Kr. 385. flbonnementS'Redinaungtn: NIonncmcnts< Preis pränumerando! Vierleljäbr!. S.20 MI, monall. l.lv Mk., wöchcnUich 28 Pfg. frei ins Saus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag?« nmnmer mit illufirierler Tonniags- Beilage»Die Neue Weif 10 Pfg. Post- Kbonnement: 1,10 Marl pro Monat eingetragen in die Post.Zeitung'« Preisliste. Unter Kreuzband für Teutlchland und Oesterreich» Ungarn 2,ö0 Marl, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat Postabonnemenis nehmen ant Belgien, Dänemarf, Öolland, Ittlien, Luxemburg, Portugal, ittnänien, Schweden und die Schweiz. R 30« Jahrg. vis Meilisiiz- Gebühr Beilägt für die sechsgelpcutene Kolonel- zelle oder dereti Nattm V0 Pfg., für politische und gewerlfchattliche Bereitts- und Versnmttiltmgs-Attzeigett 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig. szulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Etelletigesuche uttd Schlafstellenalt. zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes wettere Wort ö Pfg, Worte über 13 Buch« 'iaben zählen für zwei Worte, Jttserttle ür die nächsie Nummer münen bis !!,- t Uhr uachtttiiiags in der Expediiion abgegeben werden. Die Exdedilion ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, crlchelnt lsglich. Vevlinev VolktSblakk. Zentralorgan der rozialdemokratifchcn parte» Deutfchlande. lrelegramm-Adrefset „SwialdtinoHrat Btrlin"« Redaktion: 8Äl. 68, Liudcnatraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplast, Nr. 1383. Donnerstag, den 30. Oktober 1913. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasee 69» Fernsprecher: Amt Moripplats, Nr. 1384. IMpatriar(i)en und Bankflslaven. Während bei den technischen Angestellten der gewerkschaft- liche Gedanke� wenn auch in der verwässerten Form, daß die Organisationen selbständig neben denen der Arbeiter onfzu- bauen seien, in den letzten Jahren verhältnismäßig stark an Boden gewonnen hat, dringt er nur mit Mühe und sehr all- mählich in die Köpfe der Angestellten im Handelsgewerbc ein. Zwar macht der Zentralverband der Handlungsgehilfen er sreuliche Fortschritte, aber nicht ganz 25 000 Organisierte be deuten doch noch recht wenig gegenüber den verschiedenen Hnnderttausend, die den'mannigfaltigen Harmonieverbänden angehören, und an dem unerfreulichen Bilde wird auch da durch nichts Wesentliches geändert, daß da noch ein in der Theorie radikaler Verein der deutschen Kaufleute existiert oder besser gesagt stagniert, und daß sich im vergangenen Jahre von dem Deutschen Bankbeamtenvcrein der Allgemeine Verband Teutscher Bankbeamten losgelöst hat. der mit seinen paar tausend Gefolgleuten— leider ebenfalls unter Ablehnung des organisatorisclien Zusaminengehens mit der Arbeiterschaft— wie man anerkennen muß, recht wacker den Versuch macht, ge wcrkschaftlich zu arbeiten. Es ist kein Zufall, daß die Techniker in der Industrie weiter blicken als die Handlungsgehilfen. Sie haben die ge� waltige Zusamnienballuiig des Kapitals unniittelbar vor Augen, und die fortschreitende Syndizierung und Vertrustung raubt ihnen recht bald die Illusion, als könnten sie es zur wirtschaftlichen Selbständigkeit bringen. Sic erkennen, daß sie Zeit ihres Lebens Arbeitnehmer bleiben, daß sie infolge dessen sich zur Verbesserung ihrer Lage, zur Sicherung gewisser Persönlichkeitsrechte derselben Mittel bedienen müssen, die die Arbeiter im engereu Sinne, mit denen sie in ihrep Werken sortgesetzt auch in persönliche Berührung kommen, erfolgreich anwenden. Tie Handlungsgehilfen halten länger an der Hoffnung fest, sich eiiimal selbständig machen zu können. Schließlich gibt es ja auch im Handel in dieser Beziehung immerhin noch etwas mehr Möglichkeiten als in der Industrie. Zwar sind auch sie nur zu einem ganz geringen Prozentsatz dem Mittellosen er reichbar, aber jeder denkt, daß ja auch ihn einmal das große Los treffen könne, und wenn dieser Trauin ausgeträuint ist, spekuliert er wenigstens noch auf die Scheinselbständigkeit des Agenten. So wird die Masse noch immer eine Beute jener Verbände der Harmlosen und läßt sich von ihnen von dem Weg der Gewerkschaften ablocken und mit niittelständlerisck)en Phrasen füttern. Speziell die Bankbeamten könnten klüger sein. Sic stehen ganz ähnlich wie die Jndustrieangestellten in der Konzcntrationsbewcgung mitten drin. Auch für den Kapital kräftigeren sind die Aussichten minimal, denn der Privat bankier verschwindet inehr und mehr von der Bildfläche, und die leitenden Stellen in den Großbanken lvinken doch auch nur denjenigen, die den Papst oder wenigstens einige Kardinäle zu Vellern haben. Wenn die Bankbeamten trotzdem nur m so geringer Zahl zur Gewerkschaft stoßen und sich bestenfalls in dem schmiegsamen und devoten Bankbeamtenverein des Herrn Fürstenberg zusammenschließen, so hat das in der Hauptsache seinen Grund darin, daß sie im allgemeinen einem etwas höheren sozialen Milieu entstammen und deshalb den Zuflüsterungen, sie seien so etwas wie eine Elite, sie dürften sich nicht auf das Piveau der Arbeiter hinabdrücken lassen, sie seien Vertrauensleute der Chefs usw., besonders zugänglich sind. Und doch sprechen auch zu ihnen die wirtschaftlichen Tat- fachen eine so deutliche Sprache. Ihre Gehälter sind mäßig und reichen in den teuren Zeiten keineswegs aus, uni die Kulturansprüche zu befriedigen, zu denen sie gerade nach ihrer Herkunst berechtigt zu sein glauben. Sie sind im großen Um- fange genötigt, Vorschüsse zu nehmen und von Wohlfahrtsein- richtungen der Arbeitgeber Gebrauch zu machen. Aber mebf als das: ihre Persönlichkeitsrechte werden noch weniger respek- tiert als die der Arbeiter. Ein Schritt, der das Mißfallen des Unternehmers erregt, ein Versuch, die eigenen Interessen gegen die des Kapitals wahrnehmen, und der Bankbeamte fliegt auf die Straße mit der Aussicht, in einer anderen Bant nur schwer wieder ein Unterkommen zn finden. Ein besonders krasser Fall dieser Art hat sich, wie unsere Leser wissen, jetzt wieder in Berlin ereignet. Angestellte der Deutschen Bank veranstalten eine Betriebsvcrsamm- liing, in der sie über ihre wirtschaftliche Lage sprechen. Kein Außenstehender ist zllgegen. Nach einer kurzen, sehr sachlichen und ruhigen Auseinandersetzung wird eine Resolution ange- nommen, in der die„verehrliche Direktion" gebeten wird,„vie man es macheu inuß. Das Bankkapital sieht im großen und ganzen seine Ver tretung im Liberalismus, und die Deutsche Bank ist mit den Liberalen bekanntlich besonders nahe verwandt. Tie Liberalen aber deklamieren von persönlicher Freiheit der Arbeitnehmer und bemühen sich ganz besonders um die Angestellten. Es ist nicht das erste Mal, daß durch die Praxis derer, die zu ihnen gehören, ihre schönen Reden Lügen gestraft werden, und es wird nicht das letzte Mal sein. Es wird auch nicht das letzte Mal sein, daß die große liberale Presse angesichts solcher Dinge chweigt oder sich, wie das„Berl. T.", höchstens zu einer , nagexen Notiz aufschwingt. Diesmal aber hat die Sache noch einen besonders pikanten Reiz. Ter entlassene Aufwiegler ist nämlich nicht etwa So- zialdemokrat, er ist liberal, er ist sogar— national- liberal und arbeitet im Dienste der nationalliberalen Partei. Wären wir boshaft, so könnten wir eine gewisse Schadenfreude darüber empfinden, daß gerade einem Ratio- ualliberalen so etwas passieren muß. Aber wir treten für die Interessen der Arbeitnehmer ohne Rücksicht auf ihre Partei- Zugehörigkeit ein. Um ihrer selbst willen wünschen wir allerdings, daß sie sich endlich belehren lassen, einsehen, daß sie nichts Besseres sind als die Proletarier und aus dieser Erkenntnis in ihren wirtschaftlichen Organisationen sowohl wie in ihrem politischen Verhalten die entsprechenden Kon- sequenzen ziehen. Daß jetzt die Bankbeamten allenthalben sammeln, um ihren Kollegen über Wasser zu halten, ist gut und ehrenvoll. Wichtiger aber ist es, Sorge zu tragen, daß derartige Verstöße wider die elementarsten Menschenrechte un- möglich werden. Kmpp-GeichiiEe gegen Rechtspflege. Im„Berliner Lokal-Anzeiger" schreibt Herr von Gottberg: „Zur peiitlichen Ueberraschung der Zuschauer kamen gestern im Brandt-Prozeß die Anwälte der beiden Angeklagten in die Lage, das Interesse des Staates wahren und verteidigen zu müssen, während wir sonst gewöhnt sind, den Staatsanwalt als Schützer der st a a t l i ch e n Interessen zu sehen. Der Zeuge uvn Metze», der, wie gerichtsnotorisch ist, die Aü- sicht hat, die Firma Krupp zu schädigen, ivarf gestern ein dem llutersuchungsrichter verheimlichtes Bündel Papiere vor das Gericht mit der recht nnverschleierten Behauptung, es ent- halte die von ihm angekündigten„Enthüllungen". Wir haben wohl im Verlaus der allzu häufigen Sensationsprozesse an der- artigen„Enthüllungen" genug erlebt, um erwarten zu dürfen, daß mindestens Richter und Staatsanwalt das Bedürfnis fühlen sollten, einen aus Räch- oder Klatschsucht aussagenden Zeugen möglichst wenig zu Wort« kommen zu lassen. Aber der Verhand- lungsleiter wollte zur Verlesung der Enthüllungen schreiten. Er hielt den ersten Brief bereits in der Hand, als die Anwälte der Angeklagten protestierend auf die Füße sprangen und erklärten, vor einer Verlesung müßten die Papiere durch Anklage )v i e Verteidigung geprüft werden. Jeder der von ihnen angeführten Gründe bestätigte die Auffassung gesunden Menschenverstandes, daß die von einem Rachsüchtigen unter- breiteten Briefe um keinen Preis ungeprüft ver- lesen werden dürften. Am schlagendsten und einleuchtend- sten war natürlich das Argument: dieser Briefwechsel des Krupp- scheu Direktoriums init dem Mann, der für die Firma mit dein Kricgsministerium verhandelte, mag militärische Geheimnisse ent- halten. Der Richter blickte fragend auf den Anwalt des Staates! Und nicht wahr: ein jeder von uns hätte geschworen, daß ein preußischer Staatsanwalt nur die Forderung der Verteidiger unlerstützen konnte. Aber wer das erwartete, erlebte eine Ent- täuschung. Der Beamte debattierte nicht nur, sondern eiferte gegen die Forderung der S t a a t s r a i s 0 n. Er gab zu, daß ihm der Inhalt der Papiere unbekannt sei, aber er be- stand auf eine Verlesung, die Geheimnisse der Landesverteidigung preisgeben konnte, obivohl freilich andererseits die Metzenschen Papiere vielleicht nur Klatsch bringen. Die R i ch t e r b es a n n e n sich eines Besseren und vertagten die Perlesung, die nebenbei nach Andeutung eines Anwalts vielleicht auch noch müßigen Klatsch an die Ocffentlichkeit gebracht hätte." Es wäre sck)ade, wenn man diese erstaunlich unverfrorenen Zumutungen der Kruppiauer an die Staatsanwaltschaft und Richter— denn der Staatsauwalt allein ist ja doch olm- mächtig— durch einen weitläufigen Kommentar abschwächen wollte. Was der„Lokal-Auzeiger" will, ist klar genug: Ter Zeuge v. Metze» soll„m ö g l i ch st w e u i g z n W 0 r t e k 0 m m c n". Dem wichtigsten Zeugen soll durch den Staatsanwalt und die Richter der Mund verstopft werden! Und warum? Im Interesse der Firma Krupp, das heißt der Staatsraisou. Niemals ist mit groteskerer Uugenierthcit der Grundsatz proklamiert worden, daß Krupp und der Staat identisch sei. Freilich auch niemals mit sicherem Heiterkeits- erfolg. Denn loas die geschäftlichen Schofeleieu der Firma Krupp und die Kruppsche Spionage gegen»die deutsche Militärverwaltung mit dem Staatsinteresse gemein haben sollen, ist einem normalen Hirn gänzlich unfaßbar I Immerhin: Ter„Lokal-Anzeiger" bestürmt Staatsanwalt und Richter, dem der" Firma Krupp so unbequemen Zeugen v. Metzen einen Knebel in den Mund zu schieben. Und der „Lokal-Anzeiger" ist ja— kein Mensch von Geschmack be- greift, weshalb— das einzige Blatt, das der„allerhöchsten Stelle" im Original zu Gesicht kommen soll. Hinzu kommt, daß sich gerade jetzt kein Geringerer als Herr v. B e t h m a n u H 0 l l w e g s e l v st bei den Herren der Industrie darum bemühen soll, durch entsprechende Ge- schäftsmanöver die Scherische Jnseratenplaiuage in ein noch unverfälschteres Ofsiziösenorgan umzuwandeln. Und dies Organ stellt a» Staatsanwalt und Richter das Ansinnen, gerade den vom Standpunkt der Anklage und des taatsinteresses w i ch t i g st e n Zeugen a b z u- w ü r g e n, weil er der Kanon enfir m a unbequem wer- den könnte! Tie„Rheinisch-Westfälische Zeitung" und die „Tägliche Rundschau" arbeiten übrigens, wenn auch ungleich vorsichtiger, in der gleichen Richtung. Warten wir ciustweileu ab, wie sich Staatsanwalt und Richter zu dieser mindestens halboffiziösen Anreizung zur un- glaublichsten Gesetzesverletzung äußern werden. Daß sie eine olche Zumutung unwidersprochen aus sich sitzen lassen könnten, halten wir für ausgeschlossen. Denn was hier preußischen Justizbeamten an bewußter Klassenjustiz zugetraut wird, stellt alles in den schwärzesten Schatten, was je von„umstürzle- rischer" Seite für möglich gehaltet» worden istl Dtr Kampf gegen die Aahrhelt! Wenn der Z e u g e v. Mctzen nicht starke Nerven hat, so muß die Art, wie er am Dienstag vor Gericht behandelt worden ist, ihn aufs schwer st e einschüchtern und geradezu abhalten, seiner Zeugnispflicht entsprechend, die volle Wahrheit zu sagen. Die Krupp-Presse stimmt ihre Besprechung der Vorgänge vom Dienstag geradezu auf eine Pression gegen den Zeugen v. Metzen ab, mit der deutlich erkennbaren Absicht, ihn von der Wahrheit abzuschrecken. Metzens Material richtet sich nach seiner Auffassung in erster Linie gegen Brandt und eine Anzahl Krupp-Direktoren. Als An- gcschuldigter stand er zunächst vor dem Richter. Als Angeschuldigter war er n i ch t verpflichtet, alles in seinen Händen befindliche Ma- tcrial vorzubringen. Nachdem er außer Verfolgung gesetzt war und nur noch als Zeuge in Betracht kam, befand er sich allerdings in einer anderen Position. Wenn er jetzt sein Material ohne zwingende Veranlassung der Staatsanwaltschaft überlieferte, so be- lastete er damit die anderen früheren oder noch jetzt Angeschuldigten oder Angeklagten. Eine Verpflichtung, diese Personen zu belasten und dem Staatsanwalt ans Messer zu liefern, hatte er gerade vom Standpunkt derer aus nicht, die ihn jetzt so wütend an- fallen. Er scheute denn auch den Eklat und behielt sein Material für sich. Daraus, daß er, solange es für ihn möglich schien, die anderen schonte, daraus, daß er sich nicht zum Denunzianten gegen seine früheren Kollegen und Untergebenen machte, wird ihm aber jetzt ein Strick gedreht! Der Oberstaatsanivalt scheint eine Denunziations- Pflicht des Herrn v. Metzen anzunehmen. Nur von dem Stand- Punkt aus, daß Metzen verpflichtet gewesen sei, die anderen zu denunzieren und nach Kräften hineinzulegen, konnte ihm wegen der Vorenthaltung des Materials ein Vorwurf gemacht werden. Erst nachdem v. Metzen in der Oeffentlichkeit von den von ihm Geschonten ans das a l l e r s chw e r st e angegriffen worden war, entschloß er sich nach seinen Erklärungen in der Presse, nun- mehr die Rücksicht auf diese anderen fallen zu lassen und ohne fernere Schonung sein Material aufzudecken. Das war sein gutes Recht. Aber das schönste ist: Staatsanwalt und Verteidi- gung sprechen von einem„plötzlichen lieber fall" durch Herrn v. Metzen. Dabei hat Herr v. Metzen bereits vor einigen Wochen in der Oeffentlichkeit auf das in seinen Händen befindliche Material ganz unzweideutig hingewiesen. Jeder, auch der Ober- staatSanwalt und die Angeklagten und dir Verteidiger, waren also längst vor dem Termin darüber unterrichtet, daß Herr v. Metzen im Besitze bisher nnveröffentlichten Materials sei! Warunu haben sie denn keinerlei Versuch unternommen, sich schon vor der Verhand- hing dies Material zu beschaffen? An Möglichkeiten dazu hätte es ihnen doch wahrhaftig nicht gefehlt. Es ist also ihre Schuld, daß sie„überrumpelt" wurden. Die Pose der„U e b e r f a l l e n e n" steht ihnen aber s e h r s ch l e ch t! Herr v. Metzen hat in seinen Veröffentlichungen, über die man im übrigen urteilen mag, wie man will, seine Karten bereits längst vor dem Verhandlungstermin offen jedermann aufgedeckt. Wir wiederholen: Die Staatsanwaltschaft hatte die Möglichkeit, bereits vor dem Termin sich mit v. Metzen wegen des Materials in Verbindung zu setzen. Auch dem Gerichtshof war die Mög- lichkcit gegeben, für die Beschaffung dieses Materials zum Ver- Handlungstermin Sorge zu tragen. Das ist unterblieben; weshalb, bleibt unerfindlich! Noch niemals dürfte in einer Gerichtsverhandlung ein so unmotivierter Vorwurf gegen einen Zeugen erhoben worden sein, wie im vorliegenden Fall. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht werden sich nicht �rüjbcr zw wundern brauchen, wenn die Art der Behandlung des Zeugen v. Metzen, der als Zeuge die Gesamtheit seiner Kenntnis dem Gericht zu unterbreiten im Begriff war, als eine A b- schrcckung für jeden Zeugen wirkt, seine Aussagen zu ergänzen und zu erweitern. Eine schwere Gefährdung des Zweckes der Wahrhcitsermittelung bedeuten also die Vorgänge am Dienstag. Einschüchterung und Abschreckung der Zeugen, die Wahrheit zu sagen, ist das ungeeignetste Mittel zur Aufhellung des wahren Sachverhalts! Und geradezu peinlich und verwirrend müssen die Vorgänge vom Dienstag wirken, wenn man ihnen gegenüberstellt, die Be- Handlung der der Mitschuld verdächtigen Krupp- Direktoren!_ fielst fahre. iZ u m Z n s a m m e n t r i t t der Duma.) Man hat die russische Revolution mit der preußischen von 1848 vielfach verglichen. Nun will es aber scheinen, daß in Rußland der Reaktion eine kürzere Lebensdauer als der preußischen beschieden ist. DaS Eis der gesellschaftlichen Reaktion taut auf, die Wellen der revolutionären Bewegung beginnen nach acht Jahren wiederum hoch zu gehen.... Die Hauptstütze der russischen Reaktion war der Adel. Auf sein Geheiß wurden die zahlreichen Staatsstreiche vom eidbrüchigen Zaren ausgeführt; seinem Wunsche entsprechend wurde das Wahlgesetz ge» ändert. Cr war auch schließlich, wie der bekannte Soziologe M. KowalewSkh festgestellt hat, der Vater der„Agrarreform", die die Bauernftage„lösen" sollte. Der Adel trat an die Spitze der „Schwarzen Hundert", jener reakttionären Organisation, die vom Zaren zur Verteidigung de? Thrones aufgefordert und vom Adel ge- bildet wurde.„Wir fordern alle Wohlgesinnten auf, sich zusammen- zuschließen, um die Rebellion in unserem Lande auszurotten", so sprach der Zar am 18. Februar 1305, und eine Flut von Pogroms ergoß sich über Rußland. Der Zar, höhere Beamte und die Führer der Adelsorganisation blieben die ganze Zeit hindurch offen Mitglieder dieser verbrecheri- scheu Banden und unterstützten sie auch mit Geldmitteln. Auf das Betreiben des Zaren ist auch der Beilisprozetz zurückzuführen. Aber gerade dieser Prozeß bedeutet für den Zaren und seine Partei eine uugewöhnliche Schlappe. Er hat vor aller Welt Augen auf- gedeckt, wer die Bundesbrüder deS Zaren sind: Wjera Tscherberjak, SingajewSki und ähnliche gemeine Verbrecher erzielten und spielen noch heute im Verbände„echtrussischer Leute" die Hauptrolle. Im Hause der Tscheberjak, wo JnstschinSki ermordet wurde, waren auch Pogroms vorbereitet worden.... In der Tat, die Reaktion muß sich in diesen Elementen ihre Stütze suchen. Der Adel verschwindet wie der Schnee vor der Frllhlingssonne. Noch 1305 besaß der Adel 51 Mill. Deßjatinen Land, während den Bauern 152 Deßjatinen gehörten. Von ihrem Besitz haben die adeligen Herren seitdem rund 7 bis 13 Millionen Deßjatinen veräußert, so daß ganze Gegenden adelsrein geworden sind. In manchen Orten kommen zu den Wahlen weniger adelige Grundbesitzer als sie Deputierten zu wählen haben. In Erkenntnis dieses unaufhaltsamen Prozesses deS Unterganges des russischen AdelS suchte die Regierung sich eine neue Stütze in den wohlhabenderen Bauern zu schaffen. Sie löste zwangs- weise die Gemeinde auf. Damit war aber weder der Bodenmangel aufgehoben noch die wirtschaftliche Betriebsweise gebessert worden. Der Regierung ist aber die Teuerung zur Hilfe gekommen, die die Lage der landreichen Baueruschichten gebessert und so die Differentierung auf dem platten Lande gefördert hat. Der reiche Bauer ist nun tatsächlich im Enlstehen begriffen; sicher wird er abe die Hoffnungen der Reaktion ebenso täuschen, wie er eS schon in der ersten und in der zweiten Duma getan hat. Der Bauer kann und wird nicht eine Stütze für das feudalistisch-bureaukratische System werden. Selbst die vom Adel gewählten Bauernvertreter der vierten Duma rücken immer mehr nach links ab. Noch bedeutender ist die Aendernng in der Stadt. Die Be- völkerungsbermehrung der russischen Städte geht mit amerikanischer Geschwindigkeit vor sich; die Zuwachsquote beträgt nach dem Volks- Wirt Oganowsky etwa 24 Proz. pro Jahr. Die gesamte städtische Bevölkerung stellt sich heute auf 28 Millionen Personen, hat sich also gegen 1837 fast verdoppelt. Noch mächtiger ist der Aufschwung des Kapitals. 1336 waren in Rußland nur 1413 Aktien- gesellschaften mit einem Kapital von 3,1 Milliarden Rubel und 1313 1557 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 3,7 Milliarden Rubel. Die Ausgabe von Aktien und Obligationen betrug 1336 bis 1311 2651,2 Millionen Rubel. Da? russische Kapital steht heute viel mächtiger als vor acht Jabren und fordert seinen Anteil an der Regierung. Auf der Nishni-Nowgoroder Messe und noch schäricr und ausgesprochener auf der Städtetagung in Kiew erhob das Kapital seinen Protest gegen die Allherrschaft des Adels und der Bureaukratie. Der veränderten Stimmung dieser Kreise entsprechend schlagen auch die russischen.Fortschrittler", diese ausgesprochene Groß- kapitalistenpartei, energischere Töne an. Sie wollen jetzt in der Duma einen Oppositionsblock mit den Kadetten bilden. Aber auch die„Oktobristen", diese konterrevolutionäre Partei des beängstigten Großgrundbesitzes und Großkapitals, macht Miene, oppositionell zu werden. Hat doch ihr Führer Gntschkow der Regierung die scharfen Worte ins Gesicht geschleudert, sie führe das Land dem Verderben entgegen. Das Großkapital hat auch gegen die wilde Judenhetze der Re- gierung seine Stimme erhoben, und die Regierung sucht nun in der Auffrischung des mittelalterlichen Aberglaubens, in der Verbreitung der Legende vom Ritualmord, eine Rechtfertigung dieser ihrer Politik. Man kann schon jetzt aber sagen, daß sie mit dem BeiliS- Prozeß Pech gehabt hat. Er hat eine große Protestbewegung wach- gerufen, selbst die treuesten Stützen der Regierung von ihr ab- gewendet. Der erzreaktionäre antisemitische Kiewljanin ist zum ersten Mal seit seiner Existenz gegen die Regierung aufgetreten. Wie der Kichinewer Pogrom von 1333, so wird auch der BeiliSprozeß alle oppositionellen Elemente zum Kampfe aufrütteln, der Aus- gangspunkt einer neuen Epoche gesellschaftlichen Kampfes bilden. Sehr bedeutend hat sich in den acht Jahren der Arbeiterkampf geändert. Schon der Zahl nach ist die Arbeiterklasse stark gewachsen. Eine genaue Statistik darüber gibt es nicht. Es dürfen daher nur einige Zahlen zur Illustration dieser Erscheinung genügen. Die Zahl der Kohlengrubenarbeiter in Südrußland ist von 1335— 1311 von 84 333 auf 134 533, im Dombrower Revier von 18 333 auf 22 833 gestiegen. Die Gesamtzahl der Berg- und Hüttenarbeiter hat sich von 1335— 1333 von 546 333 auf 631 333 erhöht, wird aber jetzt mindestens 733 333 erreicht haben. Die Zahl der Fabrikarbeiter betrug im Durchschnitt der Jahre 1831/35 1,667 Mill. und 1311 über 2 Millionen. Wichtiger noch ist aber die Aenderung, die in der Zusammensetzung der Arbeiterschaft vor sich gegangen ist. Zwar läßt sie sich statistisch nicht erfassen, es unterliegt aber keinem Zweifel, daß das BildungS- Niveau der jetzigen Arbeiterschaft bedeutend höher steht. In den ver- flossenen acht Jahren hat unser russisches Proletariat viel an seiner Entwickelung gearbeitet. Es hat trotz ungeheuerlicher Verfolgungen sich Gewerkschaften und Bildungsvereine geschaffen. Es hat sogar Arbeiterzeitungen im wirklichen Sinne dieses Wortes in? Leben ge- rufen. Die Arbeiter schreiben selbst in ihren Zeitungen und unter- stützen sie reichlich mit Mitteln. Die Arbeiter stehen jetzt an der Spitze ihrer Organisationen, haben ihre Leitung aus den Händen der Intelligenz in ihre eigenen genommen. Die Entwicklung der Industrie und die technischen Aenderungen in ihr schufen die Nachfrage nach einer intelligenten Arbeiterschaft, die nun in der Fabrik auch zur Leiterin der Arbeiterbewegung wird. Der Polizeikampf aber gegen diese Arbeiterintelligenz ist ebenso er- folglos wie ein Kampf gegen den wirtschaftlichen Fortschritt über- Haupt. Die häufigen Verhaftungen der intelligenten Arbeiter stören nur den Betrieb und rufen den Unwillen des Kapitals hervor. Die letzten Jahre haben auch eine gtwaltige Flut der Arbeiterbewegung gesehen. Am Vorabend der Revolution 1334 streikten etwa 25 333, 1312 dagegen über 533 333 und 1313 werden es über eine Million sein, also ebensoviel wie im RcvolutionSjahr 1336. Gewiß macht die Reaktion alle Anstrengungen, um den Arbeitern alle ihre Errungenschaften zu nehmen. Die Gewerk- schaften werden unausgesetzt verfolgt; die Angehörigkeit zur Sozial- demokratie wird mit langjähriger Zwangsarbeit bestraft; auf die Arbeiterzeitungen hageln die ungeheuerlichsten Strafen unaufhörlich Neue Gesetze werden ersonnen, um diesen das Leben ganz unmöglich zu machen. Vergebens. Die Zeit der triumphierenden Reaktion geht zu Ende. Sie fühlt sich vielmehr von allen Seiten belagert, vereinigt sich mit den Auswürfen der bürgerlichen Gesellschaft, wie dies der BeiliSprozeß bewiesen hat, sucht Anhänger unter den gemeinen Dieben und Mördern, um unter Verachtung aller Welt in den Abgrund zu stürzen. Acht Jahre hat die Reaktion geherrscht. Genug! Ihre Zeit i st vorbei! Die erste Interpellation. Petersburg, 23. Oktober. In der N e i ch s d u m a hat heute die Kadettenpartei eine dringende Interpellation wegen all« gemeiner Bedrückung der Presse, besonders anläßlich des Beilis-ProzesseS eingebracht. Der Führer der Kadetten Miljukow äußerte in seiner Begründung der Interpellation, die Bedrückung der Presse hätte in diesem Jahre einen Rekord erreicht; insbesondere sei versucht worden, den Beilis- Prozeß durch Repressivmaßregeln gegen die Presse der Oeffentlichkeit zu entziehen. Der Präsident bat, den Prozeß nicht zu be- rühren. Miljukow erwiderte, die Abgeordneten hätten das Recht, sich über eine ganz Rußland aufregende Frade auszusprechen, und bat die Duma, gegen die geheimen Kräfte Stellung zu nehmen. deren Wirkung Rußland mit Schmach bedecke. Miljukow fuhr fort: Die enge Verbindung zwischen Dieben, Einbrechern und dem Dumaabgeordneten ZamyslowSky errege allgemeines Erstaunen. (Großer Lärm und Widerspruch rechts.) Der Präsident rief den Redner zur Ordnung. Dieser schloß, es sei die höchste Zeit zu erklären, daß seine Partei keine Verantwortung für den Beilis-Prozeß tragen wolle.(Beifall liuks.) Purischkewitsch(Aeußerste Rechte) erklärte, die dressierten Stare der Judenschaft konnten dem ehrlichen Namen ZamyslowskyS nichts anhaben.(Stürmischer Beifall rechts.) Die Interpellation sei ein verdeckter Versuch, in die Rechte des Gerichts einzugreifen; der erste Arbeitstag der Duma dürfe aber nicht ein Sympathie- Meeting für die Juden darstellen, welche in Kiew die Spuren eines Verbrechens zu verwischen suchten, das die Auf- merksamkeit von Rußland und ganz Europa erregt habe. Die Juden hatten alle Mittel zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung angewandt, auch zu Bestechung und sogar zum Gift gegriffen. Der Präsident bat, Einzelheiten eines schwebenden Verfahrens nicht zu erwähnen. Purischkewitsch erklärte trotz der Versuche, die Rechte zu Ausschreitungen heraus- zufordern, werde sie den Gerichtsspruch schweigend erwarten. Rußland sei nicht Frankreich, es werde also nicht gelingen, die Dumatribüne auszunutzen, wie seinerzeit die Deputierten- kammer für Dreyfus ausgenutzt worden sei. Eine Duma, die sich in ein Meeting verwandelte, könnte und müßte aufgelöst werden. Graf v. Bennigsen(Oktobrist) erklärte, die Oktobristen würden für die Dringlichkeit stimmen, aber in der Diskussion nicht über den Gegenstand der Interpellation hinausgehen, da sie der Duma keine gerichtlichen Befugnisse beimäßen.(Beifall im Zentrum.) Die Dringlichkeit wurde gegen wenige Stimmen der Rechten und die Interpellation selbst mit 143 Stimmen der Linken und der Oktobristen gegen 136 der Rechten und der Nationalisten angenommen. poUrifebe Qeberlicbt. Der Reichstag nimmt seine Sitzungen am 25. November, nachmittags 2 Uhr, wieder auf. Ursprünglich war, wie wir gemeldet haben, ge- plant, mit den Arbeiten des Reichstags schon am 20. No- vember, dem Tage, bis zu welchem der Reichstag vertagt war, zu beginnen. Aber da der 20. November auf den Donnerstag nach dem Bußtag fällt, ist der Präsident Kaempf veranlaßt worden, den Wiederzusammentritt des Reichstags um eine Woche hinauszuschieben. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung stehen Petitionen. Dem Reichstag sind jetzt schon zwei Gesetzentwürfe zugegangen; der eine betrifft die Be- schäftigung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht bis zum 1. Juni 1914. Im Etat für 1914 sollen dann einige Reichs- gerichtsstellen angefordert werden. Der zweite Gesetzentwurf betrifft die Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige._ In gottgegebener Abhängigkeit. Wir haben die Energie des Grotzherzogs Friedrich Franz von Gottes Gnaden richtig eingeschätzt, als wir voraussagten, er werde vor seinen lieben Junkern kapitulieren und nichts gegen ihre brüske Ablehnung des neuen Verfassungsentwurfs der Mecklenburg- schwerinschen Regierung unternehmen. Er ist geduldig und sanft- mutig— und hält still, wie Gott will. In seinem Landtagsabschied sagt er resigniert, daß er an dem von ihm seinerzeit gefaßten Eni- schluß in Ausübung seiner landesherrlichen gesetzgeberischen Macht auf eigenen Entschluß eine Verfassung in Kraft zu fetzen, nicht festhalten wolle.„Wir sind," heißt es in dem Schriftstück,„bei er- neuter Prüfung zu der Erkenntnis gelangt, daß die augenblicklichen Verhältnisse des Landes diesen schwerwiegenden Schritt noch nicht als gebieterische, unabweisbare Notwendigkeit rechtfertigen, der in seinen Folgen so unübersehbar ist, und der, wie wir uns überzeugt haben, die Möglichkeit nicht ausschließt, daß letzten Endes, was wir nicht wünschen, die gesetzgebenden Faktoren des Reiches darüber bestimmen könnten, welche Verfassung Mecklenburg erhalten soll. Wenn wir auch einstweilen von der Durchführung der Vcrfassungsreform abzusehen uns schweren Herzens gezwungen sehen, so sind wir doch in unserer Ueberzeugung von der Notwendigkeit derselben nicht schwankend geworden, und wir werden das gesteckte Ziel weiter verfolgen." Das zeugt von stiller Ergebung. Vielleicht erweisen sich die Junker dafür dankbar und vermehren die grotzherzoglichen Ein- tünfte um ein nettes Sümmchen. Weniger zufrieden scheinen mit dem Ausgang der VerfassungS- farce die mecklenburgischen Minister zu sein. Wie die„Mecklen- burgische Zeitung" meldet, hat das großherzogliche Staats- Ministerium den Grotzherzog infolge der gestrigen Beschlüsse der Stände zur Vcrfassungsvorlage um seine Entlassung gebeten. Reichsverbandsschmerzen. Dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie gchts mies. Er krankt an Menschenschwund. Seine vor einigen Tagen in Breslau abgehaltene Generalversammlung war deshalb ein langes Klagelied. Auch die Mitgliedschaft eines Hohenzollernprinzen konnte nicht darüber hinwegtäufchen, daß die übrigen Patrioten von dem Verband nicht mehr viel wissen wollen.„So b e- fremdend eS klingt," meinte der stellvertretende Vorsitzende, der kaiserliche Gesandte v. D i r k s e n,„unser Zuwachs ist nicht so groß, als er nach der Lage der Verhältnisse sein müßte." Die Arbeiter und der Mittelstand fürchten sich natürlich nur vor der Sozialdemokratie, sonst wären sie dem Verband längst in Scharen beigetreten. Das einzige, tvas helfen kann, sind alfo Knebel» gesetze gegen die Terroristen, aber leider— die Regierung getraut sich nichts zu unternehmen. General v. B i s s i n g hat mit dem Kanzler gesprochen, Dirksen hat mit dem Kanzler gesprochen, aber angesichts dieses Reichstages wagt Bethmann keinen ent- scheidenden Schritt.„Kein Staatsanwalt wagt es," so sagte Herr v. Dirksen wörtlich,„gegen die unflätigen Beleidigungen der sozialdemokratischen Presse Anklage zu erheben."„Einen Führer wüßte ich," meinte der dreißigfache Millionär v. Dirksen—„Seine M a j e st ä t der K a i s e r." Aber der ist leider nicht zu haben, weil er— über den Parteien steht! Doch der Redner tröstete sich. Muß er auch darauf verzichten, unter diesem Monarchen zu kämpfen, so kann er doch den Reichsverbändlern nicht verwehren, für ihn zu kämpfen. Das Klagelied des Vorsitzenden wurde von den anderen Be- grüßungsrednern weitergesponnen; der Vorsitzende der Breslauer Konservativen bedauerte es, daß viele Mitglieder bürgerlicher Parteien sich„in eine gewisse Freundschaft zur Sozialdemokratie hineingefunden" haben. Auch gegen die Tarifverträge legte man los, sie sind nur verkappte sozialdemokratische Agitationsmittel. Im allgemeinen aber ivar die Stimmung„flau", und da außer Herrn Liebert auch der Freiherr v. Zedlitz und Neukirch fehlte, mußte man sich mit einem kümmerlichen Vortrag des Antisemiten Gräfe begnügen, der vor allem gegen die Arbeitslosenunter- stützung wetterte, die angeblich den Gewerkschaften nur Streik- mittel in die Hände liefern würde. Nach dieser Leistung vereinigten sich die fürstlichen, gräflichen und freiherrlichen Sozialistentöter zu einem opulenten Schluß. mahl. Mit einer Mahlzeit hatten sie auch angefangen. Der einzige Vortrag schob sich mühsam zwischen die beiden Fest- mahle ein. Aus dem bayerischen Landtage. Die Debatte über die StaatszeitungS-Jnterpellation wurde am Mittwoch zu Ende geführt. DaS waren peinliche Stunden für das Ministerium Hertling. Vom Zentrum ergriff niemand mehr das Wort zur Verteidigung. Man ließ Dr. Pichler allein das Opfer bringen, in dieser Sache für die Regierung einzutreten. Genosse S ü ß h e i m kennzeichnete die StaatszeitungS- Gründung als ein parteipolitisches Unternehmen des klerikalen Ministeriums Hertling. Daß die Beziehungen Hertlings zur Reichsleitung jetzt ausgezeichnete seien, glaube er ohne weiteres. Die Gründung der Staatszeitung nach Schluß des Landtags sei eilt Eingriff in sein Budgctrccht. ES iixtre interessant zu erfahren, wie groß die Zahl der freiwilligen Abonnenten sei. Es müßte denn sein, daß Abonnenten der Staatszeitung den Kom- merzienratstitcl billiger erhalten als andere. Merkwürdig waren die Ausführungen eines Ministerial- referenten ans der Justizverwaltung, die deutlich zeigten, daß die Justizbehörde bemüht ist, die Zwangsinserierung für gericht- liche Bekanntmachungen nach Möglichkeit einzuschränken. Kräftig packte der liberale Abg. Kohl das Unternehmen Hcrtlings an. Seine Würdigung dieses Vorganges erweiterte sich zu einer Abrechnung mit der Gesamtpolitik des klerikalen Ministers. Minister des Innern, v. Soden, stellte die vielbesprochene Angelegenheit des Senatspräsidcnten des Verwaltungsgerichts- Hofes, Hörmann, dar, der unter auffälligen Umständen im Zu- sammenhange mit dem Prozeß der Staatszeitung— Weigerung von Gemeinden, das Organ zu abonnieren— seinen Abschied genommen hat. Die Regierung, so versicherte der Minister, habe nicht in die Rechtsprechung eingegriffen. In einer an satirischen Bemerkungen und Andeutungen politischer Geheimvorgänge reichen Rede zeichnete zum Schluß Genosse Adolf Müller den Staatszeitungs-Skandal und wies auf die Gefahr hin, die aus den Bemerkungen Dr. Pichlers er- kcnnbar wäre, daß über kurz oder lang der Staat mit diesem Tefizitunternehmen belästigt werden würde. In der Staats- zeitung solle das Verlangen einer feudal-klcrikalcn Reichsrats- clique nach einem großen Blatt ohne erhebliche finanzielle Auf- Wendungen der Interessenten durch das Aufgebot staatlicher Macht- mittel ermöglicht werden. Die Staatszeitung wäre schon im August vorigen Jahres beschlossen gewesen, aber trotzdem wurde sie nicht dem Landtage zur Genehmigung vorgelegt. Diesen Vor- gang billige heute das Zentrum, das sich rühme, eine verfassungs- treue Partei zu sein. Genosse Müller deutete Meinungs- Verschiedenheiten zwischen Hertling ünd v. Soden in der Staats- zeitungs-Frage an und verlangte Vorlegung des mit der Unter- nehmerfirma abgeschlossenen Vertrages der Regierung. Ter Rückzug der Bachemitcn. Ueber die inneren Vorgänge im klerikalen Lager wird uns geschrieben: Die Kölner Richtung und ihr Hauptorgan befinden sich seit Monaten auf einem ruhmlosen Rückzug. Zuerst diskontierten sie als Vorschußlorbeerkrone ihren unbestrittenen Sieg auf dem 60. Ka- tholikentag zu Metz. Dort sollte der apostolische Nuntius Martin F r ü h w i r t h(München) sein autoritatives Wort für die inter- konfessionellen Gewerkschaften in die Wagschale werfen, denn dazu, meinten die Bachemiten, sei der Katholikentag der einzig zu- ständige Gerichtshof. Allein der Dominikaner Frühwirth erhielt aus dem Vatikan den telegraphischen Befehl, nicht nach Lothringen, sondern nach Kärnten zu reisen. In Metz aber führten die Berliner unter direkter Förderung der Bischöfe B e n z l e r, Faulhaber und K o r u m das große Wort, während gleichzeitig die Führer der christlichen Gewerkschaften aus Essen und M.-Glad- bach verstört umherirrten. Darum schrieb Julius Bachem: Der Katholikentag ist für die Gewerkschaftsfrage nicht zuständigl Die zur Verdcckung ihrer Niederlage über die Alpen hinübergerufene Losung des„Friedens von Metz" diente zur Beruhigung des Vati- kans, in dessen Auftrag Bischof Korum vor den„Verführern" warnen mutzte. Und das von Mathias Erzberger der„Civilta Cattolica" ins Nest gelegte bachemitische Ei einer Polemik gegen die Osterdienstagsleute und gegen die„Kölner Korrespondenz" führte zur augenblicklichen Berufung des kampflustigen„Jntegralisten" Chiaudamo S. I. als Leiter der führenden Jesuitenzeitschrift gegen die Kölner Richtung. Am 26. November 1912 verlas Adam Stegerwald zu Essen„seine" Gegcnenzyklika. Er lehnte den Eintritt seiner Inter- konfessionellen in katholische Vereine rundweg ab. In demselben Essen aber muhte dann der Landgerichtsdirektor Dr. Laarmann am 5. Oktober l9I3 den inzwischen erfolgten Masscncintritt derselben Interkonfessionellen in katholische Vereine verkünden.— Derselbe Adam Stegerwald fühlt sich als gläubiger Katholik durch die Behauptung, er habe sich dem Enzyklikabricf Singulari und den Bischöfen folgsam unterworfen, gröblich verleumdet(8 187 Str.- G.-B.), während Dr. Laarmann namens der christlichen GeWerk- schaftcn erklärte:„Die christlichen Gewerkschaftler denken gar nicht daran, gegen die Weisungen des Heiligen Vaters und unserer Bi- schöfe zu verstoßen!" Während die Bachemiten und Christenführer sich für die „Jnterkonfessionalität" einsetzen, warnt Erzbischof Felix von Hart- mann seine Tiözesancn vor„glaubensgefährlichcm U m g a n g". Bei der Essener Tagung Anno 1912 ist der Paderborner Bischof Dr. I. Schulte als der angeblich verantwortliche Autor der „bischöflichen Interpretation" aus der Ferne gezeigt worden, und der Professor Walther Köhler feierte darauf den preußischen Staat und den deutschen Episkopat als Sieger über den mittel- alterlichen Papst in Rom.(„Christliche Welt" Nr. 62, 1912.) In- zwischen kam jedoch die Wahrheit ans Licht: Papst Pius X. ist allein der authentische Interpret seines Gedankens. Er fordert das rstkmobile obsequium fidei, keinen Kadavergehorsam, sondern den vernünftigen Gehorsam des Glaubens. Das Spiel: die deutschen Bischöfe in einen Gegensatz zum Papst zu stellen, ist aus. Am 26. November 1912 hat man alles unterdrückt und verschwiegen, was dem interkonfcssioncssen Gewcrkschaftspapst Stegerwald miß- fiel. Der Befehl des Papstes ist sehr klar:„Stoßen die Katholiken noch auf irgendeine Schwierigkeit, so sollen sie sich an ihre Bischöfe um Rat wenden, und diese werden die Sache an den Apostolischen Stuhl berichten, von dem sie entschieden wird." Ter Papst erklärt ausdrücklich,„daß er die Gewerkschafts- angelegenheit nunmehr an sich gezogen habe, weshalb das Urteil über sie nach Anhörung der Bischöse ihm z u st e h e n müsse". Vor Jahresfrist ist der. allerschlimmste Mißbrauch mit der p r i- v a t e n Meinung eines Bischofs(Dr. Schulte) getrieben worden. Jetzt läßt zum Schutz der päpstlichen Autorität der Gesamtepiskopat Deutschlands eine Remedur verwerflicher Auslegungskünste ein- treten, die weder der Kölner Richtung noch den Führer der christ- lichcn Gewerkschaften gefallen dürfte. Kulturdokumente. Das modernistische„Neue Jahrhundert" nennt es eine skan- dalöse Vermengung von Politik und Religion, wenn die Zugehörigkeit zu politischen Organisationen mit Ablässen belegt wird und berichtet einen solchen Fall auS dem frommen Land Tirol. Im„Lustenauer Gemeindeblatt" vom 5. Oktober steht neben anderen profanen Dingen wie die Empfehlung von Blut- und Leber- Würsten folgendes Inserat: „Am Sonntag, den 12. Oktober,>/z4 Uhr nachmittags, findet im Kroncnsaal die Generalversammlung der Orts- gr Uppen des Piusvereins statt. Dabei wird der hoch- würdigeste Bischof Dr. Maitz sprechen. Reservierte Plätze... Die pp. Mitglieder und Teilnehmer können durch Empfang der hl.'Sakramente und Gebete für den Hl. Vater am Tage der General- Versammlung einen willkommenen Ablaß ge- Winne n. Der Obmann. Mit der Gründung der Piusvereine hat bekanntlich der politische Katholizismus seinen Anfang genommen. Daran, daß es politische Vereine sind, hat noch niemand im Ernst gezweifelt, wenn auch die Klerikalen gelegentlich gemeint haben, durch Ableugnung des politischen Charakters dieser Vereine die Welt an der Nase herum- führen zu können. Vom Papst wäre eS aber konsequent gehandelt, wenn er aus demselben Grund unseren Zentrumsleuten für den Besuch der Zentrumsversammlungen einen Ablaß bewilligen wollte. Sie haben dann wenigstens von dent Besuch etwas. Wie mit den Ablässen ge- handelt wird, besagt ein Inserat, das dieser Tage in der über- frommen, AugSburger Postzeitung" erschien. Es lautet: St. Benediktus-Jubiläums-Medaillen borgeschrieben zur Gewinnung des Allerseelen- a b l a s s e S am 2. November zum Preise von 5, 10, 50 P f. in besserer Ausführung 2,50, 3,50. 6,00 M. (Name der Buchhandlung.) Es gibt also ganz billige, eine Mittelsorte und sehr teure. Sechs Mark ist heutzutage doch viel für solche Dinger. Man sieht daraus aber, daß unsere Klerikalen immer noch Geld zu machen verstehen. Wäre es nun nicht vernünftiger, statt Lebensmittel und Streichhölzer, solche Dinge wie diese Medaillen, die ihren Fabrikanten einen Riesen- gewinn abwerfen, zu besteuern? Es wäre dann zugleich für den Steuersäckel eine Eigenschaft nutzbringend gemacht, die, nach den obigen Inseraten zu schließen, noch immer nicht im Abnehmen be- griffen ist. Diätensorgcn haben die Mitglieder des preußischen DreiklassenhauseS. Sie be- kommen täglich 15 M., ohne daß der Nachweis ihrer Anwesenheit im Parlament notwendig ist, erhalten aber keine allgemeine Freifahrt. Der Landtag hat nun eine Kommission niedergesetzt, die sich mit der Diäten- und Freifahrtfrage beschäftigen sollte, und die beschloß, sowohl eine Erhöhung der Diäten als auch die Erteilung von Frei- fahrtkartcn für den ganzen Staat bei der Regierung zu beantragen. Wie mitgeteilt wird, ist die Regierung nicht geneigt, auf diese Vorschläge einzugehen. Wenn die Diäten neu geregelt werden, dann soll es geschehen in der Form von Tagegeldern, ähnlich wie int Reichstage, wo die Anwesenheit eines Abgeordneten durch Führung einer„Lohnliste" nachzuweisen ist. Darauf wollen jedoch die preußischen Dreiklassenmänner nicht eingehen. So dürfte aus einer Regelung der Diäten im preußischen Landtage vorläufig noch nichts werden._ Preußisches Bolksschulelend. Preußen zählt etwa ß1/« Millionen Volksschüler. Wie da? in Preußen kaum anders zu erwarten ist, besuchen die meisten dieser VolkSschiiler Konfessionsschulen. Nur 191 090 in den Städten und 177 090 auf dem Lande besuchen sogenannte Paritätsschulen, in denen die Schüler allerdings auch möglichst nach Konfessionen ge- trennt werden. Diese Seite des preußischen Volksschulunterrichts ist aber noch nicht die schlimmste. Bei weitem schlimmer ist, daß zu wenig Klassen und die Klassen überfüllt sind, so daß an einen geordneten Unterricht nicht zu denken ist. Nach einer Statistik, die im 231. Baude des amtlichen Oucllenwerkes der preußischen Statistik enthalten ist, zeigt die Entwickelung des Volksschulwesens von 1886—1911 freilich eine wesentliche Besserung. Die Schülerzahl in den Klassen der städtischen und der ländlichen Schulen ist von 64 auf 51 gesunken. Auf eine Lehrstelle entfielen 1886 in städtischen Schulen 67, in ländlichen. Schulen 59 Schüler, während 1911 in städtischen Schulen nur noch 49, in ländlichen 61 Kinder auf einen Lehrer entfallen. Diese Durchschnittsziffcrn, mit denen bewiesen werden soll, daß sich das preußische Volkssckmlwesen außerordentlich gebessert habe, geben aber ein ganz schiefes Bild. Einige Städte mit sehr guten«chulvcrhältnissen und ganz kleine Landorte, die, weil sie sehr abseits liegen, doch eine eigene Schule und Lehrkraft haben müssen, obwohl nur eine kleine Zahl von Kindern vorhanden ist, machen das statistische Durchschnittsbild über Gebühr günstig. Sobald man in die tstatistik eindringt, zeigt sich sofort, wie schlecht es noch um die preußischen Volksschulen bestellt ist. Im Jahre 1911 gab es noch in Städten 1613 überfüllte Klassen mit 129 289 Schülern, so daß 75 auf eine Klasse kommen. Auf dem Lande aber wurden 7599 überfüllte Klassen mit 578 681 Schülern ge- zählt. Es kommen dort auf eine dieser Klassen im Durchschnitt 76 Schüler. Die Mehrzahl der ländlichen Schulen war 1886 noch einklassig, aber auch heute sind von 33 559 ländlichen Schulen noch 13 149 einklassig, wozu dann noch 6569 sogenannte Halbtagsschulen kommen, die den Ucbergang zu zweiklassigen Schulen bilden. Voll- kommenc Schuleinrichtung mit mindestens 6 oder mehr auf- steigenden Klassen bestanden 1886 in Preußen nur 6 pro Mille und auch 1911 ist diese Ziffer nur auf 42 pro Mille gestiegen. Diese wenigen Zahlen zeigen, wo es in Preußen noch fehlt. Es wird eine ganz andere Volksvertretung kommen müssen, bevor das ländliche Volksschulwesen in Preußen ein Ende nimmt. Däs italienische Mahlergebnis. Rom, �9. Oktober. Bis heute lagen aus den 308 Wahlkreisen 505 Ergebnisse vor. Danach sind 237 Ministerielle, 52 ministcriellc Radikale, 19 verfassungstreue Oppositionelle, 27 Katholiken, 11 Republikaner, 39 Sozialdemofrate» und 19 Reformisten gewählt. In 101 Wahlkreisen sind Stich- wählen erforderlich. Oesterreich. Der Auswandererskaitdal. Wien, 28. Oktober. Das vom Budgetausschuß eingesetzte Sub- komitce zur Beratung des südamerikanischen Schiff- f a h r t s d i c n st c s setzte heute seine Verhandlungen fort. Sek- tionschcf Riedl gab eine Erklärung ab, an deren Schluß er sagte: Nach Uebernahme der Schifsahrtssektion war meine erste Amts- Handlung, daß ich den Plan unterdrückte, auch den Oesterreichischcn Lloyd in ein engeres Verhältnis zu den deutschen Postlinien zu bringen. Was man mir vorwirft, ist, daß ich österreichische Inter- essen gegen die eines ausländischen Kartells zu verteidigen gewagt habe. Ich gedenke, die Probe daraus zu niachen, ob das einem österreichischen Beamten noch erlaubt ist.(Lebhafter Beifall.) .Im Laufe der Debatte erklärte der Handelsminister bezüglich der Behauptung, daß die Canadian-Pacific im geheimen eine Sumtne an die Regierung für den Dis- p o s i t i o n s f o n d s geleistet habe, er sei ermächtigt, im Namen der Regierung aus das allerbestimmteste zu erklären, daß an dieser Behauptung nicht ein wahres Wort sei und daß die Canadian an die Regierung niemals mit einem solchen Angebot herangetreten sei. Aus die Anfrage, ob eine Liste der Ab- geordneten, die init der Canadian-Pacific in Verbindung gestanden hätten, existiere, erklärte der Minister, daß ihm offiziell von einer solchen Liste nichts bekannt geworden sei. Der Minister teilte gleichzeitig bezüglich der Beschuldigung, daß zwei Beamte des Handclsmiitisteriums sich in st rasbarem Einver- nehmen mit der Canadian befunden hätten, mit, daß nicht das geringste vorliege, was zu einer solchen Anschuldigung berechtigen würde. Zum Schlüsse teilte der Minister des Innern mit, dem Ur- Heber der ersten Anzeige G r ii n h u t seien nach dessen Angabe von einem Vcrtrauensmanne des Vertreters der Canadian-Pacific Alt- mann Millionen angeboten worden, damit das Vor- gehen gegen die Canadian-Pacific c i n g e ste l l t werde. frankrddy. Klerikale Kampfansage. Paris, 29. Oktober. Der Bischof von Orleans Msgre Tauchet erklärte in einer Rede, daß die französischen Bischöfe, welche nicht die verweltlichten, sondern die atheistischen Schulen bekämpften, angesichts der auf die Einführung des staatlichen Unterrichtsmonopols abzielenden Bestrebungen der Radikalen sich zu einem energischen Vorgehen entschließen müßten. Er sei der Ansicht, daß die beste Antwort auf die Treibereien der Com- bisten in der Schließung aller katholischen Privat- schulen bestände. In unseren Schulen, erklärte cr, wird in manchen Departements über die Hälfte der Kinder unterrichtet. Unsere Lehrer, unsere Lehranstalten kosten dem Staate nichts. Anstatt uns dankbar zu sein, hat uns der Staat seit 39 Jahren als Feinde behandelt und verfolgt. Wenn wir ihm mit einem Mal alle unsere Schulkinder überlassen, dann wollen wir sehen, wo er die erforderlichen Schulgebäude und Geldmittel findet. Wir werden diesen Entschluß nicht aus Machtlosigkeit, sondern aus Eigennutz fassen und wollen die Geldmittel, die wir bisher den katholischen Privatschulen widmeten, den Seminarien, Lehrlings- und Haushaltungsschulen sowie dem katholischen Wahlfonds zu- wenden. Dieser Entschluß kann aber nur dann wirksam werden. wenn er allgemein durchgeführt wird und im Einvernehmen mit dem gesamten französischen Episkopat und den Führern der Katholiken in den einzelnen Diözesen erfolgt, Spanien. Gegen die Konservativen. Paris, 29. Oktober. Wie die Blätter melden, fanden in Barcelona abermals lebhafte Stratzenkundgcbungen gegen das nette konservative Ministerium statt. Manifestanten feuerten Revolverschüsse ab. Die Polizei nahm mehrere Per- Haftungen vor und beschlagnahmte zahlreiche Revolver. Die Hauptstraßen wurden militärisch besetzt. Amerika. Die Mächte und Mexiko. Washington, 29. Oktober. Wie Staatssekretär Brhan an- kündigt, haben Deutschland, England und Frankreich auf entsprechendes Ersuchen Amerikas die Antwort erteilt, die F o r m u l i e r n n g irgendwelcher mexikanischer Politik hinauszuschieben, bis der Notenaustausch mit Amerika erfolgt sei. Daß die drei Mächte die mexikanische Politik Amerikas abwarten wollen, wird dahin ausgefaßt, daß die Vereinigten Staaten den Mächten eine Erklärung ihrer Politik unterbreiten werden, sobald eine Beurteilung des Wahlausganges in Mexiko inöglich ist._ Letzte Nacbrichten. Der österreichische Schiffahrtsskandal. Wien, 29. Oktober. Das Subkomitee des Budgctausschusses setzte heute seine Verhandlung in Angelegenheit der Schiffahrts- gescllschaften fort. Abg. Ellenbogen(Soz.) erklärte, es handele sich in der ganzen Affäre um eine Kampagne, die unter Patronage eines auswärtigen Schisfahrtskartells gegen eine antikartellistische Schiffahrtspolitik der Regierung betrieben werde, die von der Majorität des Hauses gebilligt würde. Leider habe die Regierung nicht gewagt, die österreichische Schiffahrtspolitik gegen die auslän- dischc Kartellpolitik zu verteidigen. Abg. Friedman n(sptt- heitlich) führte aus, die außerordentliche Zurückhaltung der Re- gierung sei wohl auf die vermeintlich notwendige Rücksichtnahme auf Deutschland zurückzuführen, da cZ sich hier um deutsche M-i» sellschastcn handele. Abg. M a t a j a(christlich-sozial) sagte, die vom Sekttonschef Riedl erörterten Ziele der Schiffahrtspolitik könne jeder österreichische Politiker und auch die Partei des Redners nur billigen. Eine energische strasrechilichc Verfolgung der Schul» digcn werde auch für die anderen Gesellschaften, welche nicht mit viel besseren Mitteln arbeiten dürften, ein abschreckendes Beispiel geben.__ Die Opposition der Ulsterleute. London, 29. Oktober.(W. T. B.) Der Oppositionsführer Bonar Law und Sir Edward Carson sprachen heute abend in einer Versammlung von 15 999 Personen in Wallsend beiNew- castle. Bonar Law erklärte, daß das Versprechen, welches er für die Unionistenpartei im vergangenen Herbst abgegeben habe, noch immer Gültigkeit besitze. Falls die Regierung versuchen würde, Ulster aus der Union mit England herauszutreiben, ohne dazu die Zustimmung des Landes durch Neuwahlen erlangt zu haben, so würde Ulster, ivenn es sich widersetzen sollte, im Recht sein und von den Unionistcn in seinem Widerstände unterstützt werden. Bonar Law zollte sodann Sir Edward Carson Anerkennung und erklärte, daß cr und Carson zusammen stehen und, wenn nötig, auch zusammen fallen würden. Er hob schließlich den Ernst der Lage hervor und stellte in Abrede, daß die Opposition Ulster als Schach- figur im Parteikampfc gebrauche. Ein aufgeklärter Justizirrtum. Elberfeld, 29. Oktober.(W. T. B.) Im Sommer 1997 wurde die Witwe Hamm aus Flandersbach in der Nähe von Elberfeld wegen Beihilfe bei der Ermordung ihres Mannes, des Landwirts Hamm, zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Mörder selbst blieb unermittelt. Vor einem halben Jahre fand man aber eine Spur in dieser Richtung, die zu verfolgen die Berliner Krimi- nalpolizei von der Stnatsanwaltschaft in Elberfeld ersucht wurde. Im Laufe dieser Ermittelungen kam sowohl Polizeirat Braun, wie auch der Chemiker Dr. Brüning von der Chemischen Untersuchungs- anstalt beim Berliner Polizeipräsidium von entgegengesetzten Ge- sichtspunkten aus zu der Entdeckung, daß der getötete Hamm das Opfer eines von ihm ge st eilten und sich zur Wehr setzenden Einbrechers geworden ist. Nunmehr haben die Geschworenen/ die damals das Schuldig gesprochen haben, eine Eingabe an den Ersten Staatsanwalt in Elberfeld gerichtet und ihn ersucht, seinerseits das Wiederaufnahmevcr- fahren zu beantragen._ Grostfeuer in der Genter Weltausstellung. Brüssel, 29. Oktober. Heute abend brach im Stadtviertel Alt- flandcrn auf der Weltausstellung in Gent Feuer aus. Sieben Häuser wurden z e r st ö r t. Der Schaden soll bedeutend sein, das Feuer war nach Verlauf einer Stunde gelöscht. Das Stadt- viertel Altslandern war eine Wiederherstellung der interessantesten Gebäude und Plätze aus den verschiedensten Städten von Flandern. Pfadfinder in der Themse ertrunken. London, 29. Oktober.(P. C.) Eine Schar Pfadfinder hatte sich auf dem Dampfer„Mirror" nach einem Ausflugsort an der Themse begeben. Aus der Rückfahrt erfolgte ein Zusammen- st o ß des„Mirror" mit dem Dampfer„Fogart". Der„Mirror" sank so schnell, daß es nicht möglich war, alle seine Passagiere zu retten. Eine große Anzahl der jungen Leute wurden von dem sinkenden Dampfer mit in die Tiefe gerissen und fanden so denTodin denWellen. % WM '/AA ■M0 Ii Schnttf, Slti und Verarbeitung sind bei diesem sebr eleganten Phantasiepal. tadellos, dem englischen Geschmack in Ware und Fasson entsprechen ein schöner ge- presster Imit. Seal kragen und fesche Samtknopflöcher mit Seidenfliegen. 35.25 Ein delh vornehmen Geschmack der Mode durchaus entsprechender Paletot. Aus feiner Astrachan- Ware gut verarbeitet, mit Cordeleffekten reich garniert, wirkt er besonders elegant durch die schönen mit Pelzimlt. durchzogenen Schlösser. Er kostet dabei nur 29.50 An hübschen Stoff- und Samteffekten Ist bei diesem einfarbenen Mantel nicht gespart worden. Hochmodern m. Cutaway- Schnitt, durchschnittener Passe u. eingeschobenem Aermel mit schönen Stulpen u.bequemenTaschen, repräsentiert er einen unvergleichlichen Wert für den niederen Preis von Wir haben was Sie suchen, zu billigeren Preisen als Sie dachten! 12.75 pp V/ Königstr. Chausseestr. 33 113 Ein schöner, weicher Stoff gibt diesem Ulster etwas ungemein molliges, wozu die grossen aufgesteppten Taschen noch wesentlich beitragen. Eleganter Cutaway-Schnitt, reizvoller Astrachankragen und eingeschobener Aermel vervollständigen das Bild eines wirklich bestechendschön. Mantels 13.50 Aus ganz vorzüglicher Ware in grünen oder hell-und dunkelbraunen Tönen, elegant verarbeitet, wirkt dieser Paletot besondersdureh die aparte Linienführung seiner durchschnittenen Paese. Dazu kommen noch die sehr schönen Stoffschlösser, ein reicher Samtkragen und grosse Stulpen 25.25 Sechster Wahlkreis. Oeffenil. Kommunalwählerversammlung Heute, Donnerstag, den ZU. Oktober kNIZ, abends 8'/z Uhr iür den 34. K ommmmlwahlbezirk int Ttvinemiinder Gesellschaftshaus, Swinemüuder Str. 4Ä. Tagesordnung: Die Aufgaben der Sozialdemokratie im roten Hause. Referent: Gewerkschaft-Zsekretär Genosse liarl HetsEsclloM. Freie Diskussion. 231/14 Das rozialdemohrattrcbe Cdahlhomitce. Todes-Anzeigen f. ISJerLReiclistagswalilkreis Am Sonnabend verstarb unser Genosse, der Schlosser Georx Richter Fchrbclliner Str. 47, Bezirk 495. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule Donnerstag,»achinittagS 3'/, Uhr, von der Halle des Zions-Kirchhoscs in Nordend aus stall. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. RellltflierHetMeites-lesliAilj Verwaltunjsslello Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, das; unser Mitglied, der Schlosser Georg Richter Febrbelliner Str. 47, am 23. d. M. an Darmzerreihung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindct am Donnerstag, den 39. Ottobcr, nachmittags 3'/. Uhr, von der Leichenhalle des Zions-Kirchhoses M Nordend auS statt. Rege Beteiligung erwartet 127/13 Hie ortsverwaitung. Dr. Simmel Spezial-Arzl für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2. 5—7. Sormtass 10—12. Deutscher Holzarbeiterf erhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Lmil Kaulfers Friedcnstraste 62, im Alter von 43 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 31. Oktober, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Georgen« Kirchhofes in der Landsberger Allee aus statt. 91/3 Die OrtsveneaiUing. Danksagung. Für Sic vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unvergeßlichen Paters, des Restaurateurs Wilkslm Küster sagen wir dem Sozlaldcmolratiichen Wahlverein, dem Verein Freier Gastwirte, den Loiterieuereinen.Kaltus" und„Nordwest", dem Schrammeltlub .Maiengrust", dem Sparverein „Tüchtig", dem Proppenflub„Vergiß ibn nicht", sowie dem Gesangvercin Männerchor Moabit den besten Dank. Friederike Küster nebst Kindern. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle GroB-Berlin. Ain Montag, den 27. Oktober, verstarb unser Mitglied IMex Kasch. Ehre seinem Andenke»! Die Bcerdigimg findet heute Donnerstag, den 30. Oktober, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-FriedhoseS i» Köpenick aus statt. 57/11 Die Ortsverwaltung. &l>ezialarzt f. Haut-. Harn-, Frauenleiden. nerv. Schwäche. Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in ».Co. konz. Laborat. j «int- Untersuchung., Faden t. Harn usw. Friedrichstr. 81, ÄÄ. Spr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mästig, auch Teilzahl. separates Damrnzimmer. £44.4,•VUiU Dr. Homeyer Verband der Sattler u. Portefeuiller .. Ortsverwaltang Berlin.-— r.- Achtung! Treibrleniensattlep! Sonnabend, den 1. November, abends 8'/, Uhr. in Schulz' Pracht. sälen, Münzstr. 47, Eingang Königsgrabcn: Svaneken-Versammlung. 'Tagesordnung: lö3/5 l. Geschästlichc-Z. 2.„Eine Phantafiercise in die Sternenwclt«. Lichtbildervortrag des Gen. A. Rautenbero. 3. Branchcnangclcgenheitcn. Zahlreichen Besuch dieser Bersammtuna erwartet vis Branchenleitung. Oerantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Jnjeratentei! verantw.? xh, ffliprfe, Berlin. Druck u. iBerloa:!Lorwärt»«uchdr. it LeriagsanstaU W«ul Singer z- lSo.. Berlin Hierzu 3 Beilage« u-OntertaUunaia Ir.285. 30. Wt»\ DtÜllgt!ltS„POtlMltä" AtlÜKtl JOlfeMlllt. S«nn»-I.g. 30. W-b» tSl3. GcwcrfefcbaftUd�ea. 8cbarfmacbcr im Biedcrmannsgcwand.• Der große Umfang, den die Arbeitslosigkeit an- genommen hat, zwingt die Ocffcntlichkcit, sich eingehend mit diesem Problem zu beschästigen. Neben der Fürsorge für die Arbeitslosen ist es die Frage, wie die Arbeitslosigkeit ein- gedämmt iverden kam», welche alle Einsichtigen beivegt. Man verlangt von den Behörden, daß sie durch die Jnangriff- nähme öffentlicher Arbeiten den Beschäftigungslosen Arbeits- gelegenheit verschaffen, crlvartct aber auch von den privaten Untcrnchinern, daß sie sich bei der Entlassung von Arbeitern weitgehende Beschränkungen auferlegen. Weiffichtige Unternehmer sind auch bemüht, umfangreiche Arbeitercntlassungcn nach Möglichkeit zu vermeiden. In vielen Betrieben tvird tatsächlich mit verkürzter Arbeitszeit gearbeitet, oder es»Verden Feierschichten eingelegt. Haben die Bctriebsuntcrnehmer hierbei auch vornehmlich das eigene Interesse iin Auge, das sie nötigt, auf die Erhaltung des ein- gearbeiteten Arbeiterstammes Rücksicht zu nehmen, so gereichen derartige Maßnahmen doch den Arbeitern zum Vorteil, denn der geringere Verdienst bei verkürzter Arbeitszeit ist immernoch der völligen Arbeitslosigkeit vorzuzieheir. Eine Vereinbarung z»vischen Unternehmern und Arbeitern nach der Richtung, daß bei schlechten» Geschäftsgang die Arbeitszeit verkürzt wird, ist bisher noch von keiner«Seite als Verstoß gegen einen Tarifvertrag angesehen worden, der die Arbeitszeit regelt. Es gibt aber Scharfmacher, denen der Umfang der Arbeitslosigkeit gar nicht groß genug sein kann. Der Obermeister R a h a r d t von der Berliner Tischler- Innung ist solch ein Gemütsinensch. Ihn wurmt es, daß ihn der Holzarbeiterverband iinmcr wieder gehindert hat, mit den Arbeitern so umzuspringen,»vie es seinen scharfmacherischen Gelüsten entsprochen hätte, und daß die Unternehincrorganisation den Arbeiten» bei den Vertragsabschlüssen fortgesetzt Zugeständnisse machen»nußte. Tic herrsche»»de Krise in der Holzindustrie erachtet er für den passenden Zeitpunkt, Rache zu" nehmen. Herr Rahardt n»iint den Biedermann, der ängstlich bcniüht ist, die Jnnehaltung der abgeschlossenen Verträge zu übertvachcn und verkündet, daß eine Arbeitszeitverkürzung infolge Ar- beitsmangels eine Vertragsverletzung sei. In der letzten Nunlmer der„Fachzeitung der Tischlermeister" erläßt er folgende Bekanntmachung: Arbeitgeber-Schutzverband für d a S deutsche Holz gewerb e. Nach§ 46 des Arbeitsvertrages sind E i n z e I a b in a ch u n g e n, die den Bestimmungen des Vertrags widersprechen, ungültig. Nach 8 4_ des Vertrages beträgt die»vöchentliche Arbeitszeit öl Stunden, vom 1. Juli ISIS ab 50 Stunden. Eine Vereinbarung über eine auch nur zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit in einzelnen Betrieben»oürde daher nicht n»»r riach § 46 des Vertrages ungültig sein, sondern auch als Vertrags- Verletzung präjudiziell fortwirken können. Ich mache daher meine Berliner Kollegen darauf aufmerkfain, datz eine Abänderung des Vertrages, aho auch eine Sonder- Vereinbarung über eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit ohne Beschluß der vereinigten Vorstünde der Berliner Verbände nicht zulässig ist., E. Rahardt, Vorsitzender. Die Entdeckuilg, die Herr Rahardt hier verkündet, macht seinem Scharffinn alle Ehre, aber die Toga des Biedermanns, in die er sich dabei hüllt, paßt ihm nicht, überall blickt der Scharfmacher und fanatische Arbciterhasser heraus. Die „Holzarbeiter- Zeitung" erinnert bei der Be- sprechung dieser Frucht Rahardtschcr Gedankenarbeit an einen Vorgang aus dem Jahre 1909. Dainals hat sich der Herr bcniüht, die Arbeiter um die vertraglich zur Durchführung zu bringende Arbeitszeitverkürzung zu bemogeln. Die Tischler- meister sollten die tatsächlich übliche Vcsperpause als offizielle Einrichtung erklären und ihre Dauer a»lf 10 Minuten täglich Kleines feuilleton, Romanlitcratur für Rcklamezwcckc. Einen„ganzen Scktroman" hat der„berauschende" Ullsteinromanautor Fedor v. Zobeltitz ge- schrieben. Er hat sich in das Studium der köstlichsten Weine ver- tieft, aber es kam nur etwas Seichtes zilstandc. Mit„Friedel halb- süß" ist der ganze Sektroman(ungemein originell I) etikettiert, und er ist ctlvas Halbes, das unangenehm süßlich schmeckt. Ein Ver- dauungsbehelf für»oeinlicbende Herrschaften, aber kein Tropfen für einen Proletarier, dem nach guter Lektüre dürstet. Vor kurzem hat sich der Herr v. Zabeltitz im„Tageblatt" über die Verteuerung des Champagners ausgelassen. Er gibt billig zu, daß das Volkswohl von diesem Schlage nicht getroffen wird— doch der Liebhaber des rasch ausbrausenden Parisers, wie man den Champagner auch nennt,»vird sich nun notgedrungen mit den deuiswen Schaumweinen befreunden müssen. Auch ein hartes Stück Arbeit, aber des Schweißes der Edelsten wert, wenn man jener deutschen Sektkellerei glauben darf, die im „Tageblatt" in einem ganzseitigen Inserat gegen den„Dichter" polemisiert. Sie bestätigt höflich und gerne, daß er in seinem Roman „Griedel halb-süß" das Entstehen einer neuen deutschen Sektmarke „Exelsior" in geiswoller und spannender Weise entwickelt hat, aber seiner Behauptung, daß manche deutsche Kellereien zur Aufbesserung ihrer Erzeugnisse Weine aus syrankreick beziehen, tritt sie aufschäumenv entgegen. O, ruft sie, edle deutsche Ricslinglvcine mit den dünnen gehalllosen Säuerlingen der Champagne zu versetzen, würde etwa so sein, als ob man lauteres Gold mit Zinn aufbessern wollte! Em Landesverrat an dem edelsten Erzeugnis deutscher Rebe und deutscher Sonne! Glauben Sie nicht, daß deutscher Geist, deutsche Sauberkeit, deutsche Disziplin und deutsche Ordnung in der Lage sind. manches zu leisten, wovon man sich im Auslande nichts träumen läßt? Wenn Sie wieder einen Artikel über Sekt schreiben, so»vürden wir es mit Freuden begrüßen,»venn Sie sich nicht selbst von einem so irrigen Borurteil gefangen nehmen lassen wollten. Brechen Sie eine Lanze für deutschen Wein, deutschen Sekt, deutsche Industrie und tragen Sie dazu bei, die ängstliche, klägliche Charakterschwäche und Selbstunlerschätzung, die so vielen Deutschen leider im Blute steckt, vertreiben zu helfen." Das find die auf Flaschen abgezogenen Phrasen unserer Regierungsstützen. Die gekränkte iseklkcllerei läßt sie wie Pfropfen knallen. Im Auslande hilft sich die Industrie selbst, hier muß der Romandichlcr„eine Lanze für sie brechen". Sie thront, ein Edel- fräulein auf hohem Altan, und die UnterhaltnngSschriftsteller. Helden von der Feder, treten auf den Plan für sie. Hinter dem geschlossenen Visier brütet die schmutzige und nackte Geldsucht, aber dem blöden Bürger offenbart sich in faltenreichem Gelvande die Lust an der reinen Schönheit und Kunst. Die erste Luftpost. Am 15. Oktober 1913»vurde die erste offizielle Luftpost per Aeroplan, und zwar für die Strecke Paris- Bordeaur, eröffnet. Es handelt sich,»vohlgemerkt, diesmal nicht um die Aufstellung eines neuen Rekords, sondern die Etablierung festsetzen. Damit sei die Vorschrift des Vertrages, wonach die »vöchentliche Arbeitszeit um eine Stunde zu verkürzen ist, erfüllt. In Wirklichkeit hätten aber die Unternehmer,»venu ihnen ihr Plai» gelungen wäre, nichts zugestanden, sondern an jedem Arbeiter einen Stundenlohn pro Woche profitiert. Denn, und darauf legte Herr Rahardt ganz besonderes Gewicht, es sollte jedem Arbeiter für die Arbeits- zeitverkürzung, die man illusorisch machen»vollte, der Wochcnvcrdicnst um einen Stundenlohn ver- kürzt»verde»». Kein Meister dürfe ctlva die alten Arbeiter aus Humanität von dieser Maßnahme verschonen. In der Versammlung der Berliner Tischlermeister, in tvelchcr Herr Rahardt diese Gedanken cnttnickelte, sprach er in dem Zu- sammenhang den Satz ans:„Wer noch vom HumanitätSdusel befangen ist, dem gebühren Prügel!" WeitN man sich diese Stellungnahme vcrgcgenlvärtigt, dann hat man die Erklärung für den oben abgedruckten Erlaß des Vorsitzenden des Arbeit gcberschutzverbandes. Die Maske des Wächters über die Jnnehaltung des Ver- träges, die sich Herr Rahardt in seiner Kundgebung vorzubinden für zweckmäßig hielt, ist sehr durchsichtig. Demi die fortgesetzten wirklichen Tarifverletzungen der Berliner Tischler- meister lassen ihn kalt, er hat deswegen noch keine Bekanntmachung erlassen, um sie zur Erfüllung ihrer Pflichten anzuhalten. Eine»vcsentliche prattische Bedeutung dürfte aber der Erlaß des Schutzverbandes trotzdem kaum haben. Die Berliner Tischlermeister und Holzindustriellen sind in ihrer großen Mehrzahl ohnehin vom Rahardtschen Geiste erfüllt; sie haben in der Regel auch seither jeden entbehrlichen Arbeiter immer sofort entlassen. Die Zahl der arbeitslosen Holz- arbeitcr, die im September ein wenig zurückgegangen war, beginnt»vieder stark anzusteigen. Am paritätischen Arbeits- Nachweis sind gegenlvärtig»vieder mehr als 9 6 00 Arbeitslose gemeldet(im Vorjahre»varen es zu gleicher Zeit 2000— L200), und in den nächsten Wochen dürfte diese Ziffer noch bedeutend in die Höhe gehen auch ohne den Rahardtschen Ukas. Der Wert dieser Kiindgebimg liegt hauptsächlich darin, daß er den Arbeitern die Brntalität der Unternehmer drastisch vor Augen führt. Die Herrschaften sind wirklich frei von jedem HumanitätSdusel: ihr Uebermut kann»mr von einer starken Gelverkschaft im Zaume gehalten»verden. Kerlin unck Qmgegencl. Die Färber und Wäscher Berlins beschäftigten sich in einer Branchenversammlung mit den hygienischen Einrichtungen in den Chemisch-Wäschereien. Die„Deutiche Färberzeitung" brachte in ihrer Nr. 31 dieses Jahres einen Artikel über Hygiene der Wäscher im Ausland. Der Artikelschreiber gibt unumwunden zu, daß die Beschäftigten in den genannten Betrieben ungeheuren Gefahren an Leben' und Gesundheit ausgesetzt sind. Er schreibt: lieber den Gesundheitszustand englischer Wäscherinnen besteht ein Bericht der Fabrikinspektorin Miß Deou. Nachdem von der Wäscherinnen üblichen Ueberarbeit Mitteilung gemacht ist,»vird daraus hin- gewiesen, daß fast die ganze Arbeit in einer Wäscherei stehend ausgeführt»vird und daß das Zubringen vieler Stunden in dieser Stellung häufig in ganz ungesunder Umgebung, verbunden mit dem Einatmen von heißer und feuchter Luft die Wäscherinnen Atemleiden, Krampfadern und Beingescbwüren aussetzt. Weiter heißt eS: TyphuSkrankheiten kommen bei Wäscherinnen häufig vor. eben- falls Tuberkulose. Was hier von den Wäscherinnen des Auslandes gesagt wird, paßt auch für die anderen Beschäftigten und nicht nur des Auslandes, sondern auch für Deutschland, speziell für Groß- Berlin. Ob Betriebs- oder Branchenversammlultg, überall hört man Klagen über schlechte Einrichtungen. Die erbärmlichste Rolle hierbei spielen die Plätterinnen, denn die haben nicht einntal den Mut. sich dagegen zu sträuben, daß sie stundenlang im Betrieb sitzen müssen, ohne einen Pfennig zu verdienen. Mit»vahrcr Schassgeduld warten sie, bis ihnen von der Direktrice gnädigst ein Stück Arbeit übergeben»vird. Haben sie ihre Arbeit gut und tadel- los abgeliefert und es stellt sich nachher heraus, daß in der Detachur das Stück nicht gut gereinigt oder in der Färberei nicht gut gefärbt worden ist, so»nuß die Plätterin dieses Stück, nachdem es»vieder die ersten Prozesse durchgemacht hat, uneutgeltlich noch einmal einer Rapidpost-Verbindung. die nach diesem ersten gelungenen Versuch beibehalten werden»vird, und der»veitcrc„Luft- Posten" auf anderen Routen folgen sollen. Die � Aufgabe bestand darin, die Korrespondenz, die in Paris zlvischen 6 Uhr abends und 7 Uhr des folgendelt Morgens auf die Post gegeben wird, noch am selben Tage bis nachmittags 3 Uhr auf das in Pauillac(bei BordcauS) abfahrende Schiff zu bringen. Bislang konnte diese Korrepsondenz, die gegen hundert Kilo Briese beträgt, nicht so zeitig befördert werden, daß sie den um die genante Stunde nach den Antillen auslaufenden Dampfer erreichte. Resultat: etiva vierzehn Tage Verspätung für diesen nach Tausenden von Briefen zählenden Kurier, da die Uebersecroute nach den Antillen nur alle zwei Wochen durch ein Schiff bedient wird. Die Lösung eines solchen BerkehrsproblemS erschien danach lohnend. Der Militärluftschiffer Leutnant Ronin unterzog sich am lö. Oktober als erster der gestellten Auf- gäbe. Er fuhr in Villacoublay(bei Paris) um 7 Uhr morgens mit einer Postsendung im Gelvicht von 6>/„ Kilo(genau 522 Briefe) ab und landete trotz widrigen SüdivestwindcS und eines unterlvegs er- folgten Maschinendefekts pünktlich um 2 Uhr 15 Minuten in St.-Julien-de-Beychevelle(bei Pauillac),>vo die Korrespondenz auf den vor Anker liegenden Dampfer„Perou" transportiert wurde. Für die nächste Rapidpostvcrbindung zur Bedienung des überseeische» Schiffsverkehrs ist. die Strecke Paris—?kizza vorgesehen. .Unzerbrechliches Glas. Eine Erfindung von weittragender Bedeutung wurde dieser Tage in London zum ersten Male vorgeführt, ein„Sicherheitsglas", bei dem alle Gefahren, die durch die leichte Zerbrechlichkeit des Glases entstehen, vermieden sind. Das Glas ist aus drei durchsichtigen Körpern zusammengesetzt: zwischen zwei Glas- scheiden wird ein dünnes Blatt rkylonüt(eine Art Zelluloid) gelegt, mit Glykose als Bindemittel, und das Ganze wird durch einen starken hydraulischen Druck zusammengepreßt. Bei der Vorführung wurde zunächst eine zwei Pfund schwere Eisenkugel an einen vier Meter langen Faden aufgehängt und wie ein Pendel geschlvungen. Traf diese Kugel auf gewöhnliches, dickes Glas, so sprang es in tausend Stücke: auch Drahtglas wurde zersplittert und das Draht- netz zerrissen. Dagegen splitterte das Sicherheitsglas bei demselben Stoß nicht im geringsten: man hörte nur ein leichtes Knacken. Eine Flintenkugel prallte von dem einen Zoll starken Glase ab und rief nur drei Sprünge hervor, während eine unter denselben Bedingungen abgeschossene Kugel sechs Zoll starles Holz glatt durchschlagen hatte. Das neue GlaS soll auch völlig„diebessicher" sein, da es mit Dianiantcn,»vie sie Einbrecher beimtzen, nicht geschnitten»verden kann.» M«fK. Die Sonntags-Konzerte des Schillertheaters haben sich bisher beivährt und fest eingebürgert. Der billige Preis des unpersönlichen, also übertragbaren ÄbonnemeiitS, nämlich für je drei SonntagS-Konzerte einschließlich Garderobe und Programm 1,50 und 2,10 M. ist manchem wohl erschwinglich. Bei alledem handelt eS sich um durchaus künstlerische Darbietungen von Werken klassischer»vie moderner Kammermusik und ebensolcher Gesänge. plätten. Das ist»vohl der Gipfel aller Ungerechtigkeit. Aber wie man sich bettet, so schläft man. Ehe nicht das Klassenbewußtsein bei dieser Arbeiterschaft erweckt ist. werden sie sich jederzeit als willenlose Sklaven behandeln lassen. Daß von den Unter- nehmern nichts Gutes zu erwarten ist, haben diese schon sehr oft bewiesen. Den Arbeitsnachweis, den sie sich eingerichtet haben, be- nutzen sie ungescheut als Maßregelungsbureau und die Arbeiterschaft ist so dumm und geht hin, um sich in ihren edelsten Gefühlen ver- letzen zu lassen, indem ihnen gesagt wird: Ehe Ihr nicht Mitglied der gelben Organisation werdet, könnt Ihr bei uns keine Arbeit bekommen. Es wird deshalb darauf hingewiesen, daß der Arbeits- nachlveis der Unternehmer zu meiden ist und nur der Arbeitsnach- weis des Textilarbeiterverbandes, Berlin, Andreasstr. 17, benutzt werde» darf." Zuzug von außerhalb ist vorläufig noch fern zu halten. Achtung, Kupferschmiede! Die bei der Firma Chemische Fabrik auf Aktien vormals E. Schering, Berlin, Müllerstraßc, und Chat- lottenburg, Tegeler Weg, beschäsligteu Kupferschmiede haben wegen Lohndifferenzeit die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen, diese beiden Betriebe streng zu meiden, da die Firma auf alle mögliche Art ver- sucht. Arbeitswillige heranzuziehen.— Arbeiterfreundliche Blätter »verden um Abdruck gebeten. Verband der Kupferschmiede Teutschlands. Filiale Berlin. Oeutlcbes Reich« Zum Kampf im Stettiucr Flcischergewerbc ist zu berichten, daß die Jmiungsmeister den Gesellen einen Revers zur Unterschrift vor- legen, worin diejenigen, die VerbandSmitglieder sind, ihres, sofortigen Austritt ans dem Verbaird erklären, die übrigen abSr die Ver? pflichtung übernehme», nicht Mitglieder des Verbandes zu werden. Wenn die Jnnungsmeister glauben, hierdurch etlvas zu erreichen, dann irren sie sich.— Die Fleischerineistcr behaupten, die Streiken- den hätten sich auf den Standpunkt gestellt. cnNvedcr wird alles be- »villigt, oder sie legen die Arbeit nieder. Das entspricht nicht den Tatsachen. Die Organisationsleitung hat gelegentlich einer Unter- Handlung mit den JnnungSvorständen die Bcreiiivilligkcit nilsgesprochen, daß die Fleischer statt der geforderten 13 sliindigen Arbeits- zeit 14'/z Stunden, des Sonnabends sogar 15'/, Stunden arbeiten wollen. Die jetzige Arbeitszeit beträgt 1«! Stunden pro Tag. Außer- dem wollten die Organisierten von einem Tarifvertrag absehen und ans die Forderung verzichten, daß die Fleischer vom Nachweis des Vcrbalides bezogen werden sollen, wenn die Innung Einwendungen gegen die Organisationszngehörigkeit nicht macht und die Einsielluilgen durch den Jimungsnachlveis ohne Unterschied zlvischen Organisierten und Unorganisierten erfolgen. Wenn die Verhandlungen gescheitert sind, so liegt die Schuld einzig und allein bei den Innungen. Sie wollen es eben zu einem Machllampf mit der Organisation der Fleischer kominen lassen, das beweist ja jetzt auch der Revers. Viel- leicht ist ihr Vorgehen noch begünstigt worden durch die Halsstarrig- lest des Stcttiuer Magistrats den slreikeitden Hafenarbeitern gegenüber. Der Streik iu der Ascherslebeuer Maschiueubau-Aklicugesellschilft dauert fort. Im mechanischen Betriebe arbeiten 50 Streikbrecher, in den übrigen Abteilungen 28. Von den 108 Gießereiarbeitern sind 6 Kernmacher und 3 Former abtrünnig geworden, Die Zahl der Streikende» insgesamt beträgt 235. Aus Rheinland. Weslfalcii, Sachsen. Berlin und Hannover kommen vornehmlich Streikbrecher. Viele sind allerdings nach einer Enttäuschung wieder abgereist,»veil sie den angeführten Verdienst nicht erreichen konnten. Das soüie allen denen zur Warnung dienen, die sich bereden lassen, dort Arbeit anzunehinen. Vor UeberiiaHine von Arbeit»vende sich jeder an das Bureau deS MetallarbeitcrverbcmdeS, Hinterbreite 23. Gelber Schwindel. Im Juni d. I. ging in der gegnerischen Presse unter der lleberschrift:„Ein Blick in den Z u k u n f t s st a a t" ein Artikel durch die Lande, der schwere Anschuldigungen gegen den Gclverlschaftsaugestellten M i ch a e l s e n von der Hamburger Ge- schäftSstclle des Deutschen TranSportarbeitcrvcrbandeS enthielt. Der Artikel, der aus dem Organ des gelben Hafenarbeitervereins„Der Hamburger Hafciiarbeircr" entilomine» worden war. behauptete, daß Michaelsen eine Frau Netz, die für ihren Mann Kraiilengeld abholen ivollic, dies Geld nicht nur verlvcigcrt, sondern sie auch noch mißhandelt habe. Wörtlich hieß es, nachdem der ganze Vorgang im Bureau tendenziös aufgebauscht»viedcrgegebcn worden»var: „Michaelsen faßte die Frau am Kragen und ivarf sie in des Wortes vollster Bedeutung zur Tür hinaus, stieß sie mit dein Leiter der Konzerte ist Prosessor Florian Z a d i c. Mit ihm, dem berühmten Geiger, teilen sich Heinrich G r ü n f e l d(Cello), Hans Hasse, die Violinvirtuosin Gertrud Steiner-Rothstein und Eduard B e h m(Klavier), lauter Künstler von Ruf, in die Wieder- gäbe. Am letzten Sonntag hörten wir'ein Klaviertrio in K-mall, eine in bezug aus Erfindung und geist- und seelenvolle Durchführung der Themen sehr interesiante Arbeit von Eduard Behrn, dem längst im Konzertsaal heimischen Liederkomponisten, der auch den schlvicrigeu Klavierpart bestritt, soloie ein Streichquartett in B-clui- 130 von Beethoven mit einem unsagbar tief lvehmütig und doch wieder beseligt aufblickenden Adagiosatz(Cavatine) und einem später als überhaupt letzte Komposition hingesprudeltcn Finale. Paul Reimers sang mit»vunderweicher Tenorstimme und trefflicher Phrasieruug einige ungemein lyrisch geartete Lieder von Edward Gneg. Im Blüthnersaal gab Sigmund v o n H a u s e g g e r mit dem Blüthner-Orchester am vorigen Montag das erste seiner sechs großen Sinfoniekonzerte. Auf dem Programm stand, außer Webers Freischlltzouvertüre, Schuberts unvollendete Sinfonie tt-moll und Beethovens Sinfonie Nr. 5, der Don Juan von Richard Strauß. Wer Gelegenheit hatte, diese Werke von demselben Orchester schon unser verschiedenen Dirigenten zu hören, wird sich nicht lange zu entscheiden haben, ivem der Preis gebührt. Das titanisch aufzutürmende Stranßsche Werk zumal kam diesmal mit einer sinne- bezwingenden Zartheit und alle Schranken niederdonnernden Wucht zu Gehör, die seine»vahrhaste Musikbedeutenheit neuerdings eindringlich zum Bewußtsein brachte. Hausegger nimmt die Tempi ziemlich frei. Ileberall»veiß er das unvergleichliche Orchester glänzend zu führen und so, in der inkffivischen Herausarbeitung der einzelnen Themen und ihren Gegenspielen, wie in der machtvollen Geschloffenheit de? ganzen jeder Wiedergabe seines Geistes Stempel aufzuprägen. Zudem beherrscht er die Partituren vollends im Kopfe und Herzen. Er dirigiert auswendig. Und das will immerhin viel heiße». elr. Humor und Satire. Halbpart. Trara! Der eine König zieht Gefeiert ein in München, Den andern, den in Fürstenried, Den wollen sie jetzt künd'gen. Der eine thronet im Palast Mit seinen sieben Töchtern, Der andre trägt der Krone Last Scheu unter Jrrenwächtern. Der eine schreitet»vürdevoll Durch Schranzen und durch Pfaffen, Der andre hat(denn er ist toll!) Mit Hertling nichts zu schaffen. So hat der Irrsinn auch sein Gut'S, Jedoch, das ist die Frage, Die ich nur sehr bellomm'nen Muts An Euch zu richten wage: Kopf gegen die Wand, schlug ihr mit der Fanst dor die Brust, und trat ihr mit dem Fuß gegen den Leib, bis die Frau blut- überströmt auf dem Flur ohnmächtig zusammenbrach und andere Leute der armen Mißhandelten zu Hilfe kamen. Die Frau muhte sich anderen TagS in ärztliche Behandlung begeben. Der Arzt stellte Beulen an Kopf, Wunden an der Lippcnschleimhaut, zwei lose Zähne im Unterkiefer, blaue Flecke an der Brust und am Unterleib fest und beantragte die Aufnahme in ein Krankenhaus." Genosse Michaelsen beschritt gegen den Redakteur Max Neu- m a n n von dem gelben Organ und die Ehefrau Netz, die die Mär erdichtet hat, den Weg der Privatklage. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht am Dienstag führte denn auch zu einer V e r- urteilung der beiden Angeklagten. In der umfang- reichen Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß die Frau aus dem Grunde kein Krankengeld für ihren Mann ausbezahlt erhielt, weil dieser in dem dringenden Verdacht stand, gearbeitet zu haben und zwar obendrein als Streikbrecher. Netz ist auch von der Verwaltung mehreremale aufgefordert worden, zu einer Sitzung zu kommen, um sich zu rechtfertigen. Netz zog es aber stets vor. durch Abwesenheit zu glänzen und seine Frau zu den Sitzungen zu schicken. Als die Frau an einem Tage wieder kam, wurde ihr bedeutet, daß ihr Mann erscheinen müsse. Die Frau wurde darauf so erregt, daß sie die unerhörtesten Beleidigungen gegen Michaelsen ausstieß. Ilm die Frau los zu werden, verwies er ihr das Lokal. Sie ging, kam aber gleich skandalierend wieder hinein, so daß Michaelsen sie an die Schulter faßte und sie zum sofortigen Verlaffen des Lokals auf- forderte. Bei der Gelegenheit schlug die Frau mit ihrer Handtasche um sich und traf M. an der Brust. Als sie zum zweiten Male zum Schlage ausholte, wehrte M. den Schlag ab, so daß die Möglichkeit besteht, daß sich die Frau mit ihrer eigenen Tasche an den Mund getroffen und sich leicht verletzt hat. Das ist der ganze Vorgang. DaS ärztliche Attest, das dem Gericht vorlag, geht denn auch dahin, daß die Frau an der Lippe eine kleine Verletzung gehabt habe, die aber mit Lanolin wieder geheilt worden sei. Der Verteidiger der beiden Angeklagten gab selber zu, daß nach der Beweisaufnahme der WahrheitS- beweis nicht erbracht worden sei. Er bat lediglich um mildernde Umstände. Rechtsanwalt Dr. Herz-Altona für Michaelsen beantragte beide Angeklagte zu verurteilen, da die harmlose Affäre tendenziös aufgebauscht und von der gegnerischen Presse Deutsch- landS als gefundenes Fressen übernommen worden sei. DaS Gericht stellte fest, daß die in dem inkriminierten Artikel gegebene Dar« stellung von der Frau Netz wissentlich in maßloser Weise übertrieben worden sei. Nicht wahr sei. daß die Frau in den Leib getreten und blutüberströmt zusammengebrochen sei. Das Ge- richt verurteilte daher Frau Netz zu einer Geldstrafe von zwanzig Marl. Max Ncumann zu einer Geldstrafe von sechzig Mark. Ferner wurde die Publikation des Urteils in ver- schiedenen Zeitungen ausgesprochen. Sie Revision des fchweizerüclfen FaMgeietzes. In der verflossenen lätägigen Session der Bundesversamm- liing bildete die Revision des Fabrikgesetzes, speziell im National- rat, den Hauptberatungsgegenstand. Orientierend sei bemerkt, daß das schweizerische Fabrikgesetz seit dem 1. Januar 1878, also seit Sö Jahren in Kraft ist. Da- mals tvar es das beste Arbcitcrschutzgesctz in ganz Europa. DaS österreichische Arbeiterschutzgesetz von 1886 und das deutsche von 1831 sind ihm zum großen Teil nachgebildet. Die wichtigsten Bestimmungen sind der E l f st u n d e n t a g für alle(mann- lichen und weiblichen) Arbeiter, die zehnstündige Arbeitszeit an den Sonnabenden, die Sonntagsruhe, das Verbot der Nachtarbeit für Arbeiterinnen und Jugendliche bis zum 18. Altersjahre, die fakultative Inständige Mittagspause für Arbeiterinnen mit eigenem Haushalt, das Verbot der Fabrikarbcit von Kindern bis zum vollendeten 14. Altersjahre, die achtwöchige Schutzzeit der Wöchnerinnen, die bloß ausnahmsweise Zulassung von Nachtarbeit, die Haftpflicht für Betriebsunfälle usw. Die Forderungen des damaligen kleinen Häufleins organisierter Ar- beiter(der Schweizerische Arbeiterbund zählte nur zirka ölXX) Mitglieder) waren diel weiter gegangen und insbesondere hatten sie das Hauptgewicht auf den Z e h n st u n d e n t a g gelegt. Die organi- sierten Arbeiter waren mit dem weit hinter ihren Forderungen zurückgebliebenen Gesetz nicht zufrieden. Als es aber von den Unter- nehmern heftig bekämpft und zum Zwecke seiner Verwerfung zur Volksabstimmung gebracht wurde, sahen sich die Arbeiter genötigt, für seine Annahme zu wirken, die dann auch im Oktober 1877 mit rund 183 303 gegen rund 173 333, also mit einer Mehrheit von 13 333 Stimmen erfolgte. Wer ist nun von den Hohen Herrn So recht von Gottes Gnaden? Der Neue mit dem Ordensstern? Der mit dem Geistesschaden? Ich glaub', Ihr Herrn habt uns genarrt, Doch zeiht mich nicht des Spottes: Die Könige teilten wohl halbpart Die Gnade ihres GotteS! _ Ratsch. Notizen. — Eine Herbstblumen-Ausstellung wurde im Reichstagsgebäude eröffnet. Der hohe Stand unserer Gärtnerei wird darin wieder offenbar. Die Ausstellung ist bis Sonntag ein- schließlich von 13—7 Uhr geöffnet. — Theaterchronik. Die Aufführung der Strindbergschen Kronbraut im Thealer an der Königgrätzer Straße ist von Sonnabend auf nächsten Dienstag verschoben worden. — K u n st ch r o n i k. Der Herbstsalon Des Sturmes(PotS- damer Straße 76) bleibt noch bis zum 1. Dezember geöffnet. — Die Sängerin im Löwenkäfig. Wie eine Ver- höhnung der Leipziger Löwenschlacht, bei der auf den Löwen 23 Schutzleute und 133 Kugeln kamen, mutete eine Filnivorstellung in NeubabelSberg an. Dort stieg die bekannte Sängerin E m m y Destinn in großer Toilette zu zehn ausgewachsenen Löwen und vier Löwenbabys in den Käfig. Unier der Obhut der Löwen- bändigerin(alias Dompteuse) setzte sie sich an den Flügel und markierte Gesang. Der Film registrierte das Familienleben— und nun geht dieser dünne Ulk als Sensationsfilm in die Welt. — Ein neues Haeckel-Buch. Ernst Haeckel, der im Februar seinen 83. Geburtstag feiert, wird unter den, Titel:„Die Natur als Künstlerin" noch im Laufe dieses Monats ein mit 83 Tafeln illustriertes, volkstümlich gehaltenes Werk beim Verlag Vita erscheinen lassen. — Gebändigte Wolkenkratzer. Die New Uorker Kommission für die Höhe von Bauwerken veröffentlicht das Ergebnis einer Umfrage bei 43 führenden Fachleuten der Jngenieurkunst und der Bautechnik. Nicht weniger als 41 dieser Autoritäten haben es als dringend wünschenswert bezeichnet, eine gesetzliche Grenze für die Höhe von Bauwerken zu schaffen. — Piepvögel, die das Knopfloch verfehlten. Nun hat sich so'n Mann wie der Geheime Hofrat Th i em e(aus "einzig) so viel Mühe gegeben, um den Riesenhaufen des Völker- säilacbldcnkinals zusammenzubringen. Und was kriegte er dafür? nSe aemeinste Wald- und Wiesenausgabe des roten Adlers— die �-„„-. Klaiie die jeder emeritierte Subalterne bekommt. Wie ein Mann und ein Held hat er den Spatz abgelehnt. Und der Ober- büraermeister Dittrich den Kronenorden zweiter Kajüte dito. Es gibt also doch noch Männerstolz vor- Piepvogeln. Seither ist das Gesetz unverändert geblieben, bis auf eine Bestimmung, durch die die Arbeitszeit an den Sonn- abenden von 13 auf 3 Stunden mit Feierabend um 6 Uhr reduziert wurde. Diese 1336 geschaffene Neuerung hatte dann die Einführung des ganzen freien Sonnabendnachmittags in vielen Betrieben mit vielleicht zirka 63 333 Arbeitern zur Folge. Da die gewerkschaftlichen Erfolge in vielen Betrieben und für Hunderttausende von Arbeitern mehr oder weniger weit das Fabrik- gesetz überholt hatten, forderten die organisierten Arbeiter schon längst die zeitgemäße Revision des Fabrikgesetzes. Sie wurde endlich im Jahre 1334 auf Antrag unseres Genossen Dr. St uder vom Nationalrat beschlossen. Im Mai 1313 legte der Bundesrat der Bundesversammlung einen von den Fabrikinspektoren vorbereiteten Revisionsentwurf mit dem Zehn- und Neun- st u n d e n t a g(an den Vorabenden von Sonn- und Festtagen), der ausgedehnteren Anwendung des Verbotes der Bußen und sonstiger Lohnabzüge, mit dem Schutz des Vereinsrechts der Arbeiter gegen den Terrorismus der Unternehmer, mit der Schaffung kantonaler Einigungsämter zur Schlichtung von Kollektivstreitigkeiten und anderen Neuerungen vor, der einen wesentlichen Fortschritt gegen das bestehende alte Fabrikgesetz be- deutete. Die Arbeiterschaft war im großen und ganzen einver- standen und forderte Verbesserung nur bezüglich einzelner Partien. Anders aber die Unternehmer. Die in der Hauptsache aus Unter- nehmern oder Vertretern von solchen zusammengesetzte national- rätliche Kommission, der nur drei Sozialdemokraten angehörten, verschlechterte den bundesrätlichen Entwurf derart, daß unsere Genossen ihn bekämpfen mußten. Da fiel es dem Bundes- rat S ch u l t h e ß. dem Chef des Jndustriedepartements, ein, mit Führern beider Parteien eine sogenannte Ver stand ig ungS- konferenz abzuhalten, die sich dann auch auf einen„Ver- ständigungsentwurf" einigte, der weit hinter dem ur- sprünglichen Revisionsentwurf deS Bundesrats zurückbleibt und mit dem die Arbeiterschaft durchaus nicht zufrieden ist. Sie ver- langte seine Verbesserung im Sinne deS ursprünglichen Entwurfes. - Ueber diesen unzulänglichen Verständigunsentwurf verhandelte der Nationalrat zunächst an drei Tagen. Von unserer Fraktion sprachen die Genossen Greulich, Dr. S t u d e r. Winterthur, S i g g» Genf und E u g st e r- Herisau. Greulich wies durch einen längeren historischökonomischen Rückblick auf die Entwickelung der Schweiz die Notwendigkeit der Arbeiterschutzgesetzgebung und ihrer fortschrittlichen Fortführung, insbesondere der weiteren Verkürzung der Arbeitszeit nach. S i g g wies die glänzend« EntWickelung der schweizerischen Fabrikindustrie nach und stellte der Behauptung des französischen Referenten Charbonnet von der angeblichen Sabotage der Arbeiter die wirkliche Sabotage der Unternehmer auf den ver- schiedensten wirtschaftlichen Gebieten gegenüber. Engster wandte sich gegen den Zweischichtenbetrieb und die übrigen Verschlechte- rungen des Entwurfes, bezeichnete den Arbeiterschutz als die Sühn« eines großen, an der Arbeiterschaft verübten Unrechts und trat noch besonders für den Schutz des Koalitionsrechtes der Arbeiter ein. Unterstützung fanden unsere Redner von feiten der Konservativen(Katholiken) und der kleinen demokrati- scheu Gruppe, während die Redner der freisinnigen Mehrheit, die Fabrikanten B a l l h und G u j e r sowie Bundesrat S ch u l t h e tz und andere Redner dieser Partei, sich mit Eifer für diesen» Ver- ständigungsentwurf ins Zeug legten, der den Kapitalisten noch zu weit geht. Der Detailberatung der Vorlage waren die meisten übrigen Sitzungen des Nationalrates gewidmet, in denen von den 86 Ar- titeln 33 erledigt und 7 an die Kommission zurückgewiesen wurden. Die erledigten Artikel betreffen die wichtigen Partien des Maxi» malarbeitStages, des zweischichtigen Tages- betriebes, des ununterbrochenen Betriebes, der Ueberzeit-, Nacht- und SonntagSarbeit usw. Die von der Arbeiterschaft entschieden bekämpften Fabrikbußen, die im BundeSratsentwurf fehlten, werden beibehalten, ebenso die Lohnkaution und die Lohnabzüge für alle möglichen Dinge, also die Privilegierung deS Unternehmers als Gläubiger deS Arbeiters. Es ist nicht durchgesetzt, daß der Arbeitslohn stets ohne jede Abzüge oder Aufrechnungen voll bezahlt werden muß. Für die Einigungsämter war ursprünglich der Erscheinungs- und Verhandlungszwang vorgesehen, der Verständigungsentwurf sieht nur den ersten vor. Auf Antrag unserer Fraktion ist auch der Verhandlungszwang wieder aufgenommen worden. Wie die Einigungsämter zur Vermittelung in Kollektivstreitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern bildet auch die„eidgenössische Werkstättenkommission" für die Regiebetriebe des Bundes eine Neuerung im Entwurf. In der ständigen dreigliederigen Kom- Mission muß ein Vertreter der Arbeiterschaft sitzen und von den vier im einzelnen Falle zugezogenen Mitgliedern müssen zwei Arbeiter- Vertreter sein. Die Vorschläge sind von der Arbeiterschaft der Werk- stätten zu machen. Die Neuerung gilt auch für die Bundesbahnen. Die Maximalarbeitszeit für alle Arbeiter wurde auf 13 Stunden für die ersten fünf Wochentage und auf 3 Stunden am Sonnabend festgesetzt, aber gleich- zeitig für das lange Uebergangsstadium von 13 Jahren die Zuläsfigkeit der 13� stündigen Arbeitszeit an den ersten fünf Wochentagen bei höchstens 6� stündiger Arbeitszeit mit Feierabend um spätestens 1 Uhr mittags statuiert. Die Red- ner der sozialdemokratischen Fraktion bekämpften diese rückständige und kautschukartige Bestimmung, mit der raffinierte, skrupellose Unternehmer alles mögliche zum Nachteil der Arbeiter anfangen können und beantragten ihre Streichung, wobei auch auf die hygie- nische Seite der kürzeren Arbeitszeit hingewiesen wurde. Auch von bürgerlicher Seite wurden Verbesserungs- antrüge gestellt, so auch auf Beschränkung des Uebergangsstadiums auf fünf statt auf zehn Jahre. Und interessantesterweise, auch Unternehmer selb st standen auf und bezeugten, daß sie mit dem Zehnstundentag die besten Erfahrungen gemacht haben, so der große Schuhfabrikant Bally, der Textilfabrikant Gugelmann und der Schokoladenfabrikant Cailler und befürworteten ihn. Gugelmann anerkannte dabei auch. daß die großen Fortschritte in der Verbesse- rung des Loses der Arbeit er zum Teil der sozial- demokratischen Partei zu verdanken sind. Die Verständigungsguillotine funktionierte aber in bewährter Art, in- dem alle Verbesserungsanträge abgelehnt und der bezügliche Ar- tikel unverändert mit 137 gegen 28 Stimmen angenommen wurde. Die Neuregelung der Mittagspause läßt die englische Arbeitszeit zu. Neu ist auch das Verbot des Mitnach- Hausegebens von Arbeit im Fabritgesetz(es besteht aber bereits im SamStagsarbeitSgesetz), und ferner das Verbot, daß außerhalb der gesetzlichen Arbeitszeit Arbeiter in der Fabrik auch nicht freiwillig arbeiten dürfen. Beim zweischichtigen Tagesbetrieb darf die Schicht- dauer nicht mehr als effektiv 8 S t n n d'e n innerhalb 3 Stunden betrage», und müssen damit zwei je oder mindestens �stündige Zwischenpausen verbunden sein. ES war der Glarner Demokrat B l u m e r, der ganz richtig dazu bemerkte, daß die Zulassung des zweischichtigen TageSbetriebes auch mit der Achtstundenschicht einen Rückschritt der Arbeiterschutzgesetzgebung bedeutet. Die Acht- I stundenschicht setzten aber zur Verkleinerung des Uebels die Sozial- demokraten durch. Die Ueberzeitarbeit ist auf 83 Stunden im 'Jahre beschränkt. Eine lange und lebhafte Diskussion veranlaßt« die Regelung des ununterbrochenen Betriebes, der nach dem Verständigungsentwurf in drei Schichten mit je acht- stündiger Arbeitszeit geführt werden soll— aber der Bundesrat kann eine solche bis zu 13 Stunden bewilligen,„wenn dies in den wirtschaftlichen Betriebsbedingungen einer Fabrik oder einer Jndu- strie begründet ist und wenn es der Schutz von Gesundheit und L�ben des Arbeiters erlaubt. Die Schichtdauer darf unter keinen Umständen über 12 Stunden hinausgehen." Mit dem bundesrätlichen Untcrnehmeranwalt Schultheß als Chef deS Jndustriedepartements dürften die ausnahmsweisen 13 Stunden, die in Wirklichkeit sich zu 12 Stunden auswachsen, zur Regel und die angeblichen regelmäßigen 8 Stunden zur Aus- nähme werden, weil der sozialdemokratische Antrag auf regelmäßigeAcht st unden schichten, wobei während eines zehnjährigen Uebergangsstadiums Arbeitszeiten bis zu zehn Stunden hätten zugelassen werden sollen, mit 32 gegen 23 Stimmen abgelehnt wurde. Da noch 33 Artikel der Vorlage zu beraten sind und dies erst in der nächsten Dezembersession der Bundesratsversammlung geschehen wird, ist es natürlich auch nicht angängig, heute schon ein Urteil über die Revision des schweizerischen Fabrikgesetzes auszusprechen. Soviel darf allerdings jetzt schon gesagt werden, daß die Revision des Fabrikgesetzes nach alledem, was bis jetzt erledigt ist. weit hinter den berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft zurückbleibt und sie daher nicht zu befriedigen vermag. Die Erkämpfung weiterer Fort- schritte bleibt nach wie vor die wichtigste Aufgabe unserer GeWerk- schaften. „Mcnitrcik gegen die Staatskirche!" So lautete das Thema für vier große Volksversammlungen, die der Groß-Berliner VertrauenSobmann des Komitees Kon- fessionslos zum Dienstag einberufen hatte. Das Thema, zugleich ein Mahnruf, hatte nach der „Neuen Welt" in der H a s e n h e i d e einen Massenansturm zur Folge. 3333 bis 4333 Personen beiderlei Geschlechts füllten den Riesensaal, als vor der vom Genossen H a r n d t geleiteten Versammlung der erste Referent, Geheimrat Professor Wilhelm Ostwald, das Wort nahm. Herr O st w a l d legte dar, daß aus Gründen innerer Reinlichkeit und Ehrlichkeit aus der Kirche auch äußerlich der aus- treten müsse, für den die Lehren der Kirche mit dem in Widerspruch stehe, was er selbst als sein persönliches Ideal empfindet. ES sei aber die übergroße Mehrheit, welche innerlich über die Kirche— er spreche von der Staatskirche— hinaus sei. Man sollte aber auch im Interesse der Kinder austreten. Nur durch einen Austritt in größter Menge könnten wir schließlich einen Einfluß auf den Staat in dem Sinne erwirken, daß auf dem Gebiete der Erziehung gesetzlich der religiöse Gewissenszwang falle, unter dem die Kinder der Dissidenten jetzt leiden. Jeder, der austritt, und schnell- stens austritt, trägt ein Scherflein dazu bei. Dem Vortrage folgte stürmischer Beifall. Dr. Karl Liebknecht, der zweite Referent, sprach als Sozialdemokrat und Politiker und detonte dabei, daß er die reinen Weltanschauungsftagen nicht berühre. Entscheidend sei für ihn, neben der Frage der inneren Reinlichkeit und Ehrlichkeit, daß die Kirche in Preußen keine religiöse Organisation sei, sondern sich wohlüberlegt als ein Instrument der herrschenden Klassen zur Unterdrückung der breiten Massen des Volke? fühle. Andererseits halte der Staat seine Fittiche über die Kirche, um sie sich für jene Aufgabe dauernd zu sichern. Redner kennzeichnete in dieser Rich- tung die Staatskirche noch näher. Zur Frage des Kirchenaustritts gipfeln die Anschauungen des Redners in folgendem: Jeder, der ein ehrliches Religionsbedürfnis habe, solle eS bewahren. Aber auch er sollte aus der preußischen Staakskirche austreten, da ja die prcu- ßische Staatskirche nichts gemein habe mit der Befriedigung seines ehrlichen religiösen Bedürfnisses. Austreten müßte ferner, wer innerlich mit der Kirche gebrochen habe, denn sonst sei er ein Heuchler. Und schließlich: wer ein Kämpfer sein wolle für wirtschaftliche und politische Befreiung, aufgebaut auf dem Grund- satz:„Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt", der ist verpflichtet, auszutreten aus der Landeskirche, die als In- strument der herrschenden Klassen den preußischen Junkerstaat immer fester zu verankern bestrebt sei. Der Boykott der Staats- kirche, energisch und im weitesten Umfange betrieben, sei ein gutes und vorläufig das bequemste Mittel, den Stiefvater Staat und die herrschenden Klassen minder widerstandsfähig zu machen bei ihrem Widerstande gegen die Freiheitsbestrebungen des Volkes. Heraus aus der Landeskirche!(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Es entspann sick eine längere lebhafte Debatte, an der neben vielen Freunden auch zwei christliche Gegner des Kirchenaustritts teilnahmen. Am Schlüsse wurde unter großem Beifall festgestellt, daß allein diese Versammlung in der„Neuen Welt" die Aufnahme von 682 Kirchenaustrittserklärungen brachte. Ein ungenannter Spender deponierte 133 M. für Unbemittelte, die aus der Kirche austreten wollen. Auch der große Saal der Brauerei Friedrichshain war von einer dichtgedrängten Menge bis in die äußersten Winkel besetzt.— Der erste Referent war Reichstagsabgeordneter P e u s. Wir wollen uns hier nicht nur unterhalten, sagte er, sondern wir fordern Sie auf zu einer Tat. Wir fordern Sie auf zur direkten Aktion. Jeder, der innerlich nicht mehr zur Kircke gehört, soll das auch frei und offen bekennen, indem er aus der Landeskirche aus- tritt. Besonders muß man das von denen erwarten, die sich zur Sozialdemokratie bekennen, denn das sozialdemokratische Pro- gramm fordert die Trennung der Kirche vom Staat oder richtiger die Entkirchlichung des Staates. Bis die Trennung der Kirche vom Staat in Preußen durch Gesetz ausgesprochen wird, darauf können wir noch lange warten. Warten wir nicht auf diesen noch weit ent» fernten Zeitpunkt, sondern vollziehen wir die Trennung schon jetzt, indem jeder, der innerlich nicht mehr zur Kirche gehört, sich in aller Form von ihr trennt. Die Kirche ist ein Instrument der Klaffen- Herrschast. Wer die Klassenherrschaft bekämpft, der kann also der Staatskirche nicht angehören. ES ist also eine traurige Erscheinung, daß viele Sozialdemokraten mehr Steuern an die Kirche zahlen wie an ihre Partei. Das gilt besonders, wenn wir alle die mitzählen, die sozialdemokratisch wählen. Nach einer eingehenden Kennzeich- nung der mit den modernen Anschauungen in schroffstem Gegensatz stehenden kirchlichen Bestrebungen forderte der Redner unter leb- haftem Beifall zum Massenaustritt auL der Landeskirche auf. Wenn wir Revolution wollen, dann müssen wir machen, was wir heute schon zu unserer Befreiung machon können und nicht warten, biS der Tag kommt, von dem man den Ausbruch der Revolution er- wartet.». Als zweiter Referent sprach der Präsident des Deuftchen Frei- denkerbundes, T s ch i r n- Breslau. Er beleuchtete die Lehren der christlichen Kirche und zeigte, daß sie keineswegs geeignet ynd, als sittliche Grundlage des menschlichen Handelns zu dienen. Die Kirche übt eine Fremdherrschaft aus über das Geistesleben der..�enichen. Wir müssen uns freimachen von dieser Fremdherrschaft, wdem wir die Kirche verlassen. Luthers Reformation war sa aua? ein Massen» austritt aus der katholischen Kirche, aber keine Befreiung von der Herrschaft der Staatskirche. Wenn wir l-tzt den MassenauStritt aus der Kirche fordern, so machen wir ganze Arbeit, denn wir wollen, daß die Herrschaft der Kirche.beseitigt wird. Die Macht der Kirche beruht in letzter Linie darauf, daß ihr die Massen, wenn auch nur äußerlich, angehören. Nehmen wir der Kirche die Volks- massen, so ist es mit ihrer Macht zu Ende.(Starker Beifall.) In der Diskussion bemühten sich zwei liberale Geistliche. Licentiat B i t t l i n g e r und Pfarrer I m i tz, der AuStrittsbewe» gung entgegenzuwirken, indem sie zur Reformierung innerhalb der Kirche aufforderten.— Dagegen führte Peus aus: Der Kern- Punkt der Frage sei Trennung der Kirche vom Staat. Das aber wollen die liberalen Geistlichen nicht; ihre Bestrebungen sind also nur eine Halbheit. Großen Eindruck machten die Ausführungen eines anderen Redners. Pastor a. D. W an g e r m a n n, der seinen ehemaligen Amtsbrüdern den Text las mit einer Deutlichkeit, wie sie Jesus den Pharisäern gegenüber geübt hat. Der Redner schilderte, wie er sich bemüht hat. praktisches Christentum zu üben. Er ist unter die Armen und Elenden gegangen, um ihre Not aus eigener An- schauung. kennen zu lernen, und hat dann für die Linderung deS menschlichen Elends praktisch sich betätigt. Durch diese wahrhaft christliche Tätigkeit ist er mit den kirchlichen Behörden in Konflikt geraten, disziplinarisch verfolgt worden und ist infolgedessen vor sieben Jahren aus der Kirche ausgetreten. Er begrüßt es mit Freuden, daß sich die Massen von der Herrschaft des Oberkirchen- ratS frei machen.(Großer Beifall.) Mit einem Schlußwort des Referenten T s ch i r n endete die Versammlung. Von den etwa 3000 Besuchern haben 350 ihren Aus- tritt aus der Kirche angemeldet. Der große Saal vom Moabit« Gescllschaftshaus war bis auf den letzten Platz besetzt, hunderte mutzten stehen und konnten keinen Eingang mehr finden, während eine ganze Anzahl von Zuhörern die Tribüne bis in die kleinsten Winkel ausge- nutzt hatte. Als erster Redner nahm Prediger G a u l k e das Wort und legte in einem einstündigen, überaus interessanten Vortrag dar, daß aus Gründen der Ehrenhaftigkeit, der Wahrhaftigkeit und der Gewissenhaftigkeit heute kein denkender Mensch mehr der Staats- kirche angehören dürfe. Auch jeder gläubige Christ, der es mit dem Christentum ehrlich meint, müsse aus denselben Gründen der Staatskirche den Rücken kehren. Käme der Nazarener heute wieder und wollte in der Kirche predigen, so müßte er erst einen Taufschein vorweisen. Gelte doch heute noch nicht einmal jeder getaufte Christ als solcher, sondern nur, wer mit der richtigen Formel getauft ist. Dabei stehe nirgends geschrieben, daß nur selig werden könne, wer getauft sei. Wer zu Jesus stehe, könne schon gar nicht der Kirche angehören. Jesus habe keine Religion mit Politik verknüpft. Ter Beruf der Kirche erschöpfe sich in erster Linie darin, Gehorsam gegen die Obrigkeit zu lehren. Wer ein wirklich christliches Leben führen wolle, müsse austreten aus der Kirche. So gut wie Wissenschaft, Kunst, Arznei usw. religionsfrei geworden sind, müsse es auch die Politik werden. Reformversuche innerhalb der Kirche seien nicht möglich; alle Vermittelungsver- suche von liberalen Theologen in dieser Hinsicht seien wertlos. Gründlicher Wandel könne nur geschaffen werden durch die freie Tat eines Volkes, wenn es in Massen aus der Kirche scheidet. ES sei falsch, zu sagen, es gäbe in Deutschland nur 200 000 Dissidenten. Das entspreche nicht den Tatsachen. So wie wir dächten viele Millionen, sie handeln bloß nicht dementsprechend, und damit rechnet der Staat. Wenn nur zwei Millionen aus der Kirche schieden, so würde das eine Wucht entfalten, daß der Staat den Wünschen derselben Rechnung tragen müßte, ob die Kirche wollte oder nicht. Wer also so denke wie wir, der müsse raus aus der Landeskirche. �Stürmischer Beifall.) Landtagsabgeordneter Adolf H o f f m a n n, von der Versamm- lung sturmisch begrüßt, sagt einleitend: Wenn er den Beifall richtig verstanden habe, dann beginne jetzt der Massenstreik.gegen die Kirche durch die Anwesenden, soweit sie noch der Kirche angehörten. Ter wirtschaftliche Kampf, so erklärt Redner, sei schwer zu führen und erfordere große Opfer, desgleichen der politische Kampf, auf kirchlichem Gebiete aber sei der Kampf mit ganz minimalen Opfern zu führen und doch täten es taufende nicht. Am heutigen Abend müsse der Ruf mit doppelter Kraft erschallen: Frei der Staat und frei die Schule von der Kirche!(Lebhafte Zustimmung.) Die Herr- chheuden haben mit_ der Kirche Frieden gemacht, weil sie sie brauchen, und die Kirche dankt dafür durch entsprechende Dienste. Tie Kirche trägt einen Hauptteil Schuld an der mensckienverwüstenden Reaktion. Sie ist mit schuld an den Kriegen, an der Völierverhetzung, an den Rüstungen, an den Mcnschenvernichtung. Sie ist schuft» daram daß die christlichen Völker in dieser Hinsicht an der Spitze warschieren. Darum sollte man meinen, daß auch jeder ehrliche Christ aus der Kirche auszutreten hätte. Er sage noch einmal: ivie im Abgeordnetenhause: Der Krieg ist ein Hohn auf Menschen- tum, auf die Kultur und auf das Christentum.(Stürmische Zu- stimmung.) Tr habe in den letzten Wochen acht Nationen besucht und in ihren Ländern gesprochen und überall habe er den Ruf nach Frei- Veit und Aufklärung vernommen. Gehe die Masse aus der Kirche beraus, dann hätten es die Reaktionäre sehr bald satt, für die Kirche noch Geld zu bewilligen. Redner schließt unter tosendem Beifall mit dem Ruf: Heraus aus der Landeskirche, hinein in den Massenstreik gegen die Kirche! 3« der Diskussion nahm als einziger Gegner ein Herr Bade, Student der Theologie, das Wort. Er meinte, wenn wir es er- reichten, daß an Stelle der meisten Pastoren, mit denen alle unzu- frieden seien, andere kämen vom Schlage eines Traub oder Jatho, dann wäre ein Austreten aus der Kirche nicht mehr nötig. Wenn wir tausend �.raubS hatten oder Jathos, dann wäre es bald anders. Und wurde der Referent Adolf Hoffmann einmal in die Kirche gehen und predigen, dann wäre sie sicher bis auf den letzten Platz gefüllt.(Stürmische Zustimmung.) Würde man die Kirche den Arbeitern zur Erbauung, zur Erholung zur Verfügung stellen, so brauchten sie nicht ihre Zeit in der stickigen, dumpfen Kneipe zmm- bringen. Adolf Hoffmann bestätigt in seinem Schlußwort, daß die Kirchen sehr wohl eine bessere Unterhaltungsstätte sein könnten als unsere Bierlokale. Und Ivas der Redner wünsche, das sei in anderen Ländern zum Teil schon erfüllt, denn er selbst habe in .e"nec �ir�e gesprochen. Aber wenn tausend Traubs und Jathos kamen, so dächten wir genau noch so wie heute, da die Traubs und die Jathos nicht den Mut zur Konsequenz hätten, lonst wurden sie mit samt ihrer Gemeinde aus der Kirche heraus- gehen. Es»ei überhaupt ein trauriges Zeichen, daß die Geistlichkeit es einem jungen Anfänger, der sicherlich aus seiner ehrlichen Ueberzeugung svreche, uberlasse, die christliche Kirche zu verteidigen. Dem Zungen Redner rief Hoffmann zu. wenn er es mit dem Christentum ehrlich meine, dann möge er den Talar erst gar nicht anziehen, sondern sich dem Volke anschließen. Mit dem Rufe- Los von der Kirche! schließt der Redner unter dem tosenden Beifall der Versammlung. gegeben 2IuStritt8er?r5nin0cn wurden in der Versammlung ab- Auch die Versammlung im'-.u Viktoria-Gortci, zu Wilmersdorf war stark überfüllt. Hier sprachen zum Thema des Tages Dr. Bruno Wille sowie der Rcichstagsabgeordnete V o g t h e r r. Stettin Ferner sprach Fräulein Lilli Jannasch, die die Bestrebungen des »Bundes für weltliche Schule und Moralunterricht" im Zusammenhang mit der Kirchenaustrittsbewegung behandelte. Alle Redner ernteten den Beifall der Erschienenen. Die Zahl der Gesamtaustritte betrug 1328. .. geübte Propaganda zum Massenstreik gegen die Staats- krrche kann also auf einen sehr guten praktischen Erfolg zurück- blicken.~as ist um so höher zu veranschlagen, wenn man bedenkt, daß wohl ein gut Teil der Erschienenen der Parole bereits früher gefolgt sein durften, alle Besucher der Versammlungen also nicht gezählt werden dürfen, wenn man die Masse der Austritte in ein prozentuales Verhältnis zur Zahl der austrittsfähigen Besucher setzen will. liomwunsle Ashlbemguitg. 37. Kommunalwahlbezirk. In gut besuchter Kommunalwähl«rversammlung gab hier Genosse Karl Leid ein sehr anschauliches Bild sozialdemokra- tischer Gemeindepolitik. Die Zusammensetzung im � Roten Hause — von den 144 Mitgliedern sind über 100 Hausbesitzer— bürgt schon dafür, daß alle Vorlagen von dem engen Gesichtspunkte des Hausagrariertums behandelt werden. Selbstverständlich spielen noch andere Interessen, Vetternwirtschaft usw., eine � große Rolle. Und das bei einem Gemeinwesen, dessen Etat größer ist, als der verschiedener Königreiche. Wenn man früher behaupten konnte: »Berlin schwimme in Geld", sind dies« Zeiten längst vorüber. Statt in solcher Zeit für später vorzusorgen, verpaßte man jede günstige Gelegenheit. Die weitschauenden Anträge der Sozial- demokratie erlebten eine glatte Ablehnung durch die städtischen „Dreiklassemnännere". Das„Geld von der Straße" aufzuheben unterließ der Freisinn; denn eine Verstadtlichung der Straßen- bahnen wäre gleichbedeutend mit einer Dividendenbeschneidung der die Bank- und Börseninteressen Vertretenden. Nun, bei dem krampfhaften Suchen und Schaffen neuer indirekter Steuern, die wir aufs schärfste bekämpfen, wird die Stadt jedenfalls auch nur erneuten Reinfall erleben, wie bei der Lustbarkeitssteuer. Durch die Wachsamkeit der Sozialdemokratie wurde vorläufig der Vertrag mit den B.E.W, gekündigt und Verhandlungen zwecks Uebcrnahme angebahnt. Es ist ein« Schmach für Berlin, daß Lichtenberg und selbst Neukölln ein eigenes Elektrizitätswerk besitzen, und nur die Dreimillioncnstadt nachhinkt, weil die Profit« der versippten Privat- kapitalisten bei einer Kommunalisierung in Wegfall kämen. Nach eingehender Würdigung der geleisteten Arbeit auf den verschieden- sten kommunalen Gebieten, fordert Leid unter lebhaftem Beifall auf, am Wahltage dem Freisinn für sein volksfeindliches Gebaren die verdiente Quittung zu verabreichen. Nach einer Aussprache des Kandidaten H eh se gingen di« Versammelten mit dem Willen auseinander, alles für die Vcr- mehrung der sozialistischen Stimmen und die Eroberung des 37. Bezirks zu tun. Für die I.Abteilung des V. Wahlkreises war zum Dienstag«ine Versammlung einberufen, in der Genosse Brückner Bericht über di« Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordneten- fraition erstattete. Der Referent streifte die wichtigsten TätigkeitZ- gebiete und fand lebhaften Beifall. In der Diskussion wurden namentlich das Schulwesen sowie die Armen- und Waisenpflege weiter erörtert. Alsdann wurde die Delegiertenwahl zur Vcr- bandsgeneralvcrsammlung vorgenommen, worauf nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten'dic Versammlung ihr Ende erreichte. �lus der Partei. Totenliste der Partei. Im Alter von 33 Jahren starb am 28. Oktober in Detmold der Vorsitzende des Sozialdemokratischen Vereins für daS Fürstentum Lippe, Genosse Wilhelm Eggen. Der Verstorbene genoß das Ver- trauen der Parteigenossen in hohem Maße. Als Landtagskandidat unterlag er bei den letzten Wahlen mit nur 25 Stimmen Minderheit. JDoUreUicln!»»©enehtUebes ulro- Die staatsgcfcihrliche Wissenschaft vom Menschen. Genosse B r u ck e r hält gegenwärtig im Auftrage des Zen- tralbildungsauSschusseS unserer Partei in Schlesien Vortragskurse ab. DaS Thema lautet:„Menschenkunde." In P ei st erw i tz bei Ohlau wurde die Vorführung der Lichtbilder durch den Amts- Vorsteher untersagt. Auf telegraphische Beschwerde an den Land- rat antwortete dieser, dem Amtsvorstehcr müsse vorher ein Ver- zeichnis der vorzuführenden Bilder eingereicht werden. In der Begründung des Verbots des Amtsvorstehers führte der Landrat u. a. aus:»Ein Vortrag über die EntWickelung des Menschen mit erläuternden Lichtbildern unter Zulassung von Kindern ist nach der allgemeinen Ausfassung des Lebens objektiv als geeignet anzusehen, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl gesitteter Menschen zu ver- letzen." Schließlich wurde der Lichtbildervortrag unter der Be- dingung gestattet, daß jugendliche Personen unter 16 Jahren nicht anwesend sein dursten.— Nunmehr wird sich der RegierungSpräsi- dent mit dem Vorgehen seiner untergeordneten Instanzen zu be- schäftigen haben._ 'Jugendbewegung. Tic Justiz im Kampfe gegen d>t Arbeiterjugend. Eine sonderbare Begründung hat das Schöffengericht Köpenick einem Urteil gegeben, das unter Vorsitz des Amts- gerichtsrats Tüstcrhoff am 8. Oktober gefällt ist. Der Genosse Rodenbusch aus Alt-Glienicke hatte zu einer öffentlichen Volksversammlung am 28. Mai durch Plakate an den Anschlagsäulen eingeladen. Die Versammlung bezweckte di«'Grün dung eines Vereins zum Zwecke der Errichtung eines Arbeiter Jugendheims. Die Versammlung fand statt und der Verein wurde auch begründet. Im September wurde Genosse Rodenbusch mit einem anitS- richterlichen Strafbefehl über 15 M. beglückt. Er sollte gegen das Reichsvereinsgesetz, das preußische Prehgesetz und g«s;en eine Ortspolizeiverordnung gesündigt haben; gegen das Vereinsgcsetz, tveil die Versammlung eine öffentliche politische gewesen sei, gegen das preußische Preßgesetz, weil Druckschriften an öffcnt- lichen Anschlagstafeln ohne polizeiliche Erlaubnis angebracht seien und schließlich gegen die Ortspolizeiverordnung, weil er rotes Papier zu den Plakaten benutzt habe. Da Genosse Rodenbusch sich keiner Sünde bewußt war, erhob er Einspruch mit dem Erfolg, daß er nunmehr 55 M. und die Kosten blechen soll für dieselben Handlungen, die derselbe Herr Amtsgerichtsrat Düsterhoff, der den Vorsitz bei der iSchöffen- gerichtsverhandlung führte, in seinem Strafbefehl mit 15 Ä. be- wertet hatte. Die Uebcrtretiing des VereinSgefetzeS hielt das Gericht für festgestellt, ohne überhaupt Zeugen, die in der Versammlung an- wesend ivaren, zu hören— Genosse Rodenbusch hatte die Vcr- nehmung des Referenten beantragt— mit folgender geradezu klassischen Begründung: »Als Tagesordnung war»Der Kamps um die Jugend" an- gegeben. Wie allgemein bekannt, hat dieser Kampf um die Jugend nur den Zweck, die Jugend für die sozialistische Bewegung zu gewinnen. Die Versammlung war also als eine öffentliche politische bestimmt." Leichter hat sich wohl kaum je ein Gericht die Feststellung einer strafbaren Handlung gemacht. Daß die ursprüngliche Strafe mehr als verdreifacht ist, begründet das Gericht mit dein„hart- nackigen Leugnen" und mit dem„dreisten Auftreten" des Genossen Rodenbusch in der Hauptverliandlung. Weil der Angetlagie nicht zugab, daß die Versammlung eine„politische" gewesen sei, wird ihm»hartnäckiges Leugnen"— auf deutsch eine Lüge— vorgeworfen, und weil er sich gegen diesen schon im Termin er- hobenen Vorwurf wehrte, macht das Gericht daraus„dreistes Auf- treten"._ 8[uq Industrie und Handel. Zur amerikanischen Zollrcsorm. Einer der anstößigsten Pars» graphen des neuen Zolltarifs soll außer Kraft gesetzt werden. Nach einer Mitteilung des„Sun" soll der Generalanivalt entschieden haben, der fünfprozentige Z o l l r a b a t t könne amerikanischen Schiffen nur eingeräumt werden, wenn er auch fast allen wichtigen Seemächten gewährt würde; infolgedessen betrachte die Regierung die Zollrabattbestimmung als annulliert. Diese Frage werde den Kongreß im Dezember beschäftigen. Der Streit um den Tabaktrust. In einer höchst merkwürdigen Gründung hat die Gruppierung der deutschen Tabakindustrie je nach der Zugehörigkeit zu dem amerikanischen Tabaktrust oder den trustfreien Firmen geführt. Unter der Leitung des Herrn Goerrig, der früher als Syndikus des Ver- eins zur Abwehr des Tabaktrusts tätig war, hat sich ein Verband mit dem Namen„Deutsche Zigertten-Kon- vention" gebildet. Der Verband bezweckt nach seinen Richtlinien, das gefürchtcte Privatmonopol in der Zigarettenindustrie durch eine vertragliche Bindung der Trustfirmen zu beseitigen. In der gleichen offiziellen Mitteilung des Verbandes wird aber gesagt, daß die Deutsche Zigaretten-Konvention trotzdem einem Vertrage mit dem Trust zustimmen wird,„der der Branche absolut sichere Garantien bietet", d. h. die neue Konvention ist eine ver- schleierte Schrittmacherei für den amerikanischen Trust. Die beginnende Krise. Die Organisation der deutschen und tschechischen Baumwollspinnereibesitzer tu Oesterreich hat eine 20proze!itige BetriebSreduktion beschlossen. Die Entschädigung der Arbeiter--— bleibt den Unternehmern freigestellt. Und die Kohlenbarone erhöhen gerade jetzt die Preise! Die Düsseldorfer Ortsgruppe des Kartells Westdeutscher Eisenhändler ermäßigte mit Wirkung vom 1. November die Preise für Bleche und Stabeisen um 5 M. pro Tonne._ GenonenfcbaftUcbes. Buchdrucker und Vcrlagsgcsellschaft. Uns geht folgende Erklärung zu: „Zwischen den in der Verlagsanstalt deutscher Konsumvereine beschäftigten Buchdruckern und der Geschäftsleitung de« genannten Betriebes bestanden seit längerer Zeit Differenzen, die auch zu einer umfangreichen Preßfehde zwischen den Organen beider Korporationen, dem„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" und der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau", geführt hatten. Dieser Konflikt ist nunmehr durch eine Konferenz beider Parteien beigelegt worden. Es wurde nachstehende Erklärung ver« einbart: Nach einer beide Teile befriedigenden Erledigung der in den Verhandlungen vom 15. Mai 1013 vertagten Beschwerden des BuchdruckerpersonalS der Lerlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H. fand am Montag, den 27. Oktober 1013, eine Sitzung statt, an der als Vertreter des Deutschen Buchdrucker« Verbandes die unterzeichneten E. Döblin, W. Dreier und Fr. Runtzler. als Vertreter der Verlagsgesellschaft deutscher Konsum« vereine m. b. H. die unterzeichneten geschäftsführenden Vorstands- Mitglieder: Heinrich Kaufmann. Dr. August Müller. Hugo Bästlein und der Vorsitzende des AufsichtsrateS, A. v. Elm, teilnahmen. Die Beteiligten haben sich über alle schwebenden Differenzen eingehend ausgesprochen und festgestellt, daß manche Mißverstand- nisse dazu beigetragen haben, die Situation gegen den Willen der Beteiligten zu verschärfen. Alle Mißverständnisse sind zu beider- seitiger Zufriedenheit durch die gegebene Aufklärung beseitigt. Die Unterzeichneten ersuchen deshalb, die Auseinandersetzungen über die Differenzen in der Presse und in den Versammlungen in allseitigem Interesse einzustellen..... Beide Organisationen verstandigten sich dahin, daß, falls in Zukunft größere Differenzen wieder vorkommen sollten, die Zentral« leitungen beider Organisationen versuchen wollen, sie in freund» schaftlicher Weise zu erledigen. E. Döblin. Heinrich Kaufmann. W. Dreier. A. v. Elm. Dr. Aug. Müller. Fr. Runtzler. Hugo Bästlein. Damit sind die zurzeit schwebenden Beschwerden des Buch- druckerpersonals erledigt. Auf diese erledigten Beschwerde- punkte zurückzukommen, liegt mithin kein Anlaß vor. Völlig anders liegt es mit den lediglich aus Anlaß der Beschwerden der Buchdrucker zur Erörterung gelangten Verhältnissen in der Verlagsgesellschaft und der Organisation der Konsumgenossen- schaften. Jene Buchdruckerangelegenheit hatte aufs neue be- wiesen, daß im Interesse der Konsumgenossenschaft und der Partei der Austritt der Verlagsgesellschaft aus dem Prinzipal- verein und eine Demokratisierung der Organisation dringend erforderlich ist. Diesen beiden Punkten werden daher die Sozialdemokraten in den Genossenschaften nach wie vor erheb- liche Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Es gilt, ähnlichen Vorkommnissen vorzubeugen� Stellungnahme zur Verlagsgesellschaft. Eine gutbesuchte ordentliche Generalversammlung des Konsum- Vereins für Riesa a. d. Elbe und Umgegend nahm am vergangenen Sonntag Stellung zu den Vorgängen innerhalb der Genossen- schaftsbewegung. Die Versammlung hat um deswillen allgemeines Interesse, weil im nahen Gröba eine Reihe Betriebe der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft mit einer großen Anzahl Angestellten und Arbeiter vorhanden sind. Es lag folgende Resolution vor: »Die am Sonntag, den 26. Oktober, im Hotel„Wettiner Hof" in Riesa tagende Generalversammlung des Konsumvereins zu Riesa verurteilt aufs schärfste das Verhalten des Herrn General» sekretärs Kaufmann bei dem Konflikt der Buchdrucker mit der Ver- lagsgesellschaft deutscher Konsumvereine. Ganz besonders aber verurteilt sie das Verhalten nach BeU legung des Konfliktes durch die Vereinbarung vom 15. Mai, wo- durch die er die scharfmacherischen Hamburger Unternehmer in ihrem Vorgehen gegen die Arbeiterschaft unterstützte. Die Versammlung erblickt darin in erster Linie eine Schädi- gung des Genossenschaftswesens, da durch das Vorgehen des Herrn Kaufmann die Arbeiter als Träger der Genossenschaften bekämpft und wirtschaftlich geschädigt werden und dadurch das Vertrauen zur Genossenschaft verlieren müssen. Der Resolution trat Genosse Petzold, Direktor der Seifenfabrik in Gröba, entgegen. Er sprach sich für die Einsetzung emeS Schiedsgerichtes aus und betonte, daß er auch nicht alles unterschreibe, waS Kaufmann sage und schreibe. Vom Vorstand des Vereins ver- urteilte Genosse Nitzschke ebenfalls das Verhalten Kaufmanns, er- suchte aber, die Beschlußfassung über die Resolution bis zur Früh- jahrsgencralversammlung zu vertagen. Nach längerer Debatte wurde die Resolution mit allen gegen vier Stimmen angenommen, Soziales. Schweigepflicht des GcwerverichtcrS. Das Reichsgericht hatte sich am Dienstag mit einer auf Amtsenthebung eines Gewerberichters abzielenden Sache zu befassen. Ein Eisendreher in Würzen hatte anläßlich eines Streiks bei einer Eisengießerei die Arbeit niedergelegt. Die Firma bemerkte nun dem Gesetz zuwider auf dem Zeugnis, daß der Eisendreher„anläßlich eines Streiks mit dem größten Teile der Arbeiter die Arbeit nie- dergelegt Hab e". Der Eisendreher klagte vor dem Gewerbegericht auf Streichung dieses gesetzwidrigen Zu- satzes. Das Gewerbegericht entschied aber zu seinen U n g u n st e n. Diese gesetzwidrige Billigung eines Urianbriefes erregte begreiflicherweise großes Aufsehen unter den Arbeitern. Der G e w e r b e g e r i ch t s b e i s i tz e r Schneider Kr sitze wurde von Arbeitern befragt, wie denn solch ungeheuerliches Urteil habe zustande kommen können. Kriitze erwiderte, er habe nicht dafiir gestimmt, aber er sei vom Vorsitzenden und dem Fabrikanten überstimmt und erwähnte einzelnes aus der Beratung. Darauf klagte die Staatsanwaltschaft auf Grund des§ 21 des Geivcrdegcrichtsgesetzcs gegen Krütze auf Enthebung von seinem Amt a l s B c i s i tz e r des Gewerbegerichts in Würzen, weil Kriitze durch feine Mitteilungen sich„einer groben Verletzung seiner Amtspflicht' schuldig geinacht habe. Denn nach§ 53 des Gewerbegerichts- gesetzes sind die Gcwerberichtcr verpflichtet,„über den Hergang bei der Beratung und Abstimmung Stillschweigen zu bcob achten". Das Landgericht Leipzig lehnte den An trag aus Amtsenthebung ab. Zur Begründung führte das Gericht aus: Der Angeklagte ist znxir seinerzeit bei seiner Verpflichtung zum Amte eines Beisitzers dahin der Pflichtet worden, die Pflichten eines Beisitzers getreulich zu erfüllen. Doch hat er eine besondere Belehrung über die Pklichten namentlich auch über das Schweigegebot damals nicht erhalten, so daß es bei dem Bildungsgang des Auge klagten nicht ausgeschlossen ist, daß er sich über sein Tun nicht klar nxlr, als er dem P. gegenüber Mitteilungen über den Verlans der Beratungen und Abstimmungen machte. Ferner habe K. ein gewisses Interesse daran gehabt, seine Kollegen, von denen er doch zuni Beisitzer gewählt worden war, wissen zu lassen, wie er sich bei der Beratung in der Privatklage des H. verhalten habe. Es habe der Angeklagte K. weder absichtlich noch fahrlässig die Am tsver- schwiegenheit verletzt, deshalb liege keine„grobe" Verletzung der Amtspflicht vor. Gegen das Urteil legte der Staatsanwalt R e- ,b i s i o n ein. Entgegen der Auffassung der Staatsanwalt- schaft des Leipziger Landgerichts beantragte der Reichs- a n w a l t beim Reichsgericht, die Revision als u n b e- gründet zu verwerfen, da die Ausführungen der- selben lediglich tatsächlicher Natur seien. Denn die tatsäch- lichen Feststellungen der Vorinstanz gingen dahin, daß der Angeklagte bei Erzählung der Vorgänge während der Ab- stimmung in der Getoerbegerichtsverhandlnug in eigenem Interesse gehandelt habe, und daß ihn deshalb eine Absichtlich- keit oder Fahrlässigkeit nicht zur Last gelegt werden könne. Das Reichsgericht hob indessen das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte es etwa folgendes ans: Im wesentlichen ist es Tatfragc, ob eine Pflichtverletzung des§ 21 Abs. 3 als eine grobe anzusehen ist. Die Ausführungen aber, welche im vorliegenden Falle nach dieser Richtung hin gegeben worden sind, bieten nicht die erforderliche Garantie dafür, daß die Fest- stellungen nicht auf Rechtsirrtum beruhen. Irgendwelche Gründe, ans denen ein Beisitzer zwecks persönlicher Rechtferti- gung nicht zur Junehaltung der Amtsverschwiegenheit verpflichtet sei, kenne das Gesetz nicht. Denn nur durch die absolute Verschwiegenheit über den Vorgang in der Beratung sei eine freie und unbefangene Aussprache in derselben gc- währleistet. Und die Verhältnisse geböten es, daß dafür gc- sorgt wird, daß die Unparteilichkeit des Vorsitzenden keine Einbuße erleidet. Ferner hätte, so hieß es in der Urteils- begründung weiter, die Vorinstanz auch prüfen müssen, ob die gesetzliche Verschwiegenheit dem Angeklagten bekannt war. Auch werde noch zu prüfen sein, ob bei Beobachtung dieser Tatsache es sich noch um eine gröbliche Verletzung der Amts- Pflicht handeln kann, Nach den letzten Darlegungen des Reichsgerichts ist sa zu erwarten, daß der Antrag auf Amtsenksetzung abermals abgelehnt werden wird. Aber: mag entschieden werden, wie ihm wolle: dem allgemeinen Rechtsbewußtsein hätte eher die Einleitung eines Verfahrens gegen den Vorsitzenden, der das ungeheuerliche Urteil fällte, als gegen den Beisitzer entsprochen. Ein Richter, der ein solches Zeugnis, das die Verwer- tung der Arbeitskraft des Arbeiters erschwert, für zulässig er- achtet, zeigt, daß ihm die Fähigkeit mangelt, auf dem Gebiet des Arbeitsvertrages Recht zu finden. Uebrigens: hält die Staatsanwaltschaft die Mitteilung, wie ein Richter gestimmt bat, für gar so schwer, weshalb ist noch niemals Anklage er- hoben, weil ein Vorsitzender verkündet, ein Urteil sei ein- st i m m i g gefällt, oder weil ein Vorsitzender zu den Personal- akten eines Beisitzers sich über dessen Abstimmung ausließ? Aus dem Gewerbegericht. 1. Ungenügende Leistungen? Zwei Söhne Afrikas standen gestern als Gegner vor dem Gewerbegcricht unter Vorsitz des Nlagistratsrats Dr. Schultz. Der Musiker Milton Toppin klagte gegen den Kapellmeister Jim Allen. ?!ach dem Vertrage sollte der Kläger als Mandolinenspieler und Sänger gegen 8 M. täglich bis zum 31. August in der Kapelle des Beklagten tätig sein. Eine vorzeitige Entlassung sollte zulässig sein, wenn der Kläger nicht fähig sein sollte, die Leistungen auszuführen, für die er engagiert war, oder wenn er Mißfallen erregte. Ter Beklagte �behauptete, beide Voraussetzungen zur Aufhebung des Ver- trageS hätten bei dem Kläger vorgelegen. Tie von ihm benannten Zeugen bekundeten, die Kapelle hätte im allgemeinen nicht ge- fallen, auch der Beklagte selbst habe nur Ungenügendes geleistet. Da Kläger mithin jedenfalls für diese Kapelle Genügendes leistete, kam daS Gericht zur Verurteilung des Beklagten, 600 M. an den Kläger zu zahlen. 2. Fristlose Entlassung. Zwei Tapezierer klagten gegen den Meister Unger auf Zahlung von je 6,38 M. für den Entlassungstag, an dem sie am Morgen entlassen waren. Sie hatten einen ihnen übertragenen Akkord am Nachmittag des vorgehenden Tages beendet. Der Beklagte war nicht anwesend. Die Kläger ließen sich von dessen Frau für den Rest des TageS Urlaub geben. Am nächsten Morgen erhielten sie ihre Entlassung. Der Beklagte vertrat die Ansicht, daß das Arbeitsvcr- hältnis gelöst werden könne, sobald die Akkordarbeit zu Ende war. Da er zu dieser Zeit nicht anwesend war, so hätte er vor dem nächsten Tage den Klägern keine entsprechende Mitteilung machen können. DaS Gericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung. Konnte er nicht bei Beendigung der Arbeit im Geschäft sein, so mutzte er doch Sorge tragen, daß die Kläger rechtzeitig von dem Ende des Arbeitsverhältnisses Kenntnis erhielten. Das tat er nicht und mutzte deshalb den angefangenen Tag bezahlen, führte der Vor-. sitzende begründend aus.___ Gerichts-Zcitonöf. vmsaugreiche Diebstähle bei der A. E.-G. lagen einer Anklage zugrunde, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schmidt die 1. Strafkammer des Land- gerichts I beschäftigte. Wegen fortgesetzten Diebstahls waren der Mitfahrer Paul Aleidt, der Chauffeur Franz Obcrpichler, der Ar- beiter Paul Schindler und der Arbeiter Albert Kasten angeklagt, ferner hatte sich der Kohlenhändler Paul Ruppertb wegen gewerbs- mätziger Hehlerei zu verantworten. Die Angeklagten Oberpichler und Aleidt waren von dein Kabel- werk Oberspree der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschast als Chauffeur bzw. Mitfahrer angestellt und hatten einen Automobil- lastzug zu führen, der den Transport von wertvollem Kupferdraht, Messingplatten usw. von dem Kabelwerk nach den Depots der L E-65 in der Ackerstratze und in der Gerichtstratze bewerkstelligte. Wie die Ermittelungen ergaben, hatten beide Angeklagte längere �Lerantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den � Zeit hindurch im Cinberständnis mit den ebenfalls bei der A. E.-G. angestellten Mitangeklagten wertvolle Mcssingtascln entwendet und mit dem Lastauto nach einer bestimmten Stelle gefahren, wo ein Abgesandter des jetzt wegen Hehlerei angeklagten Ruppert mit einem Handwagen wartete, aus dem die Diebsbeute abgeladen wurde. Das Gericht erkannte gegen Aleidt auf 6 Monate, gegen Oberpichler auf 4 Monate, gegen Rnppcrt auf 6 Monate wegen einfacher Hehlerei und gegen die übrigen Angeklagten aus je 3 Monate Gefängnis. Heiratsschwindel. Ein umfangreicher Bctrugsprozes,, bei dem es sich um einen Heiratsschwindel handelte, wird zurzeit vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hof- meister verhandelt. Die Anklage richtet sich gegen den Ingenieur und Schweizer Patentanwalt Walter Thomas, der seit dem 4. März 191 l, also seit Lsh Jahren, in der durch einjährigen Aufenthalt in Herzberge bzw. Dalldorf unterbrochenen Untersuchungshaft sitzt. Es war bei ihm infolge erblicher Belastung und der sogenannten Hastpsychose Geisteskrankheit ausgebrochen, die seine Ueberführung in eine geschlossene Anstalt nötig gemacht hatte. Er steht unter der Anklage, auf dem Wege des Heiratsschwindels drei weibliche Mit- glieder der Familie Schräder zu Eroue bei Göttingen— Mutter und zwei Tochter— um eine Gesamtsumme von 41 250 M., eine Reihe anderer Personen um Beträge in Höhe von mehreren tausend Mark betrogen, außerdem die Frau Sch. durch Drohung zur Her- gäbe von Cield genötigt zu haben. Neben ihm sitzen noch mehrere Personen im Anklageraum: Der Kommissionär Paul Müde unter der Anklage des Betruges gegen Frau Sch., der versuchten Nötigung, der wucherischen Ausbeutung und der Freiheitsberaubung; ferner der Kaufmann(Buchhalter) Erich Dietrich, der Kaufmann Theodor Schirmer und eine Schwester des Hauptangeklagten unter der Anklage der Beihilfe. Thomas ist, nacti den Gutachten der Sachverständigen Professor Liepmann und Dr. Finkelstcin jetzt verhandlungsfähig, aber geistig minderwertig und ein Prahlhans. Es handelt sich im allgemeinen um folgendes: Der Angeklagte Müde betreibt mit seiner Ebefrau das Geschäft der Hciratsver- Mittelung. Müde, ein früherer Viehkommissionär, war mit Thomas eng befreundet. Infolge der von dem Ehepaare Müde verösfent- lichten Zeitungsannoncen wandte sich Fräulein Karoline Sch„ die Tochter einer vermögenden Hofbesitzerin bei Göttingen, an Müdes nach einen:„passenden Ehemann". Daraus entwickelte sich ein näherer Verkehr mit Müde, und dem heiratslustigen Fräulein wurde der Angeklagte Thomas als„passende Partie" in Vorschlag gebracht, obgleich dieser verheiratet und von seiner Frau noch nicht geschieden ist, wenn er auch von ihr getrennt lebt. Thomas schrieb an Lina Sck>. verschiedene Briefe, in denen er sich als„Patent- anwalt" bezeichnete, sein Alter falsch angab und auch sonst falsche Angaben über seine Verinönensverhältnisse, die recht schlecht ge- Wesen sein sollen, machte. Die Angeklagten erleicherten dann in raffinierter Weise die Familie nm über 41 000 M. Für die Verhandlung sind mehrere Tage angesetzt. Wir werden das Urteil mitteilen. Versammlungen. � Ter Fabrikarbeitcrverband, Zahlstelle Berlin, hielt am letzten Sonntag im„Englischen Hos" seine Generalversammlung ab. Dem Vorstandsbericht ist zu entnehmen, daß im vergangenen Quartal in der Hauptsache Abwehrvewegungen unternommen werden mutzten. Der wirtschaftliche Niedergang, der sich schon recht deutlich bemerk- bar macht, bietet den Unternehmern meist willkommene Gelegen- heit. gestützt auf ein großes Heer von Arbeitslosen, Verschlechte- rungen der Lohn- � und Arbeitsbedingungen vorzunehmen. Ja selbst an Tarifverträgen versucht man von dieser Seite durch Aus- lcgung zu drehen und zu deuteln. Der Kassenbericht liegt gedruckt vor und bilanziert in der Haupttasse mit 46 640,25 M., in der Lokalkassc mit 70 068,85 M. An Unterstützungen wurden ausge- geben: Für Streikende 3396,35 M„ an Arbeitslose 4654,15 M.. für Kranke 11 121,40 M„ an Durchreisende 264,70 Mk., für Gemäß- regelte 834,35 M.. Umzugsgeld 914,20 M., Sterbegeld 920 M., Rechtsschutz und Extraunterstützungen 833,20 M. Bekanntgegeben wurde des weiteren, daß die Bibliothek vorteilhaft ergänzt worden ist, und daß der vorhandene Lesestoff den Ansprüchen gerecht werden dürste. Unter den?lnträgcn sond unter anderen ein solcher der Verwaltung Annahme, zwei weitere Hauskassicrer anzustellen, und zioar für die Bezirke Spandau und Charlottenburg. Die Stellen werden im Mitteilungsblatt der Berliner Filiale und im Proletarier" ausgeschrieben. Aus den Reihen der Zltitglicdschaft lagen mehrere Anträge vor, die eine Erhöhung der Lokalbei träge wollten, um mit diesen Mitteln den Arbeitslosen eine höhere und längere Unterstützung zu gewährleisten. Alle Redner waren dar- über einig, daß für die Arbeitslosen mehr getan werden mutz. Staat und Kommune, deren Pflicht es wäre, für die Arbeitslosen in erster Linie zu sorgen, entziehen sich dem noch immer und müßte deshalb von den Arbeitern selbst Hand angelegt werden, um die Arbeitslosen vor der größten Not zu bewahren. Beschlossen wurde: Zur Unterstützung der Arbeitslosen wird der Lokalbeitrag von 10 auf 15 Pf. pro Woche erhöht. Die Jugendlichen und die weiblichen Mitglieder sind von der Beitragserhöhung befreit. Tie Unter- stützung ist mit diesen Mitteln um 2 M. pro Woche zu erhöhen und die Unterstützungsdauer um 12 Tage zu verlängern, lieber die Erhöhung der Beiträge entscheidet eine Urabstimmung. Das Re- sultat wird im„Vorwärts" bekanntgegeben. Tic Beitragserhöhung soll mit dem 1. Januar 1914 in Kraft treten und zu gleicher Zeit die erhöhte Unterstützung. Da dieser Antrag gegen wenige Stimmen zur Annahme gelangte, wird allgemein erwartet, datz das Gros der Mitglieder im Timme des Beschlusses der Generalversammlung votiert.__ �us aller Melt. GndUeb wieder komplett. Jetzt erst präsentieren sich die deutschen Bundesstaaten wieder in ihrem vollen Glänze. Jeder von ihnen— die drei Koofmichsrepubliken zählen ja eigentlich nur so nebenbei mit— hat wieder einen angestammten Fürsten von Gottes Gnaden. Der Schmerz der bisher halbverwaisten Bundesgenossen war auf die Dauer wirklich nicht mehr zu ertragen. Wenn eiir Schaumburg- Lipper einem Braunschweiger begegnete, sah er ihn voll berechtigten Stolzes über die Achsel an; er halle eben den Gottesgnadenfürsten vor ihm voraus. Aber auch der Bayer war, trotzdem er seinen An- gestammten hatte, seines Lebens nicht recht froh. Gott sei Dank ist das nun anders geworden. Die Braunschweiger Patrioten waren bei allem schuldigen Respekt vor der politischen Einsicht des Kronprinzen schon etwas ärgerlich auf ihn geworden. Hatte er doch nicht weniger vor, als Bcthmanns weisen: Ratschluß vorzugreifen und Ernst August zu allerlei unzeitgemäßen Konzessionen zu zwingen. Aber nicht nur des gottergebenen Philosophen aus Hohen-Finow Ratschluß sollte vorgegriffen werden, sondern Gott Vater selbst wäre korrigiert worden. Hatte seine unendliche Gnade doch dafür gesorgt, daß dem Kaiserpaare neben einer ganzen Reihe Prinzen nur eine einzige Prinzessin beschert wurde. Und gerade sie war auserwählt, daß Ernst August sich sterblich in sie verliebte. Er kam, sah und siegte I Und so geschah eS, datz die deutschen Bundesstaaten sich wieder in vollem Glänze präsentieren. Schweres Eisenbahnunglück in Warschau. Durch den Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge hat sich aus dem Kovelbahnhof in Warschau am Mittwoch ein schweres Unglück zugetragen. Ein in den Bahnhof ein fahrender Personenzug fuhr auf einen aus dem Reservegleise haltenden Zug auf. Mehrere Wagen entgleisten, andere schoben sich ineinander. Aus den Trilnimern des Zuges wurden fünf Tote und 37 Verletzte ge- borgen. Die Mehrzahl der Verletzten liegt schwerkrank danieder; zwei Schwerverletzte sind bereits gestorben._ Sturmverheerungen in Südwales. Das Tafftal in Südwales ist Montag nacht der Schauplatz eines Wirbel st urme§ gewesen, über dessen Verheerungen jetzt Einzel- heiten vorliegen. Der Sturm, der nur eine Breite von 250 Meter hatte, richtete einen Sachschaden an, der aus eine Million Mark geschätzt wird. Kirchen und Kapellen, sowie viele Häuser sind vollständig zerstört. Ein Mitglied eines Fußballklubs wurde von dem Sturm 20 Meter weit durch die Lust getragen und gegen eine Mauer geschleudert. Er ist seinen Verletzungen erlegen. Ein Kohlenarbeiter wurde von dem Sturme von der Straße über 300 Meter weg in ein Feld entführt, wo er tot aufgefunden wurde. Hunderte von Personen sind obdachlos und viele sind verletzt worden. Tragödie im Gerichtssaale. Einen dramatischen Abschluß fand am Dienstag eine Verhand- lung des Schwurgerichtes in B o u r g e s. Ein Bauer namenS Gillardin war von seinen beiden Söhnen beschuldigt worden, seine Frau im Jahre 1909 ermordet zu haben. Als der Richter das Verdckt der Geschworenen, das aus Freispruch lautete, verkündete, stürzte einer der beiden als Zeugen anwesenden Söhne auf seinen Vater zu und feuerte einen Revolverschuß auf ihn ab. Gillardin hatte im Augenblick des Schusses die Geistesgegenwart, seine Hand schützend vor das Gesicht zu halten und kam mit einer Verletzung am Handgelenk davon. Die Zuschauer warfen sich auf den Vatermörder und wollten ihn lynchen. Erst einem großen Polizeiaufgebot gelang die Wiederherstellung der Ordnung. Der junge Gillardin wurde verhaftet. Kleine Notizen. Das Risiko der Arbeit. Wie aus London gemeldet wird, weigerten sich 1800 Bergleute, in die Kohlengruben von Llan aHill einzufahren, da sie bemerkt zu haben glaubten, daß bei der e r st e n Gelegenheit die viele:: in der Grube angesammelten Gase explodieren lvürden. Vom Zuge»berrannt. In der Nähe des Bahnhofes Dormagen wurden am Mittwoch zwei Invaliden, die mit einer Karre einen Eisenbahnübergang passieren wollten, von einem Schnell« zug überrannt. Die beiden wurden etwa 200 Meter milaeschleift und tot aufgefunden. Explosion bei Schießübungen. Bei Versuchen, die mit einer elf- zölligen Haubitze auf dem Petersburger Artilleriepolygon angestellt wurden, flog der hintere Verschlußteil ab. DaS Geschoß flog zurück und explodierte dicht bei dem Geschütz. Ein Offizier und sieben Soldaten wurden schwer verletzt. Große Ncberschwcmmungcn in Mittel-Amerika, Räch einer Meldung aus San Salvador haben dort ungewöhnlich starke Regenfälle stattgefunden, wodurch großeUeber schwemmungen verursacht wurden. Wie bisher festgestellt wurde, sind 3 4 Per- sonen ertrunken, doch wird befürchtet, daß noch weit mehr umgekommen sind, die Landwirtschaft hat großen Schaden erlitten, der Eisenbahn- und der Telegraphenverkehr sind unterbrochen. Fliegerabsturz. Aus dem Flugplatz Wannc-Hertcn wurde dem Flieger Brasse r während eines Fluges plötzlich die Sturm- kappe vom Kopse gerissen; er griff nach der Kappe und man sah dann, wie er wieder an die Steuerung griff und der Sturzflug begann. Das Flugzeug wurde vollstäuoig zertrümmert. Der Flieger erlitt schwere, jedoch nicht lebensgefährliche Verletzungen. Opfer des Bergsports. Der Vcrsichcrunosbeamte Karl Wied an ist beim Aufstieg auf die Nordwand der Ortatscha in den Karawanken in Kärnten infolge von Steinschlag abgestürzt und getötet worden. Mbsteriösc Todesfälle. In dem Orte Ottowind(Sachsen- fio- burg-Gotha» waren am letzten Sonntag behufs Erbteilung fünf in Nachbarorten mit Landwirten verheiratete Schwestern bei ihrem Bruder zusammengekommen. Später erkrankten vier der Schwestern unter V e r g i f t u:: g s e r s ch e i n u n g c n. Zwei von ihnen sind g e st o r b e n. Die Untersuchung ist cingc- leitet. Die Verstorbenen sind die LanMmrtsfrauen Taubmann aus Drossenhansen und Großmann aus Grattstadt. WitterungSüberftcht vom£9. Oktober 1913. Siaflonen t!-Z '-! i? [11 Swinemde. 757I®D 4halb 6b. Hamburg 753OSO 4 heiter Berlin>7 55 SO 1 m olkig Franks. a.MNStNO 1 Dunst München 7Z3S 2 bedeckt Wien 758 I 1 Nebel Wetterprognose Ein wenig kühler, östlichen Winden, keine S Bettet »S tib »II E* mS> «lottonen SS sS §■2 II to- i5 Bf öavaranda 756 SW velersburg 760 W Scilly Aberdeen Paris 7L3SSO !743 SSW 748.SSO S Betta 2 Nebel 1 Nebel 5 wolkig 2 heiter -I tj a 6 12 11 Z halb bd. 15 für Tonnerstag, den zeitweise nebelig, sonst wesentlichen Niederschläge Berliner 30. Oktober 1913. ziemlich heiter bei frische» Wetterbureau. xesUndeole� Der Kakao ist wegen seiner die Gesundheit fördernden Eigenschaften, seines Wohlgeschmacks und hohen Nährwertes Nährsalz-Bananen-Kakao Besonders für ölutarme, Qe- nesendo, Nerväse, Kinder und stillende Mütter. Nicht stopfend. Paket----/, Pfund 1 Mark, 5 Pakete 4,75 Mark. Paket= Pfund 0,50 M. Alleiniger Fabrikant: D. MADFR Berlin S:: Prinzensfr. 86. Zu haben in den Filialen der Konsumgenossensch. Berl. u.Umg. _ � cJuUo 5�4- Xfr Kleingemiisterte Imitierte Boucle- Teppiche grau, blau, oliv oder rot Fond Ä 130x190 cm M. 750 a 160x225,. II50 . 190x290.. 16so Vorlag. Größe 50X100 c,n 1,25 Nach ausw. per Nachnahme. Teppich-Spezialhaus L WM" Em£l efevre Berlin S. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Spezial-Katalop Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwartch jvuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer 650 Abbildungen, gratis u. trank«. It. fcetltnSVf Hr. 285. 30. Jahrgang. 2. ßfilnat in JotBirts" fietlintt Polblilott Dolllltrstag, 30. Oktober 1913. verlcht über die Cätlgüeit der fozial' demokratischen Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. 1. Oktober 1911 bis 39. September 1913. Städtische Wohnungspolitik. Auf dem Gebiete des Mohnungswescns hat die Stadt Berlin nichts geleistet im Gegensatz zu einer Anzahl anderer Kommunen. ES herrscht der Grundsatz des Ruhiggehcnlassens. Anträge und Anregungen von sozialdemokratischer Seite, den Wohnungsbau von Gemeinde wegen in die Hand zu nehmen, wurden von der haus� agrarischen Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung abge lehnt. Soweit es sich um die Wohnungsaufsicht handelt, hat die sozial- demokratische Fraktion seit vielen Jahren auf die Einrichtung eines Wohnungsamtes hingedrängt, wie die Verhandlungen der Stadt- verordneten aus den Jahren 19/z Uhr, im„Viktoriagarten", Wilhelmsaue, statt. Genosse Dr. R u d. B r e i t s ch e i d referiert über:„Die Sozial- demo kratie." Gäste, Männer und Frauen, sind willkommen. Eintrittspreis 19 Pf. Friedrichshagen. Heute, Donnerstag, abends 8'/, Uhr, findet im Jugendheim, Friedrichstr. 69, der zweite Vortragsabend über die deutsche Gewerkschaftsbewegung statt. Ober-Schiineweide. Am Sonntag, den 2. November, vormittags 9 Uhr, findet eine Besichtigung des Krematoriums in Baumschulen- weg statt. Treffpunkt pünktlich'//J Uhr an der Stubenrauchbrücke, von wo um diese Zeit der Abmarsch vorgesehen ist. Reinicke»dorf-Ost. Der Vortragszyklus:„Einführung in die sozialistische Weltanschauung" erfreut sich reger Beteiligung der�Genossen und Genossinnen. Die heute, abends S'/a Uhr, im„Seebad", Residenzstc. 49, beginnende 3. Vortrags- folge führt durch die Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderls. Auch für solche Genossen und Genossinnen, die an den ersten beiden Vorträgen nicht teilgenommen haben, empfiehlt sich die Beteiligung. Niederschiinhause». Morgen, Freitag, den 31. Oktober, abends präzise 8� Uhr, beginnt der Vortragskursus über:„Die Wissenschaft« lichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung". Vortragender: Redakteur Genosse Ernst Däumig. Karten a 25 Pf., welche zur Teilnahme am ganzen Kursus berechtigen, sind noch bei den Bezirks- führern und im Vortragslokal, Restaurant Liedemit, Am Kirchplatz, zu haben. Röntgentnl, Zepernick, Buch. Heute abend S'/a Uhr im Lokal von Lange, Siemensstr. 11(Röntgental): Erster Vortragsabend über die„Wissenfchaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiter- bewegung". Vortragender: Genosse Wengels jun. Teilnehmer- karte für alle fünf Vortragsabende 59 Pf. Arbeitslose und Jugend- liche zahlen nichts. Berliner JVacbrlchten, Höhere Strategie gegen den inneren A-eind. In der Rubrik„Oeffentliche Meinung" des„Berliner Lokal-Anzeigers" vom Sonntag eifert ein Herr H. W. gegen den beabsichtigten Verkam der Dragonerkaserne in der Belle- Alliance st raße. Für ihn sind es aber nicht Sparsam- keitsgründe oder militärische Rücksichten, die ihm eine weitere Ver« Wendung des Grundstücks als Kaserne wünschenswert erscheinen lassen. sondern einzig und allein ihre angeblich günstige strategische Lage innerhalb der Reichshauptstadt. Er empfiehlt dem Kriegsministerium einen Umbau der Kaserne für die Maschinengewehr- Abteilung und läßt sich dann wörtlich weiter aus: „Die Kaserne liegt außerordentlich günstig an der Ecke der Bclle-Alliance- und Teltower Straße als Stützpunkt in un» ruhigen Zeiten. Die südlichen Zugänge zur Fciedrichstadt über die Hallesche Brücke, Großbeeren- und Möckernbrücke, Zoffener Brücke, den Blücherplatz, lassen sich von hier aus bequem be- herrschen. Die Lage ist hier im Süden ganz gleich der der Kaserne des 2. Garderegiments in der Friedrich« straße und Hannoverschen Straße(letztere jetzt für die Maschinengewehr-Abtcilung neu erbaut). Mit dem Verlasfen dieses Platzes wird ein sehr wichtiger Punkt aufgegeben, der durch dir entternt gelegenen neuen Kasernen nicht ersetzt werden kann." Klingt das nicht, als befände sich die Berliner Garnison in Feindesland? und es wäre nötig, ein neues Zwinguri zu schaffen? Der große Stratege IL W. ist offenbar ein höherer— aktiver oder inaktiver— Offizier, und man tut gut daran, sich seine Aus- lassungeit zu merken. Dann wird man nie im Zweifel darüber sein, wie diese Kreise über die Berliner Bevölkerung denken. Dieser Ausfluß strategischer Weisheit ist eine vortreffliche Illustration zu den lleberschwenglichkeiten der Jahrhundertfeiern. Ist das vielleicht die„Freiheit", die unsere Väter vor 199 Jahren an- geblich erkäinpft haben? Man könnte sich in die Zeit der ersten brandenburgischen Kurfürsten zurückversetzt glauben, als die fürst« lichen Schlösser innerhalb des Stadtgebietes noch als Zwingburgen dienten. Jetzt sollen die Kasernen dazu herhalten, und man scheut sich nicht, das offen auszusprechen. Die ungeheuren Mittel zu alle- dem aber preßt man demselben Volke, gegen das man fix und fertige Schlachtpläne in den Aktenschränke» des Kriegsministeriums und Generalstabes hat(vergleiche den Fall Bissing), durch direkte und noch mehr durch indirekte Steuern ab. Die Direktion der Armenspeisungsanstalt hatte sich in ihrer letzten Sitzung am Montag mit der Festsetzung der Speisungszcit für den kommenden Winter zu beschäftigen. Herr Stadtrat Mielenz gab bekannt, daß die Armendirektion den Beginn der Armenspcisung vom 1. November ab verlangt habe und daß zu diesem Zweck außer den bewilligten 55 999 M. weitere 19 999 M. vom Magistrat bewilligt seien. Der Antrag der Armen» direktion wurde von den Vertretern derselben, Dr. Levy und Ge- nassen Hintzc, lebhast befürwortet. Die große Arbeitslosigkeit und die bei zahlreichen Familien herrschende Not fordern auch von der Armcnspeisungsanstalt, daß mit der Kochperiode ftüher begonnen werde, als dies sonst der Fall fei. Wenn auch der Magistrat die geforderten 25 999 M. nicht bewilligt habe, so könne doch schon jetzt mit der Speisung begonnen werden; sollten die Mittel nicht aus- reichen, so müßten eben neue Beträge verlangt werden. Herr Stadt- rat Mielenz sowohl als auch der Küchcnvorsteher widersprachen diesem Verlangen. Von einem Notstande sei in Berlin nichts zu merken; die eigenen Mittel der Anstalt reichten nicht aus, und cS sei Zeit genug, wenn am 1. Dezember mit dem Kochen begonnen würde. Die Kollekte bringe auch nur wenig ein und das Vermögen der Anstalt solle nicht in Anspruch genommen werden. Schließlich wurde auch ein Antrag, wenigstens am 15. November mit der Speisung zu beginnen, abgelehnt. Es ist ja begreiflich, daß die Küchenvorsteher von ihrem ehren- amtlichen Posten so wenig wie möglich im Jahre in Anspruch ge- nommen werden wollen, auch die Hauswirte haben Ursache, daß ihre Küchen im Jahre nur drei Monate benutzt werden, aber hierunter soll man doch nicht die ärmste Bevölkerung Berlins leiden lassen. Daß bei solchem Verhalten der Direktion die Kollekten» gelder weniger eingehen wie früher, ist nicht verwunderlich. Es dürfte aber auch an der Zeit sein, den Herren klar zu machen, daß sie sich den Wünschen der Armenverwaltung zu fügen haben, da diese% des gesamten Betrages, den die Anstalt verbraucht, zur Verfügung stellt. Noch besser allerdings dürfte es sein, wenn die Stadt auch hier selbst Hand anlegt und cnrweder eigene Küchen ein- richtet oder die Armenspcisung unseren Schulküchcn angliedert, u« nicht von der Gnade eines solchen Vereins abhängig zu fein. Aus der Armendirektion. Tie Armendirektion beschäftigte sich am T i e it s- tagmittag in einer außerordentlichen Sitzung mit dem Etat für 1ö14/15. Es hätte vermieden werden sollen, daß die für laufende Unterstützungen(Almosen), wie für Ertrannterstützungen nach den Erfahrungen des laufenden Jahres notwendigen Summen auch diesmal wieder reduziert werden. Gegenüber der Jft-Ausgabe für laufende Unter- stützungen von 7 612 WO M. im Jahre 1912/13 hätte die Summe schon für 1913/14 entgegen den Ausführungen unserer Genossen nicht um 699 909 M. heruntergesetzt werden dürfen. Zlach den zu erwartenden Ausgaben für 1913/14— das Etatsjahr läuft von April zu April, infolgedessen liegt ein Ab- schluß noch nicht vor— von 7 773 491 M. werden mehr als 7 799 999 M. für das nächste Etatsjahr gebraucht. Statt dessen hatte die zur Vorprüfung des Etatsentwurfs eingesetzte Subkommission diese Summe für ausreichend erachtet. In der Plenarsitzung der Armendirektion stellten unsere Genossen nun den Antrag, 7 999 909 M. in den neuen Etat einzusetzen, da ja die schlimmeren Folgen der drohenden bezw. schon vor- handenen Krise noch bevorstehen und unzweifelhaft auch den Armenetat belasten. Die„Dämpfungspolitik" von Magistrats- seite: recht sparsam zu sein mit der Bewilligung solcher Unter- stützungen, ist mit der so vielgertihmten Arbeitslosenfürsorge nicht in Einlkang zu bringen. Ter Antrag unserer Genossen wurde abgelehnt mit der Motivierung, es ließe sich die Ausgabe überhaupt nicht genau fixieren und darum begnügt man sich mit einer noch geringeren Summe, als nach den bis- herigcn Monatsausgaben des laufenden Etatsjahres gebraucht wirdl Diese Art von Sparsamkeit liegt nicht im Interesse der Aermsten der Armen, die auf Almosen angewiesen sind. Bei Titel IV:„Zuschuß an die A r m e n s p e i- s u n g s a n st a I t" wurde auf die Anfrage unserer Genossen die Antwort gegeben, daß der Magistrat statt der von der Armendirektion ans den Antrag unserer Genossen beschlossenen 25 099 M. mehr für die Armenspeisung nur 19 909 M. be- willigt habe. Auch habe die Leitung der Armenspeisungs- anstalt das Ersuchen, schon am 1. November mit der Speisung zu beginnen, abgelehnt: es solle, wie bisher, erst am 1. De- zember damit begonnen werden. Dem wurde von allen Seiten scharf entgegengetreten, und sollen nochmals Verhandlungen gepflogen lverdcn, um angesichts der Notlage möglichst sosort mit den Speisungen anzufangen. Es muß diesem Privat- verein klargemacht werden, daß für den Empfang städtischer Gelder Pflichten zu erfüllen sind, und dazu gehört, daß die in den Beschlüssen städtischer Körperschaften liegenden Wünsche respektiert werden. Oder aber man zieht besser die Konsequenz und übernimmt die Armenspeisung in eigener Regie. Nach Erledigung der eigentlichen Etatspositionen kam noch ein Antrag unserer Genossen zur Beratung: den Ma- gistrat zu ersuchen, für die E n t s e n d u n g v o n K i n d e r n in Heil- und Heimstätten 259 999 M. pro 1914/15 zu bewilligen, d. h. 59 999 M. mehr als im Vorjahre. Im Jahre 1912/13 wurden schon 229 907 M. für diesen Zweck ver- ausgabt und hatte aus dem Grunde im Vorjahre gemäß dem- selben Antrage unserer Genossen die Armendirektion 259 999 Mark per 1913/14 beantragt. Es sind nur 299 900 M. be- willigt worden. Vom Vorsitzenden der Armendirektion kam der Einwand gegen den Antrag unserer Genossen, daß das doch über den Rahmen der eigentlichen Armenpflege hinausgehe und überdies alle notwendigen Kuren Berücksichtigung fänden. Trotzdem fand der Antrag die Mehrheit des Plenums der Armendirektion und liegt es nun am Magistrat, in sozial- politischer Weitsichtigkeit gegenüber der rein kalkulatorischen Berechnung eine entsprechende Entscheidung zu treffen, um es zu ermöglichen, daß nicht nur erst dann eingeschritten wird. wenn die Kur unbedingt notwendig ist, sondern wenn sie vom Armenarzt als w ü n s ch e n s w e rt erachtet wird. Wie diese Unterscheidung überhaupt veraltet erscheint und einer Ab- änderung bedarf. Es wurde das in Aussicht gestellt. Hoffent- lich nicht in der Weise, daß es auf eine weitere Einschränkung der so bedeutsamen Heilstättenkuren bei Kindern der Armen hinausläuft._ Eine Einigung zwischen Berliner Acrzten und Krankenkassen. Eine Delegiertcnversammlung des Zentralverbandes der Berliner Kassenärzte hat am Dienstag nach längerer Dis- kussion den von dem Oberversicherungsamt getroffenen Verein- barungen zugestimmt. Die Aerzte geben sich danach mit dem zugestandenen Honorar von 5 M. pro Kopf und Jahr zu- frieden, jedoch unter der Bedingung,' daß gewisse Umstände beim Anstellungswesen aufhören. Ter Vertreter der Sektion des Leipziger Verbandes gab eine Erklärung ab, in der es u. a. hieß:„Wir werden für den vorliegenden Entwurf stimmen, obwohl wir z. B. in den Abmachungen, die die Neu- anstellung von Kassenärzten betreffen, selbst bei ehrlicher und gewissenhafter Durchführung nur in gewisser Beziehung Besse- rungen erblicken und wie viele andere Bestimmungen für nicht unbedenklich erachten, wie u. a. die Festlegung der Verträge ohne Honorarstaffelung auf fünf Jahre." Besonderen Wert legten die Erklärenden noch darauf, daß diese ihre Zustimmung nicht der auf dem deutschen Aerztetage angenommenen Reso- lution widerspreche. Nur ein Arzt stimmte gegen die Unter- zeichnung des Vertragsentwurfs, da er den Standpunkt seiner Berliner Kollegen mit dem Beschluß des Aerztetages für nicht vereinbar hielt. Die Aerzte der Berliner Vororte der Kreise Teltow und Niederbarnim und die der Orte an der Wannseebahn, die aber nicht dem Zentralverbande angehören, erklärten, dem Ver- trage nicht zustimmen zu können. In einer Resolution wandte sich die Delegiertenversamm- lung besonders scharf gegen das Verhalten der gutfundierten Betriebskrankenkasse der Großen Berliner Straßenbahn, die bekanntlich den Aerzten einen Honoxaxsatz von nur 3,50: M. zahlen will. Sie erwartet von den dem Zentralverband der Kassenärzte angehörigen Mitgliedern, daß sie ohne.Zustim- mung der Vertragskommission der Aerztekammer eine Stelle bei dieser Kasse nicht annehmen, und sie werden dafür sorgen, daß, wer es tut, bei anderen Kassen keine Anstellung findet. So wäre denn für Berlin ein Separatfrieden zwischen Aerzten und Krankenkassen zustande gekommen, während im Reiche der Kampf vielfach schon recht scharfe Formen ange- nommen hat. Die Berliner Verträge gelten bis zum Jahre 1918. Nicht einbezogen in den Friedensschluß sind außer der großen Betriebskasse der Berliner Straßenbahn nur noch einige kleinere Krankenkassen. Pegouds Nbschiedsflüge. Zum letzten Male hat sich gestern nachmittag der„König der Lütte" Adolphe Pegoud, den Berlinern mit seinen tollkühnen Leistungen gezeigt. Und ebenso, wie das Publikum dem- kühnen Franzosen zum Abschied immer und immer wieder zuwinkte, so zeigte sich Pegoud noch einmal in seiner vollen Größe. Er ließ gestern alle Register seines Könnens spielen und man kann wohl behaupten, daß die gestrigen Flüge die interessantesten waren, die man bisher zu sehen bekam. Wer angenommen hatte, daß das Juteresse der Berliner an den kühnen Flügen des„Vogelmenschen" bereits erloschen sei, der hatte sich gewaltig geirrt. Wenn auch nicht so stark wie am Sonn- tag, so doch immerhin noch recht beängstigend war auch gestern wieder der Andrang zum Schauplatz. Die Zahl der Besucher wurde diesmal auf 50 000 geschätzt. Die Polizeibehörden hatten jedoch aus den wenig erfreulichen Vorgängen am letzten Sonntag ge- lernt. Der gesamte Fuhrwerksverkehr wurde vor der Brücke am Teltowkanal über Baumschulenweg abgelenkt, so daß die Anfahrt zum Flugplatz— abgesehen von einigen kleinen Unfällen— sich ohne Stockung in kürzester Zeit vollzog. Nur der Eisenbahnverkehr ließ auch diesmal wieder zu wünschen übrig. Die Eisenbahnver- waltung hatte zwar zahlreiche Sonderzüge eingelegt, aber die Ueberlastung der Oststrecke nach Grünau ist nun einmal so groß, daß hier nur ein weiterer Ausbau der Bahnlinie gründlich Wandel schaffen könnte. Die einlaufenden Züge waren meist von heim- kehrenden Arbeitern besetzt, und so kam es zu unliebsamen Zwischenfällen. Pegoud ließ sich mit seinen Aufstiegen diesmal Zeit. Erst kurz vor 4 Uhr wurde der Bleriot-Eindecker aus dem Fokker- Schuppen herausgebracht und 10 Minuten später schwebte der kleine Franzose schon in der Luft, seine Ehrenrunde absolvierend. In seiner bekannten schneidigen Manier schraubte Pegoud sich dann steil in die Höhe und begann eine Serie aufregender Gleit- und Kurvenflüge. Bisher hatte man von dem Flieger stets die größeren Sturzflüge vermißt. Gestern aber zeigte er, was er mit seinem Maschinchen zu leisten imstande ist. In 300 Meter Höhe machte er Kurven mit einer Richtungsänderung von zirka 180 Grad. Dabei drehte die Maschine um den einen Flügel, als sei der Ein- decker am äußersten Ende seiner Tragflächen fest aufgehängt. Pegoud hätte bequem bei diesen Kurven zwischen zwei 20 Meter voneinander entfernten Masten hindurch fliegen können. Seine Kunst besteht eben darin, daß er in der Kurve sich so schräg wie möglich legt und das Flugzeug ruhig abrutschen läßt. Vor dem jähen Sturze bewahrt ihn sein treuer Gnome-Motor, der mit«ner wunderbaren Präzision arbeitet. Der Flug auf dem Rücken war gestern besonders glänzend. Aus 700 Meter Höhe schoß der Ein- decker jäh vornüber und legte sich ganz sacht und allmählich auf den Rücken. Infolge der gänzlichen Windstille brauchte Pegoud die seitliche Windung kaum zu betätigen und kam langsam tiefer. Ucber den Häuptern der Zuschauer richtete n: den Apparat wieder auf, machte als Zugabe noch zwei Saltos �nd landete, wie stets, von tosendem Beifall empfangen. Diphtherie im Nordwesten der Stadt. Der Berliner Magistrat hat sich genötigt gesehen, am gestrigen Bormittag die 128. Gemeinde-Mädchenschule in der Turmstraße zu schließen. Die Zahl der an Diphtherie erkrankten Kinder ist so groß geworden, daß die außerordentliche Maßnahme unerläßlich erschien. Die Schule bleibt vorläufig vierzehn Tage geschlossen und wird während dieser Zeit gründlich desinfiziert. Bom Verkauf russischen Fleisches. An russischem Fleisch sind seit der Wiederaufnahme des Verkaufs— am letzten Donnerstag— bis Dienstagabend in den Berliner Verkaufsstellen 811 Ninderviertel und 452 ganze Schweine verkauft worden. An die Vororte wurden in der- selben Zeit 54 Rinderviertel und 36 ganze Schweine ab- gegeben._ Steuerbeitreibungen. Der Magistrat teilt mit: Es ist w i e d e r h o l t vorgekommen, daß bei zwangsweiser Beitreibung der von Gesellschaften m. b. H. bestehende Zahlungsunfähigkeit oder Ueberschuldung der Gesellschaften Üch ergab, ohne daß ein rechtzeitig gestellter Konkursantrag vorlag. Nach den gesetzlichen Bestimmungen haben aber die Geschäfts- Ahrer lolcher Gesellschaften die Verpflichtung, die Eröffnung des Konkursverfahrens zu beantragen, sobald die Zahlungs- Unfähigkeit der Gesellschaft eintritt oder Ueberschuldung sich ergibt. Dieselbe Pflicht haben auch Liquidatoren. Ver- säumung dieser Pflicht wird mit G e f ä n g n i s st r a f e bis zu drei Monaten und zugleich mit Geldstrafe bis zu 1000 M. geahndet. Wie die SIeuerdeputation des Magistrats mitteilt, ist in einem Falle die gerichtliche Bestrafung eines Geschäftsführers mit Gefängnis erfolgt; in mehreren anderen Fällen schweben noch die Ermittelungen der Staatsanwälte. Die Sleuerdeputalion ist im steuerfiskalischen Interesse gezwungen, die Anwendung der durch das Gesetz an- gedrohten Strasmittel herbeizuführen, wiewohl nicht ausgeschlossen erscheint, daß die Geschäftsführer größtenteils aus GcsetzcsunkenntniS handeln. Der Flurschaden in Johannisthal anläßlich der Pögoud-Flüge wird sicherlich»och Entschädigungsprozesse zeitigen. Die Rechtslage ist allerdings sehr verworren. Die Flugplatzleitung und die Jmpresarii des Herrn Pögoud' lehnen alle Entschädigungsansprüche ab, da die Flurschäden nicht von Flugplatzbesuchern herrühren. Sie wälzen die Schuld auf die Gendarmerie, die hier versagt hätte, wie bei der Herstellung der Ordnung auf den Zufahrtstraßen. Gegen die gewerbsmässigen Vogelfänger geht die Polizei mit aller Strenge vor. In Neukölln hat die Polizei einen Lauben- tolonisten festgestellt, der seine Laube mit zahlreichen Bogelkäfigen ausstaffiert hatte, die zum Locken von Vögeln benutzt wurden. Die Vögel wurden freigelassen, Leimruten und Vogelnetze aber fort- genommen. Strafanzeige ist erstattet. ES gibt eine große Anzahl von Personen, welche am Vogelfang ein gewisses Vergnügen empfinden. Für die Allgenreinheit ist es nützlich, wenn die Vögel in Freiheit bleiben. Dann kann sich jeder Naturfreund am Gesang ergötzen, ganz abgesehen davon, daß die Vögel i» der Freiheit sich durch Fangen von Ungezieser sehr nützlich zeigen. Gerade aus dem letzgenannten Grunde ist beispielsweise die städtische Parkverwallung bestrebt, in den Parkanlagen Vögel beimisch zu machen. Im Schiller- park und auch in anderen Parks sind Nistkästen und besondere Tränk- anlagen für Vögel hergerichtet. Vom Eisenbahnzuge überfahre» und getötet wurde gestern auf der Streck- Berlin— Dresden, in der Nähe von Zossen, ein noch unbekannter Mann, der sich wahrscheinlich in selbst- mörderischer Absicht auf die Gleise gelegt hatte. Der unbekannte Tote, allem Anschein nach ein Berliner, ist ungefähr 27 Jahre alt, mittelgroß und untersetzt, hat blondes Haar und ein bartloses Gc- ficht und trug einen grünlichen Anzug, einen dunkclgraugestreiften Ueberzieher. braune Handschuhe, schwarze Schnürstiefel, einen grauen Filzhut und eine silberne Uhr mit goldener Kette. Nachrichten über leine Persönlichkeit nimmt die hiesige Kriminalpolizei in Empfang. Zu der neu verhängten Hundesperre wird uns vom Deutschen Tierschutzverein zu Berlin nachstehendes mitgeteilt: Während der er- neut angeordneten vorläufig bis zum 23. Januar 1914 verhängten Hundesperre müssen Hunde, die ohne Begleitung in der Oeffentlichkeit angetroffen lverden, auch wenn sie mitMalll- korb versehen sind, aus Grund deS Vrehseuchen- ge fetze« sofort getötet werden. Hunde, die zwar ohne Maulkorb und Leine, jedoch in Begleitung von Personen in der Oeffentlichkeit angetroffen werden, sind eben- falls von den polizeilichen Fangbeamten aufzugreifen, können aber nach polizeilicher Vorschrift gegen sofortige Er- statin u g von drei Mark Strafgeld wieder frei- gegeben werden. Daneben aber, und das ist leider im Publikum gar nicht oder nur wenig bekannt, kann wegen.Vergehems gegen das Liehseuchengesetz das Verfahren vor dem Gericht eingeleitet werden, das mit einer Mindeststrafe von fünfzehn Mark endigen muß— abgesehen von rund 7 M. Zeugen- und Gerichtsgebübren. E S w ü r d e n a l s o d e m H u n d e b e s i tz e r, der den Hund ohne Maulkorb und Leine umherlaufen läßt, unter Um- ständen mindestens fünfundzwanzig Mark Kosten er- wachsen. Zu dem angeblichen Mordversuch, über den wir auS der Strelitzer Straße berichteten, erfahren wir, daß die Beschuldigte, die Arbeiterin Klara Barletzki, gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Die Verhaftete hatte seit zwölf Jahren ein Liebesverhältnis mit dem Arbeiter V., mit dem sie auch zusammen wohnte. Die beiden er- warben in den letzten Jahren ihren Lebensunterhalt durch den ge- meinsamen Betrieb mit Bierausschänken, die sie in der Provinz pachteten. V. wollte jetzt nicht nur diese geschäftlichen Beziehungen. sondern auch das Liebesverhältnis lösen. Eine friedliche Aus- einandersetzung war auch schon eingeleitet und zum Teil durchgeführt. Als aber das Mädchen seine Sachen abholen wollte, kam es wider Erwarten zu einem Streit. Die Barletzki behauptet nun, wenn sie auf V. geschossen habe, so sei das in der größten Aufregung ohne ihre Abficht geschehen. Sie habe die Waffe nur gekauft, um sich wegen und nach der Trennung das Leben zu nehmen. Einen dreisten Einbruch verübten Diebe Montag abend gegen 8 Uhr in der Privatwohnung des Friseurs Gottony, Voltastraße 51. G. befand sich im selben Hause in seinem Geschäft; diese Gelegen- heit benutzten die Diebe, um mittels Nachschlüssel die Wohnung zu öffnen und den größten Teil der Sachen des Ehepaars G. zu stehlen. Sämtlickies Bargeld, das auffindbar war, hießen die Diebe mitgehen. Der Verlust trifft G. um so schmerzlicher, da er von schwerer Krankheil erst genesen ist. Der Männcrgesangverein„Namenlos" veranstaltet am Sonntag, den 2. November, in der Brauerei Friedrichshain ein Konzert unter Mitwirkung der Konzertsängerin B. Wilschke-Padewig und des Bei- liner Konzerthaus-Orchesters(Dirigent: Franz v. Blon). Ansang präzise ö Uhr. Programm im Vorverkauf 60 Pf., an der Kasse 75 Pf. Verloren: Trauring, gezeichnet„K. B. 24. 12. 10." Gegen Belohnung abzugeben bei Kurt Bubelewitz, Wilhelmshavener Str. 20. "Vorort-JNaebnebten« Neukölln. Zur Anfertigung der häuslichen Arbeiten sind unter Aufsicht von Lehrpersonen im laufenden Winterhalbjahre an nachstehend bezeich- neten Schulen an jedem Wochentag, nachmittags pon 4—6 Uhr. Klassenränme zur Verfügung gestellt: in der 3. u. 4. Gemeindeschule, Prinz-Handjerh-Str. 61/62; 11. u. 12. Gemeindeschule, ThomaS- siraße 20/21; 13. u. 14. Gemeindeschule, Kopfstr. 54; 15. u. 16. Ge- meindeschule, Lessingstr. 39. Volkstümliche Vortrage. Der nächste der von der Stadt ver- anstalteien volkstümlichen Vortragsabende findet am Dienstag, den 4. November, abends 8V, Uhr, in der Aula der Realschule, Boddin- straße 34/41 statt. Als Mitwirkende für diesen Abend sind Herr Hunyady aus Detmold, der Lieder zur Laute zum Vortrag bringen wird, und die hiesige Rezitatorin Frau Frieda Fiscber gewonnen worden. Der Besuch des Unterbaltungsabends ist für jedermann kostenfrei. Kindern, auck, in Begleitung Erwachsener sowie den Schülern der höheren Lehransialten ist der Eintritt nicht gestattet. Schönebcrg. Freie Elternvcrcinigung. Sonntag, den 2. November: Spiel» Partie. Treffpunkt vormittags Sll2 Uhr an der Kolonnenbrücke (Militärbahnhoss. Ein schwerer Straßenunfall hat sich am Dienstagabend gegen y.ß Uhr am Bayrischen Platz ereignet. Als der 30 jährige Bäcker- meister Adolf Kehder aus der Willibald-Alcxiö-Str. 30 dort den Fahrdamm überschreiten wollte, übersah er das Herannahen eines ziemlich schnell fahrenden Wäschewagens. Er geriet gegen da« Gespann, wurde umgestoßen und kam unter den Wagen zu liegen, dessen Borderräder über ihn hinweggingen. K. trug eine schwere Quetschung der Brust und der Schultern sowie eine Wunde an der linken Hand davon. Der Verunglückte erhielt auf der Unfall- station in der Vorbergstraße Notverbände und wurde von dort nach der Wohnung gebracht. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Treptow-Baumschulenweg. Der Verkauf russischen Fleisches, an dem sich im Vorjahre auch die hiesige Gemeinde beteiligte, ist bis jetzt hier noch nicht wieder verwirklicht worden. Die Fleischerinniing, mit der der Gemeinde- vorstand zunächst wegen der Ucbernahme deS Vertriebes verhandelte, möchte diese unliebsame Konkurrenz sich gern vom Halse halten. Sie hat zwar die Vertreter der Gemeindebehörde in ihre Versammlung geladen, dieselben aber dort ablaufen lassen. Die Bedingungen zur Uebcrnahme, die die Innung jetzt in die Oeffentlichkeit bringt, und die obendrein nicht einmal zutreffen sollen, bedeuten eine glatte Ablehnung. Danach würde die Genieinde nur das ganze Risiko und die Herren Meister den Verdienst in Form von täglich 10 M. Barlohn und eines guten Geschäftes— im eigenen Laden mit dem teueren deutschen Fleisch haben. Unter sozialen Anwandlungen leiden eben diese Herren nicht. Nun wird sich die Gemeindevertretung am Freitagabend in ihrer Sitzung mit der Frage zu befassen haben, wie der Verkauf im Orte zu organisieren ist. Aus der Tagesordnung steht aber an diesem Abend auch noch eine andere für die Arbeilerschaft wichtige Frage: die Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung, zu der ein Antrag unserer Gemcindevertreter vorliegt. Ein Kcllcrbrand verursachte am Dienstagabend 6'/, Uhr die Alarmierung des Baumschulenweger Zuges unserer freiwilligen Feuer- wehr, die denn auch wenige Minuten später an der in nächster Nähe ihres Depots belegenen Brandstelle eintraf. Im Hause Kicsholz- straße 181 brannte der Keller unter dem dort befindlichen Kolonial- Warenladen. Starke Rauchwolken versperrten zeitweise den Laden- und Hauseingang, doch war das Feuer nach halbstündiger Arbeit der Wehr abgelöscht. Das Schadenfeuer hatte schnell eine große Zu- schauermenge angelockt. Petershagen-�redersdorf. Mit dem Thema:.Religion, Kirche und Kircheiisteuer" be- schäftigte sich eine im Lokal zum Forsthaus tagende öffentliche Ber- sammlung. Der Referent Gen. U n g e r zeigte den Anwesenden, wie die Kirche immer mehr die christlichen Lehren verletze und zu einem Instrument unserer herrschenden Klaffe zur Niederhaltung der Ar- beiterklasie werde. Seiner Aufforderung, aus der Kirche auszutreten, kamen 15 Versammlungsteilnehmer nach. Ober-Schöncweide. Der Berkauf russische» Fleisches ist auch in diesem Jahre wieder von der Gemeinde eingeführt. Die Vorkommnisse des Vorjahre« haben es geboten erscheinen lassen, nicht wieder die hiesigen Schlächtermeister mit dem Verkauf des slcischeS zu beauftragen, sondern denselben in eigene Regie zu nehmen. Zu diesem Zweck ist der in der Edi'onstrahe 48 gelegene- alte Konsumladen her- gerichtet. Der Verkauf findet fünfmal in der Woche don morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr statr. Es wird dort Fleisch in Vz Pfd. sowie auch in'/�Pfd., im Höchstfall aber nur bis 6 Pfd ab gegeben. Gleichzehig sind auch wiederum die Secfischkurse eingeführt worden, durch welche der Zweck verfolgt wird, die Zubereitung von Seefischen auf verschiedene Arten in den weitesten Volkskreisen zu verbreiten. Der nächste Kursus beginnt am 31. Oktober in der Schule in der Kevvlerstrafie. Personen, welche beabsichtigen, daran teilzunehmen, müssen sich im Gemeinderat Zimmer Nr. 14 melden. Für die Teilnehmer entstehen keinerlei Kosten. Sehr zu wünschen wäre es, wenn diese Einrichtungen der Gemeinde von den Eiw wohnern recht rege benutzt und die oftmals zutage tretende Gleich gültigkeit und Interesselosigkeit derartigen gemeindlichen Einrichtungen gegenüber verschwindet. Tegel. Aus der Gemeindevertretung. Tie letzte Sitzung am Montag, 27. d. M., hatte eine sehr umfangreiche Tagesordnung zu erledigen, und der neue Gemeindevorsteher Herr Stritte zeigte in der Ab- Wickelung der Verhandlung Energie und Umsicht in der Vorbereitung des Materials, so dag es überraschend wirkte, wie leicht alle die vielen so verschiedenartigen Materien erledigt wurden. AuS einer Reihe Mitteilungen seien erwähnt die Kündigung von 300 000 M. seitens der Elberfelder Sparkasse und der Abonnementsbeitritt zum Städtebau-Darlehnverein, der dafür Auskünste verschiedenster Art an die abonnierten Gemeinden erteilt; der Gcschäftskreis ist ein sehr umfangreicher.— Die Benennung der neuen Strasien jenseits der Staatsbahn an der Humboldt-Realschule scheint einige Schwierigkeiten zu bereiten; Herr Stritte wünschte Aufstellung von Grundsätzen, nach denen die Benennung erfolgen könnte. Die Gemeindevertreter sollen geeignete Vorschläge machen, besonders wurden Namen zur Erinne« rung an die sogenannten Freiheitskriege empfohlen. Für die alte kurze Slrasie an der Humboldtmühle wurde die historische Bezeich- riung:.An der Mühle" vorgeschlagen.— Die von der Behörde vor dem Gemeindehause Veitstr. 3 veranlagte Anlage eines Vorgartens soll noch hinausgeschoben werden, bis die in Aus sichl gestellte allgemeine Verfügung heraus ist.— Für das Gelände am Tegeler See zwischen Hafen und Borsigwerk wurde ein besonderes Ortsstatut beschlossen, wonach dort Fabrikanlagen jeder Art nicht zu gelassen werden. Eine dort befindliche ältere Fabrik soll indes nur bei baulichen Veränderungeir von dem neuen Statut betroffen werden.— Für die Anbringung von Schutzholmen usw. an der S e e s e i t e der Hafenmauer wurden im Februar 3000 M. verlangt und nur 2000 M. bewilligt. Bei beschränkter Submission blieb die ausführende Firma Aug.' Konrad-Hennigsdorf mit 23b3 M. Mindestfordernde. Die Kosten stellen sich aber mit einigen Rebenlieferungen auf 2600 M., die fehlenden 600 M. wurden nachbewilligt.— Zum Vorsitzenden de? Gewerbegerichts wurde der Gemeindevorsteher Stritte gewählt.— Wegen lieber« schwemmung bei dem Wolkenbruch am 24./25. August hatten drei Eigentümer Ersatzansprüche an die Gemeinde gestellt. Wie der Stragenmeister berichtete, hätte die Verwaltung alle notwendigen Vorkehrungen zur Abwendung eines eventuellen Schadens durch Ueberschwemmung getroffen, auch wären die betreffenden Baulich- keilen nicht zweckmässig genug angelegt. Auf Vorschlag des Gemeinde Vorstandes lehnte die Vertretung schon in Rücksicht auf weitere Konsequenzen die erhobenen Ansprüche einstimmig ab.— Dem Ge- such des Verbandes.Heimatschntz" sdem eine ganze Reihe Branden- burger Gemeinden angeschlossen sind) um Gewährung eines jähr- lichcn Beitrages sollte auf Wunsch einiger Vertreter entsprochen werden, doch will Herr Stritte erst noch Anfragen an andere Gemeinden über die Zweckmäßigkeit eines Beitritts richten. Für die Schule in der Schöneberger Straße 4 soll für die Zentralheizungsanlage neben dem alten, nicht mehr genügend brauchbaren ein neuer Kessel auf- gestellt werden; aus dem EtatSposten für unvorhergesehene Fälle wurden die nötigen 1000 M. bewilligt.— Für Unterrichts- und andere Zwecke hatten bekanntlich die Herren Ernst und Konrad von Borsig zum Fabrikjubiläum 10 000 M. gestistet. Das vorgelegte Statut wurde genehmigt mit der Ergänzung, dafj das Kuratorium auS einem Vertreter der Firma, dem Gemeindevorsteher, dem Leiter der Fortbildungsschule und noch zwei zu kooptierenden Herren be« stehen soll.— Es folgte noch eine vertrauliche Sitzung mit Hypo- theken- und Verwaltungsangelegenheiten. Nieder-Ichönhausen» Nordend. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Buchweitz den Bericht der Bezirksleitung. Er gab zunächst einen Rückblick über die LandtagSwaHl. In Niederschönhauseu hätten von 4474 Wahlberechtigten 2212 ihr Wahlrecht ausgeübt. � Davon ent- fallen aus die sozialdemokratischen Wahlmänner 1329 Stimmen. In der 3. Abteilung erhielten wir 13 und in der 2. Abteilung zwei Wablmänner. Zur Verbreitung gelangten in dem Halbjahre 25 000 Flugblätter und 15 000 Handzettel. Im grohen und ganzen könne man mit den geleisteten Arbeiten am Orte zu- frieden sein. AuS dem Kaffenbericht ist zit entnehmen, datz einer Einnahme von 1493,83 M. eine Ausgabe von 1333,33 M. gegenübersteht, so daß ein Kassenbestand von 155,50 M. bleibt. Sodann erfolgten die Berichte der einzelnen Kommissionen. Von der Lokalkommission ist zu berichten, daß uns in Niederschönhansen neun, in Nordend vier, in Blankenfelde und Mühlenbeck zwei, in Mönchsmühle und Summt je ein Lokal zur Verfügung stehen. In Schildow und Schönftiesz ist es trotz eifriger Bemühungen noch nicht gelungen, ein Lokal freizubekommen. Genoffe Hellrich berichtete von der Gemeindcvertretcrkonferenz Groh-Berlins vorn 27. August. Gerügt wurde, daß unsere Gemcindevertreter den Verkauf von russischem Fleisch durch die Gemeinde abgelehnt hat. Sitzungstage von Stadt- und lAemeindevertretungen. Adlershof. Heute Donnerstag, nachmittags ösi, Uhr, im Sitzung«. saale des Gemeindeamtes I, BISmarckftr. l. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Antrag unserer Genossen aus Frildstück bedürftiger Schulkinder und Wiedereinführung des Berkauss von russischem Fleisch. Buckow. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr im Gcmeindedurcau, Dorsstr. 7. Britz. Morgen Freitag, den 31. Oktober, nachmittags 5 Uhr. Bruchmiihlc. Heule Donnerstag, den 30. d. M., abends 5 Uhr, im Gcmeindcburran. Friedrichsfeldc, Karlshorst. Freitag, den 31. d. M., abends 6'/, Uhr, ta der Aula der 1. Vollsschule, Rummelsburger Straße. Diese Sitzungen find Sfscntlich. Jeder Gcmcindeangehörige t» b»- rechtigt. ihnen als Zuhörer veizuwohnen. Quittung. Für den Verein Arbeitcr-Juncudhcii» gingen bei dem Unter- zeichneten ein: 33.— von den Bauarbeitern des KoiciumbaueS Lichtenberg. 5,— von den organisierten Kollegen der Favorit Bergasergesellschast. 5,— von den Kollegen der Firma Hermann in Schöncberg, Beunigscnstr. 23, Saal II. s.sö von den Kollegen der Armee« und Warincabtcilung der Firma Mix u. Genest. 10,— vom Leseabcnd der Frauenabteilung 16 und 24, IV. Kreis. 40,— von den Arbeitern der Firma Schwartzkopff, Reinicken- tors 42,80 Märzkranzüberschuß von den Mullkulschcrn und Schassnern der WiUschaitSgcnossenschast der Berliner Grundbesitzer. 9,95 aus der Sechser- lasse von den Kollegen der Möbelfabrik.Phönix". 15,— von den Kollegen der Firma«chuitz u. Dittmcr. Ackcrstr. 137. 10,— von den Packern und Lagerarbeitern der Firma Ferdinand Ashclm, ö,— aus der Sechlerkasse von den Kollegen der Firma Schultz u, Dittmcr, Ackerstr. 137. 15,— von den Kollegen und Kolleginnen der C, Lorenz A,-G. Sigiialbauanstalt, 3,— ans der Sechserkasse Bezirk 613a., VI. KreiS. 20,40 von den Kollegen »nd Kolleginnen der Firma Dr. Paut Meyer. 15,55 Kranzübcrschuß von der ?trbeit«rschast der Finna Pichatzcck. 9,95 vo„ den Kollegen der Finna Alb. FeSta, Reinickendorf Abt. Zentrisugenbau. 14,95 aus der Sechser- lasse von den Stellmachern der Karossericsabril Schebcra, Wilhelmstr. 132. IV-'O von den Kollegen der A. E.-G., Abt. Brause. 10.— aus der Sechserkasse Bezirk 407, IV. Kreis. 4,10 Ernst Element, Restaurant„RoßlenlerS- ruh", Wilmersdorf, Prinzrcgentenstr, 65. 40,— Sozialdemokratische griechische Arbeiter Teutschlands, anstatt ilranz für Bebet. 5.— vom Bezirk 372, IV. Kreis, 1.20 vom Bezirk 800, VI. Kreis. 15,50 von den Arbeitern der Antomatenfabrik in Weißensee. 10.— vom Lcseabcnd der Abt, 41, Kreis IV. 2,50 von den Arbeitern der Firma Boll u. Eo. 2,— von der Abteilung 13, Kreis IV. 3,75 Kranzubcrschusi der Firma Werkmeister, 46,58 Ueberschuß vom Walds est der' Abt. 4 des IV. Kreises, 6,— vom Bierkonsum Krauert, 23.— ans der Sechserkasse Abt. 41. IV. KreiS. 5.— vom Lcscabend der Abt. 23. iv. KreiS. ß— durch Genossen Kramer. 14.05 durch Jugend- seirctariat, K. R 0 s e n s e 1 d, An der Spandauer Brücke la. Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe. Montag, den 3. November, abends 8'/, Uhr, in Kellers Neuer Philharmonie, Köpc- »icker Str. 36/27: BereinSverjammIimg, Wegen Verhinderung von Frau Wally Zcpler Bortrag des Herrn Reichstagsabgeordneten Robert Schmidt! „Theorie und Praxis der Gewerkschaften".— Montag, den 17. November: Vortrag von Frau Wally Zeplcr:.Die Frau in der neuen Literatur". Briefkasten der Redaktion. DU lurtftiiche E»re«stunde findet Linden st ratze 69, vorn vier Treppe» — Nahrftnhl—, ttochentäglich von 4� bis 7� Uhr abends, Sonnadend», da« 416 dts S Uhr adends statt. Jeder für den Brtrslaften bestimmten Anjrage ist ein Buchstade»nd eine Zahl als Merkzeichen dctzufllgcn. Briefliche Antwort «trd nicht erteilt. Antragen, denen leine Abonncmentsqntttung dctgcfügt ist, rrrd-n nicht beantwortet, suige Fragen»raec man in der svrcchftnnbe vor. F. X. 72. Ihre Auffassung erscheint zutreffend, sosern sich nicht aus dem Schriftstück ein Erbverzicht folgern läßt. Um zu beurteilen, ob ei» Erbvorzicht vorliegt oder nicht, müßten wir den Wortlaut deS von Ihrem Bruder unterschriebenen Schrislslnckes kennen,— X. Ja. — R. ff. 22. Eine Klage erscheint zweckmäßig. In etwa 14 Tagen ist der erste Termin zu erwarten.— G. B. 5. t. Ja. 2. In Höhe von etwa 5 M. monatlich.— Ostbahn 914. Sie bleiben an den Vertrag gc- bunden, sofern Sie nicht mit dem Vermieter eine Lösung deS Vertrages, am zweckmäßigsten schriftlich. vereinbaren.— Schottktz. Pankow. 1. a) Nein, b) Ja, 2. Nicht bekannt, Sie scheinen im Irrtum zu sein, H. 74. Wenden Sie sich an die Krankenkasse sür Frauen und Mädchen, Vorfitzender Hermann Hinz, Prinzenstr. 66,— A. H. 141. Beschweren Sie sich bei der itlussichlsbebörde, Magistrat Schöncberg.— K. M. Ausdrückliche gesetzliche Borschristen bestehen nicht. Es dars jedoch keine nächt- liche Ruhestörung stattfinden.— B. 399. Nein.— W. M. 5999. Ja. — Krankengeld 33. Ja, da Sie von Jbrcm Mann Unterhalt in Geld erlangt baben. Führen Sie bei der Aussichtsbehörde, Stralauer Str. 3/6, Beschwerde,— St. W. Nr. 7. Falls eine ungeeichte Wage verwendet worden ist, kann allerdings vom Swasrichter neben der Strase aus Uli- brauchbarmachung oder Einziehung der Wage erkannt werden,— —<£. 3. 199. Die Fragen lassen sich nur nach Einsichtnahme in das Statut beantworten.— P. S. 25. 1. Ja, sofern noch Dunkelheit herrscht. 2. Rein. L, Ein Einspruch erscheint nutzlos zu sein,— B. Gr. 41. Ein Vorgehen erscheint aussichtslos, da offenbar ein Vergleich vorliegt.— Th. 8. 3. Der Wirt kann der Fortschassung der Sachen widersprechen. Ein AuSeinandcrsetzungsansprnch würde erst nach Scheidung der Eye bestehen.— F. W. 12. Der Abzug war leider zulässig. Die Kündigung muß sechs Wochen vor Quartalsschluß im Besitz des Vertragsgegners sein.— ffilig 173. Die Verzichtserklärung muß notariell oder gerichtlich beglaubigt sein und muß ferner, bevor sechs Wochen verstrichen sind, beim Nachlaß. gericht eingereicht sein. 2. Sofern eigenhändige Niederschrist, mit OrtS» bezeichnung, Dalum und Unterlchrist versehen, nicht mehr möglich ist, muß ein Notar bestellt werden.— 959. 1. Aus Verlangen ist das Zeugnis auszudehnen auch auf Führung und Lelstnngen. 2. Die zuständige Orts, krankenkasse kann zu den stalutarischen Lelstnngen herangezogen werden, jedoch nicht zur Deckung der gesamten Krankenhauskosten. Für die Differenz zwischen den statutarischen Mindestleistungen und den Krankenhauskosten hastet der Ehemann.— O. W. 1913. Nein. — Anna 5. 1. Ihre Angaben reichen nicht aus. kommen Sie mit dem Mietsvertraa in die Sprechstunde. 2. Ja.— A. W. 79. Nein.— R. S. 39. Für den Monat Oktober von der Staatseinlommenstenci-. — Handel 14666. Den Antrag stellen Sie beim Polizeipräsidium. Tort erfahren Sie auch den Kostenbetrag.— F. 199. Da die Landcs- versicheruiigsanstait eine gesetzliche Verpstichtnng, den Zahnersatz zu be- willigen, nicht hat, raten wir, den immerhin nicht erheblichen Beitrag zu zahlen.— B. 8. 1999. 1. u. 2. Nein.— Neukölln 82. Wir halten die Vereinbarung nicht sür rechtsgültig, da eine Verkäuserin einer Bäckerei unseres Erachtens unter die Vcstimmnngen des Handelsgesetzbuches sällt. Ihre Schwester würde also Anspruch aus sechswöchcntliche Kundigungssrist zum Quartal haben.— P. TP. 67, Steglitz. Sie können einen Antrag aus Aushebung der Fürsorgeerziehung stellen. Dieser Antrag ist an den Landesdirektor der Provinz Brandenburg und sür den Fall, daß die Für- sorgeerzichung zu einer Zeit, als der Wohnsitz in Berlin war, angeordnet ist, an die Beriincr Waisenyerwaltuiig zu richten. Erfolgt Ablehnung, so könne» Sie innerhalb 14 Tagen von Zustellung des ablehnenden Bescheides an, beim Vormundschaftsgcricht Beschwerde einlegen. Einen Rechtsanwalt können wir Ihnen nicht unentgeltlich stellen. — P.®. 190. Eine siädlische Schule besteht nicht.— I. B. N. 7. Vielleicht durch den Kassenvorstand, sonst durch den Arzt, in dessen Per- tretung der Angesragte tätig war. Marktpreise von Berti» am28. Oktober 1913, nach Ermittelungen des kgt. Polizeivräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,30—16,70, Nüttel 00,09—00,00. geringe 00,00—00,00, Mais(runder), gute Sorte 14,40—14,60. Richtstroh 4,60—5,00, Heu 6,00—7,60. M a r t l b a I l e n v r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Svcisebohncn, weiße 35,09—60,00. Linsen 36,00—70,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch t. 40-2, 40. Hammelfleisch 1,60—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,20—6.40. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Slaie 1,40— 3,00. Zander 1,20—3,20. Hechle 1,29—2,00. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,00-36,00. WafferstandS-Rachrichten der LandeZanftalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau ') 4- bedeutet Wuchs, Fall.—'1 Nnterveael. Boa-I�ie-Mettbeverb 1000 jVlarit prämien Die Preisrichter Max B 0 e tz e l, Geschäftsführer der Boa» Sie- Ges., Ernst G r 0 w a l d, Sachverständiger für Reklame, A. O. 5i l a u ß m a n n, Schriftsteller, sämtlich in Berlin, haben am 15. Oktober 1913 wie folgt entschieden: „Keine der 8190 Einsendungen ist so überragend gut, daß auf sie der erste oder der zweite Preis verteilt werden kann. Der erste Preis von M. 500, der zweite Preis von M. 200 und der dritte Preis von M. 100 werden daher zusammen- gelegt und aus diesen 8 Preise von je M. 100 geschaffen." Diese 8 Preise wurden an folgende Einsender verteilt; 1. Frau von Schorlemmer, Bad Kösen, 2. Frau Professor G eifrig, Friedenau, 3. Frl. Annemarie N i e m a ti n, Berlin, 4. Erich Solomon, Berlin, 5. S. Bergmann, Sternberg i. M., 6. Ernst K e m p a s, Berlin, 7. Frl. Elfriede, Treuge, Berlin, 8. W. Heise, Braunschweig. AuS den weiteren ausgewählten Einsendungen wurden 7— gleichartige Lösungen enthaltende— Gruppen gebildet, aus denen die Preisträger durch das in Gegenwart deS Notars Justiz- rat B u k a gezogene LoS festgestellt wurden. Danach erhielten: den 4. Preis von M. 50 Frau Robert G e r m a n n, Hamburg. den 5. Preis von M. 50 Frl. Käthe L a a r tz, Swinemülidc. Preise a M. 10 erhielten: 1. H. Ohage, Berlin, 2. Obersekretär E. Wenzel, Stendal, 3. Frl. H. Falkmann, Berlin, 4. Walter L 0 n S k y, Hof i. M., 5. HanS H 0 f f m a n 11, Berlin, 6. Frau Luise Keller, Cossebaude, 7. Frau Josephin« KelpinSki, HeinrichSdorf, 8. Emil Pu fch, Berlin, 9. Schulrat Fritz Kempff, Kempen i. P.. 10. Frau von Borcke, Belzig(Mark). �J&oo~Ge ein Naturtrank aus frifchen Zitronen mit durch Garung felbft erzeugter(alfo nicht künftlich eingepreßter) Kohlcnfäurc. _j5oasßc kostet für Berlin 23 Pf.,«/ü Fl. 18Pf.exkl.Gl. Ist xu beziehen durch alle elnfdilffglgen Gefchäfte oder durch �J&oatCe G. m. b. H.> Bcrlin-Chörloitenburg 2 Charlottenborger Ufer 70/ Fernspr,: Amt Steinplati 1904, 4661. HsdMbMilMIilstr.-.-sM Heiße uDd Wollraanfl.. Görlitzer Bahnhof. Strang 57. ffinfahrt Görlitzer Straffe. Reutner, 28086« Prof. Dr.PoölersÄmbDlartm für Beinleiden, offene Beine, Krampfadern, Platt-, Schweißiuß, Gicht, Ischias, Hautkrkh., Zuckcrkrkh. Ohne Opcrat., ohne Beiusssiörung. Sprech- stunden voini. 9—12, nachni. 4—7, Sonntags 10-12. 192/7» Fri»ilrl«li»tr. 166, PolidamerStr. 81. Ecke Linden.«4 2054, Zettimgs-AnsgadesteUen iwi» Auleraten-Annahme. Kcnti-uin: Albert HaSnisch. Ackerstr. 174, am Koppeiiplatz. Geöffnet von 10—1 und von 4ff,— 7 Uhr. L. Wahlkreis: W.: Äust. Schmidt, Kcrchbachstr. 14, Hochparterre. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. 2. Wahlkreis: S. und SW.: Hennann Werner, Gncisenaustr. 72. Geöffnet von 10— 1 und von 4'/,— 7 Uhr. 8. Wahlkreis: St. Fritz. Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Dften: Robert Weilgeis. Gr. Frankfurterstr. 120 Geöffnet von 0—2 und von 4—7 Uhr.— Richard H a ck e I b u I ch, Petersburgerplatz 4(Laden). Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzcrplatz 14/15. Geöffnet von 9- 2 und von 4—7 Uhr. 5. Wahlkreis: Leo Zucht. Jmmanuelkirchstr. 12(Hof). Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. 6. Wahlkreis(/Moabit): Solomon Joseph. Wclhelinshavcner Straße 48. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. WcildinK: I. H ö n i t ch, Müllcrstr. 34a Ecke Utrechter Str., Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. noseathalcr und Oranienburger Torstadt; A. Wolgast, Wattftraße g. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Ciesnudbrnnnen: Fischer, Bastianstr. 6, Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. Schiinhanser Vorstadt: Karl Mars, Greifcnhagcner Str. 22. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Adlershof: Karl S ch w a r, I o j e, BiSmarckstr. 50. Geöffnet von 7 Uhr morgens VIS 8 Uhr abends. AU-t-Uenleke: Wilhelm Dürr c. Köpenicker Str. 6. Nannisehnlenveg: H. Hornig, Marienthaler Str. 13, I. Bernau, Köntgental, Zepernick, Schünow, Schön- brück und Unch; Heinrich SJ r o f e, Mühlenstr. 5. Laden. Bohnsdorf, I alkenbc rg und Falkenhorst: Paul G e n s ch, BobnSdors, Genossenschastshaus»Paradies"._ Chnvlottcnbnrg: Gustav Scbariiberg, Sesenheimer Str. 1. Ge- öffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. Biehwalde, SchmOcbwita: Oskar Mahle, Stubenrauchstr. 93. Brkner, Wen-ZItton: Emil Zwang, S-harnweb-rstr. 10. Fredersdorf-Fetershagen, Eggersdorf: S. H v s e l b a r t h, Petershagen._.. Friedenau. Steglitz, Südcndc, GrcB- lilchterfelde, Eankwltz: H. Bernsee, Alsenstr. 3 in Steglitz. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Frledrlchshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schönelche, Kl.-Schönebeck: Ernst W e r l m a n n, Frievrichshagen, Köpc« nicker Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrich str. 10. .lohannlstbal, Rudow: Max G o n s ch u r, Parkstr. 6. Karlshorst: Richard Küter. Rädetstr. 9. II. Künlgs-Wustcrhauscn, Wildau, Tlederlehmc: Friedrich B a u m a n u, BaHnHosstr. 8. Köpenick: Emil W i ß t e r, Kietzerstr. 6, Laden. lilclitenberg, Frledricbsfelde, Hohenschönhausen: Dtlo Seilet, Wartenbergitraße 1(Laden). Geöffn. v. 9—2 u. v. 4—7 U. /Mahlsdorf. Kaulsdorf, Blesdorl: P. Heßberg, Kauls- dors, Ferdinandstrabe 17. /Marlemiorf: August L e i p, Chausseestr. 296. Hos. IMarlenfelde: Emil W e i n e r t, Berliner Str. 114 11. h'encnhagcn, Hoppegarten: Gustav L e y, Wolterftraße. Xenkölln: il'i. Heinrich, Reckarstr. 2. im Lasen. Geöffnet von 9—1 und von 4—7 Uhr; Neukölln, Britz: Rohr, Siegsriedslraße 23/29. Geöffnet von 7—1 und von 4—7 Uhr. Xicder-Schöncweide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 19, II. K owuwes: Wilhelm Joppe, Lutherjlr. 2. Obcr-Schöneweidc: Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Fankow, h'icderschüiiliauscn, Nordend, Frz.-Bnch- holz, Blankenburg: Riß mann, Mühlenstr. 30. Geöffnet von 10— 1 und von 41/,— 7 Uhr. Reinickendorf- Ost, Wilhclmsrnh und Schönholz: P. G u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. Geöffnet von 10—1 u. 4'/,— 7 Uhr. Ruininelshurg, Boxhagcn, Stralau: A. R o s e n k r a» z. Alt« Boxhagen 56. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Schenkendorl b. KonigS-Wusterhausen: Ehr. H a n t s ch l e, Dorsstr. 10 Sehöneberg: Wilhelm Ä ä u in l e r, Marlin Lntherstr. 69, im Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Spandan, h'onnendamiu, Staaken, Seegefeld und Falkenhagcn: K ö v P e n, Vreitestr. 84. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslnst, Heriiisdorf, Hohen• Kcuendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf West: Paul Kienail. Borsigwalde, Räujchstraße 10. Eeöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berliner Str. 16. Tcnipclhof: Joh. Strohn, Borussiastr. 62. Treptow: Rob. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Welüensee, Heinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, pari. Wilmersdorf, Ualcnsee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelmsaue 27. Zeuthen, Ullersdorf: Ernst H ü t t i g. Zeuthen, Miersdorfer Str. 14. Sämtliche ParteUtteratur sowie alle wiffenschastlichen Werke werden geliesert Sonntags sind die Ausgabestellen geschlossen. □□□ □OD □□□ Theater und Vergnügungen Donnerttag, 30. Oktober 1913 Nn?ang 6 Ubr, Eines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Niifattg 6V, Mr. Kgl. Opernhaus. Götter- dämmer."/g- kincsRollendorf-Thcater.Varieto' Lichtspiele. Ansang Tl, Ubr. Sgl. Schauspielhaus. Schwanenweiß. Leiiing. Peer Ghnt. Königgräver Straste. Macbeth. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Aniang S Ubr. Urania. Mit dem.Imperator� nach New Kork. Deutsches Küustler-Dh. HanneleS Himmelfahrt. Der zerbrochene SU-ug. Deutsches. Torquato Tusso. stammerspiele. Der verlorene Sohn. Deutsches Opernhaus. Der Waffen. schmicd. Deutsches Schauspielhaus. Di« heitere Residenz. Neues Operntheater(Kroll). Der Amcrikaseppl. Berliner. Wie«inst im Mai. Dbalia. Die Tangoprinzessin. theater am Nollendorfplatz. Geschlossen. tomödienhaus. Hinter Mauern. Nontis Operetten. Die ideale Gattin. Dheater des Westens. Der liebe Augustin. Schiller«». Di- Großstadtlust. Schiller Eharlottenburg. Jugend- freunde. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reife um die Welt sn 40 Tagen. stasino. Ferdinand der Tugend- haste. kleines. Belinde. triano». Seine Geliebte. äerrnseld. Was sagen Sie zu Lcibusch? Wintergarten. Spezialitäten. Reichsballe«. Stetliner Sänger. Eines Apoll»-Theater. Variete- Lichtspiele. Eines Friedrich- Wilhelmstädt. Variete-Lichtspiele. Ansang 8'l, Ubr. Rose. Im weißen Rößl. LuftsPirltiauS. Die Pupvenklinik. Luise». Von Stufe zu Stufe. Fo lies Caprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. DaS Adaptiv» lind. Walhalla. Der Licbesonkel. Anfang 8'l, Ubr. Neue» VolkStheater. Der ledige Hof. Ü-lt«. Anfang 9 Ubr. Admiralspalast. Die lustige Puppe. EinesNollendors-Xheater.Varicts» Lichtspiele. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62 Sehiller-TliealerO.IS: Donnerstag, abends 8 Uhr: Die GroBntadtlnft. Freitag, abends 8 Uhr; Wenn der nencWeln blüht Sonnabend, abends 8 Uhr: Die türoßNtadtlatt. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Ronenmontaz;. Schiller-Thealer Donnerstag, abends 8 Uhr: •Inxendlrennde. -Freitag, abends 8 Uhr: Roscnniontag. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: �!opf und Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: Jngendtrennde. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Ffarrer von Klrchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: dugcndkreunde. 7'/. Uhr: Macbeth. Komödienhaus. «Uhr- Hinter Masern. Berliner Theater. 8 Uhr; Wie einst im Mai. OentachesSchanH] 8 Uhr: Die heitere 8 tlclhauH iefidenz. Tbeater am Rolieniiorlplatz S. (Heute geschloffen.) Morgen Freitag z. I.Male: 7'/. Uhr: Iber lachende Rrelbnnd. Operette in 3 Alten von L. Jacobson. Beichshallen-Thealer Stettiner Sänner ZUN! vorletzten Male: „ A I. A R M!" Milit. Humoreske. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermaß. Prcijen:„Der Xompagn is-öal!" __ Einmal. Aufführ. Lea. 1 M.. Ba>k.75Ps.. Entree 39 Pf. u»< Residenz-Theater uf». Hoiseit— der Frans! Musikalifchc Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Winterberg. Morg. u. f. Tage; Hoheit— der Franz! Sonntag, 2. Nov., nachm. 3 Uhr: __ Die Fran Präsidentin. Montis Operetten-Theater Schiffbauerdamm 4a. 8 Uhr: Gastfp. Fritz! Maffary, Julius Spielmanu: Die ideale Gattin. Operette i. 3 Akten. Thealer lies Westens. 8 Uhr: Oer liebe Augustin. Sonnabd: Z. l.Malc: Polenblnt. Sonntag 3'/, Uhr: Der liebe Auguslin Mscbes Künstlertheater Soxlctüt. Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. Abends 8 Uhr; Hanneies Himmelfahrt, Der zerbrochene Krug. Lessing-Theater. Anfang T/j Uhr. Ppfkf(| v n t Von Ibsen. PCCl Vij III. Musik von Gricg. OSE=THEATEI Große Frankfurter Str. 132. Im weißen ROssM. Lustspiel in 3 Akten von Blumenthal u. Kadelburg. - Ansang S1/. Uhr.-_ Morgen: Im weißen Rösh'I. Sonnabendnm. 4 Uhr: Aschenbrödel. onntagnachm. 3 Uhr: Othello. Passage-Panoptikum Mundmaler Schuldis der Ralael ohne Arme bei seinen Arbeiten. Lebend zu sehen! Und die anderen Attraktionen. Die gr. Kino-Variete-Vorstellung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Berliner Prater-Thealer Kastanienallee 7—9. Donnerstag, den 30. Oktober: Gastspiel des Boigt-Dheaters. Freitag, den 31. Oktober: 2.Oper.-Gastsp.(Dir.Steiner-Sandori) Die Kino-Königin. Operette in 3 Akten von Jean Gilbert. Kasfeneröffnung 7 Uhr. Ans. 81/, Uhr. wenn Sie zu wenig lachen! Gehen Sie zur 99 Schwank in 4 Akten von JnliiiH Horst n. Max Engel, in der Titelrolle Madgc liCSHlng. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. TFT Sonntag, den 9. November 1913, bei Obiglo(früher Keller), Koppenstr. 29 Theatervorstellung Zur Aufführung gelangt; Probekandidat.- Drama in 4 Aufzügen von Max Dreyen. In Szene gesetzt von Fritz Witte-Wild. Einlaß 6 Uhr. Nach der Vorstellung: Ißall Anfang 7,/a Uhr. bis 2 Uhr. Eintrittskarten A OO Plcnnlg inklusive Tanz sind auf allen Zahlstellen, beim Gastwirt Kollegen Greivo, Rungestr. 30. und im Bureau zu haben, 91/2 Der Blldnngsansschuß. gXTTSTDZZDDSSSSZSXXSrXgSSXXXDZZZZTXXTXZa: ea Männer=Gesangverein„Namenlos" Mitgl. des D. A.- S.• B.::: Dirigent: EMIL THILO. Sonntag, den 2. November 1913, in der Brauerei Friedrichshain b KONZERT s unter Mitwirkung der Konzerfsängerin B. Wilschke-Padewig und des Berliner Konzerthaus-Orchesfers(Dirigent: Franz von Blon).[J Anfang prüclse 6 Ehr:: Programm im Vorverkanf OO Pf., an der Kasse 75 Pf. Verkaufsstellen: O,, Litthauer Str. 9, E. Krissler; 0., Zorn- dorfer Str. 11, Löwka; NO., Christburger Str. 31, Eokelt; SO., Skalitzer Str. 63/64, Mittelsädt, und im Vereinslokal Andreas-Festsäle, Andreasstr. 21. 27476* izggxxssixxxxxnazj"""""""""«"" Vereinigte Berliner Volksbühnen. Enisen-Theater. Donnerstag S1/, Uhr: Von Stufe zu Stufe. Lebensbild mit Ges. u. Tanz in 5 Bild. Wnibaiin-Tbenter. Täglich 8'/, Uhr: Der Licbesonkel. Posse mit Gesang n. Tanz in 3 Alte». �------ Große Herbstblumen- Schau Vom 30. Oktober bis 2. November im Reichstags-Qebäude Eintritt 1 Mark. 171/13 ÄüMtelUmgjbaneairijM Ausheilung llmReitbaHauiirauulutler vom Ib.OBtober bU 9. Novtmber 1913. Geöffnet von 10— 8. Eintritt M. 0,50. A»Clon" J* � m Mauerstraße 82.— 2i :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Oroßes]>oppel-Monzert! Berliner Konzerthans-Orehester mit seinem Vokal-Ouartett. Leitung: Komponist Frz. v. Blon. Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dlrig.: Oberm. Baarz. Aniang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr. Naehmitlags-Koiizerl beiEÄm Brauerei Friedrichshain am Königstor. Oekonom: Emst Liebing. Heiterer Künstler-Abend. Anfang 8 Uhr.$61183110118" pfOgsWlll. Entree 39 Pf Goncofdia- Feslsäle Inh. M Wendt u. A. Schütze Od Andreas-Straße 04. Jeden Donnerstag und Sonntag: Soiree d. allgemein beliebten und bekannten Hoffmanns Sänger mit vollständig neuem Programm. Anfang 8 Uhr. Nach der Soiree: �__— Frei-Tauz.— VoTzugskarten haben Gültigkeit. Caslnoff Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Poffen-Schlager Ferdinand der Tusendhaffe. Das droll. Stück seit Bestehen d. Theat. Vorher das erstN. Speziatitöt.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: MnttcrUebe. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Seine Beiielrte. URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Metropol Theater Abends 7 Uhr 55 präzise; I Gr. Ausstattungssl. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. oollständ. freier Benutzung des Jules Verne'fchen Romanes von Julias Frcnnd. Musik von Jean Gilbert. In Szene gcs. v. Dir. Riebard ScbuIIz. Karl fiachmann. Josepli Giampietro. Guido Thielscher. Allred Sclimasow. Leopold Weif. Ludwig Woli. RefeneGaüot. Idaßusska. J.de Lande. Dien! Bon S— I Uhr: Xen! Mefrepel-Kar Rendezvous der vornehmen Tedewelt. Ü Kapellen. Die ONES Tßeafer Apollo-Theater Täglich Anfang 8 L'hr. Palast am Zoo Täglich Anfang 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Matinee. Komplettes Programm grosser Variete-Akte sowie unsere renommierten Lichtspiele Friedr.-Wilhelmst. Richard Wagner 1813—1913 Eine Filmhiographie xum 100. Geburtstage des Meisters OnunterbroeiieDe Vorstellung täglich von 4 Uhr an. fVai* jsw ei Preise 35 ii.«O Pf. Keine teureren Plätze. Nachmittags Lichtspiel-Vorsiellungen Apollo-Theater Täglich Anfang>1,5 Chr. Nur zwei Preise 35 Pfennig und 60 Pfennig. Nollendorf-Theater Cleopatra Die Herrin des Nils Das Filtnu ander der Welt Wochentags Anfang OVj u. 9 Uhr Sonntags 4, 6l/j unti 9 Uhr. Jugend-Vorstellunfl Wochentags 4 Uhr zu halben Preisen. In allen Theatern: die Original-Aufnahmen von Pegouds sensationellen Sturzflügen in Johannisthal. Zirkus Alb. Sehumaiin. HeuteDonnerstag,30. Oktober. abends 71,lj Uhr; Große Eiltevorsteiliins. U. a. Nur noch kurze Zeit! 10 Bengal-Königs-Tiger 10 vorgeführt von Herrn Sawade. Zoolog.Potponrri. Miß Octavia. Die Schleudertahrt Im Luftschiff! Mr. Winghart. und weitere 10 Attraktionen. Um 9'/, Uhr: Tango vor Gericht! Pantomimen-Burleske in 3 Akten mit Gesang n. Tanz. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 30.OItobcr, _ abends 71!, Uhr: SV Zum 1. Male:"9$ Frl. Hartha Hohnke, SehulreiteriD auf dem irländ. Wallach„Lord". Ferner: Die berühmten Menschen-Atten Max, Moritz».Tech aus Karl Hagenbecks Tierpark sowie daS große Gala-Programm. Zum Schluß: Die neue Ausstatt., Pantoniinic Aus unseren Kolonien. Folies Gaprice. Anfang B'l, Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Admiralspalast. Els-Arenn.— Allabentliich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Elsballeti Sie lustige?uppe. Beginn der Vorstellung 81/, Uhr. Bis 6 Uhr und von 103/, Uhr halbe Kassenpreise. ODEON Vergnügnngs-Palast am- der lOOOO'«Ü Potsdamer Str. 72�5!"" Berlins lustigster Aufenthalt. Attraktionen! Bier-Kabarett! Eintritt frei k SS,!!..,'!!; Eintritt 30 Pf, Voller Eestaurationsbetrieb. Miet- Pianos 6 Mark pro Monat an unter Anrechnung der Miete bei späterem Kauf II. Vereinbarung. Bei Barzahlung höchsten Rabatt. Bei Teilzahlung fleinfle Raten ohne jede Anzahlung. perrnsneute Ausstellung von über 200 Pianos, Flügeln u. Harmoniums. Pianohaus Krause, Ansbacher Str. 1, Ecke KnrfttratenstraBe. itzur den Inhal» der Jnierake übernimm» die Redaktion dem Vubliium gegenüber keinerlei B-rantworlung. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp» Reukölln. Für den- Fnjeratenieil perantw.: Td. Glocke, BerUn. Druck u. Vertag: Torwart»»uchdruckere, u. Be ciagsanstatt Paut Singer u. Co� Berlin SÄ, 8.. 285. bo.�, Z Keilllge des Joiiötts" Kerlimr NslksblM. s.'m.r�.Msww.s.z. Kus der Frauenbewegung. Hrbeitct mit in der Gemeinde. Wenn auch die einzelne Gemeinde nur ein winziger Teil im Nroßcn Organismus der Gesellschaft ist und ihre Einrichtungen nur dem Klassenstaat dienen, so kann doch durch ibre soziale Fürsorge dem mannigfachen Elend der arbeitenden Klasse etwas gesteuert werden. Ist dem so, dann haben auch wir Frauen das unserige dazu beizutragen, um die sozialen Einrichtungen der Stadt aus- bauen zu helfen. Zur nachdrücklichen und bewußten Führung des Klassenkampfes brauchen wir körperlich und geistig tüchtige Mcn- lchcn. Ta sollen wir denn kein Mittel beiseite lagen, sie zu kräf- tigeu für den Kampf. Wie ist das möglich, uns fehlt ja das Wahl recht! Das ist richtig und dennoch haben wir in der sozialen Für forge der Stadt Einfluß, den zu vergrößern unsere Aufgabe sein muß. In den letzten l6 Jahren, älter ist die Mitarbeit der Frauen in den Gemeinden noch nicht, haben sich die Frauen in der kommu- nalen Wohlfahrtspflege mit Erfolg hetätigt. Wir haben jetzt zirka 13 OOO Frauen, welche ehrenamtlich oder besoldet in den Kom- munen tätig sind. Tic weitaus größte Zahl sind Armen- und Waiscnpslegcrinnen. Die gesetzlichen Bestimmungen über ihre Mitarbeit sind ganz verschiedene. Während in der Armenpflege den Frauen dieselben Rechte wie den Männern gegeben sind, sie also auch Vorsteherin der einzelnen Kommissionen werden können— Skdiii hat jetzt zwei Vorsteherinnen, von denen die eine seit Jahren mit gutem Erfolg tätig ist—, sind die Frauen in der Waisenpflege den Waisenräten nur als Helferinnen beigegeben. Sie haben die ihnen überwiesenen Arbeiten zu erledigen, aber kein Stimm- recht bei den Beschlüssen der Kommission,«selbstverständlich werden einsichtige Waisenräte den Rat ihrer tüchtigen Pflegerin gern gelten lassen. Schwer brach sich die Mitarbeit der Frauen aus diesen Gebieten Balm. Mit aller Gewalt sträubten sich die Philister, Frauen in ihre Reihen aufzunehmen. Dennoch wurde Bresche geschlagen. Freilich ging das nicht so ruhig ab. Man drohte mit Streik. Einzelne Kommissionen legten einmütig ihre Aemtcr nieder, um so ihren Abscheu gegen die Frauenarbeit zu dokumentieren. Einige ließen sich zum Versuch herbei, und siehe da, bald mußte man sich gestehen, daß die Frauen Gutes leisteten. Für Einsichtige war das selbstverständlich, denn die Fürsorge für Waisen und Arme liegt ja den Frauen so nahe. Sie bringen einen ge- schulten Blick und herzliches Verständnis für dies« Tätigkeit mit. Sie treten in engere Fühlung mit ihren Schützlingen. Neben der Gipvährung augenblicklicher Unterstützungen sorgen sie, die Schütz- linge wieder in geordnete Verhältnisse zu führen. Den obersten Behörden der Armen- und Waisenfürsorge gehören nur in 53 Gc- meinden Frauen an. Das ist um so bedauerlicher, als sie die Kenntnisse, die bei der praktischen Kleinarbeit erworben wurden, in den Deputationen nutzbringend verwenden könnten. Es desteht eine Ministerialinstruktion vom 10. April 187l, nach der den Gemeinde- Vertretungen freie Hand über die Wahl der Frauen zu den Dcpu- tationen gelassen wird. Tie Zahl der Gemeinden, die hiervon Ge- brauch machte, ist sehr gering. Berlin gehört vorläufig noch nicht zu ihnen. In verschiedenen Gemeinden sind auch Frauen in den Schulbchördcn tätig. Der Berliner Schuldcputation gehört eine Lehrerin an. In den Kuratorien der städtischen Fach- und �Fort- bildungsschulen sind 9 Frauen tätig. Einige Städte haben Schul- örztinnen, auch Berlin hat in letzter Zeit eine Aerztin angestellt. Seit zirka 2 Jahren hat Berlin den Frauen die Möglichkeit der Mitarbeit in den Schulkommissionen gegeben. Leider sind bisher verschwindend wenige Frauen gewählt worden. Auf dem großen Gebiete der Wohnungssürsorgc sind in verschiedenen Gemeinden Frauen ehrenamtlich und besoldet als Jnspcktorinnen und Pflege- rinnen tätig. Wir hoffen, daß auch Berlin bei Durchführung seiner Wohnungspflege der Mitarbeit der Frauen einen großen Raum zuerkennt, Breslau wählte vor einigen Monaten eine Frau in die Krankenhausdeputation. Der Magistrat begründete seinen An- trag mit dem Hinweis auf die wertvolle Arbeit der Frauen in der Säuglings-, Armen- und Waiscnpflcge. Ihre Kenntnisse wolle man sich auch auf diesem Gebiete nutzbar machen. Es gibt noch viele Zweige der städtischen Verwaltung, in denen Frauen Tüchtiges leisten könnten. Wir wollen nur auf die städtische Lebensmittel- Versorgung hinweisen. Die hohen Lebensmittelpreise zwingen die Gemeinden, helfend einzugreifen. Nichts liegt doch näher für die städtische Verwaltung, als sich die wirtschaftlichen Kenntnisic der Frauen aus diesem Gebiete nutzbar zu machen, Wir können im Interesse der Allgemeinheit nur wünschen, daß immer mehr Gebiete der Mitarbeit der Frau erschlossen werden. Dafür treten denn auch unsere Gc- nassen im roten Hause ein. An uns Frauen aber liegt es, ihnen die geschulten Kräfte zur Verfügung zu stellen. Unsere Organisationen sollten es sich mit zur Aufgabe machen, den Frauen die nötigen Kenntnisse zu vermitteln. Von den vielen Frauen, die sich heute in der Gemeinde betätigen, gehören die wenigsten unserer Partei an und doch ist es von besonderer Wichtig- keit, daß Frauen aus �er Arbeiterschaft in diese Aemtcr hinein- kommen. Sic bringen ia unendlich viel mehr Verständnis für die Not ihrer Älasscngcnosscn mit. Also sammeln wir Kräfte für' die Arbeit in der Gemeinde. Es ist uns hier ein großes Feld zur nutz- bringenden Tätigkeit gegeben. Unsere Leistungen auf diesem Gc- biete können uns nur vorwärts belfen auf dem Wege zur Er- ringung des Staatsbürgerrcchts. Unsere Bürgerrechte werden wir zuerst in der Gemeinde erringen, die unsere Mitarbeit schätzen lernt und bald nicht mehr entbehren kann. Schließlich dürfen wir Frauen nicht vergessen, daß wir durch unsere Anteilnahme die Arbeit unserer Genossen in den Stadt- Parlamenten tatkräftig unterstützen können. In wenigen Tagen stehen für Berlin und einige Vororte die Stadtveirord- netenwablen bevor. Ebenso wie bei den Reichstags- und Landtagslvahlen ist es auch hier Pflicht der Genossinnen, sich an den Wühlarbeiten zu beteiligen und mit dafür zu sorgen, daß nur solche Männer in die Gemeindevertretungen gelangen, die auch sür die Fraucnrechte und die Frauenmitarbeit in den Kommunen ein- treten. Die sozialdemokratischen Gcmeindcvcrtrctcr sind die ein- zigcn, die in Uebereinstimmung mit den Forderungen des Partei- Programms nachdrücklich in den Kommunen die Interessen der arbeitenden Frauen wahrnehmen und die völlige Gleichberechtigung der Frauen fordern. Die bürgerlichen Frauen stellen sich schon jetzt in großer Zahl dem Kommunalfreisinn, wie die liberale Presse meldet, für die kommenden Stadtverordnetenwahlcn zur Ver- fügung, obgleich die Forderungen der bürgerlichen Frauen von ihren eigenen Klassenpenossen gar nicht oder nur ganz schwach be- rücksichtigt werden. Um so mehr ist es Pflicht der arbeitenden Frauen, die Sozialdemokratie zu unterstützen, von deren Vertretern sie die weitgebendite Unterstützung und Förderung all ihrer Wünsche erfahren. Die Mithilfe der Frauen bei der organisatorischen Klein- arbeit für die Wahlen wird dazu dienen, die Stellung unserer Ge- nassen im Wahlkampf zu stärken und damit die Erfüllung der Wünsche auf erweiterte Tätigkeit der Frau in der Gemeinde zu beschleunigen. Darum auf, ihr Frauen, helft mit bei den S ta d t v e r o r d n e t e n w a h l e n! l)Le neue„DienPtboten'Tteuer. Dem großen Heere emsig schaffender Hausangestellten wird jeder sozial Denkende es gewiß von ganzem Herzen gönnen, daß sie vom 1. Januar kommenden Jahres ab nicht mehr sozialpolitisch als Arbeiter zweiter Klasse behandelt werden, sondern wie andere Arbciterschichten die Rechte der Krankenversicherung in Kranken- Hilfe, Wochengeld und Sterbegeld genießen sollen. Die neue Per- sicherung umfaßt sämtliche im Haushalt tätige Personen: Dienst- mädchen, Köchinnen, Köche, Kindermädchen, Rcinmachefraucn, Putz- sraucn, Aufwärterinnen, Näherinnen, Plätterinnen, Wäscherinnen sgleichvicl, ob diese nur vorübergehend oder stundenweise beschäftigt oder im Haushalt nicht beköstigt werden), ferner: Lehrer und Lehrerinnen, Erzieher und Erzieherinnen, Gesellschafterinnen, Repräsentantinnen, Hausdamen, Wirtschafterinnen, Kranken- Pflegerinnen usw., sofern sie unter 3500 M. Jahresverdicnst haben. Alle diese berufstätigen Kreise haben unter dem Mangel einer gesetzlichen Fürsorge in Krankheitszeiten bisher schwer gelitten und begrüßen den Ansang einer besseren Zeit auf Jüssem Gebiete mit Freuden. Nicht so ein großer Teil der sogeimnnten»Herr- schaften". Sic sind höchst erbost darüber, daß sie zu den Kosten der neuen Versicherung mit herangezogen werden sollen. Nach den für Berlin und einige Vororte gültigen Sätzen wird der jähr- lich für einen Dienstboten zu entrichtende Versicherungsbeitrag sich auf 43,20 M. belaufen, wovon zwei Drittel von der»Herr- schaft", ein Drittel von den Versicherten zu entrichten sind. Die bürgerlichen Arbeitgeberinncn fürchten nun, daß auch das Beitrags- drittel des Hausangestellten auf ihnen hängen bleiben werde, da sie im anderen Falle mit der Forderung einer Lohnerhöhung zu rechnen hätten. In zahllosen Kaffeekränzchen wird zurzeit mit tiefster Empörung diese neuste Variation des altbcliebten Themas von den Ansprüchen der Dienenden abgehandelt. Bürger- liehe Zeitungen werden mit Protestzuschristen bombardiert, die tiefe Einblicke in die sozialpolitische Einsicht der Arbcitgeberinnen gestatten. So veröffentlichte der Scherlsche„Tag" von, 24. Oktober unter der Ueberschrist„Eine neue Dienstbotensteuer" eine Zuschrift, die es verdient, tiefer gehängt zu werden. Der Verfasserin jener Zu- schrift ist die„neue Steuer" so unsympathisch, weil sie„mehr als human gegen die Dienstboten, aber unsozial gegn die Dienstgeber" ist, um so mehr als die Dienstboten so unzuverlässig, verändern ugs- süchtig und„zu Vertragsbrüchen sehr leicht geneigt" seien. Am empörendsten findet die Zuschrift die Gewährung von sechswöchiger Schwangeren- und Wöchnerinnenunterstützung sowie von Geburls- Hilfen, denn„das heißt doch, für Dienstmädchen geradezu doppelte Prämien auf unsittlichen Lebens ivandel aussetze n!!" Die noble Seele, die jene Zuschrift verfaßte, macht demgegenüber auf die noch immer nicht beseitigten§§ 128 und 133 der berüchtigten preußischen Gesinde- ordnung vom Jahre 1810 aufmerksam, die der Dienstherrschaft das Recht geben, einen schwangeren Dienstboten ebenso sofort zu entlassen, wie einen, der sich„durch liederliche Aufführung an- steckende oder ekelhafte Krankheiten zugezogen hat". Sehr weise bemerkt die Zuschrift des„Tag" dann: Schwangerschaft wäre ein natürlicher, physiologischer Vorgang, aber niemals eine versichcrungs- Pflichtige Krankheit. Jedenfalls solle man die Dienstherrschaften nicht für Krankheiten der Dienstmädchen haftbar machen, die diese sich außerhalb des Dienstes zugezogen haben. I m m e r„außer- halb des Dienstes", meine Gnädige? Haben Sie nie gehört, daß Hausherren und-söhne die Dienenden vielfach als Freiwild bc- trachten und nichts unversucht lassen, bis sie so ein armes törichtes Ding zu Fall gebracht? Aber gleichviel, ob eine Hausangestellte innerhalb oder außerhalb des Dienstes schwanger geworden, oder ob ihr die Wochenhilse des Staates erst nach Jahren in der Ehe zu teil wird, muß es eine Ehrenpflicht der Gesell- s ch a f t sein, den wirtschaftlich Schwachen in großer Bedrängnis — wie Schwangerschaft und Geburt eines Kinders sie mit sich bringen— wenigstens den allcrnotdürftigsten Schutz angedeihen zu lassen. Mehr tut das Gesetz heute leider noch nicht. ES müßte auf dem Gebiete des Mutterschutzes noch unendlich viel mehr leisten, wollte man der entsetzlichen Vergeudung von Menschen- leben, die aus der mangelnden Schonung und Pflege der Mütter des Volkes resultiert, mit durchschlagendem Erfolg entgegentreten. Wo Hausangestellte zusammenkommen,' da teilen sie sich in diesen Tagen die Herzensergüsse ihrer Arbeitgeber über die neue „Dienstbotenstcucr" aus den Tageszeitungen mit und knüpfen Glossen daran, die nickt immer fein sein mögen, dafür aber die Dinge beim richtigen Rainen nennen. In der engen häuslichen Gemeinschaft lernen die Dienenden genug von der geschlechtlichen Zügcllosigkeit so mancher„Herrschaft" kennen, die freilich über alle Mittel verfügt, um unliebsame Folgen zu beseitigen oder zu ver- tuschen...> Nickt wenigen Hausangestellten mögen jetzt die Augen auf gehen, wenn private und Preßäußerungen ihnen klipp»nd klar schlvarz anf weiß die Beweise von der sozialpolitischen Rückständig- keit und Einsichtslosigkcit der bürgerlichen Arbeitgebermnen liefern Wenn sich dieses ncugelvonnenc Wissen dann zu klarer Erkenntnis ihrer Klassenlagc und zur organisierten Abwehr aller Uebergrifse von jener Seite erweitert und verstärkt, dann wirken Auslassungen wie die gekennzeichneten als ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. �um Geburtenrückgang. Genosse Co mpcrc- Morel, ein vorzüglicher Kenner der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse Frankreichs, dem klassischen Lande des Zweikindersystems, schreibt in der„Gleichheit": „Ich glaube in sozialer Beziehung in nichts an die Wirksam- keit des Neu-Malthusianismus. Ucbrigens macht die Agitation der Neu-Malthusianer bei uns kaum noch Fortschritte, und es ist sehr schwer zu beurteilen, ob sie einen tatsächlichen Einfluß aus die wirtschaftliche und kulturelle Lage des Proletariats ausgeübt hat. In Frankreich ist es hauptsächlich die bürgerliche Welt, in der die Geburten weniger zahlreich sind. Die Geburten nehmen zu oder ab, je nach dem Grade der Armut oder des Reichtums der Be- treffenden. Nicht die Zunahme oder Abnahme der Geburten beeinflußt den Wohlstand der Bevölkerung, umgekehrt ist es der Wohl- stand der Bevölkerung, der von Einfluß aus die Geburtenzahl ist: großer Wohlstand geht mit niedriger Geburtenzahl Hand in Hand, geringer Wohlstand mit einer hohen Geburtenziffer. Das wird auch dadurch bestätigt, daß die Geburten namentlich in den wohl- badenden Kreisen abgenommen haben, während ihre Zahl in den ärmeren Volksschichten hoch geblieben ist. Es scheint mir ein rückschrittliches, reaktionäres Beginnen, seine Zeit zu verwenden, seine Energie zu vergeuden, um den Pro- letariern zu sagen: zeugt lvenig Kinder! Zeit und Energie muß man bis zum äußersten ausnützen, um die Proletarier dem Sozialismus zuzuführen, der allein allen Gliedern der Gesellschaft das höchste Maß materi- eller und kultureller Güter zu sichern vermag. In diesem Sinne zu handeln, ist revolutionär." Oer Fumpf um den 8tü. Es geschehen wunderliche Dinge. Da entstanden vor etwa drei Jahren heftige Kämpfe in der Frauenstimmrechtsbewegung um den Wahlrechtsparagraphen im Programm. Die einen verlangten, daß man den rechtsstehenden Frauen den Beitritt erleichtern und des- halb die Forderung des allgemeinen, gleichen Wahlrechls aus der Satzung streichen möge. Die anderen erklärten: lieber weniger Mitglieder, aber treue Anhänger des gleichen Wahlrechts und des- halb Aufrechterbaltung der alten Forderung. Und nun erfährt man aus einmal, daß der ganze Kamps eigentlich um nichts anderes, als um eine Verbesserung des Stils in den Satzungen geführt worden ist! Wenigstens behauptet etwas Aebnliches Regine Deutsch im„Freien Volk", wenn sie über die Eisenachcr Abstimmung folgendes schreibt: „Unter den 37 Stimmen, die dafür waren, der deutschen Sprache soweit entgegenzukommen, daß das, was man„erstrebt", kein Grundsatz, sondern ein Ziel ist, waren keine Gegner der bestehenden Fassung; diese Stimmen wären fast einstimmig für die Aufrcchtcrhaltung des 8 3 gewesen." Also es soll eine stilistische Verbesserung sein, wenn man sagt: „Der Verband erstrebt„als Ziel" das allgemeine, gleiche... Wahl- recht" und die Ueberschrist„Grundsätze" fortläßt. Wir haben eine andere Auffassung von gutem, d. h. klarem Stil. Wir meinen, daß es gar nichts weniger Mitzzuverstehcndes gebe, als die alte Fassung: „Grundsätze: Der Verband erstrebt das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht." Frau Deutsch soll uns doch nicht mit solchen kindlichen Mätzchen kommen. Oder will sie uns vielleicht auch glauben machen, daß sie ebenfalls in dem Augopurgscheu Antrag aus der Beiratskonferenz des Stimmrechtsverbandes in Weimar im vergangenen Herbst nur ein„Entgegenkommen an die deutsche Sprache" erblickt hat? Sic stimmte damals mit für die Fassung:„Der Verband erstrebt das persönlich auszuübende, gleiche Wählrecht sür alle Frauen... Es wäre ja möglich, daß dieser Antrag ebenfalls aus Schöna heits grün den ihren Beifall fand, und daß sich inzwischen nur ihr Geschmack gewandelt hat. Die Notiz im„Freien Volk" betitelte sich„Berichterstattung des Vorwärts" und es wurde von Verdrehungen und dergleichen geredet. Wer verdreht, das wollen wir dahingestellt sein lassen. Bei dieser Gelegenheit sei aber auch ein Vorwurf des Okwberheftes der von Dr. Augspurg redigierten Zeitschrist„F r a u enst i m m- recht" zurückgewiesen. Sie hielt sich über einen im„Vovwärts" er- schienenen geschichtlichen Artikel über die Frauenstimmrechts- bewegung aus und glaubte darin feststellen zu müssen, daß die Gleichberechtigung der Frauen 1875 in Gotha lediglich von Bebel gefordert, vom Parteitag aber abgelehnt und erst 1891 in Erfurk in das Programm aufgenommen wurde. Die Kritikcrin hätte sich durch einen Einblick in das Gothaer Protokoll davon überzeugen könnncn, daß tatsächlich bereits im Jahre 1875 das Frauemvahlrecht in das Programm der Partei aufgenommen wurde. Aus dem Antrag Bebels,„das obligatorische Wahlrecht mit dem 20. Jahre fiir Staatsangehörige beiderlei Geschlechts zu fordern", wurden allerdings die Worte„beiderlei Ge- schlcchts" in namentlicher Abstimmung von 62 Delegierten mit 14 142 gegen 55 Delegierte mit 10 970 Stimmen abgelehnt. Im Protokoll heißt es aber unmittelbar darauf wörtlich: „Liebknecht führt an, da die Abstimmung diesen Morgen nicht recht klar gewesen, weil diejenigen, welche gegen„beiderlei Geschlechts" gestimmt, durchaus nicht Gegner des Frauenstimm- rechis seien, so bitte er die jetzige �lbjiimmung so auszufasien, daß alle diejenigen, welche für„Staatsangehörige" gegenüber „Männer" stimmen, auch für das Frauen stimm recht sich erkläre*. Nur aus stilistischen Gründen sei er sür diese Fassung gegenüber der anderen gewesen. Der Vorsitzende verliest hieraus die Anträge ad III, 1. Dieser Passus wird in folgender Fassung angenommen: 1. Allgemeines, gleiche?, direktes Wahlrecht und Stinunrecht mit geheimer und obligatorischer Stimmabgabc aller Staatsangehörigen vom 20. Lebensjahre an für alle Wahlen und Abstimmungen in Staat und Gemeinde. Der Wahl- oder Abstimmungstag muß ein Sonn- oder Feiertag sein." Daraus geht doch wohl klipp und klar hervor, daß der Gothacr Parteitag 1875 beschlossen hat, das Jrauenwahlrccht als Programm- fordcrung anzuerkennen. Der Vorwurf mangelnder historischer Ricktigkcit sälll also anf die Redakteurin vom„Fraucnstimmrccht" zurück. T. B. Wir erhalten serner folgende Berichtigung: In dem Artikel:„Die bürgerlichen Stimmrcchtlcrinnen und das gleiche Wahlrecht" vom 16. Oktober ist meine Person betreffend eine' falsche Angabc enthalten. Es heißt darin: „Zur Vorsitzenden wählte man wieder Frau Marie Stritt, die sür den reaktionären Stcttincr Antrag, und als der abgelehnt wurde, der Reihe nach für alle übrigen Anträge gestimmt hatte."— Das letztere entspricht nicht den Tatsachen. Ich habe meine beiden' Stimmen lals Vorstandsmitglied und als Vertreterin des Säch- fischen Landesvercins für Fraucnstimmrccht) bei der namentlichen Abstimmung wohl sür den Stcttiner Antrag und für den Antrag des Preußischen Landesvereins, aber gegen den Antrag der so- genannten„Reformer" abgegeben. Marie Stritt. Eine Genossin im Schulrat. Genossin Anna Bios ist wieder aus drei Jähre in den Orlsschulrat zu Stuttgart gewählt wor- den. Sie ist die Gattin des Avgeordncten Bios und hat ihre Aus- i,, her �t�rtrifnrfmTr imh im au Karls- T] T tue crjic UUO CUia'B1- wugiu? in m, i m land inne hat. Mögen bald andere nachfolgen. Zur Konferenz der ungarischen sozialistischen Frauen am 19. und 20. Oktober in Budapest, über die>vir bereits kurz berichtet haben, wird uns noch aus Budapest geschrieben: Es war eine präch- tigc Konferenz voll Temperament und Begeisterung. Vier Polizei- ofsizierc überwachten die Beratungen der Arbeiterinnen. Wenn eine Rednerin einen nach Meinung der Ucbcrwachendcn zu scharfen Angriff auf die Regierung oder auf den Klerikalismus machte, so gab es sofort Unterbrechungen, was von den Genossinnen mit einen Sturm der Entrüstung beantwortet wurde. Es waren 68 Delegierte gekommen, Jndustriearbeitcrinnen und Frauen aus der Tiefebene Ungarns. Unter den härtesten Entbehrungen hatten sie sich die weite Reis« nach Budapest ermöglicht. Beraten wurde über den Arbeiterinnen-, Mutter- und Kinderschutz und über die Erziehung von Agitatorinncn. Unter den Delegierten war eine 27jährige Frau aus einem Agrargcbict, die trotz ihrer jungen Jahre schon sieben Kinder geboren hat, von denen aber nur eines lebt, da alle anderen lebensschwach zur Welt kamen. Wie hat diese Frau Beifall gezollt, als davon gesprochen wurde, daß schon die Schwan- geren geschützt werden müßten, um die Kinder im Mutterleib zu schützen. Herr Hofrat v. G r u b e r hätte da eine treftende Wider- lepung seiner Anschauung wahrnehmen können. Seine Theorie, daß die geistige Betätigung der Frauen an dem Geburtenrückgang Schuld trage, hätte bei dieser Konserenz nicht standgehalten. Da waren Landproletarierinnen, die gen'tig wahrlich keine Ueberarbeit leisten— und doch Unfruchtbarkeit oder lebcnsschwachc Kinder. Die Konferenz der ungarischen Arbeiterinnen liefert den Beweis, daß es auch in diesem Lande schon eine große Zahl von Arbeiterinnen gibt, die in der sozialistischen Ausklärung das wichtigste Befreiungs- mittel erblicken. Die ungarische Arbeiterinnenbewcgung, die seit l'A Jahren nach längerem Stillstand zu neuem Leben erwacht ist, besitzt ein treffliches Agitationsmittel in„Hömunkasc", der von der Genossin Serene Buchinger redigierten ungarischen Arbeikerinnen- zeitung. Die Auflage beträgt schon fast 7006. Ein Larrveskomitee, das aus tüchtigen Genossinnen besteht, die alle der Gewerkschafts- bewegung angehören, sind bestrebt, Hömunkasc" unter den Arbeite- rinnen ihrer Branchen zu verbreiten. Die Kosten der Frauen- agitation bestreitet die Partei, doch hat die Konserenz beschlossen, wöchentlich von jeder Genossin zwei Heller cinzuhebcn, um auch selb- ständige Agitationsmittcl zu haben. Die Anstellung einer Sckrc- tärin wird angestrebt, damit systematisch agitiert werden kann. Auch am Frauentag 1914 werden die ungarischen Arbeiterinnen für das Wahlrecht Propaganda treiben. Gaslhof MrQek bei Hennigsdorf Herrlich an Wald und Wasser gelegen. Grosser, ncnrenovierter Saal, schöne Bercinszimmer, lt Morgen grosser Spielplatz. Allen Ausslüglern und Vereinen zu Winterparticn aller Art zu empschlcn. Auch sind noch Sonntage zu Kartoffel- und Hcringsparticn zu ver- geben. 22782 Um geneigten Zuspruch bittet JJ, Köhler. £1 CL n (A CA W CO a i Wohnungs-Einrichtungen Hepren-, Speise- und Schlafzinimer, Klubsofus. Klubsessel sowie einzelne Möbel liefern wir zu den billigsten Preisen innerhalb ganz Deutschland. Aus Wunsch kann der KausPreiS auch in Monats- oder Quartalsraten zu garantierten Kassapreisen gegen mäßige Zinsvergütung getilgt werden. Man verlange den kosten- losen unverbindlichen Besuch unserer Vertreter, strengste Diskretion, b Jahre Garantie. Kataloge werden nicht versandt. 169/2* Möbelliaus Paul Süsskind& Go. Berlin W, Potsdamer Str. 73, I. Et.(Hochb. BÜIowstr.) jgy Mehrere gebrauchte, in Zahlung genommene Zimmer, sowie einzelne Möbel gelangen spottbilligen Preisen zum Verkauf. 1 o £9 VS 3