Nr.«81. Abonnements-Bedingungen: RbonnemmtS■ PreiZ pränumerando' Vierteljährl. 8,30 MI, monall. 1,10 MI,. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg, Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag». Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post.Iciwng». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L.S0 Marl, sür da» übrige Ausland « Marl pro Monat Poftabonncmcnts nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. SO. Jahrg. erscheint täglich, Verltnev Volksblstt. Die Infertlons-Gebfllfr Betrögt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raun, so Pfg.. für politische und gewerlschastlichc Vereins- Und Bcrsanimlungs-Anzeigen!X) Pig. „Rteine Mnztigtn", da» scttgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), zedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 3 Pfg. Worte über 15 Buch- Stäben zählen sür zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis , Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Exvcdiiion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Rdrefle: „Sozlalileinokriit Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratffcben parte» Deutfcblands. Redaktion: SÖ3. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher t Amt Moripplatz, Nr. 1S83. Sonntag, den«0. Oktober 101S. Expedition: 8W. 68, Lindcnstraeac 69. Fernsprecher: Amt Morttsplaff, otr. Igst. Kesorm und Revolution. Genosse Pens in Dessau hat das alte Problem neu auf- kicrollt und in seiner bekannten Weise restlos gelöst. Für ihn lautet die Frage: Reform oder Revolution? Genosse Pens antwortet darauf:„Reform, Reform und noch einmal Reform! Fort mit der vom Moderduft einer überwundenen Romantik durchsetzten revolutionären Phrase. Fort mit der gefährlidfen „Verherrlichung" früherer Revolutionen, die durch Akte der Gewalt niit einem Ludergernch behaftet sind.(Genosse Pens spricht in diesem Zusammenhange im geschmackvollen Stile der Krcuzzeitungshistoriker von den„Septembermördern" der großen französischen Revolution.) Hinein in die Konsum- vereine, Baugenossenschaften und in alle auf eine praktische GegeiUvartsarbeit eingestellten Organisationen! Unsere Rc- Volution braucht keine Gewalt: nur in der Taucrmacht der wirtschaftlichen und politischen Organisationen liegt das Fundament der Freiheit der Zukunft." Das ist dem Sinne nach der letzte Schluß Peusscher Reformweisheit. Nur schade, daß dies Ergebnis potenzierter Gescheitheit in das, aus Höflichkeit an dieser Stelle nicht mit seinem wahren Namen bezeichnete Gegenteil von Gescheitheit umschlägt. Denn es kommt nicht darauf an, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob Reform oder Revolution für die kämpfende . Arbeiterschaft der �richtige Weg sei. In Wirklichkeit muß der Kampf für den Sozialismus mit der Parole: Reform und Revolution durck>gefochten werden. Das eine schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil: die dein Klassenstaate ab- getrotzten und die von der Arbeiterschaft aus eigener Kraft geschaffenen Reformergebnisse werden und müssen die Kern- truppe der Arbeiterbewegung in den Stand setzen, den lebten und entscheidenden Kampf gegen die um die Erhaltung ihrer Herrschaft ringenden Gewalten des Klassenstaates zu einem siegreichen Ende zu führen.— Das Wort von den drei Armeekorps der Arbeiterbewe- gung ist zur Geniige bekannt. Alles, was diese drei Be- tätignngsforinen, die genossenschaftliche, gewerkschaftliche und politische, bisher geschaffen und geleistet haben-nnd in nächster Zukunft noch leisten werden, ist ein Vormarsch im Reform- gelände. Aber für jedes dieser drei Armeekorps wird ein ' Zeitpunkt kommen, an dem der Vormarsch ans Widerstände stößt, an denen man nicht durch geschicktes MaitöVriercn vorbeikommt, die vielmehr durch eine scharfe Abwehr- und Angriffstaktik überwunden werden müssen. In einem solchen Falle werden die drei getrennt marschierenden Armeekorps ity eigenen Interesse vereint zu schlagen haben. Tie Genosfenschaftsbewegung ist gewiß nützlich, um einen möglichst großen Teil der Arbeiterklasse als Konsumenten zu schützen, ihnen den Bezug ihrer Lebensbedürfnisse zu er- leichtern und zu verbilligen und dadurch den Kaufwert ihres Lohnes zu erhöhen. Es liegt auch durchaus auf dem Wege dieser notwendigen und segensreichen Reformarbeit, zur Eigenproduktion auf genossenschaftlicher Grundlage über- zugehen. Aber all daS wird nur Teilarbeit mit Teilerfolgen bleiben können, zu einer Ueberwindung der kapitalistischen Wirtschaftsform wird es niemals führen. Selbst wenn die Genosfenschaftsbewegung dazu übergehen könnte, eigene. Maschinenfabriken für ihre verschiedenen genossenschaftlichen! Produktionsbetriebe zu errichten, wie will sie sich in großem Maßstabe in Besitz der erforderlichen Kohlen- und Eisen- Vorräte setzen? Wie will sie die Macht der Kartelle, Syndikate und der mit diesen versippten Großbanken brechen? Auch eine nach vielen Millionen zählende Konsumvereinsbewegung kann die Hauptwurzel und den Hauptstamm der kapitalisti- scheu Wirtschaftsweise nicht erschüttern. Ganz abgesehen da- von, daß diese Kapitalmächte dank des ihnen zur Verfügung stehenden politischen Einflusses die Gesetzgebung so beein- klussen können, daß die genossenschaftlichen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Deswegen ist die genossenschaftliche Betätigung nicht! zwecklos und überflüssig, sie ist aber auch kein Allheilmittel, � als das sie neben Peus unter anderen auch der bekannte Pro- � fessor Staudinger Einstellen möchte. Sie wirkt auf der einen Seite im Sinne einer Reform, indem sie einen Teil der Arbeiterschaft in manchen Gebieten des Konsums vor kapi- � talistischer Uebervorteilnng bewahrt, sie schafft auf der anderen �eite auch die ersten Ansätze einer Regelung des Konsums, � die eine der Hauptaufgaben einer sozialistischen Wirtschafts-: und Gesellschaftsordnung sein wird. Aber diese sozialistische Gesellschaftsordnung selbst lterbeiführen kann die Genossen- schaftsbewegung für sich allein nicht Es bleibt sckion bei der alten Wahrheit, daß die Soziali- sierung der Gesellschaft nur durch den Klassenkampf der Ar-. beiterichaft bewirkt werden kann. Dieser Kampf gegen die bei aller Konzentration komplizierte Kapitalsmacht und gegen die vielartigen Formen des.Klassenstaates ähnelt heute mehr denn je der Viclgestaltigkeit moderner Kriegskunst. Un- belchadet unserer grundsätzlichen Feindschaft gegen Krieg und � Militarismus, würden wir es doch für absurd halten, wenn ein moderner Staat seine Wehrkraft ausschließlich auf der Infanterie oder der Artillerie oder irgendeiner anderen Waffe aufbauen wollte. Nein, jede dieser Waffen muß in Verbindung und als Ergänzung niit den anderen Waffen Schlachten- � Wirkungen erzielen. UnIL genau so ist es mit dem modernen Klassenkampf. Jede Einseitigkeit, jede ausschließliche Bc-I tonung nur eines bestimmten Kampfmittels ist hier vom Uebel: im Zusammenwirken aller Kampfmittel, im Ausnutzen aller Kampfesmöglichkeiten liegt die Gewähr des Erfolges. Werden die drei Armeekorps der Arbeiterbewegung in dieser Erkenntnis geschult, bleibt in ihnen, trotz getrennten Aufmarsches, eine gemeinsame Marschrichtung, dann werden sie auch die letzten Widerstände, die sich einer Sozialisierung der Wirtschaft und Gesellschaft entgegenstellen, gemeinsam überwinden. Tann waren die Reformleistungen, die sie bis dahin vollbracht haben, die unerläßlichen Vorbedingungen des letzten Entscheidungskampfcs. Nicht im Organisieren um der Organisation willen, nicht in der Heranzüchtung kleinbürger- lichen Behagens über diesen oder jenen Reformersolg, der in den meisten Fällen nicht einmal der Gesamtheit der Arbeiter- schaft zugute kommt, liegt die Gewähr der Niederwerfung des kapitalistischen Klassenstaates, sondern in der Verbreitung der Erkenntnis, daß die Arbeiterschaft durch Reformen zur Revolution kommen wird. Sic wird dazu kommen und es wird nicht von i h r abhängen, ob es dabei zu Akten der Gewalt kommt. Ans Gründen der Zweckmäßigkeit hat sich die Arbeiterbewegung bisher auf den Boden der Gesetzlichkeit gestellt, auf dem Re- ! formen möglich sind. Und sie wird diesen Boden nicht ver ! lassen, wenn sie nicht mit offener oder versteckter. Gewalt 1 davon verdrängt wird. Werden aber ihre Gegner, die ihre � Macht mit den Mitteln der Gewalt stützen, auf die Anwen ' dung dieser ihrer Meinung nach wirksamen Mittel verzichten, � wenn die durch Reformen erstarkte Arbeiterbewegung sie von ihren Sitzen aufjagen will? Wer da glaubt, daß die Groß- banken und die Großindustriellen, daß die Armee- und Re- I gicrungsjunker, daß die Monarchien Teutschlands vor einer viele Millionen zählenden Genossenschafts- oder Gewerkschafts- bewegung oder vor einem Meer von Stimmzetteln oder auch vor einem Austritt der Massen aus der Landeskirche freiwillig das Feld räumen, der mag meinen, daß die Freiheit der Zu- fünft ohne gewaltsame Erschütterungen ihren Einzug halten wird. Wer aber diesen Glauben nicht hat, der wird mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß die der Ar- beiterbewegung seindlichen Mächte zu Maßnahmen. der Ge- walt greifen werden.. Dann gibt es für die Arbeiterbewegung nur zivei Möglichkeiten: entweder feige zurückzuweichen, da- durch der feindlichen Gewalt noch mehr Offensivlnst und Offensivkraft einzuflößen und damit die bisherige Reform- arbeit zu gefährden und weitere Resormarbeit zu erschweren, Wenn nicht gar unmöglich zu machen. Oder aber der Gewalt der Herrschenden die Gewalt der Notwehi: entgegenzusetzen, einer Notwehr, die mit möglichst wenig Opfern und in möglichst kurzer Zeit den Gegner unschädlich macht. Klugheit und Energie, gepaart mit der Begeisterung, zur Erhaltung seiner kostbarsten Güter alles einzusetzen, sind die seelische» Voraussetzungen für einen solchen im Bereiche der Möglichkeit liegenden Notwehrkampf. Diese seelischen Vor- aiissetzungen werden aber nicht geschaffen durch eine Ver- ächtlichinachnng revolutionärer Volksbewegungen der Ver- gangcnheit. Tie sozialistische Wissenschaft„verherrlicht" die Revolutionen nicht um der bloßen Gewaltakte willen. Sie will die historische Bedingtheit der Kämpfe aufdecken und die Lehren, die auch noch für Gegenwart und Zukunft Geltung haben, an den Tag bringen. Tas hat mit„revolutionärer Phrase" nicht das nündeste zu tun. Schädlicher aber und gefährlichere Illusionen erweckend als die sogenannte rcvolntio- näre Phrase ist die überspannte reformistische,, Klugheit" ü In Pens. Und gegen solche anchsozialistischen Anschauungen mit konterrevolutionärem Einschlag heißt es Front machen im Interesse der Arbeiterbewegung. Sie Wahl in Stuttgart. Stuttgart, 25. Oktober.(P r i v a t t e l e g r a rn m des „Vorwärts".) Tic Landtagsersatzwahl für Stutt- g a r t- A m t für den nach Hamburg verzogenen Genossen H i l d e n b r a n d fand heute statt. Der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Albert P f l ü g e r, Redakteur der„Tag- wacht", wurde mit 3647 Stimmen gewählt. Sein national- liberaler Gegenkandidat, Stadtpfarrer L a m p a r t c r- Stuttgart, der von der Volkspartei, dem Zentrum und dem Bauernbnnd unterstützt wurde, erhielt 41 tk Stimmen. Im im großen und ganzen unbekannt war, erreichte zwar nicht die Stimmenzahl des Abgeordneten Hildenbrand, der den Wahlkreis 13 Jahre vertreten hatte. Immerhin aber hat die Abweisung dieses mit unerhörter Wucht und den skrupel- losesten Mitteln geführten Angriffs bewiesen, daß Stuttgart- Amt die Hochburg der Sozialdemokratie ist und bleibt! .am........... WW________........................ � vorigen Jahre eroberte die Sozialdemokratie das Mandat mit 6713 gegen 2460 nationallibcrale, volkspartcilichc und 16g bündlerifche Stimmen. Der Wahlkampf war äußerst heiß. Tic bürgerlichen Parteien hofften ernsthaft, den Wahlkreis der Sozialdemo- kratie streitig machen zu können. Ter Kandidatenwechsel und die ihn verursachenden Parteivorgänge wurden in der Presse und in Flugblättern von den Gegnern skrupellos ausgenutzt. Tie Arbeiterschaft suchte mau nach Göppiuger Muster mit Flugblättern früherer„Hildenbrand-Wähler", die vorn Wahl- komitee verbreitet wurden, zu fangen. Der Wahlausfall in Baden hatte zudem die Sieges- Hoffnung des bürgerlichen Blocks von der Volkspartci bis zum Bauernbund gestärkt und sie zur Ansetzung seiner ganzen Kraft angespornt. Ter frühere Kandidat, ein Major a. T., den im politifchen Leben niemand ernst genommen, wurde durch einen Vertreter der nationalliberalen Partei ersetzt. Doch alle Mühe war umsonst. Genosse Pflügcr, der vordem Auf. zu den Stadtverordnetenwal)len! Nur noch zwei Wochen trennen uns von den Stadtverordneten- wählen. Am 9. November sollen die Wähler entscheiden, wer die nächsten 6 Jahre die zur Wahl stehenden Bezirke im Rathause ver- treten soll. Für die Wähler der dritten Abteilung kann es keinem Zweifel unterliegen, wen sie am 9. November zu wählen haben. Sie können nur einem Vertreter der Sozialdemokratie ihre Stimme geben. Dabei handelt es sich für uns noch darum, eine möglichst hohe Stimmenzahl auf die Kandidaten der Sozialdemokratie zu vereinigen. Ter Kommunalfreisinn ist rührig an der Arbeit, um bestimmte Bezirke der dritten Abteilung zu halten und uns ge- hörige abzunehmen. Da gilt es auf der Wacht zu sein und jede Gelegenheit zu eifriger Werbearbeit für unsere Kandidaten zu be- nutzen. Die Gegner haben ein Zirkular versandt, in dem es heißt: „Die im November de» Jahres stattfindenden Stadtver» ordnetcnwahlen, bei denen ein Drittel der bisherigen Mandate zu erneuern ist, haben dadurch besondere Bedeutung, daß die Sozialdemokratie sich rüstet, die letzten Mandate dritter Abtei- lnng, die noch im Besitze der bürgerlichen Parteien sind, zu ge- Winnen. Es muß alles versucht werden, diese stark bedrohten Bezirke zu retten und ihre bewährten Vertreter, die seit mehreren Jahrzehnten ihre Dienste dem Allgemeinwohl gewidmet haben, der städtischen Verwaltung zu erkalten. Im 98. Wahlbezirk 3. Abteilung(Friedrich-Wilhelmstadt, südlicher Teil von Moabit), der bisher von der bürgerlichen Partei mit erheblicher Majorität gehalten wurde, ist durch Tod des Stadtverordneten Bitterhof eine Neuwahl erforderlich, die ganz besondere Wahlanstrengunge» nötig macht. Nicht aussichtslos sind die Versucht, einen oder den anderen Siv 3. Abteilung wieder zurück zu erobern. Ten Ansprüchen der Sozialdemokratie ist die Forderung nach einem besonnenen, ruhigen und gesunden Fortschritte in der Entwickeliing unserer städtischen Verwaltung entgegenzusetzen unter Berücksichtigung und im Einklang mit der' Stencrkraft unserer schwer arbeitenden und stark belasteten Bürgerschaft. Wir bitten Sie, unsere Bemühungen, die Wähl selbstloser bürgerlicher Vertreter zu sichern, unterstützen zu wollen und durch einen Beitrag zu den sehr erheblichen Wahlnnkosten ein« energische Agitation zu ermöglichen." Dieses Zirkular ist von einer Anzahl freisinniger Stadtver- ordneter unterzeichnet, und es haben auch bereits Versammlungen stattgefunden, in denen für die Wahl bürgerlicher Kandidaten Propaganda gemacht wird. Es bedarf wohl an dieser Stelle kaum einer Bemerkung über den Inhalt des obigen Zirkulars. Unsere Genossen wissen, daß es keine selbstloseren Vertreter im Rathause geben kann, als die Sozialdemokratie, die sich die Bekämpfung der im Rathausc sich breit machenden Bank- und Börsenintcrcssen und der Interessen der Hausagrarier zuin Ziele gesetzt hat. Unsere Genossen sollen sich nicht täuschen. Unsere Gegner ar- betten geräuschlos, aber bei ihren Beziehungen zu den HauSagrariern um so intensiver. Diese Tatsache muß unsere Genossen veran- lassen, die kurze Zeit bis zum 9. November zu tiefgehender Agt- tation für die Kandidaten der Sozialdemokratie auszunutzen. » Tic Wählerlisten. Am 9. November kann nur wählen, wer in der Wählerliste steht. Diese Wählerlisten sind aber sehr mangelhaft, wie uns von vielen Seiten glaubhaft nachgewiesen ist. Zahlreiche Wähler haben auf ihren Einspruch gegen die Richtigkeit der Wählerliste die Mit- teilung erhalten, daß ihrem Antrag auf Aufnahme in die Wähler- liste nicht hätte Folge gegeben werden können. Diejenigen, deren Aufnahme wegen rückstündjgcr Steuern nicht hat erfolgen können, legten uns ihre Steuerquittungen für die vier Quartale des letzten Steuerjahrcs vor. Andere Aufnahmen waren nicht erfolgt, weil angeblich entstandene Krankenhauskosten nicht bezahlt lvare». In verschiedenen Fällen lvar aber eine Aufforderung an die betreffen- den Personen zur Zahlung nicht ergangen, so daß nach alter Praxis diese Leute in die Wählerliste hätten aufgenommen werden müssen. Die vielen Beschiverdcn, die jetzt einlaufen, scheinen auf recht mangelhaft ausgestellte Wählerlisten hinzuweisen. Die jetzt Abgewiesenen haben keinen anderen Weg, um zu ihrem Recht zu kommen, als die Einleitung des langwierigen Vcrwaltungsstrcit- Versahrens. Das kann ihnen aber praktisch nicht viel nützen, da die Entscheidung fällt, nachdem die Wckhlen längst vorüber sind. Viele Personen stehen nicht in der Liste, weil sie infolge langer Arbeitslosigkeit nicht in der Lage waren, Stenern zu zählen. AuS allen diesen Gründen ertvächst für diejenigen, die in der Wähler liste stehen, die doppelte Pflicht der Ausübung ihres Wahlrechte?. Daß diese Pflicht am 9. November nur im Sinne der Sozialdemo- kratie ausgeübt wird, versteht sich am Rande. Das Zeugnis der lAitktzuldigen. Am Sonuabend trat das Fähnlein der sieben Zcuglciiinanis in Aktion, die durch das Brandtsche Spionagesystem ins IlnhcU gebracht worden sind. Begreiflicherweise waren die Herren, die gegen das Urteil erster Instanz Berufung angemeldet haben, nach Kräften bemüht, ihre Position zum mindesten nicht zu verschlcch- tern. Trotz alledem mußte auch hier wieder die Einhelligkeil aus- fallen, mit der diese Zeugen beteuerten, daß es ihrer Ucberzeugung nach für die Firma Krupp ja gar keine Geheim- n i s 1 e gegeben habe. Uebereinstimmend erklärten die Herren Titian, Hinz, Linke und wie sie alle heißen mögen, daß sie um so weniger Bedenken getragen hätten, dem Brandt auch die geheimsten Mitteilungen zn machen, als ihrer Ueberzeugung nach Brandt ja eigentlich schon alles gewußt habe. Ihnen sei es so vor- gekommen, als ob der Kruppagent von ihnen nur noch die B e- Nötigung dessen erhalten wollte, was ihm bereits von anderer seitc mitgeteilt worden sei. Brandt habe, so versicherte der Zeug- Icutnant Tilian, nicht nur im allgemeinen schon ganz vorzüglich ' Bescheid gemußt, sondern er habe auch bereits über die„Spezialia" eine verblüffende Sachkenntnis verraten. Woher diese Kenntnisse des Brandt gestammt haben können, darüber äußerten sich die Zeugen freilich sehr zurückhaltend. Einer von ihnen erklärte allerdings auch ganz offen, daß er sich deshalb besondere Zurückhaltung auferlege, weil er mit dem Aussprechen seiner Mutmaßungen beveits böse Erfahrungen gemacht habe. Immerhin deutete Zeugleutnant Tilian an, daß es ihm den Anschein gehabt habe, als ob die Referenten der Feldzeug- m c i st e r e i als solche Nachrichtenquellen auch über geheimzu- haltende Dinge angesehen werden könnten. Denn wenn die Ver- treter der Firmen bei ihnen Informationen eingezogen hätten, sei cS oftmals vorgekommen, daß die Referenten bei den ihnen unter- stellten Beamten nach den Konkurrenzpreisen gefragt hätten. Daß die Herren Referenten diese Preise den Vertretern der Firmen dann auch mitgeteilt hätten, erklärte Herr Tilian natürlich nicht beweisen zu können. Auch die anderen Zeugen glaubten behaupten zu können, daß die anderen Firmen sich über die Konkurrenzpreise auffällig gut unterrichtet gezeigt hätten. Das sei nicht bloß eine Vermutung, sondern lasse sich mit großer Sicherheit aus der späteren Preis- Politik d«r Firmen folgern. Diese Erklärungen brachten den Staatsanwalt in einige Aufregung. Er erklärte, sich bei so all- geineinen Andeutungen und Behauptungen nicht beruhigen zu können. Er warf die Frage auf, ob man behaupten wolle, daß auch die anderen Firmen gleich Brandt auf Hintertreppen zu ihrer Wissenschaft gelangt seien. Und nun spielte sich ein kurioser Vorgang ab. Herr Eccius, der hiernach doch gar nicht gefragt war, meldete sich zum Wort und erklärte, daß e r das ja gar nicht habe behaupten wollen. Und Rechtsanwalt Löwenstein, einer der Ver- leidiger der Krupp-Beamten, betonte ebenfalls, daß i h m eine solche Behauptung ferngelegen habe. Damit fand dann diese lebhafte Szene ein unvermutet vorzeitiges Ende. Unserer Ansicht nach war eS doch furchtbar gleichgültig, ob Herr Eecius etwas Derartiges behauptet hatte oder nicht. Sein Mtange- klagter Brandt hatte seinerzeit freilich vor dem Kriegsgericht behauptet, daß auch die anderen Firmen über die Konkurrenzpreise ganz genau unterrichtet seien und daß er darüber noch mancherlei sagen könne, wenn er nur wolle. Aber auf den Brandt kam es hier so wenig an wie auf den EcciuS, sondern es handelte sich darum. der ständig wiederholten Behauptung nachzugehen, daß auch andere Firmen ähnliche illegale Informationen wie die Firma Krupp gehabt hätten, und es handelte sich darüber hinaus um die Nachforschung, ob denn nicht möglicherweise auch von höheren Stellen unzulässige Mitteilungen über Konkurrenzpreise usw. den Vertretern der einen oder anderen Firma gemacht sein könnten. Um sich darüber Klarheit zu verschaffen, wäre es allerdings not- wendig gewesen, die Herren Zeugleutnants eingehender zu inqniricren. Vor dem Kriegsgericht war man den Andeutungen dieser Angeklagten bekanntlich auch nicht nachgegangen, vielmehr schon den schüchternsten Bemerkungen der Angeklagten mit einem solchen Maß sittlicher Entrüstung begegnet, daß die heutige Klage des einen Zeugen, er wolle sich nicht wieder den Mund verbrennen, nur zu begreiflich ist. Tie Verhandlung wird ja noch lange dauern, und es wird ja noch oft die Möglichkeit geboten sein, den Andeutungen der am Sonnabend vernommenen Zeugen nachzuforschen. Vor allen Din- gen wäre unsere? Erachtens ein wesentlicher Nachdruck bei der Untersuchung darauf zu legen, ob denn die ständig wiederholten Be. hanptungen der Zeugleutnants, daß Brandt selbst die„Spezialia" schon gekannt habe, daß er bereits„alles gewußt" habe und offenbar nur die B e st ä t i g u n g seiner Mitteilungen habe erlangen wollen, mehr ist als eine Beschönigungsausrede der von ihm Bestochenen und Mißbrauchten. Man sollte die Nachforschungen nach dieser Richtung hin um so energischer führen, als ja auch Herr Brandt selbst erklärt hat, daß es für ihn überhaupt keine Ge- Heimnisse gegeben habe. Auch Herr D r e g e r hat ja be- kanntlich vor dem Kriegsgericht' ausgesagt, daß ihm selbst die ge- heimsten Erkundigungen Brandts nur als Lappalien erschienen seien,!xr er schon längst Kenntnis von dem Inhalt der Kornwalzer gehabt habe. Das kann natürlich eine bloße Ausrede sein. Aber es wäre doch sehr interessant, endlich einmal festzustellen, auf welchem Wege denn eigentlich die Herren Dreger und Genossen in den Besitz dieser Kenntnisse gelangt sein wollen. Bestanden Vorschriften über die Geheimhaltung von Konkurrenzpreisen, von Lieferungen und von Konstruktionen, so existierten diese Geheim- nisse doch nicht nur sür die Subalternen, für die Zeuglentnants, sondern erst recht auch für die höheren Offiziere! Heraus mit der Sprache! Aber bitte, keine allgemeinen, nichtssagenden Redensarten! Die italienischen Sozialiften im Aahl- kämpf. Rom, 24. Oktober.(Eig. 33er.) Vor 27 Jahren sind in Italien die Sozialisten, die sich damals noch die Arbeiterpartei nannten, zum ersten Male mit einem eigenen Programm in den Wahlkampf getreten. Gegenüber den Bedrohungen und Pressionen der schamlosesten Art setzten sie es damals durch, 17 OW Stimmen um ihr Programm zu scharen. Unter dem gleichen Wahlrecht ge- wannen sie dann langsam und mühsam Boden, bis sie im Jahre 1909 rund 359 909, nahezu ein Fünftel aller ab- gegebenen Stimmen auf die Namen ihrer Kandidaten ver- einigten. Jetzt ruft das neue Wahlrecht 5 Millionen neuer Wähler zur Teilnahme am politischen Leben des Landes, und die Partei wendet sich zum ersten Male in ihrer Wahlagitation an die große Masse des Proletariats. In keinem früheren Wahlkampf haben die italienischen Sozialisten eine solche Energie, eine solche Unermüdlichkeit und Ausdauer bewiesen, wie in den letzten Wochen. Bis in den kleinsten vergessenen Ort sind ihre Redner gedrungen. Tag für Tag haben sie Tausende von Versammlungen ab- gehalten, überall das Programm der Partei und ihre Kritik der gegenwärtigen Zustände zu Worte kommen lassen. Auch da, wo die Uebermacht der Gegner den Kampf von vorn- herein aussichtslos erscheinen ließ, haben unsere Propagandi- sten mit Wort und Schrift sich an das Proletariat gewendet. haben gearbeitet, nicht für die Eroberung eines Mandats, sondern für die Aufklärung und Aufrüttelung der Massen. Ob die Partei nun ihren Bestand von 25 Mandaten nur be- hanpten oder ihn vermehren oder verdoppeln wird— sicher wird sie einen mächtigen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben. Sie rechnet darauf, daß für ihre 399 Kandidaten eine Million Stimmen abgegeben werden. Und diese eine Million Stimmen wird mehr bedeuten als mancher Mandatszuwachs der früheren Wahlen, der nur durch ein Bündnis mit den Parteien der bürgerlichen Demokratie zustande gekommen war. Sie wird vor allein bedeuten, daß ein starkes und niachtvolles proletarisches Heer zur Partei und zu ihrem Programm steht in einer Stunde, tvo alle anderen politischen Elemente als eine einzige reaktionäre Masse dem Sozialismus einen Damm entgegenzustellen suchen. Selbst der auf den Generalstreik vom Jahre 1994 folgende Wahlkainpf hat die bürgerlichen Parteien nicht in dein Maße gegen die Sozialisten vereinigt, wie es in diesem Jahre durch die Opposition unserer Partei gegen den libyschen Krieg geschehen ist. Alle Parteien sind gegen uns, und wir sind gegen alle Parteien. Die Regierung wendet alle ihre Kniffe auf, die Klerikalen ziehen ihr„nou expedit"(das Verbot der Wahl- beteiligung) zurück, die Liberalen werfen sich den Klerikalen, die Opposition dem Ministerium in die Arme, nur um den Sieg eines Sozialisten zu verhüten. Selbst Republikaner und Syndikalisten suchen die Kampfstellung unserer Partei zu schädigen. Die Reformisten bringen es fertig, unserem Genossen Campanozzi im 1. römischen Wahl- kreise sein Mandat streitig zu machen, indem sie für den bürgerlich-radikalen Kandidaten, den Fürsten Scipione Borghese, eintreten. Was sonst unserer Partei an lauen Sympathien, an Auch-Sozialismus entgegengebracht wurde, das ist ihr jetzt vollkommen entzogen worden. Sie hat nur mit ihren eigenen Kräften zu rechnen. Was sie erzielen wird, wird sie sich selbst zu danken haben. Der Krieg und seineFolgen haben es vermocht, diese scharfe Scheidung im politischen Lager herbeizuführen. Und zwar ist es die einzige Scheidung, die den Wahlkampf des ganzen Landes beherrscht: alles andere ist Futterneid, per- sönliche Konkurrenz, lokale Intrige. Die Bourgeoisie hat den Krieg gewollt und legt es in diesem Wahlkampf vor allem darauf an, seine Folgen zu ver- heimlichen und verschleiern. Das sozialistische Proletariat hat den Krieg nicht gewollt, hat all das Unheil vorausgesehen, das er nach sich ziehen würde, und hat jetzt das Recht und die Pflicht, seine Folgen scharf und deutlich der Wählerschaft vor Augen zu führen. Und von dem Krieg und seinen Folgen greift unsere Partei zurück auf die Ursachen des Krieges, auf die„historische Fatalität", von der Giolitti gesprochen hat, und erbringt den Beweis, daß diese Fatalität aus dem kapi- talistischen Regime folgt und nur niit diesem aufgehoben werden kann. Unsere Partei zeigt in diesen Wochen der 3Vahl- agitation, daß mächtige Interessengruppen Italien zur Kolonialexpansion treiben wollen, und daß diese Expansion, die man mit vaterländischem Glorienschein umgibt, nur zum Vorteil einiger Gruppen von Banken und Finanzleuten ge- reicht. Sie zeigt, daß in den Abgrund dieser Expansion Millionen und Milliarden geschleudert werden und daß diese Vergeudung von Reichtum dahin führen muß, die Reform- arbeit im eigenen Lande lahmzulegen. Während die Submissionsfirmen iu Libyen Riesenprofite für Hafenbauten, Be- Wässerungsanlagen, Eisenbahnen einstreichen, bleibt in Italien die notwendige Arbeit ungetan. Man gibt den Kolonien, was man den: Mutterlande entzieht, und tut das einzig deshalb, weil sich im Koloniallande für das Unter- nehmertum höhere Profite erzielen lassen als zu Hause, Profite, die natürlich nicht die Kolonie abwirft, sondern die aus den Kassen des Staates stammen. Daß ein Teil des Finanzkapitals, daß der Militarismus und die, die von ihm leben, in Italien wie in ganz Europa Interesse daran haben, ein Land in Kolonialabenteuer zu stürzen, das ist die„histo- rische Fatalität", die Italien nach Tripolis geführt hat. Gegen die Grundlagen dieser Fatalität erhebt das sozialistische Pro- letariat Einspruch. Und wenn auch in der heutigen Wahlagitation unsere Partei für die Forderung eintritt, durch Besitzsteuern eine Milliarde für öffentliche Arbeiten in Italien aufzubringen, um so die Geldvergeudung des Krieges wieder auszugleichen, so bleibt unsere Partei doch nicht bei der Einzelerscheinung und ihren Folgen, bei der heutigen Lage und ihrer Not stehen. Sie steigt auf zur Kritik des Systems, von der harten Realität der kapitalistischen Wirtschaft zum Ideal der ver- gesellschafteten Produktion, vom Klassenstaat zum Sozialis- mus. Höher als das Werben um Stimmen steht ihr das Ringen um die Ueberzeugung der Massen. Deshalb kann sie den Kamps, in dem sie seit Wochen unter Aufbietung all ihrer Kräfte steht, gar nicht verlieren. Was sie an Propaganda sozialistischer Ideen ausgestreut hat, muß Frucht tragen. So hat die sozialistische Partei in diesen Herbsttagen die Erobe- rung des Wahlrechts begonnen, das von Giolittis Gnaden dem Proletariat geschenkt wurde. Am Vorabend der Wahl. Rom, 2S. Oktober.(Privattelegramm des„Vor- wärts'.) Durch eine toochenlange intensive Propaganda vor- bereitet, geht unsere Partei morgen in den Wahlkampf. In 311 Wahlkreisen ringt sie gegen den Block der Ordnungsparteien. Als einzige unter allen Partrien vertritt sie ein klarumrissenes Pro- gramm und hofft, ohne Wahlbündnisse eine Million proletarischer Stimmen auf ihre Kandidaten vereinigen zu können. Die Vorbereitung war auch bei den anderen Parteien intensiv, und das ganze Land sieht mit gespannter Erwartung dem Wahl- ausfall entgegen. Die Klerikalen legen sich eifrig für die OrdnungS- kandidaten ins Zeug. Ein Ueberblick über das Wahlresultat wird freilich vor Montag kaum zu erhalten sein. polWcbe QeberfJebt. Ter badische Grohblock und die Rechtsnational- liberalen. Ueber den Ausfall der badischen Landtagswahlen und die Großblocktaktik wird noch manches zu sagen sein, wenn die Stichwahlen oder richtiger Nachwahlen vollzogen sind und sich das Gesamtergebnis in allen Einzelheiten übersehen läßt. Heute möchten wir nur auf die seltsame Freude hinweisen, die in den rechtsnationalliberalen Blättern, den Preßorganen der Richtung Fuhrmann, über den sogenannten„Mißerfolg" des liberal-sozialdemokratischen Aufmarsches am letzten Diens« tag hervortritt. Fast noch mehr als die klerikalen und konser- vativen Zeitungen frohlocken diese großkapitalistisch-auch- liberalen Blätter über den„Bankrott des Großblocks", die „Zertrümmerung des Großblockgedankens", den„elenden Zusammenbruch der liberal-demokratischen Großblockver- brllderung" usw. Und diese schöne Freude der Fuhrmänner und ihres Anhanges wird, wenn man sich die Gründe dieser Presse ansieht, durchaus begreiflich. Man hofft nämlich in diesen Kreisen, daß die Folge der badischen Landtagswahlen eine st a r k e Rechtsschwenkung des süddeutschen Flügels der Nationalliberalen und damit als weitere Folge Flügels der Nationalliberalen und damit als weitere Folge eine Annäherung des Nationalliberalismus an die Konser- vativen und das Zentrum, das heißt eine Wiederher- st e I l u n g des früheren k o n s e r v a t i v- n a t i o n a l- liberal-klerikalen Regier ungsblocks im Deutschen Reiche. Recht deutlich kommen diese schönen Hoffnungen in einem Artikel der anchliberalen„Hamb. Nachr."(Nr. 591) zum Ausdruck. Das Blatt der fetten Hamburger Kaffee- und Pfefsersäcke ist geradezu entzückt von dein„namhaften Er- folg" der Konservativen bei der badischen Hauptwahl. mahnt aber die badischen Heydebrandlingc, sich nicht allzu sehr von den Schwarzen umgarnen zn lassen. Bei vielen gesetz- geberischen Zlrbeiten könnten sie ja mit dein Zentrum ein- mütig zusammenwirken: doch dürften sie nie vergessen,„daß auch im Zentrum, und gerade im Zentrum, starke demokratische Strömungen ihren Druck übe n". Dagegen wird den Konservativen empfohlen, sich mit den gemäßigten Nationalliberalen gutzustellen: „denn das müssen wir doch hoffen: daß die beiden alten nationalen Parteien den Hader wider- einander in nicht sehr ferner Zeit fahren lassen und wieder zusammenarbeiten, in Reich u nd S t a a t." Zugleich ruft das Blatt der Haniburger Kolonialpatrioten zum allgemeinen Kampfe gegen die nach seiner Ansicht glänzend geschlagenen Sozialdemokraten auf: „Der Verlust der Sozialdemokratie in Baden folgt unmittelbar der starken Stimmeneinbuße, welche die Sozialdemokratie in Ham- bürg erlitten hat. Jetzt gilt es, die Anzeichen richtig verstehen und den Kampf gegen die Sozialdemokratie überall aufzunehmen. Sie darf nicht wieder erstarken. Ihr übermütiges Gebaren in den letzten Jahren, zumal das Spiel mit dem Massenausstand, hat doch aufklärend gewirkt. Und in Baden sehen wir, wie sich das Nationalgefühl gegen die Macht der Umsturzpartci aufbäumt. Die Badener haben ihre eigenen Er- fahrungen mit der Sozialdemokratie gemacht, die in ihrem Lande von dem Revisionisten Dr. Frank geführt wird, und darum ent- schloffen den widernatürlichen Großblock in Stücke geschlagen. Dasbadische Volk wirft das Joch ab: ein Vorbild für alle Deutschen. Daß aus dem Trümmersturz des Großblocks die National- liberalen sich mit Glück gerettet haben und wahrscheinlich ihre alte Stärke von 17 Sitzen in der badischen Zweiten Kammer erhalten werden, kann erfreuen. Aber notwendig ist es, daß sie daraus nun auch die nötigen Lehren ziehen und nicht in die alten Fehler zurückfallen. Ein großer Fehler war die Ueber- spannung des Liberalismus im Jahre 1905, die zur Einführung des neuen direkten Wahl« rechts in Baden führten. Bis dahin war die national- liberale Partei die stärkste im Landtag; fortab verlor sie bei jeder Wahl, und ist jetzt froh, wenn sie den arg geschrumpften Besitzstand wahren kann. Warum mutzte das Wahlrecht geändert werden? Den Nutzen hat die Sozialdemokratie gehabt und das Zentrum. Diese Spuren schrecken, mahnen dringend von gleichen Experimenten in anderen deutschen Staaten ab, ganz besonders in Preußen." Die Doppelzüngigkeit des Zentrums bei den badischcn Landtagswahlen. Der streng katholischen„Kölner Korrespondenz" wird von „einem angesehenen politisch tätigen Geistlichen Süddeutschlands" über das„Janusgesicht der Kölner Richtung" geschrieben: „Vor den Außenstehenden tut sie so, als habe das Zentrum mit dem Katholizismus ganz und gar nichts zu tun, und schimpft über diejenigen, welche wenigstens den„Einklang" der Partei und Fraktion mit den katholischen Grundsätzen fordern. Reden aber die Kölner Herren vor unserem katholischen Volk, dann hüten sie sich wohlweislich vor jenen lügenhaften Phrasen, an die sie selbst nicht glauben, dann hüpfen sie auch über die Milliarde hinweg, die das Zentrum sür die neue Wehr- Vorlage bewilligt hat, dagegen schimpfen sie über das Jesuitengesetz, über staatliche Intoleranz, er- klären, die Katholiken würden wie Bürger zweiter Klasse behandelt und suchen mit allen Mitteln die katholische Volksseele in Wallung zu bringen. Dieses Doppelgesicht der Kölner Richtung haben wir auch anläßlich der badischen Landtagswahlen wieder gesehen. Die„Kölnische Bolkszeitung"(22. Oktober 1913) gibt selbst die Doppelnatur des Kölner Zentrums zu. Das Blatt schreibt: „Ohne die kluge Taktik der badischen Zentrumsführung, die auch die positiven und staatserhaltenden Elemente im Pro- testantismus, auf der Rechten und sogar bei den National- liberalen in ihre Rechnung einstellte und ihnen zuliebe vielfach auch dort, wo das Zentrum von sich aus über eine ansehnliche Ntinderheit verfügt, aber freilich ohne Unterstützung geringe Aussicht zu siegen hat, auf eigene Mandatsbewerbung verzichtete, wäre der Rotblock in Baden nie und nimmer gestürzt worden." In diesen Wahlkreisen und anderen, wo das Zentrum nur mit Hilfe konservativer und liberaler Stimmen siegen konnte oder nur auf den Sieg eines rechtsstehenden Konservativen oder Liberalen Aussicht hatte, begnügten die meisten Zentrumsredner sich damit, über die Sozial- demokratie zu schimpfen, die Taten der rechtsstehenden Parteien zu preisen und im Anschluß an die Leipziger Jahrhundert- feicr patriotische Seiten anzuschlagen. Anders klang das Lied in den ausschließlich oder ganz vorwiegend katholischen Städten und Dörfern. Nach dem zu urteilen, was man hier im Lande während der letzten Wochen alles in Zentrumsversammlungen hören konnte, wäre das Zentrum katholischer als der Pap st und der Liberalismus schlimmer als der Teufel. Ein neuer Kulturkampf wurde an die Wand gemalt, die heiligsten Interessen des katholischen Volkes als gefährdet hingestellt. Es ist selbstverständlicb, daß der Klerus überall mit- helfen mußte. Tatsächlich hat er auch hier in Baden wieder die Hauptarbeit sür das Zentrum geleistet. Wie ein Geistlicher (Stadtpfarrer Wacker in Zähringen) an der Spitze unseres badischen Zentrums steht, so ist fast an jedem Orte der katholische Geistliche der geborene Parteiführer. Unser katholisches Volk würde sich baß wundern, wenn dem nicht so wäre, denn es steht nicht nur auf dem Boden der Osterdienstags- Konferenz, sondern rechts davon." Soweit der süddeutsche„angesehene und politisch tätige" katholische Geistliche, der die Zentrumsagitation aus eigener Er- fahrung kennt. Er hält eS für selbstverständlich, daß der Klerus die Wahlarbeit besorgt und der katholische Geistliche als geborener Parteiführer auftritt. Seine weitere Polemik gegen die Kölner- Richtung können wir uns schenken; uns lag nur daran, die ös- fentliche Bestätigung der Doppelzüngigkeit des Zentrums durch die eigenen Ausführungen eines k a t h o- lischen geistlichen Agitators zu unterstreichen und fest- zuhalten, wie ein Geistlicher und mit ihm eine streng latholische, papsttreue Korrespondenz die Aufgaben katholischer Geistlicher präzisiert. Itichwahl-Abkommen in Baden. Das sozialdemokratische Zentralwalzlkomitee in Baden hat in Ausführung des vom Freiburger Parteitage gefaßten Beschlusses mit den Vertretern der Zkationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei folgendes Abkommen getroffen: Tie Nationalliberalen und Fortschrittler haben in folgen- den Kreisen ihre eigenen Kandidaten zurückzuziehen und für diejenigen der Sozialdemokratie zu stimmen: Lorrach-stadt, Freibnrg II, Bruchsal-Durlach, Schtvetzingen, Mannheim- Schwetzingen. In folgenden Kreisen werden die sozialdemokratischen Kandidaten zurückgezogen und die sozialdemo- kratischen Wähler stinunen für die Kandidaten der liberalen Parteien: Konstanz-Stadt für die Fortschrittliche Volks- Partei, Tonaueschingen-Engen, Schopfheim-Schönau. Frei- bürg III,. Freiburg-Enunendingen für die Nationalliberalen, Triberg-Wolfach für die Fortschrittliche Volkspartei. Baden- Stadt, Bretten-Bruchsal und Sinsheim für die National- liberalen. Außerdem werden in folgenden Kreisen die sozial- demokratischen Kandidaten zurückgezogen: Lahr-Stadt, Karls- ruhe IV, Mannheim III, Heidelberg-Stadt.— In Karlsruhe- Land und Mannheim-Weinheim wird der Wahlkampf aus- gefachten. Der Aufruf des Zentralkomitees schließt:„Parteigenossen! Die politische Zukunft unseres Landes und die Ehre unserer Partei stehen auf dem Spiel. Zeigt den über- mütig gewordenen Gegnern, daß sie zu früh gejubelt haben. Von Eurer bewährten Disziplin und Eurer politischen Reife erwarten wir. daß in allen Wahlkreisen das Abkommen treu und gewissenhaft durchgeführt wird. Nur wenn jedermann seine Pflicht tut, wird es gelingen, der konservativ-klerikalen Reaktion in letzter Stunde ein Halt zn gebieten. An die Arbeit!"_ Aus dem bayerischen Landtage. In der Abgeordnetenkammer wurde am Sonnabend die Debatte über den bauernbündlerischen Antrag auf Rückerstattung der zu Un- recht erhobenen Stempelsteuern beendigt. Der Finanzminister er- suchte, den Antrag als überflüssig abzulehnen, worauf da? Haus den Antrag einstimmig annahm. Dann wurde eine liberale Interpellation verhandelt, die ein Einschreiten gegen den den Weinbau und Weinhandel schädigenden Malzwein fordert. Der Minister v. Soden antwortete, datz mit der Reichsregierung Verhandlungen über diese Angelegenheit schwebten. Es würde zunächst geprüft, ob innerhalb des bestehenden Gesetzes Matznahmen gegen diese Konkurrenz möglich seien. Am nächsten Dienstag steht die Interpellation über die Gründung der Staatszeitung auf die Tagesordnung. Die bayerische Königsfrage. Schon in den nächsten Tagen wird eine Vorlage der Regierung au den Landtag erwartet, durch welche die verfassungsmätzige Mög- lichkeit geschaffen werden soll, den König Otto abzusetzen und den Prinzregenten Ludwig als König einzusetzen. Man verhandelt jedoch noch mit den am Montag zusammentretenden Reichsräten, die im Dezember vorigen Jahres fast einstimmig sich gegen die Königs- macherei erklärt hatten. Man hofft, diesmal die immer noch vor- handenen Widerstände in der Ersten Kammer zu überwinden, und wird dann, falls das gelingt, unverzüglich die Königsmache und die Erhöhung der Zivilliste betreiben. Wieder ein Spionageprozeft. In dem Spionageprozeh gegen die Gebrüder Paul und Karl Biesalski wurde(Freitagabend) in der neunten Stunde das Urteil gefällt. Wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse und schweren Diebstahls wurde der ältere der beiden Angeklagten, der 34 Jahre alte Schneider und Bureaugehilfe Paul Biesalski aus Sablon, zu 2 Jahren Zuchthaus, d Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Drei Monate der Untersuchungs- hast wurden in Anrechnung gebracht. Der jüngere Bruder, der 18 Jahre alte, bereits vorbestrafte Schlosser Karl Biesalski aus Longwh, wurde wegen Beihilfe zum Verrat militärischer Geheim- nisse und schweren Einbruchsdiebstahls unter Anrechnung einer früheren 18monatigen Gefängnisstrafe zu insgesamt 3 Jahren Gefängnis verurteilt, wobei ein Monat der Untersuchungshaft angerechnet wurde. Mildernde Umstände wurden beiden versagt. Aus der Verhandlung ging hervor, datz Paul Biesalski mit einem französischen Spion nach Metz gefahren war, dort gemeinsam mit seinem Bruder einen Einbruchsdiebstahl in das Militärbauamt verübt und dabei verschiedene Karten und Pläne entwendet hatte. Diese Pläne übergaben sie dem Spion, der sie nach Frankreich brachte. Die gestohlenen Pläne und Karten waren aber in Wirk- lichkeit keine geheimzuhaltenden Gegenstände, weshalb die Anklage nur auf versuchten Verrat militärischer Geheimnisse lautete. Ein Ehrengerichtsverfahren. Gegen den Rechtsanwalt Dr. Levh in Essen ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft von der Anwaltskammer in Hamm beschlossen worden, das Ehrengerichtsverfahren gegen ihn einzuleiten. Levh hatte in einer Versammlung am 31. März 1912, die vom Essener Gewerkschaftskartell einberufen worden war, um zu der Streikjustiz Stellung zu nehmen, in der Diskussion das Wort ergriffen. Er hatte dabei seine Ueberzeugung dahin ausgesprochen, daß den Richtern zur Beurteilung der Sachen die nötige Objektivität mangele. Wegen des Berichts über diese Versammlung ist bereilS in diesem Frühjahr vor der Essener Strafkammer gegen den verantwortlichen Redakteur der Essener„Arbeiter-Zeitung"" und de«.Allgemeinen Beobachter" in Essen und gegen Dr. Levh wegen Beleidigung der Essener Richter verhandelt worden. Es kam damals zu einer Verurteilung der An- geklagten. Damit nicht genug, hat nun die Staatsanwallschaft auch noch das Ehrengerichtsoerfahren gegen Levh beantragt und die An- waltSkammer hat diesem Antrage entsprochen. Die Räimiiiiig Albaniens. Belgrad, 25. Oktober. Wie amtlich gemeldet wird, haben heute mittag die letzten serbischen Truppen das Territorium des autonomen Albaniens verlassen. Oeftermcb-aiigani. Der Spielbank-Skandal. Budapest, 25. Oktober. Abgeordnetenhaus. Der Abgeordnete Koskhal brachte vor dem Eintritt in die Tagesordnung die Kon- zession der Spielbank auf der Margareteninsel zur Sprache. Ministerpräsident Graf Tisza erklärte) als er einige Wochen vor der Ernennung zum Ministerpräsidenten von der An- gclcgenheit Kenntnis erlangte, habe er den damaligen Minister- Präsident L u k a c s sofort von feinem gegenteiligen Standpunkte unterrichtet und seine Bedenken gegen die Spielbank ausgesprochen. Erst bei der Uebernahme der Geschäfte habe er erfahren, datz die Konzessionäre 1400000 Kronen für Parteizlvccke ge- zahlt hätten. Er habe dem zurücktretenden Ministerpräsidenten erklärt, datz er die Konzession nicht ausfolgen könne und sich gegen- über den Konzessionären zu nichts verpflichtet fühle, als den Be- trag für Parteizwecke zurückzuerstatten. Eine identische Erklärung sei dem Minister des Innern und den Direktoren der Spielgesell- schaft gegenüber abgegeben worden. Er selbst habe abgelehnt, mit diesen zu verhandeln, weil er irgendwelche Entschädigungen, ins- besondere wenn dabei mit Skandalen gedroht würde, nicht ancr- kennen wollte. Der Ministerpräsident drückte sein Bedauern dar- über aus, daß die Opposition, die sich bei der Verhandlung der wichtigsten Gesetzentwürfe zurückgehalten habe, gerade diesen vcr- hältnismätzig geringfügigen Anlatz ergreifen wolle, um wieder an den Sitzungen teilzunehmen. franftrdeb. Ein Riesrndefizit. Paris, 2o. Oktober. Einer offiziellen Meldung zufolge legte Finanzminister Dumont gestern dem Ministerrat dar, datz der Fehlbetrag im Budget des kommenden JahreS sich auf 8S0 Million:n beziffern lasse. Zur Deckung dieses Fehl- betrages wird eine Reihe neuer Steuern eingeführt werden. Unter anderen soll die gegenwärtig vor dem Senat schwebende Einkommensteuer ein Mehrerträgnis von 100 Millionen liefern. Weiter sollen 100 Millionen ans der geplanten Kapital- st euer und 100 Millionen aus einer Steuer auf ausländische Wertpapiere erzielt werden. Verursacht ist das Defizit natürlich vor allem durch die mili- taristischen Ausgaben. Die Mehrausgaben für das Kriegs- Ministerium betragen 475 Millionen, von denen 208 Millionen für Marokko, 170 Millionen für Ausgaben infolge des Dreijahres- gesetzes und 33 Millionen für Erhöhung der Löhnung berechnet werden. Die Mehrausgaben für die Marine werden sich auf 48 Millionen belaufen. Marine und Kirche. Paris, 26. Oktober. Mari?Ieminister Band in richtete an den Seepräfekten von Brest einen Erlatz, in dem er daran erinnert, daß entsprechend dem Trennungsgesetz von 1905 an Bord der Kriegsschiffe keinerlei religiöse Veranstaltung gestattet sei, und daß demzufolge die auf dem als Marineschulschiff dienenden Kreuzer„Duguah Trouin" abgehaltenen sonntäg- lichen Gottesdienste wegzufallen haben. Die frühere Verfügung des Marincministers über die Teilnahme der fran- zösischen Kriegsschiffe an i.en Karfreitagfeierlichkeiten in fremden Häfen werde von diesem Erlatz nicht berührt. Spanien. Eiu Mißtrauensvotum gegen die liberale Regierung. Madrid, 25. Oktober. Der Senat hat eine Tagesordnung. in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, mit 106 gegen 101 Stimmen abgelehnt. Demission des Kabinetts Romanones. Madrid, 25. Oktober. Das Kabinett Romanones hat dem König seine Demission eingereicht. Mexiko. Die Wirren in Mexiko. New Jork, 25. Oktober. Wie das Reutersche Bureau aus Veracruz erfährt, verhaftete die mexikanische Polizei auf dem amerikanischen Dampfer„Morro Castle" vierMitglicderdes Bundesparlaments, darunter den Kongretzabgeordncten Prida, die sich auf dem Dampfer nach Havanna eingeschifft hatten. Die mexikanischen Behörden, welche die Abfahrt des Dampfers verhindert hatten, haben auf den Protest des amerikanischen Kon- suis angeordnet, datz das Schiff formell für Havanna und New Jork zu deklarieren habe. An Bord befand sich auch die Gattin de« amerikanischen Sondergesandten Li n d. Es wird erklärt, die mexi- kanischen Behörden hätten den Dampfer anfänglich nur zurückge- halten, um die Verhaftungen vorzunehmen. Prida erhob beim amerikanischen Konsul Beschwerde über den Kapitän des Dampfers, weil er der Polizei erlaubt habe, die Abgeordneten ohne einen Haftbefehl festzunehmen. Nach einem Telegramm aus Mexiko ist das dortige Kriegs- Ministerium benachrichtigt worden, datz die Aufständischen bei Montereh geschlagen worden sind. Sie sollen 8 0 0 Tote gehabt haben. Furcht vor Unruhen bei der Präsidentenwahl. New Aork, 25. Oktober. Die„Associated Preß" meldet aus Mexiko City: General Serbin, der frühere Stabschef des Generals Mondragon, ist unter der Beschuldigung der Teilnahme an einer Verschwörung, die Ruhestörungen bei den morgigen Wahlen bezweckte, verhaftet worden. Obwohl dies ein An- zeichen einer möglichen Ruhestörung sein konnte, wird eine solche nicht erwartet, jedoch werden Truppen in Bereitschaft ge- halten. Die Polizei ist indessen angewiesen, nichts zu unter- nehmen, was das Wahlrecht der Bürger beeinträchtigen könnte. In Saltillo ist Manuel M a d c r o, ein Vetter des ehemaligen Prä- sidcnten Madero, wegen angeblicher Beteiligung an einer Vcr- schwörung verhaftet worden. )Zllg der Partei. Totenliste der Partei. In Solingen starb an einem Krebsleiden Genosse Peter Inge. Seit den achtziger Jahren ist der Verstorbene in So- lingen für die Partei tätig gewesen. Viele Jahre hat er die ört- lichc Partei- und zum Teil auch die Gewerkschaftsleitung in Händen gehabt, auch war er lange Vorsitzender der Pretzkommission. Von Beruf Metallarbeiter trat er in den letzten Jahren in die Expe- dition unseres Solinger Parteiblattes ein. Die Partei wird sein Andenken in Ehren halten._ Der Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie. In Ergänzung unseres Berichts wird uns aus Budapest geschrieben: Der diesjährig? Parteitag war ein Parteitag der Kritik und teilweise des Mißmutes: die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und die Unzufriedenheit mit dem Ausgange des Wähl- rechtskampfes haben eine Stimmung erzeugt, die sich in erregten Auseinandersetzungen und in einer gewissen Nervosität Luft machte. Im Mittelpunkte des Interesses stand die politische De- b a t t e: die Frage der Abrüstung des für den 4. März geplanten Massenstreiks und die Frage des Verhältnisses zu den oppo- sitionellen Parteien. Das Vorgehen der Parteileitung in der Masscnstreikfrage fand die Billigung des ganzen Kongresses? nie- mand vertrat die Ansicht, datz angesichts der provokatorischen Hal- tung der Regierung und der nicht genügend energischen Haltung der oppositionellen Parteien das Abrüsten des Streiks ein poli- tischer Fehler war. Es wurde nur die Art und Weise, wie das ge- schah, bemängelt: die Parteileitung hätte ihren Beschlutz wenig- itenS der Vertrauensmännerkonferenz von Budapest ftiiher vor- legen sollen. Die Kooperation mit den oppositionellen Pai� t c i c n wurde aus zwei Gesichtspunkten einer scharfen Kritik unter- zogen: es wurde die Frage erörtert, ob diese KamPscSart der Sache des Wahlrechtes genützt hat und ob es das sozialistische Bewußtsein und den Klassenkampfstandpuukt der Massen nicht schwächt und abstuinpft. Das Endergebnis dieser Erörterungen Isar, datz der Kongretz die von der Parteileitung vorgeschlagene Resolution, die das Zusammenwirken mit den der Regierung Tisza und ihrer Wahlrcchtspolitik feindlich gegenüberstehenden oppositionellen Par- teicn auch weiter aufrechterhält, einstimmig annahin; zugleich aber betonte der Kongreß in einer vom Genossen Dr. Landler ein- gebrachten Resolution die Notivendigkeit, datz neben der mit der Opposition gemeinsamen Agitation der gesonderte Stand- Punkt der sozialdemokratischen Partei stärker hervorgehoben werde, datz die Agitation für sozialpolitische Forderungen der Arbeiterschaft und für das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Wahlrecht aller Männer und Frauen ohne Unter- laß fortgesetzt werde. Aus dieser Debatte sei noch folgendes nach- getragen: Das Mitglied der Parteileitung, Genosse Ernst G a r a m i, führte als Referent ans, der Weg zn einer dcmo- kratischen Wahlreform sei durch die jetzige Regierung und ihre Partei verlegt, und zum Freimachen dieses Weges, zum Weg- räumen der Hindernisse sei die sozialdemokratische Partei allein zu schwach. Aus diesem Grunde müsse sie den Kampf wie bisher mit der Opposition gemeinsam weiterführen. Wisse jemand eine andere Taktik vorzuschlagen, die den Feind nicht stärke und die Frage des Wahlrechtes vorwärtstreibe: wohlan, er und die Parteileitung würden sie gerne annehmen, denn niemand sei in die jetzige Taktik verliebt. Garami ließ dann die Einwendungen, die gegen die Ko- operation hervorgebracht werden, Revue passieren und schlug zum Ende eine Resolution vor, welche in wesentlichem die bisherige Taktik der Partei im Wahlrechtskampfe: die.Kooperation mit allen regierungsfeindlichen Parteien, die den oppositionellen Wahlrechts- entwurf als ein Minimum der demokratischen Forderungen an- nehmen, weiter aufreckt erhält. In der Debatte wurde die bürger- liche Opposition und die gemeinsame Taktik sehr scharf an» gegriffen. Rothen st ein, Redakteur des deutschen Fach- blattes der Buchdrucker. Hütt die Opposition für unvcrlätzlich, meint, datz durch das Fernbleiben von den Verhandlungen des Reichstages, durch die Abstinenzpolitik nicht die Regierung, sondern die Opposi- tion geschwächt wird und der gemeinsame Kampf weder förderlich, noch notwendig sei. Nähme es die Opposition mit ihrer Wähl- rechtsfreundlichkeit ernst. Srnm müsse sie an ihrem Programm ohne unsere Unterstützung festhalten: nähme sie es nicht ernst, dann werde sie, einmal zur Macht gelangt, trotz dieser Unterstützung das demokratische Wahlrecht verraten. In diesem Sinne sprachen noch mehrere Redner und gaben der Befürchtung Ausdruck, daß das gemeinsame Auftreten der Sozialdemokraten mit feudalen Herren in den Volksversammlungen das Klassenbewußtsein der Arbeiter trüben könnte. In seinem Schlußwort suchte'Genosse Garami diese Befürchtungen zu entkräften und wies nach, datz nicht die Sozial- demokraten für die Forderungen der bürgerlichen Parteien, sondern diese für das demokratische Wahlrecht in den gemeinsamen Ver- sammlungen eintreten. Die Richtigkeit der bisherigen Taktik er- helle auch daraus, datz keiner der Kritiker eine andere Taktik cmp- fehlen konnte. Die Befürchtungen, das Klassenbewußtsein der Ar- heiter könnte vertoirrt werden, halte er für übertrieben, und dem könnte mit einer intensiv betriebenen Bildungsarbeit, mit einer die sozialpolitischen Ford erringen der Arbeiterschaft und die Endziele des Sozialismus betonenden Propa» ganda entgegengearbeitet werden. Im Namen der Parteileitung erklärte er die von Genossen Dr. La n d l e r eingebrachte Reso- lution der Radikalen anzunehmen. Diese besagt, daß der Kongreß im Kampfe gegen die Regierung die schärfsten und rücksichtslosesten Waffen für angebracht und berechtigt hält und obwohl das Per- hältnis zu den oppositionellen Parteien weiter aufrechterhalten werden soll, behält sich jedoch der Kongreß seine Aktions» freiheit vor und läßt sich durch keinerlei bürgerliche Auffassungen ihrer Verbündeten beeinflussen._ Gegen die Genossin Rosa Luxemburg hat die Staatsanwalt- schaft Frankfurt a. M. ein Strafverfahren eingeleitet. In einer Aeußerung der Genossin Luxemburg im Laufe einer Ver. sammlungsrede in Bockenheim glaubte der Staatsanwalt eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze erblicken zu können. Ob er damit Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Letzte Naebriebten. Erneute bulgarisch-serbische Konflikte. Sofia, 25. Oktober.(W. T. B.) Der Präfekt von Strunitza meldete telegraphisch, datz die Serben aus einem Teil der Bevölke- rung Altserbiens Banden gebildet haben, die die bulgarische Bevölkerung in dem Grenzgebiet auf dem Südwestabhang des Belasnitzagebirges bedrängen, insbesondere die Dörfer Valandvwv, Pirava, Braikowitzi und Balintzi. Die Serben haben Artillerie aufgefahren. Asquith über Homerulc. London, 25. Oktober.(W. T. B.) In Ladhbank(Grafschaft Fife) hielt heute nachmittag der Premierminister Asquith eine Rede, die im wesentlichen die irische Frage zum Gegenstand hatte. Er führte ungefähr aus: Lloyd George habe unter herz- lichem Beifall seiner Kollegen die Grundlagen der Landesreform skizziert. Vorher müßten jedoch ausständige Fragen erledigt wer» den, vor allem die Homerulefrage. Asquith erklärte, in der nächsten Session die Parlamentsakte auf die Homerulebill anwenden zu wollen. Die Regierung werde sich durch die Androhung gewaltsamen Widerstandes nicht beeinflussen lassen. Wenn das Gesetz, nach- dem es Rechtskraft erlangt habe, organisiertem, bewaffnetem Widerstand begegnen sollte, so werde es die Pflicht der Exekutive sein, durch alle notwendigen entsprechenden Matzregeln dem Gesetz Achtung zu verschaffen, aber die eingewurzelten auf- richtigen Ueberzeugungen der Ulstcrleute müßten berücksichtigt werden. Die beste Lösung der Frage wäre eine Erledigung in gegenseitiger II eberein st im mung, eine förmliche Konferenz halte er für unzweckmäßig, aber wenn eine allgemeine Neigung für einen Meinungsaustausch vorhanden wäre, so wäre die Regierung durchaus zur Teilnahme bereit, unter der Voraus- fetzung, datz in Dublin ein irisches Parlament und eine Exekutive geschaffen und kein dauerndes unüberwindliches Hindernis fiir die Einheit Irlands errichtet würde. Ilebcrtriebene Gerüchte über Kinderlähmungen. Hannover,� 25. Oktober.(W. T. B.) In den letzten Tagen waren in der Stadt Hannover wilde Gerüchte über ein epidemisches Auftreten der spinalen Kinderlähmung, die zum Teil auch Auf- nähme in der Presse gefunden haben, im Umlauf. Hierzu erhält der„Hannoversche Courier" von autoritativer Seite folgende Mit- teilung: Auf Grund der im September angeordneten Anzeigepflicht für diese Krankheit sind seit dem August d. I. bis zum letzten Freitag in der Stadt Hannover 25 Fälle, in den benachbarten länd- lichen Kreisen und der«tadt Linden 12 Fälle, im ganzen also 37 Fälle zur Anmeldung gelangt. So berechtigt es auch ist, einer derartigen Krankheit volle Aufmerksamkeit zuzuwenden, so sind andererseits die in der Stadt umlaufenden Gerüchte von an- geblich 200 Krankheitsfällen völlig unzutreffend. Todesfälle insbesondere find bis jetzt nicht vorgekommen. i © 1 © © © © © © © © © © 1 I© i © © ©. ©! 1 © © © © © i © © i ©f © © © © i © © i © © © © © © i © i © © © © © © © © © © © © © © © © © © I Friedrich- Str. 110/112 (PASSAGEKAUFHAUS) WWERTHEIM Potsdamer Straße 10/13 Leipziger Straße 75/76 □□□□□□□□cajnnmnnnnrTTnnnnnnnnnnnnmrvrirTTTirvTrTTTTnnrrrrrrTTrTTrinnririnrTi it n* KT'iiTrvTTTTTH-innnnnnnnnnnf-nnn □aao In dieser Woche Blusen Damen■ Kleidung In dieser Woche 172 aus einfarbigen oder gemusterten Stoffen, verschiedene moderne Ausführungen Kostüme moderne Fassons,]a. 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Eine der am meisten gebrauchten Behauptungen in der christlichen Gewerkschastsagitation ist die, daß dort, wo die christlichen Gewerkschaften dominieren, die Löhne durchgängig höher seien als dort, Ivo die freien Verbände ihre Kerntruppen haben. Ganz besonders wird diese Agitationsphrase vom christlichen Tertilarbeiterverband gebraucht. Herr Schiffer sowohl wie die hunderte kleinen und kleinsten Agitatoren tragen alljährlich tausendmal diese Behauptung in den Ver- sammlungen vor, und alle ihre Zeitungen wiederholen sie von Zeit zu Zeit. Aber verlogen wie die christliche Agitation ist auch die Behauptung von den hohen Löhnen in den christ- lichen Domänen. Es soll das bewiesen werden in der Dar- legung der Lohnverhältnisse der Tertilindustric. Die christ- lichen Agitatoren stützen sich bei ihren Behauptungen auf die Ergebnisse der Rechnungsübcrsichten in den Berufsgenosscn- schaften der Textilindustrie. Nun sind die Löhne nach diesen Angaben allerdings in den verschiedenen Distrikten des Reiches sehr unterschiedlich. Tie rheinisch-westfälische Tertil- berufsgenossenschaft verzeichnete im Jahre 1911 einen Ver- dienst von 927 M. Pro Kopf. Damit stand sie an der Spitze aller Textilberufsgenossenschaften. Nach ihr folgte die nord- deutsche Textilberufsgenossenschaft mit 863 M., die sächsische mit 791 M., die elsässische niit 778 M., die süddeutsche mit 714 M. und die schlesische mit 627 M. In Rheinland-Westsalen dominiert der christliche Tertil- arbeitcrverband; es könnte demnach scheinen, als ob tatsächlich in den christlichen Domänen die Löhne durchweg alle übrigen im Reich überragen. Tab das nicht der Fall ist, wird sofort klar, wenn man die Löhne der rheinisch-westfälischen Tertil- berufSgenossenschaft getrennt nach Sektionen betrachtet. Da- nach betragen pro Kopf die Löhne in der rheinisch-westfäli- schen Textilindustrie: in Sektion Barmen 1161,16 M., Elber- seid 1616, ä6 M., M.-Gladbach 897,26 M.. Düsseldorf 884,36 At., Lennep 864,46 M., Aachen 866.96 M.. Münster 836.66 M. Hier zeigt sich, daß die beiden Hochburgen der Zentrums- gcwerkschaften, Aachen und das Münsierland, weit hinter den von den freien Gewerkschaften beherrschten Barmen, Elber- seid, Düsseldorf usw. stehen: sie rangieren an letzter Stelle. Tie Löhne in Aachen und Münster, diese beiden christlichen Domänen, stehen aber auch nur wenig über den Löhnen in Sachsen. Wenn die Möglichkeit vorhanden wäre, die schlecht- entlohnte sächsische Oberlausitz von dem übrigen Sachsen zu trennen, würde dieser Vorsprung sofort verschwinden. Bei Betrachtung der Arbcitcrlöhne in den verschiedenen Distrikten ist jedoch die geschichtliche Entivickclung derselben mit zu berücksichtigen. Tie linksrheinische Entwickelung der Textilindustrie wurde außerordentlich befruchtet durch djc Einverleibung in die französische Republik im letzten Jahr- zehnt des 18. Jahrhunderts. Die Nachfrage nach Arbeitern daselbst und damit der Lohn stieg. Umgekehrt wurde die Entwickelung des übrigen Deutschlands gehemmt durch die Aufrichtung hoher Zollmauern um Frankreich und zum Teil durch die Kontinentalsperre. Noch besser wird der Rückstand der christlichen Domänen gekennzeichnet, wenn man die prozentuale Steigerung der Löhne ins Auge faßt. Prozentual sind die Löhne nach den Ergebnissen der Textilberufsgenossenschaften gestiegen seit dem Jahre 1888 in: Sachsen..... von B15 M. auf 701 Dt.— 53 Proz. Norddeutschland... 54g M.„ 888 M.— 58 Pro�. Schlesien..... 415 M.„ 637 M.— 50 Proz. Rheinland-Westsalen.. 648 M.„ 027 Di.--- 43 Proz. Im Elsaß und in Süddeutschland stiegen die Löhne nur um 32 resp. 29 Proz. Das Rheinland steht also in der Steige- rung zurück hinter Sachsen und Norddeutschland. Aus alledem ist ersichtlich, daß die katholischen Arbeiter alle Ursache haben, zu prüfen, ob die christlickien GeWerk- schaften den materiellen Aufstieg nicht cber hindern als fördern. Berlin und Qmgegcnd. Protest des städtische» Jrrcnpflegcpersonals. lieber Nichtachtung ihrer Arbeiterausschüsse durch den Ma- gistrat beklagte sich eine am Freitag abgehaltene, vom Gemeinde- arbeitervcrbano einberufene Versammlung der städtischen Jrren- wärter. Der Referent Zabel führte auZ: Am 7. Juni ist dem Magistrat ein Antrag eingereicht worden, der um Einberufung einer Sitzung aller Anstaltsausschüsse ersucht. Gegenstand der Be- sprcchung sollten einige Forderungen des Personals sein, die sich aus anderweite Regelung verschiedener Arbeitsbedingungen er- strecken. Tie Forderungen sind durchaus nicht weitgehend. Unter anderem wird auch besseres Essen gefordert. Dieser Punkt allein ■— sagte der Referent, hätte den Magistrat schon veranlassen müsse», unverzüglich die Klagen und Beschwerden des Personals zu hören und zu prüfe». Aber es verging Woche um Woche, ol?iie daß die Antragsteller überhaupt Antwort bekamen. Am 26. Juli erin- nerten die Antragsteller wieder an ihre Eingabe. Tarauf be- kamen sie am 8. August die Antwort, über die Einberufung der beantragten Ausschußsitzung werde Bestimmung getroffen werden, sobald die Acußcrungen der Anstalten vorläge». Also der Ma- gistrat hielt es für notwendig, ehe das Personal sich aussprechen konnte, die Anstaltsverwaltungen zu höre». Wieder verging lange Zeit, ohne daß man von einer Ausschußsitzung etwas hörte. Erst jetzt, nachdem die Veranstaltung oer gegenwärtigen Versammlung bereits bekannt geworden war, also 20 Wochen»ach Stellung des Antrages, ist den Antragstellern der Bescheid zugegangen, daß die Sitzung am 27. d. M. abgehalten' werden soll.— Der Referent erwähnte noch mehrere andere Fälle, Ivo die Einberufung von Ausschußsitzungen einzelner Anstalten ebenso weit hinausgezogen worden ist- Auf eine Beschwerde des Personals der Anstalt Tall- dorr, die sich gegen schlechte Behandlung durch den Obermaschinen- nieister richtete, sei eine Antwort erteilt worden, worin gesagt werde, die Leute, welche ihre Pflicht erfüllen, nüchtern sind und sich nichts zuschulden kommen lassen, beklage» sich nicht pibcr den Obermaschinenmeister. Damit seien also di? Beschwerdeführer als Trunkenbolde und Pslichlvergcssene bezeichnet. Gegen eine derartige Erledigung berechtigter Beschwerde», sowie gegen die Nichtachtung der Arbeiterausschüsse muffe cutschieden protestiert werden.— Es sei zu bedauern, daß der als Arbeitervcrtreter gewählte Stadtvcroronelc. welcher der zuständigen Verwaltungs- dcputation angehört, nicht gegen eine solche Verletzung der Ar- beitcrintercssen eintrete. Der betreffende Stadtverordnete sei zu der heutigen Versammlung eingeladen aber nicht erschienen. In der Diskussion brachte ein Redner lebhafte Klagen vor über schlechtes Essen in der Anstalt Hcrzbcrgc. Auch ein Redner aus der Anstalt Wuhlgarten klagte über ähnliche Mißstände. Tie Versammlung enoetc mit der einstimmigen Annahme der nachstehende» Resolution: Tic zahlreich veesam»leiten Angestellten und Arbeiter der städtische« Irrenanstalten erklären sich mit den Ausführungen des Referenten in allen Punkten einverstanden. Tie Verfam- mclte» erheben energisch dagegen Protest, daß dem Antrage der ArbeiteranSschüffe aus Einberufung einer gemeinsamen Sitzung, trog erfolgter Erinnerung, von der Deputation erst nach 20 Wochen Rechnung getragen wurde. Durch diese Ver- schleppungstattit werden die vom Personal gestellten ivicktigen Anträge aus Abstellung bestehender Mißstände oder Aciiderungen im Arbeitsverhältnis usw. gegenstandslos und der Wert scZ. Arbeiterausschusses sinkt in ein Nichts zusammen. Tic Versammelten ersuchen den Magistrat, der Deputation für sie städtische Jrrenpslege dahin Anweisung zu geben, daß in Zukunft die beantragten Sitzungen in einer angemessenen Frist, d. b. iirnerhalb 14 Tagen nach drfolgtem Antrage, statt- finden»tiissen. Die Ortsoeilvaüung Berlin des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter lvird beauftragt, diese Resolution dem Ma- gistrat unverzüglich zu übermitteln. Tie Maschinisten»nd Heizer der Berliner EiektrizitäkS- werke nahmen anl Freitag Stellung zu einer Reihe von Anträgen, die der ArbeiternnSschuß aller Zentralen und Unterstationeu der Dircklion der genannlen Werke nnierbreilen soll. S ch l i ch t i n g rescricrtc. Es wird unter anderem gefordeick: eine Erweiterung deS Urlaubs nach dcni sechsten Tienstjahre. Zahlung eines Zuschusses von 1,65 M. pro Tag an alle verheiralele» Arbeiter der B. E. W. während der Dauer einer militärischen Dienstzeit. Sonnabend? soll der Feier- abend i»n 46» Uhr für alle Arbeiter, die nicht in Wechselschichl, unter Fortzahlung des Lohnes eingeführt werden. In der Berechnung deS Stundenlohnes ist die dreijährige Skala wieder einzuführen. Ferner wird für einige Abteilungen verlangt, daß die Waschvorrichtnugen und die Badcränme vergrößert und die MannschaftSrännrc im Winter geheizt werden sollen. Die Beriaimillung billigte einstimmig die Nnterbreitung der Anträge an die Werksleiirmg. S chl ich tili g brachte inr Anschluß hieran noch eine Reihe von Mißständen aus den Werken vor. Besonders bezüglich der Kessel sollen Zustände Helschen, die aller Beschreibling spotten und die cS erforderten, daß einmal die Gewerbeinspektion sich dieser Angelegen- heil annähme. ES ist dies um so dringender notwendig, als es sich hierbei um ernste Dinge handclr, indem das Leben und die Gesund- hcit der betreffenden Arbeiter ans dem Spiele stehen. Zu Beginn der Versammlung hielt der BerhandSvorsitzende Scheffel einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:»Tie Machtcntfaltimg des Kapitals". Mastregeluttg bei der Tcutschen Bank. Am 9. Oktober beschloß eine von über 1406 Beamten der Deutschen Bank besuchte Versammlung die Entsendung einer drei- gliedrigen Kommission, die der Direktion eine von der Versammlung einstimmig gefaßte Resolution um Gewährung einer Teuerungszulage bezw. Gehaltszulage übermitleln sollte. Der Obmann der Koni- nitifion. Herr Baron, blieb auf seine Bitte um Bestimmung eines Termins zur Erledigung des ihm gewordenen Auftrages durch die Direktion acht Tage lang ohne jede Antwort. Am Bormittag des 17. Okiober bat er die Dircklion in einem zweiten Schreiben nochmals um Festsetzung eitle? Termin? zum Empfang der Kom- Mission. Am Nachmittage des gleichen TageS empfing er seine K ü ii d i g u n g!-- Einige Tage später wurde die Kommission nun doch empfangen. Die Forderungen der Beamten wurden abgelehnt. Die Annahme der Resolution verweigerte die Direktion mit dem Bemerken, sie sei es nichr gewohnt, mit ihren Beamten schriftlich zu verkehren. Nachdem Herr B a r o n am 23. Oktober nochmals ia der Angelegenheit vorstellig geworden tvar, erhielt er die schrifiliche Aufiordcrung, unverzüglich die Bank zu verlassen. Die Berliner Bankbeamten sind über das Vorgehen der Deutschen Bank uinsomchr entrüstet, als auch andere Banken Teuerungszulagen abgelehnt haben und dabei den Abordnungen der Beamten zum Teil in ungeziemender Weite entgegengetreten sind. In einer großen Kundgebung wollen die Berliner Bankbeamten zu diesen Vorgängen Stellung nehmen. Achtung, GastwirtSgchilfcn! Der Inhaber vom N o r d P a r k- Bierpalast, Müllerstraße 143a, Herr E. I a n i l e, lehnt es ah, mit der Organisation tarifliche Vereinbarungen zu treffen. Vor allein ivill er sein Personal der»Billigkeit halber" vom getvcrbs- mäßigen Stellenvermitiler beziehen. Die dort beschäftigten Verbands- Mitglieder haben die Arbeit niedergelegt. Der Betrieb ist für organisierte Gehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung I. Dctitrebes Reich« Auf Anraten des Herr» Pfarrers. Tie Pfarrer, die kaiholischen nämlich, nutzen ihr Amt nie zu politischen Zwecken ans. Wer daS Gegenteil behauptet, ist natürlich ein Verleumder. Bei noch stärkerer sitilicher Empörung heißt es gar, er sei ein sozialdemokratischer Gewerkschafter. Damit ist für manche Leute die tiefste Sprosse der Schlechtigkeit erreicht. Also es gibt leine ihr religiöses Amt für politische Ztveeke eimctzende Pfarrer. Selbstverständlich sind auch die christlichen Gewerlsckiaften nicht von den Geistlichen abhängig. Sic enlscheidcn frei, unbeeinflußt, selb- ständig. Aber gewiß! Nur erweist man sich gegenseitig„Liebesdienste", wobei der Pfarrer den Ton angibt. Nach dieser Nichtnng hat der Brauereiarbeiterverbaiid interessante Erfahrungen Kleines feuilleton. Gorkis Lcbcnsglaube. In der russischen schönen Literatur herrscht zurzeit eine gedrückte, pessimistische Stimmung vor. Die siegreiche Gegenrevolution lastet auf de» Gemütern, die nicht stark genug sind, über daS momentane Elend hinauszuschauen und zu glauben. Das trat recht in die Erslbeinung bei einer Umfrage über dip i» gewissen Kreisen grassierende Selbstmordepidemie. Im Gegensatz zu anderen Schriststellern hat sich aber Gorki zum Leben, zum glühende» Glauben an die Menschheit und ihre Zukunft bekamit. Er hat u. a. auf die Umirage geantwortet: „Die Anficbten Andrejews und ArzhbaschewS über den Selbst- mord machen einen deprimierenden Eindruck. Ich bin überzeugt, daß ich im Leben mehr Schmutz, Lüge und Abicheulicbkeileu sah, als Arzhbafchew und Andrejew zusammengenommen. Das ist keine Prahlerei, sondern ich weiß sicher, daß der Kreis meiner Beobachtungen viel größer ist, als der der Herren Pessimisten: dazu habe ich gar keinen Grund, mich als weniger gebildet als Andrejeio und Arzybaschew zu be- trachten. Auch weiß ich ganz gut, daß ich unbedingt sterben tverde, sobald ich meine Lebenskräfte verausgabt haben werde. Aber ich bin fest überzeugt, daß die Welt nach meinem Tode interessanter, schöner und reicher an Vernunft und Schaffenskraft werden wird, als sie es zu meinen Lebzeiten war. Mir ist t§ nicht bekannt, ob der Tod wirklich unabwendvar sei, den schöpferischen Kräften der Vernunft und des Willens sind meiner Ansicht nach keine Grenze» gesetzt. Ich kann nicht zugeben, daß in der Welt etwas Unerlenn- bares vorhanden iväre; ich kann bloß sagen, daß etwas durch die Vernunft Unerkennbares vorhanden sei. Für mich gibt es nur eine einzige unverrückbare Wahrheit. Die Menschheit ist eine unerschöpfliche Quelle des Schaffens. Und wenn sie im Vollbesitze der Erfahrungen der Vergangenheit und der Gegenwart aller Früchte ihrer geistigen Arbeit in der Welt gleich« mäßig verteilen und Bedingungen für die freie und allseilige Ent- Wickelung der Persönlichkeit schaffen wird, wird sie ungeahnte Freuden einpstnden und unseren Planeten mii noch nicht dagewesener Schön- Heit bedecke». Das Leben ivird niemals stehen bleiben und nicht ewig ist die Erninduna, die sich unterer bemächkigt hat. Man will daher trachten, daß die jungen Kräfte nicht vorzeuig ermüden. Hütet die Jugend, wenn ihr gesunde Menschen haben wollt,.stützet euch aus die Demokratie, wenn ihr fest aus den Füßen stehen wollt." Bürgerlicher Journalismus. In Rummer 42 des»Zeilmigs« Verlags" vom 17. Oktober findet sich folgendes Inserat: Heirat! Akad. geb. Redakteur ljnr.), tücht. Journ., erstklassige Kraft, in allen Gebieten deö ZeiinngSwesens dnrchaus beiv., auch Telephonsten. u. Maschinenschr., bisher an grüß. U. mitll. Blättern Süd« u. Mitteld., 2 Jahre in Tel. Korr.-Bur. iu Berlin u. Frkf. a. M. tätig, sol.. energ. Ehar., gemütv., Südd.. Mitte Dreißig., tath., ftattl. Ersch., a. gut. Familie, m. tadell..Bergangenh, best. Ug.-Form., einig. Taus. n. tlw. AuSst., w. iveg. Ableb. sei». Elt., m. kath.. häuSl. erzog, geb. verm. Verlegers- od. Redakt.-Tochtcr entspr. Alters v. ang. Aeuß.». Herz.-Güte, ziv. alsb. Heirat bei. z. wcrd., wo gleichz. Geleg. z. Betest, od. Eintr. in besteh., entspr., gut sit. Untern, gebot, tvird. Ernstgcm. Fr.-A»tr. m. Aug. deö Alters,»äh. Perh. n. Bild u. L. 060 an die Expedition d. Bl. Man kann es ja allenfalls verstehen, daß diesem„erstklassigen" Redakteur mit Charakter und Gemüt das„angenehme Aeaßece" imd die...Herzensgüte" seiner liinftigen Gattin wichtiger sind, als die politische Richtung der Zeitung, in die er„einheiraten" mochte: aber es gibt Leute, die der Ansicht sind, eine Zeitung hätte noch aridere Ausgaben als die, ihren Redakteuren zu passenden Gattinnen zu verhelfen. Freilich, in bürgerlichen Kreisen schwindet diese alt- modische Auffassung mehr und mehr. Da wird auch das ZeitungS- machen ja mehr und mehr daS, waS für so viele schon die Heirat ist— ein Geschäft. Strumpfliffcil. Von all den Narrheiten, die der Schlitzrock auf dem Gewissen hat, ist der Strumpfaffe zweifellos die tollste. Amerika, das Wunderland, hat ihn geboren. Aber selbst in den Straßen New-tstorkS, in denen die Narretei das ganze Jahr hindurch zu Hause ist, riß man Nase und Mund ans, als einige Modeschönen jüngst ans der fashionablen Broad Street ihre Strunipfassen zur Schau fiilirten, die munter und keck durch den Rockschlitz hervorlugten. Natürlich tvareu c? leine leibhastigeu Aeffchen, etwa von der Zucht der Taschen- äffchcn, die da mit verwegener Keckheit die Beine einer holden Schönen emporkrabbelten. sondern diese Aeffchen waren mir künstliche, in das spianwebfeine Geäder der Strumpfe cfligcwebte Affenbilder. Die Strümpfe waren schwarz, der Asse braun, sein Kopf lveiß. sein Schwanz rot, kurz, das Aeffchen bot im Verein mit seiner Umgebung ein prächtiges Farbenpotpourri. Diese Mode der Strumpsaffen ist nur ein Auswuchs der bis ins Extrem geführten Mode der ein- gewebten Tierbilder in Strümpfe. Wenn die smarten Töchter der Neuen Well auf diesem tollen Wege fortschreiten, ivird man wohl möglich die scklanken nnter ihncn mit Giraffen an den Beinen her- »rnlansen sehen, während die Dicken eiugeivebie Nilpferde in ihre» Strümpfen tragen. Tbeater. K a m m e r s P i e l e:„D e r� v e r l o r e n e S o h u*. Ein Legendenspiel von Wilhelm S ch m i d t b o n n. Man wurde die peinliche Frage nach dem Warum des Schmidtbonnschen Lcgendenspicls nicht los. Wenn ein Dramatiker nach alten be- kannten Stoffen greift, so versteht man da?, wenn er in diesem Rahmen ein wertvoll Neues im Ausdruck des Empfindens, in gc- stalteiider Charakteristik und Beleuchtung seelischer Zusammen- hänge geben zu können Hofft. Er mag im übrigen die. Umriß- linien der Fabel beibehalten oder ändern,«olch eine Dichtung war Schmidtboiins»Graf von Gleichen". Bei dem„Verlorenen Sohn" hingegen läßt sich von einem iiincreil Verhältnis zur biblischen Erzählung, einem Drange eigener schöpferischer Tätig- keit kaum ein Hauch verspüren. Was Schmidtbonn zum über- Uesertei, Stoffe hinzu erfindet, vertieft den Eindruck nicht, kommt über dekorativ-theaterinäßigen Aufputz kaum hinaus. Man sieht ja wohl die Absicht, ii» Einfachen und Elementarischen der Legendenart zu Pleihen. Aber diese Einfachheit, die Maeterlinck in seiner„Schwester Beatrice" so natürlich zu Gesicht steht, schlägt hier in Armut, in die Primitivitäten des Opernstiles um. Tic Leute sprechen nicht miteinander, sie tragen sich in Prosa Arien vor. Merktvnrdig ist auch, daß gar nicht einmal der Versuch gc- macht wird, durch irgendeinen Wesenszug de» Eharakter des Verlorenen unserer Sympathie zu nähern. Der tvilde Eigensinn und Trotz, ans den der Dichter ihn gestellt hat, stoßen, wenn nichts dahinter steht, nötwendig ab. Roch mehr, er steigert den Trotz zu einem solchen Grad sinnloser Prahlerei, daß die Gestalt dadurch auch allen Schein, der LebenStvahrheit und alles psychologische Interesse einbüßt. Wenn dieser Knabe vom Vater das Erbteil begehrt, um sich i» Jerusalem luftige Tage zu machen, dann tut er es mit einer Frechheit, die in oußerlcgendären Vcrhältniffen die Ersülluug des Wunsches von vornherein unmöglich machen würde. Brutal stößt er die Mutter, die auf den Knien bittet, sie nicht zu verlassen, fort. Der Vater stürzt sich ans ihn, ivill den Ungeratenen erwürgen. Der stärkeren Kraft des SöhncS gelingt es, ihn ab- guschütteln. Und siehe da— nach ein paar Augenblicken erscheint, bom Vater, dem sparsamen und arbeitsamen Gutsherrn gesandt, ein Bote, der das(iield dem Jüngling präsentiert. Ter zweite Akt des jungen Mannes Erlebnisse in der sündigen Hanptsiadt— ist ganz Schablone, so sehr, daß er bei einer Uebertragniig ans den tfilnt nichts zu verlieren hätte. Kuppleriii und Tänzerin, Freunde, die an des Sohnes Tafel zechen, Ebbe in der Kasse, Pumpwcigeruiig, zu guter Letzt Versuch, das Glück durch falsches Wechselspiel zu korrigieren, Enideckiuig und Hinauswurf, nachdem die kuppelnde Vermieterin ihm auch noch Rock und Schübe ausgezogen. Eine prograinmäßig-summa- rische Abwickelung von erstaunlicher Simplizität. Auch bei dem Schlußbild kam ich über die Empfindung de? Ueberflüssigen nicht hinweg. Die lange Szene mit dem selbstgerechten Bruder, der den krank Heimkehrenden, ehe die Eltern ihn gesehen, vom Hofe scheuchen möchte, und dann im Stall versteckt, wirkt, wie tzäS älidcre Drum n»o Dran, als bloßer Aufschub des bekannten Ausganges. Ter Sieche, hungernd neben den Schweinen hingesunken, wird auf den Hof getragen. Jammernd wirft sich die Mutter auf den entstellten Körper, den Vater, der mit ver- hülltem Angesicht daneben steht, um Barmherzigkeit anflehend. Da bringt die Kunde, daß der Sohn ehrlosen SPielbetrugS sich schuldig machte, einen Umschwung. Die Vaterliebe soll unerschöpf- licher als selbst die Mutterliebe sein! Denn die Mutter kehrt sich jetzt plötzlich vom Verlorenen ab. Ter Vater aber tritt zum Sohn. zieht ihn an seine Brust, bereit, der ganzen Welt zu trotzen. Sein starker Wille reißt die anderen, Mutter und Gestiidc, niit und triumphierend klingt's im Wechselgesana:„Er ist heimgekehrt." Nach dem Fallen de? Vorhanges setzte starker Applaus ei», eine Ehrung, die ivohl mehr dem Gesamtschafsen des Dichter?, als diesem seinem letzten Werke galt. Die von Reinhardt inszenierte Anfsührung fiel zeitweilig in einen überlauten, lärmenden Ton, •,.?iiiadf)t. Im Frühjahr 1912 beranlaßte der Ortspfarrer bo» Lurzach die in der dortigen Schlofsbrmierci beschäftigten Arbeiter der christlichen Organisation beizutreten. Bald nachher erschien der christliche Bezirksleiter, um mit der Brauereileitung einen Tarifvertrag abzuichliehen. Aber der Christenfiihrer blitzte ab.' Dann meldete sich �er Pfarrer und brachte eine» Tarisvertrag zustande, mit dem der internehmer außerordentlich zufrieden war. Die Arbeiter sahen darin allerdings auch einen Vorteil für— das Kapital. In der Ilm- ■ebung, der näheren und weiteren, beriefen sich die Unternehmer auf den Wurzacher Tarif, wenn der Brauereiarbeiterverbaud seine sordernngen�inreichte. Und, um es recht gut zu habe», schlössen die ilnternehmer, wenn es sich machen ließ, nnt den Christen den Mustervertrag. Und man« wollte sich Ruhe verschaffen: Ritglieder deS Brauereiarbeiter-Verbandes wurden gekündigt oder ihnen die Wahl gestellt, dem christlichen Vereinchen beizu- treten. Dem Vertreter des Brauereiarbeiterverbandes erklärte ein Unternehmer:„Auf Anraten des Pfarrers bin ich mit dem christ- i icheil Sekretär Aug. Kulm in Verbindung getreten, der mir einen rarif unterbreitete, den ich ohne weiteres unterschreiben konnte." Er brachte den Arbeitern eine Verlängerung der täglichen Arbeits- zeit um eine halbe Stunde und Verkürzung des Monatslohns um 6 bis 10 M.— Außerdem hatte sich der Christenführer verpflichtet, zu den geforderten Bedingungen Leute zur Verfügung zu pellen, wenn sich die bisher dort tätigen nicht fügen würden. schließlich nahm der Unternehmer ausgesprochene Kündigungen zu- rück. Es war ihm von„einflußreicher Seile" nahegelegt worden, nur christlich organisierte Arbeiter zu beschäftigen. Dann' sei er auch vor geschäftlichen Schädigungen geschützt... Trotz alledem: die Christen terrorisieren nicht, die Christen schädigen die Arbeiterinteressen nicht, und die Pfarrer kümmern sich nur um die Kanzel. In den Rheinischen GlaShiittcnwerkcn zu Köln-Ehrenfeld verlangte die Direktion, daß die Glasschleifer jeden Tag 45 Minuten länger arbeiten sollten. Dafür sollte nachmittags noch eine Pause von 1b Minuten eingelegt werde», so daß die Arbeitszeit um eine »alle Stunde verlängert wurde. Gegen diese Verlängerung haben die Glasarbeiter Stellung genommen und die Kündigung eingereicht. — Die eingeleiteten Verhandlungen haben zu keinem befriedigenden Resultat geführt, weil die Firma aus ihrem Standpunkt beharrte. Die Arbeiter haben deshalb am 23. Okiober die Arbeit eingestellt. ES werden alle Glasarbeiter ersucht, die Rheinischen Glashütten- werke in Köln-Ehrenfeld zu meiden. Die Firma dürfte sich vor- nehmlich nach Holland und Belgien um Streikbrecher wenden. Bluatanci. Streit der Seeleute. Rom, den 23. Oktober./z Uhr, wird es zn populären Preisen für die Jugend gespielt. — M u s i k ch r o n i k. Siegmund von Hausegger leitet auch diesen Winter wieder die sechs großen S i n f o n i e k o n z e rt e deS B I ü t h n e r- O r ch e st er s. Das erste findet Montag statt und bietet u. a. Schuberts hl-moll-Sinfouie und Beethovens Fünfte. — Der Berliner Tonkünstlerverein wird diesen Winter sechs Volkskammerkonzerte veranstalten. Das erste findet heute Sonntag, den 26. Oktober, nachmittags 4 Uhr, in der Sing- akademie iEintritt 75 Pf.) statt. — E i n Museum für o st a s i a t i s ch e Kunst, das erste seiner Art, das nur der Kunst gewidmet ist, wurde in Köln am Sonnabend eröffnet. Es wird von Professor Fischer geleilet, der seine während eines jahrelangen Anfenthaltes in Indien, China, Korea und Japan erworbenen Sammlungen der Stadt Köln über- wiesen hat. — Der Dragoner von Nordhausen. Nordhausen ist die Geburtsstadt einer FreibeitSheldin, die ähnlich wie ihre berühmt gewordenen Itameradinnen Eleonore Prochaska und Johanna Stegen mit dem Säbel 1813 mitgekämpft hat. Dorothea Pichelt ist der Name des Bürgermädchens, das die Tändelschürze mit der Dragoner- uniforni vertaiisÄte. Man hat an ihrem Geburtshaus jetzt eine Gedenktafel angebracht. — Die Leistungen einer Stenotypistin. Ein „Weltrekord" wurde bei einem internationalen Weltschreiben auf- gestellt, das in New Zork veranstaltet wurde. Miß Owen vermochte 60 Minuten lang eine Durchschnittsleistung von 125 Worten in der Minute zu erzielen. Ihre Gesamtleistung war also 7923 Worte. Dabei hatte sie 86 Schreibfehler gemacht, und für jeden Fehler wurden ihr 5 Worte abgezogen. sWie diese Hetzleistung auf die Nerven wirkte, war natürlich gleichgültig.) In seiner Rede hat nun Herr Kaufmaim Behauptungen auf- gestellt, die gewiß ihren Zweck, gegen die Buchdrucker Stimmung zu machen, nicht verfehlt haben, und die sicherlich zu diesem Zwecke auch in der Rundschau fett gedruckt wurden. Soweit der frühere Arbeiter- ausschuß von diesen Behauptungen betroffen wurde, wandten sich dessen Mitglieder, die noch dem Betriebe angehören, in folgender Berichiiginig dagegen: 1. Es ist unwahr, daß der Arbeiteransschnß sein Amt nieder- gelegt hat, wahr dagegen ist, daß die Mitglieder des Arbeiteraus- schusseS in ihrer Gesamtheit eine Wiederwahl ablehnten, nachdem ihre Amtsdaucr ordnungsgemäß abgelaufen war. 2. Es ist unwahr, daß von Mitgliedern des Arbeiterausschusses bei Ueberreichung der Lohn- und ArbeitSLedingungen snach der Tariferneuerung einen Tag vor ihrem Inkrafttreten. D. Red.) gesagt wurde:„Wir haben heute keine Zeit, wir haben etwas anderes zu tun!" Wahr dagegen ist, daß der Obmann des Arbeiteraus- schiiffcs dem Betriebsleiter erklärt hat: Der Arbeiterausschuß ist nicht imstande, eine zwölf Seiten lange Arbeitsordnung an einem Abend zn beraten, und ohne gründliche Prüfung könne er seine Unter- schrift nicht geben. Zudem hat der Betriebsleiter er- klärt, daß an den Lohn- und Arbeitsbedingungen n i ch t s m e h r zu ändern fei, e s könne sich nur um unwesentliche Dinge handeln. 3. Es ist unwahr, daß vom Personal und dem ArbeiterauSschuß fort und fort über den Tarif hinausgehende Forderungen gestellt wurden und daß der ArbeiterauSschuß derartige Forderungen an die Geschäflsleitung gerichtet hat. Wahr dagegen ist, daß der Arbeiter- auSschuß überhaupt keine Forderungen an die Geschäftsleitung gestellt hat. 4. ES ist unwahr, daß die Mitglieder des Arbeiterausschusses eine Wiederwahl ablehnten, weil sie vom Personal schlecht behandelt worden find; wahr ist, daß sie eine Wiederwahl ab- lehnten, weil sie die vollständige Bedeutungs- losigkeit des Arbeiterausschusses einsehen und weil ihnen von der Geschäflsleitung nur eine rein dekorative Stellung ohne jeden Einfluß auf das Arbeitsverhältnis eingeräumt wurde. 3. Es ist zum Schluß nicht wahr, daß der Arbeiterausschuß bei der Geschäftsleitung darüber lebhaft Klage führte, daß er vom Personal unwürdig behandelt worden ist. Das ist die Berichtigung, die unter Hinweis ans den§ Ii des Preßgesetzes eingereicht wurde. In jedem Arbeiterblatte wäre die Berichtigung selbstverständlich aufgenommen worden, gewiß sogar in jeder kapitalistischen Zeitung. Anders in dem sozialistischen Unter- nehmerblatte, der'„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau". Am 20. September war die Berichtigung abgeschickt worden. Herr Kauf- mann ließ sie bis zum 29. September liegen, wo Herr Dr. August Müller von einer Reise zurückkehrte. Herr Dr. August Müller prüfte die Berichtigung init tiefen Jnquisitorenfalten im Gesicht und er fand nach beträchtlichem Wälzen von Kommentaren heraus, daß sie nicht den Bedingungen des Preßgesctzes genüge. Er wolle den Bor- stand entscheiden lassen, ob er trotzdem aus lauter Gnade die Be- richtigung aufnehmen solle. DaS könne aber erst am 4. Oktober geschehen. Die Ausschußmitglieder sandten ein Gutachten des Arbeitersekretariats Hamburg ein, welches die Berichtigung für einwandfrei erklärte. Herr Dr. August Müller erkannte das nicht an, sondern dekretierte: Da ihr nicht bis zum 4. Oktober warten wollt, lehne ich die Bc- richtigung glattweg ab. Ein parteigenössischer Rechtsanwalt weist ihm nach, die Berichtigung sei mustergültig. Nun rückt Herr Dr. August Müller mit der Autorität deS Staatsrechtslehrers Liszt heran, der behaupte, falsche Tatsachen müßten in einem Blatte nicht berichtigt werden, wenn gesagt worden ist, daß diese Be- hauptungen von anderer Seite aufgestellt wurden. Herr Dr. August Müller hat Pech damit, denn der Rechtsanwalt beweist ihm, daß er sich jene Tatsachen durch die Artikelform und den Fettdruck zu eigen gemacht hat. Aber Herr Dr. August Müller lehnt trotzdem die Be« richtigung ab. Zur Begründung führt er, der sich in dieser ganzen Affäre mit juristischer Flohknackerei amüsiert, aus:„ES ist- eine U n g e h ö r i g k e i t, wenn Leute, die in eine in Betriebe tätig sind, etwas be- richtigt haben wollen und sich dann so- fort ans den§ Ii des Preßgesetzes berufen." Er vergißt, welches Gewicht in diesem Betriebe auf Formen gelegt wird, konnte doch Genosse Fust-Essen auf der Generalversammlung mit. teilen, daß für die Aeußerung von Wünschen der schriftliche Weg vorgeschrieben ist. Und mit eigener Logik sagt Herr Dr. August Müller weiter, man dürfe sich nicht darauf berufen,„daß ich der Organisalion der Buchdrucker die Aufnahme einer Berichtigung ab- gelehnt habe, die sich nicht auf den Z 11 des Preßgesetzes stützt. Das trifft auch zu. Der Buchdruckerorganisation gegenüber würde ich Berichtigungen nur auf- genommen haben, wenn sieden,§11 entsprochen hätte it.* Aber von Arbeitern des Geschäfts werde eine Berichtigung selbstverständlich aufgenommen, da nur ein Konflikt der Geschäfts- leitung mit dem Verband, aber nicht mit dem Personal bestehe. Aber trotzdem wird dem Personal, mit dem man im tiefsten Frieden lebt, die Berichtigung nicht abgenommen, eben weil sie sich auf das Preßgesetz bezieht. Das ist ein gar lustiges Ouidproguo. Und nicht am wenigsten ist es amüsant, zu sehen, wie Herr Dr. August Müller Herrn Heinrich Kaufmaim von den Rockschößen schüttelt. Seine ganze Argumentation heißt einfach: Dieser Heinrich Kaufmann ist zwar mein Herr und Meister und er sitzt dos ä dos zu mir eben hinter der Tür und was er gesagt, berührt zwar aufs Tiefste unseren ganzen Zeilungsbetrieb, aber sür seine Ausführungen, die ich abdruckte, lehne ich jede moralische und juristische Verantwortung ab. Hätte man Müllers Ausführungen berichtigt, dann hätte er sicher gesagt: Dieser mir, dem Redakteur der„Kousumgenossenschaftlicheu Rundschau" Dr. August Müller, völlig fremde Dresdener Redner Dr. August Müller hat dort Ausführungen gemacht, die ich zwar abdruckte, die richtigzustellen ich aber weder moralisch noch juristisch ge- zwungen bin. Solches Verfahren darf in keinem von Arbeitern für Arbeiter gegründeten Betrieb vorkommen. ES dürste auch schwerlich in einem nicht geradezu von Scharfmachern geleiteten Unternehmerbetrieb möglich sein. Aber in der Verlagsgesellschaft Deutscher Konsum- vereine, der G. E. G. und in der„Konsumgenossenschaftlichen Rund- schau" ist es möglich gewesen. Die Arbeiter, auf deren Schultern die moderne Konsumvereinsbewegung ruht, die Genossenschaftler, denen das Blühen der Genossenschaftsbewegung zn danken ist, müssen endlich Sorge dafür tragen, daß derartige für daS Verhallen der Herren der.Rundichau" typischen Dinge in der Zukunft unmöglich werden. Unmöglich würden sie nur. wenn endlich an Stelle eines Systems, das nur einigen wenigen Personen die Leitung gibt, eine demokratische Organisation eintritt. Bei der Gestaltung der Organisation im vergangenen Jahre und sonst haben wir schon hierauf hingewiesen. Vergeblich. Es ist nun höchste Zeit, die konsum- genossenschaftliche Organisation demokratisch zu organisieren. DaSistum so mehr erforderlich, als Neugründungen, wie eine Genossenschafts- bank, in Aussicht stehen und die heutige Organisation dem Miß- trauen vollberechtigte Nahrung gibt, daß die gewaltigen, formell in wenigen Händen konzentrierten Mittel nicht für, sondern gegen die Arbeiter Verwendung finden können. Nittichaftlicher Nocheuberichk. Die Kanada-Bahn. Der österreichische?l n s w a n d e r e r s k a n d a l hat plötzlich das Interesse weiterer Kreise für die auch in Europa tätige kanadische Pacific-Eisenbahngescllschaft iCanadian Pacific Railway Conpianh) erregt. Bisher war die Gesellschaft, wenigstens in Deutschland, fast nur in Aktionärskreisen bekannt, da die Aktien der Gesellschaft zu den beliebtesten Spekulationswertcn der Börsen, auch der Berliner, gehörten. Bekanntlich sind vor einigen Tagen zahlreiche Angestellte und Agenten der österreichischen Niederlassung der Kanada-Gesellschaft von der österreichischen Re- gierung verhaftet worden, weil ihnen eine Begünstigung der Aus- Wanderung Fahiienfliichtiger nachgewiesen werden konnte. Durch Besorgung falscher Pässe und sonstiger Ausweispapiere für stelliings» Pflichtige Personen hat die Kanada-Gesellschaft die österreichischen Behörden hintergangen und die Auswanderer, die froh waren, ihrer „Heimat" Valet sagen zu können, nach Trieft und von dort mit Sen Schiffen nach Kanada geschafft. Für europäische Verhältnisse ist an diesen Mitteilungen zunächst auffällig, daß eine Eiseiibahngesellschafi Schiffslinien betreibt. Aber in Amerika ist die Verbindung von Eisenbahn- und Schiffahrtsbetrieb durchaus nichts Besonderes. Es gibt dort zahlreiche Verkehrsgesell- schasten, die beides vereinen. Im wesentlichen dürfte der Grund dafür in dem Bestreben liegen, eine Konkurrenz zwischen beiden Verkehrsmitteln auszuschalten. Besonders den Eisenbahnen, die beide Ozeane durch ihre Gleise verbinden, haben ein Interesse daran, Einfluß auf die Tarifs der Schiffsgesellschaften zu gewinnen. Denn bei de» ungeheueren Entfernungen des Ostens und Westens in dem neuen Erdteil ist die Fracht für Außengiiter auf dem Wafierwege trotz deS gewaltigen Umweges um die Spitze von Südamerika noch immer rentabler als die Beförderung auf dem kürzeren Schienen- wege. Nun gehört die Kanadabahn, wie schon ihr Name sagt, zu den Pacific-Bahnen; sie durchschneidet ganz Britisch-Rordamerika von Montreal am Atlantischen Ozean bis zu Port Moody I nnnrtw moderne halbseid. wir r Kleiderware, circa o yn 100 cm breit.............. 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Auch das, was zurzeit von der Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beschlossen worden sei, genüge nicht, um die am Orte wohnenden Arbeitslosen sowie deren Familien hinreichend zu unterstützen. ES sei geradezu sonderbar, daß ein Bürger acht Wochen ar- beitSloS sein müsse, bevor derselbe eine Unterstützung als Darlehn erhalten soll. Wenn er dann das Darlehn nicht zurückzahlen kann, laufe er Gefahr, seine politischen Rechte zu verlieren. Die Ar- beitslosen wollen kein- Almosen, um dadurch ihre Rechte bei den Wahlen zu verlieren, sondern sie verlangen vom Staate und den Kommunen, daft dem unverschuldeten Elend in Wirt- schaftlichen Krisen durch Einführung einer staatlichen Reichs- arbeitslosenversicherung vorgebeugt werde. Die Aus- führungen de? Redner? wurden mit allgemeinem Beifall aufge- nommen. In der Diskussion wurden die Darlegungen noch von einigen Arbeitslosen unterstützt; sie wiesen besonders darauf hin, wie die Steuerbehörde am Orte in geradezu rigoroser Weise gegen die- jenigen vorgehe, die infolge längerer Arbeitslosigkeit ihre Steuern nicht entrichten könnten. Im Schluftwort betonte dann der Re- fcrent noch einmal, daft gerade bei den Wahlen für das Stadt- Parlament die Arbeiter auf dem Posten sein müftten, um solche Kandidaten als Vertreter der Stadt ihre Simme zu geben, welche auch in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges für die Bürger ein- treten. Dann ermahnte noch der Vorsitzende die Versammelten im Sinne der gehörten Ausführungen zu wirken und besonders die Unorganisierten in die politischen sowie gewerkschaftlichen Organi- sationen hineinzubringen. In den Bürgersälen sprach Genosse Kunze. Schon lange, so betonte der Redner, leioe das Baugewerbe unter einer Krise. Diese ziehe naturgemäß andere, abhängige Gewerbe in Mitleidenschaft. Man könne aber nicht von einem Ueberfluft an Wohnungen sprechen, denn in den Orten, in denen eine Kontrolle der Wohnungen ausgeführt worden sei, habe sich herausgestellt, daft in kleinen Wohnungen oft L bis 19 Personen wohnen muftten. Nur die ungesunde Bodenspekulation habe den Grundstücksmarkt verseucht und die Preise in die Höhe getrieben. Sehr zu bedauern sei, daft einzelne Stadtgemeinden die Ar- betten nach Auswärts vergeben oder aber demjenigen die Arbeit zuerteilen, der die billigsten Preise verlange. Am Ende stelle sich heraus, daft man noch mehr bezahlen müsse. Die Leidtragenden seien aber immer die ansässigen Arbeiter, die die höheren Mieten und sonstigen Abgaben hier zahlen müftten. Unsere Forderung könne nicht sein, Suppen und Almosen zu verlangen, sondern Ar- beit. Man habe Erhebungen versprochen, damit lindere man aber jetzt nicht die Not. Der Vorschlag der Stadt Neukölln habe etwas für sich; aber gerade der Umstand, daft er vernünftig sei, habe den Widerstand der übrigen Gemeinden hervorgerufen. Nur durch eine Zwangsversicherung, ähnlich wie bei den Krankenkassen und der Invalidität, Ivo Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen, könne die Arbeitslosigkeit mit Erfolg bekämpft Wersen. Keineswegs dürften Unterstützungen als Armenunterstützung angerechnet werden und den Verlust der bürgerlichen Rechte nach sich ziehen. Man solle laufende Unterstützungen zahlen. Im letzten Jahre seien 1 Milliarde für militärische Zwecke ausgegeben; ein solches Land müsse sich schämen, nichts für die Arbeitslosen zu tun. Die Gemeinden und das Bürgertum hätten die Pflicht, hier sorgend einzugreifen. Das Volk, oas die Güter der Kultur er- zeuge, habe ein Anrecht darauf, eine menschenwürdige Existenz zu fordern. In der Diskussion wurde angeführt, daft die Stadt bei der Vergebung von Arbeiten wenig Rücksicht auf ihre Ein- wohner nehme, so seien die Brückenbauten an auswärtige Unter- nehmer vergeben und bei den Erdarbeiten seien meistens aus- wärtige Arbeiter beschäftigt worden. Mit den Nohrlegerarbeiten an der Badeanstalt sei auch wieder eine auswärtige Firma be- traut worden. Besonders wandten sich einige Redner gegen die Vorschläge der Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, durch die die zu Unterstützenden ihre Rechte als Bürger verlieren könnten. In Fällen, Ivo Krankenhauskosten regelmäßig abgezahlt werden, sei die Eintragung in die Wählerliste verweigert worden; desgleichen bei Stundung und Erlaft der Steuer. Solche Fälle müßten doch zu Bedenken Anlaß geben. In seinem Schluftwort unterstrich der Referent noch einmal verschiedene Ausführungen; dem Magistrat müsse auch ein anderer Weg offen bleiben, als der deS DarlehnS, man finde ihn ja, wenn man anderen Vereinen etwas zuwende. In beiden Versammlungen fand nachstehende Resolution ein- stimmige Annahme: „Die heutige planlose Produktion vermehrt die an und für sich schon große Arbeitslosigkeit in gewissen Zeitabständen inS Un- geheuerliche. Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen leiden unter unverschuldeter Arbeitslosigkeit und sind ihren Familien dem Elend preisgegeben. Solange das Reich seine Hilfe durch Einführung einer Arbeits- losenversicherung oder sonstiger Unterstützung verweigert, müssen sich die Arbeitslosen an die Kommunen tuenden. Die am 24. Oktober 1913 versammelten Arbeitslosen aller Bc- rufe fordern deshalb den Magistrat von Neukölln auf, alle be- schlossenen oder noch irgend in Frage kommenden Arbeiten aus- zuführen. Da bei diesen Arbeiten aber nur ein ganz beschränkter Teil der Arbeitslosen in Betracht kommen kann, sind erhebliche Mittel für die Ardeitslosenfürsorge bereitzustellen. Als völlig unzulänglich müssen die Vorschläge der Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit angesehen werden. Die Ka- renzzeit für den Bezug von Unterstützung dürfte nicht länger als vier Wochen sein, auch müftten die Unterstützungssätze erhöht werden. Ganz entschieden wenden sich die Versammelten dagegen, daft die Unterstützungen als Darlehen gegeben werden sollen. . Oktober: Lekabenä i Grundsätzlich fordern die Versammelten, daft alle städtischen Arbeiten zu tariflichen Bedingungen ausgeführt werden und die Gewährung von Arbeitslosenunterstützungen nicht den Verlust der bürgerlichen Rechte nach sich zieht." lsigoucks flöge. Massenverkehr nach Johannisthal. Solchen Berkehr, einen so riesenhaften Massenandrang hat Johannisthal seit dem denkwürdigen Start zum Deutschen Rund- flug bisher nicht wiedergesehen. Tausende und aber Tausende zogen am gestrigen Sonnabend mittag in ununterbrochenem Strom dem Johannisthaler Flugplatze zu, um den Flügen des jungen Franzosen, die einen Markstein in der Geschichte der Luftfahrt be- deuten, beizuwohnen. Obwohl die Eisenbahnverwaltung vom Görlitzer Bahnhof aus zahlreiche Extrazüge eingelegt hatte und auch vom Bahnhof Charlottenburg mehrere Sonderzüg« abgelassen hatte, obwohl die Straßenbahnwagen mit zwei und drei Anhängern bis zum Flugplatz in ununterbrochener Folge verkehrten, erwiesen sich doch alle Verkehrsmittel als ungenügend, um die ungeheuren Menschenmassen nach Johannisthal zu befördern. Auf der Bahn sowohl wie auf den Straft enbahirwagen herrschte ein Gedränge, das fast lebensgefährlich zu nennen war. Fünfundzwanzig und dreißig Personen saften und standen in den einzelnen Abteilen, und auf jeder Station strömten weitere Fahrgäste hinzu. Ein inter- essanteS Bild bot die sonst an den Nachmittagen wenig belebte Treptower Chaussee. Gestern reicht« sie in ihrer ganzen Breite nicht aus, um den Automobilen, die in ununterbrochener Folge Johannisthal zustrebten, genügend Platz zu gewähren. Es sah fast aus, als ob sämtliche Kraftwagen Berlins sich in Johannisthal ein Rendezvous geben wollten. Die Treptower und Oberschöneweider Polizei war durch stark« Gendarmerieposten verstärkt worden, um den Verkehr, namentlich am Bahnhof Niederschöneweide, zu regeln. Die Menschenmassen überfluteten jedoch Fahrdamm und Bürger- steige, so daft der Wagenverkehr mitunter minutenlang stockte. Auf dem Flugplatz. In der blendenden'Herbstsonnc bot der Flugplatz gestern ein imposantes und farbenprächtiges Bild. Tie„Sensation", der ncrvenerregende Kitzel, einen Menschen das in der Luft vollbringen zu sehen, was man sonst nur im Variete bei dem Looping the Loop erblickt hatte, selbst das elegante Berlin, daS sonst dort nicht zu finden ist, auf den Flugplatz gelockt. Man sah manche vom Turf her bekannte Erscheinung, zahlreiche Bühnengröften und ungewöhn- lich viel Offiziere. Zwar war die bestellte Militärkapelle nicht er- schienen, doch vertrieb man sich die Zeit auf möglichst angenehme Weise. Die Ansichtskartenhändler wurden die Karten mit den Bildern Pegouds reißend los, und ein pfiffiger Oesterreicher, ein Monteur Pegouds, verkaufte an der Tribüne das Autogramm des kleinen Franzosen zu Preisen von 3 und S M. Unsere Flieger waren fast durchweg anwesend, um von den aufregenden Experi- menten ihrcS Kollegen möglichst viel zu lernen. Die einen schworen auf die Geschicklichkeit Pegouds, die anderen auf die Maschine, die wirklich einem Kinderspielzeug gleicht und kaum den vierten Teil unserer massiven deutschen Eindecker wiegt. Pegouds Flüge. Um 3,39 Uhr wurde das leichte Maschinchen aus der Halle her- ausgebracht und über das Feld hinweg nach dem Startplatz ge- fahren. Noch einmal prüfte Pegoäd alle Vorrichtungen genau nach, dann schwang er sich in seinen tiefen Sitz und lieft sich von seinen Mechanikern festschnallen. Nach einigen Umdrehungen der Schraube sprang der Motor an. Mit riesigen Sätzen jagte der Apparat über die Startbahn, um nach kaum 59 Meter Anlauf sich in die Luft zu erheben. Pegoud gab sofort tüchtig Höhensteuer, und steil ging das Flugzeug in die Höhe. Nach einer Runde hatte er etwa 399 Meter erreicht und begann gleichsam als Einleitung sein« fast unglaublich zu nennenden aufregenden Kurvenflüge. Pegoud ist ein Künstler in seinem Fache und weift daher jede Bewegung des Bleriots bis aufs letzte auszunutzen. Bei seinen wahnwitzig steilen Kurven, bei denen das Flugzeug einen Neigungswinkel von 99° erreicht, also vollständig senkrecht in der Luft liegt, stößt er etwa 29 bis 39 Meter hernieder, wobei«r sich bereits stark auf die Seite legt, den Motor aber noch mit voller Kraft arbeiten läßt. Dann stellt er den Gnom auf langsame Touren ein und beschreibt innerhalb eines Kreises von etwa 29 Meter Durchmesser eine Kurve, bei welcher der Apparat sich vollständig senkrecht einstellt. Wenn es ihm Spaß macht, so läßt er das Flugzeug auch 39 bis 49 Meter in die Tiefe gleiten. Dann gibt er dem Motor wieder Vollgas, die Maschine schießt vorwärts, und mit Hilfe kräftiger VerWindung richtet der Bleriot sich schneller, als sich's schildern läßt, wieder auf. Für Pegoud sind diese Zhirven offenbar gar kein Kunststück, denn wiederholt bediente er das Steuer mit einer Hand und winkte den Zuschauern mit der anderen Hand vergnügt zu. Das Experiment wiederholte er etwa sechs- bis siebenmal und mit einer so voll- endeten Meisterschaft, daft dem Zuschauer auch nicht ein« Sekunde lang irgendwelche Besorgnis befällt. Man hat da? Gefühl,'daft der Mann dort oben mit seinem Eindecker machen kann, was er will, und daft für ihn die Gesetze der Schwerkraft überhaupt nicht exi- stieren. Der zweite Teil seiner Vorführungen brachte den Rücken- flug. In weiten Kreisen schraubte sich Pegoud, während außen um den Platz die.„Hansa", von Potsdam herkommend, manöverierte, bis auf etwa 1299 Meter Höhe empor. Das Flugzeug zeichnete sich von dem blauen wolkenlosen Himmel so deutlich ab, daft man jede Steuerbewegung genau erkennen konnte. Plötzlich neigte sich der Eindecker vornüber, schoß etwa 59 bis 99 Meter in die Tiefe und legte sich dann verkehrt wieder in wagerechte Lage. Deutlich sah man das Anlaufgestell mit den Rädern gen Himmel ragen, wäh- rcnd der Flieger mit dem Kopfe nach unten hing. Merkwürdiger- weise führt Pegoud den Gleitflug auf den Rücken so flach als mög- lich aus, und man hat mitunter den Eindruck, als ob die Maschine, die ohne Motorkraft dahingleitet, still zu stehen droht. Dieser Flug mit dem Kopf nach unten ist der schwierigste Teil aus Pegouds Vorführungen. Der Flieger muft in dieser Zeit natürlich alle Steuerbewegungen in umgekehrter Richtung ausführen als bei der normalen Fahrt, und so läßt es sich nicht vermeiden, daß der Ein- decker manchmal recht bedenklich kippelt. Etwa eine Minute lang gleitet der Apparat so durch die Luft. Dann hört man den Motor wieder mit voller Kraft arbeiten, es folgt ein Sturzflug etwa 49 bis 59 Meter tief, und dann richtet sich der Eindecker wieder in nor- maier Weise auf. Die Figur des Rückenfluges vom Anfang bis zum Ende entspricht dem lateinischen L. Zum Schluß erfolgte der n Groß-IMn. Saltomortale in der Luft. Bei diesem Salto reiftt Pegoud den Apparat mit voller Geschwindigkeit in die Höhe, so daft er sich förm- lich aufbäumt, und überschlägt sich dann nach rückwärts. Fünfmal führte er dieses Manöver aus, che er landete. Als die Maschine auf den Boden aufsetzte, wurde der Franzose von frenetischem Jubel der Meng« empfangen. Pegoud stieg nach einer etwa 16 Minuten dauernden Pause zum zweitenmal auf und ging dann nach einigen schneidigen Kurven zu dem siebenmaligen Saltomortale über. Immer wieder wirbelte der Eindecker um sich selbst durch die Luft, so daft man mitunter kaum die einzelnen Teile des Apparates unterscheiden konnte. In diesem Augenblick erschien am Horizont ein Eindecker, der mit rasender Geschwindigkeit herankam und elegant landete. Es war Lanser, der am gestrigen Sonnabend uni 8 Uhr in Brüssel auf einen Teperdussin-Eindecker aufgestiegen war und gegen 5 Uhr in Johannisthal landete. Nachdem Pegoud noch einige Ehrenrunden absolviert hatte, ging er kurz nach 5 Uhr auf dem Platze nieder. Brausender Beifall empfing auch diesmal wieder den kühnen Flieger, Den gestrigen Aufstiegen wohnten etwa 49 999 Personen bei. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. I» Zeuthen ist das Gesellschaflshaus J»h. T. Fischer und Restaurant Zeuthensee Jnh. E. Künzel nach wie vor gesperrt. In Micrsdorf das Restaurant zur Mühle Jnh. Frl. Koppen. R. B. Die Adresse des Genossen Lucht, Lokalkommission, Mit- glied des 1. Kreises, ist jetzt Lindenstr. 2. __ Die Lokalkommisfion. Zweiter Wahlkreis. Heute Familien- UnterhaltungSabend im Lokal Habels Brauerei, Bergmaunstr. 5/7, großer Saal. Um zahlreichen Besuch bittot Der Abteilungsleiter. Vierter Wahlkreis. Montag, den 27. Oktober, abends 8V, Uhr. in den Commcniussälen, Memeler Str. 97 bei Grunewald: Vortrag des Reichstagsabgcordneten Genossen Fritz Zubeil. Thema: Kaiser und Reich, Reichskanzler, Reichstag und Bundesrat. Um zahlreichen Besuch bitten Die Leiterinnen. Fünfter Kreis<1. Abteilung). Dienstag, den 28. Oktober, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschastshaus, Grcifswalder Str. 221/223: Ver- sanimlung. Tagesordnung:„Die Tätigkeit der Sozialdemokraten im Rathause. Referent: Stadtverordneter Genosse Eugen Brückner. Diskussion. Delegiertenloahl. Schönebcrg. Tie Wahlvereinsversammlung findet am Dienstag, den 23. d. Mts., abends 8 Uhr, in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8, statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen G. Franke über Religion. Bereinsangelegenheiten. Lichtenberg. Dienstag, den 28. Oktober, abends 8� Uhr, Generalversammlung des Wahlvereins im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee. Tagesordnung: 1. Vortrag des Landtagsabgeordneten Genossen Konr. Haenisch:„Auf zu neuen Kämpfen!" 2. Halbjahresbericht der Bezirksleitung: a) des Be«> zirksleiters, k) des Kassierers, c) der Kommissionen. 3. Diskussion. 4. Ersatzwahlen. 5. Verschiedenes.— Mitglisdsbuch legitimiert. n Steglitz. Dienstag, den 28. Oktober, abends 8s4 Uhr, Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase, Zlhornstr. 16a. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Antrag des SängerchorS. 3. Wahlen. 4. Die Umänderung der Organisationsformen in Steglitz. 5. Berichte über die Ferienspiele und von der Kreis- und Aerbandsgeneralversammlung. 6. Bibliotheksfragen. Lichterfelde. Dienstag, den 28. Oktober, abends 3'/, Uhr, bei Fr. Wahrendorf, Bäkcstr. 7, Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Kassenbericht. Neuwahl des Vorstandes. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Im Laufe der Woche soll die Mitglieder- und Vorwärtsagitation durchgeführt werden, hierzu wollen sich die Genossen und Genossinnen den Bezirksführern zur Ver- fügung stellen. Lankwitz. Am Mittwoch, den 29. Oktober, findet bei Schulz, Mühlenstr. 21, die Fortsetzung der Generalversammlung deS Wahlvereins statt. Zehleudorf(Wannseebahn). Am Dienstag, den 28. Oktober, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Micklei, Potsdamer Str. 25. Tagesordnung: Bericht der Gemeinde- Vertretersitzung. Diskussion. Abrechnung vom II. Ouartal. Vereins- angelegenheiten. Verschiedenes. Gäste willkommen. Pankow. Am Dienstag, den 28. d. Mi?., abend» pünktlich 8'/z Uhr, im Restaurant Roczycki, Kreuzstr. 3/4, Generalversammlung. Tagesordnung: Halbjahresbericht, Berichr der Gemeindevertreter. Orlöanlegenhciten, Verschiedenes. Mttgliedsbuch legitimiert. Am Montagabend findet im Türkischen Zelt, Breitestr. 14, abends Slj2 Uhr, der 2. Abend unseres Vortragszyklus„Die wissenschaftlichen Glundlagen der modernen Arbeiterbewegung" statt. Karten kosten 69 Pfennig. Arbeitslose haben freien Eintritt. Oberschöncwridr. Dienstag, den 28. Oktober, abends 8'/, Uhr, findet im Wilhelm inen Hof eine aufterordentliche Mitglieder- Versammlung statt. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über den Bericht vom Parteitag. Bezirksangelegenheiten. Verschiedenes. Reinickendorf-Ost. Dienstag, den 28. Oktober, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung in Ramlows„Kastanienwäldchen", Schön- holz 14. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Wurm über: „Geburtenrückgang und Arbeiterklasse". 2. Partei- und Verein?- angelegenheiten. Nicderschönhauscn-Nordrnd. Am Dienstag, den 28. Oktober, im Lokale von Wanke, Charlotten-, Ecke Beuthstrafte, General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleitung mit an- schließender Diskussion. 2.' Bericht von der Gemeindevertreter- Sitzung Groft-Bcrlins. 3. Vercinsangclegenheiten. 4. Verschiedene?. Lichtenrade. Am Mittwoch, den 29. Oktober, abends 8� Uhr, im„Wirtshaus Lichtenrade" am Bahnhof: Mitgliederversammlung Wichtige Tagesordnung. öerttner j�admcbrem Tie Hintertreppe. Ein„besseres" Haus muß heutzutage mindestens zwei Treppenaufgänge haben, einen für die„Herrschaften" und einen für„Dienstpersonal und Boten". So will es unsere gutbürgerliche Gesellschaftsordnung. Weh dem armen Teufel, der in völliger Unkenntnis der haarscharfen sozialen Unter- schiede mit einem Paket unterm Ann die bequeme Vordertreppe hinaufzusteigen wagt. Der allezeit wachsame Portier holt ihn wieder herunter und weist ihm den rechten Weg über den Hinteraufgang. Was könnte auch alles geschehe», wenn die„Herrschaften" auf der Treppe einem Boten mit Paketen begegnen! Die Konsequenzen sind ja gar nicht auZzudenken. Der wohlhabende Bewohner des Vorderhauses kennt meist die Beschaffenheit der Hintertreppe gar nicht. Cr weist nur, dast„da hinten" allerlei Leute auf- und ab llettcrn, die gesellschaftlich abgrundtief unter ihm stehen. Deshalb meidet er für feine Person ganz selbstverständlich den Hinterausgang. Zu der prunkvollen und bequemen An- läge des Vorderanfganges steht die Hintertreppe gewöhnlich in einem krassen Gegensatz. Sie wird mit viel geringerer Sorgfalt gesäubert und zeichnet sich gewöhnlich durch eine fürchterliche Enge und Dunkelheit aus. Meist ähnelt sie einer Hühnersticge wie ein Ei dem andern. Bedenkt man, dast gerade diejenigen, die genötigt sind, die Hintertreppe zu be� nutzen, fast durchweg täglich von früh bis spät treppauf, treppe ab laufen müssen, so wird die schreiende U n g e r e ch t i g' k e i t gegen das Hauspersonal und die Boten, die in der kläg� liehen Einrichtung des Hinteraufgaugs liegt, völlig klar Gerade die Boten, die oft schwere Pakete schleppen müssen, hätten berechtigten Anspruch auf einen bequemen Zugang zu den Wohnungen. Der Raum, der bei der Anlage des Vorderanfganges verschwendet wird, darf an der Hinter treppe nicht gespart werden. Vielfach steht den„Herrschaften" auch noch ein Fahr st n h l zlrr Verfügung, eine Einrichtung, . die doch für die Beförderung von Lasten viel notwendiger wäre. Ter Gegensatz zwischen Vorder- und Hintertreppe ist charakteristisch für unsere ganze Gesellschaftsordnung. Wer seit frühester Kindheit nur auf der„Vordertreppe" auf- und abgestiegen ist, der kennt gewöhnlich Freud und Leid der Leute von der Hintertreppe gar nicht. Tie Verständnis- losigkeit der Besitzenden gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Interessen des Proletariats erklärt sich zu einem guten Teil aus dieser ängstlichen räumlichen Scheidung. Für den, der mit offenen Augen und mit einigem Interesse für soziale Fragen durchs Leben geht, ist gerade die Hintertreppe eine unerschöpfliche Quelle von Anregungen und Kenntnisse n. Zu der Langeweile, Uebersättigung und Geschäftsmästigkeit bei den„Herrschasten" bildet der natiir- liche Frohsinn, die Arbeitslust und die oft sehr herzliche Art des persönlichen Verkehrs zwischen den Hausangestellten, Laufburschen, kleinen Händlern, Handwerkern und anderen Leuten von der Hintertreppe einen erfreulichen Kontrast, während die an der Küchentür»m abfallende Brosamen bittenden Aermsten der Armen recht unerquickliche Gegensätze des modernen Lebens aufdecken. Das Projekt des städtischen Westhafens. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung, wie wir bereits mitteilten, daS Projekt des Westhofens genehmigt. Die Anlage des Hafens ist an der Stelle beabsichtigt, wo der neue Grotzschiffahrts- weg Berlin— Stettin endet n»d seine Fortsetzung in dem Spandauer Schiffahrtskaual findet, und.wo der Verbindungskanal nach Char- lotleuburA abzweigt. Das für die Hafenanlagc in Aussicht ge- uommene Gelände liegt zwischen Beutzclstraste, Seestraße, Süduser Puitlitzbriicke. Für die Anlage wurde bereits im Jahre 1906 das 278 430 Lnadratmeter grotze Gelände des ehemaligen Johannes- stisteS und einige grössere angrenzende Grundstückskomplexe erworben. Die Verhandlungen wegen deS Erwerbes des für die Hafenanlage autzerdem noch notwendige» Terrains des Eisenbahnfiskus waren durchaus nicht einfach und zogen sich bis zum Anfang dieses Jahres hin. Das ganze nunmehr für die Hafenanlage zur Verfügung stehende Gebiet umschlietzt eine Fläche von 37,6 Hektar. Nebenher »tiefen die noch schwierigeren Verhandlungen mit der Eisenbahn- Verwaltung wegen des Gleisanschlusses. Im Laufe dieses Sommers endlich gelangte uran auch dieserhalb zu einer Einigung, und zwar in der Weise, daß die Bedienung des Hafens vom Lehrter Güterbahnhof aus erfolgen kann. Wie werden mag, wird die Zustellung zu der in unmittelbarer Nachbarschaft Grotzmarkthalle vom Bahnhof weil die Verhältnisse des Lehrter Bahnhofes sich umgestalten lassen, datz eine gleichzeitige Gestellung der Waggons nach den beiden grotzen Anlagen möglich ist, zumal die Markthalle ein pünktliches Zubringen und Abholen der zahlreichen Eilgutwagen erfordert. Indessen lvird eine GleiSverbiuduirg zwischen beiden Anlagen für Notfälle eingerichtet werden. Der erste Ausbau des Hafens ist in der Weise gedacht, daß zu- nächst zwei Hafenbecken von 640 bezw. 430 Meter Länge und 55 Meter Breite hergestellt werden, welche von massiven Kaimauern von insgesamt 2500 Meter Länge eingcfafet sind. Diese Hafenbassins bieten 68 Kanalschiffen von je 600 Tonnen oder 104 Finowkähnen von je 225 Tonnen Platz zum Löschen und Laden. Auf der zwischen den beiden Hafenbecken gebildeten Halbinsel sollen zunächst drei Speicher lje ein Zoll-, ein Wagen- und ein Getreidespeicher) errichtet lverden. während an den Auhenränder» der Bassins Lagerschuppen und Freiladeplätze, besonders für Kohlen, projekliert sind. Für diese Anlagen nebst den zugehörigen Verwaltungsgebäuden, Werkstätten und Arbeiterspcisehalle wird eine Fläche von 28,6 Hektar in Anspruch genommen werden. Der übrige Teil des erworbenen Gebietes ist vorbehalten für eine Erweiterung der Hafenanlagen durch ein drittes Hafenbecken mit zugehörigen Lagerschuppen usw. Für den Bau des Westhafens sind in der der Stadt Berlin 1912 genehmigten Anleihe 30 Millionen Mark vorgesehen. jektierten schchen, nickt so hier gleich bemerkt der Eisenbahnwagen zum Wesihasen pro» Westend her ge- Strasicnbohiivcrbiiidung zum Fliigplat, Johannisthal. Anläßlich der Flugveranstaltung des Fliegers Pogoud wird die Grotze Berliner Stratzeiihahn den Betrieb auf ihrer Linie 47»ach Rudow durch Einsetzwagen vom Spittelmarkt und Hermannplay verstärken. Wie bekannt, bildet diese Linie eine sehr bcgueme Verbindung nach dem Flugplatz, der von der Haltestelle Stubenrauchstratze in einer Viertel- stunde gut zu erreichen ist. Zum Stadtschulinspcktor befördert wurde der frühere sreifiimige Laudlagsabgeordnete Dr. Schepp, der seit verhältnismäßig kurzer Zeit Acltor der 204. Gemeindeschule war und vorher sich in Wühl- garten betätigte._ Schwerer Strasteiibaffnunsall. Ein schtverer Straßenbahnunfall bat sich am Freitagabend gegen 1/48 Uhr im Norden zugetragen. Vor dem Hause Müllerslr. 58 wurde der dreizehnjährige Alfred Scherband von einem in der Richtung nach Tegel fahrenden Strahenbahnzuges der Linie 27E. überfahren. Dem Knaben wurde das Bein oberhalb des Knies glatt abgetrennt. Ter Bedauernswerte fand im nahen Panl-Gerhardt- Stift Aufnahme. Aus Anlaß dieses Unglücksfalles wird uns von Anwohnern der dortigen Gegend berichtet, daß Unglücksfälle durch Ucberfahren keine Seltenheit sind. Die Kreuzung an der Barfusslraße, TranSvaalstrahe und Müllerstraße ist miserabel beleuchtet und bildet für Wagenführer wie für Passanten eine gefährliche Gegend, obwohl an jener Stelle ein reger Fahrbetrieb besteht. Von hier aus haben die nach Tegel fahrenden Autos freiere Bahn und setzen auch größere Geschwindig- keit ein, ebenso fahren umgekehrt die von Tegel und Reinickendorf kommenden Gefährte mit größerer Schnelligkeit bis zur Seestraße. Dazu komint, daß an der genanten Unglücksstelle die Große Berliner ihre Wagen rangiert wegen des in der Nähe belegenen Bahnhofs So kommt es, daß die genannte Gegend zu einer Menschenfalle ge- worden ist. Hier vcrkehrsregelnd einzugreifen, ist dringende Pflicht der Aufsichtsbehörden._ Betriebsunfälle bei Borsig. Ein tödlicher Betriebsunfall ereignete sich gestern vormittag in der Fabrik von A. Borsig. Dort verunglückte der zirka 40 Jahre alte Anschleifer August Zander, wohnhaft Borsigwalde, Rauschstr. 68, dadurch, daß eine 40— 60 Zentner schwere Eisenplatte von einem Krane ausrutschte und den in der Nähe beschäftigten Zander so schwer traf, daß er gleich darauf v e r st a r b. Z. hinterläßt eine Witwe mit fünf Kiudenr. Außerdem sieht die Witwe in nächster Zeit wiederum ihrer Niederkunft entgegen. Die Leiche wurde z» nächst nach dem Paul-Gerhardt-Stift gebracht.. Wie uns hierzu mitgeteilt wird, waren die Haken deS Krans nicht vorschriftsmäßig aufgehauen, wie diese Fahrlässigkeit überhaupt sehr oft obwaltet. Auf diese Weise kann sich jeden Augenblick ein neues Unglück ereignen. Kaum zwei Stunden später verunglückte im Borsigschen Betriebs ein Fensterputzer. Diese Arbeit wird während des Betriebes der» richtet; der Arbeiter wurde plötzlich zwischen einen heranrollenden Kran und einen Eisenträger geklemmt und erheblich verletzt. Da für diesen Verunglückten keine Transportvorrichtung vorhanden war, mußte er von einem Kollegen auf der Leiter heruntergeholt werden. Dies geschah in der Weise, daß der Verunglückte auf der Schulter des Kollegen sitzend und laute Klagerufe ausstoßend, mit den Händen sich bis herab an den Sprossen der Leiter festhalten mußte. Als- dann mußte der Bedauernswerte in Ermangelung einer Tragbahre von drei Männern fortgetragen werden. Ein dritter Fall ereignete sich nachmittags in der dritten Stunde in der niechanischen Werkstatt, wo ein Arbeiter von einer großen Hobelmaschine von dem Ausrücker erfaßt wurde und sich eine schwere Fleischwuude am Unterschenkel zuzog. Angesichts der sich gerade im Borsigschen Betriebe häufenden Unfälle wäre es an der Zeit, daß das Leben und die Gesundheit der beschäfligten Arbeiter durch Anwendung größerer Sicherheits- maßnahmen geschützt wird._ Ein tödlicher Vauunfall ereignete sich gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr in der Jnnstraße zu Neukölln. Aus dem Grundstück Nr. 27/28 wird ein Neubau errichtet. Der 25 Jahre alte Maurer Karl Heinrich ausser Fuldastraße war damit beschäftigt, am dritten Stockwerk einige Steine in die Fassade hineinzufügcn. Er stand dabei auf einem Gerüst, lehnte sich aber so weit vornüber, daß er das Gleichgewicht verlor und mit einem Teil des eben erst ein- gesetzten Mauerwerks in die Tiefe stürzte. Mit zerschmetterten Gliedern blieb er regungslos aus dem Bürgersteig liegen. Ein htnzugerufener Arzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Tie Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schau- Hause gebracht. Die Wirtschafteriii Galle ist noch immer verschwunden. Das Gerücht, daß ihre Leiche gefunden worden sei, hat sich als haltlos erwiesen. Es trat so bestiinmt und mit allen Einzelheiten auf, daß es überall geglaubt wurde. Es hieß ferner noch, daß der Former Henk im Untersuchungsgefängnis ein halbes Geständnis abgelegt habe. Auch daS ist nicht richtig. Die hiesige Kriminalpolizei ging noch im Laufe der Nacht allen Angaben nach, mußte aber endlich fest- stellen, daß an dem ganzen Gerücht nichts ist. Ein schwerer Betriebsunfall hat sich am gestrigen Sonnabend im Glühlampeuwerk der Firma S i e in e» S u. H a l s k e in der Franklinstrqße zugetragen. Während der 18jährige Arbeiter Karl Gaetke aus der Beusselstr. 19 in einem Raum im Kellergeschoß be schäftigt war, platzte plötzlich aus bisher noch nicht aufgeklärter Ur 'ache ein Feuerleitungsrohr. G. wurde von der Heransschlagenden großen Stichflamme getroffen und erlitt im Gesicht, an der Brust, am Rücken und an beiden Armen schwere Brandwunden. Der Ver» unglllckte fand im nahen Moabiter Krankenhause Aufnahme. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Vom Auto Psgouds überfahren. In der Neustädtischen Kirch- stratze an der Ecke der Linden stieß gestern nachmittag das Automobil, in dem drei französische Flieger mit dem französischen Piloten Pögoud nach Johannislhal fuhren, mit einem Radfahrer zusammen. Der Radfahrer wurde schwer verletzt. Der neue Bahnhof in Nowawcs wird am 1. November mit dem ersten Wannseefrühzuge dem öffentlichen Verlehr und zwar auf dem östlichen Bahusteigaufgang übergeben. Der Betrieb des provisorischen Bahnbofes wird in der Nacht zum 1. November mit dem um 2 Uhr nach Potsdam abfahrenden Wannseezug eingestellt. StaatSrcgierung und den gesetzgebenden Borschläge zu unterbreiten. Körperschaften darüber Beim Schutzmann eingebrochen. Der Wohnung eines Schutzmannes statteten Einbrecher einen Besuch ab, die in der Amsterdamer Straße tätig waren. In der Nachmittagsstunde zwischen 4 und 5 Uhr, als die Wohnung kurze Zeit unbeaufsichtigt stand, kantelten sie die Flurtür auf und rafften in der Eile zusammen, was sie nur fanden. Zusammen stahlen sie ür ungefähr 1000 M. Kleidungsstücke, Wäsche und einige Gold- und und andere Wertsachen._ Berliner Lehrervcrein. Der Berliner Lehrerverein nahm in seiner Versammlung am 24. d. Mts. Stellung zu einer Erklärung des Berliner Rekloren- Vereins, in der der Vorwurf erhoben wird, daß weite Kreise der Lehrerichaft in tendenziöser Weise gegen ihre Vorgesetzten(gemeint sind die Rektoren) und deren Befugnisse agitieren und dadurch deren Wirksamkeit erschweren. In einer Gegenerklärung wurde festgestellt, daß die Behandlung der Schiilleiluugsfrage im Berliner Lehrer- verein, die den Grund zu jener Erklärung des N-lrorenvereius gegeben hat, durchaus ruhig und sachlich gewesen wäre und keinerlei .lnterlage für die in der Erklärung enthaltenen schweren Be- schuldigungen gegeben habe. Der in der Erklärung des Rektoren- Vereins liegende Versuch, daS Vereinsrecht der Mitglieder von Lehrer- vereinen zu beschränken, wird vom Berliner Lehrerverein auf das enlschiedenste zurückgewiesen. lleber„Die BesoldnngSfrage* sprach Lehrer W. Schulz.??ach längerer Debatte beschloß der Verein, an der Forderung des 4. und 5. Preußischen Lehrertagcs festzuhalten, wonach allen Lehrern ein Einkommen gewährt werden solle, das nach Höhe und Art des Anwachsens dem der Sekretäre der all- gemeinen Staatsverwaltung entspräche. Dem Antrage, die Worte nach Art der Besoldung der Lehrer an höheren Schulen" aus der Forderung des Preußischen Lehrervereins zu streichen, stimmte die Versammlung nicht zu. Endlich beschäftigte sich der Verein mit der Aufbringung der Schulunterhaltuugskosten und gab seiner Ansicht in folgenden Leit- ätzen Ausdruck: Die Schulunterhaltungskosten belasten die Gemeinden in sehr verschiedenen! Maße. Namentlich sind einzelne Jndustriegemcinden mit vorwiegender Arbeiterbevölkernng an der äußersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeil angelangt. Eine Erleichterung in der Auf- bringung der Schullasten ist für solche Orte_ im Interesse einer stetigen Weiterentwicklung des Schulwesens erforderlich. Die Staatszuschüsse bieten keinen gerechten Ausgleich, da sie zum erheblichen Teil nur in Rückficht auf die Größe und nickit ausschließlich nach der Leistungsfähigkeit der Gemeinden verteilt werden. Der Berliner Lehrerverein hält darum einen Ausgleich der Schullasten für dringend notwendig, er lehnt es jedoch ab, der Zur Frage der neue» Autobusverbinduiigen von Neukölln bezw. Nen-Tempethof nach dem Slettiner Bahnhof bezw. Moabit und dem Hochbahnhof„Danziger Straße" erfahren wir. daß der Antrag der Gemeinde T e m p e l h 0 f von der Verkehrsabteilung des Polizeipräsidiums mit Rücksicht auf den von der Hochbahngesellschaft eingereichten Antrag abgelehnt worden ist. Dem Berlin« Aquarium ist ein sehr glücklicher— Fischzug ge» lungen. Der ganze Seetierbestand der Adria-Ausstelliing in Wien — etwa 250 Stück— ist soeben nach Berlin übergeführt worden. Wunderbar farbenprächtige Lippfische tummeln sich jetzt in dem Mittelmeerbecken neben den schönen Geiß- und Goldstrichbrassen, Meeräschen, Schrift- und Wolfbarschen, neben Haien, Rochen, Platt- fischen, Seepferdchen. Seerosen, Schwämme, Seesterne gesellen sich dazu. Der merkwürdigste Ankömmling ist gewiß der Wräckfisch, der sich in der Nähe von Treibholz und Schiffstrümmern aufhält, um die dort festsitzenden Euteumuschelu zu verzehren. Wie vorsorglich groß die Becke» im neuen Aquarium angelegt sind, geht daraus hervor, daß dies Heer von Ankömmlingen darin zwanglos Platz fand. Das Komitee„Konfessionslos" veranstaltet am Dienstag, den 28. Oktober, 8>/zUhr abends, in vier öffentlichen Volksversammlungen eine Massenkundgebung aller Volkskreise gegen das Kirchenregiment in Preußen. Es werden sprechen: Adolf Hoffmann, M. d. A., der freireligiöse Sprecher Klauke-Frankfurt. Dr. Karl Liebknecht, Ge» heimrat Wilh. Ostwald, Pens, M. d. R., Dessau, der Präsident des Freidenkerbundes. Äust. Tschirn-Breslau, Vogtherr, M. d. R, Stettin, Dr. Bruno Wille.— Gustav Tschini wählte speziell das Thema: „Der Kirchenaustritt— die Reformationstat des 20. Jahrhunderts". Die Versammlunge» finden statt: 1. Moobiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24; 2. Brauerei Friedrichshain; 3. Neue Welt; 4. Viktoria- garten, Wilmersdorf. Wilhelnrsaue. In den Versammlungen werden Kirchenaustrittscrklärnngen eingesammelt. Zeugcugcsnch. Diejenigen Personen, die am Montagmittag, den 20. Oktober, am Michaelkirchplatz dem Streit eines Fangbeamten, wobei eine Frau sistiert wurde, beigewohnt haben, werden gebeten, ihre Adresse an die„Vorwärts"-Spedition in Manendorf, Chaussee- straße 296 abzugeben. Kleine Nachrichten. Mit Gas vergiftet hat sich gestern ein 22 Jahre altes Dienstmädchen, Sophie Wolf, das bei einem Kauf- mann in der Matthieustraße diente.— Aus der Spree gelandet wurde in Treptow die Leiche eines unbekannten Mannes, der wohl schon sechzig Jahre alt gewesen sein mag. Er ist mittelgroß, hat graues Haar und einen etwas ergrauten Schnurrbart und trug schwarze Kleidung mit braunem Schlapphut und eine Brille und ein Bruchband.— Am Kurfürstendamni gegenüber dem Hotel Cumberland versuchte sich gestern der Kandidat der Rechte Richard Schleik vor den Augen der Passanten zu erschießen. Schiver verletzt wurde der Lebensmüde in ein Krankenhaus geschafft. Vorort- l�ackrickten. Charlottenbnrg. Tie Hausbesitzer wrrdcn rebellisch. Seit Jahren haben die bürgerlichen Parteien auch die organi- sierten Hausbesitzer zu den Vorbesprechungen über die Aufstellung von Kandidaten zu den Stadtverordnetenwahlen hinzugezogen. Diesmal haben sie davon Abstand genommen, und ob dieses Frevels ist es am Donnerstagabend in der Versammlung des Bundes Charlottenburger Haus- und Grundbesitzervereine zur offenen Rebellion gekommen. Ter Referent bekämpft daS vom Wahlausschuß der bürgerlichen Fraktionen der Stadtverordnetenver- fammlung beschlossene Kompromiß sowie die Kandidatenliste, da beides ohne Einverständnis des Bundes der Hausbesitzer„als der hierzu berufenen Organisation" zustande gekommen sei, und nach heftiger Debatte gelangte eine Protestresolution zur Annahme, worin die Versammlung ihre Mißbilligung über ein„derartiges Verhalten dem Haus- und Grundbesitz gegenüber" ausspricht und erklärt,„daß sie auf Grund der in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen solchen Stadtverordneten, welche der Bürgerschaft in der beliebten Weise aufgezwungen werden, kein Vertrauen ent- gegenbringen kann". Freilich wurde der Schlußsatz später, nach- dem 18 anwesende Stadtverordnete den Saal verlassen und der als Referent über die Magistratsvorlage betr. Gründung eines In- stituts für zweite Hypotheken in Aussicht genommene Herr mit einem Streik gedroht hatte, wieder gestrichen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß in den Kreisen der Hausbesitzer eine große Mißstimmung Platz gegriffen hat. Sachlich ist diese Miß- stimmung durchaus unbegründet, die Herren haben wahrlich genug Vertreter ihrer Souderinteressen im Stadtparlament zu sitzen, und die große Zahl der dem Bund als Mitglieder angehörenden Stadt- verordneten, die in der Versammlung anwesend waren, beweist ja, daß die Sachwalter der Hausbesitzer auf dem Posten sind, wenn es sich um ihre eigenen Angelegenheiten handelt. Formell aber sind die Hausbesitzer im Recht. Wie kann der bürgerliche Wahl- ausschnh auch so unvorsichtig sein, die höchsten Steuerzahler, die die Steuern allerdings nicht aus ihrer eigenen Tasche, sondern auS der Tasche der Mieter zahlen, bei der Kandidatenaufstellung zu übergehen! Uebrigens erfährt man aus den Debatten die inter- essante Tatsache, daß der Kommunalliberalismus die Wähler überhaupt nicht mehr um ihre Meinung fragt; ein paar Herren von jeder der beiden bürgerlichen Stadt- verordnetensraktionen treten zusammen, konstituieren sich als Wahlausschuß und oktroyieren den Wäblern die Kandidaten. Wir sind gespannt, ob die organisierten Hausbesitzer nun die Konsequenz ziehen und eigene Kandidaten aufstellen oder ob sie sich schließlich fügen werden. Nach den Erfahrungen früherer Jahre wird man das letztere annehmen können. Uns kann der häusliche Streit im übrigen gleichgültig sein, da es sich ja nur um die Wähler der beiden ersten Abteilungen handelt. Wir registrieren die Tatsache lediglich als Beitrag zu dem Kapitel vom Stimmvieh. Das Vermögens- und Schuldlagerbuch der Stadt weist nach dem Abschlüsse am 31. März d. I. 237 527 044 M. Aktive auf, 27 727 313 Mark mehr als am Ende des Vorjahres; es entfallen davon 231200 127 M. auf das Kämmerei- und 6 326 917 M. aus das Stiftungsvermögen. Den Hauptanteil am gesamten Vermögen hat der städtische Grundbesitz, dessen Wert auf 171 643 551 M. um 15 773 821 M. gegenüber dem Vorjahre gestiegen ist. Diese er- hebliche Wertsteigcrung ist in erster Linie auf die Aufführung von Neu- und Erweiterungsbauten sowie die Neuerwerbung von Grund- stücken zurückzuführen; es kommen hier vor allem oer Rathaus- erweiterungsbau, der Ausbau des Opernhauses, der Neubau des Waldhauses Charlottenburg in Sommerfeld, der Leibniz-Oberreal- schule und des Krankenhauses Sophie-Charlotten-Straße �sowie die Erwerbung der Mäckritzwiesen und des Geländes am Spree- bord in Betracht. Im Interesse einer jederzeitigen durch die Poll- tische und wirtschaftliche Lage bedingten besonderen Liquidität wur- den serner größerer Beträge bei verschiedenen Banken angelegt, so daß die Kasscnbarbestände mit 17 842 660 M. ein Mehr von 6 278 717 M. gegenüber 1911 aufweisen. Dagegen ist der Wert des Mobiliars um insgesamt 132 212 M. gegen das Vorjahr gesunken, hauptsächlich infolge außerordentlicher Abschreibungen beim Elek- trizitätswerk. Die Passiva betragen 186 925 485 M. gegen 162 311 249 M. im Vorjahre� das bedeutet einen Zuwachs von 24 614 236 M. D!e Anleiheschulden sind von 143 476 617 VI. um 23112 825 M. auf 166 588 842 M. gestiegen. Ter erhebliche Schul- denzuwachs ist verursacht durch die Ausführung der erwähnten Bauten sowie durch den Erwerb von Grundstücken. Bei Gegen- Überstellung der Zunahme der Aktiva mit der Zunahme der Passiva ergibt sich ein Mehrzuwachs an Aktiva von 3113 677 M. Friedenau. Die Statutentcratunz für die neue Landkrankenkasse zeigte unser Gemeindeparlament wieder einmal so recht deutlich als den Rat der Ratlosen in allen sozialpolitischen Angelegenheiten. Alle die sonst so gesprächigen bürgerlichen Dorspapas hüllten sich, wie immer bei solchen Anlässen, in tiefes Schweigen. Entschlüpfte einmal einem der Herren ein Wort, so war es aus der Besorgnis geboren, daß den Versicherten etwas über die absolute» Pflichtleistungen gegeben werden könne. Um alles in der Welt den Armen nicht mehr bieten, als unbedingt geboten werden muß. Mehr Verständnis brachte man schon den bei diesem Anlag geäugerten Wünschen der Aerzte ent- gegen. Um dem Geldbeutel dieser Herren nicht zunahezritrcten, wurde die einzige, insbesondere für weibliche Mitglieder segensreiche Bestimmung des Statuts, die de» freiwilligen Mitgliedern freie ärztliche Behandlung und Medizin bot, gestrichen. War schon der Beschlug, eine Landkrankenkasse zu errichten, eine Versündigung am Genreimvohl, so zeigte unsere Gemeindevertretung auch hier wieder, dag sie im Interesse einzelner stets bereit ist, die Interessen der Arbeiter zu mißachten. Ilebrigens scheint den Herren des Ge- meindevorstandes die von ihnen betriebene Zersplitterung im Kassen- wesen am Ort noch nicht weit genug zu gehen. Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt man in nächster Zeit eine Belriebskrankenkasse der Gemeinde zu errichten. Die Vorarbeiten hierzu sollen schon im Gange sein. So ungeheuerlich diese Nachricht in Anbetracht der Zweigkassen am Orte erscheint, zutrauen kann man der Friedenauer Gemeindeverwaltung nach dieser Richtung hin alles. Nowawes. Ter zweite Vortrag über:„Tie wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung", der am letzten DonverStag im Schmidtschen Lokal stattfand und von über 66 Teilnehmern besucht war, stand gleichfalls unter polizeilicher Ueberwachung. Diesmal waren zwei Gendarmen erschienen, die dem Vortrage bis zum Schluß beiwohnten. Dein Gewerkschaftskartell als Veranstalter der Vorträge bleibt demnach nichts anderes übrig, als gegen das Vorgehen des Amtsvorstchers Beschwerde zu führen, die schon des- kalb aussichtsooll erscheint, weil diesmal der Teilnehmerkreis tat- sächlich ein beschränkter ist. Der Leiter stellte am Schluß des zweiten Vortrages die Teilnehmerzahl fest und erklärte, daß an den folgenden vier Porträgen etwa neu hinzukommende Personen auf keinen Fall teilnehmen dürfen.— In dem dritten Vortrage, am Donnerstag, den 36. Oktober, wird Genosse Dittmer die vor- kapitalistische Zeit, besonders den Ursprung der Familie und die EntWickelung des Handwerks, behandeln. Spo-nSau. Mit dcu bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen beschäftigte sich am Freitagabend eine gutbesuchte öffentliche Kommunalwähler- Versammlung bei kkant auf dem Nonnendamm. Stadlv. Genosse August Gebert- Charlottenburg sprach über das Thema:„Warum beteiligen wir uns an der Stadtverordnetenwahl?' Redner wies nach ausführlicher Erläuterung des sozialdemokratischen Kommunal- Wahlprogramms daraus hin, daß in einigen Iahren sich auf dem Nonnendamm die Elite der Arbeiterschaft befinden werde, haben doch dann drei Rcichstagswahlkreise Wähler in diesem Stadtteil zu wohnen. Der Stadtteil Nonnendamm, der sich zu einer reinen Arbeiterkolonie entwickelt habe, müsse alles daran setzen, am 3. November, de in Tage der Stadtverordneten- wähl der 3. Abteilung, den beiden sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Sradtv. Genosse Pieper erstattete eingehend Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordneten. Er kam auch auf die Geheimniskräincrei der bürgerlichen Parteien bei Auf- stclluiig von Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl zu sprechen. Trotzdem die Wahlen kurz vor der Tür ständen, ieien dieselben mit den Namen der Kandidaten noch nicht an die Oeffentlichkeil getreten. Wie ein hiesiges Blatt zu melden wußte, seien die Namen der Kandi- daten deshalb noch nicht bekannt gegeben worden, damit nicht Flug- blauer mit persönlichen Angrissen gegen die Kandidaten gerichtet würden. Redner kritisierte dann noch da? vollständige Versagen der Kommunalen Vereinigung bei Lösung von sozialen Fragen. Sogar gegen die Sonnlagswabl habe diese Frakiion gestimmt, trotzdem sie genau wisse, daß die Staalswerkställenarbeiter bei der Wochentags- wähl abkommandiert würden. Speziell die Arbeiter auf dem Nonnen- dämm müßten als freie Arbeiter nur sozialdemokratische Vertreter inS Stadtparlament wähle». Hierauf nahm noch einer von den beiden aufgestellten Kandidaten, Genosse« l a h l, das Wort, um sich gegen die Cliquenwirtschaft zu wenden, die in.der Spandauer Sladtverwaltuiig herrsche und von der liberalen Fraktion begünstigt werde. Sollte er die Ehre haben, gewählt zu werden, so werde er mit aller Kraft gegen die Cliquen- loirlichaft ankämpfen, und soweit es in seinen Kräften stehe, für die Interessen der Minderbemittelten, für Volksfreiheil und Volkswohl- fahrt eintreten. Nach kurzer Diskussion, die sich im Sinne des gehörten Referats bewegte, schloß Genosse G u t h die Versammlung mit der Auf- fordernng, energisch für die Wahl der beiden aufgestellten Genossen Stahl und iv o r ch a r t zu agitieren. Wittenau Borsigwalde. Mit den Schulverhältisssscn im Orte beschäftigte sich eine gut besuchte Versammlung in den„Borsigwalder Festsälen". Ter Resc- rent, Gemeindcvertreter Genosse Liebelt, kritisierte an der Hand zahlreicher Fälle die vorhandenen Mißstände. Bisher mußten alle hiesigen Kinder in Borsigwalde unterrichtet werden. Jetzt sei aber die neue Gemeindestlnilc mit einem Kostenauswande von nahe- zu einer halben Million Mark erbaut. Trotzdem dieselbe zur Hälfte leer stehe, seien 36 bis 4V Kinder gezwungen, die alte Gemeinde- schule in Wiltenau zu besuche» und den weiten Weg oft in Wind und Wetter zurückzulegen, angeblich, weil einige Klassen überfüllt und für die Anstellung eines weiteren Lehrers keine Mittel vor- Händen seien. Trotzdem habe die Gemeinde erst im Frühjahr 25 666 Mark zum Bau einer Kirche bewilligt, obwohl hierfür kein Be- dürfnis vorhanden war. Auch ein neuer Polizeiscrgeant sei kürz- lich erst angestellt worden, obwohl auch hierfür keine Veranlassung vorlag. In der Diskussion, die nach dem mit Beifall ausgenomme- nen Ausführungen einsetzte, ergänzten verschiedene Redner die Ausführungen Liebelts. Sie verlangten energisch Abhilfe dieser Zustände. Alsdann ergriff Herr Rektor Walter das Wort. Er meinte, daß er nicht als Schuldeputierter, sondern als Bürger der Gemeinde anwesend sei. Nach seiner Ansicht habe der Rcscreut d* Schulverhältnisse des Ortes zu schwarz gefärbt. Die Einrich- tungcn seien hygienisch einwandfrei. Er, Redner, glaube Pflicht- gemäß gehandelt zu haben, wenn die Sckülerzahl in den Schulen von Borsigwalde und Wittenau ausgeglichen worden sei.— In seinem Schlußwort ersuchte Genosse Liebelt die Anwesenden, bei der im Frühjahr zu vollziehenden Gemeindevertreterwahl für die sozialdemokratischen Kandidaten zu stimmen. Zum Schluß nahm die Versammlung folgende Resolution an: „Die in den„Borsigwalder Festsälen" tagende öffentliche Ver- sammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem Beschluß der Schuldcputation, wonach trotz Vorhandenseins der neuen Schule Kinder von Borsigwalde nach Wittenau zur Schule gehen müssen. Sie protestiert ferner dagegen, daß die Regierung die Wähl eines sozialdemokratischen Gemeindevertreters in die Schuldeputation nickt bestätigt hat. Sie hält die Vertretung der Sozialdemokratie in der Schuldeputation für um so dringender, als die Schuldeputa- tion in ihrer jetzigen Zusammensetzung durch ihre» Beschluß be- wiesen hat. daß sie für das Fühlen und Denken der arbeitenden Bevölkerung absolut kein Verständnis besitzt. Auch meinen die Ver- sammelten, daß man mit den Steuergroschen sparsam umgehen sollte; diese Sparsamkeit wäre indessen angebracht, wenn es sich um die Bewilligung von Geldern zum Kirchenbau und anderen nicht dem Wohle der gesamten Bevölkerung dienenden Mittel handelt. An Ausgaben für die Volksschule dürfte aber unter leinen Umständen gespart werden, da dieselbe heute sowieso nur stief- mütterlich behandelt wird. Die Versammlung fordert deshalb von der Gemeindeverwaltung schleunigste Abhilfe des Uebelstandes." Sisiungstage von Ttadt- und Gemeindevertretungen. Treptow-Baumschulenweg. Freitag, den3l. Oktober, abends 6 Uhr, im Ratbauje, Neue Krug-Allee. Tagesordnung: Fleijchversorguiig, Arbeitslosenversicherung. Tegel. Montag, den 27. Oktober, nachmittags 5 Uhr, Vcitstr. 3. Tiefe Sitzungen sind öffentlich. Jever Gemcindcangehörige il be- rechtfgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. fnauen-I�eleabencle. Erster Kreis. Hanfavicrtcl bei Dreßler, Alionaer Str. 26. Vortrag des Genossen Düwell:„Wer foll dein Herr sein— Dienstag, den 28. Oktober bei Wcihnacht�Grünstr. 21, Vortrag des Genossen Schwabe« dahl:„Warum sind wir Sozialdemokraten?" Zweiter Kreis. Alontag in folgenden Lokalen: Wiemers, Bülow- strafe 58, Genosse Clajus:„Lohnarbeit und Kapital".— easi, Hornstr. 2, Genosse Bendel:„Religio» und Sozialismus".— Fröhlich, Bliicherstr. 56, Ecke Fontancpromenade, Vortrag der Genossin Baader.— Lörisch, Mark- grajenstraße 73(früher 88), Genossin Wurm:„Da? kommunistische Manifest". Tritter Kreis. 1., 2. und 5. Abt. bei Pötzclt, Rittcrstr. 123, referiert Genosse Ungcr.— 3., 4., 6. und 7. Abt. bei Henning, Alexandrinenstr. 44, referiert Genossin Mariha Tietz.— 8., 9. und 16. Abt. Spreehos-Kantinc, Wuslerhausencr Str. 16, referiert Genossin Köhler. Sämtliche Referenten sprechen über„Die Frau im Kampfe gegen Not und Rechtlosigkeit". Bohnsdorf. Der Lcseabend fällt wegen des VortragskurfuS aus.— Die Genossinnen werden aber ersucht, mn Montag, den 16. November 1913, abends 8 Uhr(Villa Kahl), recht zahlreich zu dem Vortragsknrsus zu erscheinen, weil an diesem Abend der Teil des Parteiprogramms'F r a u c n- frage, Religion und Erzichungs wesen erklärt wird. Der Befuch ist an diesem Abend für die Genossinnen unentgeltlich. Borsigwalde, Dienstag, abends 6"/, Uhr, in den Borsigwalder Fest- sälcn. Vortrag des Genossen Glöckner. Britz-Buckow. Mttwoch lla9 Uhr, bei Becker, Chausseestr, 97. Bortrag der Genossin Siedcl über„Bebel und die Frauen". Etzarlottenburg. I.Gruppe im GeilossenschaftswirtshauS, Königin- Elisabclhstr. 6.— I. und II. Gruppe bei Höst, Nchringstr. 25.— III. Gruppe (Kietz) bei Bade, Kaiserin-Augusta-Allee 52.— lll. Gruppe(Moabit) bei Ernst, Rcuchlinslr. 6.— IV, Gruppe bei Licdtke. Suarezstr. 4.— V. und VI. Gruppe im Poikshaus, Rosinenslr. 3.— VII. und VIII. Gruppe bei Thumack, Äiclandstr. 4. In allen Gruppen: Vortrag. Eöpenilt. Dienstag, den 28. Oktober, abends 81/, Uhr, bei Lehmann, Bahnhosstr. 44. Vortrag des Genossen Mar Galle: Arbeitslosensürsorge und Massenstreik. Heriilsdors. Mitüvoch, den 29. Oktober, abends'1,9 Uhr, bei Egge- brechl, Albrcchtstr. l. Vortrag des Genosse» Wilh. Kubig über: Die Ge- schichte der Menschheit. Lichtenberg. In den bekannten Lokalen werden nachstehende Bor- träge gehalten: 1. Viertel, Genosse Glöckner über.Naturwissenfchast".— 2. Viertel, Martha Arendsee über„Bürgerliche Frauenbewegung".— 3. Viertel, Genossin Buchmann über„Bürgerliche Frauenbewegung".— 4. Viertel, Genosse Kaßler über„Was lehrt uns die Bwel".— 5. Viertel, Genossin Kaschcwski über„Der Kamps ums Dasein".— 6. Viertel, Genosse Rössel über„Wie können die Frauen sich rüsten, um öffentlich zu wirken<" Marieuselde. Montag, abends 9 Uhr, bei Schuster. Vortrag des Genosscil Schindlcr-Neukölln über Bebel„Frau". Oder-Dchöneweidc. Montag, abends 8 Uhr, bei Rabe, Wilhelmincn- Hofstraße 43. Paiikow. Umständehalber findet der Lefeabend nicht am Montag sondern am Mittwoch, den 29. d. M., statt, und zwar für den Nordbezirk bei Schröder, Floraslraßc, Ecke Gaillardstraße; für den Südbezirk bei Heinze, Berliner Str. 78, Ecke Kaiscr-Fnedrich-Straße. NcuköU». Aus allen Lcseabenden wird daS Thema behandelt:„Die Parteien und ihre Programme".— Die Name» der Referenten sind in Klammern angegeben.— 1. Bez. bei Marquardt, Sanderstr. 4(Erich Barth). 2. Bez. bei Kokegei, Reulerslr. 52(Herm. Koltc). 3. Bez. bei Meitze!, Pannierslr. 59(Ernst Klar). 4' Bez. bei Krämer, Weferslr. 31(Aug. Dieterich). 5. Bez. im Jdeal-Kasino, Weichselstr. 8(Otto Haffner). 6, und 7. Bcz bei Zibell, Elbestr. 8(Fritz Faaß). Sa. u. b. Bez. bei Kaiser, Wildenbruchslr. 86(Fritz Carl). 9. u. lv. Bez. bei Schulz, Richardstr. 35 (Ernst Bürde). 11. Bcz. bei Prill, Böhmische Str. 44(Karl Heilmann). 12. Bez. bei Müller, Tbüringcrstr. 5(Rich. Krille). 13. Bcz. bei Laube, Bendastr. 26(Fritz Brinkmann). 14 a. u. b. Bez., bei Filsch, Knesebeck- ftraße 48/49(Karl Wermuth). 15. u. 17. Bez. bei Schröder, Bodestr. 27 lRich. Nowakowski). 16». u. b. Bez. bei Miehlig'(Okerstr. 8/9(Max Skuhr). 18. u. 19. Bez. bei Tappert, Slcinmctzstr. 114(Karl Franke). 26. und 21. Bez. bei Bartsch, Hermannstr. 49(Herm. Radlke), 22. u. 24. Bez. im KarlSgarten, Karlsgarlciiüraße(Rudols Schulz). 23. Bez. bei Schneider, Mainzer Str. 6(Luise Siedet).— Dieser Vortrag ist die Grundlage sür die Erörterung des Paiteiprogramms, welche diesen Winter an acht Vortrags- abenden geschehen soll. Die Genossinnen werde» dringend gebeten, die Vorträge regelmäßig zu besuchen. Reinickendors-Osi. Wegen Verhinderung der Refcrentin nicht Montag, sondern Mittwoch, den 29. Okiober, abends 8'/, Uhr bei sadau, Rcsidenzstr. l24. Vortrag der Genossin Ottilie Bader über: August Bebel: Die Frau und der Sozialismus. Reinirtcndorf-Wcsl. Dienstag, den 28. Oktober, abends 8'l, Uhr, bei Hallmann, Scharnweberstr. 53, Vortrag des Genoss« August Luscher über:„Legende und Fälschung im Geschichtsunterricht dc> Volksschule." Schiiiieberg. Montag, 27. Oktober bei Milde, Nollendoilstr. 16, Referent: Dr. Röder; bei Jürgens, Barbarossastr. 5a, Referent: Genosse Hofsmann über„Lassalle und die deutsche Sozialdemokratie"; bei Schulz, Apostel- PauluS-Str. 33. Rcscrcnt: Direktor Danneseld über„Krantenkass'cnrecht"; bei Wandlkc, Bahnstr. 25, Referent: Genosse Gcbhart über„Die Frauen und die Kirche") bei Häufer, Königsweg 42, Referent: Genosse Pctcrfohn; bei Knoblauch. Sedanstr. 53, Referent: Genosse Köster über„Erzichungs- fragen"; bei Grams, Tempelhoser Straße, Ecke Ebersstraße, Referent: Genosse Kütcr; bei Krause. Rubenstrasse, Ecke Begasstraße, Referent: Genoffe Krukow über„Kraiikcnkallenrccht". Die Genossinnen vonjpiehl, Mühlen- straßc 8, gehen zu Grams, Ebersstratze, Ecke Tempelhoser Strasse. Miltwoch, 29. Oktober, bei Ncvi, Sachfendamm 40. Referent: Genoffe Kütcr über:„Ehe und Liebe''. Stralau. Montag, 27. Oktober, bei Sleinicke, Alt-Stralau 5: Vortrag des Genossen Sepp Oerter. Tegel. Montag, den 27. Oktober, abends 8'/, Uhr, im Jugendhelm, Babnbosstr. 15: Vorlrag der Genossin Anna Maischte. Wittenau. Mittwoch, den 29. Oklvber. abends 81/, Uhr, im Lokal von Wittchow, Oranienburger Str. 39/166: Vortrag der Genossin Matfchic. Wo kein Tag angegeben, findet der Lcscabcnd am Montag, de« 27. Oktober, statt. � Jugcndveranstaltunge«. Schöncberg. Heule Tonntag, den 26. Oktober, abends 6'/, Uhr, in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8, Vortrag über Jugenderziehung, Sitten-.und Morallchrc.___ Zentral-Kranken, und BegrabniSkassc sürFrauen und Mädchen in Deutschland(E. H. 26), Ostcnbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin I. Montag, den 27. Oktober, abends 81/, Uhr, im GcwcrlschastShaus, Engel- nscr(saal 3): Miiglicdcrvcrfammlung. Tagesordnung: I. Abrechnung vom 2. und 3. Quartal 19l3. 2. Vortrag des stadlv. Dr. I. Zadel über „Geburtenbeschränkungen". 3. Fragcbeanlwvrtnng. 4. Mitteilungen über die scriierc Gestaltung der Kasse nach dem 1. Januar 1914. 5. Ver- fchicdcne Kass'enangelegenheilc». Huö aller Melt. Sin wacherer Leutnant forebt Heb nit! Eine tragikomisch wirkende Geschichte, deren Held der Z e u g- oberlcutnant Peter Heider aus Ingolstadt ist, fand dieser Tage vor dem Oberkriegsgericht einen höchst eigenartigen Abschluß. Ter Oberleutnant hatte vor einiger Zeit seine Wohnung gekündigt. Wenige Tage vor dem Umzüge kam die Hauswirtin des Offiziers mit dessen Gemahlin i» Difscrcnzen, weil die Wirtin Putzwolle und Werg durch ein Dienstmädchen wegschaffen ließ, um im Speicher des Oberleutnants Ordnung zu machen. Dabei soll in bczug auf die Familie des Oberleutnants vom Dienstmädchen und der Hausfrau das Wort Brut gebraucht worden sein. Di« Frau Oberleutnant schickt« ihre Kinder zum Herrn Gemahl, hex gerade Dienst hatte und ließ ihm die Frcbcltat melden. Ter Hei Oberleutnant verließ sofort den Dienst, eilte nach Hause und stürzt sich gegen die Wirtin und das Dienstmädchen in den Kampf, de: sich vorerst in hitzigen Worten abspielte. Da sich die beiden Frauer. indessen keineswegs von dem Herrn Oberleutnant einschüchtern ließen, zog der Offizier den Säbel und hieb nach dem auf einer Stiege stehenden Dienstmädchen. Der erste wuchtige Hieb des kampfesmutigen Oberleutnants traf das Treppengeländer. Mit dem zweiten Hieb traf der von der Faust des Oberleutnants ge- schwungene Artilleriesäbel das Hinterteil der putzenden Maid. Offenbar durch diesen Erfolg angefeuert versetzte er der Hausfrau eine gehörige Ohrfeige. Wegen der Ohrfeige wurde der Offizier vom Standgericht in Ingolstadt freigesprochen resp. für straffrei erklärt; denn die Hausfrau soll, als der Offizier auf das Dienstmädchen eindrang, zum Oberleutnant gesagt haben:„Sie sind ein altes W e i b". Der Offizier war somit „gereizt". Außerdem soll die Hausfrau den Besenstiel gegen den Oberleutnant erhoben haben. Wegen des Säbelhiebes auf das Hinterteil der scheuernden Maid wurde der Offizier vom Stand- gericht zu 45 Tagen Festung verurteilt. Der Offizier legte Berufung ein. Am Oberkriegsgcricht gab der Offizier an, daß er in Notwehr, und zwar in— Ehren notwehr handelte. Den Säbel habe er gegen das Dienstmädchen gebraucht, weil er „das Mädchen mit der Hand nicht erreichen konnte". Das Gericht sprach den Oberleutnant frei mit der kurzen und bündigen Begründung, daß der Offizier in P u t a t i v n o t- wehr gehandelt häbe. Notwehr, bei der das scheuernde Dienst- mädchen den Säbelhieb von hinten erhielt. Wieder einer! In Fiesole bei Florenz ist der Pfarrer von Basciano, mit Namen Moracci, wegen versuchten Totschlages verhaftet worden. Gegen den Pfarrer bestand seit längerer Zeit lebhafte Unzufrieden- heit, weil er ein junges und bildhübsches Mädchen in seinem Dienste hielt. Schließlich setzt« es die Bevölkerung durch, daß der Pfarrer"das Mädchen entließ. Es heißt nun, daß der Pfarrer am 22. Oktober, als er auf der Jagd war, das Mädchen getroffen und es mit Aufmerksamkeiten bestürmt habe. Die junge Person gab ihm einen Stoß, wobei der Geistliche in einen Graben fiel. Daraufhin schoß er nach dem Mädchen, ohne es zu treffen. Als dann am Nachmittag das Mädchen vor dem Fenster des Pfarr- Hauses vorbeiging, schoß der geistliche Herr mit einem Revol- ver nach ihr, wobei sie wieder mit dem Schrecken davonkam. Gleich nach der Tat verließ der Geistliche die Pfarre und begab sich mit dem Zuge nach Ficsole, wo die telegraphisch benachrichtigte Karabinieri ihn in Haft nahm. Die Allerweltspartei. Am Tage der badischen Landtagswahlen prangte an den Anschlagsäulen in Pforzheim der folgende satirisch gedachte Wahlaufruf der Liberalen: Wähler, wählt Zentrum! Warum? Weil das Zentrum die einzig wahre Partei ist. Es ist die Partei für die Armen und die Reichen, für die Männer und für die Frauen, für die Gesunden und für die Kranken, sür die Dicken und für die Dünnen. Für Alle, Alle, Alle ist das Zentrum die einzig wahre Parteil Das Zentrum hat das Deutsche Reich gegründet. Dem Zentrum ver- danken wir unser Heer und die Flotte, unsere Industrie und die Landwirtschaft, unser Haus und Hof, unser Weib und Kind. Alles, Alles, Alles verdanken wir dem Zentrum. Das Zen- trum läßt die Sonne zur rechten Zeit scheinen und den Regen zur rechten Zeit fallen; es läßt das Korn gedeihen und die Kälber wachsen; läßt die Kartoffeln groß und dick werden und sorgt dafür, daß die Mäuse den Hafer nicht fressen und verderben; es vertilgt die Ratten, Wanzen und jegliches Ungeziefer. Alles, Alles, Alles tut das Zentrum für seine Wähler. Aber die bösen Liberalen, sie wollen uns das nicht glauben, sie sind schuld an der Maul- und Klauenseuche, sie machen das schlechte Wetter, sie fressen die kleinen Kinder! Hu, Hu, Hu! Darum, Wähler, wählt Zentrum! Wählt Zentrum! Wählt Zentrum! Die Charakterisierung der Allerweltspartei ist zwar �ehr treffend, jedoch hat diesmal der Gefoppte die Lacher puf seiner Seite. Kleine Notizen. Unglückliche Liebe. Ein junges Liebespaar- ließ sich Sonn- abendmorgen von einem Zuge Remscheid-Solingen in der Nähe von Güldenwerth überfahren, beide waren sofort tot. Das 26jährige Mädchen stammt aus Küppelstein bei Remscheid. Der junge Mann ist der Sohn eines Bäckermeisters aus Barmen. Als Grund der Tat wird unglückliche Liebe angenommen. Zugzusammenstost in London. Infolge des herrschenden Nebels stießen Sonnabend früh auf der Waterloostation zwei Züge zu- sammen. Drei Personen wurden getötet neun- zehn verletzt. Typhuscpidcmic in einem französischen Regiment. Eine Typhusepidemie wütet seit einiger Zeit unter der Garnison von Montauban. Bereits 36 Soldaten sind der Krankheit zum Opfer gefallen und weitere 66 liegen krank im H o s p i- tal.- Am Freitag ivaren wiederum zwei neue Todesfälle zu verzeichne»._ Moeben Spielplan der Berluier Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntagmittag 12 Uhr: Matinee. AkendS Mignon. Montag: Siegfried(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Die Fledermaus. Miltwoch: Don Carlos. Donnerstag: Die Götterdämmerung.(Ansang 61/, Uhr.) Freitag: Madama Bultcrslp. Sonnabend: Figaro» Hochzeit. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Salome(Ansang 8 Uhr). (Ansang Tl, Uhr.) Königl. Schauspielhaus Sonntag: Schwanenweiß. Montag: Die Journalissen. Dienstag: König Richard II. Mittwoch: Die Neuvermählten. Die zärtlichen Verwandten. Donnerstag: Schwanenweiß. Freitag: Die Neuvermählten. Die zärtlichen Verwandten. Sonnabend und Sonntag: Hans Lange. Montag: Schwancnwciss.(Ansang 7'!, Uhr.) Neues Lpernthe ater(Kroll). sonntngnachmiitag ZY, Uhr: Almen- rausch und Edelweiß. Abends:'s Dorsg'hoanmis. Montag: Fröschl. Dienstag und Mittwoch: Die AmeisenHex. Donnerstag: Der Amerika- seppel. Freitag: Die Ameifenhex.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend bis Montag: Geschlossen. Deutsches Theater. Sonntag: Don Carlos. Montag: Torquato Tasso. Dienstag: Der lebende Leichnam. Mittwoch: Der blaue Vogel. Donnerstag: Torquato Tasso. Freilag. Sonnabend und Sonntag: Tmilia Gälolti. Montag: Torquato Tasso.(Ansang Tl, Uhr.) Kanimerspiele. Sonntag: Der verlorene Sohn. Benetianlsche Aden- teuer. Heirat ividcr Willen. Mittwoch: Bürger Schippel. Donnerstag: Der verlorene Sohn. Freitag: Bürger Schippe!. Sonnabend, Sonntag und Montag: Der verlorene Sohn.(Ansang 8 Uhr.) Lesfing-Tbeater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Professor Bernhard!. Abends: Peer Gvnt.(Ansang Tl, Uhr.) Montag: Professor Bernhard!. (Ansang 8 Uhr.) Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Peer Gynt.(Ansang Tj, Uhr.) Freitag: Und das Licht scheinet in der Finsternl». Sonn- abend änd Tonntag: Pygmalion.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonmagnachmillag 3 Uhr: Bummelswdentcn. Abends und allabendlich: Wie einst im Mai.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch- und Doimerslagnachmittag 3 Uhr: Ein Boiksscind. Theater in der Königgrätzer Strafte. Sonntag: Macbeth. Moni- ag: Die süns Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Macbeth. Mitt- woch: Brand. Donnerstag: Marbetb. Freitag: Die süns Frankfurter. Sonnabend und Sonntag: Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Macbeth.(Ansang T], Uhr.) TcntscheS Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3'l4 Uhr: Ein idealer Gatte. Allabendlich: Die heitere Residenz.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Frei- schütz. Abends: Der Troubadour. Montag: Der Mikado. Dienstag i Eugen Onegin. Mittwoch: Lobetanz. Donnerstag: Der Bassenschmied. Freitag: Die Jüdin. Sonnabend und Sonntag: Undin«. Montag! Lobd- kanj.(Anfang 8 Uhr.) Komödienhaus. Soniitagnachmittag 3 Uhr: Die fünf Frankfurter. Allabendlich: Hinter Mauern.(Ansang 8 Uhr.) Ktinstler-Theater.- Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS Prinzip. AbendS: Hannele» Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug. Montag: Der Biberpelz. Dienstag: HanneleS Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug. Mittwoch: Da« Prinzip. Donnerstag: HanneleS Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug. Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend und Sonntag: Kampf Montag: VanneuS Himmelsaahrt. Der zerbrochene Krug.(Ansang 8 Uhr.) Lustspieldaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Majolika. Allabendlich: Di« Puppenklinik.(Anfang 8'/, Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der liebe Auguftin. Abends: Gräfin Fifi. Montag bis Freitag Der liebe Augustw. Sonnabenb und allabendlich: Polenblut.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Die Tangoprinzcsstn.(Ansang 8 Uhr.) Nestdeu»» Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Die Frau Präfi- dentin. Allabendlich: Hoheit— der Franz.(Anfang 8'/, Uhr.) Trianon• Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Seine Geliebte.(Ansang 8 Uhr.) Gebiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Freiwild. AbendS: Wenn der neue Wein blüht. Montag: Jugendfreunde. Dienstag: Die Großstadtluft. Mittwoch: Wenn der neue Wein blüht. Donnerstag: Di« Großstadtluft. Freitag: Wenn der neue Wein blüht. Sonnabend:'Die Arofistadtluft. Sonntag: Rosenmontag. Montag: Wenn der neue Wein blüht.(Ansang 8 Uhr.) Zchiller- Theater Charlottenburg. Soimtagnachiniltag 3 Uhr: Der Psorrer von Kirchseid. Abends und Montag: Rosenmontag. Dienslag: Jugendfreunde. Mittwoch: Rosenmontag. Donnerstag: Jugendsreunde. Freitag: Rosenmontag. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert. Abends und Sonntag: Jugendfreunde. Montag: Rosenmontag. (Ansang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die gelbe Gesahr. AbendS: Der Hüttenbesttzer. Montag und Dienstag: Von Stufe zu Stuse. Mittwoch: Die Allwördens. Donnerstag: Von Stufe zu Stufe Freitag: Hopfenrats Erben. Sonnabend: Der Hüttenbesttzer. Sonntag und Montag: Hopfenrais Erben.(Anfang 8'/, Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Liebelei. All- allbendlich: Belinde.(Anfang 8 Uhr.) Nenes Bolkstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Mudder Mews. Abends: Die Siebzehnjährigen. Monlng: Rausch: Die Siebzehnjährigen. Mittwoch: Mudder Mews. Donnerstag und Freitag: Der ledige Hos. Sonnabend: Mudder MeivS. Sonntag: Rausch. Montag: Die Siebzehnjährigen.(Ansang 8'ls Uhr.) Walhalla-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Allabendlich: Der LiebeSoukcl.(Anfang 81/, Uhr.) Montis Operetten> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Vogelhändler. Allabendlich: Die ideale Gattin.(Anfang 8 Uhr.) Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Müller und sein Kind. Allabendlich: Im weißen Rößl.(Ansang 8'/, Uhr.) Theater am Nollendorfplat,. Sonntag bis Mittwoch: Die Heimkehr des OdvsseuS. TonnnerStag: Der lachende Dreibund. Freitag: Die Heim- kehr des Odysscus. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Iphigenie auf TauriS Abends: Der lachende Dreibund. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Orpheus in der Unterwelt. Abends und Montag: Der lachende Dreibund.(Ansang 8 Uhr.) Urania. Theater. Allabendlich: MU dem.Imperator» nach New Uork.(Anfang 8 Uhr.) Gebr. Herrnseld-Thcater. Allabendlich: WaS sagen Sie zu Lei» busch?!(Anfang 8 Uhr.) Kasino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Am grünen Strand der Spree. Allabendlich: Ferdinand der Tugendhaste..(Anfang 8 Uhr.) Folies Caprire. Allabendlich: Ritter Baldrian. Mißgeburt. Adoptiv» kind.(Ansang S'lt Uhr.) Metropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr:'S Nullerl. Allabendlich: Die Reise um die Weit in 40 Tagen.(Anfang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spezialitüten.< Ansang 8 Ubr.) Reichshallen-Thrater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Stettiner Sänger. Allabendlich: Stettiner sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 71/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Galavorstellung. 'Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang 71;. Uhr.) Zirkus Schumann. Sonntag nachmittag 3ll, Uhr; Galavorstellung. Mabendlich: Galavorstellung.(Ansang 7'/, Uhr.) Admiralspalast. Eisballelt: Die lustige Puppe.(Ansang 9 Uhr.) Immer wieder Hören wir die Fraget Wie ist es nur möglich, dass ,,Sie derartige gute, moderne und „elegante Ware zu den niedri* gen Preisen verkaufen können? Was Wunder« dass uns dies stets von neuem anspornt« nocH vorteilhafter Sie zu bedienen, und immer wieder Sie davon zu Überzeugen» dass man bei uns wirklich am billigsten Kauft! BRENNINKMEYER.C.HBH Königstraße 33, SoBBtag,, Chausseestr. 113 Am Bahnhof Al«x«nderpl. geschloisen! Am Stettiner Bahnhof Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, 10—2. 6—7. Sonntags 10—12. SpeMlltlitkii:�ndleb°rwu?ft Jeden Mittwoch: Die berühmten Grüuwiirstchen. Jeden Sonnabends: Ztzrische Blut- und Leberwurst.* Wurgmeyer, Krunnenflr. 6. Spezialarzt (Cr Syphllit, Harn- u. Frauenleiden— Ehrllch-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, eich. Hellung. MäBige Preise. Dr. med. 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Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckeret n. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co., Berlin M so 3. f eiidge des WmöWHttMer Der neue Krupp-Prozeß. Berlin, den 23. Okioder 1313. Am deutigen dritten Verhandlungstagc wird mit der Zeugen- Vernehmung begonnen. Als erster Zeuge wird Polizeirat 51 o ch vernommen, der im Auftrage der Staatsanwaltschaft die Ermitte- lungen geleitet hat, die auf den Brief des Abg. Dr. Liebknecht hin vom Kriegsminister veranlaßt wurden. Der Zeuge berichtet über die Durchsuchung der Wohnung und des Bureaus des Angeklagten Brandt: Ich fand bei Brandt die später vorgelegten„Äornwalzer" und sah auf dem Tisch Notizzettel liegen, die von dem Feuerwerker Schmidt stammten. Nach den Notizen wurden die Äornwalzcr gc- macht. Ich mächte Brandt verschiedene Vorhaltungen, und er ent- nahm daraus, daß er schon seit längerer Zeit beobachtet wurde und daß die Polizei auch die Personen kenne, mit denen er zu tun hatte. Er gab dann die einzenenlPersonen an, von denen er Mitteilungen erbalten habe und nannte dabei auch Höge und Pfeiffer, von denen ich noch keine Kenntnis hatte. Auf Befragen des Vorsitzenden und des Oberstaatsanwalts erklärt der Zeuge: Fch hatte den Eindruck, daß Brandt ein oisencs Geständnis ablegte.— Vors.: Ging das Geständnis soweit, daß er sagte: ich bekenne mich der Bc- stcchuitg schuldig?— Zeuge: Nein, soweit ging er nicht. Er gab lediglich zu: ich bin mit den Leuten zusammengekommen, habe sie freigehalten und von ihnen Nachrichten bekommen. Bezüglich Höge sagte er, daß er diesem nichts habe zukommen lassen; Höge habe nicht einmal ein Glas Bier angenommen. Brandt sagte, er habe sein Verfahren nicht als Bestechung angesehen. Ich hielt ihm aber vor. daß auch solche Zuwendungen schon nach dem Gesetz Be- stcchung seien.— Vors.: Hat er sich geäußert über die Bcschuldi- gung wegen des Verrats militärischer Geheimnisse?— Zeuge: Er sagte. für Krupp existierten überhaupt keine Geheimnisse; die Nachrichten hätte die Firma Krupp sowieso später erfahren. — Vors.: Sagte er, daß die ihm übermittelten Nachrichten schon von vornherein der Firma Krupp bekannt waren?— Zeuge: Das sagte er wohl nicht. Zu der Funktionszulagc von 3500 M. er- klärte er, daß diese Zulage teilweise als Ersatz für seine Auslagen bei dem Verkehr mit den alten Kameraden gedient habe. Ich hqtte den Eindruck der vollen Glaubwürdigkeit Brandts bei der Ver- nchmung.— Vert. Recht sanw. Löwensiein: Haben Sie dem Auge- klagten eine Tesinilion des Begriffes„Bestechung" gegeben und haben Sie ihm den Bestechungsparagraphen vorgelesen?— Zeuge: Vorgelesen habe ich ihm den Bcsiechungsparagraphen nicht, ich habe ihm aber gesagt, daß auch die Zuwendungen schon als Bestechung gelten würden.— Auf Wunsch des Verteidigers Rechtsanwalt Löwenstein wird das Protokoll der Ärandtschen Vernehmung ver- lesen und Polizeirar Koch bestätigt nochmals, daß dieses Protokoll die Vernehmung richtig wiedergebe. Aus Anregung des Oberstaats- anwalts bestätigt weiter der Zeuge, daß der Oberscuerwerker Schmidt zweimal den Angeklagten in Zivilklcidung aufgesucht hat. — Es werden dann die richterlichen Protokolle verlesen. Dabei hebt der Oberstaatsanwalt hervor, daß der Angeklagte ausgesagt habe, er habe gewußt, daß seine Firma die in den„Korwwalzern gemachten Mitteilungen geheimhalten würde.> Bei der weiteren Verlesung der gerichtlichen Protokolle wird der Angeklagte Brandt aus Wunsch des Verteidigers Rechtsanwalt Löwcnstein nochmals darüber befragt, ob er den Militärbeamten die Geschenke nur aus Dankbarkeit gegeben habe oder um später wieder Jkachrichten von ihnen zu er halten.. Der Angeklagte erklärt, die Geschenke nur aus Dankbarkeit für bereits erhaltene Mittciluugxn gegeben, zu haben.. Anter Be- zugnabipe auf eine in einem militärgcrichklichen Protokoll ent- haltcnc Aeußcrung Brandts fragt Verteidiger. Justizrat Dr. v. Gordon, ob Brandt mit dem Z u g e st ä n d n i s, daß es der Firma nicht entgangen sein könne, daß die Berichte auf vertraulichem Wege erworben wor- den seien, nur bestimmte Berichte oder ganz allgemein alle Berichte genieint habe. Der Angeklagte erklärt, daß sich diese Aeußerung nur auf einzelne Berichte bezogen habe. In den Protokollen werden sehr ausführlich die Bcziehungeu zwischen Brandt und v. Mctzcn behandelt. Es heißt da u. a. in einer Aussage Brandts, daß Metzcn mit den Geheimberichten einverstanden gewesen sei und eine Sinnesänderung bei ihm erst eingetreten war, als er seine Entlassung durch die Firma Krupp zu geivärtigcn hatte. Da sagte v. Metzelt mir, daß ihm die Geheimberichte sehr unangenehm ge- Wesen seien, und bei einer lschon am ersten Tage besprochenen) Unterredung zwischen Dr. Muehlon, Herrn v. Metzen und mir wurde ich von Herrn Dr. Mmhlon auch gcsrggt, ob ich denn die Geheimberichte weiter machen oder sie nicht lieber los sein wollte. Ans meine Gegenfrage, ob denn die Herren in Essen aus diese Berichte nicht Wert legten, sagte Dr. Muehlon ausweichend, einige Herren legten keinen Wert darauf.'Schließlich aber wurde mir gesagt, daß ich die Bprichtc doch weiter machen sollte. Herr v. Metzen schwieg dazu; erst als die Differenzen zwischen v. Metzen und der Firma entstanden, beschicd er mich einmal in seine Wohnung und fragte mich dort, ob ich denn nicht bemerkt habe, daß diese Unterredung zwischen ihm, Dr. Muehlon und mir eine abgekartete Komödie zwischen ihm und Dr. Muehlon gewesen sei. Im weiteren Verlaus dieser Unterredung sprach v. Metzen davon, daß er Kornwalzer zurückbehalten habe und für den bevor- stehenden Prozeß mit der Firma wohlgerüstet sei. Er riet auch mir, derartiges Material zurückzubehalten. Ich habe dann auch, da er sehr heftig über die Firma loszog, meinem Unwillen gegen Krupp Ausdruck gegeben, allerdings nur, um herauszubekommen, wie sich v. Metzen weiter über die Firma äußern würde. Herr v. Metze» sagte denn auch, daß es zu einem Prozeß kommen werde, in dem die Geheimberichte ausgerollt wer- den würden. In den Protokollen finden sich weitere'Angaben des 'Angeklagten Brandt über den näheren Verkehr v. Metzens mit einem Dr. Blum und einem bei der Eckhardtschen Maschinenfabrik tätigen Hauptmann a. D., d-w früher Referent bei der Artillerie- Prüfungskommission gewesen war. später sagte Dr. Muehlon dem Brandt, v. Metzen habe solche Schweinereien begangen, daß er sich h ü t e n werde, gegen die Firma Krupp etwas zu unter- nehmen. Die Kornwalzer wurden in der folgenden Zeit nicht mehr an Herrn v. Dewitz, sondern an die Firma direkt geschickt und von Dr. Drcger unterzeichnet. Die Firma hat dem Angeklagten Brandt, wie aus den Protokollen iveiter hervorgeht, eine zweite Hypo- thet aussein Ville ngrundstück in Rahnsdorf g e- g e den. Zu der Angabe Brandts, daß seine Aufwendungen für die Beschaffung der Geheimberichte, also für Geschenke, Zechen in besseren Restaurants, für einen besseren Haushalt usw., ISCKl M. betragen hätten und daß er von der Repräsentationsznlage von 3300 M. manches für sich verwendet habe, entspinnt sich eine kurze Auseinandersetzung. Zlngeklagter Brandt erklärt hierbei, daß diese 1300 M. die Gesamtausgaben für den Verkehr mit den Beamten gewesen seien, und der Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein be- merkt hieraus, daß also diese 1300 M. nicht etwa direkt den Beamten gegeben worden seien.— Zu einer weiteren» protokollarischen Aeußerung. daß Brandt Herrn v. Metzcn gegenüber davon ge- sprachen habe, daß er lBrandt) seine Nerven ruiniere, fragt Rechts- anmalt Löwe.nstein� ob Brandt damit cnva einen• Ruin seiner Nerven durch die seelische Angst vor einer Strafverfolgung gemeint habe oder nur einen Ruin seiner Nerven durch Ucbcr- arbeitung.— Angeklagter Brandt: Ich habe dabei nur daran gc- dacht, daß ich zuviel Arbeit hatte. Herr v. Mctzcn sagte mir einmal, wenn es zu einem Prozeß käme, würde er alle Rücksichten fallen lassen, auch in bezug aus die Geheimberichte. Ich faßte das so aus, daß er vielleicht mich als einen unbequemen Zeugen be- seitigen wollte. Schließlich erklärt Angeklagter Brandt zu einer protokollari- scheu Aeußerung, daß er in der Untersuchungshaft keineswegs ge- sagt habe, daß Bestechungen vorlägen, sondern nur, daß die Firma allerdings von seinen Berichten gewußt und sie gewünscht habe. Hierauf wird als Zeuge Landrichter Wctzel vernommen, der als llntcrsuchungsrichter den �Angeklagten Brandt wiederholt vernom- men hat. Er bekundet: Ich hatte den Eindruck, daß Brandt auf meine Vorhaltungen, die Wahrheit zu sagen, ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Ich sagte ihm, und Brandt wußte das auch, daß die meisten Tatsachen uns. schon bekannt waren und angesichts dieses erdrückenden Materials hielt er meiner Ansicht nach auch nicht mit der Wahrheit zurück. Ich hatte die Empfin- dung, daß er reinen Tisch machen und sein Gewissen erleichtern wollte.'Als einzige Unklarheit blieb der Vorgang mit dem Besuch des Direktors Muehlon in der V o ß st r a tz e bestehen.— Vors.: Hat er denn zugegeben, daß er eine Bestechung verübt habe? Er sagt jetzt, er wollte durch die Geschenke nicht die Nachrichten veranlassen, sondern er hahe nachträglich den Kameratzen, die ihm Nachrichten brachten, sich erkenntlich gezeigt.— Zeuge: Ich hatte die Empfindung, daß Brandt nach dem Grundsatz handelte: do iit des. Aus allen Berhandlmigen ergab sich ungefähr: gewiß, die Herren waren mir gefällig und ich habe mich revanchiert.— Aus-mehrfache Fragen der Verteidigung, des Vorsitzenden und des Oberstaatsanwalts ergänzt der Zeuge diese Bekundung dahin, daß Brandt nach seiner Empfindung durch die Geschenke sich nicht nur revanchieren wollte für die erhaltenen Nachrichten, sondern daß er sich die Leute auch warm halten und sie zur Fortsetzung der Information anhalten wollte.— Der Oberstaatsanwalt verweist aus die Protokolle, in denen es heißt: Ich habe die und die Ge- schenke aus Dankbarkeit gegeben; ich habe sie aber auch gegeben, um die Kameraden zur Fortsetzung der Nachrichten zu veran- lassen.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Es steht im Proto- koll nicht, daß er die Herren zur Fortsetzung der Nachrichten ge- neigt machen wollte, sondern nur, daß er sie sich warm halten wolle.— Zeuge: Ich habe jedenfalls die Empfindung gehabt, daß er die Leute zur Fortsetzung ihres Nachrichtendienstes bestimmen wollte mit seinen Geschenken.— Oberstaatsanwalt: Der Angeklagte hat wicderbolt in diesem Punkte seine früheren Erklärungen vor dem Untersuchungsrichter zurückgenommen und auf Vorhalten ge- sagt, er wisse nicht, wie er dazu gekommen sei, so etwas auszu- sagen. Er sei in verzweifelter Stimmung gewesen.— Zeuge: Ich babe von einer verzweifelten Stimmung bei Brandt nichts ge- spürt. Die Vernehmung wickelte sich in aller Ruhe und Freund- kichkeit ab. Ich glaube, Brandt hatte auch Vertrauen zu mir und er wollte reinen Tisch machen. Gerade weil ich davon überzeugt war, daß Brandt die volle Wahrheit sagte und mir auch?luf- klärung über den ganzen Pcrsonenkreis gegeben hatte, der in dieser?lngclcgenheit in Frage stand, war ich um so erstaunter, als ich aus den Verhandlungen vor dem Kriegsgericht hörte, daß nun plötzlich noch neue Personen genannt wurden.— Verteidiger Rechtsanwall Löwenstein: Sic wären wohl nicht so erstaunt gewesen, wenn Sie gewußt hätten, daß Höge, Pe�r Ijie.r in Frage kam, überhaupt keine Zuwendungen bekommen hat. Brand- halte wohl bei seiner Vernehmung nur die Personen nennen wollen, die für die Bestechung in Frage kämen.— Zeuge: Wenn Brandt meine Frage richtig verstanden hat, mußte er mir alle Personen nennen, die seit der Lieferung des Materials der Kornwalzer überhaupt in Frage kamen. Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Hätten Sie es denn nun für erforderlich gehalten, daß er die hohen Beamten, Ossizicrc und Privatpersonen, mit denen er ganz offiziell verkehrte, auch hätte auszählen sollen, weil ja auch deren Nachrichten Verwendung fanden?— Zeuge: Es handelte sich natürlich um den Kreis der Personen, von denen er Material für die Kornwalzer durch seinen freundschaftlichen Verkehr bekam.— Major v. Waltershausen: Ich möchte feststellen, daß Brandt nur ganz ausnahmsweise als Ver- trcter des Herrn v. Metzen mit Offizieren verkehrt hat.— Ver leidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Brandt hat ja selbst gesagt, daß er den Verkehr mit den Ossizieren nur pflegen mußte, weil Herr v. Metzen so oft verreist war.— Oberstaatsanwalt: Der Angeklagte Brandt hat seine früher vor dem U n t e r s u ch u n g s- r i ch t c r gemachten lAussagen direkt auf den Kopf gestellt. Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Ich gebe zu, daß bei den Aussagen vor dem.Kommandanturgericht Brandt erheblich zurück- haltender war als vor dem Untersuchungsrichter und auch hier in diesem Prozeß. Es folgte die Vernehmung des vom Kommandanturgericht bereits abgeurteilten ZengleutnantS Tilian, dessen Vereidigung vom Vorsitzenden ausgesetzt wird. Die Gc- nehmigung des Kriegsministcrs zur'Aussage wird verlesen. Der Zeuge gibt an, daß er von 1904 bis 1908 in der Feldzeugmeisterci, Abteilung Artillerie, tätig gewesen ist.— Vors.: Sie mußten doch ein Protokoll unterschreiben, worin Sie sich verpflichteten, alle Dinge, die amtlich zu Ihrer Kenntnis kamen, geheim zu halten? Zeuge: Jawohl.— Der Zeuge gibt dann in Uebereinstimmung mit den Angaben vor dun Kommandanturgericht an, wie er Brandt kennen gelernt und wie sich der Verkehr gestaltet hat. Zur Aus- lieferung von Nachrichten kam es dadurch, daß Brandt im Lause des freundschaftlichen Verkehrs erklärte, wenn ein Zuschlag ver- geben werde, so ginge die Nachricht zuerst nach Essen und käme von dort aus wieder an das Kriippbnrcau in Berlin, so daß Ver- spätungen entstünden. Ich habe ihm also die Nachrichten über die Zirschlagscrtciluiigcn direkt gegeben.— Vors.: lind darin fanden Sie nichts?— Zeuge- Nein, bei dem Verhältnis, in dem Krupp zur Heeresverwaltung st cht, konnte ich darin nichts finden.— Der Vorsitzende hält dann!wm.Zeugen vor, daß doch bei freien Verdingungcn eine Firma nicht die Preise erfahren durfte, die ihre Konkurrenz verlangte, was der Zeuge zuchbt. Er bemerkt aber, daß Brandt keineswegs besonders sich um Nach- richten über freie Vergebungen beworben habe. Der Zeuge hat ihm noch.die Konkurrenzpreise unbedenklich mitgeteilt.— Vors.: Sie mutzten sich doch aber eigentlich bei richtiger Uebcrlegung sagen, daß von der Verpflichtung zur Geheimhaltung auch Krupp gegenüber eine Ausnahme nicht gemacht werden durfte.— Zeuge: Ja, allerdings. Der Zeuge gibt dann an, daß in den Restaurants bald er, bald Brandt bezahlt habe, und daß er drei- bis viermal kleine Darlehen von Brandt genommen habe. Er wollte aber dadurch keineswegs Vorteile er- langen; es war als Gegenwert für die Nachrichtenerteilung. Brandt stand eben mir am nächsten, ich wußte keinen anderen, der mir kleine Beiträge leiben konnte, die Kameraden standen auch nicht besser da als ich. Wenn ich z. B. Kleidcranschaffungen oder der- gleichen nötig hatte, so wollte ich den ganzen Betrag immer auf einmal bezahlen, um die billigeren Preise ivahrzunehmcn, und des- halb nahm ich diese kleinen Darlehen.— Vors.: Hat Brandt nicht auch einmal versucht, Ihnen Geld zu schenken?— Zeuge: Vielleicht hat er einmal, als ich ihm ein Darlehen zurückgab, gesagt: Behalten Sic es man, ich brauche es nicht.— Vors.: Haben Sie sich durch Gcldgewährung bestimmen lassen, Nachrichten zu geben?— Zeuge: Das ist ganz ausgeschlossen; die Darlehen toaren nur aus Dank- barkeit für bereits gegebene Nachrichten gewährt.— Der Ober- staatsanwalt Chrzcscinski hält dem Zeugen vor, daß Brandt die Nachrichten mit Berufung darauf verlangt habe, daß das Berliner Bureau Krupps sonst die Erteilung des Zuschlages zu langsam erfahren würde, aber der Zeuge bätte dem Brandt doch nur die Zu- schlüge an Krupp allenfalls nach seiner Auffassung mitteilen dürfen, aber nicht die an andc rc Firmen.— Zeuge: D,c Heeresverwaltung ist selbst daraus bedacht, daß selbst dann, ivenn Krupp viel billiger ist als andere Firmen, doch auch die anderen Firmen Zuschläge erbalten, damit im Falle der Mobilmachung eben nicht nur Krupp, sondern auch andere leistungsfähige Firmen zur Ver- fügung stehen.— Oberstaatsanwalt Echrzescinski: Gewiß, eine ver- ständige.Heeresverwaltung wird daraus sehen, aber �Sie dursten doch deswegen die Firma Krupp nicht auch bei freihändigen Ver- gcbnngen begünstigen.— Zeuge: Ich hielt mich dazu befugt, da der Staat und Krupp in jeder Weise und bei allen möglichen Ver- suchen zusammenarbeiten, und ich ivar überzeugt, auch dem Staate zu dienen, wenn ich Krupp gefällig bin.— Oberstaatsanwalt Chrzcscinski: Und wenn Sie die andere Konkurrenz tot- machen u n d aus dem Felde schlagen?--- Zeuge: Nein, das ist ja gar nicht denkbar, denn daran hat der©tat und die Heeresverwaltung gar kein Jntcrcssc.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstcin: Dies hat ja in der kriegsgerichtlichen Verhandlung auch Oberstleutnant Jung bestätigt.— Zeuge: Jawohl.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenttein: Hat Brandt Ihnen auch gesagt, daß infolge der Nachrichtcnlicfcrung die Preise von Krupp herab- gesetzt und die Lieferungen verkürzt würden, und hat das nicht auch auf Sie eingewirkt?— Zeuge: Jawohl.— Verteidiger Löwcnstein: Hat nicht ein General als Sachverständiger in einem Spionagcprozch erklärt, vor der Firma K r u p p habe die Militärverwaltung keine Geheimnisse?— Zeuge: Jawohl, das hat mir Brandt mitgeteilt. Der Zeuge erklärt iveiter, daß die gelegentliche Bezahlung der Zeche im Restaurant durch Brandt für ihn gar keine materielle Zuwendung bedeutet habe, weil 'daheim sein Essen sowieso herumstand, so daß er hiervon keinen Vorteil hatte. Er gibt iveiter an. selbst oft gesehen zu haben, daß die Vertreter der cinzrlnen Firmen sich bei den Referenten in der Feldzeugmeisterei nach den Angeboten und Preisen erkundigt haben. Die betreffenden Referenten kamen im Laufe solcher Unterredungen in das Vorzimmer heraus und fragten, was denn diese oder jene Firma. für diesen oder jenen Artikel verlangt habe.— Vors.: Daraus können Sic aber doch nicht schließen, daß der Referent dann auch diese Preise den Ver- tretern mitgeteilt hat.— Zeuge: Das weiß ich allerdings nicht. Aber Tatsache ist, daß manchmal Preise, die vorher ziemlich hoch waren, sehr plötzlich herabgesetzt wurden. Ich habe auch das Empfinden, daß die Konkurrenz immer wußte, was Krupp forderte. Brandt war ebenfalls über die Dinge, die ich ihm sagte, im großen und ganzen allgemein unterrichtet.— Vors.: Aber die Specialia wollte er doch von Ihnen erfahren haben.— Der Zeuge erklärt, daß Brandt in ein- zelncn Fällen auch schon die Specialia gewußt habe.— Vors.: Das lann aber in diesen Fällen auch bloß auf Vermutungen beruht haben.— Aus eine Frage des Verteidigers Rechtsanwalt Löwen stech erklärt der Zeuge, zu Brandt absolutes Vertrauen gehabt zu haben, daß er seine Nachrichten nur an Krupp, aber an keine andere Firma und selbstverständlich erst recht nicht ins Ausland weitergeben werde. Ich habe Brandt gesagt, meine?kn- gaben dürften natürlich nicht dazu benutzt werden, um die Preise von Krupp zu erhöhen. Er versicherte mir, das sei ganz ausgc- schlössen. Die Angaben könnten nur dazu dienen, daß Krupp seine Preise, falls sie zu hoch seien, herabsetze.—'Auf verschiedene Fragen der Verteidigung bekundet der Zeuge weiter, sein Verkehr mit Brandt sei ein durchaus freundschaftlicher geworden, und Brandt habe auch sein<� Freundschaft und Freigebigkeit für ihn bewährt, als er, Zeuge, nicht mehr in der Lage war, ihm Nachrichten zu geben. Er habe auch die Empfindung, daß die Erteilung der Nach- richten keinen Einfluß auf diesen freundschaftlichen Verkehr gehabt habe. Die lAusgaben Brandts für Zechen tonnten keinesfalls 100 M. betragen, sondern vielleicht 13, denn es babe sich immer nur um ein paar Glas Bier gehandelt.— Der Vorsitzende weist darauf hin, daß Brandt diese Ausgaben mit 100 M. berechnet habe.— Angekl. Brandt: Ich kann mich der genauen Zahlen natürlich nicht mehr entsinnen.— Auf die Fragen des Verteidigers, wie Titian die Bekanntschast Brandts mit seinem Nachfolger Schröder vermittelt habe, bekundet der Zeuge, er habe di« beiden Herren zusammengeführt und Schröder vorher gesagt, er könnte Brandt ruhig entgegenkommen, ivenn er von ihm Nachrichten wünsche. Hierauf wird der Zeugleutnant Schleuder vernommen, der der Nachfolger Titians war. Er bekundet: Ich habe mit Tilian vom Januar bis Mitte April 1908 zusammengearbeitet. Tilian sagte mir eines Tages, er wolle mich mit einem ehemaligen Kameraden bekanntmachen, der jetzt bei Krupp angestellt sei, und ich könnte diesem ruhig entgegenkommen, wenn er Fragen stelle. Wir trafen uns dann mit Brandt im Rbeingold und Brandt sagte schließlich im Laufe des Gesprächs, er habe hausig an Herrn Tilian Fragen gerichtet über bestimmte Dinge, ob ich ihm nicht auch mit solchen Auskünften dienen wollte. Ich sagte das ohne Be- denken zu. Ich wußte übrigens noch gar nicht, um was für Fragen es sich handeln würde. Bedenken hatte ich nicht, weil mein Vor- gänger mich darauf vorbereitet hatte. Mein Verkehr mit Brandt war durchaus freundschaftlich. Ich verkehrte mit meiner Frau in seinem Hanse und wir trafen uns häufig im Restaurant. Ich gab Brandt auch Nachrichten über beschränkte Verdingungcn und freie Vergebungen. Brandt zahlte bei unseren Zusammenkünften, aber nicht immer, die Zeche; die Ausgaben werden im ganzen wohl' etwa 50 M. im Laufe der Jahre ausgemacht haben. Brandt hat mir wiederholt auch Geldbeträge gegeben von 10 bis 20 M., im ganzen etwa 200 M. Ein« besondere Weih- nachtsgratifikation hat er mir nicht gegeben; es ist aber möglich, daß er mir vor Weihnachten mit 23 bis 30 M. ausgebolfcn hat.— Vors.: Sic sind sich doch bewußt gewesen, daß ein« Erteilung von Nachrichten an Brandt und die Annahme von Zuwendungen dafür eine große Verfehlung darstellten. Zeuge: Nein, das ist mir nicht zum Bewußtsein gekommen. Brandt sagte mir nach einigen Wochen, ich hätte verschiadenc Auslagen für ihn gehabt, er könnte dos nicht verlangen bei meinem geringen Gehalt und ich müßte ihm ge- statten, �das zu ersetzen.— Vors.: Vor dem Untersuchungsrichter haben Sic aber ausgesagt, Sie hätten Brandts Wunsch, Ihren Nachfolger varzustellen abgelehnt, weil Sie Ihren Stachsolger nicht in dieselbe schiefe Lage bringen wollten, in der Sic sich befanden. — Mein Nachfolger war damals noch gar nicht bestimmt. Ich habe das nicht so ausdrücken wollen, wie es im Protokoll des Unter- suchungsrichtcrs steht.— Auf die Frage der Verteidigung versichert der Zeuge, er- sei überzeugt, daß der frcnndschaftlickc Verkehr mit Brandt unbeeinflußt war durch die Hergabe der Nachrichten. Weiter bekundet der Zeuge, ihm sei wiederholt aufgefallen, daß Brandt Wer alle artilleristischen Fragen auhcroricntlich gut informiert war und auch vor allen Dingen über neue Einrichtungen weit besser Bescheid wußte, als er. der Zeuge. Darauf tritt die Mittagspause ein. AlS erster Zeuge in der Nachmittagssitzung wird der Zenglcutnant Hinst vernommen. Er kann nicht sagen, daß Brandt sich an ihn heran- gemacht hätte. Brandt sagte ihm nur, daß schon die Borgänger bcs Zeugen mit ihm in Verbindung gestanden haben. Sein Eher, Herr� v. Schütz, der offizielle Vertreter von Krupp, sei zu bequem, um selbst zu den Referenten zu gehen, und darum sollte ich ihm doch Mitteilungen machen. Im Augenblick habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht, ob ich das durfte, erst nachher sind mir solche Gedanken gekommen. Brandt interessierte sich in der Haupt- sacke um da? Beschaffungswesen. Ich habe ihm manch- mal gesagt, welche Bestellungen in Aussicht standen, vor allem aber die Ergebnisse der bereits vergebenen Ausschreibun- gen und zwar sowohl von bch'chränktcn, als auch von freihändigen. Die Nachrichten habe ich meist mündlich gegeben.— Vors.: Hatten Sie Besorgnisse, daß Sie durch schriftliche Mitteilungen später ein- mal zu Schaden kommen könnten?— Zeuge: Wenn ich ein- mal einen Notizzettcl daließ, dann sagte mir Brandt, er würde ihn sofort vernichten. Der Zeuge erzählt dann weiter, daß er von Brandt niemals Geschenke, insbesondere Geldgeschenke, erhalten habe. Brandt habe ihm nur, wenn er im Automobil zu ihm hin- ausfuhr, die Barauslagcn ersetzt und einmal auch die Auslagen für Blumen, die er Frau Brandt mitgebracht hatte, denn Brandt ivollte nicht, daß der Zeuge seinetwegen Auslagen hätte. Einmal hat Brandt ihm IVO M., die der Zeuge brauchte, gebracht, da es ihm aber ein unangcnähmes Gefühl war, für seine Nachrichten Geld von Brandt zu bekommen, habe er vorgeschützt, daß er die IVO M. für jemand anders brauche. Er hat das Geld nachher zurückgegeben — Verteidiger Justizrat Dr. v. Gordon: Waren Sie überzeugt, daß auch die Konknrrenzsirmen über die Preise unterrichtet wurden?— Zeuge: Jawohl.— Verteidiger: Wieso denn?— Zeuge: Ich entnahm das daraus, daß die Vertreter der Firmen aus. und eingingen und aus dem ganzen Dienst- und Geschäfts- betrieb.— Oberstaatsanwalt Chrzcscinski: Diese Frage führt zu Mißverständnissen, wenn sie nicht ganz ausführlich gestellt wird.— Verteidiger Gordon: Mir liegt nur an der s u b j e k t i v e n S e i t e, nämlich daran, daß die Herren Militärbcamten das alles gar nicht für so geheim gehaltet haben.— Oberstaatsanwalt: Sie waren sich aber doch bewußt, daß das, was Sie taten, etwas U n e r- laubtes war?— Zeuge: In diesem Moment und in der Weise, wie ich Brandt Mitteilungen machte, n>ar ich mir dessen nicht be- wüßt.— Oberstaatsanwalt: War Ihnen denn nicht klar, daß Sie solche Mitteilungen gar nicht machen dürfen?— Zeuge: Damals nicht, und auch nicht i» bezng auf derartige Mitteilungen.— Oberstaatsanwalt: Hatten Sie Grund zu der Annahme, daß andere Firmen sich in derselben Weise Nachrichten verschaffen, wie Brandt von Ihnen?— Zeuge: Ich kann darüber bestimmtes nicht sagen, denn ich habe mit solchen Urteilen schon unangenehme Erfahrungen gemacht.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein stellt nun nochmals die Frage nach der Richtung hin, daß die Militärbeamten diese Tinge gar nicht für so geheim angesehen haben, worauf der Oberstaatsanwalt nach der zustimmenden Antwort des Zeugen er- regt erklärt: Ich kann mich dabei nicht beruhigen.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Wir beruhigen uns aber dabei, wenn der Herr Oberstaatsanwalt weitere Angaben wünscht, so ist ja seine Sache. Wir erheben aber gar keinen Vor- Wurf, weder gegen die Beamten noch gegen die anderen Firmen, wir sagen nur, daß alle diese Dinge als nicht so geheim betrachtet wurden.— Oberstaatsanwalt: Die Verteidigung hat zwar nicht be- hauptet, daß die anderen Firmen auf illoyalem Wege Nachrichten erhalten hätten, aber dieser Gedanke liegt in der Luft, wenn so gefragt wird. Für mich steht fest, daß der Verkehr mit mittleren Beamten ein illoyaler Weg war, weil diese Beamten nicht befugt sind, Mitteilungen zu machen. Es ist ein allgemeiner Grundsatz, daß da«x nur die oberen Instanzen befugt sind. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn Sie der Meinung waren, daß die anderen Firmen auch alles erfahren, so gab es dafür ja einen offiziellen Weg, daß nämlich die offiziellen Vertreter der Firmen an die offiziellen Referenten der betreffenden Amtsstellen herangehen. Haben Sic Grund zur Annahme, daß die anderen Firmen auf diesem Wege alles erfuhren oder daß sie andere Mittel ergriffen?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen und nicht nachweisen.— Vors.: Sic können doch auch gar nicht behaupten, daß andere Firmen alles gewußt haben, das ist nur eine Vermutung von Ihnen.— Zeuge: Nein, das ist keine bloße Vermutung. Im Laufe der Jahre bei der Bearbeitung von Beschaffungsplänen mar z u sehen, daß die Firmen zusammenarbeiten mußten.— Vors.- Woraus war das zu ersehen?— Zeuge: Aus der Preis- stcllnng.— Vors.: Wieso denn?— Zeuge: Das kann ich nicht so erklären.— Vors.: Das müssen Sie aber.— Zeuge: Wenn ein Gegenstand mehrmals hintereinander ausgeschrieben wurde, dann ist eine Firma, die vorher bedeutend höhere Preise gefordert hatte, ganz bedeutend heruntergegangen, so daß ich das Gefühl hatte, daß sie etwas von den früheren Preisen erfahren haben mußte.— Oberstaatsanwalt: Ist Ihnen denn nicht bekannt, daß in solchen Fällen den Firmen auch mal gesagt wird: Eure Preise sind z» hoch, niacht doch mal niedrigere Preise.— Zeuge: Gewiß, aber ich kann auch nicht sagen, daß in den von mir angezogenen Fällen die Preisreduzierung auf diese Weise herbeigeführt wurde.— Oberstaatsanwalt: Ihre Antwort legt einen Verdacht nahe: sind Gründe dafür vorhanden, daß die anderen Firmen auf Hintertreppen sich das Material verschafft haben?— Zeuge: Das kann ich nicht behaupten.— Der Angeklagte Direktor Eccius erklärt. Ich muß betonen, daß ich eine solche Behauptung niemals aufgestellt habe und auch nicht aufstellen will.— Mit einer ebensolchen Er- klärung des Rechtsanwalts L ö w e n st e i n ist diese etwas bewegte Erörterung beendet.— Verteidiger Justizrat Dr. v. Gordon: Ist es richtig, daß Brandt alles besser und eingehender wußte als der Zeuge?— Zeuge: Jawohl, er konnte mich geradezu belehren. — Aus eine weitere Frage des Verteidigers erklärt der Zeuge, daß Brandt sich niemals um Konstruktionsfragen, sondern nur um kommerzielle Fragen, um Preise und um das Beschaffungsgeschäft bekümmert habe. Auf die Frage des Rechtsanwalts Löwenstein erklärt der Zeuge noch nachdrücklich, daß er niemals eine Gegen- leistung für die Nachrichten bekommen habe und daß ihm auch die Inaussichtstellung einer Gegenleistung oder die Nichtinaussicht- stellung gar nicht beeinflußt hätte bei der Nachrichtengewährung. Er erzählt dann auf Befragen des Vorsitzenden, daß Brandt ihm einmal zu Weihnachten an einem Juwelierladen angeboten habe, ihm eine Brillantnadel zu kaufen, lvas er abgelehnt habe.— Angeklagter Brandt erklärt dazu, daß dies ein Irrtum sein dürfte, da das Angebot höchst scherzhaft gemeint gewesen sei, denn was sollte ein Herr in llnisorm mit einer Brillantnadel?— Vors.: Wenn Sie zu Brandt mit dem Auto ge- kommen wären, ohne ihm Nachrichten zu bringen, hätte er Ihnen doch auch die Auslagen ersetzt oder 2» M. in einem Kuvert über- geben?— Zeuge: Wenn ich zu ihm gefahren wäre, um ihm sonst irgendeinen Dienst zu leisten, oder weil er mich ersucht hatte, ihn zu dieser bestimmten Stunde aufzusuchen, so wäre es doch gewisset maßen seinck Verpflichtung gewesen, mir die Auslagen zu ersetzen. — Damit ist die Vernehmung dieses Zeugen beendet. Als nächster Zeuge wird der Feldwebel Schmidt vernommen, der in der Feldzeugmeisterei der Nachfolger von Hinst war und von diesem auch mit Brandt bekanntgemacht wurde. Der Zeuge bekundet: Vor dem Zusammtressen mit Brandt sagte Hinst, es sei besser, wenn ich in Zivil gehe. Er gab mir verschiedene Ver Haltungsmaßregeln und sagte dabei auch, die Firmen möchten gern wissen, was die Konkurenz tut. Er fing langsam an, mich darauf aufmerksam zu machen, was Brandt für Gefälligkeiten erwartete. Wir trafen im Rhcingold zusammen. Hinst fuhr dann weg und überließ mich Herrn Brandt. Brandt wollte möglichst schnell von den in Aussicht stehenden Lieferungen Nachricht haben. Ich hatte leine Bedenken gegen solche Gefälligkeiten, weil mein Vorgänger sie ja auch geleistet batte und weil Hinst die Sache als ganz Harm- los und allgemein üblich hinstellte.— Vors.: Wies Hinst darauf hin, daß Sic vielleicht durch Brandt Vorteile haben könnten?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen.— Vors.: Hat Brandt Ihnen be stimmte Aufträge erteilt?— Zeuge: Brandt sagte mir immer, was im Gange war, und darüber wollte er näheres wissen. Eigent- liche Aufträge waren es nicht.— Vors.: Schließlich wurde Ihnen die Sache dach unangenehm und Sie wollten nach Ihren früheren Bekundungen diese Gefällig keiten aufgeben, aber es kam die Verhaftung dazwischen. Auf weitere Fragen bekundet der Zeuge, Brandt habe öfters in Lokalen die Zechen für ihn bezahlt; der Gesamtbetrag werde nicht einmal 10 M. ausmachen.— Vors.: Brandt sagte, es seien 20 M. gewesen. — Zeuge: Es waren weniger als Ist M.— Auf die Frage nach den baren Beträgen, die er von Brandt erhalten habe, erwidert der Zeuge: Ich habe Brandt gesagt, ich wollte mich zu Haufe mit Nebenarbeiten beschäftigen, um einen Nebenverdienst zu meinem knappen Gehalt zu erzielen. Ich war aber oft krank, und da meinte Brandt, ich sollte mich lieber ruhen, und er gab mir in einem ge- schlossenen Kuvert 20 M. Ob er den 2st-Mark-Schein schon vorher in das Kuvert gesteckt hat oder erst während unserer Unterredung. kann ich nicht sagen. Ich weigerte mich erst, das Geld anzunehmen, er nötigte mich aber sehr, und ich nahm es schließlich. Er gab mir dann später noch ein Weihnachtsgeschenk von äst M. und außerdem noch Ist M.— im ganzen also 80 M. Auf Befragen der Verteidigung bemerkt auch dieser dieser Zeuge, er habe nicht den Eindruck gehabt, als wären die Zuwendungen des Brandt eine Bezahlung oder Gegenleistung für die Nachrichten, die er ihm ge- geben habe. Er habe das Gefühl gehabt, daß der bessergestellte Kamerad ihm bei seinem schlechteren Einkommen behilflich sein wollte.— Vors.: Glauben Sie denn, daß Brandt Ihnen diese Zuwendungen auch gemacht hätte, wenn Sie ihm nicht die Nach- richten gegeben hätten?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen. Ter nächst« Zeuge ist der frühere Zeugfeldwedel und jetzige Beamte der Firma Krupp in Essen Droese, der vom Komman- danturgericht Berlin von der Anklage der Bestechung freigesprochen und nur wegen Ungehorsams verurteilt worden ist. Er wollte seinerzeit zu Krupp gehen, und hat Brandt ersucht, günstig über ihn zu berichten, hat ihn aber nicht gebeten, sich für ihn zu verwenden. Brandt habe ihm auch nichfs Derartiges versprochen. Der Zeuge hat Brandt Mitteilungen aus dem Bestellbuch gemacht und hat eben- falls die Angaben deswegen nicht geheim gehalten, weil er sich derFirmaKrupp gegenüber n ich tan dieSchweige- Pflicht gebunden erachtete.— Vors.: Aber ein Sachver- ständiger konnte doch aus diesen Mitteilungen allenfalls entnehmen, wenn Versuche bei einer Heeresverwaltung angestellt werden.— Zeuge: Es war durchaus nickt alles geheim.— Vors.: Doch aber der größte Teil?— Zeuge: Ja. Ich hatte auch dienstlich viel mit Brandt zu tun, so z. B., als es sich darum handelte, das unbrauch- bar gewordene Material durch neues zu ersetzen, urtd als die Firma das nach Essen zurückgesandte Altmaterial von der Rechnung für das neue Material absetzen wollte. Von Brandt habe ich niemals etwas bekommen, er hat mich auch nicht in Restaurants bewirtet; wir haben nur in den Familien verkehrt. Es folgt die Vernehmung des früheren Zeugfeldwebels und jetzigen Magistrats-Oberassistenten Linde, gegen den erst vor wenigen Tagen vor dem Kommandanturgericht Berlin verhandelt wurde. Der Firma Krupp gegenüber glaubte er die Schweigepflicht nicht beobachten zu müssen, da ihm das auch nicht ausdrücklich gesagt wurde. Von einer eventuellen Anstellung bei Krupp ist nur ganz kurz gesprochen worden.— Zeuge Höge, Zeugleutnant in Köln, hat Brandt schon 1907 kennen gelernt, aber erst im Juni die Mitteilungen gemacht. Brandt hatte Kenntnis von den geheimsten Sachen. Ich wunderte mich darüber und er sagte mir, daß er auch dienstlich diese Sachen bekomme, denn für ihn, Brandt, sei ja nichts geheim, was Krupp betreffe, er bekomme auch streng geheimes Material. Das leuchtete mir ein, daß nur jemand solche Dinge wissen konnte, der ganz genau unierrichtet war und alles bekam.— In der Haupt- fache wollte Brandt von mir nur die Angaben, die er bereits hatte, bestätigt wissen und außerdem noch Sachen, die Krupp weiter interessierten, wie z. B., was für Pulver geliefert werde und was es auf dem Gebiet des Heerwesens überhaupt neues gebe, damit die Firma zu Verbesserungen angeregt werde und Verbesserungen auf den Markt bringen könne. Ich habe ihm also derartige Mittei- lungen gemacht, auch solche über Bestellungen an andere Firmen, jedoch waren das meist solche Bestellungen, von denen auch Krupp einen Teil bekommen hatte; Brandt wollte seine Mitteilungen nur deswegen bestätigt wissen, weil er damals die Vertretung in Berlin führte. Wenn Brandt hätte Mißbrauch treiben wollen, so hätte er noch ganz andere«achen erfahren können, denn bei Krupp stand ihm ja das geheimste Material zur Verfügung; ich aber wußte, daß er das größte Vertrauen genoß und es niemals mißbrauchte. Ich habe niemals Vorteile von ihm bekommen, er hat mir auch keine angeboten. Ein Darlehen von 1000 M. habe ich ihm mit Proz. Zinsen auf Heller und Pfennig zurückgezahlt.— Auf die Vernehmung des gewesenen Sekretärs im Kriegsministerium Pfeiffer wird allseitig verzichte!.— Zur Frage der Vereidigung der als Zeugen vcrnom- menen Zeugleutnants und Zeugfeldwebel bittet Oberstaatsanwalt Ehrzescinski, die Zeugen nicht zu vereidigen.— Verteidiger Justiz- rat Dr. v. Gordon führt aus, daß gegen Höge auch nicht der Schatten einer Bestechung vorliege, ebenso sei es mit Linde und mit Droese, so daß keinerlei Grund bestehe, sie nicht zu vereidigen,— Ober- staatsanwalt: Die Bestechung und der Verrat militärischer Geheim- nisse sind in dieser Sache miteinander so verquickt, daß eine Trcn- nung nicht möglich ist und daß deshalb, auch wenn der Verdacht der Bestechung germger ist, die Vereidigung doch nicht stattfinden kann. — Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein führt aus, daß es doch ganz gut möglich wäre, diejenigen Zeugen, die der Bestechung nicht schuldig erscheinen, so zu vereidigen, daß sich der Eid nur auf Aus- sagen für die Frage der Bestechung beziehe.— Oberstaatsanwalt: Ich habe nichts dagegen einzuwenden, daß gegen Höge ein Verdacht der Bestechung nicht vorliegt. Bei Droese und Linde aber hat die Hoffnung auf Anstellung bei Krupp infolge Verwendung Brandts bei der Nachrichtengewährung mit- getvirkt und daher ist bei diesen zwei Zeugen der Verdacht der Be- stechung nicht ausgeschlossen.— Nach längerer Beratung des Ge- richts verkündet der Vorsitzende die Entscheidung dahin, daß di« vernommenen Zeugleutnants und Zeugfeldwebel unbeeidigt bleiben, weil sie wenigstens hinsichtlich einer der beiden zur Anklage stehenden Handlungen verdächtig sind und eine teilweise Vereidi- gung deswegen nicht angängig ist, da nicht nur ein äußerer pro- zessualer, sondern auch ein innerer Zusammenhang zwischen beiden Handlungen bestehe. Die Verhandlungen werden darauf auf Montag 9 Uhr vor- mittags vertagt._ BlttlerungSubersicht vom SS. Oktober ISIS. Etatwnen 4 st Iii Iii®t B-J tSetta i&tvinembe. amburg ! erlin Franks. a.M München Wien 766 767 768 WsW� Sjbedeckt WSW: 2iDunst SW! Iheiter 769 NO � l Nebel 770 NO 3«olkenl 771 Still i wolkig a» ti w5> etattonen |il tl l'U Haparanda Petersburg ScfUn Ab erbten Paris 751 n 759 O 760;$38 765NO Zwolkenl »wolkig 2!wolkenl Iwolkenl ** e-« k Sk -ii 13 8 8 Wetterprognose für Sonntag, den S6. Oktober 1913. Vielfach bester, rächt« sehr kühl, am Tage wieder mild bei lebhasten westlichen Winden; leine oder unerhebliche Niederschläge. Wasserstands» SiaNirichten der LandeSanftalt für Gewäsiertunbe, mitgetctll vom Berliner Weitervureau Wasserstand M e m e i. Tilstt P r e g e l, Jnfterburg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor , Krassen . Franksutt a r t h e, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbq , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Svandau') . Rathenow') Spree, Spremberg'j . BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier sLlkrleistnng Professor Dr, Schär, Dozent an der Berliner Handelshochschule, schreibt in der Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis folgendes: Der Käufer ist Im übrigen vor Fälschung und Unredlichkeit im Maß und Gewicht geschützt, weil der Kaufmann nach dem Verkaufssystem „Selbstkostenpreis+ 10"/,)" gar kein Interesse hat, die Ware zu surrogieren oder unr dlich zu messen und au wiegen Beim neuen Verkaufs» syste n kommt der Kaufmann nicht mehr in Versuchung, die Unerfahrenheit und Unkenntnis des Käufers in Bezug auf die Beurteilung des Werts der Waren auszunutzen. Der Käufer Ist sicher, daß er nur die Selbstkosten+ 1O0/0 zu bezahlen hat, ob er Laie oder Fachmann ist." Herren-Ulster, Paletots, Anzüge Neueste Moden— Anfertigung nach Mass— Vorzüglicher Sitz SelbslIiflstgBprais 16.50 24.20 32.00 41.00 Verkaotspreis 18.15 26.62 35.20 45.10 Deutsche Bekleldunes■ Gesellschaft m. b. H. Turmsirasse 80 nah» Kl. Tiergapten Vertrieb von Herren- und Knaben-Garderobe Grosse Franhfurter Strasse 4 Chausseestrasse 27 Ecke Fruehtstrasse nahe Invalidenetpasee Neukölln Bepgstr. 7-0 Ecke Prlnz-Hand(ery-Str. nmen JKbdeöt. "atzuf VcfüöCfotanüIqunq öereXegan- Cl3encttö'iCcUe» Ouöer'Cpen. öc/törvc. föf- m&v* Umlßertrü�me 4 clötungsfähig Kot 10 000 M. Strafe verpflichten wir uns an die Armen Berlins zu zahlen, wenn dieses Angebot nicht reell ist und auf Wahrheit beruht."Wer sich billig und gut kleiden will, der kaufe uns die von unserer Kundschaft nicht abgenommenen neuen Maß- Anzüge, Paletots, Ulster, Hosen usw. ab, die wir SS'/s bis 50 Proz. unter Preis abgeben, damit wir unsere guten Sachen nicht zu verramschen brauchen. 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Wer Cunows neuestes Buch zur Hand nimmt in der voreiligen Hoffnung, sich daraus schnell und mühelos einige geistreiche Brocken anzulesen, mit denen sich beim nächste» nächtlichen Kaffeehausgespräch über Gott und die Welt neiderregend prunken lägt, wird das Buch enttäuscht aus der Hand legen. Cunow ist so ganz und gar nicht der Mann modischer Salonphilosophie und der neuerdings wieder so beliebten Vielschwätzerei über religiöse Probleme im Stile fcuille- tonistisch veranlagter Theologen oder— was aus dasselbe hinaus läuft— theologisch orientierter Feuilletonisten. Mit einer gelassenen Handbewegung schiebt Cunow alle speku- lative Spintisiererei über die Anfänge der Religion und des Gottes glaubenS beiseite, wenn er als Historiker selbstverständlich auch die vorübergebcnde Bedeutung der verschiedenen Versuche theologischer, rationalistischer, kulturgeschichtlicher, philosophischer und sprach- geschichtlicher Art, hinter den Ursprung der Religion zu kommen wobl zu würdigen weiff. Für ihn koinmen lediglich die tatsächlichen Forschungsergebniste der Ethnologie in Betracht. Durch sie werden der Religionssorschung zum ersten Male feste Grundlagen gegeben, sie ermöglichen eine Analyse der Religionen von Natur- und Halb- kulturvölkern und von hier aus sichere Schlüsse auf die Anfänge der Religion überhaupt. Aber auch auf dem Gebiete der Ethnologie, seinem eigentlichen Gebiete, ist Cunow zu sehi� selbständiger Forscher, als dast er etwa kritiklos die Mutmaßungen, und Schlüsse bürgerlicher Ethnologen übernähme. Seine gründliche Kenntnis des gesamten Materials und daneben, seine Eigenschaft als wissenschaftlicher Sozialist, der die Methode der materialistischen Geschichtsauffassung sicher und selb- ständig handhabt, ermöglichen ihm neue und wertvolle Wissenschaft- Ilche Ausschlüsse über ein Gebiet, auf dem auch Marx und Engels noch mehr oder weniger im Dunkeln tappten. Auch das ist ein wesentlicher Borzug Cunows und besonders seines vorliegenden BuckeS, daß er vom sicheren Boden seiner gründ- lichcn ethnologischen Kenntnisse aus dort korrigierend und ergänzend hinter unsere großen wissenschaftlichen Altmeister treten kann, wo sie wegen ungenügenden Materials oder wegen mangelnder Spezial- forschung nicht die notwendige Tiefe erreichen konnten. Engels vielzitierte Stelle über Entstehung und Wesen der Re- ligion in seinem Anti-Dühring. die stch vorwiegend auf die bis zu jener Zeit vorliegenden Ergebniffe der vergleichenden Sprachkunde und Mythologie stützt, weist Cunow als unzureichend nach. Keines Wegs haben die gebeimnrsvollen Kräfte der Natur allein die ersten religiösen Vorstellungen der Menschen erzeugt, wie Engels annimmt, während erst später die gesellschaftlichen Mächte bestimmend neben die Naturgewalten getreten seien. Die äußeren Natur- erschcinungen wie Blitz, Donner, Sturm und Erdbeben haben überhaupt so gut wie keine Bedeutung für die Ansänge der Religion gehabt, wohl aber sind die eigene Natur dcS Menschen besonders sein Tod, und daneben von vornherein die gesellschaft- lichen Daseinsbedingungen, die fiir jede Art von Menschsein uner- läßliche Voraussetzung sind, für die primitiven Formen des ersten religiösen Denkens bestimmend gewesen..Die bekannte mythologische Erklärung, der primitive Mensch habe, überwältigt durch den Ein- druck der ungebändigten Naturkräfte, in solchen Gewalten das Wirken mächtiger Götter erkannt und diese Götter als Personi- stkationen der Naturmächte ausgefaßt, ist nichts als eine leere Fiktion, deren Unrichtigkeit schon dadurch erwiesen wird, daß der Naturkult stets erst auf einer bestimmten wirlschastlichcn EntwickelungSstufe Heroortritt und sich bei einfachen Naturvölkern nicht findet, mag auch das von ihnen bewohnte Gebiet noch so reich an gewaltigen Natur« crscheimliigen, an feuerspeienden Kratern, Gewilterstürmen, Orkanen Stunnfluien usw. sein." Diese wichtige und für die Religionsforschung wertvolle These stellt Cunow nicht schlechthin auf, sondern er beweist sie auf zehn Vogen seines Buches mit unanfechtbarem ethnologischem Material. Er zeigt zunächst, welche Bedeutung der Tod für den Statur- menschen bar. und daß sie vollständig abweicht von der Bedeutung, die der Kulturmensch dieser Erscheinung beimißt. In den Rätseln des Todes, in deni Einweichen des„Geistes" aus dem Körper tritt dem Raturmenschen zum ersten Male etwas Unerklärliches entgegen, etwas, das ihn über die Befriedigung der nächsten sinnlichen Be- dürffiisse hinaus zu besonderen Maßnahmen an und mit den Leibern der Berstorbcnen veranlaßt, woraus sich im Laufe der Zeit ein gewisser religiöser Kultus entwickelt. Die Art tfitd Weise dieser Anfänge ritueller Gebräuche aber richtet sich nach der besonderen sozialen Art der Horden und Stämme, die wiederum von der bc- sonderen Art der Gewinnung dos Lebensunterhaltes abhängig ist. Aus dem Seelen- und Geisterglauben der untersten Stufen entwickelt sich der Totem- und AhnenkultuS, Itws Cunow durch eine eingehende Tarstellung des Entstehens und der Wirksamleit der Totenrgenoffenschaften, also der nach einem Tier oder einer Pflanze benannten BlntsverumndtfchaftSgruppen, nachweist. Je nach der Bedeutung der einzelnen Abteilungen der Totemgcmein- schaften erlangen die Begründer und Allvüter des Totems und seiner Untergruppen verschiedenen Rang. An der Spitze steht der Gründer des Totems, dem übermenschliche Fähigkeiten zugc- traut werden. Je mehr sich die Totemgemeiitschaftcu zu, größeren CtammeSorganisationen entwickeln und die Stämme sich wiederum zu größeren Gemeinschaften vereinigen, um so höher wird die über- menschliche Kraft des mythischen Urerzeugers desjenigen Totems, das in der Gemeinschaft die größte Bedeutung erlangt hat, geachtet, bis aus diesem Allvater allmählich ein Stammes, oder Ziationalgott, der Erzeuger aller unerklärlichen Naturerscheinungen und schließ- lich der.Weltschöpfer" wird, allerdings nur der Schöpfer der be- schränkten»..Welt", dir es für den Wilden gibt. Erst mit der Ausnutzung und Ausbreitung der Lebensunterhaltsgewinnung des Naturmenschen erweitert sich auch seine Ansicht über die Welt- schöpfung und damit auch über den Weltschöpser. Cunow gibt bei dieser Gelegenbeit einige int�reffantc Aufschlüge über bisher im- verständliche Stellen der biblischen Schöpfungsgeschichte. Die eth- nologischen Forschungsergebnisse erhellen diese dunklen Stellen der Bibel in ffberraschenoer Weise und zeigen gamit zugleich die Kub turstufe an, auf der die biblischen Schäpfungssagen eutstattden sind. Ter Ahnenkult aber erklärt fich, je mehr im Laufe der Eni- Wicklung die alte gcschlechterrechtliche Gentilverfassung durchbrochen und durch eine politische, auf stävdischer und ortsgemeindlicher Gliederung beruhende Verfaffung ersetzt wird. An die Stelle der Verehrung der Ahuengottheiten tritt der Raturkult. Auf dieser wirtschaftlichen EntwickelungSstufe ist die Beschaffung des Lebens- Unterhaltes schon wesentlich abhängig von Wind und Sonne, von Regen und Ileberschwcmmungen. Hinter den einzelnen Natur- crscheinungen sieht man göttliche Kräfte, deren Anrufung und Gewinnung durch Opfer aller Art zum Inhalte des religiösen Ze- remoniells wird. In dieser Weise ist nachweisbar die Entwicke- lung vom früheren Seelen- und Ahnenkult zur Naturverehrung im alten Peru, im alten Mexiko, in China und Aegypten vor fich gegangen. Aber auch für die Altarier, für die ein solcher Entwickelungs- gang von Sanskritforschern bestritten wird, trifft er zu, wie Cunow unwiderleglich aus den Hymnen des Rigveda, des ältesten Literatur- Werkes der in Indien eindringenden Arier, nachweist.„Ueberall folgt dem Geistprkult zunächst ein mehr oder minder totemistisch gefärbter Ahnenkult, aus dem erst weit später der Naturkult her- vorgeht.... Erst mutz der Mensch die Naturgewalten als die größten aller wirtschaftlichen Mächte, als die bestimmenden Fak- torcn seiner wirtschaftlichen Existenz empfinden, ehe er dazu ge- langt, sie durch Anrufung und Beschwörung den Zwecken seiner Lebcnsunterhaltsgetoinmtitg gefügig machen zu wollen." Und endlich zeigt auch eine genaue Prüfung- der altindischen Vedareligion, die gewöhnlich als die kleinste Form ursprünglicher Naturverehrung angesehen wird, daß auch sie aus dem Geister- und Ahnenkult hervorgegangen ist. Damit wird der Satz allgemein bestätigt, daß die Anfänge der Religion nicht freie Phantasiegebilde der wilden Völker gewesen sind, und daß die Weiterentwickelung dieser Anfänge nicht von Zufällen abhängig war, sondern daß sich die Entwickclung der Religionen nach festen gesellschaftlichen Gesetzen, die wiederum von den wirtschaftlichen Lcbcnsverhält- nissen bestimmt wurden, vollzogen hat. Cunow hat in seinem Buche einen schlüssigen Beweis für die Richtigkeit dieser dem historischen Materialismus entspringenden Auffassung geliefert. Das zahlreiche Einzelmaterial, das er der ethnologischen Forschung entnimmt, ist fiir den Laien keine leichte Lektüre und scheint ihm oft in übereichcm Maße herangeholt worden zu sein. Aber umgekehrt hat Cunow Mühe, die Fülle der Erscheinungen, die er zum Beweise seiner Behauptungen vor dem Leser wirken lassen möchte, auf das bescheidene Maß zu kontingentieren, das ihm der Rahmen einer kleinen und populären Schrift vorschreibt. An vielen Stellen spürt man es dem Verfasser beut- lich an. wie schmerzlich ihm die notwendige Beschränkung wird und wie gern er mehr noch aus dem reichen Schatze seines Einzel- wiffens auspackte. Nun, was in dem vorliegenden Buche nicht untergebracht werden konnte, möge Cunow getrost sobald wie möglich in neuen Büchern veröffentlichen. Gerade von ihm und aus seinem außer- ordentlich wichtigen Spezialgebiet, auf dem er vorläufig noch un- ersetzlich ist, erwartet die Parteiliteratur noch manchen wichtigen Beitrag. Sein neuestes Buch rechtfertigt diese Erwartung in hohem Maße. H. Sch. Ch. Rappoport. Die soziale Revolution. 4. Band der sozialistischen Enzyklopädie, herausgegeben von Ar. Ouillet. Paris. 1012. S. II 50«.') Der vierte Band der sozialistischen Enzyklopädie ist gänzlich der sozialen Revolution gewidmet. Dieser Begriff wird sowohl von den Gegnern als von den Anhängern so verschieden gedeutet, daß die Herausgeber es für nötig erachteten, ihn ausführlich auseinander zu fetzen und von allen Standpunkten aus zu beleuchten. Mit dieser verantwortlichen Aufgabe wurde Ch. Rappoport beauftragt, der bereits eine historische Skizze der sozialistischen Ideen für die erwähnte Enzyklopädie verfaßt hafte. Der Verfasser hatte bereits manche Vorläufer auf diesem Wege. Die Frage der sozialen Revolution, ihre materiellen und ideologischen Voroussetzungen, ihre Formen und Methoden sind sowohl in der anarchistischen als in der sozialistischen Literatur mehrfach behandelt worden. Vor allem ist die Schiift Kautskhs über die„Soziale Revolution" und die Am- wort an Bernstein von besonderem Werte: sie sind es. welche dem Bücke Rappoports zugrunde gelegt sind. Er führt aus diesen Schriften ganze Seiten an und bemüht sich, die von Kautsky aufgestellten Grundsätze klarzulegen, die ja auch die der überwiegenden Mehr- heit der internationalen Sozialdemokratie sind. Genosse Rapvoport bat io die günstige Gelegenheit erhalten, dft Kreise der französischen Sozialisten nur der Weltanschauung und— hauptsächlich— mit der Methode des Marxismus vertraut zit machen. Man darf dem Verfasser nachrühmen, daß er seiner Aufgabe sich mit Glück entledigt und den Lesern der Cnzyllodpädie ein iit, streng marxistischen Sinne ausgeführtes interessantes Buch gegeben hat, was in der französischen sozialistischen Literatur selten genug vorkommt. Die Vertrautheit Rappoport« mit den russischen und den deutschen ozialdemokratischen Ideen kommt ihm sehr zugute und so erscheint er als einer von ftnen leider nicht allzu vielen Marxisten, die Marxisten in der Tat, nicht nur nach den Worten sind, die die marxistische Methode zur Analyse der kompliziertesten und verwickelresten g-schicht- ticken Ereignisse anzuwenden loisseu und sowobl dem Opportunismus als auch der revolutionären Phraseologie der offenen und vermuinmten Anarchisten standhalten. Diese Eigenschaiten waren unserem Ver- sasser besonders von Nutzen bei der Analyse de§ Begriffs der sozialen Revolution, wo man mit den rückgängige» Tendenzen des Revisionismus einerseits und mit der in der Luft schwebenden Deklamation der Syndikalisten und Anarchisten allerlei Art anderer- seits zu tun hat. Zuerst bestrebt fich der Verkaffer, den Grundbegriff der sozialen Revolution llarmstellen. Er bebt ganz richtig hervor, daß die Re- volutton, der alltäglichen— um nicht zu sagen vulgären— Meinung ") Ch. Eappoport. La Revolution sociale, IV vol. de rEncyolopedie Sooialiste, ed. Ar. Quillet. Paris, 1912, pag. II + 506. zuwider, keineswegs mit der Gewalttat identisch ist, und erinnert unter anderen an das bekannte Aphorisma Liebknechts, daß die Gewalttat im Laufe der Jahrhunderte eher ein„reaktionärer Faktor" gewesen sei. Die Gewaltsamkeit schafft nichts— setzt er weiter fort— sie stürzt nur Hemmnisse nieder. Aber man darf durchaus nicht die Kraft und die Gewaltsamkeit verwechseln: je stärker die auf- kommende Klasse im Moment der Umwälzung ist, desto weniger braucht sie Gewaltsamkeit. Dieselbe Idee wurde seinerzeit von Pleckanow eut- wickelt. Rappoport definiert die Revolution als„einen grundsätzlichen. prinzipiellen Neubau, eine prinzipielle Veränderung des Regimes: es ist etn Akt der menschlichen und sozialen Befreiung!" In diesem Sitiite wird sie der Reform gegenübergestellt, die nur eine einzelne Abäitderung oder. Aufhebung eines Privatmißbrattches ist. Die Re- Volution stürzt das alte Gebäude und baut das neue; die Reform verbeffcrt und befestigt die wankende Ordnung. Die Geschichte bietet gleichzeitig eine ununterbrochene Reihe von Reformen und Re- volutionen, aber bloß die letzteren bezeichnen die Etappen auf dem Wege der menschlichen Emanzipation. Indem der Verfasser den bemerkenswerten Umstand herbor- hebt, daß alle Begründer deS gegenwärtigen Sozialismus, wie Marx, Engels, Lassalle u. a.. die den Begriff der Evolution in die sozialistische Doktrin eiugesührt hatten, das ganze Leben hindurch überzeugte Revolutionäre waren, stellt er die Frage, ob irgendein unversöhnlicher logischer Widerspruch zwischen den Begriffen Evolution und Revolution besteht. Wie Kautsky und Plechanow verneint er diele Frage. Nachdem er die Mangelhaftigkeit der idealistischen Auffassung der Revolution dargelegt hat, setzt er die materialistische, vom Marxismus entwickelte Auffassung der Re- volutton kurz und knapp auseinander. Er nennt den Marxismus ohne tueiteres„das System der Revolution oder, wenn man will. die Philosophie der sozialen Repolution. die wahre soziale Dynamik sBewegtmgSlehre). In Ablehnung der idealistischen oder heroischen Anffasstmg der Geschichte forinuliert Rappoport das soziologische MehrheitSgesetz folgeiidermaßen:„Unter jedem politischen und sozialen Regime setzt die Mehrheit ihren Willen schließlich durch." Ob sie dabei von Vorurteilen oder unrichtigem Verständnis ihrer Jnteresien cftleitet wird, ändert die Sache nicht.„Wenn die Minderheit eine Revolution zustande bringt, unterdrückt diese die Mehrheit". Entgetsen der oberflächlichen Beobachtung wird die Geschichte von den Massen geschaffen. Und der Verfasser schließt richtig:„Die materialistische Äuffanung der Geschichte ist eine demokratische, kollektivistische Aujsassuitg. Das Volk tritt in seilt.- Rechte wieder ein. Der Sozialismus als Organisation gibt ihm die von ihm geschaffenen Reichtümer zurück. Die sozialistische Auffassung der Geschichte teilt ihm von neuem die ihm gebührende Rolle in dem geschichtlichen Prozeß zu. Jedem das Seine. Nachdem der Verfasser die Grundsätze der marxistischen Philo- sophie der Geichichte festgestellt hat, gibt er eine recht ausführliche Skizze der Massenbetvegungeii von den Aufständen der antiken Sklaven bis zur Pariser Kommune 1871. Hier berührt er die Versuche der Gracchen, die Bauernkriegs, die?große Revolution, die Revolution von 1848, den Chartismus. Diese historische Skizze sollte, der Abficht des Verfassers gemäß, zur anschaulichen Illustration seiner im ersten Teile des Buches aufgcstellteit Thesen dienen, doch ist es manches- mal, alö wenn er die spezifische Aufgabe seiner geschichtlichen Studie vergessen hätte und ihr hier und da einen zu selbständigen Charakter einräumte. Andererjeilö bleibt sie doch tinvollständtg, weil sie. keinen hinreichenden Beweis der aufgestellten theoretischen Grundsätze dar- stellt. Zudem trägt sie einen einseitigen Charakter, weil die fran- zösischeu Verhältnisse und Männer sehr ausführlich(es gibt darin selbst die Biographien Babeufs und BlanquiS), die revolutionären Bewegungen der anderen Nationen aber sehr kurz und ungenügend behandelt werden. Um den Unterschied zwischen der materialistischen und der idealistischen Philosophie, zwischen der kollektivistischen und der indi- vidualistifchen Auffassung deS geschichtlichen Prozesses deutlicher zu veranschaulichen, gibt der Verfasser zahlreiche Auszüge aus dem Buche Stirners:„Der Einzige und sein Eigentum", sowie aus den Schriften BakuninS. Der Leser soll so mit den Prinzipien sowohl des individualistischeit als auch des kommu- nistische» Anarchismus vertraut gemacht werden. Man kann nur bedauern, daß der Verfasser sich auf das Aneinanderreihen von Zitaten auS diesen anarchistischen Werken beschränkt, statt dem Leser eine zusammenhängende Darstellung der anarchistische» Theorie und Praxis zu bieten. Dieselbe Bemerkung gilt auch für den Streit zivischen den Revisionisten und Marxisten; auch hier wäre es besser gewesen, wenn der Verfasser ein selb- ständiges und vollständiges Bild der beiden Weltanschauungen und der daraus folgenden Praxis gegeben hätte. Selbst- verständlich steht Rappoport gänzlich ans dem Standpunkt Kautskys, der seinerseits die Ergebnisse der mehrjährigen theoretischen und praktischeii�Bestrebungen des inkentationalew Sozialismus und der deutschen Sozialdemokratie insbesondere zum Ausdruck bringt. Im letzten Teile seiner Arbeit bespricht der Verfasser verschiedene Mittel des sozialistischen Kampfes. Logik und Geschichte führen uns zu derselben Schlußfolgerung:„Für die soziale Revolution ist das Vorhandensein einer aktiven und sympathisierenden Mehrheit erforderlich, aber zum Heranziehen dieser Mehrheit gehört die Organifation in allen ihren Formen, der politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen. Eine besondere Bedeutung für die Vorbereitung unsere« schließlichen Erfolges schreibt der Autor der Entwickelung der Trusts und dem Militarismus zu. Zum Schluß formuliert er die Bedingungen des Siege? der Sozialisten folgendermaßen: 1. Die ökonomische und politische Evolution muß zu einer höheren Stufe gelangen; der Kapitalismus muß den Gipfel seiner Entwicklung erreichen; die Demokratie muß zu einer Tatsache werden(wann kommt dann da? arme Deutschland an die Reihe?! G. S.). 2. Dir Mehrheit des Proletariats muß bewußt und organisiert sein(oder eine auserlesene Minderheit, welche in der Lage ist, die Mehrheit mit fortzureißen, d. b. eine bedeutende, sehr starke, sehr populäre imd sehr umsichtige Minderheit), 3. Die überwiegende Mehrheit der Nation muß gegen die bestehende Ordnung eine Ab- iicigung haben, nichts von ihr, aber alles von deren Aufhebung ekwarten. Und in der Erwartung dessen muffen die Sozialisten „ihre Organisationen befestigen, die Propaganda ausbreiten, alle?, Ivos die Werbung unserer Anhänger zu hindern imstande ist, be- seitigen, alle Formen der Tätigkeit aasnützen und vor allein ihre Klasseneinheit, ihr sozialistisches Wesen auftecht erhalten". Das ist im großen und ganzen der Inhalt der Arbeit von Rappoport. Sie bietet weniger neue Perspektiven, als sie die von der Sozialdemokratie anerkannten Ansichten zusammenfaßt. Den- jenigen, die die Werke Marx', Engels', Kautskys u. a. schon kennen lernten, bietet das in Betracht kommende Buch nichts Originelles. Immerhin hat es seinen Platz in der sozialistischen Literatur, be- sonders in der französischeit, wo jedes marxistische Wort nutzbringend sein kp'm. Georg Sfirckloff. (sis sich für wenig Geld elegant und modern kleiden wollen, bietet sich hier Gelegenheit, Btinse*• QnxOge, Rinne)- Paletofs, VerUslien rselle fertige Ganferolie vom Selmeidermeister Ringe)» Ulster 22, 28, 33, 39 Mark usw. m kaufen. »o» Oassllschali»- u. venemung' PromeraasnanzüBen. 2«weaane Garderobe«owle Modelle, von ein gearbeitet, werden billiget verhanlt. > Gciegenhelts-Guuiuil-Miintcl 11 M. u Vornehme MeSentertlgung: Echt engl. Anrug oder Paletot 58 M. Ab RinSld« Schneidermeister, 31 Ch9USSG6Stra 31. 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Erna Hobeck Sopran.— Am Flügel: Herr Wilhelm Scholz und Frl. Helene Praetorius. Konzertflügel Ibach. Herren zahlen 50 Pf. nach. Dirigent: Br. Weyersbero (Sol.: WiesikefGes.), Persinger(Viol.) Anfang 7'/, Uhr. Entree 75 Pf. Nach dem Konzert: Eintritt 40 Pfennig, 204/8* TANZ. Saalöffnung S1/- Uhr. I>cr Rlldiingt*>nasschnB. »Residenz-Tlieateu Hoheit— her Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterberg. Morg. u. s. Tage: Hoheit— der Franz! Sonntag, 26. Okt., nachm. 3 Uhr: Die Frau Präsidentin. V oigt- Theater Badstrasze 58. Sonntag, den 26. Oktober 1913: Nachmittags 3 Uhr: Oer Geigenmacher von Mittenwald. Abends 7 Uhr: Eine tolle Nacht. (SSrosie Operctlen-Posse in 4 Bildern. Kassenerössn. 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr. Männer-Gesangverein„Namenlos" Mitgl. des D. A.- S.■ B.::: Dirigent: EMIL THILO. Sonntag, den 2. November 1913, Friedrichshain in der Brauerei* n KONZERT 11 unter Mitwirkung der Konzertsängerln B. 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Jedes weitere Kind unter 16 Jahren zahlt die Hälfte aus den Sitzplätzen. In beiden Vorstellungen: Hakenbecks lustiges Schimpansen-Trio. Ferner nachmittags die pantomimische Burleske: Der Dursliiirbitr. Abend» Tlf2 l'hr: ins UM Mm. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Seine Geliebie. Kurfürstendamm 236. Eine verursachen die Tranenbäche, welche jeden Tag über „Die blaue Maus" mit in der Titelrolle gelacht werden. Außerdem anch in der RutineeTorNtellnng die Süirziluge auf dem Flugplatz JohaßDisthal am 25. Oktober 1913. Eigene Aufnahme der Marmorhaus-Xjichtspiele. Sonntag-Vorstellung: 12 Uhr: Wlltzg. Ferner TO'1.1, Wl.il»r. Folies Caprice. Anfang Vlt Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Volkstheater Neukölln. Hermannstraste 20. Sonntag, den 26. Lltobcr, 7'/, Uhr: Von Stnfe zu Stafe. Volksstück in 6 Bildern d. H. Müller. Montag, den 27. Oktober, 8»/, Uhr: Kastspiel Artur Wellin: Othello. Trauerspiel in 5 Akten v. Shalespear». E Brauerei Friedrichshain m Kdnigstor. 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Wir verlieren in ihm einen treuen und selbstlosen 1 Kollegen, der in uneigennützigster Weise die Interessen der Mitglieder und der Kasse wahrgenommen hat. Sein| I viel zu frühes Hinscheiden bedauern wir* tief und werden| wir ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherang findet am Sonntag, den 26, Oktober, [ nachmittags Ü1/, Uhr, im Krematorium zu Trcptow-Baum- schulenweg statt. 293,2 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorst iiml. Berlin, 25. Oktober 1913. SozialileniokratlscIierWalilverejn Ld. 2.Berl.ReiEi!St8gs-Walilkreis. Am Freitag, den 24. Oktober, verstarb unser Parteigenosse Otto Nieswsndt. 117. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, nachmittags 4 Uhr, aus dem Nazareth» Kirchhos, See- strassc 74, statt. 206/13 Der Vorstand. GomltooMzebei' Mveiw. l.d.6.Bepl.i!eiclistass-WafiIkreis. Am 24. d. Mts. verstarb unser Genosse, der Restauratenr Wilhelm Küster Beusselstr. 23, Bez. 700a. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet morgen Montag, mittags 12 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem städtischen Friedhose Müllerftrasze, Eingang Seestrafie, statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/13 Der Vorstand. Yerliiind der Sreien Gas!- und Schaukwirte Dentsetdands. Zahlstelle Berlin. Am 24. Oktober verstarb plötzlich unser Kollege Wilhelm Küster Beusselstr. 23. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 27. Oktober, uiittags 12 Uhr, vom Trauerhause aus statt. 27886 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnng. Bezirk I. Allen Verwandten und Bekann- ten, sowie den Mitgliedern der Zentralkrankenkafie der Tischler, Zahlstelle Adiershos, zur Nach- richte dag mein lieber Mann, der Schuhmacher 2755b OsKsr Driest plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet heute sonntag, den 26. d. Mts., nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Adlershoser Kirchhofes aus statt. Tran Briest. Verband der Haler, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Kollege Brast Staffier am 21. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 26. Okiober, nachm. 4 Uhr, aus dem Gemeindesriedhos in Neulölln, Mariendorfer Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 135/15 Der Vorstand. Zentrafoerband der Steinsetzer. F-'Mle Schöneberg Umg. Am sO. Oktober verstarb durch Unglücksfall unser treuer Kollege Hennsnn Paul. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, ans dein Ge- meindesnedhos in Steglitz statt. Um zahlreiche Beteiligung er«I sucht 175/12| Der Vorstand. Treffpunkt'Iß UhrimAlbrechts. hos, Steglitz. Verweitungestslie Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Dreher Molk Heller gestorben ist. Die Einäscherung sindet heule � So unlag, den 26. �Ilober, nachmittags 3>/z Uhr, im Krema- 1 iorium Treplow, Kiesholzstrage, statt._ Ferner starb unser Mitglied, | der Schleifer Wilhelm Stahlberg Bödickerstr. 10 am 23. d. Mts. an Schlag niii all. Die Beerdigung sindet morgen Montag, den 27. d. M.. nach» mittags i'j, Uhr, von der Leichen- balle des' Gemeinde-Friedhoses in Zlhrensseide ans statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet 128/12 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher TeUnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Beteiligten, insbesondere den Kollegen der Firma Banemann (Weigensee), sowie den Kolleginnen der Plättereifiliale Lackschmidt u. Ell- schint, Lindower Straße, meinen herzlichsten Dank. 79SI faul Banemann. Dankfagnttg. Für die vielen Beweise herz- sicher Teilnahme und Kranz spenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und OnkeiS, des Schneidermeisters Hustav Nahtow sagen wir allen Freunden und Bekannten sowie den Korpora- tionen, die durch ihre große Teil- nähme die Leichenfeier zu einer so würdigen gestaltet haben, unseren innigsten Dank. 283/40 Die trauernden Hinterbliebenen. Taiitsagnng. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und die Kranzspenden anläßlich des HinscheideiiS unseres sieben Vaters AübeH; Fisciis sagen wir allen Verwandten sowie den Kollegen und Kolleginnen der Deutschen Telephoniverke, Abt. Pusch, serner dem Rauchklub„JeegraS" unseren ttesgesühten Dank. 51A Die trauernden Hinterbliebenen: Follx, I'.inil. Btto. Aldoi-t Fncila. WWW Mohrenstöß Kolonnadtrv örfranKfurteritrllS Trauer- jazm Kleiner, Hüte C&. ■ Außerite freist"%r . Farbige Konfektion in größtem Maßstäbe lu bil ligsten -Preisen— Westmann Beim Vorzeigen dieses tnseratss 4 pCt. 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Oktober 1913, abends 8� Uhr: i Oeffentliche KoMMlmhlkr-NkchmuililW im Bolkshause, Rosinenstraße 3. Tagesordnung: i. Aufgaben der Gemeinde. Res-rent: Redan-ur Tmtl Dittmer.— 2. Diskussion. 251/5 ' Die Gegner sind hierzu besonders eingeladen.---------- tti 11» Zwelgvereln Berlin. Am Montag, den 27. Oktober d. Js., N»" abends 8 tthr finden untenstehende Sektionsversammlung en statt, die sich alle mit der Kandidatenaufstellung für die Tele- giertenwahl zum austerordentlichen Berbandstag be- schäftigen werden, der' am 1. und 2. Dezember d. Js. stattfindet. Wir fordern die Mitglieder dieser Sektionen anf, bestimmt«nd pünktlich zu erscheinen. ZeUiim der Stukkateure bei Wllke, Gebastianftr. 39. grofter Saal. Aus der Tagesordnung steht außerden: die Fensiersrage und SektionS- angelegenheiten. Sektion der isulierer bei Wllke, Sebastianstraste 39. kleiner Saal. Die von der Sektion siir Donnerstag, den 6. November d. IS., ge- Mnl« Versammlung fällt insolge Stattsinden obiger Versammlungen aus. Sektion der klieseuieger bei Boeker, Weberstrafte 17. Sektion der Steinhoizleger bei Schräder, Alte Schönhauser Str. S3/S4. Alle Mitglieder machen wir darauf ausnierksam. daß sich In das blalt: die Baukontrolle betreffend, ein sinnverwirrender gehler einaesit hat. Selbstverständlich möchten alle in Arbeit stehenden gliedcr die Frage 10 nach der Höhe des Stundenlohnes, den sie bekommen, beantworten. Also nicht nur die in Akkord stehenden Maurer, sondern auch die Akkord arbeitenden Maurer. Die Flug. lichen Mit Orts- Krankenkasse Reinickendors. Bekanntmachung. Ordentliche Geoeral-Versainniliing der Ortskrankenkasse Hierselbst findet am Mittwoch, b. 3. November 1913 abends 8 Uhr im Sadansehen Restaurant Residenzstraße 124 Hierselbst statt. Tagesordnung: 1. Wahl der RechnungsprüsungS- lommission: 2. Bericht« vonKrankenkassentagungen: 3. Anträge; 4. Verschiedenes. Ii: der Generalversammlung sind nur die gewählten Vertreter stimm- berechtig: und werden dieselben mit dem Ersuchen um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen hierdurch eingeladen. Die Delegierten haben zu ihrer Legitimation die besonder? ergehenden Einladungen vorzulegen. Mitgliedern, die nicht zur Kassen- Vertretung gehören, kann der Zutritt nicht geswtlet werden. Ansrage» und Beschwerden, zu deren Beantwortung Einsichtnahme in die Bücher orsorderlich ist. fiiiö spätestens 3 Tage vor Stattiindeu der Generalversammlung an die Kassen- Verwaltung Berlin> Reinickendorf, Deutsche Straße 1, einzureichen. Berlin-Reinickendors, den 25. Oktober 1313. Der Vorstand d-Ortskraukeutaffe. Neubecker. 278/11 Liebrenz. verband d. Hausarzt-Vereine Zentrale Organisation sür Bolksgesnndheitspstege. Wir gewähren für den geringen Beitrag von zirka 25 Ptg. pro Woche, der monatlich durch Haus. kassierer abgeholt wird, den Familienangehörigen unserer Mitglieder ohne Ansehen der Zahl und Dauer der Krantheilen. ohne lästige Formalitäten, wie Kranlmeldung oder dergleichen, zu jeder Zeit, selbst bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung 291/8 freie ärztliche Behandlung(auch durch Speziatsrzte), freie hledizin bei akuten Erkrankungen.— Außerdem frei: �erhandsteffe Wissenschaftliche Monatszeitung . il. r*' mit Kinderbeilage Uipnthene- Serum,«inder-Sptelpläne. Atteste, 1 otenscheine. Wissenschaftliche Bortröge. Dem Verbände kann jede Familie beitreten, deren Ernährer krankenversicherungSpflichtig ist oder ein Ein» kommen von nicht über 2500 M. hat, desgleichen Witwen oder alleinstehende Personen.— Ausnahmegebühr 36 Pf, Nähere Auskunft erteilen— für Berlin: Verleihung von Badewannen, 10 u. 20 Ps. pro Woche. Ferner zu Selbstkostenpreisen: liSlirpi-äflsrate. Stärkungsmittel, Krankenbedarfsartikel usw. NW. Moabit: W. Bodin. Rostocker Str. 36. „ Dnllln, Turmstr. 58. Norden; O. Wölke, Brunnenstr. 100. , G. l.angc, Malmöer Str. 26. H. Jieyor, Swinemünder Str. 97. H. Rtlnchosv, Lüderitzstr. 3. Nord-Ost; P. Berger, Naugardrr Str. 44. Osten: K. Röbel. Romintener Str. 48. Süd-Ost: G. ISchaltz, Adalbertstr. 64. Westen; 31. Erdniann, Katzlerstr. 18. Süd-West: H. Döll. Teltower Str. 32. ,, Er. Vieth. Fidicinstr. 42. Süden: ZT. Thnrni, BöckHslr. 37. „ A. Steinhauer, Prinzenstr. 19. Für Vororte: Tdiersdot: A. Stamer, Bismarckstr. 11. Baumschulenweg: E. Rann, Baumschulenstr. 86. Borsigwalde(siehe Tegel). Britz: A. Tlcpke, Bürgersir. 29, Charlottenburg; G. Eeupold, Krummestr. 7. Friedenau(siehe Wilmersdorf). Fürstenwalde: R. Flicke, Holzstr. 3. GroB-Lichterfelde: W. Wajrner, Mariannenstr. 31. Hermsdorf: P. Schulze, Schulzendorfer Str. 71. Lankwitz(siehe Südende). Mariendorf: ZT Herbst, Schwerinstr. 75. Marienfelde; K. Kalinon ski, Berliner Str. 116. Neukölln: A. Kuhnert, Sluttgarlcr Str. 54. „ O. Höse. Wissmannitr. 26. R. Israel, Emser Str. III. Nieder-Schönhausen:£. Hellrlch, Kaiser-Wilhelm- Straße 49. Pankow: Th. Geßner, Nordbabnstr. 3. Reinickendorf-Ost: K. Inner, Rüilistr. 14. O. Janke, Hoppestr. 20/21. Reinickendorf-West(siehe Wittenau). Schöneberg: R. Schmidt. Cheruskerstr. 29. Spandau: G. Rnlinke, Weißenburger Str. 21. Steglitz: A. Damm, Zimmcvmannftr. 18. Südende,:. G. Thiele. HalSkestr. 3. Tempelhof; R. Pechal, Friedrich-Wilhelm-Str. T. Tegel: A. Becker, Brunowstr. 16. Treptow: A. A'ltzky, KrüllSstr. 4. Waidmannslust: Schleakcr, Oranienburger Chaussee 12. WeiBensee; P. Berger, Naugarder Str. 44. Wilhelmsruh: ZT. Kretke, Stcplerftr. 26. Wilmersdorf: U. Becker. Ailhelmsaue 133. Wittenau: W. Eehmann, Charlottenburger Str. 47. NuZ nichtveneichneten Orten wende man sich an der"'' Zentralvorsitzender: G..Jacob. cn Zentraloorsitzenden. Berlin KW 21, Enidcner Straße 45(Tel.: Mb. 1134). 293/3 �pezialarzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hat«< Kuren in U.Co. konz. Laborat. j Blut- Untersuchung.. Faden t. Harn usw. Friedtlchslr. 81,&•$£». Spr. 10—2, 5—9, Sonnt. 11— 2. Honorar massig, auch Teilzahi. Separates Dameuzimmer. du, Or. Homeyer M tlstklass. Gkuvfftllschast sucht fachm. Kaufmann mit guter KundschatI strebs. Tischler mit je 2000 M. Einlage. 174/15 Ofsertcu erbeten imter 0. R. 3337 an die Spedition des.Berliner Tageblatt", Frauksurtcr Allee 61. General-Versammlung dcS Gesamt-ZwelgvereinS, in der die endgültige Aufstellung der Kandidaten erfolgt, findet an, Mittwoch, den 29. Oktober d. Js., abends 8'/z Uhr, im Saal i des G ewerkschaftshaufes, Engelnfer 13 statt. 146/6 MUllllllllMi UCllt Sehostarbetter Berlins! Mittwoch, den 29. Oktober 1913, abends 7'/z Uhr, in Wilkes Jestsälen, Sebastianstr. 39: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Lohn- und ArbeitSkämpse im Schuhmachcrgewerhe, und waS lehren tins dieselben? Referent: Kollege Kummerow aus Hamburg. 2. Dis- fusston. 3. Wahl einer Lohnkommission. 4. Verschiedenes. - Kein Schossarbeiter darf fehle» k■ Ebensalls am Mittwoch, den 29. Oktober 1913. abends 87-, Uhr, „Englischen Hof", Alexanderstr. 27c: == Versammlung= tin r Tagesordnung: 1. Warum müssen sich die in Fabriken und in der Heimarbeit be- ichäftigten Kolleginnen und Kollegen organisieren? Rescrenlin: Fräulein Philipp. 2. Wahl einer Branchenkommission. 3. Verschiedenes. D!« gesamte Kollegenschast wird ersucht, sür genügende Bekanntgabe unter den Stepperinnen, Vorrichterinncn, Steppern und Vorrichtern Sorge zu tragen.__ 169/15 Heute Sonntag, den 26. Oktober, in Obiglos grostem Festsaal. Moppenstr. 29: S? Kunft-Hbend. � Rezilalionen: Herr Emil Walkott e. X Lieder zur Laute; Herr Dr. Easparh. X Gesänge der Gesangsabieilung. X Konzert. Eröffnung 4 Uhr. Ansang 5 Uhr. Eintritt 25 Ps. > Tanz frei.- Hm vollzählig« Teilnahme an allen Veranstaltungen ersucht Die Ortsverwaltung. lMenllicIrc VersammlünBen, Massenstreik gegen d. Staatskirche Dienstag, Ä8. Okt., abends H1* Uhr. nur Säte Verwaltung Berlin. Mitglieder Versammlungen Vergolder. Montag, den 27. Oktober, abends 8','. Uhr, im GewerkschaftShanse. Engeluser 15. Saal I. Tagesordnung: 1. Sehren und warnende Beispiele aus der englische» Arbeiter» bewegung. Referent: Kollege G u st a v B e ck e r. 2. Bericht der Kom. Mission._ Korbmacher. Montag, den 27. Oktober 1913, abends 87-, Uhr, bei Rax Krause, Marionncnplass 8. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission vom III. Ouarlal. 2. Bericht deS Gesellen« ausschusses. 3. Vcrbandsangelegenheiten. sFLr Uilkosten 10 Pfennig.) �ioabiter lZesellsclisktsdaus:: krsuerei kriedrictisstmll:: Neue Welt:: Viktoriagarten(Wilhelmsaue). Redner: Adolf Hoff mann— Klauke(Frankfurt)— Dr. Karl Liebknecht— Prof. Wllh. Ostwald (Leipzig)— Pens(Dessau)— Tschirn(Breslau)— Vogtherr(Setttin) und Dr. Bruno Wille. Die Geistlichkeit aller Bekenninisse und die theologischen Hochjchullehrer sind zur Diskusfio» eingeladen.— Es gilt, durch eine Massenkundgebung aller Lolkokreise eine wichtigste Stütze der Reaktion zu schwächen und zu brechen. 293/1* In den Versammlungen werden Kirchenanstritts- ---------------- erklärungen eingesammelt.--------------- «0 i Deutscher Arbeiter-SänserM. ii Gau Berlin und Umgegend._ Sonntag, den 2, November 1913, vormittags pünktlich 11 Dbr, im großen Saale der Brauerei Eriedrlchshain; Uebungsstunde ji Geübt werdeh folgende Lieder:„Herbstfeier'- von Schulken.„O wie herbe ist das Scheiden'- von Sücher. „Der Menschheit Erwachen" von Üthmann. Im Nebensaale pünktlich 10 Uhr: Aiisscr uß-SMzung 3k für den ganzen Gau. Tagesordnung; 17/15 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegcnheiten. JET' Abrechnung der Billetts vom Sängerfest.— Die Vereine werden ersucht, die ausgesandten Fragebogen um- gehend an den Vorsitzenden P. Kupfer einzusenden. Ausgabe der Billetts zum Stiftungsfest. Der Torstand. Perlmutter', Horn- und SteinnuB' arbeiter u.--arbeiterinnen. Mittwoch, den 29. Oktober 1913, abends 6 Uhr, im..Gewerkgchaftshuns", Eugetufer 15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Kommissioiisbericht vom UI. Quartal. 2. Verbands- und Branchen. angelegenheiten. Bezirk Neukölln! Mittwoch, de» 29. Oktober 1913, abends 87, Uhr, bei Bartseh, Hcrmanustr. 19: Mitglieder Versammlung für alte Branchen. wir 1. Revidieren angelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwarten Tagesordnung: unsere Uebertrittsbedingungen? 2. Verbands» Die Bezirkökommissionen. Stellmacher. Tonnerstag, den 39. Oktober 1913, abends 87� Uhr, im„RoHenthalor Hof", Sioienthaler Str. 11/12/ Tagesordnung: 1. Bericht vom III. Quartal. 2. Stellungnahme zum Ablauf der Vereinbarungen mit den Karossertesabriten. 3. Verbandsangetegenhelten. Bilderrahmenmacher. Donnerstag, den 39. Oktober 1913, abends 9 Uhr, im„Gewerkschaktshans", Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Bericht vom III. Quartal. 2. Verbandsangelegenhciten. Sonntag, den 9. November 1913, bei Odiglo(früher Keller), Koppenntr. 29: Theater- Vorstellung. Zur Aufführung»elangl: Oer frobekandidai=:�= Drama ii vier Aufzügen r. n Max Dreyer. In Szene gesetzt von Fritz Wille-Wild. Einl-ff 6 tthr. Anfang i � Uhr. Stach der Vorstellung: Bttst bis2U�r. Eintrittskarte» a«9 Pf. inll. Tanz sind auf allen Zablstellen, beim Gastwirt Kollegen Greive, Rmigejtr. 30, und im Bureau zu haben. Tic OrtSverwattuiig. ZIbnel mit echten Stiften■ 2 Markj 90/19 Zalmärztliclie Klinik, „aft vollkommen schmerzloses Zahnziehen mit Novocaia. Plomben von l M. Umarbeitung schiechtbltzendar Gebisse. Kindepbelianillung lu Kprechzeit von 9—8 Uhr. • Garantie Wewntwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.:TH.LUocke. Berlin. Druck n. Verlag: BorwärtH Suchdruckerei u. LerlagSanstalt vaul Singer u. Co, Berti« Hr. 281. 3«. z°w°, 5. Ktilllgt des Dmillts" Kerliller NlllksdlM. Verksuk von elegsotell Vsmellgsi'llet'odell lll den bedeuteod vergrößerten Parterreräumen Zentral-Leihhaus fü. Jägerstr. 71 W am. i: Hochelegante Monatsgarderoben, teils in prima Seide, zu sehr mäßigen Preisen.-WE Elegante Monatsgarderoben, welche in vornehmen Werkstätten nach Maß hergestellt sind, werden als Gelegenheitskäufe zu billigsten Preisen zum Verkauf gestellt, und ist die Auswahl gerade in diesen wenig gebrauchten Maßgarderoben jetzt eine sehr große, da bei dem Saisonwechsel ein starkes Lager vorhanden. Winter» Ulster u. Paletots gÄwe ÄÄ" Mo"a,spt't 9, 10, 12, 15, 20, 25 Bieg. Herren- Jackett» u. Rocks Anzüge LbÄ 9, 10, 12, 15, 20, 25 Abt. II: Täglicher Verkauf von neuen eleganten, modernen Anzügen u. Paletots in engl. Mustern u. Fassons zu billigsten Preisen; Kammgarnanzüge, Hochzeits- sowie Jünglings- u. Knaben-Anzüge. 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Verlag: VorNürt» Kuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer«.Co.,»erltaS� LeMligs �stgllgsbkitks-Vösbgnll Ver�vsltunxsstsNe Hamdnrx. Die hiesige Verwaltungsstelle sucht zum baldigen Antritt einen Bevollmächtigten an Stelle des zum Parteisekretär gewähtten�Kollcgen HI Werber müssen init der AgitatloUDlM�MM vertraut sein, Die Anstellung erfolgt nach den Beschlüssen der Breslauer General- Versammlung(Gaulcitcrlkala), Bewerber müssen wenigstens 5 Jahre Mit- glicd des Verbandes sein,'Aus der Bewerbung muß hervorgeben die bis- derigc Tätigkeit in der Arbeiterbewegung, Dienstjahre in der Arbeiter- bewcgnng werden zur Anrechnung gebracht, Die Bewerbungen sind bis spätestens K. November 191? mit der Ausschrist„Bewcrbnna» zu senden an U. litti-dl», Hamborg 1, Bcsenbinderhof 57 II. 128/"* l»lo OrtwvorM-altnng. Der ÖfllsiflJjf ptfdjllfrprrtianil sucht zum 1, Januar 1914 einen BW" Sekretär."WU Bedingung ist, daß derselbe die französische Sprache und Korrespon- dcnz dollkomliicn beherrscht, nebenbei deutsch spricht und rednerisch austreten kaun. Ferner mutz er»lindestens zwei Jahre einer Organi- fation angehören, die aus dem Boden der modernen Arbeitcrbcwcgnng steht. MF" Anfangsgehalt 2799 Fr.»ME 100/17 Bewerbungen sind bis einschließlich 3, November an los, vsn Roosbroeok, Maison du Peuple, Salle 15, Hue Joseph Steven», BrüHnel, zu richten. Belannte Fabrik errichtet m verschiedenen Teilen Deutschlands Besonderes Betriebskapital ist nicht crsordcrtich, Offerten von gut bc- leunmndeten Leuten, die aus Daucrrätigkeit sehen und sich dem Betncbe 2—3 Stunden täglich widmen können, unter l». V. 1010 an Annoncen- Cxpcdition Louis Leib. Hamburg I?. 2789b* Freundliche Schlafstelle vermietet Witwe Völz, Naunynstraße 88, Seiten- flügel II.+135 Möblierte schlafftellc für an- ständiges Fräulein Adalbertstraßc 83, III rechts,+135 Freundliche Schlasstelle sür Herrn, Woche3,25. Murray, Adalbettstlaße 76, Hosll,____+135 Möblierte Schlasstelle, Herrn oder Damc, Eijcnbahnstraße 36, vorn IV links,+135 Möblierte Schlasstelle, 15 Mari mit Kaffee, Oranicnstraße 28, vorn III, Schröder,+135 Schlafstefle jür Herrn Rei-sten- bergerstraße 163, vorn II. Lecher. Möblierte Schlasstelle bei Frau Schoor, Camphauscnjlraße 5. 174/14 Möblierte Schlasstelle, Herrn oder Dame, Badjtraße 23. Hochparterre, Schlafstelle, sauber, ruhig, Prinzen- allce 59, Gartenbaus ll. Daehn,* Saubere Schlafstelle, Herrn. Kirsch, Liebigstraße 33 vorn, lirau +85 Möblierte Schtatslellc, separat, bei Jcutsch, Skalitzerstraßc 29a, vorn III, Möblierte Schlasstelle jür zwei Freunde, billig, Weidcnweg 23, vorn IV rechts, Eingang separat.+85 Möblierte Schlasstelle Lands- berger Allee 123, vorn IV rechts.+85 Möblierte Schlasstelle KopcrniluS- straße 31, IV geradezu. Portal II. Möblierte Schlafstelle, Herrn. skalitzerstraßc 22, vorn I links.'+135 Schlafstelle allein und zwei, 10 Mark, Matz, Krautstraße 26a. Schlafstelle. BIciweiß, Waldemar- straße 16. IV links.+135 Schlafftellc, Herrn, 13 Mark. Busch. Skalitzerstraßc 27, vorn IV. Ftureingang.+135 Schlafstelle sofort, Frau Kißling, Waldcmarslraße l6, vorn IV.+135 Schlafstelle Adalbertslr, 71 gebäudc I bei Richter. Quer- +136 Möblierte Schlafftellc, Herr, Witwe Tillack. Reinickcndorjers», 120, vorn IV, Besichtigung 7 Uhr, �rbeitsmarkt. LteHeiigesiiche. Familienvater- Tapezierer, bittet um Beschäftigung, Offerten G. Spedition Lausitzcrplatz,+136 Waschstellc», saubere, sucht Frau Heinze, Große Franksurlerstraße 87. SteHenangehote. Laufbursche, jüngerer. gesucht. Kuno Bergmann, Kochstraße 5. 2745b Banwächter verlangt Arbeitet* baugenosscnlchast.Paradies». Arbeits. loic, organisierte Mitglieder wollen sich morgen Montag, nachnlittags 5 Uhr, im Bureau Kottbuseruscr 44 melden. 2780b Nebenverdienst. Herren in Groß- betrieben erhalten Zigarren zum Wcitcrvcririeb kommissionsweise, Lf- serten unlcr V. 2 an Hanptexpedition des.Vorwärts». 2763b Granitschleifer straße 38, gesucht Acker. +36 Lehrlinge, nur kleine Figuren, von 14 bis 15 Jahre, zur Gvmnaftik gesucht. Metdung 10 bis 2 Uhr bei Brack, Samarticrstraßc 5, III, Damen für Vertrieb ringsreier Preßkohlen gesucht, Offerten IV, 2 Vorwärts». stir WWW»gesucht.>W an Hauptcxpedition deS Im Entwurj stäudigcr löietinös hervorragender selb- t92/5» um! �llljellöUs speziell sür Groß-silberwaren. sofort gesucht, Off, mit Zcugn, u, Gchalts- ansprüchen an ZI. ZI. Dbooc, silberwarcnsabrit, __ Ehristiania, Norwegen,_ Konsumverein für Oranienburg u. Umg. Obiger Verein sucht zum t. Dezember dieses Jahres einen lautionSsähigcn Geschäftsführer. Offerien mit Gehaltsansprüchen find bis zum 8. November an den Vorsitzenden deS Aussichtsrats, Herrn N. MSdiue, Schützenslraßc 11, zu richten, 107/16* Gesucht wird von gut eingesührter Berliner Fabrik chemiichcr Pro- dukte zum Besuch von Möbel- fabrtkcn, Dischlcrcienusw. fleißiger, tüchftger 2744b Vertreter gegen festes Gehalt. Geeignete Be- Werber— bevorzugt gelernte Äschlerzc. mit guten Umgangsformen— wollen ausführliche Offerten einreichen unter T. 2 Hauptexpedition des.Vorwärts». Mtiuig! Holzarbeiter. Wege» Streit oder Lohn, disferenzen sind gesperrt: Pianofadrik Hnooso n. Dreß. Palisadcnftr. 77. Für die Holzleistcn-Braiiche dct Betrieb von-».»g. Hvalg, Tclrower Str. 4K/19. FürDrechsler.Maschinenarbeiter und Schleifer die Alabaster- marenfabrik H'IIb. Eotter, Rittcrftr. III. Für Tischler: Werdau i. S. 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