Nr. 300, 30. IahrS. Bbonnemcnts-Bcdingungcn: H vAx�x- vH j Die Infertions- Gebühr «bonnemeMS- Preis vriimuneranto: DW DW M»(�W/»Wl BV HHf � delrSgt ffic die fcüwqcfraftcMie«ofonel« Lierleljährl. Z.M MI, nionall. l.io MI,>W ff WW>»> WM'�Ws' BnZJ geile oder deren:llnimt uo Pfg,, Wochen llich 23 Pfg. frei ins Haus. HC WM f�\ MM MM WW MM W» W« f, HM«�W ��Pyy politische und gewerlschafttiche Äereiiis- Einzelne Nununer k Pfg. Sonntags, ��HW I— 9B W) �M MM MC MM DCC MM IS. MC nW[ y/ und Bersmiunlungs-Auzeigen:;u Pfg. nummec mit illustrierter. Sonntaas- d&HB r�mBl DM HH HD MC �M MI MM MC CM V) W» iVW l //„Kleine Hn-cigien", da- jcttqcbntcftc Beilage.Die Neue Welt" lS Psg. Post. VW MM �W MM IM WM MC IM M WM M BB!, Wort 20 Psg. izulmstg 2 fettgedruckte Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. TZ�M �M �M �M �Ml MM �M MM MM MM Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Eingetragen in die Poft.ZcituiigS. � DM WW �H VW HMV ÄHAIlßU WM BN Stellengesuche Itnd Schlasstelleuan. Preisliste. Unter Kreuzband iür MW WM i. WW>> WV�SWV��-�- MiMMp-�Vo», JsBkV WM �ff WM zeigen das erste Wort I» Psg„ jedes Deutschland und Oesterreich. Ungar» M» MM �w// TfW/ äSLV // WM weitere Wort Psg. Worte über>7. Puch. 2,ö0 Marl, für das übrige Ausland HM� ▼/ Z//\/ �EmX A' ICH Itaben stiblen für zwei Worte, Inserate 4 Mark pro Monat. Postabonnements____—-■____— � //- IHC\ siir die nächste Aniinucr müssen l>!> nehmen an: Belgien. Dänemar?,->-f f"____ ▼/—\ 5 Uhr nachinittags in der Ervedition Holland, Italien, Luzcniburg, PorMgal, C/( L/J �—'— I". � Zf~�Ws abgegeben werden. Die Expedition ijt Kumänien, Schweden und die Schweiz.-f V«__ J J x-— � bis 7 Uhr abends geöffnet. Vevlinev Volksblstk. sss».. �entralorgan äer l'ozialclemokratil'cken Partei Oeutfcklanäs. Redaktion: 803. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplast, Nr. 1S83. Sozialdemokratie und MtlingskommMion. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in ihrer Sitzung vom 13. Siovember 1913 sich mit der Besetzung der Rüstungskommission befaßt und beschlossen, von jeder Teilnahme an dieser Kommission ab� zusehen. Der Fraktionsvorstand hat in Ausführung dieses Be- schlusses das folgende Schreiben an den Herrn Staatssekretär Dr. Delbrück gerichtet: Berlin, den 13. November 1913. An den Herrn Staatssekretär des Steichsamts des Innern, Exzellenz Dr. Delbrück Berlin IV 8. Wilhelmstratze 71. Ew. Exzellenz erwidere ich auf das Schreiben vom 8. No- dember 1913 ergebenst, daß die Fraktion der Sozialdemokratie des Reichstags es nunmehr ablehnt, überhaupt ein Alitglied in die Kommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen zu entsenden, da der Herr Reichskanzler entgegen der Erklärung des Herrn Staatssekretärs des Reichsamts des Innern in der Siyung vom 23. April 1913, daß die Wünsche der Parteien bei Besetzung der Kommission Berücksichtigung finden sollen, es abgelehnt hat, den einen der beiden von der Fraktion der Sozialdemokratie in Bor- schlag gebrachten ReichStagsabgeordneten in die Kommission zu berufen. Unsere Fraktion ist der Ansicht, daß diese Ablehnung deS vor- geschlagenen Mitgliedes durch den Herrn Reichskanzler auf eine Verletzung enies bisher vom Reichstage geübten Rechtes hinaus- kommt. In vorzüglicher Hochachtung! Der Vorstand der Fraktion der Sozialdemokratie: I. A.: H. M 0 l k e n b u h r. Gleichzeitig hat der Abg. N 0 s k c, der bereits in die Kommission berufen war, sich wie folgt, erklärt: Berlin, den 13. November 1913. An den Herrn Staatssekretär deS Reichsamts des Innern Dr. Delbrück Berlin. Ew. Exzellenz habe ich schriftlich meine Bereitwilligkeit mitgeteilt, an den Vcr- Handlungen der Kommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen teilzunehmen. DaS geschah unter der Voraussetzung, daß in der Kommission die Vertretung der Fraktionen des Reichstages ent- sprechend Ihrer Erklärung in der Sitzung des Reichstages vom 23. April 1913 crinöglicht werden würde. Ew. Exzellenz hatten damals die Zusicherung gegeben, daß die Wünsche der Parteien Berücksichtigung finden sollen. Erst nachdem ich Ew. Exzellenz meinen Eintritt in die Kommission mitgeteilt hatte, ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß die Regierung es ablehnt, neben mir den von der sozialdemokratischen Fraktion als Kommissions- Mitglied vorgeschlagenen Herrn Dr. Liebknecht einzuberufen. Aus diesem Grunde erkläre ich, daß mir nunmehr die Teilnahme an den Verhandlungen nicht mehr möglich ist, da die sozialdemokra- tische Fraktion des Reichstages in Uebereinstimmung mit niir, in der Ablehnung ihres Vorschlages eine Briiskierung und die Ber- letzung eineS Rechtes deS Reichstages erblickt. Hochachtungsvoll G. N 0 s k c. Die Fraktion hat ferner die Einbringung einer Jnter- pellation in dieser Angelegenheit beschlossen und die Genossen Ledcbour und 5i 0 s k e als Redner hierzu bestimmt. *-» * Tie sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat durch diesen Beschluß nur getan, was sie ihrer Ehre und Würde schuldig war.. Soweit die Parteipresse bereits zu der Frage Stellung genommen, sind wir nur der einmütigen Auffassung begegnet, daß sich die Fraktion eine solche Brüskierung un- möglich gefallen lassen könne. Eine Ansicht, die von den breitesten Volksmassen sicherlich geteilt wird! Selbst wenn wir den Verdacht, daß es sich bei der Zu- saminensetzung der Kommission und ihrem von der Regierung umschriebenen Ausgabenkreis nm gar nichts anderes handeln dürfte als um eine Vertuschnngs- und Beschönigungsaktion zugunsten der allniächtigen Kanonenfirma Krupp, einstweilen ganz aussckfalten, war es eine geradezu beispiellose Zumutung an die stärkste Reichstagsfraktion, daß man sich ihr— und obendrein ihr allein— Vorschriften darüber zu machen er- kühnte. wen sie als llllitglied präsentieren dürfe und wen nicht. Selbst eine bürgerliche Fraktion, die nur ein wenig auf ihr politisches Ansehen hielt, konnte sich ein solches An- sinnen unmöglich bieten lassen. Handelte es sich doch hier um nichts Geringeres, als um die Preisgabe parlamentarischer Rechte, die dem Reichstag bisher eingeräumt worden waren. Wie hätte da gar die Sozialdemokratie, die auf Grund ihrer programmatischen demokratischen Forderungen mit aller Energie die Erweiterung der parlamentarischen Rechte der Freitag, den 14. November 1913. Volksvertreter durchzusetzen bestrebt ist, durch ihre Nach- gicbigkeit eine Schmälerung der bereits anerkannten Rechte des Reichstags gutheißen können! Denn bei früheren Untersuchungskomniissionen ist ja den Parteien bereits das Recht zugestanden worden, diejenigen Mitglieder in die betreffende Kommission zu entsenden, die sie, und sie allein, für geeignet hielten, Diesmal jedoch sollte es anders sein. Tiesmal glaubte sich die Regierung das Recht anmaßen zu dürfen, einem von der Sozialdemokratie vorgc- schlagenen Mitgliede die Teilnahme zu verwehren! Offenbar handelte sichs hier um einen besonderen Liebesdienst für dse Firma Krupp. Ihr. der vom Bericht die Beihilfe zur Be- stechung für schuldig erklärten Firma, wollte man parlamen- tarische Rechte opfern! Hätten wir überhaupt ein Reichsparlament, das ettvas auf sich hielte, so wäre schon der erste Versuch einer solchen Schiebung vom Reichstag schonungslos durchkreuzt worden. Man hätte sich dann erst gar nicht auf eine solche Kommission eingelassen, wie sie die Regierung vorschlug. Tie Sozialdemokratie hatte seinerzeit die Einsetzung einer Konnnissiön von 21 Mitgliedern beantragt, der durch Gesetzeskraft das Recht zur eidlichen Vermehrung von Zeugen und Sachverständigen verliehen werden sollte. Andere Par- lamente, die sich wirklich als Volksvertretung fühlen und nicht als Anhängsel einer Regierung, haben des öfteren solche Kommissionen eingesetzt. Nur von ihnen ist die wirkliche Er- forschung der Wahrheit und eine faktische Abstellung von öffentlichen Schäden zu erwarten. Aber die große Mehrheit unserer bürgerlichen Parlamentarier zieht ja gleich der Korn- walzerfirnia die Hintertreppe vor. Als Komplicen der reak- tionären Regierung führen sie den tückischsten Kampf gegen das Volk, gegen die Volksvertretung. Als Hehler und Ver- teidiger der kapitalistischen Korruption hintertreiben sie jede gründliche Aufdeckung kapitalistischer Fäulniserscheinungen. So war ihnen der Ausweg der Regierung, von dem sie die Leugnung und Vertuschung des Krnpp-Panamas erwarteten. hoch willkommen. Als Minorität war es der Sozialdemokratie unmöglich, ihre Forderung durchzusetzen. Wohl oder übel mußte sie ver- suchen, durch eifrige Mitarbeit in der nach dem Willen der Reaktion gestalteten Rüstungskonimission so viel Licht in das lichtscheue Treiben des Rüstungskapitals zu bringen, als irgend möglich war. Als aber die Regierung diese Komödie durch die tolle Zumutung zu krönen wagte, daß die Sozial- demokratie an Stelle Liebknechts einen anderen Abgeordneten in die Kommission wählen und sich für Liebkneckt mit der Rolle eines„Sachverständigen" begniigen solle, da gab es für eine ernsthafte demokratische Partei gar nichts anderes mehr als ein ehernes Nein, den entschiedensten Protest! Die Beschlüsse der Fraktion haben der gebieterischen Titnation Rechnung getragen. Mag die Regierung versuchen, wie tvcit sie mit ihrem durchsichtigen Spiele kommt. Weder sie noch die Firma Krupp werden, die Zukunft wird das be- weisen, des würdelosen Intrigenspiels froh werden. Selbst unserem doch nicht gerade iiberencrgischen Frei- sinn beginnt die Geschichte bereits zu dumm zu werden. Tic „V o s s i s ch c Z e i t u n g" erklärt in einem Leitartikel gleich- falls, daß der einzig richtige Weg zur Ermittelung einwand- freier Tatsachen die Annahme des erwähnten sozialdemokra- tischen Antrages, die Einsetzung einer mit richterlichen Befug- nissen ausgestatteten Konunissidn gewesen wäre, llnd sie nagelt weiter die Doppelzüngigkeit der Regierung fest. Sie schreibt „Der Staatssekretär Tr. Delbrück fügte im Auftrage des Reichskanzlers hinzu: „In diese Kommission wird eine entsprechende Zahl von Mitgliedern dieses hohen Hauses berufen werden, wobei die Wünsche der Parteien Berücksict'tigung finden sollen." Das verlas der Staatssekretär wortgetreu aus einer schrist- lichen Mitteilung„im Namen de- Reichskanzlers" am 23. April 1913. In diesem Iliiifang sei die Regierung bereit, die von der Budgetkommission vorgeschlagene, demnächst vom Plenum an- genommene Resolution durchzuführen, die dahin geht, „den Reichskanzler zu ersuchen, zur Prüfung der gesamten Rüstnngslicferaiiten für Reichsheer und Marine eine Kam- Mission zu berufen, zu Iveläier von, Reichstag zu wählende Mitglieder des Reichstag- und Sachverständige zuzuziehen find. Der Herr Reichskanzler wird ersucht, den Bericht der Koni- Mission den gesetzgebenden Körperschaften mit Vorschlägen zur Beseitigung etwaiger Mißstände mitzuteilen." Nur der Wahl der Mitglieder durch den Reichstag stimmte die Regierung nicht zu. Dafür verpflichtete sie sich, die Wünsche der Parteien zu berücksichtigen. Mit dieser Zusage steht die Ab- lehnung des von der sozialdemokratischen Fraktion vorgeschlagenen Abgeordneten Liebknecht in handgreiflichem Widerspruch, lind schon deshalb ist es unerläßlich, daß die Regierung als- bald öffentlich erklärt, aus welchen Gründen sie ihr feierliches Versprechen nachträglich ein- schränken zu müssen glaubt." Nun, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird durch schleunige Einbringung der angekündigten Jnter- pellation der Regierung Gelegenheit geben, ihre sogenannten Expedition: SCQ. 68, Lindcnstrassc 69. | J Fernsprecher: Amt Niorinplatt, Nr. 198t. Gründe öffentlich darzulegen. Mit Ausreden und einem etwaigen Versteckspiel wird sie bei der Oeffentlichkeit, die durch den Verlauf der beiden Krupp-Prozesse ohnehin im hoch- sten Maße mißtrauisch geworden ist, wenig Gegenliebe finden. Zwei Argumente, die in der Krupp-Presse, die ja wohl die Intentionen der Regierung einigermaßen kennen mag, vorgebracht werden, seien schon heute der Lächerlichkeit preis- gegeben. Liebknecht soll nicht Mitglied der Kommission sein, wohl aber als„Sachverständiger" gehört werden. Man kann doch unmöglich glauben, daß Liebknecht etiva als Mitglied der Komniission mit seiner Kenntnis der Krupp- und Rästungs- fkandalosa irgendwie zurückgehalten haben würde. Man muß also annehmen, daß man Liebknecht nicht die Zunge lösen, sondern den Mund nach Möglichkeit verbinden �möchte! Ans der anderen Seite soll der„Kläger" Liebknecht nicht zugleich„Richter" sein. Ja, dann dürften doch die Regierungs- Vertreter selbst erst recht nicht der Kommission angehören. Müßten sie doch— sofern sie sich wenigstens ihrer Pflicht be- wüßt wären— mindestens in demselben Grade wie Liebknecht Ankläger sein und ans die völlige Klarstellung und Aus- rottung acher gemeinschädlichen Treibereien des Rüstungs- kapitals dringen. Wie es die Regierung auch anstellen mag: mit den An- klägern des Krnpp-Panamas wird sie so nicht fertig! llnd zu je zweifelhafteren und anstößigeren Mitteln sie greift, desto gründlicher hilft sie dem Volke die Augen öffnen! lilexiß». Die Nachrichten aus der amerikanischen Wetterecke lauten mit jedem Tag hosinungslojer. Die Washingtoner Regierung hat alle Vor- bereitungen zum Kriege getrosten. Sie läßt die mexikanische Küste durch 16 KciegSschiste blockieren, an der Lande-grenze, am tlliogrande« fluß, hält sie 29909 Soldaten einmarschbereit, den Kredit hat sie dem südlichen Nachbar schon vor Wochen abgeschnitten. Der mcxi- kanische Diktator H n e r t'a versucht durch dilatorische Maßnahmen die Entscheidung hinauszuschieben und durch gewagte Finanzmanöver den Druck zu paralisieren. Viel ist damit freilich nicht zu erreichen. Denn ohne die helfende Gunst des„großen BrudecS" im Norden fehlt der Fiuanzwirtschast und der Industrie Mexikos die Möglichkeit zum geregelten Leben, Mexiko ist nach Humboldts Ausspruch die S ch a tz k a m in e r der Welt. Es besitzt alle Stoffe, die das Baumaterial für den Jndustriesiant bilden. Seine Metallindustrie überschattet alle anderen Gewerbe. An der WarenauSsilhr, die im Jahre 1910/11 einen Wert von 428,4 Millionen Mark ausmachte, ist die Metallindustrie mit 340 Millionen beteiligt, llnd das ist nur ein schwacher Anfang. Die mexikanische Erz- und Metallproduktion wird erst richtig be- ginnen, wenn der innere Friede hergestellt ist, d. h. wenn sich die kapitalistischen Cliquen über die Nerteilung der Beine geeinigt haben. MexikoS Industrie, Handel und Finanzwesen sind nahezu ganz in den Händen der New Uorker Hochfinanz. 75 Hunderttcile seiner Ausfuhrgüter gehen nach den Vereinigten Staaten, an seiner Einfuhr ist Onkel Sam mit i>7 Hundertteilen beteiligt. Solange dein amerikanischen Kapital die Alleinherrschaft in Mexiko verbürgt, solange ihm Naturschätze und Menschen unter annehmbaren Bedingungen zur Au-- beutung überlassen blieben, hatte es kauni einen Grund, in die inner- politischen Angelegenheiren Mexikos einzugreifen, jedenfalls keine Nr- fache, nach Intervention geschweige nach Annektierung zu rufen. Denn eine Einverleibung hätte die Ausdehnung der Rechte und Freiheiten des amerikanischen Bürgers auf die mexikanischen nach sich ziehen müssen, was eine Schmälerung de- Rechtes der Ausbeutung sowie die Freiheit die Eingeborenen ungestraft mißhandeln zu dürfen bedeuten würde. Somit hatte die amerikanische Hochfinanz allen Grund, nicht an den politischen Zuständen MexikoS zu rütteln. Allein seit kurzem wird ihre Alleinherrschaft von einer b r i t i- scheu Gesellschaft bestritten, lind Hucrta gilt als der För- derer oder Günstling des britischen Syndikats. Das ist der eigent- liche Grund, weshalb die Presse des amerikanischen Großkapitals und die Washingtoner Regierung mit einem Male die innerpoli- tischen Zustände der Schwesterrepublik für unerträglich hält und die Abdankung des verräterischen Präsidenten fordert, im Namen von Recht, Freiheit und Menschlichkeit. Natürlich hat die Trustpresse allen Grund, die Beutegier der Hochfinanz in einen heiligen Krieg für Freiheit und Menschenrechte umzulügen. Sic kennt ihr Publi- tum! Würde sie zum Streite für die Interessen der vielverhaßien Trusts ausrufen, ein höllische- Gelächter vom Hudsokt bis zum Goldenen Tor war die Antwort. Aber durch den Ruf: für Freiheit und Menschenrechte! fühlt sich da» Uankeetuni an seiner schwächsten Seite gefaßt. In einer solchen Sache fühlt sich der letzte Cowboy mit dem ersten Trustherrn solidarisch. Die„amerikanische Rasse" wird ausgerufen, in Mexiko Ordnung zu schaffen, dort die Per- räterei und den ständigen Mcnschenmord ein für allemal zu beseiti- gen, den Schutz des Sternenbanners auch den schwer mißhandelten Nachbarn im Süden zu verbürgen— einem solchen Krieg will, kann und darf kein Aankee seine Unterstützung versagen. Der berüchtigte Lrail�storm jHirn-Sturm) setzt ein, die Mvrdsbegcistcruug wird allgemein, das Uankeetum zieht«ins, dem Ruhmeskranze seiner Re- publik,„der freiesien und besten der Welt", ein neues Blatt zu er- streiten— und die Hochfinanz erhält die ersehnte Beute. Das war so in Kuba, das war so aus den Philip- p i n e n. Wird es auch in Mexiko so sein? Die ungewöhnliche Halsstarrigkeit, womit die amerikanische Re- gicrung ihre Forderung Huerta gegenüber vertritt, wird erst be- flicifficf), wenn man dic ganze Größe der auf dein Spiel stehenden Interessen kennt. Mexiko bat daZ Unglück, Oel, viel Oel zu besitzen. Durch die Erfindung und Verallgemeinerung des Ticselinotors ist der Wert des flüssigen Brennstoffs ganz unerwartet gewaltig gestiegen. Die unbestreitbaren Vorteile der Oelmaschine gegenüber der Dampfmaschine verbürgen dic teilweise Verdrängung der Kohle durch flüssigen Brennstoff. In kurzer Zeit werden Industrie- anlagen, Bahnen, Kriegsschiffe und Dampfer durch Dieselmotore getrieben werden. Dic älarmen Länder werden wirtschaftlich und maritim von den ölbcsitzendcn Staaten abhängig. Die gesamte Oelproduktion der Welt ist von einer kleinen Clique gerissener ,rinanzpiraten, von der Rockefeller-Gruppe, monopolisiert worden. Die Erhaltung des Monopols verbürgt eine goldene Ernte von schnell steigender Größe. Tie Industrie, die Schiffahrt und die Kriegsmarine der älarmen Staaten müssen flüssigen Brennstoff je länger je mehr und um jeden Preis haben. Kein Wunder, daß sie nach dem Besitz von Oelquellen oder doch nach Durchbrechung des Monopols des Oeltrustes streben. Freie Oelquellen in großem Ausmaß besitzt aber, so viel bekannt, nur Mexiko. Unter der Herrschaft Diaz' er- hielt die britische Pearsongcsellschaft, an deren Spitze Lord Cowdray, eine sehr einflußreiche Persönlichkeit der englischen Regierungspartei, steht, eine Oel- konzejsion. Tie systematische Erforschung des mexikanischen Bodens zeigte, daß er von dem kostbaren Brennstoff in Ueberfülle birgt. Sehr ergibige Onellen liegen am Tampico-Bezirk, nicht weit von dem zweitgrößten Hafen des Landes, andere bei Tehuantepec, an der„Brücke des Welthandels, am Isthmus, von wo sie leicht durch eine Rohrleitung mit dem schiffbaren Coatyacoalcos-Fluß verbunden werden können. Tie großen Vorräte veranlagten dic Pearsongesellschaft, Tankschiffe, Hafenanlagen und Raffinerien zu bauen, um so das Oelgeschäft auf höchster Stufenleiter zu betreiben. In kurzen Jahren ist Mexiko an die dritte Stelle der ölproduzieren- den Länder getreten. Und seine Oelförderung steht erst am Anfang. Ter S t a n d a r.d ö l t r u st hat durch Verleumdung, Ver- schleuderung des Oeles und Korruption versucht, die Pearsongesell- schaft zu vernichten. Als alles dies mißlang, unterstützte er mit seinen Millionen und„Freiwilligen" dic Maderisten in ihrem .Kampfe gegen den der britischen Gesellschaft geneigten Diaz. Da- mit hatte dic Rockefeller-Kompagnic bekanntlich Erfolg. Diaz mußte flüchten; an seine Stelle kam M a d e r o als Präsident von Oeltrusts Gnaden. Sein Versprechen, die Konzession der Pearsongesellschaft zu annullieren, konnte er jedoch nicht ausführen, da er seine Nei- gungen für da? amerikanische Großkapital bald mit dem Tode büßen mußte. Sein Nachfolger Huerta gilt als der Verfechter der Diazschen Politik, d. h. er glaubt e» im Interesse der Staatskasse wie in seinem eigenen gelegen, wenn dic Konzession der britischen Gesellschaft erhalten, das Monopol des Ttandardöltrusts durch- brochen bleibt. Tie Vernichtung des Monopols dex Rockefellersippe bedeutet Vernichtung der sicheren Möglichkeit, die Oelverbrauchcr der ganzen Welt nach Willkür brandschatzen zu können; bedeutet den sicheren Verlust von Milliarden. Der Größe des auf dem Spiele stehenden Gr Winnes entsprechend ist die Stärke des Geschreies der Trust- presse nach bewaffneter Intervention und Anncktion; ihr entspricht auch die Beharrlichkeit der amerikanischen Negierung bei dem Ver- langen nach Hucrtas Abdankung. Täuschen nicht alle Anzeichen, so kann es d e n M e x i k a» e r n He he n wie den Buren: Vor knapp anderthalb Jahrzehnten schrie dic kapitalistische Presse Englands nach Gesetz, Ordnung, Handelsfreiheit und Intervention in Südafrika— und hinter diesem Phrasenschwall steckte die Gier britischer Kapitalisten nach den afrikanischen G o l d in i n e n. Heute schreit die kapitalistische Presse Amerikas nach Gesetz, Ordnung, Abdankung des Verräters, nach Intervention in Mexiko, nach Wahrung der Monroedoktrin, nach Sicherung der Freiheit der mexikanischen Indianer— und dabintcr steckt die Gier der Rockefcllergruppc nach den mexikanischen Oel quellen. Tie britischen Finanzpiraten konnten genug de? Volkes be- törcn und erhielten die heiß ersehnte Beute. Werden dic amerika- nischen Finanzpiraten auch so glücklich sein? Ablehnung des Ultimatums. Mexiko, 13. November. sMcldung der Associated Preß.) .Huerta hat das von Lind übermittelte amerikanische lllti- motu m nicht beantwortet uns bannt abgelehnt. In dem llltiinatmn war ihm bis gestern abend 6 Uhr Zeit gegeben worden, zu erklären, daß er den neuen Kongreß nicht zusammentreten lassen werde. Im Falle der Ablehnung dieser Forderung würden die Bereinigten Staaten nicht mehr mit ihm verhandeln. Lind ist gestern abend 8 Uhr nach Veracruz abgereist. Verhandlungen mit den Anfständischcn. New sstork, 13. November. Nach einem Telegramm aus Nogales an der mexikanischen Grenze hat der persönliche Vertreter des Präsidenten Wilson, Hole, dem Konstitutionalistenführer Carranza einen endgültigen schriftlichen Vorschlag übermittelt. Beide Teile lehnen es ab, sich über die Art des Vorschlages zu äußern, doch verlautet, daß die Vereinigten Staaten für die Aufhebung des Waffen au sfuhrverbots u. a. Garantien für die Wiederherstellung der Lidnung, für die Sicherheit der Amerikaner und anderen Ausländer und in der Folge Bildung einer ordnungs- mäßigen Regierung fordern. Die Insurgenten haben am Dienstagabend begonnen, den Verkehr zwischen der Hauptstadt und Veräcruz zu störe n. Sie hielten hundert Meilen südlich von Mexiko«inen Zug an, mißhandelten das Personal und raubten Geld im Betrage von beinahe einer Million Pesos, das der Regierung gehörte. Auch eine große Geldsendung, die Eigentum eines PrivariinternehmenS war, wurde geraubt. Die Passagiere blieben unverletzt, doch wurden ihnen alle Wertgegenstände abgenommen. Einberufung des mexikanischen Kongresses. Mexiko, 13. November. Durch eine amtliche Bekannt- machung werden dic aiu 20. Oktober gewählten Senatoren und Deputierten aufgefordert, sich am 15. November zur K o n st i t u i e r n n g zu versammeln. Die Oelquellen. Washington, 13. November. Staatssekretär B r h a n hat sowohl dic Regierung H u e r t a s als auch die K o n st i t u t i o n a l i st e n gewarnt, englische oder amerikanische Oelquellen in der Rühe von T n x p a m in Brand zu stecken. ver fall Carltin. London, 12, November 1913.(Eig. 33er,) Tie Verurteilung des Genossen Larkiu zu sieben Monaten Gefängnis hat einen Sturm der Entrüstung unter der Ar- beiterfchaft Großbritanniens hervorgerufen. Und es ist nicht allein die Arbeiterschaft, die ihrer Empörung über die zynische Mißachtung des Rechts in dem Larkinprozeß Ausdruck verleiht; aus allen Gesellschaftskreisen kommen die Proteste und die Rufe nach der Freilassung des irischen Gewerksehafts- führers. Das Kabinett hält Sitzungen ab, um zu jetien. wie es sich ans der Verlegenheit ziehen kann, ohne dem irischen Staatssekretär zu wehe zu tun und dessen Kollegen in Dublin über Bord zu werfen. Bis tief in die Reibe» der deni Libe« ralismus treu ergebenen Arbeiter geht die Entrüstung. Ter Staatssekretär für Irland hat eine Versammlung in einem Londoner Vorort aufgeben müssen, weil die Arbeitermitglieder des liberalen Wahlvereins Krach zu schlagen drohten. Das alte politische Gaukelspiel der Liberalen und Konservativen zieht nicht mehr.„Wir wollen wissen," sagen die Arbeiter, „weshalb man unseren Klassengenossen Jim Larkin für eine Lappalie eingesperrt hat, während man die feinen Herren in Ulster, die offen den getvaltsamen Aufstand predigen, frei umherlaufen läßt." Wie tief das Gefühl der Empörung unter den Arbeitern ist, erhellt ans einer Zuschrift, die die „Daily Ehronicle" von einem liberalen Wahlhelfer in K e i g h l c y erhielt, wo bei der gestrigen Nachwahl die A r- beiterpartei einen nicht unbeträchtlichen Stimmen- zutvachs zu verzeichnen hatte, während die Stimmen der Libe- ralen und Konservativen stationär blieben. Es heißt dort; „In den reinen Arbeiterdistrikten ist die Einsperrung des Herrn Iameö Larkin die einzige Frage, über die die Wähler reden wollen. Ich habe beinahe dreihundert Wähler aufgesucht und zu etwa 3l> Versammlungen ini Freien geredet. Ich habe die Gefahren des Schutzzolls betont und mich über die Vorzüge der neuen Landespolitik ausgelassen; aber immer und immer wieder ist mir von den typischen Arbeitern, die gewöhnlich die liberale Partei unterstützen, entgegnet worden:„Das ist alles recht schön und gut, aber wie steht es mit Larkin?" Was all diese Gärimg hervorgernfen hat. ist nicht allein die große persönliche Beliebtheit des irischen Arbeiterführers, den die Proletarier als ihren Haudegen betrachten, der mit den mächtigen und gefürchtcten„HanptleutM der Industrie" wie mit recht gewöhnlichen Sterblichen umzuspringen weiß. Auch ist es nicht allein der Klassencharakter des Urteils, der die Entrüstung entfacht hat. Die Bedächtigeren fragen sich; Wo soll das enden, wenn dic Verurteilung voll nun an als Prä- zedenzfall angerufen wird? Larkin wurde nach einem alten Gesetze der„aufrührerischen Reden" überführt. Nach dem- selben Gesetze kann irgend jemand verurteilt werden, der an einem Streik teilnimmt, denn es könnte ihm nachgewiesen werden, daß er(wie es im Gesetz lautet) Worte geäußert hat, „die feindselige Gefühle zwischen den verschiede-en Klassen erzeugen können". Im Handumdrehen könnte man in England das schönste Sozialistengesetz ohne Parlamentsbefchluß einführen. In England verlieren die Gesetze nämlich nie ihre Kraft, aus welchem Jahrhundert sie auch stammen mögen, wenn sie durch das Parlament nicht besonders rückgängig gemacht werden. So hat denn die herrschende Klasse ein Arsenal der schlimmsten volksfeindlichen Gesetze ans den dunkelsten Zeiten der englischen Geschichte zur Hand. Ter „New Statesman", das Organ der Leiter der Fabischen Ge- sellschaft. bemerkt zu deni Fall: „Sollte man es genatten, daß diese Verurteilung einen Präzedenzfall bildet, so haben wir eine Lage, die weit ernster für die Gewerkichaftswell ist, wie selbst die, vor der man vor zehn Jahren bei dem Taff-Vale-Urteil stand.... Uns scheint es, daß gerade dies eine der seltenen Gelegenheiten ist, bei der ein G c u c r« l st r e-i k oder ein«treik, der sich so allgemein wie möglich in kurzer Zeit organisieren läßt, die angemessene Waffe darstellt. Zwar würde eine derartige Demonstration, die von den Bergarbeitern im Verein mit den Eisenbahnern, den Trans- Portarbeitern und den übrigen veranstaltet würde, ein nationales Unglück sein, doch für die Arbeiterklaffe würde es auch nicht im entferntesten ein so großes Unglück sein, wie die Aufrecht- crhaltung des über Herrn Larkin verhängten Urteils." Auch von anderen wird dem Generalstreik das Wort ge- redet. So agitiert der„Daily Herald" dafür. Genosse Williams, der Sekretär der Transportarbeiter-Föde- ratio», tritt für eine Konferenz aller Gewerkschaften ein, auf der beraten werden soll, wie inan den Unternehmern Dublins die Zufuhr abschneiden kann. Tiefe haben sich jetzt angeschickt, Streikbrecher zu importiere». Tie Regierung stellt ihnen Londoner Polizisten zum Schutze des Gesindels zur Verfügung. Man macht auch Vorbereitungen, eine kapita- listische Schntztruppe. die sogenannte„Eivilian Force", nach Dublin zu schicken. Uns lvill es scheinen, daß die Anwendung de? Generalstreiks bei der jetzigen Lage der Tinge weder Er- folg verspricht nocli gereckstsertigt erscheint. Tie einen wün- fchen den Generalstreik, um den Tnblinern zur Hilfe zu koni- mrn, vergesse» aber scheinbar, daß der Ausbruch des General- streiks in Großbritannien den ausgesperrten Arbeitern in der irischen Hauptstadt die englischen Hilfsmittel abschneiden würde, was den Dubliner Unternehmern nur angenehm sein könnte. Tie anderen wollen den Generalstreik, um die libe» rale Reaktion zu bekämpfen, die viel leichter durch eine euer- gische und konsequente W a h l p o I i t i k niedergeschlagen werben kann. Tie gellenden Schnierzcnsrufe der liberalen Presse beweisen am deutlichsten, daß die Arbeiterschaft, indem sie für den Arbeiterparteiler und den Sozialisten stimnite, die Libe- ralen an der schwächsten Stelle getroffen hat. Kein Wunder, wenn zurzeit die gesanite liberale Presse Englands das Kabi- nett anfleht, nur ja den James Larkin möglichst bald frei zu setzen. Tie Freilassung beschlossen. London, 13. Älobember. sPrivattelegramm des„Vor- wärt s".) Tic zunehmende Erregung in der Arbeiterschaft Großbritanniens wie auch die Ausdehnung des Dubliner«trciks auf den Hafen haben die Regierung zum Nachgeben gezwungen. Larkin wird sofort in Freiheit gesetzt. polWchc(leberlicbt. Thronrede«nd Staatshaushalt. In Dresden ist gestern der sächsische Landtag mit einer Thronrede erösfnet worden. Es wird darin zunächst der Vater- so viel schuld oder so wenig schuld wie jeder andere von uns. Schuld Ivaren die Verhältnisse, die nicht von uns geschaffen wurden. die es aber erschwert oder unmöglich gemacht haben, alle unsere Kämpfer mit der für die Partcibewegung notwendigen sozialdcmo- kratischen Bildung zu erfüllen. Vor allem ist es die Arbeit des Tages— dabei spreche ich gar nicht von der Arbeit der Werkstätte—, ich meine die politische und organisatorische Arbeit des Tages, die so viele Kräfte absorbiert, daß es schwer ist, noch so viel Zeit und Kraft zu gewinnen, um zu lernen. Und doch ist dicS unbedingt notwendig, sonst gehen wir zugrunde. Wir können mit großer Genugtuung sagen, daß die Arbeiter- bcwcgung seit zwanzig Jahren viel erreicht hat.... Das, loa» wir geworden sind, sind wir geworden trotz der Unzufriedenheit mancher einzelner unter uns. Und es wird weiter vorwärts gehen, dafür bürge» uns der Kampfesmut und der Bildungsdrang, die in unseren Reihen vorhanden sind. Zu unserem Glück und zu meiner großen Befriedigung hat der Bildungsdrang nicht abgenommen, sondern zugenommen, und es ist für mich ein Gegenstand fort» während« Erhebung, zu sehen, wie eine große Anzahl von Leuten diese Bildungsarbeit mit dem größten Ernst, mit jugendlichem Fanatismus in die Hände nehmen und im Zusammenhang mit ihr die Ausbildung unserer Jugend. Tie EntWickelung der Jugend- organisation und dic Agitation ist eine der erfreulichsten Tatsachen. Es gibt gute Tage und es gibt schlimme Tage in unserer Partei. ?lber wer keine Prügel verträgt und mutlos wird, weil es einmal nicht so ging, wie man gehofft hatte, der ist kein wahrer Sozial- dcmokrat. Wir wissen heute sehr genau, daß jede Politik, die nicht auf dem Wissen der Arbeiterklasse beruht, die nicht getragen wird von dem klaren politischen Wollen der Arbeiterklasse, ergebnislos werden muß. Wir wissen, daß jedes Wissen, welches nicht vom poli- tischen Wollen begleitet ist und das nicht als Resultat ergibt den Appell an die äußerste Energie des einzelnen seiner Klaffe, mit allem, was in ihm ist, daß ein solches Wissen leer ist. Heute umfaßt die Arbeiterschaft eine ganze Reihe von Tingen unseres Organismus: wir haben gewerkschaftliche, politische und genossen- schastliche Organisationen, wir haben Organisationen, die mit der Kunst zu tun haben, in allen ihren Formen. Eine Fülle von Bit» dung ersteht da. Das Große unserer Bewegung ist ja, und darin zeigt sich ja ihre Kraft, daß sie nach und nach den ganzen Menschen in allen seinen Betätigungen erfaßt, und das zeichnet Unsere Partei vor jeder anderen aus. Ich sage Ihnen, Sozialdemokrat zu sein. das ist eine Beschäftigung, daß ist ein Beruf, der einen jede Minute im Tage von früh bis in die Nacht gefangen nimmt. Er hat immer etwas aufzunehmen, immer ioas von sich zu geben; er steht immer im Dienste. Das ist das Großartige in unserer Partei, daß sie den ganzen Menschen ersaßt und daß sie aus dem Wissen, aus dem Einsehen in die Entwickclung die Ucberzeugung entspringen läßt, unserer Sache und dem Willen dieser Sache zu dienen, mit allen unseren Kräften. Parteigenossen l Tie Bildung und das Wissen, das Sie in systematischer Weise annehmen wollen und zu de« Ihnen nun in geordneter Weise die Mittel geboten werden, sollen Ihr Streben sein und bleiben I ßiMnngzarbeit. In diesem Winter soll in Groß-Berlin die durch Gründung eines Bczirksbildiingsansschusscs einheitlich und systematisch or» ganisierte Bildungsarbeit ihre ersten praktischen Früchte tragen. Tic prinzipiellen Gedanken, dic diese Bildungsarbcit zu einer not- wendigen Dienerin der Gesamtbcwcgiiiig machen, find schon des öfteren in Versammlungen, im Leitfaden des Bezirksbildnngsaus- schuffcS usw. dargelegt worden. Immerhin ist es angebracht, sie wieder einmal in Erinnerung zu bringen, um so mehr, als wir dazu die Worte eines hervorragenden Führers der iniernationalen Sozialdemokratie, des Genossen Viktor Adler, ins Feld führen können. In einem Vortrage in Graz über dic Bedeutung de: Bildungs- arbeit sübrie Genosse Adler u. a. aus: ... Bildung hängt nicht davon ab, daß man ein gewisses Ouantum von Kenntnissen angehäuft hat. Ich lenne sehr gelehrte Herren, die ich nicht gebildet nennen möchte: es sind Spezialisten, dic ein großes Quantum von Tatsachen in ihrem Gedächtnis an- gehäuft haben, die aber den Zusammenhang zwischen dem persöu- lichen Leben mit dem Leben der Menschheit niemals hergestellt haben. Tie Erteiintnis des Zusammenhanges meines persönlichen LebenS mit der Welt, mit dem Leben meiner Klasse, mit dem Leben der Menschbeit muß die Frucht dieser Bildung sein, ans dieser Erkenntnis muß das Bewußtsein der Würde des Arbeiters, daii'.i weiter der Wille, die Funktion, die ihm obliegt, vor dem ganzen Volle auszuüben, erwachse»— dann haben wir, was mir „Bildung" nennen. Was meinen wir eigentlich, wenn wir sagen, wir wollen Bildung unter die Arbeiter bringen? Heißt das, wir wollen ihnen ein Cnantum astronomischer oder chemischer oder statistischer Kenntnisse beibringen? Das ist ja alles gewiß , sehr nützlich für sie. Aber meinen wir nicht etwas ganz anderes? Wenn ich von einem gebildeten Arbeiter spreche, so will ich sägen: Das ist ein Mann, der sich eine deutliche Vorstellung davon erworben hat, in welchem Zusammenhang er selbst, sein ganzes Leben, seine Existenz mit der Außenwelt steht, und zwar zunächst mit der Klasse, in der er lebt. Das ist der erste Schritt für uns, zum Klassen- b c>v u ß t s e i n zu kommen, das heißt für den Arbeiter, s i ch zu erkennen als ein Glied der Arbeiterklasse, sich selbst au? der Isolierung, aus der Einsamkeit herausreihen, der der ungebildete Arbeiter naturgemäß verfällt. Ter indisscrente, der unaufgeklärte Arbeiter steht auf dem Sjoudpunki, daß sein Schicksal ein persönliches ist, daß cS ei« Glücksfall ist. wenn es dem einen gut geht, und daß er nur Pech hat, weil eS ihm schlecht geht. Daß es nur sein Pech ist, als armer Hcufcl geboren worden zu sein, und daß es so der Lauf der Welt sei, daß es reiche Leute und arme Teufel gibt. Was wir als erste Erkenntnis in die Rassen der Arbeiterschaft zu tragen haben, ist das Bewußtsein, daß ihr Schicksal nicht ein einzelnes, ein individuelles ist, sondern daß sie ein Klassenschicksal tragen, und daß dieses Schicksal der Arbeiterklasse wieder nicht etwa ein zufälliges ist, sondern ein geschichtlicher Zusammenhang in der großen Geschichte der Menschheit. Dieser Gedankengang ist natürlich etwas, was nicht so mit wenigen allgemeinen Sätzen er- örtert und abgetan werden kann, sondern dazu ist notwendig ein wirkliches Durchdringen der Menschheitsgeschichte und ein Erfassen der Vorgänge unserer heutigen Geschichte, damit sich der Arbeiter als Glied der Klasse fühle und zu der Erkenntnis gelange, daß sein Schicksal das Produkt des Schicksals seiner Klasse ist und seine Pflicht es ist. dic Pflichten, die ihm die Otzeschichte gegenüber seinen Klassengcnosscn auferlegt, zu erfassen und zu erfüllen.... Den Bildungsvestrebungeii der Arbeiterschaft steht heute eine ganze Reihe von Bildungsmiiteln zur Verfügung.... Zum Wissen und zur Bildung gehört auch das L e s c n. ... Das Wichtigste, was vor allem anderen zu erlernen ist, ist.das Le s e n ler n e ii. Ein« Bibliothek ist, wie es sich eigentlich von selbst versteht, nicht da zum Aufputz, zur Parade, sondern daß man sie benützt, daß sie gelesen wird. Aber die Frage, w i c man eine solche Bibliothek benützen will, wie man lesen soll, ist so wichtig, daß es von großem Nüven wäre, wenn darüber eigene Vor- träge abgehalten werden würden. Nicht das ist ausschlaggebend, daß jemand eine gewisse Summe von Wissen auS den Büchern in sein Gedächtnis aufnimmt, daß er ziel- und planlos alles liest, sondern daß er zu lesen versiebt. Eine Bibliothek ist nichi bloß eine Registratur von Büchern, die nebeneinander stehen, eine Bibliothek ist etwas Lebendiges, ein organischer Zusammenhang, und der sie bcnützt, muß lernen mit ihr umzugehen. Bücher sind nicht da, um alle gelesen zu werden. Ter vor einiger Zeit verstorbene Schriftsteller Burkhard, der eine Riescnbibliothek gebabt hatte. wurde einmal gefragt:„Ja haben Sic denn das alles gelesen?" Er antwortete:„Bücher sind ja nickt da zum Lesen, sondern um befragt zu werden." Das ist etwas sehr Wicktiges. lind die- jenßzcii, dic dazu, berufen sind, müssen aus die Arbeiter in diesem Sinne einwirken. Es ist kein Zweifel, daß wir seinerzeit, als wir auf den poli- tischen Schauplatz traten und für das Wahlrecht kämpften, unseren jungen Leuten zu wenig Bildung mit in den zcampf gegeben hatten. Wir baden ihnen ganz einsack Gewehr und Patronentascke in die Hand gegeben und sie ins Feuer geschickt, aber eigentlich abgerichtet haben wir sie nicht. Wir haben aber auch noch heute eine Menge Leute, die sich m i t gutem Rechte Sozialdemokraten nennen und niit ganzem Herzen Sozialdemokraten sind, die für dic Partei und für die Sache d u r ck s Feuer gehen, denen aber das eigentliche Wissen, die eigent- licke sozialdemokratische Bildung fehlt, die dic Arbeit des Tages nickt mit dem eigentlichen Kampfe und Ziele der Partei in Zusammenhang bringen können. Sie wissen sehr gut, daß ich dies nicht viel- leicht im Tone des Vorwurfs sage. Ich bin doch an dieser Tatsache ländlichen Erinnerungstage dieses Jahres gedacht, insbeson- dcre des RegicrungSjubiläunis des jtaisers»nd der Feier der Einweihung des VölkerschlachtdeiEmals in Leipzig. Sie be- grüßt ferner mit Genugtuung die Annahme der Wehrvorlage im Bundesrat und Reichstag, die einen fortdauernden Frieden verbürge, und fährt fort: „Nicht ohne Sorge erblickt aber meine Regierung in der zur Deckung eines Teiles der laufenden Ausgaben gewählten Vcr- mögenszuwachssteuer eine Durchbrechung des Grundsahes, dag den Gliedstaaten deS Reiches zur Erfüllung ihrer bedeutsamen Aufgaben die direkten Steuern ungeschmälert zu belassen sind. Meine Regierung wird es daher als eine ihrer wichtigsten Auf- gaben betrachten, im Einvernehmen mit der Reichsverwaltung weiteren Beeinträchtigungen der bundesstaatlichen Finanzrechtc auf dem Gebiete der direkten Steuern entgegenzutreten." In der Finanzperiode 1910/11, so heißt es weiter, habe sich ein sehr erfreulicher Ueberschuß im Etat ergeben l dagegen mache der seit dem laufenden Jahre bemerkbar gewordene Rückgang in der Beschäftigung einer An- zahl von Industriezweigen neuerdings mehr und mehr seine Wirkungen geltend. Ta in dieser rückläufigen Bewegung ein Stillstand noch nicht emgetreten fei, so habe die Regierung bei Einstellung der Staatseinnahmen für 1911/15 der veränderten Wirtschaftslage Rechnung getragen. Zugleich ging gestern deni Landtage der Entwurf des Staatshaushaltsetats für die Finanzperiode 1914/15 zu. Er schließt für jedes der beiden Etatsjahrc in Einnahmen und Ausgaben im Lrdinarium mit insgesamt je 491 997 943 M. gegen 453 222 642 M. im vorigen Etat. In den anßerordeiit- liehen Staatshaushaltsetat sind 72 891 000 M. eingestellt. Im Etat erscheinen zum ersten Male Apanagen und Etablierungs- beitrage an den Kronprinzen und den Prinzen Friedrich Christian, die im Laufe der Finanzperiode ihr 21. Lebens- jähr vollenden._ Tie prcusiischc Regierung hat das Wort! Die preußische Regierung scheint sich mit ihrem Artikel zum Frille A m u n d s e n in der„Nordd. Allgcm. Ztg." böse in die Kesseln gesetzt zu haben. Zur RcckNfertigung des Regierungspräsi« deuten Ukert war nämlich angeführt worden, daß im vorigen Jahre Gcsangsvorträge deS dänischen jiammersängers Herold in Flensburg von den dortigen Dänen„zu deutschfeind- lichen Kundgebungen mißbraucht" worden seien. Davon soll nun, Flcnsburger Blättern zufolge,»kein Atom" wahr sein. Die„deutschfeindlichen" Kundgebungen sollen nur darin bestehen, daß Deutsche und Dänen Herrn Herold zugejubelt haben. Unter den deutschen Zuhörern befanden sich u. a. höhere Offiziere und sogar der Flcnsburger Polizei- m e i st e r selber, den die dänische Presse als Zeugen zitiert. Die ganze Geschichte wird als eine„reine Lüge" bezeichnet, die man der Regierung weiSgeniacht habe. Das wäre allerdings ein starkes Stück. Die preußische Re- gierung wird auf alle Fülle Rechenschaft ablegen müssen. Es ist ja etwas anderes, ob etwa ein nordmärkischrS Käseblatt ein auS der Lust gegriffenes Gcschichtchcn auftischt oder ob das unfehlbare Organ der unfehlbaren preußischen Regierung in einem Artikel, der sich äußerlich als daS Produkt deS preußischen Polizeiministers V.Dallwitz zu erkennen gibt, handgreifliche Unwahrheiten serviert. Herr v. Dallwitz wird sich natürlich die Geschichte nicht aus den Fingern gesogen haben; es wird ihm ja irgend ein beamteter Ehrenmann mit seinem Kamen für ihre Richtigkeit bürgen. Aber die Oeffentlich- keit, der Herr v. Dallwitz sein Geheimnis anvertraut hat, muß jetzt unbedingt etwas Genaues erfahren. Er herrscht nämlich seit dem Zwischenfall Langesen bei der zweiten oder drillen Lesung des SlaatSangchörigkeitsgesetzes nicht allzu großes Bertrauen zu den vordmärkifchen Berichten an die Zentralbehörden. Der Artikel der„Nordd. Allg. Ztg." soll noch einige.Ungenauig« leiten" mehr enthalten, aber die wird man erst dem Minister schenken dürfen, wenn er für die eine Behauptung den Beweis erbringt. Also bitte, Herr v. Dallwitz: Was waren daS für„deutschfeindliche Kundgebungen", zu denen die Gesangsvorträge des Kammersängers Herolv von den dänischsprechenden Versammlungsteilnehmern miß- braucht wurden? 1 Wahlerfolgc bei den badischcn KrcistagSwahlen. Die Wahlmännerivahlen zu den 5lreisverscimmlungen brachten unseren Genossen in Baden entschiedene Erfolge. In Mannheim Orachte die Sozialdemokratie von insgesamt 812 Wahlmännern 687 durch. Auf die nationalliberale Partei entfielen nur 125. Sämtliche 23 Mandate zur Kreisversamnt- 4ung fallen also der Sozialdemokratie zu. Auch im Land- bezirk Mannheim wurden respektable Achtungserfolge� erzielt. In Pforzheim erhielt die Sozialdemokratie 227 Wahlmänner, die Nationalliberalen 49. Tie drei zu wählen- den Kreistagsabgeordneten fallen der Sozialdemokratie zu. In F r e i b u r g siegte das Zentrum über die liberale Linke. In Karlsruhe beteiligte sich die Sozialdemokratie nicht an den Wahlen.__ Vertrustung des telegraphischcn Nachrichtendienstes. Die vier bekimnten Depeschenbureaus: Louis HirschS Tele- graphisches Bureau, Herold Tepeichen-Bureau G. m. b. H.. Preß- zenirale G. m. b. H. und Deutscher Telegraph G. m. b. H. haben durch gemeinsame Gründung der Telegraphen-Union eine Interessengemeinschaft geschloffen. Den Borsitz in der Verwaltung der vier verbundenen Unter- nehmen hat SlaalSminister Exzellenz v. PodbielSki übernommen, Ferner gehören der gemeinsamen Verwaltung u a. an: General- korchil Ernst Hirsch, Graf Oppersdorf, Legalionsral Dr. v. Schwerin, Geheimrat Witling. Justizrat Brodnitz, Herr Mosino und der Großindustrielle Batschari. Ist das Zuchthausgcsetz im Anmarsch? Die �Tägliche Rundschau" bringt diese Meldung: „Die Entschließung des JndustrieratS des Hansabundes, die ein ArbeitSwilligeuschutzgesetz fordert, bildet, wie wir erfahren, den Gegenstand von Erwäguiigen im RcichSamt des Innern, gemeinsam mit ähnlichen Ersuchen anderer industrieller Körperschafie». Die Frage scheint unsere Regierungsstellen lebhast zu beschäftigen, denn wie wir iveiter hören, sind auch die zu- st ä n d i g e n preußischen Ressorts zu den Beratungen über ein Schutzgesetz über Arbeitswillige herangezogen worden." Der Reichstag tritt demnächst zusanimcn, dann wird ja wohl näheres über die Pläne der Regierung heranSzubringen sein. Der Zabernsche Krieg gegen die„Wackcs" hat eine sensationelle Wendung genommen. Wie au« Zabern be- richtet wird, ist der Regimentskommandeur Oberst v. Rcuttcr auf u n b e st i m m t e Zeit i n U r l a u b gegangen. Die Ursache diese? auffälligen Urlaubs des Regimentskommandeurs wird in einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem Kreisdirektor Mahn und dem Herrn Regimentskommandeur gesucht, v. Remter soll beabsichtigt haben, den VelagerungSzustäiid über Zabern zu verhängen, wogegen sich der Kreisdirektor energisch gewehrt hat.— Wie überflüssig schon die jetzigen scharfen militärischen Maßnahmen waren— Bereit- stellung von Maschinengewehren mit scharfer Munition— zeigt der Mittwochabend. Es herrschte völlige Ruhe und erinnerte absolut nichts mehr an die Vorgänge der letzten Tage. Wenn die Massen wieder unruhig werden, dann hätte es höchstens auf die provo- katvrijchcn militärischen Maßnahmen hin geschehen können. „Tie Weltverbesserer als Steuerdrückeberger." Die„Post" wiederholt in einem abermaligen Ergüsse ihre Ver- leumdungen gegen die Aktiengesellschaft LindenhauS. Aber sie verrät nur noch einmal ihre geschäfiliche Unwissenheit, so daß es sich nicht lohnt, nochmals darauf einzugehen. Zum Schluß kriegt das Krupp-Organ einen Anfall von Größenwahn: Sie— die„Post", ausgesucht die„Post"— hat den„Vorwärts"„an den Pranger ge- stellt". Tie„Post" kann jemand an den Pranger stellen I„Daß du die Rase ins Gesicht behältst." Auch die„Deutsche Tageszeitung" macht sich die Verleumdungen der„Post" zu eigen. Schöne Seelen finden sich immer. Aber die „Deutsche TageSztg." macht es wenigstens viel gefcheidler. D i e versteht wa§ davon I Wie wenn sie das Fachorgan für agrarische Steuerdrückeberger wäre, so gibt sie der Aktiengesellschaft Lindenhaus geradezu fachkundige Ratschläge, wie sie ganz nach Belieben und den Bedürfnissen der Bilanzierung ent- sprechend die Mieten festsetzen könne, um dadurch der Einkommen- steucr zu entgehen. Sie übersieht dabei bloß, daß wir in Verlin leben, wo die SteucreinschätzungSkommissio» derartige Praktiken nicht dulden würde. Dazu gehörte ein Steuereinschätzer mit solch agrarischem Empfinden und solch agrarischen Augen, wie sie bei den agrarischen Steuerhinterziehungen, die Prof. Delbrück geschildert hat, vorhanden gewesen sein muffen. Die»Deutsche Tagcsztg." meint ferner,„wenn erst die Schulden abgelöst sind'— da das noch eine geraume Weile dauern wird, wollen wir jetzt auch nicht weiter davon reden, zumal die„Deutsche Tagesztg." sich damit tröstet:„Zweifellos ist die Sache juristisch und kaufmännisch außerordentlich geschickt ge- macht. Eine juristisch saßbareSteuerdrückebergerei i st e S nicht." Na also, warum denn das heuchlerische Geschrei! Notwehr? Erst vor wenigen Tagen hat der„Vorwärts" berichtet, daß im Kreise H a t> n a u in Schlesien ohne Grund ein Landarbeiter, Vater von fünf noch scbulpflichtigen Kindern, von einem Gutsbesitzer mit einem schweren eisenbeschlagenen Stock so über den Kopf ge- schlagen wurde, daß der Landarbeiter wenige Stunden darauf an den erlittenen Verletzungen starb. Heute kommt eine ähnliche Nachricht ans dem Junkerparadiese Ostpreußen. Dort ist ein Landarbeiter, Vater von sechs Kindern, durch die Flintenkugel eines Agrariers hingestreckt worden. Am letzten Sonntagnachmiltag waren drei Arbeiter des Gutsbesitzers W i I l a ni o w i c z aus Neu- Laschencn bei Berschkallen im Kreise Jnsterburg angeblich zu laut im Viehstall. Als W. ihnen Ruhe gebot, sollen die drei den Versuch gemacht haben, gegen ihn täilich vorzugehen. W. holte sich darauf sein Jagdgclvehr und schoß den Arbester Schnttrichkcil mit einem wohlgezielten Schuß nieder. Der Mörder stellte sich der Staatsanwaltschaft mit der in diesen Fällen üblichen Ausrede, daß er tti„Notwehr" ge- handelt habe. Er fand damit auch Glauben, denn er blieb auf freiem Fuß._ Die gnedrifch-türfrircbeii Verhandlungen. Konstantinopel, 13. November. Gestern abend wurden den den türkischen Delegierten in Athen Instruktionen gesandt, durch welche einige Aenderungen des Wortlaut« des paraphierten Friedensvertrages vorgeschlagen werden. Der griechische Unterhändler LevidiS erklärte gestern in einer Unterredung mit dem Großwesir, Griechenland bestehe darauf, daß der paraphierte Wortlaut unterzeichnet werde. Konstantinopel, 13. November.(Meldung des Wiener Tel.-Korr.-Bureaus.) Tie letzten Schwierigkeiten sind bc- seitigt. Soeben ist den türkischen Delegierten die Weisung übermittelt worden, zu unterzeichnen. Rußland. Tuma und Regierung. Petersburg, 12. November. In der heutigen Abendsitzung der R c i ch s d u m a sollte eine Interpellation der S o z i a l d e m o- kraten an den Justizministcr über die provokatorische Tätig- keit der Petersburger politischen Polizei bei der Anklage soziall- stischer Abgeordneten der zweiten Tuma zur Verlesung kommen. Ter Präsident erklärte, er habe den Text der Interpellation gelesen und könne ihre öffentliche Verlesung nicht erlauben, da sie unzulässige Ausdrücke enthalte.(Beifall rechts.) Eine Reihe sozialdemokratischer Redner wies darauf hin, daß der Präsident die Hausordnung verletze, da die Zensur über Reden nicht seiner, sondern der Kompetenz der gesamten Duma zustehe. Drei Rednern wurde das Wort entzogen, weil sie von der Frage abschweiften. Der Präsident erklärte es in längerer Rede für seilte Pflicht, mit der Würde der Duma unvereinbare Ausdrücke nicht zuzulassen; er halte deshalb seine Versügung aufrecht.(Beifall und Rufe: Sehr richtig!) Der Präsident er-' klärte weiter, er habe nichts gegen die Interpellation, falls ver- letzende Ausdrücke vermieden- würden, was ohne jede Aendcrung des Sinnes möglich sei.(Anhaltender Beifall im Zentrum und Bravorufe rechts.) Die K adelten Adschemow und Miljukow svrachcn dem Präsidenten daS Recht ab, den Text der Jnterpclla- tion vor der Vcrlcsi/ng in der T-uma zu beurteilen. Das Mit- glicd der Rechten Purischkewitsch sagte, in der zweiten Tuma sei unter den Sozialdemokraten der Dieb KnSmezow gewesen, der vielleicht die Diebessprache in der Duma gebrauchen konnte. (Marler Lärm links, Rufe: Hcrausl) Ter Präsident entzog Purischkewitsch das Wort und erklärte den Zwischenfall für erledigt. Darauf verhandelte die Tuma über die Antwort des K r i c g s m i n i st e r s aus die Interpellation wegen der Explosion der Ochtawerkstätten im Jahre 1S12. 193 Mitglieder der Oktobristen- partci brachten einen Antrag ein, in dem die Antwort des Ministers für ungenügend erklärt und die Nachlässig- keit der Verwaltung betont wird. Ter Antrag fand e i n st i in- in i g e Annahme. China. Jüanschikais Staatsstreich. London, 13. November. Nach einer Meldung der „Times" aus Peking besteht Unsicherheit über die weiteren Maßregeln des Präsidenten Jüanschikai; es scheint jedoch, daß dieser das Parlament vorläufig ganz s u s p o n- d i c r c u wird. Es soll statt dessen eine Verwaltung s- ko ufere n z von 71 Mitgliedern ernannt werden. Das jungchinesische Element soll in dieser Körperschaft gänzlich fehlen. Es heißt in Peking, daß das Budget und die Ver- sassung dieser Konferenz zur Erledigung überwiesen werden sollen. Bus der Partei. Die Großblockpolitik. Genosse K o l b hat, unbelehrt durch den Ausgang der badischen Wahlen, nicht nur seiner(unglücklichen) Liebe zum Großblock immer wieder Ausdruck gegeben, sondern er ist sogar so weit gegangen, zu behaupten, daß die Sozialdemokratie vor Mandatsverlusten(ob auch vor Stimmenverlusten hätte man ja dann überhaupt nicht konstatieren können) bewahrt geblieben wäre, wäre nur der Großblock gleich für den ersten Wahlgang in Aktion getreten. Dem widerspricht nun er- freuliche, weise auch ein badischeS Parteiblatt, die Freiburger . V o l k S w a ch t". Sie schreibt: Auch wir haben uns damals für den Großblock im ersten Wahlgang ansgesprochen. Aber wenn wir die Erfahrungen im beendeten Wahlkampf sprechen lassen, wenn wir an die Ab- splittern n gSver suche der Nationalliberalen in Rastatt und Lahr und nicht minder an die Aufstellung der (bekanntlich auch gewählten) nationalliberalen Groß- blockgegner Bitter in Heidelberg-Land und Krauth in Heidel- berg-Eberbach denken und an nodi andere Dinge, die sich als Großblockunfreundlichleiten charakterisieren, dann kommen wir schon zu dem Schlüsse: Eswargnt, daßderGroßblocksür den ersten Mahlgang nicht bestand. Nähere Aus- lassungen wollen wir uns heute sparen, da die Frage noch des öfteren erörtert werden muß. Auch wir meinen, daß die badischen Genossen zu näheren Er- örterungen alle Veranlassung haben, die hoffentlich die Rückkehr zu einer entschiedenen und prinzipiellen Taktik herbeiführen werden. Sehr förderlich für diese notwendigen Auseinandersetzungen wäre es auch, wenn die badische Partcipresje die Genossen über die Urteile der Parteiprcsse im Reiche informierte. Kommniialwiihlen.>. Bei den Stadtverordnctetzwahlcn in Bielefeld behaupteten unsere Genoffen wiederum die bisherigen Mandate. Die lö Mandate der dritten Abteilung sind seit dem Jahre 1903 im Besitz der Sozialdemokratie. In Sagau unierlagcn am Mittwoch unsere Genossen bei der Stadtverordnctcnwahl niit 305 gegen 605 Stimmen, die auf die vereinigten Gegner fielen. Unseren Genossen wird dort die Agitation dadurch erschwert, daß das Kommunalwahlrccht an den Erwerb des Bürgerrechts gcknüpst ist, das wiederum mir Gcldkosten verbunden ist. Unter den 505 bürgerlichen Wählern sind mehr als 200 Eisen- bahnbeamte und Arbeiter, ferner 57 Postbeamte, die natürlich nicht ander» al« im Sinne der bürgerlichen Parteien wählen dürfen. In B n n z l a u wurden am Miltwoch in der dritten Abteilung drei Sozialdemokraten gewählt; der vierte steht in Stichwahl. Jugendbewegung. Die Errichtung eines Sekretariats für die Arbeiter- Jugend haben die Parteifunktionäre von Rheinland-Westfalen bc- Ichlossen, um die Bewegung unter den jugendlichen Arbeitern im iheinisch-westfälischen Jndustiicgebiet zu fördern. Als Sekretär wurde Genosse Wilh. Enz-Barmen gewählt. Der Bund deutscher Pfadfinberinnen. Dieser weibliche Zweig des Jungdeutschland-Gewächscs, der im Jahre 1912 gegründet wurde, zählt nach Angabe seiner Borsitzenden, Frau Elise von Hopffgarten, gegenwärtig 30 Ortsgruppen mit 0000 Mitgliedern. Die Ziffer läßt erkennen, daß das Bürgerjum der Erziehung junger Mädchen eine Bedeutung entgegeirbringt, wie sie in Arbeiterkreisen leider nur selten zu finden ist. Gewiß ist nicht zu befürchten, daß der Pfadfinderinnenbund �Proletarier- mädchen in nennenswerter Zahl gewinnen wird. Sein Rekru- tierungsfeld ist die höhere Töchterschule. Aber die junge Arbeiterin bedarf nicht minder des Schutzes vor Unternehmerwillkür und der körperlichen und geistigen Ausbildung. Die Erziehung unserer Mädchen liegt nicht allein im Interesse der Jugend selber. Die Proletariermädchen sind die künftigen Proletariermütter, denen in erster Linie die häusliche Erziehung des jungen Nachwüchse« obliegt. betete Nachrichten. Eröffnung des badischen Landtags. Karlsruhe, 13. November.(H. B.) Wie amtlich mit- geteilt wird, wird der badische Landtag am 27. November eröffnet werden._ Eine Ueberraschung. Washington, 13. November.(W. T. B.) Gerade vor 12 Uhr mittags erklärte der Gehcimsckretär des Präsidenten Wilson, daß die von Wilson vorbereitete Erklärung für jetzt zurückgehalten werde. Ein Grund für die Aenderung in der Absicht des Präsidenten wird nicht ange- geben, jedoch ist bekannt geworden, daß Bryan von Hake und O. Shaughnessy Telegramme erhalten hat. Ob deren Inhalt etwas mit der Sache zu tun hat, ist nicht bekannt. Washington, 13. November.(W. T. B.) Präsident Wilson erklärte, er habe unerwartet c r m u t i g c n d e N a ch- richten aus Mexiko erhalten. Hilfe verbeten. New Kork, 13. November.(W. T. B.) Wie aus Nogales ge- meldet wird, hat der Konstitutionalistenführcr Carranza heute erklärt, er werde keinerlei Bermittclung, weder von den Vereinigten Staaten noch von einer anderen fremden Regierung, annehmen. Carranza wiederholte die früheren Erklärungen, daß die Konstitu- tionalisten lediglich daS Recht der Einfuhr von Waffen und Muni- tion von den Vereinigten Staaten wünschten. Larkin in Freiheit. Dublin, 13. November.(W. T. B.) Der Arbeiterführer Lar» k i n erteilte unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis tclephonische Anweisungen für die ausständigen Arbeiter in Dublin und begab sich darauf nach der Freiheitshalle, wo ihn dreitausend Personen eine begeisterte Kundgebung bereiteten. Larkin erklärte, die Regierung habe einen Fehler begangen, daß sie ihn ins Gefängnis geworfen habe, und noch eine» größeren Fehler� daß sie ihn wieder freigelassen habe, eS werde in England zum Generalstreik kämmen. Folgen der Unwetterkatastrophe in Amerika. � New Aork, 13. November.(P.-C.) Die Nachrichten über den Sturm tauten nach wie vor sehr ernst. Es sind im ganzen über 150 Personen in den verschiedenen Staaten umgekommen. Die Stadt Cleveland ist buchstäblich von Hungersnot betroffen, da man nicht genügend Arbeitskräfte findet, um den Schnee, der stellenweise in einer Höhe von 3 Fuß lagert, aus der Stadt zu schaffen. Ein Eisenbahnzug von einer Brücke abgestürzt. Montgomcry(Alabania), 13. November.(W. T. B.)-In der Nähe von C l a y t o n ist ein Zug der Central Georgia Railway von einer Brücke abgestürzt. Dabei wurden zwanzig Personen getötet und 2 6 0 v c r l e tz t. In dem Zuge befanden sich zahl» reiche Schausteller, die zum Jahrmarkt nach Eufaula reisen wollte«, Sozialdemokratischer Wahlverein 6. Berliner Reiehstagswahlkreis Heute Freitag, deu 14. November 1913, abends Uhr:' 18 Mitglieder-Versammlungen für den 6, 7. 8. 9. Ii. Abt.: Büttners �estsalc. Zchwedter Ttr. kl. Saal. „ Büttners �estsälc, Zchlvedter Str.'i'S, gr. Saal. „„Berolina-Säle", Schönh. Allee 28, Mittelsaal. „„Berolina-Säle", Schönh. Allee 28, ober. Saal. „ Gliesche, Kopenhagener Ztr. 7i. u Süßmilch, Bornholmcr Str. 7. „ Schönhauser Festsäle, Schönhauser Allee 120. „„Twinemnnder Gesellschastshaus", Swinemünder Str. 42. „„Borussia-Säle", Ackerstr. 6/7. „„Oranienburger Festsäle", Chauffeestr. 16. in in folgenden Lokalen: 12. Abt.:„Artushof", Perleberger Str. 26. 13. t,„Moabiter Bürgersäle", Beussclstr. 0. 11. und 15. Abt.:„Moabiter Gesellschaftshaus", Wiclesstr. 24. 16. Abt.: Funke, Tristste. 63. 17.„ Feibels Festsäle, Kolberger Str. 23. 20.„„Kösliner Hof", Kösliner Str. 8. 21.„Pharussäle", Müllerstr. 142. 22.„ Sachon, Müllerstr. 136. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Wahl der Delegierten zur Berbands-Generalversammlnng. 2. Stellungnahme zur Tagesordnung der Kreis-Generalversammlung. 3. Vortrag: Tie nächsten Aufgaben der politischen Organisation. Referenten: Oswald Aysche, Max Barth, Paul Brühl, Otto Büchner, Karl Giebel, Emil Girbi Karl Hetzschold, Karl Jahn, Paul John, Joachim Klüß, Franz Marx, Albin Mohs Daniel Stücklen, Georg Ucko, Emil Unger. der 22. Abt.; Vortrag über Feuerbestattung. Referent: Direktor Pauli. Uü Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonnabend, den 15. November, nachts 12 Uhr: Allgemeine Versammlung der Kinooperateure in den Musiker Festsälen» Kaiser Wilhelm- Straße 31. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Welche Schritte unternehmen wir in der Heiligabendstage? In Anbetracht der Wichiigkeit der Dinge sind sämtliche Kinoopcratcur« Grosi-Bcrlins hiermit eingeladen und erwarten wir vollzähliges Erscheinen. big, Kurt , Wi Heinig, ilhelm Pätzel, In Aehtnng! Wir machen unsere Mitglieder ganz besonders auf das Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain stattfindende am Sonntag, de« 7. Dezember, AelktnnK! abends 71/3 Uhr, im � Beethoven- Konzert s? � aufmerksam und ersuchen, die Entnahme der Billetts rechtzeitig zu bewirken. Eintrittskarten a 76 Pf. und Textbücher a 10 Pf. sind bei den Bezirksführern und in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. Zum Vortrag gelangt li a.:/ Die neunte Sinfonie von Beethoven. Mitwirkende außer den Solisten: Das Blüthncr-Orchester und der Berliner Bolkschor. 232/5» Sonntag, den 16. November, vormittags 16 Uhr: KS" Versammlung 1K aller in der Emaillierbranche beschäftigte» Kolleginnen und Kollegen im Gcwerkschaftshause» Engelufcr 15, Saal 4. Tagesordnung: 1. Bericht der Vcrhandluugskommission. 2. Und was ge» denken nun die Kollegen zu tun? 129,11 Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt nötig, da eventl. wichtige Bcschlüsie gesagt werden. vle Ortsvcrwaltung. Orts-Krankenkasse der Klempner. Am Freitag, den 31. November 1913, abends 8 Uhr, sindet im Gewerkschaftshause, Engeluscr 15, «aal 4, die Generalversammlung der Vertreter der Kasscnmitgliedcr und Arbeitgeber unserer Kasse statt. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Ergänzungswahl von 2Porstands- Mitgliedern der Arbcitnebmcr. 3. Veschliisisassung über den Vertrag mit den Kassenärzten. 4. Kasscnangclcgenheitcn. 2954b v«»» Vortitand. Ifjausarztvercin Osten. Zwei öffentliche Kerl am mlu»gen Freitag, den 14. November. I M o n t a g, den 17. November, abends 8'/, Uhr, I im„Schwarzen Adler" in Lichtenberg, 8'« u�' Krankfurter Chaussee 5.| in der„Urania", LG, Wrangelstr» 11/12. In beiden Versammlungen: „Doi' Gebärstreik" Referent: Dr. Moses. Diskussion und eventuell Fragenbcantwortung. 297/5__ K. Röbel, Vorsitzender. Romintener Sir. 48. /kff 1 Ueberall zu haben in gresaen Dosen h 20 Pf. FatHkaalM: Chemische WerKe LnbszynsKi n Co., Aktiengesellschaft, Berlia-Ltchtenberg.| Würzburger HühnerangenmiUel von Dp. H. Ungep.—(Segen 30 Pfennig aus 10 Vi. Anweisung frei Obno Zweifel die bequemste u.wirksamfteHilfe. Der Schmerz ist m.»Min. ort. Da« Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsäure u. indischen Hansextraki.) Unxer in Würzburg. Merlin(20 Pf.): Salomon■ Apotheke, Charlottenstraße 54.— Geeit- Apotheke, Barnimstr. 33.— Wo nicht, zuhaben: Resea-Apolheke, Wflnkura. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, MinÄ 10—2. 5—7. Sonntaga 10—12. ttr Hei- Verwaltung Berlin. Die Zahlstelle 22, bisher Torauer Str. 17, wird verlegt und befindet fich von Sonnabend, den 15. November, ab im Lokale des Herrn Dtto Strack, Lausiver Plast 12. Sonntag, den 16. November, im Englischen Garten. abends pünktlich 6 Uhr» Alexanderstr. 37c: Kranchen-verjammlung. Tagesordnung: B ortrag des LandtagSabaeordnclcn Geno'ien �«iolf BofTniann über:.Meine Reif« nach Lissabon. Rriseeindrücke». Erinnerungen«. Sßf Räch dem Vortrag: GemUtiicbcs BelsommenHein nndxanz.— Die Kollegen werden ersucht, zahlreich mit ihren Frauen an obiger Versammlung teilzunehmen. Einsetzer. Am Sonntag, den 16. November, vormittags 6'/, Uhr: Gezeirks»Versammlungen in den bekannten Lokalen."WB Die Delegierten zur Generalversammlung müssen anwesend sein. Montag» den 17. November: MitgUeder-Uersammlnngen für folgende Bezirke und Branchen: Tagesordnung: Beratung der Anträge zur Generalver- sammlung und Berbandsangelegenheiten. Ofcbler. Bezirk Südwesten: abends 51/, Uhr bei Habels, Bcrgmannslr. 5/7. Bericht über.Die Lohnvcrhättnisse im VczivI". Bezirk Wedding n. Koabit: abends 5'/, Uhr bei Kaezorowski, Ravensstr. S. Stock- u. Zelluloidarbdter: KLr.«a?|oÄÄ"H' Bortrag deS Stadtverordneten iSenossen Zl. Ritter über:.Die Krantcnlassen nach der ReichSversichcrnngSordnuiig". ilreppengetäncterbrancste: Ud» s��im«»nigstadt. letzlen Vortomnmiffe in der Branche'. zi-a-U- u. fabriktilchler: Vortrag mit Lichtbildern des Genossen Franz Gutschmidt über. „Wohnungselend und Vohnungsreform in der Grovstadl".�. �le Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen. JB&T vie*JCie' gierten zur Generalversammlung müssen anwesend sem. Lstustlnalierer- abends S Uhr bei Hcrmcl. HalzmarNstr. 2l. vrunipoiierer. � Borttag des Kollegen Nilschle über Volts. sürsorge und die Schäden der Privatvenichcningen.-«cnair uve. unsere Bewegung. gl/lg i»ie«rtes-erwaltnag. Ohm Anzahlung Spiegel, Bilder, Decken. Portieren. Teppiche. Store«, Ferner mit kl. Anzahlung(t kt worfientlieh) Herren-, namen-, Klnder-Garacrobc, Peltwnren, Bett- Ii. leibwetclie, Betten, Gzskrooen. Bitte Beeueh od. Poitkerte, Komplette Wohnungs Einr ichlungen I. Antel and einzelne Mbbel in 9 rotier Auewahl. Moderne Sehlnf-,>_ Ärr.hrnleKÄ-'Brückenstr. 2 .bei kleiner An- a. Abzahlung.| nahe Jannewitzbriicke. Stube und KOehe sehen voa 1& M, Anzahlung zn. Kleinste Abzablg. Bei Arbeibtosigkeit u. Krankt». OrOBle Rarknlrht. Liefert auch auswärts Bekanntmachung. An der Schiedsstreilsache der Mar« garinciverkcBerolina.Berlin-Lichten- borg. Herzbergürasie 55, werden aus Grund des K 72 des Gewcrbegerichts» aesctzes der von dem Einiglingsamt Lcrlin-Lichlcnbeig in der Besetzung des Gcrichtsaffcssors Dr. Stuben als Vorsitzenden, den stzabrikbefitzern E. tlipmann, A. Plaihen und den Gewerlschastsangcstellicn G. Etzncr, M. Behrcnd als BerirauenSmänncr am 29. Oktober 1913 abgegebene Schiedsspruch, sowie die daraus ab- gegebenen Erllärungen der Parteien nachstehend öffentlich bekannt gemacht: .Das EiniguiigSamt gibt soigcndcn Schiedsspruch ad: Zu es des Tarifvertrages: Werden abends von 6—8 Uhr lieber« stunden gemacht, so tritt eine Pause nicht ein; wird länger als bis 8 Ubr gearbeitet, so wird von'IJä—S Ubr eine Pause gemacht, weiche bezahlt wird, sofern die Ucberarbcit nicht abends vorher durch Anschlag au« gekündigt worden ist. Zu ei des Tarifvertrages: Feicrtagsarbeit an Wochentagen muff auf Berlangen geleislel werden, inid es wird sür die Zeit von 7—12 Ubr bei>/, stündiger Paule neben dem ein» malig zu zahiciidcii vollen Lohn eine Pauschale von 1,75 M. gewährt. NöngcnsallS muff die Arbeit auch weiter bis zu 9 Stunden retner Arbeitszeit ausgedehnt werden und c« wird dann neben dem einmalig zu zahlenden vollen Lohn eine Pauschale von 3 M. gewährt. Pausen werden wie an Wochen« tagen gehalten. Der Schiedsspruch zu s) gilt gleich« zeitig für alle Arbeiter auSichlicffiich Böttcher und Kutscher aber einschiieff- iich Maschinisten. Heizer, Schlosser und sonstige Handwirf er. Der Schiedsspruch wird dem Tarif- vertrag vom 30. September 1912 al« Nachtrag angefügt. Der Schiedsspruch tritt in Kraft, sobald die Parteien seine Annahme ertlären, was binnen einer Woche gegenüber dein Gcwerbegcricht zu Bcrlin-Lichtenberg zu geschehen hgt. gez. Dr. Stuben.' gez. E. Lipmann. gez. A. Plaihen. gez. M. Behrend. gez. G. Erner.' „Margarinewerie Bertzsina, G. in. b. H. Berlin-Lichtenberg, 1. November 1913. Herzbergilr. 55. An daS Gewcrbcgericht als Einigungsamt zuHänden des Herrn MagiftratSassessor Dr. Stuben Bcrlin-Liditenderg. Wir gelangten in den Besitz Ihrer estrigen Zuschrist nebst Abschri,I des de« Eiiiiguugsamlcs und ertlären' wir hierdurch, daff wir. uns dem Schiedsspruch des EiniguugS- amlcs mit erwerfe». Hochachtungsvoll Mai argarinemerke Berollna löesellschast mit beschränkter Haftung. gez. Karl Esters, gez. Norvmann.� .Verband der Fabrik- arbeiter Deutschlands, Zahlstelle Berlin. Berlin 80 10, den 4. November 1913. Till. Gewcrbcgericht i Einigungsamt) Berlin-Lichtenberg. Fn der Schiedsstreitiache Margarine« werke Bcrolina erklären die unter- zeichneten Organisationen namen« der Arbeiterschaft obengenannter Fabrik, sich dem Schiedsvruch de» Emigungsamtes Lichlenderg vom 29. Ollobcr 1913»nterwersen zu wollen. Für die beteiligten Organisationen: Fabritarbeilcr-Ticrband, Bcrw. Bcilin, Engeluser 15. L- A.: gez. Wilhelm Rennann. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie BerusSgcno scn Deutschlands. Gcschäjtsstclle Grok-Berlin. I. A.: gez. Mar Galle.- Bcriin.Lichtendcrg. den 4. November 191-. DaS GewerbegcrichtalS Einigungsamt. Dr. Stuben. lZzdöf"5'" EÖkartoffeln 1�« bonum SÄ frei Haus 29346* Rentner, Berlin, Lohmühlcnstr. 26. OerantwTRedakt.: Alfred Wielrpp, Neukölln. Inseratenteil verantw. UH.Glslte.Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts'Bumoi u VeriagsantiaU«aulSinaerö-Eo..!verlin!s�/. ö-erzu 3 Vetlaaea u-UntertzattuagSbi. Nr. 300. 80. Jahrgang. 1. ßfilngt des„Unnrntls" Serliscr ilollislilatt. Freitag, 14. November 1013. GewcrhrcbaftUcbes. Berlin und Qmgegend. Ein gelber Reinfall. Bei der gestrigen Wahl zum Gesellenausschust der Berliner Bäckerinnung und der Beisitzer zum JnnungsschiedSgericht der Bäcker erhielten Stimmen: Liste des Verbandes: a) GesellenauSschuß 679, b) Beisitzer zum JnnungsschiedSgericht 482. Liste der Gelben: a) Gesellenausschuß 255, b) Beisitzer zum JnnungsschiedSgericht 145. Die gelbe Seuche geht also im Berliner Bäckergewerbe immer weiter zurück. Ingenieure als Akkordarbeiter. Die Weltfirma Siemens u. Halske galt früher einmal als ein sozialer Musterbetrieb. Werner Siemens hatte eine vornehme und lebenskluge Art, seine Arbeiter und Angestellten zu behandeln. Tic heutigen leitenden Männer von Siemens u. Halske sowohl wie von den S i e m e n s- Sch u ck e r t- Werken haben sich von den Traditionen des Gründers weit entfernt. Die Betriebe find amerikanisiert worden, technisch und arbeitsorganisatorisch hat man sie verfeinert, ein Hetztempo der Arbeit herrscht, ein wachsender Abstoß der Verbrauchten. Und djc Toleranz von Werner Siemens anderen politischen Anschauungen gegenüber hat man heute in sein Gegenteil verkehrt. Die Firma hat sich selbst von bürgerlichen Sozialpolitikern sagen lassen müssen, daß sie ihren Arbeitern eine gelbe Bewegung mit den nicht ganz ritterlichen Waffen der wirt- schaftlichen Ucbcrmacht und Erpressung aufgezwungen habe. Tic Angestellten werden dementsprechend behandelt. Ein Streif- licht auf die Umgangsformen der Firma ihren geistigen Arbeitern acgenüber gibt folgender Vorgang: In den Konstruktionsbureaus hat man die Einrichtung getroffen, den Ingenieuren ihre Arbeiten in Akkord zu vergeben. Die Zeichnungen müssen in einer bc- stimmten Zeit fertiggestellt werden. Qualitätsleistungen werden verlangt, deren Höhe natürlich die Burcauchefs bestimmen und im Interesse der Firma hinauftreiben. Aber damit nicht genüge die Ingenieure müssen zugleich nach dem Prämiensystcm arbeiten; die Arbeit wird in der Arbeitszeit verakkordiert, für jede ersparte Stunde bekommt der Ingenieur einen Zuschlag, eine' Prämie. Ein Beispiel. Im Konstruktionsburcau für Schalttafclbau wird eine Schalttafel in der Ausführung der Zeichnung vergeben. Die Zeit der Fertigstellung wird vom Chefingenieur auf 196 Stunden angesetzt. Der„Strichzieher", eine Berufsbezeichnung, die sich die Ingenieure für die Bewertung ihrer eigenen Arbeitsleistung in bitterer Selbstironie zugelegt haben, arbeitet daran nur 89 Stunden. Für die ersparte Zeit von 29 Stunden bekommt er eine .Prämie" von 29 mal 59 Pf.— 19 M. Die„Deutsche Jndustriebeamten-Zeitung" schildert in ihrer letzten Nummer sehr anschaulich, wie sich unter diesem„Lohnfhstcm" der Werdegang einer Zeichnung vollzieht. Zuerst findet zwischen dem Chefingenieur und dein Angestellten ein Handeln und Feilschen um den Wert der� Arbeit an Zeichenstunden statt, bei dem der Qberingenieur zu einem„zpeeck-boss",„Hetzvogt", frei nach Taylor, degradiert wird. Denn nun werden die Angestellten gegenseitig ausgespielt. Der„Tüchtige" drückt die Lieferzeit herab, um mög- lichst viele 59-Pfennigstückc zu verdienen, dann hat man das, was man braucht: in die Angestellten ist ein Keil hineingetrieben, der eine ist des anderen Feind, ein gegenseitiges Unterbieten findet statt, und so ganz unrecht hat der Berichterstatter Flügger in der „Jndustriebeamten-Zeitung" damit nicht, daß dieses klug angelegte Arbeitssystem neben der Produktionsstcigerung und Produktions- verbilligung auch andere für die Firnia sehr günstige Neben- Wirkungen auslösen wird,„Strebertum und Kriechertum, ja sogar Denunziantenwesen wird im technischen Bureau gezüchtet". Tie Ingenieure werden also in ihrem eigenen Interesse diese Mahnahmen abzuwehren haben, was durch den einzelnen nicht erfolgreich geschehen kann, sondern nur durch organisatiorischen Zu- sammenschluß. Für die Firma selbst aber dürfte die Beschäftigung der Oeffcnt- lichkcit mit solchen Vorgängen noch eine andere sehr unangenehme 1 Folge haben: Die Frage nach der Qualität derartiger Erzeugnisse. Gewiß kann man die Konstruktionsarbeit in großen Werken mechanisieren, durch Arbeitsteilung vereinfachen; aber auch das �hat seine Grenze. Der zeichnerische Entwurf einer Anlage muß mit der genügenden Sorgfalt hergestellt werden können. Geht der Gesichtspunkt der Quantität über den der Qualität, wie das bei einem solchen Treibcrsystem unausbleiblich ist, so iverden sich die Folgen in dem geschäftlichen Ruf der Firma selbst zeigen. Denn es ist fraglich, ob sich die Auftraggeber, namentlich aber staat- liche und kommunale Verwaltungen bei der Aufgabe ihrer Bc- stellungcn im Hetztempo zusammengeschlagene Projektierung»- arbeiten bieten lassen können. Borsicht, Arbeitslose! Bei der Firma Gustav Baerwald Nacks., Mllllerstr. 19 sind Differenzen ausgebrochen. Wir bitten alle Arbeitsuchende, die Firma Gustav Ba er- Wald N a ch f. und die Firma Richard I u st, Ouitzowstr. 68, wo zurzeit Arbeiten für die Firma Gustav Baerwald N a chf. verrichtet werden, bis auf weiteres streng zu meiden. Deutscher Transportarbeitcr-Verband. Sektion 5. Achtung, Friseurgehilfen! Aufgelöst ist das Tarifverhältnis bei S ch u r i g, Waldemarstr. 65; B a t h. Libauec Str. 21. Der Nach- folger F r a u b ö s e hat«nicht bewilligt. Bewilligt hat ferner Teichel. Tegeler Str. 25. Verband der Friseurgehilfen. veuvlcbes Reich. Der„Bombenwurf" des Streikenden. Im April d. I. war die bürgerliche Presse angefüllt mit schauererregenden Schilderungen über die verbrecherische Tat eines Streikenden, der gelegentlich des Binnenschifserstreiks von der Königsbrücke in Magdeburg eine Bombe auf einen vorbeifahrenden mit Streikbrechern besetzten Schleppdampfer geworfen haben sollte. Am Mittwoch war diese Angelegenheit Gegenstand einer Vorhand- lung vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Magdeburg, und zwar war der 28jährige Schiffsheizer Otto B e t t k e angeklagt, unerlaubterweise Sprengstoff im Besitz gehabt und sich der ver- suchten Sachbeschädigung schuldig gemacht zu haben. Der Vor- sitzende, Landgernchtsdirektor Wiescr, leitete die Verhandlung mit der Bemerkung ein, dag sich die Angelegenheit früher anders dargestellt habe und ursprünglich vor das Schwur- gericht verwiesen werden sollte; durch neuere Gutachten habe sich aber herausgestellt, daß hierfür die Voraussetzungen nicht vorlägen. Die Verhandlung ergab folgenden Tatbestand: Der Angeklagte B e t t k e, der sich während des Streiks in Grieben(Kreis Stendal), seinem Wohnort, aufhielt, hatte zweimal mit Bekannten den in der Nähe gelegenen großen Kruppschen Schießplatz bei Tangerhütte aufgesucht, um dort Bleikugeln zum Spielen für seine Kinder zu suchen. Dabei fanden sie auch patronenartige Gegenstände, mit denen sie sich gegenseitig bewarfen und an deren pulverartigem Inhalt sie mit den Fingernägeln kratzten. Bettle nahm drei solcher„Patronen" mit nach Hause und stellte sie dort auf sein Pcrtiko, wo sie vier bis fünf Wochen standen. An seiner Ab- ficht, sie im Ofen zur Entzündung zu bringen, wurde er durch seine Frau gehindert. Eines Sonntags steckte er dann die Patronen in die Tasche, um sie im Freien ausbrennen zu lassen. Dazu kam es aber nicht, die Patronen blieben jedoch in der Tasche des Sonntags- anzuges, und Bettle nahm sie unabsichtlich mehrere Tage später mit nach Magdeburg, als er dorthin gerufen wurde, um Streik- Posten zu stehen. Hier legte er die Patronen zunächst in seiner Wohnung in den Kleiderschrank. Am 24. April nahm er eine der Patronen, die er kür Leuchtpatronen hielt, mit, weil ihm beim Streikpostenstehen der Gedanke gekomincn war, er könne einmal eine von den Patronen in einen Dampfschornstein werfen, um zu« sehen, wie sie ausbrennen. Als frühmorgens gegen 7 Uhr der Dampfer„Magdebu-rg" die Königsbrücke mit niedergelegtem Schornstein passierte, warf Bettle die Patrone herunter. Sie fiel auf den Hinterteil des Kesselmantels und dann, ohne irgendwelches Unheil anzurichten, in den sogenannten Schmookraum, in dem sich die Flugasche befindet. Hier holte sie auf Veranlassung des Steuer- mannes Teil, der bemerkt hatte, daß etwas heruntergefallen war, der Heizer W e g n e r heraus, der sie dem Kapitän ubergab, von dem sie dann der Polizei übermittelt wurde. Diese verhaftete sofort eine Anzahl Streikposten und beschlagnahmte in B e t t k e s Woh- nung auch die beiden anderen Patronen. Auf den Rat eines Sach- verständigen hin wurden noch am selben Tage alle drei Patronen auf freiem Felde zur Explosion gebracht, Iveil sie sehr gefährliche Gegenstände sein sollten. Bettle gestand in der Untersuchungs- Haft bald ein, der Werfer gewesen zu sein, und wurde bis zum 7. Juli' in Haft behalten. Die Anklage behauptet auch, es sollten Schimpfereien zwischen den Streikposten auf. der Brücke und den arbeitswilligen Schiffs- Mannschaften auf dem Dampfer vorgekommen sein. Irgendwelche positiven Beweise wurden dafür aber nicht erbracht; niemand wußte, was gerufen worden sei oder wer gerufen habe. Der Kapitän des Dampfers„Magdeburg" bekundete, daß er nie etwas von Feindseligkeiten der Streikenden gegen sein Schiff bemerkt habe und der Steuermann sagte aus, daß er bei der Durchfahrt nach der Brücke hinauf mit der Hand gegrüßt und einen Scherz gemacht habe, da er Bettle und noch einen der Streikposten kannte. Als Sachverständiger Ivar der Vor st eher deS Kruppschen Schießplatzes bei Tangerhütte, Oberleutnant a. T. Schultz, geladen. Er bekundete, daß die gefundenen„Patronen" übriggebliebene nicht explodierte Teile von in der Luft geplatzten Granatschrapnells seien. Sie seien mit einem Trotyl genannten Sprengstoff gefüllt, der in der Wirkung sehr gefährlich, aber in der Handhabung völlig ungefährlich sei. Man könne eine mit Trotyl gefüllte Sprengkapsel in offenes Feuer oder in schwelende Glut hineinwerfen, inan könne sie zersägen, sie so oft wie man wolle gegen die Wand werfen, es sei aber ausgeschlossen, daß sie jemals explodiere. Wenn man ein brennendes Streichholz an den Spreng- stoff halte, so verbrenne er wie irgendein anderer ungefährlicher Stoff. Daß der Angeklagte die Sprengkapseln für Leuchtkugeln gehalten habe, sei absolut glaubhaft, denn es wurde alle vier bis acht Wochen auf dem Schießplatz, der nebenbei etwa 29 Quadrat- kilometer groß ist, mit Leuchtkugeln geschossen, um die Flugbahn zu kontrollieren. Von den Leuten, die in der Gegend des Schieß- Platzes wohnen, würden vielfach, obwohl es verboten� sei, verloren gegangene Gegenstände auf dem Schießplatz aufgelesen und mit- gneommen. Es sei ganz unglaublich, welchen Leichtsinn die Leute oft an den Tag legten. Ter Staatsanwalt beantragte hierauf gegen den Angeklagten ein Jahr, sechs Monate und drei Tage Gefängnis, während die Verteidiger, Rechtsanwälte Landsberg und Dr. H a m m e r s ch l a g auf Freisprechung plädierten, da die vom Gesetz verlangte Voraussetzung der Wisscnt- lichkcit des Besitzes von Sprengstoff nicht gegeben sei. Zur allgemeinen Ucberraschung erklärte sich das Gericht nach dreiviertel st ündiger Beratung für unzuständig und verwies die Sache an das Schwurgericht. Entgegen den Ausführungen der Verteidiger habe das Gericht annehmen müssen, daß der Angeklagte mit der Möglichkeit gerechnet habe, die Patronen enthielten Sprengstoff. Tann aber müsse leider auch der§ 5 des Sprengswffgesetzcs An- Wendung finden, wonach der Angeklagte hinreichend verdächtig sei, vorsätzlich durch Anwendung von Sprengstoff Gefahr für Eigentum, Gesundheit oder Leben eines anderen herbeigeführt zu haben. Zur Aburteilung nach diesem Paragraphen sei aber nur das Schwurgericht zuständig._ Behörden als Unternehmer. Das Kgl. Wasscrbauamt in Czarnikau beschäftigt mehrere Hundert Arbeiter bei Wasserbauten, Abflüssen usw. Diese Arbeiten sind besonders anstrengend und gesundheitsschädlich, weil die Ar- beiter ständig im Wasser stehen müssen. Für dies? die Gesundheit beeinträchtigende Arbeit zahlt ihnen das Wasserbauamt einen Tage- lohn von 2,49 M. bei elfstündiger Arbeitszeit; im Herbst und Winter bei etwas verkürzter Arbeitszeit gar nur 2,29 M.— Wenn man bedenkt, daß die Arbeiter viel Kleidung ruinieren und sich die teuren wasserdichten Stiefel selbst halten müssen, so ist der gezahlte Lohn bei der herrschenden teuren Zeit geradezu ein Hohn. Leider gc- hören diese beim Wasserbauamt beschäftigten Arbeiter keiner Or- ganisation an. Als vor 2 Jahren ein an den Schleusenbautcn an der Netze beschäftigter Maurer einige Wahlflugblätter verteilte,— es waren dies allerdings keine konservativen, sondern sozialdemo- tratische— wurde seine Entlassung durch den den Wasserbau leiten. den Beamten verfügt und durchgeführt. Das sind Jdealzujtände für staatSerhaltende Arbeiter! kleines feuttleton. Die rettenden Momente. Der Berliner Architektenausschuß, der die Vorarbeit für den Protest wegen deS Washingtoner P a l a i s w e t t b e w e r b e s zu leisten hat, stockt plötzlich und Hüft zurück. AmnächstenSonntag sollte die deutscheArchilettenschaft sich gegen- die gefchehene Vergewaltigung ihrer Interessen versammeln. Jetzt heißt es in zwölfter Stunde, die von, Ausschuß angestellten Nach- forschungen, als notwendig hingestellt für die vorzuschlagende Resolution, hätten„Momente" ergeben, die eine vorläufige Ver« tagung der Versammlung notwendig werden ließen. Was für Momente das sein mögen? Von Anfang an lagen die Dinge so. daß der Angriff der Architekten nicht bei einem„Fall Ihne" stehen bleiben durfte. Bloßgestellt durch die erste Mitteilung der„Norddeutschen Allgemeinen", daß Herr von Ihne zum Erbauer des Botsckafterpalais„bestimmt" sei, steht der Kaiser als das eigentliche Angriffsziel da. Hier gibts nichts zu vertuschen, und das werden wohl die geheimnisvollen neuen„Mo- mente" dick und deutlich mit verstärkter Bestimmtheit erwiesen haben. Aber nun riskiert der Architeklenausichiiß nicht, den notwendigen Anlauf zu festgesetzler Stunde zu unternehmen. Gerade jetzt, wo wahrscheinlich seine Waffen sich geschärft und gemehrt haben! Statt sich der wachsenden Möglichkeit, etwas zu erreichen, zu freuen, rutscht ihm das Herz in die Hosen. Er vertagt die Aktion„vorläufig", also bis irgendwann. Er geht auf ein Verbandeln hinter den Kulissen ein. Er ichlägr der deutschen Architektenschaft die Tür vor der Nase zu. Er trennt sich von ihr und schließt sie vom Milverhandelu aus. Was zu befürchten war, wird nun eintreten: daß nämlich die An- gelegenheit behandelt wird, als ob sie nur ein einzelner Fall wäre. Der wird vielleicht irgendwie gradegerückk, aber das System bleibt unberührt. Werden die deutschen Architekten sich diese Wendung wirklich gefallen lassen? Wenn sie es täten, wenn sie sich jetzt nicht offen uyd laut gegen die Taktik ihrer Berliner Vertreterschaft auf« lehnen, so sind sie wahrlich nichts anderes wert, als die BeHand- lung, die sie von diesem System beziehen. Albaniens Zukünftiger. Könige, mit denen Völker ganz un- erwartet, nicht im Lauf der Thronfolge von Vater zu Sohn beglückt werden, müssen sich, wenn sie fest sitzen wollen, ihren Untertanen anbequemen. Darum ging Ludwig Philipp, den Bankiers und Boutiquiers zum Schützer ihres Eigentums erkoren hatten, mit dem baumwollenen Bürgerregenschirm unter dem Arm spazieren. So leicht hat eS Albaniens Zukünftiger nicht, um sich anzupassen. In einer illustrierten Zeitung war er dieser Tage zu sehen, der aus- sichtsreichste Kandidat für den albanischen Thron. der Prinz Wilhelm zu Wied. Eine gewinnende Erscheinung: klassische Bügelfalten, ein spiegelblanker Zilinder und jener elastffch federnde Gang, der Fürstlichkeiten stets eigen, wenn sie für die gaffenden SchmockS der„patriotischen" Presse dem Salonwagen entsteigen. Der Baumwollregenschirm schon würde schlecht zu dici'em gut �llezogenen Kavalier passen. Aber ni welche Verstiegenheiten muß « hineinfinden, wenn er wirklich im biederen Herzen der Tckkipetaren einen Platz einnehmen will.� Et muß dem Schermesser entjagen, er muß die Finger als natürliche Gabeln gebrauchen lernen, er muß an der mit viel Pulververbrauch verquickten Sitte der Blutrache innigen Gefallen finden, und vor allem darf er sich nicht kratzen, wenüs ihn juckt. Und eö wird ihn jucken. Und die klassischen Bügelfalten werden zum Teufel gehen. Und den blanken Zylinder wird er eines Tages beiseite stellen, weil er einen zu guten Zielpunkt abgibt. Armer Prinz! Musik. Deutsches Opernhaus Charlottenburg: DaS N o t h e m d von Victor von Woikowsky-Biedau. Eine LandSknechtSgeschichte mit Frundsberg in Person, nur verlegt vor und in eine schwäbische Reichsstadt. Das Nothemd, bestimmt zum Schutz gegen feindliche Waffen, wird von des Bürgermeisters Töckterleilr, die es selbst gewebt hat. einem jungen städtischen Reuter überreicht. Also die beiden lieben sich, aber der Vater Bürgern, eister hat sein Kind einem Kämmerer versprochen. So gibt es ein Hin und Her von Liebe und Liebesnot, in dessen Verlauf der junge Reuter zu Frundsberg. der die Stadt belagert, übergeht und der brünstige Kämmerer von der Begehrten eine Ohrfeige bezieht, die ihn zur Rache reizt. DaS langt für zwei Akte. Der Schlußakt gibt den Vorgängen, die sich bis dahin in natürlichen Grenzen hielten, einen lohengrinische» Anstrich. Das Mädchen wird eine Elsa, der Reuter ein Lohengrin und der Kämmerer wird Ortrud und Telramund zugleich. Der Kämmerer wird zuletzt durch die Spieße gejagt und die anderen zwei„kriegen sich." Man darf immerhin anerkennen, daß das Libretto wirkungsvoll gemacht ist. Aber der Dichter wie der Komponist steht so sehr uuter dem Bann Richard Wagners, daß man sagen kann: er habe die Nibelungen, die Meistersinger, insonderheit aber den Lohengrin dichte- risch und musikalisch umschrieben. Wagners genialische Fassung des „Wunders", Wagners Prinzip, daß aller Gesang Deklamation, alle Deklamation Gesang sein müsse, begegnen dem Ohr. Aber was man zu hären bekommt, ist mehr oder minder Schablone— Unkraft, so emsig sich der Komponist bemüht, diese Schwäche durch eine lärmende Orchestration zu verdecken. Manche eigene Talentgabe raucht allerdings auf; so eine nicht unüble Ballade im zweiten Akt, oder ein Hochzeitsreigen im dritten, daneben verschiedene Lands- knechrslieder mit charakleristischcr Begleitung. Aber daS„Bübnen- spiel" als Ganzes lohnte doch kaum das Opfer einer kostspieligen Ausstattung und in allen Teilen fleißigen Aufführung. vü. Humor und Satire. T e u t s ch t u m. Wenn des Zornes Lohen wabern, greift der Leutnant so in Zabern nach dem Säbel, wie in Linz, und vermöbelt Kunz und Hinz. Mag es nun ein Roter, mag eS sein ein sogenannter Wackes: hat derselbe schief geblickt, wird der Säbel gleich gezückt. Eingebläut durch deutsche Hiebe wird in Zabern Deutschenlrebe, und der Linzer Redakteur tadelt keinen Leutnant mehr. Als das las der Knuten-Oertel, mußte er sogleich aufs Oertel, denn die große Seligkeit schlug sich ihm aufs Eingeweid'. Aber als ihm etwas freier, griff zu Kognak er und Leier, und nun reimt er' schonungslos Schlag um Schlag und Stoß um Stoß: Hurra hoch die deutsche Haue! Deutsche Frau und deutsche blaue Augenbraue, deutscher Glau- be und hoch die deutsche Sau! Franz. Notizen. — Theaterchronil. Das Marion etten-Theater Münchner Künstler bei Keller u. Reiner, Potsdamer Str. 118b, gibt heute Freitag, 8'/lllIHr zum letzten Male Maeterlincks Mvsterium „Der Tod des Tintagiles", Sonnabend und Sonntag(4i/z und S1/* Uhr) wird auf vielseitiges Verlangen„Das Faustspiel" wieder- Holl und Montag, den 17. November, gibt es zum ersten Male: „König Violon und Prinzessin Klarinette", ro- maniisch-satirischcS Puppenspiel von Äug. M a h l m a n n mit Figuren und Dekorationen von Prof. Jos. Wackerle. Diesen Abend beschließt „Die Nütnberger Puppe", AdamS entzückende komische Oper. — DaS arme Preußen! Nicht einnial eine neue Stern- warte kann es bauen. Die Berliner Universität ersuchte darum. Aber der Kultusminister lehnte sie aus Mangel an Mitteln im bevor- stehenden Etat ab. Ja, wenn sie für Heer und Marine nötig wäre! Aber die Wissenschaft mag sich init Veraltetem weiterhelfen. Die gerühmte deutsche Wissenschaft! — Die schtocdische Grad in essungSkom Mission auf Spitzbergen hat ihre Arbeiten fast beendet. Die Arbeiten sind innerhalb von 15 Jahren in 39 Abschnitten ausgeführt worden. Man glaubt, daß die Gradinessungsarbeit es ermöglichen wird, ge- nauer als bisher die Länge der Rotationsachse der Erde, die Form und Schwere unseres Planeten sowie andere wissenschaftlich wichtige Faktoren anzugeben. — Die erste Eisenbahn auf Island. Das isländische Parlament hat in einer seiner jüngsten Sitzung die Summen bewilligt, die zu Vorarbeiten für den Bau einer Eisenbahn gefordert wurden. Der Schicuenstraug soll von der Hauptstadt Reykjavik bis nach Thiugvalla, einer kleineren Stadt ,m Inneren der Insel führen. Das Kapital will sich an die reichen Bodenschätze der Insel heran- m-tfljeit. Hand in Hand mit dem Bahnbau geht der Plan, den Hafen von Reykjavik auszubauen und modern auszurüsten. — Der Ursprung deS Doppeladlers. Wie der griechische Geschichtsforscher Lambros festgestellt hat. ist das dynastische Hauswappentier von Oesterreich und Rußland asiatisch. barbarischer Herkunft. ES war ursprünglich da» Wahrzeichen der altbabylonischen Stadt Schipurla und von dort ist eS erst nach Byzanz uud dann m daS Banner der römischen Kaiser deutscher Nation übergesiedelt. Treu halten Zaren und Habsburger an dein von Altertum und Mittelalter hochgeschätzten Naubvogelwappen fest. — Der Nobelpreis für Literatur ist dem englisch- indischen Dichter Rabindranath Tagore verliehen worden, Stadtverordneten-Oertaminlung. 33. Sitzung vom Donnerstag, den 13. November 1913, nachmittags 3 Uhr. Die Verhandlungen werden vom Vorsteher Michel et nach o-/z Uhr eröffnet. Zur Erleichterung der schwierigen Verhältnisse auf dem N e a l k r c d i t m a r k t will der Magistrat mit der„G c n o s s e n- Schaft Berliner Hausbesitzer zur Beschaffung und Sicherung von Hypotheken E. G. m. b. H." einen Vertrag ab- schließen, wonach dieser Genossenschaft vorübergehend ein be- schränkter Kredit eröffnet werden soll. Der Kredit ist aus eine Million Mark bemessen, die aus laufenden Mitteln entnommen werden soll; bis 1923 soll das Kreditverhältnis durch Tilgung sämtlicher Beträge beendet sein. Kämmerer Böß: Im vorigen November beriet die Versamm- lung einen rintrag Knauer gleicher Tendenz. Der Magistrat ver- hie/t sich damals um so zurückhaltender, als in der Lcffcntlichkcit ganz überschwengliche Hoffnungen auf die städtische Hilfe gesetzt wurden; glaubte man doch, die Stadt würde 199 Mit- lionen für diesen Zweck auf den Tisch den Hauses niederlegen, iHeiterkeit.) Dem ist durch die jetzige Vorlage allerdings vorge- beugt. Der Magistrat sieht das Abhilfemittel vor allem in der Wiederkehr des Vertrauens der Geldgeber. Die Vorlage stellt sich als eine Vertrauenskundgebung der Stadt gegenüber der Genossen- schaft dar, die dem Notstand auf dem Wege der Selbsthilfe be- gegnen will. Diese Genossenschaft ist vom Bunde der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine gegründet worden und des städti- schen Vertrauens würdig, wenn auch der Bund von 25 999 Berliner Grundbesitzern nur 19 999 vereinigt, da allein 9999 Besitzer in- dustrieller Gebäude hier nicht mitzählen, Hypothekendarlehen aus dieser Million direkt und dauernd zu geben, ist nicht beabsichtigt; die Million soll nur vorübergehend die Mittel liefern, in den ffällen, wo die Genossenschaft den Geldgeber nicht sofort bei der Hand hat.(Beifall,) Stadtv. Manasse iSoz.): Aus dem Saulus Kämmerer von 1912 ist eiw Paulus Kämmerer geworden; ihn befriedigt jetzt die eine Million. Wir sind anderer Meinung; wir hätten es be- griffen, wenn eine Vorlage gekommen wäre, die 199 Millionen torderte. Die ersten Hypotheken Berlins betragen 4,5, die zweiten 2,3 Milliarden, zusammen 7 Milliarden. Ilm eine wesentliche Hilfe kann es sich also bei der einen Million tatsächlich nicht han- dein; es handelt sich wohl wirtlich in erster Linie darum, daß durch diese städtische Aktion das Vertrauen der Geldgeber für den Hypo- tbekcnmarkt wiedergewonnen werden soll. Es ist soeben eine R e- s o l u t i o n K n a u e r eingereicht worden, wonach von Stadt wegen auf den völligen Zusammenschluß sämtlicher Hausbesitzer- vereine im Interesse dieser Hilfsaktion hingewirkt werden soll. Nach unserer Auffassung kann das nicht Aufgabe der städtischen Behörden sein; das muß den Interessenten überlassen bleiben. Der gesamte Häusermarkt ist freilich außerordentlich schwierig geworden. Aber man kann ja gar nicht von 25 999 Hausbesitzern sprechen; denn ein großer Teil von ihnen besitzt kaum den Schornstein oder doch keinen nennenswerten Bruchteil an ihren Häusern, sondern sind lediglich die Verwalter des Vermögens ihrer Hypothekengläubiger. Heute ist der Hausbesitz nur noch eine mehr oder minder gefährdete Kapitalsanlage; heute können die Kapitalisten ihre Gelder be- quemer und sicherer anlegen. Wo ist denn eigentlich der alteingesessene befestigte Berliner Hausbesitz nocfi z u finden? Man braucht ja nur iu den Inseratenteil der Zeitungen zu sehen, um zu erkennen, wie heute Hausbesitz erworben wird. Tie Gesundung des Berliner Hausbesitzes wird durch die Vorlage nicht erreicht werden, denn es handelt sich um itichtS Geringeres, als den Hausbesitz so zu stellen, daß er nicht von dem Windhauch jeder neuen Hypothek sofort umgeworfen wird. Welche Bagatelle, welcher geringe Tropfen auf einen heißen Stein in diese städtische Million für so bergehohe Schwierigkeiten! And wie steht es mit unserem Kämmerer, diesem guten Rechner? Wenn nicht die Hälfte dieser Versammlung aus Hausbesitzern bestehen müßte, so hätte der Gedanke dieser Vorlage für ihn, den steten Verweigerer jeglicher Kulturausgaben, keine Durchschlagskraft be- seffen. Auch eine moralische Verantwortung wird damit über- nommen, daß die Sradt ihr Signum unter diese Hypotheken setzt. lZustimmung.)— Redner geht dann auf die Einzelheiten der Bor- läge und des abzuschließenden Vertrages ein und entwickelt auch hier eine Reihe gewichtiger Bedenken. Er fährt dann fort: „Schaffen Sie wirkliche Hausbesitzer; das ist die Gesundung; wirken Sic dahin, daß der Ueberlastung entgegengetreten wird, Iu den Petitionen wird uns zugemutet, Propaganda für den Zu- sammcnschluß sämtlicher Berliner Hausbesitzervereine zu machen; wir sollen unserem Kollegen, der Eyzellenz Iben(Große Heiter- feiti, unter dessen Kommando die 19 999 Hausbesitzer stehen, dienst- bar werden. Das läuft schließlich darauf hinaus, daß diese Million dazu helfen soll, auch die noch abseits stehenden Vereine, wie den Irankfurter-Tor-Verein, in die hausagrarische Zentralorganisa- lionen hineinzuzwängen. Mit dieser einen Million wird eine Un- menge unberechtigter Hofsnungen bei den zahllosen schlecht da- stehenden Berliner Hausbesitzern wachgerilfen. Wir sagen zu der Vorlage prinzipiell„nein". Der Vorsteher rügt die unangemessene Form, in der der Redner des Kollegen Iben Erwähnung getan bat. Stadtv. Eassel(A. L.): Die Vorlage entspricht dem Standpunkt, den wir bei Beratung des Antrags Knauer eingenommen haben; wir akzeptieren sie daher gern, weil sie einer auf dem Boden der Selbsthilfe entstandenen Organisation Hilfe bringen will. Auch wir erkennen diese Maßnahme nur im Sinne einer vorübergehenden als berechtigt an. Die städtische Million wird wirtschaftlich angelegt werden. An der Anfrechtcrhaltung eines reellen, prosperierenden Grundbesitzes in Berlin sind nicht bloß etwa die Grundbesitzer inter- cssiert, sondern es liegt ganz allgemein ein kommunales Interesse vor. Die mißliche Lage des Berliner Grundbesitzes hat Kollege Manasse übertrieben kraß geschildert; mit solchen Darstellungen wird man den Berliner Hypothekenkredit nicht heben. Ich protestiere dagegen, wenn einzelne Auswüchse zum Typus des Berliner Haus- besitzcs gemacht werde». In der gemischten Deputation haben die beiden Vertreter seiner Richtung nicht mit einem Wort eine Kritik geübt derart, wie er heute; die Herren scheinen inzwischen ihre Meinung fundamental geändert zu haben. Daß eine llugerechtig- keil darin liege, daß nur den, Bunde angchörige Hausbesitzer berück- sichtigt werden, können wir nicht anerkennen; alle Vorteile der Ein- richtung fallen jedem Berliner Hausbesitzer zu. sobald er sich einem Buudcsvcrcine anschließt. Auch wir wünschen, daß der Irankfurter- torvcrcin nicht ausgeschlossen, sondern daß eine Verständigung unter den sämtlichen Beteiligten herbeigeführt wird; wir selbst aber sind völlig außerstande, direkt zu intervenieren, das müssen die Be- ceiligten unter sich ausmachen. Wir können uns daher auch von der Resolution Knaucr einen Erfolg nicht versprechen. Wir nehmen die Vorlage ohne Ausschußberatung an. Stadtv. Dr. Knaucr lN. 2.) legt auch seinerseits Verwahrung gegen die Uebertreibungeu Manasscs ein, die allerdings geeignet seien, den Berliner Hypothekarkredit ganz allgemein schwer zu schädigen, empfiehlt die von ihm eingebrachte Resolution und bittet namens des größten Teils seiner Fraktion, die Borlage ohne Aus- schußberatung anzunehmen. stadtv. Salinger(N. L.) plädiert im Gegensatz zum Vorredner für Ausschußberatung. Es sei absolut nicht abzusehen, warum nur ein Teil des Berliner Hausbesitzes Berücksichtigung finden soll. Durchaus erforderlich sei, daß vorher eine Verständigung unter den dissentierenden Teilen erfolge und der Ausschuß sei der Ort dazu, das reichliche Für und Wider, das bis jetzt in der Presse, in Zu- schriften usw. seitens beider Teile vorgetragen sei, gründlich zu prüfen. Stadtv. Lohmann(A. L.) wirft einen Rückblick auf die Gc- schichte der Kalamitäten, unter denen jetzt der Berliner Hausbesitz zu leiden habe, und befürwortet die Annahme der Vorlage mit einer Modifikation, die- jedem Berliner Hausbesitzer die Teilnahme an den von ihr gebotenen Vorteilen ermögliche. Der' Redner bieiet für seinen Vortrag ein außergewöhnliches Pathos auf und erntet stürmische andauernde Heiterkeit, als er im Eifer des Gefechts die Versammlung mit„Meine Damen" apostrophiert. Stadtv. Manasse(Soz.): Hoffentlich hat auch der Vorredner eine nicht zu ferne Zukunft im Auge gehabt, als er diese Anrede gebrauchte(erneute Heiterkeit). Herrn Iben habe ich selbstverständ- lich ganz gewiß nicht beleidigen wollen. Ich habe die tatsächlichen Zustände nicht übertrieben, sondern sie dargestellt, wie sie sind; ich habe aber auch zugleich auf die Wege zur Gesundung hingewiesen. Auch die Ausgabe des Oberbürgermeisters, den der Vorredner schließlich darum beschworen hat, kann es nicht sein, auf diese Be- rufsorganisationen von Hausbesitzern in dem gedachten Sinne ein- zuwirkcn. Die Berliner Bevölkerung, die uns auch am letzten Sonntag wieder in so überwältigender Weise ihr Vertrauen be- kündet hat, wird auch die Gründe unserer ablehnenden Haltung zu dieser Vorlage zu würdigen wissen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Cassel bekämpft nochmals nachdrücklich die Resolution Knauer. In der Abskimmung wird die Resolution Knauer gegen ver- cinzeltc Stimmen abgelehnt, die Vorlage darauf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenomme n. Stadtv. Dave(A. L.) hat den Ausschußbericht über die Vorlage betreffend den Ankauf des Geländes an der B e u s s e l st r a tz e zur Errichtung einer Großmarkthallc für Obst, Gemüse und Räucherwaren erstattet. Bekanntlich ist der Ausschuß nach eingehenden Beratungen mit allen gegen zwei Stimmen dazu gelangt, der Versammlung den Ankauf dieses Geländes zu empfehlen. Von dem Kaufpreis von 19,7 Millionen M. sind alles in allem nur 119 999 M., welche die Bodcnaktiengescllschafk„Berlin-Nord" von dem von ihr ursprünglich geforderten Preise von 3 978 999 M. abgelassen hat. Weder beim Kohlensyndikat noch bei der Firma Ernst Kupfer u. Co. sind Er- Mäßigungen der geforderien Kauisummen von 4,9 und 3 Millionen Mark zu erreichen gewesen. Während aber diese beiden Angebote akzeptiert werden sollen, wird vorgeschlagen, das Grundstück der Firma Fr. Gebauer im Enteignungsoerfahren zu erwerben. End- lich wird einstimmig empfohlen, dem Magistrat vorzuschlagen, für die Aufstellung des Entwurfs auf diesem Gebiet erfahrene Sachver- ständige heranzuziehen. Der Referent legt besonders eingebend die Gründe dar, welche gegen die Benutzung des Westhafcnterrains für dieses Projekt sprechen und zeigt, wie auch sämtliche übrige» Kon- kurrenzangebote dafür ernsthaft nicht in Betracht kommen können. Oberbürgermeister Mermuth: Ihr Ausschuß hat die Vorlage unzweifelhaft sehr scharf unter die Lupe genommen; er hat sogar schon vorweg auch aus das Projekt des Westhafens sein Auge geworfen. Mit Genugtuung ist festzustellen, daß der Ausschuß sich überzeugt hat, es sei nicht wohlgetan, den Westhasen und diese Großhalle auf dem Terrain des Westhafens zusammenzudrängen. Nach dem jctzi- gen Ausschußbeschluß wird beiden Anlagen in Zukunft jede weitere wünschenswerte Ausdehnung nach Möglichkeit gesichert sein. Was die hohen Terrainkosten angeht, so hat die Beratung jedenfalls er- geben, daß schon die Magistratsvorlage auf möglichste Herab- drückung der dortigen Bodenankaufspreise hingearbeitet hat. Wenn der Ausschußvorschlag auch das Projekt noch nicht direkt verwirklicht, da das Entcignungsvcrfahrcn sein« Zeit erfordert, so bat er doch unsere langjährigen Bemühungen auf diesem Gebiete wenigstens grundsätzlich sanktioniert.(Lebhafter Beifalls Stadtv. Iacobi(A. 2.): Wir haben leider den ursprünglichen Plan, diese Grotzmarkthalle an der Kniprodestraße zu errichten, fallen lassen müssen. Auch die Kombination mit dem Westhafen- terrain ließ sich, insbesondere wegen des unzulänglichen Bahn- anschlusses, schließlich nicht weiter verfolgen, und so sind.vir, wohl oder übel, schließlich auf den Magistratsvorschlag zurückverwiesen worden. So teuer die Terrains an der Beusselstrahe und am Spandauer Schiffahrtskanal auch bezahlt werden müssen, so steht andererseits fest, daß uns für die Errichtung der Markthalle auch auf Charlottenburger Gebiet weder Grund- noch Gewerbesteuer abgenommen werden kann. Mit den Gebr. Gebauer hohen wir tatsächlich bei den Verhandlungen keine guten E r f a h r u n- gen gemacht. Wir befinden uns eben in einer Notlage, und es bleibt nichts übrig, als die Ausschußvorschläge zu akzeptieren. Der überwiegende Teil meiner Freunde wird dafür stimmen, und ein- hellig werden wir die Resolution annehmen, die der Ausschuß vor- geschlagen hat. Stadtv. Dr. Knaucr: Die Neue Linke tritt für die Vorlage nach den Ansschußanträgen ein, hauptsächlich, weil sie einen ge- nügenden Wasseranschluß für die Anlage als unbedingt notwendig ansieht. Auch wir nehmen die Resolution freudig an. Stadtv. Groncwaldt(A. L.) bleibt dabei, daß die Stadt hier viel zu teuer kaufe und sieht kein Unglück darin, wenn auf das Projekt noch weitere ein bis zwei Jahre verwendet würden. Der eigentliche Stein des Anstoßes, die Fleischgrotzhalle, verschwinde ja jetzt ohnehin aus der Dircksenstraße. Von einer Notlage sei keine Rede, die sei eher künstlich erzeugt. Unter allen Umständen müsse die Eingemcindungsfrage vorweg erledigt iverdcn. Stadtv. Hintze(Soz.): Daß wir noch weiter warten sollen, kann der Kollege Gronctvaldt wirtlich nicht verlangen. Die Verhandlun- gen schweben seit Jahr und Tag; ursprünglich wurden 22 Millionen verlangt; die Markthallcndeputation kann es sich als Erfolg zu- rechnen, daß sie bis auf 16,9 Millionen Heruntergehandel» hat. Es ist wirklich in bezug auf die Verlegungsfrag« die höchste Zeit, zum Schluß zu kommen; sie schleppt sich schon seit 1991 durch unsere Verhandlungen. Nachdem noch Stadtv. Zylicz(A. L.) im Sinne Gronewaldts sich geäußert, gelangen die A u s s ch u ß v o r s ch l ä g e f a st ein- stimmig unter'allgemeinem Beifall zur Annahme. Ter Magistrat ersucht die Versammlung um ihre Zustimmung dazu, daß die gemäß dem Beschluß vom 8. Mai 1913 zu begründende 9. st ä d t i s ch e höhere Mädchenschule(Lyccum) bereits zu Ostern 1914 mit den drei untersten Klassen im Gemeindeschulhause Tempelhofer Ufer 2 eröffnet wird. Stadtv. Dr. AronS(Soz.) beantragt AuSschußbcratung. Auf dem Gebiete des höheren Mädchenschulwesens habe sich die Stadt schwere Versäumnisse zuschulden kommen lassen, nrft» etwas anders sei es erst seit der letzten Neuordnung des höheren Mädchen- schulwescns geworden. Einen Ausweg, um gleichzeitig der Misere des privaten höheren Mädchcnschulwesens abzuhelfen und die von der Stadt bisher begangene Versäumnis lvicdcr gutzumachen, wäre gewesen, die privaten Mädchenschulen zu veranlassen, auf die Ober- stufe zu verzichten, während die Stadt ihrerseits bei ihren Lyceen auf die Unterstufe verzichtet hätte, wozu die Möglichkeit durch die ministeriellen Bestimmungen gegeben sei. In Frankfurt a. M. sei man auf diesen Weg getreten. Leider habe in Berlin die Ab- schaffung der Vorschulen bei städtischen Anstalten noch immer nicht erreicht werden können, im Gegenteil. Die Stadt zahle große Subventionen an die privaten höheren Mädchenschulen, und die Erfolge der auf diesem Gebiete betriebenen unerhörten Agitation in bezug auf die Stiersche Schule seien ja noch deutlich in Erinnerung. — An der 9. städtischen höheren Mädchenschule in diesem Augen- blick mit der Eröffnung der Unterstufe vorzugehen, würde ein schwerer Fehler sein. Mindestens müsse auch die niedrigste Klasse der Mittelschul« gleichzeitig aufgemacht werden, um die Möglichkeit des Uebcrganges der Gcmcindcschülerinnen auf die höheren Schulen sicherstellen zu können. Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.): Auch wir finden die Verlegung zweier staatlichen höheren Mädchenschulen aus dem Südwesten in die Vororte sehr eigentümlich. Wir nehmen die Vorlqge des Magistrats unverändert an. Stadtv. Sökcland(A. L.) ist gleichfalls für Annahme der Vor- läge ohne Ausschußberatung. Beide von AronS angeregten Fragen seien in der Deputätion eingehend erörtert worden. Für die Abschaffung der Unterstufen und der Vorschulen sei angesichts der Berliner Verhältnisse keine Aussicht. Stadtv. Imberg lN. L.): Tie Erörterung der Wünsche von Arons könnte besser bei anderer Gelegenheit zum Austrag kommen. Stadtschulrat Michaelis: Miit der Sticrschen Schule besteht hier nicht der geringste Zusammenhang. Die Augustaschule wird Mitte nächsten Jahres nach dem äußersten Westen hinaus verlegt. Mit den untersten Klassen beim Aufbau einer Anstalt anzufangen, ist doch das natürlichst«; bereits nach einem Jahr wird ja auch schon die unterste Klaffe der Mittelstufe da sein. Ter Ausschußantrag wird abgelehnt, die Vorlag« angenommen. Dem„Gemeinnützigen Verein für R e ch t s a u s- kuuft in Groß-Berli n" wünscht der Magistrat die seit 1999 mit 5999 M. gewährte und allmählich auf 19 999 M. erhöhte Subvention für 1914 auf 13 999 M. zu erhöhen und erbittet dazu das Einverständnis der Versammlung. T«r Verein ist in wirtschaftliche Bedrängnis geraten und erklärt, sich auflösen zu müssen, wenn er nicht bis Mitte November Gewißheit über die Erhöhung der städtischen Subvention habe. Stadtrat Sclbcrg cmpfieht die Vorlage zur Annahme. Im vergangenen Jahre habe der Verein 99 999 Rechtsauskünfte er- teilt, er verdiene also gewiß seinen Namen als„gemeinnütziger Verein". Stadtv. Brückner(Soz.): Dieser Gemeinnützige Verein er- hielt 1911 5999 M. Subvention. Wir haben damals gegen die Be» willigung gestimmt, sind aber anderer Meinung geworden und unterstützen jetzt die Forderung. Der von der deutschen Arbeiter- schaft ausgegangene Gedanke der Arbeitersekretariate und Rechts- au�kunftsstellen hat immer breiteren Boden gewonnen und auch i>n>crc Gegner veranlaßt, ähnliches ins Leben zu rufen. Wir fürchten diese Konkurrenz nicht. Unsere Volksgenossen sind in weitesteni Umfange auf solche Einrichtungen angewiesen, wenn sie sich nicht von den Winkelkonsulenten aufs schlimmste ausnutzen lassen wollen. Das Berliner Arbeitersekretariat hat 1911 26 999 und die Rechtsauskunftsstelle des-„Vorwärts" in demselben Jahre 19 999, zusammen 45 999 solcher Auskünfte erteilt; 1912 betrug die Zahl 49 999. Angesichts dieser Tatfachen verlangen wir die Ver» stadtlichung der Rechtsauskunft.(Unruhe.) Minde- stens muß dem Magistrat bei subventionierten Vereinen ein ent- sprechender Einfluß auf die Verwaltung zugestanden werden. Stadtv. Justizrat Hahn Di. L.): Auch nach unserer Meinung haben die Rechtsauskunftsstellen ein Bedürfnis erfüllt. Eigentlich aber ist diese Einrichtung eine Aufgabe des Staates. Ter Vor- redner wies darauf hin, daß das sozialdemokratische Programm die Unentgeltlichkeit der Rechtspflege fordert; will der Vorredner und seine Freunde, daß auch die die Stadt bezahlen soll? Die Forde- rung des Vereins muß näher geprüft werden; wir wissen über den Verein nicht allzuviel. Die für eine vorzeitige Entscheidung durch den Verein angeführten Gründe sind haltlos und können kein Vorrecht rechtfertigen. Seine Wünsche werden sich bei der Etats- berakung durch den alljährlich für solche Zuwendungen eingesetzten Ausschuß prüfen und erledigen lallen, was ich hiermit beantrage. stadtv. Friedberg sFr. Fr.) stellt sich auf denselben Standpunkt. Stadtv. Rosenow(N. L.) hält eine Notlage für vorliegend und stimmt dem Magistratsantrag zu. In der Abstimmung gelangt der Antrag Hahn zur Annahme. Der Magistrat ersucht die Versammlung um ihre Zustimmung dazu, von der A l l g e m e i n e n E l e k t r i z i t ä t s g c s c l l sch a f t auf Grund der bestehenden vertraglichen Verpflichtung die Anlage eines� II n t c r g r u n d b a h n h o f s in der Neuen Friedrich. st r a ß c an der Krcuzung�mit der Stralauer Straße zu verlangen. Gleichzeitig soll an dieser Stelle die Neue Friedrichüraße verbreitert und die Turchlegung der Voltairestraße ermöglicht werden, wozu von den fiskalischen Grundstücken Neue Fricdrichstraßc 5— 11 im ganzen 1179 Quadratmeter erforderlich sind. Der Entwurf eine? mit der Ministerialbaukommifsion abgeschlossenen bezüglichen Ver- träges, der noch der Zustimmung deS Finanzministers bedarf, wird vorgelegt. Auf Antrag Spendig(A. L.) geht die Vorlage an einen AuS� schuß, den der Borstand sofort ernennt. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen ValO Uhr. Hus aller Älelt. Zorreiibcf.ii und Sauerkraut Wie die deutsche Orient- Korrcsvondenz au? Petersburg meldet, soll ein rusfischcr Händler mit deutschen Geschäftsleuten Kontrakte abgeschlossen babcn, nach denen er verpflichtet ist, im Lause des Winters mehrere Tausend Pserde sür die Ausfuhr nach Deutschland zu schlachten und zu pökeln. Früher dienten die verbrauchten Pferde als Hundefuttcr. Das Geschäft soll sür den Händler außerordentlich lobnend sein, so daß er jetzt überall aus den Märkten alte Pserde auskauft. lZebern llrsl bornmv ckie Funcke, daß des Heiligen Rußlands Hunde für ne Meile ficH befrei'n wollen von dem ZoHenbein! Will dir näcHCtens ein prolete wieder von der Zeiten]S3te jammern, lenke feinen Sinn nach dem fernen Rußland hin. Das besagte Reich der Reußen will demnächst das liehe Preußen pferde-pöhelnd überfleußen. Zur bewußten Kompottschüssel fehlte noch vom Pferd der Rüssel— allzu fetten Schweinebauch den vertrug nicht jeder Gauch. Tolh! Darfst nun entgegenschreiten „herrlichen(bewußten) Zeiten"! Die dir übern Ural kommen so den Böfen wie den frommen.... Bald kann in den Vorderflossen jeder von den Volksgenossen halten nun fein Bein vom Zossen! Das Unwetter ans den kanadischen Seen. Die Schiffskatastrophen, die sich bei den letzten Schnee- stürmen auf den kanadischen Seen ereignet haben, sind weit schwerer, als sich nach den ersten Nachrichten vermuten ließ. Es hat tzen Anschein, daß überhaupt kein Dampfer auf dem Huron-, Oberen- und Erie-See, dem es nicht ge- lungeu ist, rechtzeitig einen Hafen zu erreichen, gerettet worden ist. Es sollen insgesamt 20 Frachtdampfer ver- l o r e n gegangen sein. Bis jetzt sind 31 Leichen ge- borgen, während über hundert Personen noch ver- mißt werden._ Wie Proletarier enden. Die gesicherte Existenz des Arbeiters bis ins hohe Alter hinein, von der Wilhelm II. einmal sprach, wird drastisch illustriert durch einen Vorfall, über den aus Dortmund folgende? gemeldet wird: Der Arbeiter Kaspar Müller, ein 73jähriger Greis, war auf dem Hüttenwerk Union beschäftigt gewesen. Wegen seiner Schwächlichkeit, die durch das hoho Alter erklärlich ist. wurde er e n t l a s s e n. Er eignete sich nicht mehr zur lohnenden Ausbeutung. Gleichzeitig wurde ihm auch die Werkswohnung gekündigt. Da er keine Existenzmittel besaß, so bemächtigte sich seiner die Ver- zweiflung. Er beschloß, den rasche» Freitod dem langsamen Verhungern vorzuziehen. Am Sonntagabend bemerkte man .ihn, Wie er vor Schwäche schlotternd, am Hafen entlang irrte. Als er sich unkemerkt glaubte, stürzte er sich ins Wasser. Schiffer hörten aber seinen TodeSichrei und Hollen ihn aus den Wellen heraus. Der völlig entkräftete Mann wurde darauf ins Kranken- Haus gebracht. Er kann also weiter Betrachtungen anstellen über diese„herrliche" Weltordnung, die den verbrauchten Arbeiter zum Hungern verurteilt, wenn er auch ein langes Leben hindurch dem Kapital Profite über Profite erschuftete. Tie Herrschenden werde» auch durch solche Vorkommnisse von ihrer Meinung über die„wohl- versorgten" Arbeiter nicht abzubringen sein, aber die Arbeiter selbst sollten daraus lernen._ Kleine Notizen. Schrecklicher Tod eines Obdachlosen. Während ein Arbeiter in einer Scheune zu S ch w i e n I o ch l o w t tz nächtigte, brach plötzlich Feuer aus. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man die verkohlte Leiche des Arbeiters. Die Haftentlassung des Lokomotivführers Tumaine. Die Ent- lassung des Lokomotivführers Dumaine. dem die Hauptschuld an der Katastrophe bei Melun zugeschrieben wird, ist deshalb erfolgt. weil er nach ärztlichem Gutachten bei dem Unglück schwere innere und äußere Verletzungen davongetragen hat und weil er bei einer längeren Gefängnis st rafe einem sicheren Tode entgegengehen würde. Unwetter in Frankreich. Starke Regengüsse haben in ver- schicdenen Gegenden Frankreichs, namentlich im Osten des Landes, große Ueberschwemmungen verursacht. In Vesul, Hsri- court und Montböliard ist die Bahnlinie Paris-Vesoul überflutet. Der Verkehr wird über eine Zweiglinie geleitet. Die Opfer des peruanischen Erdbeben?. In der durch daS Erdbeben zerstörten Stadt Chalhuanca sind 250 Leichen geborgen worden. Ein Opfer des Spielteufels. Der 27 jährige Drechsler E manuel Flach aus Berlin brachte sich am Donnerstagmorgen in seiner Wohnung in Paris einen Schuß in die Herzgegend bei. Er wurde schwer verletzt ins Hospital gebracht. Flach hatte sein ganzes Geld im Spiel verloren. Im Streite seinen Bater erwürgt. In dem Dorfe P e r ch ti n g in Bayern wurde vor einigen Tagen der Bäckermeister S i m m e t h in seiner Scheune erdrosselt ausgefunden. Der 25 jährige Sohn des Ermordeten hat jetzt eingestanden, seinen Vater im Streit ermordet zu haben._ eingegangene Druck Pchnften. Bon der„Nene» Feit» ist soeben das 7. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Partikularismus und Sozialdemokratie. Von Fr. Mehring.— Spionagegesehentwurs und Svionage. Von Max Cohen(Reuß).— Sozialdemokratische Flagge und anarchistische Ware. Ein Beilrag zur Partcigeschichtc. Van M Rjasanosf. lFortsetzung.)— Der erste Wahlkanips mit erweitertem Wahlrecht. Von Oda Olberg sRom>.— Zeitrchristenschau. Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallen und Kolporteure zum Preise von Z.Lö M. pro Quartal zn bezichen■, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 2.7 Pf. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 4 des 24. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Monarch ensabrikation von Gottes Gnaden.— Eine Ursache des Geburtenrückganges. IV. Von Heinrich Vogel.— Die Arbeiterschaft der Bürsten- und Pinsclinduftrie. Von ik.— Fäuste Generalversammlung des Deutschen Verbandes für Frauenstimm« recht in Eisenach. � m �„ Die„Gleichheit" erscheint alle t4 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps.. durch die Post bezogen beträgt der Abonnemcntspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 Vi. Vom„BOahre» Jacob« ist soeben die 24. Nummer des 30. Jahr- ganges 16 Seiten stark erschienen und bringt u. a. ein Porträt des per- storbenen österreichischen Parteigenossen und Buchdruckersührers Karl Höge r. " Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dieh Aachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. BLttterungSüberstcht vom Ilt. November 1U13. [seI„ £ s! i= eialtonni EÄ=•= Ige s Z IS=1 B« _ P-l Swinemde.>743 SW Hamburg 746; SD Berlin 7493 Franks. a.M 749 SW München.7Z4SSW Wien 754lW Statwnen SK kga 4 5 = 5 a Haparanda 752 SSO Petersburg 760>SSO Scilla 1748'Nffi Aberdeen 1733« Paris 7471SW Vetter 4bedeckt rbedeckt 6 wolkig 3wolkig 3>wolkig c* Ii & Etwas kühler, ziemlich trübe und nebcllg mit leichten Regensällen und ziemlich siischcn westlichen Winden._ iH TO Ii® ÄcifJ®- iiiWiae il.Wmhmi JCebrnsminel Fleisch Pa. Schmorfleisch.... Pfd. 1.00 Roastbeef Pfd. 1.00, o.Knoch.Pfd. 1.50 Fiiet i. Ganz., unausgesch. Pfd. 1.00 FUet ausgeschält... Pfd. 1.60 Ochsenbrast and Kamm Ptd, 80 Pf. Frisch. SchinKen i. Ganz. Pfd. 85 PI. SchweineKamm u. Schaft Pfd. 90 Pt. SchweineKotelettes... Pfd. 1.00 RücKenfett Ptd. 70, Liesen Pfd. 80 Pf. Kasseler Rippespeer Pfd. 85Pf.b.I.00 Obst und Gemüse AmeriKan. Aepfel. Pfd. 18 u. 25 Pf. Kochäpfel...... Pfd 13, 16 Pt. Graue Reinetten... Pfd 18, 22 Pt. Grosse Kochhtrnen. Ptd. 13, 18 Pf. WeissKohl....... 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Fische Kabeljau i.ganz. Fisch. Ptd. 15, 22 Pf. Seelachs o. K., i. gz. Fisch. Pfd. 22 Pf. Schellfisch 2—4 Ptd. schw. PfdL. 22 Pf. Bratschollen...... Pfd. 20 Pf. Rotzangen....... Ptd. 24 Pf. Goldbarsch....... Pfd. 18 Pf. Steinbutten....... Pfd. 78 Pf. Lachs in ganzen Fischen Pfd. 65 Pf. Lebende Plötzen... Pfund 40 Pf. Lebende Karpfen Pfd. 75, 85, 95 Pf. Leb. Hechte bis 5 Pfund Pfd. 98 PL Emaillierte Geschirre, Wirtschafts-Artikel. H ü WM Todes- Anzeigen| MM Am Mittwoch, den 12. November, verstarb plötzlich infolge Herzschlags unser Chef, der Iföbelfabrikant, Herr Wilhelm Qroßkurth Oranienstraße 7, im Alter von 42 Jahren. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen humanen und gerechten Arbeitgeber, dessen Andenken wir dauernd in Ehren halten werden. Die Arbeiterschaft der Tischlerei G. Großkurth. Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des alten Luisenstädtischon Kirchhofes, Bergmannstraßo, aus statt. VerbandiierSattleru.PorteleDjiler Deutschlaniis. Lrtsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Militärsattler Lnn! Schwerdtfeger I Firma H. Becker) verstorben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Kirchhoscs in Groß- Li.f>lersclde-Qst, Langeswaße, aus statt. 158/8 Die Ortsverwaltung. wiiasiilij.lieMülie-ll�aalZZi'li. Filiale Groll-Kerlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, dag der Kollege Lkristian DZhinlow welcher im Betriebe der städtisch. Gaswerk, 7. Ncv.-Fnspcktion, be- sckästigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andciikeii bewahren. Die Bestattung findet am Sonnabend, den 15. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gcmcindc-Fricd- hoscs, Müllcrstraße, Ecke Sccstrage, aus statt. 35/t3 Die Ortsverwaltung. Für die große Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Be- ftattUng meines lieben Mannes, des Holzbildhauers Fintl Schfifcr sage ich hiermit dem Soz. Wahl- verein des 2. Berliner Reichslags- Wahlkreises, dem Zenlralvcrcin der Bildhauer Deutschlands, den Arbeits- kollcgcn der Firma Karl Müller und allen Freunde» und Bekannten meinen innigsten Tank. 2363b Frau Klara Schäfer. ReutersWerke —- 3 Bände 4 Mark---- Buchhandlung Vorwärt» Deutseher Metailarbeiter-Yerlianil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Ma- schinensormer Paul Verleik Malplaquelstr. 36. am 11. d. M. an Leberleidcn gestorben ist. Die Beerdigung sindet am Sonnabend. 15. November, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des Städlische» Friedhofes in der Sccstrage aus statt. Ferner starb der Dreher unser Mitglied, fUlred Absalon Neue Hochstr. 32/34, am 11. d. M. an Luiigcnlcidcn. Die Beerdigung findet heule Freitag, den 14. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Dankes-Kirchhoses in Reinickendors-Wcst, Blankcstrage, aus statt. Femer starb unser Mitglied, der Hobler Franz Garzarek Reinickendorf, Scharnwcberstr. 74, am 3. d. M. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 14. November, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle des Gcmcmde-Friedhofs in Rcinickcndors, Humboldtstrage. aus statt. Fcmer starb unser Mitglied Gedwix Schön Die Beerdigung findet am Sonnabend. 15. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Dankes-Kirchhoss in Reinickcndorj-West, Blankestraßc, aus statt. Ehre ihrem Andenken k Rege Beteiligung erwartet 129/6 Oie Ortsverwaltung. atentanwalt PrillwItzBI Berlin N.W2I.Thurm5traße JH. Sozialdemokratischer Wahlverein LI 8. Herl. Eeichstags-Wahlkreis. Am 11. November verstarb unser Genosse, der Rohrleger Ciirfcttan Dähmlow Kolberger Str. 21/22. Bezirk 800. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonnabenn. nachmittags 3'/� Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, llllüllerftrage. Ecke See- straße, aus statt. Am Dienstag verstarb unser Genosse, der Schankwirt Paul Verleih Malplaquctitr. 36. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung sindet am Sonnabend, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle des Städtischen Fricdhoscs. Müllcrstrage, Ecke See- strage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/7_ Her Vorwtoml. Verb. ISehneWer, Schneiderinnen u. Wäschearbeiter Deutschlands. — Filiale Berlin.__ Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dag der Herren- Maßschneider, Kollege Mehae! Grzchowiak am 12. November im Alter von 51 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Michael- Kirchhoscs am Mariendorser Weg aus statt. 165/3 Die Ortsverwaltung. Das plötzliche Ableben meines lieben Sohnes, unseres guten Bruders 143/18 Lsong Zapel zeigen liesbetriibt mit der Bitte um stilles Beileid an Witwe.4alxi>NtQ Zapel, Aagast Zapel, /Martha l-elimann, geb. Zapel. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmiitagS 3 Uhr, von der Halle des AndreaS-Kirch» Hofes in Wilhelmsberg aus stati. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten sowie, dem Deutschen Bauarbeiter- Verband(Sektion der Putzer), den Genossen des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises, insbesondere denen des 524. Bezirks, sagen wir hiermit für die herzliche Teilnahme bei der Be- erdigung meines lieben Mannes un- sercn besten Dank. 2S53b Kinns Putlltz nebst Kindern. 3n Steten Stunden Die Wochenschrift für Arbeikerfamillen Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. o tfsne Füsse Auf 2 Lose ein Gewinn garantiert Ziehung«choti 18. Novemb. Hunchener L otterie Gewinne im Wem vud Mark 100000 115000 Wer 2 Lose kauft, eine gerade u. eine ungerade Nummer. MUSS gewinnen. Lose 2 H.-Svi." H.C.Kröoer BERLIN WS. Friedrichsfr. 193a — Tel.-�dr.:„Goldqnelle".— � Stoffe für eleg. PaletOtS Meter 315,7,9 Kostüm- und Ulsterstoffe 3, 4, 5 Persianer mit. 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Gemäß der ZZ 14 und 19 der Wahlordnung<ür die Zlusschußwablen geben wir den wahlberechtigten Kasiemnitgliedern und Arbeitgebern hierdurch be !annt, daß die fristgerecht eingereichten Wahloorfchlägc, und zwar: 1. derjenige der Arbeitnehmer, eingereicht durch Franz Schulz im Namen der im GcwerkfchastSkartell vereinigten Gewerlschasten, ent- haltend 60 Vertreter und 120 Ersatzmänner, beginnend mit Adolf Albert, Marmorschleifcr, Berlin-Weißenfee, Berliner Allee 221, 8. derjenige der Arbeitgeber, eingereicht durch den Vorsitzenden des Vereins der Industriellen, Herrn Louis, enthaltend 00 Vertreter und 60 Ersatzmänner, beginnend mit Hugo Abraham, Kaufmann, Berlin-Weißenfee, Berliner Allee 17, als gültig anerlannt morden sind. Anfechtungen sind nach§ 20 der Wahlordnung innerhalb 2 Wochen bei dem Kassenvorstand oder dem Versicherungsanit anzubringe». Berlin-Weistensee, den 12. November 1913. vor Vorstand. K. Fuhrmann, Vorsitzender. 279/20 SdraÄteeeÄ hergestellt aus reiner hydrophiler Baumwolle. Aerztl. anerkannter bester Schutz gegen Kälte und Schweiss. gju g E im ||dü| Kein Wundlaufen! Keine Erkältung 1 Keine harte Haut! Keine Blasen! Für ältere Leute unentbehrlich. Schont Schuhe u. Strumpfe. Fibrllum: Oswald Schaberl, Harthau bei Cbemnla. Das größte Abonnementshaus feinster Herren"iVloden J. stock dt Co. verkauft seine Monats-Garderobe direkt an Private. Anzüge und Paletots von 10 M. an.* Friedriehstr. 108 vis-ä-vis der KarlstraBe. Awgen auf! Beim Einkauf Ihrer Horrengarderobe elegante Winter- j Ulster, Paletots, Anzüge aus guten Stoffen, selbst an- 1 gefertigt, für jede Figur passend, anf Lager. Unsere Preise sind unerreicht billig.—— Winter-Fliiter.... M. 14.—, 18.—, 84.— usw. Herren-Paletots...„ 10.—, 15.—, 80— 18___ 10.—, 88. äs—, so-, so—; , 18—, 15—„ Herren-Hosen....„ 8—, 3— bis8— Gummi-Mäntel von M. 10— an. Wetter-Pelerinen von M, 6— an .Winter-Joppen von M. 5— an. 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Geschält; Sctiönliaiiser Allee 101. Bekanntmachung betreffend die Wahlen der Vertreter und Ersatz- männer zum Ausschutz der Altgemeinen Orts- krankenkaffe für Berlin-Lichterfelde. Aus Grund des tz 90 der neuen Kassensatzung sind für die Wahlperiode vom 1. Januar 1914 bis zum 31. Dezember 1917 von den Versicherten und den bei der Kasse zuständigen Arbeitgebern Vertreter zum Ausschutz zu wählen und zwar: SO Arbeitgebervertreter und 40 Ersatzmänner, 40 Versichertenvertreter und 80 Ersatzmänner. Die Wahlen der Zlrbeitgebervertrcter finden statt: am Montag, den 1». Dezember ISIS, von 4 bis 7 Uhr nachmittags, im Cafe „Hohenzollern", Berlin-Lichterfelde, Chanffeestr. SSa. Die Wahlen der Berfichertenvertreter finden statt: am Dienstag, den 10. Dezember 1910, von 4 bis S Uhr nachmittags, im Restaurant von Wahrendorf, Berlin-Lichterfelde, Bäkestr. 7. Die Wahlen sind geheim. Gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl nach Maßgabe der Wahlordnung. Das Wahlrecht ist in Person auszuüben. Jeder Wähler, lveicher au der Wahl teilnehmen will, erhält aus sein Verlangen bis spätestens 8. Dezember im Kassenbureau während der Dienftfwnden von 9 bis 2 Ubr eine Wahlkarte ausgehändigt, die am Wahltage als Ausweis über seine Wahl- und Stirnmberechtigung dient und welche er dem Wahlausschuß vorzuweisen hat. Wähler, die nicht im Besitze einer Wablkaite sind, werden zur Wahl nur zugelassen, wenn sie in einer sämtliche Mitglieder des Wahlausschusses überzeugenden Weise ihre Wahlberechtigung nachweisen können. Aus der Wahlkarte sür die Arbeitgeber wird auch die Zahl ihrer Stimmen vermerkt. Der Wahlausschuß am Tage der Wahl ist befugt, die Wahl- und Stimmberechtigung jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Die Wahlkarten werden auch an Beaustragte sowie aus schnstliches Ersuchen ausgestellt. Die Wähicr können die Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnisse während der Kassenstunden von 9 bis 2 Uhr im Kassenlokal einsehen. Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus dem Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnis ergebenden Wahl- und Slimmbcrechtigung sind bei Bermeiduug des Ausschlusses spätestens bis zum 1. Dezember 1913 unter Beifügung von Beweismitteln beim Vorstand der Kasse einzulegen. Wahlberechtigt sind: die volljährigen Arbeitgeber und Versicherten der Gemeinsamen Ortskrankenkassc sür Berlin-Lichterselde. Wählbar als Vertreter der Arbeitgeber sind nur solche Arbeitgeber, die für ihre versicherungspflichtig Beschäftigten Beiträge an die Gemein'ame Ortskrankenkasse sür Berlin-Lichterselde zu zahlen haben. Arbeitgeber, die selbst versichert sind, zählen zu den Arbeitgebern nur dann, wenn sie regelmäßig mehr als zwei VersicherungS- Pflichtige beschäftigen; andernfalls zu den Versicherten. für die Wählbarkeit stehen den Arbeitgebern bevollmächtigte Betriebsleiter, Geschästssührer und Betriebs- er beteiligten Arbeitgeber gleich. Nicht wählbar sind Mitglieder einer Behörde, welche Aussichtsbesugnisse über die Kasse hat. Arbeitgeber, die einen Versicherungspflichtigen beschästigen, führen«ine Stimme. Arbeitgeber, die mehrere Versicherungspflichtige beschästigen, führen bis zu 100 versicherungspflichtig Beschäftigter sür je angesangcne 10. und bezüglich der über 100 hinausgehenden Zahl sür je angefangene 20 Beschäftigte eine-stimme. Mehr als 30 Stimmen kann kein Arbeitgeber führen. Wahlberechtigt sind serner die am I.Januar 1914 durch die Reichsversicheruiigsordnung neu in die Kranken. Versicherung einbezogenen volljährigen Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankenkassc sür Berlin-Lichterfelde und die volljährigen Arbeitgeber solcher Mitglieder. Ausgenommen hiervon find die Arbeitgeber unständig Beichästigter als solche sowie unständig Beschäftigte, die nach§ 455 der Reichsversicherungsordnung keine Beitragsteile zahlen. und ferner solche Vcrsicheningspflichtigc, die Mitglieder einer Ersatzkasse sind und deren eigene Rechte und Pflichten aus ihren Antrag ruhen. Die wahlberechtigten Personen werden ausgejordert, sich zwecks Eintragung in die Wählerliste bis spätestens 8. Dezember 1913, werttäglich von 9—2 Uhr im Wahlbureau der Gemeinsamen Ortsttankcnkasse sür Berlin-Lichterselde einzufinden. Die Arbeitnehmer haben sich dort durch eine Bescheinigung ihrer Arbeitgeber über das bestehende Beschästigungsverhältnis auszuweisen. Den in die Wählerliste auf- genommenen Personen wird im Wahiburcau der Gemeinsamen Ortskrankenkasse eme Wahlkarte als Ausweis zur Ausübung ihres Stimmrechts am Wahltage ausgehändigt werden. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist nur, wer bei der Kasse versichert ist. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Nicht wählbar ist: 1. wer infolge strasgerichilicher Verurteilung die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eines Verbrechens oder Vergehens, das den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, versolgt wird, falls gegen ihn daS Hauptversahren eröffnet ist;_. 2. wer infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt isL Wer als Arbeitgeber wählbar ist, kann die Wahl nur ablehnen, wenn er 1. daS sechzigste Lebensjahr vollendet hat; L. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat; Kinder, die ein anderer an KindeSstatt angenommen hat, werden dabei nicht mitgerechnet; 3. durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, daS Amt ordnungsmäßig zu führen; 4. mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt Die Vormundschaft oder Pflegschaft über mehrere Geschwister gilt nur als eine; zwei Gegcnvormundschasten stehen einer Vormundschaft, ein Ehrenamt der Reichsoerfichernng einer Gegenoormundschast gleich; 5. während der unmittelbar vorhergehenden Wahlzeit daS Amt mindestens zwei Jahre geführt hat. Ein Arbeitgeber, der die Wahl ohne zulässigen Grund ablehnt, kann vom Vorsitzenden des Vorstandes mit Geldstrafen bis zu sünshundcrt Mark bestraft werden. Die Wahlberechtigten werbe» hiermit aufgefordert, Wahlvorschläge gesondert für die beteiligten Arbeitgeber und Versicherten aufzustellen und dem unterzeichneten Vorstand spätestens biS zum 1. Dezember 1913 einzureichen. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens 10 Wahwercchligtcn der betreffenden Gruppe mit zusammen 30 Stimmen unterzeichnet sein. Unterzeichnet ein Wähicr mehr als einen Wahlvorschlag, so wird sein Name nur aus dem zuerst eingereichten Wahlvorschläge gczähll und auf den übrigen Vorschlägen gestrichen. Sind mehrere Wahlvorschläge, die von demselben Wahlberechtigten unterzeichnet sind, gleichzeitig eingereicht, so gilt die Unter- schrist auf demjenigen Wahlvorschläge, welchen der Unterzeichner binnen einer ihm gesetzten Frist von höchstens zwei Tagen bestimmt. Unterlägt dies der Unterzeichner, so entscheidet das LoS. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal so viel Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter sortlausender Nummer auszusühren, weiche die Rcihensolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien- und Vor-(Ruf-) namen, Berus und Wohnort zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlagcn sür Versicherte ist von jedem Bewerber eme Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur'Annahme der Wahl bereit ist Bei den Wahlvorschlägen sür Arbeilgcber ist eine solche Erklärung nur erforderlich, soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der Reichsvcrsichclrmgsordnung zur Ablehnung der Wahl bcsugt ist. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahlvorschlags und ein Stellvertreter für ihn auS der Mitte der Unlcrzeichner zu bezeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Dahlvorschlags und, soweit eine Rcibensolge erkennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Der Wahlvorschlagsvcrtreier ist berechtigt und verpflichtet, dem Vorstand die zur Beseitigung etwaiger Anstände erforderlichen Erklärungen abzugeben. Die Anstände müssen spätestens bis zum 8. Dezember 1913 beseitigt sein. Bis zu diesem Zeitpunkte können Wahivorichiäge auch zurückgenommen werden. Die zugelassenen Wahl- Vorschläge werden eine Woche vor der Wahl nach§ 109 der Satzung bekannt gemacht und den Beteiligten aus Wunsch tm Kassenlokal, Berlin-Lichterselde, Ebausseestr. 103, werktäglich von 9 bis 2 Uhr zur Einficht vorgelegt. Enthält ein Wahlvorschlag mehr Bewerber, als zugelassen sind, so werden diejenigen Vorgeschlagenen gestrichen, deren Namen den in der znlässigen Zabl vor ihnen Genannten folgen. Die Wahlvorschläge sind ungültig, wenn sie verspätet eingereicht werden, oder wenn sie nicht mit den ersorderlichen Unterschristen versehen, oder ivcnn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenfolge ausgeführt sind, eS sei denn, daß nie Mängel rcchlzeitig beseitigt werden. Tie Ttimmadgabe ist an die Wahlvorschläge gebunden. Sind aus gültigen Aahlvorschlägen im ganzen nur so viele wählbare Bewerber benannt, wie Vertreter zu wählen sind, so gellen sie als gewählt. Sind weniger Bewerber vorgeschlagen, so gelten diese cbcnsalls al» gewählt. Der Wähler erhält einen der Umschläge, die mit dem Stempel der Kasse versehen und im Wahlraum bereit zu halten sind, trilt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Slimmzettcl unbeobachtei in den Umschlag Icgl und übergibt hieraus den Umschlag unverschlossen unter Aushändigung seiner Wahlkarte dem Vor- sitzenden oder dem von diesem bezeichneten anderen Mitglicde des Wahlausschusses. Dieser läßt die Abgabe des Stimmzettels vei merlen und wirst hieraus den Umschlag in die Wahlurne. Arbcilgeber mit mehrfachem Stimm- recht haben so viel Stimmzettel je in einem besonderen Umschlage abzugeben, als sie Stimmen haben und ab- geben wollen. In diesem Falle ist die Zahl der abgegebenen Umschläge zu vermerken. Wähler, die durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihren Stimmzettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des Wahlausschusses zu Übergeben, dürfen sich der Bcihilje einer Vertrauensperson ledienen. Ter Ttiinmzettel, der dem Wähler im Wahllokal ausgehändigt wird, mutz die Ordnnngs. nummer des Wahlvorschlages, dem der Wähler seine Stimme geben will, enthalten. Der Wähler kann nur einen solchen Slimmzettcl abgeben, der mit einer Ordnungsnummer der zugelassenen Wahlvorschläge vollständig übereinuimmt. Die Stimmzettel sollen von weißer Farbe und 10 mal 8 Zentimeter groß sein; Stimmzettel die von diesen Bestimmungen abweichen, sind ungültig, wenn das Abweichen die SIbsicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht. Stimmzettel, die außer de: Be� oder deren Umschläge ein Meilmal ba unterschrieben sind, sind ungülttg. Dasselbe gilt von Slimmze Kasse vrlscdencn Unischlag befinden. Ungültig ist ferner der Inhalt eines Stimmzettel», soweil er zweiselhast ist. Beslndcn sich in einem Umschlage, der nur sür einen Stimmzettel bestimmt ist, mehrere Stimmzettel, so werden sie, wenn sie vollständig übcreuiftimnicn, nur einfach gezählt, andernfalls als ungültig angeschen. Die Wohl wird zu der icslgesctztcn Zeil gcichlossen: nur die am Schluß der Wahlhandlung im Wahlraum anwesenden Wähler dürien dann noch von ihrem Wahlrecht Webrauch machen. Berlin-Lichterfelde, den 13. November 1913. 280/2 Der Vorstand. M. Lengenfeld, Vorsitzender. Spezialarzt für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata. Blutuntersuchung.* Schnelle, sich. Heilung. MäBIge Preise. Dr. med. WockentuB, Friedriehstr. 125(Oranienb. Tor) Sprechet, v. 8— 8, Sonntags 8—10. in Riesenlager ] eigenes Fabrikat, vorkaufe einzeln zu Engrospreisen spottbillig Ulster. Paletots und Anzügen Beren-Konfeklions-Engros-Gescliän ( Hakescher Harkt 8/3 III, Fahrstuhl.(Sonntag geschlossen.) verantwortlicher Redakteirr: Alfred Wielepp. Neutölln. Für den Jnieratenieil oerantw.: Tb.Glocke.Gerlin. Dcuckn. Verlag; Vorwar:»«uctioruckerc, n. VerlagSanstalt Baut Singer U-Ita, öertw Nr. 30V. 30 Jahrgang. 2. ßfilm i>» Fmiills- Klllm KIKsdlÄ Freitag, l4. Navember l9l3. Partei- 5Zngelegenkeiten. Die neue LokaMste ist der heutigen Nummer des„V o r w ä r t 8" beigelegt worden und wiederum richten wir an die gesamte Arbeiterschaft das dringende Ersuchen, die Lolalliste mehr zu beachten als bisher. ES ist unbedingte Pflicht jedes Ar- beiters, alle Lokale zu meiden, die der Arbeiter- schaft zu Versammlungen verweigert werden. Beachtet die Arbeiterschaft diesen wiederholt an sie gerichteten Appell und handelt sie streng danach, so muß es uns gelingen, alle Lokale, die durch den Besuch der Arbeiterschaft erst ihre Existenz haben, auch zu Versammlungszwecken zu erobern. Wo uns aber Säle zu Versammlungen zur Verfügung stehen, bort können wir das Versammlungsrecht erst wirklich ausnützen, darum ist der Kampf um Versammlungsräume auch ein Kampf um das Versammlungsrecht. Deshalb: Beachtet stets die Lokalliste! Ferner ersuchen wir die Vorstände und Komitees, bei allen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, daß das notwendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis des Ver. bandes deutscher GastwirtSgehilfen bezogen wird.(Ortsverwaltung Berlin, Große Hamburger Straße 18/19. Tel. Amt III, 1813.) Außerdem ist es im eigenen Interesse der Vereine selbst dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, daß das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen verweigert werden sollte. der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommisswnsmitglieder an den Ob- mann der Lokalkommission zu richten, soweit Lokale Berlins und der Kreise Nieder-Barnim, Teltow-Beeskow und Potsdam.Ost» Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion deS.Vorwärts"; dies bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aende. rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Kommissionsmitgliedern bezogen werden. Die LokaUommissiou. Vierter Wahlkreis. Am Dienstag, den 18. November, findet in der.Urania", Wrangelstr. 19/11, die Kreisgeneralversammlung statt. Am Sonntag, den 16. November, feiert der Wahlvcrein sein Stiftungs- fest in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, und Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, bestehend in Konzert. Gesang mit Orchesterbegleitung und Tanz, Chorgesang, Ulk-Trio, turneriscken Ausführungen. Siehe Annonce. Kasseneröffnung 4 Uhr. Ansang b Uhr. Billetts 30 Pf. Charlottenburg. Eine wichtige Flugblattverbreitung findet am Sonnlag früh von den bekannten Stellen aus statt. Steglitz. Die Genossen, deren Kinder sich an den Reigen- und Märchenaufführungen am 3. Weihnachtsfeiertag beteiligen wollen, werden gebeten, die Kinder am Sonntag, den 16. November, nach- mittag« 4 Uhr, zu Heizmann. Florastr. 4, zu schicken. Treptow- Baumschulenweg. Der Wahlverein feiert am Sonnabend, den 15. November, sein diesjähriges Stiftungsfest im Lokal von Schneidereit. Treptower.Konkordia-Festsäle", Am Treptower Park 69. Beginn 8 Uhr. Das aufgestellte Programm verspricht einen genuß- reichen Abend. Alle Genossinnen und Genossen, Freunde wie Be- kannte werden hierzu freundlichst eingeladen. Eintritt 25 Pf. Garderobe 10 Pf. Mitwirkende: Herr Emil Kühne. Rezitation und Gesang zur Laute; Berliner Humor-OuaNett; Männergesang- verein.Vorwärts Südost" und die Konzertkapelle von Hollfelder. Die Festrede hält der Reichstagsabgeordnete Fritz Z u b e i l. Wannsee. Am Sonnabend, den 15. d. Mts., abends 8 Uhr, im .Fürstenhof"(O. Ackermanns, Versammlung deS WahlvercinS. Eine halbe Stunde vorher Neueröffnung der vergrößerten Bibliothek. Dabendorf. Sonnabend, den 15. November, abends i/,9 Uhr: Mitgliederversammlung bei Wiese. Berlin-Buchholz. Am Sonnabend, den 15. November, feiert der hiesige Bezirkswahlverein in Kähne« Gesellschaftsbaus, Berlinerstr. 39, sein 6. Stiftungsfest, bestehend aus Konzert, turnerischen Auffüh- rungen vom Arbeiter-Turnverein Pankow, und Theater. Nach der Vorstellung Ball. Um rege Beteiligung bittet DaS Komitee. Bruchmühle. Sonntag, den 16. d. Mts., veranstaltet der Wahl- verein bei Mille einen Heiteren Abend. BillettS a 50 Pf. Der Zahl- abend wird deshalb erst am Sonntag, den 23. d. M., abends 7 Uhr, abgehalten. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 15. d. M.. veranstaltet der Wahlverein einen Heiteren Abend im Restaurant von Rodenbusch, Rudower Str. 54. unter Mitwirkung des MännerchorS Neukölln und Herrn Lictzmann-Steglitz: Lieder zur Laute. Anfang 8 Ubr. Programme a 80 Pf. find bei den Funktionären sowie im obigen Lokal zu haben. Borsigwaldc-Wittenau. Sonnabend, den 15. November, abends S1/, Uhr, findet in den Borsigwalder Festsälen das Stiftungsfest des hiesigen Wahlvereins statt. Da das Programm ein reichhaltiges ist und jedem einzelnen ein genußreicher Abend geboten wird, erwartet die Bezirksleitung eine zahlreiche Beteiligung der Genossen und Ge- nossinnen. BillettS a 30 Pf. sind bei den Funktionären zu haben. Lerlimr Nacbricbten* Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordneten hatten gestern darüber zu be- schließen, wie den geldbedürftigen Haus- b e s i tze r n geholfen w er d e n s oll. Daß hier die Stadt eingreifen muß. erscheint den Freisinnigen als ganz selbstver- ständlich, denselben Freisinnigen, die so oft die Fürsorge für noch sehr viel mehr bedrängte Schichten der Bevölkerung als eine Aufgabe privater Hilfstätigkeit hingestellt haben. Der Magistrat beantragte, mit einem Tarlehn von 1 Million Mark eine„Genossenschaft Berliner Hausbesitzer" zu unterstützen, die den Hausbesitzern die Beschaffung von Hypotheken erleichtern will. Kämmerer B ö ß erklärte, die Hergabe der Million solle hauptsächlich eine Ver- trauenskundgebung sein, ein Ausdruck des Ver- trauens zu den Hausbesitzern in: allgemeinen und zu ihrer Genossenschaft im besonoeren. Gegen diese eigenartige De- ? onstration für das Hausagrariertum wandte sich die sozial- demokratische Fraktion. Die Schilderung, die Genosse Ma- nasse von der bedrängten Lage vieler Hausbesitzer, aber zugleich auch von den Ursachen ihrer Bedrängnis gab, behagte der hausbesitzerlichen Mehrheit der Versammlung sehr wenig. Ihr lautester Wortführer war diesmal Herr Cassel, der Manasses Darstellung als— übertrieben zurücktvies. Zu anderen Zeiten konnten die Hausbesitzer und ihre Gönner nicht genug iiber die„Not des Hausbesitzes" jam- inern, aber heute kommt« allerdings darauf an, das geschwun- dene Vertrauen zurückzugewinnen, damit die notleidenden Hausbesitzer noch was gepumpt kriegen. Eine Weile stritten sie noch darüber, wie man auch die nicht dem Bund der Grund- besitzervereine angehörenden Notleidenden von dieser Hilfs- aktion profitieren lassen könne. Dann wurde gegen die Stirn- men unserer Genossen die Magistratsvorlage angenonimen. Zu der Vorlage über die am Bahnhof Beusselstraße geplant« Großmarkthalle für Ob st und Gemüse empfahl der Ausschuß dem Plenum teils freihändigen Er- werb, teils Enteignung des Geländes. Von einer Seite wurde noch der Versuch gemacht, die Entscheidung zu verschlep- Pen und in der Markthalle am Bahnhof Alexanderplatz weiter- zuwursteln. Diesem Versuch trat unser Genosse H i n tz e entgegen. Der Antrag des Ausschusses wurde nahezu ein- stimmig angenommen, so daß das Projekt gesichert ist. Dem Verein für Rechtsauskunft in Groß-Berlin will der Magistrat eine höhere Unterstützung als bisher ge- währen, weil er sonst seine Auskunftsstellen schließen müßte. Die sozialdemokratische Fraktion trat diesmal für Unterstützung dieses Vereins ein, doch ließ unser Redner Genosse Brückner keinen Zweifel darüber, daß als Gegenleistung ein stärkerer Einfluß der Stadt auf seine Aus- kunftsstellen gefordert werden muß. Brückner wies auf die Notwendigkeit solcher Einrichtungen hin und führte als Bei- spiel die Leistungen des Berliner Arbeitersekretariats und der„ V o r w ä r t s"- A u s k u n f t s st e l l e an. Seine Forderung, daß die Stadt jenen Verein über- flüssig machen und Rechtsauskunftsstellen in städtischer Verwaltung schaffen solle, fand nicht den Beifall der Redner des Freisinns. Die Beschlußfassung über die Vorlage wurde ausgesetzt. Schulspeisung. Die Gemeindebehörden haben vor einiger Zeit die Ein- setzung einer Deputation für die Angelegenheiten der Schul- speisung beschlossen. Die Deputation trat gestern zu ihrer ersten Sitzung zu- sammen. Der Vorsitzende, Stadtschulrat Dr. Fischer, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der Schul- speisung und die Aufgaben, welche der Deputation hierbei zufielen, hin. Man beschloß, sich zunächst durch einen Besuch der Kindervolksküchen einen Einblick in den Betrieb der Schulspeisung zu verschaffen. Die Kinder werden in den von dem Verein für Kinder- Volksküchen hier unterhaltenen Küchen, deren es zurzeit 17 gibt, die über die ganze Stadt verstreut sind, gespeist. Jedes bedürftige Kind, das zu Hause kein warmes Mittagessen er- hält, bekommt jeden Sonnabend vom Rektor seiner Schule für die kommende Woche Speisemarken und erhält dafür in der der Schule zugewiesenen Kindervolksküche ein warmes Mittagessen. Durchschnittlich sind im laufenden Jahr für jeden Monat zirka 17lKX) M. von der Stadt hierfür aufge wendet worden. Es wurde festgestellt, daß die für die Schub speisung im laufenden Etatsjahr zur Verfügung stehenden städtischen Mittel im Betrage von 170 000 M. nicht ausreichen. Es wurde beschlossen, eine Nachtragsforderung von 50 000 Mark bei den Gemeindebehörden zu stellen. Dabei wurde allseitig bezweifelt, ob diese Summe ausreichen dürfte, zumal im kommenden Winter mit einer erhöhten Arbeitslosigkeit zu rechnen sein dürfte. Von dem sozialdemokratischen Mil gliede wurde beantragt, anstatt 50 O0O M., 60 000 M. zu for- dern, um eine nochmalige Nachforderung zu vermeiden. Dem wurde aber allseitig widersprochen mit dem Bemerken, man dürfe die„Begehrlichkeit nicht zu sehr wecken". Der Antrag wurde deswegen abgelehnt. Bezeichnend ist auch hier, daß von der letzten Etatssumme für Kinderspeisung der Kämmerer eine erhebliche Summe abgestrichen hatte und daß deshalb die Nachtragsforderung so groß geworden ist. Dieses unVergleich. liche Finanzgenie hat also bei der Schulspeisung genau so knausern wollen wie bei der Armenverwaltung, wo er eben- falls große Summen abstrich und nunmehr Ueberschreitungen eintreten. In den neuen Etat für 1914 beschloß die Deputation 220 000 M. aufzunehmen. Jni übrigen beschäftigte sich die Deputation mit der gesamten Einrichtung der Schulspeisung, mit manchen Fehlern und Mängeln betreffs der Kontrolle und der Abrechnung mit dem Verein für Kindervolksküchen. Eine spätere Sitzung wird nach verschiedenen Richtungen hin klarere Verhältnisse zu schaffen suchen. Pastor Pfeiffer als Vormund. Aus dem Wirlen des Pastors Wilhelm Pfeiffer, des Leiters des„KänderrettungSvereins", der im Laufe der Zeit die S a m m e I Vormundschaft für mehrere tausend Kinder an sich gebracht hat, sind im.Vorwärts" schon manche Proben mitgeteilt worden. Hier ist eine neue Probe, die aufs neue zeigt, wie dieser Mann vorgeht, und wessen man sich von ihm zu versehen hat. Pfeiffer übernahm im Juni 1913 die Vormundschaft über zwei Geschwister Tr., die ihren Vater im Jahre 1902 und ihre Mutter im Februar 1912 verloren hatten und zunächst von einem Pastor Jahnke bevormundet worden waren. Lotte Tr. war auf Wunsch der Mutter, den sie im Gefühl des nahenden Todes ausgesprochen hatte, durch die ihr seit einem Jahrzehnt befreundete Gattin eine? Schneidermeisters G. in Berlin übernommen worden, Fritz Tr. aber wurde von Frau G. an seine Großmutter zurückgegeben, die ihn dann an eine in Amerika wohnende Tante weitergab. Diese Tante wollte auch Lotte zu sich nehmen, doch verzichtete sie darauf, nachdem sie sich vergewissert hatte, daß das Kind in der Familie G. gut aufgehoben war. Lotte war dem Ehepaar G. nicht durch private Ueberweisung, sondern durch die Stadt Berlin als Waisenkind in Pflege gegeben worden, und die Stadt zahlte dafür auch ein Pflege. geld. Bei der Tante regte sich später aufs neue der Wunsch, auch das Mädchen zu nehmen, und es scheint, daß der Uebergang der Vormundschaft an Pfeiffer die Ausführung dieses Planes erleichtern sollte. An sich ist ja nichts dagegen einzuwen- den. daß eine so nahe Verwandte stärkere Ansprüche an daS Kind zu haben glaubte, als die immerhin fremden Pflegeeltern. Was uns an dem Fall interessiert, das ist, wie schon gesagt, das Vorgehen des Pastors Pfeiffer. Nachdem er am 17. Juni 1913 zum Vormund gemacht worden war, schickte er sofort eine seiner Helferinnen zu den Eheleuten G., doch waren diese mit dem durch den Schularzt beurlaubten Kind nach Mecklenburg in eine Sommer. frische gereist. Am 20. Juni sandte dann Pfftor Pfeiffer an Herrn G. nach seiner Wohnung in Berlin einen Brief, der di« Uebernahme der Vormundschaft meldete und die Bitte aussprach, Herrn Pfeiffer „eiligst" darüber zu informieren, wann Lotte nach Berlin zurück- kehren werde. Da dieser Brief nicht nach Mecklenburg nachgesandt wurde, so blieb er unbeantwortet. Zur großen Ueberraschung des Ehepaares G. erschien plötzlich am 26. Juni in jener Sommersrisckw als Beauftragte des Pastors Pfeiffer eine Frau Mann, die von Pfeiffer die schriftliche Aufforderung vorwies, Lotte„sofort" mitzugeben. Frau Mann hatte Fuhrwerk mitgebracht, auch war sie begleitet von dem Gemeindediener des Ortes, und sie ließ nachher noch den dortigen Polizeiwachtmeister holen, um der Auf- forderung den nötigen Nachdruck zu geben. G. und Frau verweigerten die Her gäbe des Kindes, weil sie nach der ftir die Pflegeeltern geltenden An- Weisung, die eine„eigenmächtige Uebergabe an andere Pfleger" verbietet, der Waisenverwaltung verantwortlich zu sein glaubten. Nach Berlin zurückgekehrt, machten sie Meldung im Bureau des Waisenhauses, und hier stimmte man ihnen bei. Ver- Handlungen mit Pfeiffer, die teils vom Waisenbureau auS, teils durch G. persönlich geführt wurden, hatten keinen Erfolg. Als G. sich bei Pfeiffer beklagte, daß ihm in der Sommerfrische ein Pein- licher Auftritt bereitet worden sei, wies der Herr Pastor ihn ab: „Wenn Sie so anfangen, dann— bitte, da ist die Tür!" Pfeiffer erwirkte schleunigst beim Amtsgericht einen Beschluß, daß Lotte herauszugeben sei. Die Vollziehung wurde auf Beschwerde beim Landgericht zunächst ausgesetzt, aber Pfeiffers Helferin machte noch bor der Beschlußfassung des Landgerichts wiederholte Versuche, daS Kind abzuholen. Mehrere Male erschien sie vor der G'schen Wohnung, begleitet von Polizisten und einem Schlosser, einmal auch in Begleitung eines Zlssessors aus dem Pfeifferschen Bureau. Auch das Landgericht entschied schließlich, daß das Kind an die Tante, die es als nahe Verwandte in Pflege nehmen wollte, herausgegeben werden müsse. Am Abend um%li holte dann Frau Mann die Kleine ab, unterstützt von einem Gerichtsvollzieher, dreiuniformiertenSchutzleuten, einemSchlosser und der aus Amerika herübergekommenen Tante. Bei diesem Sieg hat aber Pastor Pfeiffer sich nicht beruhigt, vielmehr hat erhinterher gegen das Ehepaar G. noch Anzeige wegen „K i n d e s e n 1 f ü h r u n g" bei der Staatsanwaltschaft eingereicht, so daß jetzt eine Untersuchung im Gange ist. Pfeiffer ist weiter für die von ihm bevormundeten Geschwister Tr. gegen das Ehepaar G. noch vorgegangen mit einer Klage auf Herausgabe von Nachlaßstücken, die von der verstorbenen Frau Tr. herrührten und nach Lottes Abholung in der Gffchen Wohnung verblieben waren. Am 12. November sollte die Klage vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding verhandelt werden. Di« persönlich erschienenen Eheleute G., die zu Hause ihr Geschäft hatten im Stich lassen müssen, warteten vergeblich fast 114 Stunde hindurch a f den Herrn Pastor oder seinen Anwalt. Sie legten dem Richter e ,i Schriftstück der Armendirektion vor, aus dem sich ergab, daß der Nachlaß der von der Armenpflege unterstützten Frau Tr. an die erbb erech- tigte Stadt Berlin gefallen und später von der Armen- direktion für 47 M. an G. verkauft worden war. Pastor Pfeiffer hatte offenbar daraufloS geklagt, ohne sich zu vergewissern, ob er berechtigte' Ansprüche erheben konnte. Der Richter zuckte die Achseln und stellte dem verklagten Ehepaar anheim, dem nicht er- schienenen Kläger unter Mitteilung deS Sachverhalts die Zurück- nahm« der Klage zu empfehlen. Wird Pastor Pfeiffer das Ehepaar G. nun endlich in Ruhe lassen?_ Bar Geld lacht! In Berlin haben A e r z t e mehr und mehr die Gewohnheit angenommen, von fremden und nicht sogleich auf den ersten Blick zahlungsfähig scheinenden Personen sich sofortige Bezah- lung ihrer Hilfeleistung zusichern zu lassen. Leute, die in dem modernen Arzt noch immer nicht einen Gewerbetreibenden sehen wollen, sondern ihn noch für„etwas Höheres" halten möchten, können diese Geschäftsführung der Aerzte schwer verstehen. Nicht selten gelangen diesbezügliche Beschwerden an uns, und schon mancher Arbeiter, der mitten in der Nacht einen Arzt bemühen mutzte und zunächst nach seiner Zahlungsfähigkeit gefragt wurde, hat sich ernstlich dadurch beleidigt gefühlt. So klagt uns jetzt wieder ein Vater, der für sein erkranktes Kind zur Nachtzeit einen Arzt holen muhte, über daS Verhalten eines im Hause Turmstr. 50 wohnenden Dr. Dresel.„Können Sie mich auch sofort bezahlen?" habe dieser gefragt, und zu dem Angebot, nach Beendigung der Kur zu zahlen, habe er erklärt:„Auf das Geschäft lasse ic� mich nicht ein!" Nachdem er dann mitgekommen war, dem Kinde eine Arznei verschrieben hatte und auf den geforderten Betrag eine Abschlagszahlung von 5 M. angenommen hatte, habe er den ihn die Treppe hinunteraeleitenden Vater nach seinem Beruf gefragt. Bei der Auskunft, daß dieser in einer Druckerei beschäftigt sei, habe der Arzt in fast entrüstetem Tone gerufen:„Na, da verdienen Sie doch ein schweres Gelo!" Auf eine Einwendung habe er abwehrend erwidert:„Ach, die Buchdrucker sind alle nur faule Köppe!" Der Herr Doktor scheint überhaupt eine derbe Ausdrucks- weise zu lieben, die er wohl für„volkstümlich" hält. Eine Probe davon gab er auch, als das fünfjährige Kind bei der Untersuchung sich ungeschickt benahm und zu weinen anfing. DaS Mißtrauen be- züglich der Zahlungsfähigkeit des VaterS scheint übrigen? bei Dr. Dresel durch die sofortige Zahlung von 5 M. beseitigt worden zu sein. Am folgenden Tage gab er nach nochmaligem Besuch die Restschuld an, aber er forderte jetzt nicht sogleich Geld. Die diesjährige Ausstellung empfehlenswerter Jugend- schriften im Gewerkschaftshaus beginnt am Sonntag, den 16. November. Die Ausstellung ist Sonntags, Mittwochs und Sonnabends von 4— 8 Uhr geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. Ter diesjährige Weihnachtsmarkt findet auf dem Arkona- platz und dessen Umgebung sowie in der Warschauer Straße (von der Revaler Straße bis zur Frankfurter Allee) und in der Petersburger Straße statt. Pfefferküchler, Pfefferkuchen- Händler, Verkäufer von Obst, Nüssen, Weihnachtsbäumen, Spielzeug und dergleichm können auch außerhalb des Markt- bezirks mit Genehmigung des zuständigen Polizeireviers Ver- kaufsvorrichtungen auf geeigneten Plätzen aufstellen. Der Markt beginnt am 11. Dezember und dauert bis zum 27. De- zember einschließlich mit der Maßgabe, daß am 28. Dezember, morgens 8 Uhr, sämtliche Buden und Verkaufsvorrichwngeu von den Straßen und Plätzen fortgeschafft sein müssen. An- träge auf Erteilung von Erlaubnisscheinen für den nächst- jährigen Weihnachtsmarkt(1914) sind frühestens am 1. Scp» tember 1914 einzureichen. Vorher eingehende Anträge können erst nach diesem Zeitpunkte ihre Erledigung finden. Bcrkchrsvcrbesserungen auf den westlichen Schnellbahnen. Die neue Kurfürstendammlinie, welche bisher nur eingleisig betrieben werden konnte, so daß die Pendelzüge vom Wittenbergplatz aus in Abständen von je 7'/, Minuten folgten, wird, nachdem die auto- matischen Signalanlagen fertiggestellt find, vom morgigen Sonn- abend ab zweigleisig betrieben werden. Demgemäß werden die Züge sich in Abständen von je fünf Minuten folgen, werktäglich, ab Wittenbergplatz, in der Zeit von Ö28 früh bis 10®6 abends, ab UHIand- strafe von C47 früh bis W abends: SonniagS ab Wittenbergplatz &K früh bis II58 abends, ab UHIandftraße S87 früh bis II87 abends. Auf der Dahlem er Schnellbahn soll gegen Ende dieses Monats ebenfalls der Fünfminutenverkehr durchgeführt werden, so daß für die vom Wittenbergplatz kommenden Fahrgäste am Fehrbellinerplatz stets der Anschlußzug bereitstehen wird. Endlich wird mit Rücksicht auf den Thealerverkehr auf der Westendlinie, BiSmarckstraße— Reichs- kanzlerplatz, der Fünfminutenbetrieb allauendlich zwischen lO'/a und ll'/a Uhr eingerichtet werden. Mit„Backspießen und Feuerhaken" rückten ein Bäckermeister, seine Gesellen und Lehrlinge Einbrechern zu Leibe, die ihnen in der Nacht zu gestern auf dem Grundstück in der Rathenower Straße einen Besuch machte». Den Gesellen und Lehrlingen waren schon wiederholt von Einbrechern zur Nachaeit Kleidungsstücke und Wertsachen aus der gemeinsamen Stube gestohlen worden. Das veranlaßte den Meister eine Lärmglocke anzubringen, die in der Backstube an- schlagen muß, sobald die Tür der Gesellenstube geöffnet wird. Das geschah gestern früh, als alle in voller Arbeit waren. Der Meister so- wohl wie auch die Gesellen und Lehrlinge bewaffneten sich und rückten iiu.Sturmschritt" nach der abseits gelegenen Gesellenstube vor, um die Einbrecher zu überrumpeln. Der Plan gelang. Zwei Männer, die später als ehemalige Bäckergesellen festgestellt wurden, waren gerade dabei, in dem Räume Koffer und Kisten zu erbrechen und ihres Inhalts zu berauben. Sie hatten die Lärmglocke nicht gehört und glaubten in aller Ruhe und Sicherheit.arbeiten" zu können. Der stark bewaffneten Uebermacht gegenüber verzichteten die Einbrecher auf jeden Widerstand, ließen sich gefangen nehmen und nach der Wache abführen. Tie Straßenbahnveriindnng durch den Kaiserdom« zum Reichs- kanzlcrplah, die schon seit langer Zeit geplant war, wird nunmehr zur Wirklichkeit werden. Die Linie 17 wird vom Sophie-Cbarlotte- Platz über den Kaiserdamm bis zum Reichskanzlerplatz durchgeführt werden. Die Berwirklichung des Planes hat sich dadurch verzögert, daß die Regelung der Verkehrsverhältnisse nach dem Inkrafttreten des Zweckverbandsgesetzes nicht mehr Sache des Charlottenburger Magistrats, sondern des Zweckverbandes war. Der Zweckverband hatte mit der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft Verhandlungen angeknüpft, die erst jetzt zum Abschluß gelangt sind. Sobald die Aenderung der U-fiime eingetreten ist, wird zum Ersatz für die dann teilweise fortfallende Verbindung vom Brandenburger Tor nach dem Kursürstendamm und Halensee die Linie T in kürzeren Abständen fahren. In geistiger Berwirrung tödlich verunglückt ist Mittwochabend der 37 Jahre alte Kaufmann Artur Lewald aus der Christburger Straße 2. Der Mann litt an Krampsonfällen. Seine Zustände verwirrten ihn oft so sehr, daß er nicht mehr wußte, was er tat. So lief er vorgestern abend kurz nach 6 Ilhr, als er für seine Frau einholen wollte, plötzlich aus einem Grünkramladen in der Nachbar« schaft hinaus, fragte laut, wo die Christburger Straße sei, obwohl er sich in ihr» befand, rannte über die Anlagen des Mttelweges der Prenzlauer Allee hinweg und geradeSwegs vor einen Straßenbahn- wagen der Linie 60, den er in seiner Verwirrung nicht sah. Der in voller Fahrt herankommende Wagen ging über ihn hinweg und zermalmte ihm den Kopf und andere Körperteile. Der Verunglückte wurde noch zu einem Arzt in der Nachbarschaft getragen, dieser konnte aber nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde be- schlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Lewald war kinderlos verheiratet. Unter dem Verdacht des KindeSmvrdeS ist eine 17 Jahre alte Arbeiterin Sch. aus der Antwerpener Straße verhaftet worden. Zu dem Leichenfund an der Waisenbrücke wird uns mitgeteilt, daß es gelungen ist, eine wertvolle Feststellung über den Aufenthalt der erstochenen Gerhardt nach dem Verlassen der Wohnung ihres Wkiebten zu machen. Sie ist am Montag, den 27. Oktober, morgens gegen o Uhr in Begleitung eines Mannes in das HauS Kottbuser Tamm 101 hineingegangen, aber schon nach kurzer Zeit mit diesem wieder herausgekommen. Der betreffende Herr wird nun im Jnter- esse der weiteren Ausklärung des Verbrechens gebeten, sich umgehend im Zimmer 87 des Polizeipräsidiums am Aleranderplatz zu melden. Hervorgehoben sei, daß ihm strengste Verschwiegenheit zugesichert wird. Zur genaueren Bestimmung des Tages sei noch gesagt, daß dieses der Montag nach dem Sonntag war, an dem der Flieger Pegoud in Johannisthal seine Sturzflüge vorführte. Im neuen Berliner Aquarium sind jetzt regelmäßige FütterungS- zciten eingerichtet und durch Anschläge bekannt gemacht worden, und zwar werden die See- und Süßwasser-Tiere am Mittwoch und Sonnabend um 3 Uhr, die Krokodile Montag, Mittwoch und Sonn- abend um i und um 7 Uhr und die großen Landschildkröten täglich vormittags um 11 Uhr gefüttert. Auf diese Weise soll den Besuchern Gelegenheit gegeben werden, viele der sonst sich meist sehr ruhig verhaltenden Tiere bei der Nahrungsaufnahme in Bewegung zu sehen, oder die Eigenart ihres Fressens kennen zu lernen, was ja namentlich bei den sogenannten Seerosen und Seenelken besonders interessant ist. Zwölf KirchenauStrittöversammlungen am Bußtag! Da von .hoher Stelle"„Maßnahmen" gegen die Ktrchenaustrittsbewegung geplant sind, so soll in 12 neuen Volksversammlungen am Bußtag in Berlin und Vororten weiter zum Massen st reik gegen die «taatskirche aufgefordert werden. Die Versammlungen finden von t bis 6 Uhr statt, um besonders den Frauen und Geistlichen Gelegenheit zur Teilnahme zu geben. Versammlungslokale sind: Konzert- und Festsäle, Koppen- straße: Phanissäle, Müllerstr. 142: Schützenhaus Moabit, Plötzensee; Patzenhofer-Brauerei, Turmstr. 25/26; Brauerei Königstadt. Schönhauser Allee 10; Sanssouci, Kottbuserstr. 6; Lichtenberg. Schwarzer Adler; Reinickendorf-Ost, Schützenhaus, Restdenzstr. 1/2; Cöpenick, Stadttheater; Wilmersdorfer Stadtpark, Kaiserallee 51/52; Charlotten- bürg, Volkshaus, Rosinenstraße; Ober-Schöneweide, Schloßpark Wil« helminenhof. In jeder Versammlung wird wieder ein Redner aus Schrift« steller- und Gelehrtenkreisen und ein Vertreter der organisierten Arbeiterschaft sprechen. „Maffenstreikprodleme" lautet die Tagesordnung der beiden öffentlichen Versammlungen, die heute Freitag, abends 8'/, Uhr, im großen Saale de» Gewerkschaftshauseö, Engelufer 15, und in der Riebeckbrauerei, Frankfurter Allee 53/55, stattfinden und in der die Genossen Otto Reuter und August Neumann referieren. Im Odeo» werden von Sonnabend, den 15. d. M., an die Brüder Niagara, die außer dem berühmten Blondin die Niagara- Wasserfälle überschritten haben, austreten. Niagara sind Artisten, welche den Kopfstand auf dem Seil ausführen, ohne die Hände zu gebrauchen; sie marschieren, tanzen, stehen, liegen, laufen mit ver- bundenen Augen und mit einem Korbe über das vier Stock hoch ge« spannte Seil. Walter Mac Clintock hat seinen Aufenthalt in Berlin verlängert und sich bereit erklärt, seinen Vortrag„15 Jahre bei den Schwarz- suß-Jndianern" unter Vorführung farbiger Lichtbilder, kinemato- graphischer Vorführungen am Montag und Donnerstag, abends 8 Uhr, im großen Auditorium der Urania noch einmal zu wieder- holen, und, um auch den Schülern Gelegenheit zu geben, diesen Volksstamm kennen zu lernen, am Somiobendnachmittag zu kleinen Preisen denselben Vortrag zu halte». Billetts für alle drei Vorträge find bereits von heute ad an der Kasse der Urania erhältlich. Vorort- JVacfmcbtetn In der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung ist es am Mittwoch anläßlich der Berichterstattung de» Ausschusses über die Vorlage betreffend Honoranestsetzung für die Testaments- Vollstrecker des Rautzendorffschen Nachlasses zu heftigen Auseinander- setzungen gekommen. Die verstorbenen Eheleute Raußendorff haben der Stadt etwa 3 Millionen Mark zu Wohltätigkeitszwecken hinterlasien und außer dem Notar Juftizrat SchmilinSky den früheren Stadtverordnetenvorsteher Kaufmann und den jetzigen Bürgermeister Dr. Maier zu Testamentsvollstreckern ernannt. Justizrat Schmilinsky beantragte für sich und Herrn Kaufmann die Summe von 80 000 M. für ihre Bemühungen, eine Summe, die an sich für die geleistete Arbeit nicht zu hoch ist. Bürgermeister Dr. Maier hatte von der Stellung eines Antrages abgesehen. Der zur Vorberatung der Vorlage eingesetzte Ausschuß kam aus rechtlichen Gründen zu dem Beschluß, jedem der drei Herren 15 000 M. zu bewilligen. Gegen diesen Antrag, der von dem Stadtv. Dr. Friedländer vertreten wurde, machte sich nun im Plenum eine lebhafte Opposition geltend. Mit der Bewilligung der 15000 M. an den Justizrat Schmilinsky waren alle Mit« glieder der Versammlung einverstanden, dagegen gingen die An- sichten darüber, ob auöh den Herren Kaufmann und'Dr. Maier ein Anspruch zustehe, auseinander. Namens der Sozialdemokraten er- klärte Genosse Hirsch, seine Freunde hätten es lieber gesehen, wenn Herr Kausinann nichts gefordert hätte. Nachdem das aber einmal geschehen sei, habe man sich einfach auf den Rechtsstandpunkt zil stellen und ihm das zu geben, was ihm auf Grund des Bürger- lichen Gesetzbuches zustehe. Entschädige man aber die beiden anderen Testamentsvollstrecker, dann sei kein Grund einzusehen, warum der Bürgermeister anders behandelt werden solle. Einzig aus diesen rechtlichen Gesichtspunkten heraus würde ein Teil seiner Freunde der Vorlage zustimmen. Es stehe den Herren Kaufmann und Maier frei, den auf sie entfallenden Betrag der Armenvcrwal- tung zu überweisen. Die Liberalen stellten sich in ihrer großen Mehrzahl auf den Boden des Ausschußantrages, ihre Redner betonten, daß es sich bei der Testamentsvollstreckung nicht um eine mit den städtischen Ehrenämtern verbundene Arbeit, sondern um eine be- sondere Leistung handele, die besonders entschädigt werden müsse. Dagegen betonte Stadtv. Neumann lllnpol.) mit aller Schärfe, daß der Stadtverordnetenvorsteher aus keinen Fall auch nur einen Pfennig für seine Bemühungen einstecken dürfe, ein Standpunkt, der zweifellos berechtigt ist. Aber darum dreht es sich gar nicht, sondem um die Frage, ob die Testamentsvollstrecker in ihrer Eigen- schaft als Stadtverordnetenvorsteher bezw. Bürgermeister mit diesem Amt betraut waren, oder als �Privatpersonen, und der Wortlaut des Testaments bestätigt, daß die verstorbenen Eheleute Raußendorff die Privatpersonen im Auge hatten. Schließlich wurde dem Justizrat Schmilinsky einstimmig das Honorar zugebilligt, die Forderung von Herrn Kaufmann wurde nur mit 28 gegen 26 Stimmen bei acht Stimmenthaltungen gut geheißen, ein Resultat, das Herrn Kauf- mann vielleicht doch noch veranlaßt, auf das Geld zu verzichten und so die heikle Sache aus der Welt zu schaffen. Der Konsequenz halber billigte die Versammlung denn auch noch dem Bürgermeister 15 000 M. zu. «* • In der vorgestrigen Charlottenburger Magistratssitzung gab in der Raußendorff scheu Erbschaft sangelegenheit Herr Bürgermeister Dr. M cri e r folgende Erklärung ab: Er lehne eS ab, das für ihn bewilligte Honorar als Testamentsvollstrecker an- zunehmen, vielmehr bitte er darum, daß der Honorarbetrag in Höhe von 5000 M. an den Verein Säuglingsheim Westend, von 5000 M. an den Verein für Volkskindergärten m Charlottenburg, 2500 M. an die Stiftung Luisens Andenken und von 2500 M. an die Prinz- Karl-Stistung überwiesen werde. Dr. Maier erläutert die Erklärung dahin, daß er zwar an sich den Anspruch für rechtlich und moralisch begründet erachte, deshalb auch nicht auf den Anspruch verzichte, daß er aber die Annahme im Hinblick auf das Abstimmungsergebnis der Stadtverordnetenversammlung ablehne. Neukölln. Sonntag, den 16. November, findet ein Besuch des Museums für Meereskunde für Kinder über 8 Jahren statt. Treffpunkt pünkt- lich V,12 Uhr vormittags am Hermannplatz. Fahrgeld 20 Pf. Mittwoch, den 19.(Bußtag), ist keine Märchenvorlesung. Sonntag, den 23.(Totensonntag); Elternabend im Karlsgarten, bestehend in Konzert, Rezitationen. Lieder zur Laute,' Auf- führungen usw. Billetts zum Preise von 15 Pf. für Erwachsene sind im Sekretariat Neckarstraße 3; bei Bartsch, Hermannstratze 49 (Restaurant) sowie bei alle» Kommissionsmitglieder» zu haben. Kinder haben freien Eintritt. Eine Abendkasie findet nicht statt. Um recht rege Beteiligung bei allen Veranstaltungen ersucht Die Kommission. Alt-Landsberg. Zu de» Stadtverordnetenrrsatzwahlen. Aus Anlaß der am Montag, den 17. November, stattfindenden Stadtverordneten- ersatzwahlen fanden am Sonntag zwei gut besuchte Versammlungen statt, in denen der Stadtverordnete Genosse W. P ä tz e l referierte. Der Referent verstand es, den Versammelten in großen Zügen ein Bild sozialdemokratischer Kommunalpolitik vorzuführen. Nach den mit reichem Beifall aufgenommenen Darlegungen ergriff der vor einem Jahr als erster Sozialdemokrat in das Stadtparlament von Alt-Landsberg gewählte Stadtverordnete Studier da? Wort, um an Hand zahlreicher Beispiele die rück- ständige Gesinnung des Alt-Landsberger Bürgertums zu kennzeichnen. In der abends in Alt-Landsberg Süd stattgefundenen Versammlung wurde darauf hingewiesen, daß besonders der dortige Grundbesitzer- verein diesmal mit allen Mitteln die Wahl zwei weiterer Genossen in die Stadtvertretung zu verhindern suche. Am Schluß der Ver- Sammlungen forderte der Vorsitzende, Genosse Germer aus Lichten- berg, in kurzen, kernigen Ausführungen die Versammelten aus, am Wahltage ihre volle Schuldigkeit zu tun, sowie auch ihren Eintritt in die Organisation zu vollziehen. Er wies ferner auf die am S o n n- tag, den 16. November, nachmittags 3 Uhr. im Lokal von Merkmann, Post- und Strausberger Straßen-Ecke stattfindende Versammlung hin. In dieser wird der Landtagsabgeordnete Genosse Otto Braun über„Ein letztes Wort an die Wähler" referieren. Die Wahl findet statt am Montag, den 17. d. M., f r ü h v o n '/zg Uhr bis 10 Uhr. Kandidaten sind die Genossen Wilhelm Kilt, Monteur, und Wilhelm Schäfer, Schleifer. Friedrichsfelde. Da die vom Bildung-Zausschuß veranstalteten Jugendschriften- und Wandschmuck-AuSstellungen allenthalben großen Anklang gefunden haben und auch bei uns im Vorjahre der Erfolg ein guter gewesen ist, soll am kommenden Sonntag wiederum eine derartige Ausstellung am Ort stattfinden. Sie ist im Lokal von Bürger, Prinzen-Allee, und wird von 12 bis 6 Uhr nachmittags geöffnet sein. Die Auswahl an Büchern, Bildern und auch Spielen ist noch reichhaltiger wie früher, so daß der Besuch nur empfohlen werden kann. Um auch die weiteren Kreise auf das Unternehmen aufmerksam zu machen, wird heute abend eine Flug- blattverbreituug von den bekannten Stellen aus stattfinden. Ober-Schöneweide. Am Bußtag findet am Orte eine sehr wichtige öffentliche Ber- sammlung statt. Es wird erwartet, daß die Arbeitervereine von Ober-Schöneweide, Nieder-Schöneweide, Johannisthal, Karlshorst und Baumschulenweg diese Veranstaltung bei den eventl. geplanten Herrenpartien berücksichtigen. Strausberg. Bei der am Mittwoch, den 12. November, stattgefundenen Stadtverordnetenwahl der dritten Abteilung wurden die sozialdemokratischen Kandidaten Rentier Nicolai, Rentier Paffow, Schneidermeister Hoppe und Schäftemacher SznkowSki mit 360 gegen 275 Stimmen des bürgerlichen Mischmaschs gewählt. Nieder« Schönhauseu. Aus der Gemeindevertretung. Am 27. November d. I. soll der Betrieb der Linie 23 eröffnet werden. Die Einwohnerzahl belragt jetzt 18 506. In letzter Zeit' wurde lebhaft Beschwerde darüber ge- führt, daß die Straßcnlaiernen zu spät angesteckt werden. Die Ver» tretnng beschloß, die Beleuchtung der Straßen von jetzt ab eine Viertel- stunde früher erfolgen zu lassen; die dafür entstehenden Mehrkosten betragen bis zum 1. April 1914 zirka 750 M. Bezüglich des Hypo- thekenamteS wurde mitgeteilt, daß die Genehmigung vorläufig noch nicht zu erwanen fei; ferner bereite die Aufnahme einer Anleihe zu dieiem Zweck große Schwierigkeiten, da Geld nur zu überaus un- günstigen Bedingungen zu haben sei. Beschlossen wurde, dem Verein für Kleinwohnungsbau mit einem Jahresbeitrags von 20 M. beizutreten. lieber eine Konferenz des Verkehrsverbandes der nördlichen Vororte erstattete Genosse Hiege Bericht. Diesem neugegründeten Verbände gehören augenblicklich vier Gemeinden und fünf Grund- besitzervereine an. Der Zweck dieses Verbandes ist, bessere Verkehrs- Verbindungen nach den nördlichen Bororten herbeizuführen. Mit neu» gegen acht Stimmen wurde der Beitritt abgelehnt, da derartige kleine Verbände doch nichts erreichten. Dem Ver- bände für größere preußische Landgemeindeu beizutreten, wurde vorläufig vertagt. In der hierauf folgenden nicht- öffentlichen Sitzung machte der Bürgermeister Mitteilung über das Realgymnasium. Die Vertretung habe sich demnächst mit der Frage zu beschäftigen, ob eine Teilung. des Gymnasiums zum 1. April 1914 erfolgen soll oder nicht. Damit der Uebergang zu einer anderen Schulgattung nicht zugleich mit einen, Anstaltswechsel verbunden werde, seien bei sehr vielen Reformanstalten von Unter- tertia ab Realschulklassen eingerichtet, so daß sich also auf einem gemeinsamen Unterbau, der die Klassen Sexta, Quinta und Quarta umfaßt, zwei Parallelanstalten erheben. Diese Gabelung erfordere die Anstellung eines technischen Lehrers sowie zweier Oberlehrer. Die Kosten für diese Anstellungen würden zirka 7000 M. pro Jahr betragen. Redner bat jedoch vorläufig von einer Debatte Abstand zu nehmen, da der Grundbefitzerverein sich in seiner Versammlung eingehend mit dieser Frage beschäftigen werde. Unsere Vertreter wandten sich in scharfer Weise gegen eine derartige Bevormundung; gegen eine solche Nebenregierung müsse entschieden Front gemacht werden, Pankotv-Niederschönhausen. Nach langem Bemühe« ist eS der Arbeiterschaft beider Orte ge- lungen, der arbeitenden Jugend ein Jugendheim zu schaffen. Dem Grundsatze folgend, daß die Jugend nicht nur ein Heim haben muß, sondern sich darin auch wohl fühlen soll, ließ der Verein Arbeiter-Jugendbeim im neuen Heime größere Umbauten vornehmen, wozu sich die Parteigenossen beider Orte freiwillig und ohne Be- zahlung zur Verfügung stellten. Die Eröffnung und Einweihung findet am Sonntag, den 16. d. MtS., im Jugendheim, Pankow, Maximilianstr. 43a, pünktlich nachmittags 4 Uhr statt. Nachdem: Gemütliches Beisammensein im„Türkischen Zelt", Pankow, Breite Straße._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Hohen. Schönhausen. Freitag, den 14. November, nachmittags 6 Uhr, im Verwaltungsgebäude, Hauptstr, SO. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehöttge iß be- rechttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Gerichts-Teitung. Offizier und Laufbursche. Ein Rekontre zwischen Offizier und Laufbursche hatte gestern vor der 1. Strafkammer deS Landgerichts III ein gerichtliches Nach- spiel. Wegen össentlicher Beleidigung des Oberleutnants von Mey vom Elisabeth-Regiment war der Bureaubote Willi Braatz aus Chat. lottenburg angeklagt.......■'■' Am 17. Mai d. I. marschierte ein Zug der 11. Kompagnie deS Elisabeth-RegimentS von der Kaserne nach dem Tegeler Schießplatz. Als der Trupp die Schloßbrücke in Charlottenburg passierte, ver. suchte der Angeklagte, der aus einem Zweirad fuhr, zwischen den letzten Mannschaften und dem Leutnant von Mey, der schließender Offizier der Kolonne war, hindurchzukommen, da er einen sehr eiligen Auftrag hatte und schon längere Zeit durch den Trupp die Weiterfahrt verhindert war. Der Angeklagte behauptet nun, dqß ihm der Offizier einen Fußtritt gegen da» Hinterrad versetzt habe, während der Offizier angibt, daß er sich durch den Radfahrer nicht in seiner Vorwärtsbewegung habe hindern lassen wollen. Der An- geklagte soll nun beim Wegfahren geäußert haben:„Das will ei« gebildeter Mensch sein" und als er ein Stück entfernt war:„Dieser L.... junge denkt wohl, er kann es mit mir so machen, wie mit seine» Soldaten." Vor Gericht bestritt der Angeklagte, diese letzter« Aeußerung getan zu haben, dagegen habe der Offizier ihn beleidigt, indem er ihm zugerufen habe:„Sie A. s, ich trete Sie zu Boden!" In der Beweisaufiiahme bekundeten mehrere Mannschaften, daß sie nur die beleidigenden Worte des Angeklagten gehört hätten. Nur ein Zeuge bekundete, daß auch der Leutnant etwas geäußert hätte, die Worte habe er jedoch nicht verstanden. Von Rechtsanwalt Dr. Frey wurde darauf hingewiesen, daß die vernommenen Militär- Personen vielleicht durch die Anwesenheit ihres Vorgesetzten irritiert würden und sich nicht mit der Sprache herauswagten. Es sei doch immerhin etwas auffallend, daß die Soldaten nur die Worte des Angeklagten, nicht aber auch die ihres Vorgesetzten gehört hätten. Der Zeuge, Leutnant v. Mey, mußte deshalb während der Ver« nehmung der übrigen Zeugen den Saal verlassen. Ein Arbeiter Dachs hatte wiederum die von dem Angeklagten behaupteten be- leidigenden Aeußerungen gehört, nicht aber auch die Acußerungen, die der Angeklagte selbst zugab. Ter Verteidiger bat, den Auge- klagten, wenn das Gericht nicht auf Grund eines non liquet(nicht ausgeklärt) zu einer Freisprechung komme, mit einer geringen Geldstrafe davonkommen zu lassen, da er offenbar durch den Fuß- tritt des Offiziers zu jener Aeußerung gereizt worden sei. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 40 M. Geldstrafe. Es hätte dem Recht nicht widersprochen, den Angeklagten für straffrei zu erklären, da seine Aeußerung nur eine Erwiderung auf die Beleidigung durch den Fußtritt war. Die verschwundenen Mündelgelder. Unter der Anklage der Untreue hatte sich gestern der frühere Bauunternehmer Ferdinand List vor der 4. Strafiammer des Land- gerichts I zu verantworten. Der Angeklagte, welcher sich jetzt als Hypothekenmakler be- schästigt, war vom VormundschaftSgcricht zum Vormund des un- ehelich geborenen Kindes Fritz Salvatzki eingesetzt worden und hatte eine dem Kinde als Abfindung ausgesetzte Summe von 2900 M. durch den Vertreter des uncbclichen Vaters, Justizrat Katz, aus» gezablt erhalten. List wurde dann in der üblichen Weise von dem Vormundschaftsgcricht aufgefordert, das erhaltene Geld in mündel- sicheren Papieren anzulegen. Als das Gericht später den Nachweis über die Anlage des Geldes verlangte, Ivar der Vormund plötzlich verschwunden."Auf die erstattete Anzeige hin wurde die Ehefrau von der Kriminalpolizei längere Zeit scharf beobachtet, um sestzu- stellen, ob sie mit ihrem Manne noch in Verbindung stehe. Diese Beobachtungen blieben erfolglos, List verstand es, zwei volle Jahre hindurch unauffindbar zu bleiben. Schließlich ermittelte die Polizei, daß er sich bei seiner Geliebten unangemeldet aufgehalten hatte. Als diese nach Tempelhof verzog, nachdem aus ibren'Beziehungen zu dem Angeklagten ein Kind entsprossen Ware hielt er sich auch i&ier längere Zeit unangemeldet auf, bis ihn die Polizei in seinem Schlupfwinkel ausfindig machte.— D-er Angeklagte bestritt von Anfang an, da? Geld fiir sich verbraucht zu haben. Er behauptete vor Gericht, dotz er das Geld seiner Frau übergeben habe mit dem Austrage, es bei der Äommerz- und Diskontonbank einzuzahlen. Seine Frau habe ibm auch damals das auf den Namen Fritz Sawatzti ausgestellte Bankbuch gezeigt. Tie erste Verhandlung mußte deshalb vertagt werden; die genannte Bank gab jedoch die Auskunft, daß ein solches Konto nie bei ihr bestanden habe. Ferner behauptete der Angeklagte, daß seine Frau von dem Gelde einer Frau Telschow 1000 M. geborgt babe. Es ergab sich aber, daß so- Wohl die Frau des Angeklagten wie die Frau T. im Januar d. I. verstorben sind. Ein Zeuge bekundete, daß der Angeklagte stets seine?kot geklagt habe; die verstorbene Ehefrau habe später auch einmal zu ihm geäußert, ihr Mann habe Mündelgelder unter- schlagen und werde von der Polizei gesucht. Von dem Vorsitzenden wurde wiederholt darauf hingewiesen, daß alles dafür spreche, daß der Angeklagte das verschwundene Mündelgeld dazu verwandt habe. seine Geliebte auszuhalten.— Das Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis. Tie Solinger Krankenkassenaffäre vor Gericht. Vor dem Elberfelder Landgericht fand am ll. und 12. d. M. die gerichtliche Verhandlung jener Krankenkassenaffäre statt, die vor etwa Jahresfrist ausbrach und die bürgerlichen Blätter ver- anlaßte, echt pharisäisch von endlich aufgedeckten Mißständen der Solinger sozialdemokratischen„Allgemeinen Ortskrankcnkassc" zu reden. Angeklagt sind acht Personen, und zwar: 1. Ter frühere Kassen- rendant Reinhardt, 2. der erste Kaffenvorsitzende Bändemacher Knoth, 3. der ziveite Vorsitzende Kartonnagenfabrikant Giestmann, 4. das weitere Vorstandsmitglied Bauunternehmer Bossclmann, 6. das Vorstandsmitglied Former Albcrs, 6. der Bandagist Lohr, ". der frühere Kassenbeamte Syhr, 8. der frühere Kassenbote Tietz. Sie alle sollen sich ganz oder teilweise des Betrugs, der Unter- schlagung, Urkundenfälschung und ähnlicher Tinge schuldig gemacht haben. Bis auf Knoth, Albers und Dietz, die unserer Partei an- gehören, sind die Angeklagten gut bürgerliche Herren. Ter Hauptschuldige Reinhardt, der sich seit einem ganzen Jahre in Untersuchungshaft befindet, bat seine Laufbahn auf ocm So» linger LandratSamt begonnen, ist dann zum Lberbürgermcisteramt und von da in die Ortskrankenkasse— gleich als Rendant— gekommen. Sein Gehalt betrug während der letzten Jahre 4400 M., wozu noch weitere 300 M. an besonderen Gratifikationen kamen. Er will zu den Vergehen durch den Angeklagten Gießmann verleitet worden sein, der von ihm fortwährend Geld verlangt habe, und zwar habe das mit einer Fälschung der Ouittungsbücher über die gekauften Jnvalidemnarken begonnen. Ueber die Herkunst der so erlangten Gelder wäre Gießmann unterrichtet gewesen. Später hätte er sich an weiteren Summen vergriffen, weil er„unter dem Druck der-Gewissensbisse" in die benachbarten Großstädte zur Zer- streuung gegangen wäre, wo er in Bars und ähnlichen Kneipen große Zechen gemacht und mit dem Geld direkt»m sich geworfen hätte. Bei diesen Kneipereien seien öfter die Angeklagten Syhr und Bossclmann mit in seiner Gesellschaft gewesen. Uebcr den Angeklagten Bossrlmann gab er folgendes an: Bosselmann hatte sich stets in geschäftlicher Geldverlegenheit befunden. Ta wandte er sich an mich, und ich gab ihm allwöchentlich von den Geldern der Kasse ein Darlehen, was dieser von Zeit zu Zeit wieder zurück- erstattete. Auch Bosselmann war über die Herkunft dieser Summen unterrichtet. Als einmal eine unvermutete Revision kam, da hat mir Bosselmann die zu dieser Zeit entnommene Summe— 750 Mark— zum Ausgleich wiedergegeben, sie am anderen Tage aber gleich wieder zurückgenommen. Später habe Bosselmann von ihm und Gießmann zwei Hypotheken bewilligt erhalten, eine von 20 000 Work und eine von 16 000 SDL; sirr. die zweite wurden Schuldscheine als Sicherheit gegeben.- Ueber Knoth konnte Rein- bordt nur sagen, daß dieser. von den Unredlichkeiten eüvas geahnt ..T über Albers gab er an, daß dieser von ihm mehrere persönuche Darlehen in Höhe von insgesamt 1060 M. genommen. aber nicht gewußt habe, daß diese Darlehen unterschlagene Kassen- gelder seien. Reinhardt hat, wie die Verhandlung ergab, für sich die Bank- guthaben der Kasse abgehoben, zu viel Gehalt erhoben, Abschlags- Zahlungen an die Aerzte geleistet und dann diese Teilquittungen zusammen mit den Bollquittungen dazu benutzt, die Abschlags- zahlungen auch noch einmal für sich zu erheben, hat weniger Jnva- lidenmarken gekauft, als Geld dafür eingegangen war und hat die Luittungen darüber so gefälscht, daß er auch dadurch höhere Tum- men in die Hand bekam. Die Gesamtsumme der veruntreuten Gelder beträgt rund 417 000 M. Das Urteil lautete gegen Reinhardt auf 2 Jahre ö Monate Gefängnis, gegen Knath auf 1 Monat, gegen Gießmann auf 2 Mo- nate, gegen Bosselmann auf 2 Monate, gegen Albcrs auf 1 Monat. gegen Syhr auf 3 Wochen Gefängnis, gegen Lohr auf 300 M. und gegen Tietz auf 20 M. Geldstrafe. Am Spiel unä Sport. Wanderer. Deutscher Arbeiter-Wauderbund„Tie Naturfreunde�. Sonntag, den tb. November werden folgende Touren unternommen: Ortsgruppe Berlin I: Schwanle— Krämer— Hennigsdorf. Abfahrt Stettiner Fcrnbahnhöf 6,46 Uhr vormittag». ll.: Wildpark— Ferch— Michendorf. Abfahrt Potsdamer Fernbahnhof 6,45 Uhr vormittags. III.: Frohnau— Sandhaufen— Tegel. Abfahrt SIettmcr Vorortbahnhof 1,43 Uhr nachmittags. Ortsgruppe Neukölln: Rangsdors-Blankenfelde— Tiedersdorf. Abfahrt Bahnhof Neukölln 7,40 Uhr morgens. Arbetter-Toitrifteit verein„Tie Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 16. November: Fanglchlcufe, Forsthaus Uckley, Königswuflcr- Hausen. Abfahrt»ach Fangschleufe Schlei. Babnh. 5.33, Slrala» Nbg. 5,39. — Di« nach Gr. KöriS, Pricros und Storkow ongcletzte Tour fällt am 16. Nov. au« und findet erst am 23. Nov. statt.— Gäste stets ivilllommen. Arbeiter- Wanderverein Berlin. Sonntag, den 16. N o. vember, Wanderfahrt nach Köpenick— Kickemal— ForsthanS Krummendamm—Schöneiche— Fichtenau— Wilhelmshagen. Wegelängc»itfa 18 km, Abfahrt 7,23, Schlesifchcr Bahnhos. Gäste willkommen! Mittwoch, den 1 9. N o v e m b e r(Butztag). Wanderfahrt nach WunSdorf— Wolziger See— Großer u. kleiner Möglinfec— Großer u. kleiner Zelchlee— Fon'chaus Wunder— Salzäcker— ForfthauS Adlers Horst— Reuhof.— Wcgelänge zirka 24 km. Abfahrt 6 Uhr Anhalter Bahnhof. Gäste will- kommen! Sportkartell Lber-Schöneweide. Am Bußtag gemeinsame Fuß- Partie aller angeschlossenen Vereine nach Rüdersdorf. Abmarsch pünktlich früh 7 Uhr von Dilbclininenhos nach Bahnhos Sadowa, Von dort per Dahn nach Friedrichshagen. Von Friedrichshagen über Schöneiche— Klein Schöne- deck nach Kalkbcrge. Tort Besichtigung der Bergwerksanlage unter fach- verständiger Führung. Radfahrer. Arbeiter-Radfahrerverei« Grost-Berlin. Sonntag, den 16. No- vember, nachmittags 2 Uhr: Johannisthal, Lindcnhof. Anichlußstart: Bahn- Hof Treptow. Zlm 19.(Bußtag) früh 9 Uhr: PichelSlverder(Alter Freund). Zlrbeiter.Nadfahrerbund„Solidarität". Touren zum Sonntag, den 16. November.(Ortsgruppe Berlin). 1. Abt.: 1 Uhr: Nowawcs (Tinaer). Start: Bülowftr. 58.— 2. Abt.: 1 Uhr: Familientour»ach Hirfchgarlen(Wilhelmshoji. Start: gontanepromcnade 18. Bei schlechtem Wetter per Bahn.— 3. Abt.: 8 Uhr: Woltersdorf(Dampfschiff), l'/i Uhr: Köpenick(Scheer). Start: Lausitzer Platz 12.— 4. Ab!: 1 Uhr: Fredersdorf(Kirchner). Start: Küstriner Platz.— 5. Abt.: 1 Uhr: Bernau(Salz- mann). Start: Elysüim.— 6. Abt.: VI, Uhr: Glienicke a. d. Nordbahn (Allermann). Start: Oderberger Str. 28.— 7. Abt.: Tour nach Weid- mamiSlust(Schweizerhäuschen). Start: Schnlstr. 29.— 8. Abt.: 11 Uhr: Zülsdorf(Zur Eisenbahn). Start: Levetzowstraße.— S. 916t.; I1/, Uhr: «dlerShos(Wöllstein). Start: Relchiorstr. 15. R» u t S l l n. 1 Uhr: Zehlendorf(Mi-l). Start: Weichfelftr. 8. Tharlottenburg. 8 Uhr:. Beelitz(Lungenheilstätte). Am IS.: Glienicke-. d. Nordbahn(Ältermann). Reinickeudorj. 1 Uhr: Familientour durch den Hermsdorjer Wald nach Weidmannslust. Start: bei Lüning. Am 19. 9 Uhr: Pichelswerder (Alter Freund). Start: bei Lüning. Lichtenberg. 1 Uhr: Teltow, Berliner Str. 9. Am 19.: 6 Uhr früh: Herrentour nach Eöcrswalde. 1 Uhr: Bernau(Salzmann), Start: Pfarrstr. 74. Am 22. Sitzung im Vereinslokal Psarrstr. 74. P a n k o w- N i c d e r- S ch ö n h a u l e n. 12'/, Uhr: Summt, End- ziel Birkenwerdcr«Geiellichasisbousi. Start: Pankow, Marktplatz. Am 19. 12'/, Uhr: Pichelswerder(Aller Freund). Start: Pankow, Marktplatz. Tegel. 1 Uhr: Pichelswerder(Alter Freund). W e i ß e n s e e. Am 19.: Tour nach Gorinsee. Start: früh 7'/, Uhr und mittags 12 Uhr: Berliner Allee 251. Zu allen Touren und Ver- anstalinngen sind Gäste herzlich willkommen. Turner.- veranstaltet am Bußtag folgende Wander- „Fichte" folgende Treff 6'/. Uhr Turnverein fahrten: 5. Frauen-Abt.: Strausberg, Tieselifec(Blumenthal). Schief. Bhf.. Ab!. 7 Uhr nach Strausberg. 3. Mönner-Abl.: Slrausbcra, Bötzfee, Fängerfee, Straussee. Treff 7'/« Uhr Schief. Bbi.. Abf. 7.29 Uhr. 10. Männer-Abl.: Turnsahrt nach Eggersdorf. Besichtigung der Rüders- dorfer Kaltberge. Fahrt bis Wilhelmshagen. Abfahrt Schief. Bhf. 7.33 Uhr, Slralan-Rummelsburg 7.39 Uhr. 11. Männer-Abt.: Riegenturnsahrt nach Bernau. Treff bis 1 Uhr im Lolal Salzmann. Nachmittags turnerische Weltlämpse, Spiele usw. 13. Männer-Abt.: Schmöckwitz— Erkner. Treff'/z8 Uhr Görl. Bhf. 17. Männer-Abl.: 25-KiIometer.Marsch. Abfahrt 8.1l Uhr Bhf. Gesund- brunnen nach Falkcnhagen-Scegefeld. Abfahrt für die Teilnehmer am 25-Kilomeler-Marich 6.1t Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Fahrt bis Fürsten- brunn. Marsch über Spandau, Fallcnhagen, Fintenkrug, Pausin(25 Kilo- meter). Schwanciikrug. Nicdcr-Neueiidors, S.dulocndors. Von Faltcnhagen. Seegefeld ab wird die Purste gemeinschaftlich sortgesetzt. Tagesleistung 29 reip. 41 Kilometer. Die jcderzeitigen Veranstaltungen sind auch für Gäste, welche daran teilnehmen wollen, organisiert. „Freie Turnerfchaft", Waidmannsluft. Mttwoch, den 19. No- vember(Bußtag): Partie nach FriedrichSIal. Treffpunkt 7.30 Uhr Bahnhof Waidmannslnst. Fußball. Märkische Spielvereinigung. Bez. Groß-Berlin. Am kommenden Sonntag finden folgende Spiele statt: Fichle XVII— Fichte III inReinicken- darf, beim Schäfer-See; Weißenfee— Nenhcllas in Weißensec, Falkenberger Straße 152; Schöncbeig— Charlottenburg in Martendorf, Beffemerstraße (Blanke Hölle); Fichte XII, Allcmania in Weißensee, Rennbahnstr. 40; Reinickendorfer Ballspielklub— Freie Sportvereinigung in Reinickendorf, Schillerpromenade, Schwimmer. Arbeiter- Schwimmvercin„Berlin"(M. d. 9l.-schw.-B.). Am kommenden Sonntag veranstaltet der Verein in der städstschen Volksbade- onstalt Dennewitzstr. 24a ein VereinSfchwimmen, zu dem bereits 200 Mel- düngen eingelaufen find. Das Programm besteht auS Jugend- und Damen- schwimmen, Mehrkampf, Lampionrelgen, Waffcrballspiel, Klelderschwimmen, Tauchen und Springen. Diejenigen Arbeiter, welche noch zurzeit dem Deutschen Schwimmerverband angehören, sind hierzu besonders eingeladen, Arbeiter-Samariterduud, Kreis Brandenburg. Berlin, Sonntag, 16. Nov., vorm. 9—11 Uhr: SonderkursuS im Restaurant Habcrlandt, Neue Fricdrichftr. 35. Berlin, 5. Abt.: Besuch des Pathologischen Museums, Alexander User. Treffpunkt vorm.'1,10 Uhr, Jdealkasino, Neukölln, Weichselstr. 8 und 11 Uhr vor dem Museum.' Wilhelmsruh. Montag. 17. November: Sitzung der diensttuenden Mitglieder. Verbandstaschen- und Kasten-Rcvifio» bei Milbrodt, Waldersee- straße 6. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 4. Abt. Donnerstag, 20. Nov., Lichtenberg, Scharnweber- straße 60, bei Pickenhagen. Be r l i n, 6. Abt. Montag, 17. Nov., Reue Friedrichstr. 35, bei Haber- land. Friedrichshagen. Donnerstag, 20. Nov., Friedrichstr. 60, 2, Hos, parterre. Köpenick. Ticiisiag, 18. Nov., Schönerlinder Str. 5, bei Stippekohl. N o w a w e s. Montag, 17. November, Wilhelm-, Ecke Friedrichstraße, bei Schmidt. Nowawcs(Abt. Potsdam). Mittwoch, 19. November, Kaiser- Wilhclm-Sträße, bei Glaser. O b e r- S ch ö ud w c i d c. Montag, 17. November, Si-Mensstr. 12, bei Schu'z.-•.. S bau bau. Mittwoch, 19. November, Pichelsdorfer Straß« 5, bei Danneberg._ frauen-Lefeabende. Mariendorf. Heute Freitag 8 Uhr bei Benscheck, Ehausseestr. 27: Zweiter Bortrag des Genossen Farioig-Britz über: Bürgerliche Jugendpflege und proletarische Jugendbewegung. Jugendveranstaltunge». Reukölln. Heim I, Jdealpassage. Freitag, den 14. Nov.: Mädchen- abend. 2. Vortrag des Herrn Wutzkh über: �Körperkultur. Hermsdorf, Waidmannsluft. Am«sonniag, dm 16. November, veranstaltet der Jugendausschuß einen Ausflug nach Bergfelde. Treffpunkt 8.30 Uhr früh am Bahnbof Hnmsdors bezw. Waidmannslnst. Fahrt bis Station Stolpe. Von hier Marsch über Dorf Stolpe, Untere Mühle, Birkenlverder, Forsthaus Briese nach Bergfelde, Restaurant zum Einsiedler. Fahrpreis 20 Pf. Die Jugend unter 14 Jahren versammelt sich zu der- selben Zeit an den Bahnhösen HermSdors und Waidmannslnst und marschiert über Frohnau nach Bergfelde. Rückfahrt erfolgt von Staston Stolpe. Preis 10 Pf. Rege Beteiligung, auch der Eltern, erwartet Der Ausschuß. Das Jugendheim bleibt am 16. November geschloffen. Wilmersdorf-Halensce. In diesem Monat finden siir die Arbeiterjugend die solgcndcn Veranstallungen statt: Sonntag, den 16, Nov.: Ausslug»ach Saatwinkel. Treffpunkt'/,8 Uhr morgens im Jugendheim, Mannheimer Str. 61. Liederbücher und Proviant mitbringen! Mittwoch, den 19. Nov.(Bußtag) 7 Uhr abmds: Heine-Abend. Vortrag und Rezitation: Frau Litt Schwarz. Sonntag, den 23. November, abends 6 Uhr: Fritz Reuter- Abend Vortrag und Rczitaston: Herr und Frau Marcuffon. Mittwoch, den 26. Nov., 8'/, Uhr abends: Borlrag;„Sven Hebin und seine Reisen nach Tibet". Sonntag, d e n 30. N o v., 6 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. R oienthal:„Jugend und Gesundheit". Zu sämtlichen Veranstallungen, die im Jugendheim stattfinden, freier Eintritt! Allgemeine Krauken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter. (B. a. G.» zu Hamburg. Filiale Baumschulenweg: Am Sonnabend, den t5. November, abends 8'/, Uhr, für den OrtSteil Treptow: Persammlung und Zahlabend im Lokal von Jul. Schmidt, Kiesholzstr, 22. ßrUfhaften der Redaktion. Tie iutlfti(d)t Sprechstunde findet Ltndenstratze es, vor» vier Treppe» — Oayrstuyl—, wochentägllch von 4zz vis 7(4 Uhr abends, Sonnabend», von 4(4 bis 6 Uhr adends statt. Jeder für den Lrieflastrn»rfttmmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen betznfstgen. Briefliche Autwort wirb»ich« cririlt. Anfragen, denen leine«bonnementShnttinng beigesngt ist, Verden nicht tcantwartct. Eilige Fragen trage mau in»cr Sprechstunde dar. P. 2. 0. Wir können so etwas nicht empfehlen.— P. 2. 718. Die Meldung erfolgl am zweckmäßigsten schriftlich an das lviiigliche Polizeipräsidium Berlin, Abteilung für Feuerwehr, Lindenstr..41. Annahnic. bcdiiiguiigcn: Mindestmaß 1,65 Meier, Alter nicht über 26 Jahre, gute Zioil-, Militär- nnv polizeiliche FührungSattcste, vorzügliche Gesundheit, insbesondere tadellose Befchaffenbeit der Brusteingeweide, volle Sehschärfe, normale Hörsäbigkeit, gute Zähne.(Bruchanlage und Krampfadern schließen von der Einslellniig aus.) Profession: Bauhandwerker, Metall-, Holz- oder Lederarbeiter oder Fahrer vom Sattel und Bock,(Schneider, Gärtner, Musiker, Schreiber, Zeichner usw. gelangen nur ganz ausnahmsweise zur Ein- jlcllung.) Guter Turner, Verpslichlung zum Beitritt zur Hastpflichlversicherung. B. W. Verband Berliner Fuß- und Balliviele. Berlin, Hascrihcide 49 (Karl Wüst).— G. T. III. Fürsorgestelle für Lungenkranke, Potsdamer Straße 136/137. 2. Friedrich Wilhelms-Anstalt für Arbeitsame. Rathaus Zimmer 90.— M. M. 88. Städtische Kochschulen: Berlin: 1. Gubener Straße 53. 2. Dunckerstr. 65/66. 3. Hussitenstr. 4/5.— E. 2. 84. Zu ersehen im �Berliner Adreßbuch II. Teil.— Heilstätte 100. Heilstätte Beelitz ist Eigentum der Landesversichcruugsanswlt Berlin. Grabowsee ist vom Roten Kreuz eingerichtet. Religion hat bei beiden bei der Aufnahme nichts zu tun.— Paul 100, Bukarest. Wir haben bereits geantwortet und Ihnen den Rat gegeben, noch einmal an den Mann zu schreiben.— KS. Zwei Bekannte. 1. Private schulen empfehlen wir nicht. Wenden Sie fich an die Städt. Kochfchule Gubener Str, 53. 2. Fragen Sie einen Arzt. — P. K. 63. Nur dann, wenn der Pater der Erzeuger de» unehelichen Kindes ist. andernfalls»ein.— Emma 87. Verjährung ist nicht ein« gekrcten. Ihr Mann ist also noch zahlungspflichtig— Pf. 38. Die Frage läßt sich nur nach Einfichtnahmc in den Mietsvertrag beantworten. — A. W. 86. Ja, sosern Ihr Mann mehr als 28,85 M. pro Woche ver- dient.— E. F. 8100. Zu dem Beitrag zur Hilsskasse nicht.— P. 8. 1. Ja. 2. In vollem Umfange. 3. Falls in Güte nicht zu erreichen, Klage beim Amtsgericht.— Kalender, l. Unverständlich. 2. Ja. 3. Das ist möglich durch Adoption des Kindes. 4. Nein.— W B. 100. 1. Nein, da die Ersatzpflicht in solchen Fällen nur nach den Grundsätzen der un- gerechtfertigten Bemcheumg besteht. 2. Berlin. 3. Ja.— Sorge 4. 1. Nur dann, wenn die Bibel von Ihnen aeslistet ist oder wenn Sie alleinige Erbin des Stisters sind. Jedenfalls ist es zweckmäßig, sich vorher mit der Friedhossinspcktion in Verbindung zu setzen. 2. TaS hängt von den Bestimmungen der betreffenden Gemeinde ab. 3. Nein.— Tegel 18. Von Ihnen könnten 12 bis 15 M.. von dem unverheirateten Bruder 6 bis 8 M. und von den beiden verheirateten etwa je 5 M. verlangt werden.— 2uhr, Neukölln. 1. Erst dann, wenn Ihr Vater iiwalide im sinne deS Gesetzes ist. 2. In zwei Jahren mindestens 20 Beitragsmarke!?. — M. E. 30. Ja.— Nettetbcckplast. 1. Die Gründe sind allerdings nach dem Gesetz nicht ausreichend. 2. sie können reklamieren. Unseres ErachtenS ist die Steuer zu unrecht verlangt.—' G. T. Der Betreffende ist am Gewinn mitbeteiligt, sosern das Vereinsstatut nichts anderes besagt. Der Beitrag kann gekürzt werden.— E. F. 84.. Bei der ScheidungS- Nage, die sich aus böswilliges Verlassen stützt, muß eine Klage aus Wider, Herstellung der ehelichen Gemcinschast vorausgehen. Zwischen der Rechts- krast des aus Wicderbcrstellung Imiiendei! Urteils und der Erhebung der Klage aus dem Grunde der böswilligen Berlassuug muß ein Zeitraum von einem Jahr liegen.— W. T. 366. Das ist die zweckmäßigste Legilimationsurkundc. Es genügen aber auch sonstige amtliche Schriftstücke, aus denen die Religionszugehörigteil ersichtlich ist.— T. P. 48. Nach der Polizeiverorduung vom 17. Mai 1901 müssen Einspänncrgcschirre mit Hinterzeug iUmlaus) versehen sein.— E. Z. Es muß das Gewerbt eines Händlers angemeldet sein. Außerdem ist bei Jahr- und Weihnachtsmärkten eine polizeilich beglaubigte Erlaubnis erforderlich; aus Wochcnmärkte bezieht stich diese Vorschrift nicht. Dkis übrige ersahren Sie bei der Polizeibehörde,— M. M. 9000. Nein . Marktpreise von Berlin am 18. November 1913, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,40— 16,90, niilt(i 00,00— 00,00. geringe 00,00— 00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,20—14,50. Richtstroh 0.00—0,00, Heu 6,00—7,60. Marithallenpreije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebobnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 36,00— 70,00, Kartoffeln(KleiuhdI.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchsleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,40—6,60. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,20—3,20. Hechte 1,20—2,60. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 1,00-30,00. WasserftandS-Nachrichtcn der LandeSanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlmer Wetterbureall Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Wahlausschreiben der.; Allgtmtivtu OMrankeMsse für Kerlm- Friedenau, Rheinstr. S. Aus Grund deS S 76 der neu genehmigten Kassensatzung sind für die Wahlperiode vom 1. Januar 1914 bis 31. Dezember 1917 von den Ver- sicherten und den bei der Kasse zuständigen Arbeitgebern Vertreter zum Ausschuß nach näherer Vorschrift der Wahlordnung zu wählen. Die Ver- sicherten haben 30 Vertreter und 60 Ersatzmänner aus ihrer Mitte und die Arbeitgeber 15 Vertreter und 30 Ersatzmänner aus ihrer MUe in go trennter Wahlhandlung zu wählen. Die Versicherten sowohl als die Arbeitgeber haben das Wahlrecht in Person auszuüben. Wahl- berechtigt find nur volljährige Deutsche. Die Lirbeilgeber können auch als Vertreter und als Ersatzmänner zum Ausschuß Bevollmächtigte Betriebs- leiter, Geschäftsführer und Belriebsbeamtc der beteiligten Arbeitgeber wählen. Die Wahl findet statt am Montag, den 29. Dezember 1913 und zwar für die Arbeitgeber im Kassenlokal, Rheinstr. 9, vorn 1. während der Zeit von 7—9 Uhr abends und für die Arbeitnehmer im Restaurant„Kaifer-Wilhelm-Garten", Rheinstr. K6, vorn I, Zimmer 1—3, während der Zeit von 18 Uhr mittags bis 9 Uhr abend?. Jeder Wähler erhält znr Teilnahme zu der am 29. Dezember 1913 statt- jindendcn Wahl ans sein Verlangen bis zum 29. November 1913 im Kassen- bureau während der Dienststunden von 8—3 Uhr eine Wahlkarte auSgc- händigt, die am Wahitage ans Ausweis über seine Wahl- und Climme berechligung dient und welche er dem Wahlausschuß vorzuzeigen hat. Am Tage der Wahl bleibt das Kassenburcau. zur Entgegennahme von Wahl- karten bis abends 8 Uhr geöffnet. Wähler, die nicht im Besitz einer Wahl- karte sind, werden znr Wahl nur zugelassen, wenn sie in einer sämtlichen Mitgliedern des Wahlausschusses überzeugenden Weise ihre Wahlbercchtigmig nachweisen können.' Aus der Wahlkartc für'die Arbeitgeber wird auch die Zahl ihrer Stimmcn vermerkt. Der Wahlausschuß ist am Tage der Wahl besugt, die Wahl und Stimm- berechligung jedes Wahlers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Die Wähler können die Arbeitgeber- und Mitglicder-Perzcichnisie während der Rassen- stunden von 8—2 Uhr im Äassenlmrcau einsehen. Einspruch gegen dir Richtigkeit der sich auS den Arbeitgeber- und Mitglieder-Vcrzeichnisscn er- gebenden Wahl- und Ttimmbercchtiguiig sind bei Vermeidung des AuS- fchlusscS spätestens bis zum 29. November 1913 unter Beifügling von Ve- weismitteln beim Kasseilvorstand einzulegen. Wir s ordern hierdurch die Wähler(Versicherte und Arbeitgeier) ans, bis spätestens 29. November 1913 schriftliche Wahlvorschläge bei dein Kasscnvorstand getreimt für Arbeitgeber und für Versicherte einzureichen. Die Stimmabgabe der Wähler ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Die Wahlvorschläge müssen von je 10 Wahl- berechtigten der betreffenden Gruppe nrit zusammen mindestens 30 Stimmest unterzeichnet fem. Die«inzclnen Bewerber sind unter sortiauscnder Nummer auszuführen, welche die Neihemmmmer und ihre Benennung ausdrückt und auch Familien-, Bor- und Rufnamen, Berus und Wohnort bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei denen sie beschäftigt sind, anzu- geben. Mit dem ZSahlvorschlage für Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung dariibcv vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wabivorichlägeu für Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur erforderlich, soweit ein vorgeschlagener vewerber nach si 17 der Wahl- oroNung zur Ablehnung besugt ist. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahlvorschlages und cm Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichneten zu benennen. Ist dies uliterblicben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschlages und soweit eine Reihen- folge erkennbar ist, der zweite als sein Slellverlreter. Der Vertreter des Wablvorschlagcs ist berechtigt und verpflichtet, dem Vorstand die zur Lie- seitigung etwaiger Anstände erforderlichen Erklärungen abzugeben. Wahlberechtigt sind nach einer Verfügung des VcrsichemngSaintes des Kreises Teltow ferner- die am 1. Januar 1914 durch die Reichsvcrsicherungs- ordnung neu in die Kranlestversichcrung einbezogenen volljährigen Mitglieder und die volljährigen Llrbeilgeber solcher Mitglieder. Die wähl- berechtigten Personen werden hiermit aufgefordert,(ich zwecks Eintragung in die Wählerliste bis spätestens 29. November 1913, iverttäglich von 8 bis 1 Uhr im Kassenburean der OrtSkrankenkasse Berlin-Friedenau, Rheinstr. 9, einzufinden. Die Arbeitnehmer haben sich dort durch eine Bescheinigung der Arbeitgeber über daS bestehende BcschäjtigungSverhälttiis auszuweisen. Den in die Wählerliste aufgenommenen Personen wird im Kassenburean ebenfalls eine Wahlkarte als LegUimalion zur Ausübung ihres Stimmrechts ausgehändigt werden, im übrigen wird daraus hingewiesen, daß die in der obige». Bekanntmachung enthaltenen Bestimmungen über den Gang der Wahl, auch für die hier genannten Personen in allen Punkten Geltung haben. Berlin-Friedenau, den 12. November 1913. Ter Borstand. Hensel, Borsitzender. Bauer, SchriWhrer, 279/15 Arbeifer, Handwerker, Mann i,i« juiiiuw«rK«r,_______ der für sein« Arbeit, für feinen Beruf, besonders vorteilhaft geeignete Kleidung nötig hat, kauft diese bei der bekannten Firma Hrbcitsklcidung- Berufskleidung. HauHtgefchaft- Alexauderstr. 12. Zweiggeschäfte: Roscnthaler Str. 5»— Landsblixrger Allee 148- SkealivIIn: Bergstr.««. �bUltg�Preise, erprobte solide Qualitäten, guter Sitz, richtige Machart, beste Verarbeitung, größte Auswahl. Admiralstr. 18c Der gemütlichste Ballsaal des Südostens. Die Säle Bind noch für Sonntag unter günstigen Bedingungen zu vergeben; auch sind dieselben noch zur Weihnachtebescherung frei. Karl Gramscta. Ukeater. Freitag, den 14. November. Anfang K Uhr. Eine? Palast am Zoo. Varlele> Lichtspiele. Anfang 6'/. Uhr. EinesNollendorf-ZHeater.Variet� Lichtspiele. N Ansang 7'/, Uhr. Opernhaus. Carmen. gl. Schauspielhaus. Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Deutsches. Ein Sommernacht� träum. Theater am Rollendorfplatz. Der Mikado. irkus Busch. Galaborstellung. irkuS Schumann. Galavorstellung. Anfang 8 Ubr. Urania. Mit dem.Imperator' nach New Fork. Hörsaal 8 Uhr! Dr. P. Schwahn: Die Sonne und die Planeten. Lessing. Pygmalion. Kammerspiele. Nathan der Weise. Deutsches Künstler< Theater. HanneleS Himmelfahrt.— Der zerbrochene Krug. KöniggrStzer Strafte. Die lfron. braut. Deutsches Opernhaus. Fidelis. Berliner. Wie einst im Mai. Theater des Westens. Polenblut. DrutscheS Schauspielhaus. Di« heitere Residenz. Thalia. Die Tangoprinzesfln. «omödienhauö. Hinter Mauern. Monti» Operetten. Die ideale Gattin. Schiller O. Jugendfreunde. Schiller Eharlottenburg. Die Jungfrau von Orleans. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kastuo. Ferdinand der Tugend- hafte. Kleine». Gesinnung. Luftspielhaus. Im grünen Rock. Trianon. Seine Geliebte. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Leibusch? Wintergarten. Spezialitäten. «!eich»ballen. Stetliner Sänger. tneS Apollo-Theater. VartetS» Lichtspiele. Eines Friedrich- Wilhclmstiidt. Valiete-Lichtspiele. Ansang 8',, Ubr. Rose. Im weihen Röhl. Luisen. Bon Stufe zu Stus«. Folie» Caprice. Mitzgeburt. Das Adoptivkind. Walhalla. Der LiebeSonkel. AdmiralSpalast. Die lustige Puppe. Ansang 8'/, Ubr. ReueS BolkStheater. Der ledige H°I. Ansang S Ubr. EiuesRollendorf-Theater.Variets- Lichtspiele. •» « Sternwarte, Invalidenstr. 67—62 Schlller-TheaierO.lS: Freitag, abends 8 Uhr: Jngendfreiuide. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wenn der neue Wein blüht Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abend» 8 Ubr: Wenn der neneWeln blüht Sehiller-Theaier"r" Freitag, abends 8 Uhr: Die Jnngfran von Orleans. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Gtttn von Berllchlngen. Sonnabend, abends ä Uhr! Bosenmontag. Sonntag, nachmittag» i Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Die Jnngfrau von Orleans. 8 Uhr: Die Kronbraut Koinödienhaus. «Uhr- Hinter Mauern. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater des Westens. s Uhr: Polenbiut. Gonntgnchm.3'/,ll.: Dar llebeÄuguatln. iOSE=THEATEI Große Frankfurter Str. 132. Im welBen Btiß'l. Lustspiel in 3 Akten von Blumenthal u. Kadelb urg. Abends 8'/. Uhr__ Morgen: Im weißen RüB'l. Sonnabend, nachmittag» 1 Uhr: Der gestiefelte Kater. DentschesSchansplelhans 8 Uhr: Die heitere Refideuz. alResiilenz-Tlieaterui. Hoheit— der Franx! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolss. Musik von Robert Winterberg. Morg. u. f. Tage: liokoit— lioe franr I Montis Operettentheater, Tägl. Leh&r-NovitBt: Die Ideale Gattin. 8 Uhr. Fritzi Massarv, I. Spielmann a. G. tessinx-Idester. 8 Uhr: pyxmglioli. Lustspiel von Bernhard Shaw. äm HollEflilorfplatz 8. Abends 8 Uhr. Der lachende Dreibnnd. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Deutsches Kfinstlertbeater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. SlbendS 8 Uhr: Hanneies Himmelfahrt. Der zerbrochene Krng. Sonnabend, 7'/, Uhr: Zum t. Male l»e Affäre. Lusts. v. Hensi Nathansen. �strepollheater Abends 7 Uhr 55 präzise; Gr. AuSstattungSst. m. Ges. u. Tanz in 19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung de» lulee Verne'fchen Romane» von Jnllns Freund. Musik von Jean Gilbert. In Szene ges. v. Dir. Rlohard Schultz. Guido Thielsclier. Alireil Sctmsow. Leopold Woll. Ludwig Woll. fieieneBaliot. Idaßusska. J. de Lande. Beichshalien-Theater Stettiner Sänger Zickenbecn S Kunitler- ageutur. Burlo. Mehsei Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäsi. Preisen: Der Kompagnieball (Logen 1 M., Ballon 78 Pf., Entree 39 Pf.) (An dar Kaistr- Wiihelm- Uedichtnii* Kirch«) Xurfürstendamm 236. Madge Lessing in JDie blaue Maus' löst nach wie vor den größten Lachsturm aus!! Regie: 35ax Hack Vorstellungen 5, 7, 9 Uhr. Dienstag, den 18. Novbr., abends 8'/» Uhr: Große Fest-VorstelliiBi mit ganz besonderen Ueber- raschungen, unter persönlicher Leitung von Hadge Lessing-Hax Nack usw. Entzflckende Jubiläams- Damenspende. Zum 150. Haie: ,Die blaue Maas'. Nur numerierte Plätze. □er Billettvorverkaaf hat an unserer Theaterkasse begonnen.— Vormittags 11— 1 Uhr, an d. Abendkasse 5—10 Uhr. Sozlaldcmokratifchcr mahlvcrdn für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis ■ B Sonntag, den 16. November 1913: 218�8* Stiftungsfest in Kellers Festsälen(Inh.: Obiglo), Koppenstr. 29; Mitwirkende: Berliner Tonkünstler-Orchester. Dirigent: Musikdir. Herr F. Blume. X Sünger- Abteilang I.(M. d. D. A.-S.-B.) Dirigent: Chonneister Herr Paul Kurz.(Chergesang mit Orchesterbegleitung.) X Sängerin PrL Küthe Plrschel. Tnrnerlsctae Antführnngen. X Tanz. im Oewerkschaftshause, Engelufer 15. Mitwirkende: Berliner Konzert-Orchester. Dir: Musikdir. Herr H. Loppe. Gesangv. Anakreon(M. d. D. A.-S.-B.) X Berliner Ulk-Trio. Turnerische Anfftthrnngen. X Tanz. Kasseneröffnung 4 Ubr. Anfang 5 Ubr. Billetts 30 Pf. UDM-S. Chonneister: Th. Gervais.- Sonntag, den 16. November 1913, Im groBen Konzertsaal der Brauerei Friedrlchsbain: O I. Winter-Konzert» unter Mitwirkung des Kerl. Konzerthaus-Orchesters Dir.(I. V.): Trangott Ochs. Kasseneröffnung 5 Uhr. Anfang präz. 6'/, Uhr. ——— Entree 75 Ff. Rauchen nicht gestattet. ■W Kindern unter 6 Jahren wird der Zutritt versagt Die Saaltüren bleiben während der Vorträge geschlossen, auch wird nicht serviert. Nach dem Konzert: Ball (ohne Nachzahlung). Karten sind noch zu haben in den Zil von Borsch, Engelufer 15. K. Wober, Hobrechtstr. 43, in den Restaurants von Kümmel, Graetzstr. 28, üebich, Wiener Str. 66, Gärtner, Admiralstr. 22, Schmidt, Bossel- straße 18, Gergs, Neukölln, Stuttgarter Str. 45. 60/12 Vereinigte Berliner Volksbühnen. Iinisen-Theater. Freitag B1/, Ubr: Ton State zn State. Lebensbild mit Ges. u. Tanz In 5 Bild. Walballa-Tbeater. Täglich: B'U Uhr: Der Kilebesonkel. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Allen. in allen VT Premlere Lichtspielen ASTA NIELSEN in der Hauptrolle des mimischen Schauspiels Vom 14. bis 16. November im Abgeordnetenhause Prinz-Albrechtstr. 5 Eintritt 1 Marie. Am Eröffnungstage 3 Mark. &„Clou" -- Mauerfttrafifi AS—? Berliner Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes Doppel-Konzert! Berliner Konzerthaag- Orchester. Leitung: Komponisi Franz v. Blon, als Gastdirigent Hofkapelimeister Froiessoi Trangott Ochs. Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dlrig.; Oberm. Baarz Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen , Gr. Hachmitlags-Konzert beiLÄm Zirkus Alb. Schumann. Freitag, 14. November 1913, abends 7'/j Uhr: Gr. Sport• Voratcllnng. U. a.: Direktor Alb. Schumann mit seinen einzig dastehenden Schul- und Freiheitsdressuren. Akrobatlgctaer Beit- Akt Miß Pia, Adele, Rosita, Helene. Zoolog. Potponrrl. Miß Octavia,!und das übrige angge wühlte Programm Um 9'/» Uhr: Tango vor Gericht! Pantomimische Burleske Trianon-Theater. Täglich abend» 8 Uhr: Seine Geliebte. V olgjt- Theater Badstrafte 58. Heute, den 14. November: Kasernenluft Schauspiel in 4 Akten von Stein und Söhngen. Kasseneröffnung 7 Uhr, Ans. 8'/4 Uhr. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Poisrn-Schlager Ferdinand der Tngendhaste. Das droll. stück seit Bestehen d. Theat. Borher das erfttl Spezialität.-Progr. Folies Caprice. Zum 76b Male: Ritter Baldrian „..Das Adoptivkind �( Diie Mißgeburt Anfang A jyiG fcv CINES fffieater Palast am Zoo TSgUch Anfang 6 Ubr. Sonntag» 3 Ubr Matinee. Komplettes Programm grosser VarlAte-Akte sowie unsere renommierten Llcbtsplele Preise tos 65 Ptennlg an. Apollo-Theater Nartin Kempinskl das arkomlsche Original sowie unsere renommierten Lichtspiele Preise von 65 PfeDnlg an. Ununterbrochene Vorstellung von 6 Ubr an. Sonntags von 3 Uhr an Noliendorf- Theater Cleopatra Die Herrin des Nils Das Fllmwnader der Welt Wochentags Anfang»'/, n. 9 Uhr Sonntags 4, 61/, und 9 Ubr. Jugend-Vorstellung Ulttwoeb und Sonnabend 4 Ubr zu halben Preisen. URANIA TaubenstraSe 48/49. 8 Uhr: Mit dem„Imperator� nach New York. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn;„Die Sonne und die Planeten". Zirkus Busch.{ Haute Freitag, d. 14. November,! abends 7>/, Uhr: Humoristischer Gala-Abend. U. a: j Das unvergleichliche Bernett-Trio. Gohr Boston, Springprodult. u.| Gvmnastik in höchster Vollendung. Die berühmten Menschen-Affen. Zum Schlusi: Aus unseren Kolonien. Original-Pantom. b. Zirkus Bulch. 1 Avis! Sonntag: 2 große Gala! Vorstellungen. Nrn. 3'/. u. abends[ TL Ubr. Nachmittags ein Kind! unter 10 Jahren aus allen Sitz- l Plätzen frei. Circus Barum- Boxhagen- Rummelsburg. Standplatz: Seume-«. Gryphiusftrafte Heute Freiing, �vir.' abends 8'/. Uhr: Llile-Voi'slellaog. Morgen Sonnabend: drlllaatc Vorstellungen nachm. 4, abdS. 81/« Uhr. In der NachmittagS-Borstellung ein unxekÜrTtes Adead- proxrsmm zu kleinen Preisen für Erwachsene und Kinder unter 12 Jahren. AbendS 8'/. Uhr- llgz piränomenslö Progr. 2 2 Willard der Mann, der wächst Grete Freund 1 Paul Beckers Operettendiva, u Komiker. Orpla gton-Trlo Han dvoltigeure sowie eine Kette liervorragenilEr ittraktioneö. •m—mmm Sonnlag, 16. Nov.;—— iactiiiiittags-||�| Vorstellung! Kleine Preise! Raachea gestattet! Passage- Panoplikum,� 50 wilde Kongoweiber Männer und Kinder in elaem elgeag aaf- gebauten Kongodorte in ihren Sitten u. Gebräuchen. Und die anderen Attraktionen. Die gr. Kino-Variete-Vorstellung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Admiralspalast. £ig- Arena.— Allabendlich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Die lustige?upps. Beginn der Vorstellung 81/, Uhr. Bis 6 Uhr und von IIP/. Uhr halbe Kassenpreise. CSBendix Oranlengtraüe 68. Martin u. Paul Bendix. Neu! Die Gespensternaetit. We«mtwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Jnseratenteti verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Suchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Smger u. To� Berlin SM |lr. 800. 30. Zahrganh. 3. Kkikge i>ts„Jlotmirlo" ßfilinet öollislilatt. Freitag. 14. Uovmber 1913. Eeiuitatc einer ürbeit$lo!enzäl)lung Uittct den Einwänden gegen die Durchführbarkeit einer Arbeitslosenversicherung kehrt ständig dieser wieder, daß es an einer umfassenden llebersicht über den Umfang der Arbeitslosig- teil fehle, und ohne eine solche statistische Grundlage sei eine Ver- sicherung undenkbar. Wie leicht es aber ist, eine einigermaßen brauchbare Statistik der Arbeitslosigkeit zu gewinnen, zeigt das Bei- spiel des jlönigreichs Sachsen. Tort sindcn die Arbeitslosen- zählungcn auf Grund der Hauslisten kür die Einschätzung zur Ein- kommensteuer statt. Die sächsische Regierung hat seit 1910 solche Erhebungen vorgenommen. Als Stichtag galt in allen drei Jahren der 12. Oktober. Nach dieser Statistik, die dabei keineswegs den Anspruch der Vollständigkeit erheben darf, betrug die Zahl der sermiltelten) Arbeitslosen im Jahre 1910 12 440(davon 2877 weibliche). 1911 12 509(davon 3101 weibliche) und 1912 11173(davon 2830 weiß» Udhe); auf je 1000 Einwohner entsielcn in jedem der drei Jahre 2,6, 2,6 und 2,3 Arbeitslose. Wichtiger aber als die allgemeine Arbeits- losenzifser ist die besondere, das heißt das Verhältnis zwischen den Arbeitslosen und der Gesamtzahl der Erwerbstätigen. Es ent- fielen auf je 1000 1910 1911 1912 hauptberufl. erwerbstätige Personen 5.4 5.4 4.7 Arbeitslose männl.„ 3,9 4,2 3,3 weibl.„ 6,1 5,9 5,2 Scheiden die Berufsgruppen aus. deren Angehörige im Falle der Beschäfligungslofigkeit nicht als.arbeitslos" im gewöhnlichen Sinne des Wortes gellen(also Beamte u. a.), so entfallen auf je 1000 1910 1911 1912 Arbeiter 8.4 8.3 7.3 Arbeitsloie männl.„ g.2 8.9 7.8 weibl.„ 6.5 6,9 6,2 Die Arbeitslosigkeit ist natürlich ain größten in den Industrie- zentren; Leipzig, Dresden, Chemnitz, Plauen stehen über dem Landes- durchschnitt, nur Zwickau darunter. Der zitierte amtliche Bericht hebt ausdrücklich hervor, daß zu den wichtigen Ursachen der Arbeitslosigkeit der Militär dien st gehört. Von allen Arbeitslosen waren 1910 beziv. 1912 7,39 bezw. 5,23 Proz. vom aktiven Militärdienst oder militärischen Ucbungcn entlassen worden. Von den männlichen Arbeitslosen wurden 1912 26,95 Proz. wegen Aufhürens der Saisonarbeit! 3,32 Proz. wegen Konkurses oder Wegzuges; 0,08 Proz. wegen Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber und aus anderen Gründen 23,35 Proz. entlassen; gekündigt battcn wegen zu geringen Lohnes 1,72 Proz., wegen häuslicher Verhältnisse 0,17 Proz., wegen bevorstehenden Wegzuges 0,83 Proz., aus anderen Ursachen 34,25 Proz. und wegen Streiks 1.03 Proz. Durch Aussperrung wurden arbeitslos 0,28 Proz. Von den weiblichen Arbeitslosen Ivurden wegen AufHörens der Saisonarbeit 11,91 Proz., wegen Konkurse?, Wegzuges usw. 3,96 Proz., wegen Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber 0,11 Proz., aus anderen Gründen 24,77 Proz. entlassen; freiwillig schieden ans der Stellung aus wegen zu geringen Lohnes 1,27 Proz., wegen häuslicher Verhältnisse 1,09 Proz., wegen bevorstehenden Wegzuges 0,56 Proz., wegen Schwangerschaft und Niederkunst 0,4 Proz., auS anderen Ursachen 47,84 Proz., und wegen Streiks 0,32 Proz.; ausgesperrt wurden 0,07 Proz. Diesen Angaben über die Gründe der Arbeitslosigkeit kommt erfahzungögemäß nicht vollkommene Genauigkeit zu. Aber es ergibt sich doch aus ihnen, einen wie großen Anteil völlig vom Arbeiter unab- hängige Ursachen eine Arbeitslosigkeit verschulden. Streik und Aus- sperrungen bilden entgegen den Behauptungen der Unternehmer nur selten den Anlaß für die Arbeitslosigkeit. An der Gesamtzahl der männlichen Arbeitslosen sind am stärksten das kaufmännische und technische Personal(13,76 Proz.), dann Arbeiter in der Metallindustrie(10,84 Proz.), niederes Personal in Handels- und Fabrikationsgeschästen(8,08 Proz), Arbeiter im Hoch-, Tief- und Straßenbau(6,78), Dachdecker, Maurer(6,27 Proz.) beteiligt. Unter den weiblichen Arbeitslosen sind am stärksten Dienstpersonal <15,05 Proz), Textilarbeiterinnen(13,89 Proz.), Kontoristinnen <12,79 Proz.) vertreten. Man beachte, daß diese Zahlen nichts über die prozentuelle Arbeitslosigkeit in den einzelnen Berufen sagen, sondern bloß den Anteil jeder Berufsgruppe an der Gesamtarbeits losigkeit feststellen. Dabei bietet der Arbeitsmarkt in den Jahren 1910/12 das Bild einer an st eigen den Konjunktur in der es eine Arbeitslosigkeit als Folge einer Wirtschaftskrise nicht gegeben bat. Daher tut der amtliche Bericht der Wahrheit Abbruch, wenn er aus den Zahlen dieser fetten Jahre aus einen relativ geringen Einfluß der wirtschaftlichen Schwankungen schließt. Sofort springt der hohe Anteil des kaufmännischen und tech- nischen Personals an der Zahl der Arbeitslosen in die Augen) aus ihm rekrutieren sich auch in„guten Zeiten" 13,76 Proz. der männ. lichen und 12,79 Proz, der weiblichen Arbeitslosen— horrende Ziffern, die beredter als Worte die soziale Rot dieser Arbeiter� tategorie schildern. Sehr hoch ist auch der Anteil der stelle»' suchenden Dienstboten(15,05 Proz.); er widerlegt die Erzählungen redseliger Hausfrauen über den Dicnstbotenmangel von heutzutage. Was die Dauer der Arbeitslosigkeit anbetrifft, so waren von den männlichen Arbeitslosen im Jahre 1912 43,8 Proz, von den weiblichen 37,7 Proz. weniger als 14 Tage arbeitslos. Mehr als die Hälfte oller Arbeitslosen waren also bereits über 14 Tage hin- durch ohne Beschäftigung. Von je 100 männlichen Arbeitslosen standen 1912 56.5 Proz., von je 100 weiblilbcn 66.4 Proz. unter 25 Jahren. Auch daraus ist nicht zu schließen, daß die Arbeitslosigkeit unter den älteren Arbeitern geringer ist als unter den jüngeren. Denn auch hier hani elt es fich nicht um das Verhältnis der Arbeitslosen einer Altersklasse zu der Gesamtzahl der gleichaltrigen Arbeiter, sondern um das Ver- hältnis der Arbeitslosen in den einzelneu Altersklassen zu ihrer Gc- samtzahl. Und da bei den Industriearbeitern die niedrigeren Alters- klaffen unbedingt vorherrschen, so darf auch der relativ große Anteil der jüngeren Arbeitslosen an der Gesamtzahl nicht wundernehmen. Anträge im sächsischen Landtage. In der Zlveilen sächsischen Kammer haben unsere Genossen folgende Anträge zur Arbeitslosenfürsorge gestellt: Die Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, zur Linderung des durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufenen Notstandes schnellstens Maßnahmen, namentlich in folgender Weise zu ergreifen: 1. Die Regierung empfiehlt den Gemeinden. Mittel zur U n t e r st ü tz u n g Arbeitsloser alsbald bereitzustellen und für die Zukunft durch Bildung von Fonds oder Einstellung in die GemeindehauShaltpläne bereitzuhalten, wozu vor allem Sparkassen- Überschüsse herangezogen werden sollen. Die Unterstützung der Arbeitslosen soll geschehen, indem die Gemeinde a) für Arbeiter, die einer Kasse zur Versicherung gegen Arbeitslosigkeit angehören, einen Zuschuß in Höhe von 50 Proz. an diese Kasse zu den von ihr �gezahlten Arbeitslosenunterstützungen leistet, b) für Arbeiter, die i einer solchen Kasse nicht angehören, aber Beiträge zur Versicherung gegen Arbeitslosigkeit an eine von der Gemeinde errichteten Kasse zur Unterstützung Arbeitsloser zahlen, den gleichen Zuschuß an die Versicherten gewährt; 2. die Regierung empfiehlt den Gemeinden, geeignete Arbeiten, die im Gcmeindeinteresse in absehbarer Zeit not- wendig iverden, alsbald in Angriff zu nehmen und dabei für Zahlung der tarifmäßigen oder im Berufe ortsüblichen Löhne zu sorgen i 3. die Regierung unterbreitet noch dem gegenwärtigen Landtage einen Gesetzentwurf, wonach die Staatskasse den Gemeinden im Mindestbetrage 50 Proz. ihrer Auswendungen zur Arbeitslosen- u n t e r st ü tz u n g zurückerstattet; zu diesem Zweck werden in den Etat Mittel eingestellt, erstmalig!A) 000 M. in den Etat für 1914/15; 4. zur Linderung der Arbeitslosennot werden in beschleunigter Weise Staatsarbeiten unter Zahlung tarifmäßiger Löhne vergeben und in Angriff genommen, um nicht nur die Ent- lasiung von einheimischen Arbeitern zu vermeiden, vielmehr die Be- schäftigung einer größeren Zahl von einheimischen Arbeitern zu er- möglichen; 5. die Regierung legt dem Landtage einen Gesetzentwurf vor, der die Errichtung neutraler und paritätisch geleiteter Arbeits- nachweise durch Gemeinden, Gemeindeverbände,-Bezirks- oder Kreisverbände ordnet; 6. den Gemeinden wird empfohlen, für Zwecke der Arbeitslosen sürsorge Zweckverbände zn bilden; 7. die Regierung tritt im Bundesrate für die Schaffung einer Reichsarbeitslosenversicherung ei». Tie gelbe Bewegung— ein Hindernis der Arbeits- losenversicherung. Eine geradezu klassische Begriiitdung, weswegen eine Ar beitslosenversicherung nicht nützlich, sondern sehr schädlich ist, haben dieser Tage die Handwerks- und Handelskammern in Elberfeld gegeben. Tort hatten nämlich die GeWerk schaften s ä in t l i ä) c r Richtungen an die Ttadtberwaltnng eine Eingabe um Einführung einer Arbeitslosenversicherung gemacht. Tie Stadtverordnetenversammlungen in Elberfeld und Barmen haben sich bereits mit der Frage besaßt und ein sozialdemokratischer Antrag, in beiden Städten je 20 000 M. zur Verfügung zn stellen, wurde Kommissionen zur weiteren Beratung übergeben. Zugleich wurden die Handwerks- und Handelskammern um ein Gutachten in dieser Frage ersucht. Die Elberfelder Handwerkskammer bekundete, daß von Arbeitslosigkeit keine Rede sein könne und deswegen eine Versicherung dagegen keinen Zweck habe. Ganz besonders verwerflich sei im speziellen das sogenannte Genter System. Viel delikater als die Gründe der Handwerkerkammer sind die der Elberfelder H a n d e I s k a m in e r. Diese hatte vor zwei Jahren ans eigenem Antrieb schon mal erklärt, daß viel wichtiger als eine Arbeitslosenversicherung der Schutz der Arbeitswilligen und vor allem ein gesetz l i ch e s Verbot des Streikposten st e h e n s sei. Jetzt faßt sie ihre ablehnenden Gründe in folgenden Ge dankengang: Man habe zwar ein„herzliches Bedauern" utit den A-rbeitsloie», aber eine Arbeitslosenversicherung fei ein ebenso untaugliches wie gefährliches Mittel, weil die Selbst Verantwortung der Arbeiter dadurch ausgeschaltet würde. Fleißige und tüchtige Arbeiter seien ja in den seltensten Fällen arbeitslos, und es ginge nicht an, daß die Arbeiter durch die geplante Versicherung statt auf eigenen Sparsinn und das eigene Streben sich auf die Hilfe von Staat und Gemeinde verlassen dürften, lind der ablehnende Standpunkt der Handelskammer werde besonders noch dadurch bestimmt,„daß die Einführung einer Arbeitslosenversicherung ohne Zweifel die in erfreulichem Fortschreiten begriffene Werkvereinsbewe- gung wesentlich beeinträchtigen würde". Das ist ein sehr offenes Wort; Man bekämpft die Ar- beitslosenversicherung, weil die gelbe Bewejgnng darunter leiden könnte. * Im oberbahrischen Landrat haben die sozialdemokratischen Ver- tretcr Anträge eingebracht: In das Kreisbudget 1914 die Summe von 25 000 M. als außerordentliche Reserven einzusetzen und die Regierung zu ermächtigen, im Benehmen mit dem ständigen Land- ratsauSschuß den Gemeinden, die genötigt sind, ihre Arbeitslosen mit Barmitteln zu unterstützen, Zuschüsse zu solch außerordentlichen Unterstützungsaktionen zu gewähren und die Errichtung gemeindlicher Arbeitsvermittelungsstellcn tatkräftig zu fördern und dem weiteren Ausbau bestehender Arbeitsnachweise erhöhte Aufmerksamkeit zuzu wenden._ Soziales. Aus dem Gcwcrbegcricht, Kammer o. Vorsitzender: Magistratsrat Wölbling. Sitzung vom 13. November. 1. Zatzlung für Aussetzen. Eil?" Metallarbeiter klagte gegen die Firma Ren aus Zablung von 5 M. für einen Tag. An diesem hatte er auf Anordnung der Betriebsleitung aussetzen müssen. Es handelte sich um einen jüdischen Feiertag. Die Lohnarbeiter wurden entschädigt, die Akkordarbciter dagegen nicht. Die Beklagte wendete ein. dieser Brauch bestehe bei ihr seit 32 Jahren. Ter Kläger habe auch nichts erwidert, als ihm mitgeteilt wurde, daß an dem betrefsenden Tag nicht gearbeitet wurde. Ter Kläger'erwiderte, er habe sich bei einem Kollegen erkundigt und die Antwort erhalten, der Tag werde bezahlt. � Das Gericht verurteilte die Firma zur Zahlunsf von 5 M. Es hätte dem Kläger mitgeteilt werden müssen, daß der Tag nicht bezahlt werde. Auch wenn solche Mitteilung, gemacht wäre, hätte nach§ 615 B.G.B. Zahlung erfolgen müssest. Nimmt der Arbeitgeber die ihm angebotene Leistung, gleichviel ans welchem Grunde, nicht an, so bat er zu zahlen. Ein Verzicht aus Zahlung ist nach § 2 des Lohnbcschlagnahmgcsctze- unzulässig. 2. Handlungsgehllfenklagc. Ein Rcgistraturgehilfe klagte gegen die Firma Weber wegen kündigungsloscr Entlassung auf 193,94 M. Tie Sache war zu unrecht vom Kaufmannsgericht dem Gc- werbegcricht überwiesen. Der Kläger halte u. a. die Portokasse zu verwalten. Eines Tages ergab sich ein Manko von 1,20 M. Der Kassenbeamte sagte dem Kläger, er möge die Angelegenheit „in Ordnung" bringen. Da der Kläger nicht allein mrt dem Frankieren der Postsachen zu tun hatte und sich das Manko nicht aufklären ließ, setzte er am andern Tage anstatt 26 Briefe a 20 Pf 32 ein und sagte dem Kassierer auf die Frage, ob die oache geregelt sei, daß er in dieser Weise verfahren sei. Ter Chef entließ darauf den Kläger sofort. Dieser fordert nun für den Rest des Monats Oktober und für November das l Gehalt. Das Gericht verurteilte die Firma gemäß dem Klage-' erfolgen habe, berechtigt. Ein Entlassungsgrund lag nicht_ vor. Daß sich der Kläger den Fehlbetrag der Partokasse angeeignet habe, wird nicht einmal behauptet. Seine Handlungsweise sei zwar inkorrekt gewesen, es liege der Fall aber überaus milde, so daß ein Grund zur sofortigen Entlassung nicht vorhanden war. Aufhebung einer Ausweisung nach Bayern. Der bayerische Staatsangehörige Fischer lebte in Frankfurt am Main mit seiner sehr zahlreichen Familie, die seinerzeit Armen- Unterstützung in Anspruch nehmen niußte. Die Armenverwaltung der Stadt nahm an, die Fainilie lverde dauernd Armcnunterstützung in Anspruch nehme» müssen. Es kam zu Verhandlungen mit den zuständigen Behörden, die sich auf die Möglichkeit der Ausweisung aus armenrechtlichen Gründen bezogen. Die bayerische Heimat- gemeinde erklärte sich berejt, die Familie aufzunehmen. Schließlich sprach der R e g i e r u n g s p r ä s i d e n r zu Wiesbaden die AuS- Weisung aus mit der Androhung, daß Fischer, wenn er nicht selber gehe, tu seine Heimat übergeführt werden würde. Beschwerden Fischers hatten keinen Erfolg. Ter Obcrpräsident bestätigte die Ausweisung. Fischer klagte darauf bei in Oberverwaltung?- gericht. Alts Anfragen des OberverwaltungSgerichts erklärte der Magistrat von Frankfurt a. M., daß für IlnterstützungSfälle, die nach dem 12. Februar 1912 in Frage kämen, der II n t e r ft ü tz u n g S w o h n- sitz für Fischer Frankfurt a. M. sein würde. Das Oberverwaltungsgericht hob nunmehr den Bescheid deS Oberpräsidenten der Provinz H e s s e n- R. a s s a u auf und setzte d i e A u S w e i s u n g s- Verfügung außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt: Hier handele es fich um die Ausweisung eine? deutschen Reichsangehörigen aus armenrechtlichen Gründen. Das Frei- zügigkeitsgesetz garantiere es nun jedem Deutschen. Auf« enthalt an irgendeinem Orte im Deutschen Reiche zu nehmen. Die Berechtigung werde nur beschränkt, soweit da? Gesetz Ausuahnnm zulasse. Von den Beschränkungsgründen komme hier nur der einer Ausweisung in Betracht, die auS armenrechtlichen Gründen zulässig sei, wenn der betreffende keinen Unterstützungs- Wohnsitz erworben habe. Dieser Grund scheide aber nach der Ant- Won des Magistrats auf die Anfrage des Gerichts auS. Der Bayer könne ebenso gut, wie ein pnderer Deutscher, in Preußen den Unter- stützungswohnsitz erwerben. Kläger habe ihn erworben. V o n d a ab sei die Berechtigung zur Ausweisung nicht mehr gegeben gewesen. Ist der Erfindergeturnke pfändbar? Die Zivilprozeßordnung, die die Grundsätze über die Pfändung cntbält, beruht aus dem Grundsatze, daß nur dasjenige gepfändet werden kann, was bereits gcgcn.märtig in pekuniärer Beziehung objektiv gewordene verwertvarc Existenz hat. Alles, was nur die Möglichkeit einer Verwertung, bloße.Hoffnungen enthält, alles, was noch dem Kreise des ganz Subjektiven, Individuellen angehört, kann so lange noch nicht gepfändet werden, bis nicht die berechtigte Person selbst es in den Bereich des Objektiven bringt. Daraus ergibt sich, daß der Erfindcrgedanke an sich nicht pfändbar rst. Diese. auch in der Rcchtsbeilage der„Deutschen Industrie' beamten-Zeitung" gemachten Ausführungen finden ihre Bestätigung in dem folgenden Fall, der lürzlich vor dem-Oberlandesgericht Nürnberg zur Entscheidung gekommen ist. Ein Ingenieur hatte eine Erfindung einem anderen zur Ans- sührung übertragen, dieser hakte sie lwim Patcntamte angemeldet, und nun wollten die Gläubiger des Ingenieurs sich wegen ihrer Forderungen durch Pfändung der Erfi»dungs>dce befriedigen. Sie fochten die Ucbertragung der Idee auf Grund des Anscchtungs- pcsetzcs an und verklagten denjenigen, dem sie zur Ausführung übertragen war aus Duldung der Zwangsvollstreckung in die Erfindung. Es wurde eingewendet, daß die Erfindung, wenn die Uebertragung an den Dritten angefochten sei, durch diese Anscchtung wieder an ibrcn Urheber zurückfällt, daß sie damit wieder zu seinen subjektiven und rein persönlichen Rechtsgütern gehöre, die nicht Gegenstand einer Pfändung sein können. Das Gericht hat diesen Einwand nicht für durchgreifend er- achtet. Durch die erste Uebertragung sei die Erfindungsidee bereits in den Kreis der Bermögeiiswertc getreten und habe damit auf- gehört, zu den ganz persönlichen Rechtsgütern zu gehören. Der Urheber habe von seinem Recht, die Erfindung für sich zu behalten, keinen Gebrauch gemacht, er habe sich der Idee bereits entäußert. Es kann wohl- die äußere Form, in der diese Entäußerung statt- gefunden habe, durch Anfechtung wieder entfallen, aber die Tai- fache, daß die Erfindung nicht mehr dem Kreis der Persönlich- kcitsrcchte. sondern bereits dem Vermögenswerte angehöre, werde dadurch nicht aus der Welt geschafft. Das Gericht hat darum die Anfechtung und die darauf begründete Vollstreckung in die Erfindung als zu Recht erfolgt anerkannt. Eue Induftm und FtandcL Tic Gegner der„Volksfürsorge" uncinS. Im Januar dieses Jahres hatten sich die öffentlich-rechtlichen Lebensversichcrungsanstalten und die privaten LebenSversicherungs- gesellschaftcn zu einem Volksversicherungskartell zusammengeschlossen, um die„Volksfllrsorge" der Arbeiterschaft zu bekämpfen. Jetzt ist dieser unnatürliche Bund zwischen den beiden Gruppen, die fich stets als Konkurrenten gegenübergestanden haben, aufgelöst worden. Die inneren Gegensätze' haben sich trotz deS gemeinsamen Ziels, der „Volksfürsorge" zu schaden, nicht auf die Dauer überbrücken lassen. Die Geldnot der Städte ivird durch ein Rundschreiben eines Agenten beleuchtet, das an wirtschaftliche Körperschaften gerichtet wurde. ES heißt darin:„Bclr.: Mündclsichere Kapitalanlage. Ich bin zurzeit damit beschäftigt, Finanzvedarf für mehrere große Stadt- gemeinden zu beschaffen. Zu diesem Zwecke erlaube ich mir, an- zufrageu, ob aus Mitteln Ihres Verbandes oder dessen Reserven und Versichcrungseinrichtungen Gelder vorübergehend zur Ver- fügung gestellt werden können. Die Städte zahlen für Gelder, die auf miildcsteus sechs Monate überlassen werden, 4% Prozent u ii d mehr Zinse n. Ich bemerke, daß es sich ausschließlich um Slädte haudell, die zurzeit Aulagen der verschiedensten Art ausführen müsscii, die erforderlichen Gelder infolge der Geldknappheit aber nicht erhallen kömien. Eine Unterstützung dieser Städte mit Kapital in der gegenwärtigen schlvierigen Zeit würde zugleich eine Stärkung der Industrie und der verschiedensten Gewerbe bedeuten. In richtiger Würdigung dieser volkswirtschaftlich bedeutsamen Tat- fache haben in den letzten drei Monaten Arbeitnehmer-Verbände der verschiedensten Art(Beamten-, Lehrer-, kaufmännische und Arbeitcrvcrbäiide) deutschen Städten insgesamt mehr als 12 Millionen Mark vorübergehend zur Verfügung gestellt. Es dürfte deshalb nicht unangebracht sein, wenn sich auch die Verbände der Arbeitgeber an der Hergabe von Kapital beteiligten. Die Ge- meinden haften mit ihrem Vermögen für dergleichen Beträge." Der Versand des StahlwerksvcriandeS ist im Oktober dieses Jahres um 4000 Tonnen gegen den September gestiegen. Gegen den Oktober des Vorjahres zeigt er jedoch eine Abnahme von 1ö 000 Tonnen. S. Vrettkisch-Suddentl'che (339. Königl. Prenst.) Klasse,»lotterte S.«lasse t. Ziehungstaz 13. November 1913«ormittag «ttf jede gezogene Nummer find zwei gleich hob« Wewtnn« gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beibe»«btetluugen I». II. 9lut die BeWinne über 2iO M. sind in Klammem beigefügt. lOhne Bewähr A. St.-A. f. Q.)(Nachdruck verboten) 15 283 88 90 310(30001 426 41 73 66 602 3 657 831 39 1022 119 267(600) 391 433 851 2233 371 413 637 762 96 892 908 3008 60 128 238 463 604(600) 68 742 907 23(3000) 4006 82 106 260 327 62 631 23 727 3 248(10001347 622 24 6035 132(1000) 201 6 401 39 9 7 755 810 7177 96(600) 382 637 864 «069 166 242 96 399 406(3000) 63 94 707 46 82 84 803 909 «132 36 40(600) 402 82 606(1000) 82 83(1000)84 796 935(1000) 10083 167 68 79 366 83 601 15 50 772 965« 099 166 270 683 744 977 1 2018 79 110 239 494 602 74 766 863 090 1 3129 (1000) 305 324 402 685 641 797 840 91 975(500) 14249 312 39 97 443 97 628 47 933 68 1 8124 44 422 84(600) 642 82 85 (1000) 632 87(1000) 743 822 61 915» 6149(1000) 228 38 62 688 709(500) 826 33(6001 60 68 931 17267 331 443 74 686 620 41 67 601(£00) 18257(3000) 412 87 682 614 87 789 844 18007(3000) 176 366 98 443 88 5.36 694 790 80043 160 67 318 664 733 930(3000) 81060 96 115 66 220 493 636 91 93(600) 710 63(600) 96(IS 000) 820 971 2 2511 66 602 770 943 8 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König!. Preutz.) Klassenlotterie k.«lasse S. ZiehungStag 13. November 11)13 Nachmittag Auf jede gezogene Nnuimer sind zwei gleich hohe Bcwiun« gefalle», und zwar je einer auf dl« Lose gleicher Nummer in de» beiden Sibtcilnngeu I n. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammem beigefügt. lOhne Gewähr A. Sl.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 60 238 302 649 607 727 813 89 930 79(3000) 1019 87 294 98 727 31 367 2075 27535? 507 792 98(S"0( 614 957 50 3319 400 24 602 24 900 4130 360 61 401 640 642 46 758 892 5 040 20« 33 35 429 644 69 790 007 18 21 42 62 6008 29 57 102 47 66 63(800) 203 429 32 43 646 633(500 t 93 826 51 64 7 022 75 96 161 213 19 65 319 40 604 18 631 812(500) 979 8106 228 361 87( 600) 621 9066 75 200 22 83 83 363(500) 65 422 645 67 740 849 924 10236(600) 62 71(1000) 703 915 11073 109 323 607 66 717 823 12329 404 37 943 1 8093 645(1000) 612 906 13 1 4093 129 288 687 018 1 6162 314 647 744 1 6092 98 153 464 542 56 684 95 96 779 806 72 85 94 1 7069 70( 500) 232 98 390 411 73 606 60 81 966( 600) 18099(1000) 666 828 995 1 9147 367 4SI 652 639 767 97 924 83 29006 64 IIS 49 51 410 861 79 802 21180 243(560) 344 666 2 2275 410(1000) 510 647 982 2 3043(500) 138 81 414 663 629 766(500) 939 62(1000) 68 70 2 4007(600) 131 211 33 638 47(1000) 634 79 99 816 2 6173(30001 362 88 426 33(3000) 661 26015 20 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