Nr. S. '■> r Srschttnt läßlich auier Montag». PretS ciäuumttanSc: Vieriei? jährlich 3,30 Marl, inonailich 1.10 M!. wöchentlich 33 Vfg frei in'» Hau». Einzelne Nummer « Blg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage.Neue CötU* 10 Psg, Post-Adonnement: 1,10 Mlvro Quartal. Unter itreuz- dand: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 3 M!., für d-z übrig- ituSIand ZMl.vr.Mo' ai.Etngeir. in der Voli-Zilruna»-Dret»ltsl« für l«»4 unter vir. s»l». 11. Jithrg. JnserlionS-Sebühr beträgt sür die tüntgssvallene Beritzeile oder deren Raum«» Lsg., iür Verein»- und Versammlung»- Anzeigen 30 Psg Jnieraie-ür die nächüe Nummer müssen bi» 4 Ubr Nachmiilag» in de: Srvsnuion abgegeben werden. Die Ssvedilion ist an Wochen- tagen b<.i■ ilör Abend», an Sonn- und gen ragen bis s Uhr Aor- miiiag» zeössnei. Fernfprechrr! Kurt l. 1S0S. Eetegramm- Adrefl«: „Koiialdrinokrat Keriin!' Berliner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. UedaKtion: LV.lS. ZZeuth-Strake 2. Spedition: 8V. 13, ZZeutlj-Straße 3. An die V�eieigenossen! Tie erste Nummer des in Köln beschlossenen Zentral-Wochen- blatte- ..Der SoMmsKwf. erscheint am Donuerstag, den 23. Jannar. Bestellungen find an die Expedition des„Sozialdemokrat", Berlin S'W., B e u t h st r. 2, zu richten. Die Nr. 1 wird als Probcnummer behufs Sammelns von Abonnements gratis an die Partei- Vertrauenspersonen, Kolporteure, Buchhandlungen und Expeditionen abgegeben. Der Abonnemcnts-Preis beträgt pro Bierteljahr 1,20 M. Abonnements werden allerorts bei den bekannten Partei- Kolporteuren entgegengenominen, alle Einzelbestellungen aber sind, da die Post innerhalb eines Quartals auf neu- erscheinende Wochenblätter keine Bestellungen entgegennimmt, vorläufig für die Monale Februar und März an die Expedition des„Sozialdemokrat", Berlin SW., Benthstraste 2 zu richten. Bis zum 1. April liefert daher die Expedition direkt unter Kreuzband an die einzelnen Adressaten pro Februar und März zum Preise von 1 M. fiir's Inland und 1,20 M. sür's AnSland. Den vorauszubezahlenden Abonnements- betrag bitten wir in Briefmarke» an die Expedition einzu- sende». Vom 1. April ab sind alle Einzelabonnements direkt bei der Post zu bestellen; Einzcl-Kreuzbandsendungen können vom I. April von der Expedition nur zu erhöhtem Preise besorgt werden. Bei Partienbezug tritt je nach der Zahl der bezogenen Exemplare eine Ermäßigung der Bezugsbedingungen ein. Parteigenossen! Nachdem der Parteitag in Köln die Heraus- gäbe des Zentral-Wochenblattes beschlossen hat, ist es Ehrensache der Partei, für die weiteste Verbreitung des Blattes Sorge zu trage». Besonders an die im Auslände wohnenden deutschen Partei- genossen, deren Wünschen der Parteitag mit seinem Beschlüsse durch Herausgabe des „Sozialdemokrat� besonders Rechnung trug, richten wir die Aufforderung, sich die Veibreitung des neuen Partei- Organs besonders angelegen sein zu lassen. Mit sozialdemokratischem Gruß Berlin, 6. Januar 1894. Der Parteivorstand. Feuilleton. Nachbruck verbolen.Z [Stile Rechte vorbehalten. H e l e n e. w Roman in zwei Bänden von Minna Kants! y. VI. „Er wird sie Heirathen!" Es ist in unserer Gesellschaft das Zauberwort, das Alles entscheidet. Alles sühnt. Alles ausgleicht, das jeden Skrupel beseitigt und die kühnsten Jllnsionen in Permanenz erklärt. Sind sie doch die nothwendigste Voraussetzung bei einem Bunde, den zwei Menschen aus Lebenszeit zu schließen im Begriffe stehen. „Er wird sie Heirathen!" Es mar das geflügelte Wort, das aus dem Röder'schen Hause auf die Gasse getragen wurde und die Nachbarschaft in nicht geringe Verwunde- rung setzte. „Da macht doch auch einmal ein armes Mädchen sein Glück," hieß es, und da war Niemand, der den frvherregten Eltern nicht dazu gratulirt hätte. Die Hochzeit sollte nach einigen Wochen stattfinden. Dr. Hartmann hatte nicht die Absicht zu warten, bis eine Stadtwohnung gemiethet und möblirt werde, das konnte während der Sommermonate geschehen. Er gedachte einen Urlaub zu nehmen und die Flitter- Wochen in seiner Villa in St. Agath zu verbringen, die er von seiner Tante geerbt hatte. Eine Idylle wollte er sich schaffen, ganz seinem Ideal entsprechend, in der ihn Niemand stören sollte und er hatte seine Anordnungen so rasch betrieben, daß das Der Knud der Kaudwirthe auf dem Preßpfade. Immer größer wird der Wirrwarr im? politischen Leben. Während das bedrohliche Anwachsen der Sozial- dcmokratie die bestehenden Bourgeois-Partcien zusammen- scheucht, daß sie sich enger an einander drängen, wie die Schafe beim Aufsteigen eines Gewitters, zeigen doch für sich die bestehenden alten Parteien sammt und sonders Zeichen des Zerfalls. Der Liberalismus befindet sich schon seit Jahren in einem Zersetznngsprozcß; bald lösen sich die einzelnen Gruppen an dieser Stelle auseinander, bald schließen sie sich an anderer Stelle wieder zusammen, um kurze Zeit darauf durch den zersetzenden Einfluß irgend einer aktuell gewordenen Frage von größerer Wichtigkeit an der künstlich verkitteten Stelle wieder auseinander zu brechen. Und neue Gegensätze machen sich geltend im politischen Leben, neue Parteibildungen erzengend, die alle einen wirthschaftlichen Charakter tragen, die aber hier und dort mit irgend welchem ideologischen Aufputz sich versehen, wie die Partei des zünftlerischen Kleinbürgerthums als Antisemitismus mit arischer Rassen reinhcit und deutschem Volksthui» prunkt. Es ist ein Fortschritt zur Wahrheit und Offenheit, wenn Neubildungen ausgesprochen wirthschaftlichen Cha rakters und Namens sich in dem Gedränge der bürgerlichen flartei Ellbogenraum schassen, wie es jetzt der Bund der andwirthe macht. Seit Jahren treibt dieser Tivoligeborene Sprößling junkerlichen Unbehagens sein Wesen in der deutschen Politik. Mit Stentorstlmme wurden seine Grund- sätze verkündet in allen konservativen Versammlungen. Als schlichte Bauern geben sich die schloßgesessenen Mitglieder des alten und befestigten Großgrundbesitzes, der durch die rücksichtslose Vertreibung der Bauern von Haus und Hof durch das sogenannte„Bauernlegen" zusammengebracht ivar. Bei den letzten Reichstags- Wahlen errangen sie große Erfolge indem sie eine ganze Anzahl konservativer, ultraniontaner, nationalliberaler Kandidaten vcranlaßten, sich dem Bunde zuzugesellen. Im Reichstag haben sie sich zusammengeschaart zur Vertheidignng der Liebesgaben, die dem angeblich nothleidendcn Großgrundbesitzer durch die Zölle ans Lebensmittel von ihrem Vorkämpfer und Erwerbsgenossen, dem Fürsten Bismarck verschafft wurden. Und in An- erkennung der Verdienste des Vaters haben die Reichstags- Agrarier sich dessen stotternden und polternden Sohn als Stabstrompeter im Jnteressenkampfe erkoren. Und nun führen sie eine erbitterte Fehde sogar gegen die militärfromme und konservative Regierung, weil sie nicht willenlos zu einer Dienstmagd für alles Agrarier- inleresse sich hergeben will. Die konservativen, nationalen Parteien demaskirt— das ist der agrarische Interessenten- ring, der Bund der Landwirlhe. Doch trotz allem äußeren Erfolge, den sie er« rungen in der Gewinnung vieler Reichstags-Abgeord- netcr für ihre Bestrebungen, in der Vermehrung der Mit- glicder des Bundes der Landwirthe ans 18V 000 Personen; reizende Nest alsbald zur Aufnahme des jungen Paares bereit war. „Daß er's gar so treibt," jammerte heuchlerisch Frau Röder, während ihr Gesicht vor mütterlicher'Eitelkeit strahlte,„es wird sie ihm Keiner mehr iveg nehmen, aber seine Ungeduld bringt uns ganz außer Alhem und die Lene weiß bei der Hetze nicht mehr, wie ihr geschieht." So war es auch. Für sie war das Alles zu plötzlich und unvermittelt gekommen. Gleich bei ihrer zweiten Zusammenkunft hatte ihr Erich von seiner Liebe gesprochen und sie gefragt, ob sie nicht seine Frau werden wolle. Ein jäher Schreck hatte sie überfallen und wirkte läh« inend ans sie, so daß sie auch nicht ein Wort hervorzu- stammeln vermochte. Er wartete auch gar nicht darauf. Es war ihm so selbstverständlich, daß sie ihn nehmen würde, und so sprach er dann in beredter Weise von dem schönen, dauernden Glück, das er ihr an seiner Seite bereiten wolle. Sie zwang sich, ihn zu verstehen, ohne den Muth zu finden, ihn anzusehen, und vor dem Dränger erbebend und selbst gedrängt von dem Aufruhr in ihrem Innern, stimmte sie seinen Ausführungen zu und stammelte in Absätzen, ohne zu wissen, was sie thue und was sie sagte, immer nur: «Ja— ja— ja!" So war sie seine Braut geworden und mit der Sieges- freudigkeit eines Eroberers war er davongegangen, die Er- oberte nach seinem Geschmack umzumodeln, sie für seine Wünsche zu erziehen. Es erschien ihm ungemein leicht. „Die Lene giebi keine Räthsel auf," sagte er lächelnd zu Papa Röder, die ist noch weich und durchsichtig, wie ist doch ein bitterer Tropfen in ihren Freudenkelch gefallen. Die Großgrundbesitzer, ja, sowohl die aus altansässigen Adelsfamilien, wie die reich gewordenen Geschäftsleute, die sich durch Landankauf eine angesehene Lebensstellung ver- schaffen ivollten, sind in hellen Hausen dem Bunde der Landivirthe zugeströmt, auch die Großbauern, so viel es deren noch giebt, hielten sich nicht zurück. Aber bei den kleinen Bauern und den Landarbeitern ist der Liebe Müh umsonst gewesen; aus freier Ueberzeugung haben keine von ihnen dem Bunde der Landwirthe sich angeschloffen. Wo der Einfluß des Großgrundbesitzers noch ungebrochen dasteht, gestützt von Gendarmen, Förstern und Pfarrern, im oft- clbischen Deutschland, da haben die ländlichen Volksmassen zivar dem gutsherrlichen Kommando zur Wahlurne auch diesmal wieder stumpfsinnig Folge geleistet; aber mit herbem Schmerz mußten die Führer des Bundes erkennen, daß Sozialdemokraten, Freisinnige und sogar die aus ge- hätschelten Freunden zu tückischen Feinden gewordenen Anti- semiten den Samen der Unzufriedenheit unter den darbenden Kleinbauern und Landarbeitern ausgestreut und Schaaren von ihnen dem Einfluß der Großgrundbesitzer abspenstig gemacht haben. Da haben denn die Weisen des Bundes ihre Köpfe zu- sammengcstcckt, um zu berathschlagen, wie sich dem Uebel begegnen und die gesammte Landbevölkerung in die agrarische Juteressengemeinschast hineinziehen ließe, und bald sind sie zu dem Schluß gekommen, daß sie sich eine Tageszeitung beschaffen müßten, die den Kampf mit den gegnerischen Parteien ausnehmen könne und durch ihren billigen Preis auch dem kleinen Mann aus dem Laude es ermögliche, sich eine nach agrarischen Kochrezepten zubereitete politische Tageskost zu beschaffen. Ein Dr. Gebel hat zu Nutz und Frommen der Leiter des Bundes eine Denkschrift aus- gearbeitet:„Das Preßwesen des Bundes der Landwirthe" betitelt. Dann ist der agrarische Bundesrath zusammen- getreten, hat auf grund dieser Denkschrift einen Plan zur Gründung der Zeitung entworfen und eine Reihe von Rundschreiben erlassen, in denen die Mitglieder des Bundes zur Zeichnung von Aktien für das geplante Zeitungsunternehmen aufgefordert werden. Da ivir nun bei der außerordentlichen Sympathie, die unsere Bestreb ungen bei Mitgliedern aller Gesellschaftsklassen er- wecken, auch in den intimsten Kreisen des Agrarierbundes unsere guten Freunde haben, wurden wir in den Besitz aller dieser Aktenstücke gesetzt und sind in der Lage, dem Publikum Aufschluß darüber zu ertheilen, was sich hinter den Agrarier- koulissen abspielt. Die Zeitung soll unter dem Namen„Deutsche Tajjes- zeitung" ins Leben treten. Für das Begründnngskapital sind 500 000 M. zusammenzubringen. Die Bündler werden aufgefordert, Aktien im Betrage von 200 M. zu zeichnen. Tic Zeitung soll 1 M. monatlich kosten, um den billigen Tageszeitungen anderer Parteien Konkurrenz machen zu können. In dem Entwurf wird auf beträchtliche Ein- nahmen ans Annoncen gerechnet, und die ehrwürdigen Väter des Bundes der Landivirthe, der seinen nackten Interessen- kämpf gar nicht mehr bemäntelt, verschmähen auch nicht eine Qualle. Es ist lustig, wie man ihr jede Regung vom Gesicht ablesen kann, sie ist gar nicht imstande, sich zu ver- stellen, ich wette, die besitzt auch nicht das geringste diplo- matische Talent, das ist eigentlich unweiblich." Er war indeß mit dieser Unfertigkeit ganz zufrieden und dachte nicht im entferntesten daran, daß diese rückhalt- lose Offenheit, dieses Bcdürfniß wahr zu sein, weil man alle Anderen sür wahr hält, selbst schon Eigenart und Charakter verrathe. „Die wird so denken und fühlen, wie ich es wünsche und erwarte," und damit schien ihm sein Glück und das ihre vollständig gesichert. Es galt jetzt nur ihre Gewohnheiten nnizugestalten, die mit den seinen allerdings in keinem Punkt übereinstimmten und ihre lächerlich bescheidenen gesellschaftlichen Anschauungen, ihre manchmal geradezu proletarischen Empfindungen auf ein höheres Niveau zu heben. Es beschäftigte ihn auf das Angenehmste. Er konnte in seiner ganzen Ueberlegenheit und stets als der Gebende auftreten, als der Beglückende. Es beglückte ihn selbst ja, er fühlte sich mitunter ganz übermüthig; er merkte es auch, daß er Alle bezauberte, und daß man ihn im Hause Röder, wie überall, für den besten, den schönsten, den licbenswerthesten Menschen unter der Sonne hielt und er selbst hielt sich bescheidenerweise nur sür den größten Idealisten, der bereit war, seiner Liebe zu einem armen, einfachen Mädchen die unglaublichsten Opfer zu bringen. Wie Konrad über das Ereigniß dachte, erfuhr Nie- mand. Er hatte in diesen Tagen, wie es nun öfter geschah, eine AgitationSreise in Partciangelegenheiten unternommen und als er zurückkam, war Lene's Brautschaft ein lait die beträchtlichen Gelder, die sich durch Einschmuggelung von Gcschäftsreklamen in den politischen Texl derZeitung ergattern lasten. In der Denkschrift wird ausdrücklich daraus aufmerksam gemacht, daß zwar die Annoncen abgesondert gehalten werden, daß aber die Reklamen auf den Textseiten Platz finden müssen. Die bestehende konservative Presse wird einer Prüfung unterzogen darauf hin, wie sie dem Bunde der Landwirthe Nutzen bringen kann, die„Norddeutsche Allgemeine Leitung" wird als bloßes Regierungsmundstück mit sonst nichtigem Inhalt verworfen,„Reichsbote" und „Volk" hoben nur in Pastorenkreisen größere Verbreitung, welche Behauptung als eine Mißachtung von diesen beiden Stöckerblattern sehr schmerzlich empfunden wird;„Kreuz- Zeitung" und„Post" sind zu thener, trotzdem der„Kreuz- Zeitung" besonders das Lob, mit wahrem Bcrscrkergrimm für agrarische Interessen zu kämpfen, nicht vorenthalten werden kann. Also her mit einem billigen Blatt, das die Anschauungen des„landivirthschaftlichcn Mittelstandes" vertritt! Man glaubt, wenn eine solche billige Zeitung sich im Lande ausgebreitet habe, den Bauern einreden zu können, daß sie die nämlichen Jnter- essen mit dem Großgrundbesitz haben. Eine„entschieden landwirthschastliche Richtung" soll das Blatt einschlagen. Daneben soll es eine allgemeine nationale Politik vertreten, so eine verschwommene Kartellpolitik; denn nicht nur den Konservativen, sondern auch den Rationalliberalen wird das Zeuguttz agrarpolitischen Wohlvcrhaltens ausgestellt. Man will sie nicht grundsätzlich befehden. Wie könnten die Agrarier auch vergessen, daß kaum je ein aus Juukcrkrcisen hervorgegangener Minister sich ihrer mit solchem Wohl- wollen angenommen hat, wie der frühere nationalliberale Finanzmann Miquel! Wir wünschen der Aktiengesellschaft der„Deutschen Tageszeitung" guten Erfolg. Solche dürre Interessen- Politik, wie sie von ihr zweifellos betrieben werden wird, trägt viel zur Klärung der Verhältnisse, zur Scheidung der Gegensätze bei. Wir werden schon für anderen paßlichen Lesestoff für Landarbeiter und Kleinbauern sorgen, damit sie erkennen lernen, daß ihr eigenes persönliches Interesse sie mit dem darbenden Proletariat der Städte verknüpft, nicht aber mit den polternden Junkern auf den Gutshöfen. Wenn die Agrarier sich-auf den Preßpfad begeben, werden sie nicht viele Siegeszeichen heimtragen, sie werden uns überall auf ihrem Wege finden zum frischen, fröhlichen Jdeenkampf. Volttifche llc&ctlttftf. Berlin, den 6. Januar. Die Agrarier bekämpfen nicht nur den Reichskanzler, sie pctilioniren auch an ihn, so erbittet der Ausschuß des ostpreußischen konservativen Vereins in einer Eingabe vom 20. Dezember die Aufhebung des Identitätsnachweises und die internationale Regelung der Währungsfrage. Aus der Antwort des Reichskanzlers heben wir, abgesehen von der Wahrung seines prinzipiellen Standpunktes folgende Stellen hervor: „Ich bin damit einverstanden, daß die Aushebung des Jdeniitälsnachweises in den Vordergrund gepellt und dainit der Boden belrelen wird, auf welchem ein Ausgleich widerstrebender Interessen erreichbar ist." „Ich bin deshalb geneigt, im Anschluß an die bereits im Gange befindliche amtliche Prüfung auch noch Sachverständige verschiedener Berufsklafien und Lehrmeinungen über die Frage zn hören, welche Maßregeln geeignet wären, um den gesunkc- neu Werth des Silbers wieder zu heben. Tas Erforderliche hierzu ist in die Wege geleitet."— Btsmarck's Memoiren. Nach der bestimmtesten Versicherung der„M. N. Nachr." sind die Memoiren des Fürsten Bismarck im Cottaischen Verlage in Stuttgart im Drucke vollendet und des zur Veröffentlichung bestimniten Zeitpunktes harren. Der Fürst wünsche die Verösseut- lichung nicht vor seinem Tode. Das Memoircnwcrk faßt sechs Halbbände. Wie bereits früher behauptet worden ist, hat Fürst Bismarck für seine Memoiren vom Coltaischen Verlage 500 000 M. erhalten. Die Bestätigung dieser schon öfters dementirten Meldung ist abzuwarten.— accompli, mit dem ihn Mania Röder zuerst überraschte. Sie hatte so eine Ahnung, daß er die Lene gern hatte nnd es that ihrem mütterlichen Herzen wohl, ihn ein wenig dafür zu strafen, daß er nicht einmal i h r gegenüber sich zu dieser Neigung bekannt hatte. Er hatte auch seine Augen nicht wenig aufgerissen; ja sie glaubte bemerkt zu haben, daß er die Farbe wechselte, aber er hatte kein Morl gesagt, auch nicht ihren. Manne gegenüber, der mit Konrad überhaupt jetzt viel seltener zn- fammenkam. Es war ihr ganz recht. Die Leute sprachen jetzt ganz offen davon, daß der Konrad ein Sozialdemokrat sei, der in die Versammlungen ginge, und wenn sie auch nach wie vor mit Frau Ebner gute Nachbarschaft halten wollte, weil sich für die ganze Familie daraus so viele Vortheile er- gaben, ihr Mann, ein Staatsbeamter mußte in seinem Ver- kehr vorsichtiger sein. Im Augenblick aber waren die neuen Verhältnisse eine Macht geworden, die der guten Frau vollständig den Kopf verdrehten. Tie Lieferanten gingen jetzt in ihrem Hause nur so ein und aus, und Lene wurde nicht fertig mir Aussuchen, Maßnehmen lassen und Probiren. Lene war hübsch, ihr Bräutigam wollte sie elegant haben. Die Lieferanten wußten aus ihrer Praxis sehr wohl, was in solchen Fällen ein Bräutigam,!der die Ausstattung selbst bezahlt, sür sein theures Geld zu erhalten wünscht. Er begehrt, daß man ihm seine Braut so verführerisch als möglich vor Augen bringe. Lene ließ Alle gewähren und halte selbst ihre Freude daran; aber wenn nun diese Modistinnen und Wäschekonfektionärinnen von Schön- heilen ihres Körpers zu schwärmen anfingen, an die sie nie gedacht, und anstüstelteu, wie sie Reize, die bisher ver- borgen geblüht, so recht augenfällig machen könnten und sinnberückend, da suchte das junge Mädchen hastig und ver- legen darüber hinweg zu kommen, ohne einen Ausdruck sür ihre innere Verletztheit zu finden; die Scham bei einem Kinde ist schüchtern und stumm. Als aber Erich den Wunsch aussprach, sie möge sich schon jetzt in die neuen Toiletten kleiden, wagte sie zum ersten Mal einen Widerspruch, der ihren Bräuligam sichtlich verstinimte. Es kam zu einem Wortwechsel zwischen ihnen, und Erich entfernte sich in vollem Aerger.(Fortsetzung folgt.) Cr drückt sich. Der Chefredakteur der„Hamburger Nachrichten" erklärt, er habe das Schreiben des Grafen Arnim deshalb nicht beantwortet, weil es zu— unhöflich sei, und„weil er nicht den Berns in sich fühle, die Erledigung der Beschwerden des Grafen Arnim gegen Herrn Dr. Hans Blum zu übernehmen und mit dem Sohne den Kamps fortzuführen, den er vor 20 Jahren dem Vater gegenüber habe führen müssen; er könne sich nicht in den Dienst des Reklamebedürsnisses stellen, da- dem Briefe zu Grunde liege". Letzteres wäre eine hanebüchene Ungezogenheit, wenn es nicht so entsetzlich dumm wäre. Die Sache wird keinesfalls dabei ihr Bewenden haben.— Eine Novelle zum Unfallvcrsicherungs-Gesetz, die im Reichsamt des Innern zur Zeit ausgearbeitet wird, enthält nach der„Rhein. Ztg." folgende Aenderungen, deren Bestätigung freilich abzliwarten bleibt: Zunächst soll die Versicherungspflicht auf alle Bauhand- werker ausgedehnt werden. Ferner sollen fortan Arbeiter und Betriebsbeamte, die bisher nur bei der Verrichtung einzelner Arbeiten der Versichernngsvflicht unterliegen, bei allen Arbeiten dieses Betriebes versichert werden. Den Berufs« genostenschasten soll gestallet werden, statutarisch zu bestimmen, daß die Entschädigungspflicht sich auf alle Unfälle ausdehnt, die verficherungspflichtrge Arbeiter bei einer Thätigkeit erleiden, zn welcher die Arbeitgeber Veranlassung geben. Auch soll die Unsallversickernng auf Strafaeiangene erstreckt werden, wenn dieselben Unfälle bei einem versicherungspflichtigen Betriebe er- leiden, in welchen, sie während der Strafvollstreckung beschäftigt werden. Die Entschädigung soll ihnen von dem Zeilpunkte ihrer Entlassung aus der Hast gewährt werde». Die Berussgenossen- schaften sollen berechtigt werden, sich mit Entschädigungs- berechtigte», sür die eine Rente von tS oder weniger Prozent für völlige Erwerbsunfähigkeit festgestellt ist, durch eine an- gemessene Kapitalznhlung abzufinden. Sie sollen weiter auch nach beendigtem Heilverfahren berechtigt sein, statt der Rente sreie Kur nnd Verpflegung in einer Heilanstalt zu gewähren. Die Unfallrenle soll ruhen, so lange der Berechtigte nicht im Inland wohnt. Die Abfindung eines das Reichsgebiet dauernd verlassenden Ausländers soll ein iür allemal aus den dreifachen Betrag der Jahresrente festgestellt werden. Bezüglich der Novelle zum Unfallversicherungs-Gesetz vom L8. Mai 1885 wird eine weitere Ausdehnung der Versicherungspflicht auf kleinere Fnhrwerkbetriebe vorgeschlagen. die ohne Arbeiter betrieben werden, sowie auf die Lagerei nnd das Fuhrwesen im Handels- gewerbe Daß weiter das gesammte Handwerk der Versichc- rungspflicht unterworfen werden soll, ist bereits anderweitig bekannt geworden. Endlich soll sich die Seeunfall-Verficherungs- Pflicht ans alle Seeiahrzeuge unter 50 Kubikmeter Rauminhalt erstrecken und die Genossenschaft befugt sein, die Rente an die Hinterbliebenen der Mannschaften verschollener Schiffe schon vor Ablauf eines Jahres anzuweisen. Der Liebling der Agrarier, unser theurer Fmanz- minister Miquel, hat nach der„Dauziger Allgemeinen Zeitung" im Interesse einer genaueren Einsicht in die Hypolhekcnschuldcn und Einkommensvcrhältnisse der Grund- stüasbesitzer und Kapitalisten sich mit dem Jnstizniinister ins Einveruehmen gesetzt, und letzterer hat angeordnet, daß sämmtliche Amtsgerichte bis spätestens Ende März ds. Js. eine Zusamiueustellung aller in den einzelnen Grundbüchern eingetragenen Hypotheken und Gruudschulden anzufertigen haben."Dieser Nachweis soll den verschiedenen Einschätzungs- Kommissionen zur Keiiutnißnahme mitgetheilt und bei der Sicuerveranlaguug berücksichtigt werden. Es scheint sich hier um eine neuerliche Steuerentkastung der„nothlcidcndcn" Grundbesitzer zu handeln, welche parallel läuft mit der schweren Ncubelastnng der besitzlosen Schichten der Bevölkerung durch die Reichssteuervorlagen.— Gesetzentwurf gegen die Güter- Ansschlachtung. Heber den im preußischen Justizministerium in der Vor- bereituug begriffenen Gesetzentwurf gegen die Güter-Ans- schlachtnng finden sich in den„Münchener Neuesten Nachrichten" einige näbere Angaben. Der Entwurf steckt sich das Ziel, die Verdunkelung und gcflissenllichc Verwirrung, mit denen die geschäftsmäßigen Güterschtächter bei Ver- fteigerungen den Verkauf zu umgehen wissen, unmöglich zu machen. Es müffen deshalb alle bemerkeuswcrthen Viomente der Versteigerung in den Protokollen, die der Behörde zu- gestellt werden müffen, fixirt werden. Auch bedürfen Ver- steigernngen gewisser Art einer amtlick>en Mitwirkung. Auf diese Weise hofft man eine wucherische Ausbeutung der Bieter zu verhüten. Die Vorlage bildet eine landesgesetz- liche Ergänzung zu den Bestimmungen, die in dem neuen Wuchergcsetz sür den gewerbsmäßigen Betrieb des Handels mit ländlichen Grundstücken aufgestellt sind. Wir glauben nicht, daß durch ein solches Gesetz die nuleugbaren Schäden der Güter- Ausjchlachwug aus der Welt geschafft werden dürften.— staatliche Versicherung in Bayern. Aus München wird lelegraphirt: Der volkswirthschastliche Sonderausschuß der Kammer der Abgeordneten hat sich unter Zustimmung der Etaarsregiernng sür eine staatliche Vrehversiä.erung durch Fortentwicklung der örtlichen Vereine zu einem«inbeitlichen Verbände, sowie für Rückversicherung und Auegleichung größerer Vrehverluste aus- gesprochen.— Zu den neueste» Freunden der Gewerkschaften gesellt sich nun auch die---„National-Zeitung", sie nimmt sich der armen Gewerkschaften gegen die böse politische Partei an. Freilich wenn die Gewerkschaften nur die kleinste Forderung erheben, dann speit das Haupt- organ der nationalliberalen Partei Gtft und Galle, dann erinnert sie sich an den Putlkamer'jchen Streik-Erlaß. Die gute„National-Zeitung" verschone die Gewerkschaften mit ihren Freundschaslsbezeugungen, sie werden doch von niemandem geglaubt. Die Gewerkschaften wissen nur zu gut, daß wir ihre Freunde sind, und nicht die Vertreter der egoistischsten Schlotbarone, der Möller und Genossen, welche erst vor kurzem im Reichstage gegen den harmlosen Gesetzentwurf über die Berussvereine mit einer Energie vorgingen, als gelte es den Feind aus dem Lande zu vertreiben. Es giebt aus der ganzen Welt keinen genug großen Schafpelz, um die ausbeuterische Tendenz nationalliberaler Organe zu verhüllen. Wenn die„National-Zeitung" unseren letzten Artikel über die Gewerkjchaslsbcivegung als eine Inkonsequenz gegenüber der Rede Bebel's ans dem Kölner Parteitage bezeichnet, so beweist sie damit blas, daß sie Bebel's Aeußerungen gründlich mißverstanden hat. Bebel polemisirte mit den Besuchern des Frankfurter Kongresses, diese waren aber, wie sie ausdrücklich bemerkten, blas als Privat- personen unv von Niemandem beaujlragt, nach Frankfurt gegangen. Nichts lag Bebel ferner, als die Gewerkschaften anzugreifen; wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir annehmen, daß er unserem Artikel vollkommen beistimnien dürste. Wenn endlich die„National- Zeitung" be- hauptet, daß die sozialdemokratische Presse(auf dem Kölner Parteitage) aufgefordert wurde, stets die Gewerkschaftsbewegung als blobes Palliativ zu kennzeichnen, obwohl die Gewerkschaften sich bitter über diese Erschwernis beklagten und darauf drangen, wenigsten aus taktischen Rücksichten das Aussprechen„dieser Wahrheiten" zu unterlassen, so ist dies eine der allen thatsächlichen Untergrundes entbehrenden Unterstellung, auf die man bei der Polemik der„National-Zeitung" gegen unsere Partei des Oefteren stößt.— Ueber den Anarchismus äußerte sich in einer Ver- sammlung in Zürich nach einem freilich sehr kurzen Berichte der„Züricher Post" folgendermaßen: Die Kampfesweise des Anarchismus ist für die Arbeiter- bewegung im höchsten Grade schädlich. Immerhin ist es be- guiflich, daß diese Taktik einen gewissen Boden hat, und be- greiflich, daß Leute, welche sich nicht die Mühe nehmen, die Geschichte unserer Entwickelung zu studiren, von ihrem Temperament verleitet werden, zu glauben, es genüge eine einzige Gewaltthat, um die Dinge von Grund aus zu ändern. Das gelingt so wenig, als es der französischen Bourgeoisie ge- lungen ist, den Royalismus dadurch zu beseitigen, daß man hundert und hundert adelige Köpfe aufs. Schaffot nieder- fallen ließ. Zu glauben, daß mit den Attentaten etwas fewonnen werde, ist Wahnwitz.(Beifall.) Je mehr ichrecken, desto mehr Reaktion und Ausnahmegesetze. Man wirbt Spitzel an, die man unter denen sucht, die man zu bekämpfen sucht. In jeder Partei sind Leute zu finden, welche sich kaufen lassen. Es hat sich heraus- gestellt, dag hinter fast allen diesen Attentaten Polizeileute stehen. Mit dem Polizei-Anarchismus werdm die herrschenden Klassen eingeschüchtert und veranlaßt, ihre volle Gewalt an- zuwenden. Wenn ich im Zweifel bin. ob ich auf rechtem Wege bin, frage ich, was meine Feinde dazu sagen. Sind sie zu- frieden, so bin ich auf falschem Weg, verleumden und verfolgen sie mich, so bin ich aus rechter Fährte.(Zu den Unabhängigen) Sie, meine Herren, sind seit Jahren die Freunde unserer Feinde; Sie werden fortgesetzt gegen uns ausgespielt und Nie- wanden bekämpfen Sie heftiger als die Sozialdemokraten! (Beifall.) Man lese ihre Blätter und höre ihre Reden,— wer verbreitet mit Wollust jedes ihrer Schimpfworte? Die Bourgeoisie. Verbummelte Studenten und verlotterte Journalisten kehren gegen uns den Proletarier heraus, der sie in Wirklich- keit nicht sind.(Stürmischer Beifall.) Der Ausklärungsprozeß darf nicht unterbrochen werden. Alles was ihm schadet, muß bekämpft werden. An diesem Aufklärungsprozeß yat das ver- flossene Jahr gearbeitet, unsere Aufgabe ist eS, im neuen Jahr die Arbeit fortzusetzen.(Anhaltender Beifall.) Tie schmachvolle Polizeikomödie in Frankreich hat nicht die von Casimir Perier und Konsorten erhoffte Wirkung gehabt. Ein Pariser Freund schreibt uns:„Die Regierung hat sich mit dieser skandalösen Razzia verrechnet. Zwei Tage lang, während die Polizei in Tausende von Wohnungen einbrach, und jeder gewärtig sein mußte, daß auch bei ihm ein Einbruch erfolgen werde, herrschte ein Schrecken, der dem Ansehen der Regierung förderlich scheinen mochte, weil die Angstmichel(psureux) sich von ihr vor der fürchterlichen Anarchistengefahr bewahrt glaubten, allein schon den dritten Tag kam die Reaktion. Die Polizei ver- fuhr bei den Haussuchungen so brutal, und so viele offen- bar Unschuldige wurden in rohcster und rücksichtslosester Weise belästigt, daß Unwille und Empörung dem Schreck Platz machten, und daß die Ueberzeugung jetzt allgemein ist, die Haussuchungen seien nur eine jämmerliche Farce (Posse) gewesen, um das Publikum für die Politik der Regierung zu gewinnen. Und Sie dürfen überzeugt sein, statt seine Lage gebessert zu haben, hat daS Ministerium sie mir verschlechtert. Uebcrhanpt hat die plumpe Aufdring- lichkeit, mit der das Ministerium die Attentate für reaktionäre Zwecke zu verwerthen gewußt hat, in den weitesten, auch uns feindlichen, Kreisen den denkbar schlechtesten Eindruck gemacht. Und Sie können mir glauben, schon die nächste Zeit wird einen Rückschlag bringen, und Herr Casimir Perier wird bald lernen, daß er mit seinem Kochtopf-Staalsstreich schließlich nur sür die Sozialdemokratie gearbeitet hat." So unser Freund, dessen Aufsassung durch den Ton der Pariser Blätter bestätigt wird. Sogar der Korrespondent der„Krruz-Zeitung" giebt zu, daß die öffentliche Meinung in Frankreich sich gegen die „brutale Polizei" wendet. Diese Wendung wird kräftigst beschleunigt werden durch die Thatsache, daß die Haussuchungen— abgesehen von der p o l i t i s ch e n Absicht— ganz planlos ins Blaue hinein vorgenommen worden sind, daß die Zahl der behaussuchten Anarchisten winzig ist im Vergleich mit den behaussuchten Nicht- Anarchif.m, und daß die Polizei gar nichts gefunden hat, was die verrückte Maß- regel rechtfertigte.— Englische Flottenbauplane. Den„Times" wird aus Plymonth gemeldet, im Marineprogramm der Regierung sei der Bau von 4 Schiffen erster Klaffe, 4 neuen Kanonen- booten, 2 großen Kreuzern und 32 Torpedoboote» vorgesehen. Tas wird eine nette Ergänzung de? englischen 40 Mil- lioneu-Defizits werden.— Tie fünfte Jahreskonferenz der schottischen Arbeiterpartei tagte am Mittwoch in Glasgow unter dem Vorsitze des ParlameutS-Mitglicdes Keir Hardie. Es waren gegen 300 Delegirte, welche verschiedene Trabes Unions und Arbcilerverbände vertraten, anwesend. Der Vorsitzende behandelte in seiner Eröffnungsrede die Roth- wendigkeit des Borhandenseiiis einer Arbeiterpartei in Großbritannien zur Erringung der der Arbeit gebührenden politischen Macht. Wenn die Arbeiter zufrieden wären, so führte der Redner aus, wie bisher die Sklaven der Kapitalisten zu bleiben und mit unterthänigstem Danke dasjenige zu empfangen, was ihnen seitens der besitzenden Klassen groy- mülhig zugestanden würde, so beeilte sich jede der britischen politischen Parteien, die Arbeiterschafl ihrer Gunst zu ver- sichern. Träten aber die Arbeiter selbständig auf, nähmen sie die Vertretung ihrer Interessen selbst in die Hand, und versuchten sie, dem heute herrschenden Ausbeutungssystem eine Ende zu machen, welches die Drohnen an die Spitze stellt und die fleißigen Arbeiter, die Schöpfer des Reich- thumes, mit deiz übrig bleibenden Brocken abspeist, so sänken sich nur wenige aus den anderen Parteien, welche sür die Sache des Proletariats einträten. Die gesammle, in den Händen der Parteien befindliche Presse sei gegen eine Arbeiterbewegung in diesem Stile, die Kirche mit ihren reichen Machtmitteln stände zu einer solchen Organisation in Opposition, nur ganz vereinzelte Individuen aus den Reihen der Wohlhabenden wären ehrlich genug, die von ihnen erkannte Richtigkeit des sozialistischen Prinzips durch die That zu bezeugen. Jfeir Hardie polcnnsirte dänn weiterhin gegen die unter den englischen und schottischen Arbeitern vielfgch verbreitete Parole der Wahlentbaltung bei allen öffentlichen Wahlen. Er hoffe, die schottischen Arbeiter würden der seitens einiger Fraktionen ausgegebenen Parole nicht folgen, sondern im Gegentheile bereits jetzt für die vielleicht noch im laufenden Jahre erfolgenden all- gemeinen Parlamentswahlen sich vorbereiten. In England habe die sozialistische Arbeiterpartei bereits siebenzehn Kan- didaten ernannt, in Schottland seien erst zwei Kandidaten für die Wahl aufgestellt. Hoffentlich werde indeß jeder Wahlbezirk in kürzester Frist seilten Kandidaten am Platze haben und die Agitation bereits jetzt planmäßig in die Wege leiten. Dann würden die Neuwahlen zum britischen Parlamente ganz andere Ergebnisse auf- weisen, als dies bisber der Fall gewesen ist. Die Versammlung diskutirte sodann außer die Organisation betreffende und lokale Fragen eine Reihe zur Beralhung gestellter Resolutionen. Mit Stimmen- einheit wurden alle schottischen Arbeiter auf- gefordert, sich einer Organisation an- zuschließen, welche die Wahl von Arbeiter- Vertretern ins Parlament bezweckt. Diese Vertreter hätten sich abseits von jeder anderen Partei zu halte« und dürften lediglich auf das sozialistische Programm verpflichtet sein. Damit hatte der Kongreß gleichzeitig die Antwort gegeben, auf die seitens der Labour Party ergangene Aufforderung, sich bei den Wahlen der Stimmenabgabe zu enthalten. Roch schärfer als in dieser Resolution wurde das Zusammen- gehen mit anderen Parteien in der weiteren Entschließung abgewiesen, wonach der Kongreß erklärte, daß das Problem, der Noth und dem Elende der Arbeitslosen znst.erurn, nur in einer Organisation des i n d u st r i e l l e n S y st e m e s in der Gesellschaft auf sozialistischer Basis gelöst werden könne.— Tie sizilianische Hungerrevolutio» hat vor dem Belagerungszustand nicht Haltgemacht. Die einzige Wir- kuug, die er gehabt hat, ist, daß die Zusammenstöße heftiger und tlutigcr geworden sind. Au verschiedenen Punkten haben Metzeleien stattgefunden, ist denen Dutzende ge- t ö d t e t wurden— auch Soldaten—, also schon kleine Schlachten. Und wie es scheint, ist das Volk zum Theil mit Gewehren bewaffnet. Das deutet nicht auf die von Crispi versprochene„Beruhigung". Oder meinte er„die Ruhe des Kirchhofs"? Jedenfalls will er eine Metzelei im großen Stil. Das erhellt aus der von ihm angeordneten, gestern bereits gemeldeten Verhaftung da Felice's. Sie erfolgte, weil der Gründer und Leiter der Arbcilcrverbände zusammen mit dem Atlsschuß derselben ein Manifest erlassen hatte, in welchem Reformen gefordert, und von gewaltsamem Vorgehen abgerathen wird. Nachdem Herr Crispi sich zum Belagerungszustand und zur Reform durch„Pulver und Blei" entschlossen hat, will er auch nicht, daß die 60 000 Mann Soldaten umsonst nach Sizilien geschickt smd. Wir lassen die letzten Telegramme über die Vorgänge auf Sizilien nun folgen: Rom, b. Jaiuar.(Wolff'sches Bureau.) Das Dekret, durch welches der Belagerungszustand über Sizilien verhängt wird, ist eingeleitet durch einen Bericht der Minister an den König, in welchem es heißt:„Die Loge in Sizilien wurde in der letzten Zeil infolge einer bellagenswertheu Nachlässigkeil der Behörden so ernst, daß gewöhnliche Maßregeln zur Ab- hilse nicht genügen. Unn issende, verblendete Volks- Haufen, geführt von Individuen, die zu allen Verbrechen bereit sind, trugen Unordnung in mehrere Gegenden, begingen Plündernngen, Brandstiftungen, Morde und Räubereien Gegen ein so außergewöhnliches Uebel, wie das nichtswürdige Vorgehen der Feinde des Vater- landes, ist ein außergewöhnliches Mittel nöihig. Es ist klar, daß ein Komitee vorbanden ist, welches unter Mißbrauch der konstitutionellen Garantien offen in Parlermo zusammen- getreten ist." Rom, b. Januar.(Wolff'sches Bureau.) Nach einer Privaldepesche aus Taltanisetta kam es bei einer von dem dortigen Arbeiterbunde veranstalteten Kundgebung zwischen den Demonstranten und dein Militär zu einem Zusammenstoß. wobei das Militär, nachdem ein Bauer einen Soldaten ver- wundet hatte, von der Feuerwaffe Gebrauch machte. 10 Per- sonen wurden getödtet und mehrere verwundet. Palermo, 6. Januar.(Wolff'sches Bureau.) General Morra ließ ein Dekret öffentlich anschlagen, wodurch jede An- sammlung, auch von Unbewaffneten, verboten wird. Zuwider- handelnde sollen zur Hast gebracht werden. Die Zahl der in Caltanisetla Getödteten war nach anderen Nachrichten viel größer, als das Telegramm an- giebt— etliche und dreißig. Bezeichnend ist die Sprache des Dekrets, welches den Belagerungszustand verkündet.„Individuen, die zu allen Verbrechen bereit sind"—„nichtswürdiges Vorgehen der Feinde des Vaterlands" u. s. w.— ganz so sprachen einst die Bourbonen von der Person, den Gefährten und dem Handeln des Revolutionärs Crispi. Freilich heute würden die Ausdrücke auf i h n passen.— Noch den letzten Nachrichten sind seit Proklami- rung des Belagerungsziislandes noch in 25 größeren und kleineren Ortschaften StzUiens die Steuerbeamten überwältigt worden. �Die„Bossifche Zeitung" hat die Stirn, die Verhaftung de Felice's zu billigen, und zu behaupten, er habe durch lüaenhafte Berichte über das herrschende Elend das Volk aufgehetzt. Das ist ebenso albern wie gemein. Er soll also die Sizilianer über ihr eigenes Elend belogen haben. O Tante!— Ans dem europäischen Wetterwinkel. Die Un- ruhen der Aibanesen werden offiziell demenurt. Aus Konstantinopel wird nämlich telegraphirt: Offiziell werden die von Celtinje aus verbreiteten Nach- richte» über«inen allgemeinen Albanesen-Aufstand in Prizrend als gänzlich unbegründet bezeichnet. Es haben dort nur un- bedeutende Reibereien zwischen den einzelnen Stämmen statt» gefunden. Die Ruhe ist indeß wieder hergestellt. Es bleibt abzuwarten, in wie weit die offizielle Dar- stellung von der Wahrheit abweicht.— Ein Kulturbild aus Teutsch-Afrika von Ujiji (Udschidschi) am Tanganyita entwirft der Slationschef Sigl. Er schreibt: „So angenehm der erste Eindruck beim Anblick Ujiji's auch sein mag, bei näherer Besichtigung und Kenntniß des Platzes muß es sich in Mißfallen und Widerwillen verwandeln, denn dieser Schmutz, dieser verpestet«, heiße, staub- aufwirbelnde Wind, die? schlechte, ungesunde Wasser, diese Tausende von allenthalben dicht bei den Häusern herumliegenden Menschengerippen mit ihren kahlen, weißen Schädeln und diese Menge von halbverwesten und frisch hin- geworfenen Kadavern spotten jeder Be- schreibung. Hier erst treten uns die Mißstände der Araberwirthschaft und des Negerstumpfsinns so recht unverfälscht und ungeschminkt vor die Augen. Von hundert aus Manyema herübergebrachten Sklaven fallen in Ujiji, laut Aussagen der Araber, min- bestens achtzig durch Fieber, Dysenterie und Pocken. Zu all diesem ekelerregenden Gräuel kommt noch die Landplage der Erds lohe, die wohl nirgends so günstige Bedingungen zu noch größerer Entwickelung findet, als in dieser großen Düngergrube„Ujiji" i Man sieht hier Hunderte von Krüppeln ohne Fußnägel, ja selbst ohne Zehen und mit wunden Schwären an den Füßen in den Straßen herumliegen. Unsere sämmtlichen Mannschaften und Träger und selbst ich hatten noch wochenlang nach Ujiji von diesen Insekten zu leiden. Die Verpflegung in Ujiji ist momentan beinahe unmöglich geworden, denn die ackerbauenden Ein- geborenen der Landschaften um den Tanganyita haben sich von den Ufern weit ins Land verzogen, um sich den Gewaltthaten der Araber oder vielmehr denen ihrer Kulturprodukte, der„Wang- waner", zu entziehen. Die Landschaften von Urundi und Usige, aus welchen ein grober Theil der Verproviantirungsartikel für Ujiji geliefert worden war, sind zur Zeil von den Ruga-Rugas des Rumaliza gänzlich ausgeplündert, die Felder liegen ver- wüstet und unbestellt. Laut Aussage der Araber und des Kapitäns Jacques soll es an den Manyeina-Usern des Sees nicht besser bestellt sein. Auch der Holzmangel in Ujiji, selbst an Brennholz, ist gleichfalls empfindlich fühlbar und nur eine Folge der hier jahrelang geübten unsinnigen Araber- und Neger- wirtbschaft." Wahrlich, ein nettes Kulturbild, herzerhebend für unsere Kolonialpolitiker. Hier zu ändern und bessern, würde Hunderte Millionen kosten, die besser im Jnlande für unsere verelendete Arbeiterbevölkernng angewandt wären. Doch es ist ja nur eine Phrase, daß Teutschland wahre Kultur nach Afrika tragen will, nicht einmal für die Abschaffung der Sklaverei hat man die nöihige Energie. Spiritus ynd Pulver und bestenfalls ein bischen Cbristenthum zweifel- bafter Qualität einzuführen, darauf kommt es den Kolonial- fexen im Wesentlichen an.— Afrikanisches. Die Nachricht, daß der„Sieger von Dahomey", der s r a n z ö s i s ch e General Dodds, bereits nach Paris znrückgekebrt sei, war verfrüht. Herr Dodds hat blos dem Kriegsnunisteriuni angezeigt, er gedenke zurück- zukehren, da in Dahomey militärisch nichts mehr zu machen sei; König Behanzin befinde sich in unzugänglichen Land- strichen, und es habe keinen Sinn, weitere Operationen gegen ihn zu unternehmen. Mit anderen Worten: Die Siege von Dahomey waren das Papier der Sieges- depeschen nicht werlh, und die schweren Opfer an Blut und Geld, die Frankreich gebracht, waren umsonst.— Gleichzeitig, damit die Schadenfreude der Engländer nicht allzu stark werde, ist in London die Nachricht eingelaufen, daß die Vorhut der englischen Matnbelc-Expedilion, die den König Lobengula schon so gut wie gefangen hatte, bis auf 7 Mann niedergemetzelt worden ist. Man sieht, die Afrikaner lernen von den europäischen „Zivilisaloren", zwar keine Zivilisation— woher auch?— aber den Krieg, und die melhodisch-wissenschaftliche Menschenschlächterei.— Franzosen und Engländer prügelten sich in Afrika, natürlich blos irrthümlich. Als Kosten dieses neuesten Kolonialirrthums sind ein paar Dutzend Todle zu buchen. Aus London wird hierüber telegraphirt: Wie dem„Reuler'schcn Bnreau" aus Sierra Leone ge- meldet wird, ist die gegen die Sofas in Samory's Reich ab- gesandl« britlsme Expedition von einer französischen Expedition infolge eines JnthumZ der letzteren, angegriffen worden. Der französische Kommandant, der englische Kapitän Lendy. General« Inspekteur der Grenzpolizei, sowie 25 Leute und mehrere Osfiziere des 1. Bataillons des Weslindier- Regiments wurden geiödtel. Die Engländer nahmen einen französischen Ojstzier gefangen.— „Zur Lage der deutschen Sozialdemokratie" ver- öffentlicht das„Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik" einen von befreundeter Seite stainntenden Aufsatz, der im Ganzen genommen die Tinge richtig benrtheilt, aber in bezug auf einen Punkt Ansichten ausspricht, gegen die wir uns wenden müssen. Der Verfasser meint nämlich, die Parteipresse, namentlich der„Vorwärts" und die„Neue Welt" seien von dem Parteivorstand„stiefmütterlich" be- handelt, die in der Partei vorhandenen literarischen Kräfte nicht genügend berücksichtigt worden; und er läßt durchblicken, daß nicht blos übertriebene Sparsamkeit, sondern auch ein gewisses Mißtrauen gegen die literarisch(akadeniisch) Gebildeten oder Eifersucht auf sie den Beweggrund bilde. Wir können dem Verfasser, der durch gewisse auf den Parteitagen von Berlin und Köln zum Ausdruck gelangte snbjekrive Stimmungen irregeleitet scheint, die Versicherung ertheilen, daß seine Vermuthungen vollständig aus der Luft gegriffen sind. Die deutsche Sozialdemokratie, deren Bahn- brecher Männer der Wissenjchaft waren, hat sich stets durch Achtung vor der Wissenschaft aus- gezeichnet; sie ist stolz auf ihre wiffenschnfUiche Basis, und in all ihren Entwickelungsphasen frei geblieben von jenem knotenhaften Haß gegen wissenschaftliche Bildung, der sich sonst da und dort in den Anfangsstadien der Arbeiter- bewegung wohl begreiflicher Weise, jedoch gewiß nicht zum Vortheil der Arbeiterbewegung bemerkbar gemacht hat. Wenn innerhalb unserer Partei mitunter Mißtrauen gegen akademisch Gebildete oder Mitglieder der„gebildeten Stände" hervorgetreten ist, so giebt der Verfasser selbst die Erklärung, indem er schreibt:„Die unae- heure Ausbreitung der Partei führt ihr die mannigfachsten Elemente zu." Daß wir uns die„mannigfachsten Ete»iente" genau an- ansehen, ist geiviß sehr natürlich und obendrein unsere ver- fluchte Schuldigkeit. Der Verfasser meint freilich, durch diese„mannigfachsten Elemente" sei die„Einheitlichkeit des geistigen Bewußtseins, welche die Partei in ihren Ansängen charakterisirle", zerstört worden, das ist aber zum Glück ein Jrrlhum— und wir— und jetzt sprechen wir nicht blos im Namen der Redaktion, sondern auch des Parteivorstandes und des Gros der Partei— wir sind entschlossen. Alles daran zu setzen, daß diese„Einheitlichkeit des geistigen Bewußtseins" unserer Partei nicht verloren gehe.� Es kann Jemand ein vortrefflicher Literat sein, und zum Redakteur eines sozialdemokratischen Zentralorgaus doch nicht passen— hierzu gehören auch noch andere Eigenschaften, die durch die größte literarische Tüchtigkeit, so hoch wir sie auch schätzen, nicht ersetzt werden können. Und darüber. ob Jemand die nöthigen Eigenschaften besitzt, können doch die Männer, welche das Vertrauen oer Genossen an die Spitze der Partei berufen hat, besser ent- scheiden, als solche, die der praktischen und geschäftlichen Thätigkeit der Partei ferne stehen.— PÄvkeiitÄckvilftkon. Der sozialdemokratische Provinzial-Parteitag für die Provinz Schles wig-Holstein, des Herzogthums Lauen- bürg, des Fürstenthums Lübeck und der Hansastadt Hain- bürg tritt auf Beschluß des vorjährigen Parteitags in Kiel am 14. Januar in Itzehoe zusammen. Die Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: �_ 1. Abrechnung und Bericht der Agitationskommission. 2. Be- richt der Pceßkommission. 3. Bericht der Vororte der einzelnen Wahlkreise über ihre Thätigkeit. 4. Die Stellung zu den Kom- munal- und Landlagswahlen. 5. Unsere Landagitation. 6. Bs- rathung und Beschlußfassung über die eingegangenen Anträge. 7. Wahl und Sitz der Agitationskommission und der Preß- kommission. Anfragen sind zu richten an H. Lienau, Neumünster. ** Der schlesisch-poseu'sche Parteitag. Zu unserm gestrigen Bericht sei noch nachgetragen, daß die Preßkommission darüber entscheiden soll, ob für den Waldenburger Kreis ein eigenes Parteiblatt erscheinen soll. Jeder der vier Agitations- bezirke, in welche Schlesien eingetheilt ist, wird einer Agitations- kommisston von je 3 Mitgliedern unterstellt. Der Parteitag nahm serner eine Resolution an, die sich gegen das Dreiklassen- Wahlsystem ausspricht und für alle Wahlen das allgemeine gleiche direkte Wahlrecht fordert. Mit der Einberufung des nächsten Provinzial-Parleitags wird das Agitationskomiteo in Breslau beauftragt.— Hierauf wird der Parteitag ge- schlössen. Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Wie politische„Verbrecher" im Kultur» staat� Deutschland behandelt werden, darüber ist unser Elberfelder Parteiorgan in der Lage, ein neues Beispiel zu erbringen. Dort heißt es: Unser Genosse Gewehr bewohnt bekanntlich seit einiger Zeit eine Zelle im hiesigen Arresthause zwecks Verbüßung mehrerer Strafe», die er sich als Redakteur der„Freien Presse" zugezogen hat, Bei einer früheren Gelegenheit wollte feine Frau ihm einen Besuch abstatten und begab sich zu der gewöhnlichen Besuchszeit nach dem Ülrreslhause. Dort wurde sie vor ein Gitter geführt, während Gewehr selbst vor eine Art Barriöre, die sich in einiger Entiernung vor dem Giller befand, geführt wurde. In solcher Situation sollte nun die Frau mit ihrem Manne unter ftrenjjer Aufsicht der Gefäiiguißbeamten ihre intimen Familienverhältnisse besprechen. Frau Gewehr verzichtete jedoch aus eine solche Unter- redung, drehte sich kurz um und ohne ein Wort an ihren Mann zu richten, verließ sie entrüstet das Gefängniß. Um einer ähnlichen Behandlung vorzubeugen, richtete jetzt Frau Gewehr an den Direktor des Arresthauses das Gesuch, ihren Mann am Neu- jahrstage besuchen zu dürfen, wie dies bisher an Sonn- und Festtagen von der Arresthausverwaltung oftmals bewilligt wurde. Tann werden flämlich die Besucher nicht vor das Gilter, resp. die Barriöre geführt, sondern der Besuch findet in einem der Verwaltungsbureaus stall, unter der üblichen Anwesenheit und Kontrolle der Beamten. Dieses Gesuch der Frau Gewehr wurde ihr von dem Direktor rundweg abgeschlagen durch folgen- de» Brief: Königliches Arresthaus. Journ. Nr. ILvoS. Elberfeld, 29. Dezember 1393. An Frau Wilhelm Gewehr in Elberfeld, Hombüchelerstraße 2. Auf Ihr Gesuch vom 23. d. M. wird Ihnen erwidert, daß ich nicht in der Lage bin, Ihnen für Montag, den 1. Januar n. J„ den Besuch Ihres hier inhastirten Ehe- mannes zu gestalten und verweise Sie aus die festgesetzte Besuchszeit der Gefangenen, Mittwochs jeder Woche, Vor» millags von 9—12 Uhr. (Name nach berühmten Mustern unleserlich.) Was also bisher oft den verschiedensten„Verbrechern" zu- gebilligt wurde, dem wegen politischer Preßvergehen inhastirten Soziatdemokralen wird es verweigert!— VerutilÄztes� Eine riesige Aeolsharfe bildet das Telegraphen- und Telephon-Drahtnetz, mit dem Berlin über- und umspannt ist. Bei Wind ist diese„Sphärenmusik" stets in den Straßen zu hören, nur daß Viele den Ursprung nicht kennen. Jetzt, wo zu heftigem Wind eine scharfe die Drähte zusammenziehende Kälte hinzukommt, sind die Klänge der Aeolehar e besonders laut und melodisch, und namenllich in der Nacht, wo das Straßen- geräusch aufhört, glaubt man ein entferntes Konzert oder fernes Glockeugel ute zu hören. Wcgc» Majestätsbeleidigung ist in Köln«in ehemaliger Premierlieutenant veiha lel worden. DepeMzett. (Woln's Telegravden-Pureau.) PariS, 6. Januar. Infolge einer Verständigung zwischen dem Präsidenten des Schwurgerichts und dem Vertheidiger Vaillant's ist die Verhandlung gegen Vaillant auf Mittwoch an- gesetzt worden. Paris, 6. Januar. Wie verlautet, wird der Prozeß gegen Vaillant am Montag zur Verhandlung kommen, damit das Urlheil vor der Wiedereröffnung der Kammern gefällt werden tan». Paris, 6. Januar. Der verantwortliche Redakteur des Anarchistenblattes„Rövolte", Jean Grave, ist heute verhaftet worden. Paris, 6. Januar. Im Elysee fand ein Ministerrath statt, dem von den Depesche» Mitiheilung gemacht wurde, welche sich aus den Zwischenfall in Sierra Leone beziehen; nähere Nach- richlen über diesen Zwischenfall fehlen noch. Sollte die englische Darstellung richtig sein, so würde, wie die„Agence Havas" mit- lheilt, die französische Regierung sich nicht weigern, die nach dem Völkerrechte in solchen Fällen zu gewährende Genugthuung zu geben. Dvirkkaken vor Dedskkion. Blaurock. Bitte wegen Ihres Eingesandts um persönliche Rückspracve. DoelfS. Ihr Bericht ist für den„Vorwärts" nicht zu ver- wenden. Senden Sie denselben an das Tellower„Volksblatt". A. S. Sie werden schwerlich austreten können. Entscheidend sind die Bedingungen des Versicherungsantrages und der Police. August KauselS, Crefeld. Die Stadt haftet leider nicht. Dvivfkttstrn der Expedition. W. La»... Brief vom 20. nicht erhalten. Für ve» Inhal: Znirratr über nimmt die Revaknon Sem Publikum gegenübe? keinerlei Bercrntw ortung Theater. Sonntag, den 7. Januar. Freie Volksbühne. I. Abtheilung Lessing-Theater. Nach- mittaas 2V2 Uhr. Ein Fallissement von Björnstjerne Björnson. vpernhans. Der fliegende Hol länder. Montag: Lavallsria rusticana (Bauern- Ehre). Das goldene Kreuz. Kchanspielhans. Die Räuber. Montag: Die Ahreushooper. Ein- geschlossen. Militärfromm. Deutsches Theater. Der Herr Senator. Montag: Der Talisman. Kerliner Theater. Aus der komischen Oper. Das Gefängnip. Montag: Aus eignem Recht. Kesstug-Theater. Der ungläubige Thomas. Ein Millionär a. D. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vlallner-Theater. Heimath. Frirdrich-Withelmkadi. Tüeate Der Lieutenant zur See. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neflden?-Theater. Der Mustergatte. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vrurs Theater. Sappho. Montag: Jugend. Tentral-Theater. Ein toller Ein- fall. Berlin 1893. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Grnst-Theater. Charley's Tante. Vorher: D-e Bajazzi. Montag: Dieselbe Vorstellung. Viktoria-Theater. Die Kinver des Kapitän Grant. Montag: Dieselbe Vorstellung. Alerandrrplat«- Theater. Die lustigen Weiber von Berlin. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vationat-Thrater. Der Teufel in Berlin. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Unter den Linden. Die Kosakin. Hierauf: Brahma. Ameriran-Theater. Die Gründung Roms in der Möckernstraste, oder: Die Rache des Gänserichs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Spezialitäten- Vor- stellung. Ueichshallrn-Theater.Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Aanfiuann's Nariüto. Spezialitäten- Vorstellung._ National-Theater. Große Frankfurtcrstraste 132. Doppelvorstellung zu einfachen Preisen Anfang 7 Uhr. Anfang 7 Uhr. Stiilvig, dieHailWeiltat. Drama in 3 Aufzügen von Theodor Körner. Regie: Max S a m st. Hierauf: LsusatiollsIIv Novität! 5« tpuffi in Irrlitt. Burleske Posse in 3 Akten von Eugen Prudens. Musik von Adolph Wiedecke. Regie: Max S a m st. Kasseneröffnung ö Uhr. Anfang 7 Uhr. Morgen: Der Teufel in Berlin. �meriesn-l'Keater. Täglich: DM" Grohe UorsteUnng."Äi ,"»!Wie!l8r-Auf{relento! des urkomischen Bendix. Neu!! Auftreten des Neu!! Wn Millhrtüilers d. ZGzdt K. Blank. Ferner: Die Gründung Roms oder: Die Uache des Gänserichs. Anstr. sliniintl. Snezinlitnten. In Vorbereitung: Die Obdachlosen, oder: Lumpen-Susanne. Parod.-real. Traumstück von Oscar Wagner. Ansang Wochentags 7»/, Uhr, Sonntags Uhr. rawkil'sode Bierdallen Ko»rma»dantenltr.77— 79. Aelt. u. größt. Etablissem. Verl. Programm. Täglich von ISVs Uhr ab bei freiem Gntree Matinee u. Abends von S'/e Uhr ab: Uational-Konzert v. llbealallliler in klstionsl-�rsokt und Auftreten von Künstlern Spezialitäten I. Ranges. Ans. Wochent. 71/2 Uhr. Entree 15 Pf., reservirt 30 Pf. Ans. Sonntags 5 Uhr. Entree 20 Pf., reservirt 50 Pf. Anerkannt gute Küche. SäBe für Festlichkeiten n. Versammlangen. 3 Kegelbahnen, 6 Bill., pr. Srd. 69 Pf. Kpieler zahlen kein Gntree. Varl Koch. Central-Theater. Alte Jalobstraste 30. Sonntag und Montag: Ein toller Einfall. Schwank in 4 Akten von Carl Laufs. Hierauf: „Berlin 8893". Revue in 2 Adth. von L. Leipziger. Anfang der Vorstellung 7l/2 Uhr. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst-Theater. Charley's Tante. Schwank in 3 Akt. v. Brandon Thomas. Vorher: Die Kajazzi. Parodistrsche Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 7�2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Passage- Panopticum. Ter M)(fjc latiit mtteMellikG. Ohne Extra-Entree. Untres 50 Fl. Kinder 25 Pf. Zahn-Arzt Rob. Wolf, jetzt Leipzigerstrahe 32. 919b Spr. 8-7 Uhr. Kaufmanns Variete |Am Staathahnhof Alezanderplatz. Täglich i Tpeziiilitilten-Vorßelliiilg und Konzert. Ilm! Uen! Um! !«tt>i-il.Stnl>tW der Wteilev nud verwandten Berufsgenossen Filiale IV. Montag, den 8. Januar, Abends 8l/z Uhr, in Appelt's Restaurant, Lützowstr. 7: Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. 229/3 _ Die örtliche Nerwaltnng. Urthditit der Völker und Sernfsgenoiken (Mitgliedschaft Berlin.) Dienstag, den 9. Januar, Nachm. 3 Uhr, bei Pyrteck, Gipsstr. 3: Mitgliehcr-VersiliimllUlg. Tagesordnung: 1. Regelmäßige Monatsgeschäfte. 2.Ergänzungsivahl des gesammten Vor- standes, Wahl eines Revisors. 3. Ver- sänedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. 36/2 Der Vorstand. Alhtullg! Rixdorj. Alhtsvg! Lo�lalSemokrat. Verem „Vorvärt8." Dienstag, den 9. Januar, Abends 8V2 Uhr, im Lokale des Herrn Klemke, Bergstr. 129: General-Versammlung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. 433/12 Mitglieder werden aufgenommen. _ Der Borstand. V. Noack's Concert- nnd Gesellscliafts-Säle, Brunnenstrasse No. 16. Täglich: Gr. Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Sonntag und Dann erstag Äut-StWes. Avis! Empfehle meme hocheleganten Säle mit elekir. Beleucht. f. Vereine und Privalfestlichkeiten zu den koulant. Bed. Ganver�in Kerliner Kit�haner. Die geplante Besichtigung der Sternwarte(Soimtag, den 7. Januar) findet aus Anlas; der Abwesenheit.des Prof. Dr. Förster nicht,- statt. Zuiiral-Krlukeli-i.Stlrbckjie i>n Maier u. verw. Berufsgenossen Deutschlands (Eingeschriebene HilTskasse 71). Miigliciitt-BersnimlNg ver Filiale I Nord am Mittwoch, den 40. Jan. 1894, Abends 8'/2 Uhr, bei Naabe, Nnppinerstraße 4S. Tagesordnung: I. Vierteljährfcher Kassenbericht. 2. Wahl der örtlichenBerwaltung. 3. Verschiedenes. 1152b Der Borstand. Tttttt-Ksssl»««Arttitm In Belli«. M>jG>e«li»-Altil«- Book- Brauerei Sonntag, den 7. Januar: DriilkmaM-WMrt Anfang 5 Ohr. Entree 30 Pf. Sonnabend, den 20, Jan. 1894, Abends 8V2 Uhr. im Lokale des Herrn Stümke, Ackerstr. 123: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1, Halbjähriger Kassenbericht.! 2. Verschiedenes. Das Quiltungsbuch legitimirt. Um pünkiliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. I. A.: Aug. A ck e, Vorsitzender, Neue Hochstr. 41, 4 Tr. 1144b Dem Zlhiltiiler l£arl Divischek, welcher sich bis zum Jahre 1391 in Naumburg a. d. Saale aufhielt und seither für feine Angehörigen verschollen ist, ist»ach seiner in Pilsen verstorbenen Tante Josefine ein kleines Erbtheil zu- gefallen. Wer vom jetzigen Ausenthalte Divischek's Kenntniß hat, wird um Mittheilung ersucht. Pilsen/Böhme». 1153b Advokat Dr. Ernst Strauss. Sonntags 9—10. Institut, Schönholzer- straße 17. 8-9, 4-5. 1137b Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW„ Beuthsiraße 2. Hierzu zwei Beilagen 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt Ur. 5. Sonntag, den Jannar 1894. 11. Jahrg. Chronik der wichtigsten politischen und Partei-Creigniste im Jahre 1893. Tezeinber. 1. Tie 4. II 12. 13. 14. IS. 1K. 17. IS. IS. 20. 21. LS. 24 26. 27. LS. S0. Aufhebung des Jesuitengesetzes wird im Deutschen Reichstage beschlossen. Neues französisches Kabinet Casimir Perier. Demission des serbischen Kabinets Dotilsch. Ein von 30 italienischen Deputirten gezeichnetes Manifest an das Land verurtheilt rückhalilos das Wirken Giotitli's. Landeskonferenz der hessischen Sozialdemokratie in Mainz. Großartige sozialdemokratische Demonstration in Dort» mund aus Anlaß des Leichenbegängnisses Tölcke's Debatte uber� das Duellwesen im bayerischen Landtage, grober moralischer Erfolg der sozialdemokratischen Fraktion. Erste Eisenbahnlinie im Kongostaat eröffnet. 5. Erste Berathuug des Stempelsteuer-Gesetzentivurfes. C. Die belgische Kammer beschließt eincZPörseueuquete. Neues serbisches Ministerium Gruitsch. 8. Tenionstrationen der Arbeitslosen in Holland. 9. Sozialistischer Sieg bei den Eemeinderaths- Wahlen in Loschwitz. Vombenattentat in der französischen Deputirtenkammer; Vaillant- Marchai wirst eine Boinbe von der Tribüne in den Saal; viele Personen verwundet; Dupuy's Geistes- gegenwart und Ruhe. Deutscher Reichstag: Interpellation Aichbichler und Gen. und Staudy, betr. die Unzulänglichkeiten und Belästigungen durch das Klebegesctz. Ernste Ruhestörungen in Partinico bei Palermo; Stadthaus überfalle». Adiniral Sabohana schließt sich mit der Insel Cobras den braplianischen Insurgenten an;„das Volk soll die Form der künftigen Regierung bestimmen." Eine internationale Arbeiterschutz-Konferenz wird für 1834 nach Zürich einberufen. Französische Deputirtenkammer: Ministerpräsident Casimir Perier legte die neuen Gesetze gegen die Anarchisten vor; das Preßgesetz(Aufforderung zur Plünderung, Brand- stistung und Verherrlichung der Verbrechen mit S Jahren bestraft) sofort mit 413 gegen 63 Stimmen angenomnien; die übrigen Vorlagen betr. Herstellung von Explosivstoffen, Polizeivollmachten undUeberwachuna anarchistischer Vereine gehen an eine Kommission; die Tribünen der Kammer sollen überwacht werden. Ter französische Senat genehmigt das neue verschärfte Preßgesetz; es werden Maßregeln zum Schutze der Theater und öffentliche» Gebände getroffen. Im englischen Oberhaus erklärt sich Lord Salisbury gegen Ausnahmemaßregeln gegen die Anarchisten. Deutscher Reichstag: Der Handelsvertrag mit Rumänien wird mit einer Majorität von 24 Stimmen ange- nommen. Sozialistischer Erfolg bei der Gemeinderathswahl in teilbronn. teinarbeiterstreik in Dresden, Pirna und Umgebung. Wiener Gerberstreik siegreich ausgegangen. Hungerrevolte in Palermo. Dokitsch, serbischer Ministerpräsident-h. Durch eine Bill der Repräsentanlenkammer der nord- amerikanischen Union wird das Territorium Utah zu einem Staate der Union erklärt und in dem neuen Staate die Vielweiberei abgeschafft. Deutscher Reichstag: Die Handelsverträge mit Spanien und Serbien werden in 2. Lesung angenommen. Prozeß gegen 50 Schaffner und Viehhändler wegen Betruges und Bestechung vor der Straskammer in Hamburg Eröffnung des hessischen Landtages. Die Handelsverträge mit Spanien, Rumänien und Serbien in 3. Lesung vom Reichstage angenommen. Partieller Schuhmacherslreik in Berlin. Gemeinsame Konferenz bayerischer und tyrolischerß Sozial- demokraten in Innsbruck. Di« französische Kamnier lehnt den Antrag Basly auf Einsetzung einer Enquete-Kommission über den Bergarbeiter- streik ab. Ministerium Crispi konstituirt. Französische Deputirtenkammer: Gesetz, betreffend die Vereinigungen mit verbrecherische» Tendenzen und Be- willigung von 820 000 Franks zur Verstärkung der Polizei angenommen. Des Anarchismus verdächtigte Ausländer aus Frankreich ausgewiesen. Das Münchener Gewerbegericht und die Ersatzmänner rein sozialdemokratisch. Unruhen in Tnrkisch-Armenien. Staatliches Getreidehandels-Monopol in der französischen Kammer von sozialistiscber Seite vorgeschlagen. Bei den Offenbacher Gewerbegerichtswahlen siegen die Sozialisten. Im Hamburger Schaffner- und Viehhändler-Prozeß werden san alle Angeklagten zu Gefängniß- und Gelöstrasen ver- urthcilt. Im englischen Unterhause wird der Antrag Hamilton be- treffend Verstärkung der englischen Flotte abgelehnt, der Antrag Gladstone dereffend Erhaltung der Tüchtigkeit der Flotte angenommen. Schlacht der italienischen Sudantruppen unter Oberst Ari- wondi gegen das ganze Korps der Derwische, 10 000 Mann unter Hamed Ali bei Agordat; die Derwische völlig ge- schlagen._cht Führer gefallen. Im deutschen„Reichs-Anzeiger" wird der bekannte könig- liche Erlaß vom 4. Januar 1882 an die königlichen Be- amten, daß sie die Pflicht haben, die Politik der Regierung nicht zu bekämpfen, von neuem eingeschärft. Prozeß gegen das serbische Kabinet Awokumowits beginnt. Sozialdemokratische Parteikonferenz für die Wahlkreise tochst-Homburg er. in Rödelheim. ieg bei den Gemeinderathswahlen in Salzungen. Tie Unruhen in Sizilien nehmen großen Umfang an. Kongreß der holländischen Sozialdemokralen in Groningen, f arteispaltung voraussichtlich. ozialistischer Sieg bei den Bürgerausschuß- Wahlen in Lörrach. Prozeß wegen der Arbeiterstreitigkeiten zu Aigues-Mortes. Victor Considerant, alter Fourierist-ß. Lohnsieg der Weber von Langenbielau. Victor Schölcher-j-. Inr Frage des städtischen Arbeitsnachweises. Wir haben bereits in einem Artikel unter obiger Ueberschrist kurz unseren Standpunkt präzisirt zu dem von Herrn Magistrats- assessor Freund in einem längeren Schriftstück niedergelegten Vorschlag einer Regelung des Arbeitsnachweises. Leider können wir nicht den ganzen Inhalt des umfangreichen Schriflsliickes zum Abdruck bringen, sondern müssen uns darauf beschränken, einen kurzen Auszug aus dem Gutachten zu geben. Wir glauben damit den Gewerkschaslsorganisationen Gelegenheit zu geben zur näheren Prüfung dieses Vorschlages in ihren Versammlungen. „Tie Arbeitgeber- und Arbeilnehmer-Nachweise in ihrer gegen- sätzlichen Stellung zu einander bieten ein wenig erfreuliches Bild. Ten Arbeitsnachweisen der meisten Innungen werden von einem großen Theile der Arbeiterschaft wenig Sympathien cnt- gczengebracht und die Arbeitsnachiveise der Fachvereine, zumeist in direkter Kampsesstellung zu der Arbeitgeberschaft und ihren Nachweisen, begegnen ebensowenig Sympathien aus der anderen Seite. Sticht besser steht es mit den Arbeitsnachweisen der anderen Arbeitgeber-Verbände. Stark angefeindet wird von einem Theile der Gehilsenschaft der Arbeitsnachweis des Vereins Berliner Gastwirthe und nicht minder der Arbeitsnachweis des Vereins Berliner Metallindustrieller, ein Produkt der Lohn- kämpfe in diesem Gewerbszweige. Eine rühmliche Ausnahme scheinen die Verhältnisse im Brauereigewerbe zu machen, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinschaftlich den Arbeits- nachweis leiten. Diese gemeinschaftliche Leitung und die Be- seitignng des Dualismus, welcher die Gegensätze zwischen Ar- beitgcber und Arbeitnehmer in hohem Maße verschärft, muß an- gestrebt werden und dieses Ziel wird durch einen einheitlich organisirten Arbeitsiwchweis vielleicht erreicht werden können. Will man hiernach die Nothwendigkeit einer Reform ans dem Gebiete des Arbeitsnachweises für Berlin anerkennen, so entsteht die weitere Frage: Soll und kann diese Reform durch Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises durchgeführt werden. Diese Frage wird, abgesehen von jeder politischen Er- wägung, lediglich aus praktischen Gesichtspunkten zu verneinen sein. Wenn die Stadtgemeinde einen Arbeitsnachweis als städtisches Institut errichtet, so übernimmt sie damit auch die volle Verantwortung für die Thätigkeit der neuen Einrichtung. Es wäre dann unerläßlich, daß die Stadtgemeinde sich einen weitgehenden Einfluß auf die Leitung des Instituts sicherte. Der Gedanke, die Stadtgemeinde solle die Einrichtung schaffen, sämintliche Kosten tragen und sich jedes nennens- werthen Einflusses auf die Leitung und Handhabung der Geschäfte entschlagen, ist mit dem Begriff der„städtischen Ein- richtung unvereinbar. Eine behördliche Leitung des Slrbeils- »achweises ist aber ans zwei Gründen unerwünscht. Zunächst ist es für die Lebensfähigkeit und gedeihliche Entwickelung eines einheitlich organisirten Arbeitsnachweises, und für die Erfüllung einer seiner wichtigsten Funktionen, der Ausgleichung der Gegen- sähe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dringendes Er- sorderniß, daß die Leitung und Verwaltung des Arbeitnachweises gemeinschaftlich in den Händen von Arbeitgebern und Arbeit- nehmern ruht. Des weiteren würde eine behördliche Leitung leicht die Ge- fahr bureaukratischer Schablone in der Behandlung der Ge- schäfte entstehen lassen und gerade der Arbeits- Nachweis bedarf wie keine zweite Einrichtung der An- paffung an die individuellen Lebensverhältnisse der Jnter- essenten. Die Ersahrungen, welche in anderen Städten mit den städtischen Arbeitsnachweisen gemacht worden sind, ermuthigen nicht zur Nachfolge. Die Pariser Einrichtung, welche aus den Mitteln der Siadl errichtet und unterhalten, gänzlich in den Händen der organisirten Arbeiterschaft unter Ausschluß der Arbeitgeber ruht, hat den Arbeitsnachweis nicht gefördert, die Gegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer womöglich verschärft und so den eigentlichen Zweck gänzlich verfehlt. In Basel, wo die Behörde auf die Leitung und Verwaltung des Instituts einen großen Einfluß ausübt, ist es dein städtischen Arbeitsuachweis keineswegs gelungen, ein Zentralpunkt für den Arbeitsmarkt zu werde». Jin dritte» Jahre sind nur l601 Stellen sür männliche Arbeiter vermittelt worden und die Hälfte der Frequenz betraf Ausländer. Der Bericht konstalirt selbst, daß große Jndustriezn'eige den Arbeitsnachweis nicht berücksichtigen, daß organisirte Gewerbe(wie Metzger, Müller, Konditoren) in den Listen des Nachweises gänzlich fehlen. Mit der bloßen Einrichtung der Arbeitsnachweise, mit der Herstellung von Lokalitäten und An- stellnng von Beamten ist es nicht gethan. Das wichtigste Mo- ment wird immer bleiben: die Stellungnahme der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu der Einrichtung. Wenn die Arbeilgeber ihre offenen Stellen nicht melden, wenn die Arbeitnehmer sich nicht in die Listen einschreiben lassen, so ist eben trotz der schönsten Einrichtungen ein Arbeitsnachiveis-Betrieb unmöglich. Um aber die Arbeitgeber und Arbeitnehmer für die neue Einrichtung zu geivinuen, ist eS nothwendig, daß keinerlei Mißtrauen von einer der beiden Seiten gegen die Ver- wallung und Leitung des Arbeitsnachweises gehegt wird. Daß die Arbeitnehmer einem behördlich organisirten und geleiteten Arbeitsnachweis besonderes Vertraue» entgegenbringen iverden, ist zu bezweifeln. Wenn aber die Arbeitnehmer,— wie das aus dem Antrage der Gewerkfchafts-Kommission Hervorgeht— eine behördliche Organisation, aber eine Leitung und Verivaltnng lediglich durch Arbeiter verlangen, so kann, wie oben ausgeführt, weder die Behörde daraus eingehen, noch dürsten sich die Arbeit- geber dazu verstehen, einen auf dieser Grundlage errichteten Ar- deilsnachweis zu benutzen. Nur eine Leitung und Verwaltung unter gemeinschaftlicher Kontrolle und Aufsicht seitens der Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird im stände sein können, eine entwickelungsfähige von beiderseitigem Vertrauen getragene Einrichtung zu schaffen. Erkennt man diesen Satz als richtig an, so ist jede behördliche Intervention unnölhig und unzweck- mäßig; die neue Einrichtung muß volle Selbstverwaltung haben. Eine andere Frage ist die, ob und inwieweit die Stadt- gemeinde zu den Kosten der neuen Einrichtung beitragen soll, ohne daß darum die Einrichtung als städtische fungirt. Daß die Einrichtung eines gut sunklionirenden Arbeitsnachweises für die Allgemeinheit von größter Bedeutung und darum für die Stadtverwaltung von größtem Interesse ist, liegt auf der Hand. Die Stadtgemeinde Berlin hat diesen Standpunkt im Prinzip bereits dadurch anerkannt, daß sie an den Zentral- verein für Arbeitsnachweis zu den Kosten des Zentral-Arbeils- Nachweises sür ungelernte Arbeiter einen Beitrag von 3000 M. leistet und es wäre nur in Konsequenz dieses bereits ein- genommenen Standpunktes, wenn die Stadtgemeinde größeren Bedürfnissen für«ine erweiterte Arbeitsnachweis-Einrichtnng durch Beivilligung größerer Geldmittel entgegen kommen würde. Sieht man von der städtischen Organisation ab, so bleibt zu erörtern, in welcher Weise am zweckmäßigsten unter Berück- sichtigung der oven dargelegten Gesichtspunkte eine ander- weile Organisation geschaffen werden kann. Und da treffen die in den beiden vorliegenden Anträgen nieder- legten Bestrebungen der Arbeiter in dem Hauptpunkte, der Zen- traiisirung.des Arbeitsnachweises, mit den langjährigen Be- strebungen des hiesigen Zentralvereins für Arbeitsnachwets zu- sammen. Es liegt somit nichts näher, als an die seit 10 Jahren bestehende Organisation des Zentralvereins anzuknüpfen und die- selbe in der oben entwickelten Richtung weiter ausbauen. Aus dieser Basis würde sich folgendes Projekt ergeben: I. Organisation. Der Zentralverein für Arbeitsnachweis bleibt als solcher bestehen; er wird die Gewährung der Korporationsrechte nachsuchen. Die Oberleitung bleibt bei dem jetzt bestehenden Gesammtvorstande, welcher sich durch ZuWahl einer Anzahl geeigneter Persön- lichkeiten aus dem Arbeiterstande auf die Zahl 40 erganzen ivird. Der jetzt bestehende geschäftsführende Ausschuß fällt weg. An dessen Stelle treten für die Verwaltung und Beauffichtigung der vom Verein unterhaltenen Einrichtungen besondere Aus- schüsse. Das Institut der Wärmehallen untersteht bereits einem besonderen Ausschusse; derselbe wird sich durch Zuwahl einer Anzahl Arbeiter ergänzen. Für die beiden Arbeitsnachweise— für männliche und für weibliche Personen wird ein aus 23 Personen bestehender Ausschuß gebildet, nämlich zehn Ar- beitgeber, zehn Arbeitnehmer und drei Unparteiische, welche weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer sein dürfen. Die drei Un- parteiischen wäblt der Gesammtvorstand des Zentralvereins aus seiner Mitte. Die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden von den Beisitzern des Gewerbegerichts aus der Zahl der Berliner Arbeitgeber und Arbeitnehmer für die Dauer der Wahlperiode der Beisitzer gewählt. Den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter wählt der Ausschuß auf die Dauer eines Jahres aus seiner Mitte. Im Uebrigen werden die Geschäfte nach einer von dem Ausschuß festgesetzten Geschäftsordnung geführt. Dem Ausschuß liegt insbesondere die Ueberwachung und Kontrolle der Geschäfrssührnng des Arbeitsnachweises ob; die Beamten werden auf seinen Vorschlag vom Gesammtvorstande bestellt. Im Uebrigen wird das Äerhältniß des Ausschusses zum Ge- sammlvorstande durch das Statut geregelt. II. Lokal. Das gegenwärtige Lokal des Arbeitsnachweises für männliche Personen(am Alexanderplatz gegenüber dem Polizeipräsidium) wird provisorisch beibehalten. Dasselbe wird durch Hinzunahme der drei dahinter liegenden Stadtbahnbögen vergrößert. Sollte sich die neue Einrichtung bewähren und eine größere Ausdehnung annehmen, so ist die Errichtung eines eigenen Gebäudes in Aussicht zu nehmen. Der Arbeitsnachweis für weibliche Personen bleibt gleichfalls provisorisch in dem gegenwärtigen Lokale in der Klosterstr. 97, Schluß folgt. rolrsles; Gesctzeskunde des Oberbürgermeisters Zelle. In der Stadtverordneten- Versammlung vom Donnerstag hielt der Herr Oberbürgermeister Zelle eine Neujahrsansprache, in der er die Kommunalpolitik des vergangenen und des beginnenden Jahres einer Betrachtung unterzog. Er sprach dabei auch die Hoffnung aus, daß die Einverleibung der Vororte in diesem Jahre zum Beschluß erhoben wird. Indem er die Schwierigkeiten erörterte, die dabei zu überwinden sind, gelangte er nach einem Bericht der „Voss. Ztg." zu folgenden Aeußerungen über diese Frage: „Freilich, meine Herren, birgt sie manche Schwierigkeiten rn sich, beispielsweise einen Punkt, von dem ich glaube, daß er noch wenig beachtet worden ist, das Mißverhältniß, welches wir von Jahr zu Jahr mehr zu beklagen haben in bezug auf die Größe unserer Einwohnerzahl und die geringe Vertreter- zahl, die wir im Parlament haben. Ich meine, meine Herren, wenn wieder neue Summen unserer Einwohnerzahl hinzutreten, so würde das Mißverhältniß immer schreiender werden." Es ist ja ganz richtig und von uns oft genug als ein arger Mißstand gerügt worden, daß die Stadt Berlin eine nicht ihrer Bevölkerungszahl entsprechende Vertreterzahl im Reichstage hat. Nach dem Reichsgesetz müßte sie jetzt 16 statt 6 Abgeordnete haben, und ähnlich steht's mit dem preußischen Abgeordneten- hause. Wenn der Oberbürgermeister Zelle darauf hinwirken ivill, daß dieses Mißverhältniß ausgeglichen wird, so wird er sich in dieser Frage wenigstens als willkommener Bundesgenosse der Sozialdemokratie bewähren. Aber er irrt sich gewaltig. wenn er glaubt, daß das Mißverhältniß der Zahl der Reichstags-Abgeordneten zur Bevölkerungszahl irgendwie ver- schlimmert würde durch die Einverleibung der Vororte. Und würde die halbe Provinz Brandenburg der Stadt Berlin einverleibt.so bliebe das Mißverhältniß immer noch das nämliche, es verschlimmerte sich dadurch nicht, ebenso wenig wie es sich verbesserte. Der Herr Oberbürgermeister glaubt, eine äußerst pfiffige Entdeckung gemacht zu haben, und hat doch nur seine Gesetzesunkennlniß be- wiesen. Aus seinen Ausführungen geht klar hervor, daß er meint, nach Einverleibung der Vororte würden diese neuen Stadtbeftandtheile mit Natnrnothwendigkeit auch von ihren bis- herigen Wahlkreisen losgelöst und den ihnen benachbarten Wahl- kreisen der Stadt Berlin angegliedert werden. Das ist aber keineswegs der Fall. Die bestehende Wahlkreis-Eintheilung be- ruht aus Gesetz, und nur durch besonderes Reichsgesetz können die Wahlkreisgrenze» verschoben iverden, für das Abgeordnetenhaus natürlich durch preußisches Landesgesetz. Irgend welche Neneintheilung der preußischen Verwaltungsbezirke durch preußisches Landesgesetz kann an den Reichstags-Wahlkreisen nichts ändern. Zu solchen Aenderungen würde es wiederum eines besonderen Reichsgesetzes bedürfen. Merkwürdigerweise ist es nun aber wiederholt schon vorgekommen, daß Verwallungs- behörden in Deutschland in Unkennlniß dieses rechtlichen Zu- standes nach einer landesgesetzlich erfolgten Neuabgreuzung von Verwaltungsbezirken ohne weiteres die Beivohner eines Bezirks, der einer Stadt angegliedert wurde, aus ihrem früheren Wahl- kreise in den Wahlkreis, der durch diese Stadt gebildet wird, hineingezogen haben. Da wurde denn ganz munter darauf los gewählt und erst nachher stellte es sich heraus, daß wegen dieses gesetzwidrigen Verfahrens die Wahlen in den beiden betroffenen Reichstags-Wahlkreisen nngiltig waren. So geschah es während der letzten Reichstagswahl mit den Wahlkreisen Köln-Stadt und Köln-Land. Auch aus den Wahlkreisen Elberfeld und Lennep- Meltmann werden ähnliche Jrrthümer gemeldet, und daß es zu demselben Schildbürgerstreich nicht in der großen Seestadt Leipzig kam, hatten die hochwohlweisen Väter der Stadt dem Umstände zu danken, daß sie auf die Ungesetzlichkeit ihres Vorhabens. die einverleibten Vororte statt im Wahlkreis Leipzig- Land, im Wahlkreis Leipzig- Stadt ivählen zu lassen, vorher ausmerksam gemacht wurden. Die Entdeckung, aus welche sich der Ober- bürgermeister von Berlin so sehr viel zu gute that, zeigt also nur, daß trotz aller Ersahrungen unter den deutschen Stadt- vätern die Gesetzesunkundigen nicht alle geworden sind. Also, Herr Oberbürgermeister, nur immer ruhig draus los einverleibt! Durch administrative Einverleibung der Stadt Berlin verändert sich die Wählerzahl keines einzigen der sechs Berliner Reichstags- Wahlkreise jetzt und künftig iin allergeringsten. Die Einverleibung ist gut und nützlich und sollte recht bald vor sich gehen, und die reichsgesetzliche Aenderung der Reichstags-Wahlkreise und damit die Vermehrung der Berliner Volksvertreter ist auch gut und nützlich und sollte gleichfalls recht bald vorgenommen werden. Beides aber find getrennt« Fragen; di« Lösung der einen hängt nicht ab von der Lösung der anderen. Vom Elend auf der Strafie. Der„Vosfischen Zeitung" wird geschrieben:„Die Einrichtung des Asyls und der Wärme- hallen wirkt bei der jetzigen kalten Witterung überaus fegens- reich, ein großer Uebelüand aber ist. daß das Asyl bereits Morgens K Uhr geschlossen, die Wärmehallen erst um 8 Uhr geöffnet werden. Es sind so die bedauernswerihen Personen, die von beiden Einrichtungen Gebrauch machen, zwei volle Stunden und gerade des Morgens, wo die Kälte am empfind- lichstcn wirkt, auf die Straße gesetzt. Tie natürliche Folge ist, daß sie irgendwo ein Unterkommen suchen, und so strömen sie gegen 6l/a Uhr in hellen Haufen— es wäre'« beute reichlich 500 Personen— in die in der Nähe der Wärmehallen belegenen Räume des Bahnhofs Alexanderplatz, um dort bis 8 Uhr Schutz gegen die Kälte zu suchen. Es ist wahrhaft jämmerlich, zu sehen, wie die hungernden, meistens kauni nothdürstig bekleideten Gestalten sich in die Ecken und Winkel des Bahnhofes drängen, wie sie sich um die Heizkasten der Dampfheizung sammeln, um die erstarrten Glieder(es waren heute allein elf Personen, die ich ohne jede Fußbekleidung sah) aufzuwärmen. Es widerstrebt dem nienschlichen Gefühl der Beamten, die dem reisenden Publikum Platz schaffen und es vor dem Bedrängen durch die oft Bassermannschen Gestalten(sie) schützen müssen, die armen Wesen hinaus in die Kalte zu treiben. Würde das Asyl eine halbe Stunde später geschlossen, die Wärmehallen eine Stunde früher geöffnet werden, so wäre dem Uebel gesteuert." Es ist bezeichnend für die Anschauungsweise dieses Ord- nungsmannes, daß er bei dem Tadel des auch schon von uns gerügten Zustandcs gleich an die schonungsbedürftigen Nerven des Philisterpublikums denkt, das durch den Anblick solch grauen- hasten Elends gar zu leicht aus seiner Behaglichkeit unsanft ausgescheucht werden könnte. Also, öffnet die Wärmehallcn früher — aus Mitleid für das reisende Publikum, dem durch den Zln blick Baffermannscher Gestalten gar leicht der Appetit zum Früh stück verdorben werden könnte! Glänzendes Elend pflegt man, und gewöhnlich nicht mit Unrecht, die Existenz der darstellenden Künstler zu nennen, welche, bedeckt mit Schminke und Flitterkram, dem Laienauge bezaubernd und beneidenswerlh erscheinen, indessen sich unter diesem äußeren schillernden Tand gar oftmals das graue Elend verbirgt. Inwieweit dieS auch bei den Künstlern eines unserer glänzendsten und prnnkendsien Institute, dem„Zirkus Renz", zu- trifft, entzieht sich unserer Kenntniß, so viel aber wissen wir, daß das eigentliche Arbeitspersonal von diesem glänzenden Elende ein Liedchen zu singen weiß. Wer die prunkenden und berückenden Ausstattungs-Pantomimen betrachtet, der denkt wohl kaum an das glänzende Elend der Statisten und Figurantinnen, welche pro Vorstellung mit I M. bis 1,50 M. bezahlt werden. Es mag diese„Taxe" der üblichen Entlohnung dier Art Arbeiter an Kunstimiituten entsprechen; immerhin ist aber in Erwägung zu ziehen, daß der Zirkusdienst ein an- strengender, intensiverer und ausgedehnterer, die Behandlung eine der Sphäre des Zirkus angepaßte ist. Trotzdem diese Arbeit durchaus nichts Verlockendes bietet, ist das Augebot hierfür ein die Nachfrage weit übersteigendes. Ueberaus schlecht gestellt sind auch die Hilfsgarderobieren. Dieselbe» haben eine höchst ver- antwortliche Stellung, müssen die Garderobe verausgaben, wieder einsammeln und abliefern, den Künstlerinnen beim'tinlegen der Garderobe behilflich sein, kleine Reparaturen machen,' überall Hand anlegen, rennen, springen, in den dumpfen, fensterlosen, schlecht venlilirten Garderoben, die unter den aufsteigenden Sitzen des Publikums delegen sind, sich aufhalten, und erdalten als Entlohnung pro Abend 00 Pf. Daß der Begriff„Abend" ein sehr dehnbarer ist, fällt hier besonders erschwerend ins Geivicht. Ebenfalls gering besoldet sind diejenige» Arbeiter, welche irgend einen bestimmten Dienst versehen, einen gewissermaßen festen Posten bekleiden. Zu den vorkominenden unbestimmten Arbeiten, die im Betriebe unausbleiblich sind, werden, wie uns aus unterrichteter Quelle vernchert wird, Soldaten verwendet, und zwar Mannschaften des zweiten Garde-Regiments. Wir wissen nicht, ob dies aus Patriotismus geschieht oder ob die Bezahlung für diese Arbeiten eine solche ist, daß trotz der herrschenden Arbcirsnolh sich keine „zivilen" Arbeiter zur Uebernahme dieser Arbeit bereit finden. In Anbetracht des ganzen Charakters des Instituts erscheint indessen die erster« Annahme als die wahrscheinlichere. Trotzdem ist„Renz" im höchsten Grade populär, ob mit Recht oder lln- recht— diese Frage möge ein Jeder selbst entscheiden— möglich, daß diese Anregung genügt, den von uns in Frage gezogenen Angestellten eine etwas bessere Entlohnung als bisher zu ver- schaffen. Cin neuer Fahrkartenschwindel ist in Bunzlau entdeckt worden. Ob man wieder durch verkleidete Polizeikommissare schlechtbezahlte Schaffner in die Falle gelockt hat, um dann die der Versuchung Unterlegenen als ganz gemeine Kerls vor den Strasrichter bringen zu können? Wie rentabel das Metier der armen gequälten Kapitalisten heute noch ist, wird durch die Thatsache illnstrirt, daß ein Herr F. Kosterlitz sein vor sieben Jahren am hiesigen Platze bc- gründetes Kostümgeschäst für weit über 100000 M.(genauere Angabe fehlt) vor kurzem verkauft und sich zur Ruhe gesetzt hat. Der arme Teufel von Kapitalist hat sich außerdem in den paar Jahren einige Billen vom Munde abgespart. An die Menschlichkeit der Ontiiibus' und Pferdebahn- »irektiouen wendet sich ein Mirarbester unseres Blattes, indem er schreibt: Zum Mitleid angeregt wird man gegenwärtig durch den Anblick der in den öffentlichen Fuhrbetrieben beschäflibten Leute und nanientlich der Kutscher und Schaffner beim Pferdebahn- und Omnibusverkehr. Das Gesicht der Leute ist aufgedunsen von der Kälte, die Gliedmaßen, besonders die Finger sind steif und schwer beweglich und doch»laß der Dienst nicht selten secbszehn Stunden lang und darüber ununterbrochen gethan werden. Jedes noch so geringe Versehen, das dem Schaffner beim Ver- theilcn der Billets pasfirt, wenn er mit den srosterstarrten Fingern nicht mehr die Stärke des Papiers richtig suhlt und statt eines Fahrscheins deren zwei giebt, rächt sich an seinem Geldbeutel. Die Pausen an den thzdstatione» der Fahrtouren können die Leute nur in den Schankwirihschaften verbringen; aber um den durchkälteten Körper am Ofen erwärmen zu dürfe», muß irgend etwas verzehrt werden; das Billigste bleibt da gewöhnlich der Schnaps, defien Wirkungen unter dein Einflüsse der Kälte später stärker hervortreten, als bei normaler Teuiperalur. Der Dienst der Schutzleute und des Militärs wird solchen außer- gewöhnlichen Teniperatuvoerhältnissen, wie den gegenwärtigen, besonders angepaßt, nvr bei den Gesellschaften, die aui ihren Privilegien für den Großstadtverkehr so bedeutenden Nutzen ziehen, findet eine Rücksichtnahme auf ihre Bediensteten nicht statt. Es fehlt nicht an Arbeitskräften, um bei dieser Kälte und vorübergehend_ de» Dienst der Leute abzukürzen. Wollten aber die Verkehrsinnitute hier den Einwand der Undurchfübrbarkeit einer so vorübergehenden Einrichtung machen, so müßten sie jedenfalls ih-en Leuten«ine besondere Entschädigung für die übermäßigen Anstrengungen im Dienste während solcher Frost- Perioden ivie der gegenivärtigen gewähren. Mitleid der Direktoren mit ihren Untcrbeamten! Kennt der seine Pappenheimer schlecht. Natürlich giebt es Arbeitshungrige genug auf der Welt, aber diese haben Dank der göttlichen Welt- Ordnung erst in Funktion zu treten, wenn die Arbeitenden durch übermäpige Ausnutzung so weit zu Grunde gerichtet sind, daß deren Beschäftigung für den Unternehmer nickt mehr profitabel ist. Daun wird, um ein altes Gleichniß zn gebrauchen, die aus- gepreßte Zitrone fortgeworfen und eine neue zum billigen Preise herangeholt. Zur Warnung. Für die Antwerpeuer Weltausstellung werde» in Provinzialblättern Arbeiter gesucht, die sich an einen Unternehmer. Namens Schubert, wenden sollen. Dieser schließt dann mit den Arbeitern einen Vertrag dahin ab, daß sie sich zu einem bestunmren Tage verpflichten, die Reisekosten aber selbst bestreiten. Als Unterpfand nahm Schubert je 7,50 M. entgegen. Noch vor Eintritt des Termins, an dem sich die Arbeiter bei ihm melden sollen, verläßt er seinen Aufenthaltsort, und die An geworbenen haben das Nachsehen. Tie Namen von Milch- und Butterfälschern werden vom Polizeipräsidium veröffentlicht. Die diesbezügliche Bekannt machung lauter: Auf Grund des Ministerial- Erlasses vom 23. September 1393 wird im Interesse des Milch konsuinirenden Publikums zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bei dein Milchhändler Gustav Drake, Reicheubergerstr. 122, dem Milch- Händler Albert Engel. Franieckistr. 14, dem Milchhändler Karl Faude, Slallschreiberstr. 5. dem Molkereibesitzer Friedrich Grunske, Müllerstr. 132, dem Milchhändler Karl Jonas, Manteuffelstr. 92, der Milchhändlerin Luise Meyer, Gräfestr. 30. dem Milchhändler Karl Nölte, Wilhelmsdavenerstr. 14, dem Milchhändler Hermann Randt, Kolbergerstr. 14, der Milchbändlerin Henriette Schody Weinstr. I, dem Milchhändler Karl Schwan in Werneuchen, dein Milchhändler Wilhelm Sleinberg, hier, Wittstockerstr. 6 wohn hast, Hierselbst wiederHoll Milch entnommen worden ist, welche nicht der Bestimmung in s 1 der Polizeiverordnung vom 6. Juli 1337 entsprach. Wegen Feilhalteiis von Margarine als Naturbutter wird der Kaufmann Hermann Peisker, hier, Falkensteinstr. 37 wohn- hast, zur Kenntniß des Publikums gebracht.— Sämmtliche ge- nannten Personen sind mehrfach bestraft worden. Bor Erschöpfung und halb erstarrt ohnmächtig umgesunken fand man am Freitag Morgen ans dem Gesundbrunnen in der »euuten Stunde ein blutjunges Mädchen, das auf der Suche nach Arbeit sich nach Berlin begeben wollte. Sie war aber nur bis zur Badstraße gekommen, als sie die Kräfte verließen. Mit einem unlerdrücklen Wehlaut brach die Aermste zusammen und wurde von mitleidige» Passanten zu dem zunächst wohnenden Heilgehilfen gebracht, der vorerst die Ohnmächtige ins Leben zurückrief. Was weiter aus der Aermsten geworden, wird nicht berichtet. WaS frag ich viel nach Geld nud Gut, muß eine Frau G. in der Kulmstraße gedacht haben, als sie an die Aufbewahrung ihrer Werlhpapiere ging. Sie schnitt am 15. v. M. Koupons ab und legte die Papiere mit den Talons zusammengerollt in eine Sophaeckc, deckte ein Schlummerkissen darüber und backte erst am Freitag wieder an ihre Schätze. Jetzt aber waren sie fort und nicht wiederzufinden. Das Sopha ist in der Zwischen- zeit ausgeklopft worden, und bei dieser Gelegenheit scheinen die Papiere abhanden gekommen zu sein. Darunter befindet sich ein 4prozentigcs preußisches Kousol Nr. 377 155 über 2000 M., sechs ebensolche über je 300 M. und verschiedene 3 Veprozentige Berliner Stadtobligationen von 1373 über 1000, bezw. 500 M. Zu dcm mit Braudstistnug verbundene» Einbruch in der Oranienstraße 23a wird berichtet, daß es der Kriminalpolizei gelungen ist, einen der Thäter in der Person des Schreibers Wifonski festzunehmen, der trotz seiner 21 Jndre schon sechs Mal wegen Diebstahls und zwei Mal wegen Hehlerei bestraft ist. TaS EiS dcS Müggelsees hatte gestern bereiis eine Stärk« von 7—3 Zoll erreicht und es findet infolgedessen heute die polizeiliche Abnahme der Eisbahn auf demselben statt. Die reigabe des Müggelsees für den Schlittschuh- und Segelschlitten- wort dürste bereils heule. Sonnlag erfolgen. Bereits eröffnet mit dem heutigen Tage ist die Riesen- Eisbahn von Plötzensee nach Saatwinkel; ans dem Tegeler See weist das Eis eine Stärk« von 6—9 Zoll ans. Tie Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten von Dr. A. Blaschko ist mit dem l. Januar nach Köpnicker- strabe 63 verlegt worden. Sprechstunden sind: für Kassen- kranke(Mitglieder von freien Hilfskassen und Orts- lassen mit f r e i e r A r z t w a h l) von!2— I, für U n b e- m i t t e l t e von 1—2, Sonntags(nur sür Kassen kranke) von 11—12. Nochmals der Eisenbahnkoupce-Thürschluff. In Nr. 216 des„Vorwärts" erschien unter der Verantwortlichkeit des Redakteurs Wilhelm Schröder ein Ausruf an die Arbeiter Berlins. In diesem wurde kundgegeben, daß die Verwaltung der Stadl- und Ringbahn beabsichtige, Dielistverrichtungen, welche ihre Angestellten bisher verrichtet haben und diesen oblagen, nämlich das Schließen der Koupeethüren beim Ein- und Aus- steigen ans den Bahnzügen, dem Publikum aufzuhalsen und hieran die Aufforderung an die Arbeiter gestellt, die Wagen- thüren nickt zu schließen. Wegen dieses'Aufrufes war gegen Schröder Ai klage wegen groben Unfugs erhoben worden, doch wurde er in erster Instanz freigesprochen. Gegen die Enl» scheidung legte die Staalsanwaltsckait Berufung ein und ver- laugte von der 8. Strafkammer Verurtheilung zu 6 Wochen Hast wegen groben Unfugs mit der Begründung, daß schon vor Erscheinen des Ariiiels unter den die Stadl- und Riugbab» benutzenden Arbeitern das falsche Gerücht verbreitet war, daß die Eisenbahnverwaltnug«inen Theil der Beamten, welche den Dienst an den Koupeethüren zu verricbten halten, entlassen habe. Infolge dessen wären seitens der Fahrgäste die Bahnexzesse eingetreten, die das die Eisenbahn benutzende Publikum in hohem Grade beunruhigten. Nach dem Erscheinen des inkriminiricn Ariiiels muhte eine Steigerung der Exzesse auf der Bahn be- fürcblet werden und hierin läge der verübte grove Unfug. Ter Vcrlheidigkr, Rechtsanwalt Freude nthal, beantragte die Fieisprecdung, indem er ausiührte: Für die Exzesse, welche angeblich vor dem Ersctituien des Artikels zu Tage getreten sind, kann der Angeklagte nicht verantwortlich gemacht werden. Dieselbe» ständen in keinem Zusammenhange mit dem Artikel. Derselbe habe nur den Zweck, die Arbeiter zu belehren, daß sie nicht Aufgabe» beim Eiseubahntrausporr zu erfüllen haben, sür welche die Bahnverwaltung und nicht das Publikum zu sorgen habe. Eine grobe Verletzung der äußern Ordnung durch Belästigung enthalte der Artikel nach keiner Nicht. ug. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Rechtsanwalts Freudenthal an und sprach den Angeklagten frei. Eine Prügelei unter OrdnungsmÜnneru beschäftigte gestern die neunte Berufung?- Strafkammer des Landgerichts I. �n einer Seplembernacht des vorigen Jahre? kam eine Gesell- schast mehr oder weniger betrunkener Studenten aus der Kneipe. An der Marschalls-Brücke begegnete ihnen eine Anzahl Personen, von denen eine, ein Bankbeamter, des Guten ebenfalls zu viel ge- than zu haben schien. Einer der Studenten, ein Mediziner, be- gab sich zu dem anscheinend Kranken und bot seine Hilfe als Arzt an. Der Bankbeamte durchschaute den Hohn, er gab eine entsprechende Antwort, es kam zu einem Wortwechsel und bald schlugen die Parteien mit Fäusten und Stöcken auf einander los. Der Kriminalbeamte Müller, der allerdings zu der Partei der Nicht- Studenten gehörte, sich aber an der Schlägerei nicht betheiligte, kam dabei am schlimmsten weg. Er erhielt von dem Studenten Tessendorf einen so wuch« tigen Hieb mit einem Stock über den Kopf, daß er zu Boden sank. Er hatte eine sieben Zentimeter lange Wunde erhalten, die ihn sür längere Zeit dienstunfähig machte. Das Schöffengericht hatte den Studenten Tessendorf wegen schwerer Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 30 M. verurtheilt. Der Staatsanwalt hielt diese Slrase für zu milde, er legte Berufung«in und be. antragte in der zweiten Instanz eine Geldstrafe von 150 M. Das Urtheil lautete auf 100 M. Geldstrafe. Ein häßliches Sittenbild entrollte sich heute.vor der dritten Strafkammer am Landgericht El. Auf der Anklagevant standen ein Mädchen und zehn Knaben, von denen nur einer das 14. Lebensjahr, die übrigen sammt dem Mädchen kaum das strafmündige Alter von 12 Jahren überschritten hatten. Eämmt- liche Angeklagte wohnen in Charlottenburg bei ihren Eltern. Die I2jährige Johanne George stand an der Spitze. Sw, die fo klein und unentwickelt ist, daß man sie für ein achtjährige- Kino hallen könnte, ist die Verführerin der Knaben geworden und hat sich für Geld, allerdings nur für Pfennige und Nickel, an die Knaben verkauft. Die Verhandlung f nd unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, doch wurde öffeiillich verkündet, daß außer bei einem der Angeklagten bei allen übrigen eine thatsächliche Feststellung im Sinne der Anklage getroffen worden sei, dag aber nicht angenommen werden konnte, daß den Kindern bereits die zur Erkenntniß der Strafbarkeit der Hand- lung erforderliche Einsicht zuzutrauen sei. Das Mädchen wurde einer Besserungsanstalt überwiesen, bezüglich der Knaben nahm der Gerichtshof an, daß dieselben fortan im Elternhanse die nöthige Zucht finden würden, weshalb von der sonst gebotenen Zwangserziehung abgesehen wurde. VerlamInlimgen� Im Fachverein der Uhrmacher und verwandten Berus sgenossen hielt am 30. Dezember Herr Dr. Joel einen Vortrag über das Thema:„Die moderne Naruranschanung und unsere Zeit". Nach dem Vortrage wurde der geschäftliche Theil der Tagesordnung erledigt. Unter„Verschiedenem" machte der Vorsitzende bekannt, daß am Sonnabend, den 13. Januar, Abends 9 Uhr, eine Generalversammlung im Vereinslokal, Alte Jakobstr. 83. stattfindet. Auch Nichlmilglieder haben zu dieser Versammlung freien Zuttitl. Tie Freie Vereinigung der Bureau-Angcstellte» hielt am 3. Januar eine Versammlung ab, in welchem ver Vorsitzende A st o r einen Rückblick auf das verflossene Jahr gab. Er er- wähnte besonders, welche Anstrengungen der Verein gemacht hat, um die Lage der Kollegen zu heben. So ist in der Dragoner- straße 49 ein Bureau errichtet, das sehr frequentirt wird. Die dort einlaufenden Stellen sind aber zum großen Theile derart, daß sie selbst den bescheidensten Ansprüchen nicht genügen. Außer den Berufskollegen vielden sich andere Arbeiter in großer Zahl, um dort beschäftigt zu werden. Der Vorstand wird in nächster Zeit ein Regulativ sür eine Arbeitslosen-Versichcrung ausarbeite». Ebenso soll die Stadt um Uebcrlassung von Schul- räumen und einer pekuniären Beihilfe angegangen werden. Ve- züglich der Beruftstalistik haben einige Kollegen in nächster Zeit eine Konferenz mit dem Unterstaatösekrelär v. Rotlenburg. � Das Resultat der Wahl zur Ortskasse, welches in später Nachtstunde noch bekannt gegeben itfiirde, erregte lebhafte Befriedigung; haben ivir auch bei dieser Wahl noch keinen vollständigen Sieg zu verzeichnen, so ist derselbe doch bei einer nächsten Wahl sicher zu erivartcn. Der Verband der Barbiere hielt am 4. Januar eine Mitgliederversainuilung ab. in der Dr. Weil über den Charilee- Boykott referirte. Der Vortragende kritisirte in eingehender Weise die Uebelstände in dem erwähnten Institut und legte dann des näheren die Forderungen dar, die die Arbeiter- Sanitätskomniission zur Beseitigung dieser Mißstände gestellt hat. In der Diskussion gaben mehrere Redner ihre eignen traurigen Erlebnisse aus dieser Anstalt zum Besten. Ff«i» zi«r«i»igu»g der Graveur««nd Zileleurr. Montag, den 8. Januar 1894, DicSdenerslrabe 4b: Generaloerfammlung. Tagejordnung: HatdjahreS- Berichte. Wahl der V-retnöbeantten. Statutenänderung. Ver- schtedenei. nationale leaufmännil'che Krankel», und Kterbekafse.(Bureau: olzmarktstr.«?.) Montag, den s. Januar. AbendS Uhr, tm Restaurant . Bodcnbnrg.«oinniandantenstr. 10— 11. BorflandS-Sihung und hlufnahme neuer Mitglieder. Krrliner Uaturheilverei» 2. Morgen, Montag, den 8. Januar, Abends S!( Uhr, tm Restaurant„Belvedere", Stralauer Brücke: O.ffenUicher Vortrag de« Herrn Karl(Briedel aus Baden-Baden über„Neroenlranlhetten und deren naturgemäste Heilung'. Hierauf: Befchlteßendi Versammlung des Oft-Beztrls. ticrein der zilafchliiltte»»nd Keiler Kerlin». Sonntag, den ?. Januar, ZIachmittags s Uhr, t» den Armlnhallen, tiommandantenstr. so: Berfaminlung. Freie Ztereinigung der Kurean-AngesteUte» Herls»»». Umgegend. Sonntag, den 7. Januar, bei Stein, Rofenthalerstr. ss: Seinülhliches Bei- saininenfetn mit Zanz. Entree in Pf. Kergnügnttg«- Herein„«liiigkeit'. Sonntag, den 7. Januar, Nach- mittags 5 Uhr: Qthung im„Englischen Hos", Reue Rohstrah«». Nachher: FldelitaS. »lergnilgung«. Herein„Keltere«el'eUI'chafe". Sonnlag, den 7. d. M., Abrnds elf Uhr, bei Pallacz, Raupachitr. s: Jtoeliws. per gnüguttg» Killt,„(Eichenlaub". Sonntag, den 7. Januar, Nachm. 4 Uhr, Im Restaurant Albert, LandSberaerftrahe ss(rechtes Äereintjimmer): Seneralverfanimlung. Nachher FidelitaS. z>era»iig»»g«- Herein„Zl«kani>,". Sonntag, den 7. Januar, Nachm. b\ Uhr, Alerandrinenstr. 32. bei Tnetrich: B-fellschaflsabend«äste sehr wlil- kommen.— Dienstag, den 9. Januar, Abend« sfj Uhr, bei Meyer, Görliher- straße ss: Außerordentliche(Leneral-Bersaminlung. Her»„ng>«ng«- Herein„Ktalia". Sonntag, den 7. Januar, AdendS 6 Uhr, tm Restaurant„Noland", Elsasserstraße ss, l Treppe. Jidelitai. Enlree frei. Kheatcr- Herein„Unikum". Sonntag, den 7. Januar, tm Vereins- lokal, Kaiserstr. U. Um 6 Uhr: Sitzung mit Tomen. Um» Uhr: Ftdeltta». Soziale Uebeekchk. An die Arbeiter Tcntschlands! Wiederum wenden wir Schuhmacher uns an Euch mit der ernsten Mahnung, uns in unserem schweren Kampfe, den uns der Kapilalismusaufgedrängthat.nichtzu verlassen. Tie Lage des Streiks ist im ganzen günstig zu nennen. Den größten Theil unserer Forderunaen haben die Fabrikanten bewilligt, aber wir werden nicht eher nachlassen, bis aus der ganze» Linie der Sieg unser ist. Daß unsere Forderungen nicht w hoch sind, beweist, daß dieselben von einigen Fabrikanten so- ort ohne Streik bewilligt wurden. Nachdem in vier Fabriken der Streik schon vier Wochen aedauerl hatte, sind auch die Arbeiter der Schuhfabrik von Fürstenheim u. Ko. in den Streik getrieben worden. Die Ver- nnlaffung dazu war. der Fabrikanl bot einem Theil seiner Ar- beiter einen Abzug von 25 bis 40 pCt. an. Wie aus einen Schlag haben sämmtliche Arbeiter, 70 an der Zahl, die Arbeit niedergelegt, und in süns Minuten war die Fabrik leer. Die Arbeiter der Fürstenheim'schen Fabrik, die zentral organisirt sind, haben sich mit den übrigen Streikenden, die der Lokal- organisation angehören, verbunden und stehen nun geschlossen zusammen. Die Haltung der Streikenden ist eine musterhafte. Trotz der geringen Unterstützung beweisen dieselben einen dcwunderungs- würdige» Opfermurh. Genossen und Kollegen allerorts! Zwar ist es leicht, selbst für seine Ueberzengmig zu ent- behren, aber schwer ist es, Frau und Kinder hunaern zu sehen. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt jetzt ca. 200. Darunter sind viele verheiratyet, deren Familien durch den Uebermnth der Kapitalisten dem Hunger preisgegeben worden. Genossen und Kollegen, an Euch liegt es nun, uns und die Unfern nicht unter- gehen zu lassen. Wenn es auch schwer fällt, bei der jetzigen schlechten Geschäftskonjunktur noch eiwaS abzustoßen, so werden wir doch, wenn jeder seine Schuldigkeit thul, ausharren können. und es wird großen und kleinen Ausdeutern wohl verleidet werde», uns später wieder in solch frivoler Weise engegenzutreien. Darum helft fo gut ihr könnt, wir werden es mcht ver- gessen. Gelder und Zuschriften sind von jetzt an zu richten an Richard Temmler, Restr. Bock, Berlin dkO., Gollnowstr. 11. Das Streikkomitee. Arbeiter Sildungsschnle Sonnabend, den 13. Januar 1894, Abends 8'/* Uhr, ill der Vraiierei Friedrichshm m Königsthor Stiftungs-Fest unter gütiger Mitwirkung der V�xoArsMa, kessv�'erein Lerliner LaebÄriieker n. LedriktZiegser (Mitglied des A.-S�B.) 454/6 und der Herren P. Kur?(Orgel) und A. ZNnsstni. Auszug ans dem Program ni: Prolog, mit Orgelbegleitung und Gesangseinlagen. Ouvertüre zum Trauerspiel„Robes- pierre" von Litolff. F e st r e d e. gehalten vom Reichstags- Abgeordneten W- Liebknecht. 7. Biolin-Konzert.... Beriot. (Solist: Violin- Virtuose Herr T o m p ch a.) vrchest«»: 42 Wüstster der Grande Phantasie pour l'Orgel, von Laboin. a. Herbstnacht,,.. Weinzierl. d. Der Soldat.... Silcker. o. Minnelied..... W. Bünte. (Vorgetragen vom Gesangverein.) Ein Jahrmarkt in Krähwinkel. Tongemälde in 12 Bildern v. Schreiner. Freien Vereinigung der Zivil- Krrufvmustster unter Leitung des Herrn ScKonevt. ft: Großer Kall stWeltes Lrlhkßtr). Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Killet« ä 30 pf. sind in den Schulen: Müllerstr. 179a, Markus- straße 81, Reichenbergerstr. 133, Grünstr. 10, und in den Zahlstellen, sowie in den mit Plakaten belegten Lokalen und Handlungen zu Häven. Verein deutscher Schuhmacher. Versammlungen am Montag, den 8. Januar, Abends pünktlich 8� Uhr: Filiale I bei Ehrenberg, Annenstraße 16, 0 II„ Brilning, Rosenthalerstraße 11/12, , III„ Tr< nkler, Solmsnraße 44. Tagesordnung: 1. Bericht de? Vornandes. 2. Vorstandswahl. 3. Vereins- angelegen Heilen. Außerdem in der 3. Filiale: Vortrag des Koll. Schmidt. Zahlr. u. pünktl. Erscheinen ist dring, nolhwendig. vis 0rtsvervaItullg. b>ö. Besuch der Urania Sonntag, den 7. Jan., Mittags 1 Uhr.(464 b Allgemeiner deutsclzer Tapezirer-Uerein (Filiale Berli n). Montag, den 8. Januar. Abends 81/» Übt, bei B o l tz, Alte Jakobstrahe 75; Mß!" Versammlung.-WE Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Welz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.(Zu diesem Punkt sind die früheren Vorstandsmitglieder Frih Grimpe und Jakob Uchsem besonders eingeladen. II42b Die restirenden Beiträge für 1893 müsstn in dieser Versammlung entrichtet werden. Die Grtsverwaltung. Sattlei�Chap?ot1fcei� Montag, den 8. Januar, Abends S'/s Ilhe, im kleinen Saal« de» Lokal«..Zur Kisinarckohöstc", Hiomarckstr. 80: Satder-Versammluiig. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der gewcrkschaitlichen Organisation. Referent: Kollege Sassenbach. 2. Diekussion. 8. Gründung einer Verwaltungsstelle des Ver- bandes der Sattler und Tapezirer. 4. Verschiedenes. Es ist Ehrenpflicht eines jeden in Eharlorienburg wohnenden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen und soviel Kollegen wie möglich mit- zubringen. 294/2 ver Einberufer. Gesangverein„Freya", gemischter Chnr. (Mitglied des Arveilcr-Sängerbundes.) Souitabcnd, den IS. Januar, in Leydecker's Festsälen, Tophieustrahc S-t: Cromnev Wiener-Maskenball. Freunde und Genossen sind hierzu freundlichst eingeladen. Anfang S Uhr. Killet 50 Pf. Billeis sind zu haben bei Someinami, Steinstr. 7; Elsn.r, Brunneustr. 95; Schult», Adalbertstr. 80 pari.; Vraescsast, Wrangelstr. 114. 447/10 Ose» Vorstand. Charlciitenburgs GroiZe Volk�vevlnzutttlung für das arbeitende Volk am Diellstag, S. Januar, Ab. 8 Uhr, in Bismarckshöhe, Bismarckstr. 80. Ta. ges-Ordnung: 423/10 1. Verichterflattniig der Gewerbegerichts-Beischer(Arbeitnehmer) über ihre Thäiigkeit. 2 Diskussion. 3. Stellungnahme zu den demnächst findenden Gewerbegerichlswahlen. Um große Beiheiligung ersucht statt- Der Ginbernfer. Xur bcvorstekencien Saison empfehle meine dtchrrmige Singer-Familirn-Piihinarchine... st 50 M. Uthreler Miiro» mit Verschluß.. ä 55 M. lrdium, hoctiarmlg,„.,. i 75 Sl. itania mit Klapptisch und Fußbetrieb. a 80 Ii ing Iii, ittchen-Ii! alch ine für S.vneiver st 100 nt sämmtlichen Apparaten unter 5 jäbrigcr Garantie. Alle Maschinen sind faubrr jnttirt nd mit allen Urnerungen der Jetztzeit an»- »eltattet. 5473C* 3erl. Nähmaschinen-Fabrik _ J. Ruschpier, Ackerstr. 71. Alerein Kerlwer Hansdiener. Moniag. den 8. Januar 1894, Abends 9 Uhr, im Lonifenstädtifchen Konzerthau», Alte Jakobstraße Nn 37: llS9b General-Bersauimlung. Tagesordnung: 1. Mittheilm-g 2. Vierteljahres-Bericht. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Ausgab» der BilletS zu dem am 27. Januar statlsindenven MaStenball. 4. Antrag d»S Vorstandes auf Abänderung des Statuts. Achtung! Ich bestätige hiermit dem Genossen A Wailhaase zu Rummelsburg, die Gelder von der Reichstagswabl 1393 zur Zeit richtig an das Zentral- Wahlkomitce des Kreises Rieder-Barnim abgeführt zu haben Da dieses einer nochmaligen gründlichen Revision unter- zogen wurde und alles seine Richtigkeit hat, so erkläre ich, daß die beiden Herren Gustav Pickenhagen(Friedrichs- berg) und Hermann Saaencr(Berlin) im Lokale des Genossen Zippke(Berlin) Unwahrheiten ausgesprochen haben. Jene beiden Herren sind zu einer Ber- antivortung nicht erschienen. 339/14 Wilhelm Forgbert, Vertrauensmann, Rummelsburg, Schillerstr. 3. iHalbePreise! stellt das unterzeichnete Institut der ,,Gold'nrn Knndrrtzehn" (Leipzigerkr. 110) in seinem Ansvrrstauf, da das überfüllte Lager absolut verringert werden muß; zum Br"",«!: S475L Urder ILOOO Wintrr-Pnle tot» und Prlerincn-Wäntel von 0. 10. IÄ. 15. 18,20,24, 27. 30 W. prima. 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Januar, 10 Uhr Vormittags, sondern Dachmit» tags 3 Uhr, statt, da die Gesellschaft, um unsere Versammlung zu hintertreiben, um 11 Uhr Vormittags eine Versammlung in ihren Fabrikräumen abhält. Der Einberufer. Um recht zahlreiches Erscheinen der betheiligten Branchen wird ersucht. SozialhtMllkrlltischer Agititiollskluli str hen Lßen Berlind Sonntag, den 7. Januar, Abends N'/e Uhr, im Lohale ,,?«m Lreifchüh", Fruchtstrabe Ur. 36»(oberer Saal): Große öffentliche Versmlllilgfiir Mimer u. zraiieil. 1. Vortrag des Genossen veorg Vaguor über:„Die Ursache der Vor- brechen." 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemüthlichos Beisammensein und Tanz." Entree 10 Pf. Der Ginberufer. irbeiler-ölllilingz-Zelillle(8iil!-ll8t). Heute, Toni, tag, den 7. Jaunar. Abends«V- Uhr, in Tchmiedcl's Festsälen, Alte Jakob-Ttraße Nr. SS: DM" HÜ Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Sigg:„Der Jude in aller und neuer Zeit." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 424/9 Nach der Versamnilung: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Die Ausnahme neuer Mitglieder findet in der Versammlung statt. ZM- Gäste, Herren und Damen, sehr willkommen."9® Zahlreiches Erscheinen erwünscht vis Schulkommission. Achtnng! Oeffentliche Achtung! Versammlung der Droschkenkutscher und Arbeiter Berlins und Umgegend heute, Tonntng, den 7. Januar, Vormittags 1v Uhr, in den Konkordia-Festsälen, Andreasstr.«4. Tagesordnung: I. Ist der Streik der Taxameter-Droschkenkutscher in Berlin gerecht- fertigt und wie stellt sich die Berliner Arbeiterschaft zu demselben? Referent:«f. Schatte. 2. Diskussion. Die Droschkenkutscher und Arbeiter Berlins sind hierdurch freundlichst eingeladen und werden dieselben ersucht, pünktlich zu erscheinen. I)!»8 �xitlltiovs b'oiiiitv cker Drosellkenliiitscliei' Berlins n. Umgegend, Im Auftrage: H. Sclinlz. 143/4 Lokalverein der Conditoren. Sonntag, 7. Januar 1894, bei rcuerstciu(großer Saal), Alte Iakobstr. 73. Tagesordnung: Dortrag des Genosse» G. Adler, über: Bar ederne Schritt der Zeit. 1143b Nach dem Vortrag: Geselliges Beisammensein mit Tanz, unter gütiger Mitivirkung des Gesangvereins„F r e u n d e s t r e u e". Gäste stnd willkommen. I. A.: Der Dorstand. Iringeilder Beilchtlilig mOhlt»! Hierdurch zur Kenntniß, daß in den Konhordia-Frstsäle». Andreas- straße 04, LM" heine-WV Kapelle der unterzeichneten Vereinigung als sogenannte Hauskapelle weder zu den Vereins-Festlichkeiten noch zu sonstigen geschäftlichen Unternehmungen seitens des Oelonoms genannten Lokals engagirt ist. Wir bitten die geehrten Vereinsvorstände resp. Vergnügungskomitees recht dringend, für alle Fälle auf Obiges zu achten. 393/19 Freie Vereinigung der Zivil Bernfsmusiker Berlins nnd Umgegend. Der Dorftanb. Oeffentliche Schlltliltr- «Nil Schneiilerinntn-Vtrsnmmlung Montag, den 8. Januar, Abends 8'/- Uhr, im grostr» Saale der Aminhallr», Kommandantenstraße Ur. 30. Tages-Ordnung: 1. Die Thätigkeit der Agitationskommission im verflossenen Jahre. Berichterstatter: Kollege J. Timm. 2. Diskussion. 3. Abrechnung der Agitationskommission. 4. Neuwahl der Agitations-Kommission. Kollegen und Kolleginneu! Erscheint zahlreich in dieser wichtigen Versammlung! 39S/9 Die Agitationskouttuifsto». Verbiilld der Geslhastsdieller, Wer M Bersfsgench». Bureau und Arbeitsnachweis: C, Neue Grünstr. 10 1. Fernspr.: Amtl Nr. 810. Tonnabend, den I». Januar 48S4: Gr. Miener-Maskenball in den Gefammrräumen der .Krautstrnße 38, Xonkordia-kCBtsäle, Andreosstraße 64. Die Ballinusil(3 Grchester) wird von der„Freien Vereinigung der Zivilberufsmusiker" ausgeführt. Einlaßkarten ä 50 Df. sind bei allen Mitgliedern, in den bekannten Zahlstellen und im Bureau, Neue Grünstr. 10, zu haben. 477/1 Her Vorstand. Geuostenschasts-Klickerei für Kerlin und Umgegend. (Ein getragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Wir nehmen Bezug auf den Artikel: „Gin Appell an den Mngen� in Nr. 299 des„Vorwärts"(vom 21. Dezember 1393), und machen die werthen Genosse» und Genosstnue» darauf aufmerksam, daß sich, außer der mit Recht verpönten Nachtarbeit, die zu beseitigen unser Bestreben, wir aber äugen- blictlich»och nicht mächtig sind, keiner der in bezw. Artikel gerügten Nebelslände in unserem Betriebe vorfindet. Die Arbeitszeit ist inkl. der Danfr» nicht«der 72 Stunden wöchentltch, sie weiter herabzusetzen, verbieten die jedem bekannten Konkurrenzverhältnisse. Alle bei uns regelmäßig beschäftigten Dächer sind verheirathet; für Reinhaltung der Räume und Gefäße wird durch besonders dazu angestellte Derfone» gesorgt, und dem Rrinigungsbedürfnitz der Dächer ist durch vorzügliche Dade-Einrichtnng, die auch fleißig benutzt wird, Genüge geleistet. Trotz dringenden Verlangens seitens einiger Händler, ihnen auch des Sonntag« frisches Brot zu- zuführen, wie es die..Produktiv-Genossrnschaft der vereinigte» Däckerei-Arbriter Derlina und U«»- aegrnd", sowie das von 4 oder S Personen gegründete sich fätsch ichcr Weise..Grnossenschafts-Däckerei Uorwärts, Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht", nennende Unternehmen thun, haben uns noch nicht zwingen können, eine so Arbeitrrintrrtssen schädigende Einrichtung zu treffen; wir bitten die werthen Genossen und Genossinnen, uns in iinstrem Bestreben zu unterstütze», damit der Zweck der Gründung immer mehr erreicht werde. Wir bitten beim Einkauf von Brot die unten verzeichneten Niederlagen zu beachten, und machen darauf austnerham, daß sich auf jedem unserer Brote der Stempel V. B. B.& U. befindet, da von gewisser Konkurrenz nnd Händlern vielfach Brot, welches auch eine Kontrollmarke trägt, als Genossenschafts-Drot angepriesen wird es thun sich in dieser Beziehung namentlich die vorgenannte Bäckerei �Uorwärts", sowie die Mwe. Keil, Ularstliusstraße, ferner die Händler Th. Dochow, Marbthalle am Uarhrinickr-Plah, Kart Franke in Kirdorf und p. Scherte!, Ueichenbergerstraste(dieser führt sogar an einem Wage» unsere Firma), hervor. Drr Vorstand. Uiederlagen befinden sich bei: Osten: Otto Zabel, Frankfurter Allee 90. B. Dannenberg, Biemelerstr. 60a. Benicke, Graudenzerstr. 14. Kotbe, Langestr. 11. Müller, Langestr. 56. Haupt, Koppensir. 18. Kernchen, Koppenstr. 30. Teichert, Koppenstr. 85. K. Sidow, Kleine Andreasstr. 2. Zippke, Grüner Weg 14. F. Böller, Grüner Weg 22. M. Richter, Grüner Weg 65. Peikert, Fruchlstr. 45. Schröder, Frnchtstr. 52. Nispel, Posenerstr. 32. Böhl, Rüdersdorferstr. 8. Thomas, Rüdersdorserstr. 9. Langer, Königsbergerslr. 39, Ticke, Königsbergerstr. 11. Henning, Münchs bergerstr. 17. Döring, Münchebergerftr. 8. Nordosten: F. Jeske, Waßmannstr. 17. Schnlze, Weberstr. 10. Ii. Dreisslg, Weberstr. 25. F. Lubasch, Weberstr. 59. A. Ewald, Barnimstr. 46. H. Rahmer, Barnimstr. 3, Hof part. Fr. Steuer, Weinstr. 15. Knappe, Pallisadenstr. 91. Vogler, Georgenkirchslr. 14. Krüger, Hochsteftr. 18. F. Knanerhase, Srraußbergerstr. 39. Helfer, Frievrichebergerstr. 24. Pohl, Straußbergerstr. 2. J. Moser, Holzmarklslr. 12. Jurke, Blankenfeldersir. 5. Brösocke, Lands dergerstr. 88. Zippel, Landsbergerstr. 14, Allmer, Fliederstr. 4. Grill, Breslanerstr. 10. Wnlf, Gubenerstr. 11. Siewert, Gubenerstr. 59. Norden i Marx, Anklamerstr. 56. Herrmann, Chansseeslr. 104. Alb. Gothe, Neue Hochstr. 55. Conrad, Neue Hochstr. 16. J. Kroll, Boyenstr. 9. Oleinert, Fennstraße, Ecke d. Müllerstr. Engel, Antonstraße, Ecke Müllerslraße. Weyde, Müllerstr. 145, liesert frei Hans. Bürmann 4 Co., Müllerstr. 22b. Krüger, Müllerstr. 163a. Schönleider, Liebenwalderstr. 50. Sander, Schonholzerstr. 6. Freier, Reinickendorserstr. 46E. Wendeler, Reinickendorserstr. 56. Schwalbe, Reinickendorserstr. 60a. Knarr, Wiese»- u. Kosliuerstr-Ecke. Rusch, Adolsstraße 9. Otto, Gerichl-str. 75. Krause, Gerichtsstr. 5. Tanschel, Greuzstr. 4. Freiberger, Ackerstr. 79. Marke, Ackerstr. 133. Thomas, Ackerstr. 69. Gasser, Ackerstr. 124. Grünsch, Hussitenstr. 18. Köhne, Hussitenstr. 12, Brix, Hussitenstr. 27. Mathes, Slralsnnderstr. 53. Neumann, Slralsunderstr. 64. Gasser, Bruunenstr. 165. Gebert, Bruunenstr. 57. Bntterladen, Brunnenstr. 116. Gebert, Brunnenstr. 61. Körner, Brunnenstr. 93. Schmidt, Pultbuserslr. 4l. Brusshaver, Rügenerstr. 20. Gannschow, Swinemünderstr. 131, Peters, Swinemünderstr. 121. Renter, Swinemünderstr. 45. Kapelmann, Swinemünderstr. 62. Wunderlich, Swinemünderstr. 8. „ Wollinerstr. 15. Fegenan, Wollinerstr. 3. Seidel, Wollinerstr. 27a. Konopasch, Wollinerstr. 36, Henschel, Wollinerstr. 52. Haak, Wollinerstr. 4. Brann, Kastanien-Allee 74. Sonntag, Kastanien-Allee 12, 3. Hos pt., lieiert frei Haus. Schulz, Schönhäuser Allee 68. Zöllner, Schönhauser Allee 151. Ewald, Rykestr. 12. Weitere Niederlagen werden Vorstand, Müllerstraße 34. wenden Rother, Detttmitterstr. 62. Haesselbarth, Marienburgerstr. 22. Alb. Tietz, Prinzen�Allee 37. Fischer, Prinzen-Allee 62. 6. Stein, Prinzen-Allee 52. R. Jäserich, Stettinerstr. 43. E. Meyer, Prenzlauer Allee 222. Dietz, Belforterstr. 17. Petzold, Belforterstr. 6. Jkes, Metzerstr. 23. Diescher, Metzerstr. 15. Knsske, Metzerstr. 5. Münch, Weißenburgerstr. 3. Schubert, Slraßburgerstr. 52. Galleiske, Diedenhosenerstr. 4, Wlegand, Weißenburgerstr. 26. Dreier, Weißenburgerstr. 44. Clement, Hochmeistersir. 32, Gllewe, Hachmeisterstr. 17. Pritzka, Koslinerftr. 8. Kammer, Hagenanerstr. 12. Meinhard, Pappel-Allee 3(Hutmacher- Börse). Macusch, Pappel-Allee 23. Kempf, Btichholzerstr. 4. Weiss, Zionskirchstr. 82. Tanzki, Biesenihalerstr. 17. Zander, Vinetaplatz 1/3. Hobt, Ruppinerstr. 11. Liesegang, Fehrbellinerstr. 36. Löwe. Veteranensir. 2. Topert, Franseckistr. 3. Grtmm, Franseckistr. 11. Beckmann, Schwartzkopfstr. 9. Fischer, Danztgerstr. 97. Glase, Schwedterstr. 266. Lietzke, Schwedterstr. 33. Thiele, Exerzierstr. 21. Herrmann, Pankstr. 31a. Ratttk, Kolbergerstr. 17. Stolzenhnrg, Wiesenstr. 14. Moleck, Hochstr. 43. Kling ant, Oderbergerstr. 42. Bürmann 4 Co., Oderbergerstr. 56. Meyer, Oderbergerstr. 16. Woliahrt, Usedomstr. 15. Knlisch, Rheinsbergerstr. 6. Marzillier, Rheinsbergerstr. 58. Hohenstern, Bernanerstr. 92. Fiachbach, Lindowerstr. 17. Sassiak, Jnvalidenstr. 146. Mathes, Turnhänserstr. 2. Nordwesten a B. Linneken, Bremerstr. 62. Gustav Drendel, Waldenserstr. 21. A. Wiese, Waldenserstr. 19. P. Schröder, Scharnhorststr. 34. D. Krühn, Albrechistr. 4. Litkow, Stephanstr. 19. Bachstein, Stephanstr. 36. Hermerschmidt, Perlebergerstr. 28. Baumgart, Perlebergerstr. 13. Bartsch, Lessingstr. 36. H. Koschlnski, Bensselstr. 52. W. Jakob, Bensselstr. 16. A. Kowarik, Rostockerstr. 44. P. Lileil, Waldstr. 86. A. Mann, Gotzkowsktilr. 36. Mandl, Zwinglistr. 23. Schröter, Slromstr. 11. Westen: J. Malike, Tennetvttzstr. 4. Lange, Neue Ma aßenstr. 20. A. Beierling, Elzholzstr. 16. Ronneburger, Passauerstr. 42. Südwesten« Janisch, Markthalle Zimmerstraße, Stand 195/96. Scherzer, Lmven Halle Stand 247. H. Noth, Hollmannstr. 11. Ritzenhain, Hollmannstr. la. Amholz, Alexandbinenstr. 116. E. Neumaun, Kürassiersir. 4. Karl Steinbiss, Aesselstr. 4. C. Frehse, Ptanufer 15, Hanpt, Planufer 19. Mannsleid, Teltowerstr. 42. B. Jacob, Fürdringerstr. 29. A. Ebellng, Kreuzbergstr. 74. E. Hilliges, Dessauerstr. 37. R. Panllch, Steinmeystr. 58. A. Hannemann, Steinmetzstr. 52, Hübner, Simeonsir. 24. Süden« F. Brix, GrSsestr. 32. Wörner, Diessenbachstr. 58a(liefert frei Haus). Hannemann, Schönleinstr. 30. Holzhüler, Schönleinstr. 24. E. Zimmermann, Schönleinstr. 33. H. Meyer, Britzerstr. 38. Carl Halfpapp, Kottbuserstr. 18. W. Gläser, Ritterstr. 9. Rodbarth, Ritterstr. 14. G. Lnhm, Brandenburgerstr. 11. E. Klinge, Gneisenaustr. 83. W. Pnnnann, Gneisenaustr. 28. B. Ninnemann, Gilschinerstr. 81, Hepprich, Slallschreiberstr. 8. Platte, Moritzstraße. Südosten« L. Kabisch, Skalitzerstr. 146. Panl Neumann, Naunyttstr. 65. A. Krause, Naunynslr. Ha. H. Grimpe, Muskauerstr. 49(liefert frei ins Haus). Wwe. Oldenburg, Manteufselsir. 25. W. Grüneberg, Manteuffelstr. 37. A. Schlicht, Manteuffelstr. 61. H. Müller, Manteuffelstr. 107. F. Haamann, Manteuffelstr. 8. A. Schulz, Manteuffelstr. 2. S. Wiegler, Reichenhergerstr. 84. Kayser, Reichenbergerstr. 149. Lück, Reichenbergerstr. 160. H. Müller, Grünauerstr. 24. F. Qolz, Grünauerstr. 3. Wilhelm Jerratsch, Wienerstr. 31, C. Hienzsch, Forsterstr. 16. J. Schilk, Forsterstr. 49. S. Kästner, Liegnitzerstr. 17. Fr. Görscb, Liegnitzerstr. 3, J. Haase, Liegnitzerstr. 42. H. Hallmann, Skalitzerstr. 59. Böhl, Skalitzerstr. 24a. E. Stolze, Lübbenerstr. 12. Hnbrioh, Lübbenerstr. 22. Wwe. Laske, Lübbenerstr. 26. E. Milke, Sorauerstr. 12. Fr. Mittmann, Oppelnerstr. 30. Erb, Oppelnerstr. 11. 0. Möricke, Wrangelstr. 89. 0. Scholz, Falckensteinstr. 29. C. Beeskow, Cuvrysir. 32, G. Gast, Wrangelstr. 74. Boler, Schlesischestr 42. W. Legier, Köpnickerstr. 126a, Sorg, Lausitzerplatz 17. Weiss, Martannenstr. 33. Kliesche, Martannenstr. 4. M. Wach, Wendenstr. 8. Dietrich, Ratiborstr. 7. Bochow, Ratiborstr. 20. Irrgang, Lausitzerstr. 20. K. Kossatz, Oranienstr. 189._ Karl Schmidt, Reich-nbergerstrape lo9 (liefert frei �>aus). Jarltz, Foriterstr. 57. Erl, Forsterstr. 11. Contenm t P. Salzwcdel, Kloster, tr. 83, W. Werner, Heiligegetststr. 37. Griepentrog, Kleine Hamburgerstr. C, Greiffenberg, Linienstr. 68, Chaplottenburg| W. Schulze, Wallstr. 4. E. Haak, Potsdamerstr. 19.• Reimann, Potsdamerstr. 31. August Bressel, Pestalozztstr. 29. W. Krause, Pestalozziftr. 11, A. Krausnlck, Staut, tr. 113. Wendt, Straße 6, an der Katterstraxe. Epiedplebsbeng. E. Jacbrnann, Frankfurter Allee 173 (liefert frei Haus). Nixdopf« Franz Dellwig, Jägerstr. 2. Otto Eltner, Wißmamistr. 13. Frau S tandtke, Ziethen str. 39. F. Ltedscher, Lessingstr. 8. Lerch, Erkftr. 11. 0. Radier, Hobrechtstr. 2. Rummelsbupg l Georg Dehrn, Goethe,"tt. 1. ScHönebepg l Albrecht, Sedanstr. 14. E. Wezel, Gruneivaldstr. 118. W. Schiller, Nollendorfftr. 38. Grosse, Kyffhättserstr. 1. Schulze, Kyffhäuserstr. 4. Bruskewitz, Kyffhäuserstr. 16, Weissensee. Conrad Löhnert, Krottprinzettstr. 12. Beruh. Schmelzer, Lehderstr. 2. noch aus Wunsch errichtet und wollen sich Reflektanten gefälligst an den Aerantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck nnd Berlag von Max Gading in Berlin L)V., Beulhstraße 2. 2. Beilage zum„Vorlviirts" Berliner BolWatt. Nr. 5. Sonntag, den 7. Januar 1894. 11. Jahrg. Gewerbegericht. Kammer III. Vorsitzender: Assessor F u r it. Sitzung vom 2. Januar. Was ein sogenannter Usus bedeutet. Die Rohrdeckenarbeiter St. und K. klagen gegen den Bauunter- nehmcr Löwe auf Zahlung einer Lohnenlschädigung für 75 Stunden, während der sie. wie sie sagen, aus Material haben warten müssen. Außerdem beanspruchen sie je 80 M. Lohn- entschädignng wegen unrechtmäßiger Entlassung. Durch das Zeugniß der Rohrdeckenarbeiter Gebert und Schmidt wird die Richtigkeit der klägerischen Behauptung betreffs der 75 Warte- stunden erwiesen. Tie Zeugen bestätigen übereinstiminend, daß auf den Bauten des Herrn Löwe, was das Heranschaffen des Materials betrifft, eine„grenzenlose Bummelei" geherrscht habe. Der Beklagte bestreitet, die Kläger zu Unrecht entlasten zu haben, und giebt an, dieselben hätten ihn bestohlen. Der Bauherr Sachs habe ihm mitgetheilt, der mit dem anderen Kläger zusammenarbeitende K. habe eines Tages— wenige Tage vor seiner Entlassung— Latten durchgeschnitten, ein ganzes Bund, und die eine Hälfte einem Jungen mit nach Hause gegeben. Herr Sachs sagt dasselbe aus. Ter Kläger K. erklärt den Vorgang folgendermaßen. Auf allen Bauten sei es „Usus", daß sich seine Kollegen die Lattenabfälle mitnehmen. Thäten sie es nicht, dann würden es die Putzer oder andere Bauarbeiter thun. Und so habe er an dein betreffenden Tage im Vollgefühl seines Rechts dazu, längere Abschnitte, nicht die Hälfte eines in der Mitte durchgeschnittenen Bundes Latten, den, erwähnten Jungen für seine Mutter gegeben, weil derselbe öfters Schnaps und Bier für ihn und mehrere Kollegen aeholt habe, die auf dem Bau„zu Besuch" waren.(Es ist im Baugewerbe „Sitte", daß Arbeitslose ihre arbeitenden Bekannten auf der Arbeitsstätte besuchen und dort traktirt werden— wenn der Polier„nischt dajejen" hat.) Uebrigens habe er, wie es auch alle seine Kollegen thalen, schon oft unbeanstandet Abschnitte für sich verwerlhet. Sein Mitkläger St. behauptet mit der- selben Entschiedenheit wie er, daß das Mitnehmen solcher Abschnitte auf allen Bauten Usus sei und niemand dagegen etwas einwende. Er, St., wäre bei der in Frage stehenden Weggabe von längeren Abschnitten nicht be- theiligt gewesen. Die Zeugen Gebert und Schmidt stellen bezüg- lich des vielgenannten„Usus" dieselben Behauptungen aus wie die Kläger. Der Zeuge Gebert sagt u. a. aus, er selbst sei mit 2—3 Bund Latlenabschnitten unler dem Arm an Herrn Löwe mal herangetreten und habe ihn darauf aufmerksam gemacht, daß er die mitnehme. Dieser habe hierauf lächelnd geäußert:„Da sehe ich ja, wo meine Latten bleibe», laßt mir man auch noch ein paar Abschnitte." Der Beklagte betont, eine Erlaubniß zum Mitnehmen der Abschnitte niemandem ertheilt zu haben. Jetzt kommt derselbe auch mit dem Einwand heraus, die Kläger hätten täglich entlasten werden können, sie feien ohne Kündigung an- genommen worden. Das Gericht fällte ein Theilurtheil. Der Beklagte wurde verurtheilt, an die Kläger je 37,50 M. für 75 Stunden zu zahlen. Das Gericht sah als erwiesen an, daß die Kläger wirklich so lange haben seiern müssen, weil ihnen nicht genügend Material zur Verfügung stand. Ältit der Lohnentschädignngs-Forderung wegen der Entlassung ivurde der Kläger K. ab- gewiesen. Das Gericht nahm an. daß Kläger sich rechtswidrig Baumaterialien angeeignet hat. worin ein Diebstahl zu erblicken sei. Somit habe auf jeden Fall ein Entlastuugsgrund vorgelegen. Da der Kläger K. bestritten hatte, ohne Kündigung engagirt zu sein, mußte über die diesfallsige Behauptung des Beklagten in die Be- weiserhebung eingetreten werden; zur Erledigung der Sache er» wies sich ein neuer Termin nothig.— Sechs Mark, die er in Biermarkenerhalten hat, beansprucht der Arbeiter Mier in Baar von der Firma Donath(Zement- geschäfl). Die Beklagte wendet ein, der Kantineninhaber auf dem sraglichen königlichen Bau(Eisenbahn-Betricbsamt an der An- Halter Bahn) habe vom Berliner Polizeipräsidium die Erlaubniß zur Ausgabe der Marken. Das Gericht verzichtete auf die vom Beklagte» beantragte Vernehmung des Kantineuwirthes und ver- urlheilte jenen zur Zahlung der 0 M. Gewerbegcricht. Kammer I. Vorsitzender: Assessor Löwe. Sitzung vom 3. Januar. Die Näherin Fiedler beansprucht von der Tamenmäntelschneiderin Knie 14 M. als rückständigen Lohn. Tie Beklagte wendet ein, die Klägerin habe nicht bei ihr, sondern mit ihr zusammen bei dem Schneidermeister Kaufmann gearbeitet. Tie Klägerin stützt sich auf das Zeugniß der Frau Sonnkcrgsplnudevet. Um fünf Zcntesimi! Um vier armselige Pfennige! Das hätte sich der Zollwächter des sizilischen Marktfleckens Valgnarnera nicht träumen lassen, welcher Sturm um „lumpiger fünf Zentesimi* willen losbrechen könne. Die gestrengen Vollstrecker grausamer Gesetze werden leicht abgestumpft gegen alle Acußerungcn menschlichen Elends. Tie Zöllner von Valguarnera sind nicht schlechter und nicht besser als anderswo. Systematisch hat man sie des Mit- leids entwöhnt. Wo noch ein Rest von„schlapper Weich- Herzigkeit" geblieben ist, da sorgt der Preis, der für„treue Pflichterfüllung" ausgesetzt ist, dafür, daß er verschwinde. Wie der Waidmann seinen Jagdhunden vom frisch- erlegten Wild einige Brocken zuwirft, so macht es der sizilische Steuerpächter mit seinen Zöllnern. Wenn sie brav im Dienst gewesen, das heißt, wenn sie zur vollendetsten Härte dressirt sind und wenn sie von jedem armen Pieuschcn, der vor den drückenden Steuern zu fliehen ver- sucht, Strafgelder eintreiben, dann fließen auch ihuen ein paar Groschen als Prämie zu, und die Zollwächter lernen auspassen, wie die Schießhunde. Das verstehen die Herr- schasten drunten in Sizilien, so gut, wie irgendwer, nach dem Cäsarcnsprnche zu handeln: Divide et irnpera! Schaffe Rangstufen und herrsche zu oberst! Der Zöllner ist an und für sich ein Lohnsklave, wie seine geknechteten Mitbürger. aus die er Jagd macht. Aus ihrer Klasse ist er hervor- gegangen, i h r bitteres Brot hat er als Kind gegessen. Run kam die Militärzeit.� Sachte beginnt man ihm das Bewußtsein loszulösen, daß er mit Jenen verbündet ist, über die die Hungerpeitsche herrscht. Hat er seiner Dienstpflicht genügt, so winkt ihm ein kärglicher aber sicherer Lohn. Er greift zu und die Empfindung, daß genieinsame Roth ihn, den Zöllner, und seine gemarterten Volksgenossen eigentlich verknüpfen sollte, ist ihm verloren gegangen. Ihn packt ein Stückchen vom Aristokratisinns; die Unterosfizierswürde regt sich in ihm; er fühlt sich um eine Rangstufe erhöht und nun ist er das brauchbare Werkzeug der Unterdrücker gegen die Unterdrückten. So kam es, daß der Zöllner von Valguarnera sich so Rosa Kaufmann, daß sie doch bei der Beklagten gearbeitet habe, als sie für zwei Wochen keinen Lohn bekam. Frau Kaufmann führt aus, ihr Mann und sie hätten eine Arbeitsstube und beide Parteien seien darinnen beschäftigt gewesen. Ihr Mann habe Frau Knie„anlernen" wollen zum„Selbständigwerden". Mit seiner Zustimmung habe diese sich aus einem Geschäft Mäntel geholt. An ihre, Kaufmann's, Arbeiterinnen sich wendend, habe Beklagte gefragt, ob dieselben„für sie"„mitarbeiten" wollten, was mit der Bemerkung bejaht worden sei:„Wenn wir nur unser Geld kriegen." Und so hätten die Mädchen für den„Lehrling zum Selbständigwerden" mitgearbeitet. Frau Knie bestreitet, daß die Klägerin direkt für sie gearbeitet habe und die 14 Mark von ihr be- komme. Das Geld möge sich Fräulein Fiedler von Kaufmann's geben lassen. Sie, Beklagte, habe Herrn Kaufmann einmal auf sein Drängen 50 M. zur Erweiterung der Arbeitsstube gegeben, „mit den 50 M. habe sie sein Kompagnon werden sollen". Fünf Wochen lang habe Kaufmann den Uebcrschuß über die Unkosten, welchen die Fertigstellung der von ihr besorgten Mantel abwarf, für sich verwecthel. Der Hinzieherei müde, hätte sie in der letzten Woche ihrer Thätigkeit bei Kaufmann das Geld für die letzte von ihr besorgte Arbeit in die eigene Tasche gesteckt, etwa 00 M., um sich wenigstens für die in das Geschäft gesteckten 50 M. schadlos zu hallen. Die Beklagte beschwört, die Klägerin nicht für ihre Rechnung beschäftigt zu haben und ihr nichts schuldig zu sein. Die Klägerin wird darauf abgewiesen, indem ihr freigestellt wird, event.„ihr Recht" gegen die Kauf- mann's geltend zu machen. Der Schneidermeister Deske wurde in eine Ordnungsstrafe von 10 M. genommen, weil er wiederholt durch sein Auftreten die Verhandlnngeu in einer Klagcsache gegen sich unterbrach und trotz des Verbotes mehrmalig den Vertreter der kranken Klägerin, Fabrikant Weigert, einen„Linksanwalt", mit dem er nicht verhandele, genannt hat. Tie Plätterin Tenkmann klagt gegen die Radloff'schen Ehe- leute, Besitzer einer Plättanstalt. Sie verlangt 5,50 M. rück- ständigen Lohn. Die Klägerin, eine kränkliche Person, bekauplet, am 14. Oktober zu den Beklagten gesagt zu haben, daß sie hin- fort nur einige Stunden täglich wegen ihres Gesundheitszustandes arbeiten könne, wenn man auf ihre Thätigkeit weiter reflektire. Damit seien die Radloff'schen Eheleute.einverstanden gewesen. Am 21. Oktober habe sie sich so schwach gefühlt, daß sie die Ab- ficht kundgab, nicht weiter zu arbeiten. Hierauf habe ihr Rad- loff den Verdienst der letzte» Woche, die Klagesumme, ein- behalten. Die Beklagten behaupten, Klägerin habe wider- rechtlich die Arbeit verlassen, und beantragen, indem sie Wider- klage erheben, die Verurtheilung derselben zu einem Schaden- ersah in Höhe des einbehaltenen Lohnes. Festgestellt wurde noch. daß die Klägerin am 21. Oktober von den Arbeitgebern aus- gefordert wurde, über ihre behauptete Slrbeilsunsähigkeit ein ärztliches Älttest beizubringen, und sich dessen weigerte. Tie Klägerin ivurde mir ihrer Klage abgewiesen und de» Beklagten und Widerklägern sprach das Gericht die 5,50 M. zu. Der Vor- sitzende begründete das Urtheil damit, die Klägerin sei den Be- weis für ihre Behauptung, arbeitsunfähig gewesen zu sein, schuldig geblieben, und hätten die Angaben der Radlofj's als der Wahrheit entsprechend angesehen werden müssen. Gewerbegericht. Kammer VII. Vorsitzender: Assessor Dr. Meier. Ein eigeuthümliches Engagement beschäftigte am 4. Januar die genannte Kammer. Die Arbeiter Biclski und Kniesch klagten gegen die Herren Schneider und Kramer auf Lohnentschädigung wegen plötzlicher Entlassung. Tie Beklagten bestritten das An- recht der Kläger auf eine Entschädigung; sie waren der Meinung, dieselben hätten durch die Art ihres Engagements den Anspruch auf die gesetzliche Kündigungsfrist verloren. Die Firma habe einen Sahn mit Preßkohlen erwartet und die Absicht gehabt, ein Kohlenlager einzurichlen. Deshalb habe sie drei verheirathete Leute, darunter die Kläger, unter der Bedingung angenommen, daß der Fleißigste und Vernünftigste von ihnen eine„feste" Stellung als Verwalter des Lagers erhalten solle. Um sie jeder Zeit entlassen zu können, sei das Engagement„in Tagelohu" und nicht„auf Woche" erfolgt. Dauernd könne die Firma über- Haupt leine Arbeiter beschästige», das liege in der Natur des Unteruehmens. Die Kläger seien entlassen worden, weil sie sich eines Abends— der 5kahn sollte geleert werden— widerrechl- lich weigerten, Ueberstuuden zu machen. Daß Ueberzeitarbeit geleistet werden müsse, wäre ihnen bei der Annahme mit dem Hinweis daraus bedeutet worden, daß es sür die Ueberstunde 30 Pfg. gebe. streng erwies, wie Shylock, da er auf seinem Schein be- stand; und er nahm dem Baner, der auf seinem Maulthier etwas Kohl heimbringen wollte, wofür er fünfnnddreißig Centesimi an Verzehrnngssteuer hätte entrichten sollen, ge- waltsam den Rock als Pfand. Denn das Bäuerlein hatte nur dreißig Centesimi bei sich und wnßte nicht, wo er die fehlenden fünf Heller hätte hernehmen sollen. Da aber brach in den menschlichen Geschöpfen, die durch das lang- jährige Elend ausgesogen und entkräftet waren, die dumpfe Verzweiflung los. Das Maaß der Schuld bei den Peinigern war gerüttelt voll. Kein„Hetzapostel" stürmte ans die Menge ein, kein sozialistischer Redner suchte dieser Menge logisch zu beweisen, wie großes Unrecht sie erlitte. Viel- mehr weckte der Schlag den Gegenschlag. Die Aermsten sahen, wie man einem der Ihrigen mit brutaler Gewaltsamkeit den einzigen Rock vom Leibe riß, um eines einzigen Soldo wegen und gegen das Zollhaus von Valguarnera kehrte sich die entfesselte Empörung. Das war das erste Sturmsignal zur Hungerrevolution auf Sizilien; des pflichtstrengen, unerbittlichen Zöllners von Valguarnera brauchte es nur, um das Maaß der Eni- rüstnng über all die fürchterliche Drangsal zum Ueberlaufen zu bringen. Und heute ist vor aller Welt das Entsetzliche klar geworden. Nichts was im Verlauf der letzten Wochen geschah, kommt an Bedeutung der Rebellion aus Hunger wie sie Sizilien und ganz Italien erschüttert, gleich. Bis- her hat man's mit der Sünde, die an Siziliens Mark zehrte, gehalten, wie man's mit der Sünde im allgemeinen hält. Man zieht ihr, nach einem Wort in Goethe's Faust,'wird sie geboren, den Schleier der Nacht über Hals und Kopf und Ohren.„Doch»vächst sie erst und wird sie groß, dann geht sie auch bei Tage bloß." Und sie geht jetzr vor aller Welt bloß, und enthüllt ist die Schmach, die am Leib des herrlichen Italiens srißt. Das herrliche Italien; und in seinen herrlichsten Theilen, wie ist es von herrischer Raubgier proletarisirt! Noch ist es nicht allzu lange her und ich wanderte an einem Frühsommertag durch eins seiner prächtigsten Gebiete. Mir im Rücken die schrosfzackigen Alpen in wunderlichen Formen und vor mir die alte im leuchtenden Sonnenschein hell- Der Buchhalter Abraham, welcher beim Engagement der Leute zugegen war, bestätigte das von den Beklagten Ausgeführte. Die Kläger machen gegen die„widerrechtliche Weigerung der Arbeit", die ihnen vorgeworfeu wurde, geltend, an jenem Abend sei stürmisches und regnerisches Wetter gewesen, das die schlechte Beleuchtung des Kahnes zu einer völlig ungenügenden gemacht hätte; die Zylinder der Petroleumlampen ivären zersprungen K. Bei diesem Wetter und dieser Beleuchtung sei das Ausladen der Kohlen eine lebensgefährliche Sache gewesen. Was die angeb- liche Kündigungslosigkeit des Arbeitsverhältnisses betreffe, so sei von einem Ausschluß der Kündigung nicht die Rede gewesen, im Gegentheil sei noch mehr Arbeit in Aussicht gestellt ivorden. Der Zeuge Block, der mit den Klägern zusammen engagirt wurde und beim Verladen der Kohlen half, schloß sich mit seiner Aus- sage den Klägern an. Ob der Kahn zu schlecht beleuchtet war, weiß er nicht, jedoch führt er aus, er selbst habe beim Verpacken der Kohlen außerhalb desselben, aber dicht dabei, infolge des windigen und regnerischen Wetters eine jammervolle Beleuchtung gehabt. Daß mit der Leerung des Kahns die Arbeit alle sei, wäre nicht gesagt worden. DiesBeklagten wurden aus folgenden Gründen verurtheilt, jedem Kläger 36 M. zu zahlen: Durch die Zeugenaussagen sei erwiesen, daß die Beklagten der Meinung waren, ein Engagement auf Probe abgeschlossen zu haben. Ein Engagement auf Probe gebe aber nicht das Recht, eine Entlassung ohne jedwede Kündigung eintreten zu lassen. Die Beklagten Härten, wollten sie ihren Zweck erreichen, sagen müssen: Wir beHallen uns vor, jeden sofort ohne Kündigung zu entlassen. Ganz gleichgiltig sei für die Frage, ob Kündigung oder nicht, das Engagement und die Bezahlung nach Tage oder Wochenlohn. Der Einwand der widerrechllichen Verweigerung der Arbeit sei für nicht durchgreifend erachte! worden. Der eine Zeuge habe glaubhaft bekundet, daß schlechtes Wetter und schlechte Beleuch- tung das Arbeiten erschwerten. Die Kläger hätten nicht nölhig gehabt, ihre Gesundheil und das Leben aufs Spiel zu setzen. namentlich aber nicht, da die eigentliche Arbeitszeit bereits ab- gelausen war und Ueberfeierarbeil vorlag. Sozislo ileUct'Biöf. Achtung, dritter Wahlkreis. Da die Billetabnahme bis zum 1. Januar 1834 eine so geringe war, stellen wir die Billets nochnmls bis zur Versammlung am 9. Januar zur Verfügung. Dieselben werde» an diesem Tage eingezogen. I.A.: G. Ladewig, Ritterstr. 70. An die Parteigenosse»»! Wie bekannt, befinden sich die Kutscher der Taxameter- Droschken seit dem 1. Januar im Aus- stände. Das Unternehmerthum will uns durch die Neu» Uniformirung an den Tnxameter-Droschkenbetrieb fesseln, um so leichter nachdem einen Lohudruck ausüben zu können. Wir wissen nur zu gut, sind die Herren in diesem Kampfe um den weißen Hut— wozu die Polizei ihren Segen gegeben hat— Sieger, so haben wir uns dem Unternehmerthum auf Gnade und Un- gnade überlieferl. Wir sind gewillt, auch das Urtheil der Ber- liner Arbeiterschaft über diesen Streik zu hören, und laden des- halb die Arbeiter von Berlin und Umgegend zu der a m Sonntag, de» 7. I a n u a r, B o r in i t t a g s 10 U h r, in den o n k o r d i a- S ä l e n, A n d r e a s st r. 64, statt- findenden Versammlung freundlichst ein und hoffen allseitig eine rege Betheiliglrng. Das Agitations-Komitee der Droschkenkutscher Berlins und Umgegend. I. A.: Schultz, Marienburgerstraße l. An die Angestellten des Gastwirthö-GeioerbeS Deutschlands! Kollegen! Im Anschluß an unseren früheren Aufruf sind wir heute in der Lage, Euch mittheilen zu können, daß alle Vorarbeiten zum Kongreß unserer Branche erledigt sind, so daß derselbe voni 13. bis 16. März in Berlin stattfinden kann. Die vorläufige Tagesordnung ist folgende: I. Bericht der Delegirten über die Lage der Gastivirths- Gehilfen in den einzelnen Orten. 2. Organisalionsfrage. 3. Die Presse. 4. Arbeits- und Lohnverhaltniffe. 5. Der Ruhetag im Gaüwirthsgewerbe. 6. Stellenvermittelung. 7. Statutenberathung. 8. Verschiedenes. Die definitive Tagesordnung wird bei Eröffnung deS Kon- greffes bekannt geniacht. Anträge zu dieser Tagesordnung sind bis spätestens den schimmernde Bergstadt Bassano. Breit und groß schössen die grünen Affaisblätter in die Höhe und auf Hecken und Höhen ringsum überall blühte der Wein. Das ganze Thal war erfüllt von würzigem Tust. Ich stieg von Bassano wieder aufwärts den Alpen entgegen und vor dem Dorfe Rubbio überschaute ich noch einmal die ganze gesegnete Fülle der venetianischen Gefilde bis hin zum Gestade der blauen Adria. Welche Gnaden waren über das Land ge- breitet! Und hier solltet» Menschen gedeihen, die nicht stolzen, ausrechten Ganges einherschreiten? Und hier sollten sie verkümmern und verkrüppeln, wie Krummholz auf ödem Karst? Sie aber verkümmern doch inmitten eines Paradieses; und mögen ihre Kirschbäume brechen vor der Last rother Früchte und mag der goldigste Wein ihnen auf weißem Kalkboden reifen, unten in den Städten stehen die Paläste ihrer Zwingherren und sie Hausen in schmutzigen Stein- Huden, die den Kellern gleichen, und sie zerschneiden mit dem Bindfaden einen Tag wie den anderen ihre ewige Polenta (Maiskucheir) und sie trinken, wenn's hoch kommt, ihren„Haus- lruiik" dazu, keinen ehrlichen Wein, sondern ein fadsäuerliches, abscheuliches Getränk, von Wasseraufguß auf ausgepreßten Trestern gewonnen. Fast alle sind sie Proletarier und ihre „Würdenträger" auch. Mit dem Lehrer des Ortes saß ich an einem gebrechlichen Tisch vor der schmierigen Schenke. Es war einer von den Männern, die im Innern gebrochen sind und wehmüthiger Entsagung zngeschworen haben. Ich fragte ihn, wie man so zu fragen pflegt, warum er sich denn keinen eigenen Herd, keine eigene Familie gegründet hätte. Verschüchtert und verlegen antwortete er mir mit einem italienischen Sprichwort: MsZlio e dire;„Povero me!" che dire:„Poveri noi!" Besser, man darf sagen: „i ch armer Teufel", als nwu muß sagen:.wir armen Teufel". Ich begriff den Mann, der seine Roth lieber allein trägt, und ich fragte nicht weiter. Nun ist der italienische Jammer allgemein offenbar geworden, und man sollte meinen, daß die Nachbarwelt er- schrocken wäre und Umschau bei sich selbst gehalten hätte, 15. Februar au den U»terze!chuelen einzusenden. Die Zahl der zu entsendenden Vertreter zu bestimmen bleibt selbstverständlich den einzelnen Orten überlasten. Wir empfehlen, den Delegirten kein gebundencZ Mandat zu geben, sondern denselben es�zu über« lassen, die Ansichten ihrer Wähler neben ven eigenen zur Geltung zu bringen, jedoch soll jeder Delegirte sich in der Organiialions- frage vergewissern, ob seine Wählerschaft für Zentralisation oder lokale Organisation gesonnen ist. Um die Mittel für die Vcr- tretung sowohl als auch die nicht unerheblichen Kosten des Kongresse- überhaupt zu decken, empfiehlt es sich, an den einzelnen Orten freiwillige Sammlungen zu veranstalten. Denjenigen Orten, welche mcht in der Lage sind, ans eigenen Mitteln einen Delegirten zu entsenden, machen wir den Vorschlag, sich durch einen Kollegen aus einem anderen Orte vertreten zu lassen, und wollen sich dieselben für diesen Zweck an Herrn H. Pötzsch. Berlin. Melchiorstr. 7 oder R. Hosfmeyer, Altona, Prinzenstr. 40, wenden. Die Vertreter sind in össentlichen Versammlungen zu wählen, und haben sich dieselben«in vom Unterzeichneten zu de. ziehendes Mandat ausfertigen zu lassen, welches die Anzahl der für den Delegirten Stimmenden enthält. Das Mandat ist vom Bureau der Versammlung zu unterzeichnen. In Orten, wo noch keine Vereine bestehe», welche auf dem Boden des heutigen Klass«!» kampfes stehen, ist es erforderlich, daß das Mandat von dem Vor sitzenden des am Orte befindlichen Gewerkschaftskartells mit unterzeichnet ist. Um eine Uebersicht der Theilnehmer am Kongreß zu er- langen, ist es unbedingt nothwendig. daß die Anmeldung der Delegirten bis spätestens zum 1. März 1834 bei dem Unter- zeichneten erfolgt. Die Angabe des Lokals, in welcbcm der Kongreß stattfindet, sowie die Zeit der Eröffnung desselben er- folgt später. Und fomil, Kollegen allerorts, rüstet Euch zum Kongreß und wählt nur solche Leute als Delegirte, die Euer Ver- trauen besitze». Auf zum Kongreß der Gastwirthsgehilsen Deutschlands am 13. März 1834 in Berlin i Arbeiterfreuudliche Blätter werden um Wdruck gebeten. Mit kollegialischem Gruß I. A.: R. Hoffmeyer, Altona, Prinzenstr. 40. Achtung k Mitglied'er der allgemeinen Orts- kranken lasse gewerblicher Arbeiter und Ar- beiterinnenl Am 10. Dezember v. I. batte die Kommission zur Einführung der freien Arztwahl eine öffentliche Mitglieder- Versammlung einberufen, um Bericht zu erstatten und Recluiung zu legen. Leider konute dieselbe, wegen allzuschwacheu Besuchs, nicht tagen. Die Kommisston hat es daher für nölhig befunden, abermals eine Versammlung einzuberufen, und zwar für Sonnlag, den 14. d. M., Vormittags 10 Uhr, in Deiamüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a, zwecks Berichterstattung, Rechuungslcaung und Neuwahl der Kommission. Da die meisten unserer Mitglieder sich noch sehr im Unklaren befinden über das am 1. Januar d. I. eingeführte System der freien Arztivahl, so wird es für jedes Mitglied von größtem Interesse sein, in dieser Versammlung zu erscheinen, da die Kommission über alle Einzelheiten genauen Ausschluß geben wird. Im Austrage der K o m m i s s i o n: W. Z i m p e l, G u b e n e r st r. ö. Achtung, Former? Die Lage der Nürnberger Former ist seit Jahren nicht zu beneide», trotzdem sie zum großen Theil im Tagelohn entlohnt werde», stehen sie in einem Verhüllniß zu ihre» Familien, daß sie nicht im stand« sind, denselben eine Existenz zu biete», wie es sich für einen Arbeiter gehört. Obwohl nun die Organisation der Former schon öfter Veranlassung gehabt hätte, gegen das rigorose Vorgehe» der Fadrikauteu Stellung zu nehmen, unterließ sie dasselbe, da sie sich sagte, daß die iviribschaitlichc Lirisis es ihr verbiete, ick irgend einer Weise gegen die Herren Fabrikanten aufzutreten. Die Nürnberger Former hatten schon länger in Sicht, daß der hier neugegründele Jndustriellen-Vcrband gegen sie ins Feld ziehen würde, und leider haben sich dieselben in ihren An- sichten nicht getäuscht. Am 2. Januar d. I. traten verschiedene Fabrikanten vor ihre Former hin und erklärten ihnen rundweg, daß sie unter allen Umständen Akkord arbeiten müßten. Aus diesem Grunde sahen sich die Former veranlaßt, dagegen Stellung zu nehmen. Das neue Akkordsy lein in Nürnberg soll weiler nichts bezwecken als die Löhne daselbst gewaltig herab zu setzen und die Arbeitszeit in einer Weise zu verlängern, so daß die vor ungefähr süuf Jahren daselbst abgeschaffte Arbeitszeit wieder platzgreifen würde. Denn damats belief sich die Ar- beitszeit auf 14 bis 16 Stunden, sogar kam es vor, daß 18 Stunden gearbeitet wurde. Von Son»tag?ruhs war gar keine Rede. Da nun derartige Verbältniffe unter leinen Be- dingungen heraus beschworen werden dürfen, sehen wir uns ver- anlaßt, unsere auswärtigen Kollegen aus daS Gebahren unserer Fabritanten aufmerksam zu machen>und ersuchen zu gleicher Zeit, Zuzug fern zu halten. Mit genosseuschaftlichem Gruß Die Kommission Sektion der Former Nürnbergs. All« arbeiterfreundlichen Blätter werde» ge>älligst um Nach- druck gebeten. ob denn da der Menschheit ein um so viel glücklicheres Loos beschieden wäre. Es ist so wohlfeil, hente auf die Zerrüttung in Italien hinzuweisen; und manche Stimmen thun das mit so lautem Gezeter und so überhitztem Eifer, daß man glauben möchte, sie halten es mit den frcmnen Vintsebgauern, die da zu beten'pflegten: Oh heiliger Florian, Tu Feueröpotron, Beschütze nns're Hänser, die andern, die zünd' an! Aber, was nutzt das Schreien: Seht hin, auf die lässigen Italiener, wel che Feuersbrunst sie dank ihrer Nnwachsanikeit zum Ausbruch kommen ließen? Sind die Italiener die allein Lässigen? Brennt es nicht in unseren Häusern? Kennen wir keine Verzweifelten, weil es noch nicht zu einem Aus- bruch von solcher Große gekonimen ist, wie jetzt in Italien? Um Hunderte vor dem Erfrieren zu retten, mußeu diese Hunderte von Wohnungslosen in Gängen und Korridoren der Asyle nothdürftig untergebracht werden! In diesen Tagen grimmigster Kälte. Ist das nicht gleichfalls ein fürchterlicher Aufschrei? Schleppen wir nicht dieselben Ketten wie Italien, das eugverbündete? Singt man nicht bei uns auch das ewige Eiapopeia: Ha, welche Lust Soldat zu sein? Hat nicht erst jüngst die wohl- gesinnte„Natirnial-Zeitrnig" ausgerufen: Was liegt denn daran, wenn die Zigarre ein bischen thcurer wird? Die Verniehrung des Militärstandes trifft ohnedies den Be- güterten schiverer, als den Besitzlosen. Denn die Söhne der Begüterten würden Einjahrig-Freiwillige auf Kosten der Eltern und die Söhne der Besitzlosen fänden Unterkunft und Kost in den wohnlich eingerichtelcn Ferienkolonien!— Das ist die ganze Niederlrächtigkeit der Geldbeutel- Philosophie. Und Blut und Leben und das Aufgebe» individueller Freiheit uud der Verlust in den arbeitkräfligsten Jahren die zahlen nichts? Sollen die Söhne der Besitzlosen wohl noch Hyninen singen und die Vorsehung preisen, die sie der Kaserne in der sich so wollig gratis leben läßt, zu- geführt hat? Ganz nach den Anschauungen des Unter- offizierS ans den„Fliegenden Blättern*. Ihr Kerls, exerzieren wollt ihr nicht recht, aber das schöne Kommißbrot naschen, das möchte Euch so passen! AlpLa, Wir ersuchen die Gelverkschaften und Kraukeukasse» nochmals, soiveit dies noch nicht geschehen ist. uns ein Exemplar ihrer Statuten einzusenden und die Adressen der Vorstands- Mitglieder, sowie Kassenlolal oder auch Arbeitsnachweis-Bureau mitzulheilen. Der Sieg, den die Weber und Weberinnen in Langen- biekau kürzlich über die Fabrikanten errungen haben, ist namentlich dem muthigen Ausharren der Frauen zu danken. Ter Direktor der Fabrik, Neugebauer u. Söhne, äußerte sich dahin, daß, wenn nur die Frauen hätten erhallen werden können, die Männer ruhig hätten gehen können. Das ist jeden falls ein Beweis, wie nöthig es ist die Frauen aufzuklären, sie zu Mitstreitern zu machen. Dies wird um so nölhiger. je mehr die Frauenarbeit überhand nimmt. Zugebilligt wurden den Arbeitern folgende Forderungen: 1. Tie Arbeit wird zu den alten Lohnsätze» wieder aufgenommen. 2. Tie Prämien fallen weg. 3. Die Aushängung des Lvhntarifs wird zugesichert. Die Rrbeitslosenfrnge gelöst. Dieses Kunststück hat der Mannheimer S>adtratb fertig bekommen. Um der Welt zu beweisen, daß es keine Arbeits losen, fondern nur Arbeits- scheue gebe, veröffentlicht der Stadtrath jeden Tag die Liste der Zlrbeir-losen, daneben macht er bekannt, wie viele sich wirb lieh zur Arbeit gestellt. In den letzten Tagen betrug die Zahl der Gemeldeten 425, nur 60 Arbeiter aber stellten sich an der Arbeitsstätte ein, um die ihnen übertragene Arbeit(Steina klopfen) zu beginnen. Daraus schläat natürlich die satte zahlungsfähige Moral und deren Preßlakeien möglichst Material in der oben angedeuteten Weise. Tie Arbeitslosen sind ver schwunde», es ist nur„arbeitsscheues Gesindel", das nicht arbeiten will. Es wird dabei ganz unberücksichtigt gelassen, daß eine Reihe Arbeiter jedenfalls vorübergehend bessere Beschäftigung gefunden haben mag; andere sind durch Frost und Hunger auf's Krankenlager geworfen. Ter weitaus größte Theil der durch Entbehrungen ausgemergelten Proletarier aber müßte schon von vorn herein auf die anstreugende Arbeit im Freien verzichten, so daß die Meldungen zu dieser Beschäftigung durch- aus keinen Schluß zulassen aus die wirkliche Zahl der Arbeits- losen. Zum Zwecke der Veschäftigung Arbeitsloser hat die Stadtverordneten- Versammlung zu Magdeburg 30 000 M. bewilligt; außerdem sollen 6000 M. verwandt werden zur Ver- thcilung von Suppen mit Brotportiouen an arme Schulliiider. Ferner gab der Magistrat bekannt, daß drei Wärmehallen er- öffnet werden würde». Der Antrag unseres Parteigenossen, des Sladtverordneie» Klees, die Arbeiten durch einzelne Gruppen, die sich selbst«inen Gruppenführer zu wählen hätten, ausführe» zu lassen, wurde abgelehnt. Die Nothstandsarbeiten sollen zum Theil in städtische Regie genommen, zum Theil an Unternehmer vergeben werden. Tie Leute soll.m 7 Stunden pro Tag arbeiten und pro Stunde mit 20 Ps. entlohnt werden. Hoffentlich werden 'ich, so meinte der Berichterstatter des Magistrats, die Arbeitslosen der fürsorglichen(!!) Stadt gegenüber auch dankbar erweisen. In was diese Dankbarkeit außer der großen Arbeitsleistung, die zu dem geringen Lohnsatz in gar keinem Verhältnisse steht, noch bestehen soll, wurde verschwiegen. Zur Sonutngsrnhe. Nachdem die Ausnahmebestimmungc» für Gruppe III der Gewerbestatistik(Monlaniudustrie) fertig zestelll worten sind, sollen nunmehr die entsprechenden Vor- chrifte» für Gruppe V(Metallverarbeitung) bearbeitet werden. Am 24. Januar soll eine Konserenz vo»'Arbeitgeber- und Arbeit- nehmcr-Vcrtreter» stattfinden. In der ersten Hälfte des Januar oll außerdem in K a t t o w i tz eine Besprechung mit Vertretern der Z i n k h ü t t e n- I n d u st r i e stattfinden, weil die ober- schleiche» Zinkhütte»- Arbeiter sich mit einer Eingabe an die Regierung gewandt haben, in der sie eine andere Regelung der Sonntagsruhe als die vorgesehene befürworten. Tie Arbeiter- Vertreter, die man zu dieser Konjereuz zuziehen wird, werden natürlich„nach berühmtem Muster" ausgesuchte sein, d. h. solche die man als lammfromm keuul oder die vollständig abhängig sind von den Unternehmern. Tie Nathlosigkeit, die blasse Furcht vor der immer mächtiger anschwellenden proletarischen Bewegung läßt die bürgerliche Presse oft die wic erspruebsvollsten Behauptungen ausstellen in bezug auf diese von ihr mißrcrstandcne Cntwtckelung. Keine Gelegenheit läßt man unbenutzt vorübergehen, wo es irgend möglich ist, eine � S p a l l u n g" lonstatire» tu können. Bei diesen Bersi che» ist natürlich der Wunsch der Vater des Gedankens. In unserm Leitartikel vom Freitag hatten wir bereits die Anficht der„Kreuz- Ztg.". die österreichische Gcwerkschastsbewegiing setze sich in Widerspruch mit der politische», zurückgewiesen. Wenn es aber noch irgend eines Beweises bedürfte, die Anschauung der„Kreuz-Ztg." als eine„vergebliche Hoffnung" hinzustellen, so find es die Worte deS Genossen Tr. Adler, welche derselbe zu dem Antrage, daß ;eder, der sich als Genosse bekenne, auch Mitglied der Gewerk- schaft seiner Branche sei» müsse, an den Kongreß richleie. Dr. Adler sagte:„Der Antrag Heger, der so lautet, wie ein vom deutschen Pariritag abgel» hiter Antrag, können wir ohne weiteres annehmen, und ich bin überzeugt, taß er auch vom sozialtcmokralisck cn Parteitag anaenommen würde, wenn er vor- gelegt würde. Irgend ein Zwieipalt zwischen gewerkschaftlicher und sozialdcmolia'.ischer Bewegung ist in Oesterreich nicht vor- hauten; jeder Sozialdemokrat ist durchaus für das Blüben und die Erweiterung der Gewerkschaslen. und weiß sehr gut, daß die politische Bewegung nur in dem Leibe der Gewerkschaften ein kräftiges Leben südren wird."— Nachdem Genosse Adler die Verschiedenheil der österreichischen gegenüber den deutschen Verhältnissen klargelegt, durch die eben der nach dieser Richtung hin von de» deutsche» Genossen abweichende Standpunkt gerechtfertigt erscheint, fuhr er fori:„Es muß und kann ausgesprochen werde», daß die Gewerkschaften i» Oester- reich durchaus beherrscht sind von der sozialdemokratische» Idee und von sozialdemokratischer Energie. Die Gewerkschaften in Oesterreich sind erst wieder zum Leben gekommen mit den, Wiedcrerwachen der politischen Bewegung; wer hat die Gewerk- schasle» am meisten gefördert? Das waren gerade die Sozial- demokraten, die in der politischen Bewegung gestanden sind. Die gewerkschaftliche Bewegung ist aus dem Boden der Sozialdemo- kratie erst aufgewachsen, und nur auf diesem Boden wird sie Früchte bringen. Bezüglich der Bildungsvereiue stimme ich mit dem Referenten in dem Wunsche überein, daß sie mehr und mehr den Gewerlschaften Platz machen mögen.?lber so sehr Recht er für Wien und für große Orte hat, so unmöglich irt es heule auf dem flachen Laude. Dort brauchen wir gemischte Geiverkschaflen, und nichts anderes als diese sind die Bilonngevereine des flachen Landes. Die Umwandlung der Bildungsvereine wird auch in den Städten erst nach und nach sich vollziehen können: in keinem Lande haben die Bildungsvereine die Bedeutung wie bei uns, wo man mehrere Male hintereinander jede politische Bewegung und die gewerkschasiliche Bewegung erwürgt Hai. Aber vor den Bildungsvereinen haben die Liberalen, welche Bildungsschwindel betrieben, doch ein« Art Scheu gehabt, und deshalb blieben die Bildungsvereine in den Zeiten des Ausnahmezustandes die ein- zigen Oiganisalionen. Die Arbeiter haben eine Art von Pietät für die Bilbungsvereine, und es wird nicht leicht sein, an Stelle der Pietät eine praktische Auffassung treten zulassen. Aber nolh- weudig ist es, und deshalb wird es geschehen. Arme„Kreuz-Zeitung"! Der schwache Hoffnungsstrahl, daß diese„ernsten Männer' das„rein-politische Moment" vernachlässigen ivürden, bat nicht lange angehalten. Hinznsügen wolle» wir zum Ueberfluß nur noch, daß Adler' s Aussüh- rungen mit großem Beifall aufgenommen wurden und alle nach- folgenden Redner sich in ähnlicher Weise äußerten. Ter erste österreichische Getverkschaftskongrest hat eine Gewerkschafrskomm ission geschaffen, der im wesent« lichen die Aufgaben der in Deutschland bestehenden General- kommission zufallen. Die Pflichten der einzelnen Vereine und Verbände gegenüber der Kommission sind folgende: Jede Organisation hat pro Monat an die Gewerkschasts- Kommission einen Beitrag von einem Kreuzer per Kopf zu leisten. Von diesen Beiträgen sind zunächst die Kosten des Blattes, Ver- waltung. Agitation u. zu bestreiten. Jede Organisation ist verpflichtet, die statistischen Erhebungen der Kommission zur allgemeinen Zusammenstellung und Ver- öffentlichung zu übermitteln, sowie einen vierteljährigen Bericht über Arbeitslosen- und Reiseunterstützung. Rechtsschutz- und Vermittlungswesen ftc. einzusenden, resp. diesbezüglich« Frage- bogen der Kommission genau zu beantworte». Von etwaigen Streiks der Kommisston zu berichten, wo möglich und nach Thunlichkeit deren Gutachten einzuholen. Sich bei Streiks gegenseitig zu unterstützen, oder wenn es die Roth- wendigkeit erheischt, daß einzelne Industriezweige sich dem Streik anschließe», dasselbe zu vollführen. Zu den Verbandstagen und Kongreffen die Kommission einzuladen. Die Beschlüsse der Kam- Mission, sowohl der gemeinsamen Versammlungen, der Vertreter der Vereine, sowie der Gewerkschaflskoiiaresse zu beachten und einzuhalten. Die Kommission bei den Erhebungen über Statistik zu unterstützen. Vorschläge in Beziehung auf Organisation zu machen. Ueber Organisation der Derufsgruppen wird, wie folgt, bestimmt: 1. Um die schönen Worte von Karl Marx:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" zur Thatsache zu machen, um weiters eine, allen Theilen schädliche Zersplitterung der Kräfte zu verhindern, organisirc» sich die Arbeiter industrienweise zu großen, starken und umfangreichen Organisationen. Die Gründung von kleinen Organisationen für einzelne Branchen ist nur aus taktischen Gründen zu befürworten. 2. Alle verwandten Berussorganisationen, welche auf Selbständig- keit beruhen, verbinden sich untereinander und bilden Ver- bände, welche sich über das ganze Reich erstrecken, wodurch sie ihrer Aufgabe bedeutend näher gebracht werden. 8. Die Verbände treten dann wieder in ein Gegenseitigkeitsverhältniß zusammen, demzufolge sie mit der Eewerkschafts-Kommission verbunden sind. 4. In kleinen Provinzorten vereinigen sich die einzelnen kleineren Berufe zu einer Gewerkschaftsgruppe und theilen sich eventuell in Sektionen. 5. Durch diese Verbindung werde» dann die gemeinsamen Aufgaben, wie: Statistik, Arbeitsvermittlung, Reise- Unterstützung und Einrichtung von Herbergen jc.:c. nach Thunlichkeit, mit Berück- sichtigung der einzelnen Interessenten, in einer für alle Theile zweckenlsprechenden und vortheilhaften Weise durch- geführt. 6. Tie Eintheilung der einzelnen Berufe in die Gruppen erfolgt nach eigener Wahl. 7. Die einzelnen Industrie- und Gewerbegruppen- Verbände regeln unter sich alle ihre internen Fachinteresse» und sonstigen Angelegenheiten und haben fort- ivährend mit der Zentrale, der Kommission, in Verbindung zu stehen, sowie derselben von allem Wichtigen Bericht zu erstatten. 8. Diese konstante Verbindung der einzelnen Berufe durch die Koinmisston hat so lange vor sich zu gehen, bis sich die diversen Verbände gebildet haben. Die Obliegenheiten der„Kommission der Gewerk- schaften Oesterreichs" sind in nachstehenden Punkten 'estgelegt: I. Ter nach Bedarf von der Kommission einzuberufende Kongreß der Gewerkschaften wählt eine Kommission und bestrmmt deren Sitz und die Zahl der Mitglieder. 2. In dieselbe ist aus je einer Industrie- nnd Gewerbcgruppe mindestens ein Vertreter zu entsende». 3. Tie Kommission hat alle Gegenstände gemein- schaftlicher Natur zu berathen und in entsprechender Weise zur Durchführung zu bringen, für gemeinschaftliche Agitation und Organisation, sowie für gemeinschaftliche Aktionen, wie beispiels- weise bezüglich der Arbeiterschutz-Gesetzgebung ic. rc. Sorge zu tragen. 4. Tie Kommissio» hält ihre Sitzungen nach Bedarf und wühlt aus ihrer Mitte einen Sekretär. 5. Aus de» Ein- nahmen, wie sie derselben zufließen, bestreitet selbe die nolh- wendige» Ausgaben, besorgt die laufende» Geschäfte, Agitation:c. nach Maßgabe der vorhandenen Geldmittel, ebenso die Heraus- gäbe des Korrespondenzorgancs, welches nach Bedarf erscheinen soll. 7. Tie Kontrolle über das Gebahren der Kommission habe» abiveckffclnd nach der Wahl die verschiedenen Organi- sationeu zu führen. In harte vedraugnist drohen die armen Junker zu ge- rathe»; sie können kein Gesinde mehr erhalten. Während auf dem„D r e s den« r Gesindemarkt" sich sonst 60—100 weib- licke Dienstboten einfanden, waren diesmal im Ganzen nur 6 Mägde anwesend, was den Dresdener bürgerlichen Blättern natürlich zu lamentablen Betrachtungen Veranlaffnng giebt. Die wenigen Arbeitskräfte fanden bei einem Jahreslohn von 150 bis 180 Mark und der Zusicherung ansehnlicher Weihnachtsgeschenke rasch Unterkommen. Wir begrüßen die Thatsache des Ge- indemangels als ein Zeichen des wachsenden Selbstgefühls in denjenigen Bevölkerung! klaffen, aus denen sich das Gesinde rekrulirt. Schließlich dür ten diese unbestreitbaren Thatsache» aber auch dahin führen, daß die allem Gerechtigkeitssinn Hohn prechende„Gesiirde-Ordnuug" endlich falle. Daun dürfte auch )er Mangel an landwirthschajtlichen Arbeitern zum Theil be- 'eiligt sein. Ueber die Velwaltnug deS Arm«»f«esenS i« Paris hat der„Figaro" dieser Tage eine int reffante Darstellung ge- geben. Danach beliefen sich für das Jahr 1832 die Einnahmen auf rund 4S60000V Frs. Davon wurden aber nur 8 876 000 Frs. ür den eigentliche» Zweck, die Armenunterstützuiig, verwendet, alles übrige verschlangen die Kosten für Verwaltnug und die Beiträge an Spitäler. Also kaum der fünste Theil der eigentlich nur für die Armen bestimmten Summen kam diesen Leuten zu gut. Auch eine„Armenunlerstützung!" Urber eine Arbeitslosen-Demonstratio«, welche in der Ncujahrsnacht in London stattfand, wird von dort, 1. Januar, geschrieben: „Es iü ein alter schottischer Brauch, das neue Jahr im Freien und niit lautem Jubel zu empfangen, ein Brauch, den in London ansässige Schotten auch hier fortzusetzen in den letzten Jahren vielfach bestrebt gewesen find, und hierzu hatten sie sich de» freien Platz vor der St. Pauls- Kathedrale besonders aus- ersehen, in welcher zur Stunde des Jahreswechsels Gotlesdieiist stattfand. Mit den Schotten zusammen hatte sich gestern Abend aber auch eine große Anzahl Arbeitsloser vor der Kathedrale eingestellt, die beschlossen halten, als Antwort auf die schottischen Jubelrufe ein Lied von de»„hungerleidenden Armen des alten Englands" anzustimmen und die Stufen, die zur Kathedrale hinauf- ühren, zu besetzen. Es war indessen cme starke Polizeimacht usanimengebracht, um die Menge an ihrem Vorhaben zu ver- hindern, und mehr als 300 Schutzleute wurden für den Nothfall in der Kirche selbst versteckt gehalten. Schlag 12 Uhr stürmten verschieden« Haufen von verschiedenen Seiten nach den Stufen hin, die Polizei wurde über ven Haufen gerannt und die Menge hätte sich schwerlich begnügt, die Treppt zu erstürmen, sondern wäre dann gewiß auch in fdie Kirche gedrungen, wenn nicht im enlschcidenven Augenblick die Thüren der Krypta sich geöffnet nnd die Reservemannschaft der Polizei, einige Hundert stark. mit gehobenen, Stocke daraus hervormarschirt wäre. Bor ihrer Macht fiel die Menge alsbald zurück und die Ruhe war schnell wieder hergestrllt."'Aber nicht der Hunger der Armen geftilll. nicht ihr Grimm beschwichtigt. Berichtigung. In dem Ausruf der Porzellan- arbeiter in Annaburg muß es heißen: Etwaige Anfragen sind z» richten an Paul Dake. Dreher. Geldsendungen an Richard Krause, Maler, beide in Annabura, Post-Bez. Halle. S v -% »» Ä * S .% DuchsMndtung drv„Vormärks" Berlin 3W� Beuth- Straße 2. Als neue Agitations- Broschüre � envfehlen wir den Genossen: Ukgkll den Milikisilliig md gkgt« die lieiitn Ätiitlll. Zwei Reichstags-Reden von A. Bebel und W. Liebknecht gehalten bei der Derathung des zleichshaushatts-Etats am 27.und3g.Nouc»iber1893. 56 Seiten Großoktav mit Umschlag. Vre» einzeln 10 JJfg.. für Colporteure 6 Kfg. franko. 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In der Kerliner Nestonree, Eingang Stallschreiberstraße 41—42. Vortrag des Herrn-vr. finn über:„Behauptungen und Wirklichkeit". 2. Greuadierstrttfie Akt. Vortrag des Herrn Dr. Wey! über: «Tas Haus der Barmherzigkeit".— Nach den Vorträgen:_ K Gemuthliches Beisammelisein."W® willkommen. 149/7 mr Die Generalversammlung findet am Dienstag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr, bei Seefeldt, Grenadierstr. 33, statt. Mitgliedsbuch legitimirt. Deutscher Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berlin). Am Montag, de,» 8. Zauuar, Abend« 8Ve Uhr, im Fokal de» Herrn Joil, Andreaostrahe 31(oberer Saal); Versammlung für de» Wen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wksrnvr über:„Die Berusskrankheiten der Holzarbeiter". 2. Tlskussio». 3. Vorschläge zu Werkstatt- Kontrolleuren und Beitragsammlern. 4. Werkstattangelegenheiten. Hierzu find die Kollegen der Werkstätten von Krasselt u. Schüler, Friedrichsbergerstraße 11. S a ltzm a n n, Friedenstrape 52. B ehrend, Friedrichsberg, Blumenthalftraße 42, Wwe. R o t h e r, Friedrich-Karlstr. 27, besonders eingeladen. DMsvttsammlung für drn Welten am Sonntag, drn 7. Januar 1804. Uormitt. IO'/z Zlhr, im Lokal de« Herrn Heinrich, Kliichrrstraße|tr. Gl, Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vorschläge zu Wcrkstatt-Kontrolleuren. 4. Verbandsangelegeuheiten.— Um zahlreiches Erscheine» ersucht 431/15 Di« vrtourrwaltuug. So»»»»abe»,d, de»». Febr,lar 18S4, in den Konkordia- Festsälen, Slndreasstrahe Nr.«4: Gr. Wiener Masken-Ball. BilletS k 50 Pf. sind auf allen Zahlstellen, sowie bei den Mitgliedern der Ortsverwaltung zu haben. Verdavä der in Holzbearbeitungs-Fabriken und auf Holzplätzen beschäft. Arbeiter n. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin I. Montag,>*» 8, Januar, Abend« 8'/? Uhr. Grnnrrweg Ur. 39: Milgltcder-Ncrlciittlttlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Bericht von der Geueral-Bersamm- lung. 3. Wahl des Ausschusses. 4. Gewerkschaftliches und Fragekasteu. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Die Mitglieder werden ersucht, ihren Pflichten nachzukommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 438/8 Oer Vorstand. > m g m's ti»ira). »,»t» M M t» 4, tiifrt» M M H t» I» 1» si4> Ks,«Ol SZl,«« vorzügl. u. Garantie, schmerzl, Zahnschmerz beseitigt, schmerz- olltltstl» �jllstllt, loses Zahnziehen. T Heilzahlung. Soläatoiu.Oranienstr. 123. Jg M '% i�r 'fit, vet »s "l,. e"de i0ßP •'t "te "Oo "ei, ■"u. teu i 'Vi/T, We fw, tu. rJte$ Oft. Sa oTt % vi Vr "'ebZS&'l Äl "Ort G/J <■'0. 'tq, ßm, » Utk % "s. m He. Hue % tu 't/r/ »t ?%£*• 'Itt 'f/i i�p, Ol,, q3cv 'ti, Weh .6>. Q'o 'er "'tfo. 'Pf 7d J't 'Ih ?S <5 M f p [PI* & Sk. WZ "M tn Jet 'Wi (ep 'iv, yiör & "*6 V* >< £'<•"- Arbeiter! Genossen! Kauft«ur Cigarren mit der Xontrollmarke der Tabakarbeiter. Nachfolgend verzeichnete Fabrikanten und Händler führen nur Cigarren mit der Kontroll-Schtttzmarke der Tadakarbeiter. 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Otto Ley, Schönleinstr. 17. Gast. Lochmann, Brandenburgstr. 82. Michaelis, Alexandrincnstr. 40. H. G. Schmidt, Gräfestr. 68. Carl Schouheim, Gräfestr. 3. JuliuS Stark, Schönleinstr. 10. so. Carl Abert, Pücklerstr. 6. Bchnke u. Kintzel, Schmidstr. 21. Carl Böhlert, Mariannenstr. 5. G. Carl, Adniiralstr. 25. G. Fischer, Skalitzerstr. 123. George, Mariannenstr. 35. Theodor Goccke, Wrangelstr. 125. E. GoSda, Manteuffelstr. 8. A. Kunze, Forsterstr. 2. desgl. Grünauerstr. 34. Lobbes, Adalbertstr. 58. 'Wilh. Mertens, Cnvrystr. 34. Otto Röhl, Sorauerstr. 10. Carl Schindler, Görlitzerstr. 53—54. Christ. Schneider, Köpnickerstr. 26a. Theodor Stampehl, Mariannenstr. 26. Stübner, Reichenbergerstr. 157. Herm. Wicht, Dresdenerstr. 16. SW* W. Kintzel, Alexandrinenstr. 103. �Heinrich Schröder, Kreuzbergstr. 15. E. Schulze, Fricsenstr. 23. O. Lonis Anders, Kraut str. 16. Angnst Tahuke, Koppenstr. 98. A. Gräff, Holzmarktstr. 42. Angnst Heck, Gr. Frankfurtcrstr. 4. deSgl. Weidenweg 96. Th. Hodde, Langestr. 108. Erhard Hoffmann. Memelerstr. 32. Johann Liebich, Memelerstr. 8. �Angnst MoteS, Posenerstr. II. Fr. PeterS, Koppenstr. 94. Johann Schirlitz, Holzmarkistr. 63. Otto Schreiber, Blumenstr. 5Io. Rich. Schulze, FriedrichSfelderstr. 21. Emil Tilesins, Weivenweg 80. Otto Nnterberg, Koppenstr. 3—9. B. Uutcrlauff, Frankfurter Allee 117. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. W. Wolf, Andreasstr. 6V. P. Wotschke, Andreasstr. 3. 0. 'Robert Drescher, Linienstr. 50. Max Flataner, Landsbergerstr. 72. Hermann Gumpel, Barnimstr. 42. Carl Blauzwiru, Linienstr. 21. Draniendnrger Vorstadt. Adolf Adelt, Reinickendorserstr. 64b. 'LouiS Drchand, Ruheplatzstr. 24. Franz Frank, Kösliuerstr. 2. Paul Franke, Eichendorffstr. 15. Wilhelm Göppner, Fennstr. la. Jakob Götting, Lindowerstr. 9. Angnst Hintze» Pankstr. 14». Fr. Jordan, Reinickendorserstr. 37a. Oskar Klose, Reinickendorserstr. 20. Paul Milller, Hochstr. 2a. Franz Noffke, Borsigstr. 28. Paul Pflug, Reinickendorserstr. 39. Wilh. Sternbach. 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Magerl» Hobrechtstr. 10. «oissensee. Emil Apitsch, Langhausstr. 135. Liebschwager, Gustav-Adolfstr. 16. Georg Schröder, Lothringerstr. 42. Reinickendorf, BurgnS, Markstr. 6. F. Schellenberg. Scharrnweberstr 107. Dempelkof. August Reisen, Berlinerstr. 44. Ranko«. Carl Hoffmanu, KaiserFriedrichstr. 15. SckSnederg. Alb. Butry, Akazieustr. 10. H l. II. Nenmeldnugeu von Fabrikanten sind persönlich bei l.oiiis Oechand Ruheplatzstr. 24, sowie im Arbeitsnachweis, Weinstr. 1 1(II— 12 Uhr) und beim lluterzeichneten zu machen. Neue Marken find ebenfalls dort, sowie auch an den mit' bezeichnete» Stellen der betr. Bezirke zu entnehmen. Die Kontroll- Kommission der Tabakarbeiter. I. A.: Carl Butry, Stralsunderstr. 17, II. 321/16 Rum, eckt tmd Fa(on, Literilascke 1,10, 1,60, 2,10, bei 5 Fl. 10 Fi. billiger. Eugen Neumann& Co.,°°» |!jSp~6a. Belle- Alliance-Platz 6a. Neue Friedrichstr. 81. Oraniensti*. 8. Einzelne Flaschen frei Haus Berlin. Kur-Bade-Anstalt und Maffage von H. Mania, Brunnenstr. 16. 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