Nr. S7S. Bbonnemcnts-Rcdingungtn: Ittoratctnetitä. Preis ptamimcraifo; Lierteljährl. 3,30 iDIt, mouatl. 1,10 fflif, wöchentlich 28 Pfg. jrri ins Hans. Einzelne Nummer Z Pfg, SonmagS. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Vsg, Post. «bonnement: 1.10 Mark t>ro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitwigs. Preisliste. Unter Kreuzband zür Deutschland und Oesterreich. Ungarn ll.öv Mark, für das übrige Lusland * Mari pro Monat, Postabonneinenis nehmen an: Belgien. Dänemarf, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Numänicn. Schweden und die Cchweiz. 30. Jahrg. kilidelnt täglich. Berliner Volksblnlk. vie Infektion;-eebiih? vetrügt für die scchsgcspaltetic Koloiiek. zcilc oder deren Raum 60 Pfg,, sür politische und gewerlschaftliche Vereins- und Persnmmlungs-Anzeigen 30 Pfg, „Nleine Hnrtigcn'V-SaS fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zM-ffqj Lfettgedcrm- Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlasstellenan. zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buchstaben zahlen für zwei Worte, Inserate für die nächst? Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben worden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegranim> Adresse: „SoziMcinciirat Bcrim". Zcntratorgan der fozialdemokratifcben parte! Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morinplass, Nr. 198Z. Freitag, den 17. Oktober 1913. I Expedition: SM. 68, Lindcnstraese 69. Fernsprecher: Amt Morinplati, Nr. 188t. vie Kampf?- uncl 5chmal?gese»en. Sie heben die Gläser lind schreien: Leipzig Hurra hoch!, sie halten Phrasenreiche Festreden und lösen Böllerschüsse, sie schwelgen int Rausch eines Sieges, den ihre Altvorderen mit ch rem Blut und ihren Knochen bezahlt haben, und neben den Majestäten, Hoheiten und Durchlauchtigen Herren wird wohl 91er und da auch so nebenbei des deutschen Vaterlandes und des deutschen Volkes gedacht werden. Aber selten hat eine Gelegenheit den brciteit Riß, der zwischen herrschenden und beherrschten Klassen in Deutschland klafft, so unver- hüllt hervortreten lassen, als das lärmende Gedächtnisfcst der Leipziger Schlacht. In Leipzig selbst hat der Rat in einent Gemisch von Wut und Angst von den öffentlichen Anschlag säulen die Plakate der sozialdemokratischen Partei fern gehalten, die zu Proteswersammlungen gegen den Jahr hundertruntmel aufriefen, in Gelnhausen ist eine Versamm lung mit deni gleichen Thema, die unter freiem Himmel stattfinden sollte, verboten worden, in einer ganzen Reihe von Stadtvertretungen ist es wegen des Jubiläums zu heftigen Zusammenstößen zwischen bürgerlichen Parteien und Sozial- domokratic gekommen, und an den Stamnitischcn ereifern sich die hier- und begcisterungstrunkenen Spießbürger, als begehe die Sozialdemokratie an den Toten von 1813 eine Leichen» schändiing nach der andern. Wer in diesen SchimpfchornS blindwütend mit einstimmt, ist entweder gar schlecht beraten oder er tobt, um nur der gehaßten Partei der Arbeiterklasse eins auszuwischen, wider besseres Wissen. In der Tat stände es einer Partei wie der Sozialdemokratie übel an, Männer zu schmähen, die für die Freiheit— und mochte sie nachher noch so sehr als ein Trug- bild sich erweisen— ihre Brust den Kugeln entgegen warfen. Die Bastillenstürmer von 1789, die Märzbarrikadenkämpfer von 1848 haben ja so wenig unsere besondere Sache ver- fochten wie die Landwehren von 1813, und doch zählen wir den 14. Juli wie den 18. März zu den großen Tagen in der Geschichte der Menschheit— warum sollten wir da nicht des 18. Oktober 1813 mit ähnlichen Hochgefühlen gedenken! Nur wiederholen>vir lediglich hundertmal Gesagtes, wenn wir wiederum feststellen, daß wir an den Gräbern derer, die vor hundert Jahren bluteten und starben, mindestens mit derselben Ehrfurcht stehen wie die auf Kommando schluchzenden bürgerlichen Jubiläumsbarden, und für die armen Teufel von schlcsischcn Leinewebern, die sich, halb verhungert, halb er- froren, schlecht gekleidet und nnbeschuht, mit stürmischer Tapferkeit aus den Feind warfen, kann niemand mehr Be- wunderung aufbringen als wir, und auch der Geist von 1813, der schier revolutionäre Geist, der wie eine wandelnde Feuer- säule den Kämpfern voranleuchtete, auch er geht dem Gefühl der sozialistischen �Massen in Deutschland ein, weil er ein Teil ist Von dem Geiste, der sie selbst beseelt. Denn der große Philosoph Fichte hat in unvergeßliche und unvergängliche Worte geformt, was den Kämpfern von 1813 als Ziel vor- schwebte:..Ein wahrhaftes Reich des Rechts, wie es noch nie in der Welt erschienen ist, in aller der Begeisterung für Frei- heit des Bürgers, die wir in der alten Welt erblicken: für Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschen» antlstz trägt." und wo anders, als in den Reihen der Sozial- demokratie wird heute noch für dieses erhabene Ideal ge- fochten! Was wir denn ablehnen und bekämpfen, ist der trübe Per- such der herrschenden Klassen, aus dem Andenken an 1813 für ihre englierzigen Zwecke Kapital zu schlagen und das Ge- dachtms an jene Volkotaten als i h r Fest zit feiern, als ein Gemisch von Byzantinismus und Gcschäftspatriotismus. In den„Leipziger Neuesten Nachrichten", einem von Chauvinis- mus triefenden alldeutschen Organ, erschien vor einigen Mon» oen Inserat, das verdient, jetzt, da der Jubiläumsrumntel seinen Höhepunkt erreicht hat. der Vergessenheit entrissen zu worden. Das interessante Kulturdokument hat folgenden Wortlaut: Das Jahr 1913 mutz jedem routinierten Menschen lOOOOdc Mark Verdien ft bringen, Ivenn er nur über einige Mittel, schon von 800 Mark an, verfügt. Für den grösttcn Jubiläumsschlager, von Königen und B u n d e S s ü r st c n e m p- L b- len, geben wir einige noch verfügbare Vertretungen ab. Keine besonderen kaufmännischen oder Branchekcnntnisse erforderlich. Unser Bevollmächtigter ist heute Donnerstag und morgen Freitag 11 bis 1 und 3 bis 7 Uhr „Hotel Sedan", Leipzig. Stangenhaus u. Co., Berlin W. 62. Nach der Leipziger Schlacht blieben die Leichen der breußischen Krieger im Hose der Bürgerschule am Wall tage- lang unbeerdigt liegen, von Raben und Hunden benagt, in den Konzertsälen des Leipziger Gewandhauses lagen Tote, Wunde, Kranke auf feuchtem Stroh beisammen, ein verpesten- der Brodem erfüllte den scheußlichen Pferch, und ein Strom von zähem Kot sickerte langsam die Treppe hinab. Wenn die Leichenwagen durch die Straßen fuhren— so lesen wir bei . T r e i t s ch k e—, dann geschah es wohl, daß ein Toter der Kürze halber ans dem dritten Stockwerk hiiiabgeworfen wurde, oder die begleitenden Soldaten bemerkten unter den starren Körpern ans dem Wagen einen, der sich noch regte, und machten mit einem Kolbenschlage dem Greuel ein Ende. Draußen auf dem Schlachtfelde hielten die Aasgeier ihren Schmaust es währte lange, bis die entflohenen Bauern in die verwüsteten Dörfer heimkehrten und die Leichen in großen Massengräbern verscharrten. Ilnd hundert Jahre nach- diesen unsagbaren Greueln wird ans dem Blute derer, die damals ins Gras bissen, ein„Jubiläumsschlager", der„routinierten Menschen" den Beutel füllen soll. Nichts wirst ein schärferes Licht ans den Gemütszustand der herrschenden Klassen im Jahre 1913. denn„Jnbiläumsschlager"— das ist das rechte Wort für die Erinnerungsfeiern an 1813 mit ihrem ganzen Drum und Dran. Ein„Jnbiläumsschlager" war das höfisch- militärische Fest in Berlin im Frühjahr, bei dem das gaffende Volk nichts zu sehen bekam als das Hinterteil von Schutz- mannsgäulen und ein paar blanke Greitadierblechmützen, ein „Jnbiläumsschlager" war das Erinnerungsfest der deutsche» Potentaten in Kelheim, bei dem die treuen Untertanen nicht einmal ans den Fenstern ihrer eigenen Wohnungen heraus- schauen durften und bei dem ein biederer Gendarm aus Anarchisteitfurcht wahnsinnig wurde, und ein„Jubiläums- schlaaer" ist jetzt die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals, bei der auch die„routinierten Menschen" ouf ihre Kosten kommen tverden, dieser mit einem Titel, jener mit einem Orden und der dritte mit einem saftigen Profit in bar. Was sie aber alle eint die Jtlbiläumspatrioten von 1913. ist die stramm reaktionäre Gesinnung. Mit dem berüchtigten Geheimrat Schmalz, dem Friedrich Wilhelm III. das Knopfloch zierte, leugnest auch sie die ausschlaggebende Rolle des Volkes i» den Befreiungskriegen und mit dem Tema- gogenriecher K a m p tz, dessen Gendarmeriekoder die Teil- nehnter des Wartburgsestes feierlich verbrannten, mächten sie alle oppositionellen Elemente mit Stumpf und Stiel aus- gerottet sehen. Wenn damals die Gehebten der Demagogen- jagd, die unter der Weste das verpönte schwarz-rot-goldeite Band trugen, beieinander saßen, dann brachten sie den„schuf- tigen Kamptz- und Schmalzgesellen" ein ehrliches, eilt kräf- tiges Pereat! Heute aber— so stehen die Dinge ans dem Kopf!— begeistern sich dieselben Kamptz- und Schmalz- gesellen, die tückischen Sachwalter jeder Reaktion, für die Leipziger Schlackt. Wenn wir diesen Burschen auf die unsauberen Finger klopfen, handeln wir nur im Geist jener Vorkämpfer von 1813. die sich in die Schanze schlugen für„Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen,»vas Menschenantlitz trägt". Da; Massengrab bei Gardist. Die schwache Hoffnung, datz nach dem Ersticken deö Brandes auf der IlnglückSgrube bei Cardiff es gelingen würde, von den in den weiiverzlveigten Gängen der Grube eingeschlossenen Opfern noch eine Anzahl lebend zu berge», i st z u s ch a n d e n g c>v 0 r d e n. Der Biaud in den Schächten ist von neuem so stark emporgeflammt. datz die Arbeiten zur Rettung der Eingeschlossenen in der Nacht zum Donnerstag eingestellt>v erden mutzten. In der Grube bestuden sich noch :i7i» Bergleute eingeschlossen. Es ist kaum noch daran zu denken, datz auch nur einer von ihnen lebend das Tageslicht erblickt. Soweit nicht das Feuer die Eingeschlossenen mordet, sorgen die dichte» Rauchschwaden, die sich entwickelnden Gase dafür, datz das Innere der Grube zu einem der furchtbarsten Massengräber in der Geschichte de? Bergbaues wird. Sind doch mit den bereits geborgenen Leichen insgesamt 451 Grubenarbeiter der Katastrophe zum Opfer gefallen. Der Heroismus der Bergarbeiterbevölkernng hat sich auch bei diesem entsetzlichen Drama auf das glänzendste bewährt. Von allen Seiten dcS BergbaubczirkeS in Süd-Walcs cilten die freiwilligen Hilfskräfte herbei. Der Ruf: Eure Kameraden sind in Lebensgefahr! brachte soviel Freiwillige an die Unglücksstätte, datz nur ein kleiner Teil zu den Rettungs- arbeiten herangezogen werden könnte. Bergleute, die eben erst der brennenden Hölle entronnen waren, verlangten voll edler Kamerad- schast'.ichkdt, datz ihnen gestattet Iviirt?, zur Rettung ihrer Arbeits- brüder wieder in den Hvllenschlund einfahren zu dürfen. Wie jammervoll nehmen sich neben diesen lvahrhaften Helden die nationalistischen Schreihälse aus, die das Schwert im Munde führen, weil der Frieden die Menschen verweichliche und nur der blutige Krieg mutige Charaktere erziehe. In allen Fällen noch, wo wahrhafter Heldenmut sich zeigen mutzte, um das Leben gefährdeter Mitmenschen zu retten, hat eS nie an tatbereiten Charakteren gemangelt, an Helden, die ihr eigenes Dasein mutig aufs Spiel setzten, um den verzweifelten Frauen den Gatten, den jammernden Kindern den Vater zu er- halten. So auch hier. Von den Segenswünschen der Menge begleitet, fuhren die Rettungsmannschaften■ in die Tiefe, ihre Arbeitsbrüder dem Tode zu entreitzen. Mehr als 100 Meter konnten die Rettungsmannschaften vom Boden des Schachtes aus nicht vordringen. Aber schon hier trafen sie auf Schwerverletzte und Leichen, die total ver- brannt waren. Stundenlang war man rastlos dabei, des Feuers Herr zu werden. Schließlich gelang es, das Feuer an zwei Stellen zu löschen. In der Nacht stießen die RettungSmamlschasten, die sich uner- mttdlich einen Weg durch daS Feuer und die eingestürzten Berg- maffen gebahnt hatten, auf die ersten Arbeiter in der Sektion Lancaster. Sie fanden 18 Mann am Leben. Watts Morgan, der bekannte Bergarbeiters iihrer, der den ganzen Tag bei den Rettungsarbeitcn mitgeholfen, kam mit dem erstxn Fahrstuhl heraus und rief:„Evan Moore, und er ist am Leben, Hurra!' Tie Menge, die vor der Zeche wartete, stimmte in den Ruf ein. Frauen und Mädchen weinten vor Freude. Die Hoffnung>var wieder in die Herzen aller eingezogen. Aber die ans der Grube geschafften Bergleute waren meist schlimmverletzt. Die Retter fanden auch viele Tote. So wurde ein junger Bergmann, der sich schon fast erholt hatte, bd einem Haufen von 16 Toten gesunden. Nicht weit von dieser Gruppe fand man einen Mann und einen Knaben, die sich im Tode d i e Hände reichten, lind daneben saß ein toter Bergmann, der seine Mütze und seine Lampe umklamniert hielt. lind immer vbii neuem versuchten die Braven, dem Tode einen oder den anderen Genossen abzuringen. Trotzdem die Sach- verständigen schon erklärt hatten, datz alle Mühen vergeblich seien, wurden nach heroischen Anstrengungen einer Rettungskolonne noch 21 Mann lebend geborgen. Jetzt ist das furchtbare Drama beendet. Mit den verzweifelten Frauen und Kindern der Dahingerafften beklagt die ganze Arbeiter« bevölkerung Englands, die der ganzen Welt, den Verlust so vieler braver Genossen, die dem unersättlichen Kapitalismus zum Opfer fielen. * Die Grube, die als S ch l a g w e t t e r g r u b e bekannt ist, ge« niest unter den Bergarbeitern einen schlechten Ruf. Am 21. Mai 1901 fand dort eine Schlagwetterexplosion statt, die 8 3 Menschen das Leben kostete. Es heißt, datz viele Arbeiter am Abend vor dem jetzigen Unglück wegen des Vorhandensein? von schlagenden Wettern nicht arbeiten konnten. Die Zeche, die der Leivis Merthyr Consolidated Collieries Company gehört, be- schäftigt 2200 Arbeiter, die in drei Schichten einfahren. Sie besieht ans zwei Teilen, die als die Sektion Aork und die Sektion Lancaster bekannt sind. Die Grube fördert etwa eine halbe Million Tonnen Kohle im Jahr. Die beiden Schachte gehen etwa 4Ö0 Meter tief in die Erde. Es ist der westlich« Teil, die Sektion Lancaster, wo sich die Explosion ereignet hat. �___ Irrungen und AIrrungen im Ihauie Ihohenzollern. Tie sogen. Welfenfrage»nächst sich iinn»ermehv zu einem die heutigen dentschen, besonders aber die preußischen Regie- rungszustände trefflich charakterisierenden satirischen Possen- spiel aus. Fast könnte man auf den Verdacht kommen, unsere hohe Regierung uitd die Herren Alldeutschen hätten sich die Aufgabe gestellt, durcheilt mundersames Quid pro guo-Spiel nicht nur selbst den Einsältigsten der monarchisch gesinnten preußischen„Untertanen" die ganze Hohlheit der schönen Gottesgnadentums-Jdee zu demonstrieren, sondern zugleich auch der Welt zu belveisen, daß Oxenstiernas bekannter Aus- spruch in bezug aus den Kulturstaat Preußen noch immer volle Gültigkeit hat. Tie in Nr. 279 des„Vorwärts" mitgeteilte Notiz der „Nordd. Allg. Ztg.", in»velcher der von dem„Harnt. Courier" gegen den Kaiser erhobene Vorwurf, er treibe Hauspolitik energisch zurückgewiesen wurde, wird in der natioitalliberaleu und freikonservativen Presse recht ironisch behandelt. Das angegriffene Blatt, der„Hannov. Courier", bezeichnet das schöne Dementi des Kaitzlerblattes wegwersend als„D a n k v om H a u s e P r e u ß e n" und verlvahrt sich gegen die Dar» stelltlug der„Nordd. Allgem. Ztg.", seine Kritik sei gegen die Person des Kaisers gerichtet. Zum Beweis dafür, daß sich der Herzog von Cumberland in Gmnnden noch immer als hau» noverscher Landesvater fühle, erzählt der„Hannov. Courier" folgende Histörchen: „Der Herzog von Cumberland ließ nach einer gestrigen Meldung einem lkmnovcrschcn Ehepaare zur pjÖAuen Hochzeit Geschenke überreichen. Das heißt, letzten Endes Funktionen aus- üben, die einen landesväterlichen Eindruck machen sollen. Und das Nienburger Welfenblatt bringt die erstaunliche Mitteilung, datz ein welfischer Bäckermeister in Loceum ein Bild des Prinzen Ernst August und der Prinzessin Viktoria Luise mit eigen- händigen Unterschriften erhielt. Diese Tatsachen sprechen Bände. Sie illustrieren, mit»velchem Recht sich die Regierung des Herrn v. Bethmann Hollioeg auf das hohe Rotz der„geleisteten Garan- tien" schwingen darf." Auch die alldeutsche„Post" des Freiherrn v. Zedlitz ant- wortet weitig respektvoll auf die offiziöse Erklärung des Kanzlerblattes. Sie meint: „Wir möchten feststellen, daß die Zurückweisung daneben haut und nichts wie ein Lufthicb tzt. Der Kaiser ist Verfassung»- nn0( »lähig nicht verantwortlich. Verantwortlich für die Reichs- regierung ist der Herr Reichskanzler und für die preußische Regierung das Ministerium, an dessen Spitze als Präsident der Reichskanzler steht. Der Vorwurf, den der„Hannoversche Courier" gemacht hat, kann sich also nur gegen den einzig verantwortlichen Beamten im Reiche, den Reichskanzler, richten. Der Reichskanzler aber treibt mit dieser (örklärung das b e d a u e r l i ch e S p i e l, das wir in der letzten Zeit nur zu oft haben bekämpfen müssen. Anstatt sich vor den Kaiser hinzustellen und die Verantwortung für die augenblick- liche Regierungspolitik zu übernehmen, versteckt er sich hinter den Kaiser und versucht die an sich nur zu be- rcchtigten Angriffe auf die augenblickliche Regicrungspolitik dadurch abzuschwächen bezto. unmöglich zu machen, daß er be- hauptet, sie richte sich gegen die Person des Kaisers. Die Person des Kaisers ist. soweit wir gesehen haben, nirgendwo in die Erörterung hineingezogen worden. Die Methode, die jetzt von so hoher Stelle angewandt wird, ist verwerflich. Sic handelt gegen die Verfassung und schädigt den mon- archischen Gedanken. Was den Inhalt des Vorwurfes anbetrifft, so bleibt für den, der mit der gesamten nationalen Oeffentlichkeit der Meinung ist, daß sogenannte„Garantien" überhaupt nicht vor Händen sind, und die staatsrechtliche Lage sich nicht im geringsten geändert hat, keine andere Erklärung übrig, als daß der v e r- antwortliche Beamte tatsächlich mehr die Interessen des Hohenzollerischen Hauses als bis des Reiches wahrnimm t." Und in«inem weiteren„Die welfischen Garan t i e n" uberschriebenen Artikel der„Post", der an die zitierte Mitteilung des„Hannov. Couriers" über das Landesvater spielen des Herzogs von Cnmberland rnid seines Tohnes an- knüpft, heißt es: „Im Brusttöne der Ueberzeugnng wird uns von oben herab erklärt, das Haus deS Cumberländer Herzogs mißbillige die welfische Agitation, sei jedenfalls für derartige Umtriebe nicht verantwortlich zu machey. Und nun? Jetzt erfährt man Plötz- lich, daß mcht etwa der alte Herzog, nein, der junge Prinz selber, die welfischen Parteigänger mit Gnadenbeweisen und Geschenken überhäuft. Das also sind die Garantien des Welfenhauses. So hält es sein Versprechen. Erkennt denn der Kanzler nicht den Hohn, mit dem ihn eine kleine selbst- süchtigePartei.diebeieinigermaßenvernünf- tigerPolitik so leicht zum Schweigen zu bringen wäre, ausgiebig überschüttet? Fühlt er nicht die Schläge, die ihm jene herzoglichen Gefolgsmänner fortgesetzt verabreichen? DaS aber find die Folgen einer Politik, welche leichtfertig und feige die hoch st en und heiligsten Güter einer ganzen Nation dynastischen Eon- derinteressen zuliebe auf dem Altare des Vaterlandesopfer t." Auch die alldeutsche„Rheinisäh-Westf. Ztg." leistet sich einen scharfen Angriff auf die Regierung und ihren verant- ivortlichen Vertreter, den Reichskanzler. Sie schreibt unter Bezugnahme auf die oben erwähnte Notiz des Kanzlerblattes: Alle Regierungserklärungen können nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, 1. daß die Bundesratsbeschlüsse von 1835 und 1907, d i e auf Antrag der Kaiser Wilhelm I. und Wil- Helm II zustande gekommen sind, die Besteigung des braun- schweigischen Throne» durch einen Welfenprinzen nur dann für zulässig erklärten, wenn alle Glieder des Welfenhauses für sich und ihre Nachkommen ihrer Ansprüche auf Hannover o entsagen; 2. daß der Bundesratsbeschluß von ISO? auf Antrag deS Kaisers Wilhelm II. gefaßt wurde, trotzdem da- malS der Prinz Ernst August(laut Angebot seines VaterS vom 15. Dezember 1906) für sich und seine Rachkommen auf Hannover Verzicht leisten wollte, wenn er auf den Thron Braunschweigs zugelassen würde und 3., daß heute der Cumberländer seine Ansprüche auf Hannover mip unverminderter Hartnäckigkeit aufrechterhält und der Prinz Ernst August entschieden einen Verzicht auf Hannover ablehnt, also die Garantien, die die Bundesräte und die Kaiser Wilhelm l. und Wilhelm II. 1885 und 1907 forderten, nicht im entferntesten erfüllt. An die Ausrichtigkeit der obigen Erklärung der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung kann man deshalb erst dann glauben, wenn der Reichskanzler folgende Frage mit ja zu beantworten vermag: Würde der Prinz Ernst August auf Grund seines Fahnen- eides und seines Briefes vom 29. April, also ohne Verzicht für sich und seine Nachkommen auf Hannover im Sinne der von den Kaisern Wilhelm I. und Wilhelm IL verlangten BundeS- ratsbeschlüsse, auf den Thron von Braunschweig zugelassen werden— �-- wenn er nicht des KaiserSTochter geheiratet hätte? Der Reichskanzler wird sich hüten, auf diese kitzliche Frage der„Rhein.-Westf. Ztg." zu antworten; denn die Richtigkeit der Darstellung des Blattes läßt sich nicht bestreiten. Hätte der Prinz Ernst August nicht die Tochter des Kaisers ge heiratet, wäre also nicht der letztere zum Schwiegerpapa des cumberländischen Prinzen geworden, der ganze jetzige Streit über die braunschweigische Thronfolge wäre nicht entstanden, und die preußischen Regierungsblätter mit Einschluß der „Kreuzzeitung" und der„Deutschen Tageszeitung" würden jeden für einen Vaterlandsfeind und Idioten erklären, der empfehlen würde, den Prinzen Ernst August von Cumber land als„ a n g e st a m m t e n Herrscher" von Braunschweig anzuerkennen, auch wenn dieser den Verzicht auf Hannover verweigere. Damit soll sicher nicht gesagt sein, daß die Auslieferung des braunschweigischen Herzoghutes an den cuniberländischen Prinzen tatsächlich, wie gewisse alldeutsche Blätter behaupten, die innere Festigkeit und Sicherheit des Deutschen Reiches gefährdet und die deutsche Ehre bloßstellte. Wenn sonst die deutsche Einheit und Siöherlieit nicht gefährdet ist, wird der Prinz Ernst August als Herzog von Braunschweig sie auch nicht gefährden: und den lieben Braunschweigern kann es, wie nun einmal die Verhältnisse in ihrem kleineren engeren „Vaterlande" liegen, auch ziemlich Wurscht sein, ob sie vom Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, einem überflüssigen preußischen Prinzen oder dem Prinzen Ernst August unter preußischer Aufsicht nach preußischem Rezept regiert werden. Was aber tatsächlich nicht nur uns Sozialdemokraten als Republikaner, sondern jeden vernünftigen Menschen verletzt und das Deutsche Reich in der Bevölkerung aller Kulturländer bloßstellt, das ist die Art und Weise, wie die braunschweigische Thronfolgefrage in den sogenannten niaßgebenden Kreisen behandelt wird. Das deutsche Volk wird nicht gefragt, auch nicht das braunschweigische: die ganze Sache ist eine reine Privatangelegenheit des Bundesrats und wird, wie die„Post" mit Recht sagt, nach„d y n a st i s ch e n S o n d e r i n t e r- esse n" beurteilt und entschieden. Es ist gerade, als lebten wir noch in den Zeiten des nacktesten Absolutismus, in einer Zeit, wo noch die Fürsten„ihre" Länder als Haus- und Familiengut betrachteten und nach Belieben Land und Volk verschacherten — manchmal um ihren juwelenbedürstigen Mätressen dafür Beweisstücke ihrer zärtlichen Zuneigung zu kaufen. Um diese Verwirrung im Hause Hohenzollern vollzumachen. mischt sich obendrein auch noch der preußische Krön- Prinz in die Sache— und nimmt gegen seinen Schwager, in gewisse nr Sinne auch gegen seinen Vater, den Kaiser, Partei. Die von dem durch verschiedene anrüchige Prozesse bekanntgewordenen Journalisten Dr. Liman redigierten„Leipziger Neuesten Nachrichten"— der Kronprinz soll zu Herrn Liman enge Beziehungen unterhalten— wissen zu melden, daß der Krön- Prinz ein Schreiben an den Reichskanzler gerichtet hat. in dem er seine Auffassung von der braunschweigischen Thronfolge niederlegt. Es wird darin betont, daß der Prinz Ernst August erst dann in Braunschweig einziehen dürfe, wenn er vorher klipp und klar für sich und seine Nachfolger auf Hannover verzichtet habe: der Fahneneid sei kein staatsrechtlicher Akt. Man möchte diese Mitteilung für einen dem Hause Hohen- zollern gespielten boshaften Streich halten, bestimmt, die Irrungen und Verwirrungen zu mehren: aber sonderbarer- weise bestätigt die„Nordd. Allgem. Ztg.". daß der Krön- Prinz einen derartigen Brief an den Reichskanzler gerichtet hat und fügt— noch seltsamer— hinzu:„d e r Reichs- kanzler hat in seiner Antwort unter ein- gehender Schilderung des Sachverhalts die Gründe dargelegt, die für die Haltung der preußischen Regierung maßgebend sin d." Diese Einmischung hat gerade noch gefehlt. Als Mitglied der Familie Hohenzollern hat der Kronprinz das Recht, im Familienkreise seine Meinung zu sagen und seinem Vater. soweit dieser ihm Gehör schenken will, Vor- stellungen zu machen, aber wie kommt er dazu, sich in Regierungshandlungen zu mischen und quasi vom Reichskanzler Rechenschaft zu fordern, Und der Reichskanzler läßt sich herbei, dem Kronprinzen eine lange Begründung seiner Haltung vorzulegen! Recht sonderbar! Etwas mehr Rückenstärke könnte dem Kanzler sicherlich nicht schaden. Er hätte sich ein Beispiel an Herrn Venezelos nehmen sollen. Aber, wie es scheint, vermögen deutsche Reichskanzler nicht jene Festigkeit und jenes Selbst- bewußtsein aufzubringen, das man selbst bei den Ministern dort hinten ans der Balkanhalbinsel findet. vis preukilchen Städte und das SeUritverwaltungsmht. ii. Der Wohnungsgesetzentwurf, mit dem sich der Städtetag an zweiter Stelle beschäftigt hat, ist von unS bereits sofort nach seiner Veröffentlichung einer eingehenden Kritik unter- zogen, wir haben insbesondere nachgewiesen, daß es sich da- bei im wesentlichen um ein Polizeigesetz handelt, durch das der Anschein erweckt werden soll, als ob etwas geschieht, während im großen ganzen alles beim alten bleiben dürfte. Auf den gleichen Standpunkt hat sich der preußische Städte- tag gestellt. Die Referenten und alle Diskussionsredner waren sich darin einig, daß der Entwurf nur einzelne Ausschnitte der Wohnungsfrage behandelt, und zwar gerade diejenigen Ausschnitte, die in das Tättgkeitsgebiet der Gemeinden fallen, während die wichttgsten Teil- aufgaben der Wohnungsfrage dem Zugriff der Gemeinden entzogen sind. Als ein Fehlgriff wurde es bezeichnet, daß die Regierung bestrebt ist, die Selbstverwaltung durch staats- polizeiliche Zuständigkeit zu ersetzen oder. einzuengen, und nachdrücklichst wurde verlangt, daß die Gemeinden in der Er- süllung ihrer eigenen Aufgabe nur der allgemeinen Staats- aufsicht unterworfen werden dürfen. Insoweit können wir uns die Kritik des Städtetages in vollem Umfang zu eigen machen. Wenn aber Wetter auf die finanzielle Belastung der Gemeinden durch die Fürsorge für das Wohnungs- Wesen hingewiesen wird, so darf das kein Grund sein, eine gesetzgeberische Maßnahme zu verwerfen! Würde der Entwurf der preußischen Regierung wirklich eine Besserung der Wohnungsverhältnisse herbeizuführen geeignet sein. dgnn dürfte die finanzielle Belastung kein Hindernis gegen sein Zustandekommen bilden, denn die Wohnungsfrage ist von solcher Bedeutung für unser gesamtes Kulturleben, und die Schaffung gesunder und preiswerter Wohnungen ist so not- wendig für die Hebung der Arbeiterklasse, daß man vor den Lasten uicht zurückschrecken darf. Für einen solchen Zweck Völkerlchlzchtet) und Klaillnhampfe. IL Ans dem politischen Nachlas, eines demokratischen Deutschen. Eine Nation nenne ich eine große Voltsmasse� die durch ihre freien Abgeordneten gesetzlichen Anteil au ihren öffentlichen Ver- Handlungen hat.... Wir sind jetzt die Station der Titel, des Adels, des Dienstzwanges, der Fröne, des UnsinnS, der Dummheit, kurz die privilegierte Nation oder die Nation der Privilegien.— Meine Zeit fiel in die Schande meines Volkes.... Die Bedingung der Vaterlandsliebe ist Freiheit und Gerechtigkeit. Von beiden ist in unseren europäischen Staaten nur das Minimum; die Vater- Zandsliebe kann also leicht berechnet werden. Die Vaterlandsliebe der Privilegierten ist der kochende Grimm wilder Tiere, mit welchem sie über ihren Raub wachen.— Vernünftigerweise sollten alle StaatSbeförderunqeii von unten auf gehen, d. h.. die Bürger sollten die Magistraturen und die Krieger die Befehlshaber gesetzlich er- nennen. S e u m e, Apokryphen, zuerst gedruckt 1810, geschrieben 1806/07. « Der Patriotismus der Junker. Tie alten Aristokraten, diese lieben nur sich und wollen den König als ersten Mitstand behalten. Der Staat gehe ihrer Absicht nach unter, aber die Gutshcrrschaft bleibe. Sie bedienen sich der Franzosen als Mittel zum Kampf. Diesen liegt daran, uns erbärmlich zu erhalten, und diese tadeln daher den König deshalb so laut, daß er das tue, was Napoleon im Königreich Westfalen und Herzogtum Warschau als unerläßliche Bedingung jedes Staates verlangt hat. ES gibt nichts Verruchtere». Diese bilden förmlich eine Partie. Tägebucheintragnng S ch ö n S vom 12. De- zember 1808. Aus den Papieren II. 59. » Stein über die Fürsten und„unteren" Stände. Alle kleinen Fürsten haben aus Egoismus imd Gefühl der Schwäche denselben Geist; ihnen kommt es nur an auf Erhaltung ihre» winzigen Daseins, gleichgültig gegen das Schicksal des Vater? landeS: sv wird man daher alle entweder vorläufig entfernen oder an einem sicheren Ort sammeln, unter strenge Aufsicht nehmen müssen, da man denn ihr Land in ihreni�Namen verivaltet, bis man imstande sein wird, eine dauerhafte Ordnung der Dinge zu berücksichtigen.... So wird man die Vcrwalrungsbsbördcn. die Munizipal- und Kommunalverfassungen umbilden, viele der ösfent- lichen Beamten unter Aufficht nehmen, den Adel durch manche Reizmittel zu reinen Grundsätzen zurückbringen und den guten Geist der unteren Stände durch Erweiterung ihrer Tätigkeit, durch Belohnungen usw. benutzen und nähren müssen. Stein an die österreichischen Staatsmänner über die Aussichten einer englischen Landung in Nord- deutschland. August 1Z09. Pertz, Aus Steins Leben, I. * (Sin Charakterbild Friedrich Wilhelms Iii. Von den Ljeblingsneigungen de» Königs stand, besonders in früheren Zeiten, die Vorliebe für militärische Beschäftigungen obenan, doch allein nur aus deni Gesichtspunkt des Friedensexerzierens und der Uniformen, nicht aus dem der Ausbildung zum Kriege.... Dabei war seine eigene Wahl zu Befchlshaberstellcn in der Regel nicht vorteilhaft, indem er größtenteils diejenigen, die auf dem Exerzierplatz seine Zufriedenheit erworben hatten, dem wirklichen Feldsoldaten oder den: geistig kräftigen Menschen vorzog, diese letzteren sogar häufig ungerecht bebandelte. Tie Liebhaberei des Königs in Hinsicht der Uniformen und de» Anzuges war groß und seine Ansichten hierin einem ewigen, größtenteils durch Kleinigkeiten herbeigeführten Wechsel unterworfen.... Boyen, Erinnerungen, II. 15— 21. * Ich kann Ihre Bedenklichkeit nicht tadeln und kann nichl leugnen, daß eine gewisse Uncntschlossenheit im Charakter des Königs Besorgnis erregen muß.... Er ist von der Notwendigkeit des Systems, welches jetzt verfolgt wird, ganz überzeugt.„.. Allein ich stehe Ihnen doch nicht dafür, daß der König uns nicht einmal eincS TageS alle fortjagt. Gneis enau zu Ompteda. Sept. 1807. Pertz, Gneisenau, II. 134, 5. * Bolkskriegswünschc und deutsche Gesinnungen Blüchers. Mich juckts in allen fingcr, den säbel zu ergreiffen....jetzo ißt wiederum die Zeitt zu dhun waff ich schon anno 9 angeratten; nehmlig die gantze Nation zu den Waffen aufzuruffen und wan die fürsten nicht wollen und sich dem enttgegensetzen sie samt dem Bonaparte wcgh zu jaghen: Denn nich nuhr Preusen allehn sondern das gantze Deutsche Vatterland muß widerum Herauffgcbracht und die Nation hcrgestelth werden. Blücher an Scharnhorst aus Kunzendorf, 5. Januar 1813. Unentschlossenheit des Königs. ... Scharnhorst teilte mir dagegen die mir noch fremden neueren Nachrichten aus dem Vaterlands mit, die leider nur ein- seitig gut zu nennen waren. Denn wenn man von der Stimmung de» Volkes und deS Heeres nichts als Lobenswertes sagen konnte, so war die Unentschlossenheit des Königs, vearbeilet durch jene, die ich früher als Maulwürfe bezeichnete, doch so groß, daß man nicht allein ein trauriges Festhalten an der französischen Partei. sondern dadurch auch einen sehr besorglichen Konflikt mit der ganz entgegengesetzt ausgesprochenen öffentlichen Meinung ernstlich be- fürchten konnte. Boyen. Erinnerungen, ll. 303. * : Dork und seine Konvention waren und blieben dem König ein Greuel. Ter König war bei der ersten Nachricht über dieses Er- eignis in dem höchsten Grade aufgebracht über Aork gewesen- die anbefohlene Entsetzung und die Untersuchung über das Benehmen des Generals war nicht allein eine zur Beschwichtigung Napoleons getroffene Maßregel, sondern bei dem Könige voller Ernst, dessen Zorn in jenem Augenblick nicht verstellt war. Der König, der bei seiner Art zu denke» und zu handeln auch selbst bei Handlungen geistiger Tätigkeit mechanischen Gehorsam verlangte und sich nie- mals auf die Gründe und Folgen einer Handlung, auf die Be- urteilung der Verschiedenheit der Verhältnisse einließ, sah aus einem derartigen Standpunkt nichts als eine direkte Auflehnung des Generals Dork gegen sein Ansehen.... Der König hat trotz allen durch die Zeit abgerungenen äußeren Gunftbezeugungen dem General Uork niemals diesen Schritt vergeben. Boyen, Erinnerungen, ll. 309. 313. * Man rechnet mit einer Revolution. Wenn der König noch länger zaudert, die ihm von seinen Untertanen nach dem Willen der Nation zur Verfügung gestellten Mittel anzuwenden oder auch nur die Anstrengungen Rußlands zur Herstellung der Monarchie zu unterstützen, so halte ich eine Revolution für unausbleiblich, und wahrscheinlich wird dann die Armee mit ihrem Beispiel vorangehen und da? Signal geben. Bericht des englischen Agenten Ompteda an seine Regierung. Ende Febr. 1813. Nachlaß lV, 35. « Die Geister sind in einer Gärung, die schwer zu beschreiben ist. General Scharnhorst übt unbegrenzten Einfluß. Die Militär« und die Häupter der Sekten haben sich unter der Maske des Parriotismus der Zügel der Regierung vollständig bemächtigt; der Kanzler wird vom Strome sortgerissen. Bericht des österreichischen Ge- sandten in Breslau vom 25. 2. 1813. * Die königlichen Proklamationen vom 17. März. In einer der Proklamationen vom 17. war offen ausgesprochen, daß der angekündigte Krieg kein gewöhnlicher sei. daß alles auf dem Spiel stehe, und daß alles gewagt werden müsse. Als Preis un- erhörter Anstrengungen ward im Namen des Königs allen Ständen Freiheit und Berechtigung, in Staatsangelegenheiten eine Stimme zu haben, verheißen, und die königliche Familie selbst versprach alle bevorstehenden Gefahren zu teilen. «chlosser, Geschichte des 18. Jahrhunderts, VIl. 2, 877. 8. ♦ Liberale Märzillusion von 1813. Wir schlugen Sturm auf allen Straßen, Wir ließen Lärin trompeten blasen, Der Bürger trieb sich ruhig fort. Was hat ihm nun den Mut entzündet? Ihm ward ein einzig Mal verkündet. lind Friedrich Wilhelm ,prach das Wort „Dir will ich meine Rettung danken, Ob auch verzagte Seelen schwanken, Dir treues Volk, nur dir allein! ->kr' alle sollt mir Ritter heißen, schmück Euch mit dem Kreuz von Eisen; Aus! in die blut'ge Schlacht hinein." So hat kein König noch gesprochen; Die alten Ketten sind gebrochen. Zur Freiheit wendet Euren Blick! Wir kannten Herren nur und Knechte, Heut gab die unverjährten Rechte . Ein König seinem Volt zurück! Aus Friedrich Försters Gedicht: De» Königs Aufruf„An mein Volk"(17, g. ISig). müssen in einem Kulturstaat Mittel vorhanden sein, wenn anders er auf den Namen eines Kulturstaates Anspruch erheben will. Grotzen Nachdruck hat der Städtetag auf den Ausbau der Wohnungsaufsicht gelegt. In demselben Sinne hatte sich bereits der Städtetag vom Jahre 1904 ausgesprochen, aber leider ist die Einführung einer Wohnungsaufsicht in preußischen Gemeinden bisher nur ganz vereinzelt zu verzeichnen. In dieser Hinsicht haben die Städte fast völlig versagt, und wir sind deshalb mit dem Städtetag für eine baldige gesetzliche Regelung zur Verbesierung der rechtlichen Grundlagen. Aber die gesetzliche Regelung darf nicht in der Richtung einer Bc- schränkung des Selbstverwaltungsrechts erfolgen, wie es der Gesetzentwurf der Regierung beabsichtigt. Das Gesetz hat die Grundlagen zu einer erfolgreichen Wohnungsaufsicht zu schaffen, die Ausführung muß den Gemeinden überlassen bleiben. Daß die Sozialdemokratie nicht mit allen einzelnen Forderungen des Städtetages einverstanden ist, bedarf keiner besonderen Betonung. Es wird wohl kaum ein Mitglied des Städtetages geben, das nicht an diesem oder jenem Punkte der recht umfangreichen Entschließungen Ausstellungen zu nmchen hat. So hätten wir insbesondere gewünscht, daß der Städtetag sich für eine Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs ausgesprochen hätte, das dem Zustandekommen von kommu- nalcn Wohnungsreformen große Hindernisse bereitet, und ebenso- wenig hätte es etwas geschadet, wenn der Städretag offen ein- gestanden hätte, daß nicht nur die Regierung, sondern auch die Städte selbst auf dem Gebiete des Wohnungswesens ihre Pflicht bisher nicht erfüllt haben. Aber wir wollen in dem Moment, wo zum ersten Male Vertreter der Städte ohne Unterschied der Parteirichtung sich aufraffen zu einem gemeinsamen Protest gegen die mehr und mehr überhandnehmende Bureau- kratie und Reaktion nicht mit den Sünden der Vergangenheit rechnen. Wir betrachten es als ein Zeichen fortschreitender Erkenntnis, daß die Vertreter der Städte, die bisher unter dem Einfluß des hausagrarischen Elements nichts zur Be- seitigung des Wohnungselcnds getan haben, endlich zu der Einsicht gekonimen sind, daß sie nicht länger untätig die Hände in den Schoß legen dürfen. Wie auf allen Gebieten, so bricht sich auch hier der soziale Gedanke allmählich Bahn. Die Sozialdemokratie in den Gemeindevertretungen hat es ver- standen, die Bourgeoisie von dem Grundsatz des laisaer faire laisser aller abzubringen und sie zu sozialen Anschauungen zu bekehren, und das soll uns ermuntern, in diesem Streben fortzufahren und durch unermüdliche Kritik auch die Zurück- gebliebensten unserer Gegner an ihre Pflichten zu erinnern. Die Kritik des Städtetages an dem Gesetzentwurf war scharf, aber sie war berechtigt, und sollte wirklich die von einer Seite ausgesprochene Befürchtung, daß infolge der scharfen Kritik der ganze Entwurf scheitert, in Erfüllung gehen, so wird die Gesamtheit davon keinen Schaden haben. Wir würden diesem Entwurf keine Träne nachweinen, im Gegen- teil, kommt das Wohnungsgesetz für Preußen nicht zustande, dann ist die Bahn frei für ein Reichswohnungsgesetz, und ein solches Gesetz sozial auszugestalten und auf die wirklichen Bedürfnisse des Volkes zuzuschneiden, ist im Reichstage eher möglich, als in dem von Junkern und Pfaffen beherrschten preußischen Landtage._ poUtifcbc(JeberHcbt. Beginn der Reichstagsarbeit. Der Reichstag wird seine Arbeiten am 20. November, nachmittags 2 Uhr, wieder aufnehmen. Der Präsident macht von seiner Befugnis, die erste Sitzung auf einen fpätern Termin anzusetzen, keinen Gebrauch. Bürgerliche Blätter wußten zu berichten, daß der Reichstag seine Arbeiten erst am 23. November wieder aufnimmt � diese Meldung ist falsch. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung stehen wie üblich, Petitionen, dann folgt die Beratung der in Aussicht stehenden Jntcr- pellationen. In den ersten Tagen des Dezember findet dann die erste Lesung des vom Rcichsschatzanit bereits fertiggestellten Etats statt. Auch die Budgetkommission wird mit ihren Arbeiten sofort beginnen können, denn sie hat noch verschiedene Reste aus � dem verflossenen Sessionsabschnitt aufzuarbeiten, darunter die Vorlage über das Erbrecht des Staates. Kruppzeug. Der Zeuge v. Metze», der in dem bevorstehenden Krupp- Prozeß ein wichtiger Belastungszeuge gegen eine Anzahl Krupp- Direktoren sein dürfte, motivierte seine Flucht an die Oeffentlichkeit wiederholt mit der perfiden Hetze, deren Opfer er geworden sein wollte. Wie auch noch»ach seinen Enthüllungen gegen diesen Zeugen gehetzt wird, beweist folgende Denunziation: »Für Herrn Liebknecht bedeutet dieser Prozeß(gegen den Zeugfeldwebel Linde) eine Unterstreichung seiner ersten Niederlage(I!) und daß man das auch in den Kreisen der Sozialdemokratie emp- sindet, geht daraus hervor, daß der«Vorwärts" jetzt einen Mitarbeiter zu dein vielgenannten Herrn v. Metzen g e> schickt hat. Der hat sich denn auch nicht lange bitten lassen und ein paar nette Kleinigkeiten ausgepackt... Dem Genossen einen Einblick in seine Korrespondenz zu geben, lehnte Herr v. Metzen ab." Die Hebler des Krupp-Panamas suchen also den ihnen begreif- licherweise höchst unangenehmen Zeugen Metzen dadurch an gewissen Stellen zu diskreditieren, daß sie ihn in eine Verbindung mit d Monate Gefängnis und gegen Hellbach wegen gewerbsmäßiger Hehlerei auf 1 Jahr Zuchthaus. Hellbach wurde außerdem wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. Ein meineidiger Hüter für Ordnung und Sitte. Das Schwurgericht München verurteilte den 26 Jahre alten cheinaligen Schutzmann Daniel Günther von Potzbach, Bezirksamt Kirchheimbolanden, wegen Verbrechens des Meineids zu einem Jahr Gefängnis. Ter Musterschutzmann hatte ein Jahr lang mit der Frau eines Zigarrenhändlers ein ehebrecherisches Verhältnis. Trotz- dem er Zeugen gegenüber sich seines sträflichen Verhältnisses rühmt« und obwohl er durch zahlreiche Liebesbriefe des Ehebruchs über- führt war und in einer verfänglichen Situation von einer Zeugin lnit der Frau betroffen wurde, schwor er im EhescheidunaSprozeß, daß er mit der Frau nie etwas zu tun hatte. In der Verhandlung bezichtigte der Angeklagte die ihn belastenden Zeugen selbst des Ehebruchs. Wttterungsübecncht vom 16. Oktober 1913. Stammen SS-» vil e§ "Ä le bI8b Swinemde tamburg erlin Franks. a.M München Wien £ Bettet 767|® 7KSM« 768RW 771 ZW 77187« 769« Swalkig Lbedeckt Nwolkia ftRebet 2Me6cl L halb bd.! »K ä. II i? Mi 10 Stationen Havaranda Petersburg Scilly Aberdeen Paris 7.56MS 748 82® 769 Z SD 767SW 770 Still Bettet 2 wölken! 3 wolkig 3halbbd. wolkil tt Ii ak -3 3 12 6 5 Wettervrognoie kür Kreitag, den 17. Oktober 1913. Mild und zeitweise heiter, aber veränderlich mit etwas Regen und leb« haften südwestlichen Winden. Berliner W» t t erb ttke au. Sozialiieinokratisetier Watilvereln l. i Uerl. Reictistagswalilkreis. Köpenicker Viertel. Bezirk 195, 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Genosse, der Drechsler »kiiuicti Zimmermann Mörlitzerstrah« 66, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. Oktober, nachm. 3'/, Uhr, von der Halle des Zeritral-Friedhoss in Fried- nchSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ilei> V«r«t»i)«I. M Greift zu! Jod. Herrn, der sich«leg. u. bill kleiden will, empfehle elegante Kavaliergarderobe in feinsten Werk- etatt. Berline gearb., von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebr.(fftrjed.Pig,pa»s.) 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Richter, Chausseestr. 104 Johannisthal: Liudenllnf, Friedrichstraße 61. Mariendors: Herolds Festliile, Chausseestt. 283. Neukölln: Neue Welt, Hasenhaide 108-114. Nowawes: Singers Nolkögnrten. Priesterstr. 31. Referenten: Klara Tchuch-Bohm— Emil Dittmer— Dr. I. Herzfeld— Kurt Heinig— Joachim Klühs— Helmuth Lehmann— Martin Meyer— Hermann Müller Wilhelm Paetzel— Dr. R. Silberstein— Karl Mermuth— Richard Woldt— Fritz Zubeil. Niederbarnim: Ober-Schöneweide: Mseruers Klumengurten. Oranienburg: Sonnabend, den 18. Oktober, abds. 8>/, Uhr. Waldhans Sandhauseu, Schützenstr. 34. Pankow: Roczylti, Kreuzstraße 3/4. Referenten: Dr. Alfred Bernstein— Paul Brühl— Georg Davidsohn— Paul Dupont— Johannes Hast— Wilhelm Kubig— Hugo Poetzsch Artur Stadthagen— Max Schütte— Georg Ucko— Rudolf Wissell. Tagesordnung in allen Versammlungen: „Uölkerschlacht und Uölkertrug." Adlershof: WSlllltin, Bismarckstraße 24. Alt-Glienicke: Kodrnlinsch, Rudower Stt. VI. Charlottenburg: Nolkshans, Rosinenstr. 3. Cöpenick: Stadt- Thenter. Dabendorf: Inm Deutschtn Kaiser 7 Uhr. Schöneberg: Nathaussiile. Meiniger Sttaße 8. Steglitz: Albrechtshof, Albrechtstraße 1. Tempelhof: Zur Stadt Dresden, Berliner Str. 78 Wilmersdorf: Niktoria- Garten, Wilhelms- aue 114/115. Borsigwalde: Sarfigwalder Fest-Säle. .Friedrichshagen: Lerche. nrMtmt. m. 2 Uhr. Lichtenberg: Schlnarffr Adlet, Frankfurter Chauffee S. Lichtenberg: Gass Kellenne. Hauptstraße. Reinickendorf- Oft: hnlitttns-Säle, Rofenthal: G. Milbrodt, Walderseesttaße 6. Tegel: Trapps Fest-Säle, Bahnhofsttaße 1. Weihenfee: Schiaß Meißensee. 187/8' Für die Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstraße L. Unserem Genossen 2997B Cuslay Pobl»•<>*> Braut die herzlichsten Glückwünsche zur BermSblung. VI«Lono»»«u öe» See 5Z0, VlXeel». I Todes-Anzeigen Verband iLGenieinilMLStaatsarii. Filiale Groß-Berlln. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz der Kollege iiel-msaa I(lippert (Mitglied der Lrtsverwaltung), welcher m der Berliner Parkver- waltung beschäftigt war, im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken dewahren. Die Bestattung findet ani Eonnabend, den 18. Ottober, nach- mittags 8 Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen St. Pauls-Kirch- Hoscs in der Secstrahe au» statt. 85/15 Ole Ortsverwaltung. L. Abteilung. Am 11. Ottober»erschied nach schwerem Leiden der Genosse Hriomv. Derselbe war als langjähriger Obmann der 10. Verkaufsstelle stets bemüht, seine ganze Kraft und seine ireie Zeit in den Dienst der idealen Sache zu stellen. Leider wurde seinem Wirken ein zu frühes Ziel gesetzt. 107/10 Wir betrauern in dem Ler- storbenen einen der Besten unserer Sache und werben wir sein An- denke« stets in Ehren ballen. Der Genossenschaftsrat der _ 3. Abteilung._ Deutseber Banarbeiterrerband. Kwelgverein Berlin. Am 18. Oktober starb unser Mit- glied, der Bauarbeiter Kus'tavl.siicgo. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet beute Freitag, den 17. Oktober, nach- mittags 8 Uhr, vom Kranken- Hause Friedrichsham aus nach dem Kirchhof der Pius-Eemeinde in Hoheu-Schönhauscn statt. Um rege Beteiligung ersucht 14(3/2 Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiterrerband. Zweigverein Berlin. Sektion der Patzer. Am 13. Oktober starb unser Mitglied KusKsv Duhr (Bezirk Gesundbrunnen). Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet heute Freitag, den 17. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von!der Leichen- Halle deS Sopbien- Kirchhofes in der Freienwalder Straße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 146/1 Der Vorstand. To des- Anzeige. Allen Kollegen und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 15. Ottober nach schwerem Leiden mein lieber Mann und unser guter Vater, der Stukkateur (hiswv Meißner Kiilmstr. 22, entschlafen ist. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 18. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Schöncberger Gemeindefriedhoscs. Maxstraße, aus statt. 4731 Die trauernde Witwe Emilie Meissner nebst Kindern. Allgemeine Kranken- u. Sterbe- Kasse der deutschen Drechsler und deren Bernfsgenosgen =(E. H. 86, Hamburg).= Verwaltungsstelle Berlin B, Am 14. d. M. verstarb unser Mitglied 39/11 Heinrich Zimmermann. Ehre seinem Andenken! Beerdigung: Sounabend nachm. 3'/, Uhr von der Leichenhalle des ZentialsriedhofeS in FriedrichSscldc auS. Deutseber Bauarbeiter-Verband. Sektion der Stukkateure. Den Kollegen zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 15. Ottober, unser Kollege Lustav Meißner im 60. Lebensjahre am Lungenschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Schöneberger Friedhofes in der Maxstraße aus statt. i 45/20 Die Sektionsleitung Verh.d.Scbneider.Scbneideriniien u. Wäscbearbeiter Deutschlands. -- Filiale Berlin.' Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß die Kollegin IHsru IWelzer (Branche Danienkonfektiont am 14. Oktober er. im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 4 Uhr. von der Halle des ZionS-Kirchhoses, Niederschönhausen- Nordend, auS statt. 164/11 Die Lrtsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Onkel Psu! Friebe nach langem, schwerem Leiden im 20. Lebensjahre verstorben ist. Die trauernden iiinterdliedenen. Tie Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. Oktober, nachmittags 2>U Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, Müllerstraße, Ecke«eestraße, aus statt. 44A Danksagung. Anläßlich der großen Teilnahme. die uns bei der Beerdigung meines lieben Mannes 2693b Ulbert KrÜKer zuteil geworden ist, sagen wir dem Degtschen Metallarbeiter- Verband sowie den Kollegen der Firma F. Gaebert unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Wtvre H. Krüger und Kinder. Aclitnng/! |6— 700 Amugt sowie getragene Muterpalktotsu. Ulker Honatsgarderobe in seüiiten Werkstätten Berlins gearbeitet, teils aus Seide, siir jede Figur passend, verkaust zu= _ staunend billigen Preisen I>iatkan>Vanc! 12!» Skalister Str. 12!» HochbahnstationKottbuserTor. Bitte int eigenen Interesse auf Hausnummer zu achten. Abt. II: Xeue Garderobe. d I Weiche ein rnit ls da. Das größte Abonnementshaus feinster Herren-Moden J. Stock& Co. verkauft seine Monäls-Garderobe direkt an Private. Anzüge und Paletots von 10 M. an.* Friedriehstr. 108 vis-ä-vis der KarlstraBe. Stoffe eleg. Manzöge, Paletots Meter 315,7,9 Kostüm- und UlsterstofJeMtr.JÄ.3,4,5 Persianer irait. Plüsche mc�r%rr Seiden-Seal primaÄrJÄ.1S Astrachan, fufterv»sogso Meter j»*' �" Tuchlager Koch& Seeland G. m. b. H. Gertrauitensir. 20/21 ÄÄ M|Inr ein preis! griiche fette junge, 7—15 Pfd. schwere GMc i 72« Nur allererste Qualität: Gänserümpfe,'/zGänse, ft�Gänse. 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Hörsaal 8 Uhr: Pros Dr. Schwahn: Die Entstehung der Gebirge und die Erdbeben. Kammerspiele. Penet. Abenteuer. Heirat wider Willen. Lesfnia. Zettwende. Deutsches OPeruhauS. DerTrou- badour. Deutsches Schauspielhaus. Der gute Ruf. Neues Operutheater(Kroll). Fröschl. Deutsches Künstlertheater. Der Biberpelz. Berliner. Wie einst im Mai. Thalia. Die Tangoprinzessin. Theater am Nollendorfplaq. Die Heimkehr deS Odysseus. Komödtenhaus. Das Paar nach der Mode. Theater deS Westens. Gräfin Fifi. Schiller D. Am Tage des Gericht». Schiller Eharloeteiibnrg. Wenn der neue Wein blüht. MontiS Operetten. Der lachende Ehemann. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend- haste. Kleines. Belinde. Trianon. Seine Eeiiebte. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Leihusch? Wintergarte». Spezialitäten. Reichshallen. Stelliner Sänger. CineS Apollo-Theater. Variete- Lichtspiele. Eines Friedrich- Wilhelmstädt. Barietä-Lichtspiele. Anlo-lg Sll, Ubr. Refideu». Im Ehekäfig. Lusispielbaus. Puppenllinik. Luise». Der Hüttenbesitzer. Rose. Laura massiert. Folies Eaprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adoptiv- find. Walhalla. Der Liebesonkel. Aniang 8ft, Ubr. NcneS BolkStheater. Der ledige Hos. Ansang 9 Ubr. AdmiralSpalaft. Die lustige Puppe. CinesNollendorf-Theater.Variete- Lichtjpiele. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62 Dentsche« Schauspielhaus Abends 8 Uhr: Per gute Ruf. Schitler-Thealer O.IS: Freitag, abends 8 Ubr: Am Tage des Cierlchts. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Jngendf rennde. Sonnlag. nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Donntag, abends 8 Uhr: Jugendfreunde. Schiller-Theater Chabu£en" Freitag, abends 8 Uhr: Wenn der nene Wein bliiht Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Götz von Bcrllcbingcn. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die GroBstadtlnft. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Klrchfeld Sonntag, abends 8 Ubr: Die GroSstadtlnft. MeriflderKöDigsrbtzerStralie ?'/- mr: Macbeth. Komödienhaus. s Uhr: Das Paar nach der Moile. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater des Westens. s uhr: Gräfin Fifi. Sonnt, nachm. 3'/,: Der liebe Augustin % Residenz-Theatern Im Ehekäfig. (Les Maris en cage.) Schwank in 3 Akten v. Antony Mars und Maurice Oesvalliirs Morg. u. folg. Tage: Im Ehekäfig. Montis Operetten-Theater Schifibaucrdamm 4a. 8 Uhr: Gastspiel Jul. spielmann: Der laehende Ehemann. Sonntag 3 Uhr: Ter Vogelhändler. Bentsches Künstlertheater Sozietät. Nürnberger StraSe 711/71, am Zoo. s uhr: Der Biberpelz. Lessing-Theater. Ä9 Zeitwende. M Schauspiel in 4 Atten v. H. Eulcnberg. 'Mtof ani lliHoilplatzi f Täglich abends 8 Uhr: Die Heimkehr des Odyffeus. Morg. Sonnab. 3 Uhr(kl. Preise): Vor 100 iakren od. Napoleons Sieg u. Fall. I0SE=THEATE Große Frantturler'Str. 132. Ansang 8>U Uhr. Eaura massiert. Eine heilere Geschichte in drei Akten von Karl M. Jacoby. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. Abends 8'/. Uhr: Laura massiert. TaubenstraBe 48/49. Freitag 8 Uhr: Prof. Dr. P. Spies: Sliektralanalyse und Elektronentheorie. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Schwahn: Die Entstehung der<«c- blrge nnd die Erdbeben. Passage-Panoptikum Mundmater Schuldis der Rafael ohne Arme bei seinen Arbeiten. Lebend zu sehen! Der Mann mit der eisernen Rand und die anderen Attraktionen. Zirkus ilb. Schumann. Heute Freitag. 17. Oktober Anf.7'/;, Ende 11 Uhr Gr. Etite-forstetlung. U..0. 10 Bengal-Känigs-Tiger 10 vorgeführt von Herrn Sawadc. Die boxenden Katzen Die boxenden Hunde Rollscbublauiende Alien Die Scbleudepfahrt im Lultscbiif. Sonnta», den 19. Oktober: 2gr. Verstellungen A nachm.S'/jU.abds.T'/jU." Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Seine Geliebte. „Sängerabteilung i" und„Männerchor Norden". _ M. d. D. A.-S.-B. Chormoistor: Herr Paul Kurt. Sonntag, den 19. Oktober 1913: Konzert in der Branerel Frledrlchshain. Mitwirkende: Frau Margarete Böhme-Heidenreich(Sopran), Herr Gustav Franz(Bariton), Herr Dr. Artur Böhme(Flügel u. Orgel). Konzertflügel Ibach. Zur Auffürung gelangt u. a.:„Wernher". Ein Urnen- gang vor 700 Jahren) für Männorohor, Sopran- und Bantousolo mit Klavier-, Orgel- und Instrumentalbegleitung. 2657b Kasseneröffnnng 5 Uhr. Anfang 6 Uhr Billetts 60 Pf-, an der Kasse 75 Pf. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Eniscn-Theatep. I Walhalla-Theater. Freitag 8'/. Uhr: I Täglich 8-/. Uhr: Der Hüttenbesitzer. Der Liebesonkel. Schauspiel in 5 Allen von ffi. Ohnet.| Posse mit Gesang u. Tanz m 3 Akten. :: berliner:: Konzerthaus JfsClon" ■■■fc— Mauerstraße 82.— Zimmepstraße 90/91. Oroßes If oppeI-14«iizert! Berliner Konzerlhaus-Orchester. Leitung: Komponist Frz. v. Blon und als Gastdirigent; Hofkapellmeister Prof. Traugott Ochs. Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.; Oberm. Baarz. Anfang 8 Uhr. Eintritt 59 Pf. Anfang 8 Uhr. wotuüentagen: Gr. Nactimiitags-gonzert"�Eimritn" Brauerei Fpiedrichshain am Königstor. Oekonom: Ernst Biebing. Tllttwoch, den 89. Oktober er.; Heiterer Künstler-Abend, Sensations- Programm. Anfang 8 Uhr. Entree 89 Zirkus Busch. Heute Freitag, den 17. Oftober, abends 7ft, Uhr: Grobe Gala-Sports-Vorstellung tes Pissiultis. Gladiatoren. Äft. Baptista Schreiber, Rcitlünillerin. Die neue große AusstaIt.«Pantom. An. nnsei-en Kolonien. Boronzeige. Sonntags 2 groBe Gala-Vorstellungen, nachm. 3'jJU. abends 7'/. Uhr. Nachm. hat jeder Erwachsene ein angeböriges Kind unter>0(fahren aus allen Sitz» Plätze» frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren zahlt die Hälfte aus den Sitzplätzen. Heute premisre ia sllen UT Lichtspielen. Rudolf Schildkraut in einem Film von Felix Saiten Der Shylock von Krakau 168/5 Reichshallen-Thealer Stettiner Sänger N°n,„Alarm r Mllit. Humoreske. 'Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu er» mäßigt. Preisen: ____„Alarm!" Sog. 1 M., Balf.75Ps., Entree 39 Pf- Metropol-Theater Abends 7 Uhr 55 präzise; Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollstäud. freier Benutzung deS Jules Verne'schen RomaneS von Julias Erennd. A!usik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Richard Schultz. M Bacbmann. Joseph Giampietro. Guido Thielscher. Alired Sehmasow. Leopold Woll. Ludwig Voll. BeleneBaüot. IdaRusska. J. de Lande. Ken! Bon S— 1 llhr:! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 2 Kapellen._____ Voigt- Theater Babftrasie 38. Freitag, den 17. Lftober 1913: Der Geigenmacher von Mittenwald. BolfSschauspiei in3Ausz.v. Ganghoser. Kasseneröfinung 7 Uhr. Ans. 8ft« Uhr. Teiles Lapriee. Anfang SV. Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt CasinosTheater Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Posscn-schlager Ferdmand der Tugendhafte. DaS droll. Stück seit Bestehen d. Theat. Vorher das erfttt. Svezialität.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Am grünen Strau» der Spree. �cimiralspalast. El.- Apens.— AflsbendUel» das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Vis lustige fuppe. Beginn der VorsteUung 8'/, Uhr. Bis 6 Uhr und von 10"/. Uhr halbe Kassenpreise. Für ben Jntiat» der Jiiiera,« übernimmt Sie Redaktion htm Publikum gegenüber keinerlei Berannvoriung. Abends 8 Ubr: IfST gntettöl.• Avenos 0�4 uqr: �aura maipeir._ B—— MBMM—— 1— - veräntwörtllcher RedakKirr: Alfred Wirlepp, Neukölln. Für den ynseralenteri verantw.: Tb Glocke. Berlin. Druck u. Vertag: Borwart»»Uiazoruckerei u. Be ctagSaustatt Paul Singer u. iso.. Berlin ZW. Ar. 272. 30. Jahrgang. 2. ScW des Jotmärts" ßttlintt UslksM Imtog. 17. NklBn 11)13. Parteigenolfen! Lrlcheint heute abend zahlreich zur flugbiattverbreitung! Groß.ßerliner filictsverträge. Tie herrschende Wohnungsmisere ist eine der gemeingefähr lichsten Ausgeburten der kapitalistischen Wirtschaft, des zügellosen Bodenwuchers. Je mehr die tiefen und ausgedehnten Schäden dieser unsozialen Zustände aufgedeckt werden, desto mehr wird es klar, daß eine endgültige Beseitigung der Wohnungsnot nur möglich ist durch die Umwandlung des wucherischen Privateigentums in Gemeineigentum. Bleibt das zugleich ökonomische und rechtliche Verhältnis von Vermieter und Mieter zueinander bestehen, so existiert damit notwendig das Grundübel, die Wurzel der Wohnungs not fort. Der Hausbesitzer ist dem Mieter vor allem ökonomisch und somit auch rechtlich überlegen. Der Mietsvertrag ist ganz allgemein so gestaltet, daß der Mieter dem Vermieter völlig aus geliefert ist. Zudem sind die als Einzelpersonen dem isolierten Mieter schon weit überlegenen Vermieter noch in starken Interessen Organisationen vereinigt, so daß die wirtschaftliche Ueberlegenheit der letzteren geradezu unhaltbar wird. Die Ungleichheit dieses Ver hältnisseS kommt am klarsten zum Ausdruck in den jedermann be kannten Mietsverträgen, worin buchstäblich der berüchtigte Haus- Pascha dem Mieter seine Bedingungen diktiert. In Grotz-Berlin ist das System der Mietsverträge durch die Grundbesitzervereine derart rigoros ausgebaut worden, wie in keiner zweiten deutschen Stadt. Mit dieser hochwichtigen Frage beschäftigt sich nun erst- malig in einer Schrift Prof. Dr. Paul Eltzbacher, Rektor der Ber- liner Handelshochschule(„Grob-Berliner Mietsverträge", Berlin 1913, Verlag Franz Bahlen). Eltzbacher ist Jurist, und er betrachtet deshalb die Frage aus» schließlich als ein rein rechtliches Problem. In dev rechtlichen Form des Mietsvertrages kommen gewiß die großen Uebel, die ihn ver- Ursachen, zum Ausdruck, aber keineswegs die Ursachen selbst; diese sind wesentlich wirtschaftlicher Natur. Und deshalb ist zu einer restlosen Erklärung des herrschenden gemeinschädlichen Mietsver- träges das wirtschaftliche Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter immer die erste Voraussetzung. Trotz dieses Grundübels ist die Schrift Eltzbachers sehr wertvoll und als ein großer Fortschritt anzusehen. Der Autor übt als Jurist eine Kritik an den bestehenden Groß-Berliner Mietsverträgen, die wegen ihrer Objektivität und Schärfe nicht ohne Wirkung bleiben wird. Den Grund- und HauS- besitzern wird freilich die ZorneSader schwellen ob der ungeschminkten Wahrheiten, die in dieser Schrift ihnen unter die Nase gerieben werden. Der verbreitetste Berliner Mietsvertrag ist der de? Grund- besitzervereinS der Schönhauser und angrenzenden Stadtteile. Alle sonst noch vorhandenen Mietsverträge sind mit unwesentlichen Ab- änderungen diesem nachgebildet. Professor Eltzbacher beurteilt diesen Mietsvertrag folgendermaßen:„In Berlin sind in den Ge- schäftsstellen der Haus- und Grundbefitzervereine, bei Papierhänd- lern und anderen Kaufleuten Mietformulare zu haben, die der Ver- mieter beim Vertragschlutz vorzulegen, dieser aber ohne nähere Prü- fung ihrer zahlreichen' und schwer faßlichen Bestimmungen zu unter- zeichnen pflegt. Diese Formulare dienen den meisten Mietverhält- nissen zur Grundlage. In ihnen sind die Pflichten des Vermieters auf ein Mindestmaß herabgedrückt, die des Mieters aufs äußerste gesteigert. Sie sind so abgefaßt, daß bei der ersten auftretenden Meinungsverschiedenheit, bei der ersten noch so geringfügigen Zu- widerHandlung der Mieter völlig in die Hände des Vermieters gegeben ist. Sie machen den Mieter nahezu rechtlos, er ist auf den guten Willen des Vermieters angewiesen und kann von einem skrupelll�n Vermieter aufs ärgste ausgebeutet werden." Hierauf folgt eine eingehende Kritik des in 12 Paragraphen gegliederten Schönhauser Mietsvertrages. Es ist natürlich unmöglich, auf die Einzelheiten dieser weitläufigen Auseinandersetzungen einzugehen. Nur soviel: Obgleich das Mietsverhältnis durch die ZK 53b— 580 des Bürgerlichen Gesetzbuches einigermaßen objektiv geregelt ist, kann sich der Hauspascha durch den Mietsvertrag einen besonderen Rechts- boden schaffen, wo nur sein wirtschaftliches Interesse maßgebend ist. Das Kündigungsrecht, die Bestimmungen über Entrichtung der ' Miete, das Pfändungsrecht des Hausbesitzers, kurzum, wo sich nur Vermieter und Mieter gegenübertreten, da beherrscht der erstere den letzteren vollständig. Dem Hausbesitzer ist es möglich, durch konsequente Anwendung der Bestimmungen dieses Mietsvertrages das Haus in eine Zwangsanstalt zu verwandeln, ganz abgesehen von der kleinlichen Schikane, die sonst noch geübt werden kann. Mit Recht ist angesichts dieser Tatsachen das Gesamturteil Eltzbachers über den Groß-Berliner Mietsvertrag geradezu ver- nichtend:„Die Ungerechtigkeiten, die das Schönhauser Formular enthält, sind so zahlreich, daß es unmöglich ist, sie mit einem Blick im ganzen zu überschauen. Ab»r wenn man auch nur einige von ihnen zusammenfaßt, so zeigt sich mit erschreckender Klarheit, wie hier die Verpflichtungen de? Mieters auf ein Höchstmaß gesteigert, die des Vermieters auf ein Mindestmaß gedrückt sind.... Es ist kein zu hartes Urteil, wenn man das Schönhauser Formular als wucherisch bezeichnet: nicht in dem Sinne, als ob jeder Vermieter, der eS von seinem Mieter unterschreiben läßt, sich wucherischer Ausbeutung schuldig machte, wohl aber in dem Sinne, daß es einem gewissenlosen Vermieter die wucherische Ausbeutung des Mieters ermöglicht." DaS ist eine gerechte Kritik, um so mehr, als sie durch die Praxis des TageS leider in der Regel bestätigt wird. Am stärksten haben naturgemäß die Mieter kleiner Wohnungen, die Besitzlosen, unter der Brutalität des Mietsvertrages zu leiden. Sie sind in der Tat auf Grund solcher Abmachungen der Botmäßigkeit des Hauspaschas auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Professor Eltzbacher entwirft einen Mustermietsvertrag, der freilich der reichS- gesetzlichen Kraft bedarf. In der kommenden Parlamentssession steht das preußische Reichswohnungsgesetz zur Beratung. Nach den bisherigen Erfahrungen, die in dieser Beziehung vorhanden sind, ist von jener Seite wenig zu erwarten. Die Bourgeoisie ohne Unter- schied ist am Grundbesitz, das heißt an der möglichst hohen Grund- rente interessiert. Und das ist ja eigentlich auch nur das Ziel des Groß-Berliner Mietsvertrages: Dem Vermieter die materiellen Vorteile und Rechte, dem Mieter alle Nachteile und Pflichten. Das Grundübel, das im kapitalistischen Privateigentum seine Quellen hat, wird erst verschwinden mit dessen Umwandlung in Gemein- eigentum. Eine Forderung, die einzig die Sozialdemokratie vertritt. Eine Milderung der bestehenden Praxis zugunsten der Mieter wäre durch Annahme des bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetz- buches von der Sozialdemokratie gestellten Antrages ermöglicht wor- den, die dem Mieter günstigeren Vorschriften des Bürgerlichen Ge- setzbuches zu zwingenden, durch keinen Vertrag außer Kraft zu setzenden Vorschriften zu machen. Die bürgerlichen Parteien lehnten diesen Antrag ab. Partei-)Zngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Außer heute findet am Sonntag, de« 19. Oktober, eine Flugblattverbreitung für die Stadtverordnetenwahl in den Kommunalwahlbezirken 9, IS und 22 statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. Schöneierg. Zu der heute, Freitag, abends?>/, Uhr, stattfin- denden Flugblattverbreitung, treffen sich ein Teil der Genossen de« 8. Bezirks bei Milde, Nollendorfstr. 16, vom 4. Bezirk bei Folger, Kyffhäuserstr. 26; der 7. Bezirk, 8., 9., 11. und 12. Bezirk treffen sich in ihren Bezirkslokalen, während die Verbreitung im 10. Bezirk von Rathmann. Tempelhofer Str. 18a, aus, stattfindet. Da die Arbeiten der Stadtverordnetenwahlen drängen, so wird vollzählige Beteiligung erwartet. Steglitz-Friedenau. Heute(Freitag) findet im„AlbrechtShof" der fünfte Vortrag des Duncker-KursuS statt. Wir machen darauf aufmerksam, daß dabei die b e st e l l t e n Bücher zur Ausgabe gelangen. Der BildungSauSschuß. Rüdersdorf(Dorf). Am Sonnabend, den 18. Oftober, abends 8'/, Uhr, Zahlabend bei L. Rieger, Lindenstraße 3. Alt-Glienicke. Zu der heute abend, 7>/z Uhr, stattfindenden Flug» blatlverbreitung treffen sich die Genossen des 1. Bezirks bei Henschel, Grünauerstraße, die des 2. Bezirks bei Bahr, Äöpenickerstraße, des 3. Bezirks(Ortsteil Falkenberg) bei Meier, Straße am Falkenberg. Schcnkendorf bei Königs- Wusterhausen. Sonnabend, den 18, d. Mts., abends S'/j Uhr, im Lokale von Otto Patsch: Mit- gliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht der Gemeindevertreter. 3. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Ferner werden die Mitglieder ersucht, sämtliche Bibliotheksbücher zwecks gründlicher Revision abzugeben. Gleichzeitig machen wir auf die am Sonntag stattfindende Kalenderverbreitung aufmerksam. Der Vorstand. Kaulsdorf(Ostb.). Heute Freitag abends 6 Uhr Flugblattver- breitung vom Lokal des Herrn Bobey am Bahnhof aus. Bohnsdorf und Umgegend. Am Montag, den 20. Oktober, abends pünktlich Uhr, findet in der Villa Kahl der zweite Vortrag des Genossen Wilhelm Pieck über: Der praktische Teil des Partei- Programms„Unsere Forderungen zum Verfassungswesen" statt. Teil- nehmerkarten a 50 Pf. sind»och zu haben beim Kassierer W. Franz, Paradiesstraße 4, und dem Genossen Molkenthin, Eichwalde, Kaiser- Friedrich-Straße 7. Arbeitslose Mitglieder haben fteien Zutritt. Niedcr-Schönhausen-Nordend. Am Sonntag, den 19. Oktober, nehmen die Genossinnen und Genossen an der bei Roczhcki in Pankow, Kreuzstraße 3/4, stattfindenden Versammlung teil. An- fang der Versammlung Punkt 12 Uhr. Tegel. Am Sonnabend, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, findet in TrappS Festsälen(Jnh. ZiegS), Bahnhofstr. 1. der dritte Vortrag deS LichtbilderkursuS:„Entwickelung des Tierreichs und Abstammung des Menschen" statt. Vortragender: Herr M. H. Baege. Jeder Vortrag ist für sich abgeschlossen. Der Saal ist gut geheizt. Die Flugblattverbreitung findet nicht am Freitag, sondern am Sonn- abend, abends 6>/z'Uhr, von den Zahlabendlokalen aus statt. Röntgental, Zepernick, Buch. Zur Feier des 1. Stiftungsfestes findet am Sonnabend, den 18. Oktober, abends>/k9 Uhr, im Lokal des Herrn Marx(Waldhaus), Röntgental, Bärwolfstr. 12, ein UnterhaltungSabend bestehend in Konzert, Gesang, Rezitationen, Festrede, Theater und Tanz statt. BillettS inkl. Programm und Tanz 0,50 M. Einführung in„die Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung" bezweckt ein vom Bezirkswahlverein veranstalteter, 5 Abende um- fassender, Vortragszyklus. Die Vorträge finden statt am 23. und 30. Oktober und am 6.. 13. und 20. November. 8Vz Uhr, im Lokal von August Lange, Röntgental, SiemenSstr. 10. Vortragender ist Genosse Wenzels son. Der Preis der Zuhörerkarte beträgt für alle 5 Abende 50 Pf. Arbeitslose zahlen nichts.. Die Teilnahme an diesen für die Parteigenossen und Genossinnen veranstalteten Vorträgen ist dringend zu empfehlen. Berliner Nacbricbtm Aus der Stadtverordnetenversammlung. Gegen die Drangsalierung des Arbeiter- Turnvereins., Fichte" durch die staatliche Schulauf- sichtsbehörde will der Berliner Stadtfreisinn nichts tun. Das in dieser Sache ergangene Reichsgerichtsurteil, das dem Vor- gehen der Negierung nachträglich so etwas wie eine„rechtliche Grundlage" schaffen wollte, ist den Freisinnshelden sehr ge- legen gekommen. Die sozialdemokratische Frak- tion hatte im Juni einen Antrag eingebracht, der zur Abwehr aufrief und auch ein wirksames Mittel der Abwehr angab. In dem Ausschutz, dem damals der Antrag überwiesen wurde, hat sich keine Mehrheit für ihn gefunden. Gestern be- richtete der Ausschutz über seine Verhandlungen dem Plenum, und er empfahl, den Antrag abzulehnen. Genosse Stadt- Hagen geitzelte scharf die diensteifrige Bereitwilligkeit, mit der man im Magistrat aus jenem vom Geiste schwär- zester Reaktion erfüllten Reichsgerichts- urteil allzu geschwind die Konsequenzen ziehen zu sollen Die Schlacht bei Celpzig. I. Seit Napoleons Lieblingsplan, nach Berlin vorzustoßen und durch die Besetzung der preußischen Hauptstadt seinem gefährlichsten Gegner den Atem abzuschnüren, durch die Niederlage Neys bei Dennewitz am 6. September zum zweitenmal vereitelt war, hatte sich eine längere Pause in die kriegerischen Operalionen eingeschoben. Umfassende Befestigungen, die er bei Dresden vornahm, ließen die Vermutung zu, daß die Hauptstadt Sachsen» dem Franzosenkaiser zum Winterquartier dienen solle. Erst im Oktober brach er auf, um auf dem linken Ufer der Elbe in der Richtung nach Magdeburg zu marschieren. Eine Kriegslist war das, um die Feinde zu täuschen, denn Napoleon soll, was allerdings von den Militärwissenscbaftlern zum Teil bestritten wird, den Plan gefaßt haben, bei Wittenberg abermals die Elbe zu überschreiten und wieder sich gegen Berlin zu wenden. Kühn, ja l tollkühn war dieser Plan, denn wenn sich der Kaiser auf Torgau und Magdeburg statt auf Dresden und Leipzig stützte, gab er seine ganze RückzugSbasiS nach Frankreich preis und verfiel, sobald er geschlagen wurde, der vollkommenen Vernichtung. Aber dieser Plan bot doch auf der anderen Seite eine Reihe glänzender Aussichten. Einmal konnte Napoleon so die sämt- lichen in den norddeutschen Festungen eingeschlossenen Garnisonen, vor allem D a v o u t auS Hamburg, an sich ziehen, zum zweiten mußte der moralische Eindruck auf Zauderer wie Bernadotte und Schwarzenberg geradezu niederdrückend wirken und zum dritten zog er, wenn er bis zur Oder kam, Preußen und Russen hinter sich her und zwang sie, sich seiner Strategie anzupassen. Aber seine Marschälle und Generale widersetzten sich mit einer seltenen Einmütigkeit dem Kriegsplan des Meisters. Wenn Napoleons Stern jetzt im Erbleichen war, so lag das nicht zuletzt an der wachsenden Unzuverlässigkeit seiner Unterführer. Diese Nutznießer deS napoleonisckien Schlachtenglücks, die von Korporalen und Sergeanten zu Marschällen, Herzogen und Fürsten aufgestiegen waren, hatten längst, im Besitz von Titeln. Millionen und Schlössern, das stete Wagen und Schlagen satt und zogen jedem Feldzug mit steigendem Mißmut entgegen, da sie nicht immer wieder aufs neue alle» Erworbene aufs Spiel setzen wollten. Auch das Soldaten- Material der„großen Armee" war bei weitem nicht mehr von der Tüchtigkeit der Sieger von Auster litz und Jena. Die großen Lücken. die der russische Feldzug in die Regimenter gerissen, waren mit iungen flaumbärtigen Rekruten ausgefüllt worden, die oft 15 Monate unter dem dienstpflichtigen Alter standen und wenig den Strapazen de» Kriege« gewachsen waren.„Früher hatte man", sagte Ney, banger Ahnungen voll, bei Beginn der Kampagne von 1813,„alte Soldaten und junge Generale, heute hat man Kinder, von Greisen geführt." Zu der Abneigung seiner Marschälle, Napoleon auf dem Weg nach Norden zu folgen, kam noch ein Weiteres. Durch seinen Ver bündeten, den König von Württemberg, erfuhr er nämlich von dem Abfall der Bayern, deren König von Napoleons Gnaden sich, auf Grund eines Vertrages, der ihm seine Souveränität verbürgte, den Oesterreichern angeschlossen hatte. Der Kaiser müsse sich, be richtete der Württemberger Satrap, darauf gefaßt machen, bald die Festung Mainz, den wichtigsten Punkt an der großen Heerstraße von Deutschland nach Paris, von 100 000 Mann belagert zu sehen. Unter solchen Umständen war Napoleon der Qual der Wahl enthoben: er mußte seinen weit angelegten Plan aufgeben und sofort losschlagen. Zwar gelang e» ihm so wenig wie vorher, einen der drei Heerhaufen der Verbündeten einzeln zur Schlacht zu stellen. Blücher mit der schlesisckien Armee hatte sich am 3. Ottober durch da« Treffen bei Wartenburg den Elbübergang erzwungen, aber als Napoleon, der am 7. Oktober mit seiner Hauptmacht Dresden ver- lassen hatte, einen Vorstoß bis Düben unternahm, um den Stier an den Hörnern zu packen, wich der alle Husar wieder auS. Noch einmal kam Napoleon flüchtig auf seinen Plan zurück, auf Berlin loS- zumarschieren, aber die gebieterische Notwendigkeit verlegte die Eni- scheidung in die schlachtgewohnte Ebene von Leipzig. Cr war sich dessen wohl bewußt, daß hier die Würfel seines Schicksals fielen. aber er wiegte sich immer noch in die Hoffnung, er werde die böhmische Armee Schwarzenbergs dröhnend aufs Haupt schlagen können, ehe die anderen Kräfte der Verbündeten, die schlesische Armee und die Nordarmee Bernadotte», heran waren. Diese Hoffnung allerdings trog. Im Süden von Leipzig werde, so meinte Napoleon, die Entscheidung fallen, und hier komman- dierte er selber die französische Stellung, die sich im Bogen von Connewitz über Markkleeberg, Wachau, Liebertwolkwitz bis Stötteritz und Holzhausen ausdehnte. Morgens um acht Uhr begann bei dichtem Nebel, der bald von lebhaftem Geschützfeuer zerfetzt wurde. der Angriff der Schwarzenberg scheu Armee. Um die Dörfer Doelitz. Wachau und Liebertwolkwitz wogte das wütendste Gemetzel. Immer wieder gingen die Verbündeten zum Angriff über, immer wieder wurden sie unter schrecklichen Verlusten zurückgeworfen. Bei Wachau hatte Napoleon unter D r o u o t eine Riesenbatterie von 170 Kanonenschlünden auffahren lassen, die furchtbar unter den An- greifecn aufräumte, zugleich stürzte sich O u d i n o t mit zwei Divi- fionen der jungen Garde auf Wachau, Marschall M o r t i e r bemäch- tigte sich mit zwei anderen Divisionen derselben Truppe deS Waldes !bei Liebertwolkwitz, und als in einem letzten Ansturm der Ver- zweiflung die russische Gardekavallerie und die österreichischen Kürassiere dem rechten französischen Flügel Doelitz entrissen, wurden sie durch ' einen Gegenangriff der Kürassiergeschwader M u r a t S zurückgejagt und zersprengt: eS war 3 Uhr nachmittags und da» Schlachtfeld gehörte den napoleonischen Adlern. Noch tobte der Kampf weiter, obwohl die Entscheidung gefallen war, aber in der Stadt Leipzig wurden schon auf Befehl Napoleon? alle Glocken zur Feier seines Sieges geläutet. Luch da» Korp» B e r t r a n d, das, von der französischen Hauptmacht durch Pleiße und Elster getrennt, bei Lindenau stand, um die Rückzugstraße nach Westen offen zu halten, erwehrte sich mit schweren Verlusten, doch mit Glück der Angriffe de« Feinde«, und Napoleon hätte fich al»„Sieger von Wachau" befriedigt zur Ruhe legen können, wenn eS nicht auch im Norden der Stadt zum Klappen gekommen wäre. Dort hatte er den Marschall M a r m o n t aufgestellt, erwartete aber kaum, von jener Seite her einen Schuß zu hören. Aber Blücher, der un- ermüdlichste von allen Feldherren der Verbündeten, war hier den Franzosen auf den Pelz gerückt, und bald war der Kampf um da« Dorf Möckern im Gange. Eine der besten und erprobtesten Truppen Napoleons, die GardemarinierS, hatten hier aus jedem Hause eine kleine Festung gemacht, und besonders da» Korps D o r k s erlitt gewaltige Verluste, aber der Sieg blieb an dieser Seite von Leipzig den Verbündeten. Da? war um so Verhängnis- voller für N a p o l e o n, als der Draufgänger Blücher auch am 17. Oktober keine Ruhe hiest, sondern in hitzigen Gefechten die Korpö M a r m o n t und A r r i g h i aus Gohlis und Eutritzsch auf Leipzig zurücktrieb bis an das Gerbertor. Auf dem südlichen Schlachtfeld dagegen schwieg der Kanonendonner. Schwarzenberg» Truppen waren zu erschöpft zu einem neuen Angriff, und auch Napoleon wollte seine Soldaten, ganz gegen seine Gewohnheit, verschnaufen lassen. Bor allem aber lag ihm daran, die Reserveartillerieparks heranzuziehen und die 80 000 Geschützkugeln zu ersetzen, die die Schlacht gekostet hatte. So beschränkte er sich an diesem Tage darauf, statt neue kriegerische Attionen zu unternehmen, den ge- fangenen österreichischen General Meerveldt mit Waffenstillstands- Vorschlägen an die Verbündeten zu schicken: er forderte fteien Ab« zug hinter die Saale und wollte dafür die Oder- und Weichsel- festungcn übergeben, um so die Grundlag« für FriedenSverhand- lungen zu schaffen. Er wurde nicht einmal einer Antwort gewürdigt, denn auf der Seite seiner Gegner hatte man die Ruhe des 17. Oktober benutzt, alle Verstärkungen heranzuzieheil und auch den wie stets zögernden Bernadotte mit der Rordarmee aufs Schlachtfeld zu bringen. Die Verbündeten zweifelten nicht, daß der 18. Oktober den Sieg an ihre Fahnen heften werde. geglaubt hat. Die Jugendabtcilungen des Vereins„Fichte" sind zum 1. Oktober aus den Turnhallen der Stadt ausge- wiesen worden, noch ehe auf die Beschwerde des Vereins wegen Versagung der Unterrichtserlaubnisscheine der Unterrichts- ininister geantwortet und eventuell über eine weitere Bc- schwerdc des Staatsministeriums entschieden hat. Unser Red- ner hielt deni Magistrat und den Freisinnigen der Stadtver- ordnetenversammlung vor, daß die über den Verein für seine Jugendabteilungen jetzt aufs neue verhängte Turnhallen- sperre gegen die Städteordnung verstößt, die die Benutzung aller Veranstaltungen der Stadt allen Bürgern sichern will. Gerade der Liberalismus müsse es als Pflicht ansehen, jenen Eingriff der Regierung in die S e l b st V e r- wa lt ung der Stadt abzuwehren, auch wenn es sich um Sozialdemokraten handelt. Stadtrat Hirsekorn versuchte, den Magistrat zu rechtfertigen. Länger habe man mit dieser neuen Turnhallensperre nicht warten dürfen, da ja genau be- kannt sei, wie der Unterrichtsminister und das Staatsministc- rium entscheiden würden. Richtiger ist wohl: der Magistrat konnte es nicht erwarten. Genosse R o s e n f e l d erwiderte dem Stadtrat mit der Festellung, daß der Magistrat sich in der Turnhallenfrage jetzt rückschrittlicher als vor Jahren gezeigt hat. Aus den Reihen der Freisinnigen ergriff nur einer das Wort, der Stadtverordnete R e i- m a n n, der nur die Möglichkeit sah,„s i ch z u f ü g e n". Die anderen zogen es vor, zu schweigen. An der Abstimmung aber beteiligten sie sich alle, und alle waren einig in der Ablehnung des Antrages unserer Genossen. Auch für den Vorschlag, dem Verein„Fichte" eventuell Turnräume zu geben, über deren Benutzung das ProvinAial-Schulkollegium nichts zu sagen hat, erhob kein Freisinniger die Hand. Im zweiten Teil der Sitzung wurde das überaus wichtige Projekt einer neuen Großmarkthalle für Obst, Gemüse usw., das der Magistrat mit einer sehr ausführ- lichen Begründung vorlegte, einer Generaldebatte unterzogen. Stadtrat B e r n d t prophezeite der in der Nähe des Bahnhofs Beusselstraße zwischen Eisenbahn und Kanal geplanten An- läge eine große Zukunftz, aber die Redner der freisinnigen Fraktionen äußerten mehr oder minder starke Bedenken, be- sonders wegen der Höhe des Preises der anzukaufenden Grundstücke. Die sozialdemokratische Fraktion, für die Ge- nosse Hintze sprach, erklärte sich im wesentlichen einver- standen mit dem Projekt, das für die Lebensmittelversorgung Berlins von hoher Bedeutung sei. Tie Vorlage ging an einen Ausschuß.__ Im Reich der Hausfrau und Mutter. Da die Ausstellung„Die Frau in Haus und Beruf" im vergangenen Jahre reichen Erfolg gehabt hat, nimmt es kein Wunder, daß ähnliche Veranstaltungen in rascher Reihe folgen. Im Frühjahr dieses Jahres hatten wir die Ausstellung„Das Ktnd", jetzt lockt die schaulussigen Mütter schon wieder eine vom Berliner Hausfrauenverein und dem Deutschen Frauenbund augeregte Ausstellung„Im Reich der Hausfrau und Mutter" sin den Ausstellungshallen am Zoo, täglich von 10—6 Uhr). Proletarische Mütter allerdings werden finden, daß ihr Reich nicht so gestaltet ist, wie es sich in den meisten Verkaufsständen bietet. Ihnen fehlen die praktischen, sauberen Küchen- einrichtungen, die kostbaren Kleider und Wäsche, die Lurus- möbel, die nahrhaften Speisen und die zahlreichen Leckerbissen; ihnen steht kein elektrischer Herd und Ofen, nicht einmal ein elektrisches Plättcisen zur Verfügung. So könnte die Ausstellung mit mehr Recht„Im Reich der bürgerlichen Hausfrau und Mutter" heißen, obgleich Hinweise auf den proletarischen Haushalt nicht fehlen. So findet sich auf der Galerie neben- einander ein Säuglingszimmcr, wie es sein soll und eins, wie es nicht sein soll. In dem Typus einer Proletarier- Wohnung— die Fabrikschornsteine schauen durch das Fenster— dunkle, zerrissene Tapeten, alte abgenutzte Möbel, ein zerbrochener Kinderwagen: der Petroleumkocher auf dem Tisch, und die mit Wäsche behängten Leinen deuten darauf, daß das Zimmer zum schlafen, Kochen und Wäschetrocknen zugleich benutzt werden muß. Hunderttausende Säuglinge müssen in Berlin aber so auftvachsen. Nur die Hohenzollernbilder in schlechtestem Oeldruck und sogenannte„Schonerdeckchen" sind wirklich das einzige, was nicht in einer Proletaricrwohnung zu sein brauchte. Recht» davon das Säuglingszimmer, wie es sein soll, mit allem Komfort einer hygienischen Säuglingsausstattung bis zu der bezahlten Pflegerin. Dieses„soll" scheint auch den Ausstellern angesichts der wirklichen Ein- kommensverhältnifse der breiten Massen eine so vergebliche Aufforderung, daß, wie wir auf unserem Rundgang feststellten, das Schild wieder überklebt wurde. Ausstellungen gemein- nütziger Vereine ergänzen schließlich das Bild. Bei vielen Müttern ist das Reich so ärmlich ausgestattet, daß fremde Hilfe eingreifen muß. Die Kinderhorte, die Mütter- und Säuglingsheime, die Schulkliniken bieten einen noch immer völlig unzulänglichen Ersatz für das, was unsere Wirtschafts- ordnunz einer geringen Zahl so überreichlich gewährst. Unverehelichte Mütter am Pranger der Kirche. Die Kirche hat den sehr lebhaften Wunsch, daß möglichst viele Kiuder die Taufe empfangen. Sie verschmäht auch die unehe- I i ch geborenen Kinder nicht, die den Frommen als„Kinder der Sünde" gelten. Ja, gerade um die Unehelichen reißen die Agenten der Kirche sich ganz besonders. Sie lassen sich keine Mühe ver- drießen, die Mütter solcher Kinder von der„Notwendigkeit" der Taufe zu überzeugen. Missionare suchen unverehelichte Mütter in ihren Wohnungen auf, um die Seelen der Kinder zu „retten", Ist die Entbindung in einer Anstalt ausgeführt worden, so beginnt schon da die Bearbeitung der Mutter. In der Charitö- gemeinde werden allwöchentlich Dutzende unehelicher Kinder getauft, die eben erst in der Gebäranstalt der Charits zur Welt ge- kommen sind. Wie vergilt man nun den unverehelichten Müttern die Nach- giebigkeit und Willigkeit, mit der sie auf die Wünsche der Kirche eingehen? Die allermeisten dieser Mädchen haben sicherlich keine Ahnung davon, daß sie mit ihrem außerehelichen„Mutterglück", nachdem sie ihre Kinder haben taufen lassen, der Oefsent« lichieit preisgegeben werden. Ein in Berlin erscheinendes Wochenblättchen, das sich„Evangelisch-Kirchlicher Anzeiger" nennt, veröffentlicht allwöchentlich eine Liste der in den einzelnen Kirchengemeinden vollzogenen Taufen. Mitgeteilt werden da die Namen der Eltern, deren Kinder getauft worden sind. Bei ehelichen Kindern gibt die Liste die Slawen der Väter und ihre Berufe an, bei unehelichen aber nennt sie die Mütter und macht den Zusatz„unverehelicht". Daraus kann dann jeder ersehen, daß die in den betreffenden Kirchengemeinden wohnenden Unverehelichten Müller, Schulze usw. Mütter geworden sind Ist der Name ein oft vorkommender, so kann die unverehelichte Mutter trotz öffentlicher Nennung unerkannt fileiben. Hat sie aber einen seltenen Namzn, dann läßt sich be- sonders in kleinen Gemeinden ohne allzu viel Mühe heranssinden, wer die mit einem unehelichen Kinde„Beglückte" ist. Bei manchen dieser unverehelichten Mütter, die ihre Kinder taufen lasten und dann in die zu veröffentlichende Liste kommen, wird dem etwa von Neu- gier geplagten Leser die Mühe des NachspürenS sogar gänzlich erspart. Während nämlich für die zu den betreffenden Kirchengemeinden gehörenden Eltern der Täuflinge eine An- gäbe der Wohnung in der Liste für nicht nötig gehalten wird und unterbleibt, wird für die in fremden Kirchengemeinden wohnenden Eltern auch die Wohnung hinzugefügt. Das geschieht— eS ist kaum glaublich, aber tatsächlich wahr!— auch bei den Un- verehelichten, wenn sie in fremden Kirchengemeinden ihre Kinder taufen lassen. Da weiß man dann sofort ganz genau, wer die unverehelichte Mutter ist. Bei den in der Charitsgemeinde ge- lausten Kindern handelt eS sich fast ausnahmslos um un- eheliche, deren Mütter in der Gebäranstalt der Chants entbunden haben, aber zu einer andern Kirchengemeinde gehören. Daher sehen wir in den allwöchentlich durch den„Evangelisch-Kirchlichen Anzeiger" veröffentlichten Taufnachrichten aus der Charitö fast bei jedem Namen den Zusatz„unverehelicht" und ebenso fast bei jedem die Angabe der Wohnung. Die Taufnachrichten aus der Charito und ebenso die aus den Kirchengemeinden bringen auch die Namen derjenigen unverehelichten Mütter, die aus Provinzorten nach Berlin gekommen sind, um hier in der Charits oder einer anderen Anstalt oder auch bei Hebammen, bei Ver- wandten oder Bekannten zu entbinden. Auch sie werden, wenn sie ihre Kinder taufen lassen, in den zu veröffentlichenden Listen>nit Name und Wohnung aufgeführt. So manche lln- verehelichte glaubt, in Berlin heiinlich entbinden zu können, und baut darauf, daß von hier aus keine Meldung an die Heimalbehörde gesandt wird. Aber sie läßt sich überreden, daß es„Pflicht" sei, ihr heimlich geborenes Kind taufen zu lassen. Sie ahnt nicht, daß dann ihr Name samt Angabe des in der Provinz liegenden Oertchens, aus dem sie sich für ein paar Wochen nach Berlin geflüchtet hatte, groß und breit in dem fron, men Wochenblättchen ver- öffentlicht wird. Muß nicht diese öffentliche Bekanntgabe wie ein Pranger wirken, an den die unverehelichten Mütter gestellt werden? Gerade in dem Leserkreis, den das der Kirche dienende Blättchen hat, wird den Unverehelichten ihr Mutterglück als„Schande" angerechnet. Von den unverehelichten Müttern, die in die Taufe ihrer Kinder willigen, weiß vielleicht kaum eine, daß jene Liste veröffentlicht wird und in ihr die Unverehelichten gekennzeichnet werden. Welchen Sinn und Zweck mag dieser fromme Brauch haben? Ei» Wasserwerk am Dämeritzsce. Der Bau des Kreiswasscrwcrks am Dämeritzsee, das eine große Anzahl von Gemeinden im Osten des Kreises Nieder- barnim mit Leitungswasser versorgen soll— bisher haben 13 Gemeinden ihren Anschluß erklärt—. macht große Fort- schritte. Das Wasseriverk. das ungefähr 10 Minuten von Hessenwinkel entfernt liegt, beansprucht ein Grundstück von 50 Morgen, von denen 45 Morgen für die Brunnenanlage und 5 Morgen für die Baulichkeiten bestimmt sind. Reserviert ist für eine etwaige Erweiterung noch ein Waldstteifen von 1300 Metern, welcher sich längs der Bahn nach Wilhelms- Hägen hinzieht. Das Wasser wird vorläufig aus acht Tief- brunnen, die eine Tiefe bis zu vierzig Metern haben und von denen einige schon angelegt sind, gezogen. Für den Betneb werden zwei elektrische Zentralen errichtet, von denen eine als Reserveanlage gedacht ist. Die Zuführung des Wassers geschieht durch ein Rohrsystem, das einen Kreislaus ermöglicht und dadurch eine Unterbrechung der Wafferversorgung durch Rohrbruch usw. ausschließt, weil dann die Zuleitung von der anderen Seite erfolgen kann. Die Druckrohre zweigen an der Friedrichs- Hagener Chaussee in der einen Richtung nach Erkner, in der anderen nach Rahnsdorf ab, die Druckverteilung wird von dem auf dem Kranichsberg bei Woltersdorf ernchteten Hochreservoir regnliert. Das Verwaltungs-, Wohn- und Werkstattgebäude ist bereits fertiggestellt; im Bau befindet sich noch die Ent- eisenungsanlage, während für das Maschincnhaus die Fundamcntierungsarbeiten im Gange sind. Die Anlage des Wasserwerkes soll noch in diesem Jahre betriebsfertig werden. Die Druckrohrleitungen werden bereits verlegt, auch die Ver- legung der Verteilungsröhren in den einzelnen Ortschaften soll uoch in diesem Jahre in Angriff genommen werden. Die Arbeiten werden so beschleunigt, daß schon im Mai nächsten Jahres mit der Wasserlieferung gerechnet werden kann. „Die Sozialistische Liedertafel New Aork in Berlin." Die Geueralkommission der Gewerkschaften ersucht uns um Auf- nähme einer Erklärung, der wir folgendes entnehmen: Die Hoffnung, der Genosse JablinowSki würde sich mit einer einmaligen Erklärung begnügen, hat sich nicht erfüllt, und wir be- dauern daher aufrichtig, den Raum des„Vorwärts" wegen dieser Sache noch einmal in Anspruch nehmen zu müssen. I. kommt als Gast in das Berliner Gewerkschaftshaus, stellt hier in einer Kommersrede Behauptungen auf, geeignet, die Arrangeure und Leiter der GomperSversammlung be, den Partei- genossen in Mißachtung zu bringen. Lehnt eS dann aber ab. gegen diejenigen, die seine unrichtige» Behauptungen richtigstellen, zu polemisieren, so lange er Gast in Deutschland ist. Er wartet damit L1/» Monate, bis er den Hafen New Dorks wieder erreicht hat. Und waS ist eS mit dieser Polemik? GomperS soll I. als Krön- zeugen dafür angerufen haben, daß die in die Vereinigten Staaten Einwandernden einen Einfuhrzoll von 25 Dollar zu zahlen haben, also für eine Tatsache, die jedem bekannt ist, der schon etwas von der Einwanderung in die Vereinigten Staaten gehön hat. lind dieser Gompers, dieses kindliche Gemüt, ist der gefährliche Bursche, der parteiverwüstend in den Vereinigten Staaten haust. Im übrigen bestätigt Genosse I. in seiner Zuschrift alles. waS wir in unserer Richtigstellung in Nr. ISS des„Vorwärts" vom 2. August d. I. gesagt haben. Nämlich, daß JablinowSki Gompers entgegentreten wollte, daß auS diesem Grunde die Diskussion, die ursprünglich nicht vorgesehen war, eröffnet wurde, daß I. sich aber nicht zum Wort meldete und vor Schluß der Versammlung ver- schwunden war. Und trotzdem hat er von dem, was er in seiner Rede vom 28. Juli d. I. behauptete, nichts zurückzunehmen I Be- zeichnend für die Art der Poleinik ist der Ilmstand, daß I. den Genossen Scheidemann vor seinen verfahrenen Karren spannen will, anstatt abzuwarten, welches Urteil Sch. nach seiner Rückkehr über gewisse Kreise, die ihre„fruchtbringende" Tätigkeit in den Dienst der amerikanischen Arbeiterbewegung stellen, fällen wird. Kurse für stotternde Kinder. Mit Anfang des Winterhalbjahres hat die Schuldeputation an den folgenden Gemeindeschulen besondere Unterrichtsstunden für stotternde Kinder unter Leitung von Lehrern eingerichtet: An der 6.. IS 23., 25.. 45.. 51.. 52.. 58.. 61.. 82., 113., 151.. 159.. ISS.. 18S.. 192.. 195.. 217., 221.. 252., 292. und an der VI. Hilfsschule. Der Kursus soll in der Regel zwölf Teilnehmer, Knaben und Mädchen, umfassen. Konfirmanden, katholische Kinder, welche wegen Teilnahme am Religionsunterrichte die Kurse nicht regelmäßig besuchen können, sowie Kinder, welche Nebenklassen angehören, sind von der Teilnahme an den Kursen für stotternde Kinder ausgeschlossen. Die Kurse. .welche bis zum Schluß des Winterhalbjahres dauern, werden in täglich je einer Stunde, möglichst der letzten Vormittagsstunde ab- gehalten; nur in Ausnahmefällen darf der Rachmittag gewählt werden. Kinder, bei denen der Zweck des Sonderunterrichts schon früher erreicht ist, können nach dem Schluß des Oktober-Dezember- Vierteljahres aussckeiden. Das Uebungsbuch für Stotterer von Gutzmann- Wende wird. sofern nicht die nötige Anzahl von Exemplaren vorhanden ist, aus begründeten Antrag von der Schuldeputation geliefert werden; desgleichen eine von demselben Verfasser herrührende Anweisung be- treffend die Behandlung stotternder Kinder. Die Uebungsbücher sind nach Beendigung des Kursus von dem Leiter an die Schule, an welcher der Heilkursus stattfindet, zurückzugeben. Die Ordinarien derjenigen Klaffen, aus denen Schüler der Stottererkurse teilnebmen, sind von der Schuldeputanon erneut ersucht worden, wenigstens einmal während des Winterhalbjahres den Stottererlurjus zu be- suchen, um sich von den Fortschritten ihrer Schüler zu überzeugen und gleichzeitig darauf achten zu lernen, wie dem Stottern zu be- gegnen ist._ Verpachtung der Abtei-Insel. Wie wir seinerzeit berichteten, hat die Stadt Neukölln die Abtei-Jnsel erworben. Bis jetzt steht jedoch noch nicht bestimmt fest, was die Stadt mit ihr beginnen will. Da» Abtei-Restaurant soll, wie der Neuköllner Magistrat jetzt amtlich be- kannt gibt, verpachtet werden, und zwar zum Frühjahr 1914. Die Anlagen und Baulichkeiten sollen unter Berücksichtigung der Wünsch« des Pächters instand gesetzt werden. Eine neue Lesehalle für Kinder. Der außerordentliche Zuspruch, dessen sich die am 1. Mai d. I. eröffnete Kinder-Lesehalle, die im Osten der Stadt in der Ehrenbergstraße gelegen ist, erfreut, hat das Kuratorium der Stadtbibliothek und der städtischen Polksbibliotheken und Lesehallen, welches gestern unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Reicks tagte, veranlaßt, die Einrichtung einer weiteren Lesehalle für Kinder zu beschließen. Diese soll in einer Gegend errichtet werden. in der überwiegend Arbeiterbevölkerung sich angefiedelt hat. Die Eröffnung soll im Anfang des nächsten Etatsjahres erfolgen. Ferner sollen mit Rücksicht auf die zunehmende Benutzung der Volksbibliotheken, die jetzt drei Stunden, und zwar von 6—9 Uhr abends geöffnet sind, in Zukunft die 17. Volks- bibliothek in der Esmarchstraße, die 19. Lolksbibliothek in der Sonnenburger Straße, die 24. Volksbibliothek in der Glogauer Straße sechs Stunden— von 3 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends — offen gehalten werden. Die 1. städtische Lesehalle in der Mohrenstraße wird vom 1. April 1914 ab dem Publikum nicht nur in den Abendstunden von 6—9 Uhr zur Benutzung offen stehen, sondern von diesem Zeitpunkt ab auch mittags von 12—3 Uhr. Ter Eisenbahnfiskus mutz zahlen. Der Bezirksausschuß zu Potsdam hat in seiner letzten Sitzung den Eisenbahnfiskus, vertreten durch die Eisenbahndirektion Berlin. dazu verurteilt, an die Gemeinde Berlin-Friedrichsfelde eine Grund- wertstcuer in Höhe von 63 440 M. zu zahlen. Die Eisenbahnver- waltung hatte im vorigen Jahre in Friedrichsfelde drei Terrains er- warben und war für den Rest des Jahres zur Grundwertsteuer in der angegebenen Höhe veranlagt worden, die dann auf Einspruch der Eisenbahndireklion ermäßigt wurde. Der EisenbahnfiSkuS beanspruchte aber mit der Begründung, daß die erworbenen Grund- stücke dem öffentlichen Interesse dienten, gänzliche Freistellung von der Steuer. Der Gemeindevorstand von Friedrichsfelde lehnte dies ab. weil erst dann eine Freistellung zu erfolgen habe, wenn die Grundstücke tatsächlich für die bestimmten Zwecke gebraucht würden. Der Eisenbahnfiskus strengte darauf die Klage an. Diese wurde jedoch vom Kreisausschuß des Kreises Niederbarnim abgewiesen und der Bezirksausschuß zu Potsdam bestätigte diese Entscheidung. In der mündlichen Verhandlung wie? der Vertreter der Eisenbahn- direktion auf eine Entscheidung deS Oberverwaltungsgettchts hin, wonach bei einem postalischen Gebäude, das teils für den Dienst, teils zu Privalzweckeu verwendet wurde, sofort vom Tage der Er- Werbung ab aus Freistellung von der Grundsteuer erlannt worden ist. Der Potsdamer BezirkSausichuß schloß sich auch diesmal dem Urteil des KreisauSichusseS an und verurteilte den EisenbahnfiSkuS zur Zahlung der Grundsteuer._ Em Straßcnbahnimfall ereignete sich an» Mittle ochabend gegen '/,S Uhr. An der Ecke der Dorothecn- und Friedrichstraße wollte ein Herr Rudolf Pischotta kurz vor einem Straßenbahnwagen der Linie T das Gleis überschreiten; er wurde jedoch umgestoßen, geriet unter den Vorderperron und erlitt eine Ouetschung der Brust sowie einen Rippenbruch. Der Verunglückte fand in der Charits Aufnahme.• Ter Aufsichtsbeamtc mit der Aktenmappe. Ein Hoteldieb, dessen Streiche in einem Hotel vor einem halben Jahre Aussehen erregten, stand gestern in Moabit vor dem Straf- lichter. Am 11. Februar d. I. wurde einer Dame, die mit ihrem Sohne und ihrer Kammerzofe in einem der vornehmsten Hotel» wohnte, eine Brillantbrosche im Werte von über 29n Leidig zu starker Tobak. Cr wandte sich gegen die freie Arztwahl, ver» sicherte dem Dr. Edel, daß die Landkrankenkasse auf jeden Fall Aerzte bekommen werde und bedeutete ihm, daß die Aerzte ihre Wünsche etwas zurückschrauben müßten, denn in Geldfragen höre die Gemütlichkeit auf. Die Borlage wurde schließlich einem neun- gliedrigen Ausschuß überwiesen. Hier dürste schon dafür gesorgt werden, daß die vom Magisttat vorgesehenen Mehrleistungen auS dem Statut verschwinden. Schöneberg. Ein schwerer Automobilunfall hat sich am Mittwoch an der Ecke Haupt- und Kaiser-Friedrich-Straße zugetragen. SlS nachmittags gegen 4 Uhr der ISjährige Musiker Gerhard Nisch den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde er von einem Herannabenden Privat- automobil umgestoßen und überfahren. Der Verunglückte erlitt eine Gehirnerschütterung und eine erhebliche Ouetschung beider Knie und mutzte nach dem städtischen Krankenhause geschafft werden. Neukölln. Am Sonntag, den 19. Oktober, fällt die Spielpartie auS. Am Mittwoch, den 22. Oltober, nachmittags 5 Uhr, finden Märchenvor- lesungen in den beiden Jugendheimen, Jdealpassage und Nogatstr. 15, statt. Der Eintritt ist frei. Britz-Buckow. In der Generalversammlung des Wahlvereins referierte Genosse Farwig über das Thema:„Warum mutz der Arbeiter sich mit Ge- schichte befassen?" Die Anwesenden folgten dem interestanten Referat mit regem Interesse, was auch die Diskussion bewiet. Als- dann nahmen die Versammelten den Bericht des Vorstands entgegen. Die Mitgliederzahl des Wahlvereins sowie die Zahl der.Vorwärts"- abonnenten hat zugenommen.— Bei den Berichten der einzelnen Kommissionen war besonders bemerkenswert, daß unser Gemeinde« Vertreter in Buckow an zwei Sitzungen der Gemeinde im ab- gelaufenen Ouartal teilzunehmen hatte, daß hingegen in dem viel größeren Ort Britz seit langem keine Gemeindesitzung stattgefunden hat.— Die Sammlung sür die Ferienspiele der Kinder hatte 128,60 M. erbracht, die dem Sammlungszweck entsprechend verwendet wurden. Es wurde alsdann noch mitgeteilt, daß am Mittwoch, dem 22. d. M., im Lokal von Raddatz eine öffentliche Versammlung stattfindet. Thema: A r b e rt s l o s e n f ü r s o r g e. Referent Stadtverordneter Wntzky. Neu-Zittau(Kreis Beeskow). Aus der Gemeindevertretung. Der Gemeindevorsteher teilte zu« nächst mit, daß der Töpfermeister Müller wegen einer Restforderung vom SckrnlhauSbau den Klageweg gegen die Gemeinde beschritten habe. Der Bahnbau Neu« Zittau— Erkner hat die Sächsisch» Thü- ringische Bahnbau° Gesellschaft veranlaßt, den Gemeinden Wolters- dorf, Rüdersdorf, Erlner, Neu-Zittau, Gosen, Köpenick da? Projekt einer gleislosen Bahn, Autobus mit Oberleitung, zu unterbreiten; anscheinend stellt sich das Projekt sehr günstig, da nur von der Ge« meinde Neu- Zittau 613 M. jährliche Verzinsung des Anlagekapitals gefordert werden. Es wurde beschlossen, näheres mit den Nachbar- genieinden zu vereinbaren. Bei Punkt Umwandlung der Gemeinde- Krankenkasse nach der Versicherungsordnung schlug der Schöffe Borchhardt vor, die vorhandenen Barmittel der Kasse zu wohltätigen Zwecke zu verwenden. Den Vertreter Tischlermeister Gruschke brachte der gutgemeinte Vorschlag so in Harnisch, daß er drohte, bis an das Ministerium zu gehen, falls so verfahren würde. Vom Kriegerverein. und anderen bürgerlichen Vereinen war bean- tragt, 60 M. als Beigabe zur Feier der Völkerschlacht_ bei Leipzig zu bewilligen. Die Genosien Schulz und Wizorick wandten sich gegen eine derarlige Ausgabe; Genosse Petter hielt den bürgerlichen Ver- tretern vor, daß im Winter der Antrag des Genossen Schulz, Kindern, welche mittags nicht zu Tisch geben können, einen Becher warme Milch zu liefern, wegen Mangel an Mitteln abgelehnt worden sei, hier aber sei mit einmal Geld vorhanden. Trotzdem wurde der Antrag gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Röntgental, Zepernick, Buch. I« der Generalversammlung dcs Wahlvereins erstattete Genosse Schwarzburger, Ober-Schöireweide, den Bericht vom Parteitag in Jena. Redner erörterte iw eingehender Weise die ein, einen Purche� seine Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Diskussion schloß sich dem Referat nicht an. Aus dem Halbjahresberichl war folgendes zu entnehmen: Einnahmen und Kassenbestand vom vergangenen Halb- jähr 388,93 M.; Ausgaben 241,86 M. Die Zahl der Mitglieder ist erheblich gestiegen, namentlich sind für Buch und Röntgental gute Fortschritte zu verzeichnen. Dagegen ist die Zahl der.Vorwärts'- leser zurückgegangen. Hier sollte zur Werbung neuer Abonnenten eine tatkräfttge Agitation entfallet werden. Die Zahl der Leser der .Arbeiterjugend" rst von 52 auf 84 Abonnenten gestiegen. Sitzungstage von Stadt« und Gemeindevertretungen. Glienicke(Nordbahn). Heute Freitag, abends 7 Uhr, im Gemeinde. bureau, Hauptstr. IL. Diese Sitzungen find össeMU«. Jeder Gemeindeangehirig« t> be- rechtigt. ihnen als Zuhörer bcizuwohuc«. Spiel und Sport. Wanderer. Arbetter-Touriftenvereiu„Die Naturfreunde«. Ortsgruppe Berlin. Infolge der am Sonntag, den 19. Oktober, stattfindenden Volksoersamm- lungen fallen sämtliche für diesen Tag angesetzten Veranstalwngen au». Arbeiter-Wanderverein Berlin. Anläßlich der am Sonntag, de» 19. Oktober, stattfindenden Versammlungen sällt die Tour Hermsdors— Zepernick aus. Ardeiter-Wanderbnnd.Die Naturfreunde«, vrtsgruppt verlin. Am Sonntag, den 19. Oktober, sollen die im Tourenprogramm sestgesetzten Wanderungen tnsolge der Mafienversammlungen au«. Der Deutsche Arbelter-Wanderbund.Die Natursreunde« hat sür Neu- k ö l l n eine selbständig« Ortsgruppe gegründet. Der Bund zählt bereits am Orte 120 Mitglieder. Radfahrer. Arbeite«> Radfahrerbnnd.Solidarität«. Ortsgruppe Berlin. Sämtliche Touren am Sonntag, den 19. Oktober, sallen wegen der Protest- Versammlungen aus. Für die Ortsgruppen der Bezirke 2 und 21 sallen gleichfall» alle Touren am 19. Oktober aus. Die Genossen werben ersucht, an der zunächst ge- legenen Protestversammlung teilzunehmen. Ortsgruppe Ober-Schänewetde. Sonntag, den IT Dftaber. früh 8 Uhr, nach WaidinannSluft. Start: Restaurant Schüppler, Giemen»- swape 28. Ortsgruppe L i ch t e r s e l de. Donntag. den 19. Oktober, srtth 7 Uhr: P s I i ch t t o u r(Kalenderverbreitung). Start bei LenSki. Rege VeteMgung erwünscht. Arbeiter-Radfahrervcrei» Grofi-Berlin. Die Frühtouren fallen auS. NachmittagStomen finden erst nach den Versammlungen flatt. Turner. Ober-Tchöneweide. Sonntag, den 19. Oktober, nachmittag» 3 Uhr, findet aus dem Spielplatz de» Turnvereins Oberspree(hinter Villa Weißenburg) ein Fußballspiel der ersten Mannschaften de» Sportklubs Oberspree(Abteilung des Turnvereins Oberspree) gegen de» Arbeiter- Turnverein AdlerShos statt. Freunde und Anhänger d«S FußballsportS find dazu eingeladen. Die Freie Durnerschaft Neukölln-Britz veranstaltet am Sonntag. den 19. Oltober, nachmittags i'l, Uhr, in A. Bartschs Festsälen, Hermann- sttaße 49, ein Schauturnen der Männer« Abteilungen. Nach deni Turnen Kommers und Ball. Freunde und Gönner der Turnerei sind freundlichst eingeladen. Eintritt gegen Programmcntnahme 10 Pf. Bezirks-Ferienspiele 1. Kreis X. Bezirk. Fauftball: Bernau— Pankow.... 87: 97 Borsigwalde— Schönholz.. 67: 55 Betten— Reinickendorf... 85:86 Tegel— Wittenau..... 69:40 llXSO'o Meter- Stafette: Bernau— Pankow l Velten— Reinickendorf 68 Sekunden: 72 Sekunden| 30 Ret«» guriM; 70 Sekunde» Fußball. Märkische Tpielvereinigung. Am kommenden Sonntag finden folgende Spiele statt: Fichte 3— Vorwärts(Friedrichshagen) in Weitzensee, Rennbahnstr. 40; Fichte 17— Borussia in Reinickendors, Rülli-, Ecke Brienzer Straße; Fichte 12— Viktoria in Pankow, Kisstngenstraße; Reinickendoiler Ballspielklub— Verein sür Bewegungsspiele in Rcinickendors, Schillerprome- nade; Schönederg— Allemania in Mariendorf, Bessemerstraße beim Fried- Hof; Charlottenburg— Liberias in Charlottenburg, BundeSallee, Ecke Reich- st ratze, Di« Spiele beginnen um'/,4 Uhr. » Arbeiter-Tamariterbund. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8>/, Uhr): Berlin. In der S. Abteilung findet der Lehrabend sür Montag, den 20., am Dienstag, den LI. Oktober, ini Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichftr. 35, statt. Berlin. 8. Abt. Donnerstag, 28. Okt., Schöne! erg, Vorbergstr. S, Restaurant Haendel. Berlin, 4. Abt. Donnerstag, 23. Okt., Lichtenberg, Scharnweber- stratze SO, bei Pickenhagen. Berlin, S. Abt. Freitag, 17. Okt., Neukölln, Jdealkasino, Seichselstr. 8. Köpenick. Dienstag, 21. Okt., Schönerlinder Str. S, bei Stippekohl. FriedrichShagen. Donnerstag, 23. Okt., Friedrichftr. SO, 2. Haf, parterre. N o w a w« S. Montag, 20. Oktober, Wilhelm-, Ecke Friedrichstratze, bei Schmidt. N o w a w«»(Abt. Potsdam). Mittwoch, 22. Oktober, Kaiser- Wilhelm-Stratze, bei Glaser. Ober-Schöneweid«. Montag, 20. Oktober, Siemensstr. IL, bei Schu'z. Spandau. Mittwoch, 22. Oktober, Pichelsdorfer Stratze 5, bei Tanneoeri._ Hu9 aller Melt. Zum Chttergang des„Voltumo". Der mit dem.Großen Kurfürst'' in New gor! mit 104 Ueber- levenden angekommene dritte Offizier des.Volturno", Diffelmann, gab über da» Unglück auf dem„Volturno" folgenden Bericht: Die Ursache de» Feuer» sei eine Explosion de» Oelbehälter» oder von Chemikalien im Vorderteil de» Schiffe» gewesen. Der»Volturno" erfuhr eine Erschütterung, als wenn er von einem schweren Geschoß getroffen sei. Fast unmittelbar darauf explodierten in schneller Aufeinanderfolge andere Behälter, so daß man den Eindruck einer heftigen Kanonade halte. AI» Diffelmann den Paffagieren mitteilte, daß die.Carmania' heran- komme, fielen viele auf die Knie. Die Panik, die bis dahin be- standen hatte, hörte auf. Niemand habe an die 80 oder 90 Zwischendeckpassagiere in Raum I gedacht. Viele dieser Leute seien von den Flammen abgeschnitten worden. Als fich die Flammen etwa» legten, versuchte Kapitän Jnch in da» Mann- schaftSquartier einzudringen. Im Gange habe er drei Leichen von Matrosen gefunden, die den Flammentod erlitten hätten. « Wie au» London berichtet wird, hat»ine Versammlung der Union der Matrosen und Heizer einstimmig beschloffen, auf Frachtdampfern für große Fahrt nach dem 1. Mai nicht mehr anzuheuern, wenn sie nicht mit einer leistungS« fähigen Einrichtung für drahtlose Telegraphie versehen wären._ Zeichen der Zeit. Die schlechte Konjunttur auf dem ArbeitSmarkte tritt auch in der Häufung der Verzweiflungsakte deutlich in die Erscheinung. Not und Elend bat auch in Bochum am Donnerstag zu einem furchtbaren Familiendrama geführt. Dort hat der Arbeiter C h r i st i a n, der durch einen Unfall arbeitsunfähig geworden war, auS Verzweiflung über fein Mißgeschick seine Frau mit einem Messer nieder- gestochen und ihr dann den Schädel zertrümmert. Das gleiche Schicksal bereitete Christian auch seinem Kinde. Nach der unseligen Tat schnitt sich der Mann an beiden Händen die Pulsadern durch und schleppte sich auf die Polizei, wo er bewußtlos zu Boden sank. Christian wurde in ein Krankenhaus gebracht. Das Eisenbahnunglück in Liverpool. Bei dem Zugzusammenstoß auf dem Bahnhof Liverpool wurden nach den amtlichen Ermittelungen sechs Passagiere getötet und 23 Personen verletzt. Einige der Verletzten liegen so schwer danieder, daß ihr Ableben stündlich zu erwarten ist. Unter den Verwundeten befinden sich auch verschiedene Deutsche. Die amt« liche Liste führt als Verletzte auf: Jakob Mietz au» Hamburg, Kurt M i t t e l st e i n aus Hamburg, zwei Schwestern K u n i s ch aus Preußisch-Oderberg, Bruno B o i s ch n i k aus Myslowitz, Fräulein L e v i n aus Bremen und ein gewiffer R ü g e r aus Dresden. Kleine Notizen. Bon einem Einbrecher erschossen. In der Nacht zum Donnerstag wurde im Bornaer Bezirk in Leipzig der 18 jahrige galizifche Arbeiter K o r c a c a bei einem Einbruch in einem Eisenwarengeschäft von zwei Schutzleuten überrascht. Auf der Flucht feuerte er auf die ihn verfolgenden Beamten drei Revolverschüsse ab, von denen der eine den 45 Jahre alten Nachtschutzmann Roscher tötete. Aufsehenerregende Verhaftungen in Wien. Am Donnerstag früh wurden der Direktor der Wiener Filiale der Canadian Pacific Eisen- bahn, Samuel A l t m a n n, der Inspektor David K a p e l l e r. der Angestellte David Fischer und ein Privatmann PinkuS Kapeller auf Veranlassung der Lemberger Staatsanwaltschaft wegen Ver- leitung zur Auswanderung von Militärpflichtigen verhaftet. Auftreten der Lungcnpest. Aus dem russischen Flecken N o w o- petrowsk sind fünf Erkrankungen gemeldet worden, bei denen der Verdacht der Lungenpest vorliegt. Drei der Erkrankten sind am selben Tage ge starben. Slllgemeine Kranken, und Sterbekasse der Metallarbeiter. (B. a. G.) zu Hamburg. Filiale Berlin 11. Sonnabend, den 18. Oktober, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung in der Zahlstelle Lützowstr. 7._______ Eingegangene Druchlchrift«». Von der»Neuen Zett� ist soeben das 3. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Jnhall de« Heftes heben wir hervor: Der Tag von Leipzig. Von Hermann Wendel.— In Erwartung der italienijcheu Parlamentswablen. Von Oda Olberg(Rom).— Die Arbeitslol-nversiche- rung in Großbritannien. Von I. Sachse(London).— SyndikaliM'che Wandlungen. Von Joieph Si-mer(Paris).— Die Aussperrung in Hagen ILIO und die Unorganifieiten. Von Georg Fey(Hagen t. Wests.). Di»»Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. bandlungen, Postanstallen und Kolporteure zum Preise von. 3,2» M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest tostet LS Pf. Von der..Gletchbeit«. Zeitschrift für die Interessen der Arbeilerinnen, ist uns soeben Nr. 2 de» 24. Jahrgang» zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Für die Arbeitslosen.— Die Täligtcit der Frau in der Gemeinde. VII l. Bon Anna BloS.— Wilhelm Gewehr f. — Eine Ursache de« Geburtenrückganges. III. Von Heinrich Vogel.— Ein Appell an die Arbeltermütter. Von D.— Ein erfolgreicher Arbeiterinnen- lamps in Nürnberg. Von R. H. Die.Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer kO Vf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Ps. JahreSabonnemenI 2.60 M. Vom»Wahren Jacob' ist soeben die 22. Nummer deS 30. Jahr- ganges erschienen und bringt u. a. ein Bild des verstorbenen Parteigenossen Edmund Buchwald, der den Wahlkreis Sachsen-Mtenburg kurze Zeit im Deutschen Reichstag vertrat. Der Preis der Nuinmer ist 10 Pf. Probenummern find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Brnfkalten der Redahtiov». S''artfttfdit evteaitatibt linde» Lindenaratze 69, dorn vier Xnvpen — F a v i t a v l—, woqenlSgtta, von«r, dt» Übe adend»,«onnadeadd. von iVj bis 6 Uhr abend» ftatt. Jeder»kr den vrirflaftea desilmmten Anfrag« ist ein Buchhade und eine Zahl als Mertjelcheo deiznwgen. BricNiche Antwori wird nichi erteilt Anfragen, denen tetne AdonncmeniSnulltnng deigefdg» ttt. »erden nicht brantwortrt. Eilige Fragen trage mau tu»er«vrechftnnde aar. R. 22. Ein Kaufvertrag mit daran schließendem Leihverlrag ist zu- lässig. Dieser Vertrag kann von den Parteien ohne Hinzuziehung eines Anwalts gemacht werden, bedarf aber gehöriger Form, so daß die Jn> anspruchnabme eines Anwalts zweckmäßig erscheint.— St. S. 44. l. Das ist zweckmäßig 2. Privaischristlicher Vertrag genügt, fall« es fich nicht etwa um ein Grundstück handelt. 3. Etwa 10 M.— S. 90. t. Dauert bis zur Ableistung deS Offenbarungseides. 2. Es kann beim Vollstreckungs« gerichi ein Beschlun beantragt werden, wonach der Schuldner auch außer- halb seiner Wohnung, eventuell' auch zur Nachtzeit verkästet werden kann. —®. W. 34. 1. Ja. beim Standesami, wo der Geburtssall gemeldet ist. 2. Der Erzeuger bleibt weiter zahlungspflichtig. 3. Der frühere Vor- mund. Es kann jedoch der Antrag gestellt werden, daß die Vormund- schast ans den Ehemann übertragen wird.- N. 1. Der Antrag hat keine Aussicht aus Erfolg. wenn er vor Abiaus eines Jahres nach dem Unfall gestellt wird. 2. und 3. Nach dem 24. Avril nächsten Jabres in Höhe von 733 Mark.— A. I 99. Nein. — Brüder Neukölln. 1. Tragen Sie im Termin dem Richter den Sach- verhalt vor. Falls Ihre Sach darstell ung bewiesen werden kann, tonnen Sie unseres Erachtens nicht zur Räumung verurtellt werden. 2 Ja, sosern Ihre Bebauvtung beweisbar ist. Das Gericht fordert einen Kostenvorichntz von 11,S0 M. ein.— A. P. 100. Ersuchen Sie das BormundlchaslS- gerichi, daß eS den Vormund zu dem Vorgeben veranlaßt. Die Armen- Verwaltung würde nur dann vorgehen wenn sür daS Kind auS öffentlichen Mitteln Sirmenunterstützung bezogen ist. Die Auskunft des Vormundes, daß Sie fünf Jahre am Orte wohnen müssen, bevor Arminunterstützung dafür, daß daS Geld aus Ihrem Arbeitsverdienst stammt. 2. U. E. nein. — Svartn. Der freihändige Verkaus ist nicht zulässig, jedoch kann die Versteigerung durch einen Gerichtsvollzieher ersolaen. nachdem diese vorher dem Schuldner unter Setzung einer Frist zur Einlösung des Pfandes an- gedroht ist.— G. O.«2. Ja, dem Magistrat.— E. 24. 1. Die Kinde»« mutler kann beim VormundschastSgericht einen Antrag stellen, daß die not» wendige Einwilligung durch das VorrnundschaslSgericht ersetzt wird. 2. Eine Aussteuer unter Berücksichtigung der Einkommens- und BermögenS» verhöliniffc der Eltern und des«tandeS des Bräutigams.— O. R. Ja. B. M. 216. Zentrale für Auswanderer, Berlin 33., Karlsbad 9 10, — Wette 65. Ja.— Paul 100. Wir kennen den Mann nicht, ichreiben Sie doch noch mal wegen der Sache.— Wilhelm Schaff 99. Ein deutlches Wort.— W. Sch. 0. Ist ausführlich in der Nr. 259 vom 4. Oktober angegeben.— E. 84. l. Um Auskunst ersuchen Sie den Bruder H. J., Kursürstenstr. 119. 2. Ersatzbescheinigung müssen Sie bei ! der Landesverficherung beantragen.— A. R. 101. Im städtischen Krankenhaus Turmstraß« und Virchow-KrankenbauS. Sch: istlicher Antrag oder persönliche Vorstellung bei den Direktoren.— Otto Schulz. Es annoncieren Aerzte, die Tätowierungen entfernen.— M. B. 28. l. 1891/92. 2. Die Wasserwerke besteben seil 1856.— E. 36. Die Herstellungsdauer hängt ab von der Leistungsfähigkeit der Druckerei, die den Austrag auSsührt, mindestens aber eine Woche. Broschiert 525—657 M., je nach dem Lokalzuschlage, den der betreffende Druckort zadlt.— Pape. Spieisragen cnticheiden wir nicht.— M. W. 100, 1. Die Mildeitelle ist daS Landwrdrbezirlskommando w Schöneberg. 2. Nicht verständlich. — R. U. 100. Nur im Rahmen deS tz 850 Abs. 4 der Z.- v.-O. Danach müssen, da eS sich anscheinend um die UnterbaUSforderung eines unehelichen KindcS handelt, dem Schuldner die zur Bestreitung seines notdürftigen : Unterhalts und zur Eriüllnna der Ihm seinen Verwandten und seiner 1 Familie gegenüber gesetzlich oblieaenden Unterhaltspflicht erforderlichen Be« � züg« sreigelaffen werden.— O. G. 88. Der Abzug ist zulässig.— in einem vorgeschriltenen Silier ist. Erkundigen Sie fich bei der Polizei- behörde.— E. St.. 1879. Di« Steuer ist ohne Rückficht aus daS Alter Einkommen vorhanden ist, was bei zu zahlen, sofern das steuervstn._ 25 M. Wochenlobn der Fall ist.— M. S. 21. Leider ist das Vorgeben der Fürsorgebehörde nach der bestehenden Rechtsprechung zulässig. Ein rechllicher Anspruch aus Auszahlung besteht nicht.— D. N. 21. 1.-sie baben Anspruch aus Zahlung der vereinbarten Entschädigung sür noch ein« Woche, müssen sich jedoch den Wert sür die Kosten kürzen lassen. 2. So- weit Ihre Darstellung erkennen läßt, haben Sie keinen Anspruch auf Her- ausgäbe der Uhr. Dieser Anspruch steht dem AbzahIungSgeichast zu.— V. W.. Frtedelftraffe. Falls der Wirt derartige Auslagen in genannter >öhe nachweisen kann, kann er mit diesen gegen den Ihnen zustehenden atzanspruch ausrechnen.— B. 9. 1. Einen Monat nach Zustellung de» Urteils; es liegt also zweisellos RechtSkrast bereits vor. 2. Drei Monate vom Eintritt der Rechtskrast ab gerewnet. 3. Rur dann zulässig, wenn die Ehe wegen des Ehebruchs geschieden ist. Wir raten von Stellung eines StrasantrageS ab.— K. 60. Ihr Mann würde sür Schulden, die zum Zwecke der Deckung des Unterhalts in der Zeit etwaiger Erwerbslosigkeit gemacht sind, haften.— X. Ja. — G. 3. 9991. Sic bleiben noch sür da» lausende und kommende Kalenderjahr steuerpflichtig. 2. Ja. losern die Besteuerung zur HSiste ver- mieden werden soll. 3. Das liegt an dem betreffenden Psarrer.— H. G. 22. Wenden Sie sich an das Wohnungsamt in Eharlottenburg.— Bor- wärt» 100. 1. Das ist zulässig. Sichern Sie fich aber Beweismittel Morttpretke von Berlin am 16. Oktober 1913, nach Ermittelungen deS kgt. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,40—16,80. mittel 00,00— 00,00. geringe 00,00— 00,00. Mais»runder), gute Sorte 14,30—14,80. Richtstroh 4,80—5,20. Heu 6,00-7,60. Martthallenvreit«. 100 KUogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— bO.OO. Sveisebobnen, weiße 36,00—60,00. Linien 36,00—70,00. Kartoffeln(Kleinddl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.70—2.40. Rindfleisch, Bauchsteilch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelsteiich 1,60—2,40. Butter 2,40—3,00. 80 Stück Eier 4,20—6.50. 1 Kilogramm Karoten 1,20—2,40. Aale 1.40— 3,00. Zander 1.40—3,20. Hecht- 1.29—2,80.«arlche 0,80-2,40. Schleie 1,60—8,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebie 1,00—40,00. WasserftandS-Naetirichten der Landesanstall kür Gewäsierkunde. mUgetelll vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memet, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thoru Oder. Ziatibor » Krassen , Frankfurt Warthe, schrimm » Landsberg Netz«, Bordamm Elbe, Leitmerttz » Dresden » Bardo . Magdeburg •) 4- bedeutet«uch».— Fall.—•) Untervegel. < Möbel> Komplette is-iiii sowie einzelne Mfibel In gpoesep Auswahl auf S Kredit 3E Kl«ln» Anz«til|., gwlns« Abuhlg. iEv, ohne Anzahlung. Portleren, Cardinen Tlaehdecken, Steopdeoken, Tepplena, Leib- und BettwSache, Betten, Caakronan, Herren- und Damen- Garderobe. Postkai te oder Besuch erbeten. . 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In den Ausschuß für die Vorlage betr. den Vorcntwurf zum Neubau einer Heil- und Pflegestätte in Buch sind auch die Stadtvv. Ewald, Mann, Koblenzer und Dr. Wehl(Soz.) gewählt worden; der letztere ist zugleich stellv. Vorsitzender des Ausschusses. Der bisherige Stadtv. Grunwald tSoz.) hat wegen Ver- zugs in einen Vorort die Niederlegung seines Mandats angezeigt. Am 12. Juni cr. überwies die Versammlung den Antrag »rons(Soz.) »Tie Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu er- suchen; die Benutzung der städtischen Turnhallen den Jugend- abtcilungen des Turnvereins„Fichte" auch fernerhin zu iibcrlalscn oder dem Turnverein„Fichte" Räume zur Verfügung zu stellen, auf deren Benutzung dem Provinzialschulkollegium eine Einwirkung nicht zusteht, einem Ausschusse zur Vorberatung. Dieser Ausschuß hat am 30. September getagt und den Antrag in beiden Teilen mit allen gegen 6 Stimmen abgelehnt. Von feiten des Magistrats ist gellend gemacht worden, daß man die Frage lediglich vom Standpunkt der UnterrichtSdiSziplin zu beurteilen habe, und unter. Hinweis auf die veränoerte Stellungnahme des Zieichsgerichls, wie sie sich in dem Beschluß vom 7. Dezember 1912 dokumentiere, die Auffassung vertreten worden, daß die Stadtverwaltung beim Fehlen des Unterrichtscrlaubnis schein es(«taatsministerial- instruktion vom 31. Dezember 1839) einen derartigen Privat- Unterricht weiterhin nicht dulden könne; dabei mache es keinen Unterschied, ob es sich um»Unterricht" ooer um..Uedungen" handle. Diesen Darlegungen pflichtete die Ausschußmehrheit im loesent- lichcn bei und lehnte es auch ab, auf den Boden eines Zusatz- antrages zu treten, wonach zunächst die Entscheidung des Staats- Ministeriums über die vom Turnverein„Fichte" eingelcgre Be- schwerde abgewartet iverden, bis dahin aber oie Ueberlassung der Schulturnhallen weiter stattfinden solle. Der Referent des Ausschusses, Stadtv. G a l l a n d(A. L.), gibt nach einem Rückblick auf die Vorgeschichte der Angelegenheit eine Darstellung der Rechtslage, wie sie sich seit Dezember 1912 gestaltet hat. Die Reichsgerichtsentscheidung sei maßgebend und ihr habe sich auch oie Stadt Berlin zu fügen. Stadtv. Stadthagcn sSoz.): Jni Gegensatz zu dem Antrage des Ausschusses bitten wir Sie, unseren Zlntrag in der erweiterten Fassung anzunehmen, die er von den Antragstellern im Ausschusse erhalten hat. Der Verein hat auf die Entscheidung des Ministers über die eingereichte Beschwerde bis jetzt vergeblich gewartet. Daß der Minister nicht antwortet, dafür kann doch oer Turnverein nicht. Der Magistrat Hai eine Verlängerung der dem Verein gestellten Frist über den 1. Oktober hinaus abgelehnt; da der Turnverein den Minister nicht zwingen kann, Antwort zu geben, so muß doch, wenn man nicht in Höchstem Grade inkonseguent sein will, die Frist verlängert werden, bis die Entscheidung oes Ministers da ist. Es handelt sich hier um ein ausnahmerechtliches, ver- fassungs- und gesetzwidriges Vorgehen gegen den Turnverein„Fichte". Gewiß ist der Magistrat dabei„geschoben" worden; aber er ist im Irrtum, wenn er glaubt, durch das Gesetz oder durch die Reichsgerichtsentscheioung zu seinem Vorgehen gc- zwungen zu sein. Tie Ministerialinstruktion stammt aus einer Zeit, wo das Turnen überhaupt untersagt und der Turnvater Jahn des Hochverrats angeklagt war, weit cr„die höchst gefährliche Lehre von der Einheit Teutschlands" predigte. In der Entschchdung der vereinigten Strafsenate steht kein Wort von Turnunterricht; der Turnunterricht würde schon übrigens deshalb nicht unter jene Verordnung fallen, weil damals das Turnen als staatsgcfährlich überhaupt verboten war. ES ist doch ganz unmöglich, heute in so reaktionärem Sinne zu verfahren, ohne sich selbst ins Gesicht zu schlagen. Es ist ja auch jenen Turnlehrern des Vereins, welche den Erlaubnisschein besitzen, untersagt worden, in dem Verein zu unterrichten, der klarste Beweis, daß es sich um eine rein politische M a ß n a h me und folgcricküig um einen Bruck, der Verfassung handelt. Wenn die Ausschußmehrhcit meint, sie könne nickit annehmen, daß das Ministerium anders entscheiden werde, so stellt sie damit doch dem Ministerium ein Mißtrauensvotum aus, zu dem ich mich vorläufig noch nicht entschließen möchte; es spricht daraus ein ganz übermäßiger Mangel an Zuversicht. Das Statut des Vereins enthält kein Wort von„Turn Unterricht"; Unterricht uno Uedungen sind etwas grundverschiedenes; was be- rcchtigt den Magistrat, hier ohne weiteres„Turnunterricht" an- zunehmen? Erzieherische Tätigkeit liegt dem Verein völlig fern; cr übt nur, er gibt nur Gelegenheit zum Turnen auf volksmäßiger Grundlage. Ich muß die Zuversicht haben, daß der Minister noch aus dem Grunde der Beschwerde des Vereins stattgeben wird, weil in§ 4 der Stäoteordnung ausdrücklich gesagt ist, daß alle Ver- anstaltungen der Stadt allen Bürgern ohne Unterschied, also auch ohne Unterschied der politischen Richtung, zugänglich sind. Deswegen mutzte doch auch der Magistrat warten, bis der Minister beziehungsweise daS StaatSminifterium seine Entscheidung gefällt bat. Viel schlimmer aber finde ich den Ein- griff in d i e S e l b st v e r w a l t u n g, der hier begangen worden ist. Unsere Nachbargcmeinde Schöneberg ist längst in dem Sinne des zweiten Teils unseres Antrages vorgegangen, ohne daß bis jetzt etwas dagegen geschehen wäre. Warum soll Berlin nicht ähnlich vorgehen, warum will es diesen Schlag einfach hinnehmen? Wie kann man eine Jahrhundertfeier der Völkerbefreiung begehen und gleichzeitig die schmachvollen Karlsbader Beschlüsse durch ein solches Verhalten nachträglich sanktionieren? Den Antrag, daß die Stadtverwaltung wenigstens eigene Räume zur Verfügung stellt, die dem Einfluß der Schulaufsichtsbehörde entzogen sind, kann ein wirklich Liberaler nicht ablehnen, wenn cr sich nicht der Drangsalierung aus politischer Verfolgungssucht mitschuldig machen will. Es sind bei den Uebeungen Ordner, Leiter da, aber nicht Lehrer. Unzweifelhaft haben die Mitglieder des Turnvereins „Fichte" das Recht, sich durch Turnübungen zu betätigen, und dieses Recht soll ihnen genommen werden! Weisen Sie diese ungesetz. liche Zumutung der Reaktion zurück, indem Sie wenigstens den zweiten Teil des Antrages annehmen I sBeifall.) Die Verhandlung wirb hier /Unterbrochen und in gemein s a m e r Sitzung der beiden städtischen Behörden unter Vorsitz des Oberbürgermeisters W e r m u t h in die Versammlung des Zweck. Verbandes Groß-Berlin an Stelle des verstorbenen Stadtv. Kyllmann der Stadv. Dyhrenfurth gewählt. Darauf wird in der unterbrochenen Verhandlung fortgefahren. Stadtrat Hirsekorn: Ein Anspruch darauf, daß dem Turn verein„Fichte" die städtischen Turnhallen überhaupt gesperrt werden sollen, ist von der Regierung nicht erhoben worden, die Männer und Frauenabteilung desselben können ungehindert weiter in unfern Turnhallen turnen. Es handelt sich um eine rein unter richtliche Frage. Auch die neue Entscheidung des Reichsgerichts betrifft den Turnunterricht bei Jugendlichen, und an sie mutz der Magistrat sich halten und die Konsequenzen daraus ziehen, weil er sich sonst der Beihilfe zu einer von dem Gesetz mit Strafe-be- drohten Handlung schuldig machen würde. Der Magistrat hat, indem cr die Frist bis zum 1. Oktober hinausschob, ein weitgehendes Entgegenkommen gezeigt; er wollte die Uebergangszeit nicht zu knapp bemessen. Wir wissen ganz genau, wie der Unterrichts minister über die Sache denkt; ein Erfolg ist von der eingelegten Beschwerde nicht zu erwarten. Es gibt auch keinen Instanzen zug von dem einzelnen Minister an das Staatsministerium; es käme faktisch nur auf ein weiteres Hinausschieben hinaus. Ob es sich um Turnlehrer, Turnwarte, Turnleitec oder Vorturner handelt, ist von untergeordneter Bedeutung; eine Leitung ist unbedingt erforderlich, und für diese Leiter verlangt nunmehr das Reichs gericht den UnterrichtSerlaubnisschein. Stadtv. Rosenfcld sSoz.): Diese Ausführungen sind nicht gc eignet gewesen, die Darlegungen des Kollegen«tadthagen zu ent krästcn, insbesondere den Vorwurf, daß wir einen Eingriff in die Selbstverwaltung zulassen, wenn wir uns auf den Standpunkt des Magistrats stellen. Es muß mit Bedauern konstatiert iverden, daß die heute im Magistrat herrschenden Anschauungen viel rück schrittlicher sind als in der Vergangenheit; ich verweise da nur auf eine Erklärung Kirschncrs vom 13. März 1897. die mit wahr- Haft goldenen Worten die Unparteilichkeit der städtischen Behörden als selbstverständlich betonte. Stände der Magistrat noch auf jenem Standpunkte, so müßte er erklären, er gebe sich nicht dazu her, unter dem Teckmantel jener alten Verordnung den Turnverein „Fichte" anders als andere Vereine zu behandeln, bloß weil er politisch verdächtig ist. Der Minister hat dem Magistrat lediglich ein Exemplar des ReichSgerichtserkenntisses übersandt„zur weiteren Veranlassung"; der Magistrat soll also erst prüfen, ob dieses Er- kenntnis auf die Jugendabteilungen des Turnvereins„Fichte" Anwendung findet, Diese Prüfung scheint sich der Magistrat gänz- lich erspart zu haben. Trotz der Ausführungen des Kollegen Stadt- Hagen stelti der Magiftratsvertreter Turnunterricht und Turnübungen einfach gleich! Es fehlt völlig an der Feststellung, daß ein„Turnunterricht" dort stattfindet, und das Bangcmachcn mit dem Oberbürgermeister auf der Anklagebank wegen Beihilfe zu einer strafbaren Handlung gilt einstweilen doch noch nicht. Der Magistrat zeigt sich heute eben viel rückschrittlicher als in früheren Jahren. Und auch die Vertreter der Versammlungsiuehrhcit haben im Ausschuß bedauerlicherweise gegen den Verein Stellung ye- nommen, in ganz besonders einseitiger und voreingenommener Weise namentlich ein Herr, der heute hier nicht erschienen ist. Rur e i n Mitglied der bürgerlichen Fraktionen hat sich auf unsere Teste gestellt. Den zweiten Teil des Antrages empfehle ich Ihnen noch deswegen, weil es sich in dem Verlangen des Provinzialschul- kollcgiums durchaus nur um die Turnhallen handelt, welche den Gcmeindeschulen dienen. Mit der Ablehnung unseres Antrages leisten Sie den Bestrebungen Vorschub, einen Turnverein nur des- halb zu schikanieren, weil ihm Sozialdemokraten angehören. sBeifall.) Stadtv. Reimann iA. L.): Herr Kollege Rosenfelo hat vorher die Worte des Oberbürgermeisters Kirschner zitiert und einen Gegensatz konstatieren wollen zwischen uuS und Kirschner damals. Nicht w i r haben uns geändert, sondern das Reichsgericht hat sich geändert. Der Magistrat hat vollkommen korrekt gehandelt. Auch bei Uebungen Jugendlicher mutz ein Leiter, ein Unterrichtender zu- gegen sein. Den zweiten Teil des Antrages müssen wir ebenfalls ablehnen; die betreffenden Lehrlinge haben in zahlreichen Turn- Vereinigungen ausreichende Gelegenheit, sich turnerisch zu betätigen. Damit schließt die Erörterung. Im Schlußwort tritt der Referent den Ausführungen Stadthagens nochmals entgegen. Nur eine Beseitigung der Rcichsgerichtsentschcidung und der Be, stimmungen von 1834 und 1839 könne den Antragstellern zu Hilfe kommen. Auch das Ministerium müsse sich nach einer Reichs- gerichtsentscheidung richten. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wird der Antrag Arons in beiden Teilen abgelehnt. Das Ortsstotui wegen Errichtung einer Abteilung der Gewerbedepuiation für Arbeitsnachweis ist von dem einge- setzten Ausschuß mit unerheblichen Modifikationen gutgeheißen worden. Der Referent Stadtv. Sonnen seid(A. L.) ist nicht anwesend; cr wird durch den Stadtv. Brunzlow(A. L.) ver- treten. Die Versammlung beschließt ohne Debatte nach den Aus- schußauträgen. Das Ortsstatut zum Schutze der Stadt gegen V e r u n st a l t u n g soll auch auf die Umgebung der st ä d t i« scheu Partaulagen ausgedehnt werden; ein neu ein- geschalteter 8 6 stellt demgemäß die Umgebung des Tiergartens und aller städtischen Schmuckplätze unter den öffentlichen Schntz dieses OrtsftatOs. Stadtv. Stapf(A. L.) beantragt Ausschußberatung. DaS Orts- statüt habe sich bewährt und seine Erweiterung im Sinne der Vor- tage sei durchaus zu begrüßen. Im einzelnen müsse aber geprüft werden, ob die bcabsichtigien Beschränkungen in dem beantragten Umfange notwendig und erträglich sind. Nachdem auch Stadtv. B u tz k e(Fr. Fr.) sich ähnlich geäußert, wird Ausschußberatung beschlossen. Dem Versammlungsbeschlusse auf Einrichtung einer Deputation für die Schulspeisung ist der Magistrat beigetreten und hat den Vorsitz in der Deputation dem Stadtschul- rat Dr. Fischer übertragen. Tie von der Versammlung zu enl- sendenden 4 Mitglieder werden demnächst gewählt werden. Eine sehr umfangreiche Vorlage betrifft die Verlegung des Großmarktesfür Ob st, Gemüse und Raucher- waren von der Zentralmarkthalle nach dem jetzt der Boden-Akiien- gescllschaft Berlin-Nord, der Firma Fr. Gebauer, dem Kohlensyn- dikat und der Firma Ernst Kupfer u. Co., G. m. b. H., gehörigen Terrain cm der B e u s s e l st r a ß e und dem Berlin-Spandauer Verbindungskanal.'' Dieses Gelände ist 167 230 Quadratmeter groß und nach Ansicht der Markthallendeputation für die Zwecke dieses Grohmarktes am besten geeignet. Der Kaufpreis soll 16 678 000 M. betragen, d. i. durchschnittlich 99 M. pro Quadratmeter. Die Firma Gebauer, die ihre große und fast neue Eisengießereianlage aufgeben müßte, fordert für 33 782 Quadratmeter 4,8 Millionen Mark— 142 M. pro Quadratmeter. Der Magistrat beantragt die Genehmigung des Ankaufs und die Bewilligung der dazu erforder- lichen Summe. Die Verkäufer haben sich nur bis zum Ende dieses Monats an ihre Offerte gebunden. Zu den Grunderwerbskostcn würden hinzutreten: 2,3 Millionen Baukosten des Bahnanschlusses, lO'A Millionen Baukosten für die Großhalle, 780 000 M. Bau- zinsen und 4 Millionen Verzinsung und Amortisation des Kauf- geldes auf 4 Jahre; also Gesamtkostenbetrag 3414 Millionen Mark. Stadtrat Berndt: Die Vorlage soll dem Ziel einer umfassenden zentralisierten Nahrungsmittelvcrsorgung der Großstadt die Wege ebnen. Tie heutigen Zustände in der Um- gebung der Zentralmarkthalle sind notorisch unhaltbar und un- erträglich. Auch die beschlossene Verlegung des FleischgroßmarktcS schafft durchaus keine durchgreifende Abhilfe. Diese Ueberzeugung teilt mit dem Magistrat und der Versammlung auch der Polizei- Präsident. Die Agitation der Obst- und Gemüsc-Großhändler gegen unseren Plan kann unter diesen Gesichtspunkten auf Pilli- gung nicht rechnen; der Platzmangel in der Engroshalle ist eben zu groß und ihre Erweiterung an Ort und Stelle eine Unmöglichkeit, sie wäre nur ein höchst kostspieliges, aber nutzloses Experimenj.— Der jetzt vorgeschlagene Platz biete für die Versorgung Berlins und der westlichen Vororte geradezu ideale Vorzüge; 1200 Meter Wasserweg grenze unmittelbar an, der Bahnanschluß sei leicht und bequem, die Loge völlig abgeschlossen, eine Einengung durch Be- bauung nicht zu befürchten und die Ausdehnungsfähigkeit der An- läge auf Jahrzehnte hinaus gesichert. Dem heutigen Monopol des Großhändleriums werde damit auch endlich cm Damm entgegen- gestellt werden können. Dem Entgegenkommen der Eisenbahnver- waltung spricht der Magistratsvertreter noch besonderen Dank aus und verteidigt dann die vom Magistrat aufgestellte RentabilitätS- berechnung. Großen Opfern stehe hier auch ein großer Gewinn gegenüber.(Beifall.) Stadtv. Jacobi(A. L.): Die Marklhallen sind seit Jahren da? Schmerzenskind der städtischen Verwaltung. Die örtlichen Uebel- stände in der Umgebung der Zentralmarkthallcn sollten durch Ver- legung des Großmarktes nach der Kniprodestraße aus der Welt geschafft werden. Im Jahre 1909 haben wir diese Verlegung „schleunigst in die Wege zu leiten" verlangt, und der Magistrat trat diesem Beschlüsse bei. Aber es ist nichts geschehen; vielmehr haben wir vor kurzem den Fleischgroßmarkt nach dem Schlachthof zu verlegen beschloffen— ein durchaus praktischer Beschluß. Tie Gründe, aus denen wir 1909 den Ankauf des Geländes an der Paulstraße ablehnten, treffen im ganzen auch auf das Gelände an der Beuffelstraße zu. Die Kleinhändler in Obst und Gemüse, die im Osten wohnen, würden durch die Verlegung des Engros- Marktes bis nach Charlottenburg schwer benachteiligt. Der Wasser- anschluß ist da nicht so ausschlaggebend, wie es hingestellt wird. Was aus dem Terrain an der Kniprodestraße werden soll, darüber sagt die Vorlage kein Wort; und wird es mit der Umaemeindung aus Charlottenburg und Tegel so glatt geben?— Die Detailmarkthallen-Unternehmung von 1886 hat sich überlebt; die not- leidenden Markthallen sollten baldigst abgestoßen werden, auch die Zentraldetailmarkthalle wird das Schicksal der übrigen teilen, wenn erst die Großmarkthalle da fort ist. Die Rentabilitätsberechnung setzt eine Erhöhung der Standgelder um 10 Pf. voraus, ein recht bedenklicher Schritt. Immerhin wären manche von uns dem ganzen Projett geneigter, wenn die Preise uns nicht ganz unannehmbar erschienen.(Zustimmung.) Wo fände sich heute ein Käufer, der für 1615' Millionen dieses Terrain erwerben wollte? Wenn wir das Terrain nicht preiswert bekommen, werden wir eben nach der Kniprodestraße oder anderswohin gehen. Immerhin beabsichtigen wir" ichi etwa, das Projekt übers Knie zu brechen, sondern wir sind entschlossen, es eingehend zu prüfen. Stadtv. Dr. Knauer(R. ,L.): Wir stehen der Borlage sehr sympathisch gegenüber. Gegen die Verlegung des Obst, imd Groß- Marktes nach der Paulstraße wurden seinerzeit mit Recht wegen der Unzulänglichkeil des Raumes Bedenken geltend gemacht; jetzt endlich ist ein geeignetes Terrain gefunden. Die Zustände am Alcxanderplatz spotten jeder Beschreibung. Seit 1901 haben wir gefordert, daß der Fleisch-, Obst- und Gcmüscgroßmarkt verlegt werde. Die Stellungnahme der Großgemüsehändler verrät zu sehr eigene Interessen ohne Rücksichtnahme auf andere. Den angedrohten Boykott werden sie mcku aufrechterhalten; das sind nur Schreck- schüsse. Das jetzige Projckl bietet für die künftige Halle einen aus- ?ezeichneten Bahn- und Wasseranschluß, die Möglichkeit der Zu- unftSentwickelung ist hier viel mehr als in der Kniprodestraße gegeben. Der große Strqßenbabnrmg, den wir im Norden der Stadt anlegen wollen, wird auch von den Obsthändlern benutzt werden können. Bedenken erweckt der außerordentlich hohe Kauf- preis, sowie der Umstand, daß ein großer Teil des Terrain» auf Charlottenburger Gebiet liegt. Bei den heutigen Verkehrsverhält- nissen ist aber der Einwand der zu großen Entfernung hinfällig. Das Projekt hat eine große Zukunft und bietet viele Vorteile. Wie lange wird aber die Verlegung des Großmarktes dauern? Angesichts einer 34.Millionen-Forderung ist eingehende Prüfung unumgänglich. Gtabtv. Dove(0f. 2.); Auch ich bin für gründliche Prüfung und beanstande den hohen Preis; sonst aber stehe ich dem Projekt doch freundlicher als mein Fraktionsfreund Jacob! gegenüber. Berlin hat alleS Interesse, das gcwerbstätige Leben zu heben, um dadurch den Wegzug kapitalkräftiger Steuerzahler möglichst weit zu machen. Die freie Konkurrenz in möglichstem Umfange auf dem Markte walten zu lassen, ist auch ein städtisches Interesse; auf diesem Gebiete sind die im Obst- und Gemüsehandel bestehenden Verhältnisse durchaus reformbedürftig. Vor dem 31. Oktober habe ich keine Angst, aber bei Ernennung des Ausschusses durch den Vorstand gewinnen wir immerhin acht Tage. Im Westen mögen ja immerhin auch noch andere Terrains in Betracht kommen.(Zu- stimmung.) Stadtb. Hintze(Soz.)i Gegen die Vorlage hat Kollege Jacobi eingewendet, daß wir ein billigeres Terrain an der Kniprodestraste in Händen hätten. Leider hat man die bezüglichen Beschlüsse ein- fach aä»cts gelegt und neue Borschläge gemacht, die wir bekämpfen mußten; eS hat sich ja auch u. a. gezeigt, daß die Annahme des PaulSstrahenprojekts ein großer Fehler gewesen wäre. Daß die gegenwärtigen Obst- und Gemüscgroßhändler sich ihre Monopol- stellung wahren wollen, ist nicht weiter verwunderlich. Die Er- Weiterung der heutigen Zentral-Großmarkthalle ist ein Ding der Unmöglichkeit, und den unhaltbaren Zuständen in den angrenzenden Straßen würde dadurch nicht im inindesten abgeholfen. Gegen das Kniprodestraßenprojekt ist auch der Polizeipräsident stets ein- genommen gewesen; er will dort den Wagenverkehr auf den um- gebenden Straßen nicht zulassen, sondern die Wagen sollen auf dem Terrain selbst untergebracht werden, und dazu wären nicht weniger als 26 000 Quadratmeter erforderlich. Auch tzxr Eisen- ücchnanschluß nimmt sehr viel Terrain weg, und die verbleibende Fläche schrumpft sehr zusammen. Dennoch sind wir für dieses Projekt eingetreten, solange uns nichts Besseres geboten wurde DaS jetzige Projekt aber gefällt uns weit mehr, schon weil es Wasseranschluß hat. Der geforderte Preis ist aber ein ungeheurer, er ist der Preis für Gelände an baureifen Straßen(Sehr richtig!); es muß alles darangesetzt werden, ihn hcrabzudrücken. Ein anderer Käufer als Berlin für diese Terrains findet sich ja tatsächlich nicht. Daß die verdoppelte Standfläche auch besetzt werden wird, ist fiir mich außer Frage. Für die „Wcrderschen" bietet sich hier auch geeigneter Platz. Im übrigen ist neben der Höhe des Preises auch die für die Interessenten im Osten etwas entfernte Lage ein Bedenken. Wir werden aber über diese Bedenken hinwegkommen müssen.(Beifall bei den Sozial demokraten.) Stadtv. Gronewalbt(A. L.): Man soll doch tunlichst solche An- lagen auf eigenem Grund und Boden errichten, also das Terrain an der Kniprodestraße nicht ganz außer acht lassen. DaS Gelände ander Bousselstratze wird vielleicht in A) Jahren nutzbar gemacht fein; geht nian mit der Großhalle nach dem Westen, so werden sich im Osten private Markthallen bilden. In der Kniprodestraße kommen wir viel besser und billiger fort; ich warne Sie davor, bei der heutigen schlechten Lage des Grundstücksmarkts 34 Millionen an der Beussel- straße zu engagieren. Stadtv. Körte(Fr. Fr.) tritt im allgemeinen dem Stadtver- ordneten Dove bei.. Erwünscht wäre allerdings, wenn schon ein Projekt vorläge, damit nicht zu viel Zinsen verloren gehen. Stadtv. Butzke(Fr. Fr.): Ein großer Teil von uns ist durch- aus gegen das Magistratsprojekt, sowohl wegen seiner exponierten Lage, als wegen seines hohen Preises. Damit schließt die erste Beratung. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Derselbe wird sofort vom Vorstande ernannt; ihm gehören von der sozialdemokratischen Fraktion Drescher, Htntze, Meyer und W i l k c am Nach Erledigung einer Anzahl kleinerer Vorlagen ohne größeres Interesse schließt die öffentliche Sitzung um VtlO Uhr. Soziales. Zicgler-Elend. In den Ziegeleien haben sich vielfach noch die elendesten und skandalösesten Arbeitsverhältnisse erhalten. Das Truck» systein grassiert hier noch in seinen scheußlichsten Auswüchsen, ein schwunghafter, nicht konzessionierter Schnapshandel gehört ebenfalls dazu. Zwar geschieht dem Gesetz Genüge, indem der Lohn in bar zur Auszahlung gelangt, aber die Ziegler befinden sich in solcher Abhängigkeit, daß es ganz gleich ist, ob sie das Geld erst in die Hand bekommen, oder es sofort in die Tasche der Meister verschwindet. Diese sind auf den Wucher mit Waren, und vor allem mit Schnaps, vielfach in- sofern direkt angewiesen, als sie sonst nur ein ganz kleines oder gar kein Gehalt bekommen. Das sind Zustände, die gegen die guten Sitten verstoßen. Der Fabrikarbeiterverband hat über die Verhältnisse in den Ziegeleien von Chemnitz und Umgegend eine Erhebung veranstaltet. Sie ergab, daß die Ziegelmeister Schnaps, der oft dazu noch„getauft" worden war, um 25—30 Pf. pro Liter teurer verkauften, als andere Geschäfts- leute. Der Aufschlag auf ein Brot betrug bis zu 16 Pf., auf ein Pfund Wurst 30—40 Pf. In einem Falle wurde einfach nach „Augenmaß" gewogen und gemessen. Der Meister kam dabei sicher nicht zu kurz. Wer nicht mit seiner Rechnung cinver- standen war, konnte sich die Herrlichkeit von draußen besehen. Eine Eingabe an die Gewerbcinspektion und den Rat der Stadt Chemnitz, in der unter Hinweis auf das gesammelte Material um Abstellung der Mißstände gebeten ivurde, hatte den Erfolg, daß in 14 Ziegcle-ien große Mengen Schnaps, darunter Fässer mit 140 Liter Inhalt, der Beschlagnahme verfielen. Die Ziegler wurden belehrt, daß in den Ziegeleien nur direkt von ihnen selbst bestellter Schnaps vorhanden sein dürfe, andere Waren nur mit ihrer Einwilligung, und der Verkaufspreis dürfe die Selbstkosten nicht überschreiten. Hoffentlich sorgt nun aber auch die Gewerbeinspektion, die anscheinend bisher von den greulichen Dingen nichts er- fahren hat dafür, daß die Vorschriften beachtet und nicht durch neue Tricks umgangen werden. Das scheint sehr not- wendig zu sein. Wie die Organisation in Erfahrung brachte, hat eine Konferenz der Ziegelmeister bereits über entsprechende Maßnahnicn beraten. Teilweise will man die Ziegler nun prellen durch die Festsetzung hoher Mieten für die Löcher, die man Zicglenvohnung nennt. Andere Praktikusse wollen sich durch„freiwillig" hergegebene Unterschriften der Ziegler das Recht auf den Schnapsbezug und Profit sicherstellen. Auf jeden Fall denkt man noch nicht daran, sich den gewohnten Raub aus den Klauen reißen zu lassen.— Leider haben Staatsorgane zu viel mit' der Bespitzelung der Arbeiter- bewegung, mit Beschützung und Aufmunterung der Hintze- gardisten, mit Streikkapnttmachen, mit Saalabtrciben, mit Kampf gegen die Jugendbewegung, gegen Bildung und Auf- klärung zu tun, als daß sie sich auch noch um den dummen Arbeiterschutz küinmern könnten. Ohne das Eingreifen der Organisation würden die idyllischen Zustände in den Ziegeleien sicher noch lange ungestört weiter bestehen. Der Vorstand des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise hat be- schlössen, dem VerbandSausichuß Bestimmungen über die Einrichtung und Verwaltung von F a ch a r b e i t S n a ch w e i s e n zur Beschluß- fossuna vorzulegen. Diese Bestimmungen sollen die absolute Un- v a r t e i l i ch k e i t bei der Leitung und Verwaltung der FacharbeitS- nachweise sicherstellen. Desgleichen sollen dem Verbandsausschusse Bestimmungen über das Verhallen der öffentlichen«rbeltSnachweise beiSlreiksoderAuSsperrungenzur Beschlußfassung vor- gelegt werden Polizei und Prostitution. Recht interessante Dinge, die die ganze Hilflosigkeit beweisen, mit der die Verwaltungsbehörden Krankheiten am Gesellschafts- körper gegenüberstehen, kamen in der letzten Sitzung der Stadtver- ordneten in Frankfurt a. M. bei Erörterung der Frage nach Er- richtnng von Bordellhäusern zur Sprache. Die Prostitution ist in der heutigen Gesellschaft nicht auszurotten; alle Versuche, sie mit gesetzlichen Vorschriften und Verordnungen von Verwaltungs- behörden zu beseitigen, scheitern. Der Gesetzgeber bedroht daher die Prostitution an sich auch nicht mit Strafe, sondern verlangt von den Prostituierten nur die Beobachtung der von der Polizei an- geblich zum Schutze der Gesundheit und zur Wahrung des öffent- Hchen An stand es erlassenen Vorschriften. Strafbar ist aber, den unglücklichen Opfern der Prostitution Wohnung zu gewähren. Wer das tut, für den sieht das Gesetz Gefängnis vor. In der Zwick- mühle, daß die Prostitution ein unentbehrlicher Bestandteil der heutigen Gesellschaftsordnung und daß dieselbe Gesellschaftsordnung ständig Frauen zur Prostitution zwingt, daß aber das Gesetz jeden, der diesen Unglücklichen Obdach gewährt, bestraft wissen will, zappeln die Verwaltungsbehörden ständig. In Frankfurt a. M. bestand im vorigen Jahre der Plan, eine in unmittelbarer Nach- barschaft des Bahnhofes belegene Straße zu einer Bordcllstratze umzuwandeln. Der Genehmigung des Polizeipräsidenten hatte sich ein betriebsamer Geschäftsmann vergewissert. Die interessierten Hausbesitzer der Nachbarschaft, die Entwertung ihrer Grundstücke befürchteten, erhoben Einspruch, und auch die Stadtverwaltung schwieg nicht, was zur Folge Hatto» daß der Plan auf Anordnung des Regierungspräsidenten nicht ausgeführt wurde. Inzwischen hat in einem Hause dieses Stadtviertels eine Frau, die schon wegen Kuppelei vorbestraft ist, in aller Stille ein Bordell eingerichtet, dessen Betrieb von der Polizei absolut nicht gestört wird. Im Gegenteil: die Polizei schützt ihn. Bei der Besprechung des Falles in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung erklärte ein Vertreter dieses Bezirks, daß Nachbarn, die das" Kommen und Gehen in dem Hause von der Straße aus beobachtet hatten, von Beamten der Sittenpolizei zur Polizeiwache gebracht worden seien. Die Besitzerin des Bordellhauses hatte sich in ihrem Geschäft gestört gefühlt und polizeiliche Hilfe begehrt, die ihr auch gewährt worden ist. Um die Erregung über den Bordellbetrieb zu beschwichtigen, hat der Frankfurter Polizeipräsident den Einfall bekommen— wir berichten immer nach den Ausführungen in der Stadtverordneten- Versammlung— den Pfarrer des Bezirks zu sich zu bitten und ihn ersucht, doch mit zur Beruhigung der Gemüter seiner Gemeinde beizutragen. Er, der Polizeipräsident, wolle jedem Einwohner des Stadtteils die Beherbergung einer Prostituierten gestatten. Ein Bordell halten oder dulden ist und bleibt jedoch strafbare Kuppelei. Bierherz oder Unfallherz? Ein äußerst interessanter Rentenstreit hat vor dem Obcrver- sicherungsamt Chemnitz jetzt ein für den Verletzten günstiges Ende gesunden. Es kam die Frage der Verjährung in Betracht und serner war die Frage zu entscheiden, ob es sich bei dem Verletzten um von einem sogenannten Bierherz herrührende Folgen oder um die Folgen eines Unfalls oder um beides im Zusammentreffen handle. Der Bierfahrer Pf. in Chemnitz, ein Mann von 30 Jahren, hatte am 13. November 1909 einen Betriebsunfall erlitten; er war beim Putzen eines Pferdes von diesem mit dem Hufe gegen die Brust geschlagen worden. Der Unfall wurde vom Verletzten nicht gemeldet, da Beschwerden sich nicht einstellten und er weiter arbei- ten konnte. Auch im folgenden Jahre stellten sich nennenswerte Beschwerden nicht ein. Aber gegen Ende des Jahres 1910 er- krankte der Verletzte, blieb längere Zeit erwerbsunfähig und in ständiger ärztlicher Behandlung, und dann war Pf. im Genesungs- heim Gelenau untergebracht worden. Gesund wurde er aber nicht, das Leiden verschlimmerte sich mehr und mehr und schließlich ivurde Pf. in die Heilanstalt Gottleuba gebracht. Dort erst wurde vom untersuchenden Arzt die Frage erörtert, ob der Zustand des Patienten etwa in einem Unfall seine Ursache haben könnte. Das Ergebnis der Untersuchungen ließ deutlich eine derartige Ur- fache erkennen. DaS war im März 1912. Der Unfall lag schon zirka 2� Jahr zurück. Die Berufsgenossenschaft erteilte einen ab- lehnenden Bescheid, weil Verjährung vorliege und weil nicht Un- fällfolgen in Betracht kämen, es sich bei dem Antragsteller vielmehr um die Folgen eines sogenannten BierherzeS handle. Eine Reihe ärztlicher Gutachten kamen auf Grund des Ergebnisses der Unter- suchungen und unter Berücksichtigung der EntWickelung des Krank- heitsbildeS zu dem Resultat, daß der Hufschlag das auslösende Moment gewesen und das Leiden sich schleichend, aber durch den Unfall beschleunigt, entwickelt habe. Das Herz sei durch Biergenuß schon angegriffen gewesen. Ein Arzt bezeichnete das Herzleiden des Verletzten bestimmt als Unfallfolge und schätzte die dadurch herbeigeführte Unfallfolge auf 70 Proz. Auf Grund dieses Gut- achtens war dem Pf. bereits am 24. August 1912 die Invaliden- resite gewährt worden. Das Oberversichcrungsamt, das der Kläger anrief, hatte ein Obergutachten deS Prof. Dr. Hoffmann beigezogen. Dieser sagte unter anderem nach Beleuchtung der EntWickelung des Krankheits- bildes, daß der Beruf des Rentenklägers günstig für die Eni- Wickelung eines BierherzeS sei. Herzveränderung komme durch Un- fall selten vor. Ob nun die Herzschädigungen lediglich auf den ständigen Biergenuß zurückzuführen seien, sei mit Sicherheit jetzt nicht zu sagen. Wohl aber komme der Hufschlag als Moment der Verschlimmerung in Frage. Die EntWickelung der Herzentartung und die in Betracht kommende Zeit spreche für das Unfallherz. Das Oberversicherungsamt hat dann noch eine Auskunft von der Direktion der Brauerei herbeigezogen. Darin wurde der Verletzte als nüchterner Bierfahrer bezeichnet. Nach Ablösung des söge- nannten Freitrunks durch den Tarif habe da? tägliche Quantum von Freibier nur noch einen Liter betragen. Arbeitersekretär Straube, der als Vertreter de? Verletzten vor dem Oberversiche- rungSamt auftrat, machte zunächst dem Einwand der Berufsge- nosscnschaft wegen Verjährung gegenüber geltend, daß nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung Verjährung nicht vorliege, da der Verletzte erst am 18. März 1912 Kenntnis davon erhalten habe, daß sein Leiden eine Folge des Unfalls vom 13. No- vember 1909 sei. Im übrigen verwies er auf das Obergutachten zur Begründung des geltend gemachten Anspruchs. Das Oberversiche- rungsamt gelangte auf Grund der ärztlichen Gutachten zur Per- urteilung der Berufsgenossenschaft. Sie wurde verpflichtet, für die Zeit vom 18. März 1912 bis 10. August 1912 die Vollrente, dann in verschiedener Höhe auf Grund der ärztlichen Gutachten und Schätzungen und ab 22. Februar 1913 70 Proz. der Vollrcnte an den Berufungskläger zu zahlen. £Iiis Induftnc und Rande? Devtsches Getreide in Frankreich. Die Patrioten sind in große Aufregung geraten. Im laufen- den Jahre ist die Ausfuhr deutschen Getreides nach Frankreich außerordentlich gestiegen. So wuchs der Export vom Januar bis August dieses Jahres gegen das Vorjahr bei Roggen von 39 009 auf 322 500 Doppelzentner, bei Weizen von 508 400 auf 1 582 200 Doppelzentner, bei Hafer von 1000 auf 796 100 Doppelzentner. Die Steigerungen sind so auffällig, daß die konservative Presse dafür keine andere Erklärung findet, als daß Frankreich für mili- tärische Zwecke Verproviantierungen vornehme. Welches nun auch die Gründe für die starke Einfuhr deutschen Getreides sein mögen, das ist jedenfalls sicher, daß diese Einfuhr durch das Einfuhr- s ch e i n s Y st e m begünstigt wird. Die Exportprämie in Höhe des Zolls ermöglicht den deutschen Produzenten, ihr Getreide im Aus- land billig abzugeben, während der deutsche Konsument die höheren Preise zahlen muß. In Deutschland, das mehr Roggen produziert als es verbraucht, sind die Roggenpreise höher als in Frank- reich, das nur wenig Roggenbau treibt. In Paris kosteten im Kilogramm Roggen 150 M., dagegen in Berlin 103 M., in München 169 M. Dieser Verschleuderung deutschen Getreides an das Ausland zuungunsten der deutschen Konsumenten würde die Aufhebung des Einfuhrscheinsystems sofort ein Ende machen. Aber dagegen wehren sich die selben agrarischen und kon- servativen Kreise, die jetzt ängstlich die EntWickelung der Getreide- ausfuhr nach Frankreich beobachten. Deutschlands Handel mit Amerika. Von dem neuen amsrika- nischen Zolllaris erhoffen auch die deuticben Exporteure eine Belebung der Einiuhr deutscher Jndustrieerzeugnisse in Amerika. Wie weit eine solche Steigerung eintreten wird, ist noch nicht abzusehen. Die relative Bedeutung der Vereinigten Staaten für den deutschen Außen- Handel ist zwar seit dem Jahre 1900 etwas zurückgegangen, weil sich unser Export auch anderwärts sehr wesentliche Absatzgebiete erobert hat. Die absoluten Ziffern der Ein- und Ausfuhr zeigen jedoch eine bedeutende Steigerung. Unter den Lieferanten für den deutschen Markt nehmen die Vereinigten Staaten jetzt die erste und unter den Käufern deutscher Waren nächst G-oßbritannien und Ungarn die dritte Stelle ein. Es stieg die Einiuhr Deutschlands aus den Vereinigten Staaten seit 1900 von 1230 auf 1586 Millionen Mark, die Ausfuhr von 030 auf 098 Millionen Mark. Die Mineralproduktion Britisch- Indiens ist im Jahre 1912 wiederum erheblich gestiegen und nimmt jetzt eine beachtenswerte Stellung innerhalb der Wellproduktion ein. Der Wert der in Britiich-Jndien produzierten Kohlen erhöhte sich gegen 1911 von 2,5 auf 3,3 Millionen Pfund Sterling. Dem Werte nach folgt dann die Goldgewinnung mit 2,3 Millionen Pfund, die Petroleum- Produktion mit 0,98 Millionen Piund. Sehr erbeblich ist wieder die Gewinnung von Manganerz, Salz, Salpeter, Blei und Bleierzen. Jugendbewegung. Die politischen" Jugendausschüsse. Die vereinzelten Versuche, die Jugendausschüsse zu selbständigen politischen Vereinen zu stempeln und auf diese Weise eine Handhabe zur Bekämpfung der so verhaßten Arbeiterjugendbewegung zu ge- Winnen, scheint nachgerade allgemein geübte Praxis zu werdrn. Jetzt wird ein derartiger Versuch aus der Raltcnfängerstadt Hameln gemeldet. Dort hatte der Jugendausschuß für den vergangenen Sonntag einen sogenannten Elternabend vorbereitrt. Der Vorsitzende des JugendauSschüsies erhielt aber unter dem Datum des 9. Oktober ein längeres Schreiben von der Polizei, worin der Jugendausschuß auf die folgende, merkwürdig anmutende Weise zu einem politischen Berein gemacht wurde: »Der Jugendausschuß ist ein selbständiger Verein; er bezweckt die Verwirklichung der Gedanken und Ziele, welche der sozial- demokratische Parteitag in Nürnberg für die Erziehung der Arbeiterjugend aufgestellt hat, und ist auch weiter nach seiner bis« herigen Betätigung als'ein politischer Verein anzusprechen." Gleichzeitig wurde dem Vorsitzenden aufgegeben, das Verzeichnis der Vorstandsmitglieder und die Satzungen des»Vereins" Jugend- ausschuß einzureichen. Und damit der Genosse sehe, daß er sich den Anordnungen der Polizei zu fügen habe, erhielt er am selben Tage ein Strafmandat von 10 M., weil er nicht schon längst die Satzungen eingereicht habe. Was die Polizei mit ihrem Vorgehen plant, und wie sie die Jugendbewegung lahm zu legen gedenkt, sagt dann mit aller Deutlichkeit ein weiteres Schreiben der Hamclncr Polizei, worin es u. a. heißt: »... Dem politischen Verein»Jugendausschuß' dürfen nach § 17 des Reichsvereinsgesetzes Personen, die da? achtzehnte Lebens- jähr noch nicht vollendet haben, nicht als Mitglieder angehören. Falls Sie dies weiter dennoch dulden, würde Ihre Bestrafung aus � 18 Ziffer 6 des ReichsvereinSgesetzcs erfolgen müssen. Ebenso werde ich gegen Personen unter vollendetem achtzehnten Jahre aus§ 18 Ziffer 5 vorgehen, wenn Sie bei den Versammlungen de? Vereins oder an Veranstaltungen desselben, soweit solche nicht nur geselligem Zwecke dienen, anwesend sind. Hierbei eröffne ich Ihnen, daß der»Elternabend" nicht als eine solche Beranstaliung anzusehen ist, die ausschließlich geselligen Zwecken dient, sondern als eine solche, bei der ganz wesentlich und in erster Linie politische Zwecke mitverfolgt werden. Danach dürfen Fugendliche unter 18 Jahren an diesem„Elternabend" und ähnlichen Ver- . anstaltungen nicht teilnehmen." Das würde der Polizei passen, wenn sie so leicht zum Ziele käme. Glücklicherweise leben wir aber noch nicht ganz in Rußland, so daß die Polizei gezwungen sein wird, an der Hand von Tat- fachen und nicht auf Grund von Vermutungen ihr Vorgehen zu begründen. Wie kommt sie dazu, von vornherein den ge- planten Elternabend zu einer Veranstaltung mit wesentlich politischen Zwecken zu stempeln und den Jugendlichen unter 18 Jahren den Besuch des Abends zu verbieten? Den angeblich politischen Charakter des Elternabends konnte sie doch er st im Verlaufe des Abends selbst feststellen, und erst dann konnte sie die nack, ihrer Ansicht nötigen Schritte gegen den.Verein" Jugend- auSsöbuß unternehmen. DaS gilt auch für die»ähnlichen Veranstaltungen" deS JugendouSschusseS, die die Hamelner Polizei ebenfalls im Ramsch für p o l i t i s ch erklärt. Wie zu erwarten war. hatte der Elternabend infolge deS Vor- gehen« der Polizei einen starken Besuch aufzuweisen und man kann einigermaßen neugierig sein, welche Lorbeeren die Hamelner Polizei in ihrem Kampfe gegen die Arbeiterjugendbewegung ernten wird. Versammlungen. SubmisssonSwescn und Arbeitslosenversicherung in Groß-Bcrlin. Zwei Versanimlungen der Zimmerer beschäftigten sich am Mitt- woch mit diesen Themata. Im Swinemünder GesellsibaftShauS referierte Genosse Theodor Fischer, der vor allem das Submissionswcsen behandelte. Er be« leuchtete vor allem die in Betracht kommenden Bedingungen, die sich namentlich mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen befassen und schilderte dann die fortgesetzten Bemühungen der Unternehmer, die Streikklausel in die SubmiisionSbcdingungen hineinzubekommen. Dank der geschlossenen Abwehr der sozialdemo- kratiichen Stab, verordneten sei das aber bisher verhindert worden. In den letzten Tagen sei eS auch noch gelungen durchzusetzen, daß die Arbeiten in Berlin und von Berliner Arbeitern auszuiührcn, um auch auf diese Weise ein wenig der Arbeitslosigkeit zu steuern. Er wies ferner darauf hin, daß für rund 72'Mtllianen Mark Arbeilen ieils im Gange find, teils auf unser Drängen hin schleunigst in Angriff genommen werden sollen. Alles das sind jedoch nur die Projekte der Hochbauverwaltung, während auch noch jene Arbeiten IN Betracht kommen, die von Werksverwaltungen. Straßenbau unv. ins Äuge gefaßt sind. Damit feien aber auch alle Maßnahmen er- schöpft, die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von der Stadl er- griffen sind. Leider find es nur die Gewerkschaften, die sich der Arbeitslosen durch ihre UnterstützungSeinrichtungcn energisch annehmen. Auch die Anträge unserer Vertreter in der Deputation pnd abgelehnt worden unter Hinweis auf den angewachsenen Armcnetat, der za auch den Arbeitslosen zugute komme. Derartige Behandlung der Frage müßten wir uns energisch verbitten. Wir müßten aber auch fordern. daß die kommunalen Arbeiten in eigener Regte ausgeführt wurden. damit nicht von den vielen Millionen ein beträchtlicher Teil ui die Taschen der Unternehmer fließen. Auch der Grund- und Boden- spekulation müsse zu Leibe gegangen werden. Die kommenden Stadtverordnetenwahlen mutzten der Arbeiterschaft Gelegenheit bieten zu zeigen, daß sie energisch hwter ihrrn Vertretern stehen.— Im Verlauf der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten nocki mehrfach unterstrichen... Bei GraumannS m der Naunynstratze h,elt Genoffe Gustat, Link das Referat etwa in gleichem Sinne, wie oben skizziert. Die Verbandsleitung wies unter anderem in beiden Versammlungen darauf hin. daß von der Wilmersdorfcr Gemeindeverwaltung zu- gesichert wurde, auch die Zimmererarbeiten für den großen Schul- ncubau nur unter der Bedingung zu vergeben, daß sie in Groß- Berlin angefertigt werden. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw August 1000 Kilogramm Roggen 150 Tl., dagegen tn_____ Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Baul Singer n. Co., Berlin SW flr. 272. 30 I.hW.g. 4. MlW des Lllrilllllts" QUllM Wlksdllltt. 17.«w» 19.3 lilordprozeß liickel. Unter-der Anklage des Mordes und der Anstiftung zum Morde i tan den gestern vor dem Schwurgerichte des Landgerichts III der Nieter Friedrich Nickel und die Haushälterin Frau Anna Menzel. geborene Schiele. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Rosenthal. Da die Verhandlung drei Tage dauern wird, wurde ein Ersatz- geschworener ausgelost. Es handelt sich auch bei diesem Prozeß wiederum um die Frage: Selbstmord oder Mord? Am 6. Dezember 19tl> wurde, wie noch in Erinnerung sein dürfte, die Leiche des in Charlottenburg. Galvanistraße S, wohnhaften Schankwirts Albert Menzel in dessen Schankräumen aufgefunden. Die Leiche zeigte eine Schutzwunde in der linken Schläfe. Anfangs war Selbstmord angenommen worden, obwohl zu einem solchen bei dem in geordneten Verhält. nissen lebenden und lebenslustigen Manne ein Grund nicht zu er- kennen war. Später verdichtete sich immer mehr der Verdacht, datz Menzel ermordet worden sei, und zwar durch Nickel auf Anstiftung der Krau Menzel. Der Verdacht gründete sich darauf, datz, obwohl Menzel Rechtshänder war, zwei Kugeln die linke Schläfe getrosten hatten, ferner auf die Tatsache, datz zwischen den beiden Angeklag- ren ein intimes Verhältnis herrschte, und datz Nickel, wenn er etwas angeheitert war, höchst verdächtige Redensarten machte, die auf seine Täterschaft hindeuteten. Der Vorsitzende redet dem Angeklagten Nickel dringend ins Ge- wissen, seine Schuld zu bekennen, wenn er sich schuldig fühle. Nickel erklärt aber mit fester Stimme, datz er unschuldig sei. Die- selbe Erklärung gibt Frau Menzel ab. Nickel ist 3ö Jahre alt und hat mehrere Vorstrafen erlitten, darunter eine wegen Bedrohung und lebensgefährdender BeHand- lung seiner Ehefrau. Nickel hatte sich im Jabre 1902 verheiratet, ist aber geschieden und als schuldiger Teil erklärt worden.— Frau Menzel ist unbestraft. Beide Angeklagten befinden ftch seit 4. April 1912 in Unter suchungshaft. In der Vernehmung der Angeklagten gibt der Angeklagte Nickel folgendes an: Sein Vater war in Ost- preutzen Speditionsarbeiter, im Jahre 1992 sei er nach Westfalen gegangen und habe dort in mehreren Eisenfabriken als Arbeiter und schlietzlich als Schlosser und Nieter gearbeitet. Im August 1919 sei er nach Berlin gekommen und sei zu dem Gastwirt Menzel in Schlafstelle gezogen. Am 5. Dezember, dem Tage vor dem an- geblichen Selbstmord des Menzel, sei er nicht zur Arbeit gegangen, ■jondern habe Menzel, der die Volksbadeanstalt in Charlottenburg aufsuchen wollte, dorthin begleitet. Als er, Nickel, aus dem Schwimmbad zurückkam, habe er Menzel, der nur ein Wannenbad genommen habe, in dem Wartezimmer ganz blatz und wie geistes- abwesend vor sich hinstarrend wiedergefunden. Auf seine Frage habe Menzel geäutzert, das Bad sei ihm nicht bekommen. Sie hatten dann beide mehrere Wirtschaften besucht, in denen Menzel plötzlich sehr lustig geworden sei und herumgetanzt habe. Als sie nach Hause kamen, habe er sich auf ein Sofa gelegt und sei eingeschlafen. Er sei dann erst kurz vor 12 Uhr nachts ausgewacht und habe sich noch darüber geärgert, datz er solange geschlafen habe, während die anderen Leute in dem Lokal lustig waren.— Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, datz er sich nach verschiedenen Richtungen hin in Widersprüche mit seinen eigenen früheren Angaben und denen der Zeugen setze. — Ter Angeklagte erzählt dann weiter, datz er am nächsten Morgen die Leiche des Menzel in dem Lokal gefunden habe. Vors.: Bei Ihrem Hinzukommen hat der am Boden liegende Menzel noch geröchelt. Haben Sie die Verletzung au der Leiche ge- sehen?— Angekl.: Nein.— Vors.: Wo hat die Schutzwaffe ge- legen?— Angekl.: Das weitz ich nicht, ich tveitz auch nicht, datz Menzel einen Revolver besessen hat, habe einen solchen auch nie gesehen.— Vors.: Das stimmt nicht, wie Zeugen erklären werden. Weswegen wird sich denn nach Ihrer Ansicht Menzel erschossen haben.- Anqrkl.: Menzel war nervenkrank.— Vors.: Hören Sie, Angeklagter, mit der Behauptung, datz Herr Menzel einen Tob- suchtsanfall gebabt habe, sind Sie doch erst recht spät hervorgetreten. Der sogenamite Tobsuchtsanfall soll ein sehr harmloser Vorfall gewesen sein. Als Sie zunächst als Zeuge vernommen wurden, haben Sie erklärt, datz Sie etwas Auffälliges in dem Wesen Men- zels nicht bemerkt haben. Dies wiederholen Sie vier Vernehmungen hindurch, schlietzlich mutz Ihnen in der Untersuchungshaft der Ge- danke gekommen sein, datz es doch wohl praktisch sei, die Sache anders einzurichten, und da kamen Sie plötzlich mit dem angeblichen Tobsuchtsanfall. Von Tobsuchtsanfällen des Menzel hat niemand etwas gemerkt, ein derartiger Anfall soll ein einfacher Zornaus- bruch des Menzel darüber gewesen sein, datz er Sie im Verdacht hatte, mit seiner Frau ein Liebesverhältnis zu unterhalten. Der Angeklagte sucht alle Widersprüche in seinen jetzigen und seinen früheren Bekundungen, die ihm der Vorsitzende vorhält, zu begleichen. Er erklärt, datz er doch nicht wissen könne, warum sich Menzel das Leben genommen habe, er könne nur sagen, datz Men- zel, der auf einem Auge blind war und den Kopf schief hielt, sehr nervös war. Der Mann habe�vom frühen Mögen bis zum späten Abend in seiner Wirtschaft gesessen und habe doch viel«sorgen ge- habt, eine Behauptung, die der Vorsitzende unter Hinweis auf die Geschäftsbücher des Menzel als falsch erklärt. Auf Vorhalt des Vorsitzenden bestätigt Nickel, datz er nach dem Tode des Menzel auf Bitten der Frau M. vierzehn Tage lang die Wirtschaft weitergeführt habe, da er früher einmal Kellner in Köln gewesen sei und von der Sache etwas verstanden habe. Richtig sei es, datz zwischen ihm und der Frau Menzel ein Liebesverhältnis bestand. Er sei im Mai 1911 aus Berlin weggegangen und habe auswärts Arbeit angenommen. Am 23. Oktober 1911 sei er wieder nach Berlin gekommen und babe Arbeit bei der Hochbahn bekommen; das Liebesverhältnis mit Frau Menzel habe fortbestanden. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, datz er nach den Mitteilungen, die er selbst anderen Zeugen gemacht, wiederholt von dem Hauswirt Adler und der Frau Men.zei größere Summen Geldes erhalten habe. Er soll auch von Frau Menzel Geld unter versteckten Drohungen gefordert haben. Der Angeklagte bestreitet auf das entschiedenste, datz er awde- ren Zeugen gegenüber geäutzert habe,„wenn ihm die Frau Menzel kein Geld gebe, so passiere etwas". Der Borsitzende weist ihn wieder- holt darauf hin, datz es doch mehr wie auffällig sei, datz er von der Frau Menzel ständig Geld, ferner auch von Adler in einem Cafe 190 M. erhalten habe. Dies sehe doch in Verbindung mit den Aussagen der Zeugen so aus, als wenn er ständig die Gelegenheit benutzt habe, die Kenntnis der Frau Menzel von dem Morde als Geldquelle zu gebrauchen. Der Angeklagte erwidert, daß ihm die Frau Menzel die von Adler erhaltenen 199 M. noch an demselben Ab-nd wieder abgenommen habe mit dem Bemerken:„Wenn Du Geld hast, so gehst Du bloß zn anderen Weibern hin!" Ter Vorsitzende weist aber immer wieder darauf hin, daß es auffällig sch. datz er die Frau Menzel förmlich am Gängelband gehabt habe und diese, wenn er nur den Wunsch äutzerte, sofort kommen mutzte. Angeklagter: Frau Menzel ist mir immer nachgelaufen. Vors.: Das soll aber nicht immer der Fall gewesen sein. Frau Menzel soll sick im Gegenteil häufig geweigert haben, zu Ihnen zu gehen. Sie sind dann stets furchtbar wütend darüber geworden, n**n �r0u Menzel nicht kam. Bei dieser Gelegenheft sollen Sie «uch mehrfach geäußert haben:„Die mutz machen. waS ich will, tck} Brauche nur den Mund aufmachen und es passiert etwas!" Angekl.: Das bestreite ich, ich habe so etwas nie gesagt! Vors.: Na, wir werden ja die Zeugen hören. Wir kommen nun zu dem Hauptpunkt in dieser ganzen Sache, nämlich auf Ihr früheres Geständnis. Nachdem der Tod des Menzel längst vergessen und über die ganze Sache Gras gewachsen war, liefen zwei Anzeigen von Personen ein, die sich gegenseitig gar nicht kennen, denen gegenüber Sie aber völlig übereinstimmende Angaben über die Tat gemacht hatten. Es ist dies ein Schmied Held und ein Gastwirt Thomae. Haben Sie diesen gegenüber ein Geständnis abgelegt?— Angekl.: Davon weitz ich nichts!— Vors.: Sie haben damals bei dem Gastwirt Thomae verkehrt und haben diesem erzählt, datz Sie nächstens eine Frau heiraten würden, die demnächst auch in das Lokal kommen werde. Als Frau Menzel dann kam, haben Sie längere Zeit mit ihr heimlich geflüstert und sollen dann nach ihrem Weggange zu Thomae geäutzert haben:„Das war meine Braut, morgen kriege ich wieder Geld von ihr." Da Frau Menzel am nächsten Tage nicht kam, sollen Sie geäutzert haben, Sie würden sich dann das Geld eben holen und waren am Abend auch tatsächlich mit einem ge- fiillten Portemonnaie wiedergekommen.— Angekl.: Das war mein Geld, das ich noch von ihr zu kriegen hatte.— Vors.: Wie erklären Sie denn aber folgendes: Am 13. März trafen Sie mit dem Schmied Held zusammen und tranken einige Gläser Bier. Auf die Frage des Held, weshalb Sie so still seien, hatten Sie geantwortet: „Das Weib hat mich unglücklich gemacht!" Held wollte nun auf den Busch klopfen und äutzerte:„Du kannst mir ruhig die ganze Sache erzählen, Du hast mir ja schon einmal gesagt, datz Du ihn erschossen hast." Sie sollen darauf geantwortet haben:„Ja, ja, es ist richtig, ich habe ihn getötet, das Weib, das furchtbare Weib, hat mich dazu angestiftet!" Sie sollen dabei geweint haben und ganz zerknirscht gewesen sein. Was sagen Sie denn dazu?— Angekl.: Da mutz ich betrunken gewesen sein, ich rede dann immer alles durcheinander. Wenn jemand durchaus etwas wissen wollte, so habe er dem Betreffenden stets den Gefallen getan und gesagt:„Ja, ja, so ist es!"— Vors.: Am Nachmittage gegen 6 Uhr sind Sie dann in das Lokal des Thomae gekommen und haben hier keinesfalls den Eindruck eines Betrunkenen gemacht. Sie waren auch hier still und starrten vor sich hin. Plötzlich faßten Sie den Thomae an den Schultern und erklärten weinend:„Es hat ja keinem Zweck, e? muß mal herunter von der Leber. Jchjjabe den Menzel erschossen, das Weib hat mich dazu angestiftet." Sie sollen dabei Ihr Porte- monnaie auf den Tisch geworfen und dem Thomae auch Ihre Photographie gegeben haben, mit dem Bemerken, er solle das Bild in seinem Lokal aufhängen. Wie kamen Sie dazu, dieses Gestand nis abzulegen?— Angekl.: Das weitz ich nicht!— Vors.: Sie wissen das nicht? Es steht aber in den Akten, von Ihrer eigenen Hand geschrieben?— Angekl.: Ich kann wirklich nichts darüber sagen. — Vorsts Sie haben eS doch noch bis vor kurzem gewußt und jetzt wollen Sie nichts mehr wissen? Es ist von dem Gericht«in von Ihnen an Thomae gerichteter Brief aufgehalten und zu den Akten genommen worden. In diesem Brief, den Sie wohl in den Hän- den des Thomae glaubten, schreiben Sie, datz Sie das Geständnis „nuter dem Drucke eines Liebeswahnfinns" abgelegt hätten, Sie hätten, da Sie ohne die Frau Menzel nicht mehr leben könnten, das Geständnis deshalb abgegeben, um auch sie damit zu vernichten, Sie hätten sich beide„vernichten wollen", da Sie ohne sie nicht mehr leben könnten. Weshalb geben Sie uns denn heute nicht diesen Grund an, Sie haben eben nickst gewutzt, daß Ihr Brief zurückgehalten worden ist? Wie wollen Sie da? erklären? Angekl.: Die Frau hat mich toll gemacht, ich konnte nicht anders! — Vors.: Sie haben doch aber erst behauptet, Frau Menzel sei hinter Ihnen hergelaufen. DaS stimmt doch alles nicht recht zu- sammen. Sie haben stets angegeben: Was ich bei Thomae gesagt habe, weiß ich nicht mehr, plötzlich in dem Brief wissen Sie, datz Sie etwas gesagt haben.— Angekl.: Ich kann mich auf die ganzen Einzelheiten überhaupt nicht mehr besinnen.— Vors.: Nachdem Sie bei Herrn Thomae �gewesen und das Geständnis abgelegt hatten, ist Frau Menzel gekommen und hat erklärt:„Auch mir gegenüber hat Nickel ein Geständnis abgelegt; er hat nicht niur zu gegeben, daß er meinen Mann erschossen hat, sondern auch zu- gegeben, wie er die Tat begangen: als alle Gäste auS dem Lokal sich entfernt hatten, hat er sich von dem Manne ein Notizbuch zeigen lassen und diesen Augenblick benutzt, um den bequem zu er- reichenden Revolver zu nehmen und mit diesem meinen Mann«r- schössen." Angekl. f erreg i): Die Frau lügt ja!— Vors.: Die Frau hat aber auch Einzelheiten angegeben, die mit den Bekundungen ande- rer übereinstimmen. Sie sagt:„Als der Angeklagte mich fortgesetzt trietzte und Geld von mir haben wollte, habe ich am 12. März ihm gesagt, daß ich ihn anzeigen würde, wenn das so weiter gehen sollte. Und da sind Sie dann zu Thomae gegangen und haben das Geständnis abgelegt, das Sie und die Frau vernichten sollte.— Angekl.: Die s�rau spricht die Unwahrheit!— Der Vorsitzende versucht vergeblich des längeren, von dem Angeklagten eine plausible Erklärung für das Motiv herauszuholen, welche? ihn bewogen baben sollte, dem Thomae gegenüber das angeblich falsche Ge- ständnis abzugeben.— Der Angeklagte erklärt: WaS Thomae sagt, stimme nicht, außerdem müsse berücksichtigt werden, daß er ja manchmal Leuten etwas erzählt habe, was gar nicht wahr ist. Das sei manchmal aus Renommage geschehen.— Bors.: Nun. wissen Sie, das wäre doch eine seltsame Renommage, datz jemand zu einem Dritten geht und unter Tränen und Schluchzen sich des Mordes beschuldigt.— Der Vorsitzende hält dem Angeklagten noch manches Verdächtige vor: Nachdem Anzeige von Held und Thomae erstattet worden war, ist er vier Tage später wieder zu Thomae gegangen, hat seine Photographie zurückerbeten und dem Thomae angedeutet, datz er neulich im Trünke wohl etwas viel erzählt habe, was aber alles nicht wahr sei. Er müsse sich doch also ganz genau daran erinnert haben, was er Herrn Thomae erzählt hatte. Er müsse auch Frau Menzel ersucht haben, die Sache wieder ins Reine zu bringen, denn diese sei bald darauf auch zu Thomae ge- gangen und habe festzustellen gesucht, was Nickel eigentlich gesagt habe.— Ter Angeklagte versichert wiederbolt, datz er eines Mordes absolut unfähig wäre; er habe zweimal schon Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet. -Schließlich verweist der Borsitzende darauf, datz der Angeklagte auf seine im Jahre 1907 erlittene Verletzung zurückgekommen sei und behaupte, datz daraus eine pathologische Lügenhaftigkeit resultiere, �ie Ermittelungen haben ergeben, datz die Sache gar nicht schlimm gewesen sei: dem Angeklagten sei eine Schraube auf den Kopf gefallen, der Angeklagte habe ein Loch im Kopfe erhalten, aber von einem Schädelbruch usw. sei keine Rede. Hierauf wird die Angeklagte Frau Menzel vernommen. Sie ist in Gernrode geboren, ihr verstorbener Ehemann habe sich mit ihr im Jahre 1899 verheiratet. Er sei früher Sattler gewesen und habe dann die kleine Destillation aufgemacht. Ihre Privatwohnung ist in der Cauerstratze gewesen, wo sie bei Herrn Adler, der ein von ihrem Manne gekanntes Liebesverbälftiis unterhalten habe, wohnte, diesem die Wirtschaft führte und die Hausverwaltung be- sorgte. Nach einer Bemerkung des Vorsitzenden hat sie außerdem auch„och mit einem anderen Manne ein Liebesverhältnis. Nach ihrer Behauptung hat ihr Mann mehrfach über schlechten Ge- schäftsgang und über Aufregungen� bei dem Geschäft geklagt, er sei überbaupt sehr nervös gewesen. Sie erzählt von einer Szene, wo ihr Mann nach Hause gekommen sei, ein Glas zertrümmerte und wie geistesabwesend dagestanden habe. Als sie— im Widerspruch mit ihren wiederholten Vernehmungen in der Vormftersilchung— jetzt mit der Behauptung auftritt, daß sie schon zu Lebzeiten ihres Mannes zu Nickel ehebrecherische Beziehungen gehabt habe, kommt eS zu lebhaftem Widerspruch seitens des Nickel. Zur Erörterung der Entwickelung, welche diese Beziehungen der beiden Angeklagten genommen hatten, wird die Oeffenstlichkeit ausgeschlossen. Aufshen erregte-es, als dann die Angeklagte Menzel, entgegen ihren früheren Angaben, behauptete, daß ihr Nickel am Tage nach dem Tode ihres Mannes eingestanden habe, daß er ihn ermordet habe. Er habe ihr gesagt, daß er ihn beiseite geschafft habe, weil er sie liebe und ihm, wenn der Manu tot sei, dadurch Gelegenheit gegeben werde, sie zu beiraten. Sie müsse doch in ihrem Lokal eine männliche Hilfe haben, und da hoffe er, daß sie ihn behalten und schlietzlich heiraten werüe. Diese Erklärungen der Angeklagten riefen in dem Gerichtssaal große Sensation hervor. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärte die Angeklagte weiter, datz ihr Nickel am Tage nach. der Tat gesagt habe, sie müsse aussagen, datz der Revolver ihrem Mann gehöre und sie die Waffe schon früher häufig bei ihm gesehen habe. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Rosenthal: Angeklagter Nickel, was sagen Sie dazu? Angekl.: Das ist alles freie Erfindung! Vors.: Wollen Sie wirklich behaupten, daß sich die Frau Menzel alles das aus den Fingern gesogen hat? 'Angekl.: Jawohl. Die Angeklagte Menzel bekundet dann noch, daß Nickel dieses Geständnis auch später bei anderen Gelegenheiten wiederholt habe. — Auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Alsberg werden alle Proto- kolle über die früheren Vernehmungen der Frau M. vor dem Untersuchungsrichter zur Verlesung gebracht. Auf eine Frage der Rechtsanwälte Dr. Rothschild und Münk, wann sie von dem Tode ihres Manne? Kenntnis erhalten habe, erzählt die Angeklagte folgendes: Sie sei an jenem Abend, nachdem sie für ihren Mann und Nickel Abendbrot bereitet hatte, kurz nach 11 Uhr nach ihrer Wohnung gegangen. Vor der Haustür habe sie noch den Zeugen Adler getroffen und mit ihm geplaudert. Am nächsten Morgen sei der Zeuge Knoblich ganz aufgeregt zu ihr gekommen und habe ihr erzählt, daß sich ihr Mann erschossen habe. Sie sei über den plötzlichen Tod ihres Mannes furchtbar unglücklich gewesen, da sie, wie alle anderen, zuerst annahm, er habe Selbstmord verübt. Am nächsten Tage habe Nickel ihr dann eingestanden, datz er ihren Mann ermordet habe. Von diesem Augenblick an habe sie einen richtigen Schauder vor Nickel gehabt. Borsitzender: Weshalb haben Sie sich denn, nachdem diese Ent� fremdung eingetreten war, nochmals mit ihm getroffen?— Angeklagte: Er bat mich per Karte, dann brieflich und schlietzlich per Telegramm um ein letztes Wiedersehen, und da ich Angst chatte, er würde seine Drohungen, mich als Anftisterin anzugeben, wahr machen, bin ich nach dem Lokal von Thomae gegangen.— Vors.: Wie hat sich denn dort die Unterhaltung abgespielt?— Angeklagte: Er fing gleich wieder mit seiner Liebelei an und fragte mich, ob ich ihn nicht heiraten möchte oder wenigstens mit ihm, ohne zu heiraten, zusammenziehen möchte. Als ich ablehnte, erklärte er, er wolle nach Leipzig fahren, habe aber kein Fahrgeld.— Vorfitzender (unterbrechend): Ich will bei dieser Gelegenheit gleich einmal wegen der 199 Mark, die der Zeuge Adler dem Nickel geschenkt hat, eine Frage an Sie richten. Haben Sie dem Nickel denn, wie er angegeben hat, von diesem Gelde 79 M. weggenommen?— Angeklagte: Nein, das ist nicht wabr. Ich sagte ihm dann, datz ich mich wegen des Fahrgeldes mit Adler in Verbindung setzen wolle. habe dann aber zu dem nächsten Tage abgeschrieben. Am Abend lauerte mich Nickel in der Berliner Straße auf. Es kam wieder zu einem Auftritt, bei dem er drohte, er wolle sofort zur Polizei geben und sich selbst stellen. Ich ging dann nach der Wobnung und ließ mir von Adler 49 M. geben, die ich Nickel gab.— Die Angeklagte erzählt dann weiter, datz Nickel vier Tage später in ihre Wohnung geschickt habe, sie möchte einmal herunterkommen. Nickel habe ihr dann erzählt, er habe dem Gastwirt Thomae von der Tat erzählt, er sei aber schon dort gewesen und habe versucht, ihm die Sache wieder auszureden, Thomae glaube aber, datz er die Wabr- heit gesagt habe. Sie müsse deshalb zu Thomae gehen und ihn ebenfalls von der Sache abbringen. Als sie sich weigerte, habe N. wieder gedroht, daß er dann zur Polizei gehen, sich selbst stellen müsse und sagen werde, daß sie ihn angestiftet habe. Erst darauf- hin sei sie zu Thomae gegangen.— Bors, lzu Nickel): Na, waS sagen Sie dazu?— Angekl.: Das ist ja alle? frei erftmden.— Bors.: Ist es richtig, datz Sie die Kleidungsstücke de? eoschossenrn Menzel getragen haben?— Angekl.: Jawobl. Die Frau Menzel sagte mir eines Tages, ich solle mir einen schönen Anzug aussuchen. Sie hat mir dann verschiedene Kleinigkeiten geschenkt. Auf eine Reihe von Fragen der Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. Münk erklärt die Angeklagte immer wieder, datz sie zwar seit langem die Absicht gehabt habe, zur Polizei zu gehen und die Sache anzuzeigen, diese Absicht aber immer wieder aufgegeben habe, da sie damit habe rechnen müssen, datz sie auf die Bezichti- gung des N. hin selbst wegen Anstiftung zum Morde angeklagt werde.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Haben Sie, Frau Menzel. ein einziges Mal ihrem Freunde Adler, mit dem Sie doch wie Mann und Frau lebten, etwas von dem angeblichen Geständnis des Nickel Ihnen gegenüber erwähnt? Dies wäre doch eigentlich sehr naheliegend gewesen.— Angeklagte: Nein, da? habe ich nicht. Nickel hat einmal geäutzert, er würde es mit Adler et«nso machen. wie mit meinem Manne.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Aber da hätten Sie doch gerade Veranlassung gehabt, dem Adler davon Mit- teilung zn machen.— Angeklagte: Ich habe deshalb nicht davon gesprochen, weil mich Nickel ja der Anstiftung bezichtigen wollte. Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet und wird mit der Beweisaufnahme begonnen. Als erster Zeuge wurde der Schlosser Wilhelm Menzel, der Bruder des erschossenen Gastwirts M., vernommen, der u. a. be- kündet, datz für den Erschossenen kein Anlaß zu einem Selbstmord vorgelegen habe. Er selbst glaube auch nicht an einen Selbstmord. — Aehnliche Angaben machte ein anderer Bruder des Erschossenen, der Bäckermeister Ernst'Menzel aus Baumschnlenweg. Er habe den.Verkehr mit den Meuzelschcn Eheleuten gemieden, weil die Frau Nienzel sich übel benommen und sich dem ersten besten hin- gegeben habe. Er habe die Angeklagte häufig mit anderen Männern gesehen, einmal sei sie sogar in der Friedrichstratze sistiert und zur Polizeiwache gebracht worden. Ihm, Zeugen, sei es aufgefallen, datz sich die zwei tödlichen Schüsse an der linken Kopfseite befanden. Auf eine Frajje des Vorsitzenden erklärt der Zeug«, datz sein Bruder Rechtshänder gewesen sei, so datz es völlig unerklärlich sei, datz die Schüsse links sahen. Irgendwelche Geldsorgen habe der Erschossene nicht gehabt, da er ihm stets Geldmittel zur Verfügung gestellt. Eine Zeugin Frau Schröder, eine entfernte verwandte des Menzel, bekundet«, daß dieser ihr im Jahre 1994«ineS TageS sein Leid geklagt und geäutzert habe, datz sich seine Frau mit anderen Männern herumtreibe. Wenn sie bloß mit Adler im Berkehr stände, würde er ja gar nichts dagegen haben, er könne doch aber nicht dulden, daß sie sogar nach der Friedrichstratze gehe. Mehrere andere Zeugen, die mit dem Erschossenen näher b«- kannt waren, schildern diesen als einen lustigen und geselligen Menschen, von dem sie niemals angenommen hätten, datz er Selbst» mordabsichten gehabt habe. Eine Reihe anderer Zeugen, welche über die Art der Be- ziehungen zwischen Nickel und der Fran Menzel vernommen wur- den, bekundeten, datz das Verhältnis zwischen Menzel und seiner Frau«in durchaus gutes war. Nickel habe einmal in der Trunken- heit ausgeplaudert, datz er mit der Frau Zstenzel intime Beziehungen angeknüpft habe. Beide wären häufig beobachtet worden, wie sie während der Abwesenheit des Mannes„Backe an Backe" auf dem Sofa saßen und sich küßten. Gegen 8 Uhr abends wurde die Verhandlung abgebrochen und auf heute(Freitag) 9% Uhr vertagt. Terwaltung Kerlln. Mitglikdkr-Nkchmmllingkn: |n Krnnettien beschäftigte Tischler Tonntag, den IS. Oktober, vormittags IS Uhr, bei Michaltseck, Petersburger Straße 84 Tagesordnung: Stellungnahme zur Kündigung des Tarifvertrages. DaS Erscheinen aller Kollegen ist ersordcrlich. Modell-«. Fabriktischler Montag, den LS. Oktober, pünktlich 8 Uhr abends, im„Rosenthaler Hof", Rosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Roch einmal: Tie Arbeitsvermittelung nach den Maschinen« sabrikeu« 8, Verbands- und Braiichcnangelcgenheiten. Schirmmacher Montag, den ii«. Oktober, abends«'/, Uhr, bei Knörig, An der Stralauer Brücke 3. Tagesordnung: Die Notlage der Schirmmacher und Stellungnahme dazu. Mp" ES ist Pflicht aller Arbeiter und Arbelterinnen der Branche, in dieser Versammlung zu erscheinen, im 90/12 Mitgliedsbuch legitimiert!> IMv Orteverwaltung. Würzburger HQhneraugenmittel von Dp. H. Ungep.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Pf. Anweisung frei Ohne Zweisel die beguemste u.wirksamsteHilfe. Der Schmerz ist in SMin. ort. 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Gesdiäftsfülirer für die Königsberger„Voikszeitung" zum 1. März 1914 gesucht. Bewerber muß kaufmännisch und technisch gebildet sein und Erfahrungen im ZeitungSwesen besitzen. Bewerbungen mit Gehaltsansprüchen sind bis zum 1. No- vember d. I. zu richten an Franz Tonalies, Königsberg i. Pr.� Münzstraße 24b.. 292/12* ifigemeine Ortskrankenkasse Nürnberg. Für die am 1. Januar 1914 ins Leben tretende Ortskrankcnkasse in Nürnberg suchen wir zum möglichst baldigen Eintritt einen geschäftsleitenden 273/5* ersten und zweiten Beamten. Nur solche Herren wollen sich melden, die zur selbständigen Organisierung und Leitung einer großen Krankenkasse(über 100 000 Mitglieder) befähigt sind und über mehr- jährige prattische Erfahrungen verfügen. Den Meldungen sind Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Angabe der Gchaltsansprüche und an welchem Tage der Eintritt erfolgen kann, beizufügen. Angebote sind biS zum 20. Ottober 1913 an die Geschäftsstelle der Allgemeinen Ortsttankenkasse zu Nürnberg. Fleischbrücke 3, mit der Auffchrift„Bewerbung" einzusenden. Fahrräderaiikaus, auch dcsctte, Höchstzableiid, Webersiraße 42.* Zahngebisse, Platin, Goldlachen, Silbcrsachcii böchstzahiend aläbel, Schützenstraße 72, I. 2675b* Unlerrickt. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebcrictzungen an- gescrtigt. G. Swienly- Liebknecht Cbarloitenburg. Stuttgartervlatz 9 Gartenbaus III. 44K* Mustergültiges Deutsch sprechen und schreiben lehrt billig(auch abend») erfahrener Privatlehrcr. Ansragen unter.Postlägerlarte 658*, Bricspost- amt Berlin.-s-72* Verschiedenes. Patentanwalt Wciiel, Gitichtner» straye 94a. Pateniaiiwali Müller. Gitichtner straße 16 Wäsche wird sauber, ohne Chlor gewaschen, im Freien getrocknet. Laken, Leibwäsche, vier Handtücher 0,10. Abholung sosort. Nichan, Köpe- nick, Alter Markt 9. 1523K Vermietungen. Zimmer. Vorderzimmer, zweijenstrigcS, eine Treppe, billig. Hartwig, Weißen- see, Charlottenbiirgerstraßc IN. s-139 Sauberes möbliertes Zimmer. Eulerilrbße 8, vorn III link». Nähe Bahnhof Gesundbrunnen.-j-57 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Klavterstiminer. Fast erblindeter Genosse cmpfieblt fich als Klavier- stimmet. Hasselbach. Neukölln, Niemetz. straße 10. Stellenangehvte. Marmorschleifer verlangt W. P'ieß, Oramenilraße 20. 2692b Berkänfertnnen, tüchtige, für Taschentücher, sofort gesucht.— Meldungen 1— 2 mittags oder 7 b>s 8 Uhr abends. A. Jandors u. Co., Bclle-Alliancestraße 1—2. 1524K Stranfirebcin. Geübte Krause- ritnien, in und außer dem Hause, finden dauernd lohnende Bes. ästi- gung. Heinrich Volck, Stallschreiber« straße 24. 2690b* Tie Stellung des Bureau» angestellten ist besetzt. Allan Be- Werbern besten Dank. Ortskrankenkaise der Gürtl« 2689b zu V erlin. Inseratenteil verantw.: Tb. Gl-cke. Berlin. Druck iL Verlag: Vorwärts Guchdruckerei n. VerlagSanstatt Paul Singer u.Eo.. Berlin ZMC