Ar. 293. HboflotfflentS'Btdlngungtn: Wonncments• Preis pränumerando: «ierteijShri. Z.Z0 Mk. monall. 1.10 Mk. wöchentlich LS Psg. frei inS Haus. einzelne Stummer ö Psg. Sonntag-. nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Reue Welt' 10 Pfg. Poji. Abonnement: 1,10 Marl pro Monal. Tingetragen in die Post.Zeituna-?. Preisliste. Unter Kreuzband sül T eutichland und Oesterreich. Ungarn Lchv Marl, für das übrige Ausland 4 Mari pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemar' Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweig. 39. Jafyrg. Crfijdnt täglich. Verlitiev Vollrsbl««. Zcntralorgan der fozialdemokratircben parte» Deutfchlands. vi« Infertlons-Gcbtlljr beträgt für die sechSgespallcnc Kolones. geile oder deren Raum So Pfg.. ,'ür politische und gewerlschastliche Vereins- und Berscunnilungs-Anzeigen 30 Psg. ,.KUvird die Regierung heute mit Staunen gewahr, daß die neuen Wähler doch mit einem anderen Maßstabe messen als die altem Im Süden haben sie geradezu ein Schlachlfest mit den treuesten Anhängern des Kabinetts, den ältesten und ergebensten Freunden Giolittis. gefeiert. Leute, deren Stellung als un- crschütterlich galt, sind heute ohne Sang und Klang zur Seite geschoben worden. Und gerade unter den moralisch anrüchigen und korrupten Elementen hat das erweiterte Wahlrecht mit eisernem Besen ausgekehrt. Auf diesem Gebiete hat gerade der Süden eine ebenso erfreuliche wie unerwartete Reinigungsarbeit vollzogen. Es wäre durchaus verfeblt, wenn man die Verstärkung der sozialistischen Partei und die allgemeine Vermehrung der antiministeriellen Elemente nur zahlenmäßig bewerten wollte. Wer so verfährt, wird ohne irgendwelckie Mühe noch eine an- sehnliche Mehrheit des Kabinetts ausrechnen. In Wirklich- keit muß man aber die moralischen Folgen des mächtigen Zu- Wachses der Sozialisten und des Erwachens einer nicht sozia- listischen Opposition für das Verhalten der anderen Par- teien in Anschlag bringen. Man darf nicht vergessen, daß der Begriff �ministeriell" nicht durch ein Programm umrissen ist. sondern in der großen Mehrzahl der Fälle sich nur aus einem praktischen Nützlich- keitsverhältrns ergibt. Ein guter Teil der Ministeriellen hält sich nur zum Kabinett, solange er dieses fest ini Sattel glaubt. Sobald etwas wie Krise in der Luft liegt, ver- schwinden die Leute von der Bildflächc oder lassen sich auch wohl von den Führern anziehen, deren Aufstieg zu er- Warten steht. Noch wichtiger als das Verhalten dieser unsicheren Elemente, die so etwas wie ein Söldnerheer der Politik dar- stellen, ist aber die Wirkung, die die Wahlen auf zwei andere Gruppen des Parlaments haben können: auf die Radi- k a l e n»:nd auf die konstitutionelle Opposition. Diese beiden Parteien, oder richtiger: Exparteien— denn vor den Wablen hatten beide bekanntlich auf jede Selb- ständigkcit verzichtet und waren� schlechthin miiüsteriell—, schließen, dank der ministeriellen Schutzfärbung, in dem Wahl- kämpf recht gut ab. Tie Radikalen belaufen sich ans 64: die Zahl der konstitutionellen Opposition läßt sich nicht genau angeben, ehe nicht von irgendeiner Seite ein Wiederbelebungs- versuch der Partei durch Einberufung einer Fraktionssitzung gemacht wird. Es liegt in der Natur der Dinge, daß diese beiden Gruppen durch den Wahlausgang aus der Zwangs- läge befreit werden, unter Aufgabe ihrer eigenen Wesenheit in der ministeriellen Masse unterzutauchen. Beide sagen sich, was sie sich in der vorigen Kammer beini besten Willen nicht sagen konnten, daß nunmehr wirklich eine Opposition gegen das Kabinett möglich ist. Und diese Erkenntnis muß ihre- Politik beeinflussen. Natürlich können die bürgerlichen Radikalen, die über-, Haupt sehr unsichere Kunden find, nicht zur Opposition über- i gehen, solange sie selbst vier Vertreter im Kabinett habe». Da aber Giotitti diese seine Mitarbeiter seit längersr Zeit mit einer geradezu großartigen Rücksichtslosigkeit behandelt und es noch in diesem Frühjahr fertig gebracht fmt, die radikale Partei in offener Kammer lächerlich zu machen, ist es durch- aus nicht auszuschließen, daß diese Partei dem Ministerium die Gesolgsckxist kündigt, sobald sie glauben kann, eventuell aus den oppositionellen und schwankenden Elementen eine eigene Mehrheit zu erzielen. Auf diese Weise wird der Ausgang dieser Wahlen, bei denen es eigentlich, mit Ausnahme der sozialistischen, über- Haupt keine Partei gegeben hat, dahin führen, daß die bürger- lichen Pateicn sich wieder auf sich selbst und ihr Programm oder doch etwas Progranuuähnliches besinnen müsse». G i 0 l i t t i hat die Wahlen nach rein persönlichen Gesichts- punkten organisiert und die Partcigrenzen verwischt, indem er die bürgerlichen Kandidaten ohne Ansehen der Partei unterstützte. Es ist nun dabei etwas ganz anderes heraus- gekommen, als er erwartet hatte: eine starke sozialistische und eine vorläufig nur angedeutete, aber doch entwickelungs- fähige bürgerliche Opposition. Dieses Ergebnis regt ganz automatisch die anderen Parteien an, sich abzugrenzen. So werden die Wahlen, die im Zeichen der systematischen Partei- konfusion durchgeführt wurden, zu etwas wie einer Neu- bildung und Neugliederung der Parteien im italienischen Parlament führen.— Begreiflicherweise hat unsere Partei auch Verluste zu verzeichnen, von denen der eine, der des Mandates des ersten römischen Wahlkreises, sehr bitter und sehr folgenschwer ist. Bitter insofern, als das Mandat einem klerikalen Ratio- listen zufällt, nachdem man sich jahrelang in den Wahn wiegen konnte, daß in Rom die Klerikalen als politische Machst nickst mehr in Betracht kämen. Arm in Arm init dem Nationalismus sehen wir aber die Handlanger des Vatikans wieder auf der Bildsläche erscheinen. Folgenschwer ist der Verlust insofern, als er im Verein mit dem Wahlausgang des vierten Kreises, in dem ein klerikaler Nationalist gewählt wurde, die antiklerikale Stadtverwaltung Roms, den berühinten Block, zum Rücktritt nötigt, so daß die Gemeindeverwaltung der Hauptstadt einem königlichen Kommissär übergeben werden wird. N�ch siebenjähriger Herrschaft der Antiklerikalen riskiert man nun in Rom. wieder die Klerikalen Fuß fassen zu sehen. Rückschläge auf die Kommunalverwaltung werden die Wahlen übrigens auch in anderen großen Städten haben, so namentlich in Turin und Mailand, wo unsere Partei drei von sechs Mandaten erobert hat. In beiden Städten ist der Stadtrat bereits zurückgetreten. Es ist offenbar noch zu srilh, um Voraussagen über das Verhalten der Parteien in der neuen Kammer zu machen. Das kann inan aber schon jetzt sagen, daß die Stunde der Diktatur Giolittis geschlagen hat. Eine Mehrheit, wie er sie sich mit Peitsche und Zucker in der vorigen Kammer dressiert hatte, wird er trotz seiner Zähmungskiinste in der neuen nie und nimmer zustande bringen. Eine Kammer, in der 52 Sozialisten Sitz haben, noch dazu Sozialisten, die schon durch den Schaden eines ministeriellen Experiments klug ge- worden sind, kann selbst ein Giolitti nicht auf das. Niveau der vorigen Kammer herabdrücken, die unter der Leitung des Ministerpräsidenten so viele Kunststückchen ausgeführt hat, bis' sie zuletzt den Saltomortale lernte, der der italienischen Bourgeoisie gar nicht gut bekommen will: die Bewilligung des Wahlgesetzes. Dieses letzte Kunststück, das als besonders anziehende Nummer in dem demokratischen Programm Giolittis gedacht war. hat in der Praris doch andere Ergebnisse gezeitigt, als Giolitti bei seiner Einstudiernng beabsichtigt hatte. Gerade von seinen Getreuen haben sich viele dabei den Hals gc- brachen, und das Ende vom Liede wird sein, daß auch das Ministerium von den» gleichen Schicksal ereilt wird. Das italienische �Proletariat bat das seine getan, damit die demokratische Spielerei sich in den Ernst des M a s s e n w i I l e n s verwandelte. Es kann stolz auf das Ergebnis sein, stolz, wie unsere Partei«s sein darf, die die Massen in diesem Kampf gegen die Bourgeoisie, gegen Imperialismus und Kolonialpolitik, gegen Korruption und Eliquenwirtschaft geführt hat. Partei und Arbeiterschaft lxiben in dem wahrlich nicht leichten Kampfe wacker ihren Mann gestanden._ Der Staatsftreicl) In China. London, 6. November.(Privattelegramm des.vor- lvärts".) Der Pekinger Spezialkorrespondcnt des„Daily Tele- graph" meldet, daß infolge des Staatsstreiches des Präsidenten JüanschikaiS von den 274 Mitgliedern des Senats»30 Mitgliiedcr der Kuomingtang-Partci und von den k>vg NnlerbauSmitglicdcrn 220 Mitglieder Partei ihres Mandats beraubt worden find. Dieser Staatsstreich habe in AZirklichkeit dem Parlament den GarauS gemacht. Die Kabinettsminister hätten sich drei Tage lang geweigert, die Befehle des Präsidenden zu unterzeichnen, seien aber schließlich von Jüanschikai eingeschüchtert worden. Es verlautet, daß der Premierminister die Absicht habe, zu demissionieren., Die in Pcling lebenden Europäer betrachten die jetzigen Vor- gange als den Anfang einer Diktatur. Jüanschikai sah sich zu seinein Gewaltstreich veranlaßt durch das mutige Vorgehen des Parlamentsausschusses zur Entwerfung einer Konstitution- der Vorschläge zur Einschränkung der übermäßigen Macht der Exekutive gemacht hat. Der Korrespondent weist ferner darauf hin, daß zurzeit in Peking kein»Steuern einlaufen. Raufbolde vom Schlage des Generals Ehanghsun verfügen über beständig amvachsende Armeen, die sich aus der Hefe des Volkes zusammensetzen. Auch an weitere europäische Anleihen sei vorläufig nicht zu denken, außer zu Lc- dingungen, die den Staatsbanirott nur beschleunigen müßten. Ebenso würden in den Provinzen wieder neue Kämpfe statt« finden, sobald dort die Tragweite der Befehle JüanschikaiS erkannt würden. Schließlich macht der Korrespondent auch darauf aufmerksam, daß Japan zurzeit die stärkste Militärmacht am Jangtseflusse besitze. Cinschuchterungsversuche. Cm Schmerzensrcbm der Kruppiamr. Der Beschlutz des Gerichts, vier der als Zeugen geladenen Krupp-Direktoren wegen des Verdachts der Mitschuld nicht zu ver- eidigen, ist den Kruppianern sichtlich auf die Nerven und aufS Ge- Hirn geschlagen. Er hat bei der„Post" einen wahren Wut- paroxiSmuS ausgelöst, der sich in den komischsten Schimpfereien gegen den„VorioSris" austobt. Weil wir von dem Recht, nein: von der Pflicht Gebrauch gemacht haben, die die Oeffentlichkeit des Verfahrens der Preise auferlegt, weil wir die Vorgänge in Moabit mit der dringend gc- botenen Kritik begleitet haben, deshalb überschlägt sich das Organ der schwerindustriellen Scharfmacher und Kriegshetzer(dessen w ü st e Beschimpfungen einer ganz anderen Stelle noch in frischester Erinnerung find) in epileptischen Zuckungen. Die Er- regung des Herrn v. Rötger scheint auf die„Post'-Ethiker über- gesprungen zu sein und in dem minder widerstandsfähigen Orga- nismus seiner jungen Leute die gefährlichsten Verheerungen an- gerichtet zu baben l Der.Vorwärts' soll sich durch seine Prozeßglofien„außerhalb der Formen gestellt' haben,„die in einer Kulturgemeinschasl üblich und selbstverständlich sind'. Wenn mit dieser„Kultur'-Gemeinschaft etwa die Gemeinschaft mit den Kruppianern der„Post" und ahn- lichem Gelichter gemeint sein sollte, so möchten wir uns das auch ernstlich ausgebeten haben I Wer, wie die.Post' dem„Vorwärts" gegenüber, in Ennange- lung einer sachlichen Entgegnung nichts vorzubringen weiß als duftigste Slilblüten wie„Schmutzklumpcn perfider Satzbildungen', „skrupellos zupackende Rohen",„Spelunkenwiye dieses Blattes' usw., hat allerdings allen Grund, von den.Formen' einer„Kultur- gemeinschaft' zu sprechen. Aber wir begreifen das Wüten des Krupp-BlatteS. Die Bestürzung über das Erdreisten des Gerichts, selbst vor den An- maßungen Tantiemen gesegneter Krupp-Direktoren nicht ohne weiteres zusammenzuknicken, setzt sich um in maßloseste Er- Witterungen gegen den„Vorwärts', den vermeintlichen Urheber solchen Greuels. Den Zweck ihrer spaltenlange» Schimpfereien verrät ja allzu deutlich die„Post', wenn sie mit schöner Siegeszuversicht schließt: „Zeugen, die ihre eidliche Aussage inachen, untersteben nicht der Jurisdiktion des„Vorwärts". Noch nicht. Und � die hinterhältige Methode dieses Blattes, ihnen außerhalb des GerichtSsaales etwas am Zeuge zu flicken, verdient als das gekennzeichnet zu werden, was sie nur versteckterweise ist: als ein unerhörier Versuch, Zeugenaussagen zu korrigieren. Daß ein solcher Versuch ergebnislos verlausen muß, dafür gibt es gottlob noch Richter in Deutschland." Em allerlieb st er Einschüchterungsversuch des Krupp-OrganSI Die Herren Richter wissen jetzt wenigstens, was man von ihnen erwartet I Brmer Staatsanwalt. Der Herr Staatsanwalt hatte Herrn V. Gottberg bekanntlich wegen seiner groben Anrenipclung des Anklage- Vertreters und wegen seiner unsäglich plumpen Bceinflussungs- versuche dem Gerichtshof gegenüber ein jähes Ende seiner Offiziöseil-Laufbahn prophezeit. Wir hatten gestern bereits ein dickes Fragezeichen hinter diesen Optimismus gesetzt. Heute antwortet denn auch Herr v. Gottberg im offiziösen Schcrlblatt dem weltfremden Staatsanwalt folgendermaßen: „Herr LberstaatSonwalt! Ich habe keinerlei Vermutung über Ihre berufliche Zukunft geäußert. Also haben Sie, bitte, die Güte, sich keine Sorge» um die meine zu machen. Grund, sich auch noch in der Rolle eines fals$,en Propheten zu gefallen, lag nichl vor. Wo ich b i s h e r willkommen war. bleibe ich es, auch an amtlicher Stelle, obwohl wir verschiedener Meinung sind." Das heißt also: Lieber Staatsanwalt, sorge du dich lieber unt deine Zukunft; um die m e i n i g e ist mir nicht banget Und der Mann mag wirklich nicht so unrecht haben! Die Reircn Hufficbtsrätc. Wir lesen in der Partcipresse: „Im A u f s i ch t s r a t e der K r n p p A.&, der einen halb familiären Charakter hat. sitzen als Borsitzender Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, der Prinzrcgent, derjmit dein angeheirateten Vermögen durchaus standcsgeinäsz umzugehen versteht: dann der Geheime Jnstizrat Dr, A u g u st von S i m s o n. Hier sei daran erinnert, dasi der Vorsitzende des Kruppschen Direk- l o r i u m S, der Geheime Finanzrat Hilgenberg, vor einigen Tagen in der Prozetzverhandlung erklärte, weil die Firma Krupp mit Herrn von Bietzen nach desien Entlassmrg direkt nichts mehr zu tun haben wollte, seien die Verhandlungen mit Herrn von Metzen durch einen außerhalb der Firma stehenden Juristen geführt worden. Direktor Hugenberg nannte auch den Namen des„außerhalb der Firnia stehenden Juristen", es war— I u st i z r a t von S i m s o n! Der harn, lose Vorsitzende des Gerichts und sein gleich harmloser Staats- anwalt merkten nichts, wie sie iinKrilpp- Prozeß sehr oft nichts merkten. DeS weilereu sitzt im Aus- sichisrat der Firma Krupp Herr Ludwig Delbrück, der Mitinhaber des vornehmen Bankhauses Delbrück, Schickler u. Co. und außerdem auch Mitglied des Herrenhauses ist. Herr Delbrück hat auch innige Verbindungen mit dem Konzern der Allgemeinen Elektrizitäis- Gesellschaft und ist Mitglied deS ZentralauSschnsses der Reichsbank. Die interessanteste Figur im Kruppschen AufsichtSrat ist Zweifels- ohne der Vizeadmiral z. D. E x z e l l e n z Hans Sack. Er ging aus dem aktiven Dienst ab, um nach dem Kurfiirstendamm in Berlin zu ziehen und sich ausschließlich seinen drei AufsichtsratSmandaten zu widmen. Er sitzt außer bei Krupp im Aufsichtsrat der deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Berlin und im Aufsichts- rat der Vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabriken, lieber diesen geschäftstüchtigen Admiral schrieb der konservative.Türmer' im Juli dieses Jahres:„Ich wiederhole..., daß eS nicht geduldet werden darf, daß ein Admiral, der Pension bezieht. Auf- fichtsratsposten bei den Monopolfirmen annimmt, mit denen er jahrelang als Dezernent im Marineamt Geschäfte über riesige Summen für das Reich abgeschlossen hat." Neben diesem Herrn Sack amtieren noch der F i n a n z r a t Ludwig K l ü p f e l und der Regicrungsassessor Thilo Freiherr v. WilmowSki. Der Vater des letzteren war unter Hohenlohe Chef der Reichskanzlei. sein Sohn ist mit der zweiten Tochter von Friedrich Krupp verheiraiet. lieber Mangel an guten Verbindungen kann man beim Aussichtsrat der Kruppschen Werke wirklich nicht klagen. Das Direktorium der Firma Krupp ist ebenso gut versorgt in bezug auf„passendes Borleben" seiner Mitglieder, wie der Auf- sichtsrat. Herr v. Motzen zum Beispiel hatte als Offizier bei der Uebernahme von Lieferungen viel mit Krupp zu tun, auf diese Art wurde er Angestellter der Firma Krupp. Der Borgänger des Herrn v. Metzen war Oberst, ehe er zu Krupp kam. Der Chef des Direktoriums, Hugenberg, war vortragen- der Rat i in F i n a n z m i n i sie r i u m, ehe er zur Kanonen- firma kam. Direktor D r e g e r war Dezernent im Kriegs- Ministerium und ging zu Krupp. Brandt kam als ehemaliger Depotverwalter von der Artillerieprüfungskommission nach Essen. Aehnliche Wandlungen kann man bei fast sämtlichen Direktoren feststellen I Das passende„Vorleben" ist für die Anstellung bei Krupp, und die gnle Verbindung bei unseren Mtlitärgeschäften die Hauptsache!" öer llsmpk in Dublin. London, ö. November.(Eig. Ber.) Ter Kampf der vereinigten Tubliirer Arbeitgeber gegen den irischen Transportarbeiterverband dauert fort: sein Ende ist noch nicht vorauszusehen. Ter Versuch, die Kinder der Ausgesperrten nach Freunden in England zu schicken, ist an dem wütenden Widerstand der katholischen Geistlichkeit ge- scheitert. Das Unternehmen der englischen Frauen hat aber insofern gut getan, als es dcks Gewissen der Heiligen auf- gerüttelt und sie auf ihre Verantwortlichkeit gegenüber den kleinen hungrigen Mitbürgern aufmerksam gemacht hat. Die Priester fingen vor einigen Wochen an, einen �cmds zur Er- nährung und Kleidung der notleidenden Kinder Dublins zu sammeln. Freilich sehr freigebig haben sich die reichen Katholiken bisher nicht gezeigt. Es geht mit dem Fonds, der erst 770 Pfund beträgt, sehr langsam vorwärts. Tiefe spenden sind nichts im Vergleich mit den �2 2155 Pfund, die die englischen Arbeilcr allein an das Parlamentarische Komitee des Gewerkschaftskongresses zur Unterstützung ihrer irischen Genossen geschickt haben: diese Summe enthält nicht die Beträge, die direkt nach Dublin geschickt worden sind. Der Fonds, der dazu bestimmt ist, mit Lebensmitteln beladene Schiffe nach Dublin zu schicken, wächst von Tag zu Tag, und der beständige Geldzuslust beweist am besten den ruhigen und festen Vorsatz der englischen Arbeiter, die Bewegung in der «chwesterinsel nicht untergehen zu lassen. Diese großartige Hilfeleistung wird in künftigen Zeiten den Kitt bilden, der das britische und irische Proletariat zusammenhalten wird. Zurzeit werden von der englischen Transportarbeiter- födcration wieder Versuche gemacht, dem Kampf ein Ziel zu setzen. Sebr aussichtsvoll scheint das Unternehmen jedoch nicht zu sein. Vor allen Dingen müssen die Leiter der Transportarbeiterfödcration. die der irischen Gewerkschaft ihre Vermittelung angeboten haben, sehr vorsichtig zu Werke gehen, um nicht in eine schiefe Lage zu geraten. Der irische Transportarbeiterverband gehört der Transportarbeiter- söderation nicht an: in der Vergangenheit hat er verschiedene Male erfolglos um Anschluß ersucht. Allein schon aus diesem Grund kann die Transportarbeitersöderation nicht für die Jrländer handeln und ihnen etwa einen Frieden diktieren. Das oder etwas Aehnli-ches wollen aber gerade die. Dubliner Arbeitgeber, die natürlicherweise darauf spekulieren, daß zwischen den englischen und irischen Arbeiterführern Fwie- tracht entstehe, was zum Versiegen des Goldstroms aus Eng- land führen würde. Tic Vertreter der Föderation sehen deshalb peinlichst darauf, daß ihre Handlungen nicht miß- deutet werden können. Sie wollen nur die streitenden Par- teien zusammenbringen, denen allein der Abschluß eines Friedens überlassen bleiben würde. Was die Beendigung des Kampfes noch besonders er- schwert, ist die Tatsache, daß man das Haupt der irischen Transportarbeitergewerkschaft eingesperrt hat. Ohne L a r- kins Zustimmung ist ein Friedensvertrag nicht viel wert. Die Zyniker sagen, daß das„Tubliner Schloß"(die englische Bureaukratie in Irland) zwei große Böcke geschossen habe: es habe Larkin frei umbergeben lassen, als er binter Schloß und Riegel hätte sitzen sollen, und es habe ihn eingesperrt, als er hätte frei sein müssen. Die Mißachtung der einfachsten Rechts- bgrisfe, die aus dieser nach den„Times" unter dem Bürger- tum Dublins verbreiteten Ansicht spricht, spiegelt recht beut- lich da« in Irland noch bestehende Regierungssystem wieder. dem die Engländer zu Hause vor 300 Iahren das Genick brachen Man steckt die Menschen ins Loch, wenn es die Reglerungsweisheit verlangt. Die Verurteilung des Ge- nassen Larkin zu sieben Monaten Hast ist eine Farce, die selbst den englischen Reaktionären zu stark ist. So zitiert die konservative Wochenschrist„Spectator" den wichtigsten Passus aus der Rede des anklagenden irischen Iustiznünisters und knüpft daran einige treffende Bemerkungen. Der Passus lautet:„Larkin hat gesagt:„Das Volk macht Könige und das Volk kann sie absetzen, und ich kann nicht einsehen, daß der König von England ein Rocht haben soll, Versamm- lungen zu verbieten." Dann sagte er:„Ich habe Gott schütze den König! nur stets im Spott gesagt." Ewartete er, daß das Volk König Georg absetzen und den König Larkin aus den Thron erheben würde?... Larkin sagte auch:„Ich bin ein Rebell und der Sohn eines Rebellen." Sehr viele Leute möchten, daß Larkin diese Erklärung ein wenig mehr präzisiere. Er sagte auch:„Ich erkenne kein anderes Gesetz an. als das Gesetz des Volkes." Dieser Satz selbst war eine aufrührerische Rede." Die gelesenste der konservativen Wochen- schriften bemerkt dazu:„Wir erwarten, solches Zeug in einem Majestärsbeleidigungsprozeß in Preustrsch-Polen oder in einem Hochverratsprozeß in Agram zu lesen: aber wenn man es in einen: Bericht über einen Prozeß innerhalb des König- reichs liest, und wenn man weist, daß es ohne Protest von denen, die sich Liberale nennen, hingenommen worden ist. so hat man das neue und sehr unbequeme Gefühl, daß wir uns schnell rückwärts entwickeln." Tie Arbeiterschaft Großbritanniens hat den Gewaltstreich jedoch nicht' ruhig hingenommen. Schon mehr als 500 Arbeiterorganisationen haben in Resolutionen die Freisetzung Larkins gefordert, und täglich mehren sich die Proteste, die aus allen Ecken des Lairdes einlaufen. pol'tiscbe(leberslcM. Verfassungswidrige Königsmache. München, 6. November.(Privqttelegramm des„Vor- wärts".) In einer Viertelstunde bestätigte am Tonnerstag- nachmittag die bayerische Abgeordnetenkammer, daß die Regentschaft zu Recht beendigt worden sei. Die bürgerlichen Parteien gaben kurze Erklärungen ab, in denen sie ihre Ueber- zeugung aussprachen, daß König Otto� unzweifelhaft dauernd unheilbar geisteskrank sei. Für die Sozialdemokratie verlas Genosse S e g i tz folgende Erklärung: '.Die Proklamation des Königs ist erfolgt, bevor der Landtag in der Lage war, die verfasinngsmäßigen Voraussetzungen für die Beendigung der Regentschaft zu prüfen. Die Staatsregierung hat den Landtag vor vollendete Tatsachen gestellt. Darin sieht die Sozialdemokratie eine Verletzung der Bor- schriften, die nach den jüngsten Acnderungen der Verfassung für die Beendigung der Regentschaft gegeben sind. Die sozial- demokratische Fraktion lehnt ihre Teilnahme an einer von ihr als verfassungswidrig erkannten Aktion a b und wird auch aus diesem Grunde und infolge der ganzen Art, in der die jüngste Verfassungsänderung erfolgte und die Regentschaft beendet worden ist, an der die Borgänge sanktionierenden A b st i m m u n g sich nicht beteiligen." Der Ministerpräsident protestierte in einer kurzen Bemerkung namens des Gesamtministeriums gegen den Vorwurf der Ver- fassungswidrigkeit. Die Sozialdemokraten riefen: Das nützt nichts, es ist doch so! Darauf stimmten die bürgerlichen Parteien einstimmig zu. Die Regierung läßt dem Landtag sofort eine abgeänderte Vorlage über den Etat des königlichen Hauses zugehen, in der die früher geforderte Erhöhung der Zivilliste gemäß den jetzt vollzogenen Acnderungen geregelt wird. Amnestie. Ludwig III., der neue König von Bayern, hat eine Amnestie erlassen. Diese Amnestie erstreckt sich auf alle noch nicht vollstreckten Strafen, die von einem bayerischen bürgerlichen Gericht oder Militär- gericht ausgesprochen sind, und zwar: 1. wegen Beleidigung Seiner Majestät deS� Königs Otto, Unserer Person oder eines Mitgliedes Unseres Königlichen Hauses nach den§8 95, 97 des Strafgesetzbuches. 2. wegen Verbrechen und Bergeben in Beziehung auf die Aus- Übung staatsbürgerlicher Rechte nach dem fünften Abschnitt deS zweiten Teiles des Strafgesetzbuches, 3. wegen Vergehen und Uebertretungen nach den ZK 18, 19 des Gesetzes über die Presse, -t. wegen Beleidigung einer Behörde,«ineS Beamten, eines AeligionsdienerS oder eines Mitgliedes der bewaffneten Macht während der Ausübung deS Berufs und in Beziehung auf den Beruf nach den KZ 185. 186 deS Strafgesetzbuches. 5. wegen Ungebühr vor Gericht nach den KZ 179, 186 deS GerichtSverfassungSgesetzeö und des§290 Abs. 3 und I der Militär- strasgerichtsordnung. Ist die Strafe mit einer wegen einer anderen strafbaren Hand- lung ausgesprochenen Strafe zu einer Gesamtstrafe zusammengefaßt. so ist von der Gesamtstrafe der volle Betrag der Einzelstrafe er- lassen. Erlassen find ferner alle noch nicht vollstreckten Geldstrafen von nicht mehr als 160 Mark und alle noch nicht vollstreckten Freiheitsstrafen von nicht mehr als einem Monat, die von einem bayerischen bürgerlichen Gericht oder Militärgericht wegen Vergehen und Uebertretungen, die nicht unter Ziffer 1 ge« naunt sind, und wegen Forstfrevel und Forstpolizeiüberlrelungen er- kannt sind. Der Umkang der Amnestie hebt sich sehr vorteilhaft ab von den jüngsten Amnestien in Preußen und Braunschweig. Nach bekanntem Muster. Die Posener Bauinnung und der dortige Unternebmerverband für das Baugewerbe haben an den ÄriegSmimster eine Eingabe gerichtet, in der mitgeteilt wird, dag sich die Firma M. Hoff- mann u. Co. in Posen Abschriften über SubmissionSangebote an- derer Firmen verschafft habe. Mit Hilfe der ourch diese Ab- schriften erlangten Kenntnisse gelang es der Firma M. Hoffmann, von den Bauarbeiten, die infolge der Heeresvermehrung ausge- schrieben sind, Zuschläge im Betrage von 800 606 M. zu erhalten. Tie ausgefallenen und somit geschädigten Bauunternehmer sind natürlich empört über diese Kornwalzerprattiken und haben beim Kriegswinister um eine Audienz nachgesucht, um Remedur zu erwirken. Ob ihnen das gelingt, ist freilich fraglich. Ein Sieg der Wahlrechtsinfamie. Bei den Stadtverordnetenwahlen der dritten Abteilung in Köln, die vom 3. bis 5. November stattfanden, erhielten durchschnitte lich: Zentrum 23 940, Sozialdemokratie 11 600, Bereinigte Liberale 3870 Stimmen. Das Zentrum hat also wieder mit großer Niehrheit sämtliche Mandate geholt. Die entsprechenden Zahlen. der Wahl von 1911 lauten: Zentrum 25166, Sozial- demokratie 13 606, Liberale 4456. Obwohl unsere Kölner Genossen das Reichsiagsmandat er- oberten, obwohl bei der geheimen Stimmabgabe rund 46 666 Wähler auf dem Kölner Gemeindegebiet für uns stimmen, ist es ihnen nicht möglich, unter dem Drciklassenwahlrecht auch nur einen einzigen Sitz im Stadtverordnetcnkollegium zu erringen. Ilm sich unter allen Umständen am Ruder zu halten, hat die an- geblich so wahlrechtsfreundlichc Zentrumspartci das elendeste aller Wahlsysteme noch verschlechtert. Die Zentrumsmehrheit ver- weigert die Bewilligung von Abstimmungs bezirken, und so besteht denn in Köln der ungeheuerliche Zustand, daß alle Wähler, auch die der Vororte, stundenweit in den Mittelpunkt der Stadt zur Wahl müssen. Durch diese Schikane bringt es das Zentrum fertig, Tausende von Arbeitern, die weit draußen in den Vororten wohnen, und die erst abends um 7 Uhr aus den Fabriken kommen, von der Wahl fernzuhalten. Jeder Antrag auf Bewilligung der Abstimmungsbezirke wird abgelehnt, denn, so sagte einer der Wortführer des Zentrums im Rathause höhnisch:„W i r sind gut dabei gefahren." Die Erbitterung über diese Infamie der Zenlrumspartei ist bei den organisierten Arbeitern in Köln groß, und sie sind nun nicht länger mehr gewillt, sich von den schwarzen Wahlrechtsgauncrn weiter um ibr Bürgerrecht prellen zu lassen. Nötigenfalls muß und wird zu stärkeren Mitteln gegriffen werden. Die ganze„Schönheit" des Dreiklasscnwahlrechts offenbart sich übrigens auch bei den Kölner Stadtverordnetenwahlen ausge- zeichnet. Rund 966 Wähler bilden die erste Klasse, rund 9666 die zweite, aber 84 666 Wähler sind in der dritten Klasse zusanc mengepfercht. Alle Arbeiter und Angestellten ge- hören zur dritten Klasse,?n der zweiten dagegen wählen neben der hohen Geistlichkeit eine Anzahl Bordellwirte. In dem Gefühle absoluter Sicherheit hat das Zentrum von seinen 3 Dutzend Sitzen den christlichen Arbeitern ganze zwei ein- zuräumen. Dabei hat es einer dieser„Arbeitervertreter' auch noch fertig gebracht, im vergangenen Jahre die Hälfte der Sitzungen zu schwänzen. Wenn die Sozialdemokratie diesmal ihre frühere Stimmen- zahl nicht erreichte, so kann darob nicht das bei den Gegnern jetzt wieder beliebte Lied vom„Rückgang der Sozialdemokratie" ange- stimmt werden, denn der Stimmenrückgang ist ja allgemein. Bei geheimer Abstimniung würde das Zentrum glänzend aus der dritten Klasse hinausgeworfen werden. Jetzt wählen aus Furcht vor dem Zentrumsterror nicht wenige abhängige Existenzen öffentlich Zentrum, die bei der Reichstagswahl einen roten Stimmzettel ab» geben. Diesmal drückte auch die wirtschaftliche Depression auf die sozialdemokratische Stimmenzahl, denn viele Arbeitslose sind mit der Steuerzahlung im Rückstände und durften deshalb ihr Wahlrecht nicht ausüben oder hatten es gar wegen Armenunterstützung ver- loren. Hinzu kommt, daß in der Kölner Arbeiterschaft allgemein der— allerdings verkehrte— Glaube herrscht, unter dem bisherigen Wahlsystem sei doch an leinen Sieg zu denken. Jedenfalls emp- finden die Kölner Arbeiter die Dringlichkeit der preußi» schen Wahlrechtsforderung um so schärfer, denn die Reform des Gemeindewahlrechts ist abhängig vom preußischen Land- tage, und ein Wahlrecht ist unerträglich, das der stärksten Partei der zweitgrößten Stadt in Preußen in dieser Stadt jede Vertretung im Rathause verweigert. Klerikale Notstandsrezepte. Der fünfte Delegiertcntag der katholischen Arbeitervereine der Diözese Metz, der am 26. Oktober in Wölferdingen tagte, beschäf- tigte sich u. a. mit der Frage, wie das wirtschaftliche Elend der Ar- beiter beseitigt werden könne. Die vielen anwesenden Geistliche» stellten den Gedanken in den Vordergrund, daß die arbeitende Be- völkerung zur Wirtschaftlichkeit erzogen werden müsse, d. h. die Arbeiter müssen lernen, mit dem Gclde umzugehen. Das Fazit der Beratungen über diese Frage war ein Beschluß, wonach die katholischen Arbeitervereine aufgefordert werden, folgende Aus- gaben zu erfüllen: a) Einführung von Haushaltsbüchern für die Vereinsmitglieder. b) Vorträge halten, besonders wäbrend der Wintermonate, über: Verwendung des Lohnes, Kindcrcrziehung. Wohnungs- schmuck usw. c) Eingaben an die Regierung bezw. Behörden betreftend Em. schränkung der Vcrgnügungsvereine, Kcllnerinnenwesen und öffentliche Vergnügungen an den Sonntagen und an Zahl- tagen. d) Kommissionen gründen zur Vermittelung von guten, christ- lichen Kosthäusern für zuziehende katholische Arbeiter, über- Haupt zur Fürsorge für Zuziehende im allgemeinen. Sehen wir von einzelnen Arbeiterkategorien in den Berg- werken ab, dann werden durchweg in der Diözese Metz recht trau- rig« Löhne verdient. Nur ein geringer Bruchteil der lothringischen Arbeiter ist in der Lage, soviel zu verdienen, daß er nicht direkt zu hungern braucht, die übergroße Mehrzahl der Arbeiter darbt buch. stäblich, weil sie sich mit wahren Hungerlöhnen abspeisen läßt. Diese Hungerlöhne unter Mitwirkung der katholischen Arbeiter- vereine zu beseitigen, davon wurde kein Wort geredet; kein Wort auch von der Notwendigkeft des gewerkschaftlichen Kampfes, der einzusetzen hat, wenn alle anderen Mittel zur Erreichung höherer Löhne versagen. Mit sozialen Quacksalbereien will man der Wirt» schaftlichen Not steuern. Alkoholifierte Jubiläumsfeier. Vier evangelische Pfarrer, Ewald. Gieseking, Koch» und Phi» lippS, schütten m der„Märkischen Zeitung" ihren Kummer über „manche betrübende Erscheinungen" bei der Jahrhundertfeier au§. Tie Pfarrer haben sich vor allem geärgert, daß sie vergeblich auf das Erscheincm der patriotischen Vereine in der Kirche warteten. Die Patrioten zogen die„geistige" Stärkung in der Kneipe der in der Kirche vor. In dem Artikel der Pfarrer heißt es: ..Ferner ist bei dem Feste in einem Vlaßc dem Alkohol ge- huldigt worden, daß wir uns genötigt sehen, im Interesse unserer Gemeinde Kamen(Westfalen), vor allem der Jugend. dagMen unsere Stimme zu erheben. An der Reveille in der Frühe des Sonntags, die u. a. von Schulkindern ausgeführt wurde, haben sich Mitglicoer nationaler Vereine im be- trunkenen Zustande beteiligt. Die Kinder haben es an- sehen müssen, wie diese Leute dennoch Wirtschaften besuchten und unterwegs den«-chnavs aus Flaschen tranken. Und daS geschieht im Zeitalter der Jugendpflege und am Gedenktage der Leipziger Schlacht. Diese Beobachtung legt uns die'chhe: Sollte nicht auch am Fernbleiben der Vereine vom Gottesdienst der Alkohol schulo sein?— Unverständlich ist eS uns sodann, daß bei den Jugend spielen auf dem Platz neben dem Gym- nasium ein Bier- und Kognakausschan r eröffnet wurde. Konnten denn nicht wenigstens diese paar Stunden ohne Alkohol- genuß zugebracht werden? Will man mit aller Gewalt schon die Jugend an die angebliche Uncntbehrlichkert alkoholischer Ge- tränke gewöhnen?..." So betrüblich den vier Pfarrern von Kamen die beobachteten Erscheinungen auch sein mögen, es ist nun mal so: die patrio» tische Begeisterung beruht vielfach auf dem Suff. Wenn es nicht Alkohol im Uebermaß zu vertilgen gäbe, wäre« viele patriotsche Feiern überhaupt nicht besucht. Kouservative Zugeständnisse. Als in diesem Sommer die»Kölnische Zeitung" die Zuschrist eines pommerschen Landwirts brachte, worin die Lebensverhältnisse der Landarbeiter, insbesondere die schleck len Wohnungen, einer ge. linden Kritik unterzogen wurden, setzte die„Deutsche Tages- zeitung* einen lärmenden Presscseldzug in Szene, worin die Darlegungen des Mitarbeiters der„Kölnischen Zeitung" als Ueber- treibungen und als unwahr hingestellt wurden. Ilm so mehr muß man sich wundern, daß dieselbe„Deutsche Tageszeitung" in ihrer jüngsten ,.Zeitfragen"-Beilage einer Buchbesprechung über städtische und ländliche Wohnungsverhältnisse Aufnahme gewährt, die als eine glatte Bestätigung der ichärssten Kritik am ländlichen Woh- nungswescn bezeichnet werden muß. Der Mitarbeiter des agrari- schen Organs läßt sich u. a. wie folgt aus: „... Die ländlichen Wohnungsvcrhältnissc sind im O st e n Deutschlands s ch l e ch t e r a l s im W e st c n. Die Landarbeiter Hausen noch vielfach mit ihrem Bieh unter einem Dache. Wie die«chlasgänger in der Großstadt, so sind die Sachsengänger auf dem Lande noch häufig in völlig unzulänglichen Wohnräumen unter- gebracht, die eine schwere Gefahr für die Sittlich» i e i t bilden. Auch in einigen Gegenden Bayerns sind in Dörfern wie in Kleinstädten die Wohnungsverhältnisse noch derartig, daß die T u b e r k u l o s e c i n st ä n d i g e r G a st b l e i b t." Schärfer kann auch keine sozialdemokratische Zeitung die Woh- nungszujtände auf dem Lande kritisieren. Was werden nun die stockagrarischen feudalen Leser der„Deutschen Tageszeitung" dazu sagen, daß ihnen auch in ihrem Leibblatt die Wahrheit über die Wohnungsnot aus dem Lande gesagt wird? Der Verfasser, Professor Dr. Ludwig H a h n- Nürnberg, unterzieht übrigens auch die Wohnungsverhältnisse in den Groß- städten einer ebensolchen scharfen Kritik. Er schreibt: „Die Zustände in den Arbciterkaserne» der deutschen Großstädte sind zum Teil geradezu schrrckenerregend. Nicht nur für die Gesundheit, auch für die Sittlichkeit der heranwachsenden Jugend bergen derartige Unterkunftsräume die größten Gefahren. Wehe den armen Kleinen, die in diesen düstern Gelassen, die nur zu oft zu Höhlen des Lasters werden, das ungenierte Treiben der Erwachsenen, der Schlafgänger, Dirnen, Zuhälter bemerken und beobachten und dabei ohne sede Rücksicht auf ihr zartes Alter und ihre Unschuld als überflüssige und lästige Beigaben-zum menschlichen Dasein und seinen Leidenschaften betrachtet und behandelt werden. Die Verbrecher in den Zuchthäusern sind wahrlich besser aufgehoben als manche Arbeiterfamilien in diesen licht- und lustleeren Keuchen. Und dabei werden für diese unwöhnlichen und gesund- heitSschädlichen Unterkunftsstätten den Aermsten des Volkes noch exorbitant hohe Mieten abgefordert, so daß dem Ar- bester eben keine Wahl übrig bleibt, als sich an das Woh- nungselend als eine unabänderliche Tatsache zu g e w ö h- u e n und gegen die vielerlei Schädigung abgestumpft zu werden. Die Hauptschuld an dem relativ höheren Preise der kleineren und schlechteren trägt der B a u g r u n d w u ch e r." Der Verfasser empfiehlt gegen dieses Wohnungselend zwar völlig unzulängliche Hilfsmistel, aber darüber wollen wir nicht mit rhm rechten. Genugtuung verschafft es uns nur, daß unsere jähr- zehntelange Kritik an den Wohnungsderhästvissen auf dem Lande und in den Großstädten eine derartig wertv»>c Bestätigung erfährt. Daß das in einem führenden konservativen Blatte geschieht, erhöht nur den Reiz dieses Zugeständnisses. Vorpostengeplänkel zu den Zolltarifkämpf«»-— Mit dem S t a- d und den Aussichten unserer deutschen WirtschastS. und Zollpolitik befaßten sich am Mittwoch in Köln die Vertreter der rheinischen Bauern auf der Generalversammlung der„R h e i n i s ck e n landwirtschaftlichen ProduktionS. und Absatzvereinigun g". Es sprachen der deutschkonservative Reichstagsabgeordnete Arnstadt, der nationalliberale Reichstagsabgeortmete Hugo B ö t t g e r und Profeflor Dr. Martin Spahn. Arnstadt, der über die Handelspolitik zu reden hatte, nahm scharf Stellung gegen den Hansabund, den Bund der Industriellen und den Bund der Festbesoldeten, denen er vorwarf, sie bcabsich- tigten, Bresche in unsere Zollschutzmauern zu legen. Im Reichstage sei leider keine so große und feste Mehrheit für ausreichende Land- wirtschastszölle mehr vorhanden wie im Jahre 1909. Die National- liberalen bildeten das Zünglein an der Wage. Den Hauptgegen- stand der Zolltarifkämpfe würden die Futtermittelzöllc und die E i n f u h r s ch e i n e bilden. Der Redner behauptete, daß die Futtermittelzöllc auch im Interesse der Kleinbauern lägen. Bei ihrer Aushebung würde vielleicht die Viehproduktion für den Klein- dauern eine winzige Erleichterung erfahren, aber desto stärker wüvde der Ackerbau der Kleinbauern getroffen werden. Jnter- essant ist, daß der Redner eingestand, es würden durch die Aufhebung der Einfuhr scheine die Roggenpreise sinken, uno zwar nach seiner Meinung dermaßen, daß der Roggen wieder als Viehsutter Verwendung finden werde. Zwar gab der Redner zu. daß die Einfuhrschein« jetzt vor allem den öst- lichen Großgrundbesitzern zugute kommen, aber er behauptest doch andererseits, daß durch ihre Aufhebung auch die Bauern im eoüden und Westen geschädigt würden, weil dann eine Verschiebung im Anbau eintreten müsse. Arnstadt schloß mit der Versicherung, daß er zu den Nastonalliberalen das Vertrauen habe, sie würden der Landwirtschaft sowohl die Futtermittelzölle wie die Einfuhr scheine belassen. Ter nationalliberalc Redner Dr. Böstger äußerte sich über die Politik seiner Partei in der Zolltarifsrag« sehr vorsichtig; aber auch er ließ durchblicken, daß die Nationallioeralen an der jetzigen Zollpolitik festhalten werden. Herr Professor Dr. Spahn sollte über Sozialpolitik sprechen. Er gestaltete aller seine Rede zu einer Philippika gegen den s e l b st S n d i g e n Mittelstand, vor allem gegen die Metzgermeister. Er sieht in der Hauptsache nur eine Möglichkeit, die Teuerung, deren Ursache nach seiner Ansicht nur in der Er- höhung der Produktionskosten liege, abzuschwächen: eine Orga- nisation, die die Waren ohne unnötige Ver- teuerung vom Produzenten zu den Konsumenten führt. Die deutschen M e tz g e r m e i st e r hätten sich im vorigen Jahre der Stunde nicht ge wachsen gezeigt. Ein großer Teil der Mittelständler habe die Interessen des Großhandels wahr- genommen und dadurch der Sozialdemokratie neue Hoffnungen auf die Einrichtung von Kommuneschlächtereien gegbcn. Außerdem sei dadurch das Großkapital in das Metzgergewerbe eingedrungen. ES müsse desbalb dabin gewirkt werden, daß die alten Gewerbe Bäckerei und Metzgerei nicht unter dem Einfluß des Großkapitals gerieten. Durch eine zweckmäßige Organisation müsse der Mittel- stand mehr wie bisher mit Staat und Gemeinden zusammen- arbeiten. Dadurch allein, nicht durch schöne Predigten, könne die Ueberspannung des Konsumenteninstinktcs beseitigt werden. Dahin allein könne auch die amtliche Fleischteuerungskomimssion wirken, die viel zu longsam arbeite. Herr Spahn lebt in der schönen Hoffnung, daß das sogenannte „Kartell der schaffenden Stände" nicht nur auf den Mittelstand, sondern auch auf die christlichen Arbeiter und Beamten ausgedehnt werden könne. Das nächste und das notwendigste Ziel der deutschen Sozialpolitik bleibe die Organisation des Mistel- standes, als Bindeglied zwischen Produzenten und Konsumenten. tLberpostdirektio« und Konsumverein. In Gahlenz bei Oederau(Sgchsenl haste der Konsum- berein Eppendorf, der sich seither in jeder Hinsicht streng neutral verhalten hat, eine Filiale eröffnet. Im Laufe der Zeit traten dem Verein eine größere Anzahl Mitglieder bei, so daß die Filiale gut florierte. Nun begann die Hetze gegen den Berein. Die Versuche, ihm mit allerhand unschönen Verdächtigungen die Mitglieder abzutreiben, mißlangen jedoch. Als es auf diese Weise nicht ging, versuchte man es aus andere Art. Der Laden des Konsumvereins befindet sich nämlich im Hause des Postagenten in Gahlenz, der die dortige Posthilfsstellc verwaltet. Hier haben die Treiber gegen den Konsumverein eingesetzt, und zwar mit Erfolg; denn dieser Tage ging dem Postagenten ein Schreiben der Oberpostdirektion zu, worin er als Hausbesitzer aufgefordert wurde, dem Konsum- verein den Laden für den l. April 1914 zu kündi- gen. Dadurch wird die Objektivität der Oberpostdirektion gegen eine Vereinigung, die sich den Vertrieb guter Lebensmittel zu mög- lichst niedrigen Preisen zur Aufgabe gestellt hat, wundersam be- leuchtet._ Gmcbenland und die Cürkeu Paris, 6. November. Nach einer offiziösen Mitteilung haben die Regierungen Rußlands und Frankreichs auf Ersuchen Griechenlands in Konstantinopel nachdrückliche Schritte unternommen, um die Türkei zu veranlassen, sich gegenüber Griechenland versöhnlicher zu zeigen, damit die vom Abbruch bedrohten Verhandlungen in normaler Weise fortgesetzt werden können. Die französische Regierung werde sich jeder finanziellen Unter st ützung der Türkei widersetzen, so lange diese nicht durch eine ehrliche und fried- fertige Politik bewiesen habe, daß sie den Frieden auf dem Balkan nicht stören will._ Oelterrticb. Protest gegen die ungarische Reaktion. In 16 mächtigen Versammlungen protestierte am Mittwoch die Budapesstr Arbeiterschaft gegen das geplante Attentat auf die Presse. Zehntausende von Arbeitern hörten in großer Er- regung die unerhörten Pläne der Regierung, die das neue Preß- gcsetz enthält. Donnerstag, Freitag und Sonnabend halten die einzelnen Berufe ihre Temonstrationsversammlungen gegen diese Vorlage ab, die durch schwere Strafen den wirtschaftlichen Kämpfen ein Ende machen will. Am Sonntag finden in allen größeren Städten Ungarns Demonstrationsversammlungen statt. Die G c- Werkschaftspresse bringt ein Manifest an alle organisierten Arbeiter, in dem die Regierung heftig angegriffen wird. franhmcb. Ein Tag der Extratouren. Aus Paris wird uns geschrieben: Wie in der Regel, verlief auch diesmal das angekündigte parlamentarische Drama als unblutige Komödie. Statt des von manchen erwarteten Ansturms der Linken gegen das Kabinett zeigte die Eröffnungssitzung der Kammer eine Ver- schiebung der taktischen Stellungen der Parteien, die nach den hitzigen Diskussionen der letzten Monate überraschen mußte. Nicht der republikanische.Block" trat in Aktion, sondern der scheinbar schon ganz aufgelöste Proporzblock. Er brachte sogar das Ministerium in die Minorität, aber dennoch darf Herr Barthou das Ergebnis als Erfolg buchen, da er, nicht ausschließlich durch die eigene Geschicklichkeit, den Zorn der bürgerlichen Linken beschworen hat. Die gemäßigte Presse hatte den Sozialisten vorgeworfen, gegen die Regierung „komplottiert" und den Proporz preisgegeben zu haben. Vermochte nun ein Vorstoß der Sozialisten zugunsten der Wahl- reform die Rechtsparteien aus der Regierungsschanze hinaus- zumanövrieren, s abwarfen sich die Radikalen unverzüglich in die ver- lassene Stellung und Barthou sieht auf einmal wie der Vollstrecker der radikalen Hauptforderungen aus. Er lehnte den Antrag, die Wahlreform als ersten Gegenstand auf die Tagesordnung zu setzen ab und wollte auf diesen Platz die Frage der Laienschule Sestellt wissen, womit die dringendsten Wünsche des„Vaters" ombes erfüllt scheinen. Damit wären die Pläne der Un- entwcgten von Pau vorläufig beseitigt. Wegen der Finanzpolitik der Regierung, die die Kosten der neuen militärischen Ausgaben hauptsächlich durch Anleihen von 1 Milliarde und 40l) Millionen hereinbringen und die Einkommen- und Kapitalsteuer, allen feierlichen Zusagen zum Trotz, von neuem einmagazinieren will, werden sich die Radikalen weiter nicht aufregen. Die Finanzreform gefällt ihnen im Wahlprogramm besser als in der Wirklichkeit. Praktisch hat der Beschluß über die Beratung des Proporzes keine Bedeutung. Barthou hat vorsichtigerweise nicht die Ver- trauensftage gestellt, kann also im Amt bleiben und daß die Wahlreform bei der gegebenen Stellung des Senats und bei der Abneigung der Regierung eine Aussicht auf Durch- setzung hat, glaubt kein Mensch. Die Uebcreinstimmung der Regierung mit den Radikalen in der ersten Sitzung erleichtert es aber auch den oppositionslustigen Elementen der Linken, ihre zweideutige Haltung zu bewahren. Das besagt natür- lich nicht, daß die Regierung gegen Zufälle und An- schlüge der Couloirs geschützt ist. Aber der demo- kratische„Elan" der Linken kann sich nicht ent- wickeln und so sind auch die über die Befestigung der parlamentarischen Organisationen der Radikalen gefaßten Kongreßbcschlüsse von Pau als wenig aussichtsreich anzusehen. So daß zuguterletzt doch wieder die gemäßigten Parteien den Profit haben, deren Geschäfte Barthou, mit gewissen, durch die parlamentarische Situation geforderten Verbeugungen gegen die bürgerliche Linke, besorgt. Die Aapitalsteuer. Paris, 6. November. Der Finanzminister legte in der heutigen Kammersitzung den Gesetzentwurf über die neue Kapitalerb- steuer vor, durch welche bestimmt wird, daß, abgesehen von der bereits bestehenden Besteuerung der Hinterlassenschaften, auch das hinterlassen e Gesamtkapital nach Abzug einer Summe von 10 000 Frank mit einer progressiven Steuer belegt werden soll, welche Z4 Prozent für Kapitalien bis 50 000 Frank bis zu 4 Prozent bei Kapitalien von mehr als 5 Millionen beträgt. Das JahrcsergebniS dieser Steuer wird auf 72 Millionen veranschlagt. Die Beratung der Wahlreform. Paris, 6. November. Im weiteren Verlauf der Sitzung nahm die Kammer mit 482 zu 81 Stimmen den ersten Teil des ersten Artikels des Gesetzentwurfes an, welcher besagt, daß die Mitglieder der Deputiertenkammer im Wege der L i st e n w a h I gewählt werden sollen. Paris, 6. November. Die Kammer hat mit 348 zu 213 Stimmen den ganzen ersten Artikel des Wahlgesetzes a n- genommen, der die Li st enwahlmitVertretung der Minderheiten einführt. BoUaud. Mißerfolg bei einer Nachwahl. Bei der R a ch w a h l im dritten Amsterdamer Wahl- kreis erhielt unsere Partei eine erhebliche Schlappe. Was seit Jahren in dieser Hochburg der Partei nicht vorgekommen ist, hat sich jetzt ereignet: wir sind in die Stichwahl gedrängt. Unser Kandidat, der Vorsitzende der Gewerkschastszenttale, bekam 4604 Stim- men, der Liberale 3319, der klerikale 1946 Stimmen. Seit den Juniwahlen haben wir 2600 Stimmen, also mehr als ein Drittel, verloren, die Liberalen aber 1000 Stimmen gewonnen. Die Hal- tung der christlichen Arbeiter wird nun in der Stichwahl, die nächsten Dienstag stattfindet, den Ausschlag geben. Wir haben jetzt bei sämtlichen Nachwahlen starken Stimmenverlust zu berzeichnen, die Liberalen aber beträchtlichen Stimmengewinn. Die Ablehnung des Ministerpostens wird den Sozialdemokraten offenbar von einem großen Teil der nicht genügend sozialistisch geschulten Wähler verübelt. Himriha. Aufhebung des Waffenausfuhrverbots nach Mexiko. Washington. 6. November. Der Senatsausschuß für die aus- wärtigen Angelegenheiten beriet in einer Sitzung über die Frage der Aufhebung des Ausfuhrverbots für Waffen und Munition an die Aufständischen im nördlichen Mexiko. Die Sitzung war zwar geheim, man hat jedoch allen Grund zu der Annahme, daß sich die Mehrheit in derselben für ein solches Borgehen ausge. sprochen hat, wenn Wilson die Meinung vertritt, daß die? unter den gegenwärtigen Umständen das beste ist. Obgleich Wilson die Macht hat, das Ausfuhrverbot aufzuheben, halten es doch viele für unwahrscheinlich, daß er es tun wird, ohne dem Kongreß die Sache zu unterbreiten. Bus der Partei. Kommunalwahlsiegc. Am Dienstag und Mittwoch fanden in Barmen die Stadt- verordnetenwahlen statt. Es galt für die Sozialdemokratie, die letzten vier Sitze der dritten Klasse zu erobern. Die sozialdemo- kratischen Kandidaten vereinigten 8235 Stimmen auf sich, während auf die zwei Listen der vereinigten Liberalen und der Rechtsparteien zusammen 6821 Stimmen entfielen. Die Sozialdemokratie befindet sich nunmehr im Besitze der sämtlichen zwölf Sitze der dritten Wählcrklasse. Die Stadtverordnetenwahlen in Krone nbcrg(Rheinland) endeten ebenfalls mit einem Siege der Sozialdemokratie. Auf die Sozialdemokratie entfielen 675 Stimmen, während auf die List« der Gegner 200 Stimmen entfielen. Die drei sozialdemokratischen Kandidaten wurden gewählt. Somit befindet sich auch hier die dritte Klasse vollständig in den Händen der Sozialdemokratie, Bei den Stadtverordnetenwahlcn in Oh lau(Schlesien) wur- den in der dritten Abteilung die fünf Kandidaten unserer Partei ge- wählt. Da ein Genosse zur Wiederwahl stand, sind vier Mandate neu gewonnen._ DaS polnische Arbeiterblatt. Aus Kreisen der Sozialdemokraten Polens und Litauens wird uns geschrieben: Unter der Ueberschrift:„Eine Arbeiterzeitung in Russisch- Polen" brachte der„Vorwärts" eine Äouz, in der mitgeteilt wird, daß seit kurzem in Warschau unter dem Titel„Neues Wort" die erste Arbeiterzeitung seit dem Revolutionsjahre 1905/06 erscheine. Diese Mitteilung ist eine unbegreifliche Mystifikation. Es erschien in Warschau vom April 1910 bis Ende 1911, also 1% Jahre lang, ein Wochenblatt, das in der Tat das erste nicht geheim verbreitete, offen- sozialdemokralisch austretende Blatt in Polen, ja sogar in ganz Rußland war. Achtmal wurde es unterdrückt, und jedesmal erschien nach kurzer Zeit ein neues Blatt. Die tapferen Streiter, die so einander ablösten, hießen:„Tribüne".„Hammer",„Freie Tribüne".„Unsere Sache".„Freie ystimme",„Arbeit",„Unsere Wege" und„Freies Wort". Geldstrafen, Konfiskationen, Straf- Prozesse hagelten auf diese Blätter herab: die Redakteur« wanderten einer nach dem andern in den Kerker. Noch jetzt sitzt einer der Re- dakteure im Untersuchungsgefängnis. Der„Vorwärts" hat übrigens damals wiederholt über den Kampf dieser Warschauer Arbeiterblätter berichtet, und es liegt wahrhaftig kein Grund vor, jene glänzende Episode in der Geschichte des Kampfes gegen den Zarismus und für Preßfreiheit plötzlich mit einem Federstrich auszuwischen und von einem„ersten" Arbetterblatt in Warschau zu fabeln., Ferner aber existiert das besagte angeblich erste Blatt„Neues Wort" vorläufig noch nicht. Bor einem Monat erschien eine Prob«. nummer, in der das Erscheinen des Blattes angekündigt wurde» doch ahne nähere Angabe des Termins seines Erscheinens. Und endlich haben wir vor uns den Prospekt, welcher das Er- scheinen eines politischen Wochenblattes in Warschau ankündigt, das streng auf dem Boden der Klassemnteressen der Arbeiter stehen wird._ Hetzte INfacfiricbteiie Edward Grey über den Balkaukrieg. Newcastle, 6. November.(W. T. B.) Sir Edward Grey hat hier heute eine kurze Rede geHallen, in der er sagte. Europa habe eine �Krisis überwunden, der Balkaukrieg sei nicht gut für den Handel gewesen; aber wie groß wäre die Störung gewesen, wenn der Krieg sich auf die Großmächte ausgedehnt hätte? Die Politik, welche das Auswärtige Amt verfolgt habe, sei die Politik des Premierministers und des Kabinetts gewesen. Zur Zeit, als diese Politik verfolgt worden sei. seien die Wogen der Parteipolitik hoch gegangen. aber die Opposition habe sich nicht nur enthalten, aus den Schwierigkeiten der Regierung politisches Kapital zit schlagen, sondern sogar wirksamen Beistand geleistet. Serdisch-montenegrinischc Grenzregelung. Belgrad, 6. November.(Meldung des k. k. Tel.-Korr.°Bureaus.! Die serbisch-montenegrinischc Grenzfrage ist zwischen den beiden Regierungen endgültig dahin geregelt worden, daß Montenegro außer Plevlje und dem westlichen MethochiSgebiete noch Djakowitza überlassen wird. Ter Kongreß für Aufhebung des WaffeneiufuhrverbotS nach Mexiko. Washington, 6. November.(P. C.) Die Politik des Präsiden- ten Wilson Mexiko gegenüber findet die größte Billigung seitens der großen Mehrheit des Kongresses. Die große Anzahl der Senatoren, die durch ihre Geschäftsbeziehungen bedeutendes Interesse an der EntWickelung der Dinge in Mexiko haben, ließen den Präsi- denten Wilson davon verständigen, daß eine Aufhebung de? Waffen- einfuhrvcrboteS nach Mexiko ihre Zustimmung finden würde, wenn auf diesem Wege eine Niederwerfung des Regimes Huertas zu erwarten sei. Fabrikdrand infolge einer Kcsselexplosion. Hirsau, 6. November.(W. T. B.) In der Kammfabrik von Gossemai er u. Koblenzer erfolgte heute eine Kesselerplosion. DaS Fabrikgebäude ist vollständig niedergebrannt. f\ 711 Li• feillicie U.UMImm jCcbßmmmel Fleisch Pa. Schmorfleisch.... Pfd. 1.00 Koastbeaf Pfd. 1.00, o.Knoch.Pfd. 1.50 Filet uganz., unausgesch. Pfd. 1.00 Filet ausgeschält.... Pfd 1.60 Ochse nhrttst and Kamm Pfd. 80 Pf. Frisch. SchinKen L Ganz. Pfd. 85 Pf. SchweineKotelettes... Pfd. 1.00 SchwelneKamm n. Schuft Pfd. 90 Pf. BttcKenfett Pfd. 70, Liesen Pfd. 80 Pf. Kasseler Rippespeer Pfd. 80 b 95 Pf. Anstralischts Hammelfleisch Keule Pfd. 75 Pf., geteilt Pfd. 85 Pf. RttcKen Pfd. 65 Pf., geteilt Pfd 75 Pf. DicRe Rippe Pfd. 65, Diinnung 55 Pf. Gemüse WeissRohl....... Pfd. 3 Pf. Rot- u. WirsingRohl.. Pfd 4 Pf. Spinat 2Pid. 10, GrUnRohl2Pfd.l0Pf. Kohlrabi........ Mdl. 10 Pf. Sellerie-Knollen.... 3,5, 10 Pf. Rote Rühen...... 3 Pfd 10 Pf Mohrrüben...... 5 Pfd. 15 Pf. Schwarzwurzeln.... Pfd 10 Pf. Radieschen..... 8 Bund 10 Pf. Echte Teltower RUbchen Pfd. 10 Pf. Prima Winter-Kartoffeln £SSSnw.l.85»,,�SS5; 2.40 Zuudmi ditch i filelfiitl, Itr 40 Pt Sick 25 Pf. Plud Keine Zusendung. Obst AmeriRan. Aepfel. Pfd 18 u. 22 Pf. Kochäpfel..... Pfd 13 u. 18 Pf. Ananas-Aepfel.. Pfd. 15 u. 18 Pf. Kochbirnen.... Pfd. 14 u. 16 Pf. Weiche Amoretten... Pfd. 25 Pf. Almeria-Wein...... Pfd. 35 Ff. Gänse Geflügel Pfd 53, 65, 75 Pf. 2.25 bis 4.50 Butter u.Käse Koch- und BacRbutter Pfd 1.12, 1.18 Tischhutter PH. 1.28, VjPfd.-Pak. 64 Pf. Tafelbutter PH 1.36,V2Ptd-Pak. 68 Pf. Schmalz....... Pfd. 68 Pf. Pflaumenmus...... Pfd. 25 Pf. Echter EmmenthalerRäse Pfd. 1.10 Bayer. SchweizerRäse. Pfd. 88 Pf Gänse-Rümpfe_____________ Ungarische Puten... Pfd 88 Pf. Suppen-Hühner. Stück 1.45 bis 2.60 Fasanen.... Stück 1.35 bis 2.75 Holländer Käse.. Romatour-Käse... Limburger Käse.. Brie-Häse vollfett. Camembert-Käse. Faust- u. SpitzRäse Kuh» u. LandRäse. Pfd. 75 Pf. . Stück 28 Pf .. Pfd 45 Pt. .. Pfd 78 Pf . Stück 20 Pf. 3 Stück 25 Pt, 2 Stück 35 Pf. Fische Kabeljau i.ganz. Fisch. Pfd. 17, 23 Pf. Seelachs........ Pfd 22 Pf. Schellfisch..... Pfd. 14, 20 Pf. Rotzangen....... Pfd. 20 Pf. Schollen...... Pfd. 12, 25 Pf. Steinbatten....... Pfd 70 Pf. Frische Karpfen... Pfund 55 Pf. Frische Bachforellen., Pfd. 95 Pf. Lebende Hechte.... Pfd. 95 Pf. Lebende Karpfen Pfd 75. 85. 95 Pf. Lebende Krebse Mdl. 25 Pf. bis 4.00 Seemuscheln... 100 Stück 30 Pt. MaRrelen-BücRlinge. Stück 10 Pf. LachsbücRlinge... 3 Stück 20 Pf. Das größte Abonnementshaus feinster Herren-Moden J. 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Das Raupttanfamt im JMalcrgcwcrbe zu den Canfbrücbcn. Das Haupttarifamt im Malergewerbe beschäftigte sich am 3. und 4. November mit 16 Anträgen und Beschwerden zu den Differenzen, die noch als Folge der Aussperrung im Maler- gewerbe bestehen. Vor allem wurde über den Tarifbruch der rheinländisch-westfälischen Unternehmer beraten und mit 15 gegen 2 Stimmen folgende Entscheidung angenommen: 1. Gau II ist tarifbrüchig. 2. Der Hauptverband deutscher Arbeitgeberverbände im Malergewerbe ist gemäß Z 9 Abs. 1 des Reichstarifvertragcs ver- pflichtet, die im Gau II organisierten Meister aus ihrer Lrgani- sation auszuschließen. Von dieser Matzgabe werden d i e Meister nicht betroffen, welche den Neichstarifvertrag nebst den dazu er- gangenen Schiedssprüchen anerkennen und sich in irgendeiner Form dem Hauptverband deutscher Arbcitgeberverbändc im Malcrgewerbe angliedern. Begründung: Der Hauptverband der Arbeitgeber hat den Tarifvertrag und damit auch die Schiedssprüche der Unparteiischen ortet'- könnt. Diese Anerkennung wirkt gegen alle im Arbeitgeber- verband organisierten Mitglieder ohne Rücksicht darauf, ob einzelne Mitglieder bei der Abstimmung in der Minderheit geblieben sind. Der Gau II war zugestandenermaßen im Augenblick der Abstimmung durch den Hauptverband Mitglied dieses Ver- bandes und fiel daher ohne weiteres unter die verpflichtenden Wirkungen des Reichstarifvertrages. Da der Gau II diesen Verpflichtungen trotz wiederholter Vorstellungen, insbesondere auch seitens des Hauptverbandes der Arbeitgeber beharrlich nicht nachkommt, so unterlag von vornherein keinem Zweifel, daß der Gau II die ihm aus seiner Zugehörigkeit zum Hauptvcrband deutscher Arbeitgeberverbände erwachsenen Verpflichtungen in bewußter Weise verletzt hat und daher in vollem Umfange tarifbrüchig ist. Nr. 2 der Entscheidung ergibt sich ohne weiteres aus§ 9 des Reichstarifvertrages. Berlin, den 3. November 1913. Rath. Prenner. v. Schulz. Die Unternehmer im Rheinland haben bereits neue Kampfmaßregeln in nahe Aussicht gestellt. Sie wollen den Reichstarifvertrag in vier wichtigen Positionen verschlechtern. Die festgesetzte Lohnerhöhung von 6 Pf. wollen sie auf 4 Pf., die von 5 Pf. und 4 Pf. auf 3 Pf. und die von 3 Pf. auf 2 Pf. heruntersetzen. Außerdem soll die ausgesprochene Arbeits- zeitverkürzung erst im Frühjahr bzw. Herbst 1915 eintreten. Der saubere Plan wird natürlich vorbeigelingen. � In der Sitzung des Haupttarifamtes wurde ferner die Frage der allgemeinen Lohnerhöhung im Sinne des Antrages der G e h i l f e n v e r t r e t e r dahin entschieden, daß .einer Ablehnung der allgemeinen Lohnerhöhung mit Erfolg der Einwand entgegengesetzt werden kann, daß sie dem Geiste der protokollarischen Erklärung widerspricht". Aus der hier gemeinten protokollarischen Erklärung glaubten nämlich die Unternehmer folgern zu können, daß sie nicht auch die Löhne der schon über den Minimallohn hinaus- bezahlten Gehilfen erhöhen müßten. Zu der für eine Anzahl Städte wichtigen Frage des Ver- fahrens für die Festsetzung der über den Schiedsspruch hinaus errungenen Löhne während der Aussperrung machten die Unparteiischen einen Vorschlag, der, weil er den Unternehmer- Vertretern zu weit ging, den Gehilfenvertretern aber nicht bestimmt genug war, keine Mehrheit fand.— Die übrigen Kleines feuilleton. Em ägyptischer Begas. Im ägyptischen Museum find von Frei- tag ab die letzten Funde aus Tell el-Amarna den Besuchern zu- gänglich. Sie vermehren ganz ungemein und fast pikant die Kennt« nisse von der Lebensführung jener Aegypter, die vor etwa drei- tausend Jahren im Gebiete des Nils Kultur schufen. Tell el-Amarna hat der geschichtlichen Forschung schon sehr viel interessantes Material geliefert; die ersten Grabungen, die vor mehr als fünfzig Jahren geschahen, zerstörten endgültig die falsche Anschauung von der Unbeweglichkeit der ägyptischen Kultur und der ewigen Gleichförmigkeit der ägyptischen Kunst. Man lernte damals erkennen, daß auch Aegypten dem Gesetz der Entwicklung Untertan gewesen ist. Seit jenen Tagen hat gerade dte deutsche Forschung jene freigebige Stätte nicht mehr ruhen lassen; die jetzt zur Schau gestellten Stücke wurden im Auf- trage der deutschen Orient-Gesellschaft unter Leitung des ProfesiorS Ludwig Borchardt den Trümmern der verschütteten Stadt entnommen. Man hätte keine besseren Beweise für den dramatischen Verlauf des im Zeichen der Pyramiden als starr verschrieenen Schicksals Aegyptens finden können. Es regierte damals Amenophis der Vierte, von 1339 bis 13ö0; dieser König ist so etwas wie ein Rebell gewesen, ein Ketzer, der mit den Amonpriestern eine Art Kulturkampf auskämpfte. Er wollte die Vielgötterei durch einen geklärten Monotheismus ersetzen; die Sonne sollte Symbol der Verehrung sein. Um seinen Kampf wirksam zu führen, ver- legte er die Residenz von Theben nach jenem Ort, da eben heule sein Nachlatz mit Spaten und Hacke wieder an den Tag ge- bracht wird. Das Revolutionäre der königlichen Gesinnung ergibt sich aus den Steintrümmern. Man steht erstaunt vorZeugnissen eines ausgesprochenen Naturalismus. Zuweilen möchte man kaum glauben, daß diese bewegliche, episodenhaft berichtende, und lyrische Kunst dem Land der stummen Sphinxen zugehört. Alle die Köpfe, Statuen und Reliefs, die wir nach Amenophis dem Vierten, seiner Frau, seinen Kindern und seinem Papa vereinigt finden, gehören der Werkstatt eines und desselben Bildhauers. Borchardt hat die Werkstatt dieses ägyptischen Begas aufgespürt; er fand eine bedeutsame Anlage, be« stehend aus einem Meistcratelier, aus Häusern für den Werkführer und die Gesellen, auS einer Modcllkammer, einer Gipsformerei u. a. Es war ein richtiger Großbetrieb. Amenophis scheint mit Aufträgen nicht gekargt zu haben. WaS nun aber besonders interefiant und zugleich amüsant ist: man kann dem ägyptischen Begas, der Thutmes geheißen haben soll, noch heute bei der Arbeit zusehen. Wir können Schritt für Schritt feststellen, wie solch ein Stück von der Maske, die über der lebenden oder der toten Natur geformt war, vom Tonmodell bis zum fertigen Werk seinen Weg nahm. Am Handwerklichen hat sich seitdem nur wenig geändert. Die Gips- masken zeigen zwar nicht all die feinen Haulfältcheu, die wir heute be- kommen, sie geben aber doch einen verblüffenden Eindruck der Natur. Von diesen Dokumenten aus kann man nun sehr deutlich sehen, wie der ägyptische Künstler zu betonen und zu vereinfachen suchte, und wie er dabei sein Material zu nutzen wußte. Nie wurde das technische Können zu unkünstlerischen Scherzen genutzt; der Natura- lismus des Aegypters wahrte in weit höherem Maße die Form, als das der preußische Begas getan hat. E, Br. Eine Tragödie des Herzens. Im Münchener Schauspielhaus konnte am Dienstag Paul A p e l, der erfolgreiche Autor von »Hans SonnenstötzerS Höllenfahrt", den lauten Beifall eines be« Fragen, mit denen sich das Tarifamt noch beschäftigte, haben weniger allgemeines Interesse. Es ist nun vor allem abzuwarten, ob der Unternehmer- verband seine ihm auserlegte tarifliche Pflicht, den tarif- brüchigen Gauverband Rheiulaud-Westfalen auszuschließen, erfüllen wird und welche Konsequenzen sonst noch aus dem Abfall dieser Unternehmergruppe entstehen werden. Lerlin und Umgegend. Arbeitsmangel und Arbeitslosigkeit im Schneider- gewerbe. Bereits seit vorigem Jahre wird über schlechten Geschäftsgang im Schneidergewerbe geklagt. Die großen Massen von Heimarbeiteru und Heimarbeiterinnen sind nicht in der Weise arbeitslos, wie dies in Berufen ohne Heimarbeit der Fall ist, sondern sie werden infolge Arbeitsmangels ganz allgemein schlecht beschäftigt. In der Herrenmatz- brauche war sowohl in der vorigen als in der jetzigen Saison ein reckt flauer Geschäftsgang zu verzeichnen. Die beschäftigten Arbeiter erzielen kann allgemein ein geringeres Einkommen als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Arbeitslose haben sich wochenlang ohne Erfolg um neue Beschäftigung bemüht, da in den einzelneu Geschäften die vorhandenen Arbeitskräfte bereits vollkommen ungenügend beschäftigt waren. Als der Streik der Herrenkonfektionsschneider im April zu Ende lvar, fehlte es auch in dieser Brauche an genügender Beschäftigung. Zu Zeiten, wo sonst in der Herrenkonfektion reichlich zu tun ist, haben sich in diesem Jahre Arbeitslose wochenlang vergeblich um Arbeit bemüht. Jene Arbeiter, welche weiter beschäftigt wurden, haben zum Teil kaum den dritten Teil ihrer Löhne wie in der gleichen Zeit des Vorjahres verdient. Aehnlich, zum Teil noch schlechter, sind die Verhältnisse in anderen �Branchen, insbesondere in der Damenkonfektion. Die im Schneidcrgewerbe bestehende ArbeiiSlosigieit kommt daher nicht in der Zahl der Arbcitsjosenzifferu zum Ausdruck, sondern zur Beurteilung der Zustände mutz die Differenz im Einkommen der zurzeit noch Beschäftigten gegen srühcr festgestellt werden. Nicht nur in vollkommener Arbeitslosigkeit sondern auch in dem erheblich niedrigeren Einkommen ist eine?iotlage zu erblicken. Hier- von werden zum Teil Arbeiter betroffen, deren Angehörige im Schneidergewcrbe beschäftigt sind, während sie selbst ivochenlang arbeitslos sind und daher die geringere Verdienstmöglichkeit im Schneidergelverbe doppelt hart empfinden. Um die derzeitige wirtschaftliche Lage im Schneidergewerbe zu beleuchten, wird der Verband der Schneider in den Kreisen seiner Mitglieder Feststellungen darüber treffen, inwieweit dieselben vollständig arbeitslos oder in ihrem Einkommen gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres schlechter gestellt sind. Bei der großen Zahl Arbeiterfrauen und Töchter, die im Schneider- gewerbe beschäftigt werden, dem Verband der Schneider jedoch nicht angehören, ist es empfehlensivert, diese auch zu ver- anlassen, sich an deit Erhebungen des Schneider- Verbandes zu beteiligen, da sich aus einer derartigen Feststellung beachtenswerte Rückschlüffe auf die Notlage der Arbeiter- schaft im allgemeinen ziehen lassen. Die Fragekarten sind im Bureau de? Schneiderverbandes, Sebastianstr. 37/33, zu haben._ Die„gelben" Bankbeamten. Die matzregelnde Direktion der Deutschen Bank kann aufatmen. Es gibt noch brave Kinder, die da einsehen, daß das gute Ein- vernehmen zwischen Direktion und Beamtenschaft nicht gestört werden darf. Und diese Braven kamen am Mittwoch in den„Arniinhallen" zusammen, um sich nun auch— auf ihre Art— über den Matz- regelnngSfall bei der Deutschen Bank zu unterhalten. In dieser Versammlung, die unter Ausschlutz der Oeffentlichkeit tagte,— nur Mitglieder hatten Zutritt— hielt Herr F ü r st e n b e r g. der Vor- sitzende des Deutschen BankbeamtenvereinS, das einleitende Referat. Herr Fürstenberg ist in den Kreisen der Großbanken sehr bekannt friedigten Auditoriums entgegennehmen für sein neues Stück: G e r t r n d, eine Tragödie des Herzens, mit dem er zu seinem ersten Thema Liebe zurückgekehrt ist. Einige Opponenten ver- mochten nicht, die vielen psychologischen Feinheiten ntederzuzischen, die in dem allerdings über Gebühr in die Breite gedehnten Ehe- Martyrium ausgebreitet sind, in dem ein Leidensbruder von Gerhart Hauptmanns Johannes Vocherat sich windet. In Wirklichkeit ist es jedoch die arme Frau, ein kleines hingebendes Nurweibchen, das nach und nach aus dem Himmel ihrer Liebe in die Hölle der Er- kenntnis und zuletzt ins Wasser gestoßen wird, daS im Martyrium zerrieben wird. Denn sie gibt ihrem Manne, der über das Schal- werden seines Gefühls zu Gertrud mit tragischer Gebärde lamentiert, durch ihren Tod die Freiheit, die er ersehnt. Eine alltägliche Hand- lung mit mancherlei Einblicken in das„weite Land der Seele", Herzensanatomie unter der Optik der Willensunfreihett. Nur hat der Autor seinen Herzenstragiker, dem sein Gefühl unter den Händen gerinnt, gleich so fatalistisch oder energielos gemacht, daß er stellen- weise ein bißchen.spinnet", wie man in München sagt, anmutet. Daher wohl auch der teilweise Widerspruch des Publikums, das ohnedies über dem novellistischen Stoff(ein Niels Lyhnestoff) noch durch eine dumpfgefärbte Darstellung ennüdet wurde. m. Musik. »Der SatanSweg" im Königlichen Oper»Hause. Die Hofkunstlcitung am Kastanienwäldchen verspürt ab und an den Ehrgeiz, sich in der Livree eines Columbus redivivus zu zeigen. Nicht etwa, um Neuland für die Musik und für aufstrebende ton- schöpferische Talente zu entdecken, Gott bewahre!, sondern um eine altverschollene, nebstbei tantiemenfreie Oper auszugraben. Diesmal trieb aber die„Duplizität der Ereignisse", oder sagen wir„Freund Satan" einen Schabcrnackulkchen; denn kaum daß man geglaubt hatte, dies Vlies für das Königliche Opernhaus zu retten, begegnete man der Leitung des Brestauer Stadlthcaters, die sich bereits des näm- lichen Objektes versichert hatte. Es handelt sich in beiden Fällen um ein Vaudeville„I-ssvoituros versees" von Franqois Adrien B o i cl d i eu, das dieser 1896 geschrieben hatte und später zu einer komischen Oper umarbeitete, die nach ihrer erfolgreichen Uraufführung in Paris(29. April 1829) auch an verschiedenen deutschen Bühnen gegeben, jedoch so rasch wie sie gekommen wieder vergessen wurde. Boieldieu, der Schöpfer des Barbier von Bagdad, des Johann von Paris und vor allem der noch heute lebendigen„Weißen Dame", starb 1834 in tiefster Not... und jetzt streiten sich zwei Theaterunternehmer um seinen musikalischen Kosthappen! Ob„Der SatanSweg"— so heißt das Werkchen nun, besten textliche Bearbeitung Oberregiffeur Georg D r ö s ch e r besorgt hat— dauernden Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Die ihm zu Grunde gelegte Handlung mutet sehr simpel an. Dormeuil, ein reicher und den schönen Künsten zugetaner Landagrarier, schmeichelt sich gern direkter Beziehungen mit der Pariser Intelligenz. Weil aber niemand freiwillig zu ihm kommt, so läßt er die Fahrstraße, die durch seine Gemarkung hindurchfiihrt, verwahrlosen. Die Folge ist, daß sämtliche Postkutschen umwerfen. Ihre vornehmen Insassen lädt er dann bei sich zu Gaste. Bei solchen Gelegenheiten hofft Herr Dormeuil auch seine drei Nichten an den Mann zu bringen— was indessen nicht so leicht gelingt. Auf einen Pariser Elegant hat er es besonders abgesehen, und dieser flirtet auch recht auffällig mit den„Landgänsen". Wie ihm aber eine junge reizende Witwe vor Augen kommt, macht er ihr gleich eine Liebeserklärung, kriegt wider Erwarten einen Korb und und beliebt. Das letztere allerdings weniger bei den Angestellten als bei den Direktoren. Unsere Leser können sich nach dieser Mitteilung unschwer denken, mit welcher Wucht der Redner für die Direktionen zu Felde zog. So betrachtete Herr Fürstenberg das gestern von uns besprochene Rundschreiben der Direktion der Deutschen Bank nach einem Bericht des„B. T." als einen ersten Schritt deS Entgegenkommens an die Beamtenschaft. Dabei muß berücksichtigt lverden,--daß in diesem Rundschreiben wieder von der Untüchtigkeit des entlassenen Herrn Baron die Rede ist, obgleich dieser elf Jahre im Hause tätig war und obgleich in dem Kündigungsschreiben direkt von der Beun« ruhigung gesprochen wird, die der Herr in die Reihen der Beamten« schaft getragen hat. Wenn überhaupt noch ein Zweifel an einer Maßregelung mög- lich gewesen wäre, dieMilteilungen des Herrn Marx in der großen Bankbeamtenkundgebung der vorige» Woche mußten ihn zerstreuen. Wie lauteten doch die Wiedereinstellungsbedingungen der Direktion? Es wird gut sein, sie den Herren um Fürstenberg etwas inS Gedächtnis zurückzurufen. 1. Der Beamte soll sich verpflichten, keine Druckschriften zu verteilen; 2. der Beamte soll sein VorstandSamt im Allgemeinen Verband der Bankbeamten nieder« legen; 3. soll er sich verpflichten, keine Reden mehr zu hakten und 4. soller sich eine Gehaltsverminderung ge» fallen lassen. lind trotz dieser WiedereiilslellungSbedingungen sieht der Vor» sitzende einer Angestelltenorganisation in der unseren Lesern bekannten Erklärung der Direktion einen ersten Schritt des Entgegenkommens. Es ist traurig, daß ei» Beamter eines Angestelltenvsrbandes so etwas auszusprechen wagt, trauriger allerdings ist noch, daß ihn nicht ein Entrllstungssturm davonjagt. Doch noch eine Bemerkung; auf die Gefahr hin, daß sie uns wieder vom„Berliner Tageblatt" übelgenommen wird. Im Verlag Rudolf M o s s e ist scheinbar die Arbeitsteilung bis aufs äußerste durchgeführt. Die Interessen der Bankdirektioneu nimmt das „Tageblatt", die Interessen der Bankbeamten die im gleichen Verlag erscheinende„Berliner Vollszeitung" wahr, was gelegentlich der Bankbcamten-Maßregelung wieder besonders deutlich in die Er« scheinung tritt. Bei der Kundgebung der 6999 Bankbeamten— die sich gegen die Direktionen richtete— beschränkte sich das„Berliner Tageblatt" auf die Wiedergabe der Resolution, während die„Volks-Zeitung" zwei Berichte brachte. Jetzt von der Scheinbewegung, die in Wirl« lichkeit eine Rettungsaktion für die Direktion sein sollte, bringt das „Tageblatt" einen ausführlichen Bericht, während die„Volks-Zeitung" nur wenige Worte übrig hat. Es lebe die Arbeitsteilung. veuvkclies Reich. Streik voll Arbeitswilligen. In der Aschcrslcbener Maschinenbauanstalt haben die Arbeits« willigen aufbegehrt. Sie erhielten für einen Abzug von 89 Pf. täglich Kost und Logis. Zur Beköstigung gab es zu jeder Muhlzeit eine Flasche Bier— täglich drei Flaschen. Nun luollte die Firma kein Bier mehr liefern. Die arbeitswilligen Former aber inszenierten einen„Hungerstreik", indem sie das Frühstück ohne Bier unberührt ließen. Sie stellten als weitere Folge die Arbeitseinstellung in Aussicht. Bei den Verhandlungen init den rebellischen Geistern handelte es sich nachher nicht mehr allein um die Bierlieserung, sondern es wurden auch Lohnforderungen gestellt. Die Arbeits« willigen konnten nämlich, statt der versprochenen 89—99 Pf. Akkord- verdienst nur KS Pf. die Stunde erreichen. Sie erklärten, eS sei verschwindet. Außerdem sind da noch andere Reisende: eine heirats- lustige alte Schachtel Aurora von Glissenville u>w. Das Reizendste an diesem Spiel harmloser Zufälle ist Kinzig die Musik. Boildien verrät darin ein so feines Vertraulsein mit den» Geist und Charakter der mozartischen Diktion, daß man an eine Kopie glauben möchte. Ist'S aber nicht. Vielleicht stand Boildien dem göttlichen Wolsgang Amadeus von allen Nachfahren am nächsten, ivas den Zauber der Melodien und einen wahrhaft befreienden Humor angeht— so wenig sich im übrigen seine Musik von der jener Zeit abhebt. Einige Arien, Nezitative, Duos und gesungene Szenen sind wirklich ganz köstlich. Richard Strauß ist der beste Interpret, diese von Mozarts Wesen umflügelte Musik dustig erklingen zu machen. Die Aus- sllhrung de§ zweiaktigcn Wcrkchens, an der in den tragenden Rollen die Herren Hoffmann und Sommer sowie die Damen Andrcjewa- Skilondz und Scheele-Müller beteiligt waren, zeichnete sich denn auch aus durch peinliche Sauberkeit und Korrektheit. Rassiges Aus- sich-Herausgehen wird inan allerdings im Hofkunstinstitut vergeblich wünschen. Zum Schluß wurde das Tanzballett Slawische Braut- Werbung gegeben. ZirkttSkünste, schreifarbiger Jahrmarkt! vir. Notizen. — Die verbotene Jesustragödie. Das thüringische Oberverwaltungsgericht, das in Jena haust, hat das AusführuiigS- verbot nicht aufgehoben, daS vor zwei Jahren über Karl W a i s e r S vierteiliges Jesusdrama verhängt wurde. Eine Ver» teidigungsschrift des im Sommer verstorbenen Dichters lvurdc ver- lesen, aber es soll bei dem zopfigen Verbot bleibe». Sein Lebens- werk soll durchaus als Herabwürdigung der Person Jesu aufgefaßt werden. Die Tragödie ist bekanntlich in der Reclamschen Universal- bibliothek gedruckt werden. — Kun st ch r o n i k. DaS seit Albert Hertels Tode verwaiste Mcisteratelier für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie der Künste soll nun endlich wieder besetzt werden. An Ulrich Hübner, einen Führenden der ehemaligen Sezession, soll es übergehen. Wann wird der ministerielle Schneckentrott auch die Er- ledigung der anderen akademischen Vakanzen erkrochen haben? — Ein K r i e g s s ch a tz für Monismus. Ernst Haeckel, deffen achtzigsten Geburtstag der kommende Februar bringt, bittet alle persönlichen Ehrungen, die ihm zugedacht werden, in Geld um- gerechnet auf eine Stiftung zu übertragen, die er unter dem Titel „Ernst Haeckel- Schatz für Monismus" dem deutschen Monismus zur Verfügung stellen möchte. — Der Literaturpreis der Nobel st iftung soll, wie jetzt als entschieden versichert wird, an Peter Rosegger fallen. — Fluch der Geduld! Das Denkmal Oskar Wildes auf dem Pore Lachaise zu Paris ist endlich enthüllt worden. Die Kirchhofsbehörde wollte sich daS Werk so, wie Max Epstein eS geschaffen, nicht gefallen lassen, verbot die Enthüllung und ließ auf ihre Erlaubnis auch dann noch warten, als Epstein die als anstößig empfundene Blöße mit einem Schmetterling verhüllt hatte. Jetzt haben die Freunde des Dichters zur Eigenhilfe ge- griffen: sie vollzogen die Enthüllung einfach ohne Erlaubnis. — Der Bahnbrecher der drahtlosen Tele- g r a p h i c. In Eacrnarvon in Wales ist gestern Henry P r c c e e im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Forschungen Maxwells haben Prcecc zu Versuchen angeregt, Botschaften auf drahtlosem Wege zu übermitteln. Diese Versuche führten später zur Eni- deckiwg der drahtlosen Tclegraphie. ityieu jetzt begreiflich, warum die Former streikten. Dvn Direktor wurden Worte an den Kopf geschleudert, die, wie er selbst erklärte, ihm von den draußenstehenden Streikenden niemals geboten worden seien. Nach längerein Wortstreit verlangten fünf Former ihre Entlassung, auf der sie auch beharrten, als ihnen besserer Ber- dienst in Aussicht gestellt wurde. Eiue erneute NuSsPerrnng im rheinisch-westfSlischen Malergcwerbe kündigt der Syndikus des llnteruehmerverbandes für Rheinland- Westfalen Dr. Coelsch in Barmen schon für die nächste Woche an. Alle Borbereitungen sollen von den Unternehmern schon dazu ge- troffen werden. ZZusfond. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Filiale Riga der Firma Karl Zciß in Jena stellen Lohnforderungen. Sie verlangen eine Lohn- erhöhung von 10 Proz., Regelung der Arbeitszeit und einige sanitäre Einrichtungen im Betriebe. Die Löhne der Arbeiterinnen betragen 9 Kopeken pro Stunde, die der bestbezahlten Mechaniker im Durch- schnitt 22 Kopeken. Die Firma lehnt allgemeine Lohnerhöhungen ab und will nur nach Verdienst zulegen. Die Arbeiter sind sämtlich einig mit Ausnahme eines Polen, der im Betriebe stehen geblieben ist. Ilm Fernhaltung des Zuzuges von Riga wird gebeten. Der amerikanische Malcrvcrband, der kürzlich seinen Kongreß abhielt, steigerte nach der Internationalen Geioerkschafts-Korre- spondenz seine Mitgliederzahl in den letzten vier Jahren von l-L 032 auf 81 032. Tarunter 3SS2 Mitglieder in Kanada. Ins- gesamt bestehen 1003 angeschloffen« Lokalvcreine. In den 644 be- richtenden Vereinen stieg der Durchschnittslohn von 2,37 Dollar pro Tag in 1309 auf 3,46 Dollar in 1313. In 520 dieser Ver- eine ist der Achtstundentag vollständig durchgeführt, in 106 der Neunstundentag, während der Zehnstundentag noch an 14 Orten besteht. 254 Vereine haben auch schmi den freien Sonnabend- nachmittag, und 146 unter ihnen>ogar schon seit vier Jahren, einführen können._ Stadtverordneten-Ocrfammlung. 33, Sitzung vom Donnerstag, den 6. November 1313, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher M ich e l et eröffnet die Sitzung noch öVi Uhr. Stadtv. Ladcwig(N. L.) erstattet den Ausschußbericht über die Vorlage wegen Abänderung und Erweiterung des OrtsstatutS zum Schutz« der Stadt Berlin gegen Verunstaltung. Der Ausschuß hat mit einigen nicht erheb- lichen Modifikationen die Vorschläge des Magistrats gutgeheißen, die die Ausdehnung des ästhetischen Schutzes einiger Stadtteile, namentlich der Umgebung der städtischen Parks, über das sonst bau- �polizeilich zulässige Maß hinaus auf Grund der im Gesetze von 1907 gegebenen Befugnis erstreben. Gestrichen hat der Ausschuß aus dem Verzeichnis der dem erhöhten Schutz in der Vorläge unter- stellten Ortsteile u. a. die Villenkoloni« Wilhelmshöhe an der Bellealliancestraße und die Klopstodstraße. Stadtv. Bötticher sFr. Fr.) befürwortet auch die Streichung der Straße In den Zelten und der Herwarthstraße, da der befon- dere Charakter dieser Straßen, der die Unterstellung unter das neue Ortsstatut rechtfertigen würde, sich seit 20 Jahren völlig ge- ändert habe. Man würde lediglich dein Wohnbedürfnis der Be- oölkerung und den berechtigten Hausbesitzeriniereffen empfindlichen Schaden zufügen. Stadtv. Modler(4k.£.), der den bezüglichen Antrag gestellt hat, schließt sich der Argumentation des Vorredners an. Bürgermeister Dr. Neide: Der Magistrat hat die Einbeziehung dieser beiden Strahengüge für wünschenswert erachtet; die in der Vorlage getroffene Auswahl ist ohnehin schon ein« beschränkte. Sollte die Mehrheit anders entscheiden, so glaube ich freilich auch nicht, daß der Magistrat das Ortsstatut daran scheitern lassen wird. Mit großer Mehrheit wird der Antrag Modler und sodann der so veränderte Entwurf angenommen. Um 6 Uhr schreitet die Versammlung zur Vornahme der Wahl von acht unbesoldete» Stadträten. ES scheiden mit Ende dieses Jahres aus die Stadträte Buchow, Jurobh, Kaiisch, Maas, Marggrafs, Mosse, Tr. Straßmann und Wenzky. Sie sind von dem eingesetzten Ausschuß sämtlich zur Wiederwahl empfohlen; die Wahl erfolgt auf 6 Jahre. Der bisherige unbesoldete Stadtrat Buchow wird mit 112 Stimmen wiedergewählt; 1 Stimme entfällt auf Kaiisch. 2 Zettel sind unbeschrioben, also ungültig. Der zweite Wahlgana ergibt di« Wiederwahl de» bis- herigen Stadtrais Jacovy, der 78 von 81 gültigen Stimmen .»hält. Ans Stadtrat Kaiisch fallen 2 Stimmen, Stadtv. Bry erhält 1 Stimme; 36 Stimmzettel sind weiß. Im dritten Wahlgange wird Stadtrat K a Ii s ch mit 73 von 73 gültigen Stimmen wiedergewählt. 41 Zettel sind weih; 3 Stimmen fallen auf den Stv. Bry, 2 auf den Stv. Jacobi. Mit III Stimmen erfolgt die Wiederwahl des Stadtrats Handelsrichter M aas, je eine Stimme erhalten Stadtrat Marg- graff und«tv. Bry, 3 Zettel sind unbeschrieben. Der bisherige unbesoldete Stadtrat Ehrenbürger von Berlin M a r g g r a s f wird mit 103 Stimmen aufs neue in den Magistrat berufen- 3 Stimmen zersplittern, b Zettel sind ungültig. Gey. Justizrat Mosse wird ebenfalls wiedergewählt, und zwar mit III Stimmen, 5 Stimmen zersplittern, ein Zettel ist weiß. Der siebente Wahlgang führt �ur Wiederwahl des Stadt- rats S t r a tz m a n n, der 104 Stimmen erhält. Daneben 2 zer- splittert, 6 unbeschrieben. Endlich wird auch der bisherige unbesoldete Stadtrat V e n z k h Iv i e d e r g e w ä h l t, und zwar mit 73 Stimmen; 5 Stimmen zer- splittern, 30 Zettel sind weiß. Das Wahlgeschäft hat genau zwei Stunden in Anspruch ge- nommen. Nach 8 Uhr wendet sich die Versammlung zur weitere» Erledigung der Tagesordnung zurück. Die Versammlung hatte am 2. Oktober cr. die Petition von drei Hilfsarbeiterinnen im Stiftungsburean um Gleich st ellung mit den Gemeindebeamtinnen im Statistischen Bureau dem Magistrat zur Berücksichtigung über- toiesen. Der Magistrat teilt jetzt mit, daß er dem Antrage nicht entsprechen kann, vielmehr auch die Anstellung von Hilfsarbeite- rinnen im Statistischen Bureau(von wo die drei Damen zum stistungsbureau übergetreten waren) als Beamte in Zukunft nicht mehr erfolgen soll, da man den Grundsatz durchführen wolle, An- stellungen mit Beamteneigenschaft nur noch vorzunehmen, wo eine rechtlich« Notwendigkeit dafür besteht, d. h. wo es sich um die Aus- Übung von obrigkeitlichen Funktionen handelt. Die Versammlung nimmt von der Mitteilung des Magistrats Kenntnis. Den BersammlungSbeschlüssen betr. die Regelung der Ange- legenheiten de» Arbeitsnachweises ist der Magistrat beigetreten. Der Abdampf der Pumpstation VI in der Urban- st r a tz« soll, einer Anregung der Versammlung entsprechend, zur Wafsererwärmung des Volksbades Bärwald st ratze nutz- bar gemacht werden. Die Kosten der Einrichtung belaufen sich auf 36 000 M. Die Versammlung bewilligt den Betrag ohne Diskussion. Der Betrieb der städtischen S t r a ß e n r e i n i g n n g ist zur- zeit mit 40 Straßenwaschmaschinen mit elektrischem Antrieb aus- gerüstet. Der Gesamtbestand soll auf 60 gebracht und in den Etat für 1314 der Kostenbetrag für die 20 neuen Maschinen mit 256 000 Mark eingestellt werden. Tie Versammlung stimmt zu. Der letzte Gegenstand der Tagesordnung Beschlußfassung über die Gewährung eines Kredits von 1 Million M. an die„Genossen- sckait Berliner Hausbesitzer zur Beschaffung und Sicherung von Hypotheken' wird auf Vorschlag des V o r st e y e r s von der Tages- �Der«mstcher bringt zur Kenntnis der Versammlung, daß bei tz« Beratung deS OrtsAcksttS gegen die Berunstaltuug Berlins in. sofern eine Unstimmigkeit unterlaufen ist, als zwar die„Herwarth- straße" in der Diskussion als eine Straße erwähnt sei, die von der beabsichtigten Beschränkung ausgenommen werden müsse, im An- trage Modler aber nicht Erwähnung gefunden habe. Ter Anfrage des Vorstehers, ob eine nochmalige Eröff- nung der Diskussion zugelassen werde, setzt Stv. H o f f m a n n (Soz.) Widerspruch entgegen. Die Angelegenheit ist damit erledigt. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen fhll Uhr. kionililiigeiioffenschaft Berlin und Umgegend. In der am Mittwoch fortgesetzten Generalversammlung wurde zunächst die Wahl von fünf turnusmäßig zur Neuwahl stehenden und drei auf Grund der beschlossenen Statutenänderung neu zu wählenden Aussichtsratsmitgliedern vollzogen. Während der Fest- stcllung des Wahlresultats wurden die übrigen Punkte der Tages- ordnung behandelt. Zu dem Konflikt zwischen der Verlagsgesellschaft deutscher Kon- sumvereine und den Buchdruckern lag schon der ersten Generalver- sammlung am 20. Oktober ein« vom Genossenschaftsrat ange- iwmmene Resolution vor. Inzwischen ist, wie unsere Leser wissen, der Konflikt durch eine Aussprache beider Teile erledigt, und die Beteiligten haben den Wunsch ausgesprochen, daß in der Presse und in Versammlungen nicht weiter über diese Angelegenheit dis- kutiert werde.— Der Vorsitzende S t ü h m« r teilte diese Sachlage der Generalversammlung mit und fügte hinzu, daß die Buchdrucker, welche Mitglieder der Konsumgenossenschaft sind, erklärt haben, sie halten die Angelegenheit für erledigt. Es entstand eine längere Diskussion, in der allseitig betont wurde, daß man zu dem Konflikt selbst natürlich nicht mehr Stellung nehmen wolle, da derselbe durch die Beteiligten erledigt sei. Aber es sei notwendig, mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck zu dringen, daß die Mitglieder der Genossenschaft das Verhalten Kaufmanns unbedingt verurteilen. Es müsse ihm klar gemacht werden. daß cr als Leiter der Verlagsanstalt nicht den Untcrnehmerstand- pnntt zu vertreten habe. Vor allem müsse verlangt werden, daß Kaufmann aus der Unternchmcrorganisation der Buchdruckerei- besitzer austrete, wo er durch Beiträge zum Streikfonds der Unternehmer die scharfmacherischen Bestrebungen direkt unterstützt habe. Kaufmann sei durch sein Verhalten nicht nur mit den Buchdruckern in Konflikt geraten, sondern er habe sich im Gegensatz zur gesamten Ardeiterschaft gestellt. Es müsse verlangt werden, daß so schwere Konflikte wi« der zwischen den Buchdruckern und der Berlagsanstalt nicht mehr vorkommen' in genossenschaftlichen Betrieben. Aus diesen Gründen könne die vorliegende Resolution auch jetzt noch an. genommen werden.— Ein Redner stellte unter lebhaftem Beifall die Forderung: Falls Kaufmann nicht spätestens inirerhalb eines Jahres aus der Unternehmerorganisation ausgetreten sei, solle die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend der Verlagsgesellschaft das.Kapital von 100 000 M., womit sie an dieser beteiligt sei, ent- ziehen.— Nach Schluß der Diskussion wurde die Resolution ange- nommen. Sie lautet: „Die Versammlung nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß es Genosse Kaufmann als Leiter der Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine fertiggebracht hat, den vor allen In- stanzen erledigten Konslilt in der Verlagsdruckerei in scharf- macherischer Weise in der Versammlung der Unternehmerorgani- sation gegen die organisierten Buchdrücker ausschlachten zu lassen und in Gemeinschaft mit dem technischen Leiter der Verlags- druckerei, Steinhorst, dabei tätig mitzuwirken. Die Versammlung fordert von den Aufsichtsinstanzen der VerlagSgesellschast. daß den Leitern dieses ArbeiterunternehmenS, welches dem Solidaritätsgedanken der organisierten Arbeiter- schaft sein Entstehen verdankt, klar gemacht wird, daß sie kein Recht haben, die Genossenschaftsbewegung durch ihr arbeiter- feindliches Verhalten fortgesetzt zu diskreditieren. Die Versammlung hat weiter kein Verständnis dafür, daß die Leiter eines Arbeiterunternehmens Mitglieder einer Unter- nehmerorganisation sind und sogar hervorragend tätigen Anteil an deren arbeiterfeindlichen Bestrebungen nehmen." Ein aus Mitglioderkreisen gestellter Antrag, den Dreher zu begründen versuchte, will, daß daS Gehalt des 1. Vorsitzenden auf 5000 M. erhöht wird. Der Antrag wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, nachdem ein VorstandSvertreter darauf hingewiesen hatte, daß nach dem Statut nicht die Generalversammlung, sondern der AufsichtS. und GcnossenschaftSrat über An- stellnngs. und Gehaltsfragen zu entscheiden habe. Ein Antrag, Pfennigmarken einzuführen, wurde nach kurzer Diskussion mit großer Mehrheit abgelehnt. DaS Ergebnis der Wahl zum AuffichtSrat ist folgendes: Wiedergewählt find Metallarbeiter F. Liese, Kupferschmied C. Fritz, Tischler F. H a n e l, Chauffeur I. M a e n z, Kranken- kassenbeamter E. Buchholz. Neugewählt an Stelle eines zurück- getretenen Mitgliedes ist Stockarbeiter E. Engelmann. Neu- gewählt auf Grund der neuen Statutenbestimmung sind L H a j e k, G. Heitbeck, P. Hensel. Als Ersatzpersonen sind gewählt: Schriftsetzer B a l l e t r o. Arbeiter Böhm, Schlosser Fröhlich, Buchhalter Ruchniwicz, Holzarbeiter Wiechert. Sozialea« Busgleich Sqnittung. Die Frage der Ausgleichs- oder Generalquittung spielte wiederum in einem Prozeß, der gestern vor dem Gewerbegericht verhandelt wurde, eine Rolle. Ein Pocker klagte gegen die P r o j« kt i o n s- A.-G..Union" auf Zahlung von Lohn sür acht Tage wegen lündiguiigsloser Ent- lassung. Die beklagte Firma wendete ein, der Kläger habe durch ungebührliche« Verhalten berechtigten Grund zu sofortiger Entlassung gegeben, er habe auch durch AusgleichSqujttung auf weitere Llnsprüche verzichtet. Die Verhandlung ergab, daß lediglich gegen Mitangestellte ein ungebührliches Verhalten vorgekommen war. Nach der Gewerbe« ordnung ist daS kein Grund zur kündigungslosen Entlassung. Beim Abgang waren zwei Quittungen vorgelegt, zunächst eine Ausgleichsquittung, diese unterschriebe». AIS ihm dann auch die andere Quittung zur Unterschrift vorgelegt wurde, wurde ihm gesagt, daß er bereits auf weitere Ansprüche verzichtet habe. Darauf weigerte er sich, daS zweite Formular zu unterzeichnen. Das Gericht kam zur Verurteilung der Bellagten, weil der Sachverhalt klar ergibt, daß der Kläger unzweideutig zum Ausdruck gebracht hat, daß eine Verzichtleistung nicht in seiner Absicht log. In diesem Fall ist es dem Arbeiter gelungen, zu beweisen, daß er bei Unterzeichnung der Quittung sich im Irrtum befand. Aber hervorheben möchten wir, daß auch eine bis am Fälligkeitsrage aus- gestellte Genera l quittung. selbst wenn sie ernstlich gemeint ist, ungültig ist. DaS Gesetz schreibt in ß2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes vor, daß jede Verfügung des Arbeiters über den Lohn durch eine Zession, Verpfandung oder irgendein anderes Rechtsgeschäft ohne rechtliche Wirkung ist, wenn sie vor Ablauf des Fälligkeitstages vorgenommen ist. Der Gesetzgeber hat also den Arbeiter zu seinem Schutz in der Verfügung iiber den Lohn beschränkt, damit er m den Besitz des Entgelts für die vorgeschossene Arbeitskraft gelange. Das Gesetz hat diese Vorschrifl gegeben, weil der Arbeitsvertrag dieZemzigqölonomische Zufluchtsstätte des Arbeiters ist und ohne einen Schutz gegen Zugrist Dritter an dem Lohn der Arbeiter subsistenzloS wäre. Es ist der Verzicht ein.Rechtsgeschäft". Der Verzicht hol sogar weitergehende Wirkungen als die Ber- Pfändung oder Abtretung de« Lohnes. Zu einem Verzicht auf seinen Lohn ist der Arbeiter erst nach Ablauf des Fälligkeitsvertrages im- stände, sein vorher ausgesprochener Verzicht ist.ohne rechtliche Wirkung". Die Alters- unL Invaliden rentner in Berlin im Jahre 1912. Nach dem Bericht der Landesversicherungsanstalt wurden im Jahre 1312 insgesamt 6562 neue Rentenauträge gestellt. Hiervon entfallen 6168 aus die Invaliden- und 334 aus die Altersrenten. Aus dem Vorjahr kommen noch hinzu 525 unerledigt gebliebene Invaliden- und 8 Altersrentenaiuräge. Insgesamt'lagen demnach 6633 Invalidenrenten- und 402 Ältersrentenanträge zur Bewillr- gung vor. Hiervon wurden 4177 Invalidenrenten und 333 Alters- renken bewilligt und 1799 Invalidenrenten- und 41 Altersrenten- antrage abgelehnt. Die Zahl der bewilligten Altersrenten ist sich in den drei letzten(1910, 1311 und 1312) Jahren gleich geblieben. Die Ablehnungen der Altersrenten sind fast ausschließlich auf die Nichterfüllung der Wartezeit zurückzuführen. Von 100 Altersrenten entfallen 88 auf die Männer, 12 auf die Frauen. Durchschnittlich kommen seit 1381 bis 1912 auf 100 Altersrenten 30 Männer und 20 Frauen. Nach Berufsarten die Altersrentner gegliedert stehen die Metallarbeiter mit 60 an ersten Stelle, ihnen folgen die Holzarbeiter mit 43, die Bau- arbeiter mit 30, das Handclsgewe rbe mit 23, die Te�til- industrie mit 18. Interessant ist die Auffassung der Berliner Anstalt über die Herabsetzung der Altersgrenze zur Erlangung der Altersrente. Der Bericht sagt darüber folgendes:„Auf Ersuchen des Reichsversicherungsamts sind Feststellungen über die Herabsetzung der Altersgrenze gemacht worden. Würde die Herabsetzung der Altersgrenze auf 65 Jahre erfoigen, dann würden noch 3830 neue Rentenanwärter hinzukommen und dadurch würde eine Steigerung der Altersrenten auf 150 Proz. eintreten." Der Berichterstatter fürchtet, daß dann� eine erhebliche Be- lastung der Invalidenrenten die Folge sein würde, weil die Alters- rcntner alsbald die Altersrente in die höhere Invalidenrente um- wandeln lassen würden. Diese Furcht der Anstalt Berlin erscheint unbegründet. Indessen selbst wenn dieser Fall eintreten würde, so liegt kein Grund vor. darüber zu jammern. Denn die Anstalt Berlin ist keine Sparkasse, die Millionen anhäufen soll. Am Schlüsse de? Jahres 1912 waren insgesamt 2263 Alters- rentner vorhanden. Die Jnvalidenrentenbewilligungen bei der An- stalt Berlin sind auch im Berichtsjahr ganz erheblich zurück» gegangen. Insgesamt lagen 6693 Anträge vor; hiervon wurden 4177 Invalidenrenten bewilligt, daS ist 62,37 Proz. aller Anträge, und 1799 Anträge— 26 Proz. wurden abgelehnt. Die Bewilligung der Invalidenrenten bewegt sich seit dem Jahre 1908 in stetem Abnehmen, wie die folgenden Ziffern beweisen. An Renten wurden bewilligt: 1308 1909 1910 1911 1912 5110 5004 4398 4210 4177 Die Zahl der Ablehnungen betrug im Jahre 1911 1689, im Jahre 1912 dagegen 1799— einer Zunahme um 110. Das ungewöhnliche Verhältnis zwischen Bewilligungen und Ablehnungen sucht der Bericht dadurch zu erklären, daß infolge einer Verfügung des ReichSversicherungSamteS die Anträge bei dem zuständigen VersicherungSamt ihres Aufenthaltsorts gestellt werden müssen. Da nun die I r r e n a n st a l t e n außerhalb Berlins liegen, gehen die Anträge aller dieser Kranken von der Anstalt Berlin ab. Daher nehmen die Rentenbewilligungen bei der Anstalt Brandenburg zu und bei der Anstalt Berlin ab; so der Bericksterstatter. Aber diese Verfügung besteht erst seit 1912, daS unnatürliche Verhältnis zwischen Bewilligungen und Ablehnungen ist dagegen schon seit dem Jahre 1908 festzustellen. Indessen der Berichterstatter erklärt den Rückgang der Inda« lidenrentenbewilligungen auch noch dur„Einwirkung der besseren wirtschaftlichen Verhältnisse, die seit zwei Jahren eingesetzt hat". Zum mindesten muß stark bezweifelt werden, daß wir 1912 noch von einer Hoch- bezw. guten Wirtschaftskonjunktur reden können. Geradezu beschämend für die Anstalt Berlin ist die Tatsache, daß die Berliner Airstalt mit den Rentenbewilligungen noch unter dem Durchschnitt deS Reiche? steht. Währcird im Deutschen Reich auf 100 erledigte Invalidenrenten 80 Bewilligungen und nur 20 Ablehnungen entfallen, kommen bei der Anstalt Berlin n u r 70 Bewilligungen und 30 Ablehnungen. Eine Differenz von 10 Proz. zuungunsten Berlins. Ablehnungen der Invalidenrente«. Allein 1433 Fälle= 79,7 Proz. wurden abgelehnt, weil Er- werbSunfähigkeit noch nicht eingetreten war. DaS heißt: die Ver» trauensärzte der LandeSvcrsicherungsanstalt haben es fertig ge- bracht, die Antragsteller gesund und voll leistungsfähig zu schreiben. Die eigenartige Auffassung der Berliner Versicherungsanstalt über „sozial« Fürsorge" offenbart sich auch»n den Ergebnissen der von den Versicherten angefochtenen Ablehnungsbescheide. In 193 Fällen hat das Oberversicherungsamt die Bescheide der Anstalt aufgehoben und den Versicherten tue Invalidenrente zu- erkannt. Insgesamt waren am Jabresschluß(81. Dezember 12) 31890 Jnvalidenrentner, darunter 14 779 Frauen vorhanden. Hinterbliebenenrenten. Die Invalidenversicherung hat mit dem 1. Januar 1912 durch die Reichsversicherungsordnung eine Erweiterung insofern erfahren. als den Hinterbliebenen— im Falle deS Todes ihres Ernährers—> Witwen, b-zw. Waisenrente, Witwengeld und Waisen- auSsteuer gewährt wird. Es ist nicht viel, was der Bericht darüber sagt; immerhin zecgt sich, wie elend es in bezug mit der seiner» zeit mit großem Tamtam geschaffenen sogenannten Hinterbliebenen- fürsorge in der Praxis aussieht. Im Berichtsjahr wurden 265 Anträge auf Witwen-, 558 auf Waisenrente; 184 Anträge auf Witwengeld und 2 auf Waisenaussteuer gestellt; davon wurden bewilligt: 102 Witwen-, 448 Waisenrenten; in 136 Fällen Witwen- geld. Die Witwenrente wird erst dann gewährt, wenn die Witwe„dauernd völlig" erwerbsunfähig ist, d. h. wenn sie nicht mehr das„ortsübliche" Lohndrittel verdienen kann. Daher sind auch noch in 123' Fällen„Anwartschaftsbescheide" erteilt worden. (D. h. der Anspruch ist anerkannt, nur wird di« Rente nicht ge- währt, weil die Witwe noch nicht invalide ist.) Die Waisenrente schwankte zwischen 32 bis 41 M. pro Jahr; durchschnittlich betrug dieselbe 33,58 M. Di« Witwenrente betrug durchschnittlich 79,28 M. p r o I a h r. Das Witwen» qeld(Witwen, die selbst versicherungspflichtig sind, also Marken kleben und keine laufeiche Rente beziehen können, aber eine ein- malige Summe erhalten) betrug im Durchschnitt 78 M. Wie man bei diesen mehr als bescheidenen Rentensätzen noch von einer Hinterbliebenenfürsre�g« sprechen kann, ist just unverständlich.__ Hus Induftne und Handel. August Scherl G. m. b. H. llnS wird geschrieben: Die Polemik, welche Herr Otto von Gottberg im„Berliner Lokalanzeiger" gegen den Oberstaatsanwalt im Krupp-Prozeß führt, hat die Vermutung geweckt, daß ein starker und treibender Wille hinter dem Verfasser steht. Herr Otto von Gottberg, der Oldenburg des„Lokalanzeigers". soll ein ehrlicher Mann sein, und wir haben keinen Anlaß, die Richtigkeit dieser Charakterrsttk zu be- zweifeln. Wohl aber ist es möglich, daß das Tempettment dieses Herrn für eine Sache entflammt ist, deren nicht einwandfreie Ur- fachen ihm unbekannt geblieben sind. Wer die Finanzentwickelung der Scherl G. m. b. H. kennt, der weiß jedenfalls, da« c,n groß- kapitalistischer Meinungszwang diesem Verlage gegenüber keines- Wegs ausgeschlossen ist.„. �„ 5. � Jeder, der sich die Zeit nehmen wrn,'�nn öuö oent Handels- register Berlin-Mitte(Nr. 1435 und Nr. 518) erfahren, wie sehr fich Herr August Scherl, der Geschäftsführer der Scherl G. m. b. H., in den letzten Jahren dem Banken«, nfluß hat beugen müsse«. In früheren Jahren schon hatte die Berlmer HandelSgesellscho� die damals Anleihevermittlcrin der Scherl G. m. b. H. war, sich i» den Statuten der„August Scherl, Deutsche Adreßbuch G. m. b. H.", deren Anteile die August Scherl G. m. b. H. inzwischen sämtlich erworben bat, wesentliche GesellschastSrechte vorbehalten. Ob und inwieweit die Berliner Handelsgesellschaft diese Rechte geltend gemacht hat, geht aus den Registeralten nicht deutlich hervor. Wohl aber ist daraus zu ersehen, daß die Scherl G. m. b. H. mit den Krediten, die ihr die Berliner Handelsgesellschaft gewährt hat, nicht auskommen konnte, daß vielmehr Herr August Scherl, der noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit sämtliche Stammanteile des Unter- nehmens in seiner Hand vereinigt«, inzwischen eine sehr wesentliche Quote seines Besitzes zu Vorzugsbedingungen anderen Kredit- gcbern hat überlassen müssen. An der Spitze des ziemlich umfang- reichen Konzerns der Schcrl-Darleiher stehen die Allgemeine Kredit- anstalt Leipzig und die Diskonto-Gesellschaft in Berlin. Nach dem Stande vom 1. Januar 1913 sah die Liste der Gesellschafter der August Scherl G. m. b. H. folgendermaßen aus: August Scherl......... 11920 000 R Diskonto-Gesellschaft....... 980 000, Allg. Kreditanstalt in Leipzig.... 1 000 000„ Norddeutsche Bank in Hamburg... 980 000„ Mitteldeutsche Kreditbank..... 500 000„ Gebr. Arndold, Dresden..... 160 000„ Friede. Klagges, Düsseldorf.... 100 000„ Fr. Niethammer, Chemnitz..... 80 000„ Wilhelm Förster. Dresden..... 20 000, Otto Büchner, Erfurt....... 20000„ Wilhelm Büchner, Erfurt..... 20000„ Südd. Diskonto- Gesellsch., Mannheim 180 000„ Barmer Bankverein....... 180 000„ Stahl u. Federer, Stuttgart.... 160 000. Magdeburger Bankverein..... 200000, Strauß u. Co.. Karlsruhe..... 300 000„ v. Dircksen, Wirkl. Geh. Rat.... 280 000„ E. Heimann, Breslau...... 180 000. Bank für Thüringen....... 380 000„ Bayer. Diskonto- u. Wechselbank.. 80 000„ Rudolf Mosse......... 1420 000„ R. Helfft u. Co.. Berlin...... 400 000. 23 gemäß§ 4 des Statuts zurück« gezahlte Stammeinlagen.... 400 000. 20 000 000 M. Man sieht, die Finanzgetvalt der Banken in der Scherl G. m. b. H. ist schon an und für sich nicht gering. Sie wird aber noch größer durch die Bestimmungen des Statuts. Die Anteile der Scherl G. m. b. H. zerfallen m Stammanteile und Vorzugsanteile. Für die Besitzer der BorzugSanteile übt die Allgemeine Deutsche Kredit-Anstalt in Leipzig die Treuhänderschaft auS. Und zwar hat die Trcuhänderin das Recht, ihre Zustimmung oder ihr Veto bei der Tilgung der Vorzugsanteile, bei der Errichtung neuer Geschäftszweige, bei der Angliedcrung neuer VerlagSunterneh- mungen, bei Veränderungen in der Höhe des Stammkapitals, in den Bestimmungen des GesellschaftövcrtrageL usw., abzugeben. Ferner kann die Treuhänderin zwei Mitglieder des sogenannten VerwaltungZausfchusseS der August Scherl G. m. b. H. ernennen, und Herr August Scherl, der Präsident dieses VerwaltungSauS- schusses, kann diese Mitglieder nicht abweisen, wenn sie dem Vor- stand oder dem Auffichtsrat einer der an der Gesellschaft beteiligten Banken oder Bankfirmen angehören. Die anderen beiden Mit- glieder ernennt Herr Scherl, und wenn auch, ihn eingerechnet, drei Stimmen gegen zwei stehen, so ist eS doch ohne weiteres klar, daß im Zusammenhang mit den sonstigen Befugnissen des Treuhänders die Allgemein« Deutsche Kredit-Anstalt als Mandatarin der Vor- zugsanteilbesitzer den bestimmenden Einfluß in der Scherl G. m. b. H. hat. Man hat zwar den Widerruf der Bestellung des Herrn August Scherl als alleinigen Geschäftsführer der Gesellschaft statutenmäßig ausgeschlossen, aber nur solange Herr August Scherl als Gesell- schafter die Majorität der Stainmanteile besitzt, es sei denn, daß wichtige Gründe den Widerruf notwendig machen. Es folgt also, daß sowohl die GeschäftSführerschast des Herrn August Scherl wie die Präsidentschaft deS Verwaltungsausschusses sehr wacklige Quali- täten sind. Der Verwaltungsausschuß hat außer anderen wichtigen Rechten auch seine Stimme abzugeben, wenn die politische oder sozialpolitische Richtung der BerlagSunternch- mungen der Scherl G. m. b. H. geändert werden soll. Was das be- deutet, braucht wohl kaum spezifiziert zu Verden. Schon diese Darlegungen zeigen zur Genüge, wie sehr die Scherl G. m. b. H. am Großkapital interessiert ist und umgekehrt. Nun war aber die Wende des Oktober eine sthr kritische Zeit für Herrn August Scherl, der sehr erhebliche Privat- Verpflichtungen hat. Man sprach schon von einer Eliminierung Scherls, aber so weit scheint es bisher noch nicht gekommen zu sein. Vielleicht will man sich die Zugkraft des RamenS nicht entgehen lassen, vielleicht ist es auch noch nicht gelungen, Herrn Scherl soviel Anteile abzuringen, daß man ihn auS seiner geschäftlichen Wirkungssphäre in der Scherl G. m. b. H. beseitigen könnte. Jeden- falls aber sind alle möglichen Interessenten am Werke, den„Lokal- anzeiger" mehr noch als bisher ihren Zwecken dienstbar zu machen. Es verlautet mit ziemlicher Bestimmtheit, und auch der..Vorwärtshat es ja schon ausgesprochen, daß hohe RegierungSver- treter als Darlehnsvermittler tätig sind. Unter diesen Re- gierungSvertretern soll sich auch ein früherer preußischer Finanzmini st er befinden, der jetzt im rheinischen Industrie- revier eine einflußreiche Stellung einnimmt. Von wem das Dar- lehn oder die Darlehen herrühren, bczw. von wem sie Herrn Scherl gegeben werden sollen, darüber sind bisher nur Gerüchte im Um- lauf. Man spricht davon, daß die betreffenden Regierungsvertreter mit ihrer BermittclungSaktion bei rheinischen Groß- industriellen Erfolg gehabt haben. Vielleicht untersucht Herr Otto von Gottberg diese Angelegenheit mal etwas genauer, und bielleicht findet er nach Aufklärung der Sachlage ein anderes Kampsziel. Wenn die Regierungsvertreler wirklich sich für die Milderung der Finanznöte des Herrn August Scherl verwendet haben, so ist das natürlich nicht der schönen Locken des Herrn Scherl wegen geschehen. Wir würden dann vielmehr Groß- industrie, Großbanken und Regierung als ein Syndikat betrachten müssen, da? auS ganz bestimmten Gründen einen bestimmenden Einfluß auf einen der größten deutschen Zeitungskonzerne nimmt. BetriebSeinfchränkung. Ein« der größten Stahlwarenfavriken im Solinger Revier, die Fabrik von Friedr. Herder, Abraham u. Sohn, die etwa 1000 Arbeiter beschäftigt, hat eine Betriebsein- schränlung durch Sinlegung von 2 Feierschichten wöchentlich vor- genommen. Unsichere Finanzlage in Indien. Die Finanzlage von Indien ist fortdauernd sehr unstcher. Viele nationalindische Banken haben ihre Tore geschlossen. Auch die Volksbank schloß ihre Pforten. Man glaubt, daß man vor einer großen finanziellen Krise steht, wie sie Indien noch niemals zu verzeichnen hatte. Zwangskurs des mexikanischen Papiergeldes. Infolge der mexikanischen Wirren hat die Geldnot der mexikanischen Regierung ihre» Höhepunkt erreicht. Nach einer Meldung der..New Dork Tribüne- aus Mexiko City hat die mexikanische Regierung dem Papiergeld Zwangskurs verliehen. In einem Erlaß wird das Publikum aufgefordert, die Noten der Mexikanischen Nationalban! und der anderen Danken in Zahlung zu nehmen. Gleichzeitig müssen 50 Cents-Stücke an Stelle der mexikanischen SflberdollarS in unbegrenzter Höhe in Zahlung genommen werden. Serickts- Leitung. Die Explosion auf dem Potsdamer Bahnhof in Berliu. Am Dienstag hatte der preußische Eisenbahn- f i s k u s sich vor dem Reichsgericht wegen der Folgen der Explosion zu verantworten, die am 17. August 1911 im Betriebs- gebäude des Potsdamer Bahnhofs erfolgte und unter anderen sieben mit dem Zug eben angekommene Reisende schwer verletzte. Die Explosion war dadurch entstanden, daß wegen Gas- geruchs ein Schlosser zum„Ableuchten" geholt wurde. In- folge des Ableuchtens entstand jene gewaltige Explosion, die auch sieben Reisende verletzte.' Einer dieser Reisenden klagte gegen den zahlungsunlustigen Fiskus auf Schadenersatz. Zur Begründung seines Anspruchs behauptet er u. a., daß die Explosion durch das Ableuchten der Rohre verursacht sei und daß der Fiskus in seinen Betriebsanordnungen schuldhasterweise dieses Ableuchten mit offenem Licht noch zuließ, obgleich ihm die englische Gasanstalt, die GaSlieserantin, bereits mitgeteilt hatte, daß sie nach den neuesten Errungenschaften der Technik es nicht mehr für angebracht halte, die Gasrohre abzu- leuchten, da mit dem Abseifen der Rohre die undichten Stellen genau so sicher zu entdecken sind. Das Landgericht und das Kammergericht verurteilten den Fiskus. Diesem wollte durchaus nicht in den Kopf, daß es zu seiner Pflicht gehöre, sich die neuesten Erfahrungen der Technik zu eigen zu machen und daß er des- halb das„Ableuchten" hätte verbieten und das Abseifen hätte anordnen müssen. Das Reichsgericht legte dem Fiskus durch Zurück- Weisung seiner Revision dar, daß es dieselbe, übrigens feit je betätigte Auffassung hat. Gegen Zugführer, Schaffner, Eisenbahnarbeiter wird bei Eiscnbahnunglücksfällen auch in Fällen, wo es recht zweifel- Haft ist. ob ein vertretbares Verschulden diesen Personen zur Last fällt, ein Straf verfahren eingeleitet. Wird nun- mehr wegen fahrlässiger schwerer Körper- Verletzung auch gegen den hohen Beamten ein Strafverfahren eingeleitet werden, der für die Fehler �der BetricbSanordnungen verantwortlich ist?_ Durch eigene Schuld vier Jab>:c JrrrnhauS? Anläßlich eines Strafverfahrens wegen Körperverletzung, daS gegen den Berliner Kellner H. schwebte, war dessen Frau mit der Behauptung hervorgetreten, er sei geisteskrank. Dieser Versuch, um die Bestrafung herumzukommen, kostete H. vier Jahre Irren- hauS. H. selber benahm sich nämlich derart, daß die Acrzte der Charite seine Ueberweisung in die Irrenanstalt für notwendig er- achteten. Der Vater, der später zu seinem Pfleger ernannt wurde, stellte wiederholt vergeblich Anträge auf Entlassung. Auch ein in seinem Auftrage von R.-A. Dr. Ehrcnfricd gestellter Antrag lourde abgelehnt, da der Polizeipräsident durch eine Verfügung Wider- spruch erhob. Nach vergeblicher Beschwerde beim Oberpräsidenten wurde Klage erhoben, die der Rechtsanwalt vor dem Ober-Ber- waltungsgrricht in mehreren Terminen vertrat. Hierbei machte er geltend, der H. sei ein Opfer der Simulation geworden. Der An- trag ging auf Außerkraftsetzung der Widerspruchsverfügung des Polizeipräsidenten. Ein vom Gericht eingeholtes Gutachten des Kreisarztes Dr. Pfleger ließ als wahrscheinlich erkennen, daß H. seinerzeit mindestens stark übertrieben habe. Ein dann noch auf Beschluß des Gerichts erstattetes Gutachten des Königlichen Medizinalkollegiums in Berlin kam zu folgendem Schlußresultat: Das Kollegium könne sich dem anschließen, daß H. gegenwärtig ein ganz anderer Mensch sei, als wie er sich seiüerzeit nach den gutachtlichen Aeußerungen der Acrzte in der Charite gezeigt habe. Möglich sei, daß er damals von starker Erregung befallen war. Aber es sei auch sicher, daß er die dadurch bedingten natürlichen Krankheitserscheinungen stark übrrtrieb. Gegenwärtig sei von der früheren krankhaften Er- regung nichts lvahrzunchmen. Schwere Affeltsäutzerungen seien nicht zu befurchten. H. sei in seiner Jugend etwa? zurückgeblieben. Aber sein gegenwärtiger Zustand sei ein solcher, daß er ihn bei straf- baren Handlungen nicht entschuldigen wurde. Auf Grund diese? Gutachtens wurde H. mit Zustimmung der Behörde aus der Irrenanstalt entlassen, bevor es wieder zur Ver- Handlung vor dem Ober-Verwaltungsgericht kam. Der Ober- Präsident stellte Entscheidung über die Kosten anHeim. Der An- Walt beantragte, die Kosten dem Oberpräsidenten aufzuerlegen. Das Ober-BcrwaltungSgcricht erklärte am Donnerstag den Streitfall in der Hauptsache durch die Entlassung H.'S aus der Anstalt für erledigt. ES legte aber die Kosten dem Klüger auf. Maßgebend wäre hierfür, daß der Polizeipräsident beim Erlaß der angefochtenen Verfügung(Widerspruch gegen die Entlassung) aus Grund von gutachtlichen Aeußerungen der Aerzte der Irrenanstalt habe annehmen können, die tatsächlichen Voraussetzungen für die Unterbringung in einer Irrenanstalt lägen noch vor. Denn damals hätten die Anstaltsärzte(Direktion) bescheinigt, daß nach Ueber- zeugung der Direktion der angeborene Schwachsinn»nd die krank- hafte Erregbarkeit noch vorhanden seien, und daß nicht abzusehen wäre, ob es nicht wieder zu Affektionen führe, ivenn H. in die Außenwelt hinausträte. Danach wäre der Polizeipräsident damals noch berechtigt gewesen, den Widerspruch gegen die Entlassung zu erheben. Somit fielen die Kosten oem Kläger zur Last, da jener Zeitpunkt entscheidend sei. „Dr. med. Gräfin Margot von Bülow." Das Opfer einer.Heiratsschwindlerin, die mit recht plumpen Mitteln gearbeitet hatte, ist der Ingenieur Lauwartz geworden, der gestern als Zeuge vor der 11. Strafiammcr des Landgerichts I erscheinen mußte, die unter Vorsitz des LandgerichtsdirektorZ Günther eine Anklage toegen Betruges im strafschärfenden Rückfalle gegen die Buchhalterin Margarete Quieck zu verhandeln hatte. Eines Tages bemerkte L. in der Leipziger Straße eine junge Dame, die sein Interesse fesselte und ihn veranlaßte, ihr„nachzu- steigen". L. sprach sie an und war nicht wenig erstaunt, als sich die schöne Unbekannte als die„Gräsin Dr. med. Margot von Bülow" zu erkennen gab und erzählte, daß sie als Assistentin in der Königl. Charite, Abteilung für Geschlechtskrankheiten, angestellt sei. Am nächsten Tage erzählte die angebliche Gräfin dann, daß sie von ihren Eltern, die in Hannover wohnen, 80 000 M. ausgezahlt erhalten habe und vorläufig davon lebte. Da L. dann einen Brief erhielt, der eine Krone und die Initialen..M. v. B." trug, glaubte er tat- sächlich, die Bekanntschast einer Gräfin gemacht zu haben und war überglücklich, als diese ihm nach dreitägiger Bekanntschast inS Ohr flüsterte, daß sie sicher erfreut sein würde, wenn sie von ihm mög- lichst bald ein kleines lebendiges Unterpfand ihrer Liebe erhalten würde. Die„Gräfin" hat dann wiederholt um kleinere Geldbeträge unter falschen Vorspiegelungen den in die Grafschaft verschossenen Ingenieur erleichtert. Als sie nichts mehr von sich hören ließ, stellte dieser Ermittelungen an und erfuhr, daß die„Gräfin von Bülow" die wegen Betruges zweimal vorbestrafte frühere Buchhalterin Margarete Quieck war. Auf die Anzeige des L., den dieses Liebes- abenteuer 160 M. gekostet hatte, wurde die Q. verhaftet. Hierbei stellte sich heraus, daß auch noch einem Stanzer Eisenbach 30 M. abgenommen hatte. Vor Gericht war die Angeklagte im vollen Umfange geständig. — Mit Rücksicht aus ihre Vorstrasen, andererseits aber aus die Tat- fache, daß ihr die Betrügereien ziemlich leicht gemacht worden waren, erkannte daS Gericht dem Antrage, de« Staatsanwalts gemäß auf S Monate Gefängnis, eine mit Rücksicht auf die Eigenart der Nepperei immerhin noch beträchtlich hohe Strafe. 73iis aller Melt. Brand eines Petroleumdampfers. Einem gräßlichen Schicksal erlag ein Teil der Besatzung des Petroleumtransportdampfers„ T w 1 n g o n e", der im indischen Hafen Turtikorin in Brand geriet. Das Feuer griff so schnell um sich, daß alle Aussichten, es erfolgreich zu bekämpfen, hosftnmgslos erschienen und aufgegeben wurden. Die aus fünfzig Mann bestehende Besatzung des Schiffes und eine Anzahl Kulis stürzten sich ans die Rettungsboote deL Schiffes, doch gelang es nur einem Teil der Mannschaft, sich auf diese Weise zu retten. Ein Rettungsboot schlug um, die Insassen fielen ins Meer, das auf etwa 29 Meter im Umkreis des Schiffes infolge des ausströ menden Petroleums in Flammen geraten war. Innerhalb dieses Flammengürtels spielten sich schreckliche Szenen ab. Vergebens be- mühten sich verschiedene Leute der Besatzung unter Aufbietung aller Kräfte durch den Flammcngürtel hindurch ins freie Meer zu gelangen. Ans der Reede stand eine Anzahl von Menschen versammelt, die versuchten, Hilfe zu bringen. Ver- schiedene Boote gingen auch in See, mußten aber unverrichteter Sache umkehren, da sie infolge der g r o tz.c n H i tz e und hoch aufschlagenden Flammen nicht vorwärtskommen konnten. In einiger Entfernung von dem brennenden Wrack hatten sich im Nu zahlreiche Haifische versammelt, die nach den Leichnamen suchten. Ein Kuli, dem cS gelungen war, das Meer zu erreichen, wurde ein Opfer der Tiere, bevor es möglich war, ihn in ein Boot aufzunehmen. Während nach der einen Meldung behauptet wird, daß mindestens dreißig Menschen bei dem Unglück ums Leben gekommen seien, erklärt die Besitzerin des Schiffes, die Burmach Oel-Co. in Glasgow, daß sechs Personen den Tod gefunden hätten._ Die Eisenbahukatastrophe bei Melun« Soweit bisher ermittelt werden konnte, hat der Zag zusammen- stoß bei Melun 40 Todesopfer gefordert. Nur 14 davon konnten identifiziert werden, die Körper der übrigen sind so ver« kohlt, daß man weder die Person noch da» Ge« schlecht fe st stellen konnte. Das Verschulden an dem furchtbaren Unglück scheint nicht zum geringsten bei der Verwaltung der Bahnlinie zu liegen. Die Föderation der Eisenbahner hat gegen die Verhaftung des Lokomotivführers Dumaine Protest erhoben und will eine Abordnung in das Ministerium entsenden. Die Angestellten bs« haupten, daß die Signale verschiedener Eisenbahnlinien, speziell die« jenigen des Bahnhofes von Melun, so schlecht und unzweckmäßig plaziert seien, daß es nur in äußerst seltenen Fällen möglich sei, sie gut zu sehen. Wir haben, so sagen sie, in unserem Archiv ein großes Akten» stück hierüber angelegt und bereits häufig bei der Eisenbahn« Verwaltung gegen die Anlage dieser Signale Protest erhoben. Der Ritualmordprozeh in Kiew. Die Ritualmordkomödie ist jetzt nach endlosen Ieugenverneh« mungen und Sachverständigengutachten glücklich bis zum P l ai« doyer de« Staatsanwalts gelangt. Dieser brave Mann ist entsprechend den Weisungen seiner Auftraggeber nach wie vor vom Mord au« rituellen Gründen überzeugt. Er sagte u. a. in seinen Ausführungen:„Die Frage, was für eine jüdische Sekte Blut brauche und zu welchen Zwecken, sei nicht zu ent« scheiden. Er wolle nicht die jüdische Religion als solche, die in 1 vielem mit der christlichen übereinstimme, beschuldigen; es handle sich vielmehr um einzelne Fanatiker oder um eine Sekte, die noch nicht näher bekannt sei. Die Geschwornen sollten auS JuschtschinskiS Martern den Mut schöpfen, ihr Urteil gemäß ihrem Gewissen abzugeben; der Jude BeiliS solle den Russen JuschtschinSfi vor ihren Augen nicht in den Hintergrund treten lassen; JuschtschinskiS Grab werde lange eine Stätte der Wallfahrt und des Gebetes sein. Der zweite P6go«d. Dem französischen Flieger Chevillard ist eS gelungen, die Kunstflüge seine« Landsmannes Pögoud gleichfalls auszuführen. Chevillard stieg DonuerStagvormittag auf dem Flugfeld von Buc mit seinem Farman» Doppeldeck er aus und vollführte mit seinem schweren Flugzeug die kühnen Wendungen und jähen Stürze. DaS zahlreich erschienene Publikum verfolgte die halsbrecherischen Evolutionen des Fliegers mit großer Spannung. ES gelang ihm jedoch immer wieder, zur rechten Zeit seinen Apparat aufzurichten. Während einiger Minuten flog er wie Pögoud mit dem Kopf nach unten und überschlug sich über den einen Flügel. Bei seiner Landung wurde er vom Publikum mit großem Applaus begrüßt. Chevillard beabsichtigt, am Sonntag tu Juviy seine Flüge zu wiederHolm. Kleine Notizen. Eiscnbahnunfall in Mecklenburg. In der Nähe der Station S p o n h o l z fuhr am Mittwochabend gegen Uhr ein von Hamburg kommender D-Zug auf zwei Güterwagen auf. Ein Bah n- schaff» er und zwei Leute des Fahrpersonals sind erheblich verletzt worden. TyphuSepidrmie? Nach einer Meldung au« G o l d a p sollen beim 44. Jnsanterieregiment zahlreiche Erkrankungen vorgekommen sein, bei denen TyphuS befürchtet wird. Eine Reservisten- stube soll als typhusverdächtig festgestellt sein. Da zurzeit Reservisten dort ihre Uebung machen und auch am 20. d. Mts. ein neuer Transport eintrifft, besteht die Gefahr der Erkrankung zahlreicher Familienväter. Vom Kohlcnzuge überfahren. Zwei Grubenarbeiter legten sich während der Nachtschicht aus der Schlefiergrube bei Beuthen auf die Gleise der Grubenbahn und schliefen ein. Ein elektrischer Kohlenzug überfuhr beide. Der eine wurde getötet, der andere lebensgefährlich verletzt. Die Bculenpest in Trieft. Ein Verlader deS Danchfer« der Austro-Americana„Sophie Hohenberg' ist Donnerstag nach vier« tägiger Krankheit gestorben.' Der ObduilionSbefund ergab B c u I e n p e st. Der Dampfer wurde sofort desinfiziert. Briekkalten der kedaktion. Dt« InrtftMche SorcKftunde findet Linden st reßc SS, dorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wnchenlä glich von 4 Mi»ts"M, Uhr abend», SonnadeadS, »«» 4 Vi bis s Uhr abends statt. Jeder für den Bricslafte» bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und etne Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brtesttchc Antwort wird nicht rriellt. Aufragen, drnca leine AboimemrntSanUtuug beigefügt ist, berb-u nickt»rantworiet.(tUlge Frage- trage man t» der Sprechstunde bor. M. 3734. Besten Dank. Erscheint unter Handel. F. K. 84. Schillere chrenkräiitendc Beleidigungen berechtigen zum sofortigen Aushören und zu dem Anspruch auf Forizahliing de» Lobnes für die Kündigu»g«dauec. Ob derartige Beleidigungen vorliegen, läßt Ihr Schreiben nicht erkennen. Für die Klage wäre das Kewerbcgericht zu« ständig.—<«. SÄ. 216. Nein.— H. Z. v. Nein.— No. 80881. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— t. L. 100. Sie bedürfen der AuSeinandeisetzungsbescheinigung. die beim ormundschastlgericht zu beantragen ist.— P. 141. Ohne Kenntnis der Tatsachen tassen sich die Fragen nicht beantworten.— M. L. 87. Sie können dem Maschmensavnkanten den RestkaufpretS anbieten und die liebes» fcaguttg der»echte auS dem LdzaPungSdertrage ims Tie beanspruche».— Sk. A. 1v. 1. 10 Jahre. 2. 5 Jahre.— M. O. 36. Es bestand nur ein Anspruch aus Befreiung von der StaatSeiniommensteuer.— C. 3. 33. Dagegen lann nur der Eigentümer etwaS einwenden.— Fl. B. 8. 1. Zur Auösührung sämtlicher Gründereicht der Raum des Briefkastens nicht aus. 2. Rur dann zu beantworten, wenn die Anzahl der etwa vorhandenen Kinder und außerdem der etwaige Verdienst der Iran mitgeteilt wird.— — 21. 50. 1. und 2. Ja.— H. S. 7. In dem Bricfpassus ist eineBe- leidigmtg zu erblicken.— E. 8. 100, Neukölln. Sie sind zahlungZ- pflichtig.— K. 8. 10. Sosern Sie em steuerpflichtiges Einkommen haben, sind Sie auch zur Bezahlung der Steuer verpflichtet. Ob gegen das frag- liche Urteil noch Rechtsmittel zulässig sind, läßt Ihr Schretben nicht er- kennen.— CS. Ä. 100. Ja.—(f. B. 31. 1. In der Regel wird das nicht für zulässig erachtet werden. Die theoretische Möglichkeit besteht jedoch aus Grund deZ ij 199 Neichsstrasgesetzbuchs, sosern nicht Mißhandlung an- genommeil werden kamt 2. Für die Zelt bis einschließlich Dezember 1913. Z. Ja. 1 Bis zur Bollendung des 4. SebenSjahreS. 5. Räch Vollendung des 10. Lebensjahres, bis dahin zur Hälfte.— Fischer 1. 1. Die Sache ist recht zweiselhajt. Wir können zur Erhebung einer Klage auf Lösung des Mietsvertrages nicht raten. 2. Nein. Jedoch in der Eharits, Sprechzeit von 9 bis 11 Uhr.— 31. E. 43. 1. Ja, da der Vorsitzende kein An» gestellter ist. 2. und 3.— W. M. 453. Dazu können wir nicht raten. Z. G. D. III. Wiederholen Sie Ihre Anfrage bitte noch einmal.— H. M. 83. Sie müssen persönlich zum Polizeirevier gehen.— A.A. Ig Todes-Anzeigen MM miiioMsfto«MISS Berlins m ftjepfl, Am Mittwoch, den 5. November, verstarb nach längerem Leiden unser lieber Freund und Parteigenosse Hermann Werner In seinem 55. Lebensjahre. In Hermann Werner verliert die Berliner Partei einen selbstlosen, opferbereiten Kämpfer für die Sache des Proletariats. Schon unter dem Ausnahmegesetz tätig, gönnte er sich auch in den letzten Jahren keine Ruhe und keine Erholung, trotzdem ihn seine Leiden oft schmerzlich quälten. Hermann Werner war einer der Mitbegründer unseres Verbandes und bis zu seinem Tode unermüdlich tätig an dem Ausbau der Berliner Parteiorganisation. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Spezialarzt für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sieh. Heilung. MäSige Preise. Dr. med. Wockenfnd, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) Sprechst. v. 8— S, Sonntags 8— 10. Dr. Simmel Spezial-Arrt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Die Beerdigung findet am Soanabeodaacbinittag 4 hofe in Friedrichsfelde statt. Der Zentralvorstand. Uhr auf dem Zentral-Fried- 197/9 Enorm billig! visier und Anzüge von 85 bis 60 M. Gehrock» Anzüge Smokings anf Seide Billige Hosenwoche. Versandhaus„Germania" Unter den Linden 21.* Zabngebisic, Platin. Stanniol, Quecksilber, Metalleinkauf. Spezial- geschäjt, Elsasserstraße 66. 1514St* Am 5. November verstarb Plötz. Uch infolge Schlagansalls unser Vater und Großvater tlermsaa Werner im 55. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Soern. Wero er Id» Werner geb. Lüdet» Bernhard Werner. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 3. Novomber, nachmittags 4 Uhr, von der Halle desZentralsriedhoseSzu Friedrichs- selbe auS statt. 2869b Nachruf. Am Mittwoch, den 5. November, vormittags, verstarb plötzlich unser langjähriger treuer Mitarbeiter, der Spediteur Herrn. Werner im 55. Lebensjahre. Sein ehrlicher, lauterer Eha- rakter, seine in langjähriger Tätigkeit bewiesene Pflichttreue, Gewiffenhastigkest und Fleiß sichern ihm ein dauerndes, ehrendes An- denken. Die Haupt-Expedition des „Vorwärts". VeriiaDd tl. Brauerei- nJiililen- arbeiter u. verwienilsposseii. Ortsvcrwaltuug Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 3. November der Kollege, Flaschenkellerarbeiter Fritz Pape (Böhmisches Brauhaus), nach schwerer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachmittags 3fl, Uhr, von der Leichenhalle des AuserstchungS- Kirchhofes in Weißensee, Lichten- berger Str. 110—126, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 44(13 Die Ortsverwaltung. OHewMin für den l Ben. BeiHir. Die Bexrdignug unseres Gc- nassen 206/17 Hermann Werner suchet morgen, Sonnabend. nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Tanksagung. Für die herzliche Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Enkels und Bräutigams Lridi Lindemann sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten, sowie dem Deut- scheu Metallarbcilerverband unseren herzlichsten Dank. 2S76K Die trauernden Hinterbliebenen. BftllKMI Nach einem Gemälde von Tronnier-Hannover MfM in Ifinf Meli mgelW Preis 1.— Mark Diese Bilder sind auch gerahmt zum Preise von 2.-. 2.75. 3.- und 3.25 Mark vorrätig Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 Zentral-taken-lIntErsttitzliiigs- verein der Sehmiede und verw. Gewerbe Deutschlands. Zahlstelle Berlin 11. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege SrvOI'Lx HVvltz Nazarethkirchstr. 52 am 3. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 21/, Uhr von der Halle deS städtischen FriedhoseS in Friedrichsselde auS statt. 294/2 Di« Drisvcrwaltung. Sechster Wahlkreis. Oeffentliche Uommunawahier-versammlungen am Freitag, den 7. November, abends 8Vs Uhr sm d°n 2(5. it. 37. Kommunalwahlbezirk(5. it. 6. Wahlkreis) in Büttners Festsäien, Schwedterstraße 28/24 Referenten: LandtagSabgcordneler H. Strubel und Stadtverordneter Dr. H. Weyl? für den 30. Kommunalwahlbezirk in den Fekonksusen Festsälen, Schönhauser Allee 129 Reserent: Stadtverordneter vapant; sm d-» 33. Kommunalwahlbezirk in FrisclBS Viktoriagarten, Badstraße 12 Reserent: Reichstagsabzeordneter Emanncl Wurm; für d-n 34. Kommunalwahlbezirk in den Bornssia-Lälen, Ackerstraße 6/7 Referent: Stadtverordneter Adolf Ritter; luv den 38. Kommunalwahlbezirk(1., 5. it. 6. Wahlkreis) im Restaurant Cafe Gärtner, Holsteiner Ufer 27/28 Reserent: ReichStagSabgeordneter Ferdinand Ewald; für bcn 41. Kommunalwahlbezirk im Kloabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24 Reserent: Reichstagsabgeordneter Frits Znbell. Tagesordnung in allen Versammlungen: t Die Aufgaben der Sozialdemokratie im Roten Hause. 2. Freie Diskussion. 232,1» Die sozialdemokratische» Wahlkomitees. Arbeiter..... Kandwerker, jeder praktisch Jeder yHt IWÖBlÖBi, jeder SfCfc, arbeitende der für seine Arbeit, für seinen Berns, besonders vorteilhast geeignete Kleidung nötig hat, kaust diele bei der bekannten Firma Mcitshlciduna ♦ IScrutsklcidung. Sanptgeschäst: Alexauderstr. 13. Zweiggeschäfte: Rosenthalcr Str. 53— Landsberger Allee 148— bfenkvlln: Bergstr.««. Reelle billige Preise, erprobte solide c.unlitäten. guter Sih. richtige Machart, beste Berarbeitnng. größte Auswahl. Vierler Wahlkreis. Sonntag, den 9. November, abends 6 Uhr Oeffentllclie Versammlung bei Becker, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag des Landtagsabgeordneten, Genosien Adolf Hoffman» über:„Der Verzweislungskampf derpreußischen Reaktion." 2- Diskussion. Resultatverkundung tum der Stadtverorduetenwahl. 218/8» Nachdem; Gemütliches Zusammensein mit Tanz. Oer Einberufcp: __ L. Degenhardt, Kroße Frankkurterstr. 124. Sonntag, de« 9. November, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Versammlung sämtlicher In den Kinos beiclMigten Perionen in den Musiker- Festsälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tagesordnung: 1. Tortrag des Genossen Adolf Cohen. 2. Stellunsr- nähme zur Freigabe des Heiligabend. 129,5 Kinoangestellte! Beweist durch einen Massenbesuch, wie ernst es Euch um die Wahrnehmung Eurer Interessen zu tun ist. Nur durch ein einheitliches Zusammengehen könnt Ihr Euren berechtigten Forderungen den nötigen Nachdruck verleihe». Qie Ortsverwaltang. Verwaltung Berlin. Montag, den 10. November, finden die Mitglieder- Versammlungen für die Bezirke und Branchen statt. Die Tagesordnung und die Bersammlungslokale werden am Sonntag bekannt gegeben. Einsetzer. Die Bezirksversammlungen finden der Kommunalwahlen wegen erst am Sonntag, den I«. November, statt. gl/11 Die Qrtsverwaltung. in ir MM Ortsgruppe Groß-Berlin. Bureau: Kaiser- Wilhelm• Strafte 20. Heute Freitag, den 7. November 1913, nachm. 5 Uhr. im Lokal von Gerdts, Reinickendorf- West, Eichborn- Ecke Waldstraße: Oeffentliche Versammlung sämtlicher bei der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik Wittenau beschäftigt, kaufmännischen Angestellten sowie der Lager- schreiber, Kartothekführer, Werkstattschreiber«. Schrciberiuuen. Tagesordnung: 1. Die diktatorische Gewalt eines Borgesetzten und das Recht der freien Persönlichkeit. Reserent: Redakteur Lehmann. 2. Freie Aussprach c. «ji-d (3 i2s Vorwärts- Bibliothek. Eine Sammlüng volkstümlicher Romane und Erzählungen 1000 Mark Belohnung Kriminalroman von Hsns nyan. Preis gebunden 1,— Mark. 1 Buchbandlung Vorwärts,«» Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielcpp. Neukölln. Für den Lnjerälenteil veranw».: Th. Glocke. Berlin. Druck n.«erlag: BorwartD�BÜchoruckere» u. Berlagsanstatt PaulStnger».Co., Lettin S«. »m so iiiiw 2. Atüllßt!!tö„potmörtö" Dtllllltl Polkölildtt!--»«-> 7.»>wmd«M3. Arbeiter! befolgt den Scbnapsboykott-ßescbluB! Fort mit dem Jnnkerfusel! Zu den Stadt»erordnetenwal)len. Zur Beachtung für die Kommuualwähler! Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung werden in Berlin von der dritten Wählerklasse am Sonntag, de» 3. November, vollzogen. Aus einer Zusammenstellung, die Herste dem„Vorwärts" beigegeben ist, ersehen unsere Leser, welche Wahlbezirke diesmal an den Wahlen teilzunehmen haben und in welche» Wahllokalen jsder Wahlberechtigte seine Stimme abzugeben hat. Wir empfehlen, diese Zusammenstellung bis zum Tage der Wahl aufzubewahren. In Werkstätten, usw. wolle man Kollegen und Bekannte darauf hinweisen, wo sie zu wählen haben. Die Berechtigung zur Teilnahme an den Kommunal- wählen beginnt mit Vollendung des 24. Lebensjahres. Sic setzt voraus eine Schätzung des Jahreseinkommens zu mindestens 660 M., so daß man auch bei Veranlagung zu einer Steuer von 4 M. pro Jahr, die nicht erhoben wird, noch das Kommunalwahlrecht hat. Als wahlberechtigt gilt, wer in der W ä h l e r l i st e steht, die um An- fang Juli aufgestellt wurde und in der zweiten Hälfte des Juli auslag. Jeder Wahlberechtigte hat in demjenigen Bezirk zu wählen, für den er nach seiner damaligen Wohnung in die Liste aufgenommen worden ist. Wer inzwischen die Wohnung gewechselt hat, zählt als Wähler auch zu dem Wahlbezirk seiner früheren Wohnung und wählt dort. Die Wahl dauert von vormittags 13 Uhr bis 6 Uhr abends, doch sollte kein Wähler die Erfüllung seiner Wahlpflicht bis auf die letzten Stunden verschieben. Je zeitiger die Wähler den Gang zum Wahllokal erledigen, desto mehr er- leichtern sie unseren am Tage der Wahl die Schlepp- arbeit leistenden Genossen ihre Mühe. Dringend ist zu raten, daß jeder Wähler sich mit einer Legitimation � versieht. Als solche dient am besten die Karte, die vom Magistrat ausgefertigt und dem Wähler übersandt worden ist. Wer sie etwa nicht erhalten hat— sie kann besonders bei inzwischen verzogenen Wählern ausgeblieben sein— der legitimiert sich durch Steuerquittung oder Mietskontrakt, nötigenfalls auch durch Jnvalidenkarie oder Militärpapiere. Die Stimmabgabe erfolgt in der Weise, daß der Wähler dem Wahlvorsteher den Name« des Kandidaten sagt. Man achte darauf, daß der Name richtig und deutlich anzugeben ist. Wähler der dritten Klasse können— auch das wolle man beachten!— vernünftigerweise mtr Sozialdemokraten ihre Stimme geben. Das Dreiklassensystem des Gemeinde Wahlrechts weist Hunderttausende von minderbemittelten Wählern in die dritte Klasse und reserviert die zweite und die erste Klasse einer kleinen Zahl von Wohlhabenden und Reichen. Diese bevorrechteten Wähler der ersten und der zweiten Klasse wählen Freisinnige, weil sie vom Freisinn sich die beste Ver- tretung ihrer Jntereflen in der Stadtverwaltung versprechen. Die dritte Wählerklasse aber, zu der neben dem Arbeiter auch der kleine Gewerbetreibende und der kleine Beamte gehört, hat längst zum Freisinn kein Bertrane» mehr. Jeder Wähler der dritten Klasse möge am 9. November dafür sorgen, daß dieser Tag bringt. dem Freisinn uene Niederlage», der Sozialdemokratie neue Siege würde in Berlin der Freisinn wohl weggefegt werden. Denn die große Masse der erwerbstätigen Bevölkerung Berlins erkennt nur in der Sozialdemokratie ihre wahren Vertreter, nicht aber in dem reak- tionären Berliner Kommunalfreisinn. Beschwerden über die Wählerliste». Die Klagen über die Erledigung der Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerlisten häufen sich. Wieder werden uns Be- scheide vorgelegt, nach denen die Beschwerdeführer mit ihren Ein- sprächen abgewiesen worden sind, weil sie im letzten Jahre ihre Steuern nicht bezahlt hätten. Die Beschwerdeführer legen aber ihre vier Steuerquittungen vor, aus denen erhellt, daß der genannte Abweisungsgrund zu unrecht besteht. Ganz abgesehen von der Un- Vollkommenheit der Wählerliste scheint auch die Art der Erledigung der Einsprüche wenig zweckmäßig zu sein. Die Beschwerdeführer er- fahren nämlich den Grund ihrer Nichtaufnahme in die Wählerliste erst nach Abschluß der Prüfung durch die Stadtverordneten-Ver- sammlung und sind nun wehrlos. Dieses Verfahren könnte doch leicht geändert werden. Man teile den Einsprucherhebenden zunächst nach Erhebung ihres Einspruchs die Gründe der Nicht- aufnähme in die Wählerliste mit; dann kann der Nichtaufgenommene sofort die Beweismittel beschaffen und vorlegen, um festzustellen, ob die Nichtaufnahme zu Recht oder Unrecht besteht. In diesem Falle könnte auch dem zur Prüfung der Einsprüche eingesetzten Stadt- verordnetenausschuß das Material vorgelegt werden und es könnte eine sachgemäßere und objektivere Prüfung eintreten, als das heute der Fall ist. DaS Wahlrecht zur Stadtverordnetenversammlung ist schlecht genug, um alles aufzubieten, den wirklich Wahlberechtigten auch zu ihrem Wahlrecht zu verhelfen. Wie die Prüfung der Beschwerden heute erfolgt, so läuft dieselbe vielfach direkt auf Wahl- entrechtung hinaus. * Die Ueberficht über die zur Wahl stehenden Stadtverordueteu- Wahlbezirke für B e r l i n, C h a r l o t t e n b u r g und Schöne- b e r g liegt der heutigen Nummer bei. Wir bitten die Ge- nossen, sich die Ueberficht aufzubewahren. Wie der Kommunalfreifin« wirbt. Die Freisinnige» machen alles mobil, um ihre Sitze in der 3. Abteilung zu behaupten und uns eventuell einige abzunehmen. Besonderes Gewicht legen sie auf den 26.. 38. und 41. Bezirk. Dieser Tage wurde folgendes Rundschreiben versandt: Berlin, den 1. November ISIS. Sehr geehrter Herr! Durch Rundschreiben vom 18. Ottober erbaten wir Ihre pekuniäre Unterstützung für den Kampf mit der Sozialdemokratie. Die Wahl eines bürgerlichen Vertreters im 38. Bezirk der 3. Ab- teilung(alleiniger Kandidat: Herr Obermeister Bitterhof) ist schwer bedroht. Fällt dieser Wahlkrets, so hat die Sozialdemokratie damit dir ganze 3. Abteilung an sich gerissen und kennt dann in ihren Forderungen, die nicht mit der Steuerkraft der Bürgerschaft im Einklang stehen, gar keine Grenzen mehr. Wir glauben daher, unsere Bitte um einen Geldbeitrag zu den außerordentlich hohen Wahlunkosten wiederholen zu dürfen. Ein Schauspiel für Götter ist es, diesen Hilferuf zu lesen. Weil unsere Partei den Freifinnigen einen Bezirk abnehmen könnte, kennt dann die Sozialdemokratie in ihren Forderungen keine Grenzen mehr. Als ob unsere Genossen bisher ihre kommunalpolitische Tätigkeit da- nach eingerichtet hätte», ob ein Mitglied mehr oder weniger im Roten Hause fitzt. Nein! Wir wissen ja, daß infolge eines infamen Dreiklassenwahlrechtt, verbunden mit dem Hausbesitzerprivileg, der Geldsack im Roten Hause dominiert. Das wird auch nicht anders werden, wenn die gesamte dritte Abteilung der Sozialdemokratie ge- hört, wie wir das hoffen. Bestände für die Stadtverordneten- Versammlung das allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht, so Kommunale Ashlbewegung. Die öffentliche Wählcrversammlung für den 7. Kommunal- Wahlbezirk, welche am Mittwoch in Habels Saal in der Bergmannstraße statt- fand, war gut besucht. Landtagsabgeordueter Adolf Hoff- mann hatte das Referat übernommen. Seine Ausführungen gipfelten in einer ätzenden Kritik des Freisinns, namentlich in setner Abart des sogenannten Kommunalfreisinns, dessen Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung es nicht mal über sich ge- bracht habe, das geheime, gleiche und direkte Wahlrecht für die Kommunalwahlen zu fordern. Dieser Haltung unserer viel- gepriesenen freisinnigen Helden entspreche natürlich auch ihre Hai- lung in allen anderen Fragen, die zum Arbeitsgebiet der Stadt- verordnetenversanimlung gehörten. Redner zeigte das an einer Reihe von Beispielen aus dem Berliner kommunalen Leben, wobei er besonders das Versagen des Freisinns in sozialpolitischer Be- ziehung beleuchtete. Seit Jahrzehnten seien es einzig und allein die sozialdemokratischen Vertreter gewesen, die vorwärts drängten. In der Teuerungskommission sei man manchmal nur mit Mühe und Not und nur einer Stimme Mehrheit einen Scbritt vorwärts gekommen. Den privaten Profit nur gar nicht zu stören, darum sei es den liberalen Herren zu tun. In Arbciterangelegenheiten komme man ebenfalls nur stückweise vortvärts. Auch in der Frage der Arbeitslosenunterstützung sei Berlin zurück hinter anderen Städten, die doch wenigstens einen Anfang gemacht hätten. Hier zeige sich die ganze Hilflosigkeit des Freisinns. Welche Schäden die Fürsorgeerziehung aufwies, das habe kein anderer besser qe zeigt als der langjährige Vertreter des 7. Bezirks in der Stadt verordnctcnvcrsaimnlung, der Genosse Dr. Alfied Bernstein. Sein Verdienst sei es, wenn hierin einigermaßen Rcmedur geschaffen wäre. Nur auf einem Gebiete habe der Kommunalfreisinn Großes geleistet, auf dem Gebiete des Ueberpattiotismus. Nieder mit dem Komunalfieisinn! müsse der Kampfimf lauten. Und mit Ehre müßten wir den Kampf bestehen; mit größerer Stimmenzahl als das letzte Mal müsse Genosse Alfred Bernstein wiedergewählt werden.(Großer Beifall.) Genosse Dr. Alfred Bernstein nahm dann das Wort zu einer Ansprache. Auch er legte in eindringlichen Worte» dar, welche dringenden Ausgaben die sozialdemokratische Fraktion im roten Hause im steten Kampfe mit der freisinnigen Mehrheit zu erfüllen habe. Unter anderem erörterte er die Bestrebungen zur Verminderung der Säuglingssterblichkeit. Eine Ruhmestat hätten unsere Genossen vollbracht, indem ste auf diesem Gebiete im Rai hause den ersten Keim legten und eine Grundlage schufen zur Be kämpfung des infektiösen Darmkatarrhs. Hierbei erinnerte Redner an das segensreiche Austreten unseres verstorbenen Genossen Dr. Freudenberg. Mit besonderer Wärme behandelte Redner den Gegenstand seines eigenen brennendsten Interesses, die Erziehung der Fürsorgcpfleglinge. Er betonte, daß auch hier noch viel zu wirken sei. Denn wenn auch der Bveithaupt gekennzeichnet wäre, existierten doch noch viele kleine Breithaupts.— Viel Kleinarbeit, so schloß Redner, sei noch überall zu leisten; sie werde zum Segen gereichen, wenn sie im Sinne unserer großen Kulturideale geleistet werde.(Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende ermahnte dann noch die Versammelten, die -paar Tage bis zur Wahl tüchtig zu agitieren, damit Genosse Dr. Alfred Bernstein am Sormtagabend mit großer Stimmenzahl wiedergewählt sei.--- 32. Kommnimlwahlbezirk. Gciwsse Stadthagen referierte vor der nach den„Mila- Sälen" einberufenen gut besuchten Versammlung. Er begrüßte das Zusammengehen unserer Gegner als eine erfreuliche Tatsache, die bei keinem einen Zweifel über die Situation aufkommen läßt. Der Kommunalfreisinu habe sich stets als reaktionär, servil nach oben, brutal nach unten erwiesen. Deshalb fehle auch der ernste Wille zur Selbstverwaltung. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens, der Elektrizitätserzeugung usw� finde die Sozialdemokratie in ihrem Streben nach städtischer Regie beinahe unüberwindliche Schwierigkeiten, die ihre Wurzeln in den entgegenstehenden Profit- interessen der bürgerlichen Mehrheit habe. Auch sonst sei es lediglich der Tätigkeit der sozialdemokratischen Vertreter zuzuschreiben, wenn z. B. das Volksschulwesen einige Ver. bcsserungen gegen früher aufzuweisen hat. Unendlich viel bleibt noch zu tun; Herabminderung der Klassenfrequenz, Unentgeltlichketi der Lehr- und Lernmittel» Schulspeisungen und ähnliche dringende Forderungen sind noch unerfüllt. Beschämend sei die Rückgrat- losigkeit des Magistrats gegenüber der Forderung der Regierung, den Turnverein„Fichte" aus den städtischen Räumen zu exmittieren. Ebenso mutz die Brutalität gegeißelt werden, mit der die Armen- Verwaltung auf Grund des Nährpflichtigengesetzes vorgeht; hier fehle jede Spur eines Verständnisses der sozialen Zusammenhänge. Das gelte auch gegenüber der Behandlung der Arbeitslosenfürsorgc. Mit einer scharfen Herausarbeitung der prinzipiellen Bedeutung des Stadtvcrordnctcnwahlkampfes als eines Teiles des allgemeinen Klassenkampfes wandte sich der Redner zum Schluß, der in wuchti- gen, anfeuernden Worten ausklang. Dan ergriff der Kandidat, Genosse Leid, das Wort, um zu eifriger Arbeit anzuspornen. Eine Diskussion fand nicht statt. 44. Kommunalwahlbezirk. Die Kommunalivähler dieses Bezirks hatten sich zahlreich bei Franke, Badstraße, eingefunden, wo der Genosse Theodor Fischer ein anschauliches Bild des zirka 30jährigen Ärbeitens der Sozialdemokratie im roten Haufe gab. Wie lächerlich das Ge- rede der Gegner ist— die Sozialdemokratie stelle nur Anträge aus agitatorischen Gründen—, bewies Fischer an Hand reichhaltigen Materials. Mit ätzender Kritik zerpflückte er dann des Freisinns Sündenregister. Nie haben sich die„Freisinnigen" gemüßigt ge- fühlt, einer freisinnigen Regung stattzugeben. Im Gegenteil; denn noch heute gehört die Sladt der Intelligenz, Berlin, zu den 33 Proz. preußischer Städte, die den reaktionären Oberverwaltungsgerichts- spruch hochhalten, welcher bei noch zu zahlenden Krankenhauslosten den Verlust des Wahlrecht nach sich zieht. Wenn auch durch unsere Initiative auf dem Gebiete der Wohnungspolitik, der Schule usw. mancher Fortschritt zu verzeichnen ist, so bleibt doch noch Gewaltiges zu leisten übrig. Mehr zu erreichen, das sozialdemokratische Pro- gramm zu verwirklichen, das ist unser Zjcl.� Darum heißt es die Organisationen ausbauen und bei der am Sonntag stattfindenden Wahl durch erdrückende Stimmcnwucht den Bürgerlichen ein fühl- bares Menetekel einzubrennen.— Reicher Beifall lohnte die Aus- führungen Fischers. Welches Interesse haben die Jraue» an den Stadtverordneten- Wahlen? Mit diesem Thema hatte der 6. Wahlkreis am Mittwoch eine öffentliche Frauenversammluug nach„PuhlmannS Theater", Schön- hauser Allee 147, einberufen. Zahlreich waren die Frauen er- schienen, uni den Worten der Genossin Klara Wey! zu lauschen. Mit zwingender Logik und erschöpfender Sachkenntnis wies die Rednerin nach, warum die Frauen, und insbesondere die Arbeiter- fronen ihr regstes Interesse den kommenden Stadtverordnetenwahlen zuwenden müßten. Die mangelnde, unzureichende Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenwesens, der Wöchnerinnen- und Säuglings- pflege, der Heilstätten usw. bor reichlich Gelegenheit, Kritik zu üben und zu beweisen, loie überaus berechtigt die Forderungen der So- zialdcinokratie, wie sie sie in ihrem Kommunalprogramm auf- stellt, sind. Und wenn schon einiges besser geworden se! in den letzten Jahren, so nur infolge der rückhattlosen Kritik, des unermüdlichen, energischen Wirkens der sozialdemokratischen Vertreter. Diese sind jedoch in der Minderheit, um so mehr sei es Pflicht der Arbeiterfrauen, auch ihrerseits freudig mitzuarbeiten bei den kommenden Wahlen, zu agitieren und zu wirken, damit wenigstens die dritte Klasse bis auf den letzten Mann von Arbeitervertretern besetzt werde. Im Verlaufe ihrer Ausführungen ging die Redncrin auch auf die Schulfragc ein, deren eminent« Bedeutung sie an der Hand von olltäglichen Beispielen nachweisen konnte. Schulärzte, Schulpflege, Schulspeisung, alles Dinge, die sicherlich das brennendste Interesse der Proletarierinnen auslöse» müssen. Dasselbe trifft für die Wohnungsfrage zu und auch hier konnte die Referentin erschütternde und empörende Zustände den ZuHörerinnen vor- führen. Und dies alles in der großen, schönen, reichen Stadl Berlin! Hier sei es besonders nötig, radikale Besserung herbei- zuführen, was aber wieder bedinge, daß die Macht des Haus- bcsitzertums im Stadtparlament gebrochen werde. Eine durch- greisende Fürsarge für die Arbeitslosen, die weitgehendste Per- sorgung der Bevölkerung mit guten, preiswerten Lebensmitteln setze einen größeren Einfluß der sozialdemokratischen Vertreter voraus. Mit eindringlichen Worten an die Frauen, mitzuarbeiten und mitzuhelfen, schloß die Rednerin ihren inhaltreichen Vortrag unter dem allseitigen Beifall der Anwesenden. Eine Diskussion schloß sich nicht an das Referat. Nach einem anfeuernden Schlußwort der Vorsitzenden L o h s e war die Versammlung zu Ende. Warum aber vor der Tür ein uniformierter und im Saale ein geheimer Schutzmann postiert war, wird wohl ein Geheimnis der Polizei bleiben._ Partei- Angelegenheiten. Friedrichshagen. Am Sonntag, den 9. November, findet ein« Herrenpartie nach Grünheide statt. Treffpunkt früh 8 Uhr am Bahnhof. Für Nachzügler 19 Uhr in Woltersdorf, Restaurant Seehos. Reinickendorf- West. Am Sonntag, den 9. November, mittags 12Vz Uhr, treffen sich die Genossen zum Besuch der Wohlfahrts« ausstellung im Lokale von Hallmann, Scharnweberstr. 53. Adlershos. Heute Freitag, abend« 3'/„ Uhr, im Lokale von Ziege, BiSmarckstt. 19: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Kirche und Sozialdemokratie. Referent: Genoffe Emil Nnger. Alt« Glienicke. Heute Freitag: Wichtige Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus.— Sonntag, den 9. d. M., nachmittags L'/j Uhr: Oeffentliche Versammlung im Terrassen- Restauram, Rudower Str. 54. Tagesordnung:„Heraus aus der Landeskirche". Referent: Genoffe Emil Unger-Berlin. Borsigwalde-Wittenau. Sonntag, den 9. November 1913, findet in den Borsigwalder Festsälen, Conradstraße(Ecke Spandauer Straße) eine Juflendschriften- und WandschmnckauSstellung statt. Dieselbe ist geöffnet von mittags 12 bis abends 6 Uhr. An- schließend daran: Oeffentliche Versammlung mit der Tagesordnung: Jugendschristen und Wandschmuck im proletarischen Heim." berliner Nadmcbten. Vom russischen Meisch. Das von der Stadt Berlin eingeführte russische Fleisch erobert sich immer mehr die Gunst des Publikums. Der Absatz hat sich in den letzten Tagen um durchschnittlich 50 Proz. gc steigert. Da jetzt dem Warschauer Viehmarkt die für Berliner Verhältniffe geeigneten Viehsorten zugeführt werden, sind die dorttgen Berliner Vertreter in der Lage, von Markt zu Martt immer günstiger einzukaufen. Die jüngst eingetroffenen Ochsen und Schweine sind von guter Qualität/ es kann daher den Käufern tadelloses Fleisch geliefert werden. Seit der Eröss- nung des Verkaufs sind in der städtischen Ausgabestelle auf dem Schlachthof bis heute rund 2000 Ochsenviertel und 1100 ganze Schweine an die städtischen Verkäufer abgegeben worden. Bei der guten Qualität und den billigen Verkaufspreisen ist auf eine weitere erhebliche Steigerung des Umsatzes zu rechnen._ Die Einäscherung des verstorbenen Genossen Wilhelm Schröder findet heute Freitag nachmittags 3 Uhr im Kre- matorium Hamburg-OHIsdorf statt. Die Adresse der Familie ist Hotel Gcwerkschaftshaus. Ter Leichenfund au der Waisenbrücke aufgeklärt. Schneller als man geglaubt, ist die Persönlichkeit der ermordeten ssfrau, deren Leiche man am Dienstag an der Waisenbrücke landete, festgestellt worden. Die Ermordete ist die im Jahre 1883 geborene Frida Gerhardt, die im Hause Prinz-Handjerh-Stratze 39 in Neukölln bei ihrem Bräutigam, dem Schlosser Julius Hodske wohnte. Beide lebten bereits seit sechs Jahren zusammen und diesem Verhältnis waren zw-- Kinder entsprossen, von denen das eine aber bald nach der Geburt gestorben ist, das andere sich in Eberswalde in Pflege befindet. Di« Gerlach stand unter sittenpolizeilicher Kon- trolle und war in Prostituiertenkreisen bekannt. Aus diesen Kreisen haben sich auch die Zeugen gemeldet, mit Hilfe deren die Jdentifi- zierung der Toten möglich wurde. Der Bräutigam ist seit 3 Wocheu krank und ernährte sich in letzter Zeit durch Herstellung von Holz- brandmalerei. Nach seinen Angaben hat sich die Gerlach in der Nacht vom 26. zum 27. Oktober, also vom Sonntag zum Montag, aus der Wohnung entfernt; sie ist hierauf nicht mehr zurückgekehrt. Ein Zeuge will die Gerhardt schon am Sonntag, den 26. Oktober, abends um 10 Uhr, in der Prinz-Handjery-Stratze gesehen haben. Möglich ist das. Denn eS ist nicht ausgeschlossen, daß siez nachdem ihr Geliebter eingeschlafen war, bald ausgegangen ist. Es liegt nun nach wie vor daran, gerade darüber Aufklärung zu bekommen, wo das Mädchen gleich nach jener Zeit und in den nächsten Tagen gesehen worden ist. Nach dem Gutachten der Aerzte, die den Oberkörper ob- duzierten, kann dieser S bis 6 Tage im Wasser gelegen haben. Die Tötung kann nach dem Befund der inneren Organe auch kaum viel länger zurückliegen. Hiernach müßte das Mädchen seit Verlassen der Wohnung noch etwa acht Tage gelebt haben, wenn sich das ja auf den Tag nicht sagen läßt. Aufklärung über den Verbleib während dieser Zeit wird nur mit Hilfe des Publikums geschaffen werden >. können. Die Suche nach dem Mörder. Nachdem es gelungen ist, die Persönlichkeit der Toten festzustellen, hat die Kriminalpolizei umfangreiche Ermittelungen eingeleitet, um möglicherweise dein Mörder auf die Spur zu kommen und das Verbrechen aufzuklären. Durch Umfragen bei Prostituierten und Zuhältern,. die mit der G. bekaniff waren, soll festgestellt werden, wann und wo sie zuletzt gesehen worden ist, und ob sie sich in Be- gleitung eines Mannes befand. Ihrem Gewerbe ging sie meistens auf den Neuköllner Laubertgeländcn nach, begleitete auch häufig Männer in deren Wohnungen. Bei einem derartigen Besuch dürfte sie er- mordet worden sein. Es wird berichtet, daß sie die Gelegenheit benutzte, in fremden Wohnungen Diebstähle auszuführen und ist auch wegen solcher mehrfach bestraft worden. Vielleicht ist sie bei einem Diebstahl ertappt worden und mit dem Bestohlenen in Streit geraten. Die Durchsuchung der Wohnung des Hodske hat '- nichts zutage gefördert, was einen Anhalt für die Verfolgung hätte geben können. Zurzeit ist ein Heer von Beamten mit der Absuchung der in Frage kommenden Gelände in Neukölln beschäftigt. Zu dem Lcichenfund wird uns weiter berichtet, daß es bisher nur gelungen ist, mit Bestimmtheit festzustellen, daß die Gerhardt zuletzt am Sonntag, den 26. v. M., abends um 19 Uhr gesehen worden ist. Sie trug zu dieser Zeit einen kleinen, schwarzen, weichen Strohhut mit einer schwarzen, flach aufgelegten Straußen- fedcr und einer kleinen Ripch'chleife hinten. Befestigt war der Hut mit zwei Nadeln, deren eine einen Glasknops hatte. Ueber den beiden beschriebenen Blusen trug sie ein halblanges schwarzes Jackett mit zwei Scitentaschen, das zweireihig war, sechs bis acht Knöpfe hatte und außerdem an den Aermeln mit Knöpfen versehen war. Unter einem langen grauen Rock, der hinten und vorn mit Knöpfen verziert war, hatte sie einen blauen Tuchrock und einen weißen Barchendrock. Ihre Strümpfe waren ebenso wie die Schuhe schwarz. Letztcrc hatten Lackkappen und waren schon stark abgelaufen. Ihre nächtlichen Rundgänge pflegte sie an verschic- denen Stellen zu machen. So fuhr sie zuweilen nach dem Ma- riannenplatz, wo sie dann durch die Prinzen,-, Neander- und Brückenstraße sowie dem Brandenburger Ufer entlang ging. Dann fuhr sie auch nach dem Kottbuser Damm hinaus und ging hier durch die Friedelstraße und in der Nähe des Herinannplatzes um- her.?luch den Görlitzer Bahnhof besuchte sie, wo sie dann vor- nehmlich die Wiener Straße durchstreifte. Nach diese» Fest siel. lungen wurden noch am gestrigen Abend viele Beamte dorthin entsandt, um in den Lokalen dieser Gegend und an anderen Stellen Nachforschungen anzustellen. Bei den Ermittelungen der Kriminalpolizei kommt es hauptsächlich jetzt zunächst auf drei Fest- stellungey an uno zwar: 1. Den Tatort ausfindig zu machen, 2. die Zeit der Ausführung zu ermitteln und 3. den. Verbleib des Unterkörpers. Wann werden die Wahlen des Ausschusses für die Allgemeine Ortskrankenkasse des Kreises Niederbarnim vorgenommen'i Laut Bekanntmachung vom 22. Juli 1913.Arbeiterversorguna" Nr. 27 Seite 636 Abs. b des Ministers für Handel und Gewerbe sollen die Wahlen zu den Organen der Kassen so beschleunigt werden, daß am 1. Januar 1914 diese ihre Funktionen ausführen können. Diese Bekanntmachung scheint aber für das Versicherungsamt Nieder- barnim nicht zu existieren. Nachdem bis zum 16. September er. die Wählerlisten eingereicht wurden, auch vor Woche» bereits im Kreis- tage die Beratung der Satzungen stattgefunden hatte, mußte man annehmen, daß nun so schnell wie möglich die Wahlen ausgeschrieben würden; aber weit gefehlt. Allerorten ist man eifrig bei der Arbeit, um sich mit der neuen Materie zu beschäftigen, die Kassenorgane sind bereits vorhanden, nur im Kreise Niederbarnim herrscht eine bewundernswerte Ruhe. Ist es doch bei Jnnehaltung der Fristen ganz unmöglich, daß der Vorstand vor Anfang Februar 1914 seine Funktionen übernehmen kann. Derartige Verschleppungen müssen aber den Anschein erwecken, als ob absichtlich die künftigen Kasienmitglieder in ihrem Selbst� verwaltungsrecht erheblich beeinträchtigt werden sollen, da bekanntlich das Versicherungsamt solange die Funktionen des Vorstandes über- nimmt, bis der Vorstand gewählt ist. Wäre es nicht überhaupt schon angebracht gewesen, die wichtigsten Teile des Statuts öffentlich bekannt zu geben, damit Arbeitgeber wie Versicherte sich frühzeitig über ihre Pflichten und Rechte informieren können und dadurch den Geschäftsgang erleichtern helfen? Alle zurzeit im Kreise vorhandenen Ortskranlen- lassen, bis auf zwei, werden am 31. Dezember d. IS. geschloffen, olle Verträge sind daher gekündigt, von Verhandlungen über Ab- schlug neuer Verträge hat man jedoch bis heute noch nichts gehört. Welches Arztsystem wird die neue Kasse haben? Was geschieht mit den jetzigen Angestellten? Herrscht doch gerade unter den letzteren infolge der Unsicherheit über ihre fernere Zukunft eme ziemliche Erregtheit. ES ist hohe Zeit, daß endlich daS VersicherungSamt Niederbarnim den ihm durch Gesetz übertragenen Pflichten nachkommt. Die Verlegung der Großmarkthalle für Obst und Gemüse nach dem Terrain am Bahnhof Beuffelstraße ist vom Ausschuß mit großer Mehrheit angenommen. In drei langen Sitzungen, welchen auch der Oberbürgermeister beiwohnte, wurde daS Für und Wider der Ver- legung gerade nach diesem Terrain erörtert. Da dem Ausschuß einige dreißig Projekte zur Begutachtung vorgelegt wurden, war die Wahl nicht allzuleicht. Es wurde vou vornherein Wert darauf gelegt, die Halle nur auf Berliner Terrain zu errichten; infolgedessen fanden die Angebote am Teltowkanal, in Plötzensee, Reinickendorf, Pankow, Rummelsburg usw. keinerlei Berücksichtigung. Wesentlich in Be- trackit kamen außer dem Terrain an der Beuffelstraße nur noch der Besitz der Stadt an der Kniprodestraße. welcher schon lange für die Großhalle erworben war, und das Terrain des ehemaligen JohannesstiflS, welches für den Westhafen bestimmt ist. Das Terrain an der Kniprodestraße wurde abgelehnt, weil bereits größere Teile für den Straßenbahnhof verwendet waren, vom Polizei- Präsidenten auch die Aufstellung des gesamten Wagenverkehrs auf dem Terrain gefordert wurde, auck der Eisenbahnanschluß 69 069 Ouadratmeter erforderte. Unter diesen Umständen reicht das Terrain nicht aus. Ebenso lagen die Verhältnisse für das Terrain des Westbafens, für welches einige Milglieder des Ausschusses eintraten. Hier bleiben nach Errichtung des Hafens immer noch 80 000 Quadratmeter übrig, die nach Ansicht der Befürworter des Platzes für die Markthalle ausreichen müßten. Von den Magistratsvertretern Geheimrat Krause und Stadtrat Berndt ivurde nachgewiesen, daß für den Eisenbahnanschluß allein 70 000 Ouadratmeier gebraucht würden und daß die Eisenbahn- direktion unter keinen Umständen den Anschluß nach dem Lehrter Güterbahnhof genehmigen würde. Der Anschluß nach Bahnhof Charlottenburg aber zwinge uns, über das jetzt anzukaufende Terrain zu gehen und würde somit sehr hohe Kosten verursarben. Von unseren Genoffen wurde noch betont, daß sowohl für den West- Hafen als auch für die Großmarkthalle genügend Terrain reserviert werden müsse, um beiden Anlagen eine weitere Ausdehnung zu ermöglichen; dies sei aber unmöglich, wenn beide auf dem Terrain des JohanncSstiftes ausgeführt würden. Nachdem noch bekanntgegeben wurde, daß die Aktiengesellschaft Berlin-Nord den Preis um 40 M. pro Ouadratrute ermäßigt habe, wurde beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung den Ankauf der TerrainS der Bodengesellschaft Berlin-Nord, des Rheinisch- West- fälischen Kohlensyndikats und der Firma Kupfer u. Co. zu den an- gebotenen Preisen zu empfehlen, gegen die Firma Gebauer jodoch das Enteignungsverfahren einzuleiten. Da die Stadtverordnetenversammlung dem Beschluß des Ausschusses zweifellos beitreten wird, ist für die so notwenvige Verlegung des Großmarktes endlich eine der Stadt würdige Lösung gefunden. Sowohl die Fleischgroßballe an der Landsberger Allee als auch die Errichtung der Obst- und Gemüsehalle an der Beuffelstraße lassen jede notwendige Erweiterung zu. Namentlich der große Eisenbahn- anschluß, der eine gleichzeitige Entladung von 160 Waggons zuläßt und auch die Wasierfront in einer Länge von 1260 Meter bieten die Gewähr dafür, daß für die billige Zufuhr der notwendigen Lebens- mittel alle Maßnahmen getroffen sind. Einen Kampf zwischen Einbrecher» und Wächtern gab es in der Nacht zu gestern auf dem Grundstück Spenerstr. 4. Dort hat die Bauanstalt für Näh- und Schreibmaschinen von Hammann u. Funke in einem Hofgebände eine Niederlage mit Kontorräumen. Einen Laden im Erdgeschoß an der Straße benutzt sie, um ihre Erzeug- nisse auszustellen. Auf die Maschinen, die dort standen, hatten es zwei Einbrecher abgesehen. Sie öffneten gegen Mitternacht die Ladentür an der Straße und einer hatte bereits eine Näh- niaschine auf die Schulter genommen, um sie wegzutragen, als ein Wächter der Berliner Wach- und Schließgesellschafl dazukam. Dieser hielt den Mann sofort an, als er mir seiner Last auf die Straße kam. Der Einbrecher warf dem Wächter, um ihn an der Festnahme zu verhindern, die Maschine vor die Füße, so daß sie in Stücke ging. ES gelang aber dem Wächter trotzdem, ihn zu fassen. Jetzt sprang der Schmieresteher aus der Türnifche des gegenüber- liegende» Hauses hervor und stürzte sich auf den Wächter, um seinen Spießgesellen zu befreien. Zum Glück traf nunmehr ein zweiter Wächter ein, der die beiden Einbrecher in Schach hielt, bis auch Vorübergehende eingriffen und die Gefaßten nach der Wache brachten. Größere Zelte auf Rummelplätze» als genebmigungs- Pflichtige bauliche Anlage. Der Berliner Polizeipräsident hatte von F., dem Direktor eines Kinematographen-Theaters, durch Verfügung verlangt, er solle seine auf einem sogenannten Rummelplatz errichteten Zelte abbrechen, weil die baupolizeiliche Genehmigung fehle.— F. beschwerte sich beim Oberpräsidenten und machte unter anderem geltend, es sei überhaupt keine baupolizeiliche Genehmigung erforderlick. Der Oberpräsident verwarf die Beschwerde und führte aus: Die beiden Zelte seien als„Baulichkeiten" im. Sinne der Baupolizei- Verordnung anzusehen. Für die Erfüllung des Begriffs der bau- lichen Anlage sei eine feste Verbindung mit dem Erdboden nicht erforderlich. Es genüge, wenn die fragliche Anlage un- beweglich, das heißt zum Fortschaffen in ihrer Gesamt- heit nicht geeignet sei. So lägen die Dinge hier. Es sei die baupolizeiliche Genehmigung erforderlich gewesen, denn es käme die Ausnahmebestimmung für„kleine Anlagen" nicht in Frage, weil es sich hier um eine Baulichkeit von größerer wirtschaftlicher Be- deulung handele. Die Verfügung des Polizeipräsidenten sei somit gerechtfertigt. Das Oberverwaltungsgericht billigte den Bescheid des Ober- Präsidenten, indem es die dagegen gerichtete Klage des Beschwerde- führers abwies. Im Berliner Aquarium sind jetzt alle drei existierenden Arten von elektrischen Fischen zu sehen. Bekanntlich vorsetzen diese Fisch- arten ihren Gegnern recht spürbare elektrische Schläge. In der See- Wasserabteilung im Erdgeschoß ist der Zitterroche in vier Exemplaren untergebracht. Er ist ein Küstenbewohner und vergräbt sich gern im Sande. Im ersten Stock erblickt man den brasilianischen Zitteraal, einen aU Meter langen Burschen, dessen Schläge recht gefährlich werden können und von Mensch und Tier bei Flußübergäiigen gefürchtet werden. Er ist, wie bemerkt sei, imstande, den Arm eines Menschen durch seinen Schlag ganz wehrlos zu machen. In seiner Nachbarschaft befindet sich der afrikanische Zitterwels in einem recht stattlichen Exemplar, der als Elektriker gleichfalls sich sehr erfolgreich seiner Haut zu wehren versteht. Die Antialkoholausstellung des Arbeiter- Abstinentenbundes, Aktionsausschuß Groß-Berlin, im Gewerkschaftshause, Engelufer 16, erfreut sich eines regen Besuches seitens der Berliner Arbeiterschaft. Bedauerlicherweise wird die Ausstellung am Sonnlag, den 9. November, abends 9 Uhr geschlossen, da die Räume für eine andere Veranstaltung frei gemacht werden müssen. Es kann daher nur empfohlen iverden, die Ausstellung baldigst zu besuchen, um so mehr, als der Eintritt frei ist. Besuchszeit von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Berlmer Söngcrchor. Der vor neun Wochen ins Leben getretene Verein(ca. 200 Sänger) veranstaltet am Sonntag, den 9. November, in der Brauerei Friedrichshain ein großzügig angelegtes Konzert. Zum Vortrag gelangen u. a.„Sieg der Freude" und„Erntelied" unter Mitwirkung des„Berliner Konzerthaus-Orchesters"; außerdem Chöre von Hegar, Kann, Thuille usw. Da der Eintrittspreis in Anbetracht des Gebotenen ein mäßiger ist, werden die Besucher auf ihre Rechnung kommen.(Siehe heutiges Inserat.) Zwei größere Brände beschäftigten die Feuerwehr in der letzten Nacht in der Kraut st r. 36 und in der Swinemünder Straße 73. An der ersten Stelle stand ein Stallgebäude und an der zweiten ein Keller mit Vorräten an Stroh und Holzwolle in Flammen. Hier wie dort mußte längere Zeit Waffer gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. In der Swinemünder Straße wurden die Löscharbeiten durch eine starke Rauchentwicklung sehr er- schwert. Erst als ein Rauchschutzopparat in Benutzung genommen wurde, konnte wirksam gegen den Brandherd vorgegangen werden. — Ein böswilliger Alarm führte die Feuerwehr nach derRüderS- dorfer Str. 63. Der Täter, der den Melder unbefugterweise ge- zogen hatte, ist leider entkommen. Das Automobilunglück bei Königs-Wusterhausen, über das wir in unserer Donnerstagnummer berichteten, ist glücklicherweise nicht so gefährlich verlaufen, wie es uns dargestellt wurde. Wie wir nach- träglich erfahren, ist weder der Chauffeur, noch sein Begleiter ver- letzt worden, beide kamen vielmehr mit dem Schrecken davon. Von dem Automobil ist ebenfalls nur das Vorderteil durch den Borortzug beschädigt worden. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Berlin, 6. November. Am 21. Oktober 1913 ist in Geltow bei Potsdam die Leiche eines unbekannten, etwa 40 Jahre alten Mannes aufgefunden worden, dessen Persönlichkeit bisher nicht festgestellt werden konnte. Der Tote ist etwa 1,69 Meter groß, mittelstark, schlecht genährt, hat kurzes, dunkelblondes, etwas meliertes Haar, etwas helleren Schnurr- bart, graumelierten, kurz geschorenen Kinnbart, vollständige, aber schlechte Zähne, an der rechten Halsseite eine haselnußgroße Grütz- beutelgeschwulst. Belleidet war er mit graugestreifter Hose und Weste, grauweißem, blaugestreistem Hemde, grauer Mütze und gut- erhaltenen Schnürschuhen. Nachrichten über die Persönlichkeit des Toten erbittet die Kriminalpolizei. Zimmer 349, zu 4461. IV. 5. 13.; auch nimmt jedes Polizeirevier Mitteilungen entgegen. Vorort- J�admcbron Charlotteuburg. Der Vcrwaltungsbericht der Stadt Charlottenburg für das Rechnungsjahr 1912 ist als erster von den Groß-Berliner Berichten soeben vom Statistischen Amt herausgegeben. Das Fahr 1912 war für die Stadt Charlottenburg von besonderer Bedeutung durch den Tod des Oberbürgermeisters Schustehrus und den Weggang des Bürgermeisters Matting. Von wichtigeren Ereignissen sei besonders die Eröffnung des Deutschen Opernhauses hervorgehoben. Der Bericht enthält eine ausführliche Darstellung der inneren Gestaltung und des äußeren Ausbaus der Gesamtanlage des neuen Theaters mit zahlreichen den Text erläuternden Illustrationen. Im übrigen gewährt der Bericht einen übersichtlichen und interessanten Einblick in die gesamten städtischen Verhältnisse Charlottenburgs. Wilmersdorf. Die hiesige Ortskrankenkasse nahm in ihrer Generalversammlung zu einigen Aenderungen des neuen Statuts Stellung, die vom Ober- Versicherungsamt vorgeschlagen waren. Im§34 wurde das Sterbe- geld der Ehegatten auf zwei Drittel, der Kinder unter fünf Jahre auf ein Drittel und der Kinder über fünf Jahre auf die Hälfte des dem Versicherten zustehenden Sterbegeldes festgesetzt.§ 53 er- fuhr einige Streichungen. In der veränderten Form heißt es u. a.: „Die Beiträge sind wöchentlich vom Arbeitgeber einzuzahlen. Der Vor- stand ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Beiträge abholen zulassen." § 61 setzt in der nunmehr veränderten Form die Beiträge für un- ständig Beschäftigte nur auf 3� Proz. des Ortslohnes fest. Dafür erhalten sie bloß die Regelleistungen. Im§ 79 wurde festgelegt, daß Arbeitgeber, die nur einen Versicherungspflichtigen be- schäftigen, nur eine Stimme führen. Diese Statutenänderungen wurden einstimmig angenommen. Dann schritt die General- Versammlung zur Wahl einer dreigliedrigen Rechnungs« prüfungs-Kommission. Dabei verlangte der Arbeit- gebcrvertreter Herr L a u ck, daß an ihrer Stelle ein vereidigter Bücherrevisor mit der Kassenrevision betraut werde, und zwar sollte dieser noch im laufenden Jahre die Revision vornehmen, weil möglicherweise im neuen Vorstand ganz neue Personen säßen. Der Vorsitzende L ü b s e n verwahrte deu Borstand gegen das im Antrag enihaliene, unberechtigte Mißtrauen und wies auf das Ungesetzliche des Antrages hin. Der Antrag wurde einstimmig abgelehnt. Unter Verschiedenem wurde in eine Besprechung des Geschäfts- berichts für 1912 eingetreten. Hier hatte Herr Lauck einige Monikas an den Ausgaben der Kasse. GenosseRiedel wiesdiese als unberechtigt zurück. Lauck habe übrigens jahrelang dem Vorstand angehört und müsse die VerbuchungSart der einzelnen Posten kennen. Alsdann gab Herr L ü b s e n eine Uebersicht über das Geschäftsjahr 1913. Die Mit- gliederzahl ist auf rund 15 600 gestiegen. Durch die vorgenommene Beitragserhöhung war das Finanzgebahren ein außerordentlich günstiges. Es kann ein Teil des aufgenommenen Darlehns zurück- gelegt werden. Am 1. Oktober d. I. war die zweite Hypothek von 40 000 M. fällig. Auf dem Darlehnswege war sie nicht zu erhalten. Das Oberversicherungsamt erteilte dann die Genehmigung, die Summe dem Reservefonds zu entnehmen. Das Geld konnte aber aus laufenden Mitteln ausgebracht werden. Das Vermögen besteht aus dem auf dem Hause stehenden Gelde, dem Anteil an dem Genesungsheim Großbesten, dem Inventar in den Kassenräumen und der Zahnklinik und 22 860 M. Barmittel. Lübsen schätzte dann die noch bevorstehenden Einnahmen bis zum Jahresschluß auf 176 060 M.. die Ausgaben auf 160 006 M.. so daß voraussichtlich etwa 26666�26 600 M. dem Reservefonds überwiesen werden können. Da die Gemeinsame Ortskrankenkasse mit Beginn des neuen Jahres in eine„Allgemeine Ortskrankenkasse" umgewandelt wird, scheiden am Jahresschluß 1200 bis 1406 Mitglieder von Schmargendorf und Grunewald aus. Die im Mai dieses Jahres erricktete Zahnklinik sei ein Zankapfel gewesen. An Vergleichszahlen wies der Redner nach, daß die Klinik schon jetzt 260 M. lleberschuß gebracht habe. Das Institut sei nicht nur ein Vorteil für die Kasse, sondern in erster Linie für die Mitglieder. Die Zahnärzte würden durch ihre Geschäftspraktiken aus diesen 4660 M. mehr herausgeholt haben, als was die Kasse zu bezahlen gehabt hätte. Diese Ausführungen wurden von Riedel und Engelhardt noch ergänzt. Zum Sckluß gab Lübsen noch einen Ueberblick über die Eniwickelung der 1894 gegründeten Kasse. Als besonderes Merkmal weise sie ein ständiges Steigen der Beiträge auf. 1894 betrug der Beitrag 1. Klasse 66 Pf.. heute 1,20 M. und vom 1. Januar 1914 ab voraussictitlich 1,83 M. Das sei nicht auf Mißwirtschast, sondern auf die Steigerung des Grundlohnes und der immer höher ge- schraubten Leistungen der Kasse zurückzuführen. Lichterselde. Der Gcmeindcvorstand hat in jüngster Zeit zwei Mitglieder, die Gemeindeschöffcn Rudolf und Weber, durch Tod bezw. Wegzug ver- loren. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurden diese beiden Posten wieder besetzt durch die Wahl des Gcmeindeverlreters Rentier Sperle und des Gemeindebaumeisters T i e tz e n. Selbst in bürger- lichen Kreisen wird man dieser Wahl mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehen. Eine Gemeinde von solcher Ernwickelungsmöglich- feit und Größe wie Lickiterfelde, beeinflußt von allen wirtschaftlichen Verhältnissen Groß-Berlins und gleichzeitig bedrängt von der Kon- kurrenz der übrigen westlichen Vororte, verlangt für seine Verwaltung Männer von Initiative und Weitblick. Nach dem bis jetzig vor- liegenden Ergebnis der praktischen kommunalpolitischen Tätig- keit der beiden neuen Schöffen erscheint es unseres Erachtens aller- dings zweifelhaft, ob die Gemeinde in ihnen diejenigen Kräfte ge- funden hat, die sie braucht zur Durchführung der sich häufenden neuen und komplizierten Ausgaben. Wir denken �dabei im Augenblick nicht einmal an das Gebiet der sozialen Tätigkeit der Gemeinde, auf dem bekanntlich die Gemeindevertretung Lichterfelde in ihrer heutigen Zusammensetzung eine Pflicht überhaupt nicht anerkennt. In dieser Beziehung wird sie sicherlich von den beiden oben erwähnten Vor- standömitgliedern gewissenhaft unterstützt werden. Mögen nun recht erhebliche Zweifel bestehen, ob die beiden neuen Männer auch auf dem rechten Posten stehen, so tröstet uns doch andererseits wenigstens die eine Sicherheit, daß sie wenigstens durch den Landrat bestätigt werden. Als Ver- lreter der Gemeinde im Zweckverband wurde der Schöffe Dr. L e n g n e r gewählt. Die stelle des Gemeindevorstehers, dessen Gehalt zwischen 12— 14000 M. festgesetzt werden soll, wird auf Beschlutz ausgeschrieben und zur Sichtung der einlaufenden Offerten wurde eine Kommission gewählt. Der Referent Gemeindevertreier D i t t r i ch gab bekannt, datz die Gemeindevertretung die Absicht gehabt habe, den Schöffen Lange, der sich besondere Verdienste um die Gemeinde erwarb, zum Gemeindevorsteher zu wählen? Lange habe jedoch abgelehnt und diese Ablehnung mit Gründen motiviert, die als berechtigt anerkannt werden mutzten.— Der notwendige Erweiterungsbau des Rathauses soll nunmehr zur Ausführung gelangen. Die Kosten mit 273 000 M. wurden bewilligt mit der Matzgabe, datz die neuen Räume längstens zum Oktober 1314 bezogen werden können. Zugestimmt wurde den Abänderungs- Vorschlägen zur Gemeinde-Umsatzsteuer, um den Grundstücksschiebern, die unermüdlich sind in der Erfindung neuer Tricks zur Umgehung der Umsatzsteuer, das Handwerk zu legen. Auf der Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung stand auch eine Interpellation der Gemeindevertreter Geldermann und Gen. über die Matznahmen zurBeschleuni- gung der Arbeiten am Bahnhof O st und ferner darüber, welche Matznahmen vom Gemeindevorstand gegen die. Verschiebung der Achse der Unterführung gegen die Stratzenachse getroffen worden sind. Wieso diese Angelegenheit, die eminent öffentlicher Natur ist, in den geheimen Teil der Sitzung verschoben werden konnte, ist unbegreiflich. Diese„Vorsicht" wird nur verständlich durch die Talfache, datz der Gemeindevorstand mit Recht annehmen mochte, bei einer öffentlichen Besprechung der Sache keine Lor- beeren zu ernten und datz dabei auch die Allgemeinheit auf die dem Eingeweihten längst bekannte Zerfahrenheit und Disharmonie inner- halb der Gemeindeverwaltung aufmerksam werden könnte. G.-V. Geldermann stellte den Antrag aus Beratung in öffentlicher Sitzung, der Annahme fand. Er schilderte dann die Mitzstände und schweren Unzulänglichkeiten, die das langsame Fortschreiten des Bahnumbaues für den Verkehr mit sich bringe und verlangte energische Schritte des Gemeindevorstandes, um den Eisenbahn- fiskus zur Beschleunigung der Arbeiten zu veranlassen. Gemeiudevertreter K r ü l l s ging auf den zweiten Teil der Jnter- pellation ein. Die Verschiebung der Unterführung gegen die Slratzen- achse habe sich erst gezeigt, nachdem der Bauzaun gefallen war; die hohe Betonwand rage erheblich über die Strahenfluchtlinie binaus; die ganze Anlage schaffe einen unangenehmen und unerwünschten Anblick. Die Eiscnbahnbehörde stütze sich auf den landespolizeilich genehmigten Plan; das Bauamt habe leider die Interessen der Ge- meinde nicht gewahrt und es unterlassen, auf die Pläne zu achten und rechtzeitig Einspruch zu erheben. Gemeindebaurat T i e tz e n bestritt das Verschulden des Bau- amts, konnte jedoch keinen plausiblen Grund angeben, warum das Bauamr bezw. der Gemeindevorstand gegen den öffentlich aus- gelegten Plan keinen Einspruch erhoben. Nach längerer Diskussion, in der wiederholt auf das„gute Zusammenarbeiten" und„die glänzende Beratung" der Gemeinde ironisch angespielt wurde, kam ein Beschlutz zustande, wegen der zu ergreifenden Schritte beim Eisenbahnfiskus behufs Beschleunigung des Bahnhofumbaues in nicht öffentlicher Sitzung weiter zu beraten.— Wenn die Gemeindevertretung schon vorher durch den Herrn Gemeindebaurat »so glänzend beraten" war, warum hat sie ihn dann nachher noch zum Schöffen erkürt? Neukölln. Sonntag, den 9. November, veranstaltet der SpielauSschuh einen Ausflug für Kinder über 8 Jahre nach Adlershof zu Wöllstein. Treffpunkt vormittags 11 Uhr am Ringbahnhof Neukölln. Für Fahr- geld und Kaffeekochen sind 30 Pf. mitzubringen; autzerdem werden die Eltern gebeten, den Kindern etwas gemahlenen Kaffee mit- zugeben.— Mittwoch, den 12. November, nachmittags S Uhr, findet wieder «ine Märchenvorlesung bei Bartsch, Hermannstr. 43, statt. Eintritt frei. Es wird ersucht, nur schulpflichtige Kinder zu schicken. Um recht rege Beteiligung ersucht der Ausschutz. Rernikkendori. Die„Deutsche Fleischerzeitung", das Organ der JnnungSproyen, sucht in einer ebenso täppischen wie dreisten Art unsere in der Dienslagsnummer veröffentlichte Kennzeichnung der hiesigen JnnungS- krauter, die sich weigern den russischen Fleischverkauf zu übernehmen, als das Produkt ungesitteter Menschen hinzustellen. Das Blatt geht zwar nicht auf den Inhalt der Notiz ein, nicht auf das egoistische Gebahren einer kleinen Berufsgruppe gegenüber der breiten Masse der Bevölkerung, sondern hculmeiert über den angeblich rüden Ton der Notiz, die übrigens noch von einer schlechten Schulbildung des Verfassers Zeugnis ablegen soll. Eine solche, von keinerlei Objckti- vilät getrübte Epistel der„Flcischerzeitung" rührt uns nicht. Für sie sowohl als auch für ihre Jnnungskrauter, deren einseitige Interessen die.Fleischerzeitung" ja nur wahrnimmt, war unsere Notiz nicht geschrieben. Uns kam es lediglich darauf an, der Be- völkerung zu zeigen, wie die Fleischerinnung eine von der Gemeinde- Verwaltung geplante Notstandsaklion in einseitigem Interesse zu vereiteln sucht. KLeiffeusee. Wie soll der diesjährige Fleischverkauf geregelt werden? Diese Frage wurde in zwei Sitzungen der Wohlfahriskommiision be- sprochen. Der russische Fleischverkauf im vorigen Jahre durch ein- zelne Ladenschlächter hat nicht befriedigt und man wollte auch nicht wieder mit Berlin paktieren. Angeblich will man von Berlin nicht die Ware erhallen haben, die man erwünscht hatte. In diesem Jahre hallen die Ladcnschlächter den Verkauf russischen Fleisches abgelehnt; zwei Marktschlächter wollen den Verkauf übernehmen. Der von unseren Genossen geäutzerte Wunsch, eine eigene Verkaufsstelle zu errichten, fand seine Erledigung darin, datz die Kommission eine Be- sichtigung der städtischen Verkaufsstelle in Wilmersdorf vornahm. Hierauf erhoben die bürgerlichen Herren so viel Einwendungen, datz von vornherein nicht damit gerechnet werden konnte, eine ständige Fleischverkaufshalle einzurichten. Den hier bestehenden 40 Laden- schlächtern, so sagte man. dürfe keine Konkurrenz gemacht werden. Der Antrag wurde gegen die zwei Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Als letztes Mittel blieb noch ddr russische Fleischverkauf mit Hilfe von Berlin übrig. Es soll nun in der Gegend des Antonplatzes ein Laden geniielet und der Verkauf in eigene Regie übernommen werden. Die heute, Freitag, stattfindende Gcmeindcverlretersitznng soll zu diesem Zweck 3000 M. bewilligen. Es ist jedoch nicht ansgeschlossen, datz der ganze Plan wieder vernichtet wird, denn erst nach langer Debatte entschlossen sich die Kommissionsmitglicder, unseren Wünschen zu folgen. In der vorigen Saison brachte der russische Fleischverkauf einen Ueberschutz von 240 M., die an Berlin zu zahlenden Unkosten betrugen 750 M., so datz die Gemeinde eine Unlerbilanz von an- nähernd 500 M. hatte. Der ständige Scefischverkauf findet bei dem Fischhändler Reimann, Langhansstr. 143, zu den von der Gemeinde festgesetzten Preisen statt. Britz. Die zweite Männerabteilung der„Freien Turnerschaft Neukölln- Britz" feiert am Sonnabend, den 8. November, das 25. Stifl.ings- fest bei Schöneberg, Britz, Rudower Str. 63. Ein auserlesenes Programm verspricht einen genutzreichen Abend. Da die Freie Turnelschaft bei Parteiveranstaltungen uneigennützig ihre Mitwirkung betätigt, wird um recht zahlreichen Besuch des Festes ersucht. Tretztoiv-Baumschulenwcg. Ter Fleischverkauf der Gemeinde hat bereits am 6. November begonnen. Er findet für den Berliner Ortsteil im Hause Beer- m a n n st ratze 3 Mittwochs und Freitags, für Baumschulenweg im Hause Kiefholz st ratze 253 Donnerstags und Sonnabends statt. Es ist zu wunden, datz nun von der gebotenen Gelegenheit frisches ausländisches Fleisch billig einzukaufen, auch reger Gebrauch gemacht wird. Daneben geht der Seefischverkauf der Gemeinde Donnerstags und Freitags in den beiden Läden Graetzstr. 16 und Baumschulenstr. 36 weiter. �riedrichshagen. In der letzten Gemeindevertretcrsitzung wurde zunächst in der geheimen Sitzung Forstmeister Dr. Kohli als Schöffe wiedergewählt. Der Ferienkolonie sind die Ueberschüsse von zwei Wohltätigkeits- Veranstaltungen in Höhe von 262,83 M. überwiesen. Bei dieser Gelegenheit berichtete der Dezernent Gemeindevertreter Wolter, datz im letzten Sommer 14 Kinder auf Kosten der Ferienkolonie an die See geschickt seien. Die Kommission habe beschlossen, für das nächste Jahr 15 Plätze für unseren Ort zu belegen. Vor einiger Zeit ist das Schulgeld für ortsfremde Schüler des Gymnasiums von 140 M. auf 200 M. erhöht worden. Auf Antrag des Kuratoriums wurde beschlossen, für auswärtige Besucher der Schule, die in Friedrichs- Hägen in Pension sind, das Schulgeld auf 180 M. zu ermätzigen. Zu. der Beschaffung von Musikinstrumenten für die hiesigen Schulen teilte der Bürgermeister Dr. Stiller mit, datz die Verwaltung durch ein günstiges Angebot einen Bechstein-Flügel und ein Harmonium für 1200 M. bezichen könne. Der Flügel soll dem Gymnasium und das Harmonium der 1. Knabenschule überwiesen werden. Letzteres soll gleichzeitig dem Jugendheim und für sonstige Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Genosse Miele ersuchte, das Harmonium auch bei künstlerischen Veranstaltungen der Arbeiterschaft, insbesondere aber dem Arbeiter-Jugendheim zu überlassen: er kritisierte gleichzeitig den Beschlutz der Schuldeputation, wonach dem Bildungsausschutz und dem Arbeiter-Stenographenverein die Schulräume für Unterrichtszwecke verweigert worden sind. Der Bürgermeister erwidert, die Ablehnung sei erfolgt, weil schon ein Stenographenverein die Schulräume be- nutze, und für ein besonderes Arbeiter-Jugendheim sei am Orte kein Bedürfnis vorbanden, weil in dem bestehenden Jugendheim alle Jugendlichen willkommen seien. Genosse' Miele bemerkte hierzu, datz man es schon der Arbeiterschaft überlassen müsse zu entscheiden, ob in diesem oder jenem Falle ein Bedürfnis vorliege besondere Ein- richtungen zu treffen. Aus der ablehnenden Haltung ersehe man aber, datz man die von der Arbeiterschaft gestellten Anträge nicht berücksichtige und aus diesem Grunde legen die sozialdemokratischen Gemeindevertreter dagegen energischen Protest ein. Ein Antrag deS Kuratoriums und des Gemeindevorstandes, das Realgymnasium in Zukunft König-Friedrich-Schule zu bezeichnen, wurde, nachdem Genosse T a r n o w gegen diese Bezeichnung gesprochen, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. In der vorletzten Sitzung hatte die Gemeindevertretung den Antrag der 30 vaterländischen Vereine auf Bewilligung von 150 M. zur Abhaltung eines Kommerses zur Feier des 18. Oktober mit 3 gegen 8 Stimmen bei Stimmenthaltung des Bürgermeisters abgelehnt. Infolgedessen zogen die patriotischen Herren in ihren Verrinssitzungen über denhochverräterischenBcschlutz her. Ja sie gingen sogar so weit, datz sie eine anonyme Anzeige bei der Regierung wegen des Verhaltens des Bürgermeisters in dieser Angelegenheit abschickten. Das konnten sich natürlich unsere patriotischen Gemeinde- Väter nicht gefallen lassen und in der letzten Sitzung mutzten sie alles wieder gut machen, was sie angeblich versäumt hatten. Bei dem Anttag betreffend Anlegung des Schmuckplatzes E an der verlängerten Äastanienallee stellte Schöffe Ranz im Auftrage der bürger lichcn Vertreter den Antrag, zum Andenken an die Völkerschlacht von Leipzig einen Denkstein auf diesem Platz zu errichten. Genosse Micke erklärte im Namen seiner Fraktion, datz sie genau wie in der vorigen Sitzung auch gegen diesen Antrag stimmen werde; der Antrag wurde jedoch ohne weitere Diskussion gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Im Anschlutz hieran gab dann der Bürgermeister noch die Erklärung ab, datz dieser Beschlutz eine treffende Antwort sei auf die unberechtigten Angriffe aus Anlatz der in voriger Sitzung aus grundsätzlichen Bedenken verweigerten Beb Hilfe sei. Aus Anlatz unserer Interpellation betreffs der Arbeitslosigkeit war in der vorletzten Sitzung beschlossen worden, nach Möglichkeit Stratzenpflasterungen rntd-regulierungen vorzunehmen. Nachdem schon in voriger Sitzung die Pflasterung der Kastanienallee be- schlössen War, schlägt nunmehr die Baudcputation vor, die Ver- längerte Kurzestratze, den Platz E und die Kaisersiratze bis zur Königstratze mit Reihensteinpflaster zu versehen. Ueber die Art der Pflasterung entspann sich eine lange Debatte. Beschlossen wurde. die Verlängerte Kurzestratze und den Platz E zu asphaltieren, und die Kaiferstratze mit Reibensteinpflaster zu versehen. Da im ver- gangencn Jahre mit dem Verkauf von russischem Fleisch sehr un- günstige Erfahrungen gemacht worden sind, wurde die Wiederaus- nähme desselben in diesem Jahre abgelehnt. Ein Antrag der frei- willigen Feuerwehr auf Errichtung eines neuen Gerätehauses wurde auf Vorschlag der eingesetzten Kommission wegen der hohen Kosten von 50 000 M. abgelehnt. Hohen-Schönhansen. Mit dem Verkauf des russischen Fleisches ist am Donnerstag, den 3. d. M, wieder begonnen worden. Das Vcrkaufslokal be- findet sich diesmal Wriezener Str. 1. Verkauft wird werktäglich von 8— 1 Uhr vormittags und 4—8 Uhr nachmittags, Sonnabends bis 3 Uhr abends und Sonntags von 8— 10 Uhr vormittags. Zossen. Bei der am Montag stattgefundenen Stadtvcrordnetenwahl war es leider nicht möglich, unseren Kandidaten der dritten Klasse zum Siege zu verhelfen. Gewählt wurden: Rentier Spiegel und Zimmer- meister Miethge. Ein grotzer Teil der Arbeiter war nicht Wahl- berechtigt, weil sie kein Bürgergeld bezahlt hatten. Sittungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Hoheii-Neuendorf. Heute Freitag, abends 3 Uhr, im Sitzungssaale Berliner«tr. 48/49. Köpenick. Heute Freitag, nachmittags 5 Uhr, im Rathaussaal. Röntgental-Zepernick. Heute abend 7 Uhr im Gemeindebureau in Zepernick. Dorsstratze. Weiffenfee. Heute Freitag, nachmittags Uhr, im Rathause, Albertincnstr. 6. Diese Sitzungen sind öffentlich. Feder Gcmcindeangehörige ilt be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Spiel und Sport. Turner. Veranstaltungen am 9. November vom Turnverein„Fichte�. 2. Männer-Abt.: Nach Eggcrsdo-.s. Tresspunkt 7 Uhr Schlefischer Bahnhof. 9. Abteilung: Turnfahrt nach Buch— Gorinsee— Briese— Birkenwerder. Treffpunkt 7 Uhr am Ncttclbcckplatz. Das MusikkorPS der Freie» Turnerschaft Nenkölltt-Britz begeht am S o n n t a g, d e n 9. N o v e m b e r, die Feier des 3. Stistungssestes bei Bartsch. Hermannstr. 49. und sind alle Turner, Freunde und Gönner dieses Korps hierzu freundlichst eingeladen. Der Eintrittspreis beträgt nur 10 Pf. Wanderer. Deutscher Arbeiter-Wanderbund„Die Naturfreunde". Am Sonntag, den 9. November, werden folgende Touren unternommen i Ortsgruppe Berlin: An diesem Tage sinden in Berlin in mehreren Bezirken Stadtverordnetenwahlen statt. Wir erwarten, datz alle Genossen, die in diesen Bezirken wohnen und wahlberechtigt sind, ihrer Pflicht nach- kommen und sich nicht an den nachstehenden Touren beteiligen. Melchow—P, enden— Rüdnitz. Abfahrt Stcrtiner Fcrnbhs. 5.59 Uhr vorm. Strausberg— Bötzsce— Strausberg. Abi. Schlefischer Abs. 3.23 Ubr vorm. Zepernick— Hellsec—Bicsenthal. Abs. Stettiner Borortbhi. 6.06 Uhr vorm. «tolpe— Hohcn-Schöpping— Hennigsdorf. Abfahrt Stettiner Borortbhf. 1.20 Uhr nachm. Kindertour Buch— Gorinsee— sumt— Birkenwerder. Treffpunkt schlcs. Bahnhof(Ecke Frucht- und Madaiswaßch>/.8 Uhr, Bhs. Wcdding(Eingang Netlelbcckplatz) 8 Uhr vorm. Ortsgruppe Neukölln! Friedrich skia gen— Kranichsbergc— Erkner. Abfahrt Bhs. Neukölln 6.51 Uhr vorn,. Ortsgruppe Steglitz: Chorinchen— Pimpinellenberg— Niedersinow. Wsahrt Stcltiner Fcrnbhs. 5.59 Uhr vorm. Gäste willkommen. Die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Tonristenvereius„Die Naturfreunde" feiert am Sonnabend, den 8. November, im GeWerk- schastshause(grotzer Saal), ihr 5. Stiftungsfest mit einem großen Licht- bildervortrag:„Besteigung der Jungfrau— Genf— Davos." Näheres das heutige Inserat. Arbeiter-Wauderverein Berlin. Sonntag, den 9. November, findet für die nicht an der Stadtverordnetenwahl beteiligten Mitglieder folgende Tour statt: Abfahrt 7 Uhr vom Lehrter Hauptbahnhof bis Nauen— Funkenstation— ForsthausJäglitz—Leitsackbrückc— Nauener Stadtsorst— Knüppelberge— Finkentrug. Weglängc ca. 25 Kilometer.— Gäste willkommen! Radfahrer. Arbeiter- Radfahrerbund„Solidarität". Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 3. November. Bundesgenossen! Auf zur Stadtverordneten-Wahlhilfe l Samt- liche Touren am Sonntag, den 3. November, fallen wegen der Stadtverordnetenwahl aus., 5. Abt. Treffpunkt Petersburger Str. 5 bei Wittschuck, vorm. 10 Uhr. Alle anderen Abteilungen Treffpunkt in den Startlokalen vormittags 10 Ubr. Eharlotteuburg. Mittags 1 Uhr treffen sich sämtliche Genossen und Genossinnen im„BollShans", Rosinenstr: 3, im Zentralwahlbnreau. Schöneberg. Sonnabend den 8. November, abends 7 Uhr, alle Ge- »offen per Rad betreffs Stadtverordnctenwahl bei Obst. Am Sonntag alle Genoffen per Rad zur Stadwerordneten-Wahlhilfe. Start: 9 Uhr bei Henkel, Meininger Str. 8. Neukölln, lachnitzeljagd Mittenwalde. Start: 9 Uhr bei Giesewsky, Britz. Chausseestr. 77. Lichtenberg. 1 Uhr: Groß- Beeren(Fichtenwäldcheu). Start: Psarrstr. 74. Tegel. 2 Uhr: Familientour nach WaidmannSIust. Pankow- Nieder« Schönhausen. 12st, Uhr: Saatwmlel. Statt: Pankow, Marktplatz. Arbeiter-Radfahrerverei» Grost-Berliu. Sonntag, den 9. No- vember, vormittags 10 Uhr: Streiszüge durch den Norden. Anschlutzstart: Bhs. Prenzlauer Allee. Nachm. 1 Uhr nach Buch(Groll, am Bahnhos). Anschlutzstart: Bhs. Weitzensee. Ortsgruppe Ober-Schöneweide. Sonntag, den 9. November, nachm. 1 Uhr: Ahrensfelde, Schneider. Statt: Restaurant Schüffler, Siemensstr. 28. Gäste willkommen. Fußball. Märkische Spielvereinigung. Bez. Grotz-Berlln. Am kommenden Sonntag finden folgende Spiele statt: Vorwärts- Spandau in Weitzensee, Rennbahnstratze 40. Fichte III- Weitzensee auf dem Tempelhoser Feld, Fichte XI- Alemania aus dem Tempelhoser Feld. Fichte XII< Charlotten- bürg in Pankow, Kissingen Sir. 11. Liberias- Viktotta in Reinickendorf, Pankowcr Allee. Verein für Bewegungsspiele Schöneberg in Fttedttchs- Hagen, V. s. B.-Platz. Beginn li,3 Uhr. Äthlete«. Athleteuvcrein„Germania 1887". Um der Arbeiterschaft des Stadtteils Moabit Gelegenheit zu geben, Körper und Muskeln zu stärken, veranstaltet der Athletenverein„Germania 1887"(M. d. Arb.-Athl.-Bundes) am Sonnabend, den 8. November, abends 9 Uhr, im Jnsel-Reswurant, Plötzensee, Seestratze 97. einen öffentlichen UebungSabend. Arbeiter, Freunde und Gönner unseres Sports sind jremidlichst willkommen. Unkosten entstehen durch den Besuch nicht. * Berliner Arbeiter-Schachklub. Am Sonntag, den 9. November, vormittags 10 Uhr, nehme» zwei Schachtourniere in den Königsälen, Neue Königstr. 26, ihre» Anfang. Eins für Mitglieder und das andere sür jedermann. Für Mitglieder ist die Anmeldung bis zum 9. November, vorulittagS 10 Uhr, an die Turnierleitung zu machen. » Arbeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lchrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Montag, 10. Nov., Kommandantenstr. 32, Becker» Fcstsäle(Tunnel). Berlin, 2. Abt. Montag, 10. Nov., im Swinemünder GesellschastS- Haus, Swinemünder Strotze 42. Berlin. 3. Abt. Donnerstag,.13. Nov., Schöneberg, Borbergsw. 9, Restaurant Häendel. Berlin, 5. Abt. Freitag, 7. Nov., Neukölln, Jdealiasiuo, Wcichsetslr. 8. Berlin, 7. Abt. Dienstag, den 11. Nov., Charlotteuburg, Rosmen- stratze 3, Bolkshaus. Friedrichshagen. Donnerstag, 13. Nov., Fttedttchstr. 60, 2. Hof, parterre. Nowawes. Montag, 10. November, Wilhelm-, Ecke Fttedrichstratzc, bei Schmidt. NowaweS(Abt. Potsdam). Mttwoch, 12. November, Kaiser« Wilhelm-Strotze, bei Glaser. Ober-Schöneweide. Montag, 10. November, SiemenSstr. 12, bei Schu'z. Wilhelmsruh. Montag, 10. November, Reinickendors-Oft, Residenz- strotze 6, bei Hirsch._ i Jugendveraustaltuvge». Tempelhof-Mariendorf. Heute Freitag, abends, ist eine Be- sichttgung der Antialkohol-Ausstellung im Gewerlschastshause zu Bettln unter besonderer Führung geplant. Treffpunkt bis'/J Uhr im Jugendheim. Beteiligt Euch rege an dieser� Veranstaltung l " Routgental-Zepernick-Bilch. Am sonntag, den S. November, findet aus dem Spielplatz unseres Jugendheimes ein Fugballspiel statt. fVauen-Lefeabcnde. Zehleudorf(Wannscebahn). Heute Freitag 8st, Uhr bei Benno Mickley, Potsdamer Str. 2o. Die Genossin Breitscheid hält einen Vorwag. Eingegangene Druchrdmften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 6. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben ww hervor: Der Ausfall der badischen Landtagswahlen. Von G. A. Lehmann(Mannheim).— Religion. Von K. Kaulskh. I.— Die Aufgabe der Parteipreffe. Von Gustav Hoch.— Kongretz der ungarländischen sozialdemokrattschen Partei. Von E. Vacga(Budapest).— Die Fleischereien und die Revision des Nahrungsmittelgesetzes. Bon Konrad Krause.— Wo eS uns fehlt? Von Otto Eggerstedt(Kiel). Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,35 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Marktpreise von Berlin am 5. November ISIS, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sötte 16,40— 16,80, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sötte 14,40—14,60. Richtftroh 4,60. Heu, alt 6,20— 8,00. M a r k t h a l l e n v r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Sveisebohnen. weitze 35,00—60,00. Sinsen 36,00— 70,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60— 2,'40, Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbflciich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,20— 6.60. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Aale 1.40—3,20. Zander 1,00—3,20. Hechte 1,20—2,60. Barsche 1,00—2,40. chleie 1,60—3,20. Biete 0,80-1,80. 60 Stück Krebse 1,00-30,00. WttterungSübersicht vom 6. November ISIS. Stammen 8| teil if Swinemde. 750 SO amburg 749 WSW Bettin!750S Frank«. a.M 755 S« München I7561® Wien|753!S Bettet 5 bedeckt 4' wolkig 1 bedeckt S>Dunst 4bedeckt 1 Nebel ** «II i* wjo 7 9 9 7 7 9 vtattonen Haparanda 755 Betersburgi753 Scilly 1 748 Aberdeen 1747 Paris |S Bf WNW Bett» 4 bedeckt 1 bedeckt fibedcckt Zwolken! Zwollig R* ti 0 3 9 — 1 7 Wetterprognose für Freitag, den 7. November 1913. Zunächst etwa- kühler, zeitweise ausklarend bei ziemlich lebhaften süd- westlichen Winden; später wieder zunehmende Erwärmung, Bewölkung und Regen. Berliner Wetterbureau. Theater und Vergnügungen Freitag, 7.November 1913. Ansang 12 Uhr. ttgl. Opernhaus. Sinsoniekonzert, Anfang 6 Uhr. Cines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Ansang SV, Mr. CinesNollendorf-Theater.Variets- Lichtspiele. Ansang VI, Uhr. Sgl. Opernhans. Sinfonielonzert. Sgl. Tchauspielhans. San« Lange. Deutsches. Torquato Tasso. KöniggräNer Strohe. Macbeth. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anmng 8 Ubr. Urania. Direktor Franz Goerke: Mit dem.Imperator' nach New Jork. Hörsaal 8 Uhr: Pros. Dr. P. Schwahn: Die Welt der Fixsterne und Nebelflecke. ttammerspielc. Der verlorene Sohn. Lefsing. Pygmalion. Berliner. Wie einst im Mai. Theater am Nollendorfplah. Der lachende Dreibund. Theater des Westens. Polenblut. Deutsches Künstler> Theater. Der Biberpelz. Deutsches Opernhaus. Undine. Deutsches Schauspielhans. Die heitere Residenz. Neues Operntheater(«roll). Geschlossen. Tbalia. Die Tangoprinzessin. Komödienhaus. Hinter Mauern. Montis Operetten. Die ideale Gattin. Schiller v. Wenn der neue Wem blüht. Schiller Charlottenburg. Rosen- montag. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reise um die Welt in 10 Tagen. Kafino. Ferdinand der Tugend- haste. Kleines. Belinde. Lustspielhaus. Im grünen Rock. Trianon. Seine Geliebte. � Herrnfeld. WaS sagen Sie zu Leibusch? Wintergarte». Spezialitäten. Reichsballen. Stetliner Sänger. Eines Apollo-Theater. Parietä- Lichtspiele. Eines Friedrich- Wilhelmftädt. Vancts-Lichtspiele. Ansang 8'/, Ubr. Rose. Im weihen Röhl. Luisen. Die Allwördens. Folies Eaprice. Ritter Baldrian. Die Mißgeburt. Das Adaptiv- lind. Walhalla. Der LiebeSonkel. Ansang 8'/, Ubr. Neues Bolkstheater. Der ledige Hos. Ansang 3 Ubr. Admiralspalast. Die lustige Puppe. EinesNollendorf-Theater.Barietö- Lichtspiele. '.' Sternwarte. Jnvaiidensir. 57—62 Sehiller-ThealerOÄT«: Freitag, abends 8 Uhr: Wenn der neneWeln blüht Sonnabend, abends 8 Uhr: Bosenmontug. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Jn gendlrennde SehilleF-Theater Freitag, abends 8 Uhr: Boseninontng. Sonnabend, abends a Uhr: Jngendtrennde. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: I>er Pfarrer von Klrchfetd Sonntag, abends 8 Uhr: Bosenmontag._ BentachesSchanaplelhana 8 Uhr: Die heitere Residenz. ?'/. Uhr: Macbeth. Komödienhaus. s Uhr: Hillter Mauern. Lerliaer Idealer. 8 Uhr: 'Wie einst im Mai. Idealer des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Sonnt. Nm.sy.H.: Der liebe Augustin. fleutsches Jtöustlertheater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. 8 Uhr: Der Biberpelz. Montis Operettentheater. Tägl. Leh&r-Novltit: J>ie ideale fiatttn. 8 Uhr. Fr. Massary, I. Spielmann a. i.essinx-Theater. 8 Uhr: Pygmalion. Lustsp. in 5 Akt. v. Bernard Shaw. Miw am tjollemioriplatz S. 8 Uhr: Der lachende Dreibund. Sonnab., nachm. 3>/»Uhr z. kl. Preisen: Zum 1. Male:'Frau Holle. Große Franksurter Str. 132. In» weiLon Bitaa'I. Luftspiel in 3 Akten von Blumenthal u. Kadclburg. —— Ansang 8'/. Uhr.—— Morgen: In» weinen Büaa'l. äonnabenbnni. 4UHr; Schneewittchen. (sonntnm. 3U.: Der Müller u. sein Kind. Metropol Theater Abends 7 Uhr 55 präzise: I Gr. AuSstattungSst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung deS lules Vernaschen RomaneS von Snlina Freund. Musik von denn Silbert. In Szene ges. v. Dir. lliehard Sebultr. iarl kscw-inii. Joseph liiWM. Oiudo Tiiielseber. Altred Sehmasow. Leopold Wolf. Lndvig Woll. Helene ßallot. IdaRusska. J.de Lande. uir Residenz-Theater � Hohett— der Franz! Atusilalische Groteske in LAtten von Artur Landsberger und Willi Wolsf. Musik von Robert Winterberg. Mmg. u.s. Tage: Hoheit— der Franz! Verantwortlicher Redakteur: Passage-Panopllkum 50 wilde Kongoweiber Männer und Kinder in einen» eigens auf- gcbantcn Kongodorfe in ihren Sitten u. Gebräuchen. Und die anderen Attraktionen. Die gr. Rino-Varlele-Yopstellung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Toigt- Tlieater Badstraste 58. Freitag, den 7. November: Die Kuili-Kömgiii. Vorverlaus täglich im Theater. Kasseneröffnung 7 Uhr, Ans. 8ff< Uhr. Palast am Zoo Täglich Anfang 6 Ubr, Sonntag» 3 Uhr Matinee. Komplettes Programm grosser Variäl6-Akte sowie unsere renommierten Liobtsplele Preise von 65 Pfennig an. Apollo-Theater Kompletfes Programm groeserVarl�l�-Aktc sowie unsere renoranalcrten Lichtspiele Preise tod 65 Pfennig: an. Wochcn'ags 8 Uhr« Sonntags 4 und 8 Uhr. Frledr.-Willielmst. Wir lassen uns scheiden In den Hauptrollen: Wanda Treumann und VIboo Laraen sowie unsere weiteren renommierten Lichtspiele Ununterbrochene Vorstellnng täglich von 4 Uhr an. Nnr zwei Preise 35 Pf. und 60 Pf. Keine lenreren Plftlze. Notlendorf- Theater Cleopatra Die Herrin des Nils Das Fllmwnnder der Well Wochentags Anfang Ö1/, n. 9 Uhr Sonntags 4. ö1/» und 9 Uhr. Jugend-Vorstellung Mittwoch und Sonhabend 4 Uhr zu halben Preisen. □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ Berliner Sängerchor Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes.— Chortneister: Franz Lothe. Sonntag, 9. November, im Konzertsaale der Brauerei Friedrichshain: I. HERBST-KONZERT Mitwirkende: das Berliner Konzerthaus-Orchester, Dirigent Fr. v. Blon. V o r t r a g s folge: 1. Ouvertüre aur Oper„Die Zauberflöte''.......... Mozart 2. Phaeton, sinfonische Dichtung Saint-Saens 3. Largo(Harfe: FrauKaden; Solo- violme: Herr Konzertmeister Löblich)......... Händel z; 4. Ungarische Rhapsodie No. 1. Liszt □*5. Sieg der Freude(mit Or- r—j ehester)......... Büttner 6. Vineta, Tanzgemälde.... Kann 7. Pilgerohor und Lied an den Abendstern a. d. Oper„Tann- hänser".......... Wagner Nach dem *8a. Jugend_......... Thuille *8b. Morgen im Walde..... Hegar *8c. Lebenslied 9. Ouvertüre z. Oper„Eienzi" 10. Fäte nuptiale, romantische Suite......... •Ha. Wandrers Naohtlied... •IIb. Aennchen von Tharau.. •11c. Jägerchor aus„Euryanthe" •lld. Erntelied(mit Orchester) Die mit einem* bezeichneten Stücke werden vom Chor vorgetragen. Konzert TANZ. Anfang 7 Uhr. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt 60/7 Einlaß ö'/, Uhr. Eintritt 50 Pf. □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □□□□□□□ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ Kann Wagner Herbert Kuhlau Süoher Weber Fried Touristenverein „Die Naturfreunde" Ortsgruppe Berlin. Sonnabend. 8. November, im Gewerksehaftahauae, Engelufer 15(gr. Saal): 5. Stiftungsfest mit großem Lichtbildervortrag: „Eine Besteigung der Jungfrau— Genf— Davos". Freunde und Bekannte sind freundlichst eingeladen. Anfang 81/, Uhr.[1/15] Eintritt inkl. Tanz 50 Pf. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Lnisen-Theater. I Walhalla-Theater. Freitag 8'/. Uhr: Täglich 8'/, Uhr: vi« AliwOrdena.| Der UebeeonkeL Schauspiel in 7 Bildern v. Ritterseid.| Posse mit Gesang und Tanz. �„Clou" ■ Mauerstrafle 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstrate 82.— ZimmerstraBe 90)91, Großes Konzert des Berliner Lieder-Quartetts ChÄH�?£?l«£k> Berliner Konxerthaas-Orcbester. Dirigenten: Komponist Frann v. Blon und Hofkapelhneister Prof. Trangott Ochs. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. MW Alle Vergünstigungen aufgehoben.-MU Union-Palast Knrtfirstendamm 26 Weinbergsweg 16-17 (2 Minuten v. Kosenthaler Tor) UT Friedrichstraße Ecke TanbenstraOe Unter den Linden 21 Keinickendorfer Str. 14 Lichtspiele Heute Premlere. Der Spuk im Schloß DetektiT-Boman.— Kolorierter Film. �Moritaplate��j Der Liebe Zaubermacht Romantische Erzählung in einem Vorspiel und 1 Akten. Kolorierter Film. Ferner überaU: Reichhaltiges humoristisches Programm Tom Prince• John Bunny Bubi. Aktualität: Einzug des Braunschwelgischen Herzogspaares. URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Mit d.„Imperator" nach New York. Hörsaal: Freitag, den 7. Nov., im großen Theatersaal, 8 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn:„Die Welt der Fixsterne und Nebelflecke". (An der Ksiier- Withelm- GedBchtnls- Klrche) Kurfürstendamm 236. Madge Lessing Die blaue Maus Regie: Jlax Stack 5, 7, 9 Uhr. Bienes Programm! Willard der Mann, der wächst. Grete Freund i Paul Beckers Operettendiva.' Komiker. Orpln gton-Trlo Handvoltigeure und die übrigen Mowember-AUraktionen! Sonntag�L_ Nov. laeünütogs-gvj mm—m— Kloine Preise! ]Baucl»ei»jje8to|ttet! Admiralspalast. Bts-Arena.— Allabendlich da* neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Vis lustige Shtppe. Beginn der VorsteUung S'/.Uhr. Bis 6 Uhr und von IG/, Uhr halbe Kassenpreise. Zlrkns Alb. Schumann. Heute Freitag, den 7. Novbr., abends 71/, Uhr: Nur noch kurze Zeit! 10 Bengal-Königs-Tiger 10 vorgeführt von Herrn Sawade. Neu! The 2 Coenen Neu! in ihrem Perche- u. Leiterakt. Neu! MIß Zoe Neu! Venus der Lüfte und 10 weitere Attraktionen. Um 91/, Uhr: VUI vor Gericht! Pantomimische Burleske in 3 Akten mit Gesang u. Tanz. SW U Tango Zirkus Busch. Heute Freitag, den 7. November, abends 7ff, Uhr: Humoristischer Galaabend, u. a, JW Gebr. Boston"VQ Gymnastil in höchster Vollendung. Das unvergleichliche Bernett-Trio. Ferner: Die berühmten Menschen-Affen. Zum Schluß: die neue gr. Ausstatt.-Pantomime Aus unseren Kolonien. Avis! Sonntag: 2 große Gala- Vorstellungen. Nrn. S~l, u. abends VI, Ubr. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein angehörigcs Kind frei aus allen Sitzplätzen._ Neukölln 8portpl. PlHigerstraBe Circus Barum- Täglich abends 8>/< Uhr; Das grandiose Progra m m mit 22 Weltattraktionen, wie sie die Welt in solcher, jeder Konkurrenz die Spitze bietenden Zusammenstellung noch nie gesehen hat. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Possen-Schlager Ferdinand der Tagendhaste. DaS droll. Stück seit Bestehen d. Theat. Porher da? erfttl Spezialität.-Progr. Sonntag, nachm. 4 Uhr: Mnttepllcbe. Folies Gaprice. 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Für den n.«erlagsanftalt Paul Smger u. Berlin AM 30.3.� 3. KeilllU des.Fornilirts" Kerlimr Nslksbllltt. IZus der frauenbewegung. Soziale Lage und Schultauglichheit. Es bedarf kaum einer besonderen Beweisführung für den Ein- fluh der sozialen Lage auf die Schultüchtigkeit des Kindes, d. h. auf seine geistige und körperliche Reife beim-Beginn des Schulalters und auf seine Leistungen im Unterricht; niemand, der mit offenen Augen durch das Leben geht, kann diesen Einfluß leugnen. Tas ist auch die wohlbegründete Ansicht des Hamburger Schularztes Dr. med. F ü r st, der in seiner langjährigen Praxis als Armen- und Kassenarzt vollauf Gelegenheit hatte, jene Zusammenhänge kennen zu lernen. Wenn er in seiner, das oben genannte Thema erörternden Abhandlung in dem großen Sammelwerke„St r a n k- h e i t und soziale Lage" trohdcm die verschiedenen Gesichts- punkte dieser sozialhvgicnischen Frage gewissenhaft beleuchtet, so geschieht es, um auf die notwendig erscheinenden praktischen Maß- nahmen hinweisen zu können. Die körperliche und seelische EntWickelung des Kindes wird be- reits verhängnisvoll geschädigt, wenn es der Schule zu früh zu- geführt wird, wie es nicht selten geschieht, weil die Eltern, bc- sonders, wenn auch die Mutter erwerbstätig ist, von der häuslichen Beaufsichtigung des Kindes entlastet sein wollen. Schon im iwr- malen Einichulungsalter werden ständig zahlreiche Schulrekruten durch die mit der Ucberwachung betrauten Schulärzte zurückgestellt, hauptsächlich wegen ungenügenden Kräftezm'tands, Rachitis, geisti- gcr Minderwertigkeit und tuberkulöser Erscheinungen. Es sind dies fast immer Kinder, die in besonders ärmlichen Verhältnissen aufwachsen. Die Kinder der Wohlhabenden kommen schon mit einem erheblich besseren körperlichen Fonds ausgestattet in die Schule. Nach Alfredo Nicesoro haben die reichen Kinder in bezug auf Körperlänge, Gewicht. Brustumfang, Lungenstärke, Körpertraft, Kopfumfang und Stirnhöbe den armen Kindern gegenüber einen bedeutenden Vorsprung; die Söhne der Kleinhändler und kleinen Beamten halten etwa die Mitte zwischen beiden, so daß die ver- schiedenen Grade der körperlichen EntWickelung den verschiedenen Graden der sozialen Lage entsprechen. Das leuchtet ohne weiteres ei», wenn wir uns vergegen- wältigen, welche Verheerungen Rachitis und Skrofulöse unter den .Kindern des Proletariats anrichten. Beides sind Krankheiten, die besonders häufig in dem WohnungSelcnd der Armut wurzeln. Die Skrofulöse gilt insbesondere als Borläuferin der Tuberkulose, die als ein Hauptfeind der Jugend während des schulpflichtigen Alters anzusehen ist. Für B e r l i n ist nachgewiesen, daß die Tuberkulose- sterblichkeit um so größer ist, je dichter die Wohnräume belegt sind. In Wohnungen mit einem Zimmer sterben prozcntualiter dreimal soviel Menschen an Tuberkulose als in solchen mit vier und mehr Zimmern. Die meisten Krüppelkinder stammen aus Familien, die wegen ihrer Mittellosigkeit wenig oder gar nichts zu einer fach- gemäßen Behandlung ihrer unglücklichen Kinder tun können. Etwa 2ö Proz. dieser kindlichen Krüppel wachsen ohne Schulbildung auf, weil die Eltern zu arm sind, ihnen besonderen Schulunterricht er- teilen zu lassen, und die wenigen vorhandenen Krüppelheime zur Aufnahme dieser Elenden nicht hinreichen.— Die im Schulaltcr so gefürchteten übertragbaren Krankheiten: Masern, Scharlach, Keuch- husten, Diphtherie, Unterleibstvphus befallen mit Vorliebe die Kinder der ärmeren Klassen, die in schlechten Wohnungen und bei Mangel- hafter Ernährung diesen Krankheiten gegenüber weniger Wider- standskraft haben als die Kinder der besitzenden Klassen. Häufig. wird bei den ganz Armen die Schultüchtigkeit beeinträchtigt durch körperliche Leiden, die auf Nachkrankhciten von im frühesten Kindes- alter überstandenen Masern, Scharlach usw. zurückzuführen sind. Unter den Nerven- und Gehirnkrankheitcn ist es der Schwach- sinn, von dem überwiegend sehr arme Kinder betroffen werden. Bösbauer, Miklas und Schmer erklären diese Tatsache so:„Ver- gegenwärtigen wir uns die Npt, die Sorge, das Elend dieser Wirt- schaftlich schwachen und ganz verarmten Leute, so können wir von der Nachkommenschaft solcher Menschen gewiß kein geistig kräftiges Geschlecht erwarten. Es sei erinnert an die mangelhafte Ernäh rung, eine chronische Unterernährung mit Brot und Kartoffeln als Hauptnahrungsinittcln, Kaffee und Schnaps als Genußmitteln, an die elenden Wohnungsverbältnisse, die namentlich im Hinblick auf die meist große Kopszahl der Familie in der Mehrzahl unzu- reichend sind, mancherorts werden noch feuchte Neubauten zum Aus- trocknen an Arme billig vermietet, serner an die Fälle, wo Armut sich mit Schmutz, Verwahrlosung und manchmal ganz zerrütteten Familienverhältnissen paart; so ist dem sozialen Elend eine weit- gebende Bedeutung als Miterreger des Schwachsinns beizumessen." Wo immer eingehende Untersuchungen der häuslichen Verhältnisse von geistig minderwertigen Kindern vorgenommen worden sind, wie in Halle a. S., Hamburg, Berlin, Köln, in der Schweiz, in Eng- land, ergab sich stets dasselbe bittere Resultat. Im einzelnen läßt sich insbesondere der Einfluß der Wohnungs- Verhältnisse auf die Schulleistnngen nachweisen. Schon das ruhigere Landleben erweist sich als günstiger für die geistige und körperliche EntWickelung des Kindes als die verwirrende Unruhe der Stadt. Weit ungünstiger äußert sich die großstädtische Wohnungsmisere, wie sie uns beispielsweise in den geradezu er- schlitternden Tatsachen entgegentritt, daß in Berlin mehr als 180 000 Menschen zu sechs und mehr Personen in Wohnungen zu- sammcngepfercht leben, die nur einen einzigen heizbaren Rauin haben, wenn wir serner hören, daß in Hamburg in einem Zeil- räum von drei Jahren die Zahl der Einlogierer bei den öffentlich Unterstützten, also bei den Aermsten der Armen, um 1000 Köpfe stieg! Welche Fülle von gesundheitlichen und sittlichen Gefahren bedrohen das Kind in solchen überfüllten Wohnungen; wie wird ibm hier die Ruhe und Sammlung erfordernde Anfertigung der Schulaufgaben erschwert, wie wird sein Schlaf beeinträchtigt, zumal. wenn es nicht nur das Zimmer, sondern auch das Bett mit anderen teilen jnuß! Eine Berliner Statistik zeigt, daß nur ein Drittel aller Schüler ein Bett für sich hat, daß nicht selten drei oder gar vier Personen in einem Bett schlafen müssen. Unter solchen, aller Kultur Hohn sprechenden Verhältnissen kann der Schlaf dem Kinde keine Kraft und Frische für den anderen Tag geben. Tie Armut der Eltern hat ferner häufig unzweckmäßige Bekleidung des Kindes zur Folge; in zerrissenen Schuhen mit nassen, durchkälteten Füßen sitzen viele Kinder der Armen— 12 Proz. wurden in einem B e r- l i n e r Schularztbezirk einmal gezählt— bei Regenwetter in der Schule, unfähig, mit voller Aufmerksamkeit dem Unterricht zu folgen. Und dann die vielen, vielen Tausende von unterernährten Schulkindern, ungenügend ernährt, weil die Eltern zu arm oder der Vater arbeitslos, die Mutter krank, oder weil die gewerbliche Arbeit den Kindern keine Zeit zu rationeller Beköstigung läßt! Von Kin- dern, die durch Hunger und Entbehrungen geschwächt sind, normale Schulleistungen zu verlangen, ist eine Grausamkeit. Es ging kürz- lich ein Artikel durch unsere Parteipresse, in dem auf die Brutali- tät unserer Gesellschaftsordnung hingewiesen wurde, die zurzeit in Berlin allein SO 000 fleißige Männer als Arbeitslose auf die Straße setzt und damit wenigstens 100 000 Kinder zum Hungern verurteilt. Und noch ist die Wirtschaftskrise, die Folge der völlig planlosen kapitalistischen Gütererzeugung, erst im Anfang und noch mildert eine Arbeitslosenversicherung nicht das un- verschuldete Elend dieser Armen. Tic schweren Schädigungen des geistigen und körperlichen Ge- deihens der Kinder durch gewerbliche Arbeit sind oft in unserer Presse und in der Agitation behandelt worden. Die sozialdemokra- tischen K i n d e r s ch u tz k o m m i s s i o n e n sind eifrig bemüht, die strikte Durchführung der dürftigen gesetzlichen Schutzbestimmungen' zu erzwingen. Nicht minder groß als die Schäden der Kinder- arbeit ist die Gefährdung der Schultüchtigkeit des proletarischen Nachwuchses durch die Erwerbsarbeit der Mütter. Diese �siefähr- dung nimmt zu in dem Maße, als der Erwerbszwang immer weitere Frauenkreise erfaßt und sie nötigt, ihre heiligsten Pflichten im Hause in den aufreibenden und schmerzenreichen Konflikten, die ihre Doppelbelastung ihnen auferlegt, zurücktreten zu lassen. In den besitzenden Klaffen kann alles nur Denkbare geschehen, um schlummernde geistige Anlagen der Kinder zu wecken und zur Entfaltung zu bringen, alles Störende fernzuhalten. Die Klassen- läge des Proletariats dagegen stellt einer harmonischen körperlichen und geistigen Entwickclung seiner Kinder die größten, oft unüber- steiglichen Hemmnisse entgegen, die es bewirken, daß gerade die tüchtigsten Pädagogen alle noch so hingebende Arbeit im Dienst der Volkserziehung schließlich als eine Sisyphusarbeit empfinden. Nur die Aushebung der Klassenscheidung und die Neugestaltung der Ge- sellschaft durch die Sozialdemokratie wird der gesamten Jugend des Volkes die gleichen Bedingungen erfolgreichen Lernens, der Schule die restlose Erfüllung ihrer hohen BildungS- und ErziehungS- aufgaben möglich machen._ 6ltem als erziehet*. Vor der vollzählig versammelten Schulvorsteherschaft sieht ein zehnjähriger Knabe. Es entwickelt sich folgendes Strafgericht. Der Präsident:.Warum bist Du die letzten fünf Tage nicht zur Schule gekommen Der Knabe:.Mutter war krank, ich mußte daheim bleiben.� Präsident:„Was hat Deine Mutter für eine Krankheit?* Der Knabe:.Ich welß eS nicht." Präsident: So, Du weißt es nicht; war die Mutter im Bett?" Der Knabe:„Nein." Präsident: Was hast Du daheim getan?' Der Knabe: Geschafft." Was geschafft?" „Allerlei." .Sag' die Wahrheit, Du bist jeden Tag Schlitt- Präsident: Der Knabe „Präsideni: schuhe gelausen. Der Knabe Präsident: „Wer hat das gesagt?" „Man hat Dich gesehen, Deine Mutter war nicht krank; he. Bürichchen, ist'S nicht so; warum hast Du die Schule ver- säumt, aber lüg' nicht mehr, sag' uns die Wahrheit, sonst gibt's Schläge. Mußlest Du daheim bleiben?" Der Knabe:„Nein, ich wollte nur lieber auf das Eis, darum sagte ich daheim, es sei keine Schule, und zum Lehrer, ich müßte daheim bleiben." Präsident:„So, so, also daheim und in der Schule ge- logen, was?" Der Knabe:„Ich tu'S nicht mehr!" Präsident:„So, nun noch etwas. Der Lehrer sagt: Du nehmest den Kindern Sachen weg. Di« werden überall gesucht, und nach drei, vier Tagen bringst Du sie wieder zurück. Wo tust Du die Sachen hin?" Der Knabe:„Ich verstecke sie daheim!" Präsident:„Warum tust Du das?, Der Knabe:„Weil eS lustig ist, wenn alle suchen." Präsident:„Hm, eine eigentümliche Freude, die aber streng bestraft wird. Du kannst abtreten dort ins Nebenzimmer, bis ich Dich ruie. Was sagen Sie, meine Herren, wie wollen wir den ver- dorbenen Jungen strafen?" Verschiedene Stimmen:„Prügel, Arrest. Nachsitzen der ge- schwänzten Stunden." Da bittet der Nachbar des Knaben, der zufällig auch im Schul- rat sitzt, um'S Wort. „Meine Herren, ein Wort. Wollen wir nicht lieber den Vater strafen als den Buben?" Allgemeine Verwunderung. Präsident:„Bitte, erklären Sie, Herr Doktor, den sonderbaren Wunsch." Doktor:.So hören Sie meine Herren. Ich wohne gleich nebenan. wo der kleine Sünder wohnt und habe mir oftmals Gedanken über die Erziehung des Kleinen gemacht. Im Garten hat der Bater oft mit den Kleinen Ball gespielt. Arnold war damals drei bis vier Jabre alt. Ans eilimal ein lautes Geheul des Knaben, der Ball ist fort'. Der Kleine sucht und schreit. Der Vater steht dabei, nach un- gefähr fünf Minuten nimmt er den Ball auS seiner Tasche:.Siehst Du, nun haben wir ihn wieder gefunden." Der Knabe jauchzt:.Vater, Du hast ihn gehabt, drum Hab' ich ihn nicht gefunden." Meine Frau hat oft beobachtet, wie Arnold es mit unseren Kindern genau so machte. Der Vater hat ihn auch gelehrt, wie man schnell Zucker vom Tisch nehmen kann, ohne daß eS Mama sieht. Der Knabe soll darin eine große Fertigkeit haben. Einmal steht der Knabe lauge Zeil an der Ecke bei meinem Garten. Ich Hab' ihn be- ovachtct. Er erwartet etwas, denk' ich bei mir. Ich frag' ihn:„Warum stehst Du so lang ollein?„Ich muß auf den Herrn warten, den Reisenden mit dem schwarzen Köfferli. Dann muß ich ihm sagen: Der Vater ist nick» daheim, er ist zu einer Beerdigung nach Zürich."„So, wer ist denn in Zürich gestorben?"„Niemand, aber der Reisende darf ball nicht komineu, der Vater bat jetzt kein Geld. Ja. und der Vaicr hat gesagt. wenn ich's gut mache, dann gibt er mir 20 Rappe». Dort kommt er, das ist er. Adieu, Herr Doktor." Ich Hab' schon damals de» Knaben bedauert, daß man ihn so erzieht! Und im Geschäft, in dein der Bater arbeitet, bat der Knabe ihn schon oft mit Krankheit entschuldigen müssen, während dem Vater nur die Arbeitslust fehlte. Was Wunder, trenn der aufgeweckte Knabe die gleichen Manipulationen macht. Nach meiner Ansicht gehört die Strafe dem Vater." Dem Knaben wird das Ungehörige seiner Handlungsweise er» klärt, und er wird gewarnt, je wieder so was zu macven. Der Vater erhält ein Schreiben, das ihm nicht gefällt. Zu Hauie erhält der Knabe Prügel, weil er die Wahrheil gestand. Ist das nicht grausam? Vera. we ene Iackettanzüge, Rockanzüge, ValetolS. Serie 1: 10—18, Serie 11: 20—30 Mark, größtenteils auf Seide. Gelegenheitskäufe m neuer Mag» garderobe, enorm billig. Riejenposten Kleider. Kostüme. 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Derselbe muff mit der sozialen Gesetzgebung werlschaslssragen vertraut scm.' Die Anstellung erjolgl nach den Bedingungen des Vereins Llrbei-er- � Bewerbungen sind bis inkl. 20. November d. I. an vwm. VfeAvn, Erfurt, Bülowstrastc Z 11, mit der besonderen Zlusschrisl.Bewerbung" einzureichen.__ 294/1 5 Merzte werden für«ine Ortskranfcnkasfe in cincr Thüringer Industriestadt (26 000 Einwohner) gesucht. Je 8000 M. Jahreseinkommen garantiert. Offerte» mit Zeugnissen sind bis zum 15. d. MtS. unter A. E. 8-415 an Rudolf Mosse, Erfurt, abzugeben. 18 I/o Unterricht. Unterricht in der englischen «vrackic. Für Ansänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel,. � wird cnglffcher Unterricht erteill. Auch werden Ueberietznngen cm. geiertizt. G. Swientv- Liebtnccht Cbarlottenburg.«tuttgartervlatz 9 Gartenbaus III. riK» Verschieclenes. Pareulaiiwatt Weisel. Dlbchinel« ffraßc 94a. Pnlr»ta»watt Müller. Gitschiiier straffe 16 Handwäscherct. Naturblciche, vier Handtücher, Leibwäsche 0,10. 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Kommunal-Wa hlbczirk, Stadtbezirke K6� und B, 70 bis 75B, vier Teile mit vier Wahllokalen. Erster Teil. Stadtbezirke KKL.. 66B: Arndtstr. 1—7, 36—44, Bergmannstr. 22—32, Fidicinstr. 25, Friesenstr. 1— 12, 17— 27, Heimstratze, Jüterboger Str. k— 10, Marbeinekeplatz, Mitten walder Str. 23—40, Willibald« Zllexis-Str. 1—7, 36—43, Zossener Str. 16—19, 22— W. 28—36. Wahllokal: Bergmannstr. S8/SS, Gcmeindcschnle. Zweiter Teil, Stadtbezirke 70, 71: Baruther Str. 22, Fürbrwger- stra«e 7—17, 20—30, Gncisenaustr. 22—34, 81—92, Mittenwalder Str. 1 bis 22. 41-62. Zvssener Str. 1—5. 7—15, 37—55. Wahllokal: Fürbringerstr. 33/34, Studienanftalt. Dritter Teil, Stadtbezirke 72. 73, 74: Alexandrinenstr. 133, Bärwaldstr. 1—11, 63—69, Bliichcrplatz 3. Bliichcrstr. 1—24, 61—69, Brach- vogclstraße, Geibelftratzc, Iohannistisch. Johanniterstratze, Planuser 1—74, Straße 14d sBebauungsplan Abt. II), Tempelherrenstr. 1— 12, 15— 24, Urbanhafen. Urbanstraße 172,'185—188, Watcrloouser, WilmSstraße, Zosiener Str. 56—60» und Verlängerung der Zossener Straße zwischen Plan, und Waterloouser. Wahllokal: Wtlmsftr. 10, Gemeindeschule. Vierter Teil, Stadtbezirke 75Ä., 75B: Bärwaldstr. 12—62, Bergmannstr. 39—76, Blücherstr. 25— 60, Friesenstr. 15 und 16, Fürbringerstr. 18 und 19, Gncisenaustr. 35— 80, Golßener Straße, Jüterboger Straße 1—5, Kaiser- Friedrich« Platz. Ilebniner Straße, Prinz-August-von-Württemberg« Straße Nordseile, Schleicrmacherstraße. Siboldslraße, Tempelherrenstr. 13 und 14, Urbansir. 1—21, 151—1711). 173— 184, Züllichauer Straße. Wahllokal: Bergmannstr.«O/Ka, Gemeindeschule. 8. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStags-Wahlkreis II.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordueter Gottfried Schulz, Admiralstr. 40». 8. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 76A— 78C, vier Teile mit vier Wahllokalen. Er st er Teil, Stadtbezirk 76Ä, 76B; Eampbausenstraße, Fichtestraße, tontancpromcnade, Freiligratbstraße, Gräsestr. 30—65», Hasenheide 22—60, chönleinstr. 20 und 21. Urbanstr. 25-51, 109-125, 127—137». Wahllokal: Ticffcnbachstr. 60161, Gemeindeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirke 76C, 78B: Bovpstraße, Hasenheide 1 bis 21, tzohenftausenplatz, Jahnstraße, Kottbuser Damm 13— 43, Lachmann- slraße, Schönleinstr. 22— 34, Urbanstr. 52— 108. Wahllokal: Dieffcnbachftr. 31, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirke 78A. 780: Bö-ihstr. 13— 44, Diesten- bachstr. 20, 27— 56, Gräsestr. 1—29, 66—93, Kottbuser Damm 1—12», Mullenhoststr. 10 und 11, Planuser 95— 97, Schönleinstr. 1— 19, Urban- straße 126. Wahllokal: Gräsestr. 85/88, Gemeindeschule. Vierter Teil, Stadtbezirk 77: Böckhstr. 1—12, 45—55, Diesten- bachltraße 1—19, 57—76, Grimmstraße, Müllenhoffstr. 1—9, 12—18, Plan- User 75— 94, Am Urban, Urbanstr. 22—24, 138— 150. ; Wahllokal: Böckhstr. 9/10, Realschule. 9. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu den Reichstags-Wahlkreisen III und IV.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordueter Paul Böhm, Pücklerstr. 32. 9. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 79—81, 84—92, vier Teile mit vier Wahllokalen. Erster Teil, Stadtbezirke 79, 87: Admiralstr. 2— 40», Britzcr Straße. Elisabethuser 1—13, Kottbuser Str. 8, 9, 12, 13, Kottbuser Ufer 46-65. Wahllokal: Britzer Str. 17/18, Semeiudeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirke 80. 81, 86. 88: Adalbertstr. 1-17, 86— 100, Admiralstr. 1, Dresdener Str. 1— 20, 119—136, Elisabethuser 14 bis 36, Kottbuser Str. 1— 7, 10— 11, 16— 28, Oranienplatz östlicher Teil, Oranienstr. 24—41, 165»— 183, Reichcnberger Str. 1—25, 166—171, 174 bis 185, Skalitzer Str. 1—13, 137-147». Wahllokal: Ritterstr. 4/5, Bogeler'sche Mädchenschule. Dritter Teil, Stadtbezirke 84, 85, 89: Heinrichsplatz, Manteuffel. straße 44, Mariannenstr. 2— 12, 42— 50, Naunynstr. 16—31, 61—90, Oranienstr. 2—23», 184—207, Reich enberger Str. 172—173, Skalitzer Straße 14-35, 108—138. Wahllokal: Mariannenstr. 47, Realschule. Vierter Teil. Stadtbezirke 90. 91, 92: Kottbuser Str. 14—15, Kottbuser User 31—45, Manteustelstr. 45— 83, Mariannenstr. 13— 41, Reichen- berger Str. 26-52, 139—165. Wahllokal: Reichenberger Str. 44/45. Gemeindeschnle. IS. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-Wahlkrei» IV.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Emil BaSuer, Prinzenallee 46». 16. Kommunal-Wahlbezirk. Stadtbezirke 164— 166, 168 bis 175A, vier Teile mit vier Wahllokalen. Erster Teil, Stadtbezirke 164, 171, 173: AndreaSftr. 14—28, 61—67, Grüner Weg 32—58, 61—88, Koppenstr. 13—34, 54—80, Lange Straße 29—35, 74—81, Müncheberger Str. 18. RüderSdorser Str. 2—33. Wahllokal: RüderSdorser Str. 4/5, Gemeindeschnle. Zweiter Teil, Stadtbezirke 165, 166: Andreasstr. 1— 13, 69—79, Brcslauer Str. 1—16, 18—33, Brommyftraße von Mühlenstraß« bis Spree, Fruchtstr. 1—8, 83—86, Holzmarklstr. 25—42, Koppenstr. 1—3», 96—101, Krautstr. 30, Lange Str. 28, Mühlcnstr. 2—80, Rummelsburaer Platz, An der SchillingSbrücke, Am Schlefischen Bahnhos, Stadtbahnbogen 1—27, Slralaucr Platz 1—24. 29—35. Wahllokal: Mühlenstr. 50, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirke 168, 169, 170: Breilauer Str. 17, Friedrichiselder Str. 2— 43, Fruchlstr. 9—19, 70—82, Koppenstr. 4—12, 81—95, Lange Str. 36—73, Madaislraße, Müncheberger Str. 1—17, 19—34, Schlesischer Bahnhos EmpfangSgebäude und Bahnanlagen bis Warschauer Straße.. Wahllokal: Koppenstr. 84, Gemeiudeschule. VierterTeil. Stadtbezirke 172, 174. 175 A: FriedrtchSselder Str. 1, Fruchtstr. 20—38, 51— 69, Grüner Weg 59/60, Königiberger Str. 1— 14, 25— 39, Küstrmer Platz 1— 10, Memeter Str. 38—55, Oftbabndos EmPsangS- gebäude und Bahnanlage» bis Warschauer Straße. Am Ostdahnhos, RtlderS» dorfer Str. 1, 34—51. Wahllokal: Memeler Str.»4/25, Gemeiudeschule. 22, Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem Reichstags. Wahlkreis IV.) Kandidat de« Sozialdemokratie: Stadtverordueter Robert WeugelS. Litthauer Str. 14. 22. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 158, 155—161. 139 A, B, B, fünf Teste mit fünf Wahllokalen. Erster Teil, Stadtbezirle 153, 155, 156, 157: AndreaSftr. 45 und 46, Blumenstr. 50, Große Frantsurter Str. 32— 48, 90—127, Fiiedenstr. 30 bi« 38, 92—99(neue Nummern), Fürstenwalder Str. 2-23, Koppenstr. 35 und 53, Krautstr. 1, Landsberger Platz. Lichtenberger Str. 10—11, Markus- straße 29. Palisadenstr. 2—11, 14—29, 88—108, StrauSberger Straße, Seberstr. 1—2, 64— 66. Wahllokal: Straasberger Str. S, Gemeindeschnle. Zweiter Teil, Stadtbezirke l58, 159: Große Franksurter Str. 19 bis 31, Friedenstr. 39—43, 85—91(neue Nummern), Friedrichsberg er «traße, Fürstenwalder Str. 1 und 24, Koppenstr. 36— 40, 50—52, Lcbuser Straße, Palisadenstr. 30-38, 66-87. Wahllokal: Große frankfurter Str. 23, Gemeindeschnle. Dritter Teil, Stadtbezirke 160, 161: Distelmeherstraße, Große Franksurter Str. 1—18, 128—146, Friedenstr. 44—75, 77—84(neue Nummern), Fruchtstr. 39—50, Jnsterburger Str. 12, Koppenstr. 41— 49, Löwe« straße 16 und 17, Palisadenstr 39—65, Pufendorsstraße, Richthosenstr. 1 bis 12, 15—34, Zorndorser Str. 63. Wahllokal: Tiestelmeyerstr. 1», Gemeindeschule. VierterTeil. Stadtbezirke 189 A, 189 E: Elbwger Str. 88-89, Friedrichshain, Heidenseldstr. 1 und 22, Kochhannstr. 34— 43, Landsberger Allee 1— 41, 138—160, Langenbeckstraße, Matthiasstraße, Petersburger Straße 40—48, 50— 60, Tllfiter Str. 42—62, Virchowstr. 1—6, Wilhelm- Stolze-Str. l— 11, 34— 44. Wahllokal: Olivaer Str. 19, Gemeindeschnle. Fünfter Teil, Stadtbezirk 189B: Ebelingstr. 17, Kochhannstr. 1 bis 10, Petersburger Str. 36—39 und 61, Pietschstr. 2— 22, Richthosenstr. 14, Straßmannstr. 44, Tilsiter str. 30—41, 63—68, Wilhelm-Stolze-Str. 12 bis 21, 24—33. Wahllokal: Straßmannstr. 6, Gemeindeschnle. 26. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu den ReichStagS-Wahlkreisen V und VI.) Kandidat der Sozialdemokratie: Kürschnermeifter Emil Barkowski. Christburger Str. 34. 26. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 202— 209, 218 bis 222, 225— 226, vier Teile mit vier Wahllokalen. E r st e r T e i l, Stadtbezirke 202, 203, 204. 205, 206, 218: Alexander. straße 53—70, Kleine Alexanderstraße, Bartelstraße, Bülowplatz, Dircksen- straße 26—40, Dragonerstr. 7—43, Grenadier straße, Hankestraße, Hirten- strave 3— 19, Kaiser-Wilhelm-Str. 16—40(neue Nummern), Koblankstraße, Arn stönigsgraben 1—7, Linienftr. 13—41, 224—239, Lothnnget Str. 1—12, 33—!07, Äiünzstr. 1—29, Prenzlauer Allee 2—16, 241—249, Prenzlauer Straße 30—31, Rochstr. 1—6, 15— 19, Saarbrücker Str. 1— 9, 26— 36, Schendelgasse 2—5, Alte Schönhauser Str. 60— 6l, Neue Schönhauser Str. 21, Stadtbahnbogen 118—131. Wehdingerstr. 1— 10. Wahllokal: Keibelftr. 31/32. Gemeindeschnle. Zweiter Teil. Stadtbezirke 207, 208, 209: Auguslstr. 41—45, Dragonerstr. 1— 6», 44—50, BivSstr. 18», Gormannstr. 1—31 und von Linien- bis Lothringer Straße, Linienstr. 42—75, 202»— 223», Lothringer Str. 52— 82», Münzstr. 30, Mulackstraße, Rosenthaler Str. 1—24, 54—72», Kleine Rosenthaler Straße, Rückerstraße, Schendelgasse 1 und 6—8, Alte Schönhauser Str. 1—59, Neue Schönhauser Str. 1 und 1», Steinstraße, Weinmetslerstr. 1»— 2, 3— 19(ohne 2»), Wahllokal: Gipsstr. 23a, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirke 2l9, 220, 221: Angermünder Straße. Choriner Straße 2(neue Nummer), Christtnenftr. 1—13, 31— 39, Fehr- bellmer Str. 1— 9, 94—100, Lothringer Str. 13—27, Lottumstraße, Metzer Straße, Prenzlauer Allee 239 und 240, Saarbrücker Str. 10— 25, Schönhauser Allee 1—11, 177—188, Straßburger Str. 1—23, 36—60, Weitzen- burger Str. 1—7. Wahllokal: Weißenburger Str. 4 a, Realschule. Vierter Teil. Stadtbezirke 222, 225, 226: Choriner Str. 1. 3— 12, 21, 71—85(neue Nummern), Christinenstr. 14— 30, 40— 41, Fehr- belliner Str. 10—16, 53—62, 84— 93, Gormannstraße von Lothringer bis Zehdenicker Straße, Lothringer Str. 28—51, Schönhauser Allee 173—176, Schwedter Str. 1— 17, 255—268, Seneselderplatz, Templiner Straße, Teuto- burger Platz, WetnbergSweg 1—13, 15—27, Zehdenicker Straße, ZionSkirch- straße 19—36. Wahllokal: Choriner Str. 74, Gymnasium. 27, Kommunal Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStags-WahlkreiS VI.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Dr. Hermann Wetzl, Lothringer Str. 67. 27. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 223, 224, 227—236, vier Teste mit vier Wahllokalen. Erster Teil, Stadtbezirke 223. 224, 230, 231: Anklamer Straße 19—38, Choriner Str. 13—19, 64—70(neue Nummern), Fehr- bellincr Str. 17—24, 63—83, Griebcnowstr. 1— 22, Kastanlenallec 36» bis 69, Schwedter Str. 18—28, 248— 254», WetnbergSweg 14, ZionSkirch- platz, Zionskirchstr. 1—18, 37—64. Wahllokal: Ruppiner Str. 48. Gemeindeschule. Zweiter Teil. Stadtbezirke 227, 228, 229: Ackerstr. t v. An- klamer Str. 10—18, 39— 48, Brunnenstr. 1—32, 159—198, Elsasser Str. 1 bis 10», Fehrbelliner Str. 25—67, Invalid enstr. 1, 1», 164. Rosenthaler Platz, Beteranenstraße. Wahllokal: Zehdenicker Str. 17/18, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirke 232, 233: Bernauer Str. 60, Kremmener Str. 1—7, 9—16, Fürstcnberger Straße, Granseer Straße, Gnebcnowstr. 23 und 23», Kastanienallee 36 und 70, Oderberger Str. 33, RheinSberger Str. 30— 45, Schwedter Str. 29—52, 222—245, Swinemünder Straße 1—10, 118—126, Wolliner Str. 1—9, 60—71. Wahllokal: Schwedter Str. 232/234, Gemeiudeschule. Vierter Teil, Stadtbezirke 234, 235, 236: Arkonaplatz, Bernauer Straße 26, Brunnenstr. 33—49, 139—158, Kremmener Str. 8, RheinSberger Straße 2—29, 46—79, Ruppiner Str. 1—10, 40— 49, Schönholzer Straße, Swinemünder Str. 11—23, 107—117, Wolliner Str. lO— 21, 47—58. Wahllokal: Rheinsderger Str. 4/5, Realschule. SS. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichitagS-WahllreiS VI.) Kaudidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Theodor Fischer. Seelower Str. 3. 29. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 242A und C, 247A bi»£, vier Teile mit vier Wahllokalen. Erster Teil, Stadtbezirk 242A: Chodowieckistr. 21 und 22. Ehrist. burger Str. 1—3 und 50, Danziger Str. 25—31, 65—73, Franseckystr. 22 bis 40. JablonSkiftr. 21 und 22. Prenzlauer Allee 41—56, 195—214, Ryle- straße 12— 45, Seneseiderstr. 1 und 43, Weißenburger Str. 32—61, Wörther Straße 25. Wahllokal: Christburger Str. 7, Gemeindeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirke 242 0, 247B: Danziger Str. 2-24, 74—97, Dunckerstr. 1 und 91, Hagenauer Str. 2—17», tzelmholtzplatz, Hoch- meistcrstr. 11—22, Lhchener Str. 1 und 134, Raumerstr. 7—13, Schliemann- straße 1—13, 36—48, TreSckowltr. 1, 51—60. Wahllokal: Danziger Str. SZ, Gemeiudeschule. Dritter Teil, Stadtbezirke 247 A, 2470: Dunckerstr. 14 bis Ringbahn und von dort südlich bis Nr. 81, Letteftr. 1—8, Schliemannstr. 14—35, Stargarder Str. 21— 28, 56— 63. Wahllokal: Dunckerstr. 65/66, Gemeindeschule. Vikrter Teil. Stadlbezirke 247B. 247 D: Adlbeckcr Straße. Dunckerstr. 1»— 18, 82—90», Göhrener Straße, HiddenSöer Straße, Prenz- lauer Allee 57—85, 180—194, Raumerilr. 14—36, Seneseiderstr. 2—42, Stargarder Str. 29- 39 und ihre Nordseite von Prenzlauer Allee b>s Nr. 55, Stubbenkammer Straße. Wahllokal: Tenefelderftr. 0, Gemeindeschnle. 30. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichstagS-Wahlkrei» VI, mit einigen Grundstücken zu.Niederbarn im-.) Kandidat der Sozialdemokratie: Eigentümer Paul Schulz. Raumerstr. 2. 30. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 246 A, B, D, 248 A— D, drei Teile mst drei Wahllokalen. Erster Teil, Stadtbezirke 246 A, 246 D: Danziger Str. 98, Lette. straße 9, Lhchener Str. 2—33, 96—133, Pappelastee 1—20, 74—83, Räumer- straße 1—6. 37—41, Stargarder Str. 19, 20, 64—66. Wahllokal: Pappelalice 4lal42, Gemeiudeschule. Zweiter Zeil, Stadtbezirk 246 B, 248 A: Gethsemanestr. 1—10, Greisenhagener Str. 20—26, 42—47, Pappelallee 21—68, Rodenberg- straße 2—40, Scherenbeegstraße von Wichert- bis Rodenbergstraße, Stahl- heimer Straße Westseite von Ringbahn bis Rodenbergstraße, Stargarder Straße 7—18, 67—77, Wichertstraße von Nr. 2 bi» Stahlhetmer Straße und von dort zurück bis Nr. 159. Wahllokal: Greifenhageuer Str. 20, Gemeiudeschule. Dritter Teil. Stadtbezirke 248B. 2480. 248D: Earmen-Shlva- Straße 2—32, 102—188, Dunckcrslraße von Rinabahm bis Earmen-Ghloa- Straße und Verlängerung von da bi» Mtbher Straße, Giasbrennerstrgtze, Gräbstraße, Grciscnhagener Sir. 27—41, Grellstr. 1 und 76, Humannplatz, Kanzowstraße, Krügcrstraße, Kuglerstr. 2— 36, 122—152, Lewaldftraße, Lhchener Straße von Ringbahn bis Weichbildgrenze, Meyerheimstraße, Ostseestraße Ecken an der Prenzlauer Allee, Prenzlauer Allee 86—179, Scheren» bergstraße von Rodeberg- bis Wisbher Straße, Schonensche Str. 2—16, Stahlheimer Straße von Earmen-Shlva-Straße bis WiSbyer Straße und Stahlheimer Straße Oftseite von Earmen-ishlva-Straße bis Ringbahn, Straße 14(Abt. XII des Bebauungsplans), Trelleborger Straße von Schonenschestraße bis WiSbyer Straße, Barnhagenstraße, Wichertstraße von Stahlheimer Straße bis Prenzlauer Allee, Wisbher«tr. 2—36. 69—73, Zelterstr. 24-47. Wahllokal: Scherenbergstr. 58, Gemeindeschule. 31. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichstagS-Wahlkrei» VI) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Fritz Zubeil, Grünauer Str. 38. 31. Kommunal-Wahlbezirk, Stadlbezirke 24SA—?, vier Teile mit vier Wahllokalen. E r st e r Teil, Stadtbezirke 249A, 249?: Behmstr. 28—44,«rnim- platz südlicher Test, Dänenstraße, Driesener Str. 1— 7, 24— 80, Malmöer Str. 1— 7, 24 bis Ende, Nordenskiöldstraße, Norweger Straße von Behm- straße bis Dänenstraße, Rodenbergstr. 1, Schwelbeker Straße, Echönflietzer Str. 1—3, 16-22, Schönhauser Allee 75—34, 110—116, Seelower Str. t bis 6, 22-24, Wichertstr. 1 und 160. Wahllokal: Souncnburger Str. 80, Gemeiudeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirke 249B, 249D: Arntmplatz nördlicher Teil, Bornholmer Str. 1— 12, 84— 96, Carmen-Shlva-Strage 1 und 137, Gotlandstraße, Jbsenstraße von Stavanger Straße bis Weichbildgrenze ohne die Ecken an der Stavanger Straße, Kugierstr. 1 und 153, Rodenbergstr. 41, Schönfließer Str. 4 und 12—15, Schönhauser Allee 85—109, Schonensche Str. 1, Seelower Sir. 7—21, Stolpische Str. 1—17, 36— Ende, Tegnerstratze, WiSbyer Str. 1 und 74. Wahllokal: Schönhauser Allee 103, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirk 249 0: Aalcsunder Straße, Andersen- straße, Bcrgener Straße, Björns onstraße, Bornholmer Str. 13—33, 62—63, Czarnikauer Straße, Driesener Str. 13—18, Finnländische Straße, Ibsen- straße von Björnsonstraße bis Stavanger Straße, Malmöer Str. 14—19, Nordkapstr. 1—16, Norweger Straße von Finnländische Straße bis Bornholmer Straße, Schönfließer Str. 5— 11, Stavanger Str. 1—12, Straße Id. Wahllokal: Jbsenftr. 17, Gemeiudeschule. Vierter Teil, Stadtbezirk 249E: Driesener Str. 8— 12, 19— 23, JSlandftraße, Malmöer Str. 8— 13, 20— 23, Norweger Straße von Finn- ländische Straße bis Bchmsttaße, Stolpische Str. 18— 35, Ueckermunder Straße. Wahllokal: Driesener Str. 88, Gemeiudeschule» 32. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-Wahlkrei» VO Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Karl Leid, Buttmannstr. 8. 32. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 2460, SVOA— M, süns Teile mit s ü n s W a h l l o k a l e n. E r st e r Teil, Stadtbezirke 2460, 250A: Buchholzer Straße, Cantianstr. 1—15 und Cantianstraße Westseite von Gaudhstraße bi» Schon- hauser Allee, Eberswalder Str. 25— 26, Exerzierplatz, Gethsemanestr. 11, Gneiststratze, Greisenbagener Str. 1—19, 48—68, Milastraße, Pappelallee 69 bis 73, 84—89, Schönhauser Allee 45»— 68, 127»— 144, Schwedter Straße von Nr. 53 bis Gaudhstraße, Stargarder Str. 2— 6, 78—81. Wahllokal: Pappelallee 30/31, Gemeiudeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirk 250B: Gleimstr. 30— 44, Kopenhagen« Str. 1—15, 65—79, Rhinomer Straße, Schönhauser Allee 70s— 74», 117—123, Wahllokal: Gethsemanestr. 4, Gemeindeschule. Dritter Teil. Stadtbezirk 2500: Cantianstr. 16—23, Falkplatz. Straße Am Fallpütz, Gaudhstraße, Gleimstr. 10—29, Schönhauser Allee 69 bis 70d, 124—127, Schwedtcr Straße von Gaudy- bis Gleimstraße, Sonnen- burger Str. 1—5, 24—27, Stargarder Str. 1 und 82. Wahllokal: Greifenhagener Str. 58/50, Gemeindeschnle. Vierter Teil, Stadtbezirk 2501): Gleimstr. 55—61, Kopenhagener Str. 30—44, Korsörer Str. 4—20, Schwedter Straße von Gleimstraße bi» Ringbahn. Wahllokal: Graunstr. 11, Gemeindeschule. Fünfter Teil, Stadtbezirk 250 B: Gleimstr. 45— 54, Kopenhagener Straße 16-29. 45—64, Korsöer Str. 1—3, 21—25, Sonnenburger Str.» biS 23. Dstader Straße. Wahllokal: Stargarder Str. S, Gemeindeschule. SS. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem RcichstagSwahIkrets VI.) Kaudidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Wilhelm Pfanntuch, Tellower Str. 21. 33. K o mm u n al« W a h l b e z ir k, Stadtbezirke 254 A. 0, D, B* 321 A, B, vier Teile mit vier Wahllokalen. Erst er Teil, Stadtbezirke 254 A, 2541): Lortzingftr. 2— 6,88— 42, Putbus« Str. 7—51, Ramlerstr. 2—11, 29— 37, Rügen« Str. 2— 18, 18—26. Wahllokal: Putbuser Str. 3, Gemeindeschule. Zweiter Teil, Sladtbezirk 2540: Badstr. 1— 4, Bahnhos .Gesundbrunnen", Gleimstr. 1— 9, 62—71, Graunstr. 16—33, Ramlerstr. 12 bis 28, Rügen« Str. 14 und 15, Swinemünder Str. 57—73. Wahllokal: Putbuser Str. 88, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirk 254B: Graunstr. 2— 15, 34— 42, Lortzingftr. 13—31, Swinemünder Str. 41—56, 74—87. Wahllokal: Demminer Str. 87, Gemeindeschule. Vierter Teil. Stadtbezirke 321A. 321B: Badstr. 5—15», Behm. straße 1�-27, 45—62, Bellermannstr. 19—81», Bornholmer Str. 84— 61, Clever Straße. Eulerstraße, Glücksburger Straße, Grünthater Str. 1—58, 78— 9l, Jülicher Straße, Platz 3, Sonderburg« Straße, Spanheimstraze, Straßen 2», 4», 4d, lOc, lOf(Abt. XI des Bebauungsplans). Wahllokal: Grünthaler Str. 81, Gemeindeschule. Z4. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-WahlkreiS VI) Kandidat der Sozialdemokratie: Gewerkschaftssekretär Karl Hetzfchold, Waldemarstr. 63. 34. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 251—253, 2K4B, 258—260, 265—267, fünf Teile mit fünf Wahllokalen. E r st e r T c i I. Stadtbezirke 251, 253: Bernau« Str. 25, 27—49, 61 bis 83, Brunnenstr. 50 und 138, Demminer Str. 16, Ruppiner Str. 11 biZ 23, 26—31, 34— 39, Swinemünder Str. 24—34, 96—106, Vinetaplatz, Wolgaster Str. 5—7, Wolliner Str. 22-37, 39-46. Wahllokal: Eberswalder Str. 10, Gemeindeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirke 252, 260: Brunnenstr. 51— 65. 123 bis 137, Hussitenftv. 13 und 14, JaSnmnder Str. 1 und 22, Ruppiner L-traße 32—33, Stralsunder Straße, Strelitzer Str. 37— 38, Wattftr. 1 und 25, Wolgaster Str. 1— 4, 8—13. Wahllokal: Stralsunder Str. 54, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirk 254 B: Demminer Str. 1—16, 17-36, Graunstr. 1 und 43, Lortzingftr. 7— 12, 32—37, Putbus« Str. 1— 6, 52— 68, Ruppiner Str. 24 und 25, Swinemünder Str. 35— 40, 88—96, Wolliner Straße 38. A Wahllokal: Wattftr. 16, Gemeindeschale. Vierter Teil, Stadtbezirle 258, 269: Bernauer Str. 1-24, 84—109, Hussitenstr. 1—12, 64—70, RheinSberger Str. 1, Strelitz« Str. 9 bis 36. 39—67. Wahllokal: Strelitzer Str. 41*142, Gemeindeschule. Fünfter Teil. Stadtbezirke 265, 266, 267: Ackerstr. 37—70, 117— 142 und Südwestseite der Ackerstraße von Invaliden- bis Bernauer Straße, Bergstr. 29—64, Bernauer Str. 110—121 und Bernauer Straße von Berg- bis Gartenstraße und Südostseite der Bernauer Straße von Acker» bis Bergstraße, Feldftr. 1—9, Gartenstr. 33—54. Wayllokal: Ackerstr. 07, Gemeindeschnle. 37. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichStagS-WahlkreiS Vl) Kaudidat der Sozialdemokratie: Gastwirt Hermann Heyse, Boyenstr. 19. 37. Kommunal. Wahlbezirk. Stadtbezirke 273, 275, 300 bi» 304, süns Teile mit s ü n s W a h II o k a l e n. Erster Teil. Stadtbezirke 273, 275: Boyenstr. 1—45, Hessische Straße, Jnvalidenstr. 38—49, 84—110, Kieler Straße, Platz vor dem Neue» Tor, Scharnhorststraße und Augustahospital. WahUokal: Scharnhorftstr. 18, Ge Gemeiudeschule. Zweiter Te il, Stadtbezirke 300, 301: Bandelstr. 12—31, Birken- strahe 1— IS, 62—78, Knippstr� 10—13, Perleberger Str. 20—31, 42—50, Rathenowcr Str. 50—68, Stendaler Str. 24, Wilsnacker Str. 18—56. Wahllokal: Stephanstr. L7, Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirk 302: Bandelstr. 1—11, 32—46,.Drchsc- straste, Pritzwalkcr Slraste, Ratbcnower etr. 69—78, Turmstr. 1—20, 85a bis 93, Wilsnacker Str. 7—17, 57—66. Wahllokal: Turmstr. 8K, Gcmeiudeschule. Vierter Teil, Stadtbezirke 303A, 303B: All-Moabit 10a und 10b, Feldzeugmeisterstraste, Jnvalidenstr. 55a— 56. Kruvpstr. 1— 9, 14—17, Lehrter Straße 47— 61, Perlebcrger Str. 1—19, 52—60, Ouitzowstr. 1—32, 129—146, Rathenower Str. 1—27, Schdlitzstraße, Stephanstr. 1—15, 56—67. Wahllokal i Stephanstr. 3, Gemeindeschule. Fünfter Teil, Stadtbezirk 304: Döberiber Straße, Heideftraße, Jnbalidenstr. 50—55, Lehrter Str. 1— 46, Am Nordbasen südwestliches Ufer zwischen Heidestraße und Kieler Brücke, Perleberger Str. 61— 63, An der Putlidbrücke. Bahnhos„Pullidstraße", Sllduser, Torsstr. 5—8, 32—35. Wahllokal: Stephanstr. 1/2, Realschule. 38. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu den Reichstags-Bahlkreisen I, V, VI. teilweise auch zu.Teltow".) Kandidat der Sozialdemokratie: Redakteur Hugo Poehsch, Pasteurstr. 35. 38. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 279— 287 Li, vier Teile mit vier Wahllokalen. Erster Teil, Stadtbezirke 279, 280, 281, 282: Albrechtstraße. Alexanderuser, Charitöstraße, Friedrichstr. 132, Friedrich-Karl-User 1—6, Hannoversche Str. 9—26, Jnvalidenstr. 80—83, Karlstraßc. Luisenplaß, Luisenstraße, Marienstraße, Philippstraße. Schiffbaucrdamln2— 40, Schumann« ftraße. Stadtbahnbogen 206— 289, Unterbaumstraße, Am Zirkus 1—6, L— 12a. Wahllokal t Albrechtstr. 20. Gemeindeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirke 283, 285, 286: Alsenftraße, All- Moabit 1-�10, 121—145, Becthovenstraße. Flemmingstraße, Friedrich-Karl- User von Moltkebrücke bis Alsenbrücke, Fürst-Bismarck-Straße, Gerhardt- straße, Herwarthstraße. Hindersinstraße, Jnvalidenstr. 57—79, KvnigSplatz, Kronpriiizenuser, Kurfürstenplatz, Lehrler Bahnhof, Lüneburger Straße, Mclanchthonstr. 1 und 28, Moltkestraße, Paulstraße, Große Ouerallec nörd- lich der Charlottenbmger Chaussee. Reichstagsuser 1— 3, Richard-Wagner- Straße, Roonstraße, Simsonstraße, Spenerstr. 19 und 20, Stadtbahnbogen 290—410, Tiergarten nordöstlicher Teil, Werststraße, Wilhelmuser, In den Zellen, Zeltenallee. Wahllokal: Gerhardtstr. 4/8, Gemeindeschnle. Dritter Teil, Stadtbezirke 284 A, 284B, 2840; Monaer Straße, Bachstraße, Bellevue(Schloß und Park), Bellevueuser, Brllckenallce, Claudiusstraße, Cuxhavener Straße, Flensburger Straße, Flotowstraßc, Händelstraßc. Hansaplatz, Holsteiner User, Joscs-Haddn-Straße, Klopstock- straße, Lessingstraße, Schleswiger Ufer, Siegmundshof, Stadtbahn- bogen 411—487, Stadtbahnhos.Bellevue", Tiergarten nordwestlicher Teil, Wegely straße. Wahllokal: Schleswiger Ufer 14. Realschule. V i e r t e r T e i l. Stadtbezirke 287 A, 287 B, 287 C: Alt-Moabit 11 bis 25, 107—120, Calvinstraße, Helgoländer User, Kirchstraße, Mclanchthon- straße 2—27, Rathenower Str. 79—83, Spenerstr. 1—13, 21—35, Thoma- lius straße, Wilsnacker Str. 1— 6. Wahllokal: Alt-Moabit 23, Gemeindeschule. 41. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem Reichstags-WahlkreiS VI.) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Theodor Glocke, Lausitzer Str. 52. 41. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 293B und D, 295 bis 299, süns Teile mit füns Wahllokalen. E r st e r Teil, Stadtbezirke 293B, 293D: Birkenstr. 31— 49, Bredowstraße 14—35, Bremer Str. 21— 55, Putlitzstr. 11, Ouitzowstr. 79—108, Wiclesstr. 1—7, 66—69, Wilhelmshavener Str. 13—58. Wahllokal: Tiemeusftr. 20, Gemeindeschnle. Zweiter Teil, Stadtbezirk 295: Arminiusplatz, Strqße Am Zlrminiusplatz, Bredowstr. 1— 13, 36—50, Bremer Str. 1—20, 56—76, Bugenhagenstraße, Jonasstraße, Turmstr. 28—35, Waldenserstr. 1 und 35, Wiclesstr. 63—65, Wilhelmshavener Str. 1—12, 59—73. Wahllokal: Bremer Str. 13/17, Gemeindeschnle. Dritter Teil, Stadtbezirke 296, 297: Birkenstr. 60— 61, Lübecker Etr. 1—24, 27—52, Perleberger Str. 33—41, Stromstr. 11—33, 35— 62, Turmstr. 21—27. Wahllokal: Wilhelmshavener Str. 2, Torotheenschule. Vierter Teil. Stadtbezirke 298A. 298B: Birkenstr. 17—30, 60— 59, Havelberger Str. 1— 9, 22— 31, Lübecker Str. 25 und 26, Perleberger Str. 32, Putlitzstr. 1—10, 12—22, Ouitzowstr. 109 und 115, Salz- wedeler Straße, Stendaler Str. 11, Stephanstr. 27— 45, Stephanplatz, Stronistr. 33a und 34. Wahllokal: Bremer Str. 38/4«, Gemeindeschnle. Fünster Teil, Stadtbezirk 299: Havelberger Str. 10— 21, Perle- berger Str. 51, Ouitzowstr. 33—78, 110—114, 116— 128, Rathenower Str. 28-49, Stendalcr Str. 1—10. 12—23, Stephanstr. 16—26, 46-55. Wahllokal: Ouivowstr. 115, Gemeindeschule. 44. Kommunal-Wahlbezirk. (Gehört zu dem ReichstagS-WahlkreiS VI, mit einigen Grund- stücken zu.Niederbarnim".) Kandidat der Sozialdemokratie: Stadtverordneter Emanuel Wurm, Steglitzer Str. 45. 4 4. Kommunal-Wahlbezirk, Stadtbezirke 320B, 322—324, vier Teile mit vier Wahllokalen. Er st er Teil, Stadtbezirk 320B: Badstr. 41a— 51, Buttmannstraße, Gropiusstraße, Pankstr. 53—62, Thurnehsserstraße. Wahllokal: Pankstr. 47, Gemeindeschule. Zweiter Teil, Stadtbezirk 322: Badstr.- 16—25, Bellermannstr. 1 bis 18, 82—100, Christianiastr. 111—128, Prinzenallee 17—19,! Stettiner Straße 1—65. Wahllokal: Prinzenallee 8. Gemeindeschule. Dritter Teil, Stadtbezirke 323A, 323B: Biesenthaler Str. 2—24, Christianiastr. 1—14, Freientvalder Straße, Grünthaler Str. 59—77, Soldiner Straße 1—20, 87—112, Wriezener Straße. Wahllokal: Christianiastr. 4/6, Gemeindeschnle. Vierter Teil. Stadtbezirk 324: Badstr. 26—41, Biesenthaler Straße 1 und 25, Christianiastr. 15—22, 103—110, Gotenburger Straße, Prinzenallce 1—16, 20—91, Soldwer Str. 21— 34, 77—86, Stockholmer Straße Ostseite, Travemünder Straße. Wahllokal: Gotenburger Str. 1, Gemeindeschnle. Charlottenburg. Hier finden die Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung am Sonntag, den 9. November, von vormittags 11 Uhr bis abends 8 Uhr statt. Die Liberalen arbeiten mit den größten Anstrengungen, der Sozialdemokratie das eine oder das andere Mandat wieder zu entreißen. Ohne die Wähler bei der Aufstellung ihrer Kandidaten befragt zu haben, suchen die Liberalen jetzt eben diese Wähler vor ihren Karren zu spannen, um sie als Stimmvieh gebrauchen zu können. Arbeiterl Wähler der dritten Klasse! Macht diese Spekulation zu nichte, indem Ihr Männern Euere Stimme gebt, die jederzeit bereit sind, ihr Amt im Interesse der Allgemeinheit auszuführen. Und das kann nur von den Kandidaten der Sozialdemokratie gesagt werden. Die Wahl findet statt im 1. Wahlbezirk, ÄbstimmungSbezirk A(Stadtbezirke Westend und Span. Hauer Berg) Restaurant von Alabunde, Svandaner Chanssee» Ecke Kastanienallee, Eingang auch Akazienallee. 1. Wahlbezirk, Abstimmungsbczirk B(Stadtbezirke Schloßviertel 4 und 5) Restaurant von Haseloff, Potsdamer Stt. 6. Ecke Rehringftraste. 1. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk 0(Stadtbezirke Schloßviertel 6, 8 Und 9) Restaurant von Erstling, Am Bahnhos Westend 2. Zusammenstellung des Wahlergebnisses für Bezirk 1 im Wahllokal des Abstimmungsbezirls B, Restaurant von Haseloff, Potsdamer Str. 6, Ecke Nebringstraße.. 2. Wahlbezirk. Abstimmungsbezirk A(Stadtbezirke schloßviertel 1 und Innere Stadt 8) Restaurant„Mark Brandenburg", Kaiser-Friedrich- Straffe 11, Ecke Hebbelstraffe. 2. Wahlbezirk. ÄbstimmungSbezirk B(Stadtbezirke Schloßviertel 2 und 3) TArnhallc der SiemeiiS-Oberrealschule, Schloffftr. 27.__ ' Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Für den 2. Wahlbezirk, Abstimmungsbczirk C(stadibezirle Schloßviertel 7 und 10) Restaurant von Stolle, Sophie-Charlottc-Str. 88. Zusammenstellung des Wahlergebnisses sür Bezirl 2 im Wahllokal des Abstinimungsbezirk- A, Restaurant»Mark Brandenburg", Kaiser- Friedrich-Str. 11, Ecke Hebbelstraße. 3. Wahlbezirk, ÄbstimmungSbezirk A(Stadtbezirke Kalowswerder, Am Nonnendamm, Am Königsdamm nördlich und südlich) Turnhalle der Ge- meinheschule V, Kaiicrin-Angufta-Allee 74. 3. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk B(Stadtbezirk Martinikenfelde) Restaurant von Ernst, Renchlinstr. 6. 3. Wahlbezirk, Abstimmlingsbezirk C(Stadtbezirke Halbinsel 1 und 2) Restaurant„Helmliolffqnelle", Helmholffstr. 21. 3. Wahlbezirk. Abstimmungsbczirk D( Stadtbezirke Lützow 3 und 4) Schloffpark-Rcstaurant, Berliner Str.«4. Ecke Luiseiipla«, 4. Zusammenstellung des Wablergebnisses sür Bezirk 3 im Wahllokal deS AbstimmungSbezirks V, Schloffpark-Reftaurant, Berliner Str. 94, Ecke Luisenplatz 1. 4. Wahlbezirk, ÄbstimmungSbezirk A(Stadtbezirk Am Lietzensee 1) Restaurant von Bitter, Kaiser-Friedrich-Straffe«9. Ecke Schiller- straffe 51. 4. Wahlbezirk, Abstimmungsbczirk B(Stadlbezirk Am Lietzensee 2) Restaurant„ Schnltheiff", Rönnestr. 13, Ecke Holffendorffstr. 8. 4. Wahlbezirk, Abitimmungsbezirk C(Stadtbezirk Am Lietzensee 3) Turnhalle der Gemeindeschnle XX.I, Wiblcbenstr. 36. 4. Wahlbezirk, ÄbstimmungSbezirk D(Stadtbezirke Innere Stadt 12 und 13) Restanrant von Löscher, Kantstr. 53. Zusammenstellung des Wahlergebnisses für Bezirk 4 im Wabllokal des Abstimmungsbezirks A, Restaurant von Bitter, Kaiser-Friedrich-Str. 69, Ecke Schillerftr. 51. 5. Wahlbezirk, Abstimmlingsbezirk A(Stadtbezirke Lützow 1 und 2) Restaurant„Prinz Luitpold", Berliner Straffe 4«, Eck- Caner- straffe. 5. Wahlbezirk, ÄbstimmungSbezirk B(Stadtbezirke Innere Stadt 2 und 3, Hochschuloiertel 7) Restaurant von Haustern. Krummestr.«5, Ecke Schillerstraffe. 5. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk C(Stadtbezirke Innere Stadt 4 und 5) Restaurant von Jens, Wilmersdorfer Str. 157, Ecke Grnnftraffe. Zusammenstellung deS Wahlergebnisses für Bezirl 5 im Wahllokal des Abstimmungsbezirks A, Restaurant„Prinz Luitpold", Berliner Str. 46, Ecke Canerstraße. 8. Wahlbezirk, ÄbstimmungSbezirk A(Stadtbezirke Innere Stadt 1 und 11) Restaurant von Einsporn, Pcstalozzistr. 35, Ecke Krumme- straffe. 6. Wahlbezirk, ZIbstimmungsbezirk B(Stadtbezirke Innere Stadt 6 und 7) Restaurant von Reimer, Wilmersdorfer Str. 31» Ecke Kanalstraffe. 6. Wahlbezirk, ÄbstimmungSbezirk C(Stadtbezirke Innere Stadt 9 und 10) Restaurant von Wernicke, Bismarckstr. 38» Ecke Sesen- heimerstraffe. Zusammenstellung des Wahlergebnisses sür Bezirk 6 im Wahllokal deS Abstimmungsbezirks B, Restaurant von Reimer, Wilmersdarser Str. 21, Ecke Kanalstraße. 7. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk A(Stadtbezirke Hochschuloiertel 3, 4 und 6) Restaurant von Hanse. Triilüterstr. 75. Ecke Goethestr. 13. 7. Wahlbezirk, Abstimmlingsbezirk B(Stadtbezirke Hochschuloiertel 5, Am Kursiirstendamm 3 und 4) Restaurant von Hellwig, Aleibtreuftr. 41» Ecke Mommsenstraffc. 7. Wahlbezirl ÄbstimmungSbezirk C(Stadtbezirke Am Kurfürsten- dämm 5 und 6) Restaurant von Behrendt, Wilmersdorfer Str. 1««. Zusammenstellung des Wahlergebnisses sür Bezirk 7 im Wahllokal des Abstimmungsbezirks�A, Restaurant von Hänse, Schlüterstr. 75, Ecke Goethestr. 13. 8. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirl A(Stadtbezirke Ostviertel 1, 2 und 3) Restaurant von Schulz. Lutherftr. 11. 8. Wahlbezirk, Abstnnmungsbezirk B(Stadtbezirke Ostviertel 4— 7) Restaurant von Gerdes, Angsbnrger Str. 38, Ecke Marbnrger Straffe. 8. Wahlbezirk, Abstimmungsbezirk C(Stadtbezirke Ostoiertel 8, Am Kursürstendamm 1 und 2, Hochschuloiertel 1 und 2) Restaurant(Bürger- heim) Zum Schnltheiff, Kursürstendamm 33, Eing. Uhlandftraffe. Zusammenstellung des Wahlergebnisses sür Bezirl 8 im Wahllokal des Abstimmungsbezirks C Restaurant Bürgerheim, Kursürstendamm 3t, Eingang Uhlandstraße. Die Kandidaten der Sozialdemokratie find: 1. Bezirk: Stadtverordneter Gustav Scharnberg und Stadtverordneter Wilhelm Richter. 2. Bezirk: Schriftsteller Simon Katzen st ein. 3. Bezirk: Stadtverordneter Gustav Scharnberg. 4. Bezirk: Bezirksvorsteher Isidor Rosenthal. 5. Bezirk: Stadtverordneter August Gebert. 6. Bezirk: Stadtverordneter Hugo K I i ck. 7. Bezirk; Landtagsabgeordneter und Stadtv. Paul Hirsch. 8. Bezirk: Stadtverordneter Heinrich Bogel und Werkzeug- macher Paul Zippe l. Bergesse niemand, seine Wahlaufforderung vom Magistrat mit zur Wahl zu nehmen. Als Legitimation gelten außerdem noch Steuerquittung, Mietsvertrag, Militärpatz, Jnvalidenkarte usw. Em Fang auf städtische Arbeiter. Für den 5. Bezirk der dritten Abteilung haben die Liberalen als Kandidaten den Gasanstaltsvorarbeiter Friedrich aufgestellt. Man rechnet damit die Stimmen von Arbeitern und vor ckllem die Stimmen der städtischen Arbeiter zu fangen. Im.Sprechsaal" der „Neuen Zeit" beschäftigt sich ein Eingesandt, unterzeichnet„Ein städtischer Arbeiter" mit dieser Kandidatur. ES wird den Liberalen nachgerühmt, dag sie„gleiches Recht für alle" gelten lassen, indem sie einen Arbeiter, nebenbei den Vorsitzenden des freisinnigen Arbeitervereins, als Stadtverordnetenkandidaten präsentieren. Wenn den Liberalen so viel daran liegt, einen Arbeiter ins Parlament zu bringen, warum stellen sie dann ihren Mann nicht in einem sicheren Bezirl auf? Der ö. Bezirk wird es sich zur Ehre rechnen, den Renommierarbeiter Friedrich durchfallen zu lassen. Der Einsender sagt unier Bezugnahme auf die Kandidatur Friedrich: „In den Kreisen der Unterbeamten und der städtischen Arbeiter ist mit groger Freude die Nachricht ausgenommen worden, daß im 5. Bezirk der dritten Klasse der städtische Gasanstalts-Vorarbeiter Friedrich als Stadtverordneten-Kandidat aufgestellt worden ist. Die Liberalen, die diese Kandidatur gebracht haben, haben sich dadurch einen Stein im Brett erworben bei vielen. Immer schon wurde in den Kreisen der Arbeiter und Beamten und der, wie man sagt,„kleinen Leute", darüber geklagt, daß zu Stadtverordnelen stets nur Herren aus dem Kaufmannsstand oder aus den gelehrten Berufen aufgestellt wurden. Die Liberalen haben nun zetzt gezeigt, daß bei ihnen das Wort gelten)oll: Gleiches Recht sür Alle I Es ist durchaus richtig, daß auch einmal ein nichtsozialdemokratischer Arbeiter ausgestellt wird Ein solcher kann am besten beurteilen, wo uns der Schuh drückt. Er wird aber auch keine unvernünfiigen Forderungen stellen, sondern dafür sorgen, daß die Kirche im Dorf bleibt. Ein solcher Vertreter kann für die berechtigten Wunsche der An- gestellten und Arbeiter mehr wirken als ein Sozialdemokrat mit seinem Klassenstandpunkt. Hoffentlich treten am Sonntag alle städtischen Arbeiter und die Unterbeamten und Angestellten aller Art, die sonst vielfach ver- ärgert zu HauS blieben, Mann für Mann an und wählen im 5. Be- -irk unfern Freund Franz Friedrich Ein städtischer Arbeiter." Wir sagen, die städtischen Arbeiter würden sich auf das schwerste schädigen, wenn sie an Stelle eines erprobten Vertreters ihrer Interessen einen Mann vom Schlage eines Vorarbeiters Friedrich wählen würden. Dieser„liberale" Arbeiter als„Konzessions- schulze" würde in der liberalen Fraktion, die erst in diesem Jahre die Anträge der Arbeiter, die durchaus vernünftig waren, ablehnte. ohne jeden Einfluß sein. Selbst wenn Herr Friedrich den besten Willen hätte. Aber diesen Willen wagen wir nach den bisherigen Erfahrungen zu bezweifeln. Herr Friedrich ist in der Gas- anstalt dafür bekannt, daß er im Arbeitsverhältnis seine Freunde, vor allem die Anhänger deS sogenannten freisinnigen Jnierai-ri!."!: rantw Tli Glocke. Berlin. Druck u. Veilag: Vorwart» Arbeitervereins in jeder Hinficht begünstigt. Der Eintritt in diesen Verein, für' den Herr Friedrich und seine Helfershelfer ungeniert im Gaswerk agitieren, gibt die Anwartschaft auf gute und lohnende Beschäftigung. Die Arbeiter der Gasanstalt wissen ein Lied davon zu singen. Wenn irgend jemand das Recht abzusprechen ist, sich als Vertreter der Interessen der städtischen Arbeiter aufzuspielen, so trifft dies auf Herrn Friedrich zu. Wollen die städtischen Arbeiter ihre Interessen am besten wahren, dann müssen sie am Sonntag allerorts für die sozialdemokratischen Kandidaten stimmen. Diese allein sind stets bereit, für sie einzu- treten. Die Haltung der liberalen Fraktion gegenüber den Anträgen der städtischen Arbeiter beweist, daß sie kein Verständnis für die Lage der städtischen Arbeiter besitzen. Zu einer Verstärkung dieser Fraktion darf kein städtischer Arbeiter die Hand bieten. Schöneberg. Die Stadtverordnetenwahlen finden am Sonntag, den 9. November, von vormittags 9 Uhr bis abends 7 Uhr statt. In der dritten Abteilung, die für uns ganz besonders in Frage kommt, werden sich heftige Kämpfe ab- spielen. Von den Bürgerlichen ziehen die Freisinnigen unter dem Namen Liberale Fraktion Zobelscher Richtung und die Libe- rale Vereinigung unter Leitung des Architekten Jatzow in den Wahlkampf. Die Sozialdemokratie war bisher im 5. Bezirk durch den Genossen Molkenbuhr, im 6. Bezirk durch den Genossen B ä u m l e r und im 8. Bezirk durch den Genossen K ü t e r vertreten. Diese gilt es zu verteidigen. Der 1.» 2. und 19. Bezirk waren bisher im bürgerlichen Besitz und sollen dies- mal erobert werden. Im 1. Bezirk ist vom Oberverwaltungs- gericht bisher noch nicht entschieden, ob die Wahl des Liberalen Lassen gültig oder ungültig ist, obwohl das Verfahren bereits über zwei Jahre schwebt. Anfänglich befehdeten sich die Bürgerlichen untereinander auf das heftigste, sie haben im Laufe der Zeit es abxr an giftigen Angriffen gegen die Sozialdemo- kratie nicht fehlen lassen. Pflicht eines jeden ist es nun. dafür zu sorgen, daß die Spekulation der Gegner, ihren Besitzstand zu behaupten und neues bisher von der Sozialdemo- kratie innegehabtes Terrain zu erobern, zunichte gemacht wird. Nachstehend bringen wir die zur Wahl stehenden Be- zirke nebst Wahllokalen und die sozialdemokratischen Kandi- daten den Wählern zur Kenntnis. 1. Wahlbezirk. Augsburger Str. 51—53, Bamberger Str. 1— 7, 13—21 und 38—61, BerchleSgadener Str., Bülowstr. 1— 7 und 101— 108, Frankenstr., Freisinger Str., Geisbergftr. 18 und 25— 43, Gossowstraße, Kulmbacher Str. 1—8, Maaßensir. 10—25, Motzstr. 22— 34 und 53—93, Neue Ansbachcr Str., Neue Bapreuther Str., Neue Winterseldtslr., Rollen- dorsplatz 5—9, Nollendorsltr., Pallasftr. 21—23, Passauer Str. 12—19, Regensburger Str. 1—9 und 30—35, Rosenyeimer Str., Biktoria-Luisen- Platz. Winterfeldtstr. 18—21, Würzburger Str., Zietenstr. 1— 16. Wahllokal: Restaurant Ansbacher Hos, Motzstr. 31, Ecke Neue Ans- bacher Str. 1. Kandidaten: Handlungsgehilfe Albert Lazar und- Stukkateur Karl Eckert. 3» Wahlbezirk: Aschaffenburaer Str. 5— 20, Bamberger Str. 22— 37, Barbarossaplatz, Barbarossaslr. 1— 32 und 34— 70, Baperischer Platz, Eisenach er Sir. 9—41 und 83—113, Grunewalditr. 17—77, Güntzelstr. 1—2, Haberland str., Habsburger Str., Heilbronner Str., Hohenstaufenstr., Jenaer Str. 27—30, Kpffhäuserstr., Landshuter Str� Lindauer Str., Luitpoldstr., Martin-Lütber-Str. 1—24 und 76—98, Münchener Str.. Schwäbische Str., Speyerer Str., Starnberger Str., Stübbcnstr., Traimsteiner Str.. Westarpstr. Wahllokal: Restaurant von Mischte, Martin-Luther-Straße 36. Kandidat: Lagerhalter Otto Reiche, Hausbesitzer. 5. Wahlbezirk. Am� Park. Belzigcr Str. 25-64. EberSstr. 37—46. Ersurter Str., Frhr.-vom-stein-str.. Jrip-Reuter-Str., Gutzlowftr., Haupt- straße 23—64 und 95—145, Hewaldstr., Heylstr., Jnnsbrucker Str. 18— 42, Koburgcr Str., Kusslciner Str. lzwiscken Frhr.-vom-Stein-Str. und Wexftr.), Martin-Luther-Str. 51—66. Mühlenstr., Nymphenburger Str., Raetherstr., Sternberger Str., Botzbergltr., Wexftr. Wahllokal: jftestaurant von Jacob, Martin-Luther-Str. 45. Kandidat: Schrijtsteller Hermann Molkenbuhr, Mieter. «. Wahlbezirk. Bahnhof Großgörfchenstr., Bahnstr., Bautzener Platz, Bautzener Str., Erdmannstr., Großgörscheustr. 1—20, Hauptstr. 1— 22 und 146—163, Helmstr., Hochkirchstr., Kaiser-Friedrich-str., Neue Culmstr.» Neue Steinmetzstr., Stubenrauchstr. Wahllokal: Restaurant zur Hütte, Kaiser-Friedrich-Str. 18. Kandidat: Buchhalter Reinhold Kürer, Hausbesitzer. 8. Wahlbezirk. Gotenstr., sedanstr. Wahllokal: Restaurant zum Goten, Gotenstr. 1. Kandidat: Spediteur Wilhelm Bäumler, Mieter. 1«. Wahlbezirk. Albertstr.. Ebersstr. 14—36 und 54—91, Feurig- straße 25— 52, Gustav-Frehtag-Str., Maxstr., Prinz-Georg-Str., Tempel- hofer Str. Wahllokal: Restaurant von Diegener, Maxstr. 7. Kandidaten: Kausmann Hermann Eichelhardt, Hausbesitzer, Burcauangestelller Franz Czeminsli, Mieter. Heute Freitag» den 7. November» abends 8 Uhr, findet in der Schloßbrauerei, Hauptstr. 122» eine Wählerversammluug statt, zu der alle Frauen und Männer eingeladen sind. Singegangene Druck Fcbriften. Tie trennende Brücke. Roman aus dem Bormärz. Bon I.». Ludrassy. 3,50 M., geb. 4,50 M. Schuster u. Löffler, Berlin W 57. Getstes-Wissenschafte». Verlagsverzeichnis von B. G. Teubner, Leipzig-Berlin. 394 S. Selbstverlag. Ter Wanderer. Ein Buch sur Frele und Führer von I. Seiffert. Berlin, B. Vehrs Verlag(Friedrich Feddersen). 7,50 M., geb. 10 M. Die religiöse Not unserer Zeit und der Ipirttiömus. Von Georg Sulzer. 46 S. O. Mutze, Leipzig. Die germanischen Reiche der Bälkerwanderung. Von Prof. Dr. L. Schmidt.(Wissenschaft und Bildung Bd. 120.) Leinenband 1.25 M.— Biene» und Wespen, ihre Lcbensgewohnheiten und Bauten. Von Ed. I. R. Scholz.(Naiurwissciischastlichc Bibliothek sür Jugeud und Volt.) In Leinenband 1,80 M. Quelle u. Meyer, Leipzig, Erinnerungen an Guy de Maupassant. Von seinem Kammer- diener Franpois. 4 M., geb. 5 M.— Religion und Religionswissen- schaft. Bon A. Tbomsen. 1,80 M.— Judas. Bon C. Facobi. Roman. 2,50 M.. geb. 3,50 M. A. Juncker, Berlin W 15. Germanen. Roman von P. Albrecht. 4 M., geb. 5 M..kenien-Verlag. Leipzig. Unsere Pflicht zur Politik. Von M. Rade. 80 Ps. Christliche Welt, Marburg a. d. L. Zur Selbsterlernung fremder Sprache». Methode Schliemann. 1. Bncs Französisch. 1 M. W. Biolet, Siultgart Das bunte Buch. Geh. 60 Pf. K. Wolff. Leipzig. Das Buch des Lebens. Von M. E. belle Grazie. 318 S. Breitkopf u. Härtel, Leivzig.... Abhandlungen und, Bortrage zur soziallftlichen Bildung. Herausgegeben von Max Grunwald. Heft 10: Marx und die Anarchisten. Von G Stiekloss. 50.Ps. Kaden u. Co., Dresden. Die weiffen Blätter. Hest 1 und 2. Monatsschrift, 1. Jahrg. Einzel. Heft 2 M. Verlag der weißen Blatter, Leipzig. � t Wirlschaftsvolitische Tagesfrogen. 3. Hest. AuS der neuesten Entwicklung der Privatangeftelltc». 20 Ps.— 4. Hest: Tie Lebens- fähiakeit des'Mittelstandes unter dem Etnfluft unserer Wirtschafts- Politik. 20 Ps.— 5. Hest: Stand und Aussichten unsercr Handels- voUtik. 30 Pf. Bolksvereins-Berlag, M.-Gladbach. Helmolts Weltgeschichte. Herausgegeben von Dr. A. Tille. Bd. 1. o Auflage mit 1000 Abbildungen, 400 Tafeln sowie 100 Karten. 10 Bände, Halbleder geb. 12.50 M. Bibliographisches Institut. Leipzig und Wien. Ernst Hardt und die Neuromanttk. Ein Mahnwort an die Gegen- wart von K. Schumann. Geleitwort von A. Holz. 1,25 M. Paul Kühncl, Löben(Ostpr.). Die Verleugnung des Erfurter ParteivrogrammS durch die Sozialdemokratie in der Frage des KirchenauStritts. Von W. Oehmc. A) Ps. Neuer Frantsurter Verlag, Frankfurt a. M. „Die Bestrebungen und Erfolge deS Deutschen Holzarbeiter. Verbandes." Sine kurze Darstellung des Zweck», der Entwicklung, der KampseSmiltel und der seither erzielten Erfolge des Verbandes. Heraus- gegeben vom Verbandsoorsland. Verlagsanstalt des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, Berlin. 40 Pf.__ Pucvdruckeiei u. Ve clagscmjtalt Paul'Singer U. Co., Berlin Lflt