Ar. 286. Bbonncfflcnts-Bcdingung««: Ittcnnemcntä- Preis pränumerando! Bierdeljährl. 3,30 Mk, jnonatL 1,10 Mk, wöchentlich 23 Pfg. frei inZ HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für daS übrige ZluSIand < Mark pro Monat, PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarh Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, «unänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CridKiDt täglich. Verltnev VolksblÄkt. Die TnIcrtlon$'Gebül)r beträgt für die scchSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- Und Persammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Klttne Mnxeigen", das setlgcdruckte Wort 20 Pfg, szulässig Üfcttgedruikte Worte), jedes locitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 13 Buch- itaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müsien bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adreffe: ,,S»xlslllem«lil!lI Rellin", Zentralorgan der foztaldeinokrattfchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Ll. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplaü, Rr. 1983. Freitag, den 31. Oktober 1913. Expedition: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt NtoriNPlatz, Nr. 1981. Sie IKanonenfirma auf dem Pulverfaß. Auch die Verhandlungen am Donnerstag wurden voll- ständig ausgefüllt durch die Vernehmung des Zeugen v. Mctzen. Offensichtlich war Herr v. Metzen bemüht, sich bei seinen Aus- sagen die größte Zurückhaltung aufzuerlegen. Er hat offenbar Angst,„in das Wespennest zu greifen", sofern ihm nicht dokumentarische Belege für seine Behauptungen zur Verfügung stehen. Er weiß, daß ihm sicherlich kein Pardon gegeben würde, wollte er Anschuldigungen erheben, die sich nicht beweisen lassen. Vielleicht sind es noch andere Gründe, die ihn zur peinlichsten Abwägung seiner Worte veranlassen. Es scheint, als ob er nach Möglichkeit Personen schonen wollte, mit denen er früher in engen freundschaftlichen Beziehungen gestanden hat. Trotz alledem waren seine Bekundungen, die in der Hauptsache durch urkundliches Material unterstützt wurden, überaus peinlich für verschiedene seiner klruPp-Freuude. Wenn Herr v. Metzen einmal einem dieser Krupp-Direktoren gegenüber davon gesprochen haben will, daß die Firma sich durch ihr von Brandt etabliertes Spionagesystem auf ein Pulverfaß gesetzt habe, das, bildlich gesprochen, die Firma Krupp in die Luft sprengen könne, so trifft das vollauf zu auf verschiedene Mitteilungen, die er zu machen hatte. Als der Zeuge seine Worte von dem Pulverfaß er- wähnte, brach die Bank der Krupp-Direktoren in lebhafte Heiter- keit aus. DaS Lachen mag freilich nur ein spontaner Ver- legenheitsausbruch gewesen sein. Denn das wollen wir zu- gunsten der Herren denn doch nicht ohne weiteres annehmen, daß sie auch jetzt noch der fröhlichen Ueberzeugung lebten, daß ja der Firma Krupp überhaupt nichts geschehen könnte. Zumal der Anklagevertreter sich zu Beginn der Verhand- lung mit großer Schärfe gegen die ungeheuerlichen Zu- niutungen und Angriffe verwahrte, die gerade in dem Blatt gegen ihn erhoben waren, an dessen Sanierung und Offizialisierung der Kanzler des Deutschen Reiches so emsig arbeiten soll. Allerdings tun es Worte allein noch lange nicht. Erst das wirk- liche Verhalten der Anklagebehörde wird ein Urteil darüber zulassen, ob ihre Auffassung nicht schließlich dennoch durch jenen pseudo-nationalen Furor beeinflußt wird, dem Herr v. Gott borg so köstlich unverfroren Ausdruck verliehen hat. Oer Zeuge x. JMetzcn. Die heutige vielftündige Vernehmung dieses wichtigsten und sozusagen einzigen Zeugen des Krupp-Prozesses bot endlich Gelegen heit, sich ein Bild von der Persönlichkeit des Mannes zu machen, dem in dem ersten Krupp-Prozeß von Herrn Brandt, den Krupp- direktoren und einem phrasendreschenden allteutschen Rechtsanwalt so übel mitgespielt worden war. Hatte man damals doch nicht nur Herrn v. Metzen als den sicheren Uebersender der Korn- Walzer an Liebknecht bezeichnet, sondern ihn auch bezichtigt, daß er, der ehrenrühriger Delikte wegen von der Firma Krupp entlassen werden mutzte, nunmehr auf nichts anderes sinne, als sich an seinen ehemaligen Kollegen und seiner Prozetzgegnerin, der Firma Krupp, zu rächen. Inzwischen hat man erfahren, welche Verfehlungen sich Herr v. Metzen hat zuschulden kommen lassen. Er hat gegen eine statt- liche Provision seine Anwartschaft auf einen vermutlich lukrativen Vertreterposten in Italien an einen anderen Bewerber verkauft. Er behauptet, seine Handlung, die am Freitag durch die weitere Vernehmung noch nähere Beleuchtung erfahren soll, tn einem „Zustand der Kopflosigkeit" begangen zu haben. Er behauptet weiter, datz diese Verfehlung keineswegs etwas Ungesetzliches, ja nicht einmal etwas Unfaires gewesen sei, daß aber mindestens die Firma Krupp, die ja hundertmal schlimmere Dinge getrieben habe, nicht das geringste moralische und formale Recht besitze, ihn seines Schachergeschästes wegen wie einen Verbrecher zu behandeln. Wir wollen unser Urteil über diesen„Fall Metzen" solange aussetzen, bis die Affäre völlig geklärt erscheint. Sicherlich aber hat jenes bürgerliche Blatt recht, das da meint, diese Handlung des Zeugen v. Metzen, möge sie an sich nocl, so verwerflich gewesen sein, sei in keiner Weise geeignet, seine Zeugenqualität für die Kruppaffäre irgendwie zu beeinträchtigen. Datz auch die von der Staatsanwaltschaft und Verteidigung so matzlos aufgebauschte „Vorenthaltung" seines nunmehr vorgelegten urkundlichen Materials keinerlei Anlaß zu bieten vermag, die Aussage des Herrn v. Motzen mißtrauisch zu betrachten, scheint inzwischen zum mindesten auch vom Staatsanwalt selbst eingesehen worden zu sein. Tragen doch Anklagevertreter und Verteidiger— wie wir gestern ausführlich dargelegt haben— selb st die Schuld daran, wenn ihnen die Dokumente des Herrn v. Mctzen überraschend kamen. Einen drei Wochen vorher öffentlich angekündigten Angriff lleberfall nennen, ist der groteskeste Gallimathias der Weltgeschichte. Dafür mühten sich neuerdings die Verteidiger, die ganze Haltung des Zeugen v. Metzen als eine innerlich unhaltbare und unwahrhaftige darzustellen. Herr v Motzen hatte behauptet, datz ihm das Brandtsche Spionagesystem höchst peinlich gewesen sei. datz er von vornherein die Kornwalzer-Lieferungen am liebsten «ingestellt gesehen hätte, und datz er sowohl verschiedene Krupp- Direktoren als auch den Zeugen Brandt wiederholt vor der Ge- fährlichkeit dieses Spionagesystems gewarnt habe. Das nackte Wort„Bestechung" sei dabei freilich nicht gefallen, aber dazu habe doch auch keinerlei Veranlassung vorgelegen, weil ja der Zusammen- hang zwischen der sogenannten Funktionszulage und dem Erwerb dar.unterirdischen" Nachrichten allzu nahe gelegen habe. Ebenso- wenig habe er von der Uninoralität des Spionagesystems ge sprachen. Was angesichts der Tatsachen doch auch wirklich überflüssig gewesen sei. Wohl aber habe er den Brandt freund schaftlich wiederholt verwarnt, von ihm jedoch immer die Ausrede gehört, daß er„nichts Unerlaubtes" tue und„ihm nichts passieren könne. Dieser Darstellung scheint nun der Wortlaut eines Briefes des Zeugen v. Metzen an den Direktor Eceius zu widersprechen. in dem v. Metzen versprach, die Kornwalzer„auszugestalten" und „noch unverfänglicher" zu gestalten. Danach, so folgerte die Ver teidigung der beiden Krupp-Beamten, habe doch v. Metzen direkt an dem Ausbau des von ihm angeblich so peinlich empfundenen Spionagesystems mitgewirkt. In Wirklichkeit gibt es eine überaus einfache Lösung dieses vermeintlichen Widerspruchs. Herrn v. Metzen war von Herrn Eccius und anderen Krupp-Direktoren erklärt worden, datz die Kornwalzer unentbehrlich seien. Er mutzte sich dem System also fügen. Was er tun konnte, war einzig, die durch baS Spionagesystem sowohl für die Firma als für ihn selbst herauf beschworenen Gefahren nach Möglichkeit abzuschwächen. Diesen Gefahren suchte er dadurch zu begegnen,'daß er dem Brandt, dessen bisherige Tätigkeit so gut wie ausschließlich in seinem Spionagedienst bestanden hatte, in eine geordnete Bureautätigkeit hineinbrachte, die seine Korn. Walzerrecherchen mehr als Nebentätigkeit erscheinen ließ, und daß er bei der Abfassung der Kornwalzer auf eine Form drang, die für Uneingeweihte minder verfänglich erscheinen mutzte. Er tat das in seinem Interesse, aber auch im Interesse der Firma Krupp. Darüber hinaus suchte er sein Gewissen dadurch zu entlasten, datz er sich möglichst wenig um die Korn- Walzer kümmerte. DaS war, wie er selbst zugab, ja eigentlich eine Heuchelei, weil er ja um Brandts Spionagetätigkeit doch nur zu gut Bescheid wußte und weil er sich auch, wie er gleichfalls zugab, keinen Augenblick im Zweifel darüber befand, datz er als nächster Vorgesetzter des Brandt in erster Linie die Verantwortung für dessen unterirdische Tätigkeit trage. Das war ein Doppelspiel. aber ein Doppelspiel im Auftrage und auf Verlangen der ihni vorgesetzten Krupp-Direktoren. Das be- freit Herrn v. Metzen in�keiner Weise von seiner Verantwortung. Aber es läßt ihn gegenüber dem Herrn Eccius und den anderen Mitwissern vom Krupp-Direktorium keineswegs als die u n sympathischere Figur und den moralisch Belaste teren erscheinen! Auch sonstige scheinbare Widersprüche in den Bekundungen des Zeugen v. Metzen erklären sich bei einigermaßen objektiver Betrach- tung ohne Schwierigkeiten. Er will Herrn v. Eccius vor den steigen- den Forderungen des Brandt als einer„Schraube ohne Ende" gewarnt haben und hat doch ausweislich des vorliegenden Brief inhalts andererseits wieder die Gehaltsforderung Brandts dem Essener Direktorium gegenüber vertreten. Auch das stellt im Grunde keinerlei Widerspruch dar. Wenn Herr v. Metzen Herrn v. Eccius gewissermaßen vor Brandt warnte, so entsprach das nur seiner von jeher vertretenen Auffassung von den verhängnisvollen Konsequenzen des Spionageshstems überhaupt; und wenn er trotz dem Brandt, mit dem er als Mensch in freundschaftlichem Ver- hältnis stand, hinwiederum einen angemessenen Sünderlohn zu sichern suchte, so machte das seinem Herzen als Mensch und Vor gesetzten nur alle Ehre. Neberhaupt war es sonderbar, wie man auch in der Ver- Handlung am Tonnerstag mit Vorliebe immer nur nach den Schnnichen der Aussage des Zeugen v. Metze» ausspähte und ihn in Widersprüche zu verwickeln suchte. So, wenn man ihm vor- hielt, daß er Herrn Eccius versprochen habe, die Kornwalzer noch „auszubauen" und noch„unverfänglicher" zu gestalten. Auf das außerordentlich schwer belastende Wkoment die- serBricfstellen für den Adressaten, Herrn Eccius, s ch i e n man dagegen nicht das mindeste Augenmerk zu richten. Ebensowenig Wert legte man auf die Ermahnungen des Herrn Direktors Marquardt an Metzen, doch getrost den Kornwalzern noch eine„weitere AuSdehnun g" zu geben, weil außer den Herren R 0 e t g e r, Mouths und v. Dewitz auch sonst noch Interessenten genug für die Kornwalzer vorhanden seien. Ueberhaupt kann man vom menschlichen Standpunkt aus den Opfern des Kruppschen Systems seine Teilnahme schwer versagen. Und zu diesen Opfern rechnen wir nach den Ergebnissen dieses letzten Verhandlungstages nicht nur Herrn v. Metzen, sondern in manchem Sinne auch Herrn Brandt selbst. Denn dieser Mann, den seine ungewöhnlichen Fähigkeiten und Kenntnisse für einen ganz anderen Posten prädestiniert haben würden, wenn er auch das Glück gehabt hätte, aus einer angesehenen B e a.m t c n f a m i Ii e oder höheren Militärkreisen zu stammen, mutzte jahrelang für die Firma die verächtlichsten Spionagedienste leisten, gegen die sich fein besseres Ich oft genug aufbäumte. Da er aber gerade als S p i 0 n der Firma Krupp ver- wendbar war, hieß eine Ablehnung der Kruppschen Zumutungen seine Existenz aufs Spiel setzen. Datz er dabei wenigstens materiell herauszuschlagen suchte, was immer herauszuschlagen war, kann unter dem Szepter der Kruppschen Moral nicht Wunder nehmen. Und wer Gefühl hat für seelische Tragödien, der wird die Stoßseufzer des Brandt zu würdigen wissen, in die er in einem Briefe an Herrn v. Metzen ausbrach: datz seine Berliner Tätigkeit für Krupp ausgefüllt fei mit schweren Kämpfen, mit Kränkungen und Demütigungen aller Art. Und J an einer anderen Briefstelle beteuerte Brandt, datz er unter dem niederdrückendsten Bewußtsein leide, der„Ehre eines preußischen Beamten" nicht mehr teilhaftig zu sein. Aus der teillveise unter Schluchzen herausgestotzenen Beichte des Herrn v. Motzen und dem schmerzlichen Briefbekenntnis des Brandt spricht es uns jedenfalls unendlich fhmpathischer an, als aus der eitlen„Korrektheit" gewisser Krupp-Direktoren, die sich durch ihre Stellung auf den Höhen der Beamtenhierarchie und ihre Konnexionen gegen alle Anschuldigungen gefeit wähnen, während sie in Wirklichkeit als die wahren Schuldigen dastehen I Sine fcbtvere Hnklagc. Die s ch w e r st e Anklage, die im Krupp-Prozeß bisher erhoben werden konnte, siel am Donnerstag gegen den Krupp- Direktor Herrn v. D r e g e r. Aus den Aussagen des Herrn Brandt und des Herrn V. Metzen, die durch einen Brief des Brandt c r h ä riet wurden, ergab sich nämlich gegen Herrn b. Dreger die Bezich- tigung, daß er feine Beziehungen zu hohen Militärs dazu ausgenutzt habe, um ein militärisches Werkzeug des Brandt in einer Stellung bei der A.-P.-K.(der staatlichen Artillerie- Prüfungskommission) hinein lanciert zu haben. In einem Briefe des Brandt an den Zeugen v. Metzen war davon die Rede, d a ß es gelungen sei, einen Freund in einen wichtigen Posten hinein- zubringen und dadurch ihre(der Spione) Position zu stärken. Dleser Freund sei, so erklärte Brandt auf Befragen, der Z e u g l e n t n a n t H 0 g e gc- Wesen, der in die A.-P.-K. hineinbugsiert worden fei. � Auf das Wie verioeigerte der darüber inquirierte Zeuge v. Metzen anfangs jede Auskunft. Auf wiederholtes Anziehen der in- quisitorifchen Taumschraube und auf den Hinweis auf die Zeugnis p f l i ch t, kam dann v. Metzen unter Tränen— er ist ein körperlich kranker Mann und steht offenbar unter der schwersten seelischen Depression, die sich aus seiner Lage nur zu sehr erklären läßt— zu dem Geständnis, daß ursprünglich Brandt ihn zu bestimmen versucht habe, daß er bei den maßgebenden militärischen Stellen ein Wort dafür einlege, daß s e i n F r e u n d und S p i 0 n a g e w e r k- zeug Höge bei der Artillerie-Prüfungs-Kommission an- gebracht werde. Er habe jedoch dies Ansinnen in der schroff- sten Weise abgelehnt. Als er jedoch Herrn v. D r e g e r von dein Wunsch Brandts Kenntnis. gegeben habe, habe dieser ihm erklärt, daß er, v. Dreger, bereits einmal Exzellenz v. Büdingen einen dabinzielenden Wunsch ausgesprochen habe. Eine Wiederholung dieses Wunsches sei nicht möglich, da Exzellenz v. Büdingen sonst„et wgs merken" werde, da er„zu klug" sei. Auf weiteres Jnquirieren, was denn diese Bemerkungen des Herrn v. Dreger bedeutet haben möchten, erklärte Herr v. Metzen, daß Herr v. Dreger offenbar befürchtet habe, daß v. Büdingen auf das Interesse habe schließen können, das die F i r ni a K r u p p g e s ch ä f t l i ch a» der Lanciernng des Höge gehabt habe. Man begreift unschwer, daß das das Ungeheuerlichste ist, was bisher einem hohen Kruppbeamten nachgesagt wurde. Ein Kruppdirektor als solcher Gclegcnheitsmacher für das Brandtsche Spionagesystem, als solcher Schrittmacher für die Korrumpierung des deutschen Beauitenkvrpers ist Wohl kaum noch zu überbieten! Tatsächlich ist Höge im Jahre 1912 zur Artillerie- Prüfungs-Koinmisfion v e r f e tz t, von Ivo er dann dem Brandt das Material zu den wichtigsten Äornwalzern über kon- struktivr Geheimnisse dcrRhcinischcn Metallwarenfabrik lieferte. Dieser Fall würde ein Kruppsclies Panama darstellen, wie es ungeheuerlicher gar nicht gedacht werden könnte!. kleine Hnfragen. In der Verhandlung am Donnerstag wurde ein Fall zur Sprache gebracht, wo— nach der Braudtschen Darstellung— von Herrn v. Schütz die Firma Krupp direkt staatlich hergestellte Zünder in ihren Besitz gebracht habe. Herr'V. Metzen stellte diesen Fall als einen besonders krassen hin. Einer der Verteidi- ger dagegen behauptete, datz diese Zündergeschichte bereits von Sach- verständigen untersucht und als„harmlos" aufgeklärt worden sei. Wir erinnern uns der Behandlung dieses Falles nicht, erwarten aber, datz auch der O e f f e n t l i ch t e i t eine ausreichende Darstellung des Falles gegeben wird:— Der Zeuge v. Metzen betonte mit nicht zu überhörender Akzentuierung bei feiner Vernehmung am Donnerstag, datz Brandt auch außerordentlich gute Beziehungen zum Reichsmarineamt gehabt habe. Er erwähnte später, datz Brandt ihm erzählt habe, datz er auch mit einem Marinebeauiten durch gegenseitige Geschenke auf ungewöhnlich vertrautem Fuße gestanden habe. Trotzdem wurden diesen Bekundungen des Brandt in keiner Weise nachgegangen. Wir nehmen wohl nicht mit Unrecht an, datz das Versäumte dem- nächst um so gründlicher nachgeholt werden wird.— Herr v. Metzen erklärte ferner im Verlauf feiner Bekun- düngen, datz das Brandtsche Spionagesystem im wesentlichsten auch zur Kontrolle anderweit erlangter Nachrichten gedient habe. Diese Bekundung erscheint uns recht auffällig. Ebenso auffällig dünkt cs uns, daß man über diese Bekundungen gleichgültig hinwrggegan- gen ist. Unseres Erachtens böte der gegenwärtige Prozeß alle Ge- legenheit, einmal gründlichst der Frage nachzuforschen, ob e? denn auch noch andere Informationsquellen für die Firma Krupp gab, die ihrem Wesen nach als nicht minder illegal anzusehen wären, als die Spionage des Brandt. Wir werden diese Anfragen eventuell in ausführlicherer Form zu wiederholen genötigt feini Die Stichwahlen in Baden. Mannheim, 30. Oktober.(Privattelegram m des „Vorwärts".) Der klerikale Ansturm ist mit knapper Mühe abgeschlagen worden. Der„Großblock" kommt als eine aufs äußerste reduzierte Majorität, aber doch noch als Majorität in die Kammer zurück. Bei den heute stattgefundenen Stichwahlen haben die Sozialdemokraten vier weitere Sitze errungen, nämlich- Mannherm-Land und Mannheim-Schwetzingen, Bruchsal- Durlach und Lörrach-Stadt. Verloren haben wir Frei- bürg II infolge mangelhpfter Unterstützung seitens der Nationalliberalen. Die Fortschrittler behaupteten Konstanz und Triberg-Villingen: sie haben erobert Lahr-Stadt und Karlsruhe IV. Die Nationalliberalen haben behauptet: Donaueschingen, Schopfheim, Freiburg-Stadt. Freiburg- Emmendingen haben sie rnit unserer Hilfe vom Zentrum er- obert. Ferner haben sie behauptet: Baden-Stadt, Sinsheim, Heidelberg II, und Mannheim III mit einer Mehrheit von 186 Stimmen den Fortschrittlern das Mandat abgenommen. Im einzelnen zeigt das Wahlergebnis folgendes Bild: Die Sozialdemokraten wurden unterstützt von Nationalliberaleu und Fortschrittlern in folgenden Kreisen: 1. Mannheim-Lanb. Gewählt: Bcchtold lSoz.). Hauptwahl: Soz. 1402. Natl. 037. Fortschr. 264. Kons. 1280. 2. Schwetzingen. Gewählt: Kahn iSoz.). Hauptwahl.; Soz. 2211. Rath 081. Fortschr. 710. Kons. 2102. 3. Bruchsal-Durlach. Gewählt: Kurz(Soz.s. Hauptwahl: Soz. 2439. Fortschr. 880. Kons. 2176. 4. Freiburg II. Gewählt: Mast(F.). Hauptwahl: Soz. 1152. Natl. 816. Zentr. 1809. 6. LSrrach-Stadt. Gewählt: Rösch(Soz.). Hauptwahl: Soz. 1123. Fortschr. 789. Zentr. 467. Die Fortschrittler mußten laut Abmachung ihre Kandidatur zurückziehen. Sozialdemokraten gegen Rationalliberale: 6. Mannheim-Wcinheim. Gewählt: Müller(Natl.). Haupt Wahl: Soz. 2380. Natl. 2590. Kons. 1048. 7. KarlSruhe-Land. Gewählt: Neck(Natl.). Hauptwahl: Soz. 1824. Natl. 1635. Kons. 1278. Wir nntersttitzten die Fortschrittler in: 8. Konstanz gegen Zentrum. Gewählt: Venedeh(Fortschr.). 9. Triberg-Billingen. Gewählt: Hummel(Fortschr.). 10. Lahr-Stadt(Fortschrittler gegen Nationalliberale). Gewählt: Messa(Fortschr.). 11. Karlsruhe IV, Gewählt: Gönner(Fortschr.). Wir unterstützten die Nationnlliberalen gegen rechts in: 12. Donaneschingen-Engen. Gewählt: Schmidt(Natl.). 13. Schopfheim-Schönau. Gewählt: Herbster(Natl.). 14. Freiburg-Stadt III. Gewählt: Göhring(Natl.). 15. Freibnrg-Emmendingen. Gewählt: Stork(Natl.). 16. Baden-Stadt. Gewählt: Kölblin(Natl.). 17. Brrtten-Bruchsal. Gewählt: Dr. Gorber(Natl.). '18. Sinsheim. Gewählt: Sidlrr(Natl.). 19. Heidelberg II.(Zurückgezogen.) Gewählt: Koch(Natl.)'. 20. Mannheim III.(Abstimmung war freigegeben, da sich National- liberale und Fortschrittler gegenüberstehen.) Gewählt: Blum(Natl-). » Die Verteilung der Mandate wird jetzt folgende sein: entrum...... 30 bisher 26 onservative..... 6„ 3 Zusammen 35 bisher 29 Sozialdemokraten... 13, 20 Nationalliberale.... 20„ 17 Fortschrittler... V J__ 5„__ 7 Zusammen 38 bisher 44 Anter den 20 Nationalliberalen sind allerdings drei Mandate enthalten, die mit Hilfe des Zentrums gewählt find, und ist daher anzunehmen, daß sie in allen wichtigen Fragen mit dem Zentrum stimmen werden. Sie Nahlerlolge der italienischen Sozialisten. (Von unserem römischen Korrespondenten.) Soweit sich das Wahlergebnis heute übersehen läßt, kann unsere Partei in hohem Maße zufrieden sein mit dem Erzielten. Sie hat nicht nur ihre Mandate viel besser ver- teidigt, als man annehmen konnte, sondern erobert auch im ersten Wahlgang 10 neue Mandate. Schließlich ist sie an an- nähernd 30 Stichwahlen beteiligt. Von den bisher uns gehörenden 25 Mandaten wurden 21 behauptet, und zwar auch solche, wie Florenz IV, die fiir durchaus unsicher- galten. Verloren gegangen ist nur das Mandat von V a l c n z a, das sich in Händen des Linksrefor- misten Merlani befand. Der erste römische Wahlkreis, den auch die Optimisten für verloren gaben, bringt den bis- herigen Abgeordneten, Genossen Campanozzi, mit 1790 Stimmen in Stichwahl mit dem von den Klerikalen unter- stützten Nationalisten Federzoni, der 1810 Stimmen er- hielt. Der Kandidat des Blocks und der Reformisten, Fürst Scipione Borghese, steht nur um 7 Stimmen hinter Eampanozzi zurück. Trotzdem setzt mau Hoffnungen auf die Stichwahl, da ein Teil der fiir Borghese abgegebenen Stim- men lieber auf Campanozzi übergeht, als auf den klerikal- nationalistischen Gegner. In Stichwahl kommen weiter von bisherigen Abgeordneten der Partei die Genossen B o c c o n i in I e s i und Giulietti in Novara. Wenn also die Partei so gut wie gar keinen Boden ver- liert, so macht sie dagegen einen mächtigen Vorstoß durch die Eroberung von 10 Mandaten. Einige von diesen, so Alessandria(gewählt B o n a r d i), V t g e v a n o(D e Giovanni), Venedig I(Musatti), Parma II (Albertelli) und Empoli(Masini) ivaren schon früher im Besitz unserer Partei und sind teils bei den letzten und vorletzten allgemeinen Wahlen, teils bei Ersatzwahlen verloren gegangen. Neu erobert ist San Nemo in Ligu- ricu wo Genosse Raimondi mit 7379 Stimmen den bis- beriaen ministeriellen Abgeordneten, einen vielfachen Milli- oiiär verdrängt. Weiter Lendinara, wo der Gemeinde- swullebrer S o g l i a mit nahezu 6000 Stimmen gewählt ist, M o r t a r a, wo Genosse C a g n o n i den Unterstaatssekretar Bergamaschi ans dem Sattel wirft, Porto- in a g g i o r e, das den Genossen Cavallara und Cents, das gegen den Chefredakteur der„Tribuna" den Genossen Bussi gewählt hat. Die Zahl der sozialistischen Mandate erhöht sich somit auf 31(nach dem letzten Telegramm bereits auf 39. D. R.) und wird sich durch die Stichwahlen mindestens um weitere 10 vermehren. Was die Stichwahlen betrifft, deren Liste zurzeit noch nicht vollständig vorliegt, weil noch nicht von allen Wahl- kreisen die endgültigen Resultate bekannt sind, so. bringen sie auch viele hocherfrculiche Ueberraschungen, und ebenso sind auch die erreichten Stimmeuzahlen sehr befriedigend. Was die Wahlerfolge der R e f o r m i st e n betrifft, so dürften sie hinter den Erwartungen dieser Partei nicht un- wesentlich zurückbleiben. Ihre bisherige Mandatszahl werden sie aber jedenfalls erreichen, während die Republikaner empfindliche Verluste erleiden und drei Mandate eingebüßt haben. Eine Statistik der Klerikalen zu machen, wäre verfrüht. Der„Osservatore Romano" bestreitet feierlich allen Kandidaten das Recht, sich Katholiken zu nennen: eine vom Papst anerkannte katholische Partei gäbe es im Parlament nicht.„Nicht anerkannte Klerikale" kamen namentlich in Venetien durch, während in Süditalien und in der Lombardei einige große Tiere der bisherigen klerikalen Fraktion unter- legen sind. Was die Chronik des Wahltages betrifft, so charakterisiert sie sich ganz gut dadurch, daß man sie als nicht-telegrammfähig bezeichnet. Eine sanfte Anspielung auf einige Vorfälle lieferte unser gestriges Telegramm über die Wahlergebnisse der Jen- s u r aus. Es ist nämlich in Süditalien recht lebhaft zugc- gangen. In A n d r i a in Apulien gab es einen Toten und mehrere Verwundete, in Frattamaggiore bei Neapel einen Toten, desgleichen in S a l e m i(Sizilien). Verwun- dete unter den Polizisten sind in Florenz zu verzeichnen, ebenso in Catania, in Ruvo usw. Am würdigsten war der Kampf in T u r i n, wo auch jede Propaganda durch Maueranschlag unterblieben ist und die Wahlbeteiligung trotz- dem sehr stark war. Hier haben auch einige 30 Blinde ihre Stimme abgegeben, für welchen Fall das Gesetz die Annahme eines Begleiters freistellt. In verschiedenen Wahlkreisen wurden Verhaftungen wegen Bestechung vorgenommen. In den Marken wurde auch ein Geistlicher verhaftet, der in der Kirche gegen den liberalen Kandidaten agitierte. Der Prozentsatz der Wahlbeteiligung ist noch nicht be- kannt, wird aber schätzungsweise auf 60 Proz. veranschlagt, etwa ebenso viel wie bei den vorigen Wahlen, was bei der Erhöhung der Wahlberechtigten von 3 auf 8 Millionen ein recht zufriedenstellendes Ergebnis ist. Es ist noch zu früh, um die Physiognomie der neuen Kammer zu skizzieren, doch läßt sich jetzt schon sagen, daß die wesentliche Veränderung in der V e r m e h r u n g d e r So- zialistenund derKlerikalen bestehen wird. G i o- litti, der diesmal der ganzen bürgerlichen Opposition Pardon gegeben hat, hat unseren Kandidaten die Ehre scharfer Bekämpfung zuteil werden lassen. Alles in allem kann die Partei stolz sein auf das Ergebnis dieses ersten Wahlkampfes mit erweitertem Wahlrecht. Nach Wochen schwerer und aufreibender Arbeit harrt ihrer jetzt noch eine Stichwahlwoche, die das Aufgebot all ihrer Kräfte fordern wird. Aber wie sie aus der Höhe der Anforderungen des ersten Kampftages war, wird sie sich auch denen des zweiten Wahltages, der auf Allerseelen fällt, gewachsen zeigen. Die letzten Wahlrcsultatk. Rom, 30. Oktober. Bis jetzt liegen 507 Wahlresultate vor. Außer den bereits gemeldeten Wahlen ist die Wahl noch je eines Ministeriellen und eines ministeriellen Radikalen zu verzeichnen. Es fehlt noch das Resultat aus dem Wahlkreise Gallipoli. An den Stichwahlen sind beteiligt: 100 Ministerielle, 29 Radikale, 5 ver- fassungstreue Oppositionelle, 13 Katholiken, 3 9 S o z i a l i st e n, 6 reformierte Sozialisten und 10 Republikaner. poUtiscbe(leberllebt. Tie Königsmacher vor der bayerischen Abgeordneten- kammer. Unter gewaltigem Andränge des Publikunis vollzog sich am Donnerstag im bayerischen Landtage die Annahme der Königsvorlage. Die ursprüngliche Absicht, in einer Reihe von kurzen Erklärungen die Angelegenheit zu erledigen, scheiterte an dem Eingreifen der Sozialdemokratie. Die leere höfische Demonstration wurde dadurch zu einer denkwürdigen politi- scheu Kundgebung, die sich zu einer lebendigen, bewegten De- hatte steigerte, sehr gegen die Absicht der eiligen Königs- wacher, v. Hertling mußte mehrmals das Wort ergreifen. In immer größerer Verlegenheit ließ er sich zu Zugestand- nissen drängen. In verschwommenen Wendungen begründete zunächst der Ministerpräsident kurz die Vorlage, ohne die Not- wendigkeit und die rechtliche Bedeutung des Entwurfes klarer zu inachen, als in dem Regierungsentwurf. Dann gab Abg. Lerno mit einigen nichtssagenden Sätzen die Zustimmung des Zentrums zu erkennen. Nicht ohne poli- tische Energie war die folgende Erklärung des liberalen Abg. Casselmann. Die Liberalen stimmen zwar der Beendigung des jetzigen unnatürlichen Zustandes zu, aber sie wollen den Kampf gegen die Regierung und die Mehrheitspartei mit un- verminderter Schärfe fortführen. Casselmann forderte Aus- kunft über die Tragweite der Bestimmung betreffs der Mit- Wirkung des Landtages. Kann der Ländtag seine Zustimmung versagen? Und welche Rechtsfolgen hat es, wenn er die Zu- stimmung versagt? Nach weiteren Erklärungen der kleinen bürgerlichen Gruppen erhob sich der Ministerpräsident, ohne abzuwarten, bis der Sozialdemokrat gesprochen, um� eine Danksagung an die bürgerlichen Parteien zu richten, die sein Vertrauen er- füllten. Auf die Frage nach der staatsrechtlichen Bedeutung der Mitwirkung des Landtages gab er nur ausweichende Ant- Worten...... Die politische Höhe erreichte die Verhandlung nnt der Rede des Genossen A d o l f M ü l l c r. die mit stetig wachsen- der Aufmerksamkeit angehört wurde. Je weiter Müller die Amberger Rede Lernos gegen die Königsmacherei zerpflückte, um so nervöser wurde die Verlegenheit der Minister und des Zentrums. Müller schloß sich dann der Frage nach der staats- rechtlichen Bedeutung der Vorlage an und forderte Auskunft über die Kosten, die aus der Aenderung der Dmge entstehen tverden. Er wies auf den Widerspruch hin, daß auch nach der jetzigen Vorlage bei einem geisteskrank geborenen König die Regentschaft 28 Jahre dauern kann. Unser Redner schloß: Was hier vor sich geht, ist die Regelung eines monarchischen Familienbedürfnisses durch eine vom Landtage hu bestimmende Aenderung. Das ist ein evolutionäres Ereignis, das sich be- ivegt in der Richtung des parlamentarischen Systems, das die Bahn freimacht zu weitereu Verfassungsänderungen, zu denen in erster Linie die Absetzung der- Reichsratskammer gehört. Die Gestaltung der Zukunft hängt nicht ab von der Gnade irgendeiner Mehrheit oder eines bereitwilligen Ministeriums, sondern sie wird abhängen vom Willen eines freien, in seiner sozialen und kulturellen Entfaltung ungehemmten Volkes. Nur solch ein Volkjtann die Staatsform der Zukunft be- stimmen, und diese Staatsform allein wird dann dauern. Die Unbestimmtheit der Auskunft Hertlings über die an ihn gerichteten Anfragen veranlaßte dann noch den Genossen S ü ß h e i m, mit aller Schärfe verfassungsrechtliche Auf- klärung zu fordern. Vergebens. Der Justizminister schwieg und Hertling verweigerte auch die Antwort auf die Frage, was die Sache kostet. Bei der Abstimmung enthielten sich zwei demokratische Mitglieder der liberalen Partei der Stimme. Einige Zentrumsleute hatten sich Urlaub geben lassen. Sonst wurde die Vorlage gegen die sozialdemokratischen Stimmen aiige- nommen. Am Dienstag wird der Rcichsrat die Vorlage annehmen; dann erfolgt die Absetzung des Königs und unmittelbar darauf wird dem Volke die Kostenrechnung für die neue Krone überreicht werden. iverleumderpack. Im Feuilleton Nr. 548 der„Deutschen Tageszeitung" findet sich in einem Artikel, Politische Kunstkritik überschrieben, folgender Ausfall gegen die Sozialdemokratie: Jetzt, bei der Jahrhundertfeier der Befreiungskriege gab eine jedem Patriotismus feindliche, entartete Partei in Deutschland den Völkern des Erdballs das unerhört schimpfliche Schau- spiel, daß sie das Andenken der Helden von 1813 besudelte. Die„Deutsche Tageszeitung" gehört zu dem Preß- gelichter, das am lautesten gegen die angebliche Beschimpfung der Helden von 1813 durch die Sozialdemokratie tobt, ohne auch nur eine einzige Artikelstelle aus der sozialdemokratischen Presse abzudrucken zu wagen, in der Erkenntnis, daß dann sein Lügengebäude schmählich zusammenprasseln würde. Denn nie und nirgends haben wir das Andenken der Helden von 1813„besudelt", sondern es vielmehr geehrt, im Sinne jener historischen Wahrheit, die allerdings Potentaten, Junker und Hof- schranzen nicht gerade als die Helden von 1813 erscheinen läßt. Selbst eine Zeitschrift, die so auf dem Boden der herrschenden Ge- sellschaftsordnung steht und eher konservativ als liberal ist wie der „Türmer", mußte schon bor einigen Monaten zugestehen: „Das Jahr 1813 hat auch für den bürgerlichen Historiker ein doppeltes Gesicht, je nachdem man die nationale Erhebung gegen Napoleon oder die innerpolitischen Zustände betrachtet, die nach dem Kriege dem preußischen Volke geboten wurden. F ü r die Sozialdemokraten sind diese innerpoliti- schen Zustände entscheidend gewesen. Der nationalen Volkserhebung haben sie. sowohl in Artikeln als in Broschüren, alle Ehre angcdcihen lassen. Wenn die Dinge aber so liegen, kann man ihnen vielleicht demokratischen Radikalismus vorwerfen, nie- nials aber nationale Würdelosigkeit. Man kann ihren Radikalismus geißeln, wie man nur immer will. Wenn man ihnen aber nationale Empfindungslosigkeit unterstellt, wo sie als Demokraten handeln, fälscht man ihre Motive. Dadurch aber wird die vorhandene Situation in ganz überflüssiger Weise verschlimmert." . Das aber hält die Blätter der äußersten Reaktion nicht ab. in ihrem lichtscheuen Treiben fortzufahren, sicher, daß sie nicht gefaßt werben könnew Schon neulich hat der Schriftleiter des BLndler- blattes, Dr. Oer t e l, auf unsere bündige Aufforderung, anzugeben, wann und w o wir die Helden von 1813 geschmäht haben schmählich gekniffen. Jetzt wiederholt das Brotwucherblatt wieder diese elende Verleumdung. Eine saubere Kampfesweije! Der„Berliner Lokal-Anzciger" geht, wie wir kürzlich meldeten, in die Hand eines der Reichs- regierung sehr nahestehenden kleinen Konsortiums über— und wird, wenn auch vielleicht in versteckter Form, o f f i- zielles Regierungsblatt. Die„München-Augs- burger Abendztg." weiß darüber zu berichten: „Der Verlag Scherl benötigte zur Ablösung gewisser Ver- pflichtungen eine Summe von mehreren Millionen, gegen die er Anteile zu verkaufen gedachte. Da nun die Reichsregierung ein Interesse daran hat, sich den„Lokal-Anzeiger" weiterhin als offiziöses Organ zu erhalten, und sie befürchten mußte, daß"bei der erwähnten finanziellen Transaktion ihr Ein- fluß auf das Blatt gefährdet werden könnte, hat sich die Re- gierung selbst bemüht, dem Verlag Scherl seine finanziellen Aktionen zu erleichtern. Das ist in der Form geschehen, daß von einigen der Reichsregierung nahestehenden Seiten ein Betrag von zehn Millionen Mark zur Verfügung gestellt wurde, wofür sich der Verlag Scherl ver- pflichten mußte, den„Lokal-Anzeiger" ständig zur Verfügung der Regierung zu erhalten. Das Blatt ist jetzt also in stärkerem Maße Regicrungsorgan als früher. August Scherl bleibt aber nach wie vor geschäftlicher Leiter." Diese Meldung ist unseres Wissens völlig richtig. Scherl braucht Geld. Um dieses zu erhalten, hat er zunächst mit der Firma Rudolf Mosse bezw. deren Geschäftsfreunden Fühlung gesucht. Die Regierung aber fürchtete, daß im Falle eines Ueberganges in den Mosseschen Besitz der„Lokal-Anzeiger" in das liberale Lager abschwenken könnte, sie hat deshalb einige reiche konservative Geldmänner bewogen, den von Scherl ge- forderten Betrag herzugeben. Das ist ihr auch gelungen. Der Hauptgeldgeber ist, wie wir erfahren, Freiherr v. Twle- Winckler, der ungefähr sechs Millionen Mark zu diesem edlen Zweck geopfert haben soll._ Keine Hamburger Universität. Die Hamburger Bürgerschaft(das Hamburger Parlament) be« endete gestern die Beratung der Universitätsvorlage in der vierten diesem Gegenstande gewidmeten Sitzung. Ein Antrag Eiste, die Vorlage und den Antrag Dr. Drücker an den Ausschuß zu ver- weisen, wurde mit 80 gegen 73 Stimmen abgelehnt. Darauf wurde die SenatSvorlage abgelehnt und der Antrag Dr. Drücker an- genommen, einen Ausschuß zur Prüfung der Frage einzusetzen, in welcher Weise unter Fortsetzung der Ausbildung des Vorlesungs- Wesens der weitere Ausbau des Hamburger Kolonialinstituts als einer selbständigen, der Forschung, der Lehre und der taktischen Aus- bildung gewidmeten Anstalt mit tunlichster Beschleunigung und dauernd ermöglicht werden könne. Damit ist die Universitätsvorlage gefallen. Feuersbrunst im Zentrumsturm. Alles deutet darauf hin, daß die Kämpfe im Zentrum zu neuen entscheidenden Zusammenstößen führen werden. Bor einigen Tagen hat die Kölner Richtung einen Vorstoß in das Saargediet unter- nommen, wo die dichtesten Kolonnen der„Berlin-Trierer" Richtung unter Mhrung des Bischofs Korum fitzen. In Saaidrücken ließ sich Herr Erzberger vernehmen: Die Einfügung des SntzeS»Im Einklang mit der katholischen Weltanschauung"... wäre der Ruin für unsere ganze parteipolitische Bewegung. Slso: Die»katholische Welt anschauung" ruiniert das Zentrum. Dieselbe Weltanschauung, auf der die ganze Agitation des Zentrums aufgebaut ist. Man braucht den Katholizismus zur Chlorosormierung der Massen, aber in der hohen Politik ist er von Uebel. Herr Erzberger erzählte weiter: »Die Verhältnisse, wie sie sich in den letzten Wochen und Monaten innerhalb der ZcntrumSpartci entwickelt haben, sind nachgerade unerträglich geworden. Dieses stete Her- unterreißen. Kritisieren, Herum mäkeln. daS hält auf die Dauer die stärkste Partei nicht mehr aus. ES führt dies zu Mißmut, es verhindert jede Stoßkraft für die Zenirumspartei, und das wäre das schlimmste, was dem Zentrum begegnen könnte." Noch zorniger wurde der Abgeordnete Heß. Er erklärte: »Die Quertreiber, die sogenannten Ueberkatholiken, bereiten jedem ernsten Mann der praktischen politischen Arbeit einen unsagbaren Widerwillen. Man soll nicht glauben, welche Unsumme von Erbitterung speziell in den Zentrumsfraktionen des Reichs- und Landtages sich angehäuft habe über diesem widerwärtigen Treiben, über dessen Verwers- lichkeit und Schädlichkeit sich die gesamten Abgeordneten voll- kommen einig sind. Man weiß in Abgeordnetenkreiscn natürlich ganz genau, daß hinter diesen»Führern" keine Massen stehen, sieht aber mit tiefstem Unmut, daß diese Schädlinge an der katholischen Sache immer wieder Mittel und Wege finden, um sich an einer Stelle Gehör zu verschaffen und Mißtrauen zu säen, die die so unendlich kom- plizierte politische Situation der Katholiken Deutschlands aus der Ferne unmöglich richtig beurteilen kann." Lange wird es wohl kaum mehr dauern, dann jagt ein Donner- wort aus Rom wieder die»Kölner" ins Mauseloch. Tie wiffenschaftlichc Untcrsuchungökvmmisfion. Die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, daß am Mitt- woch die Fleisch-Enquete-Kommission ihre Arbeiten beendet hat. Wie nicht anders erwartet wurde, soll das ganze Resultat in den Veröffentlichungen von umfangreichen statistischen Berichten, von Sachverständigen- Gutachten und Denkschriften be- stehen, als ob die Regierung nichts Besseres zu tun hätte, als wissen« schaftliche Arbeiten zu liefern. Der Staatssekretär des Innern Delbrück betonte in seinen Schlußworten bei der letzten Sitzung, daß es selbstverständlich sei, daß die Kom- Mission nicht innerhalb weniger Monate habe billige Fleisch- preise schaffen können. So törichte Forderungen sind von niemand aufgestellt worden. Dagegen wurde mit Recht erwartet, daß die Kommisston auf Grund der ein Jahr hindurch dauernden Beratungen konkrete Vorschläge zur Linderung der Fleischnot hätte machen müssen. Es ist gewiß erfreulich, daß der Herr Staatssekretär nach seinem eigenen Geständnis aus den Ver- Handlungen sehr viel gelernt habe; aber schließlich sind solche Kom- Missionen doch noch zu anderen Zwecken da, als hochweisen Staats- minister» wissenschaftliche Aufklärung zu bieten. Es ist gewiß nichts dagegen einzuwenden, daß der Herr Sraatsminister, wieder nach seinem eigenen Geständnis, einsehen ge- lernt hat,»daß, je komplizierter unsere wirtschaftlichen Verhältnisse werden, es je schwieriger werde, die inneren Zu- sammenbängc wirtschaftlicher Fragen zu erörtern". Aber wir sind der Ansicht, in Uebereinstimmung mir dem Minister hat sich die Kommission die Lösung der Frage:»wie schaffen wir billige Fleisch- preise?" selb st zu schwierig gemacht, wenn sie dabei alle allge- mein wirtschastspolitischen Erörterungen, alle zoll- und Veterinär- technischen Fragen ausschaltete. Dagegen hat die Kommission sich unnötigerweise eingehend mit den Einflüssen bei der Preisbildung auf dem Wege vom Produzenten zum Konsumenten beschäftigt— mit Einflüssen, die für die Frage nach der Preisverbilligung gegen- über den anderen Faktoren relativ unbedeutend sind. Die breiten Massen verlangen billiges Fleisch, nicht wissenschaftliche Erörterungen. Sie konnten schon deshalb von den Beratungen keine Umwand- lung unserer wirtschaftspolitischen Verhältnisse erwarten, weil die Kommission sich ja mit diesen Verhältnissen nicht einmal theoretisch beschäftigt hat. Die Regicrnng mag befriedigt sein, daß ihrem Bedürfnis nach neuen Aktcnbündeln Genüge ge- schehen ist. Das notleidende Volk aber will kein Papier, sondern Fleisch, und hohnlachend wird eS von dieser neuen Irreführung Kenntnis nehmen. Tie Firma Krupp über das Schmieren. In dem Tienstvertrage der gegen Monatsgehalt ange- stellten Beamten der Firma Krupp ist zu lesen: „§ 7. Kräfte und Materialien der Firma dürfen selbst- verständlich nicht zu Privatzwecken verwendet werden. Ebenso darf auch von niemanden eine Vergütung, ein Geschenk oder irgendeine Aufmerksamkeit von Wert angenommen werden, so- bald solches unmittelbar oder auch nur mittelbar von Personen ausgeht, die mit der Firma in Geschäftsverbindung stehen." Die Firma Krupp weiß also doch, was nian von Beamten verlangen kann und muß— wenigstens soweit es sich uni die eigenen Angestellten handelt. Um so mehr scheint sie Wert darauf zu legen, daß staatliche Beamte mit Aufmerksamkeiten bedacht werden. Eine neue Ersatzwahl zum württcmbergische» Landtage steht in naher Aussicht. Der volksparteiliche Abgeordnete Storz, der den Bezirk Tuttlingen im Landtage vertrat, hat sein Mandat aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. Storz gehörte in der Zeit von 1903— 1906 auch dem Reichslage an, in dem er sich von einem wasch- echten Nationalliberalen durch nichts unterschied. Der Wahlkampf in Tuttlingen wird sich zu einem Hefligen Ringen zwischen der Volkspartei und der Sozialdemokratie gestalten. Bei der vorjährigen Wahl erhielten die Volkspartei und die Nationalliberalen zusammen 2499, die Sozialdemokraten 2344, das Zentrum 1263 und die Kon- servasiven 347 Stimmen. Im zweiten Wahlgange wurde Abg. Storz mit 3809 Stimmen gegen unseren Genossen Muttutat gewählt, dem 2736 Stimmen zufielen. Die kleine« und die grohen Pächter. Die preußischen Staatsdomänen bringen bekanntlich auffallend niedrige Pachterträge: bei 440 000 Hektar beträgt die Pacht ins- gesamt 17,8 Millionen Mark. Im Staatsdurchschnitt stellte sich der Hektarertrag au Pachtzins 1908 aüf 38 M., 1912 dagegen auf 46 M. Inzwischen ist der Ertrag Weiter gestiegen, aber immer noch nicht so stark, wie billigerweise erwartet werden konnte. So werden die 44 im Jahre 1912 pachtfrei gewordenen Domänen bis 1920 eine» Durchschnittsertvag von 63,5 R. pro Hektar bringen, gegen dt M. in der Periode von 1894 bis 1912 und 64,7 M. in der Zeit von 1876 bis 1894. In den einzelnen Probinzen betrug die Steige- rung pro Hektar u. a.: in Hannover nahezu 11, in Pommern 25.6, in Heffen-Nassau 10,4, in Posen 9, in Brandenburg 12,5, in Ost- Preußen 7,4 M. Das sind auffallend niedrige Pachtbeträge, die in keinem Ver- hältnis zu der beträchtlichen Ertragssteigerung stehen, die die Land- Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten infolge der EntWickelung des landwirtschaftlichen Maschinenwesens, der Düngung, des Frucht- anbaucs, der besseren Absatz- und Verkchrsverhältniffc usw. erzielt hat und die sicher auch den Pächtern der staatlichen Domänen zugute gekommeil ist. Dazu tritt dann noch die künstlich bewirkte Wert- steigerung durch die agrarische Wirtschaftspolitik. Hier könnte, ohne daß von einer übermäßigen Steigerung ge- sprochen werden kann, viel mehr herausgeholt werden, um so mehr, als bekanntlich die kleinen Leute auf dem Lande in der Regel für den Morgen soviel Pachtzins bezahlen müssen, wie die großen Pächter pro Hektar. Ja in manchen Fällen ist dieses Mißverhältnis noch bedeutend größer. So teilt die„Hannoversche Land- und For st wirtschaftliche Zeitung", das amtliche Organ der Landwirtschaftskammer, in ihrer jüngsten Nummer einen thpi- schcn Fall dieser Art niit. Danach wurde, um auch dem auf dem Kaliwerk S a I z- De t f u r t h beschäftigten Arbeitern Gelegenheit zum Pachten von Gemüseland für den eigenen Bedarf zu geben, ein Teil der Klosterländercien in W e h r st e d t im Hildesheimschcn in kleineren Stücken ausgelegt. Infolgedessen loar die Pachtlust sehr groß und manche Ländereien, die bis dahin nur 4 0 M. pro Morgen brachten, stiegen um 100 bis 125 Prozent, so daß jetzt bis 90 Pro z. für dcn Mor- gen von den kleinen Pächtern bezahlt werden müssen. Diese Tatsachen ergeben die Notwendigkeit einer durch- greifenden Reform bei der Verpachtung der Staatsdomänen« Ei« unwissender Pfarrer. Die Strafkanimer zu Köln a. Rh. verurteilte den Pfarrer Bieger aus Biesdorf zu einer Geldstrafe von 30 M. wegen Miß- bandlung eines Schulmädchens. Der Geistliche hatte vor einigen Monaten an das Kind eine Frage gestellt, die es nicht beantworten konnte. Darauf mißhandelte er es derart, daß dem Kinde die Augen anliefen und eS am linken Ohr einen Bluterguß davontrug. Das Kind war wochenlang in ärztlicher Behandlung. Vor Gericht gab der Pfarrer an, nicht gewußt zu haben, daß die Kinder nicht rns Gesicht geschlagen werden dürfen. Oeftemieb. Die Erhöhung des Rekrutcnkontingents. Wien, 30. Oktober. Nach dem von der Regierung heute im Abgeordnetenhause eingebrachten Gesetzentwurf über die Erhöhung des Rekrutenkontingents beträgt die Vermehrung für die beiden Reichshälften 1914 5600, 1915 11 300, 1916 17 000, 1917 17 500, 1918 und in den folgenden fünf Jahren 18 000 Mann für die gemeinsame Armee. Gleichzeitig wird das Rekrutenkontingent der österreichischen Landwehr stufen- weise um 7300, der ungarischen Landwehr um 6O0o Mann erhöht, so daß das Gesamtkoutingent der gemeinsamen Armee einschließlich der Marine und der beiden Landwehren 1918 234 800 Man n gegen die gegenwärtige Ziffer von 212 500 betragen wird. Die Begründung des Gesetzentwurfes verweist auf die weitreichenden Maßnahmen der Großmächte zur Verstärkung ihrer Streitkräfte und auf die entsprechenden Vorsorgen der Balkanstaatcn. Für die Monarchie ergebe sich daraus das durch den Selbsterhaltungstrieb diktierte Gebot, in der militärischen Ausgestaltung wenigstens auch soweit zu gehen, daß die Qualität und die Kriegsbereitschaft der bcwaff- neten Macht tunlichst den entsprechenden Verhältnissen der an- deren Staaten entspreche. Während andere Staaten besondere Mittel anwenden müßten, um eine Steigerung der Wehrkraft noch durchführen zu können, verfüge die Monarchie auch nach der neuen Wehrreform noch über eine ausreichende Reserve an tauglicher Mannschaft._ Die Militärvorlage. Wien, 30. Oktober. Di« Regierung hat im Abgsordnetcnhause die neue Wehrvorlage eingebracht, die die bereits ange- kündigte Erhöh ung der Rekrutenkontingente enthält, die auf die nächsten fünf Jahre verteilt werden. Die Steigerung des Rekrutenkontingcnts in Oesterreich beträgt für die gesamte Wehrmacht und Landwehr zusammen im Jahre 1914: 7792 Mann, im Jahre 1915: 4474, im Jahre 1916: 4233, im Jahre 1917: 383 und im Jahre 1918: 480 Mann. Der Auswandererskandal. Wien, 30. Oktober. Das Subkomitee des BudgeiausschuffcS zur Beratung der Schiffahrtsangelegenhciten beendete heute seine Beratungen und nahm eine Resolution an, in der es heißt: Das Subkomitee billigt die Absicht des Handelsministeriums, den Schiffahrtsverkehr Oesterreichs vom Nordatlantischen Schiff- fahrtskartcll unabhängig zu machen, und Einfluß auf dessen Ver- einbarungen zu gewinnen, sowie insbesondere den Auswanderer- verkehr von der monopolistischen Ausbeutung durch dieses Kartell zu befreien. Die Regierung wird aufgefordert, den ungesetzlichen Formen der Agitation auf dem Gebiete der Auswanderung allent- halben und ohne Rücksicht aus irgendeine Gesellschaft ihr Augen- merk zuzuwenden. Im Laufe der Debatte erklärte Minister v. H e i n o l d, das eingeleitete Strafverfahren gehöre zu den größten Straf- fachen, mit denen sich die Gericht« seit langem befaßt hätten, und zwar sowohl wegen der Menge des Materials als auch wegen der Verzweigung der Fäden der Strafsache. Deshalb sei auch der Justizminister nicht in der Lage, jetzt schon eine bestimmte Aus- kunft bezüglich der peinlichen Frage zu geben, ob eine Liste über Geldspenden an Abgeordnete vorhanden sei, bisher sei eine solche Liste nicht gefunden werden. Wenn das Strafverfahren einen gewissen Grad der Reife erlangt haben werde, werde der Justizminister so schnell als möglich die peinlichen Zweifel i» dieser Frage ausklären. Soziales. Schlichtungskommission oder Gcwerbegericht? Ein Rohrleger hatte gestern gegen die Firma Jancck u. Vetter vor ocm Gcwerbegericht Klage erhoben wegen Lohnrest, Lohn- zuschlagen und Entschädigung für Wartezeit. Die Beklagte wendete Unzuständigkeit des Gewerbegerichts ei». In dem für das Rohrlegergewcrbe bestehenden Tarisvectrag ist für alle Streitigkeiten �eine Schlichtungskonimission vorgesehen. Vor dieser Instanz«st Kläger mit seinen Ansprüchen abgewiesen. DaS Gewerbegericht kam gleichfalls zur Klageabweisung wegen Unzuständigkeit unter folgender Begründung: Die im Tarifvertrag vorgesehene Schlichtungskommission war für den Kläger die zu- ständige Instanz, da er selbst auch den Tarifvertrag anerkannt hat. Allerdings weist die fragliche Bestimmung eine Lücke insofern auf, als nicht ein unparteiischer Vorsitzender vorgesehen ist. Das Gesetz läßt aber die Zuständigkeit des Gewerbegerichts nur dann aus- schließen, wenn ein unter einem solchen Vorsitzenden tagendes Schiedsgericht vorgesehen ist. Indessen besteht eine Geschäfts- ordnung der Schlichtungskommission. die eine dahingehende Er- gänzung enthält. Da der Tarif ferner festsetzt, daß d,e Eni- scheidungen der Kommission endgültige sind, mußte auf Klage- abweisung erkannt werden. Ein Notgesetz zur Reichsversicherungsorbnoug fordert der Verband der Burcauangcstellten, Sitz Berlin, in einer an den Reichstag und den Bundesrat gerichteten Petition. Der Verband weist darauf hin, daß durch die Reichsversicherungs- oxdnung mit dem 31. Dezember 1913 tvcit mehr Kassen geschlossen Werden, als vorauszusehen war. Nach einer Umfrage des Per- bandcs werden von 562 Ortskrankcnkaffe» mit 4242 Angestellte» nicht weniger als 227 Kassen geschlossen, und nicht weniger als 883 Angestellte, das sind 2V Proz., kommen damit um ihre Stellungen und Rechte. Daß endlich mit der Kasienzersplitterung etwas aufgeräumt wurde, ist erfreulich, aber es ist überflussig und grundlos, dabei die Existenz der Angestellten zu opfern. Tic Reichsversicherungsordnung kassiert nämlich, wenn eine Orts- krankenkasse geschlossen wird, alle Angestelltenverträge, ohne den Kasse nangc stellten ein Siecht auf Weiterbeschästigung bei der neuen Ortskrankciikassc zu gewähren. Auf diese Weise sind sogar die Bezüge von Invaliden, Witwen und Waisen gefährdet, die von einer Anzahl schließender Kassen für ihre Angestellten bereits ge- leistet werden. Für diese rücksichtslose Vernichtung der Rechte eines sehr großen Teiles der Kassenangestellten liegt ein sachlicher Grund absolut nicht vor. Die neuen Krankenkassen, die die Mit- glieder der geschlossenen Kassen aufnehmen, brauchen natürlich entsprechend mehr Arbeitsträste. Der Verband nimmt an, daß die Mehrheitspartcien des Reichstags eine so bedenklich große Zahl von Kündigungen wohl doch nicht vermutet haben und ersucht, durch ein Notgesetz auszusprechen, daß die neue Kasse, die die Mit- glieder aufnimmt, auch die Angestellten weiter beschäftigt und den etwa vorhandenen Invaliden, Witwen und Waisen ihre Rente weiter zahlt.._ Kein F-rtbildungsschulgesctz in Oldenburg. Vor etwa drei Monaten berichteten wir. daß die olden- burgische Regierung eine Kommission mit der Ausarbeitung eines Entwurfs für ein oldenburgisches Fortbildungsschulgesetz beaus- tragt hatte. Die Arbeit dieser Fachkommission erschien und wurde zur Begutachtung an die einzelnen Parteien und Interesse- Vertretungen des Landes gesandt. Der vorläufige Entwurf sieht einen drei- bis vierjährigen Lehrgang für alle Knaben und Mädchen vom 14. bis zum 18. Lebensjahre vor. Und zwar für die im Handel und Gewerbe beschäftigten männlichen und weiblichen Lehrlinge vier Jahre, für alle anderen männlichen Personen drei Jahre und für alle anderen weiblichen Personen zwei Jahre nach Beendigung ihrer Schulzeit. Die Pflichtfortbildungsschule käme also auch für die ländliche Jugend in Frage. Wie man siebt, bezweckte der Entwurf nichts weiter, als eine sehr zu wünschende Erhöhung und Vertiefung der allgemeinen Volksbildung in recht bescheidenem Umfang: es ist eine jährliche Stundenzahl von 240 Stunden vorgesehen, die für die in der Landwirtschaft Beschäftigten auf 120 herabgesetzt werden kann. Und dennoch wird der Entlvurf dem am 4. November be- ginnenden Landtag nicht vorgelegt werden. Und zwar weil daS Zentrum und die Konservativen sowie die Äandwirtschafts-, Hand- Werks- und Handelskammern— auch der Hansabund— eine ablehnende StÄung einnehmen. Die Sozialdemokraten haben i«it dem Fortschritt im Landtag zwar die Mehrheit, aber die Re- gierung will es mit den vereinigten Reaktionären nicht verderben und läßt deshalb einen Entwurf unter den Tisch fallen, von dein selbst die..Kolnische Volkszeitnng" im Gegensatz zu ihren olden- burgischen Zcntrnmsgenossen in ihrer Nr. 867 an dem Gesetz „einen so vorzüglichen Kern" entdeckte, daß sie wünscht. Regierung und Landtag möchten ans dem Entwurf ein Gesetz machen. Letzte ftacfwichtcn. Eine russische Marincliorlagc. Petersburg, 30. Oktober.(W. T. B.) Der Marineminister hat in der Rcichsduma eine GesetzcSvorlage eingebracht über die Anweisung von 77 752 549 Rubeln für 1914 zum Bau von Kriegs- schiffen und zum Ausbau von Fabriken des Marinereffort». Bersafsungswünsche in Serbien. Belgrad, 30. Oktober.(W. T. B.) Die fortschrittlichen Ab- geordneten haben in der Skupschtina eine Gesetzesvorlage eingc- bracht, in der mit Rücksicht auf die großen in der Staatsverwaltung eingetretenen Veränderungen leine VerfassnngSr«Vision beantragt wird._ Mordanschlag gegen Huerta? New Bork, 30. Oktober.(W. T. B.) Nach einem Telegramm aus der Stadt Mexiko setzt die Polizei die Untersuchung fort, um weitere Beweise siir das Bestehen einer Verschwörung gegen das Leben Huertas zu erbringen, von der den Behörden durch zwei Frauen Mitteilung gemacht worden war. Diese Frauen haben mehrere Männer zur Anzeige gebracht, die ihnen angeblich fünfhundert Dollar angeboten haben, wenn sie Huerta in ihr HauS locken würden, die Verschwörer hätten dann Gelegenheit gehabt, Huerta zu ermorden. Die Frauen hätten abgelehnt, an dem An- schlag teilzunehmen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Der Empfänger des diesjährigen Nobelpreises. Stockholm, 30. Oktober.(W. T. B.) Das Karolinische Institut hat beschlossen, den diesjährigen Nobelpreis für Medizin dem Pro- fessor der Physiologie an der Universität Paris Charles Richei zu erteilen. Großfeuer in Wien. Wien, 30. Oktober. jW. T. B.l In der städtischen Zentrale der allgemeinen österreichischen EleftrizitätSgescllschaft im Zentrum der Stadt ist heute nachmittag ein großer Brand ausgebrochen, welcher erst nach zweistündiger Dauer gelöscht wurde. Infolge der Aus- schaltung der Kabel wurde in der inneren Stadt und in mehreren anderen Bezirken die elektrische Beleuchtung in vielen Geschäften und Wohnungen unterbrochen. Der angerichtete Sachschaden ist be- deutend und dürfte durch die Außerbetriebsetzung des Werkes noch wachsen._ Schiffsbrand. Vigo, 30. Oktober.(W. T. B.) Der deutsche Dampfer „Kalyninos", der auf der Fahrt von Hamburg nach Konstantinopel begriffen war. ist brennend in den hiesigen Hafen eingelaufen. Das Feuer loar gestern ausgebrochen. Mehrere Schiffe, unter ihnen der englische Kreuzer»Cnmbcrland". leisteten Hilfe. Ihre Bemühun. gen waren indessen vergeblich; der Dampfer mußte auf das Ufer gesetzt werden. Die Besatzung soll unversehrt sein. /I 711 El* ÄCMte billitiv xlWjirUiem JOßtoemmmel FleiscH Ochsenichmorfleisch.. Pfd. 95 Pf, Roastb««f........ Pfd. 1.00 Brest und Kamm... Pfd. 75 Pf. keBlrippe Pfd. 80, Querrippe 70 Pf. Frisch. SchinKen i. Ganz. Pfd. 85 Pf. SchweineKotelettes... Pfd. 95 Pf. SchweineKamm n. Schuft Pfd. 85 Pf. KäcKenfett Pfd. 70, Liesen Pfd. 70 Pf. KalbsKenle im Ganzen., Pfd. 1.05 KalbsKamm u. Bug... 75, 80 Pf. Kasseler Rippespeer Pfd. 80b. 90 Pf. AastraUtches Hammelfleisch Keule i. Ganz. Pfd. 75, RücKen 70 Pf. DicHe Rippe Pfd. 65, Dünnung 55 Pf. Gemüse Kürbis......... Pfd. 5 Pf. WeissKohl....... Pfd. 3 Pf. Rot- n. WirsingKohl.. Pfd. 4 Pf. Spinat 2 Pfd. 10, GrünKohl Pfd. 4 Pf. lohrrüben Rote Rüben... Sellerie-Knollen Schwarzwurzeln HürK. Rübchen 5 Pfd. 15 Pf. 3 Pfd. 10 Pf. . 3, 5, 8 Pf. . Pfd. 10 Pf. 3 Pfd. 25 Pf. Französischer Salat. 2 Köpfe 15 Pf. Pfd. 15 Pf. Grüne Bohnen Radieschen.. 8 Bund 10 Pf. Wilde Kaninchen ffestr?� 70 Pf. an Keine Zusendung. Obst Ananas...... Pfd. 73 u. 88 Pf. AmeriKan. Aepfel. Pfd. 18 u. 26 Pf. Essäpfel..... Pfd. 14, 18, 22 Pf. Kochäpfel....... 2 Pfd. 25 Pf. Grosse Kochbirnen Pfd. 14 u. 18 Pf. Almeria-Trauben.... Pfd. 35 Pf. Geflügel Gänse...... Pfd. 53, 65, 75 Pf. Gänse-Rümpfe.... 2.25 bis 4.50 Ungarische Puten... Pfd. 88 Pf. Hühner..... Stück 1. 10 bis 2.60 Hasthühner.,.. Stück 2.75, 3.00 Butter u. Käse Koch- und Badtbutter Pfd. 1.05, 1.16 Tischbntter Pfd. I.26,VäPfd.-Pak.64Pt. Tafelbutter Pfd. 1.35,VzPtd.-Pak. 68 Pf. Schmalz........ Pfd. 68 Pf. Pflaumenmus...... Pfd. 25 Pf. EmmenthalerKäse.... Pfd. 1.05 SchweizerKäse..... Pfd. 85 Pf. Holländer Käse..... Pfd. 75 Pf. Romatour-Häse. Limburger Käse. Brie-Käse vollfett, Camembert-Käse. Faust- u. SpitzKäse Kuh- u. LandKäse. Stück 26 Pf. .. Pfd. 45 Pf. .. Pfd. 78 Pf. . Stück 20 Pf. 3 Stück 25 Pf. 2 Stück 35 Pf. Fiscbe Kabeljan i.ganz. Fisch. Pfd. 18, 22 Pf. Seelachs o. Kopf>. ganz. Fisch. 20 Pf. Schellflsch 2— 4 Pfd schw. Pfd. 18 Pf. Schollen........ Pfd. 18 Pf. Rotzungen....... Pfd. 18 Pf. Steinbutten....... Pfd. 75 Pf. Tafellachs i. ganz. Fisch. Pfd. 55 Pf. Lebende Hechte.... Pfd. 90 Pf. Lebende Karpfen Pfd, 75, 85, 95 Pf. Lebende Schleie.... Pfd. 1.10 Lebende Zander.... Pfd. 1.05 Lebende Krebse Mdl. 25 Pf. bis 3.00 Seemuscheln... 100 Stück 30 Pf. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Montag, den 3. November 1913: Bezirks- Versammlungen für die gelamle Qerwaltungsftelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden: �h»�us«ltl«, Müllerstr. 142, abends 81/, Uhr. NOrdeQ* ,,ü""orN*,estsöle» Schwedter Strasse 23, abends Norden! Prunkes Festsüle, Badstr. 19, abends 81/, Uhr. Moabit: Prachtsaie Nordwest, Wielefstr. 24, abends 8'/, Uhr. CdarlOttenbnrg: Volkshaus, Rosinensfr. 3. abends 8'/. Uhr. Tegel* Müllers Restaurant, Berliner Str. 84, abends 6 Uhr. Westen und Schäneberj: JÄrSrSÄÄ' OSten: ComenlusetUe, Memeler Str. 67, abends S'f, Uhr. Lichlenberg:»- Stralau-Rummelsburg: S0""""' Vortrag über: Die VoUSsärsorge. Referent: Genosse Hermann Müller. WaiRoncaa* Penkerts Restaurant, Berliner Allee 251, nClucLIdCC. abends 8'/, Uhr. SSdenbezirke:'' Neukölln* Ba�t8cb8 �ests&le. Hermannftr. 48/49, abends Steglitz: Albrechtshof, Albrechtstr. la, abends 8'/, Uhr. Köpenick u. Medriedsksgen:?M«sÄiZ,� Schöncrlinder Str. 5, abends 8'/, Uhr. Oberseböneveide, Niederseböneveide, Jobannis- thal ii IT Mm* TVHhelinlnenhof, WilHelminenHafstratze, mar u. vmg.. abends 8-/, Uhr. Sgandan: Rvstanrant Hertz, Kurstr. 21, abends 81/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zur Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbnch kein Zntritt! Pünltliches und zahlreiches Erschemen wird erwartet. 128/17 Die OrtsTerwaltnng. Verwaltung Berlin Freitag, den 31. November, abends 8 Uhr: WSf Ordentliche-WD General- Versammlung im Gewerkschastshanse, Engelnfer IS, Saal 4. Anträge müssen bis Freitag, den 7. November, bei der Ortsverwaltnng eingereicht sein. 91/4 vle Ortsverwaltnng. M Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Zentrale; Ijlchtenberg, Rlttcrgutstr. 16—26. Mittwoch, den 5. November, abends 8 Uhr, im grohen Saale der„Nenen Welt": Fortsetzung der General- Vers ammlung vom so. Oktober ISIS. Tagesordnung: 1. Jahresbericht a) des Vorstandes, b) des AufsichlsrateS, c) der Revisionslominifston.(Vortrag des Revisionsbcrichts.) 2. Enttafhmg dcS Vorstandes. 3. Beschlußfassung über die Verteilung des Reingewinns. 4. Aenderung der Kg 2 und 14 des Statuts und Bericht der Statuten« beratimgskommission. 5. a) Wahl von 9 Aussichtsratsmitgliedern, b) Wahl von 5 Ersaßpersonen sür den Aussichtsrat. 6. Streitsall VerlagSgesell- schaff kontra Buchdrucker. 7. Anträge. Ig/p- Der Eintritt in den Saal kann nur Mitglieder« gegen Vor- zeigung der.braune» �egitimationskarte gestattet werden. Lür Angehörige der Mitglieder ist die Galerie reserviert. 107/18 Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Eingetragene Genosscnschast mit beschränkter Hastpflicht. Zentrale: Lichtenberg, Zttttergutstraße 16—2«. Der Vorstand: Der»uffichtsrat: R. Junger, O. Schnitze. I. A-- H. Stühmer. lunlrsIverMM Lederarbeiteri Pillale Berlin I. Sonntag, den 2. November 1913, vorm. 10 Uhr: UM" Versammlung-WU in Schmidts Festsälen, Prinzenallee 33. i. Die Fohntarife in der Glaceledemdustrie. sJ'gJeU. 2. Verbandsangelegenheiten.— 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet 134/13 Oer Verstand. Zentral-Verband der Töpfer und Serufsgenossen Deutschlands. Filiale Orofl-Bcrlln. Heute Freitag, den 31. Oktober 1913, abends 0>/z Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Ordentliche Gkneralnechmmlmg. Tagesordnung: 1. Bericht des GesamworstandeS vom 3. Quartal 1913. 2. Bericht der Lohntommission über die Verhandlungen mit den Unter« nehmern wegen eines neuen Lohntarisvertrages. 3. Bericht über den diesjährigen Fensterstreik. 4. Diskussion über den Bericht von der X. Generalversammlung in Leipzig. 5. Verschiedenes. 193/4 M0" Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!-MG Die äußerst wichtige Tagesordnung erfordert, daß alle Kollegen er« scheinen müssen. Anfang ganz präzise._ Der Vorstand. Wolli sctieuern Ihr sauber u.fesle, nehmt Blendax denn das ist das Pakete xu ID. 20 n. 25 Pfennig. Fabrik: Urban& Uiemm. Charlottenburg. Möbel-Leeliner I.Geschäft: Brunnenstr. 7 II. Geschäft: Müllerstr. 174 Möbel aller Art auf Kredit. Bequemste An- und Abzahlung. Sonntag von 12— 2 Uhr geöffnet. Zeitnngs-Ausgabestellen ««d Iuseraten-Attnaisme. �entrnm: Albert H a b n i s ch. Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von tv- 1 und von 4'/,— 7 Uhr. 2. Wahlkreis:\V.: Gust. Schmidt. Kirchbachstr. 14, Hochparterre. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. 2. Wahlkreis: 8. und 8W.: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. Geöffnet von 10— 1 und von 41/.— 7 Uhr. 8. Wahlkreis: St. Fritz. Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. 41. Wahlkreis: Osten: Robert Weng eis. Gr. Frantfurterstr. 120. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr.— Richard H a ck c l b n s ch, VelerSburgerplatz 4(Laden). Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15. Geöffnet von 9- 2 und von 4—7 Uhr. 5. Wahlkreis: Leo Zucht. Jmmanuelkirchstr. 12(Hos). Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. O.Wahlkreis iRuahlt): Solomon Joseph, Wilhelmshaven« Straße 48. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. Wedding: I. Hönisch, Müllerstr. 34a Ecke Ufrechter Str., Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. Roscnthaler und Oranienburger Vorstadt: A. Wolgast» Watfstraße 9. Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. Gesundbrunnen: Fischer, Baftianstr. 6, Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Schönhanser Vorstadt: Karl MarS, Greifcnhagener Str. 22. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. �dlershor: Start Schwarzlose, Bismarckstr. 50. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Alt-Gllenickc: Wilhelm Dürre. Köpenickcr Str. 6. Banmschulenweg: H. Hornig, Marienthaler Str. 13, I. Rernan, Röntgcntäl, Zepernick, Schönow, Schön- brück und Bnch: Heinrich Brase, Mühlenstr. 5. Laden. Bohnsdorf, Falkenherg imd Falkenhorst: Paul G e n s ch, Bobnsdors. GenossenschasfsHauS.Paradies-. Charlottenbnrg: Gustav Sckarnberg, sesenheimer Str. I. Ge. öffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. Elchwalde, Schmöckwitz: OSkar Mahle, Stubcnrauchstr. 99. Erkner, Ven Zittau: E m i l I w a n g. Scharnwcberstr. 10. Fredcrsdorf-Petershagen, Eggersdorf: S. H ö s e I b a r t h, Pefershagcn. Friedenau, Steglitz, Südende, Gr«>6- Ulchterfelde, I.ank wltz: f>. Bernsee, Msenftr. 5 in Sieglitz. Geöffnet von 10— 1 und von 41/,— 7 Uhr. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schönelche, KI.-Schönebeck: Ernst Werkmann, Friedrichshagcn, Köpc» nicker Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal, Rudow: Max Gonschur, Parkftr. 6. Karlshorst: Richard Küfer. Rödelstr. 9, II. Könlgs-Wnsterhanscn, Wildau, Vlcderlehine: Friedrich B n n m a»». BaHnHosstr. 8. Köpenick: Emil W i ß 1 e r. Kietzerstr'. S, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Ubr. Qlchtcnhcrg, Fricdrlchsfcldc. Rohenschönhansen: Otto Seikel. Wartenbergstraße 1(Laben). Geöffnet von 8'/,— 2 und von 4'/,— 7 Uhr. Kahlsdorf. Kanlsdorf, Blesdorl: P. Heßberg, KaulS« dors, Ferdinandstraße 17. Barlendorf: August Lcip. Ehauffeestr. 295. Hos. Marlenfeldc: Emil Weinerl, Berliner Str. 114 II. Nenenhagen. Boppegarten: Gustav Leg, Wolterftraße. Veukölln: M. Heinrich, Neckarstr. 2. im Laden. Geöffnet von 9—1 und von 4— 7 Uhr: Neulölln. Britz: Rohr, Siegjriedstraße 28/29. Geöffnet von 7—1 und von 4—7 Uhr. Bileder-Schönc weide: Wilhelm Unruh, Brückensir. 10, II. Bf owawes: Wilhelm Japve. Lutherslr. 2. Oher-Schönewcldc: Alsred Bader, WilHelminenHosstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Fankow, Kledcrschönhansen, Vordcnd, Frz. Buch holz, Blankenburg; R i ß m a n n, Mühlenstr. 30. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Beinickendorf- Ost, Wllhelmsrnh und Schönholz: P. G u r s ch. Provinzstr. 56, Laden. Geöffnet von 10—1 u. 4-/,— 7 Uhr. Bnmmelshnrg. Boxhagen, Stralau: A. R o s e u t r a n z. Alt« Boxbagen 56. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Schenkendorf b. Königs-WuslerHausen: Ehr. H a n I s ch k e, Dorsstr. 10 Schöneherg: Wilhelm Bau ml er, Marlin Lutherstr. 69, im Laden. Geöffnet von 9—2 nvd von 4—7 Ubr. Spandan, Vanncndannn, Staaken, Seegefeld und Falkenhagen: K ö p p e n, Breitejtr. 64. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde. Wittenau, Waidmannslnst, Bcrnisdorf, Bohen- Seuendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Kelnlckendorf- West; Paul Kien aif, Borfigwalde, Räuschslraße 10. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm Bonow, Teltow. Berliner Str. 16. Tempelhof: Joh. Krohn, Borussiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz. Kiesholzstraße 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. W eiilensce, Reinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, Part. Geöffnet von 10—1 und von 4'/.— 7 Uhr. Wilmersdorf, Ralensee, Schmargendorf: Paul Schubert, WilhelmSaue 27. Zeuthen, Siersdorf: Ernst Huttig, Zeuthen, Miersdorfer Str. 14. Sämtliche Parleilileratur sowie alle wissenschastlichen Werke werden geliejert Tonntags find die Ausgabestelle» geschlossen. Das größte Abonnementshaus feinster Herren»Moden J. Stock& Co. verkauft seine Monats-Garderobe direkt an Private. Anzüge und Paletots von 10 il. an.* Friedrichstr. 108 vis-ä-vis der KarlstraBe, Verantw. Redalt.: Alfred Wielepp» Nenf öllm Inseratenteil verantw.- Uh. Glocke. Deri'n. Druck ll. Sferlng: VorrvörtS Buchdr.«. Ferlossainrali WaulSlngerACo..BerlinL�V. Hierzu 2 Beilagen u-UnterhaltuagSbl. Dr. 286. 30. Jahrgang. 1. Ktilme i>ts Jutwrte" Önlintr üoMlott. Freitag, 31. Oktober 1913. GewerkfcbaftUcbcs. darnung vor Zuzug nad) den derftorten. In einer Notiz. i)te durch verschiedene bürgerliche Blätter läuft, wird behauptet, daß in den Werstorten Bremen, Bremer- Häven, Hamburg und Kiel nicht Arbeitslosigkeit, sondern Mangel an Arbeitern herrsche. Es ivird lveiter gesagt: Zur Klarstellung der Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt könne nur immer wieder mitgeteilt werden, daß Tausenden von gelernten und ungelernten Arbeitern der Holz- und Metallbranckze Ar- beitsgelegenheit in der Schiffbauindustrie geboten lverden könne. Solange der deutsche Arbeitsmarkt ein derartig gün- stiges Bild zeige, könne die Nollveiidigkeit einer gesetzlichen Arbeitslosenversicherung nicht anerkannt werden. Der arbeiterfeindlichen Tendenz, die in dem letzten Satz zum Vorschein kommt, entspricht der ganze Inhalt der Notiz. Es ist frech gelogen, wenn behauptet wird, in der Schiffbau- industrie herrsche Mangel an Arbeitern. Noch am Montag und Dienstag dieser Woche sind zahlreiche Holzarbeiter in Hamburg, die auf Grund dieser verlogenen Notiz sich bei den Arbeitsnachweisen um Arbeit bei den Werften bemühten, ab- gewiesen worden mit der Bemerkung, es seien noch so viele Arbeitsuchende vorgemerkt, daß es vier Wochen und länger dauern kann, ehe an Einstellung zu denken sei. Nicht anders sieht es in den übrigen Werftorten aus. Unter diesen Um- ständen ist es geradezu gewissenlos, immer»och mehr Arbeiter nach den Werftorten zu locken, wo vom letzten Streik her noch nicht alle Arbeiter wieder eingestellt sind, und obendrein die Seffentlichkeit so gröblich über den wahren Stand der Dinge zu täuschen, wie es durch die oben gekennzeichnete Notiz in der Unternehmerpresse versucht wird. Lerlin und Clmgegcnd. WaS geht in der Berliner A. E. G. vor? Die Mitteilungen der Großbetriebe in der Metallindustrie, wo- nach sie für die kommenden Monate vollauf mit Aufträgen versehen sind, müssen bekanntlich sehr mit Vorsicht aufgenommen werden. Keine Firma will die erste sein, die eingestehen mutz, datz auch in ihrem Auftragbestand sich die herannahende Krise bemerkbar macht. So scheint es auch in der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin zu sein. Denn sonst könnte man es sich nicht erklären, datz die Firma jedwedes Ersuchen der Arbeiter auf Verkürzung der Arbeitszeit, um Entlassungen vorzubeugen, ablehnt, weil sie wahr- scheinlich der Ansicht ist, datz eine solche Verkürzung der Arbeitszeit das deutlichste Zeichen des sich bemerkbar machenden Mangels an Aufträgen wäre. 9!un zeigt sich aber in den letzten Wochen und Tagen in dem Verhalten der Direktion der A. E. G. etwas so Eigentümliches, das keine andere Schlutzfolgerung zulätzt als die, datz die Firma in ganz besonderer Weise ihren Mangel an Aufträgen ver- decken will. Es werden nämlich in fast allen Werken der Gesell- schaft im grotzen Umfange Preisabzüge vorgenommen, und den Arbeitern und Arbeiterausschutzmitgliedern wird in brüsker Weife erklärt, datz es bei den Abzügen bleibe und jedwede Ver- Handlung sich erübrige. Ja, in einem Falle hat sogar die Direktion es abgelehnt, den Arbeiterausschutz in dieser Angelegenheit zu empfangen, sie erklärt, datz über die Angelegenheit nicht mehr verhandelt würde, sondern es bleibe dabei. Dieses Verhalten und die Art, wie allgemein Abzüge vor- genommen werden, läßt darauf schlietzen, datz die Betriebs- leitung wahrscheinlich einen Streik in grötzerem Umfange will, um durch eine mehrwöchentliche teilweise Ruhe der Arbeit den Mangel an Aufträgen und damit die Schwierigkeiten der Beschäftigung der Arbeiter zu verdecken. Die nächsten Tage werden vollständige Klarheit übex die Angelegenheit bringen. Achtung, Töpfer! Die heutige Generalversammlung bei Boeker, Weberslr. 17, findet nicht, wie in der Nummer 284 des„Vorwärts" irrtümmlich durch Verschulden der Druckerei angegeben ist, um 8'/z Uhr, sondern um v'/z Uhr statt. Die Verbandsleitung. Der Wurstfabritant W. Zieglcr, Rummelsburg, Prinz- Albert-Str. 4, verweigert den Fleiichergesellen das Koalitionsrecht. Am 27. Oktober war vom Verband der Fleischer für die Ar- beiter der Firma Z i e g I e r eine Betriebssitzung anberaumt, um mit denselben über ihre Organisation sowie über die Verbesserungen im Gewerbe aufklärend zu sprechen. Als Herr Zieglcr von dieser Versammlung erfuhr, erklärte er seinen Arbeitern, datz derjenige, welcher am Verjammlungsabend das Haus verlasse, am Tage daraus entlassen werde. Zwei Arbeiter, die der Organisation angehören, wurden zum Bureau gerufen und sofort entlassen, weil diese die Einladungen zur Versammlung verteilten. Dieser Raub des Koa- tionsrechlS durch eine Rummelsburger Fleischwarenfiirma ist umso verwerflicher, als deren Kundschaft naturgemäß zum grotzen Teil aus Arbeitern besteht, die einen besonderen Wert auf dieses Recht legen. veutkcbes l�eicb. Eine zusammengebrochene Anklage. Am Dienstag, den 28. er., kam der grotze Monsterprozetz, der auS Anlatz des Streiks der Brauereiarbeiter in Eulm(Westpreutzen) eingeleitet wurde, zur gerichtlichen Verhandlung. Angeklagt waren 4t Personen, darunter mehrere Frauen und ein Schüler. Die An- klage lautete für die Mehrzahl der Angeklagten auf Land- f r i e d e n s b r u ch. Als im Frühjahr d. I. die Brauereiarbeiter der Brauerei Höcherl Akt.-Ges. streikten, verschrieb sich die Firma einige zwanzig Hintzegardisten aus Hamburg_al£ Arbeitswillige. Diese trafen am 27. April, an einem schönen Sonntage, in Culm ein. Die Bevölkerung hatte davon 5kenntnis erhalten, so datz sich grotze Mengen am Bahnhof einfanden. Ein autzerordentliches Interesse wurde unter der Bevölkerung auch dadurch wachgerufen, datz autzer einigen sonst am Bahnhof nicht stationierten Polizeibeamten noch Gendarmen anwesend waren. Die ausgeladenen Hintzegardisten machten einen derartig verkommenen und ekelerregenden Eindruck auf die Bevölkerung, datz diese init ihrer Entrüstung darüber, datz solche Elemente den Culmer ehrlichen Arbeitern als Konkurrenz ent- gegentreten und in einen Nahrungsmittelbetrieb gesteckt werden sollten, nicht zurückhielt. Auch lockte das schöne Sonntagswetter eine grotze Zahl von Spaziergängern auf den Weg, �so datz sich ein förmlicher Zug bildete, der sich durch die ganze Stadt hindurch zum Brauereigrundstück bewegte. Dabei wurden aus der Menge Protestrufe, die sich gegen die Arbeitswilligen richteten, laut. Auch johlten und schrien halbwüchsige Burschen und Kinder. Nachdem die Arbeitswilligen hinter den Toren der Brauerei waren, staute sich die nachfolgende Menge in der engen Stratze, weil die vordersten Reihen von den Polizisten zurückgedrängt wurden, die hinteren Reihen aber, ohne zu wissen und sehen zu können, was sich vorne abspielt, hintennach- drängten. Die Polizisten schrien auf die Menge ein und verlangten Rllckwärtsbewegung. Das konnte nur sehr langsam vor sich gehen, da die enge Straße mit Menschen vollgepfropft war. Trotzdem gelang es den Eingekeilten, sich in etwa einer halben Stunde bis zum nahegelegenen Markt durchzuarbeiten. Die Schutzleute folgten der Menge und beschimpften und bedrohten sie. Ueber diese Behandlung aufgeregt, schrie und johlte ein Teil der Menge. Das war für die Beamten Grund genug, die Arbeiter mit Waffengewalt auseinander zu treiben. In dieses Chaos, das nun entstand, sollen auch ein oder mehrere Steinwürfe gegen die Polizeibeamten gefallen sein. Der Anklagebehörde reichte dieser geringfügige Krawall zur Er- Hebung einer Anklage auf Landfriedensbruch aus. Auch die bürger- liche Presse schrieb am nächsten Tage in Culm, datz die Streikenden sich sehr schwer vergangen und sich des Landfriedensbruchs schuldig gemacht hätten. Das Schöffengericht stellte fest, daß es sich um keinen LandiriedenSbruch, sondern nur um einen Auflauf im Sinne des 8 116 Abs. 1 des R.-Str.-G.-B. handelt. Außerdem seien einige Angeklagte wegen Gewerbevergehen zu bestrafen, weil sie die Ehre der Streikbrecher angetastet haben sollten. Ein erheblicher Teil der Angeklagten mutzte freigesprnchen werden, eine Anzahl der Angeklagten wurde mit Gefängnisstrafen bedacht in Höhe von vier Tagen bis einer Woche. Wegen Gewerbevergehen und Beleidigung wurde durchweg auf Geldstrafe von 16 bis 86 M. erkannt. Die aufsehenerregende Anklage wegen Landsriedensbruchs ist also nach der gerichtlichen Feststellung elendiglich zusammengebrochen. Aussperrung in der Glasindustrie. In W i e s a u. Kreis Sagau. sind sämtliche Glasarbeiter der Firma Müller u. Schwarz und der Firma Barth am 30. Oktober ausgesperrt worden. Der Grund für die Aussperrung ist folgender: Die jugendlichen Arbeiter unter 16 Jahren dürfen nicht mehr vor 6 Uhr morgens beschäftigt werden. Da nun die Arbeitszeit bisher in den Betrieben um ö Uhr morgens aufgenommen wurde, so mutzte eine Aenderung vorgenommen werden, und beginnt jetzt die Arbeit morgens 6 Uhr. Nun sollen die Arbeiter nachmittags dafür eine Stunde länger arbeiten. Die Glasarbeiter loeigerten sich, dies zu tun und erklärten sich bereit, nachmittags eine halbe Stunde länger zu arbeiten. Damit waren die Industriellen nicht einverstanden und sperrten sämtliche Glasarbeiter aus. In Betracht kommen rund 406 Arbeiter. Es werden deshalb alle Glas- arbeiter des In- und Auslandes dringend ersucht, Miesau zu meiden! Die Nieter der Tecklcnburgwcrft in B r ein e r h a v e n, die seit dem 18. d. M. im Streik standen, haben in einer Versammlung am Mittwoch, den 26. Oktober, beschlossen, den Streik aufzuheben. Die Arbeit wird am Donnerstag wieder ausgenommen. Die Arbeiter. die infolge des Nieterstreiks entlassen wurden, treten wieder in das alte Arbeitsverhältnis ein. Der Streit zwischen den �Nietern und der Firma war wegen Verweigerung der Ueberschüsse für durch den Werftarbeitcrstreik unterbrochene Akkordarbeilen entstanden. Die Werftleitung glaubte auf Grund der Arbeitsordnung dazu berechtigt zu sein, die Auszahlung der Lohniiberschüsse zu verweigern. Die Arbeiter beabsichtige» nun, die Sache aus dem Rechtswege zum Austrag zu bringen und haben deshalb den Streik abgebrochen. Atisland. Holzarbeiterstreik in Warschau. Bei der Firma Martens u. D a a b, Bauunternehmer in Warschau, befinden sich etwa 266 Holzarbeiter im Streik. Die Firma sucht durch den „Dziennik Berlinski" Arbeitswillige und tatsächlich sind auch bereits auf Grund dieser Inserate eine Anzahl Arbeiter nach Warschau gekommen. Die streikenden Arbeiter in Warschau bitten, sie durch Fernhaltung des Zuzuges zu unterstützen. Stadtveroräneten-Vertammlung. 31. Sitzung vom Donnerstag, den 36. Oktober 1913, nachmittag 6 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. Die Wahl des Ausschusses für die Vorlage wegen Regelung der Angcstclltcnversicherung der im Woge des Privatdicnstvertragcs beschäftigten städtischen Angestellten hat stattgefunden; die sozial- demokratische Fraktion ist durch Glocke, Koblenzer, Ritter, Sasse nbach vertreten. Ueber den Vorenttvurf zum Neubau einer Heil- und P f l c g c st a t tc in B u ch berichtet namens des niedergesetzten Aus- schusses Stadtv. Sachs(A. L.). Der Ausschutz hat das vorgelegte Bauprogramm genehmigt, wünscht aber in den, speziellen Entwurf die Forderung berücksichtigt, datz die Höchstzahl der Betten in einem Zimmer auf 16 beschränkt wird; diese Ziminer sollen aus den großen, für 26 Betten projektierten Sälen durch Einbau von Quer- wänden und ohne den Anbau von Korridoren gewonnen werden. Ferner soll für ein Operationszimmer Vorsorge getroffen iverden (die Anstellung eines besonderen Chirurgen wird nicht für erforder- Kleines feuilleron» Undank ist der Fürsten Lohn. Also der Geheime Hofrat Clemens T h i e m e, der Leiter des deutschen Patriotenbundes, der eigentliche Manager des ganzen Völkerschlachtdenkmalrummels, dem bei der Einweihung des Monuments von 1813 von den zahlreichen Majestäten, Hoheiten und Durchlauchtigkeiien schier die Rechte zerquetscht worden, hat den preußischen Orden vom Rolen Adler vierter Güte wieder zurückgeschickt. Die Auszeichnung ist ihm zu power, er mimt die ge- kränkte Leberwurst, er will nicht mehr mitspielen! Welcher Größenwahn! Vor hundert Jahren gab es einen andern Geheimrat, nebenbei auch Rektor der neuen Berliner Universität. Ein Mann von Verdienst um das Haus Hohenzollern. Denn just als die verbündeten Potentaten 1815 zum zweiten Male in Paris weilten, tat er in einem berühmt gewordenen Schriftchen dar, datz die sogenannten Wortführer der sogenannten Freiheilsbewegung von 1813 wüste Burschen gewesen, datz E. M. Arndt zu Mord, Plün- derung und Notzucbt aufgerufen habe, datz der Tugendbund auf die Entthronung der Fürsten ausgegangen sei und dies und das. Nichts hätten die Arndt und Fichte und ihresgleichen mit der Freiheitsbegeisterung von 1813 zu tun gehabt, in Preußen habe 1813 überhaupt keine Begeisterung geherrscht, das preußische Volk habe vielmehr alles, was es in dieser Zeit geleistet, nur auf allerhöchsten königlichen Befehl getan, sowie man etwa beim Ruf der Feuertrommel zllm Löschen herbeieile(die Feuer- trommel war Friedrich Wilhelm HI.).— Wie man sieht, ein Mann von höchstem Verdienst um das Haus Hohenzollern! Und dieser Geheimrat wurde für seine Schrift auch mit dem Roten Adler vierter ausgezeichnet! Er hieß Schmalz. Wie kommt da dieser— äh!— Thieme dazu, über den gleichen Orden, statt in untertänigster Dankbarkeit zu ersterben, zu nörgeln? Vergleichsweise hätte für ihn schon das Allgemeine Ehren- zeichen gelangt! Seh er sich mal den Leipziger Oberbürger- meister an! Der wollte den Kronenorden auch zurücksenden. Er war, wie Eingeweihte wiffen,„fest entschlossen" dazu. Aber er hat sich alsbald, wie heute gemeldet wird, in„langen Verhandlungen" breitschlagen lassen, kein böses Beispiel zu gebe», das den guten bürgerlichen Sitten ein gefährliches Vorbild geben könnte. Die bürgerliche Ordenssucht kann aufatmen: der Leipziger Oberbürgermeister hat den Kronenorden angenommen: und weil er artig eingelenkt hat, soll er demnächst noch den Stern dazu erhalten. Denn Unterwürfigkeit ist im Reiche Bhzanz eine strahlende Tugend, die gern so vergolten wird, datz sie ihren Träger würdig kennzeichnet. Der Impressionismus. Eine Vortragsreihe, die von der Zeit- schrift„Kunst und Künstler" während der nächsten Monate ver- anstaltet wird, wurde durch Gustav Pauli, den Direktor der Bremer Kunsthalle, eröffnet. Er sprach über das Wesen des Impressionismus, über die Gesetzmäßigkeit, nach der diese Art der Kunstübung von Urzeiten her mtt der romantischen Dekoration ab- wechselt. Die Impressionisten, das sind die Jäger, die sich auf die Welt stürzen, um sie zu erkennen; sie wollen die Natur erobern. Das war so fchon zu den Zeiten der Höhlenbewohner; das wiederholte sich mehrere Male im Lause der Geschichte. Jede neue Periode des Impressionismus bringt eine reichere und tiefere Natureroberung; Rodin sah mehr als jeder frühere Bildhauer, und LiebermannS „Badende Knaben" zeigen unendlich mehr von den Reizen der Be- weglichkeit und des Lichtlebens als ähnliche Bilder Menzels. In diesem Sinne sind die Impressionisten Bereicherer unseres Welt- Wissens; sie erziehen unsere Augen, immer gründlicher und klarer die Natur zu erfassen. Der Impressionist ist ein Pionier; er hat etwas Rücksichtsloses, er rüttelt an der Außenwelt. Er mutz not- wendig Individualist sein; ihn interessiert immer nur der Einzelfall, er haßt die Abstraktion. Nun regiert aber im Sieich des Geistigen das Gesetz vom Widerspruch; auch die Kunst ist ihm Untertan. Wenn die Jmpressio- nisten wieder einmal die Scheuern mit neuen Entdeckungen bis zum Rande gefüllt haben, dann fühlt die Kunst sich satt, und nun be- ginnt sie mit ihren überreichen Schätzen zu spielen, sie beginnt damit zu phantasieren: die Kunst wird dekorativ, träumerisch, romantisch. In solcher Periode werden die Künstler kollektivistisch erregt; sie fühlen sich nicht mehr als frei schweifende Jäger, vielmehr als Be- auftragte eines Volkes, als Dichter, die ein Publikum, als Priester, die eine Gemeinde benötigen. Gegenwärtig stehen wir gerade an solch einem Wendepunkt, da der Impressionismus in eine Kunst des Romantischen und des Dekorativen umschlägt. Datz es dabei zu- weilen etwas wild zugeht, ist nicht weiter verwunderlich; die Gotiker waren auch wesentlich primitiver, als die Klassik der Hellenen, die an die zweitausend Jahre vor ihnen entstand. Nun ist es wie bei aller lebendigen Geschichte auch in der Kunst so, datz die einzelnen Entwicklungsphasen nicht scharf getrennt hinter- einander verlaufen; sie gehen oft miteinander parallel, sie durch- wirken sich sogar. Pauli zeigte eine Skizze Rembrandts, die geradezu überraschend impressionistifch wirkte; und doch war Rem- brandt ein Mystiker, ein Held von der anderen Seite der Kunst. Der junge Dürer war Impressionist; der alte diente der monumen- talen Dekoration. Solche Zwiespältigkeit ändert aber wenig an dem Zutreffen des grotzen Schemas: hier Natureroberung, dort Schöpfung der menschlichen Phantasie. Das Manchestertum sah den Jmpressio- nismuS erstarken; das Zeitalter des Sozialismus bedarf einer Kunst des starken Rhythmus. rbr. Wiusik. Weingartner-Abcnd(im Konzertsaal der kgl. Hochschule für Musik). Felix Weingartner, der ehemalige Hofkapellmeister des „Zirkus Hülsen", dem laut reilbsgericktlicher Entscheidung noch auf mehrere Jahre die Ausübung seiner öffentlichen Dirigententätigkeit innerhalb 36 Kilometer rund um Berlin untersagt wurde, ist nun doch aufgetreten. Allerdings„nur" als Komponist und, was gleich bemerkt fei, als brillanter Klaviermeister. In Berliner Konzerten begegnete man bisher, wenns hoch kam, allenfalls einigen Liedern von ihm. Der Sinfoniker, der Schöpfer zahlreicher Kammermusik- werke kam gar nicht mehr zu Wort. Hoffentlich wird das nun anders werden; denn wie man sich immer zu Weingartner stellen mag. ein originaler Musiker ist er auf alle Fälle. Wenn in seiner Sonate v-äur für Violine und Klavier ältere Formen mit neuen in glücklicher Verschmelzung zum Ausdruck ge- bracht werden, so spricht ein Quintett G-moll für Klarinette, Violine, Bratsche, Cello und Klavier geradeswegs als einejhedeutende, ganz im modernen Geiste empfundene und gewobene Schöpfung an, in der. neben dem reizvollen Tempo di Menuetto besonders der an Naturmotiven reiche poesievolle Adagiosatz interessiert, sowie das feine Gewebe, in das sämtliche Instrumente im ständigen Wechsel klangfarbenen Jneinandergreifens verwoben sind und das im Klavier- part durch höchst charakeristtsch gelöste Akkorde wirksam unter- malt wird. Das Werh besten Wiedergabe beinahe eine dreiviertelstündige Zeitdauer beanspruchte, kam prächtig zur Geltung; denn der Kow- ponist selbst, sodann Profestor Oskar Schubert, der unüb"- treffliche Klarinetsist, Benno S ch u ch, Otto Niedermahr u�d Hjalmar von D a m e ck waren die Ansführenden. Hier trat der letztgenannte Violinist auch ungleich vorteilhafter hervor, als in der Sonate, wo sein Spiel teilweise vom Klavier erdrückt wurde. In acht Liedern für eine Singstimme mit Klavierbegleitung und einige» Zugaben erwies sich Weingartner vollends als ein auf dem Boden des modernen Stils heimischer Komponist. Gesungen wurden die Lieder von Lucille Weingartner, einer Sopranistin von ent- schieden stimmlicher Kraft und Klangfülle, bei der nur hier und da eine zu volle Aussprache bestemdlich ans Ohr dringt. Einige Lieder —„Frühlingsgespenster",„Unter Sternen",„Schifferliedchen"— mutzwn wiederholt werden. Und am Schlüsse wollten die Ovationen für Weingartner schier kein Ende nehmen.-«k. Notizen. — Theaterchronik. Im K l e i n e n Theater findet am Freitag nächster Woche die Premiere von Hans Müllers„respektlosen Komödien", die den gemeinsamen Titel„Gesinnung" führen, statt.— „Das Nothemd", ein Bühnenspiel in drei Aufzügen, Dichtung und Musik von Viktor v. Woikowsky-Biedau, wird gegen Mitte No- vember am Deutschen Opernhause in Charlotten- bürg erstmals aufgeführt werden. — Kunstchronik. Bei Paul Cassirer, Viktoriastr. 35, wird eine grotze Ausstellung von Werken des französischen Impressionisten D e g a s vorbereitet, die am Sonnabend, den 1. November, eröffnet wird.— Der erste Deutsche Herbstsalon, Potsdamer Stratze 75, bleibt noch weitere vier Wochen, bis einschließlich 1. De- zember geöffnet. Die Ausstellung ist täglich, auch Sonntags von 16 bis 7 Uhr geöffnet. — Vorträge. Am kommenden Montag trägt im Thorakton- saal, abends 8 Uhr, Emil Milan Werke von Adolf Frey, Hesse, Spitteler, Hugenberger und Jakob Schaffner vor.— Im Institut für Vi e e r e s k u n d e setzt Montag Dr. H. M i ch a e l s e n die Ge- schichte des Welthandels fort; Freitag spricht A. D i x über politische Probleme im östlichen Mittelmeer.— Einen öffentlichen Bortrag mit folgender Aussprache über„Die Zukunftsschule und ihre volkSorganischen Einrichtungen' hält Herr Berthold Otto heute abend 8 Uhr, im Festsale deS Charlotten» burger Rathauses(Wilhelmplatz). — Henry Potoniö, der Botaniker, Paläontologe und Geologe der Berliner Universität, ist 56 Jahre alt gestorben. Er war ein reger Forscher, immer bedacht, nicht in enges Fachgelehrten- tum zu verfallen, sein naturwissenschaftliches Anschauen philosophisch zu vertiefen und das Interesse für die Beschäfsigung mit Natur- Wissenschaft in weiten Kreisen anzufachen. Seine„Illustrierte Flora von Nord- und Mitteldeutschland" brachte es zu einer weiten Verbreitung. Er lehrte auch an der Humboldt-Akademie. — Ein Reichskinoverband wurde gestern von Ber- tretern der Verbände deutscher Lichtspieltheaterbesitzer gegründet. — Ein beachtenswerter Anfang. Unter dem Titel „Revolution" ivurde in München eine Zeitschrift gegründet, in der sich die neue schriftstellerische Jugend betätigen will. Gleich die erste Nummer wurde beschlagnahmt; wie vermutet wird, wegen einer erotischen Erzählung. — Die Internationale Baufachaus st ellung Leipzig wurde gestern offiziell geschlossen. Man gab der Ueber- zeugung Ausdruck, datz die Ausstellung als ein Markstein m der Geschichte des Bauwesens fortleben werde. lich crachiet). Endlich sollen auch Sonnenbäder im Gelände bor- gesehen werden. Die neue Anstalt soll den Namen..Heilstätte in Buch" erhalten.— Der Referent macht im besonderen � noch Mitteilung von der Erörterung der Kosten frage im Ausschuß. Vielfach sei beanstandet worden, daß der Bau zu teuer sei; überhaupt könne und müsse billiger gebaut werden. Der Magistrat habe aber nachgewiesen, daß, zumal angesichts der polizeilichen Anforde- rungen an Krankenhausbauten, nicht billiger gebaut werden könne. Stadtv. Cassel(A.£.) knüpft an diese Erörterung an. Die Krankenhäuser würden viel zu teuer gebaut. Das Bett in dieser Heilstätte koste 8500 M.(Hört! hört!) Selbst Aerzte beklagten diese große Teuerung, die geeignet sei, die Vermehrung der Anstalten zur Krankenpflege zu hemmen. Die Heilstätte solle 1 Pavillons(1000 Betten) mit 13 besonderen Verwaltungsbaulichkeiten umfassen. Hier gingen die Ansprüche der Bauverwaltung entschieden zu weit; man könne doch nicht einseitig die Forderungen der Architektonik befriedigen. In der Provinz komme man zum Teil schon mit 1500 M. pro Bett aus.(Beifall.) Magistratsbaurat Matzdorff: Die Bauverwaltung ist nicht selb- tändig, sie ist Dienerin des Banprogramms. Ebenso entscheidend sprechen die von der Polizeibehörde für den Bau von Kranken- Häusern neu erlassenen Vorschriften mit; Anträgen auf Erleichte- rungen ist nicht stattgegeben worden. In Buch wird teurer gebaut als in Berlin, weil die Materialtransportkosten sehr ins Gewicht fallen. Die Zahl 1500, die von einem Mimsterialbeamten aus dem Ressort des Innern stammen soll, ist wohl kaum ernst zu nehmen; auch bei einfachster Bauart kommt man auf einen Mindest- satz von 5200 M. pro Bett. Natürlich wird die Bauverwaltung redlich bemüht sein, das hier Gehörte zu beherzigen. Stadtv. Körte(fr. Fr.) schließt sich im wesentlichen diesen Aus- führungen an. Auch er wünscht die Kosten herabzudrücken, glaubt aber, zumal in Rücksicht auf die polizeilichen Anforderungen und auf die Vorschrift der landhausmäßigcn Bebauung in Buch, nicht an einen Erfolg. Im übrigen hält er im Gegensatz zu Cassel die projektierte Vielheit von Gebäuden im Interesse der Kranken wie der Beamten, Aerzte usw. für notwendig. Stadtv. Cassel tritt dem Vorredner und dem Magistrats- Vertreter bezüglich der Kosten entgegen. Die Kluft zwischen 1500 und 8500 M. gähne doch zu sehr. Es könnten sehr Wohl auch mehrstöckige Beamtenwohnhäuser errichtet werden, ohne daß man an Mietskasernen zu denken brauche.(Beifall.) Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Wir haben stets verlangt, daß die Kranken in unseren Anstalten aufs beste untergebracht werden. Als wir die Vorlage erhielten, waren aber auch wir auf den ersten Anblick erschrocken.(Hört! hört!) Aus dem Tuberkulosekranken- jaus, das nach der Absicht der Krankenhausldeputation als Ergänzung der drei anderen Krankenhäuser dienen sollte und nach ihrer Meinung billiger als jene eingerichtet werden konnte, ist eigentlich ein viertes selbständiges Krankenhaus geworden. Wir haben wieder- holt gefragt: Muß das sein, geht es nicht an, es billiger zu machen? Die Verwaltung hat geantwortet, es gehe nicht anders. Nun hat der Wirkliche Geheime Ober-Medizinalrat Kirchner, der Chef der preußischen Medizinalverwaltung, tatsächlich einmal geäußert, er mache sich anheischig, ein Bett in einem Lungenkrankenhause für 1500 M. herzustellen. Dieser Beamte ist doch auch für die erlassenen allgemeinen Vorschriften verantwortlich, welche uns zwingen, so teuer zu bauen. In der Deputation ist uns nachgewiesen worden, daß die Zahl 1500 nur so hingeworfen fein kann. Für die hohen Kosten kann man die Krankenhausdeputation nicht verantwortlich machen. Auch wir sind nicht dafür zu haben, ohne Not Gelder zu vergeuden, schon weil wir ein Interesse daran haben, daß noch viel mehr Krankenhäuser und Heilstätten errichtet werden; auch wir wollen Billigkeit und Sparsamkeit an der rechten Stelle. Stadtv. May(N. L.). Auch wir hätten den Wunsch gehabt, billiger wegzukommen, aber an dieser Stelle scheint eS nicht zu gehen; hoffentlich kommt eS in Zukunft dazu. Stadtv. Körte verwahrt sich gegen einig« Bemerkungen de» Stadtv. Cassel und nimmt für sich das bessere Urteil in Baufragen in Anspruch. Nach einer kurzen Erwiderung des Stadtv. Cassel gelangen die Äusschußvorschläg« zur Annahme. Den Entwurf betr. die Festsetzung von Fluchtlinien auf dem Beerschen Gelände zwischen der Südseite der Wullen- weber st raße und der S p r e e u f e r st r a h e hat der cinge» setzte Ausschutz als einen praktischen Vorschlag zur baulichen Er- schließung dieses Teils der Judenwiese nicht ansehen können, vielmehr einstimmig empfohlen, die Vorlage abzulehnen und den, Magistrat um die Vorlegung eines anderweiten Bebauungsplans zu ersuchen, der eine Mittelstraße im Zuge des Eyke-von-Repkow- Platzes vorsieht. Nach dem Magistratsentwurf sollte das Gelände geschlossen bebaut und nach der Uferstraße nur ein Zugang in Ge- stalt eines noch dazu um 11 Uhr abends abzuschließenden Fuß- Iveges angelegt werden; im Innern der beiden Baublöcke sollten freie Grünflächen angelegt werden. Diese würden nach der Mei- nung des Stadtbaurats Krause in Fortfall zu kommen haben, wenn die vorgeschlagene Mittelstraße zur Ausführung gelange. Der Aus- schuß hat gleichwohl letztere für notwendig erachtet und dafür auch die Rücksichten auf die öffentliche Sicherheit in Betracht gezogen. Den Ausschutzbericht hat Stadtv. Leid(Soz.) erstattet. Auf Anregung des Stadtbaurats Krause wird mit Rücksicht auf die in Betracht kommenden städtischen Interessen beschlossen, die Sache in geheimer Sitzung zu beraten. In den Etat für 1914 sollen die Kosten für zwei elektro- mobile Löschzüge mit zusammen 266 700 M. eingestellt und diese Fahrzeuge nebst einer neuen mechanischen Leiter sofort bestellt werden. Die Versammlung stimmt zu. Der neue Teil des Viktoriaparks auf dem ehemaligen Aufmarschgelände soll schon jetzt mit elektrischen Beleuch- tungSanlagen versehen werden. Die Einrichtung wird 7260, die Unterhaltung jährlich 6350 M. erfordern. Die Summen wer- den bewilligt. Der Gemeindebeschluß von 1908 betr. die Bewilligung von Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung für die ohne Pensionsberechtigung im Dienste der Stadt dauernd beschäftigten Personen soll in einigen Punkten zugunsten der Be- treffenden reformiert werden; andererseits soll auf Grund des An- gestelltenversicherungsgesetzes künftig die Anrechnung der Hälfte de? reichsgesetzlichen Ruhe-, Witwen- und Waisengeldes auf die städtischerseits gewährten Beträge erfolgen. Stadtv. Sonnenfeld(A. L.): Die Verbesserung, daß. nicht nach dem Durchschnitt des Arbeitsverdienstes der letzten fünf Jahre, sondern nach dem des letzten Jahres gerechnet werden soll, könnte für Akkordarbeiter einen Nachteil bringen, den wir durch eine ent- sprechende Aenderung ausschließen wollen. Ebenso wollen wir die Sicherheit schaffen, daß das Ruhegehalt wieder erhöht werden muß, wenn die Invalidenrente fortfällt, und beantragen, Z 10 demgemäß zu ändern. Stadtrat Fischbeck erklärt sich mit der ersten Abänderung ein- verstanden und bemerkt bezüglich der zweiten, daß der Magistrat auch bisher schon so verfahren sei, wie jetzt ausdrücklich in das Statut hineingeschrieben werden solle. Stadtv. Goldschmidt(N. L.) beruft sich auf gegenteilige Er- fahrungen von Arbeitern und hält die Annahme des Antrages Sonnenfeld für durchaus erforderlich. Insbesondere kämen hier Arbeiter der Straßenreinigung in Frage. Der Magistrat habe wiederholt derartigen Streitfällen die Arbeiter veranlaßt, bis au die oberste Instanz des Reichsversicherungsamts zu gehen. Eine solche Praxis, die geeignet sei. den betreffenden Arbeiter zu be- nachteiligen, habe die Versammlung nicht gewollt. Stadtrat Fischbeck glaubt, daß es sich hier doch vielleicht um Mißverständnisse handele, und sucht im übrigen das Verfahren der Verwaltung zu rechtfertigen. Stadtv. Sonnenfeld: Auch mir sind derartige Fälle mitgeteilt worden; sie stammen allerdings aus einer Zeit, wo der Stadtrat Fischbeck beurlaubt war. Stadtv. Koblenzer(Soz.): Wir waren entschlossen, für die un- veränderte Vorlage zu stimmen. Nun sind hier Fälle vorgeführt worden, in welchen Arbeitern das Ruhegehalt gekürzt wurde, obwohl sie nicht im Besitz der Invaliden- rente waren. Das hätten wir nicht für möglich gehalten, und um so etwas in Zukunft zu verhindern, werden auch wir für den Antrag Sonnenfeld stimmen. Die Vorlage wird mit den Amendements Sonnenfeld ange- nommen. Für das am 1. Januar 1914 auf Grund der Reichsversicherungs- ovdnung einzurichtende„Versicherungsam t", die gemein- same untere Verwaltungsbehörde für alle Versicherungszweige, sollen in dem dem Gemeindekirchenrat der Parochialkirche gehörigen Hause Klosterstr. 65/67 Räume auf fünf Jahre für jährlich 33 000 M. gemietet werden. Stadtv. Hintze(Soz.): Wir begrüßen die Vorlage, weil sie uns die Vereinigung der städtischen Bureaus für die gesamte Arbeitcrversicherung bringt. Wir halten auch den geforderten Mietspreis für angenommen. Ich nehme das Wort nur, um an einen von uns schon im April 1908 gefaßten Beschlutz zu erinnern, der den Magistrat aufforderte, uns wegen Errichtung eines dritten Verwaltungsgebäudes Vorschläge zu machen. Ueber fünf Jahre sind seit diesem Beschluß vergangen, ohne daß wir auch nur«ine Antwort erhalten hätten.<Äit jener Zeit ist eine große Menge von Räumen für städtische Verwaltungszwccke weiter angemietet worden. Die Vorlage wird genehmigt. Das Grundstück T i e ck st r. 19 soll zum Preise von 150 000 M. zu Feuerwehrzwecken angekauft werden. Die Versamm- lung gibt ihre Zustimmung. Für die innere Einrichtung des Neubaues der vierten Irrenanstalt Buch werden 850 000 M. gefordert. Stadv. Zylicz(A. L.) bittet den Magistrat, die Jnventarstücke für die neue Irrenanstalt möglichst bald in Bestellung zu geben, damit auch auf diesem Wege der großen Arbeitslosigkeit abgeholfen werden könne. Stadtv. Brunzlow(A. L.) macht Reformvorschläge für die Ver- gebung der Lieferungen. Es sei nicht immer richtig, dem Mindest- fordernden die Arbeit zu übertragen; eS würden bei Submissionen oft Preise offeriert, die keine anständige Ausführung garantieren. Die Summe wird bewilligt. Für einen besonderen Diphtherie-Pavillon und für die Erweiterung des BadehauseS beim Kranken- hause im Friedrichshain sind Vorentwürfe aufgestellt, die zusammen zirka 311600 M. Ausgaben erfordern werden. Ebenso liegt der Vorentwurf zum Neubau einer Gemeinde- doppelschule mit Hilfsschule und Geräteidepot für die Park- Verwaltung in der Mandel st raße(nahe der Weißenseer Grenze), Kostenüberschlag 903 000 M., vor. Die Versammlung genehmigt die Vorentwürfe ohne Debatte. Der spezielle Entwurf zum U m- und Erweiterungs- bau der 82./90. Gemeinde schule an der Turm st r. 75 liegt vor. Der Kostenanschlag schließt mit 334 000 M. ab. Auch dieser Entwurf wird ohne Debatte genehmigt. Schluß der öffentlichen Sitzung nach 7 Uhr. Genoflenfckaftlickes. Der Kampf gegen die„Bolksfürforge". Von den zur Schwächung und Bekämpfung der„Volksfürsorge* ins Leben gerufenen Gesellschaften hatten wir am Sonnabend in»- besondere die„Deutsche Volksversicherung A.-G. Berlin* hervor- gehoben und hierbei erwähnt, daß Dr. Kapp diese ins Leben gerufen hat. Herr Kapp teilt un« mit. daß nicht er die genannte Gesell« schaft ins Leben gerufen habe. Zu dieser Mitteilung wählt er die Form einer„Berichtigung* unter HmweiS auf§ 11 des PreßgesetzeS und benutzt die Gelegenheit, seinen Verband anzupreisen, den er für nicht kapitalistisch hält. Wiewohl wir zur Aufnahme dieser Be- richtigung nicht verpflichtet wären, tellen wir sie nachstehend wörtlich mit: „In dem im„Vorwärts*(Nr. 280 vom 25. Oktober er.. 1. Beilage) erschienenen Artikel„Vom Kampf gegen die Bolksfürsor�e" wird behauptet, daß die„Deutsche Voltsversicherung A.-B. Berlin* durch den General-LandschaftS-Direktor, Geheimen Ober-RegierungS- rat Dr. Kapp, Königsberg, ins Leben gerufen worden sei. In Verbindung mit der Angabe wird auf den kapitalistischen Charakter der Gesellschaft hingewiesen. Es ist unzutreffend, daß ich die„Deutsche Volksversicherung A.-G.* inS Leben gerufen habe. Richtig ist vielmehr, daß ich der Vorsitzende deS„Verbandes öffentlicher LebenSverficherungsanstalten in Deutschland*, Sitz Berlin, hin. Dieser Verband umfaßt die von den Provinzen, Feuersozietäten und Landschaften errichteten öffentlichen Lebensversicherungsanstalten und hat auch eine öffent- liche Volksversicherung sich angegliedert, die ebenso wie der Ver- band selbst keinen kapitalistischen, sondern gemeinnützigen Charakter ohne Erwerbszwecke aufweist. Die„Deutsche Volks« Versicherung A.-G.*, eine von 30 privaten Lebensversicherungen ge- gründete Gesellschaft, ist an der öffentlichen Volksverficherung nicht beteiligt und steht mit ihr in freiem Wettbewerb.' Davon, daß Herr Kapp die„Deutsche Volksversicherung A.-G. in Berlin' nicht inS Leben gerufen habe, nehmen wir Akt. Aber die„öffentliche Volksverficherung' des Herrn Kapp halten wir für genau so wenig empfehlenswert wie die Gesellschaft, von der wir irrtümlich annahmen, auch sie sei ein Kind deS vielseitigen Herrn Kapp._ Jugendbewegung. Wie die bürgerlichen Jugend„pfleger" arbeite«. In Düsseldorf fand während der letzten Tage ein Kongreß zur Fortbildung von Jugendpflegern und-Pflegerinnen statt, ver- anstattet von den Machern der nationalen Jugendbewegung. Man hörte während dieser ganzen Zeit, vom Morgen bis zum Abend, weiter nichts wie Vorträge— es waren deren ganze 28—, die von Schulmännern, Pastoren, Aerzten, höheren Beamten und ähn- lichen Leuten gehalten wurden— sogar der Generalfeldmarschall v. d. Goltz hatte sich den Sprechern beigesellt!— und alle möglichen Dinge der Jugendbewegung betrafen, von Haushaltungs- und Näh- kursen an, über Berufsberatung und Alkoholgefahr, Turnen und Wandern bis zur staatsbürgerlichen Erziehung, Pflege der Religion und zu Kriegsspielen. Der Andrang zu diesen Vorträgen war eine ziemlich großer— es sollen nacheinander mehrere tausend Personen dagewesen sein, darunter die meisten aus ganz West- deutschland—, doch bestand das Publikum' natürlicherweise allein aus Angehörigen der besseren Stände, noch dazu meist weiblichen Vertretern und— sehr vielen Geistlichen. Zugleich mit dem Kongreß fand ein« Ausstellung von Gebrauchsgegenständen der Jugendbewegung statt, wie Spielen, TurngerÄen. Lichtbilder- apparaten und ähnlichem; außerdem gingen verschiedenerlei Be- sichtigungen vor sich. Um schließlich den Zuhöhrern die Strapazen noch mehr zu erleichtern, war ihnen freie Fahrt auf der elektrischen Bahn, freier Eintritt in die Museen und ermäßigter Preis beim Besuch der Theater gewährt worden. Was die Hauptsache, die Vortragsmenge, enthielt, darüber braucht wohl bei dem„Zweifels- freien" Charakter dieser ganzen Veranstaltung nichts Näheres mit- geteilt zu werden. Es genüge die allgemeine Bemerkung, daß die Ausführungen sämtlicher Redner mehr oder minder stark und deutlich auf den Ton gestimmt waren: Kampf gegen die freie Jugendbewegung, die heranwachsenden Generationen für uns!—. daß sich aber auch hierbei wieder der Zwiespalt zeigte, der sich zwischen der konfessionellen und sozusagen weltlichen Richtung der nationalen Jugendbewegung aufgetan hat, da der Staat die ganze Jugend für sich haben, in« Kirche aber ihr« konfessionellen Verein« nicht geschwächt sehen möchte. Diese ganze Veranstaltung nun braucht man, wie alle ihre»- gleichen, durchaus nicht zu überschätzen. Wir tun aber auch gut, sie nicht zu unterschätzen, denn zweifellos zeugt alles das minde- stens davon, daß unsere Gegner sehr eifrig an der Arbeit sind, Patriotische Schundliteratur. Gelegentlich eines Vortrages, den Herr Lehrer Schulz in Magdeburg im Verein der Schreibwarenhändler über„Schund, literatur und Mittel und Wege zu deren Be, k ä m p f u n g" hielt, nannte der Vortragende folgende Hefte: Durch Länder und Meere; Heinz Brand, Der Fremdenlegionär; Ein neuer Robinson; Argus, Moderne Bibliothek; Der Reue Lederstrumpf; Das Kleine Familienblatt; Bibliothek der Geheim- nisse; Von deutscher Treue; Unter Deutscher Flagge; Unter Fahnen und Standarten.— Der Versammlungsbericht bemerkt:„Interessant war es zu hören, das letztere patriotische Bücher als Schundliteratur bezeichnet werden, obgleich Generäle dieselben empfohlen haben! Redner kann nur annehmen, daß die Generäle die Bücher gar nicht gelesen haben." Wir haben sogar die �Auffassung, daß es bei uns wohl Generäle geben mag, die diese patriotischen Schundhefte mit Freude gelesen und empfohlen haben, weil eben den Ueberpatrioten jedes Mittel zur patriotischen„Ertüchtigung" der Jugend recht ist. Em Industrie und F>andel. Dir Konjunktur auf dem Eisenmarkt. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung* sucht in einem Situationsbericht über den Eisenmartt nach- zuweisen, daß der Tiefstand der Preise bereits erreicht sei und eine Besserung in Beschäftigung und Preisen zu erwarten sei. Diese Schilderung muß optimistisch erscheinen gegenüber den Mitteilungen, die vom Stahlwerksverband über die Geschäftslage gemacht werden. In Halbzeug war nach Freigabe des Verkaufs für das letzte Viertel- fahr der Abruf der inländischen Abnehmer etwas reger. Die Be« schäftigung der Verbraucher ist indessen anhaltend unge- n ü g e n d und vielfach mußten Betriebseinschränkungen vorgenommen werden. Der Auslandsmarkt liegt ebenfalls ruhig; doch ist ein Teil der Kundschaft noch für einige Zeit gut beschäftigt und dementsprechend der Abruf in Halbzeug zufriedenstellend. Der Abruf in Grubenschienen hat etwas nachgelassen, und namentlich der belgische Wettbewerb sucht durch Konzessionen im Preis sich Arbeit zu verschaffen. In Rillenschienen kommen fortlaufend Geschäfte herein, so daß für die Rillenschienenwerke für eine Reihe von Monaten genügend Beschäftigung vorliegt. Die Marktlage in Formeisen bleibt nach wie vor sehr schwach, weil der Handel in seiner bisherigen Zurückhaltung ver- harrt und nur die dringendsten Mengen bestellt. Der fort- gesetzt teuere Geldstand besonders läßr eine regere Nachfrage nicht aufkommen, und auch von der kürzlich erfolgten Herab- sctzung des Reichsbankzinsfußes um Vz auf 5V2 Prozent dürfte vorläufig in Rücksicht auf die vorgeschrittene Jahreszeit eine Besserung der Verhältnisse auf dem Baumarkte nicht zu erwarten sein. Auf dem Auslandsmärkte ist die Lage ähnlich. Nach den eingehenden Berichten konnte sich infolge der unbefriedigenden Lage des Geld« markteS und der Unmöglichkeit, Geld zu annehmbaren Sätzen über« Haupt zu beschaffen, die Unternehmungslust nicht entfalten, sodaß auch hier der Auftragseingang zurückgegangen ist. Die Berliner Stadeisenvcreinigung und das Baueisenverkaufs- kontor haben sich in später Nachtstunde auf vier Jahre verlängert und werden in der Folge die Namen„Berliner Baueisen-Kontor* und„Stabeisen-Berkaufskontor-Berlin* tragen. Den Mitgliedern des Berliner Stabeisen-KontorS ist ein vorzeitiges Kündigungsrecht vor- behalten für den Fall, daß ein aufttetender Lager haltender Außen- seiter die Kreise der Bereinigung stören sollte. Gericdrs- Deining. Die Handhabung des«liberalen" LrrrinSgesetzeS in Erfurt. Bei Beratung des Vereinsgesetzes im Reichstage haben die Vertreter der Verbündeten Regierungen und der Mehrheitsparteien wiederholt erklärt, daß es im freiheitlichen Geiste gedacht und ohne alle Kleinlichkeiten und Schikanen ausgelegt und gehandhabt werden solle. Wie diese freiheitliche Handhabung in der Praxis aussieht, beweist erneut eine Verfügung, die die Polizeiverwaltung in Erfurt an den Vorstand des dortigen Arbciter-SängerchoreS richtete. Sie lautet: „Durch Beteiligung des Arbeiter-Sängerchores an den vor- kommenden Festlichkeiten des sozialdemokratischen Vereins, durch die Zusammenkünfte des Vereins im sozialdemokratischen Ver- einshaus„Tivoli", durch Annoncieren in der„Tribüne" und den Zwang, daß jedes Mitglied dem sozialdemokrattschen Verein an- gehören muß, ist erwiesen, daß der Arbeiter-Sängerchor poli- tische Bestrebungen verfolgt und eine Einwirkung auf politisch« Angelegenheiten bezweckt. Der Verein untersteht daher den Vor» schriften des 8 3 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1903. Sie wollen daher binnen 2 Wochen die Satzungen des Vereins, sowie das Verzeichnis der Mitglieder deS Vorstandes der Polizei- Verwaltung einreichen und fernerhin jede Aenderung der Satzun- gen und in der Zusammensetzung des Vorstandes binnen 2 Wochen der Polizeiverwaltung anzeigen. Widrigenfalls ihre Bestrafung aus§ 18 des Vereinsgesetzes erfolgen muß. In Vertretung: LüdeckenS." In Erfurt wird wie überall die alte Praxis behördlicher Drang- salierungen auch unter dem neuen Vereinsgesetz fortgesetzt. Und wie man sieht, ist die Erfurter Polizei um Gründe nicht verlegen, wenn es gilt, die Arbeitervereine zu schikanieren. Vor etwa Jahresfrist erklärte sie eine öffentliche Metallarbeitcrversammlung für polittsch, weil der Redner die Anwesenden aufgefordert hatte, sich zu organisieren. Der Vorsitzende erhielt wegen Nichtanmeldung der Versammlung ein Strafmandat und obwohl er vom Land- gericht freigesprochen wurde, setzt die Polizei ihre Nadelstichpolittk fort. Herr von Bethmann Hollweg, der bei Beratung des Vereins- gesetzes als Staatssekretär des Innern die Reichsregierung vertrat, machte liberal klingende Versprechungen und äußerte auch seine Mißbilligung über die polizeilichen Schikanen. Auch beklagte er sich, daß ihm die Opposition kein Vertrauen entgegenbrächte. Aber jedem Vorschlage der Sozialdemokraten, der solche Schikanen für die Zukunft ausgeschlossen hätte, setzte die Regierung heftigen Widerstand entgegen. Alles sollte vertrauensvoll der Justiz- und Verwaltungspraxis überlassen bleiben. Und so ist es denn ge- kommen, daß die Arbeitervereine heute im Zeichen der Jahrhundert, feier der Befreiungskriege wieder vollständig der Polizeiwillkür aus, geliefert sind._ itSttrerungSüderficht vom 30. Ottober 1913. Wetterprognose für Freitag, den 31. Ottober 1918. Zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter und mild bei«äßiW» südlichen Winden, keine wesentlichen Niederschläge. verltner«»tt«»»»»»»«. Theater und Vergnügungen OD D □ Freitag, 31. Ottober 1913. Ansang 6 Uhr. Eines Palast am Zoo. Variete« Lichtspiele. Ansang 6'/, Ubr. EinesNollendorf-Theater.VarietZ- Lichtspiele. Ansang 7 Ubr. Deutsches. Emilia Galotti. Ansang 7'/z Ubr. Kgl. Opernhaus. MadamaButterfly. tigl. Sckanipielhaus. Die Neu« vennäblten. Die zärtlichen Ber- wandten. Röuiggräver Straiie. Brand. Theater am Nollendorfplatz. Der lachende Dreibund. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Mit dem.Imperator" nach New Jork. Hörsaal: Prof. Dr. P. Schwahn: Wasser und Wind als Natur- mcisjel. Lesung. Das Licht scheinet in der Finsternis. Deutsches Kunstler-Theater. Der Biberpelz. ttammeripiele. Bürger Schippet. Deutsches Opernhaus. Die Jüdin. Deutsches Schauspielhaus. Die heitere Residenz. Neues Lperniheater(Kroll). Die Ameiscnhex. Berliner. Wie einst im Mai. Tbniia. Die Tangoprinzesstn. Komödienhaus. Hinter Mauern. Mvntis Operetten. Die ideale Gattin. Theater des Westens. Geschlossen. Schiller O. Wenn der neue Wein blüht. Schiller Charlottenburg. Rosen- montag. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reise um die Welt in 43 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend- haste. Kleines. Belinde. Triano». Seine Geliebte. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Leibusch? Wintergarten. Spezialitäten. Reichsstnllen. Stcltiner Sänger. Eines Apollo-Theater. Bariets- Lichstpieic. Eines Friedrich- Wilhelmstädt. Bariets-Lichtspicle. Aniang Sll, Uhr. Rose. Im weißen Röhl. Lustspirlhaus. Die PuppenNinil. Lniien. Hopsenrats Erben. Folies Caprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adaptiv- lind. Walhalla. Der LiebeSonlel. Aniang 8'/, Ubr. Neues Bolkstheater. Der ledige Hos. Aniang 9 Ubr. AdmiralSpalast. Die luftige Puppe. EinesNollcndors-Theater.Variets- Lichtspiele. »» « Sternn-arte. Jnvalidenstr. S7— 62 Sehiller-Thealer O.IS: Freitag, abends 8 Uhr: Wenn der neneWein bläht Sonnabend, abends 8 Ubr: IMe UroUstadtlult. Sonnlag, nachmittaaS 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Koseninontag._ Sehliier-Theaier c~n" Freitag, abends 8 Uhr: Itosenmontag. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Zopt and Schwort. Sonnabend, abends 8 Uhr: �aAendlkreande. Sonnlag. nachmittags 3 Uhr: vor Piarrer von Kirchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: _ Jasendfreande. KentMchenSchaaMpielhaan 8 Uhr: Tie heitere Residenz. ?'/. u�r: Brand. Komödienhaus. «Uhr- Hinter Mauern. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. nlResidenz-Ttieateu Hoheit— der Franz I Ätusilalische Groteske in 3 Alten von Artur Landsberger und WM Wotfs. Musil von Robert Btnlerbcrg. Morg. u.s.Tage: stosteit— ose 5eanr! Sonniaa, 2. Nov., nachm. 3 Uhr: Vie Frag Prtt»ldcnttn. "Montis Operetten-Theater Schifsbaucrbamm 4a. 8 Uhr: Gastjp. Fritzi Massary. Julius Spielmann: Die ideale Gattin. Operette i. 3 Alten. Theater des Vestens. Heute geschlossen. Sonnabd.: Z. 1. Mali: Poienhiat. Sonntag 3><, Uhr: Otr liebe Augustin. deutsches Jtönstlertheater Sozietät. Nürnberger Straüe 70/71, am Zoo. 8 Uhr: Der Biberpelz. Lessing-Theater. Ansang 8 Uhr. Und das Licht scheinetin der Finsternis Drama von Leo Tolstoy. fheater am Hollendotlplatz 8. 7',, Uhr. Zum 1. Male: 7-/z Uhr. Der lachende Ibreiband. Operette in 3 Alten von L. Jacobson. Sonnab. S'/a Uhr zu kleinen Preisen: Iphigenie anf Tauria.__ 0SE=THEATE 1327] I ang| 'i L? Große Frankfurter Str. 132. Zu der heutigen Vorstellung _. Im weißen RUss■ sind sämtliche Billetts bereits vergriffen. Morgen: Im weißen Röss'l. Sonnabendnm. 4 Uhr: Aschenbrödel. Scnntagnachm. 3 Uhr: lltbelle. Miss Caprice. Anfang t'U Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Voigt- Theater Badstras?e 38. Freitag, den 31. Ottober 1913: Historisches Drama in 5 Auszügen von Fr. Tietz. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Xene Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108/14. Sonntag, 2. November 1913: lUSj- Operetten-Gastsp. Durchschlagender Erfolg des Wetropol-TheaterS. Die Hino-Äönigm. Operette in 3 Akt. o. Jean Gilbert. Vorverkausbilletts v. 0,60— 1,50 M. bei Loeser u. Wolff, Neukölln, Berliner Str. 1;.Bäck mann. Neu- kölln, Bergstraße Ecke Rosenstraße, und im Restaurant„Neue Welt". jilnsjnifjc�fajscncw� Es hat sich noch keiner totgelacht. Aber! Aber! t 1 Dil gell Man krümmt sich vor Lachen über die f Schwank in 4 Akten von Julius Hopst u. Alex Engel. Regle: Mux Hack. in der Titelrolle: 3Iadge I-esslng. Außerdem die letzten Sturzflüge des rs auf demFlugplatzlohannisthal am 29. Oktober 1913. Eigene Aufnahme der MArmorhaus-Lichtspiele. Vorstellung 5, 7,» Uhr. :: Berliner:: Konzerthaus Jr»Clon" «fc' l*'»» MauerstraOe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes Doppel-Konzert! Berliner Konzerthaus-Orcbester. Leitung: Komponist Frz.». Blon. Als Gastdirigent; Hofkapellmeister Prof. Traugott Ochs. Musikkorps des I. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.: Oberm. Baarz. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gf.«Aeh!NittAg8'K0viert �Ewt�tt."' Brauerei Friedrichshain am Königstor. Oekonom: Emst Liebing. Heiterer Künstler-Abend. Sensations-Programin. Anfang 8 Uhr. Entree 39 Pf. DW- Der Circus ist gut geheizt."WU Neukölln s�dpiatz: Sportplatz Mgerstrsks Ecke Fannlepstraße. Circus Barums Schau Dienstag, den 4. November, abends 8'/» Uhr: Gala-Prcmicrc mit tiuem jeder Konkurreu; die Spitze bietelldeu Damm eine Stätte des Sportes! Ein Marstall edelster Rastepferde! Araber, Goldfüchse. Tiacrpferde, Hannoveraner, Ungarn- Trakehner, Shctland-Ponies, Esel, Hundemeute«. Ifamm eine Weltschau! Grönlands eisige Bewohner. Eine ganze Meute dreifferter Polar-Efsbliren. Eiuropa Schulreiterei. Freiheits-Dressureu in höchster Vollendung, F/liegende Mensche»„Die Könige der Lüfte*. Jockeys. Saltomortalreiter, Reitkünstler und Reitkunstlerinnen, erstklassige Clowns und Augnste. Hamm ein technisches Wunder. 5 Ries en-Zeltanlage«. von denen das Blcson-Zuschaiicrxelt 40 Itetep Durchmesser hat und 4300 Personen faßt. Ständige Sonderzüge von mehr als vv Achsen. 2 Lichtmaschinen, Automobile, eigene Feuerwehr mit Handdruck- spritzen und Feuerlösch-Apparate«. Ein organisiertes Personal von mehr als 1VG Personen. Insgesamt ca. 40 Transport-, Menagerie-, Bureau-, Kassen- und Salonwagen. Galerie III. Platz(letzter Sitz- vlatzi..... II. Platz..... Billige Eintrltts-Preise: l. Platz..... Sperrsitz(numeriert) Parkett. Logensitz S0 Ps. 80 Ps. 1.- M. 1,50 M. 2,— M. 2,50 M. 3,— M. Kinder und Militär bezahlen zu den Abendvorstellungen volle Preise, nur zu den Nachmittagsvorstellungen ganz kleine Preise laut Extrazettel. Killetts für Nachmittags nur an der Circuskaffe. Oeffentliche Besichtigung der Menagerie und Proben mit Mufik täglich von iv Illir morgens an. Anschließend EUtteenng der Raabtiere. Billett-Vorverkauf: ZigavrenhauS Richter& Frauke, Hermannplatz, Ecke Weser ftraße. Vereinigt« Berliner Volksbühnen. Enisen-Theater. Freitag 81/. Ubr: Hopfenraths Erben. Bclksstück mit Gesang in 5 Akten. TaubenstraDe 48/49. 8 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Hörsaal 8 Uhr: Pr.of. Dr. P. Schwahn: Wasser und Wind als Naturmeiüel. Zirkus Busch. Heute Freitag, den 3l. Oktober, abends T1/, Uhr: Humoristischer Gala-Abend. llie urkomischen Menschen-Affen aus Karl Hagenbecks Tierpark. Ferner zum letzten Male das große Oltober-Programm. Zum Schluß: Die neue gr. Ausstatt.-Pantomime Aus unseren Kolonien. Sonntag: 2 grobe Gaia- Vorstellungen. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahren frei. In beiden Vorstellungen Hagen- becks lustiges Schimpansen-Trio. j>ie Walhalla-Theater. Täglich 81/. Uhr: Der Eiebesonkel. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Palast am Zoo Täglich Anfang 6 Uhr. Sonntags 3 Uhr JH a 1 1 n 6 e. Komplettes Programm grosser Vartetö-Akte sowie unsere renommierten Lichtspiele Preise von 65 Pfennig an. Apollo-Theater Täglich Anfang 8 Ubr. Komplettea Programm grosaerVarlCt�-Akic sowie nnsere renommierten Llehtsplelo Preise von 65 Pfennig an.' Tägl. nachm. VaS Uhr: Lieh tsplel- Vorstellungen ■Nur zwei Preise 35 Pfennig und 60 Pfennig Friedr.-Wilheimst. Comlesse Ursel Film-Luatspiel mit Henny Porten u. unsere anderen renommierten LichtBpiele Ununterbrochene Vorstellung täglich von 4 Uhr an. Nur zwei Preise 35 Pt. und QO PI. Keine teureren PlSIze. Nollendorf- Theater Cleopatra Die Herrin des Nils Das Fllmwnndor der Well Wochentags Anfang 61/, u. 9 Uhr Sonntags 4, 60, und 9 Uhr. Jugend-Vorstellung Mittwoch und Sonnabend 4 Uhr zu bauten Preisen. Metropol-Theater Abends 7 Uhr 55 präzise: Gr. Ausstattungsst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung des lulos Vome'jchen RomaneS von JniiirM Freund. Musik von Jean Crilbcrt. In Szene gef. v. Dir. Richard Schultz. Karl Baclunaim. Joseph Giampietro. Guido Thielscher, illred Schmasow. Leopold WolL Ludwig Woll. Helene ßallot. IdaRusska. J. de Lande. Neu! Von g— 1 Uhr: Neu! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. 2 Kapellen. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Tom« Geliebte. Tischler-Verein äu Berlin. - E. H. 89. � Sonnabend, den 1. November, feiert der Verein sein 4«, Ttistmigsfest in 21. Kliem« großem tiaal, Hasenheide 13— 15. Künstler- Konaert Berliner Elk-Trlo— Ball. Eintritt 50 Pf. Anfang 81/, Uhr. Tanz frei. Freunde und Gönner deS Vereins ladet ein Der Vorstand. KL. Die nächste Versammlung findet am 15. November im Gewerk- schastsbause statt._ 293/8 Zlrkns Aib. Schumann. Heute Ereita. abend den 31. Oktober, VI, Uhr: Große Sport-Vorsteiiung, MM- Nur noch kurze Zeit! 10 Bengal-Königs-Tiger 10 vorgeführt von Herrn Sawade. Zoolog-Potpourri. Miß Octavia. Die Schleuderfahrt im Luftschiff! Mr. Winghart. Um 9'/, Uhr:-M« vor Gericht! Pantomimen-Burleske in 3 Akten mit Gesang u. Tanz. u Tango Casino s Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Possen-Schlager Ferdinand der Tugendhafte. Das droll. Stück seit Bestehen d. Theat. Vorher das erstll. Spezialität.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Slntterliebe. Passage-Panoptikam Mundmaler Scbaldis der Katael ohne Arme bei seinen Arbeiten. liebend zu sehen! Und die anderen Altraktienen. Die große tele-" von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Kastanien-Allee 7—9. 2.Oper.-Gastsp.(Dir.Steiner Todes-Anzeigen Am 28> Oktober verstarb unser Enkel und Bräutigam, der Ziseleur IBricd Lindemann im vollendeten 26. Lebensjahre, nach achttägiger schwerer Krankheit. vis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. November, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhofes in Steglitz, Bergstratzc, aus statt. Kranzspenden höslichst verbeten. Oeutseber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Ziseleur IBridi Lindemann Friedrichsseide, Walderseestr. 24, am 28. Oktober an Bauchfellentzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoscs in Steglitz, Bergstrage, aus statt. Ferner starb der Schlosser unser Mitglied, Max Wittwer Tegeler Str. 51/52, am 28. d. M. an Magenleiden. Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Oktober, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Dankes-Kirchhoses in Nemickendors-Wcst aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Mechaniker Fritz Becker Hübnerstr. 2, am 29. d. Mts. an Nervenleiden. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. November. nachmittags 3'/, Uhr, vom Trauer- Hause, Hübnerstr. 2, aus nach dem Georgen-Kirchhose in der Landsberger Allee statt. Rege Beteiligung wird erwartet Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Mecha- niker Heinrick Fischer gestorben ist. Ehre ihre« Andenke« l 128/16 vie Ortsverwaltung. VerhandderSattleru.Porteieiilller Deutschlands. OrtSverwaltung Berlin. De« Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mtglied, der Portcieuiller Otto Wolft Werkstatt Julius Schloß verstorben ist. Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. November, nachmittags 1»/, Uhr, von der Leichenhalle des Emmans- Kirch- hoseS, Neukölln, Hermannstraße, aus statt. 158/6 Die Ortsverwaltung. Arheiter-Mandolinen-Klub „Widerhall". Di a c Ii r n f. Allen Freunden zur Nachricht, daß unser treuer Freuud Oeorg Richter plötzlich durch Unglücksfall ver- storbe« ist. �,, Chre seinem Andenke«! 2gZ/g ver VarntanS. BEiraiiEiiinia Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten MmineS Joseph Lange sage ich allen Kollegen, sowie dem Deutschen Metallarbeitcrverband, ins besondere der Firma Siemens u. Halskc und deren Beamten meinen herzlichsten Dank. 7gA Die trauernden Hinterbliebenen Frau Ww. Lange Bekanntmachung. Zu der am Freitag, den 7. November er., abends 7 Uhr, im Restaurant Lehmgrubner zu Adlershof, am Bahnhof stattfindenden 278/15 Ortleatliclioa. General-Versammlung laden wir hiermit die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber ei». Tagesordnung: 1. Betrifft Zurückziehung unseres Antrages auf.Ausgestaltung der Kasse als allgemeine Ortskrankenkasse' vom 27. Dezember 1912. 2. Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. 3. Sonstige Kassenangelegcnheiten. Zldlershos, den 29. Oktober 1913. Idvi- Vorstamt. Max Knappe, Vorsitzender. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10— T,5— 7. Sonntags 10— 12. 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Selbständige Anträge von kommunalfrcisinniger Seite, welche Aufbesserung der wirtschaftlichen Lage der städtischen Arbeiter betreffen, gibt es nicht. Immer erst bedurfte es der Jnitia- >!-e der sozialdemokratischen Vertreter, um die bürgerliche Mehr- Herl der Stadtverordneten vorwärts zu treiben. Das lehrt der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der am L8. September 1911 verhandelt wurde und welcher eine Teue- rungszulage für städtische Arbeiter und Ange- st e l I t e forderte. Dieser Antrag, der in einen Ausschutz verwiesen wurde, gelangte in der Sitzung am 9. November 1911 in der Form zur Annahme, datz den Kategorien städtischer Angestellten und Ar- bcitern, welche bei den bestehenden Teuerungsverhältnisscn mit ihren Zlelehältern resp. Löhnen ohne Gefährdung ihres Unterhalts für sich «nd ihre Familien nicht auskommen können, eine angemessene Teuerungszulage zu gewähren sei. Um das Verhältnis zwischen der Stadtgemeine und ihren Arbeitern einer grundsätzlichen Regelung zu unterziehen, verlangte die sozialdemokratische Fraktion in der Sitzung vom 3. Oktober 1912 den Abschlutz eines kollektiven Arbeitsvertrages für die städtischen Arbeiter und A n g e st e l l t e n. Selbstverständlich soll der Abschlutz zwischen den Organisationen städtischer Arbeiter und der Stadtgemeinde er- folgen. Der Antrag stictz auf allen Seiten erneut auf Widerspruch, wie das bereits einem gleichen Antrage in der Sitzung am 39. März 1911 ergangen tvar. Gegen den Tarifgedanken an sich, erklärten verschiedene Freisinnige, wolle man nichts einwenden, aber eine Stadtgemeinde könne sich auf solche tariflichen Abmachungen nicht einlassen. Der alte.,Herr-im-Ha'.lse"-Standpunkt! Dabei mutz dieselbe Stadtgcmeinde auf Grund ihrer eigenen Subinissions- bestimmungen Privatunternehmern die Zahlung tariflicher Löhne zur Pflicht machen. Aber was für Privatunternehmer gilt, soll für die«tadtgcmeinde nicht gelten. Und der Harmonieapostel Gold- schniidt, der sonst nicht genug sich rühmen kann, datz er ein alter Verfechter des Tarifgedankcns sei, war mit bei der Partie! Die Stadt könne mit Arbeiterorganisationen keine Abschlüsse machen. Um seine widerspruchsvolle Haltung einigermatzcn zu verdecken, richtete dieser Arbeitervertreter in der Sitzung am 3. Oktober 1912 heftige Angriffe gegen die freien Gewerkschaften unter Benutzung einer Serie von erschwindelten, vorn Reichsverband produzierten Terrorismusfällen. Ganz wie die«Scharfmacher, denen das Koali- tionsrccht der Arbeiter ein Dorn im Auge ist. Selbst wenn ein Teil von diesen vorgetragenen Gruselgeschichten sich teilweise als wahr herausstellen sollte— in Wirklichkeit stimmt nicht eine einzige Behauptung— so würde das auch nicht das geringste Argument für die Ablehnung des Abschlusses eines kollektiven Arbeitsvertrages durch die Stadtgemeinde bedeuten. Bezeichnend ist die weitere Behandlung der Angelegenheit. Die Stadtverordnetenversammlung bcschlietzt die Einsetzung eines Aus. schusses, der dem sozialdemokratischen Antrage ein stilles Begräbnis bereiten soll. Hier gelingt die Annahme eines Antrages, den Magistrat aufzufordern, vom AuSsckutz des Berliner Gewerbe- gerichtS ein Gutachten einzuholen, ob sich der Abschlutz eines Tarif- Vertrages zwischen der Stadtgemeinde und den in Betracht kom- mewden Arbeiterorganisationen empfiehlt. Der Magistrat lehnt es aber ab, diesen Weg zu betreten mit folgender Begründung: „Wir halten das Gewerbegcricht nicht für kompetent, ein Gut- achten über die strittige Frage zu erstatten, ob Tarifverträge die geeignete Grundlage für das Arbeitsverhältnis der im öffent- lichen Dienst beschäftigten Personen bilden, glauben vielmehr, datz die Stadtverwaltung selbst dazu berufen ist, über diese Angelegen- heit«in Urteil zu fällen." Soweit es sich um die Arbeiterverhättnisse handelt, legte der Magistrat bei dieser Gelegenheit am 5. Dezember 1912 ein Regulativ vor, welches diesen Ausschüssen eine grötzcre Selbständigkeit als bisher gab. Die Stadtverordnetenversammlung sekundierte dem Magistrat und gab am 6. Dezember 1912 von neuem kund, datz sie von Tarif- Verträgen in der Stadtgemeindc nichts wissen will. Und so war es nur noch eine Formalität, datz der. sozialdemokratische Antrag auf Abschlutz eines kollektiven Arbeitsvertrages mit den städtischen Ar- beitern in der Sitzung vom 13. März 1913 vom Plenum der Stadtverordnetenversammlung gegen die Stimmen der sozialdemokra- tischen Vertreter abgelehnt wurde, obwohl wir uns auf Männer wie Berlepsch, Brentano, Franke, Wilbrandt berufen konnten. Um aber erneut der Erörterung von Arbeiterfragen auf eine Zeit aus dem Wege zu gehen, setzte der Magistrat in den Etat 1913/14 eine Summe von 1 Million Mark für Lohn- erhöhungen ein, mit welcher Summe die Anfangslöhne um 29 Pf. pro Tag erhöht werden sollten. Lietz dies« Summe bei der grossen Zahl städtischer Arbeiter manches zu wünschen übrig und stellte sich bei der Verteilung der Gelder manche Unebenheit heraus, so kann ohne Uebcrtreibung gesagt werden, datz dem fortgesetzten Drängen der sozialdemokratischen Stadtverordneten manche Ver- besserung der sozialen Lage der städtischen Arbeiter geschuldet ist. Der Ausschluss des§ 916 des Bürgerlichen Gesetz- b u ch c s gab in der Sitzung am 27. März 1913 unserem Redner bei Beratung des Etats der Kanalisation und Güter Veranlassung, das den guten Sitten hohnsprechende Verhalten des Magistrats zu geiheln. Soll durch diese Bestimmung im Bürgerlichen Gesetzbuch den Angestellten der Lohn gewährleistet werden, wenn er ohne sein Verschulden verhältnismätzig kurze Zeit nicht in der Lage ist, zu arbeiten, so besagt eine Bestimmung in den Verträgen des Magistrats mit Angestellten, datz diese vom Gesetzgeber gewollte Wohltat den städtischen Angestellten vorenthalten werden soll. Der Magistrat suchte sein Verhalten damit zu motivieren, datz nicht nur bei der Güterverwaltung, sondern allgemein der Ausschluss des§ 616 be- trieben werde. Um so schlimmer ist dann das magistratliche Ver- halten. Die bürgerlichen Vertreter schwiegen sich bei dieser Ge- lcgenheit aus; es handelte sich ja nicht um Hausbesitzerinteressen, sondern nur um Arbciterinteressen! Und diese zu wahren, ist eben immer Sache der Sozialdemokratie! Partei- 5Zngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Am Montag, den 3. November, abends S'/j Uhr, beginnt im Lokal Süd-Ost. Waldemarstr. 75, der Kursus über:.Die Entstehung des wissenschaftlichen Sozialismus(Marx und Engels)". Für den Stadtteil Osten beginnt derselbe am 21. N»- vembcr. Ferner findet am Sonnabend, den 8. November, abends 9 Uhr, i« grossen Saale der Brauerei Friedrichshain ein Beekhoven-Konzert unter Mitwirkung des Berliner Volkschors statt. Es gelangt zur Aufführung die neunte Sinfonie. Der Kreisbildungsausschuss hat für das Winterhalbjahr einen Teil Plätze vom Deulschen Opernhaus und Herrnfeld-Theater er- warben. Die Billetts zum Deulschen Opernhaus am 14. Dezember sind bereits Wergriffen. Um nun den Wünschen zahlreicher Mitglieder Rechnung zu tragen, hat der BildungsauSschuh noch Plätze zum 25. Mai vom Deutschen Opernhaus gemietet. Dte Vorstellungen im Herrnfeld-Theater finden am 25. Dezember und 1. Januar statt. Der Preis der Plätze beträgt im Deutschen Opernhaus 1,39 und im Herrnfeld-Theater 1,19 M. Durch diesen Abschlutz ist den Wahl- Vereinsmitgliedern, die nicht Mitglieder der Freien Volksbühne sind. die Möglichkeit gegeben, für einen geringen Preis ein gutes Theater zu besuchen. Wir hoffen, datz sich die Genossen und Genossinnen recht zahlreich daran beteiligen. Bruchmiihle. Sonntag, den 2. November, nachmittags 5 Uhr'• Oeffenlliche Versammlung. Tagesordnung: Die letzten Vvrkomm- nisse in der Gemeindevertretung und deren Folgen. Berichterstatter Gemeindevertreter E. Biedermann. Oberschönewcidc. Sonntag, den 2. November, findet eine Besich- tigung der Leichenverbrennungsanlage auf dem Gemeindefriedhof in Treptow statt. Der gemeinsame Abmarsch erfolgt pünktlich 8'/, Uhr vom Jugendheim, von der Slubenrauch Brücke, Siemensstratze, 8'/» Uhr morgens. Rudow. Am Sonntag, den 2. November, nachmittags 3 Uhr, im Lokal von Herm. Wedler: Ocffentliche Versammlung. Kanlsdorf. Sonntag, den 2. November, nachmittags 3 Uhr. in Hamanns Gescllschaftshaus, Frankfurter Strasse: Ocffentliche Ver- sammlung. Tagesordnung:„Warum schliessen wir uns der Sozial- demokratie an." Referent: Genosse P. Brühl- Lichtenberg. Im selbe» Lokal von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends: Jugend- schriften- und WandschmuckauSstellung. Eintritt frei. Rcinickcndors-West. Sonntag, den 2. November: Flugblattver- breitung von den bekannten Stellen aus. berliner Nacfmcbtcn, Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte gestern Banprogrcmirn und Vorentwnrf für die neue„Heilstätte B u ch", die aus dem Ausschuß zurück- kamen. Sie billigte auch die bom Ausschuß beigefügten beson- deren Wünsche, unter denen namentlich die Anreguirg, nicht zu viel Kranke in großen Sälen zusammenzulegen, für diese als Spezialkrankenhaus für Lungenleidende gedachte Anstalt sehr wichtig ist. Gestritten wurde nur noch darüber, ob nicht in Zukunft die Kranken hausbauten billiger hergestellt werden können. Stadtverordneter Cassel, der diese Frage anschnitt, hielt das für sehr wohl möglich. Ma° gistratsbaurat Matzdorff dagegen bezweifelte die Ausführ- barkeit, und auch Stadtverordneter 5k ö r t e, der in diesem Punkt zu den Sachverständigen gehört, versprach sich nicht viel von diesbezüglichen Versuchen. Für die sozialdemokra- tische Fraktion erklärte Genosse Wehl, daß auch sie selbst- verständlich nicht Geld unnötig ausgeben lassen will. Im übrigen aber müsse für Kranke immer nur das Beste gut genug sein. Die Bestimmungen über Ruhegeld und Hinter- bliebe nenversorgung der ohne Pensionsberechtigung dauernd von der Stadt beschäftigten Personen sollen nach dein Antrag des Magistrats endlich verbessert werden, so daß künftig einige Härten vermieden werden können. Stadtvcr- ordneter Sonnenfeld beantragte hierzu noch ein paar Aenderungen, die eine irrtümliche Auslegung verhüten sollen. Man erfuhr bei dieser Gelegenheit, daß hei manchen in den Genuß von Ruhegeld gelangten Personen die Kürzung durch Abzüge für Invalidenrenten auch dann ruhig beibehalten worden ist, wenn die Rente ihnen inzwischen wie- der entzogen worden war. Stadtrat Fisch deck versicherte, der Magistrat sei schon immer der Meinung gewesen, daß ein derartiges Verfahren eine Härte bedeute, und er habe danach gehandelt. Es wurde aber festgestellt, daß bald so, bald anders verfahren worden ist,>veil zwischen den verschiedenen Ma- gistratsdezernenten keine Uebereinstimmung bestand. Genosse Koblenzer unterstrich diese Tatsache, die man allerdings nicht für möglich gehalten habe. Die vom Magistrat bean- tragten Verbesserungen mit den Abänderungen wurden a n- g en o m in en._ Was Berlins Schulwesen kostet, darüber bringt das„Berliner Tageblatt" eine über das Etatjahr 1913 berichtende Mitteilung, die bezüglich der G e- meindeschulen den tollsten Unsinn schwatzt. Wir lesen da: „Für die Gemeindeschulen hat die Stadt 42 947 939 M. aufzuwenden. Die Einnahmen bei den Gcmeindeschulen stellen sich auf 5 166 732 M., so dass die reinen Ausgaben 36 381 297 M. betragen." Sodann werden als.einzelne Ausgaben für Gcmeindcschulztvccke" auf- gezählt die Besoldungen usw. mit 29 476 264 M., die sächlichen Kosten mit 7 493 136 M., ferner die Kosten der Taubstummenschule, der Blindenanstalt, der Wahl- und Pflichtfortbildungsschulen, des ge- werblichen Unterrichts. Dass Täubstummen- und Blindenwesen, Fortbildungs- und Fach- schulwesen nicht Teile des Gemeindefchulwesens sind, versteht sich von selber. Bedenklicher als dieser Irrtum erscheint uns die unsinnige Angabc, dass Berlin für die Gemeindcschulen 42 947 939 M. auf- zuwenden habe, wovon 5 166 732 M. durch Einnahme und 36 331 297 M. durch Zuschuss gedeckt würden. In Wirklichkeit sigd das ungefähr die für 1913 festgesetzten Ausgabe-, Einnahme- und Zuschussbciträge für das gesamte Untcrrichtswesen der Stadt, d. h. für Gymnasien, Real« gymnasien, Oberrealschulen, Realschulen, höhere Mädchenschulen, ferner für die Gemeindeschulen, weiter für Taubstummen- und Blindenwesen, für Fortbildungs- und Fachschulwesen. Für die Ge- meindeschulen allein sollen in 1913 die Ausgaben sich auf 27 879 499 M. stellen, wovon 296 299 M. durch Einnahmen und 27 583 299 M. durch Zuschuss zu decken wären. So stehen alle diese Ausgabe-, Einnahme- und Zuschussbeträge als Voranschlag in dem Etat für das Noch laufende Jahr 1913. Der phantastische Schwatz des „B. T." ist nicht etwa auS einem„Druckfehler" zu erklären. Nein, das Mosseblatt ist hier das Opfer einer heillosen Konfusion geworden. Das kann passieren, wenn einer über Dinge redet, von denen er keine Ahnung hat. Warum aber halten wir es für nötig, den Reinfall des„B. T." öffentlich festzustellen? Wir haben dazu unseren guten Grund. Solche Notizchen über die Höhe der Ausgaben, die unsere Stadt Berlin für diesen oder jenen Zweig ihrer Verwaltung macht, er- scheinen regelmässig vor den Stodtverordnetenwahlen. Der freisinnige Spießbürg« ersieht dann aus seinem Leib» und Magenblatt mit Staunen und mit Grauen, wie ent- setzlich hoch z. B. die Volksschulen, das Armenwesen, die Krankenpflege usw. den Etat der Stadt belasten. Im Hinblick auf die Stadtverordnetenwahlen hat vermu'.lich auch das„B. T." den oben gekennzeichneten Unsinn über die angebliche Höhe der Gemeindeschulkosien aufgetischt. Sonst wäre nicht recht zu verstehen, warum es jetzt im Oktober plötzlich Etat- zisfern mitteilt, die schon im März dieses Jahres festgesetzt wurden. Das'„Material", das die liberalen Pressorgans ihren gläubigen Lesern als Stoff zur Agitation für die Stadtverordnetenwahlen überreichen, wird in den Zusammenkünften freisinniger Bezirks- vereine eifrig durchgekaut. Auch die angeblichen 42 Millionen, die nach deni„B. T." die Stadt Berlin für ihr Gemeindeschulwescn in 1913 aufwenden will, werden als Agitationsstoff willkommen sein. Das lässt sich für den mit seiner„Volksschulfreundlichkeit" prahlenden Berliner Sladtfreisinn wieder mal zu einer Bombenreklame ver- werten, mit der man vielleicht auf den„kleinen Mann", den Wähler der dritten Klasse wirken kann. Es ist nötig, gegenüber solchen Versuchen die Wahrheit festzu- stellen. Wir tun es hiermit.__ Noch einmal die Hintertreppe. Von einem Bausachverständigen wird uns über das obige Thema geschrieben: In der SonntagSnummer 231 wird über die erbärmliche Anlage unserer Gross-Berliner Hintertreppen mit Recht geklagt. Die jämmer- liche Bauart der Schwindsuchts-Hintcrtreppen wird auf den Hoch- schulen und von da auf den Bange werkschulen gelehrt. Da heiht es:„Die Hintertreppen sind Nebentreppen, diese können höhere Steigungen haben als die Vordertreppen, wo die Herrschaften mit Fettherz und Atembeschwerden nur ganz bequeme Treppen mit niedrigen Stufensteigungen— 16 höchstens 17 Zentimeter— hinaufgehen wollen." Ebenso einfältig wie die Hintertreppen werden Keller- und Bodentreppen angelegt, also Nebentreppen, wo am häufigsten die schwersten Lasten auf und ab befördert werden müssen: Kohlen, Wäschetransporte, Gerümpel. Gerade diese Lastentreppen haben die unbequemsten, hohen Stufensteigunge», 18, 19, 29 Zentimeter und darüber! Teils um die Treppe« möglichst steil und gefährlich auf engstem Raum unterzubringen, teils weil eben gedankenlose Lehrer im alten Schlendrian auf den Bauschulen solche Dumm- heitcn lehren. Ein besonderes Ungeheuer ist die Wendeltreppe als Nebentreppe, um die Küchenausgänge mit dem Hofe zu ver- binden. Wer rasch solche enge Wendeltreppe hinunterzulaufen ge- zwungen ist, kommt unten schwindelig an, wenn er diese Gebirgs- kletteret nicht gewöhnt ist. Dabei ist der Wendeltreppenbau eine besondere Kunst. Viele Bauzeichncr und Baumeister können keine Wendeltreppe richtig zeichnen; man kommt da zuweilen auf Treppen, die man gebückt steigen muh, Lasten, Bier- flaschenkasten können nicht auf der Schulter getragen werden usw. Eine besondere gesundheitliche Schädigung sind Hintertreppen mit hoben Steigungen für Schwangere, und wenn man erwägt wie lebhaft es auf Hintertreppen und Nebentreppen zugeht im Ver- gleich zu den stillen, wenig benutzten, bequemen Vordertrcppen, dann hat man ein Bild von der sozialen Schädigung, die hier wieder den Armen und den Bediensteten geboten wird. Ein besonderes Vergnügen ist endlich in vornehmen Villen die Wendeltreppe von der Küche nach dem Erdgeschoss. Der Speisen- aufzug ist zwar in Tätigkeit beim Essen, aber WaS auch hier täglich treppauf treppab gelaufen werden muh, das mag man sich von Dienstmädchen schildern lasten, die abends mit übermüdeten Gliedern ihre Schlafkäffge aufsuchen._ Ei» geheimnisvoller Schutzmannsposten. Haben wir wirklich„Mangel an Schutzleuten"? Dem Berliner gilt es als Erfahrungstatsache, dass gewöhnlich da, wo man einen Schutzmann braucht, keiner zu finden sei. Aber die Beobachtung lehrt, dass ebenso oft Schutzleute da hingestellt werden, wo sie sehr überflüssig sind. In der Tho m as i usst ra ß e,.einer Querstraße von Alt- Moabit, zerbrach man sich seit Wochen den Kopf darüber, warum dort Tag für Tag ein Schutzmannsposten umherstand. An manchen Tagen zog er sogleich nach der Mittagsstunde auf, an anderen lieh er sich erst am Nachmittag blicken, immer aber blieb er mehrere Stunden hindurch in der verkehrsarmen, fast einsamen Strasse, und manchmal durfte er erst lange nach Eintritt der Dunkelheit in der siebenten oder achten Abendstunde wieder abrücken. Man fragie sich, welchem Zweck diese Bewachung dienen könnte und aus was wohl der Posten aufzupassen hätte. Hier, wo nur selten ein Passant und noch seltener ein Wagen vorbeikommt, gibt's doch gel ir, für einen Schutzmann kaum was zu tun? Es fiel auf, dass der geheimnisvolle Schutzmannsposten be- sonders in der Nähe des Hauses Thomasiusstrasse 9 umherstand oder auf und ab ging, bald vor diesem Hause, bald vor einem der Nebenhäuser, bald auch auf dem Bürgersteig an der gegenüber- liegenden Häuserreihe. Endlich glaubten die Neugierigen es raus zu haben, dass seine Fürsorge dem ini�Hause ThomasiuS- st r a ß e 9 wohnenden Polizcihauptmann Stenger galt. Da Stenger ein Adjutant des Polizeipräsidenten ist, so hätte ein Naiver fast auf die Vermutung kommen können, daß ihm eine Art Ehrenposten vor die Tür gestellt werde. Man sagt aber, dass der Schutzmann nur Auftrag hat, den Lärm der spielenden Kinder zu dämpfen. Der Herr Hauptmann, der gleich dem Polizeipräsidenten im Junggesellenstande lebt, soll gegen solche Störungen sehr emp- findlich sein. So erklärt sich's wohl auch, daß der Schutzmanns- Posten erst dann anrückt, wenn der Hauptmann zu seiner Mittags- pause heimkehrt und wahrscheinlich ein Schläfchen halten will. Man kann es verstehen, dass ein nervöser Polizeihauptmann sich hierbei nicht stören lassen mag. Kinder, die auf der Straße lärmen, schreien, pfeifen, können einen Ruhebedürftigen in der Tat zur Verzweiflung bringen. Aber wer wird auf die Idee kommen, sich deshalb einen Schutzmannsposten vor die Tür stellen zu lassen? Es gibt sehr viele Leute, die in der Nacht arbeiten müssen und da- für am Tage ihren Schlaf haben wollen. Für den Strassen- oder Eisenbahner, den Cafekellner, die Arbeiter, die Nachtarbeit zu leisten hatten, wird der Lärm, der ihnen den Tagesschlaf raubt, zu einer gesundheitsschädigenden Störung. Was aber würde die Polizei sagen, wenn jedem dieser Ruhebedürftigen ein polizeilicher Schutzgegen Kindcrlärm gewährt werden sollte? Wenn es wahr ist, daß dem nervöse» Polizeihauptmann ein solcher Schutz gewährt wird, so zweifeln wir nicht an dem guten Glauben der dafür verantwortlichen Personen. Aber der gut« Glaubc btS LeuinaniZ ober Wachtmeister», ber ben Tchutzmann nach der Thomasiusstratze schickt, und des Hauptmanns, der den Schutz- mann da umherstehen läßt, beruht aus einem Irrtum Über den Ver- wendungszwcck der Polizei. Uns will scheinen, daß überslüssige Schutzleute sich an wichtigen Verkehrspunktcn sehr viel nützlicher bc- tätigen könnten, als in der einsamen Thomasiusstraße. Tas Grost-Bcrliner Schnellbahnnctz. Im Zentralblatt der Bauverwaltung ist in einem Aufsatz des Direktors der Hochbahngesellschaft, Herrn Baurat Bausset, unter der Bezeichnung„Das künstige Schnellbahnnctz Groß- Berlins" ein Liniennetz angegeben, das auch in der Tages- presse Beachtung gefunden hat. Wie wir erfahren, steht der Verband Groß- Berlin dieser Karte eines Groß-Berliner Schnellbahnnetzes fern. Es kann daher aus der Veröffeut- lichung der Skizze nicht etwa gefolgert werden, daß alle in dem Netze angegebenen Linien auch von dem Verbände Groß- Berlin oder feinen Gliedern zurzeit als Entwürfe verfolgt iverden oder Aussicht auf Förderung haben würden. Das veröffentlichte Linicnnetz ist daher als rein private Studie zu betrachten.___ Unter den Rädern der Lokomotive. Eine traurige Aufklärung hat das rätselhafte Verschwinden eines jungen Mädchens, der neunzehnjährigen Verkäuferin Emma Schrab gefunden. Vor mehreren Tagen entfernte sich die Sch. aus der elterlichen Wohnung und man glaubte schon, die Vermißte sei Mädchenhändlern zum Opfer gefallen. Dem war aber nicht so- Man hat jetzt vielmehr in einer Selbstmörderin, die sich bei Wildau vor die Lokomotive eines Personenzuges geworfen und fast voll- ständig zerstückelt worden war, die Verschwundene erkannt. Wegen unglücklscher Liebe hat das junge Mädchen die Verzweiflungstat ausgeführt. Die Polizei vor dem Neuköllner Jugendgericht. Am S. April sollte im Bürgersaal in Neukölln eine Jugend- ersammlung abgehalten werden, welche die Polizei nicht dulden wollte. öie verwehrte den jungen Leuten, die noch nicht achtzehn Jahre alt waren, den Eintritt in das Versaminlungslokal und verhinderte auf diese Weise das Stattfinden der Versammlung. Viele von den Jugendlichen suchten infolgedessen ein anderes Lokal auf, in welches sich auch Genosse Pieck begab, der in der Versammlung hatte sprechen wollen. Die Polizei vermutete, daß die Versammlung in dem neuen Lokal stattfinden würde und sistierte den Genossen Pieck sowie einen anderen Genossen, wobei ein Beamter sogar mit der Anwendung der H a n d k n e b e l drohte. Die Sistierung erregte großes Aufsehen und ein Teil der Versammelten folgte den Sistierten auf dem Wege nach der Wache. Bei dieser Gelegenheit wurde der Schneiderlehrling Schuch sistiert, der alsdann eine polizeiliche Strafverfügung über 5 M. erhielt, weil er durch lautes Johlen groben Unfug verübt und einen Auflauf herbeigeführt haben sollte. Schuch erhob gegen die Strafverfügung Einspruch und das Jugendgericht Neukölln hatte sich gestern mit der An- legenheit zu befassen. Zunächst wurde auf Antrag des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenseld, der Bescheid des Polizeipräsidenten von Neu- kölln verlesen, welcher auf die Beschwerde des Genossen Pieck er- gangen war. Selbst der Polizeipräsident konnte das Verhalten der Beamten bei der Sistierung nicht billigen, insbesondere nicht die Drvtjimg mit der Anwendung der Handlnebel. Bei der Vernehmung der Zeugen ergaben sich alsdann große Widersprüche zwischen den Aussagen der beiden als Belastuugs- zeugen geladenen Polizcibeamten und den Entlastungszeugen. Trotz- dem hielt der Amtsanwalt die Anklage aufrecht und beantragte die Verhängung einer Geldstrafe von 5 Mark. Demgegenüber beantragte der Verteidiger die Freisprechung des Angeklagten, da bei dem Widerspruch zwischen den verschiedeneu Aussagen die Schuld des Angeklagten nicht festgestellt werden könne, und dxs Jugendgericht Neukölln schloß sich diesen Ausführungen an. Der Angeklagte wurde freigesprochen und die Kosten deS Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt. Wegen einer großen Ammoniakausströmung wurde die Feuer- wehr gestern abend nach der Frankfurter Allee ll3 gerufen. Dort befand sich bis jetzt die Borussia-Brauerei von Walter Lehmberg, G. in. b. H., die zurzeit nach Weißensee verlegt wird. Mit dem Abbruch der Brauereimaschinrn ist bereits begonnen worden. Als nun gestern abend auch die Kühlinaschine abmontiert werden sollte, ließ ein Arbeiter der Brauerei aus Versehen einen Hahn offen, so daß Aminoniakdämpfe ausströmten. In wenigen Minuten war der ganze Brauercihos von diesen giftigen Dämpfen angefüllt und die Dämpfe zogen auch auf den Hof des benachbarten Waren- Hauses von Dictz. Die Feuerwehr schritt sofort ein und es wurde der Feuerwehrmann Lindcnberg, der mit einem Rauchschutzhelm ausgerüstet war, vorgeschickt, um den Hahn wieder zu schließen, der auf dem Dach des einstöckigen Gebäudes angebracht war. Als bef Feuerwehrmann den Hahn geschlossen hatte, glitt er auf der Leiter aus und stürzte herunter, wobei sich der Rauchschutzhelm verschob. Der Verunglückte mutzte nun die giftigen Dämpfe ein- atmen, hatte aber noch so viel Kraft, wieder nach vorn zu laufen. Hier brach er dann ohnmächtig zusammen. Er wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Die Ammoniakdämpfe, die sich auf dem Hof angesammelt hatten, wurden unter Benutzung von zwei Schlauchleitungen mit Luft beseitigt.— Fast gleichzeitig hatte die Feuerwehr auch auf dem Bahnhof der Zentralmarkthalle in der Neuen Fricdrichstraße zu tun, wo ein Waggon mit-Obst in Brand geraten war. Die Ablöschung der Flammen wurde mit einer Schlauchleitung durchgeführt.— Gegen Vel Uhr wurde die Feuerwehr dann noch nach der Königgrätzer Straße 62 gerufen, wo Salpetcrdämpse ausgeströmt waren. Antialkoholauöftellung. Der Arbeiter-Abstinentenbund(AktionS- ausichuß Groß-Berlinj veranstaltet in der Zeit von Sonntag, den 2. November, bis Sonntag, den 9. November, im Berliner Gewerk- schaftshause, Engeluser 15, eine Ausstellung gegen den Alkoholisnius. Dieselbe ist geöffnet am ersten Sonntag von I Uhr mittags' bis 9 Uhr abends, an den übrigen Tagen von 19 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Da der Zweck dieser Ausstellung der ist, Ausklärung über die sozialen, hygienischen und sittlichen Schäden des Alkohol- gsnusieS zu schasse», große Teile der Bevölkerung aber gerade auf diesem Gebiete sich iii Unkenntnis befinden, kann der Beiuch dieser Ausstellung tiur jedem empfohlen werden. Der Eintritt ist frei. Verband der Waiscnpflcgerinnen Berlins. Im Bürgersaale des Rathauses, Königstrnße, findet heule Freitag, abends 8 Uhr, ein Wortrag mit Lichtbildern statt. Frau v. Hopffgarten wird über „Weiblich- Jugendpflege und Pfudfinderinnenbewegung" sprechen. Gäste, Damen und Herren, sind sehr willkommen. Vorort- Z�admeKtem Charlottenburg. Hie Stadtverordnetenversammlung erteilte in ihrer Sitzung am Mittwoch nach kurzen zustimmenden Erklärungen der Stadt- v" ordneten Tr. Landsberger(Lib.) und Hirsch(Soz.) die Genedmigung dazu, daß auch ,n diesem Winter wieder aus- ländisches Fletsch leitens der Stadt verkauft wird. Es sind zunächst drei Verkaufsstellen in verschiedenen Stadtteilen errichtet, fejx je nach Bedarf vermehrt werden, Nach Erledigung einer Reibe unbedeutender Vorlagen be- schäftigte sich die Versammlung sodann eingehend mit dem Bericht des Ausschusses über die Vorlage betreffend die Aufnahme einer neuen Anleihe. Der Ausschuß beantragte die Auf- nähme der Anleihe in Höhe von 29 399 999 M., welche durch die Ausgabe von Jnhaberpapicrcn lStadtanleihescheiuen) aufzunehmen ist. Aus diesen Anleihemittcln sollen u. a. bestritten werden die Kosten für die Herstellung eines Stättcplatzes, für Erweitcrungs- baute» des Krankenhauses Westend, Zuschuß zum Bau der Unter- arnndbahii, Ausbäü der Gas- und Wasserwerke, der Kanalisation des Rieselfeldes, Erweiterungsbau des Rathauses, Erweiterungsbau des Krankenhauses, Schulbautcu, Ausbau des Bürgerhauses, Her- stellung eines Spreehafcus, Bau höherer Sckmle», Erwerb von Grundstücken für den Hafen und ein Bad im Freien, Automöbili- sicrniig der Feuerwehr, Unterführung der Kaiser-Friedrich-Stratzc unter den Bahndamm. Einen Posten von 259 999 M. zur Herstellung eines Durchlasses zur Verbindung der beiden Teile des Lietzensccparkcs hat der Ausschuß gestrichen. Stadtverordneter Dr. L i e p m a n n, der ucugcwählte uationalliberale Abgeordnete für Teltow-Bceskow, übte scharfe Kritik daran, daß so hohe Mittel für den Bau von„luxuriösen" Schulen und Krankcuhauscrwciterungcn eingefordert werden; man solle keine Schulen auf Vorrat bauen; zumal jetzt, wo der Geld- markt so daniederliege, müsse man warten, bis der Geldmarkt wieder günstiger sei. Die Bürgerschaft dürfe nicht finanziell über- lastet werden, zumal da der Wehrbeitrag die reichen Leute so er- bittert habe, daß sie nicht mehr bereit seien, für öffentliche und soziale Zwecke Gelder herzugeben. Genosse Dr. Borchardt nagelte den nationalliberalen Redner auf diese Aeußerung fest. Es sei ein bemerkenswertes Eingeständnis, daß gerade die patriotischen Freunde des Herrn Licpmann durch den Wehrbeitrag so erbittert seien, daß sie nichts mehr für öffentliche und soziale Zwecke hergeben wollen. Auch sei es interessant zu hören, daß der Vorredner gerade au Krankenhaus- und Schulbauten aufangeu wolle zu sparen. Genosse S ch a r n b e r g kritisierte die Art und Weise, wie sich einzelne Mitglieder des Ausschusses bemüht haben, gerade an Krankenanstalten und ähnlichen Einrichtungen Abstriche vorzunehmen und beantragte namens der Sozialdemokraten die Wiederherstellung der Position von 259 999 M. für den Durchlatz zur Verbindung der beiden Teile des Lietzcnsecs. Nach weiterer Debatte, in der der sozialdemokratische Antrag von den Rednern der übrigen Fraktionen bekämpft wurde, wurde die Vorlage nach den Beschlüssen des Ausschusses genehmigt. Ferner nahm die Versammlung einen Antrag G r e d y an, durch den der Magistrat ersucht Ivird, möglichst bald eine Er- läuterung der Pflichten und Leistungen zu verösfcntlicheu, die durch die neue Krankenversicherung der Dien st boten vom 1. Januar 1914 ab entstehen, und bei dieser Gelegenheit im besonderen die Frage zu erörtern, ob und wie weit für die Zu- kunst Dicnstbotcu auch bei privaten Anstalten bzw. beim städtischen Krankenhaus versichert werden können. Gleichsalls zur Annahme gelangte ein von Mitgliedern ver- schiedcncr Fraktionen unterzeichneter Antrag, der den Magistrat ersucht, beini Porstand des deutschen Städtetagcs die Erörterung der Frage der Festlegung des Osterfestes auf der nächsten Tagung des Städtetages zu beantragen. In geheimer Sitzung verlieh die Versammlung dem am 1. Januar 19l4 wegen Krankheit aus seinem Amte scheidenden Stadtrat S a m t c r, dem langjährigen Dezernenten der Armen- Verwaltung, in Auerkeunung seiner Verdienste den Titel eines Stadtältesten und beschloß, ihm das volle Gehalt als Pension zu bewilligen. In gemeinsamer Sitzung des Magistrats und der Stadt- verordneten ivurde an Stelle des verstorbenen Oberbürgermeisters Schustehrus der Stadtrat Cassirer zum Mitglied des Provinzial- landtages und Oberbürgermeister Dr. Scholz zum Mitglied der Verbandsvcrsammlung des Zwcckverbandes Groß-Berlin gewählt. Wilmersdorf. J» der gutbesuchtcn Mitgliederversammlung deS Wahlvereins am Montag referierte Genosse Dr. Alfred Bern st ein über: „Der Geburtenrückgang und seine Bedeutung für das Proletarial". Er wies zunächst die Vaterschaft an dem Wort Gebärstreik zurück und wiederholte im wesentlichen seine bekannten in mehreren Berliner Versammlungen gemachte» Ausführungen. Das Korreferat hielt Genosse Dr. E r n st Meyer. Er führte aus: Mau kann darin Bernstein zustimmen, daß dort die Geburtenzahl eingeschränkt werden müsse, wo eS vom ärztlichen Standpunkt aus geboten er- scheine. Bon diesem Gesichtspunkt aus hätten Bernstein und Moses rnhig ihre Propaganda weiter betreiben können, ohne daß es ihnen irgend jemand verargt hätte. Selbstverständlich ist es auch, daß im Einzelfall die Geburtenbeschränkung eine individuelle Er- leichtcrung bringen wird und die Partei hat sich von jeher gegen eine pfäsfiich-heuchlerische Entrüstung über die Anwendung der durch soziale Not hervorgerufenen Praktiken erklärt. Statt der Empfehlung „weniger Kinder" müsse die Parole für eine politische Partei aber lauten, die Ursachen der sozialen Not und der Geburlenbeichränkung zu bekämpfen. Bernstein wünscht eine absolute Bevölkerungs- abnähme, weil er sich davon eine Hebung der Lage der Arbeiter- klaffe verspricht und sieht in der Geburleiiverminderung ein rcpolutio- näres Kampfmittel. In Fraulreich ist das eingetreten, waS B. herbeisehnt, und trotz des Bevölkcrungsstillstandes sind in Frankreich die Löhne niedriger, die Arbeitszeiten länger, die Arbeitslosigkeit größer, der Arbeiterschntz im allgemeinen geringer als in Deutschland. Entscheidend für die Lage der Arbeiterklasse ist die industrielle Entwickelung und der Stand der Organisation, nicht aber die Kinderzahl; B. beruft sich zu Unrecht auf Marx, der viel- mehr nachgewiesen hat, daß in der kapitalistischen Wirlschafts- ordnung notwcndigerioeise eine Ueberschuß-BevöUerung(Reserve- Armee) bestehen muß, die auch durch Rückgang der Geburtenziffer und absolute BebölkerungSabnabnie nicht verschwindet. Marx ver- spottet die Hoffnungen, daß durch den Bevölkerungsrückgang die Lage der Arbeiterklasse sich bessern werde, geradezu als„Narrheit". Durch die Propaganda der Geburtenbeschränkung glaubt man fälschlicher- weise die Arbeitslosigkeit in der Zukunft lindern zu können, aber was nutzt das der Million von Proletariern, die beute arbeitslos auf der Straße liegen! Die gesamte Tätigkeit der Partei mit ihren bisherigen Zielen ist nicht nur die beste ZukunftSarbcit. sondern auch die einzig wirksame Gegenwartsarbeit. Von den Diskussionsrednern traten die Genossen Exner, Hitbig und Frau Sachse den Aus- führuugen Dr. Bernsteins bei, während Schneider, Riedel. Eberl und Frau Härder sich auf den Standpunkt Dr. Meyers stellten. Nach den Schlußworten des Referenten wurden die Genossen Fabian, Baumblatt und Frau Lorke als Delegierte zur Lerbandsgcneral- Versammlung gewählt. Tie Stadtverordnetcnsitiiing stand wieder einmal im Zeichen der„Sozial"politik. Tic zweite Beratung des über 199 Para- graphen umfassende!, Statutenent wurfs zur Land- k r a ii k e n k a s s e nabm den größten Teil der Sitzung in Anspruch. Dabei zeigte sich, daß Dr. E d e l s Unkenruf in der vorigen Sitzung: „Lieber Leidig kehre zurück. Dir ist alles vergeben!" sich schneller erfüllte als Dr. Edel wohl selbst annahm. Denn Leidig schaute als Berichterstatter grimmig zum Magistrat hinüber; war es ihm doch< nicht gelungen, im Ausschuß die vom Magistrat in das Statut hinclugearbeiteteu Mehrleistungen wieder vollständig herauszu- bringen. Und weshalb sträuben sich unsere Reaktionäre gegen die Mehrleistungen? Herr Leidig hat dies kürzlich im Nordvcrcin ausgeplaudert. Die„hohen" Beiträge der Ortskrankenrasse haben sie aus die Idee gebracht, eine Laudkrankenkasse mit niedrigen Bei- trägen zu gründen, um so mehr,„da sich die Verhältnisse wohl so entwickeln werden, daß die Dienstmädchen verlangen, beitragsfrei engagiert zu werden". Resigniert bemerkte denn auch Tr. Leidig in der Stadtverordnetensitzung:„Durch die Mehrleistungen müssen auch die Beiträge auf 3 Proz. erhöht werden." Die Weiterberatung des Statuts ging dann glatt vonstattcn. Vorgesehen ist u. a., daß nack, der 26. Krankhcitswoche die Verpflegung in einem Gcnesungs- heim bis zu 13 Wochen gewährt werden kann. Bei der Festsetzung des Sterbegeldes entspann W eine.längere Debatte. Ter Aus- schuß beantragte nur die Regekleistung(baS Zwanzigfache des Grundlohnes) zu gewähren, während die Fortschrittler den dreißig- fachen Betrag des Grundlohnes beantragten. Sie unterlagen jedoch den Leidig, Droese und Genossen. Interessant war noch die Festsetzung der Entschädigung für Teilnahme an den Vorstands- sitzuugen. Ter Ausschuß beantragte, den Arbeitnehmern 2 M. pro Sitzung zu gewähren. Tie Arbeitgeber hingegen sollen ihr Amt als Ehrenamt unentgeltlich ausüben. Dr. Leidig degründete das folgcndermaßeii:„Wir können den Dienstmädchen nicht zumuten, daß sie nach 14stündiger Tagesarbeit noch unentgeltlich an den Beratungen des Kasscnvorstandes teilnehmen. Dieser Entschädi- gungssatz sei bereits bei dem größten Teil der Krankenkassen ein» gcfübrt. Auf diese Weise werden die Dienstmädchen am besten: zur praktische» Arbeit in der Landkrankenkasse bcrangezogen."� Da- mit waren aber die Fortschrittler nicht einverstanden. Der Stadt- verordnete Röhren konnte absolut nicht einsehen, daß die Arbeit- nehmer ihr Amt nicht auch unentgeltlich ausüben sollen. �„In einer zweistündigen Vorstaudssitzung verdient so ein Dienstmädchen schließlich mehr als sonst den ganzen Tag." Obwohl dann noch Stadtv. H e e ii e m a n n die Ausführungen Dr. Leidigs stark unter- strich, stimmten die Fortschrittler doch geschlossen gegen den Aus- schußautrag. Dieser wurde jedoch von der geschlossenen Mehrheit der Rechten angenommen. Nach der einstimmigen Annahme des Statuts kamen Petitionen zur Beratung. Eine Eingabe verlangte die Beseitigung des Wochcnmarktes an der Ecke Taalselder Straße und Kaiser-Allee, die zweite wünschte die Durchlegung der Land- Hausstraße von der Berliner bis zur Badenschen Straße und Be- sdtigiing der in dieser Gegend herrschenden Mißstände. Beide Eingaben wurden dem Magistrat als Material überwiesen. Die dritte Eingabe war vom Bund der technisch-industrielleu Beamten gestellt. Sie verlangte Schritte zu unternehmen, daß in Groß- Berlin bald eine Arbeitslosenversicherung eingeführt werde. Tie vierte Petition stammte vom Deutschen Bauarbeiter ver- band. In derselben wurden Maßnahmen verlangt, der weiteren Steigerung der Arbeitslosigkeit vorzubeugen. Als Berichterstatter des Petitiousausschusses führte Stadtv. Dr. Helmke aus: Mit der Einführung der Arbeitslosenversicherung in Groß-Berlin ziehen wir alle mit oder ohne Verschuldung beschäftigungslos gewordenen Arbeiter aus der Provinz nach Groß-Berlin, die hier ja nichts besseres erwarten können, als mühelos von der Arbeitslosenunter- stützung zu leben. Die Organisationen sollten doch lieber Ar- beitslosenuntcrstützungeu einfuhren, als so viel Geld für Streiks und Agitation auszugeben.— Der Mann hat seine Toktordisscr- tation sicherlich nicht über das deutsche Gcwerkschaftswesen gc- macht. Zur Eingabe des Bauarbeiterverbaudes meinte er, der Magistrat tue bereits alles, was die Bauarbeiter verlangen. Nach solch„geistvollen" Ausführungen gingen die Rathausspießer, dem Antrage des Petitiousausschusses �gcmäß, über die Eingaben zur Tagesordnung über.— Die vom Stadtv. Tr. Leidig in der vorigen Sitzung gestellte Anfrage, wie weit der Magistrat mit der Er- richtung des Rekonvaleszentenheims gekommen sei, war schriftlich dahingehend beantwortet worden, daß der Magistrat noch keinen geeigneten Bauplatz gefunden habe. Tr. Leidig antwortete darauf mit Recht, daß der Magistrat zwei Jahre lang Zeit gehabt babe, einen Bauplatz ausfindig zu machen. Die Errichtung des Heims dränge nach den vcutigcn Beschlüssen über die Landkrankenkasse um so mehr. Unwirsch erwiderte Stadtrat Steinborn, Dr. Leidig solle lieber praktisch in dieser Frage mitarbeiten, als unnötig kritisieren. Das trug ihm die persönliche Bemerkung Leidigs ein:„Ich bin zur Mitarbeit bereit, Steinborn möge aber sein Stadtratsamt niederlegen, dann werde ich meine Freunde er- suchen, mich auf den Posten Steinborns zu wählen." Neukölln. Bolksfinfoniekonzert. Das erste der von der Stadt Neukölln in diesem Winterhalbjadr veranstalteten Volkssinfoniekonzerte findet am Freitag, den 14. November, abends 8'/2 Uhr, im großen Saale der „Neuen Welt", Hasenbeide 198/114 statt. Das Konzert wird aus- geführt von dem Blüthner-Orchester unter Leitung des Hofkapell- meisterS E. v. Strauß. Als Solistin(Violine) wird bei dem Konzert. Frau Oberlehrer Oberiiber-Mendel, Neukölln, mitwirken. Das Pro« gramm enthält„Das Mcistersinger-Vorspiel" von Wagner, daS Violinkonzert von Beethoven, die Es-ckur Sinfonie(Ländliche Hochzeit) von Goldmark. Deutsche Tänze von Mozart und die 1. Un- garische Rapsodie von Liszt. Eintrittskarten zu 59 Pf.(I. Parkett und Balkon) und 39 Pf.(H. Parkett) sowie Sammelhefte für drei Konzerte zu 1,25 M. und 75 Pf, sind in den Geschäften von Berg- wald, Berliner Str. 56, Seidler, Bergstr. 42, Bluhm. Kaiser- Friedrich-Str. 297, Juhl, Kaiser-Friedrich-Str. 247/43 und Prochnow, Hermannstr. 69, erhältlich. Am Sonntag, den 2. November, findet eine Spielpartie nach dem Turnplatz der Freien Turnerschaft, Kiefholzsiraße, statt. Abmarsch um 1 Uhr vom Wildenbruchplatz. Am Mittwoch, den 5. November, sind wieder Märchenvorlesungen. Die Lokale werden noch bekannt gegeben. Britz-Bnckow. Ucbcr die Arbeitsloscnfürsorge referierte in einer gutbesuchten öffentlichen Versammlung Stadtverordneter Genosse W u tz k y. Der Referent wies darauf hin, daß mit der Bekämpfung der Arbeits« losigkeit nun endlich Ernst gemacht werden müsse und daß nicht wie bisher diejenigen, die die Forderung auf wirksame Hilfe durch Ein» führung der Arbeitslosenversicherung in den Groß-Berliner Kom- munen verlangten, von einer Stelle zur anderen verwiesen würden. Wenden sich die sozialdemokratischen Gemeindevertreter an die ein« zelnen Kommunen, so würden sie von dort an den Zwcckverband verwiesen, dieser erklärt sich für nicht kompetent, der Staat müsse die Arbeitslosenversicherung vornehmen; letzterer sagt wiederum, die Kommune hätte das meiste Interesse bei dieser Frage. Der Redner wies darauf hin, daß auch Britz wohl in der Lage wäre, die Kosten für bie Einführung der Arbeitslosenversichernng im Etat mit unter« zubringen, man müsse energisch verlangen, daß Berlin und die Vorort« gemeinden, wenn nicht zusammen, was Wohl das beste sein dürste, auch einzeln für sich, diese dringende Menschcnpflicht erfüllen. Aus der Versammlung wurde folgende Resolution formuliert und einstimmig angenommen: „Die am 22. Oktober im Lokal deS Herrn Raddatz tagende Volksversammlung stimmt den Ausführungen des Referenten Herrn Stadtverordneten Wutzky vollinhaltlich zu und beauftragt die sozial- demokratischen Gemeindevertreter, einen Dringlichkeitsautrag cinzu- reiche», für Britz eine Arbeitslosenstatistik in die Wege zu leiten und Mittel zur Verfügung zu stellen a) zur Speisung der Schulkinder. b> zur Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit billigem Fleisch, Fisch und anderen Lebensmitteln. Ferner: Alle Schritte zu unterstützen um eine Arbeitslosenversicherung durchzuführen." Bemerkenswert ist noch, daß die bürgerlichen Gemeindevertreter zu dieser Versammlung schriftlich eingeladen worden, aber nicht er- schienen waren. Weiftensee. Aus de« Kreisen der Gcmeindcarbeiter wird uns geschrieben: Die Gemeindeverwaltuilg läßt es, besonders bei der llmgestaltung des Arbeitsverhällnisses aus einem Macht- in em Rechtsverhältnis, an jeder sozialen Einsicht fehlen. Hier besteht weder eine Arbeitsordnung noch gar ein Arbeiteransschuß. Nach einer Verfügung sollen alle Beschwerden nur den Vorgesetzten unterbreitet werden. Die Gemeindeverwaltung, die ihre Arbeiter in bezug auf daS RechrS« Verhältnis nicht bester wie das Gesinde stellt, prunkt natürlich nach außen mit Wohlwollen. Ende vorigen Hahres wurde in der Ge» nieindcvcrtretersitzung die schleunige Durchführung eines Reglements für die Bewilligung von Ruhegeld und Hinlerbliebenenversorgung damit begründet, daß dadurch der Arbeiterschaft ein„Weihnachtsgeschenk" gewährt werden solle. Bezeichnend ist nun, daß die B«- fHmmimgen fflr die Arbeiter erst mit dem L Spril b. 3. in Kraft treten sollten. Bis jetzt ist aber in den Kreisen der Gemeinde- arbeitcr noch nicht festzustellen gewesen, datz das mit so großer Sicklame angekündigte Weihnachtsgeschenk zur Durchführung gelangt ist. Als Vorbedingung für die Gewährung des Ruhegeldes usw. ist im§ 1 festgelegt, daß nur»den nach dem 21. und vor dem 36. Lebens- jähre auf Grund eines Gesundheitsattestes des Gemeindearztes rm Wege des privatrechtlichen schriftlichen Dienst« Vertrages eingestellten st ändigen Arbeitern ein Ruhegeld ge- tvährt wird."' Diese Vorbedingung— Abschluß eines schriftlichen Dienstvertrages mit den ständigen Arbeitern— ist nach Kenntnis der Arbeiter selbst bei v i e r P e r s 0 n e n erfüllt. Von den zirka 125 beschäftigten und eventuell in Frage kommenden Arbeitern wird also vier Personen bei Erfüllung der getroffenen Vorbedingung das Ruhegeld, natürlich ohne Rechtsanspruch, in Aussicht gestellt. Der Weißenseer Gemeindeverwaltung kann nur das Zeugnis aus- gestellt werden, daß sie es meisterlich verstanden bat, die Öeffentlichkeit zu bluffen. Zu den Bestimmungen ist als Nach- trag von den sozialdemokratischen Gemeindevertretern beantragt worden, daß auch die nichtständigen Arbeiter in der Regel nach drei Jahren als ständige Arbeiter geführt werden sollen. Dieser Antrag wurde angenommen. In bezug aus das vorliegende Reglement würde das bedeuten, daß mit den in Frage kommenden Personen der schriftliche Dienst- vertrag als ständige Arbeiter abgeschlossen werden müßte. An eine Beachtung dieser Bestimmung ist bis heute auch noch nicht gedacht worden. Falls das aber in diesem Jahre(als Weihnachtsgeschenk) geschehen sollte, ersuchen wir. die früher bestandenen Verträge nickt etwa zu verschlechtern. Dieselben seheit nämlich vor. daß nach einem Jahre Krankengeldzuschutz gewährt werden soll. Weiter regelte der Vertrag auch die Fortzahlung des Lohnes bei militärischen Nebungen und unverschuldeten Versäumnissen durch gerichtliche Ter- »nine usw. Wenn schon die Gewährung der sozialen Einrichtungen abhängig gemacht werde von solchen Bedingungen, dann soll man wenigstens. sobald dieselben erfüllt sind, zum fehlendensozialen Verständnis nichlnoch die mangelnde Vertragstreue hinzusügen. Die Gemeindsarbeiter in Weißensee können sich solche Erfahrungen nur ersparen, wenn sie durch vollzähligen Eultritt in die Gewerkschastsorganisation einen Lertragsgcgner schaffen, dem Achtung zu erweisen auch die Weißenseer Gemeindeverwaltung angehallen werden kann. Nieder- Schönhauser. Tie letzte Gemeindeliertretersitzung hatte sich mit einem von unseren Genossen eingebrachten Antrag zu beschäftigen. 1. Alle Arbeiten, für welche bereits Mittel bewilligt sind, mit größter Be- schlciinigung in Angriff zu nehmen; 2. Schaffung einer Arbeits- I 0 s c n v e r s i ch c r u n g aus der Grundlage des Genter Shstems. Genosse H e l l r i ch, der den Antrag begründete, wies zunächst auf die wachsende Arbeitslosigkeit hin und auf die Leistungen der ge- wcrkschastlichen Organisationen für die Arbeitslosen. Ferner be» tonte der Redner, daß heute der Arbeiter von Staats wegen gegen Ilnsall, Krankheit, Alter und Jnoalidität versichert werde, nur die Arbeitslosenversicherung fehle immer noch in der Kette dieser Ver- ftchcrungen. Bisher habe man die Arbeitslosenfürsorgc fast aus- schließlich der Selbsthilfe der Arbeiter überlassen, aber auf die Dauer könnten die Gewerkschaften allein die Not nicht lindern; hier sei es nun die Pflicht des Staates und der Gemeinden, einzn- greisen. Was den ersten Teil des Antrages betreffe, so seien als größere Arbeiten leider nur der Anbau der höheren Knaben- schule in der Buchholzer Straße im Etat vorgesehen. Eine weitere Arbeit sei dann der Bau der Gemeindcturnhallc in der Charlotten- straße. TaS Schwergewicht aber liege im zweiten Teil des An- träges; dieser gäbe der Vertretung Gelegenheit, das wieder gutzu- machen, was sie in der Sitzung am 21. März 1911 versäumt hatte. Da ein Teil der. Vertreter überhaupt nicht wußte, wie die Ans- zahlung der Unterstützung an die Arbeitslosen in Gent bor sich geht, so erläuterte der Redner in kurzen Zügen dieses System. Zum Schluß ersuchte Gcüossc Hellrich dringend, den Antrag nicht abzu- lehnen, sondern Hand anzulegen, um die Arbeitslosenversicherung vorwärts zu bringen. In der hierauf folgenden Debatte ergänzten uuserc Genossen Breit mann, SB 0 f ch I e und H i e g e die Aus- fiihrungcn des Vorredners. Bürgermeister Abraham sprach sich bezüglich der Beschleunigung der Arbeiten dahin aus, daß der An- bau der höheren Knabenschule erst zu den nächsten Sommerschul- fcricn in Angriff genommen werden könne, da vorher der Schul- betrieb gestört würde. Für die Erbauung der Turnhalle wolle man die Zinsen sparen, sonnt könne dieser Bau erst am 1. April 1914 begonnen werden. Nachdem einige bürgerliche Vertreter ganz kurz ihre Bedenken vorbrachten, wurde beschlossen, der bereits bestehenden Kommission, der auch unsere Genossen Breitmann und Hellrich angehören, den Antrag zu überweisen. Hieraus wurden die Be- dingungen festgesetzt für die Ucberlassung der Aula des Lyzeums an Vereine. Abgehalten werden dürfen wissenschaftliche Vorträge mit und ohne Lichtbildern und sonstige künstlerische Veranstal- tungen; dagegen sind politische Versammlungen von keiner Partei gestattet. Hierbei stellte Genosse Hellrich die Anfrage, ob die Ar- bciterschaft für ihre wissenschaftlichen und künstlerischen Ver- onstaltungen ebenfalls die Aula erhalte. Ueber die Ver- anjtaltungen habe das Kuratorium zu entscheiden, lautete die Antwort. Die Gebühr für Benutzung beträgt 12 M. pro Abend. Gcrmendorf bei Oranienburg. Mit der Herstellung dreier Feuerlöschbrunncn beschäftigte sich eine außerordentliche Gemeindevertrelersitzung. Vor Eröffnung der- selben wurde eine Besichtigung des OrteS vorgenommen, um die Stellen ausfindig zu machen, an denen die Brunnen eingebaut werden sollten. Hierzu hatten sich Brandinspektor Febrans-Berlin, ein Vertreter der Feuersozietät und Gutsbesitzer Cottenet eingefunden. um mitrels Wünschelrute die Wasseradern zu suchen. In der hierauf statlfindenden Sitzung hielt Brandinspektor Febrans einen Vortrag über das Feuerlöschwesen; er erklärte, daß die Herstellung dreier Brunnen etwa 1800 M. kosten ivürden, zu welcher Summe der Kreis sowohl, wie auch die Feuersozietät einen Teil beisteuern würden. Genosse Mücke be- tonte hierauf, daß ein Wassermangel am Orte eigentlich nicht be- stehe, und da der Ort vor größeren Ausgaben stehe, so u. a. für den Bahnbau, Pflasterung der Bahnhofstraße, elektrische Anlage und Beleuchtung des Ortes, sowie Chausseebau. beantrage er, die Vorlage noch zurückzustellen. Die Vorlage wurde indessen mit zehn gegen die drei Stimmen unserer Genossen und eine bürgerliche an- genommen. Genoffe Mücke gab hierauf noch der Meinung Ausdruck, daß, wenn die drei Herren der Abstimmung nicht mit. beigewohnt hätten, dieselbe jedenfalls ein anderes Resultat ergeben haben würde Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertremngen. Friedrichshageu. Heute Freitag, nachmittags 5 Uhr, im Rathaus- soal, Friedrichstr. 87. Tiefe Sitzungen find ifsenllich. Jeder Semrindeangehsrifi« iß be- rechtigt, ihn« als Zuhörer beizuwohnen. Spiel imä Sport. Radfahrer. «rbeiter-Rodfahrerbund.Solidarität. iOrtsciruppe Berlin). Touren zum Sonntag, den 2. November. 1. Abt.: 6 Uhr: Nachmittag Hauptstr. 2(Lehmann).— 2. Abt. i 7 Uhr: Streiszüge durch das Briesetal. 1 Uhr: Mönchsinuhle. Start: Fontanepromenade 18.— 3. Abt.: 8 Uhr: Forsthaus Liepnitzsee. 1 Uhr: Bernau(Salzmann). Start: Lausitzer Platz 12. _ 4. Abt.: Ist, Uhr: Köpenick(Schwei, ergartcn). Start: Küilriner Platz. — 5. Abt.: 1 Uhr: Picheiswerder(Alter Freund). Start: EIhsium.— fi. Abt.: 1 Uhr: Köpenick(Schweizergartcn Start: Oderbergcr Straße 28. — 8. Abt.: 1 Uhr: Bohnsdorf(Villa Kahl). Start: Levetzowstraßc.— ». Abt.: Reinickendoil-Rosenthal(Feind).— 10. Abt.: 2 Uhr: Zehlendors (SWipfi. Start: Gr. Frankfurter Str. 30. Reutöll». t Uhr: Machnower Schleuse. Start: Knescbeckstr. 48/49. BSilmersdorf. Am l. November: Grotz.Lichtersclde iWahrendorf, Bäkestr 22). Start: abends 9 Uhr. bei M airrer. Durlachcr Str. 7. Vom Sonntag, den 2. Novembcy, ab trcjjcn sich die Tonrenjabrcr jeden Sonntag- nachmittag 1 Uhr bei Maurer, Durlacher Str. 7. Ziel wird dort bekannt gegeben. Charlottcnburg. 1 Uhr: Teltow(Preußischer Adler, Berliner Str. t6.) Reinickendorf. 1. Abt: Start l Uhr bei Lüning.— 2. Abt.: Start 1 Uhr bei Hirsch. To ur wird am Start bekanntgegeben. Lichtenberg. 1 Uhr: Schönciche(Waldschloß). Start: Psarrstr. 74. Tegel. 2 Uhr: Fannlientour mit Musik nach Waidmannslust. Pankow-Ried er schönhauscn. Schulzcndors über Hcrmsdors. Start: 12-/, Uhr am Marktplatz. Arbeiter-Radfahrervercin Grosi-Berlin. Sonntag, den 2. No- vcmber. vorm. 10 Uhr: Streiszüge durch den Grunewald. Anschlnßftart: Wilhelmsplatz. Nachmittags 1 Uhr: nach Zehlendors bei Miel, Karlstr.>2. Anschlußstart: Viktoriapark. Turner. Freie Turnerschaft Neukölln-Britz. Souniag. den 2. November. Riegenpartie der 1. F r a u c n- A b t c i I u n g nach Fichtenau, Restaurant Gesellschaftsbaus(Jnh. Hannemaiin). Trcsipunk! der einzelnen Riegen und der Gäste und Nachzügler(nur weiblichen Geschlechts) um'jA Uhr. 1. Kreis, 2. Bezirk. Aus Anlaß der B c z i r k s v 0 r t u r n e r- stunde in Ebers waldc am Sonntag, den 2. N ovember 19 1 3, falten sämtliche B c z i r l s s p i c I e aus. Schöneberger Nrbciter-Turnverci». Sanntag, den 2. November, morgens 7 Uhr:'Wanderung der Männer-Abteilung nach Babelsberg, Römerschanzc. Trefspunk: Waiinsecbahnbos�Friedenau.— Lehrlings-Ab- teUung: Spielpartic. Treffpunlt: Bahnhos Schöncbcrg, 9 Uhr. �uftbaN. Märkische Spielvereiiligung. Bez. Groß-Bcrlin. Am kommenden Sonntag finden solgende Spiele sioit: Rummelsburg— Vorwärts in Weißensee, Rennbahnstr. 40.— Fichte XI II— Spandau in Reinickendorf, Thuner- straße.— Neuhellas— Borussia auf dem Tempelboscr Feld.— Liberias— V. s B. in Neinickcudors, Pankower Allee.— Charlottcnburg— Fichte Xll in Ebarlottenburg. Bundcsallcc Ecke ReichSsiraße.— Rcüückcndorser Ball- spielklub— Fichte Xll in Reinickendorf, Schillcrpromcnadc. Die Spiele beginnen UN)-/z3 Uhr. LÄanderer. Arbeitcr-Tourifteuverci»»Die Naturfreunde--. Ortsgruppe Berlin. «oimtag. den 2. November. Wanderungen: I. Rahnsdorf, Rauchsangs- Werder, KönigSlvusierhauscn. Absahrt nach Rahnsdors Schlesischer Bahn- hos 6.33,«tralau-Rummelsburg 6.39.— II. Melchow, Tuchen, Werneuchen. Stbsabrt nach Melchow Stettincr Bahnhof 6.59. Gäslc stets willkommen. Zlrbeiter-Wanderverein Berlin. Sonnlag, den 2. November: B e s i ch l i g u n g der Spcercnberger G i l> S b r ü ch e. Abfahrt 6.3-: Uhr Potsdamer Porortbahnhos bis Zossen. Wanderung über Mellen— Klaus dors— Fauler See— Spcercubcrger Gipsbrüche— Speercnbcrg— Klaus- dorjer Heide. Weglängc zirka 25 Kilometer. Gäsle willlommen. Schwimmer. Ter T. G. Neptun 1894 zu Lichtenberg lM. d. ArL.-Schw.-B.) hält am Sonntag, den 2. November, nachinillags 3 Uhr, sein diesjähriges Hallen-ischwimmscst in der Badeanstalt an der Schillingsbrücke ab. Das Programm besteht außer in Reigen sowie Wasserspielen, auch in Herren-, Damen-, Jugend-, Knabenschtviwmen, Springen und Tauchen.—" Da in Lichtenberg zurzeit noch keine Badeanstalt mit Schwimmbassin besteht, bat der Verein die am nächsten gelegene gewählt. Er ersucht deshalb die Ein- wohncr Lichtenbergs um regen Besuch. Eintritt mit Programm sowie auch zur Nachfeier beträgt 50 Ps. * Arbeiter-Samaritcrbund. Kreitz Brandenburg. Souutäg, den 2. November, vormittags 9—11 Uhr: Sonder- k u r s u S im Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichstr. 35. Berlin: MonatSversammlung am Freitag, den 3l. Oktober. 8'/, Uhr, Restaurant Haberlandt, Neue Friedrichstr. 35. Sämtliches Kolonnen- Material ist mitzubringen. Lehr abend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 4. Abt. Donnerstag, 6. Nov., Lichtenberg, Scharnweber- straße 60, bei Pickcnhagen. Berlin, 5. Abt. Freitag, 7. Nov., Neukölln,- Jdealkasino, Wcichselstr. 8. Berlin, 6. Abt., Montag, 3. Nov., Neue Friedrichstr. 35, bei Haber- landi. Berlin, 7. Abt. Mittwoch, den 5. Nov., Charlottcnburg, Rosinen- straße 3, Polkshaus. Köpenick. Dienstag, 4. Nov., Schönerlmder Str. 5, bei Stippekohl. FricdrichShagen. Donnerstag, 6. Nov., Friedrichstr. 6, 2. Hos, parterre. M a r i c n d 0 r s. Montag. 3. November, Chausseeslr. 27 bei Benschek. Now awes. Montag, 3. November, Wilhelm-, Ecke Friedrichstraße, bei Schmidt. Nowawes Gibt. Potsdam). Mittwoch, 3. November, Kaiser- Wilhelm-Straße, bei Glaser. Ober-Schöneweide. Montag, 3. November, Siemenssw. 12, bei Schulz. Spandau. Mittwoch, 5. November, Pichclsdorser Straße 5, bei Danneberg. »US aller Cüelt. ich bin klug und weife... Die Großmächte haben bekanntlich den albanischen Thron einem Fürsten Wilhelm zu Wied angeboten. Die Albaner versetzte diese Wahl in eine peinliche Verlegenheit, denn der Mann war gänzlich unbekannt, so daß sie sich über seine Eignung zum Herrscher- beruf absolut kein Urteil bilden konnten. Nun aber kommt eine Nachricht, nach der man wohl mit ruhigem Gewissen behaupten darf: die Albaner können sich freuen; sie bekommen einen Monarchen, der sich gewaschen hat. Wie nämlich aus einer Meldung der»Neuen Freien Presse* hervorgeht, ist der Fürst zu Wied sowohl klug als auch weise. Klug— denn„er scheint bereit zu sein, sich der schweren Lebensaufgabe der Regierung von Albanien zu widmen*. Ja»er möchte dieses seit Jahrhunderten in Kämpfe verstrickte und kulturell vernachlässigte Land zu einer Stätte menschlicher Gesittung machen*. Weise— denn er verhandelt mit den Mächten bereits über»die finanziellen Voraussetzungen* seiner Thronbesteigung. Nicht daß er bei der Geschichte etwas verdienen möchte. 0 nein! Aber er will auch nicht zusetzen, er will nicht mit Verlust arbeiten, er will wenigstens auf seine Spesen kommen. Um sein Kapital nicht angreifen zu müssen, verlangt er»die Errichtung eines Krondominiums in Albanien*, aus dessen Erträgnissen er, wenn er schon für das Regieren nichts berechnet, doch wenigstens die Repräsentationskosten herausschlagen kann. Aber das ist noch nicht alles, der Fürst zu Wied denkt weiter. Er rechnet mit der Möglichkeft, daß ihm die Geschichte in Albanien zu dumm wird. Er hält>s auch nicht für ausgeschlossen, daß sie den Albanern zu dumm wird. Was soll ge- schehen, wenn einer von diesen Fällen eintritt? Das mutz jetzt abgemacht werden, erklärt er. Und er verlangt„gewiffe Garantien für den Fall, daß er entweder freiwillig oder durch Um- stände gezwungen von der Regierung zurücktreten würde*. Also je nachdem, eine Arbeitslosenunterstützung oder eine Unfallrente. Diese Forderung werden manche als Beweis einer krämerhaften Aengstlichkett ansehen, aber sie ist wahrhaft königlich. Denn die Lage der Könige hat sich, das darf man nicht außer Acht lasten, im Laufe der letzten Zeit sehr geändert. Zwar die Lohn» Verhältnisse sind nicht schlecht, die haben sich in der letzten Zeit ent» schieden sehr gebessert, aber die Existenz der Monarchen wird von Tag zu Tag unsicherer und gefahrvoller. Das Monarchenrisiko' wird immer größer. Es kommt vor, daß ein Fürst nicht Nur sein Land verlassen mutz, sondern bei dieser Gelegenheit auch noch in Schwuli- täten gerät. Kurz, die Forderungen des Fürsten zu Wied zeigen, daß er eine durchaus moderne Auffajsuug vom Fürstenberuf hat, daß ihm die verzopften Anschauungen vergangener Zeiten voll- ständig fremd sind. Und mehr kann ein Volk von seinem Herrscher nicht verlangen. Glückliche Albaner! Schifiskatastrophen. Auf der Elbe bei Entenlvärder stieß Donnerstag morgen im Nebel ein Scbleppdampfer mit einem Oberländerkahn zu- sammen, wobei süns Personeu ertranken, Eine Sturmflut und ein heftiges Unwetter herrschte« am Mittlvoch in Rabat und C a s a b l a n c a. Vor Casa- blanca gingen drei Schiffe unter. Die Besatzungen wurden gerettet bis auf acht Mann, die mit einem griechi- scheu Schiffe, das auf der Reede sank, untergingen. Ter Materialschaden ist bedeutend. Ein Eilzug im Flammenmeer. Durch die Geistesgegenwart eines Lokomotivführer? ist der Expretzzug von London nach Holyhead vor einer großen Ge- fahr bewahrt worden. Der auf der Strecke befindliche Bahnhof von L l a n d u l a s in der Grafschaft Denbigh, der, wie viele kleine englische Bahnhöfe, völlig aus Holz gebaut ist, war kurze Zeit vor Ankunft des Zuges in Brand geraten. Das Feuer hatte so schnell um sich gegriffeu, das die gesamten Bahnhofsanlagen, Schuppen, Telegraphengebäude, Weichenstellerhäuser ein riesiges Feuermeer bildeten. Auch die Schienen waren stark erhitzt� und drohten die Bordschwellen in Brand zu setzen. Der Lokomotivführer war geistesgegenwärtig genug, um die Situation zu überschauen. Er gab Volldampf und durchfuhr den brennenden Bahnhof mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern. Es gelang ihm auch, den Zug glücklich durch dieFlammen hindurchzubringen. Von den Passagieren selbst hatte niemand Schaden genommen, nur an einigen Wagen des Zuges waren durch die starke Hitze die Kupee» fenster gesprungen._ Kleritt Notizen. Ein verwegener Gaunerstreich. Ein Einbruch von ungewöhnlicher Frechheit ist durch unbekannte Einbrecher in der vergangenen Nacht im Polizeikommissariat der französischen Ortschaft Pontoise verübt worden. Ohne von dem dort stationierten Polizisten bemerkt zu werden, drangen die Diebe in die im ersten Stock gelegenen B u r e a u r ä n in e ein, erbrachen den Kassenschrank und erbeuteten 832 Fr. Bargeld. Ein würdiger Bürger. Einer der größten Spitzenimporteure New Uorks, Frederico L u d e w i g. der Chef de« Hauses Frederico Ludewig u. Co., ist unter der Beschuldigung, umfang« reiche Zollhinterziehungen begangen zu haben, ver« haftet worden._ Jugendveranstaltunge«. Pankoiv-Nieder-Schönhauscn. Die Arbeiterjugend veranstaltet am Sonntag, den 2. November, gemeinsam mit der Jugend von Berlin l. Be- zirl(Gesundbluiiucn) und Franj.-Buqholz eine Kartoftd- und Herings« Partie nach Hcringodorf(Brases Festjäle) verbunden mit Theaterausführung, bpmoristischc Vorträge, Tanz usw. Treffpunkt 8'/. Uhr, Nordbahn, Ecke Berliner Swaße. Absahrt: Bahnhos Schönholz. Fahrgeld 20 Ps. Teil- nchmcrkarren 35 Ps._ Landsmannschaft lleckermünde< Usedom- Wollin. Versammlung am Sonntag, den 2. November, nachmittags 6 Uhr, im Lokal von Rodrizo, Borsigstr. 24._ Eingegangene Drudifchnftcn. Von der»Neuen Zeit-- ist soeben das 5. Hest des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des HcstcS heben wir hervor: Die Partei und die Jugend. Von A. Keimling.— Sozialdemokratische Flagge und anarchistische Ware. Ein Beilrag zur Partcigcschichte. Von R. Rjasanoff. — Die Kontinentalsperre und ilirc Wirkungen aus die links- und rechts- rheinischen Industriezweige. Auch ein Beitrag zur Jahrhundertscier. Von Georg Schumacher.(Schluß.)— Unorganisierte und Massenattionen. Ei.ie Erwiderung von Joseph Ernst.— Die Lebenshaltung der Arbeiterklasse in Enzland. Von August Mai.— Literarische Rundschau: H. Wendel, Angust Bebel. Von K. Kautsty. Jean Longuet, Ls mouvemenfc socialiste international. Von G.- slickloss. ErgänzungShest zur. Neuen Zeit Nr. 17: Aus der Ppx» geschichle der Internationale. Von Tb. Roihstein. Die„Neue Zeil" erscheint wöcheiülich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen,.Postanstalleu und Kylporleure zum Preise von S,ÄS M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quärltll' abonniert werden. Das einzelne Hest tostet SS Pf. Von der„Gleichheit--, Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 3 des 24. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Schlußrechnung.— Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. IX. Von Anna Bios.— Zur Frage des Geburten- rückgangs. I. Von Luise Eichhoff. II. Von Frida Wulff. III. Von Compere- Morel.— Die Ergebnisse der Krankenkassenoerweterwahlen. Von F. Kl.— Bei den Spiclwarenmachern im sächsischen Erzgebirge. Von Else Woldt.— Süß und ehrenvoll ist es. fürs Vaterland zu sterben. Von kz.— Allem hinterm Zaun. Von Enima Döltz. Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer lv Ps., durch die Post bezogen beträgt der istbonncmenlspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnemeul 2.60 M. Vom„Wahren Jacob-- ist soeben die 23. Nummer des 30. Jähr- ganges 16 Seiten s'tarl erschienen und bringt neben dem humoristischen und satirischen Inhalt ein Bild des verstorbenen Genossen Wilhelm Gewehr in Elberscld. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummcin sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dich Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart jowie voll allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Briefhaften der Redaktion. Xle(arlfttfAc eprechstmide findet Ltuden straße 69, vorn vier Treppen — Fahrftnhl—, wocheutägliq von bis 7tv Uhr adend», Eonnadend», von i'/i dl» 6 Uhr adends statt. Jeder für den Brieskaftea dcfttmmten Anfrage tft ein Buchstade und eine Zahl al» Mertzeiche» betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen letne Adonnementsguitlung beigefügt tft, Verden nicht drantwortct. Eilige Fragen trage man t» der Sprechstunde vor. E. B. II. Jedes zweite Los.— K. H. IS. Ein Prwatkonservaiorium. dos musikalisch begabte Schüler gratis vorbildet, gibt es nicht. Des weiteren sprechen Sie doch einmal mit dem Rektor der Schule, in die Ihr Sohn achl.— Zwei Streitende ISIZ. Ja.— John Mecketz, Washington. Empsehlungen von privaten Unlernehmungen lehnen wir grundsätzlich ab. — W H. 5. 1. Ihre Mutter ist ebenfalls erbberechtigt, soweit der Nachlaß des Mannes in Frage kommt. 2. bis 4. Stellen Sie bei dem Amts- geeicht Demmin den Antrag aus Auseinandersetzung. Eine Strasanzcige gegen ihren Cousin erscheint aussichtslos.—«. S. Stolpischc Str. Wenden Sie sich sosorl an das Amtsgericht, in dessen Bezirk Ihr Schwager verstorben ist.— G. W. 833. Nein.— M. L. Ihr Sohn mutz aus Landeskirche ausgeschieden sein. Kosten 3,50 M.— H. F. P. IVO. 1. Ja. 2. Eine solche Uebereignung würde anfechtbar sein.— K. B. II.>. und 2. Kann nur nach Prüsung des Vertrages beantwortet werden. 8. Nein. — K. W. 5. Der Tanz kann, da eS sich um ein geschlossenes Vereins- vergnügen bandelt, bis morgens dauern.— E. SI. 1. Dagegen wird sich nichts wn lassen, da es sich anscheinend um einen in der Schulzeit fallenden Religionsunterricht handelt. 2. Ja, da Gebetbücher zu den Lehrmitteln ge- hören. 3. Dazu sind die Kinder nicht verpflichtet. Eine Sc« strasunz würde die Auitsbesugiiissc überschreiten. Geben Sie uns Ihre ge- nauc Adresse an oder kommen Sic aus die Redaktion.— R. 56. Nein. — St. 36. 1. Ja, weil die Rente dadurch geringer wird. 2. Antrag bei der Landesversicherungsanstall, wenn der Nachweis erbracht werden kann, wieviel Marken geleistet waren.— R. M. 82. Der Erzeuger bleibt auch weiterhin zahlungspflichtig.— F. S. 9-t. 1. Beim Obcrverwaltungs- gericht, jedoch nur dann, wenn Sie mit einem Einkommen von 8000 M. oder mehr eingeschätzt worden find. 2. u. 3. Nein. 4. Ja. Sie müssen aber einen besonderen Antrag bei dem Vorfitzende» der Veranlagung Z- kommisfion stellen.— N. 2. 56. Polizeipräsidimn, Kostenpunkt etwa 300 M.— R. W. Die löschungsfähige Quittung muß vor einem Notar oder dem Amtsgericht unterschrieben werden.— K. 86. Nur mit Zustimmung des Hauswirt».— Gewerbe 18. 1. Von dem verembarten Akkordlohn kann die Firma den Betrag kürzen, den Sie an einen anderen Arbeiter sür Fertigstellung gezahlt hat. Den verbleibenden Betrag ist sie verpflichtet, an Sie auszuzablcn. 2. Unverständlich. 3. Ja.— E. S. Ja. — H. 3. New.— M. M. 36. Sie haben Anspruch aus Krankengeld. Sollte die Jnvalidenversicherungsanstalt die Rente entziehen, so legen Sie beim Oberoersichernngsamt Berufung ein.— P. H. 45. Bei Wohmmgs- miete in vier Jahren.— Erna S7. Fürsorgeerziehung endigt mit Voll- endung des 21. Lebensjahres. Gegen den Beschluß ist binnen 14 Tagen nach Zustellung Beschwerde zulässig. Ist die Beschwcrdesrist verstrichen, so kann nach Ablauf eincS halben Jahres Antrag auf Aufhebung gestellt werden.— W.®. 10. Die Kommode und die Nöhmalchine könnten noch gepfändet werden. 2. Verjährung tritt erst in 30 Jahren ein. Durch jeden BollstreckungSversuch wird die Verjährung ssrist unterbrochen.— Besonders billige Ausnahmeprelse' Dauer nur noch bis 3. November ' Manchester-Anzüge Te«chieaene Farben, QlO Größe 1—6 Nur ein Preis 475 Qualität I, . Nur ein Preis Manchester- Anzüge 6rOJ3e 1—6 ,».5 Sport- AnZUge au» baltbaren Stoffen, A 20 Größe 1—6. w.......... t.. Nur ein Preis* Prinz-Heinrich-Anzüge farbige Buctekin«,'725 Größe 1— S.............. Nur ein Preis/ HlllSen- AnZUge-ehvere blaue Kammgarnstoffe Q50 mit Geberkragen, Größe 1—6,, �, Nur ein Preis Knaben-Hosen Größe i 35 Größe 185 aa» Resten gearbeitet. 1—6* J— 12 A Hervorragend schöne Modelle and Reisemustef Knaben-Ulster-Pyjacks Blusen-, Sport- u. Schul- Anzüge in den allerneuesten Fassons für das Alter von 2-18 Jahren zu bekannt billigen Preisen Sport-Anzüge in rerschiedenen Formen und 1 1 25 Stoffen, Größe 7—12......... Nur ein Preis X X Ulster modernste Farben, sweirelhig, mit auf- 075 gesetzten Taschen, Größe 1— 6.. 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Dr. Chrzescinski gibt dann folgende Erklärung ob: Im„Berliner Lokal-Anzeiger� von gestern morgen ist eine mit dem Namen von Otto v. Gottberg unterzeichnete Besprechung der letzten Verhandlung veröffentlicht, in der ein sehr lebhafter Angriff auf mein persönliches Vor- gehen enthalten ist. Ich gehe darauf nicht ein. Wer es nicht ver- standen hat, warum ich vorgestern aus der sofortigen restlosen Ver- lesung des von dem Zeugen v. Metzen bisher zurückgehaltenen Beweismaterials bestanden habe, der wird es, wenn ich es heute nochmals erkläre, auch nicht verstehen. Ich stelle zweifelsfrei fest. dag meine Absicht war, dieses Material lückenlos sofort zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, auf jede Gefahr bin, es möge die Angeklagten belasten oder e n t l a st e n; es möge a u tz e r den Angeklagten irgend jemand belasten oder entlasten, es möge der Firma Krupp mißfallen, ihren Gegnern mißfallen oder beiden miß- fallen. Aus jeden Fall, der Vorwurf, den ich dem Zeugen v. Metzen gemacht Habe, besteht darin, daß er der Gerechtigkeit Schaden getan hat durch die Vorenthaltung dieses Materials, und zwar meine ich das in dem Sinne, daß ich meine Schlußanträge am Schluß der Voruntersuchung nicht mit voller Kenntnis des vor- handenen Materials habe stellen können. Ich habe das auch des- wegen hier öffentlich konstatiert, weil eine andere Zeitung— es kommt ja nicht darauf an welche, sondern nur darauf, welche Meinungen so in der Oeffentlichkeit schweben fder Oberstaatsanwalt bezieht sich hier auf einen Artikel in der gestrigen„B. Z. am Mittag')— der Meinung Ausdruck gibt, der Oberstaatsanwalt unter- liege demselben Irrtum, dem die von» Militärgericht verurteilten Zeugoffiziere unterlagen, auch er scheine zu glauben, daß, wenn auch nicht Staats in terefsen und Krupp-Jnter- essen identisch seien, so doch eine Bloßstellung Krupps den Staat irgendwie diskreditieren könnte, also so, als wenn ich gewissermaßen besorgt wäre vor dem Metzenschen Material im Jntcreffc der Firma Krupp. Ein weitergehendes Mistverständnis ist wohl doch nicht niehr möglich. Auf jede Gefahr hin, mag e» belastend oder entlastend sein, wollte ich mich dieses Materials bemächtigen und es zur öffentlichen Kenntnis bringen' Es scheint eben sehr schwer zu sein, bei manchen Leuten das Verständnis dafür zu wecken, daß der Staats- anwalt wirklich nichts anderes will als die Gerechtigkeit. Das muß ich sagen, gegenüber dem Mißverstehen meiner prinzipiellen Stellung. Weiter will ich über die Artikel nichts sagen: aber eine Bemerkung des.Lokal-Anzeigers' verlangt eine sachliche Zurückweisung. ES wird da nämlich auSgesührt, daß ich gewisser- maßen wegwerfend davon gesprochen hätte, daß in einigen Briefen von Verhandlungen mit belgischen Offizieren über belgische Ge- schütze gesprochen wäre. Es wird weiter gesagt, daß der Staats- anwalt der allerletzte in diesem Saale wäre, der diese für die Ver- Handlung sehr gleichgültige aber unsere Industrie sehr schädigende Be- merkung machen durfte, denn jeder Kaufmann werde verstehen warum, und werde wissen, daß die französische Konkurrenz heute schon in Belgien mit der Bemerkung krebsen gehe. Der Zeuge v. Metzen war der offizielle Vertreter der Firma Krupp in Belgien und hat als solcher eine Lieferung von Geschützen an den belgischen Staat vermittelt, für die er, wie er bereits bekundet hat, eine nach Tausenden, ich glaube, man darf sagen nach Zehntausenden zählende Provision bezogen bat. Daß er in dieser seiner Stellung mit belgischen Offizieren über belgische Geschütze verhandelt hat, ist eine offenkundige für jeden Einsichligen s e l b st v e r st ä n d l i che Tatsache und nur von dieser selbstverständlichen Tatsache habe ich gesprochen. Ich habe in einigen dieser Briefe Einladungen zu Schießversuchen aus belgischen Uebungsplätzen an Herrn v. Metzen gefunden. Davon habe ich gesprochen. Die heutige Verhandlung aber dreht sich um die Frage, nicht ob offizielle Vertreter der Firma Krupp mit offiziellen Vertretern der Staatsregierungen und Heeres- Verwaltungen verkehren, sondern ob die Firma Krupp, der hier iu Berlin alle Türe» flügclwrit offenstehe», außer dem Eintritt durch diese Türen noch einen anderen Weg gegangen ist. Darum dreht sich diese Verhandlung, und wenn man in diesem Zusammenhang aus meiner an und für sich selbstverständlichen, gar nichts Böses enthaltenen Bemerkung herausliest, daß hier der Verdacht be- stehe, die Firma Krupp möge in Belgien sich irgend welcher un- lauterer Mittel bedient haben, so gebe ich zu. daß durch die An- regung eines solchen Verdachtes die Interessen der deutschen Industrie geschädigt werden mögen; aber diese Schädigung ist nicht von mir veranlaßt, sondern von anderer Seite! Nach dieser zum Schluß in einiger Erregung gesprochenen Erklärung erwidert Verteidiger Justizrat Dr. v. G o r d o n: Wir, die Verteidigung und die Firma Krupp, befassen uns ganz konsequent nicht mit der Presse trotz mancher Verlockungen; aber es ist eine gewisse Genugtuung für mich, daß ich gestern bei der Durchsicht der beschlagnahmten Briefe in der Tat bemerkt habe, daß eine ganze Reihe absolut militärischer Geheini nisse, auch deutscher militärischer Geheimnisse in den Briefen stehen. Es hätte ein unendliches Unglück geben können, wenn wir diese Sachen auf den Tisch des Hauses ausgeschüttet hätten. Wir können auch nicht militärische Ge- Heimnisse eines ausländischen Staates, z. B. eines Dreibund- st a a t e s, verlesen. Das schickt sich nicht, das widerspräche der internationalen Höflichkeit. Weiter sind in den Briefen auch eine Reihe von Dingen enlhalten, die mit der Verhandlung in gar keinem Zusammenhang stehen und auch nicht in die Oeffentlichkeit gehören. Im übrigen aber bitte ich um r e st l o s e Verlesung des Materials.— Vert. Dr. Löwenstein beantragt im Interesse seines Klienten Brandt, alles was in diesem Brieswechsel über hie Person und Tätigkeit Brandts und im Zusammenhang nni ihr ent- halten ist. öffentlich zur Verlesung zu bringen. Der Oberstaats- anwalt stellt noch fest, daß vor der Verlesung derjenigen Briese, die möglicherweise militärische Geheimnisse enthalten, die Meinung der Sachverständigen darüber eingeholt werden soll. Der Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Karsten schreitet nun in der Vernehmung des Zeuge» v. Metze» fort. Der Zeuge v. Metzen, der kränklich aussieht und öfter beim Sprechen durch einen schweren Husten gestört wird, wird vom Vor- sitzenden gewagt: Haben Sie, bevor Sie den nachher zu verlesenden Brief vom 23. August 1909 an EcciuS geschrieben haben, mit E c c i u S eine Unterredung gehabt?— Zeuge; Anfaug August hatte ich eine Unterredung mit Herrn Eccius über die Frage der Uebernahme der Berliner Vertretung durch mich. Am Schluß dieser Unterredung fragte mich Herr Eccius: Wiffen Sie, daß wir jemand in Berlin haben, der uns geheime Nachrichten gibt?— Vors.: Wurde dabei von Kornwalzern gesprochen?— Zeuge: Ich habe den Ausdruck Kornwalzer in Essen, sei es von Herrn v. Schütz, sei es von Herrn EcciuS kennen gelernt. Die Aeußerung des Herrn Eccius über die Beschaffung geheimer Nach- richten tat er auf meine Frage über die Verhältnisse des Berliner Bureaus. Es wurde im Anschluß daran auch von Geld gesprochen, das Brandt für die Kornwalzer ausgegeben hätte und das ihm vergütet werde. Ich kann aller- dings nicht sagen. ob Herr v. Schütz, solange er in Berlin war, diese Gelder zahlte. Jedenfalls sagte Herr Eccius, die Kosten seien verhältnismäßig gering.— Vors.: Wurde über die Verwendung dieses Geldes gesprochen?— Zeuge: Nein, in keiner Weise. Es wurde nur gesagt, daß es zur Beschaffung von Informationen diene und daß Herr Brandt für diese Zwecke Geld brauche. Herr v. Schütz ging im Frühjahr 1909 nach Essen und in der Zwischenzeit bis zu meinem Dienstantritt in Berlin hatte Brandt jedenfalls auch Ausgaben gehabt und liquidiert. Wo er sie liquidiert hat, weiß ich nicht, ich vermute aber bei Herrn Mouths.— Vors.: Wie nahmen Sie die Mitteilungen von Herrn EcciuS und nachher von Herrn v. Schütz über die Tätigkeit Brandts auf?— Zeuge: Was Herr v. Schütz über die Tätigkeit Brandts gesagt hatte, hatte mich außerordentlich bedenklich gestimmt. Ich fragte Herrn Eccius, kann denn daS nicht aufhören, ist es nicht möglich, die Sache abzustellen? Mir war eS sehr unangenehm, daß so etwas existierte und das habe ich in der zweiten Unterredung mit Herrn Eccius auch betont.— Vors.: Haben Sie einen Grund angegeben, warum das aushören sollte?— Zeuge: Herr v. Schütz halte mir über die Tätigkeit Brandts ein ziemlich genaues Bild entworfen. Er sagte, Brandt sei unglaublich geschickt, er bekomme einfach alles, es wäre geradezu unheimlich und es setze ihn auch manchmal in direkte Verlegenheit. Wenn nämlich Herr v. Schütz bei Offizieren Besuche machte, so fielen ihm dann Dinge ein. von denen er nicht genau wußte, ob er sie durch Brandts Informationen oder sonst woher hatte. Er sagte, es wäre ihm bereits passiert, daß er solche Dinge gejagt habe und der betreffende Referent ihn gefragt hätte, wie kommen Sie dazu, das zu wisse»? Vors.: Also Herr v. Schütz sagte. Brandt wäre in der Ausnutzung seiner Beziehungen sehr geschickt gewesen.— Zeuge: Ja, und er sagte noch, Brandt bringe alles fertig. Ich erinnere mich genau, daß er sagte: Brandt brachte mir einmal mehrere Zünder der Heeresverwaltung, da habe ich aber einen Schreck bekommen und ihn damit zurückgeschickt.— Vors.: Glauben Sie nun, daß Brandt sich diese Dinge durch Bcstechnngc» verschafft hat?— Zeuge(nach einigem Nachdenken): Herr Präsident, ich weiß, wie es im Leben zugeht und kann mir ein Bild davon machen, daß, wenn jemand derartige Auskünfte bekommt, er sie nicht wegen seiner schönen Augen bekommt. Ich weiß nicht, ob Brandt das Geld von Herrn v. Schütz erhielt, ich weiß nur, daß er außerordentlich wenig Geld gebraucht hat und das hat mir entweder Herr v. Schütz oder Herr EcciuS gesagt. Auf meine Frage, ob dieses System mit Brandt nicht eingestellt werden könne— ich habe schon damals angenommen, daß Eccius ganz gena» orientiert war, über das, was mir Herr v. Schütz gesagt hätte— wenn ich mich getäuscht haben sollte— dann habe ich mich getäuscht, aber ich habe es damals unbedingt angenommen. Ich sagte also Herrn Eccius, ich lasse mich nicht darauf ein, daß Brandt ganz allein zu diesem Zwecke in Berlin sitzt und gewissermaßen dem Bureau attachiert ist.— Vorsitzender; Und was sagte Herr Eccius darauf?— Zeuge: Wir wurden uns klar, wie die Sache in Berlin organisiert werden sollte, vorbehaltlich des Befundes, den ich selbst machen würde, denn ich hatte bis dahin mit Brandt überhaupt noch nicht gesprochen. Herr Eccius lehnte es kategorisch ab, daß die Einrichtung mit Brandt aufgehoben werden solle.— Vorsitzender: Begründete er das?— Zeuge: Er sagte, Brandt ist absolut nötig.— Vorsitzender: Wieso?— Zeuge: Herr EcciuS sagte, erst seitdem Brandt da ist, wissen wir, was in Berlin vor sich geht. Vorher haben wir davon keine Ahnung gehabt, erst jetzt können wir- unsere Geschäfte danach einrichten. Run war Brandl ja schon drei Jahre in Berlin und ich nahm deshalb an. daß jetzt die Firma genügend orientiert sein müßte, um ihre Geschäfte auch ohne die Tätigkeit des Brandt weiter fortsetzen zu können. Eccius wies nicht allein auf diese Tätigkeit des Brandl hin, sondern auch auf dessen außerordentlich gute Beziehungen zum RcichSmarineamt, deshalb sagte er, sei es unmöglich, daß wir Brandts Tätigkeit ein- stellen.— Bors.: Was wurde über die Liquidationen Brandts ge- Prochen?— Zeuge: Ich weiß nicht genau, ob der Vorschlag die Einzclliquidationen in eine Pauschalsumme umzuwandeln von Eccius oder von mir gemacht wurde. Ich möchte aber fast sagen, daß er von mir kam.— Vors.: Was wurde noch darüber gesprochen?— Zeuge: Ich sagte ja schon, daß ich es für unmöglich erklärt habe, Brandt in dieser Eigenschaft als Informator und Auskunftsbeschaffcr in dieser Weise in Berlin weiter arbeiten und dem Bureau attachiert sein zu lassen. Was sollten die Leute davon denken, sagte ich. Ich erklärte EcciuS. Brandt müsse eine offizielle Position bekommen. Eccius war damit durchaus einverstanden, auch weil die ganze Tätigkeit deS hiesigen Bureaus erweitert werden sollte. Ich sollte nicht allein mit den Militärbehörden verkehren, sondern meine Tätig- keit auch auf die Reichsmarine und die fremden Gesandtschaften ans- dehnen, und hierbei wären mir die guten französischen Sprachkenntnisse Brandts in Wort und Schrift sehr»ölig gewesen-— Vors.: Angeklagter Eccius, was sagen Sie dazu?— Eccius: Ich habe schon in meiner Vernehmung angegeben, daß ich mit Herrn v. Metzen über die Aufgaben seiner Berliner Tätigkeit verhandelte und habe auch gesagt, daß dabei die Tätigkeit Brandts zur Sprache gekommen ist und daß ich die Absicht hatte, die Liquidationen, die Brandt im einzelnen bei Herrn v. Schütz gemacht hatte, abzulösen durch eine feste Zulage.— Vors.: Herr Eccius, der Zeuge v. Metzen gibt an, daß zwar über die von Brandt für seine Informationen liquidierten Gelder nicht gesprochen wurde, daß es aber in der Nattir der Sache liege, daß diese Gelder zu Bestechungen verwendet wurden, und daß Herr v. Schütz und Sie darüber orientiert ivareu.— Angekl. Eccius; Das bestreite"ich.— Bors.: Haben Sie sonst noch etwas zu er- klären?— Angekl. Eccius: Es wurde nur von den Repräsentations- zulagcn gesprochen.— Vors.: Der Zeuge v. Metzen behauptet, daß Brandt in der Zeit von 1906 bis 1909 nichts anderes gemacht habe, als Informationen einzuholen und die Kornwalzer nach Essen zu schicken.— Angekl. Eccius: Davon ist mir nichts bekannt. Ich bin immer davon ausgegangen, daß Brandt auch eine andere Tätigkeit im Berliner Bureau ausübte.— Angekl. Brandt; Ich habe auch noch eine ganze Zahl anderer Burcauarbeiten gemacht, das ist ganz gewiß.— Bert. Rechtsanwalt Löwenstein: Vielleicht äußert sich Herr Brandt auch über die Angelegenheit der Zünder.— Angekl. Brandt: Die Sache ist gerade umgekehrt, und wenn Herr v. Schütz das so gesagt hat. wie Herr v. Metzen hier angegeben hat, dann hat er nicht die Wahrheit gesagt. Herr b. Schütz zeigte mir in den ersten Tagen meiner Berliner Tätigkeit eine Zigarrenkiste, in der Zünder lagen, und fragte mich, ob die Firma Krupp so etwas brauchen könne. Ich sagte, das hätte keinen Wert; Herr Professor Rautenberg, der in Essen diese Sachen be- arbeitet, kenne die Zünder der Armee ganz genau und außerdem habe die Firma eine große Menge ehemaliger Oberfeuerwerker, die auch über diese Sachen orientiert seien. Herr v. Schütz hatte von artille- ristischen Dingen keine Ahnung.— Vors.; Woher stammten die Zünder?— Angekl. Brandt: Das weiß ich nicht.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Die Zünder sind bei Brandt ge- f u n d e n und als vollkommen harmlos f e st g e st e I l t worden.— Angekl. Brandt: Herr v. Metzen weiß genau, daß ich ihm eine Rechnung vorgelegt habe. Es handelte sich um eine Ouitttung, die er Herrn v. Schütz gegeben hat.— Zeuge v. Metzen: Herr Präsident, ich glaube mich zu erinnern, daß es eine Rechnung war und, soiel ich weiß, betraf sie 200 M.— Verteidiger Justizrat v. Gordon: Ist eS richtig, daß Herr v. Schütz von artille- ristischen Dingen keine Ahnung hatte?— Vors.: Das ist schon be« beanttvortet. ES gelangt dann der Inhalt der Briefe v. Metzens an Direktor Eccius zur Verlesung, und zwar zunächst die Abschrift des ersten Briefes, den v. Metzen am 23. August 1909 auS Berlin an EcciuS gerichtet hat. Er lautet: „Hochverehrter Herr Eccius, ich muß meinen Wunsch, daß in der Frage der zukünftigen Besetzung des Berliner Bureaus Klarheit geschaffen werde, wiederholen. Nachdem ich Herrn Brandt kennen- gelernt habe, kann ich meine erste Vermutung nur bestätigen, daß er für das Berliner Bureau unentbehrlich ist. Ich habe ihm das auch eröffnet und Herr B. ist sehr zufrieden, daß er Bureauvorsteher werden und eine offizielle Stellung er« halten soll. Außerdem ist auch die Sache der Kornwalzer sofort zur Sprache gekommen, da B. mir eine Liquidation vorlegte. Ich habe sie abgelehnt und ihn an Sie gewiesen. Es ist und bleibt meiner Ansicht nach das einzig richtige, daß B. eine angemessene Zulage für sein ihm aus den besonderen Berliner Verhältnissen erwachsenden Ausgaben erhält, wie eS ja auch mit mir in Brüssel der Fall war. B. wird Ihnen demnächst selbst schreiben.' Zeuge v. Metzen: Das ist der erste Brief, den ich geschrieben habe. Ich hatte gesehen, daß Brandts Gaben nicht genügend ausgenutzt wurden. Er war sehr intelligent, hatte gute Sprachkenntnisse und war artilleristisch sehr gebildet. Damals hat Brandt mich gewissermaßen als seinen Retter betrachtet und war mir dankbar. Er sagte mir, er sehe ein, daß seine momentane Stellung unhaltbar sei und daß er viele Schwierig- leiten wegen der Gelder habe. Ich war der Meinung, daß niemand etwas an der Form der Repräsentationszulagen auszusetzen habe. — Vors.: Mir fällt es nur auf und wundert mich, daß Sic diese Beträge gleichstellen mit den Repräsentationszulagen, die Sie er- hatten haben.— Zeuge v. Metzen: Ich habe Herrn Eccius dar- gelegt, daß die einzelnen Liquidationen Brandts eine Gefahr seien, daß es sich da um etwas handele, was nicht ganz korrekt war, und er hat mir das auch zugegeben.— Vors.: Also die Schmiergelder für Brandt sollten Ihren Repräsentationsgeldern gleich- gestellt werden.— Zeuge: Vor der Welt.— Bors.: Was heißt daS vor der Welt? Ihr Brief war doch ein Schreiben an Direktor Eccius und in diesem Briefe stellten Sie, jpie Schmiergelder und Ihre Repräsentationsgelder auf eine Stufe.— Angekl. Eccius: Ich habe das Schreiben, das Herr v. Motzen an mich gerichtet hat, nicht mehr in meinen Akten, aber ich zweifele nicht, daß ich einen solchen Brief erhallen habe.— Vors.: Wollen Sie sich auslassen, weshalb lediglich vor den Augen der Welt die Sache kaschiert werden sollte.— Angekl. Eccius: Ich kann nur wiederholen, was ich Herrn v. Schütz gesagt habe.— Angekl. Brandt: Jawohl, eS ist richtig, ich war Herrn v. Metzen dank- bar, daß die damals für mich unhaltbaren Verhältnisse geregelt wurden. Herr v. Bietzen hat auch im Berliner Bureau Ordnung ge- schaffen. Es ist jedoch nicht richtig, daß ich vorher keine Bureau- tätigkeit ausgeübt habe. Ich habe stets alle Ein- und Ausgänge durchgesehen.— Zeuge v. Metzen: Ich bestteite keineswegs, daß Herr Brandt Einsicht genommen hat in die Ein- und Ausgänge; das gehörte ja zu seiner speziellen Tätigkeit, damit er über alles informiert war.— Verteidiger Rechtsanwalt L ö w enst ein: Der Zeuge hat bekundet, er habe iii Essen verlangt, daß Brandt ab- geschafft werden müsse und er schreibt jetzt:„ich kann nur meine erste Vermutung bestätigen, daß mir Herr Brandt unentbehrlich ist." � Zeuge v. Metzen: Habe ich gesagt, daß Brandt abgeschafft werden müsse?— Vors.: Jawohl.— Zeuge: Dann ist das nicht richtig. Ich habe nichts gegen die Person des Herrn Brandt ein- zuwenden gehabt. Ich habe nur gefragt, ob nicht dieses Spionagesystem abgeschafft werden könnte. Alles, was ich von Herrn Eccius und v. Schütz über Brandt hörte, bewies mir, daß er für das Berliner Bureau außerordentlich befähigt war.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwen- stein: Das erscheint doch nicht gut verständlich. Herr v. SchüOatte doch dem Zeugen gesagt, Brandt befasse sich nur mit der Beschaffung der geheimen Nachrichten, und der Zeuge selbst wußte gar nichts von der Person Brandts.— Zeuge: Die Unterredung mit Herr» v. Schütz dautrte den ganzen Nachmittag. Ich bin da genau über die ganzen Berliner Verhältnisse orientiert. Das kann mir wohl jeder glauben.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Lötvenstein regt dann an, durch Stellung verschiedener Fragen an den Zeugeir die Widersprüche zwischen seinen Angaben und den Jnhall seiner Briefe feststellen. Der Zeuge v. Metzen erklärt, daß er diese Fragen nicht als Widerspruch auffasse und daher auch nicht aufklären könne. Verteidiger Löwenstein: Nach dem Zeugen hat Herr v. Schütz den Bureauvorsteher Kern außerordentlich gelobt und Herrn Brandt als Bestecher hingestellt. Da muß ich doch fragen, weshalb der Zeuge gerade Herrn Brandt für befähigt zum Bureauvorsteher hielt.— Zeuge: Die Sache ist ganz außerordentlich einfach, Sie betrachten alles zu mißtrauisch. Herr Kern war auch eine außer« ordentlich gewissenhafte Person, aber er besaß keine Sprachgewandt- heit, war nichts als Stenograph und Maschincnschreiber und konnte auch lediglich nur registrieren. Mit einem solchen Mann kann man in Berlin als Bureauchef nicht auskommen.— Verteidiger Löwen- stein: Das ist aber doch eine Erfahrung, die Sie erst später ge- macht haben.— Zeuge: Das alles hatte mir schon Herr v. Schütz mitgeteilt. Es folgt dann die Verlesung des Antwortschreibens des Direktors Eccius an Herrn v. Metzen, das im Original vorliegt und vom An- geklagten Eccius anerkannt wird. Es ist vom nächsten Tage (24. August 1909) aus Essen datiert und lautet: „Lieber� Herr v. Metzen! Ich kann mir denken, mit welcher Ungeduld Sie Herrn Dreger erwarten. Ich spreche morgen mit ihm. Besten Dank für Ihren gestrigen Brief in dachen Brandts. Dieser schreibt gleichzeitig. Ich möchte darauf aus n a h e l i g c n d e n Gründen nicht antworten. Dagegen würde es mir lieb sein, eine Aufstellung des Jahres- durchschnilts seiner Auslagen zu bekommen. Ich werde mich be- mühen, die Sache schnell zu regeln, eventuell lasse ich Brandt auch zum Abschluß eines neuen Vertrages nach Essen kommen.' Vorsitzender: Angeklagter Eccius, ich möchte von Ihnen wissen, welche naheliegenden Gründe es waren, aus denen Sic damals nicht aitt- tv orten konnten.— Angeklagter Eccius: Ich wollte nur auf den Brief von Brandt nicht antworten.— Vorsitzender: Ach nein, das steht in dem Brief nicht drin. Man kann Wohl nicht annehmen, daß das gemeint ist.— Angekl. Eccius: � Das geht aber doch aus dem folgenden Satz hervor, daß er zu einem neuen Vertrag nach Essen kommen solle.— Vors.: Das scheint mir doch nicht so zu sein.— Angekl. Eccius: Ich kann mich nicht entsinnen, was ich damals gemeint habe.— Vors.: Das ist ja richtig, daß man sich nicht bei jedem Brief er- innert, was man sich beim Schreiben gedacht hat; aber das hier ist doch etwas ganz anderes. Ich kann nur annehmen, daß Sie sagen wollten, über solche Sachen schreibt man nicht, sondern erledigt sie mündlich. Wolle» Sie eme nähere Erklärung abgeben?— Angekl. Eccius: NeinI— Zeuge v. Metzen: Ob Brandt die Jahres- aufstellung gemacht hat. weiß ich nicht, er ist aber darauf nach Esien gefahren.— Angekl. Brandt: Ich habe sie nicht gemacht, denn ich bin am nächsten Tage nach Essen gekommen.— Zeuge v. Metzen: Das ist nicht richtig. Herr Eccius war gar nicht mehr in Essen, die Reise ist erst später erfolgt.— Der Vorsitzende bestätigt das.— Ein Beisitzer: Herr Zeuge, wie haben Sie den Passus aufgefaßt: „Aus naheliegenden Gründen"?— Zeuge: Ich habe mir darüber den Kopf nicht zerbrochen. Daß Herr Eccius nicht schriftlich über Dinge korrespondieren wollte, die das Licht der Welt scheuen, ist doch vollkommen klar. Herr Eccius ist Jurist genug, um etwas schriftlich über solche Dinge aus der Hand zu geben, sei es an mich, sei eS an Brandt.— Vors.: Angekl. Brandt, was haben Sie geschrieben?— Angekl. Brandt: Das weiß ich nicht mehr genau. — Angekl. EcciuS: Ich erinnere mich dessen auch nicht mehr.— Verteidiger Justizrat G o r d o n ist der Meinung, daß die Worte „aus naheliegenden Gründen" sich auf eine Antwort an Brandt beziehen.— Vors.: Das ist doch ausgeschlossen. Es geht doch aus dem Wortlaut hervor, daß Herr Eccius schrieb: „Ich möchte aus naheliegenden Gründen Ihnen zum Fall Brandt nicht antworten."— Verteidiger Löwenstein: Brandt hatte doch aber gleichzeitig geschrieben und dann erst schreibt Herr Eccius: „Ich möchte auf diese Angelegenheit nicht antworten."— Vors.: Es handelt sich um drei kurze Sätze. Hinter jedem steht ein Punkt. Was gemeint ist, ist doch�ganz klar. Hierauf wird der nächste Brief des Herrn v. Metzen an Eccius verlesen, der wieder beginnt:„Hochverehrter Herr Eccius!" Er spricht dann von seiner Ungeduld, von Herrn Dreger bei den maß- gebenden Militärbehörden vorgestellt zu werden' und fährt fort: „Was Herrn B. angeht, so gehe ich gern auf Ihre Anregung ein, ihn zur Besprechung nach Essen kommen zu lassen. Ich will ihn ohnehin nach Essen schicken, damit er sich über Marineangelegenheiten informiert.— In einem weiteren Brief an Eccius schreibt v. Metzen, daß er voraussichtlich mit Kern nicht werde auskommen können. In dem Briefe wird weiter ausgeführt, daß Brandt in den Akten besser orientiert sei wie Kern, und daß er die ausländischen Akten studieren solle, wozu er durch seine Sprachenkenntnisse besonders ge- eignet sei, er werde sich dafür gut machen. Er habe jetzt schon so viel zu tun, daß ihm kaum Zeit übrig bleibe. Er habe das Bureau zu beaufsichtigen und die zeitraubenden Preis- und Terminaufstellungen zu machen, sowie ganz vertrauliche Notizen des Herrn v. Metzen' zu behandeln und dann „die Kornwalzer, welche, wie ich hoffe, immer mehr ausgestaltet loerden und die ich mich bemühen will, in noch unverfänglichere Formen zu bringen. Da ich gerade bei diesem Gegenstand bin, bitte ich auch um Ueber- Mittelung eines namentlichen Verzeichnisses derjenigen Personen in Essen. denen die Kornwalzer zugänglich öder denen sie zukommen. An Brandt habe ich meine Freude. Nachdem ich ihm den Rücken gestärkt habe, kann er mit größerer Sicherheit auf- treten. Er muß auch Besuche empfangen, was infolge meiner häufigen Abwesenheit notwendig ist und löst seine Aufgaben geschickt. Man darf ihn nur nicht loslassen. Ich bitte die Angelegenheit mit B. zu ordnen. Er muß iu Verlegenheit sein, denn er hat mich um eine ganz niedliche Summe" angeborgt.— Vors.: Während Sie hier in diesem Brief erklären, daß Brandt viel zu t u ir gehabt habe. haben Sie früher gesagt, daß Brandt außer der Nachrichten- beschaffung nichts gemacht habe im Bureau.— Zeuge: Die Aeuße- rungen, die ich vorher gemacht habe, sind allerdings etwas scharf und ich habe das, was mir Herr Eccius in Essen gesagt hatte, nicht im ganzen Umfange bestätigt gefunden. Die Akten waren sehr reich- haltig und unübersichtlich. Es fehlte eine Registratur usw.— Vors.: Ja, aber wenn Sie sagen, Kern habe wenig getan, so muß doch Brandt auch etwas gemacht haben.— Zeuge: Kern war ein außer- ordentlich genauer und langsamer Arbeiter und er brachte in der gleichen Zeil weniger vor sich, wie Brandt.— Vors.: Sie schreiben aber doch, daß das, was Dreger gesagt habe, nicht ganz richtig sei, denn Brandt sei mindestens so orientiert, wie Kern.— Zeuge: Gewiß, Brandt wußte in den Btten ost bester Bescheid als Kern. Er hat aber niemals die Akten ge- heftet oder so, das machte Kern. Brandt hat nur von dem Inhalt der Akten Kenntnis genommen.— Angekl. Brandt erklärt dazu, ein ganzes Jahr lang an der Herstellung eines.Buches gearbeitet zu haben, das eine genaue Zusammenstellung aller Geschütze, ihrer Eigenschaften und Preise enthielt, waS eine kolossale Arbeit gewesen sei, so daß er zu anderen Bureauarbeiten weniger kam. Der Zeuge v. Metzen bestätigt, daß Brandt ihm dieses Buch gezeigt habe und daß dieses Buch eine große Arbeit war. Es sei aber in der Hauptsache nichts anderes als eine Zusammenfassung der auf dem Wege der„Kornwalzer" erzielten Verdingungsresultate gewesen.— Angekl. Brandt: In dem Buche stehen' ausschließlich offizielle Angaben der Behörden, nicht ein.Kornwalzer" ist dazu verwendet.— Verteidiger Löwenstein: Der Zeuge hat früher gesagt, daß Brandt seine ganze Zeit mit Nachrichten- beschaffung ausschließlich verbracht habe. Jetzt sagt er. mit der Be- arbeitung von Nachrichten. Ich stelle fest, daß der Zeuge dies erst zugegeben hat, nachdem ihm Brandt eine Vorhaltung gemacht hat.— Vorsitzender: Sie schreiben ja auch, daß Kern in eiize Gehaltsstufe eingedrungen sei, die seinem Können mcht entsprach. Wie kommen Sie dazu? � Zeuge: Kern war der Liebling des Herrn v. Schütz, der für ihn alles getan hat, um ihn gutzustellen. Er war der Ge- Heimsekretär des Herrn v. Schütz und mit Rücksicht darauf hat er mehr Gehalt bekommen, als Leute derselben Kategorie in Essen. Der Zeuge v. Metzen erklärt noch, daß seine Bemerkung über die starke Inanspruchnahme Brandts dahin zu verstehen sei. daß Brandt sür die Kornwalzer nur diejenige Zeit zur Verfügung gehabt habe, die ein anderer zu Hause zu verleben pflege. ES wird nun der Satz aus diesem Briefe erörtert, worin Herr V. Metzen die Hoffnung ausspricht, daß die Kormyalzer immer mehr ausgestaltet werden.— Vors.: Daraus geht doch hervor, daß Sie selbst daran mitwirkten, daß es Ihr Wunsch war, daß diese Tätigkeit noch mehr ausgestaltet wurde, und Sie schreiben ja auch, daß Sie sich bemühen wollen, die Kornwalzer in noch unverfänglichere Form zu bringen. Da muß man doch annehmen,: daß Sie dabei mitwirkte».— Zeuge: Als ich, nach Berlin kam, legte mir Brandt einen sogenannten Kornwalzer vor. Als ich den sah, war ich ziemlich beruhigt. Ich hatte niemals vorher meinen Fuß in das preußische Kriegsministerium gesetzt und konnte nicht ahnen, wie die Berliner Militärbehörden ihren Geschäftsgang handhaben und woher Brandt eigentlich diese Nachrichten hätte. Ich fand z u n ä ch st, daß die Kornwalzer kolossal harmlos waren, denn sie enthielten z u n ä ch st Zusammenstellungen der Fabriken, die Lieferungen zu den und den Preisen bekommen hatten. Ich hielt das für ganz unverfänglich. Den Eindruck wird jeder haben, der mit dem Geschäftsgang bei den Behörden hier nicht vertraut ist. -Naaeacn bin ich durch eine Nachricht, die mir Brandt brachte, sehr „nrbdenklich gestimmt worden. Bei unserer ersten Zusammen- lunft erzählte er mir, daß ein an den Landrat a. D. Rötger geschickter Koruwalzer fehlgegangen „s �6 er erst nach einer Reihe von Tagen an seine Adresse ge- lnnat fei Ich sagte mir. wenn ein solche« Schriftstück in unrechte Hände gerate, wenn das möglich sei, daß die Sicherheit der Landesverteidigung und auch, was ich gar nicht leugnen will, die Sicherheit der Firma Krupp dann gefährdet werden könne. Ich habe Brandt auch gesagt, daß die feuilletonistische Gestaltung der Kornwalzer fortfallen könne und sie nur auf kurze Notizen beschränkt sein sollen sowie daß die Gegenstände der Heeresausrüstung mit Code- Worten bezeichnet werden sollen, damit sie ein Unberufener nicht erkennen könne. Ich habe auch Brandt gefragt, warum er denn die Kornwalzer unterschreibe, und es ist daraufhin unter- blieben.— Vors.: Wozu wollten Sie das Namensverzeichnis der Empfänger haben?— Zeuge: Auch nur im Interesse der Sicherheit. � Vors.: Wollten Sie durch dieses Verzeichnis vielleicht wissen, wie die Kornwalzer für den einen oder anderen Herrn interessanter ge- staltet werden sollen, indem sie Dinge mitteilen, die für den be- treffenden Empfänger besonders interessant sind?— Zeuge: Nein. — Vors.: Oder gingen Sie vielleicht von vornherein darauf aus, ein Verzeichnis derjenigen anzulegen, die mit dieser Sache Bescheid wußten?— Zeuge: Das hätte mir damals ja absolut nichts genutzt. Ich wollte nur wissen, in welche Hände die Kornwalzer geraten, w i e weit das geht und wer Bescheid weiß.— ES entspinnt sich nun eine kurze Erörterung darüber, ob der Zeuge v. Metzen dem An- geklagten Brandt den in dem Briefe erwähnten Betrag— es sind 300 M. gewesen— zu dem Zweck oder in Kenntnis seiner Ver- Wendung zur Bewirtung von Zeugoffizieren usw. geborgt habe. Der Zeuge verneint dies entschieden und auch der Angeklagte Brandt kann dies nicht bekräftigen. Er hat wohl dem Zeugen mitgeteilt, daß er sein eigenes Geld durch die Bewirtung ausgegeben habe und daß er Geld für sein Grundstück brauche.— Verteidiger Löwenstein bemerkt noch mit Bezug darauf, daß der Zeuge gesagt hatte, der Verlust des an Landrat a. D. Nötger gerichteten Briefes habe die Herren in Essen in die größte Äufrcguug versetzt, daß diese Aufregung doch ganz einfach auf die Möglichkeit des Bekanntwerdens von Geschäftsgeheimnissen zurückgeführt werden kann.— Verteidiger Dr. v. Gordon wünscht eine Feststellung darüber, ob in dem Auszug dieser Korrespondenz, den Herr v. Metzen in der Verhandlung vorgestern produziert und den er sich, wie er sagt, zu dem Zweck angelegt hat,, um sein Ge- dächtnis zu unterstützen, der Satz von der besseren Ausgestaltung der Kornwalzer und ihrer u n v erf ä n g l i ch e r en Fassung enthalten sei. Der Vorsitzende stellt fest, daß dieser Satz in dem Auszug nicht enthalten ist und fragt den Zeugen nach der Ursache. Der Zeuge antwortet zunächst mit der Behauptung, daß von dem Vor- handensein dieser Korrespondenz sowohl Eccius wie auch das Gericht längst Kenntnis gehabt haben müsse, da doch oft davon die Rede gewesen sei. Der Vorsitzende, der Oberstaatsanwalt und Unter- suchungsrichter Wetzel erkläre» jedoch, von dem Borbandensein der Korrespondenz nichts gewußt zu haben.— Bert. Dr. v. Gordon bemerkt dazu: Sie sagen jetzt, da« Gericht mußte die Korrespondenz kennen, und dabei haben Sie doch in den Zeitungen angekündigt, Sie würden mit etwas ganz Neuem kommen.— Zeuge: Ich habe aller- dingS angenommen, daß die Verteidigung das Prüvcniere spielen und mir diese Waffe entwinden würde. Es wird nun auf die Weglassung des Satzes über die Kornwalzer in dem Auszug zurück- gegriffen. Der Zeuge erklärt, daß hierbei keinerlei Absicht obgewaltet habe, da dieser Satz für den Gegenstand seiner Zeugenaussage ihm weniger wesentlich erschienen sei.— Bert. Löwenstein: Wenn Sie den Auszug nur zur Unterstützung Ihres Gedächtniffes hergestellt haben, warum haben Sie denn davon Kopien machen lasten, die ebenfalls beschlagnahmt wurden?— Zeuge: Um eventuell daS Material auch anderen Stellen, die sich dafür interessieren, weiterzugeben. Ich brauchte ja nicht allen Herren, denen ich das Material eventuell gegeben hätte, auck den Satz über die Kornwalzer mitzuteilen. Verteidiger Dr. v. Gordon: Haben Sie nicht dem„Berliner Tage- blatt" und der„Nationalzeitung" einen großen Teil dieser Korre- spondenz gezeigt? Ueberlegen Sie sich doch Ihre Antwort in Ihrem Interesse, das könnte ja fürchterlich werden.— Der Zeuge erklärt, der Presse die Briefe nicht zur Verfügung gestellt zu haben. Nur einen einzigen Brief der Firma habe er aus der Hand gegeben. — Auf eine Frage des Oberstaatsanwalts erklärt der Angeklagte Brandt, daß er niemals Kornwalzcr unterschrieben hat, sondern nur in früherer Zeit Herr v. Schütz.— Der bereits als Zeuge ver- nommene Direktor MouthS bekräftigt diese Erklärung. Es wird nun ein Schreiben vom 13. September 1309 verlesen. Es ist die Antwort auf das vorige Schreiben des Herrn v. Metzen und ist von Marquardt unterzeichnet. Darin wird dem Herrn v. Metzen mitgeteilt, daß die Kornwalzer regelmäßig außer den Herren Rötger, Mouths und v. Dewitz die Herren bekommen, die ein besonderes Jntereffe dafür haben. Es heißt dann weiter:„Sie können also Ihre Tätigkeit darin ruhig ausdehnen, ohne befürchten zu müssen, daß dadurch unnütze Arbeit entsteht."— r Vors.: Nach den Worten„Ihre Tätigkeit" müssen Sie also doch an den Kornwalzern beteiligt gewesen sein?— Zeuge: Das war die Ausfassung des Briefschreibers.— Vors.: Warum haben Sie dagegen nicht remonstriert?— Zeuge: Ich habe das Kapitel, das ich für moralisch nicht einwandfrei hielt, nie berührt, denn ich weiß, daß Vorgesetzte es nicht sehr schätzen, wenn Unter- gebene ihnen moralische Vorlesungen halten. Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Vorher haben Sie ge- sagt, Sie hätten wissen wollen, an wen die Kornwalzer gehen, wegen der Sicherheit, und jetzt hat Ihnen die Antwort genügt, daß die Kornwalzer an alle gingen, die ein Interesse daran hatten. Zeuge: Ja.— Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt der Ang?- klagte Eccius, daß er zwar Wert auf die Kornwalzer gelegt habe, ob auch die anderen Herren, das wisse er nicht. Es kommt dann ein weiteres Schreiben zur Verlesung, und zwar vom 23. �Juni 1910. In ihm teilt v. Metzen dem Direktor Dreger seine schwere Erkrankung mit, die einen mehrmonatigen Urlaub notwendig mache. Er schreibt dann:„Ich hänge an der Stellung aus ethischen Gründen, nicht aber aus finanziellen Grün- den. Es ist kein Geheimnis, daß ich die Stellung nur widerwillig und auf Drängen wider meine eigenen Interesse» angenommen habe- Es hat genug Stimmen gegeben, die meinten, ich käme in eine unangenehme Situation und würde in Berlin übers Ohr ge- hauen. Ich habe aber doch ausgehalten, um den Beweis zu er- bringen, daß die mißgünstigen Stimmen unrecht haben. Deshalb habe ich auch niemals eine Aussprache über meine Stellung zu Herrn Dreger herbeigeführt. Jetzt aber, da ich monatelang aus- setzen muß, ist es notwendig, daß ich einmal über diese Dinge spreche."— Zeuge v. Metzen: Dieser Brief ist lediglich zu verstehen aus meinem Verhältnis zu Herrn Dreger.— Vors.: Wie erklären Sie die Bemerkung, daß Sie nur aus ethischen Gründen cur der Stellung hingen?— Zeuge v. Metzen sschluchzend und mit weinen- der Stimme): Die Erklärung ist sehr einfach. Ich bin durch Herrn Dreger überhaupt erst bei Krupp angekommen und war ihm stets dankbar. Das Verhältnis zu Herrn Dreger war das absoluter Ergebenheit und c'ncr vollkommenen, vielleicht selten vorkommenden Freund- schaft. Ich habe die Berliner Vertretung wider besserer Einsicht und auf Drängen angenommen. Als Herr Dreger nach Berlin ver- setzt wurde/wär ich selbstverständlich in eine unangenehme Position gekommen. Es konnten nicht zwei dasselbe tun. Es lnutzten sich dadurch, wie sich das auch zeigte, Ilnzuträglichkeiten ergeben. Wäre es nicht Herr Dreger gewesen, so wäre ich über- Haupt nicht geblieben. Herr Dreger hat das auch eingesehen. Den Brief habe ich übrigens zu einer Zeit geschrieben, als ich damit rechnen mutzte, überhaupt nicht mehr gesund zu werben. Ich wollte nicht nach Berlin gehen, weil ich da auf ganz unbekannten Boden kam. Herr Eccius hat mir aber scharf zugesetzt, die Vertretung an- zunehmen. Nachdem ich einmal zugesagt hatte, schickte er mich zu Herrn v. Schütz und da wurden mir die Tinge mit Brandt er- öffnet. Am 20. Dezember 1910 schreibt der Zeuge V. Metzen an Direktor Eccius:„Ich habe große Schwierigkeiten mit Herrn Brandt, der nicht mehr mittun will. Bitte, vergessen Sie nicht seine Weihnachtsremuneration. Wenn es diesmal 2000 M. statt 1S00 M. wären, so würde das sehr gut sein. Er steckt nämlich in Schulden, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen, und das könnte unangenehm werden."— Vors.: Was sind denn das für Schwierigkeiten, die Brandt gemacht hat?— Zeuge: Ich habe das ganze Jahr 1910 hindurch gar keine Schwierigkeiten mit ihm ge- habt. Sechs Monate war ich krank und aus Urlaub. In der Zwischenzeit verwaltete Brandt das Bureau. Von den Korn- Walzern habe ich während der ganzen Zeit kaum etwas gesehen. Ich glaube, ich habe das ganze Jahr hindurch nicht einen gelesen. Aber trotz seiner erheblichen Einkünfte hatte Brandt finanzielle Schwierigkeiten. Er war auch mir 300 M. schuldig. Ich hatte ihn nicht gedrängt. Brandt wollte mich wohl veranlassen, daß ich bei der Firma etwas wegen Erhöhung der Weihnachtsgratisika- tion täte. Er hatte die Eigentümlichkeit, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, was er für ein Lebe« habe. Gewiß sei er Bureauvorsteher. Aber wenn die anderen Herren nach Hause gingen, dann fange der Verkehr mit den Leuten für ihn erst an, die ihm Nachrichten gäben. Er sagte auch, er habe kein rechtes Familienleben wie andere, denn die Leute seien bei ihm in der Wohnung. Ich mußte ihm auch zugeben, daß er recht hatte, wenn er sagte, daß er dafür nicht genug bezahlt werde.— Vors.: Das haben Sie anerkannt?— Zeuge: Damals nicht, aber jetzt erkenne ich es als berechtigt an. Dann kam er immer wieder auch aiff diese Kornwalzer zu sprechen und sagte, was er denn davon hätte, sie brächten ihm nichts ein, kosteten ihn im Gegenteil viel Geld.— Vors.: Was wollten Sie denn damit sagen,„das kann unangenehm" werden"?— Zeuge: Brandt war orientiert über Dinge, die nicht nur die Heeresverwaltung angingen, sondern die auch der Firma unangenehm werden konnten. Da ist es doch klar, daß Unannehmlichkeiten entstehen konnten!— Rechtsanwalt Löwenstein: Ich erinnere mich, daß der Zeuge früher gesagt hat, daß er dem Drängen Brandts auf Erhöhung seiner Einkünfte stets entgegengetreten sei.— Zeuge: Das ist nicht richtig. Dieser Brief ergibt ja das Gegenteil.— Rechtsanwalt Löwenstein: Gewiß, jetzt haben wir das gelesen, aber früher haben Sie in der Oeffentlichkeit es anders dargestellt.— Zeuge: Mir ist das nicht er» innerlich.— Rechtsanwalt Löwenstein: Wenn ich richtig gehört habe, hat der Zeuge gesagt, daß er bis dahin in dem ganzen Jahr keinen Kornwalzer gesehen habe.— Zeuge: Ich war 6 Monate krank und erinnere mich nicht, in dem Jahr einen Kornwalzer in die Hand bekommen zu haben.— Rechtsanwalt Löwenstein: Sie haben doch aber vorher gesagt, daß Sie ein Interesse daran hatten, die Namen der Direktoren zu erfahren, die die Kornwalzer lesen, weil darin sehr geheime und wichtige Dinge enthalten seien.— Jetzt wollen Sie kaum einen Kornwalzer gelesen haben. Wie ist das zusammenzubringen?— Zeuge v. Metzen: Ich war damals ein Jahr Vertreter und ein halbes Jahr war ich auf Urlaub gewesen. In dieser Zeit lag die Kornwalzerangclegenheit ganz in den Händen Brandts. Ich habe mich darum fast gar nicht bekümmert. Aber ich kann nicht beschwören, ob ich nicht doch einmal einen Kornwalzcr in die Hand bekommen habe.— Rechtsanwalt Löwenstein: Wenn Sie keinen Kornwalzer gesehen haben, dann ist es nicht recht ver» ständlich, was für ein Interesse Sie daran hatten, die Namen der» jenigen zu erfahren, die die Kornwalzer lesen.— Zeuge: Die Antwort, die Sie daraus bekommen, Herr Rechtsanwalt, werden Sie nicht erwartet haben. Mein Interesse an den Kornwalzern war schon in sehr hohem Maße vorhanden, ehe ich nach Verlin kam» Die Mitteilnngen, die ich in Essen von den Herren Eccius und v. Schütz über die Kornwalzer bekommen habe, waren viel wichtiges als alles, was ich später in Berlin an Korn- Walzern gesehen habe. Bis dahin hatte ich ja fast keinen Kornwalzer gesehen und Herr Brandt legte mir, als ich nach Berlin kenn, einige Kornwalzer vor. Ich sah daran, wie sie abgefaßt waren. — Vorsitzender: Sind Sie fertig mit Ihrer Erklärung?— Zeuge: Ja.— Vorsitzender: Ich dachte, die Sache kommt erst noch(Heiter- keit). Sie sagten doch in einem früheren Schreiben daß Ihnen der Inhalt der Kornwalzer sehr wichtig erschien!— Zeuge: Jener Brief datiert vom September 1910, als ich 14 Tage in Berlin war. Da hatte ich natürlich großes Interesse, festzustellen, was mtt den Korn- Walzern geschah und an wen sie gelangten. In einem weiteren Schreiben vom 13. Juni 1911, das nur un- vollständig ist, lautet der Schluß:..Wie gern ich von Berlin gehe, von wo ich nur unangenehme Erfahrungen mitnehme.." Der Rest fehlt und der Zeuge v. Metzen kann auch nicht angaben, wes- halb der Brief nicht vollständig ist. Auf Befragen erklärt Zeuge v. Metzen: Ich hatte den Eindruck, daß ich hier in Berlin in eine Sa ck g a s s e geraten war. Meine Stellung bchagte mir nicht. Auf der einen Seite hatte ich Herrn Brandt und auf der anderen Settc Herrn Dreger. Meiner Ansicht nach war'ch ganz überflüssig. Ich hatte auf Herrn Eccius die Hoffnung gesetzt, daß er das einsehen und mich von Berlin wegnehmen würde. Ich habe eindringlich auf ihn eingeredet, mir eine andere Stellung zu geben. — Angeklagter Brandt: DaS verstehe ich nicht, wenn Herr v. Metzen schreibt, ich hätte auf der einen Seite gestände». Herr v. Metzen hätte sehr viel bei den Behörden tun können. Er hätte auch offiziell vieles erfahren, was ich ermitteln mußte. Er hat aber nichts getan. Er war ein sehr guter Chef zu mir und das Verhältnis war so, daß er nur mit den Augen zu zwinkern brauchte. JchwäreihmnieimWegegeweseu.— Zeuge: Für gewisse Sachen mag das wahr sein, für andere aber ist es un- wahr. Manche Sachen waren nur vertraulich zu er- fahren und erklärlicherweise waren diese Mitteilungen am meisten geschätzt.— Rechtsanwalt Löwenstein: Ist es richtig, daß Ihr Verkehr mit Brandt ein freundschaftlicher war?— Zeuge: Ja.— Justizrat v. Gordon: Haben Sie sich auch Dreger oder einem anderen Herrn gegenüber über die Kornwalzer beschwert?— Zeuge: Mein Verhältnis zu Herrn Dreger war so. daß ich es nie gewagt hätte, mit ihm darüber zu sprechen. Ich habe aber Herrn Eccius gesagt, daß dies außerordentlich gefährlich wäre. Wenn es herauskäme, flöge die Firma Krupp vielleicht in die Luft (Große Heiterkeit). Wir saßen auf einem Pulverfaß.— Vor- sitzender: Wann haben Sie mit Eccius darüber gesprochen?— Zeuge: Das ist mehrfach geschehen. Ich habe wiederholt, da Eccius häufig in Berlin war, auf die G e f ä h rl i ch k e i t der Sache hingewiesen.— Angeklagter Eccius: Ich be» st r e i t e durchaus, daß der Zeuge von der Gefährlichkeit der Korn- Walzer gesprochen hat. Er hat nur auf die Unannehmlichkeit seiner Berliner Stellung hingewiesen und es war sein Wunsch, daß ihm in der Kruppschen Hierarchie eine andere Rangstellung gegeben würde, damit er neben Herrn Dreger einen besseren Rahmen habe.— Oberstaatsanwalt(zum Zeugen v. Metzen): Ob Sie vereidigt werden, wird ja vom Gericht abhang-n. Sic müssen aber mit der Möglichkeit der Vereidigung rechnen. Ich frage Sie: können Sie auf Ihren Eid nehmen, daß Sie diese Wendung bestimmt einmal zu Herrn Eccius getan haben?— Zeuge: Bezüglich der Wendung vom Pulverfaß muß ich das verneinen. Auf den Ausdruck will ich mich nicht fest- legen. Ich weiß nicht, ob der Ausdruck Pulverfaß gegenüber Herrn Eccius oder Herrn Dreger gefallen ist. Be, der Wichtigkeit dieser Sache möchte ich nicht beschwören, daß ich zu Herrn EcciuS vom Pulverfaß gesprochen habe.— Was haben Sie denn zu Herrn Eccius gesagt?— Zeuge: Ich kann beschwören, daß ich mehrfach mit Herrn Eccius über die Gefährlichkeit der Koruwalzer gesprochen b)abc..Iber ich habe niemals gesagt, daß ich die Sache für unmoralisch halte. Das würde mir überflüssig erschienen sein, denn Herr Eccius wußte ja genau, um was es sich handelte.— Vors.: Inwiefern sollte die Sache gefährlich sein? Etwa in strafrechtlicher Beziehung?— Zeuge: Ich habe erst später erfahren, daß Brandt mit aktiven Mili- tärpersonen in Verbindung stand. Gefährlich hielt ich die Sache, weil ich wußte, daß die Firma Krupp von vielen Seiten ange- griffen wurde. Wenn das bekannt wurde, würde man darin etwas fehen, was unbedingt nachteilig wirken mußte.— Vors.: Meinen Sie. daß es auch gefährlich war. weil es gegen bestimmte Para- graphen des Strafgesetzbuchs verstieß?— Zeuge: Darüber war ich «ir klar, daß Bestechung vorlag. — Vors.: Haben Sie Herrn Eccius das gesagt?— Zeuge: Nein.— Bors.: Inwiefern betönten J5ie denn dann Herrn Eccius gegen- über die Gefährlichkeit der Sache?— Zeuge: Wenn die Sache be- kannt wurde, mutzte es einen Skandal geben, der weit über den Wert der Sache hinausging. Ueber die Art der Gefährlichkeit selbst habe ich mit Herrn Eccius nicht gesprochen.— Bors.: Haben Sie nie gesagt, daß Brandt für die Nachrichten Geld gab?— Zeuge: Das wußte ich ja selbst nicht. Ich wußte nur, daß er einen ausgedehnten Verkehr hatte zwecks Erlangung von Nachrichten. Daraus machte Brandt selb st keinen Hehl.— Verteidiger Rechtsantoalt Löwenstein: Haben Sie Brandt, der Ihr Untergebener war, als Vertreter der Firma Krupp nicht Vorhaltun- gen gemacht, daß er nichts machen dürfe, was gegen das Strafgesetzbuch verstößt?— Zeuge: Herr Rechtsanwalt, ich bin heute noch nicht orientiert über den Wortlaut der Paragraphen für die Bestechung. Ich habe oft mit Brandt darüber gesprochen und ihn oft verwarnt. Ich sagte ihm, es sei ja sehr schön, daß er diesen Verkehr pflege, fragte ihn dann aber auch einmal, ob nicht einmal etwas vorkäme, was ihm Unannehmlichkeiten bringen könnte. Er antwortete daraus, daß ihm niemand etwas vorwerfen könne. Es wird dann ein Brief der Firma Krupp an von Metzen vom 13. Dezember 1S11 verlesen, der von Eccius unterschrieben ist und worin dem Brandt 2000 M. Weihnachtsgratifikation in An- erkennung seiner Tätigkeit angewiesen werden; Herr von Metzen wird zur Auszahlung ermächtigt und er soll dem Brandt weiter eröffnen, daß die Firma ihm in Erwartung dauernder Dienste 1000 M. jährlich zehn Jahre lang toenn das Dienstverhältnis so lange dauert) aufspart.— Auf die rage des Vorfitzenden, ob zu diesem Briefe etwas zu bemerken sei, erklärt der Zeuge von Metzen: Herr Präsident, ich halte diesen Brief für den verdächtigsten in der ganzen Sache.— Vors.: In- wiefern?— Zeuge: Schon deshalb, weil er an mich gerichtet ist. Ich war der Vorgesetzte Brandts, aber alle Gehalts- und Geld- angelegenheiten wurden direkt zwischen ihm und der Firma ge- regelt. Der Brief bezieht sich auf eine vorher getroffene Be- sprechung zwischen mir und Eccius. Ich hatte Eccius erzählt, daß Brandt vor Weihnachten an mich herangetreten war, er wolle die Sache mit den Kornwalzern nicht mehr machen. Ich sagt« Eccius: Ueberlegen Sie sich, was das bedeutet. Brandt macht Schwierig- ketten und jedesmal, wenn die Kornwalzer wieder verlangt werden, stellt er Wünsche nach Erhöhung seiner Bezüge. Hierin liegt eine Gefährlichkeit der Sache. Darum ist die Gewährung einer neuen Gratifikation von 1000 M. jährlich auf 10 Jahre nichts anderes als das Nachgeben unter dem Druck, den Brandt auf die Firma ausgeübt hat. Eccius hörte sich bei der Unterredung meine Worte cm, sprach nicht weiter darüber und als Antwort kam dieser Brief. — Angekl. Eccius: Mir sagte Herr v. Metzen. daß Brandt mit der Kornlvalzersache aufhören wollte wegen seines GesundheitS- zustandes. Weiter nichts.— Zeuge v. Metzen: Gewiß, auch aus diesem Gesichtspunkte erklärte Brandt, das nicht weitermachen zu wollen, denn ich begreife es ja, er zog abends immer herum, wenigstens sehr viele Tage im Monat, es fehlte ihm die Auf- spannung.— Angekl. Brandt: Es ist mir unverständlich, wie Herr v. Metzen von einem Druck sprechen kann, den ich ausgeübt habe. Wenn ich die Sache aus Gesundheitsrücksichten nicht mehr machen kann oder sie nicht mehr machen will, so ist das doch kein Druck und keine Drohung._ Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, daß ich durch diese Tätigkeit vielleicht früher dienstuntauglich werde als andere, damit meine Weihnachtsgratifikation nicht geringer aus- falle als sonst.— Zeuge v. Metzen: Es ist ganz erklärlich, daß Brandt bei der ganzen Art semer Aufgaben vor Weihnachten das Bedürfnis fühlte, seine Einnahmen zu erhöhen.— Vors.: Erhalten die anderen nicht auch Weihnachtsgratifikationen?— Zeuge: Das weiß ich nicht. Ich habe keine bezogen. Fraglos wurden an das Personal kleine Gratifikationen verteilt. Bei Kern ist es mir nicht bekannt. Ich müßte cs eigentlich wissen.— Verteidiger Justizrat v. Gordon: Warum finden Sie es auffällig, daß Eccius diese Angelegenheit mit Ihnen erörterte? Vielleicht äußert sich Direktor Haux einmal darüber.— Zeuge Direktor Haux erklärt, daß sie Gehaltsangelegenheiten von der Firma immer mit dem Vorgesetzten des betreffenden Beamten oder Angestellten verhandelt werden. Es sei also hierin nichts außergewöhnliches und Metzen müßte das eigentlich kennen.— Ein Beisitzer: Wie kommt es denn, daß dieser Brief des Herrn Eccius im Gegensatz zu allem anderen mit der Hand geschrieben ist?— Angekl. Eccius und Direktor Haux als Zeuge erklären, daß die Gehaltsangelegenheiten vor den Unter- beamten geheim gehalten werden, weshalb auch ein eigenes Bureau für diese Sachen bestehe. Es kommt aber vor. daß einzelne Direk- toren in Personalfragen selbst schreiben.— Ein anderer Beisitzer: Was für einen Verdacht erweckte es in Ihnen, daß dieser Brief an Sie gerichtet ist?— Zeuge v. Metzen: Ich bin 10 Jahre bei der Firma gewesen, habe aber einen solchen Brief weder der Form noch dem Inhalt nach je- mals erhalten.— Der Beisitzer: Das ist keine Antwort auf meine Frage.— Zeuge: Daß ein solcher Brief mir verdächtig er- schien, muß man mir nachfühlen.— Verteidiger Jusfizrat v. Gordon: Sie wußten nicht, daß solche Gratifikationen in dieser Form sehr häufig vorkommen?— Zeuge: Auf 10 Jahre? Vert. Justizrat v. Gordon: Ueberhaupt auf eine bestimmte spätere Zeit. Man nennt das bei der Firma einen Scheckschein.— Zeuge: Bei der Firma kenne ich keinen analogen Fall. Das kann ich be- schwören.— Oberstaatsanwalt: Wollen Sie zum Ausdruck bringen, daß diese Funktionszulage bewilligt wurde, weil sie Brandt be- stimmen sollte, den jiornwalzerbetrieb fortzusetzen?— Zeuge: Ich bin der Ansicht, daß diese Neuzuwendung von 1000 M. auf 10 Jahre bestimmt war, dem Brandt den Mund zu stopfen. Vors.: Welchen Anhalt haben Sic dafür? Lediglich Ihre Ueber- zeugung?— Zeuge: Diese und die Gespräche mit Eccius, die ich schon bekundet habe.— Angeklagter EcciuS: Es war oft die Rede davon gewesen, daß Brandt bisher keine Gelegenheit hatte, Erspar- nissc zu machen. Diese Gratifikation auf 10 Jahre sollte ihm Er- sparnisse sichern. In einem späteren Schreiben übermittelt v. Metzen den Dank deS Brandt für diese Zuwendung und fragt bei der Firma an, ob die Neuzuwendung ein eigenes Vertragsformular erhalten soll und ob die 1000 M. jährlich verzinst werden, so daß Brandt nach Ablauf der 10 Jahre etwa 13 000 M. erhalten. würde. Er, v. Metzen, nehme das an, bitte aber, cs zu bestätigen. Hierzu be- merkt der Zeuge v. Metzen: Diese beiden Fragen dokumentieren doch mein Erstaunen über das Schreiben von Eccius. Ich frag« doch, wie es kommt, daß man das Brandt nicht persönlich mitteilte, und auch Brandt fragte mich, ob er sich von dem Schreiben nicht eine Abschrift machen könne.— Bert. Rechtsanwalt Löwenstein: Wenn Sie die 1000 M. für Brandt jährlich verzinst haben wollten, so wollten Sie ihm damit noch mehr geben.— Zeuge: Ich steh« ja nicht auf dem Standpunkt, daß Brandt hier zuviel bekommen hat.— Oberstaatsanwalt: Es ist doch aber eigen- tümlich, von Schweigegeld zu sprechen, wenn man schreibt, Brandt sei hocherfreut über den gestopften Mund.(Heiterkeit.) Direktor Eccius antwortete auf das letzte Schreiben, daß eine Verzinsung dieser Gratifikation nicht eintrete. Schließlich wird noch eine Abrechnung v. Metzens verlese», worin er berichtet, daß er 270 M. Trinkgelder ausgezahlt habe. Er erklärt hierzu, daß er die Weihnachtsgeschenke, die sonst unter Herrn v. Schütz den Tienern und Sekretären im Kriegsministerium gegeben worden seien, nicht gezahlt habe, sondern nur die Portiers, die er persön- 1 lich kannte und die ihm beim Anmelden, beim An- und Ausziehen behilflich waren, mit kleinen Trinkgeldern belohnt habe. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Nach der Pause bekundet der Zeuge Landrat a. D. Rötger, daß es ein Irrtum sein müsse, wenn in einem der Briefe erwähnt werde, daß ihm auch Korntvalzer zugewiesen seien. Er mag wohl gelegentlich in einem Briefe des Herrn v. Schütz über Kornwalzer etwas gefunden haben, müsse aber ent- schieden in Abrede stellen, daß er regelmäßig die Berichte bekommen habe. Eine gleiche Erklärung gibt Direktor M o u t h s ab. Auf Befragen gibt der Zeuge Haux an, daß es durchaus kein vereinzelter Fall sei. wenn Brandts Gratifikationen erst in zehn Jahren fällig würden. Die Firma Krupp habe nach dieser Richtung Verpflichtungen in Höhe von 600 000 M.— Vert. Justizrat Dr. v. Gordon teilt mit, daß er das ganze Büchermaterial aus der Berliner Vertretung habe herbeischaffen lassen, damit Brandt zeige, wieweit er Bureautätigkeit ausgeübt habe.(Es handelt sich um dickleibige Folianten, die vor dem Verteidigertisch aufgetürmt sind.) Gegen die Verlesung aus den Büchern über Geschütz- lieferungen erhebt der O b e r st a a t s a n w a l t mit Rücksicht auf die Gefährdung militärischer Geheimnisse Einspruch. Es wird dann die Vernehmung des Zeugen v. Metze» fort- gesetzt. Er erbittet und erhält die Erlaubnis, sich wegen seines leidenden Zustandes zu setzen. Zunächst erklärt er noch, daß er nicht ohne Beschäftigung, sondern in einer G. m. b. H. tätig sei und fährt dann fort: Die Kornwalzer gingen nach Essen an Herrn v. Dewitz.— Vors.: Sie sagten, daß Sie die Kornwalzcr im ersten Jahre fast gar nicht gesehen hätten. Sind Ihnen später alle Kornwalzer vorgelegt worden?— Zeuge: Von 1911 ab habe ich wohl alle Kornwalzer gesehen und auch durchgelesen.— Vors.: Worauf bezog sich der Inhalt der Korntvalzer in erster Reihe?— Zeuge: Es waren Mitteilungen über die Preise der Konkurrenz für Vergebungen.— Vors.: Kamen auch konstruktive Details darin vor?— Zeuge: Meines Wissens sind bis auf die letzten Kornwalzer konstruktive Details nicht in ihnen enthalten. Die letzten Korntvalzer datieren aus der Zeit, in der ich schon in Italien war. Ich bekam die Kornwalzcr übrigens nie im Original zu Geficht. Erst nachdem sie nach Essen abgeschickt waren, gab mir Herr Brandt einen Durchschlag.— Angeklagter Brandt: Das ist richtig.— Vors.: Haben Sie nicht darauf gedrungen, daß Brandt Ihnen die Kornwalzer vorher vorlegte?— Zeuge: Nein.— Vors.: War die Firma aus die Kormvalzer angewiesen?— Zeuge: Herr Eccius hatte mir ja gesagt, daß man auf die Brandtschen Mit- teilungen nicht verzichte ir könnte. Ob die Firma darauf an- gewiesen war, ist schwer zu beurteilen. Ich meine aber, daß, nachdem dieses System drei Jahre gehandhabt war, die Berichte durchaus nicht für die Firma von solcher Bedeutung waren, daß man sich Gefahren auszusetzen brauchte.— Vors.: Ich komme nun zu Ihrem Verhalten als Vorgesetzten gegenüber Brandt. Haben Sie ihm niemals verboten, sich diese Nachrichten zu beschaffen?— Zeuge: Nein.— Vors.: Haben Sie sich Brandt nicht eimnal vor- genommen und gefragt, wie er in den Besitz der Nachrichten ge- lange?— Zeuge: Das ist mehrfach geschehen. Er sagte mir aber jedesmal, daß nichts Strafbares vorkomme._ Die Herren seien seine Freunde, sie verkehrten bei ihm, er lade sie ein, trinke mit ihnen ein Glas Wein und führe sie ins Theater. Sie seien ihm dafür gefällig und besckjafften ihm die Nachrichten. Herr Brandt Ivar außerordentlich unvorsichtig in der Hand- habung seines Materials. Man fand mehrfach Zettel auf seinem Schreibfisch herumliegen.— Vors.: Haben Sie nicht einmal die Frage aufgeworfen, ob Brandt sich für diese Nachrichten erkenntlich zeige?— Zeuge: Das habe ich nicht gefragt. Ich wußte, daß Brandt die Repräsentationszulage hatte. Ich konnte nichts anderes annehmen, als daß er seinen Freunden Zuwendungen machte. Ich glaube aber, daß seine Ausgaben lediglich bedingt waren durch den Verkehr.— Vors.: Hat Brandt auch einmal ge- klagt, wie schwer es sei, solche Nachrichten zu bekommen?— Zeuge: Er sprach sehr häufig über diese Dinge. Das war auch der Grund, daß ich zuletzt gegen ihn verstimmt war. Ich hatte ihm gesagt, wie Herr Eccius darüber dachte, daß er die Berichte für notwendig hielt, und ich habe ihm erklärt, daß ich von der Sache nichts sehen und nichts wissen wolle. DaS letztere war ja eigentlich Heuchelei von mir» denn ich wußte ja von der Sache. Brandt hat mir auch über die A. P. K. geklagt und gesagt, daß er dort keine Mitteilungen be- komme, obwohl er ie früher bekommen hatte. Das sei auch der Grund dafür, oaß die Herren, die die Angelegenheiten der A. P. K. in Essen zu bearbeiten hatten, von den Kornwalzern nichts wissen wollten. Brandt sagte, die Leute in der A. P. K. seien zu sehr gedrillt auf die Geheimhaltung. Das war für Brandt nicht angenehm, weil es sein mag, daß für die Firma ein dringendes Bedürfnis bestand, über die Versuche in der A. P. K. gern etwas zu erfahren.— Vors.: Hat Brandt Ihnen auch von Geschenken ge- sprachen?— Zeuge: Er erzählte mir, daß ein Herr im Rcichsmarineamt ihm mehrfach Geschenke mache, so daß er gezwungen sei, darauf mit Geschenken zu antworten. Der Zeuge gibt weiter an, daß Brandt ihm auf seine wiederholten Vorstellungen erklärt habe, daß von Metzen ihm in unglaublicher Weise die Sache er- schwere. Ob von Metzen hierbei die Aeußerung getan hat:„Wii? sitzen auf einem Vulkan!", kann er heute nicht mehr angeben, er habe aber bestimmt derartige Ausdrücke gebraucht.— Vors.: Wen haben Sie unter..wir" verstanden?— Zeuge: Auch mich selbst, denn ich mußte natürlich als erster in Betracht kommen, der Brandt bei seiner Tätigkeit unterstützt hatte und verantwortlich sein mußte, wenn sie an die Oesfentlichkeit kam. Zu den Aeußcrungen Brandts, daß er von dieser Tätigkeit gern befreit worden wäre, weil sie ihn gesundheitlich und moralisch schädige, erklärt der Zeuge, daß er diese Aeutzerungen nicht für ganz ernst gemeint gehalten habe, da Brandt wußte, daß, wenn er seine Tätigkeit nicht fortsetzt, nicht nur sein Einkommen geschmälert, sondern er auch von Berlin fort- kommen würde, während er doch hier ein Haus und einen Garten erworben hatte, woran er sehr hing.— Es folgt nun die Erörte- rung der italienischen Reise von Metzens. Er, Zeuge, gibt an, daß der damalige Kruppvertreter in Italien, ein Oberst, gestorben war, so daß die Vertretung neu besetzt werden mußte, v. Metzen glaubte, ein moralisches Anrecht auf diese Vertretung zu haben und hatte sich deshalb auch gegen seine Versetzung nach Berlin ge- sträubt. Um die Verhältnisse in Italien kennen zu lernen, reiste er dort hin. Der Vertreterposten wurde ihm unter zwei besfimmten Bedingungen von Dr. Dreger angeboten. Die eine Bedingung will der Zeuge heute nicht mehr nennen» denn er schlug sie aus, weil sie ihm unannehmbar schien. Die zweite war, daß er aus dem Be- amtentum der Wrma ausscheide, freier Vertreter werde und hierfür ein Prozent von allen seit dem Tode des früheren Vertreters gemachten und weiterhin zu machenden Geschäften in Italien erhalten sollte. Dieses Angebot hat er zuerst angenommen, nachher aber nach Kenntnisnahme der Akten in Essen gebeten, das Jawort zurückzu- nehmen und sich entscheiden zu können.— Vors.: ES schwebt ja nun ein besonderer Streit zwischen Ihnen und der Firma wegen der Affäre mit dem Herrn v. Wingen. Ich würde diese Sache am liebsten ausscheiden, aber leider geht das nicht, denn es ist hier in der Beweisaufnahme schon vorgebracht worden, daß Sie bis zu dieser Affäre niemals von Bestechungen der Firma Krupp gesprochen, seitdem aber Ihre Haltung gegen- über der Firma geändert hätten. Der Zeuge gibt nun an, in Mailand auf Empfehlung des deutschen Konsuls mit Herrn v. Wingen, einem der glänzendsten Kenner der italienischen Privat- industrie bekannt geworden und sehr viel mit ihm bei- sammen gewesen zu sein. Herr v. Wingen erklärte wiederholt, daß er seit langem den Posten eines Kruppvertreters für Italien er- sehnt habe, da er aber nun sehe, daß ich dafür in Aussicht ge- nommen war, biete er sich an, mir mit Rat und Tat zur S e i t c z u st e h c n, wo es möglich wäre. Er war in die Geschäfte der Firma Krupp außerordentlich eingeweiht und aus einer Aeußerung des Herrn Muehlon hierüber schließe ich, daß über Herrn v. Wingen der Firma Krupp von Herrn Eccius nicht viel berichtet wurde, weil Herr Eccius selbst auch auf diesen Posten aspiriert hatte. Der Zeuge erzählt dann, daß selbstverständlich Herr v. Wingen seine gründliche Kenntnis der italienischen Ver- hältnisse nicht gratis, sondern gegen eine Provision ihm zur Verfügung gestellt haben würde, und zwar sollten das 25 Proz. des Gesamteinkommens v. Metzens nicht nur der Ge- schäfte, an denen v. Wingen mitgewirkt hatte, sein. Dies erschien Herrn v. Metzen zu viel, da ja natürlich viele Geschäfte gemacht worden wären, an denen Herr v. Wingen nicht beteiligt gewesen wäre. Ich sagte mir. das ginge nicht, und erklärte Herrn von Wingen, wir können uns ja auf andere Weise verständigen. Da- bei dachte ich mir, daß ich ihn bei den Geschäften, die wir mitein- ander machen, auch viel mehr, selbst 50 bis 60 Proz., je nachdem, geben könnte. Herr v. Wingen aber scheint dies so aufgefaßt zu haben, als ob ich überhaupt verzichten wollte und er mir die Vertretung abkaufen sollte. Denn er antwortete mir sofort darauf: Ja, ich habe erst vor kurzem eine andere Vertretung gekauft. Ich hatte aber derartiges gar nicht beabsichtigt.— Vors.: Der Vertrag ist aber doch nach dieser Richtung hin abgeschlossen.— Zeuge: Der Vertrag ist aller- dings abgeschlossen in einem Augenblick derKopflosigkcit von mir, die durch Herrn Muehlon entstanden ist.— Vors.: Darauf kommen wir später.— Der Zeuge führt dann weiter aus: Ich hätte nie daran gedacht, die italienische Vertretung, auf die ich mich seil Jahren gefreut hatte, auf diese Weise zu verschachern, wenn nicht infolge eines Briefes des Herrn Dr. Muehlon etwas dazwischen gekommen wäre. Ich wollte aus Berlin weg, nicht lediglich der Kornwalzer wegen, obwohl auch diese Sache eine große Rolle dabei spielte. Dagegen ist es unrichtig, daß ich Brandt los sein wollte.— Es wird ein Brief verlesen, der von Brandt in französischer Sprache an Herrn v. Metzen am 4. Juni 1912 nach Italien geschrieben worden ist. In diesem Briefe wendet sich Brandt gegen die Annahme v. Metzens, daß er, Brandt, ein Mann sei, der mit seinem Schicksal unzufrieden sei; er habe genug Kämpfe, Unverschämtheiten und Erniedrigungen durchzumachen gehabt, um sich in einer ruhigen Position wohlzu- fühlen.— Auf die Frage des Vorsitzenden, ob diese Kämpfe und Demütigungen sich nicht auf den Verkehr mit den Beamten be- ziehen, erklärt Brandt, daß er damit einen Streit mit der Haus- dame in der ersten Zeit seiner Berliner Tätigkeit im Sluge gehabt habe. Die Dame habe ihm Vorhaltungen gemacht, daß er den Boden bekleckst hätte.— Vors.: Ich kann mir doch nicht denken, daß Sie wegen dieseS Streites mit der Hausdame von Kämpfen und Demütigungen sprechen; haben Sie nicht etwa gemeint,, daß Sic Kämpfe in Ihrer Seele auszukämpfen und Demütigungen auszu- stehen hatten wegen des Verkehrs mit den Beamten?— Angekl. Brandt: Ich gebe zu, daß der Streit es nicht allein war.— Vors.: In dem Brief heißt es weiter, daß es gelungen war, einen Freund in dir Feldzengmeisterei zu bringen, und Sie sagen dann:„Dies wird unseren Einfluß ver- mehren."— Angekl. Brandt: Wenn ich den Brief deutsch gc- schrieben hätte, dann würde ich geschrieben haben, es sei einem Freunde gelungen, in der Feldzeugmeisterei anzukommen.— Vors. (zum Zeugen v. Metzen): Was sagen Sie zu dieser Stelle mit dem Freund und dem verstärkten Nnsluh.— Zeuge v. Metzen(nach langem Besinnen): Ich möchte meine Aussage verweigern. (Große Bewegung.)— Vors.: Verweigern können Sie die Aussage nur. wenn Sie sich st ra fb a r gemacht haben.— Zeuge: Das kann ich nicht zugestehen.— Vors.: Wenn aber kein gesetzlicher Grund vorliegt, dürfen Sie Ihre Aussage nicht verweigern.— Verteidiger Justizrat v. Gordon: Der Zeuge kann sich strafbar ge- macht haben, wenn er an der Beschaffung von Nachrichten beteiligt war.— Vors.: Er kann auch die Aussage verweigern, wenn er erklärt, daß er sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hat. — Zeuge v. Metzen: Dann bitte ich, mir die Zeit zu gewähren, da- mit ich mich mit meinem Rechtsbeistand hierüber besprechen kann. — Vors.: Das kann ich nicht zulassen. Sie müssen hier sofort ant- Worten.— ES kommt dann zu längeren Aussühningen der Verteidiger darüber, ob ein Zeuge ohne besondere Erklärung, sich straf- bar gemacht zu haben, die Aussage zu verweigern berechtigt sei.— Oberstaatsanwalt: Der Zeuge muß erklären: Ich mache von dem Recht der Zeugnisverweigerung Gebrauch, weil ich mich sonst einer strafbaren Handlung bezichtigen würde. Will der Zeuge diese Er- klärung abgeben?— Zeuge: Nein, diese Erklärung kann ich durch- aus nicht abgeben, im Gegenteil.— Rechtsanwalt Löwenstein: Eine solche Erklärung ist nicht notwendig, der Zeuge braucht nicht zu sagen, ich habe das und das getan, das liegt nicht im Sinne des Gesetzes.— Vors.: Der Zeuge war ja der Teilnahme verdächtig; das Verfahren ist zwar gegen ihn eingestellt worden, damit ist aber nicht gesagt, daß ein solcher Verdacht gegen ihn jetzt nicht mehr be- stehe. Ich will mich vorläufig mit der Erklärung des Zeugen be- gnügen.— Rechtsanwalt Löwenstein: Hat der Zeuge den Brief be- antwortet.— Zeuge: Ich habe aus Italien verschiedene Briefe ge- schrieben.— Rechtsanwalt Löwenstein: Hat der Zeuge auf den Satz mit dem verstärkten Einfluß geantwortet?— Zeuge: Nein, ganz sicher bin ich nicht darauf eingegangen.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein überreicht das Antwortschreiben des Zeugen v. Metzen, in dem über diese Stelle nichts enthalten ist. Dann wird ein Brief des Zeugen an Dr. Muehlon verlesen, in dem er auf die Schwierig. leiten der Uebernähme der italienischen Vertretung hinweist und erklärt, daß er damit eine gute und sichere Position aufgeben würde.— Vors.: Da sagen Sie doch also, daß Sic an Berlin hingen.— Zeuge v. Metzen: Herr Präsident, ich habe in meinen Briefen nicht immer das nach Essen geschrieben, was ich gedacht habe.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Welcher Grund wa. für Sie maßgebend, Herrn Dr. Muehlon die Unwahrheit zu sagen? — Zeuge: Die Rücksicht aus mein Verhältnis zu Dreger.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Sie haben doch auch zu Brandt gesagt, daß Sie sich in Berlin wohl fühlen.— Zeuge: Das glaube ich nicht.— Rechtsanwalt Löwenstein legt ein Schreiben v. Metzens aus Italien vor, in dem er auch von der italienischen Vertretung spricht und sagte, er habe sich Bedenkzeit ausbedungen; wenn man im Auslande sei, merke man erst, welche Annehmlichkeiten Berlin biete, auch wenn man nicht im Gold stecke. Weiter weist Rechtsanwalt Löwenstein darauf hin, daß es in dem Brief an Brandt auch heißt:„Sie können mit Ihrer Stellung durchaus zufrieden sein, Sic stehen in unlinfrchtbarcr, gesicherter Position." Der Verteidiger erklärt dazu, er verstehe nicht, wie man das gegen- über einem Manne sagen könne, den man der Bestechung schuldig gehalten habe.— Zeuge v. Metzen: Ich habe nichts direk: von der Bestechung gewußt, wenn ich auch auf dem Standpunkt stehe, daß in dem Freihalten mit Wein usw. eine Bestechung liegt. Brandt aber meinte, man kann mir nichts verdenken.— Angeklagter Brandt: Das bestreite ich.— Vorsitzender: Wa? wollten Sie mit der unangreifbaren Position sagen?— Zeuge: Meiner Ansicht nach hatte er sie.— Oberstaatsanwalt: Meinen Sie, bei der Firma Krupp?— Zeuge: Jawohl.— Oberstaatsanwalt: Oder der Oesfentlichkeit gegenüber?— Zeuge: Stein.— Oberstaatsanwalt: In einem früher verlesenen Briese befindet sich die Stelle:„Daß unser Einfluß wachsen würde, wenn jemand in eine einflußreiche Stellung gebracht wird." Es besteht also hier der Verdacht, daß man gestrebt hat, einen Informator in eine einflußreiche Stellung z« bringen und eine Aeußerung Brandts hierzu bestätigt diesen Verdacht. Der Zeuge v. Metze» weint immer, wenn Dreger ge, nannt wird'. Auch das ist merkwürdig. Wenn Herr V. Metze» sich nicht an einer strasbaren Handlung mitschuldig fühlt, dann kann er jetzt die Antwort auf diese Frage nicht verweigern.— Vorsitzender: Wollen Sie aussagen?— Der Zeuge v. Metzcn schweigt.— Vorsitzender: Sie haben das Recht der Zeugntsverweigerung, wenn Sie sich durch die Beantwortung der Frage der Gefahr einer Strafverfolgung aussetzen würden. Der Zeuge erklärt nach minutenlangem Schweigen: Das liegt hier bei mir nicht im mindesten vor.— Vorsitzender: Dann müssen Sie ant- Worten, Sie können dazu geMungen werden.— Hierauf erklärt abermals nach einigem Zogern der Zeuge v. Metzen: Brandt hat in der Tat bezüglich des Höge— es ist dies der einzige Name von den im Militärgerichtsprozetz Verurteilten, der mir überhaupt be- kannt war—, mich gefragt, obichnichtetwas für ihn tun und ihn auf einen vakanten Posten bringen könnte, um den er sich bewarb. Ich habe das nicht nur abge- lehnt, sondern dies sogar in sehr schroffer Weise getan. Ich habe die ganze Sache dem Dr. Dreger erzählt und der antwortete mir: Ich bin schon einmal deswegen bei Exzellenz v. Büdingen gewesen, ich lehne es aber ab, ein zweites Mal hinzugehen, denn der Herx ist klug genug, daß er, wenn ich nochmals hingehe» etwas mertt. Oberstaatsanwalt: Was würde der Herr merken?— Zeuge: Ich glaube, was Herr Dreger gesagt hat, bedarf kein es Kom- men tars.— Vorsitzender szum Staatsanwalt): Wollen Sie noch eine Erläutmrng?— Oberstaatsanwalt: Heißt das, daß Herr Dreger den Herrn Hoge.lan zieren wollte, weil er in den Dien st en der Firma Krupp stehen würde?— Zeuge v. Metzen(nach einiger Ueberlegung): Das muh ich annehmen. Wenn Dr. Dreger zu Exzellenz v. Büdingen geht, um Höge für die Stellung in der Artillerieprüfungskommission zu empfehlen, so liegt an sich hierbei nichts vor, aber wenn er das ein zweites llial tut, so konnte Sr. Exzellenz doch auffallen, daß Droger ein ziemliches Interesse daran hat.— Oberstaatsanwalt: Sie meinen, der General konnte merken, daß die Firma den Mann lanzieren will, weil sie ein Interesse daran hat, daß er in der A.-P.-K. ist. Sie haben dneine Frage durch diese Deutung der Antwort Dregers beantwortet.— Zeuge: Jawohl und ich glaube die Aeufjeruug Dr. Dreger ganz bestimmt wörtlich wiedergegeben zu haben. Es wird nun das Antwortschreiben Brandts an v. Metzen auf den zuletzt erwähnten Brief verlesen. Darin schreibt Brandt, daß er sich nicht wohl fühle in seiner Stellung und zwar deshalb, weil er sich anwürdig fühle, mit den Referenten der Militärbehörde zu verkehren. Er bittet dann v. Metzen, ihn nach Rom als Sekretär mitzunehmen, wofür er geeignet wäre und in welcher Stellung er sich mehr bemühen würde. Zeuge v. Metzen: Brandt wäre sehr gern ins Ausland gegangen, wenn er eine geeignete Tätigkeit dort gefunden haben würde, das ist außerordentlich verständlich.— Ver- widiger Löwenstein: Warum?— Zeuge: Weil er die Tätigkeit in Berlin loswerden wollte.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Als vorhin über die Erklärung Brandts gesprochen wurde, daß er die Berliner Tätigkeit los sein wollte, da haben Sie erklärt, Sie hätten diese Erklärung nicht ernst genommen, jetzt aber nehmen Sie sie ernst.— Zeuge: Der Moment, wo ich annahm, daß Brandts Erklärung nicht ernst gemeint sei, trat erst später ein. Ich hatte vorher schon oft Zweifel an der Aufrichtigkeit dieser Erklärung, weil er den Wunsch wegzugehen mit finanziellen Wünschen in Verbindung brachte. Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstcin: Etwas, was Sie im Sommer 1912 erfahren haben, kann Sie doch nicht schon im Jahre 1911 bei der Wertung der Brandtschen Erklärung beeinflußt haben.— Zeuge: Die Frage, ob Brandt wirklich unzu- frieden>var, oder ob er nur so tat, um mehr zu bekommen, war mir unlösbar bis zu der Unterredung mit Dr. Muehlon.— Vors.: Darüber werden wir ja später noch sprechen.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Was haben Sie denn aus das Angebot Brandts Sxrjtz Brandt dies Sie fortsetzen würde oder haben Sie sich auch an Postechungen beteiligt?— Der Zeuge schveigt einige Zeit und sagt dann: Ich möchte aus Gründen der Beziehungen der beut- ichci, Kaufmannswelt zum Auslände auf die Antwort, die ich Ihnen, Herr Rechtsanwalt, darauf geben würde, verzichten. Auf die noch- ualige Aufforderung, diese Frage zu beantworten, sagt der Zeuge '. Metzen: Ich weiß ganz genau, wenn ich einen Posten im Aus- ande annehme, daß ich ihn dann jedenfalls ausfülle. Da der Angeklagte Eccius erklärt, der Verhandlung nicht mehr olgen zu können, und da der Briefwechsel und die Unterredungen zwischen v. Metzen und Dr. Muehlon erörtert werden sollen, was ängere Zeit in Anspruch nehmen wird, wird die Verhandlung auf norgen früh vertagt.__ Kommunale Sahlbemgimg. 38. Kommunalwahlbezirk. In diesem einem von den drei bisher nicht der Sozialdemo- kratie gehörenden Kommunalwahlbczirken der dritten Klasse sprach im vergangenen Mittwoch Genssse Dr. R o s e n f e l d. In schnei- diger Rede beleuchtete er die Sünden der Liberalen, die noch vor wenigen Jahrzehnten über allgemeine Freihctten und Rechte durch Eugen Richter ganz anderes als wie heute verlauten ließen. Heute ist es erklärlich, daß wir vereinigten Widerstand aller bürger- lichen Parteien gegen ein neues Wahlrecht finden. So erleben wir auch die Schmach, daß 834 Wähler erster Klasse genau soviel Recht wie 369 999 Wähler dritter Klasse besitzen. Nichts hat der Freisinn getan, um die Selbstverwaltung der Gemeinden zu wahren. Erst kürzlich sanktionierten die Berliner Freisinnigen auf Regierungs- geheiß den Hinaustvurf der jugendlichen Arbeiterturner aus den von der Stadt erbauten Turnhallen. Nie lassen die Bürgerlichen über unsere blamablen Polizeizustände ein Wort der Kritik fallen. Es ist dies eigentlich nicht groß verwunderlich; denn sämtliche bürgerliche Fraktionen im Roten Hause arbeiten programmlos. Wir Sozialdemokraten dagegen wirken laut unseres Programmes für das Nllgemeininteresse und für den Schutz der Schwächeren. So wittern denn unsere Gegner bei all unseren Borschlägen und Entwürfen kommunal-sozialistische Gedanken und lehnen daher jeden Fortschritt ab. Im weiteren Verlaus seines Referates ließ Rosenfcld das bisher durch unsere Genossen Geleistete Revue passieren. Den mit lebhaftem Beifall entgegengenommenen Ausführun- gen folgte eine instruktive Ansprache des Kandidaten Hugo P o c tz s ch._ Konfumgenonenkhaft Kerlin und Umgegend. Unter sehr starker Beteiligung der Mitglieder wurde am Mitt- woch die Generalversammlung im großen Saale der„Neuen Welt" abgehalten. Der zweite Geschäftsführer Schultze erstattete den Jahresbericht.(Auf eine Wiedergabe der Einzelheiten können wir verzichten, da wir in Nr. 274 des„Vorwärts" schon das wesentlichste aus dem gedruckten Geschäftsbericht mitgeteilt haben.) Im allge- meinen verwies der Redner auf den ständigen Fortschritt, den die Genossenschaft sowohl hinsichtlich der Mitgliederzahl als auch des Umsatzes gemacht hat. Auch im ersten Quartal des neuen Ge- schäftsjahres hat der Fortschritt angehalten. Er zeigt sich in einer Steigerung des Umsatzes um 26�. Proz. Wenn die Steigerung an- hält, so wird das laufende Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem Umsatz im Werte von 19 Millionen Mark abschließen. Der Gc- schäftsbetrieb hat sich in durchaus normaler Weise vollzogen und der Ueberschuß aus dem Warenvertrieb hat sich in den bisherigen Grenzen gehalten. Nur der Verkauf des russischen Fleisches hat einen erheblichen Verlust gebracht. Ferner ist das Ausgabenkonto wesentlich belastet woroen durch die Einrichtung von 19 neuen Verkaufsstellen. Auch die Steigerung der Ladenmieten, die tarif- mäßig eingetretenen Lohnerhöhungen sowie die Angestclltenversiche- rung haben neue Ausgaben verursacht. Das alles zusammen bat natürlich das geschäftliche Ergebnis beeinflußt, so daß den Mit- gliedern statt der gewohnten Rückvergütung von 5 Proz. in diesem Jahre nur eine solche von 4 Proz. gewährt werden kann. S t ü h m e r, der den Bericht des Aufsichtsrates erstattete, ging auch auf die Verringerung der Rückvergütung ein und sagte, die Mitglieder hätten keine Ursache, darüber ungehalten zu sein, denn der Vertrieb des russischen Fleisches habe ja tatsächlich eine weitere Preissteigerung des hiesigen Fleisches verhindert, was nicht nur den Mitgliedern, sondern der ganzen Bevölkerung zugute ge- kommen sei. In der Diskusfion wurden nur vereinzelte Stimmen laut, welche Unzufriedenheit über die Herabsetzung der Rückvergütung äußerten. Andererseits wurde demgegenüber betont, daß über- zeugte Genossenschafter überhaupt nicht mit dem Bezüge von Rück- Vergütung rechnen sollten und daß Ueberschüsse nur zur Erweitc- rung und Vervollkommnung des Betriebes Verwendung finden sollten. Im übrigen drehte sich die sehr ausgedehnte Debatte in der Hauptsache um geschäftliche Eutzekheiten, um die Qualität be- stimmter Waren und dergleichen. Dem Vorstande wurde einstimmig Entlastung erteilt und die vorgeschlagene Verteilung des Reinüberschusses genehmigt. Ohne Debatte wurden die von der Kommission vorgeschlagenen Aenderungen der§§ 2 und 14 des Statuts angenommen. Es wird also aus dem Z 2 die Bestimmung gestrichen, wonach die im eigenen Betriebe hergestellten Waren auch an NichtMitglieder abgegeben werden konnten.— Diese Aenderung ist um deswillen vorgenommen worden, weil das neue Reichsstempelsteuergesetz bestimmt, daß die Genossenschaften, welche ihren Geschäftsbetrieb über den Mit- gliederkreis hinausdehnen wollen, für jedes neueintretende Mit- glied mindestens 19 M. Stempelsteuer zu zahlen haben. Die Aenderung des§ 14 geht dahin, daß die Zahl der Auf- sichtsratsmitglieder, die bisher 13 betrug, erhöht wird. Der ge- änderte H 14 lautet: „Der Aufsichtsrat wird auf drei Jahre gewählt und besteht aus mindestens 18 Mitgliedern, deren Zahl auf Vorschlag des Aufsichtsrates und mit Zustimmung des Genoffenschaftsrates und der Generalversammlung bis auf 21 erhöht werden kann. Alljährlich am Schluß der zur Neuwahl bestimmten General- Versammlung scheidet% aus. Die Ausscheidenden sind wieder wählbar. Bei Vermehrung der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder wird das turnusgemäße Ausscheiden der Hinzugcwähttcn durch das Los bestimmt. Die zum Ersatz eingetretenen Mitglieder bleiben nur bis zum Ablauf der Wahlperiode ihrer Vorgänger ini Amte. Die Generalversammlung kann alljährlich Ersatzpersonen für Mitglieder, welche bis zur nächsten Wahl ausscheiden, wählen. Derjenige, der in der Generalversammlung die höchste Stimmen- zahl erhält, tritt zuerst in die zu besetzende Stelle ein." Inzwischen war die Zeit soweit vorgerückt, daß die übrigen Punkte der Tagesordnung nicht mehr behandelt werden konnten. Die Generalversammlung soll deshalb am nächsten Mittwoch ux demselben Lokal fortgesetzt werden. Versammlungen. Zentralverband der Glasarbeiter. Die Ortsverwaltung Ber� l i n hielt am Mittwoch ihre Quartalsversammlung ab. Den Ge- schäfts- und Kassenbericht erstattete Schröder. Zu Beginn des dritten Quartals betrug die Mitgliederzahl am hiesigen Orte 788, am Schlüsse 842. Die Einnahmen betrugen 6384,76 M., ihnen steht eine Ausgabe von 3389,33 M. gegenüber, so daß ein B e- stand von 793,41 M. verbleibt. Für U n t e r st ü tz u n gs z w c ck e wurden insgesamt ausgegeben 4979,32 M. Wie Schröder mit- teilte, ist die Streiklage in Berlin noch unverändert und der Kampf werde mit unbeugsamer Energie weitergeführt. Es gelte aber, die Solidarität unter denjenigen Berufsgenossen zu wecken, die als Arbeitswillige in den Betrieben tätig sind. Dem Ausgange des Kampfes können die organisierten Gasarbeiter um so zuversicht- licher entgegensehen, als die Mehrzahl der Arbeitswilligen keine gelernten oder geübten Glasarbeiter sind. Daran können auch die verzweifelten Mittel nichts ändern, zu denen die Unternehmer ihre Zuflucht nehmen. So hat z. B. die Firma L o r e t t den neuen Tarif unterschrieben, stellt aber keine Arbeitskräfte vom Glasarbeiter» Nachweis ein, sondern lernt Hausdiener an. In der Branche der Flaschenarbeitcr ist ein günstiges Resultat zu verzeichnen, indem so ziemlich alles, was im Tarif aufgestellt worden ist, bewilligt wurde. Nur mit der Firma Kosmos ist noch keine Einigung erzielt, die noch mit Arbeitswilligen arbeite und sehr rigoros vorgehe. Von einer Firma wurde berichtet, daß einige Organisationsmitgliedcr selbst den neuen Tarif durchbrochen haben, indem sie zur Akkord» arbeit übergingen. Ferner kam zur Sprache, daß es dem Leiter der Firma Reder u. Vi eher, Pfeifer, nicht gelungen ist, aus Oesterreich, wohin er gereist war, auch nur einen einzigen Ar- bcitswilligen mitzubringen. Es wurden hierauf noch die Ersatzwahlen zum Ortsvorstande vorgenommen. Glasbläser Wenzel wurde zum zweiten Vor- sitzenden, Glasbläser Walde zum zweiten Schriftführer gewählt. Weiter nahm die Versammlung einen Antrag an, wonach den verheirateten Streikenden 29 M., den ledigen 19 M. Mictszuschuß auszuzahlen ist. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden bis zu einer demnächst einzuberufenden Versammlung vertagt. WafferstandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner WeUerburea« ') bedeutet Wuchs,— Fall.— 3) llnterpegel. ur die uns ans Anlaß unseres 25jährigen Ehejubiläums zahlreich zugegangenen Glückwünsche und Aus- mertsamkeiten sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Paul und Elise Panzeram. KMßcjslh billiger! Kalbskeule mit Nierenstück, Postpaket 9 Psd.,»ur«,80 M. srei Haus. Tägl. frische Schlachtungen. Amtl. untersucht! FleisÄwaren-Bcrsand kl. Hochmuth, Sterup Ä. Schleswig-Holstein. 28l7b Meinen werten Kollegen und Genossen teile crgcbenst mit, daß ich das Lokal von HeiMaun, Steglitz, Florastrasse 4, übernommen habe. ?aul ZKoeekst.| »«««««««»«»««V»»»«, Heines Werke - 3 Sänfte 4 Start- Buchhandlung Vorwärts JACOBY-BQY 'Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Td.GIllcke.Berln,. Druck».«erlag:«orwärt» Luchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singer u. to�BethnSBT