Nr. 276. HbonnementS'Bedingungen: WonnemmtS■ Preis vränumerando: ZjierteljShrl.»�0 Ml, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 28 Pfg, frei WZ Haus. Einzelne Zwnuner 5 Pfg. Sonntags- nuinnier mit illustrierter sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post-ZeitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemari, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, «umänien. Schweden und die Schweiz. kildjelnt»glich. 80» Hlchrg. Vevlinev Vollrsblnkt. DU TaUrttat'&Utr bek-gt str M* fechteXpaltra. l g(U*»der der« Raum«0 Pfg. p�tisch�und gmnfjchafffiche»fiins. (JCUfM J Kort 90 kZ-rfch.' Stelleng . lm SS4 erst, Wort 10- Pfg. jedes weitere Wort 8 Pfg. Wort« über 18 Buch- staben zählen kür zwei Worte. 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Womit denn die Dinge richtig auf den Kopf ge- stellt sind. Denn nicht Lorschläge zur Einschränkung des Wettrüstens, sondern die unaufhörliche Rüstungstreiberei bildet die Gefahr für das deutsch-englische Verhältnis. Aber freilich, die Wut der Rüstungsinteressenten ist ja be- greiflich. Ist doch der Deutsche Flottenverein wieder eistig an der Arbeit. Der fette Beutezug, den der Landmilitarismus gemacht hat, stachelt seinen Ehrgeiz. Und da muß nun solche Geschäftsstörung dazwischen kommen! Es ist gerade das Einfache und infolgedessen das Einleuchtende des englischen Lorschlages, was ihn den Rüstungöinteressenten so unangenehm macht. Churchill schlägt der deutschen Regierung vor, den Bau zweier Linienschiffe um ein Jahr zu verschieben. Tann würde England den Bau von vier Schiffen für die gleiche Zeit vertagen. Er wieder- holt also den Vorschlag seines Flotten-Feierjahres. Deutsch- land und England müßten die Initiative ergreifen, auch die andern Mächte zum gleichen Vorgehen zu veranlassen. Millionen für den Fortschritt der Menschheit würden frei werden: in dem einen Jahre des Feierns würde Deutschland 120 Millionen Mark, England das Doppelte dieser Summe ersparen. Ch u r ch il l hat auch vorausgesagt, daß sein Vorschlag wieder heftiger Opposition begegnen werde, und er hat auch gesagt, woher diese Opposition kommen werde: von den großen W a f fe n fi rm e n. Wenn aber der englische Marineminister hinzufügte, er sei für diese Gründe unzugäng. lich, die Waffenfabrikanten müßten Diener sein, nicht Herren, so bezeichnet dies freilich mehr ein Programm für die Zukunft als den Zustand der Gegenwart. Denn heute sprechen die Rüstungsinteressentcn noch als die Herren. Und wie könnte es anders sein, solange das System des Militarismus besteht? Und herrisch klingt der Ton der Abweisung auch in der „nationalen" Presse Englands wie Deutschlands. Die deutsche Chauvinistenpresse klammert sich dabei an einige Unklarheiten und Vorbehalte in der Rede Churchills an. Der eng- lische Marineminister hat von den kanadischen Schiffen gesprochen, die die Kolonie dem Mutterlaude zum Geschenk machen will, und auch von„neuen Entwicklungen", den Flottenbauten Oesterreichs und Italiens, die England zu Gegenmaßregeln, also zu neuen Schiffsbautcn veranlassen könnten.£iese Vorbehalte benutzen die Chauvinisten, um den ganzen Plan zu diskreditieren und Churchill unehrliche Absichten vorzuwerfen. Uns scheint die Antwort auf solche Einwände recht einfach. Die Unzufriedenheit mit Einzel- h e i t e n überhebt uns nicht der Pflicht, die G r u n d z ü g e zu prüfen. Das Wichtige ist, das endlich einmal das Anerbieten der englischen von der deutschen Regierung auf- genommen. daß Verhandlungen begonnen werden. Wenn der Wille zum Verhandeln vor- Händen ist, dann wird sich der Weg schon finden lassen. Die Besserung der deutsch-englischen Beziehungen, von denen in letzter Zeit so viel die Rede ist, wird erst dann eine sichere Grundlage erhalten, wenn das provozierende Wettrüsten von beide n Sciten eingestellt wird. Die internationale Situation kann einem solchen Vor- haben keine unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegensetzen. Italien ist vom Tripoliszuge erschöpft, O e st e r r e i ch ist durch seine wahnwitzige Balkanpolilik, durch seine riesig an- wachsenden Militärausgabcn a> den Rand einer finanziellen Katastrophe gebracht/ Frankreich hat eben für den Land- Militarismus riesige Opfer geleistet und wäre einem Flotten- abkomnien sicher nicht abgeneigt. Und daß die Stimmung des französischen Volkes, trotz aller Hetzereien und trotz allen chauvinistischen Lärms der Boulcvardpresse eine d u r ch- aus friedliche ist. hat eben der radikale Parteitag in Pau bewiesen. Wenn die stärkste französische Partei un- mittelbar vor den Wahlen einen Beschluß faßt, in dem sie die Teilnehmer der Berner Konferenz für die deutsch-franzö- fische Annäherung beglückwünscht und ihr volles Einverständnis mit ihren Bestrebungen ausspricht, so ist das ein voller Beweis dafür, daß diese Tendenzen in der großen Maffe des fran- zösischen Volkes Billigung finden. So liegen die Hindernisse für eine Erleichterung der Flottenlasten im Augenblick weniger aus dem Gebiete der internationalen, als auf dem der inneren Politik. Wird Herr v. Bethmann wagen, den Kampf gegen die Ratio- nalisten aufzunehmen? Wird er den Mut zu einer Politik stnden, die im Interesse der breiten Massen, aber gegen das Jntereffe der mächtigen imperialistischen Kreise gerichtet ist? Die Frage stellen, heißt, sie beinahe beantworten. Auch auf diesem Gebiete, wie auf jedem anderen, ist der Fortschritt nicht von oben, sondern nur von dem Druck der Massen >u erwarten. Aber der Vorschlag der englischen Regierung lenkt die Aufmerksamkeit von neuem auf die Möglichkeit, einen solchen Druck erfolgreich auszuüben. Das wahnsinnige Wettrüsten ist kein unentrinnbares Verhängnis, dem sich die Völker fatalistisch ergeben müßten. Es gilt, den Wider- stand nur immer mehr zu steigern und dann kann der sinnlosen Politik der Verschwendung und der Friedens- gefährdung ein Halt geboten werden. Die Hufnabme der Rede in England. London, 20. Oktober.(Privattelegramm des„Bor- w ä r t S".) Der erneute. Vorschlag Churchills über den Flotten- feiertag gibt heute der englischen Prefie Anlaß zu allerlei kriti- schen Betrachtungen. Die stockkonservativen Organe sehen in dem Anerbieten eine Demütigung Englands, andere konservative Blätter vom Schlage der„Times" und des„Daily Telegraph" halten den Vorschlag für undurchführbar. Die„TimeS" meinen, daß man die Flottenstärke nicht nur nach der Anzahl der Schlachtschiffe berechnen könne, denn geschehe das, so könnte Deutschland das ersparte Geld zum Bau kleinerer Kriegsschiffe oder Unterseeboote verwenden. Es sei auch schwer zu verstehen, wie Großbritannien und Deutschland den anderen Mächten, die sehr verschiedenartige Interessen zu wahren hätten, ähnliche Vorschläge mit Aussicht auf Erfolg unter« breiten könnten. DaS genannte Blatt glaubt, daß Churchills Rede mehr für den Konsum der Linksliberalen berechnet war, die An- Hänger der Politik der Sparsamkeit sind, al§ für Deutschland. Einer ähnlichen Vermutung gibt auch das Blatt der Arbeiter- Partei, der. Daily Citizen" Ausdruck, der die sofortige Einberufung einer internationalen Konferenz zur Beratung der Rüstungseinschränkung fordert. Andere Einwände werden von der, Daily News' erhoben, die fragt, ob denn Churchills Vorschlag bedeuten solle, daß Deutschland und die anderen Mächte überhaupt keine Schiffe bauen sollen, während Eng- land für das Mittelländische Meer so viele Schiffe baue und von de« englischen Kolonien so viele Schiffe annehmen könne, wie ihm beliebt. Von keiner ausländischen Regierung könne man erwarten, daß sie diesen Vorschlag annehme. Dasselbe Blatt weist auch darauf hin, daß sich der Teil der Rede, in dem Churchill seinen Zuhörern vor- rechnete, daß die Flottenlast Großbritanniens heute schließlich im Verhältnis nicht viel größer sei, als zur Zeit Gladstones, sich nicht mit dem andern Teil der Rede decke, in dem der Minister davon spricht, daß daS Uebel der zunehmenden Rüstungen den Bestand der Zivilisation bedroht. cöiung der serbischen Kriie. Aus Rom, wo man im Gegensatz zur österreichischen Auf geregtheit, mit großer Reserviertheit die EntWickelung oer albanischen Dinge verfolgt hat, kommt eine Nachricht, die die Lösung des serbisch-österreichischen Konflikts bedeutet. Die offiziöse italienische Telcgraphcnagentur meldet aus Belgrad: Tie serbische Regierung hat durch ihre Vertreter den Mächten mitgeteilt, daß sie den serbischen Truppen befohlen habe, sich unverzüglich über die Grenzlinie Albaniens zurückzuziehen, die durch die Londoner Konferenz festgelegt worden ist. Damit wäre also die F 0 r d e r u n g des öfter- erfüllt und die aus- Die Annahme des Ultimatums bestätigt. Belgrad, 20. Oktober. Der Generalsekretär im hiesigen Aus- wärtigen Amte, Stefanowitsch, erklärte heute dem Sster- rcichisch-ungarischen Geschäftsträger von Storck, daß d« Befehl zur Räumung der vo« serbischen Truppe« besetzte« Gebiete Albaniens gestern befchlassr« und heute früh hinauSgegeben worden fei. Die Räumung werde innerhalb der fest» gesetzten Fr ist vonSTagenburchgrsührtfein. i Eine serbische Note an die Großmächte, Belgrad, 20.� Oktober. Die Regierung hat den fremden Mächten eine Note mitgeteilt, worin gesagt wird, daß Serbien getreu seiner Verpflichtung den europäischen Staaten die Festsetzung der albanischen Grenze über. läßt. Die serbische Regierung glaubt, den Zwischenfall hierdurch als erledigt betrachten zu können, bemerkt aber, daß die theoretische Festlegung der Grenzen vollkommen illusorisch sei, und appelliert schließlich an die Mächte, die den Vertrag in London festgelegt haben, daß diese die Sicherheit Serbiens garantieren werden. r e i ch i f ch e n U l t i m a t u m s geregten Schwarz-Gelben könnten dank der Einsicht der ferbr........... fchen Regierung den Degen ��de�emsteckem Ple�Großmacht j,er �ilitärorganifation zugeschrieben; ihre Rolle wird dahin �...... v".......... gekennzeichnet, daß sie als Sekretärin der Organisation eine ein neue; lena der zarifchen Jultiz. Die Tage des Ritualmordprozesses in Kiew scheinen sich in eine Schicksalsstunde der russischen Justiz verwandelt zu haben. Während zarische Richter und Ankläger in Kiew einen unschuldigen Menschen unter der Anklage eines mittel- alterlichen Irrwahns auf den Seziertisch gelegt haben, ver- kündet der Regierende Senat in Petersburg in einem anderen Prozesse die völlige Gesetzmäßigkeit und Straf» l 0 s i g k e i t des infamsten L 0 ck s p i tz e l t u ni s. Zum ersten Male in der Geschichte der modernen russi- schen Justiz, die reich ist an Fälschungen und Rechtbeugungen zugunsten der herrschenden Sippe, wagt es die höchste russische Rechtsinstanz, sich durch die Anerkennung des Lockspitzeltums als staatliche Institution öffentlich vor aller Welt zu prosti- tuieren. Wovor selbst ein Stolypin zur Zeit der Asew-Asfäre zurückgeschreckt ist, wird jetzt von höchster Gerichtsstelle die Sanktion des Staates verliehen. Man fragt sich vergebens, was eigentlich das russische Justizministerium und seinen getreuen Diener, den Senat, zu einem so ungeheuerlichen Schritt veranlaßt hat. Standen ihm doch genügend Mittel und Wege zur Verfügung, um wenigstens den äußeren Schein zu wahren, und die unbequeme Affäre der Frau S ch 0 r n i k 0 w a, einer Agentin der politischen Polizei, wie so viele andere vertuschen zu lassen. Die einzige Erklärung, die es dafür gibt, ist die, daß die russische Regierung sich offenbar entschlossen hat, mit allen „Sentiments" der quasi-europäischen Rechtspflege aufzu- räumen, und die russische Justiz in ihrer tvahren, abschrecken» den Gestalt, als die Dirne des herrschenden Gewaltregiments, der Mitwelt vor Augen zu führen. Die Vorgeschichte der neuesten Justizaffäre, deren Folgen zur Zeit noch gar nicht abzusehen sind, ist kurz folgende. In dem bekannten..Hochverratsprozeß" gegen die sozialdemo- kratisckie Fraktion der 2. Duma figurierte neben den anderen Angeklagten eine Frau Katharina Schornikowa, die Sekrc- tärin der Petersburger sozialdemokratischen Militärorganisation, der bekanntlich im Verein mit der Dumafraktion eine „Verschwörung zum gewaltsamen Umsturz der Staatsord- nimg. zur Entsetzung Seiner Majestät des Kaisers und zur Einführung der demokratischen Republik auf sozialistischer Grundlage" zur Last gelegt wurde. Nach der Anklageschrift wird der Frau Schornikowa eine hervorragende Tätigkeit in mag sich dann in dem Glänze sonnen, den ihr dieser„Sieg über das kleine Serbien verschafft hat. Ein bitterer Nach- geschniack wird freilich bleiben. Denn die österreichische Diplo- matie hat unterdessen von der französischen Regierung eine Zensur über ihr aufgeregtes Gebaren erhalten, die man sich in Wien kaum hinter den Spiegel stecken wird. Aus Paris wird nämlich telegraphiert: In einer allem Anschein nach vom Auswärtigen Amt her- rührenden Meldung heißt es: Der Direktor der politischen An- gelegenheiten im Ministerium des Aeußern Paleologue, der als Vertreter Pichons den österrcichiich-ungariichen Geschäfts- träger, der die Mitteilung von dem ö st e r r e i ch i sch e n U I t i- matum überbrachte, empfing, habe diesem erklärt, daß er hier- von Akt nehm«, habe dabd jedoch ausdrücklich Vorbehalte führende Stellung innehatte, und daß sie es war, die sich mit einer Abordnung verkleideter Soldaten in die Wohnung der sozialdemokratischen Dumafraktion begab, um dieser jenen berüchtigten„Auftrag"(„Nakas") zu überreichen, der die Grundlage der Hochverratsanklage gegen die fozialdemokra- tische Fraktion gebildet hat. In dem Prozeß selbst figurierte die Schornikowa nicht, da sie von den Polizeibehörden angcb- lich nicht ausfindig gemacht iverden konnte. Schon vor etwa einem Jahr wies B u r z e w. im Anschluß an die sensatio- nellen Enthüllungen des früheren Lockspitzels B. Brodsky, in seinem Blatte„L'Avenir" auf die verdächtige Rolle der Schornikowa hin, deren Entlarvung manche Lücke in dem betreffs der Richtigkeit der von der österreichisch-uiigarischen � Prozeß der sozialdemokratischen Fraktion ausfüllen wiirde Regierung zur Rechtfertigung ihres Ultimatums vorgebrachten � o*m dieses Jahres erschien die Schornikowa in Peters- Tatsachen echoben. Paleologue bemerkte insbesondere, es und stellte sich den Gerichten. Sie wurde der besonderen cheme nach den der franzosrichcn Regierung zugekommeiien Mckl-; grhteiluna des Senats die die sozialdemokratische Duma» JSR, WS? rn&AZ«"ÄÄ l'V Ä» r'r Grafen Somssick. ob die ö st e r r e i ch i s ch- u n g a r i s ch e R e- Staatsanwalt Korffak verHort.'Nach Abschluß der Vorunter- gierung in der Lage wäre, Serbien gegen ein neues fuchung reichte her Staatsanwalt in dem ersten Departement Eindringen der albanesi schen Anführer in des Senates ein Gutachten ein, in dem er ausführt, daß die erbisches Gebiet zu� schützen. Schließlich erklärte Schornikowa als bezahl'te Agentin der laleologue. daß die albanesische Frage im höchsten Maße eine„Ochräna" seit Ende 19l)6 in der sozialdemo- -uro p ä i s ch- Frag« se, und demgemäß sei es Sachr a ll er k r a t i s ch e n M i l i t ä r 0 r g a n i s a t i 0 n tätig war Wf WKW ÄITWWÄ Ä.S und«in Ii. I.-.i.i»-.. k.. gutgeheißen. Die Mitteilung der österreichisch-ungarischen Re- �wwe u IN a f�r a k t? 0 u Anteil genommen 1)0. gierung sei gegenwärtig der Gegenstand eines Äeinungsaus->5N der lvurde der daZ Zeugnis Busches zwischen den Staatskanzleien der Mächte der Triple. gestellt, daß sie als Sekretärin der Militärorganisation� der enkente. �_. Geheimpolizei„sehr nützlich" gewesen, sie fortwährend über Man wird der österreichischen Diplomatie diese Lektion die Tätigkeit der Organisation auf dem laufenden gehalten gönnen können. t und sie schließlich in den Stand gesetzt habe, die ganze Cc gomsation zu„liquidieren". In Anbetracht aller dieser Tat- fachen kommt der Staatsanwalt zu dem Schluß, daß die Schornikowa„mit Wissen und Willen der polt- tischen Polizei in die Dtilitärorganisation eingetreten ist, freilich nicht zu verbreche- rischen Zwecken, sondern zur Aufdeckung der Abs ichten und der Tätigkeit dieser verbreche- rischen G e m e i n s ch a f t." Ter Staatsanwalt sucht die Rolle der Schornikowa— im Widerspruch zu den? wirklichen Sachverhalt— als„unbedeutend" hinzustellen, er gibt aber doch zu, daß sie. um keinen Verdacht zu erwecken, mit Wissen und Willen der zuständigen Regierungsbehörden an der Tätigkeit der Militärorganisation aktiv teilgenommen hat. Da aber diese Tätigkeit zur Vernichtung der Organisation fuhren sollte, spricht der Staatsanwalt sich dahin aus, daß die gegen die Schornikowa erhobene Anklage, die in der Regel mit langjähriger Zuchthausstrafe bestraft wird, e i n g e st e l l t und ohne Folgen belassen wird. Der regierende Senat schloß sich) diesem Gutachten des Staatsanwalts an lind entließ die angeklagte Agentin aus der Haft. Um die ganze Tragweite dieses Urteils zu erkennen, sei darair erinnert, daß Stolypin bei der Debatte über die Lock- spitzeltätigkeit Azews die Regierung dadurch zu entlasten suchte. daß sie nur die Dienste von„geheimen Mitarbeitern" annehme. die sich auf eine passive Rolle beschränken. Natürlich war das eitel Lug und Trug, denn die Regierung war über die aktive Teilnahme Azews an zahlreichen terroristischen Akten genau unterrichtet. Es bedurfte aber noch der weiteren Zer- setzung und Selbstvernichtung des zarischen Regierungs- systems, damit die höchste Gerichtsinstanz im Reichs die ver- brecherische Tätigkeit der polizeilichen Seelenverkäufer offiziell sanktionierte und für die Freisprechung aller großen und -kleinen Azews vor den ordentlichen Gerichten einen Präzedenz- fall schuf. Und noch ein wichtiges Ergebnis zeitigt diese neueste EntWickelung der russischen Justiz. Nach der offiziellen Fest- stellung der provokatorischen Grundlage des Hochverratspro- zesses gegen die sozialdemokratische Dumafraktion fällt der letzte Einwand, der bisher allen Forderungen wegen Wieder- aufnähme des Hochverratsprozesses entgegengehalten worden ist. Vergebens hatte der reumiitige Lockspitzel Brodsky das Justizministerium ersucht, sein öffentliches Geständnis dem Wiederaufnahmeverfahren gegen die unschuldig verurteilten sozialdemokratischen Zlbgeordneten zugrunde zu legen. Die Regierung zog es vor, sich in Schweigen zu hüllen, um nicht des Justizmordes überführt zu werden. Sie schwieg auch, als iin vorigen Jahre eine Protestbewegung zugunsten des Wiederaufnahmeverfahrens in allen Kulturländern einsetzte. Sie schwieg, als sie iin Inlands wie im Auslande des K o m- p lo t t s gegen die sozialdemokratische Fraktion bezichtigt wurde, und sie versteckte sich hinter dem Rücken der willfährigen Majorität der dritten Duma, als die Fäuste der russischen Proletarier rechtheischend an den Pforten des Taurischen Palastes donnerten. Nun hat sie selbst den Bann des Schwei- gens gebrochen und durch den Mund ihrer höchsten Gerichts- stelle verkündet, daß die Anklage gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten— wie wir es schon längst wußten— ein aus Lug und Trug gesponnenes Fälscherstück gewesen ist, bestimmt, dem Attentat gegen die zweite Duma als Grundlage zu dienen und den Staatsstreich vom 16. Juni 1907 zu rechtfertigen. In den Kreisen der Dumaabgeordneten wird mit aller Bestimmtheit versichert, daß die neueste Wendung dieser Affäre genügend Material liefert, um ein W i e d e r a u f» nahmeverfahren im Hochverratsprozeß zu erzwingen und in die dunkle Geburtsstunde des Staatsstreichs hineinzu- leuchten. Es wird wohl harte Kämpfe innerhalb wie außer- halb des Parlaments kosten, ehe diese Forderung durchgesetzt wird. Aber je breiter die Grundlage wird, auf der dieser Kampf geführt wird, desto fester verknüpft sich der Kampf um die Befreiung und Rehabilitierung der unschuldig ver- urteilten Volksvertreter mit dem revolutionären Ansturm des Volkes gegen die fluchwürdige Herrschaft des Zarismus. vie csnSezverteWigimg In Schweden. In Schweden sind seit einigen Monaten wieder neue Debatten über die Frage der Landesverteidigung entbrannt, die auch in der sozialdemokratischen Presse mit großer Heftigkeit geführt werden und in dieser Form etwa« verfrüht erscheinen könnten, weil die von der liberalen Regierung vor zwei Jahren eingesetzten Kommissionen zur Prüfung der Frage der Landesverteidigung mit ihren Arbeiten noch nicht fertig find. Man weiß also öffentlich noch nicht, was die Kommissionen vorzuschlagen gedenken. Immerhin ist so viel aus den Beratungszimmern hervorgesickert, daß man zu der Annahme berechtigt zu sein glaubt: von einer Herabsetzung der Ausgaben für die Landesverteidigung loird bei den Kom- missionSvorschlägen keine Rede sein. Die Liberalen sind anscheinend zum Umkall bereit, obgleich sie bei den letzten Wahlen Verpflichtungen eingegangen sind, keine MehrauS- gaben zuzulassen. Die maßgebenden Organe der sozialdemokratischen Presse haben auf diese Tatsache hingewiesen und es ist von dieser Seite auch die Auffassung ausgesprochen worden, daß Mehrausgaben von diesem Reichstage nicht beschlossen werden dürfen, sondern daß erst die Wähler befragt werden müssen. Im übrigen stellen sich diese Parteiblätter allerdings nicht grundsätzlich abweisend den kommenden. noch nicht bekannten Borlagen gegenüber, was wiederum die jugendliche Opposition zu heftigen Angriffen auf Parteileitung, Fraktion und die betreffenden Parteiblätter veranlaßt hat. Da die Vorlagen noch nicht da sind, könnte dieser innere Parteikampf als vom Zaune ge- brachen scheinen. Aber nach den Erfahrungen mit der verfehlten Invalidenversicherung wird man es der Opposition nachfühlen können. wenn sie nicht warten will bis die Partei von ihren Vertretern in den Kommissionen gebunden worden ist. ohne vorher dazu Stellung nehmen zu können. DaS ist allerdings die wichtigste Konzession, die wir der Opposition machen können. Im übrigen ist ihre grundsätz- liche Haltung verfehlt, auch wo sie glaubt, sich auf Parteitag«- beschlüsse berufen zu können. Die Haltung der Parieiopposition läuft auf die g r u n d- sätzliche Ablehnung der Landesverteidigung hinaus. Ihre Motive sind der verschiedensten Art. Neben der Idee, daß das Land sich nicht auf die Tauer gegen eine Großmacht verteidigen kann, spukt der anarchistische Verteidigungsnihilismus in vielen Köpfen, der jegliche Landesverteidigung ablehnt. Der„Vorwärts" hat im vorigen Jahre anläßlich der damaligen Debatten in Schweden seine Stellung zu der Frage dargelegt und zwar deckt sich diese Stellung mit den Beschlüssen der internationalen Arbeiterkongresse. die eine Organisation der Landesverteidigung auf der Grundlage der Bolkswehr fordern. Davon ist bei der schwedischen Opposition keine Rede. Mit dem Schlagwort des „Antimilitarismus" lehnt sie alle Landesverteidigung ab und fordert nun„positive" Politik von der Partei im Sinne dieses verteidigungS» nihilistischen Standpunktes. DaS Jugendorgan beklagt sich in seiner Ausgabe vom 11. Oktober über„das erbärmliche Schauspiel einer Parteipresse, die sich in inneren Disputen verliert darüber, was eigentlich Standpunkt der Partei in der Militärfrage ist, oder richtiger sein müßte, um dem resp. Parteiblatte zu passen. Die Verwirrung ist vollständig und muß unseren Gegnern ein äußerst angenehmes Bild bieten." Das letztere ist richtig. Wenn man die schwedische Parteipresse liest, bekommt man den Eindruck, als ob die Verwirrung allgemein wäre. Schuld daran ist aber jene Program macherei, die in der schwedischen Partei eingerissen ist und auf jedem Parteitage immer neue Blüten treibt. Die schwedische Partei hatte mit ihrem alten Programm eine ganz akzeptable Opposition gegen die HeereS- Vermehrung 1001, die letzte große Heeresreform, gemacht. Presse und Fraktion waren bis auf die anarchistischen Ausläufer einig. Trotzdem mutzte der letzte Parteitag aufgeboten werden, um eine Programmänderung vorzunehmen, die gegenüber der alten Fassung den Vorzug der Wortemacherei hat, aber in realpolitischer Be- ziehung vollkommen wertlos ist. Es wird da verlangt„eine sukzessive Herabsetzung der Militärlasten in der Richtung auf Entwaffnung". An die Stelle der jetzigen Heerordnung soll also nicht eine andere demokratische Form der Landesverteidigung gesetzt werden, sondern Entwaffnung. Inzwischen ist die Partei mit zur auSschlag- gebenden Partei in der schwedischen Gesetzgebung geworden und kann jetzt, wo sie zum ersten Male vor Entschließungen gestellt werden soll, mit der anarchistischen Entwaffnungsphrase nicht? an- fangen. Der Mangel eines positiven Programms in der Landesverteidigungsfrage macht sich in jener„vollständigen Ver- wirrung" geltend, die das Jugendorgan geißelt. Man hat eben nur das negative Programm der Herabsetzung der Militärlasten und Entwaffnung. Damit läßt sich aber keine Politik machen zu einer Zeit, wo daS Kriegsgedräue durch Europa geht und der russische ExpansionSdrang dem schwedischen Volke Anlaß zu Unruhe gibt. Wäre die schwedische Partei den Beschlüssen der internatio- nalen Arbeiterkongresse gefolgt, anstatt daß ihre Vertreter hinter den bürgerlichen Friedensaposteln herliefen, die an einem Tage Friedensreden halten und am anderen Tage fröhlich Milliarden für neue Rüstungen bewilligen, dann hätte man ein positives Pro- gramm gehabt, das die Partei hätte sammeln können, und man wäre die Verwirrung losgeworden. Es ist da äußerst interessant zu lesen, was der Altmeister der deutschen Sozialdemokratie, August Bebel, im Jahre 1911 dem Genossen Branting zur vorliegenden Frage geschrieben hat. Damals wurde in schwedischen Regierungskreisen erzählt, Bebel sollte den Parteigenossen kleinerer Staaten gerateil haben, für Rüstungsvermehrungen einzutreten, weshalb Branting bei Bebel anfragte, was daran wäre. Bebel dementierte nachdrück- lichft jene Rederei und setzte dann auseinander, solange die Groß- mächte gerüstet seien, könnten die kleinen Staaten nicht unbewaffnet stehen. Zwar würden sie auf die Dauer einer Großmacht nicht widerstehen können, aber die Frage liege gar nicht so. Viel- mehr würde ein bewaffneter Kleinstaat, dessen Neutralität in einem Kriege zwischen zwei Großmächten von der einen dieser Mächte verletzt würde, sich auf die Seite der anderen Macht schlagen, wo- durch die kriegerische Kraft dieser Macht natürlich gestärkt würde. Bebel führt als Beispiel einen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich an, in welchem die Neutralität der Schweiz durch Teutschland verletzt würde und die Schweiz sich mit ihren SSO 000 Mann auf die Seite von Frankreich stellte. Er fährt dann fort: „Sie haben ganz recht, Schweden kann nicht dem Zarismus gegen- über wehrlos stehen. Ein Krieg zwischen Rußland und Schweden allein ist nunmehr undenkbar. Andere Großmächte würden sich auf die Seite Schwedens stellen. Aber sie fordern dann felbstver- ständlich, daß Schweden auch hilft, sich seiner eigenen Haut zu wehren. Oder will es waffenlos stehen und dem Sieger als Beute zufallen? Ist es für Schweden gleichgültig, ob eS sich selbst regiert oder ob eS russisch regiert wird a la Finnland? Solange die jetzigen nationalen Gegensätze bestehen, ist eS einem Lande unmöglich, waffenlos zu sein. So etwas wird apch nicht in den Beschlüssen der Internationalen Kongresse gefordert. Tort wird die Organisation von Miliz in allen Staaten verlangt zur Selbstverteidigung für den Fall, daß die Gegenpartei sich nicht daran kehrt, daß ein Schiedsgericht angerufen wurde, oder an dessen Entscheidung. Sie sollten also energisch ein Milizspstem fordern, das für die geringsten Kosten die größte Anzahl Wehr- männex liefert. Die eigentlichen Abrüstungen müssen von den Großmächten ausgehen; Sache der Kleinstaaten ist eS aber, jeden dähinzielenden Gedanken energisch zu unterstützen, was selbstverständlich nicht ausschließt, daß d?e Parlamente der Kleinstaaten den Abrüstungs- gedanken energisch propagieren." Soweit Bebel. Er hat anscheinend nicht gewußt, daß sich die schwedische Partei schon damals von einer anarchosozialistifchen Strömung die Hände hatte binden lassen und auf die sukzessive Volksentwaffnuiig festgelegt war. WaS er den schwedischen Ge- nassen empfiehlt, ist als ein außerordentlich klares Programm an- zusehen. Und e« hätte überdies den großen Vorzug, daß seine Ver- wirklichung in Schweden relativ leicht wäre, weil schon die jetzige Heerordnung wichtige Bestandteile der Miliz in sich schließt. Das jetzige Programm der schwedischen Partei bringt aber die Fraktion in die unhaltbare Position, alle Anträge auf eine Heeresreform abzulehnen, die nicht eine Herabsetzung der Kosten bringen, auch wenn sie wichtige Forderungen der internationalen Sozial- demokratie erfüllen, oder aber die Fraktion muß den Programm- beschluß des letzten Parteitages ignorieren, was wiederum nicht gerade zur Stärkung des Vertrauens in sozialdemokratische Programmbeschlüsse beitragen kann. Die Frage ist aber auch von innerpolitischer Be- deutung. Es ist kaum mehr ein Zweifel, daß die Liberalen zu positiven Beschlüssen in der Landesverteidigungsfrage bereit sein werden. Können sie diese nicht in Gemeinschaft mit der Sozial- demokratie machen, so werden sie mit der Partei der Militaristen, den Konservativen, die Frage zu lösen suchen. Es fragt sich nun, welche Beschlüsse sich für die Arbeiterklasse vorteilhafter gestalten würden, liberal- sozialdemokratische, die sich in der Richtung zur Miliz bewegen könnten, oder liberal-konservative Beschlüsse, die zur Verwirklichung des stehenden Heeres der Militaristen führen müssen. Ter Mangel eines positiven Programms erschwert hier die Position unserer Partei ungemein. Immerhin wird man sich in der Partei auf die eine Forderung einigen können, vor Lösung der Heerordnungsfrage Neuwahlen zu verlangen. Denn darüber besteht kein Zweifel, daß die letzten Wahlen gegen die Forderungen der Militaristen ausfielen. Bevor eine Mehrbelastung des Volkes beschlossen werden darf, müssen die Wähler entscheiden. Diese von Branting erhobene Forderung müßte geeignet sein, die Partei zu einigen, was bitter not tut, denn die jetzigen Debatten bieten ein reckt trübes Biß). polltircbe Qeberficbt. Kronprinzliches. Die sonderbare Einmischung des preußischen Krön- Prinzen in die Reichsgeschäftsführung findet auch in der bürgerlichen Presse mehr und niehr eine energische Zurück- Weisung. Sehr scharf kritisiert die„Deutsche Montagszeitung" das Verhalten des Kronprinzen: Seit ein paar Jahren haben wir nun diesen eigenartigen, teils pikant, teils betrüblichen, teils abenteuerlichen, teils(wenn man daran denkt, daß es eigentlich Zollerntradition ist) trivialen Zustand, daß in allen prinzipiellen Fragen der großen Politik Kaiser und Kronprinz divergieren, und daß ihre Divergenzen vor der Publizität des sensationshungrigen Europa ziemlich un- geniert ausgetragen werden. Seitdem, bei der Marokkodebatte im Wallothaus, der Kelch einer Desavouierung durch eine radika- listische Interpellation an den in der Fürstenloge des Reichs- Hauses den Alldeutschen applaudierenden Langfuhrer Husaren mit Mühe vorüberging(der alte, eklatmüde Bebel verhinderte das Spektakel!)— seitdem hat sich der Vorgang, daß des Kaisers Aeltester in der und jener Frage demonstrativ gegen die Reichs- regierung Front machte, zuweilen, im Kleinern, wiederholt. Um dieser interessanten Gewohnheit nicht untreu zu werden, hat der künftige dritte Wilhelm eS für ratsam gehalten, jetzt, knapp nach offizieller Weglegung der Welsenalten, die ganze unleidige Affäre noch einmal durch eine peinliche Sensation aufzurühren, nämlich durch eine aggressive Epistel an den Kanzler, deren Inhalt er noch dazu durch seinen Freund Dr. Liman den Weg in die Presse machen ließ. Eine Abschrift dieses Briefes— dessen Wortlaut nicht in die Oeffentlichkeit gegeben wurde— liegt vor mir. Krön- Prinz Wilhelm verlangt darin nach wie vor«inen offiziellen, juridisch anerkennbaren Verzicht seines Schwagers Ernst August. Und er wendet sich am Schluß des Schreiben? noch einmal gegen daS von Herrn von Bethmann Hollweg geschaffene Kompromiß: baß man sich mit einer weitgehenden Auslegung bef vom Prinzen geschworenen Fahneneides begnügen könne. An sonst nicht schlecht orientierter Stelle zu Berlin wird die Meinung diskutiert, bei diesem Akt des Thronfolgers handle sichs nicht so sehr um die darin vertretene Sache— als um einen der Person geltenden Vorstoß gegen den Reichs- k a n z l e r. Zu beurteilen, ob das stimmt, ist nicht leicht. Es mag wahr sein, daß die trockene, philosophische, Temperaments- äußerungen abholde Amtsführung des derzeitigen Reichslenkers, seine der Parteipolitik sehr abholde öffentliche Taktik, seine der Jugendlichkeit klaffend entbehrende, kanzleihaft gemessene poli- tisch« Tonart nicht nach dem Geschmack unseres blondhäuptigen Cesarewitsch sind. Aber andererseits ist Langfuhr ein harte» Pflaster; und Dr. v. Bethmann Hollweg muß dem Kronprinzen alles in allem eine gleichgültige Person sein, um derentwillen man sich nicht so ohne weiteres dem Risiko einer Prolongation der westpreutzischen Idylle aussetzt— etwa den Herren v. Olden- bürg und Genossen zuliebe. Näher liegt also, den neuen Fal als«ine kronprinzlich« Temperamentssache anzusehen. Gestern hat in Potsdam zwischen dem Kaiser und dem Kronprinzen eine Aussprache über die kronprinzliche Ein- Mischung stattgefunden. Wie sie ausgefallen ist, weiß man nicht; doch läßt die gemeldete Tatsache, daß der Kronprinz nach der Unterredung nach Berlin fuhr— ohne an der Frühstückstafel teilzunehmen— darauf schließen, daß er nicht in bester Stimmung gewesen sein mag. Vorläufig meldet das Wolfffche Telegr.-Bureau und die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß der Kronprinz an den Reichskanzler einen Brief gerichtet hat, in dem er sein lebhaftes Bedauern darüber ausgesprochen hat, daß sein Privatbrief an den Reichskanzler öffentlich erwähnt worden ist. Völlig falsch sei die Auslegung eines Teiles der Presse, als stelle er sich in Opposition zum Kaiser. In der Sache selbst habe der Kronprinz dem Reichskanzler erwidert, daß dessen Schreiben für ihn zur Klärung der Angelegenheit wesentlich beigetragen hat. Vielleicht hat die Geschichte noch ein weiteres Nachspiel. Der Völkerschlachtballon. Die Zeppelinunglücke fangen an, eine-epidemische Todesursache zu werden. DieS hier ist der zehnte. Und während sich Menschen unter brennenden Sparren wälzten, feierten sie in Leipzig eine kitschige Feier, bei der der Patriotismus und der Kino auf die Kosten kamen. WaS liegt hier vor? Als damals bei Echterdingen dem Grafen Zeppelin sein Luftschiff herunterbrannte, ergriff die Deutschen eine eigentümliche Wallung, die man sonst bei ihnen nicht beobachten konnte. Sie nahmen die Partei eines Mannes, dem sein Werk miß- glückt war. Wie ein Stoß ging'S durch das Land: Sammeln!— Es kam eine Menge Geldes zusammen, und wer genauer hinsah, dem mochte das damals schon merkwürdig vorkommen. Nun hat sich im Lauf der Jahre herausgestellt, daß wirklich der Chauvinismus hinter dieser Begeisterung, die durch dick und dünn der Ballonreste mit- ging, dahintersteckte. Man billigte und förderte diese unsinnige BeifallSsalve, die einer unfertigen Erfindung galt. Die Franzosen waren aus irgendwelchen Gründen in der Luftschiffahrt voraus— wir nach!— Dazu kam der wahnwitzige alldeutsche Gedanke, eine neue Technik zuerst auf ihre Kriegsbrauchbarkeit zu untersuchen, — als ob Stevenson den Lokomotiven vorne spitze Messer ange- Kunden hätte, um sie den„Feinden" in den Leib zu rennen!— Sie bauten Ballons,— einer nach dem andern fiel herunter, ver- brannte, flog davon... die Begeisterung hielt an. Skeptiker hielten sich wohl etwas zurück, aber ein Hauptmann, der das neue System nicht unbedingt lobte, wurde als Feind des Vaterlandes verschrien, Konkurrenzneid wurde ihm vorgeworfen.... Weiter bauen!»- Weiter bauen!— Und das Unglaubliche ist, daß nun, nach dem zehnten Fiasko, die Stimmung noch nicht umschlagen will!— Man höre die Presse: „Sie starben fürs Vaterland!"— Sie starben gar nicht fürs Vaterland. Sie krepierten elend, weil sie Massensuggestion nicht zugeben wollte und will, daß man sich geirrt habe. Keinem der leitenden Personen ist ein Vorwurf zu machen: sie glaubtenS sich wohl alle selbst, sonst wären sie nicht mit hinaufgeklettert. Feige waren sie nicht. Aber daS System hetzte sie in den Tod— und in was für einen Tod!—, das System, das sich einmal in den Zeppelin verbissen hat, und nun nicht mehr losläßt. Keiner traut sich.„Und dennoch!"— Aber es ist nunmehr, nach dem 17. Oktober ISIS, ein Verbrechen, noch Leute, die sich nicht gegen den Befehl wehren können, auf so einem Mordschiff in die Luft zu schicken. Brauchen wir noch Sachverständigengutachten? Sagen nicht zehn Katastrophen alles und noch mehr? Mit Phrasen kommt man über die Jehler nicht weg.„In der vorderen Gondel fand man die Leichen der Offiziere, die dort getreu ihrer Pflicht, bis zum letzten Augenblick ausgeharrt hatten." Was hätten sie sonst tun sollen?— Hinaus springen?— Ist das Rettung?— Aber man braucht da? Melodrama. Nein, die Presse hat den Posten, den sie auch an- gesichts de» TodeS dieser dreißig nicht verlassen hat. bis zum letzten Augenblick inner den Posten der besinnungslosen Phrase, die alles Weiterwursteln beschönigt und um Gotteswillen leine Aenderung wünscht. Die Gutgläubigen!— Sie sind auch jetzt noch nicht zu bewegen, den Bau von starren Luftlriegsschiffen zu deanstanden!— Wie lange noch...? Im Kampf mit den Bischöfe«. Trotz des auf dem Mctzer Katholikentage feierlich verkündeten Gottesfriedens wird daZ Kriegsbeil im Lager der Klerikalen heftiger geschwungen als zuvor. Die Gegensätze sind eben nicht zu über- brücken. Das konstatiert auch die„Kölnische Volksztg." sNr. SOI) dadurch, da sie alle„Quertreiber", also auch eine Reihe deutscher Bischöfe, für austerhalb der Zentrumspartei stehend erklärt.„Innerhalb der Zentrumspartei/' könne von einem Richtungsstreit nicht mehr die Rede sein. Mit scharfer Spitze wendet sich der Artikel gegen den Bischof Korum von Trier, weil dieser neulich seine Minierarbeit gegen die Kölner Richtung öffentlich da- durch bekräftigt hat, dast er die„Quertreiber"-Zeilschrist„PetruS- blätler" lobte. Sie schreibt darüber r „Gewist. eine solche Tatsache kann auch der ZentrumSpartei nicht gleichgültig sein, das versteht sich bei der hohen Stellung und dem aus ihr sich ergebenden Einflust eines Bischofs von selbst. Um das anzuerkennen, braucht man gar nicht Katholik zu sein; der politische Charakter der Zentrumspartei wird dadurch nicht berührt. Eben dieser politische nichtkonfessionelle Charakter der ZentrumSpartei gibt uns aber auch das Recht zu sagen: Wir in der Z e n tr u m s p a r t e i werden ebenso wenig einemBischof vorschreiben wollen, welche politische Stellung er dem Zentrum gegenüber einnehmen will, wie umgekehrt die Stellung- nähme eines Bischofs in politischen Fragen, g'e- nauer gesagt austerhalb der Sphäre seines bischöflichen Amtes für die Entschliestungen der deutschen Zentrumspartet entscheidend sein kann." Dieser Wink gilt natürlich auch dem Kölner Erz- d i s ch o f. Kriegstechnik. In der Frankfurter„Umschau" berichtet Hauptmann Oefele, Ingenieur Schaumann eine neue Panzerplatte konstruiert hat. Die „Schaumannsche Komposilionsplatte" ist eine Nickelstahlpanzerplatte mit einer dahintergelegien unelastischen Leichtmetallplatle, durch zahl- reiche Schraubenbolzen zu einer Platte vereinigt. Dadurch besitzt nach den Angaben des Hauptmanns Oefele die Komposilionspanzer- platte eine Widerstandsfähigkeit, wie sie bei einer gleich schweren Stahlpanzerplatte auch nicht annähernd vorhanden ist. Bei der neuen Panzerplatte trifft das Gefchost auf den zwar harten, aber immerhin noch elastischen Stahl und trichtert sich dort ein, trifft dann auf die harte, aber unelastischere Leichtmetallplatte, die ver- hindert, dast der Stahl seine Elastizitätsgrenze überschreitet. Tie Komposilionspanzerplatte ist erheblich leichter als eine reine Stahl- platte von gleichem Widerstand. Auch sollen die Herstellungskosten viel niedriger sein, als bei den heutigen Stahlplatten. Krupp wird sich wohl der neuen Erfindung annehmen. Und wenn er die neue Panzerplatte zur Einführung gebracht haben wiro, wird er wieder Kanonen bringen, die dem neuen Panzer ge- wachsen sind. Das ist ein gutes Geschäft, bei dem Michel der Geprellte ist. Wie in Bayer« geschieht, was die Geistlichkeit will. Aus München wird uns geschrieben: In Nr. 228 des„Vorwärts" wurde berichtet, dast in dem un- weit München gelegenen Städtchen Dachau die Genossen sich beim Bezirksamt darüber beschwert haben, dast der Ortspfarrer und seine zwei Kooperatoren in dem Religionsunterricht, den sie in der Schule erteilen müssen, auch die Agitation gegen die Sozial- demokratie betrieben. Weiter war mitgeteilt, dast die Regierung von Oberbayern die Beschwerde nicht untersuchte und die Beschwerde- führer an den Erzbischof von München verwies, also ihr Aufsichtsrecht über die Schule in diesem Falle einfach an den Erzbischof abtrat. Nun ist aus Dachau schon wieder ein für das schwarze Bayern charakteristisches Vorkommnis zu melden. Am 1. Mai er. marschierten die Dachauer Sozialdcmo- Iraten und die Mitglieder der freien Gewerkschaften in einem Fest- zug durch den Ort auf den Fesiplatz und an der Spitze des Zuges befanden sich— drei feiertagsschulpflichtige Jungen. die bei der Freien Turnerschaft Turnunterricht nahmen, als T r o m m l e r. Die Genossen dachten sich, dast sie bei ihren Festzügen auch jugendliche Trommler verwenden dürften, nachdem die Trommler des katholischen Jugend- Vereins bei allen möglichen Festzügen, selbst bei jenen des Veieranenvereins, mittun. Aber der Herr Pfarrer— er heistt Tauben berger— erblickte in dem Trommeln am 1. Mai ein grosteS Verbrechen, eine Betätigung umstürzlerischer Gesinnung. Und darum erstattete er in seiner Eigenschaft als Lokalschulinfpektor der weltlichen Behörde Anzeige über das grästliche Vorkommnis. Die Regierung von Oberbayern enttäuschte seine Erwartungen nicht und verbot wegen dieser Kleinigkeit der gesamten schulpflichtigen Jugend für die Zukunft die Teilnahme an den Uebungen der Freien Turnerschaft. Auch sie hat das Trommeln der Jungen a l§ eine politische Tätigkeit aufgefaht. Nun können ioir zwei interessante Tatsachen konstatieren. Als die Dachauer Sozialdemokraten sich darüber be- schwerten, dast der Pfarrer von Dachau und seine zwei Kooperatoren bei der schulpflichtigen Jugend Politik trieben, dawar die Regierung von Ober- bayern so nachsichtig, dast sie dieAn gaben der Beschwerde nicht einmal genau untersuchte, ge- schweige denn gegen die Geistlichen einschritt. Als aber der Herr Pfarrer Taubenberger, der selbst zu diesen Geistlichen gehört, also die schulpflichtige Jugend sogar mit politischen Erörterungen beglückt hatte, in dem harmlosen Trommeln vom 1. Mai eine politische Betätigung Jugendlicher iah, da schritt die Regierung von Ober- bayern mit den schärfsten Mitteln ein. Ausweisung. In Hamburg hat der Buchdrucker Steinhardt, der öfter- reichischer Staatsangehöriger ist. aber seit elf Jahren in Hamburg ansässig war, den polizeilichen Ausweisungsbefehl erhalten. Ver- mutlich ist die Ausweisung auf die Denunziation eines Scharfmachers unter den Hamburger Buchdruckerprinzipalen hin erfolgt: denn Ge- nosie Steinhardt hat sich in der politischen Organisation, der er an- gehörte, stets die gebotene Zurückhaltung auferlegt, dagegen sich in der Gewerkschaft seines Berufs eifrig betätigt. Das must er nun mit dem Verzicht auf die„freie" Hamburger Luft büsten. Argentinien. Soziales und politisches Elend. Von dem Sekretär einer der größten Gewerkschaften in Buenos Aires wird dem Internationalen Sekretariat der gewerkschaftlichen Landeszentralen geschrieben r Wir sehen uns verpflichtet, Ihnen eine genaue Darstellung der hiesigen Arbeiterverhäktttisse zu geben, um die europäischen Ar- beiter vor einer Auswanderung zu warnen und vor viel Not und Elend zu bewahren. Nach dem Bericht des hiesigen amtlichen Arbeitsamtes sollen allein in Buenos Aires 80 000 Arbeitslose auf den Strasten liegen. Von unserer gewissenlosen Re- gierung aber geschieht nicht» gegen die Arbeitslosigkeit, ja sie unter- hält auch jetzt in Europa Auswanderungsagenten. Daher kommt es, daß jeder eintreffende Dampfer mit Einwanderern überladen ist. Die Einwanderer werden drei Tage im Emigrantenamt unter- halten und dann auf die Straße gesetzt, um für die immer neu Ankommenden Platz zu machen. Regierung und Arbeitgeber er- reichen dabei ihren Zweck, das heißt: eine kolossale Reserve- a r m e e von Arbeitern zu haben, um auf diese Weise den Lohn auf der allerniedrigsten Stufe zu halten. Tast unter diesen Um- ständen von einer starken Arbeiterorganisation keine Rede sein kann, ist selbstverständlich, denn bei jedem Streik sind Tausende da, welche für jeden Preis arbeiten möchten, nur um den Hunger zu stillen. Von einer regulären Arbeiterbewegung kann überhaupt nicht die Rede sein, denn es existiert hier ein Sozialistengesetz in einer besonders brutalen Form. Jede Versammlung must acht Tage vorher angemeldet sein und es hängt von her Laune des betreffenden Polizeikommissars ab, ob die Erlaubnis erteilt wird oder nicht. Reklamation gibt es nicht. Streikpostenstehen ist streng verboten. Ein Schimpfwort für Streikvrecher, z. B.„Hammel", wird mit ein bis drei Jahren Gefängnis bestraft. Die Zustände hier sind schlechter als in Rußland. Eine ganze Garde von Ge- Heimpolizisten überwacht alle Arbeiterbewegungen und nach dem Gesetz(Lei de Resistencia) kann jeder Fremde auf der Straße festgenommen und ohne jedes gerichtliche Verfahren ausgewiesen oder, wenn er Argentinier ist, nach entfernten Inseln verbannt werden. Tausende sind schon von diesem infamen Gesetz be- troffen worden. Es würde zu weit führen, alle Grausamkeiten der Regierung und des Unternehmertums hier zu schildern. Nur eins sei noch erwähnt, daö ist das Verhalten des Generals von der Goltz, außerordentlichen Gesandten des Deutschen Reiches bei der hiesigen Zentenarausstellung. Ter berühmte Feldmarschall wurde bei seiner Ankunft sofort von der Regierung mit Beschlag belegt, stets im Auto- mobil oder Extrazug wohlverwahrt von einem Bankett zum anderen geschleppt, um die„Reichtümer des Lande?" kennen zu lernen. Von der Kehrseite der Medaille aber hat er nichts gesehen und daher sind die Arbeiter sehr empört darüber, daß dieser Herr in einem Buch einen Lobgesang auf das Land und seine Einrichtungen anstimmt, obwohl er das Land gar nicht kennt. Er hat sogar den Dkut, es speziell für Deutsche als Paradies zu empfehlen. Während der Zentenarfeier wurden hier in Buenos Aires die Arbeiter- zeitungen und Bibliotheken von den Patrioten und Pfaffen mit Hilfe der Polizei zerstört und verbrannt: Herr von der Goltz nennt daSr Ueberschäumen des Patriotismus? Auch träumt er von einer Bebauung Argentiniens durch deutsche Ackerbauer! Weiß denn der Marschall nicht, daß Argentinien überhaupt keinen Qua- dratmeter freies Land mehr hat, daß alles Land, welches sich zum Ackerbau eignet, längst an Generäle und Politiker verschenkt oder in Händen von Spekulanten ist, also mit Wucherpreisen bezahlt werden muß? Das Land, welches die Regierung noch hat, ist unbrauchbar oder es ist Hunderte von Meilen vom Absatzgebiet entfernt, so daß die Produkte fast wertlos sind. Wenn die Dar- stellung der argentinischen Einwanderungsagenten in Europa ebenso einseitig ist, darf- eS allerdings nicht wundernehmen, daß so viele Tausende andauernd ihre vielleicht kümmerliche Existenz in Europa mit der Hölle, die sie hier erwartet, vertauschen. Hus der Partei. Büttelstreichc am BölkerschlachtStagr. Stuttgart, 20. Oktober.(Privattslegrammdes„Vor- wärt S".) Der sozialdemokratische Verein Stutt» gart hatte auf Freitagabend drei Versammlungen einberufen, die sich mit dem bürgerlichen Jubiläumsrummel zur Völkerschlacht bei Leipzig beschäftigten. Die Polizeidirektion verbot das Ver- sammlungsplakat aus Gründen„der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung". Auch ein zweites Plakat verfiel demselben Schick- sal. Erst ein drittes Plakat fand Gnade vor den Augen der Polizei. Die Stuttgarter Parteileitung hatte außerdem Flug- blätter herausgegeben mit dem Text des ersten Plakats. Die Polizei verhaftete eine Anzahl der Flugblattver- t eiler, transportierte sie im Gefangenenwagen zur Polizei- direktion, unterwarf sie dem Fingerabdruckverfahren und hielt sie vom Mittag bis zum Abend in den Z ellen mit allerlei verhafteten Einbrechern, Dieben usw. gefangen. Dieses rechtswidrige Vorgehen erregte in der Arbeiterschaft ungeheure Erbitterung. Die Versammlungen am Freitag waren derart überfüllt, daß eine vierte Versammlung ein- berufen werden mußte. Außerdem demonstrierte die Cannstatter Arbeiterschaft besonders in einer fünften Versammlung. Nur Sonntagvormittag fand alsdann eine Massenprotestverfammlung gegen das gewalttätige Vorgehen der Polizei statt. Der Referent Westmeyer kritisierte die Matznahmen der Polizei mit äußerster Schärfe. Die aufs tiefste geveizte Arbeiterschaft gab ihrem Willen dann in folgender Erklärung Ausdruck: „Tie Versammelten verurteilen aufs schärfste den rechts- widrigen Gewaltakt, den die Stuttgarter Polizei auf Anweisung des Polizeidirektors Dr. Büttinger an arbeitslosen Arbeitern verübt hat. Sie protestieren dagegen, daß ruhige, anständige Bürger der Stadt aus nichtiger Ursache wie Strolche und Verbrecher behandelt werden. Die Versammelten verlangen von der Stadtverwaltung, daß sie dafür Sorge trage, daß den von der Polizei Gemihhandelten volle Genugtuung gewährt und dem Polizeidirektor unmöglich gemacht wird, derartige Gewaltstreiche weiter zu verüben. Sollte die vor- gefetzte Behörde keine Garantie gegen derartige Uebergriff« der Polizei schaffen wollen, so ist es Ausgabe der organisierten Arbeiter- schaft Stuttgarts, diesem Treiben mit allen gesetzlichen Mitteln zu Leibe zu gehen und in der Zloiwehr auch vor den schärftten Gegenmaßregeln nicht Halt zu machen. Die Verantwortung für die Folgen haben jene zu tragen, die verpflichtet sind, da? Recht der Bürger gegen jedermann zu schützen, auch gegen die Polizei." » Das Vrfahren der Stuttgarter Polizei erinnert an die schlimm- sten Zeiten deS Sozialistengesetzes. Verständlich wird die polizeilich« Aufregung, wenn man bedenkt, wie unangenehm diewürttembergischen Höstinge von heule berührt werden müssen durch die Erinnerung an die Rolle, die der württembergische Landesvater vor hundert Jahren gespielt hat. Schrieb dieser Franzoienfreund. der von Napoleons Gnaden„König" geworden war, doch an den Korsen:„Ich er» warte mit Ungeduld die Nachricht vom Einzug Ew. Kaiserl. Majestät in Berlin." Derartige Er- innerungen passen natürlich schlecht in den Rahmen der heusigen byzantinischen Veranstaltungen. Aus den Organisationen. Die Frage der Erhöhung der Mitgliedsbeiträge beschäftigte in mehrstündiger Verhandlung die am letzten.Sonntag abgehaltene Generalversammlung des Kreisvereins Mülhausen i. Elf. Mit dem Hinweis auf die wachsenden Aufgaben der Partei und auch auf die steigenden Ansprüche der LandeSkasi« hatte der Kreisvorstand die Erhöhung de« Wochenbeitrags von 10 Pf. auf IS Pf. beantragt. Dagegen wendete sich, unter Berufung auf die eingetretene ungünsttge Wirtschaftslage, die die Arbeiterschaft schwer bedrücke, die Mehrzahl der Delegierlen. Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit zirka 30 gegen 12 Stimmen abgelehnt und ebenso erging eS einem Antrag. einen MonatSbeitrag von 60 M einzuführen. Beschlossen wurde nur die Erhöhung deS jetzigen Beitrages von 10 Pf. pro Woche auf 20 Pf. pro Monat. » Die Verschmelzung der beiden Agitations bezirke Magdeburg und Anhalt wurde am Sonntag in Schönebeck a. E. beschlossen, nachdem die Frage bereits in getrennter Beratung zur Entscheidung gebracht worden war. Das neue Bezirksstatut wurde ebenfalls angenommen; e« tritt am 1. April 1014 in Kraft. Dann wurden noch Berichte der Sekretäre. der Prestkommission usw. entgegengenommen. Als Bezirksvorsitzender wurde Genosse Fabian-Magdeburg gewählt. letzte Nachrichten. Eine Erklärung Serbiens. Belgrad, 20. Oktober.(W. T. B.) Das Preßbureau ver- öffentlicht folgendes Communique: Als die Albanesen in großer Zahl von Albanien her in unser Gebiet eindrangen, unsere Dörfer in Brand steckten, kalten Blutes unsere Bevölkerung niedermachten und unsere Truppen angriffen, wurden unsererseits Matznahmen ergriffen, um den Feind von unserem Gebiet zurückzuwerfen. Bei dieser Gelegenheit hat die königlich« Regierung bis jetzt durch ihre Art zu handeln, beweisen wollen, daß sie die Ratschläge und Entscheidungen der Großmächte respektiert. Sie hat zu wiederholten Malen erklärt, daß unsere Truppen sich darauf beschränken werden, das serbische Gebiet zu verteidigen, und daß sie keinerlei territoriale Eroberung machen werden. Gleichzeitig hat man unsererseits erklärt, daß, wenn unsere Truppen in albanesisches Gebiet eindringen und dort stra. tegische Stellungen besetzen würden, dies nur eine provisorische Maßregel sein würde, daß die Truppen sich wieder zurückziehen würden, sobald die albanesische Grenze von der Internationalen Kommission festgesetzt und die Ordnung dort so wiederhergestellt wäre, daß das serbische Gebiet nicht mehr Gefahr laufen würde, von neuem verletzt zu werden. Diese Erklärung der königlichen Regierung entspricht voll- kommen den Ratsschlägen der Großmächte und zeigt klar die/ fried- liche und korrekte Haltung Serbiens in dieser Frage. Wenn die königliche Regierung die Absicht hatte, im freundschaftlichen Geiste und im Interesse eine» endgültigen Friedens bei den Großmächten einen Schritt zu unternehmen zur Berichtigung ihrer Grenze gegen. das neue Albanien, fo ist das ein Beweis mehr, daß Serbien in korrekter und freundschaftlicher Weise eine Frage lösen wollte, die ebenso sehr im Interesse der Regierung wie im Interesse Albaniens liegt. Serbien hat also durch seine Haltung einen genügenden Beweis gegeben, daß es nicht die Absicht hat, auf eigenmächtigem Wege und mit Gewalt die Beschlüsse der Großmächt« abzuändern. Indessen hatte diesse Absicht der serbischen Regierung, die in keiner Weise die Interessen irgendeines Staate» berührt haben würde, noch nicht ausgeführt werden können, als schon Oesterreich-Ungarn Borwürfe gegen Serbien erhob. Oesterreich-Ungarn ist unzufrieden mit der Erklärung der serbischen Regierung und fordert durch ein Ultimatum, daß die serbischen Truppen sich hinter die von der Londoner Konferenz festgesetzte Grenze zurückzuziehen in einer Frist von 8 Tagen oder es werde andernfalls Matznahmen ergreifen, um seine Forderung. durchzusetzen. Nach diesem unerwarteten Schritt hat die serbische Regierung getreu ihrer versöhnlichen Politik und in dem Wunsche, von neuem einen Beweis ihrer korrekten und friedlichen Haltung zu geben, ihren Truppen den Befehl gegeben, sich hinter die von der Londoner Konferenz festgesetzte Grenz« zurückzuziehen, indem sie die Verantwortung für diesen Akt denen überläßt, dt« nur auf diese Weise die Ueberzeugung von einem Europa in Frieden zu festigen glauben._ Mitgliederflucht aus dem reaktionären Frauen« stimmrechtsvcrband. Frankfurt a. M., 20. Oktober.(Privattelegramm des„Vorwärt s".) Die Eisenacher Tagung des Frauen- stimmrechtsverbandes zieht weitere Kreise. In der heutigen Generalversammlung der Frankfurter Ortsgruppe erklärte Frau Dr. L e v i f o h n als Protest gegen die reaktionäre Zu- sammensetzung des Hauptvorstandes ihren Austritt aus dem Framfurter Vorstand. Wie bekanntgegeben wurde, ist auch der Hamburger Landesverband mit über 1000 Mitgliedern aus dem Frauenstimmrechtsverband ausgetreten._ Korruption galizischer Behörden. Wien. 20. Oktober.(W. T. B.)„Di« Zeit" berichtet: Auf Grund der bei der Canadian Pacific Railway beschlagnahmten Materialien erscheinen vier hohe Beamte, eine Anzahl Abgeordneter und sehr viele galizische Polizei- und Gendarmerieorgan« belastet. Die Beamten, in deren Wirkungskreis die AuSwanderungS- angelegenheiten geHorten, sollen in Fällen, wo AuSwanderertranS. parte von der Polizei angehalten wurden, auf Ersuchen der Gefell- schaft mehrfach zu deren Gunsten eingeschritten sein, so daß die Transporte frei passieren konnten. Mrs. Pankhurst in Amerika.? New Jork, 20. Oktober.(P.-C.) Wie bereits vor einigen Tagen gemeldet wurde, ist Mrs Pankhurst bei ihrer Landung auf amerikanischem Boden im Auftrage der amerikanischen Einwände- rungsbehörden verhaftet worden. Nunmehr hat die Washingtoner Regierung den Beschluß der EinwanderungSbehSrde« umgestoßen. Allerdings ist Mrs. Pankhurst nicht das dauernde Verbleiben in den Vereinigten Staaten gestattet worden. Es wurde ihr vielmehr nur die Erlaubnis erteilt, ihre, beabsichtigten Reden für di« Sache der Frauenstimmrechllerinnen zu halten; dann aber muß dt« Frauenstimmrechtlerin das Gebiet der U. S. A. wieder verlassen. Ein neues Cholera-Heilverfahren. Prag, 20. Oktober.(P. C.) Dem Vorsteher deS Pharmaceuti. schen Instituts der Prager Universität, Professor WicchowSki,.ist es gelungen, Teerkohle bei Cholerakranken mit großem Erfolg« anzuwenden. Professor WiechowSki ist eS geglückt, einen Bazillen. träger, den er in Behandlung hatte, durch Anfetzung von Teerkohle sehr rasch zu heilen. Durch die Anwendung von Teerkohl« bei der Behandlung von Cholerakranken und insbesondere von Bazillen- Wägern sind neue Wege gewiesen worden. Todessturz eines Fliegers. Epinal, 20. Oktober. Infolge einer Explosion deS MotorS ist heute ein Fliegerkorporal aus einer Höhe von 200 Meter in die Mosel gestürzt. Der Flieger wurde besinnungslos ans Land gebracht, starb aber nach kurzer Zeit. i 4. Wahlkreis. Dienstag, den St. Oktober, abends 8 Uhr: Zwei öffentUche Kommnnalväbler-Tersamminngeii <)«■ 6., 16. II. 22. Kommunalwalilbezirlie w den Lokalen: Luisenstadt. Kafino, Oranienstr. 180; Boeker, Weberstr. 17. Tag e«ordaung: t. Die beoofsttheudt ZtadtvkrordlletkMahl und lmsere Forderuvgt« in Rath allst. 2. DiSkusston. Reserenten sind die Stadt». Senosse» H.?. BShm, R. Wentel*. 217/19* Der Elnbernfer. n Zlernaltvugssteile Kerlia. C 54, Fimenstr. 83—85. Telephon: Amt Sorben 186, 1239, 1987, 9714. Mittwoch, de» SS. Oktober ISIS, abends 8 Uhr: � Versammlung=== deS technischen Personals �Handwerker und Helfer) aller Verkehrsinstitute Grotz-Berlins in de» Sophien-Solen, Sophienftr. 17/18(grofter Saat). Tagesordnung: 1. Bortrag de« ReichstagSabgeordneten Dtte RNehner Uber: »Die ReichSverfichernugsordnung und die Betriebstrankenkafsen«. 2. DiSkuifion. t Die Agitation bei de« technische» Personal aller BerteHrsinstitnte. Referent: S. Vfegner. 4. Diskussion. S. Verschiedenes. Z» dieser versannnkimg find alle liollege» folgender Verkehr«. institule ewgeladen: Große Berliner Straßenbahn-Gesellschaft. Städtische Straßenbahnen. Berliner Straßenbahnen. Berlin-Charlottenbnrger Straßenbahn. Bororte-Straßenbahn-Gesellschafte«. Berliner Omnibus-Gesellschast. Hoch« u. Untergrnndbahn-Gesellschast«f*. Mittwoch, den SS Oktober ISIS, abend? 8\l2 Uhr: fflitgliecler»Versammlung k« Klempner \ i Mitgliedsbuch legitimiert. Mittwoch, de« SS. Oktober ISIS, abeudS 8'/, Uhr: Sraneken»Versammlung de. DrahiarheUer im Lokal»0» Biinkmann(früher MerkowSki), AndreaSstr. LS. Tagesordnung: l-Sertrag. 1 Diskussion. S. Verschiedenes. Mittwoch, de« SS. Oktober ISIS, abends 8»/, Uhr: Uran eh en» Versammlung der Si rar eure und Ziseleure W de» Cnrona-PrachtaOIen, Kommaudantenstrasie 72. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Herrn R»kvrt Rrrnsr über:-Gibt eS eine Soziologie der Knnft?■ 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Branchen»Versammlungen der Eise«-, Metall- und Revolverdreher sowie Rnndschleifer Mittwoch, den SS. Oktober 1»t», abends« Uhr, in Frankes FestsOIen, Badstrasie 19. DonnerStag, den SS. Oktober ISIS, abends S Uhr, in den Hohenatanlen-SOlen, Kottbuscr Damm 76. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Die Festsetzung der Atkordpreise durch KalkulationsbureauS und uusere Stelluug dazu. 2. Dislussion. S. Verschiedenes. Zu der Versammlung am SS. Oktober find die Kollegen aus dem 18.. IS., SO. und 21. Bezirk, zu der Versammlung am SS. Oktober die Kollegen aus dem 8., 11. und IS. Bezirk besonders eingeladen Für die übrigen Bezirke sowie für die Schichtarbeiter finden Versammlungen am SS. und SS. Oktober statt. Zahlreichen Besach obiger Versammlungen erwartet 128/6 Tie Ortsverwaltung Donnerstag, den SS. Oktober ISIS, abends 8»/, Uhr: GdoB« öffentliche Versammlung in der„Neuen Philharmonie", Köpenicker Strafte Nr. SS—»7. Iher mit äer Sonntagsruhe! Referent Reichstagsabgeordneter Oswald Schumann. Freie Aussprache! Veickäufer, Verkäuferinnen, Hausdiener, Packer u. Packerinnen, Einkasfierer, Fahrstuhlführer usw. erscheint in Massen, damit der Eindruck dieser Kundgebung ein machtvoller ist.«s/is Zeutrallittballd der handlllvgsgthilfell. Delltscher Trallsportarbkiterverbanii. Tausende befreit!�. Jbanauiurm 'mit Kopf(Spul u Made v warmen beseitigt meist binnen 2 Stunden leicht und vollständig gefahrlos ohne Berufsstörung das voll» kommen unscbädliche,natürlicbe Beithti't ß ntiwu mmittel Keine unangenehmen Nachwirkungen, keine Hungerkur, nicht angreii. u. ohne Nachteil, auch wenn Bandwurm nur vermutet wird. Elnf»ck»t Anwendung. Für Erwachs. JL-, Kind.(Aitersang.) 1.25. All. echt m tMarke, Medice'.u. Namen Otto Relorel, Berlin 43 Eisenbahntlr.i Wo in Drogarien nicht erh ltl.diskr.Zus. Schöneberg. DienStag, de« 21. Oktober 1013, abends 8 Uhr, in Schwanen Adler, Hautztftr. 114: Ms- KiMmiiIniSHIer-NtchMlmg. Thema: Wählt Sozialdemokraten. Ras-ront: Genosse Dr. Bndolf Breitscheld.— Diskussion. Genossinnen und Denosien I Agitiert für»ahlreichen Besuch I 18/»___ Wahlverein Charlottenburg'. Dmstllg, des 21. Obtobkr, abevds 8V2 Ahr, im Volkshanse, Rofinenstrahe S: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. DiSkusston. 3. Kasten» bericht. 4. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordneten» wähl. L. Vereinsangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Deutscher Buchbinder-Verband. i Kabistelle Berlin.——— Dienstag, den 21. Oktober» abend? 8>/, Uhr, im GewerkschastShanse, Engelufer 14/15(großer Saal): DM' Versammlung der in der Groß-Berliner Kartonindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Versastungsfragen in Deutschland. Reserrnt: Genosse Wlleke. 2. Was geht in der Branche vor? Kollegen und Kolleginnen I Der einzelne kann nicht«, vereint können wir alles erreichen I Erscheint darum vollzählig zu dieser Versammlung. 2S/2_ Die Branche nleltang. Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: KO. 43, Weinstr. 8. Fernspr.: Königstadt 6789 Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unsere General-Versammlang nicht Mittwoch, den 22., sondern am Montag, 27. Oktober, abends HVg Uhr, in de« Mufiker-Sälen, Kaiser-Wilhelm Str. 31, stattfindet. 100/16 Die Ortsverwal tuag. i Rohrleger und Helfer! mmi Die Kollegen werden hierdurch aufmerksam gemacht, daß laut Z 38 des Lohutarifs vom 15. Oktober bis 1. April auf de» Baute» Ose« nebst Heizmaterial vom Arbeit» geber zu liefer» ist. 128/2» Die Kollegen werde» aufgefordert, für strikte Juue» Haltung des TarifeS zu sorgen. In dem Falle, wo sich eiu Arbeitgeber weigert, Ofeu uebst Heizmaterial zu liefer«, werden die Kollegcu ersucht, dieS sofort ihrer Orgaui» s a t i o u zu melden. DI« Arbeltnehmennitglieder der SchlicbtungskomiDission. Spezialarzt fOr Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Heilung. Mäßige Preis«. Dr. med. WockentuB, Frledrichstr. 125(Oramenb. Tor) wyyyaawaynaaawaawww»,. Sprechst. V. 8— 8. Sonntags 8— 10, Steinarbeiter. Mettwoch. de« 28. Ottoder. abendS 81/, Uhr. I« de» Armlntaallen, Kommandantenstrasie 58 59: Große Versammlung mit frauev. Tagesordnung: 1..Die«rbeitSlofigkeit. ihre Ursachen»nd ihre Bekämpfung.»' Referent: Genosse Ott« Banhe. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 171/20 Um pünktliches Irscheinen ersucht_ Die OrtSverwaltung. ZentralTerband der Glasarbeiter und-irbeiterinnen Deutschlands. OrtsTerwaltnnc Berlin. Slchtvng! Achtung! Glasschleifer, Polierer, Beleger! DienStag, de« Sl. Oktober, nachmittags 4 V, Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17: Versammlung der streikenden und arbeitslosen Kollegen. Tagesordnung: Stand unserer Bewegung and welche Maßnahme» treffen wir? Um pünktliche« Erscheinen ersucht 71/9_ Die Ortaverwaltnng. I. A.: 8L Schriber. nr ir Verwaltung Berlin. Donnerst« im Mitgtlthtr-Nkchmmlllllgrll: Bürsten-»nd Pinselmacher. Mittwoch, den SS. Oktober ISIS, abends 8'/, Uhr, in Hermels Vereinshaus» Holzmarktstr. 21. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Branchenkonferenz und Anträge. 2. Wahl der Delegierte». 3. Branchenangelegenheiten. Kamm' und Haarlchmuckbranche. Mittwoch, den 22. Oktober ISIS, abends 8 Uhr, bei Merkowski, Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. Vortrag über:.Wirtschaftskrise»'. Referent: Kollege Iah». 2. Verbands» und Branchenangelegenheiten. Stock- und ZdluloidarbcWcr. ig, den 23. Oktober ISIS, abends S Uh� Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Wilhelm N i t s ch k e:»Die Bolksfürsorge-'. 2. Branchenangelegenheiten._ Bodenleger. Mittwoch, den SS. Oktober ISIS, abends«'/, Uhr, bei Wollschläger, Adalbertstr. 21. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Abrechnung der Branchenkasse. 3. Wahl eines KommissionSmilglledes und Verschiedenes. 90/18__ Die OrtsvcrwaUnng. Tanzlehrer-Verband„Solidarität". Dsv geeiuten Vereinen� Gewerkschaften and Saalbesitzern zur gefl. Kenntnis, daß wir unsere GeeehÄftsHtelle nach Neukölln, Weichselstraße 8 Telophon: Neukölln 406(Hemrich) verlegt haben..,,_ Wir empfehlen uns zur Erteilung von Xanzuntemcnt, ena- studieruug von Quadrillen, speziell zur Leitung von Ballfestliah- keiten. Bestellungen erbitten nach Neukölln, Weichselatraße" Telephon: Neukölln 406(Rieb. Heinxieb). ISP11 Der Voratand. «Jftcrtin Nedakt.�Blkred Wielevv, Neukölln. Inseratenteil verantw Td-Mlsde. Berlin. Druä u.Veriog i!iorwärte'liuchor.u BertngsaniMU PaulSingettSo..BerlmLV/. Hierzu L Beilage»».llntrrhallungSbl (,.« i, LcilM»es Lsmirls" Kerlim UcksdiR Dienstag, Zl. Oktaber!9l3. SewerklekaftUckes. „Chrxttiidncr" Ccrror. Den Höhepunkt der christlichen Nächstenliebe und Duld- samkeit hat zweifellos das Ortskartell der christlichen G e- werkschaften in Gnesen erklommen. In einer dortigen Tischlerei wurde ein christlich organisierter Holzarbeiter wegen angeblich übler Nachrede über seinen Arbeitgeber entlassen. Da die Schuld des Entlassenen durchaus nicht so hell erwiesen und außerdem die Beleidigimg des Arbeitgebers nicht so schwer war, versachte ein dort ebenfalls beschäftigter f r e i o r g a- n i s i e r t e r Holzarbeiter, durch Persönliche Fürsprache bei"dem Unternehmer die Entlassung rückgängig zu machen, aber ohne Erfolg. Obgleich diese Bemühungen des Verbändlers dem Entlassenen bekannt waren, wurde jetzt von den Christlichen auf einmal behauptet, der freiorganisierte Holzarbeiter habe dessen Entlassung erzwungen, weil er nicht dem Holzarbeiterverbande beitreten wollte. Als sich der so Verdächtigte gegen den christlichen Schwindel verwahrte, entgegnete ihm der christliche Sekretär Szykowny:„Da wir als christlich Organisierte vorherrschend sind, dulden wir andere Gewerkschaftler hier nicht!" Da der Arbeitgeber auf diesen Schwindel nicht einging, fuhren die Christen stärkeres Geschütz auf. Sie schrieben dem Arbeitgeber folgenden Brief: Gnesen, den 1. 10. 1913. Ortskartell der Christlichen Gewerkschaften Gnesen. Herrn............. Hierselbst. Geehrter Herr! Bei der zuletzt stattgefundenen Sitzung hielt sich daS Ortskartell der Christlichen Gewerkschaften, welchen die Gnesener Maurer, Zimmerer. Tischler pp. angehören, über die Beschwerde des Tischlerverbandes auf, daß Sie als christlicher Arbeitgeber, Pole, sehr wenig christliches Empfinden besitzen, indem Sie in Ihrer Werkstelle Leute beschäftigen, die dem sozialdemokratischen Verbände ange- hören, jedoch Leute unseres Bekenntnisses vermeiden Sie mög- lichst. Wir denken nicht etwa Ihnen Vorschriften zu machen, wen Sie beschäftigen sollen, bezweifeln aber sehr, ob Sie weitere Bestellungen von Kirchengemeinschaften erhalten, falls Sie darüber orientiert sind, daß ein Meister Kirchenarbeiten erhält, der Leute beschäftigt, die gegen die katholische Kirche sind. Mithin empfehlen wir der Ueberlegung. Mit Hochachtung I Für den Vorstand des Ortskartells I. A.: Stefan Szykowny. 1. Sekretär. Bezeichnend ist es für die Toleranz und Duldsamkeit der Christen, die sich im ganzen übrigen Deutschen Reiche als streng national gesinnt bezeichnen, in einer überwiegend polnischen Stadt einen kleinen Unternehmer daran zu erinnern, daß er P o l e ist und Kirchenarbeiten hat. Wer die Verhältnisse in den katholischen Gegenden mit ihrer fanatischen Bevölkerung kennt, weiß, was eine solche Drohung mit dem Beschäftigen von Leuten, die gegen die katholische Kirche sind, zu bedeuten hat. Wer sich nicht fügt, der fliegt einfach. So verlangen es die Christen. Das ist aber kein Terror! Diese Gesellschaft hat nach wie vor das Recht, andere zu terrorisieren, und kein Staatsanwalt wird sich finden, der diese Sippschaft am Kragen nimmt. ßerlin und Qmgegend. Bundestag der technisch-industriellen Beamten. Der zehnte Bundestag der technisch-industriellen Beamten fand am Sonnabend und Sonntag in Berlin statt. Die Verhandlungen waren im Gegensatz zu der ursprünglich in Aussicht genommenen reichhaltigen Tagesordnung fast ganz dem Falle Lüdemann ge- wjbmet. Es handelt sich dabei um die Entlassung des früheren ersten Geschäftsführers des Bundes, Herrn Lüdemann, die nach den Angaben der einen Partei wegen der autokratischen Geschäftsführung Lüdemanns, nach der andern Partei wegen einer Art Palastrevolution der Hilfssekretäre erfolgt sein soll. ES wurden drei Resoiutionen angenommen, deren erste erklärt, daß der Bundestag eine Entlassung LüdemannS, die nur auf die Geschäftsführung gestützt wäre, nicht angenommen haben würde, ob- gleich sie in bezug auf die Personenbehandlung nicht einwandfrei gewesen sei.(Aus diesem Beschluß ergibt sich, daß gewisse Anklage- punkte außerhalb des eigentlichen Geschäftsbetriebes für die Eni- lassung maßgebend gewesen sein müssen.) In der zweiten Reso- lution wird daS Vorgehen der Hilfssekretäre mißbilligt und be- dauert, daß sie ihr berechtigtes Streben auf Verbesserung ihrer Lage durch persönliche Momente haben in falsche Bahnen leiten lassen. schließlich wurde mit einer Stimme Mehrheit der Antrag, dem Vorstand ein Mißtrauensvotum im Fall Lüdemann auszustellen, abgelehnt. Ueber den Schutz technischer Erfindungen der industriellen Ange st eilten referierte Diplomingenieur K o r t e n b a ch. Es fand auch eine lebhafte Debatte über die von der Reichsregierung veröffentlichten Vvrentwürfe zu den neuen Patcntgesetzen statt. Allgemein wurde gesagt, daß diese Entwürfe zwar die grundsätzlichen Forderungen der Angestellten prinzipiell anerkennen, dann aber durch Zulassüng des vertraglichen Ausschlusses der Erfindervergütung an den angestellten Erfinder diese Anerkennung wieder zunichte machen, da die industriellen Firmen diesen Ausschluß zur Regel machen würden. In einer einstimmig angenommenen Resolution wird die Abänderung der Gesetzentwürfe dahin gefordert. daß an Stelle des Anmelderechts das Erfinderrecht trete und die Bundesmitglieder werden ersucht, keinen Dienstvertrag zu unter- zeichnen, in dem sie auf das Recht auf ihre eigene Erfindung ver- zichten müssen. Alle sonstigen Tagesordnungspunkte mußten abgesetzt werden. Achtung, Töpfer! In Wilhelmshaven, Bremen, Oldenburg und in den sonstigen Orten an der llnterweser bestehen Lohndifferenzen. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. Die Verbandsleitung. Deublcbes Reich. Zum Hafenarbeiterstreik in Stettin. Trotz aller magistratischen Schönfärberei scheinen die Leistungen der Arbeitswilligen doch nicht zu genügen. Zieht er doch alle Register, um die Reihen der Ausständigen ins Wanken zu bringen. Nebenbei versuchen die Lademeister, Zollbeamte und sonstige Be- amte ihr Glück, allerdings vergeblich, um Verräter aus den Reihen der Streikenden zu finden. In den meisten Fällen werden die Herren das Wiederkehren vergessen, denn die Frauen der Streikenden haben ihnen gewißlich keine schmeichelhafte Anlwort erteilt. Die Polizei gebt in bekannter Schneidigkeit gegen die Strei- kenden vor. Kürzlich wurde der Angestellte des Staats- und Ge- meindearbeiterverbandes, Genosse M o m m, unter dem Verdacht der Meli erstecherei verhaftet. Rur dem Umstände, daß selbst die arbeitswilligen Zeugen ihn für unschuldig erklärten, verdankt er seine Freilassung. Am Sonntagnachmittag fand im Volkshause eine Versammlung für die Frauen der Streikenden statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. DaS Referat hatten Frl. K a s ch e w s k i-Berlin und der Gauleiter Strunk übernommen. Die Referenten zeigten den anwesenden Frauen, daß es ihre Ehrenpflicht sei, ihre Männer in diesem schweren Kampfe wirksam zu unterstützen. Müssen sie und ihre 5linder doch in erster Linie unter den schlechten Löhnen leiden. Die Anwürfe und Beleidigungen, daß sie mit dem Lohne nicht wirt- schaften könne», fallen auf diejenigen znrück, die sie erheben. Die Herren mögen doch mal selbst versuchen, ob sie mit Löhnen von 2,90 M. bis 3,2ö M. eine Familie ernähren können. Auch der in- diffcrentesten Frau werden die unerhörten Zumutungen des Stadt- verordnete» Habcrt, daß, falls der Lohn nicht zum Satt- essen lange, sie und ihre Kinder mitarbeiten(ollen, die Augen geöffnet haben. Darum läge es im besonderen Interesse der Frauen, für eine Verbesserung dieser Zustände mitzuwirken.— Die Referate wurden mit stürmischem Beifall auf- genommen und nachdem eine Resolution, die den städtischen Körper- schaften übermittelt werden soll, einstimmig gutgeheißen. In dieser Resolution bringen die Frauen der streikenden Hafenarbeiter zum Ausdruck, daß sie gleich ihren kämpfenden Männern der Ueber- zeugung sind, daß der Kampf den Arbeitern durch die dauernden Ablehnungen ihrer berechtigten Forderungen aufgezwungen wurde. Sie versprechen daher, ihre Männer in diesem um bessere Ernährung der Familie geführten Kampfs in der weitgehendsten Weise zu unter- stützen und alle Opfer mit diesen gemeinsam zu tragen. An die städtischen Behörden richten die versammelten Frauen die Forderung, den städtischen Arbeitern Löhne zu zahlen, damit diese mit ihren Familien ein menschenwürdigeres Dasein snhren können. Tie freie»» Gewerkschaften preisgekrönt! Die Ausstellung der gewerkschaftlichen Zentralvcrbände auf der Baufach-Ausstellung in Leipzig ist soeben mit der goldenen Medaille der Stadt Leipzig ausgezeichnet worden. Mit dieser Würdigung der gewerkschaftlichen Ausstellung durch das Preisrichterlollegiuni dürften zugleich die Anwürfe einiger Scharfmacherblätter völlig entkräftet sein, die der Oefsentlichkeit Glauben machen wollten, die Ausstellung der Gewerkschaften sei tendenziös und entstelle in grober Weise die Tatsachen. Christliches Grofitu»». Die Christen fühlen öfter das Bedürfnis, ihre Bedeutung und ihre größere Werbcfähigkeit herauszustellen. Dazu bedient man sich geeigneter Ausschnitte aus dem Gesamtrahmcn der gewerkschaftlichen Organisationen. In der„Westd. Arbeiterztg.' wird nun berechnet, daß in der Rheinprovinz der christliche Metallarbeiterverband seit 1900 um 149,24 Proz. zugenommen habe, der„sozialdemokratische Metall- arbeiterverband" aber nur um 91,47 Proz. Das klingt sehr wichtig. Man muß aber berücksichtigen, daß der Metallarbeiterverband trotz- dem vielmehr an Mitgliedern gewachsen ist als der christliche Metall- arbeiterverein derer überhaupt nach dem„riesigen" Wachstum zählt. Was das letztere anlangt, ist auch noch darauf zu verweisen, daß in manchen Betrieben die Angst vor christlichem Denunziationscifer größer ist als vor gelber Gemeinheit. Die Christen haben sehr wenig llrsache auf ihre— meist dazu nur eingebildete— Größe stolz zu sein. In Wirklichkeit ist die Organisation im Herzen der Eisen- und Stahl- industrie herzlich schlecht. Einschließlich des Hirsch-Dunckerschen Ge- Werkvereins zählen die Metallarbeiterorganisationen rund 68000 Mit- glieder, die Zahl der beschäftigten Metallarbeiter jedoch beziffert sich auf rund 400 000. Das Mißverhältnis erklärt eS. warum die Arbeiter den Unternehmern gegenüber so wehrlos sind. Hier gibt eS zu bessern. Husland. Beendigung der Streitigkeiten in der Baumwoklindustrie. London, 18. Oktober 1913.(Eig. Ber.s Die für den 23. angekündigte Aussperrung der Spinnereiarbeitcr Lancashircs wird nicht stattfinden, da die Arbeiter, die in der Fabrik Beehive streikten, die Arbeit wieder aufgenommen haben. Gleich- zeitig mit der Erledigung dieser Streitfrage ist auch eine andere Streitigkeit beigelegt worden. In etwa 20 Fabriken Südost-Lanca- shires(leht die Arbeit schon seit einiger Zeit still(in einer seit sieben Monaten), weil sich Arbeiter und Arbeitgeber über die Frage des schlechten Spinnens streiten. Diese Differenzen sind jetzt beigelegt worden und die Fabriken werden wieder eröffnet werden. Vittichafllicher Vochenbei'W. Zur amerikanischen Zolltarifrcfvrm. Der Anfang dieses Monats Gesetz gewordene neue amerikanische Zolltarif, der wesentliche Herabsetzungen der bestehenden Zölle brachte, hat unsere deutschen hochschutzzöllncrisch gesinnten Industriellen mehrfach zu dem Geständnis veranlaßt, daß die Ermäßigung der Zölle die Konkurrcnzsähigkcit der Vereinigten Staaten auf dem Weltmarkt stärken werde. Wohl bemühte man sich in jenen Kreisen, dieses Zugeständnis dahin abzuschwächen, daß nur die be- sonderen nordamerikanischen Verhältnisse die Zollermäßigungen ver- ständlich machten und eine Uebertraguug dieser Politik auf Deutsch- land ungerechtfertigt sein würde. Tatsächlich stand aber in erster Linie hinter dem Urteil über die Wirkungen des neuen Zolltarifs die Ueberzeugung, daß die Ermäßigung der Zölle aus Lebens- kleines feuiUeton. Jubiläumspoefie. Jedes Gedicht soll im Goetheschen Sinne ein Gelegenheits- gedicht sein; ein tiefes Erlebnis nur soll sich zu einem Kunstwerk verdichten. Anders steht es mit den sogenannten Gelegenheits- dichtungen. An sie Pflegt man mit Recht keine hohen Ansprüche zu stellen. Im Namen schon liegt heute die Andeutung der Minder- Wertigkeit. Und doch sind Gelegenheitsdichtungen heute noch gern gesehen. Besonders sind es patriotische Kreise und solche, die als patriotisch gelten wollen, bei denen„Festspiele" sehr beliebt sind— wenn sie allen byzantinischen Wünschen der Auftraggeber gerecht werden. Große Dichter vermögen solch« Aufträge selten nach Ver- langen zu effektuieren. Jubiläen, die man in Deutschland gern und reichlich feiert, zeitigen nun gewöhnlich eine Flut von Jubi- läumspöesien. Wie wird der arme, alte Pegasus da mit den Sporen, die man sich gerne verdienen möchte, zerkratzt und zer- schunden, daß die alte Mähre überhaupt nur von der Stelle kommt. Jedes kleinste Amts- und Winkelblättchen glaubt seinen p. t. Lesern einen zeitgemäßen poetischen Erguß servieren zu müssen, obwohl in den Adern dieser Skribenten nicht Poesie und Herzblut fließt, sondern Heuchelei, Hohlheit und Phrase. Und alles Mühen bringt dann ein erbärmliches Gebräu zustande. Lassen wir es doch genug sein mit dieser Barbarei/ Geschmack- losigkeit und Unkunst. Wir Deutschen sollten uns doch zu schade sein für solche ekelhafte Kost. Man sollte es nicht wagen dürfen, unS, einem Volke mit gesunden Sinnen, solche Erbärmlichkeiten unter der Vorspiegelung vorzusetzen, das seien aus ehrlichem, tiesstem Empfinden geborene, heilige Aeußerungcn erhabener Seelen. Schund ist's, Lüge, Schmach und gemeine Verstellung! Hinaus also aus unseren Häusern, wo es noch nicht geschehen ist, mit solchen Blättern voll von erlogenen Jubiläumspocsien! Masses Leipzig-Bl ockadc. Ein natürliches Interesse an der Völkerichlachtdenkmalweihe hatte Masse. Es sollten anläßlich dieser »glühendhehren Patrioten feier" die Abonnentei, zurück- erobert werden, die man sich durch einen freimütigen Bericht über das deutsche Turnerfest leichtsinnig verscherzt hatte. Man entsandte eine bewährte Kraft nach dem abtrünnig gewordenen Leipzig. Einen von der alten Garde, die sich noch lange nicht übergibt, wo ein Aufrechter vor Ekel beinahe stirbt. Der seriöse Berichterstatter Block hat von den Leipzigern das Beste gesagt, wo man hat. „Zwischen diesem festlichen Zierat— schreibt er— wandeln und stehen die Leipziger und Leipzigerinnen umher und haben ihre Freude daran. Ein Fremder macht sich immer lächerlich, wenn er »ach flüchtigem Augenschein über die Art der„Einheimischen" ur- tznlen will, aber so viel wag' ich doch zu sagen: die Lcipzigerinnen scheinen noch immer das Lob des Volksliedes zu verdienen, daß in Sachsen die hübschen Mädchen wachsen. Nach einwand- freier Statistik wurden bei einem halbstündigen Bummel um die Promenade ein halbes hundert frischer Erscheinungen gezählt, und das Netteste war, daß alle lustig aussahen, alle nach Sport und nicht nach Literatur, Gott sei Dank!" Schäker. Er sieht ideale Formen, die der Sport verleiht, und diskreditiert die Literatur, als wäre sie wirklich»ur ein schlechtes Geschäft. Wenn sich auch das nur nicht rächt— Herr Holzblock. DaS Los dcS Erfinders. Eines jener tragischen Schicksale, die für manche Erfinder in der kapitalistischen Gesellschaft typisch sind, hat sich in Paris ereignet. Der Professor der Chemie, Charles T e l l i e r ist in einer Dachkammer in Paris im Alter von 90 Jahre» an Eni- kräftung gestorben. Tellier war in wissenschaftlichen Kreisen als der „Vater der Kälte" bekannt und war der Erfinder des Systems zuy Erzeugung künstlicher Kälte, die besonders für die Lebensmittel konservierung wichtig wurde. Trotz der Bedeutung seiner Erfindung, von der die ganze Menschheit profitiert und das Kapital seinen Nutzen zog, lebte der geniale Mann seine letzten Jahre in den kümmerlichsten Verhältnissen und in bitterster Armut. Wie eine Ironie des Schicksals klingt, daß gerade einige Tage vor seinem Tode eine Sammlung zu seinen Gunsten eröffnet wurde und daß ein Wohltäter, der ihni em Geschenk von 10 000 Fr. überreichen ivollte, in seiner Wohnung vor- sprach, als Tellier auf dem Sterbelager sich befand. Eine Erfindung ist, kapitalistisch gesprochen, wertlos, solange das Kapital sie nicht ausbeutet. Nichts natürlicher als das. So ist auch Tellier wie so viele zu früh gekommen, und als»nan später auf seine Ideen zurllckgriff, da brauchte man ihm nicht mehr zu— zahlen. Ganz natürlich. Aber es bleibt trotzdem ein beißender Hohn auf diese Gesell- schas», daß sie einen Greis, der zuerst angegeben hat, wie man das Fleisch und andere Lebensmittel durch Gefrieren lange erhallen und so weithin verfrachten kann, Hungers sterben läßt. Modcschwall. Rudolf Hildcbrand. der große Sprachgelehrte, schrieb vor gerade dreißig Jahren m seinen„Gedanken über Gott, die Welt und das Ich" folgende Sätze:„Ein Zeiwen der Umkehr von gelehrtem Wort- schwoll sebe ich in der Beilage der„Allgemeinen Zeitung", wo einer über religiös-philoiophische Begriffe der Sakalava aus Madagaskar schreibt:„Ihre Ansicht über das höchste Wesen ist— wenn wir uns doch einmal so griechisch und lateinisch ausdrücken sollen— eine anthropomorphische Objeklivierung ihrer eignen ethnischen Jndi- vidualität, was Schiller ebenso kurz und gut wie schön deutsch so gefaßt Hat: In seinen Göttern malt sich der Mensch. Schon XenopHanes sagte übrigens 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung ähnliches ebenso einfach. Schade, daß sich unsere heutigen Denker kein Vorbild an dieser klaren Sprache nehmen." Alles, Iva? in jenem Modeschwall geschrieben ist, wird einmal als veraltet und geschmack- los anwidern; nur was in der anderen, einfachen Form ge- faßt ist. wird und kann nie veralten." Das gilt auch heute noch. Theater. Neues Volkstheater(Neue Freie Volksbühne): Rausch, Drama von Strindbcrg. Enic Künstlerscele verfällt im Rausch endlichen Sieges der dämonisch einspinnenden und bezwingenden Leidenschast eines jungen Weibes. Das Weib verrät einen Mann, der deS Künstlers Freund ist, und der Künstler verrät ein schlichtes Mädchen, die ihm ein Kind schenkte. Nun naht im grauenden Morgen nach der Liebcsnacht die Erinnerung an die Wirklichkeit den vom Rausch Besiegten. Der Künstler liebt sein Kind, aber eS macht ihn und die neue Geliebte unfrei, und beide wünschen dem Kind in heiin- lichen Gedanken den Tod. Der Zufall läßt das Kind am selbige» Morgen sterben. Die Welt schreit Mord, und in den Wirren der Verfolgung schlagen Schuldgefühle über den Liebenden zusammen. Vor den Sclbstanklagcn fliehend, peitscht Not und Furcht sie in gegen- seitig verdächtigenden Arglvohn, der sich zu wilden, zerfleischenden Beschuldigungen, das Kind gemordet zu haben, steigert. Aber diese Vorgänge sind nur Schale des Dramas. Der Kern ist ein gualbeladencs Ringen um das Wesen von verbrecherischer Schuld. Ihr Kreis umfaßt viel mehr, als das Strafgesetz trifft. Es gibt auch ein Morden in Gedanken:„Unsere Gedanken, Worte, Begierden sind auch verantwortlich". Jeder der drei das Drama tragenden Menschen— der Künstler, die Geliebte, der Freund— bat solch einen„Mord in Gedanken" auf dem Gewissen. Befreiung kann»ur das klarbewußte Selbstgeständnis bringen, schuldig zu sein, dem jeder in seiner Art durch büßende Tat einen Ausgleich schaffen muß. Aus der kasteienden Unerbittlichkeit Strindbergschcn Selbst- beichtcns sind die Szenen dieses Werkes geboren. Die Aufführung fordert eine starke Kunst folgerichtig zerlegenden � und vergliederndcn seelischen Spiels. Lichos Regie verriet wohl das Verstehen der Aufgabe, aber das Ziel wurde nicht erreicht. Zumal der Künstler Maurice blieb unter der notwendigen Höhe: L i ch o fehlen die Mittel, die intensive Bewegung einer Kllustlerseele aus- zudrücken, und auch im äußeren Bilde blieb er im Wesen einer Durchschnitlsnatur hängen. Die verführerische Henriette Ida B r ü n a r§. die anfangs hoffen ließ, versagte in den Steigerungen ihrer Ausgabe. Am besten schloß Aurel Nowotny— als Freund Adolphe— seine Rolle zusammen. 110. Muflk. M e i st c r s a a l. Diesen Namen führt ein neuer Saal an der Köthener Straße, der, soweit er nicht für Sondcrzwecke seines Eigen- tümers, des Vereins Berliner Baugeschäfte, mit Beschlag belegt ist, auch zur Veranstaltung von Konzerten und Vorträgen hergegeben werden soll. Der Saal, nicht eben groß, ist sehr stilvoll gehalten und macht einen traulichen Eindruck. Um seine Akustik zu erproben, wurde er mit einem Konzert eröffnet, dessen Programm aus In- strumental- und Vokalstücken sowie aus einigen„Melodeklamationen" und Gedichten bestand. Mehrere„Kanonen" des Berliner Musikwesens hatten sich, wie üblich, in den Dienst der Sache gestellt. Die„Ver- liner Triovereinigung": Professoren Mayer- Mahr(Klavier), Bernhard Dessau(Violine), Heinrich G r ü n f e l d(Cello) brachten im meisterlichen Zusamnienspiel Kaminermusikwerke von Schuberl und Beethoven zu Gehör; Frau Lola MySz-Gmeiner und Leo G o l l a n i n sangen Lieder von Löwe, BrahmS, Schubert, Schumann, Wolf, und Mathias von Erdberg bestritt den deklamatorischen Teil des Programms. Stimmungslyrik, die durch süßlichen Vortrag nur noch versüßlicht wurde; glücklicherweise aber keine patriotischen mittel schlechthm die Konkurrenzfähigkeit der Industrie stärke. Während unsere Agrarier immer wieder behaupten, der agrarische Zollschutz hebe die Kaufkraft der Landwirtschaft und komme damit mittelbar auch der Industrie zugute, ist in den De- batten über die amerikanische Zolltarifreform von den Industriellen mit erfreulicher Deutlichkeit ausgesprochen worden, datz nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Unternehmer unter den agrarischen Zöllen leiden; denn Teuerung der Lebensmittel führt zu Lohnerhöhungen und verteuert dadurch die Produktionskosten der Industrie. Die jetzige Zolltarifreform steht im Zusammenhang mit der starken Industrialisierung der Bereinigten Staaten. Amerika der- braucht in wachsendem Mäste seine Agrarprodukte im eignen Lande und ist zum Teil bereits auf die Zufuhr von Südamerika angewiesen. Infolgedessen sind die Lebensmittelpreise in Nordamerika stark ge- stiegen, woran die durch den früheren Zolltarif geförderten Trusts für Agrarprodukte einen wesentlichen Anteil hatten. Während die Bedeutung der Landwirtschaft für das amerikanische Wirtschaftsleben relativ zurückgeht, wächst die der nordamerikanischen Industrie rapide. Die Ausfuhr von Jndustrieprodukten ist rascher gestiegen als die von Agrarprodukten. Die völlige Beseitigung der Zölle auf Weizen, Vieh und Fleisch und Zucker, die bedeutenden Zollermästigungen auf Butter, Gemüse, Eier. Käse, Früchte und andere Lebensmittel— wie sie im neuen Tarif vorgesehen sind— entsprechen dieser Wandlung im amerikanischen Wirtschaftsleben. Sie sollen die Lage der Arbeiter erleichtern, ihre zunehmende Unzufriedenheit beseitigen und die Produktionskosten der Unternehmer verringern. Dast diese Ermäßigungen ohne erheblichen Widerstand der Produzenten durchgesetzt werden, erklärt sich natürlich zum Teil daraus, daß Nordamerika für diese Güter ein Hauptproduktionsland ist. So betrug im Jahre 1911 bei Weizen die Einfuhr nur 2 Millionen Mark (gegen eine Ausfuhr von 93 Millionen Mark), bei Mais 0,2 Millionen (Ausfuhr 1K1 Millionen), bei Obst 28 Millionen(Ausfuhr 73 Millionen), bei Mehl 11 Millionen(Ausfuhr 208 Millionen). Trotzdem wäre es falsch, anzunehmen, dast diese Tatsache allein den Widerstand gegen die Zollherabsetzungen zum Verstummen gebracht hätte. Denn bei anderen Gütern, die jetzt zollfrei oder mit geringeren Zöllen eingeführt werden können, überwiegt die Einfuhr die Ausfuhr bei weitem. So importiert Nordamerika für 438 Millionen Mark Zucker(bei einer Ausfuhr von nur 13 Millionen). Die gleiche Absicht, wichtige Konsumarlikel der breiten Masten zu verbilligen, bestimmte auch die Zollermäßi- gungen bei Wollstoffen und Baumwollwaren, Leinenwaren, Seide, GlaS und Porzellan, Papier und Papierwaren. Rohwolle und Woll- abfülle, Flachs und Hanf können sogar zollfrei eingeführt werden. Bei Baumwolle ist die nordamerikanische Einfuhr(mit 104 Millionen Mark) nur gering gegenüber der Ausfuhr von 24ö8 Millionen Mark. Bei Wolle und Seide besteht überhaupt nur eine Einfuhr.(Für 124 beziehungsweise 315 Millionen Mark.) Der billigeren Ver- sorgung der Industrie mit Rohstoffen dient weiter die Zollbeseitigung für Metalle(insbesondere Eisenerze, Roheisen, Rohstahl) und die Zoll- beseitigung auf Metallfabrikate(Halb- und Fertigfabrikate). Da wo die amerikanische Industrie besonders leistungsfähig ist, hat man wiederum überhaupt von jedem Zollschutz abgesehen. So bleibt die Einfuhr von Nähmaschinen, Schuhmaschinen, Setzmaschinen, Registrierlassen zollfrei. In dem Zolltarif drückt sich ein gewistes Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Industrie aus, die auf Zoll- krücken verzichten will, um sich selbst zu stärken und den Konkurrenz- kämpf intensiver aufzunehmen. Auch in den Reden des Präsidenten Wilson zur Zolltarifreform klang der Gedanke wiederholt durch, dast er beabsichtige, den wirtschaftlichen Schwächling de? Schutzes zu berauben und im lebhafteren Wettbewerb um den Weltmarkt die Starken zu kräftigen. Selbst von den Trusts ist der Zolltarif ruhiger aufgenommen worden, als man erwartet hatte. Der New Aorker Korrespondent der»Franks. Ztg." berichtet z. B.: j Befürchtungen scheinen eigentlich nur diejenigen Klein- fabrikanten zu haben, die sich während ihrer ganzen Existenz der- art auf die Krücken stützten, die ihnen der Tarif darbot, dast sie das Gehen verlernten, und die im Vertrauen auf die Fortdauer ihrer Riesengewinne die Modernisierung ihrer Anlagen oder die Einführung von BetriebSverbesterungen unterließen. Die Großfabrikanten urteilen durchaus optimistisch. So erklärte Präsident Greene von der Baumwollfabrikantenvereinigung, diese Branche scheue die ausländische Konkurrenz durchaus nicht. Auch Präsident Wood Berseleien. Die Akustik des Saales ist ausgezeichnet zu nennen, so zwar, dast die Aufwendung stärkster Lungenregister gar zu leicht als—»Geräusch empfunden" wird. Stimmathleten werden also künftighin weise Mäßigung zu brauchen haben. Zur Ver- anstaltung von Kammerkonzerten eignet sich der warmtönig dekorierte Raum ausnehmend. ek, Humor und Satire. Die 0oltz-0cfcUen. Festzugszene. BefreiungSrausch, umtost von Nebel! Die Väter leiden schlimm Gewalt: Hoch schwingt man ihre Freiheitssäbel Und senkt sie tief— vor Theobald. Die Kombattanten- Und feiert man den großen Kampf mit Bieren und mit Würsten, so dürfen dabei fehlen nicht die Enkel deutscher Fürsten. Sie feiern alle feste mit, sie dürfen froh sich preisen: »Und wir, wir waren auch dabei und können eS beweisen. Ja, unsre Ahnen waren da, als alles Volk erwachte: teils hinten hinterm hintern Heer und teils bei Bonaparte." Notizen. — Neu« Denkmäler für Berlin. Vor dem Aula- gebäude der Berliner Universität, der alten Kgl. Bibliothek, sollen die Standbilder von Fichte und S a v i g n y ihren Platz erhalten. Hugo Lederer hat den Austrag bekommen, die Denkmäler zu schaffen, und hofft, die Modelle in diesem Winter serligslellen zu können. — Ein Literatur wissenschaftliches Seniinar wird an der Universität in K i e l als staatliche Einrichtung mit Beginn des Wintersemesters eröffnet werden. Mit seiner Direktion ist Prof. Eugen Wolff betraut worden. Damit ist an einer preußischen Universität zum ersten Male der Literaturgeschichte ein selbständiges Institut eingeräumt und zugleich zum ersten Male auch die Theaterwissenschaft in den amtlichen Lehrbetrieb auf- genommen. An der totalen Unfruchtbarkeit unserer offiziellen Literatur- Wissenschaft wird freilich das neue Institut nichts ändern. — Büchner in Zürich.„Dantons Tod" wurde auf dem Züricher Sradttheatcr packend und mit entschiedenem Erfolge auf- geführt. Es geht also! — Zwei Milliarden für Reklame. In einein Vor- trage, den der Präsident der Britischen Gesellschaft für Reklame iir Birmingham hielt, stellte er fest, dast jährlich zwei Milliarden Mark in England für Reklame ausgegeben werden und daß mehr als 100 000 Personen durch die Reklame unmittelbar ihr Brot ver- dienen. Und doch fei die ganze Kunst der Reklame noch in den Kinderschuhen.(Das kann demnach noch hübsch werden.) vom Wolltrust meinte, die amerikanische Tatkraft sei begierig, sich mit dem Ausland zu messen. Diese Zuversicht schimmert auch in den Kommentaren der Hauptorgane der Textilbranche durch, deren Vertreter bekanntlich, solange noch Aussicht war. den Kongreß umzustimmen, ihren Ruin prophezeiten. Auch die Schwerindustrie scheint sich nicht bedroht zu fühlen. Nur an der atlantischen Küste dürfte Europa einige Konkurrenz in Stahlbarren und anderen Produkten machen, aber auch nur in engen Preisgrenzen. Iran Age erklärt, die amerikanischen Werke würden schwerlich viel zu leiden haben. Meines ErachtenS könnten auch hier nur die kleinen Werke in Mitleidenschaft gezogen werden, die nicht die Belriebseinrichtungen haben, wie sie dem Stahltrust zur Verfügung stehen. Der Chef des Stahltrustes. Herr Gary, wollte mir gegenüber noch nicht über die voraussichllichen Wirkungen spreckien.... Jedenfalls hat der Stahltrust keine Furcht, da er immerfort neue Werke plant." Sucht man den weiteren Motiven für die Annahme des Zolltarif- gesetzeS nachzugehen, so läßt sich die Bedeutung der Eröffnung des Panamakanals nicht übersehen. Der Panamakanal verkürzt für Nordamerika den Weg nach Südamerika und Ostasien— den Hauptexportgebieten der Union— um ein so großes Stück, dast die Vereinigten Staaten daraus eine besondere Steigerung ihres Ab- satzeS erwarten. Um diesen Ansprüchen gewachsen zu sein und die Produktion besonder? anzuregen, erleichtert Nordamerika den Bezug von Rohstoffen. Durch den kürzeren Frachtenweg und billigere Produktionskosten hofft Nordamerika seinen Konkurrenten in Süd- amerika und Ostasten wirksam entgegentreten zu können. Es verdient in diesem Zusammenbang hervorgehoben zu werden, dast die Vereinigten Staaten zurzeit noch nicht die Hauptlieferanten Südamerikas sind. Von dem Gesamtexport nach Südamerika in Höhe von 893 Millionen Dollar lieferte England 29,3 Proz., Deutschland 18,5 Proz., Nordamerika 14,5 Proz., Frankreich 8,9 Proz. Die Vereinigten Staaten stehen demnach als Lieferanten Süd- amerikas erst an dritter Stelle. Die wirtschaftliche Bindung Süd- amerikaS an die Vereinigten Staaten ist also noch ein Ziel, zu dessen Verwirklichung es großer Anstrengungen der amerikanischen Industrie bedarf. Auch bei der Ausfuhr Südamerikas nach anderen Staaten stehen die Vereinigten Staaten noch nicht an erster Stelle. Der Anteil Englands mit 25 Proz. ist höher als der Nordamerikas mit 20,5 Proz. Allerding« folgt hier Deutschland erst an dritter Stelle mit 15 Proz. und dann wiederum Frankreich mit 10,4 Proz. Der neue Zolltarif mit seinen niedrigeren Sätzen wird gewiß den Anteil der Vereinigten Staaten zu Ungunsten der übrigen Länder beeinflussen. Bei dem wachsenden Bedarf Nord- amerikaS z. B. an Vieh und Fleisch wird Amerika die englische Einfuhr reduzieren können. Neben Südamerika wird auch Kanada durch den neuen Zoll- tarif in engere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten treten. Noch vor einem Jahre lehnte Kanada den Abschluß eines Handels- Vertrages mit den Vereinigten Staaten ab, weil die Union durch ihre Getreidezölle die Ausfuhr kanadischer Agrarprodukte nach der Union hinderte. Jetzt ist einem solchen Vertrage der Weg geebnet. Welche Rückwirkung die Zolltarifreform auf die europäischen Staaten haben wird, läßt sich zur Zeit schwer absehen. Gewiß wird eine Belebung des Exports nach Nordamerika eintreten. Deutsch- l a n d führte im Jahre 1912 für rund 700 Millionen Mark Waren in die Union ein. Beteiligt find daran hauptsächlich chemische Pro« dufte, Textilwaren, Spielzeug. Häute, Felle und Lederwaren. Por- zellan, Maschinenteile. Da alle diese Warengruppen an den Zoll- ermäßigungen beteiligt sind, ist eine Steigerung der Ausfuhr zu erwarten. Andererseits ist zu berücksichtigen, dast die Union durch die Zolltarifreform und den Panamakanal ein gefährlicherer Konkurrent Deutschlands auf dem Weltmarkt werden wird. Natürlich ist eine absolute Ver- drängung nicht zu erwarten. Aber vielleicht wird der Anteil Deutsch- landS an der Steigerung des Welthandels durck die nordamerikanische Konkurrenz zurückgedrängt werden. Um so notwendiger wäre eS, daß Deutschland bei der bevorstehenden Erneuerung der Zolltarife seinerseits sich zu Zollermäßigungen entschlösse, um so den.Schlag" durch eine Verbilligung der Produktionskosten der heimischen In- dustrien zu parieren. Dann würde die amerikanische Reform, deren prinzipielle Bedeutung in unserer Zeit des Hoch- schutzzolls auf der ganzen Welt nicht unterschätzt werden darf, auch von praktischem Werte für Deutschland werden. DaS übersehen schließlich auch unsere Großindustriellen nicht— wie mehrere Aeusterungen beweisen—, daß die amerikanische Reform ein Konkurrenzmanöver ist, daS sich vornehmlich gegen England und Deutschland richtet; gegen England, da» seit langem keine Zölle auf Lebensmittel und Rohstoffe kennt, und gegen Deutschland, dessen Konkurrenz in Ostasien und Südamerika es durch die Waffe der billigeren Preise zurückdrängen will. Hirn Induftrie und ftandcl. Jahresabschluß der A. E. G. Nach einem borläufigen Bericht erzielte die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft im Geschäftsjahre vom 1. Juli 1912 bis 30. Juni 1913 einen Gewinn von 28 904 483 M.(gegen 24 387 Millionen Mark im Vorjahre). Tie Gewinnsteigerung betrug also 4sh Millionen Mark. Auf das Aktienkapital von 155 Millionen Mark(im Vorjahre betrug eS 130 Millionen Mark) sollen wie im Vorjahr« 14 Prozent Dividende gezahlt werden. Außer den nach den bisherigen Gepflogenheiten bemessenen Abschreibungen sollen 1 Million Mark dem Rückstellungskonto zugeführt, 1 500 000 Mark für die Wehrsteuer reserviert, 1 Million Mark im Hinblick auf Neubauten als Sonderabschreibung für Gebäude verwendet werden. Das Bankguthaben beträgt rund 77 Millionen Mark. Sowohl die Umsätze als auch besonders die vorliegenden Aufträge weisen nach Angabe der Verwaltung im neuen Geschäftsjahre eine Steigerung auf._ Die Hapag in Stettin. Die Hamburg-Amerika-Linie erweitert seit einiger Zeit in rascher Folge den Umfang ihrer Tätigkeit. Seitdem sie in Konflikt mit dem Norddeutschen Lloyd steht, drängt sie sich auch in die Routen, die bisher dem Lloyd und dessen befreundeten Linien vor- behalten waren. Jetzt kommt die Meldung von einer neuen Er- Weiterung, die für Berlin besondere Bedeutung hat: Zu Beginn des nächsten Jahres wird unter Mitwirkung der Hamburg-Amerika- Linie nach dem Muster der Emdener Verkehrsgesellschaft eine solche für den Hasen von Stettin gegründet. Diese Gründung steht in Verbindung mit der EntWickelung, welche Stettin nach der im nächsten Jahre bevorstehenden Eröffnung des Großschiffahrt s- weges Berlin-Stettin nehmen wird. Die neue Stettiner Verkehrsgcsellschaft wird als erste Aufgabe die von der Hamburg- Amcrika-Linie eingerichtete neue Linie nach Australien zu leiten haben. Um der befreundeten Deutsch-Australischen-Linie in Hain- bürg möglichst geringen Abbruch zu tun, hat die Hamburg-Amerika- Linie diese Erweiterung ihres Verkehrs nicht von Hamburg ihren Ausgang nehmen lassen. Die Schisse werden von Stettin über Emden nach Antwerpen geleitet. Mit der Deutsch-Australischen Linie ist außerdem vereinbart, daß diese Gesellschaft für die ihr durch die neue Unternehmung der Hamburg-Amerika-Linie etwa entstehenden Nachteile angemessen« Kompensationen in einer Teil- nähme am Verkehr nach Ostasien erhallen soll.— Die Hapag versichert schließlich ironisch, daß es sich bei Errichtung dieser neuen Verbindung nicht um eine Kampfmaßnahme gegen den Bremer Lloyd bandele. Bielmehr werde nur eine lange vorberellete Ge» schäftsverbindung in die Wege geleitet, wie ja auch der Lloyd bei dem vor einigen Monaten erfolgten Eindringen in die New Dorker Routen nur von einer lange vorbereiteten Geschästserweiterung ge- sprochen habe. Rückgang der Kohlenförderung. Im Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat find Produktion und Absatz im September d. I. weller zurück- gegangen. Die Gesamtförderung sank gegen den August von 8,07 auf'8,50 Millionen Tonnen. Die Produktion pro Arbeitstag fiel von 333 500 auf 229 300 Tonneit. Ebenso zeigte der Versand von Kohlen, Koks und Briketts eine Abnahme gegen den August. Bei Koks ist der arbeitstägliche Versand sogar geringer als im September 1912, während die Ziffern für Kohle und Briketts eine geringe Steigerung gegen den Vorjahrsmonat zeigen. Das Kohlensyndikat bemerkt selbst zu diesen Zahlen: Die Be- einträchtigung des Absatzes durch die rückläufig« Bewegung in der gewerklichen Beschäftigung hat sich im BerichtSmonat weiterhin verschärst. Der ShndikatSabsatz in Kohlen hat arbeitS- täglich gegen den Vormonat um 1,99 Proz. abgenommen, das Er- gebnis im September 1912 aber noch um 5,34 Proz. überschritten, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß der Absatz im Vergleichs- monat des Vorjahres durch Wagenmangel erhebliche Ausfälle er- litten hatte, während im Berichtsmonat der Wagenbedarf in vollem Umfange befriedigt worden ist. Der Koksabsatz hielt sich auf der vormonatigen Höhe, da die Ausfälle, welche der Absatz in Hochofen- koks infolge des fortgesetzten schwächeren Abrufes der Hochofen- werke erlitten hat, durch Zunahme des Absatzes in den separierten Sorten ausgeglichen wurden. Der Brikettabsatz bewegte sich gleichfalls im Rahmen des Vormonats, gegen den sich ein Minder- absatz von nur 1,47 Proz. ergibt. Mit Rückficht auf die Konjunkturabschwächung wurde die Ein- schräukung der Produktion für Kohlen von 5 auf 12)4 Proz. der Beteiligungsziffer erhöht. Die Werke dürfen im November statt 95 nur 87% Proz. ihrer Beteiligung fördern. Verlängerung des Siegerländer EisensteinvcrkaufSvereinS. Auf der Versammlung des Siegerländer EisensteinverkausSvercinS wurde einstimmig der Beschlutz gefaßt, den Bestand des Vereins auf weiter« fünf Jahre bis zum 1. Juli 1919 zu verlängern.— Ueber die Marktlage wurde mitgeteilt: Auf dem Eisenmarll ist eine weitere Wschwächung zu verzeichnen, so daß auch der Roheisenpreis um 3 Mark ermäßigt werden mußte. Die Forderung stieg vom August zum September von 200 800 auf 202 250 Tonnen, der Ver- fand fiel dagegen von 200 100 auf 198 700 Tonnen. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Die Orts-, Betriebs- und Jnnungskassen im Stadt- und Land- kreis Düsseldorf ersuchten gemeinsam im Frühjahr d. I. die Düsse!» dorfer Aerzteorganisation um Mitteilung ihrer in Aussicht gestellten Forderungen. Die Aerzte lehnten das ab, da nach der bekannten Leipziger Parole die Ende d. I. ablaufenden Verträge erst kurz vor Jahresschluß gekündigt werden sollten. Weiter wurde den Kassen bekannt, daß die Düsseldorfer Aerzte bei der Vertrags- kündigung dann die bekannten unerfüllbaren Forderungen 5eS Leipziger Venbandes stellen würden, die den Ruin der Kassen be- deuten. Die Kassen hatten keine Lust, sich kurz vor Vertragsablauf überrumpeln zu lassen und beschlossen die Anstellung beamteter Aerzte bei 8000 M. garantiertem Jahreseinkommen. Die De- Werbungen gingen so zahlreich ein, daß die Kassen ihren Bedarf reichlich decken und auch noch ein« Auswahl hatten vornehmen können. Da zeigte sich plötzlich die Düsseldorfer Aerzteorgani- sation zum Verhandeln bereit. Die vereinigten Kassen beschlossen mit Stimmenmehrheit, erst dann zur Anstellung beamteter Aerzte überzugehen, wenn das Vcrhandlungsangebot der Aerzte zu keiner Einigung führen sollte. ES fanden nun in der Düsseldorfer Handelskammer unter Vor» sitz ihres Sekretärs langwierige Verhandlungen zwischen den Kassen und den Aerzten statt. Die Kassen lehnten die LeGziger Aerzte- vettbands-Forderungen entschieden ab, so daß die Aerzte diese schließlich fallen lassen mutzten und nunmehr eine Erhöhung der Pauschalsätze um 35 Proz. bei den Ortskassen und um 40 Proz. bei den Betriebsiaffen forderten. Das mußten die Kassen bei den für Düsseldorf ohnehin hohen Pauschalsätzen— gegenwärtig betragen sie bei den OrtSkasscn 5,40 M., bei den Betriebskassen bis zu 7,50 Mark— ebenfalls ablehnen. Es wurde dann gefeilscht bis herab auf 20 Proz. und 15 Proz. Erhöhung der Pauschalsätze. Da ein« Einigung nicht zu erzielen war, wurden die Verhandlungen abg«, krochen. Der Haudelskammersekretär machte neue Einigungsver- suche, und endlich einigten sich Kassen und Aerzte auf einen fünf. lährigen Bertrag, der für die ersten drei Jahre eine Erhöhung der jetzigen Pauschale um 15 Proz. und für die letzten beiden Vertrags- jähre eine Erhöhung um weitere 5 Proz. vorsieht. Soweit die OrtSkasse, die etwa 45 000 Mitglieder zählt, in Frage kommt, erhöht sich die Pauschale ab 1. Januar 1914 auf 0,28 Mark und ab I. Januar 1917 aus 0,55 M. Die Kasse erfährt dadurch eine Mehrbelastung von sofort 35 000 M. Soweit einzelne Kassen Familienversicherung haben, zahlen die Kassen den Aerzten eine Erhöhung der Pauschale um 10 Proz. Insgesamt wird die Belastung der Düsseldorfer Krankenkassen durch den neuen Aerztevertrag etwa 100 000 M. betragen. Au» oem Gewerbegericht. Kammer 0. Vorsitzender: Dr. Löwenstein. 1. Bedingung nach Vcrtragsschluh. Eine Wirtschafterin klagte gegen den Kaufmann Peschkeu auf Zahlung von 334 M. Mit der Klägerin war ein Vertrag abgeschlossen worden, wonach sie vom 1. September ab in dem neuzueroffnenden Restaurant de? Beklagten bei freier Kost, freier Wohnung und 35 M. Barlohn als Wirtschafterin tätig sein sollte. Kündigung sollte sechswöchentlich sein und am Ouartalsersten erfolgen. Klägerin hat auch die zur Verfügung gestellte Wohnung bezogen. Erst dann ließ ch? der Be» klagte sagen: der Vertrag soll erst in Kraft treten, w-?nn die Kon» zession erteilt sei. Darauf ging jedoch die Klägerin nicht ein, son- der» klagte ihre Forderung bis Ende Dezember ein. Das Gericht vertrat mit Recht den Standpunkt, daß sich die Klägerin nicht auf die nachträgliche Vertragsänderung einzulassen braucht«. Der volle Klageanspruch könne ihr jedoch nicht zugebilligt werden, da es ihr wohl möglich sein werde, ein« andere Stellung zu finden, und schlug einen Vergleich in Höhe von 175 M. vor. der vom Beklagten unter Vorbehalt des Widerrufs eingegangen wurde. 2. Reisegeld. Eine Tänzerin klagte gegen den Zirkus Schumann auf Zahlung von 25 M. Reisegeld und 3,00 M. Kursdifferenz. Die Klägerin hatte sich vertraglich verpflichtet, auch im Aus- lande tätig zu sein, wenn der Zirkus dort gastiert, wohingegen letzterer für freie Rückbeförderung des Personals sowohl als auch des Gepäcks Sorge zu tragen hatte. Während eines Gastspiels in Scheveningen war der Klägerin zum 10. September gekündigt und ihr gesagt worden, daß sie den Extrazug des Unternehmens zur Rückreise nicht benutzen dürfe. Dieser Extrazug fuhr am 14. Sep- tember, also noch während der Vertragsdauer, zurück. Die Klagen» fordert« deswegen bei ihrer Entlohnung am 14. September da« Reisegelb nach Berlin und klagte, weil tS ihr verweigert wurde. Außerdem verlangt sie eine Kursdifferenz, weil ihr das Gehalt in holländischer Währung gezahlt und dabei der Ziominalwert zugrunde gelegt wurde, wodurch ihr ein Verlust von 3,60 M. entstand. DaS Gericht war einmütig der Ansicht, datz das Reisegeld ge- zahlt werden müßte, da der Bertrag noch nicht abgelaufen gewesen sei. Es kam zu einem Vergleich in Höhe von 27 M. 3. Einseitige Vertragsaufhebung. Ein Küchenchef'tagte gegen den Restaurateur Markthaler wegen ungerechtfertigter Entlassung auf 116 M. Lohn und Kostentschädi- gung. Der Frau des Beklagten waren einige kostbare Ringe abhanden gekommen. Da nach Ansicht deS Beklagten nur das Küchenpersonal Zutritt zu den Räumen hatte, sei ein Verdacht auf dieses gefallen, und er habe dementsprechend die Kriminalpolizei informiert. Darauf wurde der Kläger einer Untersuchung unterzogen. Er kam begreiflicherweise erregt nach dem Geschäft. Als ihm dann noch aufgetragen wurde, von ausgekochtem Fleisch Beefsteak für die An- gesrellten zurechtzumachen, weigerte er sich, dies zu tun. Die Frau des Beklagten soll ihn dann, während sie das Essen für das Per- sonal bereitete, schlecht behandelt haben. Er verließ deshalb die Arbeitsstelle. Am andern Morgen wurde er nicht mehr zur Arbeit zugelassen. Das Gericht war der Ansicht, daß die Vorkommnisse dem Kläger kein Recht gaben, die Arbeit sofort zu verlassen. Darauf wurde die Klage zurückgezogen. Die Ansicht des Gerichts mag zutreffen. Aber daS unberech- tigte Verlassen der Arbeil berechtigte noch nicht zur Entlassung. Eine solche darf nach 8 123 Ziffer 3 Gehilfen gegenüber erst dann — das folgt aus der Fassung„unbefugt verlassen oder sonst... beharrlich verweigern"— erfolgen, wenn sie beharrlich ablehnen, ihre Pflicht zu tun. Diese Vorschrift findet nach§ 133 Ziffer 3 sinngemäß auch auf den Küchenchef Anwendung, allerdings fehlt im K 133 daS Wörtchen„sonst". Unter den obwaltenden Umständen war aber in dem Verlassen des Dienstes kein„unbefugtes" im Sinne dieser Vorschriften zu erblicken. Vom Unfallschutz in der Textilindustrie. Der Bericht der Rhein.-Westf. Textilberufsge:wssenschaft be- schäftigt sich in längeren Ausführungen mit dem Unfallschutz und dem Verhalten der weiblichen Arbeitskräfte. Es heißt oort: „Die Beschäftigung weiblicher Arbeiter an gefährlichen Maschinen ist in der Textilindustrie kaum zu verhindern." Die frommen Unternehnier des Rheinlandes und Westfalens werden diesen PassuS im Bericht mit Behagen gelesen haben. Der Bericht fährt dann fort:„Die in technischer Beziehung noch so vollkommen unfallgesicherten Maschinen, Spinnmaschinen aller Art, Scher. 'Maschinen, Zentrifugen u. dgl. sind gefährliche Maschinen, sobald an ihnen verbotswidrig hantiert wird, insbesondere für weibliche Arbeiter, die beim Putzen in bewegte Maschinenteile mit den Kleidern, Fingern oder Haaren geraten. Das Verhalten der Ver- sicherten gegen die Schutzmaßnahmen läßt sehr zu wünschen übrig. ES sei besonders erivähnt eigenmächtiges Beseitigen oder Un» brauchbarmachen von Schutzeinrichtungen, verbotswidriges Putzen an laufenden Maschinen, unter Zuhilfenahme von Putzwolle oder Putztüchern."...„Sogar in Musterbetrieben wurden Weber an- getroffen, die die Schützenfänger an den Laden ihrer Webstühle festgebunden oder festgeklemmt hatten, derart, daß Nachbarweber, feie ihre Schützenfänger ordnungsmäßig benutzten, gefährdet waren. Das Verantwortlichkeitsgefühl solcher Weber gegen ihre Mit- arbeiter müsse gestärkt werden. Es sind nicht immer junge Ar» beiter, oft die ältesten im Betriebe, welche derart ein schlechtes Bei» spiel geben." Ein verbotswidriger Verstoß von Arbeitern gegen Schutzvor» schriften ist selbstverständlich nicht zu billigen. Aber eS ist durchaus falsch und pharisäisch, den Arbeitern allein die Schuld an den vorgekommenen Unglücksfällen beizumessen. Die Hauptschuld trifft in mindestens der meisten auch solcher Fälle den Unter- nehmer. Seine Berufspflicht ist es, den Betrieb und insbesondere die Benutzung der Schutzeinrichtungen zu überwachen. Häufig ist daL Akkordlohnsystem und das Verlangen in der Textilindustrie, daß daS Putzen der Maschinen unentgeltlich geschehe, schuld an einer durch die Arbeitshast hervorgerufenen bedauerlichen Unacht- famkeit der Arbeiter. Noch viel häufiger ist eine Geevöhnung an die Gefahr und der Mangel an Schulung über das Ineinander- greifen der Maschinenteile schuld an Unglücksfällen. Eine große Reihe von Fällen finden, wie der Bericht zutreffend hervorhebt, dadurch statt, daß die Röcke oder Haare der Arbeiterinnen von den Maschinen erfaßt werden. Hiergegen ist ganz besondere Aussicht des Inhabers der Fabrik und seiner Meister dringend erforderlich. Mit Recht hat der Deutsche Kaiser in einer Rede, die er am 11. November 1890 im Preußischen Landesötonoinickollegium hielt, darauf hingewiesen, daß insbesondere bei Göpelmaschinen ähnliche Unglücksfälle wie die im Bericht der TextilberufSgenossenschaft ge- schilderten häufig vorkommen. Schuld sei eine gewisse Gleich- gültigkcit de? Besitzers oder Betriebsleiters gegen das Leben der von ihnen beschäftigten Arbeiterinnen und auch eine Gleichgültig- keit der Arbeiterinnen selbst. Diese letzte sei erklärlich, unver- zeihlich aber die der Besitzer oder ihrer Leiter. Er werde deshalb nicht mehr so leicht wie früher Begnadigungen der Besitzer ein- treten lassen, die wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung bestraft sind.„Die Hauptsache ist, beim landwirtschaftlichen Maschinenbetrieb auf eine gehörige Beaufsichtigung der Arbeiter durch die Arbeitgeber hinzuwirken." Diese Ansicht des Deutschen Kaisers entspricht durchaus unserer Auffassung. Gewiß sollen auch die Arbeiterinnen auf Jnnehaltung der Schutzvorschriften in ihrem und ihrer Mitarbeiter Interesse achten. Aber die Hetzarbeit, die Aikordlöhnung, die Niedrigkeit der Löhne, teilweise Mangel an Kenntnis der Maschinentechnik, nicht zuletzt die ständige Ge- wöhnung an die Gefahr machen ein Außerachtlassen von Schutz. Vorschriften begreiflich. Um so notwendiger ist eine Aufsicht. Hierauf legt der Bericht der Berufsgenossenschaft viel zu wenig Gewicht. Rühmend wird mit Recht hervorgehoben, daß ein Groß- fabrikant seine Meister ins Privatkontor rufen ließ und sie„ver- ontwortlich für etwaige Folgen eines Unfalls gemacht habe". Das beseitigt natürlich die eigene Verantwortlichkeit des Großkauf- manns nicht. Würde in halbwegs so schroffer Weise wie gegen Chauffeure wegen jedes Unglücksfalles in einer Textilfabrik straf- rechtlich gegen Inhaber und Meister vorgegangeck werden, weil Lohnart oder Lohntarife oder Mangel an Aussicht oder an Vor- schriften gegen fliegende Kleider und Haare den Unfall mitver- schuldet haben, so würde bald eine Senkung der ungeheuer großen Zahl von Unfällen herbeigeführt werden. HauSagrarieranmaßung. Gclegenilich der Tagung eines Verbandes von Baugenossen- fchaften in Dortmund bemerkte der Bürgermeister Dr. Köttgen u. a.. Die Verbesserung der Wohnungsverhältmsse sei ernstliches Bestreben der städtischen Verwaltung. Er wandte sich dabei aber gegen die hervorgetretene Absicht— im preußischen WohnungSgesetz- entwurs—, die Selbstverwaltung der Sädte noch weiter zu schmä- lern. Darob ist das Organ des Verbandes Rheinisch-Wcstfälischer Hau», und Grundbesitzervereine, die sogenannte„Rheinisch-West- sälische Bürgerzeitung", furchtbar erbost. Nach der Auffassung deS Blattes gibt es für den Staat nur eine wichtige Aufgabe, nämlich die, den HauZagrariern recht fette und gesicherte Pfründen zu verschaffen. Um die Wohnungsverhältmsse hat sich die Stadtverwal- haben mit der Wohnung nichts zu tun, und wichtiger als das Selbstverwaltungsrecht ist das Wohlergehen der Hausbesitzer und Grundstücksspekulanten. In dem Dokument hausagrarischer Un- Verschämtheit heißt es: .„Merkwürdig I Für die städtische Verwaltung soll nichts so wichtig wie die Verbesserung der Wohnnngsverhältnissc sein... Die WohnungSvcrhältnisse gehen die städtische Verwaltung gar nichts an; denn nie und nimmer hat sie die Verpflichtung, für gute Wohnungsverhältnisie zu sorgen, weil jeder das Recht bat, sich eine Wohnung zu suchen, wie sie ihm passend erscheint.. Da- mit entfällt für die städtische Verwaltung die Pflicht, sich um die Wohnungsverhältnisse zu kümmern. � Das ist, soweit es nach außen bemerkbare Einflüsse betrifft, lediglich Sache der Polizei, die aber ihrerseits wieder nichts in den Wohnungen zu suchen hat, wenn sie nicht ausdrücklich vom Richter dazu beauftragt ist. Es ist bedauerlich, daß man das dem Chef einer städtischen Vcrwal- tung erst klarmachen muß. Säuglings- und Jugendpflege haben mit der Wohnung gar nichts zu tun; denn letztere kann tadellos sein, während die Säuglinge und die Jugend die größte Not leiden, und umgekehrt. Es wäre geradezu traurig, wenn die Zukunft unseres Landes und Volkes von dem Zustande der Wohnungen abhinge, in denen die große Masse der Bevölkerung räglich nur wenige Stunden, selten mehr als sechs bis sieben, sich aufhält. Ein körperlich und geistig gesundes Geschlecht wird durch Erziehung geschaffen, nicht durch die vier Wände der Wohnung. Das Bedauerlichste aber ist, daß ein Gemeindevorstand den preußischen Wohnungsgesetzentwurf nur deshalb nicht gutheißt, weil dieser die städtische„Selbstverwaltung" durch„staatliche Polizeiaufsicht" ersetzen und lähmen will. Also lediglich dieses äußeren Grundes Halver, lediglich wegen der Aufrechterhaltung des kommunalen Selbstverivaltungsrechts sollen die Gemeinden den Wohnungsgesetzentwurf bekämpfen; seine innere Beschaffen- heit, die großen Schädigungen der Bevölkerung, insbesondere des Hmus- und Grundbesitzes, der doch Hauptsteuerzahler der Städte ist, sind dem Herrn Bürgermeister gleichgültig. Und das nennt man dann einen„gerechten Ausgleich der Interessen"? Wahrlich, wir haben es weit gebracht in der Verdrehung de» öffentlichen Rechtes!" Die Auslassung ist typisch für die Auffassung und Anmaßung der Hausagrarier und Grundstücksspekulanten. Diese aber haben in den Gemeinden, dank deS Hausbesitzerprivilegs, fast überall die Herrschast. Ohne Sozialdemokratie ist daher jede Reform aus- geschlossen.____ ÖemhtB- Zeitung« Die Breslaucr Sittlichkeitsaffäre vor Gericht. Breslau, 20. Oktober.(Telegraphischer Bericht.) Unter ungewöhnlich starkem Andrang des Publikums begann heute morgen vor dem Landgericht der Stadt der Jahrhundertfeier die Verhandlung gegen einen Teil der 36 in der Breslauer Sittenaffäre Angeschuldigten. Es sind 10 Personen auS den verschiedensten Berufsständen angeklagt, darunter der Geschäfts- führer eines Breslauer Varietös, ein Bürstenfabrikant, ein Schlosser, ein Schneider, ein Versicherungsbeamter, zwei Kauf- leute und auch der Direktor einer Berliner Handelsgesellschaft für Bauartikcl ist unter den Angeklagten. Einige der An- geschuldigten sind bereits wegen Sittlichkeitsvergehen mit Ge- fängnis vorbestraft. Die Verhandlung leitet Landgerichts- direktor Mundry. die Anklage vertritt Staatsanwalt«sehmisch, unter den Verteidigern sind auch die Rechtsanwälte Justizrat Dr. Mamroth und Rabinowitsch. Der Verhandlung wohnen der Landgerichtspräsidcnt und der Erste Staatsanwalt bei. Der Eröffnungsbcschluß legt den Angeklagten Verbrechen aus § 176,3(Geschlechtsverkehr mit weiblichen Personen unter 14 I a h r e n) zur Last. Das Hauptinteresse der Anwesenden richtet sich bei dem Zeugenaufruf auf die beiden in Frage kommenden Mädchen, die von einer Fürsorgeschwcster vorgeführt und begleitet werden. Die eine, Emma Seidel, ist ein kleines, aber für ihr Alter gut entwickeltes Mädchen von beschränktem Aussehen, mit rundem, aufgedunsenem Gesicht. Das andere der beiden in die Anklage verwickelten Mädchen, die 15jährige Klara Fröhlich, hat im Gegensatz zu ihrer jüngeren Freundin ein nicht unschönes Gesicht, dem man nicht anmerkt, daß dieses kaum der Schule entwachsene Mädchen sich bereits seit drei Jahren der Prostitution ergeben hat; sie ist körperlich sehr entwickelt und sieht viel älter aus als sie ist. Sofort nach der Verlesung des Eröffnungsbcschlusses wurde dic Oeffentlichkeit und damit auch die Presse für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Der Vorsitzende erklärte jedoch, bei der Urteilsbegründung, die in öffentlicher Sitzung gegeben werden soll, den Sachverhalt ausführlich klarlegen zu wollen. Das Urteil lautete gegen den Variet�geschäftsführer Goldschmidt auf dreiJah reGefängnis, Schlosser Menzel 1 Jahr Gefängnis, Schneider Kunz 3 Monate Gefängnis, Bürstenfabrikaiit W i e r tz k i 6 Monate Gefängnis. Inhaber eines Berliner Bau- artikelgeschäfts Binder 7 Monate Gefängnis, Ver- sscherungsbeamter Grolmus 6 Monate Gefängnis, Kaufmann Koslewski 6 Monate Gefängnis, der Zahnarzt Schindler sowie der Schriftsteller W i e d e- mann wurden freigesprochen. Die Begründung des Urteils, die ja nach den Ver- sprechungen des Vorsitzenden auf die einzelnen Straftaten eingehen sollte, ging uns noch nicht zu. Wir werden in unserer nächsten Nummer darauf zurückkommen. Mordversuch gegen die Ehefrau. Wegen eins Mordversuchs gegen seine Ehefrau hatte sich der 28jährige Sattler Robert Pirch vor dein Schwurgericht des Land- gerichts I zu verantworten.— Der Angeklagte hatte schon vor Eingehung der Ehe mit seiner Frau in Beziehungen gestanden, denen ein Kind entsprossen war. Wie er zu mehreren Personen geäußert hatte, versuchte er auf alle möglich« Weise, nach kaum Halbjähriger Ehe. seine Frau zu veranlassen, die Scheidungsklage gegen ihn einzuleiten. Tie bedauernswerte Frau mußte ein wahres Martyrium durchmachen, da sie fast täglich von dem Angeklagten in der rohesten Weise mißhandelt wurde. Schließlich faßte er den Plan, seine Frau zu ermorden, nachdem schon einmal ein Versuch, sie durch heimliches Oeffnen der Gashähne zu töten, durch die Auf- merksamkeit der Frau gescheitert war. In der Nacht zum. 23. Juni dieses JahreL wurde Frau P. durch einen furchtbaren Schmerz in der HalSgegend wach. Sie erkannte sofort die Situation und schrie laut um Hilfe, da sie sah, daß ihr Mann den Versuch gemacht hatte, sie im Schlaf mittels einer Zuckerschnur zu erdrosseln. Nur dem Umstände, daß die Schlinge an dem Kinn hängen geblieben war, verdankte sie ihr Leben, und daß der Angeklagte auf ihre gellenden Hilferufe von ihr abließ und die Flucht ergriff.— Die von Medi- zinalrat Dr. Hoffmann vorgenommen� Untersuchung des P. auf seinen Geisteszustand ergab, daß bei ihm infolge erblicher Belastung eine gewisse geistige Mindcriocrssgkeit vorhanden war.— Den: Wahrspruch der Geschworenen gemäß erkannte das Gericht wegen versuchten Mordes auf 7 Jahre Zuchthaus. Verletzung beim Segeln. Haftet der Wirt für Schäden, die aus mangelhafter Beschaffenheit der Kegelbahn entstanden sind? DaS Reichsgericht hat diese Frage am Freitag bejaht. Der Kaufmann T. in WcißenfelS ist Mitglied eines Kegelklubs, der für Freitagabend die Kegelbahn in der M.fchen Gastwirtschaft gemietet hat. Am 26. August 1910 hat T. auf der Kegelbahn da- durch einen Unfall erlitten, daß er beim Aufsetzen der Kegel aul das Auflegebrett sich einen starken Splitter in den Mittelfinger der rechten Hand gestoßen hat. Er klagt gegen die Gastwirtin M., die Inhaberin der Wirtschaft, und gegen deren Ehemann auf Schaden- ersatz und verlangt eine jährliche Rente von 1200 M. und die Fest- stcllung, daß die Beklagten ihm allen weiter noch aus dem Unfall entstehenden Schaden zu ersetzen haben. Zur Begründung macht er geltend, daß das Auffatzdrett schon seit längerer Zeit in schlechtem Zustande geivesen sei, daß einige Wochen vor dem Unfall(im Juli 1910) sich ein anderer Kegler beim Betreten des Brettes einen starken Spahn zwischen Sohle und Brandsohle seines Stiefels ge- rissen habe und daß die Beklagten trotz Kenntnis dieses Umstandes das Brett nicht erneuert haben.,..... Das Landgericht und das OberlandcSgericht wresen zunächst den Kläger ab, weil derselbe selbst an dem Schaden schuld ist, da er die schlechte Beschaffenheit der Bahn kannte und trotzdem dort spielte und zu tief aufsetzte. Das Reichsgericht hatte diese Ab- Weisung aufgehoben, weil die Verpflichtung deS Gastwirts, für In- standhaltung der Bahn zu sorgen, nicht genügend gewürdigt sei. Runmehr verurteilte das Oberlandesgericht Naumburg die Be- klagten zur Zahlung von drei Fünftel deS Schadens, in Höhe von zwei Fünftel wurde Kläger abgewiesen. Das Urteil ist jetzt vom Reichsgericht bestätigt._ Schutz gegen Schutzleute! Der Maurer Mohr befand sich an einem Abend im Januar d. I. in einer Wirtschaft in Dortmund. Als ihm mitgeteilt wird, daß sein Bruder auf der Straße in eine Schlägerei verwickelt ist, eilt er hinaus. Im Begriff, den Bruder aus dem Handgemenge heraus- zureißen, sieht er einen Schutzmann kommen. Er überläßt darauf die Streitenden ihrem Schicksal und will rasch um die nächste Ecke verschwinden. Er hatte aber die Rechnung ohne den Polizeihund gemacht. Dieser stellte den Mohr an der Ecke und biß ihn in Arme und Beine. Dann kam M.S Bruder hinzu und hinter ihm der Schutzmann, der sofort seine Plempe zog und mit der scharfen Klinge auf die beiden cinhicb. Mohr, ein schmächssger Mann, wurde von dem großen und starken Polizisten so schwer am Kopf und an den Armen verlebt, daß er bewußtlos zusammenbrach. Drei Wochen mußte Mohr infolge der Mißhandlung ärztlich behandelt werden. Auch sein Bruder war erheblich verletzt. Der Maurer wurde, wie- wohl er keine strafbare Handlung begangen hatte, unter Anklage gestellt. Das Schöffengericht verurteilte den Unschuldigen wegen Widerstandes, Bedrohung und Beleidigung— zu zwei Wochen Ge- fängnis und 30 M. Geldstrafe. Er legte Berufung ein. Die Tort- munder Strafkammer sprach ihn nach eingehender Beweisaufnahme frei. Der Schutzmann, der sich seines bissigen Hunde» rühmte, suchte sich mit„Verwechselung der Brüder" und einem.unver- muteten" Angriff herauszureden. Ob man nun den„Schutzmann" zur Rechenschast ziehen wird? Nochmals die Heilmittelankündtgnng. Wir berichteten kürzlich, daß das Kammergericht diejenige Ber- ltner Polizeiverordnung für ungültig erklärt hat, welche, wie viele andere gleichartige Verordnungen, ganz allgemein die öffentliche Ankündigung aller den Apotheken vorbehaltenen Heilmittel, also auch der harmlosesten, verbietet. DaS Kammergericht deutete in dem Urteil schon an, daß dagegen Verordnungen zulässig und gültig sein könnten, die sich auf da» Verbot der Ankündigung ge- fährlicher Mittel und von„Reklamemitteln" beschränkten. DaS Kammcrgericht hat nun jetzt eine Polizeiverordnung deS Regierungspräsidenten zu Danzig vom 20. April 1903 für gültig erachtet, welche eS verbietet, Heilmittel usw. öffentlich anzukündt» gen, denen eine über ihren wahren Wert hinausgehende Wirkung beigelegt wird. Derartige Verordnungen über die Ankündigung von Reklamemitteln fänden ihr« Rechtsftütze im 8 6k de» Polizei- VeüvaltungSgesetzeS in Verbindung mit§ 10, Teil 2. Titel 17 de» Allgemeinen preußischen LandrechtS. In der Sache selber— Aufnahm« einer Ankündigung von Kola-Dultz durch Redakteur Döll in Danzig— kam eS noch nicht zu einer endgültigen Entscheidung. Die zweite Instanz soll nun nachprüfen, ob Kola-Dultz hier ein Reklamemittel war. )Zus aller Welt. LSwenjagd in Leipzig. Eine aufregende Löwenjagd gab es in der Nacht zum Montag in der Blücherstraße in Leipzig. Ein Wagen der elektrischen Straßenbahn fuhr auf einen nach dem Bahnhof fahrenden Tier wagen des Zirkus Barnum auf. Bei dem heftigen Zusammenstoß ging der Transport. wagen in Trümmer und fünf Löwen ent- wichen. Unter dem zahlreichen Publikum entstand begreif- licherweise eine furchtbare Panik. Die Löwen, erregt durch den Zusammenstoß und die Schreckensrufe der Straßen. Passanten, suchten sich in Sicherheit zu bringen. Feuerwehr und Schutzleute nahmen die Verfolgung auf. Ein Löwe sprang durch die Tür des Hotels Blücher, lief die Hoteltreppe hinauf und setzte alles in Schrecken. Ein Gast des Hotels, ein Franzose, der bereits im Schlaf gelegen hatte, hörte an der Tür ein st a r k e s K r a tz e n und sah sich, als er öffnete, dem Löwen gegenüber. Noch schlaf- trunken, hielt er ihn zunächst für ein Kalb, bis er dann zu seinem Schrecken das Raubtier erkannte. Schließlich gelang es, die fünf Bestien zur Strecke zu bringen. Ein Löwe nach dem anderen wurde durch das zahlreiche Schutzmanns- aufgebot niedergeknallt. Einer der Löwen soll nicht weniger als 150 S ch ü s s e erhalten haben. Die Dompteuse, der durch das Unglück ein schwerer Schaden zugefügt ist. warf sich perzweifelt auf ihre toten Lieblinge. Bei der ganzen Treib- jagd scheinen die Könige der Wüste noch größere Angst gehabt zu haben, als das entsetzte Publikum. » Während es in Leipzig schnell gelang, den..Bürger» schreck" zu beseitigen, macht der„B a u er n s ch r e ck" auf der S t u b a l p immer noch die Umgegend unsicher. An GipSabdrücken von Fußspuren der wilden Tiere wurde beim Vergleichen mit Huudespuren aus dem Tierspital im Veterinäramte festgestellt, daß es sich nicht um katzenartige Tiere, sondern um wildernde Bauernhunde handelt. Di« Nachforschungen werden noch fortgesetzt. Zwei schwere Eisenbahnunfälle. Am Sonntagnackinittag entgleiste auf der Strecke Hagen— Dort- mund aus Bahnbof Vorhalle der Eilzug 153 aus bisher unbekannter Ursache. Die Maschine und der Gepäckwagen fielen um, ein Personenwagen grub sich in die Erde. Der Lokomotivführer wurde schwer verletzt in das Krankenbaus gebracht. Der Heizer wurde getötet. Mehrere Reisende und der Zug- führer wurden leicht verletzt.— Ein zweites Unglück trug sich am Montagbormittag in der Nähe des Stadtgartens in Gelsenkirchen zu. Dort stieß auS bisher unbekannter Ursache f der Personenzug Assen—«elsenkir�en mit einem Güter. zuge zusammen und kam zur Entgleisung. Ein Reisender wurde schwer, vier leicht verletzt. Der L o k o m o t i v» führ er des Personenzuges erlitt ebenfalls leichte Verletzungen. Ein vierfacher Mord. Alle Mailänder Blätter bringen spaltenlange Meldungen über ein furchtbares Verbrechen, welches in R o v a t o bei Brescia be- gangen wurde. Der in seiner Jugend zu 23 Jahren Gefängnis verurteilte Giuseppe Basetti hatte während seiner Gefängnis- zeit seiner Familie, die ihn von Zeit zu Zeit immer mehr ver- nachlässigte und schließlich gar nicht mehr achtete, Rache geschworen. Als er bereits vor einiger Zeit einmal aus dem Gefängnis ent- lassen wurde, drohte er, seinen Vater ermorden zu wollen. Darauf- hin wurde er von neuem verhaftet und wieder verurteilt. Als er nun abermals in Freiheit gesetzt worden war, suchte er zu- nächst bei seinem Schwager Unterkunft und verschaffte sich später einen Revolver. In der Nacht verließ er heimlich das Haus seines Schwagers und schlich sich nach dem elterlichen Hause. Sein Schwager, der das heimliche Entfernen Basettis beobachtet hatte, rief sofort einige Leute zusammen, um mit ihnen nach dem Hause der Eltern Basettis zu eilen und ein Verbrechen zu verhindern. Leider kamen die Leute zu spät an. Die Tat war bereits ge- schehen und das Elternhaus Basettis stand in hellen Flammen. Der Mörder hatte sich in einer Ecke versteckt und so dem Umsich- greifen der Flammen zugesehen. Bald nach der Feuerlegung er- schien die Schwester des Täters am Fenster, die sofort Lärm schlug, als sie die Gefahr erkannte. Jetzt kamen nun die übrigen Fa- milienmitglieder, um sich aus dem brennenden Haufe zu retten. Der Mörder hatte vor der Haustür große Haufen Stroh angehäuft und diese ebenfalls entzündet, so daß die Familie an ihm einzeln vorbei mußte. Er hatte nun hinreichend Gelegenheit, seine ganze Familie, Vater, Bruder, Schwester und Schwägerin, nieder- zuschießen. Dem Unhold entwich nur das fünfjährige Kind seiner Schwester, das die grauenhafte Tat ansehen mußte. Die herbei- geeilten Leute waren von dieser schrecklichen Handlungsweise Basettis dermaßen bestürzt, daß sie nicht wagten, an ihn heran- zugehen und seine Festnahme vorzunehmen. Sie läuteten die Sturmglocken, um so polizeiliche Hilfe herbeizuholen. Der Mörder hatte aber inzwischen das Weite suchen können. Bis jetzt hat man noch keine Spur von ihm._ Die Zeit der Zwetschenkern-Prozeffe. Aus Südhannover wird uns geschrieben: Ueberall in den Dörfern und kleineren Ortschaften steht gegenwärtig die Zwetschen- ernte und das Muslochen im Vordergrund des Interesses, und in merlwürdiger Verbindung damit entstehen in dieser Zeit zu nicht geringem Vergnügen der Advokaten unzählige Prozeßkriege. Alter Tradition gemäß herrscht nämlich vielerorts die Sitte — oder Unsitte, wie man will—, während der Tage des Zwetschenmuskochens die Kerne der in diesem Jahre so überreichlich geernteten Früchte einem„guten Freunde" oder„ge- treuen Nachbarn" nächtlicherweile in Haufen vor die Tür zu werfen. Manch einer nimmt zwar diese zweifelhaften Scherze gutwillig hin, meist aber läuft dem mit solchen Gaben Bedachten die Galle über, namentlich dann, wenn, wie es nicht selten vorkommt, jemand über die glitschigen Kerne gestürzt ist und dabei irgendeinen leiblichen Schaden nahm. Da die Uebeltäter ihr Werk naturgemäß so heimlich wie möglich betreiben, so stützen sich die„Beschenkten" bei ihren Er- mittelungSversuchen bezüglich der Täterschaft fast immer auf vage Vermuiungen. Komödien der Irrungen sind die Folge. Es werden Unschuldige verdächtigt, man sagt sich gegenseitig Beleidigungen, und im Handumdrehen ist so ein„Zwetschenprozeß" in schönstem Fluß. Ein probates Mittel aber, den Schuldigen zu erwischen, hat sich dieser Tage ein Einwohner des Städtchens Salzderhelden erdacht, der bereits an manchem schönen Morgen gar stattliche Kemsammlungen von seiner Schwelle entfernen mußte. Er legte abends eine sinnreich konstruierte Schlinge von dünnem Draht vor die Tür und verband diesen Apparat mit einer Klingel in seinem Schlafzimmer. Die Mühe sollte sich lohnen. Noch in der nämlicken Nacht wurde der Bewohner jäh aus dem Traume gerüttelt. Mit einem Satz war er an der Tür, wo ihm ein netter Bogel ins Garn gegangen war. An der Schwelle lag mitten zwischen Zwetschenkernen eine junge Magd, die mit dem Fuß in die Schlinge geraten und beim Fortlaufen unvermutet zu Fall gekommen war. Ehe sie sich befreien konnte, war sie erwischt, während zwei Helfershelferinnen eiligst im Dunkel der Nacht ver- schwanden. Salzderhelden aber ist um einen Zwetschenkernprozeß reicher.'_ Ja, wenn man was verloren hat.... Eine hohe Meinung von der Liebe ihres Gatten scheint die Frau des New Aorkers Arztes Dr. Josef Blake. Mrs. Catherine Blake, zu haben. Sie hat gegen Mrs. Elarenee M a ck a h, bi« Gattin des Kabelkönigs Mackeh, eine Klage aus einen Schadenersatz von 200 000 Dollar angestrengt, weil Mrs. Mackay ihr angeblich die Zuneigung ihres Gatten entfremdet hat. Mrs. Mackay erklärt diese Behauptung für eine Verleumdung und für die Hirngespinste von Eifersmbt und hat durch ihren Verteidiger feststellen lassen, daß Dr. Blake schon seit lOOi nicht mehr mit seiner Frau zusammen lebt. Kleine Notizen. Ein Lustmord. Am Montagmorgen fand ein Einwohner des Hamburger Vorortes Klein-Borstel in einem auf einer Wiese befindlichen Brunnen die Leiche des neunzehnjährigen Dienstmädchens Erichsen, das bei einem Oberkontrolleur in Stellung war. Wahrscheinlich liegt ein Lustmord vor. Pestepidemie, In der russischen Ortschaft Nowopetrowsk ist eine Pestepidemie ausgebrochen, die bisher elf Todes- o p f e r gefordert hat. Der Vorort ist abgesperrt. Die Lage ist ernst. Eisenbahukatastrophe in TexaS. Nach einem Telegramm aus Meridian in Texas ist ein Zug, in dem sich eine Artillerie- ab eilung befand, auf der Fahrt nach Meridian infolge Ein» sturzes einer Holzbrücke in die Tiefe gestürzt. Zwanzig Soldaten sind getötet und etwa hundert ver» w u n d e t worden. Schreckenstat eines Geisteskranken. Aus St. Johns iNeu- fundlond) wird gemeldet: Der Bischof March wurde am Sonn- tag während des GottesdieusteS in der Kirche von Harbour Grace von einem gewissen Jack H a r e durch einen Revolverschuß schwer verwundet. Hare, der geisteskrank sein soll, wurde festgenommen. Eine neue Sensation zum Kiewer Prozeß. Die„Petersburger Zeitung" veröffentlicht �eine sensationelle Meldung über den Kiewer Beilis-Prozeß. Ein Strafgefangener im Zuchthause von Lodz, namens Baggnarn, soll Mitgefangenen erklärt haben, daß er für eine bedeutende Summe Geldes den Jungen Justschinskh mit mehreren Komplicen ermordet habe. Die„Petersburger Zeitung" fügt selbst hinzu, daß diese Meldung wenig wahrscheinlich klingt, doch ist auf alle Fälle eine Untersuchung angeordnet worden. Ortstonllsnlm der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin. Atn 18. Oktober verstarb nach langen, schweren Leides unser langjähriger Vorsitzender Gustav Nahtow. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen allezeit opferbereiten Kollegen, der durch seine Erfahrung und Tätigkeit in den Organen der sozialen Gesetzgebung sowie den verschiedensten Körperschaften, sein Wesen und seine Umsicht die Interessen der versicherten Kassenmitglieder und Arbeitgeber in bester Weise vertrat und harmonisch zu vereinigen wußte. Ein dauerndes Andenken wird ihm deshalb erhalten bleiben. 278|8 Berlin, den 20. Oktober 1918. Der Toreiand. Sozialdemokratischer Wahiverein l.d.(l.ßerl.Reiehsla8S-Wahlkreis. Am 18. b. SDltS. verstarb unter Genosse und srüheres Mitglied des NorstandeS, der Schneider Gustav I�aktow Pnttbuser Str. 13. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause auS nach dem Zentral-Friedhose in Friedrichs- selde statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/6 Der Vorstand. Die Beerdis findet am Mittwoch, den 22. Oktober, :d3�UHg XUAUVU Q U 1 V/VAJL� VIOAJ. MI. VAilUMOAt nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Putbusor Str. 18 aus nach dem Zentralfriadhok in Fnedrichsfelde statt. Die Trauerfeier beginnt dort in der Halle um 3 Uhr. Am Sonnabend, den 18. Oktober, wurde der Vorsitzende i der Ortskrankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin, Herr 278/9[ Gustav IVahtow | von langen schweren Leiden durch den Tod erlöst. Neben seinem Streben, die von ihm lange Jahre l leitete soziale Einrichtung zum Wohle der Versicherten| auszubauen und zu erweitern, zeigte der Verstorbene stets| ein warmes Herz für uns Angestellten. Wir werden ihm ein ehrendes und dauerndes Andenken| | bewahren. Die Angestellten. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 22. Oktober, I [ nschmittags 1 Uhr, vom Trauerhause Puttbuser Straße IS| ans nach dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde statt. Die I Trauerfeier beginnt dort in der Halle um 3 Uhr. Am Sonnabendnachmtttag 3 Uhr verstarb nach langen, schweren Leiden metu lieber Sohn, unser guter Bruder, Sch wager und Onkel, der Schneidermeister liU5ts? Habtov im 46. Lebensjahre. Die» zeigen allen Freunden und Bekannten tiesbetrübt an Die trauernde Mutter, Geschwister, Schwager, Neffen und Nichten. Berlin, den 20. Oktober 1913. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Oktober, nach- mittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Vutbuser Str. 13, aus nach dem Zentralsriedhos In FriednchSselde statt.— Die Trauerseier beginnt dort in der Kapelle um 3 Udr. + Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch eine. RScke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Zabngebiffe. Platin, Geldsachen, Silbersachen höchstzahlend Klabel, Schützcnstraße 72, I. 2675b* Ikntrlll-Krllnkrllkaffe der Maurer usw. Verwaltungsstelle Charlottenhurg. Mitglie b er-Vers ammlung Mittwoch, den SL. Oktober. abends 8 Uhr, im Volfshaus. Rosinen- straße 3(Parterrezimmer). Tagesordnung: 1.?lbrechnung vom III. Quartal. 2. Bekanntgabe der Statuten der Zu- schußkafie. 3. Allgemeine Kassen- angelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 151/9 Die örtliche Verwaltung. I. A.: G. Braum, Meerscheidtstr. 45 II, EckeHäselerstr. Die BotanoTrinkkur Eine große Wohltat j für Männer u. Frauen bei Zuckerkrankheit(Diabetes), Gicht, j Rheumatismus, Herzleiden, Nieren- j leiden, Blasenleiden, Wassersucht etc. we, SozialdemokratiseberWaliiTereiii Iii BerL Reiebstagsvahikreis. KBpenloker Viertal. Bezirk 167 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau iuguste Walkowiak Manteuffelstr. 104, gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Oktober, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhause au» nach dem EmmauS-Kirchhos, Hermannstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/1 Ter Borstand. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem ReichStagsabgeord- neten Herrn Zubeil, den Kollegen der Firma Beyer, dem Gesangverein „Modestia 1", dem sozialdemokratischen Wahlverein deS IV. Berliner Wahl- kreiseS, dem Bezirk 195, Test I, sowie der Allgemeinen Kranken- u. Sterbe- lasse der deutschen Drechsler(E. H. 86, Hamburg) und dem Deutschen Holz» arbeiterverband spreche ich sür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mantics Leiurled limmermami Meinen herzlichsten Dank aus. e7A Anguste Zimmermann. Sozialdemokratischer Wahiverein Neukölln. Am 19. Okiober verstarb unser Parteigenosse �dolk Qutjahr Emser Str. 42. 14. Bezirk. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Oktober, noch- mittags 3 Uhr, von der Halle des alten Jalobi-Kirchhoses, Bcr- liner Straße 4—6, aus statt. 238/12 Der Vorstand. �MIvMiillllZrliMekei' Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Cliristok Brand am Sonntag, den 19. Oktober, ocrslorben ist. 51/10 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet morgen Mittwoch, nachmittags i'l2 Uhr, in Weißensee aus dem Gemeinde- Friedhof, Rölckeslraße statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Am 18. Oktober entschlief sanft nach kurzem Leiden unser guter Vater, Großvater und Schwieger- vater 67 Ä Ulbert Fuchs im 66. Lebensjahre. DieS zeigen tiefbetrübt an ITeUx, Emil, Otto, Albert Fachs. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. d. Mt»., nachm. 4'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Emmaus- Kirchhofes aus statt._ Danksagung. Für vielen Beweise herzlicher Teil- nähme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Hermann Klippert sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten sowie den Kollegen unseren tiesgesühlten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Mine Klippert g-b. u.sig und Kinder. 27306 Danksagung. Anläßlich der großen Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels 44A Paul Priebe sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, den Gesangvereinen Moabiter Liederkranz und Liedersreunde, seinen Kollegen, Verl. Kugellagersabrik, sowie den Kollegen vom Zentraloerband der Handlungsgehilsen, Bezirk Groß- Berlin, unfern tiefgefühllen Dank. Familie Erlebe, Stephanstr. 51, Familie Hets. Familie Eeonhard. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄZz 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. /enn Sie schon andere Mittel ohne zufriedenstellenden j Erfolg benutzt haben, so trinken Sie Jetzt„Botano." Wir sind Qberzeugt, dafl Sie„Botano" bald lobend preiser y/erden. Hemmen Sie die zerstSrende Selbstvergiftung. die andere Getränke erzeugen, trinken Sie„Botano." Die entgiftende Wirkung dee„Botano" Ist kelnevorllbergehende sondern eine dauernde. Oer ganze Organismus erfährt eine gründliche DurchspOlung, die Kräfte und das Wohl- definden nehmen wieder zu. 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Wahl einer Rechnungsprüfung»- kommission gemäß K 82 der Satzungen. 4. Verschiedene». 278/16 Beschwerden und Anfragen, zu welchen Einsichtnahme in Akten er- forderlich ist, können zur Besprechung nur zugclasien werden, wenn die- selben mlndcstenS drei Tage vorher schriftlich beim Vorstande eingereicht sind. Nur Delegierte dürfen an der Generalversammlung tcilnebmen. Berlin-WilmerSdors, 26. Okt. 1913. vvi- V«r»t»n«l. Lübsen Hertel. Vorsitzender. Echrislführer. Ktnniku- and KrauihindtM oon koderl Mexer.' Jnh.: P. Golletz Mariannenstr. 2. Tel. Mpl 348. Anton Boekers Festsäle Weberstr. 17 - Telephon: Amt Königstadt 134 14.■. Empsehle den werten Vereinen und Gewerkschaften meine Säle, 166 und 750 Personen lassend, zur Abhaltung von Ver- sammlungen und Festlichkeiten, auch Sonntags, zu günstigen Bedingungen. In der Saison noch einige Sonnabende und Sonntage zu vergeben. 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Die dadurch bedingte Verzögerung wird aber reich« lich aufgewogen durch die erzielte Vollständigkeit und Zuverlässig- keit. Eine erfreuliche Tatsache insbesondere ergab die Ver- gleichung der Angaben, die unsere Wahlhelfer gemacht hatten, niit den Akten: nur sehr selten war bei den zahlreichen Stichproben eine ganz geringfügige Korrektur nötig! Wenngleich die Wahlergebnisse im Auftrage des Kreisvorstandes von Niederbarnim in erster Linie bearbeitet und in einer Broschüre zusammengesoht wurden, um Fingerzeige für die Agitation im Kreise selbst zu bieten, dürfte die Veröffentlichung auch für die nicht unmittelbar beteiligten Kreise nicht ohne Interesse sein. Gestützt auf eine nähere Betrachtung des Bevölkerungszuwachses im Kreise, wurde von vornherein an die Eroberung des Wahlkreises gedacht. Das gab dem Wahlkampf seine bestimmende Note, wenn auch nicht geleugnet werden soll, daß man hier und da noch einigem Zweifel begegnete. Die Bevölkerungszahlen waren: 1S10 100S Niederbarnim.. 3S2 S2Z 303 136 Lichlenberg... 133 141 88 386 Oberbarnim.. 76 983 72 982 Eberswalde.. 26 07ö 23 833 gesamt, Wahlbezirk 629 322 488�336 Die Zunahme betrug mithin 141 186— 28,9 Proz.; sie war in Niederbarnim und Lichlenberg größer als in den beiden anderen Gebietsteilen und beruhte im wesentlichen auf dem Zuwachs der arbeitenden Bevölkerung, so daß die Mutmaßung, von dem Mehr der zu wählenden Wahlmänner würde ein beträchtlicher Teil uns zufallen, durchaus nicht so unbegründet war. Hatte die Bevölkerung im gesamten Wahlbezirk von 1900 zu 1963 um 26,8 Proz.: von 1903 zu 1916 um 28,9 Proz. zugenommen so hielt die Zunahme an Wahlberechtigten damit nicht gleichen Schritt. Die entsprechenden Zahlen sind: 1903 1908 1913 I. Abteil.... 2 973 4 312 7 779 II..... 11 535 18 183 31 098 III...... 76180 98 323 119 586 insgesamt 90 690 120 818 158 463 Die Zunahme betrug hier von 1903 bis 1903 30128 Proz,; von 1908 bis 1913 37 643-- 23,76 Proz. Betrachtet man die Klasseneinteilung bei den drei letzten Wahlen näher, so zeigt sich ein Ausrücken von den unteren in die höheren Klassen sowohl in Nieder- als auch in Oberbarnim. Trotz- dem bleiben im Duichschnitt noch drei Viertel säurtiicher Wähler in die dritte Abteilung gebannt, wie aus folgender Tabelle ersichtlich: Wahlberechtigung in Prozent. 1903 1908 1913 I. Abteilung Niederbarnim.... 3,37 8,60 5.06 Oberbarnim.... 2,93 3,42 4,02 II. Abteilung Niederbarnim.... 13,50 15,85 20,62- Oberbarnim.... 9,91 11,24 13,62 III. Abteilung Niederbarnim.... 83,13 80,55 74,32 Oberbarnim.... 87,14 85,34 82,36 Die Wahlbeteiligungsziffern bieten nachstehendes lvild: Absoluse Zahlen Prozent 1903 1903 1913 1908 1908 1913 I. Abteilung Niederbarnim. 1300 1603 3 517 54,37 44,62 51,16 Oberbarnim.. 330 310 450 56,51 43,36 49,72 II. Abteilung Mederbornim. 3927 6 207 14137 41,02 39,20 50.44 Oberbarnim.. 748 722 1193 38,14 30,74 38,89 IH. Abteilung Niederbarnim. 19 465 29 597 44 494 33,03 36,78 44,04 Oberbarnim.. 3 578 3 458 5 196 20,74 19,37 28,00 Insgesamt. 29 348 41 898 68 987 32,36 34,68 ÜMiS- Bemerkenswert hierbei ist, daß 1908 in Oberbarnim durchweg die Wahlbeteiligung absolut und auch prozentual zurückging, auch in Nicderbarnim war in den beiden oberen Abteilungen ein pro- zentualer Rückgang zu verzeichnen. Diese Erscheinung dürfte auf das konservativ-liberale Bündnis jener Wahl zurückzuführen sein. Zur Beurteilung der Wahlbeteiligung von 1913 sei noch an Einzelheiten mitgeteilt, daß in 5 Urwahlbezirken und zwar in der ersten Abteilung keine Wahl zustande kam; daß weiter in 4 Urwahl- bezirken Oderbarnims die Wahlbeteiligung unter IV Proz. blieb, dagegen in zwei Bezirken Niederbarnims und einem EberswaldeS über 75 Proz. der Wähler insgesamt am Wahltisch erschienen. DaS erfreulichste Bild aber bieten unsere Stimmenzahlen. Wir erhielten Stimmen: 1903 1903 1913 I. Aötelluna ?«ederbarnim... 63 204 1018 Oberbarnim....—— 6 IL Abteilung Niederbarnim.., 1059 2818 8844 Oberbarnim.... 2 28 233 IIL Abteilung Niederbarnim... 12599 22587 35471 Oberbarnim.... 587• 744 2060 insgesamt.... 14310 26411 47132 Die Steigerung betrug demnach von 1903 zu 1908 12 101 Stimmen— 84,63 Proz. und von 1903 zu 1913 20 721 Stimmen— 78,46 Proz.; d. h. von den im Jahre 1908 mehr erschienenen 12 550 Wählern sowie von den im Jahre 1913 mehr erschienenen 27 089 Wählern stimmte der weit übewiegende Teil sozialdemokratisch. Diesem schönen Erfolg entspricht aber bei weitem nicht der Anteil an Wahlmännern, der auf unsere Partei entfiel» wie aus folgender Tabelle zu entnehmen ist: 32.80 45,85 1903 1908 1913 Wahlmänner waren zu wählen.. 1422 1825 2387 tatsächlich gewählt wurden... 1391 1741 2373 davon waren sozialdemokratisch.. 327 571 1088 das sind Prozent der gewählten Wahlmänner..... 23,51 dagegen Prozent der sozialdemo- kratischen Wähler... 48.76 63,04 68.32 Unsere Gegner aber machten, dank dem niederträchtigen Drei- klassenwahlsystem, weit vorzüglichere Geschäfte. Es erhielten: Partei Stimmen Proz. wämet �t0i- Sozialdemokraten. 47 132 68,32 1 088 45,85 Demokraten... 490 0,71 9 0,38 Forlschr.-National. 8 501 12,32 583 22,46 Konservative.. 12 170 17,64 724 30.37 Ungültig od. zerspl. 721 1,01 19*) 0,94 Die Abgeordnetenwahl vom 3. Juni brachte uns dann nach vorhergegangenen Vereinbarungen mit den Fortschrittlern den Sieg Von den 2262 zur Wahl erschienenen Wahlmännern stimmten im ersten Wahlgange für: Braun 1097 Erdmannsdörfer 422 v. Treskow 717 Hofer 1097 Goldschmidt 421 Ziethen 718 H a e n i s ch 1088 Kode 432 Pauli 706 Die Demokraten stimmten an dritter Stelle für v. Gerlach, weswegen unserm Genossen Haenisch diese neun Stimmen sehlen. Im zweiten Wahlgange erhielten unsere Kandidaten 1119 Stim- inen: v. Treskow bekam 816, Ziethen 825 und Pauli 823 Stimmen. Sonach haben von den liberalen Wahlmännern bei der Stichwahl nur 22 Liberale für uns, aber 106 für die Konservativen gestimmt, während sich 294 ihrer Stimme enthielten und III von vornherein der Wahl fern geblieben waren. Können wir auch nicht behaupten, den Kreis au« eigener Kraft geholt zu haben, so geht doch ein? aus der Uebersicht deutlich her- vor: wenn unsere Genossen die vom Kreisvorstand herausgegebene Broschüre richtig anzuwenden wissen, dann wird es schwer sein, uns jemals den Kreis wieder zu entreißen, wie auch die Konstellation sonst sein mag._ Partei- Hngelegenbelten. Zur Lokalliste. DaS MarinehauS. Brandenburger Ufer, ist für die organisierte Arbeiterschaft nach wie vor gesperrt, Im zweiten KreiS hat das Lokal Karl NißleS Festsäle, Dennewitz- straße 13, den Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber Georg Rcipp stellt das Lokal der Partei und Gewerkschaften zu den üblichen Bedingungen zur Verfügung._ Die Lokalkommission. Charlottcnburg. Heute abend 8'/, Uhr, im Volkshaus«, Rosinen- straße 3: Generalversammlung des'Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteilag. 2. Diskusston. 3. Kassenbericht. 4. Auf- stellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. 5. Vereins- angelegenheiten. 6. Verschiedenes. Lichtenberg. Zu der bis zum 26. Oktober vorzunehmenden Agitation wollen die Genossen sich allabendlich pünktlich 7 Uhr an den bekannten Stellen treffen. Britz. � Mittwoch, den 22. Oktober, abends 8�/z Uhr, B vi I s« versammln y g Hei Rgdatz� Chausseestraße. Stadtverordneter Genosse W u tz k q spricht über Arbeitslosenfürsorge. Friedrichshagen. Morgen Mittwoch, den 22. Oktober, abend? 8�/, Uhr: Halbjahrsversa mm l u n g bei Lerche, Friedrich- straße 112. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleitung. 9. Bericht des BildungSauSschusieS. 3. Bericht aus der Gemeindevertretung. 4. Ersatzwahlen. 5. Anträge. 6. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Am Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8«/, Uhr, beginnt im Jugendheim, Friedrickstr. 60, 2. Hof parterre links, ein Vortrags- i u r s u S über.Aus Theorie und Praxis der deutschen Gewerk« schaften*. Der EmtrittSpreis für die fünf Borträge beträgt 25 Pf. Umständehalber konnte der erste Vortrag am 16. Oktober nicht statt- finden. Hohen-Schönhausen. Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8'/, Uhr. Generalversammlung de« Wahlvereins bei F. Reiher. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag in Jena. Referent: Genosse Schindler- Pankow. 2. Bericht des Kassierers. 3. Bezirks- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. LerUmr Nachrichten. Nach der Komödie der Katzenjammer. Der Sang verschollen, der Wein ist verrauscht, stumm irr' ich und träumend umher... so lallen jetzt in ihrem moralischen und physischen Katzenjammer die eben noch von patriotischer Begeisterung trunkenen Bourgeois, Spießbürger und Kriegervereinsbrüder.... Sie bleiben sich immer treu, unsere Patrioten; sie feiern unentwegt in ihrem Geiste und in ihrer Tradition: halten phrasenreiche, prunkende Reden, begleitet von dröhnendem Theaterdonner, bringen nach „germanischer Sitte* dem Gott Gambrinus und dem Gott Bacchus die gehörigen Opfer, mästen sich, derweil in den Elendsquartieren der kapitalistischen Gesellschaft hunderttausende Arbeitslose mit ihren Familien buchstäblich am Hungertuche nagen, die Bäuche mit mehr oder minder leckeren Speisen bis zum Erbrechen— und nennen's Patriotismus; bilden sich ein, damit dem geliebten Vaterland zu dienen, es vor den drohenden Stürmen der Revolution zu retten. Und am Schlüsse des arrangierten Rummels entpuppt sich das alles als eine arge Selbsttäuschung. Dem falschen Rausche folgt die trostlose Ermattung, der Komödie der Katzenjammer. Das ist das notwendige Schicksal jener gemachten Patriotenfeiern, deren Inhalt und Motive aus einer trostlosen Vergangenheit geholt werden, um sich über die Misere einer noch trostloseren Gegenlvart hinwegzuhelfen. Der Bourgeois, dem die platte Trivialität der täglichen Geldniachcrei mit der Zeit anekelt, hascht begierig nach jeder passenden und un> passenden Gelegenheit, sich so oder so einen Gemütsrausch zu verschaffen, der seinem Geiste entspricht. Die herrschenden Machthaber bedürfen derartiger pomphafter Maskeraden, die aufgeregten Volksmassen zu betäuben, sie über ihre aus� beuterischen Methoden hinwegzutäuschen. Aus diesen wider- streitenden Bestrebungen der herrschenden Klassen kommt denn, wie auch bei diesem Völkerschlachtrummel, jener wunderbare Mischmasch zustande, an dem selbst dessen Veranstalter keine rechte Freude haben, weil die breiten Massen des Volkes diesen billigen Patriotismus nicht nur verachten, sondern ihn mit den feindlichsten Gefühlen aufs entschiedenste bekämpfen. Der Sang ist verschollen, der Wein ist verrauscht.... *) Die Parteistellung war bis auf zwei nicht zu ermitteln, diese gehörten unserer Partei an. Ernüchterung, Bauchbeschwerden, Katzenjammer sind daS Re- sultat. Das Herz des eben noch von Begeisterung erfüllten Bourgeois ist von bitterer Enttäuschung belastet. Er wühlt in seinen Erinnerungen und Erlebnissen und entdeckt nichts als eine schreckliche Oedc. Das kämpfende Proletariat ist frei von diesen moralischen Lasten, eben weil es den patriotischen Komödien und Maske- raden von vornherein ablehnend gegenübersteht. Es sucht weiter seine Ideale nicht allein in der grauen Vergangenheit, sondern vor allem in der Gegenwart und Zukunft. Und in diesem zukunftsfrohen, lebensbejahenden Geiste wird die Ar- beiterklasse ihren Befreiungskamps führen, bis die reaktionären Machthaber von heute samt ihrem gleißendem Tand und Plunder beseitigt sind._ Tanzkultur in Berlin WW. In Berlin W, wo man gut zu leben und sich in jeglicher Form zu amüsieren versteht, ist auch eine komfortable Weinwirtschafl, in der internationale Tänzerinnen Charaklertänze vorführen. Es soll sich um ziemlich teure Akquisitionen handeln. Der Direktor des Etablissements, Herr Krahl, wurde wegen llebertretung der Gewerbe- Ordnung angeklagt, weil hier Darbietungen ohne höheres Interesse der Kunst vorlägen, für die eine behördliche Erlaubnis erforderlich gewesen, aber nicht erteilt worden wäre. Das Landgericht sprach jedoch den Angeklagten frei. Es nahm an, daß bei Darbietung dieser Tänze ein höheres Interesse der Kunst obwaltete. Dafür konnte sich das Gericht auch auf das Gutachten eines Vertreters der bildenden Kunst berufen. Das Kammergericht als Revisionsinsianz hob jedoch daS Urteil auf und verwies die Sache in die Vorinstanz zurück. Die Tänze mögen ja, so wurde das Urteil begründet, sehr kunstvoll ausgeführt worden sein und in Linie und Bewegung entzückt haben; das allein begründe aber nicht die Annahme, es hätte ein höheres Interesse der Kunst obgewaltet. Es komme vielmehr auch noch auf da? ganze Milieu an. So stehe daS Kammergericht auf dem Standpunkt, daß vom Obwalten eines höheren Interesses der Kunst keine Rede sein könne, wenn ein fortwährendes Kommen und Gehen von Personen und ein andauerndes Herumtragen von Speise und Trank stattfinde. Auch käme in Betracht, unter welchen sonstigen Umständen die an sich künstlerischen Leistungen erfolgten. In dieser Beziehimg sei zuni Beispiel bedenklich, daß im vorliegenden Falle die Red» davon war, die Vorführung der Tänze finde manchmal auf einem Platz mitten im Publikum statt. Das Landgericht muß in der angedeuteten Richtung die Sache nachprüfen. Vom Zweckvcrband. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Reicke trat gestern der Ausschuß des Verbandes Groß-Bcrlin im Berliner Rathause zusammen. Anwesend waren u. a. Oberpräsidialrat Graf Rocdern, die beiden Landräte v. Achenbach und Geheim- rat Dr. Busch. Zunächst wurden einige Polizeiverordnungen zustimmend erledigt und mit Befriedigung Kenntnis genommen von der Bauordnung für die Ostseite des Tempelhoser Feldes, ferner von der Bauordnung für das platte Land, wodurch eine allgemeine Regelung herbeigeführt wird. Angenommen wurde �der-BauMim für den ärmeren Teil von Britz, um das neue Rosarium, wonach eine, landhausmäßige Bebauung für dieses schöne Gelände gesichert ist. Es soll dort ein einheit- liches, sehr wohnliches Jnnenviertel entstehen. Genehmigt wurden dann die schon bekannt gegebenen Pläne für den Breitenbachplatz. Einen breiten Raum nahmen die Beratungen für die Bebauung eines forstfiskalischen Geländes am Süduser des Wannsees ein. Dieser Teil des Wannseeufers soll nach der Bauklasse? mit nur erstklassigen Villen bebaut werden. Der Ausschuß bedauerte, die Bebauung des Ufcrgeländes nicht hindern zu können. Er hat aber seinen Einfluß so weit geltend gemacht, daß das schöne Ufer des Wannsecs für das Publikum in beträchtlicher Breite frei bleiben und durch breite Alleen verbunden werden wird. Auch soll durch die Anlage von breiten Aussichtsterrassen das ganze Havelgelände bezüg- lich der Aussicht für das Publikum frei bleiben. Bei der Beratung von Fluchtlinien für Oberschöneweide wurde die Aufhebung der alten Baufluchtlinie für den In- dustriebezirk beschlossen. Die vorgesehenen Straßen zerteilen nämlich das Gelände in einer ganz unzweckmäßigen Weise. Der VerbandsauSschuß wird bestrebt sein, durch neue Bau- fluchtlinien den Ort in seiner industriellen Entwickelung zu fördern. Zum Schluß wurden noch sehr wichtige Bauflucht- linien für Zehlendorf beschlossen, die auch für Groß-Berlin von besonderem Interesse sind, weil die Hauptstraßen nun- mehr eine befriedigende Ausgestaltung erhalten können, und zwar besonders dank dem Entgegenkommen der Zehlendorfer Gemeinde. Unter anderem wurden von dieser weit aus- schauenden Regelung die Berlin-Potsdamcr Hauptstraße und die Machnower Chaussee betroffen. Der Berkehr des Berliner OsthafeuS. Die ersten Betriebsergebnisse. Der Osthafen der Stadt Berlin, der am 1. Oktober eröffnet wurde, hatte bereits in den ersten zwei Wochen seines Betriebes einen für den Anfang recht ansehnlichen Verkehr zu verzeichnen— ein Beweis dafür, wie not- wendig seine Anlage im Interesse der Berliner Handelswelt war. Gleich in den ersten Tagen entwickelte sich ein reger Betrieb. In den ersten vierzehn Tagen haben sich folgende Betriebs- zahlen ergeben: Es wurden zu Lager genommen nach der Löschung aus dem Kahn: 4 Millionen Kilogramm Getreide lMais, Weizen, Hafer und Gerste), davon sind zur Weiter- beförderung durch Eisenbahn und Fuhrwerk 628 000 Kilogramm au§- gelagert worden. Mit Kahn und Eisenbahn sind ferner eingegangen 5000 Sack Mehl, wovon 2100 Sack bereits wieder ausgeliefert wurden. An Sliickgul wurden ausgeladen: 400 000 Kilogramm, Bretter und Blöcke 150 000 Kilogramm und 1000 Stück Oelfässer. Außerdem wurde» mehrere Kahnladungen Mauersteine und Kies entladen. An Kohlen wurden vom Kahn auf die Eisenbahn 840 000 Kilogramm umgeschlagen. Endlich sind mehrere EiscnbahnloaggonS mit Aepfeln, Eiern und Maschinen« teilen teils auf den Boden entladen, teils in den Kahn umge- schlagen worden. Für das Benzinlager find dagegen bisher nur 20 000 Kilogramm eingegangen, was im Verhältnis zu dem Fassungsvermögen des Benzinlagers von 1 Million Liter nur ein bescheidenes Quantum ist, docb dürste dieser geringe Eingang ledig- lich auf die Neuartigkeil der Anlage und die wie immer in solchen Fällen zu beobachtende anfängliche Zurückhaltung der Jnteresienten zurückzuführen sein. Man darf annehmen, daß die nächste Zeit auib dem explosionssicheren Benzinlager deS OsthafenS eine reiche Anzahl von Kunden zuführen wird._ Bölkerschlachtrummel in der 1. Handwerkerschule. AlS am Sonntag die Schüler der Typographenllaffe in der Schule erschienen, hielt es der den Unterricht ertellende fü£ mifltmWm tot MWa—t Wi guitxtMH»«ms Mt Hunderts ahrsetn der Völkerschlacht tu hurrapatriotischem Sinne hinzuweise» und schließlich auch eine Anordnung de« llnterrichtSminister» zum Vortrag zu bringen. Dt« Schüler waren öS dieses patriotischen Uebersall» zunächst ganz verbot, denn e« handelt sich hier nicht um schul« Pflichtige Atnder, sondern um Leute, von denen der jüngste Teil» nehmer im SO. Lebensjahre steht, der älteste Tnde der dreißiger Jahre ist. Stach veendigung der Ansprache gaben verschiedene Teilnehmer dem Lehrer ganz offen ihr« Meinung über diese» Verfahren kund. Sie seien in die Stunde gekommen, um zu lernen, aber nicht gezwungen, patriotische Phrasen anzuhören. Da» müsse eine freiwillige Sache sein und jedem freigestellt werden, ob er an hurrapatriotischen ver« ansialtunge» teilnehmen wolle oder nicht. Gereiste Männer aber mit Hilfe der Schulordnung zu nötigeu, unzutreffende, ihren politischen Anschauungen vielfach entgegenstehende dynastische Huldigungen entgegenzunehmen, muß auf da» entschiedenste zurück» geWiese» werden._ Eifersuchtstragödie im Maleratelier. Di« Eifersucht eine» jungen Mädchen» war gestern vormittag die Ursache einer Tragödie. In dem AtelierhauS in der Wallstr. 51 zu Charlottenburg unterhielt der 24 Jahre alte Maler Paul Bor- gang ein Atelier, in dem er gestern vormittag nach einem lebenden Modell Aktstudie» anfertigte. Plötzlich öffnete sich die Tür und die Braut de» Maler», die Stieftochter des Charlottenburger Bankdirektor» H., trat herein. Da» Mädchen machte ihrem Bräutigam heftige Vorwürfe, daß er Nach dem Modell malte. ES kam schließlich zu einer sehr erregten Szene, in deren Verlauf der Maler seinen Revolver zog und auf da» Mädchen einen Schuß abgab. Die Kugel drang ihr in den Kopf und die Verletzung dürfte den Verlust beider Augen zur Folge haben. Unmittelbar nach dem ersten Schuß jagte sich der Maler eine zweite Kugel in die Schläfe und brach sofort tot zusammen. Auf die Hilferufe de» Mädchen», da» mit Blut über» strömt war, eilten Hausbewohner herbei, die für ihre Ueberführung nach dem Krankenhaus Westend sorgten. Die Leiche de» Malers wurde beschlagnahmt und dem Schauhause überwiesen. Zelluloid-Explofio«. Eine gewaltige Zelluloid-Explosion, bei der die Bewohner de» Hause» Landsberger Allee 125 in der größten Lebensgefahr schwebten, verursachte am Montag nachmittag im Nordosten von Berlin eine unbeschreibliche Aufregung. Dort wohnt im ersten Stock der Agent Siegbert Schwarz, der hauptsächlich mit Zelluloidkragen und ahn» lichen Waren handelt. Gegen 3'/, Uhr erfolgte au» noch nicht auf» geklärter Ursache die Explosion, wobei sämtliche Fenster, Türen usw. im ersten und zweiten Stock zertrümmert wurden. Mächtige Stich- flammen schössen an der Front de» Hauses und auf dem Hofe am Hause empor. Der Straßendamm, der Bürgersteig und der Hof wurden mit Scherben bedeckt. In der Loggia über einem Laden erschien die Buchhaltetin Emmy Warnstädt au» der Hermannstraße in Neukölln und rief um Hilfe. Der Schlächtergeselle A. SchwersinSky und ein Kutscher der Firma Gg. Backhau» holten sofort eine große Leiter. Ueber diese wurde das zwanzigjährige Mädchen und ein Kind nach der Straße zu in Sicherheit gebracht. Kaum war dies Rettungswerk beendigt, als die Feuerwehr erschien. Auf dem Hofe wurde ein Sprungtuch ausgebreitet. Feuerwehrmänner drangen in die Wohnung deS Schlächtermeisters Eduard Gürtler im zweiten Stockwerk, da» total verqualmt war und schon brannte, ein. Dort fanden sie die Ehefrau A. Gürtler mit deren zwei Knaben im Alter von sechs und zehn Jahren bewußtlos vor. Sie wurden an die Luft gebracht und kamen wieder zu sich. Der zehnjährige Eduard sprang mutig in da» Sprungtuch und kam glücklich unten an. Der sechsjährige Knabe wurde angeseilt und von einem Feuermann hinabgelassen. Die Frau wagte den Sprung nicht. Sie fiel in Ohnmacht. Schließlich kam sie wieder zum Be- wußtsein, und nun gelang es, sie durch ein schmale» Fensterchen einer Speisekammer de» 2. Stockwerls hindurchzuzwängen. Als sie von der Feuerwehr unterstützt, in das Sprungtuch springen wollte. glitt sie ab und stieß dabei am 1. Stock auf eine sogenannre Isolier» glocke der dortigen Fernsprechanlage. Alle drei Personen wurden so- fort von der Wehr mit OffizierSauto» nach dem Krankenhaus am Friedrichshain geschafft, wo man Hoffnung hegte, alle drei an Rauch- vergislung erirankle Personen wiederherzustellen. Der Inhaber der Agentur L. Schwarz halte sich allein in Sicherheit gebracht. Er halte' schmerzhafie Brandwunden im Gesicht, am Hinterkopf und an beiden Händen erlitten. Besonders die Hände waren schwer verbrannt. Die Flammen konnten nach kräftigem Wassergeben mit mehreren Schlauchleitungen auf die 1. Etage beschränkt werden. Die linke Seite ist total ausgebrannt, nur die kahlen Wände und die Korridortür sind noch vorhanden. Alles andere bildet einen großen Trümmerhaufen auf dem Hofe und der Straße. Eine große Menschenmenge umlagert das Hau» nahe der Thorner Straße und dem Schlachthof. Wie uns nachträglich noch gemeldet wird, hat die Buchhalterin einen Nervenchok erlitten. Der Ehemann der verunglückten Frau, Schlächtermeister Eduard Gürtlsr, ist unter dem Eindruck der plötzlichen Katastrophe schwer erkrankt. Hirku» Schumann. Die Leitung diese» Instituts bietet in diesem Jahre ein sehr hübich zusommeugestellteS Programm zirzensischer und anderer Künste. Erfreulicherweise sind die Darbietungen nicht, wie in der letzten Zeit so oft in Zirkussen, auf rohen Nervenkitzel zugeschnitten, auch hat man eS vermieden, blutrünstigen Patriotismus oder rührselige Hintertreppenromantik dem Publikum darzubieten. ES geht auch so. DoS hat die Vorstellung am Sonnabend wiederum bewieserr. Präzision und Eleganz waren da» Signum des Gebotenen. � Der Reiterszene der 3 Cowboys und der holländischen Szene zu Pferde von T h e M e e rS folgte der Athlet Wingbar-t mit seinen ftaunenerregenden Leistungen und nicht minder fesselt« der Perch-Akt zu Pferde, auSgeführl von den 3 L a m k i n S. Die AfanaS-Truppe mit ihren eigenartigen musikalischen Dar- bietungen fesselte das Ohr des Publikums in hohen, Maße, während das komische Intermezzo der Clowiis Adolf, Cottrell, Toto und Willy wahre Lachsalven auslösten. Nicht minder gut gefielen die Athleten zu Pferde, Miß Pia, Adele und Helene sowie Miß Oltavia mit ihren Acffchen, Hündchen, Katzchen und Papageien. Direktor A. Schumann arbeitete mit seinem herrlichen Pferdematerial wie immer glänzend. Verblüffend wirkten die Hoch- und Weilsprünge der zehn präch- tigen bengalischen Königstiger, mit denen Mr.« a w a d e verkehrt, als seien es bloß fauchende Hauskatzell und nicht Bestien mit furcht- barem Rachen und Pranken. Den Schluß der zirzensischen Künste bildeten die allerliebsten, drolligen Vorstellungen der Hunde und Affen T h a l e r o». Dam, folgle als Clou der„Tango vor Gericht', eine buntfarbige Pantomimen-Burleske mit Gesang und Tanz, in der gezeigt wurde, daß man diesen ominösen Tanz so und auch so tanzen kann und daß es beim Tango wie mit allen anderen Dingen ist: es kommt immer auf das wie an. Die Direktion deS ZirkuS Busch teilt unS mit, daß die ein- geführte Lustbarkeilsstcuer für den Entschluß, den Zirlus aufzugeben, , naßgebend sei. Die genannte Steuer belaste den Zirlus in sehr er- beblichem Maße; in dieser Saison— gerechnet nach den Erträgen der vergangenen Saison— habe die Direktion 160—170 000 M. an LustbarkeitSsteuern abzufahren. Was den Mietsvertrag mit dem Diskus betreffe, so läge hierin kein Grund zur Aufgabe des Unternehmens, da der Vertrag bis 31. März 1925 verlängert worden sei. Dachstnhktamb in der Liebigstraße. In der vergangenen Nacht wurde die Feuerwehr nach der Liebigstraße 27 gerufen, wo auf dem Boden de« Vorderhaus«» ein größeres Feuer ausgebrochen war. Bei Ankunft der Löschzüge hatten die Flammen auch schon den Dachstuhl erfaßt. Der Lrandinspektor ließ mit zwei Rohren eingreifen und den Brand kräftig unter Wasser nehmen. Nach halbstündiger Tätig- keit konnte die Gefahr al» beseitigt gelten, doch zog sich die voll- ständige Lblöschung mit den Aufräumungsarbeiten noch längere Zeit hin. Die Ursache deS Feuer« ist noch nicht ermittelt.— In der Fennstraße 27 brannte vorher da» Dach eine» Kesselhause». Auch hier nahmen die Löscharbeiten längere Zeit in Anspruch. Durch de» Verlust seine» WecheulohneS ist ein Arbeiter in bitterste Not gekommen. In dem Portemonnaie, da» bei einer Be- sorgung in einem Eisenwarengeschäft in der Rosenthaler Straße verloren ging, liegt ein Zettel, der über die drückende Notlage des Verlierer» Auskunft gibt. Da» Portemonnaie soll in der Spedition in der Bastianstraße �Gesundbrunnen) abgegeben werden.— Am 11. Oktober hat eine Arbeiterin von der Neuen Königstraße bis Alexanderplatz zur Straßenbahn ihren Wochenlohn verloren. Auch sie bittet um Abgabe des Fundes bei Restaurateur Schulz, Gottsched- straße 11 auf den Namen M. Becker. Vorort- �acbrickten. Charlottenburg. Die Wahlen der Handlungsgehilfenbeisitzer zum Kausmannsgericht Charlottenburg sinden am Mittwoch, den 2 2. Oktober, von mittags 12 Uhr bi» 6 Uhr nachmittags statt. Wahl- berechtigt ist jeder Handlungsgehilfe, der bis zum Tage der Wahl da« 25. Lebensjahr erreicht bezw. überschritten hat. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen hat die L i st e N r. 6. Aufgabe jedes klasien- bewußten Handlungsgehilfen muß es sein, für die Liste Nr. 6 zu stimmen und zu agitieren. Die Harmonievereine müssen mehr als bisher zurückgedrängt werden. Der Ersolg vom Jahre 1910 muß übertroffen werden. Jeder Wähler muß mit einer Bescheinigung deS Arbeitgeber» oder dessen Stellvertreter» beziehungsweise der Polizeibehörde versehen sein. auS der ersichtlich ist, daß er in Charlottenburg al» Handlungsgehilfe beschäftigt ist. Erscheine jeder rechtzeitig zur Wahl und gebe seine Stimme der Liste 6 de- Zentralverbandes der Handlungsgehilfen. Dahlhelfer wollen sich im Bureau Münzstr. 20 oder am Tage der Wahl von 11 Uhr vor» mittag» ab im Volkshause. Rosinenstr. 3, melde». Wahllokale sind: Für den 1. AbstimmlingSbezirk: Erstling, Am Bahnhof Westend 2; für den 2.: Lüly. Schloßstr. 45) für den 3.: Helmholtzquelle, Helmboltzstr. 21/22; für den 4.: Falstaff, Leonbardt« straße 22. Eingang Friedbergstraße; für den 5.: Logenrestaurant, Berliner Straße 61, Eingang Kirchhofstraße; für den 6.: Reimer, Wilmersdorfer Straße 21; für den 7.: Schier, Grolmanstr. 20; für den 8.: GerdeS, AugSburger Straße 28. Ttegli». Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Ilhr vor dem Hauie Schloßstr. 117. Die fünfjährige Marie Böhn, die mit anderen Kindern auf der Straße spielte, lief kurz vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie V/ auf das Glei«. Obwohl der Führer mit aller Kraft bremste, vermochte er jedoch nicht den Wagen auf so geringe Entfernung zum Steheir zu bringen. Die Kleine wurde umgerissen und geriet unter das Schutz- brett des Vorderperrons. Mit Hilfe von Passanten wurde der Waggon angehoben, doch konnte das Kind nur noch tot hervorgeholt werden. Die kleine Leiche wurde nach der Wohnung der Eltern ge» bracht. Tempelhof. Der öffentliche Berkauf russischen Fleisches beginnt Freitag, den 24. Ollober, im Laden Friedrich-Wilhelm-Str. 21. Als Verkaufs- tage kommen in Betracht: Diensiag. Mittwoch, Freitag und Sonn- abend jeder Wockie: die Verkaufszeit ist von vormittag» 8—11 und nachmittags von 5—7 Uhr. Die Bevölkerung wird sicher diese von der Gemeinde eingesetzte Einrichtung bei Bedarf rege benutzen und dadurch die an maßgebender Stelle herrschende Auffassung, daß das russische Fleisch der Bevölkerung nicht als begehrenswert erscheint. am besten gegenstandslos machen. Beeskow. Ja einer Versammlung unter freie« Himmel sprach am Sonntag Genosse Faaß über da« Tdema.Die Landwirtschaft im Wandel der Zeiten'. Redner führte den Anwesenden da» Elend der Landarbeiter. wie überhaupt der arbeitenden Klasse in früheren Zeiten bis zum heutigen Tage vor Augen. Am Schluß seiner Rede legte der Re- ferent den Versammelten den Wert der politischen sowie der gewerk- schaftlichen Organisation dar. Der Vorsitzende schloß mit der Auf- forderung zum Eintritt in die Organisationen und alsdann schloß er mit einem Hoch auf die Sozialdemolratie, in pa» die Anwesenden begeistert einstimmten. Die Toleranz der christlichen Kirche AnderSdenlendeu gegenüber zeigte wieder einmal folgender im» mitgeteilter Vorgang. Zwei unterer Genossen verteilten am Sonnlag in Krügersdorf bei Beeskow Kalender und sonstige Flugschriften vor der Airchzeit In seiner Predigt am selben Tage erklärte der dortige Pfarrer, die Sozialdemokraten hätten ihre verhetzende Tätigkeit im Dorfe wieder aufgenommen, eS wäre daher Pflicht aller Bewohner, diese Schriften in die Ecke zu werfen und nur den konservativen Kreiskalender zu lesen, umsomehr, olS einer der sozialdemokratischen Verteiler ein Jude gewesen zu sein schien. Wenn sich der Geistliche so. wie hier berichtet, geäußert hat, so zeigt dies wieder einmal mit aller Deutlich- keit, daß die Kanzel der Kirche zu politischen Zwecken mißbraucht wird. Nieder- Tchönhause»». Der hiesige BilduugSauSschuß veranstaltet morgen. Mittwoch, den 22. Oktober, nachmittag 4 Uhr, eine Kino»Borführung für Kinder mit belehrendem und unterhaltendem Programm. Eintritt 10 Pf., begleitende Erwachsene 20 Pf.— Abends präzise V, 3 Uhr. findet eine wissenschaftliche Kino- Vorführung statt, die eine Reihe von guten Bildern speziell au» der Naturwisien'chaft und Technik bringt. Der Eintrittspreis beträgt auf allen Plätzen 20 Pf. Beide Borführungen finden in„Stephans Lichtspielen,' Lindenstr. 43. statt. Billett» sind nur in beschränkter Anzahl beim Kassierer, Genossen S ch a p er. Lindenstr. 42, zu haben. Reinirtendort. Die Gcucralversammluug deS Wahlvereins nahm am Mittwoch den Bericht vom Parteitag durch Genossen Schwarzburger-Ober» Schönelveide entgegen. In der Diskussion bedauerte Genosse Schie- mann, daß die Partei sich von dem Wege altbewäbrter Taktik habe abdrängen lassen und Mutel für militärische Zwecke bewilligt habe. Der 1. Mai müsse nach wie vor als Feiertag de» Proletariats hoch- gehalten werden. Die Polensrage scheine nicht die richtige Lösung gefunden zu haben, ebenso sei im Fall Rodel der bürgerliche Recht«» zustand verletzt worden. Genosse Scharf vertrat den Standpunkt, daß zunächst der Masienstreik noch keinen Erfolg bringen könne, da die Zahl der Indifferenten eine noch zu hohe sei. Mit der Stellungnahme der Fraktion zur DeckungSvorlage erkläre er sich einverstanden. Was kälte man den Arbeitern sagen sollen, wenn die Fraktion die direkten Steuern, welche die Befitzenden belasten, abgelehnt und durch in- direkte Steuern ersetzt hätte Z Genosse Kuschmunder meinte, der Parteitag habe bewiesen, daß wir un» immer mebr zur Reform- parte! entwickeln. Genosse Hund meint, daß bei wichtigen Ab- slimmungen die Fraltionsmitglieder die Pflicht hätten, so- weit sie nicht durch Krankheit oder andere wichtige Er- eignisse verhindert wären, anwesend zu sein. In seinem Schlußwort stellte Genoffe Schwor, burger fest, daß die Diskussion«- redner im allgemeinen seine Meinung teilten. 2ZaS die Polenfroge anbetreffe, so sei die Vorenthaltung der Subvention von Partei- vorstand gerechtfertigt, da die Erwartungen, die man gehegt, sich nicht erfüllt hätten.— Der Ausschluß Radeki sei zu recht erfolgt.— Künstliche Belebungsversuche an der Maifeier vorzunehmen und einen Teil von Parteigenossen herausgreifen, welche ihren Tageslohn am 1. Mai abführen sollen, seien verfehlt. Unter den heutigen wirt- schaftlichen Verhältnissen laste die Maifeier sich nicht durchführen.— Die Ausführungen des Genossen Bauer zum Massenstreik hätten ge- zeigt, daß man sich in führenden Gewerkschaftskreisen mit aller Macht gegen die Anwendung dieser letzten schärfsten Waffe stemmt. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden der vorgerückten Zeit wegen vertagt. Ei» Straßenbahnunfall, bei dem Mutter und Tochter verletzt wurden, trug sich gestern vormittag in der Scharnweber Straße zu. Dort wollte Frau Elise G S d i ck e mit ihrer siebenjährigen Tochter Gerda noch kurz vor einem in der Richtung nach Tegel fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 26 über den Fahrdamm laufen. Mutter und Tochter wurden jedoch von dem Bahnwagen erfaßt und umgestoßen. Frau Gädicke erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Wunde am Hinterkopf, das Kind Hautabschürfungen am Kinn und an der reckten Hand. Di« beiden Verunglückten erhielten von einem in der Nähe wohnendeu Arzt die erste Hilfe und wurden nach der Wohnung geschafft. Tegel. Genossin Arendsee ersucht unS mit Bezug auf den General- versammlnngSberickt des Wahlvereins um Aufnahme folgender Richtigstellung: Ich habe nicht, wie eS im Bericht heißt, ausgeführt. daß der Fall W-lS»Brühl im Kreise Niederbarnim selbst ein Nack- spiel erleben, sondern daß die Angelegenheit in Groß-Berlin noch zur Sprache kommen dürfte. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Bohnsdorf. Am Mittwoch, den 22. Oktober, nachmittag» 4 Uhr, im Lokal von Schulze. Eichwalde. Heute Dienstag, nachmittags 5'/, Uhr, außerordentlich« Sitzung tm SitzungSsaale deS Rathauses. Diese Sitzungen find össentlich. Jeder EemeindeangehSrige Ist berechtigt, ihnen als Zuhörer seizuwohne»- Briefkaftcn der Redaktion. XU lurlftil»««»reaftondc findet itndenkra»« es, vorn vier Xredde» — Sihrttndl—, wochcntSgUch ton 4Vfc bt» 7� lUt adend«, eonuadcad», eon bis 6 Uhr adcnd» statt. Zeder für den vrtestatlen destimmicn Änsrage Ist ein Buchstadc and eine zahl als Mertjeichen»etzusSgen. Brtefltche Atttwart wird nicht erteilt. Sasrazen, denea keine Sdannein«n«»iinttwn» deigesng» ist, der»«» niche beantworict. Eilige Fragen»rage«an in»er Sorcchftnnde dar. E. ivt. IVO. Nein.— H. G. 08. 1. Nur dann, wenn die Revaratur durch Ihr Verschulden notwendig ist. andernfalls nein. 2. u. 3. Ja. 4. Vollnreckungsgegenilage bei dem Gericht des VorprozcsseS.— M. D. 100. Sie baden Anspruch aut Befreiung von der Steuer vom Ersten desjenigen Monats ab, welcher dem Monat folgt, in dem Sie arbeitslos geworden sind. Sie müssen jedoch einen dahingehenden Antrag bei dem Vorsitzenden der Veranlagungskommisston stellen und gleichzeitig beantragen, daß die Steuer bis zur Entscheidung über Ihren Antrag gestundet wird.— <£. N. 12. 1. Da» Verfahren kann weitergehen 2. Die Photographicrung auf dem Polizeipräsidium war unseres ErachtenS unzulässig, sosern Ihnen «ine strafbare Handlung nicht nachgewiesen werden kann. Sie können auch Klage erheben aus Herausgabe der Pbotographie und Vernichtung der Platten.— C* S 43. Nach Ihrer Darstellung halten wir Sie zur Herausgabe nicht iür verpflichtet. Lasten Sie es aus eine Klage ankommen. — I. K. 100. Die Mitgliedschaft zur Kaste datiert von dem Tagejib, wo Sie in Veschästigung getreten sind, ganz gleich, ob der Arbeitgeber Sic an- gemeldet hat oder nicht. Sie tonnen den Anspruch gegen die Kasse geltend machen. Diese wird dann voraussichtlich vom Arbeitgeber Ersatz verlangen. — A, L. 48. Durch Gesetz nicht verboren. Ist aber im Verrrage die Arbeitszeit festgesetzt, so braucht der Lehrling darüber hinaus nicht zu arbeiten.— A. Z. 27. 1. Sofern erhebliche Gesundheitszeköhrdung nach- gewiesen werden tonn, können Sie ausziehen. 2. Poüzeivrästdium.— B. R. 30. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde. — H. 07. Em« gerichtliche Entscheidung darüber ist nicht zu erzielen. Di« Mutter des Kindes tonn sich ohne weiteres als Frau bezeichnen. — Neukölln 24. Ihre Zlngabeu reichen nicht aus, um ein Eingreisen des NachlaßgerichtS dem TcstamentSoollstrecker gegenüber zu rechtfertigen. S>e find berechtigt, fallt das ErbschastSsleueramt von Ihnen Auskunft einfordert. den Wert des Grundstücks aus 27 000 M. anzugeben. Dt« Steuerbehörde würde aus Ihre Anfrage hin voraussichtlich Auskunft erteilen. Einer Zu- stimmung der Erben bedarf der Testamentsvollstrecker nur dann, wenn im Testamsnt vorgesehen.— P. B. 311. Ja, nach Zustellung des HastbesehIS. 2. Nein. 3. Ja, wenn Sie nach Zustellung des Haflbefehls unverzüglich an den Gläubiger zahlen. 4. New. 5. Ja.— Bohnsdorf 9. 1. Ein solcher Vertrag kann seitens des Gläubigers mit Ausficht aus Erfolg angefochten werden. 2.. u. 3. Nein. Es muß unter Uebcrreichung des Schuldtitels beim Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt, PfändungS- und Ueberweisungsbeschluß beantrag: werden.— M. 2. 82. I. n. 2. New. 3. Den Naßlaß Ihrer verstorbenen Frau zur Versteigerung bringen. Wir raten jedoch, unter Schilderung Ihrer Berhälinist« ew Stundun�S- gejuch an das Gericht einzureichen.— M. M. 1. u. 2. Nein. — W. 19. Die Beschlagnahme halten wir für unzulässig. Reichen Sie Beschwerde beim Vollslreckungsgericht ew. Die Tatsache, daß sie ver- heiratet sind und drei Kwder zu unterhalten haben, müssen Sie durch eidesstattliche Versicherung glaubhast machen.— C. H. 36. Läßt sich nicht erzwingen.— Rr. 7 St. W. Sie können vom Polizeipräsidium Herausgabe verlangen.— R. 26. New.— M. L. 26. 1. Die etwa retinierlcn Gegenstände müssen Sie zurücklassen und dem Abzabwngs- geschäsr Mitteilung machen. Diese» kann alSdaim Herausgabe fordern. 2. Psandbcuch würde bei Riwahme der genannten Gegenstände nicht vor- liegen.— M. BS. 160. Die Reise- und Zehrtosten kann der Beklagte erstaltet verlangen bi» znr Höhe der Gebühren, die bei Bestellung eine« Anwalt» entstanden wären. Jedoch nur dann, wenn er im Prozeß obsiegt. Wie Koch dieser Betraa sein würde, läßt sich nicht sagen, da ewe Eingabe über die Höh- des ObjcltS fehlt.— A. B. 14. In ewigen Monaten ist eine solche Angelegenheit in der Regel erledigt. Erinnern Sie nochmals.— P. R. Ol. 1. Stach österreichischem Gesetz nicht zuläsiig. 2. Ja, jedoch mit Wirkung sür da« deutsche Reichsgebiet. 3. Ja.— F. Ä. 44. 1, AuSkunst über Gesellschaften erteilen wir nicht. 2. Nicht feststellbar. WttternngSüderstche vom 20. Oktober 1013. fUxAottto il liÜ Swinemde. 7S4OSO Hamburg 762 OSO Berlin 764, SO Frantl. a.M 764 S München i766S Wien|766;SS OeüR I ANebel 2;3Je6eI l|att bd. IRegcn l wolkeul 1. wolkig ä* s» €tatUmea ßeOa Ii Haparanda 76ö S Petersburg 771SO Sclllh 7bZD Aberdeen Pari» 746 S 761S 4 bedeckt: 4 1 bedeckt i—l 4 wolkig j 12 4wolicnb 12 Lwoikenl 7 Wetterprognose für Dienstag, den 21. Oktober 1013. Zeitweise heiter, vielfach nebelig oder wolkig, am Tage mild bei ziemlich ledhasten südlichen Winden: leine erheblichen Niederschläge. , Berliner Vetlerbureau. WaiserftandS-Nachrichte« der LandeSanfialt Iür Gewäsiertund«. mttgeteill vom Bcrlinel Detterbureau Wast erstand M« m, I. Tilsit V r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thor» Oder. Ratibor Krosten Franliurt Warthe. Sckrimm Landsberg Netze, Bordamm Elbe, L-itmeritz , Dresden , Barby Magdeburg Lasterstand Saale,»rochütz Havel. Soaudauft . Rathenow Spree, Svremberz«) , Beestow Weser, Münden Mm den Rhein, Maximiliansau , Kaub > Köln Neckar, Heilbromt Main, Hanau Mosel. Trier ')+ bedeutet Luchs,— Fall.—*) llnterpegel. Berlin S 77 Prinzenstr* 46 u. 47 Bettfedern ZU I-|30|50|75|90 2- 250 3- 350 bl« g50 M. par Pfund j Ausnahmeprefsi Hetoil- Bettstelle C U 9« mi! Zugredei- matratic, Pfosten 26 qtm stark, mit Mcsaing• Ver- rierunsen im Kopf- und Fuss- endo. sebvan lackiert. ■Weiss lackiert SO Pf, mehr. 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Uhr: Der Ltehemonkel. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Alien. Frieclrichshain Oekonom Ernst Liebing. den ES. Oktober er.: Em Königstor Mlttvvoch. 1 Heiterer Künstler-Abend. Sensaüons-Prograniiit. Anfang 8 Uhr. Entree 3t> Pf. Ä»Clou" um, Si la i, MaufiPktpafie 82. 2 :: Berliner:: Konzerthaus MaueretraBe 82.— ZlmmerstraBe 90,91. 6rrolles Doppel- Konzert! Berliner Konzerthaus-Orohesler. Loitung: Komponist Frz.». Blon und als Gastdirigent; Hofkapellmelster Prot, fraugott Ochs. Mutlkkorps Kalier-Franz-Garde-Grenad.-Regtt. Dirig. Oberm. A. Becker. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. „'oeheniacen: Cr. NachDiillags-Kaiizerl WÄ- ■PAlASTMIflOOOi POTSDAMER Sä: 72* HOCHBAHN: BfilOWSL Eröffnung; Freitag, den 24. Okiober. Apollo-Theater AcUcg 8 ULr. Palast am Zoo Atifsoz B Uhr. Frlcdr.-Wilhelms!. Aiifscs 6 Uhr. Komplclie» rrogianun grosser VariöM-Akte sow ie unser« reBemmierteo Lichtspiele Nachmittags Lichtspiel- Vorstellungen Apollo-Thealer Anfang'/«S Uhr. Frledr.-Wllhelmst. Anfang 3 Uhr. 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