IM, 279. IbonnementS'Bedlngungtn: C ionitenicnl5- Prei» prämwierand»! ««jeljährl. 3.30 Mi, monatl. 1.10 Mi. w tchenrlich 28 Psg. frei ins Hau«. I /nzelne Nmnmer S Psg. Sonntag»- r tinuncr mit illustrierter Sonntag»» '■ leilage»Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- '«bonnelnent: 1,10 Marl pro Monat. »angetragen in die Post-Zeitung»- fJrelsliste. Unter Kreuzband iü» 'Deutschland»ad Oesterreich. Ungarn '2,50 Marl, für das übrige Ausland « Mark pro Monat. Postabonnement» ncbmen an: Belgiei:, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwei». 30. Jahrg. VIe fnkertlonz-eedühl' beträgt für die scchsgespalleue Kolonel- »eile oder deren Raum 60 Pig.. für politische und gewerlschaftliche Berein», und Lersnnmuungs-Anzeigen L0 Pig� ..Aleine Anreigen", das fettgedrucltc Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10'Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müfscn bis & Uhr nachmittags in der Expedition gbgegeben werden. Die Expedstion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, erscheint täglich. Verlinev Dolli5»blnkk. Telegramm-Adresse: „Sozialdcinohrat Rirlia". Zcntralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8 AI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. 1983. iirupp vor Gericht. Wer eS nicht gewußt hätte, daß sich in dem großen Schwur- gerichtssaal in Bioabit ein politischer Sensationsprozeß abspielt, hätte es aus der Physiognomie des Sitzungssaals nimmermehr ge- merkt. Da sah alles so schläfrig und gleichgültig aus. Die Ver Handlung säuselte an diesem ersten Tage gemütlich und geruhsam dahin, und man mußte ordentlich die Ohren spitzen, um dem Gang der Verhandlung folgen zu können. Das Bäckerdutzend Journalisten bekämpfte hartnäckig den Gähnkrampf und in dem Zuschauerraum klafften breite Lücken. Vermutlich lag das nicht au der Interesse- losigkeit des Publikums, sondern der Fürsorglichkeit des Gerichtshofes, der die ohnehin miserable Luft deö Raumes für die zu erwartenden Dauersitzungeil nicht noch mehr verschlechtert haben wollte. Jeden- falls waren schon am Eingang des Gerichtsgebäudes zwei Beamte postiert, die nur dem Passage gewährten, der sich durch eine Zeugen- ladung oder einen sonstigen Zutrittsausweis legitimieren konnte. Trotzdem: der Prozeß der Hedwig Müller hat die bürgerliche Oeffentlichkeit sicher ganz anders elekirisiert. Das war ja auch eine Mordaffäre mit pikantem Beigeschmack, während es sich hier ja„nur uin ein politisches Panama handelte. Nur darum, ob die Firma Krupp ein gesetzwidriges Spionagesystem zum Sckaden ihrer Kon- kurrenten und des Staates unterhalten hat. Nicht die Firma Müller oder Schulze, sondern die allmächtige Kanonenfirma Krupp, eine der stärksten Säulen unseres Militarismus, eine der festesten Trutzburgen eines brutalen JndustriefeudalismuS, einer antisozialen Arbeiter- knebelungspolitik. Nur darum also handelt cS sich, ob dieser Staat im Staate, diese politische Macht ihr Geld und ihr Ansehen dazu mißbraucht hatte, um systematisch Korruption zu züchten zur weiteren Festigung ihrer unheilvollen Monopol- und KorruptionSherrschaft. Daß ein solcher Prozeß keine sensationsgierigen Weiber aus Berlin WW herbeilocken würde, war ja anzunehmen; aber daß er auch die poli- tischen Kreise des Bürgertums so wenig interessiert, ist nur ein Beweis mehr dafür, daß es unserer Bourgeoisie auf eine Portion Korruption mehr oder weniger nicht groß ankommt, ja daß nian am liebsten die Akten über den Krupp- Skandal schon längst geschlossen hätte. Daß der Schmiergelderunfug die Seele unseres kapitalistischen Geschäfts ist, weiß man ja nur zu gut, und deshalb sollte man von der einen Schmieraffäre, so meinen sie, nicht allzuviel Aufhebens machen. Denn schließlich kommt die Aufdeckung solch' Kapitalistischer Korruption doch nur der Sozial- demokratie zugute. Also schließen wir nach Möglichkeit beide Augen! Ja, wenn nur die Krupp-Affaire so leicht totzuschweigen und totzuöden wäre. Aber das geht denn doch nicht so einfach. Denn man weiß sich unter scharfer Kontrolle. Und schließlich blitzt auch aus de» langweiligsten Verhandlungen hier und da ein so Helles Licht auf, daß es auch dem Schwachsichtigsten in die Augen sticht. Daß der erste Tag der Verhandlungen nichts sonderlich NeueS bot, ist der nun einmal unvermeidlichen Abwickelung des prozessualen Geschäftsganges geschuldet. Brandts Darstellung seines.In- formationsdiensteS' ist ja dem Leser des Kriegsgerichtsprozesses hinlänglich bekannt. Aber die Moabiter Strafkammer muß die ab- geleierten Geschichten aus dem Prozeß gegen die sieben Zeugoffiziere noch einmal mit einem feierlichen Ernst abhandeln, als gelte es, funkelnagelneue Entdeckungen zu machen, während doch erst die Aussagen neuer Zeugen neue und interessante Momente bringen können. Immerhin boten auch die Verhandlungen vom Donnerstag einiges Bemerkenswerte. Herr Maximilian Brandt ist seit seiner Verwandlung vom Zeugen zum Angeklagten noch diplomatischer geworden. Das ihm Unangenehme hat er vollends vergessen. Jedoch gibt er— ein Mann von Welt, der er nun einmal ist— die.Möglichkeit" irgend einer Aeußerung oder eines Faktums allemal dann bereitwilligst zu, wenn sich die Sache zu seinem Vor- teil verwerten zu lassen scheint. Nur die kompromittierenden Ge- ständniise, die ihm seinerzeit bald nach seiner Verhaftung entschlüpft sind, werden ihm immer mehr zu Ausgeburten einer nervös über- reizten Phantasie, von denen er sich heute mit Schaudern wendet! Auch hat man jetzt eine neue Lesart dafür entdeckt, warum Brandt 1905 nach Berlin geschickt worden ist. Ein Toter trägt die Verantwortung dafür, der verstorbene Herr v. Schütz. Wie war dieser Mann seinerzeit von den Kruppdirektoren und auch Mitgliedern des Kriegsgerichts als leuchtendstes Vorbild eines Ehrenmannes ge- priesen worden. Und nun soll just er eS gewesen sein, der Brandt nach Berlin holte und mit klugen und vorsichtigen Worten und pfiffigem Angenzwinkern mit einer„Funktionszulage' von jährlich diversen Tausenden auf die Zeugoffiziere loßließ. Natürlich pries ja Herr v. Schütz die Dienste des Brandt'dein Direktoriuni, in so hohen Tönen an deshalb weil es dieser gerissene Feuerwerker a. D. verstehe, die Staats- geheimnisie aus seinen militärischen Freunden„ohne direkte Bestechung" und auf„legalem Wege" herauszuholen. Herr d. Schütz war selbstverständlich gleich den anderen Mitwissern aus dem hohen Beamtenstabe der Firma Krupp felsenfest davon über- »eugt. daß ihr Agent Brandt seine Werkzeuge stet» nur freundschaft- lich regaliere. niemals aber schmiere oder gar durch Geschenke be- steche. Daß die betreffenden Dienstgeheimnisse nur unter Bruch streng st er militärischer Vorschriften erlangt worden sein konnten, machte den ehemaligen hohen Offizieren und Justiz- beamten, die nunmehr die hohen Staatsämter des Königreichs Krupp bekleideten, erst recht keine GewissenSsprupell Als wie wertvolle Kraft aber die Firma Krupp den Lieferanten der.Kornwalzer" betrachtete, beweist dienoch einmal genau ermittelte Be Messung seines GehaltS. In Essen erhielt Brandt 1904 insgesamt 4300 Rk. Gehalt. Bei der 1905 erfolgten Versetzung nach Berlin hekam er 5200 M. Gehalt und 300 M. Wohnungsgeldzuschuß, dazu 2000 M.„Funktionszulage", in Summa also 7500 M. Im Jahre 1912 dagegen setzten sich seine Bezüge folgendermaßen zusaminen: 7000 M. Gehalt. 2000 M. Weihnachtsgratifikation. 1000 M. Extragratifikation und 3500 Di. Funktionszulage. Insgesamt bezog Herr Brandt 1912 also nicht weniger als 13 500 M.! Und mit dem Einkommen deS Brandt war auch sein Selbstbewußtsein der Firma Krupp gegenüber gewachsen, wie jener Brief beweist, in dem er energisch um Vorschuß seiner.Funktionszulage" ersuchte, um— eine Reise ins Gebirge antreten zu können. Herr Brandt wußte eben sehr gut, was er der Firma Krupp wert war und was er sich ihr gegenüber als Mitwisser ihrer empfindlichsten, und lichtscheuesten Ge Heimnisse herausnehmen koinlte l Eher konnte man den Vorgesetzten Brandts, Herrn v. Metzen, über die Klinge springen lassen, als diesen unheimlichen Subalternen mit dem Generalsgehalt. Seltsam mutete es endlich an, daß man in der Verhandlung zeitweilig wähnen konnte, nicht die Herren Brandt und Eccius feien das Objekt der Anklage, sondern der Zeuge v. Metzen. Daß die Verteidiger der beiden Krupp-Beamten Herrn v. Metzen der wahr- heitswidrigen Verunglimpfung ihrer unantastbaren Klienten be- zichtigten, ist ja begreislich, aber der Vorsitzende hätte diesen temperamentvollen Vorstößen gegenüber immerhin feststellen können, daß Herr v. Metzen ja der zuerst Angegriffene war und jetzt nur den Spieß umgedreht hat. Auch könnte die Bemerkung deS Staats anwalts, daß er besonders darüber wache» werde, ob der Zeuge v. Metzen seine Zeugenaussage nicht durch Parteilichkeit treiben laste, immerhin als eine Art Warnung aufgefaßt werden, über deren Berechtigung oder Nichtberechtigung doch erst der weitere Ver- laus deS Prozesses Aufschluß zu geben vermag. Jedenfalls aber ist es charakteristisch, daß gerade der Kruppbeamte sich am grimmigsten angefeindet und am argwöhnischste» belauert sieht, der wes Geistes Kind er sonst immer sein möge— nachweislich zuerst lebhaste Bedenken gegen das verbrecherische System der Brandtschen Spionage erhoben hat! Dsz Scheitern der Großbloditalttih. Das Auffallendste an dein Ergebnis der badischen Wahlen ist der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen, der in solchem Ausmaß glücklicherweise ein ganz vereinzeltes Ereignis ist. Gewiß ist es richtig, daß diesmal eine so wirksame Wahl- Parole fehlte, wie sie bei den letzten Landtagswahlen 1909 und auch bei den Reichstagswahlen der Kampf gegen die Finanzreform bot. Das Bedenkliche ist aber gerade, daß es in Baden nicht gelungen ist, die Scharen, die die Kämpfe der letzten Jahre unserer Partei zugeführt haben, festzuhalten und zu überzeugten, prinzipienfesten Sozialdeniokrateu zu machen. Das allzu enge Zusammengehen mit den Liberalen erschwert eben jene unausgesetzte grundsätzliche Auf- klärungsarbeit, die das Sozialistische in den Vorder- grund rückt und es allein ermöglicht, die neugewonnenen oder noch indifferenten Schichten zu überzeugten Partei- genossen zu machen. Es erschwert auch die Werbearbeit unter den Zentrumsarbeitern, bei denen die verlogene Agitation ihrer Führer, die uns mit den liberal-bourgeoisen Parteien in einen Topf ivirft, dann nur noch leichter Glauben findet. Auf der andern Seite hat sich jetzt auch in Baden wie früher in Belgien und zum Teil in Bayern gezeigt, wie un- zuverlässig die bürgerliche Bundesgenossenschaft ist. Ein Teil des Bürgertums ist offenbar ins reaktionäre Lager hinüber- geschwenkt. Die kleinbürgerliche und kleinbäuerliche Demo- kratie schwindet auch im Süden immer mehr, die Reaktion nimmt zu und der Kampf für politische Freiheit und Gleich- heit wird inimer mehr zur Sache der Arbeiterklasse allein. So schafft der badische Wahlausgang auch für das Reich eine ernste Situation, und die Gefahr der Beherrschung des deutschen Südens durch die klerikal-konservative Reaktion ist im Wachsen. Deshalb ist es jetzt die dringendste Aufgabe unserer Parteigenossen, alleKraft daranzusetzen, Ilm bei den Stichwahlen dem klerikal-konservativen Block möglichst Abbruch zu tun und den vollständigen Sieg der Reaktion zu hindern. Nichts wäre schlinimer, als den Mut sinken zu lassen und nicht alle Kraft für die Stichwahlen ein- zusetzen. Gewiß, wir haben eine Bataille verloren. Aber für uns. die wir keine Partei der Wahlpolitik sind, hat eine solche Niederlage keine Schrecken. Sie muß uns ein Ansporn sein, unsere Anstrengungen zu vermehren und die richtigen Lehre»! rücksichtslos zu ziehen. Auch in Baden zeigt es sich, daß wir uns nur auf die eigene Kraft verlassen können. Aber die Kraft des Proletariats wächst unaufhaltsam und deshalb kann unser Fortschritt zwar einmal vorübergehend gehemmt, aber nicht auf die Dauer aufgehalten werden. Expedition: 8Äl. 68» Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplay, Rr. 1981. Ueber den Wahlausfall. wird uns aus Mannheim noch geschrieben: Zentrum und Konservative sind des Jubels voll; sie hoffen, das gesteckte Ziel, die seit 1905 mit allen,, auch den unlautersten Mitteln angestrebte Mehrheit in der Zweiten Kammer zu erringen. Und es mutz zugegeben werden, daß auf den ersten Blick ihre Hoffnungen einer gewissen Berechtigung nicht entbehren. DaS Zentrum, das 1905 23 und 1909 26 Sitze. insgesamt inne hatte, hat be- reits 30 Sitze im ersten Wahlgange erobert. Da den Konservativen mit Hilfe des Zentrums 4 Sitze zugefallen sind, so fehlen diesen beiden reaktionären Parteien nur noch drei Mandate zu der absoluten Mehrheit. Da nun mehrere Nationalliberale aber ihr Mandat nur der Unterstützung des Zentrums zu verdanken haben, so ist nach früheren Erfahrungen anzunehinen, daß diese nationalliberalen Zentrumshörigen in manchen loichtigen Fragen mit Zentrum und 5ionservativen stimmen werden. Auffallend ist, daß das Zentrum in den meiste» Wahlkreisen einen nicht unerheb- lichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen hat. Richtig ist allerdings, daß der Verlust von 18 000 Stimmen, die Zentrum und Konservative 1909 zu buchen hatten, zun» Teil auf die damalige Steuermacherei im Reich zurückzuführen ist. Aber eine ausreichende Erklärung ist daS nicht. Wenn die Resultate aus den einzelnen Orten vorliegen, wird zu prüfen sein, welche Hauptursachen das Wahlresultat für uns so un- günstig beeinflußt haben. So weit sich jetzt übersehen läßt, werden wir einen Stimmenverlust von etwa 11 000 z>l verzeichnen haben. Diese unangenehme Erscheinung wird durch den vor vier Jahren gemachten Gewinn von 35 000 Stimmen etwas gemildert. Im ersten Wahlgang haben wir 9 Mandate erobert. Davon ist ein? sMannheim IV) zum erstenmal uns von den Nationalliberalen zugefallen. Das war aber auch nur möglich dadurch, daß drei Arbeitervororte eingemeindet wurden. Dafür sind wir dann aber in Mainiheim-Laud in die Stichwahl gedrängt. In Mannheim haben wir unsere frühere Stimmenziffer um ein Geringes gesteigert,>vas aber durch die Vergrößerung des Stadtgebietes und der Wählerzahl eine prozentuale Abnahme von 54>/2 auf 52 Proz. der abgegebenen Stimmen bedeutet. Ungünstiger ist das Wahlergebnis in Karlsruhe, wo wir von 7350 auf 7672, und in Freiburg, wo wir von 2879 auf 2662 Stimnien heruntergiugen. I» Karlsruhe erhielten National« liberale und Freisinnige 1909 7993 und jetzt 7003 Stimmen. In Freiburg hatte daS Zentrum vor vier Jahren 4931 Stimmen, die es jetzt auf 5119 zu steigern vermochte. Der auf den 30. Oktober angesetzte zweite Wahl- gang wird unserer Partei voraussichtlich noch 6 bis 7 Mandats bringen, so daß wir inindestens mit 15 Abgeordneten gegen 20 in der letzten und 12 in der vorletzten Legislaturperiode vertreten sein werden. Die Nationalliberalen haben jetzt 8 Mandate und werden voraussichtlich mit mehr als 17 Mandaten, die sie jetzt hatten, zu- rückkehren. Die Fortschrittler haben im ersten Wahlgang nur ein Mandat erobert; sie dürften ihre alte Ziffer von sieben schwerlich wieder erreichen. l>»e badilcke parteipreffe über das Älabl* -Ergebnis. Karlsruher„Volks freund": Die Wahlschlacht ist leider nicht so ausgefallen, wie wir es gewünscht und erhofft hatten. Die Linke hat eine Niederlage erlitten, die Reaktion ist auf dem Vormarsche begriffen. Diese Tatsache vertuschen zu wollen, wäre ebenso sinn- wie zwecklos. Wir sind von diesem Resultat'» i ch t überrascht. eS enthält auch keinerlei Merkmale, die uuS besonders pessimistisch stimmen könnten. Wir haben vor vier Jahren einen anormal großen Erfolg, sowohl hinsichtlich der Stimmen als der Mandatszahl erreicht, und daß dieser anormale-Erfolg einen Rückschlag nach sich ziehen wird, stand für uns schon damals fest. Ist doch unsere Stimmen- zahl im Jahre 1909 um 33 Proz. in die Höhe geschnellt und unsere Mandatszahl um mehr als das Doppelte. Solche unter außergewöhnlichen Verhältnissen errungenen Wahlerfolge können nur unter außergewöhnlichen Verhältnissen auch gehalten werden. Die lagen aber diesmal nicht vor. Der deutsche Michel hat die blusigen Nackenschläge, welche ihm die schwarz-blaue Reaktion im Jahre 1909 mit der ReichSfinanzreform verabreicht hatte, längst vergessen und trottet wieder im alten Gleise weiter. Irgendwelche Frage, die geeignet gewesen iväre, die Volksseele ins Wallen zu bringen, lag nicht vor. So mußte man in unserer Partei von vorn- herein damit rechnen, daß ein nicht unerheblicher Teil der im Jahre 1909 unter der Stimmung gegen die Reichsfinanzreform ge- wonnenen Stimmen wieder verloren geht und daß auch einige dieser Stimmung zu verdankende Mandate verloren gehen werden. I n s o s e r n i st d a s R e s u l t a t d e s g e st r i g e» W a h l- tages sehr bedauerlich. Die Reaktion jhat diesmal alle Minen springen lassen. So demagogisch ist in Baden»och nie ei» Wahlkampf geführt ivorden. Dazu kommt weiter, daß die Klerisei, und nicht nur die katholische, im ganzen Lande gegeir den Großblock niobil gemacht wurde. Insbesondere die katholische G e i st l i ch k e i t hat in einer Weise sich in den Wahlkampf gestürzt,»vie nie zuvor, das zeigen dl« überraschend großen Stimmenzahlen, welche sowohl die Kandidaten des Zentrums als auch die von diesem unterstützten konservativen Kandidaten erhielten. Die verlogene Parole von der„gefährdeten Religion" hat gezogen. Trotzalledem brauchen wir nicht e n t in u t i g t zu sein, di« Sozialdeniokratie an» allerletzten. Auch in Baden wird es wieder aufwärts gehen. Die Wurzeln unserer Kraft liegen nicht in den Wahlerfolgen, sie liegen tiefer. Wir haben eine Wahl« Niederlage erlitten, aber wir sind nicht besiegt. Der Zug nach rechts ist eine vorübergehende Erscheinung. „Mannheimer Bolksstimme": Immerhin steht soviel fest, daß' die Mehrheit der Linken in der Zweiten Kammer stark gefährdet ist, und daß es deshalb bis zum zweiten Wahlgana der Anspannung aller ihrer Kräfte bedarf, wenn daS badische Land von einer schworzblauen ParlamentsmeHr�eit verschont bleiben soll. Die Bttttel und Wege zu finden, wie das letztere am sichersten zu erreichen ist, das wird die Aufgabe der Parteileitungen der Linken sein. Das Schlimmste kann bei allseitigem gutem Willen ohne Zweifel noch abgewendet werden. Was von unserer Seite getan werden kann, um diesen Erfolg zu sichern, das wird ohne Zweifel geschehen. Wir haben jetzt keinen Anlaß dazu, die National- liberalen den Mandatsgewinn entgelten zu lassen, den sie sich in vcidelberg-Land und Heidclberg-Eberbach auf unsere Kosten mit Hilfe der Wackerschen verschafft haben. Es ist also anzunehmen. daß der G r o ß b t o ck, der nun schon zweimal das Land mit Erfolg vor einer klerikal-konsecvativen Mehrheit behütet hat, auch für den vcvorstehenden zweiten Wahlgang wieder zustande kommt und dabei zum dritten Male seinen Zweck erreicht... Was die Stimmcnzahl der Sozialdemokratie betrifft, so war von vornherein zu erwarten, daß die ungekvöhnlich hohen Stimmziffern, die unsere Partei 1309, bei den Wahlen, die unter dem unmittelbaren Einfluß der eben vollendeten volksfeindlichen Steuerreform stattfanden, erzielt hatte, sich diesmal kaum werden halten lassen. Andererseits war die Kampfcsweise des Rechtsbloiks, insbesondere die des Zentums, diesmal eine derart niedrige, aller politischen Moral bare, und wurde insbesondere die Religion in so schamloser Weise in den Wahlkampf hineingezerrt, daß es wahrhaft wunder nimmt, wenn der bis zur höchsten Leidenschaft entfachte religiöse Fanatismus gewisser Vollskrcisc sich nicht noch in schlimmeren Ausbrüchen kund tat. als es da und dort im Lande ohnehin schon geschehen ist. „yfriburger BolkSwacht": DaS ist das wesentliche Ergebnis de? ersten Wahlganges. Wir sind enttäuscht, aber nicht mutloS. Man mußte damit rechnen, daß der rapide Erfolg von 1909 schwer aufrechterhalten werden konnte. Die Empörung der badischen LandtagSwähler über die erbärmliche Reichsfinanzrcform drückte vor vier fahren manchem Wähler den sozialdemokratischen Stimmzettel in die Hand, der sich sonst nicht zu den Ideen unserer Partei bekannte. Dazwischen liegen nun vier Jahre der infernalischen Hetze de» Zentrums und seiner. Presse gegen die Sozialdemokratie und den Großblock, eine systematische Agitation gegen uns auf dem Lande wie in der Stadt, ein stetiges Betonen der sozlaldemokrati- schon Gefahr in Baden, ein Denunziantenwescn schlimmster Sorte für jeden, der nicht zum schwarzblauen Block gehörte. Dazu kam ein gewisser Mißmut in den Reihen der sogen. Rechts- nationalliberalen, der verkappten Konservativen, die ihre Partei nach rechts drängen wollten und bei der jetzigen Wahl mit der Rastatterei und anderen Symptomen der inneren Partei- zersetzung aufwarteten.... Auch fehlte eS an einer auch nur einigermaßen zugkräfti- gen Wahlparole für die Sozialdemokratie und für die ge- samte Linke. Ihre Wähler wurden nicht durch ein momentanes politisches Ereignis aufgepeitscht, und die Reaktion brachte auch den letzten Mann auf die Beine. Daß erklärt unseren Stimmen- rückgang. Denn wir dürfen getrost behaupten, daß die Sozial- demokratie in diesem Wahlkampf ibre Schuldigkeit getan, daß sie an Agitation und an intensiver PersammlungStättgkeit nichts fehlen ließ. Trotz alledem: Kopf hoch! Wir haben einen starken Stimmen- Verlust erlitten und müssen auch mit Mandatsoerlusten rechnen. Aber zum Pessimismus, zur tatenlosen Klage liegt keine Veranlassung vor. Unser Aufstieg war in Baden zu jäh, es mußte die normale EntWickelung unserer Partei Platz greifen. Jetzt heißt es alle Kraft für den zweiten Wahlgang einsetzen. Wir müssen zeigen, daß uns die Erfolge des Zentrums und der Konservativen nur um so eifriger anspornen, den sozio I- demokratischen Trotz, die proletarische Energie umzuwandeln in echte und rechte Kampfeslust. Tann können wir auch den SluÄjai'g de» badischen Landtagswahlkampfes von 1Sl3 ertragen. teutsniiel'llligstollal. Aiils Wien wird uns vom 22. dieses Monats geschrieben: Es ist ein echt österreichischer Skandal, der niit der Ver- folgung der Direktoren und Agenten der Canadian-Pacific- Schiffahrtsgeselfifchaft offenkundig geworden ist und über den nun immer wunderbarere Einzelheiten bekannt werden. Die Eanadian war. als sie vor fünf Jahren zum Geschäftsbetriebe zugelassen wurde, ein Teil des nordatlantischen Schiffahrts- Pools. Sie trewnte sich im vorigen Jahre von dem Trust des Herrn Ballin"und erhielt vom österreichischen Handels- Ministerium die Bewilligung zur Errichtung einer eigenen Schift'ahrtsverbindung, die die Auswanderung von Oesterreich über Trieft leiten sollte. Die Erteilung dieser Bewilligung wird von der österreichischen Regierung damit begründet, daß mit der Leitung, des Auswanderungsverkehrs über Trieft der eigene Verkehr und der eigene Hafen gehoben wird. Diese sachliche Begründung hat sicherlich etwas für sich: aber bloß mit sachlichen Argumenten wird diese Konzession nicht er- worden worden sein. Es werden dabei auch andere mitgespielt haben. Auch in Wien haben die ungarischen Gewohnheiten, wonach bei großen Geschäften ftir Wahlkosten und Dis- Positionsfonds geopfert werden muß. Eingang gefunden, und es wird wohl etwas daran sein, wenn erzählt wird, daß die Eanadian für die Bewilligung auch andere Leistungen als die fachlichen der Schiffahrt übernommen hat. Um so mehr kommt man auf den Gedanken, als sich die Eanadian in Oesterreich mit einem echt amerikanischen Bluff, den Aussichtswagen, die sie den österreichischen Staatsbahnen gratis beistellt und einer sich daranschließenden pompösen Reklamefahrt, eingeführt hat. Jedenfalls war die Eanadian geradezu ein Schoßkind des österreichischen Handclsamtes, besaß seine Gunst und wurde von ihm mit allen Hilfsmitteln der offiziösen Presse ver- teidigt. Gleichzeitig aber wurde sie vou militärischer Seite aufS schärfste befehdet und als eine regelrechte Gauner- organisation hingestellt. Die Gesellschaft soll nämlich, obwohl sie gelobt hatte, die Interessen der Wehrmacht besonders zu wahren, die„Verleitung" von Militärpflichtigen zur Aus- Wanderung in dem allergrößten Maßstabe unternommen haben, und das war den Militärs, die auf das Menschenfleisch ein Monopol zu haben glauben, gar nicht recht. Monatelang tobte der Kampf zwischen den militärischen Amtsstellen, die immerwährend schärfere Erlässe gegen die Gesellschaft heraus- gaben, und dem Handelsministerium, das die angegriffene Gesellschaft immer deckte und verteidigte. Endlich gelang es, den Kaiser und den Thronfolger für die Sache zu interessieren und ihnen einzureden, daß dieses Treiben die gesamte Wehr- macht in ihren Grundlagen bedrohe. Darauf wurde eine rück- sichtslose Untersuchung angeordnet, die Verdächtigen in Haft genommen, der Betrieb wurde gesperrt und alle Schiffahrts- gesellschaften werden durchsucht und überprüft. Wenn es also ein aufgelegter Skandal ist. daß sich derlei Auswüchse des Auswanderungsverkehrs, die doch nicht geheim bleiben konnten, gleichsam unter den Augen der Behörden ab- gespielt haben, und die verdächtige Gesellschaft von der Ztegie- rung noch geschützt wurde— es sollen dabei mehrere Beamte auch direkt bestochen worden sein—. so sieht die Sachlage auf der anderen Seite nicht sauberer aus. Denn es unterliegt keinem Aweifel, daß in dem Krieg gegen die Eanadian der Pool seine Hände im Spiele hat. die Hände und vor allem nuch Geld. Was die christlichsoziale Presse betrifft, voran die berüchtigte„Reichsposl", so ist es durch einen aufgefangenen Brief sichergestellt, daß die ganze wilde Kampagne von einem Agenten des Pool inspiriert und geleitet worden ist. und der Mann rühmt sich in dem Briefe selbst, daß er mit Geld reich- lich versehen sei. Natürlich können die sogenannten patrio- tischen Momente, nämlich die Besorgnis uni den Verlust, den die Wehrmacht durch den großen Abfluß von Militärpflichtigen erleidet, niitgewirkt haben: aber daß dem Pool, der mit seinen skandalösen Kontrollstationen die Vergewaltigung der Aus- Wanderer nicht minder arg betreibt, diese idealen Beweggründe nicht bestimmt haben, daß er daran ein materielles Interesse hat, die Konkurrenzgesellschaft unmöglich zu machen und den ganzen Auswandererverkehr an sich zu reißen, ist selbstver- ständlich. Wie wahrscheinlich auch gewisse reichsdeutsche Blätter, die sich über die aufgedeckte Korruption der Eanadian so empört zeigen, von diesem Gedankengang. nickst frei sein werden. Natürlich wird bei den Schilderungen auch sehr übertrieben, und mit Absicht übertrieben. Wie die Regierung amtlich angibt, sollen in Galizien nnd der Bukowina etwa 80 000 Stellungspflichtige ausgeblieben sein. Aber die Zahl, erklärt sie selbst,„sei deshalb nicht so erschreckend groß, weil ja darunter Personen sind, die schon als Kinder ausge- wandert und in Amerika vielleicht gestorben sind, und Per- sonen, deren Aufenthalt nicht zu eruieren ist, endlich auch Saisonauswanderer, die zum großen Teile wieder zurück- kehren, um sich bei der Nachstellung ihrer Stellungspflicht zu unterwerfen". Es wird wohl auch das meiste, was nun von den ränkevollen Listen bei der Anwerbung von Auswanderen! erzählt wird, Neporteraufschneiderei und Reklame der unter- suchenden Polizeimenschen(die sich in Wien auf Reklame ver- stehen) sein. Denn man braucht den polnischen und ruthenischen Bauern heute weiß Gott nicht mehr zuzureden, um sie zur Auswanderung zu bestimmen. Und das ist der dritte und ärgste Skandal, daß sich die Machthaber absichtlich blind stellen und es nicht sehen wollen, warum die Leute in Galizien der Heimat massenhaft ent- fliehen. Natürlich mag bei dem Steigen der Auswanderung auch die Verleitung durch die profitgierigen SchiffahrtSgesell- schaften mitwirken, wohl auch die ungewöhnlich günstige Ge- legenheit(es ist nämlich der Preis der Ueberfahrt durch den Konkurrenzkampf zwischen dem Pool und der Eanadian auf die Hälfte herabgedriickt); aber die wahre und entscheidende Ursache ist die entsetzliche Not in den zwei Grenzländern, die die Menschen mit Verzweiflung erfüllt und mit dem sehnlichen Wunsche, sich eine neue und bessere Heimat zu suchen. In Galizien herrscht heute eine wahre Hungersnot und in den Städten müssen reaelrechte Verteilungen von Lebensmitteln organisiert werben, um die Menschen vor dem Verhungern zu retten. Die Patrioten geberden sich, als ob die Bauern, die die Eanadian von Oesterreich wegführt, dem bösesten Elend ent- gegengeführt würden und daß sie Gott weiß was verlieren, wenn sie in Kanada die österreichische Staatsbürgerschaft einbüßen: aber es wird den Leuten in Kanada unzweifelhaft besser gehen als in der galizischen Heimat, und den Verlust, kein Oestereicher mehr zu sein, werden sie schwerlich empfinden. Galizien ist ja immer das klassische Land der Auswanderung, und ihre Ursache waren immer die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes: auf der einen Seite Latifundien, auf der anderen Zwergbesitz und überall Mangel an Industrie, die den riesigen Zuwachs von Menschen aufnehmen könnte. Nun ist zu diesen gleichsam natürlichen Vorbedingungen die Verwüstung durch die Krise gekommen: was Wunder, daß die Leute die Heimat massenhaft fliehen und dorthin auswandern. wo ihnen die Arbeit Ernährung verspricht! Diese Krise ist aber vornehmlich die Wirkung jener auswärtigen Politik, die das Grenzland durch Monate in Beunruhigung versetzte, die Geldverhältnisse verschlechterte, der produktiven Arbeit die Hilfsquellen entzog. Tie gewissenlosen Direktoren und Agenten der Eanadian niögen die Leute zur Auswanderung verlockt haben, aber die leichtfertige Politik des Grafen Berchtold, die mit der Wohlfahrt der Völker spielt, die über die Menschen Not und Elend bringt, die hat sie zu der Aus- Wanderung geradezu gezwungen! polWcKe(Jchcrücht. Die Aktion gegen die Arbeitslosigkeit. Die sozialdemokratische Fraktion wird beim Zusammentritt des Reichstages folgende Interpellation einbringen: „Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um den schlimmen Folgen der Arbeitslosigkeit ent- gegenzuwirken. die durch immer wiederkehrende wirtschaftliche Krisen verschärft werden? Ist er insbesondere bereit, eine alle Arbeiter und An- gestellten umfassende reichsgeschltche Arbeits- l o se nv e rsi ch e run g in die Wege zu leiten, sowie zur Bekämpfung der zurzeit besonders sich geltend machenden nach- tciligen Folgen der Arbeitslosigkeit geeignete AbhilfSmittel zu ergreifen?"_ Tirpitz gegen Churchill. Einem Londoner Telegramm zufolge erklärt„Daily Chronicle" zur Mitteilung ermächtigt zu sein, daß Staats- sekretär Tirpitz positiv erklärt hat, daß Deutschland nicht von seinem fe st gesetzten Flotten- Programm abgehen werde. Im Reichstag wird man ja wohl bald erfahren, welche Stellung die Regierung zu den Verhandlungs- Vorschlägen des englischen Marineministers einzunehmen ae- denkt. Dr. Pape als Brudermörder. Der früher in Weitzensee bei Berlin angestellte besoldele Schöffe Dr. Pape hat, wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, tn Bangkong feinen Bruder im Streite erschossen und nach der Tat sich dem deutschen Konsul gestellt. Als besoldeter Schöffe hatte er der Weißen- seer Verwaltung so viel Schwierigkeiten gemacht, daß gegen ihn zweimal ein Verfahren auf Dienstentlaffung schwebte. DaS zweite Verfahren führte zum Ziele, im ersten war auf lebhafte Fürsprache au» den Kreisen des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemo- krotie nur auf die höchste zulässtge Geldstrafe erkannt. Nach feiner Dienstentlassung ging Dr. Pape nach Siam. In deffen Hauptstadt leitete er mit seinem Bruder eine Apotheke. Sein Name Ivurde viel genannt, als er vor acht Jahren den Vorstand der Weißenfeer OrtS« krankenkasie seines Amtes enthob, weil aus Kaffenmitteln Gelder zur Verfügung gestellt wurden, um dafür Flugblätter gegen den AlkoholiSmuS an die Mitglieder zu verbreiten. Auf Klage hin wurde dt« Entsetzung de» Vorstandes aufgehoben. Der Vorsitz im Gewerbegericht muhte Dr. Pape wegen gar zu falscher Recht- sprechung zuungunsten der Arbeiter einige Jahre nach seiner Amtie- rung genommen werden. Dr. Pape zeichnete sich als besonderer Kämpfer gegen die Sozialdemokratie aus. Nun ist diese Stütze der Mugdanesen und des RcichSverbandeS zur Bekämpfung der Sozial» demokratie zum Brudermörder geworden. Erleichtertes Anfatmen der„Kölner". ES muß doch innerhalb des Zentrums noch schlimmer stehen, als man gemeinhin annimmt. Zu Anfang dieser Woche hdt Dr. Karl Bachem in Krefeld eine mehrstündige Rede gegen den ehemaligen Abgeordneten R o e r e n gehalten, indem er diese» Manne, der jahrzehntelang in der Zentrumspartei gefeiert wurde wie wenig andere,„unsinnigste Verdrehung" und ähnliche Dinge: portvarf. Und nach dem Ergebnis der badischen Landtagswahlen jubelt die„Kölnische Volkszeitung"cin über da. anderemal: Ein Sieg der Kölner Richtung: „In Baden hat nicht nur der Arbeitseifer, der arbeitswillige Optimismus der Badischcn„Kölner", wie die Außenseiter sie nannten, gesiegt, sondern auch ihre Taktik, ihre vielsach so schlecht verscandene und darum so sehr angcsochtene Taiiii... Es ist nicht so ungefähr, daß die Dinge in Süddeutschland sich so günstig entwickeln. Dort merkt man von den Quertreibern nichts, die in einzelnen preußischen Bezirken die Parteigenossen ärgern und hier und da ihre AktionSlust hemmen. Dort läßt man den Volksvcrein für das katholische Deutschland in Ruhe und freut sich seiner EntWickelung, dort legt man auch den christlichen Gewerkschaften nichts in den Weg..,." Ob dieser Appell an gewisse deutsche Bischöfe und an Seine Heiligkeit in Rom Eindruck macht, bezweifeln wir. Solang« über Köln selbst die rote Fahne weht, werden die„Kölner" schwerlich wieder zu dem rechten Ansehen kommen. Ein Land von der Wirt- schaftlichen Rückständigkcit großer Teile wie Baden ist für die Kölner Taktik nicht entscheidend. DaS werden sich wohl auch die Freunde der„Quertreiber" im Zentrum sagen. Aus dem bayerischen Landtag. Ueber Nacht mag den bürgerlichen Parteien die Erkenntnis ge» kommen fein, welchen Eindruck es machen würde, wenn alS einzige Partei, die für den Arbeitßlosencrlaß deS Prinzregenten eintrete, die Sozialdemokratie erscheine. Sowohl die Liberalen als das Zentrum ereiferten sich daher cm Donnerstag, zu versichern, daß sie für die Forderung der Regierung für den StaatSzaschuß der gemeindlichen Arbeitslosenversicherung eintreten würden. Der Zentrumsvertrcter Ankenbrand glaubte sogar, schon die Zustimmung des RcichSrateS in Aussicht stellen zu dürfen. Dabei ließen auch die Ausführungen dieses ZentrumSrednerS leinen Zweifel darüber, wie sehr dem Zentrum eine Arbeitslosen- Versicherung zuwider ist und sie erwarten nun alles von einem mög» lichst kraftlosen Vollzug der Arbeitslosenversicherung. Für die Sozialdemokratie redete am Donnerstag nochmals Genosse Vogel den Parteien in? Gewissen. Die Parteien sind inzwischen überein» gekommen, alle Anträge zur ArbeitSlosenfrage einer besonderen Kom» Mission zu überweisen. In einem persönlichen Nachspiel versuchte der christliche Arbeiter« sekretär Oswald die Tatsache auS der Welt zu schaffen, daß noch in der vorigen Session das Zentrum den Arbeitslosen- antrag der Sozialdemokraten ablehnte, den jetzt die Regierung aufgenommen hat. An der Hand des vor ihm liegenden amtlichen Stenogramms stellte Herr Oswald fest, daß damals über den sozial» demokratischen Antrag überhaupt nicht abgestimmt worden sei. Oswald wurde sofort auf die Fälschung ertappt, daß er auZ dem vor ihm liegenden Protokoll, aus dem er die Befchlüffe vorlas, ein» fach den seine Behauptungen widerlegenden Vermerk unterschlagen hatte. Sein Gefährte, der Zentrumsabgeordnete Schlitten» Hauer, mußte in der gleichen Sitzung einen beschämenden Rückzug antreten. Zur Welfenfrage. Der braunschwcigische Landtag wurde vom Herzog-Regenten zum 27. Oktober zu einer außerordentlichen Session einberufe». Vermutlich soll er sich mit dem Regierungsantritt des CumberländerS beschäftigen. Ausdehnung des Einjährig-Areiwilligen-Privilegs! Eine durch die Scherlpresse verbreitete amtliche Notiz teilt mit, daß künstig nicht nur die Schüler der staatlicken oder staatlich unter- stützten BaugewerkSschnlen und kunstgewerblichen Unterrichtsanstalten zur erleichterten Prüfung für den Einjährig-Freiwilligendienst zu. gelassen werden, sondern ouch die Schüler der übrigen staatlichen oder staatlich unterstützten gewerblichen Fachschulen(z. B. Maschincnbanschulen, Fachschulen für Textil«, Eisen- usw. Industrie, Handwerkerschulen). Voraussetzung dafür ist die Ersüllung der all» gemein bekannten Bedingungen, insbesondere gemäß§ 89, 6a M-O.. der Nachweis besonder? hervorragender oder kunstgewerblicher Leistungen in der Schule. Die gleiche Vergünstigung kann auch den Schülern anderer gewerblicher Fachschulen gewährt werden, sofern diese Schulen von dem Minister für Handel und Gewerbe, dem Minister de» Jimern und dem Kriegsminister al» den staatlichen nnd staatlich unterstützten gewerblichen Fachschulen gleichwertig anerkannt worden sind. Diese erweiterte Zulassung zum einjährigen Dienst nimmt der ganzen Institution nicht» von ihrem Charakter als einem Pri- vileg der Besitzenden, denn der Schüler einer der genannten Anstalten kann von dem ihm zugestandenen Vorrecht nur Gebrauch machen, wenn ihm die hierfür nicht unerheblichen Mittel zur Ver- fllgung stehen.__ Steine statt Brot. Als Würdige Volksvertretung einer Republik, in welcher der Geldsack regiert, hat sich die Hamburger Bürgerschaft bei der Ab» stimmung über die von unteren Genossen beantragten Maß» nahmen gegen die Arbeitslosigkeit erwiesen. Den hungernden Arbeitslosen wurden Steine statt Brot gereich»: mit Ausnahme der Vereinigten Liberale», die allein für die sozial- deniokratiichen Anträge sprachen und stimmten, hat keine bürgerliche Fraktion die Pflicht des Staates, helfend einzugreifen, anerkannt, ihre Redner wetteiferten vielniehr darin, die Sozialdemokraten zu ver- dächtigen und ihnen vorzuwerfen, daß sie mit der Arbeitslosenfürsorge nur Parleigcschäfte besorgen wollten. Da» äußerste darin leistete der schon im Bericht über die erste Sitzung erwähnte Sekretär des llnternehmcrschutzverbaudes Dr. Westphal, der nicht nur gegen jede Arbeitslosenunterstützung, sondern auch gegen die Forderung tariflicher Löhne wetterte. Darauf wurde ihm am vorigen Montag bei der Fortsetzung der Debatte vom Genoflen Huffmeier entgegengehalten, daß er früher, al« er im Dienste einer MiltelstandSvereinigung in Berlin stand, f ü r Tarifverträge gekämpft habe. Dr. Westphal schl, tiefte die unbequeme Erinnerung mit einer Bemerkung aö, die zu sogen schien, daß er jetzt eben anders gesinnt sei. Vom Syndikus des Vereins Hamburger Reeder. Dr. S t u b m a n n, wurde versucht, durch Statistiken des Hafen» betriebsvereins die Arbeitslosigkeit wegzuleugnen. Genosse H e n z« wies den zweifelhaften Wert solcher Zufallsstatistiken nach. Ueber» dies wurde am Mittwoch, bei der Fortsetzung der Universila tSdebatte, vom HandelSkammerpräsidenten B o h l e n mir großer Schäfte hervor» gehoben, daß wir unS mitten in einem wirtschaftlichen Niedergang schwerster Art befinden. Die Notwendigkeit einer staatlichen Hilfeleistung für die Opfer dieser Wirtschaftskrise wurde bei der Arbeitslosendebatte trotzdem be« stritten. Das einzige, wozu man sich schließlich bereitfand, war das Ersuchen an den Senat, ehre Arbeitslosen Zählung vorzunehmen, für den Fall größerer Arbeitslosigkeit staatliche Arbeiten in Angriff zu nehmen und tarifliche Arbeitsbedingungen vorzuschreiben. Der letztere Beschluß kam unter dem Druck einer scharfen Krilik zustande, die an der bisherigen Art der Vergebung staatlicher Arbeiten geübt wurde. Die vom Genossen Huffmeier bor- getragene Tatsache, daß jetzt, in Zeiten schwerer Ärbeitslosiakeit, an Hamburger Bahnbauten die Erdarbeiten von ausländi- schen Arbeitern, darunter Frauen und junge Mädchen, ausgeführt werden, rief lebhafte Entrüstung auch bei der bürger- lichen Linken hervor. Glatt abgelehnt wurde dagegen der Antrag, einen lln t e t stü tz u ng s f o n d S für Arbeitslose bereitzustellen und für reichsgesetzliche Regelung der Arbeitslosen- Versicherung einzutreten. Daß man von letzterer absolut nichts wissen wollle, gab unserem Genoffen W innig Veranlassung, in seinem Schlußwort den Bürgerlichen vorzuhalten, daß sie, wie Dr. Westvhal es offen ausgesprochen, sich bei der Behandlung des Arbeitslosenproblems nicht von menschlichen Beweggründen, sondern vom Klassenhaß leiten lassen. Gerade dadurch zwinge man aber die Sozialdemokratie, die Arbeitslosenfürsorge zu ihrer Parteisache zu machen und fie werde fich durch den jetzigen Mißerfolg auch nicht abhalten lassen, ihre Anträge immer aufs neue zu stellen. Die ablehnend« Haltung des Hamburger Parlaments erklärt sich am Ende auch daraus, daß die bürgerliche Mehrheit sich hinter einem Klassenwahlrecht verschanzt hat, durch das sie vor dem Un- willen des Volkes ebenso geschützt ist wie durch ihren Besitz vor dem Hunger.___ Portugal. Ter monarcksistische Putsch. Lissabon, 23. Oktober. Die Regierung erklärt, sie habe gewußt, daß monarchistische Komitee? in Europa und Brasilien auf das Ausbrechen von Unruhen hofften, und die Zci- tungen hätten voreikig gemeldet, daß fie ausgebrochen seien. In den kleinen Gruppen von Mamfessanten habe sich nur ein Soldat befunden, und zu den in Lissabon und Oporto Verhafteten ge- hörten nur einige Militärpersoaen. In Oporto habe weder eine Temonftration»och der Versuch dazu stattgefunden. Die Demon- stration in Bianna do Castello, an der drei oder vier Soldaten teilgenvmmen hätten, sei ohne Bedeutung gewesen. Dänemark. Tie Tampfer-Affäre. Kopenhagen, 23, Oktober. Im Lause der heutigen Beratung des Budgctentwurss im Folkething erklärte der Minister de» Auswärtigen anläßlich der Anfrag« eine» Abgeordneten wegen des von dem La n d ra t in Sonderburg im letzten Sommer erlassenen Berbdtes gegen die Landung der Passagiere zweier dänischer Dampfer: Tic Behauptung, daß das Verbot gegen die Verkehrsregeln zwischen den Völkern verstoße, erscheint etwas zweifelhaft. Da Dänemark in Preußen die Behandlung einer meistbegünstigten Nation genießt, würde es für die Frage, inwieweit der betreffende preußische Beamte das genannte Verbot er- laffrn habe, ohne mit den erwähnten vertragsmäßigen Bestim mungen in Gegensatz zu kommen, von wesentlicher Bedentung sein, ob er auch imstande sein würde, die Landung zu verbieten, wenn der Ausflug an Bord eines Schiffes vorgenommen worden wäre, das die deutsche Flagge führt«. Ebenso wie die Kaiserlich Deutsche Regierung in Zwischenräumen freundschaftlich die Aufmerksamkeit der dänischen Regierung auf Vorkommnisse lenkt, die geeignet scheinen, auf die Verhältnisse m den Greuzgxgeirden beunruhigend einzuwirtcn, so hat-auch«v d-ä nische Regierung gemeint, im Interesse des auten freundnachbarlichen Verhältnisses diese An- gelegenheit in B a rl i n zu r S p r a ch e h r> n g c n zu sollen. Wir haben dies getan, indem wir hier im Lande die Stimmung gegenüber unserem Nachbarlande unwillkürlich in ungünstiger Waise beeinflussen mußtet, wenn dämsche Reeder so, wie es geschehen ist, an einer Fahrt gehindert wurden, zu der sie,>vie sie annehmen mußten, voll b-ercchtigt waren. Der Minister hat den Eindruck, daß man im Ministerium des Ans- wärtigen in Berlin die vorgebrachten Bemerkungen in demselben freuudscbaftlicben Geiste entgegennahm, wie sie vorgebracht wurden. Tie deutsche Regierung hat noch über die Vorfälle eine Unter- , �nchung eingeleitet, die aber noch nicht abgeschlossen ist. Es ist t das Bestreben des Ministeriums des Auswärtigen gewesen, zu ver- , neiden, daß diese Angelegenheit, die unwillkürlich M i tz st i m- � ung in werten Kreisen Dänemarks hervorgerufen hat, est Ten schädlichen Einfluß aus das freundnachbarliche Verhältnis unserem südlichen Nachbarn Übte. Auf eine Anfrage betreffend die vertragsmäßige Regelrmg der Stel der Staatenlosen in No-rd schleSwig, erklärte der l Minister, daß die Verhandlungen, die im vorigen Herbst auf deutfc di Initiative Hin eingeleitet wurden, noch als schwebend bezeich net werden müßten, und daß, seitdem er sein Amt über- nrnnme" habe, über diese Frage mit der deutschen Regierung nicht verhau» rlt worden sei. �_ Hus der Partei. . Pon der ungarischen Sozialdemokratie. Ter Parteitag. An? So» wtag, den 1Ä. Oktober, wurde der 20. Parteitag der ungarländischt-n Sozialdemokratie in der„Vutksopcr". dem größten hauptstädtische:« Theater, feierlichst«rüssuet. Zum Schluß des Festes hielt Genosse\ Bokany die Festrede, welche einen geschichtlichen Pückblick der Sfc rbeiterbeweguug bildete._ Am Nachmittag begannen die Beratungen im alten Reichstagsgebänd«. Unter den Zuhörern befanden sich vi? � Politiker bürgerlicher Parteien. In seiner Er- öffnungsrede gel»chte Genosse Gar bat der Toten, in erster Reihe August Bebels, dann der Toten der Revolution am 23. Mai, der Bluttaufe de" ungarischen Partei, wobei fünf Arbeiter den Heldentod starber» v, endlich gedachte er des so früh verstorbenen Genossen Max z/iroßmann, des großen ungarischen Vor- kämpfcrs. Vor dem Eingehen in die Beratungen begrüßte der Vor- sitzende die Vertrete■ � sozialdemokratischen Pärteicn Oesterreichs und Kroatiens, die Genossin Adelheid Popp und den Genossen Bukseg, worauf dicsck in längeren Reden antworteten. Nach den Begrüß uttgsreden erstatteke Parteisekretär Buch in- g e r den Bericht. Sekretär F a r k a c referierte über die Presse, worauf dam« bie Debatten über beide Punkte begannen und erst am Mittag d, ts zweit»!? Beratungstage» beendet wurden. Es gab, wie gewöhnlst h, auch diesmal viele Worte des Tadels und des Lobes für die% laitctleitung, jedoch wurde der Bericht ein- stimmig zur Kenntnis ge nominen. Am Nachmittag des zweiten Tages hielt Genosse Garami eine großangelegte Rede öum dritten Punkt der Tagesordnung, welcher die politische Lage behandelte. Redner wies nach, daß seit dem letzten ordentlichen Pol rteitag die Partei an politischem Ansehe« nicht nur gewonnen, sonderp üe zum Wachtsocktor aus politischem Gebiete geworden. Ein Zufl Immengehen mit der bürgerlichen Oppo- sition sei notwendig geweset V da die Partei sonst jeden Einfluß auf den gesetzgebenden Körper' bätte entbehren muffen. Die Debatte über diesen Punkt gestaltete sich.äußerst lebhaft. Viele Provinz- delegierte und auch einige ha, uptstädtische Vertreter der Arbeiter- organisationcn sprachen sich sä�arf gegen das Zusammen. gehen mit den burgerli abgelehnt, sedoch beschloß der Parteitag, vor dem Ausschreiben der nächsten Reichstagswahlen einen außerordentlichen Par- t ei tag einzuberufen, der darüber zu entscheiden habe, ob die Partei fich an den Wahlen beteilige oder nicht. Ueber die Sozialpolitik der gegenwärtigen Regierung rexe rierte Genosse We l t n e r, über die äußere Politik Genosse K u n f y, Die Redner sprachen sich scharf über die Zustände im Lande und über die Lasten des Militarismus aus, was den Regierungsvertreter mehrmals zum Einschreiten vcranlaßtc.— Die Wahl der Partei leitung ging glatt vor fich, die alten Parteiführer wurden wieder gewählt. An dem Parteitage nahmen 2Z1 Delegierte aus 84 Städten und Gemeinden teil. » Die deutsche Landeskonferenz. Zur selben Zeit, in welcher die ungarischen Delegierten den 20. Parteitag abhielten, traten die Vertreter 29 deutscher Städte und Gemeinden, 47 Mann, zusammen, hie ö. Landeskonferenz der deutschsprechenden Sozialdemokraten Ungarns abzuhalten. Ter Bericht des Landeskomitecs, den Genosse Baron er stattete, gab Anlaß zu einer regen Debatte, tu welcher die Del« gierten hervorhoben, daß die deutsche Landeskonferenz in Zukunft zu einer anderen Zeit als der Parteitag einberufen werden möge da der deutsche Kongreß dadurch bereits zu einem Anhängsel des ungarischen Parteitages herabgesunken sei. Der Antrag, von nun an die deutsche Landeskonferenz jedes zweite Jahr, und zwar immer in einer anderen Stadt abzuhalten, wurde einstimmig an genommen und die nächste Konserenz für das Jahr 1915 nach Temesvar bestimmt. Einige Delegierte sprachen sich scharf gegen, die Magharifierung der Zentralparteileitung aus und forderten das Landeskomitee aus, dagegen in der schärfsten Weise zu protestieren. Ein Antrag, das deutsche Zentralorgan, die„Volksstimme", die bisher dreimal wöchentlich erscheint, zu einem Tageblatt irmzugestalten, wurde mit Begeisterung einstimmig angenommen und zu diesem BeHufe eine Kommission eingesetzt. Auch die Taktik der Partei wurde von so manchen Delegierten getadelt und das Zusammengehen mit der Opposition als schädlich für die Partei bezeichnet.— Das Landcskomitee wurde einstimmig wiedergewählt, » Der Arauenkcmgress. Gleichzeitig mit dem Parteitag und der deutschen Lande. konferenz begann auch am 19. Oktober im Lokale der Buchdrucker der vierte Frauenkongeeß der sozialdemokratischen Frauenorgani sationen Ungarns mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht. 2, Die Frau, daS Kind und die Heimarbeit; 3. Agitation; 4. Tie Presse; 5. Wahl der Kommissionen; 6. Anträge. Die Eröffnungsrede hielt Genossin Buchinger, sodann be grüßte Genossin Popp im Namen der österreichischen Frauen die Delegierten. An der Beratung nahmen 47 Frauen aus 11 Städten de« Landes teil. Die Konferenz, die zwei Tage währte, erledigte die Tagesordnung und beschloß, die Agitation bei den Arbeite rinnen im ganzen Lande dnrchzufüljren. Zum Parteitag der schweizerischen Sazialdcniokratie. Taktik der Partei, Generalstreik, Jugendorganisation. Frauen stimmrecht, Bekämpfung de? Alkoholismus. Ausbau der Demokratie und andere Fragen werden den am 7., 8. und 9. November in Sarau stattfindenden Parteitag der schweizerischen Sozialdemokratie vollau � beschäftigen. Zur Taktikfrage hckt der Referent Genosse Greulich eine Reihe von Thesen aufgestellt, die zunächst konstatieren, daß die Befreiung der Arbeiter nur durch die Arbeiterklasse selbst durchgeführt werden kann. Es wird sodann die Notwendigkeit der Agitation und Organisation betont, während im übrigen die Thesen in der Haupt- fache das Vorgehe« bei Wahlen, Volksabstimmungen und anderen politischen Aktionen betreffen, wobei die Selbständigkeit der Partei vorangestellt wird. Zu den Greulichschen These» haben der sozialdemolrattsche Verein .Eintracht" in Zürich und die sozialdemokratische Partei der Stadt Bern AbänderungSanträge gestellt, wobei ersterer der Greulichschen Resolution eine selbständige andere gegenüberstellt, in die aber ein großer Teil der Greulichschen Thesen Aufnahme gefunden hat. Die Gegenvorschläge der.Eintracht" heben sowohl'den proletarischen Klassenstandpunkt als auch die Demokratie in der Partei schärfer hervor; ferner fordern sie auch die endliche Herbeiführung der voll ständigen Beremheitlichung der Partei. Die Berner Anträge be wegen sich in der gleichen Richtung wie die der„Eintracht". Bezüglich deS Generalstreiks unterbreitet die Geschäft? leitung der Partei dem Parteitag eine mit dem GcwerkschaftSbund vereinbarte Resolution, der der Gewerkschaftskongreß bereits zuge- stimmt hat. Dieser Resolution stellen die Berner Genossen eine andere, davon erheblich abweichende Resolution gegenüber, die jene nur zun? Teil berücksichtigt und insbesondere ans Einschränkungen, loie z. B, den Ausschluß des syndikalistischen Generolstreils. ver- zichtet; dies deshalb, weil die syndikalistische Bewegimg in der Schweiz nicht mehr von Bedeutung ist. Aber auch die verncr Gegenresolution setzt intensivste Agitatronsarbeit und macht- volle Arbeiterorganisationen voraus, ferner die Verständigung von Partei und Gewerkschaft im gegebenen Falle der Anwendung des Massenstreikes, Zur Regelung des Verhältniffes der Partei zur Jugend Organisation wird dem Parteitag die ebenfalls vom GeWerk schaftSkongreß schon angenommene, von beiden Teilen gemeinschaftlich aufgestellte Resolution vorgelegt. Die Berner Genossen beantragen dazu, die Frage der Jugendorganisation auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages zu setzen. In der A ir S s ch l u ß s r a g e will die Zürcher„Eintracht" den schweizerischen sozialdemokratischen Parteitag als letzte Instanz be stimmt wissen. Zur Bekämpfung des Alkoholismus schlägt die Geschäfts- leitung der Partei in einer längeren Resolution eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, Zürcher Genoffen empfehlen dazu in einem besonderen Antrage die Verpönung- von Getränken aller Art in den Versammlungen. Di« Arbeiterinnenvereine wollen ihren Verband auf- geben, hauptsächlich au? finanziellen Gründen und verlangen dafür von der Partei die Bestellung einer siebengliedrigcn Frauen- kommission am Sitze der Geschäftsleitung der Partei. Und die Zürcher„Eintracht" verlangt die Erklärung der Unzulässigkeit der Doppelmitgliedschaft von Genossinnen in einer sozialdemokratischen Organisation und einem bürgerlichen FrauenstimmrechtSverein. Die Genossen in Biel verlangen die Einleitung einer Aktion zur Einführung der Gesetzesinitiative im Bunde, der heute mir die schwerfällige Verfassungsinitiative hat. während jene in den Kantonen schon längst besteht. Es handelt fich also dabei um den Ausbau der Bundesdemoiratie. Die sozialdemokratische Fraktion der Bundesversammlung wie auch die kantonalen Parka- inentsfraktionen der Partei sollen zur Erreichung des Zieles die nötigen Schritte unternehmen. Der Arauer Parteitag hat also ein tüchtiges Stück Arbeit zu er- ledigen. Soziales. Tuberkulös rkongrcß. Der Tuberkulosekongreß— vor 19 Jahren wurde der erste Tuberkulosekon greß abgehalten— begann gestern seine VerHand- lungen. lieber den Inhalt desselben werden wir zusammenfassend berichten. Aus dem Geiverbegericht. I. Nichtannahme angebotener Tirufte. Der Bismarcksilm hat der Siko-Filmgesellschaft vier Klagen eingetragen, von denen drei gestern vor der Kammer des Gewerbe- gerichts unter Vorsitz des Magistratsrats Schultz zur Entscheidung kamen. Verzug der Filmgesellschaft durch Nichtannahme der Letstung. 1. Ein Schauspieler war als Moltte-Darsteller angenommen. Bei seinem Engagement hatte er gesagt, daß er einen Kontrakt mit einem Theater habe und folglich, der Proben wegen, nach dem 18. August schwer zu den Filmaufnahmen werde abkommen können. Es wurde ihm zugesagt, die Aufnahmen möglichst so zu legen. daß er seine Rolle spielen könne. Die erste Anfnahnle wurde aber zum 19. August früh 8 Uhr in Gatow angesetzt. An diesem Tage mußte der Kläger bereits um 11 Uhr zu einer Probe in Berlin sein. Er ließ durch eine Angestellte der Firma telephonisch an- fragen, ob er dennoch kommen solle. Das wurde bejaht. Als er nach Gatow kam, wurde er jedoch nicht beschäftigt und seine Rolle anderweit besetzt. Er forderte nun durch die Klage für ent- gangenes Honorar— 10 Aufnahmen erhielt er zugesichert— und Barauslagcn 202 M. Da die Zeugenaussage sejnc Behauptungen nn wesentlichen bestätigten, erhielt er aus Grund deS Z 615 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Summe zugesprochen. 2. Sehnlich lag die Rechtslage bei einer Schauspielerin, die die Fürstin Bismarck darstellen sollte. Sie war fest für die Rolle angenommen, nachdem eine vorher für die Rolle engagierte Dar- stellerin abgeschrieben hatte. Letztere meldete sich aber wieder und der Klägerin wurde für einen anderen Film ein Engagement in Aussicht gestellt, wenn sie auf die frühere Rolle verzichte. Darauf ging sie ein mit dem Vorbehalt, daß sie fich bis 10. E-eptember zur Verfügung halte. In dieser Zeit ward sie nicht beschäftigt und klagte nun auf Honorar für drei. Tage gleich 60 M. Dieser Betrag wäre ihr auch zugesprochen worden. Daraus zahlte die Firma die 60 M. vergleichsweise. 3. Ebensalls Verzug auf feiten der Gesellschaft und eine un- berechtigte Entlassung veranlaßte eine dritte Klage. Ein Film- darsteller erhielt mit einer großen Zahl anderer Darsteller den Austrag, am 19. August, früh 8 Uhr, in Beelitzhof�zn sein. ES regnete in Strömen und eine Aufnahme war unmöglich. Gegen Mittag wurde den Wartenden gesagt, sie sollen nach Hause gehen. Viele hatten ihr letztes Geld zu? Hinfahrt verwendet und ver- langten Entschädigung, um auch ihre Zeche bezahlen zu können. Als es deswegen zu Differenzen mit dem Vertreter der Firma kam, mischte sich der Kläger ein. Das sah die Firma als Grund zur Entlassung an. Der Kläger forderte nun 100 M. Honorar für 10 zugesicherte Aufnuhmen sowie 10 M. Spesen für den Tag in Beelitzhos und 60 Pf. Auslagen. Er bekam durch Urteil 103,70 Mark zugesprochen. Die Vertretung der Rechte anderer sei kern Entlassungsgrund; aber an Spesen seien 3 M. als angemessen zu betrachten. II. Klage gegen die Städtische Straßenbahn. Vor der Kammer 7 unter Vorsitz des Dr. Gerth klagte ein Schlosser gegen die Städtische Straßenbahn wegen ungerechtfertigter kundigungstoser Entlassung auf 59,20 Mk....._ Die Beklagte wendete zunächst Nnzuständ, gleit ein. Der Straßenbahnbetrieb falle, wie auch der Eisenbahnbetrieb, nicht unter die Bestimmungen der Gewerbeordnung(§ 6 der GelvMW- ordnung). Das Gericht erklärte sich jedoch mit Recht für zustandig, denn der Kläger war als Schlosser bei der Beklagten gewerblich tätig und nicht ini Fahrbetrieb beschäftigt.. �„ Gegen den Klageanspruch macht die Beklagte geltend, e? habe Kiindigungsausschluß nach den'„Allgemeinen Bestimmungen der Städtischen Straßenbahn" bestanden. Die Vereinbarung einer .Kündigungsfrist sei vorbehalten, aber nicht zustande gekommen. Der Kläger aber konnte einen Brief vorlegen, worin ihm einige Tage nach seiner Erkrankung zum 28. August, als mit 14taglgcr Frist, gekündigt wurde. Auf Grund dieses Schreibens wurde ihm der geforderte Betrag zugesprochen..„. Mutzte die Stadt es erst auf eine Klage ankommen lassen? l*ctztz Pfochridrtett. Reichstligsersadwahl in Nenmarkt. Neumarkt i Oberpfalz), 23. Oktober.(W. T. B.) Bei der. heutigen Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen NerchStPs- abgeordneten Kohl iZ.) erhielt Lcderer(Z.) 11 549. Tollinger (liberal und Bauernbund) 1000 und Trummert(Soz.) 527 Stimmen. Lederer ist somit gewählt. Ter österreichische Schiffahrtsskandal. Wien, 23. Ottober.(W. T. B.) Das vom BlrdgetauSschuh ciii- gesetzte Subkomitce zur Beratung der südamerikanischen Schiffahrt setzte heute in Gegenwart der Minister Dr. Schuster» Dr. Frhr. v. Heinold und Frhr. v. Georgi sowie des Vertreters des Kriegs- ministeriruns seine Beratungen fort» Abg. Friedmann stellte an den Handelsminister eine Reihe von Fragen über die Be- ziehungen der Austro Americana zu dem früheren Leiter der Schifsahrtssektion des Handelsministeriums, Baron Weichs- Glon, und wünschte zu wissen, ob ein von dem Genannten ohne Kenntnis des Ministers an die Austro Americana gerichteter Brief dem Ausschuß im Original vorgelegt werden könnte. Sektionschef Riedel erwiderte: er werde den Wunsch t>c9 Abgeordneten, der Austro Americana bekannt geben. Laiidesverteidigungsminister Georgi und der Vertreter des Kriegsministeriums gaben hierauf eingehende Erklärungen über dke Anzeigen, die ein Herr Gruenhut seit längerer Zeit gegen die Eanadian Pacific erstattet hätte. Diese Anzeigen seien vom Krieasminister sofort den kompetenten Stellen mit dem Ersuchen übermittelt worden, die Amtshandlungen einzu- leiten. Da? Kriegsministcrium müsse sich entschieden dagegen ver- wahren, daß Gruenhut als sein Vertrauensmann gelte; der Kriegk- minister habe Gruenhut nie empfangen. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Friedmann erklärte der Hartdelsminister Schuster, die Meldungen GruenhuiZ über die Konzessionserteilung«n die Canadian Pacific seien nichts anderes als eine mehr oder uiinder heftige Kritik der ganzen Aktion, die unmöglich den Anlaß für irgendwelche amtliche Handlungen geben könne. Der weitere Inhalt der Anzeigen sei polizeilicher Natur, Minister des Innern Heinol d erklär�* auf verschiedene Anfragen. ob und welche Persönlichkeiten durch die Angaben Gruenhuts kompromittiert seien, daß der Regierung Vertuschung yollkommen fern- liege, in dem derzeitigen Stadium könne keine bestimmte Mit- teilung über die Erhebungen gemacht werden. Heinold erklärte 'erner, es handle sich selbstverständlich nicht um ein einseitiges Vor- gehen gegen die Canadian Pacific, sondern um die Abstellung von Mißbräuchen bei allen ähnlichen Uniernehmungen. Darauf verlas Sektumsches Riedel ein von Baron WeichS-Glon als jetzigem Generalvertreter der Hapag un das Handelsministerium gerichtetes Schreiben vom 20. Juli 1913, worin er namens des Generaldirektors Ballin mitteilt, daß die deutschen SchiffahrtSgesell- chasten eine Verpflichtung betreffend die Nichtdesörderung militärpflichtiger österreichischer und ungarischer Staatsangehöriger nicht übcrnehnien könnten, solange nichts auch die englischen, belgi- chen. holländischen und französischen Schiffahrtsgosellschaftem die gleiche Verpflichtung Übernähmen. Tie amerikanische Grubenkatastrophc. Tawson(Neu-Mexik»), 23. Oktober.(W. T. B. In einem alten Bergwerk, das mit dem Schacht der Hirschschlucht-Kohlengrube in Verbindung sieht, brach heute nachmittag Feuer aus. Es wird befürchtet, daß die Flammen auf den Schacht übergreifen werden, in dem noch 256 Bergleute eingeschlossen sind. Nach neueren Feststellungen sind von 284 Bergleuten, die bei der Explosion eingeschlossen wurden, 22 lebend ans Tageslicht gebracht und scchSals Leichen geborgen worden. Ein Drama ans der Fremdenlegion. Algier, 23. Oktober.(W. T. B.) Aus Coiombbcchar wird gc. ieldet, daß ein Soldat der Fremdenlegion mehrere Schüsse auf eine Wach« abgegeben hat, wobei er einen Korporal tötete. Er suchte daraus den seine Kompagnie befehligenden Ossizier aus und drang in das Zimmer eines Leutnants ein, der ihn angesichts seiner drohenden Haltung niederschoß. /I 711 Li# MUsae- UWmmm JCebemmmel Fleisch Ochsenschmorfleisch.. Pid. 95 Pf, Roastbeef........ Pfd. 1.00 Brust und Kamm... rfd. 80 Pf. Fehlrippe Bfd. 85, Querrippe 75 Pf, Frisch. SchinKen i. Ganz. Pfd. 85 Pf. SchweineKotelettes... Pfd. 95 Pf. SchwelneKamm n. Schuft Pfd. 85 Pf. RücKenfett Pfd. 70, Liesen Pfd. 80 Pf, KalbsKeule im Ganzen.. Pfd. 1.10 KalbsKamm u. Bug... 85, 90 Pf. Kasseler Rippespeer Pfd. 80 b. 95 PL Australisches Hammelfleisch Keule i. Ganz. Pfd. 80. Rüchen 70 Pf. DicKe Rippe Pfd. 65, Düannng 55 Pf. Obst Meionen-Kürbis..... Pfd. 5 Pf. Kochhpfei........ Pfd. 12 Pf. Italienische Aepfel.. 2 Pfd. 25 Pf. Graue Reinetten.... 2 Pfd. 35 Pf. Amoretten-Birnen...Pfd. 10 Pf. Granbirnen....... Pfd. 16 Pf. Neue Kranzfeigen....Pfd. 25 Pf. Bananen........ Pfd. 20 Pf. Weintrauben...... Pfd. 23 Pf. Weintrauben.. Kiste 90 Pf. u. 1.70 Blaue Kurtrauben...Pfd. 18 Pf. Heine Zusendung. Gemüse Weiss-, Rot-u. Wirsinghohl Pfd. 4 Pf. Spinat 2Ptd.l0, GrünKohl2Pid.lO Pf. Kohlrabi Mdl. S. MohrrübenSFfd. 15 Pf Radieschen..... 8 Bund 10 Pf. Tomaten........ Pfd. 10 Pf. Schwarzwurzeln.... Pfd. 12 Pf. Geflügel Gänse Gänse-Rümpfe Wilde Kaninchen.. von 80 Pf. an Grosse iunge Hähne St 1.20 bis 2.00 Suppenhühner Hasthühner. Butter u.Käse Koch- und Bachbutter Pfd. 1.10, 1.20 Tischbutter........ Pfd. 1.28 Tafelbutter Pfd. 1.36.VzPfd.-Pak. 68 Pf, Schmalz........ Pfd. 68 Pf. Marmelade, leicht gefärbt Pfd. 33 Pf. Pfd. 53, 65, 75 Pf. 2.25 bis 4.50 Stück 1.35 bis 2.60 Stück 2.75, 3.00 Pflaumenmus. Echt Emmenthaler. Bayr. Schweizerhäse Holländer Käse... Romatour-Käse... Llmbnrger Käse... Brie-Käse..... Camembert-Käse.. Faust- u. Spitzhäse. Pfd. 25 Pf. ... Pfd. 1.10 .. Pfd. 88 Pf. .. Pfd. 75 Pf. , Stück 26 Pf. .. Pfd. 45 Pf. .. Pfd. 78 Pf. . Stück 20 Pf. 3 Stück 25 Pf. Fische Kabeljau o.Kopf i, ganz. Fisch. 16 Pf. Seelachs o. Kopf i. ganz. Fisch. 16 Pf. Schellfisch....... Pfd. 18 Pf. Goldbarsch...... Pfd. 15 Pf. Bratschollen Pfd. 15, grosse 23 Pf. Heilbutt........ Pfd. 40 Pf. Frische Zander.... Pfd. 48 Pf. Lachs in ganz. Fisch... Pfd. 63 Pf. Lebende Karpfen Pfd. 75, 85 95 Pf. Lebende Hecnte..... Pfd. 1.00 Lebende Krebse MdL 25 Pf. bis 3.00 Seemnscheln... 100 Stück 30 Pf. Lachsbüchiinge... 3 Stück 20 Pf. Kieler Schleibüchlinge 2 Stück 10 Pf. geben schmutzigstem Kletall] Bauerglanz. Unentbehrlieh für Autos. Man verlange überall„Kaol*' in Piaschon zu 10 bis 50 Ff. Fabrik: Chemische Werke Lubszjrnski& Co., Aktiengesellsch aft, Berlin-Lichtenberg. wTrkllcli.Uaarpflegemlttel Unerreicht in semerWirkung. Preis pro Flasche 30 Pf. Zu haben in allen Drogerien. Verkauf nur Im Fabrikgcbiinde! Wenn Sie ■35 ■l Sie sparen Geld! lÖEbel s; Möbelfabrik I 1 H. 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Die Dubliner Arbeitgeber haben es fertig gebracht, die ganze Oeffentlichkeit gegen sich mobil zu machen. Konservative Blätter, wie die„Times" und die„Daily Mail", unterziehen ihr Austreten und ihre Werke einer scharfen Kritik. So bringen die„Times" heute einen Leitartikel, in dem die Wirt- schaff der Dubliner Stadtväter in bezug auf die Wohnungs- frage erbarmungslos gegeißelt wird. Es heißt da zum Schluß: „Dublin sollte eine der gesundesten Städte in der Welt sein. Lebenbringende Seelüfte bestreichen die Stadt. Ihre Umgebung ist lieblicher als die irgendeiner anderen Stadt in den drei Königreichen. Sie hat genügend Platz, um sich aus- zudehnen. Und dennoch sterben die Leute wie die Fliegen in chren schmutzigen Spelunken, und selbst die breite Fläche des Phönix-Parkes bleibt meist verlassen und verödet." Die Genossin Montefiore ist nach Dublin gereist, um Kinder der Ausgesperrten zu organisierten Arbeitern in Eng- land zu schicken. Darüber haben die irischen Patrioten und Priester einen Mordsskandal gemacht. Die konservative „Daily Mail" meint dazu, es könnte nichts schaden, wenn auch ein paar Dubliner Arbeitgeber mit herübergeschickt werden würden, damit sie ihre mittelalterlichen Ideen los werden und erfahren könnten, wie vernünftige englische Arbeitgeber die Gewerkschaften beurteilten. Aber die Arbeitgeber Dublins haben eine dicke Haut: derartige Kriftken beunruhigen sie wenig, obwohl sie von Leuten kommen, die man nicht gerade als die Freunde der organisierten Arbeiterschaft bezeichnen kann. Wie sie den Einigungsvorschlag der Untersuchungs- kommission zurückgewiesen haben, so haben stfe auch die Friedensvorschläge verworfen, die ihnen ein aus angesehenen Dubliner Bürgern zusammengesetztes Komitee gemacht hat. Sie bestehen auf den Kopf L a r k i n s, die Reorganisation der Transportarbeitergewerkfchast und die Aufgabe des Sympathiestreiks. Das Ansinnen, das die Unternehmer an die Dubliner Arbeiter stellen, sie sollten ihren Führer fallen lassen, ist eine Forderung, die von jedem verniinftigen Menschen als lächer- lich bezeichnet wird. Es wäre vielleicht besser, wenn in dieser kritischen Zeit ein anderer Mann am Steuer der Transport- arbeitergewerkschaft säße, der nicht L a r k i n s'Draufgänger- temperament besäße und seine Zunge mehr im Zaume halten könnte. Die Rede, die der Generalsekretär der irischen Transportarbeiter vor kurzem in London hielt, in der er er- klärte, daß der Teufel die Verträge holen könnte, hat der Sache der Arbeiter sicher geschadet. Aber was man auch gegen ihn vorbringen mag, er ist unbestritten der Mann, der in den letzten fünf Jahren das Proletariat Dublins von Sieg zu Sieg geführt hat und unr den sich die Massen, selbst wenn es den Arbeitgebern gelingen sollte, ihn für den Augenblick kleines feuilleton. Der Kaiser baut. Er baut; aber er bezahlt nicht. Bezahlen muß das Volk. Warum darf es da nicht auch bauen? Ja. wirklich, «S darf nicht. Auch das ReSt auf Architektur ist ein Ausdruck für Macht. Der Kaiser ging, wie man aus der„Norddeutschen All- gemeinen" erfährt, über die Arbeiten des Wettbewerbs für ein Bot- fchafter-Palais in Washington zur Tagesordnung über; er hat„be- stimmt", daß dem Neubau ein Entwurf zugrunde gelegt werden soll, den der— Oberhosbaurat von Ihne angefertigt hat. So lange der Kaiser Herrn I h n e mit dem Bau der Washingtoner Botschaft beauftragen kann, so lange dürfen die Amerikaner getrost glauben, daß wir absolutistisch regiertes Mittelalter sind. Auch der Bau, den der Oberhofarchitekt ausführen wird, wird sie'S lehren. Innen die Litiquilälen eines Thronsaales und dergleichen Reliquien, und außen—— Nun, Herr Ihne ist ein trockener Pedant, «in ganz gleickigültiger, schulmäßig ausgebildeter Zusammen- träger; seine Werke sind wesenlos, und wenn man sie awi- handwerklich als Gebautes schätzen kann, so entbehren sie doch jeder Lebensfähigkeit. Es wäre eine Art von Selbstentleibung, wollte man das Schema Ihne nach Amerika schicken, in ein Land, das Chikago nach einem gewaltigen Plane als die erste von Grund auf moderne Stadt baut. Aber man wird sich entleiben. Der Wettbewerb, über den der Kaiser sich hinwegsetzt, ist von 272 deutschen Architekten beschickt worden. Sie haben gearbeitet, ste haben es sich etwas kosten lassen. Werden sie sich mucksen, wenn nun all diese Leistungen durch einen autokratischen Federzug abgetan werden? Gewiß, der Entwurf des Architekten Bruno Möhring, der den ersten Preis bekam, war unzulänglich. Aber dieser Entwurf war ja nicht die beste Leistung unter den 272. Und jedenfalls gibt es in Deutschland bessere Architekten als Ihne. Und schließ- lich: wer bezahlt, sollte auch das Recht haben, den Baumeister, zu bestimmen. Aber wie Figura zeigt: er hat es nicht. Und des- halb kommt die Halbheit und Schlimmeres obenauf. Das zweite Bierteljahrhundert kaiserlicher Bauherrlichkeit hat am Ergebnis des ersten noch lange nicht genug. Der Schnup sw chpatriot. Er spaziert durch die Straßen von Gevelsberg sWestfalen), ein echter deutscher Mann, Oberlehrer oder so etwas. Leutnant der Landwehrinfanlerie ersten Aufgebots, den Schnurrbart hochgebürstet, eine Kornblume im Knopfloch, von der Theodor Fontane zu sagen pflegte, daß zu ihrer Nüchternheit noch ein roter Militärhosenstreifen kehle, so spaziert er hochgemut durch die Straßen. Bleibt hier und da stehen und betrachtet ein Schau- fenster. Mit hochgemuten Gedanken, wie sie einem Patrioten zu- kommen Deutsche Waren... deutsche Industrie... Welthandel... Weltmeet... Dreizack in untere Faust... Panzerschiffe... Hurrai Blickt dabei starr, immer starrer auf einen Haufen Toschentücher in einer Auslage. Taschentücher in englischen, französischen. amerikanischen Farben. Nur keine schwarz-weiß-roten. Der Patriot,„ein klein wenig gereizt'— so steht eS in der„Täglichen Rundschau" zu lesen!— betritt im Stechschritt den Laden. (fordert ein Taschentuch in deutschen Farben. Vergebliches Umher- uchen.„Ein deutsches? Bedauere!'„Ach so, verzeihen Sie, ich vergaß, daß wir in Deutschland sind I' Tritt den beschleunigten Rückzug an, der Ladeninhaber tippt an die Stirn, die Mamsells lachen hinterdrein. Aber der Patriot, die Brust geschwellt von einer Aufgabe, die Schnurrbartenden drohend gesträubt, stelzt weiter, tart nächste Geschäft. Dasselbe Spiel... Frage. Antwort, schachmatt zu setzen oder seine Organisation aufzureiben, über kurz oder lang doch wieder scharen würden. Tic unverschäintc Forderung der Unternehmer, die Transportarbeitergewerkschaft müsse sich zuerst reorganisieren, che sie sich mit ihr in Per- Handlungen einlassen könnten, kann natürlich von keinem Ge- werkschafter diskutiert werden. Die stärkste Position haben die Unternehmer in bezug auf den Sympathiestreik inne. Hier finden sie Unterstützung in dem Bericht der Untersuchungskonmüssion, in dem ja auch der Sympathiestreik verurteilt wird. Und der Bericht ist auch von dem der Arbeiterklasse angehörenden Konunissar C l y n e s unterzeichnet, der selbst Beamter einer der Transportarbeiter- organisation ähnlichen Gewerkschaft ist und den niemand im Verdacht haben kann, daß er die Interessen seiner Klasse nicht mit allen Kräften wahrt. Im irischen Transportarbeiterver- band selbst scheint man in bezug auf die Nützlichkeit des Sympathiestreiks geteilter Ansicht zu sein. So erklärte C o n n o l l y vor einigen Tagen, daß sich der Verband ver- pflichten würde, den Sympathiestreik in verniinftige Grenzen zu halten. Das sieht wie ein Kompromiß zwischen den leiten- den Personen der Transportarbeitergetverkfchaft aus. Doch was in Irland als Sympathiestreik bezeichnet wird, würde man anderswo eher Boykott nennen. Es ist eigentlich kein Wunder, daß der Boykott in den letzteil fünf Jahren in Dublin so populär war. Der Boykott ist eine Erfindung der irischen Patrioten, die zur Zeit der Agrarkämpfe erfolgreich aus- probiert wurde. Es ist eine Waffe, die der Nationalismus das irische Volk zu handhaben gelehrt hat. Das Wort selbst stammt aus Irland. Es war Parnell. der in einer berühmten Rede das Verfahren also beschrieb: „Wenn ein Mann ein Pachtgut von einem anderen nimmt, der exmittiert worden ist. so müßt ihr ihm auf der Straße, im Kaufladen, auf dem Jahrmarkt, auf dem Marktplatz und selbst im Gotteshause eure Verachtung für das Verbrechen, das er bc° gangen hat, zeigen, indem ihr ihn links liegen laßt, indem ihr ihn inoralisch in Verruf tut und indem ihr ihn wie einen Aus- sätzigen isoliert." Drei Tage nach der Rede fand der Hauptmann B o y c o t t, daß man ihil gesellschaftlich geächtet hatte. Eine Woche nachher weigterten sich die Dubliner Hafenarbeiter, das Vieh eines boykottierten Pächters zu verladen. Der Unterschied zwischen einst und jetzt ist nur, daß heute dieser Knüppel-aus-dem-Sack die nationalistische Parole nicht mehr abwartet. Wie schon erwähnt, ist Genossin Montefiore nach Dublin gereist, um Kinder der Ausgesperrten nach England zu schicken, wo sie bis zur Beendigung des Kampfes gepflegt werden sollen. Einige Kinder sind schon abgreift. Für viele Hunderte der Kleinen hat man bei freundlichen Leuten auf der Schwesterinsel schon Unterkunft gefunden. Die Genossin Gräfin Marwick spielt eine führende Rolle in dieser Bewegung. Dieser Versuch, die halbverhungerten Kleinen zu schützen und die Eltern in ihrem Kampfe gegen das arrogante Unternehmertum zu entlasten, hat in dem katholischen Erz- bischof von Dublin einen grimmigen Gegner gefunden. Dieser Herr hält es anscheinend nicht mit den Worten seines Herrn und Meisters:„Lasset die Kindlein zu mir kommen." Er ist um das Seelenheil der Kinder besorgt, dem zuliebe der schnöde Körper geopfert werden muß, selbst wenn dadurch den Scharfmachern der irischen Hauptstadt geholfen werden sollte. In einem Schreiben sagte er: „Ich babe mit wahrer Bestürzung gelesen, daß eine Be- wegung besteht und schon Fortschritte gemacht hat, die darauf hinzielt, die Frauen der Arbeiter, die jetzt infolge des be- dauernswerten wirtschaftlichen Stillstandes in Dublin arbeitslos sind, zu bewegen, ihre Kinder abzugeben, damit diese in England von Personen gepflegt werden, von denen sie natürlich nicht daS geringste wissen. Die Tubliner Frauen, die dieser grausamen Versuchung, sich von ihren hilflosen Kindern zu trennen, aus- gesetzt gewesen sind, sind in den meisten Fällen Katholiken. Haben sie ihren Glauben abgeschworen? Doch sicher nicht. Nun, wenn das nicht der Fall ist, so sollte es keiner Worte meinerseits bedürfen, sie an die klare Pflicht jeder latholischcn Mutter in einem solchen Fall zu erinnern. Ich kann ihnen nur erklären. daß sie fürderhin reicht mehr würdig sind, den Namen katholische Mutter zu tragen, wenn sie ihre Pflicht so weit vergessen, daß sie ihre kleinen Kinder fortschicken, damit sie in einem fremden Lande gepflegt werden, ohne daß man irgendeine Bürgschaft dafür hat, daß die, denen die armen Kinder überwiesen werden, auch Katholiken sind oder selbst Leute, die überhaupt eigen Glauben haben." Wie schrecklich würde es sein, wenn die hungrigen Tubliner Arbeiterkinder von freundlichen Protestanten— oder gar Freidenkerhänden gefüttert würden, wenn die Kleinen erfahren würden, daß es unter den vcrinaledeiten „Sachsen", Protestanten, Sozialisten und Atheisten sehr nette Leute gibt und daß die Welt nicht überall so aussieht, wie in dem frommen Dubliner Schweinestall, in dem sie das Licht der Welt erblickten! Würde die Welt untergehen? Die Welt zwar nicht; aber der religiöse Aberglaube uud nationalistische Fanatismus, die bald bedenklich ins Wanken geraten würden. Kertin und Umgegend. Die Festsetzung der Akkordpreise durch Kaltulations- bnreaus beschäftigte die Eisen-, Metall- und Revolvordreher soivie Rund- schleifer in mehreren Versammlungen. Müller besprach die Schäden der Akkordarbeit, die Differenzen, die sich daraus ergebe», und die Maßnahmen, die die Arbeiter gegen übermäßige Ausbeutung trafen. Es war dies um so nötiger, als die Unternehmer bereits die raffiniertesten Methoden ausgeklügelt und ansprobiert haben, um möglichst viel Mehrwert aus den Arbeitern herauszuschinden. Sind sie doch in neuester Zeit sogar schon zu einer Art Taylorshstem übergegangen, um die LeistungS« fähigkcit bis zur äußersten Grenze auszunützen. Soweit ist cS in der Revolverdreherei und Rundschleiferei schon gekommen. Dem Werkmeister sind die wichtigsten Funktionen abgenommen, die Preise werden in den Kalkulatronsbureaus festgesetzt. DaS führt zu ständigen Unzuträglichkeiten, zumal es bei den Preiskalkulatoren weniger auf Sachkenntnis als auf Rücksichtslosigkeit uud Brutalität ankommt. Auch mit der Verwendung von jugendlichen, auch weib- lichen oder sonstigen ungelernten Arbeitern an Drehbänken suchen die Unternehmer die Löhne zu drücken, um ihren Profit zu erhöhen. Dies alles und noch sonstige Manipulationen haben naturgemäß im Gefolge, daß unter den Arbeitern dieser Branche eine tiefgehende Unzufriedenheit Platz gegriffen hat, Es wird hierdurch auch ein Wechsel der Arbeitsstellen erzeugt, der 63 vom Hundert umfaßt. Das Durchschnittsalter in dieser Arbeitergruppe ist gegen früher ganz erbeblich gesunken. Die ungeheure Arbeitslosigkeit ist ebenfalls zum größten Teil auf dieses Hetzsystem zurückzuführen. Um dagegen an- zukämpfen, müssen Maßnahmen getroffen werden, von denen die wichtigste das Mitbestimmungsrecht der Arbeilerorganisation bei der Lohnfestsetzung ist. In einzelnen Branchen, z. B. bei den Formern, ist dieses Recht bereits erkämpft. Da die Dreherbranche gut organi- siert ist und sich auch noch besser entwickelt, so ist zu hoffen, daß das, was die Former bereits haben, auch bei den Drehern Eingang findet. Was gleich geschehen muß, ist das Auslegen von Preis- büchern im Betriebe. Auch betreffs des Wartens auf Arbeit mutz eine Regelung getroffen werden. Des weiteren ist die Abhaltung von kombinierten Dreherversammlungen zu empfehlen. Mit dem eindringlichen Appell an die Versammelten, alles auf- zubieten, um diesen Zuständen ein Ende zu bereiten, schloß Redner seinen mit großem Interesse und Beifall aufgenommenen Vortrag. In der Diskussion wurde bedauert, daß die Frage der Kalkulation jetzt, in der Zeit der Krise, aufgerollt werde. Im übrigen beschleunigter Rückzug, die Mamsells lachen hinterdrein, der Chef tippt an die Stirn. Der Patriot aber setzt sich hin und weint seinen Schmerz in der„Täglichen Rundschau" aus:„Eine einzige Farbe fehlte. Die in ihrer Einfachheit so wunderschön und geradezu klassisch- vornehm wirkende Farbe schwarz und weiß und rot! 1813—1913! Und in diesen Tagen feiern wir Leipzig!" Furchtbarl! Lieber Leserl So etwas-gibt es, so etwas läuft auf zwei Beinen unter unZ herum; wenn Du's nicht glaubst, schlag die„Tag- liche Rundschau" nach! Aber mir kamen schreckliche Zweifel. Wie, wenn dieser feurige Schnupstuchpatriot endlich ein Taschentuch in deutschen Farben entdeckt, sich mit germanischer Extase darin schnaubt und dann jählings dessen inne wird, daß er mit den Exkrementen seiner Nase eigentlich die teuren Farben beschmutzt, entweiht, ge- schändet hat? Was dann? Wird er mit eherner Konsequenz am folgenden Tage in allen Geschäften nach Klosettpapier in den „geradezu llassisch-vornehm wirkenden Farben schwarz und weiß und rot" fahnden? Wer weiß? Richtiggehend. In der Sprachecke de« Allgemeinen Deutschen Sprachvereins ist zu lesen: Habt ihr schon auf die lächerliche, aus Norddeutschland kommende neue Mode geachtet, nichts mehr als richtig, sondern richtiggehend zu bezeichnen? Es ist eine richtige— Verzeihung!— eine nchttggehende Krankheit. Man sagt nicht mehr: „die älteste richtige Freimarke der Welt", nein: die älteste richttg- gehende Freimarke der Welt. Hübsch, nicht wahr? Ungemein witzig! Da ist einer ein richtiggehender Ketzer; da ist aus einer Novelle auS Versehen ein richtiggehender Roman geworden; da heißt es, wir hätten dies Jahr keinen richtiggehenden Sommer gehabt; da gibt eS Dinge, die für einen richtiggehenden Christen recht anstößig sind usw. usw. Kurz, eS ist nicht mehr ganz richtig mit dem Worte „richttg": eS muß unter allen Umständen verlängert werden; und wenn Luther erst heute die Bibel übersetzte, dann müßte er im Hebräerbriefe schreiben: DaS Szepter deines Reiches ist ein richtig- gehendes Szepter. Humor und Satire. Breslauer Sitten. Ei, wie kamen, Richter Mundrh, Sie doch zu der Aeußerung, jene Mädchen, noch so jung, seien teuflisch wie die Kundrh? Aber diese Männer, ach, die in Amt und Würden fitzen, Staat sowie Familie stützen, diese wären man bloß schwach? Wie doch kann man die Geschlechter so verwechseln, schwach und stark? ?(st das nicht ein bißchen arg, agen Sie, Gesetzeswächter I Oder meinen Sie, es sei, ob man was als„stark" benenne oder eS als„schwach" erkenne, manchmal quasi einerlei? Soviel wäre zuzugeben: Was sie äußerten, war schwach, schwach wie Bohnenstroh, und ach, dennoch war es stark beineben. »»» Notizen. — Harmlosigkeit. Als der Abgeordnete Bassermann im „Bert. Tagebl." den anonymen Roman aus der Biilow-Zeit„Die Auserwählten", in dem er sich selber geschildert fand, gelesen, meinte er mit tragischer Miene zu einem Parteifreunde: „Immer gedenk ich des HarmS, der..." „Also keimst du den Verfasser?" staunte der Freund. Bassermann aber blickte verständnislos. In seiner Harmlosig- keit begriff er nicht, welch bedeutungsvolles Wortspiel er soeben gemacht. — Ein Zusammenschluß der Wirtschaftsarchive hat sich auf einer Tagung zu Köln vollzogen. Als Hauptziel wurde der gemeinsamen Arbeit die Aufgabe hingestellt, zu der immer noch unerfchloffenen Geschichte des Bürgertums ffm 19. Jahrhundert vor- zudringen. — Vorträge. Oeffentlicher Vortrag am Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34— 36, Montag, 27. Oktober, Dr. H. M i ch a e l s e n- Berlin: Anfänge des Handels und Handel des klassischen Altertums.(1. Bortrag der Reihe: Geschichte des Welthandels vom Altertum bis in die Neu- zeit). Beginn 8 Uhr abends. Eintrittskarten zu 25 Pf. in der Ge- schäftsstelle.— Im zweiten Vortrag des von der Humboldtakademie veranstalteten philosophische» Vortragszyklus spricht Hermann Cohen über: Das Unvergängliche in der Lehre KantS. Der Vortrag findet statt am Sonntag, den 2. November, 12 Uhr mittags, im Auditorium der Bereinigung für staatswiffen- schastliche Fortbildung, Alte Bauakademie,' Schinkelplatz 6. Ein- trittskarten zu 1 M. in den Bureaus der Humboldtakademie. — Theaterchromik. In den Kamm er spielen des Deutschen Theaters gelangt heute Wilhelm SchmidtbonnS Legendenspiel„Der verlorene Sohn" in der Inszenierung von Max Reinhardt zur Uraufführung. Die Vorstellung beginnt um 7stz Uhr. — Musikchronik. Am 1. November wirb LortzingS „Undine" in einer textlich und musikalisch völlig gereinigten und auf LortzingS beide Urpartituren, die Hamburger und die Wiener, zurückgeführten Form im Deutschen Opernhaus« anf- geführt. — Gerhart Hauptmann hat sein Drama anS du homerischen Sagenwelt„Der Bogenspanner OdhsseuS', aus dem er Teile bereits öffentlich vorgelesen hat, vollendet. Die Veröffentlichung soll in Kürze zu erwarten sein. Ein zweite» Drama. an dem er noch arbeitet, heißt„Der weiße Heiland" und spielt in der Zeit der Eroberung Mexiko» durch Eortez. Außerdem dramatisiert er zurzeit die Novelle„Herrn Arne» Schatz' von Selma Lagerlöf. — Ein Heidemaler. In Hamburg starb im besten Schaffensalter der Maler Friedrich Schwinge, der seine Kunst mit hingebender Liebe der Schilderung der Heiden, Wälder und Dörfer der Lüneburger Heide widmete. — Zwei neue Nildämme geplant. Die ägyptische Regierung beschäftigt sich, wie aus Kairo gemeldet wird,' gegen- wärtig mit dem Plan der Errichtung von zwei neuen Nildämmen, die in Oberägypten, in der Nähe von Assiut erstehen sollen. Die Vermessungen haben bereits begonnen. — Oper und K i n e m a t o g r a p h. In Julius BittnerS Spiel„Der Abenteurer', das demnächst im Kölner Opernhaus zur Uraufführun�gelan� gjjJJg W iu«In« Oper(jüt sprachen sich sämtliche Redner im Sinne des Referats aitS und ergänzten dasselbe noch durch mancherlei Beispiele. Die Stcinarbetter von Grotz-Berlin stimmten nach einem bei fällig aufgenommenen Referat deS Genossen Otto Hanl» vom Bauarbeiterverbande über.Die Arbeitslosigkeit, ihr Ursachen und ihre Bekämpfung" folgender Resolution zu In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit im Steinmetz gewerbe Groß-BerlinS fordern die organisierten Steinarbeiter ») von den staatlichen und kommunalen Bauämtern: die möglichste Beschleunigung aller auszuführenden Bauten. Bei der Bergebuug von Arbeiten nur die Berücksichtigung solcher Unter- nehmer, Ivclche die tariflichen Bestimmungen anerkannt haben und sich verpflichten, hiesige Arbeiter in erster Linie zu beschäftigen? b) von Staat und Kommunen: die Einführung einer allge- meinen Arbeitslosenversicherung und bis zum Inkrafttreten der selben die Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung Arbeits� loser, ohne dieser den Charakter der Anneminterstützung zu geben; c) von den Unternehmern: die größtmöglichste Herabietzung der Arbeitszeit auf die Dauer des allgemeinen Arbeitsmangels. den völligen Verzicht auf Ueberstunden und die Herbeiführung einer von den beiderseitigen Verbänden auszuübenden gemein- samen Arbeitsvermittelung i d) von sämtlichen B e r u f S a n g e h ö r i g en: die Unterstützung aller Bestrebungen, welche die Durchführung obiger Forderungen zu fördern geeignet find, insonderheit die strikte st e Ein- Haltung der tariflich zulässigen kürze st en Ar- beitSzeit, sofern ein weiteres Herabsetzen der« selben nicht durchführbar ist. Der Absatz d wurde, um ihm mehr Wirksamkeit zu geben, als besonderer Antrag behandelt und wie die Gesamtresolution mit großer Mehrheit angenommen. Für den lokalen ArbeitSlosenunterstützungSfondS seine Zentral Arbeitslosenunterstützung besitzt der SleinarbeNerverband noch nicht) wurden im vergangenen Quartal 3113,40 M. eingenommen und 2008,70 M. verausgabt. Die Arbeitslosigkeit erstreckt sich zurzeit auf 18 Proz. der Mitgliedschaft. Eine weitere Zunahme ist für den Winter zu erwarten. Der Mitgliedcrstand hat sich auf der Höhe des vorigen Quartals (1070 Mitglieder) gehalten. Oeurkebes Rekdi. Die Aussperrung der organisierten Schlächtergcsellen in K e Iii n g h u s e n(nicht Rellinahauien) ist noch nicht beendet. Die Firma Gebr. Schümann, Wurstfabrik, verlangt von den Gehilfen ausdrücklich den Austritt aus der Organisation. Nur unorganisierte Gesellen will sie beschäftigen. Trotzdem rühmt sich die Firma mit ihrem Liberalismus und sieht namentlich Konsumvereine als Ab- nehmer ihrer Epezialmarken.Schümanns Hausmarke" und„Cerva" sehr gern. Die organisierte Arbeiterschaft wird das Verhalten dieser Firma zu bewerten wissen. Der organisierten Arbeiterschaft in den Dresdener Zigaretten- fabritc» gelang eS, ohne Kampf eine Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen. Zunächst wurden den sämtlich im Metallarbeiterverbande organisierten Maschinenführern wesentliche Zugeständnisse gemacht. Aber auch die im Tabakarbeiterverbande Organisierten haben zum Teil erhebliche Lohnzulagen erreicht. Die IaSmatzi-A.-G.(Trustsirma) wandelte ihre vor einiger Zeit gewährte Teuerungszulage von 8 Proz. in eine zehnprozentige allgemeine Lohnerhöhung um. Die Firma Eckstein bewilligte für Handarbeilen S— 25 Pf. pro Mille und erhöhte außerdem den Lohn der Packer um 2—10 Pf. pro Mille) ferner werden den Arbeiterinnen die Kartonnagen fertig zugerichtet geliefert. Andere Arbeiterinnen, wie Etikettiererinnen, Bandoliererrnnen usw. erhielten Lobw zulagen von 0,50—1,60 M. pro Woche. Die Wochenlöhne der männlichen Arbeiter. Tabakschneider usw., wurden um 1, 2 und 3 M. erhöht, und soll eine Steigerung um jährlich 2 M. eintreten. Bei den Firmen Laferme, Casanova. Kosmo«, EpiruS, Garbath-Filiale und SelowSki wurden die Löhne für Hand arbeit erhöht, und zwar meistens um 20 Pf. pro Mille, bei Casanova sogar um 30—60 Pf. Die Firmen Delta(Trustfabrik), Malzmann, Eulima und yemibze gewährten ebenfalls Lohnerhöhungen für Handarbeiterinnen und Packerinnen bis zu 26 Pf. pro Mille, da- neben wurden bei einigen dieser Finnen die im Lohn Beschäftigten mit Zulagen von 0,50 bi« 1,— M. bedacht. Im Betriebe der Delta trat ferner eine Verkürzung der Arbeitszeit von täglich einer Stunde ein; der dadurch entstandene Lohnausfall wurde durch Erhöhung des Stundenlohnes um 3 Pf. ausgeglichen. Bei dieser Bewegung kamen außer den Maschinenführern 4959 Personen, meistens weibliche, in Frage, von denen 4380 an der Lohnerhöhung beteiligt sind. Achtung, Elektromonteur«! In der Zeitung.Deutschlands Arbeiterfreund", einem in Berlin erscheinenden Organ, dessen gelb« Tendenzen klar zutage liegen, sucht die Firma Brown, Bovert u. Co. in Mannheim tüchtige, selbständige Elektromonteur« für HauS- lnstallation na«» Herbertingen in Württemberg. Offerten mit Zeug nissen und Lohnansprüchen sollen eingereicht werden. Es ist zu vermuten, daß der Zweck des Inserats der ist, möglichst billige Arbeitskräste auswählen zu können. Die Elektromonteure werden darauf aufmerksam gemacht, daß in Württemberg eine Vereinbarung zwischen sämtlichen Firmen der Elektrizitätsbranche und dem Deutschen Metallarbeiterverbande besteht, in welcher die von allen Firmen zu zahlenden Löhne und Montageauslösungen festgelegt sind. Die EmstellungSlöhne betragen für selbständige Monteure 30— 65 Pf. Wer also bei der Firma Brown, Bovert u. Co. um Arbeit nachsucht, der verlange mindestens den Lohn, den jede andere Firma auch zu zahlen hat und erkundige sich wegen der anderen Bestimmungen der Vereinbarung bei der nächsten Verwaltung des MetallarbeilerVerbandeS. Huotand. Eine erfolgreiche Aktion der Färber in Bafel. In Basel wiesen die Handdrucker der Färberei A.-G. vormals Clavcl u. Lindemeier durch einen fünftägigen Streik den Versuch der Verschlechterung des bestehenden Tarifvertrages zurück und errangen ferner die Zusage, auf den 1. April 1914 hin einen neuen Tarif- oertrag mit Berücksichtigung der Arbeiterforderungen vorzubereiten. Ststt notwendigen Gehaltserhöhung schlüssig zu werden. Stadtv. Koblenzer.(Soz.): Der Magistrat stützt sich bei seinen Bor- chlägen auf die Beschlüsse der gemischten Deputation. Diese war sich aber auch darüber einig, daß mindestens eine Gehaltserhöhung statt- inden müsse, um die Angestellten in den Stand zu setzen, ihren Teil der Beiträge zu zahlen. Diesen Standpunkt der Deputation hat der Magistrat vergessen, freilich nicht ganz, denn er spricht ja davon, daß er evtl. später eine entsprechende Berücksichtigung„in Erwägung ziehen" wolle. Auf eine solche Vertröstung auf den St. Nimmerleinstag können wir uns nicht«inlassen; daher unsere Antrag. Der Magistrat hat uns ja eine Begründung für seinen Standpunkt gegeben, und mein Vorredner war so liebenswürdig, ie fast wortgetreu zu wiederholen und sie zu seiner eigenen zu machen. Der Magistrat meint, das Gesetz sei auf Wunsch der Angestellten geschaffen worden. Aber nur ein Teil von ihnen hatte das verlangt, derjenige Teil, der glaubte. Schaden zu nehmen. wenn er in die Invalidenversicherung einbegriffen würde. Da kann man also nicht einfach sagen: die Angestellten wollten da« Gesetz und müssen jetzt auch die Folgen tragen. Es wäre auch «in Unsinn gewesen, wenn man den Angestellten nur den Recht». anspruch gab, nicht aber die Kündigungsbeschränkung; dann hätte man sie ja jederzeit durch die Entlassung um dieses Recht wieder bringen können. Im Durchschnitt kommen an Neubelastung auf den einzelnen städtischen Angestellten 60 M.; sind denn ihre Ge- hälter alle so hoch, daß man darüber so hinweggehen kann, übt man nicht vielmehr auf diese Weise einen Druck in der Richtung einer weiteren Einschränkung der Lebenshaltung au« 7 Die Gründe de» Magistrats gegen die Befreiung wenigstens derjenigen, welche schon zehn Jahre angestellt waren, sind ebenso- wenig stichhaltig. Wir können gut« Einrichtungen nicht von dem Unverständnis derjenigen abhängig machen, die nicht fo einsichtig geworden sind, durch Weiterversicherung sich ihr« Invalidenrente zu wahren. In einem so großen Gemeinwesen wie Berlin muß man auch in der Lag« sein, die ArbeitSmöglichkeiten so zu dispo- nieren, daß man eine Person nach einer anderen Stelle diri- gieren kann, wenn an der bisherigen Arbeitsmangel durch Be- triebseinschränkung eintritt. Den Segen de» Heilverfahren» be- streiten wir am allerwenigsten; aber diese eine Tatsache kann un» nicht zu der Gesamtauffassung de» Magistrats bekehren. Wegen die Uebernahme der Beiträge der Angestellten führt der Magistrat nun da? ethisch« Moment inS Feld. Wir machen ja massenhaft in Ethik, aber mit der Ethik allein fangen die Angestellten nichts an. Diese beginnen ja auch schon, sich zu rühren; eine Versammlung der städtischen Architekten und Techniker hat sich bereit» über die angekündigte Gehaltserhöhung ausgesprochen, aber keineswegs in befriedigtem Sinne; sondern auck diese Angestellten haben die Uebernahme ihrer Beiträge auf die Stadt verlangt und ersuchen in einer Petition die städtischen Behörden darum. Auch diese Herren wollen von der Ethik nicht» wissen; sie stellen un» vielmehr einen Etat auf, welcher ersehen läßt, wie ungünstig die neue Be- lastung auf ihr« Lebensführung und den Haushalt zurückwirken würde. Sehr bedenklich erscheint un» schließlich die ängstliche Rücksichtnahme des Magistrat» auf die Privatindustrie, der man mit solchem Beispiel nicht vorangehen dürfe. In diesem Be- streben bemüht sich ja die Stadt ohnehin, möglichst noch etwas mit den von ihr gezahlten Löhnen hinter denen der Privatindustrie zurückzubleiben. Die Industrie muß aber mit solchen Dingen rechnen, sie muß sich damit abftnden. Eine ganze Reih« von Städten, die in ihrer Wohlhabenheit lange nicht an Berlin heran- reichen, hat die Frage in unserem Sinne geregelt; wenn da» bei diesen kleineren Kommunen möglich war, muß es auch der größeren Kommune Berlin möglich sein. Die entstehenden Schwierigkeiten verkennen wir keineswegs, auch nicht die damit gegebene Beschrän- kung der Freizügigkeit der Beamten; allen diesen Schwierigkeiten wäre man aber doch durch eine angenommene Gehaltserhöhung aus dem Wege gegangen. Hier aber liegt nur eine Verbeugung gegen die Beamten vor, die überhaupt nichts lostet. Erfreulicher- weise hat ja auch der Vorredner zum mindesten eine GehaltS- erhöhung für notwendig erklärt. Ich bitte Sie, unseren Antrag anzunehmen, um die Frage in würdiger Art zu lösen. Stadtv. Dr. Nathan(Fr. Fr.): Au» dem Schlußsatze der Be- gründung geht hervor, daß der Magistrat selbst das Gefühl hat, daß die hier in Betracht kommenden Angestellten in der Tat mit der neuen Auflage so belastet werden, daß dafür ein« Entschädigung «intreten muß. Ist dem so, so sollte man diese Kreise nicht auf den Nimmermehrstag vqrtrösten, sondern versuchen, ihnen schneller zu Hilfe zu kommen. Deshalb sind auch wir der Meinung,� daß in einem Ausschuß die Möglichkeiten dafür geprüft werden müssen. Stadtv. Goldschmidt iE eS 768 764 768 764 NN« NO NA still 766.® 765|Stin Octrn 2 wollig l Regen 1 bedeckt Nebel wollen! bedeckt mm ä* »1 i* w« Havaronda PelerSburg Scilly Aberdeen Pari» Sl «« t 74»! W 759 DSD 760,0 767 SB 761,3 «e«er bedeckt ÄNebel 4, wolkig Zwollcnl I bedeck! u i k 4 4 12 1 7 Wetterprognose für Freitag, de« 24. Ottober 1913. Etwa» kühler bei ziemlich srischen nördlichen Wtnde» und verinder» licher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b o r« a u. WaNerstandS-Nawrichte» der Lande» anstast für Gewästerwnde. mUgeleili vom Berliner Letterdurea» Wasserstand M e m« l, Tilsit P r e g e l, Jnlterburg W e i ch i e l, Tborn Oder, Raltbor , Krosseo , FranNutt Warth«, Schrimm , Land»berg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , varby , Magdeburg *)+ bedeutet Auch«,— Fall.—■) Ootapegri. «ASSISI A $ Unserem Genossen t Julius Basche nebst Fran 1 ® herzliche Glückwünsche zur. G � � Silberhochzeit! X Die Sanosslnnen und Genossen' ) des 63. u. 64. Bez., 2. Wahlkr. M �SsSZSSSOOGESSSck� Todes-Anzeigen Zoilalllelno�atisEbeEVablveEein !. i 8. Berl. ReiehstagswablkFeis 31m Dienstag, den 21. d. M., verstarb unser Genosse, der Maurer Max Wellnitz Wattstr. 6. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Herne Freitag, den 24. Okivber, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Himmclsahrts-Kirchhoses in Nieder- schönhausen- Nordend au» statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. UeiitSElieE Bauarbeiterverband. jewclgvereln Berlin. Am 21. Oktober starb unser Mit- glied, der Maurer Msx Wellnitz (Bezirk Oranienburger Vorstadt). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle der Himmeisahrtsgemeinde in Nieder- schönhausen- Nordend auS statt. 146/5 Der Vorstand. BentseherMetaliarbeiier-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen sur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klemvner Slsnislsus Orbanski gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 24. Oktober, nach- iniliags 2'/. Uhr, von der Leichen- balle des Städtischen Kirchhose« in Spandau au» statt. Ferner starb unser Mitglied, der Maschinensormer �osepd Lange Ruhcvlatzstr. 13 am 10. d. Ml«, an den Folgen eines Unfalles. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 24. Ottober, nachmittags 3'/, Uhr, vom Virchoiv- Krankenhaus au» nach dem Sebastian-Kirchhos In Reinicken- dors- West, Humboidlstraße, statt. Ehre ihrem Andenken k Rege Beteiligung wird erwartet. 128/10 Dld Drtsverwaltun,. DentscherTabakarbBlter-Vfirband Zahlstelle Berlin. Am 21. Ottober verstarb unser Mitglied, der Zigarettenmacher Karl Zckeerbal-tti. Ehre feinem Andenke» k Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 25. d. WtS., mittags 12 Uhr, im städttschen Krematorium in der Gericht- strafet 87 statt.' 279/19 Die OrtSverwaltung. Dentscber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe unser Kollege, der Haus- diener Aibert Trinkwitz am 21. d. Ml», im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 24. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle de« Gemeinde-Friedhose« Rummclsburg, Lückstrafec, aus statt. 69/1 Die Bezirksverwallung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner liebenFrau, unserer guten Mutter sagen wir allen Teil» nebmern, insbesondere dem Wahl- verein des 4. Kreise« und den Kollegen der 16. Rcvierinspettion der städtischen Gaswerke unseren Innigsten Dank. Oesspnr Walkovrlab 105S1 und Kinder. Tanksagnng. Anläglich der grofeen Teilnahme, die uns bei der Beerdigung meines lieben Manne«, untere» guten Vater» Lkristopd Brand »uteil geworden ist, sagen wir allen, MSbesondere den Kollegen vom Deutschen Dachdeckerverband unseren herzlichen Dank. 90a Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben VaterS August ölumentbsl sagen allen Beteiligten unseren herz- iichsten Dank. 94A Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzsvenden bei der Beerdigung meines lieben Manne« sage ich allen Freunden und Ver- wandten, sowie den Kollegen der Eisengicfeeret Siemens u. Halste meinen herzlichsten Dank. 7331 Frau Klara Strcbmel. o ffene Füsse KrampfadergeschwUie, wenn auch veralt u. hartnfick., Bcnmerz- hafte Wunden, unerträgl. Jucken heilt ohne Nachteil die mild wirkende„Oilnda-Snlbe" besonders für empfindsame Leiden. Sofort kühlend und lindernd, da frei von jeder Schärfe. Zahlreiche Erfolge!— M 1.— u. 2.50. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnst. 4 Ichch Kaftlim Arbeitskleidungs- Spezialgeschäft befindet fich jetzt Berlin Q. ftevaler Straße 8, Eckhaus Libauer Strafec, an der Warschauer Brücke. früher Rcvaler Strafte<>. �ssMndm «ntwickeli gauersloff dos Ideal Waschpulver fUr helles u dunkles Haar 1 Paket= 25 Pf. Nur echt m. d. Feuorkranz. Zu haben in Drogerien. Fritz Kratz, Berlin n. Reinickendorferstr. 119 Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1937, 9714. Sonntag, den 26. Oktober 1913, vorm. 16 Uhr: Branchen- Verfammlung der Mascliinensclilosser in den Mnsiker-Fcstsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31(großer Saal). Tagesordnung: Gründung der Maschinenschlosser-Branche. Referent Kollege W. Siering. Olm« Mitgliedsbuch kein Zutritt! Kollegen! Sorgl dasür, dafe die Versammlung gut besucht wird. Da die Gründung der Branche so notwendig ist, erwarten wir zahlreichen Besuch, Sonntag, den 86. Oktober 1913, vorm. 16 Uhr: Allg. Branchen- Versammlung der ItoNrleger und Helfer im großen Saale des Gcwerkschaftshauses, Engelufer Nr. 15. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen H. Gries über:.Die Reichsversicherungsordnung unter besonderer Berücksichtigung der Krankenkassen--. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedene«. A�wug: Gmaillierer! A�uug: Sonntag, den S6. Oktober 1913, vorm. 16 Uhr: Große Versammlung aller in den Emaillierwerken Berlins und Um- gegend beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im Gcwerkschaftshause, Engelufer 15. Saal 3. Tagesordnung: Wird der am 17. Oktober fällige erhöhte Loh« gezahlt? Sonntag, den 26. Oktober 1913, vorm. 16 Uhr: Branchen»Versammlung aller in der Metallindustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen in den SopHien-Sälen, Sophtenstr. 17/18(großer Saal), Tagesordnung: 1. Bortrag de» Genossen Dr. Breitscheld über:»DerrorismuS und Persönliche Freiheit--. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Dbne Mitgliedsbuch kein Zutritt: Tie Versammlungen werden pünktlich eröffnet und erwarten wir. daft jeder Kollege und jede Kollegin in denselben erscheint. 128/3 Die Ortsversvnltnng. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10— 12. Spezialarzt fOr Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuohung.* Schnelle, sich. Heilung. MäSige Preise. Dr. med. Wockenfnfi, Frledrlchstr. 125(Oranienb. Tor) Spreohat. v. 8— 8, Sonntage 8—10, Verwaltungsstelle Berlin. Tonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr: Pttftmnluns brrpadibrihrr n jilfsttkitn: bei Fritz Wllke, Tebasttanstrafte 39, Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Gustav Link über:..lllkie Krankefe- kassen nach dem 1. Januar 1914 unter Berück- alchtlgnng der Reich»vcr*lcherung»or Sprechzeit abends 6— 71/,. 47. t84 Bilder. Das größte Bildergeschäft Berlins Ist jetzt eröffnet worden von der Firma Bilder-Bogdan, Rofenthalerstr. 11/12. Jeder Käufer erhält bis aus wellercs ein schönes Bild gratis. 1411K* psdrrSder. Fahrradvertrteb„Groß-Berlin*, reelle und billige Bezugsquelle, Re- paraturen gewissenhaft und schnell- stenS Neue Schönhauserstraße 9, Brun- nensttaße 145, Badstraße 9, Müller« straße 13, Turmstraße 25, Charlotten- bürg, Spandauerberg 29. Kaukxesucke. Pfandscheine, Fahrräder, Näh. Maschinen, Möbel taust, beleiht höchst- zahlend Leihhaus, Jnvalidenstr. 148. Zahngebifse, Goldfachen, Silber. fachen, Platinabjälle, sämtliche Metalle höchstzahlend. Schmelzerei Christionat, Köpenickerstraße 20»(gegenüber Manteustelstraße). 111/1' Platinabfälle, Gramm 5,60. Alt- gold, Silber, Zahngebifse, Stanniol, Oueckfilber taust höchstzahlend Blümel, Schmelzerei, Äuguststraße 19 III. Goldschmelze kauft höchstzahlend sahngebisfe, alle Metalle. Witwe lieper, nur Köpenickerstraße 157. Münzen, Briefmarken kauft Groß. mann. Spandauer Brücke 2. Norden 10621. 170/20* Briefmarken- Sammlung kaust Kroßmann. Spandauerbrücke 2. Norden 10 621. 170/19' Lfntemckt. Unterricht in_ der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschnttene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erteüt. Auch werden Uebersetzungen an- eserttgt. G. Swienth- Liebknecht 'harlottenburg. Stuttgarterplatz 9 Gartenbaus III. 445t* „y,»C.f/U»lUUUCl.üCl.l{ XXi. Redakteur gesucht. Für die Redaktton der suche» wir per 1. Jannar einen geeigneten Genosten, der besonders in der Bericht- erstattung bewandert ist Ihm würde auch die Führung des RedakttonS- archivs und der provinzielle Teil der Zellung ubertragen werden. Be- Werbungen mit kurzem Bildungsgang werden bis 1. November erbeten an 292/18 Frltn Kahl, Portmnnd, Leopoldftrafte 18. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Hamburg. Die hiesige Verwaltungsstelle sucht zum baldigen Antritt ewen Bevollmächtigten zum Parteisekretär gewählten Kollegen H. K ü r b i S. 0t, mit der Agitation und den VerwattungSarbeiten durchaus an Stelle des Werber müssen vertraut sein.„ Die Anstellung erfolgt nach den Befchlüffen der Breslauer General« Versammlung(Gauleiterskala). Bewerber müssen wenigstens 5 Jahre Mit- glied des Verbandes sein. Aus der Bewerbung muß hervorgehen die bi»< hcrige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung. Dienstjabre in der Arbeiter- bewegimg werden zur Anrechnung gebracht. Die Bewerbungen find bis spätestens K. November 1913 mit der Aufschrist.Bewerbung* zu senden an H- Kürbis, Hamburg 1, Befenbtnderhos 57 II. 128/9*__ Die Ortsverwaltuug. Akademische Arbeiter-Unterrichts- kurse, 25. Oktober Hörerverfammlung. Annahme von Anmeldungen Gor- mannswaße 18 im Zenttal-ArbeitS- Nachweis. fH2 Verschiedenes. Patentanwalt Sessel, Gttfchtner- straße 94». Patentanwalt Müller, Sitfchmer straße 16. Vermietungen. Zinuner. Möblierte» Zimmer vermietet Werner, Slfenftraße 106 I. f7S Schlafstellen. Schlafstelle allein, Schlafstelle zwei Herren, Woche 3,—. Hoffmann, Dragoncrftraße 18. 2736b* Möblierte ischlasitelle für Herrn, separat, allein. Hasenheide 56, 2. Auf- gang IV links.-f-l« Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Klavierstimmer. Fast erblindeter Genosse empfiehlt fich alz Klavierstimmer. Hastewach, Neukölln, Niemetz- ftraße 10. Stellenangebote. Ein geübter Abzieher für Zink- platten wird sofort verlangt H.«er- nert, llharlottenburg, Wieland- ftraße 42. 171/36* Packerinnen, geübte, jüngere, zum Einpacken und Kontrollieren der Waren an unseren Kasten sofort g«. sucht.— Meldungen 1— 2 mittags oder 7—8 Uhr abends. A. Jandors u. Co., Belle-Allianceftraße 1—2. 15335t* KonsaniTerein für Oranienburg u. 0mg. pbiger Verein sucht zum 1. Dezember diese» Jahres einen kauttonSfähigen Geschäftsführer. Offerten mit Gehaltsansprüche» find bis zum 8. November an den Vorsitzenden de» AuffichtsratS, Herrn W. Möbius, Schützenstraße 11, zu richte«._ 107/1»* 'M JCOCt«tili.«w.( OUill/UllvllUiucti v ans.___________»»'____ MmiiMullichcr Redakteur:«Ifwfe Wiefepp, StteulöBa. gur Uta Efuftialenteil verauttv-l Th. Glocke. Lerlm. Druck u.«erlag:Lorwart««uchdruckere» u. BerlagSanftaU«aut Ginger u.te* BtOtoSM Ar. 279. 30. Iahrgllvg. 2. Knlqe Ses Lmilrls" Knlim Freitag, 2i. Oktober 1913. Partei- Hngelccfenbcitcn. Ha die Parteigenossen Berlins n»d der Provinz Brandenburg Diitte November erscheint wieder eine neue Lokalliste. Wir ersuchen daher, alle Aenderungcn dezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonnabend, den!. November, an die nachverzeichneten Kom> mijsionsmitgliedcr gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Franz Lucht, SO. 36, Liegnitzer Straße 43. Für den II. Wahlkreis an den Genossen R. Reinhardt, S. 59, Urbanstraße 67. Für den III. Wahlkreis an den Genossen Gustav Müller, SO. 36, Grünauer Straße 26, IV. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Franz Beyersdorf, O. 34, Litauer Straße 14. Für den V. Wahlkreis an den Genoffen Albert Hahmsch, C. 54, Luguststr. 51, III. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Solomon Joseph, NW. 21, Stromftr. 36. Für Nieder-Barmm an den Genoffen Ernst Werkmann, Friedrichshagen, Köpenicker Straße 18. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Neukölln, Neue Jonasstr. 38, IV. Für Potsdam-Oschavelland an den Genossen Karl Kasmirzak, Spandau, Elisabethstr. 1. Für Ober-Barnim an den Genossen Karl Schindhelm, Ebers» Walde, Breite Straße 59. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal liste durch die Borsibenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lokalangelcgenheiten für Groß» Berlin dem zu. ständigen Kommissionsmitgliede. für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weilen wir wiederholt auf den in den Lokalkonferenzen der Wahlkreise so oft gefaßten Beschlutz hin, wonach die örtlichen Kommisfions Mitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises «inen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor. gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu. schreiben. Alle nach dem 1. November einlausenden Meldungen konnen nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommisfion: Albert Hahnisch, C. 54, Auguststraße 61. Zweiter Wahlkreis. Heute abend letzter Bortrag über„Jmpe- rialismus und Militarismus". Anfang pünktlich SVa Uhr. Um zahlreichen Besuch bittet Der Bildungsausschuß. Dritter Wahlkreis. Heute Freitag, abend» 7 Uhr, findet eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Pflicht der Genossen und Genossinnen ist es, sich zahlreich in den bekannten Lokalen ein- zufinden. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. 37. und 38. Kommunalwahlbezirk, 1., 5. und 6. Kreis(Hansa-, Luisen- und Kriminalgerichts-Viertcl): Sonntag, den 26. Oktober: Wichtige Flugblattverbreitung. Die Genossen der 13., 14. und 20. Abteilung werden ersucht, in den ihnen zugeteilten Bezirken zu helfen. Die Genossen und Genossinnen der 21. Abteilung er- suchen wir, sich rege. an der Handzettelverbreitung am Sonn- tag vormittag 8 Uhr von den bekannten Lokalen aus zu be- teiligen._ Charlottcnburg. Am Sonntagmorgen 8 Uhr findet eine Flug- blattverbreilung zur bevorstehenden Stadtverordnelenwahl statt. Wir bitten die Genossen, pünktlich zur Stelle zu sein. Bohnsdorf und Umgegend. Am Montag, den 27. Oktober, abends pünktlich 8'/� Uhr, findet in der Villa Kahl der dritte Vortrag des Genossen Wilhelm Pieck über: Der praktische Teil des Partei- Programms.Unsere Stellung zum Militarismus und zur Kolonial- Politik" statt. Gleichzeitig weisen wir aus den am Sonnton im selben Lokale stattfindenden Kunstabend hin. Mitwirkende: Frl. Marie Schips- mann(Rezitationen). Herr Kurt Lietzmann(Lieder zur Laute). An- fang nachinittags 6 Uhr. Eintrittskarten a 30 Pf. sind zu haben beim Kassierer W. Franz. ParadieSstr. 4, und dem Genossen Molkenthien, Eichwalde, Kaiser-Friedrichstr. 7. Tegel. Am Sonnabend, den 25. Oktober, abends 8 Uhr, findet in Travps Festiälen(Jnh. Ziegs), Bahnhosstr. 1, der vierte Vortrag des LichtbilderkursuS:„Entwickelung des Tierreiches und Abstammung des Menschen" statt. Bortragender: Herr M. H. Baege. Ende des Vortrages 19 Uhr. Nachdem Tanz. Eintrittskarten an der Kasse 20 Pf. PeterShagen-Frcdersdorf. Am Sonntag, den 26. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, bei Wolters(ForsthauS): Oeffentliche Ver- f a m m l u n g. Mühlcnbeck. Am Sonnlag. den 26. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokale.Zur Sonne"(Jnh. Adolf Barsch): Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteilag in Jena (Martha A r e n d s e e). 2. Bericht aus der Gemeindevertretung lGcmeindevertreter A. B ä r s ch). 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Ver- schiedenes.__ Berliner Nachrichten, Aus der Stadtverordnetenversammlung. Für die von der Stadt Berlin beschäftigten An- gestellten mit Privatdien st vertrag soll jetzt die Frage der Angestelltenversicherung geregelt werden. Eine gemischte Deputation hatte längere Zeit darüber beraten und dann ihre Vorschläge gemacht. Was der Magistrat nunmehr den Stadtverordneten mit dein Er- suchen um Zustimmung vorlegt, dürfte in den Reihen der Angestellten nicht viel Freude wecken. Gegen die Absicht, den Angestellten die Zahlung ihrer Beitragshälfte aufzuerlegen, wendet sich� die sozialdemokratische Fraktion. Sie beantragt, daß die Stadt die Zahlung des vollen Beitrages über- «hmen soll. Genosse Koblenzer, der gestern den Antrag begründete. zerpflückte die.ethischen" Gründe des Magistrats. Redner der bürgerlichen Fraktionen erklärten, daß sie für die Angestellten der Stadt viel Wohlwollen empfinden. Zinn, das kennt man ja. Ob der Antrag unserer Genossen eine Mehrheit finden wird, muß man abwarten. Er wurde samt der Vorlage einem Ausschuß überwiesen. Zur Kenntnisnahme überreichte der Magistrat die Mit- teilung, daß er auf eine andere Regelung der Zulassung von Arbeitslosen zu den G e w e r b e g eri ch ts- Wahlen hinwirken will. Er wünscht, daß der Polizeipräsi- dent künftig die Polizeireviere anweist, die Wahllegitimation all' den Arbeitslosen noch auszustellen, die nicht seit mehr als 6 Wochen vor Bekanntmachung des Wahltermins arbeitslos sind. Gegenüber dem bisherigen Zustand— man erinnert sich der Debatten, die darüber im vorigen Jahre in der Stadtverordnetenversammlung geführt wurden— ist auch das noch kein großer Fortschritt. Genosse Brückner hob hervor, daß auch so noch sehr viele Arbeitslose um ihr Wahlrecht kommen müssen. Die sozialdemokratische Fraktion wird zu gegebener Zeit entsprechende Anträge stellen, die auf Er- Weiterung des Kreises der zuzulassenden Arbeitslosen abzielen. Das russische Fleisch. Der Vertrieb des durch die Stadt bezogenen russischen Fleisches hat gestern morgen, wie bereits gemeldet, wieder begonnen. Es ivaren 273 Rinderviertel, 130 Schweine und 15 Kälber aus Rußland eingetroffen, von denen Charlotten- bürg 2 Rinderviertel und 3 Schweine übernommen hat. Der Berkauf fand an 160 Stellen und zwar bei 40 Ladenschlächtcrn und an 120 Markthallenständen statt. Das Fleisch sah recht gut aus und fand schnell Absatz. Einzelne Stände waren schon im Laufe des Vormittags geräumt. Vom städtischen Wohuungsamte. Gestern tagte unter dem Vorsitz des Stadtrats Fischbeck die Deputation für das Wohnungswesen. Der Vorsitzende führte zunächst den vom Magistrat zum Direktor des Woh- nungsamtes gewählten Dr. phil. Laporte in sein Amt ein. Die Deputation beschäftigte sich dann mit der Wahl von Wohnungsinspektoren und-inspektorinnen sowie Wohnungs Pflegern und-Pflegerinnen für das Amt. Ferner gab der Direktor einen eingehenden Bericht über die bisherigen organt satorischen Arbeiten für die praktische Ausführung der Woh- nungsinspektton. Die Bezirke der Wohnungsinspektionen für das gesamte Stadtgebiet, das in 10 Teile zerlegt werden soll, wurden festgesetzt. Ebenso wurde die Zahl die Mitglieder für die 118 Wohnungskommissionen bestimmt. Außerdem ivurdc beschlossen, mit denjenigen Vereinen, welche auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge für das Wohnungs- und Gesundheits- Wesen in Berlin tätig sind, in Verbindung zu treten, um eine möglichst einheitliche Arbeit zu organisieren. Der gröstte Strastenbahnhof der Welt. Der neue Bahnhos der Großen Berliner Straßenbahn in Berlin- Lichtenberg, der 21. den die Gesellschaft im Betriebe hat, übertrifft alle seine Vorgänger an Größe. Die Halle ist 200 Meter lang und über 100 Meter breit; sie kann bei völler Besetzung 500 Wagen gleichzeitig aufnehmen, die aus 26 uebcneinanderliegenden Glesien aufgestellt werden. Dieser Fassungsraum macht den Straßenbahnhof zum größten seiner Art. Man würde jedoch sehlgehen, wenn man sich diesen reinen Nutzbau in seinem Aussehen nüchtern oder düster vorstellen wollte. Bielmehr ist aus Gefälligkeit und nettes Aussehen Wert gelegt worden. Schon der weite Vorplatz, auf dem alle Rangierbewegungen vorgenommen werden, erhält durch den gärtnerischen Schmuck zwischen den Gleisen ein freundliches Aus- ehen und die langgestreckte Fassade der Halle mit ihren vielen Ein- ohrten aeben diesem Bilde einen gefälligen Hintergrund. Die Halle elbst überwältigt beim Eintritt durch ihre fast unübersehbaren Dimensionen und überrascht durch die Lichtfülle, die aus den Ober- lichten hereinströmt. Im Vorderteile sind unter den Gleisen die Arbeitsgruben untergebracht, in denen sich die Schlosser zur Revision der Untergestelle und Motoren unter den Wagen bewegen. Diese Gruben sind so tief, daß darin ein Mann aufrecht stehen kann. Sie stehen untereinander in Verbindung, so daß man von einer in die andere gelangen kann, ohne aus das Hallenniveau hinauf- steigen zu müssen. Das luftige Dach der Halle wird von einer überaus leicht wirkenden und doch soliden Elsenkonstruktion getragen. An der rechten LängZwand der Halle sind Werkstätten, Wirtfchafts- räume, Magazine und Aufenthaltsräume für das Personal unter« gebracht, die bei dem reichlich zur Verfügung stehenden Platz gleich- älls geräumig und hell ausgefallen sind. Auf dem Vorraum sind dann noch in einem schmucken Bau die Bahnhofsbureaus, Säle für Schaffner und Fahrer und eine geräumige und freundliche Kantine untergebracht. Der vollen Besetzung des Bahnhofs entspricht ein Personal von etwa 2000 Mann. Am Mittwochabend hatte die Direksion die Vertreter der Presse zu einer Besichtigung geladen, beider gleichzeitig eine neue Schutzvorrichtung vorgeführt wurde. Es handelt sich uni eine selbsttätige Fang» Vorrichtung, welche die Frucht einer Kombination von in London und Wien eingeführten Schutzvorrichtungen ist. Demnächst sollen 2000 Wagen mit diesem Schutze ausgerüstet werden. Das lange Zögern in dieser Frage wurde von der Direltion damit begründet, daß die bisherigen Erfindungen aus diesem Gebiete sehr mangelhaft gewesen seien. Das durste aber nicht dazu führen, gar nichts zu tun. Das lag weder im Interesse des Publikums, noch im Interesse der Gesellichast. die ja für entstandene Schäden hastbar ist. Auf dem Babnbof regt sich in nächtlicher Stunde das Leben. Wagen auf Wagen kehrt heim. Die weite, gut beleuchtete Halle füllt sich. Die„tranken" Wagen werden sofort der Reparatur unter- zogen, während die Schaffner zur Abrechnung eilen und nach ihrer Abfertigung ihrer Bchaujung zutraben. Ein„rausgeschmissenes" Dienstmädchen. Viel besprochen wird im Hause Gneisenaustr. 83 ein Auftritt, der für das Dienstmädchen einer dort wohnenden Familie Block übel geendet hat. Das Mädchen hatte den Dienst bei dem Ehepaar Block bereits seit Januar dieses Jahres, so daß eigentlich eine die Herrschaft befriedigende Brauchbarkeit zu vermuten war. Mitunter hörte man aber aus der Blockschen Wohnung recht grobe Schimpfworie. mit denen das Mädchen belegt wurde. Auch fiel auf, daß die erst Sechzehnjährige oft abgehetzt aussah. In letzter Zeit soll Frau Block mehrfach geäußert haben, sie werde sie„rausschmeißen". Schließlich kam es dann zu einem sehr eigenartigen.Rausschmiß", den die Mutter der Frau Block besorgte. Die Mutter, eine Frau Köhler, wohnt nicht bei dem Ehepaar Block, sie geht aber dort ein und aus. Auch sie be- teiligte sich an den Zurechtweisungen des Mädchens und zeigte sich sehr ungehalten, wenn ihr etwa» nicht nach Wunsch ausgeführt schien. Am vorigen Freitag, als ihr wieder mal etwas nicht recht gemacht war, packte sie das Mädchen am Arm und„schmiß" es aus der Küche auf den Treppenflur hinaus. Hausbewohner hörten dann Lärm und einen Knall wie von einer zuschlagenden Tür, so daß sie, ärgerlich über die Störung, herbeieilten. Sie fanden das Mädchen aus dem Flur am ummn End« der Trepp»—%\t Blocksche Wohnung liegt im Parterre— kauernd an der Hoftür und klagend über Schmerzen am Kopf und am Leib. Was war geschehen? Als ein herbeigerufener Schutzmann das Mädchen hinaufführte, sagte Frau Köhler:„Ich habe s i e r a u s g e s ch m i s s e n. Dafür, daß sie die Treppe runtergefallen ist, kann ich nichts." Die Angaben, die das Mädchen über den H«gcuig machte, veranlaßten die Polizei, einer Prüfung der Angelegenheit näherzu- treten. Das Mädchen wurde übrigens nicht in der Wohnung der Herrschaft belassen, sondern durch den Schutzmann in einer Droschke nach dem Urban-Krankenhaus gebracht. Dort ergab sich eine Wunde am Kopf, die wohl von dem Fall gegen die Hoftür herrührte, so- wie eine Bauch muSkelquetschung, die das Mädchen bei dem „Rausschmiß' schon in der Küche erlitten zu haben meint. Verhaftung eines Schwindlers. Die Steglitzer Kriminalpolizei verhaftete gestern den angeblichen Direktor Albert Huster wegen einer großen Reihe von Schwindeleien, die er in den verschiedensten Städten Deutschlands und auch in Groß-Berlin begangen hat. Die Spezialität des immer sehr würdig aussehenden und gewandt auftretenden Direktors waren Schwindeleien in Hotels und in Engrosgeschäftcn. Es hat sieb herausgestellt, daß er in den letzten Monaten sozusagen (janz Deutschland gebrandschatzt hat. Er wurde daher von den ver- schiedensten Gerichtsbehörden gesucht; es war jedoch nicht möglich, seiner habhaft zu werden, da er sich meist auf„Geschäftsreisen" be- fand. Huster hatte vor kurzem eine Wohnung in der Poschinger- straße 14 zu Steglitz bezogen, wo ihn sein Schicksal nunmehr ereilt hat. Ein schwerer Diebstahl ist in Rosenthal bei Reinickendorf aus- geführt worden. Während der dort in der Schillerstraße wohnende Polizeisekretär Schreibvogel an der Hochzeit seines Sohnes teilnahm, drangen Diebe in das völlig isolieri liegende Haus, schleppten den Geldschrank aus ein nahe gelegenes Feld und sprengten dort die Tür. In dem Geldschrank befanden sich eine größere Summe Geldes, Schmucksachen und Wertpapiere. Nach den bisherigen Ermittlungen hat der Transport des Geldschrankes den Dieben viel Arbeit ge- macht. Nach anscheinend vergeblichen Versuchen, den schweren Schrank durch die Tür und das Treppenhaus auf die Straße zu schaffen, ließ man ihn vermutlich durch das Fenster herab. Bon den Tätern, die sich jedenfalls eines Gespanns bedient haben und mit den örtlichen Verhältnissen vertraut gewesen sein müssen, fehlt bis jetzt noch jede Spur.___ Aus der Konsumgenossenschaft. Der GenossenschaftSrat der Konsumgenossenschaft hat sich in zwei Sitzungen mit dem Geschäftsbericht für 1912/13 beschäftigt. Es wurden verschiedene Anregungen und Wünsche vorgetragen, die vom Borstande teils zustimmend, teils ablehnend behandelt wurden. Der Generalversammlung soll die Abänderung zweier statutarischer Be- stimmungen empföhle» werden. In einein unS von der Verwaltung zugesandten Bericht heißt es: Nach§ 2 des Statuts kann die Konsumgenossenschaft die Waren, die sie in ihren Produktivbetrieben herstellt, auch an Nicht- Mitglieder verkaufen. Sie hat seither davon fast gar keinen Gebrauch gemacht, nur an einige Kantinen wurde Selter abgegeben. Nun trat aber am 1. Oktober d. I. das Reichsstempel- steuergesetz in Kraft, welches besagt, daß die Genossenschaften, die ihren Geschäftsbetrieb über den Mitgliederkreis hinaus ausdehnen Ivollen, für jedes ncueiutreteiide Mitglied mindestens 10 M. Stempel- steuer zu bezahlen haben. Diese Steuer würde die Konsum- genossenschast ungeheuer belasten. Da sie in ihren ProduksivbetrieKn vollauf beschäftigt ist, um die Waren für ihre Mitglieder herzustellen, hat sie gar keinerlei Interesse, den Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus zu erstrecken und wurde deshalb von Böi: Statutenberatungskommission vorgeschlagen, den letzten Absatz im § 2 des Statuts zu streichen. Ferner hat sich ergeben, daß die dem Aufsichtsrat der Genossentchaft obliegenden Arbeiten sich so vermehrt haben, daß sie von den 15 Personen nicht mehr bewältigt werden können. Die StatutcnberatungSkommission schlug deshalb vor, die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder auf 18 zu erhöhen. Außerdem wurden auch in diesem§ 14 noch einig« redaktionelle Len- dernngen beantragt. Beide Vorschläge der Stawtenberatuuas- kon, Mission wurde» einstimmig akzeptiert und im Verfolg dieses Beschlusses wird die am 29. Oktober stattfindende Generalversamm- lung 9 Aufsichtsratsmitglieder zu wählen haben, und zwar v für die turnuSgemäß ausscheidenden, ein Mitglied hat fem Mandat niedergelegt, weil es geschäftlich verhindert ist, den Posten weiter auszuführen, und drei sind neu zu wählen. Außerdem hat sich der GenossenschaftSrat mit mehreren dor- liegenden Anträgen zu beschäftigen, u. a. auch mit dem, daß die Verkaufsstellen ununterbrochen von morgens 8 bis abends 8 Uhr, Sonnabends bis 9 Uhr offen gehalten werden sollen. Die An- tragsteller sowie sämtliche DiskujsionSredner betonten ausdrücklich, daß sie nicht etwa die Mittagspause der Angestellten verkürzt wissen wollen, sondern sie wünschen nur deshalb über Mittag geöffnet. um den Arbeiterfrauen die Möglichkeit»u geben, in der Mittagsstunde ebenfalls Waren einholen zu können und glauben, daß damit der starke Andrang in den Abendstunden etwas zurückgedrängt werden könnte. Der Antrag wurde der Verwaltung überwiesen, weil, wie von der letzteren erklärt wurde, diese Aende- rung Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Gewerkschaften bedingt. Von allgemeinem Interesse ist die Stellungnahme de« Genossen- schaftSratS zu dem Konflikt„Verlagsgesellschaft kontra Buchdrucker". Es lag dazu folgende Resolution vor: „Die Versammlung nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis. daß es Genosse Kaufmann als Leiter der VerlagSgesellschast deutscher Konsumvereine fertiggebracht hat, den vor allen Jnstauzeu erledigten Konflikt in der Verlagsdruckerei in scharfmach«ischer Weise in der Versammlung der Unternehmerorgamsation gegen die organisierten Buchdrucker ausschlachten zu lasse« und in Be- meinschaft mit dem technischen Leiter der Verlagsdruckerei, Stein- Horst, dabei tätig mitzuwirken. Die Versammlung fordert von den AufstchtSinstanzen der Berlagsgesellschast, daß den Leitern diese? Unternehmen», welches dem Solidaritätsgedanken der organisierten Arbeiterschaft sew Vnt- stehen verdankt, klar gemacht wird, daß sie kein Recht haben, die Genossenschastsbewegnng durch ihr arbeiterfeindliches Verhalten fortgesetzt zu diskreditieren. Die Versammlung hat weiter kein Berständni« dasttr, daß die Leiter eines Arbeiterunternehmens Mitglieder einer Unternehmer- organisatton sind und sogar hervorragend tätigen Anteil an deren arbeiterfeindlichen Bestrebungen nehmen." In einer längeren Debatte wurde das Verhalten Kaufmanns von keiner Seite verteidigt, wen» auch die Meinungen über Einzel« heiten der Resolution auseinandergehen mochten. Die Resolution wurde gegen drei Stimmen angenommen. Dtr„Männrrchor Ost", M. d. A.-S.-B., Chormeister(5. Thilo, gibt am Sonntag. 26. Oktober, im großen Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain sein Herbstkonzert. Als Mitwirkende find das Berliver KonzerthauSorchester unter persönlicher Leitung des Komponisten Franz v. Blon und der Konzertsänger Eugen Brieger(Bariton) gewonnen. Zur Aufführung gelangen neben den Orchesterstücken Ouvertüre„Egmont" von Beethoven, Ouvertüre zur Oper„Rienzi" von Wagner, Ouvertüre zu Shakespeares„Ein Sommernachtstraum" von Mendelssohn, Feierliche Ouvertüre„1912" von Tschaikowski, Männerchöre von Dietze. Kann, Mücke, Bothe, Zelter, Kurz, Schubert und Wagner, letztere mit Orchesterbegleitung. zur Aufführung. Anfang pünktlich 6 Uhr. Programm und Liedertexte 60 Pf., an der Kasse 76 Pf. Kinder unter S Jahren haben keine» Zutritt. Kleine Nachrichten. Aus Furcht bor völliger Erblindung hat der 81 Jahre alte Rentenempfänger Bode aus der Lhchener Straße 26 sich erhängt.— Am Goldfischteich hat sich ein Mann vergiftet, bei dem Papiere auf den Namen Heinrich Kalma gefunden wurden.— Ins Wasser gegangen ist ein Mädchen Elisabeth Frenze!, da-Z in der Kopenhagener Straße wohnte. Seine Leiche ist noch nicht gefunden. — Schwierigkeiten macht die Feststellung zweier Männer, die in der Königsheide bei Adlershof und in der Jungfernheide erhängt aufgefunden wurden. Der erste ist ein Mann von etwa 40 Jahren. Er ist 1,65 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und Glatze und einen rotblonden Schnurrbart und trug einen grüngestreiften Jackettanzug. einen weißen Kragen mit schwarzem Schlips,' schwarze Schnürschuhe und einen schwarzen, steifen Hnt. Nach Papierschnitzeln, die man in seinen Taschen fand, scheint er Reichel zu heißen. Der zweite, dessen Leiche nach der Halle in Plötzensee gebracht wurde, ist ungefähr 56 Jahre alt, etwa 1,70 Meter groß, hat graumeliertes Haar und einen rotblonden Schnurrbart und trug eine graue Mütze, eine grüne Sommerjoppe, eine dunkelgestreifte Hose, eine graue Wolljacke und Gummizugstiefel. Am rechten Knie hat er eine alte Operation? naxbe.__ Torort- J�admcbten« Tharlottenburg. Die Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl nahm die Wahlvercins-Mitgliederversammlung am 21. Oktober im Volkshause vor. AIS NichtHausbesitzer wurden aufgestellt in der ersten Gruppe Genosse Richter, in der zweiten Gruppe Genosse Gebert, in der vierten Gruppe Genosse R o s e n t h a l, in der fünften Gruppe Genosse S ch a r n b e r g, in der achten Gruppe Ge- nosse Z a e i n. Als Hausbesitzer wurden aufgestellt in der ersten Gruppe Genosse AhrenS, in der dritten Gruppe Genosse Bade, in der sechsten Gruppe Genosse Klick, in der siebenten Gruppe Genosse Hirsch, in der achten Gruppe Genosse Vogel. In der ersten und zweiten Abteilung wurde in allen Abteilungen der Genosse Hirsch als Zählkandidat aufgestellt. Hierauf gab der Genosse T h i e l i ck e- Wilmersdorf den Bericht vom diesjährigen Parteitag. Er verteidigte die Zustimmung der Teltow-Beeskower Delegierten zur Massenstreikresolution des Parteivorstandes. Die bedeutungsvollste Tat des letzten Parteitages sei die Kundgebung für die Arbeitslosenversicherung gewesen. Die Stenerfrage bedürfe noch gründlicher Erörterung in der Partei. Bei der Behandlung der Wehr- und Deckungsvorlagen habe die Fraktion recht gehandelt. Rur in der Maifeierfrage sei er, Referent, mit dem Parteitag nicht ein- verstanden. Man hätte bei dem Beschlüsse des Nürnberger Partei tages bleiben sollen. Die Maifeier sei jetzt derartig verfahren, daß besser Schluß mit ihr gemacht werde. Die Diskussionsredner Hähn, Striemer, D ü w e l l und Ohlhoff stellten sich sämtlich auf den Standpunkt der Opposition auf dem Parteitag. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Genosse Seifert gab noch den Kassenbericht. Aus ihm ging hervor, daß die Zahl der verlausten Beitragsmarken erfreulicherweise zugenommen hat. Schöneberg. Den Auftakt zu den bevorstehenden Kommunalwahle« bildete eine gutbesuchte öffentliche Versammlung im„Schwarzen Adler�, in welcher Genosse Molkenbuhr referierte. Der Redner beleuchtete in großen Zügen die Bedeutung des kommunalen Lebens namentlich für die werktätige Bevölkerung. Er glossierte das mehr als sonderbare Verhalten der Liberalen zu der angeblich schlechten Finanzlage Schönebergs. Früher hätten die Gemeinden nur die Interessen des Grundbesitzes vertreten, das Armen- und Schulwesen sowie andere wichtige Zweige sozialer Fürsorge seien völlig als Nebensache betrachtet worden. Das sei anders gewprden in dem Augenblick, als die Sozialdemokratie sich Eingang in die kommunalen Keriretungen verschafft, habe. Auf dem Gebiete der Schwangeren- und Säuglingskürsorge, des Schulwesens, der Arbeitslosenfürsorge, des Verkehrswesens, der Speisung bedürftiger Kinder usw. hätten die sozialdemokratischen Vertreter in der unermüdlichsten Weise ge wirkt. Die Ausführungen MolkenbuhrS wurden mit regem Interesse verfolgt und am Schluß durch lebhaften Beifall belohnt. In der Diskussion betonte Genosse K ü t e r, daß im Jahre 1308 die Sozialdemokratie nur durch zwei Genossen im Stadtparlament vertreten gewesen sei. Seit dieser Zeit hätte sich die Zahl unserer Vertreter ständig vermehrt; sie sei auf 5, dann aus 3 und bei der letzten Wahl auf 13 gestiegen. Wenn die Wähler bei den kommenden Wahlen am 3. November völlig ihre Pflicht tun, sei es möglich, den sozialdemokratischen Einfluß auf das kommunale Leben weiter zu stärken. Bei diesen Wahlarbeiten könnten auch die Frauen gute Wahlhilse leisten. DeS weiteren betonte Küfer, daß die Liberalen im 8, Bezirk einen Renommierarbeiter, den Modelltischler Arenstedt, aufgestellt hätten, um denselben zu gewinnen. Zum Schluß forderte Genosie Hosfmann die Versammelten zun« Anschluß an den Wahlverein sowie zum Abonnement auf den„Vorwärts* auf. Lichterfelde. Zur Krankcnkassenwahl werden die Delegierten der Gewerkschaften gebeten, ihre Adressen zur Aufstellung der Wählerliste unverzüglich an den Obmann des Gewerkschaftskartells Peter Moeckel, Stukkateur, Lichterfelde, Marschnerstr. 2 III, einzusenden. Mosenthal. De« Bericht vom Parteitag erstattete in der Versammlung des Wahlvereins Genosse Schwarzburger- Ober-Schöncweidc. An seine Ausführungen knüpfte sich eine lebhafte Diskussion. Sämtliche Redner erklärten, mit den Ergebnissen des diesjährigen Parteitages nicht zufrieden zu sein. Weder die Masscnstreikfrage noch die anderen großen Fragen seien in richtiger Weise behandelt worden; nur indem Puirkte der ArbcitSlosenfürsorge wurde dem Parteitage vollste An- erkennung gezollt. Debatteredner waren Genosse Grämatke, Gc- nosfin Haeske, Genossen Plagemann und Kretke. In seinem Schlußworte stimmte Genosse Schwarzburger den einzelnen Rednern zum Teil bei.— Nachdem alsdann Genosse Tietze zum Mitglicde des Bildungsausschusses und Genosse Wilgrubs als Revisor gewählt wurden, berichtete Genosse M i l b r o d t über die Verhandlungen betr. Einsuhr des russischen Fleisches. Er habe als einziger Delegierter von Nosenlhal an den Verhandlungen im Berliner Rathause teil? genommen, trotzdem der Schöffe Biernath ebenfalls von der Ge- meindevertretung delegiert war. Die Einführung des russischen Fleisches sei gesichert, nur müsse- die nächste. Gemeindevertretersitzung ihre Zustimmung geben. Dadurch trete aber bedauerlicherweise eine Verzögerung von etwa drei Wochen im Beziige de-s Fleffches ein. Wöchentlich sollen vier Schweine und ein Rind zum Verkauf kommen. Schlächtermeister Gahl hat sich bereit erklärt, den Verkauf zu übernehmen. Am Schluß der Versammlung ersuchte der Vor- sitzende, zu dem am Sonnabend, den 25. Oktober, in, Lokal von Gustav Milbrodt stattfindenden Stiftungsfest, bestehend in hoch- und plattdeutschen Vorträgen, Konzert und Ball, zahlreich zu erscheinen, zumal es das einzige Wintervergnügen ist, welches der Wahlverein veranstaltet. Spandau» Eine gutbesuchte öffentliche Komiuuualwählerversammlung, die sich mit den am Montag, den 3. November, stattfindenden Stadtverordneten Wahlen der dritten Abteilung beschäftigte, tagte am Dienstagabend bei Köpnick. Das einleitende Referat über die Wichtigkeit der Beteiligung an den Stadtverordnetenwahlen hatte Stadtverordneter Genosse Grauer- Lichtenberg übernommen. Redner schilderte in eingehender Weise die vielen Fragen, welche die Kommunen zu lösen haben, wobei die bürgerlichen Stadt- verordneten, soweit es sich um die Volksschule und die Arbeitslosen regelmäßig versagten. Unserx bürgerlichen Kommunalpolitiker ständen diesen Fragen nicht nur ratlos gegenüber, sondern begegneten ihnen oft noch mit Hohn und Spott. Aber auch als Arbeitgeber spiele die Kommune eine wichtige Rolle, sie könne durch Vergebung von Notstandsarbeiten viel zur Linderung der Arbeitslosigkeit beitragen. Der Referent ersuchte am Schluß seines mit. Beifall aufgenommenen Vortrage« die Erschienenen, trotz des schändlichen DrekklaffenwahlrechtS mit aller Wucht in den Wahl- kämpf zu treten, damit am Tage der Wahl unser Zentralorgan be- richten könne, die Spandauer Genossen haben einen glänzenden Sieg errungen, Den Tätigkeitsbericht der sozialdemokratischen Fraktion erstattete Stadtverordneter Genosse Pieck, aus dem folgendes erwähnt sei: Wenn es auch der kleinen Fraktion nicht oft gelungen fei, eigene An- träge durchzubringen, so seien doch die geschaffenen sozialen Einrich- tungen dem dauernden Drängen derselben zu verdanken. Schul- ärzte seien erst nach jahrelangen Bemübungen angestellt worden. Der erste im April d. I. gegebene Bericht lautete geradezu ber- nichtend über die Kgl. Arbeiterkolonir Haselhorst, weil dort nach der aufgestellten Statistik die meisten kranken Kinder waren. Auf Antrag unserer Fraktion sei auch eine Erhebung darüber angestellt worden, wieviel Schulkinder ohne warme? Frühstück zur Schule kommen. Ein Rektor habe die Schuld, weshalb 67 Kinder ohne Frühstück zur Schule kommen, zum größten Teil auf die Faulheit der Eltern und Kinder zurückgeführt. Endlich feien auch für eine Schulzahnklinik 4000 M. bewilligt worden. Leider sei eS der Fraktion trotz wieder- holt gestellter Anträge bisher nicht gelungen, durchzudrücken, daß die aus allgemeinen Mitteln erbaute Jubiläumsturnhalle auch der Freien Turnerschaft zur Verfügung gestellt werde. Eine kleine Besserung sei bei der Benutzung der Rednerhalle auf dem Friedhof eingetreten. Früher mußten die Leichen der ohne Pfarrer beerdigten Genossen aus dem Keller der Leichen- Halle geholt werden und die Polizei wohnte hoch zu Roß der Be erdigung bei, wobei es bei der Beschlagnahme von roten Schleifen wiederholt zu unliebsamen Szenen kam. Heute würden die Leichen aus der Rednerhalle geholt, durchgeführt müsse aber noch werden, daß auch die Redner der Freireligiösen Gemeinde in der Halle reden dürfen. 50000 M. wurden von den Stadtverordneten für Anlegung eines Spielplatzes für den Jungdeutschlandbund und andere pairio tischen Jugendvereine bewilligt, unsere Jugend aber werde von der Benutzung des Spielplatzes ausgeschlossen. Auf der städtischen GaS anstalt feien heute noch Arbeiter, welche angestrengt 12 Stunden arbeiten müssen, aber nur 11 Stunden bezahlt erhalten. Dem Antrag, daß Stadtverordnete und Dlagistratsmitglieder fich nicht an städtischen Submissionen beteiligen dürfen, ständen die bürgerlichen Stadtverordneten hohnlächelnd gegenüber. Jeder einzelne, der bessere Zustände herbeiftlhren wolle, müsse für die Kandidaten der Sozialdemokratie stimmen. In erster Linie müsse der Kampf gegen die Kommunale Vereinigung geführt werden; sei eS doch der Stadtverordnete Katte gewesen, der im Auftrage dieser Fraktion sich gegen die Einführung der Arbeitslosenversicherung aus gesprochen und dabei erklärt habe, die Versicherung würde nur dahin ühren, daß der fleißige Arbeiter für den faulen Arbeiter mitbezahlen müsse. In der hierauf folgenden Diskussion wandten sich die Genossen p p o l d t und Reich gegen Mißstände in städtischen Betrieben Genosse Willi I a h n k e ersuchte am Schluß der Versammlung da- rum, die ganze Kraft einzusetzen, damit wir als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen. Eine Pulverexplosion fand gestern vormittag nach 11 Uhr in der königlichen Pulverfabrik statt. Dabei erlitt ein Arbeiter aus Charlotlenburg schwere Brandwunden am ganzen Körper. Wie uns berichtet wird, soll der Schwerverletzte, der sich vor Schmerzen auf dem Rasen umherwälzte, längere Zeit, bis nach Ablöschen des Feuers sich selbst überlassen geblieben sein. Hierauf sei er auf einem zweiräderigen Karren nacki dem städtischen Krankenhause über- geführt worden, trotzdem dortselbst ewige Krankenwagen vorhanden -ind. Wir können im Augenblick nicht nackpriisen, ob die uns als , erbürgt bezeichneten Angaben völlig zutreffen. Wäre das der Fall, o müßte ein solches Verhalten der verantwortlichen Personen in der schärfsten Weise gemißbilligt werden. Sitzungstage vo» Stadt- und Gemeindevertretungen. Neu>Zitta«(Kr. BeeSkow). Heute Freitag, abends 8 Uhr, im.Goldenen Anlcr". Diese Sihungni sind öffentlich. Jeder Semeindeangehörige t» be- rechtigt, ihnen i,l» Zuhörer beizuwohnen. Gerichts-Zeitung. Friedrichshagener Polizei. Uebereifer und Schneid igkeit von Polizisten führten in Friedrichs- Hagen in der Nacht vom 23. zum 24. August zu einem bösen Auftritt. Gestern hatte das Amtsgericht Köpenick den Sachverhalt zu prüfen in der Perhandlung einer Anklage, die gegen vier Einwohner Friedrichshagens. einen Maurer Kretzschmar, einen Maurer Palm, einen Arbeiter Buchholz und einen Schuhmacher Berndt, erhoben worden war. Beschuldigt wurden alle vier Angesagten des groben Unfugs durch ruhrstörenden Lärm» außerdem Kretzschmar des Widerstandes gegen Polizeibeamte, Palm und Buchholz der Polizei- beleidignng. In jener Nacht hatte Kretzschmar gegen Morgen fich aufgemacht. um angeln zu gehen. Als er, das Angelzeug in einem Beutel tragend, in der Seestraße seinen Freund Palm herausklopfen wollte, hielt ein Mann in Zivil ihn an. Er solle mal zeigen, was er in dem Beutel da habe, forderte der Fremde. Selbstverständlich ver- langte Kr. zunächst zu wissen, wen er vor sich habe Als der andere ich als Polizeibeamter bezeichnet und auf Verlangen eine Legiti- mation vorgewiesen hatte, sagte Kr. ihm, er solle nur selber. den Beutel aufmachen. Der Beamte— es war der Friedrichshagener Polizeiscrgeant Völker— untersuchte den Beutel und fand darin weiter nichts als Angelgerät. An diesen Vorgang knüpften sich eine Reihe erregter Szenen an, die nach der Darstellung der An- geklagten durch schroffes Borgehen des Polizeisergeanten Völker und seines Hinzukommenden Kollegen Frisch, nach der Darstellung der Beamten durch die Aufgeregtheit Krctzschmars sowie durch da? Eingreifen des durch den Lärm aus dem Schlaf geweckten Palm und der die Sistierung Kretzschmar? mitansehenden Buchholz und Berndt verursacht worden sein sollen. KretzschmarS„Widerstand" bestand darin, daß er, am Boden liegend, sich an einem Borgarten- zitter anklammerte, während die Beamten ihn an der einen Hand mit der Fessel hielten und die andere loszureißen suchten. Durch Palm fühlten die Polizisten sich beleidigt, wer! er rief, fie sollten Kr. nicht stoßen und kneifen. Buchholz soll die Polizisten als .Schufte",„Lumpen in Zivil* und ähnlich beschimpft haben. Berndt hatte gerufen, in Berlin hätten die Polizisten„schon längst die Jacke vollgekriegt". Die Beweiserhebung brachte, wie so oft bei derartigen Polizei- affären, unvereinbare Gegensätze zwischen den Aussagen von Zivil- Personen und denen der Polizisten. Polizeiscrgeant Völker be- kündete, daß Kr. nach erfolgter Durchsuchung des Beutels hinter ihm hergegangen sei und ausgeregt skandalicrend mit Beschwerde gedroht habe. Durch den zufällig vorübergehenden Polizeibeamten Frisch sei Kr., weil er dem Versuch einer Sistierung sich widersetzt fürsorge handele, um die es doch am traurigsten bestellt sei, fast I habe, gefesselt worden. Völker bestritt, den Kr. vor die Brust ge- stoßen und geschlagen und auf dem Liegende« gekniet zu haben. Auch habe er weder ihn noch Palm mit dem Revolver bedroht. Ge- kniet habe er neben Kr., möglicherweise habe er ihn auch bei dem Fesselungsversuch verletzt, doch dafür könne er nicht. Auch Polizei- bcamter Frisch wußte nichts von einer Mißhandlung KretzschmarS. Kretzschmar selber gab an, er sei am Kopf, im Gesicht, am' Arm und am Handgelenk verletzt worden. Aus dem Handgelenk habe ihm Wiker, mit den Fingernägeln kneifend, 13 oder 14 Hantfetzen her- ausgerissen. Kr. ist damals eine Woche hindurch arbeitsunfähig ge- Wesen. Gegen die Darstellung der Polizeibeamten setzte die Ver- teidigung die Aussagen eines Kaufmanns Plate, der zufällig Augenzeuge der Sistierungsversuche geworden war. Plate hat gc- hört, wie Kr., hinter Völker hingehend, zu diesem sagte:„Jetzt will ich mal feststellen lassen, wer Sie sind." Plötzlich habe Völker sich umgedreht, auf Kretzschmar eingehaucn, nach ihm gegriffen und einem dazukommenden Radfahrer zugerufen:„Fesseln Sie mal den!" Der Radfahrer habe das versucht, Kr. aber sei jetzt davon- gelaufen. Palm sei dazwischengetreten:„Was wollen Sie denn von dem Mann, der hat doch nichts getan!" Darauf habe Völker mit seinem Revolver gedroht. Kr. sei eingeholt worden, man habe ihn zu fesseln versucht, dabei habe Völker auf ihn gekniet, Kr. habe mehrfach aufgeschrien und auch gerufen:„Er kneift mich!" Daß er geschlagen wurde, sah Zeuge nicht. Der Amtsanwalt ging aus die Widersprüche zwischen der Aus- sage dieses Zeugen und denen der Polizeibeamten mit keinem Wort ein. Er beantragte wegen des ruhestörenden Lärms gegen Kretzsch. mar 1 Woche Haft, gegen Palm 2 Wochen Hast, gegen Buchbolz 1 Woche Haft, gegen Berndt 4 Wochen Haft, ferner gegen Kretzsch. mar wegen des Widerstandes 4 Monate Gefängnis, gegen Palm wegen Beleidigung 1 Woche Gefängnis, gegen Buchholz wegen Be- letdigung 2 Monate Gefängnis. Der Verteidiger hielt teils Frei- sprechung, teils mildere Beurteilung für geboten. Die Widersprüche der Zeugenaussagen hob er hervor. Nach der Aussage Plates habe WIter aus Kr. in dem Augenblick losgeschlagen, wo sein Kollege Frisch zu ihm stieß. Kr. habe nur nicht in Fesseln den Weg zur Wache antreten wollen und sei ja dann, als schließlich auf Fesselung verzichtet wurde, ruhig mitgegangen. Palms Zuruf, man solle Kr. nicht stoßen und kneifen, sei nach der Darstellung des Zeugen Plate berechtigt gewesen. Das Gericht sprach alle Angeklagten schuldig. Kr. habe Wider- stand geleistet, indem er sich festhielt. Diesen Widerstand zu brechen, seien die Beamten verpflichtet gewesen. Auch hätten sie keinen Anlaß gehabt, Kr. ungefesselt zu lassen, da er ja beim ersten Si- stierungsversuch weggelaufen sei. Seine Tat sei aber milder zu beurteilen, weil er schon dadurch bestraft worden sei. daß er „mancherlei Verletzungen erlitten" habe. Für Palm falle mildernd ins Gewicht, daß er für seinen Freund eintreten zu müssen meinte. Das Urteil lautete gegen Kretzschmar aus 3 Tage Haft für den Lärm und 18 Tage Gefängnis für den„Widerstand", gegen Palm auf 26 M. Geldstrafe für sein«„ungebührlichen Redensarten", gegen Buchholz auf 36 M. Gelbstrafe für seine„in der Trunkenheit begangenen Schimpfereien", gegen Berndt auf 2 Wochen Haft. Den Widerspruch zwischen den Aussagen der Polizeibeamten und derjenigen des Zivilzeugen erwähnt« auch dt« Urt-Us- begründunH nicht. Wieder Streikende vor dem Schwurgericht. Vor dem Schwurgericht in S t o l p mußten sich am Mitt- Ivoch die Maurer Theodor Bauske und Willi Müller gegen die Anklage wegen LandfriedenSbruchs verteidigen. In der Holzentorstraße zu Stolp wurde ein Neubau aufgeführt. Auf diesem waren am 22. April d. I. einige von dem Hirsch-Dunckersch-n Gewerkverein der Bauhandwerker vermittelt� Arbeitswillige be- schäitigt. Dort war ein Polizeiposten aufgestellt. Diese Maßnahme der Stolper Polizei erregte die Aufmerksamkeit der zahlreichen Passanten der Holzentorstraße. Als der Arbeitsschluß herannahte, wurde von der Polizei die Straße abgesperrt, damit die Arbeitswilligen nicht mit den Bürgen, in Berührung kommen. Wer von den Nicht-Arbeitswilligen durch die Holzentor- straße gehen wollte, mußte einen llmweg machen. Die Maßregel vergrößerte die Menschenansammlung. Als die Arbeitswilligen in Begleitung des Bauführers und zweier Polizeibeamten in eine Nebenstraße einbogen, drängte die Menge von beiden Seiten nach. Es entstand ein Knäuel und wurde dadurch«in Teil der Leute direkt in die Nebenstraße gedrängt, während andere freiwillig der Eskorte folgten. Die beiden Polizeibeamten forderten nun die Menge auf, zurück zu bleiben. Das geschah zögenid. Aus dieser Menge, in der sich die Angeklagten befanden, wurde nun mit einer Flasche ge- warfen, die den Bauführer Heuer traf. Der Polizeisergeant Lange, der das Aufschlagen der Flascke hörte.will bemerkt haben, daß Baaske mit verlegene!» Gesicht dastand. Er beschuldigte ihn des Wurfes. Als er es bestritt, wurde aus der Menge gerufen:„Er ist es nicht, es tat dieses ein Schuljunge, der fortlief I* Unbehelligt gelangten die Arbeitswilligen und die Polizeibeamten weiter. Als der Polizeisergeant Lange später in das Vereinslokal de? GeWerk- Vereins kam, wurde ihm von dem arbeitswillig e n, z u g e- reisten Maurerpolier Siebold die Mitteilung gemacht, daß er gesehen habe, wie Bauske mit der Flasche geworfen habe. Darauf wurde Anzeige erstattet und am 3. Mai Bauske verhaftet. In der Voruntersuchung war nun die Behauptung aufgetaucht, daß Müller mit der Flasche geworfen habe. So wurde auch dieser am 12. Juni ver- haftet. Bereits im Juni wurde die Angelegenheit vor dem Schwurgericht verhandelt, verfiel jedoch der Vertagung, weil ein Belastungszeuge nicht erschienen war. Man behielt die Angeklagten trotzdem in Haft bis zur jetzigen Verhandlung. In der jetzigen Verhandlung konnte der Zeuge Siebold seine Bekundung nicht ausrecht halten. Es mußte der Staatsanwalt deshalb die Anklage des schweren LandsriedensbrucheS fallen lassen. Die Geschworenen sprachen die Angeklagten deS einfachen LandsriedensbrucheS schuldig. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis gegen Bauske unter voller Anrechnung der Untersuchungshaft, und auf acht Monate Gefängnis ;egen Müller unter Anrechnung von zwei Monaten Unter- uchungShaft.__ Spiel und Sport. Radfahrer. Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität»(Ortsgruppe Berlin). Touren zum Sountog. den 26. Oktober. Sämtliche Abteilungen früh 8 Uhr: Rüdersdorfcr Kalkberge(Zum weißen Schwan). 1 Uhr: Baum- schulenweg(GesellschastShaus). Starts: an den bekannten Stellen. Neukölln. SIm LS. Oktober: StistungSsest bei Bartsch, Hermannstr. 49. Am 26. Okt., 2 Uhr; Johannisthal(Bruder-Kuchen). Start: Hohenzollern- platz. Treptow-Baiimschulenwcg. 8 Uhr: Nauen(Paul Scholz). 1 Uhr: Fmkenlrug. Start: bei Kümmel in Treptow. Adlershof. 3 Uhr: Münchcberg. Start: BiSmarckstr. 27. Für Nach- zügler 1 Uhr im selben Lokal. Charlottendurg. Schnttzeljagd nach Jungfernheide. Start: 8/, Uhr srüh: Volkshaus. Im Anschluß daran: Freibier bei Schön, Tegeler Weg. Lichtenberg. 1 Uhr: Ahrensseldc bei Schneider. Start: Psarr- traße 74. Für Bahusahrer: 1.17, 2.14, 2.42 von Lichtenberg-Friedrichssclde. Tegel. 1 Ubr: Mühlenbeck(UnterbezirkStour). Pankow-Niederfchönhausen. 12'/, Uhr: Spieltour nach Schönwalde (Schulz). Start: am Marktplatz. Reinickendorf. Nach Mühlenbeck zur Uiiterb-zirkssitzung. Start: 10 Uhr vorm. bei Lüniug, Schillingstraße.— Arbeiter-Radfahrrrverein Groß-Berlin. Sonnabend den 25. Oktober: Stiftungsfest bei Klient.— Sonntag, 26., nachm. 2 Uhr: Köpenick (Schweizergarten). Anjchlußstart Bahnhof Treptow. Oberschönewcide. Sonntag, den 26. Oktober: Mittenwalde. Start: snih 8 Uhr bei Th. Schüssler, SiemenSstr. 28. Turner. Sonntag, 26. Oktober. Tv.„Fichte'. Partie des Jugend� ausschusses nach Nowawes. Treffpunkt: 7'/. Wannseebahnhos. 3. Männerabt. Partie nach Birlenwerder. Biesenthal. Treffpunft:'/.? Uhr Stettiner Vorortbahnhos. Gäste willkommen. 1. Kreis. 2. Bezirk. Bezirksferienspiele. Resultate vom Sonntag, den tg. Oktober 1913. Aaustball: Pankow- Wittenau 94: 51 0 Borsigwalde— Velten: 48: 58. 2 X 690 Meter. Stafette: Pankow: 70 Sekunden, Wittenau 75 Sekunden. Wanderer. Deutscher Arbeiter-Wanderbund»Die Naturfreunde«. Orts- gruppe Bertin. Am Sonntag, den 26. Ottober, werden folgende Touren unternommen: 1. Niederfinow— Plagesenn— Kloster Chorin— Eberswalde. Absahrt Stett. Fernbhs. 5.59 Uhr vorm. 2. Melchow— Samithsee— Nonnenflietz— Melchow. Absahrt Stettiner Fern- bahnhos 5.59 Uhr vorm. 3. Schwante— Behrensbrück— Oranienburg. Abfahrt Stettiner Fernbhs. 6.42 Uhr vorm. 4. Finkenkrug— Brieselang— Krämer— Schwante. Abfahrt Lehrter Bhs. 6.25 Uhr vorm. 5. Strausberg— Bötzsee— Strausberg. Absahrt Schlesischer Bhs. 6.23 Uhr vorm. 6. DahmSdors-Müncheberg— Trebus— Fürstenwalde. Absahrt Schles. Bhs. 5.25 Uhr vorm. 7. Ludwigsfelde— RangSdorser See— Dahlewitz. Abfahrt Anhalter Bhs. 6.15 Uhr vorne 6. Tiefensee— Nördlicher Gamengrund— Falkenberg. Abfahrt Schiefischer Bahnhof(Wriezener Bahnsteig) 5.32 Uhr vorm. 9. Grünau— Mllggelberge—Friedrtchshagen. Treffpunkt 2 Uhr nachm. Bahnhof Grünau. Ortsgruppe Spandau. 2«. Ottober: Nachmittagstour nach Nauen. AB- fahrt 12.55 Uhr mittags Spandau-West. Ortsgruppe Steglitz. 26. Oktober: Nuthewanderung. Drewitz— Glauer Berge— Trebbim Absahrt Bahnhos Charlottcnburg 8 Uhr vorm Fahrgeld 1,10 M. Gaste willkommen. Ardeiter-Touristenvereln„Die Naturfreunde«. Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 26. Oktober: Wanderungen. I. Dahmsdorf— Grotz-Klobich- see— Buckow— Rehfelde. Absahrt nach Dahmsdorf-Münchcberg Schles. Bhs. 6.50.— II. Lehnitz— Bernöwe— Zchlendors. Absahrt nach Lehnitz Stett. Bhs. 5.48.— HI. LudwigSselde— Saarmund— Babclsberg. Absahrt nach Ludwigsseide Anh. Bhs. 6.15. Gäste stets willkommen. Arbeiter-Wanderverein Berlin. Sonntag, den 26. Oktober: Wandersahrl nach Fredersdorf— Radebrück— Bötzsee— Fängersee— Straus- see— Stadt Strausberg— Heegermühle—Herrcnsee— Bahnhos Strausberg. Ab- fahrt 7.29 Schlesischer Bahnhos. Parteigenossinnen und Genossen als Gäste willkommen. Fuftball. Märkische Spielvereinigung. Bez. Groß-Berlin. Am kommenden Sonntag 3 Uhr finden folgende Spiele statt: Wcifiensee— Borussia in Weifiensee, Rennbahnstr. 40. Spandau— NeuhellaS in Spandau, See- burger Strafie, Exerzierplatz. Fichte 11— Viktoria auf dem Tempelhofer Felde. Allemania— Reinickendorfer Balljpielllub in Friedrichshogen, Ke- meindesportplatz. Berein für Bewegungsspiele— Charlottenburg in Friedrichs- Hagen, Gcmemdesportplatz. Schöneberg— Fichte 12 in Mariendors, Bessemcr- ftrahe(Blanke Hölle). « Arbeiter Samaritcrbund, Kreis Brandenburg. Der für Mitte November angesetzt« Kreistag ist vom Kreisvorstand umständehalber auf den 15. Februar 1914, sechs Wochen vor dem nächsten Bundestag, vertagt. Berlin. Sonntag, den 26. Ottober, nachm. 3 Uhr, Besuch der Trep tow- Sternwarte. Berlin. Nächste Monatsversammlung Freitag, den 31. Oktober, im Restaurant Haberlandt, Neue Frledrichftr. 35. Sämtliches Kolonnenmaterial ist mitzubringen. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Montag. 27. Ott., Kommandantenstr. 62, Beckers Festsäle(Tunnel). Berlin, 2. Abt. Montag, 27. Ott., im Swlnemüuder Gesellschafts« hauS, Swine münder Straße 42. Berlin, 7. Abt. Mittwoch, den 29. Oktober, Tharlottenburg, Rostncn- strane 3, Volkshaas. Friedrichshagen. Donnerstag, 30. Okt., Friedrichstr. 6, 2. Hof, Parterre. � NowaweS. Montag, 27. Oktober, Wilhelm-, Ecke Friedrichstraße, bei Schmidt. Nowawes(Abt. Potsdam). Mittwoch, 29. Ottober, Kaiser- Wilhelm-Straße, bei Glaser. Ober-Schöneweide. Montag, 27. Ottober, Siemensstr. 12, bei Schu'z.' Wilhelmsruh. Montag, 27. Ottober, Reinickeudorj-Ost, Residenz- straße 6, bei Hirsch. Klus aller&lelt. Grubenkatsftropke in Hnirnka. Aus D ci w s o n im Staate Neu-Mexiko bringt der Tele- graph die Nachricht über eine neue furchtbare Gruben- explosion. Durch eine Kohlenstaubexplosion auf der Hirsch- schluchtgrube bei Dawson sind etwa 200 Bergleute von der Außenwelt abgeschlossen worden. Starke Abteilungen von Rettungsmannschaften versuchen in das Innere der Grube einzudringen. Bisher gelang es, fünf der Verschütteten lebend zu bergen. Man glaubt, daß genügend Luftzufuhr vorhanden ist, und das eine große Zahl der Eingeschlossenen wird gerettet werden können. Eine große Menge von Frauen, Kindern und Männern umlagert die Eingänge zu den Schächten. Eine neue Schiffskatastrophe. Noch ist die schreckliche Brandkatastrophe, von der der eng- tische Dampfer„Volturno" betroffen wurde und bei der über hundert Menschen ums Leben kamen, nicht aus der Erinne- rung geschwunden, da meldet der Telegraph schon wieder ein großes Schiffsunglück. Wie aus Helfingfors berichtet wird. geriet der finnische Dampfer„ V e st k n st e n" in der Nähe von Vasa auf Grund, wurde leck und sank mit der ge- samten Besatzung, die aus 29 Personen — Passagieren und Mannschaften— bestand. Ein Rettungsdampfer ging zwar sofort an die Unfallstelle, kam jedoch leider zu spät. Nur ein Passagier wurde noch lebend angetroffen, der sich an den obersten Tauen des Wracks festgehalten hatte. Ueber die Ursache des Unglücks geht uns noch folgende Meldung zu: Herneesand, 23. Oktober. Der Dampfer„Carl von Linne", Kapitän Soederstroem, der Sveagesellschaft Vcaf heute abend mit dem einzigen Geretteten des untergegangenen Dampfers„Bestknstew", dem Viehhändler Henritsson aus Sundvall, hier ein. Ueber dos Unglück teilt Kapitän Soederstroem folgendes mit: Als die Dampfer„Carl von Linne" und„Vestkusten" gestern auö Vasa aus- liefen, gerieten sie in einen orkanartigen Sturm.„Carl von Linne" ging deswegen vor Anker, während..Vestkusten" weiterfuhr. Als „Carl von Linne" bei Tagesanbruch die Anker lichtete, bemerkte die Besatzung in den Vasaschären zwei Masten, die aus dem Wasser hervorragten. Kapitän Soederstroem ließ sofort stoppen und sandte ein Rettungsboot nach der Unglücksstätte. Alan fand nur eine Per- son, den Viehhändler Henriksson, der in der Reeliug des Wracks hing. Seit gestern abend 6 Uhr hatte er sich dort festgehalten und wurde nun, ganz erschöpft, an Bord des„Carl von Linne" gebracht. Räch Aufklärungen, die er dem Kapitän gab, befanden sich an Bord des Dampfers„Vestkusten" 22 Personen Besatzung und 7 Passagiere. Das Maffeiigrab bei Cardiff. Auf der Grube„Universal" wurde eine aus neunzehn Mann bestehende Rettungsmannschaft im letzten Augenblick, als sie schon von Gasen halb betäubt war, von einer Ambulanz- abteilung, die mit Sauerstoff zur Hilfe kam, gerettet. Die Mann- schaff war so weit vorgedrungen, daß sie feststellen konnte, daß die Arbeiter entweder durch die Explosion oder durch Nachschwaden ge« tötet sein müssen. Die weiteren Nettungsarbeiten sind wegen der Gefahr in der Grube, besonders wegen der Gase, die aus dem glimmenden Feuer aufsteigen, aus ein bis zwei Tage eingestellt worden. Den Hinterbliebenen der Vermißten ist mitgeteilt worden. daß die Bergung der Leichen nicht vor Freitag fortgesetzt werden können. Die Rettungsmannschaft stieß aus eine große Anzahl von Leichen._ Immer wieder Korruption. Aus Amerika wird eine neue KorruptionLgeschichte gemeldet, deren Schauplatz diesmal die Stadt St. Louis ist. Vierundzwanzig aktitz-e und frühere städtische Beamte sind unter Anklage gestellt worden, und zwar sollen die meisten den Versuch gemacht haben, die Stadt um größere Geldsummen zu betrügen. Unter den Angeklagten befinden sich ein früherer Bürgermeister und ein früherer Schatzmeister der Stadt.__ Kleine Notizen. Eisenbahnunglück in Oberschleficn. Auf dem Waldenburger Güterbahnhof löste sich infolge Sturmes ein leerer Kohlen- wagen los und trieb die Strecke Waldenburg— Altwasser entlang. Bei dem Bahnübergang von Neu-Weißstein kam ein elektrischer W a g c n z u g mit Arbeitern über die Gleise der Staatsbahn. Der leere Wagen fuhr in beide Wagen hinein. Alle Wagen wurden völlig zertrümmert. Vierzehn Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Schwere Automobilkatastrophe iu der Pfalz. In der Nacht zum Donnerstag ereignete sich aus bis jetzt noch nicht bekannter Ursache am Eingang des Ortes F r a n k e n st e i n ein schweres Automobil- unglück. Regierungsrat Feiertag und Gymnasial- lehrer Seuffert aus Kaiserslautern sind tot; Bauamtmann Schmidt aus Kaisers lmüern wurde schwer verletzt. Der Lenker und Besitzer des Automobils Dr. Stein-Kafferslautern blieb unverletzt. Explosion in einem französischen Arsenal. Jin Arsenal von T o u l o n platzte ein Petroleumrescrvoir, als man dessen Widerstands- fähigkeit durch Einpumpen von Druckluft prüfen wollte. Zwei Arbeiter wurden durch Metallsplitter am Kopfe getroffen und lebensgefährlich verletzt. New Aork im Dimkeln. Eine schwere Explosion erfolgte am Mittwoch in der elektrischen Kraftstation von Staten-Jsland. Hierbei ivurden sechs Personen getötet imd zwei tödlich verletzt. Die Explosion setzte einen großen Teil von New Jork i n Dunkelheit. Die elektrische Eisenbahn und Straßenbahn mußten für die ganze Dauer der Stromunterbrechung den Betneb einstellen. Allgemeine Kranken (B. a. G.) zu Hamburg. abend, den 25. Oktober, abends(M/a Lokal von Boche, Bamnschulenitr. 67. und Sterberaffe der Metallarbeiter. F i l i a l e B a u m s ch u I e u w c g. Sonn, Uhr: Mitgtiederverjarninlmtg im Extraverkauf in Kamelhaarfchuhen Billige preise Besichtigen Sie unsere Spezial. 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Thealer des Westens. s uhr: Gräfin Fifi. Sonntag 3'/, Uhr: Oer liebe Augustin. �Residenz-Theaters Zum ersten Male: Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske In 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolss. Musik von Robert Winterberz. Morg. u. f. Tage: Hobeit— der Franz! Sonntag, 26. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Fran Präsidentin. Passage-Panoptikum Mundmaler Sehuidis der Rafael ohne! Arme bei seinen Arbeiten. Lebend zu sehen! Und die anderen Attraktionen. Die gr. Kino-Variete-Vorstellung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. I0SE:THEATEI Große Frankfurter Str. 132. Ansang 8'/4 Uhr. Im vvelllon Röss'l. Lustspiel in 3 Alien von Blumenthal und Kadewurg. Morgen: Im weißen Rößl. Sonnabend 4 Uhr: Hänsel und Greiel. hessinx-Theater. Ansang 8 Uhr. Professor Bernhardt. Komödie von Artur Schnitzler. Deutete Künstlertheater Sozietät. Nürnberger SlraEe 70/71, am Zoo. s uhr: Der Biberpelz. Tbeater ata NolleDdoffplätz S. Täglich abends 8 Uhr: Die Heimkehr des Odyssens. Burleskc-Operctte. Sehtller-Thealero.N.� Freitag, abends 8 Uhr: .fngendfreiinde. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wenn der neue Wein bläht Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Wenn deL neue W ein bläht Schiller-Theater Freitag, abends 8 Uhr: Aoral. Sonnabend, nachmittags 3 Uhn Gtttz von Berlichlngen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Kosenmontag. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Sonntag, adendS 8 Uhr: Kosenmontag. Montis Operetten-Theater Schissbauerdamm 4a. 8 Uhr: Gastspiel Jul. Spielmann: Der lachende Ehemann. Sonnt. 3 Uhr: Der Vogelhändler. Mteol-Mm Abends 7 Uhr 55 präzise; Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung deS lulcs Verne'schen RomaneS von Jnllns Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Richard Schultz. Karl Baetunann. Joseph Giampietro. Goido Tliielscher. Alfred Schmasow. Leopold ffoll. Ludwig Woli. Helene ßaiiot. ItfaRusska. J. de Lande. Wen! Bon 9-1 Uhr: Ken! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 2 Kapollen. Reicbshailen-Tbeater Stettiner Sänger „Alarm!" Mllit. Humoreske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigt. Preisen: „Ätarm!" Log. 1 M., Balk.7SPs. Enfree 39 Pf. URANIA TaubensiraBa 48/49. 8 Uhn Mit dem„Imperator" nach New York. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn: Gletscher und Eiszeit. Zirkus Busch. Heute Freitag, abends 7>/, Uhr: Humoristischer Gala-Abend. Aax, Tlorltz und Teddy, die Urkomischen aus Karl HagenbcckS Tierpark in Hamburg bilden dieHauplsensation des reichhaltigen Programms. Ferner das glänzende Spezialitäten-Programm und .4ns unseren Kolonien. Voranzeige. Sonnlag 2 groBe Gala-Vorstellungen, nachm. 3'/, u. abends 71/, Uhr. Nachm. ein an- gehör. Kind unter 19 Jahren frei. In beiden Vorstellungen Hagenhecks lustiges Schimpansen-Tric. Zirkus IIb. Schumann. Heute Freitag, 24. Oktober, abends 71/, Uhr: Große Sport-Vorstellung. U. a. Xnr noch einige Tage! 10 Bengal-Könlgs-Tiger 10 vorgeführt von Herrn Sawade. Die Schleuderfahrt im Luftschiff u. das übrige Glanzprogramm. DM- Um 9V, Uhr: Tango vor Gericht! Pantomimen-Burleske mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Berliner Prater-Tbeater Kastanienallee 7—9. Montag, d. 27., u. Freitag, d. 3t. Okt.: Oper.-Gastsp.(Dir. Steiner-Sandori) Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jean Gilbert. Ansang 8'/4 Uhr._ Vereinigte.Berliner Volksbühnen. linisen-Theater. Freitag SV. Ubr: Von Stnle zu State. Lebensbild mit Ges. u. Tanz in S Bild. Waihalla-Theater. Täglich 8'/. Uhr: Der i/lebesonkcl. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Ifosuvi'si Friedpichshain am Königstor. Oekonom; Ernst Liebing. Mittwoch, den Ä9. Oktober er.: Heiterer Künstler-Abend. | Anfang 8 Uhr. OONSStlONS- ErOgrOMNI. Entree 39 :: Berliner:: Konzerthaus Jr Hauerstraße 82.—. ZimmerstraBe 99/91. Oroßes �Doppel-Konzert! Berliner Konzerthaus-Orchestor. Leitung: Komponist Frz. v. Blon und als Gastdirigent; Hofkapellmeister Prof. TraugottOchs. Musikkorps des f. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.; Oberm. Baarz. Anfang 8 Ubr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Ubr. An allen Wochentagen: Gr. Hachmittags-Konzerl beMtm verönüöunös Palasf der IOOOO PofHdariiersii'- 72 Korlabahn Btilowsfrj Heute Eröffnung 8 Uhr abends. :: Eintritt 30 Pfennig.:: Im blauen Saal bei freiem Eintritt Gesang und Humor. Waidmannslust• Schweizerhaus Sonntag, den 26. Oktober: Schlachtefest, __ �__ wozu freundlichst einladet_ Wllh. Hartlg.(22332 Verantwortlicher Redakte«:«lfreh Wielepp. Neukölln. Für den hnferatentetl oerantw.: Tb- Glocke. Berlin. Druck ibvertaa: Barwärt» Kurfürstendamm 23k. Zlsrher ste ein Lletevl „Ois ist hlsiik Maus" sie zieht Tausende in nnsep Theater!! Vorstellungen um 1> T'9 Uhr. Sonntag, den 26.0ktober. mittags 12 Uhr: Matinee zn kleinen Preisen. Vorverkauf an der Theaterkasse des K.d.W. Preise s Rang- u. Parkett- Mittelloge...... 2.50 Parkett- u. Rangloge 1.75 Rang- u. Parkettkant. 1.10 1. Parkett u. 1. Rang 0.85 2. Parkett u. 2. Rang 0.60 Trianon-Theater. 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Die Zeugen werden hierauf für gestern entlassen, da der Sitzungstag mit der Vernehmung der Angeklagten völlig ausgefüllt wird. Die Anklage richtet sich gegen 1. den Bureauvorsteher Maximilian Brandt, geboren zu Bis- mark, Kreis Stendal, am 2. Juni 1868, wohnhast zu Rahnsdorf, vom 8. Februar bis 17. Juni in dieser Sache in Untersuchungshaft gewesen; . 2. den Direktor der Firma Friedrich Krupp A.-G. in Essen, Otto Eccius, geboren in Greisswald am 7. Januar 1863, un- verheiratet. a) Beide werden beschuldigt: je durch eine fortgesetzte Hand- lung gemeinschaftlich und zwar Brandt in den Jahren 1366— 1911 zu Berlin, Eccius in den Jahren 1968—1913 zu Essen und Berlin Beamte und Mitglieder der bewaffneten Macht, nämlich: 1. den Zeugfeldwebel und späteren Zeugleutnant bei der Munitionsfabrik in Spandau, Adolf Titian; 2. den Zeugfeldwebel, späteren Zeug- leutnant bei dem Artilleriedeport in Koblenz, Helmut Schleuder; 3. den Zeugfeldwebel, späteren Zeugleutnant bei dem Artilleriedepot in Marienburg, Emil Hinst; 4. den Feuerwerker Franz Schmidt; ö. den früheren Zeugfeldwebel, jetzigen Sekretär bei der Firma Fr. Krupp in Essen, Richard Dröse; 6. den Zeugleutnant bei der Artillerieprüfungskommission Arwr Hege; 7. den Ober-Militär- Jntendantur-Sekretär Adalbert Pfeiffer Vorteile— Brandt auch Geschenke— angeboten und gewährt zu haben, um sie zu Handlun- gen zu bestimmen, die eine Verletzung von Amts- und Dienst- pflichten enthalten. b) Brandt wird weiter beschuldigt, durch eine zweite selb- ständige Handlung vorsätzlich und rechtswidrig die Kenntnis von Gegenständen, deren Geheimhaltung im Interesse der Landes- Verteidigung erforderlich ist, sich verschafft zu haben, jedoch ohne die. Absicht, davon zu einer die Sicherheit des Deutschen Reiches gefährdenden Mitteilung an andere Gebrauch zu machen.(Ver- gehen gegen die§Z 333, 74, 47 St. G.B. und§ 4 des Gesetzes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse vom 3. Juli 1893.) � Die Anklage wird vom Oberstaatsanwalt Chrzccsinski und dem Staatsanwaltschaftsrat Toepffer vertreten. Als �Zeugen sind unter anderen geladen: die obengenannten 7 Militärpersonen, der Polizeirat Koch vom Berliner Polizei- Präsidium; der Kaufmann Wilhelm von Metzen; der Handlungs- bevollmächtigte der Firma Krupp, Otto von Dewih; der stellver- tretende Direktor Wilhelm Mühlen in Essen; der Direktor Finanz rat a. D. Ernst Haux in Essen; der Vorsitzende des Direktoriums der Firma Krupp, Geh. Finanzrat a. D. Alfred Hugenberg in Essen, der frühere Generaldirektor, jetzige Vorsitzende des Zentral Verbandes deutscher Industrieller Landrat a. D. Max Rötger in Berlin-Grunewald; Direktor Friedrich Mouths in Ulm a. Donau; ferner der Abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht. Als Beweisstücks sind auch herangezogen die am 7. Februar 1918 zu Essen von dem Untersuchungsrichter beschlagnahmten Brief- schaften und die von der Firma Krupp geführten Personalakten des Angeklagten Brandt. Ueber Ursprung und Entwickelnng dieser Strafsache sei kurz folgendes ins Gedächtnis gerufen: Am 9. September 1912 ging bei dem Kriegsminister von Heeringen ein Brief deS Abg. Genossen Dr. Liebknecht ein, der folgendes besagte: Nach einer ihm zugekommenen Zuschrift unterhalte der Vorstand der Firma Krupp einen früheren Feuerwerker namens Brandt, der seil Jahren die Aufgabe habe, sich an höhere und niedere Beamte, speziell an das Kanzleipersonal der Armee- und Marineverwaltung heranzu- machen, um sie durch Bestechung zum Verrat solcher militärischen Geheimnisse zu bestimmen, die die Firma interessieren. Jnsbe- sondere solle ihm aufgetragen sein, die Absicht der Behörden in Be- waffnungsfragen zu erforschen. Angaben über Konstruktionen und Offerten der Konkurrenz zu erhalten usw. usw. In dem Briefe wurde weiter darauf hingewiesen, datz es nötig sein würde, mit grosser Borsicht und Energie zuzugreifen, damit die verantwortlichen Personen nicht in die Lage kämen, die Spuren zu verwischen. Dem Briese waren 17 Blätter beigefügt, mit der Maschine geschriebene Briefe mit Mitteilungen über Bestellungen und Anschaffungen von Artillerie-Material, die au? den Geheimakten militärischer Be- Hörden, nämlich der Feldzeugmeisterei, der Artillcrie-Prüfungs- kommission und der Abteilung des KriegsministeriumS für die Fuss- und Feldartilleric entnommen sein mutzten. Es wurde von den Militärbehörden eine Untersuchung eingeleitet und im Januar 1913 auch die Staatsanwaltschaft mit ihr befaßt. Das Ergebnis der Untersuchung hat nach Ansicht der Anklagebehörde nicht ergeben, daß es die?lbsicht der Firma gewesen sei, militärische Geheimnisse im Sinne des Gesetzes vom 3. Juli 1893 zu ermitteln, wohl aber ist� festgestellt, daß Brandt Jahre hindurch mit Angestellten der Militärverwaltung Beziehungen unterhalten hat, um von ihnen über die Fortschritte und die Preise der Konkurrenz Nachrichten zu erhalten, welche jene Angestellten nicht ohne Verletzung ihrer Amts- und Dienstpflicht geben konnten. In Frage kommende Militärpersonen sind bekanntlich schon vom Militärgericht abge- urteilt worden. Jetzt hat sich außer Brandt auch der Direktor Eccius zu verantworten, weil angenommen wird, daß Brandt mit seinem Wissen und Willen seine Tätigkeit im strafbaren Sinne entfaltet hat. Die von Brandt übermittelten Nachrichten sollen wenigstens zu einem Teile auf dem Gebiete des militärischen Ge- beimnisses liegen. Andererseits steht die Ancklagebehörde auf dem Standpunkte, datz diese militärischen Geheimnisse angesichts der Aufgaben, die der Firma Krupp in ihrer geschäftlichen Verbindung mit der Heeresverwaltung zufallen, den maßgebenden Leitern der Firma naturgemäß früher oder später offenbart werden. Zu der Feststellung, daß irgendeiner der Leiter durch Eindringen in solche Geheimnisse einen Verstoß gegen das Gesetz vom 3. Juli 1893 be- gangen hätte, würde daher der Nachweis erforderlich sein, daß eben dieses Geheimnis den Leitern der Firma gegenüber zur Zeit der Uebermittelung durch Brandt noch Geheimnis war und dieser Nach- weis lasse sich nicht führen. Dagegen habe sich Brandt, der nach feiner Stellung nicht berufen war, Mitwisser des Geheimnisses zu sein, des Vergehens gegen§ 4 des Gesetzes vom 3. Juli 1893 schuldig gemacht. Stimmungsmache gegen eine« Hauptzeugen. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses schießen die ver- leidiger und der Staatsanwalt noch vor Vernehmung der Ange- klagten einige nicht wohlduftende Bomben gegen den Zeugen von Metzen los. Rechtsanwalt Dr. Löwenstein erklärt: Der frühere Vorgesetzte des Herrn Brandt, Herr von Metzen, hat kurz vor Beginn der Verhandlung in einer Reihe von Zeitungen Mitteilun- gen veröffentlicht, in welchen er Brandt auf das schwerste beschul- digt. Namentlich heißt es darin, datz Brandt sich über seine ehe- maligen Kameraden in sehr verächtlicher Weise geäußert habe und datz er Prciponen i» finanzieller Beziehung gegen die Firma Krupp begangen habe, und um allem die Krone aufzusetzen, datz Brandt der Gewährsmann und intellektuelle Urheber der an den Abg. Liebknecht gelangten Mitteilungen sei. Es ist zweifellos, datz eine solche Pretztreiberei auf den Gerichtshof keinerlei Eindruck machen wird, sie sind aber geeignet, die Oeffentlichkeit gegen Brandt zu verbittern und auch die Zeugen gegen ihn zu beeinflussen. Deshalb erkläre ich auf das bestimmtest«, datz diese von Herrn von Metzen in die Presse gebrachten Mitteilungen unwahr sind und Straf- antrag wegen verleumderischer Beleidigung bei der Staatsanwalt- schaft gestellt ist. Justizrat von G-rbon: Ich werde diese vorher gedruckten Zeugenaussagen zum Gegenstand der Verhandlung machen. Auch die Firma Krupp ist dadurch schwer beleidigt. Besonderen Wert will ich daraus legen, datz Herr von M-tzen wegen moralischer Ver- fehlungen von der Firma Krupp entlassen worden ist. Oberstaatsanwalt Chrzescinski: Ich werde aus die Zeugen- aussage des Herrn von Metzen besonders achten und eingreifen, wenn sich Widersprüche ergeben. Vernehmung der Angeklagten. Beide Angeklagten bestreiten schuldig zu sein. Der Angeklagte Brandt ist, wie er aus Befragen erklärt, der- heiratet, Vater von 3 Kindern und besitzt ein Landhaus in Rahns- darf. Er bestreitet jede Schuld. Der Vorsitzende hält ihm vor, ob er sich denn auch der Bestechung für nichtschuldig halte. Er habe doch in der ganzen Voruntersuchung zugegeben, daß er den von dem Militärgericht verurteilten Personen Zuwendungen gemacht habe.— Brandt erklärt hierauf, datz er immer das Gefühl gehabt habe, datz diese Herren aus Freundschaft für ihn ihm die von ihm gewünschten Mitteilungen gemacht hatten. Im Lause des Verkehrs habe sich ergeben, datz er das Gefühl bekam, den Leuten auch ge- legentlich Gefälligkeiten erweisen zu müssen. Dies sei aber nicht zu dem Zweck geschehen, sie zu veranlassen, ihm weitere Nach- richten zu geben. Wenn in den Protokollen der Boruntersuchung manches nicht zutreffendes von ihm gesagt worden sei, so erkläre sich dies damit, daß er damals in verzweifelter Stimmung, in einer wirklich unbeschreiblichen Gemütsverfassung gewesen fest Der Borsitzende kommt nun nochmals auf die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten Brandt zurück, der hierzu folgendes erklärt: Er habe das Gymnasium in Stendal bis zum Einjährigenexamen be- sucht, er habe vann aber als Dreijähriger gedient, weil er kapitu- lieren wollte. Er sei dann beim 2. Garde-Feldartillerie-Regiment eingetreten, sei dann Unteroffizier, Feuerwerker und Oberfcucr- wcrker und schliesslich Zeugfeldwebel geworden. Er habe� dann längere Zeit die Stellung eines Depotverwalters bei der Artillerie- Prüfungskommission in Spandau bekleidet. Ms er den Zivil- Versorgungsschein erkalten habe, sei er zuerst bei dem Kaiserl. Gesundheitsamt gewesen, dann habe er die Stellung bei Krupp angetreten, da ein Bekannter von ihm dort ebenfalls eine gute Stellung erlangte habe. Noch 31>4jähriger Tätigkeit habe er Essen Verlaffen und sei auf sein Betreiben nach Berlin versetzt worden, weil seine Frau, als geborene Berlinerin, Heimweh hatte. Der damalige Vorsteher des Berliner Bureaus, Herr von Schütz, habe sich für ihn verwandt, Direktor Eccius habe jedenfalls mit der Versetzung nichts zu tun gehabt, sie auch wicht einmal in Anregung gebracht. Als Schütz gestorben war. wurde— so fährt Brandt fort— Herr von Metzen Leiter des Bureaus. Borsitzender: Haben Sie Anweisung erhalten, wie Sie sich hier zu verhalten hatten und was Sie tun sollten, um für die Firma Krupp wichtige Nach- richten zu bekommen? Angekl. Brandt: Nein, das ist mir von keinem Menschen gesagt worden. Es wurde mir nur gesagt, ich solle mich orientieren. Dann im Laufe der Zeit erzählte mir Herr von Schütz die ganze Sachlage in Berlin und äußerte u. a., er habe hier in Berlin große Schwierigkeiten, heute sei die Sachlage so, datz die Firma infolge der hohen Preise kleine Lieferungen über- Haupt nicht mehr erhalte, er habe deshalb wiederholt angeregt, die Preise herunterzuschrauben. Herr Direktor Budde sei aber sehr halsstarrig gewesen und man müsse deshalb danach streben, der Firma die Preise der Konkurrenz zur Nachachtung zu unterbreiten, damit auch sie mit den Preisen heruntergehe und auch Aufträge für kleinere Lieferungen erhalte. Vors.: Wie sollten Sie denn Nachrichten über die Preise der Konkurrenz erhalten? Angckl. Brandt: Herr von Schütz sagte: Sie verstehen das besser wie ich; Sie haben doch in Kamcradenkreisen Bekannte und da würde es Ihnen doch leicht sein, Nachrichten zu erhalten. Wir wollen doch nur etwas Gutes, denn die Preise sollen doch nicht erhöht, sondern heruntergesetzt werden. Vors.: Hatten Sie dem: nicht Bedenken, mit Ihren ehemaligen Kameraden in eine solche Verbindung zu treten? Angekl. Brandt: Jawohl, aber da Herr von Schütz ein sehr ehrenwerter und bei der Firma sowohl wie bei der Militär- behörde sehr angesehener Mann mit patriotischem Empfinden war, der, als er Korpsstudent war, Bismarckkommerse leitete a., so habe ich nichts daran gefunden, wenn ich mich an die Kameraden wandte. Vors.: Sind Ihnen nicht Bedenken gekom- men, datz es sich um geheime Sachen handeln könnte? Angekl. Brandt? Nein! von schütz sagte einmal zu mir: Wir erfahren ja doch alles ofsiziell, für uns gibt es keine Geheimnisse, für uns können doch die Sachen, die� wir erfahren, überhaupt keine Ge- heimniffe sein. Vors.: Gab Ihnen Herr von Schütz sonst noch Direktiven? Angckl. Brandt: Nein, er sagte nur, ich solle doch in die Vereinigngen der Kameraden gehen, ich könnte ja ein Glas Bier oder eine Flasche Wein mit ihnen trinken, da wäre doch absolut nichts dabei. Bors.: Wer sollte denn die Unkosten dabei tragen? Angckl. Ich selcht. Die dabei verausgabten Beträge sollten mir dann von der Firma Krupp zurückerstattet werden. Mir wurde gesagt, ich solle den Leuten nie etwas geben oder ver- sprechen. Bors.: Sie haben früher gesagt, Herr von Schütz habe Sie ausdrücklich gewarnt, keinesfalls Bestechungen zu begehen. Angekl.: Ich habe diese Warnungen auch befolgt. Ich ging häufig in den Kegelklub meinor ehemaligen Kameraden, um mit ihnen näher bekannt zu werden. Nach dem Kegeln gingen wir zu einem Glase Bier oder Wein in ein Restaurant. Bors.: Sie haben den Leuten doch auch wiederholt kleine Barbeträge gegeben? Angekl.: Ja, kleine Beträge von 16 bis 26 M. Es lag da aber jedesmal eine besondere Veranlassung dazu vor, die Kameraden mutzten entweder eine kleine Reise unternehmen oder hatten Geschenk« zu machen, und hatten nicht das genügende Geld bei sich. Bors.: Sie waren doch selbst Feuerwerker und wutzten doch Wohl, datz die Leute über gewisse militärische Angelegenheiten überhaupt nicht sprechen durften. Angekl.: Im aber die Nachrichten, die die Herren mir brachten, konnte man auch auf ganz offiziellem Wege erhalten. Bors.: Was waren denn das für Nachrichten? Angckl.: Es waren Nachrichten über die Preise der Konkurrenz, über Bestellungen, Angebote anderer Firmen, Nachrichten über Versuche mit neuen Geschützen und Geschützteilen.— Der Angeklagte Eccius erklärt hierzu, datz Herr von Schütz sich früher, vor dem Eintritt des Brandt, um solche auch offiziell zu erlangenden Dinge überhaupt nicht bekümmert habe, da ihm an diesem Klein- kram nichts lag.— Ter Vorsitzende geht dann zu den schon in dem Prozeß vor dem Äsiilitärgericht eingehend erörterten Verbindungen des Ange- klagten Brandt mit den in Frage kommenden Militärpersonen über. u. Der Angeklagte erklärt über seine Verbindungen mft dem vor dem Kriegsgericht abgeurteilten Zeuglentnant Tilian, er habe T. auch auf der Kegelbahn näher kennen gelernt, nachdem er ihm erzählt habe, datz die Vertreter� anderer Firmen bisher stets er- schienen seien, nur Herr von schütz sei noch niemals gekommen. Späterhin habe ihm T. Angaben über die. Konkurrenzpreise, Ver- teilung der Austräge usw. gemacht. Er, Brandt, habe ihm niemals irgendwelche Vorteile versprochen, erst im Laufe der Zeit sei es hierzu gekommen. Bors.: Wieviel haben Sie für Tilian aufge- wendet? Angekl.: Das weiss ich nicht. Bors.: Auch nicht unge- fähr? Angekl.: Nein, ich kann es nicht mehr sagen. Vors.: Sie haben doch auch mit Tilian Zechen gemacht. Wie hoch beliefen sich diese? Angekl.: Zusammen etwa auf 166 M. Vors.: Haben Sie dem Tilian nicht auch wiederholt Geld in die Hand gedrückt? Angekl.: Das weiss ich nicht mehr. Vors.: In der ersten Verneh- mung vor dem Kriegsgericht haben Sie offen zugegeben, datz Sie dem Tilian Geld in die Hand gedrückt haben. Angekl.: Nein, das stimmt nicht! Der Borsitzende verliest daraufhin das Protokoll der fraglichen Vernehmung, aus dem hervorgeht, daß Brandt angegeben, er habe dem Tilian Beträge von 5, 16 und 26 M. gegeben. Angekl.: Das stimmt nicht! Bors.: Na, wie soll es denn in die Protokolle kommen? Angekl.: Das weiß ich nicht, ich habe dem Tilian aller- dings wiederholt kleine Beträge geborgt.— Bors.: Ach so, Sie sagen, dies waren keine Geschenke, sondern Darlehen? Angckl.: Jawohl. Bors.: Wie hoch waren diese Darlehen? Angekl.: Zu- sammen etwa 56 M. Vors.: Sie haben früher gesagt, zusammen 266 M. Angekl.: Das kann ich heute nicht mehr sagen. Vors.: Von Tilian sind„Kornwalzer" nicht vorhanden. Die vorhandenen beginnen erst mit dem Jahre 1916. Wo kommt das Wort Kornwalzer her? Justizrat Dr. von Gordon: Ich möchte hier gleich betonen. datz das Wort„Kornwalzer" nicht etwa zu bestimmten verdächti- ge» Zwecken erfunden ist. Es stand in dem Telegramm-Code, in welchem Tausende solcher Deckworte vorhanden sind. Oberstaats- anwalt Chrzescinski: Es ist doch nicht ganz ohne Interesse, wenn man sich den Code ansieht, so sindet man, datz mit jedem Wort ge» wissermatzen ein versus memorialis Verbunden ist und da scheint es doch so, als ob mit dem Wort Kornwalzer der Gedanke der Geheimberichte ausgesprochen werden sollte.— Angekl. Brandt: Ich habe in dem Wort nie etwas gefunden, es ist doch eine ziemlich unsinnige Zusammenstellung. Angekl. Eccius tritt dem Vom Ober- staatsanwalt ausgesprochenen Verdacht entschieden entgegen, die Firma Krupp hat ein Verzeichnis von tclegraphischen Deckworten, die dem internationalen Telegramm-Code entnommen worden sind. Als eine neue Auflage dieses Depcschenbuches hergestellt wurde, wurde ein Beamter beaustragt, aus dem internationalen Tele- gramm-Code Worte mit nicht mehr als 16 Buchstaben herauszu- suchen. Der Beamte hat eine genügende Anzahl solcher Worte herausgezogen, ohne datz er den Worten eine bestimmte Bedeutung gab. Das Wort„Kornwalzer" ist nicht gleich in dem Verzeichnis gewesen, sondern erst im Nachtrag. Ich glaube, ein rumänischer Vertreter hatte die Anwendung eines bestimmten Wortes für „vertrauliche Berichte" gewünscht. Oberstaatsanwalt ChrzeScinski: Es scheint doch nicht reiner Zufall gewesen zu sein, wenn das PZort„Kornwalzer" gewählt wurde, denn mit jedem Wort verband sich ein bestimmter Begriff, z. B.„Radreifen" für einen artille- ristischen Gegenstand,„Machtpfeiler" für Geschütz,„Mehlwurm" für Granate und„Lindenbaum" für Feldartillerie. Angekl. Eccius: Dann mutz ich aber doch beantragen, den Beamten zu laden, der damals die Sache bearbeitet hat. Wenn der Herr Staatsanwalt Wert darauf lesst, lege ich meinerseits auch Wert darauf, datz die Sache dann vollständig klargelegt wird. Ich weiß nicht, wie der Staatsanwalt zu solcher Ansicht kommt, .LLalzer" ist doch nichts Geheimes und„Korn" auch nicht. Dieses Thema wird hierauf verlassen und der Vorsitzende tu örtert weiter unter wiederholtem Hinweis auf die Ergebnisse des Prozesses vor dem Militärgericht die EntWickelung des Verkehrs des Angeklagten Brandt mit Schleuder, Schmidt, Dröse, Hinst, Höge und Pfeiffer, die Nach- richten, die diese ihm gegeben hatten und die Aufwendungen, die Brandt für sie in Gestalt von Bezahlen der Zeche bei Gastereien, Hingabe von Darlehen usw. gemacht hat.— Justizrat Dr. von Gordon weist darauf hin, datz bei den vom Kriegsgericht von der Anklage der Bestechung freigesprochenen Militär- oder amtlichen Personen festgestellt ist, datz sie dem Angeklagten Brandt zahlreiche Nachrichten gegeben hatten, ohne datz sie von ihm auch nur einen Pfennig Vorteil gehabt hatten. Bezüglich des damaligen Ange- klagten Höge bestätigt Brandt auf Vorhalt, daß er diesem einmal ein Darlehn von 1666 M. gegeben habe, welches mit 4 Proz. ver- zinst werde. Das sei aber vor der Zeit gewesen, zn der ihm Höge Nachrichten gegeben habe. Fustizrat Dr. von Gordon: Hat Brandt in irgendeinem Falle Nachricht über die erzielten Preise erhalten, bevor der Zuschlag erteilt war. Brandt: Nein, immer viel später. Der Borsitzende ist wiederholt genötigt, den Angeklagten Brandt auf Widersprüche in seiner jetzigen Aussage und seiner Zeugenaussage bor dem Kriegsgericht hinzuweisen, die Brandt aufzuklären versucht. So hat er in jenem Verfahren bezüglich zweier Militärpersonen ge<< sagt, er habe die Geldopfer gevracht, um sie„warm zu halten", er will dies aber in unverfänglichem Sinne gesagt haben. Bors.: Stimmte denn alles, was in den„Kornwalzern" stand bezw- das von den Kameraden erhaltene Material? Angekl. Brandt: Nein, ganz geWitz nicht, es war auch viel Material dabei, welches ich von anderer Seite, von Vertretern, auch von Herrn von Schütz selbst erhalten hatte. Bors.: Sie wissen, datz 751„Kornwalzer" gefunden Worden sind, die aus den Jahren 1916 bis 1913 stammelt- Nicht gefunden sind die ersten„Kornwalzer", die nach Beginn Ihrer Tätigkeit in Berlin verfaßt worden sind. Wo find diese ge- blieben? Angckl. Brandt: Das weiß ich nicht, sie müssen in Essen sein. Bors.: Warum möge« sie denn vernichtet worden sein? Brandt: Das weiß ich nicht. Vors.: Einigen Anhalt hat man ja aus dem bei Ihnen beschlagnahmten Notizbuch. Brandt: Was in dem Notizbuch steht, ist doch nicht alles hinausgegangen; das war doch bloß das Arbeitsmaterial. Bors.: DaS Ihnen zugestellte Material soll teilweise auf Dingen beruht haben, die im Jnteress» der Landesverteidigung streng geheim zu halten waren. Brandt: Für mich waren sie nicht geheim. Der Vorsitzende verliest hierauf den Verpflichtungsschein, den Brandt unterschrieben hatte. In diesem Schein erklärt Brandt u. a., daß ihin die Bestimmungen des Gesetzes über den Verrat militärischer Geheimnisse bekannt seien. Vors.: Die nach Essen geschickten„Kornwalzer" sind zunächst von Herrn von Schütz unter- schrieben worden, später hat sich von Schütz mit einem Male ge- weigert, die Unterschrift zu leisten und die„Kornwalzer" gingen ohne Unterschrift nach Essen. Weshalb mag das geschehen sein? Zlngekl. Brandt: Das weiß ich nicht, Herr von Schütz(ugte einfach, er wolle seine Unterschrift nicht mehr darunter setzen. Es sollten ja auch lediglich Notizzetld fei», die ich in ein Kuvert steckte, auf das ich auch nicht einmal„geheim" schrieb und nach Essen schickte. Die«Kornwalzer" wurden dann auch den offiziellen Briefen an &ie Firma Krupp beigefügt und zusammen mit diesen in ein ge- meinsames Kuvert gesteckt. Sie wurden zuerst an den Landrat a. D. Nütger, später an den Direktor Mouths und an Herrn von Dewitz adressiert. Bors.: Hat Sie denn niemals jemand befragt, in welcher Weise Sie Ihre Tätigkeit in Berlin ausüben? Angekl. Brandt: Nein, es hat niemand mit mir darüber gesprochen. Vors.: Sie sollen aber einmal dem Herrn von Schütz gegenüber geäußert haben, daß es doch wohl gefährlich sei, solche Sachen nach Essen zu geben. Angekl.�Brandt: Nein, ich habe mir keine Gedanken ge- macht. Herr von Schütz hatte mich ja beruhigt, indem er wiederholt sagte: Es liege das ja im Interesse der Heeresverwaltung, daß niedrigere Preise für sie erzielt werden und außerdem gehen die Berichte ja doch nur an eine Person, die sicher unrechtes damit nicht unternimmt. Bors.: Als nun Herr von Metzen der Nachfolger des Herrn von Schütz wurde, ging der denn nun mehr als von Schütz zu den Behörden. Brandt: Nein, erst recht nicht. Herr von Metzen war oft monatelang verreist, denn er war auch Ver- treter für Belgien und fuhr oft dahin. Auf weitere Fragen erklärt der Angeklagte noch, daß er dir Kornwalzer Herrn von Metze» habe vorlegen müssen und dieser sie unterschrieben habe, von Metzen sei über alles orientiert ge- Wesen und wußte, daß er, Brandt, von Kameraden die Nachrichten erhalten hatte. Bors.: Wurden von den Kornwalzern Abschriften genommen? Angekl.: Früher nicht, aber Metzen ordnete es an. Sie wurden in einem Geheimfach im Kontor aufbewahrt und dann später in meiner Wohnung beschlagnahmt. Ich hatte sie, da in dem Bureau Zentralheizung war und sich dort kein Ofen befand, mit in die Wohnung genommen, um sie hier zu verbrennen, bin aber nicht dazu gekommen. Rechtsanwalt Dr. Löwenstein: Hat der Angeklagte nicht allen Kameradon, die ihm Nachricht gaben, gesagt, eS handle sich lediglich um das Interesse der HeereSverwal- tung? Angekl.: Jawohl. Vorsitzender: Was ist in der Zeit, während der sich von Metzen in Italien aufhielt, passiert? Angekl. Brandt: Herr von Metzen ist von Mai bis Juli in Italien gewesen, inzwischen ist Direktor Muelon, der den Direktor Eccius vertrat, zu mir ins Bureau ge- kommen und hat gefragt, ob ich, da Herr von Metzen wohl nicht wiederkommen werde, in meiner Sonderstellung die Sache weiter- machen wollte und ob ich glaube, daß ich das machen könne? Ich bejahte mit dem Hinweise, daß mich der Direktor Draeger unter- stützen müsse, wenn etwas besonders Wichtiges vorkäme. Ich schrieb 'dann an Direktor Muehlon einen Brief, in dem ich mitteilte, daß ich nach reiflicher Ueberlegung zu dem Entschluß gekommen sei, daß es nicht möglich sei. Dabei habe ich auch auf mein�icht gerade beson- ders hohes Gehalt hingewiesen, erklärte aber, daß ich auch bei diesem Gehalt weiterarbeiten wolle, aber nur wie in der bisherigen Weise. Die Erhöhung meines Gehalts wurde mir dann ohne mein wei- teres Zutun zugesagt. Dann kam Herr von Metzen zurück, und ich teilte ihm mit, daß mir die Offerte gemacht sei, allein weiter- zuarbeiten, ich aber abgelehnt habe. v. Metzen war ganz betroffen, und ich war ihm von nun an ein Dorn im Äuge, weil ich die Augen zu seiner Stellung aufgeschlagen hatte. Ich bat dann Metzen, für mein« Gehaltserhöhung einzutreten oder aber mir die Nebenarbeit der Berichterstattung abzunehmen, da ich sehr nervös geworden sei. Herr von Metzen tat auch, als wenn er mir sehr wohl geneigt sei/ er hat aber, wie ich später festgestellt habe, Komödie mit mir ge- spielt. Ich fühlte, daß v. Metzen mich weg haben wollte und habe später Herrn Muehon gegenüber wiederholt gesagt, daß es mir am liebsten wäre, wenn ich die Berichterstattung los würde. Es wurde mir da gesagt, daß ich ja die Berichterstattung in dem Um- fange weiter übernehmen möge, wie ich es mit meiner Kraft glaube vereinbaren zu können. Bei diesem Gespräch mit Muehlon saß v. Metzen dabei, sagte aber kein Wort; ich hatte daS Gefühl, daß es ihm nur darauf ankam, Herrn Muehlon auf irgendeine Be- merkung festzunageln, und daß er«ine Komödie spielte. Der vor- sitzend« stellt fest, daß über diese Unterredung die Aussagen der Be- teiligten ganz erheblich auseinandergehen. Nach der Aussage deS Zeugen Muehlon soll der Angeklagte etwas in dem Sinn« gesagt haben, daß er die Berichterstattung gern los sein möchte, da er ein anständiger Mensch bleiben möckste. Herr Dr. Muehlon habe darauf gefragt, ob er denn etwas Unrechtes tue, und der Angeklagte habe geantwortet:.Ich glaube nicht." Angekl. Brandt: Mir kam die ganze Unterhaltung etwas konfus vor, und ich glaubte, daß Muehlon seine Fragen an mich auf Grund der Angaben richtete, die von Metzen ihm wahrscheinlich gemacht hatte. Das konnte ich mir absolut nicht erklären. Denn er war, wie gesagt, früher immer sehr nett zu mir und wußte auch ganz genau, was es mit den Ge- Heimnissen für eine Bewandtnis hatte, und nun war er augenschcin- lich etwas sehr gehässig, denn er machte manche nicht sehr ange- nehme Zwischenbemerkung. Borsstzender: Bei dieser Gelegenheit sollen Sie geweint haben? Angekl. Brandt: Ich hatte eine schwere Nasenoperation durchgemacht und litt an Augentränen. Der Bor- sitzende hält dem Angeklagten auf Grund der Aussage deS Direktors Muehlon vor, daß Brandt von dem letzteren wiederholt Bedenke« über die Art der Herbeischaffung feiner Berichte entgegengebracht lvorden seien, Brandt habe Ixtbei die Furcht geäußert, daß er seine Stellung verlieren könnte, wenn er keine Geheimberichte mehr liefere. Direktor Muehlon habe ihm klipp und Aar gesagt, daß er seine Stellung dann verlieren würde, wenn er in seiner Tätigkeit über die Grenzen des Erlaubten hinausginge. Muehlon habe ihm weiter gesagt, daß er allmählich den Verkehr mit den Kameraden abzubrechen habe und er die Repräsentationszulage nur noch bis zum Abbruch deS Verkehr? beziehen würde.— Der Angekl. Brandt vertritt bei seiner Schilderung dieser Unterredung den Staudpunkt, daß eS sich um eine verabredete Komödie gehandelt hchbe, daß man ihn habe bluffen wollen und ihn im Grunde Hab« zwingen wollen, die Sache weiter zu machen und alle Schuld, wenn etwas Uner- laubtes vorkomme, auf ihn zu schieben.— Der Borsitzends will dann weiter feststellen, was mit den Abschriften der Kornwalzer geschehen ist, als Herr v. Metzen wieder aus Italien zurückgekehrt war. Der Angeklagte erklärt hierzu, daß er dem v. Metzen die Durchschläge der Kornwalzer vorgelegt habe, die in der Zwischenzeit abgesandt wurden. Es mögen 72 gewesen sein. v. Metzen habe sie in ein Fach gelegt, was daraus gsworden, wisse er nicht; er habe v. Metzen wiederholt vergebens um Zurückgabe ersucht. Durch Erläuterungen de? Oberstaatsanwalts, des Vorsitzenden und der Verteidiger Dr. Löwenstein und Dr. v. Gordon wird fest- gestellt, daß die von Dr. Liebknecht dem Kriegsminister überreichten 15 Kornwalzer nicht Original«, sondern Abschristen waren. Die 72 Durchschläge, die Herrn v. Metzen bei seiner Rückkehr aus Italien vorgelegt wurden in den Abschriften, dw in dem Bureau in der Kohstrahe beschlagnahmt wurden, fehlen, und es ist wahrscheinlich, daß auch die 15, die Dr. Liebknecht dem KriegSmimster überreicht hat, dazu gehören. Der Vorsitzende geht dann etwas näher auf den Besuch ein. den Brandt dem v. Metzen in Schlachtensee gemacht hat. Brandt erklärt, daß er in der dort geführten Unterredung mit Metzen erst erfahren habe, daß dieser auf Grund seiner Reise nach Italien in- folge gewisser Vorkommnisse in böse Konflikt« mit der Firma ge- kommen sei. Bei dieser Gelegenheit äußerte Herr v. Metzen auch: er habe zu seinem Prozeß sein Material so in Sicherheit gebracht. daß e» niemand finden würde, v. Metzen äußerte dabei wörtlich: „Sie wissen ja, die Firma hat oft genug geschrieben und mich auf- gefordert, solche Geheimberichte zu machen." Ich war. so bekundet Brandt weiter, über diese Aeußerungen deS Herrn von Metzen ganz verwirrt, da ich ja auch �ar nicht wußte, was vorgefallen war. AIS ich fortging, sagte er mir noch: ich sollte Herrn Direktor Draeger von diesem Gespräch nur ruhig Mitteilung machen. Er wolle stets für mich eintreten, er wisse, daß ich stets ein anständiger Mensch gewesen sei und nur meine Pflicht gegen die Firma getan habe. Ich ging dann sofort zu dem Direktor Draeger und teilte ihm den Inhalt deS Gesprächs mit. Dieser äußerte: Wie kann denn v. Metzen so etwas sage»? Er kann sich doch nicht selbst belasten. Was er getan hat. hat er aus eigenem Antriebe getan; er wird doch dabei hoffentlich nichts Unrechtes begangen hoben. Herr Direktor imuteortlicher Redaktem:«lsretz«iejqqtz Nentöfl». gär"ix* Draeger erzählte mir nun, daß V. Metzen in Italien solche Sch..... ei gemacht habe, daß er entlassen werden mußte. Es handelt sich um Dinge, wie sie noch nie bei der Firma Krupp vor- gekommen seien. Vorsitzender: Der Direktor Draeger ist dann wohl sofort nach Essen gefahren? Angekl. Brandt: Jawohl. Er kam dann zurück und legte mir das Schriftstück vor, welches ja hier sein muß. ES wird das erwähnte Schriftstück von dem Vorsitzenden ver- lesen, welches ungefähr lautet: „Beschluß. Herr Brandt wird erneut an seine bei Antritt der Stellung eingegangenen Verpflichtungen erinnert. Er darf bei der Erlangung der kleinen Informationen keinesfalls in einer Weise vorgehen, welche von einem redlichen Geschäftsge- baren in irgendeiner Weise abweichen. Um solche Auffassungen Außenstehender zu verhüten, sollen von jetzt ab sämtliche ein- gehenden Berichte des Berliner Bureaus an die Firma direkt gesandt und von dieser registriert werden. Ferner soll die Einziehung der fraglichen Auskünfte möglichst beschränkt werden. Durch die neuen Beschlüsse werden die Bezüge des Herrn Brandt nicht berührt." Dieses Protokoll ist von dem Angeklagten Brandt unterschrieben und nach Essen zurückgesandt worden.— Borsstzender: Was haben Sie nun nach diesem Direktionsbeschluß getan? Angekl. Brandt: Ich habe die Sache ruhig fortgesetzt. Vorsitzender: Die Berichte wuroen von jetzt ab aber von Direktor Draeger selbst unterzeichnet. Jetzt wurden die Berichte auch auf gewöhnliches Kanzleipapier der Firma Krupp geschrieben und an die Firma selbst adressiert. Vorsitzender: Hat der Direktor Draeger nichts über die noch vor- handenen Schreibmaschinendurchschäge'der früheren„Kornwalzer" gesagt? Angekl. Brandt: Jawohl, er sagte, ich solle doch die Durch- schlüge vernichten, damit sie nicht in falsche Hände kämen. Bor- sitzender: Vielleicht sollten sie auch vernichtet werden, da man mit der Möglichkeit eines Strafverfahrens rechnete? Angekl. Brandt: Bon einem Strafverfahren ist niemals die Rede gewesen. Bor- sitzender: Was haben Sie denn nun getan? Angekl. Brandt: Ich habe die Papiere aus dem Geheim schrank genommen und nach Hause mitgenommen. Es war mir zu gefährlich mit den geheimen Sachen, ich konnte sie nicht im Bureau vernichten und nahm sie deshalb nach Rahnsdorf mit. Vorsitzender Wenn Ihnen die Sache als sehr eilig hingestellt wäre, hätten Sie dann die Dokumente sofort vernichtet? Angeklagter: Ja natürlich, sofort. Borsitzender: Sie muhten doch also Bedenken haben, daß es sich vielleicht um nicht zulässige Sachen handelte, die in einem gerichtlichen Per« fahren sehr unangenehm iverden könnten. Angeklagter: Daran habe ich nicht im entferntesten gedacht. Rechtsanwalt Dr. Löwenstein bittet die fraglichen Papiere vorzulegen, zum Beweise dafür, daß es tatsächlich auch gar nicht zu einfach war, sin so umfangreiches Aktenbündel schnell zu ver- nichten. Der Augenschein ergibt, daß es sich tatsächlich um ein recht gewichtiges Aktenstück handelt. Borsitzender(zu Brandt): Wissen Sie, ob sich auf die Korn- Walzer hin die Preise in Essen geändert haben? Angekl. Brandt: Jawohl. Ich habe die Preise während der ganzen Zeit dauernd kontrolliert, da ich natürlich ein großes Interesse daran hatte, zu sehen, welche Früchte meine Arbeit getragen habe. Um zu wissen, was die Firma mtt den Berichten macht, habe ich die früheren Preise und auch die jetzigen heruntergesetzten ständig aufgeschrieben. Porsitzender: Also die Firma Krupp ist mit den Preisen ststs heruntergegangen und hat sie niemals erhöht? Angekl. Brandt: Auf meine Berichte hin find die Preise stets heruntergesetzt worden. Vorsitzender: Sie haben ja auch ein Beispiel angeführt. Auf eine Aufforderung des Kriogsministeriums hatte die Firma Krupp Achsen zum Preise von 89,50 M. angeboten, während sie die „Rheinische Metalllvarenfabrik(Ehrhardt) zum Preise von 89 M. anbot. Stimmt das so? Angekl. Brandt: Jawohl. Nachdem ich dies in meinem Bericht mitgeteilt hatte, ging die Firma Krupp auch auf 89 M. herunter. Borsitzender: Also erhöht sind die Preise niemals? Angeklagter: Nein, niemals. Rechtsanwalt Dr. Löwen- stein: Haben Sie dies« Ziffern nicht auch den militärischen Be- amten vorgehalten, zum Betveise, daß sie kein Unrecht täten, da Krupp dadurch billiger arbeite? Angeklagter: Jawohl, ich habe stets gesagt, sie sollten sich selbst davon überzeugen, daß dadurch billiger geliefert werde. Außerdem war es m»r bekannt, daß auch oie Vertreter der anderen Firmen die Kruppschen Preise kannten und mit ihren Preisen ebenfalls heruntergingen, wenn sie er- fuhren, daß Krupp ein niedrigeres Angebot gemacht hatte. Rechtsanwalt Dr. Löwenstein hebt einige Momente hervor, die darauf hindeuten sollen, daß v. Metzen bis zu seiner Reise nach Italien genau von den Korntvalzern unterrichtet gewesen, nach seiner Ruckkehr aus Italien aber und nach dem Ausbruch seiner Konflikte mit der Firma zuerst dem Brandt das Herz schwer gemacht und ihm gesagt habe, daß er da» doch nicht machen; dürfe, da ja ein ganzes System in dieser Berichterstattung liege. Nach Ansicht des Verteidigers habe v. Metzen ein Doppelspiel ge- trieben und er sei es auch gewesen, der Brandt überredet habe, in Essen vorstellig zu werden, daß ihm die Berichterstattung ab- genommen werden möge. Der Borsitzende erörtert bann im einzelnen die GehaltSvrr» hältnisse und die sonstigen Bezüge des Angeklagten auf Grund seines ersten Vertrages und die Steigerung des Gehalts, sowie die Höhe der Gratifikationen usw., die er in den einzelnen Jahren erhalten hat. Als er 1996 nach Berlin versetzt wurde, behielt er sein bis dahin bezogenes Gehalt von 5200 M. und erhielt einen Wohnungsgeldzuschuß von 300 M. Das Gehalt steigerte sich so- dann bis 1. Juli 1910 bis auf 5800 M. Dann wurde das Gehalt aus 6500 M. normiert unter Wegfall des Monatsgeldzuschusses und unter Wegfall des vertragsmäßig vorgesehenen regelmäßigen Gehaltssteigerung. Auf Grund eines mit ihm abgeschlossenen Dienstvertrages wurde ihm eine penstonsberechtigte FunktionSzu- läge von 3500 M. betvilligt. Aus den Erörterungen geht hervor, daß der Angeklagte recht große Repräsentationsgelder bis dahin bezogen hatte, daß ihm in Anerkennung seiner erfolgreichen Tätig. keit wiederholt große Gratiftkationen zugebilligt worden sind. Auf eine Frage des Borsitzendrn erklärt Brandt, daß es ihm unmöglich sei, im einzelnen anzugeben, wieviel er für Geschenke, häusliche Repräsentation usw. ausgegeben hat. Er erwähnt u. a., daß er 1250 M. Miete zahlt, für ein besseres Dienstmädchen 800 bis 900 M. aufwandte, daß seine Kleiderrechnung etwa 500 bis 600 M. betrug. Dazu kamen die ziemlich hohen Abzüge für die Pensionskaff«, die Beträge für Diebstahls, und Lebensversicherung usw. Was er für reine Geselligkeit ausgegeben, könne er nicht schätzen. Seit 1909 bewohnt er eine Villa, die er selbst erbaut habe, doch möchte er über deren Preis keine Angaben machen, da ihm dies bei einem etwaigen Verkauf schaden könnte. Er erklärt dann aber auf eine ihn beruhigende Bemerkung des Vorsitzenden, daß das Grundstück 19 000 M. und das HauS selbst 30 bis 40 000 Mark gekostet habe; eine Baufirma habe ihm seinerzeit das Geld zur Verfügung gestellt und es hypothekarisch eintragen lassen.— Vors.: Aus einer früheren Aussage geht doch hervor, daß Sie früher niemals mit der Möglichkeit einer Bestrafung gerechnet haben.— Angekl.: Der Gedanke ist mir damals einmal gekommen hei der Vernehmung, wo ich alles grau in grau sah und verzweifelt war.— Bors.: Sic haben sich auch einmal geäußert, daß Sie sich in dieser Stellung unglücklich gefühlt haben.— Angekl.: Ich wollte nur andeuten, daß ich zuviel Dienst hatte.— Bors.: Haben Sie mit dem Direktor Eccius über das Zustandekommen der Kornwalzer jemals gesprochen?— klngeN.: Nein, niemals.— Bors.: Hatten Sie vielleicht die Absicht, eine Vertreterstelle dadurch sich zu er- werben, daß Sie sich als einen Mann zeigten, der viel leisten kann?— Angekl.: Nein, der Gedanke war mir nicht gekommen. aber als Herr Direktor Muehlon es anregte, dachte ich mir, die Sache ließe sich vielleicht machen. Die Verhandlung wird auf heute 9 Uhr vertagt. Heute soll Direktor Eccius vernommen werden. Inseratenteil verantw.: Xh. Glocke. Berlra. Druck n.«erlag: Borwärt» Hirn Induftne und ftendcl. Die Steigerung der Bergarbciterlöhne muß auch im Geschäfts- bericht der Deutsch- Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-Aktien-Gesellschaft wieder zur Begründung für die Hochtreibung der Kohlenpreise herhalten. Aber aus den An- gaben der Gesellschaft selbst ergibt sich, wie unzutreffend eine der- artige Beweisführung ist. Der Geschäftsbericht berechnet, daß sich der Vcrwertungsprcis der Kohlen gegen das Vorjahr von 12,09 auf 13,49 M. pro Tonne erhöhte. Die Steigerung betrug also hier 12 Prozent. Der Durchschnittslohn der Zechenarbeiter stieg da- gegen nur von 5,02 auf 5,35 M. pro Mann und Schicht, also nur 7 Prozent. Ebenso skeptisch wie die Behauptung, daß die„mäßige" Preiserhöhung dazu gedient habe, den Bergarbeitern einen an- gemessenen(!) Anteil an der guten Geschäftslage des Hochkonjunktur- jahres 1912 zukommen zu lassen, muß die Vertröstung hingenommen werden, daß in Zukunft die technisch und finanziell gestärkie Kohlen- industrie demnächst eher in der Lage sein wird,„Preisopfer" zu bringen. Das Festhalten deS Kohleniyndikats an den hohen Preisen des Vorjahres, trotzdem die Konjunktur zurückgeht, beweist das Gegenteil. Nicht einmal zu Preisherabsetzungen für Koks hat sich das Syndikat, bei dem Deutsch-Luxemburg eiste der größten BcteiligungSziffern besitzt, entschließen können, obgleich die Eisen- industrie schwer darunter leidet. Dir Berliner Elcttrizitäts-Werke beschäftigen sich in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1912/13 auch mit ihrem Verhältnis zur Berliner Stadtgemeinde. Es heißt da:.Die Stadtgemeinde hat von ihrer Befugnis zur Kündigung des bestehenden Vertrages Gebrauch gemacht, indem sie uns davon Kenntnis gab, daß die An- lagen der B. E.-W. �um 1. Oktober 1915 in ihr Eigentum übergehen sollen. Diese Kündigung war zur formellen Wahrung der vertrag?- mäßig der Stadt eingeräumten Befugnisse erforderlich; indessen nehmen die Verhandlungen über Verlängerung des Vertrages ihren Fortgang, und man ist weiter bestrebt, eine Basis für eine Ver- ständigung zu finden. Eine solche wäre für die Gesellschaft werlvoll, wenn ihr der Betrieb der Werke auf eine längere Reihe von Jahren zugesichert würde. Sollten die VerHand- lungen an den Ansprüchen der Stadtgemeinde scheitern, so würde das der Gesellschaft für Ueberlassung der Werke zufallende belang- reiche Kapital sie in die Lage setzen, ihre Tätigkeil neuen gewinn- bringenden Unternehmungen zuzuwenden, die s e i t I a h r e n vor- bereitet werden." Die Uebernahme der B. E.-W. durch die Stadt begegnet dadurch Schwierigkeiten, daß die B. E.-W. ihre Anlagen außerhalb des Weichbildes der Stadt stark ausgedehnt hat und finanzielle Beziehungen der B. E.-W. zu anderen Elcktriziläts- Unternehmungen bestehen. Wie der Geschäftsbericht hervor- hebt, sind die B. E.-W. auf neue Unternehmungen vorbereitet. Auch diese Schritte erschweren jetzt bereits der Stadt die Uebernahme der B. E.-W. Dahin gehören u. a. die Erwerbungen von Kohlenfeldern durch die B. E.-W. im Bitterfelder Braunkohlenrevier, wohin die Kraftanlagen verlegt werden sollen. Im Geschäftsbericht heißt es darüber nur allgemein:„Um eine weitgehende Herabsetzung der Tarife in Zukunft zu ermöglichen, glauben wir, die Verlegung der Stromerzeugung an die Fundstelle des Heizmaterials vorbereiten zu müssen, und wir haben uns zu diesem Zweck Braunkohlenvorkommen in der Nähe von Bitterfeld in einem Umfang gesichert, der n i ch t häufig in einer Hand vereinigt war." Neben den betriebstechnischen Rücksichten war für die Erwerbung sicherlich aber auch der Wunsch maßgebend, der Stadtgemeinde den Erwerb der B. E.-W. zu er- schweren. Das abgelaufene Geschäftsjahr hat der Gesellschaft eine be- friedigende Weiterentwickelung gebracht. Die Anschlüsse stiegen um 12,7 Proz., auf 255 721 Kilowattstunden. Der Bruttogewinn stellte sich auf 23,05 Millionen Mark. Nach Abzug der Betriebsunkosten, Steuern, Zinsen und Abschreibungen verblieb ein Reingewinn von 11,86 Millionen. Die Stadt erhält davon einen Anteil von 3,9 Mllionen. Die Aktionäre beziehen 6,2 Millionen als Dividende, 12 Proz. auf die Stammaktien, 4>/, auf die Vorzugsaktien. Die Tantieme des Aufsichtsrats mit 206 400 M. ist nur um 20 000 Mark niedriger als die Zuweisung an die Krankenkassen-, Pensions- und Wohlfahrtsfonds angesetzt. Aus dem Konto Beteiligungen geht hervor, daß die B. E.-W. Aktien der ElektrizitätS-Lieferungö-Gesell- schast, der Berliner Bororts-ElektrizitätSwerke und der Sächsischen Elettrizitäts-LieferungSgesellschaft besitzen. Die Schnltheiß-Brauerei A.-T. erhöht ihre Dividende von 15 auf 16 Proz. Die Abschreibungen werden auf 2,1 Millionen be- messen. Brnfkaften der RcdahHon. XU iurtlttlftc vy»a>ft»»de findet Ltxdenftratzc es, vorn vier Xrcvpe» — stayrftnyl—, woitieniSglich von tu, vi» 7'-, Uhr»dends, eonnahcnd», »on i'/h tu 6 Uhr«hrndh statt. Jeder für den vrirftafteu bestimmten Anfrag» ist ei« vuihftahe und eine zahl als Mcrtteichen detznfügen. vttefttihc Antworl «Üb nicht erteilt. Aufragen, denen feine«hannementSanittung dctgefstgt ist, der»«»»ich« hrantwortit. Eilige Fragen trage mau tn der«prechstundc vor. G. W. 100. Beaustragcn Sie einen Sachverständigen mit der Unter- suchung der Räume. Hält dieser die Räume für erheblich gesundheitS- gesährdend. so können Sie ausziehen und Schadenersatz verlangen.— Putzwassrr 71. 1. ES müssen mindestens 200 BeitragSivochen geleistet sein. S. Darüber können wir Ihnen leider keine Auskunft geben.— A. M. 226. Ja, sosern ein Verschulden nachweisbar ist und zwar gegen den Schuldigen.— A. 2. 222. AIS Schewvertrag nichtig.— A. P. OS. 1. Der Abzug ist leider zulässig. 2. Falls wiederum Kürzung der Rente ersolgt. raten wir, wiederum Berusung einzulegen.— C. B. 2. 20. Der Lobnabzug war unbegründet. Sie können beim Gewerbegericht Klage er- hebe».— Ä. 8. 21. Nein.— P. I. 100. Reklamieren Sie bei der Kirchendehörde.— Traben 66. 1. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Leisügung des Vertrage«. 2. Sie können vor dem l. 12. 15 den Bettag nicht fordern.— ft.». 7. 1. Sie sind zahlungspflichtig. 2. Ja. sosern c» sich um Schulden zur Bestreitung des Unterbalis havdelt.— S.®. 1864. Nachfrage bei den in Betracht kommenden Ortsbehörden. Auch könnten Sie sich an die Polizeibehörde mit dem Ersuchen um Recherchen wenden. — h.®. 1000. Wir raten, sofort an den Anwalt zu zahlen. — W. W. 28. Durch Gesetz nicht geregelt. ES können aber ortS« polizcUiche Vorschristen bestehen. DaS Nähere erfahren Sie beim Amts- Vorsteher.— tt.®. 5«. Eine Schenkung ist nicht zulässig, jedoch möglicherweise eine Adoplion. Ob die gesetzlichen Ersoröernisse vorliegen, läßt Ihr Schreiben nicht erkennen. Kommen Sie in die Sprechstunde. — Kurt 6. Dagegen wird sich kaum etwas wn lassen. Versuchen Sie tS mit einer Rücksprache mit dem Rettor.— U. 32. In beiden Fällen ist der Betrag, der 28,85 M. in der Woche übersteigt, beschlagnahmesabig, und zwar aus Grund dos Lohnbcschlagnahmegesetzei in Verbindung mit§ 850 Der Zivilprozetzordnung.— A. H, 178. Den Tausschein Ihre» VaterS. — P. 8. 32. Auch unseres Erachtens liegt eine strafbare Handlung vor. Außerdem ist der Verwalter schadenersatzpflichtig.— L-n. Nö. 129. Der Ausgang deS Prozesses ist recht zweiselhaft. Wir raten ab, sich auf den Prozeß einzulassen.— M. K. 100. 1. Bund für Mutterschutz, WilmerS- dors, Sigmartngenstr. 25. 2. Deutsche Gesellschnst für Mutter- und KindeZ- recht, Charloltenbury, Dablmannstr. 25. Beides sind private Institute und unterhalten AuSkunstsslellei», die sich über Berlin und Umgegend erstrecken. — W. M. 1913. Da« ist nur möglich, wenn Sie sür volljährig erklärt werden. Ein dahingehender Antrag ist bei dem Amtsgericht Berlm-Mitte, VormundichastSableilung. zu stellen.— R. W. S6. Den Durchgang durch Ihren Korridor müssen Sie nach wie vor dulden. Ein Recht zur Lösung deS Vertrage« steht Ihnen nicht zu. Kupvelei kommt sür Sie unter den geschilderten Umständen nicht in Frage.— G. St. Die gragestelluiig ist un- verständlich.— ift. 1. 1. Nein. 2. grau Kinder— R. P. 46 1. und 3. Ja. 2. 10 Monate. 4. An das Amtsgericht.— E. H. Bei«. 1. Nein. 3. Ja.«.®. 20—000. Ein Erl» echt des unehelichen Kindes besteht nicht, und zwar auch dann nicht, wenn das Kind vor dem 1. Januar 1300 geboren ist.— 4>. 8. 43. t. Nein. 2. Ja. 3. und 4. Eine besondere Klage ist nicht ersorderuch. Sie müssen unter Ueberreichung der Beläge beim Amlsaertcht die Festsetzung der Kosten und Erteilung einer mit Vollstreckung«- ttausel versebenen Ausfertigung des KostensestsetzungsbcschlusseS beanttagen. Aus diesem Beschluß können Sie alSdann Zwangsvollstreckung veranlassen. — A. B. tt. 211. 1. Gefängnisstrafe von einigen Wochen wäre zu er- warten, falls die Ettajtat nachgewiesen werden kann. 2- Rein, in 5 Jahren. Jede richterliche Handlung unterbricht jedoch die Verjährung. 3. DaS wäre möglich.— Streitfrage 073. Nein.— Schule. Unseres Erachten» Nein. Machen Sie dem Präsidium Mitteilung, daß Sic nur an Erwachsene unterrichten.— A. B. 300. 1. Ja. solange die Zahlung nicht ersolgt ist. 2. Wenn die Möbel vollständig abgezahlt sind, können Sie die beiden Gegen» stände dem Bruder übereigne».— 19. P. ft. Etwa 25 M. monatlich.— Buchdrucker«, u. VeriagSanstolt Paul Singer». Eix, Lerli» SM