9r.am Sdonnementz-Kecklnglingen: AbonnsiTimtS. Preis prAnumerando! «ierteljährl. 3.30 Mk, Mona». UV Mi, ivochenUich 28 Pfg. frei WS HauS. «inzewe Rummer 5 Pfg. Eonitteg-?. Nummer mit Uluiiriertcr Sonntags. Deiiage»Die Reue Welt' l0 Psa. Post. «donnement: U0 Mari pro Monat. eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Areuzband ,ür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2£0 Marl, für da» übrige«usland s Marl pro Monat. PoslabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Uumätticn, Schweden und die Schweis clildlini»oll». 80. Jahrg. vk fttlei'tlonz'Gedilh«' beträgt für die sechSgespalieue Kolonel» »eilc oder deren Raum«o Pfg.. liir politische und gewerlichaftliche Vereins- und Vers.unuUuugs.tiuzeigen 30 Plg. S Meine Anreigen", das settgedruckte Zort 20 Psg.(zulässig 2 setigedruclle Worte), jedes weitere Wort lv P>g. Etellengemche und Echlasstellenan. zeigen daZ erste Wort� 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über ISBiicl" ! laben zählen sür zwei Worte. Inserate ür�die nächste Nummer müsien bis Vevlinev Dolksblatt. relegrannn. vdress« „ZMlalllenidllMl Berlin". Zentralorgan der fozialdemokrattfchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 1983. Die Hrbeitslofenverücberung. n. Die Wirkung, die die Krise auf die einzelnen Berilfs- zweige ausübt, ist verschieden. In einer Reihe von Be- rufszweigen wurden die Arbeiter wenig durch die Krise von 1908 betroffen. Bei Eisenbahnen, Straßenbahnen, >Äas- und Wasser- Gesellschaften usw. blieb die Zahl der Arbeiter nicht nur konstant, sondern trat die natürliche Ver- mehrung ein. In 20 Berufsgenossenschaften mit 3 379 000 Ver- sicherten stieg die Zahl der Versicherten um 162 200, für die übrigen 46 Berufsgenossenschaften trat also ein Rückgang von 262 700 ein. Hiervon wurde das Baugewerbe am schlimmsten getroffen. 1906 waren in den 12 Baugcwerks-Berufsgenossen- schaften 1 376 200 Arbeiter versichert. Man müßte nach dem ivjährigen Durchschnitt mit einem Zugang von jährlich 14 400 rechnen. Statt dessen trat schon 1907 ein Rückgang von 11000 und 1908 ein solcher von 105100 ein. Statt 1 404 000 waren 1908 nur 1 260 300 Versicherte vorhanden. Der verständnislose Bourgeois wird sagen, daß ein Teil der Bauarbeiter sich hätte andere Arbeit suchen können, z. B. in Steinbrüchen, Ziegeleien, beim Tiefbau. Aber auch in den drei Berufsgenossenschaften, in denen 1907 1 067 400 Arbeiter versichert waren, sank die Zahl 1908 um 43 400 und 1909 «och um weitere 45 200, also auf 978 800. „Geht aufs Land," schreien die Junker, aber zu der Zeit, wenn die Arbeitslosigkeit in diesen Berufszweigen ani größten ist, im Winter, sind auf dem Lande auch Hunderttausende Arbeitslose. Je mehr arbeitsparende Maschinen wie Dresch-, Häcksel- schneide- und andere Maschinen in der Landwirtschaft ein- geführt werden, um so mehr wird die Landarbeit Saison- arbeit und steigt die Arbeitslosigkeit im Winter. Die zweite Gruppe, die schwer von der Krise getroffen wurde, waren die Arbeiter bei der Metallverarbeitung und der Industrie der Maschinen und Apparate. Bei den hier in Betracht kommenden zwölf Berufs- genossenfchaften waren 1907 1 843 800 Arbeiter versichert; 1908 waren es nur noch 1 789 600, also ein Rückgang von 54200. Dieser Rückgang fällt um so schärfer ins Gewicht, weil gerade die Industrie der Maschinen und Apparate und die Metallverarbeitung die stärkste Steigerung aufweist. 1902 waren in diesen Berufsgenossenschaften 1363 300 Arbeiter versichert, 1911 waren es 2204 400. Die durchschnittliche jährliche Steigerung betrug 93 400. Groß ist hier die Zahl der gelernten Arbeiter, wo der Zugang durch Eintritt der Krise nicht aufhörte. Aber auch die anderen großen Gruppen zeigten Rückgang der absoluten Zahlen. Bei den Textil-BenifSgenossenschasten sank die Zahl der Versicherten von 914 000 auf 890 500, also um 23 500. Aehnlich, wenn auch nicht ganz so stark sank die Zahl der versicherten Holzarbeiter. Beim Baugewerbe ist ein Zusammenhang zwischen Geldmarkt und Bautätigkeit zu beobachten. Steigt der Zinsfuß, dann nimmt die Bautätigkeit ab. Schon das Prosperitätsjahr 1907 war für das Baugewerbe ein Jahr des Niederganges. Schon im Winter 1905/6 war der Reichsbankdiskont vom 11. Dezember 1905 bis 17. Januar 1906 auf 6 Proz. �ge- stiegen. Er ging dann aber noch vom 23. Mai bis 17. Sep- tembcr 1906 auf 4'/, Proz. zurück. Er stieg dann am 18. Dezember auf 7 Proz. und kam im ganzen Jahr 1907 nicht unter 5'/, Proz. und stieg im Dezember gar auf 71/3 Proz. Aehnlich hohen Diskont haben wir seit November 1912. Für den hohen Diskont wird man doch die Arbeiter, die unter den Folgen leiden, nicht verantwortlich machen wollen. WaS an der Gesundheit der Arbeiter und deren Kinder durch die Entbehrungen m Zeiten der Krise zerstört wird, das können die in Arbeitcrkreiscn praktizierenden Acrzte bezeugen. Man redet viel über Scuchcnbekänipfting. setzt aber immer mit der Hilfe erst dann ein, wenn die Gesundhcitsverwiistung in Form einer Krankheit zutage tritt. Die Kriminalstatistik deutet an, welche moralische Verwüstungen durch die Krise herbeigeführt wird. Wegen einfachen Diebstahls wurden 1907 in Deutschland 90 848 Personen verurteilt. Im Krisenjahre 1908 schnellte die Ziffer auf 97 977 hinauf. In den folgenden Jahren, als die Krise nachließ, sank die Ziffer ununterbrochen und ztvar im Jahre 1911 auf 92 66a Wahrscheinlich wird das Jahr 1913 wieder eine Steigerung bringen. Christen und Moralpricster sind bei der Hand, über die Sündhaftigkeit der Menschen zu jammern. Die armen Opfer unserer Gesellschaftsordnung werden verantwortlich gemacht für die Sünden der Gesellschaft. Fordert nian eine Arbeitslosenversicherung, um den Arbeitslosen vor völligem Versinken zu bewahren, dann wagte man gar. zu behaupten, daß solche Versicherung nicht durch. füdrbar ist. Es gibt aber unter den freien Gewerkschaften 43 Verbände mit 2 062 258 Mitgliedern, die bewiesen haben, daß sie die Schwierigkeiten über- winden. An die Arbeitslosenunterstützung der Gewerkschaften haben in zahlreichen Gemeinden Belgiens, in Dänemark und anderen Staaten, ja selbst einige Gemeinden Deutschlands eine Arbeitslosenunterstützung angelehnt, indem den Arbeitslosen Zuschüsse gegeben werden. In den Gewerkschaften mit Ar- beitslosenunterstützung wurde von 2 062 258 Mitgliedern für diesen Zweck 1912 3820342 M.. also für jedeS Mitglied 4,38 M. aufgebracht. Würde man ähnlich, Wiedas in Berlin-Schöneberg geschieht, in ganz Deutschland die Gewerkschastsunterstützung um 50 Proz. aus Gemeindemitteln erhöhen, dann würde das in ganz Deutschland rund 5 Millionen Mark kosten. Dieses reicht aber nicht aus, die Not zu beseittgen. Denn sieben Achtel der Arbeiter sind nicht in Gewerkschaften, die Arbeits- losenunterstützung zahlen, unter diesen befinden sich— vorläufig noch— die Bauarbeiter. Wahrscheinlich ist aber, daß eine Summe von einigen Hundert Millionen Mark aufzubringen wäre. Für Militärzwccke werden sie leicht aufgebracht. Aber selbst die Beittägc für die Invalidenversicherung bringen jetzt mehr als 260 Millionen Mark im Jahre. Würden Reich, Staat, Gemeinde, Unternehmer und Arbeiter zur Zahlung in eine solche Versicherung herangezogen, dann würde bald manche Ab- Hilfe geschaffen werden. Schon der eine Umstand, daß durch Unterstützung die Arbeiter mit Beginn der Arbeitslosigkeit nicht aus der Reihe der Konsumenten ausscheiden, wird eine Milde- rung der Krise herbeiführen. Aber selbst die Kosten der Arbeitslosenversicherung darf man nur zum geringsten Teil auf die Verlustseite buchen. Man müßte zunächst feststellen, wie viel heute die Arbeits- losigkeit der Gesellschaft kostet. Also Ärmengeld, Bettel- Pfennige, Verlust durch Diebstahl, Gerichtskosten, Strafvollzug, Pflege der durch Entbehrung Erkrankter usw. Würde sich das feststellen lassen, dann würde man wahrscheinlich finden, daß eine rationelle Arbeitslosenfürsorge nicht einmal teurer wäre als der jetzige anarchische Zustand. Ein Gewinn würde aber sofort in die Erscheinung treten. Bettelei und Besttafung von Bettlern, Diebstahl usw. würden erheblich vermindert. Auch Krankheiten und Siechtum würden abnehmen. Der kulturelle Gewinn würde ein erheblicher sein. Wenn man so Gewinn und Verlust gegenüberstellt, dann sollte man meinen, daß in dieser Zeit des Rechnens und der Buchführung sich bald der größte Teil der Bevölkerung auf die Seite derjenigen stellen wird, die hier energisches Eingreifen fordern. Das Hindernis liegt aber nicht in der Schwierigkeit der Lösung der Frage und nicht einmal in dem direkten Kosten- puntt. Die Kapitalisten widersetzen sich der Lösung, weil sie auS der Arbeitslosigkeit direkt Gewinn ziehen. Die Zeiten der Krise werden benutzt, den Arbeitern einen Teil der Vor- teile zu enttctßen, die sie sich in Zeiten der Prosperität erobert haben. Kämpie gegen Lohnabzüge und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, Abivehrstreiks sind in Zeiten des Nieder- ganges an der Tagesordnung. Jeder von den Arbeitern ver- lorcne Abwehrsttcik ist fteilich Ursache für einen neuen An- griffsstreik in der nächsten Prosperitätspenode. Für alle Arbeiter gilt es, dahin zu wirken, daß das Drängen nach Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung nicht mehr zum Stillstand kommt. Sollten unsere Staatsmänner von unüberwindlichen Schwierigkeiten reden, dann kann man ihnen sagen, daß sie bei den Leitern der Gewerkschaften sich Rat holen können. Glauben sie aber, daß nur ein zünftiger Staatsmann Auskunft geben darf, dann mögen sie sich bei Lloyd Georges in England erkundigen, der hat die Frage gerade von der Seite angefaßt, wo die Regelung auf die größten Schwierigkeiten stößt, indem er eine staatliche Ver- sicherung für die Arbeiter schuf, die am meisten von Arbeits- losigkeit betroffen»Verden. Die Candtag$wal)len in Baden. Am Dienstag fanden in den 73 Landtagswahlkreisen Baden» die Neuwahlen statt. Es stand viel auf dem Spiele: nicht nur handelte es sich darum, die Anstrengung des Zentrums und der Konservativen zunichte zu machen, die seit Jahren darauf hinaus- gehen, eine ilerikal-konservative Mehrheit im Land- tag zu schaffen, die Wahlen dienten auch dem Streben nach dem P r 0 p 0 r t i 0 n a l w a h l s Y st e m, das kommen sollte, wenn die bürgerliche Linke und die Sozialdemokraten abermals die Mehr- heit erlangten. Die Einführung des Proportionalwahlsystems sollte für die Zukunft Blockabmachungcn überflüssig machen. Diese in die badische Landtagswahl gesetzten Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Soweit sich das Ergebnis der Landtagswahl bisher über- sehen läßt, bringt es der klerikal-konservative Block zu einer Mehrheit oder er kommt wenigstens nahe daran. Das Zentrum hat bis jetzt 30 Sitze, die mit ihm verbundenen Konservativen 5, so daß den Schwarzblauen nur noch zwei Sitze an der Mehrheit in dem 73 Mitglieder zählende Landtage fehlen. Diese zwei Sitze dürfte das Zentrum in den Stichwahlen erobern. Bisher sind gewählt: V Sozialdemokraten(die Genossen Geiß, Süßkind, Böttgcr und Kramer in Mannheim, Frank und Kolb in Karlsruhe, Geck und Stockinger in Psorzheim-Stadt und -Land, und Weber in Turlach). Weiter sind gewählt 8 Ratio- nal liberale und 1 Forts chrittler. Es haben 21 Stich- Wahlen stattzufinden. Tie Sozialdemokratie ist beteiligt an 17, von denen allerdings nur vier aussichtsreich sind. Sicher dürfte die Sozialdemokratie noch holen: Schwetzingen mit dem Genossen Kahn, Freiburg mit dem Genossen Engler, Lörrach mit dem Ge- nosien Rösch. Definitiv unterlegen sind bis jetzt die Genosien Breitenfeld-Lörrach-Land, Schwall-Daxlanden, Pfeiffle-Heidelberg- Wiesloch und Maier-Eberbach. Die Nationalkiberalen sind an IL Stichwahlen beteiligt, die Fortschrittler an 4. Die Aussichten im einzelnen lassen sich noch nicht klar übersehen. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasee 60. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. Der Zentrumstaktik ist es gelungen, den liberalen Blockgegner Niederbühl, der gegen den offiziellen nationalliberaleu Kandi- baten aufgestellt wurde, in Rastatt durchzubringen und in tzeidel- berg-WieSloch dem nationalliberalen Bürgermeister Bitter zum Siege zu verhelfen, wodurch Pfeiffle fein Mandat verlor. Der Führer der badischen Nationalliberalen Rcbmann und der bis- herige nationalliberale Kammerpräsident Rohrhurst wurden wiedergewählt. Die Fortschrittler dagegen verlieren ihr« alten Parlamentarier und anerkannten Führer. In Triberg-Pillingen unterlag Professor Hummel dem ZenwumS-ReichStagSabgeordneten Duffner. In Offenburg-Stadt verlor der langjährige Landtags- abgeordnete Rechtsanwalt Muser sein Mandat ebenfalls an das Zentrum; Lahr-Land, das bisher durch den Fortschrittlcr verttcten war, ging an die Konservativen über. Zu dem Wahlresultat wird berichtet: Die Nachricht über den Ausfall der badischeu Landtags- wähl lautet für unsere Partei durchaus unerfreu- l i ch. Nur neun Mandate sind uns iin ersten Wahlgange zu- gefallen, während wir im Jahre 1909 deren zehn im ersten Wahlgangc hatten. Von den damals im ersten Gange ge- wonnenen Mandaten konnten wir diesmal nur acht behaupten. Ettlingen-Rastatt ist an das Zentrum verloren gegangen und Mannheini-Land braucht einen zweiten Wahlgang. Als Ge- winn haben wir lediglich Mannheim IV zu buchen, wo unser Genosse Böttger im ersten Wahlgang glatt gewählt wurde. Verloren sind für uns ferner im ersten Wahlgang Lörrach- Land an die Nationalliberalen, Heidelberg, Eberbach und Heidelberg-Land. Damit sind fünf unserer bis- herigen Mandate verloren. In 16 Bezirken stehen wir in mehr oder weniger aussichtsreicher Stichwahl. Nach dem badischen Wahlgesetz können sich nämlich nicht nur diejenigen Kandidaten am zweiten Wahl- gang beteiligen, welche in ihren Bezirken die höchsten Stinimenzahlen aufzuweisen haben, sondern alle Kandidaten, welche mehr als- 15 Proz. der abgegebenen Stimmen erhielten. Wie in den Jahren 1905 und 1909 wird auch jetzt wieder eine Verständigung über die Verteilung der Mandate im zweiten Wahlgange unter den Parteien des sogenannten Großblocks erfolgen. Wir können noch auf 5 bis 6 Mandate rechnen. Von den 20 Sitzen, welche unser Partei bisher im Landtage inne hatte, werden wir kaum mehr wie 15 erhalten. Neben dem Mandatsverlust haben wir aber auch einen erheblichen Verlust an Stimmen zu verzeichnen. Dieser Verlust ist für uns besonders schwer. Mit dein Mangel einer zugkräftigen Wahlparole, wie wir sie im Jahre 1909 hatten, kann dieser Stimmenriickgang nicht ausschließlich erklärt werden. Er beträgt über 11 000 Stimmen. Tie Fortschrittler haben bis jetzt ei» Mandat. Für sie am schmerzlichsten ist der Verlust von Muser-Offenburg. das dem Zentrum zufiel, und weiter die Niederlage in Rastatt, wo der bisherige Abgeordnete Tove dem vom Zentrum präsentierten nationalliberalen Kandidaten weichen mußte. Zu dem Mandat, das den Fortschrittlern im ersten Wahlgange zufiel, können mit unserer Hilfe drei weitere Bezirke für sie geholt werden. Möglicherweise fällt ihnen auch Karlsruhe IV zu. Lahr-Land. das früher den Fortschrittlern gehörte, ist ihnen von den Neichspartcilern abgenommen worden. Im besten Falle bekommen die Fortschrittler 5 Sitze. Besser schließen die Nationalliberalen ab. Sie haben diesmal im ersten Wahlgange 9 Sitze erobert, während sie vor vier Jahren nur mit 4 Mandaten aus der Hauptwahl hervor- gingen. Mit sozialdemokratischer Hilfe können die National- liberalen noch weitere 5 Mandate erhalten; möglich, daß sie in alter Stärker wieder einziehen. Dann hätten die Groß- blockparteien immer noch 37 Sitze zusammen, denen der Rechtsblock mit dein aus der Hauptwahl hervorgegangenen Besitzstand von 35 Mandaten gegenübersteht. Ob die Kon- servativen 4 oder 5 Sitze bekoimnen. steht augenblicklich noch nicht fest. Auf alle Fälle haben sie den Nationalliberalen zwei und den Fortschrittlern einen Sitz abgenornmen. Im Zentrum herrscht natürlich Jubel über den reichen Erfolg. Es hat im ersten Wahlgange seinen früheren Mandatsbesitz von 26 auf 30 erhöbt und kann sich rühmen, selbst in sicheren Bezirken seine. Stimmenzabl zum Teil reckt erheblich vermehrt zu haben. Tie lang gehegte Absicht des Zentrums, im badischeu Landtage eine zentrümlick-konser- vative Mehrheit zu Wege zu bringen, ist der Verwirklichung nahe. Gewinnen die Rechtsparteien in der Nachwahl auch nur noch zwei Mandate, so ist die schwarz-blaue Mehrheit fertig. Aber auch Wenn bei der Nachwahl für die Rechts- Parteien gar nichts mehr herauskommen sollte, bat das Zentrum durch die bei den diesmaligen Wahlen betätigt«. Taktik dafür gesorgt, daß es in den für das Zentrum wichtigen Fragen Unterstützung von den mit ZcntrumShilfe gewählten nationalliberalen Außenseitern erhält. Nicht umsonst jubelt die Zentrumsvresse über den Sieg der Reaktion.— Für unsere Genossen in Baden wird sich manch ernste Lehre ans diesem Wahlgange ergeben. Jetzt gilt es zunächst, den Tat- fachen inS Gesicht zu sehen. Nach den endgültigen amtliche« Ermlttelimgcn wurden gewählt: LS Zentrum, 5 Konservative, 8 Natio- nallißeralc, 1 Wilder. 1 Fortschrittler und 9 Sozialdemokraten, zusaimnen 53 Abgeordnete, so daß noch 20 Stichwahlen stattzufinden haben. •« « Der Wahlaulfall erscheint um so befremdlicher, wenn mau die Stimmenergebnisse zu Rate zieht. Nach den Meldungen des Wölfischen Depeschenbureaus wurden nämlich abgegeben für Zentrum...... 11616a Stimmen Nationalliberale.. 79 Ml# Sozialdemokraten. 74633 Konservative.... 30 343, Aortschr. Bollspartei 80 301 Fall« diese Stimmenangaben korrekt sein sollten, würde sich zwischen den Wahlen im Jahre 1909 und den diesmaligen folgende überraschende Verschiebung vollzogen haben: 1909 1913 Zentrum und Konservative. 117 102 146 496 Liberale......... 105 920 110 295 Sozialdemokraten..... 86 184 74 638 Danach würde also die S o z i a l d e m o k r a t i e eine schwere Schlappe erlitten haben, während Zentrum und Konservative glänzend abgeschnitten und die Liberalen zum mindesten ihre Position behauptet hätten I Sollten diese Zahlen sich bestätigen, so mühte in der Tat mit allem Ernst« den Ursachen ein«« solchen Wahlausfall«« nach- geforscht werden I Eines Wahlausfalles, der um so eigenartiger berührt, als doch noch bei der ReichStagSwahl 1912 die stimmenzahl der Sozigldemokratie in Baden von 97 226 im Jahre 1907 auf 118 351 hinaufgegangen war. ver VoIIisfreuml-BM. „Vom Interesse maßgebender Regierungskreise, insbesondere de« Herrn Reichskanzler«, begleitet/ ist jetzt glücklich da«.nationale Werk' vollendet worden, zu dem sich Konservative, Freikonservative. Zentrum und Lltliberale in trauter Gemeinschaft zusammenfanden: Der .Deutsche Volksfreund' ist erschienen, jener Kalender, für den im April d. I. die Herren v. Zedlitz und v. L o e b e l l al« Vertreter de«.AuSfchusscS' und die Abgeordneten Erzberger, Fuhrmann, v. Dewitz und Graf Westarp al« Vertreter der angeschlossenen Parteien in vertraulichen, eingeschriebenen Briefen Inserate akquirierten. Schamhaft verschweigt der Kalender seine hohe und ausgedehnte Vaterschaft. Selbst Herr Richard Nord- hausen, von dem man au« den«prilveröffentlichungen weih, daß er der Redakteur des Unternehmens ist, zieht e» vor, sich in der Verborgenheit zu halten. Vertieft man sich ein wenig in den Kalender, so wird man die Herren freilich verstehen, daß sie sich dergestallt im Dunkel bergen. Denn dieser.Volksfreund' ist ein so blöde« und nieder- trächtig-verlogene« Machwerk, datz schon wirklich einiger Mut dazu gehören würde, sich zu ihm zu bekennen. Beinahe muh vor ihm die ganze Arbeit de«.ReichSverbande«' erblasien. dein er insofern erfolgreich Konkurrenz macht, al« auch er die „Vernichtung der Sozialdemokratie' zu seinem obersten Ziele ge- macht hat. Tie Methode, die dabei zur Anwendung kommt, ist sehr einfach. Dem Leser werden so ein Dutzend Sozi« in LebenSgröhe vorgeführt. sind da kann nun jeder sehen, wa« da« jür Kerl« find. Dah der .Parteiwich' nur siblechtes Bier verschenkt und eine Wurst verkauft. nach deren Genuß sich dem Gast die Gedärme im Leibe umdrehen, ist noch daS wenigste. Der.Typ' August von Klein- Teppenhausen stellt gleich den abgefeimten Aufschneider, Lügner und Betrüger dar. Soweit die moralischen Qualitäten. dieser roten Sozi« im.Volks- freund' noch einigermaßen davonkommen, zeichnet die sauberen Brüder wenigstenZ immer eine ganz außergewöhnliche Dummheit au«. Der eine erklärt e» für überflüssig, ein Handwerk zu lernen, dann entweder wäre man.von Natur' ein guter Tischler,' oder man würde e» überhaupt nie; der zweite behauptet, die Parteikasse s!) brauche deshalb so viele Beiträge, weil sie doch die Streiks unterstützen müsse. Dieser Kluge läßt sich dann aber erfreulicherweise davon überzeugen, daß die Beiträge für die Parteikosse besser dazu verwandt würden. Land zu kaufen und durch Viehzucht und Getreidebau der.hier und da wirtlich vorhandenen' Not entgegenzuwirken. Ein Dritter vertritt den Standpunkt, daß in einem Lande.Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit' schon deshalb herrschen müßten, weil die Worte an allen öffentlichen Gebäuden ständen, usf. WaS wird nun aber von diesen Edlen erst alleS al«.Sozialismus' vertreten und von ihren.staatserhaltenden' Freunden dann umständlich widerlegt! Der.Marxist' Otto verficht die These, e« widerspräche den sozialistischen Grundsätzen, sich zu versichern, und Sparsamkeit sei im Lichte de» Marxitmu» Gesinnungslosigkeit. Der gut» Paul bekämpft den Schutzzoll, weil bei seiner Beseitigung sofort die Löhne steigen würden. Mit einer llnverschämtheit sondergleichen wird der Sozialdemokratie»widerlegt', datz die Einführung der Republik den Arbeitern schon die Freiheit bringe, wird ihr.nach- gewiesen', daß die Arbeiter in den Republiken um nicht« besser daran wären al« bei uns: al« ob nicht gerade die Sozialdemolratie immer und immer wieder betont hätte, daß die Befreiung der Arbeiter in erster Linie die Beseitigung de« Kapitalismus, den Sturz der Klaffenherrfchaft überhaupt erheische l Auf derselben Linie steht die schamlose Unterstellung, daß die Sozialdemokratie die Ar- bester»verelenden' wolle,— der die Behauptung, eine halbe Million deutscher Arbeitergroschen sei nach Rußland geschickt worden. damit sie dort den„Bombenwerfern. den Mördern und Räubern' zugute kämen. Den Reiz des Originellen hat jedenfalls die Deutung, die der Gründung der.Vollsfürsorge' zuteil wird, die angeblich den Grundsätzen der Sozialdemokratie inS Gesicht schlägt. Aber»die Führer bleiben Euren Grundsätzen nur so lange treu, als c» ihnen parteipolitisch nützlich scheint. Seitdem sie die Herrschaft über große deutsche Lrbeitermasscu erobert haben, müssen sie daran denken, diese Herrschaft zu sichern, und dazu bedürfen sie der Beamten. Be« dürfen sie der ihnen unbedingt ergebenen, von ihnen abhängigen Kreaturen. Tie Tätigkeit für die Vollsfürsorge verstärkt gewaltig die Reihen der roten Bureaukratie. Und da« scheint den Führern augenblicklich da« Wichtigste'... Recht originell ist auch die Verteidigung der unausgesetzten Rüstungen. Der Verfasser dieses Artikels verurteilt unter auSführ- lichsr Schilderung der Krieglgreuel mit erfreulicher Schärfe den Krieg (Ob die Herren Keim usw. mit dieser Stelle de« Kalender« sehr einver- standen sein werden, bleibt dahingestellt.); er erkennt auch ganz richtig, daß durch die Reibungen auf dem Weltmärkte Kriegsgefahren unvermeidlich wären. Diese Reibungen sind so schwerwiegender Natur, daß sogar alle schönen FriedeuSpredigten sie nicht überwinden könnten. Die« aber glaubt— und hier zeigt sich wieder der schon bekannte Fechtertrick— angeblich die Sozialdemokratie. Wider bessere« Wissen verschweigt der Aerfasier des Elaborats, daß gerade die Sozialdemokratie e« nicht bewenden lassen will bei schönen Friedenspredigten, sondern eine wirlliche Sicherung des Frieden« einzig darin erkennt, da« kapitalistisch-imperialifiische System zu stürzen und so allen Zusammenstößen auf dem Weltmarkt von vorn- herein vorzubeugen. Nach dieser verlogenen Unterstellung hat es der Autor denn nun leicht, seinen Lesern zu sagen: Um aber wenigsten« bei kriegerischen Verwickelungen die Gefahr einer Nieder� lag« abzuwehren, müssen wir rüsten und rüsten, stärker al« alle Nachbarn zu werden. Al« patriotisch-gottelfürchtigen Kalendermann fällt ihm da nun freilich noch der liebe Gott ein, der ja angeb- lich das Schlachlenglück zu entscheiden hat. Der ist in diesem Falle ein recht unangenehmer Gast. Aber ein guter Deutscher weiß sich zu helfen� und so bekennt denn der Patriot, daß»der liebe Gott mit den stärkeren Bataillonen' sei. Da« Geständnis kann beinahe mit dem ganzen Kalender versöhnen. Unter der Aegide eine« Matthias Erzberger und Grafen von Westarp diese— Gotteslästerung. diese Verhöhnung der vielgepriesenen göttlichen Allmacht, das ist wirklich etwas, was man nicht alle Tage findet. Aber der Kalender bat noch»in paar solcher Perlen. In der Sucht, alles Sozialdemokratische in Grund und Boden zu ver« dämmen, belehrt un» der staaiseihalicnde Schmied Wieland:„Martin hat eben von Streikunterstützungen geredet. Was nützt uns da«? Mit solchen Streikunterstützungen wirft man gemeinhin ganz nutzte« Geld au« dem Fenster, wa« Du und tausend andere arme Teufel jährlich unter Entbehrungen gesammelt haben.' Diese Belehrung muß ja den Herren GieSbert«, Lehren« usw. lieblich in den Ohren klingen. Ihr Freund Matthia« Erzberger erklärt den christlichen Arbeitern, sie schmissen ihr Geld nutzlos zum Fenster hinau«, wenn sie in die Kasse der christlichen Gewerkschaflen steuerten I Da« ist wirklich reizvoll. Hoffentlich ziehen die christlich organisierten Arbeiter die Konsequenz, um schleunigst au« ihren Verbänden auszutreten, für deren Streikkassen zu steuern freilich das Geld zum Fenster hinaus- werfen heißen mag. Aber besagter Schmied Wieland geht noch weiter. Er erklärt auch jegliche politische Agitation für Mumpitz. »Agitation ist Redensart.' Sein ebenso stoatSerhaltender Freund. der Schuhmachermeister Kleinke, unterstützt ihn durchaus. Der Ein- wand, daß durch Agitation Wahlerfolge erzielt werden könnten, wird von ihm mit den Worten abgetan:„Und dafür werden jährlich Millionen... in die Luft verpulvert?'— Da» ist mit glatten Worten die Lehre, daß jeder«in Rindvieh ist. der die Agitation der Herren Erzberger, Dewitz, Fuhrmann, Westarp auch nur mit einem Groschen unterstützt. So weit dies« Parteien in Frage kommen, wird man da» ja auch zugeben müssen. Und in»- besondere gönnen wie die Kennzeichnung de« Kalendermanne« all denjenigen, die zu dem Kalender selbst ihr gute« Geld hergegeben haben. In drei Millionen Exemplaren soll der Kalender mit Hilfe der vier für die Herausgabe verantwortlichen Parteien und mit be- sonderer Unterstützung de« Herrn Reichskanzler« im Lande ver« breitet werden, angeblich, um Vaierlandtlieb« und Gottesfurcht. deutsche Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit zu oerbreiten. Sollt« hier etwa« erreicht werden, so müßte aber schon die Methode de«„ab- schreckenden Beispiel«' da« herbeiführen. Denn mehr Verlogenheit und Gesinnungslosigkeit könnt» sich auf siebzig Seiten nicht gut zu- fammendrängen lasten, al« e« hier der Fall ist. Das Konsortium Zedlitz-Loebell-Erzberger-Fuhrmann-Dewitz- Westarp-Bethmann hat sich hier ein charakteristische« Denkmal er- richtet. Man kann gespannt sein auf die Taten, die dieser neue Lügenblock nunmehr folgen lasten wird. Der Anfang ist viel- versprechend genug._ polWcbc(leberllcbt. Tie bayerische Königsfrage. Die„Münchner Neuesten Rachrichten' melden zum Zusammen- tritt der Kaminer der ReickSräie, daß ein so früher Zeitpunkt gegen alle Tradition sei. Die Sitzung dien« in der Hauptsache einer Besprechung der König«frage und der Be- kanntgab« der Stellung der ReichSräte. Der kommende Montag werde jedenfalls die Entscheidung in der König»- frage bringen, nachdem die bürgerlichen Parteien de« Landtag« sakrisch eine Verständigung erzielt halten. Die Slaat«regierung arbeite eine Borlage über eine VerfastungSänderung au«. Ztwcm im bayerischen Landtage. Am Mittwoch ergänzte bei der Fortsetzung der Arbeitslosendebatte der Minister de« Innern seine Erklärung vom Tage vorher dahin, daß er die von den Sozialdemokraten verlangte Summe zur Unter- tützung der Gemeinde-ArbeitSlosenversicherung in Höhe von 800000 Mark an sich al« angemessen bezeichnen müsse. Da die Gemeinden aber nicht so schnell den Betrieb der Versicherungen einführen würden, reiche für diese Budgetpertod» di« Summe von 150 000 Mark, also jährlich 75 000 M., au» SiaatSzuichuß au«. Für später» Zeiten stellte der Minister di« doppelt« Summe in Autsicht. Da« Schicksal dieser RegierungSfordcrung scheint einstweilen noch durchaus ungewiß. Am Dienstag befürwortete der christlich« Abg. Oswald zwar einen von vier seiner Parteisreunde unterzeichneien An- trag zugunsten der Arbeitslosenversicherung, doch fügte er die Be- merkung hinzu, daß er nicht Wiste, wie seine Parteifreunde sich zu seinem Antrag stellen würden. Auch fanden beim Zentrum nur die Wendungen OSwald« Beifall, die sich gegen di« Landflucht der Arbeiter wendeten. Dan» ging ein förmlicher Sturm gegen die Arbeitilosenversiche- rmig lo«. Zu den konservativen und tlerikalen Rednern gesellte sich der Wortführer de« Deutschen Bauernbunde«, der sich zu den Liberalen rechnet. Offenbar für die Mehrheil de« Zentrum« erklärte der Ab- geordnete Osel, baß e» zwar nicht so weiter gehen könne und etwa» geschehen müsse für die Versicherung der Arbeitslosigkeit. aber e« müste»ganz« Arbeit' gemacht werden. Vorlärisig fei noch alles im unklaren. Es ergab sich darau« die interessante Tat- ache, daß da« Zentrum mit der Formel„Alle« oder nicht«' die Sache zum Scheitern bringen will. Unsere Genossen Timm und Simon haben in ihren Reden die ungeheure oziale und nationale Bedeutung de« Kampfe« gegen die Arbeit«- losigkeit hervor. Sie begrüßlen da« Entgegenkommen der Regierung und erklärten sich damit einverstanden, daß wenigsten« zunächst ein Anfang gemacht werde. Da« Zentrum behandle die Frage höchst gleichgültig und geradezu frivol, sonst wäre es unmöglich, daß ein ZemrumSsührer bei den Ausführungen Simon« über die riesige Entwickelnng der deutschen Vermögen den Namen Bebel dazwischen- rufen könne. Auch der liberale Münchener Kommerzienrat Scholz erklärte sich gegen die Arbeitslosenversicherung.— Zu einer Abstimmung kam e« am Mittwoch noch nicht. Nach Beendigung der Tagesordnung gab e« noch einen wüsten Skandal. Ter ZentrumSabgeordnete Held hatte neulich behauptet. daß der liberale Abg. Bühler, ein Volksschullehrer, bei den Dar- legungen Heids über die Notlage der Lauem höhnisch gelacht habe. Am Mltwoch wandte sich nun Bühler in einer persönlichen Do- merkuug gegen die.schamlosen Fälscher und Verleumder', gegen die »Politik der Wegelagerer', die jeden Abgeordneten in die Gefahr bringe, hinterrücks überfallen zu werden. Er hatte den Ausführungen HeldS gar nicht zugehört, fondem sich während dieser Zeit mit seinen Parteifreunden unterhalten. Dieser Sachverhalt wurde durch andere Liberale bestätigt. Bühler wurde wiederholt zur Ordnung gerufen. AIS dann Held auf seiner Behaupmng beharrte, entstand ein solcher Lärm, daß der Präsident die Sitzung aufhob. Doch auch nach Schluß der Sitzung setzte sich der Lärm fort. Man erwartete jeden Augenblick, daß die Gegner handgemein würden. E« kam aber nur zu der Bezeichnung„Lausbuben". Tirpiy gegen Churchill. Der Berliner Korrespondent de» Londoner»Daily Chronicle' berichtet über ein Interview, da« er vor einiger Zeit(also vor der Flottenrede Churchill«) mit Großadmiral v. Tirpitz hatte. Dieser betonte, daß niemals eine Beichleunigung des gesetzlich festgesetzten Schiffbauprogramm« stattgefunden habe, und daß das ursprüngliche Flollengesetz nur dadurch Aen- derungen erfahren habe, daß der Reichstag zu Ansang einige Schiffe abgestrichen hätte, und daß für den Ersatz ver- alteter Schiffe gesorgt werden mußte. Ter Großadmiral betonte weiter den rein defensiven Charakter der deutschen Flotte. Einen Angriffskrieg Deutschlands halte er für undenkbar. Die deutsche Floue werde gemäß den poluischen Bedürfnissen und der Stärke der anderen Flotten entwickelt werden, und sie habe eine schwere Aufgabe vor sich, auch in Anbetracht der Entwicklung in der Ostsee und anderwärts. E« fei erstaunlich, daß die deutsche Flotte al« eine Gefahr oder Bedrohung aufgefaßt werden könne, da die anderen Mächte und sogar die südamerikanischen Slaaten große Flotten bauten. Es bestehe nicht die Abficht, die englische Flotten- Politik zu beeinflusten. DaS wesentliche sei die Sicherheit für Deulsch. land selbst. Er könne keinen Grund zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und England erblicken. »Daily Chronicle' schreibt dazu, da» Interview feines Korrefpon- deuten mit Großadmiral v. Tirpitz laste einen Standpunkt erkennen, der ebenso von irgend welcher Bitterkeit gegen England al« von der Neigung für ein Flottenabkommen entfernt sei. Selbst wenn die öffentliche Meinung in Deutschland diesen Plänen geneigter sei, so ständen ihnen anerkanntermaßen große Schwierigkeiten entgegen. Aber Churchill habe seine Vorschläge nicht nur für diese« Jahr oder ein andere« bestimmte« Jahr gemacht, sondern au« einem Gedanken, der. wenn beide Regierungen ihn im Prinzip annähmen, unter günstigen Umständen vielleicht auch von der übrigen Welt angenommen werden könnte. Sieg der Liberalen in Württemberg. Stuttgart, 22. Oktober. Bei der heutigen Ersatzwahl im Oberamt Gerabronn behauptete die Volkspartei gleich im ersten Wahlgange ihr bisherige» Mandat. Nach dem Siege der nationalliberalen Partei in Rott weil verfügt nunmehr die Linie in der Zweiten Kammer über 47 Sitze, die Rechte, die da« Präsidium stellt, über 45 Sitze, während bisher beide Gruppen je 46 Sitze hatten._ Ter Terrorismus der Arbeitgeberverbände. Ein in mancher Beziehung zutreffende« Urteil über den vom Zentralvcrband deutscher Industrieller und seinem Verbündeten, dem Bund der Landwirte, mit Hochdruck betriebenen»Schutz der Arbeit«- willigen', da» heißt auf gut Deutsch.Einschränkung der Handlung«- fähigkeit der Gewerkschaften', fällt die„Franks. Ztg.'(Nr. 292). Da« Blatt schreibt: .Seitdem sich in Leipzig der Zentrolverband deutscher Industrieller, der Bund der Landwirt» und der Reichsdeutsche MittelstandSverbond zu einem Bunde der Verieuerer und der Scharfmacher zusammengefunden haben, beherrschen die von diesem Trio wieder ausgegebenen Schlagworte vom .Schutz der nationalen Arbeit' und vom.Schutz der Arbeit«- willigen' in wachsendem Umfange die öffentliche politische Diskussion; namernlich mit der Forderung nach einem besteren Schutz der Arbeitswilligen, worunter man in Wirklichkeit eine Fesselung der Arbeiter-Gewerkschaften versteht. glaubt man, politische Geschäfte machen zu können. Die Unter- nehmer der Schwerindustrie, die� seit einiger Zett auch in größtem Umfange an der Schaffung und Ausbreitung der gelben Gewerlschaften arbeilen, sind hier, unterstützt von der agrarkoniervativen Prcste, die eigentlichen Rufer im Streite. Daß sie damit ein Feuer anfachen, besten Flammen einmal ihrem eigenen Hauie sehr bedenklich nahe kommen können. merken sie nicht. Sie lasten ihre Organe mit immer lauleren Tönen zun, Kreuzzug gegen den TerroriSmnS der Sozialdemokratie predigen. Und sie stellen sich, al» wüßten st« nicht, daß der von den Arbeiterorganisationen ausgeübte Zwang nur eine Teil- erscheinung eine« viel umfastenderen Problem« ist, datz er sein Gegenstück findet in dem Organisaliontzwange. den die wirtschaftlichen Organisationen der Unternehmer in noch viel schärferem Maße au«zu- üben verstehen. Der Organisation«zwang ist in Wirklichkeit jeder n ach Marktbeherrschung stre- benden wirtschaftlichen Organisation immanent und unentbehrlich; spricht man vom TerronSmuS�der Ge- wei kschaften. so muß man noch viel mehr vom Terra» riSmu« der Ilnrernehmerkartell« und der Ar- beitgeberverbände sprechen. Da« recht deutlich zu betonen, ist im gegenwärtigen Augenblick vielleicht doch nützlich. Denn e« mag denen, die jetzt ein neue« Schlagwort für reakiio« näre Politik gefunden zu haben glauben, eine Wamung sein.' Tie Versorgung verabschiedeter Offiziere. Die Handelskammer für den Bezirk Bochum, eine ausgesprochene Vertretung der Großindustrie, äußert sich in ihrem Jahresbericht ziemlich eingehend über da» Verlangen de« Kriegsministers, ver« abschiedet« Offiziere in Handel und Industrie zu beschäftigen. Es wird in dem Bericht zum Ausdruck gebracht, daß die Großindustrie des Bezirke» im allgemeiueu nicht abgeneigt erscheint, gegebenenfalls verabschiedet« Osfiziere zu verwenden. Einzelne Werke haben sich auch bereit erklärt, der SutkunslSstelle unmittelbar davon Mitteilung zu machen, wenn sich eine EiustellungSgelegenheit bieten tollte. Die Mitteilungen über die Erfahrungen, welche mit verabschiedeten Offizieren bereit« gemacht worden sind, gehen auseinander. Ein Bergwcrksdireitor verspricht sich von der Beschäftigung verabichiederer Offiziere sür seine Gesellschaft.ieinen Erfolg'. Der Generaldirektor eine« großen Wertes schreibt, daß er vor Jahren einige verabschiedete Offiziere eingestellt, mit ihnen aber keine guten Erfahrungen gemacht Hab«: trotzdem ist er nicht abgeneigt, gelegentlich einen weiteren Versuch zu machen. Diesen ungünstigen Mitteilungen stehen aber auch günstige gegenüber. So schreibt da« Vorstand«- Mitglied einer der größten industriellen Verwaltungen, daß bei semer Gejellichaft»schon wiederholt ehemalig« Offiziere, und zwar mit durchaus gutem Erfolge eingestellt worden find', und ein« nicht der Moiitanindustrie angehörende Fabtik des Bezirk» hat vor Jahren mit einem früheren SwbSofstzier ganz ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Im weiteren wird dann in der Antwort gesagt, daß der Ver- Wendung noch verschiedene andere Bedenken entgegenständen und daß oft Saufleute und Industrielle auch rein persönliche Bedenken gegen die Beschäftigung früherer Osfiziere hätten usw.: »Die Offenhaltung bestimmter Arten von Stellen für der- abschiedet« Osfiziere läßt fich nicht durchführen, ebenso wenig kömu» Hinweise darüber gegeben werden, für welche Stellen besonder» Kenntnisse verlangt werden und wo der Offizier Gelegenheit hat, sich diese anzueignen. Die Besetzung von Stellen mit Offizieren !arm u. E. nur von Fall zu Fall erfolgen, eine allgemeine Rege« lung halten wir für ganz ausgeschlossen. Wir sind im Interesse unseres Heere« sehr gern bereit, auch weiterhin die Bemühungen des Königl. KriegstnimsteriumS, den verabschiedeten Offizieren geeignete Stellen in Industrie und Handel zu verschaffen, soweit als irgend möglich unsererseits zu unterstützen, wir glauben aber doch nicht, die Bemerkung unterdrücken zu dürfen, dag es u. E. Sache des Reiches und des Staates ist, für ver- abichiedete Offiziere zu sorgen." Der Vorschlag der Handelskammer geht nämlich dabin, die für die Industrie nicht verwendbaren Offiziere von den Not« groschen der Arbeiter zu ernähren, indem sie in die Bureau» der Lrbeiterversicherung gesteckt werden sollen. Der Bericht sagt darüber: .Unsere grofie soziale Versicherung mit ihrem gewaltigen Beamtenpersonal hätte eine v o r z ü g- liche Gelegenheit geboten, vielen Hunderten und Tausenden von verabschiedeten Offizieren ein standesgemäßes Unterkommen und eine be� friedigende Tätigkeit zu verschaffen. Wir haben es da her lebbaft bedauert, daß auch bei der Verabschiedung der Reichs- versicherungsordnung und deS Gesetzes über die Angestellten- Versicherung diese Gelegenheit— angesichts gewisser Strömungen im Reichstag— nicht benutzt worden ist." Man sollte glauben, die Bochumer. Handelskammer müßte von dem Beispiel an der Bochumer Ortskrantenlasse die Nase voll haben. Der dort als Nendant beschäftigt gewesene Oberst- leuinant Meier mußte nach einjähriger Tätigkeit die Stelle aufgeben Wenn man auch mit seiner Tätigkeit, nach den Abschiedsreden zu schließen, dann.sehr zufrieden" gewesen sein will, so hat er doch nicht verhüten können, daß während seiner Amtsführung nicht weniger als 233 Beschwerden gegen die Kasse eingelaufen sind. Oeftcmlch. Der Mörder Schuhmeiers begnadigt. Wien, 22. Oktober. Der Kaiser hat den wegen Ermordung deS Abgeordneten Schuhmeier zum Tode durch den Strang verurteilten Eisendreher Paul Äunschak begnadigt. Kunschak wurde darauf vom Gericht zu zwanzig Jahren schweren KerkerL verurteilt. Die Flucht vor der Wehrpflicht. Wien, 21. Oktober. Das vom Budgetausschuß zur Erörte- rung des amerikanischen Schiffahrtsdienstes eingesetzte Subkomitee befaßte sich heute mit der Angelegenheit der Canadian P'aeifie Co. Handelsminister Dr. v. S ch u st e r legte die Gründe dar, welche die Regierung bestimmen, das Angebot der Canadian Pacific Co. wegen Errichtung einer Linie Triest-Kanada anzunehmen. Dabei kam das Interesse des bisher in dieser Be- ziehung vernchlässigten HafenS von Trieft in Betracht sowie die Möglichkeit, den Auswanderern eine im staatlichen Interesse ge- legene Fürsorge und Kontrolle angedeihen zu lassen. Der Minister legte die Urkunden vor, deren Prüfung ergebe, daß die Regierung nicht» verabsäumt habe, waS nötig sei, um vertragsmäßig alles zu sichern, was zu Nutz und Frommen der Auswanderer sei. ES sei sehr bedauerlich, daß trotz der von der Canadian übernommenen vertragsmäßigen Verpflichtungen sich offenbar Verstöße er- eignet hätten, die gegenwärtig den Gegenstand eingehender Polizei« licher und gerichtlicher Untersuchungen bildeten, die sich auf alle in Betracht kommenden Unternehmungen erstreckten, deren Ergebnis bisher aber noch nicht vollständig vorliege. Mini st er des Innern Dr. Freiherr von H e i n o l d er- klärte, die Regierung habe sofort mit allem Nachdruck die notwendi. gen Erhebungen eingeleitet und habe keineswegs die Absicht, in dieser Hinsicht ein Vertuschungssystem zu beobachten. E» sei aber selbstverständlich, daß man während dei gerichtlichen Verfahrens keine Mitteilungen über dessen Verlauf machen würde. Der Minister verwies darauf, daß in diesem Jahre von der Ge- stellung besonders viele weggeblieben seien, deren Zahl in Galizien und in der Bukowina allein sich auf 80 000 M a n n belaufe. Daß die Zahl der ausgebliebenen Gestellungspflichtigen eine solche Höhe erreiche, sei nicht allein auf die Agitation zurück- zuführen, sondern größtenteils auf die wirtschaftliche Lage, die ganz besonders ungünstig war. Diese hohe Zahl sei auch des- halb nicht so. erschreckend, weil darunter auch Personen seien, die als Kinder ausgewandert waren sowie die Saisonauswanderer, die größtenteils zurückkehren. Immerhin sei die Zahl so bedeutend, daß sie allein schon Grund für ein energisches Vorgehen sei. Der Minister betonte gleichfall», daß e» sich keineswegs um eine Ver- folgung der Canadian Pacifie Company, sondern um ein gleich- mäßiges Vorgehen gegen alle Gesellschaften, insbesondere gegen das Agentenwesen und die Reisebureaus handle, soweit sie Aus- Wanderungsgeschäfte betrieben. England. Ein Landulinisterium. London, 22. Okt. In einer Rede, die Lloyd George heute na-bmirtag in Swindon hielt, sagte er, die Regierung beabsichtige, die Errichtung eine« Landmini st eriumS zu beantragen, das über alle Grundbesitzfragen die Aufsicht baden würde. Die Mittel zur Lösung deS Landproblems müßten gründlich, durchgreifend und erschöpfend sein. Zuerst müßte das Landmonopol mehr unter die Aufsicht und Direktion des Staates gebracht werden. Die Fragen betreffend die kleinen Pachtungen, die Pachtstreitigkeiten zwischen Besitzern ünd Pächtern und die Aufforstung und Urbar. machung des Ltndes würden alle dem neuen Landministerium unterstellt werden. Diese Vorschläge beruhten auf einstimmig ge- faßten Entschlüssen des Kabinetts. Portugal. Der monarchistische Putsch. Lissabon, 22. Oktober. Unter den bei dem gestrigen Putsch Berhafteten befinden sich mehrere Persönlichkeiten in höherer gesellschaftlicher Stell u'ng. Auch Offi- ziere und Polizeibeamte haben an der Bewegung teil- genommen. Ein Kapttänleutnant wurde im Hospital verhaftet, aber eS gelang ihm zu entfliehen. Ein ehemaliger Beamter des Ministeriums de» Aeußern wurde bei Cascaes, mehrere Offiziere und Sergeanten in der Marinekaserne verhaftet. Ein Sergeant tötete sich durch einen Schuh in den Kopf. Die„Patria" schreibt, die Bewegung sei durch zwei Komitee», ein militärisches und ein bürgerliche», geleitet gewesen. Sie sollte mit der Ermordung der Minister und höheren Beamten beginnen, sodann sollten drei Kolonnen gleichzeitig in Aktion tretet«. Die Bewegung sollte in Oporto. Braga, Evora und Vianita einsetzen. Das Mobiliar der Zeitungen Dia und Nacao wurde demoliert. Au» Oporto wird gemeldet, daß im ganzen Slorden des Lande» Ruhe herrscht. Die Polizei hat dort zahlreiche Monarchisten verhaftet und Waffen beschlagnahmt. Der Plan der Aufständische». Lissabon, 22. Okiober. Es scheint, daß zwischen dem Ur- Heber der Auf st a'n dsversuche in Lissabon und Oporto und dem monarchistischen Parteigänger Paiva Eon- ceiro verabredet worden war, daß dieser mit revolutionären Banden an der Nordgrenze in Portugal einfallen sollte. Der verhaftete ehemalige Beamte des Ministerium» des Aeußern ist der frühere Konsul Roque Dacosta. Außerdem wurde auch der Milliardär Caravalho Mantiro verhaftet. £!iis der Partei.' Pressebureau. Der Parteivorstand und die Kontrollkommission baben in den Beirat des Pressebureaus die Genossen Gradnauer- Dresden, Müller- Müucben, Stalten- Hamburg undS t r ö b e l- Berlin iviedergewählt und an Sielle des verstorbenen Genossen Gewehr den Genossen Li m b e r tz- Essen neugewählt. Gegen den Jubiläumsrummcl von 1813 nahm in mächtigen De- monstrations-Versaminlungen die Arbeiterschaft des Bezirks Frank- f u r t a. M. scharfe Stellung. Im Hanauer Wahlkreis fanden allein 16 Versaminlungcn statt, drei in Frankfurt- Stadt und eine in Biebrich(Kreis Wiesbaden). Die Versammlungen waren stark besucht. Ein sozialdemokratischer BezirkSrichter in der Schweiz. Im Kanton Bern ist am Sonntag im Bezirk Aarwangen im zweiten Wablpang unser Genosse Lehrer K r e n g e r niit 1198 gegen 1177 Siiinmcn, die auf seinen bürgerlichen Gegenkandidaten Leuen- berger fieleir, al« Bezirksrichicr gcwäbll worden. ES ist unseres Wissen« da» erstemal, daß in diese Gerichtsbehörde ein Sozial demokrat gewählt wurde._ Jugendbewegung. Wir sich Jungdentschland entwickelt. Im Weinhause„Rheingold" begann am DienStaanachmittag eine Tagung der Bundesleitung JungdeutichlandS. Den Vorsitz führte Herr v. d. Goltz. Außer ihin waren noch viele andere hohe Herrschaften und Exzellenzen erschienen, die beim Glase Wein ihr Herz für die Jugend höher schlagen ließen. Als Vertreter des preußischen Kultusministers wohnte Geheimer Ober- regierungSrat H i» z e, al» Vertreter des ÄriegSmini st eriumS Major K o r t e g a n, als Verlreier Bayern« Exzellenz von NaegelSbach.alS Vertreter Sachsens Exzellenz v. B r o i s e in. als Vertreter Württembergs Generalmajor Freiherr v. H ü g e l, als Vertreter Baden« Exzellenz Jaegerschmidt den Ver- Handlungen bei. Der Geschäftsführer des Bundes, Generalmajor Jung, hielt den einleitenden Vortrag über dieEntwickelung desBundeS. Der Bund fei gegründet worden, um in Preußen die staatliche „Jugendpflege" zu unterstützen und die Erziehungsmaßnahmen Preußen» auch auf die Bundesstaaten, die eine solche Jugend- ersiehung noch nicht besitzen, zu übertragen. Neben der werbenden Tätigkeil«volle der Bund die vorhandenen Jugendvereine des Bürgertums zusammenfassen und, insbesondere die schwächeren Ver- eiingnngen unterstützen durch Gewinnung fördernder Persönlichkeiten, Schaffung von Spielplätzen, Bade- und Schwimingelegenheiten sowie Einrichtung von VersammlungS- und Unterkunftsstätten. Das Kriegsministerium habe erklärt, daß die TruppenübungS- pläye besonders billig zur Verfügung gestellt werden sollen. Da« Geschrei der Pastoren beider Konfessionen, der Bund erziehe die Jugend zur Religionslosigkeit, da er sich um religiöse Andachten nicht kümmere, hat einen solchen Eindruck auf die BundeSleitung gemacht, daß der Geschäfts» führer Jung dringend mahnte,.auf die religiösen Pflichten der Jugend bei Ansetzen der Uebungen gebührend Rückficht zu nehmen". So dürste denn die heilige Allianz zwischen Weihwedel und Säbel wieder einmal zusammengeflickt sein. Besonders betont wurde auch, daß zwischen der Bundesleitung und dem Ausschuß der Deutschen Turner schaft da» best» Ein« vernehinen bestehe. Hoffentlich ziehen die Arbeiter in der Deutschen Turnelschaft, die bisher in dem Wahn lebten, der Berein sei politisch neutral, die Kpnsequenzen au» diesem feierlichen Be- kennlnt». Es sollte doch wahrlich keine» Beweise» bedürfen, daß der Jnngdeutschlandbund«me arbeiterfeindlich« Politik betreibt. Erllärte doch Herr Jung al? eine der wesentlichsten Ausgaben des Bunde», die auf nationalem Boden stehenden Srbeilerverbände(also die gelben Gewerkschaften!) für seine Bestrebungen zu gewinnen, damit.immer mehr Jugendliche der Sozialdemokratie abspenstig gemacht werden." Deutlicher kann wohl der arbeiterfeindliche Charakter de« Blinde« niä-t dokuinentiert werden, al« durch die Tat« sache, daß Jungdeutschland den gelben GeWerk- s ch a f t e n, den von ehrlichen und selbstbewußten Arbeitern best« gehaßtesten Organisationen, ausgeliefert werden soll. Zur weiteren Charakteristik de« Bunde» teilte Jung zu allem Ueber- flliß««och mit, daß der Kriegsini nister in einem besonderen Schreiben seine Sympathie mit den Bestrebungen des Bunde« ausgesprochen und die Förderung seiner Ziele zugesagt habe. Brachte der Vortrag keine neuen Gedanken, so trug er durch die Bekräftigung der Tendenzen deS Bundes erneut zur Klärung der Meinungen über den Bund, zur Aufklärung wesentlich bei. Ueber den Inhalt der längeren Diskussion freilich wird der staunenden Mitwelt nichts verkündet. Auch Schlveigcn führt eine Sprache. Er- freulicheS für den Bund hat die Diskussion sicherlich nicht gezeitigt. Ist doch die innere Zerfahrenheit und der Widerstreit der Meinungen t>n Bunde bei seiner letzten Generalversammlung nur allzu deutlich zum Ausdruck gekommen. Arieiter-Jugend. Tie soeben erschienene Nr. 22 des fünften Jahrgangs hat u. a. folgenden Inhalt: Was die Jugendbewegung uns Mädchen sein kann. Von Lmch Peter«.— Turnt nicht bei den„Deutschen" I— Streik. von Anna Mosegaard.— Da» Watt. Von Han« Bourquin.(Mit Abbildungen.)— �Schwarzwälderin. Zeichnung von Karl Spigweg. — Das Finanzwesen im Reick, Staat und Gemeinde.— Au» der Jugendbewegung. Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage': Ter Sohn des Waldes. Erzählung von R. Kipling. — Vom Befreiungskrieg zum Kampf uin die Freiheit.— Der Zukimfl Krone. Gedickt von Klara Müller.— Im Bahnpostwagen. Von Rickard Wagner.(Mtt Abbildungen.)— Laubfall. Von Otto Liitben.— Blicker für die Jugend. Unser Prinzeßchen. Erzählung von Emil Unger.___ fim Industrie und Kandel. Die allgemeine Bedeutung der Zolltarifreform in de» Vereinigten Staaten. Ter HandelsvertragSverein schreibt nn»: Der neue amerikanische Zolliarif bedeutet einen entscheidenden Wendepunkt in der ainerikanischen Handelspolitik. Ei» so plötzlicher und radikaler Wechsel hat bisher weder in den Vereinige ten Staaten noch anderswo stattgefunden, sowohl hinsichtlich deS Zollschutzes«vie der allgemeinen Grundsätze, die für die Gestaltung des neuen Tarifs maßgebend warxn. Besonders letztere sind von außerordentlicher Bedeutung. Man würde der Tragweite der Tarifreform durchaus nicht gerecht werden, wenn man sie lediglich vom Standpunkte des ermäßigten Zollniveaus beurteilen wollte. Der Hauptnachdruck ist vielmehr darauf zu legen, daß e» sich um einen vollständigen Bruch mit dein bisherigen handelspolitischen System handelt, wi« es in den Vereinigten"Staaten von Anfang an bestanden hat und zurzeit noch in allen europäischen Schutzzoll- staaten besteht. Tatsächlich haben die Vereinigten Staaten jetzt al» erster Staat da» einseitig vom Produzententnteresse diktierte sogenannte Soli» daritätssystem, den„allseitigen" Schutz der nationalen 'Arbeit, verlassen und sich auf den Schutz derjenigen Prv' duktionszweige beschränkt, die nach Ansicht der gesetzgebenden Fat toren noch einen Schutzzoll gegen das Ausland nötig haben. Unser? Zollsätze sind ohne den Nachweis der wirtschaftlichen Notwendiakc- einseitig von Jnteressentengruppen diktiert worden. In den Per einigten Staaten ist der neue Tarif von der Regierung im� schärfste: Gegensatze und gegen den erbitterten Widersland der bisher pr' vilegierten Kreise durchgesetzt worden. Auch der Zollbund zwischcr Industrie und Landwirtschaft, der jetzt wieder in Deutschland ob ein« nationale Notwendigkeit gepriesen wird, hat in den Vereinigter Staaten aufgehört zu existieren: denn die meisten landwirtschaf! lichen Produkte sind auf die Freiliste gesetzt worden. Damit ist aua das alte Ideal der natwnalwirtschaftlichen Selbständigkeit, de- möglichsten Selbstdeckung des eigenen Bedarfs preiSgegebei worden, ein Ideal, das bei uns noch immer Triumphe feiert. Ob wohl doch das Streben nach wirtschaftlicher Selbständigkeit, das fi! einen halben Kontinent noch Sinn und Berechtigung haben mag. für die Duodezstaaten Europas zi:m Unsinn und Verhängnis wer den muß. ES gehört dieses sogenannte Ideal aber zu dem ganze' handelspolitischen Rüstzeug uiid�Phrasentum, das wir im Jahr? 1879 eben von den Vereinigten Staaten übernommen haben. A l i die Schlagworte vom Schutz der nationalen Arbeit, der Soli- darität der produktiven Stände, de» Schutzzolles als Dogma, da? keiner Begründung bedarf usw.. haben wir aus Amerika im portiert. Das ist heute freilich in Vergessenheit geraten. Kein Geringerer als Bismarck selbst hat sich bei der Jnaugurieruiig seiner berühmten„Steuer- und Wirtschaftsreform" im Jahr« 1379 ausdrücklich auf das amerikanische Beispiel berufen, und unser-: damaligen führenden Schutzzöllner, inibesondere Herr v. Kardorff und die Herren vom Zentralverband Deutscher Industrieller, wur. den«sicht müde, aus die Vereinigten Staaten als zollpolitisches Vorbild hinzuweisen. Heut« aber sagen dieselben Kreise: Wak für die Vereinigten Staaten richtig ist, oaS ist eS für uns noch lange nicht; sie können uns in keiner Weise zum Muster dienen. Gewiß, die Amerikaner dürfen sich von einem Abbau ihrer Schutzizollmaue« ein«„Renaissance ihres Wirtschaftslebens" versprechen, aber bei unk liegen die Verhaltnisse doch ganz anders! Gewiß hat die Zollfreiheit für Lebensmittel und einen Teil der Rohstoff« augenblicklich noch keine große praktische Bedeutung für die ainerikanische Landwirtschaft, da in normalen Jahren eine lleberschujjprodukiion über den heimischen Bedarf besteht. Die Ver. einigten Staaten stehen aber iin Begriff, au» einem Agrarexport- ein Agrarimportland zu werden und befiiiden sich damit ungefähr in derselben Lage wie Deutschland Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Im Gegensatz zu Deutschland soll aber diese Eni- Wicklung erleichtert und nicht gehemmt werden. So stehen wir jetzt vor der sonderbaren Erftheinung, daß Deutschland und andere europäische Schutzzollstaaten an einem handelspolitischen System festhalten, das ursprünglich au» den Vereinigten Staaten bezogen ist, das diese jetzt aber wegen der unerträglichen Mißstände, zu denen eS geführt hat, aufgeben, Die Kaufkraft deS Geldes. Trotz der günstigen Ernteergebnisse im laufenden Jahre ist keine durchgreifende Milderung der herrschenden Teuerung eingetreten. Teilweise gehen die Preise der wichtigeren Lebensbedürfnisse bereits wieder nach oben. Die» gilt vor allem von den Fleischpreisen. Hieraus ergiebl sich naturgemäß eine beträchtliche Verminderung der Kaufkraft des Geldes. Im Monat August der nachstehend genannten Jahre erhielt man nämlich für eine Mark Roggenmehl. Weizenmehl. Kartoffeln.. Rindfleisch.. 1907 1918 in Kilogramm 6.00 3.28 6,00 2,50 11,11 14,28 0,83 0,55 1907 1918 in Kilogramm Schweinefleisch. 1,00 0.31 Hammelfleisch.. 0.67 0.43 Butter...... 0,45 0,80 Eier(Stück)... 20 12 Mit Ausnahme von Kartoffeln sind alle genannten Waren gegen 1907 im Preise bedeutend gestiegen. Selbst wenn die Geldlöhne diese» Jahres die Höhe des Hochkonjunkturjahres 1907 erreicht hätten, was bekanntlich durchaus nicht in allen Industrien der Fall ist, würde der Reallobn beute niedriger sein, al« vor sechs Jahren. Die Preisermäßigung für Kartoffeln ist übrigens auch nur eine schein- bare, da Kartoffeln im Jahre 1907 relativ teuer waren; im Jahre 1909 z. B. erhielt man für 1 Mark 16,7 Kilogramm Kartoffeln, also 6,7 Kilogramm mehr als im Jahre 1907. Letzte Nacbrficbteit« Wahlsieg in Sachsen-Meiainge«. Salzungen, 22. Oktober.(Privattelegramm de« „V o r w ä r t§".) Bei der heutigen Landtagsersatzwahl in Salzunaen haben unsere Genossen glänzend gesiegt. Genosse Eckarot wurde mit großer Mehrheit gegen den national- liberalen Gegenkandidaten gewählt. Obstruktion im österreichischen Landtag. Wien, 22. Oktober.(W. T. B.) Bei der heutigen Verhandlung der Finanzverlagen im Abgeordnetenhaus« setzten die Abgeordneten der Ukraine die Obstruktion durch lange Reden fort. Dt» nächste Sitzung findet morgen statt. Amerikanische Verstimmung gegen England. London, 22. Oktober.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Umstand, daß der neue britische Gesandte in Mexiko, Sir Lionel Carden, Huerta sein Beglaubigungsschreiben überreichte, nachdem Huerta sich einen Tag vorher zum Diktator erklärt hatte, scheint in Washington angesichts der von der amerikanischen Re- gierung Huerta gegenüber kundgegebenen Politik verstimmt zu haben. UeberdieS hat die Erklärung, die der englische Gesandte in einem Interview abgegeben haben soll, daß die Vereinigten Staaten die Verhältnisse in Mexiko nicht völlig verständen, ein« wettere Verstimmung hervorgerufen. Einige amerikanische Zeitungen äußerten, daß Sir Lionel Carden in Wirklichkeit die Pearsonschen Oelinteressen vertrete, welche von der britischen Regierung unter- stützt würden. Dem Reuterschen Bureau wird dazu mitgeteilt, daß England einzig und allein um geordnete Zustände in Mexiko be- sorgt ist und Huerta anerkannte, weil er ihm als der beste Mann am Platze erschien. Ein Engländer als Berater der chinesischen Marine. Peking, 22. Oktober.(Meldung dek Reuterschen Vur-eauS.) Dem Vernehmen nach wird der englische Konteradmiral Christian zum Berater der chinesischen Regierung in Marineang-clegenheiten ernannt werden. Die AuswandcrungSbegünstigung in Oesterreich. Wien, 22. Oktober.(W. T. B.) Das Subkomitee des Budget- ausschusseS setzte heute die Erörterung über die Auswanderung?- Propaganda der Canadian-Pacific-Gcsellschaft fort. Kolischer legte ein Schreiben vor, das ihm vom Verwaltungsrate der Lustro» Arnerikana zugegangen war und in welchem die gegen die Gesellschaft erhobenen Anschuldigungen als unrichtig zurück- gewiesen werden. Bei der auf Verlangen der Gesellschaft seitens des Handelsministeriums durchgeführten Untersuchung habe sich ergeben, daß eine Propaganda durch die Austro Americana oder deren Agenten nicht getrieben wurde; es sich vielmehr um die Abwickelung eines Prepaidgefchäfts handelte, bei welchem die Passage durch die brasilianische Regierung bezahlt wurde. Der Minister de« Innern ,Dr. Freiherr v. Heinol-d, stellte fest, daß nach Lage der Akten ein die Beförderung von Freipassagieren der brasilianischen Regierung bewilligender Erlaß seitens de» Mini» steriumS des Innern nicht ergangen sei. r Beriebligong. J Fn dem Inserat in Nr. S7S * betr. Glückwunsch Howe und f e Kobelt mutz eS heißen: Her-' * lln ÄTW, Berllchlneen- b HtraOe 1 u, 3(statt Neulolln). I | Todes-Anzeigen irerbandd.Büeii-D.Steindniekerei- flülsarbelter und Arbeiterimien Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin.— vm LI. d. M. verstarb nach kurzem Krankenlager unser Mitglied Paul Backhaus im Alter von SS Jahre». Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag den 2i. Oktober, nachmittags 8 Uhr, aus dem Zentral- Friedhof in Friedrichsseide statt. 28/14 DI« Ortsverwaltung. II. Bureau: Tngeluser 14/15. Deutschlands. ßcfcbaf tsftdle Groß- Berlin. Tel.: Amt Moritzpl. 13261 Freitag, den Oktober 1913, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantcnstrafte 39—59 Allgemeine Bdriebs-Versarnntlung samfUeher Zentralen und Unterstationen der 3. 8.-W. Tagesordnung: 153/6 1. Vortrag über: ==„Die Machteutfaltmig des Kapitals". Referent: Berbandövorsitzendcr Kollege Fr. Scheffel« 2. Veschlufffaffung über die gestellten Anträge der Arbeiter. I4«»Il?x» 44/10* Die Ort«Terwalt«iif. Wer -------------------- Verwaltung Kerlin.===== Sargtischler. Sonntag, de« 26. Oktober, vormittags 16 Uhr, bei ZUebaltaeell, Petersburger Str.(H: Branchen. Versam ml ung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Nitkchke über:„Die Volk». fürforge und die Schäden der Pribarverficherung«. 2. Verband»- und Branchenangelegcnheiten. Einsetzer. Sonntag, den 86. Oktober, vormittags 16 Uhr, bei»oelrei1, Webcrstrafte 17: Branchen.Versammlung. Tagesordnung; 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht vom Bau» arbesterschutzkongreß. 3. Verband», und Branchenangelegenheiten. Maschinenarbeiter, Bez. Südost. Sonntag, den 26. Oktober 1913. im Heichenberger Hof, Reichcnderger Strafte 147: Bartrag dt» RetchsiagSabgeorbneien Genossen Vrlt, ILnbeU. Nachdem gemütliche» Beitammensein, Tanz und humortstische Vorträge. Eröfinung 5'/, Uhr. Beginn de« Vortrages 6'/, Uhr. Eintrittskarten a 20 PI find bei den KommissionSmitgliedern und bei Strack, Laufitzer Platz 12, erhältlich. !! Branche der Miisikinstnimenten-Arbeiler Sonnabend, den 25. Oktober 1913: * Kammermusik-Abend« im grollen Saale der Armlnhallen, Kommandantenstr. 58/59. MITWIRKENDE: Herren Peter r.chmann. 1. Violine; Hermann Walter, 2. Violine; Viktor Pro.il. Viola; Fr». Hollfelder, ViolonoeUo; Frl. Gertrad Vettermann, fiesan?; Frl. Harle Schlpfmann, Rezitation. Am Flä�el: Hr.K. Rockfitroh. Konzertflügel; Ibach. ------- Nach dem Konzert: BALL.------- Anfang pOnkillch 81/, Uhr. Billetta inkL Tanz 50 Pt. snk den Zahl- stellen der Klavierarbeiter. 90/17 Die Ort.verwaltnng. CnfichirctMevt DnterstDlzen Sie uns! 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Aus London wird uns geschrieben: Die Fabianische Gesellschaft ist zwar eine politische Orga- nisation, die sowohl der britischen Arbeiterpartei wie dem Internationalen sozialistischen Bureau angeschlossen ist, aber sie ist seit jeher mehr durch die Forschungen ihrer Mitglieder auf sostalwissenschastlichem Gebiete und ihre Wissenschaft- lichen Traktale von Bedeutung gewesen, als durch ihre poli- tische Tätigkeit. Ihre wissenschaftlichen Leistungen sind von sehr ungleichem Werte, aber sie alle zeichnet großer Fleiß und niühselige Detailarbeit aus, und ihre Forschungen haben nicht nur oft der sozialistischen Bewegung als Material zu ihrer Agitation, sondern auch den Regierungen Material zu ihren Sozialreformen geliefert. Im vorigen Jahre ist die Fa. bianische Gesellschaft dazu geschritten, die Forschungsarbeit ihrer Mitglieder systematischer zu organisi>eren, indem sie eine separate Forschungsabteilung gründete, der bc- sondere Mittel aus Beiträgen von Mitgliedern und anderen Personen geliefert wurden. Die erste Arbeit der Forschungsabteilung war die Ein- setzung eines Komitees über die Kontrolle der Industrie, das aus 82 Mitgliedern der Fabian Society und 66 hauptsächlich aus Führern der Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung gezogenen Beiräten besteht. Den Vorsitz führt Frau Sidney We b b. Dieses Forschungsthema wurde gewählt, weil nran die sozialistische Forderung der Kontrolle der Industrie durch die gewählten Vertreter des Volkes neuerdings von zwei Seiten stark angefochten sah: , durch den Gärungsstoff des Syndikalismus, der die Kontrolle der Industrie den Berufsvereinen der betreffenden Industrie überlassen will, auf der einen Seite: von den ge- fährlichen Vorschlägen der bürgerlichen Parteien zur Ein- führung der obligatorischen Schiedsgerichte und der Systeme der Gewinnbeteiligung auf der anderen Seite. Das Komitee teilte. sich in vier Subkomitees, die vier Teilfragen be- handelten: Arbeitervereinigungen, Unternehmervereinigungen, Konsumentenvereinigungen und öffentliche Verwaltung. Be- richte über die folgenden Gegenstände sind vorbereitet und zum Teil schon veröffentlicht worden: Umfang und C h a- rakter der syndikalistischen Bewegung in England: die relativen Vorteile der Föderation und der Verschmelzung der Gewerkschaften einer bestimmten Industrie: die Organisation der deutschen Gewerkschaftsbewegung u. a. m. Der endgültige Bericht des Komitees soll Anfang 7914 erscheinen. Der Bericht über die„industrielle Organisation in Deutschland"' ist soeben als eine Spezialbeilage der von Fabiern herausgegebenen Wochenschrift„The New States- man" veröffentlicht worden. Der Bericht rührt von dem Organisationssekretär der Fabian Society, dem Genossen W. Stephen Sanders, her, der früher viele Jahre in Deutschland verbracht hat und im vorigen Jahre zu dem be- sonderen Zwecke dieser Untersuchung eine Studienreise in Deutschland gemacht hat. Dieser Bericht ist zunächst nur zur Information des Forschungskomitees bestimmt, er legt des- halb das Hauptgewicht auf die Darstellung eines verläßlichen Tatsachenmaterials und äußert wenig Werturteile. Obschon der Umfang des Berichts den einer kleinen Broschüre iiber- steigt, so ist er. was die tatsächliche Aufklärung über die deutsche Gewerkschaftsbewegung anlangt, unzweifelhaft das beste, was bisher in englischer Sprache erschienen ist. Er gibt einen guten Uebcrblick über die historische Entwickelung der deutschen Gewerkschaftsbewegung vor und nach dem Sozia- listengesetz. unterrichtet über die Stellung- und relative Be- deutung und EntWickelung der Hirsch-Dunckerichen. christ- lichen und lokalorganisierten Gewerkschaften und der Zentral- kleines Feuilleton. Der Lehrer Licbcrmanns. Man weih, daß Liebermann iebr viel Werl darauf legt, einen künstlerischen Stammbaum zu baben. Er möchte sich geschichtlich eingestellt sehen als Ergebnis und Vollendung einer Entwickelungsrelhe. Es läßt sich nicht leugnen, daß Lieber- mann der Endpunkt solch einer Reihe ist, die mit Chodowiecki, dem großpapalichen Berliner der Lessingzeit, anhob und über Schadow, den Klassiker des preußischen Realismus, über Krüger, den anmutig gedrillten Parodemaler, zu Menzel, dem Fanatiker einer abgezählten Wirklichkeit, führte. Bei dieser Aufzählung ist einer fortgeblieben, einer, der nicht von der Bedeutung der Genannten ist, der aber doch und mehr als die anderen einen Anspruch aus Liebermann machen kann. Das ist Karl S t e f f e ck, ein Schüler Krügers, der Lehrer des Berliner JmpressionistenmeisterS. Ihm ist' jetzr bei Paul Eassirer eine Gedächtnisausstellung bereitet worden. Liebermannbat dazu einige.Erinnerungen-' beigesteuert. Wir lesen: „Es wäre lächerlich, von Steffeck in Superlativen zu reden, er selbst— denn er war wie Th. Fontane, mit dem er auch sonst manche Aehn- lichkeit hat, ein Zyniker, und zwar von der Sorte, der sentimentale Phrasen und feierliche Redensarten am ekelhastesten sind— würde am lautesten darüber lachen. Aber er war ein ganzer Mensch und ein echter Künstler, der sein Handwerk ehrte, und darum sollte auch ihn das Handwerk ehren..... Er interessierte sich nur für die Ar- heilen, in denen er etwas in der Natur Beobachtetes wiedergegeben fand. Routine und Schick waren ihm ein Greuel..... Korrekturen gab es bei ihm nicht, wie bei seinem Meister Gottfried Schadow." Was wir nun in den achtzig Bildern, die da von Steffeck hängen, zu sehen bekommen, ist durchaus eine Bestätigung der Liebermannichen.Meinung. Steffeck. ein wohlhabender Mann und zugleich Vater von vierzehn Kindern, malte ohne Hast, halb gepflegt, halb spießerlich, niemals aufgeregt und immer interessiert,'die Er- scheinungcn'einer Umgebung: seine Kinder und seine Hunde. Menschen und Pferde, wie sie zu ihm kamen, möglichst ähnlich. Dabei läßt sich freilich nicht verkennen, daß Steffeck die Einflüsse der guten französischen Malerei hier und da auf sich wirken ließ: eine sinnliche Freude an Luftlönen, eine nervösere Art des Farbauslrages, ein keckeres Blau oder Rot blitzen auf. Das waren aber nur Episoden seiner Malerei: das Charakteristische blieb vom Anfang bis zum Ende dieser fruchtbaren Arbeitsleistung: der trockene, aber nicht witzlose, der akademiefeindliche und die Natur nüchtern liebende Berliner. Daß er daneben ein paar große Schinken für die Ruhmeshalle des Zeughauses fabriziert hat, will wenig bedeuten. Was von Steffeck bleiben wird, das sind die Bilder, die den Vater der vierzehn Kinder charakterisieren: redliche Schildereien einer guten Laune. Und das ist es auch, was ihn als Lehrer werlvoll machte und was Liebermann. fmh �bere Schüler, dankbar an Steffeck preist:„Seine Kunst 'NN Leben waren ausgeglichen und in Harinonie, daher o�l W ürdigkeit, die beides umstrahlt. Steffeck war ein famoser verbände und geht dann auf die Organisation, Entwickelung, Leistungen und taktische Haltung der letzteren ein. Besonders ausführlich werden der Metallarbeiterverband, der Bau- arbeiterverband, der Transportarbeiterverband und der Holz- arbeiterverband behandelt und ihre Verwaltungsorganisation bis in alle Einzelheiten dargestellt. Sanders kommt hierauf zu dem folgenden Schluß: „Der Erfolg der riesenhaften industriellen Organisationen der Arbeiter, gelernter wie ungelernter, die in der Manipulation einer bestimmten Art von Material beschäftigt sind, wie Holz oder Eisen, oder die in den verschiedenen Branchen eines Be- rufcs beschäftigt sind, wie in dem Transport von Menschen oder Waren, ist zum großen Teil auf den Einfluß der sozialdemokratischen Lehre von der Klassen- solidarität zurückzuführen. Aber das ist keine ge- nügende Erklärung für die Abwesenheit jeder Tendenz in den großen Verbänden, sich über die mit den zahlreichen und der- schiedenen Sektionen einer Industrie verbundenen praktischen Fragen zu spalten.... Die Deutschen scheinen jedoch die ihrem Temperament und den industriellen Verhältnissen ihres Landes angepaßte Methode gefunden zu haben, um in der Praxis die Solidarität aufrechtzuerhalten, die die theoretische Grundlage der zentralisierten Verbände ist. Wie gezeigt wurde, ist Sorge dafür getragen, zu sichern, daß die verschiedenen Berufsfektionen die Möglichkeit haben, ihre Beschwerden und Forderungen in der Organisation zur Diskussion zu bringen, und sollte eine starke . Sektion den Versuch machen, die Rechte einer kleinen Sektion zu mißachten, dann würden sich wahrscheinlich alle kleinen Sektio- nen zum Schutze des schwächeren Teiles zusammenfinden.... Einen Schutz der kleinen Sektionen stellt es auch dar, daß die Macht der Entscheidung über Streiks in die Hände des Vor- standes gelegt ist. Würde diese Entscheidung einer Urabstimmung aller Mitglieder des betreffenden Distrikts überlassen, dann könnte es vorkommen, daß die großen Sektionen gegen einen von einer kleinen Sektion gewünschten Streik, und sei er noch so wohl- begründet, stimmen würden. Der Vorstand(Sanders spricht hier speziell vom Mctallarbeiterverband) scheint, um aus den Ergebnissen der Arbeitskämpfe der letzten Jahre zu schließen, seine Macht mit Klugheit und Takt zu gebrauchen." Zur Kennzeichnung der allgemeinen Taktik der deutschen Gewerkschaften bringt Sanders einen langen Auszug aus einem im September 1912 im„Vorwärts" und im „Korrespondenzblatt des Internationalen Transportarbeiter- Verbandes" veröffentlichten„autoritativen Artikel", in dem die deutschen Gewerkschaftsmethodcn den französischen syndika- listischen Methoden gegenübergestellt und namentlich auch auf den verunglückten Londoner Hafenarbeiterstreik verwiesen wird. Der Artikel erklärt für ein Land mit starken Unter- nehmerorganisationen starke zentralisierte Gewerkschaften für die einzig wirksame Organisationsform, die syndikalistische Methode der Sympathiestreiks und der Ausdehnung des Kampfgebietes für nutzlos und gefährlich und führt die Er- folge der deutschen Gewerkschaftsbewegung hauptsächlich darauf zurück, daß sie bei ihren Kämpfen die verfügbare organisierte Macht der Arbeiter sich vor Augen hielt. Diesen Auffassungen stimmt Sanders zu. Den englischen Gewerkschaftern wird ein genaues Studium dieses Berichtes von unschätzbarem Werte sein. Berlin und Umgegend. Hirsch- Dunckcrschc Hilfe für die Gelben. In unserem gestrigen Artikel unter dieser Ueberschrift ist ein Fehler unterlaufen. Genosse Dr. H e i n e m a n n wurde dort als Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes in dem Kampfe gegen die Firma Siemens u. Halske be- zeichnet. Das ist nicht ganz richtig. Der Prozeß gegen die Firma Siemens u. Halske selbst wurde vor dem Gewerbegericht geführt, vor dem die Vertretung durch einen Anwalt nicht zulässig ist. In diesem Prozeß wurde der Kläger Sander durch den Genossen Cohen vertreten. Genosse Heinemann trat erst später in Aklion, als nun der gelbe Verein gegen Sander wegen der restierendcn Beiträge klagbar wurde. An dem, was sonst in dem Artikel gesagt ist, ändert diese Richtigstellung nichts. Achtung, Friseurgehilfen! Nach den tariflichen Abmachungen beginnt die Arbeitszeit jetzt um 8 Uhr morgens. Tariflich geregelt Der Schutzmann ist los. Noch waren die kühnen Phrasen von deutscher Heldenart und deutschem Manncsmut nicht verklungen, als die acht Tiermajestäten den schlichten Versuch machten, innigere Fühlung mit dem rapferen Bürgervolk zu nehmen. Tagelang sprach und sang der Bürger von Mut, Kampfesfreude und des Vaterlandes Bereitschaft, es gegen eine Welt von Feinden aufzunehmen, aber der unvermittelte Anblick einiger Großkatzen machte ihn zur erbärmlichen Memme. Wo noch am Tage zuvor unzählbar vielen Fahnen und Bannern, die im„Frühwinde und Sonnengoldglanz erhaben �flatterten", zugejubelt wurde, ergriff jetzt alles das gemeine Hasenpanier. Es ist kaum ein Schritt vom„erhebenden Schauspiel" zum Lächerlichen. Es ist zwischen diesen Gegensätzen knapp so viel Raum, daß ein Löwe seinen Kopf durchstecken kann. Der König der Tiere brüllte— und alle, alle liefen davon. Nur in den Schutzleuten wallte das Blut der Hcldenväter gewaltig empor, und mit vielen hundert Schüssen strecken sie die feindlichen Bestien nieder. Die Löwen suchten Schutz, aber der Schutzmann wütete. Er eröffnete gegen die„gelbe Gefahr" ein mörderisches Feuer. Seit Tagen hatte er seinen schworen Dienst mit R u h e und Hu- mor versehen sich zitiere den Mosseholzblock, aber das Er- scheinen einer Löweygruppe. die unfreiwillig den„Weg ins Freie" sucht, entlarvte ihn als den Schreck der Menschheit. Weinend war' sich die Dompteuse zwischen die bedrängten Tiere und den unerbittlichen Hüier� der Ordnung. Sie flehte um das Leben der lammfrommen Bestien, aber der Schutzmann ließ sich nicht bändigen. Mit der zunehmenden Leere der Straßen wurde seine Hoie voller, und die Löwen verendeten mit der betrübenden Er- kennlnis, daß sich teutjcher Mannesmut mit Naturgcwalt entlädt. Theater. Deutsches Schauspielhaus: Die heitere Resi- d e n z, Lustspiel von Georg Engel. Der Autor, dessen letzte, im Berliner Thealer ausgeführte Komödie„Der scharfe Junker" bei allen mitlaufende» Gewattiamkeilen in der Titelfigur Ansätze zu einer drastisch-prägnanten, zuweilen satirisch-schillcrnd'cn Charakteristik aufwies, hat sich m'einem neuen Lustipiel von derlei Ehrgeiz gründlich losgesagt. Dafür gabs eine jener Hofgeschichten im Fa- milienblattgeschinack mit einer ebenso romanhaft-intriganten als seelenvoll-schönen, an einen Mecklenburger Erbprinzen ver- beirateten Prinzessin, die zur Erhöhung der Romantik aus dem Balkan stammt, Hofmarschälle, Adjutanten und einen veritablen re- gierenden Großhcrzog. Die Lustspiele, die solche hohen Herrschaften im Personenverzeichnis führen, pflegen die Kosten der Handlung meist damit zu bestreiten, daß sie eine von ihnen im Inkognito zu Kreisen gewöhnlicher Sterblicher heruntersteigen und einige kleine Ver- Wechselungsabenteuer huldvoll-tolerant erdulden lassen. Engels Heldin vergnügt sich mit einem geistigen Inkognito. Sie kam dahinter, daß die allwöchentlichen Berliner Reisen des prinzliche» Gemahls zu diplomatischen Konferenzen ganz ander« Zwecke hatten. Und da fi« außerordentlich klug und obendrein in sind ferner folgende Betriebe: Z i ck e r t, Danziger Str. 67: Burghardt, Dunckerstr, 16; Göde, Eulcrstr. 23; Serge de, Brehmestr. 20; B ä n s ch, Straßmannstr. 27. In Lichtenberg: L o fl e r, Wagnerstr. 27; K a r r a ß, Friedrichstr. 58. In Britz: N e u m a n n, Chausseestr. 71. Zu streichen ist: Zacharias, Sol- diner Str. 76. Für Vcrbandsmitgliedcr gesperrt: Kläre, Torf- straße 26. Verbünd der Friseurgehilfen. Achtung, Zimmerer! Bei der Firma Held u. Franke sind auf dem Holzplatz des Tchneidemühlenbesitzers Beyer in Erkner Differenzen ausgebrochen. Unsere Kameraden aus Berlin und Erkner haben einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Baustelle ist für Zimmerer gesperrt. Die Verbandsleitung. Deutlebes Reich. Vom Stettincr Hnfenatbeiterstreik. Herr H e s b e r g ist anscheinend wieder besonders klagelustig. Er droht i» einem offenen Briefe in der„Ostsee-Zeitnng" der Ver- bandslcitnng des Gcmeindearbeilerverbandes an, daß es dieser so gehen würde, wie schon verschiedenen sozialdemokratischen Re- oakteuren, wenn sie ihn in seinem Geschäft stören würde. Besonders hat es ihm gewiß ein Flugblatt der Organisationsleitnng angetan, das zwar nach seiner Meinung aus seine gewerbsmäßigen Arbeits- willigen gar keinen Eindruck gemacht haben soll, anscheinend aber doch seine Wirkung nicht verfehlt baben kann. Fragt man sich ver- wundert, was tvobl der Zweck seiner öffentlichen Verteidigung ist, so findet man des Rätsels Lösung vielleicht darin, daß der Herr in der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" derb abgeschüttelt wurde. Er will nun durch sein Unternehmen als„Pächter des Freihafens und Vertreter des Magistrats" sich wieder bei dem Unternehmertum in wohlwollende Erinnerung bringen. Viele Unternehmer waren denn doch etwas unangenehm berührt, als er sich ebenfalls als„Unter- nehmer" bezeichnete und mit einigen Empfehlungsschreiben hausieren gehen wollte. Der Schaden, den die Arbeiiswilligen an Materrai und Werk- zeugen anrichten, muß ein ganz beträchtlicher sein. Wenn der Ans- stand noch einige Zeit dauert, dürfte im Freibezirk kein gut sunknonierender Kran mehr vorhanden sein. Die ortsansässigen Streikbrecher werden jetzt mit täglicher Kündigung zum Anfongslohn angenommen. Die Lohnzahlung erfolgt lltäglich unter Einbehaltung des Lohnes für vier Tage. Die Arbeiter der Hafenstädte werden ersucht, ganz besonders darauf zu achten, daß keine Streikarbeit verrichtet wird durch Laden und Löschen von Waren, Gütern usw., die sonst im Stettiner Freihafen umgeschlagen werden. Durch Beachtung dieser Bitte kann die Arbeiterschaft allerorts den Kampf wirksam unterstützen, den die Stettiner Arbeiter gegen den Magistrat mit den ihm vereinigten Scharfmachern führen._ Streik der Kupferschmiede und Heizuugsmonteure in Chemnitz. Seit dem 1. Oktober haben in Chemnitz die Heizungsmonteure und Kupferschmiede die Arbeit eingestellt, weil die Unternehmer sich nicht geneigt zeigten, auch nur einigermaßen annehmbare Zugeständ- nisse auf die von den Arbeitern gestellten Forderungen zu machen. Die Unternehmer versuchen nun Streikbrecher von auswärts, namentlich von Berlin heranzuholen, und, wie gesagt werden muß, mit Erfolg. Am Dienstag ist ein Schub von etwa 26 Mann aus Berlin in' Chemnitz eingetroffen, die den Versprechungen skrupelloser Agenten gefolgt sind. Der Hinweis auf den in Chemnitz bestehenden Streik wird hoffentlich die Wirkung haben, daß kein Kupserschmied oder Heizungsmonteur sich als Streikbrecher nach dort anwerben lassen wird._ Det Streik der Straßburger Elcktomonteure ist nach vier Wochen beendet worden. Ein Tarif wurde zwar nicht eingeführt, jedoch ist es den Monieuren gelungen, wesentliche Verbesserungen der bis- herigen Arbeitsbedingungen zu erreichen. Die Arbeitszeit wurde von 16 auf 9'/z Stunden herabgesetzt und die Löhne bis zu 8 Pf. pro Stunde erhöht. ZZusUnd. Uhrcnarbciterstreik in der Schweiz. In der Uhrenfabrik.Eterna" in Grenchen(Kanton Solothurn streiken seit letzten Sonnabend zirka 266 Remonteure, weil die Fabrikleitung den nach zweijähriger Geltungsdauer abgelaufenen Tarifvertrag nicht wieder erneuern wollte und die Forderungen der Arbeiter protzig zurückwies. Vom Streik werden auch die übrigen Abteilungen des Betriebes in Mitleidenschaft gezogen. ihren jungen Gatlen eifersüchtig verliebt ist— was kann sie besseres tun, als aus ihren ehelichen und sonstigen Erlebnissen am Hofe einen kleinen Schlüsselroman:„Die heitere Residenz" zusammenstellen und ihn Pseudonym dem lieben Publikum servieren, das immer Freude am Skandal hat? Der Großherzog, dessen borstige Soldalenmaniercn sie gleichfalls sehr wortgetreu beschrieben, befiehlt, nach dem Verfasser zu recherchieren. Doch im Moment, wo die Meldung kommt, erwacht im Prinzen, der über seine blamable Bloßstellung im Buche eben noch entrüstet grollte— wie Prinzen einmal sind— der edelmütige Rittet. Er sucht zu lügen, nicht seine Frau, er selber habe das Pamphlet geschrieben. Der erste Schritt zur Liebe. In, Foisthaus, wohin der Herzog die Uebeltäterin ver- bannt hat, bricht er bei Nacht und Nebel voller Sehnsucht ein und wird in Gnaden ausgenommen. Die Balkanpolitik triumphiert. Ein bißchen Scribe, ein bißchen Bencdix und Moser. Der Hauptteil des Erfolges wird auf Rechnung der aus- gezeichneten Darstellung zu setzen sein, auf Adolf Pauls kratz- bürstig polternder Kasernen-Herzog mit der drollig drohend aus- gewirbelten Schnurrbartspitze und Elsa Galafrös charmante Liebenswürdigkeit in der Prinzessinrolle. dt. Schillertheater Charlotten bürg: Rosenmontag. von Hart lebe n. Vor gefülltem Hanse wurde Otto Erichs Ossi- zierslragödie aufgeführt, und es machte der Aufmerksamkeit und Bei- fallslusl des zahlreichen Publikums nichts ans, daß die schauspiele- rische Leistung sich dem Thema nicht sonderlich gewachsen zeigte. Die Absicht des Dichters trifft man nur, wenn in Hans Rudorff eilt Mensch gezeichnet wird, der feinfühlig und edelgesinnt ist und dem zugleich soldatische Tüchtigkeit ererbt im Blute sitzt. Denn er treibt in sein Schicksal hinein, weil er sich die saubere menschliche Art nicht von öder Kommißzucht vergewaltigen lassen will. Heinz S arnow kam an dieses W sen nur wenig heran. Er betonte das Soldatische nicht energisch genug, so daß man mehr einen Menschen in ihm sah, der sich in der Wahl des Berufes vergriffen hat. Das also ist falsch und hilft nun auch die Aeußerungen seines Gefühlslebens in eine Beleuchtung bringen, die das Bild schädigt. Auch die Traute Reimann war nicht getroffen. Elly S t a e r ck gab sie zu niditig, zu kleinmädelhaft, zu sehr abseits der besonderen Art, die Rndorffs Hingebung an dieses Geschöpf erklärlich macht und verteidigt. Die Schauspielerin muß erst noch in die Sphäre dieser Rolle hineinreifen. Treffendes war in der Schar der Leulnantstypen; besonders der Grobitzsch Otto L e t r o e§ befriedigte. Die Regie sollte verhüten, daß die kleinen Züge des Offizicrmilieus zu anipruchsvoll oder gar, wie in den Burschenszenen, mätzchenhaft vorgetragen werden.__ frd. Notizen. — Das Programm des Neueu Volkstheaters. Der neuernannte Direktor der Neuen Freien Volksbühne hat sich über seine künstlerischen Pläne ausgelassen: „Mein Bestreben wird sein, vornehme gute Kunst zu bieten. Das wird um so eher möglich sein, als die gesicherte wirtschaftliche Grundlage die Jagd nach dem Kassenstück entbehrlich macht. Wir Fürforgeftellentag für Cungenüranke. Der internationalen Konferenz zur Bekämpfung per Lungen- tuberkulöse, �die heute in Berlin ihren Anfang nimmt, ging gestern der zweite Fürsorgestellentag für Lungenkranke voraus. Zu dem- selben hatten sich etwa 300 Männer und Frauen, die in der Be- kämpfung der Tuberkulose tätig sind, im Sitzungssaale des Abge- ordnetenhauseS unter Vorsitz des Wirkl. Geh.-Lbermedizinalrat Professor Gaffky eingefunden. Hofrat Dr. Ferdinand Mah-München sprach über die O r- ganifation der Fürsorge stellen für Lungen- kranke und ihre Stellung zu den anderen für die Tuberkulose- bekämpfung in Betracht kommenden Wohlfahrtseinrichtungen. Der Redner gab zunächst einen ausführlichen Ueberblick über die Eni- stchung der Fürsorgestellen und hob hierbei den Einfluß hervor, welchen die Einrichtungen der Dispensaires im Auslande, nament- lich in Frankreich, auf die deutschen Fürsorgestellen ausgeübt haben. In Grotz-Berlin hat sich vor etwa zehn Jahren das Zentralkomitee für Fürsorgestellen in Grotz-Berlin ge- bildet, um eine Zersplitterung der Kräfte zu vermeiden. Es sind namentlich die Arbeiten des Geheimrats Pütter von der Ber- liner Charite für dieses Zentralkomitee wie überhaupt für das ganze Fürsorgestellenwesen richtunggebend gewesen. Der Schutz der Kinder gegen Infektion erscheint als eine der Hauptaufgaben der Bekämpfung der Tuberkulose überhaupt, denn in der Infektion f>.n KindeSalter haben wir die wichtigste, allerdings nicht die ein- zr�e Krankheitsursache zu erkennen. Auch Erwachsene können sich frwch an Tuberkulose infizieren, sei ei, daß fig zu den wenigen ne.itören, die als Kinder nicht infiziert waren, sei es, daß die Jnanunität, die sie als Kinder erworben haben, erloschen und neuen Angriffen nicht mehr gewachsen ist. Aeutzerst wichtig für die Proplwlaxe ist die Verhütung der Masseninfektion und der stati scheu AutoinfeZtron bei Kindern sowie die Verhinderung der An steckungsgefahr für Erwachsene. Die Frage, wer der Träger der Fürsorgestellen fein soll, wäre verfehlt, es kann sich nur um die Frage handeln, wer alles Träger sein kann, denn der Gewinn liegt in der Vielseitigkeit. Es ist höchst erfreulich, wenn Behörden und Städte, wie z. B. Schöneberg, Charlottenburg, Köln, Ham- bürg u. a. geradezu Unübertreffliches leisten, wozu ihnen ja auch die reichen Mittel ihrer Gesundheitsämter zur Verfügung stehen. Aber auch die Tätigkeit von Vereinen hat ihre großen Vorzüge; sie haben Vorzügliches geleistet und tun es noch immer, fei es, daß sie als Provimzialvereine, fei es, datz sie als Ortsvereine auftreten oder, wie in Schöneberg, solange als Pioniere wirken, bis die Stadtgemeinden da? von ihnen ins Leben gerufene Werk über- nehmen und weiter führen. Gewiß, die städtischen Für. s o r g e st e l l e n haben ihre unvergleichlichen Vorteile, aber eS läßt sich nicht leugnen, daß auf manchem Gebiet der Fürsorge- tätigkeit, so z. B. bei Gewährung von Wohnungsmieten, von Betten usw., die leichtere Beweglichkeit von Vereinen gegenüber dem bureaukratischen Schema polizeilicher Verwaltungen mit ihren Formalitäten und Schreibereien vorzuziehen ist. Von 35S privaten Fürforgestellen in Deutschland sind 19S von Vereinen, 80 von Ausschüssen, 132 von Vereinigungen oder Stiftungen errichtet, welche auch noch andere Ziele verfolgen. Die Ortsvereine vom Roten Kreuz, und zwar fast durchweg die Frauenvereine vom Roten Kreuz haben 32 Fürsorgestellen errichtet, die zum Teil ganz hervorragend eingerichtet sind, wie z. B. die in Magdeburg. 33 Proz. aller deutschen Fürsorgestellen, nämlich 417, sind durch Behörden oder öffentliche Organe errichtet. Für die Fürsorge tätigkeit fei die Frau mit ihrem Zartgefühl, ihrem raschen Er. kennen und offenen Blick viel besser geeignet als der Mann, so daß sich durchaus die Anstellung weiblicher Fürsorge- sch western und Pflegerinnen empfehle. Die Fürsorgestellen sollen möglichst im Zentrum und ebenerdig gelegen sein, und die Lokale dafür sollen womöglich für keine anderen Zwecke benutzt werden; wenn dies aber doch unvermeidlich sein sollte, dann müssen sie vor jeder anderen Verwendung entsprechend gereinigt und des- infiziert werden. Wenn eine Fürsorgestelle in der Wohnung eines Arztes sein muß, dann soll sie getrennt von den übrigen Räumen sein. Heizbare Warte« und Üntersuchungsräume sowie nach Möglichkeit auch ein besonderer Raum für Schwestern sind wünschenswert. Es ist praktisch, daß die Schwester im gleichen Haufe wohnt.— Zum Schluß fordert der Referent unter Hinweis darauf, daß Robert Koch die Für sorge st eilen als 'das wichtigste Kampfesmittel gegen die Tuberku- lose bezeichnet hat, einen Zusammenschluß dieser Fürsorgestellen und bemerkt, daß nur dann die Fürsorgestellen wirklich das Zentrum der Tuberkulosebekämpfung darstellen, wenn sie allen Anforderungen genügen, um jeden einzelnen Seuchenherd zu entdecken und dje Kranken rechtzeitig isolieren zu können. Es sei nicht abzuleugnen, daß viele der bestehenden Fürsorgestellen nicht allen Anforderungen genügen und daß so manche, die nur Geld oder Milch den Kranken gewähren, nicht mehr sind als ge- wohnliche Wohltätlgkeitseinrichtuugen, aber nicht zur Bekämpfung der Tuberkulose beitragen. Durch solche minderwertige Fürsorge wollen auch NichtMitgliedern die Möglichkeit geben, unser Theater zu besuvden.'Sollte es sich herausstellen, daß wir nicht genügend Plätze im Neubau am Biilowplatz haben werden, so soll ein zweites Theater gebaut werden. Das sieht allerdings wie eine Konkurrenz zu den Schillerbühnen aus. Indes gibt es in Berlin so viele Leute, die zu annehmbaren Preisen gute Kunst haben wollen, daß wohl eine Beeinträchtigung dieser Institute nicht erfolgen wird, wenn auch das Repertoire und sogar die Preise ähnliche sein werden. Was ersteres betrifft, so wollen wir vor allem daS klassische Drama pflegen, waS an den bisher unserem Berein zur Verfügung stehenden Bübnen nicht möglich war. Danach wird auch die Zusammenstellung deS Ensembles erfolgen. Aber auch Uraufführungen moderner Autoren sind in Aussicht genommen. Literarische MatineeS sollen eingerichtet werden/ — Theaterchronik. Im Theater am Nollendorfplatz ge- langt am nächsten Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, zu kleinen Preisen Schillers»Maria Stuart' zur Aufführung. — Ein Fichtegemälde in der Universität. Professor Artur Kampf erhielt den Auftrag, in der neuen Universitätsaula. der alten Kgl. Bibliothek, ein großes Wandgemälde auszuführen. Es soll FichteS Reden an die deutsche Nation zum Gegenstand haben, die er in der alten Akademie im Winter 1807/08 hielt. — Ein Komponist, der sich loskauft. Der Kom- ponist Jean Gilbert war mit seinem Manager sMacher) W. Mendel in Differenzen geraten. Die Folge: ein Prozeß und ein Bombardement von Erklärungen. Die Herrschaften haben sich nun. nachdem sie gegenseitig gehörig ausgeladen, geeinigt. Der Komponist muß an den Manager eine Viertelmillion Marl zahlen. Der Prozeß ergab nette Einblicke in die kapitalistische Agenten- und Vermitllerwirtschaft. Der Mendel hatte seinerzeit 28 800 M. auf- gewendet, um den Komponisten auf zeitlebens zur Abgabe von 25 ja 50 Prozent seiner Einkünfte zu verpflichten. Er soll inzwischen schon 300 000 M. von seinem Opfer gezogen haben.— Die Ver- sklavung der Künstler(der schaffenden wie der darstellenden) durch die Geldparasiten wird leider trotz solcher Erfahrungen von Tag zu Tag ärger. — Das Fiasko der Prinzessin-Operette. Die Uraufführung der Tosellischen Operette, die„Bizarre Prinzeß' im römischen Theatre Nationale bedeutete einen völligen Mißerfolg. Während der erste Akt ruhig angehört wurde, ertönte bereits beim zweiten lautes Zischen und der dritte konnte nur mit Mühe unter dem lebhaften Protest des Publikums zu Ende gespielt werden. Die Handlung der Operette ist dürftig und die Musik entbehrt jeder Originalität. Am Schluß der Vorstellung riefen Neugierige nach der Verfasserin und dem Komponisten, die, als sie sich zeigten, mit ironischem Beifall begrüßt wurden. stellen könne die ganze Einrichtung in Mißkredit gebracht werden nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Aerzten. Wenn die Tuberkulosebekämpfung auch viel Geld braucht, so müssen doch auch die richtigen Persönlichkeiten und die entsprechende Organi- sation vorhanden sein, um die richtige Verwendung der Gelder zu ermöglichen. Die Fürsorgestellen sollen keine Wohltätigkeitsanstalten sein sondern gemeinnützige Wohlfahrtsanstalten und sie müssen daher mit allen anderen gemeinnützigen WohlfahrtSanstalten in Ver- vindung stehen.— Wir wollen, schloß der Redner, uns nicht damit brüsten, möglichst viele Fürsorgestellen zu haben, sondern wir wollen möglichst gute haben. Darum dürfen wir nicht rasten, um das zu erreichen, was Robert Koch als daS beste KampfeSmittel gegen die Tuberkulose bezeichnet hat. In der Diskussion gab der Begründer der Dispensaires Professor Ealmette-Paris, in sranzöstscher Sprache einen kurzen Ueberblick über die Entwickelung der Dispensaires und bemerkte, daß ihre Ausgestaltung ein soziales und Wirtschaft- liches Werk von hoher Bedeutung sei.— Aus der Diskussion seien besonders die Darlegungen des Geheimrais P ü t t« r, des Per- waltungsdirektors der Berliner Charite, hervorgehoben. Er wies auf die Tätigkeit des Zentralkomitees d-r Aus kunfts- und Fürsorge stellen in Berlin hin, das im Jahre 1312 annähernd 30 000 Lungenkranke, 1300 Alkoholkranke und 400 Krebsverdächtige in seiner Fürsorge hatte, die sich auch auf den Mittelstand erstreckte. Tie Fürsorge für Alkoholiker dürfte im Jahre 1312 in Berlin der städftschen Armenkasse etwa 60 000 M. erspart haben. Einige 100 Personen wurden durch rechtzeitige Untersuchung und Erkennung ihrer Krankheit vor dem Tod an Krebs bewahrt, weil sie zur rechtzeitigen Operation gebracht wurden. Die Landesversicherungsanstalt Berlin, die eigene Fürsorgestellen unterhält, hat infolge gewisser Differenzen die Subvention an daS Zentralkomitee einge- stellt, während die Stadt Berlin zu den Betriebsmitteln 1313 50 000 3)1. beisteuerte. Im Jahre 1312 wurden über 11 000 Kinder ärztlich untersucht und ihre häuslichen Verhältnisse kontrolliert. Der Redner tritt entschieden dafür ein, den Fürsorgestellen nicht nur den Kampf gegen die Lungenschwindsucht, sondern auch gegen die anderen Volkskrankheiten zu übertragen. Heute tritt im Abgeordnetenhause die 11. internationale Tuberkulosekouferenz zusammen, die bis zum 25. Oktober dauern wird._ Kommunale Klaßlbewegung. Für den 9. Kommunalwahlbezirk fand am Dienstag eine Versammlung im Luisenstadtkajiiw statt. Referent war der Stadtverordnete Paul Böhm. In der Dis- kussion sprachen die Stadtverordneten Gottfried Schulz und Wilhelm Mann. So hatten die Versammelten Gelegenheit, von drei Vertretern der Arbeiterschaft eine eingehende, mit zahl- reichen Tatsachen belegte Schilderung der Tätigkeit der sozialdemo- kratischen Stadtverordnetenfraktion zu hören. Ein interessantes Bild war es, was sich den Zuhörern entrollte. Sie sahen, wie unsere Genossen im Rathause seit zwei Jahrzehnten bemüht sind, die bürgerliche Mehrheit vorwärts zu treiben und zur Erfüllung sozialer Aufgaben der Gemeinde zu bewegen, was denn auch nach harten Kämpfen mit der rückständigen Mehrheit bis zu einem ge- wissen Grade gelungen ist. ES läßt sich nicht verkennen, daß mit unseren Genossen ein neuer Geist in die Stadtvertretung einge- zogen ist, der sich aber infolge deS hartnäckigen Widerstandes der bürgerlichen Mehrheit nur langsam, aber mit stets wachsendem Erfolge durchsetzt. Dem Drängen der Massen, die hinter unseren Vertretern stehen, muß man schließlich, wenn auch widerstrebend. Rechnung tragen. Deshalb ist es jetzt die Aufgabe der sozialdemo kratischen Wähler, ihre Vertreter mit einer imposanten Stimmen zahl wiederzuwählen, nicht im Bewußtsein der Sicherheit des Sieges im 3. Bezirk lässig zu sein, sondern so zu arbeiten, als gelte eS, den Bezirk neu zu erobern. In der Versammlung für den 16. und 22. Kommunalwahlbezirk bei Boeker, Weberstratzc, referierte zunächst Genosse B a! n e r. Er beleuchtete die sozialen Einrichtungen der Stadt, vornehmlich die Fürsorge für Kranke in Krankenhäusern und Heilanstalten und wendete sich schließlich dem Schulwesen zu, indem er betonte, wie- viel gerade auf diesem Gebiet« noch zu tun übrig bleibt. Dann kam Genosse Wengels zum Wort und zeigte an Hand eines reichen Zahlenmaterials, wie außerordentlich benachteiligt die minderbemittelten Wähler durch das geltende Wahlsystem sind, das noch durch das Hausbesitzerprivileg besonders reaktionär wirke. Eine Diskussion knüpfte sich nicht an die Referate. Die IleubSIIner Genossen und der Parteitag. Die Neuköllner Genoffen führten am Dienstag die Debatte über den Parteitag in Jena zu Ende. Den Diskussionsreigen er- öffnete Genosse Barth. Er ist der Meinung, datz die Arbeits- losenfrage so wie sie auf dem Parteitag erledigt wurde, auch auf jedem sozialen Kongreß verhandelt worden wäre. Nicht haben wir etwa? von oben zu»warten, sondern wir müssen fordern und rück- stchtslos anklagen. So muß der Klassenkampf in dieser Frage be- sonders in den Bordergrund gerückt werden. Die Parteipresse >ürfe bei Selbstmorden ans Arbeitslosigkeit usw. nicht schreiben: Durch Not in den Tod, sondern: Die kapitalistische Gesellschaft hat wieder einen Mord auf dem Gewissen. Keine Zeit sei besser dazu angetan die Massen aufzurütteln, als gerade die der Krisen. In dieser ist es angebracht, den Massenstreik mit Erfolg zu diskutieren. Das Ergebnis des Parteitages verdiene kein Hosiannah. Retzerau: Solange er zurückdenken könne, habe noch kein Parteitag eine solche Zerfahrenheit gezeitigt wie der vergangen«. Bebel hätte wahrscheinlich anders gewirtschaftet. Wenn eine Rebe die Partei diskreditiert habe, so war eS nicht die der Genossin Luxemburg, sondern die des Genossen Bauer. Zur Kampfes- erziehuirg habe die Partei nicht Genügendes getan. Bis vor einiger Zeit sagte man: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen, und damit sind wir gut gefahren; warum nun der Umschwung dieser erprobten Anschauung 7 Daß durch den Massenstreik recht bald Erfolge erzielt werden, ist zu wünschen. Podany: Es klang aus den Berichten über den Parteitag heraus, daß die Riesenmaschine der Partei nicht mehr recht funktio- niert. Bei den vielen Volksvertretern müsse in der Arbeitslosen- wage etwas herausspringen. Von den Delegierten hatten wohl die meisten die Fühlung mit der Masse verloren. Der Entschluß in der Polenfrage zeitige versteckte Germanisation. Obgleich er und viele andere immer gegen diesen Beschluß kämpfen werden, dürfen wir uns keinesfalls gegenseitig zerfleischen, sondern wir müssen uns brüderlich fördern. Franke: Betonen möchte ist, datz in der Frage der Arbeits- losenfürsorge etwas Großes geleistet worden ist. Bauer mußte ch in der Massenstreikangelegenheit bewußt sein, was er tat. whrlässig war es von ihm, eine derartige Stegreifrede zu halten. Die Masse muß mit ihren Waffen vertraut sein, um bei einem Raub des Koalitionsrechtes gewappnet zu sein; aus diesem Grunde mutz die Massenstreikfrage auch mehr innerhalb der Gewerkschas- ten ventiliert werden. Mit dem Maifeierbeschluß haben die Neu- köllner bis dato trübe Erfahrungen gemacht. Da der Delegierte Scholz die Stimmung der Diandatgeber kannte, sei es bedauer- lich, daß er auf dem Parteitage sein Votum nicht in ihrem Sinne abgab. Radtke: Es hat wohl noch kein Parteitag die volle Zu- ftimmung aller empfangen; denn je größer die Partei wird, desto 1 mehr wachsen ihre Aufgaben. Ein politischer Massenstreik muß mit Arbeitenden gemacht werden; wenn man noch dazu bedenkt, daß uns gegnerisch organisierte Arbeiter als Feinde gegenüber stehen. In der Steuerfragc mutz berücksichtigt werden, daß feststehende Steuern nicht der Arbeiterschaft aufgehalst werden. Der Maifeierbeschluß erscheint ihm schärfer, als der vorangehende. In langer, zäher Pionierarbeit und nicht mit Worten erziehen wir Kämpfer; aus diesem Grunde ist der Ausbau der Organisationen eine erste Vor- bedingung zum Massenstreik. Faaß: Wenn durch Schuld der Fraktion dem Volke eine indirekte Steuer aufgebürdet worden wäre, wir würden aus der Agitation schön nach Hause geschickt. Die Fraktionshaltung war zu billigen. Es stimmt nicht, daß nur der Masse Entfremdete als Parteitagsdelegiertc ihr Amt ausführten; über die Hälfte waren im Beruf Tätige. Nicht darüber streiten wir, ob wir den Willen, sondern darüber, ob wir stark genug sind, einem ungleich stärkeren Gegner ein Paroli zu bieten. Das ist die Kernfrage. Die Ber- herrlichung der Unorganisierten tut dem Gewerkschaftsgedanken großen Abbruch, Grund zum Pessimismus haben wir auf keinen Fall. Schon viel wäre dem Proletariat wieder entrissen, wenn es nicht schon über ansehnliche Streitkräfte verfügen würde. Lehmann: Den Mitgliedern der P. P. S. sei es vorerst um Nationalsragen zu tun. Wenn gesagt wird, durch die Dis- kussion des Massenstreiks zeigten wir den Gegnern unsere Schwächen, so stimmt das nicht; denn unsere Widersacher wissen ganz genau, wieweit das Klassenbewußtsein bei uns entwickelt ist. Mit einem gewissen Recht sagen die Gewerkschaften in der Massen- streiksrage: Spielet nicht mit Feuer! Wird es einmal so weit sein, dann stehen auch die Gewerkschaftler ihren Mann. Eine Unsitte ist es, bei Meinungsverschiedenheiten immer„Richtungen' zu konstruieren. Scholz: Es ist gesagt worden, alles wird zu lau und zu lasch angefaßt; za, wo sind denn dann die kritisierenden Genossen, wenn es heißt, ein Amt anzunehmen. Da drücken sich die meisten von der Arbeit Bei einem Massenstreik mutz die Produktion lahm gelegt werben. Kann man es bei der heutigen Arbeitslosigkeit wagen, die Arbeiter aus den Betrieben herauszuholen? Nein! Schon auf der Kreisgeneralversammlung habe Redner seinen Standpunkt zur Steuerfrage präzisiert. Dieser decke sich vollständig mit dem schon seit langen Jahren von der Reichstagsfraktion ver- folgtem. Seine Haltung bei der Abstimmung war also bekannt. Nachdem noch K o t t e als letzter Redner die Ergebnisse des Parteitages kritisiert hatte, nahm P ä tz e l das Schlußwort. Er faßte sich nach Widerlegung der verschiedensten Diskussionsredner dahin zusammen, daß der Parteitag weder Lob noch Tadel ver- diene. Er habe eben wie alle vorangehenden einfach seine Auf- gäbe im Interesse der Gesamtpartei gelöst. Sodann teilte der Vorsitzende mit, daß der frühere Stadt- verordnete Wille, da er bei der Landtagswahl einem Gegner seine Stimme gab, aus dem Neuköllner Wahlverein ausgeschlossen ist. Diese Angelegenheit ist nach Groß-Berlin weitergegeben worden._ Soziales* Tarifvertrag und§ 153 der Gewerbeordnung. Das sächsische Oberlandesgericht fällte dieser Tage ein wich» tiges, mit der neueren Rechtsprechung deS Reichsgerichts überein- stimmendes Urteil über die Nichtanwendbarkeit der Strafbestim» mungen des Z 153 der Gewerbeordnung auf Tarifverträge. Bei dem Neubau des Tietzschen Warenhauses in Chemnitz war zwischen der Zahlstelle des Zimmererverbandes und dem Arbeit- geberverband für das Baugewerbe ein Tarif abgeschlossen worden. Danach war die Arbeitszeit auf 7lh Stunden für die Winter» monate festgesetzt. Ueberstunden sollten nur in dringlichen Fällen mit Zustimmung der Baudelegierten erfolgen, da eS viele Arbeits- lose gab. Die beiden Verbandsmitglieder Lesch und Simon verstießen hartnäckig gegen diese Bestimmungen, indem sie zur Er- langung eines größeren Verdienstes regelmäßig zehn Stunden arbeiteten. Zwei Baudelegierte ermahnten die beiden Ueber- stundenmacher an ihre solidarischen Pflichten und als diese in ihrer Ueberarbeit ungeachtet dessen fortfuhren, erklärten sie ihnen:„Ihr müßt aufhören; die anderen haben beschlossen, nicht mehr mit Euch zu arbeiten. Geht in das Bureau der Zahlstelle, dort wird Euch andere Arbeit nachgewiesen." Wegen dieser Aeutzerung wurden beide vom Schöffengericht zu zwei Tagen Gefängnis verurteilt. Das Gericht sah darin eine Drohung im Sinne des 8 153 der Gewerbeordnung. Die von den Angeklagten eingelegte Berufung hatte keinen Erfolg. Jetzt hat der Strafsenat des OberlandcSgerichtes alS RevitionSinstanz die Angeklagten kostenlos freigesprochen. In der Urteilsbegründung heißt eS unter anderem:„... Wie aus den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichtes hervor- geht, war das Absehen der Angeklagten darauf gerichtet, die Zimmerer Lesch und Simon zur Beobachtung eines tariftreuen Per- Haltens zu bestimmen, das heißt also, dem zwischen den Arbeit- nehmern und den Arbeitgebern rechtsgültig abgeschlossenen Tarif- vertrage Folge zu leisten. Ein solcher Tarifvertrag fällt aber nicht unter die Kampfmittel deS§ 152 der Gewerbeordnung, er ist im Gegenteil der den Kampf beendende Friedensschluß. Damit v«d der Anwendung de?§ 153 der Boden entzogen....' Der Erfolg der„Erdrosselungssteuer.' Die Warenhaussteuer entsprang der Absicht, die Warenhäuser zu erdrosseln, die Entwickelung zu hemmen. Sie hat aber, was von Sozialdemokraten vorausgesagt wurde, gerade die Entwickelung der ganz großen Betriebe gefördert, höchstens das Aufkommen kleinerer Warenhäuser gehemmt. Die Statistik der Warenhaussteuer beweist das. Mit dem Wirksamwerden der Steuer ging die Zahl der ver- anlagten Betriebe zunächst stark zurück, bald jedoch begann wieder ein Ausstieg, der besonders im Jahre 1312 sehr lrästig war. Mit dem Rückgang der Betriebe war aber gleichzeitig eine Steigerung des auf das einzelne Unternehmen entfallenden Steuerertrogs ver- bunden. Die Steuer wirkte in der Richtung zum Großbetrieb. Aus der nachfolgenden Zusammenstellung ist die Entwickelung in ihren Hauptzügen zu erkennen. Es waren veranlagt: Steuersoll Jahr 1301 1302 1303 1310 1311 1312 Betriebe 103 86 73 103 108 121 pro Betrieb M. 28 201 22 247 26 483 28 236 30 384 32 505 Der Rückgang der Betriebe von 1301 auf 1302 wurde durch Aenderungen im Betriebs herbeigeführt; man mackne aus dem Warenhaus ein Spezialgeschäft! Daher auch der Rückgang im Stcuerertrage. dem schon im nächsten Jahre eine kräftige Steigerung olgte> Wie sehr man mit der Erdrosselungssteuer die En rw icke- lung zum Großbetrieb gefördert bat, lehrt noch sinnen- ällig das Ergebnis der Steuerleistung in Berlin. Hier ist der auf einen Beirieb im Durchschnitt entfallende Betrag von 47 270 M. im Jahre 1302 auf 106 380 M. im Betriebsjahre gestiegen. Die Kon- iervaliven und Ultramontanen werden trotzdem weiter Mittelstands- lolitik nach so bewährtem Muster treiben und die Spießer laufen hnen sicher auch»och weiter ins Garn. Kurzfichtigkeil und Arbeiter- haß sind ja ihre Berater.______ Ein eigenartiger Erlaß des Kultusministers. Durch einen Erlaß vom 4. September d. I. hat. wie die„Co» respondenz des Deutschen Lehrervereins" schreibt, der pvenßisch» Kultusminister den Königlichen Regierungen überlassen, bezüglich der Form der Entlassungszeugnisse für Schüler und Schülerinnen der Volksschule nähere'Anordnungen zu treffen. Wo das geschieht, soll untersagt werden, die Klasse zu vermerken, ans welcher der Schüler oder die Schülerin entlassen worden ist, uud das ist denn auch bereits geschehen. Leider ist dem Erlasse leine Begründung hinzugefügt, so daß eine Würdigung der Tatsachen, die chn notwendig gemacht haben, nicht möglich ist. Das ist zu bedauern, weil nun den Bedenken, die er wachruft, da» nötige Gegengewicht fehlt, und Bedenken muß er erwecken. Fehlt die Angabe der Klasse, dann fehlt dem Entlassungszeugnisse jeder Wertmesser. Es ist wertlos für Meister, Prinzipale und Herrschaften, wertlos für das Fort- kommen der Schüler und Schülerinnen, lähmt jedes ehrliche Streben, jeden löblichen Ehrgeiz, in der Schule vorwärts zu kommen, und reizt die Unfähigen und die, welche während ihrer Schulzeit von Pflicht und Schuldigkeit nichts gewußt haben, geradezu zur Unwahrheit. Auch wenn man Zeugnissen einen allzu großen Wert nicht bei- messen darf, so trifft doch vollinhaltlich zu, was der Deutsche Lehrer- verein gegen die Gefahr hervorhebt, die durch die Neuerung in pädagogischer Hinsicht ausgelöst werden kann. Gerichts-Leitung. Ein streikender ins Zuchthaus. Ein Schreckensurteil fällte am Dienstag, den 21. Oktober, das Schwurgericht in Stolp in Pommern. Unter der Anklage des Landfriedensbruches standen der aus der Haft vorgeführte Bauarbeiter Heinrich Schoot und der Maurer Max Votz, beide aus Stolp. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zugrunde. Am 1ö. April brach infolge der bekannten Taktik der GeWerk vereine im Baugewerbe ein Streik aus, der bis znm 18. Oktober dauerte, wo er dann als erfolglos abgebrochen wurde. Während die Gewerkvcreine nicht in den Streik traten, versuchten die im Bauarbeiterverband organisierten Arbeiter, �weit über zwei Drittel der gesamten Bauarbeiter, durch den Streik bessereLohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen. Die Gewcrkvereine durchkreuzten dieses Vorhaben und es gelang ihnen auch, eine größere Anzahl Arbeitswillige nach Stolp zu locken, zum größten Teil waren die Arbeitswilligen Polen. Mehrfach kam es zu Streitigkeiten und zu Zusammenstößen zwischen Arbeitswilligen und Streikenden. Am Abend des 1. Mai kam wieder ein größerer Transport arbeitswilliger Zimmerleute an, die von den Gewerkvereinlern nach ihrer Wohnung bei dem Arbeitgeber begleitet wurden. Unglücklicherweise gingen sie an dem Lokal vorbei, wo von feiten der Arbeiter der 1. Mai gefeiert wurde. Einige Streikende, die sich im Lokal auf hielten, bekamen Kenntnis von dem Vorbeigehen der Arbeits willigen, gingen auf die Straße und es entstand eine Schlägerei, in der ein Arbeitswilliger verprügelt und ein anderer mit dem Messer bedroht wurde. In diesem Tumult, an dem etwa 40 bis K0 Personen beteiligt waren, wurde auch einem Arbeitswilligen das Handiverkszeug beschädigt. Schließlich zerstreute sich die Menge infolge des Eingreifens von besonnenen Arbeitern. Dieser Vorgang mußte herhalten, um eine Anklage wegen— Land- friedensbruchs zu konstruieren. Während Schoot zugab, sich in der Menge befunden und auch geschlagen zu haben, bestritt V o ß seine Schuld. Er will nur gesehen haben, was los war, und sich dann entfernt haben. Das wurde auch durch die Beweisaufnahme erwiesen. Der Staatsanwalt. Assessor Kotel mann, setzte durch, daß die Geschworenen dem Angeklagten Schoot die mildernden Umstände versagten. Schoot wurde zu zwei Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren verurteilt. Voß wurde freigesprochen. Ein ungeheuerliches Urteil. Mt ihm vergleiche man die geringfügigen Geldstrafen, auf die aus Anlaß ähnlicher Schlägereien gegen Studenten erkannt wurde. Kritiker gegen Kritik. Die Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte hatte gestern über ein« Beleidigungsklage zu entscheiden, die Herbert Walden (Pseudonym für Georg Lewin) von der Zeitschrift„Sturm" gegen den Schriftsteller Kurt Küchler wegen dessen Kritik im„Hamburger Fremdenblatt" erhoben hatte. Welch schrecklich« Dinge hatte der Be» klagte verbrochen, um den Kläger zum Gang nach dem Kadi zu der- anlassen? AIS vom„Sturm" bei Bock in Hamburg eine Ausstellung von Werken des Wassel Kandinski veranstaltet wurde und der Privatkläger einen öffentlichen Bortrag über den Maler hielt, nahm der Angeklagt« in zwei kritischen Artikeln sehr energisch Stellung gegen diese Kunstrichtung. Er bekämpfte dies« in heftigen Aus- drücken, wie„Farbengcsudel".„Pfuscherei",„verwilderte Malerei". behauptete, der Veranstalter sei der„Tvpus de« KaffeehauS-Lite- raten, es sei eine„unsympathisch« Frechheit" des Privatklägers. „mit der Kunst KandinskiS in so unwürdiger Weis« Reklame zu machen", eS handle sich um eine„verwilderte Malerei" usw. Im „Sturm" erschien dann ein Abwehrartikel. Dieser bildete den Gegenstand einer Widerklage. Er enthält gegen den Angeklagten Liebenswürdigkeiten wie:„Verfasser seichter Possen",„Dummheit eines Federviehs",„Hühnergehirnchen. Nach einem langen Hin und Her der Parteien über den er» schröcklichen Vorgang fällte das Schöffengericht folgende salomo- nische Entscheidung: Beide Parteien sind der Beleidigung schuldig, werden aoer, weil Erwiderungen auf der Stelle vorliegen>K 199 St.G.B.). für straffrei erklärt. Die Lasten fallen jeder Partei zur Hälfte zur Last. Ein verständiges Urteil, das uns weit besser behagen will als der„Futurismus" des„Sturm". Wie wäre«S mit einer„futuri- stischen" oder„kubistischen" Zeichnung deS Gangs zum Kadi im „Sturm"?_ Lehnsucht nach reicher Heirat. Interessante Einblicke in die Geschäftspraktiken eine« Heirats- Vermittler» gestattete eine Verhandlung, welche gestern unter Vor- fitz deS LandgerichtöratS Neumann die 3. Strafkammer des Land- gerichts I beschäftigte.— Angeklagt wegen fortgesetzten Betruges war der Inhaber eines HeiratSvermittlungsbureauS Paul Grimm. — Vor einiger Zeit tauchten in einer Reihe bürgeiklicher Zeitun- gen Inserate auf, in welchen eine Dame, die neben zahlreichen anderen fettgedruckten Vorzügen auch noch den besonderen Borzug hatte, ein Vermögen von 100 000 Kronen zu besitzen, auf diesem „nicht mehr ungewöhnlichen Wege" einen liebenden Ehegemahl suchte. Diese? verlockende Angebot veranlaßte zahlreiche Leute im Alter von 17 bis 70 Jahren, sich um die 100 000 Kronen bzw. die Dame zu bewerben. In der Verhandlung kam u. a. die er- heiternde Tatsache zur Sprache, daß sich neben einem General- direktor, mehreren Offizieren und höheren Beamten, stellungslose Hausdiener, Bäckergesellen, Grubenarbeiter und selbst ein taub- stummer Pferdeknecht um die vielbcgehrte Dame beworben hatten. Den Vogel schoß ein Mann ab, der, da er selbst nicht schreiben konnte, einen glühenden Liebesbrief durch einen anderen schreiben ließ und ihn dann mit drei kreuzen unterzeichnete. Unter den Briefen befanden sich außerdem verschiedene grob unsittliche An- geböte.— Die sämtlichen Bewerber, die nach der ganzen Fassung der Inserate und der Chiffre„Ideal Berlin 7" und„Postlager- karte öS" geglaubt hatten, daß daS Inserat von der heiratslusti- gen Dame selbst aufgegeben worden sei, waren nicht wenig er- staunt, als sie das Zirkular des„Bureau Ideal, Internationales Institut für Ehcvcrmittlung", Unter den Linden 1S4, Ecke Friedrichstraße," erhielten, in welchem in einem langen Sermon darauf hingewiesen wurde, daß die Ehen längst nicht uiehr im Himmel, sondern durch Vermittlung des„Bureau Ideal" am besten geschlossen würden. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß die Photo- graphie der 100 000 Kronen-Dame nebst den sonstigen Einzelheiten sowie, da diese doch nur einen der Bewerber heiraten könne, eine Liste anderer heiratslustigen Damen mit Geld dem Adressaten in den nächsten Tagen unter Nachnahme zugehen würde. Wie die Verhandlung ergab, fanden sich tatsächlich Tausende von Heirats- lustigen Leuten, welche auf die 100 000 Kronen nebst Frau spetu lierten. Nach dem Gutachten des gerichllichen Bücherrevisors Max Henninger, der die bei dem Angeklagten Grimm als Inhaber des „Bureau Ideal" beschlagnahmten Bücher eingesehen hatte, waren bei G. innerhalb dreier Monate nicht weniger als 24 53ö Mark per Post eingegangen. Die jährlichen Einnahmen des Angeklagten be liefen sich auf ca. 100 000 M., von denen etwa ein Drittel für die Spesen draufging.— Wie die Anklage behauptet, soll für Grimm, nachdem er die Nachnahmebeträge der Bewerber erhalten hatte, die Sache erledigt gewesen sein. Ferner soll es sich nach Ansicht der Anklage bezüglich der übersandten Photographien um Bilder einer vielleicht längst verstorbenen Dame handeln, wie sie auf den Kirch weihfesten und Jahrmärkten in den bekannten„Blick in die Zu kunft"-Nutomaten enthalten sind. Bestätigt wird diese Annahme durch das schon mehr als altmodische Kleid, welches die auf den Bildern dargestellte Dame trug. Als gegen den Angeklagten mehrere Strafanzeigen einliefen, wurde der weitere Geschäftsbetrieb durch die Polizei inhibiert. Der Angeklagte eröffnete jedoch, ebenfalls Unter den Linden, ein noch jetzt existierendes Hciratsbureau, mit welchem sich schon wieder die Behörden beschäftigen und ein zurzeit noch schwebendes Verfahren eingeleitet habe».— In der gestrigen Verhandlung war von Rechtsanwalt Fritz Locwc ein umfangreicher EnllastungSbeweis angetreten ivorden, durch den sich ergab, daß die 100 000 Kronen- Dame tatsächlich existierte. Der Angeklagte stand mit einem Heiratsvermittler Weiß in Budapest in Verbindung, an den er auch die eingehenden Bewerbungsschreiben gesandt hatte. Eine Dame, ein Fräulein Pillon, ist inzwischen auch eine Ehe eingegangen. Zum Beweise, daß cS sich nicht gm Kirchweih-, sondern Originalphoto- graphien handele, berief sich der Verteidiger auf das Zeugnis des Direktor» Schulze von der Rotophot-Gesellschaft, bei der die Bilder nach den Originalplatten hergestellt worden seien.— Der Staatsanwalt hielt dennoch den Angeklagten, der wegen Eigentums- Vergehens schon mit 8 Monaten Gefängnis vorbestraft sei, des Betruges für überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Das Gericht kam zu der Ansicht, daß der Angeklagte nichts Falsches vorgespiegelt habe und erkannte deshalb auf Frei- sprechung._ DaS Martyrium eines Kindes. Vor der Strafkammer in Erfurt stand am Dienstag die ledig« Arbeiterin Maria Heize aus Erfurt, die in grausamer Weise ihr dreijähriges Kind so gcmißhandelt hatte, daß es an den Folgen der Brutalilät verstarb. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Das Gericht ging jedoch über diesen Strafantrag weit hinaus und verurteilte die Radenmutter zu zwei Jahren Ge- fängniS._ Hu 9 aller Melt. Und wir? Ein junger Arbeiter schreibt unserem Wiener Parteiblatt: Diese Zeilen liegen schon tagelang in meiner Lade. Irgendeine Scheu hielt mich ab. sie Ihnen zuzusenden. Aber vielleicht haben die kleinen Gedanken doch einigen Wert, vielleicht bewegen sie andere auch so stark wie mich. Als August Bebel von uns ging, las ich voll tiefer Erschütterung von dem Aufstieg dieses Arbeiters. Welch ein Leben! Als er geboren wurde, gab es so etwas wie eine deutsche Arbeiterbewegung überhaupt noch nicht. In dem greisen August Bebel aber verehrte jeder dritte Deutsche den großen Führer. Als junger Abgeordneter'stand Bebel den Vertretern des Bürger- tums und deS Adels im Deutschen Reichstag allein gegenüber. Vierzig Jahre später stehen neben dem einen hundertzehn Wort- führer deS Proletariats. Er lebt noch in Tagen, die keine Gewerk- schaft kennt, keine Arbeiterpartei, keinen Konsumverein. Der greise Bebel aber erblickt ungeheure Vereinigungen der arbeitenden Menschheit, erdumspannende Gewerkschaften, völkereinende Organi» sationen. Und diese» Uebermaß weltgeschichtlicher EntWickelung»- kräfte, eS fällt in daS Erleben eines einzelnen Menschen. ES fiel aber nicht nur in da» Leben eines August Bebel. Schmerzvoll bewegt lasen wir nun auch die Lebensbeschreibung Karl Höger». Und siehe: auch hier ein ähnliche» Bild. Ein Menschenleben nur, aber welche Ereignisse erfüllen e»! Der Mann wirkt an der Ver- änderung einer ganzen Zeit mit. Vieles, was heute wirkende» Leben ist, er selbst hat es gegründet. Die Buchdrucker sind unsere geistige Vorhut— er hat sie dazu gemacht. Kraftvoll wächst das Heer der klassenbewußten Arbeiterjugend— er war ihr Wecker und erster Führer. Wer kennt nicht die Wiener„Typographia"? Er war ihr Begründer. Und die Freie Volksbühne— er war unter denen, die sie in» Leben gerufen haben. Fühlen Sie, was ich sagen will, was mich mit einer treibenden Erregung anfällt? Ich sehe unsere älteren Genossen plötzlich mit neuen Augen. Ich sehe nicht mehr nur das Grau ihrer Haare, nur das Zittern ihrer Finger, nur die Krümmung ihres Rückens. Wenn sie mich ansprechen, be- ginnt mein Herz laut zu klopfen. Wenn sie morgen ihre Augen schließen, welch ein Leben beenden sie! WaS haben unsere Väter erstritten und ertrotzt! AuS dem Nichts haben sie eine Weltmacht geschaffen, aus Starrheit und Dumpfheit regstes feurigstes Streben. Alles, was uns junge Arbeiter mit Stolz und mit Be- geisterung an die Sache des Proletariats bindet— sie, nicht wir haben eS in die Welt gebracht. Und leise, aber eindringlich muß ich mich fragen: Und wir? Wenn wir einmal die Alten sein werden, wenn uns einmal der Tod auf die Schulter klopfen wird? O, wenn wir dann auch so weit im Strome der Zukunft stünden wie die Alten von heute! Arbeiter! Laßt uns arbeiten! In der politischen Organisation, in der Gewerkschaft, in der Genossenschafts. bewegung, in unseren Bildungsvereinen! �Täglich, rastlos! Es gilt, auch in unser Leben so viel Größe, so viel Fortschritt hinein- zuzivängenl Auch unsere Haare werden ergrauen, auch unsere Finger werden zittern, auch unser Rucken wird sich beugen— aber weiter, weiter, unendlich weiter wollen wir dann unseren Willen getragen haben. An der herrlichen Tatkraft der Vergangenheit entzünde sich— herrlicher noch!— die Tatkraft der Zukunft! gelegt, dann folgte Caspar mit 1450 Kilometern und mm ist diese vorzügliche Leistung wiederum überboten worden. Schlegel hat gestern auf der Gotha-Taube mit einem Passagier 1470 Kftomctci durchflogen. Bei der um 7 Uhr in La b ia u erfolgenden Landung im Nebel und in der Dunkelheit batte er jedoch Unglück. Er setzte zu hart auf und erlitt einen Bruch des Nasenbeins. Die Maschine wurde schwer beschädigt. Schlegel wurde von einen: Arzt in Labiau verbunden und dann im Automobil nach Königsberg gc- bracht. Die beiden Flieger hatten eine gefährliche Fahrt hinter sich. Sie ivareu vormittags um 11 Uhr 7 Minuten von Johannisthal abgeflogen und erreichten nach ununterbrochenem Flug Königsberg in Preußen um 3 Uhr 47 Minuten, wo sie auf dem dortigen Flug- platz landeten. Nach einer Stunde stiegen sie wieder auf, um nach Jnsterburg weiter zu fliegen. Sie gerieten jedoch unterwegs in so dichten Nebel, daß sie nichts mehr erkennen konnten. Zum Unglück versagte der Kompatz und so steuerten sie planlos im Nebel umher. Als das Wetter für ciuig-c Minuten günstiger wurde und sie auf kurze Entfernung wieder sehen konnten, be- merkten sie zu ihreur Schrecken die Ostsee unter sich. Sie waren also, ohne zu merken, auf die See getrieben worden. Schlegel machte sofort Kehrt und erreichte nach 20 Minuten wieder die Küste bei Labiau. Die Stadt erkannte er an den vielen Lichtern unter sich und landete dann, loobei er seine Verletzung davontrug. Schlegel hat in der Nacht von 12 bis 6 Uhr morgens auf seinen Sckleifenflügen Gotha— Mühlhausen 550 Kilometer zurückgelegt. Die Strecke Gotha— Berlin— Königsberg— Labiau beträgt 020 Kilometer, so daß der Flieger also mindestens 1470 Kilometer zurückgelegt hat und so Anwärter auf den zioeiten großen Preis der Nationalslugspende geworden ist. Abnorme Kälte in Amerika. Eine gewaltige Kälte herrscht zurzeit in den Vereinigten Staaten. Eine Kältewelle, von den Seen des westlichen Amerikas kommend, ist über das Land niedergegangen. Aus zahlreichen Städten werden große Schneefälle gemeldet, und auf den Flüssen ist die Schiffahrt durch den starken Eisgang lahmgelegt. Besonders stark ist die Kälte in den Städten all der neuenglischeu Küste, von wo zahlreickie Todesfälle gemeldet werden. Die Temperatur ist�eine so tiefe, wie sie seit vieleil Jahren in den Vereinigten Staaten um diese Zeit nicht zu verzeichnen war._ Kleine Notizen. Blutige Eifersuchtsszene. In Hamburg erschoß nach einem vorangegangenen Streit, dem Eifersucht zugrunde lag. der Ar- beiter Otto Vogt seine Haushälterin Frau Hohmann, die ihm vorher mit einem Beil lebensgefährliche Verletzungen beigebracht hatte. Attentat auf einen Zug. Auf der Strecke«>t. Cyr— Versailles wurde das Gleise mehrere Meter weit aufgerissen, so daß der die Strecke fahrende v-Zug sicher entgleist wäre. Ein Streckenwärter entdeckte jedoch zufällig das Attentat und es gelang ihm, den heran- brausenden Zug zeitig genug zum Stehen zu bringen. Beim Luft-Daltomortate vmingliickt. In Chaumont(Franl- reich) stürzte der Militärflieger Korporal D'Auteroche tödlich ab, als er den Versuch machte, mit einem Zweidecker die Salto- mortaleflüge Pegouds nachzuahmen. Eine bedeutende aviatische Leistung ist dem italienischen Flieger Major Pizza, der als erster Aviatiter italienischerscits in Tripolis der Heeresleitung bedeutende Dienste leistete, geglückt. Er stieg am Dienstag nachmittag 4 Uhr in Turin auf und landete bereits um 5.20 Uhr auf dem Gipfel de? Montcem», in 2300 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Major Pizza ist der erste Flieger, dem eine Landung in einer solchen Höhe geglückt ist. Selbstmord einer Beamtcnfamilie. S t a n i S l a u, 22. Ok- tober. Wegen mißlicher Vermögensverhältnisse hat sich hier der Beamte Grabowiacki samt seiner Frau und Kindern mittels Leucht- gas vergiftet. Eine Fischrrflottille vom Sturm verschlagen. In Kanin wurde ein« Fischerflottille vom Sturm überrascht. Mehrere Boote kenterten, wobei 10 Fischer ertranken. Ucber den Verbleib der übrigen Boote fehlt jede Nachricht. VrUfkaltai der Redabtfon. Mr tottKifAt e»rr«*»«6t ftnbet Btabeafttafti 09, vor» vier XtttftM — ga Urft»AI—, wochcntSgUÄ von 4M» dt» 7 Mi Udr-dcnd«, eonnnvcnt», von 4 Ml dt» 0 Uhr avend» Dan. Jeder(ftt den«rtcttoftc» dciitm-tir» anfrage tft etn Buch sende uud eine gatl al» Merizeyden dmufftgen.«ncfnqe antw-ri mied nicht erietl«. anfragen, denen reine adonuementSonttning defgeMgt tft, verdeu nicht»enntworte». Eilige Frage» trage man In»er Gdrechfinnde»»r. B. M. SS. Ausfunst an der GlUerabferttgungZstelle de» Echlesischen BahnhosS.— B. 10t. Bureau der„Freien VolfSbübne", Michaelfirch- platz 2.— R. I. 100. Zweckdienliche AuSkunst erhalten Sie durch den Bund sür Mullerichutz, Auskunjlstelle Schönhauser Allee 164, Fr. LeSheim (2—3) oder durch die Deutsche Gesellschast sür Mutter- und KindcSrecht, Auskunslstelle Berlin dl. Koloniestr. 1(Donnerstag« 1—2, Dienstag» 6—7). — M. 40. Frühere Heiratsurkunde, Sterbeurtunde des ersten Mannes und, soscrn minderjährig« Kinder aus erster Ehe vorhanden sind. Aus- emandersitzungSbeickemtgung deS VormundschastSgericht�.— B. D.H. Nach der bestehenden Rcchtiprechung ist die Veschaffuiig eine» LegitimatisiiS- scheine» zweckmäßig. Ein solcher darf nicht verweigert werden, sofern nicht die Voraussetzungen(Bestrasung) vorliegen, die die Bersagung recht- fertigen, Kosten entstehen nicht, cS muß aber bei der Beschaffung gesagt werden, daß die Verbreitung nicht gewerbsmäßig geschieht. — A— g 103. Private SrwerbSinstitute können wir nicht«mpsehlen. Sprechen Sie doch mal mit dem Lehrer oder Rettor der Schule, in der Ihr Sohn geht.— F. B. 15. Gewerbesaal Berlin, Sttasimannstr. 6.— M. W. 44. 1392.— A. B. LÄ. ES Ist nicht anzunebmen, daß darum eine Zurückweisung ersolgt.— K. St. III. An die StistungSdcpuIatton de» MagiilralS Berlin, Postftr. IS. Alle« Nähere dort.— L. L. 87. Wenn Sie keinen Prediger bestellen und bezahlen, kommt auch keiner,— W. L., Neukölln. Blllcher? Nein.— R. S., Reinickendorf. Er. kundigen Sie stch bei einer der naibstehenden AuSkunstSstellen: 1. Deutsche Gesellschast sür Mutter- und ZktndeSrecht. Berlin N, Koloniestr. 1 (Donnerstag 1—2, Dienstag 0—7) j oder Pankow, Raihau«, Armenamt l Sonntag 11—2). 2. Bund für Mutterschutz, Berlin ks, Gchönhauler Alle« 164, Fr. LeSheim(2-3). tmmm Ingenieur Schlegel fliegt 147« Kilometer. Der seinerzeit so vielbestaunte Weltrekordflug Brindejoncs über 1380 Kilometer ist nun innerhalb kurzer Zeit dreimal von deutschen Fliegern überboten worden. Viktor Stöffler hat be» kanntlich innerhalb 24 Stunden 2150 Kilometer in der Lust zurück- Familien- Nähmaschinen sind die vollkommensten! Neue Spezial-Apparate für den Hausgebrauch. SINGER CO. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin, Leipziger Str. 92. Liden in den verschiedenen Stadtteilen. Theater und Vergnügungen Mittwoch, den 21. Oktober ISIS. AnKng« Nhr. Ewe» Palast am Zoo. VurietS- Lichtspiele. Ansang 8*>, Uhr. �in«SNollenborf>Thcater.Variet� Lichtspiele. Ansang Tf, Nbr. ÄgI. Opernhaus. DaS Rbelngold. «gl. SchansptelhauS. Schwanen- weiß. Deutsches. Der blaue Vogel. Leiiing. Peer Ghnt. «SniggrStzer Seraiie. Macbeth. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anlang 8 Mr. llrauia. Mit dem»Imperator� nach Aew Dork. Kammerspiele. MeK Freund Teddy. Deutsches Künftlertheater. Han- neleZ Himmelfahrt. Der zer- brochene Zkrug. Deutsches Opernhaus. Die Jüdin. Deutsches Schauspielhans. Die heitere Residenz. Neues Operneheater(Kroll). In der Sommerfrische. Berliner. Wie einst im Mai. Dbalia. Die Tangoprinzeifin. Theater am Nolleudorfplah. Die Heimkehr des Odysscus. Komödienhaus. DaZ Paar»ach der Mode. Theater deS Weste« S. Gräfin Fifi. Schiller O, Wenn der neue Wein blüht. Schiller Charlotteuburg. Rosen- montaa. SKontiS Operette«. Der lachende Ehemann. Metropol. Di» Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend- hafte. Kleines, vellnd«. Triauon. Sehte Geliebte. Herrnfeld. WaS sagen Sie zu~ Leibusch 1 Wiutergarte«. Sdeztalitäten. Rrichsbollen. Stettiner Sänger. Eines Apollo-Theater. Variet�- Lichtspiele. Eines Friedrich- Wilhelmstädt. Lariets-Lichtspiele. Antang 8'/, Nbr. Rose. Im weißen Rößl. Residenz. Die Frau Präsidentin. Lustspiclbans. Puppenklinik. Luisen. Bon stufe zu Stufe. Folicö Eavrice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adaptiv- kind. Walhalla. Der LiebeSonkel. Ansang 8'/, llbr. ReneS BolkStheoter. Rausch. «niang? Nvr. Admiralspalast. Die lustige Puppe. CinesNollendorf-Theatcr.Varicts- Lichtspiele. '.'' Sternwarte. Jnvalldenstr. 57—62 URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhn Mit dem„Imperator" nach New York. Lessing-Iheater. Ansang T'/j Uhr. Peer Hvnf®on Lbien. ' ccr Musik von Grieg. Ükllt8e!!L8 Mn8i!ertilkAter tlilrnbecgei- StesiZg 70/71. am Zoo. Abends 8 Uhr- Hanneies Himmelfahrt. __ Der zerbrochene Krug. 'OSEfTHEATEQ Große Frankfurter Str.:32. � Ansang 8*1, Uhr. Im wciileii Itöss'l. Lustspiel in 3 Akten von Blumenthal und Kadelburg. Morgen: Im weißen Rößl. Sonnabend 4 Uhr: Hansel und Grete!. Cweiter»!-Versammlung am Fpeitag, den 24. Oktober, abends 8'/, Uhr, im Ciewcrkschattsbans, Engelufer 15. UehtbilderVOFtrag des Herrn Dr. Dery über: Die Freude am Bildwerk. Geschäfts- nnd Kassenbericht des Vorstandes. Bericht der Revisoren. Diskussion. Mitglieder haben gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedstarte Zutritt. 245/14 Voranzeige. Montag, den 1. Dezember, in der Neuen Welt: Beethoven: IX. Sinfonie. Oskar Fried, Blüthner- Orchester Berliner Volksohor __(Dir. Dr. Zander)._ Zu den Abteilungen 17— 20 können sich allen Zahlstellen noch Mitglieder melden. Passage-Panoptikum Mundmaler Sehuldis der Rafael ohne Arme bei seinen Arbeiten. Lebend zu sehen! Und die anderen Attraktionen. Die gr. Kino-Variete-Vorsteliong von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr, Werbet Mitglieder! :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90/91. Oroßes Moppel- Konzert! Berliner Konzerthans-Orchester mit seinem Vokal-Quartett. Leitung; Komponist Fra. v. Blon. Musikk. Kaiser-Alexander-Garde-Gren.-Regts. Dlrig. Kgt. Musikdlr. Brase. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gf. HadimUtagS-KOnZeFl �Eintriu.™ Sehlller-Thealer 0. 1�.": Donnerstag, abends 8 Uhr: Wenn der neue Wein blüht Freitag, abends 8 Uhr: Jngendfrenndc. Sonnabend, abends 8 Ubr: Wenn der ncncWein blüht Sehiller-ThealeF Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Bosemnontag. Freitag, abendZ 8 Uhr: Boral. Sonnabend, nachmittag? 3 Uhr: Gütz von Berlichlngen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Bosenmontag:. Theater in öerKöniggräizer Straße uhr: Macbeth. Komödienhaus. s uhr- Das Paar nach der Mode. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. DeutHChe.Schauspielhaa» 8 Uhr: Die heitere Residenz. Thealer des Veslens. 8 mr: Cxrafsn Fifi. Sonntag 3'f, Ubr: Der liebe Augustin. «'/Residenz-TtiealerS', Bit Frau llräfiöruti». Freitag, den 24., 71/,lU)r, zum I.Maie: Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske von A. Lands- berger und Willi Wolff. Sonnlag, 26. Okt., nachm. 3 Uhr: Bis Fran Prügidentia. Theater am SolleDderiplstz S. Täglich abends 8 ilhr: Die fjcimlifljr des Gdysseus. BurleSke-Opereitc.__ Montis Operetten-Theater Schistbauerdamm 4a. 8 Uhr: Gastsptel Jul. �pielmann: Her lachend« Fhcrnann. Sonnt. 3 Uhr: Ter Vogelhäudler. MölsopDl IDögigs Adknll8 1 Uhr 55 präzise; Vereinigte Berliner Fintsen-Theater. Donnerstag S1!, Uhr: Ton Stnle zu Stute. LebenSblld mit Ges. u. Tanz ftt 5 Bild. Vclksbühnen. Walhalla-Theater. Täglich 8>/, Uhr: Der Uchc�onkcl. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Snsusi'si Fmodmcbslism am Königstor. Blttwoch, den 29 Oekonom: Ernst Liebing. Oktober er.; Heiterer Künstler-Abend. Sensations- Programm. Anfang 8 Uhr. Entree 39 Pf. Gr. AusstattungSst. ni. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. sreier Benutzung deS lules Verne'schen RomaneS von Jnling Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Kichsrd 8obultr. Karl Dachmaim. Joseph Oiampietro. Giüdo Tliielseher. AHreil Sehinasow. Leopold Wo!!. Ludwig Wolf. Helene Baiiot. IdaHusska. J.de Lande. Ken! San 9—1 Uhr: Xcu! Metropoi-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. _ 2 Kapellen._ Äüj)te!lungs|)ö11eain3(>() Aü$ite)]ung liDReic])a.l1öü$irauulutter vom 16. OBtclier bis J. November 1913. Geöffnet von 10— 8. Eintritt M. 0,50. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkr. POTSDAMER SL 72* HOCHBAHN: EÖLOWSS Eröffnung: Morgen Freilag, 8 Uhr abends. Zirkus Alb. Schumann. Heute Donnerstag, 23. Okt., abends T1/, Uhr: Gr. Gala-Vorsteliung. U. a. 10 Bongal-Königs-Tiger 10 vorgeführt von Herrn Sawade. Die rollsehuhlaufenilen iffeo Jimmy und Fritz und wsitere 10 Attraktionen. 0*- Um 9'/3 Uhr:--MZ Tango vor Gericht! Pantomimen-Buriesko mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger „Alarm!" . Milil. Humoreske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. B Uhr zu ermäßigt. Preisen: „Aiarm!" Log. 1 TO,, Ball 75 Ps.. Entree 39 Pt. Sonntae, den 2V Oktober 1913, abends 8'/. Im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15: Uhr, derbst- fest � RjMWZ Apollo-Theater Anfang 8 Uhr. Palast am Zoo Anfang 6 Uhr. Fnedr.-Wiliielmst. Anfang 8 Uhr. Komplettes Programm grosser Vsfiav.e-Kkie sowie unsere renommiertcnLichtspielc Nachmittags Lichtspiel- Vorstellungen Apollo-Thea ver 1 Anfang 1/'5 Ubr. Frtedr.-Wilhelmst. Anfang 3 Uhr. Nur zwei Preis© So Pfennig und 60 Pfennig Nolieniorf-Ti.eater Die Herrin des Nils Uas Flimu'Rudcr«er Welt{ Anfang 6b. und S Uhr, Ju jf c n Nm grünen Strand der Spree. Beriine!' PrateF-Theater Kaitanienallee 7— 9. Donnerstag, den 23. Oktober: Gastspiel des Boigt-Theaters. Eine tolle Nacht. Große Operetlen-Posse in 4 Bilder» oon I. Freund und W. Mannilädt. Kasteneröffnung 7 Uhr. Ans. S'j, Uhr. Admiralspalast. Eis-Arena.— AllubendUcb das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisbailett Die lustige?uppe. Beginn der Vorstellung 8'/. Uhr. Bisöertf»81D« Nr. 278. 30. Iahrgaug. 2. StiHjf des„Dmörls" fttlinct PullisSihtt i—»> 23.©Mrtff 1913. Die kleinhsuzlieäeillng Miltenberg bei Grünau. Die ersten Kleinbauten, welche die„Gemeinnützige Baugenossen schaft Gartenvorstadt Groh-Berlin� am Falkenberg dicht beim Bahn Hof Grünau hat erstehen lassen, liefern den Beweis für die Kon kurrenzmöglichkeit mit dem engen, hohen Etagenhaus, der Miets' kaserne der Groszstadt. In herrlicher Lage ist hier zunächst für 34 Mieter auf 4'/� Morgen ein in sich abgeschlossener, garten umhegter Wohnhof geschaffen worden, der vom Mietskasernensystem mit seinen schweren hygienischen Mängeln keine Spur mehr erkennen läßt und den Bewohnern ein menschenwürdigeres Wohnen sichert, als es unter dem Druck der ungeheueren Berliner Bodenteuerung möglich ist. Diese Kleinhaussiedelung ist aber nicht etwa zu vergleichen mit scheinbar ähnlichen Anlagen in Wilmers- darf und Frohnau, wo das Wort„Gartenstadt" durch die Terrain spekulation zur mißbräuchlichen, jedenfalls nicht volkstümlichen An Wendung gelangt. Die Tätigkeit der Baugenossenschaft Falkenberg ist streng gemeinnützig. Sie gibt die erbauten Wohnungen in Miete und Kauf ohne jeden Spekulationsgewinn und in erster Linie nur an Mitglieder ab, beschränkt daher die Verzinsung der Geschäftsanteile auf 4 Proz. Für Erlangung der Mitgliedschaft ist jeder Interessent, ob ledig oder verheiratet, berechtigt. Die Verpflichtung besteht in der Heber nähme eines Geschäftsanteils im Betrage von mindestens 200 M. und Haftpflicht in gleicher Höhe. Die Geschäftsanteile können au einmal oder in monatlichen Raten von mindestens 2 M. eingezahlt werden. Für den Anspruch auf ein Haus oder eine Wohnung ent scheidet unter Bewerbern, die ihren Anteil voll eingezahlt haben das Los. Ein bestimmter Prozentsatz von Wohnungen wird an Mitglieder verlost, die ihren Geschäftsanteil noch nicht voll einzahlen konnten. Der Verkauf von Hausgrundstücken an Mitglieder geschieht unter Eintragung des Wiederkaufsrechts für die Genossenschaft zum ursprüng lichen Preis zuzüglich Aufwendungen und abzüglich Abnutzung. Will kürliche Mietssteigerungen sind ausgeschlossen, ebenso Kündigungen bei Erfüllung der Verpflichtungen gegen die Genoffenschaft. Schon der äußere Eindruck des kürzlich begonnenen ersten Baw blockeS am Falkenberg, halb unter Bäumen versteckt, ist recht vor teilhaft. Unwillkürlich denkt man an das Dichterwort:„Hier bin ich Mensch, hier darf's ich sein!" RingS um einen vorn offenen. breiten Wohnhof, der elektrisch erleuchtbar ist und im nächsten Früh jähr mit zwei Baumreihen bepflanzt wird, gruppieren sich zwei Vier familienhäuser(Stube. Kammer, Küche, Bad für 312—320 M. 2 Stuben. Küche, Bad 362—370 M.s, eine größere Anzahl Ehr familienhäuser verschiedenen Typs(3 oder 4 Stuben und Zubehör, zum Teil auch mit Loggia oder Veranda, Mietspreis 420—600 M.), ein Doppelhaus mit 2 Wohnungen(4 Stuben, 2 Kammern, Küche, Bad, Veranda, Balkon 972 M.), 1 Einzelhaus<2 Stuben, 2 Kam mern und Zubehör 1320 M.). Zu jeder Wohnung gehört ein ge- räumiger Garten an der Rückseite, bei manchen anch noch«in kleiner Vorgarten, wie überhaupt unter technischer Anleitung, um auch nach der ästhetischen Richtung hin einen harmonischen, die Umgebung nicht materiell entwertenden Organismus zu schaffen, auf die planmäßige Förderung des Kleingartenbaues größter Wert gelegt werden soll.—?—— Bei der Inneneinrichtung wurde ausgegangen von dem Grund satz: Verteilnng der Räume auf zwei Geschosse. Wohn- und Koch räum parterre, Schlafräume im ersten Stockweck. Diese räumliche Notwendigkeit einer Aufteilung des vorhandenen Gesamtnutzraumes in mehrere, aber kleinere Räume ist vom Standpunkt größerer Intimität und getrennten Schlafens der verschiedenen Altersstufen und Geschlechter eher als Vorteil wie als Nachteil zu werten und beeinträchtigt durch Treppenbenutzung auch keineswegs die Bequemlichkeit. Alles, was wir durch das liebenswürdige Entgegenkommen der auf ihr Heim stolzen Bewohnen sahen, mutz auf jeden Besucher einen überaus anheimelnden Eindruck machen. Jede Wohnung ist für sich ein bescheidenes Schmuckkästchen, und vielfach trafen wir auf.Arbeitermöbel", von denen eine Musterkollektion in dem einzigen unbezogenen Hause noch einige Tage zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt bleibt. Sämtliche Wohnungen haben Wasserleitung. Waschlisch, Keller, Boden, Badestube, wunderbar gemütliche Oefen, Anschlüsse für Gas und elektrisches Licht, zum Teil auch Zentralheiz> anlage. So ist hier mit liebevoller Fürsorge und weit ausschauendem Blick alles vereint, um auch den Arbeiter in einem Heim, das seiner Kulturioertung entspricht, zu einem glücklichen Menschen zu machen. Der trauliche Wohnhof am Falkenberg ist nur der Anfang eines grotzzügigigen Bauprojektes auf genossenschaftlicher Basis. Auf dem etwa 300 Morgen umfassenden Gelände des Gutes Faltenberg bei Grünau ist für die Genossenschaft so viel Land gesichert, daß sich eine Ansiedelungsmöglichkeit für 7000 Personen ergibt. Schon am am 1. Okiober 1914 soll der zweite Baublock mit 90 Wohnungen bezugsfertig sein._ Partei- IZngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Wir machen darauf aufmerksam, daß folgende Lokale für die organisierte Ardeiterschaft für Versammlungen hartnäckig verweigert werden und zwar: 2. Kreis: Kammersäle, Teltower Str. 1—4. 3. Kreis: Marinehaus, Brandenburger Ufer. 2. Kreis: Lehrer- Vereinshaus am Alexanderplatz. Die Zentral-Festsäle, Auguststr. 24/22, Jnb. Fritz Bühlcr, sind neu eröffnet und stehen uns zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Morgen Freitag, den 24. d. M.. abends 7 Uhr. findet eine wichtige Flugblativerbreilung statt. Pflicht der Genossen und Genossinnen ist es. sich zahlreich an den bekannten Lokalen einzufinden. Der Vorstand. Lichtcrfclde. Die Fortsetzung des Vortragskursus des Genossen Julian Borchardt findet morgen, Freitag, den 24. Oktober, abends Sl/t Uhr, bei Wahrendorf, Bäkestr. 7, statt. Die Funktionäre haben zwecks dringender Besprechung bestimmt zu erscheinen. Rüdersdorf. Am Sonntag, den 26. Oktober, nachmittags L'/z Uhr, bei Marx, Luisenstraße: Versammlung de? Wahlvereins. Tages- ordnung: Vortrag des Genossen Brühl über:„Die Entwickeluug und der Aufbau unserer Organisation": Bericht über die mit dem Kreisvorstond staltgefundene Besprechung; Wahl eines Bezirksleiters; Verschiedenes. Früh 8 Uhr: Flugblanverbreitung für Rüdersdorf und Kalkberge von Pastow aus. Für Tasdorf. Schulzenhöhe t'ß Uhr vom SchützcnhauS(Hans Hoffmonn) aus. Die Genossen wollen sich nun rege an den Parlciarbeiien beteiligen, um zu beweisen, daß es ihnen ernst ist, den Ort selbständig zu bearbeiten. Spandau- Nonncndamm. Freitag, den 24. Oktober, abends 8'/, Uhr, im Lokale von Fritz Kant. Siemensstr. 34: Oeffentliche »ommunalwähler- Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. Referent: Stadt« verordneter A. Gebert- Charlottenburg. 2. Tätigkeitsbericht der Fraktion. Referent: Stadtverordneter W. P i e p e r. 3. Freie Aus- spräche. Tegel. Die Generalversammlung des Verein« Jugendheim fiir Tegel und Borsigwalde findet umständehalber nicht Donnerstag, den 23. Oktober, sondern Freitag, den 24. Oktober, Ve9 Uhr, bei Messerknecht. Schlieperstr. 64, statt. Reinickendorf-Ost. Vom Vortragszyklus:„Einführung in die sozialistische Weltanschauung" findet heute der zweite Vortragsabend im„Seebad", Residenzstr. 49 statt. Die erfreulich starke Teilnahme am ersten Abend läßt auch einen guten Besuch des heutigen Vortrages erhoffen. Auch Neuanfänger nehmen noch mit gutem Nutzen teil. Röntgcntal, Zepernick, Buch. Umständehalber findet der Zyklus- Vortrag nicht heute, sondern erst am Donnerstag, den 30. Oktober, statt. Am Sonntag, den 26. Oktober, morgens 8 Uhr, vom Genossen Buchholz, Kaiser-Wilhelm-Str. 20(Röntgental): Wichtige Flug- blart- und Fackelverbreitung. Berliner Nacbricbten« Zur Einfuhr russischen Fleisches. Der Verkauf des von der Stadt Berlin bezogenen russi- schen Fleisches beginnt heute Donnerstag früh. Alles nähere über die Verkaufsstellen, Preise usw. ergeben die öffentlichen Anschläge. Es wird das kaufende Publikum interessieren, daß den Verkäufern des russischen Fleisches gestattet ist, kleinere Stücke und Ueberbleibsel als Gulaschfleisch sowie Hackfleisch aus reinem Rind- und Schweinefleisch zu verkaufen.' Schabe fleisch darf nicht verkauft werden. Das Einpökeln von Schweinezungen, Eisbeinen, Spitz deinen, Ohren und Schnauzen von Schweinen ist gestattet. Der Verkaufspreis ist derselbe, wie fiir die gleichen Teile in frischem Zustande. Der Verkauf des Fleisches mit Knochen bleibt die Regel, der Verkauf ohne Knochen darf nur auf aus drückliches Verlangen des Publikums stattfinden. Rückenfett und Schweinebauch darf, wenn der Absatz in frischem Zustande nicht möglich ist, auch in geräuchertem Zustande verkauft werden. Die mit dem Bezug und Vertrieb des russischen Fleisches beauftragten Verwaltungen haben alles getan, um eine glatte Abwickelung des Fleischverkaufs zu gewährleisten. Sollte dennoch in den ersten Tagen nicht alles nach den Wünschen des Publikums gehen, so wird die Verwaltung für alsbaldige Abhilfe Sorge tragen. Die neue Pflegestätte in Buch. Der Ausschuß zur Vorberatung der Vorlage betreffend den Vorentwurf zum Neubau einer Heil- und Pflege st ätte i n B u ch trat am Dienstagabend zu einer Beratung zusammen. ES gelang erfreulicher Weise unseren Genoffen, sämtliche bei der Beratung in der Stadtverordnetenversammlung vorgetragenen Aw regungen im Sinne einer modernen, humanen und sozialen Aus gestaltung der neuen Anstalt mit großer Mehrheit, zum Teil ein- stimmig durchzusetzen. Die Anstalt soll zunächst den Namen„Heil- anstatt" führen: der Name.Pflegestätte" wurde von uns ver- warfen, weil der Kranke behandelt und nicht nur verpflegt werden will: er will die Aussicht haben, daß ihm wenigstens noch zu einer Besserung geholfen werde. Sonst hält das Bewußt sein den Kranken in seiner Familie zurück, daß ihm auch in der Pflegestätte' nicht geholfen werden würde, daß er doch unrettbar verloren sei und daß er lediglich in ein Sterbeheim übersiedele. Alsdann wurden auf unseren Antrag eine chirurgische Abteilung und Sonnenbäder im Gelände vorgesehen. Die gewaltigen Erfolge, welche Rollier in Leyfin auf dem Gebiete der Knochew tuberkulöse erzielt hat, weisen dringend darauf hin, daß die Sonne auch für Lungentuberkulöse ein sehr erheblicher Heilfaktor sein muß. Abgesehen von dieser Erwägung mehren sich die Beobachtungen günstiger Erfolge der Sonnenbehandlung bei Lungentuberkulose, i ist wissenschaftlich allgemein anerkannt, daß die Bauchfellmberkulose durch intensive Sonnenbestrahlung verhältnismäßig schnell geheilt werden kann. Deshalb sollten die Tuberkuloseanstalten mit Sonnew bademrichtungen ausgestattet sein. Eine stundenlange, heftige Debatte entfeffelte schließlich unser Antrag auf Schaffung kleiner Zimmer, die höchstens mit i.0 Betten besetzt werden sollen. Die Magistratsvorlage sah neben wenigen kleineren Krankenräumen in der Hauptsache Säle zu je 20 Betten vor. Unser Redner wies mit Nachdruck darauf hin, daß große Säle mit sterbenden Kranken den Forderungen der Humanität unserer Zeit widersprechen. Wer sich klar macht, wie ein solcher Saal mit 20 Tuberkulösen auf einen Kranken wirken muß, der hier Anfang, Mitte und Ende seiner Krankheit vereinigt dargestellt findet, der wird begreifen, daß manche Tuberkulösen oder deren Angehörige geradezu mit Grauen an den Aufenthalt in den großen Sälen der Tuberkuloseabteilungen zurückdenken, gar nicht zu reden von den empfindlichen Störungen der Nachruhe durch Stöhnen und Husten der Milkranken. Trotzdem nun der Direktor eines unserer tädtischen Krankenhäuser, den sich der Magistrat als Kronzeugen ür die Unbedenklichkeit und Zweckmäßigkeit der großen Säle ver- chrieben hatte, darauf hingewiesen halte, daß die kleineren Kranken räume unbedingt eine Erhöhung der Bau- und Betriebskosten(Ver mehrung des Personals) zur Folge haben würde und daß größere N ä um e— besser z u lüften seien als kleinere(!), wurm der Antrag unserer Genossen nahezu ein- mütig zum Beschluß erhoben. Am Donnerstag der künftigen Woche wird die Stadtverordnetenversammlung die Be- chlüsse des Ausschusses hoffentlich mit gleicher Einmütigkeit gut- heißen und das Siegel drücken unter ein Projekt, das seit acht« undzwanzig Jahren die städtischen Behörden beschäftigte. Vom vierten Stork in die Tiefe. Einen grausigen Fund machte Dienstag abend der Hauseigen- tümcr Heising auf seinem Grundstück Grüner Weg 37. Als gegen 9>/z Uhr der Wachhund einer Fabrik aus den: Hose wiederholt an, schlug und kläglich heulte, ging er hinunter, uin nachzusehen und stieß im Dunkeln bald mit dem Fuß an einen Gegenstand. Als er nun Licht machte, sah er vor sich den stark blutenden Körper einer Frau liegen. Der Hauswirt ließ die Polizei und einen Arzt holen, und die Ermittelungen ergaben, daß die unbekannte Frau aus dem Flurfenster des vierten Stocks auf den gepflasterten Hof herab- gesprungen war. Sie lebte noch und wurde nach dem Kiankenhause am Friedrichshain gebracht, wo sie sehr schwer daniederliegt. An- haltspunlte zur Feststellung dct Persönlichkeit der Unglücklichen fand man nicht bei ihr. Sie ist etwa 33 Jahre alt, trug einen hellblauen Rock und schwarze Schuhe ohne Strümpfe und keine Kopfbekleidung. Bei sich hatte sie eine Markttasche mit einem leeren Mllchtopf. Sie ist also vahrscheinlich aus der Nachbarschaft Animier-Lokale»nd Llnimier-Kellnerinnen. Die Kellnerinnen in den Animierkneipen bilden bekanntlich eine Klasse für sich., Sie sind der Willkür und Ausbeutung ihrer„Arbeit- geber" immer noch, schütz- und wehrlos ausgeliefert. Die Polizei- lichen Verordnungen ändern hieran nichts oder nicht viel. Es sind ja gesetzliche Bestimmungen in Aussicht genommen, die für die Zu- kunft anch diese Kategorie von Arbeiterinnen umfaffen sollen, vor- läufig aber ist ihre Lage immer noch die denkbar traurigste. Diese Kellnerinnen, die fast durchloeg nur auf Prozente und Trinkgelder angewiesen sind, werden auf Grund ihres ArbeitSverhältniffeS ge« zwungsn, nicht nur unmäßige Quantitäten jeglicher Art von Alkohol zu sich zu nehmen, sondern müssen auch noch den jeweiligen Gästen, und seien diese auch noch so roh oder betrunken, zur Kurzweil zur Verfügung stehen. Für die Inhaber dieser Lokale besteht nun ein Verein, der sich„Verein Berliner Schankwirte und Wirtinnen" nennt. Die Kellnerinnen, die keiner Organisation angehören, sind darauf angewiesen, den Arbeitsnachweis dieses Verein? zu benutzen. Durch ein räudiges Schaf aus den Reihen dieser Schankwirte ist es nun zu Differenzen gekommen, die dahin führten, daß dieses Vereinsmitglied, das bisher die Stellenvermittelung inne hatte, eine Kellnerinuenvereinigung gegründet hat, die den Namen führt: „Verein Berliner Servier- und Büfettdamen". Darob große Ent- rüstung unter den Wirten, zumal die neue Vereinigung eine eigene Arbeitsvermittelung errichten will. Ganz besonders hat es aber den Wirten die Forderung angetan, wonach den Kellnerinnen ein Gehalt von mindestens 20 Pf. bis 1 M. täglich zu zahlen sei. Der Gründer des neuen Vereins soll den Kellnerinnen versichert haben,„daß den Wirten und Wirtinnen immer noch reichlich genug übrig bliebe, um sich dicke Bäuche anzufressen". Die Wirte wollen nun Maßnahmen treffen, um Herr im Hause bleiben zu können. Andererseits betonen sie, daß sie es gerade be- grüßen würden, wenn eine straffe Organisation der Kellnerinnen inS Leben träte und es dadurch möglich wäre, dauernde Befferungen in diesem Gewerbe,„ganz besonders in Punkto deS Verhaltens der Kellnerinnen zu schaffen". Das'mutet sonderbar an, ebenso sonderbar wie folgender Klage- laut:„Die Schankwirtinnen und-Wirte werden glauben, endlich sei es den Kellnerinnen zum Bewußtsein gekommen, mehr auf die Frauenwürde zu halten, mehr erzieherisch auf den Nachwuchs zu wirken. Sie hätten einsehen gelernt, daß es unbedingt notwendig sei, für ordnungsmäßiges sittliches Betragen in den Lokalen zu sorgen." Und weiter wird gesagt,„daß sich die Wirte der Hoffnung hingeben, die Kellnerinnen würden die Stellenvermittelungen früh 10 Uhr besuchen und möglichst gleich eine Stellung annehmen, damit den Lokalinhabern«ine große Sorge genommen wird, und die Gäste in den Lokalen auch schon vormittag? die erhoffte weibliche Bedienung vorfinden." Na, da haben wir's ja. Die Gäste erhoffen weibliche Bedienung und zwar morgens um 10 Uhr schon. Und warum sie da? wollen, das weiß jeder, der die Verhältnisse in solchen Betrieben auch nur ganz oberflächlich kennt. Die moralische Entrüstung der Animier- Wirte ist wirklich zu ulkig, denn von der Stunde an, wo die Mädchen sich Handgreiflichkeiten und schmutzige� Zoten energisch verbitten würden, könnten sie gleich einpacken und mit ihnen auch die Wirte. Denn es ist selbstverständlich, daß die Besucher dieser Lokale gerade hierher gehen, weil sie hier das tun können, was in einem an« ständigen Lokal ganz ausgeschlossen wäre. Es wäre wirklich an der Zeit, daß dieser Beruf, der nur den Uebergang zur Prostitution bildet, einmal eine gründliche Revision durch die Gesetzgebung erführe und damit den Kellnerinnen ermöglichen würde,„mehr auf Frauenwürde zu halten und für ordnungsgemäßes, sittliches Be« tragen zu sorgen"._ Ter fingierte Einbruch des KriminalschutzmannS. Die Affäre des Kriminalschutzmanns V o ß, die seinerzeit viel Aufsehen erregt hat durch die Tatsache, daß ein Mitglied der Berliner Kriminalpolizei in den Verdacht geriet, gegen sich selbst einen Einbruch in Szene gesetzt zu haben und dann einen fremden Menschen schwer verletzte, ist jetzt in ein neues Stadium getreten. Es ist gegen Voß, der sich schon seit Anfang Scpteinber in Untersuchungshaft befindet, die Vorunter- suchung wegen schwerer Körperverletzung mit fol- gendem Siechtum eröffnet worden. Die Eröffnung der Vor- Untersuchung ist auf einen Antrag des Rechtsanwalts Dr. Frey hin beschlossen worden, da von diesem Zeugen dafür namhaft gemacht wurden, daß der unter dem Sp'tznamen„Charles" bekannte Arbeiter Ponkowska, auf deffen Anzeige hin das Verfahren eingeleitet worden war, zu verschiedenen Personen geäußert habe, er habe dein Voß Rache geschworen und werde ein„Ding drehen", an das er Zeit seines Lebens denken werde. Ponkowska ist inzwischen auf seine Angaben hin, er habe den Einbruch bei Voß auf dessen Be« stell ung hin verübt, aus der Haft entlassen worden. Der Antrag des Verteidigers des Voß. diesen gegen Stellung einer Kaution von 10 000 Mark zu entlassen, ist dagegen vom Untersuchungsrichter ab- gelehnt worden. Hiergegen ist Beschwerde bei der Strafkammer eingelegt worden mit dem Hinweise, daß gegen die Angaben des Voß nur das Zeugnis eines übelbeleumdeten ehemaligen Polizei- vigilanten spreche._ Eine Schmanserci Berliner Schulkinder im Schlosse. Die bürgerliche Presse weiß über eine Schmauserei Berliner Schullinder im Schlosse zu berichten. Die Leiterin des Ahlbecker Erholungshcinis Fräulein Kirschner sei niit einigen Schwestern und Berliner Scbullindern im Schlosse erschienen, um dem Kaiserpaar über die Erfolge der Erholungskuren Bericht zu geben. Zu diesem Zwecke waren 6 Schulkinder. 4 Mädchen und 2 Knaben, als Re« nommierkinder mit ins Schloß genommen Warden, die auf die Frage des Kaisers, wieviel sie während ihres Ferienaufenthaltes an Ge« wicht zugenommen hätten, prompt Antwort erteilten. Besonders be- merkt wird in dem Bericht, daß die Kinder mit Schokolade und Kuchen bewirtet worden seien und daß jedes Kind eine Schachtel mit Konkekt und eine Fahne erhalten hätte. In aller Ausführlichkeit wird erzählt, daß der Kaiser und die Kaiserin sich mit den Kindern unterhalten hätten. Auf weite Kreise wird es einen eigentümlichen Eindruck machen, daß in aller Breite in der Presse darüber berichtet wird, weil sechs Kinder im Schlosse Schokolade und Kuchen bekommen haben, während die bürgerliche Presse bis auf eine einzige Ausnahme mit keinem Worte Notiz- davon genommen hat, daß die 7000 Schulkinder bei dem Ständchen im Schloßhofe am 16. Juni ohne jede Erquickung gelassen wurden._ PegoudS Flüge in Berlin. Nachdem vom Deutschen Luft- ahrer-Berbande dem Flugplatz Johannisthal die Erlaubnis erleilt worden ist, wird der bekannte«turzflieger Psgouh am Sonnabend und Sonnlag in Berlin seine Kunst zeigen. Auch das Berliner Polizeipräsidium und die Adlershofer Behörde haben nach längeren Besprechungen mit der Flugptatzleitung ihre Genehmigung erleilt, iodaß dem Debüt des Franzosen in Deutschlands nichts mehr im Wege steht. Wie wir erfahren, will Pögoud in Johannisthal einige neue, bisher noch wenig bekannte Variationen seiner Sturzflüge zeigen. So beabsichtigt er außer den bekannten Saltos nunmehr L auch«htm Mstur, rückwärts in die Tiefe w zeigen. Im übrigen enthält sein Programm lieber'chlagen nach beiden Seiten, Kov'. stürz au» 1000 Meier Höh- und zum«chluß den achl�bi» zehnfachen Galtomortale. Durchstechereien im Zoologischen Garten. Neue Durchstechereien mit Aktienkarten zum Zoologischen Garten sind jetzt vor dem Amts- gericht Berlin-Schöneberg abgeurteilt ivordeit. Ente Rentiere hatte ihre«ktienkarten gegen Bareittschädigung an Fremde iveitergegebcn und die» der Verwaltung gegenüber dadurch verdeckt, dag sie die Abnehmer fälschlicherweise als Verwandle in den Anträgen ausgab• sie wurde wegen Betrüge» zu 150 M. Geldstrafe verurteilt, Ueberfahren und getötet. vor dem Grundstück Sxerzierstrabe 87 wurde am Dienstag. nachmittag die dreizehnjährige Tochter EN de-Z Droschkenkutschers Gärtner, Drontheimer Strahe 40. beim Besteigen einer Elektrischen durch einen Flaschenbierwagen der Brauerei Groterjan umgerissen und überfahren. Passanten schafften sie auf einem Arbeitswagen nach der Rettungsstelle in der Badstrabe, wo sie aber infolge innerer Verblutung starb. Zerdrückt. »in entsetzlicher Unfall, an mit dem Tode eines Knaben endete, ereignete sich Dienstag nachmittag gegen 6 Uhr auf dem Grundstück Wöhlertstr. 13. Hier hielt sich der 0 Jahre alte Sohn Gerhard des Hausverwalter» Krüger im Torweg auf. als ein Lastwagen von der Strahe kam. um nach dem Hofe einzufahren. Ohne dast der Kutscher e« sah. stellte fich der Knabe hinter einem Flügel des Einfahrtstores, um Platz zu machen. Zum Unglück streifte die eine Seite des schweren wagen» gerade diesen Torflügel so stark, dah er noch mehr zur Seit« gepretzt wurde. So wurde dem armen Knaben, der zwischen Flügel und Wand stand, der Schädel eingedrückt. Die Muller brachte den Verunglückren sofort nach der Hilfswache in der Lindower Strahe. Dort konnte aber der Arzt nur feststellen, daß er an einem Schädel. Vruch schon gestorben war. Er war da» einzig« Kind seiner Eltern. Kkademksche NnterrichtSkurse. Am 25. Oktober, abend» g Ubr, findetim.Saale de» ZenlralarbeitSnachweise«, Gormannstr. 13. eine all» gemeine Hörerversammlung statt, in der nähere Milteilungen über die Art de» Unterricht» und die Organisation gemacht werden. In dieser Versammlung werden auch noch Anmeldungen entgegen» genommen. Bei der Anmeldung ist eine einmalige Gebühr von 50 Pf. für den Besuch jede» Kurses sowie 25 biS'S0 Pf. für Lehr- mittel zu entrichten. Klein« Nachrichten. In» Wasser gegangen ist ein Siebzehn» jähriger, der als Sohn dt» Hauseigentümers Fickert au» der Tilsiier Strahe festgestellt wurde.— Mit Leuchtgas vergiftet hat sich die LS Jahre alte Näherin Zormer aus der Werneuchener Str. 18.— än der Näbe der Gondelstalion im Ttergarlen sprang ein junge» iädchen in« Wasser, wurde gerettet und in» Krankenhau» gebracht. Hier erkannte man. dah e« sich um eine Irrsinnige handelte und schafft« da» Mädchen nach Dalldorf. Wer das Mädchen ist, weih man noch nicht. Die Kranke trug einen grünen Plüichmaiitel, dessen Aermel mit weihen, Pelz besetzt sind,«inen schwarzen Samlhut und schwarze Halbschuhe.— Ihrem Leben ein Ende gemacht hat eine junge Russin, die in einer Penston in der Luisenstrahe wohnte. Das Mädchen vergiftete fich mit Lysol. Es hatte mit einem jungen Manne ein Liebesverhältnis unterhalten, da» in die Brüche ge» gangen war._ Vorort- JVachncbten« Eharlottenburg. Ueber den Erfolg mit dem zur Linderung der Teuerung unter» »ommcncn Versuch de» Lcikaufs ausländischen Fleische« enthält der VerwaliungSbrricht de» Chatloticnburgcr Magistrats interessante Mitteilungen. Obgleich die städtischen Körperschaften der Ueber» zeugung waren, dah die von der Regierung vorgeschlagenen Mah» nahmen als ein ausreichende« Mittel zur Milderung einer auch nur vorübergehenden Fleischnot nicht angesehen werden konnten, hielten sie es trotzdem für notwendig zu der» suchen, ob und inwieweit die Genehmigung zum Bezug aus» ländischen Fleische» für die Bevölkerung nutzbar zu machen sei. Sie stellten zur Durchführung dieser Mohnahme«inen Betrag bi» zu 100000 M. zur Verfügung und beschloffen, gemeinsam mil Berlin da» Fleisch zu beziehen und abzugeben. Charlottenburg meldete bei Berlin 240 Zentner für die Woche an und behielt sich vor. diese» Fleisch im ganzen vom Zeulralviehhof nach Charlottcnburg auf eigene Kosten zu entnehmen und hier an die Verbraucher mittelbar oder unmittelbar abzugeben. Während Berlin zunächst den Vetlauf in seinen Marklhallen durch eigene angestellte Verkäufer unter bestimmten Bedingungen bewerkstelligte, gab Eharloltenburg da» Fleisch durch Bcrmittelung der Schlächter an di« Ber» braucher ob. Die Fleischer erklärten sich grundsätzlich be» reit, den Vertrieb zu übernehmen; sie wählten eine Kommisston von stehen Mitgliedern, die fast alle kein Geschäft mehr hatten, der städtischen Verwaltung bei Beratung rein fachmännischer Fragen sich zur Verfügung stellten und bereit waren, bei der Abnahme de» Fleisch«», bei der Bestimmung des Preiszuschläge» und der Kontrolle mitzuwirken. Der so organisierte Fleischvcrkauf begann am 22. Oktober ISlS. e» wurden bi» zum Schluh de» Kalenderjahres wöchentlich 150 bis 200 Zentner Fleisch an die Charlottenburger Schlächter abgegeben, aber mit Beginn des Jahres 1913 lieh der Bezug wesentlich nach, er sank mit Ende Januar aus 50 bi» 00 Zentner die Woche. Die Zahl der Fleisch abnehmenden Schlächter fiel von ursprünglich eiwa 60 schliehlich aus 12 bis 15. Den Rückgang erklärten die Fleischer damit, dah die Nachfrage deö Publikums nach tussiichem Fleisch fast vollständig aufgehört habe. Tatsächlich aber hatten die Schlächter, wie die Ermittelungen des Magistrats ergeben haben, durch ihr eigene» Verhalten zu diesem Rückgang in mehr oder weniger grohem Umfang« beigetragen. Au» zahlreichen Beschwerden ging hervor, dah da« russisch« Fleisch bei den meisten Schlächtern entweder überhaupt nicht käuflich zu hoben war oder dah andere Fleischer den Käuseru direkt von dem Bezüge abrieten. Dah aber im Gegensatz zu den falschen Behauptungen der Fleischer ein« starke Nach» frage nach diesem Fleisch vorhanden war. zeigte sich bald. Die Stadt sah sich nämlich genötigt, die übrigbleibenden Stücke, deren Zahl von Woche zu Woche wuchZ, durch die von ihr anoenommenen Fleischer zerteilen zu lassen und durch besondere Verkäufer in Stücken von einem oder mehreren Pfunden an die Bevölkerung un» mittelbar im Fleischschauamt zu verkaufen, und bei diesen Verkäufen fanden in den wenigen Stunden eines einzigen VcrkausStageS SO bi» 60 Zentner Fleisch an viele Hunderte von Käufern schnellsten Absatz. Diese Beobachtungen veranlahten eine schleunige Aenderung deS Verfahren». Da der Berliner Magistrat unter dem 24. Januar 1912 zur Abnahme der vertraglich verpflichteten Menge mit dem Hinweis aufforderte, dah die Stadt für da» nicht abgenommene und dadurch etwa verderbende Fleisch aufkommen mühte, und da die Schlächter den Magistrat zuletzt fast vollständig im Stich liehen, wurde der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend der verkauf de» Fleische» übertragen und gleichzeitig der Wochen» bedarf Vau 240 auf 120 Zentner herabgesetzt. Inzwischen hatte auch der Berliner Magistrat die Konsumgenossenschaft zum Berkaus de» ausländischen Fleische» herangezogen und später folgten diesem Beispiele auch noch andere Bororte. Die Konsumgenossenschaft hat denn auch bis Ende April 1913 in sechs Charlottenburger Verkaufs» stellen durchschnittlich 250 bis 300 Zentner Fleisch wöchentlich verkauft. mit Eintritt der wärmeren Jahreszeit ist die VeriaukSmenge naw und nach bis auf 115 Zentner in der Woche gesunken. Die Stadt hat bei dem Fleischverkaus bisher 1162,43 M. zugesetzr. In welcher Höhe sie sich voraussichtlich noch an dein Gesamtrisiko für Groh-Berlin zu beieiligen haben wird, steht noch nicht fest. Bis Ende März verzeichnete Berlin bei dem Bezug des FleisdbeS nicht nur keine Verluste, sondern sogar noch einen kleinen Ueberschuh. In den Monaten April und Mai aber sind bei plötzlich eintretender hoher Auhentemperatur durch Verderb und Minderabsatz etwas gröhere Verluste entstanden, deren Höhe noch nicht feststeht und an denen Charlottenburg teilzunehmen hat. lieber die Wirkung der Mahnabme äuhert sich der Magisttat dabin, dah sichere Schlüsse noch nicht möglich sind. Die ärmere Be» völkerung sei in die Lage gekommen. einwandsmeS Fleisch zu etwas niedrigeren Preisen, als in den Läden zu erhalten. In welchem Um» fange gerade sie von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht habe, lasse sich zahlenmähig nicht nachweisen, doch lassen die Beobachtungen bei den Selbstverkäufen der Stadt mit ihrem enormen Andränge den Schluh zu, dah die Einrichtung einem grohem Bedürfnis entgegengekommen sei. Eine Beeinflussung der örtlichen Fleischpreise habe durch den Verkauf de» ausländischen Flei'ches in» sofern stattgefunden, als er das Steigen der Preise für inländisches Fleisch zum Stillstand zu bringen geholfen habe. Jedenfalls könnt««in Absinken dieser Preise vom Januar ab auch diesmal wie in dem Vorjahre beobachtet werden. Dieses Absinken betraf fast auSschlieHlich die Grohpreise für Schweinefleisch und lieh im übrigen nur einen Stand erreichen, der über dem des Vor» jähre» lag._ Tie Charlottenburger Stadtverordnetenwahleo, die am v. November stattfinden, haben die.Neue Zeit', da» Organ de» Charlottenburger Kommunalliberali«mui. zu einem HerzenSerguh veraulaht, au» dem nur allzu deutlich die Angst vor einer Niederloge spricht. In der dritten Wählerabteilunz, die zuletzt durch 14 Sozial» demokraten und 12 Liberale der verschiedeniien Schattierungen ver» treten war. sind 10 Mandate neu zu besetzen, von diesen sind fünf im Besitz der Sozialdemokratie. Da» Organ der Liberalen kürchlei nun. dah die Sozioldemokralie mchl nur ihren bisherigen Besitzstand behauptet, sondern dah e» ihr gelingt, noch da« eine oder das andere Mandat dazu zu«robern, und et fordert seine Anhänger auf. den Angriff unserer Genossen abzuschlagen und darüberhinaus.wenigsten» einen Teil der jetzt sozialdemokratisch vertretenen Bezirke zu erobern'. Dieser Appell an seine Anhänger ist natürlich das gute Recht deS Blatte». Wenn«S aber darüber hinaus den sozialdemokralischen Stadtverordneien vorwirft, dah sie bestrebt sind, ohne Rück» sicht auf die Finanzverhältniffe der Kommune, diese zu fortwährender Bermehrimg ihrer Ausgaben zu drängen', so ist daS eine bewuhte Unwahrheit. Allerdings erfordert di« Erfüllung sozial» politischer Aufgaben, wie die Sozialdemokratie sie verlangt, Mittel. aber auf der anderen Seite haben die Sozialdemokraten ja stei» und freudig gezeigt, wo die Gemeinde Ersparnisse machen kann, so dah das, was auf der einen Seite mehr verausgabt wird, aus der anderen Seil« doppelt und dreifach gespart wird. Auf den Weileren Anwurf der.Neuen Zeit', dah die„anmahende und gehässige An. in der die sozialdemokratischen Stadtverordneten tbre bürgerlichen Kollegen sogar dann zu befehden pflegen, wenn im Einzelfall ein gemeinsames Ziel erstrebt wird, ein dauernde« Hemmiii« für die ge» deihlich« Arbeit der Versammlung bildet', gehen wir nicht ein. Dieser Anwurf. der dem Arsenal de« Reichsverbandes entnommen ist'und den Talsachen direkt in» Gesicht schlägt, richtet sich von selbst. Mit Genugtuung konstatieren wir. dah im übrigen das liberale Organ nichts gegen uns vorzudringen vermag, ein Beweis, dah die Tätig» keit der sozialdemottatischen Gemeindsvertreter selbst unseren fana» tischsten Gegnern keinen posiliven Aagrifftpunkt bietet. In allen drei Wäblerateilungen haben die Bürgerlichen wieder ein Kompromih geschlossen, sie haben sich dahin verständigt, den Wählern auf der Grundlage der Wahrung de» Besitzstandes gemeinsame Kandidaten vorzuschlagen. Infolgedessen kommt es in den eisten beiden Abteilungen überhaupt nicht zur Wahl, die am Biertisch proklamierten Kandidaten werden am Wahltage lediglich formell bestäligt. Mit Recht rühmt da» liberale Organ e» als«inen Vorzug de» Kompro- misse», dah dadurch die bürgerlichen Kräfte für den Kampf gegen die Sozialdemokratie in der dritten Abteilung frei werden. Diese Andeutung muh unsere Genossen anfeuern, am Tage der Wahl doppelt und dreifach ihr« Pflicht zu erfüllen und auch den letzten unserer Anhänger zur Wahl zu bringen. Geschieht da«, dann ist der Sieg unser, und dann werden die Hoffnungen der Gegner zu» schänden werden._ Die Kaufmannsgerichtswahl, die am 22. Oktober itattfand. hatte folgendes Ergebnis: Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 554 gegenüber 605 im Jahre 1910. Auf die Liste 1 de» Ber. bände» Deutscher Handlungsgehilfen entfielen 115 Stimmen gegen 113 im Jahr« 1910. Di« Zahl der Beisitzer stieg von 2 auf 3. Die Liste deS Verein» der Deutschen Kausleute erhielt nur 29 Stimmen gegen 88 im Jahre 1910, sie erhielt statt 2 diesmal 1 Beisitzer. Di« Liste 3 deß Deutschnationalen Handlungigehilsenverbandes ver- einigt« 140 Stimmen gegen 128 im Jahre 1910 auf sich. Infolge der schlechteren Wahlbeteiligung entfielen 3 Beisitzer statt 2 auf diese List«. Liste 4 de» Verein» für HandlungScvmmi» erhielt 63 Stimmen und 1 Beisitzer statt 78 Stimmen und 2 Beisitzer im Jahre 1910. Liste 5 de« Kaufmännischen Hilfsvereinö erhielt 99 Stimmen gegen 93 im Jahre 1910. Die Leijiyerzahl blieb 2. Die Liste 6 des Zentralveroandes der Handlungsgehilfen erzielte 108 Stimmen und 3 Beisitzer. 1910 entfielen auf sie IIb Stimmen und ebenfalls 2 Beisitzer. Desinfektion bei ansteckenden Krankheiten. Es ist in vereinzelten Fällen wieder darüber geklagt worden, dah die polizeilich vor- geichriebene Desinfektion bei onsieckenden Krankheiten von der städii- scheu Desinfektionsanstalt Charlotrenburg sDkollwitzstr., Tel. Wilh. 427) nickt so schleunig ausgeführt wurde, als e» de» Beteiligten erwünscht erschien. ES handelte sich hierbei fast stet» um den Todesfall eine» Angehörigen oder um die Uebersührung eine« anderen in ein Kranlenhaus. und es log da» berechtigte Verlange» vor. die bisher verschont gebliebenen Angehörigen durch Vornahme der DeSiusektion so schnell wie möglich zu sichern. FJn solchen und ähnlichen Fällen empfiehlt eS sich stets, die städtische Anstalt um Botnahme der Desinfektion unmittelbar zu ersuchen, anstatt abzuwarten, bi« bei dieser die polizeiliche An- zeige eingelaufen ist. Da diese Anzeige vom Eingang der Mel- düngen des behandelnden ArzteS und von anderen Umständen ab- bängig ist. so ist der Verlust eines gewissen Zeitraumes unvermeidlich. Die städtische Desinsektionsanstalr nimmt die Desinfektion von Woh» »ung und Gegenständen auch vor Eingang der polizeilichen Anzeige auf private Auffotderung vor. Sie bedarf der polizeilichen Mit- teilung allerdings, um je nach der Art der gemeldeten Erkrankung feststellen zu können, ob die verlangte Desinfekiiou gebührenpflichtig oder gebührenfrei war. Diese Feststellung aber kamt natürlich auch uochttäglich erfolgen. Trcvtow-Baumsckiulcnw-g. Di« Arbeitslosigkeit hat auch hier einen Umfang angenommen, wie selten zuvor. Um wenigstens die schlimmsten Folgen des herrschenden und immer wiederkehrenden Beschäftigungsmangel« in etwa» zu mildern, haben unsere Gemeindeverordneten an die Gemeindevertretung den Antrag gestellt,«ine ArbeitSlo ien» Versicherung nach dem Genler System einzurichten und den Genteiitdevorstattd zu beauftragen, ihr schnellstens eine entsprechende Vorlage zu unlerbreiten. Dos Warten auf die gemeinsame Arbeits- losenverficherung der Groh'Berltner Gemeinden kann den unschuldigen Opfern unserer Wirtschaftsordnung vorläufig nicht» nutzen. Kommt päter eine solche Fürsorge, so ist die beantragte örtliche Einrichtung lein Hindernis zum Anfchluh. Das Krematorium auf dem neuen Friedhos in Baumschuleniveg erfreut sich dauernd eines weitgehenden Interesses nicht nur der ein- beimischen Bevölkerung. Von der Einrichtung der kostenlosen Be» sichtigung ist vor allem an den Sonntagvormittagen ein recht aus- giebiger Gebrauch gemacht worden, 300 bis 400 Bemcher waren in letzter Zeit die Regel. Insgesamt dürften die Anlogen seit der Freigabe im Juni dieses Jahres von annähernd 10 000 Personen besichtigt worden sein. An den Besuchen be- teiligten sich auch mehrfach.uns«« Wahlvereine. Nun soll vom 8. November ab mit der Unentgeltlichkeit der Besichtigung Schluh gemacht werden und dann von Vereinen und Einzel- Personen dafür eine Gebühr erhoben werden. Für die beiden noch gebührenfreien Sonntage(0—12 Uhr) find auch bereits zahlreiche Besucher angemeldet, so dah Eiitheimi'che. die die Anlage zu be- sichtigen wünschen, gut tun. dazu möglichst die drei noch noch freien Werktage(Dienstag und Douuerstag. nachmittag» 5 Uhr) zu be- nutzen. Nicht so stark wie von der Besichtigungssreiheit des Krema- toriurnS ist von der damit zusammenhängenden Einrichtung der Gemeinde Gebrauch gemacht worden, wonach die kostenlose Abgabe der für die Feuerbestattung letztwilligen Erklärung ohne jeden Arbeitsverlust am Sotmtag, vormittags von 9—10 Uhr im Standesamt auf dem Rathause erfolgen kann. Trotzdem ist die Zahl per abgegebenen Erllärungett dieser Art immerhin schon eine recht stattliche. Kaulsdorf. AuS der Gemeiudcverttctersitzung. Zunächst wurde über die An- stellnng einer neuen Lehrkraft zum 1. November verhandelt. Noch vor kurzem wurde unserem Genossen Schmidt, als er bierfür eintrat, enlgegengehalten, dah man sich bis auf weitere«, d. h. bis zun» 1. April, den behenden Verbältnissen anpassen würde. Nun zeigt e» sich aber, dah die Verhältnisse der Anpassung vorausgeeilt sind. Der Gemeindevertretung blieb somit weiter nichts übrig, als antrags» gemäß zu beschliehen; die Mittel hierfür stehen bereits seit Beginn des Rechnungsjahre» im Etat. Gleichzeitig wurde auch der Ein- siellung einer weiteren Lehrkraft zum April nächsten Jahres zu» gestimmt und ferner der Schulkoinmission aufgetragen, eine Ueber» ficht der noch zu leistenden Uebetstunden nach Ergänzung d«S Lehrkörper» zu geben.— Weiler war der Ertragtwert der Küsterländereien festzusetzen. da derselbe-inen Einnahmeposten unseres ersten Lehrers im Orte bildet. Durch präzise Fragen an den Vorsteher sorg!« Genosse Schmidt für Aufklärung über die bi» dahin bestanden« Unwissenheit in dieser Angelegenheit. Von bürger» sicher Seite wurde aus das Unwürdige der Tätigkeit deS Haupt» lehrers als Küster hingewiesen und der Wunsch geäutzert, die Summe. die die Kirche hierfür zahlt, auf Gemeindekosten zu übernehmen und den Lehrer nur gemeindlich zu beschäftigen, vorausgesetzt, dah der Lehrer mit solcher Regelung einverstanden ist. Genosse Schmidt er- hob die» zum Antrage, der auch angenommen wurde. Die Zuleaung de« Graben« in der Frankfurter Strohe gab einem industriellen Betriebe als Anlieger Gelegenheit, an die Gemeinde mit dem Ersuchen heranzutreten, seine Abwässer in die zu verlegende Rohrleitung lcilen zu dürfen. Als Gegen» leistung verpflichtete er fich, die Kosten(1723 M.) für die Zuschüttung des Grabens in der ganzen Länge seine« Grundstücks zu zahlen. Die Gemeindevertretung verlangte darüber hinaus noch 500 M. für die Erlaubnis der Entwässerung. Di« Firma wtll nunmehr keine Abwässer sortleiten und nur für den bebauten Teil ihre« Fabrikgrundstücke« die ZuschüttungSkosten (700 M.) bezahlen. Der Gemeindevorsteher wurde beauftragt, erneut mit der Finna zu verhandeln.— Vom Grundbesitzervereitt Kauls- dorf-Süd lag ein Schreiben vor. da» sich mit der V e r l ä n g e r u n g der Strahenbahn, Köpenick— Mahlsdorf- Süd, über Kaul»dorf»Süd bis zum BahnhofKanlSdorf, beschäftigt. Die Gemeinde Köpenick als Besitzerin der Bahn macht zur Bedingung, dah von KaulSdorf ein GarantiesondS geschaffen wird, der ein event. Defizit deckt. Die Gemeindevertretung lehnte da« Projekt zurzeit als undiskutabel ab, da die nötigste Vor- bediugung. der Gesamibebauuitgsplan für den Ort noch nicht fest» liegt. Nach Vorlragung von Mängeln in der Strahenbcleuchlunz wurde beschlossen, sich beschwerdeführend au die Lichtenberg«! städtischen Werke zu wenden. In geheimer Sitzung wurde über Erlaß von Fremdenschulgeld verhandelt. Weiftensee. Die für de» 6. November fest gesetzten Au« s ch u h w a h l en zur Allgemeinen Ortskrankenkasse sind nach dem §9 de« Statut« nicht mehr notwendig, da für jede Gruppe der zu Wählenden nur«tue Liste eingereicht woideu ist. Neu-Zktta«(Kreis Beeskow). Bor gut besuchter Versamutlnng referierte Genosse Karl Thielickc- Friedenau über.den Ri>stung«wahnsinn und seine Folgen für die Arbeiterklasse'. Di« Verfammluug spendete dem Redner reichlichen Beifall. Allgemeinen Unwillen erregte in der Versammlung di« Mit- teilung, dah die hiesige Gemeindevertretung 60 M. bewilligte, damit die zugeknöpften Patrioten die sogenannte Jahrhundertieier der Völkerschlacht bei Leipzig bei tteiem Entree und Tanz festlich begehen konnten. Räch Schluh der Versammlung wurden eine Reihe Äuinahmen gemacht. Au» Anlaß des zehnjährigen Bestehens de» Wablvereins soll am Sonnabend, den 1. November, eine kleine Fest» lichkeit stattfinden. Pankow-Niedrrschöuhauseu. ?lm Sonnabend, den 25. Oktober, abends 8'/, Ubr. veranstaltet der Jugendausjchuh Niederichönbauie» in Schloß Schönhausen(In» Haber Schönherr). Linden». Ecke Kai'ertn-Augusta-Sttahe. eine Herbst» frier für die arbeitende Jugend. Mitwirkende find: das Neuköllner Jugendorchester.Carmen', Opern-, Oratoriensängcrin Frl. Berttud Fahland-Frenzel, Rezitator Herr Max Vieth und Gesangverein .Zukunft', Niedeischönhausen. In Anbetracht des künstlerischen Pro- gramm« wird die Arbetierichaft um rege Unterstützung ersucht. Das Jugendheim für Pankow-Niederschönhausen wird in der ersten Hälfte des Monal« November in Pankow, Maximilianstt. 43a, eröffnet. Spandau. Von eine« Automobil überfahren und getötet wurde vorgestern nachmittag gegen 5 Uhr in der Wilhelmstadt ein kleines sechs- jähriges Mädchen, Gertrud Müller, dessen Eltern Pichelsdorfer Strahe 8 wohnen. Die Kleine wollte die Strahe überschreiten, als sich ein Personen-Kraftwagen näherte, worauf sie aber nicht geachtet hatte. Der Führer des Automobils war nicht mehr imstande, e» zum Stehen zu bringen. Das Kind geriet unter den Wagen, dessen Räder über den kleinen Körper hinwegrollten. Da» Mädchen wurde zu einem in der Nähe wohnhaften Arzt getragen, der indes nur den bereits eingetretenen Tod feststellen konnte. Jugendveranftaltuuge». Britz. Heule Donnerstag findet tm Heim, Runziusstr. 3, der zweit« uaturwissenfchastliche Bortrag statt. Referent Herr Lagner. Witterungsübersicht vom 22. Oktober 1913. Wetterprognose kür Donnerstag, den 23. Oktober 1943. Zunächst mild, vorherrschend wolkig, ohne erhebliche Niederschläge; vach- her frische westliche Winde, langsam wiederaufklarend, lühler. Berliner Wetterburea«. sr.m so. iniitjai, Z Dtiillge des„Nsmillts" Ktlllner DoldsblM. s-»-»-'-- W«MnwlZ Ems der fraucnbcwcguwg. Kranhbeit und Bterblicbkdt des Kindes. Es gibt kein Gebiet sozialer Fürsorge, das dankbarer wäre für das ihm zugewandte tatkräftige Interesse, keines aber auch, auf dem bisher durch Unterlassung so entsetzlich gesündigt worden wäre, wie das der Fürsorge für die kleinen Kinder des Volkes.„Hier liegen die wichtigsten, erfolgreichsten, ivertvollsten Aufgaben der Gesundheitspflege, liegen die heiligsten Pflichten der Gesellschaft und des Staates." So sagt Dr. G. Tugendreich in seiner Abhandlung über den „Einfluß der sozialen Lage aus Krankheit und Sterblichkeit des Kindes" in denr wiederholt von uns erwähnten großen Sammelwerke„Krankheit und soziale Lage". Die Abhandlung Tngendreichs ist eine Fundgrube authentischer Zahlen— und Tatsachenmaterials über die Wirkung der sozialen Verhältnisse auf den Nachwuchs des Volkes. Einige der wichtigsten Gesichts- punkte seien in folgendem kurz hervorgehoben. Die natürliche, d. h. die unvermeidbare Sterblichkeit der Säuglinge beläuft sich nach ärztlicher Ansicht auf etwa ? Proz.; vereinzelt wird eine Mindeststerblichkeit von 2 bis S Proz. als möglich angegeben. Allein an dem Maßstab von T Proz. gemessen, fallen in Deutschland jährlich mindestens 200 000 Säuglinge dem Tode unrechtmäßig zum Opfer. Wenn zu Ansang des 19. Jahrhunderts der Arzt Wappäus mit Recht die Kindersterblichkeit geradezu zum Gradmesser der materiellen und sittlichen Kultur eines Volkes machte, so ist das Massensterben unserer Säuglinge die vernichtendste Anklage für die Herr- schenden Zustände, die es in immer steigendem Maße ver- hindern, daß Hunderttarisenden von kleinen Kindern die ihnen einzig naturgemäße Nahrung der Mutterbrust zu teil wird. Alach verschiedenen Richtungen ist der Einfluß der sozialen Lage auf die Säuglingssterblichkeit untersucht worden, immer mit demselben Endergebnis. Legte man die Einkommensver- Hältnisse, die Wohnungsgröße, den Kinderreichtum der Eltern, eheliche oder uneheliche Geburt den Untersuchungen zugrunde, immer zeigte sich ein erheblicher Aufstieg der Sterblichkeit bei Verschlechterung der sozialen Lage. Stets aber sind es die künstlich ernährten Säug- linge, die den Schädigungen aus der Umwelt zum Opfer fallen, während das Brustkind eine hohe Widerstandskraft so- gar gegen die Wirkungen der Armut besitzt. Selbst der in den übervölkerten Wohnhöhlcn der Armen so gefürchteten Sommerhitze fallen nach einer Berliner Statistik nur ein halb mal soviel Brustkinder zum Opfer als in den übrigen Jahres- Seiten, während der Anteil der Flaschenkinder auf das Fünf- fache emporschnellt. So ist die Sterblichkeit der Flaschen- kinder maßgebend für die Höhe der Säuglingssterblichkeit über- Haupt. Der große Komfort, dessen ein Flaschenkind be- darf, um gesund zu bleiben, ist den unteren Schichten der Be- völkerung selbst bei erheblicher Besserung ihrer Lage noch auf lange hinaus unerreichbar. Die sozialen Ursachen, welche die Mutter hindern, ihr Kind überhaupt oder ausreichend lange— d. h. mindestens neun Monate lang— zu stillen, sind einmal die Armut, die sie zu außerhäuslichem Erwerb zwingt, und außerdem die Unwissenheit, die Unkenntnis der hohen Bedeutung der Brust- stillung, die in den proletarischen Schichten ungemein weit verbreitet ist, weil der Unterricht- der Volksschule für die jungen Mädchen zu früh aufhört und die wichtige Schulung der künftigen Mutter auch in der Fortbildungsschule, die überdies noch immer keine obligatorische Einrichtung ist, eine Stätte noch nicht gefunden hat. Unmittelbar nach dem Verlassen der Volksschule beginnt für die meisten jungen Mädchen die Berufsarbeit. 96 Proz. etwa entbehren jeglicher hauswirtschaftlicher Unterweisung. So steht denn die junge Frau und Mutter nur zu häufig hilflos ihren Aufgaden gegenüber, ohne sachverständigen Rat in den ersten Lebens tagen des Säuglings, die so oft über dessen Leben und Tod entscheiden. Die Ärmur ist aber auch die Ursache, daß viele Mütter ihre Unwissenheit nicht durch den Rat eines Arztes korrigieren lassen können. Eine bayerische und eine ungarische Statistik liefern Beweise dafür, wie selten kranke Säuglinge und auch ältere Kinder in ärztliche Behandlung gegeben werden. Nicht die Stillunfähigkeit charakterisiert die Stillungsnot, sondern die Stillunmöglichkeit, die einen ihrer Hauptgründe in der zunehmenden Erwerbsarbcit der Frau hat. Krippen, Kindergärten und Kinderhorte erleichtern vielen Fronen den von der Not diktierten schmerzenreichcn Verzicht auf volle Erfüllung ihrer mütterlichen Pflichten, aber einen vollgültigen Ersatz für die mütterliche Pflege und Ernährung köuuen sie nicht bieten. Wie verhältnismäßig wenig oft dazu gehört, um dem Säugling die Mutter zu erhalten, zeigt das Beispiel einer Frankfurter gemeinnützigen Baugenossenschaft; in ihrem großen Vaublock hatte sie eine Krippe errichtet, die aber unbenutzt blieb, weil die Arbeiterfamilien hier so billig wohnten, daß ihre Frauen nicht mitzuerwerben brauchten. Die Zahl der durch Erwerbsarbeit am Stillen gehinderten Frauen wird sür Wien auf% aller Wöchnerinnen, für Berlin auf mindestens ebensoviel geschätzt. Ein großer Teil davon entfällt auf die unehelichen Mütter, deren Säuglinge als Haltekinder fast ausnahmslos Flaschenkinder und somit an der Höhe der Säuglingssterblichkeit in erster Linie beteiligt sind. Die Lebenserwartung, d. h. die Aussicht, am Leben zu bleiben, ist bei den unehelichen Kindern um rund 80 Proz. schlechter als bei den ehelichen. Verbesserungen in der Organi- sation des Halterinderwesens vermögen in nicht un- erheblichem Maße die Lebenserwartung der unehelichen Kinder zu erhöhen, wie zahlenmäßige Nachweise aus Leipzig und Danzig ergeben. Weit notwendiger noch wäre eine von echt�ni sozialen Geiste getragene Reform der heutigen Alimentierung. So lange die Versorgung des un- ehelichen Kindes sich nicht nach dem Stande des Vaters, sondern nach oem der Mutter richtet, ist die übergroße Mehr- heit der unehelichen Mütter gezwungen, sich von ihrem Kinde zu trennen und es so billig wie möglich in Pflege zu geben. Wie sehr häufiger Pflegewechsel, wie er bei unregelmäßiger Alimentierung die Regel ist, Gesundheit und Leben des Säug- lings gefährdet, geht aus den Zahlen Spanns für Frank- surt a. M. schlagend hervor. Das Kleinkinderalter von 2— 6 Jahren zeigt allgemein ein rasches Sinken der Kindersterblichkeit, Bedrohten im Säuglingsalter die Ernährungsstörungen das Leben des Kindes, so sind es im Spielalter die übertragbaren Krankheeten, insbesondere die Tuberkulose. Von großem Interesse ist hier für die Gestmdheitsstatistik die Frage, ob die Vorteile der Brust- stillung sich auch in diesem Alter noch geltend machen. Nach dem vorliegenden lückenhaften und dürftigen Zahlenmaterial scheint eine günstige Nachwirkung der Brusternährung, be- sonders für das zweite Lebensjahr, Tatsache zu sein. Besser ist das Material über die Einwirkung von Reichtum, Wohl- habenheit und Armut auf die Sterblichkeit und Krankheits- Häufigkeit der Kinder im Spielalter. Vcrriyn Stuert weist nach, daß die Sterblichkeit der Kleinkinder der Armen 2— 2'/2 so hoch ist als die der Reichen. In Bremen sank im Jahrfünft 1896/1900 die Sterblichkeit der Kinder von 1—5 Jahren nur bei den Wohlhabenden; bei den Armen blieb sie unverändert. Bei Masern zeigt sich ein beut- sicher Einfluß der Armut. Die armen Kinder erkranken nicht häufiger, als die reichen an Masern, aber sie sterben häufiger daran. Von den dem Berliner Waisenhause zugeführten Kindern von 1—6 Jahren hatten normales Körpergewicht nur i'/s Proz, der Knaben und 16 Proz. der Mädchen. Kaum 25 Proz. waren frei von Krankheit, mehr als 37 Proz. waren rachitisch. Ebenso traurige Resultate er- mittelte Hoffa in Barmen. Nach allem ist die Gefahr der körperlichen— und damit auch der geistigen— Degeneratton, ist die direkte Gefährdung des Lebens für den im Zeitalter der kapitalistischen Frauen- arbeit geborenen Nachwuchs des Volkes so ungeheuer groß, daß wir nichts unversucht lassen dürfen, um die heutige Ge- scllschast auf dem Wege eines umfassenden Mutter- und Säuglingsschutzes unablässig vorwärts zu treiben. Hier liegt ein weites Aktionsfeld für die Frauen brach, auf dem ihr stärkster Impuls, ihr mütterliches Empfinden rein und stark ins Weite wirken kann, wenn sie aufklärend und kämpfend der kommenden Generation gesunde und glückliche Lebens- bedingungcn erringen helfen. Die bürgerlichen Stimmrechtlerinnen gegen das gleiche Mahlrecht. Das Vorstandsmitglied des Deutschen Verbandes für Frauen- stimmrecht, Frau Dr. Kempf, bittet uns mitzuteilen, daß sie nicht für den Antrag des Preußischen Landesvereins:„Der Ver- band erstrebt als Ziel das allgemeine, gleiche, direkte und ge- Heime aktive sowie das passive Wahlrecht für beide Geschlechter.."» sondern nur für ein Amendement von Frau Lindemann ge- stimmt habe, das folgendermaßen lautete:„Z 4, Ziel. Der Deutsche Verband für Franenstimmrecht will nicht die Interessen einer einzelnen'Schicht oder Klasse von Frauen, sondern die Interessen aller Frauen vertreten, darum erstrebt er das allge- meine, gleiche, direkte und geheime aktive, sowie das passive Wahl- recht zu den gesetzgebenden Körperschaften und den Organen der Selbstverwaltung." Wie wir hören, hat auch Frau Lindemann- Stuttgart nicht für den preußischen Antrag, sondern nur für ihr Amendement gestimmt. Dazu ist zu bemerken: Das Amendement Lindemann way zweifellos besser als der preußische Antrag, wenngleich auch er das ominöse Wort„Ziel" statt der früheren Fassung„Grundsätze" vor- anstellt. An der ganzen Beurteilung des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht wird durch die Berichsigung natürlich nichts geändert. Unsere Auffassung von der fortschreitenden Reaktion im Frauenstimmrechtsverbande wird durch die Meldung bestätigt, daß der Hamburger Landesverband mit etwa 1000 Mitgliedern, der zugleich die größte Ortsgruppe des Verbandes bildete, auS dem Deutschen Verband für Frauenstimmrecht ausgetreten ist.. Vermutlich wird es nicht bei diesem einen Verein bleiben, andere werden dem Beispiel folgen, Spaltungen einzelner Ortsgruppen find wohl auch zu erwarten, und daß die ausscheidenden Gruppen sich zu einer neuen Organisation zusammenschließen, kann als wahrscheinlich vorausgesetzt werden. So ist also schon sür die nächste Zukunft damit zu rechnen, daß statt der alten zwei Frauenstimmrechtsverbände vier vorhanden sein werden, falls der vor kurzem entstandene Reichs- verband für Frauenstimmrecht sich nicht mit dem neu zu be- gründenden Verband verschmilzt. Die jetzt den Deutschen Verband für Frauenstimmrecht verlassenden Mitglieder haben wohl erkannt, was auch wir voraussahen: daß sie innerhalb des Verbandes nichts mehr ausrichten können, und sie ziehen die Trennung dem Zer riebenwerden vor. 1. B. Die Stütze der Rausfrau. „Nein, Hermann, jetzt habe ich den ewigen Aerger mit den Dienstmädchen satt. Alle Tage werden sie frecher und anspruchs- voller, dabei natürlich immer fauler. Wie Prinzessinnen treten sie auf. Man sollte sie noch bedienen, statt daß sie arbeiten. Eben habe ich der Sophie gekündigt. Die Person verlangt belegte Stullen und Bier zum zweiten Frühstück. Die wird sich wundern, wenn sie mal heiratet. Froh wird sie sein, wenn sie immer trockenes Brot hat. Ihr Bräutigam hetzt sie auch noch auf.„Det is'n Orga- nisierter," wagt sie mir noch ins Gesicht zu sagen. Ich glaube, darauf bildet sie sich noch was ein, statt sich zu schämen." Erschöpft warf sich die Frau Professor auf das Sofa in ibres Mannes Stube und fuhr in ihrem Lamento fort, als er endlich auch zu Wort zu kommen suchte.„Aber liebe Henriette,!oas willst Du denn an- fangen ohne Mädchen? Wir sind doch nun leider mal angewiesen auf diese elenden Kreaturen, die einem das Dasein verleiden. Die Sophie können wir natürlich nicht behalten mit einem organisierten Bräutigam. Das ist ja ein Skandal! Wir müssen eben wieder eine andere suchen."„Suchen, die Vermittlerin hat neulich gesagt, zu uns käme keine mehr. Dabei haben sie es doch nirgends so gut. Aber ich weiß, was ich tue. Ich annonciere im„Daheim" und suche eine Stütze der Hausfrau."„Eine Stütze der Hausfrau," stöhnte der Professor.„Liebes Kind, bedenke, daß ich unmöglich noch mehr Lohn bezahlen kann, als bisher. Und wer soll dann die grobe Arbeit tun und wo soll sie wohnen?"„Laß mich nur machen," meinte seine kluge Frau.„Erstens sichere ich gute Behandlung und Familienzugehörigkeit zu. Dafür brauche ich ihr nur ein Taschengeld geben, höchstens die Hälfte von dem, was ein Mädchen bekommt. Dann haben wir ja Zentralheizung, warmes Wasser und elektrisches Licht. Die Wäsche geben wir aus dem Hause. Ich verlange nur die Arbeit, die ich selbst mache, helfe in der ersten Zeit beim Aufräumen, Geschirrspülen usw. Zum gründlichen Reinemachen muß die Portierfrau jede Woche einmal kommen, ebenso zum Teppichklopfen. Die bekommt das, was das Mädchen an Lohn mehr betommt. Schlafen muß die Stütze bei den Kindern. Da kann gut noch ein Bett stehen. Die Kinder müssen dann eben mehr im Eßzimmer sein, und da kann dann auch das Fräulein sitzen und nähen oder stopfen. Das habe ich bisher auch alles machen müssen, denn die Mädchen werden ja nie fertig in der Küche. Das Fräulein kann dann auch nach den Schularbeiten 1 sehen, wenn ich keine Zeit habe, und es ist mir sehr sieb, daß die Kinder nicht mehr den ordinären Ton der Mädchen hören. Von denen haben sie nur Schlechtes gelernt." Bewunderno hörte der Professor auf den Schlachtplan seiner Gattin. Sie wußte doch immer Rat. Ein paar Tage darauf suchte sie durch ein Inserat im„Daheim" ein gebildetes bescheidenes junges Mädchen, das neben der Sausfrau alle Arbeiten im Haushalt wie eine Tochter übernehmen' sollte. Fertigkeiten in der bürgerlichen Küche und in Handarbeiten war Voraussetzung. Familienanschluß wurde ge- währt und ein Taschengeld von zehn Mark monatlich. Der Pro- fessor war allerdings etwas skeptisch, ob sich auf dies verlockende Angebot jemand melden würde und warf ein, daß ja die Kinder nicht erwähnt seien.„Von denen spricht man erst beim Engage- ment," meinte seine Gattin, und voller Triumph zeigte sie ihm die Offerten, die stoßweise in den nächsten Tagen einliefen. Mädchen aus allen Gesellschaftskreisen meldeten sich: Offizierstöchter, die von vornherein ausgeschieden wurden, da sie alle einen Piep hätten. Ebenso erging es den höheren Beamtentöchtern. Aber es waren noch genug andere da. Mädchen vom Land und auS der Stadt, Mädchen, die Pensionsbildung hatten und mehrere Sprachen kannten. Mädchen, die die Haushaltungsschule absolviert hatten, und solche, die zu Hause alle erforderlichen Kenntnisse erworben hatten. Fast alle waren Waisen oder sie hatten den Vater ver- loren. Viele betonten, daß sie es nicht nötig hätten. Manche wollten einmal fort van Hause, andere hatten das Bedürfnis, sich nützlich zu machen. Die Auswahl war nicht leicht. Nicht gewählt wurden die, welche ein eigenes Zimmer wollten, denen monatlich zehn Mark zu wenig schien, die Ansprüche auf Theater und Konzerte machten, die freie Sonntage und Abende verlangten, die auf den mitgeschickten Photographien zu verwegene Frisuren oder zu elc- gante Kleider hatten. Endlich fand sich eine mit glatten Scheiteln, nicht zu jung, die viel Wert auf einen christlichen Haushalt legte. Man betete ja alle Tage vor dem Essen und gab auch gern ab uiid zu die Zeit zum Kirchenbesuch am Ikachmittag frei. Der große Tag des Einzugs der Stütze kam heran. Sie war Vollwaise, das hatte auch für sie gesprochen, denn da hatte sie doch keinen Anhang und ihr Interesse konzentrierte sich auf ihre Dienst- Herrschaft. Die abziehende Sophie half noch, ihren Koffer herauf- tragen und rief ihr ironisch„Viel Glück" zu. Das Leben der Stütze begann. In den ersten Wochen legte die Frau Professor noch selbst Sand mit an. Bald blieb aber die Arbeit ausschließlich der Stütze"zugewiesen. Sie gehörte zu der Familie. Darum durfte sie mit am Tisch sitzen zwischen den Kindern und auf deren Manieren aufpassen. Wenn Besuch kam, verwandelte sich die Stütze in das Zimmermädchen und mußte servieren,„da sie ja doch niemand kannte". Wollte sie in der Küche einen Rat, dann hieß es:„Ja, Fräulein, eine Stütze, die gestützt werden muß, kann ich nicht brauchen." Bekamen die Kinder in� der Schule eine schlechte Note, dann war die Stütze schuld. Man hatte doch kein Dienst- mädchen mehr, weil man bei einer Stütze voraussetzt, daß sie eine bessere Schulbildung halte und die Aufgaben der Kinder beauf- sichtigen sollte. Als die Stütze sich weigerte, einen Hasen abzu- ziehen, erzählte die Frau Professor, daß sie das bei ihrer Mutter immer hätte machen müssen. Als die Stütze keine Glanzwäsche plätten konnte, hieß es, gerade das gehöre zu den Dingen, die man von einer Stütze verlangen könne. Zu diesen Dingen gehörte überhaupt so unendlich viel, dazu gehörte Pastetenbacken und per- fektes Französisch, dazu gehörte Ausbildung im Schneidern und Putzmachen wie im Klavierspiel. Dazu gehörte, daß man Lehrerin, Erzieherin, Köchin, Zimmermädchen, Plätterin und Schneiderin in einer Person war. Dazu gehörte, daß man nie widersprach, nie müde war, nie eigene Wünsche hatte. Die bescheidene Stütze, die niemand zur Aussprache hatte, niemand, der ihr raten konnte, niemand, der sich darum kümmerte, daß sie immer elender und blasser wurde, wunderte sich, ob es solch vollkommene Wesen, wie die Phantasie der Frau Professor sie sich ausmalte, überhaupt geben könne. Die hätte am liebsten gesehen, wenn die Stütze sich auch noch den Schlaf abgewöhnt hätte, um nur mit aller Arbeit fertig zu werden, die sie ihr aufhalste. Eines Tages traf die Stütze ihre Vorgängerin, die entlassene Sophie, auf dem Markt.„Na Fräulein," fiagte sie,„find Sie denn noch immer bei dem Drachen?" Entsetzt hörte die Stütze diese respektlose Bezeichnung der Frau Professor. Aber Sophies Rede- fluß war nicht mehr zu bändigen. Sie„packte auS". Die Frau Professor wäre eine Menschenschinderin, eine Blutsaugerin, mit- samt ihrer Veterei, dazu ein Geizkragen, eine richttge Hexe. Ein ordentliches Mädchen ginge schon längst nicht zu der. Darum hätte sie sich eine Stütze genommen. Die ivären dumm genug, sich alles aufhalsen zu lassen. Aber ihr, Sophies Bräusigam, hätte sie auf- geklärt und nun wäre sie bei der Dienstbotenorganisation. Da solle daS Fräulein nur auch �hingehen. Da würde man sie schon schützen und ihr eine bessere Stelle verschaffen. Das Fräulein ging nach Hause und kämpfte einen schweren Kampf. Sollte sie, die Tochter aus„besserer" Familie, sich mit den Dienstboten auf eine Stufe stellen? Heimlich ließ sie sich das Organ der Hausangestellten kommen. Da stieg allmählich die Ueberzeugung in ihr auf, daß sie doch nicht so ganz schütz- und rechtlos wäre. Eines Tages kündigte sie der Frau Professor und teilte ihr mit, daß sie sich organisiert und bessere Stellung gefunden hätte. Die Frau Professor loar sprachlos. Eine solche Schande machte ihr eine Person, die sie doch nur aus Mitleid genommen hatte. Die hatte sie Fräulein genannt und sie bei Tisch essen lassen! Na, bei der nächsten Stütze würde sie doch vorsichtiger sein! Und sie bekam loieder eine Menge Angebot«, als sie im Jba' heim" eine Stütze suchte, und wird sie bekommen, so oft sie noch annonciert. Die Stützen sind ja, nach Sophies Aussage, dnmrn genug!_' A- B. Die frau In der Partei, Eine Frauenkonferenz für den Agitationsbezirk Breslau tagte am Sonntag, den 12. d. M., in Breslau. Anwesend waren 1b Ge- nossiunen als Delegierte. Den Parteivorstand vertrat Genossin Zietz, die Bezirksleitung die Genossen Löbe und Scholich und die Genossinnen Wulf und Lawatsch. Die Breslauer Kinderschutz- kommission war durch ihre Vorsitzende vertreten. Außerdem nahmen noch einige Genossinnen als Gäste au den Verhandlungen teil. Ueber das Thema:„Wie gewinnen wir die Frauen für den politischen Kampf" referierte Genossin Frieda Wulf. Gewünscht wurde in der Diskussion, daß der in den Frauenversammlungen vorzutragende Stoff ein möglichst leichter sei, und daß alle Ver- sammlungen möglichst mit Chorgesängen eröffnet und geschlossen werden. Andere, namentlich aus ländlichen Distrikten, forderten den Ausbau der Kranken- und Wöchnerinnenpflege durch Ge- nossiunen als Agitation sür die Frauenbewegung. Der Mithilfe der Frauen beim Kinderschutz war ein zweites Referat der Ge- nossin Wulf gewidmet, in dem namentlich die KinderauSbeutuug auf dem Lande ein besonderes Kapitel bjldete. Gewarnt wurde vor dem Zusammenarbeiten mit der bürgerlichen Jugendzentralc, empfohlen dagegen die Veranstaltung von Kinderspaziergängen und Ferienwanderungen. Die Agitation unter der weiblichen Jugend behandelte die Genossin Zietz-Berlin; sie bezeichnete unsere Jugend-■ bewegung als einen Akt der Selbsthilfe gegenüber der kapitalisti- scheu Wirtschaftsweise. Die Kampfesweise der Gegner gegen die proletarische Jugendbewegung wurde von der Rednerin gebührend gekennzeichnet und dabei hervorgehoben, daß gerade die weidliche Jugend nirgends mehr vor sittlichen Gefahren geschützt ist, als in der proletarischen Jugendbewegung. Notwendig sei, die weibliche Jugend schon zu kleinen Agitations arbeiten heranzuziehen. Umständehalber 15 Min. b. Bahnhof Fredersdorf. 'I, Morgen M. 1600,—. Restkaufgeld mehrere Fahre. VI»». Berlin 0., KopernikuZslr. 28.* Spezialarzt f. Haut-, Harn.. Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkrante jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in Dr. Homeyer Wi unterfuchung., Fäden i. Harnulw. m\m\. si, ÄftSn. Spr. 10— 2, 6—9, Sonnt. 11— 9. Honorar mäftig, auch TeUzahl. Separates Tameuzimmer. inzahlnDg Ohne jede Pianos „wi. Flügel«na Harmoniums n kleine monatl. Teilzahlung. Für jedes Instrument gewähre ich langjährige G | Conrad Krause Hehfg., i >< erstklassiges Fabrikat X vielfach prämiiert, u. a.: Berliner Gewerbe- Ausstellung 1896 Berliner Musik-Fachausstellung 1906 I Aach Sonntags gettffhet.| G. Rapps Festsäle früher Nißle W. 57, Dennewitsstr. 13. Fernfpr.: Kurs. 2991. Der gemütlichste Ballsaal des Westens!— Heute: Ciroßcr BalL Die Säle find noch für Totensonntag und Sonnabend, den 6.«nd 1Z. 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