Ar. 274. Bbonnemcnts-Bedingungcn: ■Sonnemcitlä. Prei-Z pränlunerando! kierteijäbrl. S.Z0 Ml, monatl. l.lv Mk, wöchcnUich 2s Pig. frei ins Hau». Einzelne Nuinmer 5 Pfg. Sonntag'. Nummer mit illustrierter Sonntag». vcilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post. ildonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Prci-Iiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für daS übrige Ausland i Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, riumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. erscheint täglich. �#>. Berliner Volksblntl. Die InlertienS'Gcbüljr beträgt für die sechsgcspaltenc Kolonel. geile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewcrlschaftUche Percins. und Bersniiiiiilungs-Anzcigen 30 Pig. „Kleine Hnreigcn", das fettgedruckte Wort 20. Pfg. tzulüffig 2 fettgedruckte Worte), icdes Iveilere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pig. Worte über 15Buch. itabcn zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist . bis 7 Uhr abends geossiiel. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratiTchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. 1983. Sonntag, den 40. Oktober 1013. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. volkskunckgebung gegen fmitenfeiern. Ist denn wirklich das Boll erwacht? Weiß es, was es will und was es vermag? Goethe über die„Freiheitskriege" Die zweifelssüchtige Frage, die der größte Zeitgenosse der Fürstenbefreiungskriege vor einem Jahrhundert auswarf, könnte heute geschrieben sein— wenn die Sozialdemokratie nicht existierte. Denn was der offiziöse Telegraph und auf Stimmungsjagd ausgesandte Journalisten— auch die„liberale" Presse sucht ja den großen Tamtam mitzumachen, so gut oder so schlecht es eben gehen will— bisher aus Leipzig herüber! gekabelt haben, ist so jammervoll dürftig, so bar alle* Schwunges und aller historischen Linie, daß selbst einen „Patrioten" der Jammer bcschleichen müßte. Künstliche Fest arrangements, denen man anmerkte, daß kein Reinhardt die Regie führte, sondern die liebe Polizei, und un säglich hohle Worte— äußerlicher Pomp und leere Phrasen, das ist alles, was sich um das assyrisch- ägyptische Denkmalsungetüm abspielte. Und dasselbe ist's im ganzen Reiche, wo die herrschende Klasse die Jahrhundert- feicr beging. Von den nationalen Großtaten Anno 13 war da die Rede, von der Zertrümmerung des korsischen Joches, von der einmütigen Freiheitsbegeisterung von Fürst und Volk, von der Schaffung des starken, einigen Deutschland und wie die schönen Kraftworte des Lkriegerpathos alle lanten. Aber von dem, was vor 1 Jahren die Bewegung ins Rollen gebracht, von den gewaltigen politischen und sozialen Impulsen der fran- zöstschen Revolution, von dem Freiheitssehnen und den Emanzipationskämpfen der bürgerlichen Klaffen, von den feierlichen Fürstengelöbnissen und den gebrochenen Verfassungs Verheißungen, von dem großen Ringen um die Volksfreiheit, das Wesen und Kern der ganzen Volksbewegung gewesen, von allcdent war in den Festreden keine Rede! Muß man da nicht mit Goethe fragen: Ist denn wirklich das Volk erivacht? Weiß es, was es will und was es vermag? Als in den Wettern von Jena das alte feudale Preußen zusammenkrachte, vollzog sich nur ein historisches Strafgericht. Ein stumpfsinnig anmaßendes Junkertum, eilte verfaulte Bureaukratie, eine im ödesten Gamaschendrill verzopfte und durch den Korporalstock entnervte Armee mit einem höchst mittelmäßig begabten Monarchen an der Spitze waren dem Ansturm der neuen Zeit erlegen, die trotz aller Sultanslaunen des genialen Korsen das napoleonische Frankreich verkörperte. Die verknöcherten und versumpften Mächte des Absolutismus und Feudalismus wurden mit den Ritten blutig gegeißelt, die sie selbst geschnitten hatten, als sie mit ihren Söldner- Haufen und dem landesverräterischen französischen Adel an der Spitze das revolutionäre Frankreich niederrcnncn zu können wähnten, um das zu Selbstbewußtsein und politischen! Krastgefühl erwachte Volk Frankreichs wieder unter das Szepter des Absolutismus und den Fronstock des Feudalismus zu beugen. Die immer erneuten Koalitionen der reaktionären Ostmächte, denen sich aus handelspolitischer Monopolgier auch England gesellte, zwangen Frankreich imnier wieder das Schwert in die Hand, bis die leitenden Männer der Republik am blutigen Kriegsspiel und den Eroberungen Gefallen fanden und im schneidigen Angriff ihre Deckung suchten. Der Konsul Bonaparte und Kaiser Napoleon war so letzten Endes die Schöpfung der reaktionären Osttnächte selbst. Sie hatten sichs selbst zu danken, ivenn der militaristisch-absolutistische Erbe der französischen Revolution sie betäubend aufs Haupt schlug, ihre Länder zerstückelte und neu zusammenflickte Kronen vom Haupte schlug und seinen Kreaturen wieder aufs Haupt setzte, Aber diese Gottcsgeißel der Fürsten, dieser blutige Schlachtengott fand gleichwohl int deutschen Bürgertum be- geisterte Verehrer. Wie kam das? Einfach daher, weil Napoleon überall in den Ländern seiner Interessensphäre jene modernen Zustände einführen mußte, die das Ergebnis der französischen Revolution gewesen waren. Gerade die fort- geschritteneren Geister betrachteten ihn als Sturmbock und Herold der bürgerlichen Freiheit! Und niemals wäre die Lohe der nationalen Begeisterung 1813 so hoch emporgeschlagcn— trotz aller Erbitterung, die Napoleons militärische Aussaugung großer Teile Deutschlands gesät hatte— wenn nicht die Erhebung von 1818 getragen gewesen wäre von dem Sturm der Freiheitsbegeisterung. Napoleon konnte nur besiegt werden durch dieselben Kräfte, die ihm ehedem das Ueberaewicht gegen seine reaktionären Gegner verliehen hatten. Nur die Volksbewegung, die im Zeichen der Bauernbefreiung, der Städtefreiheit, der Ver- fassungsverhcißung und der demokratischen Volkswehr gegen die Fremdherrschaft emporbrandete, konnte eines Napoleon Herr werden. Das beweisen alle Dokumente der Geschichte, das beweisen die Zeugnisse der gefeierten Patrioten Stein, Boyen, Schön, Clausewitz. Arndt, Blücher usw. selbst, von denen wir einige wenige in den letzten Tagen wiedergegeben haben. Als aber die Freiheitsschlachten geschlagen waren, als durch die unerhörten Opfer freiheitsbegeisterter Märtyrer die französischen Ketten gesprengt waren— erfüllten die Fürsten ihre feierlichen Versprechungen? Gab man dem Volke seine Rechte? Die schmachvolle Geschichte der Bauernbefreinng, der jämmerliche Zustand selbst noch unserer heutigen Kommunalverfassung, die Abwürgung der Landwehr und"die empörende Entrechtung der preußischen Volksmasscn sind die Antwort auf die Frage. Schon die Revolution des Jahres 1818 hat die Antwort darauf gegeben, gar nicht zu gedenken der preußischen Konflittsjahre, wo sich noch einmal das libe- rale Bürgertuni dagegen auflehnte, daß das System der demokrattschen Volkswehr vollends in sein Gegenteil verwandelt wurde: in die Drillarmee als Instrument des Junkertums gegen die Volksmasse. Von alledem, von der Geschichte eines ereignisschwercn Jahrhunderts, von all den Kämpfen des Bürgertunts gegen seine feudalen Beherrscher, war bei der Jahrhundertfeier 1813 mit keinem Worte die Rede. Die Feier der Freiheitskriege war nichts als eine Fürstenfeier, höchstens noch eine Kund gebung des borniertesten Nationalismus im Zeichen des schlachtcnwittcrnden Imperialismus. Die Feier der natio nalen Erhebung gegen den französischen Jmperialisnms als Lärmttompete des zehnmal sinnloseren, hunvertmal knltur widrigeren allteutschen Imperialismus— welch eine Ironie der Weltgeschichte, welch eine Verhöhnung jeglichen National gefühls! Wiederum fällt einem Goethes böses Zweifclswort ein: Ist denn wirklich das Volk erwacht? Weiß es, was es will und was es vcnnag? Und dennoch! Das Volk i st erwacht! Nicht die Gottes gnadenträumer und nicht die zynisch-raffgierigen Junker. Auch nicht die Nachfahren der einstigen Freiheitskämpfer des Bürgerttims. Die Bourgeoisie ist faul und träge geworden im Besitz, sie ist polittsch in ihrem Fette erstickt. Aber dafür ist das Volk erwacht: die breite Masse, das Proletariat Und sie, die sich seit Jahrzehnten langsam aber unwider ftehlich entporarbeitete zu sozialer Erkenntnis, ztt Politischer Einsicht, zu Bürgerst okz und Kampfestrutz, sie wird zur Jahrhundert- feier auch den Beweis ihres lebendigen Klassenbewußtseins liefern! Mag das Bürgertum heute auch aus schanilosester Profitgier seinen Frieden mit Feudalismus und Absoluttsmus geschlossen haben— das wahre Volk, das arbeitende Volk erinnert sich der Ideale des Freiheitskampfes von 1813, es erneuert nach hundert Jahren den Kampfesschwur Wider „Henkersblut und Tyrannen!" Insonderheit wird auch das Proletariat von Groß-Berlin, das reaktionärer Argwohn und feudal- absolutistische Bevor mundungssucht noch hundert Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig nicht zu dem so dringend notwendigen ein h e i t l i ch e n kommunalen Körper zusammenwachsen lassen wollen, am heutigen Sonntag eindrucksvoll seine Gedächtnisfeier der Freiheitskriege begehen! Das Proletariat hat heute den Ausbeutern und Unter- drückern zu beweisen, daß es in der Tat begriffen hat, „was es will und was es vermag!" ver völkerichlachtsrummel. Leipzig, 18. Oktober.(P r i v a t t e l e g r a m m des„Vor- wärt s".) Der„große Tag" ist vorüber, die Hurrapatrioten haben ausgetobt und beginnen sich allmählich wieder zu ernüchtern. Ter über Leipzig verhängte kleine Belagerungszustand ist auf- gehoben, und das alltägliche Gepräge stellt sich wieder ein, mit seiner Katzenjämmcrlichkcit und einer Erbärmlichkeit, die jedem Rausche folgt. Man zieht das Fazit, und siehe da, es ist recht mager. Im Grunde genommen beherrschte Mars die Stadt, wie er die ganze Gegenwart beherrscht. Vom frühen Morgen an patrouillierte Infanterie, Kavallerie und Artillerie durch die Straßen Leipzigs — nicht nur Leipzigs, sondern auch längs der ganzen via triumpbalis der Fürsten und ihres bürgerlichen Lakaienschwarmes. Mit einem dreifachen Kordon sperrte das Militär den Frstplatz ab und bildete so eine wafsenstarrende Schutzwehr der Gekrönten vor dem Volke. Ter brave Bürgersmann war nur Staffage zum Hurrarufen. Militärische Waffenröckc und Kavalleriestiefel bildeten seinen Ausblick, und hinter militärischen Postenketten und Kavalleriegäulen konnte er seine Bewunderung vorschriftsmäßig entladen, und seine Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als end- lich die hohen, höchsten und allerhöchsten Herrschaften dem Platze ihres Festtages zuströmten. Zwar in den Straßen staute sich die Menge, doch wenn die bürgerliche Presse das mit besonderem Eifer registriert, so muß hier doch gesagt werden, daß die Oberpatrioten alle Register gezogen hatten, um die ihnen und ihren Fürsten erwünschte Menge Gaffer heranzuschasfen. Aus allen Teilen des Reiches" waren Prozent- Patrioten, aber auch Arme im Geiste herbeigeeilt, und auch das Ausland, namentlich Oesterreich, hatte seine Scharen Neugieriger gesandt. Auch so manche armselige Lcineweber-Gestalt war dem Winke gefolgt und stand sich die dürren Beine in den mageren Leib. Vielleicht, daß dieses Schauspiel solch armem Teufel Ge- legenheit gegeben hat, lehrreiche Betrachtungen anzustellen über den Unterschied zwischen seiner und der Lebenshaltung der � anderen.' 1 So begingen die Fürsten den Tag der Befreiung ihrer Ahnen von der eisernen Faust des Korsen. Alles, was von Gottes Gnaden war, war nach Leipzig gekommen. Dazu hatte das russische Welt- herrschertum einen Vertreter geschickt, in richtiger Erkenntnis des wahren Charakters des Tages von einer Horde Kosaken umgeben. Auch Oesterreichs Monarchenvertreter und Bernadottes Nachfahren bildeten einen großen Teil der Gäste. Mit riesigem Pomp wurden die Gäste empfangen. Den Bahnsteig verließen sie durch eine be- sondere Umzäunung, hinter der eine Mauer von Pickelhauben die Gaffer abhielt. Dann ging es dem Tenkmal zu, wo mit vielem, geschickt in Szene gesetzten Aufwand der Tag gefeiert wurde, an dem vor 100 Jahren das deutsche Volk den Korsen niederwarf, das Volk, dessen Nachfahren mindestens einen Kilometer im Umkreis vom Denkmal durch militärische und polizeilische Macht ferngc- halten wurde. So trug der Tag schon rein äußerlich den wahren Charakter der Zeit von heute und seinen Gegensatz zu dem vor 100 Jahren zur Schau. Wenn daickals das Volk die schwere Blutarbeit verrichtete und die Fürsten fern vom Schusse das mörderische Schauspiel be- trachteten, ohne ihre iverte Persönlichkeit irgendeiner Gefahr aus- zusetzen, so hatte diesmal das Volk die Aufgabe, die wiederum fein säuberlich abgesonderten Fürsten ans der Ferne zu bewundern, ihre Feier zu einer Volksseier zu stempeln, ihnen ein nationales Fest vorzugaukeln, wie es 1813 eine nationale Tat vollbrachte. Aber ein bitterer Tropfen Wermut war doch in den Freuden- becher der Oberpatrioten gekommen, und die bürgerliche Presse konnte nicht drum herum, festzustellen: Die klassenbewußte Arbeiterschaft stand abseits von diesem Treiben, sie hatte in Leipzig in fünf öffentlichen Versammlungen gegen die Fälschung der Geschichte protestiert, die am Tage der Denkmals- weihe stattfanden, lind wenn doch noch Arbeiter an dem Rummel teilgenommen, so wird die Zeit kommen, wo es keinem Regisseur gelingen wird, die Welt der Arbeit-über ihre Klassenlage zu täuschen. Es wird die Zeit kommen, da der Toten von 1813 in würdigerer Weise gedacht wird von einem Volke, das sich endlich seine Freiheit erobert hat, so wie sie den Kämpfern von damals vorschwebte. Sie flusiperning der Generale. Paris, 16. Oktober.(Eig. Bcr.) In der„Internationale" Pottiers gibt es eine verfäng» liche Strophe, worin von Kugeln die Rede ist. die die Sckl- daten statt für ihre Brüder für ihre eigenen Offiziere bestiin- inen. Man darf sich über die hartnäckige Entrüstung, womit die patriotischen Mililärfröminler den revolutionären Arbei- tern diesen zornigen Ausbruch ihres Dichters vorhalten, nicht wundern. Rührt er doch an ein Recht, das sich die Hierarchie der Kriegsprofession vorbehalten bat— sich der unbeqttemen Angehörigen aus eine sumniartsche Art zu entledigen. Der Synod des französischen Militarismus hat jetzt eine ganze Ladung von Ketzern zur Richtstättc geschickt. Einen Guillo- tinekarren voll Generale. Der Konvent ließ die Komman- bauten hinrichten, die im Krieg nicht zu siegen verstanden. Auf Manöverschnitzer, wie sie den meisten der gemaßregclten Offiziere zur Last gelegt werden, läßt sich freilich nicht die buchstäbliche Enthauptung setzen. In zwei Fällen indes ließ man es bei der zeitweiligen Ungnade, der Versetzung in Tis- ponibilität nicht bewenden. General E 0 n r b e b a i f s e. Militärgouverneur von Lyon, wurde pensioniert. Und General Fanrie. Kommandant des 15. Armeekorps in Montpellier, sollte, mit dem öffentlich ausgedrückten Brandmal der Unfähigkeit gezeichnet, als ob seine weitere Zugehörigkeit zur Armee eine Schmach und eine Gefahr für die Nation wäre. gleichfalls in Pension geschickt werden. Aber General Fgurie machte aus deni Pranger eine Rednerbühne. Er reder— klagt an. Sein offener Brief an den Kriegsminister, wegen dem er nun in Untersuchung ge- zogen ist, ist eine Rede an die französische Nation. Ungerecht, ruft er, sei die über ihn verhängte Strafe. Unbegründet der Tadel in deni Bericht des Generalstabschefs Joffrc, ge- hässig die Kritik des General C h 0 m e r. der die ihm unter- schobenen Fehler sich selbst als Kommandant der einen Ma- növerarmee habe zuschulden kommen lassen. Und die durch eine stimmungmachende Preßkampagne vorbereitete Maß- regelung richte sich nicht gegen den unzulänglichen, sondern gegen den republikanischen General. Sie sei das Werk einer fortgesetzten Intrige, die den Organismus der Armee zerfresse, das Vertrauen und die Arbcitsfreudigkeit des Ossi- zierskorps vernichte. Man hat diesen Proklamationsstil im Munde französi- scher Offiziere seit einem Jahrzehnt nicht mehr vernommen. Nach dem Fall des Kriegsministers A n d r 6, der mit Hilfe der Freimaurer die Ausscheidung der klerikalen Elemente aus der Armee versucht hatte, schien es nach außen hin, als ob das Gleichgewicht der Kräfte einen Ausgleich Herbeigeführt hätte. Zudem schieu die neue Epoche der internationalen Krisen, die Zuspihuna des Marokkokonflikts und die die Volks massen. ergreifende Sorge um die Erhaltung des Friedens die Versöhnung der Gegensätze im Zeichen der nationalen Ein tracht zu begünstigen. Diese Auffassung fand nicht nur in den patriotischen Melodien der großen Presse eine scheinbare Be stätigung, sondern auch in der Gemeinschaft, worin sich ein ansehnlicher Teil der Radikalen im Parlament mit den Par teien der Rechten zusammenfand, um die Wünsche der Armee oberen zu erfüllen. Unter Regierungen, die sich in ihren Pra g rammen und Reden zur antiklerikalen Republik bekannten wurde durch öffentliche und vertrauliche Dekrete der Einfluß des Militarismus verstärkt, die Reform der Kriegsgerichte in kiuer Schublade eingesperrt und endlich die stolzeste Leistung des Block» als militärpolitischem Gebiete, die zweijährige Dienstzeit, gemäß dem Geheiß des obersten Kriegsrats ge opfert. Der Protest des Generals Faurie fällt wie eine Bombe in diesen verlogenen Gottesfrieden. Die nationale Idee hat nicht die konservativen und die demokratischen Offiziere geeint, sie war vielmehr der Schild, hinter dem die Allmacht des Kleri- kalismus in der Armee- wieder aufgerichtet werden sollte. Man darf den Chefs der reaktionären Gruppe nicht das Ge- schick absprechen, mag ihnen auch die Zwiespältigkeit des bür- gerlichen Republikanismus. die Empfänglichkeit des radikalen Kleinbürgertums für chauvinistische Demagogie und die Kor- ruption und das Sensationsbedürfnis der großen Presse zu- gute gekommen sein. Ein unverkennbar aus republikanischen Armeekreisen stammender Artikel der„Humanitä" weist heute auf den ersten Souschef des Generalstabs, General de Curidres de Castelnau als auf den eigentlichen Organisator der reaktionären Ilmtriebe hin. der in den kleinen wie den großen Aktionen der Drahtzieher gewesen sei— bei den Millerandschen Erlässen, der Einführung der Zayfenstreichc und der Wiedereinsetzung Du Paty de Clams, wie bei der Durchsetzung der dreijährigen Dienstzeit. Ob allerdings der neueste Vorstoß der Klerikalen beson- ders geschickt ist. scheint sehr fraglich. So zerrissen auch die radikale Linke ist. die Schreckbilder des Klerikalismus in der Armee und der militärischen Vorherrschaft haben ihre Wirkung noch nicht verloren. Das hat man beiin Zwischenfall Du Pattz de Clam und bei der unvorsichtigen Intervention des Generals Pau in der Debatte über die zweijährige Dienstzeit gesehen. Selbstverständlich wird sich die Regierung auf den Stand- punkt des nationalen Interesses an der Ertüchtigung der Armee und der unbedingten Disziplin stellen. Indes ist sie gerade in der Militärdebatte am ungünstigsten daran, nament- lich auch infolge der durch das Dreijahrgesetz bewirkten Des- organisation der Landesverteidigung. Vielleicht aber liegt den Klerikalen gar nicht so viel daran, das Ministerium Bar- t h o n zu halten, das sich mit der Linken in der Schulfrage ganz gern mit einer gemäßigt antiklerikalen Lösung abfinden möchte. Graf d e M u n hat unlängst drohend genug die Rech. nung für die Wahl Poincaräs und die Durchsetzung der Mili- tärvorlage präsentiert. Fällt das Ministerium über die Affäre der militärischen Maßregelungen, so bleibt noch immer sehr"ngewiß. ob der Linken die Konsolidierung einer Regie- rnngsniehrheit möglich ist und es könnte sein, daß dre neue Krifenepoche den von den Reaktionären erhofften endgültigen Bruch in der bürgerlichen Linken herbeiführt und die fort- geschrittenen Radikalen in den kommenden Waihlen zu einer hoffnungslosen Minoritätspartei macht. Ter radikale Partei- tag in Pau wird zeigen, welcher politischer Energien die bur- gexlicke Demokratie nock, fähig ist. welche Kraft revolutionärer Tradition und entschlossenen Fortschritts auf der Bahn mo- derner Reformen ihr innewohnt. » Oer radikale Parteitag. P�ris, 18. Okt. Der gegenwärtig in Pau tagende Kongreß der Radikalen Partei nahm auf Antrag des Deputierten und ehemaligen Unterstaatssekretärs Malvy einstimmig einen Beschlußantrag an. in dem eS heißt: In der Erwägung, daß erstens der Ministerpräsident und Unterrichtsminister Barthou jüngst einen Erlaß über di« Schulbücher herausgegeben hat, der die Aufsicht über die staatlichen Schulen der römi- schen Geistlichkeit preisgibt, und daß zweitens die Teilnahme der Kriegsschisfe an einer religiösen Feier eine Ver- V.tzung de? Trennungsgesetzes darstellt, fordert der Kongreß unter Hinweis auf die bereits früher gefaßten Beschlüsse die radikalen Mit- glieder im gegenwärtigen Kabinett auf, zwischen ihrem Ver- bleiben im Ministerium und ihrer Zugehörigkeit 'zur Partei zu wählen. Ferner wurde auf Antrag des Deputierten B u y s s o n ebenfalls einstimmig der folgende gegen den Präsidenten Pöincart gerichtete Antrag angenommen: Der Kongreß lenkt die Aufmerksamkeit der Mitglieder der Partei auf alle Kundgebun- gen und alle Gelstste einer persönlichen Politik, die das Änsehen der parlamentarischen Einrichtungen zu verringern und die rückschrittlichen Bestrebungen gegen die freidenkerischen, demo- kratischen und sozialistischen Errungenschaften der republikanischen Partei zu begünstigen drohen. Schließlich stimmte der Kongreß den von seinem Ausschusse 'für auswärtige Angelegenheiten eingebrachten Reso- lutwnen bei, in denen unter anderem gegen die geplanten fremden Anleihen und gegen die geheimen Ver- träge protestiert wird und jenen Parlamentariern, die sich zur französisch-dcutschen Berständigungskonferenz nach Bern bc- geben haben, die Zustimmung und die Glückwünsche der Partei aus- gesprochen werden. Höhere Konfusion! Pau, 18. Oktober. Im Hinblick auf den gestern angenommenen Antrag des Deputierten Bouyssou, in welchem einige eine Anspielung auf Poincarö sahen, hat der Kongreß heute, um jede Zwei- dcutigkeit zu vermeiden, einen Antrag angenommen, in dem er seine konstitutionelle Loyalität beteuert und die Person des Präsidenten der Republik über die Parteikämpfe stellt. Als Bouyssou plötzlich hinzu kam, protestierte er gegen den Beschluß, indem er erklärte, er habe Achtung vor dem Staats- obcrhaupt, aber dieses dürfe nicht aus seiner Rolle fallen. Es cniwickelte sich bald darauf eine lärmende Debatte; schließ- lich erklärte der Kongreß sowohl den gestrigen wie den heutigen Beschluß für ungültig und überwies die Anträge an eine Kommission._ Das Aahlmamkeit der italieviichen Sozialdemokratie. Der Vorstand der sozialistischen Partei hat zu den Paria- nrentswahlen vom 26. Oktober den folgenden Aufruf ver. breitet: �„An die Wähler Italiens! Die Ereignisse der letzten zwei-Jahre-haben bewiesen, daß es eitel wäre, von den Regierungsparteien eine Linderung der Hebel zu erwarten, unter denen die gegenwärtige Gesellschaft leidet. Während gegenüber der EntWickelung der kapitalistischen Zivilisation das sozialistische Streben nach einem Regime der Ge- rechtigkeit und Gleichheit die letzte Hoffnung aller Ausgebeuteten ist, hat in unserem Lande ein ruchloser Eroberungskrieg die mög- lichen Reformen und die Kulturfortschritte, die die Arbeiterschaft vor fünf Jahren gefordert hatte, den unersättlichen Forderungen des Militarismus aufgeopfert.'.Ter Krieg hat unser ganzes nationales Leben verwüstet: in der Politik hat er dein Regime des Säbels, der Dreistigkeit der Polizei, dem Vordringen der Kirche die Türen geöffnet; in der Voltswirtschaft hat er die Lebensmittel- teuerung gesteigert, die Löhne verringert, die Arbeitslosigkeit ver- mehrt, den Handel gehemmt: überall hat er Schmerzen, Tränen und Opfer gesät. Der Bericht der Regierung zur Kammerauflösung verherrlicht das rechnerische Gleichgewicht des Staatsbudgets als Anzeichen nationalen Wohlstandes: trotzdem aber muß er die Verschärfung und Ausdehnung der sozialen Konflikte zugestehen, die traurige Lage der öffentlichen Gesundheitspflege, das Anschwellen der jugcnd- lichen Delinquenz, das Fortbestehen des Analphabetismus, die trostlose Lage der süditalienischen Landbevölkerung. Heute, wo es gilt, die Abgeordneten zu wählen, ist für die Wählerschaft der Moment gekommen, um gegenüber dieser Sach- läge ihren Willen kund zu tun. Die Erweiterung des Wahlrechts hat den Einfluß des Volkes vervielfältigt, und die Wählerschaft muß sich dieses Einflusses bedienen, um ihre Rechte, ihre Freiheit, das eigene Leben und das ihrer Familien zu verteidigen. Sie muß sich des Wahlrechts bedienen, um den Kandidaten ihre Stimme zu verweigern, deren Parteien den Staat und seine Einrichtungen stützen. Von allen Parteien hat nur die unsere den Kampf gegen den Krieg, gegen den Militarismus, gegen die Reaktion und gegen das Pfaffentum des heutigen politischen Regimes aufgenommen. Ihren Kandidaten kommen die Stimmen der Wähler zu, die unter den heutigen Zuständen leiden. Arbeiter! Parteigenossen! Das Parlament ist das hauptsächlichste Werkzeug der Herr- schaft der Bourgeoisie. Wenn wir unsere politischen Vertreter in die Parlamente entsenden, so geschieht es nicht, um mit der Klasse zusammenzuarbeiten, die von der Ausbeutung der Arbeit lebt, sondern um angesichts der ganzen Nation die Interessen und Forderungen des Proletariats zu vertreten. Deshalb legen unsere Kandidaten Euch nicht ein Programm illusorischer und winziger Reformen vor; wir versprechen nicht, wie die konstitutionelle Opposition, eine Altersrente von 3« Cents täglich, aber wir be- tonen die Notwendigkeit eines systematischen und ununterbrochenen Kampfes, auch innerhalb des Parlaments, gegen die Rüstungen, gegen die Zollschranken, gegen die parasitären Kasten in Staat und Kirche, für die Expropriation durch Abgaben, für die Erweite- rung der proletarischen Rechte, für das allgemeine Wahlrecht der Männer und Frauen. In diesem Sinne fordert Euch die sozialistische Partei auf, den heutigen Wahlkamps im Zeichen der großen Ideale durch- zuführen, die die moderne Arbeiterschaft beleben: Euer Verdienst wird es sein, wenn die Ergebnisse dieser Wahlen eine Neue rühm- volle Seite in der Geschichte des internationalen Sozialismus bc- zeichnen werden.-'' Der Parteivorstand. Agriini Bacci.' Balabanoff. Cagnoni. Della Seta.' Fioritto. Mastracchi. Musaiti. Mussolini. Ratti. Smortt. Vella. Serbini. Costantini' Lä'ssÄi."- polWcbc QebcrSicbt. Zum Hamburger Wahlsieg. Neber die Mehrheit von 9131 Stimmen, mit der unser Genosse Stolten nach dem jetzt ermittelten genaueren Resultat über fünf Gegenkandidaten(Fortschrittler, Nationalliberal, Konservativ, Antisemit und Pole) gesiegt hat, kann die Gegner auch der Umstand nicht trösten, daß die Sozialdemokratie rund 3006 Stimmen weniger als 1912 erhalten hat, denn auch die bürgerlichen Parteien haben Stimmenrückgang zu verzeichnen, vor allem die Fortschrittler, die fast 2000 Stimmen weniger erhielten als 1912. Mehr als doppelt so viel wie die Bürgerlichen zusammengenommen, hat unser Kandidat an Stimmen auf sich vereinigt. Unter den 40 Bezirken des ersten Hamburger Wahlkreises ist auch nicht cintzr, wo Stolten nicht die überwältigende Mehrheit erzielt hat. Das ist um so höher anzuschlagen, als zum 1. Oktober etwa 4000 Wähler des Kreises ihre Wohnung gewechselt und größtenteils den Wahlkreis verlassen haben. Viele von ihnen, hauptsächlich Arbeiter, Hadem nicht wählen dürfen, obwohl sie in der Liste standen, weil die Zentralwahlkommission unter Berufung auf den Buchstaben des Wahlreglements das Wahl- recht als erloschen betrachtet, wenn der Wähler ani Tage der Wahl nicht mehr im Kreise wohnt. Zieht man tveiter in Betracht, daß bei Nachwahlen auch in Arheiterkreisen keine so rege Wahlbeteiligung aufzubieten ist wie bei Hauptwahlen, und daß infolge des verunglückten Werftarbeiterstreiks eine tiefgehende Verdrossenheit sich gerade in den bestorganisierten Arbeiterschichten bemerkbar macht, von der auch das Partei- leben nicht unberührt bleibt, so muß gesagt werden, daß dieser Wahlsieg so gut ausgefallen ist, wie er unter der Un- gunst der angeführten Umstände nur ausfallen konnte. Kapitalistische Helfer der christlich-nationalen Arbeiterbewegung. Wie die Unternehmer den christlichen Gewerkschaftlern bei Wahlen zu Hilfe eilen, darüber gibt ein Rundschreiben Auskunft, das anläßlich der bevorstehenden Krankenkassenwahlen in Mül- heim a. Ruhr von Unternehmern an Unternehmet versandt wor- den ist. Dieses Rundschreiben hat folgenden Wortlaut: „Mülheim(Ruhr), den 7. Oktober 1313. P. P. Die Wahlen für die Ortskrankenkasse finden am 23. Oktober dieses Jahres statt und mit Rücksicht auf die zur Einführung gekommene Verhältniswahl ist es möglich, die Herrschaft der Sozialdemokratie, also eine einseitige Parteiherrschaft, zu brechen, wenn sämtliche Arbeitgeber die bei der Wahl beteiligten nationalen Arbeiterver- bände insofern wirksam unterstützen, als sie diesen die Namen und Wohnung der bei ihnen beschäftigten und bei der Ortskrankenkasse angemeldeten, über 21 Jahre alten Ar- bester und Arbeiterinnen angeben. Eine große Zahl Arbeitgeber hat in richtiger Er- kenntnis der Wahrung seiner eigenen Jmter- essen dies bereits besorgt und bitten wir auch Sic, die bei- folgenden Listen nebst Bescheinigungen ausgefüllt möglichst um- gehend an Hekrn Gerbereibesitzer Julius Kleinert, Mülheim (Ruhr), Rückertstraße, unter Benutzung des beiliegenden Frei- kuverts gelangen lassen zu wollen, der sie den nationalen Ar- beiterverbänden zur Verfügung stellen wird. Wir rechnen auf Ihre Mithilfe. Mit vorzüglicher Hochachtung! - Mehrere Arbeitgeber." Der Inhalt des Rundschreibens dokumentiert, daß die Wahl chriftlich-nationaler Arbeitervertretcr in die Krankenkassen von- nöten ist, damit die Interessen der Arbeitgeber in den Kassen gewahrt werden. Das ist deutlich und offenherzig ge- sprachen. Wohl faseln die christlich-nationalen Avbeiterorgani- sationen in Versammlungen und in ihren Flugblättern von einer „Wahrung der Interessen der Arbeiter", aber die Unternehmer wissen es besser. Nach ihnen müssen christlich-nationale Arbeiter- Vertreter gewählt werden, damit'die Arbeitgeber vor Schaden bewachrt bleiben. Die schlimmen Sozialdemo- traten nehmen sich in den Krankenkassen zu sehr der Arbeiter an; das aber kann nur verhindert werden, wenn die Unternehmer sich am Wahlkampfe gegen die„Roten" aktiv beteiligen und so den christlich-nationalen Kandidaten zum Siege verhelfen. Brandt klagt. Der zur Disposition gestellte Bureauvorsteher der Essener Firma Krupp, Maximilian Brandt, hat durch seinen Ver- tcidiger, Rechtsanwalt Dr. Löwenstein, gegen den früheren Berliner Generalvertreter der Firma Krupp, v. Metzen, wegen Beleidigung Strafantrag gestellt. Die Beleidigung soll enthalten sein in dem von uns vor einigen Tagen veröffentlichten Interview über den bevorstehenden Krupp-Prozeß. Die Arbeitslosigkeit. Usber den Umfang der Arbeitslosigkeit hat die Handels- kammcr in Stuttgart, veranlaßt durch eine Anfrage der staatlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel, Erhebungen an- gestellt. Das Ergebnis dieser Erhebungen faßt die Kammer dahin zusammen, daß im Baugewerbe, in der Mascbiuenfabrikation. in der Metall- und HolzverarbeiiungSindustric Arbeitslosigkeit in größerem Umfange zu beobachten ist, wenn auch ein Teil dieser Betriebe bisher noch nicht wesentlich von- der sinkenden Konjunktur in Mitleidenschast gezogen wurde. Eine weitere Verschärfung sei Iva h r s cb e in- lich. Im ganzen sei aber die Arbeitslosigkeit bisher noch nicht in dem Maße aufgetreten, daß Grund zu Beunruhigungen für den kommende» Winter vorhanden iväre. Als geeignetes Mistel zur Belämpfung der AibeitSlosigkeil empfiehlt die Kammer die möglichst beschleunigte Vornahme der etatSmäßig vorgesehenen Bauten, ins- besondere von Straßen-, Eiscnbahnbauien usw. Wieviele Hundert» tausende von Arbeitern müssen erst der Verzweiflung überantwortet sein, bis nach Äiiffassting der Handelskammer Grund zur Beunruhigung gegeben ist. Auf dem Stuttgarter Rathause interpellierten unsere Ge- Nossen aufs neue, welche Schritte von der Stadtverwaltung gegen die drohende Arbeitslosigkeit unternommen worden seien. Der Ober- bürgermeister antwortete kurz angebunden, darüber sei früher schon beraten und die städtischen Acmter seien angewiesen worden, die ge- planten Bauten möglichst rasch auszuführen. Als unsere Genossen aus diese Antwort näher eingehen wollten, beschlossen die Vertreter aller bürgerlichen Parteien, keine weitere Debatte zuzulassen. Das Münch euer Eemcindekollegium beschäftigte sich am Donnerstag mit einem sozialdemokratischen Antrag über die Ein» fützrnug. einer Avbestslosönverstchcrnng. Es wurde beschlossen, den -Magistrat um baldige Vorlage ein�S Satzungsentwurss für eme ge» meindliche AtbeilSloseUversicherung zu ersuchen.. Wester wurde be- schlössen, der Etatskommission den Antrag zu überweisen, 1 50 000 M. für die Arbeitslosenfürsorge in den Haushaltsplan für das Jahr 1914 einzusetzen. In Brandenburg a. H. stellte die sozialdemokratische Stadt- verordnetcnfraktion, die bei 45 Stadtverordneten die gesamte dritte Abteilung besetzt, an die Stadtverordnelenveriammlung und an den Magistrat den Antrag auf Durchsührung städtischer Maßnahmen zur Regelung der Arbeilslosenfürsorge: durch Einsührung des Genier Systems und durch eine Eingabe an die Reichsregierung und den Reichstag, sich dem Verlangen nach einer reichs- gesetzlichen Arbeit-Slosenversicherung anzuschließen. Auf Antrag deS Stadtverordnetenvorstehers wurde in Anbetracht der Wichtigkeit der Anträge zu deren Beratung eins siebengliedrige Kommission eingesetzt, der auch zwei sozialdemokratische Stadlverordnete angehören. Dynamitbomben, am Zentrumsturm. Auf dem Zentrumsparteiwg für den Regierungsbezirk Koblenz — einer der schwärzesten Bezirke im Reiche— sind sorgenvolle Reden gehalten worden. Die gedrückte Stimmung läßt sich selbst au? dem wenigen erkennen, was die„Kölnische VolkSzciwng" (Nr. 833) aus den vertraulichen Verhandlungen zu berichten für gut befindet. Reichstags- und Landtagsabgeordneter Marx nahm sich die„Quertreiber" aufs Korn: „Er bezeichnete es als schwere Gefahr für die Partei, daß von gewisser Seite systematisch das Vertrauen zum Zentrum und zu seinen Führern zu untergraben versucht werde. Er wies schlagend nach, daß dieses in unverantwortlichcr Weise von den Quertreiberblättern„Katholisches Teutschland",„Oester- reichs katholisches Sonntagsblatt" und„Petrusblättcr" geschehe. Recht und Pflicht der Führer sei es. dieses für die Partei ver- hängnisvolle Treiben mit allem Nachdruck zurückzuweisen. Setzen die bezeichneten Blätter ihr Treiben fort, dann sind wir am Anfang vom Ende; die Verantwortung tragen die, welche solche Dynamitbomben am Zentrumsturm legen." Dabei hat Bischof Komm von Trier erst vor wenigen Wochen die„Petrusbläiter" öffentlich belobt. Es mutz bedenklich mit dem Katholizisnu's des Zentrumsabgeordnete» Marx aussehen, wenn er seinen Bischof in so nabe Verbindung mit„Dynamitbomben" bringt. Der Parteisekretär Dr. Jörg wußte von einer anderen Ge- fahr zu berichten: �„Aus manchen Gemeinden wird von einem Anwachsen der lozialdemokratischen Gemeindcvertretcr berichtet.... D,e Lano- tagswahlcn hatten zumeist eine geringe Beteiligung. Aus einigen Landorten wurde über ein starkes Anwachsen der lozialdemo. kratischen Stimmen berickstct. Arbeiter, die, ich als gut katholnch bezeichnen, gehören den sozialdcmoiratischen GeWerl, c�sten an und wählen rot. Es sei ihnen gesagt worden, den chrtstlichen Gewerkschaften dürften Katholiken nicht angehören, das lei�nrch- lich verboten, während die Zugehörigkeit zu den„freien Ee- werkschaften nirgends verboten sei." Auch diese Vorwürfe richten sich gegen Herrn Korum. Die Grubcnherre» kommandieren zur Wahl. Man kennt die schweren Anklagen der Nationalliberalen über unerhörte Wahltyrannei der konservativen Junker in Ostelbien. Es wäre aber sehr verfehlt, daraus zu schließen, m nalionallibe- ralcN Kreisen sei Wahltyrannci und ungehörige Wahlbeeinslussung überhaupt verpönt Wie die nationalliberalen Grubenherren in Westfalen ihre Herrschaft in den Gemeinden zu erhalten wissen zeigt folgende Bekanntmachung, die aus der nur zur bekannten Dortmunder Zech«„Radbod" prangte„Am 10. Oktober 1913 sinfot in der Wirtschaft des Herrn Westhof-Ermelinghofen die Neuwahl i Gemeindevertretern für die zweite Abteilung statt, und ztoar in von von 2— 5 Uhr nachmittags. Folgende Leute haben sich an der Wahl zu beteiligen."(Folgen die Namen von 27 Bergleuten der Zeche„Radbod".)' Ter Ukas ist ein Musterbeispiel von Skrupellofigkeit, da durch ihn zweifellos ein sanfter Druck aus die Arbeiter ausgeübt werden soll,, damit diese die Vertreter der Zechenpartei wählen. Die Zechen- jenen, die mit am lautesten über den angeblichen Tenorismus der Arbeiter schreien, machen, wie man sieht, selbst in Terrorismus. Wenn die Agrarier Wünsche äußern. Vor kurzem berichteten wir im„Vorwärts", daß ein Groß- agrarier aus der Provinz Posen in einem Artikel mit Rücksicht aus den.Leutemangel" eine Verlängerung der Herb st- ferien für die ländlichen Schulkinder forderte. Schneller als man denken konnte, ist diesem Wunsche der Herren Agrarier Rechnung getragen worden. Der Landrat von Bromberg erläßt im„Kreisblait" folgende amtliche Bekanntmachung: „Die außergewöhnlichen Witterungs- und Ernteverhältnisse in diesem Jahre haben die Landwirtschaflskammer der Provinz Posen veranlaßt, eine Verlängerung der Herbstferien zu beantragen. Um diesem Antrage, soweit eS mit dem Schulinteresse vereinbar er- scheint, entgegenzukommen, hat die königl. Regierung. Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, zu Bromberg, die Herren Kreisschulinspekwren ermächtigt, den während des Sommer- Halbjahres mit Rücksicht aus die landwirtschafllichen Verhältnisse in den ländlichen Schulen eingeführten Halbtags- Unterricht auf Antrag bis zum 1. November d. I. bestehen zu lassen und, gleichfalls, nur auf Antrag und nach Prüfung der örtlichen Verhältnisie. den Unterricht für die Ober- und Mittelstufe nur von 7 bis 10 Uhr erteilen zu lassen, damit diese Kinder nachher bei der Ernte der Hackfrüchte zur Verfügung st ehe n können. Etwaige Anträge sind rechtzeitig bei den Herren Kreisschulinspektoren zu stellen." Noch eine wichtige Entscheidung zum Preftgesetz. Der verantwortliche Redakteur L u sch e r von der„Schlesischea Bergwacht" war wegen Beleidigung des Amtsrichters Gerntholz in Weißwasser zu 150 M. Geldstrafe verurteilt worden.. Der Amts- richter sandte nach einiger Zeit den Urteilstenor zur kostenlosen Veröffentlichung an die Zeitung ein. Da mittlertveile ein Wechsel bei den verantwortlichen Redakteuren eingetreten war, gelangte die Einsendung dcS Amtsrichters nicht an die richtige Adresse und die Veröffentlichung unterblieb. Später wurde durch Vermitte- lung des Staatsanwalts nochmals versucht, den Urteilstenor zu veröffentlichen, und als es auch diesmal nicht geschah, wurde dem neuen verantlvortlicheu Redakteur Franz der Prozeß gemacht. Tie Verhandlung, die am Donnerstag vor dem Waldenburger Schöffengericht stattfand, endete mit der Freisprechung des ange- klagten Redakteurs, weil er, genau wie bei den anderen jüngsten Entscheidungen dieser Art, nach tz 10 des Prcßgesetzes nicht zu einer kostenlosen Aufnahme im Text der Zeitung verpflichtet sei. Dieser Paragraph spricht nur von einer amtlichen Aufnahme im Anzeigenteil, und zwar gegen Entgelt. Das sei nicht verlangt worden; ein anderes gebe es auch nicht, deshalb habe Freisprechung zu erfolgen. 5?armerstreik iu Kamerun. Nach einer Meldung der„Hamburger Nachrichten" hat der Verein westafrikanischer Kaufleute, Abteilung Südkamerun, be- schlössen, die Geschäfte in Südkamerun zu liquidieren. Das Blatt bemerkt dazu:„Die gesamte Bevölkerung Südkamcruns lebt gegenwärtig vom Südhandell, soweit sie nicht Kautschuk schneidet, ist sie als Träger oder Faktoreiarbeiier beschäftigt. Alles das hört mit Liquidation des Südhandeks unf.- Der� Eingeborene wird keine Gelegenheit mehr haben, Geld zu verdienen, denn der'Landwirt- schaff ist er ciitwöhut, auch vertragen landwirtschaftliche Massen- Produkte den Trägeriransport nicht. Da der Emgeborene nichts mehr verdient, muß auch jede Einführ aufhören, und damit fallen die gesamten Zolleinnahmeu des Südens, die im Kameruner Etat eine nicht unbedeutende Rolle spielen, fort. Es wäre nicht ver- wunderlich, wenn Unruhen der Eingeborenen, die mit dem neuen Zustande kaum zufrieden fein dürften, die Folge wären." Dieser Streik soll eine Folge der Rede sei», oie Staatssekretär Dr. Solf vor den Farmern gehalten hat. Tie Kautschukkrise hat ihre Ursache nicht nur in dem Raubbau, der in Kamerun getrieben wurde, sondern auch in dem Umstände, daß in britischen Gebieten Plantagenkautschuk produziert wird, der sich erheblich � billiger stellt, als der in unseren Kolonien gewonnene Kautschuk. Tie Farmer waren nun oer Meinung, daß ihnen das Reich eine Liebes- gäbe bewilligen werde, und weil sie sich damit verrechnet haben, wollen sie streiken— ein Vorgehen, das dem Reiche schließlich immer noch billiger kommt, als die Gewährung einer Liebesgabe. Oclterrdcb. Ter Erfinder des Prochaskaschwindcls entfernt. Wien, 13. Oktober. Das„Fremdenblatt" meldet: Der Leiter des Lilerariickien Bureaus im Ministerium des Auswärligen Gefaudler v. K a n i a ist zum Gesandten bei der m e x i k a n i s ch e ü R e p u b l i k ernannt worden. Stigland. Ter englische Flottenctat. London, 18. Ottober. Ter erste Lord der Admiralität Winston Churchill hielt heute in Manchester eine Rede, in der er oie Flottenfrage erörterte.� Ter Flottenctat sei höher wie je und werde im nächsten Jahre noch höher sein. Ter kommende Flottenetat sei lediglich die Folge des Etats der letzten drei Jahre. Die gegenwärtigen Lasten könnten nur durch ein internationales Abkommen erleichtert werden. Die Beziehungen Englands zu Deutschland hätten sich sehr gebessert, ohne daß Eng- lano seine Freunoschasten zu anderen Ländern verloren hätte. Augenblicklich sollte daher für England eine freundschaftliche Erörterung der Frage deS Feiertags in den Flottenrüstungen nicht ungünstig sei». Churchill fuhr fort: Wir scheinen einen Punkt erreicht zu haben, wo die Beziehungen der Großmächte, so freundlich sie werden mögen, keine Wirkung auf die Rüstungen ausübeiv Den Vorschlug, den ich namens der Königlichen Regierung für den Rüstungsseier- tag ausspreche, ist ganz einfach: Wir würden im nächsten Jahre. abgesehen von den kanadischen Schiffen oder ihrem Aequivalent, ferner abgesehen von allem, was durch neue Entwickelungen erforderlich werden könnte, vier große Schiffe gegen zioei von Deutschland auf Kiel legen. Nun sagen wir in aller Freundschaft und Aufrichtigkeit, so lauge noch reichlich Zeit ist,' zu dem großen deutschen Nachbarn: Wenn Ihr den Beginn des Baues Eurer zwei Schiffe von dem regulären Zeitpunkt, an dem Ihr den Bau beginnen würdet, um zwölf Monate aufschiebt, würden wir den Beginn des Baues unserer vier Schisse in absolut gutem Glauben für die gleiche Frist aufschieben. Das würde einen vollständigen Feiertag für ein ganzes Jahr für England und Deutschland ergeben, soweit große Schiffe in Betracht kommen. Deutsch- land würde sechs, wir fast zwölf Millionen sparen, und die relative Stärke beider Länder würde absolut unverändert bleiben. Ein völliger Stillstand für ein ganzes Jahr wäre unmöglich, wenn nicht andere Mächte überredet werden könnten, ebenso zu handeln; aber wenn Deutschland und England die Initiative ergriffen, den anderen Mächten voranzugehen, wäre da nicht große Aussicht auf Erzolg? Wenn Oesterreich und Italien nicht vauten, würde die Verpflichtung dazu auch für England und Frankreich wegfallen. Die Tatsache, daß der Dreibund keine Schiffe baute, würde� den Vorschlag ohne die geringste Gefahr für ein Risiko möglich machen, und würde ein solches Ereignis nicht seine Wirkung auf den Schiffsbau Amerikas und Japans ausüben? Durch eine solche Politik wür- den viele Millionen für den Fortschritt der Menschheit frei werden, und selbst wenn sie erfolglos bliebe, würde sie auf Europa einen wohltätigen Eindruck machen, der später sicher Früchte tragen würde. Churchill schloß: Ich mache diesen Vorschlag für 1914 oder, wenn das zu nahe erscheint, für 1915. Ich bin für Gegengründe, die große Waffenfirmen in England und anderen Ländern zweifel- los erheben werden, völlig unzugänglich; sie müssen Diener sein, nicht Herren. Manche werden mich wegen meines Vorschlages tqdeln; aber mögen sie spotten! Ich bin überzeugt, daß es für die Wohlfahrt und die Fortdauer unserer Zivilisation und des Auf- baue» der europäischen Gesellschaft notwendig ist, daß die Rüstung»- fragen offen erörtert werden; nicht allein von Diplomaten und Regierungen, sondern auch von den Parlamenten und Völkern. Rußland. Gefängnisstrafe für Streikende. Petersburg, 18. Oktober. In Rilolajcw wurden alle Ausstän- digen der Schiffswerften auf Grund de» zum ersten Male an- gewandten Gesetzes, das Ausstände, durch die Staatöaufträge der' zögert werden, verbietet, dem Strafrichler überwiesen. Obwohl der Arbeitsvertrag keine Klausel enthält, die dem Arbeiter das Risiko des AuSstandeS mitteilte, und die Verteidigung nachwies, daß der fünftägige Ausstand keine wesentliche Verzögerung in der Ausführung der Slaatsauflräge veranlaßt habe, verurteilte das Gericht 19 so- genannte Rädelsführer zu Gefängnisstrafen von einem halben bis zu einem Jahre! Amerika- Rücktritt Huertas? Washington � 18. Oktober. Der persönliche Vertreter Wilsons in Veracruz Lind meldet, daß H u e r t a Ankündi- gungen zufolge die Präsidentschaft niederlegen iverde. Lind fügt hinzu: Wenn die Meldung Glauben ver- dient, so können die Vereinigten Staaten indirekt gefragt werden, ob sie Unterhandlungen mit dem Nachfolger HuertaS anknüpfen oder ihn anerkennen wollen. Kein Asyl! New Dork, 13. Oktoöer. Die Führerin der englischen Susfra- getten, Frau Pankhurst, die hier heute ankam, wurde von den Einwanderungsbehörden in ElliS Island zurück- gehalten, nach Untersuchung des Falles wurde beschlossen, Frau Pankhurst das Betreten der Bereinigten Staaten nicht zu g e st a t t e n. Frau Pankhurst will gegen diesen Beschluß in Washington appellieren._ Hus der parteu Parteilitcratur. „Die Glücklichen" ist der Tüel einer neuen kleinen Agitations- schrifl aus dem Verlage von W. Pfannkuch u. Co. in Magde- bürg, die sich an.daS große Heer der unteren Beamien, Angestelllen und Arbeiter in den Betrieben de» Reiches, des Staates und der- Gemeinden richtet. Die Schrift ist durch jede Parteibuchbandlung zum Preise von 10 Pf. pro Stück zu beziehen. Für MassenverbreiMug durch Orgaiiisatioi'.en wird bei direktem Bezug durch den Verlag da? Tausend mit 30 M. berechnet. Das Protokoll deS letzten Jenaer Parteitages ist soeben im Ver- lag derBuchhaiidluiig Vorwärts erschienen. Die Vereins- auSgabe des Protokolls kostet geheftet 1,25 M„ gebunden 1,75 M. Für Bibliotheken erscheint in einigen Tagen eine AuSgabe auf besserem Papier zum Preise von 2,50 M., Halbfrauzband 3,50 M. Jugendbewegung. Schiller und Goethe konfisziert. Bei einer Festlichkeit der Bonner Abonnenten der„Arbeiter- Jugend" lanchleii plötzlich einige Polizeibeamte auf und eröffneten den Fcftleilerit, daß eine Vertosuirg, die von diesen beabsichtigt war, nicht die polizeiliche Genehmigung gesunden habe und daß die für die Lotterie bereilgestelllen Gegenstände beschlagnabmt werden müßten. Obwohl sich darauf die Festleitung bereit erklärte, auf jede Verlosung zu verzichten, gingen die Pollzeibeaniten munter ans Werl und konfiszierten Schillers„Tell", Goethes„Faust" und andere Klassiker sowie die übrigen Verloiungsgegenstände. Auch eine Zigarrenkiste mit vier weißen lebenden Tanzmäusen wurde mit- genommen.— Diese polizeiliche Aufmerksamkeit machte der Jugend großen Spaß; es wurde ihr treffend demonstriert, welch herrliche Slaalseinrichtungen wir in Preußen-Deutschland besitzen. Tie Christen gegen die Wotansanbeter. Ter„freideutsche Jugendtag" auf dem hohen Meißner bei Kastel, den wir kurz besprochen haben, hat im katholischen Lager alles andere als Gefallen gefunden. Das Wörtchen„frei" hat bei den Kirchenknechtcn so gewirkt, daß sie die.freideutschen' Jung- lmge schon mit den Sozialdemokraten ans eine Stufe stellen. Zornig schreibt der„Rheinische Merkur"(Nr. 283): Was uns an der Sache interessiert ist die Beobachtung, daß ein neuer Feind auf der Bildfläche erscheint, um in den Kampf um die Jugend einzugreifen und die jungen Seelen der Kirche und dem Christentum abspenstig zu machen. Tie freideutsche Jugendbewegung ist, im Lichte des Christenttlms besehen, nichts anderes als eine neue Form und Methode, den Geist des Neuheidentums in den jugendlichen Herzen Eingang zu verschaffen. Aus diesem Grunde geht unser Urteil dahin, daß sie auf keiner höheren Stufe steht, als die von uns schon früher gekennzeichnete sozialdemokratische Jugendbewegung. Und die„KoblenzcrVolkszcitung" meint ebenso scharf: In dem Programm gewisser Vereine hat, wie wir früher schon gezeigt haben, die Religion— und erst recht die Frömmig- keit— überhaupt keinen Platz, und es lväre, wenn man die staatsfeindlichen Bestrebungen der„proletarischen Bewegung" außer Betracht läßt, vielleicht schwer, einen Unter- schied zwischen ihr und der bestimmter b ü r g c r- lichen Jugendvereinc herauszufinden. Alldeutsch und sozialdemokratisch kommt in religiöser Hinsicht so ziem- lich auf dasselbe heraus.... Aber auch hier muß man leider sagen, daß zwischen dieser schädlichen Literatur(gemeint ist die„Arbeiter-Jugend". D. Red.) und der in den schon erwähnten„modernen" Jugendvereinen be- stimmter Richtung gepflegten kein wesentlicher Unterschied besteht — in religiöser Hinsicht; denn wenn in der einen die Religion verhöhnt und heruntergerissen wird und in der anderen der alt- germanische Görierhetd Wotan und andere gleichwertige „Götter" als erstrebenswerte Ideale vorgeführt werden, so wird das in der Wirkung so ziemlich auf das Gleiche herauskommen. Es ist belustigend zuzuhören, wie die Vertreter der heiligen Mutter Gottes über die Wotansanbetcr herfallen. Im übrigen können sie natürlich ihren Streit unter sich ausmachen. Wir be- gnügen uns damit, den belustigten Dritten zu spielen. Muß Industrie und Handel.■ Interessengemeinschaft Manuesmann-Krupp. In dem letzten Geschäftsbericht der M a n n e s m a n n- Röhrenwerke hatte die Verwaltung ausgeführt, daß sie der EntWickelung der großen gemischten Betriebe nicht Gewehr bei Fuß zuschauen dürfe und daß sie daher die Absicht habe, selbst zur Pro- duktion von anderen Stahlfabrikatön als Rohren überzugehen. Es ist begreiflich, daß diese Pläne in Interessentenkreisen eifrig bis- kutiert werden und daß mau sich fragt, in welcher Weise wohl Mannesmann die Erweiterung seiner Fabrikation vornehmen werde. In verschiedenen bürgerlichen Blättern erscheint nun ein Korrespondenzartilel. der eine recht recht interessante Lösung für das Maunesmann-., Problem" angibt. Es wird darin festgestellt, daß die Mannesmannwerke für ihre geplante Erweiterung ein Hochofen- und Stahlwerk bauen mühten. Die Roheisenproduktion würde sich für sie aber erst dann rentabel stellen, wenn die Werke selbst über Eisenerz-Grubcn verfügten. Zurzeit sind jedoch Eisen- erzfeldcr in Dontschland und Luxemburg nicht mehr zu vergeben, so daß Mannesmann aus den Bezug deulscher, luxeinburgischer, französischer oder schwedischer Eisenerze angewiesen würde, wodurch die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den bephenden Riesengesellschaf- tcn gemindert würde. Durch ein eigenes Hochöfen- und Stahlwerk käme Mannesman» zugleich in.Konflikt mit Krupp, der heute vertragsmäßig jährlich etwa 145 090 Tonnen Rohstahl.an Mannes- mann liefert. Für die Erweiterung der FabrvkationStatrgkeit bleibt den Mannesmmmwerken nur noch der Weg der Vereinigung mit einem bestehenden Roheisen- und Stahltoerk. Am einfachsten wäre die Verbindung von Mannesmann mit dem Betriebe, der schon heute den Lieferanten von Stahl bildet, nämlich Krupp. Eine völlige Verschmelzung beider Gesellschaften sei allerdings nicht wahrschein- sich, aber ein« vertragliche Gemeinschaft, wie sie Mannesmann bisher nur mit kleineren Röhrcnwerkcn unterhält, läge auch im Interesse von Krup>:„Krupp ist längst davon abgekommen, sich nur auf Kriegsmaterial zu stüp-n. Die Neigung, die Basis zu ver- breitern, wird durch allerlei Tendenzen in der Oesfentlichkeit und der Gcsctzesgebung bestärkt. Krupp hat sich auf da? Gebiet des St'abeisens begeb«! und hat darin heut« eine der größten Produktionen. In Draht hat sich Krupp durch die Interessen- gemeinschaft mit Wests alen-Drahr eine mächtige Position geschaffen; der Rohwalzdraht wird iu Rheinbctufen gemacht und in Hamm weiter verarbeitet. Durch eine Kombination mit Mannesmann käme Krupp mit einem Schlage in Röhren an die beherrschende Stellung. Das Röbral Geschäft liegt jetzt zwar wenig verlockend, aber diese Misere dauert ja nicht ewig. Mannesmann bringt auch eine gute Kohlenförderung mit, und Kohlen kann Krupp immer noch brauchen; die Zech,' Königin Elisabeth liegt ja günstig für Krupp. Mannesmann bringt auch eine große V I e ch Produktion mit, nachdem die Gesellsö'iaft die Gewerkschaft Grillo Funke auf- genommen hat. Krupp w ürde also durch eine solche Kombination in allen Zweipen des modernen Trusts auf dem Gebiete der Friedensfabrikation komplmü; in Guß- und Schmiedestücken ist Krupp ja schon führend." Wieweit diese Ausführe.'wen konkreten Erwägungen der beiden beteiligten Verwaltungen cm sprechen, läßt sich naiürlich schwer be- urteilen. Tatsache ist, daß.Krupp durch ein Mitglied des Divek- toriums(v. Bodenhausen) in dem Aussichtsrat der Mannesmann- Gesellschaft bereits venretcn.ist. Eine Kombination würde Krupp schon aus dem Grunde erwünscht sein, um feinem gefährlichen Kon- kurrenten Thygen die Wage Ou halten. Nusfuhrilberschliss. Währen, d im allgemeinen die Eiiifubr Deutsch- landS dem Werte nach höher ist gls die Ausfuhr, zeigt im Sepiember d. I. die deutsche Handelsbilan, einen Ausfuhrüberschuß. Es bc- trägt die Sepiembereiusuhr 880,2, Millionen Mark, hie Ausfuhr W9.2 Millionen Matt Der Ar tsfuhrüberschuß stellt sich also auf 39,7 Millionen. Diese« Resnlu t kam dadurch zustande, daß die Einfuhr gegen den Vormouqt»:»> 9 Millionen sank, die Ausfuhr ober um 85 Milliouer. stieg In den ersten neun Monaten d. ist die Ausfuhr um mehr als eine Milliarde Mark gestiegeit, wahrend die Einsuhr um. 12 Mi! ionen wuchs. In den Ausfuhr» ziffern kommt die gewaltige Absatzsh nger»mg der letzten Hochkonjunktur- Periode zum Ausdruck Preisermäßigungen und Prod mktiouseinschränkungen sind die augenblickliche Signatur des Eisest Marktes nach dem Bericht, den die Verwaltung der Rheinischen i rtablwerke den Aktionären auf der Generalversammlung gab. Fi ir die vom Stahlioerlsverband kontingentierten Produkte erklärte die Verwaltung die Geschäfts- tage als zufriedenstellend. Von dtm nicht kotitingentierlen Pro- dukten könne das nicht gesagt werden::„In Stabeisen und Universal- eisen sind die Verkaufspreise für gewöhnliche� Handelsware schon bei den Gestehungskosten angelangt. Eine Kleinigkeit besser ist die Lag« in Bandeisen. Insgesamt haben wir von d«n bisher ge- nannten Erzeugnissen bis weit in duS Frühjahr hinein Abschlußmengen. Deshalb lehnen wir eS zurzeit ab, Offerten abzugeben. Am wenigsten gut sieht das Geschäft in rollendem Eisenbahn- Material miS, in dem ein direkter Arbeit'S Mangel besteht, da die Inland saufträge nicht ausreichen, um unsere deutschen Werk- stätten voll zu beschäftigen. Die weninen zur Vergebung kommenden Auslandsgeschäfte sind aber heiß umstritten, so daß bisher noch kaum gekannte Verlustpreise die Rjtgel waren. Wir sind bisher in diese nicht eingetreten, sondern haben unsere Betriebe ent- sprechend eingeschränkt, und so hoffen wir, mit der vor- liegenden Arbeit bis zu einer besseren: Zat durchzukommen." ketzte Nachrichten. Mord oder Selbstmord? Im Grünauer Forst wurde gestern iiachmittag die Leiche eines jungen Mädchens aufgefunden, das eine Schußwunde in der linken Schläfe hatte. Neben der Leiche lag ein Revolver, aus dem ein Schutz abgefeuert worden war. Wie f) istgestellt werden konnte» handelt es sich um die 19 Jahre alte Tothtcr Hertha des Porträt- malers Haag aus der Bergmannftr. 19 iy Berlin. Da» Mädchen hatte ein Liebesverhältnis mit einem Uwtrroffizter ehw» hiesigen Garderegiments. Beide trugen sich mit Selbstmordgedai lken und waren gestern nach Grünau gefahren, um ihren Vorsatz auszuführen. Der Unteroffizier kehrte jedoch allein wieder ztrrück und erzählte, daß sich seine Geliebte erschossen habe, während ihm der Mut gefehlt habe, sich ebenfalls zu erschießen. Da dhfe Erzählungen jedoch bezweifelt werden, ist die Leiche deS jungten Mädchen» beschlagnahmt und eine UnteMchung eingeleitet«vorden. Die Wiener„Canadian-Rnilwüh�-Affkre. Wien, 18. Oktober.(W. T. B.) Wie die Kvnespondenz„Wil- Helm" meldet, sind im Laufe der Untersuchung gegen die„Cana- dian Pacific RailtvaH" von der Wiener Polizeioirektion auch in den Wiener Bureaus und in den Ziveignie dar lassungen von acht anderen Schiffahrtsgesellschaften Revisionen vorgenommen worden. Im Zusammenhang mit der Untersuchung gegen die„CanadiaN Paeific Railway" ist heute ein gewisser Alexander Blau« stein, der Pächter des ReisebureauS„Imperator", der gleichfalls Transiteur dieser Dampfcrlinie war, verhaftet worden. Zu den Verhaftungen wegen dieser Angelegenheit erfährt die „Neue Freie Presse", daß die Zahl der in den letzten Monaten in Wien vorgenommenen Verhaf- tungen mehr als 59 0 beträgt. Die Zahl der in den letzten zehn Monaten aus dem Bereiche der galizischen Korps durch die verschiedenen Schiffahrtsagenturen über See entfernten wehr« Pflichtigen Personen werde von informierter mKitärischer Seit» auf 170000(?) Mann geschätzt. Wi Mr NIM Elegante Astrachan Jacke mit der sehr vornehm wirkenden „Fellpre«-0_-n sung".. ÄÖ.tJU Dazu passender schön karierter Velours Nock 9.30 Ein bildschönes modern. Kostüm aus ganz besonders apartem braun und grlln getöntem Phantasiestoff. Vorzüglicher Sitz. 29- Ein guter warmer Ulster bei uns 14.-! ÜÜt ASM MÄM # Qle durchschnittene Pasee Oer eleg. Cutaway-Schnitt Der einfarbige Stoff vereinen sich In diesem Mantel zum Typ des Modernen, M Eleganten 23.25 FM MMW Wwi'MKfSwk mm WMm Wim Paletot Hosheleg. Kostüm aus der hoehmod elnfarb.Cotelöware Hervorrag. In Sitz U.Verarbeitung m. hübschem Astrachankrag. 24.50 aus dem kostbaren Reliefstoff und der Ware entsprechender vornehm. 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In dem in diesen Tagen erschienenen Jahrbuch des Deutschen H o l z a r b eit e r v e r b a n d e s für das Jahr 1912 wird in einer besonderen Abhandlung die statistische Methode des Kaiserlichen Statistischen Amtes, die Tarifverträge für das Handwerk festzustellen, kritisch beleuchtet. Es ist bereits in den letzten Jahren in Gewerkschaftskreisen gegen diese Methode des Statisttschen Amtes mit Entschieden- heit Front gemacht worden, weil den gewonnenen Resultaten nicht die geringste Beweiskraft beizumessen sei. Es wurde darauf verwiesen, daß man lediglich nur den Wortführern der Großindustrie anfechtbares Material liefere, das von ihnen benutzt würde, der Tarifbewegung Schwierigkeiten zu bereiten, denn gestützt auf die„amtlichen Feststellungen" ist betont worden, daß sich, wie die EntWickelung bestätige, die Tarif- Verträge für die Großindustrie nicht eignen und daß allenfalls nur das Handwerk das geeignete Feld für die Tarifbetvegungen der Gewerkschaften bilden könne. In dem Jahrbuch des Deutschen Holzarbeiterverbandes wird an der Hand von Beispielen nachgewiesen, daß die Art und Weise des Statistischen Amtes, die Tarifverträge für das Handwerk festzustellen und damit die Frage zu beantworten, ob sich die Tarifbewegung in Deutschland mehr auf Handwerks- mäßige Betriebe und Gewerbe erstreckt oder ob sie in erheb- lichem Maße auch größere industrielle Unternehmungen in ihre Kreises zieht, zu durchaus irrigen Ergebnissen führen muß. Sowohl die amtliche Tarisstatistik des Jahres 1919, als auch die des Jahres 191l brachte nämlich, entsprechend einem besonderen Wunsche der organisierten Handwerksmeister, einen umfangreichen Anhang mit einer besonderen Darstellung der Tarifgemeinschasten im Handwerk. Allein das Statistische Amt hat in seiner Uebersicht nicht etwa, was eigentlich nahe läge, die Tarifverträge zusammengestellt, an denen Innungen als Vertragskvntrahcnteu beteiligt sind, um auf diese Weise die Bedeutung der Tarifverträge für das Handwerk zahlen- mäßig vor Augen zu führen, nein, es hat aus eine recht ge- wagte Art und Weise künstlich einen neuen Kreis des Hand- Werks konstruiert. Die Darstellung des Statistischen Amts beruht nämlich auf einer Aussonderung und Zusammenstellung der für das Handwerk angeblich in Betracht kommenden Zahlen. Das Statistische Amt hat, um die Tarifgemeinschaften des Handwerks festzustellen, zunächst aus der Gesamtzahl der in bestimmten Gewerbegruppen in Kraft getretenen Tarifgemein- schaften diejenigen ausgesucht, bei denen im Durchschnitt der einzelnen Tarifgemeinschaft auf einen Betrieb nicht mehr als t.9 Personen entfallen. Aus diesen Tarifgemeinschaften mit durchschnittlich bis zu 29 Personen auf einen Betrieb sind dann weiter diejenigen herausgesondert, welche Betriebe umfassen, die ihrer Ratur nach handwerksmäßig sind. Die auf diese Weise herausgehobenen Tarifgemeinschaften kommen nach dem Statistischen Amt für das Handwerk in Betracht. Das Statistische Amt kann jedoch aus dem eingesandten Material— das fast ausschließlich von den Gewerkschaften geliefert wird— wohl ersehen, wie groß die Zahl der Be- triebe und die Gesamtzahl der in diesen Betrieben beschäftigten Personen ist, die von dem einzelnen Vertrag erfaßt wird, nicht aber die Anzahl der in jedem einzelnen Bc- triebe beschäftigten Personen. Lediglich dann, wenn der Ver- trag nur einen Betrieb umfaßt, ist diese Zahl ersichtlich. Es sind aber zahlreiche Fälle zu verzeichnen, daß ein Vertrag neben vielen Kleinbetrieben auch Großbetriebe mit hundert und mehr Beschäftigten umfaßt. Bei der angewandten Durch- schnittsberechnung werden zumeist die Verträge, die auch kleines fcinllcton. Die lichtfrohen Hühner und die kapitalistische Eierhetzjagd. »Mit den Hühnern zu Bett!" sagten unsere Großeltern; und das war eine goldene Lebens- und Gesundheitsregel, aus der ein großer Respekt vor der hygienischen Weisheit des Hausgeflügels sprach. Nun ist das Wort aber längst zur leeren Phrase gelvorden und hat bei dem„intenstven" Leben, das wir führen, seine Be- deuhmg für menschliche Geschöpfe für immer verloren; und jetzt scheint es gar auch hinsichtlich der Hühner selbst widersinnig werden zu sollen. Bis vor kurzem noch pflegten die Hühner mit der Sonne schlafen zu gehen und mit der Sonne wieder aufzustehen. Und nun soll, was sie seit Jahrhunderten geübt, von Grund aus ge- ändert werden: man will die Hühner, um sie zu einer größeren Gewinnquelle zu machen, an ein richtiges Nachtleben gewöhnen. Die armen Tiere sind die Opfer der vielen Geflügelzuchtaus- stellungen geworden: es geschah, daß ein besonders profltgieriger Hühnerzüchter die Beobachtung machte, daß die Hühner, die er auf Ausstellungen schickte, ihm weit mehr Eier legten als ihre zu Hause gebliebenen Schwestern. Er suchte mit heißem Bemühen die Ursachen dieser merkwürdigen Erscheinung zu ergründen und fand— ivahrscheinlich zum großen Leidwesen der Hühner— die Erklärung: auf den Ausstellungen gehen die Hühner nickt mit der Sonne, sondern mit dem elektrischen Licht schlafen. Ta die Hühner törichte Wesen sind und zudem keine Uhr besitzen, haben sie auf den Ausstellungen die schlechten Gewohnheiten regelrechter Nacht- bummler angenommen; zu diesen Gewohnheiten gehört auch die späte Nachtmahlzeit. Die Ergebnisse dieses verkehrten Löbens zeigten sich bald in Gestalt erhöhter Elervroduktion, die ohne weiteres als eine Folge des verlängerten Arbeitstages und des Futterzuwachses bezeichnet werden kann. Der schlaue Hühnerzüchter rieb sich, nachdem er diese Ent- deckung gemacht, vor Vergnügen die Hände und beschloß sofort, in seiner Zuchtanswlt di« Zahl der Arbeitsstunden zu erhöhen. Da die Hühner nicht organisiert sind und infolgeoefsen auch nicht in den Ausstand treten konnten, brauchte er nur in den Hühnerställen elektrische Beleuchtung einzuführen, um die gutgläubigen Tiere an die neue Ordnung der Dinge zu gewohnen: heute funktioniert seine Eierfabrik, die früher mit Sonnenuntergang ihre Pforten schloß, bis zehn Uhr abends.«... „Meine Produktion ist um 2S. v. H. gestiegen, sagte der herz. lose Kapitalist zu einem Journalisten, der ihn auf der Londoner Hühnerzuchtausstsllung einem Interview unterzog. Der idealgesinnte Zeitungsmann glaubte enuvenden zu müssen, daß die künstlicke Lebensweise, an die der Herr seine fleigigen ge» fieberten Haustiere gewöhne, immerhin den Eierertrag erhohen möge, aber bei all dem doch grausam bleibe, da sie die Tiere er- müde und ihr Leben verkürze. „Was kommt es'darauf an, ob ein Leben kurz oder lang ist, wenn es nur„intensiv" und fruchtbar ist!" antwortete zynisch meser spartanische Philosoph des Hühnerhofes.... ,. Der Unteroffizier alS Erzieher.„Briefe eines Rekruten an Butter" heißt eine Flugschrift, die im Auftrage des Deutschen -o-ehrvereinS gedichtet worden ist. In der„Kreuzzeitung" war für Großbetriebe gelten, in die Gruppe der Tarifgemein- schaften des Handwerks fallen, weil eben i m D u r ch s ch n i t t! auf einen Betrieb unter 29 Personen kommen. Im Jahre 1911 traten in Deutschland 3868 Tarif- gemeinschaften für 46 756 Betriebe und 416 923 Personen in Kraft. Hiervon gelten nach der Berechnung des Statistischen Amtes 2985 Tarife für 37 268 Betriebe und 166 529 Per- sonen für das Handwerk. In der Holzindustrie traten 1911 467 Verträge für 5589 Betriebe und 45 959 Personen in Kraft, von denen angeblich 394 Verträge für 5399 Betriebe und 29 643 Personen für das Handwerk gelten sollen. Der Deutsche Holzarbeiterverband hat nun an der im Frühjahr 1913 zur Erneuerung stehenden umfangreichsten Vertragsgruppe des Verbandes auf Grund der zur Verfügung stehenden Werkstattlisten nachgeprüft, ob das Verfahren des Statisttschen Amtes ein der Wirklichkeit entsprechendes Bild er- geben könne. Bei der Vertragserneuerung 1913 kamen in der Holz- industrie 48 Verträge für 3783 Betriebe mit 44 651 beschäftigten Personen in Frage. Es umfaßten nach den Werkstattlisten 1 bis 19 Personen 2733 Betriebe mit 11 273 Be- schäftigten, 11 bis 29 Personen»574 Betriebe mit 8438 Be- schäftigten und über 29 Personen umfaßten 476 Betriebe mit 24 969 Beschäftigten. Erweitert man den Kreis des Hcindlverks auf die Betriebe, die bis 29 Personen umfassen, dann entfallen auf das Handwerk 3397 Betriebe und 19 711 Personen und auf die Großindustrie 476 Betriebe mit 24 949 Personen. Nach der Durchschnittsberechnung des Statistischen Amtes würden aber 3597 Betriebe mit 36 979 Personen ftir das Handwerk gelten und nur 276 Be- triebe mit 7681 Personen für die Großindustrie. In Wirklich- keit entfallen also auf die Großindustrie nach den Werkstattlisten 299 Betriebe und 17 259(gleich 225 Proz.) Personen mehr, als die vom Statisttschen Amt beliebte Durch- schnittsberechnung ergeben würde. Für die Bedeutung eines Tarifverttages ist natürlich in erster Linie die umfaßte Per- sonenzahl von ausschlaggebender Wirkung. Femer kommt noch in Bettacht, daß das Statistische Amt durch die Größen- einteilung, die es vominimt, indem es zum Handwerk auch solche �Betriebe zählt, die 29 Arbeiter beschäftigen, den Kreis des Handwerks außerordentlich erweitert. Eine genaue ziffernmäßige Abgrenzung läßt sich schlechthin ja nicht vornehmen, da die mehr oder minder starke Ma- schinenverwendung im Betriebe ausschlaggebend ist. Allein als Regel kann Wohl unterstellt werden, daß Betriebe der Holzindustrie, die über 19 Personen beschäfttgen, mehr großbettieblichen Charakters sind, so daß deren— vom Statistischen Amte beliebte— EinreiHuug in das Handwerk eine Begriffserweiterung darstellt, die den tat- sächlichen Verhältnissen keineswegs Rechnung ttägt. Der Deutsche Holzarbeiterverband resümiert deshalb, daß seine Untersuchungen die in Gewerkschaftskreisen gehegten Be- denken hinlänglich bestättgt hätten, daß sie vom Statistischen Amte angewandte Methode die Tarifbewegung im Handwerk sowohl wie die in der Großindustrie zahlenmäßig fest- zuhalten, zu durchaus irrigen Ergebnissen führen muß. Er betont schließlich, daß er ttotz des großen Jnter- esses, das er der Weiterentwickelung und Vervollkommnung der Tarifstattstik entgegenbringe, sich mit Entschiedenheit da- gegen wende, daß die auf schematischeni Wege gewonnenen Resultate als das Spiegelbild der wirklichen Verhältnisse hin- gestellt werden, umsomehr, wenn sie eine— wenn auch unbeabsichtigte— Verkleinerung des wachsenden Einflusses der Gewerkschaften auf die Regelung der Arbeitsverhältnisse dar- stellen. Der Einfluß Würde allerdings durch keine falsche Stattstik aufgehalten. So Wie in langwierigen Kämpfen die über den Zweck diese» Traktätchens Erbaulick>es zu lesen: Die Flugschrift, hieß es da,„bildet für den Rekruten ein ganz Vorzug- lickes Buch, ihm Lust und Liebe zu seinem Soldatenberuf zu geben und ist recht geeignet, aufklärend bei denjenigen zu wirken, die durch die sozialdemokratische Verhetzung irre- geleitet sind. Die Schrift enthält manch gute Lehren, nrauche Warnungen. Aber nicht nur für den Rettuten ist sie von Wert, sondern auch für den ausbildenden Unteroffizier und Gefreiten. Sie zeigt, wie ein Unteroffizier oder Gefreiter, der das junge Rekrutenmaterial zur Ausbildung in die Hand bekommt, seine Leute nicht nur zu tüchtigen Soldaten heranbilden, sondern auch zu vaterlandstreuen und monarchisch gesinnten Männern erziehen kann, die, in ihrem Charakter gestählt, in der Lage sind, allen sozialdemokratischen Verhetzungen ihr Ohr zu verschließen." Also die Flugschrift bildet für den Rekruten ein ganz Vorzug- liches Buch, ihm Lust und Liebe zum Soldatenberuf zu geben. Aber was sie auch bildet und was sie auch schafft— der Gefreite zerstört es mit eiserner Kraft. Und das ist doppelt beklagenswert, weil es doch nicht die Aufgabe der Schule sein kann, die Jugend zu freiem Menschentum zu erziehen. Der Unteroffizier soll „seine Leute" nicht nur zu tüchtigen Soldaten, sondern auch zu- vaterlandstreuen und monarchisch gesinnten Männern— drillen. Bei den nächsten Wahlen in den Reichstag werden die Nationalliberalen und Konservativen nur Unteroffiziere als Kan- didaten aufstellen. Die werden es schaffen, Dunnerkiel. Wer sich den tattrigen Charakter nicht stählen und das Ohr den sozialdemo- kratischen Verhetzungen nicht verschließen lassen will, wird zum Krüppel geschlagen und in'das Pestloch gesteckt, das unsere Kultur hat. Es muß doch mal'n Zug in die versaute Wählerkolonne kommen. Hillaender-Schmus. Der„Sturmwind im Westen", der ob des rätsechaflen Verschwindens Felix Hollaenders sich erhob, kann sich beruhigt wieder hinlegen. Nachdem das Tageblatt die gesamte Mischpoke auf seine Spur gehetzt, ward er endlich in Lugano ent- deckt in der Person eines angeblichen Dr. Frey. Freude herrscht in MosseS Hallen, und wie einst durch den alten Kattengau braust durch die Redaktionsräume Scheffels Bardiet: Ha Hamm Hammer dich emol, emol, an bein'm verrissnen Kamisol, du schlechter Kerl! Er weilt also in Lugano, und der Engel war Don bei ihm, um ihm um jeden Preis seinen neuesten Roman:„Wie eS war. Die Geschichte eines Dreiecks", für das Tageblatt abzuhandeln.(Ga- rantiert, daß die konventionalstrafensüchtige Frankfurter Theater- gesellschaft keinen Heller des Honorars in die Finger kriegt!) Denn denkt euch: die Affäre hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Seine Frau weilt bei ihm, und die Eheirrung ist für ihn, um engelhaft zu reden, schon heute„mehr Objekt als Subjekt", d. h. der Roman ist schreibreif..... Ein lieber Kerl, der Felix! er verdient's, daß man ihn protegiert und ihm die höchsten Honorare zahlt; denn er sorgt doch dafür. wenn er auch so tut, als ob er einem AufsichtsratSmitglied des Theaters nur ganz vertraulich etwas ins Ohr flüstere, daß daS Freisinnsblättchen etwas zu klatschen hat. Wenn daS Tageblatt Kleinmeister dos Handworks zur Anerkennung der Gcwerk- schaften und zum Abschluß von Tarifverträgen gezwungen worden seien, würde das auch mehr und mehr bei den Fabri- kanten der Großindustrie gelingen. Uebrigens haben diese in der Holzindustrie, vielleicht mehr der Not gehorchend, als dem eigenen Triebe, ihren früheren ablehnenden Standpunkt zum allergrößten Teile schon längst aufgegeben. Berlin und Umgegend. Der Streik der Former, Kernmacher und Gießereiarbeiter bei der Firma Berliner Gußstählsabrik und Eisengießerei Hugo Härtung A.-G., Lichtenberg bei Berlin, dauert fort. Alle Angebote der Firma sind zurückzuweisen. Ter Betrieb ist für alle Metall- arbeiter streng gesperrt. Die Ortsverwaltung des Deutschen Meiallarbeiterverbandes. Achtung, Fliesenleger! In Köln am Rhein stehen seit Montag. den 13. Ollober d. I. die Fliesenleger im Streik Da die dortige Filiale der Firma Rosenfeld u. Co. größere Arbeiten in Leverkusen auszuführen hat, wo ebenfalls die Arbeit eingestellt ist, wird die Firma versuchen, andere Arbeitskräfte einzustellen. Wir warnen darum vor Arbeitsangeboten nach Köln und Um- gegend, wie auck nach Leverkusen. Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandcs (Zweigverem Berlin.) Achtung, Tapezierer! Die Werkstatt von L. Groß, Friedrich- straße 27, ist wegen Tarifvruch für Polsterer gesperrt. Tie Schlichtlingskommisston. Achtung, Töpfer! Wegen des Fehlens der verglasten Fenster sperren wir hiermit die Bauten der Firmen: Alfred Rüste- meyer, Steglitz, Thorwaldsenstr. 23, Bau Greifswalder Straße, Berlin, und Bern dt, Tegel, Graf-Rödern-Korso. Die Verbandsleitung. Deutkestes Reich. Das Elend der Zigarrenarbeiter in Baden preßt den Christ- lichen, die gegenwärtig in Unterbaden eine Lohnbewegung führen, das Eingeständnis ab.„daß uns hier ein Kultv.rbilo entgegentritt, das in seiner abstoßenden Häßlichkeit an die Lage der englischen Arbeiterschaft zur Zeit eines Karl Marx und Friedrich Engels erinnert". Von der christlichen Tabakarbeiterorganisation wurden Erhebungen über die Lohnverhältnisse in der Zigarrenindustrie Uuterbaoens veranstaltet, die das Resultat hatten, daß 368 ver- heiratete Zigarrenmacher einen durchschnittlichen Wochenlohn von 10,38 M. bei einer wöchentlichen Arbeitszeit vor: 53,6 Stunden er- zielten, bei 115 ledigen Zigarrenmachern wurde ein durchschnitt- licher Wochenverdienst von 13,76 M. bei 55 Stunden Arbeitszeit festgestellt, 64 ledige Wickelmacher verdienen durchschnittlich 3,53 M. pro Woche; verheiratete Taglöhner kommen aus 16,36 M. und Sortierer auf 13,28 M. pro Woche. Die Löhne der Arbeiterinnen schwanken ztvischen'1,87 M. und 3,34 M. Durchschnittslohn pro Woche. Ganz mit Recht wird im Anschluß an die Feststellungen des christlichen Tabakarbeiterverbandes über diese jammernSwerten Lohnverhältnisse der Zigarrenarbeiter Unterbadens auf die unauS- bleiblichen Folgen hingewiesen: Unterernährung und schlechte Wohnungsverhältnisse, Lungenschwindsucht und Steigerung'der Sterblichteitszfffern Iveit über den Landesdurchschnitt, dazu stark über den Durchschnitt hinausgehende Säuglingssterblichkeii.— Was der christliche Verband festgestellt hat, ist nicht neu, es ist ans den Berichten der badischen Gewerbeinspektion schon lange bc- kannt. Die christlichen Führer haben trotzdem durch die Gesetz- gebung die Lebenshaltung der Arbeiter verschlechtern helfen. ftlu&Und. Die Schiffsärzte der italienischen Handelsflotte, die seit langem für bessere Gehaltsverhältnisse agitieren, ohne von den Gesellschaften Zugeständnisse zu erlangen, verweigern seit dem 14. d. MtS. die Einschiffung. Da die Auswandererschiffe ohne Arzt nicht in See gehen dürfen, liegen bereits mehrere Dampfer fest. Die See- Mannschaften, deren Organisation die Schiffsärzte angeschlossen find. haben ihrerseits erklärt, die Schiffe zu verlassen, falls sich Aerzte als Stteikbrecher finden. Die Aerzte wieder erklären, auch nach Be- Sttl hat, läßt es, nach dem Muster jener Enquete, durch die es von Zeit zu Zeit Weltprobleme beklopft und löst, eine Umfrage ergehen an sämtliche inicht ganz ernst zu nehmende) Staatsmänner und Wissenschafter, Dichter und Schauspieler, Chansonetten und Gri- fetten:„Wird der Felix seiner Frau jetzt treu bleiben?" Und Felix Salle», der neulich beim Tode eines DirnleinZ seinen Schmerz in ein tränenreiches Feuilleton-Gesabber(Honorar 133 bis 153 M.) ergoß, müßte alles Schmalz seiner Seele hergeben, um Hollaender, den Entsagenden, öffentlich damit zu salben. Und nun sage einer, das Tageblatt tue nichts für die Ltteraturk Was soll es denn dafür tun, wenn die Leute nur Bücher schreiben und sonst gar keinen Anlaß geben, daß man von ihnen etwa» zu erzählen hatte! Blöde sind die Literaten! Fragt nächsten» den Hollaender! Was ist wirkungsvoller: eine glanzende Besprechung oder ein bißchen Schmus? Wie sie gelitten hat. Mein Bruder kam aus Breslau von der Beerdigung eines Vetters zurück. Ganz plötzlich war der tättge Mann der Frau, den Töchtern entrissen worden. Sein Hinscheiden hatte uns alle aufs ttefste ergriffen. Die arme, arme Witwe, wie fühlte ich mit ihr! Wie fandest Du die Cousine, Bruder? Ist sie sehr gefaßt? Ach Gott, die arme Gertrud! ES ist gar zu schrecklich, wa» sie am Beerdigungstage gelitten hat. Denke Dir nur. wie furchtbar: der ältere Bruder ihres verstorbenen Mannes— ja, man sollte eS nicht glauben— konimt zur Beerdigung feines Bruder» in braun- wollenen Handschuhen. Hättest Du so etwa» für möglich gehalten? Was die arme Gertrud dabei empfunden hat, ist kaum zu beschreiben. Humor und Satire. RvcfedU». Zur Leipziger Tagung. Der edle Sinn für deutsche Art,*■- Hat sich in zirka vierzig Woche» Verhältnismäßig auSgefproche«. �. Beziehungsweise offenbart. ES ist nun endlich klipp und klar Wieso unS armen deutschen Schelm«» Von Friedrichs und von Willehelme« Das ganze Glück beschieden war. Der Pastor pfiff's aus seinem Hal» Und jede Landratsseele piepte. Daß alles nur dem Fürscht beliebte» Jedoch dem Pöbel leinesfallS. Zwar hat sich nur das Volk gerührt; Als sich ein Potentatt'rich zeigte, Doch wem ein Gott das Hirn erweichte» Der weiß schon, wem der Ruhm gebührt. Der liebe Gott ist für den Fürst, Drum ziemt fich'S, daß man schlicht bemertit Der Fürst war wurscht bei jenem Wer»,— Verzeihung, lieber Gott— du irrst! Peter Sch«». willigmig ihrer Forderung diejenigen Dampfer ,u vohkottieren, deren höheres Personal nicht im Verband der Seemannschaften, sondern in einer neuen Organisation, die das untere Personal aus» schließt, organisiert ist._ Soziales» Z>un Kampf zwischen Acrztcn und Krankenkassen. Hinter dem drohenden Kampfe zwischen Aerzten und Kranken« lassen stehen u. a. Forderungen der letzteren, deren Anerlcnnung eine wesentliche Mehrbelastung der Kassen rm Gefolge haben würde. Es intcresftert daher wohl, die finanzielle Entwickelung der Kassen, vor allem das Verhältnis der Kosten für ärztliche Beniühungen zu den Gesamtausgaben. Es wurden von sämtlichen Krankenkassen für die ausgeführten Zwecke verausgabt: 1885 1907 1911 Ausgaben insgesamt 52 648 326 299 094 756 357 463 396 M. darunter Krankengeld 82 440 897 121416 115 163 582 976„ Aerztehonorar... 12 523 435 63 325 782 83 754 224. Die Gesamtausgaben sind in der angegebenen Zeit auf das Siebenfache, die Ausgaben für Krankengeld auf das Fünffache, die für ärztliche Bemühungen wieder auf das Siebenfache gestiegen. Die Zahl der Mtglieder erhöhte sich in derselben Zeit von 3,7 Millionen auf 13 Millionen, also auf das 3l/zfache. Ein anschauliches Bild von der EntWickelung gibt noch die folgende Aufstellung: Pro Mitglied betrugen die Ausgaben in Mark überhaupt Aerztehonorar Krankengeld 1885... 14,12 3,36 8,70 1907... 24,64 5,22 10,— 1911... 28,82 6,15 11,28 Das Aerztehonorar pro Kassenmitglied ist seit 1885 um 2,79 M. steich 83 Proz. gestiegen. Die Krankengeldbezüge stiegen nur um 2.58 M, gleich 29 Proz._ Dampfkesselexplosioneu, Daß eine gutorgmrisierte Unfallverhütung tatsächlich vielen Katastrophen vorbeugen, Menschenleben vor dem Vernichten retten kann, das zeigt die Dampfkesselüberwachung. Sie hat die Zahl der Explosionen sehr wesentlich eingeschränkt. Obwohl die Zahl der benutzten Dampfkessel Jahr für Jahr ganz gowaltig wächst, ereignen sich weniger Explosionen. Im Jahre 1912 waren es elf gegen je acht in den beiden vorausgegangenen Jahren. Früher kamen biS zu 35 Explosionen im Jahre vor. Seit 1877 sind ins- .csamt 545 Explosionen festgestellt worden. Dabei verunglückten !134 Personen, 372 waren sofort tot, 231 erlitten schwere und 531 leichtere Verletzungen. Würden in den Gewerbebetrieben die illgemeinen Unfälle aus dasselbe Maß beschränkt, wie bisher die ?anipfkesselexplofionen, vielen, vielen Tausenden von Arbeitern läre Leben und Gesundheit erhalten geblieben. Nicht technische Mängel verhindern besseren Arbeiterschutz— das Sparsystem, die Sucht nach hohen Gawinnen verschuldet die allermeisten Unfälle. Sericbts- Leitung. So teure Arbeiter kann ich nicht gebrauchen. Ha welcher Art und Weise das Unternehmertum bestrebt ist, die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu heben, das ergab eine vor dem Schöffengericht in Halle a. S. stattgehabte Verhandlung, in der der Maurer Bernhardt von dem Land- städtchen Landsberg wegen Hanssriedensbnichs und Körper- Verletzung angeklagt war. Die Anzeigx war ergangen von dem Vorsitzenden des Unternehmerbundes Maurer- und Zimmermrister Koch in Landsberg. Der Staatsanwalt klagte im öffentlichen In- terrsse. Obwohl Koch den Tarifvertrag anerkannt hat, liegt er mit„seinen" Arbeitern permanent in Differenzen, weil er in einseitiger Weise die Löhne reduziert. Im Monat Mab hatte er Abzüge von 5 bis 6 Pf. pro Stunde gemacht und als darauf der Geschäftsführer des Verbandes der Bauarbeiter vorstellig wurde, hatte er diesen in der gröblichsten Weise be- leidigt. Auch der Maurer Bernhardt war im Monat August zu dem Tariflohn mit 42 Pf. pro Stunde engagiert worden. Notizen. — Neue Freie Volksbühne. Direktor Licho hat seinen Vertrag mit dem Neuen VolkSlheater gelöst. Mil Schluß dieser Saison scheidet er aus seiner bisherigen Stellung, Am Freilag wurde in der VerwallungSfitzung der Neuen Freien Volksbühne Emil Lessiug einstimmig zun, künstlerischen Leiter des im Bau begriffenen Theaters der Neuen Freien Volksbühne am Bülowplatz gewählt. In der entscheidend«, Auft'ichtSratSsitzung. die neulich tagte, war die Stimmung dem nun Gewählten anfangs durchaus nicht günstig. Von dreizehn Mitgliedern stimmte dorl zunächst nur ein einziger für ihn, und zuletzt traten elf Stimme» für ihn ein. Das anfängliche Zögern ist allenfalls verständlich: die Bedenken gegen Lessings ArbeU als Oberregisscur Otto BrabmS werden gewirkt haben, WaS aber diese Bedenken im Verlauf einer Sitzung überwinden konnte, sollte der Oeffentlichkeit nicht verschwiegen werden. Es handelt sich da um eine sehr breite Oeffentlichkeit, der hoffentlich in dem nächsten Mit- teilungöhefte der„N. Fr. V." Aufschluß gegeben wird. Die leitende Tätigkeit LessingS wird im September 1914 be> ginnen. — Theaterchronik, Das Deutsche Künstler» t h c a t e r Sozietät bereitet als erste Neuheit John Galsworthys Schauspiel. Kampf" vor, da« bereits an, VolkSlheater in Wien einen großen Erfolg errungen hat. Die Erstausiührung ist für Sonn» abend, den 1. November, in Aussicht genommen. Desselben Ver« sasserS Drama.Justiz' ist ebenfalls schon vor längerer Zeit vom Deutschen Künstlertheater erworden worden.— Die K a m m e r s p i e l e des Deutschen Theaters führen am Frei» tag zum ersten Male das Legendenspiel.Der ver- lorene Sohn" von Wilhelm Schmidtbonn auf.— Im Deutschen Schauspielhause geht am DienSlag. abends 8 Uhr, zum ersten Male das Lustspiel.Die heitere Residenz' von Georg Engel in Szene. Nachmittagsvorstellungen zu er- mäßigten Preisen: heute.Hedda Gabler', nächsten Sonntag„Ein idealer Gatte".— Trotz der schlechien Tdeaterzeiten und der Kino- konkurrenz gibt es, wie daS in der nächsten Woche bei Oester- Held u. Ko., Berlin, erscheinende„Deutsche Thealer-Adreßbuch" ver- zeichnet, fast 700 deutschsprachige Theaterunter- uehmun gen mit über 30 000 Mitgliedern. — Die Ausstellung der Berliner Porzellan- Manufaktur, in der Schätze einer anderthaihhundertjährigen Arbeit gezeigt werden, ivird beute im Kunstgewerbemuseum eröffnet. Sie einhält dritthalbtausend Nummern. — Vorträge. Wetteraberglauben lautet das Tbema des dritten GelehrlenvorirageS, welcher am Dienstagabend 8 Uhr im großen Auditorium der Urania stattfindet, vortragender ist Professor Dr. Hellmann, der Direktor des Königltchen Meteorologischen Instituts. — Die Grund st eiulegu>, g der Deutschen Bücherei in Leipzig, die ein Archiv der gesamten deutschen Buch- eewiiouna in Deutschland. Ocstereeich und der Schweiz sein wird, ü,ii>et am Montag statt. Das Gebäude soll fünf Millionen Bände biiinr wird also, da sie jährlich höchsten« um 50 000 Bände wachsen wird' für hundert Jahre auSuichen. Der Bauplatz mißt 12 000 Ouadratmeter Die Hnuptfront de« Gebäudes ist über hundert Meter lang. Koch zahlte ihm aber in der ersten Woche nur 40 Pf. und dann gar nur 38 Pf. pro Stunde. Dabei besaß er die Drelstigkeit. auf die Lohntüte die Bemerkung zu machen:„So teure Ar- bciter kann ich nicht gebrauchen." Darüber empört, ging Bernhardt in des Meisters Kontor, um Feierabend zu machen und den Rest seines Lohnes sowie die unberechtigten Abzüge zurückzuverlangen. Der Meister ließ sich auf Unterhandlungen nicht ein, rief dem Gesellen ein„Raus" zu und machte An- stalten, B. hinauszuwerfen. Da setzte sich B. zur Wehr. Die Folge davon war. dag die Känipfenden zu Boden fielen. Beide waren leicht verletzt. Der kluge Meister lief zum Arzt. verschaffte sich ein Attest und so kam es, daß der Geselle als Angeklagter und der Meister als schwurkräftigcr Zeuge vor Gericht standen. Der Meister behauptete, der Geselle habe auf ihm gekniet und ihn gewürgt. Der Angeklagte behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben. Koch versuchte wiederholt politische Dinge in die Verhandlung hineinzuziehen und nreinte. die Arbeiter würden durch die sozialdemokratischen Organisationen scharf gemacht. Der Amtsrichter ersucht« Koch, solche Bemerkungen zu unterlassen. Bernhardt wurde von der Anklage deS Hausfriedensbruchs freigesprochen, aber doch wegen Körperverletzung zur Zahlung einer Geldstrafe von 15 M. verurteilt. Allerdings wurden dem Meister in der Urteilsbegründung keine Schmeichelworte gesagt. Ein Meister, gar der Vorsitzende des Unternehmerbundes, war also vcrtragsbrüchig und beleidigte in schroffster Weise die Gesellen. Daraufhin schmtet der Staatsanwalt zugunsten des Vertragsbrüchigen„im öffentlichen Interesse" gegen den sich seiner Haut wehrenden Gesellen ein. Preußen ist doch das Land der„vollendetsten Rechtsgarantien"! Verkuppelung Stellungsloser. Schamlose Nachstellungen wurden in einem auffehencrregen- den Dresdener Kuppeleiprozeß entrollt. Vor zwd Jahren zog ein mehrfacher Millionär aus Budapest Henry Löwenfeld nach dem bekannten Kurort Weißer Hirsch bei Dresden. Er richtete sich dort eine elegante Villa ein. Bald entfaltete sich dort oben ein lustiges Treiben. Der Millionär hielt sich eine Privatsekretärin. Deren Hauptaufgabe bestand darin, ihrem Chef fortgesetzt junge Mädchen zuzuführen. Zu dem Zwecke begab sich die Sekretärin fast täglich nach Dresden. Auf der Straße und im Geschäft, im Kaufhause und in der Straßenbahn machte sich die Bertraute deS Millionars an junge Mädchen heran, lud sie ein in ein Cafe und machte hier ihren Opfern ohne Umschweife„Offerte". Immer neue Obiekte schleppte die Seelenverkäuferin ihrem.Chef" heran, der die jungen Mädchen zu tollen Orgien verführte, sie dann reich beschenkte und wieder entließ. Die Mädchen mußten aber blendend schön, schick und elegant sein, andernfalls fanden sie vor den Augen de» reichen Lüstlings keine Gnade. Meistens waren eS junge Verkäuferinnen, Kontoristen und stellungslose Kellnerinnen, auf die die Kupplerin eS abgesehen hatte. Sineö TageS sprach die letztere ein junge« Mädchen an, daS die ihr widerfahrene Beschimpfung sofort dem nächsten Schutzmann meldete. Diesem golang es, die Kiwvlerm, die sich als eine Marie Slise Porsche geb. Pierssg aus Berlin ent- puppte, auf der Straße zu verhaften. Sie wurde jetzt vor Gericht gestellt. Seit ihrer Verhaftung am 6. Oktober verweigert die An- geklagte jede Aufnabme von Nahrung. Der von ihr inszenierte Hungerstreik machte fast die Vernehmung unmöglich, so daß die Verhandlung nur mit Mühe zu Ende geführt werden konnte. Sie war im übnaen geständig, weigerte sich aber, über ihren„Herrn nähere Angaban zu mächen. Der Ltistling, dessen Verhaftung eben- falls erfolgen sollte, ist inzwischen nach Pari» geflüchtet. Die Seelenveriäuferin wurde wegen Kuppelei und Beleidigung zu vier Monate««efängni« verurteilt. Ohne die große Rot der Stellungslosen und der mit yeringerem Gehalt Engagierten wäre der„Privaffekretärin' die Verführung nicht so leicht geworden._ Versammlungen» „Billiger Umzug". Unter diesem Thema hatte der Zentral- verband der Handlungsgehilfen die Angc,tellten der Firma A. Wertheim, Oranienstraße, zu einer BetriebSversamm- lung nach den Arminhallen geladen. Der Referent der überaus stark besuchten Versammlung war Ad. Müller. Er führte etwa aus: Der Neubau der Firma L. Wertheim. Oranienstraße. ist beendet und die TageSpresse bringt spaltenlange Berichte über den Glanz und die Pracht d«S neuen Haufes. Die Firma scheint an nichts gespart zu haben, ja man rühmt sogar ihre Kulanz den Bauarbeitern gegenüber. Nun, da der Bau beendet war, und die Firma cS nicht mehr mit„organisierten" Arbeitern, sondern nur noch mit„unorganisierten" Angestellten zu tun hatte, hörte diese Kulanz plötzlich auf. Jetzt begann die Firma zu sparen. Und zwar waren cS die Umzugskosten, welche die Firma scheute. Wer zufällig am vorigen Sonnabend Nacht Gelegenheit hatte, den Moritzplatz zu passieren, dem bot sich ein merkwürdiges Bild dar. Bis 3 und 4. ja bi» 6 Uhr nachts sah man Angestellte der Firma Wertheim— Handlunasgehilfen, die sich sonst doch so gern rühmen, nicht gewöhnlich« Arbeiter zu sein, sondern den„neuen Mittelstand' zu bilden, als Transportarbeiter beschäftigt. Sie bewerkstelligten ben Umzug des Warenhauses Wertheim. Von den Hausdienern verlangte die Firma diese Nachtarbeit wenigstens nicht umsonst; sie wurden dafür bezahlt. Den Angestellten durfte st« diese Arbeit vollständig umsonst zumuten und nicht nur diese Arbeit; auch von Sonntaginittag bi« in die späten Abendstunden mußten die Angestellten tätig sein. Diese Vorkommnisse sollten die Angestellten endlich darüber aufklären, daß die Inhaber der Firma Wertheim sehr wohl zwischen„Organisierten" und.Nichtorganisierten" zu unterscheiden versteht; sie sollten sich endlich ihrer Macht bewußt werden. Und gerade die WarenhauSangestellten, die zu verjenigen Gruppe der Handlungsgehilfen gehören, die am schlachiesten bezahlt werden, dafür aber die längste Arbeitszeit haben. Nicht etwa die Inhaber der Firma Wertheim seien dafür verantwortlich zu machen — deren gute? Recht ist es natürlich, möglichst viel Prosit zu er- zielen—, auch nicht die Unternehmer im allgemeinen soll man für diese Zustände verantwortlich machen, sondern die Annestellten selbst sind schuld daran. Es wäre Zeit, daß auch die HandlungSgehilsen den ganz falschen Stanfcesdünkel beiseite lassen und sich an die Seite der organisierten Arbeiterschaft stellen würden. Also hinein in die frei« Gewerkschaft, in den.Zentralverband der HandlungS- gehilfen".(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion ergänzte Karl B u b l i tz die Ausführungen des Referenten und wies nach, daß es dem Zcntralverband der Handlungsgehilfen sowohl in Berlin, wie auch außerhalb schon wiederholt gelungen sei, für die Angestellten der Warenhäuser bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erringen, und dies, obwohl wir erst ganz kleine Gruppen der Warenhausangestellten organisiert babcn. Er machte zum Schluß noch aus die Tclegiertenwahlen für die Betriebßkraukenkasse aufmerksam und forderte auf. kür die Liste der freien Gewerkschaften, auf der auch der Zentralverband der tzandlungSgehilken vertreten ist, zu stimmen. Auch die Ausführungen dieses Redners wucden mit lebhaftem Beifall aufgenommen und eine Anzahl Neuausnahnien waren d«S Resultat dieser Versammlung. Huö aller Melt. Späh muh sei»— in Leipzig. Wer in diesen BölkerschlachiSrummeltagen eine längere Strecke auf der Eisenbahn zurückzulegen hatte, konnte gute Beobachtungen in puncto Patriotismus machen. Denn jede« Nest spie einen oder mehrere feierlich geputzte Festausschußdelegierte au«, die den Anschluß nach Leipzig nicht versäumen wollten. Die als Neuling« nach der Pleiße» stadt pilgerten, waren vorderhand ein wenig betreten und suchten sich Rat bei den Erfahreneren. Den ersten Begrüßungsworten folgten rasch die ersten Skatpartien und bald hallte auS jedem Abteil das Ansagen der„Solo" und.Grand' in den trinlfestesten Krieger» vereinstönen. Das Skatspiel lösten zweideutige Witze ab. Und dann kam man meist auf gewisse Leipziger Lokalitäten zu sprechen. Nun war man anscheinend in daS richtige Fahrwasser gekommen. Selbst die Augen ordensgeschmückter Graubärte bekamen einen mertlichen Glanz. Und allgemein beschloß man, diesem, wohl nicht offiziellen Punkte des Festprogramms, gleich am Abend des Ankunftstages mit echt teuto- niicher Gründlichkeit näher zu gehen. Eine mitreißend« Begeisterung, wie sie kaum sonst der Jahrhundertfeiergedanke so impulsiv hätte auslösen können, kam unverkennbar zum Ausdruck. Und wo die alten Herren nicht so recht beschlagen waren, da gaben jüngere Leute detaillierte Auskunft, die in einer kleinen bondlichen Rund» schachte! so etwas wie eine studentische CereviSkappe dezent ver- borgen halten mußten. So zeigte eS sich auch bei dieser Bahnfahrt wieder einmal, daß der patriotische Deutsche, ob jung ob all, auch noch seine Ideale hat. In welcher mehr oder weniger diskreten Weise dies« Ideal« betätigt worden find, darüber werden die völkerschlachtSbegetsterungS- wütigen Blätter allerdings wohl mit verschämtem Schweigen hinfort- gehen._ Der Luftakrobat Pegoud über seine aviatische Mission. Der französische Salto-Mortale-Flteger Pegoud, der jetzt auf dem Flugfelde in Aspern eingetroffen ist. erklärte einem Vertreter des„Neuen Wiener Tageblatts' gegenüber: „Und nun komme ich zu der Beantwortung der Frage, welch« besonderen Umstände mich dazu getrieben, meine Demonstrationen zu vollführen. Und da mutz ich vor allem betonen, daß diese Demonstrationen weder akrobatischen Gelüsten ent- springen, noch auch al« akrobatische Leistungen an- gesprochen werden dürfen.(£in Fortschritt der Aviatil kann nur erfolgen entweder durch eine Vervollkommnung in der Herstellung der Flugapparate oder in der Vervoll« kommnung der Flugtechntk der Aviattker. Die Flug- technik der Aviatiker scheint mir hierbei die wichtigere und dring- lichere Forderung zu sein. Warum fordert die. Aviatil so viel« Opfer? Warum fallen ihr so viele hoffnungsvoll« und heroische Männer zum Opfer? Weil diese Aviatiker in der Regel in den ent- scheidenden, gefahrvollen Momenten den Kops und damit die Herr- schaft über ihren Apparat verlieren. Ich betrachte eS daher al« meine Mission, durch mein Beispiel die seelische veefasiung der Aviatiker zu«höhen. Mein« Demonstrationen find ein Mahn« ruf an die Aviatiker, zu ihren Apparaten Ber- trauen zu haben. Denn der Apparat ist wie ein temperamentvolle« Pferd. Fühlt e» die Hand eine» Meister» in feinem Fache— und jeder Aviatiker muß nach der Meiftetschast streben—, dann ist es willig, fügsam, gehorcht auf jeden Druck, auf jeden Winl möchte ich sagen. Ich führe also den Beweis, daß ein Aviatiker, in welche Lage er auch immer durch einen Windstoß oder durch einen andern Umstand geroten mag. sich keineswegs in Lebens- gefahr befindet und durch Geistesgegenwart, Besonnenheit und Ruhe jede Gefahr überwinden kann. � Meine Flüge sind also— ich wieder- hole es— keine akrobatischen Kunststücke, sie dienen oem Fortschritt der Sviatik, sie beweisen, daß die Luft«in durchaus ver- läßliche« Element ist, und daß die Fahrt auf einem Apparat durch die Luft selbst inmitten drohendster Fährlichkeiten sicher vor sich gehen kann.'_ Nachtflüge und ihre Gefahren. Auch am Freitag und Sonnabend wieder bewarben sich deutsche Flieger durch Flüge, bei denen sie die Nacht zu Hilfe nahmen, um die Preise der Nationalflugspende. So legte Friedrich auf Etrichtaube über 1000 Kilometer zurück, Caspar auf Gotha-Taube 1450 Kilometer(nach anderen Meldungen sogar 1650 Kilometer) und W i e t i n g auf Rumpler-Taube eine ungefähr gleiche Entfernung, die freilich noch genauer festzustellen ist. Da indes bei den Nachtflügen auch mehrere Militär- und Zivilflieger schwer abgestürzt sind, hat in Johannisthal eine Protestversammlung der Flieger stattgefunden, die gegen die Ausschreibungen der„Nationalflug- spende", wie gegen die ganze Organisation unseres Flug- Wesens überhaupt schärfften Einspruch erhob. Die Flieger mögen allen Grund zu ihren Beschwerden haben. Aber warum wenden sie sich nicht energisch an die Oeffentlichkeit?_ Grubenunglück in Oberschlefien. Gleiwitz, 18. Oktober.(Depcschenburecru Herold.) Auf der Kastellengogrube brach nach einer Meldung de«„Oberschl. Wand." heute früh 3 Uhr infolge Fackelbrande? ein Feuer au«. Zwei gräßlich verstümmelte Leichen ivurden zutage ge- fördert. Eine Anzahl teils schwer, teils leicht verletzter Bergleute wurde inS Knappschaftslazarett eingeliefert. Die zur Rettung ihrer Kameraden eingefahrene Rettungskolonne ist von giftigen Schiixide» umgeben; sie durste mit einigen noch in der Grübe be- frndlichen Bergleuten verloren sein. Kleine Notizen. Zwei schwere Straßrnbahnkatastrophcn. Am Freitag sind zwischen Lüttich und Bivegnis im Nebel zwei Straßenbahnwagen zusammengestoßen. Der Anprall war so heftig, daß die Wagen fast voll- ständig zertrümmert wurden, wobei 80 Personen schwere Verletzungen erlitten.— An der Wandrebrück« ereignete sich gleichfalls«in Straßenbahnzusammenftoß» bei dem 15 Personen schwer verletzt wurden. Zwei Flieger ins Meer gestürzt. Bei der Jsle of Groin ereig- nete sich am Freitag ein Fliegerunfall. Leutnant GaSkel und Leut- nant Plees stürzten mit ihrem Hydrovlan in« Meer. Die Maschine ist vollständig zertrümmert. Beide Offiziere erlitten glücklicherweise nur leichtere Verletzungen. Entlassung deS„Grohfürstenattentäter«". Der Berliner Gtu- dent, der in Dresden wegen eines angeblichen auf den Großfürsten Khrill geplanten Attentats unter weitläufigen Vorkehrungen ver- hastet wurde, ist am Sonnabend als völlig unschuldig e n t l a s s e n worden. Man hat ihn nur wegen verbotenen Waffentragens mit einer Geldstrafe belegt. Der Student ist nach Berlin abge- schoben worden.— Wie schade für unsere reaktionäre Preffe. Nun ist sie um ein willkommenes Argument für neue Ausnahmegesetze gekommen.__ Jugeudveranstaltunge». Steglitz-Friedenau. Die für Sonntag, den- 19. d. M„ geplant, öffentliche Augendversammlung findet am 2. November bn.Albrechtshof- statt. Die Jugendlichen von Sieglitz und Friedenau werden gebeten, nch Sonntag, den 19. d. SR, an der g e m« i»1 a m e n Kund g- b u o g der Berliner Jugend In der Hasenheide zu beteiligen. Treffpunkt •/,1 Uhr an der.Kailer. Eiche- w Friedenau. Der Heitere Abend beginnt heut« um 9 Uhr bei Schellhas«, Etegfit Ahornftr. 15*. linderer großen „Jngeborfm� 2|50 f"Moderner Kimono- Mantel a. genopp- tem Phantasie-Stoff, apart verarbeitet (wie Abbildung).......... M. Kostüme in bekannt guter Verarbeitung. Xafolcg kosftn/o*. tfm. Ä C�aruenpladz € \,JjzjktuJijg�d£iJü�ä 25 Renate" Fescher Kimono- Mantel aus Original englischem Stoff. Apartes Fasson mit Knopfgarnierung....... M. 00 Ottilip" �UB'{'er Curl- Mantel, jj vlllliv aparte Kimono-Fasson mit Knopf- und Schloßgarnierung, In grün und schwan M. r P ATlfjo" Eleganter changeant UOi lid Curl-Mantel mit Pelz- Köpfen und reicher Schlofi- Garnierung... t........... M. Kostüm- Röcke Q75 in modernen, großkarierten Schotten- Mustern, apart verarbeitet...... M. 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Liberty oder Taffet, ,»• hoher Säumchen- Volant mit.. Plissees, moderne Seitengarnitur 14.75 Matinee aus bedrucktem bäum- ff|f|� lalfl A«« woll Eiderflanell, versch. Formen 3.90 iaAMUvA Aal\/AUUA Matinee aus Flauschstoff mit£jn Posten Kinderkleider für den wollener Decke oder wollenem. Herbst und Winter, zu bedeutend er- Velours, garniert........ Q&O mässigten Preisen Morgenrock aus woll Velourt Fürö«rliyZ Kr. 274. 30. Jahrgang. 2. Krilmt des Joraiärts" Keelim AlksdlÄ Sonntag, 19. Oktober 1913. An die Bildungsansschitsse und Organisationsleitungen! Wir richten an die Veranstalter von Knnstabcnden, für die die Kräfte vom BezirkSbildungSausschuß vermittelt worden sind, nochmals das Ersuchen, unS über jeden Abend einen knappen Bericht einzusenden, auS dem wir ersehen können, wie der Abend verlaufen ist und wie die Kräfte sich bewährt haben. Außerdem ersuchen wir die Genossen, uns für jeden dieser Kunstabende einige Eintrittskarten zu senden, damit wir selbst das eine oder andere Konzert be- suchen und begutachten können. Diese gemeinsame kritische Arbeit ist notwendig und kann unserer Sache nur förderlich sein. Sie wird dazu führen, daß etwaige Fehler in der Zusammensetzung der Progranime oder Irrtümer in der Auswahl der Kräfte, die bei der Neuheit unserer Arbeit auf diesem Gebiete leicht möglich sind, für die Zukunft mehr und mehr ausgemerzt werden. Sodann erinnern wir nochmals daran, daß das Bureau Sonnabends von 9—1 und von 5—8 Uhr geöffnet ist. Der BezirkSbilduagSauSschuß Groß-Bcrlin, Lindenstr. 2, Hof I. lioniumgensllenfchzft kerlin unä llmgegenö. In ihrem 14. Geschäftsjahre(1. Juli 1912 bis 30. Juni 1613) hat die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend wieder einen sehr erheblichen Aufschwung erfahren. Die Zahl ihrer Mitglieder stieg von 56 678 auf 77115 und der Warenumsatz ging von 10 540183 M. auf 14 687277 M. hinauf. Der Mitgliederzahl nach ist die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend jetzt die größte Korporation im Zentralverband deutscher Konsumvereine. Hinsicht» lich des Warenumsatzes steht sie jedoch erst an vierter Stelle. Da wird sie' von den Konsumvereinen Dresden, Leipzig und Hamburg übertroffen. Der größere Umsatz dieser Vereine erklärt sich daraus, daß sie über eigene Schlächtereien beziehungsweise Warenhäuser verfügen, wodurch den Mitgliedern Gelegenheit geboten ist, einen größeren Teil ihres Bedarfs durch den Konsumverein zu decken, al» e» in Berlin der Fall. Immerhin ist auch in Berlin der pro Mitglied berechnete DurchschnittSumsatz von 185,96 M. im Vorjahre auf 194,88 M. im letzten(14.) Geschäftsjahre gestiegen. Die Stei» gerung um 3,42 M. fällt um so mehr inS Gewicht, als infolge guter Ernte die Lebensmittel— mit Ausnahme des Fleisches— billiger waren als im Vorjahre. Entsprechend der vermehrten Mitgliederzahl hat die Genossen- schaft 19 neue Verkaufsstellen eingerichtet, so daß sie am Schluß de» Geschäftsjahres 107 Verkaufsstellen hatte. Der Jahresumsatz von 14 987 277 M. erstreckt sich auf die aus dem eigenen Geschäft der Genossenschaft entnommenen Waren. Rechnet man noch hinzu die Umsätze im Lieferantengeschäft sowie beim Verkauf von Kohlen und Kartoffeln, so ergibt sich ein Gesamt- Umsatz von 16 255 805 M.— Ter Umsatz würde ein noch weit größerer sein, wenn alle Mitglieder auch Käufer der Genossen- schaftSwaren wären. DaS ist aber nicht der Fall. Von den 77 115 Mitgliedern sind nur 50 432 durch Ablieferung von Markenblättern als Käufer festgestellt worden. Also 26 723 Mitglieder haben keine Waren aus den Verkaufsstellen der Genossenschaft bezogen. Wohl deshalb, weil sie in Bezirken wohnen, wo noch keine Verkaufsstelle besteht. Zieht man bei der Berechnung des Umsatzes pro Mitglied nur die kaufenden Mitglieder in Betracht, dann ergibt sich ein wesentlich höherer Umsatz wie vorhin angegeben. Auf daS kaufende Mitglied kommt ein Durchschnittsumsatz von 297,17 M. Daß die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend mit einem Jahresumsatz von rund 15 Millionen Mark sich zu einem sehr beachtenswerten Faktor in der Lebensmittelversorgung der Ar- beiterschaft aufgeschwungen hat, leuchtet ohne weitere» ein. ES tritt aber ganz besonders hervor beim Absatz von Brot und Back- waren. In dem eigenen Bückereibetriebe der Genossenschaft wurden im Geschäftsjahre 6 689 750 Kilogramm Roggenmehl und 448 538 Kilogramm Weizenmehl verarbeitet. 4 954 666 Brote wurden her- gestellt. Ter Jahresumsatz der Bäckerei belief sich auf 2 706 779 M. DaS sind 59 Proz. mehr als im Vorjahre. An dem Gesamtumsatz der Genossenschaft ist die Bäckerei mit 18,1 Proz. beteiligt. E» ist ein durchschlagender Beweis für die Leistungsfähigkeit und Ueberlegenheit des genossenschaftlichen Großbetriebes, daß die Kon- sumgenossenschaft ihr Roggenbrot von anerkannt vorzüglicher Oua- lität für 25 Pf. pro Kilogramm liefert, während der amtlich fest- gestellte Durchschnittspreis in den Privatbäckereien 29,01 biS 30,11 Pf. beträgt. Seit September 1912 betreibt die Genoffenschaft auch eine «igen« Konditorei, die in den 10 Monaten ihres Bestehens für 190 738 M. Kuchenware abgesetzt hat. Zum bevorstehenden Weih- nachtsfest werden die Mitglieder sich mit Honigkuchenwaren ver- sorgen können, die gleichfalls im eigenen Betriebe der Genossenschaft hergestellt sind: Wenn von der Wirksamkeit der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend die Rede ist, dann darf nicht unerwähnt bleiben, daß sie im verflossenen Geschäftsjahr mit großen pekuniären Opfern zur Linderung der Fleischnot beigetragen hat. E» handelt sicb um den Vertrieb dcS infolge besonderer ministerieller Erlaub- nis durch die Stadt Berlin und einige Vorortgemeinden eingeführten russischen Fleische». Zunächst hatten e» die Gemeindebehörden ab- gelehnt, außer den Fleischermeistern auch die Konsumgenossenschaft mit dem Verlauf des Fleisches zu betrauen. Als dann aber infolge inkorrekten Verhaltens eine» großen Teils der betreffenden Fleischer- meister die Gefahr drohte, daß die ganze Notstandsaktion ihren Zweck verfehlen würde, da erinnerte man sich der Konsumgenossen- schaft und übertrug ihr gleichfalls den Verkauf von russischem Fleisch. Die Genossenschaft mietete besondere Läden, stellte eine Anzahl Fleischer ein und betrieb den Fleischverkauf in Berlin und «inigen Vororten in 52 Läden. Von November 1912 bis Juni 1913 währte der Verkauf von ausländischem Fleisch. E» wurden davon für 2 845 717 M. umgesetzt. Diese Summe ist in dem angeführten Gesamtumsatz der Genossenschaft nicht miteingcrechnet.— Der Ver- kauf des ausländischen Fleische» hat einen erheblichen Teil der ärmeren Bevölkerung in der Zeit der härtesten Teuerung den Fleischgenuß ermöglicht und weiterhin bewirkt, daß die Preise de» inländischen Fleisches nicht noch höher stiegen, ja hier und da sogar etwas zurückgingen. An diesem für die Allgemeinheit der 5ionsu- menten sehr wertvollen Erfolg hat die Konsumgenossenschaft in hohem Maße mitgewirkt. Die Geldopfer, welche sie für diesen Zweck brachte, sind also nicht vergeben» gewesen. Haben sie doch eine soziale Aufgabe erfüllen helfen, die auf dem Gebiet des Ge» nossenschaftSgedankenS liegt. UebrigenS hat die Genossenschaft zur Linderung der Fleischnot noch dadurch beigetragen, daß sie Kanin- chen und gefrorenes Hammelfleisch auS Australien einführte, sowie den Verkauf von Seefischen betrieb. Obgleich die Genossenschaft beim Bezüge von Seefischen nicht die Frachtermäßigungen genießt, die den Gemeindebehörden gewährt werden— der Eisenbahn- minister erkennt die Konsumvereine nicht als gemeinnützige Organs- sattonen an—, konnte sie tadellose Ware noch etwas billiger ab- geben, als die städtischen Verkaufsstellen. Alles in allem zeigt der Jahresbericht, daß die Konsumgenossen- schaft ihrer Aufgabe: die Massen mit guten und preiswerten Lebensmitteln zu versorgen, immer mehr gerecht zu werden ver- sucht, obwohl noch manche? zu bessern ist. Deshalb, sowie infolge einer regen Agitation, hat der Genossenschaftsgedanke in Berlin seit einigen Jahren recht beachtenswerte Fortschritte gemacht. In welchem Maße sich die EntWickelung der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend seit dem Jahre 1900 vollzog, daS zeigt die folgende Zusammenstellung: Mitglieder« Umsatz zahl M. 1900.... 1086 70387 1901.... 4851 623811 1602.... 6718 815817 1903.... 10 300 1 435 045 1904.... 11 184 1 446 804 1905.... 10 927 1 174 804 1906.... 9831 1 246277 1907.... 10 282 1 470 256 1908.... 17225 2078 191 1909.... 19 175 2 805 618 1610.... 27967 4162098 1911.... 38423 0071908 1912.... 50 678 10 540 183 1918.... 77 155 14 987 277 Wie bescheiden war doch der Anfang vor vierzehn Jahren. Wie langsam brach sich der GenossenschaftSgedanke in den folgenden Jahren Bahn. Ja, nach 1904 traten sogar drei Jahre mit einem kleinen Rückgang ein. Dann aber ging eS flott und schließlich mit Riesenschritten vorwärts bis auf die jetzige Höhe von 77 000 Mit- gliedern und 15 Millionen Mark Umsatz. Gewiß ein schöner Erfolg, aber noch lange nicht der Endpunkt der Entwickelung. Groß-Berlin mit seiner millionenköpfigen Arbeiterschaft bietet der weiteren Aus- breitung des Äenossenschaftsgedanken» noch ein großes Feld. Darum: Hinein in die Konsumgenossenschaft! Hinein im Interesse jedes einzelnen Konsumenten und im Interesse des so- zialen Fortschritts! Hoffen wir, daß uns der nächste Jahresbericht ein volle» Hunderttausend an Mitgliedern melden kann. Partei- 5Zngelegenkeiten. vierter Wahlkreis. Am Dienstag, den 21. Oktober, abends 8 Uhr, finden in den Lokalen Luisenlasino, Oranienstr. 130, und bei Boeker, Wcberstr. 17, je eine Kommunalwähler-Versammluna statt. Tagesordnung: 1.„Die bevorstchrndr Stadtvcrordnetrnwahl und unsere Forderungen im Roten Hause." 2. Diskussion. Referenten sind die Stadtverordneten Genossen E. BaSner, P. Böhm, R. WcngelS. Gleichfalls findet am Dienstag, abend« 3 Uhr, eine öffentliche Versammlung in den Markgrafensälen, Markgrafendamm 34, stalt. Tagesordnung: 1. Bonrag de« Genossen Julian Borchardt über: „DaS neue Evangelium." 2. Diskussion. Schlnederg. Eine Volk»« und Kommunal Wähler« Versammlung findet am Dienstag, den 21. d. MtS., abends 8 Uhr. im„Schwarzen Adler", Hauptjtr. 144, statt. Schrift- steller Genosse Dr. Rudolf Breitscheid referiert über:„Wählt Sozialdemokraten!" Agitiert für guten Besuch. Wilmersdorf. Am Montag, den 20. Oktober, abend» 6% Uhr, findet der dritte Vortrag des Kursus über..Geschichte und Pro- gramme der politischen Parteien" im..Viktoriagarten", Wil- helmsaue 114, statt. D r. Ruo. Breitscheid spricht über das Thema:„Der deutsche Liberalismus". Gäste willkommen. Eintrittspreis 10 Pf. Niederfchöncweide. Dienstag, den 21. Oktober, abends 8'/, Uhr, im Restaurant„WaldhauS", Berliner Straße: Versammlung. Tages- ordnung: U. a. Lichtbildervortrag über Feuerbestattung. Referent Dr. Freund. Britz-Buckow. Am Montag, den 20. Oktober, findet der erste Abend des UnterrichtSkursus des Genossen Farwig:„Streifzüge durch die Geschichte dei Sozialismus" statt. Erster Vortrag: Plato und fein Jdealftaat. Die Vorträge werden im Lokal von Becker, Chauffeeftr. 97, 8 Uhr, gehalten. Britz-Buckow. Montag, den 20. Oktober, abends?>/, Uhr, von den bekannten Stellen aus: Handzettelverbreitung. KaulSdorf iOstbahn). Heute Sonntag früh 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung vom Lokal des Herrn Bobey am Bahnhof aus. Um 11 Uhr versammeln sich die Parteigenossen daselbst. 11." Abfahrt nach Rummelsburg-Ost. Besuch der Versammlung im Cafs Bellevue. Trmpelhof-Mariendorf. Der BildungSauSschuß beider Orte veranstaltet am Mittwoch, den 19. November(Bußtag), nachmittags 2 Uhr. in der Urania, Berlin, einen wissenschaftlichen Vortrag mit Lichtbildern. Herr Dr. G. Wcgencr spricht über:„Der Kampf um den Nord« und Südpol". Einlaßkarten a 60 Pf.(inklusive Garderobe) find nocki zu haben in M a r i e n d o r f bei O. Dönickc, Kurfürstemtr. 14, und M. Lehmann, Bcrgftr. 17; in Tempel- Hof bei O. Gröseling, Fricdrich-Franz-Str. 14, und A. Jrrgang, Dorfstr. 52; außerdem in den Konsumverkaufsstellen beider Orte. Eichwalde. Heute, Sonntag, vormittags 9 Uhr. Kalenderver- breitung vom Restaurant Friedrich, Bahnhofltr. 1, aus. Rosenthal. Am Dienstag, den 21. Oktober, abends 8)4 Uhr, Versammlung im Lokal von Gust. Milbrodt, Walderseestr. 5: Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht vom Parteitag fBerichterstatter: Genosse Brühl). 3. Diskussion. 4. Wahl eines Mitglied«« zum BildungSauSschuß und eines Revisors. 5. Parteiangelegenheiten. Spandau. Am Dienstag, den 21. Oktober, abeirds 8)4 Uhr: Große öffentliche Kommunalwählerversammlung im Lokal von Emil Köpnick(„Flora"). Pichelsdorfer Str. 39. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. Referent: Genosse O. Grauer- Lichtenberg. 2. Tätigkeitsbericht der Fraktion. Referent: Genosse W. Pieper. 8. Freie Aussprache. Pankow Der BildungSauSschuß veranstaltet im„Türkischen Zelt". Bmiestr. 14. einen Vortragszyklus:„Die wissenschaftlrchen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung", Referent Genosse Kubig. Di« Vorträge finden statt am 20. und 27. Oktober und am 3., 10. und 17. November, abenoS 8)4 Uhr. Eintrittsgeld für die fünf Abende 60 Pf. Arbeitslose Mitglieder haben freien Eintritt. Mvrgen abend Thema: Die vorkapitalistische Zeit. Borsigwalde« Wittenau. Montag, den 20. Oktober, abends 7'/, Uhr: Flugblattvarbreitung von den bekannten Lokalen au». Lerlimr Nachrichten« Die städtische Leipzig-Feier. Die städtischen Behörden von Berlin veranstalteten am gestrigen Sonnabendnachmittag eine Völkerschlachtfeier auf dem Kreuzberg, wo sonst nur ein alter, alter Z-eldwebel inmitten spielender Kinder und aufsichtsführendcr Bonnen vergebliche Versuche macht, patriotische Ansichtskarten zu verkaufen. Sonn- abend war's mächtig voll da und auf jeder Stufe, die zu dem Denkmal führt und oben auf der Plattform wie unten auf den sanften Abhängen des Kreuzberges glänzten und gleißten unzählige Zylinder im Herbstsonnenschein. Einer der ein- geladenen Herren meinte zu einem Stadtverordneten, mit dem er sich durch das Gewühl quetschte:„Wir schimpfen ja sonst auf die Polizei, aber Ordnung hätte sie doch gehalten I" In diesem Sehnsuchtsruf nach Jagow ist so der Jammer unserer ganzen städtischen Selbstverwaltung erschlossen: Die Bevor- mundung von oben ist unseren Bürgern oft unangenehm, aber der Zudrang des Volkes noch mehr, und darum fällt der Kommunalfreisinn so oft und so gern auf die Polizeiscttc. Die Festrede auf dem Kreuzberg hielt Professor Schmidt. Byzantinisch war sie nicht. Diese Klippe jeder offiziellen Fest- rede wurde so ziemlich umgangen, wenn auch der Redner nicht unterließ, in dem Erlag des Aufrufs„An mein Volk" durch Friedrich Wilhelm III. das Entscheidende für das Los- brechen des Freiheitskampfes zu sehen und wenn er auch schließlich von der Höhe des Kreuzbergs daS spärlich beflaggte Berlin unter dem starken Schutz der preußischen Könige da unten liegen sah. Aber, wenn auch der Festredner nicht etwa in den KricgervereinSton verfiel, so entwickelte er dafür sonderbare Geschtchtstheorien und Problem- stellungen, über die zu debattieren nicht langweilig gewesen iväre. Daß cS daS Sehnen nach nationaler Frei- h e i t war, das dem deutschen Volk die Kraft zur Nieder- ringung eines Napoleon gab, ist natürlich wahr; wie dieses Sehnen nach den ungeheuersten Opfern von den fürstlichen Nutznießern des Volkskrieges von 1813 erfüllt wurde— das paßte nicht in den Kram der Festrede und muß daher an anderem Ort, heute mittag, kräftig nachgeholt werden! Wenn aber Herr Schmidt verkündete, daß der Kampf der halben Million um Leipzig entscheiden sollte und entschieden habe,„ob hinfort die romanische oder germanische Kultur die Regierung des Abendlandes übernehmen sollte", so wird unendliches Staunen ob dieser ehernen Wahrheit ent- stehen. Der Sieg der Kosaken, Baschkiren, der geknechteten Völker Habsburgs und auch großer deutscher Volksheere über die Franzosen, Polen und— andere Deutsche soll die roma- nische Kultur durch die germanische aus der Führung ver- drängt haben? Und wo ist die germanische Führung heute? Ist sie bei dem England der sonst französisch- russischen Tripleententc oder bei dem Deutschland des sonst italienisch- österreichisch- polyglotten Dreibunds?! Und führt sie selbst in diesem Deutschland, in dem Zarendiener und Knutenschwärmer den Ton angeben und das deutsche Volk unter der Herrschaft des volkbfremden Junkertums steht? l Und wenn Prof. Schmidt davon sprach, daß in der Welt« geschichte niemals die Kraft der Kanonen allein siege, sondern nur dann, wenn sich mit ihnen auch die größere sitt- lichc Kraft entlade— ist das nicht die schärfste Ver- urteilung einer Hcrrentlasse, die je eher, je lieber die sittliche Idee des arbeitenden Volkes aus den Kanonen, die dieses Volk bezahlt und bedient, niederkartätschen lassen niöchte I Alles Große in der Weltgeschichte geschieht nur um des nachfolgenden Größeren willen— erklärte der Redner auf dem Kreuzberg— und so haben wir heute den Weg zu gehen, den Fichte der deutschen Nation gewiesen, als er ihm pro- phetisch die Erkenntnis des Göttlichen in der eigenen Brust und daSHandcln danach zur sittlichen Höhcrentwickelung als seine spezifische Aufgabe zeigte. Da es Fichte war, der die Forde- rung nach der Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, erhob, so wollen wir Herrn Schmidts Mahnung gern akzeptieren. Aber was mag er meinen mit den Worten:„Noch haben»vir schwer mit der Ausführung dieser Erkenntnis aller LebenZprobleme zu ringen und die Gefahr liegt dabei nahe, sich in fruchtlosem Individualismus zu verlieren, Aber der Same, den unsere Väter gesäet, war ein guter Same und wenn auch der böse Feind über Nacht Unkraut d a z w i s ch e u gesät hat, so wird eS wieder von den Fruchthalmen zer- drückt und erstickt werden". Damit kann ein überzeugter Anhänger des herrschenden Systems allenfalls uns gemeint haben. Aber bedenken wir es recht, so ist ja 1813 die Saat der Volksfreiheit gesät worden und der böse Feind der heiligen Allianz und der europäischen monarchischen Reaktion hat dann das Unkraut gepflanzt, das heute noch wuchert und üppig strotzt und dem gesunden Wuchs den Atem nehmen möchte. Und darum sollen auch uns die Worte des städtischen Redners und sein„Das walte Gott"! uns eine höchst erfreuliche Verheißung sein. Und so gedeiht denn alles der guten Sache zum Gedeihen! Spiel und Leben. Ein kleiner Junge rennt die Straße„lang". Alle paar Meter bleibt er stehen, blickt sich nach einem kleinen Mädchen um, das ihm trippelnd zu folgen trachtet: jetzt ist sie bald heran— da hebt er die Hand, ruft„Abfahren!" und enteilt der kleinen Verfolgerin. Das wiederholt sich immerzu. Und der Sinn des Kindertreibens? Sie machen das ärger- liche Erlebnis nach, das jeder von uns eiligen Berlinern so oft hat. daß nämlich der„Fahrdienstleiter" gerade in dem Augenblick unseren Zug abfahren heißt, wenn wir, atemlos vom Treppenlaufen, durch die Bahnsperre durch sind und auf das letzte Abteil zustürmen. Das macht der pfiffige Junge auf der Straße nach. Das Mädel ist das hastende Publikum und—„Zurückbleiben!" ist die Parole deS Machthabers, der uns den Zug abfahren läßt!_ Das Cafä am Brandenburger Tor abgelehnt. Eine Klage beim Bezirksausschuß. Noch ehe die neuen Bestimmungen deS Berliner Ortsstatuts gegen Verunstaltung dcS Stadibildes in Kraft getreten sind, durch die das Tiergartenviertel einen erhöhten Schutz erhalten soll, sind der Pariser Platz und daS Brandenburger Tor durch Entschließungen der zuständigen Behörden vor einer Vsrschandelung bewahrt worden. DaS Projekt de» Bankier« F. Gponholz, der in seinem südlich dem Brandenburger Tor benachbarten Hause Pariser Platz 1 ein großes Cafö einrichten und zu diesem Zweck das Erdgeschoß mit der Fassade vollständig umbauen wollte, hat nicht die Zustimmung des Berliner Polizeipräsidenten erhalten. Bemerkenswert ist hierbei, daß der Sachverständigenbeirat deS Berliner Magistrats, dem der Schutz des Stadtbildes obliegt, gegen das Projekt keine Bedenken er- hoben hatte. Die ersten Projekte wurden zwar auf Veranlassung des Sachverständigenbeirats mehrmals geändert, dem letzten Entwurf der Architekten Wenzke und Giesecke erteilte er jedoch seine Zustimmung, weil nach seiner Ansicht eine Beeinträchtigung des Stadtbildes im Sinne des Ortsstatuts gegen Verunstaltuug im wesentlichen nicht zu befürchten sei. Diesem Gutachten trat der Berliner Magistrat nicht bei; er lehnte vielmehr auch das geänderte Projekt ab, weil nicht nur durch den Umbau,'fondern auch durch den Betrieb des EafeS eine Beeinträchtigung des historischen Platzbildes zu erwarten sei. Dieser Entscheidung schloß sich der Polizeipräsident an; er ver- sagte die baupolizeiliche Genehmigung. Der Eigentümer hat darauf- hin jetzt das Vcrwaltungsstreitverfahren beantragt und beim Bezirksausschuß Klage auf Aufhebung der Entscheidung des Polizeipräsidenten eingereicht. Ein Termin zur Verhandlung steht noch nicht fest. Zum Luftschiffunglück. An der Fortschaffung der Trümmer des verunglückten Luft- schiffcs wurde noch am Sonnabendvormittag gearbeitet. Am Mittag waren die Ueberreste abgefahren bis auf die Motors, von denen der vordere sich tief in den Boden eingebohrt hatte, und deren Weg- bringung wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Wer heute, am Sonntag, die Unglücksstelle besucht, wird außer den ver- brannten Rasenflächen an den Stellen, an denen die Gondeln auf den Erdboden aufstießen, weitere Spuren von der entsetzlichen Katastrophe nicht mehr erblicken. In den Berichten über die letztere ist übrigens nur von einer Explosion die Rede. Das ist nicht ganz ricktig. Es haben zwei Explosionen stattgefunden. Die explo- dicrende Masse ist also nicht mit einem Male entzündet worden. Für die näher an der Unglücksstelle Befindlichen mögen wohl durch die heftige Erschütterung der Luft beide Detonationen in eine zusammengeflossen sein. In etwas größerer Entfernung, am Spreeufer bei Baumschulenweg, war jedoch ganz deutlich zu unter- scheiden, daß erst eine Explosion erfolgte, der unmittelbar darauf eine zweite gleichstarke folgte. Da der aufsteigende Rauch, von der Spree aus gesehen, sich in der Richtung erhob, in der die Kohlen- sänrefabrik von Niederschöneweidc liegt, glaubte Schreiber dieser Zeilen bestimmt, daß in der erwähnten Fabrik ein Kessel geplatzt sei und einen zweiten mit fortgerissen und zur Explosion ge- bracht habe. Von der Heftigkeit der Lufterschütterung zeugte auch das Ver- halten der Tiertoelt nach der Explosion. Die ziemlich zutraulich gewordenen Wildenten, die sich wenige Meter vom Ufer entfernt im Wasser tummelten und auf Fütterung durch Vorübergehende warteten, erhoben sich augenblicklich aus dem Wasser und strebten in wilder Flucht davon. Auch ein ganzer Schwärm Krähen fuhr aus den Baumwipfeln im Treptower Park hervor und flog schreiend dem gegenüberliegenden Ufer zu. Die Tiere hatten offenbar alle die Empfindung, daß in ihrer nächsten Nähe geschossen worden und Gefahr für sie im Verzuge sei. « Gottes Fügung? Bei den vielen nachdenklichen Betrachtungen, zu denen die Vernichtung des neuesten Luftkreuzers anregt, drängt fich auch die Frage auf, wie unsere Frommen sich zu dem Vorgang stellen werden. Eigentlich dürfte es keine Frage fein, wenn die Gescheitelten und Geschorenen eben nicht von jeher mit der Logik Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Untreu. Die Briestasche. Allabendlich: Seine Geliebte.(Ansang 8 Uhr.) Schtller-Theater v. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Freiwild. AbendS: Jugendsreunde. Montag: Die Stützen der Gesellschaft. Dienstag: Wenn der neue Wein blüht. Mittwoch: Jugendfreunde. Donnerstag: Wenn der neue Wein blüht. Freitag: Jugendsreunde. Sonnabend und Sonntag: Wenn der neue Wein blüht. Montag: Jugendsreunde.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Gharlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseid. Abends und Montag: Die Großstadtlust. Dienstag: Rosenmontag. Mittwoch: Die Großstadtlust. Donnerstag: Rosenmontag. Freitag: Moral. Sonnabend bis Montag: Rosenmontag. (Ansang 8'Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dorf und Stadt. Abends: Von Stuse zu Stuse. Montag: Minna von Barnhelm. Diens- tag: Von Stufe zu Stuse. Mittwoch: Die Allwördens. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Von Stuse zu Stuse.«onntag: Der Hütten- besitzer. Montag: Unbestimmt.(Ansang 81/, Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Liebelet. All- allbcndlich: Belindc.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Käthchen von Heilbroun. Allabendlich: Der Liebesonkcl.(Ansang 81/, Uhr.) Montis Operette»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Vogelhündler. Abends und bis Donnerstag: Der lachende Ehemann. '■rcitaa: Geschlossen. Sonnabend: Die ideale Gattin.(Ansang V/, Uhr.) -onntag und Montag: Die ideale Gattin.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends und Montag: Laura massiert. Dienstag: Maria Stuart.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch bis Montag: Im weißen Rößl.(Ansang 8st, Uhr.) Theater am Nollendorfplah. Sonntagnachmittag» 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt.'Allabendlich: Die Heimkehr des Odysseus.(Ansang 8 Uhr.) Urania» Theater. Sonntag und Montag: Mit dem„Imperator" nach Rew Z)ork.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Herrnfeld-Theater. Allabendlich: Da? sagen Sie zu Lei- busch?!(Ansang 8 Uhr.) Kasino-Thcater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree. Allabendlich: Ferdinand der Tugendhaste..(Anfang 8 Uhr.» Folies Gaprice. Allabendlich: Ritter Baldrian. Mißgeburt. Adopliv- kind.(Anfang 81/, Uhr.) Metropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr:'s Nullerl. Allabendlich Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Rcichshallcn-Thrater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Stettiner Sänger. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 71/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang 7>F Uhr.) Zirkus Schumann. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang?'/, Uhr.) ............. ett: Die tti" Admiralspalnst. Eisballett: lustige Puppe.(Anfang S Uhr.) fraueti-LeFeabende. Friedenau. Montag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr, bei Klawe, Handjerystr. 60/61. Es spricht die Genossin Duncker über„Die Grundlagen des Sozialismus". Nieder-Schönhausen-Nordend. Dienstag, den 21. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Rettig. Blankenburgcr Str. 4: Vortrag der Genossin Böhm- Schuch-Steutölln:„Sexuelle Ausklärung des Kindes". Gäste ivillkommen. Steglitz. Montag, den 20. Oktober, bei Heizmann, Florastr. 4. Gen. Kluß spricht über„Religion und Nawrerkenntnis". Beginn'/,S Uhr. Waidmannslust. Mittwoch, den 22. Oktober im„Schwetzerhause", Dianastraße. Vortrag:„Wahrheit und Fälschung im Geschichtsunterricht der Volksschule"._ WasserstaudS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau ")+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel, £jafe JJJeyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 u. 15, Bier, hellu.dunk.10Ps. ca. 50 Zeitungen; Billard Std. CO Ps. Zahlstelle der Freien Volksbühne. �pezlalarzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden. ncrv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in u.Co, konz. Laborat. s Blut- Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Frieilriclislr, 81,«S. Spi. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mätzig, auch Teilzahl. Separates Damcnzimmer. v»;yvnw»«yuiu Dr. Horneyer SpflittÜttttftt. Landleberwurft Jeden Mittwoch: Die berühmten Grützwürstchen. Jeden Sonnabend: Frische Blut- und Leberwurst.* Murßmeyer, Srunneukr. 6. BouillonO Wirklich«» O.ualttätsproduIt.l0or-«>i» TO. 2.—, 200 St. 4.35(reo., 1000 St. 15.5« free. Otto Reichel, Der«» tZ. Eisenvabllstr.4, �oinbsrä-Hsus� I H. 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Oktober, abends v'/z Uhr, bei Knörig, An der Stralauer Brücke 3. Tagesordnung: Tie Notlage der Schirmmacher und Stellungnahme dazu. StT' E« ist Pflicht aller Arbeiter und Arbeilerinnen der Branche, in dieser Bersamlnlunl, zu erscheinm. Wh, Delegierte zur örtlichen Generalversammlung der Bezlrlssverwallung Groß-Berlin. Montag, den 10. November 1918, abends 8Vz Uhr, in Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97: Ordentliche Generalversammlung pro 3. Quartal 1913. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geschäfts-, Kassen- und Arbeitsnachweisbericht. g. Ersatzwahl eincS Mitgliedes zur Bezirksverwaltung und Erledigung eingegangener Anträge. 4. Geschäftliches. Mitgliedsbuch und rote Legitimationskarts sind am Eingang zur Versammlung zwecks Abstempelung vorzulegen. > Ohne Buch und Karte kein Zutritt.——— Die Bezirksleitung. I. A.: A. Werner. Im Name» des Reichs. In Sachen der Licheerfeldcr Kranken- und Sterbekasse für sämtliche Bernfszweige(Eingeschriebene Hilsslasse Nr. L4) in Berlin- Lichterseide hat da» Kaiserliche AufstchtSamt für Privatversicherung in der Senats- sitzung vom 20. September 1313, an welcher teilgenommen haben: 1 der Geheime Regierungsrat im Kaiserlichen Aussichlsamte für Privatversichernng W a g e n e r als Vorsitzender, 2. der Kaiserliche RegicrungSrat Mehlis, 3. der Kaitcrltche RcgieningSrat Dr. « v« l I i S als ständig« Mitglieder, 4. der Generaldirektor der Deutschen LebenSvcrsicherungS- Gesellschaft in Lübeck Böttcher, daselbst, und S. der Königlich Bayerische Re- gierungSdircktor, Generaldireltor der Bayerischen Versicherungs- dank. Amengesellschast, vormai» Verfichcrungsailstalleii der Bay- tischen Hypolhelen- und Wechsel- bank in München, Ritter von RapS in München als Mitglieder des Verstchc- rungSbeiratS, nach mündlicher Beratung folgende Entscheidung getroffen: Der Lichterselder Kranken- und Sterbekasse sür sämtliche Berufs- zweig« in Berlin-Lichlerfelde wird unter Anerkennung als kleinerer verein im Sinne des§ S3 des Gesetzes über die privaten Ver- sicherungsunternebmiingen vom 12. Mai 1801(ReichS-Gesetzblatt S. 133 ff.i die Genehmigung zu der von der Generalversammlung am(5. April 1313 beschlossenen Satzung erteilt, wobei der Abs. 2 de-§ 82 die von den Abgeordneten nachträglich beschlossene Form er- hält. Urkundlich unter Siegel und Unterschrift. Da» Kaiserliche Aufslehieamt für Privatversicherung. (gez) Wagner. Ausfertigung. J.-Nr. IV. 2068/25. 30/12 Mitgliedsbuch legitimiert! Branche der Vergolder. Dienstag, den 21. Oktober, abends 0 Uhr, im GeWerk- schaftshaus, Engelufer 15, Saal 5: Versammlung der Erundierer, presser. Kelegerinuen und Hilfsarbeiter Gros,-Berlins. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Die Arbeiter der Firma Probst sind besonders eingeladen. Bürsten- und Pinselmacher. Mittwoch, den 22. Oktober 1913, abends 8'/, Uhr, in Hermels Bereinshaus, Holzmarktstr. 21. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Branchcnkonferenz und Anträge. 2. Wahl der Deligierttn. 3. Bcancheuangelegenheiien. KarotD' und Ihaarichmuckbranche. Mittwoch, den 22. Oktober 1913, abends 8 Uhr, bei Merkowski, Andrcasstr. 26. Tagesordnung: 1. Vortrag über:»Wirtschaftskrisen«. Reserent: Kollege I a h n. 8. Verbands- und Branchcnangclcgcuheitcii. Stock' und Zclluloidarbeitcr. lg. den 28. Oktober 1918, abends« Uhr, Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Bortrag de« Kollegen Wilhelm N i k s ch k e:»Die volksfürsorge«. Branchenangclegenheilen._ Donnersta im Bodenleger. Mittwoch, den 22. Oktober 1918, abends«'/, Uhr. bei Wollschläger. Adalbertstr. 21." Tagesordnung: L Bericht der Kommission. 2 Abrechnung der Branchenkaste. J. Dahl eines KommisfionSmitgliedeS und Verschiedene.. ü Branche der Musikinstmnten-Arbeiter;; Sonnabend, den 25. Oktober 1913: ssi Kammermusik-Abend bb im großen Saale der Arsnlnhallen, Kommandantenstr. 58/59. MITWIRKENDE: Herren Peter Cschmaiui, I.Violine; Hermann Walter, 2. Violine; Viktor Proall, Viola; Frz. Hollfcldcr, Violoncello; Frl. Gertrud Vettermann, Gesang; Frl. Harte Schlpfmann, Rezitation. Am Flügel: Hr. K. Rockstroh. Konzertflügel: Ibach. -------- Nach dem Konzert: BALL«- — pDnktlloh U1/, Uhr. Billotts inkL Tanz 60 Pf. auf den Zahl- 95?11i6n der Klavierarb ei tor. ,w Die Ortsverwaltnn*. Vorstehende SatzungSgenehmigung wird hierdurch gemäß S 54 der neuen Satzungen mit dem Bemerken zur Kcimwls gebracht, daß die neuen Satzungen mit dem 1. Januar 1314 in Kraft treten. ver Haupivorsiand der Lichterfelder Kranken- und Sterbekasse für sämtliche Berufs- zweige, V. V. a. G.(bisher E. H. 64). Berltn-Llchterselde, l. Oktober 1313. 5. Gelsen-Kersting, 231/15 Vorfitzender. MohrenrtiSü Kolonnaoerv Orfrankfurteotr T15 Trauer1. Magazin Kleider, Hüte öc Äußerste Prebet* .. farbige Konfektion in größtem Maßstäbe tu billigsten -Preisen- Westmann Unserem Funktionär ?sul Rowe nebst Frau zur Sitberhochzett die herz. lichen Glückwünsche. vis Punktlonäre der 14. Abteilung, 5. Kreis. iSSSSSSSK.�. „.. Ä Unserem Genossen ) Ferdinand Sköries � > nebst Gemahlin die herzlichsten ) Glückwünsche zur Silberhochzeit M > Die Genossen der 6. Gruppe, � Charlottenburg. Todes-Anzeigen SozialflemokratiselieFWalilyeFEin Ld, ißeFUelelistagswatilkFels. Stralauer Viertel. Bezirk 336 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler �ugu5l Zlumelltdul Boxhngener Str. 30, gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Oktober, nach- mittags 3'/, Ubr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Borstand. VeiltAdeF BoUiteF-VeFliaiil!. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler �uxust klumentstgl Boxhagener Straße 80, im Alter von 50 Jahren gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Oktober, nachm. 3-/, Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. 30/15 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwalinng. SoziaMeinokFatisEliBrWataeiii 1.1 UefL RelchstogswaMkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 301, II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Former Otto Ltrekmel Bödikerstraße S, gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Oktober, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FttedhosS in Ahrensfelde auS statt. 217/18 Dos» Toratand. Donnerstagabend entschlief nach schwerem Leiden mein geliebter Mann, unser guter Bater Ernst Melcher im 59. Lebensjahre. 2707b Frau Melcher nebst Kindern, Anllamer Str. 35. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 20. Oktober, nachmittags 31/, Uhr, von der Halle des Zions- Kirchbokes in Nordend aus statt. 8olIaIiIeWliFatizcIieFMIveFei'ii l. 1 8. keil ReictistagswaMkreis Am Donnerstag, den 15. d. M., verstarb unser Genosse, der Bäcker lLnnsIMvIckva' Anklamer Straße 36. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 20. d. M., nach- mittag« 3-/, Uhr, von der Leichen- balle des ZionS-Kirchhoscs in Nordend ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/5 Der Borstand. lentFalveFliaiill der Bäcker nnil Konditoren. Berlin. Am Donnerstag, den 15. Ok- tobcr, verschied nach längcrem Leiden unser langjähriges Mitglied fr'iislföivtakSi' im 59. Lebensjahre. Der Verstorbene gehörte seit 1895 der Organisation ununter. brachen an und hat in dieser Zeit sich um die Ausbreitung unserer Ideen und Verwirklichung unserer Ziele außerordenttiche Verdienste erworben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 20. Oktober 1913, nachmittags 3st, Uhr, aus dem Friedbof der ZiönSgemeinde in Nordend statt Wir ersuchen unsere Mitalieder. sich zahlreich an der Beerdigung zu beteiligen. 40/7 Tie BerbandSleitung. lIeMerüeNarlielter-Verlian!!! Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen und Kolleginnen ailr Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin KMolle Llscowius RheinSberger Str. 25 gestorben ist Ehre ihrem Andenken k Di« Beerdigung findet am Sonntag, den 13. Oktober, vor- mittags 11-/. Uhr, von der Leichen- balle des Zions- KirchhoseS in Niedcr-Schönhausen aus statt. Ferner starb unser Mtglied, der Klempner pgu! kfenivsld Münchener Str. 54, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 13. Oltober, nach- »mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Frisdhofes, Mariendorser weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Maschincnformer Otto ötrekme! Bödikerstr. 9, am 15. d. M. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Oktober, nach- mittag« 3-/« Uhr, von der Leichen- Halle deS Äemeindc-FriedhosS in Ahrensfelde aus statt. Rege Beteiligung wirb erwartet. N a c h r u 1. Ferner starb unser Mtglied, der Optiker Mvm Toepfer. Ehre seinem Andenken! 128/3 Die Drisverwaltung. Dentsciier Banarbeiterrerliaoil. Zweigverei« Berlin. Am 15. Oltober starb unser Mitglied, der Bauarbeiter Robert psrckstka (Bezirk Norden 1). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Oltober, nach- mittags 4 Ubr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsseide auS stau. Um rege Beteiligtmg ersucht 145/3 Der Tor stand. Selens Seeksr Allen Bekannten und Ber- wandten hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und unvergeßliche Mutter geb. Blldau nach langem, schwerem Leiden sanst entschlasen ist Fritz Becker und Sohn. Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Oltober, nach- mittags 2'/. Uhr, von der Leichen- halle deS städt. FriedhosS in der Srajtraße aus statt. 79a Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigimg unseres lieben Sohnes sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten sowie Hrn. Regge sür die trostreichen Worte, den: Kürschner-Berband, den Kollegen uni> Kolleginnen der Firma Hcrpich Söhne unseren tiesgefühlten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Familie H. Wall, 18A Boxhagener Str. 11. Danksagung. Anläßlich der großen Teilnahme, die uns bei der Einäscherung unsere« Vater«, Schiviegcr- und Großvaters P»h»1 Sinke zuteil wurde, sagen wir allen Ver. ivaudten, Bekannten, dei: Kollegen der Firma Rudolf Mofie, dem Ver- band der Buch- und Steindruckerei- HilsSarbeitcr, den Genossen vom 6. Wahlkreis, Bezirk 535, und Herrn Waldeck Wanasse sür seine trostreichen Worte unsern herzlichsten Dank. Familie>Vormdt. > Familie Micdel. 101A Geschwister Sinke. MM Fertig am Lager t Mawayn. Weste®5'®0'5 !«36h. &M*. M. 40,35,« Dentsciier Transportariieiter-Verliand. Bezirksverwaltung GroS-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Euslsv CtaHs am 16. d. MtS. im Alter von 54 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 20. d. MtS., nach- mittag« 3-/z Uhr, von der Leichen- halle deS Äisabetb-KirchhoseS in der Prinzenallee aus statt. 68/15 Die Bezirksverwaltung Beinkleider K 8«. Fertiee schwarze Kleidung für Knaben und Jlincllnge :> In grOBter Auswahl Feine Maß- Anfertignog In ea. 10 Stunden Baer Sohn Kleider- IVerfco Berlin. Gegr. 1891. Chusssaitraee 29— 50. II, BrUakanstraea 11. 6r. Frankfurter Str. 20. SohSneberg. Haupftfr. 10. Im�iliiilllliiI'UiiiiuiiiiMuitiifiiiiiii»� Paletots Am 15. Oktober starb mein ae- siebter Sohn, unser lieber Bruder und Schwager Joseph Zadek an den Folgen eines Schlaganfalls. Doris Zadek geb. Kronthal. Regina Bernstein geb. Zadek. Julie Romm geb. Zadek. Dr. Ignaz Zadek. July Zadek geb. Nathan. Eduard Bernstein. Dr. Maxim Ramm. Max Hejrmann. Die Einäscherung findet Sonn- tag. den 13. Oktober, 11 Uhr vor- mittags, im Krematorium Gericht- straffe 37 statt._ 27096 In d. neuest. Fassons in Flauscbstoll eto. t, Paletots in engl. Seal, Veloura du Nord u.Velret von Kostüme m m '25 H. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,.'X'.« 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. I reich. Ausw. in engl, Klotten u. Eammg, ▼. KostOm- Röcke 150 In grosser Auswahl von jt an C. PELZ Kottbussr Strasse 5 10 Mark monatliche Teilzahlung liefert elegante Herrengarderooe nach Maß, eigenes Stofflag. Per Kafie Preisermäßigung. •F.Tomponowshl, Schneidermst., jetzt SW 47, Dreibnndstr. 47. an der Belleallianeestr. u. Tempelhojer Feld. 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Da die Sache unserer Anregung entsprechend im Interesse der Arbeiterklasse geregelt war, lehnten wir es ab, auf die Angelegenheit nochmals einzugehen, und mußten deshalb auch den Abdruck einer Reihe durchaus uns zustimmender Ein- sendungen ablehnen. Wir nahmen an, daß die Ver- lagsgescllschaft deutscher Konsumvereine nunmehr im Interesse der gesamten Arbeiterklasse und nicht zuletzt in dem der Konsumgenossenschaften Konflikte mit den Arbeitern nicht wieder hervorrufen werde. Leider hatten wir uns getäuscht. Seit dem Mai dieses Jahres sind zwischen der Verlagsgesellschast und den bei ihr eingestellten Buchdruckern Unstimmigkeiten eingetreten, die durchaus den Interessen der Arbeiterklasse, der Gewerk- schaften und der Konsumvereinsbewegung widersprechen. Die Schuld hieran trifft die Verlagsgesellschast. Im „Korrespondenzblatt der Gewerkschaften Deutschlands" wird von berufener Seite der Werdegang des Kon- flikts der Buchdrucker mit der Leitung der Verlagsgesellschaft deutscher Konsum- vereine geschildert. Die Darstellung dieser weit über die Kreise der Buchdrucker hinaus interessierenden Angelegenheit geht dahin: „Der Konflikt hat eine kleine Vorgeschichte. In einer Konferenz der Gauvorsteher des Verbandes der Deutschen Buchdrucker Ende Oktober v. I., in welcher die wenig friedlichen Maßnahmen der Unternehmcrorganisation im Buchdruckgewerbe— u. a. Schaffung eines Kampffonds gegen die Gehilfenschast— erörtert wurden, kam auch zur Sprache, daß die Leitung der Verlagsgesellschaft in Hamburg ebenfalls zu diesem Kampffonds gegen die Gehilfenschaft Beiträge entrichte. Es entspann sich darauf eine Auseinander- setzung zwischen Verlagsgesellschaft und Buchdruckerverband mit dem Resultat, daß unter Mitwirkung der Generalkommission die Erklärung der Verlagsgesellschaft erzielt wurde, die Zahlung zu diesem Kampffonds der Unternehmer einstellen zu wollen. Die Tatsache, daß ein solcher Apparat in Bewegung gesetzt werden mußte, um den Leitern der Verlagsgesellschaft der Konsum- genossenschasten das Unzulässige ihrer Handlungsweise klarzumachen, läßt schon eigenartige Auffassungen über das Verhältnis der Leitung eines Genossenschaftsbetriebes zur Arbeiterschaft erkennen, und diese Auffassung dürfte auch die Erklärung für die weiteren Vorkommnisse geben. Für die Angestellten der Verlagsgesellschaft besteht der Bei- trittszwang zur Unterstützungslasse des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, mit Ausnahme der Buchdrucker, weil deren Tarif vorschreibt, daß die Kondition nicht von der Zugehörigkeit zu irgend- einer Kasse oder Organisation abhängig gemacht werden darf. Der größte Teil der Buchdrucker gehörte jedoch der Kasse freiwillig an. Ende April d I. wurden drei Gehilfen, welche aus persönlichen Gründen der Kasse nicht beizutreten gewillt waren, trotz ihrer Berechtigung zu dieser Weigerung, gekündigt und zwei der Ge- kündigten, weil sie ihrer Entrüstung über l>ie Kündigung etwas drastischen Ausdruck gaben, unter Auszablung des Lohnes sofort entlassen.- Dieses schneidige Vorgehen löste bei den im Geschäft tätigen Buchdruckern naturgemäß eine große Erbitterung aus, und da sie glaubten, Ursache zur Unzufriedenheit wegen zu geringer Berücksichtigung berechtigter Wünsche zu haben, die auf dem Gebiete der Entlohnung, Behandlung und der Möglichkeit, ihre Beschwerden vorzubringen, lagen, so ließ sich das Personal durch seine Erregung hinreißen, noch bevor das in Sachen der drei Entlassenen an- gerufene Schiedsgericht gesprochen, die Gesamtlündigung ein- zureichen. Das Schiedsgericht erklärte die Kündigung der klagenden Gehilfen wegen Nichtbeitritts zur Unterstützungskasse für unzulässig und die Gclündigten für gcmaßrcgelt. Damit wäre die Angelegen- heit zugunsten der Gehilfen erledigt gewesen, wenn nicht die Kündi- gung des Gesamtpersonals noch vorgelegen hätte. Dieses stellte nachstehende Bedingungen für die Zurücknahme der Künoigung: t. Bedingungslose Wiedereinstellung der drei gemaßregelten Kollegen. 2. Entlassung des Betriebsleiters Steinhorst. 3. Entlassungen haben nach der Anciennität zu erfolgen; Entlassungen außer der Reihenfolge bedürfen der Zustimmung der gewählten gewerkschaftlichen Vertretung. 4. Entlassungen, deren Gründe außerhalb deS Arbeitsverhältnisses liegen, dürfen nicht vorgenommen werden. S. Angemessene Behandlung. 6. Irgendwelche Maßregelungen dürfen aus dieser Bewegung nicht entstehen. Hierzu wurde von der Geschäftsleitung folgende Erklärung abgegeben: „Auf die unter dem 6. Mai von den in der VerlagSgesell- schaft deutscher Konsumvereine beschäftigten Buchdruckern schriftlich gestcllien Forderungen gibt die Geschäftsleitung folgende Antwort: „Tie Geschäftsleitunp muß es ablehnen, die unter dem Druck einer vertragswidrigen Massenkündigung gestellten außertarif- lichcn Forderungen zu erfüllen; insbesondere lehnt sie es ab, sich ihre tarifliches Einstcllungs- oder Entlassungsrccht irgendwie beschränken zu lassen. Wie bisher, so wird sie auch in Zukunft nie den Versuch machen, die tariflichen Rechte der Gehilfen irgendwie zu schmälern. lieber Meinungsverschiedenheiten betreffs d.s Nmfangs der tariflichen Rechte und Pflichten beider Teile entscheiden die tarif» lichen Instanzen, deren Spruch sich die Geschäftsleitung stets fügen wird. Verlagsgesellschast deutscher Konsumverein« m. b. H. gez.: Heinrich Kaufmann. Dr. Aug. Müller. Hugo Bästlein." Unterdessen hatte sich die Leitung der Verlagsgesellschast wegen der Massenkündwung an die Vertreter der Nnternehmerorganisation gewandt, eine Verständigung mit der Gehilfenorganisation suchte sie jetzt cbensonen'g wie vor der Kündigung der drei Gehilfen, wodurch die ganze unangenehme Differenz vermieden worden wäre. Auf Mitteilung des Vorstandes der Unternebmerorganisation nahm dann der Verbandrvorstand die Vermittelung in die Hand. Er wirkte zunächst dahin, daß das Personal se nem Vorschlage zu- stimmt«, dir Kündigung so lange in der Schwebe zu lassen, bis die Am IS. Mai trat dann eine Kommission zusammen, bestehend auS Vertretern der Unternehmer- und der Gehilfenorganisation, sowie der Verlagsgesellschaft. In der Verhandlung nahm der Ver- treter des Verbandsvorstandes keinen Anstand, die Massenkündigung des BuchdruckerpersonalS zu mißbilligen, da die vorgesehenen In- stanzen nicht erschöpft waren, andererseits aber auch von den Leitern eines Genossenschaftsbetriebes zu verlangen, einer solchen Situation das nötig« Verständnis entgegenzubringen, um so mehr, als Schaden oder Unbequemlichkeit für den Betrieb nur dadurch entstanden war, daß die Leiter auf den Austritt der Gehilfen aus der Kondition bestanden. Nach langen Verhandlungen kam man zu nachstehender Vereinbarung: Verständigung über Beilegung der Differenzen zwischen den in der Verlags- gesellschaft deutscher Konsumvereine beschäftigten Buchdruckern und der GeschästSleitung. Die nachstehend« Verständigung wurde vereinbart in einer Zusammenkunft am Donnerstag, IS. Mai, an der seitens des Tarifausschusses der Prinzipalsvertreter Herr Freytag und der Gehilfenvertreter Herr Dreier, seitens deS Kreisvorstandes des Deutschen Buchdruckervereins Herr Broscheck, seitens des Gauvor- standes des Buchdruckerverbandes Herr Steinhardt, als Vertreter des Zentralvorstandes des Verbandes Deutscher Buchdrucker Herr Döblin und seitens der Geschäftsführung die unterzeichneten Vor- standsmitglieder Heinrich Kaufmann und Dr. Aug. Müller, sowie der Betriebsleiter Herr Steinhorst teilnahmen. 1. Da« gesamte aus den Betrieben der Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine ausgeschieden« Buchdruckerpersonal wird nach Maßgabe der vorhandenen Plätze zu den bisher für sie geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen wieder eingestellt. 2. Die vom Buckdruckcrpersonal aufgestellten Forderungen werden, soweit sie nicht durch den Inhalt tsieser Erklärung gegen- standslos geworden sind, zurückgezogen. ES wird anerkannt, daß die Entlassung der drei Buchdrucker. die sich weigerten, der UnterstützungSkasse beizutreten, obwohl sie vom Tarifschiedsgericht als tarifwidrig bezeichnet wurde, den Be- strebungen entsprungen ist, den gesamten beschäftigten Buch- druckern die Mitgliedschaft bei der UnterstützungSkasse zu ermög- lichen. Sie kann darum nicht als Maßregelung im üblichen Sinn« deS Worte? gewertet werden. Die in der öffentlichen Erörterung dieses Falles erfolgten Angriffe gegen die Geschäftsleitung werden, soweit sie dazu geeignet sind, deren Ansehen zu schädigen, zurückgenommen. 3. Maßregelungen finden nicht statt. Falls Entlassungen notwendig werden, erfolgen sie aus geschäftlichen Gründen. 4. Die Frage der Zugehörigkeit der Buchdrucker zur Unter- stützungSkasse deS Zentralverbandes deutscher Konsumvereine soll durch eine besondere Verständigung geregelt werden. Der aus diesem Anlaß entstandene Konflikt ist zur beiderseitigen Zu- friedenheit beigelegt. S. Beide Parteien einigen sich dahin, aus prinzipiellen Grün- den die anhängig gemachte Festftellungsklage, ob die Massen kündigung tarifwidrig war, zur Entscheidung zu bringen. Weitere Konsequenzen für das wieder eingestellte Personal werden auS dem Ausfall dieser Entscheidung nicht gezogen. Für die Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H. Der Vorstand: gez. Heinrich Kaufmann, Dr. Aug. Müller. Für den Verband der Deutschen Buchdrucker: gez. E. Döblin. Diese Verständigung läßt erkennen, daß die Gehilfenvertretung eS nicht an Entgegenkommen fehlen ließ und der Verlagsgesellschaft goldene Brücken baute in Würdigung der Tatsache, daß auch seitens der Gehilfen nicht einwandfrei gehandelt wurde und in der An- nähme, daß mit diesem Vergleich die leidige Sache ihren Abschluß gefunden. Leider war dem nicht so. Nach Ausbruch des Konflikts hatte das in Kündigung getretene Personal dem„Hamburger Echo" Berichte über die Vorkommnisse in der Verlagsanstalt zugestellt und dadurch die Sache in die Oeffentlichkeit gebracht, ein Verfahren, das seitens des Verbandsvertreters bei den Verhandlungen gemißbilligt wurde. Der Verbandsvorstand wie das Verbandsorgan lehnen es grundsätzlich ab, über Differenzen öffentlich zu berichten, solange noch Verhandlungen schweben.— Nun konnte es aber der Verbands- vorstand nicht verhindern, daß über den erledigten Konflikt auf der im Juni in Danzig stattgefundenen Generalversammlung kurz eingegangen wurde, und ebensowenig konnte der„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" diese Diskussion unerwähnt lassen: Waren doch dem Organ der Buchdrucker in verschiedenen Orte- vereinen die größten Vorwürfe gemacht, daß cS tue Oeffentlichkeit über den Hamburger Konflikt nicht genügend aufgeklärt. Abge- sehen davon, bewegte sich die Besprechung des Konflikts in sehr ruhigem Fahrwasser und so objektiv, daß selbst in einer Versamm- lung der Hamburger Prinzipale, welche sich mit dem Konflikt beschäftigte, ausgeführt ivurde: „Erfreulicherweise hat die Mehrheit der Teilnehmer an der Verbandsgeneralversammlung, auf der die Differenzen eine sehr eingehende Besprechung gefunden haben, schließlich einer kor- rekten Auffassung Raum gegeben, denn in einem vom„Echo" veröffentlichten Bericht heißt es: Döblin will durchaus nicht die Handlungsweise Kaufmanns beschönigen, vermißt aber immer noch den Nachweis von feiten der Kollegen, daß sie einen tariflichen Grund für ihre plötzliche Kündigung gehabt hätten. Gerade durch die tarifwidrige Kün- digung vor dem Schiedsspruch sei erst die unangenehme Situa- tion entstanden. Es sei auch unklug, das Verhalten Kauf- manns die Genossenschaften entgelten zu lassen. Die Gehilfen würden der Organisation einen besseren Dienst erwiesen haben, wenn sie die Sache etwas vorsichtiger angefaßt hätten." Mit der Konstatierung dieser Tatsache aus Unternehmermunde dürfte bewiesen sein, daß die Gehilfenorganisation sich sehr korrekt mit dem Vorkommnis abgefunden und durch die erfolgte Berständi- gung hätten auch die Hamburger Prinzipale, und besonders die Verlagsgesellschaft, die Sache als erledigt betrachten können. ES soll nicht davon gesprochen werden, daß die Leitung der Verlags- gesellschaft sich noch durch eine besondere Verhandlung vor den Tarifinstanzcn bestätigen ließ, daß die Massenkündigung unbercch- tigt war swas doch seitens der Gehilfenvertreter bereits vorher an- erkannt wurde), wohl aber mußte es eigenartig berühren, daß die Leitung eines Genossenschaftsbetriebes das Bestreben der Ham- burger Unternehmer, das Vorkommnis gegen die Gehilfenschaft scharfmacherisch auszunutzen, bereitwilligst unterstützte. Die er- wähnte Hamburger Prinzipalsversammlung nahm nach Darlegun- gen der Vertreter der Verlagsgesellschaft eine Resolution an, die dem TarifberatungSauSschuß als Material dienen soll und folgende zwei bezeichnende Punkte enthält: 4. Daß der Arbeitsnachweis nicht in der Lage gewesen ist, die erforderliche Anzahl von Gehilfen zu beschaffen, daß somit eine Reorganisation der Arbeitsnachweise nötig ist. S. Daß der Organisationsvertrag nicht ausreicht, um der Firma für die ihr entstandene Schädigung Ersatz zu bieten. Der Schaden, der durch Tarifbruch entsteht, müßte von der Partei ersetzt werden, die den Tarifstruch verschuldet hat. Diese beiden Punkte der Resolution fordern zu einigen Be- VerständigungSvcrhandlung erfolgt sei. Dies« konnte wegen Be- trachtungen heraus. Sollten denn die Leiter des Genossenschafts Hinderung des Vorsitzenden erst eiwge Tage später stattfinden. I betriebes wirklich so wenig Verständnis für das SolidaritätSgcfühl Während das Personal bereitwilligst sein« Zustimmung zu der Arbeiter haben, zu erwarten, daß Berufsgenossen in solcher dem Vorschlage des Verbandsvorstandcs gab, lehnten die Leiter Situation— selbst wenn die Arbeiter zu ihrem Vorgehen formell der Verlagsgesellschast denselben ab und veranlassten dadurch das nicht berechtigt— leichten Herzens die Stellen der?lusgetretenen Personal, die Stellung zu verlassen, bevor dir Möglichkeit zu Ver- einnehmen?! Es sei hier ausdrücklich hervorgehoben, daß die in Handlungen gegeben war. Jedenfalls lag der Leitung mehr an der Kündigung Getretenen erklärten, die Kündigung bezwecke nicht den Wahrung des UnternehmcrsiandpunktS als an der Wahrnehmung Austritt des Personals, sondern die Gelegenheit zu einer Ver- der GenossenschaftSinteressen. i Handlung über verschiedene als drückend empfundene Verhältnisse zu erlangen. Man mag den dazu eingeschlagenen Weg mißbilligen, so wenig Sympathie wird aber auch das herrische«erhalte« der Leiter deS Genossenschaftsbetriebes finden. Ganz entschiedenen Widerspruch fordert aber der Passus v der Resolution, der von dem Ersatz der entstandenen Schädigung spricht, heraus. Was hätte sich denn die Verlagsgesellschaft vergeben, wenn sie die Kündigung bis zur stattgefundenen Verhandlung in der Schwebe ließ, das Personal war dazu bereit, die Leitung verlangte jedoch den Austritt aus dem Geschäft. Weit eher könnte man hier von einer Schädigung deS Betriebes durch die verantwortlichen Personen sprechen, die auS purem Formalismus sowohl dem Be« triebe alS dem GenossenschaftSgcdankcn den größte« Schaden zu- fügten. Die Stellungnahme der vorerwähnten Versammlung, unter Teilnahme des Herrn Kaufmann und deS technischen Leiter? de? Betriebes, Steinhorst, löste naturgemäß in den Kreisen namentlich der genossenschaftlich tätigen Buchdrucker die größte Entrüstung aus, und eine große Anzahl von Versammlunge» nahm scharfe Stellung gegen die Leitung der Verlagsgesellschast, ebenso sah sich auch das VerbandSorgan, der„Korrespondent", veranlaßt, die Wiederauftollung einer zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigten Differenz energisch zurückzuweisen. Statt die Berechtigung dieser notgedrungenen Abwehr anzuerkennen und wenigsten? still« schweigend zuzugestehen, daß es nicht Aufgabe der Leitung eines Genossenschaftsbetriebes sein kann, scharfmacherische Bestrebungen zuungunsten der Arbeiter zu unterstützen, spielt jetzt Herr Kauf» mann die verfolgte Unschuld und stellt seine Situation als« dar: „Seitdem im Sommer vorigen Jahres, infolge einer geheimen Verabredung unter einer Anzahl von Gauleitern deS Deutschen Buchdruckerverbandes, ein allgemeines Vorgehen gegen die Ver» lagsgesellschaft deutscher Konsumvereine inszeniert worden ist, ist keine Ruhe mehr eingetreten. Der Zentralvorstand deS Deutschen Buchdruckerverbandes ist entweder zu schwach oder hat nicht den Willen, dem Unfuge zu steuern. Auch die Tarif- und Organi» sationSinstanzen sind offenbar nicht in der Lage, Ruhe zu schaffen. Somit bleibt der Leitung der Verlagsgesellschaft deutscher Konsum- vereine m. b. H. nichts weiter übrig, als die Flucht in die Oeffenb« lichkeit zu ergreifen und vor dem Forum der Oeffentlchkeit ihre» in jeder Beziehung korrekten Standpunkt zu verteidigen." Diese Flucht in die Oeffentlichkeit läßt Anschauungen über das Verhältnis der Verlagsgesellschaft zur Arbeiterschaft und zur Tarifvereinbarung erkennen, speziell deS Tarifes zum Genossenschaftsbetrieb, die den schärfften Widerspruch herausfordern. Da es aber nicht Zweck dieser Zeilen ist, polemische Auseinander» setzungen zu pflegen, sondern lediglich eine Darstellung über die Ursachen des Konflikts und die Gründe der fortdauernden Er» regung in dee Masse zu geben, so mögen diese Meinungsver- schiedenheiten hier vorläufig ausscheiden. Ganz entschieden Ver» Wahrung muh aber gegen die Kombination über geheime Verab», redung und sonstige vermutete schwarze Pläne eingelegt werden, Das Verhalten der Gehilfenorganisation ist ein in jeder Be- ziehung korrektes gewesen, sie hat auch die Fehler der eigenen Mit«! glieder nicht bemäntelt. Wenn die unliebsame Differenz dem An» sehen der Leitung des Genossenschaftsbetriebes nicht förderlich war, so muß sie die Gründe in ihrem eigenen Verhalten suchen, welches sehr wenig erkennen läßt, daß an der Spitze de? überwiegend von der Arbeiterschaft getragenen Betriebes Männer stehen, die Wert darauf legen, zu zeigen, daß auch bei ihnen noch«in wenig Ver- stehen der Verhältnisse der Arbeiter— auch der Mißgriffe der« selben— vorhanden. Statt die Hand zur Ueberbrückung der Gegen« sätze zu bieten, hat man die Bestrebungen der Scharfmacher ge- fördert, ein Verhalten, welches nicht dazu dient, dir Genossenschafts« fache zu fördern. Li. v. Diese sachliche Darstellung und Würdigung deS Kon» flikts wird man als eine sehr objektive anerkennen müssen. Es geht nicht an, daß in der Weise, wie eS seitens der Verlagsgesellschast geschieht, weiter vorgegangen wird. Die Konsumvereinsbewegung, die Gewerkschaften und die Partei müssen gegen den wiederholten Versuch energisch Ein- spruch einlegen, Organisationen, die von Arbeitern und für die Arbeiter gegründet sind, zu scharfmacherischen Zwecken zu mißbrauchen. Dies Vorgehen des Herrn Kaufmann und seiner Freunde verletzt so offensichtlich und stark die Interessen der Arbeiterklasse, daß ein entschiedenes Halt endlich geboten werden muß. An den Genossenschaftlern in erster Reihe ist es, die Verlagsgesellschaft zur Ordnung zu rufen und Vorkehrungen gegen künftige Miß» brauche zu schaffen. BiS hierher und nicht weiter l Die Geduld mit den Sonderexerzitien der Herren Kauf- mann und Genossen hat auch ihre Grenzen. Die Genoffenschaftsbewegung ist der Arbeiterklasse wegen und nicht der Herren Kaufmann und Genossen wegen da. Das ge» schilderte Vorgehen zeigt nicht nur einen UeberbureaukratismuS und Ucberformalismus, sondern eine so tiefe Verständnis- losigkeit von den Zielen der Arbeiterklasse, daß sie in ihrer Wirkung einer bewußten Feindseligkeit de» Scharf» machertums nahezu gleichkommt. Die Organe der Konsumgenossenschaften haben in sozialistischem, nicht aber in scharfmacherischem Geiste zu arbeiten. Die Ar- beiterklaffe hat es endlich satt, daß von den Herren Kaufmann und Genossen fast dauernd Fehler begangen werden, die der Arbeiterklasse in ihrer gewaltigen Kulturbewegung als Knüttel zwischen die Beine geworfen werden. Sie muß sich entschieden dagegen erheben, daß ihr Werk, ihre Konsumvereinsbewcgung, zum Werkzeug absonderlicher Schrullen Einzelner herabgewür- digt werde. Die Generalversammlungen der Genossenschaften sollten hierüber keinen Zweifel lassen. Marktpretie von Berlin am k7. Oktober lSlU. nach ErmiUelunqen des kgt. Polizeiprälidiurns. Mais(rnired), gute Sorte 16,40— 16,80, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00— Of�OO. Mais(.runder), gute Sorte 14,20—14,80. Richtstroh 4,80—5,60. Heu 6,00—7,80. Marlthalienpreise. 100 Ktlogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 60,00. Sveisebohnen. weisse 85,00—60,00. Linien 36,00— 70,00. Kartoffeln tKIeinhdl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindsieifch, von der Keule 1,70—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweiuefletsch 1,50— 2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,80—2,40. Butler 2,40—8,00. 60 Stück Eier 4,20— 6.50. 1 Kilogramm Karvte» ILO— 2,40. Aal« 1.40-3,00. Zander 1,40-3,20. Hechle 1.20-2,80.«arlche 0.80—2.40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1.80. 60 Stück Kreise 1,00—48,00. WttterungSilderncht vom 18. Oktober 1915. i i;»# ~ B«=<- Staaonev E„== Bettet 2= BS si Sa c s Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 767!SW 766.0 SD 768® 768N0 76 g W 770, Still Nebel 2>NebeI Ichciter IDunst 2'Nebel wolleiü »sc 1? w* t Sj»-5 1§| i S i tavaranda eterSburg Scilly Aberdeen Paris 753M 750-W 762® 758!® 66, Still 2cheiter cdeckt Sjwollig Iwolkenl Mebel trf £i 8 14 8 S Wetterprognose für Sonntag, den 19. Oktober 1913. Vielfach nebelig, sonst ziemlich heiter und am Tag« mild bei mäßige« südlichen Winden; leine wesentlichen Niederschläge. Berliner W« tt er b ur e a u. Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Tonntag, den 13. Oktober, nachm. 3 Uhr: Thalia-Thcater: Die Wildente. Neues Voüs-Theater: Mudder Mews. Schiller-Theater Charlottenburg: Der Pfarrer von Kirchseid. Herrnseld-Thcater: Familie Delicke. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 13. Oktober. Nachm. 2-/, Uhr: Deutsches Theater: Der lebende Leichnam. Kammerspiele: Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Nachm. 3 Uhr: Deutsches Opernhaus: Die Hochzeit des Figaro. Schiller Theater 0: Freiwild. Lessing-Theater: Professor Bernhardt. Berliner Theater: Bnmmelstudenten. Montis Operetten-Theater: Der Vogelhändler. Trianon-Theater: Untreu. Theater in der Königgrätzerstraße: DaS Lebensseft. Metropol-Theater:'S Nullerl. Theater am Nollendorsplatz: Orpheus in der Unterwelt. Künstlertheater: DaS Prinzip. Nachm. 3l/j Uhr: Blüthnersaal: Einsoniekonzert. AbendS S1/, Uhr: Neue? Volks- Theater: Montag, Mittwoch: Die Siebzehnjährigen. Dienstag, Freitag und Sonnabend: Rausch.___ SGiler-leater 0. (W allner-Tlieater). Tonntag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Jugendfreunde. Montag, abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Schiller-Thealer Charlottcnbnrg. Tonnrag, nachmittags 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Die Oroßstadtlnft. Montag, abends 8 Uhr: Die CiroBütadtlnft. Tlieaier in Her Koniggrätzer Straße TV. Uhr: Bfatld. Komödienhaus. s uhr: Das Paar naed der Mode. BeFliner Thealer. 8 Uhr: Wie einst im Mai. DeutKCheaSchanspielhana S1/. Uhr: Hedda Öabler. ZlbendS 8 Uhr: Per gute Rat. liäter aai flolIeDdorlplatz S. 8 Uhr: Orpheus in der Unterwelt Täglich abends 8 Uhr: Die Heimkehr des Odysseus. Burleske-Operette. Deutsches Künstlertheater Soxietdt. Nachm. 3 Uhr: Das Prinzip. Abends 8 Uhr: Hannoles Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug._ Lessing-Theater. Nachm. 3 Uhr: Professor Oernharill. Abends 8 Uhr: Zeitwende. Schauspiel in 1 Allen v. H. Eulenberg. f'J' Residenz-Theater sfe Im Ehekäfig. (Les Maris en cage.) Schwank in 3 Akten v. Anton/ Mars und Maurice Desvallitrs Morg. u. folg. Tage: Im Ehekäfig. Sonntag, 13. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Frnn Priisldentln. Theater des Westens. Sonnt, nachm. 3'/.: Der liebe Augustin & uhr: Gräfin Fifi. "Montis Operetten-Theater Schissbauerdamm 4a. Nachm. 3 Uhr: Der Vogclhändler. 8 Uhr: Gastspiel Jul. Spielmann: Der inchende Ehemann. OSE=THEATE Grosse Frankfurter Str. 132.| chmi Nachmittags 3 Uhr: Daria Stuart. Abends 81/, Uhr: Eanra massiert. Montag: Laura masfiert. Dienstag: Maria Stuart. 1 Voigt- Theater Badftrafie 58. teute Sonntag, 13. Oktober 1313: achmittags 3 Uhr: Die Spione. WendS 7 Uhr: Volksschauspiel in 3 Aus;, v. Ganghoser. Kassenerössn. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. 7—0 Kastanien-Allee 7—9. 5. Famitiell-Kabarett-Ailend Austreten nur erstklasfig. Bühnenkräste. Räch der Borstellung: Grosser Ball. Ansang ö Uhr. Antritt 33 Ps. Leeinn 8 Uhr QUO VAD1S? Varidte-Beginn 9*» Baggesen der König der komisclien Jongleure nnd ein weiteres komplettes erstklassiges Variite- Programm. Eintrittspreise Ten 65 Ff, so Täglich Nachmittags- Vorstellung um Vs5 Uhr QUO VAD1S? JTur iwei Preise: 85 n. 60 Pf. ionia Die FUrstln im Reiche des Mysteriums sowie weitere Sechs G Sechs grosse Yaridtd-Akte und unsere renommierten Lichtspiele Dnuntortroehene Vorstellung von 6 Uhr an. Sonntags von 3 bis'/sS Uhr Eintrittspreise von 05 Ff. an. Klnoprelse lOr erstklassiges VarlSIO. Die Sensation von Berlin Zum 48. Kaie Cleopatra Die Herrin des Nils Das Filmwunder der Welt! Wochentags S j, und 9 Uhr Sonntags 4, 6V3 und 9 Uhr Kinder-Vorstellung Wochentags 4 Uhr zu halben Preisen. Friedr.-\l/illie!inst.-Tli. Paulfon u.Do!ey Urkomische Radfahrer sowie weitere fünf grosse Variätch-Akte und Der schwarze Kreis Abenteurer- Roman im Film. Anfang 8 Uhr Plätze von 50 Pf. bis M. 1.50 Täglich von 3—6 Uhr ununterbrochene Vorstellung anserer renomm. Lichtspiele Nur swei Preise: 35 u. 60 Pf. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkr. Sonntag:, den SO. Oktober 1913, abends B'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15; Derbst-fest Mitwirkende: Streichquartett: Herren G. Kutschka 1. Violine. H. Bojakowsky 2. Violine, P. Kursch Bratsche, Frl. M. Hahn Cello, Herr Anton Sistsrmans Baß, Frl. Erna Hobeck Sopran.— Am Flügel: Herr Wilhelm Scholz und Frl. Helene Praetorlus. Konzertflügel Ibach. Nach dem Konzert: T JA Z- Elniritt 40 Pfennig, Saalöffnung B'/j Uhr. 204/8* Der BlldangsansschaB. Zenlfalverbaiid der Hausangestellten. Hcnte Sonntag:, den 19. Oktober in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/63 zur Keier des 14. Stiftungsfestes: Goethe-Abend. Mitwirkende; Gesang: KrL Elisabeth Lee und Herr Felix Lederer-Pirna.— Rezitationen: Herr tmif Kühne.— Vortrag: Herr Dr. Franz Dlederich.— Am Flügel: Herr Wilhelm Scholz. Saalöftnnng 6 Uhr. 48/15 Beginn 7 Uhr. Nach dem künstlerisohen Teil: BqII. Vereinlate Berliner Volksbühnen. Unlscn-Theater. Sonntag 3 Uhr(kleine Preise): Dork und Stadt. 8'/. Uht: Von Stufe ku Stufe. Walhalla-Theater. Sonntag 3 Uhr i kleine Preise): DaS Käthchen Von Heilbronn. 81/. Uhr: l»er Llebesonkel. �ujitellungsTjalledm}« .Ausjlßllung 1 Im Reil]) ä-HamiraUu Wer vcm 16. OKloberbii 9. November 1913. Geöffnet von 10— 8. Eintritt M. 0,50. GclangvmiD Monerchor-olt M. d. D. A.-S.-B. Chormeister: E. Thilo. Sonntag, den 26. Oktober 1913, im großen Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain, am Königstor: 60/5 Herbst- Konzert. Mitwirkende: Berliner Konrerthaus- Orchester, Leitung; Herr Franz v.Blon— Herr Konzertsänger Eugen Brieger, Bariton— Am Klavier; Herr Thilo. �ouzertf BALL Herren zahlen 50 Pfennig nach. SaalfifTnnng 5 Uhr, Beginn pritzise 6 Uhr. Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zutritt. Billett« sind erhältlich bei Richard Klaene, Posener Str. 15; Fr. Huppke, Woldenborgor Str. 8: Br. Massenth, Tilsiter Str. 66; P. Kupfer, Petersburger Str 66; E. Kirste, Sohreinerstr. 44; Max Massonth, Marien- burger Str. 7; Paul Schneider, Hufelandstr. 31. Laden. Programm and Lledertexte 60 Pf., an der Kasse TS Pf, r iEUHSS-PMASJ�Wm PDTSDAMERmTZ« HllOllffllN: SlMllWM ErilTnung: Freilag, den 24. Oktober. UT Lichtspiele Union-Palast Kurfürstendamm 26 • Mäch Sehildkraut in einem Film von Felix Saiten „Der Shylock von Krakau" Anfang; 3 Uhr gl-* UT Lichtspiele Friedrich-, Ecke Taubenstr. und Unter den Linden Kndolf Sehildkraut in einem Film von Felix Saiten „Der Shylock von Krakau" Anfang: 3 Uhr UT Lichtspiele Moritzplatz und Hasenheide Kudolf Sehildkraut in einem Film von Felix Saiten „Der Shylock von Krakau" Kudolf Sehildkraut in einem Film von Felix Saiten „Der Shylock von Krakau" URANIA Ta48/4no8.tP* Sonntag und Montag 8 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Hörsaal Montag 8 Uhr: Konsti.- Ingenieur A. Keßner; Thomas- und Martinstahlwerke. Z00L08 ischer Garten Tflglich ab 4 Uhr: Militär'Konzert. Eintrittspreise: Aquar.; HeUtB 50 ptz. Kinder unt. 10 Jahren d.Hälfte. IV" en! Sien! AQUARIUM 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Seine Qeilekte. Zirkus Alb. Schumann.! Heute Sonntag, 13. Oktober:! 2gr. Vorstellungen Q naohm.S'/jU.abds�'/.U.~ I In beiden Vorstellungen: Auftreten sämtlicher Attraktionen, j Abends 3>/z Uhr:"-NU! Tango vor Gericlii! Eine Fantornirnen- Burleske 1 mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. I Einstudiert vom Großh. Hess.| Hofballettmeister Aug. Siems. 1. Akt: Im Artisten-Cafä. 2. Akt; Der Tango-Taumel und j die Verhaltung. 3. Akt: Die Angekl. vor Gericht, i Hachm. hat jeder Erwachsene j ein Kind frei auf allen Sitzpl. Metropol-Theater Nachmittags 3 Uhr: 's Nullerl. Abends 7 Uhr 55 präzise; Iii Gr. Ausstattungsst. m Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. oollständ. freier Benutzung des lulcs Verne'jchcn Rcmanes von Julius Erennd. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. lllchard 8chultz. liskl LäelWAnn. liiWMli'e. liuiilll Ihielsedsi'. kM Schniasow. Leopold Voll. Luilwio Woll. Helene Sallot. IdaRusska. J. de Lande. Sleu! Von 9—1 Uhr: Xen k �elropol-ösr kenliezfvous der vornekmen Lebewelt. Ä Itapolion. puzssge Mundmaler SchuSdis der Rafael ohne Arme bei seinen Arbeiten. Lebend zu sehen! Und die anderen Attraktionen. Die ge. Kiflo-YaFiete-VoFSteliung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Pcssen- Schlager Ftrdnmnd der Tülzendhaftt. Das droll. Stück seit Bestehen d. Theat. Vorher das erstkt. S?eziali:ät.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Am grüne» Strand der Spree. keielisbui'en-Theaier Stettiner Sänger Heute nachm. 3 Uhr (zu ermäßigten Preisen): „AlAnn!" (Logen 1 M., Batton 75 Ps., (fintrcc 39 Ps.) Abends 8 Uhr: „Alarm!" Militärische Humoreske. Sozialdemokratischer Mahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Reute Sonntag, den 19. Oktober 1913, in den pbaniallUen, I�IüUcrFtraße JSr. 143 S? ßcctbown-Hbcnd Mitwirkende; Sigmund pisling(einleitender Tortrag), Br. Leo Keftenberg(Klarier), Rr. L. ran Laar(Tieline), Rr. Mari* Loerenfohn(Ttoloncello), Oefangfl- Snlemble Siftermans, Kotizcrtbcginn pünhtUcb 7 Uhr. Eintrittskarte 50 pf. Canz tör Rerrrn 50 pf. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt. Rauchen nicht geftattet. Der BildungsausfcbuB. Folies Caprice. Anfang 8'/« Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Zirkus Busch Heute Sonntag, den lg. Oktober: 2 GroSe Gala-Vorstellüüp 2 nachm. S'/j Uhr, abends 7'/, Uhr. Nachm. Hat jeder Erwachsene das Recht, ein angehöriges Kind unter 10 Iahren aus allen Sitzplätzen frei einzuiühren. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren zahlt die Halste aus den Sitzplätzen. In beiden Vorstellungen: tisxenbecks lustiges Zcdimpglisen-Ino. Ferner nachmittags 3'/, Uhr: Aus vielseitigen Wunsch nochmals wiederholt die pantomimische Burleske: Der Dorfbarbier. 8clui«!ci«i' Fips, komisches Manegeschaustuck, dargestellt von sämtlichen CiownS der Gesellschast. .Adcilda 7ll, Uhr: ins mm Koloin. Volkstheater yenkölln Hcrmannftraste 20. Sonntag, den 19. Oktober, 7'/, Uhr: 2!HVZi»vsk«»» arwoi Herzen. Schauspiel in 4 Sitten von R. Vog. Montag, den 20 Oktober, 8'/, Uhr: Fra Diavolo. Vaudeville in 3 Akten, bearb. durch Dr. Schmidt nach der Oper von Auber. ��WiW—— i�—— � �Uralspalast Fite- Arena Reute Sonntag 2 Vorstellungen 2 Nnolim. und abends das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgefubrte Eisballett Die lustige Puppe. Von Leo Bartuschek. Musik von Julius Einödsbofer. Beg. d. Nachm.-Vorst(z. halb. Preisen) ura 41/, Uhr. Beginn der Abend- Vorstellung S'/.Uhr. Ah lO'/. Uhr halbe Preise. Restaurant 1. Ranges. Wein- u. Bier-Abteilung. Trankes Testsäle Badstr. 19. Jeden Sonntag: Leipziger Sänger. Elite- Programml Anfang 7 Uhr. Entree 30 und 3g Pf. Vorher Konzert. Nachdem Hall. F- Germania-Prachtsale N., Chaussoestr.110. KarlRichter. Jeden Sonntag: PaulManiheys lustige Sänger Anfang O'/aübr. Nachdem: Familien-Kränzchen. Im weißen Saale von 5 Uhr ab ClrolSer Kall. Morgen Montag: Hoftmanns M&nger. Alhambra Walluer-Thcatcr-Straste 15. GroSer Ball. Jeden Conntag: HirosteS Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zamcitat. 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