Ar. 287. nDonntmentS'Btdingunstn: fOiijmtementä. PrnZ pränumerando: «icrteyährl. S.30 Ml, monolL 1.10 Ml. wöchentlich 28 Psg. frei inä Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Somnazs. n minner mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfa. Post- stbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetrageu in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerrelch- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnemcnis nehmen aiu Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. «utnänicn, Schwede» und die Schweiz. 30. Jahrg. Die TnIert1ons-6rtflI)r beträgt für die sechsgespaltene ziolonel- zcile oder deren Raum 60 Psg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und LersaminlungS-Anzeigsn 00 Pig. „Meine Anreisen", das settgedruckie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedrn-k!: Worte), jedes weitere Wort 10'Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen.!»- zeigen das erste Wort IV Pfg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 16 Buch- 'laben zählen für zwei Worte. Inserate iir die nächste Nummer müffen bi: 5 Uhr nachmittags in der Expedition gdgcgcben werden. Die Expedition ist pis 7 Uhr abends geöffnet. «»tl-t ttgflS. §. Verltnev VolKsblstk. ZcntraXorgaxi der fozi aldem okrati fchcri parte» Deutfchlandö. relegramm- Adresse: «SozialdeiiioKrat Rcrlla", Redaktion: 8Ll. 68» Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt MorinplaK, Nr. IS&t. CllaB--Cotl)ringen und die Sozialdemokratie. Vor kurzem hat der Genosse Gustave H e r v 6, der dem putschistischen Antimilitarismus den Abschied gegeben hat und eifrig auf eine aktive Gegenwartspolitik innerhalb der französischen Partei hindrängt, ein Buch erscheinen lassen, das jetzt auch in deutscher Uebcrtragung vorliegt:„Elsaß- Lothringen und die deulsch.franztösische Verständigung""). Das Werk, temperamentvoll und packend geschrieben, ist mehr ein unmittelbarer Aufruf als eine geruhige politisch-historische Auseinandersetzung und wendet sich mit seinem Appell an die deutsche wie an die französische Sozialdemokratie, welch beide Parteien nach des Verfassers Meinung bei weitem nicht genug getan haben und tun, um über die Lösung der elsaß-lothringischen Frage hin weg eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich herbeizuführen. Nicht allein wegen der interessanten Per- sönlichkeit Herväs und nickst allein wegen ihres inneren Gehaltes ziemt es der deutschen Sozialdemokratie, sich mit den Anschauungen der H e r v ä scheu Schrift des Näheren auseinanderzusetzen, sondern auch weil sie zweifellos auf dem nächsten Parteitag unserer französischen Bruderpartei eine Rolle spielen wie auch aus dem nächsten internationalen Sozialistenkongreß zur Diskussion kommen werden. Voraussetzung aber einer ruhigen und sachlichen Auseinander- sctzung ist die Darlegung dessen, was H e r v 6 will. Von der deutschen Militärporlage des Jahres 1913 geht Hervä aus. die in Frankreich sofort die Erhöhung der Dienstzeit aus drei Jahre nach sich gezogen hat und die alle Friedensfreunde und Kulturpolitiker mit der Nase aus die Dringlichkeit der deutsch-französischen Verständigung stößt, denn„Deutschland und Frankreich sind wie zwei große Pulverminen, wo eine Ungeschicklichkeit der Regierungen ge- nügen würde, eine Explosion hervorzurufen". Heute ist es »n der Hauptsache der österreich-russische Gegensatz, der die Gefahr eines Konfliktes zwischen Teutschland und Frankreich in sich birgt. Aber der Gegensatz zwischen dem deutscheu Kaiserreich und der französischen Republik ist an sich vor- Händen, und ihn aus dem Wege räumen, heißt viel, heißt alles gewinnen. Darum her mit der deutsch-französischen Verständigung! Nun gibt es Politiker, die sich für die bedingungslose Verständigung zwischen den beiden Staaten erwärmen. Deren Pläne aber stehen auf unsicheren Füßen, denn heute und noch für lange hinaus ist die bedingungslose deutsch-französische Aussöhnung nur für zwei.Klassen von Franzosen annehmbar: für die Bauern und für die Sozialisten. Die französischen Bauern als die am wenigsten idealistischen Wesen der Schöpfung sind aus Abscheu vor dem Kriege bereit, die deutsch französische Verständigung ohne Bedingung anzunehmen, und die Sozialisten sind auf der Grundlage ihrer internationalen Friedenspolitik stets für eine Verbrüderung der beiden großen Völker eingetreten. Aber die Bauern sind eine zerstreute und namentlich gestalt- und tatenlose Masse, die in kritischen Stunden willig dem Antrieb der Leute in Amt und Würden folgt und eigentlich �nur von der konservativen und regierungsfreundlichen, mehr oder minder nationalistischen Presse in ihren Tiefen erreicht wird: die Sozialisten hin- wiederum stellen im parlamentarischen Sinne nur ein Zwöftel des Landes, eine Million Wähler dar. Um zu einem Ergebnis zu kommen, hat mau also mit anderen Klassen und Parteien zu rechnen und müßte der leitenden, regierungs- freundlichen Bourgeoisie die bedingungslose Verständigung plausibel machen. Das aber ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn hier er- hebt sich als Hindernis: Elsaß-Lothringen! Der Patriotismus ist bei der Mehrzahl der Bürger, sogar bei den schlechtesten und eigensüchtigsten, eine Art Religion, der Patriotismus ist die Sentimentalität der Nationen, und so umklammert mit religiöser Inbrunst und mit patriotischer Sentiinentalität die französische Bourgeoisie das Ideal, Elsaß-Lothringen zurück zu gewinnen. Diese Bourgeoisie ist zwar nur eine Minderheit, aber da sie am Regiernngsruder sitzt und fast die gesamte Presse an der Hand hat. folgen ibr elf Zwöftel des Landes:„Alle nicht sozialistischen Arbeiter. Angestellten. kleinen Beamten und wahrscheinlich sogar ein Teil der sozialistisch wählenden Arbeiter sind dem alten natio- nalistischen Ideal treu geblieben." Seit der Existenz der Tripel-Entente herrscht nun in den Kreisen der sranzösilschen Bourgeoisie keine Furcht vor der Deutschland mehr, sondern Srcherheitsgefühl und Siegesgewißheit. Darum ist es höchste Zeit mit der deutsch-französischen Verständigung, denn: »Der russische B a n s l a iv i s m u s, hochmütig, frech, durch die Siege im Balkan in Appetit versetzt, wartet auf die Gelegenheit, Oesterreich zu verschlingen. Und im Chor mit ihm beginnt der gallische N a t i 0 n a l i st e n h a h 11 seit der Freundschast mit England und seit den Siegen der Balkan- Expedition: SM. 68, Lindcnatrassc 69« Fernsprecher: Amt Moritzplatt, Nr» 198t. verbündeten sich aufzurichten und zu krähen. Alles dieses hat der deutsche Reichskanzler gesehen und gut ge- sehen, als er, um seine letzte Erhöhung der Heeresefscktiven zu erlangen, auf die slawische und die französische Gefahr hingewiesen hat. Er hat V 0 l I k 0 mm e 11 recht, z u glauben, daß die sranzösisch-russische Allianz eine tatsächliche Drohung für Deutsch- land und für den europäische» Frieden ist." Aber die Schuld an diesem russisch-französischen Bündnis trägt die deutsche Regierung, tragen die deutschen Parteien— die Sozialdemokratie nicht ausgenommen!—, die die Existenz der elsaß-lothringischen Frage leugnen, die Schuld tragen auch die französischen Sozialisten, die nicht den Mut hatten, die heikle Frage auf den Kongressen, der Internationale cm- zuschneiden. In Elsaß-Lothringen liegt der Krankheitsherd, und es ist ein Unding, den Rüstungswahnsinn und die deutsch- französische Spannung zu bekämpfen, ohne die elsaß- lothringische Frage freundschaftlich zu regeln. In Frankreich wäre wohl der linke Flügel der Bourgeoisie zu einer Ver- ständigung auf dieser Grundlage bereit, und wenn die Sozialisten zu diesem Ende mit dem Radikalismus wieder einen Block bilden müßten, nun gut! In Elsaß-Lothringen selbst— Versammlungen der letzten Zeit, Acußerungen führender Politiker und sogar eine Erklärung der Kammer haben es überzeugend dargetan— verabscheut man allgemein den Krieg zwischen Frankreich und Deutschland, ist unbedingt für den Frieden und strebt nach der Autonomie des Landes. Tie deutsche Sozialdemokratie aber, die 187t1/71 so kühn und beredt gegen die Zerstückelung Frankreichs aufgetreten ist, hat seitdem die Lösung der elsaß- lothringischen Frage nicht genügend m den Vordergrund ihrer Politik geschoben.„Aber da es unsinnig ist. an die Auflösung der französisch-russischen Allianz zu denken, solange die elsaß- lothringische Frage nicht freundschaftlich und friedlich geregelt ist. so muß die Sozialdemokratie ihr Stillschweigen über Elsaß- Lothringen brechen und diese Frage vor das Forum der öffentlichen Meinung Teutschlands bringen." Wenn er sich nun die verschiedenen in Deutschland maß- gebenden Faktoren betrachtet, so kommt H e r v 6 zu dem Schluß, daß von Konservativen und Zentrum nichts zu er- warten ist, bei der nationalliberalen Partei hat er schon einen schwachen Hoffnungsschimmer und die freisinnige wie die sozialistische Partei lassen beide mit sich über Elsaß-Lothringen reden. Auch Wilhelm II. ist kein Unmensch und mit ihm kann die französische Regierung über Elsaß-Lothringen sich sehr wohl unterhalten. Allerdings wäre es töricht, die Frage als Rechtsfrage lösen zu wollen, vielmehr kann die elsaß- lothringische Frage nur als Gesck)äft geregelt werden. Und zwar bieten sich folgende Lösungen dar: 1. Elsaß-Lothringen erhält die republikanische Selbst- regieruug, mit einem durch die Bevölkerung ernannten Präsidenten an der Spitze, bleibt aber dem deutschen Staaten- bunde einverleibt. Im Austausch dafür bewilligt Frankreich die Einschreibung deutscher Wertpapiere an der Pariser Börse ein Zugeständnis, das den deutschen Industriellen und Bankiers erlaubt, unmittelbar von den französischen Sparern zu leihen, und so der deutschen Industrie und dem deutschen Handel einen neuen Aufschwung gäbe. 2. Das Elsaß erhält eine republikanische Verfassung innerhalb des Deutschen Reiches und Lothringen wird au Frankreich im Austausch einer französischen Kolonie zurück- gegeben: Tonkin, Madagaskar oder der französische Kongo. 3. Elsaß und Lothringen fällt an Frankreich zurück. Da- für tritt Frankreich an Deutschland den französischen Kongo ab und kauft von Belgien den belgischen Kongo, um ihn gleichfalls Teutschland zu geben.. 1. Elsaß-Lothringen wird ein neutraler selbständiger Staat mit eigenen Zöllgrenzen oder mit Zugehörigkeit zum deutschen Zollgebiet, wie Luxemburg, oder mit Eingliederung in die Schweizer Bundesrepublik. Leider hat man es auf dem Kongreß der foziaNMschen Internationale zu Basel, der sogar für die wilden Albaner Auto- nomie verlangt hat, nicht gelvagt, die elsaß-lothringische Frage anzuschneiden, aber ietzt muß sie ins Rollen gebracht werden. Die Berner Konferenz dieses Frühjahres war schon ein ganz wesentlicher Schritt auf der Bahn zur deutsch-französischen Verständigung. Jetzt heißt es. rüstig weiterarbeiten. „Daß man sich namentlich nirgendwo durch das Bedenke» abhalten lasse, daß eine Gefahr für den Weltfrieden darin liegt das große Problem zu besprecken.„Denken wir immer daran, aber sprechen wir nie davon!" Diese Devise war zu Zeiten Gambettas die Klugheit selbst: denn„davon sprechen", das war« der Krieg gewesen. Heute aber ist sie Feigheit und Wahnsinn geworden. Im Gegenteil: Sprechen wir davon in Frankreich und in Deutschland, svrechen wir davon in ganz Europa, in der gesamten zivilisierten Welt. Denn: Heute nicht davon sprechen, das ist vielleicht der Krieg." So weit G u st a v e H e r v 6! Sie leihen Mücken uns schlucken Gelanten. #) Gustave Hervö: Elsaß-Lothringen und die deutsch-ft-mzö- fische Verständigung. Aus dem Franzüsiscken überseht und mit einem Vorwort versehen von Hermann Fernau. Verlag von Dycker vl Humblot, München und Leipzig. 1312. Am Freitag bewegte sich der Krupp-Prozeß zumeist in den nichtigsten Kleinigkeiten. Wenn die Verhandlung weiter so fort- geführt werden soll, mutz sie in eine Sackgasse geraten. Ihren einzig möglichen Zweck, endlich Klarheit über den Umfang der Krupp-Spionage zu schaffen, hätte sie dann ebenso total verfehlt, wie die Verhandlungen vor dem Kriegsgericht, wo man ja lediglich die kleinen Schächer von Zeugleutnants zur Sirecke brachte, aber jedem Eingehen auf die verfänglichsten Aussagen geradezu in weitem Bogen auswich. Wir hatten das damals aus formaljuristi- scheu Gründen erklärt. Solche Gründe liegen aber für die der- zeitige Verhandlung keineswegs vor. Hier sitzt neben dem Zeugen Brandt auch ein Krupp-Direktor auf der Anklagebank. Aber es handelt sich zudem gar nicht nur um Schuld oder Nichtschuld dieser beiden Angeklagten, sondern um das Kruppsche Spionage- system im allgemeinen. Das Gericht sowohl wie die Staats- bcbörden müßten die dringendste Verpflichtung fühlen, diesmal volle Klarheit zu schaffen, um dann eventuell durch spätere Prozesse reinen Tisch zu machen. Davon ist aber bisher keine Rede, sondern immer nur von den Kornwalzern selbst und mehr noch— von den Charaktereigenschaften des Zeugen v. Metzen. Die Person des Zeugen v. Metzen könnte ans den Verhand- lungen vollständig ausscheiden. Ob dieser Zeuge unfair gehandelt hat, als er sein eigentümliches Geschäft mit Herrn v. Wingen ab- schloß, ist ebenso belanglos, wie die hochnotpeinliche Untersuchung darüber, ob Herr v. Metzen direkt oder indirekt Veranlassung ge- geben habe, daß Liebknecht in den Besitz der Kornwalzer gelangte. Daß es darauf ganz und gar nicht ankommt, hat ja endlich auch der Staatsanwalt eingesehen. Nicht das, was Herr v. Metzen b e° h a u p t c t, sondern da?, was die von ihm vorgelegten ober bei ihm beschlagnahniten dokumentarischen Belege beweisen, ist von ausschlaggebender Bedeutung. Und diese«naiifechtbareu Beweise sind geradezu vernichtend für eine ganze Reihe von Krupp-Direk- toren. Zweifellos wird denn auch schon nach dem Beweismaterial. das bis heute vorliegt, die Anklage gegen noch mehrere andere Krupp-Direktoren zu erwarten sein. Das Ergebnis des unglaublich langweiligen und weitschweifigen Juquisitionsverfahrens gegen Herrn v. Metzen ist mit ein paar Worten gekennzeichnet. Metzen fühlte sich in seiner Berliner Stellung unwohl, seit ihm durch die Versetzung des Direktors Drcger nach Berlin sein ursprünglicher Tätigkeitskreis beträchtlich verengt war. Deshalb griff er anfangs freudig zu, als ihm die Firma Krupp die Vertretung der Firma für Italien anbot. Run aber stellte sich heraus, daß die Firma Krupp, ihre anfängliche Zu- ficherung, Herrn v. Metzen beträchtliche Provisionen ihres früheren italienischen Vertreters zukommen zu lassen, zurückzog. Metzen fühlte sich dadurch für die ersten Jahre einer angemessenen Existenzmöglichkeit abgeschnitten. In dieser Situation schloß er den Vertrag mit Herrn v. Wingen, wonach dieser ihm diverse Zehn- tausende von seinen Provisionen unter der Bedingung abtrat, daß Metzen seine Bewerbung als Vertreter zurückzog und dadurch Herrn v. Wingen den Weg zu diesem Posten frei machte. Aber Metzen fühlte sich dann auch von Herrn V. Wingen übers Ohr gehauen. Dieser habe, so erklärte er, den Vertrag nur ab- geschlossen, weil er von vornherein gewußt habe, daß er ihn nicht zu halten brauche. Wohl aus Aerger über diesen neuen Fehlschlag machte er dem Direktor Muchlon Mitteilung davon, daß Herr v. Wingen ihm für seinen Verzicht eine klingende Entschädigung versprochen habe. Der Beschuldigte hinwiederum gab der Firma Krupp Kenntnis von dem ganzen Schachergeschäft, worauf daS Krupp-Direktorium Herrn v. Metzen brüsk den Stuhl vor die'Tür setzte. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen, da? Krupp-Direk- torium wieder umzustimmen, leitete v. Metzen seinen Zivilprozeß gegen die Firma Krupp ein. Als Material zum Beweis dafür, daß die Firma Krupp nach ihrer eigenen Geschäftsmoral gar nicht berechtigt sei. ihm aus seiner eigenen Verfehlung einen Strick zu drehen, wollte er die Kornwalzer und die Kopien der Korrespon- denz verwenden, in deren Besitz er sich vorsichtshalber gesetzt hatte. Noch im Februar bot Herr v. Metzen der Firma Krupp einen Ver- gleich an. Noch jetzt erklärte er, in der Skandal-Affäre mit der bloßgestellten Firma solidarisch vorgehen zu wollen, wenn die Firma die ihm widerfahrene Kränkung seiner Ehre und seine materielle Schädigung wieder gut mache. Das ist der Hergang. Als Moralhelden wird man Herrn v. Metzen ivahrlich nicht feiern können. Seine beste Entschuldigung bleibt, daß er im Dienste der Firma ja an moralische Skrupel- losigkeit spsiematisch gewöhnt worden sei. Aber darauf, ob der Zeuge v. Metzen ein Tugendheld ist, kommt es ja gar nicht an. 'Seit wann müssen denn Belastungszeugen Tugenohelden sein? Seit wann versagen Staatsanivaltschaft und Gericht Zeugen, die den Angeklagten feindlich sind, darum den Glauben? Erleben wir nicht jeden Tag, daß Angeklagte auf das Zeugnis des Denunzianten und Verletzten hin verurteilt werden? Und jeden Tag finden Ver- urteilungen statt aus Grund der Angaben von Mitschuldigen, von Kronzeugen. Gilt es nicht fast als Axiom unserer Strasjustiz, daß Mitschuldigen, selbst wenn sie aus der Anklagebank sitzen, falls sie sich nur auch selbst belasten, unbedingt und unentrinnbar Glauben geschenkt wird? Und wie hat sich v. Metzen selbst belastet! Ganz im Gegensatz zu den Krupi� Direktoren, deren ganzes Bestreben offensichtlich dahin geht, sich selbst zu decken. Viel schwerer natürlich noch, als das Zeugnis v. Metzens fällt das ins Gewicht, was die obenerwähnten Dokumente b e w e i s e n I Und da liegt jetzt wieder ein neues gewichtiges Dokument vor, dessen Beweiskraft durch nichts zu erschüttern ist. Herr v. Metze» hat dem Direktor Muchlon einen Brief geschrieben, in dem er ausdrücklich auf die Gefährlichkeit des Lrandtschcn Treibens hinweist und ihm dringend abrät, die„Funitionszulage" des Brandt auf SOOO M. zu erhöhen, wie das bereits halb zugesichert ivar, loeil dann die B e r s i o n n i ch t in e h r�a u f r c ch t zu er- halten sei, daß die Firma mit dem Broudtscheu Nachrichten- dienst nichts zu tun habe, liebe man nicht die äußerste Vor- ficht, so könne es für die Firma noch einmal sehr bösd werden. Und diesen Brief mit seinem ganz unzweideutigen Inhalt beantwortete Herr Ruehlon in einer Weise, die die Mitwisserschaft der Firma Krupp— deren Tirrktorium von Herrn v. Mnehl»» der Mpticnfche Brief vorgelegt worden war— zur absoluten Gewißheit machie. Das Kruppsche Panama ist also aufs klarste er- wiesen l Tie Mitschuld einer Reihe von Krupp-Direktoren ist ur- tunblich fesigcstclltt Aber darüber hinaus gilt cS weitere Klarheit zu schaffen. Solvobl die Zeugleutnants als Herr Brandt, Herr o. Mctzen und verschiedene Krupp-Direktorcn selbst haben ja unzählige Male er- klärt, daß auch der geheimste Inhalt der Kornwalzer, der ngr auf illegalem Wege zu erreichen war, den Ärupp-Tirektorcii zum g r ö ß t e n T c i l bereits bekannt lvar. Sache des Gerichts wäre es also, die energischsten Nachforschungen darüber anzustellen, welcher Art diese befremdende» Kenntnisse der Firma Krupp waren und aus welche Weise sie in den Besitz der Firma gelangt sind. In bürgerlichen Blättern ist ja schon nach dem erste» Krupp-Prozeß die Vermutung ausgesprochen worden, daß diese illegalen Jnforiuationen nur pon höheren Offizieren und Be- amlen stammen könnten. Der Argwohn drängt sich ja auch nach den ermähnten Aenßerungen der zahlreichen Zeugen direkt aus. Hier also gilt es eindringlichst zu forschen, statt die Zeit in ganz gleichgültigen Recherche» über allerlei Belanglosigkeiten zu ver licrcn. Hat man doch nicht einmal, obwohl vorläufig die Bcr nehinung V. Metzens beendet wurde, an den Zeugen die Frage gerichtet, ob er den» etwa»och mehr Beweise für seine Behauptung habe, daß das, woS die Fjrma Krupp getrieben habe hundert- mal schlimmer sei, als das Schachergeschäft mit Herrn v. Winge»! Mit so kleinen Blcndsen, wie das vom Reichsmarineamt jetzt schleunigst eingeleitete hochnotpeinliche Verfahren gegen 5 8 Boten und T i e n e r d c S N c i ch S>» a r i n c a m t S, die sich zu den Zeiten des Herr n v. S rfi ü tz, des perstorbenen ..ß-hrfnjnanups, durch>v e i h n q ch t l t ch e Trinkgelder b allen schmieren lassen, läßt sich wahrhaftig kein Staat machen. Da hqjle es doch viel näher gelegen, das Gericht zu Nachforschungen darüber anzuregen, was denn eigentlich hinter den aussiilligen Andeutungen des Zeugen p. Metze» steckt, daß Brandt auch über die Verhältnisse des ffi e i ch s m a r i n e a i» t e s so brillant unterrichtet gewesen sei und einem Marinebeamten illcschcnkc gemacht habe. Da aber schließt man beide Augen, um dafür wieder dix Kleinen und Kleinsten schleunigst beim Wickel zu kriegen. Sniuma Hummarum: Wenn die Oeffentlichkeit bei diesem Krupp-Prozeß j» ihrer Hoffnung, nun endlich Polle Klarheit zu gewinnen, nicht wieder eine bittere Enttäuschung erleben soll, so muß der Prozeß in seinem ferneren Verlauf in einem ganz anderen Geiste geführt werden. Der Staatsanwalt klagte ja so bittexticf darüber, daß Herr v. Metze» ihm durch Vor- enthalten seines Materials die Möglichkeit genommen habe, die Anklage auf eine ganz andere, viel breitere Basis zu stellen. Mag der Herr Htantsanivall also jetzt resolut zngreise», um sich wirtlich alles erreichbare Material zu verschaffe»- Wenn er dabei»ur den halbe» Eifer entwickelt, der bis setzt' auf- gewendet wurde, um den wichtigsten Zeuge» für die Anklage» n- möglich zu machen, so wird cj ihm an Material taum fehle»! Da? ultranwntanc„Mainzer Journal" brachte einen Ariikel, der die soziale Tätichwit Kette le�s, des Bischofs von Mainz, und Bebels, des sozialistischen Arbeiterführers, in Ver« gleich stellt und die„Germania" druckt den Artikel„De» roten V o l l s b e. g kü ck c x n z n in Nachdenken" ab. Bischss Ketlewr, so heißt es da, habe frühzeitig die Ausgabe, sich den Interessen des werktätige» Volkes zu widmen, erkannt und sich mit der ihm eigenen Elwrgie in das Wesen der sozialen Frage eingearbeitet. Während seiner»5jährigen Amtszeit als Bischof von Mainz habe Kelst'ier durch die Berufung von Krankenschwestern. Gründung pon Kranken- und Waisenhäusern, Bildung von Unter» slützüug.wercinen s-inem Interesse für den vierten Stand einen so ialkröftigen Ausdruck von dauerndem Werte gegeben, daß von Bebel? Seile dem nichts annähernd Gleichartiges gegenüberzustellen sei. Bebel habe den Kommuiilsmns verkündet, ihn aber nicht ausgeübt, er sei niZ reicher Man» gestorben, während Ketteier als armer Mann»pö dem Leben geschieden sei und hier werden einig« Stellen ans seinem Testamente angeführt— seine wenigen Ictzteu Habseligkeiten den Armen vermacht habe.„Dieses Tefta- meist— so schließt der Artikel— spricht mehr als Bände über den Gegensatz Ketteler— Bebel. K elteler bat nicht so viele Reden ge- halten für die Arbeiter wie Bebel, Ketteler aber hat mehr getan. Was er aus seinen chüstii listen bei seiner überaus einfachen Lebens- Haltung erübrigte, das hat er für die große Idee, dem vierten Stande helfen zu wollen, geopfert. Wollten wir selbst den Stand« Punkt der beiden divergierenden Weltanschauungen ganz außer acht lasse» und uns aus den nüchternen inaleriöllon Standpunkt stellen, m>ch dann überragt Ketteler um Leuchttnrnishöhe sei»«,, Aistipoden Bebel." Niemand wird es de» Kaihoiiken verargen, wen» sie auf einen Man» wie Bischof Ketteler stolz sind, und auch wir Sozialdemo- kratcn«rlenne» gern an, daiz er als eine bedeutende Persönlichkeit und jedenfalls als eine der besten Erscheinungen im deutschen Klerikalismus zu gelten hat. Wenn aber die Zentrumspress« es für richtig hält, Ketteler auf Kosten Bebels herauszustreichen, dann haben wir auch ein Wörtchen darin mitzureden. Wer war Ketteler? Der Sohn vermögender Eltern, in seiner Jugend ein arger Tunicht- gut, flotter Student, einjährig-sreiwilligcr Husar, königlich prcuhi- scher Referendar—- lebte er vis zu seinem dreißigsten Lebensjahre nicht schlechter, avcr a.nch nicht besser, als das im Kreise des West- sälischen Adels Sitte war.„GelrMndt im Verkehr wie in allen körperlichen Ilebungen, der best? Tänzer dabei ei« kühner Reiter und trefflicher Schütze, war er in allen Kreisen des Adels geliebt und gesucht und er fesselte unwillkürlich das Aug«, wenn er hoch zu Roß ausrstt zur Jagd oder mit seiner Schwadron Husaren c inHerzog" so schildert den jungen Frcihcrrn Wilhelm v. Ketteler sei» Biograph PstUf. Bebel hat es nicht so gut gelabt. Er lpit reichlich hungern müssen>» seiner Jugend, stand als Lehrling und Geselle seine H Stunden an der Drehbank und sparte an Schlaf. um sich geistig fortzubilden. Dafür befand er sich in einem Alter. wo Ketteler auf der Mensur paukte, schon mitten drin in der Ar, beiterdcwegung und nahm in der Reih« deS kämpfenden Prot«, iaria'w, als Ketteler tanzt«, sch'.mwte und jagte, bereits eine führende Stellung ei». Im Herbst 1841 hatte Ketteler seinen inneren Beruf entdeckt. Er ließ das Jus und die Jagd hinter sich und ging nach München um Theologi« zu studieren. Im Juni 1844 erhielt er die Priester- weihe, wurde Kaplan, Pfarrer, Propst und im Jahre 1855 Bischof von Mainz. Frühzeitig— heißt es in dem Artikel der Zentrums- presse— habe Ketteler die Ausgabe erkannt, sich dem Wohle des sverk tätigen Volkes zu widmen. Nein, das war ja gar nicht früh- zeitig. Erst Ansang der sechziger Jahre hat sich Ketteler ernstlich nstt der Arbeiterfrage beschäftigt, und was er davon wußte, ver- dankte er vorwiegend dem Studium Lassalles und dem Vorbild der von diesem ins Leben gerufenen sozialistischen Bewegung. Ketteler kam dann in der Folge zur Aufstellung mancher radikalen Forde- rungen, wie das ja auch sonst bei der ziemlich demokratisch ge- richteten klerikalen Bewegung dxr sechziger und siebziger Jahre der Fall war. Im allgemeinen aber blieb er dem Grundsatz treu, daß der Mensch zum Leiden geboren sei.„Wir werden immer Ärme und viel« Arme bei uns haben und der größte Teil des Menschengeschlechts wird in Mühe und Arbeit sein Brot verdienen müssen und' von dem sinulichen Genüsse des Lebens nstt wenigen Ausnahmen ausgeschlossen bleiben"— das ist der Satz, der sich immer wieder als Ergebnis seiner sozialen Betrachtungen einstellt. Ketteler hat innerlich den Junker, de» liochgeborenen Herrn nie ausgezogen und er ist auch den Arbeitern nie näher getreten. Es ist richtig, daß er als Bischof i» seinen persönlichen Bedürsnijsen sehr anspruchslos gewesen ist»mnd daß er sein Gehalt für lvahl- tätige Anstalten im Dienste der Kirche opferte. In seiner Jugend hatte er größere Bedürfnisse und wußte das Geld wohl zu schätzen. In der Familie Ketteler bestanden zwei Benefizien. Das eine besaß August, der Bruder Wilhelms, das andere lvar freigelvorden und Wilhelm sollte eS übernehmen. Hierfür mußte er aber de»! Klerus angehören und ivenigstens die erste Tonsur empfangen haben. Am 85, Juni 1835 kniete Wilhelm in der Kapelle des Münsterscheu Bischofs, der ihm weihend das Haupthaar schnitt. „Nur die nächsten Angehörigen" � schreibt Psülf—„wußten um die Sache und dieselbe zog keinerlei weitere nach außen hervor- tretende Folgen nach sich. Der Refcrendar blieb, was er war, und nach wie vor lag die Welt vor ihm offen." Als junger Mann hatte sich Ketteler innig mit einer jungen Dame befreundet. Aber, so berichtet sein Biograph,„die äußeren Verhältnisse standen. einer Verbindung entgegen"— d. h. die Daiiic lvar mittellos. Ketteler verzichtete deshalb; er sah„Gottes Willen in den Verhältuisien", und sein Biograph nennt„eine solcke Lösung der Frage einfach und selbstverständlich für einen klarblickenden jungen Mann, der in den Grundsätzen seines Standes aufgewachsen war". In der Tat, wer vermag hier den„klaren Blick" des jungen Ketteler einerseits und den„Willen Gottes" andererseits zu verkennen. Man denke sich aus, was geschehen wäre, wenn die junge Turne Geld gehabt oder wenn Wilhelm von Ketteler sie ohne Geld geheiratet hätte! Aus keinen Fall lväre er Priester und Bischof geworden und hätte er sein reichliche» Gehalt für wohltätige Ztveckc verwenden können. Tic katholische Kirche wäre um einen großen Bischof ärmer und die Zentrumspresse hätte nicht nachlociscii können, daß„Ketteler seine» Aistipode» Bebel um LeuchUiunihöhe überragt".__ pol* drehe(leberficht. Der Ausfall der badischen Landtagswahlen. Der zweite Wahlgang hat dein badischen Zentrum. >vie wir gestern bereits meldeten, nur noch ein Mandat, Freiburg II, gebracht, das die Sozialdemokratie durch die laue Unterstützung der Mstköneikliböbalbit verloren hat. Insgesamt haben wir von 20 Mandaten S verloren und nur 1 gewönnest Bier haben wir- schon im ersten Wahlgang ein- gebüßt, 8 habest wir infolge des StichlvahlabkomnienS zurück- gezogen und 1 Mandat an das Zentrum verloren. Das eroberte Mandat haben wir den Nationalliberaleu abgenommen. Die Stärke der Fraktionen stellt sich jetzt: Zentrum......... 30 bisher 26 Konservative......... 5„ Q Rechtsblock........' 35 bisher 25 Sozialdemoiraten...... 13 bisher 25 Nationallibsrale(mit Einschluß eines Wildliberalen)... 25„ 17 Forlschrittler......■ 5„ 7 Linksblock.......". 38 bisher-11 Unter den 20 Nationalliberaleu sind jedoch 8 Abgeordnete, die sich als Gegner des Grogblocks bekannt und daher die Unterstützung des Zentrums gefunden haben. Es ist daher anzunehmen, daß diese drei in wichtigen Frage» mit deni Rechtsblock stimmen werden. S-chon allein die Tatsache, daß die NationalUberalen Großblockgogncr in ihrer Mitte haben, wird sie in Zukunft noch mehr als bisher Rücksicht ans die Wunsche des Rechtsblocks nehmen lassen. An unseren Genossen>vird es nun liegen, die Schlappe. die wir in diesem Wahlkampf zweifellos erlitten haben, durch eine prinzipielle. intensive Agitation wieder weit z n machen. Daß wir 1 l 300 Stimmen und 7 Mandate einbüßten, ist eine so betrübende Tatsache, daß>pir allen Grund haben, den Ursachen dieser Erscheinung nachzuforschen und energisch Abhilfe zu schaffen. Mit der Be- Häuptling, der Aufschwung vom Jahre lö09 sei ein unnatürlich hoher gewesen, so daß mit einem Rückgang gerechnet werden mußte, ist unser Stinimenrückgang nicht erklärt. Der hier angeführte Grund verliert seine Berechtigung,»venu man sich vergegenwärtigt, daß wir auch in solchen Kreisen Stimmen einbüßten, wo weder Zentrum noch Konservative einen nennenswerten Anhang haben. Wasser auf die Mühlen der Chauvinisten. Die liberal«„Dtraßburger Bürgerzeitung" meldet, daß der General v. Deimling in Straßburg eine Ansprache an Reservisten richtete, die eine lltägige Uebung ableisteten. Nachdem ein Lffizier die Leistungen des zu zwei Dritteln aus Elsässern bestehenden Reserveregiments gelobt hatte, soll sich General v. Deimling in seiner Ansprache dahin ausgelassen haben, daß in einem kommen- den Kriege die Mannschaften der Reserve und der Landwehr mit gleicher Bravour vorzugehen hätten, die sie heute bekundet haben. Von Gegnern sei das Vaterland rings umgeben. Es warteten einig« Erzfeinde nur darauf, über uns herzufallen..Nicht der Beruf, nicht die Familie, nicht irgendwelche andere Sonderinter- essen dürften die Mannschaften aohalien, im Ernstfälle allein sich den Aufgaben des Vaierlandes mit blindem Opfermut zu weihen. Es gelte dann gegen d:c Rothosen mit gleicher Bravour loszugehen, wie sie heute beim Sturm aus die rote Flagge zum Durchbruch kam, damit die Kerle Angst bekämen, wenn wir erst mal losmar- schirrten.... Was eine solche Rede an der franzojijchcn Grenze bedeutet, kann nur der ermessen, der ständig mit dam Volke Fühlung hat. Auch die liberale.Straßburzer Vürgerzeitimg" wendet sich ganz entschiede» gegen die Ausführung«» des Generals v. Deimling. Das Begräbnis der Hamburger Univerfitätsvorlage. lieber die gestern gemeldete Ablehnung des UniversilälsprojekteS durch die Hamburger Bürgerschaft wird uns auö Hamburg ge» schrieben: Mit 85 gegen 73 Summen hat am MiNwoch die Hamburger Bürgerschaft den Aulrag. die UuiversitälSvorlage des Senals o» einen Ausschuß zu überweisen, abgelehnt und die Senalsvorlage darauf selbst mit dein glichen Siiininenverbällnis, ohne in die Spezialberatung einzutreten, verworfen. Der große Aufwand, mit dem in jahrelanger Vorarbeit durch Wort und Schrift für die Er- ricktung einer Hamburger Universitäl eingeireten wurde, ist also umsonst gewesen. Aber vielleicht doch nicht ganz umsonst. Denn mit ebenso knapper Mehrheit, wie die Ablehnung der Senalsvorlage cr- folgte, ist dann der von Mitgliedern aller Fraklionen, einschließlich der Sozialdemokraten, geftellre Antrag Dr. Dücker angenomnieil worden, der einen Ausschuß mit dem Auftrag betrauen will, zu prüfen, stuie das bestehende Vorlesnngswesen und das Kolonialinsiilut zu einer Anstalt für Lehre. Forschung iiud praktische Ausbildung weiter ausgebaut werden können. Diesem Ausschuß ist weiter auch ein Antrag des jungen Dr. Burchard überwiesen, der einen voll- ständigen Entwurf für die Organisation einer Hamburgischen Aus» lands-Hochschule enthält. Der Grundgedanke der Senatsvorlage, eine Hochschule für die spezielle Täligkeit in kolonialen und überseeischen Verhältnissen z» schaffen, ist also keineswegs aufgegeben, sondern soll weiter verfolgt loerden. Was dabei herauskommt, hängt freilich wesentlich vom Verhallen des Senats ab. der durch Bürgermeister Predöhl in der Universitäisdebatte verkünden ließ, daß er nick» versprechen könne, in einem Ausicbuß miizuarbeilen, nachdem die SenatZvorlage grundsätzlich verworfen ist. AuS den früheren Berichten, die wir über den Verlauf der Debatte gebracht haben, ist erinnerlich, welche Gründe die sozial» demokratische Fraktion bestimmt haben, gegen die vom Senat vorgeschlagene Universität« ffo r m, nicht gegen die Universität an sich, zu stimmen. Bom Redner der Fraktion, Genosien Krause, war betont worden, daß die Hebung der Volksschulbildung voraus» gehen müsse, bevor als Krönung die Universität errichtet wird, daß serner die Zulassungsbedingungen erweitert und die der preußischen Lex Arons nachgeahmten Disziplinarbeslimmimgen beseitig werden müßten. Unsere Fraktion ist daraufhin zwar heftig umworben worden, um sie auf die Seite der Universitätsfreunds zu ziehen und damit die Vor» läge zu retten; der Kultussenator Dr. von Melle(der Bater der Vorlage) hat auch veriprochen, daß die sozialdemokratischen An- regungen„geprüft" werden sollten, aber eine bestimmte Zusicherung. daß sie erfüllt werden würden, hat er so wenig wie ein anderer gegeben. Daraus ergab sich für unsere Froklion die selbstverständ» liche Pflicht, auf dem ablehnenden Standpunlt zu beharren. AuS ähnlichen, teilweise aber auch entgegengesetzten Gründen bat die Mehrheit der Rechten, sowie ein Teil des Zentrums, der Linken und der Liberalen gegen die Universiiät gestimmt. Am letzten Abend der allgemeinen Beratung, die sich durch vier Sitzungen hingezogen hat, kamen die verschiedenen Gründe für und gegen die Vorlage nochmals zur Aussprache. Die Oberhand behielt schließlich doch die Auffassung, daß Hamburg nicht nötig habe, aus Konkurrenzfurcht ein kostspieliges Experiment mit einer Universität zu machen, die obendrein nur unvollkommen sein und anderen Kulturanfgabeii die Miltel entziehen würde. Dos Defizit von 13l/„ Millionen Marl im neuen Staatsbudgetentwurf sei zwar bei der im allgemeinen sicheren Grundlage der Hamburger Staaisfinanzen nicht weiter bedenklich, mahne. aber doch zur Vorsicht. Der scharf« W«tt» bewerb, der Hamburg von anderen Nordseehäfc», namentlich von Antlverpeii und Rotterdamm bereitet werde, zwinge zur Anspannung und zum Zusammenhalten aller Kräfte für die nächste und wichtigste Aufgabe, Hamburgs Vormachtstellung als Welthafen aufrecht zu er- halten. Hamburgs»instergültiges Vorlesungswesen und sein Kolonial» institut müßten sich auch auf andere Weise erhalten und weiter aus» bilde» lassen. Ncligion und Sittlichkeit. Sobald irgendwo ein scheußliches Verbrechen begangen wird, meldet sich sofort die fromme Zciurumspresio und sucht mit allerlei Redensarten zu beweisen, daß die katholische Religion den stärksten Schutzwall gegen das Versinken der Völker in Unsittlickkeit und Ver» brechen bilde. Deshalb müsse die katholische Erziehung ausgedehnt, der Klerus vermehrt werden. Wie es tatsächlich um diesen gepriesenen sittlichen Einfluß der Religion und der Kirche auf die Bevölkerung steht, lehrt deutlich eine Aufnahme der Kriminalität in Preußen nach dem Reiigionsbekennt» ni», die jüngst vom preußischeil Statistische» Landesamt heraus- gegeben worden ist. Zugrunde gelegt ist der Statistik der Stand der Bevölkerung bei der Zählung am 1. Dezember 1515. Wir greifen daraus die Zahlen heraus, die einen Vergleich zwischen der Krimi- nalität der katholischen gegenüber der evangelischen Be- völkerung ermöglichen. Es wurden im Jahre 1Ül5 wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Rcichsgesetze von je 155 555 strafmündigen Zivilpersonen rechlskräftig verurteilt: Evangelische Ostpreußen.... 1518 Westpreußen.... 1243 Slad'.ireis Berlin.. 1645 Brandenburg.... 1535 Pommern..... 1058 Poicit...... 572 Schlesien..... 898 Sachsen...... 913 Schleswig-Holstein.. 1525 Hannover..... 016 Westfalen.... 1595 Hesien- Nassau... 851 Rheinvromnz.... 1129 Preuße» insgesamt.. 1594 Katholische �KKr wmiger 1371 1661 1870 1566 1754 1531 1841 1171 2838 1205 1161 1151 1288 1443 147 418 321 631 656 558 843 256 1813 284 66 355 158 348 Zur Ergänzung sei hinzugefügt, daß die Zahl für Preußen bei den„s o n st i g e n christlichen B e ke n n i n i ss e n" nur 561. bei den Juden 1126 pro Hunderttausend beträgt. Der Gelamt» durchschnitt für Preußen beläufl sich ans 1275. Demnach überschreiten die Evangeliicvcn nur in vier, die Katholischen aber in elf Von den oben angeführten LandeSteiien den Staatsdurch'chnitt. Nur in einem einzigen Falle Übersteigt die Kriminalität der Evangelischen Über die der Kalhotischen: in Ostpreußen. Die Katholischen aber übersteigen die Evangelischen stellenweile um 35, 65. 85, ja einmal (Schleswig-Holstein) um 185 Proz. Das Ergebnis dieser anitlichen Erhebungen und Berechnungen ist für die Klerikalen niederschmetternd. Unzählige Male bat daS Zentrum in Rede und Artikeln, von der Tribüne des Reichstags und von der Höhe des Predigistuhls herab den Katholizismus als die einzige sittliche Macht gepriesen, die imstande sei, die Well vor den Fängen des Bösen zu behüten und der Unsiltlichkeit zu wehren. Und nun zeigt die Feststellung des Statistischen LandeSamles. daß da» katholische SkeligionsbekeimtniS die meisten Verbrecher stellt. DaS ist bitter! Tumm wie eine Kuh. Vor einigen Tagen hat der durch seine frühere Tätigkeit im Saarrevier den Vergarveitern als Icharfmacher erster Güte wohl» bekannte jetzige Generaldirektor der schlesischen Königs- und Laura- Hütte, Herr Hilger, eine Rede gehalten, in der er über die Aer» Wohnung der Arbeiter lamentierte und erzählte, in Oberschlesien herrsche Arbeitermangel, den Arbeitslosen falle es aber gar nicht ein, dort eine Arbeitsgelegenheit zu suchen. Versuche, die die Laurahütre vor einigen Jahren mit Stettiner Arbeitslosen gemacht habe, seien ballig fehlgeschlagen. Zu diesen Redensarten bemerkte ein hiesiges, auch in Arbeiter- kreisen vielgelesenes Lokalblatt, man könne doch Tischlern. Maurern und anderen Arbeüer», die in Berlin wegen der Ungunst der Ver- Hältnisse keine Arbeit finden, nicht zumuten, in den Kohlengruben der Laurahütts einzufahren; diese Leute seieu mit ihren Familien doch bis zu einem gewissen Grade in Berlin bodenständig geworden. Tas hat die ehrsame, von den Scharfmachern alimentierte .Post" arg verschnupft. Sie schreibt jrtUich tief verletzt: Im..Vorwärts" könnte es nicht schöner stehen.� Tas Zartgefühl, das der politische Mudicke der„Morgenposth hier cniwickelr, ist gewiß nicht alltäglich. Also ein Offizier, ein Be- amter, ein Lehrer, ein Pfarrer, ein Ingenieur, der versetzt wird, hat einfach seinen Koffer zu packen, seine Wohnung aufzugeben, seine Beziehungen abzubrechen, seine Gewohnheiten, zu änidern, er mag sich noch so„bodenständig" fühlen. Anders der Herr Arbeiter. Ihm darf man dasselbe beileibe nicht zumuten. Wie viele in kaiifmännischcn Betrieben länge Männer müssen, unr ihr Fortkommen zu sickern, sich einer anderen„Branche" zu- wenden, müssen so manches hinzulernen, obne sich deshalb immer zu verbessern, und das oft in höherem Lebensalter. Der von ber Sozialdemokratie betreute Arbeiter hat dos nicht nötig! Ein Tischler, der für Frau und Kinder zu sorgen hat, soll sich, so meint die„Morgenpost" lieber durchhungern vielleicht durch- pumpen, als daß cc in eine Kohlengrube einfährt., Der Vergleich zeigt— wa? übrigens jede Rümmer der„Post" täglich aufs neue lehrt—, daß das scharfmacherische Blatt ungefähr so viel von Arbeiterverhältnissen versteht, wie eins Algäuer Kuh von der Geometrie. Wenn der Offizier, wenn der Beamte, der Pfarrer versetzt wird, so erhält er— vorausgesetzt, daß(jr nicht„strafuersctzt" wird— meist in der neuen Stellung ein höheres Gehalt. Er erhält ferner lange vorher von der Versetzung Mitteilung, so daß er sich auf die Uebcrsiedelung einrichte!! kann. Er erhält weiter Umzugskosten und, wenn er sein« geinictete Wohnung plötzlich ausgeben muß, Mietentschädigungen usw. Er bleibt auch gewöhnlich in seinem Beruf und hat— das toi cht ig sie von allem— die Garantie, daß er, wenn er nicht ganz besondere Dummheiten macht, seine Stellung behält. Trifft das alles auch zu, wenn riu Stettiner oder Berliner Tischler oder Maurer nach Schleswu fährt, um sich dort auf der Laurahütte Arbeit zu suchen— vielleicht als Bergarbeiter? Er hat meist gar nicht das Geld zur Reise, kann auch seine Familie nicht mit- nehmen, niuß sie vielmehr erwerbslos zurücklassen. Und selbst tocnn es ihm gelingt, Arbeit zu finden, reicht doch der Lohn in keinem Fall aus, dort zu leben und in Stettin oder Berlin seine Familie zu erhalten. Ferner welche Garantie hat er, dag er auf der Jaurahütte Arbeit in seinem Beruf findet und in seiner Stellung bleiben kann? Nimmt er aber Arbeit ganz anderer Art an, so ist sehr leicht inöglich, daß er dadurch die Fähigkeit für die besonderen Arbeiten seines Berufes mehr oder weniger verliert und in diesem sehr schwer wieder Stellung findet. Doch es ist überflüssig, den Herren der ehrsamen„Post" das alles auseinander- zusetzen; sie gleichen eben der Algäuer Kuh. OeNicrmdvflugan?. Tie Korruption in der Prager Stadtverwaltung. Ter Prager Rechtsanwalt Dr. Boucck, Mitglied der Partei der Realisten, die, unter Führung des Professors M a f a r y t, eine Versöhnung mit den Deutschen auf Grund voller nationaler Gleichberechtigung erstrebt, hat gegen die ganze Stadtvertretung von Prag eine Anzeige wegen Amtsbastcchung eingereicht. Er erklärt darin, die Gemeindeverwallung werde von allen urteiis- . fähigen und anständigen Leuten als unehrlich bezeichnet. Zum Beweis führt er eine Reihe zweifelhafter Geschäfte an. So fest in der sogenannten Röhrenasfäce ein Fabrikant bei der Präger Eisenindustriegesellschaft gewesen, der neben seiner Provision S Proz. des Wertes der Lieferung für seine„Hilfskräfte" verlang! habe. Man lehnte ab, und die Lieferung fiel an andere. Die Sache hat schon viel Aufsehen erregt.— Als es sich um die Lieferung von Turbogeneratoren für die Elektrizitätswerke handelte, kam ein Vertreter einer Maschinenfabrik zu dem Präsidenten, dem Stadtverordneten Jahn, und ließ bei ihm ein Kuvert mit mehreren tausend Kronen zurück. Jahn nahm das Geld nicht, fand ober bei der Abstimmung im Verwaltungsrat, daß das u n- g ü n ft i g e r e Angebot der Fabrik a n g e n o m m c n wurde, daß also weitere Bestechungen mit mehr Erfolg geübt worden waren. Er trat darauf aus der Verwaltung und der Studtver- ' trctung aus.„Die Unternehmungen wissen, daß sie Lieferungen nur durch Bestechung erhalten, und greifen darum zu diesem Mittel, wenn es auch der moralischen Anschauung mancher wider- strebt." Ten Anstoß zu BoucelS Vorgehen bot eine Sache, in der auch der jungtschechische Parteiführer, der Vizepräsident der Partei, Dr. V e j v a r, eine entscheidende Rolle gespielt hat. In Michle hatte ein Grundbesitzer Renner einen Besitz von 128 Hektaren, den er an die Stadt Prag verlaufen wollte. Es wurde nun„nachgewiesen", daß dieser Besitz für die städtischen Gas. werke von besonderem Wert« sei. Deren Vergrößerung war not- , wendig, und der Ingenieur Brezovsky berechnete, daß dort das Gas zu l! Heller für den Kubikmeter herzustellen sei- Obwohl nicht viehr als 18 Hektar für die Ausdehnung der Werke nölig tvoren, wurde der ganze Besitz gekauft und zwar jür 2 500 470 Kronen. Nachher stellte sich heraus, daß das Gas dreimal soviel kosten würde, während es bei Vergrößerung deö bestehenden städtischen Werks für 12 Heller gewonnen werden kann. Der ganze Ankauf war also für die Sladt überflüssig. Nicht jedoch für den Parteiführer Dr. Vejvar, der die Verhandlungen, für Renner führte, und seine „Hilfskräfte". Ter frühere Präsident des Verwaltungsrats der Gaswerks, Kukla, war Gegner des Ankaufs: teils aus sachlichen Gründen, teils, weil ihm, wie er seinen Freunden sagte, eine Be- stechung ven 50 000 Kronen geboten worden war. Sein Nachfolger E e r v c n p war zugänglicher für gute Gründe. Unter ihm wurde das Geschäft gemacht, noch.dazu zu einem weit höheren Preise. Nun teilt das Realistenorgan„Eas" ein Dokumeni mit, in dem der Eigentümer sich verpflichtet, den Betrag, der nach Abzug der auf dem Gute ruhenden Forderungen von 1 755 000 Kronen und des von ihm geforderten Preises von 400 000 Kronen übrig bleibe, dem Dr. Vejvar und den Hilfskräften,„deren Vermiitlung er in diesem Falle benötigte" zukommen zu lassen. Damals sollte der Preis 2 450 000 Kronen betragen. Bewilligt wurde aber ein Preis von 3 500 470 Kronen, sodaß für Vejvar und die H r I f s- kräfte nicht weniger als 34 54 7 0 Kronen abfielen. Dafür ver- zichtet« Vejvar auf den Ersatz seiner Auslagen, auf deren Ber- rcchnung Renner in jener Urkunde ausdrücklich verzichtet hatte. Dr. B o u c e k sagt darüber in seiner Anzeige:„Daß der Ankauf zu diesem Preise nur dadurch ermöglicht wurde, daß für einige Mitglieder des Stadtverordnetenkollegiums eine Bestechungs- summe von 3! 557 0 Kronen gesichert wurde. Tie Gc- in ein de wurde also mindestens um diesen Betrag geschädigt, aber Kenner schätzen de» Schaden auf mehr als das Doppelte. Allgemein ist die Ueberzeugung, daß die Art, wie jetzt die Gemcindeangelegenheiten verwaltet werden, zur Käta- strophe führ» muß." Er verweist noch auf den Ausspruch des früheren Bürgermeisters Dr.. P o d l i p n y, daß im Rat- Hause Korruption und Despotismus herrschen. Andere Mitglieder traten aus der Geineindevertrciung aus. Seitdem hat die Zeitung„Ecske Slovo" mitgeteilt, daß der jetzige Gaswerks- Präsident, kaiserlicher Rat Ecrvenh, zu den Bestocheiicn ge- höre, und ihn zur Klage ausgefordert, um das vor Gericht zu bc- weisen. Statt dessen begnügt sich der Herr mit einer lahmen Zeitungserklärung und teilt mit, baß er nicht klagen werde. Er ist Mitglied aller Ausschüsse, die über städtische Lieferungen zu bestimmen haben. Dasselbe Blatt berichtet, daß jener Besitz vor- her durch denselben Dr. Vejvar einem Fabrikanten mit Ein- schluß der jetzt von der Gemeinde nicht erworbenen Parzellen im Werte von 300 000 Kronen für insgesaiitt 1 400 000 Kronen angeboten war. Dabei war noch Nachlaß in Aussicht gestellt lind be- Merkt, daß an dem Besitz„spielend im Handumdreheii" 300 000 Kronen„oerdient" werden könnten. Jener lehnte ab, weil er nicht spekulieren wolle. Danach hängte Vejvar der Stadt die Gründe zu mehr als dem doppelten Preise anl Freilich mußte dag„Spiel mit dem Haiidumdreheii" dabei recht oft getrieben werden. Und nun teilt gar„Eas" noch mit. daß auch der Bürgermeister Dr. G r o f ch mit im Komplott war. Dieser hatte nämlich 1909 selbst den Wert jenes Besitzes auf 1 3 30 000 Kronen festgestellt. Nun aber schwieg er, als eine neue Sckssitzung, jetzt aber ohne Wohngebäude nebst Zubihür, auf 3 8 5 5 4 9 0 Kronen lautete. Damals schien es, als solle das Geschäft im letzten Augenblick noch scheitern, aber der Bürgermeister sctzie cS durch besonderen Druck durch, daß es doch zustande käm. Man sieht, daß auch das auf- strebende tschechische Pürgertuin die Geheimnisse des kapitalistischen GeschäftcmbchenS völlig beherrscht. Natürlich sind es alles lautere Patrioten, jederzeit bereit, Gut und Blut für ihre Nation zu opfern, jederzeit aus der Wacht gegen die eigentums feindlichen und internationalisierenden Besirebungen der Sozialdemokratie. frÄnZ'.mcK. Tie verurteilten Soldaten. Paris, 3t. Oktober. In Beantwortung des Schrittes, den der Abgeordnete Bachiniont im Namen des Kongresses der Radikalen in Pau zugunsten der Soldaten unternommen hatte, die verurteilt worden waren, weil sie gegen die Einbehaltung ihres Jahrganges unter den Fahnen m a n i f e st i e r t hatten, erklärte Ministerpräsideut Barthou, die Regierung müsse für die Aufrechterhallung der Manneszucht sorgen, aber der Kriegsininister habe bereits Maßnahmen getroOeir, um die Strafen zu mildern oder aufzuheben. Er werde auch fernerhin i» diesem Sinne so wohlwollend wie möglich vorgehen. Italien. Das letzte Wahlcrgcbnis. Rani, 31. Lktobcc. Nümnestr liegt auch das letzte noch unbekannte Ergebnis an. dem W o tz t t r e i s(iiallipoli vor, wo tjch Loziatljt-LeivPitt tvnrdcn ist.-- Amerika. Ter Bürgcrmcisterkampf in New Aork. New jkjork, 31. Oktober.(P.C.) Die Agitation für die New Aorkev Bürgermeister- � und GeliieindetoaHlen hat ihren Höhepunkt erreicht. Der Gegner von Tammany-Hall, M i t ch e l, hielt gestern abend vor einer vieltausendköpfigen Menge eine Rede, in der er die schwersten Beschuldigungen gegen Tamiuany-Hall und die Parteibosse erhob. Als er"am Schluß seiner Rede erklärte, er würde Tamniany-Hall zu Boden schtageu, wurde er von der Versammlung mit.Beifalls- kuiidgebungeu überschüttet. Der Taiumauy-Kaudidat für den Bürgermeisterposten, M c E a l l, griff seinerseits dit Presse, die gegen Tammauq Partei ergriffen, heftig an und erklärte, P u l i tz e r, der Herausgeber der„New Uork World", die zu den entschiedensten Gegnern der Parteibosse gehört, sei„eine verächtliche Kreatur". Hucrtas Pläne. Mexiko, 31. Oktober. Obwohl noch nicht all« Wahlergebnisse eingelaufen sind, ist heute schon kein Zivcifel mehr, daß H u e r t a und Blanquez gewählt sind. Huprtas Plan dürste nach den Angaben ihm nahestehender Persönlichkeiteil folgender sein: Er läßt seine Wahl dnrck den Kongreß annullieren, wodurch Blanguez provisorischer Kandidat wird. Dieser ordnet Neuwahlen an, wobei Huerta gesetzlich einwandfrei kandidieren kann und voraus» sichtlich gewählt wird. General Blanquez. der jetzt KnegSminister und Hu-rtas ergebenster Freund ist, war bekanntlich einer der sechs Soldaten, die Kaiser Maximilian erschossen. Die Neio Yorker„Sun" meldet dagegen, Hnerta dürft« sich seihst als gew ählt prollamieren.__ Kanada. Der Kampf um die Flotte. Ottawa, 3l. Oktober. Bei der gestrigen N a ch lv a b l zu dem lapadiichen Unlerhause im Wahlkreise South Bruce siegten die Liberalen mit einer Mehrheit von 150 Stimmen über die Kon« servaliven, die den Wahlkreis bisher besaßen; bei dem Wahlkampfe, stand die Flollenfrage im Vordergrund. Die Liberalen treten für eine eigene kanadiscke Flolle ein, während die Konserbatiben dafür eintreten. England drei DreadnoughlS zu schenken. idefeslagsabgeordiKter r. Llcbert als Kläger. Vor dem Schöffengericht wurde gestern ein VeleidignngSprozeß veihandelt den der freikonservai'vc Abgeordnete v. Lieber! gegen den Vera n t w o r! l i ch e n R e d a k l e u r des„Berliner Tage- blatts" Max Schröder wegen eines Artikels angestrengt haue, in dem das„Berliner Tageblatt" sich mit der Tätigkeit des Klägers als Gouverneur von Ostafrila und mit feinen kolonialen Gründungen beschäftigte. Der Kläger war nicht erschienen. Als Vertreter für ihn traten Jnstizral Stalte und der freikpnservotive Abgeordnele Justizrat Merlin ans. Beklagter wurde durch' I u st i z r a t Masse und NechtSanwall Philipp verteidigt. Der Angeklagte erklärt unter anderein: über die geschllstsichcn Gründungen denkt auch die dem Kläger nahestehende Presse so wie der Artikel. Der schärfere Ton in dem Artikel ist erklärlich, zumal der Kläger im Reichstag kurz zuvor das„Berliner Tageblatt" an- gegriffen hatte. Tis im Artikel aufgestellten Behauptungen ent- sprechen der Wahrheit. Es stellt dann der Rechtsanwalt Philipp eine Reihe von B e w e i S q n t r ä g e n. Diese beziehen sich: 1. auf die Beteiligung des Privatklägers an der deutschen Li n f i j i- B a u m lv o l l g e s e l l s ch a f t, S. auf die Beteiligung' des Plivatttägers an der D e u t f ch- e n g l i f ch e n O ft a f r i t a k o in p a g n i e(G. m. b. HZ. 3. auf die Beteiligung an der Afrikanischen K v ni p a g n i e und 4. auf die Belcili- gung an einer afrikanischen Z e m e n t f a b r i k. I u st i z r a t M e r t i n beantragte als Vertreier deS Klägers: alle Beweiöa n träge abzulehnen. Das Gericht solle den Angeklagten ohne BewciSanfnakme verurteilen. Der Kläger sei ein alter verdienter Soldat, Inhaber des Eisernen Kreuzes und ein be- geisterter Kolonialschwärmer.. Bei einer Gesellschaft habe er.nur 3000 M." in Freiailien als Belohnung für seine Täiigleit als Auf- sichtSrat erhallen. � In dcmielbxn Sinne plädiert Jnstizrat Stolle. Es müsse angesichis der Schwere der Beleidigungen und der weiten Verbreitung'des Ariikclo aus eine Strafe erkannt werden, die höher fei als alle Strafen, auf die je in Preß- Prozessen erkannt sei. Die Verteidiger des Angeklagten hoben hervor, nicht um die Verdienste des Klägers als Soldat, sondern um die als Gründer handle es sich hier. Besonders rühmenswert fei es nicht, wenn Kläger seinen Namen gegen Freianteile hergegeben, also verkauft habe. Ä müsse in vollem Umfange Beweis erhoben werden. Das Gericht beschloß, die zur Frage der R u f i j i- g e se I ls ch a f t g e st e l l t c u Beweise zu erheben. Hierzu soll Direktor Helferich von der Deutschen Bank als Sachverständiger vernommen werden. Im übrigen wurden die Bcweisanträge ab- gelehnt. Der Fall, daß ein Abgeordneter oder sein Vertreter sich lebhast dagegen wehrt, daß über die Wahrheit der gegen ihn erhobenen Bejchuldignngeu Beweis erhoben werde, steht wohl einzig da. ILStxts Pfadmd)t«n. Protest gegen dic Eigenmächtigkeit der Diplomaten. Belgrav, 31. Oktober.(W. T. B.) In der fortgesetzten Ver- Handlung des Adreßentwurf» kritisierte der Jungradikale S k e r l i i s ch in der Skuptschina die diplomatische Aktion der Rc- gicrung Paschitsch und der serbischen Diplomaten als gänzlich un. zulänglich und protestierte gegen die Ignorierung des Parlaments, dem von der Regierung kein Einfluß auf die äußere Politik ein- geräumt worden sei. Im Verlaufe der Rede kam eS infolge eines Wortwechsels zwischen Skerlitsch und dem Volkswirtschastsminister Jankowitsch zu einer scharfen Auseinandersetzung, doch gelang es dem Vorsitzenden, alsbald die Ruhe herzustellen. Der Minister des Innern P r o t i s ch trat den Ausführungen Skerlitschs entgegen und erklärte, daß die serbische Regierung ihre schwere Mission er- folgreich erfüllt habe. sBeifall rechts.) Der Fortschrittler P a b l e Mar in kow tisch legte die Notwendigkeit dar, den neuen Bürgern volle G l« i ch b e re ch t ig u n g zu«rteilcn und forderte die Regierung aus. in den neuen Gebieten unverzüglich das Be r f a f s u ng S r e g i m e einzuführen. Numäuicu als Schiedsrichter im. Orient. Bukarest, 31. Oltobsr.(W. T. B.)„Universul" veröffentlicht eine Unterredung, welche König Carol einem der Redakteur« des Blatte« bewilligte. Der König erklärte, daß es«in schwerer Fehler gewesen wäre, wenn Rumänien den Krieg begonnen hätte, als die verbündeten Balkanstaaten gegen die Türkei kämpften. Der christ» liche Staat Rumänien habe nicht einen Krieg verhindern können. der für die Befreiung der Christenheit(h geführt wurde. Er habe seit langem vorausgesehen, daß der Balkanblock nicht von Dauer sein werde, und habe dies auch Danew mitgeteilt, als dieser in Bukarest. war. Danew aber habe es nicht geglaubt, wie er auch einige Tage bor der Mobilisierung der rumänischen Armee nicht geglaubt habe, daß Rumänien mobilisieren werde, weil Europa dies nicht zugeben oder weil die ruinäuische Armee drei Wochen brauchen werde, um die Donau zu überschreiten. Als der Redakteur mitteilte, daß man in Frankreich heuts Rumänien als den Schiedsrichter im Orient betrachte, erwiderte der König: ja, so ist es, es kann sich niemand im Orient rühren, ohne daß Rnmäiiicii sein Wort sagt; er glaube, daß cs Frieden geben. werde, weil niemand auf dem Balkan e s wagen werde, einen neuen Krieg anzufangen, für den es auch nicht inöglich sein würde, die finanziellen Mittel zu beschaffen, weil Frantreich, der Bankier der Balkanstaaten, kein Geld mehr für einen Krieg hergebe; auch die baldige friedliche Lösung der Frage Albaniens hatte er für sicher. Stand der griechisch-türkischen Verhandlungen. Konstantinopel, 31. Oktober.(W. T. B.) Authentischen In- formationen aus griechischer und anderer Quell« zufolge ist der gegenwärtige Stand der griechifch-türkischen Verhandlungen fol- gender. 1. Staatsangehörigkeit: Griechenland hat den otto- manischen Standpunkt akzeptiert, aber in türkischen Kreisen wird erklärt, daß das Optionsrecht der aus den griechischen Gebieten gebürtigen und in der Türkei wohnhaften Personen bestritten bleibt: 3. Privateigentum: Griechenland erkennt alle Eigentums- rechte der anwesenden oder abwesenden Muselmanen an, kann aber nicht die Anerkennung der juristischen Persönlichkeit von Besitzern ländlicher und städtischer Besitzungen zugeben, weil im Zeitpunkte der Kriegserklärung die otomanische Gesetzgebung ihnen die- Recht nicht zuerkannt. 3. Ländlicher Grundbesitz: Die Pforie schlagt vor, daß lein Grundbesitzer gezwungen werden könne, seine Grundstücke an Bauern zu verkaufen und daß das gegenwärtige Verhältnis zwischen den Grundeigentümern und den Bauern in keiner Weise abgeändert werde außer durch ein allgemeines, für das ganze Königreich gültiges Gesetz. Griechenland ist mit diesem Artikel nicht einverstanden, weil er in die. Agrarfrage, die eine der Haupt- sächlichsten Punkte seines Programms bildet, tief einschneide, daher köne sich Griechenland der Türkei gegenüber nicht binden. 4. Wakuft: In dem türkisch-griechischen Subkomitee in Athen ist ein Einbcr- nehmen zustande gekommen, wonach das Wakufregime nur auf Grund vorheriger Entschädigung abgeändert werden darf. Die Wa- kufzehnte werden abgeschafft, aber Griechenland verpflichtet sich, für.die Bedürfnisse der Kultus- und WohltätigkeitSeinrichtungen zu sorgen. Die Friedhöfe werden als Eigentum der Wakufs aiier- kannt. 5. Muftis: die Muftis sind öffentliche, von den Wählern Griechenlands gewählte Funktionäre. Der Obermufti wird vom König aus drei, von der Versammlung aller Muftis vorgeschlagenen Kandidaten ernannt werden. Die griechische Regierung wird im Wege der griechischen Gesandtschaft die Ernennung des Obermuftis dem Scheich uel Islam notifizieren, der die Bestallungsurkunde ausfolgen wird. 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Lebfirwurst......«°°d 1.05§ Schweinebauch Pfand 73 Pf z jnsiter Käse......... �65,78� Edite Ballesdie lelieiwnrit....... m. d 1.30« PHiroiiramm 7R S �...........?fm>d 38�- ElUf IraBBUMo BeM Ft�d 1.30: p. ,™.•".v Kn�n S Romatourkäsc............ 5.,.. 25 Nasschinken............. 1.35! SchmorfleiSCll�ÄSS k|. 1.20 I——-:-! Raucherwaren Schinkenspeck—? Speck Piend 78»»«g«f Pfund 95» Konserven Kassler 73,78 Pfand Pf. I Pf 5 Pommersche Flundern ptud 38 pt ; Lachsheringe............. 2 staek 15 Z Bücklinge................. s stank 18 pi © LaChS gerinebert............. Pfand 30» Gel Sardinen v«,° 39, 48, 65 pf Bntsmne Pfand 55,63 pt Feftsflnsc' Pfund 65,30,75, Hütt gestreift, Stück Z.OOZ.903.80 Hinchbiiin 55k Pfand Kanindien Srech- od. Schnctdebohnen__ t v»« 30» Z RindßPkamm odfiP-BniSt Pfand 80 Gemischtes Gemüse...'i-v«.- 48« OvuIaSLb............ Pfand 70 pt Jung�Schrten" 45»! 1 Australisch. Hammelfleisch| Kolonialwaren Stangenspargel-----.».v«. 98»• Hamnielkeille � G,Ptod 73 pt S Erbsen.............. k«* 15, 18» Bruchspargei...»■*.. � 85fi S HammelrBckenTÄ 68 k I°'°"° Ert,sen--------- Bruchspargel mit zopf... �Be�l.OO 2 u«».««! Dm«« co 2 Bohnen.......................»°°d 18?.. Pflaumen aitBiem________»kix« 45»| UICK8 nlppö.... Pfand oopi.» Linsen.�... ptnnd 18, 23, 28» Mirabellen... .1, vo« 75»| Hammeldünnang pfa>d 55 pf.| Reis........... pw ig' 20! 25 pt Vorgezcicli n cte llnndn rbeileu auf ailbergrauem Stoff mit Voneichnung mttendecken.... 1.35 1 Tlschlfiufer...... 1.50 1 Klssenöezßse.... 98 pf. gestreift Stück 8S,loo Eckt, Brun- Schwaig. Pfund Rotuurst 55» Pfund 68 pt RQchenfett 70« Pfund Pfund Uesen 80 pf. _■*'#.v.�ir'' V'•%r'•''"r i/.v. HaiMM Warum kauft ganz Berlin in dem bekanntesten Waren- und. Mobel-Kredithaus VOR C. 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Scit 1898 besteht in Kiel ein sogenannter Nationaler Arbeitcrvcrciin AIS es mit dessen Hilfe den Freisinnigen gelang, das 1893 von den Sozialdemokraten znm ersten Male eroberte Mandat deS Kieler Reichstagswahlkreises wieder zurückzuerobern, glaubten die bürgerlichen Parteien, in diesem Verein den� geeigneten Shirmbock gegen die Sozialdemokratie zu haben, so ist denn dieser Verein bei denWahlen—Reichstags- Wahlen, Landtagswahlen wie Kommunalmahlen— von allen Parteien und Interessengruppen umworben worden. Aber obgleich in echt demagogischer Weise bei der Agitation immer wieder den Werstarbeitern nahegelegt wurde, wie abhängig ihre Existenz vom Kriegsschiffbau und der Vergrößerung der Flotte sei, die Tausende von Kieler Werftarbeitern haben treu zur roten Fahne gehalten. Ter Nationale Arbeiterverein hat sich bei den Wahlen als vollständig ohnmächtig erwiesen. Mit den Jahren ist aber der Nationale Arbeiterverein auch immer mehr zu einer gelben Sunipspflanze geworden. Wie überall die Gelben, ziehen auch die Kieler Nationalen marodierend hinter dem großen Heerhaufen der frcigcwerk schaftlich organisierten Arbeiter her," stecken alle deren Erfolge schmunzelnd mit ein. denunzieren und spionieren in den Werkstätten der Werften, Auf den Werften sind sie darmn auch lieb Lkind, besonders bei den Wcrftgewaltigen der Reichs- werft und bcr_ Kruppschen Werft. Daß sie setzt wie die Hyänen daS Schlachtfeld des verunglückten Werftarbeiter- streiks abstreifen, um Prosclyten für ihre verräterische Sache zu�tverben, war vorauszusehen. Aber noch nach einer anderen Seite hin soll ihnen der Werftstreik nutzen. Sie gehen unter Hinweis auf den Wcrftstrcik bei den Kieler Unter- nehmern betteln. Der Hauptmacher der Nationalen, ein all- dentsch-antisemitischer Professor, Oberlehrer am Kieler Gym- nasium, hat einen Bettelbrief an die Unternehmer versandt, der der„Schlcswig-Holsteinschen Volkszeitung" auf den RcdaktionStisch geflogen ist. Herr Dr. Mcyersam, so heißt der Mann, rühmt in dem Bettelbrief die Nationalen, daß sie sich bei dem Wcrftstreik so tapfer gehalten und die Arbeit fortgesetzt hahen. Weiter heißt es in dem Brief wörtlich: �„S>ic_ nationalen Arbeiter haben sich einerseits als die beste Stütze der Arbeitgeber erwiesen, andererseits haben sie gezeigt, daß durch ihr Verhalten der TerroriSnms der Sozialdemokrarie gebrochen werden kann. Eine Unterstützung dieser Arbeiter erscheint gerade im jetzigen Augenblick sehr er- wünscht. Ich bitte Sie, unter Benutzung des anliegenden Formulars zur Unterstützung der nationalen Arbeiter einen Beitrag einzusenden, beziehungsweise durch Inserat in der �Nationalen Arbeiter-Zeitring" (das Organs des Vereins) die Bewegung zu fordern." Das wichtigste au diesem Bettelbrief ist das Eingeständnis, daß die nationalen Arbeiter sich„als die b c st e S t ü tz c der Arbeitgeber" erwiesen haben. Die gelben Nationalen find also nach dem Zugeständnis ihres Führers Professor Dr. Meyers am eine von den Unternehmern ausgehaltcne Unternchmcrschutztruppc. Auch sie tragen, wie alle Gelben, das Brandmal des Verrats der Klassengenosscn an der Stirne. Aber auch mit dieser Sorte Feinde wird die organisierte Arbeiterschaft fertig»verde». Verlin und Umgegend. Ter Ablauf der Tarife in den Brauereien und Bierniedcrlagen. Mit diesem Thema beschäftigte sich eine sehr stark besuchte Ver» sammlung der Mitglieder des Deutschen Transportarbeiterverbandes aus sämtlichen Brauereien und Niederlagen Berlins und Umgegend, nachdem Döring einen Vortrag über:.Prosperität und Ertrags- fähigkeit des BrangeiveröeS" gehalten und sich hieran eine kurze Diskussion angeschlossen hatte. A l i s ch ging auf die Tariffrage ein und gab einen Rückblick von dem Abschluß' und Verlans des jetzigen Tarifes. Für die Flaschenarbeiter waren die Verhältnisse nicht günstig und die Fahrer haben nüt den im Tarif vorgesehenen Garantielohnen schlechte Erfahrungen gemacht. Und für die Mitfahrer ist der gegenwärtige Tarif keines- wegS befriedigend gewesen, wie überhaupt auch die übrigen Kate- gorien mit den tariflichen Bedingungen, wie sie jetzt bestehen,— nicht mehr einverstanden find. Vor allem muß es dazu kommen, daß das Bierfahren am Sonntag aufhört. Bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen werden alle in Betracht kommenden Organi- sationen gemeinsam vorgehen. Die Kündigung des Tarifs erfolgt am tß. November d. I. In der Debatte wurde verlangt, daß mit aller Macht auf die Erringung des Achtstundentages hingewirkt werden müsse schon mit Rücksicht auf die überaus große Arbeitslosigkeit. Die Kellerarbeiter verlangen aus denselben Gründen, daß der neue Tarif die lieber- stuudenfrage anders regeln müsse. Mit aller Energie soll aber auch versucht werden, das Eutlöhnungsverhältnis zwischen Fahrer und Mitfahrer einer Revision zu unterziehen insofern, als die Mitfahrer nicht mehr von den Fahrern entlohnt werden sollen. Die Wahl der Lohnkommission soll in einer Vertrauensmänuee- konferenz erfolgen. A l i s ch gab sodann noch einen kurzen Tätigkeitsbericht vom letzten Onartal. ES waren eine ganze Anzahl Verhandlungen mit verschiedenen Brauereien zu führen und in einigen Fällen wurde sogar das Einigungsamt angerufen. Tie Arbeitslosigkeit nntcr den Vuchdruckerei- Hilfsarbeitern. Eine Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin des Buch» drnckereihilfsarbeiterverbandeS beschäftigte sich mit den Hausverträgen und der stark grassierenden Arbeitslosigkeit. Eine Aussprache über die zuletzt abgeschlossenen Hausverträge machte sich notwendig, weil Meinungsverschiedenheiten über die Bedeutung dieier Verträge eut- standen waren. Zwei Sitzungen der Vertrauenspersonell Groß- Berlins nahmen zu dieser Frage Stellung und billigten den Ab- schlnß dieser Sondervertrlige. Der Hauptvorstand zweifelte den Wert dieser Verträge an und nun sollte die Mitgliederversammlung das entscheidende Wort sprechen. Nach kurzer leidenschaftlicher Dis- knssion, in der starke persönliche Ausfälle gegen den Hauptvorstand unternommen wurden, gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, worin die Hansverträge gebilligt, die Haltung des Hauplvorstandes, besonders sein Fernbleiben ans der zweiten VertrauenSpersonensitznng und der Versamm- lnng gemißbilligt tvird.— Die Arbeitslosigkeit unter dem Bnchdruckhilfspersonal ist zurzeit groß und, wie bei der Debatte über diesen Punkt bemerkt wurde, eine Folge der riesenhaft vorgeschrittenen Technik sowie aber auch eine Folge der rigorosen Anwendung der tariflichen Bestimmungen seitens der Unternehmer. Trotz der großen Arbeitslosigkeit haben es einige „Auchkollegen" fertig gebracht, in der Buchdruckerei von Elsner innerhalb Ii Tagen 2J8 Ueberstnnden zu leisten.(Allgemeine Empörung.) Zieht man die Arbeitslosigkeit anderer Gewerke in Be- lracht, so ist die Arbeitslosigkeit des Buchdruckhilfspersonals nicht über Gebühr groß, und es steht zu hoffen, daß die Arbeitslosigkeit etwa? geringer wird, wenn die Mitglieder dafür sorgen, daß bei Neueinstellungen nur der Arbeitsnachweis des Verbandes benutzt wird. � Ter Streik der Glasarbeiter. Die Glasiiidustriellen Berlins geben sich alle erdenkliche Mühe. Arbeitswillige zu bekommen. Der Direktor der Firma Röder und Meier, ein eheinaliger Glasschleifer, hat Böhmen bereist, um dort für die Firma die so nützlichen Elemente zu beschaffen. Zu seinein Leidwesen ist ihm dies nicht gelungen, denn die Organisation der Glasarbeiter in Oesterreich hat dein Herrn einen Strich durch die Rechnung gemacht. Einige Glasschleifer, die sich bereits hatten an- werben lassen, wurden dem Herrn wieder abgetrieben iliid er mußte als betrübter Lohgerber lmeder abziehen. Daß es der Firma Röder ii. Meier auch für die Zukiliist nicht gelingeii wird, Ar- beitswillige zu bekommen, dafür werden die Glasschleifer sorgen. Bei der Firma S a l a m o n i S in der Alexandrineiiftraße glaubt der Meister Saiko fein möglichstes tun zu niüsfen, um den Kampf, den die Glasschleifer führen, in einer für die Firma günstigen Weise zu beenden. Herr Saiko nimmt sich das Recht, die Streikposten zu belästigen, wenn er mit seinen Arbeitswilligen auf dem Plan er« scheint. Die Arbeitswilligen sind iir Neukölln bei dem Grünkram« Händler Z i m m e r m a n n, Bertelsdorfer Straße 5, untergebracht. Bereits früh um ß Uhr gehen sie gemeinschaftlich mit dem Meister Saiko zur Arbeitsstelle. Diese Herren sind von der Firma aus Zehdenick nach Berlin gelockt und erhalten einen ganz bedeutend niedrigeren Lohn, als ihn der Tarif der Glasschleifer vorsieht. Herr Saiko hat auch ein ganz bedeutendes Interesse an der Reduzierung der Löhne, da er bestimmie Vergünstigungen dafür von der Firma erhält.— Die Streikenden stehen geschlossen und werden auch mir der Firma Galamoni S und Herrn Saiko fertig werden, der allerdings als ausländischer Arbeitswilligenagent ein größeres Recht zu besitzen scheint, als es streikende Ausländer haben. Achtung, Gastwirtsgehilsc»! Dem Gastwirt Janike, Inhaber des„Nordpark-Bierpalaft", Müllerstr. 148;i, genügt die polizeiliche Bewachung seines ohnehin nicht besonders fregnentierteu Lokales noch nicht. Zur„Anfrechlerhaltnng der Ordnung" hat er sich noch die Beihilfe eines gewissen Paul Ganzer, wohnhast Müller- siraße 7 a, gesichert, dessen Aufgabe es ist, euvaige imbegneme Gäste gewaltsam zu entfernen. �' Für organisierte Gehilfen ist der Betrieb nach wie vor gesperrt. Verband der GastwiriSgehUfen. Ortsverwaltnng Berlin. Deutlchcs Reich. Zinn Hafenarbeiterstreik in Stettin. Der erste Prozeß wegen Arbeiisivilligenbelästigung nahm einen für den Ankläger nicht sehr erhebenden Verlans. Angeklagt war der Hafenarbeiter Paul Moser. Er sollte Arbeitswillige belästigt und beleidigt haben z auch das Delikt der Körperverletzung wurde ihm zur Last gelegt. Die Kronzeugen waren der Geschäftsführer des Herrn HeSberg und einige Arbeitswillige. Da aber selbst der Schutz- mann, der den Angeklagten festgenommen hatte, nichts Belastendes für den Angeklagten bekunden konnte, beantragte selbst der Amts» anlvalt Freisprnch lind llcbernahme der Kosten auf die Staatskasse. Der Streik selbst zeigt noch die gleiche Situation. Durch die Wiederaufnahme der Arbeit der Spedilionsarbeiter gibt man sich der Hoffnung hin, Ivie ein Flugblatt des Vereins der Stettiner Spediteure beweist, daß auch die städtischen Hafenarbeiter zur Auf- nähme der Arbeit kommen werden. Die Tourcndampfer verkehren regelmäßig— ausgenommen die Linie Rotterdam— nur daß für sie recht»venig Ladung vorhanden ist. Die Huller Linie(England) schickt nur die Hälfte der sonst fälligen Schiffe nach dem Stetliner Hafen. Ten Kahnschiffern ivird jetzt schon Ladung zum lleberwintern angeboten, zum Preise von 25 Pfennig pro Zentner. Die zur Reederei Kunstmann gehörigen Erzdampfer, sowie die um diese Zeit stark verkehrenden Phosphat- dumpfer»verden jetzt über Danzig und Lübeck gelepst. Der sonst um diese Zeit starke Getreidevertehr. der täglich 80— 40 000 Zentner beträgt, ivird jetzt über Stralsund, Danzig und die Ileinen Ostsee- Häfe« verfrach'.ct.__ Die Former imb Gieherciarbeitcr von drei Firmen in Bunzlau (Schlesien) sahen sich Ende Juli veranlaßt, den Streik zu beschließen, da die Ilnternehmer auf die geforderte Arbeitszeitverlürznug und Lohnerhöhung keine genügenden Zilgeständnisse machten. Es»oar das der erste Streik im Gießereigewerbe von Bnnzlcpz. Die Arbeiter mußten einen harten Kampf aus fechten. Die bestreikten Unter« nehmer glaubten, die Arbeiter würden nicht standhaft sein, außer« dem hofften sie, ArbeitSivillige zu bekommen. Doch schon nach zwei» »vöchentlichein Streik sah sich eine Finita veranlaßt, niit den Formern und Gießereiarbeitern Frieden zu schließen. Es tarn eine Vereinbarung zustande, in der eine Verkürzung der Arbeitszeit und eins entsprechende Lohnelhöhmig zugesichert wurde. Nach einigen Wochen wurde bei einer zweiten Firma wieder auf Grund einer ähnlichen Verein- barung der Streik aufgehoben. Nur noch die dritte Firma glaubte, es länger aushalten zu lönnen. Sie haue sich Arbeitswillige kommen lassen, die gleich im Betrieb„Kost und Logis" erhielten. Aber schon nach einiger Zeit wurden die beiden Firmeninhaber gc- Ivahr, was für einen„Ersatz" sie bekommen hatten. Jetzt hat auch diese Firma eine Vereinbarung init ihren Arbeitern abgeschlossen, so daß auch dieser Streik beendet»verden konnte.— Die Metallarbeiter in Bunzlau können mit dem Ausgang dieser Belvegnng immerhin zufrieden sein. Sie haben zwar nicht alles erreicht, Ivos die Streikenden»vünschlen. jedoch tritt eine ivefentliche Verkürzung der Arbeitszeit ein, so daß jetzt nur noch 50 bis 57 Stunden die Woche gearbeitet wird, außerdem wurden Lohnerhöhungen erzielt. Gleims fcmlleton Steh ich iu finstrer Mitternacht... Eine romantische Sache, das Postcnstchen zu nachtschlafender Zeit— für Kricgervcrcins- scclen, versteht sich. Die gröhlen noch ein Dutzend Jahre später, trenn sie vom Kcgelabcnd heimivärts schwanken: Steh ich in finstrer Mitternacht so einsam auf der stillen Wacht... Sonst ist cS minder romantisch, zwei geschlagene Stunden auf einer Linie von vier Meter Länge nachts auf- und abzulaufen. immer auf und ab, an irgend einem Schuppen draußen in der Heide, der voll wertlosen Gerümpels steckt, immer ans und ab, üier Meter hin, vier»Neter her. Gott, wenn der Vollnrond leuchtet, kann man ja seinen eigenen Schatten beobachten,»vie er mit auf und ab läuft,»venn's dunkel ist wie in einem Sack, geht's mit dem Zeitvertreib schon schtverer. Man hört die Uhren von fernher schlagen. Viertel, Halb, Treibicrtcl— eine Ewigkeit jede Viertelstunde! Und vollständig sinnlos steht man da, die paar Balken in der Bude zu stehlen, daran denkt keine Seele, der Exerzierplatz wird über»»lacht auch nicht weggetragen.... ver- dämmt, Dreiviertel erst, noch nicht eine Stunde herum! Und»vicdcr auf und ab, ans und ab... Und die Müdigkeit lähmt Glied um Glied,»vie Blei stockt's in de» Beinen, gestern UcbungSmarsch, die Nacht ließen einen die Wanzen nicht schlafen... oder der „heilige Geist" kam zu einem Kameraden, große Prügclszcne... und immer auf und ab, auf und ob... Gott sei Dank, zwölf jetzt von den Türmen! Eine Stunde noch! Aber die Müdigkeit, die Müdigkeit.... immer auf und ab! Die Beine»vollen schier nicht mehr... ein»venig m u tz man sich anlehnen, die Ronde kommt nun doch nicht mehr... also hinein ins Schilderhaus, Ge>vehr in die Ecke... ah, tut das»vohll... und der Kopf sinkt auf die Brust. Am nächsten Tag aber die trockene Notiz in den Tages- zeitungen: Selbstmord auf Wachtposten. AuS Furcht vor Strafe hat heute morgen der Obergefreitc Rudolf S eh i m m e l- Pfennig von der 7. Batterie des Spandaucr Gardefußartillerieregiments S e l b st m o r d verübt. Er befand sich aus dem Artillerieübungsplatz in der Pionierstraße zu c-pan- bau ans Wachtposten mG wurde von dem revidierenden Offizier schlafend vorgefunden. Der Offizier ordnete seine sofortige Ablösung an. Als der neue Posten aufzog, lag der Obergesreite tat am Boden. Er hatte sich mit seinem Dienstgclvehr er- schösse n. Fertig, ab! Erledigt! Aber welche Tragik! Wer sonst„aus Furcht vor Strafe" zur Waffe greift, hat Hinreichendes auf dem Kerbholz: Wcchselsälschung, Millionenunterschlagung, Gistmord- versucks an der eigenen Frau,»Verkehr mit Kindern»ntcr 14 Jahren! Das ist freilich bciin Zivil nur jo. Beim Militär genügt's, daß »kli ein armer Kerl, der todmüde ist, sich aus ein paar Minuten nach- gibt, einschläft, und das todeswürdige Verbrechen ist fertig,„vier- zehn Tage schwarz" setzt es mindestens... und die Schikanen dann... und die Gefrcitcnknöpfc sind auch flöten. Und die Furcht wirrt dem Schlaftrunkenen die Sinne, und er setzt die Mündung des Laufes an die Schläfe... Es lebe der Militarismus! Die Stratosphäre. Dem jetzt verstorbenen französischen Metcoro- logen Teissereno de Bort gelang eS, die sogenannte„Stratosphäre" zu entdecken, deren außerordentlich niedrige Temperatur bei einer großen Dichtigkeit konstant ist. Diese Luftschicht, deren Vorhandensein zum erstenmal durch das Obscrvaloriuin von Trappes in einer Höhe von 8—10 Kilometer festgestellt lvurdc, ist durch die neuesten Forschungen am Aequator in einer noch ctivas größeren Höhe wiedergesunden worden: die Temperatur ist hier ein wenig niedriger. In der Polargegend und zwar in Kiruma, im Norden der skandinavischen Halbinsel, konnte die Existenz einer gleichen isolhermen Luftschicht beobachtet»verden. Zahlreiche Versuche mit Sondicrballons ermöglichten die Feststellung, daß die Temperatur der Stratosphäre dieselbe ist wie in Trappes. Doch herrscht ein Unterschied zivilchen den Temperaturen der niedrigen Luftschichten in Lappland und Frankreich. Der Tropfen Marlitt. Im vierten Heft des„Zwiebelfisch" (Hyperion-Verlag, Hans von Weber, München) Ivird dem Heimgäitner einmal von anderer Hand ein Blatt inS Tagebuch geschrieben, und wir meinen, es steht da perdienstlich an seinem Platz: Türülü tülülü so traut so lrout l Heia lvie wird dir so warm mns Herz. Bürgeriöchlerl trantS, Dienstmüdl bravs, wenn er sein Sprüchl sagt sei gescheidts, unser alter Peterl, das„Waldschulmeisterl", der„Heimgärtner" Rosegger. Ich»veiß nicht, woher ich so lasterhaft bin, der ich doch fürs Derbe bin und für ein festes offenes(„deutsches") Wort, daß mir die Treuherzigkeit stets ein Unbehagen verursacht, ivenn ich sie gedruckt lese, ein Unbehagen zun, Knotenausdenbeinenmnchen und Stiesel- ausziehen! So beiont kommt nürs vor, so doktrinär I Ich möchte ja iiichtS sagen gegen den guten alten Mann, der es sicher sehr gut meint, aber die Zeitungen drucken ihn ab,„lveil er doch gar so drollig»ab ist", und dann wird er nachgemacht und... ich kann's»u inal nicht vertragen! Neulich stand lvieder solch ein G'schichterl m allen Blättern: „Im Mai, da sitze ich halt(holt) gern draußen auf grüner Matte (na,»vor nich?) und schaue dem Schöpfer zu beim Weltaufputzeii."— Güll, da schangst?->„Weltausputzcn".—„Da siffelte vom nächsten Hof ein alter Knecht heran und, eine» Bretlsplitter unterm Arm, brummelnd auf mich zu." Dann zieht er sein„Ledcrtaschl" ans dem„Sack" und gibt ihm a„Zigarrl" und der stcckl'S in»einen„Hosensack". „Ledertaschl",„siffelte",.Hosensack"— ich»veiß nicht, ich kann das alles nicht veriragcn. Und er meint'S doch sicher so gut türülü, fliit, siiit trarara, so guet I Juhu! Ich glaube, das ist's: lvill du a) dem blonden Dienst- mädl und b) dem Oberlehrer mit dem Vollbarte gefallen, so mußt du einen Tropfen»Warlitt haben. Einen Tropfen Marlitt bloß,— aber der bersant die ganze Sauce. Notizen. — Der A r ch i t e k t e n a n s s ch n ß und d c r V o t sch a f i e r- p a l a i s- S k a n d a l. Drei Stunden lang hat gestern der Ans- schnß gctagl, der die Vereinigiing Berliner Architekten, den Architekten- verein und die Ortsgruppe Berlin des Bundes deutscher Architekten vertriit. Sehr lebhafr soll die Erörterung der Weltbeiverbs- Vergewaltigung gewesen»ein) cininntig soll der Groll sich geäußert haben; in, einzelnen aber Ivird nichts Gesprochenes mitgeleilt. Warum dies Schweigen? Es wirkt fast wie perpaßte Gelegenheit, die einer Selbstschwächnng gleichkommt. Beschlossen wurde, in etwa vierzehn Tagen in Berlin eine öffentliche Protcstvcrsanimlung statt« fiiidcii zu lassen, zu der nicht nur Archiielten Zutritt haben sollen. — T h e a t e r ch r o n i k. August E n n a, der nordische Opern- komponist wird in der am Dienstag im Thealer in der König« grätzer Straße statlfindenden Erstaufführung von S t r i n d b e r g s »Närchenipiel„Die Krön braut", seine Musik persönlich dirigieren.— Das Deutsche Theater wird Max Halbes „Freiheit" aiifführcu.— Das Deutsche K ü n st l e r l h c n t e r Sozietät hat Henry NathansonS Lustspiel„Die Affäre" an- genommen. — Erich Schmidts Bibliothek, deren Wert für die germanistische Forschung hoch veranschlagt wird, wurde von Rudolf Mosse angekausr. Sie soll der Oeffenilichkeit zugänglich werden. — Der nationale Klingelbeutel. Im Berliner Rathaus soll heute eine Kundgebung statlfinden, die dein B i n g e r B i s m a r ck- D e n k m a l gilt, das nach dein Plane pon Wilhelm Kreis und Hugo Lederer errichtet werden soll. Es scheint mit den Geldmitteln flau zu stehen. Bethmmin Hollweg wurde die Ehren- Präsidentschaft übertragen; sein Name soll die nationale Klingel- beuielei, auf die das Ganze vermutlich hinauslaufen lvird, ertragreich machen. — Ein Rad i n m- M a s s e n k a u f. Die gesamte Radiinn- Produktion der beiden Madame Enrie unterstellten Pariser Laboratorien— insgesamt 2000 Milligramm— wurden vom Londoner radioaktiven Oxhde-Jnstitnt für 1,2 Millionen Mark angekauft. Das Radium soll kostenlos an die Krankenhäuser verliehen werden. — Die Wiener T b e a: e r z e n s u r hat die Erstaufführung von Karl Schön herrs neuester Komödie„Die Trent« w e l d e r" im Deutschen Bolksthealer in Wien verhindert. Das Stück spielt ans dem Lande und gibt im dritten Akt eine Schilderung des Heiligenbilderkullus der ländlichen Bevölkerung. Da liegt der Hase im Pfeffer. — Ein B y z a n t i n e r. Der Reichskanzler hat dieser Tage auf der Jagd bei seinem»»keffen 57 Fasanen, 11 Hasen und zwei Schnepfen erlegt. Vorige Woche schoß der Kaiser an einem Jagd- tag einige 230 Fasanen. Beflissen begibt sich sofort auch Bethinann Hollweg auf die Pirsch und läßt in den Zeitungen verkünden, daß er mir ein Fünftel von der Jagdbeute Seiner Majestät zur Strecke gebracht habe. Welch' ein Höfling 1 HusUnd« Wagt«b«uirftreit in Burnos BirrZ.?!ach einer Mitteilung der Internationalen llnion der Holzarbeiter ist in Buenos Aires ein Streik der Wagenbauer ausgebrochen und zwar bei zwei deutsche» llnternehincrn. Ein Streikbrecher aus Leipzig hat sich angeblich berpflichtet. Arbeitswillige aller Branchen des WagenbaufacheS aus Deutschland sür Buenos Aires zu besorgen. E» wird deshalb hier- mit vor Zuzug gewarnt._ lüaßregelDde BanMircktoren. Die junge Organisation der Bankbeamten kann sich beglück- wünschen. Bessere Agitatoren als die weise Direktion der Deutschen Bank konnte sie sich wirklich nicht wünschen. Noch vor kürzer Zeit hatte man esOinfach für unmöglich gehalten, daß sich GÜOO Bankbeamte zum einmütigen Protest gegen das Verhalten ihrer Direktionen zusammenfinden konnten, ivie es am Tonnerstag in dem Riesensaal der A k t i c n b r a u e r c i Friedrichshain geschah. Die Versammlung war außerordentlich imposant. Ueberau standen die Anwesenden eng gedrangt und lauschten den Aus- führungen der Referenten uno der Diskussionsredner. Der Referent, Herr Marx, trug der Versammlung im wesentlichen vor, was unseren Lesern bereits durch den Leitartikel in Nr. L85 vom 30. Oktober bekannt ist. Neu ist für unsere Leser die Mitteilung, daß die Direktion— die angeblich den Beamten loegen Untüchtigkeil entlassen hat— denselben unter bestimmten Voraussetzungen wieder einstellen wollte. Tie Bedingungen, die die Direktion stellte, sind: 1. der Beamte soll sich verpflichten, keine Druckschriften zu verteilen; 2. der Beamte soll sein VorstandSamt im Allgemeinen Verband der Bantbeamten niederlegen, 3. soll er sich verpflichten, keine Reden mehr zu halten, und zuletzt soll er sich als besondere Strafe eine Gehaltsreduktion gefallen lassen. Diese Wiedereinstellungsbedingungen zeigen so recht klar, was die Be- lvupmng der Direktion, der Angestellte ist nicht gcmaßrcgelt, aus sich lwt. Die Diskussion gestaltete sich außerordentlich lebhaft. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen des Ver- krcters der österreichischen Bankbeamten, des Genossen Albena- Wien, der den Versammelten ihre Ohnmacht vor Augen führte. Sehr richtig führte er aus, daß es sich recht schwächlich ausnimmt, solche Provokationen, wie sie die Direktion der Deutschen Bank sich erlaubt hat, damit zu beantworten, daß man— wie die vorgelegte Resolution es besagt— einen Ausbau des Äoalitionsrechts verlangt. Solche Brutalitäten müßten durch die sofortige Arbeits- niederlegung beantwortet werden. Am Tage nach der Maßregelung hätte bei der Deutschen Bank kein Federhalter angerührt werden dürfen.— ES wird noch lange dauern, die deutschen Bankbeamten, die heute noch den Streik und ähnliche Kampfmittel berpönen, weil es Kampfmittel der Arbeiter sind, zu dieser Taktik zu erziehen. Noch hindert sie der Standesdünkel, der, wie unsere Leser wissen, durch nichts gerechtfertigt ist. EL ist selbsiverständlich, daß sich auch bei dieser Gelegenheit wieder die verschiedenen politischen Parteien sowie die Privat- angcsrclltenverbände, die sonst sehr wenig für den gewerkschaft» lichen Kampf übrig haben, ein Stelldichein gaben. Herr K a e m p f, der als Acltestcr der Kaufmannschaft geladen tvar, erschien allerdings nicht, da er keine Zeit hatte. Ja, er fand nicht einmal Zeit, dem Verbände mitzuteilen, welche Stellung er zu der Maßregelung einnimmt. Bedauerlich ist es nur, daß es noch Angestellte gibt, die das Verhalten des Herr» Kaempf wundert. Tie Fortschrittliche Voltspartei hatte als Vertreter den Landtagsabgeordnetcn Runze entsandt, der einen geradezu löst- lichen Eiertanz aufführte. Er sprach den Angestellten theoretisch das Recht zu, sich zu versammeln, und wollte abwarten, ob sich bei der Deutschen Bank ein weiterer Maßregelnugssall ereignen wird. Von seinen Ausführungen war nur der Schluß klar, alltvo er größte Harmonie zwischen Direktion und Beamtenschaft predigte. Besorgte Herr Runze den liberalen Teil Richtung..Berliner Tageblatt", so kam nach ihm Herr Schub mach er von dem auch noch lebenden Reichsvcrein liberaler Arbeiter und Angestellten zu Wort, der hie.,Volkszeitungs"-Nichtung behandeln durfte. Gegen- über diesem Hin- und Hergeredc wirkte eS wie eine Erholung, daß der Vertreter der Generalkommission, der Genosse Robert Schmidt, den Anwesenden klar vor Augen führte, daß sie lange warten können, bis eine Harnwnie zwischen Direktion und An- gestellten eintreten lviro. Erst wenn sich die Bankbeamten die ihnen auf Grund ihrer Vorbildung und Leistungsfähigkeit ge- bührende Achtung erkämpft haben, werden solche Maßregelungen verschwinden. Er forderte auch die Versammelten auf, nicht nur theoretisch einen Ausbau des Koalitionsrechts zu fordern, sondern vor allen Dingen auch geineinsam mit den freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern und Angestellten den Kampf gegen die Verschlechterung des KoalitionSrcchts zu führen. In ähnlichem Sinne sprach auch Genosse B u b I i tz vom Zeutralvcrband der Handlungsgehilfen, der die Bankocamtcn aufforderte, ihren Dünkel gegenüber den Arbeitern abzulegen. Auch Genosse T r. B r e i t s ch e i d wids auf die Nosiveudigieit de» gewerkschaftlichen Kampfes hin. Seine Ausführungen wurden lebhaft applaudiert. ES führt zu weit, alle die 5>orporatioucii. die vertreten waren, auch nur anzuführen. Ein Redner sprach für die Demokratische Vereinigung, woraus hervorzugehen scheint, daß auch diese noch besteht. Es spricht für die Begeisterung, die die Versammlung bc- bcrrschte, daß eine sofort vorgenommene Sammlung für den Widerstands fonds de» Betrag von ruich 1108 M. ergab. Die Resolution, die der Vorstand der Versammlung vorlegte, wurde gegen eine Stimme angenommen; sie hat folgenden Wort� laut: �„/ .Die am 30. Oktober in der Brauerei Fried richsham auf Einladung des„Allgemeinen Verbandes der Deutsckien Bank- beamten" tagende, von 0000 Bankbeamten besuchte Versammlung erblickt in der ablehnende» Haltung der Großbanken gegenüber den berechtigten Forderungen ihrer Angestellten eine durch nichts zu rechtfertigend« Brüskierung der Beamtenschaft. Sic steht auf dem Standpunkte, daß angesichts der wachsenden Teuerung diese Forderungen ein Minimum darstellen. Da die Ablehnung ein Beweis dafür ist, welcher Geringschätzung sich die Beamten seitens der Direktionen usiv. erfreuen, hält es die Versammlung für nobivendig, erneut aus die gelverkschaftliche OrganisationS- form hinzuweisen, die allein imstande ist, diese Zustände zu bessern. Ihrer Entrüstung und Empörung aber geben die Ver- sammelten Ausdruck, daß die Direktion oer Deutschen Bank es gewagt hak, ihren von geringem sozialem Verständnis zeugenden Bescheid noch dadurch näher zu charaltensieren, daß sie den Sprecher ihrer Angestellten maßregelte. Tie Versammlung for- dert von Staat und Gesetzgebung, daß sie angesichts solcher Zu- stände endlich zu dem so dringend nötigen Schutze des Koalition--- rechtes schreiten."_ Sozialdemokratische Frauen-IReichs- konferenz. Wien, 30. Oktober 1913. Denn Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich. der"morgen im Arbeiterheim in Ottakring zusammentritt, geht deute eine Frauen-RcichStonfercnz voran, die von säst 100 Tele- aiericr. beschickt ist. Vertreten sind diesmal alle Länder Oester- reichs. Aus Deutschland ist Frau Zictz, aus Ungarn Frau Buchin- F r�n u'�P o p p begrüßt die Erschienenen. Es gereicht der öfter- reichischen Arbeiicrinncnbmvegung zur größten Befriedigung, daß sie im ständigen Aufstieg begriffen ist. Vor 2 Jahren konnten wir 1» Innsbruck berichte«, daß IS 000 organsi,erte srauen vorhanden feien'"�er diesjährige Bericht spricht von MOOO. T'esc Zahl ist aber bereits überholt. Unsere Werbeaktion im September und Oktober hat uns 3000 neue Mitglieder in demselben Cesierrcich verschafft, in dem gesetzlich den Frauen die politische Vereinstätig- keit noch iininer versagt ist. Und diesen Erfolg haben wir erzielt trotz der schweren ölrise, trotz der Arbeitslojigleit, mit der�Hand in Hand die Einberufung der Familienväter zum stehenden Heere gc- gangen ist.'_ Genossin Z i e tz überbringt die Grüße der deutschen Gesamt- Partei und besonders die der weiblichen Mitglieder. In uns devl- scheu Genossinnen ist stets der Geist der iirternationalen Solidarität lebendig gewesen. Besonders aber sind wir von dem Gedanken der Zusammengehörigkeit Ihnen gegenüber erfüllt. Daß wir den Geist internationaler Solidarität nicht entbehren können, haben uns be- sonders die letzten Jahr« gezeigt. Gerade in ihnen sind all die schlimmen Wesenszüge des Kapitalismus der imperialistischen Periode besonders scharf in die Erscheinung getreirn. Wie Sie leiden wir unter den ungeheuren ununterbrochenen Rüstungen, wie Sozialrefocm ist auch bei uns völlig ins Stocken geraten. Auf einer ganzen Reihe von Gebieten werden die sozialpolitischen Gesetze nicht nur lax, sondern fast gar nichl mehr angeweendct. Eine ungeheure iunerpolitische Reaktion hat bei uns eingesetzt. Wenn sie sich legis- lativ noch nicht bemerkbar gemacht hat, so nur deshalb, weil die herrschenden Klassen wissen, daß eine so starke und sozialistisch ge- schulte Arbeiterschaft sich Eingriffe in ihre Rechte nicht ruhig ge- fallen lassen würde. Wie Sie leiden wir ganz außerordentlich unter einer wirtschaftlichen Depression, die nichl nur Arbeitslosigkeit, sondern, was schlimmer ist, eine Unsicherheit der Existenz bringt, die Mutlosigkeit verbreitet und damit die Agitatious- arbeit erschwert. Dazu tritt die mißerordentliche Lebens- mittelteuerung, gleichfalls eine internationale Erscheinung. Wenn wir in den letzten Jahren nicht so große Fortschritte»i der Partei gemacht haben, wie wir es alle wünschen, so ist es auf diese Gründe zurückzuführen. Die Gesamtpartci hat 12 000 neue Mitglieder gewonnen, darunter sind 10 000 Frauen. Wir haben im verflossenen Jahre eine ganze Reihe von Bczirkskonfercnzen abge- halte», in denen wir die Genossinnen, die in der täglichen Werbe- und Agitationsarbeit standen, zusammenberufen haben, um mit ihnen die Bewegung den örtlichen Bedürfnissen anzupassen. Dieser starke Appell an das Persönlichkeitsbewnßtsein hat starke Arbeits- lust ausgelöst. Sr> haben wir denn heute in Deutschland 150 000 weibliche Mitglieder in der Partei und 220 000 gewerkschaftlich or- ganisicrte Frauen.(Bewegung.) Das ist eine starke Schar, deren Mitarbeit die Partei in ihren großen Kämpfen nicht entbehren kann. Tie Partei braucht die Frau als Klassenkämpferin und als Erzieherin. Sie führt die jungen Burschen und Mädchen in unsere Ideenwelt ein: Aus dem Hanse, wo die Kinder sozialistisch erzogen sind, treten sie in die Jugendbewegung ein, und wenn sie 18 Jahre alt sind, in die allgemeine politische Bewegung, das mutz der Weg sein.(Lebhafte Zustimmung.) Wir haben uns besonders gefreut, daß Sie bei Ihrer Hausagitation in Wien 1000 neue Mit- glieder gewonnen haben. Wir haben diese Nachricht durch die Parteipresse verbreitet und gesagt: Seht, so haben sie es in Wien gemacht, macht es nach! So stützen wir uns gegenseitig bei allen Agitationen, so eifern wir einander nach.(Stürmischer Beifall.) Es folgen weitere Begrüßungsansprachen. Chaloupka, die Gc- nossin B o s ch« k, Wien, bringt die Grüße der Gcwerkschafts- kommission. Hatten die Gewcrksckiaften vor 20 Jahren kaum 2000 Frauen in ihrer Mitte, so zählen sie heute trotz der schärfsten Krise und trotz der chronischen Depression, aus der Oesterreich ja fast nie herauskommt, 50 000 Frauen als Mitglieder.(Lebhafter Beifall.) Den Bericht über die Tätigkeit des Frauenrrichskomitees und über die„A r be i te r i n n e n- Zc i t u n g" erstattet die Sekretärin des Komitees, Genossin Profi- Wien. Die Durchführung der BeiiragSerhöhung brachte einige Schwierigkeiten, doch sind sie jetzt überwunden. In ganz Oesterreich ist jetzt der einheit- liche Monatsbeitrag von 40 Heller erreicht. Die VersammlungS- tätigkeit war sehr umfangreich. Von besonderem Erfolg begleitet war der Frauentag, der am 9. März stattfand. Nach dem Ver- bandstag der K o n s u mv e r e i n e wurde ein genossenschaftliches Frauenagitationskomitee gegründet, das sich die Erziehung der Frauen zu tüchtigen Genossenschaftlerinnen zur Aufgabe gemacht hat. Die„Arbei terinnen-Zeitung" hat eine von allen Leserinnen freudig begrüßte Neuerung eingeführt. In ihrer Bei- läge erscheinen jetzt Modezeichnungen sowie eine Anleitung zum Schneidern., Die Diskussion über diesen Bericht führt zu einem regen Austausch von Erfahrungen, Lehren und Winken für die Agitation. Frau Popp erwähnt dabei, daß die Auflage der»Arbeiterinnen- Zeitung" innerhalb der letzten 10 Jahre von 3200 auf 23 000 gc-- stiegen sei. Alle Broschüren, die für die Frau wichtig sind, werden nicht nur durch die Parteikolporteure verbreitet, sondern durch Frauen, die von der Organisation damit betraut sind. Die Zahl der politisch organisierten Frauen ist unverändert geblieben. Aus einzelnen Kronländern wird sogar über«inen Rück- gang berichtet. Tie Rednerinnen führen den Rückgang in erster Linie auf die Krise zurück, sehen darin aber keinen Grund zur Entmutigung. Jugendorganisation und Frauen. o r g a n i sa t i o n seien belebend für die ganze Parteibewegung. Ihnen sei zunächst alles zugeflossen, was vorwärts strebe. Jetzt gelte es die ganz indifferente Frau zu gewinnen. Tie Debatte schließt mit der Annahme eines Antrages der Genossin Freund- lich, der die Landeskomitecs mit der Wahl von Korresponden- {innen beauftragt, die besondere politische Vorgänge in den Kronländern, wenn sie für die Frauen wichtig sind, in Artikeln und Korrespondenzen für die.�lrbeiterinnen-Zeitung" behandeln sollen. � Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft den Frauentag und die internationale sozialistisch« Franenkonfrrenz 1914. Die Referentin Adelheid Popp bespricht zunächst die Ergebnisse der bisherigen Frauentage. Ein Teil der Genossinnen ist der An- sicht, daß diese Art der Propaganda, die sich Jahr sür Jahr wieder- holt, nicht besonders wirksam wäre. Aber einmal sind wir durch den Beschluß der inlernationalcn Frauenkonferenz von 1910 ge- bunden, andererseits ist es doch nützlich, zu einer bestimmten Zeit im Jahre alle Kräfte sür die politischen Rechte der Frauen anzu- spannen. Unsere Parteigenossen haben uns am Frauentag nach Kräften unterstützt. Auch für 1914 müssen wir den Frauentag bc- schließen. Nach einem Ueberblick über die Entwickclung der poli- tischen Rechte der Frauen in anderen Ländern bespricht die Rsdnerin die Entwickclung in Oesterreich. In zwei Städten Niederöstcrreichs ist den Frauen das passive K o m m u n a l w a h l r e ch t gegeben worden. Bei den letzten böhmischen Landtagswahlen ist eine Frau zum?l b g e o r d n e t c n gewählt worden. Der böhmische Landtag ist freilich verhandlungsunfähig, und zudem muß erst der Vcvwaltungsgerichtshof entscheiden, ob eine Frau zu Recht in den Landtag gewählt werden kann. Bei der Neugestaltung der böhmi- scheu Verfassung wird es die Aufgabe der böhmischen Genossinnen sein, mit aller Kraft für die Erringung des allgemeinen Frauen- Wahlrechts einzutreten. �Tie� sozialdemokratischen Frauen sind die naturgemäßen Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Frauen. Auf die bürgerlichen Frauen können wir nicht warten. Ja, wir sehen, daß die bürgerliche Frauenbewegung in Deutschland, die vor 20 Jahren so radikale Worte hatte, immer rückständiger ge- worden ist. Auch in Oesterreich haben wir eine bürgerliche Frauen- bewcgung. Aber höreii�ivir etwas von ihr? Man könnte fragen: Lohnt es sich, für das Frauemvahlrecht einzutreten; wenn man sich die Arbeit des östcrrcichnchen Parlaments ansieht, in dem nichts vom Fleck kommt Das Gesetz über die Arbeiter- und Invaliden- Versicherung liegt seit ö Jahren dem Abgeordnetenhause vor. lind noch immer ist keine Aussicht vorhanden, wenn es zustande kommt. Kommt es aber zustande, dann werden die Witwen und Waisen keine dauernde Versorgung, sondern nur eine schmähliche Abfeni- gung von diesem Staat erhalten, der zwar Milliarden für Kanonen und Kriegsschiffe, aber kein Geld für die Witwen und Waisen bat. Um so notwendiger ist es, daß die Frauen ins Parlament kommen, um als Mütter und Arbeiterinnen die Regie- rung dorwarts zu peitschen. Der Frauentag 1914 muß alle feine Vorgänger überstrahlen, das wird der beste Gruß für die i n t e r- natidnale sozialistische Frauenkonferenz sein, die im Spätsommer 1914 dem internationalen Sozialistenkongretz in Wien vorangehen wird. Diese Frauenkonferenz wird eine impo- sante Kundgebung der sozialistischen Frauen aller Länder werden. (Lebbafter Beifall.) Tic Weiterverhandlungen werden auf Freitag vertagt. Hiie Induftrie und Handel. Rußland uud die deutsche Zollpolitik. Durch die deutschen Getreidezölle und die Ausfuhrprämien auf Getreide wird Rußland erheblich geschädigt. Rußland hat auch nur deshalb dem deutsch« russischen Handelsvertrag« zugestimmt, weil es damals infolge des russisch- japanischen Krieges geschwächt war. Seither ist Rußland wirtschaftlich und politisch erstarkt und es hat die Absicht, bei der für 1916 bevorstehenden Erneuerung der Handels« Verträge Deutschland gegenüber nicht so leicht nachzugeben. In Rußland wird bereits eifrig auf die Abänderung des bestehenden Handels- Vertrages hingearbeitet. So hat in liefen Tagen der Kongreß für Handel und Industrie zur Revision des russisch-deutfchen Handels- Vertrages Stellung genommen und folgende Wünsche geäußert: Die Einführung eines erhöhten Einfuhrzolles auf deutsches Getreide angesichts der Zunahme der Einfuhr von deutschem Getreide aus den Grenzgebieten; die Einschränkung der Ausfuhr von Kleie und Oehlkuchen aus Rußland; die Regulierung der ge« samten Frage des ViehexportS, der durch die hohen deutschen Eisenbahntarife gehemmt werde; die Herabsetzung der deutschen Eisenbahntarife für Transitsendungen von Kanoffelmehl; die Herabsetzung der russischen Eisenbahntarife für unbearbeitetes Holz mit dem Hinweis darauf, daß die bestehende Tarifdifferenz zwischen Rohholz und bearbeitetem Holz Deutschland begünstige welches Rohholz einführe und nach Bearbeitung wieder nach Ruß- land ausführe._ Die Krise in Amerika. Die„Frankfurter Zeitung� meldet auS New Jork, daß in den Stahlwerken große Einschränkungen begonnen baben, namentlich in den vom Stahltrust unabhängigen Werken. Der Stahltrust arbeitet angeblich unter 80 Proz. feiner Produktions- fähigkeit._ Soziales« Verlust der Vertragsstrafe aus einer»onkurrenzNansel durch vorbehaltlose Ausstellung eine« Zrugaisie«. Mit einer wichtigen Frage des SngestrlltenrechtS hatte sich kürz- lich das Reichsgericht zu befassen. ES war zu entscheiden, ob der Prinzipal durch die vorbehaltlose Ausstellung eine? Zeugnisses trotz Kenntnis de« UmstandeS. daß der Angestellte i» ei» ftvnkumnz- geschäft eintrete« will, das Recht auf die Vertragsstrafe verloren hat. Das ist vom Reichsgericht mit der Billigung eines Urteils des Oberlandesgerichts Celle bejaht worden, indem davon aus- gegangen wurde, daß hier eine analoge Anwendung des§ 341 Absatz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches stattfinden müsse. Nach dieser Gesetzesbestimmung kann der Gläubiger, wenn er die Vertrags- erfüllung annimmt, die Strafe nur dann verlangen, wenn er sich das Recht dazu bei der Annahme vorbehält. Der Streitfall lag folgendermaßen: Der Kaufmann B. in Hannover war seit langen Jahren als Reisender bei der Gummiwarensabrik M. u. Co. in Hannover tätig, die hauptsächlich Radiergummi fabriziert. Er hatte sich verpflichtet. innerhalb fünf Jahren nach seinem Ausscheiden weder ein Kon- kurrenzgeschäft zu gründen, noch in ein solches einzutreten; für den Fall der Zuwiderhandlung war eine Vertragsstrafe von 5000 M. vereinbart. B. hat das Dienstverhältnis gekündigt und ist am 1. Oktober 1909 ausgeschieden, um sich selbständig zu machen. Er betreibt seitdem zusammen mit einem anderen Kaufmann eben- falls die Fabrikation von Radiergummi. Dieser Umstand war der Firma M. u. Co. bekannt. Trotzdem hat sie ihm ein Zeugnis über seine bisherige Tätigkeit ausgestellt und am Schlüsse desselben bemerkt:„Für sein Unternehmen wünschen wir ihm viel Glück." Später erhob dann die Firma M. u. Co. Klage gegen B. auf Zahlung der Vertragsstrafe von 5000 M. Ter Beklagte macht demgegenüber geltend, die Klägerin habe durch die Ausstellung des Zeugnisses, insbesondere durch dessen Schlußsatz, auf die Vertragsstrafe ver- zichtet. Sowohl vom Landgericht Hannover, als auch vom Oberlandes- gericht Celle ist die Klage abgewiesen worden. Aus den Eni- scheidungsgründen des Oberlandesgerichts interessieren hierzu folgende Ausführungen: Es kann dahingestellt bleiben, ob, wie der Beklagte in erster Linie behauptet, daß Konkurrenzverbot infolge besonderer Vereinbarung bei dem Ausscheiden deS Beklagten nicht mehr bestand. Denn selbst wenn die Konkurrenzklausel noch zu Recht bestand, so hat doch die Klägerin ihr Recht auf die Vertrags- strafe verloren, weil sie ihr Einverständnis damit zu erkennen ge- geben hat, daß der Beklagt« in«in Konkurrenzgeschäft eintrat. Anders läßt sich ihr Verhalten nicht beurteilen. Die Rücksicht auf die Berkehrssitte verlangt hier eine analoge Anwendung des§ 341 Absatz 3 B.G.B. Daß die Klägerin die Absicht halte, aus die Ver- tragsitrafe zu verzichten, ist nicht erforderlich. Aber sie hat den Anspruch auf die Strafe dadurch verloren, daß sie durch die Aus- stellung des Zeugnisses ihr Einverständnis mit der Konkurrenz- tätigkeit des Beklagten zu erkenneu gegeben hat. ohne dabei einen Borbehalt wegen der Vertragsstrafe zu machen. Das Reichsgericht wies die eingelegt« Revision zurück. Ungültige Gcmcindevertreterwahlen. In Madlow(Kreis KottbuS), wo die Gemeindevertretung aus 12 Mitgliedern besteht, haben alle zwei Jahre vier davon aus- zuscheiden. Bei den regelmäßigen Ergänzungswahlen sind also immer vier Gemcindevertrcter zu wählen, die sich auf die drei Abteilungen zu verteilen haben. Das ist beim Ausscheiden und bei der Neuwahl von vier natürlich nur so möglich, daß jedesmal aus einer Abteilung zwei ausscheiden und für diese Abteilung zwei gewählt werden, während es bei denselben Ergänzungswahlen in den beiden anderen Abteilungen nur einer ist. DaS geht im bc- stimmten Turnus die drei Abteilungen durch. Einmal ist die erste Abteilung mit zwei daran, einmal die zweite und einmal die dritte. Bei den Gemeindevertreterwahlen im Jahre 1910 war nun vergessen worden, daß der Kaufmann Bucht ans der ersten Ab- teilung ausscheiden müsse. Er saß ruhig bis 1912 weiter, als die nächsten Ergänzungswahlen stattfanden. Jetzt hatte man das Ott- deckt. Der Gemeindevorsteher lud deshalb� diesmal bei den Er- gänzungswahlen zur Wahl von fünf Gettteindevertretern ein, um hinsichtlich Bucht den Fehler von früher tvieder gut zu machen. Äeivählt wurden Bucht, Richter. Ketzmerick. Pruß und Nagora. Ter Weber Schramm focht die Wahlen aus berschiedenen Gründen au. Der Kreisausschuß in Kotibus wie» ihn ab und der Bezirksausschuß verwarf seine Berufung. Das Oberverwaltungsgericht hob jetzt die Vorentscheidungen auf und erklärte alle fünf Wahle« für ungültig. Begnindend wurde ausgeführt: Die Emladung zu den TrgSnzungSwahlcn sei eine ganz all. gemeine gewesen. Bei der geschilderten Sachlage aber, wo bei den regelmäßigen Ergänzungswahlen der vierte zu wählende Er- gänzungsmaun alle zwei Jahre auf eine andere Abteilung entfiel, hätte, was eben unterblieben ist, bei der Einladung zur Wahl bc- iannt gemacht werden müssen, für welche Abteilungen nur einer und für welche Abteilungen zwei zu wählen waren. Jene Unter- lassung sei ein so grober Mangel des Verfahrens, daß er die Un- gültigkeit der ganzen Wahl nach sich zog. Tie Wahlen in der ersten Abteilung seien aber auch noch aus einem zweiten Grunde ungültig. Da Bucht, der 1810 vergessene, ztuei Jahre zu lange in der Ge- meindevcrtretung gesessen habe, so hätte der an seiner Stelle zu wählende Ersatzmann nur auf vier Jahre gewählt werden können. Auch das hätte bekannt gemacht werden müssen, sei aber ebenfalls unterblieben Das Religionsbekenntnis in Deutschland. Ter„ReichSanzeiger"' veröffentlicht nach der.Etat. Korresp.' das Ergebnis der bei der letzten Volkszählung, am 1. Dezember 1910, zum ersten Male erfolgten Aufnahme über sämtliche vorkommenden Religionsbezeichnungen und BelenntniSgruppen. Danach wurden am l. Dezember 1910 in Deutschland nach Hauptgruppen gezählt: Diese Erbebung deS Religionsbekenntnisses ist im einzelnen recht wenig zuverlmsig. Es fehlt insbesondere eine Angabe der Zahl der Religionslosen. Die auö der Kirche Ausgetretenen scheinen als christliche Dissidenten bezeichnet zu sein, während der grössle Teil als religionslos anzusprechen sein dürfte. AuS der Veröffentlichung des Gesamtwerkes wird es vielleicht möglich sein, ein genaueres Bild zu schaffen._ Beteranenschicksal. Vor dem Oberversicherungsamt Erfurt erschien am Mittwoch ein 67 Jahre alter Arbeiter und Veteran. AlterSbcschwcrden, Rheu- matismuS und SchlagaderverhLrtung haben den Mann zu einer inenschlichen Ruine gemacht, die, gekrümmt von Leiden, sich nur schwerfällig fortbewegen konnte: Brüche des rechten Schlüsselbeines und des linken Oberschenkels, die er früher erlitten hat, halfen an seinen Körperkräften zehren. Früher bezog der GreiS eine kleine Unfallrcntr, die ihm aber von der Berufsgenossenschaft wegen der berüchtigten„Gewöhnung" wieder entzogen worden war. Infolge- dessen lebte der Mann, dessen Bemühungen um Arbeit selbstver- ständlich vergeblich waren, von der kargen Krieasveteranenbeihilfe und dem„Verdienst" seiner Ehefrau, der taglich 80 Pfennige be- trägt; Unterernährung und weitere Entträftung waren die Folge, und außerdem geriet die Familie in drückende Mietschulde«. Dieser Mann, der seine gesunden Knochen für das„teure Vaterland" ge- opfert hatte, beantragte vor einiger Zeit bei der schwerreichen Landesversicherungsanstalt Sachsen-Anhalt die Invalidenrente. Der Antrag wurde abgelehnt, weil noch eine Erwcrbsfähigkcit von SO Proz. vom Vertrauensarzt„festgestellt" wurde. Erst das Ober- versicherungSamt bewilligte dem Manne die Rente, nachdem es sich durch ein weiteres ärztliches Gutachten hatte überzeugen lassen, daß der Grei»«irklich im Sinne des Gesetzes Invalide sei. SericKts- Leitung. Durch ei» Auto getötet. Wie wir seinerzeit mitteilten, durchfuhr ein Auto des Ingenieurs Solchow aus Cöpeuick im rasenden Tempo die Berliner Straße in Riederschöneweide. Am„großen Kyffhäuser" überfuhr das Auto den 12jährigen Schüler Metzenthien. Der Knabe wurde sofort in das Krankenhaus in Oberschönewetde gebracht, verstarb aber kurz nach seiner llebersührung au den Folgen der Verletzung. Der Chauffeur Rößler hatte sich deshalb jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Land- gericht Berlin II zu verantworten. Das Gericht gelangte auf Grund der Beiveisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß das übermäßig schnelle Fahren den Unfall verursacht habe und ver- »irteilte den Angeklagten zu vier M v n a t e u Gefängnis. Der Staatsauwalt halte Freisprechung beantragt. Versammlungen. Der Verband der Theater- und Kinoangestellte» hat, nachdem laut Beschlutz der Generalkomiilission für die Organisierung dieser Berufsangehörigen der Deutsche Transportarbeiterverband als zu- ständig erklärt worden ist, am 22. April d. I. durch Urabstimmung beschlossen, sich aufzulösen und zum Deutschen Transportarbeiter- verband überzutrete». Ter Uebertritt ist nun am 1. Oktober bereits er- folgt, Berlin haben sich IIS Mitglieder inkl. 8 Abendarbeitern der Bezirksvcrwaltung Groß-Berlin des Transportarbeiterverbandes angeschlossen, die als solche eine eigene Branche bilden. Am 18. Oktober fand die erste Branchenversammlung derselben statt, in der nach einem Referat O r t ni a n n s über Zwecke und Ziele der Gewerkschaftsorganisation zunächst die Wahl der Branchenleitung vorgenommen wurde. Gewählt wurden Schäfer als Bräuchen- lciter, I n s s e i t als Schriftführer, Hardtmann, Feld» meyer und Marquardt als Beisitzer. Die Wahl als Tele- gierte zur örtlichen Generalversammlung fiel auf Hanne mann und F e l d m e y e r. Hierauf gab die Kommission Bericht über die Erledigung eines Streitfalles zwischen Müller und Schäfer, aus welchen! hervorging, daß die Beschuldigung gegen Schäfer, Aenderungen am Protokoll über den letzten Verbandstag vorge- nommen zu haben, zu Unrecht erhoben worden ist. Alsdann er- stattet der 5lassierer Marquardt den Kassenbericht vom zweiten Quartal. Danach war eine Einnahme von 893,30 M. und eine Ausgabe von 682,63 M. zu verzeichnen. Demnach betrug der ort- liche Kassenbestand 3212,39 M., welcher der Bezirksverwaltung überwiesen worden ist. Am Schluß der Versammlung wurden noch verschiedene Mißstände im Beruf erörtert. Hud aller Melt. Aus Teenot gerettet. Nach einem bei der Hamburg-Amerika-Linie eingelaufenen Funkentelegramm hat der von Mexiko kommende Dampfer der Hamburg» Amerika- Linie„Kronprinzessin Cecilie" Donnerstag 3 Uhr morgens auf 43 Grad ö0 Minuten nördlicher Breite und 20 Grad S0 Minuten westlicher Länge 22 Mann von der Besatzung der durch Sturm verschlagenen französischen Bark „Patrie" aus Fscamp an Bord genommen. Drei Mann der Besatzung der Bark, welche vom Fischfang bei Neufundland zurück- kehrte, sind ertrunken.„Kronprinzessin Cecilie" bringt die Ge- retteten nach Havre. Das Wrack ist in Brand gesetzt worden. Entgleisung eines französische« Exprehznges. Ein schwerer NnglückSfall ist dem Expretzzug Paris— N i m e S in der Nähe von Malbosc im De- partemcnt Ardeche zilgestoßcn. Der Zug entgleiste in voller Fahrt und die ersten beiden Wagen stürzten die Böschung hinunter. Zwei Reisende wurden getötet, zehn andere schwer verletzt, die übrigen Passagiere der entgleisten Wagen konnten nur mit großer Mühe gerettet »Verden. Der Zugverkehr auf der Strecke ist unterbrochen. Man führt das Unglück darauf zurück, daß die Schienen in- folge der andauernden Regengüsse der letzten Tage unter- >v a s ch e n waren._ Ein bureaukratischer Geniestreich. Eine reizende Geschichte von der Allmacht St. BureaukratiuS, dem es gelungen ist, um 10 Centimes Strafporlo ein ganzes Armeekorps zu inobillsieren,»veiß der„Matin" zu erzählen: Während der französischen Manöver hatte ein Fräuiein Journant eine AnsicktS- karte aus dem Feldlager des 11. Armeekorps erhalten, die nicht genügend frankiert war. Sie weigerte sich jedoch, dos Porto zu bezahlen, und da die französische Postbehörde vor der fürchterlichen Gefahr stand, die Rieseniuinine von 10 CentinieS zu verlieren, weil der Name des Absenders auf der Karle nicht verzeichnet war. verfiel man auf eine glänzende Idee. Die Postverwaltung übersandte die Karte dem Kommandeur deS 11. Armeekorps mit der Bitte um Ernrittelung des Absenders, und der Kommandeur fügt« sich auch dem Wunsche. In jedem Regiment des 11. ArincelorpS wurde bei jedem einzelnen Soldaten Umfrage gehalten. ob er der Absender der Karte an Fräulein Journant sei. Ter Hauptmann jeder Kam- pagnie, jeder Schwadron und jeder Batterie war gehalten, einen schriftlichen Rapport über seine Ermittelungen ein« zureichen, der dem Obersten deS jeweiligen Regiment» zur Seiter- gäbe an den Korpskommandanten übermittelt wurde. Leider blieb die so sorgfältig betriebene Arbeit ohne jedes positive Ergebnis, denn in dem Gesamtrapport war der Korpskommandant genötigt, der Polt- behörde mitzuteilen, daß die Ermittelung des Absender» der Post- karte unmöglich war._ Kleine Notizen. Ernst Stoeffler in Frankreich abgestürzt. Der Flieger Ernst Stoefsler. der mit seinem Passagier Seekatz Freitag früh 3 Uhr auf dem Beriailler Flugfelde zum Flug nach Johannisthal aufgestiegen war. stürzte über dem Park von Versailles aus einer Höhe v on 150 Dt e t e r n ab. Stoeffler blieb unverletzt, sei» Passagier brach das rechte Bein. Das Flugzeug wurde zer- trüminert. Grausiger Fund. In T r i e st wurde bei den Reinigungsarbeiten in einem Abort I. Klasse ein blutiger Frauenlopf ge- funden. Die Polizei verhaftete zwei aus Mailand angelommene Individuen, die im Verdacht stehen, den Mord begangen zu habe». Die Cholera. Im Kreise K i s ch i n e w in Bessarabien sind seit Ausbruch der Choleracpidemie 39 Personen erkrankt, davon 13 gestorben. Revolverattentat eines Geisteskranken. Im Pariser Polizei- Präsidium feuerte ein Geisteskranker namens Condero aus einen Sekretär mehrere Revolverschüsse ab, die glücklicherweise sämtlich fehl gingen. Einigen Polizisten gelang es erst nach großer Mühe, den wütend um sich Schlagenden zu entwaffnen. Der Täter war, lvie sich herausstellte, vor einiger Zeit aus einer Irrenanstalt ent- wichen. Jugendveraostaltnnge». Neukölln. Sonntag, den 2. November: Zweite vefichttgnag de» Poslmuieums, Treffpuntl:»/, 11 Ubr Hermannplatz, Trinkhalle.'/,12 Ub» vor dem Museum. Leipziger, Ecke Mauerstratze. Das Jugendheim l in der.Jdealpassage' ist seit Dienstag, des 28. Oktober, nach crsolgter Ncnovierung und Vergrößerung wieder eröfsnct. Wilmersdorf. Die Arbciterjugcnd beteiligt sich am Sonntag an der Jugcildveriammlung in Steglib(/.lbrechlshos). ln der R-ichstagsabg. Dr. Cabn einen Vortrag hält. Treffpunkt'1,2 Uhr nachmittags pünklllch Kaiserplatz, Ecke Dclmolber Straße. Am Mittwoch, den 5. November, abends 8 Uhr, findet im Jugendheim Mannheimer Slr. 51 ein geselliger Abend statt. Herr John Dähmcke wirb Lieder zur Laute zum Vorirag bringen. Eintritt irci l Temvelhof-Ältoriendorf. Sonntag, den 2. November: Besuch der Arbeiter-Wuhlsabrts.AuSstellung in Charlollenburg. Treffpunkt: 1 Uhr HallcscheS Tor(Hochbahn). Abends 7 Uhr: GesangSabend im Jugend- heim.— Montag, den 3, November: Handwerlsabcnd sür die männliche Jugend,— Dienstag, den 4. November: Handarbeits» und Lescabend sür die weibliche Jugend— Mittwoch, den 5. November: Vortrag:.Jugend und G-werkschost." Rescrent: Herr Albin Mobs.— Donnerstag, den S. November: Mufilabend.— Sonntag, den 9. November: Zwei Herbst- wanderungen. Zldtetluna Lichtenrade. Mittwoch, den S. November: vorirag: .Wege und Ziele der proletarischen Jugendbewegung.' Reserent: Herr Robert Gritschke._ Brnfhaltai der Redabtfen. Xte e»r««ftiul»e fwdel«t»de»»»»te«?. wra Met Ttoyta — tzalrftahl—, Msdnatiglld) von i'-i»IS Iii Nor atcnt», e-n-adcnd», tea Ui die« Uhr-deadS ft-tl. Jeder fit de»»rtcftafttn detnmmle»«»trage ist ein»»«»ade»ad eine Zahl als Mertznaie» dettaNtge-.«tteftUhe«utwar« wirt»ich» erteilt,«»trage», denen leine Ad-»aemente»»iit»»g deigrtLg» ist, »erde»»ich, deaatworlel. Eilige Frage» trage«a» i»»er e»rcchft»»»« aar. F. R. 12. 1. und 2. Durch die Kasse, sosern ein Kassenarzt tu Anspruch aenoinmen wird. 3. Sie persönlich. 4. Nach dem Tarif unter B» rüosichtigung der Einkommens- und Bermögensvcrhältniffe. Bei einer normale» Entbindung find, ausgenommen die Entschädigung sür die vor- geschriebenen Wochenbesuche, 19 bis 89 M. zu zahlen.— I. W. 600. Die Frage» lassen sich nur nach Kenntnis des Inhalts de» Schriststücks be- antworten.— A. N. 70. 1. Au einen Notar. Da» Testament lann auch durch eigenhändige, mit OrtSbezeichnung, Datum und Unters-crist versehene Niederschrist errichtet werden. Der Ebegatte, welcher daS Testament nicht schreibt, muß den eigenhändig geschriebenen, ebenfalls mit Ortt- Bezeichnung, Datum und Unterschrist versebenen Zusatz machen, daß das Testament auch als daS seintge gilt. 2. Richtet sich nach der Höhe deS ObicktS.— R. Tch. 4. Der Händler ist berechtigt, den ganzen Betrag mit einem Male zu sorden. Für den Fall der Nichtzahlung kann er Klage erbeben.— 2.(£. 30. Wenn eS sich um eine Erfindung handelt, lönnte» Sie die Erteilung eines Patents beantragen. Die Anmeldungsgebühr be» trägt 29 M., die ErteilungSgebllhr 39 M. Außerdem ist noch cme JahreS- gebühr von 39 M. zu zahlen, steigend von Jahr zu Jabr um 39 M. E. L. 84. Sie können Invalidenrente in Höh« eines Teilbeträge» von 259 M. jährlich neben der Unfallrentc beanspruchen.— L. B. 20. Ihre Verwandte bat Anspruch aus Finderlohn in Höhe von 84 SS., sosern sich der angegebene Wert der vrillaotnadel nachweisen läßt.— X, Ja. Wafierfta«d».N«chrlchte» der LandeSanstast für Eewässerlunde, mttgetnU vom Berttnrr Settntonan Wasserstand Memel, Tilfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder. Ratibor , Krassen . Frankfurt Warth«, Schrimm , LandSberg Netze, vordamm Elbe, Leitmerttz „ Dresden , Larby , Magdeburg st-4- bedeutet Wuchs,— Fall.— st Unter»«gel. Glänzender Sieg Durch Urteil des Königl. Landgerichts I ist der Detaillistenverband der Bekleidungsbranche verurteilt worden, Warnungen gegen unser Verkaufssystem„Selbstkostenpre!«+ 10% Hulxen" bei Mark IQOQ.- Strafe zu unterlassen. Dem Verband wurden sämtliche Gcrichta- kosten auferlegt. In dem Urteil heisst es wörtlich: „Unrichtig ist endlich auch nicht die Behauptung der Deutschen Bekleidungs-Gesellschaft, dass sie bei ihrem Verkaufsprinzip, nach welchem sie nur 10 Pfennige Nutzen an jeder Mark habe, die Käufer vor Uebervorteilung schütze. Denn es ist richtig, dass die Höhe der Verkaufspreise bei Durchführung des Geschäftsprinzips der Klägerin festgelegt ist. Insofern sind tatsächlich die Kunden der Deutschen Beklcldungs- Gesellschaft gegenüber anderen Geschäften der Bekleidungsbranche, welche willkürlich die Preise fixieren, bevorzugt. Es ist daher auch nicht unrichtig, dass die Kunden der Deutschen Bekleidungs-Gesellschaft, wenn sie ihre Ware bei dieser beziehen, Ersparnisse machen können." Deutsche BeMeidunss- Gesellschaft m. h. H. Vertrieb von Herren- und Knaben-Garderobe zum Selbstkostenpreis+ 10% Nutzen Turmstrasse 80 Grosse Frankfurter Strasse 4 Chausseestrasse 27 Neukölln nahe Kl. Tiergarten Ecke Fruchtstrasae nahe Invalldanstrassa Bergatr» 7-8 Eck« Prinz- Hantflery-Str. 'Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Kür den Snieratente,! veranuo.: Tb- Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdruckere, u. verlagSanftalt vanl Singer N.«o, Berlia Slft' Leistungsfähigkeit Aparte Herbst- Neuheiten zu billigen Kreisen! KiftRKt ConooR. Lack mit farbigen Chevreau-Einsahen Die große Mode! Fordern Sie neue Herbst-Preislisie Damen-KnopWefcl, Riemen- Schnürschuhe, i�OO ganz Oackleder......____.... VJ* Herren-Riemen-Schnürschuhe, ganz Lackleder, für Salon-Ä �90 Eondor-Pumpa, ganz Oackledcr, und Straße.............. für Salon und Straße....... Marke Cohdor, Knaben- u. Mädchen-Echnür- stiefel, Äoxrind, Derby-Schnitt 25 bis ■26 35 A 125 Unsere Reklame-Schlager! Damen- Schnürstiefel Chromleder, Oackkappe Herren< Schnürstiefel Chromleder, Oackkappe 90 90 lam'.rMai.'-.lZ Schuhfabrik Conrad Tack& Cie. A.-G., Burg bei Magdeburg -136 Verkaufsstellen im Reich, davon 21 in Berlin u. Ltmgegend: C, öpiilrinwrtl 15 C, Hofentpaler CJiralc 14 W, potätwmer etratzc 50 W, Schiilstraßc 16 NW, Zurmstraße 41 NW, SHlSnocItr Ctr. 22 NW, Bennclgrope 29 _j V.ri-.r,. Mi-r , iy rivPriQ/jiriip v xxx N, Müllerftrah« z N, RcinutcnPorier Otr. 23 N, Brunucngrape nur 31 N, Oonjiger Cilrape 1 O, Andreasgrab« nur 50 O, Zrantzurier Alle« 125 SO, Oranienstrobe 2 a SO, Oraniengrab« 32 SO, Wrangelsirab« 49 I TleuWün; SW, Srlednch,1r. 240-241 Sergstrabe 30-31 «Iharloitenbura: nur W>I> Potsdam: meredorfer Str. 122-123\ Srandendurger Str. 54 Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein i. d. 0. Kerl. Reiehstagswalilkreis Arn Mittwoch verstarb unser! Genosse, der Maurer AViliielm Ludwig Prenzlauer Allee 19. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montagnachmittag ü Uhr von der Halle de? BarlholomäuZ-Kirch- hoscs In Weijzcnjce, Falkcnbergcr Chaussee, aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 231/18 Der Vorstand. Deulsctier Holzarbeiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler iVisx Held Weihensee, LanghanSstr. 151, im Alter von 31 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. November, nach- mittags l'/j Uhr, von der Halle des Wcihcnscer Gemeinde. Fried- hoscs in der lllölckestrahe aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dah unser Kollege, der Einsetzer Uustuv Frohloff Lhchencr Str. 1, im Alter von 52 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung sindet heute. Sonnabend, den l. November, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Gethicinane- Kirchhofes in Nieder-Schönhauseu-Nordend aus stall._____ De», Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Möbelpolicrcr Paul Gynther Blumcnstr. 27, im Alter von 38 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Bcerdigniig sindet am Sonntag, den 2. November, nach- mittaas 2'/. Uhr. von, DMuerhause ans nach dem Marius-Kirchhof in Wilhelmsberg statt. Um rege Bclc'ligung ersucht 91/5 Di« OrUverwaltung. Verband der Hui- und Fiizwaren-! arbeitern.MeiteriiiDeDDeDtsehl.l Ortsverwaitung Berlin. Allen Mitgliedern zur Nachricht, I dag der Kollege Karl ööttcker am 28. Lllobcr im Alter von l 54 Jahren verstorben ist. 75/12 1 Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 2. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des I Gemeinde- Friedhofes in Friedrichs- 1 Hägen aus statt. 3 Zahlreiche Beteiligung erwartet j Ucr Vorstand. Eeutsclier ßauarheiterverband. Zwcicvcrcin Berlin. Am 29. Eftober starb unser Mit-! glied, der Bauarbeiter Wilkelm Ludwig (Bezirk Norden I). Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 3. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Bartholomäus-Kirchhoses in Weitzensce, Falienbcrger Straße, aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 145/7 Iber Vorstand. Segelkluh„Fraternitas", e. V. Hiermit ersiillcn wir die schmerz- I liche Pflicht, allen Mitgliedern von I dem Ableben unseres lieben Sport- | genösse» Max Held Kenntnis zu geben. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. November, nach- mittags 4'l3 Uhr. aus dem Ge- 1 mcinde-Friedhoj Wcigensec, Rötckc- slratze, statt. BollzlibligeS Erscheinen der Mit- gliedcr erwartet 293/11 I. A.: Der Vorstand. Zentralverband der Steinarbeiter Zahlstelle Berlin. Am 27. Oktober starb unser Kollege, der Sandstcinmctz Karl Lckloer im 43. Itcbensjahre. Ter Verstorbene ninr wegen des grosicn Arbeitsuiangels in uilscrem Vcrnfc vorübergehend in einer Gasanstalt beschäftigt, wo er, den Strapazen wahr- scheinlich nicht gewachsen, durch ciiic» Betriebsunfall(Erstickung durch Gases sei» Leben einbüßte. Ehre seine». Andenke»: Tie Beerdigung ist am Mon- tagnachmittag 4 Uhr ans dem .<>cilands-Kirchhos in Plötzenscc, Sccitrage. Zahlreiche Beteiligung erwartet 172/2 Die Drlsverwaltung. Danksagung. Tillen denen, die unserer lieben Verstorbenen Bda Schubert geb. S t c lz e r daS letzte Geleit gaben, insonderheit Herrn Melle für die tröstenden Worte, sagen ivir aus diesem Wege herzlichsten Dank. 94A Die lrauernden Hinterbliebenen: Adolf Schubert nebstAugehörigc. fätowiernng entfernt I>r. Mchilneniann Spezialarzt für Hautkrankheiten Berlin S., Oranionstraße 139. Am Donnerstag, den 30. Ol- taber, mittags 1 Uhr, ist meine treue Lebensstfährtin nach 54jShrigcr Ehe sanft und schmerzlos entschiasen. Dies teilt den Paricigcnofscn tiesbetrnbt mit Fritz Hoffmann, I: Nene Ifrledrichstr. 35 nu der Zenlrat-Markthaile U: Tiirmstr. 67, I. Etage, liefert an jedermann elegante Herren-Garderobe nach Maß"•ß unter Garantie sür tadellosen Sitz gcgenwochcntlichc Teilzahlung von I Mark «u'chiiclderci». Werkstatt ImHause. Aus Wunsch Besuch des Zieisciidcn mit ncucstcn Stoffmustern.(' Sonntags 1? 2 geöklnet. 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Die sozialdemokra- tische Fraktion hat in allen Stadien der Beratung dieses 84 Mil- lionenprojekteS im März und September 1911 wie im Fanuar und L Februar 1912 den Standpunkt vertreten, da st diese Verkehrsver- bindung eine äuherst dringliche ist, dah es aber Sache der Stadt sei, diesem BerkehrSbedürfnis selber zu genügen und nicht wieder einer privaten Erwerbsgesellschaft den Bau und den Betrieb dieser Bahn zu überlassen. Habe die Stadt mit dem der Grasten Berliner Straßenbahn überlassenen Verkehrsmonopol die übelsten Ersah- rungen gemacht, so dürfe sie nicht noch weitere Fehler machen und das Publikum erneut dem Diktum einer neuen Verkehrsgesellschaft ausliefern. Aus diesem Grund« stellte die sozialdemokratisch« Fraktion in der Sitzung vom 1. Februar 1912 folgenden Antrag: .Di« Versammlung wolle beschließen, unter Ablehnung der Magistratsvorlage um eine Vorlage zu ersuchen, nach welcher eine Schnellbahnverbindung zwischen Gesundbrunnen und Neukölln in in«gener Regie der Stadtgemeindc Berlin sowohl für den Bau wie für den Betrieb geschaffen wird." Der Antrag fand keine Gnade vor den Augen des mit Privatkapital versippten KommunalfreifinnS; er"wurde abgelehnt. Weil diese? Ergebnis vorauszusehen war, versuchten die sozial- demokratischen Vertreter das Projekt wenigstens so zu gestalten, daß dt« erwerbstätige Bevölkerung eine Verbindung erhielt, die ohne zu große Kosten auch benutzt werden kann. Die Sozialdemokraten verlangten die Einfuhrung des Zehnpfennigtarifs, erfuhren aber Ablehnung, weil die Kosten des Projekts zu hoch seien und die Stadt Berlin selber eine ZinSgarantie übernommen hat. Abgelehnt wurde auch der Antrag unserer Genossen, die Ausgabe von der« billigten Frühkarten bis auf die um 8 Uhr irüh abgehenden Züge zu erweitern. Dagegen gelang es unseren Vertretern, einen Antrag derrchzusetzen und den Beschluß in die Vertragsbestimmungen auf- zunehmen, nach welchem die Arbeiter für die BauauS- führung noch den Sätzen eines allgemein an- erkannten Tarifvertrage» bezahlt werden müssen. Welcher Tarifvertrag allgemein anerkannt gilt, bestimmt der Magistrat und die A. E.,G. hat sich dieser Entscheidung zu fügen. Der Erbauung von drei südlichen Straßen- bahnlinien durch die Stadt stimmte die sozialdemokratische Fraktion in den Sitzungen vom 1. Februar und 22. Februar 1912 zu und förderte dadurch die städtische Verkehrspolitik in der wirk- samften Weise, wie sie seit dielen Iahren die Erbauung des städtischen O st Hafens gefordert hat, der am 1. Oktober 1913 der öffentlichen Benutzung übergeben werden konnte. Damit ist ein Werk vollendet, das in den verschiedensten Phasen de» Baues zu verunglücken drohte, hätte die Sozialdemokratie dieser dem Ber- kehr zu Wasser dienenden Anlage nicht ihre energische Unterstützung geliehen. Ein« zielklare Verkehrspolitik hat nur die Sozialdemokratie im Roten Hause getrieben, die in der Wahrung der Interessen der er- werbstätigen Bevölkerung und in der entschiedenen Bekämpfung der Begünstigung des Privatkapitals bestanden hat. Dieses Ziel wird die sozialdemokratische Vertretung auch in dem geschaffenen Zweckverband verfolgen, dem nunmehr die Verkehrsfragen für Groß- Berlin überwiesen worden sind. Partei- �ZngelegenKeiten. Sine nene Lokallifte soll Mite November erscheinen,«u« diesem Grund« werben die LokalkommisfionSmitglieder in den einzelnen Orten gebeten, eventuelle «euderungen sofort an die Obleute der einzelnen Kreise zu senden. SS ist dringend erwünscht, daß in den einzelnen Orten die obige Aufforderung beachtet wird, damit Rachträge und Berichtigungen vermieden werden. O Im zweiten Kreise steht da« Lokal Franz WernickeS Fest» füfe, Potsdamer Straße 39a, zu allen Veranstaltungen zur Ber» ptgung. Am Sonntag, den 2. November, veranstaltet der»Mandolinen- (fach Nord-West" ein Konzert in den Gesamträumen der ersten Etage de» Nord-West-Hotel, Turmstr. 7/8. Da uns das Lokal für die organisierte Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht, aber versucht wird, Billett» umzusetzen, ersuchen wir, die an« gebotenen Billett« zurückzuweisen und das Lokal streng zu meiden. _ Die Lokalkommission. Vierter Wahlkreis. Heute findet in den.Prachtsälen des Ostens". Frankfurter Allee 151/153, ein VolkSIiederohend statt. Mitwirkender; Herr Dr. Henz Schall-Caspary. Anfang 8'/, Uhr. Billett inklusive Tanz und Garderobe 40 Pf. In der gestrigen Nottz heiht e«: Ferner findet am 8. November ein Beethoven-Konzert statt. Es muß heißen: am Sonnabend, den 6. Dezember. Billetts sind im Bureau des WahivcreinS zu haben. Sechster Wahlkreis. Zur Stadtverordneteuwahl. Am Sonntagvormittag 8 Uhr findet im 29., 31.. 37. K o mm u n a l w a h l- bezirk und am Montagabend von 7Uhr an im 32. und 44. Kommnnalwahlbezirk eine Flogblatt- Verbreitung statt. Wir ersuchen unsere Mitglieder, pünktlich und zahlreich wie immer zur Stelle zu sein. Der Vorstand. Britz-Buckow. Am Sonntag, den 2. November, abends ö Uhr, im Lokal von Klein. Buckow, Chausseestr. 12: Oeffeutliche Bersamin« lung. Thema:.Unsere Forderungen an den Reichstag." Referent: Genosse Aysche-Berlin, sowie Berickt des GemeindeverlreterS. Die Genossen von Britz, die an der Versammlung teilnehmen, wessen fich im.Lindenpark". Abmarsch 3 Uhr. Nenenhagei» a. Ostbahu. Zu der am Sonntag, den 2. November, von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr im Saale des Herrn Fager- stern, Dorfsttoste, staltfindenden Ingendschriften- und Wandschmuck« ausstellung, werden am Sonntag früh Flugblätter verbreitet. Gleich- zeitig werden die Parteigenosieii gebeten, sich am Vormittag bei der Vorbereitung der Ausstellung und am Nachmittag zur Konttolle zur Verfügung zu stellen und sich bei Fagerstern einzufinden. Bohnsdorf und Umgegend. Am Montag, den 3. November, abends pünktlich sl/i Uhr, findet in der.Villa Kahl" der vierte Vortrag des Genossen Wilhelm Pieck über:„Der praktische Teil des Parteiprogramms(Steuerpolitik)" statt. Herzfcldr. Am Sonntag, den 2. November, gbends ü Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Friescschen Lolale. In derselben wird ein Vortag über das Krankenkassenwesen gehalten. Oranienburg. Sonntag, den 2. November, früh 8 Uhr: A4»0blattv er breitung von den Zahlabendlokalen aus.— Nachmittags S Uhr: Austerordentliche Mitgliederversammlung im Lokale.Waldhaus", Sandhausen, Schützenstr. 34. öerimer Nadmebten, Ein Krankenhaus für Geburtshilfe in Charlottenburg. Eine recht notwendige Anstalt hat die Stadt Charlotten- bürg errichtet: ein Krankenhaus für Geburtshilfe. Auf Ein- ladung des Magistrots fand gestern eine Besichtigung dieser jetzt vollendeten Anstalt statt. Das Anstaltsgelände besitzt eine Größe von 25 NX) Quadratmeter und wird außer der Sophie-Charlotten-Straße von zwei Privatstraßen im Zuge der Mollwitzstraße begrenzt. Es wurden folgende Gebäudeonlagen errichtet: ein V er- waltungsgebäude mit einer Aufnahme- und Unter- suchungsstation, Bureauräume und Wohnungen für das ver- heiratete Personal; eine aseptische Krankenabtei- lung, bestehend aus einem Entbindungshause mit großem Operationssaale und mehreren Entbindungsräumen und einem damit in Verbindung stehende« Pavillon zur Auf- nähme von 71 Erwachsenen und 66 Säuglingen; eine zweite septische Abteilung mit EntbindungSräumen und einem Pavillon zur Aufnahme von infektiösen Kranken, in welchem Mütter und Säuglinge ein« getrennte Behandlung erfahren.— In dieser sogenannten.Septischen Abteilung" ! können 42 Erwachsene und 66 Säuglinge aufgenommen tverden. Das Krankenhaus Kirchstraße zählt zurzeit 292 Kranken- betten, das Krankenhaus Westend 949, davon 493 in der chirurgischen und 447 in der medizinischen Abteilung, so daß die Krankenhäuser der Stadt Charlottenburg jetzt 1387 Betten haben. Im direkten Anschluß an die aseptische und septische Ab teilung des neuen Krankenhauses kann später noch je ein Krankenpavillon angebaut werden, so daß nach dem völligen Ausbau der Anstalt 228 Betten für Erwachsene und 292 Betten für Säuglinge aufgenommen werden können. Ferner ist ein Schwesternhaus mit Wohnungen für eine Oberin und für 24 Schwestern aus der.Aseptischen Ab- teilung" errichtet worden, das später für die doppelte Zahl Schwestern erweitert werden kann.— Die Schwestern der „Septischen Abteilung" sind.dagegen im„Septischen Pavillon'' in einem besonderen Geschoß untergebracht worden, daS eben falls zur Unterbringung von 27 Schwestern erweitert werden kann. Zu der Anlage gehört noch ein W i r t s ch a f t s g e b ä u d e mit getrennten Koch- und Milchkücheneinrich- tungen, sowie DesinfektionS- und Waschküchenanlagen und den Wohnräumen für das Wirtschastspersonal. Im Leichenhause befinden sich die Räume für die wissenschaftlichen Untersuchungen: mikroskopisches, bakteriolo- gisches und chemisches Laboratorium. Im Kessel- und Maschinenhause find 4 Kessel mit insgesamt 1950 Quadratmeter Heizfläche aufgestellt, die nicht allein das gesamte geburtshilfliche Krankenhaus, son- dern auch das anschließende städtische Bürgerhaus und die Pulssche Stiftung mit Dampf versorgen und nach Bedarf noch erweitert werden können. Der Anschluß für die Abwässer und für die elektrische Licht- und Kraftanlage erfolgt an die städtische Zentrale. Die innere Ausstattung der einzelnen Räum« ist äußerst zweckmäßig und macht einen sehr gediegenen Eindruck. Alle Einrichtungen entsprechen den modernen Forderungen der Hygiene und Technik. Die Badewannen für die Säuglinge bestehen aus nickelplattiertem Stahlblech und alle Zapfgarni- turen aus poliertem Weißmetall. Die Wandflächen dieser Räume, sowie der Untersuchungs-, Entbindungs-, Operations, SterilisationS- pp. Räume sind zumteil bis zur Decke mit glasierten elfenbeinfarbigen Wandplatten bekleidet, alle Ecken und Winkel sind durch Kehlprofile sslatt auSgerundet, so daß an solchen Stellen eine leichte Reinigung möglich ist. Die Baukosten betragen für den ersten Bauabschnitt einschließlich aller Installationen innerhalb und außerhalb der Gebäude: 2 931 256 M.. die Kosten der inneren be» weglichen Einrichtung: 281 299 M., die Kosten für Grundstück und Nebenanlagen: 758 545 M., ins gesamt also 3 971 209 M. Die Kosten für die gesamte Bauanlage, also nach völligem Ausbau derselben einschließlich der Kosten für daS Grundstück werden 3 849 999 M. bettagen. Die Kosten für das Einzelbett stellen sich dann ans rund 7299 M. einschließlich der inneren Einrichtung. Unsere Berliner Stadwäter können sich also beruhigen, auch in Charlottenburg kann man nicht umsonst bauen. In Berlin fehlt aber ein Geburtshilfekrankenhaus. Hier ver- weist man die hilfesuchenden Personen nach der Charitä oder nach der Frauenklinik in der Artilleriestrahe, nötigenfalls sogar nach dem städtischen Obdach in der Fröbelsttaße, ein Zustand, welcher der Stadt Berlin längst nicht mehr würdig ist._ Vom städtische« Realkredit. die gemischte Deputation zur Beratung der Notlage deS städtischen GrundkreditS hatte zu Anfang diese« JahreS beschlossen, als erste Maßnahme gegen die— übrigens im ganzen Reiche be« stehenden— mißlichen Reallreditverhältmsse eine Eingabe an den deutschen Städtetag zu richten:»bei der ReichSregierung wegen einer Anzahl Gesetzesveränderungen vorstellig zu werden, ohne welche alle anderen AbHilfsmaßnahmen gegen die Grundkreditnot nur geringen Erfolg versprächen". Der Magistrat hat diese Ein- gäbe auch im Sommer diese» Jahres an den deutschen Städtetag gelangen lassen. Gestern beschloß der Magistrat, der weiteren, von der gemischten Deputation vorgeschlagenen Maßnahme zuzustimmen:.Die Genossenschaft Berliner Haus- besiyer zur Beschaffung und Sicherung von Hypotheken mit Kredit zu unterstützen." Die Genossenschaft befaßt sich vornehmlich mit der Vermittelung von Hypotheken, für' die sie dann die Bürg- schast übernimmt. Der Magistrat hat dem Vorschlag der gemischten Deputation entsprechend beschlossen, dieser Genossenschast, um ihr Betriebskapital zu verstärken, vorübergehend einen Kredit von einer Million au? laufenden Mitteln(auf Einzelabruf) zur Verfügung zu stellen. Die Genossenschaft will mit den Mitteln der Stadt in eigener Person Beleihungen Berliner Grundstücke bis zu 39 v. H. des Grundstückswertes vornehmen und die so erworbenen Hypotheken, sobald wie möglich, durch Veräußerung unter-Uebernahme der Bürgschaft wieder veriverten, um dadurch neues Betriebskapital zu gewinnen. Die Genossenschast hat der Stadt die von ihr mit städtischen Mitteln auszuleihenden Hypotheken als Unterlage für den im einzelnen abzurufenden Kreditbetrag anzubieten. Di« Stadt prüft die Sicherheit der Hypotheken nach den vertraglich festgestellten Grundsätzen nach und ist in der Lage, nach dem Ergebnis der Prüfung auf die Hypothek hin den Kredit ganz oder teilweise zu ge- währen oder ihn auch gänzlich zu versagen. Die Genossenschaft hat die kreditierten Beträge mil 4>/z Proz. zu verzinsen und regelmäßig zu tilgen. Bis zum Ende des'JahreS 1923 ist die dann noch be- stehende Schuld zurückzuzahlen. Eine Vorlage an die Stadt- verordneten, betreffend den Kreditvertrag der Stadtgemeinde mit der Genossenschaft, wird unverzüglich folgen. Herabgesetzte Preise für russisches Fleisch. Der Herabsetzung der Preise für russisches Schweinefleisch um ö Pf. für daS Pfund, die seit letzten Mittwoch eintreten konnte, wird von heute Sonnabend ab auch eine Ermäßigung der Verkaufspreise für das russische Rindfleisch, und zwar um 3 bis 4 Pf. pro Pfund folgen. Neben der Herabsetzung der Frachtsätze für da« aus Ruß- land exportierte Fleisch auf der Warschau— Wiener Bahn um 59 Proz. hat auch der stärkere Auftrieb von Vieh in Warschau eine Ver- ringerung der Vieh- und damit auch der Fleischpreise bewirkt. Sturzflüge in Johannisthal. Vor einem kleinen Kreis geladener Gäste fanden gestern nach- mittag in Johannisthal wieder ausgezeichnete Vorführungen der Flieger Alfred Friedrich und Kießling statt. Die Zu- schauer, die nach Iohanrristahl hinausgekommen waren, glaubten offenbar, daß sie Vorführungen im Sinne der Pegoudschen Flüge zu sehen bekommen würden. Das ist nun natürlich nicht von unseren Fliegern zu verlangen. Selbst dem gewandtesten und mutigsten Flieger ist unmöglich, mit einem anderen Apparat, als der kleinen. leichten Blöriotschen SpezialMaschine ähnliche Stürze und Saltos zu machen. Die Leistungen aber, die man gestern zu sehen bekam, hielten fich im Rahmen des normalen Fluges und ließen doch erkennen, was unsere Piloten mit ihren Ein- und Zwei- deckern wagen dürfen. Zuerst stieg Friedrich auf seinem Strich- Eindecker empor. In einer Rund« schraubte er sich auf 399 bis 499 Meter Höhe und führte dort sein« bekannten wagehalsigen .Kurven ans, bei denen der Apparat sich bis Winkeln von 89 Grad in die Kurve legte. Wie der Franzose liest auch Friedrich seine Maschine ruhig abrutschen und fing sie erst im letzten Augenblick wieder auf. Dann kletterte er höher und zeigte einen prachtvollen Spiralen-Glestslug. Di« Taube schoß in einem Neigungswinkel von zirka 75 bis 89 Grad jäh zu Boden, wobei Friedrich fi« sick um den linken und rechten Flügel drehen liest. Der Flug sich im Anfang gefährlich genug aus. Bald aber erkannten die Zu- schauer, daß der Mann am Steuer seinen Eindecker vollkommen beherrschte und brachen deshalb bei der Landung auch in laute Beifallsrufe aus. Aehnliche, ebenso schöne und wagehalsige Sturze flüge machte auch Kießling auf dem Ago-Doppcldecker. AuS 500 bis 600 Meter Höhe kam er mit seinem Zweidecker herunter geschossen, dabei nach allen Richtungen hin die gewagtesten Wen- düngen ausführend. Sogar dicht über dem Boden warf Kießling sei« Flugzeug so scharf herum, daß die beiden oberen Flächen fast senkrecht zum Himmel ragten. Erst die hereinbrechende Dunkelbeir machte dem schönen Wettkampf der beiden Flieger«in Ende. Ueber Verletzungen durch Hutnadeln wird noch immer Klage geführt. Im allgemeinen haben sich die Damen ja an die Hut- nobelschützer gewöhnt, vielfach nützen dies« fich aber ab, gehen verloren und werden dann sobald nicht erneuert. Auf diese Nach- lässigkett wird ein Unglücksfall zurückgeführt, der sich dieser Tag« auf dem Hamburger Bahnhof abspielte. Dort löste ein Herr, der nach Berlin reisen wollte, eine Fahrkarte und geriet, als er sich zum Gehen wandte, mit dem Aug« in die Hutnadel einer neben ihm stehenden Dame. Er hat den B e r l u st d e s'r e ch t e n Auges zu beklagen; die leichtsinnige Dame machte sich aus dem Staube, al» sie sah, welche« Unheil sie angerichtet hatte. Auch im Straßenbahnverkehr sollen rreuertungs wieder derartige Unfälle vorgekommen sein._ Beim Spielen verunglückt. Zwei tödliche Unfälle beim Spielen werden schon wieder ge- meldet. Eine vier Jahre alte Charlotte Schüler, die fich bei ihrer Tante in der Melchiorstraße 28 aufhielt, spielte am Michaelkirchplatz mit anderen Kindern. In ihrem Eifer achtete sie nicht auf ihre Umgebung, lief unter einen Kohlenwagen, der dahergefahren kam. geriet unter die Räder und wurde so schwer verletzt, daß sie ini Krankenhaus Bethanien gestern abend starb.— Det fünf Jahre alte Sohn des Chorsängers ReSki au« der Pflügerftraße zu Neukölln tummelte fich mit Spielkameraden auf dem Koitbuser Ufer vor dem Grundstück Nr. 1—3. Hierbei fiel er die Böschung hinab in den Landwehrkanal, ging unter und kam nicht wieder zum Borschein. Man suchte gleich das Wasser nach dem Verunglückten ab, jedoch ohne Erfolg. Erst gestern abend fand und landete man seine Leiche. Da? russische Fleisch und die Konsumgenossenschaften. Den Konsumgenossenschaften, die fich im vergangenen Jahre an dem Berkauf de« rusfischen Fleisches rege beteiligt haben, stellen sich in diesem Winter erhöhte Schwierigkeiten in den Weg. ES bat sich ergeben, daß die Konsumgenossenschaften sehr bedeutende Uniosten dadurch zu tragen hatten, daß sie Stempelsteuer für die neu aufgenommenen Mitglieder a 19 M. zahlen müssen, wenn sie an andere Personen Waren abgeben als an Mitglieder. Um dem zu entgehen, hat die Genossenschaft in der letzten Generalversammlung den in Betracht kommenden Paragrahen aus dem Statut entfernt.__ Flugverkehr der Eisenbahn. Zur vewälttgung des Verkehr« nach dem Flugplatz Johannisthal anläßlich der Vorführungen de« Fliegers Pögoud find am 25. d. M.(Sonnabend) außer den fahrplan- mäßigen Zügen zwischen'/,1 und 3 Uhr 46 Sonderzüge von der Stadt- und Ringbahn sowie dem Görlitzer Bahnhof nach Nieder- Schöneweide-JohanniSthal gefahren. Mit sämtlichen in dieser Zeit verkehrenden Zügen wurden 59 825 Personen Nvch Nieder-Schöneweide- Johannisthal und Adlershof-Alt-Glienicke befördert. Am 26. d. M. (Sonntag) wurden von 11 Uhr ab die Züge wie an den Sommer« sonntagSnachmittagen gefahren und außerdem noch stündlich vier weitere Züge, welche den anderen Strecken entzogen wurden, eingelegt, so daß insgesamt stündlich 32 Züge, demnach von 12 Uhr bis zum Be- ginn der Flüge ungefähr 199 Züge nach Rieder-Schöneweidc fuhren. Mit diesen Zügen wurden nach Nieder-Schöneweide- Johannisthal und LdlerShos-All-Glienicke 115 700 Personen befördert. Am 29. d. M.(Mittwoch) fuhren 54 Sonderzüge- die im verein mit den planmäßigen Zügen 75 999 Reisende zum Flugplatz brachten. Da jeder Zug die Führung eines Gegen- zuge« bedingt, wurde die doppelte Anzahl von Zügen befördert. Etwa 8—19 999 Personen fuhren außerdem noch nach Karlshorst und gingen von dort zu Fuß zum Flugplatz. Die Leistungsfähigkeit der Strecken und Bahnhöfe ist bis aufs Aeußerste beansprucht worden und sind in kurzer Zeit Menschen- massen befördert worden, wie kaum zuvor. Dabei ist zu berück fichtigen, daß am 26. Oktober auch der überaus starke Sonntags- verkehr auf allen anderen Stadt- und Booortsstrecken ohne Unterbrechung aufrecht erhalten tverden mußte, Die Geschichte der Stadt Berlin. Die wissenschastlickc» Vor- Untersuchungen zu einer umfassenden und grundlegenden Geschichte der Stadt Berlin, für die in den laufenden Etat als erste Rate die Summe von 6000 SK. eingestellt ist, sind unter Leitung des neue» Sladtarchivars Dr. Kacber von verschiedenen Seiten in Angriff ge- »ommen worden. An den Vorarbeiten beteiligen sich mehrere Historiker; das erste Ergebnis dieser Arbeiten dürfte eine Reihe von Monographien über einzelne Phasen der Geschichte Berlins sein. So bearbeitet gegenivärtig Dr. Hoppe, Bibliothekar des sächsischen Landtages in Dresden, das Alt- Berliner Bürger- buch, das im IS. Jahrhundert beginnt, dessen wertvolle Malerialien aber bisher noch keine wissenschaftliche Unter- suchung erfahren haben. Ein anderer jüngerer Gelehrter arbeitet an einer Geschick: Berlins während des Dreißigjährigen Krieges. Neben seinen laufenden Dienstgeschäfien widmet sich auch der Stadtarchivar, dessen Berufung ja in erster Reihe inr Hinblick auf die zu schreibende Geschichte der Stadt Berlin erfolgt ist, den hierzu erforderlichen wissenschaftlichen Studien und Vorarbeiten. Ein schwerer Straßcnunfall hat sich am Donnerstag in der Potsdamer Straße ereignet. Vor dein Hause Nr. 20 wollte gegen Uhr nachmittags der 00 jährige Privatier Michael Edel vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 78 da« Gleis über- schreiten. Obwohl der Führer mit aller Kraft bremste, konnte er den Waggon doch nicht mehr auf so kurze Entfernung zum Stehen bringen. Ter Greis wurde umgestoßen und erlitt bei dem Sturz auf das Stratzenpflaster einen Schädelbruch. Der Verunglückte fand in sehr bedenklichem Zustande im Urban-Krankenhause Aufnahme. Arbeitcr-Bildungsschulc, Grenadierstr. 37. Sonntag, den 2. No- vcinbcr, abends 6 Uhr, im Schullokal: Vortrag des Genossen Ernst Reuter über:.Die nationale Frage in der Geschichte des 19. Jahrhunderts". Mitglieder Eintritt frei gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Gäste 20 Pf. Zeugen, welche gesehen haben, wie ain 14. Mai nachmittags in der Bergstraße zu Neukölln ein Fahrgast beim Verlaffen eines Automobilomnivusses verunglückte, werden gebeten, ihre Adressen an Frau Hoppe, Zietenstr. 72, vorn parterre, Neukölln, einzusenden. Kleine Nachrichten. Geldschrantcinbrecher brachen in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag in der Kartonfabrik von Hochstein und Weinberg in der Wassertorstraße 50 ein, mußten aber ohne Beute abziehen, obwohl sie einen älteren Geldschrank erbrochen hatten.— Für 3000 M. Weiß- und Wollwaren erbeuteten Ein- brecher, die in der Nacht zu gestern aus dem Grundstück Samariter- stratzc b an der„Arbeit" waren. Vorort- I�acbrickten. Steglitz. Die Gcgciislitzc berühren sich! Ein Lokalblatt meldet, daß zur Besprechung der Vereins- und ähnlicher Veranstaltungen in Steglitz und der Häufung in der S a i s o n unser G e m e i n d.e- v o r st e h e r Herren und Dame» der verschiedensten Berufsklassen nach dem Räthaus geladen hatte. Dort wurden die„ U e b e l- st ä n d e scharf kritisiert und Abhilfe für dringend notwendig erklärt". Um den Mangel au passenden Sälen zu beheben, wurde verlangt, die Gemeinde möge ein Vereins- Haus mit mehreren Sälen bauen. Schließlich beschloffen die Eingeladenen, im Rathaus eine Zentralstelle zu schaffe», in der sich Interessenten melden und auch Auskunft erteilt werden soll. Also so eine Art Zentralvergnügungsburcau auf Gemeinde- kosten. Jedenfalls gebührt dem Gemeindevorsteher heißer Dank dafür, daß er mit dem bekannten weitschanenden Blick das bedrohliche Uebel rechtzeitig erspäht hat. Ein anderes Bild: Im Inseratenteil des betreffenden Blattes finden wir folgenden Hilferuf, den wir ohne Kommentar wieder- geben: Dringende Bitte! In dieser durch wachsende Arbeitslosigkeit für zahlreiche Familien so überaus traurigen Zeit sollen lvir immer wieder abgelegte Kleidung, Wäsche, Schuhe — vor allem Herren-Beinkleider— beschaffen und wissen nicht woher. Wir bitten herzlich, durch schnelle uud womöglich reichliche Sendungen uns zu ermöglichen, die vielen be- g r ü n o e t e n Wunsche zu erfüllen. Bcrlin-Steglitz, Mittclstr. 33. Die G e ni e i n d e s ch>v e st e r n. Zossen. Am Montag, den 3. November, von vormittags 10 Uhr b i s 2 II h r nachmittags, findet die Stadtverordneten- wähl der 3. Avteilung statt. Die Kandidaten der Sozial- demokratie sind der Tischler Otto Dorn und Schriftsetzer Friedrich S a u p e. Das'Wahllokal befindet sich im Rathaus. Wir ersuchen die Berliner Genossen, soweit solche mit Zoffener Wählern zusammenarbeitet, diese an ihre Wahlpflicht zu erinnern. Bei einiger Kraftanstrengung muß der Sieg unser sein. Lveihensee. Aus der Rechnungslegung der Gemeindevcrwaliung für das Jahr 191 l. die die letzte Gcmeindeverlretersitzung beschäftigte, ergibt sich eine Unterbilanz von 158 524,22 M.: diese Summe wurde aus den Ucberschüssen der Vorjahre gedeckt. Das Endergebnis stellte sich gegen den Voranschlag nur bei vier Etatsausätzen besser und zwar bei der allgemeinen Verwaltung um 7541,69 M., bei den Gemeinde- grundstiicken um 10 137,09 M., der Wasserversorgung um 27 050,73 M., der Gemeindesriedhöfe um 1197,36 M. Alle anderen Etats ergaben eine Unterbilanz und zwar Kapital- und Schulden Verwaltung 32 397,31 M., Steuerverwaltung 119 805,69 M.. Schul-i.sich die Stadtverordneten mit dem Beschluß der Finanzdeputation. Verwaltung 39 276,31 M., Armenverwaltimg 1151,93 M.. Wohl-*' �-- Ä-t. fahrtseinrichtungen 2284,35 M., SäuglingSkraiileiihaus 3271,33 M., Musterkuhstall 12 041,47 M., Straßen und Plätze 4222,75 M. Die Entstehung dieser Unterbilanz begründete der Bürgermeister folgender- maßen: Bei der Steuerverwaltung habe die Wertzuwachssteuer einen großen Anteil an dem Verlust, der durch die Unsicherheiten der Schaffung der Reichswertzuwachssteuer verursacht worden sei; auch die mit 24 000 M. zur Lustbarkeitssteuer herangezogene Renn bahn sei duriii einen Entscheid des ObcrverwaltuiigsgerichtS frei gestellt. Die Grundwertsteuer haben durch den„Fall Allers" nickit den eingesetzten Betrag gebracht, ebenso seien bei der Kapital und Schnldenverwaliung in dem gleichen Falle die Zinsen ausgeblieben; diese Grundstücke wären inzwischen zur Zwangs- Versteigerung gekommen und dadurch seien die fälligen Steuern und Zinsen wieder hereingebracht. Bei der Schulverioaltung hat die Vertretung erkrankter Lehrer bedeutende Mehrkosten verursacht, ebenso sei die angeiionimene Erhöhung der Schülerzahl in den höheren Schulen nicht eingetroffen. Die Mehrausgaben der Armen- und Wohlfahrtsverwaltung wären durch die Verhältnisse bedingt, genau so verhalte es sich beim Etat des Säuglingslrankenhauses. Die Mehrausgaben beim Musterkuhstall seien durch die Vervollkommnung und Neuanschaffung von Maschinen verursacht. Der Etat der Straßen und Plätze habe eine Ueberschreitung aus dem Grunde er- fahren, weil im Laufe des Etatsjahres verschiedene Neuanlagen ge- schaffen, insbesondere mehrere Bürgersteige mit Rasenstreifen an- gelegt worden seien. Eine Diskussion fand ffonderbarerioeise nicht statt, trotzdem die späte' Rechnungslegung verschiedentlich kritisiert wurde. Gross-Besten. WaS fordern wir vom Reichstag? lautete das Thema, über das Genosse Thielicke in einer gut besuchten Volksversammlung referierte. Am Schluß seines Vortrages forderte der Redner die Versammelten auf, sich der sozialdemokratischen Partei als Mitglieder anzuschließen und für die Ideale derselben zu werben. Zwei in der Versammlung anwesende bürgerliche Herren be- sprachen die in der Umgebung geübten Grundstücksspekulationen. Der Referent beleuchtete am Schlüsse noch die Praktiken des Grund- stücksspekulantentums, das den kleinen Bauer wie den ansässigen Landarbeiter über das Ohr haue. Mehrere Neuaufnahmen für den Wahlverein ivaren das Resultat der Versammlung. Rosenthal. Aus der Gemeindevertretung. Vor Eintritt in die Tagesordnung las der Gemeindevertreter Malier einen Brief des Gemeindevertreters L i tz n e r vor. in dem dieser mitteilt, daß er sein Mandat niederlege. — Für die Anlage der Zentralheizung in der neuerbauten Schule waren sieben Firmen zur Einreichung von Offerten aufgefordert; den Zuschlag erhielt die Firma Rietschel u. Henneberg, Verlin, mit 14 089 M.— An weiteren Vertretungskosten für die seit längerer Zeit erkrankte Lehrerin Beck, wurde ans Antrag der Gemeinde von der Regierung ein einmaliger Zuschuß von 500 M. bewilligt.— Der Gemeindevorsteher cmpfabl der Vertretung, ftch auch dieses Mal an dem Verkauf von russischem Fleisch zu beteiligen, sowie den Verkauf von Fischen wieder vorzunehmen, um die Lebensmittelverteuerung zu lindern.— Genosse M i l b r o d t gab einen längeren Bericht von der Sitzung der Groß-Berliner Teuerungskonimission und empfahl ebenfalls die erneute Aufnahme des Verkaufs russischen Fleisches. Die Gemeindevertretung stimmte dem einmütig zu.'Die Frage des Fischverkaufes wurde an die be- stehende Tenerungskommisfion verwiesen. Der Verkauf deS Fleisches wurde dem Schlächtermeister Göhl, Edelweiß st raße, übertragen. Derselbe übernimmt den Berkauf zu den von der Stadt Berlin festgesetzten Preisen. Der Baumeister leilte mit, daß die Firma Maurermeister Lubig, Pankow, die Arbeitslosen der Gemeinde wie im Vertrage festgelegt, beschäftigen werde. Der öffentlichen folgte noch eine geheime Sitzung. Lübars-Waidmannslust. Aus der Gemeindevertretung. Der bisherige Schöffe Tobin wurde mit 6 gegen 3 Stimmen wiedergewählt. Unsere Genossen blieben dem Wahlakt fern. Für die Einrichtung der siebenten Volks- schulklaffe, die seit zwei Jahren als fliegende Klasse domiziliert, wurden 720 M. bewilligt. Es wird hierzu ein Teil des von der Kirchengemeinde bisher als Betsaal benutzten Raumes Verwendung finden. Die fünfte Klasse, die ebenfalls überfüllt ist, muß geteilt werden. Da aber erst abgewartet werden soll, wie die Klassen- frequenz im nächsten Jahre sein wird, will man eine Lehrerin nur vorübergehend vom 1. Dezember bis Ende März einstellen. Für die Anpflanzung gärtnerischer Anlagen auf dem Geländestreisen in der Parallelstraße'längs des Bahnhofes wurden 2500—3000 M. gefordert. Die Gemeindevertretung genehmigte nach längerer Debatte die qe- forderte Summe. Unsere Genossen hatten gegen die Projekte nichts einzuwenden, sie konnten sich jedoch, obwohl auf ihr wiederholtes Drängen die Angelegenheit soweit gediehen ist, nicht entschließen, die Mittel hierfür aus dem Genieindesäckel zu bewilligen. Ihre Stellung- nähme ist die Konsequenz ihrer Gegnerschaft gegen den seinerzeit mit dem EisenbahnfiskuS abgeschlossenen Pachtvertrag, nach welchem die Gemeinde 40 M. zahlen muß, um den Geländestreisen anpflanzen zu dürfen. Sie erklärten, auch heute noch aus dem Standpunkt zu stehen, daß der Fiskus verpflichtet sei, diesen Streifen,_ der nach der Bnupolizeiverordnung als Vorgarten anzusehen ist, auf seine Kosten anzupflanzen. Eventuell könne derselbe auf Grund deS bestehenden Ortsstatuts„gegen die Verunstaltung von Ortschaften" dazu an- gehalten werden. Spandau. Dir letzte Stadtverordnetenversammlung stand völlig im Feichen der am Montag stattfindenden Wahlen der dritten Abteilung. Die auffallende Arbeiterfreundlichkeit der bürger- lichcn Fraktionen wurde von unseren Genossen gebührend glossiert. Es waren so viel Zuhörer erschienen, daß sich die Zuhörertribünen, auf deren Hinterem Teil die einzelnen Redner übrigens sehr schlecht zu verstehen sind, als viel zu klein erwiesen. Einverstanden erklärten wonach von dem Ueberschuß der Kämmereikaffe in Höhe von 196 403,42 M. zur Errichtung eines Jugendheims Kaiser Wilhelms ll 50 000 M. und als 1. Rate zur Erweiterung des Friedhofes 36 000 M. bewilligt sind. Die noch verfügbar bleibenden 110 453,42 M. wurden in den Etat 1914 eingestellt. Genosse Pieper erklärt« ssch damit em» verstanden, daß 50 000 M. zur Errichtung eines Jugendheims ver- wendet werden, wenn auch unserer Jugend das Jugendheim zur Verfügung gestellt wird und nicht allein dem Jungdeutschlandbund. Da das Geld von allen Steuerzahlern aufgebracht sei, so müsse das Jugendheim auch der gesamten Jugend zur Verfügung gestellt werden. Redner behielt sich vor, bei passender Gelegenheit einen dahingehenden Antrag zu stellen. Der Ueberschuß der Gaskasse von 55 347,21 M. wurde dem Reservefonds zugeführt, desgleichen der Ueberschuß des Wasserwerks von 75 151,64 M., ebenso der Ueberschuß der Kanalisation von 69 361,02 M. Der Fehlbetrag der Elektrizitätskasse von 2076,38 M. soll vorgetragen werdcii. Ein Schmerzenskind war, wie der Referent Groß ausführte, die Straßenbahn. Während die Spandauer Straßenbahn eine» Ueberschuß von 52 220,76 M. erbrachte, der zur Deckung des Defizits der Nonnendammbahn verwendet werden soll, müssen zur Leistung des Fehlbetrages für letztere Bahn in Höhe von 63 354,78 M. noch 11 634,02 M. vorgetragen werden. Eine dringliche Vorlage verlangte einen Kredit von 10 000 M. für Verkauf von r n s s i s ch e m Fleisch in eigener Regie. Gen. Pieck begrüßte die Vorlage, wünscht aber, daß wie in anderen Städten, der Verkauf auch dem Konsumverein übertragen werde. Da im Vorjahre von den bewilligten 10 000 M. nur etwa 500 M. verbraucht worden sind, wurde der geforderte Kredit bewilligt. Für Erbauung des städtischen Oberlyzeums wurde die Bewilligung von 980 000 M. verlangt. Die Kosten sollen durch eine Anleihe ge- deckt werden, die mit 3Vz bis Proz. verzinst und mit l1/* Proz. getilgt werden soll. Nach längerer Debatte, in der die UnVollständigkeit des Erläuterungsberichts kritisiert, wurde die Vorlage einem Ausschuß von 7 Stadtverordneten überwiesen. Der Entwurf einer Umsatzsteuerordnung, in der u. a. die Steuerfteiheit des Fiskus aufgehoben ist, gelangte zur Annahme. Für die Fürsorgestelle für Tuberkulose wurden insgesamt 3200 M. verlangt. Genosse Pieck erkannte die Einrichtung dankbar an. fand aber die geforderte Summe zur Bekämpfung der Tuber- kulose zu niedrig und stellte den Antrag, 10 000 M. zu bewilligen. Kurz vorder, als es sich um Hebung des Hurrapatriotismus handelic, wurden ohne weiteres 50 000 M. bewilligt, jetzt aber, wo es sich um Bekämpfung einer Volkskrankheit handele, habe man kein Geld zur Verfügung. Vorbildlich könne uns Cbarlottenburg sein, welches zur Bekämpfung der Tuberkulose 175 000 M. jährlich bewillige. Nach- dem sich Oberbürgermeister Koeltze gegen die Mehrforderung au§- gesprochen hatte, wurde der Antrag des Genoffen Pieck gegen die vier Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt und die Vorlage hierauf angenommen.(Genosse Pieck zu der Kommunalen Ver» einigung: Wo bleiben da Ihre„Richtlinien"? Das sind auch Arbeiter» Vertreter.) Zuschlagserteilung auf Lieferung der Holzfenster zum Neubau der 3. Gemeindeschule an die hiesige Tischlerinnung verlangt eine Vorlage, trotzdem die Innung nicht Mindestfordernde ist, Genosse Pieper erklärte sich in Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit unter den hiesigen Bauhandwerkern für die Vorlage, beantragte aber, daß die Innung verpflichtet werde, Spandauer Gesellen zu tarifmäßigen Löhnen zu beschäftigen. Oberbürgermeister Koeltze wandte sich da» gegen, daß die Innung verpflichtet werden soll, hiesige Arbeiter zu tarifmäßigen Löhnen zu beschäftigen. Kein Ilnternehmer könne zur Einhaltung dieser Verpflichtung gesetzliS angehalten werden. Genosse Pieper erklärte den Standpunkt des Oberbürgermeisters für veraltet. Wenn auch der Magistrat diese Bestimmung ablehnen sollte, so müßte die Versammlung doch dafür sorgen, daß Arbeiter, die für die Stadt arbeiten, auch so bezahlt werden, daß sie ihre Familie anständig ernähren können. Leider sei dies sehr oft nicht der Fall gewesen. Redner erinnert dabei an die Abkarruug der Wälle. die als Notstandsarbeiten ausgeführt wurden. Nachdem fast sämtliche Redner mit Ausnahme des Stadtv. Kirch sich für den Antrag Pieper ausgesprochen hatten, wurde derselbe gleichzeitig mit der Vorlage angenommen. Ein Antrag Dr. Kantorowicz, die ungeteilte Arbeitszeit für städtische Beamte baldmöglichst einzuführen, wurde, trotzdem sich Oberbürgermeister Koeltze dagegen aussprach, angenommen. Genosse Pieck sprach seine Verwunderung aus, daß die bürgerlichen Stadt» verordneten jetzt vor der Wahl ein richtiges Wettlaufen um die Gunst der Arbeiterschaft veranstalten. Ein Antrag Weber(lib.), mit den Stadtverordnetenversammlungen in Zukunft erst um 6 Uhr zu beginnen, gelangte' mit 20 gegen 19 Stimmen zur Annahme. Kenntnis nahmen die Stadtverordneten noch von dem Beschluß des Magistrats, wonach derselbe der Vornahme der Stadtverordneten» wählen der dritten Abteilung an einem Sonntag nicht beigetreten ist. Die Wahl findet demnach am Montag, den 3. November, statt. Die Stadtverordnetenwahlen am Montag werden zu schweren Kämpfen mit den bürgerlichen Parteien führen. Auch im 2. Bezirk (Nonnendamm) und im 7. Bezirk, die für uns sehr aussichtsreich sind, machen die Gegner gewaltige Anstrengungen, der Partei eine Niederlage zu bereiten. Im 8. Bezirk haben wir das Mandat deS Genossen Pieper zu verteidigen, der ununterbrochen seit 13 Jahren nach besten Kräften die Interessen der Arbeiterschaft im Stadt» Parlament vertreten hat. Bei angestrengter Agitationsarbeit könne« wir den 6. Wahlbezirk gleichfalls erobern. Da von dem diesmaligen Ausfall der Stadtverordnelenwahl unser ganzer Einfluß auf dem Rathause abhängt, so werden alle Parteigenossen dringend zur Wahl» arbeit aufgefordert. Heute Sonnabendabend 7 Uhr treffen sich die Genossen der Bezirke 1—6 bei Zettel, Bismarckstr. 6, die Genossen der Bezirke 7—9 bei Dertz, Kurstr. 22, die Genossen der Bezirke 10 bis 17 in ihren Bezirkslokalen zur Vornahme wichtiger Wahl» arbeiten. Die Nonnendammer Genossen treffen sich heute abend bei Kant, Siemensstr. 34. Aufmerksam gemacht sei noch auf die beiden Wählerversammlungen, die morgen nachmittag 2 Uhr bei Borchardt, Seeburger Str. 26 und bei Marsand, Märkischer Steig 6, statt« finden. Dr. Rudolf Breitscheid und Stadtv. G r o g e r- Neukölln referieren über das Thema:„Warum wählen wir sozial- demokratisch�?" SpezialAusverkayfs-Angebote Wegen Auflösung unserer Firma totaler Ausverkauf der enormen Lagerbestände in Herren-, Jünglings-, Knaben-, Sport- u. Berufskleidung jeder Art. Unsere bisher schon billigen Preise sind durchweg1 bedeutend, zum Teil bis zu 60 Prozent ermässlgt Herren-Ulster für Herbst u. 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OberstaatZanwalt Dr. Chrzescinski teilt mit, daß der Angeklagte Eccius sich dadurch gekränlt siihle. daß aus der Retlungs- insel vor dem Gerichtsgebäude Photographen postiert sind, die die Angeklagten und sonstigen Prozeßbeteitigien pbotographieren. Der Staatsanwalt findet es berechtigt, daß man sich dagegen wendet. Man brauche sich das nicht gefallen lassen, da aber die Macht des Gerichts nicht bis auf die Straße gehe, sei es wobl richtig, den Polizeipräsidenten zu ersuchen, diesen Unfug abzustellen.—"Vors.: Ganz richtig, meine Macht geht ja nicht bis aus die«traße.— Hierauf stellt Verleidiger Dr. v. Gordon neue Bctveisanträgc, und zwar zunächst aus telegraphische Ladung des Gencrats z. D. Exzellenz V. Biicking-Wiesbadcn zum Beweis dafür, daß Direktor Drszer niemals die An- stellung des Zeugleutnants Höge in der A. P. Ä. empfohlen hat, und daß er niemals mit dem General irgendwie über Höge gesprochen habe. Zweitens beantragt der Ver- leidiger die Ladung des für die Versetzung von FeucrwerkSoffizieren in die A.P.K, zuständigen Dezernenten zum Beweis dafür, daß die Versetzung des Höge von Spandau in die A.P.K, ausschließlich aus sachlichen militärischen Gründen erfolgt sei. Der Verteidiger bemerkt zur Begründung: Ich bin iilforiniert, aber nicht von Herrn Dreger selbst, daß Herr Dreger nötigenfalls unter seinem Eid er- klären wird, daß an dieser von dem Zeugen v. Mellen behaupteten Unterhaltung nicht ein Wort wahr ist. ES ist von unendlicher Wichtigkeit, außer deil beiden sich gegen- überstehenden und in diese Sache chcrstochleiicn Herren noch ein äugen- stehendes Moment heranzuziehen, um klar zu werden. Wenn Exz. v. Bücking bekunde» wird, daß Dreger nieinals mit ihm über Höge ge'prochen hat. und daß der Verkehr nicht so war. daß Dreger sich mit ihm über einen Feuerwerker unterhielt, dann ist die Acuße- rung v. Metzens unmöglich und es ist dann die Möglichkeit gegeben, �u erkennen, ob die bis zu Tränen gesteigerte Erregung dieses Zeugen und seine Angaben eckt sind oder nicht. OberstaatSanw.: Daß ich ähnliches bereits ins Auge gefaßt habe, brauche ich nicht zu sagen. Ich hielt bloß den Zeitpunkt noch nicht für gekommen. Auch ich halte den Antrag für relevant und bitte, ihn, staltzugebe». Natürlich würde ich die Genehmigung des KriegSininisterS zur Aussage des Generals v. Bücking einholen.— Der Vorsitzende befragt nun auf Wunsch der Verteidigung den Angeklagten Brandt nochmals über diesen Fall. Angekl. Brandl: Höge hat mir seinerzeit gesagt, daß er sich um eine Stelle i n A P K betvorben hat und obwohl er keinen Wunsch dahin äußerte, glaubte ich, die Sache unterstütze» zu können, indem ich mit Herrn v. Metze» sprach, was er dazu tun könnte. Was weiter geschah, weiß ich nicht. Mit Herrn Dreger habe ich überhaupt nicht über die �>ache gesprochen. ES wird nun nochmals �auf die Wendung in dem gestern erörterten französischen Brief zurückgegrisien, wo Brandt schreibt: ll'ais rvrissi usw., nämlich er habe den Erfolg gehabt, daß es gelungen sei, jemanden uiitcrzu- dringen. Brandt erklärt hierzu, daß die Worte �.J'ais röussi" natürlich nur bedeuten sollten,„ich habe den Erfolg gehabt, daß es geschehen ist", aber nicht„es war der Erfolg meiner Tat".— Vors.: Gestern haben die Verteidiger dem Zeugen v. Metze» den Borlvurf gemacht, daß er sein Material erst jetzt herausgegeben habe, und der Ver- tcidiaung und dem Gericht keine Gelegenheit gegeben habe, Einblick zu nehmen. Ich muß bemerken, daß die Verteidigung gestern ebenso vorgegangen ist, indem sie auch Briefe vorgelegt hat, die uns vor- her nicht bekannt waren. Es empfiehlt sich auch in diesem Falle, das Gericht vorher prüfen zu lasten, ob die Verlesung angängig ist. — Verl. Löwen stein: Die Verteidigung, die Staatsanwallschaft und das Gericht haben einen Anspruch darauf, durch Material nicht überrascht zu werden. Ein Zeuge hat einen solchen An- spruch nicht. Es wird nun in der Vernehmung des Zeugen von Metze» fortgefahren, dem wieder ein Stuhl an den Zeugentifch gestellt wird. Verl. Löwenstein: Weshalb kommen Ihnen iminer Tränen, wen» Sie von Herrn Dreger und seiner Freundschast mit Ihnen sprechen en WiNgsn nicht imstande war, eine solckie Siliiline zn zahlen.■ Ssors.: tote sollen sogar 100 000 Frank verlangt haben?— Zeuge: Das ist auch möglich. Die Verhandlungen wurden darauf nicht mehr fortgeführt, denn es kam bei mir der Umschwung der Ansichten infolge des Briefes von Dr. Muehlon. Ich wußte auch, daß Wingen rn Essen am 18. Juli gewesen war, und über Wingen war zwischen mir und Dr. Mueblon torrespondiert worden; merkwürdigerweise war aber von diesem amh nichts erwähnt worden. AIS ich �dm Brief telegraphisch zurückkommen ließ, war das der letzte Versuch, die italienische Vertretung doch noch zu bekommen. Ich sah aber keine Möglichkeit mehr dafür, nnd hatte den Gedanken daran end- gültig ausgegeben. Nun war es von Interesse für mich, zu wissen, wie Wingen jetzt noch über sein Angebot dachte. Ich fuhr deshalb nach Mailand und bin sofort mit meiner Forderung von 75 000 M. heruntergegangen. Die hohe Summe war damals ja gestellt war- den, um die Sache abzuschneiden, jetzt aber war es mir darum zu tun, zu einem Abkommen mit Wingen zu gelangen. Zwei Tage nach dem Abschluß des Vertrages teilte ich Dr. Muehlon meinen Verzicht auf die italienische VekKretung mit.— Vors.: Haben Sie jetzt der Firma zur Uebertragung der Vertretung an Wingen geraten?— Zeuge: Nein, keineswegs. Ich bestreike aus das allercntschiedenste, daß ich auf Grund des Ab- kommenS irgeiideiil Wort zugunsten des Herrn v. Wingen abge- geben habe. Ich ljabe meine Ansicht über Wingen, schon ehe ich an das Abkommen dachte, in objektiver Weise geäußert und mein Urteil nie geändert; ich habe stets hervorgehoben, welche Vorteile die Vertretung WingenS für die Firma haben könnte. Der Ver- zicht aber, das gebe ich zu, war eine Folge deS Abkommens. ' Im Juli 1912 schreibt v. Metzen an Muehlon. daß Brandt ihm getagt habe, Muehlon wäre bereit, das Pauschal« für die bewußten Ausgaben von 3500 auf 5000 M. zu erhöhen, v. Metzen dagegen rät, diese Ausgaben in den engnen Grenzen zn halten, „denn naiiirnch könnten diese Ausgaben leicht auf 20 000 M. ge- steigert werden. Aber dann ist die Versiv« nicht aufrecht zu erhalten, daß die Firma nichts damit zu tun habe und Brandt nur eine persönliche Zulage bekomme. Es müsse v ev- mieden werden, daß Brandt zuviel aufwende, sonst könne von übelwollender Seite sehr leicht eine unerwünschte Deutung aufge- bracht werden. Dann würde aber diese Einrichtung, die sich doch so sehr gut bewährt habe, für die Firma sehr unangenehm werden." Weiter wird in dem Brief gesagt, daß Brandt die Kon- junktur zu seinen gewohnten Pressionsversuchen ausnutzeil würde, da er zu Ueberhebungcn neige und seine Ansprüche, sowie sein Ein» kommen auch sehr gestiegen seien. Ueber diesen Brief kommt es zu einer längeren Aussprache. Während v. Metzen erklärt, daß Brandt ihn bei seiner Rückkehr ans Italien gebeten habe, dafür zu sorgen, daß er von dieser ihm iinangenehmcil und für ihn nach v. Metzens Meinung auch gewiß ungünstigen Tätigkeit loskomme, und baß v. Metzen deshalb diesen Brief nach Essen gerichtet hat, fragt der Verteidiger Löwenstein und auch der Vorsitzende, wie sich damit zusammenreime, daß v. Metzen nicht einfach nach Essen schrieb: Nehmt dem Brandt diese Tätig keii ab, stellt dies« Tätigkeit ein, sondern, daß er über Brandt Nachteilige» schrieb. Verteidiger Löwenstein geht hierbei so weit, mehrfach von einer ■bewußten und schmählichen Verleumdung des Brandt bei der Direktion in Essen zu sprechen, während v. Metzen doch gestern noch den Brandt als seinen Untergebenen und Freund bezeichnet habe. v. Metze» widerspricht dieser Aeußerung. Er lehne es ab. Brandt als seinen Freund zu bezeichnen, sondern das Verhältnis zwischen ihm und Brandt sei eben ein solche» gewesen, wie es zwischen Vorgesetzten und Untergebenen sein soll. Wenn er immerhin für eine Erhöhung des Betrages eingetreten sei, so des- wegen, weil er nicht als ein Vorgesetzter dastehen wollte, der der Verbesserung des Einkommens eines Untergebenen im Wege stände. aber er habe dieses Schreiben deswegen abgesandt, weil mehrfach mündliche Erörterungen im Sinne einer Abschaffung der Brandt- scheu Tätigkeit nicht den erwarteten Erfolg gehabt hätten. Nun babe er sich gesagt, ein solches Schreiben könne Muehlon nicht in die Schublade legen, sondern er müsse es einer Sitzung des Direktoriums unterbreiten» so baß der v. Metzen seit Jahren angestrebte Zweck erreicht würde. Er wolle auch gar nicht behaupten, daß der Brief gerade ein Meister- stück von Ehrlichkeit gewesen sei, aber jedenfalls war der Zweck ein guter, denn es sollte danlit nicht bloß Brandt genützt, sonder« auch v. Metze» eigener langjähriger Wunsch gefördert werden, die Brandtsche Tätigkeit in Berlin beseitigt zu sehen. Der OberstaatL- aulvalt erklärt, den Ausdruck„Verleumdung" als nicht gerechtfertigt ansehen zu könueil, da c» sich einfach um ein Urt-U v. Metzen handele und auch Muehlon einmal ein ähnliches Urteil abgogebe« habe. Der Vorsitzende ersucht dann auch, solche Ausdrücke zu unter- lassen. Schließlich stellt Angeklagter Brandt entschieden in Abrede» häufiger an v. Metze» wegen Erhöhung seiner Bezüge herangetreten zu sein. Er habe nur zuweilen die Auszahlung seiner Remunc- ratio» beantragt. Als ihm Muehlon die Erhöhung seiner Bezüge angeboten I)abe, sei et daraus natürlich eingegangen. Der Brief Muehlons an Brand i, in dem dieses Angebot enthalte» sein soll, ist nicht aufzufinden, aber es wird Muehlon darüber als Zeuge vernommen werde». Verteidiger Justizrat v. Gordon(zum Zeugen): Aus den Briefen haben wir ersehen, daß Sie eine ganze Reihe von Dingen, die außerhalv der Firma niemand wissen konnte, mitgeteilt haben. Wollen toie behaupten, daß Sie diese Mittcilnn- gen, z. B. über die Verteilung der Dezernate, über die Kandidatur des Herrn Eccius für die italienische Vertretung und andere, von jemandem, der außerhalb der Firma steht, erfahren haben nnd sich daher für berechtigt halten konnten, einer der Firma Krupp nicht angehörigeii Person Mitteilung zu machen?— Zeuge: Was ich von diesen Dingen gesagt habe, beruht teils auf Vermutungen von mir, teils auf Mitteilungen von Leuten, die keineswegs im internen Dienste tätig sind; ein Teil der Mitteilungen beruht auch auf Wiedergabe von Klatsch, der in Essen erzählt wurde. Darauf trat eine Mittagspause ein. Zu Beginn der Nachmitiagssitzung komilit es zu einer außer» gewöhnlichen Szene. Der Oberstaatsanwalt erhebt sich mit einer gcivissen Feierlichkeit, der er auch dadurch Ausdruck gibt, daß er sein Barett auffetzt, und ersucht den Vorsitzenden um das Wort, indem er gleichzeitig bittet, den Zeugen v. Metzen vortreten zu lassen. Dann erklärt der Obcrjtaatsanlvalt: Es ist mir auf am t- l i ch e ni Wege mitgeteilt, daß die gestrige Aeußerung des Zeugen v. Metzen über Gelder, die an Beamte des ReichsuiarineamtS gekommen feien, von dem Herrn Staatssekretär des Reichsmatur omteä bereits zum CJcgcnftflnb einer Untersuchung gemacht worden ist, und zwar mit einem bestimmten(s«>gebiiiS. Ich mochte zunächst ni! den Zeugen v. Motzen die Fraoe rivne», ob er sich entsinnt, wie seine gestrige Aussage geiautet tzal. Ieuge v. Metzen: Als ich die. Vertretung in Berlin antrat, wurde mir von Brandt eine Liste borgelegt, auf der nach meiner erchätzung mindestens oU bis 7S Na- meii standen und diese Liste stamuUe aus dem R e i ch s ni a r i n e- a m t. Sie enthielt die Namen bon Leuten, welche um eine Wechnachtöeratifikatio» baten, und ich glaube, Herr Brandt hat mir die Liste selbst vorgelegt und gesagt, daß Herr v. Schutz allerdings in dieser Weise Weihnachts- gratifikationcii austeilte. Ich habe das abgelehnt.— Oberstaatsanwalt: Ist Jhueu erinnerlich,>vie �.ie die betreffenden Bcamlcn- lategorien bezeichnet haben?— Zeuge: Ich habe gefragt, was sind das für Leute? Wie kommen sie dazu, eine derartige Bitte zu stellen. Soweit ich mich erinnere, hat Brandt gesagt: das sind ganz Leine Schreiber und Sekretäre. Sekretäre, und Schreibet ist ja schließlich dasselbe.— Oberstaatsanwalt: Das ist nicht der Fall. Oer Ausdruck„Sekretäre" ist allerdings gestern gefallen.— Zeuge: Ob es Schreiber oder Sekretäre waren, darauf kann ich mich nicht besinnen, auch nicht auf den Ausdruck, der gefallen ist. Ss kann auch etwas anddrcS als Schreiber oder Sekretäre gewesen sein.— Oberstaatsanwalt: Entsinnen Sie sicki. über diese Angelegenheit nach Essen berichtet zu haben?— Zeuge: Nein.— Oberstaatsanwalt: Es ist mir ein vertraulicher Brief zugekommen, der mir I iohcr nicht bekannt war, und der während der Untersuchung gegen Mikitärpersoneu an das Gericht. am und anscheinend von Ihnen (.zum Zeugen) an die Firma Ärupp A.-G. zu Händen des stellver- tretenden Direktors Marauardt um 28. Dezember lösitt gerichtet wurde. Es ist das eine Maschinenabschrift, die keine Unterschrift trägt. Der Brief scheint aber von Ihnen herzurühren; scheu<:ie ihn sich darauf an.— Zeuge: Nach der Maschine schein! der Brief voic Brandt geschrieben zu sein.— Oberstaatsanwalt: Aber wessen geistiges Erzeugnis ist cr?— Ter Zeuge nimmt den Brief vom Oberstaatsanwalt entgegen, liest ihn und schweigt. Auf eine Frage des Oberstaatsanwalts erklärt der Angeklagte Brandt, dem der Brief ebenfalls vorgelegt tvird: Ich hätte unterschrieben„gtmz gehorsamer Diener", hier steht aber„hochachtungsvoll". Es ist mir ganz genau bekannt, daß ein solcher Brief von Herrn v. Motzen geschrieben �worden ist.— Zeuge v. Mctzen: Ich entsinne mich dieses Briefes nicht.— Oberstaaisanwalt: Ich bitte den Vorsitzen- den, diesen Brief zu verlesen. Ter Vorsitzende verliest den Brief: „Tie Boteumeisterei des Neiö sinarineamtS hat eine Liste, die Namen von 5b geheime» Äanzseidienern usw. enthält, hier abgc- geben, welche eine kleine Weihnachtsgabe erwarten. Wie ich von Kern weiß, hat Herr v. SÄütz in früheren Iahren solche Schreiben berücksichtigt und den Schreibern im Reichsmarine- aml Zuwendungen gemacht, die er persönlich bei Tirektor Haux liquidiert hat." Meines Erachter.. lassen sich solche Gaben nicht rech! fertigen. Jedenfalls können sich daraus manche Anfeindungen ergeben.'Es könnte von übelwollender und gegnerischer Seile gegen die Firma ausgenützt werden. TeSbatb bin ich der Ansicht, daß des Ansuchen dieses Schreibens prinzipiell abzulehnen ist und eine Aenderung eintreten � soll. Anders verhält es sich bezüglich der L a ii z I e i d i e n e r und Pförtner, nnt denen ich in pcisiinliche Berührung komme bei Besuchen usw. Diesen Tienern habe ich kleine WeihnachtSgabe ii gegeben, welche ich an anderer Stelle liquidiere. Vielleicht sind aber auch diese Gaben einzuschränken und luer Ersparnis' e zu machen. Ich kann mir allerdings nicht verhehlen, daß dieses Verfahren der Trinkgeldgewährung geeignet ist, der Firma bersteckte Feinde zu schaffen, indem einer, der glaubt, darauf Anspruch zu haben, sich p-eetetzt fühlt und daraus Augriffe herleitet; aber schließlich, wenn einer geivillt ist, zu schaden, dann würde er sich'durch eine geringe Summe darin auch nickit einschränken lassen, sondern diese auch noch einsteckeiw"— Oberstaatsanwalt: Nach der Fassung dieses Briefes ist wohl kein Zweifel möglich, daß er von Ihnen eeschrieben ist. Ich bin nun beauftragt und ermäch! igt, hier mitzuieilen, daß im Reichsmarineamt auf die gestrige Aeußerung hin sogleich«.ine Untersuchung stattgefunden hat, die zn einem ganz bestimmten Ergebnis führte. Es ist in der Tat richtig, daß eine Liste ciufgestellt und der Äruppver- tretung zugesandt wurden ist. Diese Liste hat umfaßt�die Boten und die Diener des tintos, nicht aber die.«ekretäre und die Schreibe.. Das ist das bestimmte Ergebnis der bereits angestellten Untersua ung, und aus diesem Grunde richte ich sowohl an den Zeugen v. wlenen w' an den Augeklagten Brandt die Frage, od von irgend einer �.�te eine entgegengesetzte Behauptung ausgciiellt werden sollte.— Zeuge v. Metze»: Von mir nicht.— Aitgell. Brand:: Auch von mir nicht. Ich habe niemals mit diesen Dingen zu lun gehabt.— OberstaatSanw.:. Was die Boten und Diener angeht, so war das Ergebnis der Untersuchung, daß ItiOti ein neuer Votenmeister eingetreten ist, der das Ansinnen, eine solche Liste auszustellen, sogleich zurückgewiesen hat. Es ist dann aber die Liste unter der Hand ausgestellt worden, ob mit Zu- stimmung der Boten, vieler Boten oder aller Boten, kann ich nicht beantworten. Tie'Liste bat 08 Boten umfaßt, es steht aber nicht fest, wer der geistige Urheber dieses Schrittes ist. Dagegen ist bc- stimmt eowiesen, daß weder Sekretäre noch Schreiber(Äanzlisten) solche Gelder erhalten haben, und da dies auch von keiner Seite behauptet wird, darf ich auf eine Beweiserhebung darüber per- zichten. Hinzufügen will ich, daß eine gleiche Untersuchung bezüglich der sonst in dieser Weise genannten Militärbehörden alsbald in die Wege geleitet und gleichfalls voller Aufschluß herbeigeführt werden wird.— Vors.: Keiner der uns vorliegenden Kornwalzer bezieht sich auf das RcickSmarinoamt, das im Anllagcakt überhaupt nicht erwälmt ist. sch habe deshalb keinen Anlaß, hieraus weiter einzugehen.— OberstaatSanw.: Es handelt sich nur um eine Klar- sietlung im Reichsmarineamt und der Beamten, aus die ein Ver- dacht geworfen worden war.— Bert. Löwenstein: Tie Feststellung des Oberstaatsanwalts bestätigt durchaus, was Brandt bisher gesagt hat. Damit ist dieser Zwischenfall erledigt. Bert. Justiz rat v. Gordon: Der Zeuge v. Metze» hat in einem Brief an Winnen die Zurückgabe des Vertrages sind aller Korrespondenzen verlang!, nachdem die Sache gescheitert war. Ter Zeuge hat uns doch erklärt, daß er in diesem"Vertrage nichts gefunden habe, und es ist daher ausfällig, daß er die Zurück- gäbe aller Papiere verlangte.— Zeuge: Das tann ich Ihnen genau sagen. Die Absage de.' Herrn v. Wingen, sein Verzicht auf das.Abkommen, erschien mir in meinen Augen als ein Betrug mir gegenüber. In diesem Augenblick war Wingen für mich eine ganz andere Per- soulichkeit, und ich wollte für mich diese vertraulichen Schreiben wieder in meinen Besitz bekommen.-- Bert. v. Gordon: Sollic damit nicht zum Ausdruck kommen, daß Sie sich der Finna gegen- über einer unehrlichen Handlung schuldig suhlten?— Zeuge: Der Vertrag war hinter de m R ü ck e n der Finna abgeschtosseu worden, und die Fienna sollte davon nichts erfahren. Ich sagte mir: wenn die Firma es doch erfährt, daß hinter ihrem Rücken von mir gehandelt würde, würde sie unwillig werden, wie das nachher auch der Fall gewesen ist. Weiter meint der Zeuge, daß die ganze Sache von einem Mann ausgegangen sei, der schon von vornherein die Absicht gehabt halle, sein Vertrauen zu miß- brauchen.— Vors.: Das können Sie doch nicht so ohne weiteres sflncn.— Zeuge: Wingen mußte, daß der Vertrag von ihm ner nicht erfüllt zu werden brauchte. Ter Vorsitzende bringt weilcic Stellen aus Schriftstücken des Zeugen zur Verlesung, in dnien er von Tr. Mühlon und der Firma schreibt, daß diese ein st st,• verschlagenes und durchlröbenes Spiel mit ihm getrieben fstpe In einem Brief heißt es:„Ich geriet m utchefchreiblichc "'Kit' und Erbitterung gegen Essen. Da lag mir der Weg nahe, ' Kjntec dem Rücken der Firma schadlos zu hallen, offenttich aller ,ceundlich zu lim. Die Firma lonule mir nur Unaufrichtigkeit vorwerfen, aber mein Verhalten war eine gerechte Bcrgeliung für ihr Verhalte» mir gegenüber." ES werden hierauf noch sehr lange die Beziehungen zwischen v. Metze» und v. Wingen und das Bekanntwerden ihres Vertrages erörtert. Von Interesse ist hierbei, daß das italienische Krieg?- Ministerium mit einem Repriisentante» uuu Krupp nicht zu ver- bttiibcln wünschte, sondern allenfalls nur mit einem Direktor, und selbst das nicht, weil die italienische Regierung eine» Oberst nach Essen geschickt hatte, der die Geschäfte zwischen Krupp und Italien vermitteln sollte. Herr v. Metze» bemerkt dazu, daß dies darauf zurückzuführen fei, daß die italienische Regierung sich ganz richtig sagte, daß die hohen Provisionen eines Vertreters natürlich auf die Preise, die der italienische«jaat zu bezahlen bat, aufge- schlagen worden wären. Dann kommt die Rede aus die Entlassung v. Metzens. Geheimer Finanzrat H u g e n b e r g, der Vorsitzende des Direktoriums, erklärte v. Metze», daß man aus seinein Vertrag mit Wingen die Konsequenz gezogen habe, und diese könnte nur die Entlassung sein. v. Metze» sei daraus außerordentlich bestürzt gewesen, in- dessen sei die Meinung Hilgenbergs nicht von allen Direktoren ge- teilt worden, so von Dr. Muehlon nicht, der ihm noch später bei Rendezvous in Berlin toiederholt erklärt habe, daß zwar momentan nichts zu machen sei, daß sich aber die Sache mit der Zeit schon wieder cinrenten werde. Aus eine Frage des Vorsitzenden erklärt der Zeuge v. Metze»: Bei genauer Abwägung aller Umstände kann ich nicht annehmen, daß das, was mir als Entlaffungsgrund an- gegeben wurde, der einzige und richtige war. Ich bin fest über- zeugt, mich durch verschiedene Briese mißliebig gemacht zu haben, aus denen hervorging, in welcher Weise ich mich zu den Berliner Verhältnisscil stellte. Tarin bestärkt mich auch die Art und Weise, in der ich entlassen wurde, sowohl der dabei beliebte Ton, als auch das Abverlaugeu der Schlüssel. Ich bemerkte dazu, daß sei ja so, als ob einem Offizier der Degen abgenommen wird. Herr Hilgenberg bestätigte das und sagte mir nachher noch: Und- ich rate Ihnen, treten Sie nicht in die Fußstapfen des Herrn voi» Perbandt, der eine Broschüre gegen die Firma geschrieben unl� darin technische und andere Details vorgetragen hatte.— Ter Vorsitzende meint, daß das Abverlangen der Schlüsse! bei plötzlicher Entlassung nichts Ungewöhnliches sei.— Zeuge v. Metze» aber er- klärt, ihm sei ein solcher Fall nicht bekannt gewesen.— Es wird dann ein Schreiben der Firma Krupp an den Batcr v. Metzens, einein Landrat a. D. in Düsseldorf, verlesen, in dem der Vater zugunsten seines Sohnes interveniert hatte. In diesem Schreiben wird ertiäri, daß die Verfehlungen v. Metzens zu schwer gewesen seien, daß man immerhin alle Rücksichten genommen habe, um das Ausscheiden als eine Folge von Krankheit erscheinen zu lassen, daß aber die Bemerkungen, die v. Mctzen senior über die Berliner Verhältnisse in dem Brief an .Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach gemacht halte, auf falsche In- sormationen seines Sohnes schließen ließen, und dann bedauert die Firma, daß v. Mctzen jnn. sich zu solchen Drohungen hinreißen lasse.— Ter Vorsitzende hält dann dem Zeugen v. Metze» ein sehr langes Schreiben an Geheiinrat Hilgenberg vor, das die Ankündi- gung der Zivilklage gegen die Firm« enthält und in sehr ausführ- licher Weise den Rcchtsstaudpuntr v. Metzens darlegt. Er führt darin u. a. ans, daß man gegen ihn das Reglement nicht anwenden könne, nachdem man ihn japrclang gezivungcn habe, sich selbst gegen das Reglement zn vergehen, und itm gelehrt habe, daß man die eigenen Interessen über das Recht stellen solle. Er schreibt dann, daß er die Nichtbeantwvrtung früherer Ausführungen auf den Mangel an Zeit in Essen zurückführe, er sei aber heute»och bereit, eine Einigung in Güte, falls sie von Essen gewünscht werde, ein- zugehen, wemi die Gewähr geboten werde, daß der ganze Zweck seines Prozesses, nämlich die Aufhebung der chrcntränlcndrn und finanziell schädigend wirkenden Bedingungen erreicht werde. Hierin erblickt der Pursitzende die Ankündigung v. Metzens an die Firma, daß er'bei Befriedigung seiner sinanziellen Ansprüche nicht gegen sie vorgehen und die Brandt- A f s ä r e nicht zur Sprache bringen würde.— Ter Zeuge erklärt jedoch, daß cr in erster Linie doch die Aufhebung der chrenkräntendeu Bedingun- gen verlange und daß es ihm natürlich lieber sei, das von ihm an- gestiebte Ziel ohne Prozeß zu erreichen.— Dann hält der Poe- sitzende dem Zeugen noch einen Brief v. Metzens an seinen Vater vor, der ebenfalls von dem bevorstehenden Prozeß spricht lind ankündigt. daß v. Metze» sich a» den Direktor v. Simson wenden werde, da der Firuia die Rücksicht auf ihr Renommee, um das es iich bei dem Prozeß handele, sehr viel wert sei und einig« Tausender dabei keine Rolle spielten; es handele sich darum, einen A»wall zu finden, der sich nicht scheue, den Berliner Skandal zugunsten de? BriefschreiberS zu verwerten. Hierzn erklärt der selige, daß dieser Brief nur zu verstehen sei. wenn man auch den Brief seines Vaters, aus den er die Antwort darstellt, kenne. Leider sei dieser Brief nicht bei den Akten.— Verl. Jnstizrat v. Gordon: Als Sie aus der Untersuchungshaft entlassen waren» haben Sie sich noch einmal an Herrn p. Simson gewendet. Weswegen?— Zeuge: Nachdem die Anzeige des Abg. Dr. Liebknecht erfolgt war, habe ich mir gedacht, saß eine genicinsninc Verteidigniig aller der- je 11 igen, welche durch diese Anzeige Dr. Liebknechts bloßgestellt wurden oder bloßgestellt werden sollten, das einzig Richtige märe. Ich habe also versucht, an die Firma heranzugehen rmd ihr begreiflich zu machen. Daß ich bei dieser ganze» Sache ans ihrer Seite stände. DaS war der Grund, der mich zu Herrn v. Simson geführt hat Diese Aussage kann mich vielleicht belasten, es lau» dabei vielleicht auch etwas für mich absalleu, aber ich muß so sagen. Damit ist die Besprechung der beschlagnahmten oder von Metze» ausgelieferten Korrespondenz beendet. Ter Zeuge vi Mctzen gibt dann weiter an. daß er eines Tages im Bureau Dr. Muehlon im Gespräch mit Brandt getroffen habe. Brandt schien sehr auf- geregt zu sein u»o entfernte sich. Dr. Muehlon habe ihm gesagt, daß er auf Grund der Anregung des Zeugen in seinem Brief die KornwiUzrrangelegenheit nochmals in Essen zur Sprache gebracht habe. Tie Herren des Direktoriums hätten sämtlich erklärt» daß s i e auf�die Kornwalzer keinen Wert legten. Dann hätte aber Herr v. Dewitz einen Vortrag gehatten und nachgewiesen, worin der Wert der Koruwalzer bestehe, und daraus hätten die Herren beschlossen, daß die Sache weiter gemacht werden müsse., Ich sagte ihm, B>landt ivolle von der Sacbe loskommen. Herr� Muehlon erwiderte darauf: Ich teile Ihre Ansicht, daß Brandt nur höhere Beträge herausschlagen will; Sie werden aber sehen, wenn ich ihn vor die Frage stelle, ob er es weiter machen lvolle. daß er es tun wird. Ich hatte Brandt gesagt, er brauche die Sache doch nur abzulehnen, und ich wcir wie vom Tonner gerührt, als Brandt erklärte, ich will für 3500 M. die Sache weitermachen. Vorher hatte er noch einen Augriss.auf mich gemacht, indem er sagte: Ich habe den Eindruck, Herr v. Metze» will mich los werden. Das sagte er in meiner Gegenwart. An- geklagter Brandt bestätigt das. Er habe diesen Eindruck gehabt.— Vors.: Haben Sie denn nun nicht bei dieser Gelegenheit energisch die Abschaffung der Kornwalzer verlangt?— Zeuge: Nein. Dr. Muehlon halle mir ja schon vorher den Beschluß des Direktoriums mitgeteilt.— Verl. Rechtsanwalt v. Gordon: Sie sollen in 'Schlachtensee zu Brandt von einer Komödie gesprochen haben.— Zeuge: Ob ich das Wort Komödie gebraucht habe, lveiß ich nicht. Aver eS lvar dock» eine abgekartete Sache, daß Muehlon Brandt vor diese Frage stellte.— Vors.: Ich komme nun nochmals auf die Kornlvalzer zu sprechen. Als Sic aus Italien zurückkamen, wurden Ihnen Durchschlüge von wornwalzerii durch Brandt vorgelegt. Wieviele waren das?— Zeuge: Es können wohl etwa KX) gewesen sein.— Vors.: Was haben sie damit gemacht?— Zeuge: Ich habe sie in meinen Schreibtisch eingeschlossen und am folgenden Tage angefangen, durchzusehen, und zwar die jüngsten zuerst, da diese mich besondclS iuteressierteu. Nachscm ich einc» Teil gelesen hatte, legre ick die gelesenen in den Schreibtisch zurück, und den Rest nahm ich nach Hause.— Vors.: Wieviele waren es?— Zeuge: DaS wußte ich damals nickst, erst aus der Untersuchung hörte ich. daß eS 17 waren. Später habe ich keine Koruwalzer mehr mit nach Hquse geiwmmen. Ich lvar Anfang August nach Essen gereist, von dort nach Köln und nnterwcgs fiel mir ein, daß die Kormvalzer nicht gut verwahrt waren, denn sie lagen in der Schublade des Schreibtisches, und man konnte leick'l den Teckel des Schreibtisches abheben. Als ich zurückkam, lvar daher mein erstes, diese Koruwalzer in den Geheimschrank zurückzulegen. Brandt lvar damals in Urlaub, jedenfalls muß er aber später die Kpru- ivalzer im Geheimschrank gesunden fyxbeii. Ich hatte sie an eine besondere Stelle gelegt, und zu diesem Geheimschrank hatten nur Brandt und ich jeder einen Schlüssel. Als dann der Streit mit der Firma Krupp kam, erinnerte ich mich der Korn- Walzer in der Korrespondenz mit der Firma, die ich nach Hause genommen halte und hielt sie zurück.— Vors.: Eigentlich gehörten die Konuvalzer aber der Firma?— Zeug«: Tie Kormvalzer waren für meine Selbstverteidigung i-in Prozeß von ausschlaggebender Bedeutung.— Vors.: Ein Teil der Kornwalzer ist nun an Rechts- anwalt Dr. Liebknecht gelangt.— Zeuge: Ten Kornwalzern. die an Liebknecht gelangt sind, stehe ich ganz fern.— Vors.: Ist es nicht möglich, daß ein Teil der Kormvalzer von Ihnen an einen anderen gegeben worden ist?— Zeuge: Rein.— Oberstaatsanwalt: Wir haben in der Voruntersuchung absichtlich nicht aufgeklärt, wo die Kormvalzer geblieben sind und daS auf sich beruhen lassen. weil ivir nicht den Anschein per Gehässigkeit gegen Herrn v. Metze» erwecken wollten. Schlkeßlich ist es ja auch für diesen Straf- prozeß gleichgültig, wer die Koruwalzer an L i e d k n e ch t gegeben hat. Wir haben in dieser Sack?« ober einen eukinenten Prüfstein für die Glalibwürdigkeit des Zeugen V. Metze» in der Hand, wenn wir feststellen, daß er nicht mehr Kormvalzer gehabt, als er dem Landrichter Wetzet übergeben hat. — Zeuge: Ich habe nicht mebr Kornwalzer seit meinem Aus- scheiden aus der Firma besessen.— Pert. Dr. v. Gordon: Ans welchem Grunde sind diese 17 oder 18 Kornwalzer nicht bon Ihnen in der gleichen Weise in den Geheimschrank gelegt worden?— Zeuge: Ich lvar mit der Lektüre des gesamten Materials nickit fertig geworden.— Bert. Dr. v. Gordon: Sie erklären also auch als Zeuge unter Ihrem Eid, saß Sie keine Ahnung haben, wie die Saehc zugegangen ist mit den an Dr. Liebknecht gelangten Korn- ivalzcrn?— Zeuge: Ich habe da nur eine Vermutung. Di« Sackis ist für mich so wichtig, oaß ick) mir auch darüber Gedanken gemacht !>abe. Ich weiß, daß die Kormvalzer, die Liebknecht bekommen st't und die mir Landrichter Wetzet gezeigt hat. auch unter den Korn» ivalzern waren, die ich im Bureau gelesen habe.— Ein Beisitzer 7 Haben Sie nicht oie Vermutung gehabt, daß eine , Bummelei Brandts vorgekomiiicii sei, indem er das Paket im Bureau liegen gelassen hat?— Zeuge: Ja, deshalb möchie ich von Herr» Brandt wissen, wie das mit den Schlüsseln zum Geheimschrank gewesen ist. Ich habe die Koruwalzer auf ein Pack Schriften gelegt. Er muh sie da gefuiidc» habe».— Ter Anklagte Brandl ertlärt, daß er nie ein solches Paket gefunden habe; die Schlüssel hätte er immer bei sich getragen.— Ter Jengc erklärt, daß Brandt nach seiner Ent» lassung zweimal oei ihm in Schlachtensee gewesen wäre. Das crsir- mal sei Brandl noch völlig ohne Kenntnis der inzwischen vor- gefallenen Tinge gewesen, und erst v. Metze» habe ihn informiert, Saß er mit der Finna in Tiffercnzeii gekommen sei, daß die K r a n k in e I d u n g nur eine Bemäntelung der Ent- lassung sei und daß es zum Prozeß mit der Firma komme»! lverde. Bei einem zweiten Besuch sagte v. Metze» dem Brandt, daß bei diesem Prozeß gegen die Firma die Konuvalzeraugelegeu- Veit vielleicht eine Rolle spielen werde. Er, v. Metze», würde sich also sichern, und Brandt möge sich auch sichern. Brandt sagte darauf: Ich Imbe mich gesichert? ich habe die K.oriNoalzer, die ich im Austrage des Hern, Treger vernichten sollte, mit nach Hause genommen, sie aber nicht vernichtet, sondern aufbewahrt.— Angeklagter Brandt: Das ist entschieden unrichtig.— Auf Fragen des Verteidigers Dr. v. Gordon erklärt der Zeuge nochmals, daß cr niemals init August Thysseu über die Kornwalzer gesprochen habe.— Oberstaatsanwalt: Die Unterredung mit Thyssen war am 4. oder 5. November l81L. Am 8. November schrieb Dr. Lieb» knecht an den Kriegsminister. Dadurch wird der in der Presse vielfach besprochene Verdacht bekräftigt, daß da? Material van Ihne» an Thyssen und von diesem mittelbar an Liebknecht gelangt sei. Es ist doch ein sehr anffülliges zeitliches Zusammentreffen. Zeuge: Ich bitte nun selbst darum, daß Herr Thyssen als Zeuge vernommen lverde, damit er rnilcr seinem Eide aussage, worüber «vir miteinandee gesprochen haben. ES wird sich dann ergeben» daß ich mit ihm niemals über die Kornwalzcr gesprochen habe.— Oberstaatsanwalt: In der Presse wurde behauptet, Thyssen habe sich mit den Kurnlvalzcrn zunächst an Herrn Erzbcrger gewandt. Dieser habe die Sache nicht vorbringen wollen und habe sie dann an Dr. Liebknecht weitergegeben.— Ter Zeuge v. Metze» meint hicranf. daß der Abg. Erzbcrger darüber als Zeuge vernommen werde» sollte. Er. der Zeuge, habe keine Ahnung, woher Dr. Lieb» knecht das Material bekommen habe.— Verteidiger v. Gordon: Die Verteidigung und der Angeklagte Eccius teilen den Verdacht, daß Herr X h Y s s e n die Koruwalzer weitergegeben hat, ab- s 0 l u't nicht, ivohl aber soll jich der Zeuge v. Metze, zu Herrn Thyssen in der gehässigsten Weise über Mnipp und verschiedene Beamte der Finna, auch über Herrn Ecrius, ausgelassen haben, in einer ganz unbegreislickreii Weise, so daß Herr Thyssen ihn mehrmals unterbrechen mußte, da cr nichts davon wissen wollte.— Vors.: Nun,» daß hierbei eine absprechende Bemerkung über die Firma gefallen ßl, das liegt ja in der Natur der Sache.— Angckl. Eccius:.Hat der Zeuge mit anderen Personen, als mit seinem Vater und mit seinem Rechtsanwalt über die Kormvalzer gc- sprachen?— Zeuge: Ja, mit einer ganzen Reihe von Personen» denn die Kornwalzerangelegenheit ist ja seit Monaten so populär, daß mau von jedem, den man kennt und der einen trifft, daraufhin angesprochen wird.— Angetl. Eecius: Wurde ein solches Gespräch vor der Anzeige des Abg. Licbtnecht geführt?— Zeuge: Vor diesem Termin habe ich nur mit außerordentlich wenigen Personen über diese Anzeige gesprochen.— Angell. Eccius: Mit welchen Personen?— Zeuge: Jedenfalls nicht mit den Rechtsanwälten. denn diese lvare» zn dieser Zeit noch nicht damit befaßt. Tcrß ich mit meiner Frau darüber gesprochen I>abc, ist wobt begreiflich— nach einigem Besinnen: Ich habe aucki mit Herrn D reg er d-rr- über gesprochen.— Angckl. Eccius: Ich meine Personen außer- oalv der Firma?— Der Zeuge stockt und sucht sich offenbar auf weitere Personen zu desinnen, und da er keine loeitcren Namen nennt, fragt der Vorsitzende den Angell. Eccius: Kennen Sie eine Person?— Angetl. Eccius: Ich möchte erst, daß sich der Zeuge darüber äußert.— Zeuge: Es fällt mir momentan niemand weiter ein.— Vors.: Angekl. Eccius, wen tonnen'sie also als solche Person bezeichnen?— Angekl. Crcciuö; Ich habe keinen Anhaltspunkt dafür, daß Herr V. Motzen sonst nocki mit jemand darüber gesprochen hat. > Allgemeines Erstaunen.) Ich wollte nur weitere Aufklärung darüber schaffen, von ivcm Dr. Liedknechi das Material erhalten hqben könnte. 1 Heiterkeit.)— Vors.: Ich dachte, Sie wüßten be- stimmte Persönlichkeiten?— Angekl. EcciuS: Ich möchte nur noch danach fragen, ob der Zeuge vielleicht mit dem Dr. Blum, dem Vertreter der Rheinischen Metallwarenfabrik, mit dem er nach seiner Entlassung viel verkehrt hat, darüber gesprochen bat.— Zeuge: Icki bin zweimal mit Dr. Blum zusammengewesen, bade aber ntemnls mit ihm über die Kormvalzer gesprochen.— Ober- staatsanwalt: Dr. Blum ist tot.— Angekl. Eccius: Hat der Zeuge vielleicht mit dem Herrn v. Perbandt� über die Kornlvalzer ge Kormvalzer gesprochen?— Zeuge: Daß ich mit Herrn v. Perbas in Verbindung stand, ist gerichtsnotorisch. 7Vors.: Sehr richtigt) ilbcr über die Kornwalzer habe ich niemals mit ihm gesprochen. Ich bitte, eventuell Herrn v. Perbandt als Zeugen darüber zu ver- nehmen.— Bert. Tr. v. Gordon: Ich stelle keinen Antrag.— Tas Gericht beschließt daraufhin, die Zeugen Haux, Grünivald und Klopfer bis einschließlich Montag zu beurlauben, ebenso die Zeugen Direktor Muths und Landrot a. D. Rvtger.— Tie Verhandlung wird dann auf morgen, Sonnabend, früh vertagt. FreireligiSse Meineiuve. Sonnlag. den 2. Aovembcr. vormittags 9 Uhr. Pappclalles to tl, Neukölln...Jdealpasfage" und Ägel, Bahnhoistrage: freireligiöse Vorlesung. Vormittags tt Uhr, Kleine Franksurtcr Str.«l: Vortrag von Herr» St. Fischer:.Was wissen wir von der Seele." Damen und Herren als Gaste willkommen. Marktpreiie von Berlin am litt. Dktobcr l!)lZ, nach Trmiltelungen des kgl. Polizeivrändiums. Mais(mired), gute Sorte 16,■'>0—16,90, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00— 00,00. Mais< runder), gute Sorte 14,40—14,00. Markthallenpreise. llX> Kilogr. Erbjen, gelbe,»um stachen S0,00--ö0,00. Speisebobnen, weihe 8Z, 00— 00,00. Linsen 33,00— 70,00. 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November 191B: kz\M- Versammlungen für die gdamte Verwaltungsitdle Berlin in folgende» Lokalen: Ußrilöül Pbarnssillc, MÄllerstr. 113, abends S'/j Uhr. ' ä,"*f.ner,i«chwedter Straße 33, abends Horden: Prankcs Festsäle, Badstr. 19, abends S'/j Uhr. Moabit I Praedtsäl« Nordwest, Wiclesstr. 34, abends S1/, Uhr. Cbariolleüburg: voltnhan», Rofinenstr. 3, abends 8'/, Uhr. �l egei: lkmilers Itestanrant, Berliner Str.84, abends 0 Uhr. Westen unß Stkiieben: Osten: Comcnlnssäle, Alemeler Sir. 07, abends 8'/, Uhr. i inlilanhapn• llcstaurnnt Knrkoivskl, Pfarrstraste 74, LitiUClluriy. abends 8'/, Uhr. 8lra!au- kummeizburg: W � Vortrag über: Tie BolkSsürsorge. Ncscrcnt: Genosse tterwann UüIIor. bkkOiilaiiona- Perikert» Itestanrant, Berliner illllee 321, 12 rllielldvv. abends H'-l, Uhr. Südeabezirke: aSärÄaftsha,,''®,'8cluferl5(SQttU)' ll�UkÖüa'>5clls Festsälc, Hermannstr. 18/49. abends 81/» Uhr. Steglitz: Albrechtshof, Albrechtstr. la, abends S1/, Uhr. Köpenick u. Frietlriciishagen: StiÄÄ1"4- ochöncvliitbcc Str. 5, abends S1/, Uhr. Oberschöneweide, Kiedersehöneweide, Jobauuis- fha! II ülfkl' Wllhelmlnenhol, Wilhelmineuhofstraste, lilfll U« ililiy.. abends S'/j Uhr. Spandau: Hestnurant Dcrtx, Kurftr. 31, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zur Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünktliches und zahlreiches Erscheinen ivird erwartet. 123/18 IM« OrtsTCrrvallnnjc. © rtiTTent GEORG>1. JAS/AA.TZI A.G. DR-EÖDEET Gross te deutsche Cig-gre ffen f«„/ m Deutschland Jeder Arbeiter, jcderr>andwcrker follte zur Hrbeit die Lederhose tragen. Unerreichte s Leistungsfähigkeit. AHein-Verkauf. Starkes.sogonanntes englisch I.cder, grau od. braun gestreift od. einfarbig. Am Bund aus einem Stück, Feste Kappnähte. Taschen aus schwerem Pilot. Gr. Flicken umsonst. Preis für normale Mannes- ISO gröuo........" JünglingsgrüCeu entspr. billiger. Manchester� Anzüge Marke Garabrinus. 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In diesem stellte der Angeklagte„im öffentlichen Interesse den Antrag, gegen den Herrn Kricgsrat Zelle ein Diszi- plinarverfahren einzuleiten, um zu ermitteln, inwieweit er und feine Freunde beteiligt waren an den unlauteren Geldvcrdienstcn, die der Konimissar des kgl. Kriegsministeriums, Amtsvorsteher Richter in Zperenbcrg, für sich und seine Freunde beim Terrain- crwerb für den Zossener Schießplali auf die Seite gebracht hat." „Als Angehöriger einer alten'hochgestellten preußischen Beamten- 'amilie habe ich," heißt es weiter in dem Brief,„den Wunsch, daß diese Sache geklärt wird, ehe die Sozialdemokratie eingreift." Wegen dieses Briefes hat der Kriegsminister Strafantrag wegen Beleidigung des Geheimrats Solle gestellt Vor Gericht hob der Angeklagte folgendes hervor: Er führe seit 30 Jahren einen Kampf gegen das Grundstücksspekulantentum und habe in diesem Kampfe im Laufe der Jahre von seinem Ver- mögen nachweislich 40 000 M. geopfert. Er selbst habe dem früheren Oberbürgermeister, späteren Minister Miguel Anregungen über eine Wertzilwachsstcuer gegeben, die dieser auch befolgt habe. Da er selbst aus einer alten preußischen Beamtenfaniilie stamme, habe er es für seine Pflicht gehalten, dagegen Front zu machen, daß sich in das deutsche Beamtentum Tendenzen einschleichen, welche man gelinde gesagt, als„Amerikanismus" bezeichnen könne. Jeder Journalist werde ihm bestätigen, daß bisher seine Artikel stets der- artig scharf gewesen seien, daß er, wenn er nicht in vollem Recht gewesen wäre, auf Jahre nach Tegel in„Sommerfrische" hätte gehen müssen. Lange Zeit habe er den Kampf gegen die sogenannten .Baberlänoer geführt. Er habe, um hinter die Schliche dieser Gruppe T?�aiuspek»lanten zu kommen, selbst ein Haus von den Haberländr�n gekaust und 20 000 M. reingesteckt. Der Staatsaulvalt habe das Geschäftsgebaren der Haberländer für Betrug erklärt, das Gericht sei jedoch auf die Taxe eines interessierten Sachvcr- ständigen hin, gegen den jetzt ein Meineidsvcrfahrcn schwebe, zu einer Freisprechung gekommen. Er habe das Treiben jener Spekulanten, die Berlins letzte Freifläche, das Tcmpelhofcr Feld, den Berlinern weggeschnappt hatten, um Millionen damit zu verdienen, dabei- sehr gut kennen gelernt. In unmittelbarem Zusammenhange hiermit stehe die Affaire des Zostcncr Truppcniibungsplahcs. Er habe sich auf das eingehendste mit dem Fall des Pfarrers Stier beschäftigt und�dabei gefunden, daß Stier recht hatte. Sein Bcr- such, über die Schiebungen endlich einmal ein objektives Urteil her- beizuführen, sei ihm leider nicht gelungen. Der Amtsvorstehcr und Kommissionsrat Schmidt in Spercnbcrg habe sogar, ohne zu klagen, den öffentlich erhobenen JEorwnrf der Untreue auf sich sitzen lassen. Er babe dann, um ein Strafverfahren herbeizuführen, in welchem endlich Klarheit geschaffen werden konnte, verschiedene höhere Beamte scharf angegriffen und dann gegen sich selbst Strafantrag gestellt. Der Oberstaatsanwalt Preuß habe ihm dann, nachdem er, Sebald, dem Ministerialdivektor Dr. Freund den Vorwurf des Amtsmißbrauchs gemacht habe, mitgeteilt, daß er ein Strafver- fabven gegen ihn nicht einleiten könne, da ein Strafantrag nicht gestellt sei. Auch der Kriegsminister von Heeringen sei nicht gegen ihn eingeschritten. Als dann der neue Kriegsminister von Falken- Hahn sein Amt antrat, habe er sich an ihn gewandt, da diesen! der ?inf eines besonders schneidigen Beamten vorausging. Er habe uickt die Absicht gehabt zu beleidigen, sondern wollte nur feststellen lassen, in welcher Weise Beamte des Kriegsministcriums beteiligt seien. Er habe nur einen Herrn herausgegriffen, von dem er wußte, daß Strafautrag gestellt werden würde. Es habe ihm ferngelegen, dem Gehcinirat Solle den Vorwurf zu machen, daß er an den im- lauteren Spekulationsgewinnen direkt beteiligt sei. Er wollte eine Klärung der Sache in dem Wege eines geheimen Disziplinarver- fahrcns herbeiführen, ehe sich wieder, wie bei der 5trupp-Affäre, die Sozialdemokratie des fetten Bissens bemächtigt habe. Ter AbtcilungSchef im Kriegsministkrium Wirkt. Geh. Kriegs- rat Selle geht als Zeuge auf die einzelnen Erörterungen in dem Armoeverwaltungs-Dcpartement des Kriegsministeriums über die Schaffung eines neuen Truppenübungsplatzes ein und kommt dabei ausführlich auf den Verkauf des Tempelhofer Feldes'/U sprechen. Der Major Graf von Reventlow vom Generalkommando sei dann, nachdem verschiedene andere Pläne verworfen seien, im März 1907 mit Ausarbeitung eines Berichts über geeignete Plätze au der Militärbahn Berlin— Zossen für das Kriegsininisterium beauftragt worden. Sodann sei der Kommissionsrat Richter in Spercnbcrg unter Verpflichtung zu strengster Verschwiegenheit zu der Sache zu- gezogen worden. Der von dem Angeklagten erhobene Vorwurf, daß durch Indiskretionen eines Beamten oder Beauftragten deS Kriegsministeriums eine Grundstücksspekulation ermöglicht worden sei, sei ein reines Phantasirgebildc, für welches Sebald keinerlei Grundlagen haben könne. Auf eine Frage des Vorsitzenden, ob schon im Jahre 1904 das Kriegsministerium geplant habe, in Zossen einen Truppenübungsplatz zu schaffen, da schon zu jener Zeit dort die Tcrrainspckulation eingesetzt habe, erklärt der Zeuge, daß dies nicht der Fall sei. 1899 sei allerdings der Plan aufgetaucht, das später nach Hanau versetzte Eisenbahnregiment nach dort zu ver- legen, das sei aber wieder aufgegeben worden. Vors.: Von wem ist denn nun Terrain gekauft, von den Bauern oder von Zwischenhändlern? Zeuge: Nur von den Bauern direkt, mit einer einzigen Ausnahme, da ein Zwischenhändler namens Knappe verstanden hatte, sich einzuschleichen. Nach seiner Mei- nung sei von allen Stellen das Dienstgeheimnis voll gewahrt worden, niemand habe vor 1907 etwas von der beabsichtigten Er- Werbung des Geländes bei Zossen wissen können. Auf eine Frage, ob, wenn nicht beim Kriegsministerium, so doch vielleicht beini Ge- neralkomniando des Gardekorvs-schon seit langem bekannt gewesen sei, daß bei Zossen ein Truppenübungsplatz eingerichtet werden sollte und hier vielleicht Indiskretionen begangen sein könnten, er- klärte der Zeuge, daß er dies für ausgeschlossen halte schon ans dem Grunde, weil bei dem Generalkommando stets die Absicht bc- stand, bei Döberitz einen Uebungsplatz zu schaffen. Der General von Lochow habe ivenigstens bis in die letzte Zeit hinein diesen Gedanken propagiert. Auf eine Anregung des Vorsitzenden, ob der Angeklagte nach den vorliegenden Bekundungen des Zeugen diesem nicht bestimmte Erklärungen abgeben wolle, erklärt der Angeklagte Sebald, daß er ja eine dritte Möglichkeit offen gelassen habe, nämlich die, daß Geheimrat Selle durch dritte Personen, die auch über ihm stehen können, irregeführt worden sei. Die Verteidigung stellt eingehend unter Beweis, daß bereits 1WL die Absicht der Erwerbung des llcbnngSviatzes bekannt gewesen sei und daß daraufhin unlautere Grundstücksspekulationen in größtem Maßstabe eingesetzt haben. So sei im Jahre 1900 eine Kiesgrube für 00 000 M. von einem Herrn Boupel gekauft, im Jahre 1907 an den Fiskus für 190 000 Mark verkauft. Das(tzeriäit beschloß trotz Widerspruchs des Staatsanwalts, die Verhandlung auf heute 9 Uhr zu vertagen und die Ladung folgender Personen anzuordnen: Generalmajor von Locbell, Senatspräsidcnt Queck, Bürgermeister Dr. Wirth, Pastor Stier, Prof. Heutig, Kommissionsrar Züchter. kommunale Vahlbewegung. 34. Kommunalwahlbezirk. Im Swin-emünder Gescllschastshaus verstand eS Genosse Karl Hetzschold, durch feine wuchtigen Ausführungen die Anwesenden zu fesseln. In klarer IVbstiindiger Rede gab er ein Bild grund- sätzlicher sozialdemokratischer Kommnnalarbcit. Mit guter Sach- kenntnis geißelte Redner das Verhalten unserer Kommunal-„Fort- schrittler", die jeden Fortschritt verneinen. Einem Schmöhfiugblatt der Freisinnigen, das sich in üblicher Weise gegen die Sozialdemo- kralle erging, hielt er die objektiven Urteile des Bürgermeister Fuß- Kiel und des Oberbürgermeister A d i ck e s- Frankfurt gegen- über. Beide sprechen sich nämlich in sehr günstiger Weise über die Arbeit sozialdemkaftscher Gemeindevertreter aus. Im weiteren Verlauf seines mit großem Beifall aufgenommenen Referates untersucht Redner mit scharfer Kritik die einzelnen Gebiete kominu- nalen Schaffeiis, um dann die Wurzel all dieser Hebel—„das preußische Dreiklasscnwahlrecht"— bloßzulegen. Solange wir nicht diesen Wall der Reaktion geschleift babcn, solange wird auch kein freiheitlicher Hauch in der Gemeindepolitik wehen. In der Diskussion gaben dann noch einige Genossen ihrer Ent- rüstung über die heutige Zusammensetzung des Roten Hauses Aus- druck, die es ermöglicht, daß für die Aermsten der Annen fast nichts, für die privatkapitalistischen Unternehmer aber fast alle? getan wird. Sodann nominierte die Versammlung den Genossen Hetzschold emstimmig zum Kandidaten des 34. Bezirks. Versammlungen. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher. In der am Donncrslag abgehaltenen, ungewöhnlich stark besuchten General- dersammluiig der Filiale Berlin erstattete M i e tz den Vorstands- berickrt für 1912, der wegen der Tarifbeweguag bis jetzt zurückgestellt worden ist. Nachdem der Redner einen U eberblick über die abgehaltciieii Bersammlungen und Sitzungen sowie über zwei Bau- kontrollen gegeben hatte, führte er aus: Da die Organisation ia vielen industriellen Betrieben Fuß gefaßt hat, ist sie öfter an Streits anderer Berufe beteiligt. So haben an 10 Streiks in der Eisenindustrie 74 VerbandSiuitglieder teilgenommen. Ferner führten die Lackierer der Karosseriebetriebe einen Streik, der acht Wochen dauerte. 157 Kollegen waren daran beteiligt. Gleichzeitig hatten auch die Lackierer bei den Kleinmeistern Forderungen ge- stellt. Daraus entstand ein sechs Wochen währender Streik, an dem 127 Kollegen beteiligt Ivaren. Die meisten Streiks hatten Erfolg und brachten wesentliche Verbesserungen für die Beteiligten. Eine Lohnbewegung ohne Streik wurde in Wriezen a. O. geführt. Sie endete mit dein Abschluß eines Tarifs, der Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit brachte. In einer Eisenmöbelfabrik in Neukölln wurde für die dort beschäftigten Mitglieder ein Tarif abgeschlossen.— Auf dam?lrbeitsnach!vcis wurden 13 003 Arbeit- suchende eingeschriebeu, 13 270 Stellen wurden gemeldet und L017 besetzt. Außerdem wurden 934 auswärtige Stellen besetzt. Nach einer kurzen, unwesentlichen Diskussion über den Ge- schäftsbericht schritt die Versammlung zur statutenmäßigen Neu- wähl des Filialvorstandes. Der erste Vorsitzende Mietz ist vom Hauptvorstand mit Kündigung angestellt und unterliegt deshalb nicht der Wahl. Zu wählen sind nur die übrigen Vorstands- Mitglieder. Bevor es zur Wahl selbst kam, wurde ein Antrag ein- gebracht, welcher den Hauptvorstano ersucht, Mietz zu kündigen, weil dieser das Vertrauen der Mitglieder nicht besitze. Die Redner, welche diesen Antrag befürworteten, ergingen sich in allgemeinen Aeußernngen des Unwillens gegen Mietz, aber keiner.sagte, durch welche Tatsachen dieser Unwille begründet ist. Man'warf Mietz vor, daß er auf der Seite des Hauptvorstandes stcbc. Inwiefern das ein Vorwurf sein kann, wurde ebenfalls nicht gesagt. An» scheinend ist die Unzufriedenheit mit Mietz darauf zurückziisührcn. daß er in der Lohnbetvegung den Standpunkt des Hauptvorstaudes vertreten hat.— Mietz, der sich gegen diese VoNvürfe verteidigte, betonte, er Ijabe als Vorsitzender der Filiale stets seine Pflicht getan und in der Lohnbewegung streng nach dem Statut gehanoett. — Schließlich wurde der Antrag, der ein Mißtrauensvotum gegen Mietz ausdrückt, mit 308 gegen 230 Stimmen angenommen.— Gegen den ziveiten Vorsitzenden K l o tz wurden ebenfalls Vorwürfe allgemeiner Natur erhoben. Besonders wurde seine Tätigkeit als Arbeitsvermittler getaoelt. Bei der Wahl des zweiten Vorsitzenden erhielt Beil 310 Stimmen, während für Klotz 203 abgegeben wurden nnd 21 Stimmen ungültig waren. Die übrigen Wahlen sowie die sonstigen Punkte der Tages- ordnung wurden wegen der vorgerückten Zeit vertagt. WitterungSüdersicht vom 31. Oktober 1913. Wetterprognose für Sonnabelid, den 1.'November 1913. Zunächst zeitweise heiter, am Tage sehr mild bei mäßigen, südlichen Winden; später wieder zuiichmeiide Bewölkung ohne erhebliche Niederschlüge. Berliner W e t I e r b Ii r c a u. TentrsZe: Berlin C. 19, Jcrufalemcr Siraije 32-35 Potsdamer Siratze Nr. 2 Könft»- Sfrafjc Nr. 25-26 Chaussee-Stratze 114-115 Taucnfzicn-Stratzc 19 a Rosenfhalcr Strohe 5 SchSnebg., Haupt-Str. 146 Tauenizien- Siratze 7b Oranien- Stratze Nr. 161 Neukölln, Der{>-Strafje2S Friedrich- Stratze Nr. 75 Gr. 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Abraham beantragte Ueberweisung der Vor- läge an eine genrischte Kommission, welchem Borschlage sich Stadtv. Dr. Für st fSoz.) anschloß. Beide Redner wünschten, daß von der Stadt für die Versicherungspflichtigen der volle Beitrag über- nommen werde; letzterer machte außerdem auch Bedenken geltend gegen das Bestreben, soweit wie möglich die Befreiung von der Ver- sicherungspflicht durchzuführen. Die Einsetzung der Kommission wurde beschlossen und in dieselbe u. a. auch' die Genoffen Conrad, Dr. Fürst, Pätzcl und Stieler gewählt. Die Versammlung trat darauf in eine nicht-öffentliche Sitzung ein, in welcher u. a. ein Vertragsentwurf einstimmig gutgeheißen wurde, welcher zwischen dem Provinzialverband Brandenburg und der Stadtgemeinde Neukölln abgeschlossen werden soll und die Er- richtung einer Provinzial-Hebammenlehranstalt in Neukölln zum Gegenstand hat. Die Stadtgemeinde über- nimmt die Verpflichtung, zur Errichtung der Anstalt den not- wendigen Grund und Boden unentgeltlich herzugeben. In Aussicht genommen ist ein Terrain von 13lh Morgen am Mariendorfer Weg, das einen Wert von 486(KX) M. repräsentiert. . Dörnen- Mäntel- Fabrik.. Paul Lindl Neukölln, Reuterstraße 63 FHedn�str"«« Moderne Herbst- Kostüme 1 Ulster und Röcke| Moderne Schwarze Fracks] in Tudiu Foule Moderne Röcke] in Schwarz u.Grau gestreift| \ Durch Ersparnis] | der teuren Laden-\ I miete sind die] Preise Legen Sie Wert auf Reelle DamenKonfeKtion? Meine Fabrikate sitzen ohne Aenderung und sind sauber gearbeitet| 5 llßCTO TÖGTl t" j MASS-ANFERTIGUNG I lichbilli3! j reitseiiwaM- ul Yelotir dm Nf©r di-M tot el kein Samxnet 120 cm lang 39*— Mark »WWW Sonntags von 12-2 Uhr geöffnet lftnsik'3nstrumente kanft man billig und gut In* Adolf Aeetz's Husik-Kaus Spandau, fiavelstraße 21. Arminius-Hailen Bromer StraDo 718/73. Telephon Moabit 186. 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