ZK. 284. RbonnementS'Redlnsnnsen: Blomiemcnl«■ PrciZ DrfinumeranSot »ierteljährl. 3,30 SM, monaü. 1,10 SM, wöchentlich 28 Pfg. frei in? Hau?. Cinjclne Nummer 5 Pfg. Sonntag?» rmmmet mit illustrierter Sonntag?» Beilage»Die Neue Weif 10 Pfg, Posl. Abonnemenl! 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitung?» Pret?Iiste. Unter Kreuzbatid für Deutichland und Oesterreich- Ungarn Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postadonnemem? nehinen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rutnänicn, Schweden und die Schweij. 30. Jahrg. kkfchelnl täglich. 3'C�>��cxj Ä" � Vevlinev VolKsblÄtk. vle Insertion;-Lebiih? betrügt für die fechsgefpaltene Stolonet» geile oder deren Raum 60 Pfg., für polltifche und gewerkschaftliche Pereius. und Verfnmnilnngs.An, zeigen 30 P-g, „Kleine Hnaeigen", da? fettgedruckte Wort 20 Pfg. fzulnfstg 2 fettgedruckte Sorte), jedes weitere Wort 10 Plg. Stellengesuche und Schlafftellena«. geigen da? erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über lö Bum- i laben zählen für zwei Worte, Inserate Ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend? geöffnet. Telegramm. Adresse: „Sozialdemokrat Berlin", Zentralorgan der rozialdemoferatifchen Partei Dcutfchlands. Redaktion: 8SI. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplaft, Nr. 1i18Z. Mitttvoch, den Ä3. Oktober 1913. Expedition: 8Rl. 68, Idndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Woril-plnti, Nr. 1984. Schlagwetter und Schlaglichter. Der Staatsanwalt als Verteidiger— der Zeuge als Angeklagter. Der fünfte Verhandlungstag des KruPP-Prozesses brachte eiidlich die Vernehmung des Zeugen v. Metzen. Des ein- z i g e n Zeugen, von dem überhaupt ein wesentlicher Beitrag nur Klärung der Bestcchungsaffäre Brandt zu erwarten war. War doch Aietzen mehrere Jahre lang der nächste Vorgesetzte des Brandt und zugleich das Bindeglied zwischen Berlin und Essen, also der Mann, der am besten Auskunst darüber geben konnte, was in Berlin vorgefallen und was zur Kenntnis der angeblich über den Wolken thronenden Herren Krupp- Direktoren gelangt war. Dazu war von Herrn v. Bietzen bekannt, daß er wegen seines Konflikts mit der Firma Krupp und eines ihm angeblich von der Firma widerfahrenen Un- rechts rücksichtslos mit seiner Wissenschaft herausrücken werde, während umgekehrt gerade die wichtigsten der anderen Zeugen schon mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen konnten, auch diesmal wegen Verdachts der Mittäterschaft so wenig wie vor dem Kriegsgericht vereidigt zu werden. Kein Wunder also, daß die Nachricht von der Vernehmung des Herrn v. Metzen die bisher so triste und gelangweilte Stimmung der Pressevertreter mit einem Schlage versclteitcht und auch auf das Auditorium eine besondere Anziehungskraft ausgeübt hatte. Jedermann sagte sich, daß jetzt endlich etwas Neues über den Fall Krupp zu erwarten sei. Herr v. Metzen enttäuschte denn auch nicht die Er- Wartungen. Er sollte für diesmal in seinen Aussagen zwar nicht allzu weit kommen. Aber die kurze Darstellung, die er vor der jähen Unterbrechung seiner Zeugenaussage von der Tätigkeit des Brandt und dem Verhältnis der Herren v. Schütz und Eccius zu dieser Tätigkeit zu geben ver° mochte, wirkte durch ihren Inhalt sensationell. Das„Muster eines Ehrenmannes", Herr v. Schütz, sollte bekanntlich keine Ahnung davon gehabt haben, daß Brandt seine ehemaligen Kollegen, die Zeugfeldwebel und Zengleut- nants, zu den bösartigsten Gesetzeswidrigkeiten verleitete. Der Zeuge v. Metzen dagegen erklärte, daß schon seine erste Besprechung mit Herrn Schütz über die Tätigkeit des Brandt seine s ch w e r st e n Bedenken erregt habe. Das Wort Bestechung sei zwar nicht gefallen. Aber das habe ja ohnehin in der Natur der Sache gelegen. Brandt, der angeblich so vielbeschäftigte Bureaubcamte, habe jahrelang absolut nichts anderes getan, als durch unterirdische Beziehungen auf ille- galem Wege Geheimnisse für die Firma Krupp zu ergattern. Diese ganze Tätigkeit Brandts sei ihm. deni neuen Vorgesetzten des Brandt, gleich nach der ersten Darstellung des Herrn v. Schütz so verdächtig und komproniittiercnd erschienen, daß er(Metzen) schon am dritten Tage seiner Berliner Tätigkeit dem Direktor Eccius geschrieben habe, daß er es strikt ablehne, den Vermittler der Auslagen für den Brandt zu spielen und daß er zum mindesten zur Aufrechterhaltung des äußeren Scheins verlangen miisse, daß dem Brandt eine bestimmte Bureautätigkeit und ein Fix" in in Gestalt einer„Funktions- zulage" zugewiesen werde. Und zum B e weise dieser Be- hauptungen produzierte Herr v. Bietzen einen wörtlichen Aus. zug aus seinem Briese vom August 1st09 und aus der Antwort des Herrn Eccius. Und die Antwort des Herrn Eccius, daß er aus„leicht begreiflichen Gründen" auf die er- wähnten Kornwalzergeschichten des Brandt nicht eingehe, spricht allerdings Bände! Auch die Aussagen des ja freilich unvereidigten Zeugen Eccius in dem Kriegsgerichtsprozeß, in dem der Herr Krupp- Direktor sich auf den Ahnungslosen hinausspielte, werden durch diesen Briefwechsel in ein eigentümliches Licht gerückt. Gewiß hat Herr Eccius damals zugegeben, daß ihn die Brandtschen Kornwalzer zuweilen auf„I n d i s k r e t i 0- n e n" von militärischen Subalternen hätten schließen lassen, aber Herr Eccius hatte zugleich den Gedanken weit von sich gewiesen, daß ihm dabei zum Bewußtsein gekommen sei, Brandt könne das Material zu seinen Kornwalzern durch „Hintertreppe n" bezogen oder gar auf nicht einwand- freie Weise erworben haben. An so etwas habe er nie gedacht! Und nun b e w e i st der von Metzen vorgelegte Briefwechsel, daß Herr Eccius den schweren Bedenken des Herrn von Metzen bereits 1999 mit dem vollsten Verständnis des Wissen- den und Eingeweihten begegnete! Leider setzte hier, wo man endlich, statt der ewigen Schuldabwälzungen auf Verstorbene, statt der Ent- schuldigungen mit begreiflicher Gedächtnisschwäche oder gar der Berufung auf Titel und Würden endlich einmal einer kontrollierbaren Berufung auf a k t e n- mäßig zu erweisende Tatsachen begegnete, sofort die Unterbrechung ein. Und zwar war es, bevor sich noch die Angeklagten und ihr Sachwalter von ihrer Bestürzung erholt hatten, der Ver- treter der A n k l a ge, der seinem Erstaunen und seiner Ent- rüstung darüber flammenden Ausdruck gab, daß hier der Zeuge v. Metzen unvermutet zum schwersten Angriff gegen die--- Angeklagten ausgeholt habe, indem er ganz neue Tatsachen vorbringe. Herr v. Metzen habe seine Dokumente korrekterweise bereits in der Voruntersuchung vor» lesen müssen. Satt dessen habe er beute»dieAngeklag» ten überfalle n". Nicht nur er, der Herr Anklagever- treter, habe einen Anspruch darauf gehabt, von dem Zeugen Metze» in alle Einzelheiten seines Belastungsmaterials ein- geweiht zu werden, sondern auch die Gerechtigkeit den Angeklagten gegenüber habe es geboten, ihnen rechtzeitig die Kenntnis dessen zu verschaffen, was er gegen sie vorzubringen habe. Er, der Staatsauwalt, miisse deshalb seine bereits früher gefallene Bemerkung von dem„scharfen Auge" wiederholen, das er besonders fiir die Zeugen- aussage des Herrn v. Metzen haben werde. tzluch der V 0 r s i tz e n d e glaubte der Ansicht des Staats- anwalts zustimmen zu müssen. Gewiß sei Herr v. Metzen in der Voruntersuchung Beschuldigter, also keineswegs vcrpflich- tet gewesen, Auskünfte zu geben, durch die er sich selbst be- lasten konnte: aber wenn er„der Wahrheit habe dienen" wollen, habe er doch auch damals schon sein Material mit- teilen müssen. Und zum Ueberfluß versicherte daraus der Staatsauw alt den Zeugen Metze» abermals seines ganz besonderen Mißtrauens, weil Metzen so- lange mit seinem Material zurückgehalten habe. Eine sonderbare Geschichte! Tie KruPP-Be- amten, die fortwährend mit den wunderlichsten Ausreden kommen, daß sie sich„nichts dabei gedacht" hätten und daß sie„keine Veranlassung" zur näheren Nachforschung ge- habt zu haben glaubten, bedenkt der Herr Staatsanwalt nicht ein einziges Mal mit dem Zeugnis seines Miß- trauens. Ausgerechnet der Stütze seiner Anklage, seinem w i ch t i g st e n, seinem einzigen Zeugen bringt der Anklagevertreter das befremdenste Mißtrauen entgegen! Das befremdenste Mißtrauen! Es liegt uns wahr- haftig fern, uns für Herrn v. Metzen als moralische Per- sönlichkeit besonders ins Zeug legen zu wollen, lieber sein Geschäft mit Herrn v. Witting wird man ihn ja doch wohl selbst erst einmal hören müssen. Aber selbst im schlimmsten Falle wird man ihm zugestehen müssen, daß seine Begriffe für Recht und Unrecht, für Erlaubt und Unerlaubt durch seine vieljährigen Erfahrungen im Dienste der Firma Krupp korrumpiert worden sei» mochten! Neben so manchem anderen hohen Krupp-Beamten vermag Herr v. Metzen aus alle Fälle noch immer keine schlechte Figur zu machen! Und wer die Herren Dreger, Mouths, Mueblon usw. für tadellose Ehren- männer hält, der wird auch nicht so ohne weiteres auf Herrn v. Metzen Steine werfen dürfen. Zum mindesten wird mau es erst abwarten müssen, inwieweit Herr v. Metzen den— offenbar doch voller Zuversicht unternommenen— Beweis da- für zu führen vermag, daß das, was er sich bei seiner italie- nischen Affäre hat zuschulden kommen lassen, noch nicht den h u n d e r t st e n Teil so s ch l i n, ni ist, als was erinseinerEigenschaftals(glänzendbezahlter[!]) Kruppbeamter und Vertrauensmann der Firma Krupp als Kruppsche Geschäfts- praxis beobachten konnte! An sich finden wir es geradezu ideal, daß sich wirklich einmal was sonst nichts als eine schöne Mythe— ein Staatsanwalt als„objektivste Behörde" betätigte und die Interessen der A u g e k l a g t e n wahrnahm. Der Staats- anwalt soll nach der Strafprozeßordnung nicht nur die Interessen der Anklage, sondern auch die der Angeklagten wahrnehmen. Aber das uns prinzipiell durchaus sym- vathische Eintreten des Staatsanwalts für die Angeklagten hätte darum nicht noch durch sein u n V e r st ä n d l i ch ü b e r- energisches Auftreten gegen seinen ein- z i g e n Zeugen unterstrichen zu werden brauchen! Es war doch wahrhaftig nicht nötig, den Zeugen v. Metzen von vornherein noch zu entmutigen! Einen Zeugen, den im Gegenteil eine Aufmunterung bitter not- tat! Denn wie die Ullrich und Konsorten gerade ihni mit- gespielt haben, ist ja dem Herrn Staatsanwalt nur zu gut bekannt. Mitgespielt haben ohne Beweis! Aber selbst wenn Herr v. Metzen, was er auf das ent- schiede nste bestreitet, Liebknecht zur Weitergabe der Kornwalzer an das Kriegsministerium veranlaßt hätte, so sollte ein objektiver Staatsamvalt darin dock wahr- haftig tausendmal eher eine patriotische Tat, als eine ehrenrührige Denunziation erblicken! Nach alledem erscheint uns das Verhalten des Staats- anwalts sowohl juristisch als auch psychologisch total un- begreiflich. Sicherlich wäre es dem Staatsanwalt angenehmer ge- Wesen, wenn er von vornherein auf Grund völliger Jnforma- tion durch Herrn v. Metzen seine Anklage ganz anders hätte aufbauen können. Aber schließlich sollte dem Staatsauwalt die endgültige Aufklärung der Affäre doch über seinem per- sönlichen Ehrgeiz, über beruflicher Handwerkerei stehen. Wir können aber wirklich nicht einsehen, daß Zeugen, die sich in einer so prekären Lage befinden wie Herr v. Metzen, der in der Tat„in ein W e s p e n n e st zu greifen" riskiert, der Mut gestärkt wird durch eine Pathetisch ausgebauschte Splitter- richterei. wie sie Herrn v. Metzen gegenüber bofioUt wurde. Man sollte doch wirklich vom Standpunkte des Rechts aus mehr Genugtuung empfinden über einen Zeugen, der in elfter Stunde die nackte Wahrheit sagt, als über zehn Zeugen,, die konsequent bei Ausreden verharren— wenigstens solange sie die Aussagen nicht mit ihrem Eide zu decken haben. Daß die Angeklagten und ihre Verteidiger sich eine Frist erwirkten, um zu den neuen Tatjachen der Erklärung. des Zeu- gen v. Metzen Stellung nehmen zu können, ist ibr unbestreit- bares gutes prozessuales Recht. Ilm wen es sich dabei hau- delt. ist gleichgültig. Denn Sache der Gerichtsverhandlung wird und muß es ja sein, etwaigen neuersonncnen Ausflüchten die untilgbaren Tatsachen entgegenzustellen. Tie O e f f e n t l i ch k e i t der Verhandlungen verbürgt ja zudem die von der Gesetzgebung fiir geboten erachtete K 0 n- trolle des Verfahrens._ Da; italiemiche Nahlergedni;. Der sozialdcmokratischc Tieg. Roui, 28. Oktober.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Die bis jetzt vorliegenden, noch nicht vollständigen Wahlresultate ergeben, daß die Partei z lv ö I f Mandate neu erobert hat. Insgesamt verfügt die Sozialdemokratie über 38 Mandate. Die Reformisten verlieren ein Mandat und haben acht neue erobert. Der Reformist P 0 d r c c c a, der in Budrio in Stichwahl steht, tritt zugunsten des Sozialdemo- kratcn zurück. Der r e f 0 r m i st i s ch c P a r t e i v 0 r st a n d beschloß, bei der Stichwahl überall die sozialdemokratischen Kandidaten zu 11 n t e r st ü tz e n. Die gesamte Presse anerkennt den gewaltigen B 0 r st 0 ß unserer Partei. Das bishetige Ergebnis. Rom, 28. Okiober. Vis um S Uhr nachmittags lagen 436 Er« g e b n i s s e aus den 508 Wahlkreisen vor. Bis jetzt sind 205 Mi« 11 i st e r i e I l e« Konstitutionelle, 46 Radikale, 16 verfasiimgStreue Oppositionelle, 25 Katholiken, 12 Republikaner, 30 Sozialdemokraten und 18 R e s 0 r in i st e n gewählt worden. In 84 Wahlkreisen sind Stichwahlen erforderlich. Sie caiultazsuiahl In Stuttgart. NuS Stuttgart wird uns geschrieben: Mit einer Mehrheit von rund 1500 Stimmen bei 9300 ab- gegebenen Stimmen hat die Sozialdemokratie den Landtagswahl- kreis Stuttgart-Oberamt in der Nachwahl am 25. Oktober de- hauptct. Ilnser Genosse Pflüge r erhielt, wie berichtet, 5647 Stimmen, sein Gegenkandidat Stadtpsarrcr Lbmparter-Stuttgart 4146 Stimmen. Tie offizielle Feststellung deS Wahlresultats dürfte an diesem Stimmenverhältnis wenig mehr ändern. Bei der all- gemeinen Wahl im Jahre 1906 erhielt Genosse H i l d e 11 b r a n d 5212, der Nationalliberale 2196, der Volksparteiler 736, der Kon- servative 121 Stimmen. Die Stinimenzahl des Jahres 1912 haben wir jedoch nicht wieder erreicht. Genosse Hildenbrand brachte e? im Vorjahre auf 6715 Stimmen, der Kandidat de» nationalliberal- volksparteilichen Kartells, Major a. T. Schuster, nur auf 2460 Stimmen, der konservative Kandidat auf 109 Stimmen. Tie im Vorjahre erreichte Stininienzahl haben wir also nicht behaupten können, lim rund 1009 Stimmen sind uns Iveniger zugefallen, während gleichzeitig der Kandidat des bürgerlichen Blocks einen überwältigend scheinenden Eiimmenzuwachs zu verzeichnen hat. Das gibt der bürgerlichen Presse selbstverständlich Anlaß zu rau- schenden Jubelgesängen. Zwar ihre offen ausgesprochene Hoff- nung, diesmal den Wahlkreis der Sozialdemokratie zu entreißen, ist zu Wasser geworden. Aber offen muß zugegeben werden: der Wahlausfall verpflichtet die Partei, den Ursachen dieses Stimmen- rückgangs rücksichtslos auf den Grund zu gehen. Ein abschließendes Urteil läßt sich naturgemäß zur Stunde noch nicht fällen, aber ein- zelne gewichtige Tatsachen, die bei der Beurteilung des Wahlresultats zu berücksichtigen sind, seien hier kurz angeführt. Daß die im Vorjahr für den Genossen Hildenbraud abgegebene Stimmcnzahl anormal hoch war, darüber hat sich wohl niemand einer Täuschung hingegeben. In den 6715 Stiminen de? Vor- jähres steckt in der Tat ein nicht geringer Prozentsatz bürgerlicher Stimmen. Ter damalige nationalliberale Kandidat Major Schuster war der denkbar ungeeignetste Kandidat für die kleinbürgerliche Be- völkerung des Oberamts.(Stuttgart-Stadt bildet einen Wahlkreis für sich.) Nicht nur im Lager der verbündeten Volksparteiler be- gcgnete er der größten Abneigung, sogar die Banernbündler re- belliertcn. Ein sehr maßgebender Bauernbündler des Oberamts wurde nach der Wahl in der bürgerlichen Presse offen beschuldigt, km geheimen für den Genossen Hildcnbrand und gegen den liberalen Kandidaten gearbeitet zu haben. Ten Vcrteidigungsversuchen des Angegriffenen wurde sehr wenig Wert beigelegt. Daß diese Stimmen uns nach dem Weggang des Genossen Hildenbrand der- loren gehen würden, stand von vornherein fest, nachdem die Volks- Partei die Nalionalliberalen gezwungen hatte, die Kandidatur Schuster fallen zu lasten und'an seiner Stelle den Pfarrer Lamparter aufzustellen. Letzterer ist Mitglied des Landesaus- schusses der nationalliberalen Partei, ein in der Wahl seiner Agita- tionsmittel sehr freier Politiker, für die weitere Oeffentlichkeit abex bis dahin ein unbeschriebenes Blatt. Ter Herr genierte sich denn auch gar nicht, in seinen Kandidatcurcden Forderungen zu ver- treten, die das genaue Gegenteil der nationalliberalen Praxis im Landtag darstellen. Forderungen, die dch Sozialdemokratie seit Jahren mit allem Nachdruck vertritt, deren Durchführung aber # stets noch am Widerstand der NationaMberalen gescheitert ist, machte er nicht nur unbedenklich zu den seinen, er suchte sie sogar>toch zu übertrumpfen. Ein besonders krasses Beispiel sei herausgegriffen: In Württemberg ist schon ein Jahreseinkommen von 500 M. an c inkommensteuerpflichtig. Sozialdemokratische Anträge, mit der EinkommenSgrenze auf 800 M. hinaufzugehen, haben die National- liberalen konsequent abgelehnt. Nicht einmal ein Jahreseinkommen von 650 M. wollen sie steuerfrei lassen. Dahinzielende Anträge der Sozialdemokratie wurden von ihnen rundweg abgelehnt. Herr Lamparter versprach nun den Wählern, bei höherer Kinderzahl usw. ein Einkommen bis lLOO M. von der Einkommensteuer zu befreien! Daß die Volkspartei bei dieser Art Agitation kräftig mitwirkte, ist selbstverständlich. Sie hat nicht nur geduldet, sondern auch ge- billigt, daß das Wahlkomitee des Herrn Lamparter in seinen Flug- blättern die»Unbotmäßigkeit, Gottlosigkeit, Vaterlandsverachtung" usw. der Sozialdemokratie zu beweisen versuchte durch Abdruck von Gedichten Freiligraths und des alten volksparteilichcn Politikers und Dichters Ludwig Pfau, eines der besten, den die Volkspartei Württemberg? hervorgebracht hat. Eine Partei, die mit kalter Ueberlegung das Grab ihres eigenen Vorkämpfers schändet, einen glühenden Patrioten wie Ludwig Pfau als blutrünstigen.Landes- Verräter" maskiert und damit ängstlich-fromme Gemüter in den Pferch der nationalliberalen Partei schreckt, sollte für jeden an- ständigen Menschen erledigt sein. Dies Wenige mag genügen zur Kennzeichnung der bürgerlichen Kampfesweise. Das alles reicht aber nicht hin, den Ausfall der Wahl zu er- klären. Denn eS ist selbstverstänlich, daß auch die Sozialdemokratie nicht geschlafen hat. Es ist vielmehr mit aller Kraft gearbeitet worden. Aber die bürgerlichen Parteien hatten noch einen treff- lichen Verbündeten, nämlich die Krise, die in unseren Reihen klaffende Lücken gerissen hat. In den wenigen industriellen Orten, die zum Oberamt gehören, leiden unsere Organisationen hart unter der Arbeitslosigkeit. Die tatkräftigsten Genossen fallen der Rache der Unternehmer anHeim; sie sind gezwungen, den Ort zu verlassen. Die am Ort verbliebenen tätigen Genossen haben schwer gegen die dumpfe Mutlosigkeit in weiten Kreisen der Arbeiterschaft anzukämpfen. Trotzdem: wir haben den Wählkreis Stuttgart-Land dem stärk- sten Ansturm aller bürgerlichen Parteien gegenüber behauptet. Wir haben seit 1906 unsere Stimmenzahl unter den ungünstigsten Um- ständen noch gesteigert. Verloren haben wir die Stimmen jener Bevölkerungsschichten, die weder wirtschaftlich noch politisch zu uns gehören, die nur unter anormalen Verhältnissen vorübergehend zu uns gestoßen waren. Verloren haben wir aber auch jene Stimmen, die nicht'der Partei, sondern der Person des früheren Kan- didaten zugefallen sind. Letztere? ist bedauerlich. Nur durch eine zielklare konsequente Agitation für die Partei, durch intensive Auf- llärungSarbeit im Sinne unsers Programms lassen sich solche Schäden heilen. Die Partei hat den Wahlkampf mit aller Schärfe geführt. Die Versuche, durch skrupellose Ausnützung etlicher unbedachter Worte, wie sie unter Parteigenossen im heißen Meinungskampfe fallen können, Verwirrung in unsere Reihen zu tragen, sind fruchtlos ge- blieben. Schulter an Schulter haben alle Genossen gekämpft gegen den gemeinsamen Gegner. So haben wir den Kreis mit Ehren behauptet. Wir haben keinen Anlaß zu lautem Jubel, die Gegner aber haben noch weniger Grund dazu. Dessen werden sie bald inne werden. „Sie lügen wie Sie renke!." ' London, 27. Oktober.(Eig. Ber.) Dieses sachverständige Urteil, das einst ein rheinischer katholischer Arbeiterführer über seine klerikalen Freunde fällte, ist durch die Ereignisse, die sich in der letzten Woche in Dublin abspielten, wieder einmal bekräftigt worden. Man faßt sichrerstwlnt an den Kopf, wenn man von all den schäm- losen, jcodr Wahrscheinlichkeit entbehrenden Lügen und Ver- dächtigungen vernimmt, die die Klerisei der irischen Haupt- stadt über die Leiter der Dubliner Arbeiterbewegung und eng- lische Sozialdemokraten verbreitet hat. Der menschenfröünd- liche Entschluß englischer Frauen, die hrnigrigen Kleinen der ausgesperrten Dubliner Arbeiter nach Freunden in England zu schaffen, wo sie bis zum Ende des Kampfes verpflegt werden sollten, hat den irischen Pfaffen die Gelegenheit gegeben, zu versuchen, die Macht zurückzuerobern, die ihnen durch das Emporblühen der irischen Transportarbeitergewerkschaft aus den Fingern zu gleiten schien. Das Werk der Nächstenliebe, das unter der Leitung der Genossin Montefiore mit der Zu- stiminung der Gewerkschaftsleitung und mit dem tatkräftigen Beistand vieler Hunderter britischer Arbeiterfamilien vollzogen werden sollte, ist durch das Eingreifen der katholischen Priesterschaft verhindert worden, die den Fanatismus der rückständigsten Elemente der irischen Hauptstadt bis zur Weiß- glut entfacht hat. Die Priester und ihre fanatischen Anhänger halten bis zur Stunde alle Dubliner Bahnhöfe und die Ab- sahrstellen der Schiffe besetzt und verhindern mit Gewalt, daß irgendein Kind die Stadt verläßt. Sie mißhandeln die Frauen und Männer, die die Kinder der Ausgesperrten nach der Bahn oder nach den Schiffen begleiten. Man entreißt ihnen die Kinder. Selbst den Eltern, die ihre Kinder nach der Bahn schaffen, werden die Kleinen entrissen. So blind- lings wüten die Pfaffen, daß sie nicht einmal Kindern, deren Eltern mit der Aussperrung nichts zu tun haben, gestatten. die Stadt zu verlassen. Eine Frau, die mit ihren drei Kin- dem nach Liverpool fahren wollte, mußte an der Abfahrstelle des Schiffes ihren Heiratsschein und die Geburtsscheine ihrer Kinder vorzeigen, ehe man sie fahren ließ. Die Priester haben die Mitglieder des Katholischen Jünglingsvereins und des „Ancient Order of Hibermans", der Hauptwahlorganisation der nationalistischen Partei, mobil gemacht, die sich die ärgsten Gewalttätigkeiten zuschulden kommen lassen, ohne daß die Polizei, die die Stadt füllt und bei den geringsten Anlässen in brutalster Weise gegen die Arbeiter vorgeht, etwas zum Schutze des Publikums unternimmt. In großen Zügen ziehen die Stützen des Obskurantismus durch die Straßen, lassen den Papst hochleben imd rufen:„Nieder mit Larkin!" In- zwischen sind die Scharfmacher Dublins frohen Muts. Tie Pfaffen besorgen ihre Geschäfte aufs gründlichste. Durch die rnutwillige Entfachung des religiösen Fanatismus suchen sie die Köpfe zu verwirren und die Aufmerksamkeit der Arbeiter von dem eigentlichen Ziel des Kampfes zu lenken: das Sein oder Nichtsein einer Organisation, die die Masse des irischen Proletariats zum erstenmal zum Bewußtsein ihrer Klassenlage gebracht hat. Ter Erzbrschof von Dublin wrrd den Unter- nehmern nachher eine schöne Rechnung präsentieren können. Er hat den Sturm entfesselt. Er war es. der die Frauen mahnte daß sie es doch nicht verantworten könnten, ihre Kinder nach England zu schicken, wo st- vielleicht bei Nicht- kaibaliken an ihrem Glauben Schaden nehmen würden; daß r. nicht wert seien, katholische Mütter zu heißen, wenn sie ihre Kinder den Händen Andersgläubiger oder gar Ungläubigen anvertrauten. Und was der Oberpfaffe nur skizziert, das wurde von den wilden Kaplänen weiter ausgemalt. Ein beliebtes Fanatisierungsmittel der katholischen Geistlichkeit in Irland ist die Verbreitung der Mär, daß in allen Ecken pro- testantische Proselytenmacher beständig darauf lauern, die katholischen Kinder ihrem Glauben abspenstig zu machen. Das Mittel hat meist dieselbe Wirkung wie die Erzählung von den Ritualmorden der Juden in Rußland. Auf die ausgesperrten Männer scheinen die Geistlichen keinen Einfluß ausgeübt zu haben. Aber um so mehr wirkte der alte Popanz bei den Frauen und in den katholischen Vereinen. Die Geistlichen durchschwärmtcn die Stadt und drohten den Frauen und Kin- dern mit allen Höllenstrafem Man drohte den Müttern, die ihre hungrigen Kleinen nach England schicken würden, niit der Ausstoßung aus der Kirche. Heulende Weiber und Kinder fielen den wütenden Pfaffen zu Füßen und baten uin Ver- gebung. Man appellierte an den Patriotismus der Jrländer, die die Unterstützung des englischen Feindes mit Verachtung zurückweisen sollten. Man ging sogar noch weiter und tuschelte davon, daß die Genossinnen, die die hungrigen Kleinen nach England schaffen wollten, mit Mädchenhändlern in Verbindung ständen. Um diesem Gerücht Nahrung zu verschaffen, veröffentlichte die nationalistische Presse Dublins nur die Namen der Mädchen, die man den„Kinderdieben" entrissen hatte. Die ganze bodenlose satanische Gemeinheit der Klerikalen wurde ins Treffen geschickt. Um die Geistesverfassung der fanatisierten Massen zu verstehen, lese man folgende anonyme Postkarte, die an die Gewerkschaftsleitung geschickt worden ist: „An die Kinderdiebe. Wollen Sie der Frau Rand und der Frau Montefiore sagen, sie sollten nach Hause gehen, um ihren Mädchenhandel unter ihren eigenen Landsleuten zu betreiben, und unsere Dubliner Kinder in Ruhe zu lassen. Wir sind arm, aber Gott sei Dank! rein; das ist mehr, als man von den Eng- ländern behaupten kann. Wir können uns um unsere Kinder kümmern. Gott segne unsere Priester, die unS vor dem Mädchenhandel schützen." Die Ereignisse der letzten Woche haben der organisierten Arbeiterschaft einen Vorgeschmack von dem gegeben, was ihr in dem neuen sich selbst verwaltenden Irland bevorsteht. Viele haben sich einen Aufstieg des irischen Proletariats leichter vorgestellt; sie werden finden, daß sie den Machtgelüsten der Priesterschaft nicht genügend Rechnung getragen haben. Die Ereignisse tragen auch zum Verständnis der Furcht bei, die die Protestanten Nordirlands vor einem von der nationalistischen Partei beherrschten Dubliner Parlament haben. Die Verurteilung Larkins. London, 28. Oktober.(Privattelegramm des„58 or« wärt 5".) Die Verhandlungen vor dem Dübliner Schwurgericht, da? Larkin zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt hat, dürften kaum geeignet sein, das Ansehen der irischen Rechtspflege zu er- höhen. Wie der Verteidiger ausführte, handelte es sich für die Regierung nur darum, unter allen Umständen eine Verurteilung herbeizuführen, damit dem Widerstand? der Arbeiter durch die Ge- fangensetzung ihres Führers das Genick gebrochen werde. Die Ver- urteilung LarkinS erfolgte wegen Gebrauchs aufrührerischer Worte. Larkin behauptete, daß die Polizei seine Rede entstellt habe._ polmfche OcberficbL Noch ein Monarch von Gottes Gnaden. Tie Komgsmache wird jetzt in Bayern mit Hochdruck be. trieben. Die liberale Landtagsfraktion bat am Montag in mehrstündiger Beratung zunächst die Königsfrage und dann die Frage der Erhöhung der Zivilliste behandelt. In der Königsfrage stellte sich die Fraktion, wie die„Münch. Neuest. Nachr." melden, im wesentlichen auf den Standpunkt der zu erwartenden Regierungsvorlage, die sich auf den Grundlinien des bereits bekannten Staatsgutachtens ausbauen wird. Die Fraktion wird also einer auf verfassungsmäßigem Wege vor sich gehenden Lösung der Frage ühre Zustimmung nicht ver- sagen. Bezüglich der Frage der Zivilliste wurde auf Grund der von der Staatsregierung gegebenen Aufschlüsse die Not- wendigkeit einer Erhöhung anerkannt, ohne daß jedoch eine Bindung der Fraktion auf die geforderte Summe stattgefunden hätte. Soweit man hört, hat die Zentrumsfraktion des Landtags m der Königsfrage sich ebenfalls für die von der Staatsregie- rung zu erwartende Vorlage entschieden und zugleich be- schlössen, für die geforderte Erhöhung der Zivilliste einzu- treten. Den nämlichen Standpunkt nehmen die Fraktionen des Bayerischen Bauernbundes und der Freien(konservativen) Vereinigung ein. Tic Kammer der Reicksräte hat sich in ihrer vertraulichen Besprechung mit wenigen Ausnahmen auf den Boden des zu erwartenden Entwurfs der Königsfrage gestellt und ist bereit, an seiner Gesetzwerdnng iin Sinne der Regierung mitzuwirkem Die Regierung hat denn auch diese„glückliche Wendung durch Gottes Fügung" dazu benutzt, bereits beute dein Land- tag eine Vorlage zur Beendigung der Regentschaft zugehen zu lassen. Sie hat folgenden Wortlaut: Wir haben nach Vernehmung des Staatsrats mit SJeirat und Zustimmung der Kammer der Reichsräte und der Kammer der Abgeordneten unter Beobachtung der in Titel 10 Z 7 der Verfassungsurkunde vorgeschriebenen Formen beschlossen und ver- ordnen, was folgt: Einziger Artikel. Der Titel 2,§ 21 der Verfassungsurkunde vom 26. Mai 1818 erhält folgenden Absatz 2: Ist die Reichsverwesung wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens des Königs, das ihn an der Ausübung der Regierung hindert, eingetreten und besteht nach Ablauf von 10' Jahren keine Aussicht, daß der König regierungsfähig wird, so kann der Regent die Regentschaft für beendigt und den Tron für er- ledigt erklären. Der Landtag ist unverzüglich einzuberufen. Es sind ihm die Gründe, aus denen sich die dauernde RegierungS- Unfähigkeit ergibt, zur Zustimmung anzuzeigen. Für den Entwurf: Dr. Freiherr von Hertling. Dr. Freiherr von Sodcn-Fraunhofen, von Thelcmann, von Breunig, Dr. von Knilling. Freiherr von Kretz. In der Begründung heißt es: Ob der Regent die Regentschaft für beendet erklärt, steht nach den vom Eni- Wurf gemachten Vorschlägen in der freien Entschließung des Regenten. Es ist semein Erniessen anheimgegeben, die Regentschaft zu beenden, wenn er den Zeitpunkt dafür im Jnter- esse des Staates für gekommen erachtet. Die Einberufung des preußische» Landtags ist, wie eine hiesige halboffiziöse Korrespondenz meldet, zum S.Januar 1914 geplant. An diesem Tage wird auch der Etat vorgelegt werden.— Für die Etatsberatung stehen im nächsten Jahre elf Wochen zur Verfügung. Es ist aber zweifelhaft, ob diese Zeit ausreichen wird, in beiden Kammern den Etat bis zum 31. März zu verabschieden.— Von größeren Vorlagen werden i)em Landtage das nach dem Wasser- gesetz umgearbeitete Fischereigesetz und das Parzellierungsgesetz zunächst zugehen. In Vorbereitung sind ferner ein Fidei- kommißgesetz, eine Vorlage über die anderweite Organisation der Generalkommissionen, ein Eisenbahnanleihegesetz, einige Eingemeindungsvorlagen und kleinere Gesetze. Ob das W o h- nungsgesetz schon in der ersten Session zur Beratung gestellt werden soll, wird demnächst vom Staatsministerium entschieden werden. Bisher ging die Absicht der Regierung dahin, das Gesetz vorzulegen, man besuchtet jedoch eine zu starke Belastung der Arbeiten. Auch sind einige Punkte noch der Abänderung bedürftig._ Tie bayrische„Staatszeitung" vor dem Landtage. Unter großem Andrang des Publikums begann Dienstag- nachmittag die Verhandlung über die liberale Interpellation wegen der Gründung der Staatszeitunz. Der liberale Abg. Thoma begründete die Interpellation in einer vielfach von stürmischem iLeisall unterbrochenen, äußerst scharfen Anklagerede gegen das System Hertling, dem er schwere Erschütterungen der Staatsautorität durch diese Verbindung eines Amtsblattes mit einem kapitalistischen Privatunternehmen vorwarf, das unter vorsätzlicher Ausschaltung des Landtages gegründet wurde. Der Redner wies auf die Schröpfung hin durch die Zwangsinseratc, die der Staatszeitung zu unerhört hohen Preisen zufließen. Er warf auch der Staatszeitung unlauteren Wettbewerb vor. Ter Ministerpräsident sei verantwortlich für diese Korrum- picrung der öffentlichen Meinung, für das Odium dieser gesetzes- widrigen Gründung, für die Einbuße an Staatsautorität. Der Ministerpräsident v. Hertling verlas eine lange Er- widerung, die auf die verschiedenen Vorwürfe des Interpellanten nicht einging, sondern sich mit der wiederholten Erklärung begnügte, die Staatszeitung sei notwendig geworden, weil die bayerische Negierung kein Organ zur Vertretung ihrer Politik gehabt habe und weil es ihr besonders unangenehm gewesen wäre, für Presse- auslassungen von Partciblättern zur Rechenschast gezogen zu werden, zu denen sie in keiner Weis« in Beziehung gestanden habe. Danach ist also die Staatszeitung gegründet worden, weil das Ministerium Hertling nicht für die Zentrumspresse verantwortlich gemacht werden wollte.— Tie Staatszeitung, meinte Hertling. sei nach dem Muster der württem- bergischen, sächsischen, badischen und bei st scheu Staaisanzeiger be- gründet worden. Er vergaß nur den Unterschied zu erwähnen, daß diese Staatsanzeiger innerhalb des staatlichen Etats verwaltet werden. Ter offiziellen Antwort, die zumeist mit gleichmütigem Stillschweigen angehört, an einzelnen Stellen durch die Linke mit Gelächter unterbrochen wurde, fügte Hertling hinzu, als Antwort auf eine Bemerkung Thomas über seine auswärtige Politik, er habe die ausgezeichnetsten iSeziehungen zur Reichsleitung der aus- wältigen Politik. In der Debatte schilderte zunächst der©auernbündler Eisende r g e r in humoristischer, viel belachter Rede die Nöte, die dieser „Gemeindeschreck" den Gemeindobürgermeistern bereite. Er er- suchte, wenigstens das Zwangsabonnement für die Gemeinden auf- zuHeben.— Darauf versuchte Dr. Pichler eine Hilfsaktion des Zentrum? für die Hertlingsche Gründung. Dieses war der erste Streich» doch der zweite folgt sogleich. Die Braunschweiger sollen den hohen Genuß, sich loieder von einem angestammten Fürsten von GotteS Gnaden regiert zu sehen, recht teuer bezahlen. Der Landesversammlung ist eine Vorlage über die Zivilliste des neuen Herzogs zugegangen. Sie lautet: „Die zur Bestreitung der Bedürfnisse de? Landessürsten und des herzoglichen Hauses durch Artikel I des Finanznebenvertrages vom 12. Oklober 1832 von dem Neinertrage des Kammergütes vorbehaltene auf 19 000 Taler in Gold und 218 000 Taler in Konventionalmünzen festgesetzte und durch Artikel 1 der zwischen der herzoglichen Landesregierung und der LandeSverlammtung unter dem 15. März 1373 getroffenen Uebereinkunft(Anlage A de? LandtagSabichiedeS des 14. ordentlichen Landtages vom 12. Juni 1874, Nummer 31 der Gesetz- und Verordnungssammlung von 1874) auf jährlich 80 000 Taler erhöhte Summe wird auf jährlich 1 125 322*/, Mark festgesetzt und soll zu diesem Betrage vom 1. November d. I. an in monatlichen Raten aus der herzoglichen Kammerkasse an die herzogliche Hofstaatskasse eingezahlt werden." DaS ist der Anfang; die Fortsetzung folgt. Die Zunahme der Mariuelasten. In welch ungeheuere», Maße die Ausgaben für die Kriegsflotten der Großsiaaten in kurzer Zeit gestiegen sind, geht aus einer Ver- öffentlichung der englischen Admiralität über die Entwickelung seit 1904 hervor. Danach verausgabten in Pfund: 1904/05 1913/14 Zunahme in Proz. England..... 41062 075 47 021636 14,5 Vereinigte Staaten. 20110 310 29 498 867 46,7 Rußland..... 11949 906 24 249 464 102,9 Deutsches Reich. 10105000 23030 184 128,0 Frankreich..... 12 582 433 20 847 763 65,7 Italien...... 5 000 000 10157846 103,2 Japan...... 2 102 584 0 860 812 368,9 Oesterreich-Ungarn 2 615 460 6 006 551_ 129,7 Zusammen 105 527 768 170 682113 01 7 Die Flottcnausgaben dieser acht Großstaaten sind also'in nenn Jahren von 2 155 932 000 aus 3 437 015 006 Mark, um nahezu Zweidrittel. gestiegen. Abgesehen von Japan, dem sein W-ltmachls- schwindet schon bedenklich zu schaffen macht, ist die Zunahme am größten bei Oesterreich und dem D e u t s ch e n R e i ch, das diese Ausgaben von 206 445 000 auf 470 690 000 Mark, weit über das Doppelte, gesteigert har. Von weniger als einem Viertel der Aus» gaben Englands ist seine Ausgabe aus fast die Hälfte der englischen gestiegen.� Dabei ist die Flotte für das englische Jnselreich, das auf ausländische Zusiihr zu seiner Ernährung angewiesen ist, in ganz anderem Maße eine Lebensfrage als für den größten Militärstaat des Festlandes, der durch seine uferlose Flottenpolitik erst den Anstoß zu der allgemeinen Hetzjagd auf diesem Gebiete geg�cn hat. Rechnet man die kleineren Staaten und die neuerdings zum Schiffbau übergehenden englischen Kolonien hinzu, so wird man beute die Jahresausgabe für Marinezwecke aus kaum iveniger als 5 ittiutaroen Mark veranschlagen dürfen! Wieviele Kulturwerte ließen ffch für die Unsummen schaffen, die heute, mit ständiger Gefahr des all« verheerenden WeltbrandcS, ins Meer geivorfen weroen, um dem Größenwahn fanatischer Chauvinisten zu schmeicheln und eme kleme Gruppe von Riesenkapitalisten immer reicher zu machen. Die mecklenburgische Berfafsungsvorlage abgelehnt. Der mecklenburgische Landtag hat an, Dienstag die neuerlich« BerfasiungSvorlags abermals abgelehnt, und zwar Mtt 239 gegen 129 Stimmen. Wenn die Anslayungen der� mecklen» burgischen Regierungen höber zu bewerten warcu, dann müßte man annehmen, daß die im Vorjahre vom Großherzog von Mecklenburg. Schwerin ausgesprochene Drohung, die Vertassung zu okrohieren. jetzt in die Tat umgesetzt wirb; allein weder der Großherzog noch die Regierung wollen anscheinend riskieren, es mst den Junkem zu verderben. Differenzen im badischen Block. Die Nationalliberalen im Wahlkreise Lahr-Stadt haben beschlossen, sich dem badischen Grohblockabkommen nicht zu fügen. Sie wollen an ihrer Kandidatur Meyer, die sie zugunsten des Fortschrittlers zu- rückziehen sollten, festhalten, angeblich, weil der Fortschrittler nur S12, ihr Kandidat aber 97Z Stimmen erhallen hat. Der sozial- demokratische Kandidat, Genosse Monsch, erhielt 759 Stimmen. Die Sozialdemokratie hat bekanntlich die Kandidatur zurückgezogen, um eine Einigung zustande zu bringen. Wenn die Fortschrittler in anderen Kreisen gegen die Nationalliberalen Bergeltung üben, dann dürfte der Großblock bei der Stichwahl am 39. Oktober schlecht ab- schneiden. Die Disziplin in nationalliberalen Kreisen muß im Laufe der letzten Zeit außerordentlich erschüttert worden sein, sonst wären die Vorgänge, wie sie sich bei der Hauptwahl schon zeigten und wie sie sich anscheinend im zweiten Wahlgang wiederholen sollen, kaum möglich._ Der„Berliner Lokal-Anzeiger" als Regierungsblatt. Verschiedene Blätter wisse» zu melde», daß der im Verlage von August Scherl erscheinende»Lokal-Anzeiger" in ander« Hände übergegangen sei und daß infolge dieser Transaktion das Blatt in noch engere Beziehungen zur Rcitfisregierung treten werde, lieber Verkaufsverhandlungen des Scherischen Verlages wird in den letzten Monaten häufiger gemunkelt. Auch ist die Meldung unwidersprochen geblieben, daß hohe Regierungskreise sich bemüht habe», für den An- kauf Geldmittel, namentlich in Rheinland und Westfalen, flüssig zu machen. Wie der kaiserliche Automobilklub seine Jntereffeu wahrt. In einem natürlich nicht für die Oeffentlichkeit b e st i m m t e n Schreiben an den Königlich Sächsischen Automobilklub zeigen die Feudalsten der Feudalen, daß sie ihre gesellschaftliche Stellung im Interesse ihres Automobilsports sehr gut zu verwerten verstehen. In dem Schreiben, das vom 17. Sep- tember datiert ist, bittet der Kaiserliche Automobil-Klub um die Unterstützung seines sächsischen Bruders in der Stellungnahme gegen eine Verordnung des sächsischen Ministeriums des Innern, die die Verwendung und Anbringung einer Auspuffklappe an den Auto- mobilen verbietet. Diese Auspuffllappe ist in Sachsen verboten worden, weil der durch ihr Oeffnen verursachte laute Knall und die dabei entströmenden verbrauchten Gase geeignet sind, die Passanten zu erschrecken und zu belästigen. Es ist das gute Recht der kaiserlichen Automobilisten, gegen eine behördliche Verordnung vorzugehen, aber es ist bemerkenswert, w i e sie das tun. Nachdem in dem Schreiben darauf verwiesen ist, daß beim Reich samt des Innern bereits Vorstellungen er- hoben wurden, heisst es: „Es wäre sehr dankenswert, wenn die Herren des Klubs, welche auch gesellschaftliche Beziehungen zu den Herren im Königlich sächsischen Ministerium des Innern haben, mit diesen in dieser Frage Fühlung nehmen würden, und zweifeln wir nicht, daß in diesem Falle ein guter Erfolg zu erioarten wäre." Danach scheinen recht gute Erfahrungen mit der Verwertung der gesellschaftlichen Beziehungen bei den Behörden gemacht worden zu sein. In dem Schreiben wird noch in einer anderen Angelegenheit um die„Einflußnahme" des Könial. Sächsischen Automobilklubs bei der zuständigen Regierungsstelle gebeten. Den kaiserlichen, schwerreichen Automobilisten sind nämlich die Gebühren, die im Königreich Sachsen für behördliche Maßnahmen bei Ausführung der Bundesratsoerordnung erhoben werden, v i e l z u h o ch. In Preußen sind sie, wahrscheinlich infolge der„E i n f l u ß n a h m e" des Kaiserl. Automobil-Klubs, wesentlich niedriger.„Wir möchten daher anheimgeben," heißt es,„auch diese Angelegenheit bei den per- sönlichen Verhandlungen mit den Herren im Ministerium zur Sprache zu bringen und würden einen wirksamen Erfolg aufs freu- digste begrüßen." Hier zeigen sich die kaiserlichen Automobilisten in ihrer ganzen Große. Was von den Sachsen ohne Murren bezahlt wurde, das ist ihnen, die bei ihren glänzenden sportlichen Veranstaltungen gc- wiß nicht knausern, zu mel.— Das Antwortschreiben des Sächsischen Klubs vom 16. Oktober 1913 bringt den Berliner Herren eine kleine Enttäuschung. Es wird ihnen mitgeteilt, daß der Präsident des Klubs, der alle nötigen Eigenschaften in sich vereinigende tonservativ-nationalliberale Landtagsabgeordnete und Geheime Rat Niethammer seine ge- fellschaftlichen Beziehungen beim Ministerium des Innern wohl ins Treffen geführt habe, aber zunächst keinen Erfolg erzielt habe, weil die Anspufsklappe Gegenstand einer demnächst in Berlin statt- findenden Beratung sein werde und weil die sächsische Gebühren- ordnung Gesetzeskraft erlangt habe, eine Aenderung auf gesetzlichem Wege aber aussichtslos erscheine. Kußlerncl und Deutfchland. Petcrsimg, 28. Oktober.„Rufskoje Slowo" bringt heute nach- stehende Veröffentlichung über ein Interview des Ministers deS Aeußeru G s a s o n o w: Mein MeinungSauSwusch mit dem Reichskanzler Dr. von V e t h m a n n H o l l Iv e g und dem Unterstaatssckretär Zimmermann berührte die allgemeine Lage Europas und verschiedene Einzelsragen. Er gab die Möglichkeit, festzustellen, daß die deutsche Politik dasselbe Ziel erstrebt wie die russische, nämlich die Erhaltung des europäischen Friedens und des Balkanfriedeus und die Erhaltung deS territorialen Statusquo in den asiatischen Besitzungen der Türkei. Deshalb wünschen Deutschland und Rußland Reformen in Kleinasie», die den örtlichen Bedürfnissen enisprechen. Selbstverständlich beruht die erzielte russisch- deutsche Ueber- einstimmung auf der Zustimmung der beiderseitigen Ver- bündeten und Freunde zu dem Programm. Insbesondere erreichten die Berliner Unterredungen ein volles Uebereinkommen bezüglich der Reformen in Armenien. Wenn die Reformen auch in den anderen asiatischen Provinzen der Türkei erfolgen, sieht Ruß- land darin eine Garantie für die Ordnung in Kleinasien. lieber die Eisenbahnen N o r d o st a» a t o li e n s ist zwischen Rußland und Frankreich eine Einigung erzielt worden. Der Minister faßte das Ergebnis der Valkankrise dahin zusammen, daß die Londoner Konferenz noch nicht alle Aufgaben erfüllt habe, da fast unvermeidlich neue Frage» für ihre Entscheidung auflauckien. Er glaube, daß die endgültige Entscheidung der»och unerledigten Fragen von internationaler Bedeutung keine ernsten Schwierigkeiten hervorrufen werde. OektenaicK. Gin Todesurteil gegeu einen russischen Spion. Wien, 28. Oktober. Die militärische Rundschau schreibt: Am 23. Oktober hat in Agram die kriegsgerichtliche Ab- urteilung des russischen Staatsangehörigen Jan K o o p» k o e t wegen Spionage stattgefunden. Koopkoek tauchte 1912 i» Agram auf, nachdem er vorher in Petersburg seitens des r u s s i- sehen Generalstabes D e t a i l i n st r u k t i o n e n für seine Tätigkeit in Kroatien erhalten hatte. Er bereifte als Agent für ein chemisches Präparat den Bereich des 13. Armeekorps und sam- melt« hier: Daten für seine Auftraggeber. Die Militärbehörde veranlasste alsbald die Verhaftung Ltoopkoets. In der Unter- suchung stellte sich heraus, daß Koopkoet mit dem großen General st ab in Petersburg tatsächlich in V e r b i n- d u n g stand. Ferner kam die Militärbehörde auf die Spur eines förmlichen Spionagenetzes in der Monarchie, dessen Mitglieder nach und nach unschädlich gemacht wurden. Da die Tätigkeit Koopkoets in eine Zeit fiel, wo laut Militärstrafgesetz selbst Versuche zur Spionage mit dein Tode zu ahnden sind, mußte das gegfts Koopkoet gefällte Urteil auf Tod durch den Strang lauten. franhmtb. Verfolgung von Gewerkschaftssekretäre«. Paris, 28. Ottober. Im Zusammenhange mit den Soldatettkundgebungen von T o u l im Mai dieses Jahres hat der*-Untersuchungsrichter beschlossen, ISKafsierer und Sekretäre des Allgemeinen Arbeiter- Verbandes und der demselben angehörenden Gewerk- schasten, die im Namen der Vereinigung Lou du Soldat a n t i- militaristische Flugschriften verbreitet hatten, wegen Aufreizung von Soldaten zum Ungehorsam vor das Z u ch t p o I i z c d g e r i ch t zu verweisen. England. Die Ulstrrfrage. London, 28. jQkiwber. Wie der Parlamentskorrespondent des „Daily Chronicle"' Erfährt, haben in den letzten drei Wochen Verhan Ölungen zwischen den Führern beider politischen Parteien über das künftige Regierungssystem in Irland stattgefunden. Die Minister und die Führer der Opposition hätten auf Anregung einer hohen Persönlichkeit Denk- schristen miteinander ausgetauscht. Hmft'lfta. Die Lage in Mexiko. New D»rk, 28. Oktober. Wie ein Telegramm aus Mexiko meldet, haben die Aufständische« einen Militärzug in der Nähe von San Salvador in der Provinz Zacatecas m i t Dynamit in die Luft gesprengt. IIS Soldaten find getötet, zahlreiche verwundet worden. Die Vereinigten Staaten als Schutzherre« Südamerikas. Mobile, 28. Oktober. Präsident Wilson erklärte in einer Rede, das Leitmotiv der Verewigten Staaten in den Beziehungen zu den amerikanischen Ländern sei das Moralitätsprinzip, nicht das Nützlichkeitsprinzip. Wilson kritisierte die mater i- eilen Interessen, welche die AuLlanospolitik einiger Regierungen in ihren Beziehungen zu dem lateinischen Amerika beeinflußte». ES wäre die Pflicht der Ver- einigten Staaten, den Nationen dieser Halbkugel bei ihrer Emanzipier ung von den materiellen Fnter- essen anderer Nabtonen beizustehen. Die Ver- einigten Staaten erstrebten keinen Fuss breit Landes durch Er- obcrung. Wilson erklärte weiter, Südamerika sei gezwungen ge- wesen, Konzessionen zu gewähren. Die Union hielte es für ihre Pflicht, sie von dieser unerträglichen Unterordnung zu befreien. Der Präsident sprach die Erwartung aus, daß die Entwickclung des Landes nach» Eröffnung des Panamakanals ein bedeutender Fattor sei» würde, um das romanische Amerika von seiner Ahhänzigkeit von fremdem Kapital zu befreien. Das Arbeitsministerium der Bereinigten Staaten. Die„Schwanzpolitik" Gom�perz und seiner Freunde vom Arbeitervcrband, die das Heil der. Arbeiter im Anschluß an'bürger- liche Parteien, in der Unterstützung, der„Freunde" und der„Züchtigung" der offenen Feinde der Arbeiter erblicken, hat einen schweren Schlag erhalten durch die! jämmerliche Komödie, als die sich die dem Präsidenten Wilson zum Ruhme angerechnete Peru. ftnig eines Arbeitenvertreters ins jÄtbinett jetzt darstellt. William B. Wilson, vorher Sekretär des Bergarbeiterverdandes, hatte den Namen eines erfahrenen SoziiÄpolitikers und würde als Minister gewiß manches leisten könne» u, wenn— ih» das nötige Geld zur Verfügung stände. Aber merkwürdigerweise scheint es in der Kasse der stolzen Republik des reichsten Landes der Welt plötzlich au Geld zu fehlen, da es sich darum handelt, dem Jnel- gepriesenen neuen Arbeitsministeriuin das ordnungsmäßige Funktionieren zu ermöglichen. Wilson b»umtragte nach seiner Er- nennung im März eine Bewilligung vt'N W2 999 Dollar. Be- willigt wurde ihm aber nur 37 999, knapp ein Siebentel des Ge- forderten. Das Arbeitsdepartement war fichon vom vorigen Kon- greß durch Trennung des Departements ftir Handel und Arbeit geschaffen worden. Die Bewilligung der nötigen Mittel hatte man aber dem folgenden Kongresse überchtssen. Der aber bc- gnügte sich, dem neuen Minister fein Gehit't zu bewilligen, ließ ihn aber im übrigen auf d-m Trockenen, selbst die für Druck- fachen geforderten 25 999 Dollar wurden ihft verweigert und er aus den lächerlichen Betrag von 875 Dollar be schränkt, der es ihm nicht einmal ermöglicht, den gesetzlich gefordert en Tätigkeitsbericht zu erstatten. Den übrigen Ministerien aber stehen Druckkosten für die unwesentlichsten Zwecke in jeder gewtiuschten Höhe zur Verfügung. Freilich soll gar kein: nennenswerte Tätigkeit entfaltet werden. So fehlen auch für die Unterabteilunget Kinderbureau, Bureau für Arbeiterstatistik, Einwanderungsbu»'euu usw., die Mittel. Ruch tvar es dem Minister, der in sieh en WirtfchaftS- kämpfen die Vermittelung übernommen hat, ünnü�glich, in zwei großen Streitfällen: den Kämpscn der Textilarbeiter in Lawrence, Mass., und der Bergarbeiter in Westvirginia, einzugrt ifcn. Es bleiben ihm nun drei Möglichkeiten: entweb er er bringt die Energie und den Einfluß aus, die Mittel zur ordn»'ngsmäßigen Amtsführung zu erhalten— das ist nach Lage der Sp che und bei der völligen Machtlosigkeit der an die bürgerlichen Pe'rteien an- geschlossenen Arbeiterguvpe im Kongreß sehr unwahrsch cinlich—, oder er bekommt den Humüug satt und wirft Herrn Woodrow Wilson und seinesgleichen den Bettel— ein schönes iMinister- gehalt— bor die Füße Oder drittens, er steckt die Dollars weiter ein und begnügt sich im übrigen mit der ihm zugedachte» i arm- seligen Rolle des Scheinministers. Eine allzu große Enttäuschung könnte er den amerikarnschen Arbeitern damit nicht bereiten. Die sind von ihren Sdevanzpolitikern im bürgerlichen Lager noch nicht viel anderes gewöhnt. Immerhin herrscht jetzt bei der Ar£»uter- gruppc des Repräsentantenhauses große Entrüstung. Besteht doch sogar die Absicht, das Ministerium gegen Wilsons Willen aus seinen Bureauräumen zu vertreiben. Das ist nun der Kongveß mit der gepriesenen demokratischen Mehrheit. Jedenfalls wi�rd die schmähliche Geschichte nicht ganz ohne aufklärenden Einfloß auf die amerikanischen Arbeiter bleibe». Herr Gompers und dir Seinen werden allerdings weiter hoffen und harren.— Die«fligelettüche Regelung der Sonntagsruhe im �andelsgewerbe. Eine vom Zentralverband der Handlungsgehilfen bor einigen Monaten herausgegebene Schrrft über:„Die Sonntagsruhe in Kontoren und Läden" enthält u. a. interessantes Material über die ortsgesetzliche Behandlung dicsev Materie. Der Verband hat im zweiten Halbjahr 1912 eine Umfrage' bei achtzig Städten der ver- schiedensten Größe und au» allen Teilen Deutschlands veranstaltet. Von diesen achtzig Städten hatten fünfundfünfzig' ein Ortsstatut über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe erlassen. Sie sind sämtlich in der Schrift zum Abdruck gelangt. In dreiundzwanzig Orten, darunter Hamburg. Altona, Dortmund und Essen, bestand damals ein solches Ortsstatut nicht. Aus zwei Orten gingen un- bestimmte Antworten ein. Die Ortsstatute selbst zeigen eine Buntschcckigkeit sondergleichen. Am weitesten eingeschräntt haben die Sonntagsarbeit in offenen Verkaufsstellen die Städte Dresden, Frankfurt a. M,, Königsberg. Leipzig, München, Offenbach und Stuttgart. In diesen Städten ist lediglich der Verkauf von Nahrungsmitteln, Ei-, Zeitungen und lebenden Blumen zugelassen. Die Arbeitzeit in Kontoren ist entweder untersagt oder nur in sehr beschränktem Maße zulässig in Aschasfenburg. Barmen. Aleicherode, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., F r e i b u r g i. Br,, Mägdeburg, München und Plauen i. V. In Berlin ist eine zweistündige Arbeitszeit in Kontoren gestattet. In Hamburg ist endlich am C. Juli 1913 ein Ortsstatut in Kraft getreten, durch das die Kontorarbeitszeit auf drei Stunden eingeschränkt wird, mit Ausnahme im Speditionsgcwerbe. wo sie viereinhalb Stunden betragen darf; in offenen Verkaufsstellen beträgt die zu- lässige Verkaufszeit mit einigen Ausnahmen ebenfalls drei Stunden. Einige Städte beschränken sich darauf, durch Ortsstatut für die offene» Berkaufsstellen die Stunden festzulegen, an denen die Be- schästigung zulässig sein soll; eine Einschränkung der nach den Bc- stimmimgen der Gewerbeordnung höchstzulässigen SonntagsarbeitS- zeit findet aber überhaupt nicht statt, so z. B. in Freiberg i. S. und Friedberg i. H. Ein großer Nachteil für die Beteiligten ist darin zu erblicken, daß in vielen Fällen die zulässige Beschäftigungs- zeit auf verschiedene Tageszeiten vertritt ist. Ein Teil der Arbeits- zeit liegt vor der Kirchzeit, der andere nach ihr, so zum Beispiel in Bautzen, Bremerhaven. Bielefeld, Erfurt usw. Außerdem weisen einige Ortsstatuten noch Besonderheiten auf. so sind Ausnahme- bestimmungen geschaffen für Prokuristen und Reisende sin Aschoffenburg, Barmen, LudwigShafen), für israelitische Geschäftsinhaber(in München, Fürth und Würzburg). Das Bild, das die Umfrage des Zentralverbandes der Hand« lungSgehilfen ergeben hat, darf als typisch für die Verhältnisse im ganzen Reich angesprochen werden. Eine große Zahl von Gemeinden ist der Pflicht, eine ortsstatutarische Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe vorzunehmen, überhaupt nicht nachgekommen. Die erlassenen Ortsstatute lassen, von einigen Ausnahmen abgesehen, recht wenig ein Bestreben der Gemeinden er- kennen, die SonntagSarbeit wesentlich über das gesetzlich zwingende Maß einzuschränken und so die völlige Sonntagsruhe vor- zubereiten. Hierbei ist nun noch in Betracht zu ziehen, daß seit den» Erlaß der gegenwärtig geltenden reichsgesetzlichen Sonntagsruhevorschriften im Jahre 1391 in fast allen Gemeinden recht lebhafte Kämpfe um möglichst vorteilhafte Gestaltung der ort- lichen Sonntagsruhebestimmungen von feiten der Handlungsgehilfen geführt wurden. Der§ 105tz der Gewerbeordnung, durch den den Gemeinden das Reckt gegeben wurde, auf ortsstatutarischem Wege die Sonntags- arbeit im Handelsgewerbe einzuschränken oder gänzlich zu beseitigen und von dem manche erwarteten, daß er die völlige Sonntagsruhe allmählich herbeiführen werde, hat sich recht wenig bewährt. Bei der bevorstehenden Neuregelung der reichsgesetzlichen Sonntagsruhevorschriften wird eS daher darauf ankommen, mit aller Kraft für die Erringung des reichsgesetzlichen Verbots der SonntagSarbeit im Handelsgewerbe zu kämpfen. Rur soweit dieser Kampf von Erfolg gekrönt sein wird, wird man von einem Fortschritt auf diesem Gebiete der Sozialgesetzgebung reden können. Em der Partei. Varteiliteratur. Der Ardeiter-Rotiz-Kalender für das Jahr 1914 ist im Berlage der Buckhandlung Vorwärts erschienen. Außer dem üb- liche» Kalender- und Adressenmaterial bringt der Kalender die Ergebnisse der Reichstagswahlen von 1912 und der Nachwahlen. Der Wichtigkeit der Jugendbewegung entsprechend folgt dann ein Artikel von Jürgen Brand:„Wie erzieht man die Jugend zu freien. selbstbewußten MenschenZ� Ein Artikel Dr. Zadels über„Krankheitsverhütung und erste Hilse" gibt dem Arbeiter Ivertvolle hygienische Fingerzeige. Eine Zusammenstellung der Rechte und Pflichten der Schöffen und Geschworenen gibt Karl Freier. Ferner wird das Eni- stehe» und Wesen sowie die parlamentarische Behandlung des R e i ch S e t a t S von Ernst Däumig geschildert. Der GewerkschaftL- bewegung tvird in einer Uebersicht über die EntWickelung der deutschen Gewerkschaften im Jahre 1912 Rechnung getragen. Dem Kalender ist ein Bild und ein kurzer LebenSabriß August Bebels vorangestellt.— Der Kalender kostet tu seiner bekannten Ausstattung 59 Pf. Marx und die Anarchisten. Von Georg Stiskloff. Heft 10 der„Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung". Ber- lag von Kaden u. Co., Dresden. Preis 59 Pf. pslireiliebea,©crichtttches usw. Ein Presftündcr. Wegen angeblicher Beleidigung des Chem- nitzer Stadtrates wurde der verantwortliche Redakteur der Chem- nitzcr„Volksstimme", Genosse Meyer, zu 399 M. Geldstrafe ver- urteilt. Er hatte in einem Artikel ein Gerichtsurteil glossiert, das einem seiner Kollegen sechs Wochen Gefängnis einbrachte. Es handelt sich um eine Kritik der Arbeitsordnung für das städtische Müllabfuhrgewerbe, die so unglaubliche Bestimmungen enthält, daß selbst der Vorsitzende des Gerichts sich zu dem Ausspruch bekennen mußte, daß einzelne Paragraphen äußerst scharf und unsozial seien.— Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt werden. Letzte Nachrichten. Freigabe der Mandschurei und der Mongvlei für den Außenhandel. Mulden, 28. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) ,Scr Generalgouverneur hat der Zentral- regicrung vorgeschlagen, die südliche Mandschurei und die innere Mongolei dem Auslandshandel zu eröffnen, um dadurch eine Gegenwirkung gegen das Bor- .dringen der Japaner zu schaffen. Bestrafter Steuerbetrug. Wiesbaden, 28. Oktober.(H.B.) Die Strafkammer verurteilte he» te den praktischen Arzt Dr. Hans Jost in Rüdesheim wegen übe» fünf Jahre sich erstreckender Steuerhinterziehung zu einer Geltzsitrase von 12 963,69 M. als dem sechsfachen Betrage der hinter- zogen»'n Steuer und im Falle der Zahlungsunfähigkeit für je 15 M. einen Tag Haft. WWWVf�WW 5 > 5 > Viele Tranen glauben, daß dasjenige das beste Mundwasser sei, welches am angenehmsten schmeckt und den Mund stark parfümiert. Wäre eine derartige Annahme richtig, so müßten diejenigen Arzeneien die besten sein, welche am angenehmsten schmecken. Wenn Sie einsehen, wie unrichtig dies ist, so werden Sie auch einsehen, daß der angenehme Geschmack eines Mundwassers wahrlich kein Maßstab für seine Güte und Wirksamkeit sein kann, im Gegenteil, daß eine starke Parfümierung oft nur erfolgt, um die Wirkungslosigkeit zu verdecken. Bei einem wirklich hygienischen Mundwasser muß der Hauptwert auf die desinfizierenden und geruchnehmenden Bestandteile gelegt werden, welche alsdann durch erfrischende und parfümierende Zusätze zu ergänzen sind. Ein Mund- und Zahnwasser, nach diesen Grundsätzen hergestellt, ist Pfefferminz-Lysoform. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist dasselbe auch dem bisher als besten bekannten Mundwasser um das Secbsfacbe an Wirkung überlegen. Da man zu einem Glase Mundwasser nur 10 bis 15 Tropfen Pfefferminz-Lysoform benötigt, so reicht man mit einer Flasche vol| o drei Monate aus! PfeflVrmiiiK-Iiysoforai vereinigt daher rationellste Mnndpfl; je mit größter Woblfeilheit. Oriadnal- Spritzflasche M. 1,— erhältlich in Stärkungs-� Rotwein 10 r bloV ■rmin krank» Rekonvaleszenten. (pollisk. Orog% DaUal-Gesell. n,1.G0o,2M. Santa Locla OoDtrtWOep� S»r)ln 91 4. Gasthof Neubruek M Hennigsdorf Herrlich an Wald und Wasser gelegen. 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Gewcrbrcbaftlicbea. Zwangstnnungcii und Hrbcitgebcrverbändc. In den interessierten Kreisen wurde schon lange danach gestrebt, die Zwangsinnungcn korporativ den in sehr vielen Gewerben bestehenden sogenannten Arbeitgcbcr-Schutzverbändcn anzugliedern, um so auch die Unternehmer, die mit den scharf- macherischcn Tendenzen der Arbeitgeber-Schutzvcrbände nicht sympathisieren, zwangsweise dercni Einfluß zu unterstellen und sie zur Beitragsleistung an diese Organisationen zu ver- Pflichten. Bon vornherein ivar es zweifelhaft, ob der Beschluß einer Zwangsinnung, welcher den korporativen Anschluß an den Arbeitgeberschutzverband ausspricht, gesetzlich zulässig ist, denn der tz 81a R.-G.-O., der die Aufgaben der Innungen umschreibt, verpflichtet diese zur„Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen", während die Arbeitgeberschutzverbände, als gegen die Arbeiter gerichtete Kampforgauisationen, ganz andere Ziele verfolgen. Das ist früher auch von der Regierung anerkannt worden. Als sich seinerzeit der Vorstand des B u n d c s deutscher S ch u e i d c r i n n u n g c n an den damaligen Handels- minister Möller mit der Anfrage wandte, ob gegen den korporativen Beitritt der Innungen zum Allgemeinen deutschen Arbeitgeberverband für das Schueidcrgcwerbe Bedenken vor- liegen, antwortete dieser mit einem vom 20. Januar 1903 datierten Erlaß, in welchem ausgeführt wird, daß die In n u n g e n im allgemeinen nicht zum Eintritt in einen Arbeitgebervcrband berechtigt seien und daß der dennoch vollzogene Beitritt die S ch l i e ß u n g der Innung zur Folge haben könne. In bezug auf den All- gemeinen deutschen Arbeitgeberverband für das Schneider- gewerbe heißt es in dem Erlaß: „Dieser Verband ist seiner Bestimmung nach, wenn es auch in den Statuten nicht klar hervortritt, ein stampfverein gegenüber den Organisationen der Arbeit- nehm er. Seine Bestimmung steht somit in Widerspruch zu§ 81a Ziffer 2 der Gewerbeordnung, wonach die Aufgabe der Innung die Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen ist." Eine andere Stellung zu dieser Frage als der lange Möller nahm der gegenwärtige Handels mini st er S y d o w ein. Er erfüllte das Sehnen der Scharfmacher durch den Erlaß v o m 27. O k t o b e r 1909. In diesem wird ausgeführt, daß sich ein großer Teil der Arbeitgeber- verbände zu Organisationen umgestaltet haben, „die in gemeinschaftlicher Arbeil mir den Organisationen der Arbeitnehmer die zwischen diesen und den Arbeilgebern bestehenden Interessengegensätze auszugleichen und dazu beizutragen bemüht find, daß an Stelle des Kampfes ein auf gerechter Grundlage beruhendes friedliches Zusammenwirken zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zustande kommt. Insoweit, heißt es in dem Erlaß weiter, erscheint ihre Wirksamkeit wohl geeignet, auch der Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen, wie sie der§ 81a R.-G.-O den Innungen zur Pflicht macht, zu dienen. In Abänderung des Erlasses vom 20. Januar 1303 will ich daher genehmigen, daß in Zukunft auch den Innungen der Beitritt zu Arbeitgeber- verbänden gestattet wird". Auf Grund dieses Ministerialerlasses wurde nun eine eifrige und vielfach erfolgreiche Agitation für den Anschluß der Innungen an die Arbeitgeberverbände entfaltet. In Ausführung der von den Arbeitgeberverbändcn gefaßten Beschlüsse übten manche Innungen einen ganz hahne- büchencn Terrvrismus gegen ihre Mitglieder aus. Es sei hier nur an das Vorgehen der T a p e z i e r e r i n n u n g in Breslau erinnert, die im Februar d. I. den Beschluß faßte, die Arbeiter auszusperren und einige ihrer Mitglieder, die sich diesem Beschluß nicht gefügt hatten, mit Ordnungs- strafen in Höhe von 20 Mark für jeden Tag der Zuwiderhandlung belegte. Noch toller trieben es ver- schicdenc Bäckerinn unge n. Berechtigtes Aufsehen erregte insbesondere der Terrorismus der Magdeburger B ä ck e r i n n u n g. Einige Mitglieder dieser Innung, welche die von den Arbeitern gestellten Forderungen bewilligt hatten, wurden vom Jnnnngsvorstand in D a u e r st r a f c n von 20 Mark pro Tag genommen. Einzelnen Meistern wurden auf diese Weise Summen von 1000 Mark und darüber abgeknöpft. Alle Beschwerden Ivaren erfolg- los, denn der Regierungspräsident, der über solche Beschwerden in letzter Instanz zu entscheiden hatte, billigte es, daß die Jnnnngsmitglicder, die im Sinne des§ 81a der Gewerbeordnung beniüht waren, ein gedeih- liches Verhältnis zwischen Meistern und Gesellen zu fördern, hierfür mit der Vermögenskonfiskation best last werden. Die rigorosen Strafen der Innung laufen nämlich in ihrem Effekt auf eine Vermögenskonsiskation hinaus; aber trotzdem ist den Terrorisierten der Rechtsweg ver- schlössen. Das Vorgehen des Jnnungsvorstandes enthält aber auch einen flagranten Verstoß gegen die§8 152 und 153 der Gewerbeordnung, die bekanntlich gegen die Arbeiter mit un- erbittlicher Härte zur Anwendung gebracht werden. Den terroristischen Jnnungsmännern wurde aber von der Justiz ein Freibrief für' die Mißachtung des Terrorismusparagrqphen der Gewerbeordnung ausgestellt. Ein' Strafantrag gegen die Vorstandsmitglieder der Innung wurde in allen Instanzen abgelehnt. Auf erhobene Beschwerde cnt- schied das Oberlaildesgericht Naumburg, daß die Zurückweisung des Strafantrages zu Recht erfolgt sei, und in der Begründung dieses Beschlusses wird in der Hauptsache ausgeführt, daß den Mitgliedern des Jnnungsvorstandes das Bewußtsein der Rechtswidrigkcit ihres Verhaltens gefehlt habe. Diese Vorgänge, die ein Hohn auf den Rechtsstaat sind, wurden von den sozialdemokratischen Abgeordneten im L a n d- tage in der Sitzung vom 23. Februar d. I. zur Sprache gebracht. Hier erklärte der Han d eis minister Sydow, daß er den Beschluß der Magdeburger Bäckerinnung nicht beanstanden werde; er verstoße zwar gegen die 88 152 und 153, nicht aber gegen§ 81a der Gewerbeordnung. Der Minister fuhr dann fort: „ES handelt sich in Magdeburg um einen Kampf des Zentral- Verbandes der Bäcker gegen die nicht zur sozialdemokratischen Richtung gehörenden Bäckermeister, und die tariftreuen Gesellen darin zu unterstützen, wird meine Aufgabe sein, soweit es mit dem Recht vereinbar ist." Inzwischen scheint Herr Sydow seine Ansicht �doch ge- ändert zu haben. Zwar hat er seinen Erlaß vom 27. Oktober 1909 noch nicht zurückgezogen, aber in einem neueren Erlaß doch eine Abkehr von den dort eingeschlagenen Wegen be- kündet und zugleich die Rede desavouiert, die der Minister am 25. Februar im Landtage gehalten hat. Der letzte Erlaß des Handelsministers hat folgenden Wortlaut: „Aus Anlaß der Lohnbewegungen der letzten Jahre sind so- wohl bei den Beteiligten als auch bei den Behörden öfter Zweifel darüber entstanden, wieweit Zwangsinnungen befugt sind, in den wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ihren Mitgliedern Vorschriften zu machen. Da die bei der Entscheidung von Einzelfällen von mir ein- genommene grundsätzliche Stellung bisher nicht allgemein bekannt geworden ist, auch ans den von mir hierüber im Abgeordneten- haus abgegebenen Erklärungen irrige Folgerungen ge- zogen worden sind, so sehe ich mich veranlaßt, auf folgendes hin- zuweisen: Wie sich Zwangsinnungen in Arbeitgeberverbänden nicht weiter betätigen sollen, als mit der Förderung des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitern vereinbar ist, so dürfen sie auch im übrigen keine Beschlüsse fassen, die sich als Kamps- maßregeln in einem wirtschaftlichen Streite zwischen Arbeit- gcbern und Arbeitern darstellen. Deshalb ist es zum Beispiel unzulässig, wenn Zwangsinnungen ihre Mit- g I i c d e r Bei Strafe verpflichten, a l'l e gewer l- schaftlich organisierten Gesellen zu entlassen und nur solche Gesellen in Arbeit zu nehmen, die einen bestimmten Revers unterzeichnet haben, oder wenn sie ihren Mitgliedern unter Strafandrohung allgemein und ohne Rücksicht auf den Inhalt verbieten, Sonderverträge mit den Gesellen ab- zuschließen und wegen der Richtbefolgung solcher Vorschriften Strafen gegen die Jnnnngsmitglieder festsetzen. Beschlüsse, welche lediglich dazu dienen, die Jnnungsmitgliedcr zur Befolgung der von den Arbeitgebern zum BeHufe der Er- langung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen getroffenen Verabredungen zu nötigen, verletzen überdies die Vor« schriftcn der Gewerbeordnung gegen den Ä o a« l i t i o n s z tv a n g. Eine Verpflichtung der Jnnnngsmitglieder, nur bestimmte Gesellen in Arbeit zu nehmen oder bestimmte Gesellen zu entlassen, ist auch nach§ 11 der Gewerbeordnung unzulässig. Soweit indes dieJnnungsmitglieder in den von ihnen abzuschließenden Sonder- Verträgen Verpflichtungen übernehmen sollen, die mit bestimmten, gesetzlich von den Innungen zu verfolgenden und daher auch von den eiirzelnen Jmningsniitgliedern zu unterstützenden Jnnungs- aufgaben in Widerspruch stehen würden— zum Beispiel die Ver- pflichtung, ausschließlich einen anderen als den von der Innung eingerichteten Arbeitsnachweis zu benutzen und somit den Jnnnngsarbeitsnachweis grundsätzlich zu meiden— oder, soweit sie sich zur Jnnehaltung der Sonderverträge durch ehrenwörtliche Erklärungen verpflichten sollen, sind die Zwangsinnungen befugt. ihren Mitgliedern den Abschluß derartiger, gegen die Gesetze oixr gegen die guten Sitten verstoßender Verträge zu untersagen." Den Scharfmachern in den Schutzverbändcn ist dieser Erlaß erklärlicherweise sehr peinlich, macht er doch den Wert des Anschlusses der Zwangsinnungen an die Arbcitgeberschutz- verbände, der von ihnen so eifrig gefördert wird, recht problematisch. Immerhin ist aber dieser Erlaß noch eine Halbheit. Wenn den Innungen nun auch verboten ist, sich direkt an den Kampfmaßnahmen der Arbeitgeberverbände zu beteiligen, so sind sie doch auch weiterhin berechtigt, korporativ den Arbeitgcoerverbändcn beizutreten. Dadurch»verden ihre Mitglieder, unter denen sich immerhin eine ganze Anzahl be- finden, die nicht aus eigenem Triebe, sondern nur dem gesetz- lichcn Zivange folgend, der Innung angehören, auch ver- pflichtet, Beiträge an die Arbeitgeberschutz- verbände zu zahlen und diese somit materiell zu unter- stützen. Vor einiger Zeit haben sich eine Anzahl Mitglieder der Berliner Bäcker- Zwangsinnung darüber beschwert, daß sie durch den Beitritt der Innung zum Schutz- verband verpflichtet wurden, an diesen Beiträge zu entrichte». Die Gewerbedeputation des Magistrats hat diese Beschwerde zurückgewiesen.- Leider macht der 8 89, Abs. 4 der Gewerbeordnung, der die Entscheidung über solche Streitfragen der Aufsichtsbehörde zuweist, die Beschreitung des Rechtsweges unmöglich. Der Willkür der Verlvaltungsbehörden ist hier also ein weiter Spielraum gelassen und man muß den Erlaß des Handels- Ministers, der den Mißbrauch der Innungen für die Zivecke der Arbeitgeber-Schutzverbände ein klein wenig beschränkt, schon als einen Fortschritt ansehen. Berlin und Qmgcgend. Tie Ailtomatenkassierer und Wasseraufgießer der Englischen Gaswerke beklagen sich sehr über die bei der Gesellschaft herrschen- den Zustände. Jede noch so geringfügige Lohnerhöhung, die ge- währt werden muß, alle Vergünstigungen, die den Konsumenten zuteil werden, um etwa auftauchende Konkurrenz zu schlagen, sollen durch vermehrte Ausnutzung der Arbeiterschaft wenn möglich im doppelten Maße wettgemacht werden. Die Arbeitsleistung für die kleines feuiUeton. Hinter den Kulissen und von hinten herum. In Berliner Künstler- kreisen kennzeichnet man die Kunst des Oberhofbaurats v. Ihne kurz und schlagend mit folgendem Zwiegespräch. Einer fragt:„Was halten Sie von Ihne?" und der andere antwortet:„Er hat ein ausgezeichnetes Bureau." Dies sarkastisch-epigrammatische Gespräch soll man jetzt, anläßlich der Auseinandersetzungen über die An- gelegeiiheit des Washingtoner Botschasterpalaisf wie ein Motto sichtbar machen. Zwar nicht wegen des Urteils über Ihnes„Kunst", sondern wegen deS Bureaus, das den Interessen seines Herrn aus- gezeichnet zu dienen versteht. Das Thema der Despotisierung des Wetlbewcrbs hat zwei Ueberslbristen: die eine heißt: Der Kaiser, und die andere: Der Höfling. Man würde schwerlich zu einer richligen Antwort kommen, wenn mau dem Höfling nur eine passive Rolle zuweisen wollte. Das System ist nicht bloß der Kaiser, und Schieben und Gcschobenwerden läßr sicki ohne Zauberei an demselben Objekt- besorgen, wenn das Geschäft ausgezeichnet angepackt und ob- gewickelt wird. Ebenso aber wäre es falsch, die Angelegenheit in einen bloßen Fall Ihne zu verkonstruieren. Erklärungen, die der Oberhofbaurat und dann der erste Preisträger Bruno Möhring dieser Tage in die Presse gebracht haben, erschöpfen den Fall durchaus nichr. Sie sind Vorreden zum Thema. Die Hauptsache hat erst noch zu kommen. Eine Zuschrift aus Architektenkreisen knüpft bei diesen Erklärungen an. Wir geben folgende Sätze daraus: „Wenn es in den Bestimmungen für den Jdeenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau des Botschafter- palais heißt, daß das Auswärtige Amt in Aussicht genommen hat,„mit dem Verfasser einer der preisgekrönten Skizzen wegen Aufstellung deS genauen Bauentwurfs in Verbindung zu treten", so hatte doch mindestens einer der Preisträger ein ge- wisies Anrecht hierauf. Es scheint aber, als ob in der unerquick- lichen Angelegenheit unter Umgehung des Auswärtigen Amtes sebr stark hinter den Kulissen und von hinten herum gearbeitet worden ist. Ob es wirklich wahr ist. daß der Kaiser, noch ehe überhaupt das Preisgericht über die 272 aus ganz Deutschland eingelaufenen Entwurfsfiizzen zur Entscheidung zusammengetreten war, dem deutschen Botschafter Grafen Bernslorff bei seinem Eintreffen in Berlin die Worie zugerufen baben soll: „Sie bekommen ein schönes Palais! Ich habe eben Ihne den Auftrag erteill", lassen wir dahin- gestellt sein. Jedenfalls ivird das Gerücht in Kreisen, die es wissen müßten, verbreitet. Talsache ist, und Geheimrat v. Ihne hat es be- stäligt. daß ihm, noch während der Wettbewerb lief, der„vertrau- liche Auftrag" gegeben wurde, einen Entwurf für die deutsche Bot- schaff in Washington zn liefern. JhneS Entwurf lag bereits fertig vor. als das Preisgericht im September zusammentrat. Daß Herr v. Ihne von vornherein mit der Möglichkeit rechnete,„außer Kon- kurrenz" zu einem Projekt aufgefordert zu werden, beweist auch die Tatsache, daß er es mit auffälliger Entschiedenheit ablehnte, sich in das Preisgericht wählen zu laffen. „Das Verhalten der amtlichen Stellen in dieser Kunstfrage ist höchst unklar, und das um so mehr, als auch die Vertreter des Aus- wärtigen Amtes im Preisgericht, Staatssekretär v. Jagow und Geh. Legationsral Kettner, ebenso wie der Botschafter Graf Bernstorff sich für den Möhringschen Entwurf an erster Stelle aussprachen. Man muß zu dem Schluß kommen, daß über die verantwort» lichen Köpfe hinweg die jetzt gefallene Entscheidung von interessierter Seite„vorbereitet" worden ist, und daß auch das Auswärtige Amt vor die vollendete Tatsache ge- stellt worden ist. In diesem Sinne hat die Frage auch ein gewisses politisches Interesse. Die deutschen Architekten werden die Politik bei dieser Frage vollkommen ausschalten. Ihre Vereinigungen, die die freie Architektenschaft Deutschlands umfassen, in erster Reihe der Bund deutscher Architekten, Ortsgruppe Berlin, und die Vereinigung Berliner Architekten, werden sich zunächst durch Erkundigungen an zuständiger Stelle darüber Gewißheit zu verschaffen suchen, ob die merkwürdigen Mitteilungen, die Geheimrat v. Ihne über die Vorgänge gemacht hat, den Tat- sacken entsprechen; sollton sich die ungeheuerlichen Dinge bewahr- heiteu, so werden die Architekten in aller Oeffentlickkeit entschiedenen Prolest gegen ein Verfahren erheben, das die deutsche Kunst bei uns wie im Auslande herabzusetzen leider nur zu sehr geeigner ist." Am Donnerstag tvollen die zuständigen Architektenvereine gemeinsam tagen. Wie die Dinge liegen, ist anzunehmen, daß der Stier, der gepackt werden muß, seine Verfolger mit glattgeseisten Hörnern erwartet. Der Obrrcuniich. Im„März" wird gegenwärtig die Biographie des Obereunuchen Li-Lien-Uing veröffentlicht, der vierzig Jahre lang am Hofe der Kaiserin eine Schreckensherrschaft ausgeübt hat, die wesentlich zum Sturze der Mandschudynastie beigetragen hat. Dies chinesische Pamphlet darf, nach dem bisher erschienenen Anfang zu urteilen, ein erhebliches kulturhistorisches und politisches Interesse beanspruchen. Zudem ist der Verfasser Liang-Iien ein Schriftsteller von beträchtlicher Begabung. Der Gewaltige, der nach der Gründung der Republik sich in irgendeine Einsamkeit zurückgezogen hat und dort sein Dasein von den ungezählten Millionen fristet, die er sich während seiner Herrschaft verdiem, stammt aus der Hefe der chinesischen Gesellschaft. AIS ihm gar nichts mehr glückte,„verließ er feine Familie", welche zarte chinesische Wendung besagt, daß er sich kastrierte. Er kaufte ein Schermesser, so wird in der Biographie erzählt, betrank sich, schlich sich hinein und vollführte mit wilder Entschlossenheit den ge- fährlichen Schnitt. Dieses vollzog sich in der verbotenen Stadt, dem Palastvrertel der Kaiserin, in dem nur Eunuchen Zugang haben. Der damalige Obereunuch, ein Landsmann des frisch Verschnittenen, nahm sich seiner an und behandelte den Gefährten mit jener heilkräftigen Salbe, die den Eunuchen bekannt ist. Li-Lien-Ding hatte eine hübsche Figur und ein freches intereffan- tes Gesicht, und außerdem verstand� er sich auf alles. Bald machte er sein Glück bei der Kaiserin. Eines Tages sollte der bisherige Obereunuch der Kaiserin das Haar frisieren, nach der Art der„Pferdegehänge". Durch ein feines Drahtgeflecht wird das Haar zu einer Frisur geformt, die einem Pferdebehang ähnlich ist. Sie wird mit Goldplättchen und köstlichem Gestein verziert. Aber der Obercunuch bekam das Kunsttverk nicht fertig, da erbot sich der neue Eunuche, die Frisur zu fügen, und siehe' da. es gelang zur vollen Befriedigung der Kaiserin. Fortan mußte Li-Lieii-Ning jeden Morgen die Kaiserin frisieren, und so kam er empor und wurde der furchtbare Gebieter Chinas. Dir älteste Zeichnung des Menschen. Ein kostbare« und bisher einzigartiges Zeugnis der Geschichte der Menschheit, daS innerhalb der in neuester Zeit durch so aufsehenerregende Funde erschlossenen Kunst der prähistorischen Epoche eine Lücke ausfüllt, ist durch die Archäologen Lucien Mayet und Jean Pissot ans Licht gebracht worden: die älteste zeichnerische Darstellung des Menschen, die wir bisher kennen. Die wichtigen Funde der beiden Gelehrten stammen von einer durch Fellen durch die Jahrtausende hin sorgfältig abgeschlossenen Erdlagerung im Tale des Flusses Am, von dem Felsen von la Colombiöre. Die prähistorische Kunst, die sich jetzt durch die Höhlenbilder sowie plastische und zeichnerische Darstellungen in einer so überraschenden Fülle und künstlerischen Höhe offenbart, ließ uns nur in der Wieder- gäbe des Menschen fast völlig im Stich. Während die Bisons, Renn- tiere, Pferde, Mammuts usw. zahllos in diesen Kunstwerken der Vorzeit erscheinen, trifft man nur selten auf menschliche oder menschenähnliche Figuren. Während die Tierdarstellungcn fein und realistisch beobachtet sind, sind die Menschenfiguren in Kopf« und Körperformen oft eng an tierische Gestalten angelehnt-, sie wirken grotesk und karikiert. Jedenfalls lassen uns all' diese Darstellung--« die wichtige Frage unbeantwortet, wie wohl diese ältesten Rennticr- jäger der Stufe von Aurignac ausgesehen haben mögen. Das Rätsel wird nun durch die erste zeichnerische Darstellung des Menschen gelöst, die sich in den Erdschichten von la Colombiöre gefunden. In den Lagerungen der frühesten Periode des Aurignacien, deren Alter auf wenigstens lö(XK> Jahre geschätzt werden muß, ent- deckte man, vergraben und gut verwahrt unter dein feinen Sai� eine ganze W e r k st ä t t e eines p r ä h i st o r i s ch e n Künstler« Stichel der verschiedensten Art, Knochenplättchen von Mammut und Rhinozeros, Scheiben aus Kallftein, die für eine Zeichnung vorbereitet waren oder bereits Zeichnungen enthielten. Unter diesen zahlreich gefundenen Zeichnungen, die fast alle Tierdarsiellungen ent- halten, ist das Hauptstück die Zeichnung eines Menschen, der von dem Typus des Neandertalmenschen völlig verschieden ist. Der ziem- lich umfangreiche Kopf hat eine runde Stirn, die in etwas schräger Richtung aufsteigt. Das Kinn erscheint vorspringend und trägt einen kurzen durch kleine Staffierungen angedeuteten Bart. Die Nase ist lang und sehr dick; das Auge, das durch zwei krumme Striche an- gedeutet ist, hat einen undesinicrbaren Ausdruck: die Behaarung des Rumpfes ist als sehr stark dargestellt. Auf Grund dieser Stein- zeichnung kann man annehmen, daß das Menschengeschlecht der jüngere- Steinzeit körperlich bereits auf einer hohen Entwicklungsstufe stand und nicht von den Menschen des Neandertaltypus abstammt. Pe'goud i» der Urania. Sicherlich ist der HexemnÄster Pözoud erst in der Luft m seinem Elemente. Wenn er mit beängstigender Geschwindigkeit Hunderte von Metern im Sturzfluge herunterfällt oder ein halb Dutzendmal Saltomartales schlägt. Die Spanunng des Halsbrecherischen, das Drohen der Todesgefahr ist gewiß für viele seiner Zuschauer eine Zugabe, die, adwechielnd mit dem Gefühl der Sicherheit, das dieser Tausendsassa schließlich auslöst, ihnen erst den vollen Eindruck gewährt. Trotzdem war es nicht ohne Interesse, Pögoud in der Urania über seine Erfahrungen und Eindriicke plaudern zu hören. Klein, lebendig, das Urbild eines Südfranzoien, erweckt er sofort Sympathie. Man meint, dieser iiiigeheurc Fortschritt, der sich an seinen Namen knüpft, sei das Selbstverständlichste von der Welt, wenn man ihn hört. Eines TageS legte sich fein Apparat fast bis zum Umkippen auf die Seite, ein andermal überschlug er sich bei- nahe. Aber jedesmal gelang es ihm, sich wieder aufzurichten. Also Wasseraufm�er wird in 16 Paragraphen einer Dienstanweisung mit 64 Bssftnmnungen festgelegt. Wehe, wer gegen eine dieser Be- stimmungen verstößt und es kommt zu einer Beschwerde seitens der Konsumenten. Eine Verwarnung oder auch die Entlassung ist dann nicht weit im Felde. Auf der anderen Seile können aber die getroffenen Bestimmungen, wenn die geforderte Arbeit geleistet werden soll, nicht beachtet werden. Würden die Bestimmungen be- rücksichtigt, dann können höchstens% des geforderten P e n s u m s geschafft werden. Wenn aber durch irgendein bei der Hast der Arbeit erklärliches Versehen Leben und Gesundheit der Konsumenten gefährdet wird, dann halst man dem Wasseraufgietzer die Schuld auf. Dann verkriecht man sich hinter den Bestimmungen der Dienstordnung. Es gibt leider— und darüber klagen die or- ganisierten Arbeiter ganz besonders— Elemente genug, die von den treibenden Beamten aufgebracht, unter Nichtbeachtung der getroffe- neu Vorsichtsmahregeln das geforderte Pensum in die Höhe treiben. Aehnliche Mißstände treten auch bei den Kassierern der Automaten- gasmcssxr dieser Gesellschaft zutage. Dieselben müssen 1006 M. Kaution stellen und mit 25, dO M. Anfangslohn haften sie ohne Mankogeld für jede Differenz. Es wird von den Beschäftigten natürlich stets zu wenig geleistet. Die Antreiberei veranlaßt hier, wie auch bei den Wasseraufgießern, eine Reihe nicht ganz nacken- steifer Kollegen zur Leistung von unbezahlten Ueberstunoen, nur um den gestellten Anforderungen einigermaßen gerecht zu werden. Die Gesellschaft, die Jahr für Jahr Millionengewinne erzielt, weigert sich, die geleisteten Ueberstunden zu bezahlen. Schuld an diesen Uebelständen trägt auch der Umstand, daß die früher be- stehenden Arbeitcrausschüsse beseitigt worden sind. Alle Versuche der Arbeiterschaft zur Wiedereinführung einer solchen Arbeiter- Vertretung find an dem Widerstand der Verwaltung gescheitert. Den Konsumenten der englischen Gaswerke wurde in einer gut- besuchten Versammlung der Angestellten empfohlen, darauf zu achten, daß bei der Kontrolle der Gasmesser mit der nötigen Ge- wissenhaftigkeit verfahren wird. Nur so kann verhütet werden, daß die betriebene Ausnutzung der Arbeitskraft sich nicht an den Konsu- mentea rächt. ' Achtnng! Gastwirtsgrhilfen! Der Gastwirt I a n i ck e, In- Haber des„Nordpark-Bierpalast", Müllerstr. 143a, scheint es darauf abgesehen zu haben, bisher glücklicherweise unterbliebene unliebsame Zwischenfälle zu provozieren. Am Dienstagabend gegen 6 Uhr war das Polizeiaufgebot bereits auf 8 Mann erhöht. Aus diesem Grunde sieht sich die Organisation veranlaßt, ihre Mitglieder nicht unnötig den Polizeifäusten und-säbeln auszusetzen. Auch die Anwohner des Berliner Wedding werden zweifellos den Unternehmer, der nach wie vor von organisierten Arbeitern nichts wissen will, mit seiner polizeilichen Bewachung hübsch allein lassen. Für organisierte Gastwirtsgehilfen ist der„Nordpark-Bierpalast", Müllerstr. 143a, nach wie vor gesperrt. verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin I. OeutTcbes Reich. Im Stettiner Fleischergewerbe drohen allgemeine Differenzen uiszubrechen. Dem Zentralverbande der Fleischer ist es verschiedent- lich gelungen, mit den Fleischermeistern Tarife abzuschließen. In anderen Betrieben, wo das bisher noch nicht gelang, hat aber wenig- tens die Organisation unter den Gesellen Eingang gefunden. Je mehr Boden der Verband gewinnt, um so nervöser und hartnäckiger aber werden die Meister. Vor kurzem haben die Fleischer im Geschäft von Paul Steeger die Arbeit ein- gestellt und die zuständigen Instanzen der Arbeiterschaft haben den Boykott über den Betrieb verhängt. Die Fleischer bei Steeger hatten Forderungen gestellt, auf die sich St. nicht einließ. indem er sich hinter einem Beschlutz der Innung verschanzte. Der Verband der Fleischer, der die Forderungen vertrat, verhandelte mit dem Jnnungsvorstand. Obwohl die Organisationsvertreter bereit waren, von den minimalen Forderungen der Gesellen(dreizehn- stündige(I) Arbeitszeit einschließlich Eßpausen, Mindestlohn 13 M. uud Kost und Wohnung, Bezahlung der Ueber- stunden mit 50 Pf., eine Lohnzulage von 1 M. sowie Benutzung des Verbandsarbeitsnachweises) noch Abstriche zu machen, lehnte der Jnnungsvorstand jedes Zugeständnis ab, ja er erklärte sogar, nicht zulassen zu wollen, daß Steeger den Fleischern auch nur in einem Punkte entgegenkomme. Herr Steeger selbst lehnte dann auch die Forderungen der Organisation rundweg ab. Das Verhalten der Innung beweist, daß sie es auf einen Macht- kämpf abgesehen hat. Diese Absicht findet ihre Bestätigung durch eine längere Ankündigung in bürgerlichen Stettiner Blättern. Die Tatsachen, die zur Arbeitsniederlegung geführt haben, werden natllr- nan konnte dem Apparat ruhig vertrauen. Der kleine leichte Blöriot vurde dann etwas umgebaut, Pögoud ließ sich durch Schulterbänder befestigen und dann probierte er nach und nach alle Situationen aus, ie einem Flieger in der Luft zustoßen können. Und da fand er, oaß er allen gewachsen ist. Man kann(mit dieser Maschine und mit dieser bisher einzigen Anpassung oder Kaltblütigkeit oder wie man es nennen will) auf der Seite, auf dem Rücken, im Steilsturze nach .wrn oder hinten— kurzum in jeder erdenklichen Lage sich in der Luft bei abgestelltem Motor behaupten und aus jeder in die normale Lage zurückkehren. Auch mit einem Fallschirm, mit dem er flch aus dem Flugzeuge fallen ließ, hat P�goud Versuche gemacht, die aber jetzt nicht mehr weiter verfolgt zu werden brauchen. Der kleine munterblickende Pögoud, der das alles mit ruhiger Sicherheit demonstriert, scheint nichts Wunderbares daran zu finden. Er scheint sich auch nicht weiter seines Mutes und Elans rühmen zu wollen. Für die Menschheit, zum Heil seiner Kollegen hat er sich den Gefahren ausgesetzt. Und wird es weiter tun. Bravourös, ein Held, der davon kein Aufhebens macht, aber voll guten und sichern Selbstbewußtseins. Films aus Frankreich, Aspern bei Wien und aus Johannisthal zeigten Pegoud in den Lüften(einen veritablen Luftspringer sollte man ihn nennen). Dr. Elias aber bewies am Modell, daß alle diese... Blasphemien auf die natürlichste Weise zustande kommen. Mit den drei Steuern, die jedes Flugzeug hat, sind alle diese Effekte zu erzielen— und die bohle Fläche des umgekehrten Flugzeuges ge- währt hohes Tragvermögen. Dank Pögouds Versuchen wird man die Flugzeuge so stabil bauen können, daß sie nicht mebr kentem oder aber dabei keinen Schaden nehmen. Also für die Praxis(und natürlich für die Wissenschaft erst recht) hat die Akrobatie die höchste Bedeutung: die Gefahren der Luft sind zu überwinden und die Flugzeug- und Führerprüfung wird ganz andere Garantien bieten. Ausgezeichnet! Die Wissenschaft erklärt, was ist. Aber der kleine muntere Pögoud der hat'S schließlich vollbracht. Er hat nicht umsonst mit dem Tode gespielt. Notizen. — Kunstchronik. Im Jahre ISIS soll in Barcelona eine Elektrizitätsaus st ellung stattfinden. Für das Plakat soll ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben werden. Preise von 4006 M., 1600 M. und 800 M. sind dafür ausgesetzt. — Theaterchronik. In der am Sonnabend im Theater in der Königgrätzer Straße stattfindenden Erstaufführung von August Strindbergs Märchenspiel„Die Kronbraut" ist die Titelrolle mit Irene Driesch besetzt.— Der nächste Dichterabend des S ch i l l e r- Theaters Charlottenburg ist Peter Rosegger gewidmet. Den einleitenden Vortrag hält Theodor Kappslein; an den Rezi- talionen werden sich unter anderem Direktor Max Pategg und Hans Fritz Gerhard beteiligen. Der Eintrittspreis beträgt 56 Pf. ein- fcdließlich Garderobe und Programm.— Der Verband deutscher Bllhnenschriftsteller wird gegen Direktor Monti auf Ein- fiellung der Aufführungen von Lehars.Idealer Gattin' klagen. Der Text der Leharschen Operette wird als ein Plagiat von Fuldas �Zwillingsfchwester" bezeichnet. — Ein Riesen-Champignon wurde unlängst in Warebam(England) auf den Markt gebracht; der Pilz maß 1,20 Meter an der Peripherie und hatte ein Gewicht von 3.8 Kilo- gram«. lich in einem anderen Lichte dargestellt, dann aber wird ausdrücklich betont, daß sich die Jnnungsmeister dem Bestreben des Fleischer- Verbandes, seine Organisation zur Anerkennung zu verhelfen,„foli- dorisch" und mit.vereinten Kräften" entgegenstellen werden. Zum Schluß heißt es:, .Nachdem uns der Kampf aufgenötigt worden ist, bleibt uns aber nichts anderes übrig, als durch Aussperrung der dem Zentralverbande angehörigen Fleischergesellen diesen zum Einlenken in Vernunft und Mäßigung zu veranlassen. Wir haben die feste Zuversicht, daß die Bevölkerung Stettins uns ihr verständnisvolles Vertrauen entgegenbringt. Dies mag als unser letztes Wort gelten. Auf eine weitere Preßerörterung mit dem Zentralverband, dessen Kampfesweise uns nicht liegt, werden wir uns nicht einlassen." Damit hat die Innung den Gesellen den Krieg erklärt. An den organisierten Fleischern, wie überhaupt an allen Arbeitern liegt eS jetzt, Solidarität zu üben.__ Tie gelbe Bewegung im Ruhrgebiet. Die.Wirtschaftsfriedlichen" blasen Trübsal. Ihr Organ, der „Werkverein", nimmt zwar den Mund recht voll und spielt den Protzen, als wenn die Arbeiter den gelben Werkvereinen in hellen Scharen und voller Begeisterung zuströmen. Das ist aber nur auf den»rsten Seiten des Blattes, auf denen es in Theorie macht. Weiter hinten kommt die Praxis, und sie sieht ein bißchen anders aus. Da kommen nämlich die Schriftführer der gelben Werkvereine zum Worte und enthüllen in ihren Bekanntmachungen und Be- richten von Vereinsversammlungen den ganzen gelben Jammer. Es ist immer dasselbe, was aus den kurzen, trockenen Publikationen hervorguckt: Klagen über den schlechten Besuch der Versammlung, Klagen über schlechte Beitragsleistung, Maßregeln zur Abstellung dieser Uebelstände. Diese Maßregeln sehen aus wie die Rezepte des seligen Dr. Eisenbart. Die beiden letzten Nummern des.Werkvereins"— 42 und 43— enthalten eine Anzahl Berichte darüber, an welcher Krankheit die gelben Vereine leiden, und mit welcher Medizin sie wieder auf die Beine gebracht werden sollen. Der Werkverein Zeche Ludwig macht bekannt, daß die Beiträge auch beim Portier bezahlt werden können, nicht bloß in den Versammlungen. Der Werkverein Maaßen erinnert seine Mitglieder an die Pflicht, die Versammlungen zu besuchen. Der Werkverein Ickern hat beschlossen, daS Schwänzen der Versammlungen zu bestrafen bei Mitgliedern mit 10 Pf., bei Vorstandsmitgliedern mit 26 Pf. Werkverein CaroluS Magnus: Vom November ab werden die Vereinsbeiträge vom Lohn abgezogen. Werkverein Krupp: Die Prämien zum Kruppschen Lebensversicherungsverein werden vom Lohn einbehalten. Werk- verein Viktoria Mathias: Am 12. Oktober beschlossen, die Beiträge von jetzt ab vom Lohn abziehen zu lassen. Bezirksverband Essen: Mitglieder, die sich der Krankenkonlrolle entziehen, indem sie Umzüge nicht melden, werden von der Krankenhilfskasse mit Abzug eines täglichen Krankengeldes bestraft. Werkverein Schacht Grillo: Wer länger als drei Monate die Beiträge schuldet, bekommt kein Krankengeld mehr und kein Sterbegeld. Werkverein Hannover-Hanibal: Mitglieder, die über drei Monat keine Beiträge zahlen, werden gestrichen, auch werden ihnen keine Kartoffeln, Zwiebeln und Aepfel mehr geliefert. Wie man sieht, wissen sich die gelben Vereinshäupllinge trefflich zu helfen. Wer nichts mehr mit ihnen zu tun haben will, den überantworten sie einfach der Zechen- Verwaltung zur weiteren Behandlung. Anscheinend werden die dummen Teufel, dre in einer schwachen Stunde den Werkvereinen beigetreten sind, am ersten merken, daß die gute Konjunktur zu Ende geht. Wenn sie nicht parieren, werden sie gezwiebelt, einmal auf der Grube und dann nochmals im gelben Verein. So lange starker Arbeitermangel und Bedarf für Ueberschichten war, wurden sie ge- hätschelt— nun sind sie die ersten, die Nackenschläge kriegen. Immerhin sollten die gelben Vereinsleiter nicht allzuviel darauf bauen, daß sie ihre schlapp gewordenen Soldaten mit Strafen und Drohungen wieder in die Front treiben können. lionslimgenossenlchsttei» und Sozial- dcmohratle. Professor Dr. R. Wilbrandt hat auf dem ebangelisch-sozialen Kongreß zu Hamburg(Pfingsten 1S13) einen Bortrag über.die Be- deutung der Konsumgenossenschaften" gehalten. Der Vortrag ist als Druckschrift im Verlage von Vanderhock u. Rupprecht in Göttingen als Broschüre erschienen. Der Gedankengang des Vortrage? ist etwa folgender: Die Konsumgenossenschasien sind nicht bloß ein Mittel zur Ver- billigung und Verbesserung der Produkte und zur sozialen, hygienischen und technischen Hebung der Angestellten. Wilbrandt weist ihnen die weltgeschichtliche Rolle zu, allmählich die große Masse des Volkes aus der heutigen Herr- schaft des Großkapitalismus wie des Groß- grundbesitzeS zu befreien, die Unwirtschafllichkeit der heutigen Volkswirtschaft durch Organisierung des Absatzes, die durch die periodischen Krisen hervorgerufene Arbeits- losigkeit, ja den Gegensatz der modernen Völker auf wirtschaftlichem Gebiete zu beseitigen und die Möglichkeit für den Ersatz des Schutzzolls durch den Freihandel zu eröffnen, überhaupt das egoistische Gewinn- interesse aufzuheben, das jetzt die Durchführung des christlichen Altruismus verhindert. Zwar enlstehen neue Schwierigkeiten, inso« fern mit dem Wachstum der Konsumgenossenschaften auch die Masse der „schwer zu behandelnden" Angestellten und die Macht der leitenden Per- sonen zunimmt. Aber die neue Ordnung stellt damit nur noch viel ernster als die gegenwärtige Wirtschaftsordnung die Aufgabe der Heran« bildung anderer, nicht egoistisch handelnder Menschen. Das mag erst in Jahrhunderten möglich sein. Aber das Ziel bleibt:„von der rohen Gewalt über den kalt berechnenden Tausch zur G e- meinwirtschaft". Die Konsumgenossenschaft ist die Lösung der Agrarfrage, der Handwerkersrage, sie ist auch imstande, die Sozialdemokratie zu überwinden..Es gibt nichts, das so wenig sozialdemokratisch ist wie die Konsumgenossenschaft." Sie ist Sozialismus ohne Klassen- kämpf, wenn auch gegenwärtig noch die Stände Genossenschaften bilden und in den Arbeiierkonsumvereinen ein großer Teil der Sozialdemokratie wirtschaftlich organisiert ist.„Die Sache ist nicht sozialdemokraiisch, aber die Sozialdemokratie wird durch sie sachlich." Sie mutz sich einordnen lernen in das ökonomisch Mögliche, sie wird zugleich nationalisiert, insofern dem Genossenschafter Hoffnung und Freudigkeit,.Stolz, daß so etwas in Deutschland möglich ist", gegeben wird. Der praktische Sozialismus, wie er hier vor uns steht, ist der einzige gefährliche Gegner der Sozialdemokratie älterer Richtung. So der Professor. Die utopische Auffassung des Verfassers deckt sich fast mit der vor fünf Jahrzehnten von bürgerlichen Ideologen propagierten. Sie beruht auf der Uebersebung der Tat- fache, daß heute der von der herrschenden der unter- drückten Klasse aufgezwungene Klassenkampf besteht und daß die Ursachen dieses Klassenkampfes im Kapitalismus und in der Tatsache liegt, daß die Produktionsmittel heute im Eigentum einiger, nicht der Gesellschaft, sich befinden. Diese Tatsachen schiebt Professor Wilbrandt beiseite. Er will die heutige Gesellschafts- ordnung festigen und er weist den Genossenschaften eine Aufgabe zu, die sie nicht erfüllen können. Die Genossenschaften können die kapitalistischen Produktionsverhältnisse nicht beeinflussen und daher keine entscheidende Wirkung in dem so notwendigen Kampfe der Arbeiter für die Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln der Lohnsklaverei haben. Sie können das nicht, weil sie die Ursachen dieser Lohnsklaverei nicht beseitigen könne». Wohl aber kann die genossenschaftliche Tätigkeit eine wirksame Ergänzung des politischen und gewerkschaftlichen Kampfes für die Hebung der Arbeiterklasse sein. Die Konsum- vereine sind Organisationen zur Erzielung wirtschaftlicher Vorteile, indem sie durch direkte. Uebermittelung der wichtigsten Gegenstände des täglichen Bedarfs an die Konsumenten deren Kaufkraft erhöhen. Der Zusammenschluß in Konsumgenossenschaften ist für die Arbeiter nützlich. Je mehr die Mitglieder der Konsumvereine mit den Mit- gliedern der sozialdemokratischen Partei und der freien GeWerk- schaften identisch werden und von deren Geist erfüllt sind, desto wertvollere soziale Arbeit können sie leisten. Diese Auffassung der Sozialdemokratie über die Konsumgenossenschaften erwähnt Professor Wilbrandt nicht, wiewohl sie auf dem Magdeburger Parteitag und auf dem Kopenhagener internationalen Kongreß recht deutlich zum Ausdruck gelangt ist. Im ist das Wesen der Sozial- demokratie und daher auch ihre Stellung zu den Genossenschaften ein Buch mit sieben Siegeln. Die Konsumgenossenschaften sind von und für die Arbeiter er- richtete Betriebe. Ganz verkehrt ist die von Professor Staudinger jüngst in der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau", deren Leiter übrigens von Wilbrandt mit Lob überschüttet werden, aufgestellte These: „Der Konsumvereinsbetrieb ist ein sozialistischer Unter» nehm er betrieb." Professor Staudinger führt zur Begründung seiner Ansicht an: Nicht als Arbeiter, sondern nur als Konsumenten und Käufer können die Menschen die Leitung auch ihrer Arbeiterangelegenheiten sachgemäß regeln. Als Käufer müssen sie in ihrer Gesamtheit die- jenigen Eigenschaften erwerben, welche sie befähigen, ihre Pro« duzenteneigcnsucht den gemeinschaftlichen Interessen unterzuordnen. Sonst werden sie nun und nimmer fähig werden, etwas zu schaffen, was man Sozialismus zu nennen befugt ist. Nur dann, wenn sie es wirklich noch rechtzeitig fertigbringen sollten, diese Eigenschaften genügend stark in sich zu entwickeln, ehe die heutigen sich mehr und mehr zusammenballenden klügeren Kapitalmächte sie widerstandslos zusaminenquelschen. wird der Sozialismus praktische Macht in der Welt zu werden imstande sein. DaS ist grundfalsch. Nicht ei» Atom von den Ursachen der heutigen Lohnknechtschaft wird geändert, wenn die Arbeiter sich nur als Konsumenten und nicht als Arbeiter zusammentun. Die von uns wiederholt bekämpfte U e b e r s ch ä tz u n g der Konsum« genossenschaften ist der gefährlich st e Feind des so notwendigen Vorwärts auch auf dem Gebiete der Genossen« schaftsbewegung. Der Sozialdemokrat will keinen Unter» n e h m e r verein, sondern Vereine von gleichberechtigten Ge» Nossen. Die Leiter der Genossenschaften sollen sich als An- gestellte, als Arbeiter der Betriebe, nicht als Unternehmer fühlen, Die Betriebe sollen mit genossenschaftlichem Geist erfüllt fein. Ist das nicht der Fall, so kann es nicht ausbleiben. daß es dort Leiter gibt, die sich als Unternehmer fühlen und Scharf- macherpraktiken einführen wollen. Es ist erfreulich, daß die Konsum- genossenschaften an verschiedenen Orten entschieden gegen diese anti« sozialistische Stellung sich ausoesprochen haben. Uns wird mit« geteilt, daß nicht allein die von uns besprochenen Unter« nehmergelüste, zum Beispiel in der Verlagsgesellschaft, sich rege machen. Aus den uns gewordenen Mitteilungen intereisiert eine. Im vergangenen Jahre war es, so weit wir übersehen können, allein die„Buchbinder-Zeitung", die sich wegen der Stellungnahme des„Vorwärts" gegen den Beitrag der Verlagsgesellschaft zum Scharfmacherfonds der Buchdruckereibefitzer gegen uns aussprach. Wir hängten jene Auslassungen damals niedriger. UnS wird nun mitgeteilt, daß die Leitung der Verlagsgescllschaft auf die Vorstellung, daß ein unorganisierter Buchbinder in leitender Stellung eingestellt sei, erwidert habe: darauf, ob der Betreffende organisiert sei, komme es nicht an. Das wären Praktiken, die denn wohl auch der„Buchbinder-Zeitung" zu weit gehen dürften. Ist ihr der Fall bekannt? Das Organ der Buchdruckereibefitzer hat jetzt das Protokoll der diesjährigen Tagung seines Vereins herausgegeben. Daraus ergibt sich, daß beschlossen ist, die Mitglieder, die nicht zum Kampsfonds beisteuern, auszuschließen. Weshalb bleibt die Verlagsgesellschaft noch in diesem U n t e rn e b m e r v e r e i n mit Kampssonds» beitragszwang? Welche Arbeiter interessen sind dort zu vertreten? Oder hat die Leitung der Verlagsgesellschaft sich die Staudingersche Theorie angeeignet, die Konsumvereinsbetriebe feie« Unternehmer betriebe? Wir richten an die Genossen die dringende Aufforderung, sich durch die beklagenswerten Seitensprünge in der Leitung in Hamburg nicht von der Genossenschaftsbewegung abdrängen zu lassen. Nun erst recht muß eS heißen: Hinein in die Konsnmgcnoffenschafteo, um diese mit sozialistischem Geiste zu erfüllen. Je tätiger die Ge- nossen dort sind, desto schneller werden solche Dinge zu Un- Möglichkeiten. DieKonsumgenossenschaft vonBerlin undUm- gegend hält heute ihre Generalversammlung ab. Wir zweifeln nicht, daß sie, wenn nicht einstimmig, so' mit er- drückender Mehrheit Vorkehrungen verlangen wird, die es unmöglich machen, daß Vorkommnisse wie die aus der Verlagsgesellschaft be- kannten sich wiederholen._ Soziales» Aerztestrcik und ärztliche Ehrengerichte. Unter den Argumenten, deren sich die Aerzte im Kampfe gegen die Krankenkassen bedienen, findet sich auch die Be- hauptung, daß sie als frei organisierte Unterhändler den staatlich organisierten Kassenverwaltungen gegenüberstehen; sie seien daher im Nachteil und müßten darüber wachen, daß ihre Organisafton nicht gesprengt wird. Wie wir wiederholt dar- gelegt haben, ist das eine völlig schiefe Auffassung. Sie beruht auf der irrigen Auffassung, daß das Koalitionsrecht der Aerzte begrifflich identisch mit dem der Arbeiter sei. Sie übersieht, daß es sich bei der Tätigkeit der Aerzte und ihrer Honorierung nicht um Schaffung von Mehrwert handelt und daß die vom Kapitalismus der Arbeiterklasse diktierten Lohngesetze ganz und gar nicht für das Arzthonorar gelten. Endlich werden bei dieser mechanischen Gleichstellung des Koalitionsrechts der Arbeiter und der Aerzte noch zwei Punkte unberücksichtigt ge- lassen.(Trstlich: Der Arzt hat eine privilegierte, jeden anderen ausschließende Stellung, er hat die Ausbildung vom Staat, auf staatlichen Bildungsinstituten erhalten. Hat er das Examen bestanden, so ist er ohne irgendeine Pflicht zur Gegenlei st ung allein zur ärztlichen Behandlung berechtigt, unter Ausschluß selbst der im Ausland ausgebildeten Mediziner, selbst wenn diese Kapazitäten von Weltruf sind. Der Arbeiter hingegen hat keinerlei Privilegium, er ist durch seine wirtschaftliche Lage zur Arbeit gezwungen: der Arbeitsvertrag ist ihm eine Art „ökonomischer Zufluchtsstätte". Zweitens: Die Kassen sind zur Gewährung ärztlicher Hilfe verpflichtet, ohne daß der Staat ihnen ein Mittel zur Verwirklichung dieser Pflicht(durch Behandlungs zwang der Aerzte) bereitgestellt hat. Der Staat ist vielmehr von der Voraussetzung ausgegangen, daß eine Ablehnung der ärztlichen Dienste unmöglich sei. Aber sieht man von dem allen ab und stellt sich einmal auf den rein formalen Standpunkt: die Aerzte seien frei organisierte Unterhändler, die Kassenverwaltungen staatlich organisiert, so wird dabei nicht berücksichftgt: hinter der formell freien Organisafton stehen die st a a t l i ch e n Ehren- ge richte, die mit schweren Geld- und Ehrenstrafen jede« Arzt, der aus der Reihe tanzt, zurückscheuchen können. Frei- lich ist seinerzeit bei Schaffung des Gesetzes ausdrücklich ver- sichert worden, daß die Ehrengerichte sich in die Wirtschaft- lichen Känipfe zwischen Aerzten und Krankenkassen nicht einmischen dürften, aber hierauf ist nichts zu geben. Ist doch auch versichert worden, daß das Privatleben und die poliftsche Tätigkeit der Aerzte die Ehrengerichte nichts angehe, und trotzdem sind mehrmals Aerzte Wege« völlig privater Dinge wie auch wegen ihrer politischen Be- tätigung vor die Ehrengerichte gezogen und bestrast worden. Die Annahme, daß die ärztlichen Ehrengerichte in den Dienst des Kampfes gegen die Krankenkassen gestellt werden, ist also nicht begründet. Tatsächlich ist es Aerzten schon mehr- fach mit Erfolg gelungen, Kollegen, die sich nicht den einseitig aufgestellten Bedingungen der Organisation gefügt haben, ehrengerichtlich zur Verantwortung zu ziehen, und die Ehren- gerichte sind dann auf dem Umwege über eine formell aner- kannte und angeblich verletzte Verpflichtung zu dem Ergebnis gekommen, daß das Verhalten der betreffenden Aerzte strafbar sei. Die Ehrengerichte haben kurzerhand den Begriff des kollektiven Ehrenrates konstruiert und die Aerzte, die sich an die Beschlüsse ihrer Organisation nicht gebunden fühlten, des Bruchs des Ehrenrates für schuldig befunden. Wie jetzt die Aerzte sich auf die Ehrengerichte verlassen zu können glauben, das ersieht man aus dem in der„Berliner Aerzte-Korrespondenz" vom 25. Oktober d. I. veröffentlichten Aufruf in der Streitsache mit der Betriebskrankenkasse der Großen Berliner Straßenbahn. Nachdem die Aerzte dringend vor dem Abschluß von Verträgen zu den von der Kasse ge- botenen Bedingungen gewarnt hat, heißt es wörtlich: „Es würde darin eine Unterbietung des für Groß- Berlin in Aussicht genommenen Honorars liegen, die unter Umständen der Beurteilung des Ehrengerichts unterliegen würde." Diese Drohung mit schweren Geld- und Ehrenstrafen zielt ab auf die Schaffung eines Koalitionszwanges, wie er im wirtschaftlichen Leben Deutschlands bisher unbekannt ist. Die Folge davon wäre, daß die Krankenkassen völlig der einseitigen Honorarfestsetzung durch die Aerzteorganisationen preisgegeben wären. In der bisher von den Aerzten abgeleugneten, jetzt aber ganz offen zutage liegenden Taktik, auf dem Um- Wege über die Ehrengerichte sich eine Zwangsorganisation zu schaffen, findet das Vorgehen der Krankenkassen seine volle Begründung. Die Kaffenverwaltungen haben aber auch Verpflichtungen gegen ihre Mitglieder zu erfüllen, und sie würden diese Verpflichtungen gröblich vernachlässigen, wenn sie sich gebunden einer Kaste ausliefern wollten, die mittelst einer drakonischen Standesgerichtsbarkeit jeden wirtschaftlichen Kampf zu ihren Gunsten zu wenden vermag. Solange die ärztlichen Standesgerichte bestehen, liegt für die Kassen- Verwaltungen in allen Bindungen gegenüber den Aerzte- organisationcn eine eminente Gefahr. Ans dem JimunftsschiedSgericht. Sitzung vom 28. Oktober. 1. Zwei Bardamen klagten vor demJnnungSschiedsgericht gegen estaurateur Linke und dessen Frau, Beffelftratze, wegen rückständigen Lohnes auf Zahlung von 30 resp. 41,10 M. Frau Linke machte durch ihren Vertreter geltend, sie sei nicht Inhaberin. Leider wurde deshalb die Klage gegen sie zurückgenommen. Linke selbst war nicht vertreten. Er wurde verurteilt zu zahlen. Dabei kam durch den Vorsitzenden Hagemann zur Sprache. daß das Jnnungsscbiedsgericht von Linke noch uneintreibbare Kosten zu bekommen hat. so daß die Klägerinnen wahrscheinlich auck kein Geld erhalten werden. Ferner soll fich der Beklagte, der früher Schloß Weißensee und dann das Marinehaus inne hatte, in bezug aus Zahlungen sehr wenig bereit gezeigt haben. Vielleicht überlegen es sich Stellungsuchende, ob sie bei solchem Arbeitnehmer in Be- schäftigung treten. 2. Ein Kellner klagte gegen den Restaurateur Dießner auf Zahlung von 2, SV M. Lohn für einen Tag. Der Kläger hatte einen Schein unterschrieben, worauf gedruckt ist: W e r n i ch t z u m Nachputzen kommt, hat aus sein Gehalt keinen An- 1 p r u ch. Da er tatsächlich nicht zum Nachputzen gekommen ist, wurde er a b g e w i e s e n. In den meisten anderen Betrieben ist es üblich, nur 1 M. in Abzug zu bringen. Das Gericht glaubte nicht anders urteilen zu können, da die Unterschrift vorlag. M i t U n recht, denn der Schein hat keine Rechts- g ü I t i g k e i t. Es handelt sich um einen 1500 M. jährlich nicht überschießenden Lohn.§ 2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes erklärt aber ausdrücklich jede Verfügung des Arbeiters über seinen Lohn vor dem Zahltag für rechtsunwirksam. Diese zum Schutz des Ar- beilcrs gegebene Vorschrift wird leider häufig übersehen. In der Unterschrift lag ein Verzicht, eine Preisgabe des Lohnes, also ein durch 8 2 für unwirksam erklärtes Rechtsgeschäft. Gerichts-Leitung. Der Kampf gegen die Arbeiterturnvercinc. Die Arbeitcrturnvereine haben sich fortgesetzt der bekannten „wohlwollenden" Aufsicht der Behörden zu erfreuen. Bald hier, bald dort wird ein solcher Verein unter den eigentümlichsten Be- aründungcu vom Gericht für politisch erklärt. Hat dies Schicksal schon vor einiger Zeit die in Kiel domizilierte Freie Turncrschaft an der Kieler Föhrde betroffen, so ist jetzt auch der Arbciterturu- verein des Nachbarstädtchens Eckcrnfördc von diesem Schicksal ereilt »»i-rdeu. Der Vorsitzende des Vereins war von dem Polizei- Ämuvalter in Eckernfördc aufgefordert worden, Satzungen und Vor- standsliste des Vereins der Polizeibehörde einzureichen. Er lehnte das ab. Um aber allen Polizcischikanen aus dem Wege zu gehen und die Sache zur Entscheidung zu bringen, denunzierte er sich selbst der Staatsanwaltschaft der Uebertretung des Reichsvereins« aesetzes. Das Schöffengericht in Eckernfördr sprach ihn frei; der Verein sei nicht als ein politischer Verein anzusehen. Der Amts- anwalt legte gegen das Urteil Berufung ein, und so kam die Sache vor die Strafkammer des Kieler Landgerichts. Das Gericht hob das schösfengerichtlichc Urteil auf und verurteilte Den Vorsitzenden wegen Uebertretung deS Neichsvcrcinsgcsetzcs zu einer Geldstrafe von 5 M.; der Verein sei ein politischer Verein. ES ist nun interessant zu erfahren, welche Gründe dafür herhalten mußten, den Verein zu einem politischen zu machen. Da ist zunächst die Lokal. frage. Der Verein turnt und hält seine Versammlungen ab in dem von dem Gcwerkschaftskartcll gepachteten Lokal. Das Gewerk- schaftskartell aber bestehe aus Vertretern der Gewerkschaften, die Gewerkschaften aber ständen in enger Beziehung zur sozialdemo- kratischen Partei und ihre Mitglieder würoen auf die sozialdemo- Akratische Auffassung festgelegt. Dazu ist zu bemerken, daß alle übrigen� Wirte dem Arbciterturnverein ihr Lokal verweigert haben, und daß auch die Stadt es abgelehnt hat, de» Verein die städtische Turnhalle benutzen zu lasse». Als weitere Gründe für die politisckfe Tendenz des Vereins nannte das Gericht die Zilgehörigieit zum Arbeiterturnerbund, der vom Oberverwaltungsgericht für politisch erklärt worden sei, das vom Turnerbund herausgegebene Lieder» buch und die„Arbeiter-Turnzeitung". Und endlich— man sollt- es nicht glauben—, weil Oer Verein seine Veranstaltungen außer iu einem bürgerlichen Lokalblatte nur noch in der sozialdemo- kratischen„Schlcswig-Holftcinifchen Volkszritung" anzeige. Soll denn der Verein seine Veranstaltungen auch noch in der„Kreuz- zeitung" oder der„Post" anzeigen? Wie Figura zeigt, sind die Gründe sehr weit hergeholt. Aber was machte: die Arbeiterturn- vereine müssen als politische Vereine erklärt werden, dann kann man ihrem Bestreben, die Arbeiterjugend zu körperlich� kräftigen Menschen zu erziehen, recht viele Hindernipe in den Weg legen. Ein Streikprozeß im Wiederaufnahmeverfahren. Wegen.Aufreizung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und zu Gewalttätigkeiten vor einer versammelten Menschenmenge" war der Nezirksleiter des Bergarbeiterverbandes Ge- nosse Krakowezik in Datteln Pom Landgericht Bochum am 24. Mai d. I. zu sechs Monate» Gefängnis verurteilt. Als das Reichsgericht die Revision verworfen hatte, wurde daS Wiederaufnahmeverfahren betrieben. Nach vielen Bemühungen mit dem Erfolge, daß das Oberlandesgericht Hamm die Wieder- aufnähme des Verfahrens anordnete und den einstweiligen Aufschub der Strafe verfügte. Die Verhandlung fand diesmal in Datteln, einem der neuen Bergbaubezirke im Münsterlande, statt, da das Gericht Lokalbesichti- gungen für nötig gehalten hatte. Nach siebenstündiger Verhandlung kam das Gericht wieder zu einer Verurteilung, da es den Aussagen der Belastungszeugen mehr Glauben schenkte, als den zahlreicheren Entlastungszeugen. Es wurde auf zwei Monate Gefängnis erkannt, auf die 4 Wochen Untersuchungshast angerechnet werden. Versammlungen. Freie Volksbühne. Vor einem großen Zuhörerkreise sprach am letzten Freitag im „Gewerkschaftshause" Herr Dr. Dery über:„Die Freude am Bildwerk". Gut gewählte Lichtbilder erhöhten den Eindruck der außerordentlich interessanten Ausführungen. Durch diesen Vortrag wurde die Generalversammlung der Freien Voltsbühne eingeleitet. Nach dem Geschäftsbericht, den Herr Winkler alsdann erstattete, hat sich im Organisationsaufbau in- folge der durch den Kartellvertrag bedingten Aenderungen sowie durch Einrichtung sogenannter gemischter Abteilungen, deren Mit- alieder Nachmittags- und Abenvvorstellungen haben, manche Ver- schiebung vollzogen. Für die gemischten Abteilungen und Abendvorstellungen können Mitglieder noch aufge- nommen werden; es ergeht an Mitglieder und Freunde die Auf- forderung, für die Bestrebungen der Freien Volksbühne neue Teil- nehmer zu werben. In dem am 31. August eröffneten Spieljahr wurden u. a. im Deutschen Opernhause„Die lu st igen Weiber von Wind- s o r" gegeben, im Neuen Volks-Theater Stavenhagens stark wir- kendes Drama„Mudder Mews", im Schiller-Theater Char- lottenburg folgte„Der Pfarrer von Kirchfeld", im Herrn- feld-Theater„Die Familie S e l i ck e" von Holz und Schlaf, im Thalia-Theater Ibsens„Wildente", im Künstlertheater Her- mann Bahrs ,,P r i n z i p". Zum Teil werden diese Stücke in den nächsten Wochen wiederholt, dann kommen im Lessing-Theater „Professor Bernhardt" von Schnitzler und im Deutschen Theater„Der lebende Leichnam" von Tolstoi. Das weitere Repertoire steht noch nicht in allen Einzelheiten fest. Als Extra- Vorstellungen werden im Dezember gegeben die Oper„Z a r und Zimmerman n", ferner Karl Röslers„Hinterm Z a u n". Die Veranstaltung guter Konzerte mit bedeutenden Musikern, Solisten und Gesangschören wird fortgesetzt. Am 1. D e- z e m b e r findet wieder ein Chorkonzert in der„Neuen Welt" statt, es gelangt zur Aufführung Beethovens Neunte Sinfonie mit Schlußchor„An die Freude", Leonorenouvertüre. Karten zu 80 Pf. kommen Anfang November zur Ausgabe. Kammer- musikabende finden am 4. Januar 1014, 8. Februar und 8. März in der Hochschule für Musik statt. Mit der Zensurverfügung des Polizeipräsidenten, der die Freie Volksbühne an der Aufführung von Rosenows Drama„Die im Schatten leben" hinderte, wird sich endlich das Oberverwal- tungsgericht zu befassen haben; nach zwei Jahren des Kampfes ist der Termin nun auf den 28. Januar 1914 angesetzt worden. Die Anfechtung der Zensurverbote gegen das Oratorium von LisztS „Legende der heiligen Elisabeth", Edgar Tinels„Der heilige Fran ziskus" sowie der Verfügung, daß an Karfreitagen Aufführungen irgendwelcher Art überhaupt nicht mehr stattfinden dürfen, schwebt gleichfalls noch. Der Kassenbericht ergibt für daS Quartal vom 1. Juli bis 30. September 1913 mit oem Saldo von 16 556,99 M. eine Ein- nähme von 55 061,99 M., eine Ausgabe von 36 878,73 M., mithin einen Bestand von 18 183,26 M. Der Vorsitzende jagte für die Verwaltung sorgfältige Prüfung einer Reihe von Wünschen und Anregungen, die in der kurzen Diskussion geäußert wurden, zu und ersuchte nochmals, für eine Stärkung der Mitgliederreihen Sorge zu tragen. Gcncralversaminlung der Brauerei- und Mühlcnarbeiter. Hodapp erstattete den Geschäftsbericht für daS dritte Quartal und führte aus, daß auch im Braugewerbe größere Arbeitslosigkeit herrscht. Trotzdem war eS möglich, für eine Anzahl Kollegen durch Lohnbelvegungen Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse zu erzielen. Einige Be- wegungen aber, die von den Kollegen ziemlich unmotiviert inszeniert wurden, sind resultatlos verlaufen. In dem Fall mit der Brauerei Pichelsdorf hat der Hauptvorstand den Schuldigen eine Rüge zu er- teilen. Mit dem gleichen Unternehmen schweben auch Verhandlungen wegen der B i e r a b l ö s u n g. Infolge des euergischen Wider- standes der Kollegen kam es leider nicht zu einer Verständigung. Er bedauere das. weil dadurch dem Arbeitgeber jährlich Unsumme» direkt geschenkt würden. Der Redner führt dann noch eine Anzahl Fälle an, die vom Einigungsamt erledigt wurden. In einem Falle konnte für einen Fahrer eine Nachzahlung von 250 M. erreicht werden, nachdem er vorher zu ungünstigeren Bedingungen hatte arbeiten müssen, als allgemein festgelegt waren. In einem anderen Falle ist entschieden worden. daß vor dem Einigungsaml nur Streitfälle zwischen den An- gehörigen der vertraglich gebundenen Organisationen verhandelt werden.— Für die M ü h l e n a r b e i t e r ist endlich auch mit der Salsmon-Mühle ein Tarifabschluß erzielt worden. Mit der Hum- boldt-Müble ist ein Tarifvertrag noch nicht zustande gekommen. Der Referent wendet sich dann dem K a s s« n b e r i ch t zu, der ein etwas ungünstigeres Bild darbiete, als früher. Er schließt ab mit 31 201,70 M. Einnahme und 25 248,39 M. Ausgabe. Die Höhe der Ausgabe erkläre sich aus den beträchtlich gewachsenen Auf- Wendungen für Kranlenunterstützung<10099 M.) und Arbeitslosen- Unterstützung<7202 M.j. In der an den Bericht anschließenden Debatte gingen eine große Zahl Redner auf einzelne Punkte näher ein. ohne daß neue Gesichts- punklc hervortraicn. Unter„sonstigen Verbandsangelegenheiten" gab Hodapp noch bekannt, daß aus Anlaß des Jnkrasllrelciis jenes Teils der Reichs- versichcrungsordnung, der die Krankenversicherung betrifft, den Unter- nehmern eine Vorlage eingereicht wurde, die eine Regelung derart vorsieht, daß Verschlechterungen vermieden werden. Es sollen z. B. bei Krankheit verheiratete Kollegen 10 M., unverheiratete 8 M. er- halten. Auch für militärische Uebungen ist ein fester Satz von 36 M. normiert. Weiter wurde einstimrnig beschlossen, für die Arbeitslose» zu Weihnachten zu sammeln. Am 16. November wird eine große Versammlung in der„Neuen Welt" stattfinden, wo Stellung genommen werden soll zu der Frage einer Neuregelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Hodapp meinte hierzu: es wäre notwendig, mehr als früher die Situation und Kräfteverhältnisse abzuwägen und die Maßnahmen dementsprechend zu treffen. Ver- schiedene Versammlungsteilnehmer glaubten das als„Flaumacherei" auffassen zu sollen und widersprachen lebhaft. Wenn das als Zeichen von lebhaftem Kampfeseifer zu deuten ist, so ist es ein gute? Omen._ Hus aller Alelt. Der JS'otrchrei eines Geirtlichen über den ultramontanen Cerrorismus. Im katholischen„Basler Volksblatt" veröffentlicht der Prälat Lauter in Zizers(Kanton Graubünden) folgenden Appell an die Oeffentlichkeit gegen den ultramontanen Terrorismus: „Daß Ende März 1S11 meine Mitarbeit erschast am„Basier Bolksblatt" abgebrochen wurde, dafür trifft die verantwortlichen Stellen desselben kein Vorwurf. Sie waren damals wie ich selbst der leidende, nicht der schuldige Teil. Was tut man nicht, wenn einem das Messer an den Hals gesetzt wird! Es war das gleiche Vorgehen, das weiter unten am Rhein gegen die„Deutsche Reichszeitung" und andere Blätter in Anwendung gebracht wurde, gleich in den Mitteln, gleich im Ziele, alles in den preußiich-katholischen Preßtrust zu zwingen. Zuerst setzt man dem unbequemen Mitarbeiter beziehungsweise Redakteur das Messer an den Hals, droht, ihn_ brotlos zu machen, und führt die Drohung aus; wenn das nicht hilft, daS Blatt in den Trustkäfig zu zwingen, wendet man die gleichen Mittel gegen Herausgeber und Verleger an. Das ist die Methode, nach der die Führer der Jndexliga die katholische Presse in den Ring des Preßtrusts gezwungen haben. Die gleiche Methode wurde in Basel gegen das„Basler Volksblatt" und seine Heraus- geber angewandt. Am Ende des Quartals wurden die Abonnenten dem Blatte abgetrieben und das Erscheinen eines Konkurrenzblattes angekündet von den Agenten der Freunde, Gönner und Mitver- schworenen der Jndexliga von 1907. Schweizer Katholiken! Wann werden euch die Augen auf- gehen über die Gefahr, die eurer religiösen und politischen Frei- heit von Norden her droht!" Die Flucht in die Oeffentlichkeit erfolgt also vor der Geistesknechtschaft des terrorisfischen Nltramontanismus in Deutschland, der nach der Parole:„Mein Vaterland muß größer sein" seine Gewaltherrschaft auch auf die Schweiz aus- dehnt. Einen besonderen Reiz bietet die Affäre auch insofern, als das gleiche ultramontane„Basler Volksbl." nach dem be- rüchtigten Muster der Terrorismushetze in Deutschland nicht müde wird, das ganze Jahr hindurch Schwindelgeschichten vom„roten Terrorismus" in die Welt zu setzen. Nun muß es selbst mit behilflich sein zur Rettung vor dem tatsächlichen schwarzen Terrorismus der gewalttätigen Ultramontanen in Deutschland und ihrer Helfershelfer in der Schweiz. Absturz eines Johannisthaler Fliegers. Der am Dienstag bald nach Mitternacht in Johannisthal zu einem Fernfluge aufgestiegene Flieger Herbert Kühne ist gegen llhr in der Nähe der Ortschaft Groß-Almerode bei Kassel mit seiner Albatros-Taube abgestürzt und wurde dabei schwer verletzt. Morgens gegen 6 Uhr bemerkten Waldarbeiter ein Flug- zeug, das in 800 Meter Höhe dahin flog. Plötzlich sahen die Ar- beiter, daß der AlbatroS-Eindecker sich jäh nach vorn überneigte und steil zu Boden schoß. Das Flugzeug kam immer tiefer und prallte plötzlich auf die am Waldrand stehenden Bäume auf.. Einige starke Aeste durchschlugen die Karosserie und zertrümmerten den Benzinbehälter, dessen Inhalt sich auf den heißen Motor ergoß. Im nächsten Augenblick stand der ganze Apparat in hellen Flammen und stürzte krachend zu Boden. Der Flieger hatte die Geistesgegenwart, aus etwa 15 Meter Höhe sich aus seinem Sitz herauszuschwingen und zu Boden zu springen. Die Flammen hatten ihn jedoch schon ergriffen und die Arbeiter, die sich kaum 50 Meter von der Unfallstelle entfernt befanden, fanden Kühne bewußtlos auf dem Bode« liegend auf. Er hatte mehrere Brandverletzungen am Kopfe erlitten. Auf einer ans Zweigen hergestellten Bahre wurde Kühne nach dem 1 Stunde ent- fernt liegenden Groß-Almerode geschafft, wo ein hinzugerufener Arzt den Bewußtlosen zum Leben zurückrief. Später wurde Kühne, der bei seinem Sturze auch einige Rippen gebrochen hatte, WS Krankenhaus geschafft._ Untergang eines Fischdampfers. Wie ein Telegramm aus A a l e s u n d meldet, kollidierte am Montagabend nahe der schwedischen Küste der Dampfer Oslo der Wilsonlinie mit dem Fischdampfer Brat aus Reval. Der Fischdampfer sank augenblicklich. Acht Mann seiner Besatzung ertranken, während vier Mann gerettet und von der Oslo nach Dronkheim ge- bracht wurden. Die Oslo ist wenig beschädigt. Kleine Notizen. Unter Meineidsvcrdacht verhaftet. Wie an? Stolderg gemeldet wird, wurde der Sekretär der christlichen Ge- werkschaft, Schllmmer, unter dem Verdachte, i« einem Betrugsprozeß einen Meineid geleistet zu haben, verhaftet. Durch schlagende Wetter getötet. Auf der französischen Zeche V a l d o m e lanien am Dienstag bei einer Explosion schla- gender Wetter drei Bergarbeiter nmS Leben. Meuterei in einem türkischen Gefängnis. Im Zentralgefängnis in Saloniki meuterten die Gefangenen. Sie verlangten, entweder abgeurteilt oder freigelassen zu werden. Zur Unter- drückung der Revolte wurde Militär aufgeboten. Bei den Kämpfen gab es mehrere Tote und Verwundete. Zugzusammenstoh in Belgien. Ein Zusammenstoß zwischen zwei Personenzügen hat sich am Dienstag unweit Charleroy ereignet. Sieben Reisende erhielten lebensgefährliche Verletzungen, eine ganze Anzahl anderer Personen wurden leichter verletzt. Noch ein Flieger abgestürzt. AuS Reims wird berichtet, daß ein Feldwebel der Artillerie mit seinem Eindecker aus ein« Höhe von 100 Meter abgestürzt ist; er war sofort tot. Jugendveranstaltunge». Neukölln. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, im Heim, Noaatstr. IS. 3. Vortrag des Herrn Pieck über„Geschichte des 19. Jahrhunderts'.— Donnerstag daselbst: Mädchcnabend. Stcglitz-Fricdenan. Heute Mittwoch, abends'/,8 Uhr, findet bei Behnte, Heesestr. 2, der Vortragskursus deS Kollegen Mar PcterS über„Die proletarische Jugendbewegung" statt. Bättz-Buckow. Sonntag, den 2. November: Wanderung nach Wann- see, Dreillnden, Jagdschloß Stern, Philippsthal, Saarmund, Bergholz, TenselSsee, Potsdam. Treffpunkt sieben Uhr, nicht sechi Uhr, Bahnhof Hermannstraße. Fahrgeld t M. Für die Teilnehmer dieser Wanderung findet morgen(Donnerstag) abend im Jugendheim eine Be- sprechung statt. WafferstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteUt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand Memel. Tilstt P r e g e t, Jnslerburg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor Kroffen Frantsurt a r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby „ Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. Sechster Wahlkreis. fifnUiftt KWMUlMltr DkchmlNg am Mittwoch, den ÄS. Oktober 1913, abends 8'/z Uhr fm den 38. Kommunalwahlbezirk � im Restaurant„Cafe Gärtner", Holsteincr Ufer 27/28. Tagesordnung: I.„Warum mutz die Sozialdemokratie im Roten Hause vertreten sein?" Reserent:«ztadtverordnetcr vi-. Kurt Boaentcld. 5. Dislusfion. Ansprache des Kandidaten. 231/12 Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Garbäi Verband der Waler, SacUierer, Anstreicher Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Filiale Serlin. usw. Arbeitsnachweis: Rückerstraße 9 Fernsprecher: Amt Norden 6708 Quaiiiafr Donnerstag, den 30. Oktober 1913, abends 8'� Uhr: Alilgf ivtlvi'» V«-i-siiimiiiliiiiy int Clewerkschaftshanse(großer©aal), Engeluser 15. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstandes für 1912. Wahl des Vorstandes. 2. Kassenbericht sür das 1., 2. und 3. Quartal BUS. BerbandSangelegenheit. Nnr Mitgliedsbuch legitimiert?—— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 135/16' Zahlreichen Besuch erwartet Heines Werke vie Ortsvertvaltgng. • 3 Bänbc 4 Mark» Buchhandlung Vorwärts tili — Zweigverein Berlin und Vororte.— Bureau: Linienstr. 73 I. Telephon: Norden 9319 Donnerstag, den 30. Oktober 1913, finden sür Berlin und Vororte fö Versammlungen � Jentrunl-FriedridistM »Ro senthaler Hof«, Rosenthaler Straße 11/12. � HorbüfMOften Ä«ft®Cs hauö«. Jnh. Wächter, Elisabeth- straße 11. a Jüdost-Zide» gSK Slalitzer Str. 22, Nähe Kottbuser Tor. 4 SSweli-Mtlim K-?"" Belle-Alliance-©tr. 106, v. 1 Tr. * V-rdmir« ÄÄ"®; Moabit 80. c. Wedding-Oranienburgkr in folgenden Bezirken statt: ». Reinickkndorf-Tegkl Fennstr. 3. ' Ctfnnbbtuniitn-iJoftn. Halft barstadt SB,"' Brunnenstr. 79. s. Schönhauser Stadtviertel „Bcrolina- Säle«, Schönhauser Allee 128. Restaurant Wachtel, Reinicken- dors-West, Klixstr. 3. .»WqeasetSZ.-Nwh Allee 31, an der Lothringen- straße. n. AhtfidnggNL?.—»' Gürtelstr. 17. 10 Jlrilhnllll R-staur. Schmidt. 12. lirUKüUU Neukölln, Ncuter- straße 23. 13. Köpenick u. Kmg. Restaurant Mcrkert, Köpenick, Rosenstr. 10. u Schöneberg-Wilmersdarf Restaurant Hauler, Wilmersdorf, Augustastr. 19. is. lsharlottenburg N-n°� Charlottcnburg. Kaiser- Friedrich- Straße 15 b, Ecke Pestalozzistraße. 13. Steglitz n. Umgegend Restaurant Behnke, Steglitz, Heeseslr. 2. Tagesordnung: Unsere Organisation unter Berücksichtigung der Berliner Verhältnisse. Beginn der Versammlungen pttnktlich 10 Uhr. Referenten: Kollegen Ilauiblat, Kri&ber, Olese, Langner, I-anger, liiere, iHilins, Batuschkc, Peters, Pohlmann, Idebig, Schabert, Schulze, Kabelitz, Winnen, Zobel. DM" Wir laden hiermit alle Kollegen ein und ersuchen, bestimmt zu erscheinen..Der Vorstand. Dienstag, den 4. November 1913, abends �lO Uhr, im„Rosenthaler Hol", Rosenthaler Str. 11/12: O O O Mode-Abend. O O O Vorträge der Fachlehrer voeeo und 0ppioi-I/z Uhr, im„Rosenthaler Kol", Rosenthaler Str. 11/12: Mitglieder Uersammlung. Es ladet ein Der Vorstand. VoranDeixe: Uns« Ä4. findet am 7. Dezember im großen Saale des Gewerkscbaftshanscs, Engel- ufer 15, statt.— Konzert. Gesang, Borträge und Tanz. Um rege Beteiligung bittet Das Komitee. Zur Beachtung! MM- Wir ersuchen alle Mitglieder, welche in Xarifgeschäften arbeiten, baldigst die Kontrollkarten in Ordnung zu bringe», da demnächst eine Liste der geregelten Betriebe im„Bor- wärtS« erscheint. 293/1 Der Vorstand. ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelsmerder, itaffe" beim Alten Freund an der I Heerstraste vtiui£»»»»♦»®_ Redakteur: Alfrep Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glocke. Berlin. Drück».Verlag: Vorwärts Verwaltangsstelle Berlin. Freitag, 31. Okt., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 3: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag:„Eindrücke von der italieuischen Arbeiterbewegung.« Reserent: Genosse£>assenhaeh. 2. Diskussion. 3. Bericht des Vorstandes und der Revisoren über das lll. Quartal. 1. Verschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet 20/11 Der Vorstand. Zentral-Verband der Topfer und Serufsgenossen Deutschlands. Filiale Grok Berlin. Am Freitag, den 31. Oktober IS13, abends 8'/-. Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Ordentliche Genernlvechmmlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Kcsamtvorstandes vom 3. Quartal 1913. 2. Bericht der Lohnkommisfion über die Verhandlungen mit den Unter- nehwern wegen eines neuen LohntarisSverttagcS. 3. Bericht über den diesjährigen Fensterslrcit. 1. Diskussion über den Bericht von der X. Generalversammlung in Leipzig. 5. Verschiedenes. 193/4 MM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!-NF Die äußerst wichtige Tagesordnung erfordert, daß alle Kollegen er- scheinen müssen. Anfang gaiiz präzise. Ter Vorstand. als Vertreter erster australischer Exporteure mit eigenen Gefrieranlangen im Innern sucht 273'11 Verbindungen mit großen Käufern von australische» wilden staniochev. Für Deutschland besonders ausgesuchte erstklassige Qualität. Offerten erbet, unter Z. 8691 an Heinr. Eisler, Hamburg 3. .24)5011$o/,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm Bonow, Teilow, Berliner SN. 16. Tempeihof: Joh. Strohn,«orussiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kiefhoizstraße 412, Laden. Geöffnet von � llhr morgens bis 8 Uhr abends. VI eiüensee, Reinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, Part. W ilnicrsdorf, Hulcnsee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelms aue 2?.. Reuthen, Miersdorf: Ernst H Ü t t i g, Zeuthen, Miersdorfer sn. 14. sämtliche ParteUileratur sowie alle wiffenschastlichen Werte werden geliejert. Sonntags stnd die Ausgabestellen geschloffen. Dp. Simmel Spezial-Arzl für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,£äp". 10— 2. 5— 1. Sonntags 10—12.>_________ Buchdruckerei n. Verlagsanstalt P«nUSinger u, Co., Berlin tepvdecken größte Auswahl, billigst; auch Aufarbeiten alter Steppdecken. Fabrik Berlin. W,M«tr 72, zwischen Roß- u. JnselsN. Nr. 284. 30. Iahrgaag. 2. Keilnze des Joimörtf f ttlinn KlksblÄ PittiMd), 39. Gwdrr 1918. verlcht über die CatigM der iozlal- demokratische» Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. 1. Oktober 1911 bis 39. September 1913. Polizei und Stadt. In der verfloffenen Berichtsperiode hat die sozialdemokratische Fraktion wiederholt verschiedene Angelegenheiten in der Stadt- verordnetenversammlung zur Sprache gebracht, welche das Ner- halten der Berliner Polizei gegen die Bürgerschaft betrafen. Wohl erklärt der Minister des Innern im Landtage ständig, daß die Polizei der Stadt Berlin nichts anginge, die sozialdemo- kratischen Stadtverordneten betonen demgegenüber die Tatsache, daß die Bürgerschaft sehr wohl ein Recht habe, über das Verhalten der Polizei sich zu äußern, zumal die Stadt Berlin nicht weniger denn 8 Millionen für die Polizei beitragen muß. Es wäre eigent- lich selbstverständlich, daß unter solchen Umständen die Verwaltung der Polizei in die Hände der Gemeinde gehört. Die sozialdemokratische Fraktion hatte am 3. Juli 1911 einen Erlaß des Herrn v. Jagowan die Schutz in annschaft gegeißelt, nach dem jeder Schutzmann bestraft werden sollte, der zu spät von der Schußwaffe Gebrauch mache. Und am 5. August 1911 verschärfte Herr v. Jagotv diesen Erlaß. In einem Schreiben an die Stadtverordnetenversammlung bestritt Herr v. Jagow der Versammlung das Recht, sich mit der Materie zu befasien, meinte vielmehr, die Bürgerschaft schulde der Polizei noch Dank und Anerkennung. Die von den Sozialdemokraten angeregte Erörte- rung führte in der Stadtverordnetenversammlung am 26. Januar 1912 zu dem Beschluß, daß Verwahrung eingelegt wurde gegen die die Sicherheit der Einwohner Berlins gefährdende Anordnung des Polizeipräsidenten. Eine scharfe Kritik an der polizeilichen Hetze gegen Jugendliche übte unser Redner in der Sitzung am 27. März 1913 anläßlich der Beratung des Polizeietats. Er geißelte an der Hand reichen Materials das Verhalten der Polizei, wenn es gilt, die freie, aufstrebende Arbeiterjugend zu verfolgen und zu schikanieren. Die bürgerlichen Vertreter waren sehr wortkarg. es handelte sich nur um die Arbeiterjugend; sie begnügten sich mit einigen Bemerkungen über die durch polizeiliche Absperrungen herbeigeführten Belästigungen des Publikums. Der 6. Juni 1913 brachte eine neue Polizeidebatte. Jugendliche Arbeiter, die von dem Spielplatz im Friedrichshain heim- kehrten, waren von Polizeihunden, die auf sie gehetzt worden waren, in der gräßlichsten Weise zugerichtet worden. Unser Redner übte auch an diesem Vorkommnis schärfste Kritik. Zu lebhaften Auseinandersetzungen in der Stadtverordneten- Versammlung führte ein Erlaß des Polizeipräsidenten an die Feuerwehrleute, das.Koalitionsrecht der ge- nannten Beamtenkategorie betreffend. Wie die Polizei ist auch die Feuerwehr in Berlin königlich, obwohl die Kosten für die Feuerwehr sämtlich von der Stadt getragen werden. Der Polizei- Präsident oder der Branddirektor verlangte von den Feuerwehr- leuten den Austritt aus ihrem Verein, angeblich weil die Dis- ziplin gegen die Vorgesetzten gefährdet werde; es wurden den Leuten Zwangsmaßregeln und schließlich Dienstentlassung ange- droht, wenn sie dem polizeipräsidentlichen Verlangen nicht nach- kämen. Dabei war der Verein königstreu bis auf die Knochen und hatte in seinem Statut das ausdrücklich festgelegt. Aber der Verein war dem Branddirektor ein Dorn im Auge und deshalb sollte ihm der Garaus gemacht werden. Die sozialdemokratische Fraktion verlangte bei dieser Ge- legenheit von neuem die Uebernahme der Feuerpolizei in städtische Verwaltung, fand aber mit ihrem Antrage bei den Freisinnigen keine Gegenliebe. Die freisinnigen Ver- treter wollten einer Entscheidung, wie in so vielen Fällen, gern ausweichen. Sie erklärten, daß sie nicht feststellen könnten, wer recht habe und daß sie deswegen nicht erkennen könnten, ob die Maßnahmen des Polizeipräsidenten nicht unbedingt notwendig seien und sie beschlossen deshalb, zur Tagesordnung überzugehen. Bezeichnend für die Stellung des Kommunalfreisinns zu dem Koa- litionsrecht ist die Tatsache, daß in dem Beschlüsse besonders aus- gesprochen wurde,»daß das Vereins- und Versammlungsrecht von Beamten nur in den Grenzen der Beamtenpflicht aus- geübt werden dar f". DaS bedeutet klipp und klar die Auf- Hebung oes Koalitionsrechts der Beamten durch den Kommunal- freismn. Das wurde von unseren Vertretern in der genannten Sitzung auch angenagelt. Für die arbeitende Bevölkerung sollte das Verhalten des Frei- sinns zum Koalitionsrecht allen Anlaß bieten, mit aller Entschieden- heit für die Wahl sozialdemokratischer Stadtverordneten zu wirken. Partei- �lngeiegenkeiten.> Neukölln. Heute abend 8l/a Uhr bei Bartsch, Hermannstr. 49: Versammlung der I u g e n d i e t t i o n. Genosse H. Farwig spricht über:»Die Dialektik des Kapitalismus�. Alle jungen Arbeiter und Arbeiterinnen sind hierzu eingeladen. Bernau. Die Genossen werden ersucht, sich am Donnerstag, 39. Ottober, abends pünktlich um 8 Uhr.�vor Beginn der Wähler- Versammlung bei Salzmann im kleinen Saale zu einer sehr wich- tigen Besprechung einzufinden. Die Bezirksleitung. berliner I�admckteu. Häuscrkraxler. Eine dichtgedrängte Menschenmenge, die die Luft mit Blicken durchbohrt... Was gibt's? Das dem Berliner schon wohlbekannte Motorknattcrn, das ihm den Anblick eines Fliegers oder Luftkreuzers verkündet, läßt sich nicht hören. Was also breitet diesen gespannten Ausdruck über eine Unzahl von Menschengesichtern.— Oben im sechsten Stock eines Hauses klebt ein Mann an der Hausfassade...! Ein Irrsinniger wohl? O neinl Das kaum erkennbare Bündel grauer Leinewand klebt dort in... Berufsangelegenheiten. Ein Maler, der das Schild einer neuen Lichtreklame bepinselt! Wer nicht schwindelfrei ist. kann seinem Tun kaum zuschauen, ohne daß sich ihm Grauen in Uebelkeit wandelt. Wie er da in der Lust ichwebt und mit seinen Werkzeugen hantiert, scheint er Unglaubliches zu vollbringen— und die Menschenmenge unten starrt hinauf und zittert, ihn jede Minute abstürzen zu sehen. � Ein dickes Seil ist ihm um den Leib geschlungen. Dies Seil wieder hält ein anderer Mann, dessen Kopf und Ober- körper über dem Rand des Dachfirstes hervorschaut. Er hält das Leben des Kameraden. Und während unter den Pitisel- strichen des Malers Menschen und Dinge farbenfroh auf dem blauen Hintergrund erstehen, als wäre sein luftiger Platz an senkrecht abfallender Hauswand ein so sicherer Ort, wie den � Zuschauern das breite Straßenpflaster, wächst die Meng« unten an. Fast glaubt man, ein allgemeines Aufatmen zu ver- spüren, wie nach einem gewagten Artistenkunststück, als die Arbeit vollendet ist, und der Blaublusige das graue Leinwand- bllndel� das sich nun etwas streckt und außer den Armen auch die Beine gebraucht, an dem Seil emporklimmen läßt, worauf beide hinter dem Dachfirst verschwinden. Morgen werden sie an anderer Stelle dasselbe Schau- spiel wiederholen, ihr Leben wagen, um ihr Leben zu fristen. Christlicher Klingelbeutel und Austritt aus der Landeskirche. Fortdauernd legen Zuschriften au uns, die durch Urkunden belegt sind, Zeugnis davon ab, daß sowohl katholische wie evangelische Kirchenorgane aus der Kirche Ausgetretene mit dem Ansinnen behelligen, Kirchensteuern zu zahlen. Einen Teil der Zuschriften haben wir veröffentlicht. In allen Fällen hat selbstverständlich Reklamation Erfolg. Bedauerlich ist, daß die Staatsanwaltschaft noch nicht untersucht hat, ob in derlei wiederholten Aufforderungen zur Zahlung bei Vermeidung von Zwangsvollstreckungen nicht ein straf barer Erpressungsversuch liegt. Dem Recht sehr zuwider, aber in übereinstimmender Praxis, ist in der Aus forderung, die Löhne zu erhöhen, widrigenfalls die Arbeit niedergelegt würde, eine strafbare Erpressung gegen Arbeiter erblickt worden. Es ist daher schlechterdings unverständlich, warum in der Drohung eines Kirchenorgans, Zwangsvollstreckung vorzunehmen, wenn die der Kirche nicht gebührenden Steuern nicht gezahlt werden, kein Erpressungsversuch liege. Indes wunderbar sind oft die Wege der Justiz. Haftet, wenn der Ehemann, aber nicht die Ehefrau aus� getreten ist. der Ehemann der Kirchengemcinde gegenüber für die Kirchenlast der Frau? Diese Frage hat das Ober Verwaltungsgericht im vergangenen Jahre verneint. Es ist also der Ehemann, wie wir schon entgegen anderen An sichten vom 28. Juli 1907 darlegten, nicht verpflichtet, der Aufforderung der Kirchengemeinde auf Zahlung der Kirchen steuer der Frau nachzukommen, Hat jemand mit der Kirche innerlich gebrochen, so ist es richtig, auch aus der Kirche auszutreten. Vielfachen Wünschen entsprechend, legen wir nochmals dar: Wie vollzieht ma« den Austritt aus der Landeskirche? Wer aus der Landeskirche in Preußen austreten Ivlll, hat einen hierauf gerichteten Antrag an das Amtsgericht seines Wohnsitzes zu senden. Der Antrag kann auch zu gerichtlichem Protokoll erklärt werden. Es genügt aber ein Schreiben folgenden Inhalts, daS datiert und unterschrieben an das Amtsgericht abzusenden ist: „Ich melde hiermit meinen Austritt aus der Landeskirche und beantrage, meinen Austritt aufzunehmen.' Diesen Antrag stellt das Gericht dem Vorstande der Kirchen- gemeinde abschriftlich zu, der der Antragsteller angehört. Der AuS- tritt selbst erfolgt dann durch persönliche Erklärung des Austretenden vor dem Richter. Ohne eine Ladung abzuwarten— in der Regel erfolgt keine Ladung— hat der Austrittswillige nicht vor Ablauf von vier Wochen und spätestens inner- halb sechs Wochen nach Eingang seines Antrages ff r ü h e st e n s also am 29. Tage, s p ä t e st e n s am 4 2. T a g e) sich per- sönlich bei Gericht zur Abgabe seiner Austrittserklärung zu melden. Dort wird innerhalb dieser 14 Tage seine Austrittserklärung zu Protokoll genommen. Man achte darauf, daß man ohne besondere Vor- l a d u n g, auch ohne daß eine Benachrichtigung von der Anmeldung des Austrilts ergehen muß, zwischen dem 29. und 42. Tage nach Eingang des Schreibens bei Gericht zu den Stunden, in denen Akte der freiwilligen Gerichtsbarkeit aufzunehmen sind, den Austritt zu Protokoll zu erklären hat. In Berlin finden derartige Aufnahmen täglich(vormittags zwischen 11 und 1 Uhr), bei einzelnen Gerichten nur an bestimniten Tagen, z. B. in Neukölln am Montag und Donnerstag statt. Der Austretende kann eine Bescheinigung des Austritts oder auch eine Abschrift des Protokolls verlangen. Die Kosten werden später eingefordert. Sie betragen 8 M. für das gesamte Verfahren und etwa 59 Pf. Schreibgebühren. Der Kirchenvorstand erhält vom Gericht Nachricht von dem er- folgten Austritt. Welche Rechts Wirkungen hat der Austritt aus der Kirche? Keineswegs zieht der Austritt irgend tvelche Nach- teile nach sich. Er hat aber die Wirkung, daß man endlich von der Kichensteuerpslicht betreit wird. Der Ausgetretene ist nämlich zu persönlichen Kirchen st euern vom Schluß deS aus die Austrittserklärung folgenden Kaie nder- jahres ab nicht mehr verpflichtet. Wer in diesem Jahre seinen Austritt persönlich erklärt, hat also nur noch bis zum 31. Dezember 1914 Kirckensieuer zu zahlen. Schiebt er den persönlichen Austritt bis nach dem 31. Dezember 1913 auf, so mutz er noch bis zum 31. Dezember 1915 zahlen. Wer innerlich mit der Kirche gebrochen hat, beeile deshalb den Austritt, damit er nicht noch zwei Jahre zu steuern braucht._ Das Ideal eines Lanbenland-Generalpächters. Aus der Laubenkolonie„Königsheid e' in Treptow- Baumschulenweg berichten Kolonisten uns über Erfahrungen, die sie mit ihrem bisherigen Generalpächter gemacht haben. Die Kolonie ist ihn jetzt los geworden, und die auf den 122 Parzellen sitzenden Kolonisten haben fortan gemeinsam das ganze Gelände in direkter Pachtung, in die erfreulicherweise der Berliner Magistrat — die Stadt Berlin ist die Eigentümerin— eingewilligt hat. Aber die Trennung von dem Generalpächter, der seinen Kolonisten noch zu guterletzt sehr deutlich zeigte, was ihm die Kolonie wert gewesen war, hat sich nicht so ganz schmerzlos vollzogen. In diesem Generalpächter hatte die Kolonie„Königsheide" so- zusagen„ganz was Apartes" gehabt. Er heißt B i e r b a ch, ist O b e r m e i st e r der Berliner Schuhmacherrnnung und treibt das Generalpächtergeschäft nur aus Idealismus. Wenigstens soll er das damals gesagt haben, als er— vor jetzt sechs Jahren— zur Uebernahme der Kolonie sich erbot. Er erklärte, ihm sei es darum zu tun, daß nicht den Kolonisten das Land verteuert würde. Sicher- lich wird er hiernach jedem Laubenkolonisten als das Ideal eines Generalpächters erscheinen. Seine eigenen Kolonisten aber merkten leider nur zu bald, was dieses Generalpächters Ideal war. Bis dahin hatten sie pro Quadratrute 29 Pfennig bezahlt, unter Ober- meister Bierbachs Herrschaft aber mußten sie sofort 59 Pfennig pro Ouadratrute zahlen. Mag sein, daß er zu dieser Steigerung genötigt wurde, weil ihm selber bei Uebernahme deS Geländes die Pacht gesteigert worden war. Indes, als nach drei Jahren der Magistrat den Pachtvertrag mit ihm erneuerte, ohne zu steigern, packte der Generalpächter Bierbach dennoch den Kolonisten eine neue Steigerung um 7 Pfennig pro Quadratrute auf. Im Herbst 1913 lief wieder der Vertrag ab, doch jetzt hatten die Kolonisten sich besser vorgesehen. Es wurde ihnen gesagt, daß bei einer Fortdauer der Generalpacht des Obermeisters Bierbach sie für das nächste Jahr 75 Pfennig, für das folgende 85 Pfennig, für das darauf- folgende gar 1 Mark pro Quadratrute zu zahlen haben würden. Toren wären sie gewesen, wenn sie da nicht alles in Bewegung gesetzt hätten, um den obermeisterlichen General- Pächter abzusägen. Die Pfanzervereinigung der Kolonie „Königsheide" fand mit ihrem Wunsch, direkt vom Magistrat zu pachten, bei der Grundeigentumsdeputation das gewünschte Ent- gegenkommen. Der Herr Obermeister soll in Aussicht gestellt haben, das Land würde bei einer etwaigen Ausbietung vielleicht durch ein von ihm abgegebenes Mehrgebot so verteuert werden, daß die Kolonisten sofort 1 Mark pro Rute zu zahlen hätten. Schließlich wurden die Kolonisten und Herr Bierbach dahin handelseinig, daß sie ihm für Preisgabe von Rechten, die er noch an das Laubenlaud hatte, 499 Mark Abstandsgeld zahlten. Ter alte Vertrag zwischen Bierbach und der Stadt Berlin lief erst zum 1. November 1913 ab, so daß der neue zwischen der Stadt Berlin und dem Vor- sitzenden des Pflanzervereins geschlossene Vertrag erst mst 1. No- vember in Kraft treten konnte. Die Verträge zwischen Bierbach und den Pflanzern endeten aber schon mit 1. Oktober, für den Monat Oktober hätten daher die Pflanzer kein Anrecht mehr auf ihre Parzellen gehabt. Dieses Anrecht mußten sie dem Herrn Bierbach für die Summe von 499 Mark abkaufen, die wohl so hoch bemessen wurde, um auch für den wegen Nichterneuerung seiner Generalpacht ihm entgehenden Profit ihn ein wenig zu entschädigen. Die Pflanzer wollten nun die Zahlung der 499 Mark möglichst bis zum 1. November hinausschieben. Sie dachten, daß sie ihm auf diese Weise den Abschied versüßen könnten. Doch das war ganz und gar nicht nach dem Sinn des Herrn Bierbach. Was ihnen blühen könnte, wenn sie nicht schleunigst zahlten, ließ er ihnen Mitte Oktober durch seinen Rechtsanwalt ankündigen. Dieser wies darauf hin, daß Herr Bierbach, obwohl sein Vertrag mit der Stadt noch bis 1. November dauert, nicht von den Kolonisten die Räumung zum 1. Oktober verlangt habe. Das Schreiben schloß: „Namens des Herrn Bierbach teile ich Ihnen hierdurch mit, daß er die sofortige Räumung verlangt, wenn nicht die 499 Mark spätestens am 29. lfd. Mts., mittags 12 Uhr, gezahlt sind. Bleibt die Zahlung aus, werde ich sofort mit Klage vorgehen." Der Herr Obermeister hat inzwischen seine 499 Mark gekriegt, so daß er nicht Gelegenheit fand, die Drohung wahr zu machen. Eigentlich hätte man es doch mal darauf ankommen lassen sollen, ob er noch wenige Tage vor dem 1. November die Räumung des Geländes zu erzwingen versuchen würde. Daß er, ohne drohen oder klagen zu müssen, spätestens am 1. No- vember zu seinem Gelde gekommen wäre, wird er doch nicht be- zweifelt haben. Er hat übrigens bei dieser Abfindung ein sehr gutes Geschäft gemacht. Da er selber nur 1399 Mark Pacht pro Jahr zu zahlen hatte, so stellt der Betrag von 499 Mark für den einen Monat einen überaus reichlichen Profit dar. Das ist ein Idealismus, der sich noch rentiert. Friede zwischen Krankenkassen nnd Aerzten in Berlin. I» Berlin ist es nach langwierigen Verhandlungen zwischen Kranlenkassen und Aerzten unter Leitung des Direktors des Ober- versicherungsamtes Groß-Berlin nunmehr zu einer Verständigung gekommen. Eine Delegiertenversammlung des Zentralverbandes der Berliner Kassenärzte hat noch zu den getroffenen Vereinbarungen Stellung zu nehmen. Nach Lage der Verhältnisse ist anzunehmen, daß die Delegiertenversammlung den Vereinbarungen zustimmen wird. Auch die auf dem außerordentlichen Aerztetag in Berlin am letzten Sonntag gegen die Krankenkassen erlassene scharfe Kriegs- erklärung wird daran nichts ändern. Konzerte für Schüler. Heute Mittwoch, den 29. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet das erste Schülcrkonzert des Philharmonischen Orchesters unter Leitung des Kapellmeisters Camille Hildebrand in den Konkordia- Festsälen, Andreeasstr. 94, für die I. Klassen der in der Nähe gelegenen Ge- meindeschulen und Realschulen statt. Es werden gespielt die Ouvertüre „Zur Weihe des HauseS" von L. van Beethoven, Militär-Sinfonie von Joseph Haydn, Ouvertüre zu„Rosamunde" von Franz Schubert, „Louvsiur de Mosoou" für Violine von H. Wieniawsky, Musette aus„Armide" von Ch. v. Gluck, Slawischer Tanz von A. Dvorak. Karten zu diesen Konzerten werden nicht verkauft. Das russische Fleisch wird billiger! Infolge billigeren Einkaufs in Rußland wird von morgen ab das russische Schweinefleisch im allgemeinen um fünf Pfennige billiger ver- kauft werden.__ Verlängerung der.Hundesperre bis SS. Januar Durch gemeinsame Bekanntmachung des RegierungSpräfidenten zu Potsdam und des Berliner Polizeipräsidenten wird mit Ge« nehmigung des Landwirtschaftsministers zum Schutze gegen die Toll- wut die Hundesperre im LandeSpolizeibezirk Berlin, den Groß-Berliner Vororten, mehreren Gemeinden und Gutsbezirken in den Kreisen Osthavelland, Teltow und Niederbarnim, sowie in der Stadt Spandau bis zum 23. Januar 1914 verlängert. Bis zu diesem Tage find samt- liche Hunde und Katzen, auch wenn sie erst nach Anordnung der Sperre in diesen Bezirk eingeführt werden, anzuketten oder einzusperren. Der Festlegung ist das Führen der mit einem sicheren Maulkorb ver- sehcnen Hunde an der Leine gleich zu achten. Katzen sind so einzu- sperren, daß sie den Raum nicht verlassen können. Um übrigen gelten die bisherigen Bestimmungen weiter, doch wird wiederholt betont, daß die Hunde mit einem sicheren Maulkorb zu versehen sind. Die Anordnung tritt bereits heute in Kraft. Den Anlaß zur Verlängerung der Hundesperre haben einige neue Fälle von Tollwut in der Umgebung Groß-Berlins gegeben. Zuletzt wurde in Spandau-SiemenSstadt ein Architekt von einem tollwütigen Hund in den Arm gebissen. Die Untersuchung bestätigte den Toll- wutverdacht. Nach dieser Bekanntmachung wird die Hundesperre wieder ver- schärst. Während eS bisher genügte, daß die Hunde mit einem Maulkorb versehen waren, müssen jetzt die Tiere auch weiter an der Leine geführt werden. Ein stichhaltiger Grund für diese Maßnahme scheint nicht vorhanden._ Wegen Mordversuches verhaftet wurde gestern abend die Arbeiterin Klara Barletzky aus der Strelitzer Straß«. Das Mädchen war gestern mittag mit seinem Geliebten, einem Arbeiter Karl V., in dessen Wohnung in der Metzer Straße, in Streit geraten. In dessen Verlauf zog es plötzlich einen Revolver und gab auf B. einen Schutz ab, der jedoch fehlging. V. erstattete daraufhin gegen seine Geliebte Anzeige wegen Mordversuches. Die Polizei forschte deshalb nach dem Mädchen und nahm es fest, als ss gestern abend die Wohnung seiner Mutter in der Strelitzer Straße aufsuchte. Ob tatsächlich ein Mordversuch vorliegt, kann erst die heute vormittag stattfindende Vernehmung der Verhafteten ergeben. Sie wurde noch gestern abend nach dem Polizeipräsidium gebracht. Der unaufgeklärte Tod eines Fabrikanten, beschäftigte die Polizei« behörde. Auf dem Grundstück Stallschreiberstr. 8» wird im dritte» Stock des OuergebäudeS die chemische Fabrik von Baer u. Co. b«» trieben, deren Mitinhaber der 4g Jahre alte Fabrikant Paul Flachs- haar aus der Dorckstraße 78 war. Flachshaar, der verheiratet und Familienvater war, suchte öfter auch Sonntags das Fabrikkontor auf, um für sich allein zu arbeiten. So ge- schah es auch am letzten Sonntag. Jetzt kehrte der Mann, der feit einiger Zeit schon herzleidend war, nicht mehr zu seiner Familie zurück. Montag früh fand man ihn tot im Kontor liegen, das mit Gas angefüllt war. Von einem Gaskocher, der in dem Raums stand, war der Schlauch herabgerissen. Die Angestellten, die den Toten auffanden, sorgten für Abzug des Gases und riefen sofort einen Arzt. Dieser begutachtete, datz nach dem Befund der Leiche Flachshaar wahrscheinlich einem Herzschlage erlegen ist. Er wäre dann im Fallen auf die Schlauchleitung gestürzt und hätte diese wohl vom Kocher getrennt. Für einen Selbstmord läßt sich weder in den Geschäften des Verstorbenen, noch in seinen Familien, Verhältnissen irgendein Anlaß finden. Zur bestimmten Feststellung der Todesursache wurde die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ueberfahren und getötet. Ueberfahren und sofort getötet wurde am Dienstag das 10 jährige Mädchen Emma Sch. vor dem Hause Prinzen-Allee 53. Angeblich soll das Kind beim Ueberschreiten des Dammes gefallen und von einem Straßenbahnwagen überfahren worden sein. Kindesunterschiebung. Die Kriminalpolizei sucht seit einiger Zeit eine Frauensperson, die am 21. Juli er. aus der Reichenberger Straße einen zwei Monate alten Knaben mit List entführt und augenscheinlich irgendwo unter- geschoben hat. Die Unbekannte hatte am 15. Juli er. folgende Annonce in einer hiesigen Zeitung erlasien:„Knaben, niedlichen. nimmt ohne Abfindung„Baby" Postamt 17." Der darauf sich meldenden unehelichen Mutter des Kindes gegenüber hat sie sich als eine Bäckermeistersfrau Winnigviel aus Stettin ausgegeben. Das Kind ist seitdem verschwunden und die Angaben der angeblichen Winnigviel haben sich als falsch herausgestellt. Möglicherweise hat sich dieselbe seinerzeit im Osten Berlins aufgehalten und wohnt vielleicht in dieser Gegend auch jetzt noch. Die Unbekannte ist etwa 30 bis 35 Jahre alt, mittelgroß, beinahe klein, und war damals mit einem kleinen runden Hut mit Blumen, bläulichem Jackett und gelben Halbschuhen bekleidet ge- wesen. Personen, die irgendwelche Angaben zur Ermittelung der Täterin oder über den Verbleib des Knaben machen können, werden gebeten, diese der Kriminalpolizei zum Aktenzeichen 38S4 IV. 41. 13 mitzuteilen. Mitteilungen werden in jedem Polizeirevier, im Polizei- vräsidium, Aiexanderstr. 3— 6, Zimmer 326, entgegengenommen. Wer- schwiegenheit wird zugesichert._ In die Klemme gerate«. Mit falschen Papieren, die ihn retten sollten, hat ein Haus- diener aus der Hasenheide trübe Erfahrungen gemacht. Der junge Mann unterschlug vor längerer Zeil seinem Arbeitgeber eine größere Geldsumme und verschwand damit. Um sich den Nachforschungen der Kriminalpolizei zu entziehen, kaufte er in einer Kaschemme einem Hausdiener D. für einen großen Nordhäuser die Ausweispapiere ab. Seitdem lebte er nun unter D.'s Namen sicher und unangefochten. Jetzt aber kam eine böse Wendung, als D. sich zur Musterung für den Militärdienst stellen sollte und ausblieb. Die Militärbehörde fahndete nach dem unsicheren Kantonisten und glaubte ihn endlich entdeckt zu haben. Der Hausdiener stand nun vor der Wahl, unter falschem Namen eingezogen und für die Nichtgestellung auch noch bestraft zu werden, oder sich zu offenbaren. Nach einigem Besinnen zog er dieses vor, ließ seine Maske fallen und bekannte seine frühere Verfehlung. Die Kriminalpolizei, die ihn suchte, behielt ihn in Haft und führte ihn dem Untersuchungsrichter vor. Vorort- ncbten« Eine Konferenz der Gemeindevertreter des Wahlkreises Potsdam-Spandau-Osthavelland fand am Sonntag bei Windt in Spandau statt. Anwesend waren 21 Gemeindevertreter und 1 Stadtverordneter, serner 3 Delegierte aus Orten, die keine sozialdemokratischen Gemeindevertreter haben, sowie 4 Mitglieder des Kreisvorstandes. Genosse Stahl, der die Verhandlungen leitete, wies darauf hin, daß die Konferenz zu dem Zweck einberufen worden sei, um den Gemeindevertretern Gelegenheit zu geben, sich über kommunal- politische Fragen auszusprechen, die in den einzelnen Gemeinden zu'erledigen sind. Landtagsabgeordneter Genosse Hirsch hielt hierauf ein zwei- stündiges Referat über das Thema:„Die Aufgaben der Gemeinde- Vertreter in den Kommunen." Redner führte eingangs seines Vor- träges aus, daß den Gemeindevertretern durch die Städte- und Landgemeindeordnung in den Gemeindeparlamenten gewisse Grenzen gesetzt worden seien und durch die Dreiklassenwahl bleibe der Einfluß der Sozialdemokratie hauptsächlich auf die dritte Klasse beschränkt. Infolge der öffentlichen Wahl müssen auch noch viele Wähler gegen ihre Ueberzeugung wählen, wie z. B. in Spandau die Staatsarbeiter. Eine weitere Schwierigkeit werde der Arbeiter- schaft durch das Hausbesitzerprivileg auferlegt, das für die Stadt- Vertretungen die Hälfte der Hausbesitzer, für die Geineindevcr- tretungen sogar zwei Drittel Hausbesitzer vorsehe. Bereits im Jahre 1875 sah die Regierung das Hausbesitzerprivileg als überlebt an und heute bestehe dasselbe nur noch zu dem Zweck, den Sozial- dcmokraten den Eintritt in die Gemeindevertretungen zu erschweren. Hinzu komme noch, daß die Entscheidungen des Oberoerwaltungs- gerichts immer reaktionärer werden. Früher konnten mehrere Ge- nassen Besitzer eines Hauses sein, heute gelte in den Städten nur der alleinige Besitzer eines Hauses nach dem Wahlgesetz als solcher. In den Landgemeinden dagegen sei das anders. Man gehe aber noch raffinierter vor, indem man für die dritte Abteilung Bezirks- wählen festsetze, für die anderen Abteilungen aber nicht. Unzu- lässig aber sei es, wenn die Gemeindevorsteher die Wähl der dritten Abteilung so ungünstig ansetzen, daß die meisten Arbeiter nicht wählen können. Das Obcrvcrwaltungsgericht habe in solchen Fällen die Wahl für ungüstig erklärt. Wenn also in einzelnen Gemeinden die Wahlzeit so ungünstig festgesetzt werden sollte, so könne hier- gegen mit Erfog Protest eingelegt werden. Von der Verwaltungs- täligkcit als Gemeindevorsteher und Magistratsmitglieder schließe man die Sozialdemokraten ja gewöhnlich aus, indem deren Wähl nicht bestätigt werde. Hierauf behandelte Hirsch in großen Zügen unsere grundsätzlichen kommunalpolitischen Forderungen. Er schloß seinen lehrreichen und interessanten Vortrag mit der Aufforderung, auch in den Gemeindevertretungen als Sozialdemokraten aufzu- treten und nach unserem Programm zu arbeiten. In den Vorder- grund müsse der Kampf gegen das Dreiklassenwahlrecht für den Landtag gestellt werden; erst wenn dieses durch ein gerechtes Wahl- recht ersetzt sei, werden wir auch ein freiheitliches und besseres Ge- mcindewahlrecht erhalten. In der anschließenden Diskussion verwies Genosse Pieck- Spandau auf den unverdienten Wertzuwachs, den dortige Grund- besitzer durch die Entsestigung für ihre Grundstücke erfahren haben. Während früher der Quadratmeter Land 3 M. kostete, habe er jetzt einen Preis von 46 bis 66 M. erreicht. Des weiteren führte er aus datz in Spandau für die höheren Schulen wahre Paläste gebaut und für den Militarismus riesige Summen aufgebracht würden, während für die Volksschule alles so einfach wie möglich eingerichtet sei. Alle sozialen Einrichtungen seien erst aus Anregungen der sozialdemokratischen Stadtverordneten eingeführt worden. Genosse L eh m a n n- Marwitz vertrat die Meinung, datz sich die Anregungen des Genossen Hirsch in armen Gemeinden nicht immer verwirklichen lassen. In Marwitz betrügen die Steuerzu- schlüge einschließlich der Kreissteuern heute schon 266 Proz. Der größte Teil der Einwohner seien rückständige Bauern, die aber wenig Steuern zahlen; die meisten Steuern würden von den Ar- beitern aufgebracht. Genosse DolliSois-Hemugsdorf meinte, durch den Groß- schiffahrtskanal seien rein ländliche Gemeinden wie Hennigsdorf plötzlich zu Jndustrieorten geluorden, so daß die Gemeinden große Aufwendungen machen müßten. Diesen Auswendungen für die Industrialisierung ständen nun eine große Anzahl Wähler ab- lehnend gegenüber, weil die Haus- und Grundbesitzer, die doch den größten Vorteil hiervon haben, die aufzubringenden Kosten der Ar- beiterschaft aufzubürden suchen. Die Wohnungsmieten seien in Hennigsdorf um das Doppelte, ja um das Dreifache gestiegen. Die Gemeinde habe schon die größten Anstrengungen gemacht, um Nieder-Neuendorf einzugemeinden, weil auf dessen Gebiet die meisten Fabriken angelegt werden. Es wäre auch angebracht, wenn noch andere Gemeinden eingemeindet würden. Genosse K r ü g er- Kremmen kritisierte das Verhalten des dortigen Gemeindevorstehers, der die Wahl für die dritte Abteilung gewöhnlich von 16 bis 12 Uhr festsetze und dadurch viele Arbeiter um ihr Wahlrecht bringe. Genosse Finder- Velten regte an, in Zukunft öfter Vorträge über Kommunalpolitik halten zu lassen. Für Anlegung des Stich- kanals und Schaffung von Bahnanschluß seien mehrere Millionen Mark bewilligt worden, um das Material für die Industrie heran- schaffen zu können. Die sozialdemokratischen Vertreter hätten auch für die Bewilligung dieser Summen gestimmt, da doch die in- dustrielle EntWickelung später auch der Arbeiterschaft zugute komme. Genosse F i e l i tz- Velten betonte, die Ofeninduftrie sei so heruntergekommen, daß dieselbe nicht mehr den dritten Teil der Arbeiter beschäftige, wie vor 16 Jahren. Um den Vorortverkehr zu bekommen, mutzten allein 63 666 M. aufgebracht werden. Die Grundwertsteuer und Wertzuwachssteuer sei nach längeren Kämpfen eingeführt worden. Viele Besitzer bezahlten in Velten aber nur 6 bis 9 M. Einkommensteuer, trotzdem sie eine Jagd gepachtet haben und ihre Kinder auf höhere Schulen schickten. Genosse Pieck- Spandau äußerte: Wir suchen soviel Industrie heranzuziehen, wie nur irgend möglich. Die Anlegung des Hafens habe 6'A Millionen Mark gekostet; das Anlagekapital verzinst sich jetzt nur mit 2 Proz. Mit aller Kraft suchten er und seine Ge- nassen dafür einzutreten, datz die Grundwertsteuer auf unbebaute Grundstücke höher geschraubt werde. Der Antrag, die Verkehrs- mittel in eigene Regie zu übernehmen, sei vor einer Reihe von Jahren, als die Straßenbahn einige hunderttausend Mark kostete, abgelehnt worden. Im Jahre 1969 habe man dann die Bahn für SVi Millionen Mark gekauft, nachdem Privatunternehmer ungeheure Summen daran verdient hatten. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten ersuchte Genosse Stahl die Gemeindevertreter, gemäß der angenommenen Resolution des Parteitages in ihren Gemeindeparlamenten Anträge zu stellen auf Ausführung von Notstandsarbeiten und Einführung von Ar- beitslosenversicherungen. Der Kreisvorstand werde der Anregung nachkommen und öfter derartige Konferenzen abhalten. Redner schloß die Tagung mit dem Wunsche, daß die Gemeindevertreter das hier Gehörte im Interesse der Allgemeinheit verwenden mögen. Nach Schluß der Sitzung fand noch auf Anregung des Genossen Pieck eine eingehende Besichtigung des neuen Rathauses statt, die durch liebenswürdiges Entgegenkommen des Stadtbaurats Paul genehmigt worden war. Ächöneberg. AuS der Stadtvcrordnetenversammlnng. Zunächst kamen die von der vergangenen Sitzung nicht erledigten Beratungsgegenstände zur Verhandlung. Die Freie Fraktion wünschte, daß der Schulbauplatz auf dem Kiekebusch scheu Gelände als Spielplatz hergerichtet werden möge. Herr I a tz o w(Fr. Frkt.) betonte, daß der Schulplatz an einen Pächter verpachtet sei, der Tennisplätze darauf errichtet hätte, im übrigen wäre der Platz sehr vernachlässigt; man möge dafür sorgen, daß dort ein Kinderspielplatz eingerichtet werde. Stadtrat K a tz bat, den Antrag abzulehnen, es würden der Stadt nur unnütze Kosten aufgeladen. Der Pächter wünschte gern aus dem Pachtverhältnis herauszukommen, er könne auf diesen Plätzen nicht viel werden. Die Tennisplätze seien gut im Stand ge- halten. Für die kleinen Kinder sei dieser Platz zum Spielen nicht geeignet.— Zobel(Lib. Fraktion) wollte von einem Kinderspiel- platz nichts wissen und meinte, daß derartige Provisoriums viel Geld verbrauchen; Bauplätze seien als Spielplätze äußerst ungeeignet. Man solle definitive Spielplätze schaffen, dann hätte die Sache einen Wert.— Genosse K ü t e r trat ebenfalls für Ablehnung ein, da dieser Platz von allen Seiten bebaut liege, einige Schritte davon auf dem militärfiskalischen Gelände hätten die Kinder reichlich Platz zum tummeln. Auch werde das Gelände jetzt schon von den Kindern für alle möglichen Spiele benutzt. Den Bautzener Platz dagegen sollte man ähnlich dem Wartburgplatz mit gärtnerischen Anlagen versehen, dann würde dieselbe der ganzen Gegend zur Zierde gereichen. Der Antrag wurde abgelehnt.— Für die Wohnungs« inspeklion sowie für die Schulzahnklinik waren Nachforderungen not- wendig, da die zur Verfügung stehenden Mittel bei weitem nicht reichten.— Linicus(Fr. Frkt.) beschwerte sich über das Vorgehen des Wohnungsinspektors sowie der Pflegerin, er wünschte, daß mit den Hausbefitzern nicht allzu rigoros verfahren werden möge. Stadtrat R a b n o w erwiderte, seit dem kurzen Bestehen des Wohnungsamts seien ungefähr 2666 Wohnungen inspiziert und davon nur drei Wohnungen beanstandet worden. Allerdings seien Be- schwerden der Hansbesitzer eingegangen. Genosse K ü t e r meinte, man sollte doch erst ein Jahr vergehen lassen und den Bericht abwarten, bevor unwesentliche Dinge vorgetragen würden. Der Stadtv. Linicus hätte diese Fälle in der Deputation zur Sprache bringen und dort untersuchen lassen können. Recht bedauerlich sei es, daß der Ma- aistrat für die Woblfahrtsfürsorge so wenig Interesse zeige und nicht schon längst mit einer Vorlage gekommen sei, um eigene Räume für diese notwendige Einrichtung zu schaffen. Wenn aber die Wohl- fahrtspflege als Plage angesehen werde, dann werde vieles ver- ständlich.— Der Magistrat schwieg sich hierzu aus. die Nach- forderungen wurden bewilligt. 26 666 M. forderte der Magistrat noch, um die Heizung im Neubau.der höheren Mädchenschule am Stadtpark von Mitte November ab in Betrieb setzen zu können; die Arbeiten für den inneren Ausbau sollen so gefördert werden, daß die Schule im April 1914 dem Betriebe übergeben werden kann. Lassen(Lib. Fraktion) meinte, diese Summe werde nicht ganz gebraucht werden, denn bei Jnnentrocknung sei soviel Heizung nicht erforderlich. Jatzow(Fr. Frakt.) behauptete. die Summe werde nicht zulangen, soweit ihm bekannt, würden außerdem nngefähr noch 45 606 M. erforderlich sein. Stadtrat E g e l i n g erklärte, die Berechnung sei von dem Heizungsingenieur ausgestellt und stimme genau. Genosse Küter machte der Liberalen Fraktion imallgemeinen und deren Sprecher, Herrn Lasten, im besonderen den Vorwurf, daß gerade durch ihre Verschleppungspolrtik die 26666 M. Mehrausgabe entstanden wären. Die Vorlage wurde einem Aus- schuß überwiesen, dem die Genossen Küter, Molkenbuhr und Reiche angehören. Die Schöneberger GewerkschaftSkommisfion hatte beantragt, die Bezirke für die Beisitzerwahlen der Arbeitnehmer zum Gewerbegericht nicht mehr nach den Bezirken der Polizeireviere zu begrenzen; dies habe zu Unzuträglichkeiten geführt, indem in dem einen Wahlbezirk nur 29 Wähler erschienen seien, während in einem anderen Wahl- bezirk 648 Wähler ihr Wahlrecht ausübten. Der Magistrat hat der Anregung Folge gegeben und die Stadt unter Zugrundelegung der Zahlen von 1912 in sieben Wahlbezirke eingeteilt.— Genosse M o h s empfahl die Vorlage zur Annahme. Die Versammlung stimmte ohne weitere Debatte zu. Angenommen wurde das Ortsstatut, wonach auf dem unmittel- baren Gelände am Stadtpark Fabriken, Cafes, Kinos, Kranken-, Irren- und Besserungsanstalten, Hotels, Logierhäuser, Gast- oder Schankwirtschaften, Theater oder sonstige öffentliche Vergnügungs- lokale nicht angebaut werden dürfen. Die Liste der Beisitzer sowie deren Stellvertreter für die am 9. November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen wird ohne Debatte angenommen. In nichtöffentlicher Sitzung monierten unsere Genossen das Vorgehen einzelner Armenkommisfionsleiter und das Verhalten de» Magistrats. Wenn unsere Genossen in der Kommission neue Pfleger vorschlagen, lasse der Leiter dieselben unberücksichtigt, während bürger- liche Vorschläge unbeanstandet passieren und gewählt werden.— Von sozialdemokratischer Seite wurde diese Rückständigkeit auf da? entschiedenste gerügt und der Magistrat ersucht, loyal zu verfahren oder gewärtig zu sein, daß unsere Anhänger eines Tages von dieser Tätigkeit als Armenpfleger zurücktreten, da ein derartiges Verfahren von Kommissionsleitern und Magistrat als unwürdig an- zusehen wäre.— Der Magistratsvertreter antwortete, daß die Arbeiter gewiß vertreten sein sollen, aber nicht zu stark,_ denn auch die Geistlichkeit müsse herangezogen werden. Das Zurücktreten der Arbeiter würde wohl nicht viel Erfolg haben, denn eS seien doch alle Sozialdemokraten.— Bei der hierauf erfolgten Zettelwahl wurde der Missionar Ollmann mit 34 Stimmen gegen 11 Stimmen, die auf den Lederzurichter Zander entfielen, gewählt.— Die Liberalen hatten sich wiedergefunden, wie schon so oft, wenn es gegen die Sozialdemokratie ging. Die Antwort auf diese Nichtachtung, wenn es sich um Arbeiter handelt, muß am 9. November von den Wählern der dritten Klasse gegeben werden. Charlottenburg. Russisches Kalbfleisch in Charlottenburg. Außer russischen, Rind« und Schweinefleisch wird in Charlottenburg in den städtischen Verkaufsstellen Horstweg 32, Fritschestr. 58 und Nordhausener Sir. 23 auch russisches Kalbfleisch abgegeben. Die Verkaufspreise sind bis auf weiteres wie folgt festgesetzt: Rücken 6,95 M., Keule 6,96 M.. Brust und Bug 6,86 M., Kamm 6,65 M., Leber 1,16 M. für das Pfunb; Lunge mit Herz 6,76 M., Brägen 6,56 M., Zunge und Kopf je 6,75 M. das Stück. Weihensee. Aus der Gcmeindeverttetung. Vor Eröffnung der Sitzung teilte der Bürgermeister mit, daß die Gemeinde auf der Internationalen Baufach-Ausstellung in Leipzig für ihre städtebauliche Ausstellung die silberne Medaille erhalten habe. Hieraus berichtete der Leiter des Wohlfahrtsamtes über die Ausstellung„Im Reiche der Haus« frau", wo die Gemeinde ebenfalls eine ihrer sozialen Einrichtungen aus der Säuglingsfürsorge ausgestellt habe, insbesondere äußerte er seine Meinung über das Säuglingszimmer, wie es fein und wie es nicht sein soll. Am Schluß lud er zum Besuch der Ausstellung ein. Der Bürgermeister ergänzte diese Ausführungen und erwähnte einige lobende Zeitungsnotizen. Unser Vertreter wie» darauf hin, daß solche Ausstellungen nur dann einen Wert haben, wenn zugleich auch dargelegt wird, wie dem Uebel am besten ge- steuert werde. So müßte der Staat sowohl wie auch die Kommune die Pflicht übernehmen, die armen Wöchnerinnen solange zu unter- stützen, als es ihr Zustand erfordert. Jetzt seien in den allermeisten Fällen die jungen Mütter wenige Tage nach der Geburt in der Sorge um sich und ihr Kind gezwungen, schon wieder ihrem Beruf nachzugehen. Auch zeige das angeführte Beispiel wie notwendig eine durchgreifende WohnungSreform sei. Der Leiter deS Wohlfahrtsamtes würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er hier bahnbrechend vorginge. Unterm 15. März 1896 ist eine Polizeiverordnung erlassen worden, wonach das Aussuchen von Backwaren durch die Käufer in den Ver« kaufsstellen der Bäcker oder Backwarenhändler verboten ist. Jetzt, im Jahre 1913 bemerkte man endlich, daß diese Polizeiverordnung nn« gültig ist, weil es in der Strafandrohung geheißen hat: Ueber» tretungen werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen geahndet. Dafür soll fortan folgender Paragraph Geltung baben: Uebertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mark, iin Unver- mögenssalle mit verhältnismäßiger Haftstrafe geahndet. Der Erlaß eines Ortsstatuts für den Anbau an Straßen und Plätzen zeitigte eine Debatte von ziemlich drei Stunden. Das bisher bestandene OrtSstatut war veraltet und auf Beranlassnug des Landrats sollte dasselbe modernisiert werden; hieran wurde die VerWallung seit drei Jahren vom Landrat erinnert. Vor allem lehnten sich die Freunde des alten Ortsteils gegen das Statut auf, weil sie einige dort bestehende Straßen, unter andern die Feldtmannstraße nicht für anbausähig hielten. Man wollte vor allem alle bestehenden und scdon mit Häusern versehenen Straßen als anbaufähig gellen lassen und einen solchen Vermerk in das Stowt mit aufgenommen wissen. Bei dieser Gelegenheit brachten einige Vertreter nicht nur allgemeine Grundbesitzerschmerzen vor, sondern ließen auch ihre �eigenen Angelegenheiten besprechen. So führte der Kohlkopfzllchter Schwarz darüber Beschwerde, daß er bei der Grundwertsteuer benachteiligt werde, indem man ihn nicht den Satz für gärtnerisch betriebene Grundstücke bezahlen lasse. Der Dezernent der Steuerverloaltung diente unter dem Gelächter der Versammlung damit, daß Herr Schwarz selber daran schuld sei, denn er weigere sich. Gewerbesteuer als Gärtner zu zahlen, somit falle er unter die Großgrundbesitzer und müsse daher die Grund- wertsteuer berappen. Herr Teichert glaubte immer noch zu bemerken, daß diejenigen, welche einer bestimmten Hausbesitzer« gruppe angehören, von der Verwaltung anders behandelt werden, als die der„anderen Richtung". Den Beweis für seine Behauptung blieb der Herr schuldig. Trotz der langen, oft abschweifenden De- batte wurde an dem Wortlaut des vorliegenden StawtS nichts ge- ändert und dasselbe gegen vier Stimmen angenommen. Groft- Besten. Das unvorsichtige Umgehe« mit der Schußwaffe hat wieder ein- mal zu einem schweren Unfall geführt. Vor einigen Tagen erhiell der Sekundaner W. den Besuch seines Schulfreundes S. aus Königs» Wusterhausen. Er zeigte dem letzteren seinen Revolver und wußte nicht, daß die Waffe geladen war. Beim Erklären der Waffe ging Plötzlich ein Schuß los und S. brach, von der Kugel ins Gesicht ge- troffen, zusammen. Dicht neben dem rechten Auge war das Geschoß eingedrungen. Bisher konnte es noch nicht wieder entfernt werden. Trebbin(Kreis Teltow). In Harnisch gerieten die ehrbaren Vertreter des hiesigen Hand- Werks wieder einmal, als es sich in der letzten Stadtverordneten, sitzung darum handelte, die Unterrichtszeit in der Fortvudungs« schule auf eine frühere Zeit zu verlegen. Wie im vergangenen, hat auch in diesem Jahre die Regierung unter Androhung der Eni- ziehung des Staatszuschusses, die Festsetzung der Unterrichtsstunden von 6—8 Uhr verlangt. Unsere Genossen �unterstützten leibst- verständlich dieses Verlangen, was unter den sonst durch Abweien- heit glänzenden Handwerksmeistern große Erregung heroornef. Die Freisinnsgröße, Herr Drachholz, meinte verwundert: Ich weiß gor nicht, sonst sind sie immer gegen die Regierung und hier gerade sind sie mit der Regierung.— Der Magistratsantrag wurve mit 9 gegen die 4 Stimmen unserer Genossen bei zwei Stunmenenthaltungen an« genommen. Damit bleibt die Unterrichtezelt von< 3 Uhr bestehen. Zu der am 16. November er. ftattfindenden Stadtverordneten- wähl winden als Beisitzer die Herren Schulze und Siebecke und als Stellvertreter die Herren Jung und Maß gewählt. So- dann wurde ein Schreiben des Magistrats verlesen,« welchem der Bürgermeister die Gründe und Vorteile des Verkoufs der«labtforft klarlegt. Als Gründe werden angeführt, dafe die Stadt außer der Forst keinen Grundbesitz mehr habe; der Forst liege aber 7 Kilometer von der Stadt entfernt, gehöre zur Gemar« kung Neuendorf und habe daher für Trebbin zur Ansiedelung von Industrie usw. keinen Nutzen. Aus diesen Gründen sei der Magistrat mit Privatleuten sowie mit dem Fiskus in Verhandlung getreten. Von beiden Seiten seien nach Abschätzung der etwa 25 000 Morgen uunasienden Fläche S00000 M. geboten worden. Bisher habe man mit einer Einnahme von 18 000 M. gerechnet. Die 900000 M. zu 4 Proz. auf mündelsichere Papiere angelegt, ergäben jedoch die Summe don 36 000 M. Der Ueberschuß von 18 000 M. solle nun nicht in den Etat eingestellt, sondern es sollen 9000 bis 10 000 M. für Landerwerb, 4000— 5000 M. für Straßenpflasterungen und der Rest für besondere Ausgaben eingesetzt werden. Auf Antrag des Genossen Richter wurde die Angelegenheit einer sechsgliedrigen Kommission überwiesen. Derselben gehören an die Herren: Thiede, Heuscler, Maaß, Jung, Genoflen Schönsee und Siebecke. Herr Karl Binge teilt schriftlich mit, daß er sein Amt als Stadtverordneter niederlegt. Raven. In einer gutbesuchtcn öffentlichen Versammlung behandelte Genosse A y s ch e- Berlin das Thema: Was finden wir im Reichstag? Die Ausführungen des Redners, in denen derselbe die offizielle Stim- mungZmache aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr der Freiheitse kriege durch eine Beleuchtung der heutigen Zustände glossierte, wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Wilmersdorf. Mittwoch, den LS. Oktober, abends S Uhr, in der Aula der Viitoria-Luisenschule, Uhlandftraße. Auf der Tagesordnung steht U.a.: Satzung der Lanbkcankenkafle, eine Petition des Bundes der Technisch» Industriellen Beamten betr. Einführung einer gemeinsamen Arbeits- losenversicherung, Petition des Deutschen BauarbeiteroerbandeS, der weiteren Steigerung der Arbeitslosigkeit vorzu« beugen. Nowawes. Heute Mittwoch, nachmittag? 5 Uhr, im Rathause. Rosenthal. Morgen Donnerstag, den 30. Oktober, abends 6 Uhr, in der Aula der Gemeindeschule Schillerstraßc. Spandau. Morgen Donnerstag, nachmittags 41/« Uhr, im Sitzungssaal des neuen Rathauses. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder«emeindeangehörige iß de- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Bnefhaften der Rcdafetioti. Die i-rtftisch- Sprechstunde siudet Ltudenstratze es, vor» vier Treppe« — Fahrstuhl—, wochentäglich«in*'ch«IS 7% Uhr abend», Eonnadend», «ou 4z«, bi» 6 Uhr abend» statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten»nsrage ist ein Buchstabe und ein« Zahl als Merkzeichen beiznfstgen. Briefliche Antwort wird nicht ertellt. Anfragen, denen keine AbonnementSqnittnng beigefügt ist, «erden nicht beantwirtet. Eilige Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. Gractz 1K. Beides ist richtig.—F. 8. Imperator.— R. L. 87. Die Adresse ist uns leider auch nicht bekannt.— F. G. 124« Fragen Sie bei der Schule unter Beifügung eines Freikuverts direkt an.— W.®. 767. Darüber läßt sich Bestimmtes nicht sagen. Ein Recht, Ihnen aus den an- gegebenen Gründen Schwierigkeiten zu machen, hat die Kommission natür- lich nicht. Jedenfalls brauchen Sie sich durch derartige Redereien nicht irre machen zu lassen.— G. D. 1913. 26. Oktober 1906. — W. R. Regenthi«. 1. Wenn der Verstorbene Rentenempsänger war, ja, andernfalls nein. 2. Ja.— F. Steglitz. Um 20 Pf. zu hoch de- rechnet.— K. Sch. 10. 1. Ja, entweder bei dem Kommando bei Land- welnbezirks oder persönlich beini Kommando der Schisssjungenkommission in FriedrichSort bei Kiel. 2. In der Regel im Alter von 15f/, Jahren, ausnahmsweise auch im Alter von 14'/, Jahren. 3. Erfahren Sie aus An- frage. U. a. ist kräftiger Körperbau, Fehlen körperlicher Mängel, genügende Schulbildung erforderlich. Geburtsurkunde und schriftliche, polizeilich be» t laubigte Einwilligung des Vaters oder Vormundes mutz überreicht werden. f. U. 100. Nach Vollendung des 16. Lebensjahres seit 1L72. BiS dahin nach Vollendung des 14. Lebensjahres.— A. B. 207. 1. Ohne Angabe der Höhe der Versicherungssumme nicht zu beantworten. 2. Ist von den Versicherungsbedingungen bezw. von den Bestimmungen des Vertrages abhängig. 3. Bei zwei unterhalwngSbedürstigen Kindern haben Sie Anspruch aus Herabsetzung um 1 Stuse. 4. Nur dann, wenn Ein- kommen der Frau mstveranlagt ist.— W. M. Nannynstraste. Nein frauen-Lereakende. Alt-Glienicke. Donnerstag, den 30. Oktober, im Jugendheim, Grünauer Str. 4. Reserentin: Genossin Siedel-Neukölln. Deuipelhof. Heute Mittwoch, den 29. Oktober, im Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9._ Witterungsübcrsicht vom 28. Oktober 1913. ftftftirnfn V if >=2 pe Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 759 757 760 758 760 762 ii if S SRO S NO Still Vetter 2 Dunst 2 Nebel 1 wollig Dunst 4 wollig Nebel w« 4 II i* mS> «tattonen ü- Sa B51 Haparanda 754 Petersburg! 758 Scilly Aberdeeu Paris 739 745 15 «o "C SO OSO O S 751 SSO ** B* & Schnee 2 Regen 6 wolkig 3 wolkig 2 halb od s—O 1 14 12 14 Wetterprognose für Mittwoch, de» 29. Oktober 191». Zunächst ziemlich heiter, am Tage sehr mild bei lebhaften südlichen Winden, später zunehmende Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r d u r e a u. OHOO««» Die herzlichsten Glück, wünsche unserem Genosse« W | Otto Schniolko«etst Frau| zur Silberhochzeit.® vi Die Genossen Bez. 126. Todes-Anzeigen SoziaideinokFatiscIierWaiilvefeiD I. d. Uerl. ReicbstagswaWkrels. Landsberger Viertel. Bez. 313, II. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genossin, Frau läa Lekubert Kochhannstratze 15, gestorben isL Ehre ihrem Audeiike«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zeiitral-FriedhoscS in Friedrichs- felde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Voratand. Frankfurter Viertel. Bez. 382, II. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Gastwirt Herninrin Blume Barnimstratze 2, gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 29. Oktober, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Aus- erstehungs-KirchhoseS in Weißen- see aus statt. 213/3 vor» Vorotaad. Sozialdemokrat. KreiswaMverein RiederbafDim. Bezirfc liichtenbeFg. Dcn Mitgliedern zur Kenntnis, datz der Genosse Max Schönebeck Lessingstr.37(Gruppe 61), im Alter von 25 Jahren verstorben isL Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, 30. Oktober, nachm. 4Uhr,von derHalle deS Gemeinde- Friedboss, Lüclstratze, aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 13/1 Die Bezirksleitung.£ Yerband der Bucb- nnfl Stein driiekerei-Biilsarbeiier irnd Arlieiterbmeo Deutscblands. Ortsverwaltnns: Berlin. Am 27. Okiober verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied Emilie Eckert im Alter von 32 Jahren. Ehre ihrem Andenke«: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 23. Oitober, nach. mittags o Ubr. auf dem Simon» Kirchhof in Marienoors statt. 28/15 Die Drtsverwallung. ! Deniseher Bolzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Maschinen- arbeit« Johann Puhl Zellesiratze«, im Alter von 41 Jahren gestorben isL Ehre seinem Andenken.' Die Beeroigung findet heute Mittwoch, den 29. Oktober, nach- mittags 4 ijj,r BOn per Halle des Dallitäa. 51irchhoses in AhrenS- felde au» statt. Um rege Beteiligung ersucht ' Die Ortsverwaltung. Danksagung. Slllen Freunden und Bekannten str die herzlich« Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS log« hierdurch meinen bette» Dank. ®'ttDe 31. lilermann. M8l Mariendorf, Schütz enstr. ll. Heute nachmittag starb nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater,Sohn undBrud« August Lenz im Alter von 43 Jahren. Neukölln, den 27. Oktober 1913. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt.. 15A Zentral-Verband der Tüpter d. Berulsgenossen Deutscblands. Filiale Groß- Berlin. Am Montag, den 27. Oktober, verstarb unser Mitglied, der Kollege August Lenz (Bezirk Neukölln) im Ali« von 44 Jahren an Magen- und Nierenleiden. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 30. Oitober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuköllner Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. 133/5 Her Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Droschken- führ« 63/3 Wildeliu Böhme am 26. d. Mts. im Alt« von 62 Jahren««sterben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. d. MtS., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle deS Markus< Friedhofes in Wilhelmsberg aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Biersahrer Wilhelm Husrnarni am 27. d. Mts. im Slltcr von 35 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung süidel am Donnerstag, den 30. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle dcsPhstippuL-Apostel- FriedhoseS, Müllerstr. 44, aus statt. Die Bezirksverwaltung. Verband der Fabrikarbeiter Deuiseblands. Zahlstelle GroB-Berlln. Am Sonnabend, den 25. Okto- ber 1913, verstarb unser Mitglied zXuxust Zander durch Unfall. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Oktober, von der Leichenhalle deS Tegeler Friedhofes, nachmittags 4'/, Uhr, staiL Rege Beteiligung envartet Die Drisverwaitung. Kraukkuunterstühnngs- und KterbeKasseuvemn Keriin- Fmdknau. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz die Statuten genehmigt find und mit dem 2. November 1913 in Kraft treten. Die Beiträge betragen von diesem Datum an sur Mitglieder: I. Klasse: männlich.. o 05 m weiblich... 0,30. H., männlich u. weiblich 0,45M BeitrittSmeldungm werden stn. Kassenlokal: Friedenau, Lauterstr, 5/6, und bei den Vorstandsmitgliedern entgegengenommen. 293/6 Her Vorvtand. Ernst Reiche, Hermann Müller, 1- Vors. Kassierer. Häven Sie Slott? � davon Anzog od. Patotot «Wcfc daanh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Ltband, � Neue Promenade S.U.(Stodtb. Bön.) y Stoffe eleg MiMÄgK. faletOtS Meter JH. 5,7,9 Jtostürn- und IflsterstofleMtrjo,� Persianer mit. Plüsche 130 ÄJÄ.?50�0 Seiden-Seal priinafe1r3ft.15 Astrachan, � 'Ijfutter' fl50 ASO .• 0 Tuchlager Koch& Seeland G. rn. b. H. GerMUr. 28/21 ÄÄ Land- and Bauparzellen für Vorwärtsleser schon mit lOO Marli Anzahlung, kleine tährliche Teilzahlung, tot westlichen Vorort, direkt am Bahnhof. Guter Boden, größte Wertwtolxernnj; zu erwarten. Bevor«sie ander- weitig besichtigen, prüfen Sie dieses Angebot, da streng reell. Schreiben Sie sofort an M. 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Chinesen, Cowboys, Indianer. edler Pferderassen. eine Herde von LOwen, fern, Elsbttrcn, brannen vifen nsw. Kamelen, Dromedaren, Stranfien, Die wissensohaftliche Bedeutung des Zirkus Barum wird von den Behörden attestiert. Während meiner diesjährigen Saison wurden viele tausend Schulkinder in Begleitung der Herren Lehrer der Barum-Schau zugeführt.--- Premiere Dienstag den 4. November, abends 8lU Uhr. Brauerei Friedrichshain am Königstor. Oekonom: Emst Liebing. Mittwoch, den 89. Oktober er.: Heiterer Künstler-Abend, 1 Anfang 8 Uhr. ZSIMlMS' Vornekmes Familien-Caf6 18 Brunnenstr. 18 £cke VeteranenstraBe Lessing-Theater. Anlang T/, Uhr. Peer Oynt. ÄÄ«,_____________________ Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielevp, Neukölln. Für den Lnjerateutell verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buch o ruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co� LertiuSA, Eröffnung heute, den 29. Oktnber, abends. :: Berliner Konzerthaus Jk..Clou« -- Mni.aneti.afta OO_ 7i Mauerstraße 82.— Zimmerstr&ße 30/91. Oroßes l>oppei-K.onzert! Berliner Konzerthaus.Orchester. Leitung: Komponist Frz. v. Blod und als Gastdirigent: Holkapellmeister Prof. Traugatt Ochs. Musikkorps Garde-FQsilier-Reglments. Oirig. Oberm. Dippel. Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Uhr. woAeÄ"...: Gr. Naehmillags-Konzerl boleS!™ lOSE-THEATEI Gräfte Frankfurter Str 132. 3 in welfien Rüss'I. Lustsviel in 3 Allen von Blumcnthal u. Kadctburg. : Anfang S'lt Uhr.—— Morgen: Im weißen RttssT. sonnabendnm. 4 Uhr: Aschenbrödel. Sonntagnachm. 3 Uhr Oihelio. Zirkus Busch. Heute Mittwoch, den 29. Oktober, I abends 71/, Uhr: Die berühmten Menschen-Affen Max, Mnritz«.Teddy aus Karl Hagenbecks Tierpark in Hamburg. u Nur noch wenige Tage! u kapt. Wall mit seine« Alligatoren sowie Auftr. aller gr.'Attralttonen. Zum Schluft: Die neue Ausstall.-Pantomime Aus unseren Kolonien. Berliner Prater¥eätlir Kastanieu-Allee 7-9. Jeden Mittwoch: �sMell-Ziadsrett-Alienä. Austreten erstklassiger Bübnenkrästc. Nach der Vorstellung: Frcttanz. Ansang 8% Uhr. Eintritt 39 Pf. Freitag, den 3t. Oktober: 2.Oper.-Gastsp.(Dir.Steiner.Sandori) Die Kmo-Königin. Operette in 3 Atten von Jean Gilbert. _ Anfang 8'). Uhr._ UT Lichtspiele. Weinbergs- � weg 16- (2 Min.v.l —17 senth. Tor) Moritz- Platz Hasenheide ÜT DT Beinicken- dorfer Str. Die Insel der Seligen inszeniert von Professop Max Reinhardt In allen DT außer Union-Palast u. Friedrichstr. heute 4 Uhr Familienvorstellung Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Possen-Schlager Ferdinand der Tugendhaste. Das droll. Stück seit Bestehen b. Thcat. Vorher das ersttl. Svezialität.iProgr. Sonnlag, nachm. 4 Uhr: Mutterliebe. Trisnon-Tlieater. Täglich abendS 8 Uhr: Seine Geliebten Passage-Panoptikum Mundmaler Sehuidis der Ratael ohne Arme bei seinen Arbeiten, Lebend zu sehen! Und die anderen Attraktionen. Die gr. 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KeilU im„Jlotmnrts" Sttlintt öolbMittt. PHfiDiiit, 29.®Brtn 1913. Der neue Krupp-Prozeß. S»«fter r»» Berlin, den 28. Oktober tSIJ. Zur heurigen Verhandlung herrscht ein besonders starker Än- drang, da man die Vernehmung des Herrn v. Mcben als Zeuge erwartet. Zu Beginn der Verhandlung gibt der Oberstaatsanwalt ChrzescinKki folgende Erklärung ab: Ich habe heute morgen die Zeitungsberichte über die gestrige Verhandlung genau durchgelesen. Ich haöe da meine Aeußerung über die Grenzen gefunden, inner- halb oeren ein mittlerer Beamter zum Reden über amtliche An- gelegcnheiten befugt ist. Diese meine Worte, die sehr scharf waren und scharf sein sollten, sind in einem Punkte etwas verändert in die Presse gekommen. Ich habe an keiner Stelle den Ausdruck ».Subalternbeamte" gebraucht. Ich brauche ihn im amtlichen Leben überhaupt nicht, denn im amtlichen Leben existiert dieser Ausdruck ganz und gar nicht. Es gibt heute keine Subaltern- b c a m t c m e h r, sondern mittlere Beamte, und wenn ich gestern gesagt habe, ich ziehe die Grenzen, innerhalb oeren ein mittlerer Beamter reden darf, allein, und wehe dem Beamten, der diese Grenze überschreitet, so habe ich dauiit scharf zum Ausdruck bringen wollen, daß eine Ueberschreitung sofort ein Disziplinar- verfahren zur Folge haben würde, aber ich habe nicht dem Beamtenstano durch eine verächtliche Aeußcrung zunahetreten wollen, wenn ich gesagt hätte,»wehe oen Subalternbeamten". Das klingt so(mit erhobener Stimme), als ob ich sagen wollte: Ihr Beamten zweiter Klasse, Euch habe ich am Zügel! Etwa diesen Sinn kann man in eine solche Aeuhcrung hineinlegen. Das hat mir aber vollständig ferngelegen, und ich lege Wert darauf, dies hier richtigzustellen, und die Herren von der Presse zn bitten, diese Aeutzerung zu berichtigen. �— Vorsitzender Landgerichtsrat Karsten: Ich glaube mich auch erinnern zu können, daß der Herr Oberstaatsanwalt nicht von Subalternbeamten gesprochen hat.— ES beginnt nun die Vernehmung des früheren Vertreters der Firma Krupp in Berlin, Herrn v. Metzen. Im Augenblick, wo der Zeuge an den Zeugentisch tritt, erscheint der Kammergerichts- Präsident Exzellenz H e i n r o t h im Saale und nimmt hinter dem Richtertisch Platz. Der Zeuge v. Metzen ist ein ziemlich groß gewachsener, kräftig gebauter, schwarzhaariger Mann mit stfwrf geschnittenen Zügen, glattrasiertem Gesicht und außerordentlich breiten Schultern, die ihm einen gewissen Amerikancrthp geben. Er gibt an, momentan ohne Beschäftigung zu sein. Er ist 38 Jahre alt und wohnt in Schlachtensee: Bevor ich zu Krupp kam, war ich aktiver Offizier, und zivar vom Januar 1896 bis Februar 1903. In der letzten Zeit meiner dienstlichen Verwendung kani ich bei oer Uebernahmc von Lieferungen mit Krupp in Verbindung. Ich bin dann zu Krupp übergetreten. Ich bekam zunächst den Auftrag, mich auf das Material einzuarbeiten, denn ich war in Aussicht genommen, mit einem Feldgeschütz nach Brasilien geschickt zu werden.— Vors.: Waren Sie Handlungs- bcstvistnächtigter.— Zeuge: Ich fiel wohl in die Kategorie der Handlungsgehilfen.— Vors.: Welche Bezüge hatten Sie?— Zeuge: Zunächst 4000 M.— Vors.: Was war dann weiter Ihre Verwen- dnng?— Zeuge: Der Zweck, zu dem ich in Aussicht genommen war, nach Brasilien geschickt zu werden, erfüllte sich nicht. Ich bekam sonstige Aufträge ins Ausland. 1903 wurde ich in die Schweiz und nach Belgien geschickt. Die Beherrschung fremder Sprachen prädestinierte mich, im Ausland Verwendung zu finden. 1903 war ich noch in Portugal, 1904 in Italien, 1906 und 1900 in Belgien, und von da ab habe ick eigentlich das belgische Ge- schüft, soweit es sich auf die Bestellung von Kriegsniaterial be- zog, dauernd in Händen gehabt. Es war, glaube ich, 1900, als ich ständiger Vertreter in Belgien wurde. Mein Wohnsitz ist bis 1909 Brüssel geblieben.— Vors.: Und wie gestalteten sich in dieser Zeit Ihre Bezüge?— Zeuge: Nach dem ersten Probejahr bei Krupp bekam ich 6000 M., als Vertreter in Belgien 8000 M. Gehalt und 10 000 M. Repräsentationskosten.— Vors.: Waren da die Provisionen schon einbegriffen?— Zeuge: Ich wurde erst später provisionsberechtigt. Es sollten aber unter allen Umständen 10 000 M. Repräsentationskosten von den Provisionen abgezogen werden.— Vors.: Also wie hoch war ungefähr der Durchschnitt der Provisionen?— Zeuge: Das war sehr verschieden, je nach der Abwickelung der Geschäfte. Manchmal be- kam ich gar nichts über die 10 000 M., manchmal sehr viel, wenn große Geschäfte gemacht wurden, z. B. im letzten Jahre, wo ich in Belgien war und wo das Geschäft über die Lieferung der 28-Zentimeter-Kanonen abgeschlossen wurde. Da waren es erheblich mehr wie 20 000 M. 1— Vors.: Wie sind Sie nach Berlin versetzt worden?— Zeuge: Alle Geschäfte, die in Belgien spielten, waren 1909 sozusagen er- ledigt; es stand nur noch eine Lieferung von Feldhaubitzen in Aus- ficht. Deshalb hat wohl das Direktorium in Essen gefunden, daß es überflüssig sei, mich in Belgien zu lassen, uitd ich wurde auf- gefordert, Brüssel mit Verlin zu vertauschen.— Vors.: Wodurch wuroe der Berliner Posten ftei?— Zeuge: Herr v. Schütz wurde nach Essen berufen, um das Jubiläumswerk zu schreiben. Ich trat meine Stellung in Berlin am 21. August 1909 an, nachdem ich hierüber ziemlich lange niit Herrn Eccius verhandelt hatte, was nicht glatt ging, da ich nicht nach Berlin wollte. Hier in Berlin betrug mein Gehalt 10 000 M., meine Repräsentationszulage ebenfalls 10 000 M., und außerdem bekam ich 6000 3)1., deren genaue Formulierung im Vertrage mir nicht mehr erinnerlich ist, im ganzen also 26 000 M. Provisionen kamen hier nicht dazu.— Vors.: Worin bestand Ihre Tätigkeit und Ihre Aufgaben als Vertreter in Berlin?— Zeuge: Sie sollten sehr vielseitig sein, ich sollte nicht allein das Geschäft mit den Militärbehörden verwalten, sondern auch mit dem Reichsmarincamt Fühlung haben und außerdem alle ausländischen Kommissionen, die nach Berlin kamen, besuchen, ihre Wünsche entgegennehmen, die Verhandlungen mit den Führern, soweit sie nicht so wichtig waren, daß sie direkt mit dem Direktorium in Essen geführt wurden.— Vors.: Und welche Ausgaben hatten Sie den Behörden gegenüber?— Zeuge: vornehmlich hatte ich die Vorverhandlungen zu den Verträgen zu führen. Die Verträge selbst wurden mit den Zentralbehörden abgeschlossen. Ich sprach vornehmlich im Kriegsministerium vor, in aer ersten Zeit auch in dem A.P.K., das aber hörte fast vollkommen aus. Ich hatte den Ein- druck, daß man es nicht wünsche, daß ich mich um technische Dinge bekümmere, und deshalb ließ ich es auch sein. Ich konnte also den Herren in der A.P.K. nichts bieten, weil ich nicht orientiert war. Ich war etwa vier- bis fünfmal im Jahre in der Feldzeugmeisterei. — Vors.: Sie sind immer zu den offiziellen Referenten gegangen?— Zeuge: Jawohl, ich habe immer nur mit Offizieren verkehrt. Herr v. Schütz sagte mir, daß der offizielle Vertreter nicht zu Unterbeamten gehen dürfe.— Vors.: Wie war nun das Bureau beschaffen?— Zeuge: Das Bureau hatte, als ich nach Berlin kam, überhaupt keine Organi- s a t i o n. Es war meine erste Aufgabe, es zu organisieren. Ich erst habe für das Bureau eine eigene Wohnung gemietet, während es sich früher bei Herrn b. Schütz befand. Heber die Einrichtung und die Tätigkeit des Bureaus habe ich ebenfalls mit Herrn Eccius i» Essc» verhandelt.— Vors.: Was hat er Ihnen darüber gesagt? — Zeuge: Nachdem wir einig geworden waren, hatte niich-Herr EeciuS gefragt, ob ich wüßte, daß die Firma in Berlin einen Agenten, einen Mann oder eine Person unterhielte, die vertrauliche, ich glaube, er hat gesagt, unterirdische Auskünfw erteilt.— Vors.: Davon haben Sie bisher nichts angegeben, Sie haben bisher nur gesagt, daß Herr v. Schütz Ihnen ähnliches erklärt habe.— Zeuge: Ich sagte Herrn Eccius auf seine Frage, ob ich von dieser Auskunftsvermittlung wisse, ich habe keine Ahnung davon. Darauf erwiderte Herr Eccius: nun dann gehenSie zu Herrn V.Schütz und lassenSie sich alles sagen. Ich kann nicht mit meinem Eide bekräftigen, daß Herr Eccius den Ausspruch „unterirdisch" gebraucht hat, aber der Ausdruck„unterirdische Aus- künfte" ist bei der Firma ziemlich geläufig. Ich ging also zu Herrn v. Schütz. Er gab mir sehr genaue Aus- kunft über sein Personal, über die Herren Kern und Brandt. Eine Organisation war, wie gesagt, nicht vorhanden, die beiden Herrn arbeiteten so nebeneinander. Schütz war Kern sehr wohlgesinnt, Kern war auch Liebkind bei der Familie v. Schütz, während Brandt erst seit einigen Jahren da war und ausschließlich zur Bcschasfung der sogenannten Kornwalzer verwendet wurde.— Vors.: Was hat Ihnen nun Herr v. Schütz darüber gesagt?— Zeuge: Wort für Wort kann ich es nicht an- geben, aber das kann ich beschwören, daß ich, als ich von Herrn v. Schütz wegging, recht genau orientiert war über das, was ich in Berlin vorfinden würde.— Vors.: Hat Herr v. Schütz auch darüber gesprochen, daß Brandt Mittel aufwende, um die Z e u g- feldwebel zur Hergabe von Zi achrichten z u b e- st i m m e n?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen.— Auf Vorhalt einer früheren Aussag« erklärt der Zeuge, daß Herr v. Schütz ihm gesagt habe, Brandt leiste ganz Außerordentliches in dieser Beziehung und verstehe es sehr gut, frühere Beziehungen aus- zunutzen. Daran aber, daß Schütz von einer Aufwendung von Mitteln durch Brandt gesprochen habe, kann ich mich nicht entsinnen. Was mir jedoch Herr v. Schütz gesagt hat, hat mich sehr bedenklich gestimmt. Herr V. Schütz sagte mir auch einmal, Brandt hätte Teile von Zündern und ganze Zünder der Heeeresverwaltung gebracht, dann hätte er ihn aber angefahren! Ich merkte, wie die Sache mit Brandt lag. Ich mutzte es ja schon daran merken, daß er drei Jahre in Berlin ohne andere Tätigkeit als die Beschaffung von Kornwalzern angestellt war.— Vors.: Eine Bureautätigkcit übte er doch auch aus.— Zeuge: Nein, die lag ausschließlich in den Händen Kerns.— Auf eine Frage des Vorsitzenden, wie der Zeuge nun Wandel im Bureau geschaffen habe, erklärt er, zunächst aus eine frühere wichtige Unterredung mit Ecckus eingehen zu wollen. Ich sagte Eccius, ich könnte mich nicht dazu hergeben, Herrn Brandt zu behalten in der Weise, wie er seine Tätigkeit bisher ausgeübt hat.— Der Oberstaatsanwalt unterbricht den Zeugen und läßt sich den Satz nochmals wörtlich wiederholen. Vors.: Was sagte Direktor Eceius darauf?— Zeuge: Wie es mit den Geldern gewesen ist, weiß ich nicht genau, ab davon Herr v. Schütz gesprochen hat oder Herr Eccius, das weiß ich nicht, ich kann aber nur auf das bestimmteste erklären, daß ich mich geweigert habe, daß die Gelder, die Brandt erhielt, durch meine Hände gingen. — Vors.: Ist davon gesprochen worden, daß diese Gelder Bcstechungs- zwecken dienten?— Zeuge: Nein, das ist nicht erörtert worden, es lag aber in der Natur der Sache. Horr Eccius fand sich mit meiner Erklärung ab und sagte, die Gelder würden Brandt von jetzt ab ausbezahlt werden als Reprä- sentationszulage. Die Höhe hat er mir nicht angegeben. Außerdem sagte ich noch, es sei unmöglich, daß Herr Brandt in dieser Weise dem Bureau attachiert werde. Ich hielte es für richtiger, daß Herr Brandt«ine offizielle Stellung im Bureau erhalte, um der Oeffentlichkeit gegenüber seine Anwesenheit zu rechtfertigen, anders könnte ich ihn nicht beibehalten. Um mein Gedächtnis zu unter- stützen, habe ich mir Auszüge ans meiner Korrespondenz gemacht, soweit sie in meinen Händen geblieben ist. Ich bin am 2l. August nach Berlin gekommen. Am 22. August bin ich in das Bureau eingetreten und am 23. August habe ich einen Brief an Herrn Eccius geschrieben, in dem es heißt: „Es mutz natürlich mein Wunsch sein, in der Frage der Besetzung des Bureaus Klarheit zu bekommen. Nachdem ich die Verhältnisse kennen gelernt habe, muß ich sagen, daß Herr Brandt mir zunächst unentbehrlich sein wird. Herr Brandt ist auch sehr zufrieden, daß er Bureauvorsteher sein soll. Mit Herrn Brandt ist sogleich die Angelegenheit der Kornwalzer zur Sprache gekommen, da er mir sosort eine Liquidation vorlegte. Ich habe aber alles abgelehnt und habe Brandt an Sie gewiesen. Es bleibt das einzig Wahre, daß Brandt eine besondere Zulage für solche Aufwendungen in Berlin erhält, wie es auch in Brüssel bei mir der Fall gewesen i st." Ich habe dann auch einen Auszug aus der Antwort des Herrn Eccius gemacht. Der Zeuge verliest dann einzelne Stellen aus dem Briefe, der mit den Worten beginnt:„Lieber Herr von Metzen!" Es wird in dem Schreiben dargelegt, daß Brandt evenll. nach Essen kommen müsse, um einen neuen Vertrag zn machen.— Vors. (unterbrechend); Herr Eccius, wissen Sie von dieser Korrespondenz etwas?— Angekl. Eccius: Ich habe die Korrespondenz durchgesehen und einen derartigen Brief nicht ge- funden, es ist aber möglich, daß er unter den vielen Briefen sich auch befinde!.— Zeuge: Das Original habe ich selbstverständlich zu Hause.— Oberstaa tsanwalt: Ich bin dafür, daß wir diese Verhandlung abbrechen, bis die Briefe zur Stelle sind. Diese Briefe mußten den A n g e- klagten in der Voruntersuchung vorgelegt werden, damit sie sich dazu äußern konnten und darüber Ermittelungen an- gestellt werden konnten. Ich habe bei Beginn der Verhandlung ge- sagt, ich würde ein scharfes Auge aus die Aussage des Zeugen v. Metzen haben. Man hat mir daraus den Vorwurf der Unfreund- lichkeit und des Mißtrauens gegen diesen Zeugen gemacht. Ich betone nun, daß die Vorenthaltung dieses Schrift- Wechsels in der Voruntersuchung ein schwerer Schaden für den Gang der Verhandlungen und für die Gerechtigkeit ist. Dieser Vorwurf trifft Herrn v. Metzen, der die Originale der Briefe dem Gerichte vorenthalten hat.. Heute werden wir gewissermaßen da- mit hier überfallen. Die Angeklagten werden mit diesem neuen Material überfallen� da sie sich nicht gleich dazu äußern können, und auch die Anklage- behörde. Daher muß ich den größten Wert darauf legen, daß die Originale zunächst herbeigeschafft werden.— Vors.: Es ist richtig, daß Sie in der Voruntersuchung nichts von diesen Briefen gesagt haben. Es ist das etwas ganz Neues.— Zeuge: Es sind 30 Briefe, die ich in einem Aktenbündel habe und die stets bei mir zu Hause sind.— Vors.: Es ist aber bei der Haussuchung, die seinerzeit bei Ihnen abgehalten wurde, nichts vorgesunden worden. — Zeuge: Das war ein bloßer Zufall. Damals hatte ich nichts im Hause.— Oberstaatsanwalt: Damals, das will ich an- erkennen, war der Zeuge Beschuldigter, aber wenn er der Wahrheit dienen wollte, so blieb ihm doch nichts übrig, als diese Briefe heraus- zugeben.— Zeuge: Herr Präsident, daS Vorhandensein dieser Korrespondenz mußte bekannt sein. — Vors.: Wem sollte das bekannt sein?— Zeuge: Der Untersuchungsrichter Landrichter Wetzet muhte es wissen.— Oberstaats- anjvalt: Der Zeuge hat in der Presse vorher erklärt, daß der lucken- lose Beweis hier in der Hauptverhandiung von ihm geführt werden würde. Er hat durchblicken lassen, daß er Korrespondenzen hinter sich hat, aber er hat sie dem Gericht wissentlich und willentlich vor- enthalten. Herr v. Metzen hat vor der Hauptverhandlung in den Zeitungen verschiedene Artikel erscheinen lassen. In verschiedenen Zeitungsartikeln ist Herr v. Metzen als der Hauptbelastungszeugc hingestellt worden. In einer Zeitung fand ich sogar den� Satz: „Die Staatsanwaltschaft steht doch sonst mit den Hauptbelastungs- zeugen aus Du und Du, wie ko in mt es, daß sie de m Hauptbelastungszeugcn v. Metze» Mißtrauen entgegenbringt?" Ganz abgesehen von dieser geschmacklosen Bemerkung, möchte ich aussprechen, daß ich einem Zeugen Mißtrauen entgegenbringe, der mir das Belastungsmaterial wissentlich und willentlich vorent. hält. Heute legt Herr v. Metzen das Material aus den Tisch des Hauses und die Folge wird sein, daß wir zunächst die Verhandlung unterbrechen.— Verteidiger Dr. v. Gordon(zum Zeugen): Wo haben Sie sonst noch Material und Kornwalzcr verwahrt; es liegt mir daran, daß auch die etwaigen Helfershelfer des Zeugen gefunden werden?— Zeuge: Muß ich darauf antworten?— Vors.: Jawohl! — Zeuge: Die Kornwalzer halle ich an Gerichtsstelle gegeben. Der Briefwechsel war zeitweise im Besitz meines Anwalts. Ich war außerordentlich überrascht, als Geheimrat Hilgenberg in Essen mi:- geteilt habe, daß ich in Italien etwas getan habe, was man als Verbrechen stempeln müsse. Ich bin bei meiner Entlassung tat- sächlich als Verbrecher behandelt worden und konnte nicht schlimmer behandelt werden, wenn ich mit der Kasse durchgegangen wäre oder einen Diebstahl begangen hätte. Ich wollte aber bei meinem Pro- zetz mit der Firma beweisen, daß ich in Italien nicht so schlimmes gemacht habe, was ich während der zehn Jahre bei der Firma Krupp gesehen habe, war zehn-, ja vielleicht hundertmal schlimmer, als das, was ich in Italien gemacht haben sollte. Ich habe die�An- ficht vertreten, daß ich in Italien nichts Strafbares getan hccke, nicht einmal etwas Unfaires.— Vors.: Wir wollen jetzt auf'diese Einzelheiten hier nicht eingehen.— Zeuge: Ich komme damit zu der Erklärung, welche Wichtigkeit für mich die Korrespondenz hat, damit ich den lückenlosen Bcnwis führen konnte, daß die Herrcu vom Direktorium, wenn auch nicht das Gesamtdirektorium, aber viele Direktoren wissen mußten, wie die Sache mit den vertraulichen Berichten zn- sammen hängt. Mein Rechtsanwalt in Essen stand auf dem Standpunkt, daß dieses Material außerordentlich wichtig für den Zivilprozcß sei. Deshalb befand sich die Korrespondenz, al» die Haussuchung bei mir stattfand— aber nicht die Kornwalzer, son- dern die Briefe— zufällig bei meinem Vertreter in Essen, Dr. Wallach II.— Oberstaatsanwalt: Zufällig?— Zeuge: Ja, denn gerade damals waren sie dort. Sie waren nur ganz kurze Zeit in Essen, denn als Landrichter Wetze! nach Essen kam, war das Ma- terial schon weg. Es befand sich dann bei meinem Vater. Natür- lich habe ich mich auch an diesen gewendet, denn er ist Jurist und da mutzte ich Wert darauf legen, seine Meinung zu hören über den Wert des Materials. Ich würde mich ja gehütet haben, in diesem Prozesse mit etwas herauszukommen, bei dem nicht der Beweis sicher war. Ich hätte dann � in ein Wespennest gestochen. — Verteidiger Dr. v. Gordon: Sie hatten dem Untersuchungsrichter zwar gesagt, daß die Papiere bei Ihrem Anwalt in Essen seien, und dieser hat auch einige Briefe herausgegeben, Sie hätten ihm aber sagen müssen, daß die Hauptpaviere weg waren.— Zeuge: Es ist doch klar, daß er nur das herausgeben konnte, tooi er hatte. — Oberstaatsanwalt Dr. ChrzescinSki beantragt darauf, daß«in Beamter mit dem Zeugen in dessen W oh» uug fahre, um das Material zu beschaffen.— Justizrat Dr. v. Gorbon hebt hervor, daß diese neuen Dinge«S für die Verteidigung notwendig machen könnten, mit ihren Mandanten Rück- spräche zu nehmen, daß sie nunmehr ganz ueueZ Beweismaterial herbeizuschaffen haben wurden.— Der Oberstaatsanwalt erklärt gleichfalls von neuem, daß die Voruntersuchung doch nur einen Sinn habe, wenn es alle» Beteiligt en möglich gemacht sei, sich iu der Voruntersuchung zu dem Für und Wider zu äußern. Man müsse daher zunächst Einblick in dieses vielleicht wichtige, vielleicht aber auch bedeutungslose Material erhalten.— Verteidiger Reckst&mwalt Löwenstein findet es merkwürdig, daß der Zeu« hier Auszüge und nicht das Material selbst vorlege.— Zeuge v. Metze«: Ich habe mir Auszüge aus den Korrespondenzen gemacht» um mein Ge- dächtnis aufzufrischen.— Verteidiger Löwen stein: DaS hätten Sie aber doch viel besser bewirken können, wenn Sie daö Material selbst zur Stelle hätten.— Zeuge: Das ist nicht der Fall, die Auszüge gaben mir einen viel klareren Ueberblick, als die oft seitenlangen Briefe.— Verteidiger Löwensteinc Der Zeuge hat vorhin folgenden Satz verlesen:»Auch ist mit Herrn Brandt so- gleich die Angelegenheit der Koruwalzer zur Sprache gekommen, da er mir sofort eine Liquidation vorlegen wollte." Ich frage den Zeugen, ob das wirklich ein Satz aus dem Briefe des Herr» Eccius ist oder nur eine Inhaltsangabe.—- Zeuge: Ich stehe für jedes Wort in den Auszüge», abgesehen vielleicht von Tippfehlern.— Oberstaatsanwalt: Wir müssen die Korrespondenzen hier zur Stelle haben, ehe wir weiter verhandeln. Da»nS Herr v. Metzen diese wissentlich und willentlich aorenkhalte« hat, so beantrage ich die Beschlagnahme. Diese Beschlagnahme ist nur eine bedingte, da f!« nicht i« Kraft tritt, sofern die zu beschlagnahmenden Gegenstände freiwillig von dem Zeugen dem Gericht zur Verfügung gestellt werde». Ich will jedoch gegen jede Möglichkeit gesichert im und beantrage daher, da ich mit der Möglichkeit rechne, daß Herr d. Metzen an» denselben Gründen auch weitere Korrespondenzen vorenthalten könnte, daß die Beschlagnahme vom Gericht beschlossen wird. Ich hall««S für das richtigste, daß ein Mitglied des Richterkolleammß sich der Aufgabe unterzieht, Herrn v. Metzen in dessen Wohnung zu begleiten. Ob eine Unterbrechung der Verhandlung notwendig sei» wird, können wir erst entscheiden, sobald das Material»»S hier vorliegt. — Verteidiger Justizrat Dr. v. Gordon: Ich frage den Zeugen unter seinem Eid: Haben Sie noch weiteres Material au« dieser Korr?- spondenz?— Zeuge: Nein, das ist das gesamte Material.— Oberstaatsanwalt: Es fehlt aber immer noch eine Anzahl Karnwalzer. d. h. Abschriften von Kornwalzern. Es besteht die Vermutung, daß diese sich in Ihrem Besitz befinde». Es find 71 Abschriften gemacht worden, davon sind 16 in die Hände deS Herr» Liebknecht gelangt: ein Teil ist von Ihnen dem Gericht übergebe» worden, jedoch 41 fehlen noch. Ich stelle daher ausdrücklich an Sie die Frage, ob Sie diese 41 Abschriften von Kornwalzern in Ihrem Besitz haben?— Zeuge: Nein.— Oberstaatsanwalt: Wissen Sie auch nicht, wo sie sind?— Zeuge: Auch das nicht.— Oberstaatsanwalt: Haben Sie diese 41 Kornwalzer auch niemals be» sesscn?— Zeuge: Nein, auch niemals besessen. — Oberstaatsanwalt: Werden Sie das beschwören können?— Zeuge: Ja.— Oberstaatsanwalt: Ich betone, daß die Per» mutunggegea Siespricht.— Zeuge: Ich werde noch ei»-, gehend darlegen, daß diese Vermutung unberechtigt ist.— Ein Beisitzer: Haben Sie sich von Ihren Korresponoenzen auch Kopien gemacht?— Zeuge: Ich habe von allen Abschriften mehrere Durchschläge.— Ein Beisitzer: Wo befinden sich diese Durchschläge und wo die Originale der Korrespondenzen?— Zeuge: Sie be- finden sich sämtlich in meiner Wohnung. Ich bin bereit, sie auch ohne Beschlagnahme herauszugeben.— Auf weiteres Befragen gibt der Zeuge an, daß die Durchschläge der Auszüge in einem Kuvert auf seinem Schreibtisch liegen, daß er dagegen die Originale des Briefwechsels mit Herrn Eccius im Sofa versteckt hat.— Recht s- nnwalt Löwen stein beantragt, ungeachtet der Erklärung des Zeugen, das Material freiwillig herausgeben zu wollen, den Antrag auf Beschlagnahme aufrecht zu erhalten.— Zeuge: Ich möchte doch betonen, daß der Fall jetzt etwas anders für mich liegt, als zur Zeit, wo ich vmn Untersuchungsrichter Wetzet ver- nommen wurde. Ich hatte damals überhaupt keine Veranlassung, die Sachen herauszugeben. Heute aber stehe ich unter dem Eid, und in dieser Eigenschaft m u ß ich die Sachen doch herausgeben.— Verteidiger Löwenstein: Stehen Sie denn nicht schon seit einer Reihe von Monaten außer Anklage, und haben Sie denn nicht seit dieser Zeit eine Reihe von Eingaben an das Gericht geschrieben, und waren Sie denn nicht in der Lage, die Sachen herauszugeben, insbesondere, da Ihnen doch die Lage der Sache bekannt war?— Zeuge: Nein, das konnte ich nicht.— Der Borsitzende erklärt dem Rechtsanwalt Löwenstein, daß die letzte Frage über- Haupt nicht mehr zur Sache gehört habe.— Verteidiger Löwenstein: Es ist aber doch eine sonderbare Ausrede des Zeugen. Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück, und nach etwa Lll Minuten verkündet der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Karsten folgenden Beschlutz: In der Strafsache gegen Brandt und EcciuS wird eine Durchsuchung der Wohnung des Zeugen v. Mchen in Schlachtensee bei Berlin nach dem besagten dort oe- findlichen Briefwechsel zwischen v. Metzen und der Firma Krupp oder einem ihrer Direktoren oder Vertreter, seien es Originale oder Abschriften, angeordnet und gleichzeitig die Beschlagnahme alles dieses Materials ausgesprochen. Die Durchsuchung hat unter der Leitung des Landgerichtsrats Radier durch Beamte der Berliner Kriminalpolizei zu geschehen. Darauf wird die Sitzung bis 2 Uhr nachmittags unterbrochen. Die Wiedereröffnung der Sitzung zog fich bis nach 3 Uhr hin. Vor dem Gerichtsgebäude hatte sich eine große Anzahl Neugieriger angesammelt, die in den Zuhörer- räum gelangen wollten. Auch vor dem Gerichtssaal hatten sich aus die Nachricht von den sensationellen Vorgängen der Vormittags- sitzung hin noch zahlreiche Personen ohne Einlaßkarten einge- fundkn. Es wurde aber bei Eröffnung der Saaltüren eine außer- ordentlich strenge Kontrolle geübt und nur die Besitzer von Karten fanden Einlaß.— Bei Eröffnung der Sitzung legte der Gerichts- diener ein großes, in Papier gehülltes Paket vor den Vorsitzenden auf den Gerichtstisch nieder. Es find das die inzwischen in der Wohnung des Herrn v. Metzen beschlagnahmten Papiere.— Vors.: Herr Zeuge v. Metzen treten Sie wieder vor. Das Gericht hat eine Durchsuchung Ihrer Wohnung und eine Beschlagnahme aller Pa- piere des Schriftwechsels zwischen Ihnen und der Firma Krupp oder ihren Direktoren, oder Vertretern beschlossen. Das ist in- zwischen geschehen. Sie haben einen großen Teil der Briefe ftei- willig herausgegeben und Landgerichtsrat Nadler hat außerdem auch noch einige Briefe gefunden, von denen er annahm, daß sie vielleicht in Frage kommen könnten.. Sie haben erklärt, daß dieses große Paket hier schon früher dem Gericht vorgelegen habe, Ihnen aber als unerheblich zurückgegeben worden sei. Wir wollen zunächst historisch feststellen, woraus dieses Material besteht und es dann verlesen. Ich ersuche Sie, mich hierbei zu unterstützen, wenn ich die historische Reihenfolge nicht ganz einhalte. Der Bor- sitzende teilt dann mit, daß sich unter der Korrespondenz ein s r a n- zösischer Brief befindet und fragt zunächst den Gerichts- schreiber, ob er genug französisch könne. Der Gerichtsschreiber ver» neint mit Heiterkeit. Auch von den als Sachverständige anwesenden Offiziereu des Kriegsministeriums hat keiner das Dolmelscher- examen abgelegt. Es meldet sich jedoch der bereits gestern als Zeuge vernommene frühere Direktor der Firma Krupp, Mouths, der das Dolmetscherexamen abgelegt hat, worauf auch dep Zeuge v. Metzen erklärt, das Dolmetscherexamen gemacht zu hahen. Diese beiden Herren können jedoch als Dolmetscher wegen ihrer Zeugen- schaft nicht in Betracht kommen. Das Gericht beschließt hierauf. den Gerichtsdolmetscher. Rechtsanwalt Jllich, schleunigst herbeizu- bitten.— Vors.: Da ist also zunächst der Brief vom 23. Oktober lgyg, über den wir vormittags gesprochen haben. ES ist ein Brief deS Herrn v. Metzen an Herrn Eccius. Er lautet...— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Löwenstein unterbricht den Vor- sitzenden mit folgenden Worten: Ich stelle als Verteidiger des Brandt hiermit den Antrag, die Vernehmung des Zeugen v. Metzen und die Verlesung irgendeiner der beischlagnahmten Urkunden so lange auszusetzen, bis der Verteidigung Gelegenheit gegeben ist, sich wenigsten» in großen Zügen über das beschlagnahmte Material zu orientieren und Stellung zu nehmen, ob und in welchem Umfange dieses Ma- terial zur Verlesung gelangen soll. Zur Begründung dieses An- trage? verweise ich auf die Ausführungen des Oberstaatsanwalts gegenüber der plötzlichen Vorbringung dieser Urkunden in der Heu- tigen BormittagSsitzmtg. Der Herr Oberstaatsanwalt hat meines Erachtsns durchaus das Recht, dieses jähe Vorbringen der Urkunden als einen Ueberfall des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung zu bezeichnen. Ich stehe auf dem gleichen Standpunkt, daß es ein Ncberfall, ein geplanter Nebcrfoll war und bin der Meinung, daß, wenn keine gesetzliche Notwendigkeit besteht, ein solcher Ueberfall nicht unterstützt werden soll.— Vors.: Als ein Ueberfall können di» Bekundungen des Zeugen v. Metzen meines Erachten? nicht bezeichnet werden. Der Zeuge ist doch bis vor einem Monat angeklagt gewesen und damals war er doch noch nicht verpflichtet, das Material vorzulegen, wenn er nicht wollte. Seit- dem hat sich das geändert. Er ist außer Verfolgung gesetzt worden, ist aber als Zeuge nirgends mehr vorgeladen tvorden. Und heute ist das hier die erste Gelegenheit für ihn, wieder aufzutreten.— Verteidiger Dr. Löwenstei»: Ich habe nUr das aufgenommen, was der Herr Oberstaatsanwalt erklärt hat. Sie, Herr Vorsitzender, haben Ihre Ansicht noch nicht bekanntgegeben. Wein, ich annehmen müßte, daß sie gegenteiliger Art sei, so müßte ich erklären, daß ich sie nicht teile, denn Herr v. Metzen hat bereits seit Wochen oder Monaten den Beschluß in der Hand, daß die Boruntersuchung gegen ihn eingestellt ist. Er weih, daß er dieses urkundliche Ma- terial in der Hand hat. Er hat in Zuschriften an Zeitungen publi- ziert, daß dieses urkundliche Material für die weitere Behandlung der Sache von großer Bedeutung ist, und er ist kein Kind, daß er nicht wissen sollte, daß er in der Lage war, dieses Urkundcnmaterial so rechtzeitig zu den Akten zu geben, daß es in normaler Weise dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung zur Ein- sichtnahme vorliegen kann, bevor es zum Gegenstand der Berhand- lung gemacht Wersen kann. Zur rechtlichen Seite dieser Angelegen- heit möchte ich bemerken: um jeder Mißdeutung vorzubeugen, er- kläre ich, es könnten diese Urkunden ein erhebliches Belastungs- Material gegen den Angeklagten Brandt enthalten, von dem ich vielleicht wünschen könnte, es dem Gericht oder der Oeffentlichkeit vorzuenthalten. Ein derartiger Gesichtspunkt kann mich bei meinen Ausführungen nicht leiten, da ich ja dazu, auch wenn ich die Ur- künden vorher gelesen habe» würde, nicht in der Lage sein würde. Meine dahinzielenven Ausführungen sind vielleicht gar nicht im Sinne des Klienten selbst, dem daran liegt, die Verhandlungen so bald Wie möglich zu Ende zu führen, aber derartige Wünsche können nicht die Richtschnur für die Verteidigung sein, wenn es sich um eine große bedeutungsvolle Frage handelt, von deren Entscheidung nicht nur das Ergebnis deS Prozesses abhängig sein kann, sondern vi- anS darüber hinaus in das ganze Rechtsleben als solches ein- eiit Der � 148 der St.-P.-O. gibt der Verteidigung das Recht, lack Schluß'der Voruntersuchung Kenntnis von dem gesamten yiki-nmaterial zu nehmen, und ich behaupte, daß diese Bestimmung �s Gesetzes ausschließlich dem Zweck dienen soll, der Verteidigung die Möglichkeit zu geben, in bezug aufallesbelastende und entlastende Material, das die Akten enthalten, sich vor- zubereiten, um demnächst, wo es in der Hauptverhandlung gebraucht werden soll, durch ihre Anträge Stellung dazu zu nehmen, möglicherweise auch durch neue Anträge zu dem Aktenmaterial, durch Anträge, ob und wieweit von dem Aktenmaterial Gebrauch gemacht werden soll. Das liegt auf der Hand und ich brauche Ihnen auch nicht darzulegen, daß es eine die Revision begründende unzulässige Beschränkung der Verteidigung darstellen würde, wenn die Akten der Verteidigung vorenthalten würden, bevor sie in die Hauptverhandlung hereinkommen. Es ist heute der ganz außerordentliche und nicht alltägliche Fall ein- getreten, daß mitten in der Hauptverharchlung die Akten einen Zuwachs erhalten haben, über dessen Bedeutung im ganzen Saale. vielleicht mit der einzigen Ausnahme des Herrn v. Metzen, keiner sich irgend ein klares Bild machen kann, weil er eben nicht weiß, was in. diesem Aktenmnterial enthalten ist. Ich als Verteidiger des Brandt lege Wert darauf, mich im großen und ganzen wenig- stens darüber zu informieren. Ich kann, wenn jetzt ein Brief, über dessen Inhalt ich noch gar nichts weiß, zur Verlesung gelangt, aus dem Zusammenhang herausgerissen, unmöglich wissen, und mir ein Bild machen, ob und wie weit dieser Brief belastend oder entlastend ist. Das ist aber nötig, wenn ich die entsprechenden Verteidigungsmaßnahmen zu einem solchen Brief treffen soll, Weiter steht das Gesetz auf dem Standpunkt, daß in der Haupt- Verhandlung die Urkunden nur so weit zu verlesen sind, wie sie für die gegenwärtige Untersuchung als Beweismittel erscheinen, und daß Urkunden, die nicht zur Sache gehören, auch nicht in die Haupt- Verhandlung hineingehören. ES handelt sich hier nicht um Urkunden, die Brandt geschrieben und die er empfangen hat, sondern um Dinge, die außerhalb dieses unmittelbaren Wissens des Brandt liegen. Es entsteht eine naheliegende Möglichkeit, mit Rücksicht auf die langjährigen Beziehungen, teilweise familiärer Natur, die zwischen Brandt und v. Metzen bestanden habenckeg4.-0it Herm.Prager.Gr.Frankfurterst.S Richard Raaich, Weichsolatr. 64 Rekordbrotbüdierel Sobulsendorf.rat.3S, C.Relsch, Bieter., Honaisstr.II.Htölb. AlfredRost, Reichenbergerat. 185 Osw. Rauhut, Gürtelstr. 27 Gust. Rautenberg, Metzeratr. XI Kurt Reinecke, Franzstr. 13 P ReinhoIx,TreptowKiofholzstl7 RicbardRieger,IritUt.l5,Sf«rr«l.23 OttoReetwiscb, SimonDachstr.l. Qrotcrjan Malzbier, Printm-lLllee 79/80. Mb. 6768 Bad Frle dridt sh a In, f.aidsOHee 1 53 Bad Hufeland, Hufeiandsir. 45. Kalscr-FriedrIchs-Bad,Cb>rl.i.Bk. l indecnael Utile», Ir. 109 8«»l,»e!l« LillUlllliluu Frledrieliit 8. lief, a.lüis. National-Bad, Prunnenstr. 9. Bad Ostend I original Lobtannln-BaJ I Wallstr, 70/71 früh. Müusel | Krankenk_ Kuttbuser� Damm 79,1 Refomi'Bad, Wiener Str. 65. Refomi-BndVveiBenace, LebdeiaUO* Passage- Lad WiMWMM. Siiosäa"s" Büinmiwapsn R. Bauke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köponickerstr. 70. A. E. Lange, Urunneußtr. 166 Liepe, Schöneberg, Granau&Idiir.30. MeverfP.,Sklbu,Borllner8tp.49— 50 II. Neusdi, Breitest. 24, Spandau. J. Ch. Pollmann, Lolbrintjcrstr. 60. M. Spranger� ReiniQkend. Str. 11. B ücHer- v. Sonditoreien A.Albat,Marktst.l2.13,BsiDickeaiIorl A brecht, B., Frucbtatr. 29. Landbrotbäcker. Herrn. Aibrecfat P. Andersdi, Zlonskirchatr. 17. R. Anderson, Thüringeratr. 32 Aamus, Wilh., Udckeriüüaiiorstr. 11. K. Aust, Dronthoiraer Str. 40, V/ilh. Bagge, Wiolefstr. 55/6. Willy BÄr, Ötroinstr. 48. Paul Berger, Mirbachatr. 29 Josef Brefka, Kirchhofstr. 46/47 rWaßmanngiraße 32 Gr. Frankfurteratr. 52 feeyer, Thorheratr. C. il.We!. Obii�ffaSe 33. Otto Billepp, Kmianiu-Allit 21 o. 63 Alw. Brümer, Romintenerstr. 40 Brotfabrik Helncrsdorfer Mflble P. Rockenkamp, Ciiinphausenst.6 Paul Bochnlg l'aikoir.GörsoUstr. 1 1 Rudolf BrechUn,Ockcrst. 8 Kkll«. F. Breitkopf, Exenierstr. 19a. Hermann BuB, Grönauerätr. 12. Ewald Bucblor, Wesorstr. 47. Ernst Butler, ßrüsselerstr. 43. Gust. Bfihm, Gnbencrstr. 26 O. Büchner, Nordhausenerstr. 89 Alb. Bachwitz, Kamcruneretr. 16. Paul Delly, Uarkusstrafle 15. Albert Denkewltj, Jifclonakiitr. 14 Doliwa, Ferdinand Torellstr. 4 Otto Donath, stolniscbostr. 22. H. Donner, Scbfinfließeratr. 2 Rud. Dun eher, Pankow, HüIiltisL7t W. Ernst, Pucklers tr. 42. Franz Faulwetter, Mantejlcl»tr.67. Carl Feist, rviedcnstc. 101. Frledr.Flemraing.BoHifoarntr.l?. Paul Freitag, Stuttgartersir. 13. E. Freyor, Bluaicastr. 73. E. Uarlasitr. R.Friedrich, Marienburpecstr. 38. HelnricbFrliter.l'takow.Florast 50 F. George, WlllialiiukaYMorilr. 23. B. Glerszewskl, Waldonsorstr.9. Fritz Clauner, Chansseestr. 80. Oumnior, R. Fosonerstr. 16. Wilh. üodt, Emdonerstr. 69. B. Gonslor, Treptow, Grützstr. 65. OroBe-RliodeKciniekendorferst.99 Oroß-Bllckerei„Uerollna" i. West. Pau'Grisard, Pankow, Flcraatr.lO. Paul Gärtner, Treskowatr. 44 A.Günther, Gr. Fraukfurterst. 76 R Uut«,V«rtr.W.Hrlne kiriecktrjtrsl.? KarlP.o!ßeDreicb,llünehoncrst.44 FranzI!e>l!nann,SchBl»Dilurf.rat.U Karl Hannig, Stuinmetzstr. 74 Gu8t.Ueintschel,l!av(lbar6. O. Henning, Sclnnidtatr. Sa. Job. Hildebrandt, Rykestr. 32 Paul Hoppe, Ilonusdorferstr. 8 Hoppe'5Xarhf.Kra;carek,Ailalberlst.60 P.Hiisgen, Uttlunk-gB.l'.clilHrtütrit L. Ihle, Garicbtsstr. 53. Max Jacob. Pllfigcrstr. 70-1. F. Rizleben, Samariterstr. 11 Faul Riebenstaal, f ettenkoftrstr. 18 Willy Rohde, Zeilostr. 11 Hubert Räsnor, Trittstr. 4 F.Sandmann, Trept»»,Grätz8tr.25. Wilhelm Sanier, Oidoaarliratr. 36. R. Schade,!* aligs-St.O Fil. O u.NO Emil Schaller, Schreinerstr. 52. P. Schln&uer, Anklameratr, 15. Carl Schleich, O., Wühlisohst. 3 Wilhelm Schmidt, Emseratr. 103 Wilh Schmidt, Eiebenwalderat. 10 Paul Schmoll, Amstordamerstr.S. Gustav Schüf isch, Dolzigeretr. 81 Paul Schön, Kopenhagenerstr. 74. EberhardSch5nwlese,ril46rll««tr.5 Paul Schröder, UDimtridarftnlr. 87 E. Schön, Kniproderatr, 8 W. Schönwiese, Rcmlntcnorst. 54 Carl Schulz, Neukölln, llsestr.26 Paul Schulz, Xinfelandatr. 2 Paul Schonert, Stolpischestr. 85, Adolf Schulz, Florastr. 78 Pank, Paul Schürer, Tilsiteratr. 12. Reinh.Sdiurwanz.Kistziuti-AlleefS Karl Schwarz, Tbaeratr. 31 P. Sdiwarzbedc, Wiolefstr. 27. Bruno Schwarz, Andreasplatx 3. Kriul5ch*ari,W«i6ea>M,Uogbo9«ilU8 Scfawencke, Harm. Rykestr. 28 E. Seeländer, l.enaustr. 7. Ernst Seifert, Routcrstr. 75 Robert Seil, Mainzerstr. 15 Reinhold Sperling, Jahnslr. 19. E.SBletlstößcr.Charrottb�Kantst.SS Otto Stloler, Warschauerstr. 60. P. Sygusch, Scbönh. Allee 150 Georg Tank. Cbriitburgerstr. 30 Carl Tüniges, Wildonowstr. 17 Ca»-! Tenner t. Pehlcsisohestr. 19. E.TeSäHicr,!lesiiI''iiii(.125,Sei«lckead. Emil Thomas, Volgtstr. 17 Johann Treffer, AUeestr. 48 Tiii-hon Fialen iu allen I UrOall Stadtteilen. F. Tzachetzscb, Wrangolst 45 mm C.Habels Brauerei hell— Habelbrln— dunkel. Unser Goldbiei« ist nicht nur ein Erfrlschongsgctrink, sondern auch ein Geinndheltsbler ersten Ranges. Berliner ÜPlons-BranerelJeriln 8. SSOEHBBBBSeaaBKaBBMBBB Löwen-Branerei vorzügliche Faß- nnd Flaschea-Blere. MOnchensr Brauhaus Berlin und Oranienbun f dieQuaütitlstheruorragsnd MiiizM'Wl-MZ.kM. HssMcr, C. B rodalrik j8Ä!a«rr Zu fordern in allen Geschäften gaürüen »■jbmiii u. sellorwsren H.WnllhBUser,Teg.,B3hnhof8t.l5 olldersiTriiiiig., BiajOTl H. Bolahnn A Co.. 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