Ur. SSO. Hbonncments-Bcdingungcn; ■Boimcmcntä- Preis pränumerando: Vierteljährl. SL0 Mk, monatl. l.lv Mk, wöchentlich W Pfg. frei inS HauZ. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt» 10 Pfg. Post. «lbonnement: Z.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2JbO Marl, für da- übrige Ausland * Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen ain Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rttmänien, Schweden und die Schweis. 30. Jahrg. v!e Insei'tionz-Sedilhi' velrägt für die scchsgcspaltenc Kolonel. zeile oder deren Raum M Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersmninlungs-Anzeigcn 30 Pfg, „Kleine Mnrcigcn", das settgcdriiclts Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasslellen.',,!- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Jnserais für die Nächsie Nuinnier müssen bis I» Uhr nachinittags in der Erpedition abgegeben iverden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, ktlchiiiil taglich. Nerltnev VolksblÄtk. Telegramm- Adress« „SoÄZiilemohkzl stekli!»-. Tentralorgan cler foziuldemökv&txfdncn Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplasi- Nr. 1S83. Seltsamkeiten(le§ l>irupp-pro?esse5. Warum nur ein Direktor angeklaat? Wie der erste Krupp-Prozeß vor dem Kriegsbericht, so gibt auch der neue Krupp-Prozeß vor der Moabiter Stras kammer iilancherlei Nüsse s;u knacken. Und diese Rätsel wer den um so unlösbarer, je mehr man in die Dings eindringt. Eins dieser Rätsel ist da zum Beispiel, weshalb denn gerade der Direktor Eccius auf die Angklagebank geraten ist und nicht der oder jener andere Krupp-Tirektor. oder warum nicht �— was doch für den Laienverstand das Nächstliegende gewesen wäre— außer Herrn Eccius auch die anderen Herren Direktoren in Anklagezustand versetzt wurden! Gerade die Verhandlungen vor dem Kriegsgericht zwingen geradezu zum Auswerfen dieser Frage. Denn dort bekundete Herr Eccius, daß er keineswegs derjenige gewesen sei, der die Versetzung Brandts nach Berlin verfügt habe. Seiner Erinnerung nach sei er in dieser Sache nicht einmal befragt worden. Das sei auch gar nicht seines Amtes ge- Wesen, sondern Angelegenheit des zuständigen Dezernenten für das N a ch r i ch t e n w e s e n. also des Direktors Budde. Im übrigen sei er sehr häufig und sehr lange durch Aus- landsreisen von Essen ferngehalten lvorden. Im Jahre 1908 habe er nur fünf Sonntage in Essen verlebt. Ueberhaupt habe er im Jahre durchschnittlich die Hälfte oder gar zwei Drittel der Zeit im Auslande zugebracht. Aus all diesen Gründen habe er die Kornwalzer nur flüchtig zu Gesicht be- komnien. Da sich nun auch aus der Art der Fragestellung bei der jetzigen Vernehmung des Herrn Eccius vor der Straf- kammer kein besonderer Grund ersehen läßt, weshalb denn gerade d i e s er Krupp-Direktor. und obendrein er ganz allein, die Anklagebank drückt, erscheint es uns doch ganz angebracht, noch einmal das in Erinnerung zu bringen, was die anderen Krupp-Tirektoren in der Kriegsgerichtsverhand- lung in ihrer Eigenschaft als Zeugen selbst über ihre Be- ziehn ngen zu den Brandtschen Kornwalzern ausgesagt haben. Da war zunächst der Direktor Dr. Dreger, dem vor seiner Versetzung nach Berlin die Äonstruktionsangelegen- heiten der Firma Krupp unterstellt waren. Die Kornwalzer, die sich auf konstruktive Mitteilungen bezogen, wurden Herrn Dreger vorgelegt und von ihm gelesen. Daß Herr Dreger behauptete, er Zzabe diesen Mitteilungen keine besondere Be- deutung beigemessen, da der Firma bereits auf anderem Wege alle Angaben— auch die geheimsten, die sich auf Versuche der Konkurrenzfirmen und des Reiches bezogen— bekannt ge° worden seien, ist für die kriminelle«Seite völlig belanglos. Um so mehr, als Herr Direktor Dreger zugab, daß er sehr wohl die Ueberzeugung gehabt habe, daß der Inhalt gewisser Kornwalzer nicht auf legalein Wege in den Besitz des Brandt gekommen sein könne. Herr Dr. Dreger bediente sich also der auf illegale m Wege erlangten Wissenschaft des Brandt, von der er w u ß t e, daß sie zum Teil nur durch gesetzwidrige Manipulationen erlangt sein konnte— und er fungiert trotz- dem in dem Prozeß nicht als Mitangeklagter der Brandt und Eccius, sondern als Zeuge! Noch ein anderes Beispiel: Auch Direktor Mouths erhielt amtliche Kenntnis von den Kornwalzern. Ihr Inhalt verblüffte ihn zuweilen derart, daß er sich— nach seinem eigenen Ausdruck—„an den Kopf faßte" und fragte, woher denn der Brandt diese Geheimnisse eigentlich haben könne. Er vermutete, daß der Inhalt solcher Kornwalzer nur aus Indiskretionen beruhen könnte. Er hatte— wieder nach seiner eigenen Aussage— sogar„das Gefühl, daß der Brandt und möglicherweise eine Person, die indiskret war. Unannehmlichkeiten erwarten könnten". Trotz alledem erhob auch er keinen Einspruch gegen das ihm der- artig verdächtige System, da nicht er, sondern der Direktor Budde der direkte Vorgesetzte des Brandt war. Wir fragen: Hätte nicht auch gegen diesen Krupp-Tirektor mit min- bestens dem gleichen Rechte die Anklage erhoben wer- den können, wie gegen Eccius? Wir werden auf diese immerhin auffälligen Tatsachen wohl noch zurückkommen müssen, wenn uns der weitere Ver- lauf des Prozesses einen klareren Einblick in die Strategie und die Motive der Anklage ermöglicht. Da indessen die Ver- teidigung der angeklagten Krupp-Beamten nichts unversucht läßt, um das Gewicht der Zeugenschaft des Herrn v. Metzen zu erschüttern, war sicherlich auch heute schon der Nachweis geboten, daß mindestens einige der als Zeugen aufgebotenen Krupp-Tirektoren der Mittäterschaft dringend verdächtig erscheinen! Eccius, das Unschuldslamm. Herr Direktor Eccius brachte die Entschuldigungen, deren er sich schon vor dem Kriegsgericht bediente, natürlich auch am Freitag wieder vor. Er sei sehr viel auf Reisen gewesen, habe die Kornwalzer nur flüchtig angesehen und sich seinem Ressort nach ja höchstens um das zu kümmern brauchen, was in sein Dezernat— das Preisbildungswesen für das In- und Ausland— gefallen sei. Wohl sei es die Aufgabe des Berliner Bureaus gewesen, Informationen für alles zu be- schaffen, was geschäftlich für die Firma Interesse geboten habe welcher Art aber diese Informationen zu sein hätten, das habe der Berliner Vertreter, Herr Brandt, selbst wissen müssen. Ein solcher Standpunkt ist ebenso bequem wie— vor sichtig. Man gibt Jemandem Aufträge der wichtigsten und diffizilsten Art, Aufträge, die ohne Gesetzwidrig- keiten gar nicht auszuführen sind, weist aber dann jede Verantwortung für das Treiben eines solchen Werkzeuges von sich. Man stellt diesem Werkzeug sogar 3500 Mark jährlicher„Funktionszulage" zur Verfügung, lehnt es dann aber geflissentlich ab, irgendwelche Recherchen über die Verwendung dieses Geldes anzustellen. Ja sogar, als man durch den Inhalt der Berichte st u tz i g gemacht werden m u ß. vermeidet man vorsichtig, in Nachforschungen einzu- treten. Man will eben nichts wissen, um später, falls die Sache schief geht, mit seiner Ahnungslosigkeit austrnmpfen zu können. Was sind diese Unschuldslämmer doch für ge rissene Füchse! Herr Direktor Eccius, der ehemalige hohe I u st i z b e a m t e im R e i ch s d i e n st, gab am Freitag zu, daß er wohl das Gefühl gehabt habe, daß einzelne Be mute pflichtwidrig gehandelt haben nnißten, als sie dem Brandt bei den Zechgelagen(die doch die Firma Krupp mit ihrer„Funktionszulage" bezahlte und bezahlt wissen wollte) ihre Dienstgeheimnisse auskramten. Aber der Herr Direktor hat sich gleichwohl über Brandts mehr als ver dächtiges Treiben„keine Gedanken gemacht". An moralischen Zwangsvorstellungen leidet also Herr Eccius sicher nicht, da- für besitzt er die für eine Kanoiienfirnia unschätzbare Fähig- keit in um so höherem Grade, sich aller unpraktischen Ge- Wissensskrupel völlig zu entschlagen. Immerhin hat auch Herr Eccius böse Ahnungen gehabt. Er fürchtete, daß es einmal zu einem„publizistischen Skandal" kommen könne. Wohl gemerkt, zu einem Presse-Skandal, beileibe aber nicht zu einem kriminellen Debacle. Eine Einschätzung unserer Rechtspflege, fiir die unsere Justiz- behörden diesem ehemaligen hohen Iustizbeamten sicherlich zu besonderem Danke verpflichtet sein dürften. Täppische Täuschungsvcrsuchc. Schon während der Kriegsgerichtsverhandlungen ver- suchten die Krupp-Direktoren und die Krupp-Presse das kind- liche Manöver, es so darzustellen, als ob die skandalösen Spionagemanöver des Brandt schließlich nur die Wirkung ge- habt hätten, dem heißgeliebten deutschen Vaterlande einen patriotischen Dienst zu erweisen. Wohl Hab? sich die Firma Krupp(rechts- und gesetzwidrig!) in den Besitz der von der Militärverwaltung geflissentlich geheim- gehaltenen Konkurrenzpreise gesetzt, doch habe sie daraufhin ihre Preise niemals herauf-, sondern stets nur herabgesetzt. Das Reich habe also billigere Lieferungen er- halten. Ihm sei also schließlich nur eine Wohltat erwiesen worden. Also hätte dem Brandt schließlich nur die Ver- dienstmedaille gebührt! In Wirklichkeit diente das Brandtsche Spionage- und Bcstechungssystem ja nur zum Teil der Erschnüffelung der Konkurrenzpreise. Brandt fahndete im Auftrage seiner Firma auch auf K 0 n st r u k t i 0 n s g e h e i m n i s s e der 5ton. kurrenz und des Reiches. Doch wird darüber noch an anderer Stelle das Nötige zu sagen sein. Bleiben wir hier also einmal bei den Konkurrenzpreisen. Die Militärverwaltung legte, das wurde in der Kriegs- gerichtsverhandlung ausdrücklich festgestellt, großes Gewicht auf diese Geheimhaltung. Aus nur zu begreiflichen Gründen. Sie wollte eben— aufDrängen des Reichstags— auch eine Konkurrenz lebensfähig erhalten, da ja das Reich die ehemalige Monopolstellung Krupps mit ungezählten Millionen überteuerter Preise hatte bezahlen müssen. Erst das parlamentarische Eingreifen hatte, wie ini Reichstag 1905 erneut und unwiderleglich festgestellt wurde, die Firma Krupp zum Herabgehen mit den Panzerplattenpreisen gezwungen. Erst die Konkurrenz anderer Firmen hatte, wie damals der Kriegsminister Herr v. Einem selbst zahlenmäßig nachwies. ein gewaltiges Herabgehen der Preise des Artilleriematerials zur Folge gehabt. Wie aber soll die Konkurrenz gegen die allmächtige Firma Krupp aufkommen können, wenn diese Firma es versteht, auf ungesetzlichem Wege die von der Re- gicrung geheimgehaltenen Konkurrenzpreise zu erfahren, um dann auch ihrerseits niedrigere Preise zu stellen? Ist es doch ein allbekanntes, a l l g e ü b t e s Konkurrenz- manöver, daß kapitalkräftige Firmen ihre Konkurrenten erst unterbieten, um dann, wenn diese Konkurrenz aus dem Felde geschlagen und ruiniert worden ist, wieder wucherische Monopolpreise fordern zu können. Mag doch die Firma Krupp von vornherein gewissenhaft kalkulieren und billige Preise stellen! Statt dessen kundschaftete sie erst nnt verbrecherischen Mitteln die Konkurrenzpreise aus, um dann später ihre Preise danach ein- richten zu können. Ein ebenso unlauteres, wie die Interessen der Steuerzahler gefährdendes Geschäftsmanöver I Es war deshalb zum mindesten recht unvorsichtig von dem Verhandlungsleiter, wenn er nach den schönfärberischen � Ausführungen des Herrn Eccius über die Kruppsche Taktik i Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt MoritiplaN, Nr. 1984. der Preisherabsetzung(als Folge der Ausspionierung der Konkurrenzpreise) erklärte: Ich ziehe also den Schluß, daß die Preispolitik der Firma Krupp niemals zum Schaden der Heeresverwaltung ausgeschlagen ist. Wir hoffen, daß das lediglich das Resümee der Angaben des Herrn Eccius sein sollte, keineswegs aber eine Akzeptierung dieser total falschen Tarstelluiig durch den Gerichtsvorsitzenden! Ebenso auf plumpe Täuschung berechnet war die Dar- stellung, als habe sich» bei dieser Kruppschen Spionage- und Preispolitik ja nur um Aufträge von ein paarmal hundert- tausend Mark jährlich gehandelt, also nur um den Bruchteil eines einzigen Prozentes des Kruppschen Jahresumsatzes. In Wirklichkeit handelte es sich um ganz etwas anderes. Näm- lich, wie Herr Eccius ja selbst zugeben mußte, um den Kamps gegen die unbequeme Konkurrenz, die man namentlich 1905 und 1900 unliebsam empfunden hatte. War doch Herr Eccius, der Vielbeschäftigte, damals selbst nach Berlin ge- fahren, um„unsere parlamentarischen Freunde"(!I) mit tendenziösem Kruppmaterial zu versehen. Man weiß jetzt wenigstens, woher das Material stammte, mit dem der Ab- geordnete Beumer damals den Reichstag zu bluffen versuchte. Ach nein�um üms es sich in Wahrheit bei der Brandtschen Spionage drehte, hat vor dem Kriegsgericht Herr Dr. Dreger, einer der anderen Krupp-Direktoren, verraten. Er sagte damals:„In Offizierskreisen hieß es allgemein, die Firma Krupp habe für die K l e i n l i e s e r u n g e n kein Interesse und stelle für sie hohe Preise. Taraus machte man dann Rückschlüsse auch ans die großen Lieferungen, und wir waren zn Unrecht als teuer verschrien." Man wollte also bei den kleineren Lieferungen, gleich der Konkurrenz, billigere Preise machen, um dadurch für die Kruppschen Preise für die großen Lieferungen ein gün» st i g e r e s Vorurteil zu schaffen, um der n n b e- q u e ni e u militärischen u n d p a r l a in en t a r i- scheu Kritik den Mund zu st 0 p f e n! Aber mehr noch. Auch bei großen Lieferungen für Kanonenrohre war seinerzeit, so erzählte Herr Dr. Dreger, die Firma Krupp ins Hintertreffen geraten. Man wollte deshalb nicht nur die Konkurrenzpreise erschnüffeln, sondern auch von solchen großen Lieferungen Kenntnis erhalten, die die Heeresverwaltung aus guten Gründen vor der .Firma Krupp geheim hielt. Man wollte durch solche illegitime Spionage die Möglichkeit erhalten, der Kon- kurrenz zuvorzukommen, um sie zn unterbieten. Natürlich nicht aus nationaler Begeisterung für billige Lieferungen an das Reich, sondern um die Konkurrenz nach Möglichkeit aus- zuschalten. Um die alten schönen profitablen Zeiten des Kruppschen Monopols wieder herzustellen! Solch weitschauenden Geschäftsmanövern diente das Brandtsche Spionagesystem. Deshalb konnte man den Sub- altern mit seinen unsauberen Manövern nicht entbehren. U n d w e n n w i r k l i ch u n s e r e H e r r e n I u r i st e n so weltfremd und g e s ch ä f t s 11 n k u 11 d i g sein sollten, um diese Dinge nicht s el b st erkennen zu können, so ist es Sache der unabhängigen, wahrhaft nationalen Presse, ihnen diese Z n s a m m e n h ä n g e nachdrücklichst begreiflich zu machen!__ .Miere Kavallerie." Unter obigem Titel brachte jüngst die„Kölnische Z e i« t 11 n g" eine Reihe von Artikeln als Geleitwort zur Bildung der vom Reichstag bewilligten sechs neuen Kavallerieregi- m e n t e r- Der Verfasser schildert zunächst die geschichtliche Eni- Wickelung der Kavallerie und ihre Bedeutung im Kriege und kommt dann auf die gegenwärtigen Verhältnisse zu sprechen. Er versucht den Grund zu erforschen, weshalb die Kavallerie bei uns„d i t Fühlung mit weiten Kreisen des Volkes, ihr Ver- trauen verloren hat." Dabei will ihm scheinen, daß Zweifel an der inneren Tüchtigkeit dieser Waffe, an dem Geist, der ihr OffizierkorpZ beseelt, eine entscheidende Rolle spielen. Gewisse Erscheinungen der FriedenSjahre, Wahrnehmungen über die Lebenslveise, die Dienstauffassung und die Zusammensetzung des Offizierkorps gingen ihren Weg, breiteten sich in immer weitere Kreise aus, wobei Einzelheiten verallgemeinert, aber auch ernste Schäden als solche klargestellt würden: i Was ich meine? Ich meine vor allen Tingen die weitesten Kreisen immer unverständliche Tatsache, daß die Offizier- korps der Kavallerieregimenter einen ausgesucht nicht etwa aristokratischen— das ließe sich versieben— nein Pluto k ratische 11 Charakter tragen. Gewiß, daß Pfcrdehaltung Geld kostet, das weiß jeder, und daß deshalb der Kavallerieofsizier etwas niehr Zulage nötig hat als der Jnfanterieoffizier,— obwohl auch das schon ein arger Mangel unserer Organisation ist. Daß unsere zukünftigen Kavallerie- führcr nicht nach den kavallcristischen Anlagen der Jungen, son- dern»ach dem Geldbeutel der Väter ausgesucht werden müssen, das ist an sich schon ein verhängnisvoller Schaden für die Waffe. Aber nun die Größe dieses Geld- beute ls! Wer sich einen Begriff machen will von den Geldsummen, die da verschleudert werden, der frage einmal das Postamt eines Truppenübungsplatzes nach den Geldeingängcn, wenn eine Kavalleriebrigade übt; er kann da seltsame Sachen hören. Der Verfasser weist die Anschauung zurück, als ob hierbei der Uniformwechsel wesentlich ins Gewicht fiele. Die Hauptrolle spiele ein als staudesgemäß ausgefaßter Luxus de» Säg, l ich en Lebens. Und da liege für die öffentliche Meinung der Schluh nahe, daß der Kavallerieoffizier in erster Linie Gentleman sein müsse, und nicht mit Unrecht wittere der Volkssinn weiter, daß der E r n st der D i e n st a u f fa s s u n g, die Hingabe an den Beruf da, wo er unbequem, lästig, langweilig werde, mit einem Worte: wo der Sport aufhöre, leiden müsse unter allzu günstiger Vermögens- läge. Der Verfasser untersucht dann, wie das im Kriege wirke, wo an die Kenntnisse, die Tatkraft, den Lebensernst und den eisernen Willen die höchsten Anforderungen gestellt würden. Und er wagt die Frage:„Ob dieser Ernst, dieser Arbeitswille überall vorhanden ist? Ob er durch reiche Zulage, durch Gewöhnung an Luxus und Wohlleben gefördert wird?.... Wer sich zu früh an das behagliche Leben des wohlgestellten Junggesellen ge- wöhnt, dem geht auch im Kriege leicht der Tatendrang nur so weit, als er dabei ein gutes Quartier er- wischen kann. Und wenn Sorge um das tägliche Brot in späteren Jahren gewiß nicht günstig auf die Nerven einwirkt, wer das Leben bis zur Neige ausgekostet hat in der Jugend, wird schwerlich starke Nerven in die Jahre hinüber retten, wo er sie als Führer braucht." Hier liegt nach des Verfassers Meinung im tiefften Grunde das Mißtrauen weiter Kreise gegenüber der Kavallerie verankert Man sehe ein glanzvolles, dem Sport und Vergnügen gewidmetes Leben, denke an den Hannoverschen Spielerprozeß und ähnliches und schließe daraus, daß das alles nur Spielerei, eine angenehme Versorgung für die Söhne reicher Familien sei. Und auf noch etwas weist der Verfasser hin: Schwer geschadet haben auch sicherlich sogenannte Manöver bilder. Der Fachmann weiß, daß das Manöver die Truppe im Gelände üben soll. Dazu gehört für Kavallerie auch das Reiten einer Attacke im großen Verbände— das soll ja gerade geübt werden. Da ist eS denn zuweilen vorgekommen, daß in den Kaifermanövern solche Attacken auch da geritten wurden, wo sie taktisch unmöglich waren, ja daß man— um dem Kavalleristen nicht daS Selbstvertrauen zu nehmen ihm auch Wohl Erfolge zugesprochen hat, wo solche nachdem Urteil kritischer Zuschauer mindestens sehr zweifelhaft waren. Da ist dann rasch das Urteil entstanden: Paradetruppe— schöne Bilder will man haben, das ist alles. Kleinigkeiten haben oft tiefere Wirkungen als große Sachen. Das kaiserliche Scherzwort von den Krefelder Tän zcrn, das dann zu dem Spottwort„Tanzhusaren" geführt bat, hat in dieser Verzerrung vielleicht mehr Schaden an- gerichtetals mangelhafteLeistungen im Kriege, So«in Schlagwort, einmal geprägt, haftet im Voltsgedächtnis: „Ach was Grenzschutz, Tanzhusaren werden gebraucht!" Wie die„Kölnische Zeitung" mitteilt, haben ihr diese Artikel eine große Anzahl von Zuschriften eingetragen, von denen sie die eineS alten Kavalleristen abdruckt. Der Verfasser tritt der Meinung entgegen, als ob man Grund hätte, an dem Geist der Waffe, ihrer inneren Tüchtigkeit und der Leistungsfähigkeit deS Offizierkorps zu zweifeln. Immerhin sieht aber auch er noch gewisse Mängel. Er hält die adligen Regimenter, die ihre Eigen- schaft anS geschichtlichen Gründen behaupten, für berechtigt, weniger zufrieden erklärt er sich mit denen, die erst in neuerer Zeit den Adel bevorzugen, worauf er fortfährt: Diesen Regimentern stehen die„bürgerlichen" gegenüber und es liegt für die Gegner der„adligen" Regimenter eine geivijse Ironie darin, daß viele dieser bürgerlichen meist im Westen stehenden Regimenter es find, auf die die Be- denken in bezug auf den Luxus am meisten zu treffen. Seit einigen Jahrzehnten haben sich nach und nach immer mehr Söhne reicher Industrieller, Groß- kaufleute und Kapita li st en dem Kavallerie- dienst gewidmet. Diese jungen Leute, die in großen Ver- bältnissen aufgewachsen sind, haben das Leben in den Regimentern verteuert. Sic sind das Erzeugnis ihrer Erziehung und führen die Lebenshaltung, die sie im elterlichen Hause gewohnt waren, meist in verstärkter Form weiter. Alle Genüsse des Lebens können sie sich leisten in einer Reichhaltig keit, wie es früher die meisten Leutnants der Kavallerie, deren Väter mehr als heute alte Offiziere oder Landwirte waren, nicht kannten. Ter Einfluß reicher und wohlhabender Offiziere auf weniger bemittelte Kameraden muß aber, zumal in jugendlichem Alter, vielfach schaden. Ter Verfasser, der im übrigen auf seine Waffe sehr stolz ist und immer wieder hervorhebt, wie sehr sich der berufliche Ernst und die Leistungsfähigkeit des Kavallerieoffiziers in letzter Zeit gehoben habe, sieht dennoch mancherlei Mängel. Er rügt das „wüste, beleidigende Schimpfen", das zuweilen Unter- offiziercn und„leider auch noch Offizieren" eigen ist, als„un- würdig für Untergebene wie für Vorgesetzte". Je höher der Vor- gesetzte stehe, um so vornehmer sollte sein Ton sein,„leider ist es zuweilen umgekehrt". Sehr vieles hat er an der Ausbildung der Einjährig-Freiwilligen auszusetzen: Ter zukünftige Reserveoffizier dient ein Jahr, ein Drittel der Zeit, die kautn genügt, einen tüchtigen Kavalleristen zu for- mcn. Dieses eine Jahr aber wird meist nicht voll aus- genutzt. Erleichterungen aller Art werden den Einjährigen zuteil, nicht im Sinne der notwendigen Dienst- auffassung und oft nicht mit Wissen und Wollen des Eskadron- «Hess. Aber die Mittel und Wege sind zahlreich, durch die und auf denen der Einjährige von den internen Vorgesetzten schonende Behandlung erlangt....� Nach dem vielfach zu kurzen Dienst ist er den Augen der Offiziere entrückt und bestrebt, recht wohl und teuer zu leben, alle leiblichen Freuden des Lebens im Ueber- maß zu genießen und das Geld des Vaters zu vergeuden. Er wird dadurch für den Dien st schlaff, dem er in dem kurzen Jahr doch alle seine Kräfte widmen sollte. Den Hauptübelstand bezüglich dieses Punkte» sieht der alte .Kavallerieoffizier darin, daß der Einjährige nur vorübergehend oder gar nicht kaserniert ist. Er schlägt deshalb die dauernde Kasernierung der Einjährigen vor, allerdings unter beträchtlichen Vergünstigungen und sorgsamer Absonderung von den gemeinen Soldaten. Er verlangt weiter, daß Einjährige, die sich durch Schmiergelder Diensterleichterungen erlaufen und dadurch Ungerechtigkeit, Nachlässigkeit und Unwahrheit züchten, nicht Offi- ziere werden dürfen. Abgesehen von diesen Einzelerscheinungen sind beide Kritiker der Kavallerie sich darin einig, daß im Offizier- korpö dieser Waffe ein übermäßiger LuxuS getrieben wird, der zur P l u t o k r a t i s i e r u n g de» Offizierkorps der reitenden Truppen führt. Erstreckt sich das Urteil des ersten Kritikers auf die Kavallerie insgesamt, so sieht der zweite das Uebel vorwiegend in den bürgerlichen Kavallerieregimentern, deren Offiziere aus der reichen Bourgeoisie hervorgehen. Es ist in der Tat ein guter Bei- trag zur Ironie, daß der„alte Kavallerieoffizier", der offenbar dem Ade! angehört, die bürgerlichen Anklagen gegen die feudalen Regi- mentcr heimzahle» kann mit dem gegen die„bürgerlichen" Regi- mentcr erhobenen Vorwurf:„Reiche Offiziere beleben oft nicht den Geist, der gefordert werden muß!" Aber wen wundert es, daß sich in der kapitalistischen Gesellschaft, wie die Wissenschaft und die Justiz, so auch das Militärwesen plutokratistertl Die Meitsloiiglteit. Hunger und Not unter den Tabakarbeiter». Der Steuerblock von 1909 hat sich vielleicht nicht träumen lassen, daß seine Taten noch nach vier Iahren so traurige Folgen für Tausende von ohnehin schlecht entlohnten Arbeitern haben würden, aber wenn er sich dessen bewußt gewesen ist— und die Sozialdemokratie hat es nicht an warnenden Rufen fehlen lassen—, dann kann man heute seinen Bewilligungs- eifer um so schmachvoller nennen. Der sorglose Wahn, daß die Krise in ein, zwei Jahren überwunden sein würde, ist vor den Tatsachen zerstoben. Wäre dem deutschen Volke nicht eine neue, eine so gewaltige Steuerkampagne beschert worden, die für weite Kreise alles andere in den Hintergrund drängte, so würde der durch die indirekten Steuern von 1909 hervor- gerufene Notstand längst viel augenfälliger geworden sein. Der Winter steht vor der Tür. In den letzten Wochen sind nun aber im westfälischen Tabakrevier etwa 2 5 Z i- garrenfabriken und Filialbetriebe ge- schlössen worden: fast 1000 Tabakarbeiter sind dadurch arbeitslos geworden, und noch immer scheint es keinen Stillstand in dieser rückläufigen Bewegung zu geben. Verhältnismäßig am besten daran sind die Arbeiter, die durch Anschluß an den Deutschen Tabakarbeiterverband für die Zeiten der Not vorgesorgt haben, aber es ist ia bekannt, daß die Organisation unter den Tabakarbeitern erst in den letzten Jähren bessere Fortschritte gemacht hat. Die Heimarbeiter stehen vielfach noch heute der Organisation fern. Die schwere Not können selbst die Gemeindeverwaltungen nicht verkennen Durch Ausschreibung von Notstandsarbciten wird versucht. das schlimniste Elend abzuwenden, aber das ist immer nur ein zeitweiser�Behelf, und früher oder später sehen die Arbeiter wieder der Sorge ins Gesicht. Mit der Ansiedelung neuer Industrien versucht man zwar hjer und da dauernden Ersatz zu schaffen, aber man hat nichts davon gehört, daß jene Be- strebungen irgendwelchen Erfolg gehabt hätten. Die bekannte Tapstgkeit der Behörden steht dem vielleicht auch im Wege, Der einzige Trost für die notleidenden Tabakarbeiter ist zurzeit das systematische Vorgehen der sozial- demokratischen Gemeindevertreter zur Be- schaffung geeigneter und lohnender Arbeitsgelegenheit. Wie stark die Zahl der Arbeitlosen in den nächsten Wochen anschwellen wird, läßt sich im Augenblick nicht sagen: aber nach Weihnachten werden sich mehrere Tausende dieser Arbeiter familien die schmachvolle Unvernunft des indirekten Steuer raubzuges von 1909 in traurigster Weise am eigenen Leibe empfinden. Und je länger die allgemeine Wirtschaftskrise anhält, desto schlimmer wird es um diese Arbeiter stehen, die bekanntlich auch in den Zeiten des guten Geschäftsganges kaum so viel verdienen, daß sie das Allernotwendigste zum Lebens unterhalt beschaffen können. ** » In Hamborg ist die Arbeitslosigkeit unter den Tabakarbeitern nicht weniger schlimm. In der Zeit vom 30. September IStL bis St. Juli tS13 büßten die organisierten Hamburger Tabakarbeiter 47 550 Arbeitstage ein. Von den Arbeitslosen waren in den zehn Monaten männliche Zigarrenarbeiter durchschnittlich 43, S7, weibliche 30.32, Zigarrensortimr 47,20 und Hilfspersonen in den Sortierereien 26,60 Tage arbeitslos. Zeitweilig waren von etwa 2500 Verbands- Mitgliedern über 400 ohne Beschäftigung. An Unterstützungen wurden von der Zahlstelle während der zehn Monate 87 SSI M. gezahlt Eine solche Arbeitslosigkeit haben die Hamburger Tabakarbeiter auch in den schlechtesten Zeiten nicht erlebt. »» « Die daymschc Reichspartei gegen die ArbeitSlosenverfichcnmg. Aus München wird uns berichtet: Die bayerische Reichspartei hat in einer Versammlung vom Dienstagabend in München sich gegen die Arbeitslosenversicherung ausgesprochen. DaS Thema lockte eine buntzusammengewllrselte Gesellschaft an: Konservative, Mittelständler, Scharfmacher, Anti emiten, gelbe und christliche Arbeiter. Die Herrschasten hatten mit der Opposition der Sozialdemokraten gerechnet, denn sie hatten— zwölf Wächter der Wach- und Schließgesellschaft b e st e l l t, die sich risch gebügelt an einzelnen Tischen im Saale niederlassen mußten, um gegebenenfalls die Begendemonstranten hinauszubefördern. Die eingebildeten Pechmänner hatten ihre Bedeutung jedoch überschätzt, denn unsere Genossen ließen die reaktionäre Gesellschaft vernünftiger- weise unter sich allein. Der Referent, Generalsekretär Dr. Vogel, meinte. eS fehle an versicherungsteckmischen Unterlagen für eine Arbeitslosenversicherung, den Gewerkschaften könne die Kontrolle nicht anvertraut werden, weil sie auS der Arbeitslosenunterstützung eine Streikunterstützung machen würden. Die Arbeitslosen- Unterstützung sei eine llnmoralität, weil dadurch der Trieb zur Arbeit vermindert werde. Ein Versicherungszwang wäre aucki ungerecht, da die.wirtschaftsfriedlichen" sgelben) Arbeiter, die gar keine Arbeitslosigkeit zu befürchten h ätten, mitbezahlen mußten. Sollte die Versicherung allgemein werden, dann würde schließlich kein Arbeiter mehr arbeiten wollen. Die Versammlung quittierte diese Weisheit mit donnerndem Beifall. Dann strich Herr Vogel den christlichen Arbeitern den Bart: durch daS Gcnter System würden die fteien Gewerkschaften gestärkt und über die christlichen Gewerkschaften ein bedeutendes Uebergewicht erhalten. Kann man daraus schließen, daß den Scharfmachern der Reichspartei nicht nur die gelben, sondern auch die christlichen Gewerkschaften ans Herz gewachsen sind? In der Diskussion wurde der Sekretär des Arbeit- geber-VerbandeS, Bergmüller, der sich gar nicht zum Wort gemeldet hatte, aufgerufen, um den christlichen Gewerlschnften noch- mals Angst zu machen, daß nur die freien Gewerkschaften einen Vorteil von der Arbeitslosenversicherung hätten. Zum Schluß flehte der konservative Landwirtebündler B e ck h- Rathsberg die Reichs- ratSkammer an. sie möge die von der Regierung den Gemeinden Aussicht gestellten Zuschüsse ablehnen. Nach Annahme einer Resolution, die sich gegen die Arbeitslosenversicherung ausspricht. ging die reaktionäre Gesellschaft auseinander. »» Kommunale Arbeitslosenversicherung. In Ludwigshafen a. Rh beschloß der Stadtrat am 20. d. MtS. mit Wirkung vorn 1. Oktober 1S13 ab die Arbeitslosenersicherung nach dem bayerischen Musterstatut der Regierung vom Jahre 1900 sKombination von Genter und Berner System) inzuführen. Für diese Zwecke sollen 10 000 M. in das tädtische Budget eingestellt werden. Die öffentliche gemeindliche Arbeitslosenkasse umfaßt zwei Abteilungen: BersicherungS- und Zuschußkassen. Es wurde ferner beschlossen, an den Landtag eine Petition zu richten, in der ein Gesetz verlangt-wird, das den Gemeinden da? Recht gibt, eine Z w a n g S arbeitslosen- Versicherung für nicht organisierte Arbeiter cinzusühren. Die Stadtverordnetenversammlung in Frantfurt a. M. setzte chon vor zwei Jahren eine Kommission zur Prüfung der Frage einer kommunalen Arbeitslosenversicherung ein. Die Arbeit dieser gemischten Kommission ging aber nur ganz langsam vonstatten. Nun hat ein sozialdemokratischer Antrag zur Linderung der Arbeits- losigkeit und ihrer Folgen die Kommission aufgerüttelt. Unsere Ge- nossen stellten bei der Stadtverordnetenversammlung den Antrag den Magistrat zu ersucken: 1. In größerem Umfange, als bis jetzt vorgesehen ist, N o t st a n d S a r b e i t e n vorzubereiten, um insbesondere auch nichtgelernten Arbeitern Arbeitsgelegenheit zu geben; 2. zum Schutze der Arbeits- und Obdachlosen gegen Näffe und Kälte Wärme st üben und Asyle einzurichten, da die bestehenden Asyle nicht auSreichien; 3. unverzüglich an die Ausarbeitung eines Entwurfs einer ArbeitSlosenveriicherung zu gehen. Dieser Antrag kam am Dienstag, den 21. Oktober, im Stadt- Parlament zur Beratung. Der Antrag unter 3 konnte zurückgezogen werden, da in den letzten Tagen die gemischte Nommission unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters zusammengetreten war. Diese Kommission hat sich grundsätzlich für die Einführung der Arbeitslosen- Versicherung ausgesprochen. Man war sich aber noch nicht einig, welches System, das Genter oder das Kölner, vorzuziehen sei. Es wurde beschlossen, das vorliegende Material einer genauen Prüfung zu unterziehen, auch soll mit den Gewerkschaften Fühlung genommen werden. Auf diesen Beschluß verwies der Ober- bürgermeister bei Beantwortung des sozialdemokratischen Antrags. Er erklärte ferner, daß größere Arbeitsgelegenheit geschaffen werden soll durch Inangriffnahme von Bauten. Auch sollen noch weitere Wärmehallen errichtet werden, wenn sich dies als notwendig er- weist. In der Aussprache erklärte Genosse Möller, daß in Frankfurt auf Grund der Zahlen bei den Gewerkschaften mit un- gefähr 2500 Arbeitslosen zu rechnen sei. Die Arbeitslosen- Versicherung müsse man so schnell als möglich zur Tat werden lassen. Einem fortschrittlichen Handwerksmeister, dem ein Mittel- ständler sekundierte, blieb es vorbehalten, sich gegen die Einführung einer Arbeitslosenversicherung zu wenden. Er meinte, die Arbeiter sollten in guten Zeiten sparen, dann hätten sie einen Notgroschcn bei Arbeitslosigkeit. Andere Fortschrittler erklärten sich jedoch für die Arbeitslosenversicherung.— Den sozialdemokratischen Anträgen wurde einmütig zugestimmt. In Halle a. S. wurde am 21. d. M. von der bürgerlichen Mehr- hcit des Stadtparlaments der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Einführung einer Arbeitslosenversicherung abgelehnt. Zwei unserer Genossen schilderten das Elend in den Familien der Arbeits- losen. Sie verwiesen darauf, daß annähernd 3000 Arbeitslose unter diesem Elend leiden. Von den Bürgerlichen wagte niemand, aus die sachlichen Ausführungen Rede und Antwort zu stehen. Sie be- gnügten sich mit lautem Gelächter bei der Begründung deS Antrages und lehnten st i l l s ch w e i g e n d den Antrag ab. politische(leberlicht. Sansibar als Handelsobjekt. Da? Deutsche Reich hat für die Abtretung der Insel Helgoland, den Engländern das Gebiet von Sansibar überlassen. Seit einigen Tagen tauchen nun Gerüchte auf, daß Sansibar wieder an Deutsch- land fallen soll. Als Entschädigung dafür, daß Deutschland den Plänen Englands am persischen Golf und in Südperficn nichts in den Weg legt. Die Scherlpresse dementiert diese Mitteilung: „Nach unseren Erkundigungen an Stellen, die darüber unter» richtet sein müssen, ist jedoch die Meldung in ihrem ganzen Umfange als erfunden zu bezeichnen. In den deutsch-engliichen Verhandlungen ist eine solche Abtretung auch von keiner Seite erörtert worden." Soviel scheint jedoch festzustehen, daß in London ein Schacher- geschäst zwischen Deutschland und England im Gange ist, denn Eng- land möchte am persischen Golf freie Hand haben. Ersatzwahl im dritte« oberpfälzischen Reichstags- Wahlkreise. Vorläufiges amtliches Wahlergebnis: Bei der gestrigen Reichstags- ersatzwahl im Wahlkreise Oberpfalz 3 sNeumarkt) wurden im ganzen 13 392 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten: Pfarrer Lederer-Lupburg(Zentrum) 11 763 Stimmen, BütMermeister Dollinger-Sulzbürg(liberal) 1012, Kassierer Trummert-Nürnberg Soz.) 527 und Oelonom Pollinger-Otterzhofen(Zentrum) 68 Stimmen. Bei der Hauptwahl im vorigen Jahre wurden im ganzen 15 904 Stimmen abgegeben. Davon erhielten daS Zentrum 13 740 der Nationalliberalismus 1435, die Sozialdemokratie 661 Stimmen. Ter siebente Akt der Mecklenburger Verfaffuugskomödie. Da» Mecklenburger Land erfreut sich einer außerordentlich leistungsfähigen„Volksvertretung"— nicht nur was die Ver« dauungStätigkeit, sondern auch was Gemütsrobustigkeit anbelangt- In einer einzigen Sitzung hat die Kommission des außerordentlichen Landtages die ganzen umfangreichen Verfassungsvorlagen . durchbcraien", das heißt, die Vertreter der„Ritler" in der Kom« Mission haben völlig den Mund gehalten, waren sie doch von vorn- herein fest entschlossen, dem Verfaffungsmonstrum den Hals um- zudrehen, obwohl es zu ihrem eigenen Vorteil zurechtgemacht ist. Die regierenden Junker in Mecklenburg dulden keine Verfaffungs- reform! Die KominissionSvcrhandlungen sind also bereits erfolglos beendet. Am Dienstag nächster Woche tagt daö Plenum wieder. wo dann die„Ritter" dem Wechielbalg von Regierungsvorlage den Totenschein formell ausstellen werden. Und das ist recht so und liegt durchaus im Interesse deS werktätigen Volkes? denn die Regierungs- vorläge will die beiden„Stände"(Gutsherren und Bürgern, eister) bestehen lassen und ihnen auch von vornherein zahlenmäßig die Herrschast im Landtage sichern. Nur ein kleiner einflußloser R e st der Abgeordneten soll gewählt werden und zwar nach dem elendesten aller Wahlsysteme, dem berüchtigten preußischen System. Ja, die mecklenburgische RcgierungSweiSheii treibt noch besondere Blüten. Die Regierung will nämlich, daß die„Urwähler" mittels Stimmzettel abstimmen sollen, aber den Wahlvor st ehern soll daS Recht eingeräumt werden, in diese offen abzugebenden Stimmzettel einzusehen! Dabei führt die Regierung selbst an: „Der unbestrittene Nachteil der öffentlichen Wahl ist der, daß sie eine bedenkliche Beeinflussung der wirtschaftlich abhängigen Wähler ermöglicht". � � Trotzdem will sich die Negierung über diese?„bedenkliche Wahl- verfahren hinwegsetzen. Auch die Arbeiterschaft kann alio nur wünschen, daß die„Ritter"— auS entgegengesetztem Jntereye— dieses VersassungSscheusal in die WolsSichlucht werfen, �ur das Reich aber ist eS eine Ehrensache, endlich der Lcrsasiung»!chmach in Mecklenburg ein Ende zu machen I Aus dem bayerischen Landtage. Die Anträge zur Arbeitslosenversicherung wurden am Freitag einstimmig vom Landtag dem Finanzaus'chuß uberwieien, nachdem Genosse Timm in seinem Schlußwort den dringenden Wunsch aus» gesprochen hatte, daß der Ausschuß doch größere Mittel für die Arbeitslosenversicherung zur Verfügung stellen möchte. Darauf erörterte das Haus die Anträge der verichiedenen Par« teien zur GehaltSausbesserung der Slaatsarbeiter und-Angestellten. Die Sozialdemokraten forderten Urlaub, Revision der Gehalts« ordnung und Teuerungszulagen. Genosse Rohhaupter be gründete unsere Anträge. Er forderte vor allem Durchführung der längst beschlossenen Anträge deS Gozialousschusses des Landtages und wandte sich gegen die Tunlichst- und Baldigst-Politil deS Zentrums. Such di�e Anträge wurden dem Ausschuß überwiesen. Eine verhängnisvolle Erbschaft der Finanzreform von IVOS be- handelte ein Antrag deS Bauernbündlers Lutz. Der RcichSstempel bei Grundstücksübertragungen ließ bebaute Grundstücke unter 20 000 und unb«�aute Grundstücke unter 5000 M. Wert frei. Die Fassung des Gesetzes ist aber so unklar, daß die bayerische Finanzverwaltung bei ländlichen Grundstücken das Wohnhaus und die Aecker sonderte und nun auch die unbebauten Grundstücksteile, soweit deren Wert 5000 M. überstieg, zur Steuer heranzog, wenn auch das ganze Grundstück noch nicht 20 000 M. wert war. Außerdem sind viele Käufer kleiner Bauerngüter insofern geschädigt worden, al« sie nicht wußten, daß nur aus Antrag die Steuer erlassen wird. Der Antrag- steller verlangte Rückvergütung dieser fälschlich gezahlten Stempel- steuern. Die Debaste über diesen Antrag geht am Sonnabend weiter. Auch diesmal kam eS wieder nach Schluß der Tagesordnung zu einer aufgeregten Lärmszene. Die Schuld trägt die neue Taktik des Zentrums, daß Abgeordnete des Landtages sofort für die Zwecke der Agitation die Sitzungsberichte in der Presse zurechtfälschen. So wurde ein Zwischenruf des Genossen v. Haller böswillig dahin ver- dreht, daß er dort, wo feine persönlichen Interessen in Betracht kämen, für die großen Einkommen und Vermögen sorge. Neulich hatte Genosse Haller diese Verdrehung bereit» als schmutzige Ver leumdung zurückge>vieseit, dennoch wurde sie in der Zentrumspresse von dem Abg. Schlittenbauer weitergesponnen. Da» charakterisierte v. Haller sehr heftig als schmutziges, erbärmliches Verhalten. Unter großem Lärm des Hauses erhielt er dafür nacheinander drei Ordnungsrufe._ Nachwahlen in einem Duodezstaat. Im Herzogtum Sachsen-Altenburg sind infolge deS Wegzuges und Todes ewiger Abgeordneten am 3. November einige Nachwahlen zu der sogenannten Landschaft vorzunehmen. Die Wahlen sind dirett und geheim; gleich sind sie nicht. Dafür gehört das Herzogtum zu den.glücklichen" Ländern, die eine Erste Kammer nicht kennen. DaS besagt aber nicht, daß wir liberaler regiert würden oder liberalere Ge setze hätten, als anderswo. Die alte liebe Tradition von dem.geschichtlich Gewordenen' herrscht hier stärker al» anderswo, und der lon servativ-agrarische Geist gibt den Ausschlag in allen Aemtern und bei allen Behörden. Damit der.Umsturz' keine.unbedachten Gesetze macht, etwa vernünftige Schulgesetze, vernünftige Steuer- gesetze oder die.Dorfordnung' abändert, hat man ein Wahlgesetz ausgetüftelt, das den Umsturz aus den heiligen Hallen der Gesetz- gebung fernhält, obwohl es kaum ein Wahlgesetz in Deutschland geben dürfte, das so oft abgeändert worden ist, wie das im Herzogtum Alten- bürg. Auch dafür ist gesorgt, daß die lieben Untertanen sich nicht allzusehr mit den StaatSgeschäften beschweren, denn eS herrscht die dreijährige Etatsperiode. In der Zwischenzeit sorgen ein ganzes Heer von ge- Heimen Räten und drei Landrarsämter dafür, daß der Staat nicht aus dem Leim geht. Man denke, bei nicht ganz 220 000 Ein- wohnern. Das Wahlgesetz scheidet die Einwohner in 3 Klassen, aus denen die Höchstbesteuerten noch besonders herausgehoben sind. Sie stellen gewissermaßen die Erste Kammer dar. Der Landtag setzt sich nämlich zusammen aus 11 Abgeordneten der Städte, 12 des platten Landes und 8 Erwählte der Höchstbesteuerten, also 32 Vertretern. Bis zum Jahr IVOS waren es nur 30, doch vor 4 Jahren hat man gnädigst den Städten zwei Abgeordnete mehr gewährt. DaS war schon eine Errungenschaft, und ihre Väter mögen nicht wenig stolz darauf ge- Wesen sein. Die Wahl vollzieht sich derart,.daß für die Abgeord neten der Städte und des platlen Landes die Wähler eines jeden Wahlbezirkes unter Ausschluß der darunter befindlichen Höchst besteuerten nach Maßgabe der von ihnen zu entrichtenden Steuern in drei Abteilungen geteilt werden und zwar dergestalt, daß ans jede Abteilung ein Dritteil der nach Abzug der von den Höchstbesteuerten zu entrichtenden Steuern sich ergebenden Gesamt summe der Steuerbeiträge des ganzen Wahlbezirks fällt'. So lautet nämlich der§ 10 des Gesetzes, doch kostet es einige Mühe, sich aus ihm Klarheit zu verschaffen. Für die Stadt Allenburg hat man überdies im Jahre IVOS, als man die zwei weiteren Abgeordneten gewährte, noch die besondere Bestimmung getroffen, daß für sie zunächst für den ganzen Stadtbezirk die erste Abteilung ge bildet wird. Sodann werden nach Ausscheiden der Wähler dieser Abteilung für jeden der Bezirke I.A. und IB durch Zuteilung der Nestsumme der Steuerbeträge die 2. und 3. Abteilung gebildet. Die so ausgeschiedenen Höchstbesteuerten wählen demnach einen Ab- geordneten für sich. Die Ermittelung der Höchstbesteucrten geschieht dadurch, daß auf je 500 Seelen ein Wähler kommt. Der mil 600 nicht teilbare Ucberschuß in der Personenzahl des Wahlbezirks wird hierbei, wenn er 250 nicht erreicht, nicht mitgezählt, wenn er da gegen mehr als 250 beträgt, als volle 500 Personen gerechnet. Neben dieser Sicherung gegen.Uederraschungen' existiert noch «ine andere gesetzliche Bestimmung, die anderswo selten" mehr anzutreffen sein dürfte. ES heißt nämlich:.Unfähig zu Wählern find auf die Dauer de» BchinderungSgrundeS: Unselbständige «inen eigenen HauSstand nichtbesitzende Personen namentlich die. welche in Brot und Lobn einer Privatperson stehen.' Diese Bestimmung richtet sich in der Hauptsache gegen die landwirtschaftlichen Arbeiter. Sie ist aber noch ein Ueberbleibsel au» der seligen Patrimonialzeit. Man hat nicht vermocht, sich da- von frei zu machen und obwohl sie nichts anderes darstellt als eine Schikane, will man sie doch auch heute noch nicht beseitigen. Am 12. November wird der auf diese Weise crgäirne L obligatorischer Unierrichts- ländlichen Fortbildungsschule keine obligatorische ne solche, in der die 12. zu seiner EtatSbcratung zusammentreten. ergänzte Landtag Die braunschweigische Sozialdemokratie und der Einzug deS Cumberländcrs. Die Stadt Braunschwcig rüstet sich, den Welfenprinzen Emst August bei seinem Regierungsantritt festlich zu empfangen, dieselbe Stadt, deren Häupter bisher die heftigsten Gegner des Negierungö- antritt? eines CumberländerS waren. Zum DonnerStagmiitag war eine Stadtveiordnetenversammlung«inberufen mit dem einzigen Tagesordnungspunkt:„Bewilligung von Mitteln zu den Einzugs. seierlichkeiten'. Der Magistrat forderte hierzu 25 000 M. Da die Arbeiter im Landtage infolge des reaktionäre» Wahlrechts nicht ver« treten sind, so benutzten unsere Genossen die Stadtverordnetensitzung zu einer Protestallion. Uniere elf Mann starke Stadtverordneten- staktion gab folgende Erklärung ab: .Die geplante Feier dient lediglich byzantinischen Zwecken. wozu städti'che Mittel nicht aufgewendet werden sollten. DaS Volk wird zwischen den Fürstensamilien verhandelt wie eine Ware, wird gar nicht gefragt, welche Regierungsform es für sich wünscht und wen es zum Regenten haben will. Bei uns dreht sich alles um die Interessen der Fürstensamilien, nicht um den Willen des Bolkez.... Wir als Republikaner erkennen ein Vererbungsrecht 5? Fürsten in der Herrschaft über die Völker nicht an. Daraus resultiert, daß wir die Mittel für die Einzugsfeierlichkeit Ernst «tgust» ablehnen. Wir protestieren gegen di« Verwendung siadli'cher Mittel zu derartigen Zwecken/ Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung protestierte zwar gegen die Ausdrücke der Resolution»byzantinischen Zwecken' und„Verhandeln der Völker wie eine Ware'; er konnte jedoch die Verlesung der Resolution nicht verhindern. Die geforderten 25 000 M. wurden natürlich von den bürger- lichcn Stadtverordneten bewilligt. Religiöse Erziehung der Fortbilduugsschüler. DaS unter der oberhirtlichen Fürsorge des Paderborner Bischofs siehende.Westsälische Bolksblatt" hat vor einigen Tagen wegen der Ausführungsanweisung zum Fortbildungsschulgesetz Lärm geschlagen und die katholischen Gemeindevertreter angewiesen, der Einführung des Schulzwanges nur unter der Bedingung zuzustimmen, daß der Religionsumerricht als gegenständ in den Lehrplan der aufgenommen werde.„Lieber Fortbildungsschule als e D Religion nur höchstens ganz nebenbei eine Rolle spielen darf.' Die Auslassung ist ja an sich schon bezeichnend für die Stellung der Klerikalismus zur Fortbildungsschule, aber sie nimmt sich noch charakteristischer aus. wenn man den Wortlaut der kürzlich veröffentlichten Ausführungsanweisung daneben hält. Darin heißt eS allerdings— und das eben hat die ZentmmSseele zum Kochen gebracht—: „Hierbei ist zu beachten, daß die Einfügung von Re- ligionsunterricht in den Lehrplan der ländlichen Fortbildung». schule nicht zulässig ist. Insbesondere ist es also auch nicht statthaft, daß eine derartige Einfügung in den OrtSstatuten oder in den KrcisanSschußbeschlüssen über den Vcsuchszwang vor- gesehen wird." Aber diese Anweisung wird durch die folgenden Sätze geradezu aufgehoben: „Hiergegen wird entsprechend den in der Anleitung vom 22. Oktober 1910 mehrfach und nachdrücklich gegebenen Hinweisen aus die Bedeutung der erziehlichen Aufgabe des Fortbildungs- Unterrichts sowie entsprechend den Darlegungen des mit- unterzeichneten Landwirtschaftsmini st ers in den Landtagsverhandlungen... bei der Aufstellung der Lehrpläne, der Auswahl der Unterrichtsstoffe sowie bei der Art ihrer Dar- bictung eine Einwirkung auf die Schüler in sitt- lich-religiösem Sinne überall anzustreben sein. Hierzu wird sich bei Erteilung jeglichen Unterrichts, namentlich bei Lehrgegenständen, wie WinschaftS- und Bürgerkunde oder der hier und da eingeführten Lebenskunde, hinreichende Gelegen- beit bieten. Auch ist es erwünscht, daß geeignete Geist- l i ch e mehr und mehr zur Erteilung von Fortbildungsschulunterricht auf dem Lande, besonders in den genannten Fächern, herangezogen werden. Wo neben dem lehrplanmäßigen Unterricht noch die Er- tcilung besonderer freiwilliger religiöser Unter- Weisung an die schulentlassene Jugend, wenn möglich im Anschluß an die Fortbildungsschule und in deren Räumen, er- forderlich oder wünschenswert erscheint,, ist nach den Grund- sätzen des Erlasses vom 20. März 1897 zu verfahren. D-e r- artige Bestrebungen sind in jeder Weise zu f ö r d e r n." Bei der ganzen Struktur der Unterrichtsverwaltung bis in die niedersten Ausläufer wird man hiernach dem Ministerium billigerweisc zugestehen müssen, daß eö alles getan hat, die Re- ligion nun doch, entgegen der generellen Anweisung, in den Mittel- punkt des Fortbildungsschulunterrichts zu rücken. Aber das rührt die Zentrumsgewaltigen nicht, sie bestehen vielmehr auf ihrem Schein, d. h. sie fordern ausdrückliche Festlegung des Re- ligionSunterrichtS, und die Art, wie sie eS tun angesichts dieser ihren rückschrittlichen Bestrebungen günstigen AuSführungS- anweisung, beweist uns, wie fest im Sattel der Klerikalismus zu sitzen wähnt. Zentrum ist Trumpf! Schwarze Polizcisoldaten als Kolonisatoren. Ueber allerhand KolonisierungSmethoden in Deutsch-Ost- afrika erhält die Frankfurter Zeitschrift„Das freie Wort' von einem in Deutsch-Ostafrika ansässigen ungenannten Mitarbeiter interessante Mitteilungen.(Sie stehen im 2. Oktoberheft dieser Zeit- schrift.) Der Verfasser geht von dem Verhältnis der Missionen zu den Behörden aus, und man hat den Eindruck, daß er darüber durchaus objektiv urteilt. Die Hauptquelle der gegenseitigen Reibe- reien scheint ihm in dem Umstand zu liegen, daß die Missionen nicht selten gezwungen sind, RcgierungSorganen, besonders Steuerbehörden gegenüber, eine Schutzpflicht für ihre Gemeinden zu über- nehmen. Die kolonialen Zivilbehörden umgeben sich bei allen Aktionen, besonders wieder zum Zwecke der Steuererhebung, mit einer schwarzen Polizeitruppe, den Askaris. Bon diesen Leuten sagt der ungenannte Verfasser, daß sie,„sobald sie unbeobachtet sind, ihre Gewalt mehr oder weniger mißbrauchen'.„Der chlvarze Polizeisoldat fühlt sich als Macht, hinter ihm steht die Ge walt des Vorgesetzten, in dessen Interesse er arbeitet. Er erntet Lob, wenn er viel Geld eintreibt....' Die Folge war: „In früheren Zeiten war denn auch die Steuereintreibung mit ,vrcn Schrecken den ein st igen Raubzügen ver- gleich bar, so wenig dies im Sinne der Regierung lag. Der Askari nahm, was er kriegen lonnte, Vieh, Weiber, schließlich den Mann selbst. Er nahm auch mehr als er nehmen sollte und mach!« sein Geschäft auf eigene Rechnung. In seinem Gefolge gingen schwarze und weiße Ganner, die billiges Vieh von ihm kauften und sich an dem Hab und Gut des Volkes bereicherten. Dank dem energischen Vorgehen der Missionen und Ansiedler, die diese Mißstände zur Kenntnis der Be- Hörden brachten— die Schwarze» wagen nicht, sich zu wehren—, besserte sich vieles, besonders nach exemplarischer Bestrafung der- jenigen KeraniS sschwarze Slcuererhcber), ivelche offene Unter- schlagungen beirieben, indem sie den Leuten wohl die Steuer ab« nähme», aber den Sieuerzettel nicht gaben, so daß der arme Teufel, annalt ein Jahr Ruhe zu haben, schon nach zwei bis drei Monalen wieder ergriffen wurde." „Eine weitere Gepflogenheit der AskariS ist das Kaufen ohne Geld oder unterm Preise. Je nachdem er allein reist oder in Begleitung seines Vorgesetzten, nimmt er, was er an Nahrung oder sonst brancht, den Umwohnenden ab und jagt sie ohne Bezahlung davon. Ist sein Herr im Lager, so wartet er de» Moment ab. wo sich dieser etwas entfernt oder sonst be- schästigt ist, wirft den Leuten ein paar Heller zu und treibt sie davon." Der Gewährsmann der Zeitschrift macht auf diese Verhältnisse aufmerksam, weil solche Mißstände die„Verhetzung" der Eingeborenen. wie sie angeblich besonders von Jslamitcn betrieben wird, fördern. Es erscheint allerdings begreiflich, wenn die Schwarzen sich gegen solche Bedrückungen empören— auch ohne daß sie sonst irgendwie verhetzt worden sind. Keine Herbsttagung des prenstische» Landtags. Wie nimmebr oisiziös gemeldet wird, hat sich das Staats- Ministerium entschlossen, den Landtag erst nach Weihnachten zu- sammentretcn zu lassen. Begründet wird dies damit, daß Ostern im nächsten Jahre erst Mille April fällt und sonach hinreichend Zelt vorhanden ist. den Etat zu beraten und rechtzeitig zu ver- abichieden. Die übrigen Borlagen, die dem Landtage zugehen sollen, seien zudem noch nicht so weit gediehen, daß sie noch vor Weihnachten vorgelegt werden könnten. Englsncl. Tie Kirche und die hungernden Kinder Dublins. London, 23. Oktober.(Eig. Ber.) Das Eingreifen der Kirche hat dem Kampfe in Dublin eine neue und für die Solidarität der Arbeiterschaft vielleicht verhängnisvolle Richtung gegeben. An An- griffen seitens katholischer Geistlichen gegen die leitenden Personen der irischen Transportarbeitergewerlschaft, die als Sozialisten denunziert wurden, hat es bisher nicht gefehlt. Aber die Kirche ver- mied es doch, ihre Feindseligkeit gegen die Arbeitsribewegung, die ihren alten Einfluß untergrub, allzusehr zur Schau zu tragen. Nun hat ihr der Versuch einiger englischer Frauen, die hungernden Kleinen der ausgesperrten Arbeiter Dublins zeitweilig in England unterzubringen, die willkommene Gelegenheit verschafft, sich den schlummernden Fanatismus einer im Elend versunkenen Bevölke- rung nutzbar zu machen. Als gestern die Kinder, wie gewöhnlich, in die Liberty Hall kamen, um gespeist zu werden, erklärten sich gegen 50 bereit, nach England zu gehen. Man führte sie zur Bade- anstalt, wo sie gewaschen und gekleidet werden sollten. Hier stell- ten sich die katholischen Priester ein, die auf die Mütter einredeten, ihre Kinder nicht nach England zu schicken, und ihnen die Gefahren schilderten, die ihren Kleinen in den Wohnungen englischer Atheisten und Sozialisten bevorständen. Die Genossin Montefiore, die die Leitung des Unternehmens in Händen hat, erbot sich, Bürg- schaft dafür zu leisten, daß man den religiösen Glauben der Kinder in jeder Weise schützen werde.. Aber die Pfaffen gingen darauf nicht ein. Sie fuhren fort, das Volk und namentlich die Frauen zu verhetzen, denen man einredete, die Genossin Monteflore und ihre Helferinnen seien Proselytenmacherinncn und Kinderdicbe. Die Mehrheit der Kinder wurde von den Müttern wieder nach Hause genommen, aber eine Anzahl wurde nach der Liberty Hall geführt, wo Genosse Larkin an die sich draußen ansammelnde Menge eine Ansprache hielt, die Verschickung der Kleinen befür- wartete und die Opposition der Geistlichkeit auf deren Wunsch zu- rückführte, die Arbeiterbewegung zugrunde zu richten. Er erwähnte auch, daß verschiedene Geistliche der katholischen Kirche als Aktien- besitzer an dem Sieg der von dem Oberscharfmacher geleiteten Straßenbahngesellschaft interessiert seien. Mittlerweile trafen die Geistlichen Vorkehrungen, um die Kinder, die an dem Tage nach England geschickt werden sollten, aufzuhalten. Eine Partie Priester begab sich nach Kingstown, der Hafenstadt Dublins, und hielt dort die neunzehn Knaben auf, die man unter der Obhut einer Frau Raind nach London zu schicken gedachte. Zuvor hatten Priester auf der Dubliner Station versucht. Mütter und Kinder von ihrem Vorhaben abzubringen. Als alles nichts fruchtete, stiegen sie mit in den Zug ein, wo fie durch ihre Drohungen die Gesamtheit der Krauen und Kinder zum Weinen brachten. In Kingstown gelang es den Priestern, die Abfahrt der Kinder zu verhindern und die Verhaftung der Frau Raind herbeizuführen. Die englischen Frauen hatten sich über das brutale und anmaßende Auftreten der Pfaffen zu beklagen, die nach allen Dar- stellungen einen großen Teil der Menge auf ihrer Seite hatten. Der Vorwand, unter dem die Priester ihr Vorgehen zu bemänteln versuchen, ist zu kindisch, als daß man ernsthaften Menschen gegen- über darüber ein Wort zu verlieren brauchte. Niemand denkt daran, die irischen Kinder in England von ihrem Glauben ab- spenstig zu machen. Und das Seelenheil wäre sicher in dem gott- verlassensten Winkel Englands besser gewahrt als in dem„lieben, dreckigen Dublin". Wie es mit der moralischen Atmosphäre in dieser frommen Stadt aussieht, wurden wir gewahr, als wir zu Ansang des Kampfes in der irischen Hauptstadt weilten. Damals versicherte uns ein im öffentlichen Leben Englands sehr bekannter Herr, der auf einige Tage in Dublin weilte, er sei in einer der Gassen Dublin? von einer elf- bis zwölfjährigen Dirne aufg«» fordert worden, mit ihr nach Hause zu gehen. Dieses kleine Bild charakterisiert sehr deutlich die materielle und moralische Fäulnis der irischen Hauptstadt, in der die Pfaffen so lang Hahn im Kord gewesen sind. Qrina. Sieg der russischen Mougoleiintrige. London, 24. Oktober. Die„Times" melden aus Peking vom 23. d. M.: Ter russische Gesandte und der chinesische Minister des Auswärtigen haben heute die Verhandlungen über die Form der Erklärungen betreffend die Mongolei, die zwischen beiden Mächten ausgetauscht werden sollen, nahezu abgeschlossen. Die Er- klärungcn werden die Grundsätze des Abkommens von llrga ent- holten und Rußland die dort vereinbarten Privilegien sichern. Die Souzeränität Chinas wird anerkannt, und andererseits wird China die Autonomie der Mongolei anerkennen und auf Kolonisierung und militärische Okkupation verzichten. Die Feststellung der mongo- lischen Grenzen bleibt einer späteren Konferenz in Kiachta zwischen Rußland, China und den Mongolen vorbehalten. Hetzte TVacbrichtcit. Hochgeborene Revolutionäre. Lissabon, 24. Oktober. sW. T. B.) Zahlreiche Verhaftungelt von Zivil- und Militärpersoncn werden andauernd an viele» Stellen de» Landes, in dem im übrigen Ruhe herrscht, vorgenommen. Zu Verhasteten gehören auch der General Jaime Costa und d«r Major Mergumhao? auch der frühere Minister Continho soll an der Bewegung teilgenommen haben. Die Zeitung„O Mando' be- richtet: Continho habe in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober in Uniform in einem Automobil vor der Marinekaserne gewartet, bis sieben von ihm angeworbene Sergeanten ihn in die Marinekaserne hineingelassen hätten. Die Sergeanten sind bereits verhaftet. Continho svll heute früh nach Villa Vicosa abgereist sein. Die Behörden haben nach allen Bahnstationen der Strecke den tele- graphischen Befehl geschickt, Continho zu verhaften. Der mexikanische Bürgerkrieg. New Bork, 24. Oktober.(W. T. B.) Nach einer Depesche aus Mexiko haben die Aufständischen Montereh im Staate Nuevo Leon am Mitttvoch von allen Seiten angegriffen. Dabei kam eS zu einem lebhaften Kampfe. Die Aufftändischen besetzten eine Eisen- bahnwerkstätte, die eine Meile von der Stadt entfernt ist. Sie führten mehrere Kanonen mit sich, aus denen sie ein lebhaftes Feuer auf die Befestigungen der Bundestruppen unterhielten. Ein Dementi. Washington, 24. Okiober.(W. T. B.) England hat durch sein« hiesige Botschaft dem Staatsdepartement gegenüber die Authenzität eines von der amerikanischen Presse verbreiteten Interviews mit dem britischen Gesandten Carden in Mexiko in Abrede gestellt. In dem Interview war zum Ausdruck gebracht worden, daß der britisch« Gesandte nicht mit der amerikanischen Politik in Mexiko sym» pathisicre. Donnerstag Freitag Sonnabenil 39i CDoche Es Tersätune Niemand, von dieser äusserst günstigen Einkaufsgelegenheit ausgiebigsten Gebrauch zu machen! Beachten Sie unsere Schaufenster! Ä.CJandorf&C \ Wurst waren Cervelat-od.Salamiwurst Ph>nd i„35 Teewurst................. Pfand i.iO Bauern-Srafwurst......... Pfand i ,20 Mettwurst 1.05 Thüringer Knoblauchwurst pf�l ,45 ff. Leberwurst............ 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Es handelte sich um zweierlei: Sollte der freie Bergarbeiterverband die vom christlichen Gewerkverein angebotene Arbeitsgemeinschaft her- stellen? Und zweitens: Wie war es möglich, den Werks- Kesitzern bei der bevorstehenden Satzungsänderung im Bochumer Knappschaftsverein Zugeständnisse abzuknöpfen? Die freie Gewerkschaft der Bergleute hat. wie e» ihr die Ehre gebot, die Anbiederungsversuche der Christlichen zu- rückgewiesen. Nach dem Verhalten des christlichen Ge- Werkvereins im März 1912 war dies die einzig mögliche Antwort. Die gute Konjunktur im Bergbau hat ihren Höhepunkt überschritten. Seit Wochen werden bereits zahlreiche Feier- schichten eingelegt— an ein Vorgehen der Arbeiter in der Lohnfrage ist vorläufig nicht zu denken. Als zu einem gemein- samen Vorgehen vor anderthalb Jahren die Umstände äußerst günstig lagen, da schloß der christliche Gewerkverein eine „Arbeits gemsinschaft" ab mit den Werks- be sitzern, Gendarmen und der Polizei zur Niederwerfung der aussichtsreichen Bewegung. Jetzt, wo die Fichrer der Christlichen zwischen zwei Stühlen sitzen, indem sie weder von den Werksherren noch von vielen Arbeitern be- achtet werden, wollen sie mit dem alten Verband eine ge- meinsame„Kampfesfront" gegen die Unternehmer schaffen. Und wenn es zu weiter nichts nutzen könnte, dann doch wenigstens zur Wahrnehmung der beiderseitigen Interessen in der Knappschaft. Der alte Verband hielt sich die Christ- lichen auch hier vom Leibe. Die Vorteile, die für die Bergarbeiter erzielt werden konnten, waren ohne die Hilfe der Christlichen, allein durch dio Verbandsältesten zu erreichen. Seil dem Jahre 1919 hat der Verband die erdrückende Mehrheit der Knappschafts- ältesten, er hat alle Posten im Vorstand und den Ausschüssen besetzt, soweit sie Arbeitern offenstehen. Die Christlichen, die bis 1994 mit den Werkstrabanten die Mehrheit der Aeltesten hatten, sind jetzt völlig ausgeschaltet. Was sich jetzt nach der Generalversammlung der Knapp- schaft in den Kreisen des christlichen Gewerkvereins abspielt, ist ergötzlich zu beobachten. Offen gegen die Beschliisse Front zu machen, wagen die Helden nicht, weil ja ihre eigenen Aeltesten mit dafür gestimmt haben, und dann auch, weil sie bei den Knappschastsmitgliedern schlecht anlaufen würden. Um aber ihrem Aerger über den Verlauf der Sache Luft zu machen, vollführen die Führer die tollsten Sprünge. Zunächst griffen sie eine Bemerkung der„Köln. Zeitung" vom 19. Ok- tober auf, die einen Teil de? Erfolges den gelben Werk- vereinen zusprechen wollte. Deren Führer hätten— sagt die „Köln. Ztg."— die Werksvertreter ganz im stillen zum Ent- gegenkommen überredet. So albern diese Behauptung auch ist. den Führern der Christlichen war sie gut genug, um den Erfolg des Verbandes zu verkleinern. Unter dem Stichwort„Ein arges Mißgeschick" brachte bald darauf ihre Presse, von der„Germania" bis zum letzten Zentrumskäseblatt, den Kölnischen Kohl mit der nötigen Brühe. Nachher mag den braven Christlichen aufge- dämmert sein, wie dumm sitz waren, wenn sie ihren gelben Konkurrenten so großen Einfluß zuerkannten und damit ihren eigenen Jammer noch steigerten. Sie machen es• jetzt anders.— wenn es auch nicht viel klüger ist. So hat der Ab- geordnete I m b u s ch vor einem Häufchen christlicher Knapp- schaftsmitglieder in Höntrop am 19. Oktober eine Reso- lution fassen lassen, in der es heißt,„daß die minimalen Zu- geständnisse der Werksherren denselben nicht abgerungen worden wären ohne die Einigungsbestrebungen des Gewerk- Vereins christlicher Bergarbeiter". Wenn es so ist, warum haben dann diese Helden nicht schon längst ihre Macht benutzt und den Zechenherren Zugeständnisse abgerungen? Die Zechenbesitzer lachen darüber, und auch die Arbeiter nehmen die neueste Jmbuschprahlerei nicht ernst. Sie wissen besser, worauf es ankommt, wenn den Unternehmern etwas abge- rungen tverden soll. Der ernste Wille zum Angriff ist dazu notwendig. Und daß diese Einsicht jetzt weite Kreise der Bergarbeiter erfaßt, ist einer der besten Erfolge der neuesten Knappschaftsreform. Ter abgeblitzte Staatsanwalt. Bor lurzem wurde in einer Strafkammersitzuug in Stolp in Pommern nach einem Streikprozetz ein gewerkschaftlich organisierter Maler Eggert auf Anregung deS Staatsanwaltes v. Koenen vor- haftet. Er sollte eS unternommen haben, zwei Streikbrecher, die dem Gcwerkverein der Bauhandwerker(Hirsch-Duncker) angehörten, zum Meineid zu verleiten, und zwar bekundeten die Hirsche dieses übereinstimmend. Jetzt ist das Verfahren gegen Eggert ein- gestellt und er aus der Haft entlassen worden. Dem Gericht müssen doch wohl Zweifel aufgestiegen sein, einen völlig un- bescholtenen Arbeiter nur auf die Aussage von Arbeitswilligen hin, die fast in jedem der zahlreichen Streikprozesse eine Rolle spielen, den Garaus zu machen._ DeutTches Reich. MM Ter Chauffeurstreik i» München. fast zehn Wochen streiken die Droschkenchaufseure in M ü n ch e n. Es handelt sich um einen A b>o e h r st r e i k. Die Automobilbesitzer lehnten es bei der letzten Tariferncuerung ab. den seither garantierten Wochenlohn von 28 M. weiterhin in den Tarif aufzunehmen. Für diese Verschlechterung waren die Chauffeure selbstredend nicht zu haben und traten dann in den Ausstand. Die Besitzer, deren Söhne und einige nützliche Elemente konnten bisher den Betrieb nur notdürftig aufrechterhalten. Dienstzeiten von 18 und 22 Stunden täglich sind keine Seltenheiten. Daß bei einer solch überlangen Arbeitszeit die Sicherheit auf der Straße sehr gefährdet ist, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Trotzdem Arbeitswillige in der letzten Zeit mehrere schwere Automobilunfälle verursachten, ist die Polizeidirektion nach wie bor untätig und sieht ruhig zu, wie die nützlichen Elemente auch fernerhin den Straßen- verkehr gefährden. Hinter den Autobesitzer» steht der Arbeitgeber- verband für das Transportgewerbe, der es nicht zuläßt, daß sich die Besitzer mit ihren Chauffeuren verständigen. Die Autobesitzer, die mangels Chauffeuren ihre Wagen in der Garage stehen lassen müssen, werden vom Arbeitgeberverband finanziell unterstützt. Ein Besitzer, der sich mit seinen Chauffeuren verständigte und die Forde- rungen bewilligte, wurde in der Ärbeitgeberversammlung verprügelt und hinausgeworfen.— Zuzug von Chauffeuren nach München ist fernzuhalten._ Zum Stettiner Hafenarbeiterstreik. Die Stettiner Polizei arbeitet in bekannter Emsigkeit. Unbeteiligte Passanten werden der Großen Lastadie und der Umgegend des Hafens verwiesen; es wird ihnen mit Einsperren gedroht wenn sie nicht schleunigst dem polizeilichen Befehle Folge leisten oder es fährt gar dem einen oder dem anderen die Polizeifaust ins Genick. Neuerdings werden zum Transport der Streikbrecher zirka 2S Kriminal- beamte beordert. Eine ganze Anzahl Schiffe, die früher am Dunzig oder im Frei- Hafen anlegten, um laden und löschen zu können, legt jetzt am Boll- werk an. In nächster Zeit sollen alle verfügbaren Kähne aus Fürstenberg nach Stettin geschafft werden, um den Umschlagverkehr von Phosphat und Erz über Bord borzunehmen: weil der Umschlag- verkehr durch Waggon im Freihafen und Dunzig nicht möglich ist, soll die Umladung jetzt auf diese Weise erledigt werden. Tie Gelben an der Futterkrippe der Zechenherren. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß die gelbe Berg« arbeilerorganisation direkte Zuwendungen von Geldmitteln aus den Taschen der Bergwerksbesitzer erhalten, so bat diese nicht mehr ab- zustreitende Tatsache in dem Bericht deS Bergrats Müller für das Bergrevier Wattenscheid die amtliche Bestätigung gefunden. Es heißt dort:„Nach dem Streik 1912 hat sich auf sämtlichen Zechen ein Teil der Belegschaft zusammengeschlossen, um auf gütigem Wege und im Einvernehmen mit den Arbeitgebern die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage anzustreben.... Zu diesem Zwecke wurden sogenannte Werkvereine WS Leben gerufen, deren Mitglieder- zahl ständig im Wachsen begriffen ist und die von den Zechen- Verwaltungen durch Zuwendungen von Geld- mittel» und durch Ratschläge zu in Besten der Mit« glieder unterstützt werden." m HusUnd. Der Ausstand der Seeleute in Italien. Die italienischen Seeleute rühren sich. Nach wiederholten vor- geblichen Bemühungen, ihre Forderungen auf gütliche Weise erfüllt zu sehen, sind sie jetzt in den Ausstand getreten. Die vorliegenden Telegranime aus Venedig und Mailand lassen erkennen, daß der Streik sehr erfolgreich in den Handelsvettehr rtngegriffe». hat. In beiden Städten konnte ain Donnerstag und Freitag kein Frachtdampfer den Hafen verlassen. vom tapf gegen die„vollisfüriorge". Die„Volksfürsorge" ist bekanntlich eine von Arbeitern für Arbeiter errichtete gewerkschaftlich-genossenschaftliche Bersicherungs- Aktiengesellschaft. Während die kapitalistischen VersicherungSgesell- schaftcn Riesengehälter und Riesentantiemen aufwenden— erst kürzlich gaben wir Zahlennachweise— fließen bei der. Volks« für sorge" alle Erträgnisse in voller Höhe den Versicherten zu. Die„Volksfürsorge" wird auf das lebhafteste von arbeiterfeindlichen Blättern bekämpft, tveil sie geeignet ist, den Profit der kapitalistischen Versicherungsgesellschaften zu beschränken und die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Arbeiterklasse zu heben. Begreiflich daher, daß die„Post",„Deutsche Tageszeitung",„Kreuz- Zeitung",„Hamburger Nachrichten", sekundiert von der Zentrums- presse und der„Nordd. Allg. Ztg.", die„Bolksfürsorge" angreifen, tvo sie können und für die zur Schwächung und Bekämpfung der„Bolksfürsorge" ins Leben gerufenen Gesellschaften eintreten, insonderheit für die durch den General-Landschaftsdirektor Geheimen Ober- Regierungsrat Dr. Äapp-Königsberg in» Leben gerufene„Deutsche Volksvcrsicherung A-G. Berlin" werben. Diese„Deutsche Volksversicherung A.-G. Berlin" ist am 16. Sep« tember von deutschen Versicherungsgesellschaften in« Leben gerufen. Jede Aktie lautet auf 600 M. Die Aktien befinden sich im fast ausschließlichen Besitz von 30 kapitalistischen Versicherungsgesellschaften. Der Hirsch-Dunckersche Verein, christliche und nationale Vereine, ins- gesamt 22„Arbeiterorganisationen" sind von den Kapitalisten ein- gefangen. Sie haben 37 Aktien erhalten, haben also auf der Generalversanunlung 37 Stimmen, während die 30Privatversicherungs« gesellschaften 3263 Aktien und auch Stimmen haben. Tatsächlich haben also die 22 Vereine kaum ein S ch e i n r e ch t bei der Vcr- waltung. Da der Einfang der Versicherten für die Kappsche Gründung nicht recht gelingen will, so wird neuerdings mit Reklameartikeln für die Kappsche Gründung nnd mit Angriffen gegen die„Volks- fürsorge" auch in der„Nordd. Allg. Ztg." vorgegangen. So heiß; es dort, um vor der„Volksfürsorge" graulich zu machen: „Dabei ist die„Volksfürsorge" nur geschaffen worden, u», Eingang in Kreise zu gewinnen, die der Sozialdemokratie bisher fernstanden." Diese Behauptung der„Nordd. Allgem. Ztg." ist eine glatte Unwahrheit. Die„Volksfürsorge" ist gegründet worden, um den Arbeitern und kleinen Leuten im Volke, ohne Rücksicht auf ihre politischen oder religiösen Anschauungen, die Möglichkeit der Per- sicherung zu schaffen und sie dabei vor den von allen Seiten anerkannten Nachteilen der kapitalistisch be« triebe nen Volksversicherung zu bewahre nl Die Tatsache, daß in dem Vorstand und AufsichtSrat der„Bolksfürsorge" vorwiegend bekannte Führer der Sozialdemokratie sitzen, ist nur eine Gewähr dafür, daß das Programm der Gesellschaft gewissenhaft durchgefiihrt wird, das lautet: Auch auf diesem Gebiere alles durch das Volk und alles für daS Volk! Die von der„Norddeutschen Allg. Ztg." verbreitere Unwahrheit soll offensichtlich dazu dienen, in einem von der.Volksfürsorge' gegen den Landschaftsdirektor Kapp angestrengten Beleidigungs« Prozeß Herrn Kapp in Schutz zu nehmen. In der bei demKönigs- berger Gericht anhängig gemachten Klage wehrt sich die„Volks- ftirsorge" dagegen, daß Kapp der Wahrheit zuwider folgende Be« hauptungen verbreitet hatte: Die„Volksfürsorge" prüfe jeden ihrer Hhpothekenschuldner auf seine Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei, sein Darlehen lverde ihm gekündigt werden, wenn er es wagen sollte, seine Stimme bei Wahlen einer anderen Partei zu geben; der Borstand nr i ß b r a u ch e die Gelder der Versicherten, um die Freunde kleines fcuUleton Der Sensationeles. Herr Horden, über den der Verewigungs- drang gekommen, begnügt sich nicht mehr damit, die Heroen« darstellungen aus der neueren Geschichte zu sammeln. Auch die großen Schufte, die er von Zelt zu Zeit auf seinein Schmieren- theater bat agieren laffen, sollen nun in der Galerie seiner„Köpfe" für alle Zeilen aufbewahrt werden.„Prozesse" ist der verheißungS- volle Titel des neuesten Bandes, tint dein Marimilian sich direkt neben den großen Kriminalisten Feuerbach, der die„merkwürdigen Verbrechen" schrieb.— stellen möchte. Mit dem an einigen Hinter- trcppenromanen geschulten psychologischen Verständnis malt er die schaurigen Rieseuschatlen eines Dippold, eines Hau, einer Frau v. Schönebeck, eines Stcrnickel an die Wand. Leider fehlt noch die liebe kleine Müllern. Wie interessant würde es die erst gemacht haben I Der Staatsanwalt und all die anderen Leute denen unbewußt die spielende erotische Illusion bei dem' Prozeß den Kopf verdreht, hätten mit tiefem Bückling vor ihm zutücktreten müssen. Wenn ein Geschworener das Glas ergreist. in dem in Spiritus das Herz der Frau Molitor schwimmt, pban- tasiert„Schmiiikeles" von der Schüssel des heiligen Gral. Mit welch mystischem Schauer würde er erst den Revolver betrachtet haben, den die dämonische BuchhandlungS-Expedientm gegen ihren zudringlichen Pagen erhob I Maximilian hat kräftige Farben. Nicht umsonst tiäuml er von Heroen! Er kennt noch die reinen Edel- naiuren. Und er kennt die radikalen Schufte. Angenehm fühlt er sich zurückversetzt, wenn der Geist der alten„idealistischen" Schmiere bei ihm sein großes Pathos wieder rollen läßt! Natürlich sübrt er auch das moralische Spiel vom Fürsten Eulenburg und seiner Kamarilla wieder vor, einschließlich jener höchn erbaulichen Schlußapotdeose, in der sich Maximilian- Siegfried als Netter Deutichlands selber bengalisch beleuchtet. Hier sollten Lilien flehen! Denn die Ausrottung des „Spinatgärtleins" war des Helden Meisterstück. Kein Zweifel! Und nichts ist auch so geeignet wie dieser Fall, das tragische Ver- hängnis im Dasein dieses Großen zu beleuchten. Neulich stand in der„Zukunft":„Wird bei uns ein Disraeli geboren, so zwingt man ihn sm der„Zulunft" hieß eS schamhaft Lasialle, ick aber sage:) Horden zu werden". Ja. ein Staatsmann von der Bedeutung des Lord BeaconSfield steckt in Maximilian; aber feine Persönlichkeit kann sich ,n Deutschland nicht auswirken. Deshalb muß sein Licht dumpf und qualmig schwelen. Er muß auf Schleichwegen, über die Hintertreppe zu seinem Ziele zu kommen suchen. Und er muß sich «ner Methode bedienen, die durch den Ahnherrn der Revolver- sournalisten. Aretino. in Mrruf gekommen ist. Der Irrweg der Reklamemarke. Kaufmännischer Geschmack und Handelssinn bat die Reklamemarke geschaffen, die sicherlich wiri- fchaftlich nützlich gewirkt hat. Aber was sie anfangs war, ist sie nicht mehr. Mit betrübten Sinnen stehen ihre Schöpfer und Nutz- nießer da: die kleinen bunten Blättchen sind auf eine Bahn ent- flattert, die sie ihrer Bestimmung entführt. Klagend zeichnet in deu „Hamburger Nachrichten" kaufmännischer Kummer, wie sie auf Ab- wege gerieten: „DaS Sammeln von Reklameinarlen ist die große Mode unter den Schulkindern. Der Anfang dieser Manie liegt noch gar nicht weit zurück. Aber die kleinen Liebhaber gingen mit solcher Energie vor. daß sie es nicht nur fertig brachten, daß Reklamemarken von unzähligen Firmen herausgegeben wurden, sondern daß sich die Papier- und Schulbuchhändter an die Firmen niit der Bitte wandte», sie mit reckt großen Mengen dieser bunten Marken zu versehen. Denn die Quälerei der kleinen Kundschaft ging in-Z Ungemessene. Und nun, da sich die Liebhaberei der Kinder zur Leidenschast steigerte, riefen die Schulbuben einen neuen Geschäftszweig ins Leben mit ihrer Sammelwut— den Reklamemarkenvertrieb. Da die Fabriken nicht so wollen, wie die Kinder, bekommen sie die Reklamemarken zum großen Teil schon geschenkt. Reklame- markendruckereien bitten Firmen, für sie kostenlos Reklame- marken herstellen zu dürfen. Die Firma bekommt«ine ansehnliche Menge, der größte Teil wird an die Papierhandlungen mit großem Vorieil verkauft. Die Papiergeschäfte geben sie dann mit gutem Aufschlag an die Kinder weiter, die ihre Mütter um einen Groschen quälen. Ernzelne Geschäftsleute gibt es noch, die sie besonders lieben Kleinen ohne Entgelt in die Hände drücken— ober auch diese Wenigen werden die Gier der Jugend geschäftlich ausnützen lernen. Diese Entwickelung der Reklamemarke ist lediglich originell. Eine» Propagandawert besitzt die Marke, die anfänglich als Brief- verichlußmarke gedacht war, damit nicht mehr. Erwachiene be- irachien sie mitleidig als Kmderipielzeug und das Besondere, der Hauptvv-t einer Reklame, ist in der Maffenberftellunq verloren gegangen. Und durch die Massenausnutzung der Marken als Handels- gegenständ von Druckereien, die zu deu auf der Marke genannten Fabrikaten gar kein inneres Verhältnis haben, blüht der billige Kitsch empor, der die beste Idee erwürgt." Die Reklamemarke teilt das Schicksal aller Dinge, denen eS heute gelingt, beliebt zu werden. Kapitalistische Massenproduktion macht sich über sie her und verschandelt sie. Und hier ist die Ver« schandelung im Handumdrehen dermaßen gelungen, daß der K i n d e r» schütz gegen Bilderschund einen großzügigen Kreuzzug ge- bieterisch fordert. Der Satiriker i« der Kooservenbüchse. In der„Berliner Volks- teitung" nimmt jemand die traurige Geschichte von dem alten ellier auf, dem Erfinder der Fleischkonservierung, um über„Erfinder- schicksal" etwa? von sich zu geben. DaS ist sein Geschäft, dafür bekommt der Mann bezahlt, und...„Ich bin ein Satiriker", sagte der Affe,— da hüpfte er, weil ihn der Dresseur auf den Hintern hieb. Aber dieses elende Geplaudere ist weniger belangvoll als typisch. Man lönne, sagt der Satyr, nicht die Achseln zucken. weil... ja, einfach weil sich zufällig auf„Konserven" ein paar Wortwitze machen lassen. Die Form tötete den Inhalt, und für die Widerlichkeit, die darin steckie, einen alten Mann im Dreck verkommen zu lasten, seine Idee aber auszunutzen, hat jener keine Zeit, weil er Wortwitze machen muß. Unter Witz� verstehen diese Possenreißer ein unsachliches Ab- schweifen vom Thema, das beginnt, etwa„unerquicklich" zu werden. Zur Sache selbst war nichts Witziges zu sagen: wieder zum tausend- sten Male das alte Lied, KapiialismuS gegen den Hopf, Geld gegen Geist... man kennt das. Aber diese Publikumsamüseure führen schon seit einiger Zeit— oder war eS immer so?— die Manier ein, sich so sachteken darüber hinwegzuwitzeln. Wenn sie noch an einer Erscheinung, an einem Borgang das Komische deS All- gemein-menschlichen sehen möchten I— Aber sie suchen sich irgend« eine äußere, lose Beziehung heraus und witzeln. Der Leser ist be- glückt, nachzudenken braucht er nicht mehr, die Wortwitze versteht er auch. So wird das öffentliche Verantwortlichkeitsgefühl zu Tode gewitzelt. Hamor und Satire. P e g o u d. Ruhmreich, beifallüberschwemmt, Kömmt Pegoud... Er kömmt! Er kömmt l Dreißigtausend Mark pro Flug; Herz, mein Herz, ist es genug! Einen Zaster wie Pegoud— so« ville kriegt nick: mal Caruso. Erdenziel und höchster Traum Bleibt ein kesser Purzeldaum. Jedes Auge färbt sich feucqr, Wenn der. Mensch koppheister fleucht. Und der Zauberer von der Seine Steck: zum Hinunel beide Beene. Schillern ging eS meistens karg, Horch, er dreht sich um im Sarg; Seiner Tage volle Phalanx Ward beherrscht von Meister Schmalhans. Heut bezahlt die Gegenwart Dreißigtausend Mark pro Start. Dreißigtausend Mark pro Flug— Herz, mein Herz, ist eS genug? lPeter im„Tag".) der sozialdemokratischen Partei zu belohnen und ihre Gegner zu strafen. Die Abwehr hiergegen ist da» gut» Recht der.Bolttstirsorg«', nachdem Herr Kapp ein» Zurücknahme dieser Dinge abgelehnt hat. Die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" aber stellt eS so dar, al» habe die.SZolkSfflrsorge" nicht wegen dieser Beleidigungen, sondern wegen Kopps Behauptung, die»VolkMrsorge" sei eine sozial- demokratische Gründung, geklagt. Tatsächlich ist ja die.Volksfürsorge" ein politisch neutrale» Unternehmen. Wäre sie ein sozialdemokratisches, so könnt» daS natürlich keine Beleidigung sein; denn eS könnte diese Behauptung, wenn sie überhaupt einen Sinn hat, doch nur den haben: die.Volksfürsorge" wird durch Sozialdemokraten geleitet, ihr gehören Sozialdemokraten al» Mitglieder an und sie wird in sozialistischem Sinn geleitet. Das Zutreffen dieser Voraussetzungen könnte die.Volksfürsorge' natürlich lediglich ehren und nicht herab- setzen. Ganz anders steht es mit den oben wiedergegebenen Ver- dächtigungen. Wenn da» r«gierungSoffiziöse Organ, die»Norddeutsche Allg. Ztg.", die Sachlage so darstellt, als ob der Streit sich darum drehe, ob die»Volksfürsorge' ein sozialdemokratisches Unternehmen sei, aber in den Reklameartikeln für da? Kappsche Unternehmen unter- schlägt, dah wegen der oben wiedergegebenen Behauptungen geklagt wird, so zeigs daS, daß daS Regierungsorgan selbst da- von überzeugt ist: ohne Verbreitung falscher Nachrichten zieht der Kappsche Gimpelleim nicht. Arbeiter ohne Unterschied der politischen Richtung wissen, daß allein die„Volksfürsorge" ein Ver- sicherungSunternehmen ist, das von kapitalistischen Profitinteressen frei ist. Und weil sie das wissen, so prallen alle Verdächtigungen gegen di«.Volksfürsorge" wirkungslos ab. - Hub der Partei. Eine sozialdemokratische Steuerinitiative in der Schweiz. Von dem wichtigen demokratischen Rechte der Gesetzesinitiative machen unsere Genossen im Kanton Bern Gebrauch, um zu einer notwendigen, sozial gerechten Steuerreform zu kommen. Am letzten Sonntag beschloß nun der in Bern abgehaltene außerordentliche Parteitag der Sozialdemokratie des Kantons Bern die Ergreifung der Steuerinitiative in Form eines fertigen Gesep- Entwurfes. Den Klein- und Miltelbauern wird darin em Nbzug von 20 Proz. des Schätzungswertes landwirtschaftlichen Kulturlandes bis zu IS 000 Fr. des rohen Grundsteuerkapitals des betreffenden Grundeigentümers und von 10 Proz. bis zu 30 000 Fr. gestattet. DaS steuerfreie Existenzminimum wird auf 1000 Fr. er- höht, wozu der Steuerpflichtige für seine Ehefrau und für jedes seiner Kinder unter 13 Jahren sowie für jede vermögenlose, er- werbsunfähige Person, für deren Unteihalt er allein aufkommt, einen Betrag von 100 Fr. zurechnen darf. Weiter sollen Beiträge an Kranken-, Unfall-, Jnvalidrtätö-, Alters- und Lebensversicherungen sowie an Witwen-, Waisen- und PensionSkassen, jedoch im Maximum 200 Fr., steuerfrei bleiben, desgleichen Rabatte, Skonti und Rück- Vergütungen bis zu 4 Proz. Die Steuerprogefsion sieht bei einem Steuersatz von 100 Fr. einen Zuschlag von S Proz. bis zu 200 Fr. und von S Proz. bis 1800 Fr. Steuersumme vor. Bei dieser Steuer- Berechnung bleibt die Armensteuer außer Betracht. Genossen- schasten i ollen für den Teil der zu steuerpflichtigen Rück- Vergütungen verwandten Summe ihres Einkommens von der Staats« !euer befreit bleiben. Die Steuer soll in jedem Jahre auf einmal )der in Raten einkassiert werden können. Wichtig ist die Einführung er amtlichen Jnventarisation in jedem Todesfalle. Sie soll nur cmn unterbleiben, wenn auS anderen Gründen ein öffentliches Inventar aufgenommen wird, daS von den Erben der Steuer- ehörde vorzulegen ist. Mit der obligatorischen amtlichen Fnven- msation kommt man an die Ouellc der Steuerdefroudalion und wird so die ehrliche Versteuerung fördern, wie die Steuer- innahmc des Staates erhöhen. Eine wichtige Neuerung bringt ie Einführung der Gemeinde-Autonomie in Stcuersachen,' wodurch sie Gemeinden ermächtigt werden, Spezialsteuern einzuführen. Immerhin unterliegen bezügliche Beschlüsse der Genehmigung durch die Kantonsregiening. Es ist eine bedeutsame Aktion, die da unsere Bener Genoffen beschlossen und für die sie zunächst 12 000 Unterschriften von stimm- berechtigten Schweizer Bürgern aufzubringen haben. Aber eS ist ein« volkstümliche Aktion, eine Steuerreform nach sozialpolitischen md nicht plutokratischen Gesichtspunkten, und sie werden daher tat- lcästige Unterstützung in den weitesten Volkskreisen finden, so daß aZ Unternehmen die besten Aussichten aus Erfolg hat. Hub Industrie und Handel. Rückgang der bayerischen Vicrproduktion. Unter den Minder- :innahmen, die daS gegenwärtige bayerische Budget aufzuweisen hat, st für den Malzausschlag bei einer Gesamleinnahme von SS Millionen Mark gegen daS Vorjahr ein Rückgang um eine volle Million Mark tu verzeichnen. Finanzminister Brcunig führte diese Minder- innahme im Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses auf den L-J----- U----—-------------!- 1——■■!.. I 1 II i. Notizen. — Theaterchronik. Der Shakespeare-Zyklu» des Deutschen Theaters wird am 7. November mir dem neu« inszenierten.SommernachtStraum" eröffnet. ES folgt dann jede Woche ein anderes Shakespearedrama. — Die fatale Aehnlichleit. In Bühnenkreisen erzählt man: Bei der Erstaufführung des Lustspiels»Dir heitere Residenz", die am DienStag im Deutschen Schauspielhaus« vor sich ging, geschah etwas Schreckliches. Die Polizei entdeckte, daß die MaSke des Herrn Paul(als Großhcrzog) S. M. dermaßen gleiche. daß... Herr Paul erhielt ein Verbot und ließ darauf den hoch- gezwirbelten Bart auf Halbmast herunter. Trotzdem sollen gewiffe Ähnlichkeiten immer noch weiter bestehen. — Ferdinand geht zum„Volke". Ferdinand Bonn. dem die Mitwelt schon so vieles und vielfaches verdankt, geht jetzt zum Kabarett über. Dichter, Schauspieler. Geiger— wird er nun alles in einem sein. Die Reklame besorgt er ganz nebenher. — Dehmel in VolkSauSg ache. Eine Vollsausgabe von Richard DehmelS Gesammelten Werten in drei Bänden ist zu Ehren Richard Dehmel» anläßlich seines 60. Geburtstage« in S. Fischer« Verlag, Berlin, erschienen. — Scipio Sighele, ein fruchtbarer Schriftsteller der kriminalanthropologischen Schule, ist im Alter von 4ö Jahren in Florenz einem Herzleiden erlegen. Auch im Ausland bekannt sind sein« Veröffentlichungen über»Daö kriminelle Paar' sowie über „Die Kriminalität der Menge". Sighele hatte keinen Funken der lombrosischen Genialilät und erhob sich in seinen Arbeiten, denen man gemeinhin wissenschaftlichen Wert zuschrieb, kaum über das journalistische Niveau. In letzter Zeit hatte er sich dem Nationaliö- muS zugewendet. — Deutsche Platinlager. In Wenden, im Kreise Olpe. wird demnächst das erste größere deutsckie Platinwerk eröffnet. Das Kubikmeter Gestein enthält SO bis 70 Gramm Platin. Die Lager- stätten, auf die man bisher zwecks Deckung des Platinbedarfes an- gewiesen war, enthalten im Durchschnitt nur S bis 8 Gramm im Kubikmeter. — Die einheitliche Zeit. Die in Paris tagende Internationale Zeit-Kouferenz beschloß die Gründung einer internationalen Vereinigung für die Einheitlichkeit der Zeit, die durch die Verwendung funkentelegraphiscber oder sonstiger Signale den Bedürfnissen der Schiffahrt, der Welterkunde, der Erd- bebcnkunde, des Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesens sowie der öffentlichen Behörden Rechnung tragen soll. Zum Sitz der Ver- einigung ist Paris ausersehen. Zweimal täglich wird der deutsche funkentelegraphische Posten von Norddeich mit Paris seine Signale austauschen. geringeren Bierverbrauch infolge der ungünstigen Witterung, auf die gute Obsternte und die Zunahme der Antialkohol- bewegung zurück, von einem AuSschußmitgliede wurde die Ein- führung einer sogenannten.Springerlsteuer' auf alkoholfreie Ge- tränke angeregt. Der Minister erklärte, er stehe der Besteuerung antialkoholischer Getränke sympathisch gegenüber, doch sei dies eine Angelegenheit des Reiches. Die Tatiache des Rückganges der kleineren Brauereien begründete der Minister mit den unabänder- lichen wirtschaftlichen Verbältniffen. Im übrigen gab er noch Kenntnis von einer ausführlichen Statistik über die durchschnittliche Malzverwendung und die Stammwürze de« bayerischen Bieres. Daraus geht hervor, daß das bayerische Bier im Durchschnitt den innerhalb des Gebietes der norddeutschen Malzsteuergemeinschast erzeugten Bieren immerhin noch überlegen ist, wenn sich auch da und dort ei» Sinken des WürzegebaltS bemerkbar gemacht hat. In der nächsten Zeit sei in dieser Beziehung wieder eme Besserung zu erwarten. Krisenzeichen. Bei der Gewerkschaft Konstantin der Große(Effen) wird bereits auf zwei Schichten wegen Absatzmangels gefeiert. — DaS belgische Stahlsyndikat ermäßigte die Inlandspreise für Träger von 186 aus 167 Frank, für Formeiscn von 172 auf 166 Frank.— In Schottland wurden die Stahlpreise um weitere 10 Schilling pro Tonne ermäßigt. 8o2iales. Bundesratsverordnung. Der Bundesrat hat, wie der gestern ausgegebene„Reichs- anzeiger" mitteilt, bestimmt, daß die Amtsdauer der gegenwärtigen nichtständigen Mitglieder deö Reichsversicherungsamts aus dem Stande der Arbeitgeber und der Versicherten sowie ihrer Stell- Vertreter noch so lange währt, bis die auf Grund der§§ 87 ff. der Reichsversicherungsordnung gewählten nichtständigen Mitglieder ihr Amt antreten, längsten» bis zum 31. Dezember 1S14. Mißwirtschaft unter einer liberalen Stadtverwaltung. Vor Jahresfrist wurden in der Stadt Justrrburg(Ostpreußen) der Stadtbaumeistrr Friede! und der Brandmeister Haman in Haft genommen. Sie wurden beschuldigt, die Stadt Jnsterburg um viele Taufende von Mark bewogen zu haben. Sie sollen dabei mit anderen städtischen Beamten und Kaufleuten gemeinsam gearbeitet haben. Baumeister Friede! verübte im Gefängnis Selbstmord, ebenso ein Kaufmann. Am Mittwoch standen nun zwei städtische Beamte, fünf Kauflrute und eine Buchhalterin vor der Straf- kammer zu Jnsterburg unter der Anklage des Betruges, der Bei- Hilfe dazu und der Unterschlagung. Es wurde festgestellt, daß der Beamte Härder, dem das Rohrmeisteramt übertragen war, sich ebenso wie Baumeister Friede! auf Kosten der Stadt von städtffchen Arbeitern seit Jahren persönliche Dienste leisten ließ. Städtische Arbeiter wurden in der Familie Härder als Dienstboten beschäftigt; sie muhten dort Kleider reinigen, Stiefel wichsen, Milch, Holz(da? der Stadt entnommen wurde) und Kohlen holen und sogar Ein- kaufe auf dem Markt machen. Ein Arbeiter hat auf diese Weise täglich durchschnittlich vier Stunden für die Familien Härder und Friede! arbeiten müssen, und die Stadt hat dafür über 2900 M. an Löhnen gezahlt. Dann hat sich Härder von dem Kaufmann Hagen, der für die Stadt lieferte, viele Gegenstände für seinen persön- lichen Gebrauch verabfolgen laffen, die Kosten dafür aber der Stadt in Rechnung gestellt. Der Staatsanwalt betonte, e» gäbe noch eine Gruppe von Interessenten, die nicht zu fassen seien. Der Bau« meist« Friede! sei manchen Leuten sehr gelegen gestorben; wäre er am Leben geblieben, so hätte man noch manche» Wunder erleben können. Er erinnerte auch an den Selbstmord des einen Kauf- mann» und meinte, wenn andere auch noch diesen Rest von Ehr- gefühl besessen hätten, so hätte man in Jnsterburg noch manchen Schuß hören müssen. Der Brandmeister Haman hat in der Voruntersuchung«- klärt, sein« Verfehlungen seien so zahlreich, daß er all die Kauf- leute nicht nennen könne, mit denen er Durchstechereien betrieben habe. Er hat sich u. a. jahrelang auf Kosten der Stadt Kühe ge- halten und diese von Feuerwehrleuten füttern lassen. Dai Futter sowie die Streu hat er von der Stadt genommen. Der Schneider- meist« Kilian hat viele Kleider für Feuerwehrleute in Rechnung gestellt und bezahlt«halten, die er nicht geliefert hat. Haman hat sich von ihm zahlreiche Kleidungsstücke, Pelze, ein Kleid für seine Tochter und selbst einen Maskenanzug auf städtische Kosten her- stellen lassen, was der Stadt 2200 M. gekostet hat. Gemeinsam mit dem Lederhändl« Jänisch und dem Drogisten Gottwald hat H. ähnliche Betrügereien verübt. Insgesamt hat H. nachweisbar— viele» ist ihm natürlich gar nicht nachzuweisen, die Stadt um zirka 10 000 M. geschädigt. Das Urteil lautete: Hamaa 4 Jahre GefäugniS, 6 Jahre Ehr- v«luft; Fahron 1 Jahr 8 Monate Gefängnis, 2 Jahre Ehrverlust; Kilian 8 Monate Gefängnis, 1 Jahr Ehrverlust; Gottwald sechs Monate Gefängnis, 1 Jahr Ehrverlust; Jänisch 1 Woche Gefängnis; Buchhalterin R-dtke 60 M. Geldstrafe. Ehescheidungen in Preußen. Das Eherecht im Bürgerlichen Gesetzbuch ist absichtlich reak- tionär gestaltet. Es sollte die Ehescheidung erschweren. Es er- reichte auch zunächst den gewollten Zweck. Im Jahresdurchschnitt von 1892 bis 1899 wurden je 6899 Ehen in Preußen geschieden. Im Jahre 1900, mit der Einführung deS Bürgerlichen Gesetzbuches, sank die Zahl auf 4756, im Jahre 1901 sogar auf 4876. Bald aber zeigte sich, daß die Verhältnisse stärker waren als reaktionärer Wille. Die Gerichtspraxis akkomodierte sich den Verhältnissen. Trotz der«schwerenden Bestimmungen stieg die Zahl der Ehe- scheidungen im Jahre 1902 bereits wieder auf 6278, sie nahm dann weiter von Jahr zu Jahr zu; im Jahre 1912 wurden bereit» 10 797 Ehen geschieden. Regierte nicht Muckerei, dann würde man die unsinnigen, schikanösen, Haß und Erbitterung nährenden Ehe- scheidungShinvernisse beseitigen. Geridns- Deining. Der beleidigte Musikdirektor. Ein sehr empfindlich« Herr scheint der Musikdirektor Martin Lehmann zu sein, der in Treptow an der Neuen Krugallec eine Musikschule hat. Er führte vor dem Schöffengericht Charlottenburg eine Beleidigungsklage gegen einen in Charlottenburg wohnenden Schlosser Willi Schmidt, der ihm ins Gesicht gesagt haben sollte, daß Musiklehrlinge aus dem Institut Lehmanns eine Kneipe besucht und dort mit Mädchen sich ungehörig benommen hätten. Schmidt hatte ein Interesse an den Zuständen in dieser Musikschule, weil sein jüngerer Bruder zu Lehmann? Lehrlingen gehörte. Nachdem der Bruder auS der Lehre gelaufen war. ging Willi Schmidt zusammen mit dem Vater zu Lehmann, um die Wiederausnabme zu erwirken. Dabei soll Schmidt, wie gestern in der Verhandlung vor dem Schöffen- gericht Charlottenburg ein Zeuge bekundete, Herrn Lehmann gefragt haben, ob er wisse, daß einige seiner Lehrlinge angetrunken mit Mädchen in der Kneipe gesessen hätten. Da Schmidt das selber ge- sehen zu haben behauptete, so habe Lehmann sofort mehrere seiner Lehrlinge herbeiholen lassen, doch habe Schmidt keinen wieder- erkannt. Lehmann scheint sich damals mach nicht so sehr üb« den ihm gemachten Vorwurf eines Mangels an Aufsicht aufgeregt zu haben, wenigstens ließ n, wie der Zeuge angab, nichts davon merken. Erst später, als Lehmann Beleidigungsklage einreichte. sah Schmidt, wie empfindlich der Herr Musikdirektor ist. Durch seinen Vericjdigcr, Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, bot d« Ange» klagte Schmidt den Beweis der Wahrheit sein« Behauplungen an. Ein ehemaliger Lehrling Lehmanns wurde vernommen. Fern« be- antragte der Verteidiger,«in Gerichtserkenntnis aus einem frühe- ren Prozeß zu verlesen, den gegen Lehmann der Vater eines Musik- lehrling? um die Aufhebung des Lehrverhältnisses geführt hat. Lehmann habe hervorgehoben, er erfreue sich großen Ansehens, fei sogar Musikdirektor der Jugendwehr und halte peinlich auf Ordnung und Titte. In jenem Prozeß sei aber festgestellt worden, daß unter Lehrlingen von ihm die ärgsten Sittenzustände geherrscht hätten. Lehmann habe davon Kenntnis erhalten und habe nachher gegenüber Lehrlingen Schimpftvorte gebraucht, die auf jene da? Geschlechtsleben berührenden Vorkommnisse Bezug nehmen. Heb« die Klage habe ein Amtsgericht und ein Landgericht entschieden, daß dem Lehrling die Fortsetzung des Lehrverhältnisses nicht zugemutet werden könne. Das Gericht erkannte auf Grund der Beweisaufnahme auf Freisprechung. Beraubung von Güterwagen. Gegen 24 Eisenbahnbcdienstete hatte gestern die 1. Straf- kammer des Landgerichts III unter Vorsitz des LandgerichtsdirektorS Bahr eine umfangreiche Anklage wegen schweren und einfachen Diebstahls und gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei zu ver- handeln. Die Anzeigesachc läuft unter dem Rubrum Jai-.row und Genossen. Von den Angeklagten, die zum Teil in Untersuchungshaft gesessen haben, sind 21 bei der Eisenbahnverwaltung in Berlin» Friedrichsfelde im Rangierdienst tätig gewesen, ohne als Beamte angestellt zu sein. Sie werden beschuldigt, während ihrer Tätigkeit als Rangierer in Friedrichsfelde in verschiedenen Gruppierungen, teilweise auch allein, Güterwagen beraubt zu haben. Zum Teil hatten sie Zutritt zu den Güterwagen, zum Teil verschafften sie sich solchen durch Abschneiden oder Lösen der Plomben. So stahlen zwei oer Angeklagten auS einem Wagen, der für die HäuteverwertungS- G. m. b. H. bestimmt war, einen Bündel Häute. Sie hatten die Plombe, mit der der Wagen verschlossen war, abgerissen und nach dem Diebstahl neue Plomben daran befestigt. Objekte des Dieb- stahis der übrigen Angeklagten waren u. a.: Hasen, Hühner, Häute, Spirituosen aller Art, Fässer mit Butter, mehrere Kisten Zigarren, ein photographi scker Apparat,«in« Automobiluhr, Kupferplatten, Handwerkszeug aller Art, Herrenstief«!, Eisenwaren, Kleiderstoffe, ein großer Posten Porzellan, Wäsche usw. Obgleich die Angeklagten zum größten Teil geständig find, nimmt die Verhandlung mehrere Tage in Anspruch, da jeder einzelne Angeklagte eingehend zur Sache vernommen werden mutz und 20 Verteidiger ihres Amtes zu walten haben. Wir werden das Urteil mitteilen. Erpressung beim Umzug. In unserer Nummer vom 9. Oktober haben wir über die Ver- urteilung eines Fuhrmanns Willi Stein wegen Erpressung beim Umzug berichtet. Der Fuhrmann Georg Stein, Diedenhofener Straß« 6, teilt uns mit, daß er von verschiedenen Personen als der Erpresser angesehen ist. Wir stellen hiermit fest, daß dieser Fuhr. mann' Georg Stein nicht mit dem wegen Erpressung angeklagten und»«urteilten Gelegenheitsfuhrmann Willi Stein identisch ist. Versammlungen. Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Der Agitation für die völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe diente eine übervolle Versammlung der im Handelsgewerb« lät gen Personen, die am Donnerstag in der»Neuen Philharmonie" statt» fand. Mit gründlicher Sachkenntnis ging der Referent, Reichstags« abgeordneter Schumann, auf die Materie ein. Er zeigte, wie es in Wirklichkeit mit der Behauptung steht, wonach Deutschland da» sozialpolittsch fortgeschrittenste Land sei. Ebenso wies er auch gerade an den Verhältmssen im Handelsgewerbe nach, daß wir noch sehr weit entfernt sind von einer ausreichenden, umfassenden Sozial- Politik. DaS sehe man offenfichtltch wiederum an dem Gesetzentwurf, den die Regierung dem Reichstage vorzulegen gedenkt, der nicht die erhoffte und dringlichst geforderte vollständige Sonntagsruhe für alle im Handelsgewerbe Befchäfttgten vorsteht. Der fteie Sonntag soll also wieder einmal in weite Ferne gerückt werden. Und daS, obwohl zur Genüge bekannt ist, daß selbst die Durchführung der jetzigen Bestimmungen über die Sonntagsruhe auf die größten Schwierigkeiten stößt, wo- von die in Betracht kommenden Arbeiterorganisationen ein Lied zu singen wissen. Ist es doch eigentlich nur ihrer Kontrolle und ihrem Einfluß, ihrer ganzen energischen Arbeit zu danken, wenn Angestellte und Arbeiter überhaupt nur einigermaßen in den Genuß der gesetzlichen Vergünstigungen gelangen, da dir behördliche Kontrolle und Aufficht alles zu wünschen übrig läßt. Der Entwurf der Regierung gab dem Redner die beste Gelegenheit, zu zeigen, wie eS mit dem Fortschritt aus sozialpolitischem Gebiete in Deutschland aussieht und der Entwurf, wenn er Gesetz wird, vielfach nicht nur keinen Fortschritt bedeutet, sondern zum Teil geradezu einen Rückschritt darstellt. Die Parole mutz nunmehr in verstärktem Maße lauten: Her mit der völligen Sonn» tagSruhel Stürmischer Beifall folgte den Busführungen de» Referenten. In der Diskussion beleuchtete Schmidt vom gentralverband der Handlungsgehilfen da» Verhalten der gegnerischen Vereine, die dem Unternehmertum mehr oder weniger Vorschub leisten, sicherlich aber nichts unternommen haben, um in der Frage der Sonntags- ruhe Wandel zu schaffen. Auch der nächste Redner, G ö tz k e, ergänzte noch das Referat in sehr wirksamer Weise nnd forderte dazu auf, am Sonntag nicht einzukaufen. Desgleichen förderten die übrigen Rednet noch tnter« essanle und charakteristische Beispiele zutage, wie eS auf dem Gebiete der Sonntagsruhe aussieht. Ein Kassierer auS der Abzahlungsbranche schilderte die Tätigkeit und die Lage sein« Kollegen und erklärte, daß die SonntagSarbeit auch in dictem Gewerbe entbehrlich sei. wo aber g«ade ichr häufig gegen die Sonntagsruhe verstoßen werde. Würde das System der SonntagSkassierer abgeschafft, so erhielten eine ganze Anzahl Familienväter eine Arbeitsstelle. Der Parole: Kauft nicht am Sonntag, muß hinzugefügt werden: Zahlt nicht am Sonntag an die Abzahlungskassierer. Gegner meldeten sich nicht zum Worte. Folgende Resoluttoa fand einstimmige Annahme: Die heule am 23. Oktober 1913 in der„Neuen Philharmonie", Köpenicker Str. 96/97, ragende öffentliche Versammtung der im HandelSgcwerde beschäftigten Personen nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß der Gesetzentwurf, den die Regierung dem Reichslage vorzulegen gedenkt, nicht die vollständige Sonntagsruhe für alle im Handelsgewerbe Beschäftigten vorsieht, sondern sich wieder einmal mit Flickwerk begnügt. ES ist das um so bedauerlicher, als gerade die im Handel be« schäftigten Personen die längste Arbeitszeit haben und ofimal« vom allerftübesten Morgen bis in die späte Nacht hinein arbeiten müssen. Sie glauben daber ein Recht wenigstens aus einen freien Tag in der Woche zu haben, um sich zu erholen und ganz ihren Familien widme» zu können. Die Verlammelten erwarten daher von dem Reichstage, daß er ganze Arbeit macht und die vollständige Sonntagsruhe Gesetz werden läßt. Da durch die von den Verbänden eingesetzte Sonntagsruhe« kommiffion im umfangreichen Maße llebertretungen der SoaittagS» ruhebestimmungen iestgestellt wurden und die Polizei meist nicht ge- willt ist, einzuschreiien. so fordern die Versammelten Schaffung von Handelsinspektoraten, denen die Ueberwachung dieser Gesetze zu übertragen ist. Die Versammelten erkennen an, daß nur freie G e w e r k- s ch a f t e n in der Lage sind, die Forderungen der Angestellten mit Nachdruck zu vertreten, und verpflichten sich, ganz energisch für den Ausbau dieser Organisationen zu wirken. Hua aller Gleit. Die Cholera In Syrmien. 0u3 Sgram wird uns über das Auftreten der Cholera in Kroatien geschrieben: Der Balkankrieg hat unS in Kroatien neben einem in-Z Unend- liche gehenden Ausnahmezustand, wirtschaftlicher Depression von seltener Heftigkeit und verschiedenen anderen Uebeln auch noch die Cholera gebracht, die nun im Shrmier Komitat täglich ihre Opfer fordert. Die Seuche wurde durch Schmuggler, noch mehr durch landwirtschaftliche Arbeiter, insbesondere durch die sogenannten Zwetschgenmuskocher, eingeschleppt. Anfänglich wurde wohl viel Lärm darob gemacht, jedoch waren die getroffenen Matzregeln so unzulänglich, dah die Seuche ini ganzen südlichen Komitate unzählige Dörfer verseucht hat, so datz die Zahl der Opfer grötzer ist, als dies aus den täglichen Berichten in den Zeitungen ersichtlich sein kann. Datz die lündltche Bevölkerung gegen die eingetretene Gefahr indolent war, das kann noch begriffen werden, minder begreiflich ist der Leichtsinn der intelligenteren Kreise und insbesondere der Behörden selbst, die es an dem nötigen Ernste allgemein fehlen lietzcn und eben dadurch das Ausbreiten der Cholera mitverschuldet haben. Allgemein wurde die Seuchengefahr als eine Er» findung der Aerzte betrachtet und die bestehende Ge« fahr und die Aengstlichkeit der Aerzte verhöhnt. Bei derartigen Anschauungen wurden alle getroffenen Matz- nahmen so leichtfertig durchgeführt, datz sie ohne Erfolg blieben. Am allerwenigsten winde für die vor allen Dingen notwendige Auf- klärung des Volkes etwas getan. Während sich die verschiedenen Behörden herumstritten, wer die Kosten der Vorbeugungsmatzregeln tragen müsse, breitete sich die Cholera immer weiter aus. Hierzu einig« Beispiele: Der Ort K u z m i n war einer der zu- erst verseuchten und sind dortselbst schon über 200 Personen er« krankt mid über 100 gestorben. Manche Familien sind ganz ausgestorben. Trohdem werden in diesem Orte auch weiterhin Familienfeste gehalten, insbesondere die bekannten Tolenschmause, zu denen auch Verwandte und Familienfreunde aus anderen Ort- schaften kamen. Zu einem Totenschmaus nach einem an Cholera Verschiedenen k.men auch Gäste aus Adaschevtze. Sofort nach der Heimiunft in Adaschevtze erkrankten einige der Gäste und bis jetzt sind über 100 Personen erkrankt und 24 Personen gestorben. Au» Adaschevtze wurde die Seuche in die Nachbarorte übertragen. Als die Epidemie sich im S chi d er Bezirke auszubreiten begann, da wollte die BezirkSbehörde auch die Schider Gemeinde mit jenen Kosten belasten, die gesetzmätzig das Land zu tragen bat Doch im Schtder Gemeinderat i st eine sozialistische Mehr- heil, geführt vom gewesenen sozialistischen Landtagsabgeordneten vitomir KoracS. Als der erste Cholerafall imOrte vorkam, da griffdie Gemeinde zum Selbstschutz. Vorerst wurde unter der Bevölkerung ein a u s- klärendes Flugblatt verbreitet, durch die Maisfelder wurden Lichtungen geschlagen, das Volk wurde aufgerufen, freiwillige Wachen um den ganzen Ort zu stellen. Gegenwärtig stellt jedes HauS einen Mann täglich zur Wache in den Auen, um die Kommunikation mit den verseuchten Orlfchosten zu verhindern. Das, was die Behörde nicht zustande bringen konnte, das gelang dem vom Vertrauen der breiten Volksschichten getragenen sozialistischen Gemetnderate: der einzige Cholerafall in Schid wurde nicht weiter übertragen, die Gefahr bedeutend gemindert. Die Aerzte selbst sind voll des Lobes über die musler- hafte Ordnung, mit der die Schutzmatzrcgekn au? fteiem Willen der Bevölkerung, ohne Zwang, durckgesührt werden- Wie beschämend ist doch dieses Beispiel für diejenigen Behörden, die berufen wären, das Volk zum eigenen Schutze aufzuklären und anzueifern, statt demselben immer mit Gehässtgtett xnb Schikane entgegenzutreten. Wenn eS sich um dt» Vorbereitung korrupter Wahlen handelt, dann sind die politischen Beamten in ihrem Element, denn hierbei kann am besten Karriere gemacht werden, während die Bekämpfung der Cholera den Beamten«venwell selbst der Cholera- gefahr aussetzt. Da sitzt es sich bequemer in der abgeschloffenen Kanzlei, statt mutig unter das Volk zu gehen und dasselbe auf- klärend zum Selbstschutz anzuleiten und auch selbst mit Hand anzu- legen zum Schutze der Bevölkerung. Die Grubenkatastrophe in Neu-Schottland. Die Explosion in der H i r s ch s ch I u ch t- K o h l e n- grübe bei Dawson hatte nach den neueren Meldungen eine noch furchtbarere Wirkung, als zuerst angenommen wurde. Zur Zeit der Explosion waren im Bergwerk 322 Arbeiter, zumeist Italiener, tätig; davon konnten bis Donnerstag Mitternacht nur 23 lebend geborgen werden. Neben den Geretteten wurden 38 Leichen zutage gefördert, so daß sich noch 261 Mann in der Grube befinden. Es tvird befürchtet, daß alle noch Eingeschlossenen der Katastrophe zum Opfer gefallen sind. Ter Untergang des Dampfers„Bestkusten". Zu dem bereits gemeldeten Untergang deS Dampfers»Best- fuften* im Bottnischen Meerbusen wird gemeldet, datz sich an Bord des SchiffeS 20 Mann Besatzung und etwa 2ö Passagiere befunden haben. Alle bis auf einen, den Vieh- Händler H e n r i k S s o n, sind bei der Katastrophe umS Leben gekommen. Henriksson erzählt über daS Unglück: Die.Vestkusten" verlieh Vasa Mittwoch nachmittag bei starkem Sturm und Nebel. Der Kapitän steuerte daher auf RönnSkär zu, um dort Anker zu werfen. Während der Fahrt kam er jedoch aus dem KurS, und in ganz geringer Ent- fernung von Rönnskär lief das Schiff auf eine Klippe, die aus dem Wasser ragte. ES war gegen 6 Uhr abends bei verminderter Fahrt. Auf der Kommandobrücke befanden sich der Kapitän, der erste und der zweite Steuermann sowie zwei russische Lotsen. Der Dampfer lief mittschiffs auf, glitt aber infolge des hohen Wellenganges und des SturmeS wieder ab, wobei sich die Salons und der Achterraum mit Wasser füllten. Die beiden Rettungsboote wurden sofort klar gemacht. Es gelang auch, das eine ins Wasier zu bringen; ehe jedoch da» zweite Boot von Bord kam. kenterte die„Bestkusten" und alle an Bord befindlichen Personen stürzten ins Wasser. ES glückte HenrikSson und einigen Heizern, den aus dem Wasser herausragenden Mast schwimmend zu erreichen. Gegen Mitternacht konnten die Heizer sich nicht' länger halten und ertranken, Nur Henriksson wurde von einer See auf den Mastkorb hinauf- geworfen, und er konnte sich hier bi« zum Morgen festhalten, bis er von dem Dampfer„Karl von Linnö" gerettet wurde. Henriksson berichtet, der Kapitän und die Steuerleute hätten ihr Beste« getan, um die Ruhe unter den von panischem Schrecken ergriffenen Pafla- gieren herzustellen. Diese wurden sämtlich mit RettungSgürteln ver- sehen, einige der Passagiere erhielten sogar zwei Rettungsgürtel. Das Unglück ereignete sich sehr schnell. Vom Auflaufen des Dampfers bis zum Sinken vergingen nur wenige Minuten. Kleine Notizen. Menschenopfer. Bei dem Treiben eines OuerschlageS auf der Jcche„Unser Fritz" bei Bochum versagte ein Sprengschutz,«l« drei Bergarbeiter sich noch dem Schietzorte begaben, erfolgte plötzlich die Explosion. Einer der Arbeiter war sofort tot, ein anderer wurde lebensgefährlich, der dritte leichter verletzt. Ctzklon in Louisiana. Ein Telegramm auS New Orleans meldet, datz Donnerstag ein furchtbarer Wirbelwind über ganz Schausiellimg unserer neuesten Modelle in eleganten Abendschuhen afsrarR � kaufen Sie von Kavalieren weniq getragene eowie im Vera ata gewesene Jackettanzdee, ■£*§ Rockaiizüge, Paletot«, Serie i: lO 1 8 M., Serie II:.'40—80 M.. größtenteils auf Seide. Ferner Gelegenheitskäufe in neuer Mnßgar derohe enorm billig. Riesenposten Kleider, Ko�tttme, PlüochniUntel, auf Seide, früher 150, jetzt 20—35 M. Große Posten Pelz- atolas in Skunks, Härder, Nerz, Füchsen, früher bis 200, jetzt 20—75 M. Große Auswahl in Herren-Ciehpelzen, Gelegenheitskäufe in Damen-, Reise- und Wasen- Pelzen. Extra-Angebot in Lombard gewesener Teppiche, Ctardlnen, Portieren, Betten, Wüsche, Brillanten, Chren und Koldwaren zu enorm billigen Preiien.— Torwürtslescr erhalten 10•/, extra. Lonkstana hinwegfegt«, viele Häuf« sind»ing, stürzt«nd kiemer» Ortschaften wurden völlig zerstört. Man meldet bereit» 80 Tote und über 200 Verletzt». Der Schaden soll sehr grotz sein, jedoch fehlen noch alle Einzelheiten. WasierftandS-Nachrichten der LandeSanflall für Gewäslcrtunde, mitgeteilt vom verkiner Netterbureau kaperst and M-m-l, Tilstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Krofien . Fraiitsurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lettmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg 1-i- bedeutet Wuchs,— Fall. Nast erstand Saal», Drochlttz Havel, Spandaus » Rathenow») Spree, Spremberg') , Berslow Weser, Münden , Minden Rhein. Maximiliansau , Kaub Köln Neckar, Heilbron« Main, Hanau Mosel. Trier -»•) Unterpegel. Unsere neuen Erzeugnisse auf dem Gebiete der Ballschuh-Fabrikation sind in ihrer Schönheit und Eleganz nicht zu ubertreffen. Die diesjährigen Muster zeigen sich in ganz neuen edlen Formen, zarten Modefarben und aparten Garnierungen in ausgesuchtester Geschmacksrichtung. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Flaschensahrer Andreas Wittkowski (Schultheiß-Brauerei Abt. II) am 22. d. Mts. im Alter von t6 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 26. Oktober, nach. mittags 3 Uhr, aus dem Mathias- Kirchhos in Bertin-Mariendors, Schöneberger Straße 146, statt. Rege Beteiligung erwartet 44/11 Die Ortsverwaltung. Yerband der GastwirsgeWUen. Ortsvarwaltung Barlla L Den Mitgliedern zur KenututZ, daß der Kollege dosephi Fröhlich am 23. Oktober verstorben ist. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet hentc Sonntag, den 26 Oktober, nach. mittags lL3 Uhr, aus dem Kirch» hos der ZionS-Gemeinde in Nordend statt. 32/18 Der Vorstand. Verband der KopMiniede Deutscblands. ftiiaie Benio. Am 23, d. MtS. verstarb nnser Mitglied, der Kollege Fxbert i�eickeii im Alter von S6 Jahren. Ehre seinem Andenken: Di« Beerdigung findet am Montag, den 27. Oktober, nach- mittags i'l, Uhr, von der Hall» deS Zentral-FriedhoseS w Buch l auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet j Der Fl�talvorstand. Zentraherband der Steinarbeiter Zahlstella Berlin. Hm 19. Oktober starb unser Kollege, der Marmorsräser Xuxust Uermann im 46. Lebensjahre an Blutver- gistung. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3>/, Uhr, aui dem Gemeinde-szriedboj in Mariendors, Fricdenstraße, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 172/1 Die Ortsverwaltung. Todcu-Ailzclec. Arn Sonnlag. den 19. Oktober, verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unier guter Vater. Sobn, Bruder, Schwager und Onkel, der Marmorsräser Xuxust Hermann. Hartha Eilermanii nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. Okwber. nachm. S'l, Uhr. vom Mariendorser Fried- dos, Friedenstraße, aus statt. ö4Ä lln. Limmsl Lpezisl-�rzt tär Haut» und Harnleiden. Prinzenstr. 41, w?» 10— 2. 6—7. Sonntags 10— 12. Am 23. d. M. verschied infolge i Herzschlags mein innigstgeliebter Mann und herzensguter Bater, der Kassendeamte und Stadt- verordnete �lloik»eller im 40. Lebensjahre.. Im Namen der tieftrauernd en Hinterbliebenen ElisubetK Heller geb. Brennicke. Rcuköllu, den 25. Oktober 1913. Roseggerstr. 44. Die Einäscherung findet am Sonntag, den 26. Oktober, nach- mittags 3'/, Uhr, im Krematorium zu Treptvw-Baumschulenweg statt. Verein der kreidender Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kassen- angestellte Adolf Heller verstorben ist. 292/20 Ehre seinem Andenken: Die Emäscherung findet am Sonntagnachmittag 3'/, Uhr im Trevtower Krematorium an der Kiesholzstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht I>«r Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Neukölln. Am Donnerstag, den 23. Oktober, verstarb plötzlich | unser Parteigenosse, der Kassenbeamte und Stadtverordnete| Adolf Heller Eoseggerstr. 44. 8. Bezirk. JEhre seinem Andenken: Der Verstorbene hat stets für die Interessen der AU- 1 gemeinheit gearbeitet und-wird ihm das ein bleibendes Andenken bei der Arbeiterschaft Neuköllns sichern. Die Einäscherung findet am Sonntag, den 26. Oktober, 1 riaohmittags S'/s Uhr, im Krematorium zu Treptow in der 1 Kiefholzstraße(zwischen Kiefholzstraße, Forsthaus- Allee | und Kaiserstraße) statt. 238/14 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Torstand. Am 23. Oktober 1913 verstarb plötzlich im Alter von 40 Jahren nnser Fraktionskollege, der Stadtverordnete Adolf Heller N eukölln. Wir verlieren in ihm ein treues und fleißiges Mitglied, das restlos und sachkundig für die Interessen der Arbeiterschaft in der Gemeindeverwaltung gearbeitet hat und jederzeit für die kommunale Entwickelung tätig war. In jungen Jahren setzte der Tod seiner Schaffensfreude ein Zieh Wir werden dem leider zu früh Verstorbenen ein treues Andenken bewahren! Die sozialdemokratiseiie StaätveroriiüeteMtioD 292/19 Neukölln. WM Orls-Wentee Uli Am 23. Oktober/z Uhr, findet im.Biloriagarten", WilhelmSaue 114, die Mitgliedcrversamm- lung des WahlvereinS statt. Tagesordnung: 1. Der Geburtenrück- gang und seine Bedeutung für daS Proletariat. Referent Genosse Dr. Alfred Bern st ein. Korreferent Genosse Dr. E r n st M e h e r. 2. Freie Aussprache. 3. Wahl der Delegierten für die Verbandsgeneralversammlung. 4. Parteiangelegenheiten.— Zahl- reiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Mitgliedsbuch legitimiert I Stralau. Der Wahlverein veranstaltet heute Sonnabend, den 25. Oktober, in den.Mackgrasensälen" einen Heiteren Abend. Mit- wirkende: Gesangverein Vorwärts- Frohsinn(M. d. D. A.-S.-B.), Konzertsängerin Frl. Elsa Colman und Rezitator Herr Hans Fuhr» urann. Eintritt 30 Pf. Anfang pünktlich 8'/» Uhr. Um rege Beteiligung ersucht Der BildungS-Ausschust. Äiedcrschöneweide. Am Sonntag, den 26. Oktober er., morgens 8 Uhr, wichtige Flugblatt- Verbreitung von den Bezirkslokalen au». Friedrichshagen. Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 11 Uhr, findet eine Besichtigung des Treptower Krematoriums statt. Treffpunkt vormittags l)3/« Uhr am Bahnhof Friedrichshagen. Kanlsdorf sOstbahn). Morgen Sonntag, den 26. Oktober, früh 8 Uhr, FlugblaNverbreitung vom Lokal des Herrn Bobcy am Bahn- Hof aus. Zeuthen-Micrsdorf. Sonntag, früh 8 Uhr, von Robert Barnack aus: Agilationstour nach Kiekebusch und Rotzis. Wandlitz, Basdorf, Klosterfclde, Bezirk Pankow. Sonntag, den 26. Oktober, nachmittags 4 Uhr, bei Lassan-Wandlitz: Mitglieder- Versammlung obiger Orte. Bericht des Genossen Schindler, Pankow, von dem Parteilag in Jena 1913. Kein Genosse fehle zu dieser Veranstaltimg. Berliner Nachrichten. Zeichen der Zeit. Je näher es dem Winter geht, desto größeren Umfang nimmt die Arbeitslosigkeit an. Tausend Anzeichen erzählen auch dem Satten und Besitzenden davon. Er muß nur Augen haben, zu sehen, und Ohren, zu hören. Auf ganz eigenartige Bilder stößt man zurzeit nament- lich in der Nähe der Zentralmarkthallen. Nicht nur dürftig gekleidete, beschäftigungslose Erwachsene lungern dort, auf eine Gelegenheitsarbeit wartend, herum, sondern auch Frauen und Kinder. Man sieht es den scheuen, schmächtigen Ge- stalten auf den ersten Blick an. daß sie das Elend in die Nähe des Sammelpunktes allen genießbaren Ueberflusses ge- trieben hat. Wenn die Dämmerung durch die Straßen des Großstadt- Pentrums flattert und die mächtigen Hallentore sich öffnen, dann schiebt sich, wie von unsichtbaren Händen gedrängt, das Heer der Hungernden immer näher an die reich versehenen Speicher gewaltiger Eßvorräte heran. Im Schatten des sinkenden Abends, im Zwielicht flackernder Gaslaternen suchen dann friihwelke, knochige Finger nach irgend etwas Genieß- varem, das der Zufall von irgendeinem überreich beladenen Wagen auf den Straßendamm oder den Bürgersteig fallen ließ. Hier ist es ein Rübe, dort sind es ein paar Kartoffelt auch ein toter, kleiner Weißfisch bleibt nicht liegen. Er wandert in scheuer Hast zu den anderen Fundstücken in eine alte Glanzleinwandtasche oder in einen frühstiickbeutel» artigen Sack. An der Stadtbahn entlang, dort, wo in der Nähe der Engrosmarkthalle die Gemüse-, Obst- und Fleischwagen in ganzen Zügen aufzufahren pflegen, blüht dieses geheimnis- volle Suchen nach Genießbarem am meisten. Und es ist ein gar eigenartiges Bild, das sich dort dem Auge darbietet. Wagen reiht sich an Wagen. Pferd steht dicht an Pferd. Die Leiber der Rosse, die sorglich mit schützenden Decken behängt sind, dampfen in der sich rasch abkühlenden Luft. Die müden Gäule lassen die Köpfe hängen; aus ihren Nüstern wirbeln feine, kleine Dampfsäulen nnt jedem Atemzuge. Und zwischen Wagenrädern und Rossehufen winden und schlängeln sich Menschen. Meist sind es Kinder mit Körben und Taschen. Ihre Blicke siiid zu Boden gesenkt. Ihre jungen, und doch schon so scharfen Augen suchen nach etwas Genießbarem. Und wenn sie etwas erspäht haben, dann ducken sich die kleinen Rücken, dann straffen sich die hageren Aermchen, dann krümmen sich die dünnen Finger zum raschen, scheuen Griff. Gelb flattert der Laternenschein um sie her und läßt wirr- gezeichnete Schatten um sie auftanzen, setzt ihre kleinen Körper für Augenblicke mitten in unbarmherzig-grelle Lichtflecke, um sofort wieder undurchdringliches Dunkel um sie zu breiten. Irgendwo am Gemäuer des Bahnunterbaues aber stehen die Erwachsenen: arbeitslose, fröstelnde Gestalten mit tief in die Stirn gezogener Mütze und hochgeschlagenem Rockkragen. Sie schauen apathisch den kleinen Suchern zu. Schauen mit stieren, müden Augen, während ihnen zu Häupten Zug um Zug poltert und der Lärm der Großstadt, die sie ausgestoßen hat, sein lautes Lied singt.... Die juristische Sprechstunde findet heute Sonnabend von Uhr bis 7 Uhr abends statt. Der Magistrat und das Westhafenprojekt. Der Magistrat genehmigte in seiner gestrigen Sitzung das Projekt für die Anlage des Westhafens auf dem Gebiete des ehemaligen Johannisstifts und des dazu bereits vor mehreren Jahren erworbenen Grundstückkomplexes. Für dieses Westhafenprojekt sind bereits 30 Millionen vorgesehen. Vom Erstickungstode gerettet. In ernster Lebensgefahr schwebten gestern morgen zwei Per- sonen bei einm Brande am Weinbergsweg 3. Dort war im dritten Stock des Seitenflügels in der Handschuhfabrik von Thcuer- kauf auf bisher nicht ermittelte Weife ein Feuer ausgekommen, das den Fuhbodcn und die Balkenlage in der Nähe eines Ofens «rfastt hatte. Als man die Gefahr in der fünften Morgenstunde temerkt«, war der Fußboden und die Balkenlage schon in einer Ausdehnung von zwei Quadratmetern nach dem zweiten Stock Durchgebrannt und«ine fo starke Vergualmung eingetreten, daß das Treppenhaus unpassierbar war. Der erstickende Qualm drang in die einzelnen Wohnungen ein und bedrängte besonders die 81 Jahre alte Witwe Karoline Adler und eine 19 Jahre alte Fri- seurin Erna Schulze, die beide im vierten Swck des Seitenflügels in einer Mansarde wohnen. Als Brandinspektor Hammer mit dem 13. Löschzuge aus der Linienstraste auf der Brandstelle eintraf, ertönten laute und verzweifelte Hilferufe. Da es noch dunkel war, konnte man im ersten Moment nicht erkennen, woher die Hilferufe kamen. Es wurde daher in aller Eile auf dem Hof eine mecha- nische Leiter errichtet und ein Trupp der Mannschaften über die Treppe des Seitenflügels vorgeschickt. Gleichzeitig gab der Brand- Inspektor die Nachmeldung„Menschenleben in Gefahr!" an die Feuerwachen. Auch ein Rettungswagen der Feuerwehr und ein Krankenwagen des Verbandes für erste Hilfe trafen bald darauf am Weinbergsweg ein. Inzwischen hatten die Mannschaften des 13. Löschzuges aber schon die gefährdeten Personen ins Freie geholt. Die 81 Jahre alte Witwe und die Friseurin waren in ihrer Angst aus der verqualmten Wohnung auf das Dach des Hauses geklettert und wurden von hier durch die Sappeure gerettet. Sie waren durch die Raucheinatmung schon sehr erschöpft, erholten sich aber an der frischen Luft bald wieder. Das Feuer in der Handschuhfabrik von Theuerkauf wurde dann mit einer Schlauchleitung in kurzer Zeit abgelöscht. Die Mieter in den anderen Etagen befanden sich wäh- rend des Brandes weniger in Gefahr und bewahrten die Ruhe. Zwanzig Jahre Nachklang einer Schutzmannsbeleidigung. Uns wird geschrieben: Daß eine vor etwa 29 Jahren begangene und gesühnte Schutzmannsbeleidigung noch einmal bestraft werden kann, beweist, daß eine solche eines der schauderösesten„Ver- brechen" darstellt, dessen sich ein Staatsbürger schuldig machen kann. Hatte da nämlich vor 20 Jahren ein Tischler D. anläßlich eines RenkonterS, das sich zwischen Berliner Schutzleuten und Teilnehmern einer Versammlung auf dem Hermannplatz abspielte, daS Malheur, einigen Schutzleuten die bekannte freundliche Ein- ladung aus dem«Götz von Berlichingen" zugehen zu lasse». DaS Gericht, daS für die klassische Bildung des Tischlers kein Verständnis besaß, bewertete daS.Verbrechen" damals mit einer Geldstrafe von IS M. oder drei Tagen Haft. Wenn unser Tischler nun geglaubt hatte, mit dem„Abbrummen" der Strafe se« sein Verbrechen erledigt, so sollte er dieser Tage eine? besseren be- lehrt werden. Der Mann, der jetzt S6 Jahre alt ist, hatte im letzten Jahre unter der im Holzgewerbe schwer grassierenden ArbeitSlofigkeit besonders zu leiden. Wo so viel junge Arbeitskräfte über- flüssig sind, ist für alte Hände erst recht kein Platz. So kam es de.nn. daß er im ganzen letzten Jahre nur zehn Wochen als Tischler Beschäftigung fand, und deshalb gern Gelegenheit nahm, als Aushelfer beim Bahn- Paket- Postamt 11 in der Luckenwalder Straße einige Groschen mit- zuverdienen. Wenn die dort übliche Bezahlung von 1,85 M. für S'/, stündige Arbeitszeit(>/,? Uhr abends bis 12 Uhr nachts) auch gerade kein Leben in Freude und Herrlichkeit garantierte, konnte sie doch mindestens die monatlichen Mietssorgen vermindern helfen. Unser Mann atmete auf, aber— eine Schutzmanns- beleidigung rächtsich noch nach 20 Jahren. Bereits nach fünf Abenden der Beschäftigung erhielt er wieder seine Eni- lassung aus dem Grunde der erwähnten Vorstrafe. Mag er sehen, wie er den Hungerriemen noch einige Löcher mehr abschnallen kann. Wir finden eS begreiflich, wenn die Postverwaltung auS gewisien Gründen auch bei ihren AuShelfern auf Reinlichkeit sehen muß und bei Leuten mit Vorstrafen wegen Eigentumsvergehen Vorsicht walten läßt. Daß Strafen der hier geschilderten Art aber nach zwanzig Jahren noch als EntlassungSgründc gelten könnten, erschien unS bisher undenkbar. In diesem Falle ist der beleidigten Schutzmanns- autorität zu viel Ehre angetan. Die Geldvermittelungsstelle de? Deutschen StädtetageZ, die zurzeit ihren Eitz in Kassel hat und dort von Oberbürgermeister Dr. Scholz geleitet wurde, soll nach dessen am IS. Oktober d. IS. erfolgten Amtsantritt in Charlottenburg ebenfalls dorthin verlegt werden. Der Magistrat von Charlottenburg ersucht nun die Stadlverordneten um Zustimmung zur llebernahme der Geld- vermittelungSstelle in die Verwaltung der Stadt Charlottenburg vom 1. November d. IS. ab._ Zugfolge auf den westlichen Schnellbahnen. Auf mehrfache Anfragen teilt die Direktion der Hochbahn- gesellschaft mit, daß sie auf den neuen Anschlußstrecken von Mitte November ab eine engere Zugfolge, als sie jetzt im Anfang deS Betriebes zu ermöglichen war, einführen wird. Auf der Strecke Uhlandstraße�-Wiltenbergplatz wird dann unter Benutzung des bis dahin betriebsfertigen zweiten GleiseS ein Fünfminutenverkehr eingerichtet werden, während jetzt die Zugabstände 71li Minuten betragen. Die Wilmersdorfer Bahn vom Fehrbelliner Platz ab wird in Abständen von S Minuten bedient werden, so daß die Zugfolge gegenüber dein jetzigen Zugabstand von 10 Minuten verdoppelt sein wird: damit wird gleichzeitig erreicht, daß am Fehrbelliner Platz sämtliche auS der Stadt kommenden Züge unmittelbaren Anschlug nach Dahlem finden._ Die Omnibnsgesellschaft unter der Kontrolle der Hochbahn und Strastcnbahn. Die erste Folge des BerkehrstrusteS I AuS Neukölln wird uns von unterrichteter Seite geschrieben: Der große Einfluß, den sich die Hochbahngesellschaft und die Große Berliner Straßenbahn durch den gemeinsamen Besitz der Aktien- Majorität auf die Allgemeine Berliner OmnibuS-Aktiengesellschaft gesichert haben, hat jetzt zum erstenmal praktische Folgen gezeitigt. Wie erinnerlich, war von den beiden großen VerkehrSgesellschaften betont worden, daß ein berkehrsverschlechternder Einfluß auf die OmnibuSgesellschaft nicht ausgeübt werden solle. Mit dieser Be- hauptung steht die Tatsache einigermaßen in Widerspruch, daß die Direktion der OmnibuSgesellschaft jetzt beim Neuköllner Polizei- Präsidenten wie beim Neuköllner Magistrat den von ihr bisher mit Entschiedenheit verfolgten Antrag auf Zustimmung zu einer neuen Autobuslinie Bahnhof Hermannstraße— Stettiner Bahnhof, die an die Stelle der jetzige» Pferdeomnibuslinie 20 Stettiner Bahnhof— Her» mannplatz treten soll, plötzlich zurückgezogen hat. Die Hochbahn- gesellschaft hat erst später Anträge auf Genehmigung zweier auto- mobiler Zubringerlinien Neukölln— Danziger Straße und Neukölln— Stettiner Bahnhof den Behörden eingereicht. Für die zweite Linie lvürde die Autobuslinie der OmnibuSgesellschaft, die als die dem Antrage nach ältere Linie zweifellos zuerst genehmigt worden wäre, eine starke Konlurrciiz bedeutet haben. Wenn die OmnibuSgesellschaft jetzt auf einmal den Antrag aus Genehmigung dieser Kraftwagenlinie zurückzieht, so ist eS für unterrichtete Kreise klar, daß dabei allein die Rücksicht auf die Sutomobillinie der Hochbahn mitspricht. Man darf annehmen, daß der Magistrat Neukölln sich demnächst mit dem Plan beschäftigen wird, eigene Autobuslinien einzurichten. Städtische Elektrizitätsversorgung. DaS Nachrichtenamt deS Magistrats Berlin schreibt: Nach Zeitungsnachrichten sollen von feiten der Berliner Elektrizitätswerke oder sonstigen Elektrizilätsinteressenten Braunkohlcnfelder in solchem Umfange belegt worden sein, daß damit eine vollendete Tatsache geschaffen wäre, toclche der Verstadttichung der B. E.-W. entscheidend entgegenstände. Diese Nachrichten dürfen wohl als einseitig werden. Insoweit überhaupt die Anlage eines Fernkraftwerks und demgemäß der Erwerb von Braunkohlenfeldern in Frage kommen kann, stehen der Stadt Berlin genügend Angebote zur Verfügung, über welche auch des näheren verhandelt wird. Die Frage aber, ob überhaupt ein Fernkrastwerk den Vorzug der- dient, darf keinesfalls als gelöst betrachtet werden, da bei den Fort- schritten der Technik sich andere, anscheinend gleich gangbare Wege darbieten. Mit geschwungenen Säbeln stürmten am Sonntagmorgen etwa um 3/zS durch die Wrangelsiraße zwei Feldwebel. Eine Frau rannte entsetzt und laut schreiend davon. Andere Paflanten blieben stehen und betrachteten köpf- schüttelnd das kriegerische Bild. Was regte die beiden so auf, daß sie mit den Säbeln umherfuchtelten? Anscheinend hatten sie die Nacht hindurch gekneipt. Sie merkten schließlich, daß sie Unwillen bei de» Zuschauern hervorriefen. Bor einem Bierlokal an der Sla- litzer Straße, in dem noch Kameraden von ihnen verweilten, rief einer der beiden:„Paßt auf, jetzt passiert waS!" ES dauerte auch nicht lange, bis„was passierte". Ein Mann erhielt einen Hieb mit der flachen Klinge über den Oberschenkel, einem anderen wurde an der linken Hand ein Finger zerschlagen. DaS war den davon Be- troffenen denn doch zu arg und man entschloß sich jetzt, polizeiliche Hllfe herbeizuholen. Aus der Wache an der Skalitzer Straße kamen zwei Schutzleute, aber inzwischen war das Lokal, in das auch die beiden Feldwebel sich zurückgezogen hatten, geschlosien worden. Als ein Schutzmann an die Jalousie klopfte, öffnete niemand. Mit Gewalt könne er nicht eindringen, meinte er. Die Verletzten, um die sich immer mehr Passanten ansammelten, warteten geduldig, bis die Soldaten herauskommen müßten. Als endlich gegen 6 Uhr die beiden Feldwebel in Begleitung ihrer Kameraden zu ihrer Kaserne— es ist die des dritten GarderegimentS an der Skalitzer und Wrangelstraße— hinübergingen, begaben auch die Verletzten sich dorthin, und nun wurde der Vorfall auf der Kasernenwache gemeldet. Einer der Feldwebel trat nachher nochmal auf die Straße hinaus, wandte sich sehr kleinlaut an die Verletzten und bat,„aus der Sache nichts zu machen". Er wollte sich damit entschuldigen, daß er„ein paar Glas Bier getrunken" habe. Schließlich äußerte er noch:„Sie wissen doch, was bier im Südosten für ein Gesindel umher« läuft; man kann sich davor nicht schützen." Wen meinte er mit dem„Gesindel"? Leider unterließ man eS, ihm die gebührende Antwort zu geben. Selbstverständlich kann, nach- dem einmal Meldung erstattet worden ist, ihm kein Bitten mehr helfen. Die Sache muß ihren Fortgang nehmen. Uebrigens hat einer der Passanten, der gleichfalls durch die Säbelfuchtelei ge- fährdet worden war und vor dem Lokal zusammen mit den anderen auf die Feldwebel wartete, hinterher— ein Strafmandat erhalten. Er soll„überlaut skandaliert" haben, wohl in der Unterhaltung über die Säbelaffäre, die er soeben miterlebt hatte. Diesem Eifer der Polizei haben eS die Feldwebel zu danken, daß nun die Szenen, die d�n Anlaß zu dem«überlauten Skandalieren" gegeben haben, auch vor einem Gericht zur Erörterung kommen müssen. Die Leiche der Wirtschafterin Galle gefunden? Ein unkontrollierbares Gerücht von dem Ausfinden der Leiche der Wirtschafterin Galle, wegen deren mutmaßlicher Ermordung der gewerbsmäßige Heiratsschwindler Henk, ein früherer Former, schon seit längerer Zeit in Untersuchungshaft sitzt, war gestern in später Abendstunde verbreitet. Wie es heißt, soll die Leiche der Verschwundenen in einem Koffer verpackt in einer Laube bei Taben. darf, und zwar in den Groteschen Fichten aufgefunden worden sein. Leider ließ sich nicht mehr feststellen, ob dieses Gerücht auf Wahrheit beruht. Die Mordsache Galle, die schon so lange die Kri- minalbehörden beschäftigt, würde dadurch in ein ganz neues Stadium treten. Ihren Berletzunge» erlegen ist die weibliche Person, die. wie die Ermittelungen ergaben, auS dem Flurfenster des vierten Stocks des Hauses Grüner Weg 37 herabgesprungen war. Die Unglückliche ist jetzt als die 19 Jabre alte Tochter des Werkführer« Siebrandt aus der Pannierstraße festgestellt worden. Sie war schon seit längerer Zeit tiefsinnig. Am DienStagmittag sollte sie ihrem Vater, dem sie die Wirtschaft führte, wie immer das Mittagessen nach der Arbeits- stelle bringen. Statt dessen ging sie mit der leeren Markttasche, in die sie nur den leeren Milchtopf hineinstellt«, von Haus« w«g. Wahr- scheinlich irrte sie dann den ganzen Tag planlos umher, bi» sie durch den Sprung aus dem Fenster ihrem Leben ein Ende«nachte. Ein Opfer des verhafteten Hamburger Skotars Becker, der sich Unterschlagungen von 200 000 M. zuschulden kommen ließ, will ein junger Leipziger Kaufmann geworden sein, der gestern in Berlin verhaftet wurde, als er bei der Deutschen Bank auf einen Scheck 500 M. abheben wollte. Vorgestern war dieser junge Mann bei der Hauptkasse der Deutschen Bank erschienen und hatte einen Scheck der Mitteldeutschen Privatbank in Leipzig vorgelegt. Er hatte aber kein Geld, sondern nur den Bescheid erhalten, daß nian erst in Leipzig anfragen müsse. Der junge Mann, der spüler als ein LI Jahre alter Kaufmann Fritz Uhl auS Leipzig festgestellt wurde, erklärte darauf, daß er am anderen Tage wiederkommen werde. DaS tat er auch. Die Deutsche Bank hatte unterdessen jedoch erfahren, daß da« Konto bei der Mitteldeutschen Privatbanl gesperrt war, und daraufhin die Kriniinalpolizci benachrichtigt. Diese nahm den verdächtigen am anderen Tage fest und brachte ihn nach dem volizri- Präsidium. Dort ergab sich, daß die Leipziger Kriminalpolizei die Berliner Behörde schon auf Uhl aufmerksam gemacht hatte. Uhl stand in Geschäftsverbindung mit dem vor einiger Zeit in Leipzig verhafteten Hamburger Notar Becker, der in Leipzig unter dem Namen eines Rechtsanwalts Brown ein KomniissionSgeschäfr betrieb, bis er entlarvt, verhaftet und zur Aburteilung nach Hamburg gebracht wurde. Uhl erllärt jetzt, er fei Geschäftsführer der von'„Brown" gegründeten„Leipziger Handelsgesellschaft m. b. H." gewesen. Er habe in die Gesellschaft 1700 M. eingebracht zur� Gründung einer Waffelfabrik. Von diesen bei der Mitteldeutschen Privatbank eingezahlten 1700 M. seien nach und nach 1200 M. ab» gehoben worden. Den Rest habe er nun selbst abheben wollen, und er sei dazu auch berechtigt gewesen. Immerhin ist es auffallend. daß Uhl den Betrag nicht in Leipzig erhob, sondern nach Berlin kam, um durch Vermittelung einer anderen Bank den Scheck zu Geld zu machen. Ei» schlimmes Ende hat ein LiebeSveihältniS genommen, da« die Frau des Markthelfers B. auS der Samariterstraße nnt einem Klavierspieler S. hatte, der in einem benachbarten Restaurant all» abendlich zu musizieren pflegte. B. überraschte gestern, als er un« vermutet nach Hause zurückkehrte, seine Frau mir©. Er ergriff h, seiner Erregung ei» Küchenbeil und verletzte S. schwer. Dieter schleppte sich noch vor das Haus, dann brach er zusammen. Be- wuhtlos wurde er später aufgefunden und nach einem Kraulenhause gebracht. Vorort- 1>sack)rick)ten. Chaplotteuburg. Tie städtische Schulzahnklinik in Charlottcnburg wurde in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1913 von 2308 Kindern auf- gesucht; es wurden 2553 Zähne gefüllt und 1612 entfernt. Die um etwa 800 Besucher geringere Frequenz gegenüber dem vorher- gehenden Vierteljahre(3106) ist darauf zurückzuführen, daß in das dritte Vierteljahr die Sommer- und Herbstferien fallen. Es ist übrigens festzustellen, daß in den Gemeinden, die keine freie Bc- Handlung gewähren, ein verhältnismäßig viel geringerer Teil der untersuchten Kinder die Schulzahnklinik aufsucht, als dort, wo dies der Fall ist; so beträgt die Zahl der behandelten Kinder in Char- lotienburg 73,5 Proz. der untersuchten Kinder, während sonst die Zahlen zwischen 70 Proz. und 60 Proz. schwanken. Fürsorge für die Kleinlmdcr, d. h. für die Kinder vom 1. bis 6. Lebensjahre hat neben der Säuglingsfürsorge die Stadt Char- lotienburg seit dem 1. April 1911 eingerichtet. Gerade für diese Altersstufe, in der die Grundlage für die kürperliwe und geistige EntWickelung gelegt und der Kern für manche spätere Erkrankung aufgenommen wird, ist eine sorgfältige ärztliche Ueberwachung dringend geboten. In jeder der Charlottenburger Säuglings- f ii r f o r g e st e l l e n werden besondere Wochensprcchstunden für 5k i n d e r vom 1. b i s zum vollendeten 6. Lebensjahre abgehalten. In diesen Sprechstunden werden in regelmäßigen Zwischenräumen zunächst solche Kinder, die bis zum Hollendelen 1. Lebensjahre bereits die Fürsorgestelle besucht haben, weiter vor- gestellt. Zugelassen werden jedoch alle Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren, auch wenn sie die Säuglingsfürsorgeftellen vorher nicht besucht haben. Mütter und Pflegemütter erhalten dabei unentgeltlichen spezialärztlichen Rat über die für das Gedeihen des Kindes gebotenen Maßnahmen und die Vermei- dung von Schädlichkeiten. Eine ärztliche Behandlung findet nicht statt. Diese Kleinkindersprcchstunden werden an folgenden Tagen abgeholten: Säuglingssürsorgestelle I, Berliner Str. 137: Mittwoch 2— 3 Uhr; II, Wilmersdorser Str. III: Dienstag 2—3 Uhr; III, Scharren- slraße 32; Freitag 1—2 Uhr: IV, Nchringstr. 11: Dienstag 2V2 bis ü1/., Uhr: V, Kaiserin-Augusta-Allee 102: Dienstag 2—3 Uhr; VI, Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus, Mollwitzstratze: Mittwoch 2—3 Uhr; Vckl, Horstweg 28: Donnerstag 2—3 Uhr. Die Mütter und Pflege- mutier, die zugleich einen Säugling und ei» größeres Kind in der Füisorgestelle vorstellen wollen, können ausnahnisweise auch die größeren Kinder in der Säuglingssprechstunde inilvorstellen. Die Einrichtung der Fürsorge für die Kleinkinder hat sich bisher sehr gut bewährt und kann den Müttern und Pflegemüttern der Kindern zum eifrigen Besuch nicht dringend genug empfohlen werden. Steglitz. Lchrlingswesen und Fortbildungsschule— das ist ein Thema, bei dessen Erörterung unsere sonst iin allgemeinen recht behäbigen Handwerksmeister in Eifer geraten und dann Ansichten verzapfen, die an Rückständigkeit jede Konkurrenz aushalten. Das zeigte sich wieder einmal in dem hiesigen.Verein der Handwerker und Ge- werbetreibenden', der sich kürzlich mit dieser Frage beschäftigte. Der Borsitzende Dahleinann verurteilte es, daß die Lehrlinge viele Stunden der Geschäftszeit in der Fortbildungsschule zubringen müsien und er bezeicknrete die Einrichtung von Trebbin als er- strebenswert, wo der Unterricht abends von 7—9 Uhr stattfinde. Diesem„Jdealzustand' jagen auch die Herren Pflanz und Hassel- mann nach. Herr Menzel meinte, die Juugens lernten in der Fort- bildungsschule doch nicht viel Gescheites. Erfreulicherweise trat diesen Rückwärtsereien und bcweisloien Behauptungen Herr Kolb enl- gegen, rief aber damit den Vorsitzenden(der wirklich die Bestrebungen des Vereins aufs beste repräsentiert) nochmals auf den Plan. Dieser meinte u. a., früher hätten die Meister mehr von ihren Lehrlingen gehabt als heute; auch die Kenntnisse und Leistungen ließen heute oft sehr viel zu wünschen übrig trotz der langen Unter- richtszeit. Es müsse dahin gestrebt werden, daß den Lehr- lingen ein nicht so großer Teil der Geschäftszeit verloren gehe.(Ist doch ein Menschenfreund, dieser Bor- fitzende!> Herr Tourbicr behauptete, es sei heute Mangel an Lehr- lingen und obendrein sei es nicht immer das beste Menschenniaterial, das sich dem Handwerke zuwende.— Daß die Leutchen auch sonst noch Schmerzen haben, ergaben die beweglichen Klagen über die große steuerliche Belastung des Mittelstandes, was dock nur den Arbeitnehmern zugute käme. Weil zum Schluß noch ein Festausschuß für verschiedene Bereinsfeierlichkeiren gewählt werden mußte, kann man wohl die Berechtigung der Klagen nicht bestreiten. Zehlendorf(Wannscebahn). In der letzten Gemcindevcrtrrtersitzung teilte der Bürgermeister mit, daß die Gemeindevertreter Grünewald, Müller und Münzer ihre Aemter niedergelegt haben. Vom Gemeindevorstand wurden ferner 10 000 M. gefordert, um den Dorsteich betonieren zu lassen, diese Vorlage mußte aber vom Gemcindevorstand zurückgezogen werden, da sich einige Vertreter keine Besserung in sanitärer Hin- ficht davon versprechen konnten. Ein besonderes Entgegen- kommen bewies man wieder den privaten Schneefege- genossenschasten, indem ihnen die Gemeinde dcii� Bedarf an Streusand liefert und auch die An- und Abfuhr der Sandkästen übernimmt. Dafür bekommen die Genossenschaiieii von der Ge- nieinde einen Zuschuß von 300 M., hierfür müssen die Genossen- schaften jährlich 20 neue Kästen aufstellen. Zur Bekämpfung der Mückenplage wurden 1500 M. bewilligt. Eine interessante Debatte rief die Vorlage betr. Wiedereiurichtung des russischen Fleisch- Verkaufes hervor. Weil iin vorigen Jahre die Gemeinde 350 M. zu- setzen mußte, erklärte sich Herr Köppen gegen die Wiederaufnahme des Verkaufes. Von diesem Herrn so viel soziales Empfinden vor- auszusetzen, daß der minderbemittelten Bevölkerung einige Erleichte- rungen geschaffen werden, wäre auch zu viel verlangt. Anders lag ja die Sache bei der am letzten Sonnabend veranstalteten Hundert- jahresfeier, da bewilligten dieselben Herren ohne Widerspruch den hurrapatriotischen Turnvereinen 500 M., damit dieselben ihre Freude an einem brennenden Holzstoß haben konnten. Gilt es dagegen für die arbeitende Bevölkerung für ein halbes Jahr mal 350 M. auf- zuwenden, so sind sie dazu nicht zu haben. Einige andere bürger- liche Vertreter äußerten sogar, man dürfe den hiesigen Schlächtern keine Konkurrenz machen. Schließlich fand die Vorlage doch noch eine Mehrheit. Der ganze Verlauf dieser Debatte bewies wieder einmal, wie notwendig eS ist, daß die Arbeiterschaft Zehlendorfs| auch in unser Dorfparlament Vertreter entsenden muß. Da im nächsten Frühjahr die Wahlen stattfinden, so gilt es jetzt schon zu agitieren und mit den Borarbeiten hierzu zu beginnen. Mariendors. Aus der Gerneindevertretersitzung. Der erste Punkt der Tage?« ordnung, Umänderung der Kraftanlage in der Pumpstasion, hat die Gemeindevertretung schon einnial beschäftigt. Wie Baurat Saß dazu ausführte, ist in eine nochmalige Prüfung des Vertrages mit den Berliner Vororts-EIektrizitälswerken eingetreten worden; es ergibt sich daraus, daß für die Gemeinde eine Ersparnis von ungefähr 1682 M. pro Jahr erzielt würde. Herr Schöffe Pohmer wünschte einen Zusatz zum ß 3 des Vertrages, wonach ausdrücklich festgelegt wird, daß der Satz von 6,5 Pf. pro Kilowattstunde nicht überschritten werden darf. Genosse Reichardt empfahl Annahme des Vertrages mit dem Zusatzautrag Pohmer. Die Vertretung beschloß demgemäß.— Einem Baugesuch der Christusgemeinde, auf dem Friedhof an der Lichtenrader Chaussee ein Wohnhaus für den Inspektor errichten zu dürfen, wurde unter der Bedingung zugestimmt, daß die Kirchen- gemeinde eine Sicherungshppothek von 29200 M. hinterlegt.— Alsdann forderte der Gemeindevorsteher zur Verstärkung der Etat-Nummer Orb. Kap. XII Tit. 2—2 eine Summe von 8000 M. Zur Be- gründung führte er an, daß die Mittel für diese Position ziemlich aufgebraucht sind. Ein Kaufmann Wolff habe einige Grundstücke in der Schützcnstraße weiter verkauft und dafür eine Summe von 22 723,21 M. an Zuwachssteuer entrichten müssen. Gegen die Zahlung dieser Summe beschritt der Herr den Klagcweg mit der Motivierung, daß er zur Zahlung deshalb nicht verpflichtet wäre, weil er im Auftrage einer Bank den Verkauf übernommen habe. Vom Obervcrwaltungsgericht wurde der Herr verurteilt, die Summe zu zahlen. Auf eine Eingabe an den Bundesrat, von der Steuer freigestellt zu werden, habe der Bundesrat aus Billigkeitsgründen beschlossen, deni Befreiungsantrage stattzugeben. Die Gemeinde sei deshalb verpflichtet, den auf sie' entfallenden Teil der Steuer im Betrage von 7393 M. zurückzuzahlen; da noch einige kleinere Rückzahlungen zu leisten sind, er- suchte der Vorsteher um Bewilligung der geforderten Summe. Es wurde beschlossen, diese Summe aus laufenden Mitteln zu decken.— Bei Beratung über die Einrichtung einer neuen Klaffe an der II. Gemeindeschule fragte Genosse Reichardt an, ob es zutreffe, daß Dissideutenkinder gegen ihren Willen und den ihrer Eltern gezwungen werden, außerhalb des Schulunterrichts an Uebungsstunden für das Reformationssest teilzunehmen. Ein derartiges Vorgehen würde unseren schärfsten Protest herausfordern.. Der Gemeindevorsteher war über diese Sache nicht informiert, er will aber veranlassen, daß die Angelegenheit untersucht wird. Für den Ortsteil Südende bat sich ein Komitee gebildet, um zum Andenken an die Jahrhundert- seier der Befreiungskriege ein patriotisches Wahrzeichen zu errichten. Wie der Schöffe Freiherr v. Hüneseld dazu mitteilte, war hierzu der Platz am Mariendorfer Bahnhof ausersehen. Derselbe wurde aber dazu verweigert und es soll nun ein Monumentalbrunnen auf dem Platz an der Ecke Wilhelm- und Parkstraße, im Südender Orts- teil zur Aufstellung gelangen. Er ersucht deshalb um Zustinimung der Gemeindevertretung zur Hergabe des Platzes. Der Kunstwert des Brunnens werde auf 15 000 M. geschätzt. Die Gemeinde hätte nur die Kosten für das zu verbrauchende Wasser zu trogen. Genosse Reichardt ivendete sich gegen die Aufstellung dieses patriotischen Wahrzeichens. Seine Fraktion würde ihre Zustimmung hierzu nicht versagen, wenn dieses Kunstwerk lediglich als Brunnen zur Verschönerung, des Ortes mit beitragen sollte. Aber schon die Inschrift:„Der König rief, und alle, alle kamen!' sage zur Genüge, was mit der Aufstellung bezweckt würde. Nach seiner Meinung sei dieser Spruch eine direkte Gcschichtsfälschung. Auch Genosse Weber sprach sich gegen das Projekt aus. Gememdevertreter Sauer ist der Meinung, daß schon genug patriotischer Rummel veranstaltet worden sei, ihm kommt es so vor, als ob der Patriotismus im Schwinden begriffen ist und deshalb künstlich erzeugt werden müsse. Trotzdem wolle er für die Hergabe des Platzes und Aufstellung des Brunnens stimmen, weil nach seiner Meinung der Ort dadurch nur gewinnen könne. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde beschlossen, den Platz zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll die Gemeinde die Kosten für den Anschluß an die Wasserleitung und auch für den Wasserverbrauch übernehmen. Letztere Summe wird auf 250 M. pro Jahr geschätzt.— Es erfolgte hierauf eine geheime Sitzung. Nieder-Tchöncweide. In der Gcneralvcrsamwluug der Wablvereins referierte Genosse Dr. Freund über die Feuerbestattung. Er schilderte an Hand von Modellzeichnungen eines Krematoriums sehr ausführlich die Ein- äscherung der Leichen und kam zu dem Schluß, daß in jeder Hinsicht der Feuerbestattung der Vorzug zu geben sei. Seine Darlegungen ernteten reichen Beifall. Genosse Voß teilte anschließend mit, daß im hiesigen Ort sich ebenfalls ein Zweigverein für Feuerbestattung gegründet habe. Aufnahmen von Mitgliedern nimmr Genosse Wegener, Hasselwerder Straße entgegen. Sodann gab Genosse Voß den Geschäftsbericht. Der Mitgliederbestand ist vom 1. April bis 1. Oktober von 306 auf 321 gestiegen.„Borwärts'leser waren 451 am Ort, doch sei zu hoffen, daß infolge der am Sonn- tag einsetzenden„Vorwärts'-Agitation auch diese Zahl beträchtlich steigen werde. Auch in der Jugendbewegung seien Fortschritte zu verzeichnen, allein in letzter Zeit seien 21 Neuaufnahmen für das Arbeiterjugendheim gemacht loorden. Hierauf gab Genosse Frassck den Kassenbericht; er konnte erfreulicherweise feststellen, daß sich die Finanzverbältnisse infolge der Hauskassierung bedeutend gebessert haben. Die Geiamtcinnahme betrug 118,82 M., die Gesamtausgabe 403,13 M. Eine Diskussion zu diesen Berichten fand der vorgerückten Zeit wegen nicht statt. Genosse Voß schloß die gut besuchte Ver- sammlung mit der Aufforderung, mehr wie bisher für den Verein zu wirken und zu agitieren, damit noch bessere Resultate erzielt werden. Spnnvan. Selbstmord ans Wachtposten. Aus Furcht vor Strafe hat heute morgen der Obergefreile Rudolf Schimmelpfennig von der 7. Batterie des Spandauer Gardefußartillerieregiments Selbstmord verübt. Er befand sich auf dem Artillerieübungsplatz in der Pionierstraße auf Wachtposten und wurde von dem revidierenden Offizier schlafend vorgeiunden. Der Offizier ordnete seine sofortige Ablösung an. Als der neue Posten aufzog, lag der Obcrgefreite tot am Boden. Er hatte sich mit seinem Dienstgewehr erschossen. Freireligiöse Vorlesung. Vormittag? Il Uhr, Zklajnc Frankfurter Str. 8: Bortrag von Herrn Anton Fischer:„Was wissen tpir von der Seele'.-> Damen und Herren als Gäste willkommen. ZlNaemeiuc Kranken- und Stcrbekafie der Metallarbeiter. /., Uhr: Mitgliederversammlung in den Neuen Rathaussälen, Martin-Luthcriiraße 63.(Aerztlicher Vortrag.) Frelretigilife Gemeinde. Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 3 Uhr, Pappclallee tS/t7, Neukölln,„Jdealpassage" und Tegel, Bahnhosttraße: Versammlungen. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. In der am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung der Filiale Groß-Berlin erstattete der Kassierer Hofs mann de» Kassenbericht für das dritte Quartal. Er bezeichnete den Abschluß als recht befriedigend. Die Ausgaben für Unterstützungen sind gegenüber dem zweiten Quartal erheblich gestiegen. Das kommt hauptsächlich auf das Konto der Arbeitslosenunter- st ü tz u n g, das infolge zahlreicher Entlassungen in den Gaswerken stark belastet wurde. Trotz der gesteigerten Ausgaben hat sich der Bestand der Lokalkasse um 2275 M. vermehrt. Er beträgt 81 198 Mark. Der günstige Kassenbestand ist auf die Vermehrung der Ein- nahmen aus Beiträgen zurückzuführen. Im ganzen ivurden 26 331 M. mr Unterstützungen ausgegeben(gegenüber 22 073 M. im zweiten Quartal). Im einzelnen betrugen die Unterstützungen: Für Kranke 11 509 M., für Arbeitslose 7656 M., in Slerbesällen 3165 M.„ für Streikende und Gemaßregelte 331 M., in Notfällen 556 M., für Rechtsschutz 92 M.— Die Zahl der männlichen Mitglieder hat sich gegen das zweite Quartal um 75 vermehrt, die Zahl der weiblichen um 6, die der jugendlichen Mitglieder um 1 zurückgegangen. Der Bestand am Schlüsse des dritten Quartals war: 9186 männliche. 361 weibliche, 89 jugendliche Mitglieder.— Der Kaffenbericht wurde ohne Einwendungen entgegengenommen. Eine längere Debatte rief ein Antrag der Ortsverwaltung hervor, welcher die Anstellung eines Hilfsarbeiters im Bureau fordert. Zur Begründung des Antrages wurde angeführt. daß schon seit längerer Zeit ein Kollege aushilfsweise im Bureau beschäftigt wird. Es soll nunmehr ein festes Anstellungsvcrhällnis geschaffen werden, da die Arbeiten sich derart gehäuft haben, daß sie von den jetzt Angestellten nicht mehr in befriedigender Weise er- ledigt werden können. Die neue Stelle soll mit einem Anfangsgehalt von ziveitausend Mark ausgeschrieben werden. Die Versammlung lehnte den Antrag der Ortsverwaltung mit 209 gegen' 196 Stimmen a b. Darauf erklärte der Vorsitzende Wutzky: Die Ortsverwaltung könne eine Gewähr für die Weiterführung der Arbeiten durch die jetzt Angestellten nicht über« nehmen, sie werde zu dem abgelehnten Antrage erneut Stellung nehmen und die Angelegenheit in der nächsten Generalversammlung nochmals zur Debatte stellen. An Stelle des verstorbenen Mitgliedes Klippert wurde Wrllr R e t i l a g als Vertreter der Parkarbeiter in die Ortsverwaltung gewählt._ Brnfkarten der Redaktion. Ii« SvtcaftBtive findet 2 t«» e n(t t 0 rechtsunwirksam.— R. I. Tchulzendorf. Ein Familicnabend stellt noch keine Lustbarkeit im Sinne des Stempelsteuergesetzes dar. Allerdings kommt es nicht aus die Benennung der Festlichkeit an, sondern daraus, was veranstaltet werden soll. Da Sie nähere Angaben nicht machen, läßt sich die Frage in bestimmter Weise nicht beantworten. Briefkasten der Expedition. Patienten in Beelitz, Bach und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Wonncnten, die noch während des ganzen nächste» Atonats in der Heiistätt« bleiben, wollen ihrem bisherigen Spediteur wegen der Ucberweifung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adresien müssen jeden Monat neu eingesandt werden. 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Oktober ISIS, vorm. 16 Uhr: B�aneben> Vevtammlung aller in der Metallindustrie beschäft. Maschinen- > arbeiter und-arbeiterinnen-------------- in den Sophien-Sälen, Sophienstr. 17/18(großer Saal), Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Breilacheitl über:„Derrorismus itttb Persönliche Freiheit-. 2. DiSfussion. 3. Branchciiangclegciiheilen und Verschiedenes. Die mtgllcdsbücher sind vorzuzeigen. Montag, den L7. Oktober ISIS, abends 6 Uhr: Vopsammlung"NE der m Metallgießereien beschäft. Former und Kerufsgenojfen -II. im Lokale„Süd-Ost", Waldemarstr. 75. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Ferd. Swald. 2. Diskussion. t. Verbands- und Branchenangelegcnhcitcn. Montag, den 27. Oktober 1913, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung alltr WerKrtugmilchtr, Einrichter, Zigilretteumaschinen- föhrer, Scharffchleifer sowie sämtlicher i» den Auch- druckerelmaschiiitn- Fabriken beschäftigten Kollegen in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. Tagesordnung: 1. Bortrag mit Lichtbildern:„Wohnuitgselettd und Wohnungsreform in der Groftstadt-. Reserent: Franz Gutschmidt. 2. Ver< bands- und Btanchenangelegcnheiten. 3. Verschiedenes. Qiine Zlitgiiedsbuei» kein Zutritt: Achwnq! Metallarbeiter! Montag, den 27. Oktober 1913, abends 3'/- Uhr: Versammlung aller in den Ketrieden der Gnrtlerinnuug beschäftigten Kollegen---------- im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Saal 11. Tagesordnung: 1. Bericht bes Gesellenausschusses. Sprecher: Kollege M. S t r i p p. 2. Diskussion. 3.„.Aufstellung der Kandidaten zum Gc- «ellenansschuB.'* 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 128/jl Nie Ortsvern-aitung. Verband der Brauerei' u. ffiöblenarbeiler und verwandter ßerufsgenoiien.-»'"!£ Geschästsstelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt Norden 4518 Sonnta im und agilerer gewerölietier Arbeiter (kleiner Yersicherongsverein auf Gegenseitigkeit) (früher„E. H. 3 In Hamburg") in Hamburg. Mitglieder- Versammlungen der örtlichen Verwaltungsstellen: Heriiu A: Am Sonntag, den 26. Oktober, vorm. 10 Uhr, Im Lokal von Wahlisch, Skalitzer etr. 22. Berlin B: Am Sonntag, den 26. Oktober, vorm. 10 Uhr, im(de- tverkschaftShause, Engeluser 15, Saal 1. Berlin C; Am Montag, den 27. Oktober, abends 8-/, Uhr, In Habels Brauerei, Bergmannslr. 5—7. Berlin I»: Am Sonntag, den 26. Oktober, voimittagS 10 Uhr, in der Branerei Paitcnhofer, Turmstr. 25/26. Berlin.E: Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Wilh. Naczorowski, Ravensslr. 6. Berlin E: Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Obtglo, Schwedt«: Str. 23/24. Berlin G: Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr, in den Fortuna-Sälen, Strausberger Straße 3. Berlin H: Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Neidhardt, Görlitz« straße 58. Berlin J: Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Restaurant Zt. Heidrich, Romintcner Straße 2. Berlin» Bnnmselinienu'eg: Am Sonnabend, den 1. November, abends 9 Uhr, bei Herrn Erbe, Baumschulenstr. 14. Berlin-Britz: Am Sottnabend, den 25. Oktober, abends 9 Uhr, bei Herrn Zilz, Werdcrstraße, Ecke Rungiusftraße. Beriin-Eielitenberg: Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 9>/. Uhr, im Lokal Piekeithage», Scharnweberstr. 60. Beriin-Seiiitneberg: Am Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Grostcr, Meining« Straße 8. Cbariottenbnrg: Am Sonntag, den 26. Oltober, vormittags 10 Uhr, im Volkshaus. Rosincnstr. 3. Tagesordnung: 1. Kassenberichte: a) vom 2. Quartal 1913, bi vom 3. Quartal 1913. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Außerdem in Berlin A Bericht von der NotstandSkasse, in Berlin B Wahl eines Ortskassicrers, in Berlin G Vortrag des Herrn Dr. med. Hirsch- seid über Tuberlulose, in Berlin H Wahl von 2 Verwaltungsmilgliedeni, in Berlin J Vortrag und Diskussion. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersuchen 184/2 Die Ortsverwaltungen. NS. Am Sonntag, den g. November, abends 6 Uhr, findet im Gewerkschaftshause, großer Saal ein STniniUeirfest statt zum Besten des Jnvalidensonds, veranstaltet von Mitgliedern der Ver- wallungen Berlin B. Billetts a 30 Ps. sind auf den Zahlstellen zu haben. Uf Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler 1 und Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg).= MitgUeder-Uersainntlungen am Sonntag, den S6. Oktober 1»13, vorm. 16 /, Uhr: Bezirk A:(«ewerkschaftöhaus, Saal 9. „ B: Restaurant Eiiiert. Kottbuser Straße 19. .. C:. Koch. Alte Jakvbstr. 119. „ 1>: Hummel, Sophienstr. 5. Tageso rdnung: 1. Geschästliches. 2. Kassenbericht vom 3. Quartal 1913. 3. Neu» Wahl der Vorstände. 4. Verschiedenes. 39/12 — Verwaltung Herlin. Sargtischler. Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Hlehaltaeck, Petersburger Str. 84: Branchen-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Nltschke über:»Die BolkS- fürforge und die Schäden der Privatverstcherung». 2. Verbands» und Braiichenangeiegcnheitcn. Einsetzer. Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 16 Uhr, bei Hoeker, Weberstrafte 17: Branchen«Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht vom Bau» arbeiterschutzkongrcß. 3. Verbands» und Branchenangelegenheilen. rnoin »ii-l. ' bock Maschinenarbeiter, Bez. Südost. Sonntag, den 26. Oktober I01Z, im Relchenberger Hol, Retchenberger Strasse 147: Vorttag des RetchStagSabgeordnete« Genossen Frlta Znbell. Nachdem gemütliches Beiiammensein, Tanz und humoristtsche Vortrüge. Eröffnung 5-/, Uhr. Beginn de» Bortrage« 6>/, Uhr. Eintrittskarten a 20 Pf. find bei den KommisstonSmitaliedern und bei Strack, Laufitzer Platz IL, erhältlich. Jalousiearbeiter. Sonntag, den 26. Oktober, abends 6 Uhr, Weberstr. 17 t Versammlung bei Boekoat aller in der Jaloufien-Kranthe beschäftigte« Arbelter, deren Fraven sontie aller Arbeiterilllle«. Tagesordnung: 1. Sozialhygiene und Unfallgefahren in auf den Baute»(Lichtbildervortrag). 2. Die Internationale BaufachauSstellnng in Leipzig Bedeutung für die Arbeiterklasse. Nach dem Vortrage: Gemütiiebe» Beisammennein n. Tanz. den Werkstätten und und ihre Vergolder. Montag, den 27. Oktober, abends 8-/. Uhr, im«ewerefchaftShanse, Sngelufer 1k», Saal I: Branchen-Versammlung. Tagesordnung: 1. Lehren und warnende Beispiele aus der englische« Arbeiter- bewegung. Reserent: Kollege Gustav Becker. L. Bericht der Kom- Mission. 90/18 _ Die Ortsverwaltnug. «(), den 26. Oktober 1913, nachmittags Ä Uhr, Gewerkschaftshaus, Engelufer 15(großer Saal): General-Bersammlung. Tagesordnung: t. Geschäfts- und Kaffenbericht für das 3, Quartal 1913.— 1 BcrcinSangelcgcnheiten. Kollegen! ES ist unbedingte Pflicht aller in dieser Bersamm» lung zu erscheinen. Wichtige Frage« sind zu erledigen uud darüber «eschiust zu faffen. ...... Buch oder Karte legitimiert! 1 M/10* Dl© Ort« Verwaltung. Auf Kredit Herren-uDamen-Garderobe Anzahlung von 5 M. Wöchentlich 1 M. an D. 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Verteidiger Rechtsanwalt Löwen st ein kommt aus die gestrige Frage des Oberstaatsanwalts nach der Verwendung der Einkünfte Brandts zurück, da derOberstaatsanwalt gemeint habe, daß die hohen Einkünfte Brandts dazu gedient hätten, um den Militärbehörden erhebliche Vorteile für die Ucbermittclung von Nachrichten zu ge- währen. Der Verteidiger legt eine von Brandt hergestellte genaue Aufzeichnung seiner Ausgaben vor. Es werden hierin die K o st e n des Haushalts, wie er sich durch die Notwendigkeit des Ver- kehrs mit den Zeugleutnants usw. gestellt habe, auf insgesamt 9569 M. im Jahre angegeben, ftür den freundschaftlichen Verkehr mit den Kameraden, Geschenke usw., sind nur 499 M. angesetzt. Oberstaatsanwalt v. Chrzescinski: Die Staatsanwaltschaft mischt sich gar nicht darein, wie Brandt seinen Haushalt führt. Das ist ihm vollkommen überlassen. Für uns fragt es sich nur, ob die L999 M. Tispositionsgelder bezw. Gratifikationen dazu gegeben wurden, um Brandt einen angenehmeren Haushalt zu er- möglichen oder um Nachrichten zu kaufen. Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Für die Verteidigung ist es aber wichtig, zu wissen, welche Kosten auf den Verkehr mit den Kameraden entfallen. Zur Bekräftigung der von mir ver- lescnen Ausgaben(unter denen z. B. für Kleidung sowohl für Brandt einerseits, als für Frau und Kinder andererseits, 699 M. aufgeführt sind), können eventuell auch Zeugen benannt werden. Der Verteidiger bittet dann, den Angeklagten Brandt darüber zu befragen, ob das Nachrichtensammeln seine wesentliche oder Hauptbeschäftigung war oder ob er eine andere.Haupt- beschäftigung gehabt habe, und in welcher Weise er sonst Einblicke in die Kruppschen Geheimnisse erhalten habe.— Angekl. Brandt: Ich war Bureauvorsteher und hatte die vollen Funktionen eines solchen, hatte also die Briese zu öffnen und zu verteilen, Zeitungen durchzusetzen, Broschüren zu lesen, Besuche zu empfangen, wenn Herr v. Metzen nicht da war, was� sehr häufig der Fall war. Ich war damit vollauf beschäftigt. Nachrichten sammeln war eine Nebenbeschäftigung, die ich ebenso wie das Schreiben der Berichte ausserhalb meiner Dienstzeit versehen muhte. Es beginnt nun die Vernehmung des zweiten Angeklagten. Assessors a. T. Direktor Eccius. Da der Angeklagte infolge seines leidenden Zustandes ziemlich leise spricht, gestattet ihm der Vorsitzende auf Anregung der Verteidi- gung, an dem Tisch vor dem Gerichtshof Platz zu nehmen. Der An geklagte verantwortet sich sitzend und erklärt zunächst im Anschluß an seine gestrige entschiedene Verneinung der Frage, ob er sich schuldig bekenne, daß er für das, was er in dieser Sache getan oder nicht getan habe oder was das ihm unterstellte Personal getan oder nicht getan habe, seiner Firma gegenüber die volle Verantwortung übernommen babe. Diese Verantwortung muß ja jeder tragen, dem ein größerer Teil von Beamten unterstellt ist, deren Tätigkeit er nicht in allen Einzelheiten kontrollieren und leiten kann. Der for- malen Verantwortlichkeit habe ich auch Ausdruck gegeben dadurch, daß ich,> teilungen konnte also erst für spätere Angebote in Betracht körn- men.— Angekl.: Jawohl. Wenn derselbe Gegenstand später wieder ausgeschrieben wurde und wir dann nach Prüfung unserer Kalku» lation dazu in der Lage waren, wurde der Preis herabgesetzt. — Vors.: Wie verhielt sich die Firma bei neuen Submissionen?— Angekl.: Ich habe durch genaueste Untersuchung festgestellt, daß in keinem einzigen Falle auf Grund von Kornwalzern Kruppsch: Preise hinausgesetzt, wohl aber in mehreren Fällen herabgesetzt worden sind. Es sind aber auch eine Anzahl Fälle vorgekommen, wo wir auf Grund der Kornwalzer hätten heraufgehen können und immer noch unter den Preisen der Konkurrenz geblieben waren. Wir haben jedoch die Preise nicht heraufgesetzt, weil uns unsere Preise eben als richtig erschienen. Gelegentlich haben wir erfahren, daß wir selbst überboten worden sind.— Vors.: Ich ziehe also aus dieser unserer Unterhaltung den Schluß, daß die Kenntnis der Konkurrenzpreise von der Firma Krupp niemals zum Schaden der Heeresverwaltung benutzt worden ist, sondern daß sie im Gegenteil eher noch Vor- teile davon gehabt habe.— Angekl.: Jawohl.— Verteidiger Justiz- rat Dr. v. Gordon: Hat denn die Firma Krupp ein besonderes Interesse an den Lieferungen gehabt, auf die sich die Kornwalzer bezogen?— Angekl. Direktor Eccius: Es handelte sich dabei um Lieferungen von kleinerem Material und es ist einmal berechnet worden, daß es sich bei diesen Lieferungen höchstens um e i n ige hunderttausend Mark handeln konnte.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Ist es richtig, daß diese Lieferun» gen, über die Brandt berichtete, nur einen geringen Bruch« teil von einem Prozent des Umsatzes ausmachten?— Angekl. Eccius: Jawohl.— Auf weiteres Befragen des Vor» sitzenden erklärt der Angeklagte, daß er niemals Anweisungen habe ergehen lassen, in welcher Weise Brandt seine Berichte sich beschaffen sollte. Es sei ja auch nicht alles geheim und Brandt ging oft genug direkt an offizielle Stellen. Ich wußte natürlich auch, daß Geldgeschenke an Militärpersonen nicht gegeben werden dürfen. Unter Herrn v. Schütz gab es zuerst fast keine Berichte über Ausschreibungen usw., dann aber kamen sie, nachhem Brandt nach Berlin versetzt war, und das kann sehr wohl auf Herrn v. Schütz eigenen Wunsch zurückzuführen sein. Verteidiger Justizrat Dr. v. Gordon: Waren nicht die Reichstagsverhandlungen von 1995 die Veranlassung, daß man sich über die Konkurrenzpreis« orientieren wollte?— Angekl. Direktor Eccius: 1993 waren in der B u d g e t k o m m i s s i o n des Reichstages authentische Nachrichten von der Regierung über angeblich zuhohePreisebeiKrupp verlangt worden. Verschiedene Abgeordnete wiesen Zettel vor, die sich auf diese Lieferungen bezogen. Der damalige Kriegs- minister sagte, daß er sich hierzu nicht äußern könne, weil die betreffenden Zettel den Abgeordneten von einer bestimmten Firma — es Ivar dies die Rheinische Metallwarenfabrik Ehrhardt— zu- gesteckt sein könnten und er das Material nicht habe. Das war das Vorspiel. 1993 kam es im Plenum des Reichstage? zu einer Erörterung über die Frage Krupp-Ehrhardt. ES war uns vorher mitgeteilt' worden, daß der Hauptgegenstand dieser Erörterung im Reichstag ein ausländisches Geschäft sein sollte, eine angebliche Zurücksetzung Ehrhardts durch die kaiserliche Botschaft in Kon- stantinopel. Da ich über diese Dinge am besten orientiert war und sie bearbeitet hatte, hielt man eS für zweckmäßig, daß ich während dieser Reichstagsverhandlungen in Berlin wäre, um unseren parlamentarischen Freunden mit den nötigen Informationen an die Hand gehen zu können. Die Debatte nahm einen großen Umfang an, alles mögliche wurde hineingezogen, und schließlich wurden alle diese Dinge auch uoch in einer Schrift erörtert, die die Rheinische Metallwarenfabrik am Schluß der Verhandlungen verteilte und die uns zu einer Gegen- schrift veranlasste.— Vors.: Ist nicht die Entsendung Brandts nach Berlin zurückzuführen auf eine Erörterung über die Reichs- tagsverhandlungen in der Direktorialsitzung? Sagte man sich nicht: jetzt wäre es wichtig genug, die Preise der Kon- kurreuz zu erfahren, um später derartigen Behauptun, gen, wie sie im Reichstag gefallen waren, entgegentreten zu können. — Angekl.: Ich habe Herrn v. Schütz gesagt, es wäre sehr bedauer- lich, wenn die Firma Krupp nicht ebenso die Nachrichten bekäme, wie sie die anderen Firmen von ihr haben. Es war ja nur ein Zufall, daß ich damals in Berlin war.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Ist nicht zur Sprache gekommen, daß aus der Reichstagsverhandlung sich ergeben hätte, daß die anderen Firmen die Kruppschen Preise kannten und daß man sich be- nmhen müßte, auch die Preise der Konkurrenz zu erfahren?— Angekl.: Ich hielt das für nötig, das kann aber auf ganz legalem Wege geschehen.— Verteidiger Justizrat Dr. v. Gordon: ES ist doch wohl anzunehmen, daß die Konkurrenz- firmen die Kruppschen Preise auch aus militärischen Gründen erfahren mußten. Ist eS nach Ihrer Einsicht in die Verhältnisse denkbar, daß Ehrhardt oder andere Konkurrenzfirmen durch private Spionage bei Krupp die Preise erhielten?— Angekl... Das halte ich für sehr unwahrscheinlich.— Verteidiger Gordon: Waren Sic also der Ansicht, daß gar nichts dabei ist, wenn einzelne Herren der Militärverwaltung solche Konkurrenzpreise mitteilten?— Angekl.: Es ist doch ein akl« gemein übliches Verfahren, daß einer Firma die Preis« der Konkurrenz vorgelegt werden, um sie zum Herabsehen zu be- wegen.— Vors.: Sie hatten doch aber an die Möglichkeit gedacht. daß die Beamten disziplinarisch bestraft werden könnten wegen ihrer Mitteilungen?— Angekl.: Daran dachte ich nur in einzelne» Fällen.— Vors.: Sic müssen doch auch gewußt haben, daß die Be. amten nicht über alle Sachen sprechen dürfen.— Angekl.: Daß sie nicht über alle Sachen sprechen dürfen, das wußte ich, ich wußte aber nicht, daß eine absolute Schweigepflicht besteht.— Verteidiger Justizrat Gordon: Bei heschränkten Verdingungen werden doch offiziell die Preise bekannt gegeben. Haben Sie es auch für bedenklich gehalten, daß die Subalternbeamten darüber Auskunft geben?— Angekl.: Nein.— Vors.: Kannten Sie den Unterschied zwischen geheimer Vergebung und unbeschränkter Ver- dingung?— Angell.: Nein.— Verteidiger Justizrat Gordon: Die Anklage nimmt an, daß er den Unterschied gekannt habe und daß er bei den Kornwalzern gesehen habe: hier handelt es sich um geheime Vergebungen. Darauf hat der Angeklagte erwidert, erst habe er von dem Unterschied keine Ahnung gehabt, und selbst wenn er diesen Unterschied gekannt hätte, so hätte er doch beim besten Willen nicht ergründen können, wo es sich um öffentliche und geheime Ber- gedungen handelte.— Oberstaatsanwalt Chrzescinski: Ich habe schon vorher den Wunsch ausgesprochen, über Fragen der be- schränkten Verdingung und geheimen Vergebung erst zu sprechen, nachdem wir die militärischen Sachverständigen darüber gehört haben, welche Rolle denn die beschränkte Verdingung in dem ganzen Geschäftsbetrieb der Armee spielt.— Vorsitzender: Herr Angeklagter, haben Sie also an st r a f b a r e Handlungen des Brandt nie gedach t, und eine Andeutung v. Metzens ist niemals in der Richtung erfolgt, daß es sich hier um Bestechung handele?— Angekl.: Nein, niemals, weder mündlich noch schriftlich.— Vors.: Liegt bezüglich der Ausstattung Brandts mit Gehalts- und Frnltionszulagen irgendeine Abweichung oder AuS- nähme vor gegenüber anderen gleichgestellten Beamten, oder ist er ebenso behandelt worden wie andere?— Angell.: Er ist im wesentlichen ebenso behandelt worden wie andere Beamte seiner Kategorie; sie haben in Essen auch das Gehalt von 7000 M., aber nicht die Funktionszulage, v die wir nur bei Abkommandierungen zahlen. Auch die Weihnachtsgratifikation ist üblich, sie wird freilich nicht allen Beamten gezahlt, sondern eS ist dafür die Stellung und die Leistung maßgebend. Die Gehälter und Zulagen sind bei uns nicht im Etat festgestellt, sondern jeder bekommt das Gehalt, das für den Spezialfall auszusetzen ist; es kann jemand einen Räch- folger bekommen, der ein geringeres oder höheres Gehalt als er selbst bezieht. Es kann auch vorkommen, daß Leute aus subalternem Stande in gehobene Stellungen mit höherem Gehalt kommen, weil sie tüchtig sind. Das ist nichts Seltenes; unser Direktor Groß war früher ein einfacher Feuerwerker.— Vors.: Von den 741 Korn- Walzern sind Ihnen 10 zugestellt worden. Wenn die Kornwalzer ankamen, waren darauf die Namen der Herren bezeichnet, für die sie Interesse hatten. Außerdem findet sich aus 117 Korn- Walzern zwar nicht Ihr Name, wohl aber Ihr Handzeichen. Die hat Ihnen wohl Herr v. Dewitz bei gelegentlichen Besprechun- gen zur Kenntnisnahme einfach vorgelegt?— Angekl.: Ja, ich habe mich nicht lange damit beschäftigt, sondern habe nur einen flüchtigen Blick hineingeworfen.— Verteidiger Jusiizrat Gordon: Ich möchte fragen, ob nach der ganzen Handhabung von Vertrauensspesen etwas darin zu finden ist, wenn Brandt auch für seine Wohnungseinrichtung Liquidationen einreichte?— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Es wurde im militärgerichtlichen Ver- fahren Herrn Brandt ein besonderer Vorwurf daraus gemacht, daß er eine solche ungeheuerliche Behauptung aufitellte, ein Ehrenmann wie Herr v. Schütz hätte ihm gestattet, für Möbelanschaffungen der Firma eine Liquidation einzureichen. Deshalb möchte ich fragen, ob das nicht eine ganz natürliche Sache ist.— Angekl. Eccius: Ja- wohl, wenn er phantastische Summen gefordert hätte, wäre es ja etwas anderes gewesen, so aber war nichts Bedenkliches darin zu finden.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Haben die Ge- heimberichte nicht auch dazu beigetragen, eine Beschleunigung der Lieferungen durch die Firma Krupp herbei- zuführen?— Angekl.: Es waren viele Berichte darunter, die von in Aussicht st e h e n d e n Vergebungen sprachen. Da war es natürlich für die Firma von Interesse, rechtzeitig Kenntnis zu erhalten, denn sie konnte sich dadurch besser darauf einrichten.— Oberstaatsanwalt Chrzescinski: Es kam hier schon zur Sprache. daß Konkurrenzfirmen kürzere Lieferfristen einhalten konnten und daß die Firma Krupp deshalb annahm, diese Firmen müßten schon früher von der in Aussicht stehenden Vergebung Kenntnis gehabt haben. Solche Nachrichten wollten Sie sich auck verschaffen?— Angekl.: Ja.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenste'n: Hat im Gespräch mit Ihnen Herr v. Motzen jemals die Namen von Militär. Personen genannt, mit denen Brandt in Berbinduna stand?— Angekl.: Nein. Die Vernehmung des Angeklagten Direktor Eccius ist damit beendet. Der Vorsitzende schlägt vor, jetzt die Verlesung der Korn- walzer vorzunehmen. Oberstaatsanwalt Chrzescinski beantragt für diese Verlesung den Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung militärischer Interessen. Der Gerichtshof zieht sich hierauf zur Beratung zurück und es werden die als Zeugen und Sachverständi. gen geladenen Offiziere vereidigt. Der Vorfitzende Landgerichts. direktor Dr. Karsten verkündet den Beschluß des Gerichts für die nun folgende Verlesung der Kornwalzer, die sich auf militärische Neuerungen und Konstruktionsdetails beziehen, die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheft auszuschließen. Die Oeffentlichkeit wird heute nicht mehr hergestellt werden. Die morgige Verhandlung dürfte mit der Vernehmung der Zeuaoffiziere und Zeugfeldwcbel beginnen. Marttvretke von Berlin am 83. Oktober l»13, nacki Ermttieiungen des tgl. PolizeivrändimnS. Mais(mixed), gute Sorte 16.40—16,80. mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,0(1 Mais(.runder), gute Sorte 14,20—14,70. Richlstroh 0,00—0,00. Heu 0,00—0,00. M a r t t d a I l e n o r e, s e. 100 Kilogr. Trblen, gelbe, zum Kochen Z0,00—o0.00.«veisebobnen. weihe 36.00—60.00 Linien 36.00— 70 00. Kartofiew sKiembdl.) 4,00—7.00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.70—2.40. Rindfleisch, Bauchsleiich 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,50—2.00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,20— 6,50. 1 Kilogramm Kardien 1,20—2.40. Aale 1.40—3,00. Zander 1,20—3,20. Hechte 1.30-2,80. Barsche 1,00—2,40. «chleie 1.60— 3.20. Bleie 0.80—1,80. 60 Stück Krebie 1.00—30.00 Theater und Vergnügungen Sonnabend, 25. Ottober 1S13. Anfang 3 Uhr. Schiller Kliarlottcnburg. Götz von Berlichingen. Theater am Nollendorfplatz. Maria Stuart. Anfang 4 Uhr. Rose. Hänsel und Grete!. Anfang 6 Uhr. EineS Palast am Zoo. Barietö- Lichtspiele. Anlang 6'/, Nbr. ElnesNollendorf-TheaterVarletö- Lichtspielc. Ansang 7 Mr. Kgl. Opernhaus. Die Walküre. Ansang 7'/, UKr. Kgl. Schanipielvaiis. Die Ouitzows. Deutsches. Torquato Tasso. Komödienhaus. Hinter Mauern. MontiS Operetten. Die ideale Gattin. Köiilggrävcr Strahe. Brand. firkus Busch. Galavorstellung. irtus Schumann. Galavorstellung. Swiang 8 Udr. Urania. Mit dem.Imperator» nach New Dork. Lm H S r f a a l: Bros. Dr. Donath: DaS Obmsche Gesetz. Leiiing. Peer Gynt. Deutsches Künstlcr-Dh. HanuelcS Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug. Kammerspiele» Der verlorene«ohn. Deutsches Opernhaus. Die Jüdin. Deutsches Schauspielhaus. Die heitere Residenz. Reucö Opern, heater(Kroll). Der Prinz Ratzi. Berliner. Wie einst im Mal. Dbalia. Die Tangoprinzessin. Theater am Nollendorfplatz. Die Heimkehr deS Odysseus. Theater des Westens. Gräfin Fifi. Schiller O. Wenn der neue Wein blüht. Schiller Eharlottenburg. Rosen- montag. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend. hafte. »IrincS. Belinde. Xriano». Seine Gellebte. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Lcibusch? Wintergarten. Spezialitäten. Reichsballen. Stettmer Sänger. Eines Apollo-Theater. Barietö- Lichtspiele. Eines Friedrich- Wilhclmstädt. Baiietö-Lichtspiele. «nlang 8'/, Uhr. Rose. Im weißen Rößl. Lustspielbaus. PuppcnNwik. Luise». Von Stujc zu Stuse. Folies Eavrice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. DaS Adoptlv- lwd. Walhalla. Der LiebeSonkel. Aniang 8'), llbr. Rene» BollStheater. Rausch. Ansang S Nbr. Ildmiralspalast. Die lustige Puppe. EtnesNollendorf-Thcater.Varietö- Lichtspiele. »< » Sternwarte, Juvalidenflr. 57—62 Zedillsi'-Iköslei'll.A�er' Sonnabend, abends 8 Ubr: der neneWein blttht Sonntag, nachmittags 3 Uhr: LVeirrlld. Sonntag, abends 8 Ubr: Wenn der neno Wein blfibt Montag, abends 8 Uhr: __ Jngendtrenndc. ScWller-Theater - Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Oötü von Bcrlichlniten. Sonnabend, abends 8 Uhr: Bonenmontnx. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Dtnrrer von Klrchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: . Rosenmontag. Montag, abends 8 Uhr: ___ Bononmontag. Lessing-Theater. Ansang 71/, Ubr. Reer Gynt. sÄfeT rieg. Sozialdemokratischer Mahlverein für den 6* Berliner Reichstagswahlkreis* ■■ Reute Sonnabend im 8tadt-Cb«ater fdoahit, Hlt-fdoabit+7/49 Weiterer Kunft-Hbcnd hlitmrfecnde: Berliner Streichquartett Stciner-Rothltein X ßrieger-palm, Sekangsduett frt Matti KuITel, Rezitationen X frU Susanne friedburg(am flügel). Konzertbeginn SVg Qhr. Eintrittsharte 50 pf. fiacb dem Konzerte CdtlZ. Berren zahlen So pf. nach. Kinder unter iz Jahren haben keinen Zutritt. X Rauchen nicht gestattet. 231/9*. Der BitdungsauslchuO. Aebtnng! Achtang! Dlcnntag, den IS. November, im Meabiter Gesellschaftshaus, Wiolefstr. 24, statt ipt 8 Uhr: Die heitere Residenz. Denisehes Xünstlertbeater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. 8 Uhr: Hanneles Himmelfahrt. _ Der zerbrochene Krug. Mter m NoWorfplatz S. 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Bräraer, Romintenerstr. 40 Brotfabrik Reinersdorf er MDhle F. Bockenkamp, Camphausenet.S PaulBodmlg, Fsiko VfGdrscbstr. 11 Rudolf Brechlin,0cker8i:. S Kklla. F. Breitkopf, Exorzieratr. 19 a. Hermann Büß, Grünauerstr. 12. Ewald Buchler, Weserstr. 47. Ernst Buller, Brüsselerstr. 48. Gust. Böhm, Gubenerstr. 26 O. Büchner, Nordhausonerstr. 89 Alb. Vachwitz, Kameruneretr. 16. Paul Delly, Markusstraße 15. Albert Denkewitz, Jabloaskiitr. 14 Dollwa, Ferdinand Torollstr. 4 Otto Donath, Stolpieehestr. 22. H. Donner, Schönflleflerstr. 2 Rud.Duncker, Pankow, Mülilcast.?! W. Ernst, Pücklerstr. 42. Franz Panlwetter, Minteaffelfti.i7. Carl Feist, Friedenstr. 101. FriedrJFIemming, Boxliagen®rstr.t7. Paul Freitag, Stuttgarterstr. 13. E. Freye�BlameMtr. 72. E. larkuilr. R.Friedrich, Marienburgerstr. 38. HeinrlchFrister.Faiko v, Florast. 60 F. George, Wilaeloubavaneratr. 23. B. Glerszewski, VValdenserstr.9. Fritz Glanner, Chansaeestr. 80. Gumnlor, R. Posenerstr. 16. Wllh. Godt, Emdenerstr. 59. B. 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Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Hamburg. Die hiesige Verwaltungsstelle sucht zum baldigen Antritt einen Bevollmächtigten an SIellc des zum Parteisekretär gewählten Kollegen H. Kürbis. Be- Werber müssen mit der Agitation und den Verwaltungsarbeiten durchaus vertraut sein. Die Anstellung erfolgt nach den Beschlüssen der Breslauer General- Versammlung(Gauleiterskala). Bewerber müssen wenigstens 5 Jahre Mit- glied des Verbandes sein. Aus der Bewerbung muß hervorgehen die bis- herige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung. Dienstjahre in der Arbeiter- bewcgung werden zur Anrechnung gebracht. Die Bewerbungen lind bis spätestens k.?tobember tiUZ mit der Ausschrist.Bewerbung" zu senden an n. Kürbis, Hamburg; 1, Besenbinderhof 57 II.. 128/9* Ple Ortsverwaltang. Briefmarken- Sammlung kault Großmann. Spandauerbrücke 2. Norden 10 621. 170/19* Zahngebisse. Zahn bis 1,30(Ab. holung), Platinabfülle 5.60. 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Oktober, nachmittags 2 Uhr, im Restaurant Schweizerhans, Nicderschöneweidc, Berliner Str. 133/135, statt. H- Dl err Georg Kahler spricht über„Wohin gehört die proletarische Jugend?" )em Vortrage folgt freie Aussprache.— Abends, präzise 7 Uhr, findet im Jugendheim, Klaraslr. 2, der Kursusoortrag„Preuhisch-deutsche Gefchichte" statt. Zu beiden Veranstaltungen ist aus beiden Orten rege Beteiligung erwünscht. Teiiivelhos-Maricuvorf. Der arbeitenden Jugend unserer Orte seien folgende Veranstaltungen zur Beachtung empfohlen: Sonnabend, den 25. Oktober: 3. Stiftungsfest unserer Jugend im Restaurant„Zur Stadt Dresden", Tempclhof, Berliner Str. 78. Eintritt für Jugendliche frei, für Erwachsene 10 Pf. Sonntag, den 26. Oktober, nachmittags oon i Uhr an: Gesellige Zu- sammenknnft im Jugendheim. Dienstag, den 28. Oktober: Handarbeits- und Leseabend für die weib- liche Jugend. Mittwoch, den 29. Oktober: Vortrag„Jugendfchutz". Referent: Herr Leopolg Flieg. Donnerstag, den 30. Oktober: Lescabend. 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Druck».«erlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanftaU Paul Singer». Eo., Berlin AU