug zeit von 22 Stunden 47 Minuten 2100 Kilometer zurückgelegt hatte. Er hat damit den bisherigen Weltrekord B r i n d e'j o n c s, den dieser mit dem 1382 Kilometer langen Fluge Paris— Warschau aufgestellt hatte, weit hinter sich ge- lassen. Stöfflers Flug ging von Mitternacht zu Mitternacht, also ungefähr zur Hälfte der gesamten Flugzeit durch Nacht und Nebel,>vcnn auch der Mondschein das verwegene Unter- nehmen begünstigte. Kein Wunder, daß der Flieger am Ende seiner Ricsentour völlig'erschöpft war, zumal er in den letzten Stunden auch gegen heftigen Wind anzukämpfen hatte. In Frankreich würde eine solche Leistung durch stürmische Ovationen gefeiert worden sein. Bei uns wird sich Stöffler wohl mit dem dritten Teil des 100000 Mark-Preises begnügen müssen, der von der Nationalflugspende für die Schaffung eines deutschen Weltrekords im Weitfluge ausgesetzt worden ist. Die enorme Leistung Stöfflers und seines Flugzeuges, eines Aviatik-Doppeldeckers, springt deshalb sofort ins Auge, weil Stöfflers Fluglinie sich lediglich innerhalb der deutschen Grenzen bewegte, während Brindejoncs Fluglinie drei intcr- nationale Hauptstädte verband. Aber Stöfflers Leistung ist daruni nicht geringer anzuschlagen, weil er verschiedene Teile seiner Flugstrecke Posen— Berlin—(Darmstadt)— Mühlhausen mehrere Male durchmaß, nämlich Posen— Berlin zweimal und die Strecke Darmstadt— Mühlhausen gar viermal. Im Gegen- teil, da Stöffler sich unter diesen Umständen eine günstige Luftströmung nicht zunutze machen konnte, vollbrachte er erst recht eine staunensiverte Großtat. Um einen Begriff davon zu erhalten, welche Strecke Stöffler innerhalb der Gesamtzeit von 24 Stunden 30 Minuten — die reine Flugzeit haben wir oben erwähnt— zurückgelegt hat, muß man sich die Entfernung in gerader Linie vorstellen. Dann reicht diese Strecke von Berlin aus bis nach Porto in Portugal oder nach Biskra in Algier oder nach Archangelsk am Weißen Meer, bis nach Hammerfest im nördlichen Nor- wegen oder gar bis zur Küste von Island. Niemals zuvor ist eine so gewaltige Entfernung in so kurzer Zeit, in kaum mehr als 24 Stunden zurückgelegt worden. Gebrauchen doch die schnell st e n Züge der Pacific- bahn 08 Stunden. um die zirka 4000 Kilometer zwischen New Z)ork und San Francisco zu durcheilen. Nach solchen Leistungen ist die Ueberquerung der 5000 Kilonictcr des Atlantischen Ozeans im Flugzeug wirklich keine Utopie mehr. Man brauchte nur ein Riesenflugzeug des Typs, wie deren die russische Armee bereits mehrere besitzt, eine Maschine mit mehreren Motoren und der Tragfähigkeit für mehrere Piloten und die nötige Menge Betriebsstoff) für ein solches Experiment einzusetzen und die Ueberfliegung des Atlantik in 48 Stunden wäre keineswegs ein Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht dauert es keine drei Jahre mehr, und auch dieser Traum ist Wirklichkeit geworden! » Auch Robert Thelen, einer der ältesten deutschen Flieger, hat am Dienstag auf einem Albatros-Doppeldecker eine schöne Flug- leistung vollbracht. Er flog, noch zur Nachtzeit, von Berlin nach Königsberg, von dort nach Stettin und von da wieder zurück nach Königsberg, eine Gesamtstrecke von mehr als 1300 Kilometern. Thelen hat damit die Anwartschaft auf den 60 000 Mark-Preis der Nationalflugspende erworben, die ihm aller- dings noch lebhaft bestritten werden dürste. Hus aller Alelt. Der Untergang des„Yoltumo". Der Kapitän I n ch, Führer des untergegangenen Dampfers „Volturno" gibt über den Brand und Untergang seines Dampfers folgende Darstellung: Am 9. Oktober früh 6 lihr 50 Minuten, als wir un§ unter 49 Grad 2 Minuten nördlicher Breite und 34 Grad 51 Minuten westlicher Länge befanden, meldete der erste Offizier Feuer im Laderaum Nr. 1. Um 6 Uhr 55 Minuten brachen die Flammen durch die Luken von Raum Nr. 1 und setzten das Vordeck und die ganze Ausrüstung auf Deck in Brand. Die Flammen griffen schnell um sich und erreichten das Licht auf dem Fockmast. Die Wache unter Deck war eingeschlossen und kam in den Flammen um. Im Vordeck erfolgte nun eine Reihe von Explosionen, die den Salon und das Hospital in der Miite des Schiffes zerstörten. Ich ließ durch drahtlose Tclegraphie sofort um Hilfe bitten, als die Flarumen die Luken ergriffen. Kapitän Jnch schildert nun das Herablassen der Boote und fährt dann fort: Inzwischen kämpften der erste Ingenieur, zwei Matrosen und ich mit dem Feuer, und da wir anscheinend die Flammen gedämpft hatten, ließ ich keine Boote mehr abgehen, da die„Carmania" Nackricht gegeben hatte, sie würde uns uin 11 Uhr ftüh erreichen. Rettungsgürtel wurden verteilt und jedem Passagier angelegt. Die Passagiere wurden jetzt ruhiger. Um 3 Uhr stellte sich heraus, daß die Bunker in Flammen standen. Da eS dort wegen der Gase unmöglich war, die Flammen zu löschen, wurden die wasserdichten Tore geschlossen und Wasser durch Luke Nr. 2 in das Feuer gepumpt, daS sich aber die ganze Zeit immer mehr ausbreitete. Um 11 Uhr kam die„Carmania" an und ließ ein Boot herab, das daS Schiff wegen des hohen See- ganges nicht erreichte. Dann kam der„ S e y d l i tz" an und ließ ein Boot herab, das aber nicht zu uns herankommen konnte. Gegen abend waren mehrere Dampfer angekommen. Die Boote des„ K r o o n l a n d" machten vier Versuche, zu uns zu gelangen, wurden aber jedesmal weggeschwemmt. Um 9 Uhr 30 Min. befanden sich die erste Kajüte und der Navigationsraum in Flammen- Das Heck und die Kommandobrücke und alles vor den Schornsteinen brannte nun lichterloh. Die Dynamomaschine für die Pumpe versagte aus Mangel an Dampf. Die Marconitelegraphisten arbeiteten mit Akku» mulatoren bis 11 Uhr. wo die Maschine auf der Brücke explodierte. Verschiedene Passagiere sprangen über Bord und wurden von Booten, die nahe beilagen, gerettet. Um Mitternacht bewölkte sich der Himmel, das Wetter wurde böig und die Rcttungs- arbeiten wurden eingestellt, da die Leute auf den Booten nicht mehr sehen konnten. Das Feuer hatte mittlerweile durch den Zwischendecks- räum für Frauen das Hinterteil des Schiffes ergriffen, was aber vor den Passagieren geheimgehalten wurde, damit sie sich die Nacht hindurch ruhig verhielten. Der erste Ingenieur, die Maschinisten, Telegraphisten und ich selbst verbrachten die Nacht mit der Herstellung kleiner Flöße, für den Fall, daß das Feuer vor Tagesanbruch das Deck durchbrechen sollte. Um 5 Uhr 15 Minuten erschien das erste kleine Boot längs des Schiffes. Das Wetter und die See hatten sich beruhigt und er- möglichten es nun, die Passagiere schnell auszuschiffen. Alle Dampf- schiffe setzten Boote aus und es konnten sich sofort drei mit Passa- gieren füllen. Die Passagiere verließen das Schiff in guter Ordnung. Es herrschte keine Panik. Frauen begannen erst zu weinen, als Hilfe da war. Gegen 8 Uhr früh waren alle, insgesamt vier» hundert Passagiere, vom Schiff fort. Ich seihst durchsuchte das Schiff und fand niemand mehr an Bord, und so entschloß ich mich, das Schiff zu verlassen und schiffte mich mit dem Siest der Mannschaft auf der„Kroonland" ein. Von den zwei vermißte» Booten haben wir nichts n, ehr gehört. Der dritte Offizier des„Volturno", der sich unter den an Bord des„Großen Kurfürst" genommenen Schiffbrüchigen befindet, sagt aus, die Explosion am Donnerstagmorgen habe 80 bis 90 Passa- giere des Zwischendecks völlig überrascht, diese seien entweder so- fort getötet worden oder lebendigen Leibes ver- b r a n n t. Eisenbahnkatastrophe in Liverpool. Ein schweres Eisenbahnunglück, dem eine Reihe von Per- sonen zum Opfer gefallen sind, hat sich am Mittwochnachmittag auf dem St. James- Bahn Hof in Liverpool zuge- tragen. Der nach Manchester fahrende Expreßzug fuhr auf dem Bahnhofe mit einem anderen Zuge zusammen. Bei dem Unglück sollen zehn Menschen uinS Leben ge- kommen sein. Bisher wurden sechs Leichen geborgen. Zahlreiche Personen erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Der Zusammenstoß erfolgte dadurch, daß ein in die Halle einlaufender Zua aus den Zug nach Manchester, der auf dem Bahnhof hielt, auflief. D�c r l e tz t e W a g e n d c s M a n- ckiester-Zuges wurde zertrümmert. Er war nach Hull bestimmt und zum größten Teil von Relsenden nach dem Kontinent besetzt. Von den Insassen der übrigen Wagen ist niemand getötet._ Kleine Notizen. Schwerer Gruben»»fall. Auf dem Kalischacht der Gewerkschaft .Reichskrone" bei L o s s a wurden Mittwoch früh der Zimmermann Paul Hecht aus Wiehe und der Bergmann Schaumburg aus Ostramondra beim Zusammenbruch einer Buhne ge» tötet. Beide Verunglückten waren jung v e r h e r r a t e t. Automobilkatastrophe. Am Dienstagabend suhr das Automobil des Architeklen Kaiser aus Stuttgart bei H u, e l b a ch auf einen Holzwagen auf. Architekt Kaiser wurde, o f o r t g e t ö l e i. Ober- baurath N a i b l e und seine Tochter wurden verletzt. letzte schwer am Kopf._ Lähmungsepidemie in Nürnberg. Seit einigen Togen ist st, Nürnberg eine Epidemie von Kinderlähmung aufgetreten. Bisher sind 43 Kinder erkrankt. In drei Fällen ist die Krankheit tödlich verlaufen._ verantwortlicher'Redatteur: Alfred Wielrpp. Neukölln. Für den Lnjeratenteilveianuv.:TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Luchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u.Co.. Berlin 8«� Nr. 271. 80. Jahrgang. 2. Mit i>ts Jiiniätts" Cttlincr Donnerstag, 16. Oktober 1913. Parteigenossen! Lrscheint morgen abenä Zahlreich fsugbiattverbreitung! Alis zur Flugblattverbreitung! Morgen Freitag, den 17. Oktober: Flugblatt-Verbreitung in den sechs Berliner Wahlkreisen. In Teltow-Beeskow in folgenden Orten: Adlershof— Alt-Glienicke— Charlottenburg— Cöpenick— Dabendorf— Grotz-Lichterfelde— Johannisthal— Mariendorf— Neukölln— Niederschöncweide— Nowawes— Schöneberg— Steglitz— Tempelhof— Wilmersdorf. In Niederbarnim findet die Flugblattverbreitung in allen Bezirken(mit Ausnahme der Landorte) statt. Treffpunkt in den Bezirkslokalen. Parteigenossen! Beteiligt Euch zahlreich. Ter Aktionsausschuh. Partei- �Zngelegenbeiten. Zur Lokalliste. In Lankwitz(T.-B.) feiert am 18. Oktober der Sparverein.Zu« friedenheil* in Heynes Festfälen lJnhaber Fennel). Kaiser-Wilhelm- Straße 29/31, sein Stiftungsfest. Da dieses Lokal zu Partei« Versammlungen hartnäckig verweigert wird, der obige Verein aber versucht, in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen, ersuchen wir, die angebotenen Billetts zurückzuweisen und das Lokal streng zu meiden. Weiler machen wir darauf aufmerksam, daß uns in Freders- dorf(N.-B.) nur die Lokale von O. Kirchner am Bahnhof, mit Saal, und das Lokal von H. Schönien. Lange Straße, zur Verfügung stehen und ersuchen die Mitglieder der Gewerkschaften und der Partei- organisation, dies zu beachten und die Lokallifte genau zu befolgen. __ Die Lokalkommission. Schöncberg. Ein Theaterabend findet am Tonnerstag, den 16. Oktober, abends 8llt Uhr beginnend, in der„Schlotzbrauerci*, Hauptstraße 121, statt. Zur Aufführung gelangt Ibsens dreiaktiges Drama.Gespenster* durch das Hartwigsche Eniemble. Der Verein für Kunst und Wissenschaft, der hier einen künstlerischen Genuß bietet, gibt Einlaßkarten nur durch die Bezirissührer zum Preise von 69 Pf. aus. Fricdrichsfelde. Morgen. Freitagabend, treffen sich die Partei- genossen zu einer wichtigen Parteiarbeit in den Zahlstellen. Lichtcrfelde. Zu der am Freitagabend 7 Uhr in allen Be- zirken stattfindenden Flugblattverteilnng treffen sich die Genossen des 8a. Bezirks bei E. Richter, Chausscestraße 104. Rudow. Am Sonntag, den 19. Oktober, nachmittag? 4 Uhr, im Lokal von Palm: Generalversammlung des Wahlvereins. Trebbin. Der Bildungsausschuß veranstaltet am Sonnabend, den 18. Okiober, abends S'/s Uhr, im.Gesellschaftshaus*(Emil Schulze) eine öffentliche Versammlung. Tagesordnung:„Die Völkerschlacht bei Leipzig". Referent: Redakteur Ernst Däumig- Berlin. Senzig, Lindow, Gussow uud Dolgcnbrodt. Am Sonntag, den 19. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Lokale zur Linde in Senzig, Inh. A. Wingert: öffentliche Volks- und Sportler- Versammlung. Tagesordnung: Der 18. Oktober 1313 und 1913 und die Jung- deutsäilandserziehung! Referent Bruno Lieske, Berlin. Am Sonntag, den 19. Oktober, früh 7 Uhr, treffen fich die Ge- Nossen zur Flugblattverbreirnng im Restauranr A. Schimke. Bernau. Donnerstag, den 16. Oktober, abends 8'/, Uhr: Mit- glicderversammlung bei Salzmann, Basdorfer Straße. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent Genosse Rud. Schwarz- burger. 2. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. 3. Um- gcsialtung der Landagitaliou und Wahl eines Obmannes. 4. Der- schiedenes. Alle diejenigen, die noch in diesem Jahre ihren Austritt aus der Landeskirche erklären wollen, werden ersucht, ihre Adresse bis Sonntag, den 19. Oktober, an den Genossen Ernst Knöschke, Wall- straße 2, abzugeben. LerUner Nachncbten, Adressenschreibcn. . Hast Tu schon mal Adressen geschrieben, verehrter Leser? Ja, gewiß, warum denn nicht? Damals, als unser Ver- ein sein Stiftungsfest feierte, mußte ich als Schriftführer an sämtliche— Hast Tu schon mal Hundert, nein tausend Adressen ge- schrieben? Hintereinander, ohne aufzuhören. Nun, dann weißt Tu überhaupt nicht, was Adressenschreiben bedeutet. Gehe in ein Adreffenbureau, Tu wirst es lernen und mancher- lei Lehre mit nach Hause nehmen. Unter den vielen Arbeitslosen mögen manche noch ihre Mitmenschen mit einer flüssigen, klaren Handschrift be- neiden, die sie wenigstens— wie sie meinen— durch Adressenschreiben vor der äußersten Not schützt. Gütiger Himmel! Es ist da wenig zu beneiden! Da fitzen sie iit den großen Sälen zu Hunderten.„Raum fiir viele" hat der Adressenverlag. Sieh' sie Dir an! Tu findest alle Typen und alle Altersstufen Erwachsener darunter. Leute mit dem ersten Pflaum auf den Lippen und solche, deren Kopf- und Bartlsaar längst in's lichte Weiß übergegangen ist. Ter könnte ein Offizier gewesen sein, der ein Prediger, jener ein Lehrer. Die Hauptmasse aber bilden Handlungsgehilfen, Kauflcute aller Scksattierungen. Schon die Haiidschrift macht sie geeigneter zum Adresscnschrelben als die Angehörigen anderer Berufsklassen. In den Sälen herrscht eine dumpfe, verzweifelte Ar- bcitswut. Rastlos fliegt die Feder über die Umschläge, der Neuankömmling wird keines Blickes gewürdigt. Mit wenigen Worten wird ihm ein Platz angewiesen und sein Pensum zugeteilt. Feder und Federhalter muß er sich mitgebracht haben und nun geht's an die Arbeit. Es wird in Akkord gearbeitet, also fleißig, damit Du etwas verdienst. Der bei- gegebene Arbcitszettel belehrt Dich, was Tu für hundert Adressen erhältst: 25 Pf. Hm!— O, Du schreibst schnell. Tu legst die Uhr neben Dich,— wenn Tu noch eine hast— pm zu sehen, wie die Sache vorwärts geht. Eine Stunde tst vergangen. Neugierig zählst Du die Kuverts durch! denn �t-u hast ohne aufzusehen geschrieben. Lll Stück. Ein Stück Pro Minute, also noch nicht 25 Pf. verdient. Uebung macht den Meister, die nächsten 100 Stück sollen schneller fertig wer- den. Die Feder fliegt noch rascher über das Papier. Jetzt kommt der Aufsichtsbeamte, ein ehemaliger Adressenschreiber, und sieht Deine Arbeit durch.„Zu flüchtig, Sie müssen sich mehr Zeit nehmen", heißt es.„Diese Adressen sind nicht korrekt und müssen noch einmal geschrieben werden."— Du siehst Dir die„falschen" Adressen an und erfährst, daß es nicht einfach:„Weinhaus„Zum Rüdesheimer", Mainz, Am Markt Nr. 5" heißen darf, sondern daß ein Brief, der wirk- lich seine Bestimmung erfüllen soll, adressiert werden muß: „An das Restaurant Weinhaus„Zum Rüdesheimer", Mainz usw. Dein durch die einsige Arbeit etwas benom- mener Kopf kann zwar noch nicht einsehen, daß die erste Adresse ihren Zweck verfehlen soll. Aber, es ist Vorschrift, belehrt Dich der Kontrolleur, und Du mußt Dich fügen, sonst kannst Du ja gehen. Im Laufe des Vormittags erfährst Tu noch verschiedene andere Belehrungen, die alle„Vorschrift" sind, aber sonderbarerweise alle den Zweck zu haben scheinen, den Schreiber in seiner Arbeit aufzuhalten und seinen Lohn zu schmälern. Es ist 12 Uhr— Mittagspause— eine halbe Stunde. Du hast vier Stunden ununterbrochen geschrieben und zählst jetzt Deine Kuverts durch. Fast 300 Stück, also ca. 75 Pf. verdient.„Für den Anfang eine ganz hübsche Leistung," sagt Dein Nebenmann. Aber Dein Kopf ist dumpf, und Deine Hand ist lahm. Am Nachmittag in iVz Stunden bringst Du es nur auf 60 Pf. Verdienst. In den nächsten Tagen arbeitest Du wie ein Besessener, aber nur durch besonders glückliche Umstände in der Zu- teilung der Arbeit erzielst Tu einmal 2 M. Tagesverdienst. Die Löhne schwanken zwischen 2 M. und 4,50 M. pro 1000 Adressen, russische sollen sogar 6 M. das Tausend brin- gen. Aber, wer nicht noch nach der 8i/;)stiindigcii Arbeitszeit zu Hause weiter schreibt, dürfte trotz emsigsten Fleißes kaum einen höheren Wochenlohn als 13 M. erreichen; denn die meisten Adressen sind mit 2,50 M. normiert. Werden Fahr- geld, Invaliden- und Krankengeld abgerechnet, so bleibt ein Hungerlohn übrig, der zum Erbarnren ist. Man sollte nun meinen, das Adressenschreiben sei für die meisten nur eine Uebergangsstation, eine wenn auch noch so widerwillig benutzte Aushilfe in der größten Not. O, nein! Es gibt Veteranen unter den Adressenschreibern, Leute, die diese trostlose Arbeit schon zehn und noch mehr Jahre tun, und die als fester Stamm einen Tagelohn von 2,50 M. und sogar 3 M. erhalten. Aber diese interessieren nicht so sehr, sie scheinen sich abgefunden zu haben. Von der Haupt- masse, von denen, die das Adressenschreiben als ungewohnte Fron auf sich nehmen müssen, soll die Rede sein. Tort drüben ist ein Kopf, der ebensogur auf den Schultern eines Bank- Prokuristen passen würde. Er war es vielleicht, sogar wahr- scheinlich: die Schläfe sind ergraut, und man merkt ihm an, daß er sich etwas schämt. Er war gewiß ein„besserer" An- gestellter, einer, der nicht„zum Lohnarbeiter herabsinken" wollte, der zu dem„Stand zwischen den Ständen" gehörte. Von seiner Sorte sind eine ganze Anzahl da. Was mag sie zum Ädresscnfchreiben gezwungen'- Haben? Haben sie nicht immer treu zur„Prinzipalität" gehalten und sich entrüstet über das Gros der„kleineren" Handlungsgehilfen, die mehr oder weniger versteckt schon sozialistischer Anschauungen hul- digten. Wart Ihr alle unredlich, daß Ihr keine Stellung mehr bekommt? Möglich, aber nicht wahrscheinlich. So viel Spitzbuben„jiebt's ja jarnich". Ihr habt die vierzig überschritten, und das Angebot der Jüngeren ist groß. Ihr bezogt gewiß schon ein ziemlich hohes Gehalt, jüngere nehmen Euren Platz gern für weniger ein. O, Ihr teuren„besseren" Handlungsgehilfen! Ihr habt eine höhere Schulbildung ge- Nossen, Ihr seid fleißig, irnelligent und treu. Ihr hattet alle die Anwartschaft erworben auf ein gutes Einkommen/ besonders nach langer Dienstzeit. Merkt Ihr erst, wenn Ihr die vierzig überschritten habt und anfangt zu ergrauen, daß sich die Zeiten geändert haben? Glaubt Ihr wirklich, daß Tüchtigkeit, Kenntnisse und Erfahrungen allein ausschlag- gebend sind? Merkt Ihr erst jetzt, daß Protektion und Ver- Wandtschaft die Sprungbretter zu den wirklich guten Stellun- gen abgeben, in denen man sogar bis in sein hohes Alter Er- sprießliches leisten kann. Ihr seid ja allesamt arme Schacher! So hilflos wie Ihr, der„Stand zwischen den Ständen", ist kein Lohnarbeiter. Ihr könnt entlassen werden, wenn dem Herrn Prinzipal Eure Nase nicht gefällt. Keiner von Euren Kollegen wird auch nur mit einem Finger seine Solidarität mit Euch zu erkennen geben. Ihr müßt Eure Vorschläge und Petitionen„submissest" einreichen. Hinter Euch steht keine Organisation, die Euren Wünschen den erforderlichen Nach- druck verleiht. Was zögert Ihr? Seid Ihr nicht Arbeit- nehmer wie jeder Lohnarbeiter auch? Warum schließt Ihr Euch nicht restlos sozialdemokratischen Verbänden an? Seid Ihr zu vornehm? Selig sind die Sanftmütigen— und die Dünkelhaften; denn sie werden das Adreffenbureau schauen! „Tie Sozialistische Liedertafel New Aorks in Berlin." Aus New D o r l erhalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Abdruck: New Do rl, 1. Oktober 1913. .Gestatten Sie mir, das Eingesandt im„Vorwärts* am 31. Juli, gezeichnet„Getteralkommission der Gewerlfchoften Deutsch- lands* heute zu bcant.oorren, da ich während des Aufenthaltes der New Docker Sozialistischen Liedertafel in Deutschland(die erst am 26. September nach den Vereinigten Staaten zurückkehrte) als deren Reiseleiter ich fungierte, mich aus Höflichkeit und Anstandsgründen in eine Polemik nicht einlassen konnte. Zuförderst erlauben Sie mir zu bemerken, daß ich von den Be- hauplungen, welche ich in der Rede am 23. Juli im Gewerkschafls� Haus aufgestellt babe, auch nicht e i n W o r t zurückzunehmen habe. Zu den einzelnen Punkten selbst: 1. Ich wiederhole, daß ich mich vor zwei Jahren in der Gompers- Versammlung zum Wort meldete. � 2. Daß ich ani Pressetisch Platz nahm und mich als Vertreter der„New Dort« Volkszeitung* vorstellte ist Tatsache, und erfüllte ich damit nur meine Pflicht. 3. Daß ich Gompers als„Kronzeuge* zunickte, ist Tatsache; jedoch bestätigte ich nur seine Behauptung, daß jeder Einwanderer bei � seiner Landung mindestens 25 Dollar(199 Mark) vorzu- weisen habe. 4. Daß eine Diskussion stattfand, sofern man überhaupt von einer solchen reden kann, ist ja wahr, aber nicht zu vergessen, daß unangenehme Fragen, eben auch entsprechend behandelt wurden. ö. Daß ich erklärte„Man müsse Gompers entgegentreten", ist eine Tatsache, weil dieser in gewohnter Weise die amerikanische Arbeiterbewegung in falsches Licht stellte und damit ist ja selbst von de» Einsendern die Tatsache etabliert, daß ich mich über die irreführenden Ausführungen Gompers einfach empörte. 6. Die Annahme einer Pcrsonenverwechselung ist unbegründet, da mein Name seit mehr als 39 Jahren hier in der sozialistischen Partei wohl bekannt ist. Kein Grund lag vor, weder zu fechten noch zu enlkommen, denn an Feigheit, als im Ausdruck, habe ich meiner Meinung noch nie gelitten, als„muntere Glossierung* kann man hier nur die Tatsache auffassen, wenn in genannler Versamm- lung ein Wortführer und Sozialist sich unnötigerweise an die Rock- schöße eines Gompers hängt und diesen verteidigt. Jetzt, � wo Genosse Scheidemann sich hier auf einer sehr erfolgreichen Agitationstour be- findet, wird es diesem wohl vergönnt sein, aus eigener Erfahrung die reaktionären Gewerkschaftsmelhoden unter Leitung von Gompers und Konsorten kennen zu lernen. Wie vorher bemerkt, war es nicht meine Absicht, mich in Deutsch- land in eine Polemik einzulassen, und erkläre ich die Angelegenheit für mich hiermit für erledigt. Hoffentlich, wird es mir noch einmal vergönnt sein, Deutschland zu besuchen, um an Ort und Stelle jede weitere Aufklärung geben zu können. Mit solidarischem Gruß A. JablinowSki. Bauten auf dem Friedhof in Buch. Die Stadt Berlin errichtet in Buch einen großen Friedhof, da der Friedrichsfelder Zentralfriedhof nur noch eine beschränkte Zahl von Leichen aufnehmen kann. Das Gelände in Buch ist über 399 Morgen groß, also etwa dreimal so groß, wie der Friedhof in Friedrichsfelde. Die städtische Parkverwaltung hat bereits das Ge- lände planiert und in umfangreichem Maße mit Bäumen und Sträuchern versehen. Jetzt hat endlich auch die Hochbauverwaltung die schon lange geforderten Hochbauprojekte fertig gestellt. Es sollen in Buch errichtet werden: eine Kapelle, ein Verwaliungs-, Wohn- und Torgebäude, sowie eine Kesselanlage für die Zentralheizung sämtlicher Baulichkeiten. Die an sich recht hübschen Projekte wurden gestern in der Hochbaudepntation und im Anschluß daran in dem Kuratorium für das Bestattungswesen einstimmig genehmigt. Stimmt die Stadtverordnetenversammlung den sehr gut durchgearbeiteten Projekten zu, so kann sofort mit den Arbeiten begonnen werden, weil seit zwei Jahren schon Mittel bereit stehen. Auf unzulängfichc Einrichtungen des zahnärztlichen Instituts der Landesversicherungsrnistalt Berlin läßt ein Schreiben schließen, das dieser Tage eine Arbeilerin aus Neukölln auf ihren Antrag, ihr ein Gebiß zu bewilligen, erhalten hat. Der Vorstand der Landes- Versicherungsanstalt hat zwar dem Antrage stattgegeben, er teilt aber zugleich mit, daß das zahnärztliche Institut für längere Zeit mit Aufträgen voll beschäiligt sei; der Vorstand könne daher erst in sieben bis neun Wochen auf ihren Autrag zurückkommen. Da? Schreiben muß recht befremdlich wirken. Im vorliegenden Fall war die An- tragstellerin infolge Kiefernerkrankung gezwungen, sich zehn Zähne ziehen zu lassen. Nachdem der Kiefer geheilt war, stellte die Ar- beiterin am 13. August den Antrag auf Anfertigung eines Gebisses. Nach einem weiteren Verlaute von vier Wochen mußte die Antrag- stellcrin mit dem Kranlenbuch noch dem Kölluischen Park kommen, .hier wurde-die Krankennummer, notiert... Aach.aberinels drei Wochen wurde sie zur Voruntersuchung geladen: am 7. Oktober endlich erhielt die Arbeilerin den oben angedeuteten Bescheid. Wir halten eine solche Verzögerung der Gebißanfertigung für eine gesundheitliche Gefahr der Äntragsiellerin. Der Landes- Versicherungsanstalt Berlin müßte es möglich sein, Vorkehrungen zu treffen, daß sie den an sie gestellten Anforderungen in kürzerer Zeil genügen könnte. Arbeiterrisiko. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich gestern in der„In- dustria*-Blechwarenfabrik, Waldemarstr. 29. Der dort beschäftigte Drücker Krüger, Weidentveg, fiel mit dem linken Arm gegen einen auf der Drehbank sich schnell drehenden Grammophontrichter. Das icharfe Blech durchschnitt den Oberarm von der Schulter bis zum Ellenbogen bis auf den Knochen. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verunglückte nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Nach Aussage des Arztes ist keine Hoffiiung auf Erhaltung des Armes- Das Ende des Zirkus Busch? Der„Konfekt.* verbreitet die Nachricht, daß mit Ende dieser Saison der Zirkus Busch aufhören wird, zu existieren. Tatsächlich bat Herr Busch bereits die ersten Schritte getan, um die Verträge mit den Behörden zu lösen. Er beabsichtigt, wie die„Vossische Zeitung' auf Anfrage der- sichert, sich am 1. April ins Privatleben zurückzuziehen, wenn eS ihm nicht gelingt, eine Jmmediatversügung zu erlangen, welche die Lust- barkeitssteuer, von der die Zirkusetablissements besonders schwer be« troffen werden, herabsetzt. Seit Einführung der Lustbarkeitssteuer habe sich eine Abwanderung auf billige Plätze in auffälliger Weise gellend gemacht, und die Folge davon sei, daß die besseren Plätze leer blieben. Herr Busch, der nun seit vierunddreitzig Jahren den von ihm gegründeten Zirkus leitet, will, nachdem alle bis« herigen Unterhandlungen erfolglos waren, nun noch einmal in einer Eingabe an das Ministerium versuchen, eine Herabminderung der Lustbarkeitssteuer zu erwirken. Dieser Eingabe wird sich übrigens auch Herr Schumann anschließen. Was aus dem Zirkus Busch wird, wenn diese Eingabe unberücksichtigt bleibt, ist noch nicht näher bestimmt. Der Zirkus Busch hat sich in weiten Kreisen großen Zuspruchs erfreut, und kaum ein Fremder verließ Berlin, der nicht bei Busch war. Die Lustbarkeitssteuer ist sicher geeignet, einen erheblichen Einnahmeckusfall herbeizuführen, da eine Abwanderung von besseren Plätzen auf billige Plätze herbeigeführt wird. Aber trotzdem ist doch versucht worden, die Steuer auf das Publikum abzuwälzen, und deshalb haben wir diese Steuer entschieden bekämpft. Wenn aber in letzter Zeit der ZirkuS Busch leerer geworden ist, so muß doch offen gesagt werden, daß der Grund hierfür mehr in der in neuerer Zeit von der Direkrion beliebten Aufführung patriotischer Spektakelstücke liegt. Der breiten Volksmasse eine der- artige Kost zu bieten, ist einfach eine Provokation und eS ist be- greiflich, wenn der Zirkus leerer wird. Es verrät auch ein ganz ge« sundes Empfinden der Arbeiter, wenn sie sich über die in den Kneipen ausgehängten Plakate empören, die darstellen, wie ein deutscher Soldat mit der einen Hand einen Schwarzen an der Kehle packt und in der andern Hand einen Säbel hält, um den Schwarzen über den Haufen zu stechen. Das ist eine Roheit sondergleichen und zeigt, wie weit der Zirkus Busch gekommen ist. Unsere Kolonialschwärmer mögen an solchem Unfug Freude haben, die Arbeiter empören fich darüber und gehen schließlickj einem Unternehmen mit solchem Kitsch aus dem Wege. I» die gosdene Freiheit zurSckgckehrt ist am gestrigen Mittwoch unser Genosse Albert Wachs, nachdem er die zehn Wochen Ge- fängniS, die ihm als früheren Verantwortlichen Redakteur unseres Blattes aufgebrummt worden waren, in der Strafanstalt Tegel ab- gesessen hat. Wie es scheint, hat er die unfreiwillige Muße gut überstanden. Wir wollen hoffen, daß ihm auch nachträglich kein weiterer Schaden daraus erwächst, und begrüßen ihn als alten Kampfgenossen, der nun wieder in unsere Reihen eintritt, um nach wie vor seinen Mann in der Parteibewegung zu stellen. Durch riucn Sturz aus einer Kraftdroschke tödlich verunglückt ist die 40 Jahre 5lte Ehefrau Antonie des Kellners Neeke aus der Dunckersträeie /8. Die Frau nahm vor einigen Tagen an einer Hochzeitsfeier teil. Nachmittags um 4 Uhr bestieg sie in der Senefelderstraße mit zweien ihrer vier Kinder und ihrer Schwägerin eine Kraftdroschke, um nach der Raumerstraße zu fahren. Als der Wagen aus der Gohren« Straße in die Raumer« straße einbog, machte der Führer eine scharfe Wendung um die Ecke, weil er dort gleich halten sollte. Erst bei der Wendung sah er, daß an der Ecke ein anderer Kraftwagen schon hielt. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, bremste er so stark als möglich. Hierdurch kam sein Wagen ins Schleudern und flog mit einem Ruck aus die Seite. Die Fahrgäste wurden infolgedessen nach der enr- gegengesetzten Seite geschleudert. Frau Neeke, die am Schlag saß, siel so unglücklich auf den Hebel, daß der Schlag aufflog und sie kopfüber aus dem Wagen stürzte. Die Verunglückte blieb bewußtlos auf dem Pflaster liegen. Ein Arzt, den man hinzurief, ließ sie gleich nach dem Krankenhaus Ain Friedrichshain bringen. Dort ist sie jetzt an den Folgen des schweren Sturzes gestorben. Ei» Unglücksfall liegt, wie uns ein Leser berichtet, der Meldung von der Auffindung der Leiche des Korbmachers Wachtel zugrunde. Wachtel war seit seinem siebenten Lebensjahre blind und ist dieser Tage gelegentlich einer Spielerei ins Wasser gefallen und ertrunken. Ein Selbstmord sei ausgeschlossen. Kleine Nachrichten. Von einem Kraftwagen überfahren und ge- tötet wurde gestern ein junger Mann, als er an der Hohenlohe- Brücke im Osten der Stadt den Fahrdamm überschreiten wollte. Der Tote ist etwa 20 Jahre alt und ungefähr 1,öö Meter groß, hat blondes Haar und Scbnurrbart und trug ein blaues Marengojackett, ein grünliche Weste und Hose und einen grünen Hut, der die Buch- staben E. T. trägt und von der Firma Schuppe in Breslau stammt.— Air der Schöneberger Brücke wurde gestern ein etwa 2S Jahre altes Mädchen aus dem Wasser gezogen. Die Wäsche ist mit E. A. gezeichnet. Die Beschreibung paßt auf ein junges Mädchen, das mit ihrem Geliebren aus Dresden verschwunden ist. Die Vermißten haben aus Berlin nach Hause geschrieben, daß sie hier gemeinsam in den Tod gehen ivollten. Wahrscheinlich haben sie diesen Plan auch ausgeführt. Die Leiche deS jungen Mannes ist noch nicht ge- funden.— Mit Lyiol vergiftet haben sich die 02 Jahre alte Ehefrau Klara des Malers ZowczinSki aus d« Posen« Straße und das 20 Jahre alle Dienstmädchen Martha Gotzmann aus der FlenSburger Straße.— Nach einem häuslichen Auftritt hat sich der 38 Jahre alte Straßeuhändler Paul Rotkehl aus der Swinemüuder Str. 09 erhängt._ Vorort-JNacbncbten. Eharlottenburg. Städtische Desinfektionsanstalt. Im Gemeindegebiet Char- lottenburg sind die bei ansteckenden Krankheiten nach den gcsetz- lichen Bestimmungen erforderlichen Desinfektionen, insbesondere die sogenannten Schlußdesinfektionen, nach der Anordnung des Königl. Polizeipräsidiums vom 29. Februar 1908 lediglich durch die städtische Desiltfektionsanstalt, Char- lottenburg, Mollwitzstraße(Telephon: Wilhelm 427) auszuführen. Bon anderer Seite vorgenommene Schlußdesinfektionen sind als ausreichand nicht anzusehen und befreien nicht von der Verpflich- tung zur Vornahme der amtlichen Desinfektionen, welche kosten« los erfolgen. Außerdem führt die städtische Desinfektionsanstalt noch anders Desinfektionen auf Wunsch zu den tarifmäßigen Ge- bühren aus. Es wird besonders vor der Verwechselung der städti» schen Desinfektionsanstalt mit einer Privatfirma, die man irrtüm- lich nach ihrer Bezeichnung für eine städtische Anstalt halten kann, gewarnt. Neukölln. Ein würdiges Gegenstück zu den mehrfach veröffentlichten Klagen über polizeilichen Schutz— so schreibt uns ein Leser— konnte man am Sonnabend beobachten. Gegen 7 Uhr abends hatten sich zwei Schutzleute in der Boddinstraße am Boddinplatz aufpostiert, um die- jenigen Fuhrwerke und Radfahrer anzuhalten und aufzuschreiben, die ohne Laterne fuhren. Zu gleicher Zeit wurden ohne Rücksicht darauf, ob der Verkehr gehindert werden könnte, drei Wage» an« gehalten, die nebeneinander zu stehen kamen, so daß ziemlich die ganze Breite des Fahrdammes versperrt wurde. Das Beispiel zeigt wieder einmal, daß keineswegs ein Mangel an Schutzleuten vor- Händen ist. Nur wenn es gilt, Passanten vor Rowdys zu schützen, ist in den seltensten Fällen die Polizei zu finden. Schmargenvorf. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvercins gab der Genosse T h> l i k e- Schöneberg den Bericht über den diesjährigen Parteitag. In der Diskussion nreinte Genosse Kasper, man hätte die Gewerkschaftsangestellten verpflichten sollen, am 1. Mai ihren Tagesverdienst zu opfern und zwar aus den, Grunde, weil die Mehrzahl der Feiernden ganz andere Opfer brächten. Unter Ber- schiedcnes wurde mitgeteilt, daß die Agitationstour auf«onutag, den 19. Oktober, verschoben ist. Ebenso wurde auf den am Mittwoch, den 18. Oktober, im.Waldkator" statlfindenden Lichtbilder- Vortrag über das Tbema„Ein Ausflug ins Wellall" hingewiesen. Ferner wurden die Genossen ersuchr, zu der nächsten Mitglieder- Versammlung die Gewerlschastsbücher mitzubringen. Lichterfelde. Auö der Gemeindevertretung. Die Sitzung begann, nachdem dem verstorbenen Schöffen Rudolph ein kurzer Nachruf gewidmet worden war, mit einem die Außenstehenden überraschenden Feldzug gegen den Syndikus Gemeindeschöffen Dr. Domino wegen eines konimunalpolitischen Artikels, den er vor wenigen Tagen in der Ortspresse veröffentlichte. In diesem Artikel wurde zunächst in auf- klärender Weise die Rechtslage bezüglich der Heranziehung der An- lieger zu den Pflasterkosten an den sogenannten Rezeßstraßen— Straßen, die von dem ehemaligen Gründer v. Carstenn angelegt und dann später auf die Gemeinde übergingen— beleuchtet mit dem Ergebnis, daßinfolge unrichtiger bezw. ungesetzlicher Veranlagung die Ge- meinde nunmehr gezwungen werden könne, viele Hunderttausend Mark wieder herauszuzahlen— ein Umstand, der bei der jetzigen fatalen Finanzsituation der Gemeinde sehr bedenklich sei. Am Schlüsse wird dann betont, daß an dieser finanziellen Notlage die Gemeinde- Vertretung die Mitschuld trage, da man aller Warnungen ungeachtet nur tauben Ohren gepredigt hätte. Der durchaus sachlich gehaltene Artikel ist offenbar unter dem Druck der Verhältnisse geschrieben bezw. als ein Ausweg betrachtet worden, um aus bestimmten un- erquicklichen und unhaltbaren Zuständen herauszukommen. Die Veröffentlichung war gewissermaßen eine ultims. ratio— ein Appell an die Gemcindebürger, der allerdings wenig« im Interesse der Gemeindevertretung, als im Interesse der Gemeindebürger und der Gemeinde selbst lag. Wir haben oft genug von dieser Stelle aus auf die finanzielle Miß- Wirtschaft in der Gemeinde hingewiesen, für die die Gemeinde- Vertretung die Verantwortung zu übernehmen hat. Und alle An- zeichen deuten darauf hin. daß noch manche lieber- raschungen bevorstehen. Es ist daher begreiflich. daß in- folge de» genannten Artikels die Stimmung in der Gemeindevertretung gegen den Schöffen Dr. Domino, der an sich schon nicht zu ihren erklärten Lieblingen gehörte, eine ziemlich ge- reizte war. Vor Eintritt in die Tagesordnung brachte der Gemeinde- verlreler Geldermann einen Dringlichkcitsantrag ein, worin die Gemeindevertretung dem Herrn Syndikus Dr. Domino ihre Ber- wunderung über den in der Ortspresse erschienenen Artikel aus- spricht. Bei der Besprechung dieses Antrages, an der sich die Gemeindevenreter G e l d e r m a n n, Meyer, Jäger, Gers- dach u. a. beteiligten, konnten die im genannten Artikel behaupteten Tatsachen nicht bekämpft werden, nur auf den Teil, der die finanzielle Lage der Gemeinde streift und der sich gegen die Gemeindeveriretnng wendet, fühlten sie sich getrosten und stellten dies als eine Schädigung der Gemeindeintereffen hin. Auch der Unter nehmer st andpunkt kam bei dieser Debatte voll und in geschmackvoller Weise zur Geltung. Man konnte gar nicht begreifen, daß ein Gemeindeschöffe, dazu noch ein bc- z a h l t e r, sich erlauben könne, eine eigene Meinung öffentlich zu äußern, eine Meinung, die nicht von der Gemeindevertretung sanktioniert sei. Soweit die Berichte der bürgerlichen Orts- presse augenblicklich zu übersehen sind, wird dieser nicht ganz gleichgültige Umstand schamhaft verschwiegen: jedenfalls trägt er zur Kennzeichnung der qualitativen Beschaffenheit der Gemeindevertretung in Lichterfelde nicht wenig bei. Gemeindeschöffe Dr. Domino erklärte gegenüber allen Angriffen, daß es sich um Angelegenheiten handelt, die in der Einwohnerschaft längst bekannt und auch vom Gemeindevertreter Jäger in der Oeffent- lichkeit behandelt worden seien. Er habe ebenfalls das Recht, seine persönliche Meinung zu äußern und seiner innersten Ueberzeugung Ausdruck zu geben. Der Antrag Geldermann fand darauf die Mehrheil in der Gemeindevertretung und gelangte demnach zur Annahme.— Das Orlsstatut betr. die Aufbringung der Kosten der Straßennnterhaltiing wurde zur nochmaligen Beratung an die Etatskommission zurückverwiesen.— Beschlossen wurde die Neu- Veranlagung der Anlieg« an der Drakestraße auf Grund der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts.— Zur Annahme gelangte fern« ein Antrag betr. die Garaniieüber- nähme für Grundstiicksbeleihungen zur zweilen Stelle durch die Gemeinde innerhalb des Geineindebezirks aus Grund besonderer Be- stimmungen. Gefordert wurde eine Beihilfe von jährlich 1000 M. für die private Elisabethschule. Der Vorlage wiude zugestimmt mit der freudigen Motivierung:„dann brauchen wir keine Schulen zu bauen." — Auch ein Standpunkt! Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. Der erste Punkt: Erlaß eines Ortsslatuls betreffend die Gewährung von Wilwen- und Waisen- geldern hatte bereits die vorige Sitzung beschäftigt: die Angelegen- heil war an eine Kommiision verwiesen worden. Nachdem sicb der Gemeindevorsteher und auch Gemeindevertreter Kniehase sowie Genosse Weber für das Orlsstatut ausgesprochen hatten, erfolgte die An- nähme desselben nach den Beschlüssen der Kommission.— Beim zweile» Punkt handelte es sich um Nachbewilligung von Mitteln zur Verstärkung der Etalnummer für 1913: DesinfektionSkosien. Wie der Gemeindevorsteher hierzu wie auch zum dritten Punkt: Nach- bewilligung von Milteln zum Armenetat, ausführte, sind die an- gesetzten Summe» bereits aufgebraucht. Er ersuchte deshalb, für den Titel Desinsektionskosten 1000 M. und sür die Position zum Armenetat: Unterbringung von Fürsorgezöglingen 300 M. aus dem Dispositionsfonds zu bewilligen. Genosse Weber sprach den Wunsch aus, mit Ueberweisung von Fürsorgezöglingen sehr vorsichtig zu ver- fahren; man habe leider die Beobachiung machen müssen,' daß die Zöglinge aus den Anstalten sehr oft nicht gebessert zurückkehren. Die geforderten Summen wurden bewilligt.— Es folgte hierauf eine nicblöffeatliche Sitzung. Aus der vorletzten Geineindevertretersitzung ist noch zu berichten, daß die von der Gemeiiide nachgesuchte Anleihe in Höhe von Iffz Millionen Mark von der Kur- und NeumArlüchen RilterschaftS- Darlehnskasse genehmigt worden ist. ES steht demnach zu ettvarien, daß die bereits genehmigleit Slraßenbauten und andere Gemeinde- arbeiten nunmehr baldigst in Angriff genommen werden, um der jetzt immer mehr um sich greifenden Arbeitslosigkeit in etwas emgegenzulreten. Es sollte auch dem bereits ausgesprochenen Wunsche, bei den zu vergebenden Arbeiten nach Möglichkeit orts- ansässige Gemeindemitglieder zu berücksichtigen, Rechnung getragen werden. Mahlsdorf an der Ostbahn. Ueb« die mißlichen Schulverhältniffe des OrtSteilS Mahlsdorf- Süd referierte in einer öffentlichen Versammlung im Heidekrug Genosse Käming. Redner ging mit der HauSbesitzerfraklion des Gemeindcparlaments scharf ins Gericht nnd wies nach, daß es stets das Bestreben dieser Partei gewesen sei, speziell die Entwicklung des Ortsteils Mahlsdorf-Süd zurückzuhalten. In der DiSlussion äußerten sich Genosse Oertel und Gemrindeverlret« Grützner im Sinne des Referenten. Nachfolgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die im Heidekrug tagende öffentliche Versammlung ver- urteilt das Verhalten der Hausbesitzerpartei in der Schulfrage auf das entschiedenste. Die Versammlung verlangt, aiistatt einer Auf- Hebung der Schulklassen in Mahlsdorf-Süd, eine Erweiterung derselben. Sie verlangt ferner, daß, solange eS nicht möglich ist, für Madlsdorf-Süd eine besondere Schule zu errichten, das Fahrgeld der Schüler auf die Gemeindekasse übernommen wird. Zossen. Stadtverordnetensitzung. Nach Erledigung einig« kleiner Bor- lagen wurde beschlossen, eine Petition an den Äreisausschuß zu senden, das Kanalprojeit Leipzig— Berlin über Zossen-Kömgswuster- Hausen zu fördern. Eine lebhaft« Debatte enispann sich über den Antrag Sels und Genossen: Uebernahme von Restbypotheken der Rentenhäuser durch die Stadt. Nachdem der hiesige Christliche Volksverein durch das Bauen von Eigenheimen sich in eine Sackgasse verrannt hat, soll die Stadt kommen und helfen. Unseres Erachlens nach hätte die Stadt schon längst aus eigener Initiative heraus den Bau von Kleinwohnungen fördern sollen. Befremden erregten die Ausführungen des Stadtv. Stark, der sagte, dadurch, daß den Ar- beitern Gelegenheit gegeben würde, sich eine eigene Scholle zu gründen, würden sie zufriedener gemacht, denn jetzt sei ihre Devise: „Wir leben und genießen". Sogar die lOjährigen Schulkinder würden schon aufstützig und drohten, wenn sie in der Schule ge- straft werden sollen, die Sache in die Oeffentlichkeit zu bringen. Nach längerem Hin und Her wurde die Saide an eine Kommission verwiesen. Unter Verschiedenem teilte der Bürgermeister mit, daß Zosien keine Garnison erhalte. Mit de» bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen wird sich am Sonnabend, den 18. Oktober, eine im Lokal von Scherler staltfindende öffentliche Versammlung beschäftigen. Klein-Schönebeck-Fichtenau. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung, den Anschluß des Gemeindebezirks an Las Fernsprechamt Friedrichs- Hägen bei der Postbehörde zu beantragen. Auf den Antrag unserer Genossen, die Regierungsalten betreffend den Schulbau in Fichtenau einzufordern, um dararis die Gründe zu entnehmen, welche die Aufsichtsbehörde zu ihrem ablehnenden Bescheid veranlaßt haben, ist vom Landrat ein Schreiben eingegangen. Darin wird erklärt, daß die Akten nur dem dienstlichen Gebrauch dienen und deshalb der Gemeindevertretung nicht vorgelegt werden und ferner, daß die in Frage kommenden Instanzen deshalb dem Bau eines Schul- Hauses in zentraler Lage der Gemeinde ihre Zustimmung versagt haben, weil sie den Ausbau der Fichtenauer Schule für die zweck- mäßigste Lösung im Schulintereffe einerseits und den finanziellen Verhältnissen der Gemeinde andererseits halten. Genosse Tobias erklärte sich mit diesem Bescheide nicht zufrieden, kritisierte in scharfer Weise, daß die Regierung es nicht für wert halte, dem von der Gemeindevertretung einstimmig gefaßten Beschlutz eines neuen Schulbaues Gründe entgegenzusetzen, die eingehend die von der Vertretung auSgcarbeitcie Denkschrift würdigen und beantragte, den Beschwerdeweg zu beschreiten. Der Gemeindevcrtreter Schramm ist gleichfalls von der landrätlichen Begründung unbefriedigt, riet jedoch, von einer Beschwerde Abstand zu nehmen und dagegen eine nochmalige eingehende Prüfung des Schulprojektes vorzunehmen, um der Regierung später einmal an Hand eines einwandfreien Materials die Richtigkeit des Gemeindebeschlusses nachzuweisen. Nach längerer Debatte wurden beide Anträge abgelehnt. �Beschlossen wurde dann, die öffentlichen Gebäude und möglichst auch den Kirch- hos an das Kreiswasserwerk anzuschließen sowie die Fußwege nach dem Bahnhos Rahnsdorf und im alten Dorf ordnungsgemäß her- zustellen. Bezüglich der Bildung eines kollegialen Gemcindevor- staudes hatte die Kommission gegen vre Stimme des Genossen Tobias beschlossen, der Gemeindevertretung die Vertagung dieses Antrages zu empfehlen. Unser Vertreter wandte sich kurz dagegen und ersuchte um einen Beschluß über den Antrag unserer Genossen. Die Bildung eines kollegialen Gemeindevorstandes wurde darauf mit fünf gegen vier Stimmen beschlossen. Außer unseren drei Genossen stimmten die Herren Hannemann und Tombrowski dafür. Weihensee. Der Männerchor Weißensee, der einzige am Ort bestehende Arbeilergesangverein, veranstaltet am Sonnabend, den 13. Oktober. in der Bergbrauerei, Berliner Allee 211—213, ein Großes Vokalkonzert. Mitwirkende sind Frau Klara Urlau-Heiderich. Sopran, nnd Herr Armin Lieberman», Cellist. Die Mitglieder dieses Vereins fördern jederzeit die Arbeiterbcstrebungen und ersuchen daher um rege Unterstützung. Eintritt inkl. Billettsteuer 58 Pf. Nieder- Schönhause». Eine gut besuchte B«sammlilng nahm am Dienstag im Saal von Liedemit Stellung zu dem Thema„Religion, Kirche und Schule". Solche Versammlungen pflegten bisher noch da- durch von erhöhtem Juteresse zu sein, daß der Geistliche des Ortes erschien und in der Diskussion das Wort nahm. Diesmal war der Herr leider verhindert, in der Versammlung anwesend zu sein. Der Referent. Genosse Mermuth, behandelte zunächst die Frage der Religion. Ausgehend von der durch die moderne Wissenschaft gegebenen Lehre der Weltentwickelung und den Ergebnissen der geologischen und paläontologischen Forschungen, sowie der Ab- stammungslehre, warf Redner zunächst die Frage auf: Schließen die heute von der Wissenschaft als wahr anerkannten Lehren den Glauben an einen Schöpfergott aus? Diese Frage könne nicht beantwortet werden, wenn man gleich den Berlrelern des dogmatiichen Christentums gegenüber d« Wissenschaft diM Kopf in den Sand stecke, auch nicht, wenn man die Bibel für ein Lehrbuch über die Entstehung und Erschaffung der Welt hält. Jenes Bild, das die Bibel über die Weltenlstehung entwerfe, entspreche höchstens dem Vorstellungkreis der alten Jsraelilen, denen jeder Ein- � blick in die Zusammenhänge der Welt gefehlt hätte. Anders aber müßten jene Menschen bewertet werden, die trotz aller Anerkennung der Resultate unserer modernen Forschungen noch erfüllt seien von einem religiösen Empfinden. Bedenke man, daß selbst moderne Forscher die Existenz eines Gottes in den Bereich der Möglichkeit gezogen, so könnte inan zu der Ueberzeugung kommen, daß religiöses Fühlen und Denken etwas sei, das Herausfteige aus den Tiefen des menschlichen Seelenleben?. Sowohl das Christentuin wie auch andere Religionen würden andernfalls auf soziale Ursachen zurückgeiührt, was Redner durch zahlreiche Stellen aus der Bibel belegte. Nachdem Genosse Mermuth rein problematisch diesen Teil des Themas behandelt, zeigte er den zwischen Alten wie Neuem Testament und der heutigen Kirche vorhandenen Gegen- satz. Das im schärfften Widerspruch zu der christlichen Lehre stehende Verhalten der Kirche sowie deren Unduldsamkeit Andersdenkenden gegenüber, müsse selbst religiös veranlagte Menschen veranlassen, derselben den Rücken zu kehren. Die Sircbe sei nicht ergriffen von sortlebenden Ideen, sondern sie erstarre in Formeln und Dogmen und erweise sich immer mehr als ein Bollwerk im Kampf gegen den kulturellen Aufstieg der Arbeiterllasse. Am Schluß zeigte der Referent den schädlichen Einfluß der Kirche auf die Schule. Die interessanten Darlegungen des Redners wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und am Schlüsse mit lebhaftem Beifall be- lohnt. Da eine Diskussion nicht stattfand, ersuchte der Vorsitzende, Genosse B u ch w e i tz. die Anwesenden die Ausführungen des Redners zu beherzigen, mit der Kirche zu brechen und sich den die Gebote der christlichen Nächstenliebe erfüllenden Arbeiterorganisationen anzuschließen. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß die Versammlung. Pankow. Die gewerbliche Fortbildungsschule begann nach ihrem Jahres- bericht für 1912/13 im Berichtsjahre ihren Unterricht mit 801 Schülern, die in 13 Lehrlingsklasten, 10 Zeichenabteilungen. 4 Arbeiterklassen und einer Vorklasse von 26 Lehrern unterwiesen wurden. Neue, Klassen wurden eröffnet sür Kaufleute, Friseure und das Nahrungsmittel- und Bekleidungsgewerbe. Am Schlüsse de« Sommersemesters war die Schülerzahl aus 470 zurückgegangen. Das Wintersemester begann mit ungefähr derselben Zahl von Schülern. Infolge der Wiedereinführung des Nachmittagsunterrichts an der fünften Ge- meindeschule. deren Klossenräume von der Fortbildungsschule be- nutzt werden, war letztere gezwungen, ihren Unterricht auf die Zeit von 8 bis 3 Uhr abends zu verlegen,„was— wie es im Bericht heißt— im Interesse des Unterrichts nur lebhaft bedauert werden kann." Diesem Mißstand ist im Sommersemester 1913 wieder insoweit abgeholfen, daß der Unterricht der LehrlingSklasien um 7 Uhr sein Ende erreicht. Neben der Erteilung des Unterrichts nach dem vorhandenen Lchrplan fanden hin und wieder auch Führungen der Schüler durch Werkstätten und Ausstellungen statt. Auch das Lehrerkollegium nahm Besichtigungen von Betrieben vor. Ant 17. März d. I. fand eine Schluß- resp. Entlassungsfeier mit Prämiierung der besten Schüler statt. An Stelle des im Herbst 1912 ausgeschiedenen Leiter« der Schule wurde Herr Volksschullehrer Göhring im Februar 1913 mit deren Leitung betraut. NowaweS. Einen Arbeitsnachweis für Fabrik- und Hauspersonal will der Verband Märliicher Arbeitsnachweise auf Wunsch hiesiger Industrieller und anderer Interessenten am 18. November eröffnen. Die Ver- Mittelung soll in den Räumen des Gewerbegericht?, Lindenstraße 66, von 3 Uhr nachmittags ab erfolgen. In den Arbeitsausschuß, der dem Verband der Märkischen Arbeitsnachweise bei der Verwaltung des geplanten Nackweises beratend zur Seite stehen soll, wurden außer vier Jndustrieverttrtern Bürgermeister Winkelmann und Ober- pfarrer Dessin gewählt. An die Hinzuziehung von Arbeitern bat man scheinbar nickt gedacht, es ist jedoch auch möglich, daß sie mit Absicht ferngehalten werden sollen, denn sie könnten sich vielleicht einmal erdreisten, über die zweckmäßigste Art der Verwaltung anderer Ansicht zu sein als die Herren Industriellen pd« per Herr Oberpftirrer.__ Sitzungstage von Stadt- nnd Gemeindevertretungen. Rieder-Zchiineweide. Heute Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, im Gemewdehause, Grünauer Str. 1. Hoheii-Neuendorf. Morgen Frettag, abends S Uhr, im SitzungSsaalc Berliner«tr. 4L/49. Diese Sitzungen find Issentllch. Jeder Gemeindeangetzirige ist be- rcchiigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Allgemeine Kranken, und Sterbekaffe der Metallarbeiter. a. G.) zu Hamburg. Filiale Reinickendorf- Oft. Ionnabend. den 13. Oktober, abends 8'l, Uhr: Mitgliederverjammwng bei Brückner, Provinzstr. 74. Jugenäbe�vegung. Vom Kampfe gegen die Arbeiterjugend. Im Juli verurteilte das Schöffengericht in G l a d b e ck(Kreis Recklinghausen) den dortigen Jugendleiter Genoffen Boden gu 3V M. und zwei Jugendliche zu je 3 M. Geldstrafe. Ersieren deshalb, weil er die Abonnenten der„Arbeiter-Jugend" mehrere Male zu Spiel- stunden, Au-fliigen und Borlrägen einlud, die nach Ansicht des Ge- richts den Zweck hätten, die Jugend im Sinne der sozialdemo- kratischen Anschauung der Eltern zu erziehen, alsv politisch seien, was auch in der diesen Bestrebungen dienenden Literatur, wie die„Arbeiter-Jugend", das Jugendliederbuch, die Flugblätter über den„Kampf um die Arbeiterjugend" und„Gehörst Du zu uns krag zum Ausdruck komme. Weiter, weil er es unter- lassen hat, diese das Merkmal eines Vereins tragenden Veran- staltungen der Polizei anzumelden und serner. weil er Jugendliche unter 18 Jahren in den„politischen Zwecken dienenden" Veran- staltungen geduldet habe.— Tie beiden Jugendlichen bekamen jeder drei Mark Strafe, weil sie sich«n den„politischen" Ver- ansialtungen beteiligt hatten.— Der Staatsanwalt hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt, weil ibm die Strafe zu gering er- schien. In dieser Sache stand vor einigen Tagen vor dem Essener Landgericht Termin an. In dem Termin wurde dem Verlangen des Staatsanwalts Rechnung getragen und die Strafe gegen Genossen Boden aus 120 M. erhöht, während die beiden Jugendlichen mit einem Verweise davon kamen. Das Gericht kam ebenfalls zu der Annahme, daff eS sich um einen Verein handele, zwar nicht um einen Verein im gewöhnlichen Sinne, doch sei ein festes Band zu erkennen, welches die Gruppe umspanne, ein gewisses rechtliches Band als Abonnenten der„Arbeiter-Jugend". Das Gericht hielt auch die Bestrebungen für politisch und die Veranstaltungen hätten auch öffentlichen Charakter gehabt, weil jedermann Zutritt hatte. Der Vorsitzende des Gerichts betonte noch, eine exemplarische Be- strafung müsse eintreten, um dem Gesetze die nötige Beachtung zu verschaffen._ Veranstaltungen. Verein für Frauen»nd Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 20. Oktober, abends 8'/, Uhr, in Kellers Neuer Phüharmonie, Köpe- nickcr Straße 96/97: Vortrag:„Die Frau in der neuen Literatur". Res.: Wally Zepler._ Marktpreise von Berlin am 1s. Oktober li»l3, nach Ermittelungen des tgl. Volizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,46— 16,80, mittel 00,00— 00,00. geringe 00,00— 00,00. Mais> runder), gute Sorte 14,30—14,80. Richtstroh 0,00-5,00. Heu 6,00-7,60. A a r k l l> a l l c n v r e i s e. 100 ftilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sveisebobncn, weihe 35,00—60,00. Linien 36,00—70,00. Kartoffeln(StlcinliM.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindffeiich, Bauchüeiich 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelsleisch 1,60—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,20—6,50. I Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Aale 1,40—3,00. Zander 1,40—3,20. Hechle 1,20—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,00—36,00. Bmfhastcn der Kcdahtlon. Tic I-rifttsäie eprechstundc stndet LindenNraße 69, vorn vier Treppe» — Fahr stuhl—, woihencäglich von tzp bis 7g> Uhr adends, Honnavend», «ou sg- bis 6 Uhr avcnvs statt. Jever für den«riestofte» vesttmmtea«usragc ist ein Buchnabe nnb rine Zahl als Mertzeechen betzuMgen. Brirfltchc Antwort wir» nichi etitilt.«nsragcn, denen keine Abonnemcntsauiiwng beigestigl ist, verde«»ichi dcaniworiri. Eilige Frage» iragr mau in ver eprcchftnndr vor. A. N. IVO. 1. Die Kosten des Versahrens betragen etwa 2 M. 2. Der Gläubiger kann Haslbeschluß erwirken und die Schuldnerin vorsübren lassen. Vorher müssen aber 45 M. eingezahlt werden. 3. Sosern die Frau auch jetzt noch keine Kenntnis hat, kann sie natürlich auch keine Angaben machen, andernfalls ist sie dazu verpflichtet.— W. H. sO« Die Geschwister haben Anspruch aus die Halste des Nachlasses, ausgenommen die Hausbaliungsgegenstände, die dem Manne allein gehören. Leben die Eltern der Verstorbenen, so haben diese den Anspruch,— F. St. 35. Nein.— Genosse I. B. Nein.—«. B. IVO. Nein.— 31. M. 41. Jh-v Frage ist bereits im„Vorwärts" vom 16. 9. wie solgt beantwortet: 1. Falls Ibrc Mutter hier ihren Wohnsitz genommen hat, könnte allerdings die sogenannte AuslaufSgebühr gefordert werden: bei besuchsweisem Ausenthalt nicht. Der Landtransport ist zulässig. Für Beschaffenheit des Sarges besteht für einen iolchcn Fall keine besondere Vorschrist. Es ist jedoch vom Polizeipräsidium ein Lcichenpah auszustellen, nachdem vorher der beamtete Arzt eine Bc« scheinigung über die Zulässigkeit des Transportes ausgestellt hat. Hält der Arzt eine besondere Beschaffenheit des Sarges sür erforderlich, so mutz dem nachgekommen werden, 2. Nein.— M. M. Mauersirahe. Nein. — 3l. 31. 100. Für eine erwachsene Perjon 9.60 M. Kinder von vier bis zehn Jahren die Hülste. Die Kosten des Möbeltransportes richten sich nach dem Gewicht. Weitere Auskunft erkalten Sie im Eisenbabnauskunsts- bureau am Bahnhos Alexanderplatz unentgeltlich.— H. St. Rosenthal 1. Derartige Kurse finden im Polizeipräsidium statt. Lehrzeit 14 Tage, schul- gcld 6 M. Anmeldungen sihd bis 1. November bezw. 1. Mai an die Ab- tcilung IIb des Polizeipräsidiums Berlin unter Angabe des Geburtstages, Ortes lind des erlernten Handwerkes zu richten.— I. F. Nowawcs. Die Löhnung bewegt sich zwischen 27 M. bis 60 M. je nach Charge. Nichlkapitulanien gibt eS nicht.— 33. G. 50. Nein. — I. St. 13. Außer dem von Jbnen angegebenen Verein gibt es noch den Verein sür Feuerbestattung, Berlin, Breite Str. 5. Beide Vereine sind unpolitisch.— Tz. 14. Ein derartiges Krankenhaus besteht Zurzeit noch nicht.— Wilhelm 1500. Die größte Funkenstation befindet sich in Nauen; wenden Sie sich an diese.— H. R. Ob. 1. Ein Gramm ist unbezahlbar. Aus der ganzen Erde sollen nur wenige Gramm existieren. 2. IZuo vackis — Wohin gellst Du. 3. Allgemeine Abhandlungen über Erbrecht können wir im Briefkasten nicht geben. Liegt ein Erbsall vor, so stellen Sie die be- zügliche Frage unter Darlegung des Sachverhalts. 4. Am 1. Oktober 1874. 5. Falls die Ehegatten Deutsche sind, gilt die Ehe auch bei Kalhoüken als geschieden. Der Standpunkt der Kirche hat keinerlei bürgerliche Rechtswirkung. — G. P. 80. 1. La, sosecn Zengenbeweis erbracht werden kann. Das Eingeständnis genügt häufig nicht. 2. Stellen Sie beim Armenvorsteber Jb>es Bezirks den Antrag aus Erteilung eines Armutszeugnisses. 3. Zunächst muh das Sühnevcriahren bei dem Gericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, eingeleitet werden. Nach Stattfinden deS Sühnelermlns müsse« Sie beim Landgericht einen Antrag aus Bewilligung des Armenrcchts und Beiordnung eines Anwalts stellen. Das Verfahren dauert in der Regel 3—6 Monate.— B. 33. 86 551. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und" aeben Sie noch an, in ivelcher Zeitung die Veröffentlichung erfolgt ist.— Parlament 110. Senden Sie die vollstreckbare Urteilsaussertigung an die Verteilungsstelle deS Amtsgerichts, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt mit dem Ersuchen um Zwangsvollstreckung, Der zuständige Gerichtsvoll- zieher wird alsdann mit der Vollstreckung beaustragt. Eine Abänderung der Adresse durch das Gericht im Urteil iit nicht erforderlich.— M. B. Ja. — P. 800. Der Mietsvertrag bleibt in Kraft.— Nr. 100. Beantragen Sie bei dem Armenvorsteher Ihres Bezirks ein ArmutSattest. Nach Empfang desselben beantragen Sie bei dem Landgericht, in dessen Bezirk Ihr Sohn wohnt, die Bewilligung des Armenrcchts und die Bei- ordnung eines Anwalts zum Zwecke der Erhebung der Unterhaltsklage, WitterungSübersicht vom 15. Oktober 1913. OtatUmen liUt E-»l Ss = sS Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 760 SSW 761 763 767 SW SW SW 770WW 763SsO (Settel �Regen 5'Regen llchedeckt LDunst 2NebeI ) iwolkenl <*x c*. t* «tattonen Saparanda etersburg scilly Aberdeen Paris Vetter 2wolkenl 3Regen 4Mebel 4halb bd. llbedeckt C"» Ii -1 7 14 11 7 Wetterprognose für Donnerstag, de» 10. Ottober 1913. Zeitweise neblig, zeltweise ausklarend, jedoch vorwiegend trübe wiederholten Regenjällen und sehr lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. mit WasserstandS-Rachrichten der LandeSanftalt für Gewäsiertunde, miigeleill vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e l, Tilstt P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krossen . Franksurt Warthe, Schrrmm , Ländsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbv , Magdeburg 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel, Todes-Anzeigen| SozlaldemoMcberWahlvereiD 1 1 6. üerl. Reichstagswablkreis Am 13. d. M. verstarb unser Genosse, der Buchdruckereiarbeitcr Sinke Demminerstr. 18. Bezirk 594a. Ehra seinem Andenken! Die Einäscherung findet am reitag, nachmittag? 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstrasie 37/38 statt. Um rege Beteiligung ersucht 131/5 Der Vorstand. ¥erhaßdOa£h-D.StEMriiEkErei- HilfsarliEifep and Ärlieilerfnnen Deatsclilands. = OrtSverwallung Berlin.= Am 13. d. M. verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied k'sul Sinke im Alter von 58 Jahren. Ehre seinem Andenke»! Die Einäscherung erfolgt am Freitag, den 17. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstratzc. 28/13 llie Ortsreevaltung. ZoMeiiiokpatMbEPVajii�peia Steglitz. In der Nacht vom Sonntag zu Montag starb plötzlich unser Mit- glied,' die Parteigenossin Beila Freitag geb. Liedtke (11. Bezirk.) Ehre ihrem Andenkeu! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 16. Oktober, nachmittags 4'lt Uhr, von der Leichenballe des Steglitzer Ge- meindesriedhoses aus stall. Die Sänger treffen sich aus dem Friedhofe. Um rege Beteiligung ersucht 103/2_ Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, das- unser lieber Sohn, Bruder und Schwager EiensK Vogel (Kottbuser Str. 16), nach langem, schwerem Leiden am Dienstag, 14. Ottober verstvben ist. L686b Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Wilhelm Vogel. Beerdigung Freitag, nachm. i'l, Uhr, von der Halle des Tho- maS-Friedhoses, Neukölln, Her- mannstraß«, aus. CeatsclierMeiallarheiier-VeFliaiiil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Lrnst Vexol gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17,- Oktober, nachmittags 4I/4UHt, von der Leiche»- balle des Thomas- Kirchhofes in Neukölln, Hermannstr,, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 127/20 Die Ortsverwaltung. Deatscher Bßlzarheiter-Vefliand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drechsler Heinrieli Zimmermann Görlitzer Straße 66, im Alter von 55 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18t Oktober, nachm. 3'/z Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Fricdrichsselde aus statt. 90/10 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaliung. Verband der Hat- aad Filzwaren- arbeitera.ÄMerinneiiDeatseliL Ortsverwaltung Berlin. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege kaul Dehme am 13. d. R. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der Halle des Georgen-Kirchhofes, Lands- berger Allee, aus statt. 76/11 Zahlreiche Beieiligung erwartet Der Vorstand. Zentral-Kranken- andSterhekasse der deatselien Wagenbauer. SieokOlln I. Am 14. Oktober starb unser Mitglied Mann Nyneck. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhauje Jägerstrasie 3 aus aus dem alten St.-Michael- Kirchhof, Hermann- straße, statt, 259/4 Oie Filialverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders- 67A Ksr! Ewert sagen wir allen tiefgesühltcn Dank. Karl llwert nebst Frau und Tochter. Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachrichl, datz unser Kollege, der Haus- diener Paul Pätzold am 12. d. Mts. im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Ehre seinem stlndenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. d. Mls., nachmittags 4 Uhr, von de. Leichenhalle deS Wiknersdorfer Gemeinde-Friedhoses auS statt. Nttckruk. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser.Kollege, der Arbeiter Emil Eiixe am 6. d. Mts. im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken! 68/13 01« Bazirkiverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, dafi unser einzigster lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Kürschner Paul WalS nach langem, schwerem Leiden im 24. Lebensjahre am 14. d. M. sanft enlschlasen ist. DieS zeigen tiesbetrübt an Familie H. Wall, Boxhagener Str. 11. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 17. Oktober, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Zentraljriedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 87A Br.SimmsI Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,««L 10— 2. 5— 7. Sonntag-s 10— 12. £)iiorm killig'! Vorjährige feinste Ulster und Anzüge :: von 25 bis 00 Zl. GehrocksAnzüge Smoking/s auf Seide Billige Hosenwoche Versandhaus„Germania" Unter den lilnden 21. Deatscher Kiirschner- Verband. Filiale Berlin. Am 14. d. Mts. verstarb nach langem Leiden miser Mitglied, der Kürschner Paul Wall im Atter von 24 Jahren. Ehre seinem Andenken! Tic Beerdigung findet am Freitag, nachmittags i'l, Uhr, von der Halle des Zenttai-Fried- Hajes in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Tie Ortsverwaltung. Allgemeine Ortskrankenkasse sür Berlin-Tempelhof. Einladung zu der am Donnerstag, den 23. Oktober 1913, abends Punkt S'l, Uhr, im Restaurant Stuhl- mau»(Geiiossenschaftshaus), Ber« lin-Temvelhos, Dorsstr. 51, statt- sindenden .AuUerordentliehen General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Nochmalige Beschlußsaffung über die nach der R.-V.-O. erforderlichen neuen Statuten. 2. Antrag deS Vorstandes aus Ab- änderung des§" 30 der alten Statuten. 3. Verschiedenes. 278/4 Der Borstaud d. Allgemeine» Ortskrankenkasse für Berlin-Dempelhof. (gez.) Albert George, 1. Vors. Orts- Krankenkasse Friedenau. Aaßerordentllcho General-Versammlung am Freitag, den 24. Oktober, abends S'l, Uhr, im Restaurant Katser-Wilheimgarten, Friedenau, Rheinstr. 65 1. Tagesordnung: 1. Nochmalige Beratung und Be- schlußsassung der neuen Kassensatzung unter Berücksichtigung der vom Kgl. OberversichcrungSamt beanttagten Aenderung. 278/6 2. VerichiedeneS. Dor Vorstand. Hensel, Bauer, Vorsitzender. Schristjührtr, KB. Etwaige Beschwerden, zu welchen die Einfichwahme der Bücher und Belege erforderlich ist, find nnn- destenS drei Tage vorher schristlich bei der Kasse einzureichen. Meiler-BllSWgssedule. Sonntag, den 19. Oktober 1913, abends 7 Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72: Vortrag des Gen. Pieck über: Dtts Jllhv 1813. Eintritt 29 Pf. Garderobe frei. 6/11» Nach dem Vortrag: Gemjltljches SejsammenskM vnd Tan;. Verwaltung Rerlin Freitag» den 17. Oktober 1913, abends S1/« Uhr, in Obiglos Fcstsälcn(früher Keller), Koppenstr. 29: «M'iusam Nntmitusmäilnerokrsiimmliliig der Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1.»Die Bestrebungen des neuen Kartells der Grostinduftriellen, Agrarier«nd Mtttelständler". Referent: Kollege Bobort Schmidt. 2. Verbandsangelegenheiten. ÖOyil I>lc Ort« Verwaltung. 10 Mk."Ä*' Uesere elegante Herren- Garde- robe» n. Matz. Strengste Diskretion. W. Krüger jr., Berlin H 58, Oderberger Str. 12, im Lade». Uautleiden Spezialarzt für Syphilis, Harn- o. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntorsuchung.* Schnelle, sioh. Heilung. MäBige Preise. I»r. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125(Oramenb. Tor) Sprechst. 8-9, 11-2, 5-8, Sonnt. 8-9. Spezialarzt j. Haut-, Harn-, Fraucnteiden, nerv. Schwäche, Beintranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in u.Co. tonz. Laborat. j Blut- Untersuchung., Fäden l. Harnusw. kti-üi-iutt,»1,«Ä, Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mästig, auch Teilzahl, Separates Damenzimmer. Dr. Hnmeyer Flechte» u. Ausschläge, trockene und nässende, Schuppenficchte. Kopf- u. 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Montis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a. 8 Uhr: Gastspiel Jul. Spiclmann: Der lachende Ehemann. Soimtag 3 Ubr: Der Vogelhändler. IOSE=THEATE| Große Franksurter Str. 132. Ansang S'/, Uhr. Zum letzten Male: Die Schiffbrüchigen. Theaterstück in 3 Akten von Brieux. Freitag: Laura masfiert. Eonnabendnachmittag: Dornröschen. Dent.chesSchan.pielhnn« 8 11.; Der erste Beste. Satans Maske. Lessing-Theater. Ansang 7,/2 Uhr. Pppi* rivnf �on SWen. reer uyn l. Musik von Grieg. Msehes Künstlertheater Sozietät. Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. Abends 8 Uhr: Hanneles Himmelfahrt. ___ Der zerbrochene Krug. Metropol Theater Abends 7 Uhr 55 präzise; I Gr. Ausitattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollstand. sreier Benutzung des lules Verne'jchen Romanes von JnllDs Frennd. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. llicharil Schultz. Karl Bactimanii. Joseph Giampietro. Guido Thielscher. Allred Schmasow. Leopold Wolf. Lodwig Wolf. ReleneBaiiot. Idaßusska. J. de Lar.de. Sfcn! 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Oktober in Eisenach tagte, alle Abschwächungsanträge zu dem viel- umstrittenen K 3 seiner Satzung abgelehnt und die alte Fassung mit der Forderung des allgemeinen, gleichen, direktem und geheimen Wahlrechts bestätigt. So lautete die Meldung, die durch die Presse ging, und man konnte annehmen, daß allen Zweiflern zum Trotz die Anhängerinnen des allgemeinen, gleichen Wahlrechts einen schönen Sieg über die Reaktionäre und diejenigen Btitglieder im Deutschen Verband für Frauen- slimmrecht, denen die sogenannte Einheitlichkeit der Frauen- stimmrechtsbewegung höher steht als irgendein Prinzip, davongetragen hätten. Ein Sieg? Ach nein;»venu man die Abstinimungs- rcsultate vergleicht und sich über den Gang der Verhand- tungen unterrichtet, so muß man sagen, daß dieser Aus- gang des Kampfes verzweifelt wenig mit einem Sieg gemein hat, daß er weit eher einer Niederlage ähnlich sieht, ja, daß er schlimmer ist-als ein Unterliegen. Denn jetzt sehen die Außenstehenden im allgemeinen nur die Tatsache, daß die Satzungen des Verbandes nicht geändert worden sind, und nur den wenigen offenbart sich die Schwäche der radikalen Elemente im Frauenstimmrechtsverbande, die einen genauen Einblick in die ganze Lage gewonnen haben und die sich weder durch Phrasen noch durch Siegesgejubel täuschen lassen. Auf der Linken im Deutschen Verband für Frauen- stimmrccht, das heißt bei denjenigen, die den Autrag gestellt hatten„Die Generalversammlung wolle beschließen, Z 3 der Satzungen(das ist der Wahlrechtsparagraph) unverändert bei- zubehalten", ist denn auch durchaus keine Jubelstimmung vor- Händen. Und dem, der das Resultat der Abstimmungen ruhig betrachtet, wird sehr bald klar, daß die alte Fassung nur des- halb geblieben ist, weil ihre Gegner sich nicht einigen konnten. Wie war es denn? Es lag ein Antrag Stettin vor. jede präzisere Fassung der Wahlrechtsforderung abzulehnen und in den Satzungen nur das Frauenstimnirecht ganz allgemein zu verlangen. Jedes einzelne Mitglied konnte, wenn dieser Antrag durchgegangen wäre, ein radikales oder reaktionäres Wahlrecht füe seine Person vertreten. Der Deutsche Verband als solcher hätte stuinm bleiben müssen, wenn er in der Oeffentlichkeit zu einer Stellungnahme zur Wahlresormbewegung in Preußen aufgefordert worden wäre. Ein Autrag der„ R e f o r m p a r t c i"(Maria Lischnewska und Genossen) wollte folgende Fassung aufgenommen wissen: .Ter Verband führt den Kampf für die politische Befreiung der deutschen Frau. Er fordert das volle StaalSbürgerrecht für alle Frauen." Außerdem lehnte er für die Satzungen„jede Fest- legung auf eine bestimmte Form des Fraucnwahlrechts ab". Der Grund für diese Formulierung war der, daß bei einem Bekenntnis zum allgenieinen, gleichen Wahlrecht die von Frau Lischnewska u»d ihren Freunden heiß erstrebte Verschmelzung niit der Deutschen Vereinigung für Frauen- slimmrecht, die in der Hauptsache nationalliberale und frei- konservative Frauen umfaßt, unmöglich iväre. Schließlich verlangte ein Autrag des Preußischen L a n d e s v e r e i n s für Frauenstimmrecht zwar das allge- meine, gleiche Wahlrecht, aber nur„als Ziel"; was vor der Erreichung des Zieles als annehmbar gilt, wurde nicht gesagt. Wie sich diese Damen den Weg denken, geht jedoch daraus hervor, daß ein großer Teil der Delegierten freudig zustimmte, als eine Anhängerin der radikalen Richtung in ihrer 5lritik dieses Antrages meinte:„Sie würden eventuell auch einer Uebertragung des Drciklassenwahlrechts auf die Frauen Ihre Einwilligung geben können, wenn es Herrn v. Bcthmaun Hollweg einsallen sollte, einen solchen Vorschlag zu macheu." Natürlich, dazu waren sie bereit, sie können es nicht verstehen, daß die kritisierende Delegierte darin keinen Fortschritt, sondern einen verhängnisvollen Rückschritt erblickte. der recht beträchtlich von dem Wege zu dem augeblichen Ziel abwiche. Das waren die Hauptauträge. Außerdem lag noch ein Beschluß vor, der infolge eines Antrages von Dr. Augspurg im Herbst des vergangenen Jahres auf der Beiratskonferenz des Verbandes in Weimar gefaßt worden war, und der die heftigen Kämpfe des letzten Jahres und den Austritt von Frau Minna Caucr und anderen radikalen Frauen zur Folge halte, sowie ein Antrag von Frau Lindemaun, der in höchst unglücklicher Forni die Forderung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts umschrieb. Beide Anträge lvurden sozusagen fallen gelassen. Man sprach dazu und brachte sie formell ein, weil man mußte, aber nicht einmal die Antragstellerinnen erwärmten sich für sie. Auf die Debatten brauchen wir nicht einzugehen. Sie enthielten nichts wesentlich Neues. Der Antrag Stettin, der reaktionärste, ivurde zuerst zur Abstimmung gestellt. Er fiel mit v8 Stimmen gegen 123. Der Antrag der„Reformpartei" wurde niit 139 gegen 52 Stimmen abgelehnt, der des Preußischen LandeSvereius mit 192 gegen 73. Nun blieb noch der Antrag, die alte Fassung ausrecht zu erhalten, aber man erklärte, da alles andere abgelehnt sei, so brauche man darüber nicht mehr abzustimmen, und die Antragsteller selbst bestanden nicht auf ihrem Recht. Das>var bedauerlich. Denn wenn über diesen Antrag abgestimmt lvorden wäre, hätte sich das Bild mit einem Schlage gewandelt. Unter den 192 Stimmen, die gegen den Antrag des Preußischen Landesvercins— den„Ziclantrag"— waren, befanden sich auch mindestens 49 Stimmen der„Reform- Partei" und der„Stettiner", denen der preußische Antrag nicht weit genug ging. Sie würden gegen Aufrechtcrbaltung der alten Satzung mit der unzivcidentigcn Forderung des all- gemeinen, gleichen, direkten, geheimen Wahlrechts für die Frauen gewesen sein. Es würden sich also keine 192 Stimmen für ihre Aufrechterhaltung ge- funden haben, sondern 192 weniger 49 gleich 62; und da bei der letzten Abstimmung im ganzen 175 Stimmen ab- gegeben wurden, blieben 1 13 gegen die alte Fassung. Wenn mau nun selbst so günstig wie möglich rechnet, so würden doch keinesfalls mehr als 65 Delegierte für die Beibehaltung der Forderung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in der ursprünglichen Form gestimmt haben. Der anderen Seite müßten dann aber ebenfalls noch einige Stimmen zugerechnet werden, sodaß das Verhältnis 65 zu 125 gewesen iväre. Das sieht etwas anders aus. Wenn auch nicht die Drei- Viertelmajorität erreicht worden wäre, die zu Satzungs- änderungen notwendig ist, so wird man doch zugeben müssen, daß ein Verband, in dem zwei Drittel der Stimnien fiir eine Abschivächung der Forderung des allge Nt einen, gleichen Wahlrechts sind, nicht mehr als ernsthafte Kampftruppe für Volksrechte angesehen werden kann. Wer einen deutlichen Beweis dafür will, wie sehr die Verschivommenheit im Deutschen Verband für Frauenstimmrecht uni sich gegriffen hat, der sehe sich seinen neugcwählten Vor- stand au. Zur Vorsitzenden wählte man wieder Frau Marie Stritt, die für den reaktionären Stettiner Antrag, und als der abgelehnt wurde, der Reihe nach für alle übrigen Abändern ngsanträge g e- st i m m t hatte! Der Verband gibt vor, das demokratische Wahlrecht zu wollen und wählt eine Vorsitzende, die für alle Gegenanträge gestimmt hat: gibt es eine größere Farce? Frau Voß-Zietz, ebenfalls ein Vorstandsmitglied, soll in der gleichen Weise votiert haben. Drei andere, nämlich die zweite Vor- sitzende Frau Lindemann sowie Frau Dr. Kempf und Frau Dzialoszynski stimmten für den preußischen Abänderungs- antrag. Nur zwei von sieben: Fräulein v. Welczeck und Fräulein Schieß sind als Vertreterinnen der ursprünglichen Fassung im neuen Vorstand! Ob die Fraueustimiurechtlerinnen nun die ersehnte Ruhe haben werden? Wir wissen nicht, ob die Minderheit, die für das allgemeine, gleiche Wahlrecht eintritt, und zwar nicht nur als Ziel, sondern als Gegenwartsforderung, sich noch im Deutschen Verbände ivohl fühlen wird. So viel ist jedenfalls sicherj: auf den Deutschen Verband für Frauenstimmrecht in seiner jetzigen Gestalt ist Iveniger als je in der Frage des all- gemeinen, gleichen Wahlrechts ein Verlaß. Die Stellung der Minderheit ist hoffnungslos, sie wird mit der Zeit zerrieben iverden, wenn sie es nicht vorzieht, einen Schnitt zwischen sich und den Harmoniepredigern zu ziehen. Ein Arbeitsfeld wäre ja für sie vorhanden, denn es scheint so, als ob der Deutsche Verband seine Hauptaufgabe für die nächsten zwei Jahre darin sehen wird, die im Jahre 1915 in Deutschland stattfindende Tagung des Weltbundes für Frauenftimmrecht mit all den Festivitäten, die drum und dran hängen, vorzubereiten. Damit haben die Damen genug zu tun, so viel, daß sie keine Zeit haben werden, sich besonders für die Frauenivahlrcchtsforderung einzusetzen. D. B. Hus der bürgerlichen Bewegung. Der Deutsche Bund zur Bekämpfung der Fraucnemanzipation hielt am vergangenen Sonnabend und Sonntag nach kaum ein- jährigem Bestehen seine zweite Jahresversammlung in Berlin ab. Die Verhandlungen, deren Besucher in der Mehrzahl von deutsch- nationalen Handlungsgehilfen und Mitgliedern oes Vereins dem- scher Studenten gestellt wurden, wären— wie es ihnen gebührte— unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verlaufen, wenn die bürgcr- lichen Frauenrechtlerinnen es übcrflnssigerwcise nicht für nötig hielten, durch Diskussionsreden etwas Leben in die Langeiveile der antibündlerischen Banalitäten zu bringen. Der antisemitische Pfarrer Julius Werner, Der über das Fraucnwahlrecht sprach, drohte den Frauenrechtlerinnen damit, daß gar nicht sie, sondern die Sozialdemokratie von der Einführung des Frauenstimmrechts profitieren Ivürde. Etwas verblümt, aber darum nicht weniger scharf wandte sich Werner gegen die konservativen Parteiführer, die der Gründung der Vereinigung konservativer Frauen zu- gestimmt haben. Der von Prof. Langhammer erstattete Jahresbericht nimmt ebenfalls gegen die neue konservative Vereinigung einen durchaus ablehnenden Standpunkt ein. Er enthüllt zugleich die Tatsache, daß die konservative Parteileitung ohne Wissen des weiteren Partciausschnsscs die Vereinigung ins Leben gerufen habe; es heißt darüber: „Die Damen vom Deutsch-evangelischcn Frauenbund haben sich auf den Grundsatz besonnen, daß der Hieb die beste Parade ist, und haben die Vereinigung konservativer Frauen gegrünoct, in der nun, wie es scheint, die Forderungen des Tcutsch-cvangelischen Frauenbundes nach dem kirchlichen und kommunalen Wahlrecht im Namen der konservativen Partei erhoben iverden sollen. Da das kommunale Wahlrecht schon als ein Stück des politischen auf- zufassen ist, so würde man auf diese Weise die Forderungen der radikalen Schwestern aufs beste vorbereiten und dock den„konser- vativen Schein" wahren. Man hat auf diese Weise einen doppelten Erfolg erzielt: Zunächst hat man den Verdacht liberaler Gesinnung entkräftet und zugleich die letzte Partei, welche bisher der Politisierung der Frau ernsten Widerstand entgegensetzte, in das Fahrwasser der radikalen Frauenbewegung leise ilnd unmerklich hineingeführt. Wenn eS sich bewahrheiten sollte, daß der Fünf- z i g c r- A u s s ch u ß der konservativen Partei nicht befragt worden ist, so dürfte das Drama noch ein Nachspiel haben; aber das ändert nichts an der vollzogenen Tatsache der P o l i t i- sierung der konservativen Frau durch die Damen der Frauenbewegung." Danach werden sich die von uns schon mehrfach erwähnten Auseinairdcrsctzunge» über die neue Vereinigung innerhalb der konservativen Partei noch verschärfen. Die frau in der Partei. Fraucnkonfcrcnz für den Bezirk Nirdcrrhein. In Düffel- dorf wurde am Sonntag eine Frauenkonserenz atbgehalten. Die vierzehn Wahlkreise des Bezirks Nicderrhein hatten 37 Genossinnen und 11 Genossen delegiert. Die Genossin Agncs-Düsscldorf sprach über:„Die Frauen und die G e m e i n d e w a h l c n." Rednerin ging auf das weite Gebiet der Forderungen ein, welche die Sozial- demokratie an Staat und Gemeinde stellt. Die von der Gemeinde zu verlangenden Einrichtungen seien besonders für die Frauen ivichtig und da sei es Pflicht aller Arbeiterinnen, lebhaft in den Wablkampf niit einzugreifen. Erst dann würden Staat und Gesell- schaft bereit sein, die von uns gestellten Forderungen zu erfüllen, wenn die Frauen mehr wie bisher den Fragen der Schulpolitik, des Armcnwesens, der Speisung der Schulkinder usw. lebhaftes Jntcr- esse entgegenbrächten und so die bürgerliche Gesellschaft vorwärts- trieben. Organisation und Aufklärung seien nötig, um das Ziel aktiver Teilnahme der Massen der Arbeiterfrauen an den Forde- rangen, die in der Gemeinde zu stellen sind, zu erreichen.— An den Bortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher be- sonders von den in den Gemeinden tätigen Genossen und Ge- nossinnen praktische Erfahrungen zur Darlegung gelangten. lieber:„Der Stand der Frauenbewegung am Nicderrhein" referierte Genossin Merkcl-Solingen. Aus den Berichte», die dann einzelne Delegierte gaben, ging hervor, daß es auch am Niederrhein mit der Frauenbewegung vorwärts geht. Besonderes Gewicht wurde auf die Gewinnung der Ainder und Jugendlichen für unsere Ideen gelegt. Mit den Ferien spielen und Wanderungen habe man die besten Erfolge erzielt. Es wurde gewünscht, daß da, wo noch keine„Frauenabende" mit besonderen Vorträgen eingerichtet sind, dies bald nachgeholt wird. Mit den Nähabenden für junge Mäd- chen seien überall da, wo tüchtige Lehrerinnen vorhanden seien, schöne Erfolge unter den jungen Mädchen zu erzielen. Besonders aber müsse die Hausagitation eins unserer hauptsächlichsten Mittel zur Gelvinnung neuer Mitglieder sein. Eine Agitationswochc in Wien, deren bestes Werkzeug die Agitationsnummer der„Arbeitcrinnenzeitung" war, brachte der Wiener Frauenorganisation 1000 neue Mitglieder. Kinderfchutz. Der Kinderschuh in Ungarn. Zu dem in Nr. 2S7 veröffent- lichten Bericht erhalten wir ein Schreiben des Direktors und Chef- arztes des staatlichen Kinderasyls zu Budapest, worin eine Wider- legung der Behauptung versucht wird, daß oer ungarische Kinder- schütz arbeitspolitischc und agrarpolitische Zwecke verfolgt. Der Direktor Venveist darauf, daß Ungarn kein geburtenarmcs Land ist, sondern nach Rußland die größte Geburtenziffer in ganz Europa hat, und daß noch heute jährlich 14 Million Menschen aus Ungarn auswandern.(Das Statist. Jahrbuch gibt nur 73 050 Auswanderer an!) Wir können dem entgegenhalten, daß Ungarn nach Rußland auch die größte Säuglings- und Allgemeinsterblichkeit hat und zu den am schwächsten bevölkerten Ländern Europas ge- hört, so daß unsere Bezeichnung„menschenarm" zutreffend ist. Ueber die berufliche Ausbildung der Kinder macht der Direktor folgenoe Angaben:„Daß der ungarische Kinderschutz keine agrar- politischen Zwecke verfolgt, ist aus dem ersichtlich. Daß 80 Proz. unserer Knaben Gewerbelehrlinge werden. Bei der leider sehr wenig intensiven Art des ungarischen Ackerbaues sind wir nicht imstande, unsere Knaben in landwirtschaftlichen Betrieben fiir das ganze Jahr unterzubringen. Mehrere Versuche sind voll- ständig gescheitert. Durch die Bedingungen, die wir für unsere Knaben foroern, werden sie zu teuere Arbeitskräfte. Bei Groß- industriellen haben wir in Internaten von 55 000 Kindern etwa 200 Knaben untergebracht. Wieder nur Versuche. Die Knaben leben in diesen Internaten unter solchen Bedingungen, daß sie stets zu den anspruchsvollsten Arbeitern zählen wenden. Leider wollen die Fabrikanten aber nichts mehr von unfern anfpruchs- vollen Kindern loissen. Einen einzigen bescheidenen Versuch gibt es seit drei Jahren in der Konfekt ionsbranche. An ungarischen Verhältnissen gemessen, sind diese Kinder gut aufgehoben. Wir sehen nur noch nicht klar, was die Zukunft dieser Kinder sein wird. Jedenfalls ist unsere Losung jetzt die, aus Mädchen nicht nur Dienstboten zu erziehen. Uebrigens bleibt die übcvwiegende Mehrzahl der Mädchen in der Pflegemutter-Familie, wie das eigene Kind. Der ungarische staatliche Kinderschuh ist auch heute noch in konservativen Kreisen unbeliebt, und man macht uns aus diesen Kreisen den schrecklichen Vorwurf, daß wir— Sozialisten erziehen. Wir fordern Schulen, Aerzte, wir treiben Wohnungs- und Kleidungshygiene. Das sind in konservativen Augen, unser« Mängel." Milchkontrolle und Tuberkulose der Kinder. Wie Dr. Stile» im„Brit. med. Journ." mitteilt, läßt die Milchkontrolle in Edin- bürg und anderen Städten Schottlands viel zu wünschen übrig. Interessant ist nun, das� 25 Proz. der Kinder Darmtuberkulose aufweisen. Ferner zeigten von 07 Kindern mit Knochen- und Ge- lenktuberkulose 01 Proz. den R i n d e r tuberkelbazillus und nur 34 Proz. den M e n s ch e n tuberkelbazillus. Von 72 Kindern mit Lialsdrnsentuberkulose hatten sogar 90 Proz. den Rindertuberkel» bazillus. Da bei 05 von den 72 erkrankten Kindern in der Familie keine Lungentuberkulose vorhanden war, so konnte die Ansteckung nur durch rohe Milch erfolgt sein. Ein Beweis dafür, wie wichtig eine genügende Milchkontrolle für die Gesundheit unserer Kinder ist. Sie läßt auch in Deutschland noch viel zu wünschen übrig. literarisches. Der Kampf um die Gesundung der geburtshilflichen Ordnung in einer Sammlung alter und neuer Beiträge, beleuchtet� von Dr. Brennecke, Geh. Sanitätsrat in Magdeburg.(KommissionS- Verlag von Lichtenberg u. Bühling, Magdeburg 1913.) Brennecke ist einer der ältesten und verdieniesten Vorkämpfer für eine gründliche Umgestaltung der alten, heilloS verfahrenen Zustände in der Geburts- Hilfe. Seil 3'/» Jahrzehnten hat er nichts unversucht gelassen, um die Regierung, die Aerzteschaft. die Hebammen, bürgerliche Frauen- kreise u. a. für die bedeulungsvolle Frage eines wirklich zuverlässigen Mutter- und Säugliugsschutzes zu iineressieren. Einen großen Teil der Artikel und Vorträge aus diesem mit leidenschaftlichem Eifer geführten Kampfe hat Brennecke nun, zu einem stattlichen Bande von 300 Seiten vereinigt, herausgegeben. Der Verfasser will keine Flick- und Stückarbeit verrichten, wie sie unsere mit so großer Sparsamkeit und so wenig'Weisheit be- gabte Regierung'zu versuchen pflegt, wenn die Notstände der Geburtshilfe gar zu kraß zutage treten. Das jammervolle Heb- ammenwesen ist Brennecke nur einer der reformbedürftigen Teile der Mutterfnrsorge, allerdings ein besonders kranker und alters- schwacher. Er ist der richtigen Ansicht, daß die Geburts- und Wochenbett- Hygiene nicht mit dem Hebammenwesen allein rechnen dürfe, daß viel- mehr auch die soziale Lage der unleren Bevölkerungssckiichten als ein namhafter, die geburtsbygienischen Ergebnisse stark beeinflussender Faktor in Erwägung gezogen werden muß. Soziale Ausgestaltung der Geburts- und Wochenbettshilfe, des Mutter- und Säuglings- schutzes muß darum die Parole sein. Insbesondere sollen Wöchnerinnenasyle und Säuglingsheime nach vorausgegangener gründlicher Reform des Hebammenwesens in den Mittelpunkt der geburtshilflichen Ordnung des Mutter- und Säuglingsschuhes einrücken. Nur so kann man hoffen, die grauenhaften Todesopfer, die unter der Herrschaft des St. Schlendrian Jahr für Jahr gebracht werden, auf ein Mindestmaß herabzudrücken. So könnten nach Brennecke alljährlich 8000 Wöchnerinnen, 300 000—400 000 Säuglinge vom Tode, 30—40 000 Frauen vor langwierigem Siechtum gerettet, es könnte der Zerstörung des Familienglücks m, gezählter Menschen vorgebeugt werden, wenn man seinen Reformplänen folgte. Aber deren Verwirklichung paßt unserer Regierung nickt, sie gehen ihr viel zu weit, obwohl sie Brenneckes herbe, aber auf unwiderlegliche Tatsachen gestützte Kritik an der heutigen Geburtshilfe biher nicht wider- legen konnte. Von seinen Berufsgenossen ivurde er vielfach mißverstanden und im Stick gelassen, von der Hebaminenschaft lange heftig bekämpft, weil sie fürchtete, durch eine strengere Auswahl in ihrem ohnehin karg« licken Erwerb nock geschmälert zu werden. Das bürgerliche Publikum aber erwärmte sich nicht für das umfassende geburts« hilflich-soziale Reformprograinin, sondern für eine Teilreform, für den unter dem Protektorat der Kaiserin mit gewaltigem Tamtam in Szene gesetzten Schutz der Säuglinge, von dem man glaubte, daß er sich ohne stärkere Inanspruchnahme öffentlicher Geldmittel leichter und widerspruchsloser durchführen lassen werde, als die kost- spielige, jeden Dilettantismus verbietende Reform des gesamten Gebietes von durchgreifenden Fürsorgemaßnahmen für Mutter und Kind. Brennecke aber betonte immer wieder, dasi Säuglingsschutz ohne Mutterschutz eine klägliche Halbheil ist und bleibt. Brennecke ist kein Freund der Sozialdemokratie; doch findet er bei uns nichl nur das iveilgebende Verständnis seiner Reformpläne, das er in bürgerlichen Kreisen bisher vergeblich gesucht hat. Wir zollen ihm auch Anerkennung für die rücksichlSlose Entschiedenheit, mit der er das ganze System der Geburtshilfe aus der unheilvollen Ver« sumpfung herausreißen will. H. Kt Jedes Wort 10 Pfennfg. Da« fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulSsstg 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zflhlen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Umzuod-Sxtrapreisc für(aar. dinen, Teppichc, Tischdecken, Steppe decken, Einzelstückc, leiiwcise leicht sehlcrhast, unter Hälfte des Preises, VorwärtSlcscr noch siins Prozent Extrarabatt. 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Die Annahme von Mandaten zum Reichstag oder zum Landtag sowie die Ucbernahme von Nebenämtern mit Einlommen irgend- welcher Art ist während der Dienstdaucr unzulässig, Die Wahl gilt zunächst aus die Dauer von drei Jahren, nach deren Umfluß sich der Bewerber nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen einer Neuwahl zu unterziehen hat. Bewerbungen, in welchen clwaige besondere Wünsche und Bedingungen vorgebracht werden tönncn, sind mit Zeugnissen, auch über Gesundheit»- Verhältnisse, und mit Lebenslaus bis spätestens 15. November lausenden Jahres beim untersertigtcn Stadtmagistrat einzureichen, Der Gewählte wird Mitglied der städtischen Penfionsanstalt, von welcher jedoch Beiträge nicht erhoben werden. Nürnberg, den 10. Ottobcr 1913. I>r. v. Schuh. Patentanwalt Müller, Gitschmer straße 16,_ Patentanwalt Wesiel. Gittchiner» strafte 94&. Kunftftopferet Große Franksurterstraße 67,____ 2399K» Jede ilhr zu reparieren 1,25 (außer Bruch), tleinere Reparaturen billiger. 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Pr., Münzstraße 24 b. 292/12* Allgemeine Ortskrankenkasse Riirnberg. Für die am 1. Januar 1914 ins lieben tretende Ortskrankenkasse in Nürnberg suchen wir zum möglichst baldigen Eintritt einen geschäftsleitenden 21615* ersten und zweiten Beamten. Nur solche Herren wollen sich melden, die zur selbständigen Organisierung und Leitung einer großen Krankenkasse(über 100 000 Mitglieder) befähigt sind und über mehr- jährige praktische Erfahrungen verfügen. Den Meldungen sind Lebenslauf, Zeugnisabschriften. Angabe der Gehaltsansprüche und an welchen! Tage der Eintritt erfolgen kann, beizufügen. Angebote sind bis zum 20. Oktober 1913 an die Geschäftsstelle der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Nürnberg, Fleischbrücke 3. mit der Aufschrist„Bewerbung" einzusenden. W Stellenangebote. Leichten Verdienst. FürEmpsch- lung unserer Firma bei Neu-Ein- richtungen in Haus- und Wirtschasts- sowie Geschenk-Artikcln zahlen ö*/, Provision bei vorheriger Anmeldunq. L. Katz u. 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V« ctagSanftalt Paul Singer u. Eo.. Bertin