Dr.S88. BboinKtnaß eine plötzliche Lostrennung nur zu einem allgemeinen Drunter und Drüber führte. 3luf jeden Fall aber ist die Propaganda für die Loslösung des Reichslandes von Deutschland eine genau so aussichtsreiche Aktion wie der Antrag auf Einführung des Zukunftsstaates, und selbst Hcrvs wird zugeben, daß diese Propaganda nur mit dem Ausblick auf unmittelbaren Erfolg Zweck und Nutzen hat. Von seinen Vorschlägen zur Lösung der elsaß-lothringischen Frage ist am annehmbarsten jener, der sich auf die Schaffung einer clsaß- lothringischen Republik innerhalb des deutschen Staatenbundes erstreckt. Aber darauf arbeitet die deutsche Sozialdeniokratie seit langem hin! Wie sie sich immer für das größte Maß von Selbstverwaltung für Elsaß-Lothringen eingesetzt hat, so ist sie auch bei der Vor- bereitung der elsaß-lothringischen Verfassung vor zwei Jahren mit allem Nachdruck dafür eingetreten, daß diese Verfassung republikanischen Charakter erhalte und ivird diese Forderung immer wieder und immer käuter erheben. Aber eine elsaß- lothringische Republik außerhalb des deutschen Staatenbiindcs, auch außerhalb der französischen Republik, wie sie H er v s als zweite Lösung seiner Frage vorschwebt, ist ein Ding, für das man sich nur mit Mühe erwärmen kann. In dem Zeit- alter riesenhaft gesteigerter Produktivkräfte sind schon die Groß- mächte als abgeschlossene nationale Staatengebilde überlebt und dem Stande der wirtschaftlichen Entwicklung entsprächen etwa die Vereinigten Staaten Europas, und da sollten wir unsere Hand dazu bieten, einen neuen Kleinstaat zu schaffen? Nein, danke! Ein ganz bedenkliches Gebiet gar betritt H e r v s mit dem,>vas er die„Maximallösung" nennt: Abtretung Elsaß- Lothringens an Frankreich, Abtretung des französischen Kongo, Tonkins, Madagaskar und des belgischen Kongo an Deutsch- land! Die Elsässer und Lothringer sollen sich zwar äußern dürfen, ob sie mit dem Austausch zufrieden, sind. Aber die Kongoleute? Die Tonkincsen? Die Madagassen? Kein Teufel fragte sie, denn ihre Antwort müßte lauten: Wir wollen weder deutsche noch französische Ausbeutungsobjekte sein, sondern das, was»vir ivaren: frei! Nun meint H e r v s leichthin:„Welches Unrecht würde man den Eingeborenen der abgetretenen Gebiete tun? Ob die Kapitalisten, Beamten und sonstigen Heuschrecken, die auf ihrem Rücken leben, deutscher oder französischer Nationalität sind, was kann das wohl den Kongonegern oder den Hovas von Madagaskar ausmachen?" Freilich mag es den Eingeborenen gleich sein, ob die Sklaven- peitsche, die sie trifft, blan-wciß-rotc oder schwarz-weiß-rote Striemen hinterläßt, aber der Sozialdemokratie darf es nicht gleich sein, daß sich die Eingeborenen überhaupt unter einer Sflavenpeitsche ducken. Für eine derartige Lösung der elsaß- lothringischen Frage eintreten, hieße für die Sozialdemokratie nichts anderes, als ihre besten Ueberlieferungen verleugnen und das Siegel ihrer Zustimmung unter die schänd- lichsten Kolonialgreuel setzen! Wir, die wir der Ausbeutung in jeder Form unverbrüchliche Fehde an- gesagt haben, verdienten den Spott jedes lumpigen nationalliberalen UmfallmanneS, ivenn ivir die Verschacherung ganzer versklavter Völker nicht nur guthießen, sondern gar an- regten I Der Gedanke ist zu ungeheuerlich, schlägt allem so ins Gesicht, was sozialdemokratisch ist, daß es schmerzt, ihn aus den: Munde eines Mannes zu vernehmen, der sich bei dem unerschrockenen Kampf gegen die französischen Kolonial- greuel in Marokko die ehrenvollsten Narben erworben hat. Selbst wenn dieser Schacherplan so viel Aussicht auf Verwirk- lichung hätte, wie er durch und durch haltlos ist, könnte für die Stellung der Sozialdemokratie dazu kein Nein zu schroff sein. So stürzt das ganze Gebäude der H e r V s scheu Vorschläge zusammen wie ein Kartenhaus, und es bleibt nur die Erkenntnis, daß sich Hervb, um von seinen: utopischen Anti- Militarismus zu praktischer sozialdemokratischer Politik zu kommen, in seiner gewohnten Leidenschaft ganz überschlagen hat und nun ivieder steht, wo er vorher stand, ans den: Kopf, das will sagen: auf den: Boden der Utopie. Die Sozial- demokratie Deutschlands aber wird mit vermehrtem Eifer für die Selbstverwaltung, für die republikanische Verfassung und für die Verbreitung des Sozialisnms in Elsaß-Lothringen kämpfen, gewiß, so nach besten Kräften an der Lösung der elsaß-lothringen Frage zu arbeiten. Das explodierte Pulverfaß» Direktor Drcgerö Belbrtbezicbtigung. Die Sensation der Krupp-Verhandlung vom Sonnabend bildete die Vernehmung des Direktors Dr. Dreger, die sich zu einer überraschenden Selbstbezichtigung dieses Zeugen ge- staltete. Wir meinen damit nicht die Geständnisse, die Herr Direktor Dreger bereits vor dem Kriegsgericht abgelegt hatte. Schon dort hatte er, wie auch heute wieder, zugegeben, daß ihm die KornNialzer nicht nur bekannt waren, sondern daß er auch wußte, daß ihr Inhalt nur auf illegalem Wege er- langt werden konnte. Herr Direktor Dreger, der selbst D e- z e r n e n t und Referent im 5Z r i e g s m i n i st e r i u m war, von wo er dieser seiner Eigenschaft wegen von der Firma Krupp übernommen wurde, der also als ehemaliger Artillerist und Dezernent für Feuerwaffen die Verhältnisse in der A.P.K, und den anderen Militärinstituten ganz genau kannte, mußte ja auch ganz genau darüber unterrichtet sein, wie Brandts Spionagesystem funktionierte. Er gab das damals und auch diesmal wieder zu. Nur das bestritt er beide Male, daß ihm bekannt gewesen sei, daß die von Brandt erschlickjenen Indiskretionen unter Umständen erlangt worden seien, die der: formalen juristischen Charakter der„B e- st e ch u n g" tragen. Des ferneren gab Herr Direktor Dreger zu, daß der Wert der Brandtschen Spionage in der Erlau- gung von großen Teils illegalen Nachrichten über die Kon- kurrenzpreise, über die Lieferungen und über Konstruktions- geheimnisse gelegen hätte. Auch diese Geständnisse sind von unschätzbarem Wert. Aber sie erlangen noch ganz besondere Wichtigkeit durch das, was Herr Dreger über den Fall Höge aussagte. Nach der Darstellung des Brandtschen Brieses �und der Bekundung. des Zeugen v. Metze:: sollte sich der ungeheuer- liche Fall zugetragen haben, daß Herr Dreger seine freund- schaftlichen Beziehungen zu Exzellenz v. B ü ck i n g dahin ausgenutzt hätte, ein Spionagewerkzeug des Brandt durch Fürsprache in die Artillerie- prüfungs-Kommission hineinzubugsieren. Tatsache ist auch, daß dieser Zeugleutnant Höge im Jahre 1912, also zur Zeit des Brandtschen Briefes, wirklich in die Artillerie- prüfungs-Kommission versetzt worden ist. Ganz mit Recht wies einer der Verteidiger auf die„u n g e h e u e r e T r a g- weite dieses Falles" hin. Denn hier lag ja in der Tat das Unglaublichste an Beamtenkorruption und Beihilfe zur Spionage vor, das überhaupt ersonnen werden konnte. Mit größter Spannung mußte inan deshalb der Aussage des Herrn Dreger entgegensehen. Wie einer der Verteidiger bereits am Tage vorher mitgeteilt hatte, Nxir die e 1: t- schieden st c Abweisung dieser Verdächtigung zu er- warten. Und sie war in einer Form zu erwarten, die die schärfsten Spitzen und das höchste Maß der sittlichen Entrüstung gegen die Bezichtiger einer solchen Ungeheuerlichkeit richtete. Was aber geschah? Herr Direktor Dreger bestritt ztvar entschieden, sei es den Höge, sei es einen anderen jemals Exzellenz v. Bücking oder einer anderen Stelle zu den be- wußten Zwecken empfohlen zu haben. Aber von irgendwelcher Schärfe gegenüber Herrn v. Metze:: und seiner Bekundung tvar nicht das geringste zu spüren. In: Gegenteil: Herr Dreger bot alles auf, um durch eine geradezu be- fremdende Konzilia nz Herrn v. Metzen zu einer minder kompromittierenden Formulierung oder auch nur Deutung seiner Zeugenaussage zu bewegen! Schon das mußte auffallen: aber noch unendlich auffälliger war es, was sich dann ereignete. Herr Dreger erklärte nämlich, daß er zwar seiner Er- innerung nach Herrn v. Metzen gegenüber niemals von einer solchen Angelegenheit gesprochen habe, daß indessen Brandt sich zweimal an ihn mit dem Ersuchen gewandt habe, einem Freund von ihn: durch seine Empfehlung bei Exzellenz v. Bücking zu einer Anstellung in der Artillericprüsungs-Kom- Mission zu verhelfen. Und vielleicht habe er dann Herrn v. Metzen erzählt, daß ihm Brandt„schon w i e d e r" mit einem solchen Ansinnen gekommen sei und daß er diese Zumutung dann mit ähnlichen Worten zurückgewiesen habe, die Motzen ihm als Antwort auf seine Mitteilung zuschreibe. Diese Darstellung des Falles Höge ist in der Tat das Unglaublichste, was zu einer„Erklärung" des Falles Höge vorgebracht werden konnte! Man vergegenwärtige sich nur die S i t u a t i 0 n. Brandt ist zu Herrn v. Dreger gekommen. einen: der elf Direktoren der Firma Krupp, einer aller- höchsten Respektsperson der Firma, und hat von diesem Manne, der nach seiner eigenen Aussage die Tätigkeit des Brandt und seine unterirdischen BeziehunD«n zu den Militärbehörden, vornehmlich auch zur Artillerie- Prüfungskommission, kannte, der- langt, daß er ihm durch seine Fürsprache dazu verhelfe, sein verbrecherisches Spionagesystem weiter auszubauen. Und dieser Krupp-Direktor hat den Subalternen Brandt nicht etwa duvch einen Fußtritt zur Türe hinausbefördert, sondern sich von ihm sogar ein zweites Mal durch ein gleiches ehrloses An- sinnen insultieren lassen! Das gibt Herr v. Dreger, der Krupp-Direktor, der ehemalige Dezernent im Kriegs- Ministerium, zul Und er gibt weiter immerhin die Möglich- keit zu, daß er diese schmachvolle Zumutung auch Herrn v. Metzen erzählt, dabei aber die Sache„auf die leichte Achsel genommen" und ihr eine humoristische Färbung gegeben habe! Nach einem solchen Geständnis kommt es eigentlich, um die ganze Größe des Krupp-Panamas aufzudecken, kaum noch auf die Feststellung an, ob denn Herr v. Dreger wirklich, wie aus der von v. Metzen gegebenen Aeußerung unziveifel- Haft hervorgeht, den ihn von Brandt zugemuteten Helfers- dienst geleistet hat. Denn wenn Herr Direktor v. Dreger sich solche Zumutungen gefallen läßt, so ist damit ein neuer und schlagendster Beweis für die engste Komplizcnschaft in dem Spionagebetriebe zwischen Brandt und allerhöchsten Ärupp-Bcamten zwingend und lückenlos geliefert! Ein schmachvolleres Panama für die Firma Krupp ist nicht mehr denkbar. Eine ganz andere Sache natürlich ist es. ob nicht das Gericht dies Zugeständnis mit der äußersten Energie dazu ausnutzen muß, um auch hier dem beispiellosen Kor- ruptionssystem bis in seine lebten Tiefen nachzugehen! Und da müssen wir allerdings unser großes Erstaunen darüber aussprechen, daß sich dieser Situation sowohl Anklagevertreter wie Gerichtshof in keiner Weise gewachsen zeigten. Gewiß mag ihnen diese Wendung der Sache überraschend gekommen sein. Aber gleichwohl hätte es doch prozessual geradezu greifbar nahe gelegen, Herrn v. Dreger die psychologische Unmöglichkeit seines halben Geständnisses eindringlich vor Augen zu führen, um die restlose Wahrheit aus ihm herauszuholen. Denn die Ungeheuerlichkeit dieser Darstellung und die außerordentliche Tragweite dieser Selbstbezichti- gnngen konnte doch auch ihnen keinen Augenblick verborgen bleiben. Wie würde man einen V. M e tz e n inguiriert haben, wenn er sich derartig bloßgestellt und in so groteske Wider- sprüche verwickelt hätte. Alles, was wir hier darlegen, hätte auch schon vor Gericht Herrn V. Dreger logischer- weise vorgehalten werden müssen. Statt dessen ging man— mn die allerriicksichtsvollste Charakterisierung zu wählen— mit erstaunlicher Naivität auf die harmlosesten Deutungs- versuche ein. Man lese unseren Bericht selbst nach, um sich ein eigenes, wahrscheinlich ungleich schärferes Urteil aus eigener Ueberzeugung zu bilden. Jedenfalls bietet diese Episode eine der auffälligsten Unbegreiflichkeiten in diesem— wie inzwischen auch das so sehr zurückhaltende„Berliner Tageblatt" vermerkt— an Unbegreiflichkeiten so reichen Prozeß. Eine nette Kumpanei! Das anmutige Geschäft, das Herr v. Metzen mit Herrn Wingen in Sachen der italienischen Krupp-Vertretung abgeschlossen, haben wir schon gestern kurz gekennzeichnet. Heute vervollständigten Herr Wingen und sein Geschäftsfreund PhariS das reizende Bild. Herr Wingen bekundete unter seinem Eid. daß Metzen das Geschäft ja stets als ein.ganz honettes' hingestellt habe, daß er. Mngen, jedoch sofort die größten Bedenken dagegen gehabt habe. Die von ihm— trotz der von ihm eingegangenen Verpflichtung zur strengsten Diskretion— ins Vertrauen gezogenen zwei Freunde, darunter der deutsche Konsul, hätten ihm vollends den Star über das Anrüchige einer solchen Abmachung gestochen. Wur auf seine Bitten habe der deutsche Konsul davon Abstand ge- nommen, die oberfaule Geschichte der Firma Krupp mitzuteilen. Nach solchen Informationen— schloß Herr Wingen das schöne Geschäft ab! Ja, fie sind allesamt Ehrenmäimer, diese geschäftlichen Vertrauensleute der Kanonenfirma I Zwei bumonftifebe figuren. Ms lustige Personen produzierten sich in ihren Aussagen die Krupp-Direktoren Marquardt und v. M u e h l o n. Herr Marquardt hat, wie erinnerlich, in Vertretung des Herrn v. Eccius Herrn. v. Metzen auf dessen ganz de- stimmte Anfrage, an wen denn in Essen die Kornwalzer des Brandt weitergegeben wurden, eine ganz bestimmte Antwort gegeben. Regelmäßig, so schrieb er Krupp- amtlich, gingen fie auch dem Landrat a. D., damaligem Krupp-Direktor und derzeitigem Vorsitzenden des scharf- macherischen Zentralverbandes Deutscher Industrieller, Herrn V. Rötger zu. Heute nun erklärte Herr Marquardt, daß diese Meldung sicherlich falsch gewesen sei. Warum, weiß er mit Sicher- heit nicht zu sagen.„Vermutlich" deshalb, weil er damals gar nicht recht gewußt habe, an wen die Kornwalzer weiter gingen. Er habe nicht einmal gewußt, daß die Korn- Walzer die Brandtschen Berichte gewesen seien, er habe offenbar nur an Geheimberichte überhaupt gedacht. Und da habe er„wahrscheinlich" aufs Geratewohl hin seinen Brief geschrieben und ganz bestimmte Namen genannt, ohne erst nähere Erkundigungen eingezogen zu haben. Pflicht-getreue und gewissenhaste Krupp- Beamten in der Tat. Sie machen die tvichtigsten und interessantesten Geschäfts- Mitteilungen, ohne daß ihr Kopf weiß, was ihre Hand schreibt. Solche Leute kann die Kornwalzer- Firma gebrauchen. Der Staatsanwalt ist offenbar noch immer nicht in die Geschäftsgeheimnisse der Firma eingedrungen, denn sonst hätte er dem Zeugen gegenüber nicht bemerken können, es sei doch befremdlich, daß die Firma Krupp an ihre höchsten Beamten scheinbar s o geringe intellek- tuelle Ansprüche stelle, wie sie diese Auskunft Marquardts verate. Im Gegenteil: Begriffsstutzigkeit und phänomenale Gedächtnisschwäche prädestinieren nach allen Erfahrungen dieses Prozesses geradezu zur Anwart- schaft auf die glänzend bezahlten Krupp-Sinekuren I Darum wurde offenbar auch Herr v. Muehlon Direktor der Kanonenfirma. Der faßte nämlich seine Auf- gäbe als Zeuge heute dahin auf. daß er allerhand läppische Bemerkungen über das„Geschrei im Reichstage" zu produ- zieren habe. Durch v. Metzens Brief vom 22. Juni 1912 war die Spionage ganz offiziell kruppnotorisch ge- worden. Dennoch wurde Brandts Treiben ganz offiziell weiter geduldet. Um diese harte Tatsache gab Muehlon ein lächerliches Herumgerede, um sich dann zu der Faselei zu versteigen: „Wenn jemand 17 Wische in die Lust hält, so tobt dazu der Reichstag". Dieser Direktor wagte auch die unglaubliche Geschmack- losigkeit, immer wieder vonden hochmoralischeu Priw- zipien der Firma Krupp und dergleichen zu sprechen, während doch schon vor dem Kriegsgericht der Direktor Dreger zugegeben hatte, daß das Brandtsche Spionagesystem min- destens von einem Teil der Direktoren eingerich- t e t, benutzt und selbst nach dem Konflikt mit Herrn v. Metzen als unentbehrlich betrachtet worden war. Wir werden diesen Wundermann von einem Krupp- Direktor noch näher unter die Lupe nehmen. Für heute- mag er es uns verzeihen, daß wir die Tragik des Falles Dreger der eingehenderen Behandlung für würdiger geleiten haben, als die geradezu herausfordernde Komik des Falles Muehlon. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Religion und Geschäft. Welche Begriffe gewisse parlamentarische Vertreter des „katholischen Volkes" von der Würde ihres Amtes haben, zeigt eine Reihe Briefe, die der„Rheinischen Ztg.", unserem Kölner Parteiorgan, auf den Redaktionstisch geflattert sind. Diese Briefe liefern ein gar niedliches Konterfei, des Kunst- tischlermeisters Jakob Euler in Bensberg(Bezirk Köln), 1893 bis 1912 Mitglied des R e i ch s ta ge s(teils für Trier, teils für Borken-Recklinghausen), seit 1894 bis auf den Heu- tigeu Tag preußischer Landtagsabgeordneter für Saarburg-Merzig-Saarlouis, zugleich Mitglied des Ge- meinderats seines Wohnorts, stellvertretender Vorsitzen- der des Rheinischen Handwerkerbundes, stell- vertretender Vorsitzender der Handwerkskammer des Regierungsbezirks Köln und Inhaber verschiedener kirchlicher Würden. Dieser treue Sohn seiner Kirche und Kämpfer für die klerikale Sittlichkeit, hat sich nämlich gegen ein monat- liches Honorar von 199 M. und verschiedene Diäten der- pflichtet, nicht nur der Versicherungsgesellschaft„Deutschland" in Berlin aus katholischen Kreisen Versicherungsnehmer zu- zuführen, sondern auch der„Deutschland" Empfehlun- gen hoher Kirchenfürsten zu verschaffen und ferner im Reichstag seine Stellung als Abge- ordneter zum Nutzen dieser Gesellschaft aus- z u n u tz e n. Wie Herr Euler in dieser Hinsicht arbeitete, mögen fol- gende Auszüge aus dem von ihm mit der Versicherungs- gesellschaft„Deutschland" gepflogenen Briefwechsel beweisen: Bensberg, 1. Oktober 1903. .... Im Besitz Ihres Geehrten vom 29. September beehr« ich mich, mein« Ansicht dahin zu äußern, daß ich allerdings einer Tätigkeit den Vorzug geben würde, welche meine Mitarbeit nicht allzusehr nach außen in die Erscheinung treten lägt... In Kreisen des katholischen Klerus habe ich fast in ganz Deutschland, vorzugsweise aber in Rheinland und Westfalen, enge Fühlung und darf ohne Ueberhebung mich rühmen, in diesen Kreisen(besonders auch als Mitglied der Zentrums- fraktion) das uneingeschränkte Vertrauen zu be- sitzen... Euer Hochwohlgeboren ergebenster Euler, Abgeordneter. Berlin. 18. K). 08, Herrn Subdirektor........ Koblenz. Streng vertrauli cht Wie wir Ihnen streng vertraulich uritteilen, haben wir Herrn Reichstags- und Landtagsabgeordneterl Jac. Euler für unsere Sache gewonnen... .... Herr Abgeordneter Eu-Ier denkt, wie wir Ihnen streng vertraulich bemerken, unS eine Em pfehlung des Herrn Bischofs Korum für die„Deutschland" beschaffen zu können. Hochachtungsvoll Die Direktion. Trier. 19. Oktober 1903. Herrn Direktor Mcrtins, Hochwohlgeboren. Herr Reichs- und Landtagsabgeordneter Euler schenkte mir heute nachmittag die Ehre seines Besuches. Unsere Unterhaltung hatte folgendes Resultat: 1. Herr Euler läßt seinen Sohn in erster Linie bei uns der- sichern und zwar hauptsächlich deshalb, um uns, ohne aufzufallen, eine Empfehlung für unsere allgemeinen Zwecke geben zu können, die wir überall in maßgebenden„ z e n- trumsgesinnten" Kreisen verwenden dürfen. Dieser Abschluß dürste demnächst stattfinden. 2. Herr Euler erklärte sich bereit, mit mir gemeinsam einen Besuch beim Kardinal Erzbischof Herrn Fischer, Köln zu machen, damit ich diesem Herrn in seinem Beisein Vor- trag halten kann über meine Ideen betreffs Bearbeitung der Diöcese Köln. Gleichzeitig werden wir dann versuchen, den Weih- b i s ch o f(50er Jahre) für einen angemessenen Betrag zu versichern. 3. Herr Euler will mir spezielle Empfehlungen für seinen Bezirk in Westfalen, den er als Abgeordneter der- tritt, geben. 4. Herr Euler wird sofort mit den Innungen, von denen er Vizepräsident ist(also von der Handwerkerkammer) in Verbindung treten und mich bei den noch zu bestimmenden Ver- sammln ngen mit heranziehen, fußend auf unseren intimen Be- Ziehungen mit katholischen Geistlichen pp. Unterschrist des Agenten N. F. Trier, 7. November 1903. An die Direktion der„Deutschland". Betreffs meiner Tätigkeit mit Herrn Euler habe ich Ihnen folgendes zu berichten: Herr Euler hat seinen Sohn versichert und mir folgende En, Pfehlung gegeben: „Auf Wunsch bestätige ich Herrn..... aus Trier recht gerne, daß ich meinen Sohn bei der Versicherung..Deutschland" versichern ließ und kann ich diese Gesellschaft aus voll st er Ueberzeugung nur warm empfehlen, zrniml dieselbe besonders in katholischen Kreisen arbeitet und bereits sehr viele geistliche Herren Mitglieder der Anstalt find." Trier. 17. Juli 1904. An die Direktion der„Deuffchland". ...e st immungen bei Be- drohungen; eine Straf k>e st immung gegen den TerrorismuS und die Bohlotterklärung. DaS ist viel auf einmal und würde in die Praxis umgesetzt die vollständige Knebelung der Gewerkschaften durch Polizei und Ge- richte bedeuten.— Bemerkenswert ist noch, daß die Versammlung unter dem Vor- sitze eines freisinnigen ManneS tagte, des SchiffSreeders Diede- richsen, der noch im Jahre 1903 Karididat der freifinnigen Partei im Kieler Reichstagswahlkreise war. Die Arbeiter haben also alle Ursache, für den Schutz ihres arg girring bemessenen Koalitions- rechte» auf der Hut zu sein. Es ist noch durchaus nicht ausge- macht, ob die Freisinnigen in den bevorstehenden Kämpfen um das Koalitionsrecht aufrecht bleiben. Neichstagarsteit. Der Präsident des Reichstags Dr. Ä a e m p f beabsichtigt, nach der Mitteilung einer parlamentarischen Korrespondenz, am 26. No- vember in der zweiten Plenarsitzung nach dem Wiederzusammentritt die erste Lesung. des Spio n a g e g e s etz e S vorzunehmen, das be- reits im Mai dem Reichstage unterbreitet wurde. Im Anschluß hieran sollen in den drei weiteren Novembersitzungen die zu er- wartenden Interpellationen siklrbeitslosigkeitSversicherung und Welfenfrage) und die spruchreifen Wahlprüfungen be- sprochen werden. Da der Etat dem Reichstage bestimmt am 25. November vorliegen wird, kann die erste Etatslesung in den ersten Dezembertagen erfolgen, die in der Regel 3— 4 Tage währt. Außerdem sollen noch einige kleinere Vorlagen vor der Weihnachtspause erledigt werden, so der Entwurf über die Beschäftigung von Hilfs- richtern am Reichsgericht und der Entwurf über die Verlängerung des deutsch-englischen Handelsprovisoriums bis zum 31. Dezember 1915, der gegenwärtig dem Bundesrate vorliegt. Das Ende der Stuttgarter Polizei-Affäre. Stuttgart, 1. November.(Privattelegramm deS „Vorwärts".) Die polizeiliche Debatte auf dem Stuttgarter Rathaus am letzten Donnerstag über das Borgehen des Polizei- direktorS Dr. Bettina er gegen sozialdemokratische Zettelverteiler endete, wie berichtet, mit der Ablehnung der von der sozial- demokratischen Fraktion beantragten MißbilligungSer« k l ä r u n g. Die Nationalliberalen wagten jedoch nicht, die vor- bereitete Vertrauens- Resolution für den Polizeidirektor einzubringen, da auch deren Ablehnung sicher war. Der mit dem Rücktrittsgesuch verursachte Druck auf die bürgerlichen Kollegien ist also vorbeigelungen. Wie verlautet, sieht der Polizeidirektor auch ein, daß seine Position derart erschüttert ist, daß seines Bleibens in Stuttgart nicht mehr ist. Die von seinen politischen Freunden gemachten Versuche, ihn trotzdem zu halten, sollen gescheitert sein. Der gemeindlichen Abteilung, die nächster Tage sich mit der Angelegenheit befassen muß, wird daher nichts anderes übrig bleiben, als den Polizeidirektor in Frieden ziehen zu lassen._ Eine neue Gefahr für den deutschen Obstbau hat die„Deutsche Tageszeitung" entdeckt. Sie erblickt diese Gefahr in der durch die Eröffnung des Panamakanals be- wirlten Transportverbilligung des westamenkanischen Obstes. Heute könne das Obst aus Kaliformen. Arizona usw. nwr unter Benutzung des teueren Schienenweges quer durch den ganzen amcrikan>>chen Kontinent zu uns gelangen. Durch den Panamakanal werde der Seeweg nur mehr als die Hälfte verkürzt, denn die Amerikaner könnten dann das Obst direkt, ohne Umladung, zu Schiff von den pazifischen Häfen nach Deutschland schaffen, wo- durch an Transportkosten bis zu 25 Proz. erspart würden. Da- durch würde das Angebot amerikanischen Obstes auf unserem Markte nicht nur verbilligt, sondern auch stark vermehrt. Das agrarische Blatt zieht aus diesem Umschwung der Verhältnisse folgende Nutz- anwendung: „Um so dringender muß ein wirksamer Schutz für den Obstbau unserer deutschen Bauern gefordert werden." Der alte agrarische Trick, das Interesse deS„derrtschen Bauern" vorzuschützen, wo es sich vorwiegend um das Interesse der großen Grundbesitzer handelt, wird also auch hier angelwandt. Dem- gegenüber mutz festgestellt werden, daß, so wie die Dinge heute liegen, der bäuerliche Obstzüchter durch diese neue „amerikanische Konkurrenz" fast gar nicht getroffen wird. Die bäuerlichen Wirtschaften produzieren meist Obst, aber nur in geringen Mengen. Haupiproduzenteu von Obst find, abgesehen von einzelnen wenigen engbegrenzten Bezirken, die großen von kapitalkräftigen Leuten angelegien Obstplantagen und die Kreis- resp. Provmzial- verbände mit ihren an den Landstraßen gepflanzten Obstbäumen. Der von der„Deutschen Tageszeitung" geforderte wirksame Zollschutz käme also nicht den„deutscheu Bauern", son- dern fast ausschließlich den Obstplaniagenbesitzern zugute, die heute schon bei den unerhört hohen Obstpreisen Riesen- Verdienste erzielen, wenn ihre Betriebe aus gesunder Grundlage ruhe». Da aber liegt vielfach der Knüppel beim Hunde. Die durch die starke Nachfrage gesicherte Rentabilität des Obstbaues hat viele Leute veranlaßt, Obst Plantagen auf viel zu teuer er- worbenen Grund und Boden anzulegen. Daß diese Obst- züchter manchmal auch bei den teuersten Preisen in Bedrängnis ge- raten, ist begreiflich. Deshalb liegt aber kein Grund vor, hohe Obstzölle einzuführen, ganz abgesehen von dem Interesse der breiten Masse der Konsuln enten, für die heute schon die Obstpreise unerschwinglich sind._ Die alten Ausrede«. Die Essener Handelskammer, die sich durch eine besonders reaktionär-scharfmacherische Stellungnahme in allen Wirtschafts- politischen Fragen auszeichnet, ist dieser Tage einer Resolution des Allgemeinen Versicherungs-Schutzverbandes beigetreten, in der es u. a. heißt: „Angesichts der immer stärker hervortretenden Agitation für> eine staatliche Arbeitslosenversicherung weist der Allgemeine Ver- sicherungs-Schutzverband' darauf hin, daß noch heute sichere Unterlagen über den Umfang der Arbeitslosigkeit, vor allem aber über das Bedürfnis nach einer Fürsorge-durch Versicherung fehlen, Erfahrungen, die in manchen Sradten, insbesondere auch in Köln, gemacht worden sind, zeigen, daß selbst in den Kreisen der Wetter-Saisonarbeiter die Notwendigkeit einer staatlichen Fürsorge viel geringer empfunden wird, als die öffentliche Mei- nung anzunehmen scheint, oder in der Agitation radikaler Par- teien behauptet wird. Ein besonderes Interesse für die Arbeits« losenversicherung haben bis jetzt nur die Gewerkschaften gezeigt, die in ihr ein wichtiges Mittel zur Durchführung ihrer Lohnkämpfe erblicken. Je mehr Staat und Gemeinde di« Kosten der Arbeitslosenversicherung übernehmen, um so mehr sind die Gewerkschaften in der Lage, ihre Mittel für Streikunterstützungen bereit zu stellen. Der Schutzverband warnt außerdem vor einer Ueberspannung der öffentlich-rechtlichen Zwangsverficherung, die zu einer Beeinträchtigung des Selbstverantwortlichkeitsgefühls der Arbeiter und?in«r Schwächung der Volkskraft führen muß." Schutzverband, Handelskammer und die„Rhein.-Westf. Ztg.", die diese Resolution zustimmend abdruckte, wissen natürlich nicht, daß bei den nach Genter System unterstützten Gewerkschaften die eigenen Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung stets gewachsen sind. Die gewünschten Unterlagen für den Umfang der Arbeits- losigkeit sind wohl zu schaffen; da braucht man sich nur bei der Sta- tistik zu erkundigen und die für die Fühlungen notwendigen Ein- richtungen und— Gelder zu beschaffen. Aber auch daS vorhandene statistische Material reicht schon aus, um die dringende Notwendig- keit einer Versicherung zur Abwendung des Arbeitslosenelends dar- zulegen. Aber solange man von der Beseitigung disseS Elendes, daS Gesundheit und Leben de» betroffenen Familien untergräbt, eine„Schwächung der Volkskraft" fürchtet, wird man auch die übrigen Einwände als faule Ausreden einzuschätzen wissen, Das neue Fideikommistgesetz i« Prensteu. In der kommenden Session wird sich der Preußische Landtag auch mit dem' in Aussicht gestellten Gesetzentwurf zu beschäftigen haben, durch den das Fideikommißivesen in Preußen neu geregelt werden soll. Eine offiziöse Korrespondenz teilt darüber mit:„In der Hauptsache steht dabei in Frage, die gesetzlichen Bedingungen für die fideikommissariiche Bindung von Grund und Boden da zu er- leichtern, wo die Verteilung des Grundbesitzes oder Rücksichten anderer Art. zum Beispiel in den'Gebieten der Ostmark, solche Maß- nahmen geboten erscheinen lassen. Weiter aber wird in Betracht kommen, der Regierung die Befugnis zu geben, überall da der Er» richlung von Fideikommissen entgegenzuwirken, wo die Grundbesitz» Verhältnisse der einzelnen Gebiete oder öffentliche Interessen dfaf geboten erscheinen lassen. Endlich soll auch durch den Ausbau der Gesetzgebung die Möglichkeit geschaffen werden, Landfideikommisse zum Teil in Geldfidcikommisse umzuwandeln." Die ostelbischen Junker werden alle Minen springen lassen. damit ihre„Rechte" und ihre Machtverhältnisse nicht angetastet werden. für ein flottenUbei-einkommen. Washington, 31. Oktober. Im Repräsentanten« haus brachte H e n s l e y(Missouri) eine Resolution ein, m welcher einer Abrüstung in dem von Winston C h u r- ch i l l vorgeschlagenen Umfange zugestimmt wird. Der Sprecher Clark sagte, er hege den Wunsch, diese Reso» lutionangenommenzu sehen. Er fügte hinzu, Deutschs land sei als Popanz benutzt worden, um die Amerikaner bei den letzten Marinedebatten zu schrecken. DaS gegenwärtige Wettrüsten sei der Gipfel des Idiotismus. Wenn drei Großmächte ein Abkommen zur Einschränkimg der Rüstungen träfen, müßten die übrigen nachfolgen, Die Balhanfrage, Der Streit«m Südalbanien. Budapest, 1. Nvovember. Der„Pest er Llohd� erfährt von Wiener umerrichteter Seite, daß Oesterreich-Ungarn und Italien kürzlich den Großmächten mitgeteilt haben, daß sie die Durchführung der Londoner Beschlüsse über die Abgrenzung Südalbaniens bis zum 3 0. November für nnerläß» lich erachteten. Wenn dies notwendig sein sollte, würden die beiden Mächte einen Schritt in Athen unternehmen und di« tritiigen Ortschaften kurzweg für albanesisch erklären, mit der Be- grttndung, daß die Griechen, wenn sie die Feststellung der Nationalität erschweren, dadurch indirekt die albanesische Nationalität de« Orte? zugeben. Spanien. Mauras Rücktritt. Madrid, 1. November. Nach einer Blättermeldung hat der- frühere Ministerpräsident M a u r a einem Mitglieds der konservativen Partei in Palma auf Majorca ein Telegramm gesandt, in dem er erklärt, daß seine Rolle als Führer der Konservativen beendet sei.__ Letzte rfaehHcfiten* Keine Verfassungsänderung In Serbien. Belgrad, 1. Novemder.(W. T. B.) Bei der Fortsetzung der Adreßdebatte erklärte der Minister des Innern Protitsch, daß da? Berfassungsrcgime in den neuen Gebieten erst nach Herstellung einer vollkommenen Sicherheit der Person und des Eigentums eingesetzt werden könne. Das Uebergangsregime dürft« demnach «ttva zehn Jahre währen. 'as Sie nocH vor Kurzer Zeit des zu teuren Preises wegen sich vielleicht nicht gönnen wollten, heute bringt unser rastloses Bemühen Ihnen die Erfüllung Ihrer Wünsche. Betrachten Sie genau» was wir Ihnen zu den durchweg beispiellos billigen Preisen bieten» und Sie werden zugeben müssen» dass Sie hier mehn als den vollen Wert Ihres Geldes beKommen. fifinigstrasse 33 D» Baknhof AlezsndtrplaU Chausseestrasse 113 am Stettin«» Bahnhof Sonntags geschlossen! PtnitiHi1 gMnrft.T WUttfc Pltle»»/ Neukölln. Inseratenteil veranko.- Ttz. Micke, Berlin. Druck u. izerlaa: Lorwärtz Buck>dr. n Leriagsanstall Paul Singer i Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilage«. Nr. 288. 80. Iahrgavg. I KkilM i>tS Joraärtö" Kerlim Joltehlatt. Sonntag, 2. November 1913. Öewerhrcbaftlicbca. Sin Biedermann. Die„renommierteste" Firma für die Lieferung von Streik- brechern ist bekanntlich A. I. H. Hesberg in Blankenese bei Hamburg. Lticht nur liefert er den Privatunternehmern Streik- brecher jeder Quantität und für jeden Beruf, auch der beson- deren Gunst städtischer Behörden erfreut er sich. Im Stettiner Hasen schalter und»valtet er mit seinen Zutreibcrn als fouve- räner Herr und schreckt vor brutalen Mitteln nicht zurück, um etwa widerspenstige Arbeitswillige zur Arbeit zu bringen. Anscheinend hat Herr Hesberg aber auch mit Stadtverwal- tungen anderer Städte bereits feststehende Verträge, wonach er zur Lieferung von Streikbrechern sich verpflichtet. Von der Münchener Stadtvcrtvaltung wird das vermutet. Dort soll Hesberg auf eine Offerte hin, daß er mit Erfolg bei Gasarbeiterstreiks speziell in Hamburg, Kiel, Hildeshcim und Mailand Streikbrecher geliefert habe, die Lieferung von Streikbrechern für die Gasanstalt bei einem eventuellen Streik übernommen hoben. Die sozialdemokratische Rathaus- Fraktion wird in Form einer Anfrage darüber Aufklärung verschaffen. In einer Stettiner Stadtverordnetenversammlung er- klärte der Oberbürgermeister auf eine Anfrage aus den Reihen der Stadtverordneten über die moralische Qualifika- tion des Herrn Hesberg, daß man sich genau über den neuen Pächter des Freihafens erkundigt und nur gute Auskunft er- halten habe. Die„Gewerkschaft", Organ des Staats- und Gemeinde- arbciterverbandes, gibt nun in ihrer letzten Nummer vom 31. Oktober folgende Darstellung über die moralische Qualität des Biedermanns Hesberg: „Wir stellen nur fest, daß Herr Adolf Julius Heinrich Hes- herg am 28. April 1871 in Hamburg geboren, sein Vater dänischer Untertan, Hesberg selbst tv e g c n seiner Strafen aus Hamburg ausgewiesen ist. An Strafen hat er erhalten: 18S9 in Leipzig wegen Betrug 1 Jahr 4 Monate, 1901 in Duisburg wegen Betrug 2 Jahre, 1901 in Düsseldorf wegen Unterschlagung sechs Monate Gefängnis. Außerdem noch kleinere Strafen wegen ruhestörenden Lärms, Widerstandes gegen die Staatsgewalt, verbotswidriger Rückkehr usw." Das wäre ein Witz der Weltgeschichte: Dieser über- empfindliche Herr, der, wenn seine menschenfreundliche Tätig- keit auch nur annähernd mit dem richtigen Namen genannt wird, sofort zum Kadi läuft, um seine ramponierte Ehre reparieren zu lassen, in so inniger Bekanntschaft mit dem Strafrichter? Diese Strafdelikte werden sich ja in den nächsten Tagen bei Prozessen, die Hesberg gegen verantwortliche Re- dakteure der Partei- und Gewcrksöhaftspresse führt, leicht ge- richtlich feststellen lassen. Schon nuiß sich Genosse Koenen als Verantwortlicher vom„Halleschen Volksblatt" wegen Beleidigung Hesbergs verantworten, bald nachdem Lindow vom Transportarbeiterverband. Uebrigens müßte Hesberg nach einem bisher streng befolgten Uebereinkommen auch ans Preußen ausgewiesen werden, wenn ihm der Aufenthalt in Hamburg verboten ist. Offenbar wird die nützliche Staats- stütze vom Arbeitgebcrverband und vielleicht auch vom Ham- durger Hafenbetriebsvercin protegiert. Die allernächste Zeit wird die Glorie dieses angenehmen Mitbürgers in vollem Lichte erstrahlen lassen. Berlin und Umgegend. Die Berliner Paketfahrtgcsellschaft läßt sich bei Neueinstellung von Arbeitskräften einen Revers unterschreiben, nach welchem die Angestellten mit sofortiger Entlassung bestraft werden, wenn sich herausstellt, daß sie dem Deutschen Transvortarbeiterverband an- gehören. Ferner gehen die Leute der eingezahlten Kaution von 60 M. verlustig, falls sie sich einen Kontraktbruch durch Beteiligung an einem Streik zuschulden kommen lassen. Trotz dieses Abkom- mens, der unseres Erachtcns gesetzwidrig ist und gegen die guten Sitten verstößt, hatten sich im Laufe der Zeit bis Juni 1912 doch eine Anzahl Kutscher und Arbeiter der Firma dem Transport- arbeiterverband als Mitglieder angeschlossen.— Als die Direktion der Paketfahrtgesellschaft davon erfuhr, stellte sie an fünf der An- gestellten, die von ihren Kollegen als Vertrauensmänner gewählt waren, unter Androhung der Entlassung das Ansinnen, aus dem Verbände auszutreten. Diese fünf wurden dann tatsächlich ent- lassen, als sie sich weigerten, das ihnen gesetzlich zustehende Koa- litionsrecht preiszugeben. Daraufhin erklärten sich die übrigen Kutscher und Arbeiter des Betriebes mit den Entlassenen solidarisch und forderten die Wiedereinstellung derselben. Da die Direktion eine ablehnende Haltung einnahm und die Wiedereinstellung allf friedlichem Wege nicht zu erlangen war, kam es am 20. Juni 1912 zur Arbeitsniederlegung. Nach Verhandlungen zwischen Ver- bandsveriretern mit der Direktion und Vertretern aus den Reihen der Streikenden einigte man sich dahin, daß die Arbeit wieder auf- genommen wird und daß die Entlassenen fünf Mann solange zur Disposition gestellt werden, bis eine von der Direktion anerkannte zehngliedrige Kommission aus den Kreisen ihres Personals über die vorhandenen Forderungen verhandelt hat. Die Arbeiter und Kutscher forderten unter anderem:„Zurückziehung des vor- erwähnten Anstellungsreverses und daß die Zugehörigkeit zum Transportarbeitervcrband als Entlassungsgrund nicht gelten soll." Das Resultat der Verhandlung war, daß die Direktion er- klärte, den Dienstrevers nicht zurücknehmen zu wollen, d. h. die Mitgliedschaft ihrer Angestellten ini Transportarbeiterverband nicht zu gestatten. Die Interessen, welche die Angestellten der Paket- fahrtgesellschast gegenüber wahrzunehmen hätten, sprächen gegen eine Mitgliedschaft im Transportarbeiterverband. Wenn die Leute durchaus einen Verband haben wollten, dann sollten sie unter sich einen Verband gründen,— also so eine gelbe Organisation unter dem Protektorat der Direktion. Die zur Disposition gestellten Ver- trauensleute sollten weiter beschäftigt werden, wenn sie den Dienst- rcvers anerkennen würden. Die Verhältnisse hatten sich inzwischen so geändert, daß seitens der Arbeiter und Kutscher leider ernstlich nichts mehr gegen die Firma unternommen werden konnte. Somit besteht heute noch bei der Berliner Paketfahrtgesellschaft der Koalitionsraub an der Ar- beiterschaft. Die Vorstände der Berliner freien Gewerkschaften haben sich daraufhin mit der ganzen Angelegenheit im Jahre 1912 beschäftigt und der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine Gewerkschaft mit einer Firma, die ihren Arbeitern das diesen gesetzlich zustehende Koalitionsrecht raubt, nicht in geschäftliche Verbindungen treten kann. Dessenungeachtet versucht es die Berliner Paketfahrtgesell- schaft neuerdings, die Berliner freien Gelverkschaften durch markt- fchreierische Reklame als Geschäftskunden zu gewinnen. Selbst dem Transportarbeiterverband, Bezirksverwaltung Grotz-Berlin, hat die Direktion durch Zirkular Offerte gemacht. Es ist wohl selbstverständlich, daß die Paketfahrtgesellschaft mit diesem eigen- artigen Versuch, sich bei den Gewerkschaften lieb Kind zu machen, abblitzen wird. Ehe sie ihren Leuten nicht das Koalitionsrecht ge- währt, muß die Selbstachtung den Gewerkschaften die Verbindung mit einer solchen Firma verbieten. Tarifbetvegung der Glasbläser. Die Tarifbewegung der Glasbläser Berlins zur Erringung eines Einheitstarifs ist so gut wie abgeschlossen. Nur eine Firma, die Kosmos-Flaschen-Gesellschaft, Kurfürstenstr. 146/147, lehnte es bisher ab, den Einheilstarif abzuschließen. Der Geschäftsführer Herr Hartwig sagte den Glasbläsern, sie sollten nur ruhig streiken, er wurde schon Leute bekommen. Der Mann hat leider recht behalten. Es haben sich Leute gefunden, die den Streikenden in den Rücken ge- fallen sind. Darunter waren solche, die bereits bei einer anderen Firma Streikbruch getrieben haben. Sie sind dort unter großen Opfern herausgeholt worden, und als man dann ihren Forderungen — sie verlangten höhere Unterstützungen, als die Streikenden sie be- kommen— nicht nachkam, gingen sie zur Firma Kosmos und fielen erneut den Kollegen in den Rücken. Unter solchen Umständen ist es natürlich kein Wunder, wenn die Firma sich ablehnend zu den Vorschlägen der Kommission verhält, und deshalb glaubt jedenfalls Herr Hartwig auch, ironisch werden zu dürfen, indem er sich geäußert haben soll, er würde den Streikposten warnren Kaffee hinuntersenden. Die Firma möge nur nicht vergessen, daß die Produkte der Firma: die Kosmos-, Thermos-, Thermofix- und Demoflaschen und Gefäße heute auch zum großen Teil schon von Arbeitern gekauft werden. Sollte die Firma sich weiter harwäckig verhalten, dann braucht sie sich nachher nicht zu Wundern, wenn die Produkte der Kon- kurrenzfirmen gekauft werden. Was die anderen Firmen konnten, kann zweifellos auch die Firma Kosmos bewilligen. Der Zentralverband der Fleischer hat mit der Wurstfabrik Karl K i s ch, Lindenstraße 10ö, einen Tarifvertrag abgeschlossen. Die Firma beschäftigt 25 Gesellen. Die Arbeitszeit beträgt lO'/z Stunden, an Sonn- und Feiertagen ruht dieselbe. Sämtliche Gesellen er- halten Kost und Logis außer dem Hause, der Minimallohn für Ge- sellen ohne verantwortliche Stellung beträgt 32 Mark. Für Ueber- stunden werden 70 Pfennig gezahlt. Ferien werden 3 bis 10 Tage bei Fortzahlung des Lohnes gewährt. Der kostenlose Arbcitsnach- weis des Verbandes der Fleischer ist anerkannt worden.— Durch diesen Tarifvertrag sind in sämtlichen großen Wurstfabriken die Lohn- und Arbeitsbedingungen rariflich geregelt. In den kleineren Wurstfabriken herrscht noch eine 14 bis Ibstündige Arbeitszeit vor. Die Inhaber haben es bis jetzt durch allerlei Mittel verstanden, daß organisierte Gesellen nicht beschäftigt werden. Die Abnehmer dieser Wurstfabriken sind nur Geschäfte in Arbeitergegenden. Die organi- sierte Arbeiterschaft könnte hier als Konsument erreichen, daß auch die kleineren Wurstsabrikanten organisierte Gesellen beschäftigen müssen. Achtung, Gastwirtsgchilfen! Herr I a n i k e, Inhaber des Nord- park-Bierpalastes, Müllerslr. 143a. hat Verhandlungen mit der Organi- sation nachgesucht und haben diese zur beiderseitigen Erledigung der Differenzen geführt. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Verband der Gastwirtsgehilfen Ortsverwaltung Berlin. Der Wurstfabrikant W. Ziegler, Rummelsburg, Prinz-Albert- Straße 4, der seinen Gesellen das Äoalitionsrecht verweigert. schädigt dieselben noch mehr. Den beiden organisierten Fleischer- gesellen, die Herr Z i e g l e r wegen der Organisationszugehörigkeit entließ, sollen auch die Jnnungsverbandsbücher. worin die Arbeits- beschcinigungen und Zeugnisse eingeschrieben sind, entzogen werden. Dadurch wird es den beiden Fleischergesellen schwer gemacht, Arbeil zu bekommen. Herr Ziegler setzt seine Ware hauptsächlich an Wirte und andere Zwischenhändler ab, die dann die Wurstwaren an die Arbeiter Weiler verkaufen. Da Herr Zicgler organisierte Arbeiter nicht leiden mag, dürfte es ihm gar nicht recht sein» wenn diese seine Wurstwaren genießen. veublekes Reich. Stettiner Streikjustiz. Sie arbeitet ähnlich wie die in Rheinland-Westfalen seinerzeit, überaus fix. Unter dem Signum„Eilt, Slreiksache" werden die An- Ilagen wegen Arbeitsbewilligenbclästigung befördert. Am 30. Oktober standen zwei Arbeiter vor den Schranken des Gerichts, um sich wegen Hausfriedensbruchs, begangen dadurch, daß sie versucht haben sollen, in den Freibezirk einzudringen, zu verantworten. Der Sach- verhalt ist folgender: Zwei auswärtigeMatrosen hatten abgemustert. Sie baten die beiden Arbeiter, von defleir der eine ein Streikender ist, daß sie ihnen behilflich sein sollen, ihr Gepäck vom Schiff zu holen. Der Streikende suchte die Erlaubnis zum Betreten des Hafens bei einem Polizeiwachtmeister nach. Diese wurde erteilt. Nachdem sie nun einige Schritte weit gegangen waren, wurde ihnen das Betreten des Freihasens verboten. Darauf entfernten sie sich sofort. Trotzdem sollen sie Hausfriedensbruch' begangen haben. Im Termin erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft und auch der Gerichtsborsitzende, daß der Streikende höher bestraft werden müsse, als der andere Arbeiter. Dementsprechend verurteilte das Gericht den streikenden Hafenarbeiter zu 10 M., den anderen Arbeiter zv 3 M. Geldstrafe._ DaS Tarifamt für das deutsche Lichtdruckgcwerbe hat soeben seinen Geschäftsbericht über die ersten zwei Jahre der dritten Tarif- Periode, die nach einer kurzen tariflosen Zeit am 12. Februar 1911 begann und bis zum 31. Dezember 1915 dauert, veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß es mit Erfolg an der Erfüllung seiner Haupt- ausgäbe, der Ein- und Durchführung des neuen Zentraltarifs für die Lichtdrucker, gearbeitet hat.— Am Beginn der dritten Tarif- Periode zählte das Tarijamt in Deutschland insgesamt 79 Lichtdruck- firmen mit 824 Beschäftigten. Bis zum Schluß des ersten Berichts- jahres schloffen sich infolge des Wirkens des Tnrifamts oder nach Verhandlungen zwischen den Arbeitern und einzelnen Unternehmern 46 Firmen mit 686 beschäftigten Gehilfen der Tarisgemeinschaft an, im zweiten Berichtsjahr drei Firmen mit 19 Gehilfen, während eine Firma mit 40 Gehilfen wegen Aufgabe des Lichtdrucks wieder ausschied. Von den am Schluß der Bcrichtszeit festgestellten 78 Firmen mit 784 Ge- Hilfen unlerstnden demnach 48 mir 665 Gehilfen der Tarifgemeinschaft, das sind 61,5 Proz. aller Firmen und 84,8 Proz. der Gesamtgehilfeu- schaft. Schon diese Prozentziffern lassen erkennen, daß die der Tarif- gemeinschaft noch nicht angehörenden 30 Firmen mit 119 Gehilfen meist kleine Betriebe sind; nur 11 beschästigen mehr als 4 Gehilfen, alle anderen weniger.— Die Durchführung des Tarifs ging gleich der Einführung verhältnismäßig glatt vor sich. Der neue Tarif sah die allmähliche Einführung des Achtstundentags vor. 2 Berliner Firmen mit mehr als 8 stündiger täglicher Arbeitszeit verkürzten gemäß den Versprechungen bei den Tarifverhandlimgen die Arbeits- zeit im 1. Berichtsjahr auf 8 Stunden, so daß der Achtstundentag am 1. Januar 1912 in Berlin allgemein durchgeführt war. In den übrigen Firmen trat laut Tarif an, 1. Juli 1911 die 8>/« stündige und am 1. Januar 1913 die 3 stündige Arbeitszeit allgenrein in Kraft.— Das Tarifamt fällte in einer Reihe von Tarisstreitigkeiten Kleines Feuilleton. Steine statt Brot oder: Der hehre Patzen. In klerikalen Gegenden sind Fahrpläne ins Himmelreich, Mariazeller Holzsplitter und andere Abfälle beliebte Handelsartikel.„Das ist der verfluchte Klerrkalismus," räsoniert der protestantische Spießer,„bei uns ist fo was nicht möglich! Bei uns nicht.. Nein,„bei uns" nicht; bei uns wird eine andere Sorte «cht alle. Momentan ist es eine Ware aus Leipzig, die in preußisch- deutschen Gauen den Reiz der patriotischen Neuheit hat: Steine, die man in den Schaufenstern verschiedener Städte sehen kann. Nichts weiter, als faustgroße, eckigckantige Brocken, aber trotzdem keine gewöhnlichen Steine unter Steinen, sondern hehre Patzen, heilige Reste, Untertanen-Reliquien: steinerne Klumpen vom Ab- räum der Leipziger Massenmordpyramide! „Steinstücke vom Völkerschlachtdenkmal!" kündet das Schild des Schaufensters.„Ein erhabener Zimmerschmuck für jeden Deutschen. Stück 95 Pf." Im Dutzend billiger! Immer ran, «eine Herrschaften.... Lacht nicht, Brüder— der hehre Patzen ist zum Heulen shm- dolisch. Er symbolisiert mehr als den steinernen Stumpfsinn Mlserer Mordspatrioten: Not und Arbeitslosigkeit schreien auf allen Straßen, die billige Woche des Völkerschlachtfestes hat Hunderttausende verschlungen, und was�fürs Volk davon übrig bleibt, sind patriotische Abraum- steine. Steine statt Brot! Im falschen Sattel. Otto Ernst aus Hamburg, den wir als Erzähler gelten lassen, glaubte in drei Vorträgen im Ehoralion-Saal Nietzsche erschlagen zu sollen, dessen Philosophie ihm als eine .ganze große Unehrlichkeit" erscheint. Daß dieser Totschlag, der vermutlich auf einem Kreuz- und Querzuge durch Deutschland voll- zogen werden soll, sonderlich aktuell wäre, läßt sich nicht eben be- haupten, und man hat auch nicht den Eindruck, daß der Redner als Philosoph, Menschenkenner, Kunstempfinder und Zeitkämpe die Höhe hat, hie dazu gehört, einem Nietzsche die Schlinge um den Hals zu legen. Aktuell aber schien Otto Ernst im letzten Vortrage werden zu wollen, in dem er— besonders zum Schutze der Jugend— von den verderblichen Wirkungen Nietzsches sprach. Indes auch da war es um die Aktualität windig bestellt. Er walzte nur den Quart breit, mit dem er vor fünfzehn Jahren ein- «al in einem Theaterstück die Enge seiner eigenen geistigen Grenzen dargetan hafte. Das war auch jetzt der einzige Ertrag sei»« kritischen Attacke. Er ist seit jener Zeit nicht weiterge- Winnen. Immer noch begeht er den großen Fehler, Bcobach- tungen, die im einzelnen richtig sein mögen, ohne weiteres zu all- gemeinen Merkmalen zu erheben. Er ist so anspruchsvoll un- soziologisch. Sein historisches und sein psychologisches Anschauen ist so unwesentlich. Wäre er fähig, Nietzsche als zeitgeschichtliche Erscheinung zu werten, er würde über viele seiner Schwächen und Aengste leicht hinauskommen. Aber jetzt zappelt er darin wie Goethes Zauberlehrling, der die wässerigen Massen, die er herbei- zitierte, nicht wieder zurückbannen kann. Er redet mit galligem Zorn von den Nachahmern Nietzsches, deren großen Abstand von Nietzsche er mehr als einmal hervorhebt, und vergißt ganz und gar zu erwägen, ob nicht eine Menge Erscheinungen, die er heute auf Nietzsches Namen taust, auch ohne den Vorläufer da sein würden. Er läßt sich regelrecht von dem Popanz, den er sich hergerichtet hat, blindschlagen und nasführen. Was sich heute in der jüngsten Dichtergeneration zeigt, ist nicht bloß eine Wiederholung dessen, was vor dreißig Jahren hervortrat. Aber Otto Ernst hat für das Besondere des Gegenwärtigen kein Organ. Er scheint überhaupt nicht zu wissen, was junges Gären, zumal künstlerisches, bedeutet. Und dann: Jugend. Von welcher Jugend redet er? Die Jugend, die sein Arbeiten allenfalls er- reicht, hat doch am allerwenigsten eine natürliche Beziehung zu Nietzsche. Sie rebelliert aus einem ganz anderen Milieu heraus, zeitlich wie gesellschaftlich! Sofern sie überhaupt rebelliert. Und dann wächst ihr Widerspruchsdrang auf einem ganz anderen Boden und mit anderen Aussichten als vor ein paar Jahrzehnten, da Otto Ernst mit offenem Visier auf Fehde auszog. Er möchte eine Lanze brechen für das Recht des optimistischen Temperaments, das heute, wie er sagte, in Teutschland keine Duldung genieße, Die Absicht ist gut, aber was nützt die beste Lanze, wenn sie in falscher Richtung eingelegt wird. Er soll auf seinem kleinen netten Felde bleiben, auf dem er nützlich wirken und ernst genommen werden kann. Der größte Deutsche und die verächtlichste Natiou. Rheinbaben, der preußische Finanzer stnit pomadisiertem OrdnungSkopfs zählte gestern im Berliner Rathaussaal ein Fähnlein von Hunderl Getreuen und Geusen, die miteinander sich verschworen haben, das westliche Rheinufer durch eine Rotunde zu bereichern. Da des Reiches Schulmeister, der träumerische Bethmann, nebenbei saß, wird man glauben, daß es sich nicht etwa um so eine richtige Anstalt, vielmehr um das Bismarckdenkmal bei Binger- brück handelt. Drei Millionen werden gebraucht, es ist deren aber erst eine zusammengefochten. Indessen, der Pomadisierte meinte: Die Deutschen müßten das berächtlichste Voll sein, wenn sie es nicht ferftg bekämen, den lumpigen Mammon zusammenzuscharen, um dem größten Deutschen einen Tempel zu richten. Dem Größten... ob der Herr dieser eifrigen Knechte da nicht streiken wird. Theater. Deutsches Theater: Emilia Galotti, Trauerspiel von L es sing. Diese Aufführung der„Emilia" reiht sich den besten von Reinhardt inszenierten Älassilervorstellimgen ebenbürtig an. sie zeigt wieder, daß dieser Meister rauschender Instrumentierung auch Meister im intimen, auf die Herausarbeitung rein innerlicher Seelenvorgänge eingestellten Bühnenstil ist. Nichts ungerechter als der Vorwurf, daß seine Kunst darum, weil sie die Reize des Dekoratiben nicht verschmäht, den Brahmschen Traditionen gegenüber die Signatur einer rückläufigen verüußerlichenden Tendenz trage. Er griff nach jenen Reizen, wenn er meinte, durch sie die Stimmungsresonanz der Dichtung noch erhöhen zu können, blieb sich aber der Begrenztheit solcher Möglichketten stets bewußt, Herr M o i f f i, dessen„Taffo" Besorgnis erregen konnte, stand in der Rolle des Prinzen wieder auf der Höhe seiner Kraft, ja übergipfelte vielleicht noch seine früheren Leistungen. Der ge- wissenlosen Selbstsucht dieses in der verderbten Atmosphäre des Hofes aufgewachsenen Jünglings gab er eine Erscheinung von so liebenswürdiger Grazie, freier Unbefangenheit und überlegener Kultur, daß man die beim Lesen seltsam berührende Furcht Emiliens, sie würde im Hause der Grimaldis feinen Verführungskünsten am Ende nicht widerstehen, im Augenblick begreiflich, beinahe über- zeugend fand. Er taumelt von Verbrechen zu Verbrechen und denkr nicht mehr dabei, als ein verwöhnter, eigensinniger Junge, der es für gutes Recht hält, fein Wünschen, es koste, was eS wolle, durchzusetzen. Mit erstaunlich sicherem Instinkt war alles auf- einander abgestimmt. Nur die stark sententiöse Unterstreichung des Schlußsatzes, in dem Lessing den Prinzen an EmiliaS Leiche die Hauptlast der Verantwortung von sich auf Marinelli abwälzen läßt, wäre besser unterblieben. Aeutzerst interessant war BassermannS Marinelli. Er spielte ihn wie ihn Appiani im Gespräche nennt, als.boshaften Affen", dabei mit einem«stich ins Aesfisch-Komische. Ein als jämmerlich vertrockneter Schranzen, dessen VerstandeSkräfte gerad nur noch zu kuppelnder Gelegenheitsmacherei und Anzettelung vo« Intrigen reichen. Aber in der lächerlichen Fratze blitzte dann auch wieder jäh— und um so mächtiger in der Wirkung— teuflisch kaltherzige Schadenfreude und Bosheit auf. Ein bis ins kleinste aus- gearbeitetes Porträt, in dem das Karikaturistische durchaus der Charakteristik diente. Winter st ein erfreute durch einen fteff- lichen und originellen Odoardo. Maske, Gebärde, Organ ergänzten sich aufs glücklichste im Bild des ungestümen Alten. Die wilde Leidenschaftlichkeit Orsinas und Emilias Reinheit, die Empörung, die sie bei dem Gedanken, daß sie nicht Herrin ihres Blutes sei, ergreift und in den Tod treibt, kam durch Mary Dietrich und Lucio H ö f l i ch zu ergreifend wahrem Ausdruck. Karl Eberl war ein höchst sympathischer Appiani. Et. zwischen einzelnen Lichtdruckanstalten und Gehilfen Entscheidungen, durch die alle Streitfälle geschlichtet wurden. Zur Erledigung seiner Arbeilen hielt es 12 Sitzungen ab. Die ihm in der BenchtSzeit entstandenen Ausgaben von 88S M. wurden je zur Hälfte durch die Firmen und durch die Gehilfen gedeckt. In de» Kunstmiihlenwrrkrn zu Würzen sind über 1 Arbeiter ausständig. Im Juli d. I. hatte die Firma ohne jede Besprechung mit dem Personal die Mordlöhne abgeschafft und den vor drei Jahren vereinbarten Stundenlohnsatz von SS Pf. eingeführt. DaS bedeutete eine Verschlechterung des Lohnes um S— 4 Pf. die Stunde. Diese Maßnahme veranlaßte die Arbeiter, der Firma Tarifforde- rangen zu unterbreiten, wie sie schon in näherer Umgebung ein- geführt sind. Die Verhandlungen hatten nur insoweit ein Ergebnis, als der Alkordlohn wieder eingeführt wurde und einzelne Arbeiter 1 Pf. Lohnzulage erhalten sollten. Weitere Zugeständnisse lehnte die Firma ab, weshalb die Arbeitsniederlegung erfolgte. Der Stand- Punkt der Firma muß um so mehr befremden, als sie großen Absatz in den Konsumvereineil hat. Der Mühle ist auch eine Biskuitfabrik angeschlossen.— Zuzug ist von Würzen streng fernzuhalten. Em der Partei. Protestaktion gegen die Königsmache in Bayern. Am Freitag fand in Nürnberg eine massenhaft besuchte Volksversammlung statt, in der der sozialdemokratische Landtags« abgeordnete Dr. Max S ü ß h e i m unter stürmischer Zustimmung die Schiebereien der Negierung und der Zentrumspartei enthüllte und schonungslos brandmarkte. Es wurde folgende Resolution an- genommen: „Die sozialdemokratische Partei ist grundsätzliche Gegnerin der monarchischen Staatsverfassung und des Gottesgnadentums. Die fiebenundzwanzigjährige Regierung eines Geisteskranken und die Unmöglichkeit, ihn ohne Aenderung der Verfassung zu beseitigen, beweist die Notwendigkeit der sozialdemokratischen Auffassung. Die Versammlung ist überrascht durch den kläglichen Um- fall des Zentrums und den Beschluß der Abgeordaeten- kammer, der trotz des geleisteten Treueids eine Absetzung des bisherigen Königs ermöglicht. Die Versammlung führt die eifrigen Bemühungen des klerikale» Ministeriums Hertling um die Königsfrage auf die Absicht zurück, sich das Haus Wittelsbach zur Dankbarkeit zu verpflichten und die gefährdete politische Stellung seines Ministeriums und seiner Partei zu festigen. Die Anwesenden widersprechen, daß in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und Wirtschaft- lichen Notlage, in einer Zeit, in der die bayerische Regierung alle Anträge' der Staatsarbeiter, Bediensteten und unteren Beamten wegen Mangels an Mitteln ablehnt, die Zivilliste um über eine Million' Mark erhöht und dem Volke durch die Erhebung des bisherigen Regenten zum König neue Lasten auferlegt werden. Die Versammlung bedauert, daß die Abgeordnetenkammer beab- sichtigt, erhöhte Aufwendungen für höfische und dynastische Zwecke zu machen, und daß sie statt der dringlichen Einführung der Ver- hältniswahl, um eine richtige Vertretung der Bolksmeinung herbei« zuführen, ein« lange' nicht so dringliche Verfassungsänderung im Ueberetfer durchgepeitscht hat. Die Versammlung spricht der sozial- demokratischen Fraktion ihre Anerkennung aus für die entschiedene Ablehnung der Regierungsvorlage, die in keiner Weise den wirk- lichen Volkswünschen und VölkSmteressen entspricht." Aus den Organisationen. Im 4. sächsischen ReichStagswahlkreise, Dresden-Neustadt, wurde erst jetzt Stellung zum Parteitag genommen, weil die Reichstagsnachwahl erst ausgefochten werden sollte. Der Dele- gierte Herrmann verteidigte die Minderheit des Parteitages, mit der er und sein Mitdelegierter sowohl in der Steuer« wie in der Rkassenstreikfrage stimmte. Der neugewählte Abgeordnete B u ck trat ihm entgegen. Er freue sich über die Beschlüsse und wünsche, daß die eingeschlagene Taktik beibehalten werde. Abgeordneter Otto Rühle steht in direktem Gegensatz zu Buck. Er erblickt in den Beschlüssen eine Gefahr für die Partei. Der Ausspruch: Entweder Wahlrecht oder Massenstreik, sei der ausgesprochenste PutschiSmuS, sei ein Hineintreiben der Arbeiter in die Bajonette, während Rosa Luxemburg eine planvolle Steigerung der revolutio- nären Energie durch die Propagierung des Massenstreiks erreichen wolle. Die neue Steuerpolitik bedeute in der Konsequenz, daß bei einem nicht mehr zu verhindernden Kriege auch die Bewilligung einer Kriegsanleihe ausgesprochen werde. Die ein- geschlagene'Reformtaktik sei verderblich und verhängnisvoll, führe die Partei von einer Schwierigkeit in die andere und immer mehr nach rechts. Alles bisher Errungene fei mit der radikalen Taktik erreicht worden, nun müsie sich zeigen, was mit einer neuen Taktik, Deutsches K n n st ler the a t e r Sozietät: Kampfs Schauspiel von John Galsworth y. Das Streikdrama des englischen Theaterdichters, das der Berliner Arbeiterschaft schon vor drei Jahren durch Aufführungen der Freien Volksbühne bekannt wurde, ist der Aufmerksamkeit nicht bloß bei Arbeitern sicher. Der Stosf schon sorgt dafür und die Absicht GalSworthhs, mit dem Stücke gerade auf ein bürgerliches Publikum sozial einzureden, weiß diese Aufmerksamkeit noch um einen Grad mehr anzuregen. Aber bei einer Spielerschaft, wie das Sozietätstheater sie stellt, muh sich zeigen, was daz Stück über das Stoffliche hinaus an Kräften besitzt. Ob über das spannende szenische Bild hinaus von Werten der dramatischen Handlung gesprochen werden kann. Die Handlung stellt eine streikende Arbeitermasse und den Aufsichtsrat eines kapi- talistischen Betriebes gegenüber. Daß der Streik nicht zu Ende kommt, verursacht der Einfluß der beiden führenden Persönlichkeiten rechts und links, die zäh gegen zäh das Ganze wollen, vollen Sieg für sich und volle Niederlage des Gegners. Der Wille jedes von beiden hält eine Masse zusammen, der eine die Vertreter der Aktiv- näre, bei denen die Dividendenängste zu nagen beginnen, der andere die Arbeiter, die im schwersten Hungerelend angelangt sind. Ganz zweifellos, der Wille aufs Ganze ist in den Massen rechts und links bei jedermann lebendig. Daß sie, der eine aus diesem, der andere au» jenem Grunde der Natur und den Umständen, wie ein oller Arbeiter sagt, nachgeben, das ringen sie erst diesem Grundtriebe ab. So wird der Wert der beiden führenden Ge- stalten, deren Art starres Sichtreubleiben ist, abhängen von der Intensität, mit der sie als ein wesentlicher Teil der sie umgebenden Massen dargestellt sind. Dieser Wert hätte dann die Aufführung des Stücke» als Wichtigstes herauszuarbeiten. Aber die Aufführung, die unter Nittners Regie stand, verriet, daß Galsworthy so hohe dramatische Ansprüche nicht befriedigt. Ter greise Anthony. das Haupt de» Aussichtsrates, den Reicher mit harten Schlägen aus Granit hämmert«, ist durch eine kaum je überbrückte Kluft von den übrigen Mitgliedern des AufsichtSrates ge- trennt; dies« haben an seiner Art allzu wenig teil. Bei David Roberts, dem Führer der Streikenden, der von Theodor Laos anfangs zu verbissen und zu wenig bedeutend dargestellt wurde, ist der Abstand von den Mitgliedern des StreikausschusseS, di« für sich recht nichtig sind, mindestens ebenso groß. Aber hier bringt die Massenszene der Streiwersammlung, in der die Leidenschaften zwischen Ausharren und Nachgeben hin und hergeriffen werden, da« Wesen Roberls zu symbolischer Bedeutung. Deshalb liegt nicht bloß theatralisch, sondern auch dramatisch in dieser großen, mit starker Bildtunst herausgearbeiteten Szene der Höhepunkt des Stücke?. Auf Einzelheiten sei nicht eingegangen. Bis auf einS: die tiefe Verbeugung, die Roberts gestern abend in der Schlußszene dem alten Anthony macht, wirkt als Einbruch in seine schroff-uner- biitliche Natur. Herr LooS mutz nach einem anderen Ausdruck für di« Wirkung suchen, die des besiegten Greises kämpferische Per- sönlichkeit aus ihren Gegner ausgeübt hat. Die Aufführung erntete stürmischen Beifall. krck. Musik. Theater am Rollendorfplatz.»Der lachend« Dreibund" von Eduard Jaeobsoyn ist natürlich keine Ope- die beliebt sei, weil ein warmes Plätzchen in der heutigen Gesell- schaft gesucht werde, erreicht werden könne. Der Anfang zeige sich schon in Baden und in Stuttgart, wo die Mißerfolge der in den Landtagen geübten verhängnisvollen reformerischen Taktik geschuldet seien. Buck hofft von der Zukunft, daß sie ihm recht gebe. Die Beschlüsse des Parteitags seien sowohl nach links wie nach rechts Absagen. Nachdem Rühle und B u ck wiederholt gegeneinander polemisiert, wird die Versammlung, die zum Teile beiden Rednern Beifall gespendet, geschloffen, ohne daß Beschlüsse gefaßt wurden. Em Industrie und Kandel. Berliner Arbeitsmarkt im September. Di« üblichen Quartals- und Umzugsarbeiten brachten dem Ber- liner Arbeitsmarkt im Berichtsmonai eine kleine Erholung, im wesentlichen hat er aber keine Besserung erfahren. Die großen Arbeiterverbänd«, wie die der Metallarbeiter, der Holzarbeiter und des Baugewerbes, geben nach Tausenden zählende Arbeitslose an. Auch im Konfektionsgewerbe ist die Lage flau. Unter der De- Pression hat auch die Nachfrage im Handel und Verkehr beträchtlich nachgelassen. Bei den Männern und Frauen ist die Zahl der Krankenkassenmitglieder nicht in dem Maße wie im Vorjahr ge- stiegen: die Einnahmen der Landesversicherungsanstalt Berlin sind zwar gegen die Parallelzeit des Vorjahres um über 20 000 M. gestiegen, aber die Renteneingänge sind anhaltend stark und haben in den ersten drei Vierteljahren um rund 8 Proz. zugenommen. Bei den Arbeitsnachweisen ist der Andrang der Arbeitslosen nicht so stark wie im Vormonat gewesen, was auf die vorübergehende Arbeitsgelegenheit beim OuartalSwechsel zurückzuführen ist. Die Lage in der Metall- und E i sen- I nd ust r i e hat sich gegen den Vormonat kaum geändert. Infolge der Umzugs- und JnstallationSarbeiten wurde lebhafter nach Heizungs- und Elektromonteuren, Mechanikern und Werkzeugmachern gefragt. Auch nach Rohrlegern war die Nachfrage gestiegen, doch handelte cS sich in den meisten Fällen nur um Aushilfsarbeiten von 8 bis 14 Tagen. Bessere Nachfrage war mich nach Maschinisten und Heizern. Dagegen war die Geschäftslage bei den Kupferschmieden und Schmieden sehr still, das Angebot dagegen groß. Am Schluß des Monats zählte der Metallarbeiterverband 8317 Arbeitslose. Auch bei den Wagenlackievern war die Lage gedrückt. In der Textil- industrie war gegen den Vormonat keine nennenswerte Aende- rung zu verzeichnen. Die Weber, Kurbler und Dekateure hatten schlecht zu tun, mittelmäßig die Färber, Wäscher und Detacheure, nur die Posamentierer, Stricker und Wirker waren gut beschäftigt. Entgegen der sonstigen Lage ist in der Holzindustrie gegen den Vormonat keine Besserung eingetreten. Am Schlüsse deS Monats wurden noch 28S7 Arbeitslose gezählt. Und auch die Holz- bildhauer und Böttcher klagen über Flaue. Nur Küchenmöbelmaler hatten günstige Arbeitsgelegenheit. Das Baugewerbe lag un- verändert danieder. Nur die Maler und Töpfer hatten infolge des Umzugstermins mit Reparaturarbeiten sehr viel zu tun. Bei den Malern überstieg die Nachfrage das Angebot. Doch dürfte die rege Arbeitsgelegenheit nur zirka 14 Tage anhalten. Am Schlüsse des Monats zählten die Ofensetzer 370 Arbeitslose. Auch bei den Steinbildhauern und Modelleuren war andauernd schlechte Ge- schäftSlage. Di« Nachfrage im Buchdruckgewerbe steigerte sich etwa? gegen den Vormonat. Die Kupferdrucker und Chemi- graphen hatten gut zu tun; dagegen melden die Steindrucker und Lithographen Flaue. Infolge der allgemein schlechten Geschäfts- läge war au«b die Nachfrage nach kaufniännijchem Personal geringer als das Angebot. Wenig befriedigend wird auch von den HandekShilfSarbeitern gemeldet. Gerichts- Zeitung«, Versetzung des Landgerichtsrats Mundry. Landgerichtsrat Mundry, der Vorsitzende der Ersten Breslauer Strafkammer, hat auch im zweiten Breslauer Sittlichkeitsprozeß, der am Mittwoch zu Ende geführt wurde, den Vorsitz geführt. Angeklagt waren 24 Personen wegen ge- schlechtlichen Verkehrs mit noch nicht 14 Jahre alten Mädchen. Fünf Angeklagte wurden freigesprochen. Die übrigen erhielten Gefängnisstrafen in Höhe von sechs Monaten bis zu einem Jahre. Nur bei einem Angeklagten war das Strafmaß höher: der Engrosschlächtermeister Krobott erhielt drei Jahre Gefängnis. Er wurde gegen eine Kaution rette, sondern ein nach Pariser Muster zurechtgemachter Schwank mit Gesang und Tanzmusik von Ralph B e n a tz k y. Ein paar Couplets' Duoszenen und Lieder erweisen ein artiges Talent für musitkomische Gestaltung. Hinter dem Titel steckt nichts von Politik; weshalb denn auch eine zum besten gegebene Coupletstrophe auf den Dreibund förmlich an den Haaren herbeigezogen ist und kläglich verpufft. Je drei Männlem und Weiblein bilden den»lachenden Dreibund". Zwei dieser Beinzeiger, ein Oberst und ein Gras, vertreten die Gauung der üblichen Theatertrottel; wohingegen die drei Beinversteckerinnen Goethes Wort von der„Helena in jedem Weibe" mehr oder minder gefährlich zu parieren haben. Nach dem zweiten Akte konnte man gut des Glaubens sein, die Geschichte sei zu Ende. Dem war aber nicht so. Wie hätte sonst Max Pallenberg für seinen dummen HanS als Pechvogel einstehen können. Ebensowenig wäre es zwischen den: Oberst und seiner Frau zur Versöhnung und bei einem anderen Pärchen zu einer regelrechten Liebschaft gekommen. Also mußte noch ein dritter Alt heran. Walter Formes. Kurt Busch. HanS Lübschütz, Lfttty Aschenbach, Ellen Richter machten sich. Max Pallenberg gab Komik sür's Parterre und brauchte nicht erst extempori>ch zu versichern, daß er keine Summe mehr habe. Nur Mary BehrenS-Lincke zeigte, daß sie auch ganz annehm- bar singen kann.— PublikuS gebürdete sich, wie bei allen Neuheiten, wieder rein närrisch. elc. Notizen. — Die Herbstausstellung in der Sezession. Wir haben nun zwei Herbstausstellungen: eine, die vom Blasebalg s-Sturm) nach Marinellische» Rezepten arrangiert wurde, und eine zweite in der Sezession. Die erstere ist wenigstens im Ganzen ein- heitlich lwenn auch völlig verfehlt). Die andere, die von einigen ausgeschiedenen Sezessionisten mit Hilfe eines jungen Kunst- Händlers(nicht Cassirerl) organisiert wurde, zeigt"die ganze Verworrenheit des heutigen Kunstbetriebes. Die Stützen der alten Sezession fehlen ganz; nur die Gaul(ein ulkiger, mauschelnder Merlur und prächtige Schafgruppens und Tuaillon sind vertreten. Sonst Mittelstand. Einige Exsezessionisten zeigen sich in schwierigen Mauserungen(Rösler, Brockhusen). Die Bechstein und Genossen ringen weiter um den neuen Stil. Große Wandbildentwürfe von dem Norweger Münch und frühere überaus sensible und farbig differenzierte Arbeiten von Picasso zeigen die Möglichkeiten neuer Wege: dekorativ-synthetische Monumentatmalerei oder verinnerlichte. — r. — Theaterchronik. Da? Marionetten-Theater M ü n ch e n e r Künstler bei Keller u. Reiner, Potsdamer Straße 118b, spielt in der nächsten Woche das mystische Spiel: «Der Tod des TintageleS" von Maurice Maeterlinck, das fünf kurze Akte hat, und im Anschluß:„Die Nürnberger Puppe", komische Oper von A. Adam, dem Komponisten deS „Postillon von Longumeau". Von dem„Alten deutschen Puppenspiel vom Doktor Fau st" finden nur noch wenige Aufführungen statt. — Vorträge. Ueber Friedrich K a y ß l e r und Gertrud E y s o I d t spricht Theodor Kappstein Dienstag, den 4. November, abends 8 Uhr. in der Friedrich-Werderschen Oberreolschule, Nieder- wallsir. IL. Aus ihren Hauptrollen soll eine Charakteristik ihrer Bühnenkunfi geboten werden. von 10 000 M. auf freien Fuß gesetzt und— der- duftete schleunigst nach dem Ausland. Die Urteilsbegründung erklärte:„die Strafen sind im allgemeinen milde ausgefallen, weil es sich nicht um unberührte, unbescholtene Mädchen gehandelt hat. Das Gericht macht einen Unterschied, ob jemand sich an einem unberührten Kinde vergeht oder ob es sich um ein schon verdorbenes Mädchen handelt. Das G e- richt mußte diesen Unterschied machen, ob- gleich im Gesetz davon nichts steht. Aber der Gesetzgeber hat diesen Fall nicht in Erwä« gung gezogen." Potztausend! Es ist müßig darüber zu streiten, ob die Begründung des ersten Urteils, die auch die„Deutsche Tages- zeitung" abfällig kritisierte, oder diese die auffallendere ist. Das Gesetz bedroht mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren den, der mit Personen unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vornimmt, gleichviel welcher Art diese Unzuchts- Handlungen sind. Sind mildernde Umstände vor- Händen, so läßt es Gefängnis von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu. Den Grundsatz stellt das Gesetz freilich nicht auf, daß ein Kind, gegen das bereits ein oder mehrere Male ein Verbrechen begangen ist, minderen Schutzes de- darf. Denn der Gesetzgeber, gleichviel von welcher politischen Tendenz er beherrscht wird, will doch als Recht festsetzen, was nach der Sittenbetätigung der anständig denkenden Bürger Recht sein soll. Daher ist im Gesetz absichtlich kein Unterschied zwischen bescholtenen und unbescholtenen Kindern gemacht worden. Herr Mundry hat seine Tätigkeit als Vorsitzender der Straf kammer mit dem 31. Oktober beendet. Mit dem 1. November ist er an eine Zivilkammer versetzt. Ob die Versetzung seinem Wunsch ent- sprechend oder vom Landgerichtspräsidium aus Anlaß der auffallenden Betätigung des Herrn Mundry im Interesse der Rechtssicherheit beschlossen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. In Zivilprozessen ist weniger Raum zur Betätigung der eigenartigen Moralauffassung der Mundry- 5lammer. Aber ganz ausgeschlossen ist das Eindringen solcher Ansicht auch bei Zivilprozessen nicht. Man darf gespannt darauf sein, ob Herr Mundry z. B. anerkennen wird, daß Verträge, die die Nichtbetätigung in einem gewerkschaftlichen Verein oder einer politischen Partei ausbedingen, oder Ver- träge über Errichtung von Bordellen nach dem im Gesetz zum Ausdruck gebrachten Sittengesetz nichtig sind, weil sie gegen die guten Sitten verstoßen._ Hus aller Melt. Schnelles Avancement. DaS seltene Vorkommnis, daß ein Rittmeister mit glücklicher Umschifiung der fatalen Majorsecke sofort zum Regiments« kommandeur ernannt wird, meldet die letzte Ausgabe deS „Militär-Wochenblattes". Freilich handelt es sich nicht um irgend- einen x-beliebigen Rittmeister Schulze oder Lehmann, sondern die hervorragende Eignung zum Obersten ist bei dem Schwiegersohn des Deutschen Kaisers, dem neuen Herzog von Braunschweig entdeckt worden. Aus Anlaß seines Regierungsantritts wurde Ernst August zum Obersten s le.suits der Ziethen-Hui'aren ernannt; außerdem steht er an der Spitze des Braunschweigischen I n f a n» terie-RegimentS Nr. LS und des Braunschweigischen Hu- saren-RegimentS Nr. 17. Wir können also getrost eventuellen politischen Verwickelungen mit Ruhe entgegensehen. Dreifacher Mord und Selbstmord. Verfehlte Spekulationen haben in der Familie des prak- tischen Arztes Tr. Hall meyer in München zu einem tragischen Abschluß geführt. Als das Diensttnädchen des Arztes, der in der Winzerer Straße wohnte, am Sonnabend- morgen von der Kirche nach Hause zurückkehrte, fand sie den Arzt mit durchschnittener Kehle tot vor.> Er hatte, bevor er Selbstmord beging, seiner Frau und seinen beiden Kindern, einem Sohn von zehn und einer Tochter von zwölf Jahren ebenfallsdenHalsdurch- schnitten._ Jeden Tag ein Rekord. Die Rekordflüge überstürzen sich geradezu. Das neueste auf dem Gebiete der Aviatik ist ein Schnelligkeitsrekord des französischen Fliegers Gilbert, der am Freitag in fünf Stunden vierzehn Minuten von Paris bis Pütnitz in Pom- m e r n,«ine Strecke von 1060 Kilometer, geflogen ist. Mit diesem Rekordfluge dürfte es Gilbert gelungen sein, den Pommery- Preis, der bis zun, 31. Oktober ausgeflogen sein mutzte, an sich zu reißen._ Ausnahmepreise. Die Oberin des Klosters Abshoven in Wehr(Bezirk Aachen) versendet an die Gläubigen fromme Bettelbriefe, um Gelder für eine Kapelle zu sammeln, deren Inventar noch nicht voll bezahlt ist. Da- bei werden den frommen Spendern die Segnungen des Heiligsten Herzens Jesu nach folgender Taxe verheißen: 1. Wer einmal eine Mark bezahlt, bekommt jeden ersten Sonntag im Monat eine heilige Messe für sich, jeden ersten Montag eine heilige Messe für seine verstorbenen Angehörigen und Anteil an allen Gebeten und Kommunionen. 2. Wer 5—10 M. zahlt, wird in ein Wobltäterregister. das auf dem Haupt- altar ruht, eingeschrieben. 3. Wer einen Beitrag von öv M. gibt, wird als Stifter dieser Kapelle angesehen und sein Rame auf einer Marmorgedenktafel im Chor der Kapelle angebracht. Diese frommen Verheißungen geschehen unter ausdrücklicher Druckerlaubnis des erz- bischöflichen Ordinariats in Köln. Das ist ja beinahe schlimmer wie beim billigen Jakob! Kleine Notizen. Ucberschwewmungcn in Obcritalie». Seit einigen Tagen führen die Flüsse Oberitaliens Hochwasser. Die Flüsse Tesfin und Oliona sind an verschiedenen Stellen über ihre User getreten und eine gefährliche Ueberschwemmung bedroht das ganze Potal. Einige Dörfer stehen bereits unter Wasser; in Piemont haben dt« Ueberschwemmungen überall großen Schaden angerichtet. Eine unerwünscht« Huldigung. Premierminister ASquith wurde in der Nähe von Stirling in Schottland bei einer Automobil» fahrt von Anhängerinnen des Frauenstimmrechts angegriffen, die Pfeffer in den Wagen warfen und den Premierminister schlagen wollten. Polizeibeamte, die in einem zweiten Automobil unmittelbar folgten, vertrieben die Angreifennnen. Eine Verhaftung wurde nicht vorgenommen. Folgenschwere Explosion. Als am Freitag auf dem Schießplatz der Slodawerke bei Prag ein 71/2 Zentimeter Feldgeschoß. daß nach dem Abschießen nicht explodiert war, von«inem Geschoßmeister demontiert werden sollte, fiel das Geschoß z u Boden und explodierte. Der G e s ch o ß m e ist e r und«in Arbeiter wurden getötet, zwei andere Arbeiter sch»«I verletzt. .Wii'lWlIilljllll Denkbar gröOte Auswahl mit Pelzkragen, Kimono-Form. mit Rücken- Garnierung»... Id. Dlster 0" aus modernen Fantasie-Stoffen, aparte Fassons, gut verarbeitet M. CS.- 43.- 92.- 15.- aus vorzuglichem Tuch, in schönen Abendfarben; ganz auf Gloria- Seide gefüttert M. in modernen Fassons, mit aparten hübschen Garnieron gen «34.-56.-51.-33.- ilLiiflliliiii Höchste Leistungsfähigkeit Katalog kostenlos Eleganter Kimono-Hantel aus schwarz Seiden-Astrachan, aof Dachesse gefüttert... M. In neuesten Fassons, prima Stoff» arten, beste Verarbeitung M. SS-«X» 53- 35- aus prima Stoffen, sieg. Formen M.1 25-98.- in modernsten Farben u. fescher Verarbeitung. Die grobe Mode der Saison Katalog kostenlos KosiQm elegante Fasson, aus gut marineblauen od. dunki. Stoffen, Jacke auf Seide gefüttert M. 1 A.Wertheim U Leipziger Strasse König~Shasse Versand- Abtetlang Berlin fV. 66. 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Co., Berlin SN� ätm mite 2. Keilllgt des Jormartö" Kerlmer gollisltlati Kencht über Sie Lätigbeit»«»karten durch die Organisation ihres Kreises zugestellt. Der geschäftSflhrende Awsfchuh. Partei- ü�gdegenkeiten. Zur Lokalliste. In Schöncbcrg 1.-8. steht uns daS Lokal„GesellschaftShauS des Westens", Jnh. Adolf Neuendorf, Hauptstr. 80/31, zu allen Ver- anstaltungen zur Verfügung. In Rahnsdorf N.-B. hat das Lokal„Zur Bärenhöhle" den Be- sitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber verweigert uns sein Lokal, eS ist deShuib für die organisierte Arbeiterschaft nach wie vor gesperrt. In Ncu-Zittau 7.-8. werden folgende Lokale der Partei hart- näckig zu Versammlungen verweigert und sind daher streng zn meiden: Gärischs„Spreebadkrug", Karl Schulz'„Waldschlößchen", „Zum goldenen Kranz", Willi Ficlitz. Kolonie Burig: Gustav Francks Hotel Friedrichshof. I« Lankwitz stehen uns nur die Lokale von Schulz, Mühlen- straße 2t, Prochaska, Viktoriastr. 41/43, und Rudolf Giegl(fr. Dohn), Käiscr-Wilhelmstr. 34. zur Verfügung. Wir bitten bei Abmachung von Vergnügungen die Lokalliste ge- nau zu beachten. � Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis, 6. und 7. Abteilung. Montagabend 7 Uhr: Handzettelverbreitung von den bekannten Stellen aus. Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag, den 4. November, abends 8'/ 2 Uhr, findet in RappS Festsälen, Dennewitzstr. 13, eine Viertels- Versammlung der 1. und 2. Abteilung statt. Thema:„Die Bolls- fürsorge". Referent: Genosse Felix Hirsch. Die AbteilungSführcr. Fünfter Kreis. Dienstag, den 4. November; findet in den Sophiensälen, Sophienstr. 18/19, ein wisienschaftlicher Kino-Licht- bildervortrag„Die Hochseefischerei auf der Nordsee" statt. Eintritts- karten sind noch bei den Bezirksführern zu haben. Neukölln. Der Beginn der Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder, welcher ans heute festgesetzt war, muß um einige Tage verschoben werden. Näheres erfolgt an dieser Stelle. Grünau. Dienstag, den 4. November: Flugblattvcrbrcitung. Materialausgabe abends 7 Uhr in der grünen Ecke, Köpenicker Straße 88. Temprlhos-Mnricildorf. Am Mittwoch, den 19. November(Büß- tag), nachmittags 2 Uhr, findet in der Urania, Berlin, ein wissen- schaftlichcr Vortrag mit Lichtbildern statt. Herr Dr. Weguer spricht über:„Der Kampf um den Nord- und Südpol". Einlaßkarten zu 69 Pf. sind uoch zu haben in M a r i e n d o r f bei O. Dönicke, Kur- fürsienstr. 14 und M. Lehmann. Bergstr. 17; in T e m p c l h o s bei O. Gröpling, Friedrich-Franzstr. 14 und A. Jrrgang, Dorfstr. 52; außerdem in den Konsumvereinsverkaufsstcllcn beider Orte. Das Museum der Urania kann von 1 Uhr ab unentgeltlich besichtigt werden. Alt-Glicuickc. Am DienStag, den 4. d. MtS., abends Tl/2 Uhr, findet bei Rodenbruch, Rudowcr Str. ö4, der erste Vortragsabend über das Thema:„Die großen Utopisten und der wissenschaftliche Sozialismus" statt. Einlatzkarten a 20 Pf. sind bei den Funktionären zu haben. Weißensee. Die Besichtigung des ReichSpostmuseumS findet heute statt. Führuna: Dr. Hanauer-Steglitz. Treffpunkt: Vormittags 1 1 ll h r vor dem Museum Leipziger, Ecke Mauer- straße. Rcinickendorf-West. Vom 3. bis 7. November findet im Lokale von Wohlfahrt. Eichbornstraße 18, eine Jugendschriften- und Wand- schmuck-AuSstellung statt. Eintritt frei. Am Dienstag, den 4. November, abends'/ß Uhr; in demselben Lokal: Oeffentliche Versammlung. Borfigwaldc-Wittenn». Am DienStag, den 4. November, abends 8 Uhr, beginnt im Lokal von Hohn, Borsigwalder Festsäle, der Kursus über:„Die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiter- bcwegung"._ ßcrlincr JNacbncbtciv Aufnahme ohne ärztliche Untersuchung! Unter dieser Devise versuchen, und zum Teil mit Erfolg, eine Reihe von Krankenkassen, Unterstützungsvereinen, Aktiengescll- schaften Mitglieder zu werben. Die Mehrzahl dieser Kassenarten unterhalten ein Heer von Agenten, die, den Drang der Minder- bemittelten, sich in Zeiten der Krankheit zu versichern, ausnützend, vor allen Dingen darauf bedacht sind, unter allen Umständen Mit- glieder zu gewinnen. Die Kassen ohne ärztliche Untersuchung lassen sich Aufnahmescheine komplizierter Art ausfülleil, Aufnahmcscheinc, in denen besonders nach überstandenen Krankheiten gefragt wird. Findet der Agent ein neues Opfer, so wird der aufzunehmenden Person die Arbeit ziemlich leicht gemacht, d. h. der Agent erbietet sich in der Regel, den Fragebogen auszufüllen. Trotzdem die auf- nahmesuchende Person angibt, dann und dann an dieser oder jener Krankheit gelitten zu haben, wird diese Krankheit nicht eingetragen, der Agent erklärt die Angaben für unerheblich. Die betreffende Person unterschreibt den Aufnahmeschein und versichert am Schluß, durch diese Namensunterschrift, die Angaben wahrheitsgemäß ge- macht zu haben. Erkrankt nun das neu« Mitglied, dann wird nach alten überstandenen Krankheiten geforscht. Wird eine solche fest- gestellt, erfolgt Ablehnung des Anspruchs, da im Aufnahmcschein eine bereits überstandene Krankheit nicht angegeben war. Glückt dieser Versuch nicht, weil sich beim besten Willen eine frühere Krankheit nicht nachweisen läßt, wird das Mitglied vom Ver- traucnSarzt für gesund erklärt. Im Statut ist die Bestimmung ent- hallen, daß innerhalb 2, 3 oder 5 Tagen das Gutachten des Ver- trauensarztes durch Beibringung eines Gutachtens eines beamteten Arztes angefochten werden kann. Diese Frist wird verpaßt. Die Krankenkasse hat— unter Umständen jahrelang— Beiträge genommen, die Leistungen aber nicht erfüllt. Kassen der oben ge- schilderten Art schließen bei Vcrschweigung einer überstandenen Krankheit das Mitglied aus und weigern sich auf Grund dcS Statuts, die Beiträge zurückzuerstatten. Von den vielen vorliegenden Fällen dieser Art sei ein Fall hier angeführt: Frau Pl. aus Neukölln wird von einem Agenten aufgesucht. Diesem, namens G. Loppe, Liebigstr. 16, gibt sie die überstandenen Krankheiten an, worauf erklärt wird, dann haben Sie ja erst recht Ursache, der Krankenkasse beizutreten.(I) Im Aufnahmeschei« unterbleibt die Angabe, da„sie nicht nötig sei". Als nun Frau Pi. nach kurzer Zeit ertränkte und sich bei der Kasse meldete, wurde sie abgewiesen. Die„Allgemeine Berliner Versicherungsanstalt a. G.", Lands- berger Straß« 98», schreibt: „Da Sie in Ihrem Versicherungsantrag« unter Frage 9 mit keiner Silbe Ihr im vorigen Jahre überstandenes Leiden mit zirka achtwöchentlichcr Krankenhausbehandlung erwähnten, haben Sie uns hierdurch gemäß§ 4 bei der Aufnahm« in Ihrem Ge- sundheitszustande getäuscht. Wir sehon uns auf Grund dieses veranlaßt, gemäß§ 3 unter sofortiger Slufhebung Ihrer Ver- sicherung und Hinweis auf§§ 3, 4, 24 und 39 jeden Ersatz abzu- lehren." § 3 dies«» famosen Statuts spricht davon, daß derjenige, der sich die Mitgliedschaft„erschlichen", keinen Anspruch auf Erstatiung gezahlter Beiträge habe. Der Vorstand dieser Anstalt wird auf sechs Jahre gewählt. Trotzdem wir oft und wiederholt vor derartigen Kassen gewarnt haben, finden sich immer wieder Personen, die dort Mitglied wer- den. Wer sich vor Schaden bewahren will, bleibe derartigen Kassen fern. Vcrgiftungsevscheinungen in einer städtische» Anstalt. In der Jrrenansialt Dalldorf sind vor acht Tagen bei dem Wärterpersonal und auch bei Patienten Vergiftungs- e r s ch e i n u n g e n aufgetreten, die sich in krampfartigen Leib- schmerzen und heftigem Durchfall äußerten. Man hätte diesen Gesundheitsstörungen kaum irgendwelchen Wert beigelegt, wenn nicht zahlreiche Personen davon befallen worden wären. Das Wärter- personal bringt sie in Zusammenhang mit dem Mittags- mahl, das an dem Tage aus Kohlrüben und Pökelschweinefleisch bestand. Durch Darreichung von Gegenmitteln wurden innerhalb der nächsten 24 Stuuden die Störungen beseitigt, auch ordnete die Anstaltsdirektion eine Untcrsuchnng an. In den Kreisen des Personals wundert man sich, daß über deren Ergebnis bisher noch nichts verlautet hat. Wir halten eS allerdings für selbstverständliche Pflicht, daß daS Ergebnis dem Wärterpersonal mitgeteilt wird. Die Direktion wird sonst sich nicht wundern dürfen, daß allen möglichen Gerüchten Glauben geschenkt wird. Vielleicht erfährt man bei dieser Gelegenheit auch, wie viel Personen in der geschilderten Art erkrankt waren. Uns wird gesagt, daß auch die Jdiotenanstalt in Mitleiden- schaft gezogen worden sei._ Tic Baronin als Scheckschwindlerin. Wegen Scheckschwindels wurde eine Berliner Baronin in Dresden festgenommen. In den letzten Wochen trat in den Hotels ersten Ranges in deutschen und ausländischen Großstädten eine elegante, noch jugendliche Danre auf, die hier und da, aber nicht immer und überall von einem Kavalier begleitet war. Sie klagte bald dem Hoteldirektor, dem Geschäftsführer oder auch dem Ober- kellner oder Pförtner, daß ihr das Geld ausgegangen sei, weil sie die Bank, bei der sie Schecks habe einlösen wollen, schon geschloflcn gefunden habe. Sie bat dann die Herren, ihr einen Augenblick aus der Verlegenheit zu helfen nnd gab die Schecks als Unterpfand für die zum Teil recht erheblichen Darlehen. Sobald sie daS Geld hatte, verschwand sie allein oder mit ihrem Kavalier. Die Hotelangestellten glaubten dann zunächst, daß sie es mit einer falschen Baronin zn tun gehabt hätten. Es ergab sich aber, daß der elegante Gast den Barontitel mit Recht führte. Die Dame wies sich als eine Baronin Eva von Sonden aus, die allerdings der Berliner Kriminalpolizei schon sehr gut bekannt war als eine Lebedame, die sich auf einem schon nicht mehr ungewöhnlichen Wege durch Heirat das Adelsprädikat mehr oder weniger erkauft hatte. Die Feststellung daß der Gast wirklich eine Baronin tvar, beruhigte einige Hotelange« stellte zunächst. Sie mußten aber dann doch bald erfahren, daß ihr diese Tatsache nicht viel nützte. Denn die Baronin hatte auf der Bank, deren Schecks sie ausgab, wohl ein Konto, aber kein Guthaben»nehr. Ihre Schecks waren also ganz wertlos. Baronin v. Sanden, eine elegante Erscheinung von 28 Jahren, suchte auf diese Weise Hotel- angestellte in Düsseldorf, Hamburg, Hannover usw. heim und machte erst jüngst in Brüssel von sich reden. Die hiesige Kriminalpolizei wußte, daß sie zuletzt hier im bayerischen Viertel ivohnte. Sic ivap aber nicht mehr zu finden. Die Kriminalpolizei machte mm die Behörden der Großstädte auf sie aufmerksam nnd so gelang es jetzt. die Gesuchte in Dresden festzunehmen als sie versuchte, ihre wert« losen Papiere in gute ReichSmünze umzusetzen. Russisches fleisch und Konsumgenossenschast. Die Konsumgenossenschaft teilt uns mit, daß sie nur dann den Verkauf russischen Fleisches wieder übernehmen kann, wenn das neue Stempelsteucrgesctz auf sie nicht angewendet werde, das beim Verkauf von Waren an Nichtmitglicdcr eine Steuer von 19 M. pro neue? Mitglied verlangt. Das Neichsstempelsteuergesetz gibt dem Bundesrat die Vollmacht, Genossenschaften von der Zahlung dieser Stempelsteuer zn befreien. Die Genossenschaft hat sich des- halb an die in Betracht kommenden Behörden mit dem Antrag gc- wandt, ihr die Zahlung der Reichsstempelsteuer zu erlassen, damit das eingeführte Fleisch an NichtMitglieder verkauft werden kann. Der Antrag liegt aber zurzeit noch beim Bundesrat. Sobald der- selbe erledigt ist, wird die Genossenschaft mit den städtischen Ver- waltungen die Verhandlungen betreffs Verkaufs russischen Fleisches erneut aufnehmen. Die Verhandlungen sind also nicht gescheitert an den Forderungen der Genossenschaft, sondern gestört worden durch das Reichsstenipelsteuergesetz.__ Unter dem dringenden Verdacht, sein« drei Kinder vergiftet zu haben, ist am Freitag der 25 jährige frühere Magistratsbureaugehilfe Max Kikebusch aus der NathauSstr. 47b in Oberschöneweide von der dortigen Kriminalpolizei verhaftet worden. Ueber die Umstände, die zu der Verhaftung geführt haben, wird gemeldet: Am 11. September dieses Jahres wurde dem K. von seiner 29 Jahre alten Ehefrau ein Mädchen geboren. Als am 18. desselben Monats die Hebamme sich in die K.sche Wohnung begeben wollte, uni daß Kind zu baden und nach der jungen Mutter zu sehen, fand sie die Tür verschlossen; die Frau kam nach anderthalb Stunden wieder, aber auch dann ivurde ihr trotz starken Klopfen« nnd Klingelns nicht geöffnet. Die Hebamme schöpfte nun Verdacht, um so mehr, da Frau Kikebusch schwer kraul daniederlag, und benachrichtigte die Polizei. Diese ließ durch einen Schlosser öffnen und nun fand man das Neugeborene tot vor. Das Kind wurde beerdigt. Bald darauf aber wurden Umstände bekannt, die den Tod des Kindes verdächtig erscheinen ließen. Die polizeilichen Ermittelungen führten schließlich dazu, daß die Leiche des'Mädchens ausgegraben wurde. Die inneren. Organe der Leiche wurden dem Berliner Gerichtschemiker Dr. Jeserich über- sandt, der nach eingehender Untersuchung feststellte, daß in den Leichenteilen Spuren von Wasserstoffsuperoxyd und Lysol vorhanden waren. Daraufhin wurde Kikebusch verhaftet. Da auch die beiden ersten Kinder des K., zwei Knaben, ganz plötzlich gestorben waren — der erste Sohn im Alter von vier Monaten, der zweite Knabe im Juli vorigen Jahres wenige Tage nach der Geburt—, so besteht der dringende Verdacht, daß K. auch diese Kinder vergiftet hat. Am gestrigen Sonnabend sollten bereits auf Anordnung üer Behörde die Leichen der beiden Knaben ausgegraben werden. K. bestreitet bisher jede Schuld._ Einbruchsdiebstahl in der J/, Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Liebele!. Abends, Moniag bis Donnerstag: Belindc. Freitag bis Montag: Gesinnung.(An- fang 8 Uhr.) Neues BolkStheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Mudder Mews. Abends: Der lcdige Hos. Montag: Die Siebzehn- jährigen. Dienstag und Mittwoch: Der tedlge Hos Donnerstag: Die Siebzehnjährigen. Freitag und Sonnabend: Der ledige Hof. Sonntag: Mudder Mews. Montag: Die Siebzehnjährigen.(Ansang S'j, Uhr.) Walhalla- Theater, sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Allabendlich: Der Liebesonkel.(Ansang 8st, Uhr.) MontiS Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Vogelhändlcr.'Allabendlich: Die ideale Gattin,(Anfang 8 Uhr.) "giose> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Othello, Allabendlich: Im weißen Rößl,(Ansang 8'/. Uhr.) Theater am Nollciidorsplatz. Sönnabendnachmittag 3 Uhr: Orpheus iu der Unterwelt. Abends und allabendlich: Der lachende Drei- brnid,(Ansang 8 Uhr.) Urania< Theater. Allabendlich: Mit dem„Imperator" nach New Jork(Ansang 8 Ubr.) Gebr. Herrnseld-Xheater. Allabendlich: WaS sagen St« zu Lei. busch 7 l(Ansang 8 Uhr.) Kasino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mutterliebe Allabcud- lich: Ferdinand der Tugendhaste,(Anfang 8 Uhr.)..... Falles Gaprice. Allabendlich: Ritter Baldrian. Mißgeburt. Adoplw. kind,(Ansang 8'i, Uhr.)..... Mctropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr:'S Siullerl. Allabendüch: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang� Uhr.) ReichShallcn-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: c�tettiner Sänger. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 71/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag nachmittag 3'/. Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang 71/2 Uhr.) Zirkus Schuman». Sonntag nachmittag Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung,(Ansang 71/. Uhr.) Admiralspalast. Eisballctt: Die lustige Puppe.(Ansang S Uhr.): Briefkasten der Redaktion. st( iurtstische Sprechstunde siuvct L t n d c n st r u ti c es, vorn vier Treppe» — Fahrstuhl—, wdchentä glich von tVH vis 714 Uhr cbcttiS, Sonnabends, pon 434 bis 6 Uhr abends statt. Feder für de» Bricflaften deftimnueu Anstage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mrrtzcichen bciznsügen. Briefliche Autwor» wird nicht erteilt. Ansrage», denen leine'Abanncmcntöqntttung brtgcfüg» ist, ,crd-u nicht beantwortet. Eilige Fragen«rage man tn der Sprechstunde dar. P. N. 1. Der von Ihnen angegebene Grund reicht zur Ablehnung nicht aus. lieber die PsliÄten werden Sie bei der Bestallung aufgeklärt werden,— O. L. IS. Wenn es sich um Alimenlensorderungcn ehelicher Kinder oder der Ehefrau, auch geschiedener Ehefrauen vandelt, ist die Be- schlagnahme des gesamten Lohnes zulästig.— K. W. IVI. Ihre Ehefrau muß eben falls unterschreiben,— B. 21. Falls die drcunonntliche Mist überschritten war, find Sie zur Tragung der Kosten verpflichtet.— Pommer 26. 1. Wegen der Adresse im amerikanischen Konsulat Friedrich. strnge 61, von 10—3 Ubr, 2, Durch das Nürnberger Adreßbuch, Einsicht nehmen in einem Adressen- oder Annoncciibureau,— G. D. I. Sttstungs- deputation des Magistrais. Poststr. 16 oder ArbeitSvermittclungsslelle Alexanderstr. 39,40, 2, Luisenstr. 8 I, Wontags und Freitags von 4— 6 Uhr. H. M. 10. Unter Uebcrrcichurig eines'ArmulSattestes kcam die Lei- ordnung eines'Anwalts beantragt werden. Wird ein solcher � beigeordnet, so erübrigt sich das Erscheinen im Termin, falls nicht das Gcridst das per- öniiche Erscheinen angeordnet hat.— 21. 100. 1. Nein, �— Ja, wenn die Eltern zahlungsmisähig sind,— 2l. Seh. 300. Sie können der Steuerbehörde Mitteilung mache».— K. B. 11. Der Vertrag ist der Form nach gültig. Ob sonstige materielle Anscchtungsgründe vorliegen, läßt sich nicht sagen, da Sic irgend tvclchc Angaben nach dieser Richtung hin nicht gemacht haben. Bemerkt wird jedoch, daß das Pfandrecht des Vermieters in Höhe der Mictsansprüchc für das lausende und kommende Mictsjahr dem Eigentumsrecht des Käufers vorgeht.— W. St. Nein. Handlung. Ulsteps'.offe, gr.Äusw. 3.— an Darnentucho, g. Qual. 2.90 Neueste Kostümstoffe Kammgarn u. engl. 2.— Seiden und Sammete 1.— Plüsche u. Astrachane 4.50 Engl. Seal sehr biüig" Reste zu Knaben-Anzügen und Ulstern spottbillig. Konfektion OeleKenhelt.kilare: Damen-Ulster.... 11.25 an Kostüme....... 18.50 Röcke, gr. 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Zu Beginn der heutigen Versammlung ersuchte der Oberstaats- anwalt, den Bericht über die gestrige Nachmillagssitzung, der in einigen Zeitungen unvollständig gewesen sei, dahin zu ergänzen, datz er das Ergebnis der Untersuchung im Reichsmarineamt erst mit- geteilt habe, nachdem ihm von dem Zeugen v. Metzen und dem An- geklagten Brandt erklärt worden war, daß sie nicht behaupteten, daß Beamte des Reichsmariiieämls Weihnachtsgeschenke erhalten hätten.(In unserem Bericht war die Sache bereits in dem vom Oberstaatsanwalt gewünschten Sinne dargestellt worden.) Hieran schließt sich eine längere Erörterung darüber, ob der Zeuge v. Metzen zurzeit, als er vom Untersuchungsrichter vernommen wurde, schon geivußt habe, daß bei Brandt die Kornwalzer beschlagnahmt worden waren, so daß er aus dieser nachträglichen Kenntnis etwa, wie Rechtsanwalt Löwenstein behauptet, eine Kenntnis aus früherer Zeit vortäusche. Der Oberstaatsanwalt bemerkt dazu, daß dies bedeuten würde, daß der Zeuge v. Metzen be- wüßt die Unwahrheit sagt.— Rechtsanwalt Löwenstein: Allerdings, ich habe es nie anders dargestellt.— Zu dieser Frage wird der Untersuchungsrichter Landrichter Wetzel vernommen, die Erörterung bestätigt jedoch nicht gerade den vom Rechtsanwalt Löwenstein ansgesprochencn Verdacht. Dann er- klärt Rechtsanwalt Löwenstein, daß er inr Gegenteil zu einer Er- klärung v. Metzens, er habe keinen bestimmten Verdacht gegen Brandt gehabt, daß Brandt Nachschlüssel zu seinem Schreibtisch be« saß, beweisen werde, daß v. Metzen einen solchen bestimmten Wer- dacht geäußert habe. Es folgt die Vernehmung des Zeugen Winge«. Er ist 39 Jahre alt und Kaufmann in Mailand. Er schildert in sehr rascher und geläufiger Darstellung die bereits so sehr aus» führlich eröltcrten Vorgänge in der Frage der Uebernahme der italienischen Vertretung und beharrt darauf, daß v. Metzen der e r st e gewesen sei, der das Angebot gemacht habe, auf die Ver- tretung zu verzichten, wenn er dafür entschädigt werde. Der Zeuge v. Metzen erklärt, wie bereits früher, daß ein solcher Widerspruch nur durch ein Mißverständnis möglich sei, indem nämlich, als dem Zeugen v. Metzen die Forderung von 25 Proz. der Provision für solche Geschäfte zu hoch erschien, bei idenen ihm Herr Wingen be- hilflich sein würde, er gesagt habe: Wir können die Sache vielleicht anders regeln. Herr Wingen habe dies offenbar nach der Richtung einer Geldabfindunq verstanden r/nd/ darauf erklärt, er habe erst jüngst eine andere Vertretung gekauft. Der Zeuge Wingen erklärt jedoch, nur von dem ree/llen Kauf eines Geschäfts gesprochen zu haben. In seiner Schilderung� gibt der Zeuge Wingen noch an, daß Herr v. Metzen dies� Geldabfindung für die Krupp- Vertretung als ein ganz honettes Geschäft betrachtet habe, während er, Wingen, immer die größten Bedenken gehabt habe und diese Bedenken auch trotz der von ihm dem Herrn V. Metzen fest versprochenen Diskretion zwei Geschäfts« freunden und dem deutschen Konsul in Mailand mitgeteilt habe. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß dieS doch ein Bruch der versprochenen Diskretion gewesen sei. Der Zeuge will dies jedoch nicht gelten lassen, da eS im Geschäftslcben unvermeidlich sei, manchmal Rat einzuholen, und da es sich auch um völlige ver- Irauenswürdige und von ihm wieder zur Diskretion verpflichtete Per- sonen gehandelt habe. Der Zeuge v. Metzen erklärt zu der ganzen Angelegenheit noch, daß er»ach der ersten Reise nach Italien mit größter lleberstürzung nach Esten fuhr, da es sich um ein Geschäft von 17 Millionen handelte, woran er also 1700 über v. Metzen geurteilt.— Der Zeuge Wingen gibt noch an, daß er zunächst v. Metzen verklagen wollte, es aber auf den Rat des Gehximrats Hugenberg unterlassen habe, der ihm sagte: Wir werden' Meyen s» maßregeln, daß darin für Sie eine volle Genugtuung liegen wird.— Es wird nun der Zeuge Fabris aus Rom vernommen. Da er die deutsche Sprache nicht im vollen Umfange beherrscht, wird die Vernehmung mit Hilfe des Dolmetschers, Rechtsanwalts Dr. Frankenstein durch- geführt. Der Zeuge bestätig: die Darstellung Wingens und£*« sonders, daß o. Metzen zuerst die Frage der finanziellen Eirtschädi- gung aufgeworfen habe.— Die Vereidigung des Zeugen er- folgt in der Weise, daß der Dolmetscher ihm die Eidesformel auf italienisch vorliest und der Zeuge sie nachspricht.— ES schließt sich an die Vernehmung des jetzigen Rechtsanwalts und vormaligen Krupp-Direktors Marquardt-Berlin, der von der Staats- anwallschaft geladen wurde. Er ist es bekanntlich, der seinerzeit als höherer Beamter bei Krupp eine Anfrage Metzens nach dem Namens- Verzeichnis derjenigen Herren, denen die Kornwalzer zugehen, dahin beantwortet hat, daß die Kornwalzer regelmäßig den Herren Rötger, Mouths.Eccius, Ehrensberg, Krone und V. Dewitz zugehen. Auf die Frage des Vorsitzenden, der ihm diesen Brief vorhält, erklärt der Zeuge: Was ich da geschrieben habe, ist falsch.(Allgemeines Er- staunen.) Äuf Wunsch.des Oberstaatsanwalts wird nun dem Zeugen zunächst die Aufrage des Herrn v. Metzen vorgelegt. Es ist darin wie bereits bekannt, von der schwierigen und kniffligen Tätigkeit Brandts die Rede bei der Beschaffung der Kornwalzer, welche Metzen noch mehr ausgebaut zu sehen hofft und welche er sich be« mühen will, in unverfänglichere Form zu bringen. � v. Metzen bittet dann um das Namensverzeich- n i s der Empfänger. Der Zeuge antwortet nun, daß er diese Anfrage ebenso beantwortet habe, wie er es im Interesse des Ge- s ch ä f t s und nach den Bedürfnissen des Betriebes für angebracht gehalten habe. Er habe vielleicht sogar eine etwas größere Anzahl von Empfängern der Kornwalzer genannt, und wenn er dem Zeugen v. Metzen geschrieben habe, daß dieser seine Tätigkeit ruhig ausdehnen könne, ohne befürchten zu müsten, sich unnütze Arbeit zu machen, so beziehe sich da? keineswegs speziell auf die Brandtschen Kornwalzer, sondern auf die vertraulichen Berichte im ganzen, von denen ja auch in der Metzenschen Anfrage die Rede sei. Er, Zeuge, habe damals unter Kornwalzern nur vertrauliche Berichte überhaupt ver- standen, nicht aber speziell diejenigen, die auf dem von Brandt ein- geschlagenen Wege beschafft wurden.— Der Oberstaatsanwalt hält in steigender Erregung dem Zeugen entgegen, daß er bei der Qualität, die ein höherer Beamter einer derartigen Verwaltung haben müßte, diese Antwort für völlig ungenügend halte. Der Zeuge müffe doch eine so deutliche Anfrage auch ganz deutlich beantwortet haben. Wenn er jetzt erkläre, die damalige Auskunft sei zweifellos falsch, so sei das überaus merkwürdig.— Der Zeuge antwortet darauf, daß er mit jener Antwort doch nicht eine Urkunde haben ausstellen wollen, denn er habe doch nicht daran denken können, daß dieser Brief einmal dem Gericht vorgelegt werden würde. Auf wiederholte energische Vorhaltungen des Oberstaats- anwaltS und des Vorsitzenden,"daß der Zweck der Anfrage Metzens doch ganz bestimmt die genaue Bezeichnung deS Kreises der Korn- Walzerempfänger gewesen sei, damit er entsprechend sicher gehe, wenn die Kornwalzerbeschaffung ausgedehnt werden sollte usw., bleibt der Zeuge Marquardt dabei, seine Antwort ohne genaue Erkun- d i g u n g und Ueberlegung gegeben zu haben. Es meldet sich der Zeuge Landrat a. D. Rötger, um zu erklären, daß sein Name in die Marquardtsche Antwort nur dadurch gekommen sein könne, daß eben in dem Bureau bekannt war, daß alle Eingänge für die Kpiegsmaterialabteilung ihm als den Vorsitzenden des Direktoriums vorgelegt würden. Deshalb habe Marquardt auch angegeben, daß die Kornwalzer auch ihm vorgelegt würden. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Er habe sogar den Ausdruck Korirwalzer erst durch /die Untersuchung erfahren. Der Zeuge v. Metzen tritt vor und- erklärt, er glaube auch, daß Mar- quardt setzte Anfrage xnicht ganz richtig verstanden habe, da v. Metzen zwar zjxm der spezifisch Brandtschen Tätigkeit gesprochen, Marguardt aber geantwortet habe, daß die Metzensche Tätigkeit omsgedehnt werden könnte. Er habe diesen Passus auch gar nicht richtig verstehen können.— Vorsitzender; Warum haben Sie aber dann nicht noch einmal geschrieben und eine deutliche Ant- wort verlangt. Zeuge: So sehr wichtig war meiner Ansicht nach die Sache nicht. Auch der Zeuge' Direktor Mo uths erklärt, daß Marquardt seine Erkundigungen über dxn Kreis der Kornwalzer- empsänger seiner Erinnerung nach nicht eingezogen habe. Dazu kommt, daß Marquardt in der Auslandsabteilung beschäftigt war und daher mit den Verbältnissen der inländischen Kriegsmaterial« abteilung gar nicht so recht Bescheid wissen konnte.— Es folgt die Vernehmung des Zeugen Direktor Muehlon. Er ist 35 Jahre alt und Mitglied des Direktoriums der Firma Krupp in Essen, dem er nun im sechsten Jahre angehört. Der Zeuge Muehlon giebt an, erst durch den bekannten Brief v. Metzens aus Italien von der Brandtschen Kornwalzertätigkeit gehört zu haben. Er fuhr darauf nach Berlin und hier kam es zu der bereits mehrfach erörterten Unterredung mit v. Metzen. der jedoch hierbei keineswegs die Aufhebung der Brandtschen Tätigkeit verlangt, sondern immer nur gegen Brandt gesprochen habe, dem er mißtraue, vor dessen Bewcismaterial man sich schützen müsse auf alle Fälle, der ihm aufsässig sei, einen Nachschlüssel zu v. Metzens Schreibtisch besitze usw., so daß es am besten sei, wenn er weg- komme. Allerdings hat v. Metzen, so gibt der Zeuge auf Vorhalt des Vorsitzenden an, auch davon gesprochen, daß Brandt die Ge- heimberichte sich in nicht einwandfreier Weise verschaffte, aber er habe das nur in dem Sinne gesagt, daß er fragte, zu welcher Tätigkeit sollen wir den Mann denn sonst ver- wenden, wenn wir ihn von dieser wegschaffen, da er doch nichts anderes macht? Nachher kam Brandt in einem, wie der Zeuge sagt, entsetzlichen Zustand in das Zimmer, das Herr v. Metzen inzwischen verlassen hatte. Brandt war sehr aufgeregt und ganz krank, er beklagte sich, daß v. Metzen ihn schlecht behandle, so daß er gar keine Freude mehr an seiner jetzigen Stelle habe und froh wäre, wenn er wegkäme, da er ein anständiger Mensch bleiben wolle. Er würde gern auf seine RcpräsentationSzulage verzichten, wenn er nicht die Geheimberichte machen brauchte. Darauf sagte ich, daS eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun. v. Meyen sagte mir gerade, da sei etwas nicht in Ordnung. Was machen Sie denn eigentlich? Darauf gab Brandt seinen Verkehr mit den Beamten an, und auf meine Frage, ob er auch Geschenke gebe, bejahte er dies, da er auch Geschenke erhalte. Auf meine Frage, ob denn das mit den Nachrichten etwas zu tun habe, hat Brandt das eigentlich verneint, aber trotzdem lag in der ganzen Sache etwas Unangenehmes für mich, denn ich sagte mir, daß Brandt mich vielleicht nur schonen und nicht die ganze Wahrheit sagen wollte.— Vors.: Hielten Sie es nicht im Interesse der Finna für geboten, sich nun den Mann ordentlich vorzunehmen?— Zeuge: Das habe ich ja getan.— Vors.: Na, ich hätte mir doch den Mann angefaßt und gesagt, nun Brandt, sagen Sie ganz genau, was Sic tun.— Zeuge: Er sprach von den Theaterbesuchen, von den Gast- mählern usw.— Vors.: Und damit haben Sie sich beruhigt?— Zeuge: Nein. Ich sagte doch dem Brandt, hierin liege das Wesen der Bestechung und das müsse unbedingt aufhören, er werde doch nicht wegen solcher Dinge in Strafe geraten wollen. Aber immerhin sagte ich in diesem Augenblick noch nicht mehr, da Brandt gewisser- massen als Ankläger v. Metzens sprach und ich doch beide Parteien hören wollte. Auf Vorhalt des Vorsitzenden gibt der Zeuge zu, daß Brandt auch gesagt habe, was er tue, geschehe im Interesse der Firma. Er Brandt, fände ja nichts dabei, aber v. Metzen mach« ihm das Herz schwer und da er seine Ruhe, seine Häuslichkeit liebe, greife ihn diese ganze Tätigkeit auch gesundheitlich an. Ich sagte ihm darauf: Brands, hören Sie doch auf zu repräsentieren, einen Zu- sammenhang zwischen Geheiinberichten und RepräsentatkonSzulage werde ich niemals auerkcnuen.— Vors.; Hat er Ihnen gesagt, daß er von seinen Freunden, die er bewirtete usw. auch Nachrichten be- komme? Zeuge: Das hat er mir nachträglich gesagt. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Der Nachmittagssitzung wohnt der GeneralstaatLanwalt Supper bei. Die Vernehmung des Zeugen Muehlon wird fortgesetzt. Er erklärt, nur an der Erhöhung de» Gehalts von Brandt mitgewirkt zu haben, nicht aber an der Erhöhung der Repräsentationszulage.— Vors.: Das Schreiben des Herrn von Metzen, worin er sich gegen die sprunghafte Erhöhung der Funktioirs- zulage des Brandt wendet, sagt doch auch, daß in einem solchen Falle die Version nicht aufrecht erhalten werden könnte, daß die Firma gar nichts mit der Sache zu tu» habe. Das heißt doch, daß die Herren in Essen ganz genau wisse», was Brandt macht. Daß das aber nach außen hin kachiert werden soll, und wenn v. Metzen Ihnen das schreibt, so erklärt er doch auch, daß Sie davon wissen. Haben Sie denn nicht gegen diese, wie Sie sagen, unrichtige Unterstellung v. Metzens remonstriert?! — Zeuge: In dieser Form kann ich das nicht beant- Worten. Bei den mir bekmmten Auffassungen der Firma galt es für mich als ausgeschlossen, daß man überhaupt so etwas tun dürfte, überhaupt Nachrichten auf nicht offiziellem Wege beschaffe» dürfe. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß die Militärbehörden uns diese Mitteilungen machen müssen, weil sie doch selbst� das Interesse daran haben, und daß wir merkwürdige Kaufleute wären, wenn wir auf Hintertreppen Nachrichten sammeln würden, die wir doch auf der Bvrdertreppe erhalte« können. Als ich Brandt sagte, daß in der Firma niemand so etwas wünsche und daß dieser Verkehr sofort aufhören müsse, da sagte Brandt, icki kann doch meinen Verkehr nicht sofort abbrechen. — Vors.: In der Untersuchung haben Sie angegeben, daß Brandt Ihnen auf die Frage, ob er denn ciivas Unrechtes tue, mit nein geantwortet und gesagt habe, v. Metzen mache ihm das Leben schwer wegen der Geheimberichte. Er habe Bekannte bei den Ministerien, von denen er diese Berichte bekomme.— Zeuge: Ich kann mich nicht entsinnen, daß Brandt von Bekannten im Ministerium gesprochen hat und ich hatte überhaupt von der Schilde- rung des Brandtschen Verkehrs nur den Eindruck, daß er Leute bei sich zu Hause empfängt, daß diese Leute jebizch mit den Nachrichten in gar keinem Zusammenhang standen. Ich dachte mir das so, daß eben manche Menschen gesellig sind und gern Leute bei sich sehen, andere wieder nicht. Jedenfalls sagte ich ihm, daß die Geheimberichte aufhören müßten. Auf seine Frage, ob er dann nicht die Stellung verlieren würde, sagte ich: Nein arbeiten Sie ruhig weiter, dann sind Sie ein geschätzter Beamter, aber wenn Sie etwas Unrechtes tun, dann verlieren Sie die Stellung. Wenn Sie den Verkehr nicht auf einmal abbrechen können, dann nach und nach, aber selbstverständlich müssen die Geheimberichte sofort aufhören. Der Zeuge schildert dann die hieraus noch mit Metzen geführte Unterredung, und daß er darauf Dreger von den Geheimberichten erzählte, worüber Drcger außer- ordentlich überrascht gewesen sei. Der Zeuge sei dann in Essen sehr erstaunt gewesen, als später noch Kornwalzer kamen, obgleich sie aufhören sollten.— Vors.: Haben Sie dann nicht sofort nach Berlin geschrieben, daß doch keine mehr k o m m e n sollten. — Zeuge: Wenn neue Berichte kamen, so konnte ich nicht ersehen, daß sie wieder auf derartige Informationen zurückzuführen waren. Ich weiß heute noch nicht, ob so jemand wie Brandt in das Mini- stcrium gehen darf und Informationen bekommt. Wir bekommen noch jetzt von unseren Vertretern solche Berichte mit sehr vielen Zahlen, also äußerlich ist ihnen ihre Herkunst nicht anzusehen. — Zu der Bemerkung des Zeugen, daß manche� Leute geselliger seien und manche weniger, daß aber die Niepräscntationszulage mft der Nachrichtenbeschaffung gar nichts zu tun hätte, sagt der Vorsitzende: Was hatte denn die Firma Krupp siir einen An- laß, einem Bureauvorsteher 3500 M. zu geben, damit er irgend welche beliebigen Leute bei sich sähe? Sie wußte doch, daß die 3500 M. für den Berkehr mit den Militärbehörden be- stimmt waren.— Zeuge: Das bestreite ich ganz entschieden. Das ist die öffentliche Meinung, das war das Geschrei im Reichstag usw.— Vors.(erregt): Das haben uns aber alle Zeugen hier ge» sagt!— Zeuge: Ich hätte einer solchen Regelung niemals zuge- stimmt.— Vert. Rechtsanwalt Löwenstein: Dann frage ich, welche Zeugen das gesagt haben.— Vors.: Selbst Direktor Eccius! Was hatte denn die Firma Krupp für einen Anlaß, einem Bureauvor- steher 3500 M. zu geben, damit er beliebige Leute bei sich sehe?! — Zeuge: Das ist mir etwas ganz Neues. Ich dachte, die Zulage wäre gegeben worden, weil Berlin teurer ist.— Auf eine Frage des Verteidigers Justizrats Dr. v. Gordon erklärt der Zeuge, daß Brandt zum Grusonwerk nach Magdeburg versetzt werden sollte. Der Zeuge Muehlon fuhr nach diesen Unter- redungen in Berlin nach Essen und brachte die Sache in einer Dirrktorialsitzung zur Sprache. Es war jedoch schon gegen Schluß der Sitzung, und da man mit den Jubiläumsfeierlichkeiten zu tun hafte, wollte man zunächst eine Entscheidung nicht treffen. Ich ging jedoch in der Zwischenzeit zu allen möglichen Herren des Bureaus, sprach über diese Nachrichtenbeschaffung und unsauberen Wege und forderte ihre Beseitigung, nicht vom juristischen, sondern von unserem moralischen Standpunkt: Wir müßten hier als ganz nor- male, aber vornehme Geschäftsleute arbeiten, das sei ein nobile o k k i c i u m. Es herrschte allgemein dieselbe Meinung.— Vors.: Und was wurde wegen Brandt veranlaßt?— Zeuge: Man ließ ihn zunächst über das Vorgefallene ganz im Dunkeln. In der nächsten Direktorialsitzung wurde darüber gesprochen, waS man tun solle, und es wurde erörtert, daß es auf alle Fälle nnangenehm fei, wenn man ihn beseitigen würde, da das dann als schlechtes Gewissen ausgelegt würde. Wenn man ihn aber in seiner Stellung ließe und es rühre sich jemand, dann wäre auch das wieder nicht recht gewesen. Ich war der Meinung, daß man durchschneiden könnte, es sprachen aber auch sehr gewichtige Gründe dagegen. — Vors.: Welche?— Zeuge: Ich weiß nicht, ob ich s» offen dar- über sprechen kann. Es waren die Gründe, die sich ja auch später zeigten. Wenn jemand 17 Wische in die Lust hielt, in denez gar nichts darin stand, dann rodle der Reichstag:.— Vors. (mit erhobener Stimme): Das dürfen Sie hier nicht sagen. Wische, es waren doch sehr bemerkenswerte Geheimberichte! Was wurde also beschlossen, daß Brandt wegkommen sollte oder nicht?— Zeuge: Ich sehe, Sie wollen keine Beleuchtung der ganzen Sach- läge, sondern eine bloße Antivort auf Ihre Frage.— Vors.: Sie schweifen ja immer ab! — Zeuge: Man sagte sich, es könnte ein furchtbarer Skandal werden, und den fürchtet jeder Geschäftsmann. Protokolliert werden die Direktorialsitzungen nicht. Es wurde nicht ein formaler Beschluß gefaßt, sondern Brandt sollte eben weg, und es sollte des- wegen mit dem Direktor des Grusonwerkes gesprochen werden.— Vors.: Warum haben Sie ihn nicht gleich weggegeben? ES wurde hierüber doch hier angegeben, daß die Direktoren über das ihnen unterstellte Personal ver" egeoen, rfügen, konnte u?ch Sie vertraten doch den Direktor Eccius.— Zeuge: Ich konnte aber Brandt nicht wegnehmen, das tonnte nur die Firma tun. Ich konnte ihn auch nicht selbst nach Essen versetzen.— Vors.: Warum hat es die Firma nicht getan? Zeuge: Es wäre geschehen, aber da kam der Fall Metze» dazu. Vors.: Wie endete also die Sitzung.— Zeuge: Brandt sollte weg, sobald wie möglich, es kann sein, auch gleich. Aber eine Schwierig- keit lag darin, daß Brandt sagte, seine Frau wolle nicht von Berlin weg.— Vors.: Wie wurde also der Beschlutz aus geführt, daß Brandt weg sollte?— Zeuge: Der Vorsitzende des Direktoriums hätte wohl mit dem Grusonwerk gesprochen, ob dort ein Platz sei, und wenn der geeignet war, dann hätte man das Gehalt festgesetzt und dann wäre ich wohl nach Berlin geschickt worden, was ich ja ganz gern übernommen hätte, und hätte Herrn Brandt gefugt: So, jetzt gehen Sie Ivo anders hin oder auch ganz weg! ES kam aber der Fall Metze» dazwischen, der jede Initiative lähmte. Zudem war auch Herr EcciuS so lange krank. Der Zeuge erzählt nun die Affäre Wingen-Metzen, worauf der Borsitzende abermals fragt: Und wie ging die Sache mit der Entlassung Brandts weiter? — Zeuge: Bietzen war ja durch die Entlassung hart getroffen. Er hat nachher mit der Aufdeckung der Brandtschen Tätigkeit gedroht. Dadurch veränderte sich das ganze Bild. Die Meinungen waren geteilt, aber die meisten sagten, wenn wir jetzt noch Brandt weg- nehmen würden, dann wäre das nachgerade ein Eingeständnis der Schuld. Es war ganz sicher, daß Brandt abberufen werden sollte. Man wollte nur zuwarten, wie sich Metzen verhalten würde. Ich war sehr überrascht, als ich von meinem Urlaub zurückkam und die Dinger sZeuge meint die Kornwalzer) mit Unterschrist sah. Wie es in einem grotzen Betriebe vorkommt, gelang es mir zuerst gar nicht, zu erfahren, wie es damit zuging. Es wurde aber gesagt, es stände nichts Besonderes darin, es seien Nachrichten über Submissionen. Inzwischen war Herr EcciuS zurückgekehrt und war sofort der Meinung, Brandt müsse weg.— Vors.: Er wurde aber immer noch nicht weggenommen.— Zeuge: Rein. er kam nie weg. — Der Zeuge v. Metzen betont hierauf, daß Brandt ihn in einer geradezu peinlichen Weise verschiedentlich in die Praxis seiner Tätigkeit einzuführen bestrebt war, während der Zeuge Muehlon bestreitet, mit Metzen vor dem Brief gegen die Erhöhung der Re- Präsentationszulage eine Unterhaltung gehabt zu haben, in der sich Metzen bereits gegen dieses ganze System gewandt haben könne. — Oberstaatsanwalt: Herr Zeuge, Sie sagen immer nur, dah Sie den Herren in Essen erzählt haben, es feien unangenehme Sachen vorgekommen. Ich vermisse aber nähere Angaben, was Sie erzählt haben.— Zeuge: Ich habe in Essen erzählt, daß mir Brandt und Metzen gesagt haben, es gebe eine Menge Leute, von welchen sie die Geheimberichte bekommen. Ich sagte mir, daß das nicht auf einwandfreie Weise geschehen und daß für uns der größte Schaden entstehen könnte.— Oberstaatsanwalt: Ich habe schon den Zeugen Haux danach gefragt, aber ich vermisse das Fleisch an diesem Gerippe. Haben Sie auch die Vermutung ausgesprochen, daß die Leute, die die Nachrichten bringen, dazu bewogen würden, oie Nachrichten auf unzulässige Weise herzugeben. Haben Sie sich nicht über Ihren Verdacht genauer und positiver ausgesprochen.— Zeuge Muehlon: Ja, ich bin rn den Privatunterredungen mit den verschiedensten Personen sehr positiv geworden.— Oberstaatsanwalt: Was haben Sie also gesagt?— Zeuge: Ich sagte, man revanchiert sich/man gibt Geschenke und bekommt sie. Ich bin sogar noch weiter ge- gangen; ich erzählte dann auf die Frage, ob Brandt Geld g«. geben hätte, daß er mit nein geantwortet habe, aber fügte hinzu, es würde mich nicht wundern, wenn er es getan hätte.— Oberstaatsanwalt: Ich habe die Zeugen Hugenberg und Haux nach einer derartigen Aeutzerung von Ihnen gefragt, habe aber die Bestäti- gung von diesen beiden Zeugen vergebens erwartet.— Der Zeuge Geheimer Finanzvat Hugenberg wird nun danach gefragt und es ergibt sich, daß er bei seiner Aussage zwar nicht direkt von dem Beslechungsveroacht Muehlons Mitteilung gemacht habe, aber doch davon gesprochen habe, daß aus den Mitteilungen Muehlons immerhin zu entnehmen war. daß eS sich um Mitteilungen handle, die auf mißbräuchlichem Wege und unter Bruch der Beamtendisziplin erlangt war. Im Anschluß hieran erklärt jedoch Zeuge Hugen- bcrg in entschiedener Weise dem Oberstaatsanwalt, daß eine große Geschäftsfirma nicht so borgehen könne, wie per Staat seinen Beamten gegenüber, und daß bei dem Geschäftsgang eines Riesen« betriebes, wie es der Kruppsche sei, auch nicht mehr oder minder bureaukratische Formalitäten so eingehalten werden könnten, wie in den Kanzleien der Gerichte und Staatsanwaltschaften. Es folgt die Vernehmimg des jetzigen Vertreters der Firma Krupp in Berlin, Hauptmann? a. D. Dreger. Er wird zunächst unverei'det vernommen. Aus seinen Aussagen ergibt sich, daß er allerdings als früherer Artillerieoffizier, der im Kriegsministerium tätig war, den Mitteilungen Brandts mit- unter angesehen habe, daß sie zum Teil auf Indiskretionen be- ruhten, und daß ihm der Verkehr Brandts mit seinen Freunden, den Zeugoffiziere« ufw. bekannt lvar. Jedoch sei ihm niemals der Gedanke oder der Verdacht g«- kommen, daß hierbei Bestechungen in Frage kämen. Von den 3% Jahren, die v. Metzen nach dem Fortgang des Herrn v. Schütz der Berliner Vertretung vorstand, war Brandt die Hälfte allein. Vors.: Wir kommen nun zu einer Sache, die vor dieser Ver- Handlung nicht bekannt war, und sich erst in ihrem Laufe ergeben wird, nämlich zu dem dem Fall Höge. In dem französischen Brief Brandts an Herrn v. Metzen wird mit- geteilt, daß es gelungen sei, einen Freund in eine günstige Stel- lung bei der Artillerieprüfungskommission zu bringen. Der Zeuge v. Metzen hat nun hier bekundet, oatz Sie ihm gegenüber hierzu eine bestimmte Aeußerung getan hätten. Was haben Sie dazu zu sagen?— Zeuge Hauptmann a. D. Dreger: Der Kernpunkt der Sache ist, wie ich auf das bestimmteste hier erklären muß, daß es mir selbstderstänolich nie eingefallen ist, wegen irgendeiner Persönlichkeit oder der Abkommandierung einer solchen mich mit Exzellenz General der Artillerie v. Bücking in Verbindung zu setzen. Das ist niemals der Fall gewesen, selbstverständlich nicht. Das ist mir nicht im Traum ein- gefallen. Selbstverständlich habe ich mich ebenso wenig mit jemand anderem zu solchem Zweck in Verbindung gesetzt.— Vors.: Wollen Sie das auf Ihren Eid nehmen?— Zeuge Dreger: Jawohl. Ich habe Exzellenz v. Bücking das levtcmal am 30. Januar 1912 gesehen. Der Brief Brcmdjs an Metzen ist aber vom Juni 1912. Ich habe auch den Namen Höge, soviel mir be- wüßt ist, niemals früher gehört, als bis zu dem Zeitpunkte, als er in der militärgerichtlichen Untersuchung genannt wurde.— Vors.: Hat Herr v. Metzen sich nicht an Sic gewannt, daß Sie für Höge eintreten möchten?— Zeuge: Ich bin fest überzeugt, daß das ein Irrtum des Herrn v. Metzen ist.(Der Zeuge v. Metze» wird vorgerufm.) Vors.: Herr v. Metzen soll sich an Sie, Herr Dreger, gewandt haben. Darauf sollen Sie gesagt haben: Ich habe mich schon einmal an Exzellenz v. Bücking gewandt. Ich kann es nicht ein zweites Mal tun. Der ist so klug, der merkt sonst etwas. Zeuge v. Metzen: Ich habe mich nicht mit dem Ansuchen Höges an Dreger gewandt, sondern nur Herrn Dreger erzählt, daß Brandt sich an mich gewandt hätte, er hätte einen Freund namens Höge, der sich um eine Stellung bei der A. P. K. beworben habe, und wenn er die bekäme, bann würde die Vertretung wieder Nachrichten aus der A. P. K. bekommeu. Zeuge Dreger: Wenn es fo gewesen ist, dann weiß ich esnicht. Zeuge b. Metzen: Herr Dreger sagte mir auf meine Mitteilung: Ich bin schon einmal bei Bücking gewesen, der ist so klug, wenn ich ein ztveites Mal komme, dann merkt er etwas. Auf Vorhalt des Vorsitzenden erklärt Zeuge Dreger dies noch einmal für völlig ausgeschlossen.— Vors.: Vielleicht erinnern Sie sich dessen nicht?— Zeuge: Der Sache würde ich mich entsinnen, wenn sie im geringsten so wäre, es ist aber absolut ausgeschlossen. WaS Tatsächliche? an der Sache dran feiu kann, ich möchte Herrn v. Metzen gern helfen, ist folgendes: Brandt wandte sich ein- oder zweimal wegen dieser Sache an mich, er sagte mir, er hätte einen guten Freund, der sich gemeldet hatte in die A. P. K. und der alle möglichen Aussichten hätte. Brandt hätte sich deswegen schon an v. Metzen gewandt, dieser aber habe ihm geantwortet, er hätte keine Verbindung mit der Feldzrug- meistern, Brandt möge sich doch mal an Dreger wenden. DaS hat mir Brandt gesagt. Ich habe ihn nicht so abfallen lassen, wie v. Metzen erklärt, sondern ich habe die Sache auf die leichte Achsel genommen und nicht das geringste veranlaßt. In acht Tagen ist Brandt wieder zu mir gekommen, und da sagteichihm: Soll ich schon wieber zu Exzellenz v. Bücking gehen, kennen Sie Exzellenz von Bücking überhaupt?— Darauf sagte er nein. Und da sagte ich: Nun, da? erste wäre, daß er mich hinausschmeißen würde und daß dann Ihr Freund auch noch hineinfiele.(Der Zeuge gibt diese Aussage lachend ab.)— Zeuge v. Metzen: Es ist so, wie ich gesagt habe. Brandt hatte mir bis dahin ja gar nichts gesagt, datz er sich an Dreger gewandt hatte. Ich habe das erst aus seiner Mitteilung erfahren. DaS lag ja auch nahe, denn Dreger war mit Exzellenz v. Bücking sehr befreundet, während ich nie hingegangen war und es für mich deswegen ausgeschloffen gewesen wäre, hinzugehen. Ich habe ja nicht bekundet, datz Dreger dort gewesen ist, sondern nur nach meiner Erinnerung erklärt, was Dreger mir gesagt hat.— Zeuge Dreger: Ich kann mich beim besten Willen nicht dessen ent- sinnen.— Oberstaatsanwalt: Was soll es heißen, daß Sie vorhin sagten, Sie hätten Brandt erklärt:»soll ich schon wieder zu Exzellenz v. Bücking gehen?"— Zeuge Dreger: Das sollte nur heißen, kommen Sie schon wieder mit dem Ansinnen, daß ich zu Exzellenz v. Bücking gehen soll? Ich kann nur nochmals erklären, daß ich für Höge nicht eingetreten bin, den ich gar nicht kenn«, und auch sonst niemals für irgend jeinand.— Zeuge von Metzen: Hat Dreger vielleicht etwas Aehnliches mir gesagt, wie das, was er dem Angeklagten Brandt gesagt hat?— Zeuge Dreger: ES kann ja eine Lücke in meinem Gedächtnis vorhanden sein. Ich entsinne mich nicht einer solchen Aeußerung zu v. Metzen.— Zeuge v. Metzen: Aber wie käme ich denn sonst zu einer solchen Aussage, wo ich doch gerade hier jedes Wort besonders auf die Wagschalr gelegt habe.— Vors.: Das ist richtig.— Der Vorsitzende und der Zeuge Dreger fragen den Zeugen v. Metzen, ob er vielleicht von Brandt erfahren habe, was Dreger dem Brandt geantwortet hat und ob er das nun irrtümlich dem Zeugen Dreger in den Mund lege.— Der Zeuge v. Metzen bleibt jedoch ganz entschieden bei seiner Behauptnn«,. — Vors.: Angeklagter Brandt. Sie haben ja gar nichts davon ge. sagt, daß Sie sich wegen der Unterbringung Höges an Dreger ge- wandt haben.— Brandt: ES war mir nicht mehr erinnerlich, es ist aber möglich, daß ich mich auch an Herrn Dreger in dieser Sache gewandt habe. Zunächst yber habe ich es bei Herrn v. Metze» versucht, sonst hätte ich mich ja direkt an Herrn Dreger wenden können.— Vors.: Sie sollen sich doch aber nach der Schilderung Dregers zweimal an ihn gewandt haben?— Angekl. Brandt gibt das als möglich zu. er habe vielleicht es vergessen.— Zeuge Dreger: Die ganze Sache hat sich ja in einem Gespräch von einer halben Minute abgewickelt.— Vors.: Wenn die Sache so liegt, wie der Zeuge Dreger es hier be- kündet, wie ist dann die Stelle in dem französischen Brief: Po! röussl(ich habe den Erfolg gehabt) aufzufassen?— Angekl. Brandt: Damals schrieb ich: J'ai reussi. Ich habe mir das nicht genau überlegt, sonst hätte ich geschrieben: mon sm! a reassil(mein Freund hat den Erfolg gehabt!). Ich wollte natür» lich nur schreiben, datz es meinem Freunde erfreulicherweise gelungen ist, die Stelle zu erhalten, und da ich doch mit Hertn won Metzen und Herrn Dreger darüber gesprochen hatte, so konnte eS mir immerhin durch den Kopf gehen, als ob dies hierzu etwas bei- getragen hätte, und dadurch kam es zu der Wendung j'ai reussi.— Oberstaatsanwalt: Brandt schreibt das in dem Brief so, als ob Herx o. Metzen von der ganzen Angelegenheit noch nichts weiß.— Zeuge 1 v. Metzen: Als ich den Brief bekam, verstand ich sofort den Sinn der Sache, denn es war nicht das einzige Mal, datz davon gesprochen wurde. Brandt hatte ein großes Interesse voran, daß er prmand in der A. P. K. habe. Er sagte, seine Nachrichten hätten an Wert sehr � nachgelassen, es würde sehr günstig sein, wenn er wieder jemand dort hätte.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Halten Sie es ! für möglich, auch wenn Sie sich nicht daran erinnern können, datz Sie, Herr Dreger, wenn Sie auch nicht bei v. Bücking waren, dem Brandt gesagt haben könnten, Sie wären dort gewesen und wollten nicht noch einmal hingehen?— Zeug« Dreger: Ich kann mich daran nicht erinnern und glaube es auch nicht. — Vors.: Es wäre aber doch möglich, datz Sie dem Herrn v. Metzen das wiedererzählt haben, was Sie nach Ihrer Bekundung dem Brandt geantwortet. Das wäre doch eine Erklärung für diesen ganzen Fall.— Ein Beisitzer: Hat Herr Dreger vielleicht zu dem Zeugen v. Metzen das gesagt, was er zu Brandt geäutzert hatte, und Herr v. Metze» es vielleicht dahin verstanden, datz Herr Dreger schon bei dem General gewesen wäre?— Die Aeutzerung läßt sich ja, wie wir auch gesehen haben, nach dieser Richtung hin mißverstehen.— Zeuge v. Metzen: Ich kann das nicht zu» geben, sondern ich entsinne mich ganz genau und habe es weder für einen Scherz, noch für eine Erzählung gehalten, sondern für bare Münze genommen.— Zeuge Dreger: Aber Herr Präsident, es wäre ganz widersinnig, datz ich zu einem hohen Offizier wegen einer solchen Sache gehe.— Zeuge v. Metzen erklärt auf eine nochmalige Befragung durch den Borsitzenden: Ein Mitzverständnis ist immer möglich, aber hier ist mir kein Miß- Verständnis unterlaufen, sondern das, was ich in meiner Aussage Wort für Wort über die Aeutzerung des Herrn Dreger bekundet habe, halte ich nicht für einen Scherz und auch nicht für die Wiedergabe einer Aeutzerung, die Herr Dreger zu Brandt gemacht hat.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Als Sie vor einigen Tagen nach dieser Sache gefragt wurden, schienen Sie sich der ungeheueren Tragweite dieser Bekundung vollkommen bewußt zu sein, denn Sie zögerten ja auch mit der Antwort lange Zeit. Jetzt aber kann es vielleicht doch ein Mitzver- ständnis sein?— Zeuge v. Metzen: Nein, ich bleibe bei meinen Aussagen.— Verteidiger Rechtsanwalt Löwenstein: Also Sie sagen, datz es kein Mitzverständnis war, während der Zeuge Dreger es für völlig ausgeschlossen erklärt. Damit schließt die heutige Verhandlung. Der Zeuge Geheimer Finanzrat Hugenberg wird nach Essen beurlaubt. Die Verhandlung wird am Montag früh fortgesetzt. Versammlungen. Zcntralverband der Töpfer. In der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung der Filiale Berlin erstattete der Borsitzende S e g a w e den Geschäftsbericht für das dritte Quartal. Er er- wähnte unter anderem, datz 16 Streitfälle auf Bauten erledigt wurden. Sperren wegen Lohndifferenzen brauchten nicht verhängt werden. Tie Innung in Oranienburg ist von dem Tarif zurück- getreten, weil, entgegen einer Tarifbeslimmung, einige Gesellen Ar. beiten für die Kundschaft auf eigene Rechnung ausführen.— Die Zahlen des Arbeitsnachweises lassen erkennen, datz die schon seit 1907 bestehende schlechte Konjunktur immer noch anhält. Darauf ist es zurückzuführen, datz bei dem Streik in Chemnitz viele Ber» liner Töpfer, besonders von dem gelben Verein der freien Ofen» sctzer, als Arbeitswillige aufgetreten sind. Man steht also, datz die Krise in Berlin eine Gefahr für die Kollegen in ganz Deutschland ist. Der Bericht des Kassierers R a p p u t a n schließt für die Hauptkasse in Einnahme und Ausgabe mit 11 65b M. ab. Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 7066 M. und eine Ausgabe von 5989 M. Für Unterstützungen wurden insgesamt 9026 M. ausgegeben. Die Mitgliederzahl betrug am Schluß des Quar- tals 1371. Aus dem von S e g a w e gegebenen Bericht der Lohnkommission geht hervor, daß sich die Unternehmer an den Verband gewandt haben mit dem Wunsche, über den Abschluß eines neuen TarifeS zu verhandeln. Sie wünschen, datz auf der Grundlage des von den Arbeitern nicht anerkannten Jnnungstarifes ein Neuer Abschluß auf ein Jahr zustande kommt. Die Lohnkommission hat sich zu Verhandlungen bereit erklärt, es hat aber bis jetzt noch keine Ver- Handlung stattgefunden. Der Fensterstreik hat in diesem Jahre keinen erheblichen Um- fang angenommen. Gestreikt wurde von 53 Kollegen auf fünf Bauten, von denen auf zwei Bauten die Arbeit innerhalb drei Tagen wieder aufgenommen werden konnte, weil die Fenster ver- glast wurden. Aus den übrigen drei Bauten waren 18 Kollege» zu unterstützen. Drei Mitglieder, die gegen den Fensterstreik ver- stoßen hatten, wurden ausgeschlossen, einem vierten wurde eine Rüge erteilt. Hierauf trat die Versammlung in die Diskussion über de« Verbandstag ein. Bei dieser Gelegenheit betont Bomhammel. datz der Brief, den Malz an den Verbandstag gerichtet hat, nicht der Meinung der Berliner Kollegen entspricht. Schließlich nahm die Versammlung einige Ersatzwahlen vor. An Stelle eines zurückgetretenen Beisitzers im Filialvorstand wurde Schulze und für das freigewordene Amt eines Beisitzers im Zentralvorstand wurde Otto Schulz- Spandau gewählt. Dir echhrrsit Imista spart im Fleisch imi> verMert die Suppen, Sauren und Gemüse deim Anrichten mit IM AG Gl3 Klfirzc! neuelies riocLcll la-O-tPomiacK. xrnfirxocirnnod: ötot■ und Ledep-Einläiaen.'S' n: Tauentden- Sirasse 20 König-Sfrasse 34 Leipziger Strasse 65 Onanien-Strasse+7a Müller-Strasse 3a OranicirSfrassc 34 Moabit, Turmstc 50 Friedenau, Rheinst.!♦ Neukölln, Bergstn Vi Sie fühlen sich wie neugeboren, wem, eu schnupfen. 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Druck a.«erlag: Vorwärt» vuchdruckerei».Verlagsanstalt Paul Singer«. To� Berlm r.m 30.1.1,,«, 4. Stilllgt des Lmarts" Kttlilltt Vslksdllltt. Zonntllg, 2. November llMZ. Parteitag der deutschen Sozialdemoliratie in Oesterreich. Wie«, 1. November.(Privattelegramm des„Vor- wärt s".) Der deutsch-österreichische Parteitag nahm gestern abend seinen Anfang mit einem Begrützungsabend im Ottakringer Arbeiterheim. Es sind fast 300 Delegierte erschienen. Als Gäste sind in Vertretung der ausländischen Brudcrparteien gekommen Huysmans- Brüsiel für das Internationale Bureau. Müller und Frau Zieh- Berlin vom deutschen Parteivorstand, W e l t n e r- Budapest für die ungarische Sozialdemokratie, Dr. Diamand- Lemberg für die polnische Partei, K r i sta n- Laibach für die slo- wenische und B u r i a n- Brünn für die tschechische(zentralistische) Sozialdemokratie. Zu Vorsitzenden wurden gewählt P e r n e r- storfcr, Tom schick und David- Wien. In eindrucksvoller Rede gedenkt Pernerstorfer der Toten, vor allem Bebels und S ch u h m e i e r s. Er schildert die schwere Zeit der Kriegsgefahr, der Mobilisierung und der wirtschaftlichen Krise, unter deren Folgen die Partei noch leide, und erinnert zum Schluß an den ersten Kongreß der damals neu geeinigten Partei in Hainfeld, der vor 25 Jahren dem unheilvollen Zwiespalt ein Ende machte. Die vor 35 Jahren zusammengeschmiedete Sozialdemokratie werde weiter von Erfolg zu Erfolg schreiten. Es folgten die Begrüßungs- ansprachen von Huysmans, Müller, Weltner, Diamand und Kristan. Die eigentlichen Verhandlungen begannen heut« vor- mittag mit der Erstattung der Berichte des Partcivor- st a n d c s durch S k a r e t, der Parteikasse durch Ellenbogen und der Kontrolle durch C z e ch. In den Berichten und in der Debatte wurde ein Stillstand in der Mitgliederzunahme konstatiert, ohne daß Mißmut und Kopfhängerei eingerissen wären. Die letzte Werbeaktion der Partei in Wien und Niederösterreich im Oktober dieses Jahres ergab trotz der schlimmen Arbeitslosigkeit einen Ge- winn von über 7900 neuen Mitgliedern. Die Werbe- oktion, die der Parteivorstand schon im Frühherbst angeregt hatte, ist von Deutschböhmen und anderen Landesorganisationen als un- zeitgemäß abgelehnt worden. Darüber entspann sich eine lebhafte Debatte, die in der Hauptsache ztvischcn den Wiener und den deutsch- böhmischen Genossen geführt wird. Noch im Laufe dieses Parteitags soll auf einer Konferenz mit den Landesorganisationen die Frage der Werbeaktion für das ganze Reich erledigt werden. Dem Parteivorstand wurde einstimmig die Entlastung erteilt. Dann erstattete S e i tz den Fraktionsbericht. Er beschäftigte sich in der Hauptsache mit den Anträgen einiger Organisetionen auf Verschärfung der parlamentarischen Kampfmethoden. Angesichts der drohenden neuen Heereslasten und des Widerstandes der Regierung, des Herrenhauses und der Mehrheit des Abgeord- netcnhauseS gegen jede Fortführung der Sozialreform und gegen die Gesetzwerdung der Sozialversicherung fordern diese Anträge, daß zur Obstruktion gegriffen werde. Seitz bekämpft diese Vorschläge, die das Parlament des gleichen Stimmrechts sprengen und die Waffen der Reaktion stärken würden. Ueber diese taktischen Fragen wird es morgen zu einer lebhaften Auseinandersetzung kommen. wirtschaftlicher Wochenbericht. Zur Koujuukturlage.. Während die in den letzten Wochen veröffentlichten Jahres- abschlüsse der großen Bergwerks- und Hüttenunteruehmen den Ar- beilern ein Bild davon gaben, wie groß die Gewinne des ver- gongeneu Hochkonjunlturjahres 1912— für die Kapitalisten aus- gefallen sind, halten die Arbeiter im gleichen Moment schon die Schädigungen der begonnenen Krise zu spüren. In den Ausweisen über die ÖuartalSüberschüsse der großen Werke hat die Krise erst »ine relativ geringe Ermäßigung der Gewinnziffern hervorgerufen. Mit nicht bestreitbarem Recht können die Verwaltungen die un- ruhig werdenden Aktionäre weiter darauf verweisen, daß trotz der sinkenden Absatzziffern und Preise die gleiche Divendenhöhe auch für das kommende Jahr zu erwarten sei. Den Unternehmungen bringt eine Hochkonjunktur nämlich wirklich daS, was angeblich auch den Arbeitern während solcher Zeit zuteil wird: so große Erträg- nisse, daß sie für die Zeiten des Konjunkturrückgangs Rücklagen machen können. Die Abschreibungen für das verflossene Geschäfts- jähr 1912/13 sind in allen Aktiengesellschaften hoch bemessen worden, die offenen und versteckten Reserven wurden aufs neue und in ver- stärktem Maße erhöht. Trotz vermehrter Konkurrenz, niedrigerer Preise, geringeren Absatzes bleibt der Gewinn dann noch immer so hoch, daß die Dividende in Jahren geringerer Erträg- nisse in der alten Höhe verteilt werden kann. In der Vorstellung von Bürgerlichen erscheint allerdings die Ermäßigung der Warenpreise als ein Vorgang, der ohne weiteres einen absoluten Verlust für den Kapitalisten bedeutet, als ob die Warenpreise— und nun gar in unserer Zeit der Kartellierung und Syndizierung!— ständig nur so hoch bemessen sind, daß jede Ermäßigung das Unter- nehmen sofort unrentabel machen müßte. Während jede Lohnherab- setzung die Verelendung der betroffenen Proletarier vergrößert und nur durch eine Einschränkung des Konsums auszugleichen ist, bieten sich dem Unternehmer Möglichkeiten genug, die Preis- ermäßigung wettzumachen: gesteigerte Ausbeutung der Arbeiter durch geringeren Lohn, längere Arbeitszeiten oder verstärkte An- spannung im Arbeitsprozeß(etwa nach Methoden des Taylor- systemS); Steigerung der Produktivität' durch Einführung arbeit- sparender Maschinen oder sonstiger technischer Verbesserungen! Bezug billigerer weil ebenfalls von der Konjunkturabschwächung er- faßter Rohmaterialien. Ebenso hat die Absatzstockung für die Unternehmer bei weitem nicht die unangenehmen Folgen wie für die Arbeiterschaft. Einlegung von Feierschichten oder Einschränkung von Betriebsteilen bedeuten für die Arbeiter Schmälerung des Lohneinkommens oder gar völlige Arbeitslosigkeit. Da bei einer Krise die ganze Industrie in Mit- leidenschaft gezogen wird, bietet sich für den Arbeiter natürlich auch keine Möglichkeit, in anderen Betrieben der gleichen Branche unter- zukommen. Selbst der Uebergang in andere Industriezweige ist er- schwert, weil auch dort Arbeitslosigkeit herrscht und bei Bedarf Ar- beitslose der gleichen Branche bevorzugt werden. Fragt man nun, welchen Umfang und Grad der Konjunktur- rückgang bereits angenommen hat, so fällt die Beantwortung zurzeit nicht undeutig aus. Ein zuverlässiges Urteil darüber ist nur auf Grund umfassender statistischer Grundlagen möglich, und diese fehlen. Selbst- verständlich wäre es Aufgabe der Regierung, diese Unterlagen in systematischer fortdauernder Arbeit zu schaffen. Aber es ist be- zeichnend, daß z. B. die Regierung erst zögernd die jetzt allgemein verbreiteten Methoden zur Beurteilung des Arbeitsmarktes(Fest- stellung der Beschäftigtenziffer in Arbeitsnachweisen) in ihr reich?- statistisches Programm aufgenommen hat. Ohne die Geschäfts- geheimnisse eines Einzelbetriebes ga gefährden, ließe sich u. a. die Verpflichtung zur regelmäßigen Mitteilung der Arbeiterzahl an die statistische Zentralbehörde einführen. Vor den Festsiellungen der Krankenkassen, BerufSgenossenschaften und Landesverficherungs- behörden würde diese Berichterstattung die Vorzüge größerer Schnelligkeit und Weileren UmfangS bieten. Will man zurzeit einen Ueberblick ü.ber die Konjunktur gewinnen, so ist man nur auf Einzeldaten angewiesen: Ein- und Aus- fuhr nach Menge und Wert, Einnahmen der deutschen Eisenbahnen aus Güter- und Personenverkehr. Produktionsziffern der großen Monopolverbände(Kohlensyndikat, Stahlwerksverband, Roheisen- verband u. a.), ArbestSlosenziffern der Gewerkschaften, Andrangs- Ziffern bei den Arbeitsnachweisen, Mitgliederzahlen der Zwangs- krankenkassen, die Bewegung der Warenpreise u. ä. Aus diesen Teilangaben, die sich nicht immer in Ueberein- stimmung bringen lassen, ein Gesamtbild über die gegenwärtige Konjunktur gewinnen, begegnet Schwierigkeiten. Die Produktion von Kohle und Eisen ist noch immer viel höher als im Vorjahre, während die Steigerung dieser Ziffern gegenüber den Vormonaten dieses Jahres abnimmt. Außenhandel und Binnenhandel(dieser gemessen an den Verkehrseiunahmen der Eisenbahnen) zeigen eben- falls gegenüber dem Vorjahre gewaltig gestiegene Werte; aber auch hier läßt die noch weiter bestehende Zunahme bereits nach. Am deutlichsten wird der Konjunkturrückgang aus der Preisbewegung. An den Warenbörsen sind die Notierungen für Kohle und Eisen stark gesunken. Im freihändigen Verkauf drücken sich die Preis- ermäßigungen noch stärker aus. Die großen Montanverbände haben offiziell ihre gemeinschaftlich festgesetzten Preise heruntersetzen müssen. Nur das Kohlensyndikat zögert noch damit. Auf dem Arbeitsmarkt steigt die Zahl der Arbeitslosen, aber auch die Ziffern der Beschäf- tigten gehen noch in die Höhe. Die Zunahme der Frauenarbeit, er- zwungen durch die Lebensmittelteuerung, scheint für diesen Wider- spruch die Erklärung zu bieten. Einmal erhöben die arbeit- suchenden Frauen die Andrangsziffern bei den Arbeitsnachweisen, Dann aber findet ein ständiger Ersatz der Männer durch Frauen in einzelnen Industriezweigen statt, in denen bisher nur Männer be- schäftigt waren. Die arbeitslos gewordenen Männer finden nur zum Teil Aufnahme in anderen Industrien; zum anderen Teil vermehren sie das bestehende Heer der Arbeitslosen. Für August, September und auch Oktober war die Lage auf dem Arbeitsmarkt etwas günstiger, weil die Erntearbeit auf dem Lande und die Umzugszeit in den Städten zu vermehrter Beschäftigung führte. So wurde eine geringe Besserung im Holzgeweeüe(Möbel- tischlerei) und im Baugewerbe(für RenovierungSarbeiten) beobachtet. In dem laufenden Monat werden diese günstigen Momente wieder ausscheiden und da auch die Schwerindustrie mit weiteren Absatz- einschränkungen rechnet, ist für die nächste Zeit eine steigende Arbeits« losigkeit zu erwarten. Die in der vergangenen Woche beschlossene Ermäßigung des Reichsbankzinsfußes von S auf 51/-, Prozent wird für die Industrie kaum eine Anregung bringen. Die Verbilligung des Kredits ist zu gering, um eine Belebung hervorzurufen. Vielleicht kommt der billigere Zins der Landwirtschaft zugute, die Kredit in A.-, spruch nehnren will, um die Ernte zurückbehalten zu können. Der sofortige Verkauf würde ein große? Angebot an den Markt bringen und den Preis drücken, während billiges Geld �s ihr möglich macht, mit dem Verkauf zu zögern und die Ernte allmählich zu höheren Preisen abzustoßen. Von agrarischer Seite wird dagegen behauptet, daß die Zinsermäßigung im Juteresse der Großbanken geschah, die durch den billigeren Zins eine Belebung der Spekulation) erwarten. Auch sollen die Großbanken beabsichtigen, durch ge« ringeren Zins ein größeres Interesse für Rentenpapiere(Staatspapiere hervorzurufen. Die Großfinanziers ivollen ausländische Anleihen— genannt wird in erster Linie eine rumänische Staatsschuld— in deutschen Kapitalistenkreisen unterbringen und bei niedrigem ZinS für Depositen und Judustriepapiere steigt die KapitalSanlage in Renten. Aber wenn man auch von diesen Gründen absieht, ist doch die Zins- ermäßigung der ReichSbank mehr ein Zeichen der wirtschaftlichen De- Pression als ein Mittel, den Konjunkturrückgang aufzuhalten. Höchstens könnte sie den schleppenden Eharakter, den die gegen- wärtige Konjunklurperiode auch beim Aufstieg auszeichnete, noch ver- stärken._ Witterun gSübenicht vom 1. November 1913. 5 8 L N Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien BZ 764 SO 763|D®D 765l® Hstia 76SjSti 767® 767|D s Wetter 1 Nebel 4 Dunst 2 wolkig Dunst 1 heiter 1 Nebel UK e � äH l» m£> «tattonen 81 Haparandajlöll Petersburg! 760® 4 ii -- 2 Bf SW Scillh Aberdeen Pari? 756 W 754 759 SSW SSO 2Neb«I 1 Nebel 4 halb bd. 3 heiter 2Regen ! .« 4 4 6 12 7 13 Wetterprognose für Sonntag, den Z. November 1913. Mild und zeitweise ausklarend, jedoch vorhcrschend wolkig mit leichten Regensällen und mäßigen, südwestlichen Winden. Berliner W ett erb ur eau. Wasserstands-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— ft Unterpegcl. Lfrvwma "Zeugnisse tmserar einzig in ifaer JjJrt dasteßemkn "ireriie, djer größten JJcntsciiihnds zMMMW UZWiW- !•»',M ik'fci#/ IL..'.w., v,,. to'gte«- Nr. 3. Dunkel Cheviots mit gcbtnslfte; und hei! gemusterte k/f O /I ».... r, Nr. 4. Fein gemusterte Cheviots In K/f Q'~7 den neuesten Farbenstellungen... 1«•<—->' Nr. 3. Grau, oliv und breune Phon- N/T lesiestorfe, sehr schiel«.......... 4 4- Nr. 7. Flcuschstoffe In 18 neuesten K/s Farber.stell. ganz besonders empfohl. 1 Nr. 6. DunKelgrau melierter Cheviot Tvf y\(~\ mit feinen farbigen Streifen....... II* Nr. IG.„Spezial-Marke B. S." InFlausch und NX Cheviot, ganzbesond. schöne Ausmuster. 1-> Nr. 12.„Echt englische Cheviofs" mit Tvf bunten Effekten................... 4 4- Nr. 13. Karierte oder gestreifte Cheviots K/f od. Flauschstolle, vornehme Ausstattung 4-• Nr. 13.„Schottischer Cheviot" In vielen KX Musfem und Farben............... 4 Nr. lO.„Echf englischer Chevlor, neueste X/f Farben, extra feine Ausstattung....... 4 4. Sonnlag nur v. geöflhefl Der Hnupf. Katalog (Neuesie Moden 1913'14) kostenfrei BaerSohn Chausseeslraße 2,9-30 Berlin 11 BrOcKensfraße 11 Große Frankfurter Sfr. 20 gegr. iöqi ScHöneberg, Haupfsfr.lO Praklische Wand- Notiz« Kalender 1014 an unsere Kunden umsonst Oeffentliehe politische Yersammhragen. Sechster Wahlkreis. Mittwoch, den 5. November, abends 8�/, Uhr: Geffentl. Frauen- Uerj ammlung w Puhlmanns Theaeer, Schönhauser Allee 147. Tagesordnung: t. Vortrag der Genossin Frau Dr. Wehl: SÄelches Jntereffe haben die Frauen an den Stadtverordnetenwahlen? I Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Die Einberuferin 231/17* Frau Minna L o h se, Oderberger Str. 20. »- B Verband der Jflaler, Sackterer, Unsfreieher Sechster Wahlkreis. MM KommunaiwäMerverfammlunaen Bureau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Wiale Serlw. llZlv. Arbeitsnachweis: Rückerstraß« S. Fernsprecher: Amt Nordeu K708. Dienstag, den 4. November ISIS, abends 8'/, Uhr: Alitxlivckvi'- V ensammlimg/ im Ciewerhschattshanoe(großer Saal), Engelufer 1«. ----- �Fortsetzung der Versammlung vom 30. Oktober.) Tagesordnung: t. Wahl deS Vorstandes. 2. Kasienbericht für das 1., S. und 3. Quartal ISIS. BerbandSangelegmheit. —— Rur Mitgliedsbuch legitimiert!———— Die Versammlung wird PünMich eröffnet.— Zahlreichen Besuch erwartet 186/17* Die Ortsverwaltunif. am Dienstag, den 4. November, abends 8V» Uhr str den 39. Kommunalwahlbezirk in den ltaroi3na»8alLn. Schönhauser Allee 28 Referent: Reichstagsabgeordneter Dr. Oskar Cohn; für d-n 31. Kommunalwahlbezirk in Stißmilchs Festsälen, Bornholmer Straße 7 Referent: Stadtverordneter Karl Koblenser; für den 37. Kommunalwahlbezirk im Artushof, Perleberger Straße 26 Referent: Reichstagsabgeordneter Dr. Karl Uebkneeht. Am Mittwoch, den 3. November, abends SV« Uhr: für den 33. Kommnnalwahlbezirk in den Rflils-Lalen, Schönhauser Allee 130 Referent: Reichstagsabgeordneter Artor Siadthagen; für dm 44. Kommunalwahlbezirk in Frankes Festsälen, Badstraße 19 Referent: Stadtverordneter Theodor Fischer. Tagesordnung in alle« Versammlungen: i. Die Aufgaben der Sozialdemokratie im Roten Hause. 2. DiSlusfion. 231/16* _ Die sozialdemokratischen Wahlkomitees. f�afe IWeyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 u. IS, Bier, hcllu.dunl.10Pf. ca. 60 Zeitungen; Billard Std. 60 Pf. Zahlstelle der Freien Volksbühne. lieber. Einem tüchtigen Stroh, und Filz» hntmacher mit nur guten Referenzen und kleinem Kapital wird Gelegenheit geboten, eine komplette Hutfabrik unter günstigen vedingungm mtet- weise zu übernehmen. Offerten unter C. 8 Haupterp edition de? .Vorwärts*, Liudenstr. KS. 2812b Vervaltanjt Berlin. Freitag» den 21. November, abends 8 Uhr: HW Ordentliche General- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer IS, Saal 4. Anträge müssen bis Freitag, de« 7. November, bei der Ortsverwaltnng eingereicht sein. Mittwoch, den 5. November: Tertranensmänner-Versammlungen der Bezirke und Branchen. Die Versammlungen werde« am Dienstag bekannt- gegeben. Stockarbeitep. Die Bertranensmanner-Bersammlung findet bereits am Dienstag, den 4. November, abends 6 Uhr, bei Hermel, Holzmarktstr. 21, statt. ßezirli ober-Zchonemide. Dienstag, 4. November» abends S'/a Uhr, bei Warnecke, Wilhelminenhofstr. 18; �Utgtleder-VcrfAnunluiig Tagesordnung: 1. Verstands- und Bezirksangelegenheiten. 2. Ersatzwahl für die Kommiffion. Sonntag, de« 9. November 1913, bei 0biglo fftüher Keller), Koppenstr. 80: Theater- Vorstellung. Zur Aufführung gelangt: vsr?rodsksnäiäat. Drama in vier Aufzügen von Vax Dreyer. In Szene gefetzt von FriN Wilte-Wild. «Mast 6 Nhr. Anfang 7'/, Uhr. Aach der«orstellnng: Ball bis 8 Nhr. «NNrittSkarten a«0 Pf. inkl. Tanz sind auf allen Zahlstellen, .Beim Gastwirt Kollegen Greire, Rungeftr. 30, und im Bureau zu haben. 91/8 Die OrtsverwaltiinDk. Verband der Sattler und Portefeu iiier. OrtsTcrwaltnne Berlin. Dranchen-Uerfammlungen Sefchin-Srmiche: fSÄftP*" vorteftuilles- und Meartlbribrallche: bei Graumau». Nannhustraße 27. PiMr-Kr»«cht: UNÄ!?«K.S Sr°'«.' tt-" � liBDlroulfJ«». Tispichlihn: bei Weihnacht, Grnnstr. 21. Wageu-Mmche: ta eftnmSM-«. im Graphische» Vereinshause, Alexandrinenftr, 44. Kahtr eichen Besuch dieser Verfammlungeu erwarte» TBßp Die Branchenleltnngen. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Llnienstr. 83-85. Telephon; Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Montag, den 3* November 1913: Bezirks- Versammlungen für die gelamte Verwaltungsttelk Berlin in folgenden Lokalen: MOnlöN! PharnMftle, Müllerftr. 142, abends 81/, tlhr. NOrd0Q* I?ÖifhnerS Fe8tsa,e' �chwedter Straffe SS, abends Norden I beranke» PeststUe, Babstr. 10, abends 8'/, Uhr. MOftbU I Prachtuttle Nordwest, Wiclefftr. 84, abends S'/, Uhr. cksrioltenburg*. volkshan«, Rofinenftr. 3, abend» 8»/, Ahr. I'egell 71 U Her« Keetaurant, Berliner Ztr. 84, abends 6 Uhr. Westen und SchSneberg; JÄ'ÄS'Ä- OSlOD I Comenlnsshle, Memeler Str. 67, abends S1;, Uhr. Lichtenberg: Ä""; Stralau-Buminelsburg: S" fu"'""'«««»"»■=■ Vortrag über: Die VolkSfürforge. Referent: Genosse»ermann Völler. Äeißenseö' PeiJ��tsl ,lestaurant' Berliner Allee 251, Südenbezirk 15 Neukölln I"au�C,IS Fest"ttle' Hermaunstr. 48/49, abends Steglitz: Albrechtahof,«lbrechtstr. la, abend» 8»/, Uhr. Köpenick u. Friedriehshagen: Schönerlinder Str. 6, abends 8'/, Uhr. Oberseköne«reide, Niederschöneweide, Johannis- tbal u. ümg.: Spandau:»««taarant Dort-, Knrstr.«1, abends 8-/, Nhr. Tagesordnung in alleu Versammlungen: Stellungnahme ,»» Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünktliche» und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 128/19__ Die Ortjxvcrwaltnnj:. Zentral-Verband der Schuhmacher Deutschlands. Montag, de« 8, November, abends 8'/, Uhr, im B-lkshauS. Rosinenstrahe 3: Sesir'hs-'�evtammlting für Charlottenburg. Tagesordnung: 1. Vortrag über»Volksfürforge». Referent: Genosse MiruS. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Wahlen. 4. Verschiedenes. Mittwoch, den S. November, abends 8'/, Uhr, bei Boeker. Weberstraffe 17: Ksnsi'sIuSnssgDNHlung. Tagesordnung: 1. Kassen- und Geschäftsbericht vom 3. Quartal. 2. Vortrag über: Fürfteneinkommen, Unternehmergewinne und Arbeiterlöhue. Re. ferent: Genosse Hetzschold. 3. Sonstige Verbandsangelegenheiten und verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. fM vollzählige Teilnahme erwartet wstst« Die OrtSverwal«,»». Wahlverein Charlottenlnirg Mittwoch, den 5. November, abends 81/, Uhr: = Oeffentiiche= iomtnitnolitiället-fchaiitilititeen. Fstr den 2., 4. und 6. Bezirk: Charlottenburger Festsäle, früher Schul-, Kaiser-Friedrich-Str. 24. Tagesordnung: i- Kommunale Intkreffenokriretung mie fit ifi vvd- mit i»» fein fit 111« Referent: Stadtverordneter vehert. jlk Inn fllllir. 2. FreieAuSfprache. Für den 8. Bezirk: Augusta-Biktoria-SSle, Jnh. Kvrtlax, Lutherftraffe 31/32. Tagesordnung: Aufgaben der Gemeinde. 2. Freie Ausspräche. Referent: Stadtverordneter Dr. Bruno Borchardt. 251/« Das sozialdemokratische Wahllomitee. Veutsekvr ZsänMsrverdauü "Vem-altuuxsstelle«erll».— De-lrh IV. SQ. Strastenhändler! Hausierer! Marktsahrer! Montag, de» 3. November, abends 0 Uhr, im Luisenstadt-Kasino: O öffentliche Versammlung. Tage» ord«ung: 1. Ter Veruichtnngskampf gegen unsere» Beruf»ud wie wehre» wir uns. Referent: Kollege Brendel. 2. Diskussion. 2821b Tie Bezirksleitung. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin.— Sektion der Gips- u. Zementbranche. Gipsbaubranche. Mittwoch, den 5. November 1913, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstr. 10: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Neuwahl des Gruppenvorstandes. ----------- Mitgliedsbuch legitimiert. � Achtung! Kollegen! Die noch nachträglich bewilligte Unter» stützung für die Kollegen Putzer, Spanner und Träger. welche während der Lohnbewegung der Gipsbranche die Arbeit eingestellt haben, gelangt zur Auszahlung, soweit dieselben noch Mitglieder der Organisation sind und ihre Beiträge aus dem laufenden haben. Zu dieser Versammlung laden wir hierdurch alle Kollegen ein und er« warten bestimmt, daff jeder Kollege erscheint. 146/8'_ Der SektlongvorBtand. Belm Vorzeigen diese» ImeraU» 4 pCt Raliatt. Dien vii Oelfl Jezil-MaaT Engro«- X,«yr Ezport- Laaer Koslöm-öklegenheitskaaf: Kostüme, tieiru-f»':S=l Kostüme, llUier- tiaslan 1ü-25m. Seal-, teldeißifiiH-D.tait-Miiitei 25-75 m. ifisdi- Dlinfler-öliterÄ 5-15"• . Hoctielsgante Modelle ZS1S p8lZ"IiBit3tiODBn,BreH«'hwanz*AiUt'rachan bedeutend lliM Herslellungspreis Spezialität; Extra-Weiten für starke D-— Max Mosczytz, llirIIiil.taiiMMitr.ZS. 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Wahl der Redisoren zur Prü- sung der Jahresrechnung pro 1913. 2829b i, Wahl von &) fünf Vorstandsmitgliedern und zehn Stellvertretern derselben aus den Reihen der Arbeitnehmer, d) drei Vorstandsmitgliedern und sechs Stellvertretern derlelben aus den Reihen der Arbeitgeber in den Vorstand der Allgemeinen OrtStrankcntasie der Stadt Berlin für die Zeil vom 1. Januar 1914 bis 31. Dezember 1917. De? Vorstand. Blchard Nürnberg, Jonas Stahl, Vorsitzender. Schriftführer. Kauhandmrker- Krankenkasse fir Kerlin nnd Um- gegend. �Eingeschriebene HilfSkaffe Nr. 118.) Den Mitgliedern zur Kenntnis, baß die Satzung, welche die General- Versammlung am 31. August beschlossen hat, am 17. September vom Bolizeipräsidenten genehmigt ist. Die Satzung tritt am 1. Januar 1914 in Kraft. Von diesem Datum an führt die tlasie den Namen Krailkeii- it. Änbe- Kusse der KlUlmbkiter Kerliiis. ZuschuHkaffe Es bestehen 2 Klassen. Die Beiträge betragen in der 1. Klasse wöchentlich 60 Pf. 2. ff ff 40 Pf. die Mitglleder der Bauhandwerler- Krankenkasse treten am I.Januar 1S14 in die erste Klasse über. Will ein Mitglied der zweiten Klafle beitreten, so hat es dieses am Jahresschluß 1913 oder in der ersten Lettragswoche 1914 beim Vorstand zu beantragen. SpätereUebertritte von der dereinen w die andere Klasse finden nicht statt. Die neue Satzung erhalten die Mt- glieder bei der letzten Wochen-BeitragS- zahlung 1913. KS. Ferner müssen die Mit- glieder dafür Sorge tragen. das» jedes am Jahresschluß Mitglied einer Pflichtkossr ist.— 33/6 vor Vorstand. _ I. A.: H. Metzle. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Fertig am Lager i M-IMW 36i 40 1 j Cutaway n. Weste Selnkleider 65,50,1 40,36,1 18, 15. 12, 10, IM. IM. Fertige schwarte Kieiduog für Knaben und Jünglinge tl in grOBiet Auswahl Feine Maß- Anfertigung :t in ca. 10 Standes:: Baer Sohn Kleider• Werke Berlin. Gegr. 1S91. 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Den Mitgliedern die traurige Wilteilung, daß unser langjähriges Mitglied, der Kollege prall? Baehmann nach kurzer Krankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 8. November, nachmittags 4 Uhr, aus dem EmmauZ-Kirchhos, Neukölln, Hermannstratze, statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege Karl Pursch nach längerem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Audenfe«! Die Beerdigung findet Montag, den 3. November, nachmittags 4 Uhr, aus dem katholischen Kirchhos, Neukölln, Mariendorser Weg, statt. 25/3 Unseren Mitgliedern ferner zur Nachricht, batz unser langjähriges Mitglied, der Präger Ulbert Scharnow nach langem Leiden am 30, Ok- tober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Nnäscherung findet heute Sonntag, den 2. November, vor- mittags 10 Uhr, im Krematorium in der Gerichtstratze statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein I. dlBerL ßeichstags-Wahikreis. Am 30. Ottober verstarb unser Genosse, der Steinmetz Kanl Schloor (Bredowstr. 31. Bezirk 708.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle de« Heilands-KirchhoseS in Mötzeiisee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstund. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle«eriin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler Wilhelm Hönicke, Kl. Hamburger Str. 7, im Alter von 60 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. November, nach mittags 4 Uhr. von der Halle de« neuen Sophien-Kirchhoses in der GreisSwalder Straße aus statt, 91/7 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metaliarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Karl Schreiber Antonstr. 34, am 81. Oktober an Gehirnschlag gestorben ist. Ehre seinem Andonke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. November, nach- mittags 3'/, Uhr. vom Trauer- hauscnach dem PhilippuS-Apostel- Kirchhos in der Müllerstraßc, Ecke Seeftraße, statt. 128/20 Rege Beteiligung erwartet Ola OrtsverwaHusg. Nach langer Krankheit starb am 31. Oktober unser lieber Mitarbeiter, der Buchbinder KaH Pursch im Alter von 34 Jahren. Wir werden dem so früh Da- hingeschiedenen ein ehrendes An- denken bewahren. ivorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstatt Pool(Singer A Co. Am Freitag, den 31. Ottobcr. verschied nach langer, schwerer Krankheit unser lieber Mitarbeiter, der Buchbinder Karl Pursch im Alter von 34 Jahren. Ein ehrende« Andeuten be- ivahrt ihm DaS Personal der Vorwärts-Buchdruckerei. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. November, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Sankt Michaelttrchhos, Martendorf, Gott- lieb- Dunkel» Straße, von der Leichenhalle aus statt. -Bas Verband d.Gemeinde-n.Staats&ri). Filiale BroB-BerUn. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Paul Köbach welcher im Betriebe de« städtischen Gaswerl« in Schmargendorf de- schästtgt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrende« An- denken bewahren. Die Bestatttmg findet am Montag, den 3. November, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-griedhoscs in Wilmersdorf, Berliner Straße, aus statt.- 35/17 Die Ortiverwaltsng. Am Sonnabend, den 1. Nov., früh 3'/, Uhr. verschied nach langen, schweren, in großer Geduld ge- tragenen Leiden mein innig ge- liebter Mann, unser guter Bruder und Schwager, der Dreher Dskar Günther im Alter von 62 Jahren, Um stille» Belleid bittet Die ticsbetrübte Witwe Barle Ctintber, Neue Königstr. 70. Die Einäscherung findet am Dienstag, den 4. November, nach- mittags 3 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. 2849b f iermtt die traurige Nachricht, am Freitag, den 31. Okto- der 1213, nachmittag» 3 Uhr, meine inniggeltebt« Frau, unsere gute Mutter A-uxuste Gade geb. Bärwald im 38. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager sanft entschlafen ist. Dies zeigen tiesbctrübl um stille Teilnahme bittend an Paul Gade nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Allen Freunden nnd Bekannten zur Nachricht, daß der Händler PndoH Armutat am 28. v. Mt«. plötzlich ver- storben ist. 179/13 Die Trauerseier findet am Sonntag, den 2. November, mittags 12 Uhr, im itzrrmatorwm, Gerichtstraße, statt, Für die Teilnahm« am Begräbnis meines lieben Manne» und Vaters, herznchen Dank. 15A Im Namen der Hinterbliebenen: Helene Lenz und Kinder. Danksagung. Für die reg« Teilnahme bei der Einäscherung meines lieben Manne« Heinrich Fischer sage ich allen Bekannten, den Kollegen der Sl. E.-G., Schlegelstraße, ins. besondere dem Kollegen Trödler für seine trostreichen Worte am Sarge de» Entschlafenen»einen herzlichsten Dank. 101« Wwe. Johanna Flacher. Famtli« Flaoher. jonuLiULiLOxmoaoaaiaaarmnanoüiJULiuuüuuuuüuuüUBonpaaaDDnnuuuüLiuunnt.H.H u h Hjanaonnat ile BiniÄifl.e.R'Sii Landeshater Leinen- und Gebildweberei FY Grünfei Fernsprecher: Zentraun Zwölfte nseed W, Leipziger Straße 29-22 Größtes Leinen- nnd Wäsdtdbms Fernsprecher! Zeabnat Zwölf tanrezW Besonders vorteilhaftes Celeoenhelts-flnsebot In Damenofische. Die In stiller Zeit aus Einzel- und htestbcstönden von Stoffen; Stickereien und Spitzen angefertigten Posten In Dtunenwösche kommen; wie alljährlich in dieser Zeil, za außerordentlich niedrigen Preisen zum Verkauf, Nr. iin.' Ts�kemd Hemdentuch mit Stickerei- Einsatz und Ansatz M. 2?« Ein Gelegenheifsposien Batist- Damenwäsche Taghemden, Beinkleider, Nachthemden, Unlerlalllen, zweiteilige und dreiteilige Garnituren mit reichen Stickerei- und Spitzenverzierungen und mit keinen Handstickereien und Spitzen bis zu *13 Milicier als der sonsfige Preis. Nr. 376.* Ta�liemd Hemdentnch, mit Stickerci-Em- O60 M. 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Eenz-Leinenjava, unt Stricbslichanlzeichn. .Mosaik" Rund 130 165 cm Nr. 1828 A. Decke a-Garai 11 fffrhafteut: glfteb Wielevv. Neukölln. Für de» Lnjeratenteil verantw.; T&. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Borwärt« Suchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. So, Berlin Kr. 288. BD. Jahrgang. 5. Seilagt des Jmsirts" StrOnti loMsfl. Sonntnij, Z.N««mwKtZ. Die Zoffener Grunditücksaffäre vor Gericht. Der Prozeß gegen den Schriftsteller Max Sebald wegen Be- leidignng des Wirkl. Geh. Kriegsrats Selle wurde gestern vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I fortgesetzt. Als erster Zeuge wird der Generalmajor a. D. v. Locbcll der- mmtmen. Der Zeuge verneint die Frage, ob bevor das Kriegs- Ministerium mit dem Plane hervortrat, das Zostener Gelände zu erwerben, dort Truppenübungen abgehalten worden seien. Der Zeuge wiederholt sodann den Inhalt eines Gesprächs, welches er mit dem Pastor Stier seinerzeit gehabt hatte. Pastor Stier sei zu ihm gekommen und habe ihm gesagt, daß er im Interesse seiner Gemeinde tätig sei. Es sei dann davon gesprochen worden, daß bei derartigen Terrainkäufen nicht alles rein zugehe. Als Stier aber die Namen höherer Beamten nannte, habe er, Zeuge, ihm sofort gesagt, daß er mit solchen Vorwürfen, die er nie be- weisen könne, sehr vorsichtig sein müsse. Er habe ihm geraten, nicht gegen alle diese Personen vorzugehen, sondern lieber nur einen herauszunehmen, z. B. den Kommifsionsrat Richter in Sperenberg, der, wie Stier behaupte, durch Verwandte Land gekauft und dann an den Fiskus mit großem Gewinn weiterverkauft habe, trotzdem er vom Kriegsministerium als Vertrauensperson eingesetzt worden war. Er, Zeuge, habe dem Pastor Stier dann geschildert, wie überhaupt derartige Verhandlungen in die Wege geleitet würden. Pastor Stier, der in Geschäftssachen offenbar sehr wenig Welt- klug war, habe dann auch seine Ansicht, bezüglich der Beamten des Kriegsministeriums geändert. Er, Zeuge, habe immer den Standpunkt vertreten, daß der Staat durch jene Spekulanten- gewinne schwer geschädigt sei, jedoch sei nicht festzustellen, daß die Leute durch Beamte des Kriegsministeriums vorher informiert worden seien.— Das'Kriegsministerium habe erst nachdem das Generalkommando des Gordekorps sich schlüssig geworden war, sich der Sache angenommen.—.Rechtsairw. Bahn: Wie kommt eS dem: aber, daß die Herren, die dort spekuliert haben, es sind nebenbei alle Mitglieder des Kreistages, gerade diejenigen Terrains ange- kauft haben, die für den Fiskus besonders wichtig waren?— Zeuge: Die Bauern, die um ihre wohlverdienten Gewinne gebracht sind, insbesondere auch Herr Pastor Stier, der für sie oingetreten ist, tun mir aufrichtig leid. Es ist nur s» zu crklärcu, daß die betreffenden Spclulanten Informationen erhalten haben müssen. In weiten Kreisen besteht größte Empörung und Erbitterung über die Jwischengewinne; insbesondere wurde auch darüber zje- sprachen, daß die Wertzuwachsstcuer nicht schnell genug von der Regierung genehmigt worden sei. Zeuge Major von Thaer vom Generalkommando erklärt: In den Akten des Generalkommandos sinden sich zum ersten Male im Jahr« ISO? Bleistiftnotizen über den Plan der Erwerbung eines Geländes an der Militärbahn Zossen-Sperenberg. Diese Notiz sei mit dem AnweiS, die Sache ganz geheim zu halten, zu einem neuen Aktenstück angelegt worden. Dann habe der Major im Augusta-Regiment Graf Reventlow den Auftrag erhalten, das Terrain zu besichtigen und dem Kriegsministerium Bericht zu erstatten.— Rechtsanw. Bahn weist darauf hin, daß schon im Jahre 1899 die Absicht bestanden haben soll, dort Schießstände ein- zurichten.— Der Zeuge kann hierüber keine Auskunft geben. Der Zeuge Jntcndanturrat Bald hat aus den Akten ersehen, daß von einem festen Plan, das Terrain zu erwerben, erst am 17. Juni 1908 die Rede gewesen sei. Professor Heutig: Es sei ihm bekannt, daß in dem Kreise Teltow Gerüchte darüber im Umlauf sind, daß Richter und Dr. Wrrth schon vorher von den Plänen des Kriegsministeriums Kenntnis gehabt haben müßten. Er habe damals einen Auftrag des Landwirtschaftsministeriums gehabt und sei viel in jene Gegend gekommen. In einem Vorort von Zossen sei ihm von einem Land- Wirt Petri gesagt worden:.Die ganze Gegend wird nächstens vom Fiskus angekauft werden, hier soll ein Schießplatz entstehen." Er. Zeuge, habe seinerzeit dem Staat Terrain zu einem Schießplatz völlig umsonst nachweisen können. Der Fiskus hätte für dieses Terrain überhaupt nichts zahlen brauchen. Er habe den Eindruck, daß damals gegen den Pastor Stier, der sich für seine Gemeinden aufgeopfert habe, geradezu ein Kesseltreiben veranstaltet worden war. Durch die Verzögerung der Genehmigung für die Umsatzsteuer sei den Dörfern ein Schaden von 800 000 M. entstanden. Ihm habe in einem Gespräch der Senatspräsident Queck sein Erstaunen darüber ausdrückt, daß gerade die- jenigcn Stücke seines Jagdgutes, die für da» Kriegsministerium von besonderem Wert waren, von Spekulanten angekauft worden seien.-. Hieraus wird der Bürgermeister von Zossen, Dr. Wirth, der- nommen. Im August 1907 kam der Kommrssionsrat Richter zu mir und erzählte mir, daß er nächstens im Auftrage eine? Dritten, den er mir aber nicht nannte, in der Nähe von Zossen Terrains kaufen sollte. Vor 1907 chabe ich keine Nachricht bekommen. Dem Schriftsteller Lewh-Eschwege habe ich das mir gegebene Vertrauens- Votum des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung von Zossen vorgelegt und ihm das ganze Material unterbreitet. Herr Lewh hat darauf sehr bedauert, mich angegriffen zu haben. Rechtsanw. Bahn: Ist es richtig, daß Sie Terrains für 51000 M. gekauft»nd für 249 000 M. an den FiSknS wieder verkaust haben?— Zeuge: Ich muß dabei folgendes vorausschicken. Ich bin seit 1899 Bürgermeister in Zossen und habe die ersten 3 Jahre überhaupt keinen Urlaub genommen. Ich wurde nervös und mußte mich auf ärztlichen Rat viel im Freien aufhalten. Ich be- absichtigte deshalb eine Jagd zu pachten, erfuhr aber, daß in der Nähe von Zossen nichts unter 3000 M. zu haben war. Da ich selbst über kein Vermögen verfügte, trat ich an den Vetter meiner Frau Namens Sievert heran mit der Idee, daß dieser Terrains kaufe, um daraus ein Jagdgut zu machen. Der Kauf wurde perfekt und ich beteiligte mich an der Verzinsung zur Hälft«, wofür ich dann aus dem Terrain die Jagd ausübte. Diese Terrains sind für 51 000 Mark gekauft und für 244 000 M. verkauft worden. Von dem Bei- dienst habe ich die Hälfte erhalten, das war etwas über 100 000 M. Staatsanwalt: Auf den Terrains wurde doch auch Landwirtschaft betrieben?— Zeuge: Nur auf einem ganz kleinen Teil, der 120 M. Pacht brachte. Ich habe aber auf dem Terrain über 100 000 Kiefern anpflanzen lassen, um es aufzuforsten und zwar ist dies noch im April 1907 geschehen. Pro 1OOO Kiefern habe ich 2 Di. und mehr bezahlt.— Der Zeug« bekundet dann noch, daß am 4. August 1907 der Kommissionsrat Richter zu ihm gekommen sei und ihm erklärt habe, er wolle im Auftrag des Kriegsministers die Terrains taufen. Er habe sich widersetzt mit dem Bemerken, daß er in der Nähe kein anderes Jagdrevier finde und es außerdem heißen lönne, er habe damit Spekulationen getrieben. Zeuge, Kommissionsrat und AmtSvorstrher Richter in Speren- berg: Ich wurde vom Kriegsministerium aufgefordert zu einer Rücksprach« wegen de? Ankaufs eines Geländes. Ich wurde an den Geheimrat Selle verwiesen, der mir die Bedingungen mitteilte, unter denen der Ankauf ausgeführt werden sollt«, es wurde dabei auch der Prozentsatz meines Verdienstes festgelegt. Ich Hab« dann später bei einem mir gehörigen Grundstück, welche» ich an den FiskuS verkauft habe, 30 000 M. verdient.— Aui ein«.Reihe von Fragen bekundete der Zeuge: Ich habe mit dem Zeugen Mack kein gemeinschaftliches Geschäft gemacht. Als Provision für meine Tätigkeit sollte ich vom Kriegsministerium, wenn ich den Morgen zu 300 M. bekam, 1 Proz. erhalten, dann darüber hinaus% Proz. Die Frage des Verteidigers, ob der Zeuge Richter außer den 30 000 M. und der Provision weiteren Gewinn an den Terrainver- käufen gehabt habe, lehnt da? Gericht als unzulässig ab. Auf Anregung des Staatsanwalts soll sich der Zeuge Geheim- rat Seile an der Hand der Akten de» Kriegsministeriums über die bei beabsichtigter Anlegung von Truppenübungsplätzen viaßgeb- lichen Bedingungen äußern. Da der Zeuge erklärt, daß es sich um vi« Heimakten handle, wird wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichteit auf kurze Zeit ausgeschlossen. Der inzwischen telephonisch herbeizitierte, Senatspräsident des Kammergerichts Queck bekundet auf Befragen, daß er allerdings auch seine Berwundcrung darüber ausgedrückt habe, daß gerade diejenigen Stellen seines Jagdgutes, welch« später von dem Kriegsministerium besonders nötig gebraucht wurden, ihm von Zwischenhändlern abgekauft wor» den seien. Der Zeug« Pastor Stier bezeugt folgendes: Er habe gelegentlich einer Kirchenratssitzung am 4. Mai 1909 erfahren, daß Dr. Wirlh bei dem Verkauf des Terrains an den Fiskus angeblich 200 000 M. verdient habe. Er Hab«, um den Gemeindeinsassen wenigstens einen Teil der Wert- zuwachssteuer zu sichern, einen Artikel geschrieben, mit dem er zu der Zeitung„Das Reich" gegangen sei. Diese habe abgelehnt, ebenso das„Trltowcr Krcisblatt". Da eine Veröffentlichung in der„Zossener Zeitung" erst in der nächsterscheinenden Nummer möglich war, sei ihm nahegelegt, den Artikel in der Form eines Flugblattes erscheinen zu lassen. Vorher sei er jedoch mit einem fertigen Flugblatt zu Dr. Wirth gegangen, der ihn gefragt habe. ob er etwa mit der in dem Flugblatt ermähnten„höheren Person" gemeint sei. Als er, Zeuge, dies bejahte, habe Dr. Wirth geäußerl: „Dann werden wir uns beim Staatsanwalt sprechen" Dies sei ja nun heute geschehen, erklärt der Zeuge und bekundet dann weiter, daß er sich dann an die„Bodenreformer" gewandt habe; hier sei ihm geraten, die Angelegenheit in die Oeffentlichkeit zu bringen.—- Der Zeuge geht dann ausführlich auf das gegen ihn anhängig ge- wesene Disziplinarverfahren ein und bemerkte dabei, daß die strafweise Versetzung für ihn schlimmer sei, wie eine Absetzung. Er habe damals dem Angeklagten das gesamte Material mitgeteilt, sodass er in gutem Glauben gehandelt habe. Es sei auch möglich, daß er die Namen der hier in Frage kommenden Beamten des Kriegsministeriums Sebald gegenüber genannt habe. Plädoyers. Staatsanwalt MuthS läßt die Anklage wegen verleumderischer Beleidigung fallen, da nach dem Zeugnis des Pastors Stier cnizu- nehmen sei, daß der Angeklagte wenigstens nicht wider besseres Wissen gehandelt habe, Uebrig bleibe jedoch eine üble Nachrede im Sinne des 8 180 St.-G.-B, Nicht der Schatten eines Beweises, nicht ein Tipfelchen habe sich dafür ergeben, daß der Gehcimrat Selle in irgend einer Form an unlautcven Dingen beteiligt.sei. Er beantragte eine Gefängnisstrafe von 9 Monate». Die Rechtsanwälte Walter Bahn und Knicp beantvagen die Freisprechung, da dem Angeklagten als Staatsbürger das Recht zu- stehe, sich gegen eine Vergeudung staatlicher Gelder zu wenden, und wenn nur der Schimmer eines Verdachts bestehe, zu beantragen, gegen die verdächtigen Beamten ein Disziplinarverfahren einzu- leiten. Weiter habe Sebald nichts getan und deshalb stehe ihm der Schutz des Z 193 lWahrnehmung berechtigter Interessen) zu. In einem leidenschaftlich erregten Schlußwort versicherte der Angeklagte nochmals, daß er niemals die Absicht gehabt habe, den Geheimrat Selle zu beleidigen. Er müsse für sich als Staatsbürger und ferner auch, weil er in einem amtlichen Artikel des„Tcltower Kreisblatts" angegriffen worden sei, aus den er nicht habe er- widern können, den Schutz des§ 193 für sich in Anspruch nehmen. Nach halbstündiger Beratung Verkündet der Vorsitzende Land« gerichtSdirektor Dr. Rohrmann folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen übler Nachrede zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht sielst als festgestellt an, daß in dem schreiben des Angeklagten der Vorwurf enthalten ist, der Wirkl. Geh. Kriegsrat Selle sei an den unlauteren«spekulations- gewinnen beteiligt. Nicht festgestellt hat daS Gericht, daß der An- geklagte wider besseres Wissens jene Behauptungen aufgestellt hat. Die Verhandlung hat ergeben, daß nicht der Schatten eines Ver- dachts gegen den Geheimrat Selle vorhanden ist. Die Bcschuldi- gungen gegen den Zeugen haben sich sogar als direkt unwahr herausgestellt. Bei der Straffestsetzung ist berücksichttgt, daß das Gericht anerkannt hat, daß der Angeklagte keine unlauteren Motive verfolgt hat und daß er des festen Glaubens war, dass unlautere Dinge vorgekommen seien. Strafcrschwcrcnd ist, daß er in ganz unerhört leichtfertiger Weise einen Verdacht gegen einen hohen Staatsbeamten ausgesprochen hat, wie er schlimmer kaum gedacht tverden kann. Er hat auch unglaublich frivol gehandelt, wenn er, wie er selbst gesagt hat, er sich einfach„einen Herr« heraus- gegriffen" hat. Von einer Geldstrafe konnte deshalb keine Rede sein und es ist auf drei Monate Gefängnis erkannt worden. Marktpreise von Berlin am 31. Oktober 1913, nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. tNais tmixed), gute Sorte 16,50— 16,90, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sötte 14,40—14,60. Richtstroh 4.80.»de», alt 6.00—7,60, Martthallenpreise. 100 Ktlogr. Trbsen, gelbe, zum Kochen 80,00—50,00, Svcisebobnen, weisse 35,00-00,00. Linien 86,00—70,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchflcilch 1,30—1.80, Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,20—6.60. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,40— 3,00. Zander 1,20—3,20. Hechte 1,20—2,60. Barsche 1.00—2,40. Schleie 1.60—3.20. Bleie 0.80—1.80. 60 Stück Kreble 1,00-" Einer erzählt es dem andem, daß wir in Kathreiners Malzkaffee ein wohlschmeckendes, billiges und gesundes Familiengettänk haben. So ist Kathreiners Malzkaffee in 25 Jahrm zu einem Volksgetränk ersten Ranges geworden. Viele Millionen trinken ihn täglich. "Tfera 0oM 3« □□□ Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, den 2. November, nachm, 3 Uhr: Thalia-Tbeater: Die Wildente, Neues Volks-Theater: Mudder Mews, schiller-Theater Charlottcnburg: Der Pfarrer von Kirchseid, Hurnseid-Theater: Familie Selicke, Nene Freie Volksbühne. Sonntag, den 2, November. Nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Der lebende Leichnam, Kammerspiclc: Die Einnahme von Lerg-op-Zoom, Nachm. 3 Uhr: Deutsches Opernhaus: Der Freischütz. Schiller Theater 0: Freiwild. Lessing-Tbeater: Professor Bernhard!. Berliner Theater: Bummelstudenten. Montis Operctten-Theater: Der Vogelhändlcr. Trianon-Theater: Die Liebe wacht. Theater in der Königgrätzerflratze: DaS Lebcnssest. Mclropol-Theatcr:'s Nullerl. Theater am Nollendorsplatz: Orpheus in der Unterwelt. Künitlertheater: Der Biberpelz. Thealer des Westens: Der liebe Slugustin. Nachm. S'/j Uhr; Llüthnersaal: Sinsoniekonzert. Abends 8 Uhr: NeueS Volks-Theater: Der ledige Hos. Abends 8*1, Uhr: Neues Volks-Theater: Montag und Donnerstag: Die Siebzehnjährigen. Dienstag, Mittwoch, Freitag und ' Sonnabend: Der ledige Hos. Scliiller-Theater 0. (Wallner-Theater). Sonnrag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Rosenmontag:- Montag, abends 8 Uhr: Wenn der neueWeln blüht Schiller-Theater Charlottenbarg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Jiig;endfreande. Montag, abends 8 Uhr: __ Koscnniontag._ Lessing-Theater. 8 Uhr: Pygmalion. Lustsp. in 5 Akt. v. Bernard Shaw. Nachm. 3 Uhr: Professor Qernhard]. Theater am Uolleiiiliirlplatz 8. Nm. 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt Allabendlich 8 Uhr; Der lachende Dreibund. ?'/, uhr: Macbeth. Komödienhaus. »uhr: Hinter Mauern. Derliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. DeatHchectHchauspielhaua 3'li Uhr: Ein idealer Gatte. 8 Uhr: Die heitere Residenz. Thealer des bestens. 8 Uhr: Polenblut. Heute 3'/, Uhr: Der liebe Augustin. leutsehes Xünstlertbeater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Nachm. 3 Uhr: Oer Biberpelz. Abends 8 Uhr: Kampf. "Montis Operetten-Theater Schifsbauerdamm 4a. 8 Uhr: Der Vogelhändler 8 Uhr: Gastsp. Fritzi Massary, Julius Spielmann: Die ideale Gattt». osc-in�rni Große Frankfurter Str. 132. Nachmittags 3 Uhr: Othello. Abends 8'/. Uhr. Im weißen Röss'l. Montag: Im wclBen Kbss'l. Residenz-Theatern Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterberg. Morg. u. f. Tage: Nohelt— der Franz! Sonntag, 2. Nov., nachm. Uhr: Die Fran Präsidentin. kelchshallea-Thealer 8tkttiner Ihm Heute nachm. 3 Uhr (zu ermäßigten Preisen): Der Xompagnle- Ball" lnur einmalige Aussühr.). (Logen 1 M., Balkon 75 Pf., Entree 39 Ps.) ____ Abends 8 U hr: Kilkenbeeü'S«ünitleragentur. VRANIA. Taubenstraße 48/49. Sonntag: und Montag 8 TJhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Hörsaal Montag 8Uhr: Konstr.- Ing. A. Keßner: Hammerwerke und Preßworke, Folies Caprice. Anfang e'lt Uhr Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Klysiiim I>andsbcrger Allee 40. Jeden Sonntag u. Donnerstag: MTlnmenkeeitgni Ansang S Uhr.* Entree frei, -W EE] Sozialdemokratischer Vahlverein des vierten Berliner Reichstagswahikreises. Sonntag, den 16. November 1913: STIFTUNGSPEST IsB in Kellers Testsälen (Inhaber Obiglo), Koppenstraße 29: Konzert unter Mitwirkung der Länger- nbteilung I, Mitglied des D. Arb.-Sängerb. {Chorgesang mit Orchesterbegleitung), und der Sängerin Fräulein Käte Pllrschel. Turnerische Anfftthrnngcn. Von 6 Uhr ab im kleineu Saale:'Tattj Im gr. Saale nach der Vorstellung:' alll" Eröffnung 4 Ehr. Billett im Gewerkschaftshause, Engelufer 14— 15: 218/4 Konzert unter Mitwirkung des Gesangvereins..Anakrcon", Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes. Anftreten des Berliner Ulb-Trlos. Turnerische Anfftthrnngen. Nach der Vorstellung: TatlZ. 30 Pfennig.:: Anfang 5 Ehr, (jf rer- Ortsgruppe Am Bußtag(19. Nov.) in beiden Sälen der Neuen Welt, Hasenheide: � Lichtbilder- Vortrag& des Herrn Richard Laube aus Leipzig über Frühlingstage in Sizilien und Süditalien. (140 Riesenlichtbilder nach eignen Aufnahmen des Redners.) Rinder-Yorstellüng ii. Gpatisverlosiing einer spreciienden M (Preis 130 Mark). ErSffnung 5 Uhr. Nachdem: TailZ. Eintritt 30 Pf. Billetts sind zu haben im Restaurant der Neuen Welt und im Fahrradhaus.Frisch auf"; dortselbst ist auch die sprechende Uhr ausgestellt und zwar vom 1. bis 6. November Beußelstr. 19; vom 7. bis 12. November Brunnenstr. 35 und vom 13. bis 18. November Kottbuser Damm 22. 11/12 Bie Festkommission. Vereinigte Berliner Volksbliknen. Enlsen-Theater. Sonntag 3 Uhr. KI. Preise. Ble AUsvUrdens. 8'/« Uhr: Hopfenraths Erben. Walhalla-Theater. Sonntag 3 Uhr. Kl. Preise. Harla Stuart. 8llt Uhr: Der Elebesonkel. �UDtellungjböllediriJpi •Aufteilung |!ffiRei(])a.Haüiirauu.Mer venil6.0Kt«berbii 9. Novimber 1913. Geöffnet von 10— 8. Eintritt M. 0,50. Bnlins nnifftfXflreflrf UN •fKouTrttf dk banse. Besselstr. Ecke F'n'eört'chftrastie�s (Zr. Kall. Blenstag Blttsvoch Bonaerstag ISoaaabend Moritz- Hasen- III DT Platz beide Weinbergslf fB weg 16-17(2 IS I Min. v.Rosenth. 4 Tor) Carl Clewing vom Künlgl. Schauspielhaus in dem Drama Der Thronfolgen Außerdem Pegoud's StunzflUge Anfang 3 Ehr. Roinioken-If dorfer U 1 Str. 14. Die Botschafienin Ein diplomatischer Roman in drei Kapiteln. Außerdem Pegoud's StunzfSüge Anfang 3 Ehr. Z?«Glon" � fc' Mauorstraßft 82.— 1 Der Circus ist gut geheizt :: Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. Großes Doppel-Konzert! Musikkorps Kaiser-Franz-Garde-Grenad.-Regts. Dirig. Oherm. A. Becker. Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.: Oberm. Baarz. Anfang 4'/« Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 41/» Lhr. Wochentagen: Gr. Dsedmlttsgs-folliert beiEÄm Standplatz: Neukölln Sportplatz PDagerstraße Ecke PannlerstraBe. Circus Barums Schau Dienstag, den 4. November, abends 8'/« Uhr: .Airika 20 17™. 20 Berber- I.övven, Zebras und Zebrolden, Dromedare. Amerika Wild-West- Akt mit Indianern und Cowboys. Grönlands eisige Bewohner. Eine ganze Meute dressierter Polar-Elsbttren. Asien Ind. Elefanten, Ehin. Hofkünstler. Indische Büffel. Vollblut-Kamele «nd Trampeltiere, Sibirische Wölfe. Europa Schulreiterei, FreibeitS-Trefsuren in höchster Vollendung, Fliegende Menschen.Die Könige der Lüfte-, Jodehs, Zaltomortalreiter, Reitkünstler und Reitkünstlerinne», erstklassige Clowns«nd Auguste. Ktaruin ein technisches Wunder. 3 Niesen-Zeltanlagenp von denen das Blesen-�nsebanerzelt 4O Meter Durch- messer hat und — 4500 Personen saht.— Ständige Sonderzüge von mehr als OO Achsen. 2 Lichtmaschinen. Automobile, eigene Feuerwehr mit Handdruck- spritzen und Feuerlösch-Apparaten. Ein organisiertes Personal von mehr als 100 Personen. Insgesamt ca. 40 Transport-, Menagerie-, Bureau-, Kassen- und Salonwagen. Billige EintrittscPreise t Galerie...... 50 Pf. III. 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Nachm. hat jeder Er-wachsene das Recht, ein angehöriges Kind unter 10 Jahren aus allen Sitzplätzen frei einzuführen. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren zahlt die Hälfte auf den Sitzplätzen. In beiden Vorstellungen: Die neuen groben November- Attraktionen sowie Nagenbecks Menschenaffen Max, Moritz Jeddy in ihren unglaublichen Leistungen. Ferner nachmittags die pantomimische Burleske: Der Dorstarbin. Abends 7'/- Ehr: Uns nm Kolonien. Metropoi Theater Nachmittags 3 Uhr: 's Nullepl. Abends 7 Uhr 55 präzise; im in III Gr. AusstattungSst. m. Ges. u. Tanz in lS Bild. m. vollständ. freier Benutzung des lules Verne'jchen RomaneS von Julius Freund. Musik von Jean Oilbcrt. In Szene ges. v. Dir. Richard Schultz. Karl Baeinnann. Joseph Giampietro. Guido Thielseher. Alfred Scbmasow. Leopold Wolf. Ludwig Wolf. BeleneBallot. IdaRusska. J.deLande. Ken! Von 0 Uhr i Ken! Metropol-Bar Rendezvous der vornehmen Lebewelt. X Kapellen. Schwank in 4 Akten von Hoibt und Engel Regie: 31ax Back. In der Hauptrollo die charmante Madge Lessing. Vorstellungen: Heute um 3,'/,5, �,7,'/,8, -/.10 Ehr. Für drü Inhalt der Jnlerate übernimm« die Redaktion de« Vublitum gegenüber ketuerlet veraanoortung. Pirkas &lb. Schumann. Heute Sonntag, 2. November: 2gr. Vorstellungen rt naohm.3I/su.abds.71/2U." In beiden Vorstellungen: 10 Bengal-Königs-Tiger 10 voi�efiihrt von Herrn Sawade. RoIIschublaufende Affen Kostende Hürde MJoxende Katzen und weitere 10 Attraktionen. Um O'/s Uhr:_ Tanon vor Gericht! Nachm. hat jeder Erwachsene ein Kind frei auf allen Sitzpl. Heute 2 Vorstellungen 2 mit Nachm. S'/.ühr Kleine Preise Willard Mann wachsenden dem Abends Uhr und den übrigen NDvember- Attraktionen! Ranchcn gestattet! Passage-Panoplikum IG wilde Kongoweiber Männer und Kinder In einem eigens aufgebauten Kongodorte in ihren Sitten u. Gebräuchen. Und die anderen Attraktionen. Die gr. Xino-Variete-YorsteDung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. «astanien-Allce 7—9. IX. Familien-Kabarett-Abend. Wuflrcten erstllnssigcr Bübnentrüste. Nach der Vorstillung: Gr. Ball. Ansang 3 Uhr. Eintritt 3g Ps. Freitag, den 7. November: A.Uper.-Gastsp.(Dir.Steiner.Sandori) Die Kino-Köuigi». Operette in 3 Slften von s�ean Gilbert. ülnsang Sll, Uhr. Casino- Theater Lothringer I!r. 37. Täglich S Uhr. Der neue Saison-Poffen-Zchlager Frrdiliattd der Tngendliilste. DaZ droll. Stü.f seit Bestehen d. Thea!. Lorher das erstkl. Spczialität.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Hntterliebe. V«KK't- Theater Badstraste 58. Sonntag, den 2. November 1913: Sm. 3 Uhr; Eine tolle Nacht. Abends 7 Uhr: Vorn Thron zum Schatott. Histor. Drama in 5 Ausz. v. Fr. Tietz. Kassenerössri. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. Arbeiter- SiMungssebule. Sonntag, den 9. November, in den Jndnstrie-Festsälen, Beuthstr. 19-29: Lustiger Dichter-Abend. Mitwirkende: Er au Helene I,achmanski-Schanl mit eigener Begleitung am Klavier; Herr Hlehard Goltz. Frankfurt a. H., Rezitationen. Eintritt 50 Pf. Garderobe frei. 6/12* Kassenöffnnng 9 Uhr. Beginn 7 Uhr. Nachdem: GkUlütlilhks Kkisammtnstin lind Tarn. Verein für Frauen».Mädchen derAMerklasse Montag, den 3. November, abends'/�9 Uhr, in Kellers»Reue Philharinonie-, Köpenicker Shatze 36/97: „tleorie ü Praxis der OeiWaiir. Referent: Herr Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt. Gäste, Männer und Frauen, willkommen. 63/18 G. Rapps Festsäle früher NIOIe W. 57,»ennewltzstr. 13. Fernspr.: Kurs. 2994. Der geiillitlichste Ballsaal des Westens!— Heute:«rover Ball. Die Säle sind noch für Sonnabend, de» 6. und 13. Dezember zu günstigen Bedingungen s r e!! W l'Bv«awM?i4N Wrangelsfr. 10/11 U I<811 1.<8 j(neuer Inhaber). Jeden Sonntag ab 6 Uhr: Kavalier-Kall mit Ueherraschungen. 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