Ar. 290. nbcnncmcnts-Bcdingungcn: Kboimcmcntä- Vrcis pränumerando! »ierteljShrl. S.M Mk, monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 1l> Pier Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn LchO Marl, für das übrige Ausland . Marl pro Monat. Postabonnemenis nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. vie sitserttonz-eeduhr beträgt für die sechsgcspaltcuc Kuloncl- zeile oder deren Raum G0 Pfg., für politische und gewerlMafllichc Pereius- und Versammlungs-Anzeigeu L» Pfg. „Aleine Z8n:e>g«n", das fettgedriulie Wort 20 Pfg. i. zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes lveitere Wort lO Pfg. Etellengesuche und Schlafstellcnmi- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Auch- 5 laben zählen für zwei Worte. Inserate iir die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. erscheint tZgllch. Vevlinev Volksblatt. Telegramm-Adresse: „Zozlslltemstirzi kelli»-. Zentralorgan der fozlaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Redahtion: SRI. 68. Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplast, Nr. IS8Z. Dienstag, den 4. November 1013. Expedition: SRI. 68, Lindcnatraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. llleh? Selunäheitsschuk! Eine„weise Beschränkung" der Arbeiterschutz- gesetzgebung ist eine der Forderungen, für die der Zentral- verband deutscher Industrieller eine Arbeitsgemeinschaft aller Unternehmerverbände herbeizuführen sucht, und für die er offenbar die Reichsverwaltung bereits gewonnen hat. Denn immer wieder bekommen wir in der halbamtlichen Presse die Versicherung zu lesen, daß die Regierungen an einen plan- mäßigen Ausbau unserer Arbciterschutzgesetzgebung vorläufig gar nicht denken. Und doch lehrt jeder Blick auf unsere Wirt- schaftlichen Verhältnisse, wie dringend notwendig ein besserer Arbeitcrschutz ist. Es ist von uns wiederholt auf die Tatsache hingewiesen, daß eine verhältnisniäßig große Zahl von Arbeitern bereits in jungen Jahren arbeitsunfähig wird. So sind im Jahre 1911 als invalid im Sinne des Jnvalidenvcrsicherungsgesetzes an- erkannt worden: 3 216 Arbeiter im Alter von 26—21 Jahren 6 213.„„, 25-29„ 5 210,„„„ 30-31. 5 677„ 85-39. 6 030,„„.. 10— U. 7 681.„„„ 15-19. 10 620..„„ 50-51„ 11118,„„„ 55— 59„ 22 611,„„ 00-61„ 22 355„„ 65-69„ 15 031„. 70 und mehr Jahren Mithin sind in dem einen Jahre nicht weniger als 19 316 Arbeiter unter 19 Jahren invalide geworden. Und dies wiederholt sich Jahr für Jahr. Kein Wunder, daß sich die Fachmänner mit der Frage be schäftigen, ob nicht unser Arbeitsnachweis besser als bisher gegen eine so frühzeitige Arbeitsunfähigkeit geschützt werden könne. So weist Dr. med. Alfons Fischer aus Karlsruhe in der„Sozialen Praxis" darauf hin, daß bisher die G e s u n d beits Verhältnisse derLehrlinac viel zu wenig er- forscht worden sind. Wir wissen nicht viel über die Wohnungs- und Er- nährungsverhältnisse der Lehrlinge. Vor allem aber fehlen die erforderlichen Unterlagen zur Beurteilung, ob im all- gemeinen die jungen Arbeiter einen Beruf wählen, der ihren körperlichen und geisttgcn Kräften entspricht. Ferner vermissen wir eine Feststellung, in welchem Umfange die jungen Arbeiter bereits in den ersten Monaten der Lehrzeit gesundheitliche Schädigungen erleiden, die sich dann während des ganzen Be- rufslebcns geltend machen und zu frühzeitiger Arbeitsunfähig- kcit oder zum Tode führen können. Jede Erwerbsarbeit ist mehr oder weniger mit Gefahren für Gesundheit und Leben verbunden. Aber ungünstige Ein- flüsse, die sogar bei den Erwachsenen zu schweren Beeinträch- tigungen führen, müssen geradezu verhängnisvoll werden fiir die Arbeiter, die sich noch in der Entwickclung befinden. Deshalb muß der Gesundheitsschutz ganz besonders darauf bedacht sein,.Krankheiten während des Wachstums zu ver- hüten. Aus diesem Grunde fordert Herr Dr. Fischer, daß die jungen Arbeiter überall beim Austritt aus der Schule unter- sucht werden, ob sie für den in Aussicht genommenen Beruf tauglich sind. Hieran müßten sich auch während der Lehrzeit in bestimmten Zwischenräumen weitere Untersuchungen anschließen, um die Wirkung der Berufsarbeit auf die Gesundheit des Lehrlings zu ermitteln. Was soll aber, fragt dann Dr. Fischer weiter, mit den jungen Arbeitern geschehen, die sich für kein Gewerbe eignen, weil ihre Gesundheit bereits zu sehr untergraben ist? Wir müßten auf dem Wege weiter vorschrciten, der uns zur Waldschule geführt hat: Wie hier die Schulkinder in ihrer Gesundheit gefördert und zugleich unterrichtet werden, so sollten wir in Waldarbeitsstätten die schwächlichen Lehrlinge in geeigneten Gewerbearten ausbilden. Das in den Waldschulen eingeschlagene Verfahren besteht im wesent- lichen darin, daß die Unterrichtsstunden mit Ruhepausen wechseln, die für die Erholung im Liegen verwandt werden. Auf diese Weise ist es in den meisten Fällen gelungen, die Schulkinder körperlich zu kräftigen und zugleich geistig so weit zu fördern, daß die Zeit nicht nutzlos für die Ausbildung verstrichen ist, daß vielmehr die Kinder, nachdem sie die Wald- schule einige. Zeit— etwa ein Jahr— besucht haben, das gleiche Wissen besaßen, wie ihre Altersgenossen, die dem ordnungsmäßigen Unterricht gefolgt sind. Ganz dasselbe müssen wir für die Lehrlinge erreichen, die infolge ihrer er- schüttelten Gesundheit zu einer regelrechten Berufsarbeit untauglich sind. Es gilt, sie gesundheitlich zu fördern und zugleich diese Zeit für die Fachausbildung nutzbar zu machen. Die Durchführung dieser Anregungen ist dringend zu empfehlen. Jedoch müssen wir sie in einigen Punkten er- ganzen. Der Gesundhestsschutz muß schon in den ersten Lebensjahren des Kindes beginnen. So lange dies nicht geschieht, können wir selbst mit den besten Schutzmaßnahmen im späteren Lebensalter nicht den vollen Erfolg erreichen. Daher ist zunächst notwendig, daß die Krankenversicherung auf alle Kinder der Arbeiter ausgedehnt werde. Und zwar muß die Krankenversicherung verpflichtet sein, die Kinder der Arbeiter bis zu ihrem Eintritt in die Schule planmäßig ärztlich unter- suchen zu lassen und für sie so zu sorgen, daß sie möglichst kräftig und gesund heranlvachsen. In der Schule muß die regelmäßige Untersuchung der Kinder mit Hilfe der Schulärzte fortgesetzt werden. Auch während der Schuljahre muß für eine angemessene Behandlung schwächlicher Kinder gesorgt sein, insbesondere muß die nötige Zahl von Waldschulen zur Verfügung stehen, und ihnen müssen die Kinder beizeiten zu- geführt werden. Hieran würde sich dann naturgemäß der auch von Dr. Fischer angeregte Gesundheitsschutz für die Lehr- lingc anschließen. Dies ist ein Plan, dessen Ausführung fraglos sehr segens- reich sein wird. Er kann aber nur unter Mitwirkung der Gemeinden, der Einzclstaaten und des Reiches ausgeführt iverdeu. Unsere Vertreter in den Geineiuden, den Landtagen und in dem Reichstage sind schon bisher bei jeder Gelegenheit für den Schutz der Arbeiterkinder eingetreten. Sie haben damit freilich»vcnig Glück bei den bürgerlichen Parteien und den Regierungen gehabt. Wir brauchen uns nur zu erinnern, daß die bürgerlichen Abgeordneten im Reichstage bei der Beratung der Reichsversichcrungsordnung den Antrag der Sozial- demokraten abgelehnt haben, die Krankenversichening auf die Minder der Arbeiter auszudehnen. Wie oft haben die Herreu in den Landtagen und in den Gemeindevertretungen die Borschläge unserer Genossen zum Schutze der Arbeiterkinder trotz aller guten Gründe dafür schließlich doch niedergestimmt. Dennoch dürfen wir auch hier nie ermüden. Unsere Ver- treter tverden in Zukunft um so nachdrücklicher den plan- mäßigen Ausbau des Gesundheitsschutzes fordern. Sie»verden aber den bürgerlichen Parteien und Regierungen nur dann die notwendigsten Zugeständnisse ab- z»vingen,»venu die Arbeiter immer mehr Genossen in die Gemeindevertretungen, in die Landtage und in den Reichstag hineinbringen. Das wichtigste gehört nicht zur Sache! Wer bis jetzt noch darüber den leisesten Ztveifcl hegen konnte, daß auch dieser Prozeß den Schleier von dem Kruppschen Korruptions- system in seiner Totalität nicht lüften»vürde, dem ist durch den Verlauf der Montagsverhandlung gründlichst der Star gestochen worden.?!ur die bisher schon bekannten Korntvalzer-Gcschichten sollen Gegenstand der Beweiserhebung bilden, alles andere soll rück- fichtsloS zur Seite geschoben»Verden. Wenn deshalb von Regierungs- Vertretern und der reaktionären Presse darauf verwiesen-Ivurde, daß ja die Gerichtsverhandlungen volle Klarheit schaffen würden, so hat sich diese Vertröstung nunmehr als völlig trügerisch herausgestellt' Das Krupp-Panama ist ja durch den Prozeß in Moabit noch im weit höberen Maße bewiesen worden, als durch den Kriegs- gerichtsprozeß. Aber der volle Umfang dieses Panamas entzieht sich noch immer,' trotz dieser zweiten Verhandlung, dem Lichte der Oeffentlichkeit. Die Ankläger der Firma Krupp brauchen das am wenigsten zu bedauern: sie besitzen genug der unerschütterlichen Be weise des unerhörten KorruptionSsi)stemS der Kanonenfirma. Aber die Verteidiger der Firma Krupp werden künftig um die schöne Aus- rede gebracht sein, daß man ja doch erst einmal das Ergebnis der gerichtlichen Verhandlungen ablvarten müsse, daß diese VerHand- lunge» die Unschuld der Firma im reinsten Lichte erstrahlen lassen »oürden. Was dem Auge der Oeffentlichkeit gezeigt worden ist, hat die Schuld der Firma Krupp in einem geradezu ver- nichtenden Maße ergeben, in einem Umiange, der die kompromittierendsten Schlüsse zuläßt auf das, IvaS schämig der Oeffentlichkeit vorenthalten wird. Gar viele der Fragen wären ja vor der Strafkammer in Moabit noch zu erörtern gelvesen. Welches Unheil bat schon Brandt mit seinen 3500 M.„Funktionszulage" angerichtet. Und doch»var seine Funktionszulage so geringfügig gegenüber den Funktionszulagen, die anderen Krupp-Beamten gezahlt»vurden. Herr v. Metze» z. B. erhielt 15 000 M. Funktions- oder Repräsen- tationszulage. Und noch eine erheblich größere Funktionsznlagc dürfte Herr v. Dreger, dürften zahlreiche andere.Krupp-Vertreter erhalten haben. Da hätte doch die Frage sehr nahe gelegen,»velchem Zweck denn eigentlich diese Funktionszulagen dienten. Die Herren werden doch nicht täglich 50 M. und mehr für Autofahrten ver- wendet haben oder zur Anschaffung modernster Selbstbinderl Aber danach ist so wenig gefragt worden, lvie nach dem doch so außer- ordentlich wichtigen Umstand, ob nicht in der Sache illegale, auch von der Heeresverwaltung geflissentlich geheim gehaltene Dinge durch den Verkehr mit höheren Offizieren in Erfahrung gebracht worden find. Nach den vielfälsigen Auslassungen der ver- nommenen Krupp-Direktoren, daß auch die geheimsten Mitteilungen Brandts der Firma ja bereits auf anderem Wege bekannt geworden seien: nach den Bekundungen der verurteilten Zeugoffiziere, daß Brandt eine geradezu überraschende Kenntnis auch der intimsten und geheim gehalten st en Dinge verraten habe, hätte doch nichts n ä h er gelegen, als die gerichtliche Ermittelung auch einmal nach dieser Seite hin aus- zudehnen! Nicht minder»vichtig wären die Fragen, die von den: Zeugen Liebknecht aufgeworfen wurden. Liebknecht regte weitere Er- Hebung über die Beziehungen Brandts zum Reichs- marineamt an und erbot Beweis für die bedenkliche Tätigkeit des Kruppschen N a ch r i ch t e n b u r e a u s, besonders dafür, daß die Firma Krupp ausländische Zeitungen be- st 0 ch c n habe. daß überhaupt der Geschäftsverkehr der Firma Krupp im Auslande auf die Gcschäftsmoral der Firma ein ganz eigenartiges Licht werfe. Aber auch diese von dem Zeugen Liebknecht pflichtgemäß dem Gericht zur Kenntnis gebrachten Dinge wurden— kaum daß Liebknecht über die ersten Andeutungen hinaus war— sowohl vom StaatSantvalt als vom Gericht als nicht zur Sache gehörig abgelehnt. Man habe es hier nur mit den bereits in den Anklageakten stehenden Dingen zu tun. Und der Staatsanwalt glaubte ein übriges getan zu haben,»venn er es Liebknecht und seinen Gewährsmännern anheimstellte, ihm ihr Belastungsmaterial offiziell mitzuteilen, um so eventuell ein neues Verfahren herbeizuführen. Warum griff er denn hier nicht zu?! Das wichtigste gehörte also nach Auffassung des Staatsantvalts und des Vorsitzenden nicht zur Sache. Eine Auffassung, über die nian auch von: formellsten Juristenstandpunkt aus sehr wohl anderer Ansicht sein kann. Denn die Schuld des An- geklagten Eccius und die Glaubwürdigkeit seiner Argu- mente würden zweifelsohne in eine ganz andere Be- leuchtung gerückt»verden,»venn sich in der Tat bei näherer Untersuchung herausgestellt haben»vürde, daß das S ch m i c r g e l d e r tv e s e n und die unlauteren G c- schäfts manöver keineswegs ein eAus nähme, sondern sozusagen die Regel in den Geschäftsgepflogenheiten der Firma Krupp bildeten. Und speziell dem Herrn Direktor Eccius s e l b st»vurden ja in den von Liebknecht dem Gericht zur Kenntnis- nähme angebotenen Mitteilungen derartige Geschäftspraktiken nach- gesagt. Insofern hatten also sicherlich all diese Dinge im e n g st e n logischen> so»voHfl ivie prozessualen Zusammen- hange mit dem gegenwärtigen Verfahren gegen Brand und Eccius gestanden. Staatsanlvalr und Gericht»varen anderer Auffassung als der Zeuge Liebknecht, der ja doch auch Jurist ist. Die O e f f e n t I i ch» k e i t tvird sicherlich geneigt sein, sich eher der Nuffassung Liebknechts als der des Staatsanlvalts und der des Gerichts anzuschließen! Es»oird abzulvarten sein, wie die parlamentarische U n t e r s n ch n n g s k 0 m m i s s i 0 n, die ja rätselhafter Weise noch immer nicht konstituiert worden ist, ihre Aufgabe auffaßt. Sollte auch sie sich der Auffassung des Gerichts anschließen, so»vürde daraus die imbefangene Oeffentlichkeit ohne Frage Folgerungen ziehen, die sicherlich nicht im Interesse der Firma Krupp lägen! Warten wir e? also ab. Einstiveilen aber findet der Teil der Presse, der auf die Ge° schäftSinteressen der Firma Krupp und die Geschäftspraktiken ähnlicher kapitalistischer Betriebe keine Rücksicht zu nehmen braucht, Stoff in Hülle und Fülle, um das auch so schon unter den erschwerendsten Verhältnissen zu Tage geförderte Krupp-Panama würdigen zu können I Splendidität und Knauferigkeit I Die Tatsache, daß Brandts Gehalt in den Jahren seiner Berliner Spionagetätigkeit nahezu verdoppelt wurde, ist von den Krnpp-Beainten dainit zu rechtfertigen versucht»vorden, daß das ja etwas ganz Gewöhnliches sei. Das Gegenteil dieser Behauptung beweist die Filzigkeit, mit der Brandts Bnreaukollege Kern behandelt»vnrde. Er brachte es 1997 ans 4599 M. Gehalt und blieb bei diesem Gehalt bis zum Jahre 1912, während Brandt inzwischen an Zulagen »veit»lehr erhielt als Kerns g e s a in t e s Gehalt ausmachte. Das verrät nicht nur den vielgeriihmten sozialen'Sinn der„Wohltätigkeits'ffirma Krupp, sondern anch,»vie sie ihr scharfes Augenmerk darauf richtete, nur den Beamten höhere Gehälter zu zahlen, deren Tätigkeit fiir sie einen be- sonderen Nutzeffekt hat. Kern bekam anch keinen Pfennig Weihnachtsgratifikation, während Brandt zuerst 1999, dann 1599 und schließlich 2999 M. Weihuachtsgrati- fikation erhielt. Außerdem erhielt Brandt noch 1999 M. Extrazulage und 3599 M.„Funktionsznlage", die im Jahre 1912 sicherlich auf 5999 M. erhöht»vorden»väre. wenn nicht Herr v. Metzen sein Veto eingelegt hätte. Man sieht, nicht wahllos streut die Firma Krupp mit vollen Händen Gratifikationen. Zulagen und Funktions- Zulagen aus, sondern sie bemißt ihre Gehälter genau nach der N ii tz l i ch k e i r ihrer Werkzeuge! Die ehrliche Arbeit des Kern brachte ihm sechs Jähre lang keilten Pfennig Gehaltszulage,»vährend dem Krupp- Spion Brandt die Tausender an Zulagen aller Art nur so zuflogen! Dreger gegen jviueblon! Herr Direktor Dreger machte am Montag eine interessante Aussage. Während Herr Direktor Muehlon behauptet hatte, daß er von der unterirdischen Tätigkeit des Brandt erst durch den alarmierenden Brief des Herrn v, Metzen am 22. Juli Kenntnis erhalten habe, erzählte Herr Direktor Dreger, daß er bereits am 2 8. März desselben Jahres über die Geheimberichte des Brandt mit Herrn v. Muehlon gesprochen habe. Damals seien ztvar er sowohl wie Herr v. Muehlon der Meinung gelvesen, daß Jic Firma diese eigenartigen Berichte Brandts entbehren könne, aber man habe'deshalb nichts gegen Brandts Tätigkeit unter- nommen, weil Herr v. Dewitz auch damals schon die Berichte für unentbehrlich erklärt habe. Danach muß Herr v. Muehlon denn doch nicht so ahnungslos gewesen sein, wie er eS in seiner Zeugen- aussage darzustellen beliebte. Indirekt wendete sich Herr Direktor Dreger auch dadurch gegen seinen Mitdirektor Muehlon, daß er aussagte, er habe zwar nicht genauer gewußt, von wem Brandt seine geheimen Auskünfte zugegangen seien, daß er jedoch niemalsZweifel darüber gehabt habe, daß die Indiskretionen gerade von den Herren stammten, mit denen Brandt seinen geselligen Verkehr unterhielt. Herr Dreger hielt es denn doch nicht für opportun, eine Ahnungslosigkeit zu markieren, wie sie Herr Direktor Muehlon für sich in Anspruch zu nehmen sich nicht genierte. Dreger gegen Rötger 1 Noch einmal bot die Montagsverhandlung das originelle Schauspiel, daß ein Direktor der Firma Krupp wider den anderen Direktor zeugte. Der Exdirektor der Firma Krupp, Landrat a. D. Rötger— derzeit Vorsitzender des Zentralverbandes deutscher Industrieller — hatte bekanntlich erklärt, daß er von dem Korn- walzerbetriebe keinerlei Kenntnis gehabt habe. Es war zwar festgestellt worden, daß mehrere Korn- Walzer direkt an Herrn Rötgcr adressiert worden waren, aber der Vorsitzende des Scharfmachcrverbandes deutscher Industrieller erklärte seine Unkenntnis des Kornwalzersystems daraus, daß ihm ja eine Unzahl Geheimberichte zu- gegangen seien und daß in dieser trüben Flut die Brandtschen Kornwalzer völlig untergegangen seien. Nun aber hatte bereits früher Herr Direktor Dr. Dreger bekundet, daß er über die Berliner Berichterstattung— worunter er naturgemäß die B r a n dt s ch e K o r n w a l z e r° K o r r e- s p o n d e n z verstand— einmal bereits bei einer ganz b e- sonderen Gelegenheit mit Herrn v. Roetger gesprochen habe. Er habe damals Herrn Roetger die Frage vorgelegt, ob denn Nicht das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb die Brandtsche Spionage zu etwas Straf- barem stempele. Herr Rötger entgegnete demgegenüber, daß sich diese Unterhaltung nicht auf die Brandtschen Kornwalzer, sondern lediglich darauf bezogen haben könne, ob in der Fabrik- spionage ein Verstoß gegen das erwähnte Gesetz enthalten sei. Herr Direktor Dreger blieb dagegen entschieden bei s e i n e r Darstellung. Dieser Widerspruch zwischen den Aussagen zweier Kruppscher Direktoren erscheint um so unlösbarer unter folgenden Gesichtspunkten: Entweder setzte Herr Direktor Dreger bei Rötger die Kenntnis der Brandtschen Spionagetätigkeit als etwas Selbstverständliches voraus— dann dürfte er sich mit A n d e u t u n g e n begnügt haben— oder er konnte sie nicht voraussetzen, und dann mußte er s o deutlich wer- den. daß für ein Mißverständnis des Herrn Direktors Rötger keinerlei Raum blieb. Man kann also die Dinge betrachten wie man will, der Unlösbare Widerspruch zwischen den Aussagen der heihen Herren Direktoren bleibt bestehen. Dreger gegen Muehlon, Dreger gegen Rötger— in jedem Falle haben sich jetzt auch die Herren Direktoren untereinander in die seltsamsten Widersprüche der- wickelt. Die Zuverlässigkeit der Zeugenaussagen der Herren Direktoren erscheint dadurch noch mehr in Frage gestellt.— wenn das überhaupt möglich ist, da gegen alle diese Herren Direktoren der schwerste Verdacht der Mitschuld bereits greifbar vorliegt. Oer Kruppfcbe Bhrenhodcx. Herr Direktor Dreger ist bekanntlich der„väterliche Freund" d'eS Herrn v. Metzen. Aber Herr Direktor Dreger ist auch einer der ältesten Direktoren der Firma. Und dieser Direktor gab am Montag zu, daß er es auch nach der Enthüllung der Metzenschen „Schiveinereien" in Italien(sein Schachergeschäft mit Herrn Wingen) für möglich gehalten habe, Herrn v. Metzen bei der Firma Krupp— sei es auch in anderer Stellung— zu halten oder ihm doch wenigstens eine finanzielle Schadloshaltung zu sichern. Herr Dreger hat bis in den Januar und Februar 1913 hinein darüber mit Herrn v. Metzen verhandelt. Er will zwar mit seinen Vermittelungsversuchen, die er auf eigene Faust unternommen ygbe, bei den Firma abgefallen sein, aber das hielt ihn keineswegs ab, Herrn v. Metzen noch zu guter Letzt an Herrn v. S i m s o n als Mittelsmann der Firma Krupp zu verweisen, ja telephonisch der Frau v. Metzen mitzuteilen, daß eine gütliche Einigung zwischen Metzen und der Firma zu erwarten sei, und daß am 11. Februar die Einigungsverhandlung stattfinden »verde. Nur durch die Verhaftung des Herrn v. Metzen wurde diese Einigungsverhandlung vereitelt. Wenn also auch Herr Direktor Dreger Herrn v. Metzen vor- hielt, daß sein eigentümliches Geschäft mit Herrn Wingen nicht im Vergleich zu stellen sei mit deu faulen Geschäftsmanipulationen der Firma Krupp, die vom„höheren Interesse" der Firma aus zu be- trachten sei, so muß er, der Krupp-Direktor, doch wohl der lieber- zcugung gewesen sein, daß auch die Metzensche Verfehlung keines- wegs etwas Unverzeihliches darstelle. Der Ehrenkcdex der Firma Krupp muß doch ein ver- bluffend dehnbares Ding sein! vie italienische Stichwahl. Rom. 2. November.(Eig. Ber.) Um die Stichwahl- crgebnisse richtig zu bewerten, ist es nötig, die Taktik vor Augen zu haben, die von den verschiedenen Parteien bei der Unterstützung der Kandidaten eingehalten wird. . Die sozialistische Partei, für die der Kongreß- beschluß von Reggio Emilia nur im ersten Wahlgange alle Wahlbündnisse ausgeschlossen hat, fordert ihre Mitglieder auf. die Abgeordneten zu unterstützen, die gegen den l i b y- s che n Krieg Stellung genommen und sich schriftlich ver- pflichtet haben, gegen die Erhöhung der Militär- ausgaben einzutreten. Der Parteivorstandsbeschluß führt die in Betracht kommenden Kandidaten namentlich auf. Es sind dies zunächst drei Republikaner, � zwei andere sind aus- geschlossen, weil sie nicht gegen das Annexionsdekret gestimmt haben Weiter wendet sich die sozialistische Wahlunterstützung vier Reformisten zu: nur von einer Unterstützung des (ilci-fcsriffT in Stichwahl stehenden Reformisten Enrico F e r r i ist nicht die Rede. Schließlich fordert der Parteivorstand die Genossen auf. für den Liberalen Pinchra. der ein Ruch aeaen den Krieg sseschrieben hat, und für den Fürsten C a e tan i in Rom zu stimmen, der femerzelt gegen das Annexionsdekret votierte. Der„Avanti" kommentiert diesen Beschluß, indem er sagt, daß der Parteivorstand durch diese Entscheidung von Fall zu Fall deutlich zeige, daß es für die Sozialisten keine verwandten Parteien gibt, sondern nur Individuen und lokale Situationen, die bei der Wahl zwischen zwei bürgerlichen Kandidaten den einen als das geringere Uebel erscheinen lassen. Mit Rücksicht auf rein lokale Verhältnisse hat der Parteivorstand sich auckMnit ganz knapper Mehrheit dazu entschlossen, den früheren Sozialisten A r t u r o L a b r i o l a in Neapel zu unterstützen. Während die sozialistiche Stichwahltaktik vom Parteivor- stand vorgeschrieben wird, entscheiden die republikanischen Wahlkreise von Fall zu Fall. Obwohl Genosse B a c c i in R a v e n n a von der Stichwahl zurückgetreten ist, weil der republikanische Abgeordnete mehr Stimmen hatte und er den Zustoß bürgerlicher Stimmen ablehnen wollte, zeigen die Republikaner keinerlei Entgegenkommen. In Wahlkreisen. wie Gros feto. Jesi und L u g o. wo ihre Stimmen den Ausschlag geben, haben sie strengste Wahlenthaltung be- scksiossen und den Zuwiderhandelnden Ausstoßung aus der Partei angedroht. Was die R e f o r m i st e n betrifft, so hat einmal Podrecca seine Kandidatur gegen den Genossen Modigliani zurückgezogen, weiter haben sie in allen Wahlkreisen ihre Wähler aufgefordert, für den Partei- genossen zu stimmen. Alle ihre Redner haben sich in den Dienst der sozialistischen Wahlagitation gestellt, wo dies ge- wünscht worden ist. Die Radikalen, die in keinem einzigen Wahlkreise die Wahlunterstützung unserer Partei erhalten, treten fast ausnahmslos mit ihren Stimmen für unsere Kandidaten ein. Besonders wichtig ist diese Entscheidung in Rom. wo ihr Kandidat B o r g h e s e 1790 Stimmen erhielt. Genosse Campanozzi 1800 und der klerikale Nationalist Federzoni 1810. Zu dem zweiten Stichwahlkampf in Rom. dem im vierten Wahlkreise, ist zu� bemerken, daß der radikale Kandidat Caetani von der Stichwahl zurückgetreten ist, nachdem ihm die Republikaner die Unterstützung verweigert hatten, oder sie doch nur unter der Bedingung gewähren wollten, daß er gleich nach seiner Wahl das Mandat niederlegte, um ihnen die Chance, es zu erobern, zu bieten. Trotz des Rücktritts Caetanis werden aber die Antiklerikalen in Rom doch für ihn stimmen, um die Wahl des klerikalen Nationalisten, Marchese Medici. zu verhindern, der durch schamloseste Korruption Stimmen zu erobern sucht. Dieses Aufrechterhalten der Kandidatur dürfte aber an depi Ausgang nichts ändern, der auch einen Rückschlag auf die lokalen Verhältnisse und die Herrschaft des antiklerikalen Blocks in der Stadtverwaltung haben miiß. 9 � ♦ Das Wahlergebnis. Rom, 3. November.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Auch die Stichwahlen haben unseren Genossen einen weiteren großartigen Erfolg gebracht. Im ganzen ist es uns gelungen, noch weitere 13 Mandate zu erobern, so daß die Sozialdemokratie zuzüglich der bereits in der Haupt- Wahl errungenen 36 Mandate insgesamt über SLParlaments- Mandate verfügt. Außerdem sind gewählt: 3 wilde Sozialisten, 2 Syndikalisten und 23 Reformisten. Leider ist in Rom unser Genosse Campa- nozzi unterlegen. Beide römische Wahlkreise fallen den Klerikalen und den Nationalisten zu. Der Rücktritt des bis- herigen römischen Bürgermeisters, Nathan, sowie der ganzen antiklerikalen Stadtverwaltung Roms ist daher unvermeidlich. Andererseits sind die konservativen Kommunalverwaltungen der Städte Turin. Mailand, Florenz durch die Wahlsieg« unserer Ge- nosscn erschüttert._ poUtifchc dcbcrlicht« Zum Braunschweiger Trubel. Unsere Braunschweiger Genossen haben dem neuen Monarchen von Gottes Gnaden bereits ihren Willkommensgruß entboten. Am Sonntag fand in Braunschweig eine außerordentlich stark besuchte Volksversammlung statt, die zur Thronbesteigung des kaiserlichen Schwiegersohnes Stellung nahm. Genosse Richard Wagner beiprach unter stürmischem Beifall die politischen Vorgänge und protestierte gegen Verwendung der Steuermittel zu byzantinischen Zwecken. Die Versammlung faßte einstimmig eine Resolution, in der es u. a. heißt: Die Versammelten erklären sich für die Republik und gegen die Kleinstaalerei. Sie erblicken aber die nächste Aufgabe der aus- geklärten Arbeiterschaft in der Erkämpfung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen LandtagswahlrcchtS. Sie geloben, diesen Kampf mit aller Kraft und allen Mitteln durchzuführen. Die Versammelten erklären die Bewilligung der hohen Zivil- liste für einen Verrat an den Interessen des Volkes, zugleich protestiere» sie gegen die Vergeudung öffentlicher Mittel zu byzantinischen Empfängen. Die Versammlung hatte ein außergewöhnliches Polizeiaufgebot auf die Beine gebracht. Es wurden auch einige Teilnehmer ver- haflet, weil sie die Marseillaise sangen; sonst fanden jedoch die mit Revolvern bewaffneten Polizisten nichts zu tun. Amor und die Politik. Einen niedlichen Beitrag zur großen Versöhnung der Häuser Hohenzollern und Cumberland erzählt im„März" der Abg. Konrad Haußmann unter der Ueberschrift„Hie Wels— hie Waiblingen": «Zugegeben, daß dynastische Verlobungen eine politische Seite haben, daß dies im vorliegenden Falle zutrifft und daß, auch ohne Gegenzeichnung, die lonstitutionelle Frage vom verantwortlichen Staatsmann aufgeworfen werden kann, wie von Bismarck in der Battcnberger Frage— so muß doch Bethmann Hollweg so gut wie seine Vorgänger wissen, daß die Hohenzollerische Politik seit einem Jahrzehnt auf die Beilegung des Welfenstreits durch eine Heirat gerichtet ist. Das Auswärtige Amt, schon unter Hohenlohe und Biilow, war dem Plan einer Vermählung d e S Kronprinzen mit der Schwester Ernst Augusts nahe getreten und nur der Abneigung deSHauses Eumb erlaub S ist es zuzuschreiben, wenn nicht eine Welfin künftige deutsche Kaiserin ist. AIS diese erste Concordienformel versagte, und weil der Prince of Wales noch in sehr jugendlichem Alter steht, eröffnete sich, insbesondere nach dem Tode des ältesten Prinzen von Cumberland, die ZukunftSperspeltive einer Vermäh- hing der Prinzessin Viktoria Luise mit dem nunmehr ältesten Agnaten des Welfenhauses."_ Nationalliberale für ein Zuchthausgesetz. Der bekannte Vertreter der Unternehmcrinteressen, Land- tagsabgeordneter Hirsch- Essen, referierte auf einer Tagung des nationalliberalen Zentralkomitees für Rheinland und West- falen über den Schutz der Arbeitswilligen. Die Versammlung nahm folgende Resolutton an: „Das nationalliberale Zentralkomitee der Probinz Westfalen hält eine gesetzliche Regelung des stärkeren Schutzes der Arbeits- willigen für ein dringendes Erforder n i s. Die Ersah» rungen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, insbesondere beim letzten großen Bergarbciterausstand, haben gezeigt, daß unter den gegenwärtigen Rechtszuständcn olle nicht sozialdemokratisch orga- nisierten Arbeiter einem unerlräglichen Drucke einer radikalen Minderheit schutzlos preisgegeben sind. Das freie Recht der Arbeitsbetätigung ist eine notwendige Voraussetzung der Koalitions» freiheit. Im gemeinsamen Interesse der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer erhofft dabei die nationalliberale Partei Westfalens von der in Wiesbaden eingesetzten Kommission unserer Reichstags- staltion die baldige Förderung der Lösung einer immer brennender werdenden Frage." Die rhemisch-westfälischen Nattonalliberalen sind stets rücksichtslose Scharfmacher gewesen; sie fühlten sich sogar da- zu verpflichtet, denn dafür werden sie ja von den Groß- industriellen bezahlt._ Der Bund der Landwirte als Stipendiat der „nationalen" Bolksversicherung? In der Korrespondenz(Briefkasten) der Nummer 42 des „Archivs für Versicherungsivissenschast"(vom 1. November) lesen wir: „Der Verband öffentlicher Lebensverficherungsanstalten soll die Kosten für den in voriger Woche stattgehabten politischen Redner» kursuS des Bundes der Landwirte zur Hälfte über- nommen haben. Ob dieser nicht unbeträchtliche Betrag aus dem Organisationsfonds entnommen wird, welchen die Provinzen bezw. Landschaften dem Verband zur Förderung der Volks- Versicherung überwiesen haben, oder ob dafür die Gesamtheit der Versicherten aufkommen muß, wissen wir nicht. Dem Bund der Landwirte kann es ja schließlich nur angenehm sein, wenn ein anderer seine Agitation bezahlt." Vielleicht fühlt sich die„Deutsche Tageszeitung" als das Hauptblatt des Bundes der Landwirte bewogen, auf diese Mitteilung des„Archivs für Versicherungswissenschaft" zu ant- Worten! Es wäre eine gar niedliche Vervollständigung der jetzt überall hervortretenden„patriotischen" Korruptions- erscheinungen, wenn sich bewahrheitet, daß die Mittel der mit so großem Tamtam und Phrascngeklingel ins Leben gerufenen Volksversicherung zu einem Teil zur Förderung der Ägitation des Bundes der Landwirte benutzt werden. Keine Ministerkrisis in Mecklenburg. Der Großherzog von Mecklcnburg-Sttelitz hat das Eni- lassungsgesuch des Staatsministers B o s s a r t abgelehnt. Der Minister hat seine Entlassung bekanntlich verlangt, weil der mecklenburgische Landtag die Verfassungsvorlage abgelehnt hat. Preußen hemmt die mecklenburgische Verfassung! Wie die„Tägliche Rundschau" von„unterrichteter Seite" er« fährt, hat die Frage der mecklenburgischen Verfassung bereits den Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen der Reichsleitung und der mecklenburgischen Regierung gebildet. Das Ergebnis dieses Meinungsaustausches war das, daß die Reichsleitung keine Geneigt- heit zeigte, die mecklenburgische Berfassungsfrage durch die Reichs- instanzen lösen zu lassen. Der Gedankengang der maß- gebenden Stellen ist dabei folgender: Wenn eine Ver» fassung ausgenötigt würde, so stünde nach der Reicksvcr- faffung den Ständen das Recht zu, über die Rechtsgültigkeit des neuen VerfaffungSgesetzeS die Entscheidung des Bundesrates anzurufen. Der Bundesrat wäre gezwungen, falls eine gütliche Einigung nicht gelänge, ein Gutachten etwa des Reichsjustizamtes einzufordern und demgemäß seine Entscheidung zu treffen. Würde das Gutachten eine Gesetzwidrigkeit festzustellen, so bliebe dem Bundesrat kein anderer Weg als der der Reichsgesetzgebung, d. h. Bundesrat und Reichstag müßten sich über einen Veriassungs- entwurf für Mecklenburg einigen. Bei der heutigen Zusammen- setzung des Reichstages wäre nun die Möglichkeit gegeben, daß ein Verfassungswerk zustande käme, das die mecklenburgischen Regie- rungen ablehnen müßten, da es nicht an geschichtliche Eni- Wickelungen anknüpfte, sondern auf demokratischer Grundlage auf- gebaut wäre. Auf diese Weise würden die Schwierigkeiten inS Un- gemessene vermehrt werden. Man ist daher von dem Gedanken, das Reich mit hineinzuziehen, vollständig abgekommen. Der Reichskanzler wollte offenbar kein Präjudiz geschaffen wiffen, damit nicht auch einmal Preußen auf dem Umwege über den Reichs« tag zu einem anständigen Wahlrecht kommt. Preußen will nicht— deshalb muß die mecklenburgische Regierung sich dem Diktum eines ausgesucht frechen Junkertums fügen. Als Racheopfer der Hausbesitzer. Im Wahlkreis Freiburg II ist Genosse Engler mit einer Minder- heit von nur 71 Stimmen dem Zentrumskandidaten. Buchdruckerei« faktor Mast, unterlegen. Den Ausschlag haben die liberalen H a u S« b e i i tz e r gegeben. Ihre Zahl beträgt in diesem Kreise etwa 400 bis 500; sie folgten, wie erst nach der Wahl bekannt wurde, ihrem Klasseninteresse als Hausbesitzer und pfiffen auf den Kampf gegen daS Zentrum. Das nachstehend abgedruckte Zirkular, das in geschlossenem Kuvert versandt wurde, beweist dies unwiderleglich: „Ein geeigneter Zeitpunkt, die Interessen der Grund- und Hausbesitzer wahrzunehmen, bildet der Wahltag. Es gilt, u n s e r m Mitglied. Herrn Faktor Mast, gegenüber dem sozialdemokra- tischen Kandidaten Engler zum Siege zu verhelfen. ... Der Hausbesitzer hat in der gegenwärtigen Zeit wabrlich schwer um seine Existenz zu ringen. Wollen wir Besserung herbei» führen, so müssen wir dafür sorgen, daß ein weiterer H a u S« besitz er ins Parlament einzieht, der uns vor ungerechten Ve- lastungen schützt; einen Mann, der nicht einseilig Mieter-, sondern auch HauSbesitzerinteresscn vertritt.__ In Ihrem eigenen Interesse bitten wir Sie, bei der heutigen Wahl alle andern Rücksichten beiseite zu lassen und Ihre Stimme siir unser Mitglied Herrn Faktor Mast abzugeben." Das Zirkular hat seine Schuldigkeit getan: der Hausbesitzer wurde gewählt. Ein Beitrag zu dem Kapitel von der Wirkung des Klasseninteresses bei Wahlen._ Die Bevölkerungsbewegung in Preußen. Im zweiten Vierteljahr 1313 betrug die Geburtenziffer in Preußen 27.91 gegen 28,32 im Jahre 1912. 29,54 im Jahre 1911 und 30,85 im Jahre 1910, hat also wieder abgenommen. Aber auch der Anteil der Gestorbenen hat wesentlich abgenommen; er berechnet sich auf 14.91 gegen 15.43 im J°bre 1912, 15.73 ,m Jahre 1911 und 16,50 im Jahre 1910. Der auf 1000 ErMvohner entfallende Geburtenüberschuß, der von 1910 zu 1912 von 14,35 auf 12,89 zurückgegangen war, hat sich im Jabre 1313 auf 13 00 gehoben. In den Städten kamen auf 1000 Emwohner 24�78(im Jahre 1911 25,05), auf dem Lande 30,82(31.32) Ge« borene. Die Verhältniszahl der Gestorbenen betrug in den Städten 14 74(15,09), auf dem Lande 15.06(15,74). Es ergibt sich mithin ein Geburtenüberschuß in den Städten von 10,04(»m Jahre 191L 9,96), auf dem Lande von 15,76(15,58). Das Resultat ist also Bevölkerungsvermehrung bei zunehmender Geburtenz«hl Mittelstandstagung. In Berlin begann am Montag wieder einnial eine Mittel- standstagung, die diesmal von einer Zentralvereinigung deutscher Vereine für Handel und Gewerbe veranstaltet ist. Alle möglichen Regierungsstellen hatten sich vertreten lassen, und alle bürgerlichen Parteien des preußischen Landtags und des Reichstags. Man sah da neben dem Spirilus-Kreth den Fortschrittler Pachnicie und neben dem antisemitischen Zünfller Hammer den—„Germanen" Dr. Arendt. Geheimrat Schwarz vom preußischen Finanzministerium feierte den Mittelstand als die wertvollste Stütze und das feste Bollwerk der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung. Dann wurden verschiedene Reden, natürlich in erster Linie gegen die 5lonsumvereine, gegen die Beamtenorganisationen, gegen Ausverkäufe, Sonntags- ruhe, den unlautern Wettbewerb gehalten. Besondere» Schmerz hat es den Leuten verursacht, daß auf dem letzten evangeliich-sozialen Kongreß auch schon eine gewisse Einsicht über die Notwendigkeit der Konsumentenorganisation zum Ausdruck gekommen ist. Velgien. Der Krupp-Prozeß. Brüssel, 3. November. Der Abgeordnete F l e ch e t richtete an den Kriegsminister die Anfrage, ob er Erklärungen darüber geben könne, ob belgische O f f i z i e r e bei den an Krupp ergangenen Lieferungen kompromittiert seien, wie dies aus dem Berliner Krupp-Prozeß möglicherweise abgeleitet werden könne. Rußland. Echtrussische Pogromhetze. Vier Wochen dauert nun schon der Ritualniordprozesi in Kiew. Mit ungeschwächtem Interesse verfolgt die öffentliche Meinung alle Einzelheiten des Gerichtsdramas, in dem die brennendsten fragen des russischen Lebens sich zu einem un- entwirrbaren Knäuel vereinigt haben. Nachdem die Arbeiterklasse als erste ihre Stimme erhob und den konterrevolu- tionären Kern des Kiewer Schandprozesses enthüllte, geht es wie ein Erwache» auch durch solche Kreise, die bisher in poli- tischer Gleichgültigkeit dahinvegetierten. Aber auch die Echt- rUssen rüsten und schicken sich an, wie das ja der eigentliche Zweck der Ritualniordmache war, die politische Belebung mit neuen Strömen jüdischen Blutes zu ersticken.„Jede neue revolutionäre Bewegung wird unfehlbar zu Iudenmetzeleien führen!"— das ist eingestandenermaßen die Losung der feudal-bureaukratischen Schichten, die mit allen Machtmitteln des Staates, der Kirche und der Armee ausgerüstet, an die dunkelsten Instinkte und Leidenschafen des städtischen Pöbels appellieren, um ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten. In vielen Orten machen sich bereits im Anschluß an den Ritual- niordprozeß recht bedrohliche Anzeichen bemerkbar. Mögen auch einzelne Ausschreitungen durch die Suggestion des obrig- keitlich anerkannten Blntmärchens, durch die giftigen Verleumdungen der amtlichen und der echtrussischen Presse erklärt werden können, so zeigt sich andererseits doch, daß eine für- sorglich leitende Hand am Werke ist. um die blutige Saat der Ritualmordhetze auszustreuen und für eine neue Aera der Judenpogrome den Boden vorzubereiten. Nachstehend seien die wichtigsten Momente dieser Hetze, soweit sie an die Oeffentlichkeit traten, registriert.' In Minsk wurde bereits am 21. Oktober eine Proklamation der Echtrussen, die die Bevölkerung zu einem Judenpogronr auffordert, in den Sttaßen verteilt. Um dieselbe Zeit eröffnete das echtrussische Organ„Wolga" in S a r a t o w eine unver- hüllte Pogromagitation, die an die Hetze der Jahre 1904/05 erinnert. In Odessa beriefen die Echtrussen unter dem Vorsitz des Bischofs Anatol eine Konferenz der rechtsstehenden Gruppen zur Ausarbeitung einer gemeinsamen Taktik bei den bevorstehenden Ereignissen ein. In Kiew, Jekateri- noslaw, Orel, Kamenez-Podolsk usw. werden die verleumderischen Erzeugnisse des Kiewer Pogromblattcs, „Der Doppeladler", und, was besonders bemerkenswert ist, eine Broschüre mit der„Expertise" des Paters Pranaitis in großen Mengen vertrieben. Die folgen dieser Hetze machen sich bereits in einigen Orten bemerkbar. Im Gouvernement Wo I Y n i e n feuern„wohlgeborene" Banditen auf vorüber- gehende Juden.„Zwei sind getötet und zwei schwer ver- wundet", heißt es lakonisch in dem Telegramm. In Lodz, Bendery und Baku ist es bereits zu Zusammenstößen und Ausschreitungen gekommen. Dunkle Vorurteile, unsinniger Aberglaube werden in den unaufgeklärten Massen lebendig. Und um dieselbe Zeit sind die hochgestellten Regisseure der Hetze eifrig am Werke, dem geweckten Blutrausch neue Nahrung zuzuführen, um die wiedererwachende revolutionäre Bewegung mit dem Schlamm der aus Unwissenheit. Aber- glauben und giftiger Verleumdung geborenen Ritualmord- Psychose auslöschen zu könnem Albanien. Der neue Herr. Wie», 3. November. Tic„Reichspost" erfährt von informierter Stelle, daß Prinz Wilhelm zu Wied die Kandidatur für den Thron von Albanien angenommen hat. Hus der Partei. Austritt aus der P. P. S. Die Bezirksleiter des BergarbeiterverbandeS für Oberschlesien. Ritzmann, Danisch und Cepernik, welche visber der P. P. S. angehörten, sind mit solgender Erklärung aus dieser aus- geschieden: „Da der„Dzienuik Robotniczh", als Organ der Partei Pol- »ischer Sozialisten, seit längerer Zeit eine Haltung einnimmt, die wir in keiner Weise gutheißen können und versteckte Angriffe gegen uns erhebt, sowie gegen die allgemeine sozialdemokratische Arbeiter- bewegung Deutschlands heftig streitet, was auch nachteilig für die Gewerkschaften ist. so erklären wir hiermit uiiseren Austritt aus der P. P- S. Ka tt o w i tz. den 1. November U>13. N i tz m a n n. D a n i s ch. Cepernik." Der Austritt dieser drei Genoffen aus der P. P. S. bedeutet für diese Partei einen schweren Verlust. Ritzmann war Vor- sitzender der Kontrollkommission und Cepernik gehörte dem engeren Vorstande an. Der„Dziennik Robotniczh" wandelt immer mehr auf national-polnischen Wegen, was am dem- lichsten folgende Tatsache erhellt. Das Mitglied der P. P. S. PodemSki-Hannovcr, Beamter des Fabrikarbeiterverbandcs, war einem Rufe der Hamburger Genossen, bei her Nachwahl in dem Kreis unseres verstorbenen August Bebet eine Versammlung in polnischer Sprache abzuhalten, gefolgt und hatte, wie das ganz selbstverständlich ist, zur Wahl Stöttens auf- gefordert. Im„Dziennik Robotniczh" erschien auch ein Inserat für diese Versammlung. Aber am Tage nach der Wahl wurde Genosse Podemski, weil er nach Hamburg gegangen war und dort in einer polnischen Versammlung zur Wahl Stolrens aufgefordert halt, gehörig gerüffelt, und zwar in einem besonderen Leitartikel. I» dem Artikel heißt eS unter anderen groben Ausfällen auf die Part«, daß es den Mitgliedern der P. P. S. gleichgültig sein könnte, ob ein Mtglied der sozialdemokratischen Partei Deutschlands oder ein Nationälpole in den Reichstag käme. Auf alle Fälle aber hätten die Mitglieder der P. P. S. sich der Stimme zu enthalten und kein Mitglied der sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu wählen. Glänzender Stadtvcrordnetenwahlsicg. Görlitz, 3. November.(Privattclegramm des„Vor- w ä r t s".) Am Montag fanden hier die Wahlen der Stadtverord- neten statt. Unsere Genossen, die einen heißen Kampf zu bestehen hatten, siegten über die vereinigten Gegner mit einer Majorität v o n 8(>c> S t im m e n. Die Zahl der bisherigen sozialdemokra- tischen Stadtverordneten betrug 11. Am Montag wurden noch neun Mandate hinzuerobert, so daß die'Z ahl der sozialdemo- kratischen Vertreter i in Stadtparlament jetzt 20 beträgt. Dadurch ist die ganze d r i t t e K l a s s e in den Besitz der Sozialdemokratie gelangt. Gemeindewahlerfolg. In Eberswalde(Oberbarnim) ge- wannen am Sonnabend unsere Genossen bei den Stadtverordneten- wählen ein Mandat der dritten Klasse, so daß sie jetzt b von den 36 Sitzen im Stadtparlamcnt innehaben. Volizeilicbes, 0enchtllcbcs ufw. Der Reitcroberst und die vaterlandslosen Gesellen. Im Juni d. I. beging daS 2. bayerische lllanenregiment in Ansbach sein Regimentsjübiläum, wobei die üblichen Festivitäten stattfanden. Die Mehrheit der Ansbacher städtischen Kollegien hatte hierzu eine Stiftimg von 10(XX) M. gemacht. In der Kaserne wurde für die aktiven Ulanen eine„Festmenage" veranstaltet, für die aktiven Unteroffiziere und ehemaligen Soldaten des Regiments ein„Festessen". Bei beiden Gelegenheiten hielt der Regiments- kommandeur Oberst v. Sartor Ansprachen, in denen er sich auch auf daS politische Gebiet wagte und die Leute ermahnte, sie sollten sich von den„vaterlandslosen Gesellen" fernhalten. Damit konnte er natürlich nur die Sozialdemo- kraten gemeint haben. Der sozialdemokratische Gemeindebevoll- mächtigte Genosse P ö r s ch m a n n sah sich durch diese Aeußerungen veranlaßt, im Gemeindekollegium eine Erklärung abzugeben, in der die Angriffe des Herrn Obersten gebührend zurückgewiesen wurden. Nach einer kurzen Bemerkung, daß„es den Sozialdemo- kraten eigentlich gleichgültig sei. was solch ein Mars- jünger sage", wurde gesagt, der erwähnte Ausdruck fei eine Beleidigung eines Teiles der Ansbacher Einwohnerschaft, denn in der 10 Ovo M.- Stiftung seien auch Steuergrosckien von solchen vaterlandslosen Gesellen emhalten. Wenn nun Herr Oberst v. Sartor wünsche, daß aktive und ehemalige Ulanen mit den vatcrlandslosen Gesellen nicht in Berührung kommen sollen, so hätte er auch kon- sequenterweise die Stiftung ablehnen sollen, denn Ansbach berge in seinen Mauern über 1000 solcher vaterlandsloser Gesellen. Dazu scheine ihm aber der Mut zu fehlen, und zweitens werde er dem Grundsatz huldigen: Geld stinkt nicht. Auf Grund dieser Erklärung stellte der Oberst Beleidigungs- klage gegen den Genossen Pörschmann, die am Freitag vor dem Ansbacher Landgericht verhandelt wurde. Pörschmann wahrte noch- mals endschieden seinen Standpunkt, wies die Aeußerungen des Offiziers abermals scharf zurück und nahm den Schutz des§ 193 in Anspruch. Während der Staatsanwalt sich damit begnügte, 15« M. Geldstrafe zu beantragen, verlangte der als Nebenkläger zugelassene Oberst eine„exemplarische Gefängnisstrafe" für Pörschmann. Dieser wurde zu 100 Mark Geld st rase verurteilt, die Wahrung be- rechtigter Interessen wurden ihm nicht zuerkannt. Verworfene Revision. DaS Reichsgericht hat am Sonnabend ein auf zwei Monate Gefängnis lautendes Urteil der Erfurter Straf- kammer gegen Genossen Redakteur P e tz o l d wegen Gendarmen- beleidigung'durch Verwerfung der Revision bestätigt. Genosse Petzold halte nachweisen können, daß er am Erscheinungstage der angeblich die Beleidigung enthaltenden Notiz nicht in der Redaktion beschäftigt war, da er auswärts einen GerichlStermin wahrnehmen mußte. Der Meteur der Zeitung erklärte außerdem, daß angeordnet war. den Namen des Genossen Petzold als verantwortlicher Redakteur aus dem Blatt herauszunehmen, welche Anordnung aber aus Versehen nicht ausgeführt wurde. Trotzdem war die Verurteilung erfolgt. Soziales. Das Aufräumen nach Feierabend ist eine verbotene Beschäftigung. Zu den„Bestimmungen für alle Betriebe, in denen in der Regel mindestens zehn Arbeiter beschäftigt werden", gehört auch der§ 135 der Gewerbeordnung. Er bestimmt: „Kinder unter 13 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden. Kinder über 13 Jahre dürfen nur beschäftigt werden, wenn sie nicht mehr zum Besuche der Volksschule verpflichtet sind.— Die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren darf die Dauer von 6 Stunden täglich nicht überschreiten.— Junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren dürfen nicht länger als zehn Stunden täglich be- schäftigt werden." Söll, der verantwortliche Leiter einer Kupferschmiede in Crossen, wo in der Regel mehr als 10 Arbeiter beschäftigt werden. war wegen Ucbcrtretung des Z 135 angeklagt worden. Die zehn- stündige Arbeitszeit der im Betriebe beschäftigten Lehrlinge im Alter von 14 bis 16 Jahren endete abends um 6 Uhr. Diese Lehr- linge mutzten aber noch nach 6 Uhr die Werkstatt aufräumen, Was eine Viertelstunde bis eine halbe Stunde in Anspruch nahm. Des- halb wurde Söll vorgeworfen, er habe die Lehrlinge länger als 10 Stunden„beschäftigt". Die Strafkammer i» Guben sprach den Angeklagten frei, weil er nicht das Bewußtsein einer Gesetzwidrigkeit gehabt habe. Das entnahm die Strafkammer daraus, daß die Handwerkskammer zu Frankfurt a. O. Formulare für Lehrlingsvcrträge herausgegeben habe, wonach der Lehrling nach Schluß der Arbeitszeit verpflichtet fei, die Werkstatt aufzuräumen. Der Angeklagte habe sich danach für befugt gehalten, die Lehrlinge nach Schluß der Arbeitszeit mit Aufräumen zu beschäftigen. Das Kammcrgcricht, bei dcm der Staatsanwalt Revision ein- legte, hat jetzt das Urteil der Strafkammer aufgehoben und im Ein- Verständnis mit dcm Oberstaatsanwalt den Angeklagten zu der zu- lässig niedrigsten Strafe verurteilt. Begründend wurde ausgeführt: Der Z 135 der Gewerbeordnung schreibe ausdrücklich vor, daß in den betreffenden Betrieben junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren nicht länger als 10 Stunden„beschäftigt" werden dürfen. Beim Aufräumen und Reinigen der Werkstatt handele es sich um eine Nebenbeschäftigung, die aber auch in den Betrieb hineingehöre..Es liege deshalb hier eine Ucbcrschrcitung der gesetzlichen Beschäfti- gungszeit vor. Das Reichsgericht habe sich übrigens schon auf den Standpunkt gestellt, daß selbst Arbeiten, die außerhalb des Be- triebes, aber für dessen Zwecke vorgenommen würden, wie das Briefeaustragen und dergleichen nach Feierabend, als eine Be- schäftigung im Sinne des Gesetzes anzusehen seien.— Wenn nun der Angeklagte den Irrtum der Handwerkskammer mitmachte, so sei das ein Irrtum über das Recht, der ihn von Strafe nicht befreien könne. Da er abe" durch das Formular der Handwerkskammer zu dem Irrtum verleitet werden konnte, so habe der Senat in Ueber- einstimmung mit dem Oberstaatsanwalt die niedrigst zulässige Strafe für angemessen gehalten und gleich die Verurteilung aus- gesprochen. AnS dem JnnungSschiedSgcricht. Sitzung vom 3. November. 1. Eine Schneiderin klagte gegen die Firma R o s e n t h a I. Kurstraße, auf Zahlung von 19,50 M. Lohn ftir sechs gekeferte Kleider. Die Sache hatte das Gericht schon einmal beschäftigt. Die beklagte Firma behauptete, die Kleider seien nicht ordnungsgemäß gearbeitet, hatte zunächst die Annahme verweigert, dann aus Heraus- gäbe geklagt, und will nun, wo sie die Kleider im Besitz hat, den Lohn nicht zahlen. DaS Gericht verurteilte die Firma zur Zahlung, da die Klägerin kein vertretbares Verschulden trizst. 2. Ein Schneidergehilfe klagte gegen den Meister Steuer auf vierzehntägige Lohnentschädigung wegen lündigunaSloser Entlassung. Trotzdem ihm dringend geraten wurde, die Mage zurück- zunehmen, weil im M a ß s ch n e i d e r t a r i f allgemein Kündigung?- ausschluß festgesetzt ist, tat er es doch nicht. Er mußte deshalb ab- gewiesen werden. 8. Fünf Lehrmädchen klagten gegen die Firma Gperlich u. Greulich, Kaiscrstr. 6/7. Die Mädchen waren nach Zahlung von 10 M. bei der Firma in die Lehre getreten, sollte« dort in acht Tagen das Schneidern erlernen. Es war ihnen außerdem nach Ab- lauf der„Lehrzeit" wöcheutlich ein Verdienst von IL M. in Aussicht gestellt. Die Mädchen wurden jedoch nicht ausgetbildet, sollten in ungeheizten Räumen sich aufhalten und wollen bernerkt haben, daß jeden Tag Mädchen angenommen wurden— natürlich gegen Zahlung des Lehrgeldes. Darauf verließen sie die Lehrstelle und for- derten je IvMark zurück. Die Firma wurde durch Ver- säumnisurtoil verurteilt. Wie kann es nur noch Mädchen geben, die glauben, in acht Tagen das Schneidern erlernen und nach Ablauf dieser Zeit wöchentlich 15 M. verdienen zu können! Will übrigtenS nicht einmal der Jmmngsobermeister sich um die.Lehr"-Firma kümmern? Rm Industrie und Kandel. Einschränkung der Papierprobuktion. Der Vevein Deutscher Zeitungsverleger beschäftigte sich mit dem Beschlüsse des Verbandes Deutscher Druckpapierfabrikanten, die Papierproduktion einzu- schränken, um eine Steigerung der Papierjireise herbeizuführen. Einstimmig wurde die Haltung des Verbände»- als volkswirtschafts- feindlich und die Interessen der deutschen Zeitungsverleger aufs schwerste schädigend bezeichnet. Diesen Bestrebungen gegenüber, die darauf hinzielten, in Zeiten niedergehender Konjunktur das Zeitungsgewerbe zu erschweren und den Konsum zu verteuern, wurde beschlossen, die Papiereinkaufsstelle des Vereins Deutscher Zeitungsverleger energisch zu fördern und, solveit irgend möglich, gegenwärtig Papicrkäufe überhaupt nicht vorzunehmen, keinesfalls aber auch nur die geringste Preiserhöhung zu bewilligen, da die Marktlage dies in keiner Weise rechtfertige. Tabakbau in Deutschland. Zu den angeblich wohltätigen und beabsichtigten Wirkungen der Schutzzölle gehört auch die Förderung des Tabakbaues in Deutschland— Schutz der nationalen Arbeit. Was zeigt die Wirklichkeit? Rückgang auf der ganzen Linie. 1902 gab es in Deutschland 117 925 Tabakpflanzer, 1913 ist die Zahl auf 87 030 gesunken. Di« bebaute Fläche hatte eine Größe von 17 325 Hektar im Jahre 1902, 15 775 Hektar im Jahre 1912 und 14 181 Hektar im Jahre 1913. Daß die„Schutzzölle" den Tabakbau ge- fördert hätten, kann man wirtlich nicht behaupten. Selbst die höchsten Zölle können nicht die klimatischen Vorbedingungen für das Gedeihen einer Pflanze herbeiführen. Submissionsblütc. Bei der Vergebung der Bahnhofs- crweiterungsarbeiten in Dieringshausen betrug das niedrigste Angebot 1,041 Millionen, während der Höchstfordernde 2,317 Millionen verlangte. Die Differenz war höher als das niedrigste Angebot um 120 Prozent. l+ttzU Nachrichten. Wilhelm Schuöder gestorben. Gestern abend in später Stunde erhielten wir aus Wil- mersdorf die traurige Nachricht, daß unser Genosse Wilhelm Schröder seinem schweren Leiden, das ihn seit vielen Wochen ans Krankenlager fesselte, erlegen ist. Mit ihm verliert die Partei einen sehr befähigten und arbeitsfreudigen Genossen. Von Beruf Zigarrensortierer, kam er, nachdem er eine Zeit- lang als Korrektor in Hamburg tätig gewesen war, im Jahre 1893 nach Berlin, um in die Redaktion des„Vorwärts" ein- zutreten. Hier leitete er bis zum November 1905 den lokalen Teil unseres Blattes. Nach seinem Ausscheiden aus unserer Redaktion wurde er in dos bald darauf gegründete Presse- bureau der sozialdemokratischen Partei berufen, tvo er bis zu seiner letzten Erkrankung tätig war. In Wilmersdorf, seinem jetzigen Wohnort, bekleidete Wilhelm Schröder seit mehreren Jahren das Amt eines Stadtverordneten und war als solcher eifrig bestrebt, die kommunalen Verhältnisse dieser aufblühen- den Stadt zugunsten der Arbeiterklasse zu beeinflussen. Als Redakteur des„Vorwärts" mußte Wilhelm Schröder auch mehrere Male mit dem Gefängnis Bekanntschast mochev. Der Eharlottenb,rrger Stadtsckretär Riese verhaftet. London, 3. November.(W.T. B.) Der frühere Beamte der Cl?arlottenburger Stadtverwaltung Johann Riese und seine Ehefrau sind am Sonnabend in Richmond verhaftet worden. Peidc erschienen heute i» der Auslicferungsverhandlung vor dem Polizei- gcricht in der Bowstreet unter der Anklage, sich unter falschen Vor- spiegelungcn in Deutschland Geld verschafft zu haben. Riese leugnete, daß er städtische Gelder angegriffen habe, erklarte viel- mehr, er habe in Deutschland nur Privatschulden Hintertassen. Die Verhandlung wurde vorläufig vertagt. Drohender Bergarbeiterstreik im belgischen Kohlenrevier.� Brüssel, 3. November.(P. C.) Die belgischen Kahlenberg- Werke sind, nachdem kaum die Folgen des letzten großen Berg- arbeiterausstandes beseitigt sind, abermals von einer großen Streik- gefahr bedroht. Da die Direktionen der Kohlenbergwerke der Borinage heute den Grubenarbeitern bekanntgaben, daß ihnen vom heutigen Tage ab 10 Proz. ihres Arbeitslohnes abgezogen werden würden, um so eine bessere Rentabilität der Gruben zu erzielen, haben 2000 Arbeiter der Flenn-Mine beschlossen, in den Streik ein- zutreten. Man fürchtet, daß der Streik nicht nur auf diese eine Mine beschränkt bleiben wird und daß sich andere Gruben dem Streik anschließen werden. Durch Hochofengase getötet. Saarlouis, 3. November.(W. T. B.) Wie das„Saarlouiser Journal" aus Dillingen(Saar) meldet, wurden heute auf einer dortigen Hütte zwei Hochofenarbeiter, die einen für sie verbotenen Raum betreten hatten, durch Hochofengase getötet. Drei andere Arbeiter, die hinzukamen, wurden betäubt, konnten aber wieder zum Leben zurückgerufen werden. Absturz in den Alpen. Innsbruck, 3. Mvembcr.(W. T. B.) Im Walsertal ist dcr Magiftratsbcamte Fenner aus Innsbruck abgestürzt. Der Ver- unglückte war sofort tot, die Leiche wurde von einem Begleiter FennerS geborgen und nach Innsbruck gebracht. Sechster Wahlkreis. UM KommunalwäblerverfammlunacD am Dienstag, den 4. November, abends 8Vs Uhr m b« Ä9. Komntunalwahlbezirk in den Beroiina-Sälen, Schönhauser Allee 28 Rcfereilt: Reichstagsabgeordneter Dr. Oskar Colin; ffc d.u 31 Kommunalwahlbezirk in SLKmiivhs fsslsslon, BornHolmer Straße 7 Rejcrent: Stadtverordneter Karl Koblenzer; Sur dt» 37. Kommunalwahlbezirk im Artushof, Perleberger Straße 26 Referent: Reichstagsabgeordneter Dr. Karl Ldebknecht. Am Mittwoch, den 3. November, abends 8�/s Uhr: für' d«, 3Ä Kommnnalwahlbezirk in den Wlils-TZIvn, Schönhauser Allee 130 Referent: Rcichstagsabgeordncter.�rtnr StaStdasen; für d« 44. Kommnnalwahlbezirk m Frankes Festsälen, Badstraße 19 Referent: Stadtverordneter?iieo«lor Fischer. Tagesordnung in alle« Bersammlungeu: i. Die Aufgaben der Sozialdemokratie im Roten Hanfe. 2. DiSkujjion. 23i/t6' ___ Die s ozialdemoNta tischen Wahlkomitees Z. Wahlkreis 7, Kommunal-Wahlbezirk. Morgen Mittwoch, de» 3. November, abends 8'/, Uhr, in Habels Brauerei, Bergmannstr. 3—0: Ojsklltiilijk WljhiMttjllMMillllg. Tagesordnung: 1. Die 8ta(ltveror Mitgliedsbuch legitimiert.---------- Achtung! Kollegen I Die noch nachträglich bewilligte Unter- stützung für die Kollegen Putzer, Spanner und Träger, welche während der Lohnbewegung der Gipsbranche die Arbeit eingestellt haben, gelangt zur Auszahlung, soweit dieselben noch Mitglieder der Organisation sind und ihre Beiträge ans dem laufenden haben. Zu dieser Veriammlung laden wir hierdurch alle Kollegen ein und er- warten bestimmt, daß jeder Kollege erscheint. 146/8'__ Der Sektionsvorstand. H.& P. Uder, Berlin 80. 10, engd-dfer 5. Tabak-Kroßhandlnng und Tabaklabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q.£. Kauewaeker, Qrimm« Triepel. ' Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.= Amt IV.»014. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den S.November 1913, abends SVa Uhr: Bertrattensmänner-Bersammlungen der Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Bericht der Werkstatt- Vertrauensleute. 3. Vcrbandsangelegenheiten. In diesen Versammlungen ersolgt die Feststellung über den Beschäftigungsgrad der einzelne« Betriebe. Jede Werkstatt must vertreten sein. Mitgliedsbuch und Bcrtraucnsmännerkarte legitimiert. Versammlungslokale: Drechsler, Treppengeländer- und Luxuomöbel- brancbc. Vörden bei Töhliug. Brunnenstr. 79. Osten bei Rosi», Gubener Str. 19. ««dosten und«tidwcsten bei TiniuS, Ritterftr. 123. Die Vertrauensleute aus den LulASmöbelwerkstätten gehen nach de« Versammlungen der zuständigen Tischlerbezirkc. sVlalchtnenarbeiter �-nds��uhr�im«»glische» Garte», 6tnset2er im Gewcrtschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 9. Korbmacher bei Krause, Aiananncnplatz 8. Bürstenmacher bei Prem!. HolzmarNstr. 65. Perlmutt-, Dorn- u. Bteinnukarbeiter m»« Uhr bei Grnft Thomas. Melchiorstr. 5. BUderrahmenmacher um 6 Uhr bei Wnhlisch, Skalitzcrsir. 22. Bodenleger 6l/z Uhr bei HüNa, Rungcstraße 9. Vergolder im Luiscnftädtischen Kastno, Oranienstr. 180. Kammacher in Hcrmels BereinShaus, Holzmarlistr. 21. Gtellmacher bei Hummel, Sophicnstr. 5. Jalousiearbeiter abends 8ll, Uhr bei Walter,»ldaibertstr. 62. Silken- und hiofkermacher«Reinshaus/ Ho"zm?"fw.°2i. Musikinstrumenten-Arbeiter Nshaus�Savl��'' Modell- und fabnhtirchlcr �Ät-ofee lu Tonnerstag, den 0. November, abends 8 lthr: Uaden- und kontormöbelbranche bei Hermel. Holzmarttstr. 21. CifchUr. Südwesten nnd Westen: in Habels Brauerei, Dergmmmftr. 5/7- 8tiden: bei Gliestng, Wasfertorstr. 68. Südosten I«. II: im Lolal Südost. Waldemarstr. 75. Osten I: bei Kluge, Langestr. 53. Osten II: bei Huth. Warschauer Str. 6l. Osten III: bei Bergmann, Boxhagener Str. 26. Oestllebe Vororte: bei W. Schulz, Lichtenberg. Kronprinzen- straße 47, Ecke Scharnwcberstraße. Nordosten: bei Merkmann, Gr. Franljurter Sir. 16. Uosentbaler nnd Schönhauser Vorstadt: bei Obiglo, Schwedter Straße 23. I�'eddlnzx nnd Aloablt: bei KaczarowSki, Ravenestr. 6. Welüensee: im Prälaten, Lehderstr. 122. Abends 5>/. Uhr. hssenkOIln: im Jbeal-Kafino. Weichfelftr. 8. SehOneberg:: um 5'/, Uhr bei Henkel. Meininger Str. 8. Charlottenburg: bei Thunack. Wiclandstr. 4. I�üd7enmöbelbranche bei Snörig, An der Stralauer Brücke 3. Bautischler. Denlrk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei GrastHoff, Admiralstr. l8c. Denlrk X: Osten bei Bratner, Weidenweg 85. De-lrk Z: Vörden nnd nOrdltohe Vororte bei Gliesche, KopenHagencr Str. 74. Deslrk 4; Ocsandbrnnnen, Wedding and Sloablt bei Sachse. Lindower Str. 26. Beslrk 5: VeukOUn bei Schenk. Rosenstr. 24. �löbel- u. ötuhlpolicrcr sowie JMagaztnarbciter Osten: bei Bocker. Weberstr. 17. Südosten: im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c. Horden: bei Günther, Brmmcnstr. 96. Sonntag, den 9. November 1913, in den Konzert- nnd Festsälen(Obi�lo, früher Keller), Koppen-Straste 29t CHcatcr-Torstdlung Zur Aufführung gelangt: Der probckandidat Drama in vier Aufzügen von Max Orey#,. In Szene g-I-tzt von fritr«itte-W,«. Anfang 7'lt Uhr. Ginlas,« Uhr. Nach der Borftellung: Ball bis 2 Uhr.— Eintrittsrarte«- 60 Pf. inll. Tanz sind aus allen Zahlstellen, beim Gastwirt Kollegen Groiv«, Rung-straß- 30, und im Bureau zu habe«. gl/g_ Die Ortsverwaltnng. Berantw. Redalt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw.- Uh. vllicke. Berl-n. T ruck u. Verlag: Vorwärts Buckdr.» t!erla»SanitaU P(n:ÜTinger � Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltung»� Ar. 290. 80. Jahrgang. t Stilnjf i>es„Horairtü" Bttlintt öolliüliliilt. Dienstag. 4. November 1913. dcwcrkfcbaftlicbca. Hrbciter- und Qntcrnehmerorganiratiotien. Das Kaiser!. Statistische Amt veröffentlicht Zusammen- stellungen über Organisationen und Verbände, wobei es zwischen Unternehmer- und Arbeitervereinen unterscheidet. Unter den angeblichen Arbeiterorganisationen befinden sich aber manche, deren Mitgliedschaft stark nüt Unternehmern durch setzt ist; andere Vereinr verfolgen keine wirtschaftlichen Zwecke und wieder andere sind sogar zu dem Zwecke gegründet worden, den Gewerkschaften Steine in den Weg zu rollen, sie zu schwächen, zu desorganisieren. Andererseits behandelt die Reichsstatistik die Angestellten- verbände, von denen einige den Gewerkschaften in Tendenz und Taktik viel näher stehen, als die meisten konfessionellen und alle sogenannten wirtschaftsfriedlichen Organisationen. Die Organisationen der U n t e r n e h m e r zeigen fol- gende EntWickelung: 1010 1911 1912 1913 Zahl der Verbände. 2 613 2 928 3 085 3 431 „ Mitglieder. 115 095 127424 132 485 145 207 »„ beschäftigten Arbeiter.... 3 854 680 4 027 440 4 378 275 4 641361 Im Laufe der letzten vier Jahre ist die Zahl der Ver- bände um 31 Proz., die der Mitglieder um 26 Proz. und die der von dieser beschäftigten Arbeiter um 24 Proz. gestiegen. Die Zahlen lassen erkennen, daß es sich um den Anschluß kleinerer Verbände und Unternehmer kleinerer Betriebe handelt. Die Veränderung im Mitgliederbestand der Angestellten- verbände veranschaulicht diese Uebersicht: 1910 1911 1912 1913 Laufmännische Verbände:" Zahl...... 20 18 19 23 Mitglieder.... 503 699 540 659 571 491 623 840 Techniker-Verbände: Zahl...... 18 19 20 21 Mitglieder.... 117 340 126 920 132 255 141 160 Berbänd. d.Vureaubeain..: Zahl...... 12 9 8 9 Mitglieder.... 21 709 23 450 21 702 26 546 Verbände landw. Beamt.: Zahl...... 6 4 5 5 Mitglieder.... 20275 20647 22072 23451 Verschiedene Verbände: Zahl...... 7 8 10 12 Mitglieder.... 69771 73795 75084 92386 Verbände überbaupt: Zahl...... 63 58 62 70 Mitglieder.... 734 794 785 471 822 604 907 383 Hier ergibt sich eine Steigerung des Mitgliederbestandes um 23 Proz. Die kaufmännischen Vereine sind mit ihrem Zuwachs hinter dem Durchschnitt zurückgeblieben. Betrachten wir nun die Arbeiter organisationen nach dem Stande am Jahresabschluß, dann ergeben sich diese Re- fultatc. Es betrug die Zahl der Mitglieder: 1909 1910 1911 1012 Freie Gewerkschaften Zahl... 60 53 51 50 Mitglieder. 1892 568 2 128 021 2 421 465 2 583 492 Hirsch-Dunckersche Vereine Zahl... 25 26 25 24 Mitglieder. 108 028 122 571 107 743 109 225 Christi. Gewerkschaften Zahl... 24 22 24 24 Mitglieder. 280061 316115 350574 350 930 Sogen, unabh. Vereine Zahl... 23 34 34 33 Mitglieder. 654 240 711 177 748 858 815 416 Gelbe Vereine. Mitgl. 88 896 112 275 169178 228 950 Konfessionelle. Mitgl. 618 341 653 490 724 640 757 418 Wir haben in der vorstehenden Zusammenstellung die sogenannten nationalen Vereine mit den Werksvereinen zu- sammengelegt. Weil sich in den letzten Jahren durch Ver- schmelzungen usw. sehr große Neubildungen vollzogen, ver- zichtcn wir auf eine Angabe der Zahl der Vereine. Aus der Uebersicht ist zu entnehmen, daß die freien Gewerkschaften in den letzten Jahren eine starke Zusammenschlußbewegnng durch- gemacht haben. Stellt man die Veränderungen in den letzten vier Jahren in Vergleich, so ergeben sich für 1912 folgende Zunahmen: Alle Organisationen zusammen. 1203304 Mitglieder Freie Gewerkschaften..... 690 924„ Hirsch- Dunckersche Gewerkschaften 1 197 Christliche Gewerkschaften... 70 869„ Sogenannte unabhängige Vereine 161 176„ Gelbe Bereine....... 140 063„ Konfessionelle Vereine..... 139 067, Trotz der konzentrierten Hetze gegen die freien Gewerkschaften, trotz der Begünstigung der Zersplittererorganisationcn mit allen Mitteln pfäffischer, kapitalistischer und staatlicher Macht haben die freien Gewerkschaften doch mehr Mitglieder gewonnen, als der ganze übrige Mischmasch zusamnienge- nommen. Die Veränderung im letzten Jahre kennzeichnet für die eigentlichen Konkurrenzorganisationen der freien Gelverk- schaften— Hirsch-Dunckersche und christliche Gcwcrkvereinc— einen Stillstand, während die viclbefcindcten, vielverleumdeten Freien immer noch einen respektablen Zuwachs buchen konnten. Im Gesamtdurchschnitt ergibt sich von 1909 auf 1912 eine Zunahnic der Mitgliederzahl um 34 Prozent, bei den freien Gewerkschaften um 36 Prozent. Diese gelvannen fast zwei- m'a l so viel Mitglieder, als die Konkurrenzorganisationen derer vor 4 Jahren überhaupt zusammen aufweisen konnten. Schließlich siegt doch das Klassengefühl. Berlin und Umgegend. Streik der Alabasterarbeiter. Die Alabasterarbeiter nahmen in einer Branchen- Versammlung Stellung zu dem Streik bei der Firma G u t t e r. Hützel, Wappler und K ü st e r erstatteten, sich gegenseitig er- gänzend, Bericht und führten etwa aus: Im Laufe des Jahres sind mit zwei Firmen der Branche Vereinbarungen getroffen, die den Arbeitern wesentliche Verbesserungen brachten, äv wurde z. B. bei der Firma Habelt, allerdings nach Ivochenlangen Ver- Handlungen erst, durchgesetzt, daß die Stücklöhne bis zu 30 Proz. aufgebessert wurden: die Arbeitszeit wurde von 52 auf 48 Stunden herabgesetzt und nicht nur ein Aus- gleich des Stundenlohnes, sondern sogar eine Erhöhung desselben erreicht; weiterhin wurde von der Firma der Arbeitsnach- weis anerkannt, der Errichtung eines ArbeiterauSschusseS zugestimmt und auch die Lohnzahlung am Freitag zugestanden. Da nun bei der Firma Gutter gleichfalls sehr verbesserungsbedürftige Ver- Hältnisse bestanden, reichten die dort beschäftigten Kollegen ihre Forderungen ein. Die Vertreter der Beschäftigten wurden jedoch von Gutter in derart brüsker Weise abgewiesen, daß nichts übrig blieb, als in den Streik einzutreten. Dieser Streik ist bisher über- aus reich an bemerkenswerten Momenten verlaufen. Zunächst annoncierte Gutter in der„Volkszeitung" nach Arbeitswilligen. Als dies nicht den gewünschten Erfolg hatte, wandte er sich an den Streikbrechera'genten Keiliirg, Schulzendorfer Str. 18, dessen Adresse jedoch schon nicht mehr stimmt, da er verduftet ist. Die durch den Agenten vermittelten„Arbeitskräfte" sind freilich auch danach, muß doch der bekannte„englische Karl" Hanisch mehrmals am Tage mit volllminöser Flasche Schnaps holen. Auch der frühere Associv des K a c z m a r e ck, Wilhelm Koch, ist in Tätigkeit getreten. Be- lustigend wirkt die Rolle des auf seinen„Herr-im-Hause"-Standpuirkt verbissenen Gutter. Die im Betriebe tätigen Elemente sind sich natürlich ihrer Position„bewußt" und richten sich danach, so daß dem Inhaber oft angst und bange wird. Er hat aber sonst nichts zu sagen, denn wenn der Arbeitsschluß herankommt, erscheint Herr Keiling auf der Bildfläche, kommandiert:„Zieht euch an, wir gehen nach Hause!" Dann beginnt der Trans- Port. Der Agent mit seinem Viehtreiberstock leitet den- selben. Anscheinend wohnt dem Spazierknüppel eine außergewöhn- liche Macht inne. bleiben doch die deckenden Schutzleute auf einen Wink mit dem Zauberstab gehorsam stehen, während die an der nächsten Ecke postierten dienstfertig herbeieilen und den Transport weiter geleiten. Die Streikenden aber sind guten Muts, ist es ihnen doch gelungen, eine ganze Zahl der Arbeitswilligen zu überzeugen, daß sie nicht länger den kämpfenden Kollegen in den Rücken fallen dürfen. Unter solchen Umständen ioird Herrn Gutter bald der Atem ausgehen und auch sein Meister Henne, der als ftüherer Kollege nicht mit 45— 50 M. pro Woche zufrieden war, jetzt aber 21—24 M. für„seine" Arbeiter als ausreichend hält, wird den schließlichen Sieg nicht verhindern können._ Dcutfchcs Reich. Zum Stettincr Hafcnarbciterstreik. In einer Flugschrift des Stettiner Spedileurvereins wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die nächste Zeit Gewißheit bringen würde, ob der Kampf noch weitergeführt wird. Die Kaufmannschaft, die sich gegen die ungeheuren Mehrausgaben für die Gebühren wendete, scheint nun durchgesetzt zu haben, daß auch der Magistrat andere Maßnahmen unlernehmen muß. Er verspricht, daß vom Montag, den 3. November, ab der Polle Verkehr wieder aufgenommen wird. Wenn Hesberg— wie. verlautet— mit seiner Kolonne abzieht, sind die verbleibenden Arbeitswilligen keineswegs in der Lage, auch nur entfernt die Arbeit bewältigen zu können. Jeder Mensch fragt sich, wie der Magistrat den Verkehr aufrecht erhalten will. Im letzten Augenblick, als man sah. daß die Streikenden doch nicht bedingungslos zurückkehrten, verpflichtete man Hesberg bis Mittwoch, den 5. November, daß er neue Leute senden soll, denn 70 seiner Mannen rückten am Sonnabend ab. In der Nacht zum 2. November ivurden 28 ileue Rausreißer polnischer Nationalität nach Stettin geschleppt, Männer, Burschen und Mädchen. Der Lohn für die Männer beträgt 2,90 M., bei genügender Leistung 3 M., für die jungen Leute 1,20 M. und die Mädchen 90 Pf.— Eine Anzahl Streikender sind wieder wegen Belästigung von Arbeitswilligen ab- geurteilt worden: sie erhielten Geldstrafen von 30 bis 40 M. Lohnbewegungen der Mühlenarbciter. Die Leiter der technisch vollkommensten Großmühlcn find mit wenigen Ausnahmen am rückständigsten in der Beurteilung von Arbeiterfragen und die stärksten Gegner der Arbeiterorganisationen. Sic können sich schlecht daran gewöhnen, den Zeitverhältnissen Rech- nung zu tragen und die Organisation als Vertragspartei anzu- erkennen. Ein Betrieb nach dem anderen kommt ja, durch die Orga- nisation gedrängt, von diesem Standpunkt ab. Zu denjenigen, die noch immer nicht den Herrenstandpunkt aufgeben inöchten, gehören mir einer Ausnahme die Großmühlen in Mannheim-Ludwigshasen, die in verhältnismäßig großer Zahl, begünstigt durch die natürlichen Wasserstraßen, dort vorhanden sind. Kämpfe um Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind dort verschiedentlich geführt worden und auch mit Erfolg; nur die Organisation wollten die Unternehmrr nicht anerkennen. Bei der jetzt beendigten Lohnbewegung in vier Großmühlen in Mannheim ist nun wieder in diesem Herrenstandpunkt der Unter- nehmer Bresche gelegt worden. Die Zugeständnisse, die den Arbeitern gemacht wurden, sind ganz wesentliche. Vor allen Dinge» mußten die Unternehmer die alte Tradition begraben, wonach den Schicht- arbeiten: keine festen Pausen gewährt wurden. Auch ein erhöhter Zuschlag für Nachtarbeir mußte zugestanden iverdcn, eine Lohn- aufbesserung, gegen die sich die Unternehmer bisher energisch wehrten. An den Tagen vor den hohen Festtagen ist mn 4 Uhr Arbeitsschluß unter Ausfall der Nachtschicht, und die Nachschicht hat am Sonntag- morgen eine Stunde früher Schicht, in beiden Fällen ohne Lohn- kürzung. Außer sonstigen Verbesserungen wurden die Löhne um 4 Pf. pro Stunde während der Tarifdauer erhöht. Die Mühlen- arbeiter können mit dem Erfolge zufrieden sein; in stetem Vor- wärtsdringen werden sie kraft ihrer Orgamsation auch die letzten Reste des absoluten Fabrikherrentums beseitigen. Der Zeutralvcrband der Handlungsgehilfen erzielte bei den Kaufmannsgerichtswahlen in Hamburg einen erfreulichen Erfolg. Seine Stimmenzahl stieg von 19 559 im Jahre 1910 auf 27 767, also um 42 Proz. Der Verband errang vier Mandate, zwei mehr als bisher. Der Kommtsverein von 1858 erzielte diesmal 89 000 Stimmen gegen 121000 vor drei Jahren: seine Stimmenzahl ging also um 18 Proz. und seine Mandate von 19 auf 13 zurück. Der Deutschnationale HandlungSgehilfenverband brachte es auf 60 800 gegen 64 200 vor drei Jahren. Obgleich seine Stimmenzahl um 5 Proz. zurückging, blieb seine Vertreterzahl auf neun stehen.— Bei den Wahlen der Unternehmervertreter wurde ein Kandidat von einer uns nahestehenden Liste gewählt. Er erhielt 1355 Stimmen. Erfolgreiche Lohnbewegung in der Wursffabrik von Gebrüder R o st o ck in Elmshorn. Nach längeren Verhandsimgen wurde mit genannter Firma ein Vertrag abgeschlossen, der den Gesellen eine Verkürzung der Arbeitszeit unr eine Stunde pro Woche brachte. Weiter haben ab 1. November Sonntags die Hälfte der Beschäftigten gänzlich frei; falls sie trotzdem zu notwendige» Arbeiten heran- gezogen werden, erhalten sie diese als Ueberstnnden mit 50 Pf. pro Stunde bezahlt. Der Anfangslohn wurde auf 28 M. festgesetzt, für Gesellen über 25 Jahre und Verheiratete auf 29 M. und für Hilfsarbeiter über 18 Jahre auf 27 M. Nach achtwöchiger und nach ein- kleines Feuilleton. Bürgertum und Dichter. Das Interesse des Bürgers an der Literatur ist ein negatives. Wie sollte er, der ganz im Materiellen versangen ist, sich zur Ahnung einer geistigen Welt aufschwingen? Und doch sucht er manchmal, von der Eitelkeit und etwas Aehnlichem gekitzelt, eine Art von Kunstinteresse zu betätigen. So entstehen, zumal in den Städten der Provinz, jene literarischen Gesellschaften, die von Zeit zu Zeit sich einen bekannt gewordenen Dichter zu einem Vortragsabend verschreiben. Vor mehr oder minder gefüllten Sälen gibt da einer die Werke seiner stillen Stunden preis und Gaffer- äugen starren den Sprechenden an. Ja, nach dem Vortrag drängt man sich an ihn heran und ist stolz, dem berühniten Manir eine Stunde körperlich nahe zu sein. Empört aber ist man. wenn der Künstler diese Gemeinschaft ablehnt. Denn dieses Kunstinteresse ist Personeninteresse, in dem Eitelkeit und Reugier sich herrlich mischen. Zur Charakteristik des literarischen Interesses solcher Vereine gab uns einmal ein bekannter Lyriker, der nun bald fünfzig wird und sehr viel auf Vortragsreisen war. einen hübschen Beleg. Er las irgendwo in Oesterreich. Nach dem Vortrag kam einer mit einem Stammbuch, in das er sich verewigen sollte, und bald bestürmte die ganze Gesellschaft seinen Tisch mit solchen Büchern. Mit tragikomischer Verzweiflung sah er den Haufen der geschmack- vollen„Poesie- Albums" an. Er hätte bis zum Morgen schreiben können, wenn er allen ihr Verlangen hätte erfüllen sollen und er wies den Vorsitzenden auf die Unmöglichkeit hin. Der aber war gar nickt erstaunt.„Das brauchen Sie auch gar nicht." meinte der. „Wir haben hier jemand, der Handschristen täuschend nachahmt. Schreiben Sie in ein Buch etwas hinein und der Kalligraph wird sich dann an die Arbeit machen, so daß morgen früh jeder sein Sprüchlein hat."„Aber," sagte der Dichter lachend,„so mache ich mich doch einer intellektuellen Urkundenfälschung schuldig!"„Das schadet nichts," antwortete der Vorsitzende.„Wir können die Gesell- schuft nur durch diesen Betrug zusammenhalten." Ein Apostel der Kartoffelkost. Der dänische Arzt D r. Hin d hebe. der sich besonders mit den Problemen der Ernährung beschäftigt, ist auck außerhalb der Grenzen seines Vaterlandes bekannt geworden. Man weiß auch in Deutschland, daß er mit einer sehr spartani- scheu Kost erstaunliche Ernährungsreiultate erzielt hat. Augenblicklich meint er nun zu dem Ergebnis gelangt zu sein, daß der Körper ganz und gar mcht so viel Eiweiß braucht, wie man immer angenommen hat. Sein Kronzeuge und Versuchs- kaninchen ist in diesem Falle ein Gärtnergeselle Fredcrik M a d s e n. Besagter Frederik Madsen brachte es fertig, ungefähr 300 Tage nur von Kartoffeln zu leben, von denen er schließlich täglich fünf bis acht Pfund konsumierte. Dabei verrichtete er physische Leistungen von geradezu verblüffender Art. 14— 16stündige Arbeitstage in Garten und Feld strengten ihn keineswegs übermäßig an, und einmal arbeitete er sogar 37 Stunden ohne Schlaf. Die Aerzte, die ihn untersucht haben, bezeichnen ihn als vollständig gesund. Wir beabsichtigen keineswegs auf die ernsthaften Versuche Hindhedes irgendeinen Schatten zu werfen. Borläufig aber gibt es doch ein ganzes Heer von Zeugen, das mit hohlen Wangen und degeneriertem Typus ein blutiges Zeugnis gegen ihn ablegt. In einigen Gegenden Deutschlands werden die Armen ja leider scharenweise zu unfteiwilligen Anhängern der Kartoffel- ernährung gepreßt. Wer aber diese Resultate der Kartoffelkost ge- sehen hat, ivird schwerlich von ihr begeistert sein. Der vortreffliche Gärtnergeselle Frederik Madsen stellt wahrscheinlich doch eine Aus- nähme dar. Eine Ausnahme fteilich, die ein— kapitalistisches Gemüt zu rauschenden Rhythmen begeistern könitte. Wer so bescheiden isy daß er sein Gemüt nur auf Kartoffeln richtet, dabei aber ohne Schlaf 37 Stunden zu arbeiten vermag, dürfte ein so ideales Ausbeutungsobjekt sein, daß ihm die Scharfmacher aller Länder im Grunde schon bei Lebzeiten eine Statue errichten müßten. Wir anderen halten es vorläufig noch nnt einer solideren Kost: und mit einem vernünftigen Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe. Der umgekehrte Film. Vor einiger Zeit erheiterte die Besucher der Berliner Kinotheater ein lustiger Film mit dem Tisil„DaS ver- kehrte Berlin". Alle Vorgänge spielten sich in diesem Film von hinten nach vorne ab. Die Menschen schritten rückwärts, der Regen sprühte gen Himmel und der Gast im Restaurant trank den Wein nicht aus dem Glase, sondern— man kann sich schon denken. So lustig dieser Trick, so einfack seine Herstellung! Das Filmband wurde eben von der Trommel umgekehrt abgerollt. Diese umgekehrte Welt im Film will ein Erfinder, Dr. Robert Defregger in München, gleich bei der kinematographischen Ausitahme in die Kamera bannen. Er hat für seine» Patentanspruch:„Verfahren zur Herstellung kinematographiickcr Bildserien mit umgekehrtem Zeilablauf, gekenn- zeichnet durch die Einschaltung eines bildauffrischenden Elementes in den Strahlengang der Aufnahmekamera zur Umkehrung eines jeden Einzelbildes auf optischem Wege"— ein deutsches Reichspatent er- halten. Aus der Sprache der Patenttechniker in gemeinverständ- liches Deutsch übertragen, heißt das: bei den kinematographischen Aufnahmen läuft das Filmband in verkehrter Richtung durch die Kamera. Und der komische Effekt ist da! Der Schwimmer springt mit den Füßen voran aus dein Wasser in weiten: Bogen auf das- Sprungbrett. Um gleich bei der kinematographischen Aufnahme die umgekehrte Filmbewegung zu bewirken, find an der Kamera mecha- nische Zwischenglieder vorgesehen, die die Kamera wesentlich ver-' teuern. Nach Dr. Defreggers Erfindung kann jede Kinokamera, die derartige Vorrichtungen nicht besitzt, auf optischem Wege denselben Erfolg erzielen. Das gelingt, wenn man vor dem Aufnahmeobjektiv eiir sogenanntes„Porrosches Prismensystem" befestigt. Durch die Vorschaltung eines bildunrkehrendeir Systems wird jedes einzelne Bildchen aufgerichtet statt verkehrt auf den Filmstreifen geworfen. Und bei der Wiedergabe auf der Projektionsleinwand wird dann der Zeitablauf umgekehrt. Die Leipziger Ordensnot und Goethe. Just vor achtzig Jahren gab Goethe die spöttischen Strophen, die unter dem Titel„Politica" zusammengefaßt sind, heraus. Ueber das damals schon geplante Völkerschlachtdenkmal sagt er da: Wollet ihr in Leipzigs Gauen Denkmal in die Wolken richten, Wandert, Männer all' und Frauen, Frommen Umgang zu verrichten! Jeder werfe dann die Narrheit, Die ihn selbst und and're quälet, Zu des runden Haufens Starrheit, Nicht ist unser Zweck verfehlet. Ziehen Junker auch und Fräule« Zu der Wallfahrt stillem Frieden, Wie erhabne Riesensäulen Wachsen unsre Pyramiden. Sollte man nicht meinen, daß der alte Olympier bei Äese« Versen auch solcher Taten gedachte, aus denen jetzt de« Leidiger Festen ein so wirkungsvolles Satyrspiel erwachsen ist? Notize«. — Eine„Höhere Fachschule für Theat«vie durch die Komplikation von Krise und Lcbensmittcltcuerung und Belastung mit neuen Steuern das Elend steigt, kann traurig werden. Aber « der einzige, der nicht traurig bleiben kann, ist der Sozialdemokrat, denn der weiß, daß das nicht so bleiben muß, weil er die Entwicke- lung kennt, in der der Kapitalismus selber zum Sturze des Kapi- talismus treibt.(Stürmischer Beifall.) Die Debatte wird geschlossen. Schlußwort und Abstimmung erfolgen morgen. Nach dem Bericht der Mandatsprüfungskommission sind 295 Delegierte anwesend, darunter'dl Frauen. Sämtliche Mandat- Werden für gültig erklärt. Wien, 3. Stovember.(P r i V a t t c l e g r a m m des„Vor- wärt s".) Auf dem Parteitage wurden heute die Anträge, die von der Fraktion die Anwendung der schärfsten Mittel, namentlich der O b st r u k t i o n, forderten, mit der Begründung zurück- gezogen, daß für die Antragsteller die Debatte die Haupt- fache war. Angenommen wurde eine Resolution der deutsch- böhmischen Delegation, die die O b st r u k t i o n als normale parlamentarische Taktik ablehnt und sie nur unter b e- sonderen Umständen als äußer st es Mittel parlamentarischer Abwehr für anwendbar erklärt, worüber die Abgeordneten die Entscheidung haben. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag, der Fraktion das unerschütter- lichste Vertrauen auszusprechen. Es folgte ein vierstündiges Referat des Abgeordneten, Ge- nassen Karl L e u t h n e r über auswärtige Politik und Militär- forderungen. Seine Resolution, die die gesamte Arbeiterklasse auffordert, den Kampf gegen den Militarismus und Marinismus mit der äußersten Entschlossenheit zu führen und die Unterstützung der Nüstungspolitik als Werk der Feinde der Volksiraft und der Zerstörer der Volkswirtschaft zu bekämpfen, wurde einstimmig angenommen. Hierauf referierte Otto Bauer über den Stillstand der Sozialgesetzgebung und die Verschleppung der Sozialversicherung, gegen die der Parteitag nach kurzer erklärender Debatte ein- stimmig einen scharfen Protest beschloß. Morgen geht der Partei- tag zu Ende._ Bekanntmachung betr. die Wahlen der Vertreter und Ersahmänner zum Ansschntz der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin-Pankow. Die Wahlen finden statt am Freitag, den 5. Dezember 1913, im Restaurant von Roczycki. in Berlin-Pankow, Krenzstr. 3—4. Die Arbeitgeber nähten von 5— 8 Uhr nachmittags in den vorderen Restaurationsräumen, die Versicherten von nachmittags 3 bis abends 3 Uhr im kleinen Saal, Eingang vom Garten. Es sind zu wählen aus der Mitte der Arbeitgeber 30 Vertreter und 60 Ersatzmänner, aus der Mitte der Versicherten 60 Vertreter und 120 Ersatz männcr. Gewählt wird auf die Dauer von vier Jahren. Wahlberechtigt sind die volljährigen Arbeitgeber und Versicherten der Ortskrankenkasse sür Pankow. Wählbar als Vertreter der Arbeitgeber find nur solche Arbeitgeber, die sür ihre versicherungspflichtig Beschäftigten Beiträge an die Allgemeine Ortskrankcnkassc zu zahlen haben. Arbeitgeber, die selbst versichert sind, zählen zu den A'beitgebern nur dann, wenn sie regelmäßig mehr als zwei Versicherungspflichtige beschäftigen; andernfalls zu den Versicherten. Für die Wählbarkeit stehen den Arbeitgebern bevollmächtigte Betriebs letter, KeschästSsührer und Bctriebsbeamte der beteiligten Arbeitgeber gleich. Nicht wählbar sind Mitglieder einer Behörde, welche Aussichtsdesugnlsse über die Kasse hat. Jeder wahlberechtigte Bcrsicherte hat eine Stimme, die Arbeitgeber führen, sofern sie nur einen Versicherten beschästigen, eine Stimme. Arbeit, geber, die mchrcre Versicherungspflichtige beschästigen, führen bis zu lOO versicherungspflichtig Beschäftigter sür je angefangene 10, und bezüglich der über 100 hinausgehenden Zahl für je aiiaesangene 20 Bcschästigte eine Stimme. Mehr ais 30 Stimmen kann kein Arbeitgeber führen. Wählbar als Vertreter der Bcrsicherten ist nur, wer bei der Kasse versicherst ist. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Weder wählbar noch wahlberechtigt sind die Arbeitgeber unständig Beschäftigter als solche, und Arbeitgeber, die mit der Zahlung der Beiträge im Rückstände sind. Ferner Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Ersatzkasse sind und deren eigene Rechte und Pflichten auf ihren Antrag ruhen. Nicht wählbar ist: 1. wer infolge ftrasgcrlchtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Be ilcioung öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eincS Ver, brstchens oder Vergehens, das den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, versolgt wird, sallS gegen ihn das Hauptversahren er, öffnet ist:, 2. wer infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Ver, mögen beschränkt ist Wer als Ardeitgeier wähwar ist, kann die Wahl nur ablehnen, wenn er 1. daS sechzigste Lebensjahr vollendet hat: 2. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat: Kinder, die ein anderer an KindeSstatl angenommen hat, werden dabei nicht mit- gerechnet: 8. durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, da» Amt ordnungs- mäßig zu führen; i. mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt. Die Vormund« schast oder Pflegschaft über mehrere Geschwister gilt nur alS eine; zwei Gcgenvormundschasten stehen einer Vormundschaft, ein Ehren- amt der Reichsversicherung einer Gegenvormundschast gleich: 5. während der unmittelbar vorhergehenden Wahlzeu das Amt min- deslens zwei Jahre gefllhrt hat. Ein Arbeitgeber, der die Wahl ohne zulässigen Grund ablehnt, kann vom Vorsitzenden des Vorstandes mit Geldstrafen bis zu sünshundert Mark bestrast werden. Die Wahlen find geheim: gewählt wird nach den Grundsätzen der Ver- hältniswahl nach näherer Bestimmung der Wahlordnung. Die Wahlberechtigten werden hiermit aufgefordert» Wahl- Vorschläge gesondert sür die beteiligten Arbeitgeber und Ber- sicherten aufzustellen und dem unterzeichneten Vorstand spätestens bis zum 20. November 1918 unter der Adresse: Wahlbureau der Ortskraukenkasse für Pankow. Berlin-Pankow, Breitcstr. 31» einzureichen. Die Wablvorschläge müssen von mindestens je 10 Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe mit zusammen mindestens 30 Stimmen unterzeichnet sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr alS einen Wahlvorschlag, so wird sein Name nur aus dem zuerst eingereichten Wahlvorschlagc gezählt und auf den übrigen Vorichlägcn gestrichen. Sind mehrere Wablvorschläge, die von demselben Wahlberechtiglen unter, eichnel sind, gleichzeitig eingereicht, so gilt die Unterschrist aus demjenigen Wahlvorlchlage, welchen der Unter- zeichner binnen einer ihm gesetzten Frist von höchstens zwei Tagen bestimmt. Unterlägt dies der Unterzeichner, so entscheidet das Los. Jeder Wahivorschlag darf höchstens dreimal so viel Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter fort- laufender Nummer auszusülnen, wc che die N. ihensolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien- und Vornamen, Berus, Wohnort und Wobnunq zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschästigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlä en sür Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüb-r vorzulegen, daß er zur An- nähme der Wahl bereit ist. Bei den Wahlvorschlägen sür Arbeitgeber ist eine solche Erllärung nur erforderlich, soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der Reichsvcrsicherungsordnung zur Ablehnung der Wahl befugt ist. In jedem Wahlvorschlag ist serner ein Vertreter deS Wahlvorschlags und ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu be- zeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Ver- treter des Wahlvorschlags und, soweit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Der Wahlvorschtagsvertreter ist berechtigt und verpflichtet, dem Borstand die zur Beseitigung etwaiger Anstände er- forderlichen Erklärungen abzugeben. Die Anstände müssen spätestens bis zum 26. November 1013 beseitig sein. Bis zu diesem Zeitpunkte können Wahlvorschläge auch zurückgenommen werde». Die zugelassenen Wabloorschlägc werden eine Woche vor der Wahl im Kassenlokal während der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 4 Uhr nach- mittags zur Einsichtnahme sür die Wähler ausliegen. Daselbst können auch die Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnisse eingesehen werden und etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus dem Arbeitgeber- und Mit- gliedcrverzeichnis ergebenden Wahl- und Stimmberechtigung bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens zivei Wochen vor dcmWahltag unter Beifügung von Beweismitteln geltend gemacht werden. Enthält ein Wahivorschlag mehr Bewerber, als zugelassen sind, so werden diejenigen Vorgeschlagenen gestrichen, deren Namen den in der zu- lässigen Zahl vor ihnen Genannten folgen. Tie Wahlvorfchlägc find ungültig, wenn sie verspätet ein- gereicht werde», oder wenn sie nicht mit den erforderlichen Unterschristen versehen, oder wenn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenfolge aus- geführt sind, es sei denn, daß die Mängel rechtzeitlg beseitigt werden. Die Stimmabgabe ist an die Wahlvorschläge gebunden. Sind aus gültigen Wahlvorschlägen im ganzen nur so viele wählbare Bewerber benannt, wie Vertreter zu wählen sind, so gelten sie als gewählt. Sind weniger Bewerber vorgeschlagen, so gelten diese ebenfalls als gewählt, Die Wähler haben sich über ihre Wahlberechtigung durch eine Wahlkarte auszuwcisc», welche denjenigen Wahlberechtigten, welche bei der Orts- krankentasfe sür Pankow versichert sind, aus ihren Antrag in der Zeit vom 20. November bis 4. Dezember 1313 während der Bureauslunden von der Kasse ausgestellt werden. Die beteiligten Arbeitgeber lönne» sich in derselben Zeit daselbst be- scheinigcn lassen, wieviel Stimmen sie bei der Wahl führen. Der Wahlausschuß ist besugt, die Wahl« und Stimmberechtigung jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Ist der Wähler nicht im Besitz einer Wahlkartc resp. Bescheinigung, so wird er zur Wahl nur zugelassen, wenn er in einer sämtliche Mitglieder des Wahlausschusses überzeugenden Weise seine Wahlberechtigung nach- weisen kann. Als Nachweis genügt in der Regel sür die Arbeitgeber die Quittung übe? die zuletzt gezahlten Kaffcnbeiträge. Für die Kassen- Mitglieder eine vom Arbcilgeber ausgestellte Bescheinigung, daß der Be- treffende am Tage der Wahl noch in Beschäftigung steht. Das Wahlrecht wird in Person und durch Abgabe eines Stimmzettels ausgeübt. Der Wähler erhält einen der Umschläge, die mit dem Stempel der Kasse versehen und im Wahlraum bereit zu halten sind, tritt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er scincil Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag legt und übergibt hieraus den Umschlag unverschlossen unter Aus- händignng seiner Wahllarte dem Vorsitzenden oder dem von diesem be- zeichneten anderen Mitgliede des Wahtimsschusses. Dieser läßt die Abgabe des Stimmzettels vermerken und wirst dann den Umschlag in die Wahl- urne. Arbeitgeber mit mehrfachem Stimmrecht haben so viel Stlmmzettcl je in einem besonderen Umschlage abzugeben, als sie Stimmen haben und abgeben wolle». In diesem Falle ist die Zahl der abgegebenen Umschläge zu vermerken. Wähler, die durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihre» Stimm- zettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des Wahlausschuffis zu übergeben, dürfen sich der Beihilse einer Vertrauens« Person bedienen. Ter Stiuimzettel, der dem Wähler im Wahllokal aus- gehändigt wird, muff die LrdnungSnuuimcr des Wahlvorschlages, dem der Wähler seine Stimme geben will, enthalten. Der Wähler kann nur einen solchen Stimmzettel abgeben, der mit einer Ordnungs- nummer der zugelassenen Wahlvorschläge vollständig übereinstimmt. Die Stimmzettel sollen von weißer Farbe sein. Stimmzettel, die von diesen Bestimmungen abweichen, sind ungültig, wenn das Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht. Stimmzettel, die außer der Bezeichnung einer zugelassenen Ordnungs- numuicr irgendeinen Vermerk tragen, oder deren Umschtäge ein Merkmal haben, welches die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht, oder die unterschrieben sind, sind ungültig. Dasselbe gilt von Stimmzetteln, die sich in einem nicht mit dem Stempel der Kasse versehenen Umschlag befinden. Ungültig ist serner der Inhalt eines Stimmzettels, soweit er zweiselhast ist. Befinden sich in einem Umschlage, der nur sür einen Sttnimzcltcl bestimmt ist, mehrere Stimmzettel, so werden sie, wenn sie vollständig übcrelnstimincn, nur einfach gezählt, andernfalls als ungültig angesehen. Die Wahl wird zu der scstgesetzten Zeit geschloffen: nur die am Schluß der Wahlhandlung im Wahirnum anwesenden Wahler dürfen dann noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Achtung! Achtung k Wahlberechtigt sind ferner die am 1. Januar 1314 durch dl« Reichs- versichcrungSordnung neu In die Krankenversicherung einbezogenen voll- jäbrigcn Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankcnkafse Berlin-Pankow und die volljährigen Arbeitgeber solcher Mitglieder. Ausgenommen hiervon sind die Arbeitgeber unständig Beschäftigter als solche, sowie unständig Be> schästtgtc, die nach K 4od der Ncichsvcrsichcrunasordnun� keine Beitragsteile zablen, und scrner solche Vcrsichcrungspflichligcii, die Mitglieder einer Ersatzlasse sind und deren eigene Rechte und Pflichten aus ihren Antrag ruhen. Die wahlberechtigten Personen werden ausgesordert, sich zwecks Eintragung in die Wählerliste bis ipätestens den 27. November 13l3 vor« mittags 8—1 Uhr im Bureau der Ortsfrankenkasse sür Pankow einzufinden. Die Arbeitnehmer haben sich dort durch eine Bescheinigung ihrer Arbeit- geber über das bestehende Arbeitsverhältnis auszuweisen. Den in die Wählerliste aufgenommenen Personen wird im Kassenburcau eine Wahlkarte als Ausweis zur Ausübung ihres Stimmrechts am Wahltage ausgehändigt werden. Die oben angeführten Bestimmungen über den Gang der Wahl haben sür die hier genannten Personen in allen Punkten Geltung. Berlin-Pankow, den 4. November 1313. Ortskraukenkasse für Pankow. Der vorstand. Otto Riß mann, Borfitzend«. 278/17 # Eigene Kürschnerei. Reparaturen gut, schnell, billigst. Eile zu Weile Spezialhaus für Pelzwaren Berlin S., 119 Dresdener Str. 119 am Oranienplatz. 1000 Pelzstolas Selials, Colliers, Hüllen offeriere ich infolge günstiger Abschlüsse zu hervorragend hiiligen Preisen. 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Tanz in 13 Bild. m. vollständ. freier Benutzung des Jules Verne'fchen Romanos von Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. lliohard Schultz. Karl Baclunann. Joseph Giampietro. Guido TMelseher. Allred Sehmasow. Leopold Weil. Ludwig Wolt. Helene Ballet. IdaRusska. J. de Lande. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Svinv Geliebte. Neues Progpamm. Willard der wachsende Mann. Grete Freund Paul Beckers Operetten- Komiker Diva 1 1 Crispi und Farren Excentr. Tanz-Duo und die übrigen November-Attraktionen! Rancfaen gestattet! Voigt- Theater Badstrafte 58. Morgen Mittwoch, 5. Rovbr. 1913: Mtin l'coplb. Pollsst, m.Ges.i. lZAkt.v.Ad.L'Arronge Kasseneröffnung 7 Uhr. Zins. 8'/, Uhr. «Laslno- Theater Lothringer Sir. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Possen-Schloger Ferdinand der Tugendhafte. Das drall. Stück seit Bestehen d. Theat. Lorher das erstfl. Spezialität.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: llntterliebe. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Kiiiisen-Theater. I Walhalla-Theater. Dienstag, s1!, Uhr: I o», r.... n l.lobeKonfcoI Von Stufe zu Stufe. 8'* l�r"er �»enesonKel. Lebensbild mit Ges. u. Tanz in 5 Bild. I Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Jb„Clou" — Mauerstraße 82.— I :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Berliner Konzerthaus-Orcbester. Leitung; Komponist Frz. v. Blon. Als Gastdirigent: Hofkapellmeister Prof. Traugatt Ochs, Musikkorps Kaiser-Franz-Garde-Grenad.-Regts. Dlrig. Oberm. A. Becker. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 PI Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Vf. NSChmMSgS'NOllZei'l ��tritt" 1 Weinbergsff fR weg 16-17(2 U I Min. v.Rosenth. Tor) imu Madge Lessing 5, 7, 9 Uhr. Hasen- 1 beide Reinickendorfer ÜT Str. 14. Carl Clewing vom König). Schauspielhaus in dem Drama Der Thronfolger Die I Botschaf ierin Ein diplomatisctier Koman in drei Kapiteln. Aktualitäten: Einzug des braunsebweigisehen Herzogspaars. Pegouds Sturzflüge.__ Humoristisches Programm: ixUiUoriötiisOUoa x i Ugi. eil I III,. (J) Montzpiatz: Gchwiegosinuttsc kommt zum Besuch. (Ifi Hohenheide: Wl a x bleibt ledig. In der Hauptrolle: Max Itinder. ©weinbergsweg i6-i7 Maiens Eommer-Kelse. (2Min.T. Kosenth-Tor) � HanptroUe: Max Linder. ReLnicken- Seebäder im Hause. dorierStr.14: sr des Westens. Polenblut. zi,-------—__—- �tüchälfteiaftotr: Klftcti Wiclcpp. Neukölln. Für de» gnseratenteil verautw.: TH- Glocke. Berltn. Druck u. Verlag:Lorwärt>»uchoruckerei u.BeclagSanjtatt Kaut Singer».Eo, S-rim S«. Anfang 8 I hr. Airbus Busch. Heute Dienstag, 4. November, abends VI, Uhr: DSU- Das grefte TW November- Programm. Besonders hervorzuheben: die unvergleichlichen The Drig. Itoston Bros, sowie die Hauptattrakiion Mar, Moritz und Teddy, das lustige Menschen-Affen-Trio. Zum Schluft: die neue grofte Ausstattungs- Pantomime Aus nuseren ßolanien. 8tandplat«: In Dßügerstraße. Premiere heute Dienstag den 4. 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Wohl bestehen für einzelne Zweige des Gesundheitswesens bestimmte Deputationen, aber eine einheitliche Organisation mit einem Fachmann an der Spitze fehlt. Von dieser Erkenntnis ausgehend, hat die sozialdemokratische Frak- tion bereits im Jahre 1885 die Anstellung eines besoldeten Medi- zinalbeamtcn beantragt. Genau so wie die Stadt Bauräte, Schul- räte habe, müsse sie auch einen besoldeten Stadt- Medizinal- r a t haben. Im Jahre 190:2 wurde ein diesbezüglicher sozialdemo- kratischer Antrag noch abgelehnt, weil ein Bedürfnis�für eine solche Stelle nicht vorliege; obwohl im Jahre 1885 die Stadtver- ordnetenversammlung erklärt hatte, daß ein besoldeter Sanitäts- beamtcr erwünscht sei. In der Berichtsperiode hat die Fraktion von neuem den Versuch gemacht, den von ihr geforderten Stadt- medizinalrat zu erhalten. Dazu bot die Neuwahl eines besoldeten Stadtrats in der Sitzung am 1. Februar 1912 erwünschte Gelegen- heit, wobei sich herausstellte, daß auch die übrigen Gruppen der Stadtverordnetenversammlung endlich ebenfalls die Notwendigkeit eines besoldeten Stadtmedizinalrates anerkannten. Der Wider- stand von dieser Seite war also überwunden; aber er bestand noch im Magistrat fort. Ter Magistrat und vor allem der Oberbürger- meister Kirschner wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Ver- stärkung des Magistrats, der sei mit seinen 34 Köpfen ohnehin schon groß genug. Es kam am 15. Mai 1912 zur Vorlegung eines Ortsstatuts über Anstellung von Direktoren, das aber nach keiner Richtung hin befriedigte. Am 31. Oktober 1912 hatte die Stadtver- ordnetenversammlung sich erneut mit der Frage des Medizinalrats zu befassen und nunmehr konnte unter neuer oberbürgermeisterlicher Initiative eine Lösung erfolgen, wie sie ursprünglich verlangt wurde. Die Anstellung des Siadtmedizinalrats wurde einstimmig bc- schlössen. Von sozialdemokratischer Seite wurde bei dieser Gelegen- heit betont, daß endlich auch eine planvolle systematische Or- ganisation des gesamten Gesundheitswesens in die Wege geleitet werden müsse. Man sieht auch hier: Ursprünglich, 1902, wurden die sozialdemokratischen Anträge abgelehnt und 1912 wurde derselbe Gedanke von der Stadtverordnetenversammlung akzeptiert. Licht-, Luft- und Sonnenbäder in öffentlichen An- stalten einzurichten, darum hatte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat bei früheren Gelegenheiten ersucht. Der Magistrat teilte den Stadtverordneten am 31. Dezember 1911 mit, daß er diesem Ersuchen nicht beitreten könne, weil er die Verantwortung für derartige Matznahmen nicht übernehmen könne. Die Sachvcr- ständigen seien über diese Frage noch nicht ganz einig. Diese An- ficht des Magistrats wurde auf das lebhafteste bekämpft und nach- gewiesen, daß der Magistrat sehr schlecht beraten gewesen sei. Ein sozialdemokratischer Antrag, die Angelegenheit nochmals zu beraten, wurde aber von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Walderholungsstätten für Kinder einzurichten, ist von der sozialdemokratischen Fraktion wiederholt verlangt und schließlich auch in der Stadtverordnetenversammlung durchgesetzt worden. Widerstand leistete aber der Magistrat, welcher die Aus- führung auf die lange Bank schob, weil in einigen Heimstätten Kinder untergebracht worden könnten. In der Sitzung am 22. Fe- bruar 1912 wurde von unseren Genossen dieses Verhalten einer Kritik unterzogen und außerdem auf die heute herrschende Zer- splitterung der Äinderfürsorgebestrebungen hingewiesen, die einer Zusammenfassung dringend benötigten. Mißstände im Jrrenwesen wurden in den Sitzungen am 13. Februar 1913 gelegentlich der Beratung einer Petition an den Landtag und bei Besprechung der Kündigung»des Vertrages mit der CharitH am 29. Mai 1913 zur Sprache gebracht; ins- besondere wurde das Verhalten der Polizei in Jrrensachen einer Kritik unterzogen. Die Vcrstadtlichung des Rettungswesens, eine seit Jahren von der sozialdemokratischen Fraktion geforderte Ein- richtung, wurde in der Berichtsperiode zur Wirklichkeit. Die bis- berige Zersplitterung in Unfallstationen, Sanitätswachen und Rettungsstationen kam durch die Uebernahme des Rettungswesens in Regie der Stadt in Fortfall und ermöglichte eine viel plan- mäßigere Organisation des Rettungsdienstes über das Weichbild der� Stadt Berlin. Die Stadtverordnetenversammlung beriet über diese Frage in ihren Sitzungen am 8. Februar und 7. März 1912 und beschloß die Kündigung der Verträge mit den Aerzten und die Einsetzung eines Kuratoriums. Und am 30. Januar 1913 erfolgte die endgültige Beschlutzfassung über die neue Organisation. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 16. Januar 1913 wandte sich die Fraktion durch einen Antrag gegen die Benutzung von Waisenkindern als Versuchs- k a n i n ch e n. Dem Antrage lag die Tatsache zugrunde, daß in dem Waisenhause in Rummelsburg Waisenkinder mit einem Tuber- kuloseheilmittel geimpft worden waren, ohne jede Kenntnis der Waisenverwaltung. Dieses Verfahren wurde aufs schärfste ge- geißelt. Die Waisenverwaltung hat für die ihr anvertrauten Kinder die volle Verantwortung und sie läßt nach den bisherigen Ge- pflogenheiten operative Eingriffe bei Kindern nur nach vorher ein- geholter Zustimmung der Angehörigen oder des Vormundes vor- nehmen. Im vorliegenden Falle waren aber die Impfungen hinter dem Rücken der Waisenverwaltung durch den leitenden Arzt der Anstalt zugelassen worden. Dieses Verfahren wurde vom Ma- gistratsvertreter gcmißbilligt und obwohl einige ärztliche Stadtver- ordnete das geübte Verfahren im Interesse des ärztlichen Standes zu verteidigen suchten, ist die Angelegenheit im Sinne unserer Ge- noffcn durch den Magistrat erledigt worden. Die Verpflegung der Kranken und des Personals in den städti- schen 5krankenanstalten wurde in der Sitzung vom 27. März 1913 von unserer Fraktion zur Sprache gebracht und die sehr auffällige Tatsache festgestellt, daß für Beköstigung pro Kopf der Kranken und pro Tag mit95Pf. berechnet wird, während auf den Kopf des Arztes pro Tag 3 M. entfallen. Eine solche Opulenz und Verschwendung bei dem Aerztetisch im Gegensatz zur Beköstigung der Kranken sei mit dem Interesse der Gemeinoe nicht recht in Einklang zu bringen. Alles in allem zeigt die Tätigkeit auf dem Gebiete des Gesund- heitswesens, daß immer den Sozialdemokraten es vorbehalten blieb, sich der Interessen der breiten Masse der Bevölkerung anzunehmen. Zu den Stadtverordnetenwahlen. Der Kommunalfreisinn will seine ganze Kraft bei den diesmaligen Wahlen nur auf bestimmte Bezirke der dritten Abteilung richten, den größten Teil der zur Wahl stehenden Bezirke aber wegen Aussichtslosigkeit kampflos der Sozial- demokratie überlassen. Diese Tatsache ist nicht besonders er- frculich, denn nur da ist ein wirklicher Kamps, welcher reizt, wo auch der Gegner sich stellt. Das kann aber leicht dazu führen, daß unsere Genossen lau werden und daß mancher sich dem Wahne hingibt: Auf meine Stimme kommt es nicht an! Das darf nicht sein! Unsere Genossen müssen auf dem Posten sein, uni nicht überrascht zu werden und müssen alles daran setzen, um am 9. November mit großen Stimmen- zahlen den Sieg der sozialdemokratischen Kandidaten herbei- zuführen. * Sand in die Auge». Unter dieser Ueberschrift schreibt die„Welt am Montag': „Die liberale Presse behauptet, die im 26., 38. und 41. Berliner Gemeindewahlbezirk für die dritte Klasse aufgestellten Herren Bitterhof, Alt und Meister seien die„alleinigen Kandidaten aller bürgerlichen Parteien". So, so l Wann haben denn die Konservativen und die Demokraten, bie Zentrumsleute und die Nationalliberalen sich für diese Kandidaturen erklärt? Unseres Wissens sind die Herren lediglich vom Konimunalfreisinn auf- gestellt. Seit wann ist der aber identisch mit„allen bürgerlichen Parteien"? Es mag ja sein, daß die Herren politisch so rück- ständig sind, daß sie ruhig auch von Konservativen und Anti- semilen gewählt werden können. Dann soll man aber wenigstens offen sagen: Kandidaten aller reaktionären bürgerlichen Parteien Hoffentlich werden unsere Genossen in den oben genannten Bc- zirken mit doppelter Kraft für die sozialdemokratischen Kandidaten wirken._ partei- Hngclegcnbelten. Verband der Sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgebung. Die ordentliche Generalversaminlllng des Verbandes findet auf Beschluß des Zentralvorslandes ani Sonntag, den 23. November 1913, in den Konzert- und Festsälen, Koppen- straßc 29 statt. Anfang vormittags 9 Uhr. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes, Kassenbericht, Bericht der Revisoren. 2. Die Arbeitslosenversicherung. Referent: Reichstags- abgeordneter Genosse Molkenbuhr. Für die Besetzung der Generalversammlung gilt der Be- schluß der außerordentlichen Generalversammlung voni 10. November 1912 in Verbindung mit§ 12 des Verbandsstatuts. Demnach sind von den einzelnen Kreisen die folgende Anzahl Delegierte zu entsenden: Summa 640 Delegierte Etwaige Anträge sind dem Verbandsbureau einzureichen. Der gcschäftsführcnde Ausschuß. An die Bildungsausschüffc und Organisationslcitungcn. Die Karten für die von uns angekündigten Theater- Vorstellungen am 16. November und 14. Dezember sind ver- griffen. Wir machen nun auf die am 28. Dezember 1913 im Deutschen Opernhaus stattfindende Vorstellung von„Zar und Zimmermann" aufmerksam und empfehlen den Organisationen die baldige Bestellung der Gutscheine. Zugleich verweisen wir auf die Vorstellungen im H e r r n f e l d t h e a t'e r am 25. Dezember 1913 und am 1. Januar 1914. Zur Aufführung gelangen am 25. Dezember„Die Familie S e l i ck e" von Holz und S ch l e f und am 1. Januar „Hinterm Zaun" von R ö ß l e r, zwei Stücke, deren Besuch wir der Arbeiterschaft warm empfehlen können. Auch dafür sind noch Karten zu haben. Das neue Jugendschriften-Verzeichnis ist erschienen und den Organisationen zugegangen. Eine billige Ausgabe des Verzeichnisses wird in den Ausstellungen gratis zur Verteilung gelangen. Wir besitzen noch einen kleinen Rest von der dafür bestimmten Auflage; Organisationen, die mit der ihnen überwiesenen Anzahl nicht ausreichen, können davon noch kleinere Posten erhalten. Auch das Mitteilungsblatt Nummer 3 des Z e n t r a l- B i l d u n g s a u s s ch u s s e s ist den Bildungs- ausschüssen zugegangen. Wir machen ganz besonders auf die darin enthaltenen Darlegungen über die Lichtbilder- zentrale aufmerksam und empfehlen den Organisationen und Bildungsausschüssen, sich bei der Veranstaltung von Lichtbildervorträgen stets dieser eigenen Einrichtung der Arbeiterbewegung zu bedienen. Rur wenn die Zentrale eifrig benutzt wird, ist es möglich, sie auszugestalten. Der Bezirks-Bildungsausschust Groß-Berlin Lindenstraße 2, Hof I. Zweiter Wahlkreis. 7. und 8. Abieilmig. Heute abend: Hand- zettelverbreitung von den bekannten Stellen aus. Charlottcnburg. Morgen Mittwoch, abends S'/z Uhr, finden öffentliche Kommunalwählerversammlüngeii stait. Für den 2., 4. und 6. Bezirk in den Charlottenburger Festsälen fsrüher Schulz), Kaiser-Friedrich-Straße 24. Tagesordnung: 1. Kommunale Jnleressenverlrelung wie sie ist und— wie sie sein sollte. Referent: Stadtv. Gebert. 2. Freie Aussprache.— Für den 8. Bezirk in den Äuguste-Viktoria-Sälen(Jnh. Körting), Lutherstraße 31/32. Tagesordnung: 1. Aufgaben der Gemeinde. Referent: Stadlv. Dr. Bruno Borchardt. 2. Freie Aussprache. Gleichzeitig findet für die 5. Gruppe eine wichtige Gruppen- Versammlung im Volkshause, Rosinenstr. 3, statt. Heule Dienstag hält die 7. Gruppe einen Extrazahlabend bei Thunack, Wielandstr. 4, ab. Vortrag des Genossen Hirsch. Steglitz- Friedenau. Heule Dienstag, abends 8>/z Uhr, findet bei Schellhase, Ahornslr. 15. die Generalversammlung" des Vereins Arbeiter-Jugendheim Steglitz-Friedenau statt. Wichtige Tagesordnung. Lankwitz. Der Bildungsausichuß veranstaltet bei H. Schulz, Mühlenstr. 4, Vorträge über„Die Einführung in die Wissenschaft- lichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung". Der erste Vortrag findet am Donnerstag, den 13. November, die folgenden am 20., 27. November und 4. Dezember statt. Vortragende Frau Dr. Käthe Duncker. Neukölln. Mittwoch, den 5. November, findet wieder eine der so beliebt gewordenen Märchenvorlesungen statt, und zwar nicht in den Jugendheimen, sondern bei Bartsch, Hormannstr. 49. Ansang 5 Uhr. Eintritt frei. Die Eltern werden gebeten, nur schulpflichtige Kinder zu schicken. Oranienburg. Heute Dienstag, abends S1/* Uhr, im Lokale „Waldhaus Sandhausen", Schützenstr. 34: Oeffentliche Kommunal- wähler-Versammlung. Tagesordnung: 1. Weshalb wählen wir Sozialdemokraten ins Stadtparlament? Referent: Genosse Oswalt Grauer-Lichtenberg. 2. Die Tätigkeit unserer Fraktion. 3. Freie Diskussion. Ansprache des Kandidaten. Lerlmer Nacbricbten, Vom Kampfe gegen den Alkohol! Der Arbeiter-Abstinenlen-Vund, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet für die Zeit vom 2. November bis einschließlich 9. November d. F. in den Ausstellungsräumen des Gewerkschaflshauses eine Antialkohol« Ausstellung, verbunden mit einer sehr reichhaltigen Literatur- Aus- stellung. Am Sonntag wurde diese gemeinnützige Ausstellung er- öffnet. Sie kann bei geschickler Ausnutzung der dort gezeigten Schä- digung des Alkoholmißbrauchs, der Abstinenzbewegung sowie der ge- samten Klassenbewegung des Proletariats reiche Früchte bringen. Sieht man von einigen Lücken, die jede Ausstellung am Eröfinungs- tage ausweist, ab, so kann die Ausstellung als gelungen angesprochen werden. Ist doch der Zweck des Ganzen, dem Arbeiter zu zeigen, wie man den Klassenkampf steigern und den unentreißbaren, schließ- lichen Sieg herbeiführen kann. Die Ausstellung ist ein Persuch. Es ist sicher, daß die Abstinenz- bewegung ungemein viel zur Hebung der Kampfessteudigkeit des Proletariats tun kann; das zeigt uns die Ausstellung selbst mit ihren anschaulich dargestellten Resultaten. Wir sehen die Wirkungen des Alkoholmißbrauchs auf die Degeneration der Geschlechter graphisch dargestellt mit einer Gegenüberstellung mit anderen Nationen, wir sehen tabellarisch die Summen, die das Deutsche Reich sür die ver- schiedencn Kultuczwecke ausgibt— für die Arbeiterversicherung 893 Millionen, für Bolksschulzwecke 522 Millionen, auf der anderen Seite betragen die Ausgaben des Reiches für alkoholische Getränke 3400 Millionen sTabelle 8). Gewiß ein Beweis, daß die Arbeiter- schaft es notwendig hat, dieser Frage ihre Aufmerksamkeit zuzu- wenden. Auch über die Rieseneinkünfte einiger Brauereibesitzer gibt uns die Ausstellung Aufschluß, so daß wir unseren Partei- und Ge- Werkschaftsgenossen einen Besuch nur empfehlen lönnen. Die Ausstellung ist geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Der Eintritt ist für jedermann frei. Hoffentlich sorgt die AuSstellungSleitung für die genügende mündliche Belehrung, am besten wäre ein geschulter Führer, damit man sich jederzeit über das Wollen der Abstinenzbewegung unter- richten kann._ Berliner Asyl-Berein für Obdachlose. Im Monat Oktober nächtigten im Männerasyl 15 213 Personen, wovon 6962 badeten, im Frauenasyl 2715 Personen, lvovon 658 badeten. Arbeits- Nachweis wird erbeten für Männer und für Frauen: Wiesen- stratze 55/59. Neue elektrische Lampen wird die Staaisbahnverwaltung dem- nächst auf Berliner Fernbahnhöfen erproben lassen. Es handelt sich dabei um die sogenannte„Ol itra-Lampc", bei welcher die den Leuchtkörper unigebende Glocke nicht mit verdünnter Lust, sondern mit S t i ck st o f f gefüllt ist. Die neue Lampe soll die beste Starklichtquelle geben, welche die jetzt 34jährige Periode elektrischer Beleuchtung aufzuweisen hat. Während nämlich die ersten Kohlen- fadenlampen eine Lichtstärke von 220, später 450 Kerzen besaßen, ergeben die„Nitra-Laurpen" Lichtmengen biszu3000Ker.z e«l Der Stromvervrauch soll dabei verhältnismäßig geringer sein, als bei den neueren Starklichtquellen. Das Licht ist weiß und ruhig, seine Wirrung könnte, sosern überhaupt ein Bedürfnis dazu vor- liegen würde, leicht aus 5000 und mehr Kerzen erhöht werden. Aus der Gewerbedeputation. In der letzten Sitzung der Gewerbedeputation wurde über einen Antrag der Berliner Handwerkskammer verhandelt, die Handwerkskammerkosten nicht, wie jetzt üblicks, aus die Handwerks- betriebe allgemein umzulegen, sondern den Teil dieser Kosten, der auf die gewerbesteuersrei veranlagten und auf die in der vierten Gewerbesteuerklasse veranlagten Handwerksbetriebe entfällt, von den Einnahmen aus der Warenhaussteuer zu decken und erst den dann verbleibenden Rest der Warenhaussteuereinnahme zugunsten der dritten Getverbestcuerklasse zu verwenden. Die Deputation beschloß Ablehnung des Antrages, da er in den gesetzlichen Bcstim- mungen keine Stütze findet. Wenn es auch im Warenhaussteuer- gei'etz heißt, daß ans den Erträgen dieser Steuer Gemeindebedürf- nisse im Interesse des kleinen Handwerks befriedigt werden dürfen, so war die Deputation der Ansicht, daß die Beiträge zur Handwerks- kammer, die nach 8 kb3 l der Gewerbeordnung auf die einzelnen Handwerksbetriebe umgelegt werden, nicht Gemeindebedürfnisse im Sinn des vorerwähnten Paragraphen sind. Aehnlich hatte sich auch die Steuerdirektion zu Berlin, die um ein Gutachten angegangen worden war, geäußert. Ein früherer Antrag des Allgemeinen Deutschen Gärtner- Vereins um Unterstützung seines an den Polizeipräsidenten gerichte- ten Gesuchs, den Schluß der Verkaufszeit in den Blumengeschästen auch während der Winrcrmonate auf 2 Uhr nachmittags festzu- setzen, war zunächst den Arbeitgeberkorporationen überwiesen worden, um auch diese zu hören. Inzwischen hat der Polizeipräsi- dcnt den Antrag des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins ab- schlägig beschiedcn, so daß für die Gewcrbedeputation die Angelegen- heit gleichfalls erledigt ist. Eine längere Debatte zeitigte die Mit- teilung des Ergebnisses der von der Deputation gegebenen An- regnng betreffs Verlegung der wöchentlichen Lohnzahlung vom Sonnabend auf den Freitag. Die Berliner Handelskammer, die um ein Gutachren ersucht lvar, antwortete, daß rn Berlin die Lohn- zahlung am Freitag nur sehr wenig eingeführt und ein Bedürfnis dafür als nicht worhanden zu betrachten wäre. Diesem durchs Sachkenntnis wirklich nicht getrübten Urteil wurde selbst von Stadtverordneten aus Arbeitgeberkreisen energisch zu Leibe gerückt, die mit Recht darauf hinwiesen, daß die Lohn- zahlung am Freitag in den Arbeitgeberkreisen schon viel Anhänger gefunden habe, was die Handelskammer nicht zu wissen scheine. Es wurde auch auf den Fortschritt und den Nutzen hingewiesen, der bereits für alle Teile, Arbeitnehmer, deren Frauen, Arbeitgeber und Geschäftsleute durch die Lohnauszahlung am Freitag erzielt worden ist. Besondere Bedenken wurden gegen die Freitagslohn- auszahlung im Baugewerbe geltend gemacht, da die Banken in der Regel erst am Sonnabend die Gelder auszahlten. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit im Auge zu behalten. Mit den Banken und anderen interessierten Arbeitgebern soll weitere Fühlung ge- nommen werden; mit ersteren dabin, daß sie bereits stüher als sonnabends die Golder zur Auszahlung bringen, um dadurch auch für die Arbeiter im Baugewerbe die Auszahlung des Lohnes am Freitag zu ermöglichen. Der Antrag�des Polizeipräsidenten, einem Bäckermeister in der Petersburger Straße die Befugnis zur An- leitung von Lehrlingen zu entziehen, wurde abgelehnt. Die hier- über eingezogenen Informationen hatten sich zum Teil als über- trieben, teils als gänzlich unwahr herausgestellt. In einem anderen Falle kam die Deputation zu einem entgegengesetzten Beschluß, nämlich der Firma Beck u. Eo.(Inhaber Edgar Goldschmidt), Georgenkirchstratze 40, die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen zu entziehen. Der genannte Herr hat zu gleicher Zeit zwei Ge- schäfte; eine Fabrik, die er auf seinem Briefbogen pompös als „Fabrik wissenschastlich-physikalischer Instrumente" bezeichnet, und eine weitere Fabrik„Torpedo", in der Automobile hergestellt werden sollen. Zu lctzlcrem Betrieb hatle der Werkmeister dem revidie- rendcn Gewerbeinspektor den Zutritt verwehrt, weil dieser Betrieb ein.Handwerksmäßiger" wäre und der Gewerbeinspektor daher dort nichts zu suchen habe. Auf Grund eines eingeholten Sach- verständigen-Gutachtens erachtete die Deputation für festgestellt, daß in der Fabrik wissenschaftlich-physikalischer Instrumente von fünf Lehrlingen, drei Gesellen, die sich um die Lehrlinge nicht kümmern können, und einem Werkmeister ganz gewöhnliche grobe Echlosserarbeiten verrichtet wurden. In der Fabrik„Torpedo" wurden neben einem Werkmeister und zwei Gesellen neun Lehr- linge beschäftigt! Die Deputation genehmigte die Anstellung des Rechtsanwalts Schade zum stellvertretenden Vorsitzenden des hiesi- gen Jnnungsschiedsgerichts. Ein Antrag aus der Mitte der Depu- tation, die für das Jahr 1914 bereits festgesetzten Ausnahmetage in ihrer Zahl zu erhöhen, wurde wegen der Aussichtslosigkeit der Genehmigung durch die Polizeibehörde abgelehnt, Die Maffenvergistungen im Osten. Zu den Massenvergiftungen im Osten der Stadt, über die wir gestern morgen berichteten, werden noch weitere Erkrankungen ge- meldet. So sind unter schweren Vergiftungserscheinungen der Schlächtermeister Kaschada, der Arbeiter Raak sowie dessen Ehefrau und der Tischlermeister Herold, alle in der Dolziger Straße wohn- hast, erkrankt. Außerdem sind gestern in der Boigtstraße 17 der Arbeiter Palm, dessen Ehefrau und die beiden Kinder, eine Tochter von 16 und ein Junge von 8 Jahren, erkrankt. Ein weiteres Opfer der Vergiftungen ist der Fleischer Bleu aus der Eldenaer Straße 23 geworden. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Die sämtlichen Er, krankten hatten Fleisch gegessen, das von einem Schlächtermeister in der Samariterstraße gekauft worden war. Alle Personen liegen zu Bett nnd befinden sich in Behandlung der Aerzte Dr. Keller und Dr. Cohn. Als man bei dem Schlächtermeister eine Durchsuchung vornahm, wurde von dem in Betracht kommenden Fleisch nichts mehr vorgefunden. Jedoch erhielt Dr. Keller von einer der er- krankten Frauen einen Rest des Fleisches, der der Kriminalpolizei übergeben wurde. Das Resultat der polizeilichen Untersuchung steht noch nicht fest. �_ Ueber den entsetzliche» Unglücksfall auf dem Bahnhof WaidmannS- lust, bei dem, wie wir in unserer Montagsnummer berichteten, der LOführigen Dora H u s s o ck(nicht Husen) aus der Müllerstr. 89 in Berlin von einem Eisenbahnzuge beide Beine abgefahren wurden. wird uns noch folgendes berichtigend mitgeteilt: Die Verunglückte wollte nicht einen nach Berlin fahrenden Zug besteigen, sondern war mit einem von Berlin kommenden Zuge in Waidmannslust an- gekommen. Da sie unterwegs ein Unwohlsein befallen hatte, wollte sie sich nach der Bahnhofstoilette begeben. Dabei rutschte sie auS und fiel auf das Gleis, auf dem gleich darauf ein Zug nach Berlin einfuhr. Ehe jemand helfend htnzuspringen konnte, war das Unglück geschehen. Die Bedauernswerte liegt jetzt im Moabiter Krankenhaus (nicht am Urban) schwer danieder. Differenzen im Berliner Lehrerverein. Im Berliner Lehrerverein ist ein bedauerlicher Zwiespalt ausgebrochen, der den bisherigen Vor- stand veranlaßt hat, seine Aemter niederzulegen. Es wird der„Voss. Zeitung" darüber berichtet: In der Versammlung des Vereins vom 24. Oktober d. I. hatte ein Antrag des Vorstandes seitens der Ver- saminlung nicht die genügende Unterstützung gefunden. Der Vor- stand hatte die Streichung eines Passus auS den Thesen über Lehrer- besoldung beantragt, die de» Verhandlungen dcS Preußischen Lehrer- Vereins, die in Posen im Dezember d. I. stattfinden, zugrunde liegen werden. Eine allerdings nur geringe Mehrheit der noch in spätester Stunde anwesenden Mitglieder hat jedoch diele von dem Vorstand beantragte Streichung abgelehnt. Da der Vorstand diese in einer vorhergehenden Sitzung einstimmig beschlossen hatte, glaubt er nun- mehr nicht in der Lage zu sein, den Beschluß des Verein» auf der Posener Tagung mit ganzem Herzen vertreten zu können. Aus diesem Grund ist die Niederlegung der Aemter der Borstandsmitglieder er- folgt. Die dadurch geschaffene Situation soll in einer außerordent- lichen Vereinsversammlung geklärt werden, die der bisherige Vor- stand auf Dienstag, den 4. November, abends 8 Uhr, nach dem Lehrervereinshause einberufen hat. Die Pulsadern durchschnitten haben sich der 34 Jahre alte Ar- beiter August Mangel aus der Wollirwr Straße und seine Geliebte, das Dienstmädchen Frida Halle aus der Linienstraße 141. Beide wurden bewußtlos aufgefunden und nach der Charite geschafft. Sie wollten aus dem Leben scheiden, weil sie nicht heiraten konnten. Mangel konnte die Scheidung von seiner Ehefrau, die vier Jahre von ihm getrennt lebte, nicht erreichen. Vorort- JNacfmcbtein Spandau. Der Ausgang der Stadtverordnetenwahlen. Die gestrigen Stadtverordnetenwahlen hatten folgendes Er- gebnis: 2. Wahlbezirk: Wahlberechtigte Stimmen 1599, abgegebene Stimmen 519. Davon erhielten: Vereinigte bürgerliche Verein« 165— 172 Stimmen, Kommunalwahlvcrein 269— 271 Stimmen, Sozialdemokratische Kandidaten 68 Stimmen.— Gewählt Kam- munalwahlverein. 3. Walbezirk. Wahlberechtigte Stimmen: 2649. Abge- gebene Stimmen 623. Davon erhielten: Vereinigte bürgerliche Vereine 99— 96 Stimmen, Kommunalwahlverein 416— 423 Stimmen, Sozialdemokratische Kandidaten 96— 191 Stimmen.— Gewählt: Kommunalwahlverein. 6. Wahlbezirk. Wahlberechtigte Stimmen: 1299. Abge- gebene Stimmen: 429. Davon erhielten: Vereinigte bürgerliche Vereine 43 Stimmen, Kommunalwahlverein 294 Stimmen, Sozial. demokratische Kandidaten 173 Stimmen.— Stichwahl zwischen Kommunalwahlverein und Sozialdemo- traten. 7. Wahlbezirk. Wahlberechtigte Stimmen: 2999. Abge- gebene Stimmen: 831. Davon erhielten: Vereinigte bürgerliche Vereine 111—112 Stimmen, Kommunalwahlverein 374—383 Stim- men. Sozialdemokratische Kandidaten 337 Stimmen.— Stich- wähl zwischen Sozialdemokraten und Kommu- nalwahlverein. 8. Wahlbezirk. Wahlberechtigte Stimmen: 2599 Stimmen. Abgegebene Stimmen 642. Davon erhielten: Sozialdemokrat 359 Stimmen, Kommunalwahlverein 219 Stimmen, Vereinigte bürger- liche Bereine 73 Stimmen.— Gewählt der Sozialdemokrat Pieper._ Es haben demnach stattzufinden zwei Stichwahlen zwischen Sozialdemokraten und dem Komunaleu Wahlverein. Eine Lievestragödie hat sich vorgestern in Spandau zugetragen. In der Wohnung eines Leutnants vom 5. Garde-Grenadier-Regiment erschoß sich eine junge Dame aus Berlin, angeblich die Tochter eines angesehenen Berliner Großkaufmanns. Die Dame, die sich in Ab- Wesenheit deS Offiziers Zutritt zu seiner Wohnung verschafft hatte. stand mit dem Leutnant schon längere Zeit im Verkehr. Sie hatte den Offizier aufgesucht und wollte mit ihm eine Rücksprache nehmen. Der Vater der jungen Dame war dieser nachgefahrea und wollte sie abbaten Als sie ihn kommen hörte, erschoß sie sich im letzten Augen- blick mit einem Jagdgewehr des Offiziers, der während des Borfalls in Berlin weilte. Trevtow'BaumsÄulenweg. Maßnahmen der sozialen Fürsorge beschäftigten die Gemeinde- Vertretung in ihrer Sitzung vom 21. Oktober. Die Tribüne war voll besetzt und sie hätte den Andrang gar nicht fassen können, wenn �...!,. t......'- S«___ � Wlrtv*>W»V Zuhörerschaft ausschlösse. Die Frage der Jlcischvers orgung hatte deren eine ganze Anzahl angelockt, doch tvurde ihnen der Zu- tritt verwehrt. Dabei läge es durchaus im Interesse der Gemeinde, wenn besonders bei diesem Punkte die Frauen mit ihrer Sach- kenntnis zuhören und noch besser mitraten könnten. In der Sache selbst schloß sich die Gemeindevertretung dem Vorschlage der �euerliNjZskommission an, wonach die Gemeinde den Vertrieb des rusfischen Fleisches in eigener Regie übernimmt. In jedem Ortsteil wird ein Laden eingerichtet, in dem der Verkauf an be- stimmten Tagen der Woche stattfindet. Die Fleischermeistcr hatten bekanntlich die Uebernahme des Vertriebs abgelehnt. Eine eingehende Aussprache rief der von unseren Genossen und dem-Demokraten Kröbel gestellte Antrag hervor, für die Gemeinde Treptow eine Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System einzurichten. Anschließend an die Verlesung des Antrages skizzierte zunächst der Gemeindevorsteher selbst kurz das Genter System und gab einen Ueberblick über die bisherigen Maßnahmen der Gemeinde zur Bekämpfung der Not sowie die durch den Antrag zu erwartende Belastung Die letztere ist danach für den 2� Millionen-Etat der Gemeinde recht unerheblich. Die Prü- fung der Hauslisten hat ergeben, daß sich um Mitte Oktober 333 Per- sonen, die sich ans 49 Berufe und 7 Arten ungelernter Arbeiter ver- teilen, als arbeitslos bezeichneten. Einen durchschnittlichen Unter- stützungsbetrag wie bei der Schöneberger Versicherung im Jahre 1912 von 18 M. angenommen, ergebe für Treptow 5994 M. im Jahre, eine Summe, die aber nicht erreicht wird, weil doch nicht alle Arbeitslosen organisiert oder Sparer sind. Nach dem Ver- hältnis der Einwohnerzahl gegenüber Schöneberg, das sich wie 1: 5 verhält, sei auf eine jährliche Ausgabe von 3380 M. zu schließen. Demgegenüber habe eine Denkschrift Neuköllns für Treptow rund 5899 M. berechnet(wobei der für Groß-Berlin gedachte Betrag nach der Steuerkraft der Gemeinden umgelegt ist). Für Bedürftige gibt die Gemeinde Treptow schon jetzt auch außerhalb des Rahmens der Armenunterstützung Rohmaterialien, wie Hülsenfrüchte und Kartoffeln ab. Bauten, deren Beschleunigung Arbeit bringen könnte, sind jedoch leider nicht vorhanoen. Ramens des Gemeinde- Vorstandes schlug der Vorsteher vor, sich an den vorberatenden Ar- beiten Groß-Berlins zu beteiligen, da eine Zersplitterung schädlich sei und die Einführung dieser Versicherung eine Aufgabe des R e i ch e s bleiben müsse. Außerdem solle ein Kommissron eingesetzt werden, die weitere Maßnahmen beraten könne. Genosse Kißner begründete sodann in längerer Rede den Antrag, wobei er auf den Umfang der Arbeitslosigkeit im allgemeinen wie in Groß-Berlin hinwies, und auf die vielen JFälle in der Gemeinde selbst, wo Familienväter ohne eigenes Verschulden schon über 29 bis 36 Wochen ohne regelrechten Erwerb sind. Er schilderte die Not der Familien und die Folgen jener sozialen Krankheit, wie auch deren Ursachen und betonte die Leistungen � der Gewerkschaften, die 1912 allein in Groß-Berlin 2% Millionen Mark für Arbeitslosen- Unterstützung aufgewandt und damit die Armenctats ent- lastet haben. Der Redner verwies sodann aus die ent- sprechenden Maßnahmen anderer Gemeinden und empfahl die Einführung des Genter Systems nach den in Schöneberg gelten- den Regeln, um damit einer- Einheitlichkeit in Groß-Berlin die Wege zu ebnen. Darüber hinaus mühten für die Uebergangszeit Erleichterungen der Voraussetzungen geschaffen werden, damit in diesem Winter zunächst auch die Arbeitslosen unterstützt werden könnten, die bereits in den Gewerkschaften ausgesteuert und ohne Sparguthaben sind. Eine solche Hilfsmaßnahme für eine Bevölke- rungsschicht sei auch in Treptow nichts Neues, da man hier ja den Hausbesitzern bereits mit der Hypothekenanstalt beigesprungen sei. Die Vertröstung auf Groß-Berlin und das Reich könne den jetzt Notleidenden nichts helfen. Der Vorsitzende des Kommunalvereins, Gemeindevertreter Klapp, wandte sich sodann gegen die prinzipielle Zustimmung zu dem Antrage, da er dem Arbeiter die Verpflichtung zum Sparen nicht abnehmen wolle, die Arbeitslosigkeit auch nicht nur die Arbeiter, sondern auch Kaufleute und sonstige Privat- angestellte treffe. Er vermißt auch den amtlichen Arbeitsnachweis und befürchtet, daß die kommunale Einführung das Reich davon abhalte. Man solle deshalb in einzelnen Notfällen helfen und im übrigen der Groß-Berliner Resolution zustimmen. Demgegenüber vertrat Genosse Hartmann besonders wirkungsvoll die Forderung sofortiger Hilfe, indem er sich gegen platonische Liebeserklärungen wandte, die nichts kosten, und nachwies, daß starke Familien bei der anhaltenden Teuerung auch in guten Tagen nennenswerte Er- sparnisse nicht machen können. Gemeindevertreter Kröbel zeigte, wie unter dem Einfluß der Not das Familienleben demoralisiert und zum anderen die kommende Generation geschwächt werde. Ferner wies er auf die hohe Skellenlosigkeit bei den Privat- angestellten hin, die dadurch von der geplanten Versicherung eben- falls Nutzen ziehen würden. Etwas mehr zugänglicher als der erste bürgerliche Redner zeigten sich die folgenden, die ebenfalls die herrschende Notlage anerkannten und ihre Bereitwilligkeit erklärten, von der Gemeinde aus etwas zur Linderung der Folgen von Ar- beitslosigkeit zu tun, das nicht den Charakter der Armen- Unterstützung tragen dürfe. Angenehm berührte im allge- meinen der Ernst, mit dem die borliegende Frage in der ganzen Gemeindevertretung behandelt wurde. Der Antrag unserer Ge- nassen aus sofortige Erklärung für das Gcnter System fand außer den Stimmen der Antragsteller nur noch die eines bürgerlichen Vertreters, dagegen wurde sodann einmütig beschlossen, den Antrag auf Einführung der Arbeitslosenversicherung einer Kommisston zu überweisen, die schon der nächsten Plenarsitzung Bericht erstatten soll, und der Petition Groß-Berlins an das Reich beizutreten. Von den Antragstellern gehören der Kommission Kißner und Kröbel an. Steglitz. Der Erweiterungsbau des Stadtbadcs, für den im Juli d. I. 29 999 M. bewilligt ivurden, ist nunmehr vollendet»nd wird am heutigen Tage dem Betriebe übergeben. Die Vergrößerung kommt lediglich der Heilbäder-Abt eilung zugute. Die Herrenabteilung hat nunmehr 5 Auskleidekabinen und 19 Ruhe- betten und kann den ganzen Tag(von 8 bis 8 Uhr) benutzt werden, während bisher die Stunden von 12 bis 3 Uhr den Frauen re- serviert waren; durch die neugeschaffene Frauen- a b t e i l u n g ist den Frauen nunmehr die gleiche Bademöglichkeit wie den Männern gesichert. Sonntags werden Heilbäder nur vormittags von 8 bis 12 Uhr verabfolgt. Es sei darauf aufmerk- sam gemacht, daß Bestellungen auf Heilbäder auch telephonisch angenommen werden. Prospekte sind an der Kasse kostenlos zu haben.— Wünschenswert wäre auch die Errichtung eines zweiten Schwimmbassins, um beiden Geschlechtern Badegelegenheit während des ganzen Tages bieten zu können. Unter den jetzigen Umständen sind beruflich tätige Frauen uns Mädchen(Badezeit 9% bis 12 Uhr und 3 bis 5K Uhr wochentags) von der Benutzung des Schwimmbades völlig ausgeschlossen. Die Mitgliederversammlung des Wahlvercins nahm, nachdem der Vorsitzende oas Andenken der verstorbenen Genossin Freitag durch anerkennende Worte geehrt, den Kassenbericht vom letzten Quartal entgegen. Den Bericht über die Ferienspiele gab Ge- nossin Bierschenk. Sic teilte mit, daß sich durchschnittlich 159 Kinder an den Ausflügen beteiligt hätten, worunter sich ein großer Teil Kinder bürgerlicher Eltern befunden habe. Rednerin richtete an die Versammelten den Wunsch, an den kommenden Ferienspielen ihre Kirider in größerer Anzahl teilnehmen zu lassen. Die Be- richte von der Kreis- sowie der Verbandsgeneralversammlung wurden ohne Debatte entgegrngenomlnen. Als Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung wurden die Genossen Bierschenk, tzüser, Kiefer und Wilhelm Schmidt gewählt. Mit den Beschlüssen der Reorganisationskommission, worüber der Vorsitzenoe berichtete, sollen sich erst die Zahlabcnoe befassen. Die vom Biibliothekar angeregte eventuelle Verlegung der Bibliothek sowie der Ausbau derselben wurden bis zur nächsten Mitgliederversammlung vertagt. Grüna«. Der Arbeitergesangverein„Sangeslust" feiert am Sonnabend, i.-*- o oi � � v;♦** cftoff/mYvmf �VrfirtlSnfffr 1 fptn 9. Stiftungsfest. An demselben Abend findet auch ein Ver- gnügen des bürgerlichen Vereins„Liedesklänge" in dem für die Ar- beiterschaft gesperrten Lokal„Gesellschaftshaus" statt. Leider ge- hören diesem Verein noch viele Arbeiter an, die dadurch unsere Gegner unterstützen. Der Vorstand des Wahlvereins erwartet von allen organisierten Arbeitern, daß sie Einlaßkarten zu diesem Ver- gnügen zurückweisen, dagegen den Verein„Sangeslust", der bei allen Veranstaltungen der Arbeiterschaft in uneigennützigster Weise zur Verfügung steht, rege unterstützen. Neukölln. Mord- und Selbstmordversuch. Im Hause Pflügerstr. 69 ver- suchte der dort wohnhafte 33 Jahre alte Buchhalter Benno Hochstedt in der vergangenen Nacht seine Frau, eine dreizehn Jahre alte Tochter aus erster Ehe und sich selbst durch Leuchtgas zu vergiften. Die Tat wurde rechtzeitig von Hausbewohnern entdeckt und ver- hindert. Der Vorgang hatte in dem genannten Hause ungeheuere Aufregung verursacht. Allgemein glaubt man, daß H. in einem Anfall von Gcistesgestörtheit gehandelt hat. Er war in zweiter Ehe verheiratet und lebte in wirtschaftlich schlechten Verhältnissen. Zuletzt war er Bundessekretär des Anarchistenverbandes. Vor der Aus- sührung seines Mordplanes richtete er an die Redaktion des An- archistenblattes„Freier Arbeiter" einen Brief, in dem er von seinem Vorhaben Mitteilung machte. Hausbewohner, die die Tat entdeck hatten, benachrichtigten die Feuerwehr und diese sorgte für Ueber- sührung der drei Personen nach dem Krankenhaus in Buckow. Reinickendorr. Dem russischen Fleischvrrkauf stellen sich unerwartete Schwierig- leiten entgegen. Wieder sind es, wie es im Vorjahre, die Schlächter- mcisier, die der Versorgung der Bevölkerung mit billigem Fleisch Widerstand bereiten. Die stetig steigenden Preise machen schon jetzt den Arbeiterfamilien den Fleischgcnuß fast zur Unmöglichkeit. Wie soll eS aber erst im Winter werden? Der Gemeindevorstand war daher gut beraten, als er der Gemeinde- Vertretung empfahl, den Verkauf des russischen Fleisches wieder auf« zunehmen und wegen Bezug des Fleisches das Erforderliche mit Berlin zu vereinbaren. Wie der Gemetndevorstand damals mitteilte, sollte die Schlächterinnung beschlossen haben, den Fleischverkauf wieder zu übernehmen. Doch scheinen jdie Herren Schlächtermeister auf die Beschlüsse ihrer Innungen zu pfeifen oder eines anderen haben„belehren" lassen. Sie lehnen es jetzt ab, denVerkauf des russischen Fleisches zu übernehmen. Jedenfalls ist der Verdienst, der ihnen zugesichert wird, nicht groß genug. Sie sind höhere Profile ge- wöhnt. und eine Notstandsaktion findet nur ihren Beifall, wenn sie zur Vergrößerung ihres Profites dient. Dieser Unverschämtheit gegenüber fordern wir den Gemeinde- vorstand auf, sofort eigene Schlächterläden zu er« richten. Es muß den bornierten Protzen gezeigt werden, daß es auch ohne sie geht. Die Gemeinde hat die Pflicht, die Bevölkerung mit billigen Lebensmitteln zu versorgen, trotz Junkertum und innungSkrauterlichem Protzentum I Gericdts- Leitung» Ein Polizeispitzel. Eines NachtS traf der Glasarbeiter Strauch in der Hermannstraße zu N e u k ö l l n auf zwei junge Männer, von denen der eine den anderen am Arm vorwärts zog, wo- gegen dieser Einwendungen machte. Strauch fragte, was los sei und erfuhr von dem jüngeren der beiden Männer, einem IKjährigen Lehrling, daß er von dem anderen, einem an- geblichen Kriminalbeamten, arretiert worden sei. Der Grund der„Arretierung" war der, daß der Lehrling vor der verschlossenen Tür des Hauses, in dem er wohnte, saß und auf jemand wartete, der einen Hausschlüssel bei sich führte. Strauch kam die Sache verdächtig vor. Besonders fiel ihm auf, daß der angebliche Kriminalbeamte für einen Beamten doch viel zu jung war. Strauch ersuchte den Be- treffenden, sich, falls er Kriminalbeamter sei, zu legitimieren. Das geschah nicht. Strauch folgte den beiden bis zum nächsten Schutzmannsposten und ersuchte den- selben, die Feststellung der Persönlichkeit des angeblichen Kriminalbeamten zu bewirken. Der Schutz- mann lehnte das ab und forderte Strauch auf, sich zu entfernen. Strauch wandte sich an einen zweiten S ch u tz in a n n. Doch da ging es ihm ebenso. Nun ging es zur Polizeiwache. Hier wandte sich Strauch an den Wachtmeister mit dem Ersuchen, die Persönlichkeit des angeb- lichen Kriminalbeamten festzustellen. Der Wachtmeister lehnte das ganz entschieden ab. Dagegen wurden die Personalien Strauchs und des Lehrlings festgestellt. Strauch erhielt später ein S t r a f m a n d a t, das ihn be- schuldigt, bei der Auseinandersetzung mit den Schutzleuten ruhcstörenden Lärm verursacht und ihrer Aufforderung, sich zu entfernen, nicht Folge geleistet zu haben. Das Schöffengericht Neukölln hat gestern das Strafmandat bestätigt, indem es Strauch für jeden der beiden Uebertretungsfälle zu 3 M. Geldstrafe verurteilte. Ueber die geheinmisvolle Persönlichkeit des Mannes, dessen Fest- stellung die Polizeibeamten beharrlich verweigert haben, erfuhr man auch vor Gericht nichts Näheres. Nur der Name des Mannes wurde so nebenbei erwähnt. Er heißt Keßler. Das wird unsere Neuköllner Parteigenossen interessieren. Denn sie haben einen jungen Menschen namens Keßler schon lange im Verdacht, daß er die I u g e n d b e w e g u n g zu bespitzeln sucht. Im Neuköllner I u g e n d h e i nl hat sich Keßler nach dieser Richtung hin verdächtig gemacht, man hat aber rechtzeitig Vorkehrungen gegen sein Treiben getroffen. Zweifellos ist dieser Keßler identisch mit dem Keßler, der im Falle Strauch eine Rolle spielt. Hier ist mit Sicherheit festgestellt, daß Keßler mit der Polizei in Verbindung steht. Wie die Polizei für die arbeitende Jugend sorgt. Man weiß, wie sehr die Polizei siw abmüht, den Nachwuchs der Arbeiterklasse zu b-hüien vor einer Berührung mit all dem. was sie „Politil" zu nennen beliebt. Aus dieser Sorge heraus kam das Berliner Polizeipiäsidium im Februar dieses JahreS auf den Einfall, die zum 23. Februar angekündigten unpolitische Versammlungen für Jugendliche wegen des Vortragsthemas„Die wahren und falschen Freunde der Arbeiterjugend" im voraus für„politisch" zu erklären und die mit der Ueberivachung zu betrauenden Beamten anzuweisen. daß sie Jugendliche von vornherein nicht in den Versammlungen dulden sollten. Die nach der Lowenbrauerei einberufene Versammlung wurde durch den zur Ueberwachung erschieueneii Polizeileutnant sogleich nach der Eröffnung aufgelöst, weil der Leiter das schon vor der Er- öffnung an ihn gerichtete Verlangen des Leutnants, die Jugendlichen auS dem Saal zu enifernen, für ungesetzlich gehalten und daher nicht befolgt hatte. Hinterher erhielt der Leiter, ein Arbeiter Habersaath, ein Strafmandat von 15 Mark wegen angeblicher Nebertremng des ReichsvcreinSgcsetzes, gegen dessen Vorschriften er dadurch gefehlt haben sollte, daß er nach jener von dem Leutnant abgegebenen Erklärung der Versammlungsauflösung sich nicht sofort entfernte. Das Schöffengericht Berlin-Weddmg, dem Habersaath die Sache zur Entscheidung vorlegte, sprach im Juni ihn von der Anklage der Ucbertretung des Reichsvereinsgcsetzes frei, weil die Versammlungs- auflösuna auf Grund nickt dieieS Gesetzes, sondern deS Allgemeinen Landrechts erfolgt war. Die AmtSanwaltschast legte Berufung ein, so daß gestern daS Landgericht Berlin III durch Strafkammer 4 (unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Ehrecke) das Schöffengerichts- urteil nachprüfen musite. Polizcilcutnant Knlkc, der jene Versamnilung hatte üöerwachen sollen, leitete seine Zeugenaussage ein mit dem Satz:„Die Ver- sammlung war eine politische". Das Polizeipräsidium habe auf Grund eines Erkenntnisses des Oberverwaltungsgerichts sie im Hin- blick auf das als Einladung verbreitete Flugblatt von vornherein als politisch angesehen und daher die Instruktion gegeben, daß Jugend- liche nicht darin zu dulden seien. Wie erklärte er's, daß er nach Habersaaths Weigerung, die Jugendlichen hinauszuweisen, die Ver- iammlungsauflösung mit dem Allgemeinen Landrccht begründete? Er habe, nachdem der Versammlungsleiter seine Mitwirkung zur Entfernung der Jugendlichen verweigert habe, auflösen müssen— weil sonst die Jugendlichen, weiter in der„politischen" Versammlung bleibend, sich strasbar gemacht hätten. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten zu 1b Mark Geldstrafe zu verurteilen. Der Verteidiger beantragte Freisprechung. Selbst auf Grund des Allgemeinen Landrechts habe hier keine Auf- lösung erfolgen dürfen, denn dieses spreche von Versammlungs- auflösung zur Verhütung unmittelbarer Gefahr für Gesund- heit und Leben der Teilnehmer, die hier doch gewiß nicht anzunehmen gewesen sei. Die Polizei habe doch nur gefürchtet, daß Jugendliche einen ihr als„politisch" geltenden Vortrag anhören und durch Verweilen in der angeblich„politischen" Versammlung sich strafbar machen würden. Aber selbst wenn die Auflösung als berechtigt angesehen werden sollte, so könne, eben weil sie unter Bezugnahme auf das Allgemeine Landrecht und nicht aus einem der im tsieichsvcrcin-Zgcsctz aufgeführten Gründe erfolgt sei, der An- geklagte nicht wegen Uebertretung dieses Gesetzes verurteilt werden. Das Gericht entschied, Habersaath sei wegen Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes zu drei Mark Geldstrafe zu verurteilen. Das Gesetz habe stillschweigend auch andere als die ausdrücklich angeführten Auf- lösungsgründe für möglich gehalten, namentlich Gründe der allgemeinen Sicherheit. Die Vorschrift, daß nach der Auflösungserklärung die Versammlungsteilnehmer sich sofort zu entfernen haben, gelte auch dann, wenn die Auflösung etwa unberechtigt sei. Daher habe das Gericht nicht zu prüfen brauchen, ob sie in dem vorliegenden Fall berechtigt war. Es könne, schloß der Vorfitzende die Urteilsbegrün- dung, ein AuflösungSgrund auch in der Erwägung gefunden werden, daß Jugendliche, wenn sie an einer politischen Versammlung teil- nehmen, gegen das Gesetz verstoßen. Eine nette Vereinsfreiheit._ Heiratsschwindel. Der bor der 4. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte große Heirats schwindel-Prozeß gegen den Ingenieur Walter Thomas und Genossen ist nach inehrtägiger Beweis- aufnähme zu Ende geführt worden. Es handelte sich, wie wir be- richtet haben, um die umfangreiche Ausbeutung der heiratslustigen Tochter einer begüterten Hofbesitzerin Schräder in Crone bei Göt- tingen sowie der letzteren selbst und einer anderen Tochter. Der ver- heiratete und von seiner Ehefrau nicht geschiedene Thomas hatte„auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" als Heiratslustiger sich brieflich mit dem Frl. Lina Sch. in Verbindung gesetzt, sich mit ihr verlobt und dann verstanden, aus den drei Fainiliengliedern eine Summe herauszulocken, deren Gesamthöhe auf zirka 41 VW M. be- rechnet worden ist, wovon allein 30 000 M. als Schaden, der der „Braut" zugefügt worden, angenommen wurde. Das Mädchen ist durch die auf sie einstürmenden Vorgänge geisteskrank ge- worden, hat längere Zeit in der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Göttingen zugebracht, ist aber soweit wieder hergestellt, daß sie als Zeugin vernommen werden konnte. Die Ver- Handlung war reich an dramatischen Momenten. Dem Angeklagten Thomas sprang die HauptbelastungSzeugin hilfreich bei, indem sie erklärte, daß sie den Angeklagten nach wie vor zu heiraten beab- sichtige, daß dieser ihr alle Hindernisse, die einer baldigen Ehe- schlie'ßung entgegenständen, angedeutet habe, und daß sie entschlossen gewesen und auch jetzt noch entschlossen sei. olle Hindernisse zu über- winden. Während sie anfänglich nur unbestimmte Angaben in dieser Beziehung gemacht hatte, trat sie zum Schluß der Verhandlung mit der ganz bestimmten Behauptung hervor: sie besinne sich jetzt, daß ihr der Angeklagte über seine persönlichen Ver- Hältnisse, daß er noch verheiratet sei usw. Mitteilung gemacht habe. Sie entwickelte in dieser Beziehung einen solchen Eifer zugunsten deS Angeklagten, daß sie vom Vor- sitzenden mehrfach zur Ruhe. und als sie die Unterbrechungen nicht unterließ, aus dem Saal gewiesen werden mußte. Das Gericht war der Ansicht, daß der Angeklagte unter den obwaltenden Um- ständen von der Anklage des Betruges gegen Lina S., bei dem ein Vermögensschaden von 30 000 M. in Frage stand, freigesprochen werden müsse; das Gericht hielt aber daS betrügerische Treiben des Angeklagten auch gegenüber der Mutter der Hauptzeugin für so horrend, daß es Thomas zu vier Jahren Gefängnis unter Anrechnung von einem Jahr Untersuchungshaft und drei Jahren Ehrverlust verurteilte. Der Mitangeklagte Kommissionär Paul Müde wurde zuneunMonaten Gefängis verurteilt, die übrigen Angeklagten, die unter der Beschuldigung der Beihilfe standen, wurden freigesprochen. Forstrcfercndar von Knobloch vor den Geschworenen. Vor dem Schwurgericht Frankfurt a. O. begann gestern die zweite Verhandlung gegen den Forstreferendar von K n o b l o ch. Am 2. Januar hatte der Angeklagte den Buchhalter Hederich erschossen. Knobloch besichtigte aus dem Speicher der Speditionsfirma Pinnow seine Möbel. Hederich führte ihn hierbei. Knobloch behauptet, er, der Hauptmann der Landwehr ist. sei von Hederich angerempelt. Da habe er sich bedroht gefühlt, den Revokver gezogen und Hederich niedergesch offsen. Das Schwurgericht hatte Knobloch im Juni für schuldig der Körper- Verletzung mit tödlichem Ausgang erklärt. Die drei gelehrten Richter nahmen aber einstimmig an, Knobloch sei nicht zurechnungsfähig gewesen, die Geschworenen hätten sich bei ihrem Schuldspruch zuungunsten des Hauptmanns der Landwehr geirrt und verwiesen die Sache an ein zweites Schwurgericht. Dies tagte gestern. Die einzige den Geschworenen unterbreitete Schuldfrage lau- tete auf Totschlag. Der Vertreter der Anklage, Asseffor Dr. Scholtz, beantragte die Verneinung der Tatfrage und tvandte sich dann mit folgenden Worten an die Geschworenen:„Fürchten Sie nicht, daß, wenn der Angeklagte für nichtschuldig erklärt und freigesprochen wird, er von neuem auf die Menschheit losgelassen wird. Es ist seitens der Staatsanwaltschaft dafür Sorg« getragen, daß der Angeklagte kein Unheil mehr anrichten kann." Der Vertreter des Angeklagten, Rechtsanwalt Barnau, schloß sich dem Antrage des Staatsanwalts an. Nach kurzer Beratung der Geschworenen wurde die Schuldfrage auf Totschlag ver- netnt. Der Gerichtshof sprach auf Grund des Wahrspruchs der Geschworenen den Angeklagten vom Totschlag frei und legte die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auf. Der Angeklagte nahm den Freispruch völlig gleichgültig entgegen. Er wurde zunächst in die Untersuchungshaft zurückgeführt, bis die Formalitäten mit der Polizei auf Ucberführung in die Irrenanstalt erledigt sind. Ruq aller Alelt. Die Typhnsepidemie in Libyen. Aus Rom wird uns geschrieben: Der Militärberichterstatter de«„Avanti" macht darauf aufmerksam, daß die Hospitalschiffe aus Libyen in den letzten 37 Tagen 2200 Kranke und Ver- w u n d e t e in Italien ausgeladen haben. ES handelt sich vor- wiegend«m Typhuskranke. Im ganzen sind in den zehn Monaten vom 1. September 1912 bis 80. Juni 1913 36,3 pro Mille der Garnison in Libyen an Typhus erkrankt und 7 pro Mille ge- ftorben, während in Italien die Erkrankungszahl im Heer nur 3 pro Mille und die Todeszahl nur 0,4 pro Mille beträgt. Da es außer Zweifel steht, daß die Impfung gegen TyPhuS einen wenn auch nur zeitweiligen aber doch fast sicheren Schutz gewährt, muß es als unverantworlich angesehen werden, daß in dem betreffenden Zeitraum nur 16 000 Impfungen vorgenommen wurden. Vor allem hat man es versäumt, die Soldaten vor der Abreise zu impfen. Die Erkrankungen und Todesfälle beziehen sich fast ausschließlich auf die ungcimpften Truppen._ Lustmord in Hamburg. In den Anlagen am Millemtor in H a m b u r g ist am Montag früh die Leiche der achtjährigen Gertrud Siefert aus der Petersstraße aufgefunden worden. Die Untersuchung ergab, daß es sich um einen Lustmord handelt. Das Mädchen ist am Sonntag beobachtet worden. als es von einem unbekannten Manne angelockt wurde. Seit- dem war es verschwunden. Ein General unter Mordverdacht. Eine geheimnisvolle Angelegenheit bildet in Madrid den Gesprächsstoff. Auf Grund eines Perhaftbsfehls des. ll»tc�- suchungsrichters wurde der Inspektor des militärischen Gesund- heitsdienstes, General Bernadette G u i j e r r ö, der in einem Alter pon 66 Jahren steht, verhaftet. Am vergangenen Montag fand man im Aborte seiner Wohnung die Leiche eines Kellners namens Jmbrego auf. Bei der Leichenschau wurde scsr- gestellt, daß zivischen dem Kellner und einem Unbekannten, dem loahrscheinlichen Mörder, ein Kampf stattgefunden habe. Daraus- hin wurden die Frau und das Dienstmädchen Jmbrego» verhaftet. Trotzdem wurde jetzt auch der General Guijerro, der bei dem Kellner in Pension war, yerhaftet, da die Polizei glaubi, daß der General bei der Ermordung des Kellners b e t c i l i g t g e w e s e n ist oder sonst in einer noch zu ermitteln- den Weise die Hand in der dunklen Angelegenheit im Spiele hat. Kleine Notizen. Familicudrama. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag verübte in Elberfeld der Agent Rudolf Leisel mit Familie, bestehend aus der Frau, einem Knaben von zwölf und einem Mädchen von zehn Jahren, Selbstmord durch S t r y ch- ninvergiftnng. Brennende Petrolcumqucllcu. Am Sonntag geriet in der Gegend von M o r e n i(Rumänien) ein Petrolcumbohrloch durch E x p l o- s i o n in Brand. Das Feuer griff auf 15 benachbarte Bohr- loch er über. Das ganze Tal, in dem die Quellen liegen, b i l d e t e— e i u Flammenmeer. Die Löscharbcit ist außerordentlich schwierig, doch ist cS nach großer Mühe gelungen, den Brand zu ersticken. Einsturz eines Konzertsaales. In dem kleinen italienischen Orte T r a t o ist am Sonntag während eines KtmzertS das Dach der Konzerthalle eingestürzt. Von den 200 Personen, die dem Konzert beiwohnten, wurden gegen 100 verletzt; 14 von ihnen so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten' Automobilkatastrophe in der Schweiz. Ein schwerer Automobil- Unfall ereignete sich am Sonntag im Kanton Waadt. Der Wagen eines reichen Italieners C a st a g l i stürzte bei einer Vergnügungs- fahrt zwischen Lausanne und Gens infolge falscher Steuerung in einen acht Meter tiefen Abgrund. Castagli und seine Schwägerin wurden sofort getötet, während Frau Castagli, zwei Kinder und eine Erzieherin schwer verletzt wurden.____ Jugcudveranstaltunge». Renköll». Dienstag, den 4. November: Vortrag deS Herrn Farwig über:„Die Kulturgeschichte der Bronzezeit." Marktpreise von Berlin am 1. November 1312, nach Ermitlelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mai«(mixed), gute Sorte 16,66—16,30. mittel 06,66—66,66, geringe 66,66—66,66. Mais(runder), gute Sorte 14,40—14,60. Richtstroh 4,60-5,00, Heu. alt 6,20—7,50. Markthalle»preise. 100 Ktlogr. Erbsen, gelbe; zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen, weiße 85,00—60,06, Linsen 86,00— 70,00. Kartoffeln(Kleinbdi.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00, Kalbflciich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Tier 4,20—6,60. 1 Kilogramm Karpscn 1,20— 2,40. Aale 1,40—3,00. Zander 1,20-3,20, Hechte 1,20—2,60. Barsche 1,00-2,40. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,80. 60 Stück Krebse 1,00-30,00.. Wasserstands-Rachrichten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Er frent«Id>, well er kottenloj unsere neuesten PatW-Pletten hört f Haben Sie schon einmal Pathe- Platten gehört? Wann nicht, so lassen Sie sich sotort unseren trichterlosen Luxus-Sprechapparat nebst einer Kollektion von 20 Stücken auf 10 Pathe-Doppelplatten kommen. Sie brauchen kein Geld dazu! iiuiumuHiiuMiiuiiiiiumiiiiuiiuiMiuiiimiiumiMitiMiimxiiHimHjniiitHtiiiMiumiiiimitiiiiHiMiuiiMiiiiHnii Wir senden Ihnen alles kostenlos 5 Tagr© zur Probe, mit bedmene Jackettanzüge, Rockanzüge, Paletots. 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November unter „Akquisiteur" an unterzeichnete Firma erbeten. Zeugnisse wolle man nur in Abschrift einsenden, da Benachrichtigung nur durch Inserat erfolgt. Buchdruckerei und Buchhandlung„Bolkswacht" 31. Gerisch u. Co., Bielefeld. Irbeltersekrelär gesucht! Für das Arbeitersckrctariat 8 sv e 1 1» k« r t wird wegen anderweitiger Berufung dcS bisherigen Stellcninhabers zum baldmöglichsten Antritt ein in der Agitation erfahrener Sekretär gesucht, der auch für dw nächsten Monate noch die lokale Berichterstattung zu übernehmen hätte. Rednerische Begabung erwünscht. Gehalt gemäß den Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse: Dienstjahre werden eventuell angerechnet. Bewerber, welche schon in gleicher Stellung waren, wollen ihre Meldungen bis zum 16. November an Ifrledrlett Ptlster, Schweinfurt, l'ischcrrain III, richten.____ 293/15 C o 1 1 b u Zur Uebcrnahmc der Äaffenpraxis Ii) Aerzte gesucht. Honorar 8000 SB. Privatpraxis nebenbei gestattet. Allgemeine Ortsid'snkenicllsse lies �lsdtlcmses 278/19* Cottbus. Tr. Wiese'S Handelsschule, vornehmstes Institut Neuköllns, Gang- hoserstraße 1, Ecke Richardstraße, nahe der Hauptpost. Gründlicher und ge- wissenhaftcr Unterricht in allen Han- dclssächcrn. Spezialkursc, Einzelsächer, Vierteljabreskursc, Haibjahresturse, Jahres türse._____ Dr. Wiefe'S Handelsschule, vor- nchinsteS Institut Neuköllns, Gang- hoserstraße 1, Ecke Richardstraße, nahe der Hauptpost. Dr. Wiese's Handels- schule bezweckt, Damen und" Herren gründlich und gewissenhaft für den kaufmännischen Berus vorzubilden, bezw. ihre Ausbildung, soweit sie schon in kaufmännischen Berufen tälig sind, in zweckentsprechender Weise zu fördern. Beginn der Einzelsächer und Untcrrichtskurse täglich. Zahl- reiche neue Schreibmaschinen und Rechenmaschinen. Mäßige Honorare. Kostenlose Empfehlungen. Prospekt gratis. 1528a* Verschiedenes. Patentanwalt Müller, Gilschmer straße 16. Patentanwalt Wesjei. Ginchiner» strape 94a. 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Ich erkläre ihn als ehren- hasten Mann. Frau Richter, Pappel- allce 84. 179/16 Vermietungen. vscblafstelien. Sauber möblierte' Schlafstelle, 1 oder 2 Herren. Frau Bernhardt, Waldemarslraße 65.-s-l37 MietsZesiicne. Junger Mann sucht alleinige Schlafstelle. Süden. G. 3 Haupt- expeditton des„Vorwärts". 2854b SteliennnAsöotö. Graveur aus Knöpfe verlangt. Hübner, Martusstraße 5. 180/1 tallttlMsltflß Oftentiach. Die Stelle des Geschäftsführer» ist besetzt. Den Bewerbern besten Dank. 293/13»«r Vorstand. Achtung! Holzarbeiter. Lohn- Wegen Streif oder difsereuze» find gesperrt: Für die Holzleisicu-Praiiche der Betrieb von.Anx. Köms. Teltower Str. 18/49. Für Tischler: Werdau i. S. DaS Berliner Arbeitswilligen. vermittelungsbnreau d. gelben „HandwerferschutzverbandeS*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innung und der Wagenfabri- kanten, Kaiscr-Franz-Grenadier- Platz. 39/14* Zuzug ist streng jernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutscher'b-lzarbeiterverbandes �Cjtc flmtTS. Uli) 4CX l„ w flUll V�UUUJlS'XX«' V(»s-saQ*.**v'___ O________________ � i. I■"»7 Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielrpp. Neukölln. Für den Lnjeratentetl veranlw.: Tb- Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Vaul singer u-Eo., Bcrlru »: 290. 3oÄ i Keilllge des„Wmörts"§n\\m Dll!ksb!lltt. Der neue Krupp-Prozeß. Berlin, 3. November 1913. S. Tag. Der Vorfitzende, Lcmdjzerichtsdircktor Dr. Karsten, verkündet zu Beginn der heutigen Sitzung den Beschluß des Gerichts, den General a. D. Exzellenz von Bücking in Darmstadt über den Fall Höge zu vernehmen und ebenso den für die Versetzung von Offi- zieren zur A. P. Ä. zuständigen Dezernenten der Feldzeugmeisterei, Major Ahlers. Beide Zeugen sollen morgen vernommen werden, und der eine der militärischen Sachverständigen wird unmittelbar beim Kriegsminister die Genehmigung zur Aussage für die beiden Offiziere einholen. Es wird hierauf die Vernehmung des Zeugen Drcgcr fortgesetzt. Der Zeuge trägt zu seiner Aussage vom Sonnabend »ad), daß bei der Hersendung Metzens nach Berlin der Grund matzgebend war, daß man die Berichterstattung Brandts durch Er- langung nur offizieller Nachrichten ersetzen wollte. Brandt war nur nach Berlin geschickt worden, um die Nachrichten, die Herr v. Schütz nicht erlangte, zu beschaffen. Von dem Augenblick der Hersendung Metzens nach Berlin ist bereits die Zurück- berufung Brandts erörtert worden.— Vors.: Er wurde aber hier gelassen! Zeuge: Ja.— Auf nochmaliges Befragen erklärt der Zeuge, daß ihm bekannt war, daß Brandt seine Nachrichten durch Jndis- krctioncn erlangt hatte, aber niemand hatte den Gedanken an straf- bare Handlungen. Ter Zeuge erzählt weiter, daß er während der italienischen Reise Metzens Direktor Muehlon in Essen aemgt habe, jetzt wäre wieder eine Zeitpunkt, die den Zeugen bedrückende Sache mit den Indiskretionen aus der Welt zu schaffen. Auf die Dauer bleiben ja doch solche Dinge, die ein Dutzend Leute'rrfaheen, nicht geheim. Muehlon stimmte zu, sagte, er sei ein wenig informiert über die Kornwalzerangelegenheit, er habe nicht den Eins ruck, daß man die Brandtschen Berichte nicht entbehren könnte; �r fragte aber Herrn v. Dewitz; der sagte nur, er brauche diese Berichte immer noch zur Kontrolle seiner eigenen Preisstellungen. Daraufhin wollte Muehlon da? entscheidende Wort dem Direktorium vorbehalten. Gelegentlich einer Gehaltserhöhung für Kern sagte mir Brandt, daß er sich trotz seiner Gehaltserhöhungen nicht besser stünde, als in Essen. Er schreibe das seinem großen gesell- schaftlichen Bertehr zu, der seine freie Zeit und seine Gattin zu sehr beanspruche. Er werde gezwungen, den Verkehr bei sich zu Hause zu pflegen, ins Theater zu gehen usw.— Vors.: Das heißt doch, er mutzte das, »m die Nachrichten zu bekommen! Zeuge: Das sagte er nicht, aber daran ist kein Zweifel, daß die Herren, die bei ihm verkehrten, dieselbe» sind, von denen er seine Informationen bekam; ich hatte keinen Zweifel daran.— Vors.: Sie sind doch ein so weltcrfahrrner Mann, haben Sie nicht gleich überschaut, daß Brandt damit sagen wollte: Ich bin gezwungen, ich muß die Leute ausführen?— Zeuge: Ja, bis zu einem gewissen Sinn zweifellos; daher auch meine Frage: Gehen Sie nicht zu weit? Diese Frage kam später, als ich die Veranlassung dazu hatte, jetzt war das noch nicht der Fall.— Vors.: Wieso nicht?— Zeuge: Ich war ja micht sein Borgesetzter.— Vors.: Und auf die Frage: Gchen�Sie nubt zu weit? Was sagte er da?— Zeuge: Das verneinte ers� Vors.: Haben Sie nicht daran gedacht, wenn er mit den Leuten ausgeht, dann zahlt er auch für sie usw.?— Zeuge: Gleich das Allcrschlechteste von einem Menschen anzunehmen, das liegt mir nicht.— Vors.: Aber Herr Zenge, das lag doch aber so sehr nahe! Der Zeuge äußert sich dann über die Unterredung zwischen Muehlon, Metzen und Brandt nach dem bekannten Briefe Metzens an das Direktorium vom 22. Juli. Metzen suchte uns voreinzu- nehmen gegen Brandt, er sagte, Brandt dekomme schon zu viel, sei wenig vertrauenswürdig und habe sogar einen Nachschlüssel zu s c in e m Schreibtisch. Aus Muehlons Erzählung über die Unterredung hatte ich den Eindruck, daß Metzen erzählt hätte, Brandt habe gegen ihn eine Erpressung auszuüben versucht und Brandt habe gesagt, er wolle ein anständiger Mensch bleiben. Ich legte den Nachdruck auf das„bleiben".— Vors.: Brandt soll aber gesagt haben: Ich wünschte, ich trüge noch die Unter- offizicrstresscn, dann würde ich noch ein anständiger Mensch sein. � Zeuge: Davon w e i ß i ch n ich t s.— Vors.: Die Worte, er wolle ein anständiger Mensch bleiben, mutzten Sie aber doch schon be- denklich machen.— Zeuge: Die Aeußerungen, die Muehlon später im Direktorium in Essen gemacht hat über diese Sache, hat er zu mir nicht gesagt. Auf erneutes Befragen des Vorsitzenden sagt der Zeuge, es sei möglich, daß er damals den Gedanken an Bestechungen Brandts gehabt hat, aber das sei heute schwer zu rekon- st r u i e r e n. Damals nahm ich an, daß Muehlon weitere Schritte veranlassen würde und das ist ja auch geschehen.— Als in Essen davon die Rede war, daß Brandt weggenommen und ich daS Bureau leiten sollte, war mir das so, wie tvenn ein k o m m a n- dierender General einen K o m pa g n i c ch e f vertreten soll. Es wurde in Essen über die Nachfolge Brandts verhandelt. Man sagte, man brauche seine Tätigkeit überhaupt nicht; jeder Ver- treter müßte doch solche Berichte verschafien. Das Dumme war nur, daß das bei uns so geheim behandelt wurde. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte kaum jemand etwas dagegen zu sagen gehabt. Man bedauerte, daß Brandt mit seiner gewissen Selb- ständigkeit neben Metzen gesetzt worden war. Vor dieser Direktorial- sttzung hatte ich noch ein Gespräch mit Brandt gehabt, der mir auf das Bestimmteste versichert hatte, daß nichts Strafbares in seiner Handlungsweise gelegen habe. Das teilte ich den Direktoren mit und ebenso, daß Herr Dewitz sich dagegen sträubte, die Berichte abzuschaffen. Das Ergebnis der Sitzung war, daß ich Brandt mich einmal scharf vornehmen sollte und daß von den Berichten Brandts kein Abstand genommen werden sollte, und daß Brandt die Berichte, die ja harm- los waren, auch als harmlos behandeln sollte.— Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, die Vorlage von Kornwalzern durch Brandt stets abgelehnt zu habeni— Vors.: In der'Unter- suchung haben Sie aber gesagt, Sie haben aus den Kornwalzern gesehen, daß sie streng vertrauliches Material enthielten, das nur durch Indiskretionen von Zentralstellen beschafft sein könnte. Der Zeuge gibt darauf unter Vorbehalt des Wortlauts zu, diesen Eindruck stets gehabt zu haben. Als Brandt mir berichtete, daß Metzen Geheimberichte zu Hause habe und sie nicht herausgeben wolle, fragte ich ihn: Na, was machen Sie denn für ein dummes Gesicht, wenn da alles anständig und einwandfrei zugegangen ist, da kann uns ja auch Metzen damit nicht schaden! Brandt sagte: Es könnten schließlich doch Kameraden in Disziplinaruntersuchung kommen. Bei dieser Ge- legenheit hörte ich, daß Abzüge zurückbehalten worden waren, und da sagte ich ihm, er möchte die Abzüge vernichten. — Vors.: Warum?— Zeuge: Weil es die Firma belasten könnte »md weil es mir das Unangenehmste bei der Sache wäre, wenn die armen Zeugofii'-e�. verurteilt würden. Von der Unterredung in Schlachtensee erzäblte mir Brandt, daß Metzen zu ihm gesagt habe, der große Dregcr und ebenso Eccius und Muehlon müßten kleingemacht werden; er gebe die Kornwalzer nicht heraus, die brauche er zu seinem Prozeß. Brandt sagte: Metzen habe die sämtlichen Berichte, die während seiner Jtalienreise gemacht worden seien.— Oberstaatsanwalt und Vorsitzender: Also„sämtliche" oder„die" Berichte.— Zeuge: Ich glaube, das ist dasselbe. Ich sagte seinerzeit, es seien 17 Berichte; jetzt aber meine ich, daß es 57 waren, jedenfalls eine Zahl mit sieben.— Vors.: In der Untersuchung hatten«sie zuerst gesagt rund 29. Sie haben aber früher nie von 57 gesprochen, das ist jetzt das erste- mal.— Der Zeuge überreicht einen Notizzettel von diesem Tage, dem 3. Oktober 1312. Es sind Notizen über die Unterredung Brandts und Metzens, wie sie Brandt berichtet Hätz; darunter auch, daß Brandt den Herrn v. Metzen nicht grüßen, aber ihm alles detailliert erzählen sollte; die Firma Krupp könne die Berichte Brandts gar nicht entbehren. Die Zahl der Kornwalzer ist in dem Notizzettel nur durch den Haken einer 5 ausgedrückt, wie der Vorsitzende bemerkt; jetzt ist mit Rotschrift an den Rand geschrieben 57, nicht 17.— Der Zeuge sagt weiter: Auch hieran schloß sich eine Unterredung, ob Brandt mit dem Freihalten nicht zu weit gegangen sei. Ich hatte den Eindruck, daß Brandt niemals das Bewußtsein gehabt hat, daß er Bestechungen ausgeübt habe. Schon nach einer der ersten Unterhaltungen mit Brandt hatte ich mir dos Gesetz durchgelesen und ihm vorgehalten, daß er nicht durch Bestechungen die Leute in die schwerste Gefahr bringen soll. Brandt erklärte, daß das gar nicht in Frage komme. Es sei ausgeschlossen. Ich habe ihm das geglaubt und stehe noch auf dein Standpunkt, daß das seine Uebcrzeugung war. Der Zeuge berichtet noch über eine Unterredung mit Metzen nach dessen Jtalienreise. Metzen tat ihm furchtbar leid und er hoffte, daß Mcben entweder anderswo beschäftigt werden aber pekuniär sichergestellt werden könnte. Dann aber sprach Metzen mir gegenüber von Rache, nachdem ich ihm gesagt hatte, die Finna könne es nicht dulden, was dem Ehrenkodcx widerspreche. Es wurde dann in Essen beschlossen, daß Drcger die Kornwalzer selbst unterschreiben sollte, was er so ausgefaßt hat, daß er dieKornwalzer sieben sollte und Brandt sollte den Verkehr einschränken, keine geheimen Sachen bringen und vermeiden, sich Auszüge geben zu lassen. Ich habe zwei Kornwalzer zurückbehalten, weil zu weitgeheirde Indiskretionen darin enthalten waren.— Vors.: Sie sollen einmal gesagt haben: Sie müßten immer lachen, wenn Sie Hugenbergs Gesicht sehen, sobald von Kornwalzern die Rede ist.— Der Zeuge lehnt das auf das entschiedenste ab.— Zeuge v. Metzen: Mir hat Herr Dreger gesagt: Ich muß immer innerlich lachen, wenn ich das Gesicht des Herrn Hugenberg sehe, wenn die Rede auf Direktionssachen kommt. Wir hatten da gerade von Korn- Walzern gesprochen.— Zeuge Dreger: Ich habe meines Wissens in jener Zeit an keiner Sitzung teilgenommen, in der über Kornwalzer gesprochen wurde. Private Besprechungen mit .vugenberg habe ich auch nicht gehabt, ich kann also eine solche Äeußerung nicht getan haben.—■ Auf eine Frage des Verteidigers Jusnzrats Dr. v. Gordon erklärt Direktor Dreger, die Unterredung Metzens mit v. Simson nicht im Auftrage der Firma, sondern aus seiner Ab- ficht, ihm zu helfen, heraus vermittelt zu haben. Mit dieser Absicht ist der Zeuge bei der Firma stark abgefallen.— Oberstaatsanwalt: Nach dem Inhalt der Akten sind auch Anfragen an die Berliner Vertretung gerichtet worden, die Brandt mit Geheim- berichten beantwortet Hätz— Zeuge: Das ist mir erst in der Uiftersuchung bekannt geworden. Ich würde aber nichts darin ge- milden haben,— Oberstaatsanwalt: Es sind ganz deutliche Unterschiede zwischen den Anfragen, die offiziell und die durch Geheimberichte zu beankworten sind.— Zeuge: Davon weiß ich nichts.— Auf eine Zwischcnfrage des Verteidigers von Gordon über spätere Einigungsverhandlungen zwischen der Firma bezw. Dreger und v. Simson sowie v. Metzen ergibt sich, daß nach einer tclephonischcn Mitteilung Dr e ge r s am 11. Februar 1913 die Einigungsverhandlungen zwischen der Firma und v. Metzen stattfinden sollten; dazu kam es aber leider nicht, da gerade an diesem Tage Herr v. Metzen verhaftet wurde.— Aus eine. Frage des Verteidigers Rechtsanwalt Loewewstein stellt Direktor Dreger dem Angeklagten Brandt das beste Zeugnis aus und erklärt auch, daß Brandt niemals Pressionen ausgeübt habe. Der Zeuge v. Metzen gibt auf verschiedene Fragen des Rechts anwolts Dr. Loewenstein an, daß er auf seinen Eid die Gewißheit nehmen könne, daß ein so wclterfahrener Mann, wie es Herr Dregcr ist, orientiert sein mußte über die Art der Brandt- schcn Berichterstattung. Er(v. Metzen) sei wohl im Unklaren darüber gewesen, ob der j u r i st i s ch e Tatbestand der Bestechung vorliege, aber darüber, daß die Verleitung von Militärpersonen zur Hergabe geheimzuhaltender Nachrichten etwas Unzulässiges ist, darüber sei er schon als früherer Offizier vollständig sicher gewesen.— Der Zeuge Dr. Muehlon wird befragt, ob er auch dem Angettagtcn Ecciuo gegenüber davon gesprochen habe, daß Brandt Geschenke gebe.— Dr. Muehlon hält dies für zwirfellos, da es in einer Sitzung geschah.— Angeklagter Eccius: Es wurde nur gesagt, daß das Bekanntwerden der Berichterstattung einen publizistischen Skandal hervorrufen könnte, aber von Einzelheiten der Brandtschen Berichterstattung wurde nicht gesprochen.— Zeuge Dr. Muehlon: Ich habe selbstverständlich gesagt, es ist in Berlin etwas vorgekommen.— Verteidiger Justizrat Dr. v. Gordon: Aber können Sie auf Ihren Eid nehmen, ob positiv von Bestechungen gesprochen wurde?— Zeuge: Ich kann aus meinen Eid sagen, daß ich Herrn Eccius gefragt habe, ob er von diesen Dingen nichts gewußt hat. Das hat Herr Eccius verneint. Ter nächste Zeuge ist Rechtsanw�st Reichstags- und Landtags- abgeordneter Dr. Karl Liebknecht: Er ist von der Verteidigung geladen und wird vereidigt.— Vors.: Ihr Zeugnis ist wesentlich, insofern es auf die Glaubwürdigkeit eines Zeugen ankommt. Hatten Sic die Anlagen zu Ihrem Brief an den Kriegsminister von dem Zeugen v. Metzen?— Zeuge: Einen Tag oder einige Tage, bevor ich die Anzeige an den Kmgsminister schrieb, lief bei mir ein Brief ein. Ich würde darüber Ztähercs ncht aussagen, da mir das Schreiben offensichtlich in meiner parla- mcntarischcn Eigenschaft zugegangen ist und weil ich trotz der Rechts- läge auf dcm Standpunkt stehe, daß es eine schmähliche Handlung sein würde, wenn ich das mir entgegengebrachte Vertrauen täuschen würde, aber da hier eine Person zu Unrecht bezichtigt werden könnte, halte ich es für meine Pflicht, auch hierüber volles Zeugnis abzulegen. Der Brief war nach dem Poststempel in Berlin auf- gegeben, er war mit einer steilen, großen, kanzleimäßigen Hand- schrift geschrieben, die keinen besonderen Charakter trug.' Der Brief enthielt fast wörtlich dasjenige, was ich dem Kriegsminister mitgeteilt habe. Ich bin bereit, den Wortlaut dieses Briefes auf Wunsch mitzuteilen. iEs wird nun das in der Oefscntlichkcit seit langem bekannte Originalschreibcn Dr. Liebknechts an den Kriegs- minister verlesen.) Der Brief war wohl unterzeichnet, meiner Erinnerung nach mit einem Namen, wie er bei Pseudonymen Schreiben gewählt zu werden Pflegt: Schulz oder Schmidt. Es war in dem Brief nicht ein Wort davon enthalten, daß ich bei der Ver- Wendung des beigefügten Materials irgendwelche Rücksicht nehmen sollte. Man bekommt als Parlamenlarier natürlich häufig der- artige Zuschriften, in denen um Diskretion nachgesucht wird. Das war hier nicht der Fall, im Gegenteil, es war bemerkt, es sei nicht zu erwarten, daß früher eingegriffen würde, ehe der Kriegsminister die beigefügten Kornwalzer— Geheimberichte— in Händen hätte. Ich babe daraus den Schluß gezogen, daß irgend jemand, dem von der Verwendung dieser Geheimberichte eine Untersuchung gedroht haben würde, nicht der Absender sein konnte. Ich habe deshalb auch kein Bedenken getragen, dem Kriegsminister einige, ich glaube �zwci Originale der mir übersandten Kornivalzer-Abschriften zu über- senden. Ich habe allerdings geschrieben, daß ich die Erwartung hege, daß nun nicht etwa versucht werde, den Spieß umzukehren und statt der in meiner Eingabe Verdächtigten man gegen jemand vorgehe, den man im Verdacht habe, an mich geschrieben zu haben. — Auf weitere Fragen erklärt der Zeuge: Den Herrn v. Metzen und seinen Namen habe ich absolut nicht gekannt, da mir die Personalvcrhältnisse der Firma Krupp völlig unbekannt tvarcn. Ich habe den Namen„v. Metzen" zum erstenmal vom Unter- suchungsrichter gehört und die Persönlichkeit dieses Herrn zum erstenmal hier beim Zeugenaufruf gesehen. Ich habe niemals mit ihm gesprochen, korrespondiert oder verhandelt. — Vors.: Sie kennen auch den Vater des Herrn v. Metzen nicht?— Zeuge: Nein.— Vors.: Es wurde der Verdacht geäußert, daß die Kornwalzer von Herrn August Thyssen au Sie gelangt seien.— Zeuge: Ich habe keine Beziehungen mit Herrn Thyssen sHeiterkeit) und weiß auch nichts davon, daß er an der Uebermittelung der Kornwalzer an mich beteiligt sei.— Oberstaatsanw. Das wird auch nicht behauptet. War in dcm Brief an Sie von Korn- Walzern die Rede?— Zeuge: Nein, dieses Wort habe ich erst von dem Untersuchungsrichter Wetzel gehört.— Der Zeuge gibt noch an, daß er 15 Kornwalzer erhalten habe, die 17 Blatt darstellten. Der Zeuge fügt noch von sich aus hinzu, daß derselbe Journalist, der bei Herrn v. Metzen gewesen ist, nach den ersten Veröffentlichungen in dieser Angelegenheit auch bei ihm war, wie er überhaupt von Journalisten en rnasse aufgesucht wurde, denen er die gewünschten Aufklärungen, soweit es möglich und an- gebracht war, gegeben habe. Dieser Journalist sagte mir, was Herr v. Metzen ihm erklärt habe, und er erzählte mir auch, daß Herr v. Metze» niemals erfahren dürfe, daß er auch bei mir gewesen sei, da ihm auch sonst Herr v. Metzen die Tür vor der Nase zuschlagen würde.— Bert. Rechtsanwalt Löwenstein: Haben Sie Herrn Brandt für den Schreiber des Briefes gehalten?— Zeuge Dr. Liebknecht: Ein solch unsinniger Gedanke ist mir natür- lich nicht gekommen.— Angekl. Eccius: Warum hat der Zeuge das Original des ihm zugegangenen Schreibens vernichtet?— Zeuge Dr. Liebknecht: Aus derjenigen Vorsicht heraus, die jeder Politiker solchen Schreiben gegenüber obwalten läßt. Ich habe dem Schreiben das Wesentliche entnommen, es dem Kriegsministcr übermittelt, angenommen, daß die Sache ihren weiteren Lauf nehmen wird und habe hierauf alles getan, um zu verhindern, daß man irgendwie durch meine Hilfe gegen jemanden vorgehen könnte, der mir sein Vertrauen schenkt. Ich bin überzeugt, daß eine solche Vorficht von jedem Politiker einer jeden Partei in einem solchen Fall geübt werden wird.— Dr. Liebknecht führt noch aus, daß jemand, der die Kornwalzer in einer solchen Weise erlangt haben würde, daß ihm daraus eine Verfolgung erwachsen könnte, ihm das Material doch nicht geschickt haben würde, ohne ihn aufzufordern, es zu vernichten. Auf eine Anfrage des Verteidigers LLwensteia gibt der Zeuge noch an, das Originalschreiben ver- nichtct zu haben, kurz nachdem er die erste Mitteilung des Kriegsministers erhielt, daß die Ermittelungen bereits ein Er» gebnis gehabt hätten. Hieran schließen sich einige Fragen des Rechtsanwalts Justiz- rat Dr. v. Gordon an den Untersuchungsrichter und den Zeugen v. Dewitz über die Aufbewahrung der Kornwalzer, die zeitweise im Besitz v. Metzens gewesen sind. Im Laufe dieser Auseinandersetzung, die zu einem bestimmten Ergebnis nach der Richtung hin, ob Herr v. Nietzen an der Uebermittelung der Kornwalzer an Dr. Liebknecht beteiligt sei, nicht führt, erklärt der Unter- suchungsrichter Wetzel es für sehr möglich, daß Brandt in der Untersuchung gesagt habe,„er lasse sich hängen", wenn die von Liebknecht dem Kriegsminister übersandten Kornwalzer nicht auS dem Besitz des Herrn v. Metzen seien. Abg. Dr. Liebknecht fügt seiner Aussage noch hrrizu, daß nach den Mitteilungen des betreffenden Journalisten Herr v. Metze« noch einiges wissen müßte über den Verkehr zwischen Brandt uao einigen mittlere» Beamte» des ReichSmarineamts, wovon bisher nicht die hiebe war.— Oberstaatsanwalt: In diesem Verfahren ist etwas Belastendes nach dieser Richtung hin nicht zutage getreten, und es ist darum auch nicht Gegenstand dieser Verhandlung.— Der Borsitzende bestätigt die».— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Löwenstein: Die genaue Unker» suchling hierüber hat zn dein htefultat geführt, daß an dieser Beschuldigung nichts ist.— Dr. Liebknecht: Ich halte mich für verpflichtet, noch zu erklären, daß ich noch einiges nicht Nn- wesentliche über das Nachrichtenwesen der Firma Krupp und dessen Tätigkeit im Auslande überbcrupt, wie über lue Bestechung von ausländischen Zeitungen durch Krupp — ich würde event. einen Namen angeben könne«— und ebenso über die Art, wie die ausländis.Jen Geschäfte nach meinen Mitteilungen auch unter der Mitwirkung Direktorb Eccius vollzogen worden sind, weiß— Dinge, die für die Geschäftsgepflogenheiten der Mpum Krupp von Belang sind.— Vorst: Das gehört aber nicht zu diesem Verfahren, tt, dem nur zwei Personen wegen bestimmter Handlungen angeklagt sind.— Lert. Justizrat Dr. v. Gordon: Das Ausland geht uns hier gar nichts an, und Herr v. Metzen hat«pH taktvoll erklärt, auf das Auslanjp nicht eingehen zn wollen.— Zeuge Dr. Liebknecht: Als Jurist mußte ich mit der Frage rechne� daß die Geschäftsgepflogenheiten der Firma Krupp heranzuziehen sein würden. Bert. Justtzrat v. Gordon bittet den Vorsitzenden, diese Sache auszuschalten.— Oberstaatsanwalt: Wenn Herr Dr. Lieb- knecht weitere Beschuldigungen zu erheben wünscht, so mag er das bei mir tun, ich bin dazu da, sie entgegen- zunehmen.— Zeuge Dr. Liebknecht: Ich nehm« in diesem Prozeß eine besondere Position ein und bin hier auch in der schärf st en Weise angegriffen worden, so von einem der Direktoren von Krupp, der hier von Wische« sprach, die ich in die Lust gehalten hätte.(Vors.: Ich habe das ja zuwürkgewie sen.). Also, cventl. hätte das vielleicht doch zur Sache gehört, was ich gesagt hätte, und deshalb habe zch e» für meine Pflicht - X»»- C.?-- Es wird vom Gericht, dem ObcrstaeiiZanwalt und der Ver- ieidigung auf eine weitere Vernehmung Dr. Liebknecht? verzichtet. Hierauf kommt ein Vorfall zur Sprache, der für die Bchmip- tung herangezogen wird, das; die Firma Krupp TermiSmu» übe. Es handelt sich, wie bereits erwähnt wurde, darum, dag bei dem?lnwalt v. Metzens, Dr. Bell in Essen, ein Abgesandter der Firma Krupp erschienen sei und mit den Konsc- quenzen gedroht habe.— Bert. Iustizrat Dr. v. Gordon wünscht diese Behauptung aus der Welt geschafft zu sehen, das Gericht und der Oberstaatsanwalt erklären die Sache für unerheblich.— Vors. (zum Justizrat v. Gordon): Wenn Sie die Glaubwürdigkeit des Zeugen v. Metze« in dieser Sache angreifen wollen, dann mutzte das Gericht Gegenzeugen hören.— Bert. Justizrat Dr. v. Gordon: In diese m Punkt greife ich die Glaubwürdigkeit des Zeugen absolut nicht an, ich wollte nur diesen angeblichen Terroris- muS auS der Welt schaffen, bestehe aber nicht darauf, datz auf diese Angelegenheit weiter eingegangen werde. Es folgt die Vernehmung des Burcaubcamtcn der Kruppschen Vertretung in Bcrlnt, Karl Kern, dessen Vereidigung ausgesetzt ivird. Er bekundet: Brandt hat nicht nur Nachrichten ermittelt, sondern auch im Bureau Arbeiten besorgt, die ein p a a r S t u n d e n dauerten. Manche Tage kam er allerdings nicht, was er da gemacht hat. w e i ß i ch n i ch t. Ich muhte die von ihm geschriebenen Bc- richte der Post beifülfen, habe sie aber nie offen zu Gesicht be- kommen. Ich sollte sie auch nicht sehen, das ging schon aus dem ganzen Geschäftsbetrieb hervor, sie wurden auch vor mir zugemacht. Mein Gehalt betrug 1906 450» M., worin eine nichtpensions- berechtigte Stellenzulage von 699 M. inbegriffen war. Eine Weihnachtsgratifikation bekam ich von der Firma nicht, sondern von Herrn v. Schütz für P r i v a t a r b c i t e n zu Weihnachten immer 100 M. Von der Firma erhielt ich erst 1942 eine Gehaltszulage von 399 M. und mzwischen waren mir von der Stellenzulage 399 M. pensionsberechtigt gemacht worden. Auch ich habe mit ge- Heimen Sachen zu tun, die ganzen Schriftstücke über Kriegsmaterial gehen durch meine Hände.— Der Angeklagte Brandt verweist auf das von ihm angelegte geheime Preisbuch, das eine sehr grotze Arbeit war und alle Daten über die Geschütze der Firma enthält, seitdem die Firma Krupp Geschütze liefert.— Kern bemerkt dazu, datz das Buch nur den Extrakt der offiziellen Korrespondenzen ent- halte, und datz die Arbeit auch zum Teil zu Hause gemacht wurde. Er fügt noch hinzu, datz Brandt im Bureau auch noch das Auftrag- buch geführt habe. Hierauf wird Direktor Hausenbergcr, Mitglied des Direktoriums der Firma Krupp In Essen, als Zeuge vernommen. Auch seine Vereidigung wird ausgesetzt. Er gibt an, Kenntnis von den Kornwalzcrn erlangt und von den ihm vorgelegten Kornwalzcrn den Eindruck erhalten zu habe», datz sie zum grötzten Teil Preisnotizen enthielten und Material für die Submission»' preise der Firma sein sollten. Notizen über konstruktive Dinge und über Versuche bei der Heeresverwaltung und bei der Konkurrenz waren relativ selten. Ich hatte den Eindruck, datz Brandt diese Mitteilungen nur gab, weil er sie im Verkehr mit den Feuerwerkern gehört und gesammelt hatte. Die Kornivalzer wurden auch mir zugeschickt. Manchmal hatte ich wohl den Eindruck, datz eine gewisse Schwatzhaftigkeit der Militärbeamten vorlag, datz sie nicht immer ganz diskret gewesen sein mutzten. In der Direktorialsitzung am 25. Oktober wurde über die Brandtsche Tätigkeit von Herrn Dreger erklärt, datz etwas Un» rechtes nicht vorgekommen sei und datz er in Zukunft diese Berichte selbst unterschreiben wollte, um zuni Ausdruck zu bringen, datz bei ihrer Beschaffung nichts Unrechtes vorgefallen ist. Man hatte damals schon vor, Brandt aus Berlin wegzunehmen, um seine Tätigkeit einzustellen. Die Herren Dr. Muehlon oder Dreger brachten zum Ausdruck, datz nach den Angaben v. Metzens nicht alles in Ordnung zu sein scheine. Auf eine Frage Dr. Muehlons sagte ich, dcr "r keinen Wert auf diese Berichte lege.""'~ ich Vors.: Hat Dr. Muchion zynen nicm gesagt, datz Brandt den Leuten offenbar Geschenke ebe?— Zeuge: So hat er mir das nicht gesagt, aber dem Sinne nach etwa, datz Brandt ein anständiger Mensch sein wolle. Da ich gar nicht den Eindruck hatte, datz die Kornwalzer etwas « Etz-EHH««»KSSA Unserem Genossen Wilhelm Wnlland nebst Gattin die herzlichsten Glückwünsche zurSiwerhochzett 01« Genossinnen u. Genossen de* Bezirks 748a 6. Kreis. Todes-Anzeigen Verband der Hut- und Filzwaren- arheiteru. Arbeiterinnen Deutschi. Ortsverwaltung Berlin. K a ch r a f. Allen Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege Kunze im Alter von S1 Jahren ver» sterben ist. 76/13 Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung hat Montag» nachmittag aus dem Gemeindc- Friedbof in Wilmersdorf statt- gesunden. vec Vonttand. Deutseher TranspoFlarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der A. E.-G.- Arbeiter IKex Thurm am 1. d. Mts. im Aller von 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung sindct heute Dienstag, den 4. d. MtS., nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Städtischen Friedhofes in der Müllerstratze aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/4 Die Bezirksvcrwaltung. Verband der Buch- und Steindruckerei-Uilisarbeiter und Arbeiterinnen Deutseldands. Ortuverv» ultuiiB Berlin. Am 81. Okiober verstarb plötzlich unser Mitglied Villibslä llobereoli im Alter von 40 Jahren. Ehre seinem Andenke«: Dt« Beerdigung findet am Miltwoch, den ö. November, nach- mittag» 3 Uhr, aus dem Pantower Fricdhos statt. 23/16 Bio Ortsverwaltung. Verband d. Brauerei- uJiihlen- arheiteru. verw.BeruIsgenossen. OrtSverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Fahrer F'riedridi Schäpe (Schultheitz II) nach langer schwerer Krankheit am 1. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Milt- woch, den 6. November, nachm. >/,5 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirchhose» in Nord- end au» statt. Ziege Beteiligung erwartet 44/12 Der Vorstand. Beutseber Illetallarbelter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mstglied, der Elektro- Monteur Vshar Ortel .. 30. Ottober gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: •9/1 iOle Ort, Verwaltung Danksagung. ■flt dt« überaus herzliche Teil- nähme und die Kranzspenden' bei der lieben, unvergetz- Beerdigung meines lichen Mannes 2LS0b Paul Gynther sag« Ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen der Firma Glombitzer u. Koppe, dem Deutschen Holzarbeiter-Berband und den Mietern deS Hauses Blumen- siratze 27 meinen herzlichsten Dank Witwe lülgabctb Gynther. Allpeioe OrtsMenkasse ßerlin-Weißensee. Bekanntmachung. Die zum Donnerstag, den 6. No< vember er. einberufene Wahl der Vertreter zum künstigen Ausschuß findet nicht statt, da sowohl von den Berficherten als auch von den Arbeit- gebern nur eine gültige Vorschlags- liste eingereicht worden und dem- ' c die D zufolge Zornahme einer Wahl nach§ 9 der Wahlordnung nicht er- forderlich Ist. Berlin-Weitzensee, 278/20' den 3. November 1913. Der Vorstand. I. St.: Fulirmann, Vorsitzender. Gemeinsame Orts- Krankenkasse für Kömzsmstklhlillsen und Umgegend. Donnerstag, den 13. November, abend« 8 Uhr, im Pfuhlsche» Hotel am Bahnhof: General-Versammlung wozu die gewählten Vertreter ergebenst eingeladen werden. Sollte diese Versammlung zur Erschöpfung der Tagesordnung nicht ausreiche», so findet am folgenden Tage, Frei- tag, den 14. d. Mts., abends ö Uhr, in denselben Räumen eine Fort- setzung der Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Wahl von drei Kassenrevisoren zur Prüfung derJahresrechnung. 2. Wahl von einer Kommission von drei Arbeitnehmern und zwei Sttbeitgebem. 3. Beratung und Genehmigung der neuen geänderten Statuten /die neuen, schon vorgelegenen Sta- tuten sind mitzubringen). König« Wusterhausen, den 3. November 1913. 273/18 ver Vorstand. H. Äriesting, Vorsitzender. Dr.Simmel Spezlal-Arzt Haut- und Harnleiden. dicht am Moritzplatz SonntaKt 10—12. für Prinzenstr. 41, 10-2. 5—7. Mm cSAxfiptity Ueberau zu haben in groOen Dosen i 30 PI, Fabrik: Chemische Werke Lubszynski& Co.. Akl.-Qea., Herlin-Lichtenberg. Schwerwiegendes seien, so sagte ich mir hierbei nicht, datz da etwas Besonderes vorliegen müsse. Es wurde über eine andere Verwen- dung Brnndts gesprochen, in meinem Dezernat aber war keine Stellung vakant.— Bert. Rechtsanwalt Löwenstein: Ist es etwas so Ungewöhnliches, datz im Verkehr zwischen Kruppangestellten und mittleren Beamten gelegentlich etwas geredet ivird, was offiziell nicht geredet wird, Brandt sagt nämlich, ihm seien im Laufe des Gesprächs diese Dinge mitgeteilt worden, ohne datz sich jemand etwas Besonderes dabei gedacht hätte. Haben Sie auch einen solchen Eindruck, datz also nicht bewutzte Preisgabe von Geheimnissen, son- dern nur eine gewisse Schwatzhaftigkeit vorlag,— Zeuge: Das War meine A u f f a s s u n g.— Ein Beisitzer: Haben Sie denn auch gewutzt, datz Brandt ganze Auszüge bekommen hat,— Bert: Aber diese Auszüge bezogen sich nicht aus geheimes Material. Die weitere Vernehmung des Zeugen Hausenbergcr ftndet in geheimer Sitzung statt, da sie sich auf diejenigen Mitteilungen be- zieht, die militärische Geheimnisse enthalten haben. Morgen werden General v. Bücking und Major Ahlcrs ver- nommcn._____ Witteruiigöüberiichr vom 3. November 1913. Stationen Swinemde. 759 SSW 757'SSW l erlin" 76lS stankt. a.M 763iSffi München 767'$® Wien I767SSW »= i| Bettet 4 bedeckt 4, bedeckt Ijbedetft ZDunst 4 wolkig l'Nebel »« 4* 5? wS» «tattonen taparanda 758 O cicrsburg 754, N® Scilly 1 762 33 Aberdeen 744 SSW Paris 754 SSW ü-Ncb-l 1 bedeckt 4 halb 6b, 3 heiter »bedeckt Wetterprognose für Dienstag, den 4. November 1913. Ziemlich mild, zeitweis« ausllarend, jedoch vorwiegend trübe Regensällen und sehr lebhaften, westlichen Winden. Berliner W e 1 1 e r b u r e a u. mit Sei Mckgral- mktämung glärnnäe£flOlgS mit meinem berüfamten regulierbaren Ro- droeaions-Apparat— System(Uaa— lür Emacbsene und Kinder, Meiu Apparat wurde aul dem 10. Aerzte-Konvrpss In Lemberg mit dem 1. Preis ausgezeichnet und erhielt aul der Internationalen Hygiene Ausstellung in Dretden 1911 die silberne Medaille. Prospekt und lachmaunlsche Erlänterung kostenlos C tm.-ktweal Berlin W. 35, ». Infi"" aCdtStehönehergei Utei23 Ortsversvaitun« Berlin. Bureau: Berlin 0., Roscntbnierflr. 11/12, Restaurant Schilling. Ami Norden. 2438. Achtung! Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. und Saaliubabern unseren 50,1' den geehrten Vorständen, Komitees kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. kl/IS. Geschäfts»«:! täglich von KP/,— 1 Uhr mittags. Kapellen vom grötzten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. diL. Unser« Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für da« 4. Quartal brau» und mutz mit dem Verbandsstempcl versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 pji. lUlicher'Äedakteur: Alfred Wirlepp, NenWUn. Fnr Pen tznseratenietl verantw.: Dd. Glocke. Berlin. Druck«.Lertag: Borwklrich�Auchoruckerei u. verlogsaststalt Vau! Singer n.«o,(Berlin SM Die Botano-Trinkkur Eine große Wohltat für Männer u. Frauen bei Zuckerkrankheit(Diabetes), Gicht, Rheumatismus, Herzleiden, Nierenleiden, Blasenleiden, Wassersucht etc. we /enn Sie schon andere Mittel ohne zufriedenstellenden Erfolg benutzt haben, eo trinken Sie jetzt„Botano.1 1 Wir Bind überzeugt, daB Sie„Botano" bald lobend preiser werden. Hemmen Sie die zerstCrende Selbstvergiftung, die andere Getränke erzeugen, trinken Sie„Botano." Die entgiftende Wirkung des„Botano" Ist keine vorübergehende sondern eine dauernde. Der ganze Organismus erfährt eine gründliche Durchspüiung, die Kräfte und das Wohlbefinden nehmen wieder zu. 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