Wr. SOS. flbonntmentS'Bedingungen: TOoimementS- Preis prinumerando! vierlcljährl. 3�0 Mt., i,10 URt., wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Swnuner 5 Pfg. EonntagZ. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- Wonnement:!,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeltungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterrelch. Ungam &50 Wart, für das übrige Nusland 4 Mark pro Monat. PostabonncmentS nebmen an: Belgien. DSnemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Ruoiänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Crlcheint UgN«. Berliner VolKsblnkk. Die TnfertionS'GebQbr BthSgt für die sechSgesvaltcnc Kolonel- zeile oder deren Raunl M Pfg., für politische und gcwcrtschaftlichc Vereins- und Persanimlungs-Anz eigen HO Pfg. „Kleine Mnieigen", das seugedrultte Wort 20 Pfg. szuläfsig 2fettgedru-Ile Worte), jedes weitere Wort 10 P>g. Stellengesuche und Schlafsicllctian. zeigen das erste Wort w Pfg., jedes wettere Wort ü Pfg. Worte über tö Pucb- ftaben zählen für zivei Worte. Jnscrale stir die nächste Nummer iniisten bis S Uhr nachmittags in der ltrvedilion abgegeben werden. Die Erpcdilion ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soziaidtmokrat Berlin". Zentralorgan der Pozialdemokrati leben Parte» Deutfcblands. Redaktion: SUR. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplak, Nr. 1983. ExpedMon: 8Lll. 68, I�indcnslrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplati, Nr. 1981. 0er chinesische konarparte. Als 1911 die chinesischen Rebellen unter der siegreichen Führung Sunyatsens dem Sohn des Himmels unehrbietig aber energisch den Stuhl vor die Türe setzten, glaubten wohl auch die grundsätzlichen Pessimisten nicht, daß der Sturz dieser uralten Monarchie und die Errichtung der jung-chinesischen Republik das gewaltige Vorspiel zu dem Versuche sein»verde, einen Tespotismus auf viel stärkeren Grundlagen als� denen der feudalen Monarchie der Mandschus zu begründen. Tas Unglaubliche ist Tatsache geworden. Sticht als triumphierender Feldherr, umstrahlt von der Glorie kriege- rischen Ruhmes, sondern als schlauer zäher Diplomat, auf dessen Energie sick) die für ihre Kapitalsanlagen bangenden ausländischen Bankiers verließen, kam Jüanschikai zur Dilta- tur! Er posiert den starken Mann, nach dem sich die Aus- länder sehnen, gegen die sich schon einmal die blinde Zer- störungswut der Borer als Ausfluß der Erbitterung über die Vernichtung der überkommenden Wirtschaftsformen richtete und die sich jetzt von einem viel gefährlicheren Gegner bedroht sehen: der EntWickelung eines radikalen chinesisch- nationalen Bürgertums, das die verhaßten Ausländer nicht mehr mit Gewalt, sondern mit dem Mittel der freien Kon- kurren� verdrängen will. Die Revolution eben hielt nicht, was sich das Volk von ihr versprochen hatte. Als es galt, die Versäumnisse und Fehler der Mandschus zu liquidieren und eine neue große Anleihe aufzunehmen, benutzten die europäischen uird ameri- konischen Finanziers die erwünschte Gelegenheit und brachten das Land in eine stärkere Abhängigkeit von den Anleihe- markten in London, Rew Aork und Berlin als je zuvor. China mußte sich wichtiger Souveränitätsrechte begeben. Aber alle politischen und finanziellen Konzessionen Ivaren umsonst. Tie soziale Not stieg, die Steuern wurden eingetrieben wie zuvor. die proletarisierten beschäftigungslosen Bauern wußten mit ihrer Arbeitskraft nicht wohin. Die neue Revolution brach aus. Mit fremdem Gelde und gestützt auf alle reaktionären Elemente siegte Jüanschikai. Es war das alte Spiel: es graute dem Bürgertum vor den Geistern, die es gerufen hatte und die es bei der ersten besten Gelegenheil los werden wollte. Die Revolutionäre wurden fleißig geköpft und füsiliert, Sun- yatscn wurde landflüchtig, die radikale Partei der Kuomin- tang ausgelöst und damit faktisch das Parlament gesprengt, und der wohlhabende Bürger lvie der Ausländer konnten sich in gemächlicher Ruhe ihres Besitzes freuen. Aber das vorrevolutionäre China hat nichts mit dem nachrevolutionären gemein. Jüan- schikai hat dem Bürgertum die politische Macht genommen: dafür muß er ihm alle Hindernisse der wirtschaftlichen Be- tätigung aus dem Wege räumen und ökonomische Ellenbogen- freihcit geivähren. Er muß, will er nicht die revolutionäre Flamnie neu entfachen, die Verwaltungsorganisationcn durch. führen, ohne die weder Chinesen noch Fremde an die In- dustrialisierung des Landes in großem Maßstabe denken können. Tatsächlich hat der Präsident der Aufhebung der Ver- fasiung sofort die Ankündigung wichtigerer Reformen folgen lassen. Von riner Aufhebung der Verfassung kann nian füglich reden. Zwar ist formell nur die Kuomintang-Partei aufgelöst worden, aber die übrigen Abgeordneten haben die Selbst- achtung besessen, das Runipfparlament zu meiden. Als die Präsidenten des Senats und des Wgeordnetenhauses am Montag die Sitzung eröffneten, waren zwei Unterhaus- Mitglieder und acht Senatoren anwesend. Was an Stelle des Parlamentes treten soll, ist noch nicht völlig bekannt. Das Wahrscheinlichste ist die Bildung einer Z e n t r a l v e r w a l t u n g s k 0 m m i s s i 0 n. der je zwei Vertreter der einzelnen Provinzen, vier Mitglieder des Ka- binetts, ein Vertreter jedes Ministeriums und acht Ver- trauenslcute des Präsidenten angehören sollen. Aber weit wichtiger ist die geplante militärische und Verwaltungsreorganisation. Während heute der Provinzialgouverneur gleichzeitig Militärkoniman- dant in seinem Distrikt ist. sollen künftig neun Korps- komni andante n gebildet werden. An die Stelle der alten Provinzen will der Präsident 69 Departements treten lassen. Dadurch werden die provinzialen Landtage beseitigt, die seit 1999 zusammentreten und die d i c erste Konzession der Mandschus an die jungchinesische Bewegung waren. Weit wichtiger freilich wäre die Beseiti- gung der K 0 r r u p t i 0 n, die sich bisher in den Provinzen breitgeinacht hat und gegen die nur ein Kraut gewachsen ist: die parlamentarische Kontrolle. Man kann ohne Zweifel die Behauptung wagen, daß Chinas drückende Schuldknechtschaft eine natürliche Folge der Bcamtcnkorruption ist, deren Aus- dehnung in ihrer Art grandios ist. Ter frühere Verwalter der chinesischen Scezölle. der verstorbene Sir Robert Hart, glaubte aus der Grundsteuer 199 Millionen Taels holen zu können, während sie im Jahre 1919 mit 48 Millionen zu Buche stand. Man hat sogar berechnet, daß von der Bodensteuer 9 Proz. in die Taschen der Orts- und 69 Proz. in die der Provinzialbehörden fließen, so daß Peking nur ein Viertel der erhobenen Summe erhielt: daß von der Sälzsteuer je 49 Proz. bei den Orts- und Provinzialbehörden hängen blieben und aux 20 Proz. nach Peking gingen: daß von dem Lekin(dem Binnenzoll) 19 Proz. bei den Ortsbehörden, 53 Proz. bei den Provinzialbehörden blieben und nur ein Drittel nach Peking ging. Ob Jüanschikai, der das Zcntralparlament auseinander- gesprengt hat, für die Provinziallandtage in den neu zu bil- ' Senden Departements einen Ersatz schaffen wird, ist mehr als zweifelhaft. Tut er es aber nicht, herrscht das absolute Re- gime auch in der Provinz kontrollos, so wird sich die alte Korruption auch in die neue Verwaltungsorganisation ein- fressen. Damit ist die finanzielle Leistungsfähigkeit Chinas schwer bedroht. An dem Tage, an dem sein Schuldendicnst stockt, wird sein Schicksal besiegelt sein und der Exekutor sein wertvollstes Eigentum mit Beschlag belegen. Oder nicht bild- lich gesprochen: Es werden die Landungsmannschasten der europäischen, japanischen und amerikanischen Kriegsschiffe unter den feierlichen Klängen der diversen Nationalhymnen von dem Reiche der Mitle Besitz ergreifen. Tie Finanzverhältnisfe sind für China besonders gefähr- lich, da es eine passive Handelsbilanz hat. Bei einem Gesamtaußenhandel von 379 Mill. 67 Taels im Jahre 1999 entfielen 37 Proz. auf die Ein- und 13 Proz. auf die Ausfuhr: das Verhältnis war 1912 nach vielen Schtvankungen bei einem Gesamtaußenhandel von 843 Millionen 617 999 Taels das- selbe. Nun haben ja auch Deutschland und England passive Handelsbilanzen, d. h. auch diese Staaten kaufen mehr, als sie verkaufen. Aber dafür haben die Hochkapita- listischen Länder einen lebhasten Export von Kapital ausge- bildet, dessen Zinsen ihnen zufließen, sie realisieren im Aus- lande bei ihrem starken Export von Waren den in diesen ver- körperten Mehrwert und beziehen sie schließlich enorme Sum- men für Transportleistungen und Kommissionsgeschäfte: ihre Z a h l u n g s bilanz ist aktiv. Anders bei China, das an das Ausland verschuldet ist, das nicht Zinsen empfängt, sondern zahlen muß und das durch eine irngünstige Handelsbilanz an den Rand des Ruins gedrängt wird. Neben der finanziellen Reorganisation ist von Bedeu- tung, daß durch die geplante administrative Neueinteilung des Landes lästige Verkehrshindernisse für den Binnenhandel be- feitigt werden. Vor allem dürfte der Jnlandszoll fallen, dessen Abschaffung den Engländern bereits versprochen ist, der aber nach dem Budget von 1912 noch ein Erträgnis von 24,4 Millionen Taels liefert. Ob freilich das Werk, das Jüanschikai unter Ausschaltung des Parlaments nun durchführen will, Erfolg haben wird, ist eine große Frage. China ist das größte geschlossene Reich der Welt. 1919 wurde seine Einwohnerzahl auf 436 Millionen Einwohner geschätzt: die Bevölkerung ist keineswegs einheit- lich: die Komlnunikationsinittel sind unzureichend. In einem solchen Lande ist es schwer, einen zentralisierten inodernen Militär- und Berwaltungsstaat aufzurichten. Als Napoleon Bonaparte am 18. Brumaire das Direktorium zum Teufel jagte, stand er am Ende eines siegreichen Feldzuges und an der Spitze einer straff disziplinierten, ihrem genialen Führer blindlings ergebenen Armee in dem Bewußtsein, alle Wider- sacher Frankreichs gedemütigt und selbst das mächtige Eng- land in die Verteidigungsstellung gedrängt zu haben. Die Siege Jüanschikais sind bisher nur gegen ein Herrscher- geschlecht, unter dem alle Stützen des Thrones brachen und gegen die Revolutionäre, gegen die sich alle reaktionären In- stinkte richteten, erfochten worden. Drei wichtige Nebengebietc bat China unter ihm verloren:„die Mongolei ist russische, die Mandschurei ist japanische Interessensphäre geworden" und in Tibet ist die chinesische Besatzung teils niedergemacht, teils mit Schimpf aus dem Lande gejagt worden. Ein mächtiges Finanzsyndikat uniklaiiiincrt China und raubt ihm schier den Atem. Darum ist es mehr als fraglich, ob sich die Geschichte wiederholt und Jüanschikai das Glück Bonapartes hat. Viel wahrscheinlicher ist, daß seine Diktatur der Anfang vom Ende der Unabhängigkeit Chinas ist: denn sein Staatsstreich hat den letzten starken Widerstand gegen die Einflüsse der internationalen Finanz und die Kontrolle über den Krebs- schaden der chinesischen Verwaltung, die Korruption, beseitigt. Kaiserin von dem„M a s sie n st r e i k g e g e n d i e S t a a t s- k i r ch e" und dessen offensichtlichem Erfolge Kenntnis gegeben wurde, sprach sie ihr Bedauern darüber aus. daß sich so viele von der Kirche abwenden und daß sich keine Handhabe biete, das öffentliche Auffordern zum Aus- tritt aus der Kirche sowie auch das Einberufen solcher Agitationsversammlungen zu verhindern. Es haben inzwischen mehrfach Konferenzen stattgefunden, in denen Mittel und Wege beraten wurden, der Massenflucht aus der Landeskirche vorzubeugen. Auch die Kaiserin nahm an solchen Konferenzen teil, doch konnte ein Schlüssel zur Lösung der Frage bisher noch nicht gefunden werden. Einen Erfolg verspricht man sich indessen durch eine E r h ö h u n g der Gerichts gebühren für Kirchen au stritte. In einigen thüringischen Staaten sind die Kirchenaustritts- erklärungen mit Gebühren bis zu 199 M. belegt, was zur Folge hat, daß nur ganz wenige Kirchenaustrittserklärungen abgegeben werden. In ähnlkher Weise will man dem Ver- nehmen nach min auch in Preußen vorgehen und dieser Plan hat die Z n st i in m u n g der Kaiserin gefunden. Es sind aber noch einige and e'r e Wege in Vorbereitung, die der Massenflucht ans der Kirckiengemeinschaft entgegen- arbeiten sollen. Da unter den Mitteln, der Massenflucht aus der Kirche entgegeiyziiarbeiten. das nicht ist. daß die Kirche aufhört, ein H e r r s ch a f t s i n st r n m e n t der preußisch-deutschen Reaktion zu sein und solange die bestehende Staats- und Gesell- schaftsordnung im denkbar krassesten Widerspruch zu den Lehren des Christentums steht, wird die Massenaustrittsbe- wegung aus der Kirche immer gewaltiger anschwellen. Sie Polizei im Dienste der Kirche. Am kommenden Mittwoch sollte in zwölf V 0 l k s v e r- s a m m l u n g e n Groß-Berlins wieder der Austritt aus der Kirche propagiert werden. Den Einberufern ist jedoch mitgeteilt worden, daß die Versammlungen auf Grund des 8 8 der Polizeiverordnung vom 13. Mai dieses Jahres nicht stattfinden dürfen. Nach diesem Paragraphen sollen1 öffentliche Versammlungen, welche nicht gottesdienstlichen Zwecken dienen, am Karfreitag. Bußtag und Totensonntag nicht abgehalten werden. Wie weiter bekannt wird, soll be- rcits der preußische Kultusminister gegen die Kirchenaus- trittsbewegung scharfgemacht worden sein. Behördliche Gegen- maßregeln sind in Sicht. Wie eine offiziös inspirierte Lokalkorrespondenz meldet. hat die verschärfte Agitation für den Kirchenaustritt lebhafte Beunruhigung geweckt, � und wie es beißt, soll auch die Kaiserin Interesse für die Angelegenheit bekunden. Die Kaiserin, die bekanntlich eine rege Förderin aller kirchlichen Angelegenheiten ist. hatte da- nach schon vor Jahr und Tag den Auftrag erteilt, sie auch stets über die Kirchenaustritte zu unterrichten. Als nun deri Die Cichtfcheu der Kruppiatier. Am Sonnabend lief die Frist für die Einlegung der Revision gegen das Urteil im Krupp-Prozeß ab. Sowohl Staatsanwalt als die beiden Verurteilten Brandt und E c c i u 3 haben die Frist ungenutzt verstreichen lassen. Das offiziöse Depesche n bureau erklärt diese immerhin nicht ganz unbeachtliche Tatsache folgendermaßen: „Wie wir hören, haben sich in dem Krupp-Prozeß nunmehr die Staalsanwaltschaft wie auch die beiden Angeklagten entschlossen. von dem RechtZmittcl der Revision an das Reichsgericht keinen Gebrauch zu machen. Für die Angeklagten war hierbei der Gesichtspunkt maßgebend, daß sich mit der Revision giinsiigen- falls, d. h. wenn formale Verstöße in dein Verfahren oder sachliche Gesetzesirrtüiner in dem Urteil nachgewiesen werden können, doch praktisch nur eine Zurückverwcisung der Sache seitens des Reichsgerichts an die erste Instanz erzielen läßt. Die Folge wäre eine Wiederholung der gesamten Verhandlungen nach Monaten: eine solche aber widerspricht nach den gemachten Erfahrungen in hohem Maße dem Interesse der deutschen Industrie, namentlich dem Auslände gegenüber. Die Angcllagten haben unter diesen Umständen geglaubt, ihr persönliches Interesse dein allgemeineren Interesse ihrer Firma und der deutschen Industrie unterordnen und auf einen Angriff gegen die nach ihrer Auffassung iinbcgründetc Vcr> urtcitung verzichten zu sollen." Höchst kennzeichnend ist, daß sich dos holbamtliche Wolffsche Bureau jetzt wiederum, wie bereits mehrfach, um die Korn« walzcrhelden bemüht. Das bestätigt sowohl die intime Bc- ziehung dieses Bureaus zur Villa Hügel, wie die sorgliche Obhut, in die die Regierung die Bestecher vom edlen Stanimc der slrupp nimmt, und wirkt wie ein Pronunziamento. Ge- wisse königlich preußische Regierungskreise sehen die königlich preußische Justiz wie eine offiziöse Solidaritätserklärung mit den vor aller Welt gebrandmarkten Essener Kapitalsgewaltigen, wie eine neue Unterstreichung des Wortes: Krupp und die Regierung sind eins— trotz alledem. Es erweckt auch zum Ueberfluß die zweifclsfreie Berech- tigung unseres allerticfsten Mißtrauens gegen den Auf- kl'ärungs- und Wahrheitswillen der Rcgierungs-Rüstungs- kommission. Daß die Brandt und Eccius auf die Einlegung der Re- Vision verzichteten, ist sehr leicht begreiflich. Sic waren— .wenigstens so weit das Strafmaß in Frage kam— so glimpflich' davon gekommen, daß sie auch von einer etwaigen neuen Ver- Handlung keine Milderung des Urteils erhoffen konnten. Deshalb macht sich auch das Geschwafel von dem Zurück- tretcnlasscn des persönlichen Interesses gegenüber dem Interesse der Firma Krupp geradezu widerlich. Daß für die F i r m a freilich erst recht alle Ursache vorlag, einer nochmaligen Auf- rolluug der schmutzigen Affäre aus dem Wega zu gehen, ist unbestreitbar. Mußte sie doch von jeder neuen Beleuchtung ihrer unsauberen Geschäftspraktiken nur neue schlimmere Bloß- stelluiigeu befürchten. Im übrigen trifft die„Lossischc Ztg." mit folgenden Bemerkungen einmal den?lagcl auf den Kopf: „Die Behauptung, daß die Verurteilten lediglich ihr persön« licheS Interesse dem allgemeinen Interesse ihrer Firma und der deutschen Industrie unterorduen, wird gewichtigen Zweifeln bc- gegnen. Wer sich unschuldig fühlt, pflegt ohne Rücksicht auf fremde Jntercsicii unter allen Umständen de» Kampf umS Rech.', den Kampf u ni seinen guten Namen zu führen. Mit der deutschen Industrie hätte ein solcher Kampf nichts zu tun. da die Firma Krupp und die deutsche Industrie nicht eins und dasselbe sind und eS die Industrie beleidigen hieße, wenn man annähme, daß die Praktiken einzelner Kruppscher Beamten berechtigte Eigentümlichkeiten auch aller anderen Betriebs seien. Der Firma Krupp selbst aber wird mit dem Verzicht auf die Revision ein übler Dien st ge- leistet, da im Ausland die Meinung herrschen wird, sie habe eine wiederholte Verhandlung zu scheuen, weil sich bei der erneuten Beweisaufnahme noch schlimmere Ver- fehlungcn ergeben könnten, als das erste Versahren zutage ge- fördert hat, und Herr Eccius hätte, wenn er durch Einlogung der Revision die StaatSanwallschaft zu dem gleichen Schritte ver- anlaßte, mit der Gefahr zu rechnen, ins Gefängnis zu wandern. Verwunderlich und bedauerlich ist, daß Herr Eccius in der Note des„W. T. B." in volle Solidarität mit Herrn Brandt gebracht wird. Sie verzichten aus denselben Gründen auf daZ Rechtsmittel; sie haben dieselbe Auffassung, daß ihre Verurteilung unbegründet sei. Hat Direktor Eccius diese Solidarität gelvollt und anerkannt? Dann wird die öffentliche Meinung sie beide für unzweifelhaft schuldig halten und das rechtskräftige Urleil der Strafkammer für nicht nur juristisch, sondern auch sa chlich unanfechtbar." Soviel über die Haltung der Firma Krupp und ihrer Getreuen. Warum aber verzichtete der Staatsanwalt auf die Revision? Die„Reue Preußische Kor r e s p o n d e u z" will von eingelvcihter Seite erfahren haben daß der Beschluß der Staatsanwaltschaft, auf Einlegung der Revision zu verzichten. das„Ergebnis von Be s p r c ch u n g e n" gewesen sei, „die zwischen allen Beteiligten stattgefunden haben, und die darauf hinzielten, zu verhindern, daß bei einer eventuellen RückVerweisung der Sache an die erste Instanz noch einmal alle die Dinge öffentlich zur Sprache kommen, die während des ersten Prozesses im Interesse des deutschen Ansehens besser unterblieben wäre n." Das wäre denn doch eine Stellungnahme der Staats anwaltschaft, die ebenso sonderbar lväre wie der Besuch des Oberstaatsanwalts bei Herrn v. G o t t b e r g.( Und die„Post" hat unseres Wissens diesen höchst auffälligen Besuch in Abrede gestellt:„Post"-Dcmentis aber können im allgemeinen als Bestätigung gelten Ij Solchen Bezichtigungen gegenüber wird der Herr Oberstaatsanwalt nun doch wohl selbst das Wort nehmen müssen Aber es gibt ja noch eine viel wirksamere Wider I e g u n g der für die Staatsanwaltschaft höchst kompromittier lichen Darstellung durch die Ordnungspresse: die Erhebung der Auflage gegen die übrigen Mitschuldigeu. Oder will man selbst den nächsten Borgesetzten Brandts, Herrn v. Metze n der sich doch selbst so schwer belastete, laufenlassen, nur um der all mächtigen Firma Krupp keine Ungelegenheiten mehr zu machen? Wir werden es abwarten. Die Tatsachen werden beweisen! Im laufenden Jahre sind also mehr als dreimal so viel Unter- silltzungen ausgezahlt worden als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Wenn schon in den Sommermonaten die Arbeitslosigkeit bei den Zimmerern in diesem Jahre einen solch großen Umfang angenommen hat, was wird da erst der Winter bringen? Der Zimmererverband Hai im Jahre ISOö die Arbeitslosenunterstützung eingeführt, eS ist darum nicht uninteressant, festznslellen. was diese Organisation für ihre arbeitslosen Mitglieder überhaupt aufwendete: Mitgliederzahl Arbeitslosenunterstützung Jahr snack Beiträgen insgesaml pro Mitglied berecvnet) Mark Mark tS0g 1907 190« IL-0 1910 1911 1912 1913 47 432 54 439 51 119 63 266 62 460 53 441 61872 63 020') insgesamt Mark 93 015,— 227 140,23 460 889,75 593 361,25 370 192,— 470 720,25 671 161,— 700 572.2Ssi 4,17 9,02 11,20 7.06 8,04 10,85 11,12 Die Meitslostglieit. Ter deutsche Arbeitsmarkt m Oktober 1913.■ Nach vorläufiger Mitteilung deS Kaiserlichen Statistischen Amt» ans Grund der Berichte für das„RcichsarbeitSblatt" zeigt der gewerbliche Arbeitsmarkt im Oktober gegenüber dem Vormonat einen leichten Rückgang. Gegenüber dem gleichen Monat des Vor jchhres ist ebeusalls im großen und ganzen eine Verschlechte- r u n g festzustellen. Tic an das„Reichsarbeitsblatt" berichtenden Kranken- lassen hatten am 1. November 1913 5 348 320 beschäftigte Mit glicder oder 11234 mehr als am 1. Oktober, und zwar hat die Zahl per männlichen Mitglieder um 0,63 v. H. abgenommen, die der weiblichen um 2,11 v. H. zugenommen. In der Regel tritt vom 1. Okiobcr zum 1. November für die männlichen Personen keine merkliche Veränderung, für die weiblichen eine Vermehrung der Beschäftigung ein. Doch ist zu berücksichtigen, daß von der Ge samtvcrmchrung in diesem Jahre fast die Hälfte durch Bezirks- crweiterungen einiger Krankenkassen sich erklärt. Nach den Berichten von 16 größeren Arbeiterfachverbänden mit zusammen 1,7 Millionen Mitgliedern waren Ende Oktober 1913 2,7 v. H. der Mitglieder arbeitslos gegenüber 2,6 v. H. Ende September 1913. Von Ende September auf Ende Oktober pflegt die Arbeitslosigkeit etwa gleich zu bleiben und den niedrigsten Stand im Jahre zu haben. Im Jahre 1912 stieg sie allerdings ebenfalls, und zwar von 1,5 auf 1,7 v. H., war damit aber immerhin erheblich geringer als 1913. Bemerkenswert ist buch, daß die Mitgliederzahl der 16 berichtenden Gewerkschaften im Oktober 1913 um noch nicht 100 größer war als im Oktober 1012. Bei 302 öffentlichen Arbeitsnachweisen mit 153 330 Vermittc lungen kamen im Oktober auf 100 offene Stellen bei den männ Tichen Personen 168, bei den weiblichen 116 Arbeitsgesuchc. Die entsprechenden Ziffern des Vormonats waren 160 bzio. 09. Hier- nach hätte der Andrang männlicher wie weiblicher Arbeitsuchen» den im Berichtsmonat wieder zugenommen. Tie Berichte von industriellen Firmen und Verbänden über die Lage des Arbeitsmorktcs im Oktober lauten verschieden. Ucber- wiegend günstig, wenn sie auch zum Teil Abschwächungen melden, sind die Berichte aus dem Kohlenbergbau, Erzbergbau, aus der Roheisenerzeugung, der Kali-, Maschinen-, elektrischen und chemischen Industrie. Die Roheisenerzeugung ist noch gestiegen. Mäßig waren die Stahlwerke und die Textilindustrie beschäftigt, während die Holzindustrie und das Baugewerbe weiter über 21 r- Veitsmangel klagen. Verschlechterung gegen das Borjahr melden fast die meisten Industrien, namentlich die Eisen- und Stahl-, Maschinen-, Textii-, Holzindustrie und das Baugelvcrbe. Von 255 Firmen ist die Arbeitorzchl angegeben, und zwar mit 314 732 zu Ende Oktober 1013 gegen 306 378 zu Ende Oktober 1912. 'Es ist also eine Vermehrung um 2,73 v. H. eingetreten, während für den September eine solche gegenüber dem Vorjahr um 3,97 v. H., für den Slugust eine solche von 6,66 v. H. zu verzeichnen war. Der Umfang der Steigerung ist also gegenüber den Vormonaten zurückgegangen. Die Erhöhung, an der in der Hauptsache die Großindustrie beteiligt/ ist, ist auf einige Gewerbegruppen be- schränkt, unter denen die chemische Industrie, der Bergbau und das Hüttenwesen und die Maschineninvustrie hervorragen. Diesen Zu- »ahmen stehen indes erhebliche Rückgänge in der- elektrischen In- dustrie, Holzindustrie, im Bekleidungsgewerbe und endlich im Nah- rungS- und Gcnußmittelgewcrbc gegenüber. Arbeitslosigkeit im Zimmcrerberuf. Ueber die Arbeitslosigkeit im Zimmerergewerbe sind uns umfangreiche Tabellen zugegangen, denen wir falzendes entnehmen: Seit 1906 hat der Zimmererverband 8 539 000 Mark an Arbeits- kosenunterstützung ausgezahlt. Die Summen selbst geben uns im einzelnen den Grad der Arbeitslosigkeit im Zimmerergewerbe an Es ergibt sich, daß im Jahre 1913 die Arbeitslosenziffer stark in die Höhe getrieben worden sst. In den neun Monaten dieses Jahres stellte sich die Arbeitslasenunierslützung bereits höher als in allen zwölf Monaten des Jahres 1912 zusammen. Zu bemerken ist noch, daß im Zimmererverbande den Arbeitslosen Mitgliedern auch noch aus den Lokalkassen erhebliche Unterstützungen zufließen. Wie hoch diese Summen sind, ist noch nicht mitgeteilt worden. Der Zimmerer- verband ist eine der mittleren Organisationen, und dennoch dürfte er insgesamt im Jahre 1913 an seine Mitglieder über eine Million Mark Arbeitslosenunterstützung auszahlen, ein Beweis, welchen Wert organisierte Arbeiter darauf legen, in der Zeit der Arbeitslosigkeit vor Not und Elend geschützt zu sein. Dieser Vorsorge und Opferwilligkeit der organisierten Arbeiter steht die Ohnmacht der Regie rungen und der Gemeinden gegenüber, die fiir die Arbeitslosen kaum mehr als schöne Worte aufbringen können. Weingärtner und Arbeitslose. Der diesjährige Fehlherbst bat die Slot unter den Wcingärtneru Württembergs unheimlich vergrößert. Der Verlust beziffert sich au' Millionen. Ganze Gemeinden stehen am Rande des Ruins. Au eine Umfrage, die nur einen Teil des Weinbougebiels umfaßt, haben 200 Gemeinden geantwortet. Davon beziffern 182 Gemeinden mit 10 315 Hektar Weinberge ihren Verlust auf rund 12 Millionen Mark. Eine Versammlung von Vertretern der Weinbaugcmeinden, Regierungsvertretern, Mitgliedern des Landtags usw. am 2. No- vember in Bietigheim stellte an die württembergische Staatsregierung eine Reihe von Forderungen: Nachlaß der SiaaiSsteuern. Erhöhung des Abzugs der Steuerkatastergruudlage von 60 auf 70 Prozent, weitere Stundung der bereits gewährten Noistandsdarlehen früherer Jahre, Gewährung weiterer zinsfreier Darlehen au drei bis fünf Jahre, dann mäßige Verzinsung der Darlehen und Rückzahlung in Jahresraten. Nolstandsarbeitcn, ttebcrnahme der Kosten der Schädlingsbekämpfung iRebkauS, Heu- wurm usw.) auf die Staatskasse usw.— Am letzten Dienstag, den 11. November, hat im Ministeriinn des Innern in Stuttgart eine Besprechung des Ministers mit dem Finanzminister und den Vertretern anderer Behörden und Vertretern der Weinbauorganisationen stattgefunden. Es sollen eilende Anträge und Gesetzesvorlagen an den Landtag ausgearbeitet, der Landtag alsbald einberufen werden. Die Not des WeingärtnerftandeS ist in der Tat so groß, daß durchgreifende Hilfe dringend. geboten ist. ES ist lobenswert, daß die Regierung einen solchen Eifer entwickelt, um rasche Hilfe zu ermöglichen. Die Sozialdemokratie wird, wie bisher, alles tun. Uni den notleidenden Gemeinden zu helfen. Dringend zu wünschen ist aber, daß die Regierung de» gleichen Eifer in der Bekämprung der durch die wirtschaftliche Krise verursachten Not bekunden würde. Der Prozentsatz der Arbeitslosen in Stadt und Land ist unheimlich gestiegen. In taufenden Arbeiterfamilien in Stuttgart ist das Elend unbeschreiblich, desgleichen in allen industriellen Ge meinden des Landes. Die Gewerkschaften brechen unter der Last der Unterstützungsverpflichlungen fast zusammen. Viele Tausende sind aber bereits ausgesteuert. Dabei steht der Winter vor der Tür. Wenn nicht alsbald kräftige Maßregeln gegen die unbeschreibliche Not ergriffen werden, sind explosive Ereignisse fast unausbleiblich. Die württembergische Regierung steht diesem Elend in der Industrie- bevölkerung aber tatenlos gegenüber. Als von uns vor einigen Wochen bereits die Forderung erhoben wurde, der Landtag möge einberufen werden, damit staatliche Maßnahmen gegen die Arbeits- losigleit in die Wege geleitet würden, blieb die Regierung stumm. Sie rührte und regte sich nicht. Lobenswert ist. daß sie nun wenigstens sich aus ihre Pflicht den Weingärtnern gegenüber besinnt. Sie wird es sich jedoch gefallen lassen müssen, daß die Sozialbemo- kratie sich nicht damit begnügen wird, dem einen Teile der Be- völkerung ihre Hilfe angedeihen zu lassen, sondern daß auch die Not der Jndustriebevölkerung in den Kreis der Erörterungen ge- zogen wird.__ Im österreichischen Abgeordnetenhause hat die sozialdeuwkra tische Fraktion einen Gesetzentwurf über die Gewährung staatlicher Zuschüsse zu der Arbeitslosenunterstützung eingebracht.. Der Staatszuschuß soll allen Arbeitslosen gewährt werden, die Mit- glieder eines Vereins sind, welcher seinen Mitgliedern Unter- stützungsbcträge im Falle der'Arbeitslosigkeit gewährt. Der Staats- zuschutz soll die Hälfte des vom Verein gewährten Beitrages aus- machen. Von den weiteren Forderungen sei hervorgehoben, daß der?lnspruch auf den Staatszuschuß nur durch die Gewerkschaft erhoben werden darf und daß über Streitigkeiten zwischen dem Staate und den Vereinen aus diesen Ansprüchen die Gewerbe- g«richte am Sitze des Vereins entscheiden sollen; nur wo solche Gewerbcgerichtc nicht bestehen, sollen die ordentlichen Gerichte ein- treten. Maßnahmen gegen die Arbcitslvsigkeit. Einen Orisgesetzen'twurf über die Zlrbeiislösenfürsorge hat die özialdemokratische Mehrheit des Gemeindcrates der Stadt Gera- R e u ß eingebracht. Ter Entwurf ist den Ortsgesetzen einiger süd- deutscher Städte nachgebildet. Der dem Arbeitslosen gewährleistete Zuschuß beträgt pro Werktag 50 Pf. für Ledige und 70 Pf. für Verheiratete. Hat der'Arbeitslose Kinder unter 15 Jahren zu er- nähren, so erhöht skh der Zuschuß für jedes Kind um 15 Pf. täglich. Der Zuschuß darf den Gesamtbetrag von täglich 1,30 M. nicht über- -teigen, er wird nur vom 6. Tage der'Arbeitslosigkeit an für höchstens 78 Tage im Jahre gezahlt. Es sind dann noch besondere Bestimmungen für Berufsvercine und eine Spareinrichtung für 'Arbeiter, die keinem Berufsvercine mit Sparcinrichtung angehören, getroffen, die sich den obigen Sätzen anpaffen. Die Sache wurde einem gemischten SluSschuß überwiesen. Bemerkenswert war, daß die drei Vertreter der nationalen Arbeiter durch Abwesenheit glänzten. In'Augsburg hat die sozialdemokratische Raihausfrakiion olgende Anträge gestellt: 1. Schleunigst einen Entwurf einer ge- mcindlichen'Arbeitslosenversicherung auszuarbeiten. Dem Ent- wurs ist das seinerzeit von der bayerischen Staatsregierung aus- gearbeitete Musterstatut zugrunde zu legen. Zur Durchführung der gemeindlichen'Arbeitslosenversicherung ist vorerst die Summe von 15000 M. in den Etat 1914 einzustellen. Die bayerische StaatsrPierung soll ersucht werden, zu dieser Versicherung einen entsprechenden Zuschuß zu leisten. 2. Bis zur Einführung der ge» ineindlichen Arbeitslosenversicherung Mittel bereit zu stellen, um bedürftigen, in Augsburg heimatberechtigten Arbeitslosen Unterstützung gewähren zu können. Diese Unterstützung darf nicht de» Charakter der Armennuterstützung tragen. 3. Zur Milderung der 'Arbeitslosigkeit die schon beschlossenen gemeindlichen Arbeiten mit tunlichster Beschleunigung zur'Ausführung zu bringen. 4. Die Vertreter der Stadt Augsburg sollen beim bayerischen Städtever- band darauf hinwirken, daß zu der Frage der'Arbeitslosenfürsorge und'Arbeitslosenversicherung Stellung genommen wird, ferner, datz der Städteverband an den Bundesrat den Antrag stellt, die reichitz» gesetzliche Regelung der'Arbeitslosenversicherung durchzuführen. ff Mitgliederzahl vom 2. Quartal. ff Ausgezahlte Unterstützung vom Januar bis Sepiember. politifche Qeberlicbts Die Ergebnisse des Aushebungsgeschäfts. Dem Reichstag ist wieder die Statistik zugegangen über die Ergebniffe des Heeres-Ergänzungsgeschäftes im Jahre 191:2 in Verdind-ung mit einer Rachweisung über die Her- kunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen. Insbesondere diese letztere Statistik würde höchst wertvolle Schlüsse über den Einfluß der einzelnen Berufsarten auf die Gesundheit ihrer in, militärpflichtigen Alter stehenden An» gehörigen zulasjem Wer gber in dieser Statistik Aufklärung darüber zu finden hosjt. de? wird sie völlig enttäuscht aus der Hand legen. Diese wuudersamo Statistik kennt nämlich nur die folgenden vier Gruppen: 1. Auf dem Lande geboren und in der Land- und Forst» Wirtschaft beschäftigt: 2. auf dem Lande geboren und anderweit beschäftigt: 3. in der Stadt geboren und in der Land- und Forstwirt-- schast beschäftigt: 4. in der Stadt geboren und anderweit baschästigt. Eine solche Klassifizierung der Militärpflichtigen muß natürlich Resultate ergeben, mit denen beim besten Willen nichts anzufangen ist. dir fiöchstensjgeeignet sind, die Tatsache n zu v.e r s ch l e i e r n. So behauptet auch jetzt wieder die agrarische Preise, gestützt auf diese Zahlen, daß die auf den, Lande wohnende Bevölkerung eine Tauglichkeits» zifser bis zu 75 Proz. liefert. Diese Behauptung entspricht natürlich nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Aus der Statistik ist nicht ersichtlich, wie die Grenze zwischen Stadt und Land gezogen wird. Wir nehmen an. daß man unter den Städten nur die mit Stadtrechten ausgerüsteten Gemein» den versteht, dann gehören z. B. so volkreiche Vororte, wie Steglitz, Friedenau, Tempelhos usw. zum flachen Land! Die großen Bergarbeiterdörfer in Rheinland-Westfalen mit 49 999 bis 59 099 Einwohnern, die sächsischen Jndvstriedörfer mit 4999 bis 8999 Einwohnern ebenfalls. Die kleinen Ackerbürger- stäLtchen mit vielleicht 2999 Einwohnern dagegen zählen zu den Städten! Dann erst die Klassifizierung nach Berufen: in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigte und— ander- weit Tätige. Diese Einteilung wird treffend illustriert durch folgende Zahlen: Nach der Berufszählung von 1997 entfielen von der deutschen Bevölkerung auf Land- und Forstwirtschaft 17 681 176, auf die..anderweiten Berufe"— um bei dem Ausdruck der Statistik zu bleiben— 38 984 284 Köpfe. Dieses Verhaltpis hat sich aber mittlerweile noch zuungunsten der crsteren Gruppe verschoben. Daraus kann man ermessen. welchen Wert die dein Reichstag vorgelegte Statistik hat. Mindestens hätte man eine Spezialisierung nach den für die Berufszählung maßgebenden fünf Berufsgruppen geben müssen. Damit hätte man dann allerdings Zahlenmaterial zum Beweise dafür geliefert, daß einzelne Zweige der In» dustrie einen jörmlichen Raubbau an der menschlichen Ge- sundheit treiben. Tie gelieferte Statistik ist geradezu ei» Schulbeispiel dafür, wie eine Statistik nicht beschaffen fein darf, wenn sie wirklich Aufschluß: über Herkunft und B«» schäftigung der Militärpflichtigeil geben soll. Das Ergebnis des Heeresergänzungsgeschäftes ist folgen- des: Endgültig abgefertigt wurden 372 168 Mann, davon aus- gehoben zum einjährigen Dienst beim Train 1315, zum zwei- jährigen Dienst bei den Fußtruppen 295 959, zum dreijährigen Dienst bei der Kavallerie 13 336, zum Dienst ohne Waffe 2616, zur Marine 16 491 Mann. Der Rest wurde dem Landsturm oder der Ersatzreserve überwiesen. Außerdem wurden 15 IM Einjahrig-Freiwillige in Heer und Marine eingestellt. Frankreich und Deutschland. Durch die Blätter des Reichslaudes läuft gegenwärtig wieder eine Liste hoher französischer Militärs, die ouS Elsaß-Lvthringen gebürtig sind. Da wimmelt es von Korpskommandeuren, DivisionS» generalen, Brigadechefs, die aus allen Gauen deS Elsasses und Lothringens stammen— acht Generale nennen Straßburg, sechzehn Metz ihren Geburtsort. Hundervierundfünfzig Offiziere im Generals» rang, wenn man die a. D. hinzurechnet, zählt heute die französisch« Armee, die Elsässer oder Lothringer sind, und viele von ihnen sind einer Handwerker-, einer Arbeiter-, einer Bauernsamilie entsprossen. In Deutschland dagegen? Hier werden sie in Reih und Glied als„Wackes" und.Franzosenköppe' beschimpft, die Elsässer und Lothringer. Hier steigen sie nicht zu Generalsrang auf. aber Leut» nants setzen Prämien für den(Messer-) Helden aus. der einen WackeS* zur Strecke bringt. Hier werden sie durch besondere Ver» fügungen von allen wichtigen Posten ferngehalten, als des Ver» trauens unwürdige Subjekte behandelt. Und da wundern sich noch die alldeutschen Schreihälse, daß sie beim Anblick einer preußischen Pickelhaube nicht stürmisch nr das„Heil Dir im Siegerkranz" an»» brechen, die Elsässer und Lothringer? Die geängstigte«„Schienenflicker". Der vor Jahren durch den verstorbenen Zentrumsabgeordnete» Fusangel veranlatzte Schienenflickerprozeß hat damals enthüll� wie die staatlichen Abnahmebamten ganz systematisch hinter daO Licht geführt werden. Dieses System ist nicht etwa verschwunden. es existiert noch immer, wie erst jüngst an einem Falle gezeigt wurde, der vor der Strafkammer in Hagen spielte mrd mit de» Verurteilung einiger Werkmeister endete. Aus Anlaß des Krupp« Prozesses hat nun das Zentraleisenbahnamt in Berlin die Ab» nahmebcdingungen anscheinend verschärft, denn in der„Rheinisch» Westfälischen Zeitung" entrüstet sich ein Großindustrieller gewaltig über den Bureaukratismus, der der Industrie das Leben sauer macht. Er schildert, wie angeblich junge, kaum warm geworden« Beamte, denen jede Lebenserfahrung abgeht, sehr häufig die .Quelle allen Uebels" sind. Und dann plaudert der Mann wie ölgt aus der Schule: ..Ter Schaden, der durch rigorose Abnahme entsteht, ist oft unübersehbar, und die Werke werden förmlich gezwungen, nach Auswegen zu suchen, um ihn abzuwenden. Die Angestellten der Werke, selbst wenn sie ohne jedes Interesse an der Herstellung und an der geldlichen Wirkung find, werden durch zwickiW Schärfe mißmutig und versuchen auch ihrerseits den scharfen Abnehmern entgegenzuarbeiten, sei es. daß sie das Interesse de? Werkes auf andere Weise wabrzu nehmen sich gezwungen sehen. Es ist das ein rein menschlicher Vorgang, der in dem Sprichwort:..Allzu scharf macht schartig" seine natürliche Er- klärung findet. Es ist schon mehr als einmal vorgekommen. daß das von jungen Abnehmern beanstandete Material zurück- gelegt und später von einem erfahreneren Beamten anstandslos übernommen wurde.". Ter Mitarbeiter des Scharfmacherblattcs schildert dann einen Fall, in dem einem Werk ein Schaden von 600 M. entstand, weil ein Stück wegen eines angeblich unbedeutenden Fehlers nicht ab- genommen wurde und fährt fort: „Kann man es dem Meister, der von seiner Direktion natürlich wegen dieses Fehlers ganz gehörig mitgenommen wurde, übelnehmen, wenn er in Zukunft einen solchen. Zehler durch Ueberarbeitung unsichtbar macht, und wenn er auch in weniger harmlosen Fällen derartiges versucht i Kann man es dem betreffenden Betriebschef übelnehmen, wenn er, um solchen Scherereien zu entgehen, in Zukunft ein Auge zudrückt? Offen und ehrlich ist der Fehler zugegeben worden, mit welchem Er- folge sieht man! Es würde deshalb sicherlich im Interesse der Eisenbahnverwaltung wie der Lieserwerke liegen, wenn die tHrundsätze, nach denen Abnahmen. vorgenommen und insbesondere Beamte dazu bestimmt werden, einer gründlichen Nachprüfung unterzogen würden." Daraus wird das Eisenbahnzentralamt hoffentlich nicht ein- gehen. Das Reich und die Einzelstaaten müssen den Schienen- lieferanten so gepfefferte Preise zahlen, daß sie unbedingt tadel- lose Ware verlangen müssen. Die Darlegungen der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" sollen im Gegenteil dazu führen, den Herr- schaften noch schärfer auf die Finger zu sehen. Landtagswahlen in Reust j. L. In Reuß jüngere Linie finden am 10. Dezember die Wahlen zum Landtag statt— zum erstenmal nach dem von der Mehrheit des letzten Landtages beschlossenen Fünfftimmenwahlrecht. Nationalliberal-klcrikales Bündnis. Für die Tonmrnider Stadtverordnetenwablen haben, wie uns von dort gemeldet wird, Zentrum und Naiionatliberale ein BübdmS abgeschlossen, das dem Zentrum erhebliche Vorteile bei diesen Wahlen bietet. Dafür aber bat sich das Zentrum verpflichtet, bei der nächsten Reichstagswahl leinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern sofort für den Nationalliberalen zu stimmen. Zweck des Bundes ist also einerseits die Auslimiuiig der städtischen Verwaltung an das Zentrum und andererseits die Auslieferung des RcichstagswahIkreiseS an die Nationalliberalen. Die Sozialdemo- traten werden wenigstens bei der ReichstagSwahl die Absichten der Verbündeten durchkreuzen._ Kriselt es im Reichsverbande? Wie die„Hamburger Nachrichten" hören, ist der bisherige Ge- schäftsleiter und Generalsekretär des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie, Tr. Bovenschen. von seinem Posten zurückgetreten. Der Meininger Landtag ist von der Regierung zu einer wahrscheinlich nur wenige Wochen dauernden Beratung auf den 20. November einberufen worden. Nach den biS jetzt vorliegenden Einwürfen wird sich der Landtag zu be- schäfligen haben: mit der?iachprüsung der StnatShauShaltsrechnung für 1VU, mit dem Verkauf von Waldgrundstücken, mit einem neuen Hebammengesetz, das weit höhere Gebühren alS bisher vorsieht, mit einem Gesetzentwurf betr. die Bestrafung wegen Hinterziehung von Gemeindesteuern und mit dein Etat des OberlandeSgerichtS Jena für 1V1t,1SlS._ Tie Furcht vor der öffentlichen Stimmenabgabe kommt in nachfolgender Bekanntmachung des Wahlvorstandes für die Liadwerordnctcnwahlen der Stadt Primkenau in Schlesien deutlich zum Ausdruck. Es heißt da: ..Bei der am 3. d. M. stattgehabten Ergänzungswahl der Stadtverordnetenversammlung haben sich von 4 3 9 stimm» berechtigten Wählern der 3. Abteilung vier Wähler beteiligt, so daß die absolute Stimmenmehrheit drei Stim- men betragen würde. Es haben bei der Abstimmung erhalten: der Kaufmann Teichcr zwei Stimmen, der Rentner Riedel zwei Stimmen. Es ist mithin zwischen dem Tcicher und Riedel eine Stichwahl vorzunehmen und fordern wir daher die Wähler der dritten Abteilung hiermit auf, zu diesem Zweck am Freitag, den 21. November d. I., in der Zeit von 10 bis 11 Uhr vormittags im Rathauskellersaale Hierselbst zu erscheinen. Andere als auf Deicher und Riedel abgegebene Stimmen sind ungültig." In Primkenau bat die Herrschaft des Herzogs zu Schleswig. Holstein-Sonderburg-Augustenburo großen wirtschaftlichen Ein- t'luß. Das erklärt die mangelhafte Beteiligung bei der öffent. i ch e n Wahl._ Kein Terrorismus? Der Verband der hessischen Militärvereine hat zwei Militär» vereine ausgestoßen, weil sie am Fahnenfest eines militärischen Vereins teilgenommen haben, der nicht dem hessischen Verbände angeschlossen war. Spionageprozest. Das Reichsgericht verurteilte den Mechaniker und Kraftwagen- führer Leo Ernh aus Mülhausen i.<£. wegen versuchte» Verrats militärischer Geheimnisse zu 3 Jahren Zuchthaus, ö Jahren Ehr- Verlust und Stellung unter Polizeiaussichr. 4 Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden in Anrechnung gebracht. Es wurde als erwieien erachtet, daß der Angeklagte seit dem Jahre 1909 mit dem französischen Nachrichtenbureau in Verbindung gestanden hat. Ostpreusten— den ostpreustischen Rekruten. Der Vorstand des landwinichaftlichen Zentralvereins Königsberg wünscht, daß die Landwirtschaftskammer das Ersuchen an den Kriegs mini st er richten soll, daß die der Arbeiter- bevölkerung angehörenden ostpreußischen Rekruten aus» schließlich in o st preußischen Regimentern eingereiht werden und daß von der Einstellung von Rekruten aus den West- lichen Provinzen, besonders den Jndustriebezirken und Großstädten ganz abgesehen wird. Die Herren Junkersöhnchen gehören natürlich in die„Residenz"; die Arbeitersöhne aber sollen nur ja nicht mit der Groß- stadt in. Berührung kommen, damit sie nach ihrer Dienst- zeit wieder die agrarischen Gefilde als Knechte auf- suchen. Und ganz besonders zu fürchten scheint man die Rekuten auS den Jndunriegegenden und Großstädten. Die scheint man bereits olle als Sozialdemokraten anzusehen. und man hat wohl Angst, daß sie die ostpreußischen Regimenter sozialistisch verseuchen könnten. Deshalb soll eine reinliche Scheidung eintreten. Und wenn die Regimenter in den Großstädten und Jndustriegegenden nun völlig sozialistisch werden? Was dann? Tie Rustungskomunsston Das Wolffsche Depeschenburcau meldet: In der Kommission zur Prüfung der RüstuugSlieferungen Arferrert« bei Beginn der Sonnabendfitzung ein Vertreter de? ReichSamts des Innern über die Entwickelung des RüsrungS- lieferungswesens im Zusammenhange mit der Entwickelung unserer volkswirtschaftlichen Organisation. Daran schlössen sich Vorträge über die Entwickelung und den gegenwärtigen Stand des Lieferungs- Wesens im Bereich der Post- und Telegraphenverwaltung sowie des Preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten. Damit hatten die einleitenden Vorträge der Reichs- und preußischen Ressorts, welche die notwendige Grundlage für die Arbeiten der Kommission bilden, ihren Abschluß gefunden. In Anknüpfung an die Vorträge wurde eine Reihe von Fragen aus der Mitte der Kommission gestellt, von denen die nachstehenden hervorzuheben sind: Wieviel von den Etatssummen der Jahre 190ö— 1912, getrennt nach den einzelnen Jahren, sind für die Bs- schafsung der Hauptmaterialien an die reichseigenen Institute und an die Privatindustrie(direkt an die Produzenten oder an den Handel, soweit mögl ch. getrennt von den Hauptfirmenl ausgegeben oder für Herstellung in eigener Regie verwendet? Wie verteilen sich die in den Jahren 190S bis 1913 seitens der Heeres- und Marinevcrwaltuug vergebenen Lieserungen auf Firmen der ein- zelnen Konlingentstaaten. bzw. größeren Bundesstaaten? Wie groß ist das Gescllschaftskapital der wichtigsten Rüstungsfirmen, wie hoch die von ihnen seit 1905 gezahlten Dividenden, ihre durch- schnittlichen Jahreslieserungen an das Reich, und. soweit möglich, ihr Absatz ins Ausland, beides seit 1905? Wie hat sich bei den- jenigen deutschen Werften, welche für die KrtcgSslotte arbeiten. das investierte Kapital(Aktien und Obligationens sowie die Renta- bilität entwickelt? In welchen: Umfange sind die landwirtschast- lichen Produzenten oder ihre Organisationen und der Mittelstand an den Rüstungslicserungen beteiligt? Inwieweit sind einige hervorragende Firmen für Rüitungslieferungen an Konzernen be- teiligt? Nach welchen Grundsätzen werden die Selbstkosten bei den reichs- und staatseigencn Betrieben' festgestellt? Insbesondere können genaue Zahlen hierüber beigebracht werden für die Kon- servensabrik in Hasclhorst, die Torpcdowerkstätten in FricdrichS- ort, die Artilleriewerkstätte in Lippstadt und für ein völlig aus- gebautes Bekleidungsamt? Daneben wurden Fragen über die Preise für die Rüstungslieserungen gestellt, insbesondere über das Verhältnis zw'schen den In- und Auslandspreisen bei den Haupt- artikeln. Auch eine Darlegung der Erfahrungen mit dem sogen. Mittelpreisverfahren für Ausrüstungsstücke wurde gefordert. Schließlich wurde der Wunsch�ausaesprochen. daß die Erörterungen auch aus die Beschaffung des-sanitätsmaterials, der Unterkunft für Mannschaften, Pferde und Geräte, sowie auf die Beschaffung der Kohlen und Oele bei der Marine erstreckt und ferner auch die Beschaffung des für die Zweck« der Heeres- und Marineverwaltung erforderlichen Grundbesitzes und des Remontenbedarfs in den Kreis der Erörterungen einbezogen werden möchte. Seitens der beteiligten Ressorts wurde die Prüfung und Be- antwortung der Fragen, soweit dies irgend möglich sei, zugesagt. Nach den aus der Mitte der Kommission gegebenen Anregungen soll eine große Anzahl von Heeres- und Marinelieferanten sowie von Vertretern konkurrierender Firmen und verwandter Branchen als Sachverständige zum Wort gelangen. Da es für einen großen Teil der Kommissionsmitglieder un- möglich sein würde, während der Verhandlungen des' Reichsiägs an den Sitzungen der Kommission teilzunehmen, und um Zeit für die von der Kommission gewünschten Erhebungen und Feststellungen zu gewinnen, soll die n ä ch st e« i tz u n g e r st. während der parlamentarischen Weihnachtsferien stattfinden. In der Zwischenzeit wird der geschäftsleitende Ausschutz die weitere Ausgestaltung' des Arbeitsprogramms und die Auswahl der Sach- verständigen vorbereiten. Die Vereinigten Staaten und JMexifco. Washington, 15. November. Tie dem amerikanischen Geschäftsträger Q�Shaugnessg übersandten L n st r u k- t i o n e n geben an, bis zu welchem Punkte die V e r e i n i-g» ten Staaten gehen wollen, wenn. sie-die Verhandlungen mit den Beamten Huertas, welche die Besprechungen zu er» neuern suchten, wieder eröffnen. Die Vereinigten Staaten stehen auf dem Standpunkte: daß eine Wiederaus» nähme der Verhandlungen unnütz wäre, sofern nicht ein endgültiges Versprechen abgegeben worden sei. Wie die Associated Preß auS Mexiko meldet, soll der englische Gesandte Huerta mitgeteilt haben, daß England geneigt sei, die Vereinigten Staaten ino» ralisch zu u n t e r st ü tz e u. Huerta war sehr erschüttert, alS er erfuhr, daß die Station, die er auf seiner Seite glaubte, gegen ihn Partei ergriffen habe. Erfolge der Insurgenten. El Paso, 15. November. Die Aufständischen haben heute früh den mexikanischen Grcnzort Juarez eingenommen. Dabei sind dort drei Amerikaner getötet worden. Ter Angriff auf Juarez begann beim Morgengrauen. Die Einwohner wurden durch Geschützdonner aus dem Schlafe aufgeschreckt. Tie Geschosse gingen hier hageldicht nieder. Oelterreicb-CIngani. Die parlamentarischen Tintenfässer. Budapest, 15. November. Das Appellationsgericht verhandelte heute gegen die früheren Abgeordneten, die im März 1910 den damaligen Ministerpräsidenten Grafen Khuen Hedervary und den Ackerbauminister Grafen- S e- r e n y i mit Tintenfässern und anderen schweren Gegen- ständen beworfen und verwundet hatten. Das Gericht erkannte auf Gewalttätigkeit gegen die Behörde und schwere Körperverletzung und verurteilte den ffüheren Abgeordneten Zacharias zu einen? Monat Gefängnis und hundert Kronen Geldstrafe, die Angeklagten Markos und Hoffmann' zu fünfzehn Tagen Gefängnis. Mereh Madarasz sowie der gegenwärtige Ab- geordnete Ludwig Beck wurden freigesprochen. Rußland. Duma und Regierung. Petersburg, 14. November. Re i ch s d u m a. Bei der heutigen Besprechung der Gesetzvorlage betreffend die Schule für Militär- ärzte entstand eine Debatte über das RechtderDuma,bei dem Etat der Militärinstitute bestimmend mitzuwirken. DaS Kriegs« Ministerium hatte erklärt, daß der Duma nur ein Bestimmungs- recht über die Pauschalsumme zustehe. Die Redner der Oktobristen erklärten, sie könnten eine solche Beschränkung der Rechte der Duma nicht z u l a s-s e n. Ihr Antrag, die ganze Vorlage a b- z u l e h n e n, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Tie Sozialdemokraten brachten eine dringliche Anfrage ein, in welcher die politische Polizei einer Lockspitzelci gegenüber den Sozialdemokraten der zweiten Duma angeklagt wird. Die Redner erklärten, die vierte Duma solle zur Lockspitzelei offen Stellung nehmen. Der Okto brist Luetz wies darauf hin, daß die Anfrage selbst eine Art Provokation sei, und schlug vor, sie einer Kommission zu. überweisen. Nachdem die Dringlichkeit von der Duma mit 153 gegen 85 Stimmen abgelehnt worden war, wurde die Anfrage einer Kommission überwiesen. Tic offiziöse„Rossija" schreibt, mit der Erklärung des Abgeordneten Markow in der Reichsduma dürfte der Äo n f l i k t zwischen den M i n i st e r n und der R e i ch s d u m a als erledigt betrachtet werden. Die Minister waren wegen jener Rede nicht /mehr in die Duma gekommen. Nuterflehea KesermSku nach Ablauf der Koutrotl- versammlllug der Militärgerichtsbarkeit? Am 7. August hatten wir dargelegt, daß die seitdem Erkenntnis des Reichsgerichts vom SV. Juni 1885 vom Reichsgericht und vom Rcichsmilitärgericht ständig betätigte Praxis, Reservisten und Land« wehrleute unterständen für den ganzen Tag der Kontrollverfamm« lung den Kriegsgesetzen, mit dem Reichsgesetz unvereinbar ist. Wir halten auch darauf hingewiesen, daß die Ansicht deS Reichs» und des Reichsmilitärgerichts von einer Reihe Mililärschriftsteller. so den MUitärgerichlsrälen Dietz, Nisi'om und Grünwald alS falsch bekämpft wird. Von den Militärschrislstellern hätten wir auch den Ober- kriegsgerichlsrot Dr. p. Bippen anführen können, der in der „Deutschen Juristenzeitung" von 1909 die Irrigkeit de« Standpunktes des Reichsmilitärgerichts darlegt. Jetzt hat' sich zu den Be» kämpfe r n der irrigen Ansicht der hoch sten Instanz für die Militärjustiz der frühere Obcrreichsauwalt, Mrkl. Geh. Rat Dr. Hamm gesellt. Er legt in der soeben erschienenen Nummer der„Deutschen Juristenzeitung" dar, er selbst habe früher öfter als Landwchrosfizier bei„Landwehrappells" den Mannschaften dargelegt, daß sie bis zum Schluß des Appells den Militär- gesetzen unterständen. Diese Ansicht sei auch bis zu dem Erkenntnis des Reichsgerichts vom 30. Juni 1885 unbestritten gewesen. Dann habe da« Reichsgericht auf Grund des ß 38 L 1. des Reichsmilitär- gesetzes vom 2. Mai 1874 anders entschieden. D'ese Entscheidung sei aber irrig, da K 38 sich nicht auf die zur Kontrolle, sondern auf die zum Dienst Einberufenen beziehe. DaS folge auS der geschichilichen Entwickelung deS§ 38 klar. Diese Auffassung ist durchaus zutreffend. Sie wird noch durch-unseren Nachweis verstärkt, daß das Neichsmflitärgesetz von 1374 seine Grundlage, die ältere Wehrordnung, unberührt gelassen hat, daß aber der noch gültige§ 16 dieser Wehrordnung unzweideutig die Interpretation deS Reichs- und ReichZmilitärgesetzes hinfällig inacht. Die zu Kontrollversammlungen Einberufenen werden nicht zum Dienst, sondern zur Kontrolle ein- berufen, sie bleiben Beurlaubte. ES heißt im K 15 der Wehrordnung; „Die beurlaubten Mannschaften deS Heeres und der. Marine (Reserve, Landwehr. Seewehr) sind während der Be- urlaubung den zur Ausübung der militärische« Kon» trolle erforderlichen Anordnungen unterworfen." Sie machen keine Uebung, sondern stellen sich lediglich zür Kon- trolle. Nur während dieser sind sie„im Dienst". Die Disziplinar- strafordnung(§ 26) setzt die Höchstdisziplinarstrafe für Dinge, die während der Kontrollversammlung begangen siiid, auf drei Tage Arrest fest. Hätte das Reichs- und Reichsmilitärgericht mit.ihrer die Wehrordnung nicht berücksichtigenden Auslegung reckt, so würde danach ein Reservist für disziplinarstrafbare Dinge während der Kontrollversammlung nur drei Tage, für Taten nach der Kontrollversammlung aber am Tage derselben vier oder sechs Wochen Arrest erhallen können. Darf man solchen Blödsinn wirklich dem Geseygeber zumuten." Der ftühere Oberreichsanwalt Hamm meint resigniert, e? fei ein Abgehen des Reichsmilitärgerichts von seiner Ansicht nicht zu er- warten und schlägt eine gesetzliche Aenderung etwa dahin vor. daß die zu Koiitrollversammlungen Einberufenen bis zum Ablauf des KontrolltageS nur soweit unter die Militärgesctze gestellt werden sollen als sie nach der Versammlung eine AchtungSverletznng, Be- leidigung oder einen tätlichen Angriff gegen den Offizier verüben, der die Kontrollversammlung. abgehollen hat. Der Weg der ReichSgesetzgebung zur- Beseitigung der reichs» militärgerichtlichen Uebung ist freilich daS letzte Mittel, um die dem Rechtsempfinden in» Gesicht schlagende Tatsache auS der Welt zu schaffen, daß Rerservistcn und Landwehrleutc. während sie sich im Beurlaubtenstande befinden und keinen„Dienst" verrichten, unter die Militärgesetze gestellt werden. Aber die Resignation deZ Herrn Hamm vermögen wir nicht zu teilen. Am 25. November steht vor dem Reichsmilitärgericht die Ver- Handlung wegen des Schreckensurteils gegen die Erfurter Reservisten an. Pflicht der Verteidiger ist es, hier nochmals die Frage auf» zurollen. Beharrt das Reichsmilitärgericht bei seinem Irrtum, so müßte schleunigst der Gesetzgeber eingreisen.' um für die Zukunft die durch die Praxis entgegen dem Gesetz geschaffene Ungeheuerlichkeiten zu beseitigen._ Letzte Nachrichten. Eine Rede Churchills über die irische Fragt. London, 15. Noveniber.(W. T. B.) Der Marineniinister Churchill, der heute abend im Alexandra-Palast sprach, wurde dabei wiederholt von Anhängcrinnen des Frauenstimmruhts unterbrochen. Churchill ging in seiner Rede auf die irische Frage ein und sagte: Beide Parteien seien sich darüber klar, daß ohne Aufgabe von Grundsätzen eine Verständigung erfolgen sollte; es sei eine starke Stimmung dafür vorhanden, daß daS natipna- listische Irland Freiheit und Selbstregierung und Geld erhalten sollte, um diese Selbstregierung erfolgreich zu gestalten und daß man das protestantische Ulster auf die eine oder andere Weise zu- friedenstellen und ihm Erleichterungen gewahren sollte. Churchill sprach dann über die Rüstungsausgaben, deren Anwachsen er be- klagte, er erklarte, es gebe keinen Weg. den die Regierung nicht betreten würde, sofern er irgendwelche Aussicht auf ein Nachlassen des RüstungswettbelverbS böte. Eine Erklärung Huertas. Mexiko, la. November.(W. T. B.) Fm Nationalpalast ist folgende Erklärung abgegeben worden: Angesichts der Tat- lache, daß Carranza jede Form einer Vermittelung� oder einer Allianz mit den Vereinigten Staaten zurückgewiesen habe, könne Huerta nicht mehr tun, als sich diesem Ausdruck patrio- tischer Gesinnung anzuschließen und seine würdevolle Haltung der Regierung in Washington gegenüber beizubehalten. Diese Erklärung Huertas läßt nach Ansicht wohlunter- richteter Stellen eine Erneuerung der Verhandlungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten äußerst zweifelhaft er- scheinen, da kaum Hoffnungen für eine gütliche Beilegung der bestehenden Meinungsverschiedenheiten vorhanden zu sein scheinen._ Streik in der Hallescheu Zuckerraffinerte. Halle, 15. November.(W. T. B.) In der Halle schen Z u ck e r r a f s i n e r i e ist die Arbeiterschaft zwecks Abschlusses eines neuen Tarifes in eine Lohnbewegung eingetreten. Da die bisherigen Verhandlungen zu keiner Verständigung führten, legten heute vormittag 70 Mann der Lore-Abladekolonne die Arbeit nieder. Die Arbeiterschaft anderer Stationen, die an ihr« Stelle treten sollten, verweigerten die Arbeit, und es legten noch weitere 50 Mann die Arbeit nieder. Eisenbahnunglück in Rußland. Nowotscherkask, 15. November.(W. T. B. Beim Bahnhof Schachtnaja rannte infolge falscher Weichenstellung ein Güterzug in einen gemischten Zug hinein. Zwei Personen sind tot, zwölf mehr oder weniger schwer verletzt. : Kfiln Verkauf\ : an Wieder': Verkäufer. 5 j Die Artikel j sind In den\ Schaufenstern\ ausgestellt![ ?»»»»»»»»»»»»»»>»>»»»»»»»,»»»»� s In fast allen Abteilungen hervorragend wohlfeile Artikel. Von den zahlreichen Gelegenheiten nennen wir; 185 Einige besonders günstige Angebote »>»»»»»», >»»»»»»>>»»»»»«»»»»»»» i Seidenplüschtaschen?°S£Ä!| 385 ffi&T85 bÄ950! regulär bis 2.85 I regulär bis 8.25 Kleider- u. 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Die Einsichtigen unter den Anwälten sahen natürlich, wie gerade durch solche rückständigen Auffassungen die„Ehre und Würde" ihres Standes degradiert werden müsse. Vor allem war es aber das Ziel der gewcrkschaft- licken Organisation, den Anwälten beizubringen, ibrc Angestellten nicht nur als gute Ausbcutungsobjektc zu schätzen, sondern sie auch als afeichberechtigtc Veriragskontrahenten anzuerkennen. Mie nun die jüngst abgehaltene Vertrelcrvcrsaminlung deS deutschen AntvaliSbereins lehrt, war diese Arbeit nicht ohne allen Erfolg. Bezeichnenderweise beschäftigte man sich dort mit der charttativen Hilfeleistung für notleidende Ge- Hilfen;„mildtätig" möchte man den Angestellten helfen! Dabei wurde» linn die Verhandlungen mit den Unaesielltenverbändeit in die Tevaue gezogen. Um eine deutliche Stellungnahme kam nun- mehr die Tagung der Anwälte nicht mehr herum, Und das war gnt io! Von dem Justizrat B o ke l m a n n- Kiel und von anderen Rednern wurde gegen den„Sozialen Ausschuß" scharf vom Leder gezogen, dessen Vorgehen man als„c i n ungeheuerlich g c- fährliches Experiment" bezeichnete; andere Redner machten aus ibrer lebhaften Abneigung kein Hehl, sich mit der Frage der Tarifverträge zu beschäftigen. Aus solchen Stimmungen heraus entstand der Antrag: 1. in der nächsten Vertreterversammlung die Frage eines Tarif- Vertrages zur Diskufsion zu stellen und 2. bis dahin weitere Verhandlungen mit den Angestelltenvcrcinen in dieser Richtung zu nuterlaffe». Ter erste Teil des Antrages wurde zurückgezogen, der zweite Teil wurde mit starker Mehrheit abgelehnt— bielleicht schon dcs- lialb, weil der Vorsitzende des„Sozialen Ausschusses" den Anwälten, die anscheinend noch nie einen Anwaltsangeitellten gesehen haben, verraten konnte, daß die verhandelnden Angestellterwertreter„sehr verständige Leute" waren; dieser Redner hat fraglos die Welt- fremdbeit seiner Kollegen richtig taxiert. Immerhin ist doch nun soviel klargestellt, daß der„Soziale Ausschuß" mit den Angestellten verbandeln kann. Tie V-rhandlungeit werden nun vielleicht fori- gesetzt werden, tlachdcin die Organisationen sich über gemeinsame Forderungen hinsichtlich der Mindestgehälter und der Gehalts- gruppen verständigt haben. Davon macht man sich aber in den AnwaliStreisen eine recht eigenartige Vorstellung. Wenn es nach der Meinung ihres Geschäftöführexs geht, dann will der Ausschuß die Angestelltenvertreter„nur zu seiner Information befragen", beileibe nicht mit ihnen„kootradiktorischc Tarifverhandlungen" führen. Gerade uni solche Verhandlungen muß cs sich allerdings handeln. Der Ausschuß ist numnebr zweifellos dazu autorisiert; es ist jetzt an ihn, von seinen Befugnissen Gebrauch zu machen, um gegen die zum Teil geradezu trostlosen Arbeitsbedingungen anzurücken, und das im Interesse der„Würde und Ehre" des Anwaltsstandes! Tic Schubfabrik Paul Lainga in Strausberg hat etwa einem Drittel ihrer beschäftigten Arbeiter crbcblickie Lohnreduzierungen angekündigt, die am 1. Dezember in Kraft treten sollen, und die für die einzelnen davon lrctroffcnen Arbeiter eine» lvöchenllichen Lohnverlust von 2 bis 7 M. ausmachen. Tie Arbeiter verlangten die Zurücknahme der Lohnkürzungen. Da der Unternehmer sich dessen weigerte, haben sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen die Kündigung eingereicht. Die Firma ist bis auf weiteres streng zu meiden., Soziales* Das Ausnahmegesetz für die Landarbeiter. Iii dem Gesetz vom 2�. April 1854 besteht für die Landetz- teile, die bei dessen Schaffung zu Preußen gehörten, ein Ä u tz- n a h in c g e s c tz schlimmster?lrt. Seine brrftalen Wirkungen im Ärbeitsverhältnis der Land- und Forftarbeitcr sind in weiteren Kreisen viel zu wenig bekannt. Es wird auf dem Lande fast täglich angewendet, um jeglickw Auflehnung der Landarbeiter gegen Verschlechterung ihres Arbeitsverhältnisies durch die Strafgewalt der Polizei und der Strafgerichte zu unterdrücken:..Ungehorsam, Unbotmäßigkeit, Widerspruch gegen Befehle, Versagen der Arbeit oder Versäumnisse" wird nach dem Gesetz durch empfindliche Geldstrafen geahndet. Ver- schärft wird die Genreingefährlichkeit dieses überlebten Ge- setzcs durch die Einrichtung, daß die Polizcigcwalt des Amts- Vorstehers auf deni Lande oft dem Gutsherrn übertragen ist. Auf dem Gut Bellwitzhof b. Liegnitz sollten 4 Pferde- knechte anstatt wie seither um Vß Uhr früh nunmehr um 5 Uhr mit den Pferden ausfahren. Sie weigerte» sich entschieden, veriahen aber ihren Stalldienst wie immer von früh 3 oder Vai Uhr ab. Die Frauen der Pferdeknechte erschiencir regelmäßig um 5 Uhr früh. Wege» der„Arbeitsverweigerung" der Pferdeknechte stellte der Gutsinspcktor Strafantrag. Die Leute erhielten vom Gutsvorsteher eineu Strafbcfehl wegen Uebertrctung des Gesetzes vom 24. April 1854. Dagegen riefen sie die Entscheidung des Schöffen- g e r i ch t s in L l e g n i tz an. Dieses erhöhte die Geld- strafe auf die Höchststrafe von 1 5 M. Es wies den Einwand der Arbeiter, der Inspektor sei nicht zur Stellung des Straf- antrages berechtigt, ab. Ter Inspektor verwalte das Gut unter der Aufsicht eines Oberinspektors selbständig, habe Voll- macht, das nötige Personal zu mieten und zu entlassen. Weiter sei durch das Zeugnis des Inspektors festgestellt, daß 5 Uhr früh die Zeit für den ortsüblichen Beginn der Arbeit sei. Das Schöffengericht sah weiter in dem Umstand, daß die 4 Pferdeknechte sich nicht nur einmal, sondern öfter gciveigert liatten, die tägliche Arbeitszeit zu berlängern, einen besonders strafbaren„hartnäckigen Ungehorsam".„Das schlechte Bei- spiel, das sie damit gaben, daß eine verhältnismäßig so große Zahl(es waren ganze 4 Mann) sich des Ungehorsams schuldig machte, bringt die Gefahr nahe, daß der ordnungsmäßige Be- trieb der Wirtsck>ast zeitweilig in Frage gestellt und der Gutsherrschaft erheblicher Schaden zugefügt wird," heißt es in dem nicht gerade salomonischen Urteil. Tie Pferdeknechte legten B e r u f u n g beim Landgericht ein. Die Strafkammer des L i e g n i tz e r Landgerichts stellte gleichfalls hartnäckigen Ungehorsam der Leute gegen ihren Inspektor fest und damit eine Uebertretung des ß 1 des Gesetzes vom 24. April 1854. Das Gericht gelangte trotzdem zu keiner V e r n r t e i l il n g. Der Inspektor sei neben der Herrschaft zur Stellung des Strafantrags nur dann berechtigt, wemi er mit einer Generalvollmacht ausgestattet sei. Dies war nicht der Fall. Ter Umstand, daß er Gesinde an- nehmen und enttassen könne, schließe noch nicht das„außer- ordentlich wichtige Recht in sich, Strasanträge zu stellen". Das Urteil erster Instanz müsse daher ausgehoben und das Verfahren wegen Fehlens der Vollmacht eingestellt wer- den. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last.(Akten- zeichen 7. 12. 14, 9. 13.) Beide Entscheidungen werden durch die irrige Ansicht be- herrscht, der landwirtilyastlichc Arbeitgeber oder sein Stellver- trcter könnten nach Belieben die Arbeitszeit auch solcher Gutsarbeiter, die nickt der Gesindeordnung unterstehen, be- liebig verlängern. Die Pferdeknechte gehörten nicht zmn Ge- finde, sondern waren verheiratete Gutsarbcitcr mit eigenem Hausstand. Sie können daher nicht, wie das Gesinde, „jederzeit zur Arbeit angehalten werden". Der Arbeit- geber hat kein Recht, einseitig die Arbeitsbedingungen zu ändern. Für zwei der Arbeiter sollte die Sache nock? ein bitte- res'Nachspiel lmben. Nach Einpfang der Strafver- fiignng hatten sie sich zum A m t s v o r st e h e r begeben, um diesen uni V e r m i t t c l u n g wegen der Verschlechterung ihres Arbeitsverhältnisses anzugehen. Dieser erklarte jedoch, daß er wegen der Verlängerung ihrer Arbeitszeit nicht ver» Mitteln könne. Er sei lediglich bereit, den Widerspruch gegen die von ihm erlassene Strafoerfügung entgegenzunehmen, dann könne die Angelegenheit vor Gericht ausgetragen wer- den. Darüber kam es zu Auseinandersetzungen. In deren Verlauf ivurde der eine Arbeiten sehr erregt. Es wurde deshalb beiden das Amtszimmer verwiesen. Der hinzugekom- inen« Sohn des Amtsvorstehers warf den einen Ar- beiter die Treppe hinunter. Als sich dieser wieder vom Boden aufgerafft liatte, fing er an zu schimpfen und nannte den Ämtsvorslcher einen Lumpen. Dieser er- stattete Strafanzeige gegen die beiden Arbeiter wegen Hansfriedensbruch und Beleidigung. Das Schöffengericht verurteilte den herausgeworfc- neu Arbeiter wegen Hausfriedensbruch und Beleidigung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen, wegen ruhestörenden Lärms zu einer Haftstrafe von einer Woche. Ter andere Arbeiter erhielt wegen Hausfriedens- brach 25 M., wegen ruhestörenden Lärms Ist M. Geld- st r a f e._ Fort mit dem kranken Gesinde! Mit dem 1. Januar 1914 tritt die Versicherungspsticht der Ticnstbotcn in Kraft. Seit Wochen bereits müht sich die Scherl- Presse, nachzuweisen, daß durch die neue Versicherung die„Herr- schaften" über Gebühr belastet würden. Diesen Klagen hat sich jetzt auch die„Kölnische Zeitung" angeschlossen, die dem Reichstage zum Vorwurf macht, daß er ein Gesetz geschaffen habe, das mit den be- ftehcnden Verhältnissen nicht in Einklang gebracht werden könne. ES fei auch sehr leicht möglich, daß für diese Kassen die Verwal- lungsinstanzen nicht zustande kommen, weit die„Herrschasten" sich möglicherweise weigern, Vertreter zu wählen, um nicht mit Ver- tretern der Dienstboten verhandeln zu müssen. Der aus dem Gelde Großindustrieller gespeiste„Berliner Lokalanzeiger" macht nun den Vorschlag, die Versrcherungspflicht der Dienstboten um ein Jahr hinauszuschieben, damit Bundesrat und Reichstag noch einmal über diese Materie beraten könnten. Im Zweisel kann man sein, ob dies Verlangen mehr Einfalt oder mehr Schamlosigkeit beweist. Tie Reichsversicherungsordnung datiert vom 19. Juli 1911. Stückweise sind ihre Teile in Kraft gesetzt. Tie Krankenoersicherung der Dienstboten wie überhaupt der aus die Krankenversicherung bezügliche Teil ist äußerst Mangel- baft. Aber den Herren Großindustriellen ist das Wenige, das jetzt für die Dienstboten auch in Preußen eingeführt werden soll, noch zuviel. Eine Reihe Bundesstaaten haben bereits seit mehr als einem Jahrzehnt die Kranlenversicherungspflicht des Gesindes durchgeführt. Die„Kölnische Zeitung" und der„Lokalanzeigcr" gehen aus der Haut, weil jetzt auch in Preußen das Gesinde in Krankheitsfällen etwas Fürsorge finden soll. Sie drohen gar, die „Herrschaften" würden nicht wählen— brauchen sie nicht: das Gesetz kommt auch dann zur Anwendung. Der Tag des JnkrafttretenZ der Krankenversicherung war nach Artikel 4 des Elirführungsgesetzcs durch Kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bundesrats fest- zusetzen. Auf Grund dieser Vorschrift ist als Tag des Inkrafttretens der 1. Januar 1914 normiert. TaS war reichlich spät. Zu einer A e n d e r u n g des nun feststehenden Inkrafttretens ist weder der Kaiser noch der Bundesrat berechtigt. Selbst wenn sie dem Wunsch der Scharfmacher Rechnung tragen wollten, könnten sie dem Gesinde die Krankenversicherung nicht über den 31. Dezember 1913 vorent- halten. Das entgegenstehende Verlangen, es dennoch zu tun, ist für die Richtung der genannten Blätter bezeichnend. Wie es fremden Arbeitern in Deutschland geht. Der 18 Jahre alte Arbeiter Kulik aus Galizien hatte durch Vermittelung etircs Arbeitsamtes eine Stelle bei einem Guts- bescher in der Nähe von Cloppenburg gefunden. Die Entlohnung war nicht gerade fürstlich. Er erhielt pro Tag eine Mark, in der Erntewoche 1,40. Von diesem Lohn wurden ihm wöchentlich drei Mark einbrhalten als Sicherheit, damit er nicht heimlich den Dienst verlasse. Eines Tages erhielt er den Befehl, Roggen aufzuladen. Da ihm diese Arbeit zu schwer, bat er um eine andere. Er erhielt solche aber nicht, sondern seine sofortige Entlassung. Kulik ver» langte nun seine Papiere und die einbehaltene Kaution, aber ohne Erfolg. Tie Polizei verwies ib» an das österreichische Konsulat in Bremen. Dieses stellte ihm eine Bescheinigung aus, das er von dem Gutsbesitzer noch 30 M. zu erhalten habe. Kulik wanderte nun wieder zu seinem früheren Brotherrn und stellte ihn auf dem Felde. Er ersuchte um Aushändigung seines Geldes und soll dabei mit einem Stocke drohende Bewegungen gemacht haben, die der Gutsbesitzer als Bedrohung ansah. Er rief um Hilfe. Der Arbeiter wurde festgenommen und in der Folge ein Verfahren vor dem Oldenburger Schwurgericht gegen ihn anhängig gemacht. Die An- klage lautete auf räuberische Erpressung! Die Beweisaufnahme gestaltete sich für den Angeklagten sehr günstig; es konnte ihm nicht einmal eine drohende Geste nachgewiesen werden. Tie Ge- schworenen verneinten jede Schuldfrage, worauf der Angeklagte freigesprochen wurde. Ter Gutsbesitzer ist weder wegen Wuchers»och wegen Nötigung zur Verantwortung gezogen. Die ausländischen Arbeiter er- sehen aus dem Prozeß, wie rechtlos sie als Arberter in Deutsch- land sind. Ihr verdienter Lohn wird ihnen vorenthalten und sie können von Glück sagen, wenn sie nicht noch ins Zuchthaus fliegen. MergevölmHek günstiges Velimaehtsangebot! Hochinteressant, spannend and lehrreich für jeden Leser. Das große Bucl) der lagden und Hbenteuer ans allen Zonen, /.u Wasser n. zu Lande. Lebenswahr n. nnlnrgeti ea geschildert-cjea Selten mit vielen Oriffinal-IUuetrationen. Hocheleganter vielfarb. Ganileinenpraohtband, Lexikonformat," Abenteuerliche Erlebnisse, gefahrvolle Szenen und hochinteressante Jagden auf«Ilde Tiere, waghalsige Reisen im Luttballon, Erlebnisse auf Schlachtfeldern in den Wüsten Afrikas, unter wilden Völkern usw. Mit Beiträgen von Sarat Kumar Choscb, Ascott R. Hope, E. v. Liebert, Gustav von Moser, Freiherr von Scbrenck, Fritz Reutter, Fedor v. Zobelfltz, Dr. H. Gerbard, Frank May u. a. Für jung und alt gesammelt u. herausgegeben von Georg Geliert. 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Gleichzeitig verweisen wir auf den am Mittwoch, den IS. No- »ember(Bußtag), nachmittags 5% Uhr, in demselben Lokal statt- findenden Vortrag deS Genossen Emil Eichhorn über:„Die Wirt schaftlichen und politischen Zustände in Preußen vor 100 Jahren". Eintritt frei. Alt- Glienicke. Am Dienstag, den 18. d. Mts., findet der dritte Vortragsabend über«die großen Utopisten und der wissenschaftliche Sozialismus" im Lokal von Hubert Rodenbusch, Nudower Str. 54, statt. Eintrittskarten a 10 Pf. sind bei den Funktionären, sowie in obigem Lokal zu haben. Arbeitslose haben freien Zutritt. Nicdcr-Schöncwcide. Dienstag, den 18. November, abends 8>/„ Uhr, Versammlung im Schlveizerhaus(Winller), Berliner Straße. Wichtige Tagesordnung. Tegel. Die Mitgliederversammlung findet am Dienstag, den 18. d. Mts., abends 8'/, Uar, im Gesellschaftshause(Schloßstr. 6j statt. 1. Vortrag der Genossin Regina Rüben:„Ist unsere Schule verbesserungsbedürftig 2. Diskussion und Besprechung über Miß- stände in den Schulen am Orte. 3. Vereinsangelegenheiten. Pankow. Vom Montag, den 17., bis einschl. Donnerstag, den 20. November, findet im Lokal Breite Straße 15,„Türkisches Zelt", die diessährige Jugendschriften- und Wandschmuck- ausstellung statt. Geöffnet von vormittags 9 Uhr bis abends 10 Uhr, Montag, den 17. November, von nachmittags 4 Uhr bis abends 8Vz Uhr. Eintritt frei. Ferner findet am Montag, den 17. November, der fünfte Vortragsabend im selben Lokale, abends 8V2 Uhr, über:„Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus" und den Abschnitt:„Der Zukunftsstaat" statt. Der Bildungsausschuß empfiehlt den Mitgliedern, welche den Vorträgen nicht beigewohnt haben, diesen noch anhören zu wollen. Eintrittsgeld 15 Pf. An: Mittwoch, den 19. November(Bußtag), bei Roczycki, Kreuz- straße 3/4: Lichtbildervortrag:„Ein Ausflug ,nS Weltall" mit daran anschließendem gemütlichen Beisammensein. Eintritt pro Person 25 Pf. Kinder frei. Abendkasse findet nicht statt. Programme sind im Vorverkauf bei Rißmann, Müllerstr. 30, Otto Junge, Brehme- straße 51, mid Roczycki, Kreuzstr. 3/4, zu haben. HermSdorf i. M. Zu der am Bußtag vom Gesangverein«Nor- dische Klänge" veranstalteten Herrenpartie treffen sich alle Genossen des Bezirks, die sich daran beteiligen wollen, im Zahlabendlokal «Restaurant Eggcbrecht' früh i/S Uhr. Roscnthal. Am Dienstag, den 18. November, abends 8'/° Uhr, im Lokal von Gustav Milbrodt, Walderseestr. 5: Mitgliederversamm- lung. Tagesordnung: 1. Ausnahme neuer Milglieder. 2. Halb- jahrsberichl deS Vorstandes. 3. Wahl eines Delegierten zur Ver- bandSgeneralveriammlung. 4. Wahl von drei Mitgliedern zum Bildungsausschuß. 5. Parteiangelegenheiten.— Am Bußtag unternimmt der Arbeitergejangverein«Freier Männerchor"(M. d. D. A.-S.) eine Herrenpartie nach Sporthaus ZicgenhalS am Krosfinsee. Hierzu werden die Parteigenossen zur Teilnahme eingeladen. Treffpunkt früh V58 Uhr, im Lokal des Genoffen Aug. Feind, am Bahnhof. Schönwalde-Schönerlindc. Heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, gemeinsamer Zahlabend bei Schulz-Schönwalde. Vortrag des Ge- nossen Gursch-Reinickendorf:„Partei und Gewerkschaft." Reinickendors-West. Dienstag, den 18. d. Mts,, abends 8>/, Uhr, im Lokal von Wohlfartb, Eichbornstr. 18: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag über die wiflenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung. Reinickendorf- Ost. Die zum Montag festgesetzte Flugblatt- Verbreitung findet erst am Mittwoch, den 19. November statt. Potsdam. Am Dienstag, den 18. November, abends 8Vs Uhr, im Friedrichsgarten: Außerordentliche Mitgliederversammlung deS WahlvereinS. Wichtige Besprechungen, Spandau. Morgen Montag, abends 8% Uhr, im Lokal von Koepnick, Pichelsdorfer Str. 39: außerordentliche Generalversamm- lung. Tagesordnung: 1. Vorstandsbericht vom 2. Quartal; 2. Die Stochtverordneten-Stichwahlen der 2. und 3. Abteilung. Referenten: Genossen Emil Stahl und Dr. Karl Liebknecht; 3. Freie Aussprache; 4. Verschiedenes.____ Berliner Nacbricbten» Nachts im Fernbahnhof. In gewaltigen Umrissen hebt sich die Bahnhofshalle aus dem nächtlichen Dunkel empor. Durch die rußgeschwärz- tcn Scheiben der Riesenfenster leuchtet greller Lichtschein und von Zeit zu Zeit rasselt und poltert und schnaubt es greulich im Innern der Halle. Der kolossale Bau erzittert in seinen Grundfesten. Tann wird es ruhig, das Poltern ist ver- stummt. Das Schnauben geht in ein todmattes Röcheln über und erstirbt im Trubel und Gelärme der hastenden Men- scheu. Gepäckträger rennen umher mit Pyramiden von Gepäck auf den breiten Schultern, Bahnbeamte werden um Auskunft bestürmt und geben auf tausend Fragen Antwort, Reisende steigen ein und aus, winken, küssen und begrüßen, dazwischen gleiten jugendliche Burschen geschickt und flink hindurch und bieten ihre Waren an:„Zei— ci— cUungen! Sfisar— c— arme Würstchen!" Nun stößt das Riesenungeheuer dicke Rauch- und Dampf- Wolken aus, die, zu mächtigen Klumpen geballt, langsam an Decke und Wänden hingleiten— wieder hebt ein Rumoren und Nattern an— die Bauchmuskeln des ungeschlachten Km losses beginnen mit Vehemenz zu arbeiten, aus seinen Nüstern flammt es düsterrot, ein Funkenregen umsprüht sein Haupt— einem gleißenden Lindwurm gleich windet sich der lang- estreckte, vie/gliedrige Leib des Zuges zur Halle hinaus. _rort, fort. Bald versinkt er in der Dunkelheit. Noch einmal winken die Zurückbleibenden, dann treten auch sie den Heim- weg an. Neue Reisende kommen an. In der Vorhalle wimmelt es wie in einem Ameisenhaufen. Droschken fahren im ge- mächlichen Zuckeltrab heran und werden von flinken Autos jchcrholt, die gewandt und kaum hörbar über den feuchten, glitschrigen Asphalt schießen. Große Lichtkugeln flimmern von der Decke herab und überfluten mit ihrem bläulichen Lichte den weiten Raum bis in die entferntesten Ecken. Ringsherum ein buntes Sprach- und Trachtengemisch. Der Geschäftsreisende zeigt an seinem ganzen Auftreten, daß ihm das Reisen zur Le&ensgewohnheit geworden ist. Er hat Routine, ebenso der Globetrotter, der im schweren Pelz das Auto verläßt und ohne sich umzusehen die Halle durchschreitet. Er siehr das flutende, quirlende, ewig wechselnde Leben um sich herum nicht, das in seinem bizarren Durcheinander für den beschaulichen Beobachter von ungemein fesselndem Reiz ist. An den Schaltern drängt sich das Publikum aus allen Ständen und Klassen— Soldaten, Beamte, Bürgersleute, Handwcrksburschen, Scharwcrker und Sachsengänger. Die letzteren in auffallend großer Anzahl. Sie verleihen dem Ganzen eine besondere Note. Ihre Hilflosigkeit und Un- wissenheit, ihre Armut und ihr Schmutz zeigt die Schande unserer Kultur, die wunderbare gottgewollte Weltordnung, nackt, brutal im taghellen Licht der elektrischen Ampeln. Die Kinder und Frauen kauern müde, schläfrig und fröstelnd zwischen Bergen von Bündeln, Kisten und Truhen, 1 die Männer tapsen fragend umher, in hohen Schaftstiefeln, weißen, engen Leinenhosen und tief über die Ohren gezogenen Mützen: so harren sie Stunde um Stunde in der zugigen Halle, harren und warten, um wieder der Heimat und neuem Elend entgegeiizlifahren. Eine Gruppe von ihnen hat die Wasserleitung umlagert, darunter auch Kinder, und sie schütten sich die kalte Flüssigkeit becherweise in den Magen, neben der Luft noch das einzige, waö sie umsonst haben können. llnd immer wieder kommen und gehen Reisende und Züge und es pulst und braust und brandet und wogt— das Herz der Weltstadt steht nimmer still. Erhöhung des Zinssastes der städtischen Sparkasse. Der Berliner Magistrat hat in seiner Sitzung am Freitag beschlossen, den Zinssatz der Städtischen Sparkasse vom 1. April 1914 an von 3 a u f 3� P r 0 z e n t zu erhöhen. Die Verzinsung, welöhe bisher, wenn die Spargelder nicht in den ersten drei Tagen des Monats eingezahlt waren, erst von dem Anfang des folgenden Monats begann, soll in Zukunft dekadcnweisc ersolgen, das heißt, die Verzinsung lvird für die in den ersten 10 Tagen des Monats eingelegten Spargelder am 11. des Monats, bei den Einzahlungen vom 11. bis 20. des Monats am 21. und bei den von diesem Termin bis Ende des Monats erfolgten Einlagen am 1. des folgenden Monats be- ginnen. Mit dieser Maßnahme will der Magistrat der Spar- kasseuflucht begegnen. Er kommt damit aber reichlich spät, wenn man bedenkt, daß andere Sparkassen schon längst mit einer Erhöhung des Zinsfußes vorangegangen sind. Ans der Praxis der Fürsorgeerziehung erzählte kürzlich den versammelten Gemeindewaisenräten Berlins der Direktor Knaut. lieber die Schilderung des Berliner Fürsorge« erziehungSwesenS, die er ihnen gab, berichteten wir in Nr. 294. Sie wird bei manchem, der unser FürsorgeerziehungSwcscn von einer anderen Seite zu kennen glaubte, ein verwundertes Kopfschütteln be- wirkt haben. Wie das von Knaut beklagte und als unzutreffend zu- rückgewiesene Urteil weiter VolkSkreise über die Behandlung der Für- sorgezöglinge zustande kommen kann, daS möge man aus folgendem Fall ersehen. Brunnenbauarbeiter eines TiefbauunternehmerS, der für die Wasserwerke der Stadt Berlin auf Gartenland der Berliner Er- ziehungsanstalt Lichtenberg einen Beobachtungsbrunnen bohren ließ, haben dort 14 Tage hindurch Zöglingen und ihren Erziehern zusehen können. Sie meinen bemerkt zu haben, daß die Zöglinge öfters, wenn sie irgend eine Verfehlung sich hatten zu- schulden kommen lassen. beschimpft und auch geschubst, geknufft, geschlagen wurden. Einmal habe ein Zögling. um sich den Schlägen zu entziehen, sich auf die Straße hinaus geflüchtet. Ein paar Angestellte sowie mehrere der anderen Zöglinge seien ihm nachgesetzt, und nachdem sie ihn eingeholt hatten, seien die Hiebe nur so auf ihn niedergeregnet. Auch von Zöglingen, die sich vor den Augen der Angestellten an dem Strafgericht beteiligten, habe er seine Hiebe erhalten. Die Arbeiter, die das zu bemerken glaubten, erregten sich darüber begreiflicherweise nicht wenig. Sie riefen dazwischen, man solle aufhören, da der Junge doch kein Stück Vieh, sondern ein Mensch sei. Ihnen wurde geantwortet, sie sollten«ihr Maul halten". Bald nachvem der Zögling abgeführt worden war, fand sich ein Beamter ein und ersuchte den die Brunnenbaüarbeiten leitenden Bohrmeister,«zum Herrn Inspektor" zu kommen. Einen solchen gibt es schon seit längerer Zeit nicht in der Erziehungsanstalt Lichtenberg, aber bis auf weiteres vertritt ihn Oberlehrer H e n t s ch e l. Dieser empfing den Bohrmeister mit dem Vorwurf, daß seine Beamten von den Arbeitern beleidigt worden seien. Offen- bar stützte er sich auf Angaben der Beamten selber, die von dem ganzen Vorgang, wie man hiernach annehmen muß, eine durchaus andere Auffassung als die Arbeiter gehabt haben werden. Der Bohrmeister erwiderte, von Beleidigung könne keine Rede fein, man habe nur der Mißhandlung des Zöglings Einhalt ge- bieten wollen. Er schilderte nun, wie die Beamten mit dem Zög- ling umgesprungen seien. Herr Hentschel aber erklärte ihm ms Gesicht hinein:«Das ist nicht wahr, daS ist eine Lüge!" Alk der Bohrmeister einwendete, der Herr Inspektor sei doch gar nicht selber dabei gewesen, schnitt der ihm die weitere Rede ab:«Ich habe keine Zeit, mich nüt Ihnen zu unterhalten; Sie können gehen." Es läßt sich verstehen, daß Herr Hentschel für die Beamten der Anstalt eintreten zu sollen glaubt. Er wird aber gewiß sich nicht mit dieser Abwehr begnügt, sondern auch an die ihm vorgesetzte VerwaltungZ- stelle berichtet haben, damit von dort anS eine Untersuchung eingeleitet werden kann. Die Beschuldigungen sind immerhin schlvcr- wiegend, da ja solche Beamten nicht ohne weiteres ein Ziichtigungsrecht haben und durch eigenmächtige Anmaßung dieses Rechtes sich strafbar gemacht hätten. Mit der bloßen Antwort:»Das ist eine Lüge l" kann doch die Sache nicht erledigt sein. Für Herrn Hentschel war sie es auch nicht. DaS erste, was er tat, war allerdings, daß er sofort telephonisch bei den Wasserwerken der Stadt sich über jene Arbeiter des von ihr beschäftigten privaten Unternehmers beschwerte. Noch an deniselben Nachmittag kam ein Ingenieur der Wasserwerke hinüber nach der Erziehungsanstalt und fragte die Arbeiter, was denn loS gewesen sei. Als sie dann am nächsten Morgen wieder nach Lichtenberg hinaus gegangen waren und ihre Arbeit begonnen hatten, trafen andere Arbeiter deS Unter- nehmerS ein und— lösten sie ab. Die Abgelösten wurden von der Firma erfreulicherweise nicht entlassen, sondern bei anderen Arbeiten weiterbeschäftigt. Daß durch die erzwungene Fernhaltung jener Ar- b e i t e r von dem Terrain der Erziehungsanstalt ihre Ansicht über die Behandlung des FürsorgezöglingS nicht geändert worden ist, läßt sich denlen. Wäre es nicht besser, wenn ihnen das Ergebnis der doch sicherlich eingeleiteteten Untersuchung, bei der eS auch zu einer Vernehmung der Arbeiter selber kommen muß, amtlich und schwarz auf weiß mitgeteilt würde? Richtiger wäre es gewesen, wenn Herr Hentschel sofort eine Untersuchung gegen die beschuldigten Erzieher eingeleitet hätte, wenn er sich nicht dem Verdacht aussetzen wollte, die Handlungsweise zu beschönigen. DaS ist nich� die Art, wie eine Aufsicht zu führen ist. Und was sagt Herr Knaut selber zu diesen Vorgängen, der doch die Oberuufsicht über Lichtenberg führt und doch auch ein Stück Verantwortung dafür hat, daß in Lichtenberg in verständiger Weise die Zöglinge behandelt werden? Die Ausstellung empfehlenswerter Jugendschrifttn im G e w c r k s ch a f t s h a u s ist heute von 4— L Uhr geöffnet. Zum Todesfall ans der Untergrundbahn. Mit Bezug auf den Todesfall auf der Untergrundbahn schreibt uns ein Genosse:«ES ist ein Irrtum der Direktion wenn sie sagt: «DaS Bahnpersonal ist nicht immer in der Lag«, solche Versuche sdcs Aufspringe»-? lvenn der Zug bereits in Bcioeguug ist) zu verhindern." Das Personal wäre dazu immer in der Lage, wenn— die Direktion es eben in die Lage versetzt. In Paris ist die Einrichtung getroffen, dax von dem Augenblick an wo der Zug auf dem Bahnhof steht, die Zugänge zum Bahnhof gesperrt werden, d. h. niemand mehr hineingelassen wird. Erst wenn der Zug abgefahren ist, werden die Zugänge wieder geöffnet. Das läßt sich mit wenig mehr Personal erreichen, wenn man die Kontroll- stellen sBahnsteigsckiaffuer) nach unten resp. oben am Bahnsteig ver- legt. Allerdings wäre auch zu empfehlen, denselben Schutz gegen die Zugluft zu geben, daff sie nicht wie am Bahnhof Kloster- straffe(Stadthaus), wo sie auf halber Höhe und in so fürchterlicher Zugluft stehen, daff sie nach einigen Tagen einen Rheumatismus fürs ganze Leben haben. Schliefflich niöchte ich noch auf eine bewährte Einrichtung der Slroffenbahnen in Lissabon aufmerksam mache». Diese haben zwischen zwei Wagen ein Schutzblech, so daff niemand zwischen beide Wagen auf die Schienen fallen kann. Wäre diese Einrichtung auf der Untergrund- bahn vorhanden, wäre ein Ueberfahren nicht niöglich. Jedenfalls bietet die Perronsperre, wie sie in Paris besteht, einen sicheren Schutz. DaS Publikum wird sich diese Maßregel, die nur zu seinem Schutze getroffen würde, um so eher gefallen lassen, je mehr die Zugfolge den kleinen Aufcnhalt ausgleicht. Die Versuchung, im letzten Augenblick aufzuspringen, ist eben so groh, daff ini Augenblick alle Gefahren und Warnungen vergessen sind." Unterirdische Kchrichtbehälter. Mit dem Einbau von unterirdischen Kehrichtbehältern, womit in einigen Straffen Berlins schon be° gönnen ist, soll nun fortgefahren werden. Die oberirdischen iverdcn dann nach und nach verschwinden. Ferner sollen Verlade b a ll e n mit Wasser- und Eisenbahnanschluff erbaut und durchweg ini Straffen- reinigungswesen motorischer Betrieb eingeführt werden. Die Pferde werden dann weiter im Straßenverkehr verschwinden. Als leeres Gerede hat sich die Beschuldigung herausgestellt, die gegen eine 17 Jahre alte FarikaÄeiterin Sch. in der Antwerpener Straffe erhoben worden ivar. Das Mädchen wurde von der Kriminalpolizei unter dem Verdacht des Kindesinordes in Haft genommen, weil es ihr zehn Wochen altes Söhnchen vergiftet baben sollte. Die Bekundungen der Stiefmutter des Mädchens ließen hierauf schließen. Nach Feststellung der Tatsachen wurde die junge Mutter jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Obduktion der kleinen Leiche hat ergebe», saß das Kind an Brech- durchfall gestorben ist. Warnung! l?S find in letzter Zeit blakerälmliche Selbstzünder zum Auf- setzen auf die Zylinder von Gasglühlichtbrennern in den Handel gebracht worden, die, aus Aluminium- oder anderem schwachen Blech hergestellt, oben mit fester Haube, die den Zünder cntbält, versehen sind und unten einen verzierten Kranz tragen. Dieser Kranz bat nach innen gebogene kleine Zacken, die sich aus den oberen Zylinderrand aufsetzen sollen, damit zjvischen diesem und »er Haube ein Zwischenraum mit seitlichen Oeffnungen bleibt, dgrch Welche die Verbrennungsgase austreten können. Diese Selbstzünder sind häufig ungemein leichtfertig und lediglich mit Mücksicht ans allervilligste Fabrikation aus schlechtestem Material hergestellt. Die inneren kleinen Zacken verbiegen sich leicht nach oben, so daff sich das Drahtnetz der Haube unmittelbar auf den Zylinder auflegi. Das dem Brenner entströmende Gas kommt iufolgeocssen nicht vollständig zur Verbrennung und dringt ans dem Blaker mit sehr giftigen Eigenschaften in die Wohnräume. Da an der hierdurch hervorgerufenen Gasvergiftung bereits Menschenleben zugrunde gegangen sind, wird durch, den Polizei- Präsidenten vor dem Ankauf solcher... Selbstzünder driugcuo ge- warnt. Dr. Max Goldschmibt, Warschauer Str. 1ö, Arzt des..M c d i- z i n a l v e r e i n S. f n r Berlin und ll m ge g e n d", bält seine erste Zuschrift au uns noch nicht für ausreichend. Er übersendet UNS jetzt noch eine formelle..Berichtigung", die so lautet: „Auf Grund des Prcffgesetzes ersuche ich Sic, solgeubc Berich- tigung der in Nr. abgedruckten Ausführungen in Ihr Blatt aufzunehmen: 1. Es ist unrichtig, daff ich mich„plötzlich sehr»n- gehalten zeigte", vielmehr war ich vorher von der Großmutter des Patienten brüskiert nnd beleidigt worden. 3. Es ist unrichtig, daß ich mit„großartig" die Vermögensberhältniffe des Rcstauratcurs gemeint habe, vielmehr Wollte ich damit das Gebaren der Großeltern bezeichnen.<>. ES ist unrichtig, daß es sich um eine Kranken- lasse handelt, vielmehr ist der Medizinalverein eine freiwillige Versicherungsgesellschaft, die ihre praktische» Aerzte im Gegensatz zum Hausarztvercin sehr schlecht besoldet." Wir tu» Herrn Dr. Goldschmidt den Gefallen, auch diesen seinen neuesten HerzcnSerguff zu verösfciitlichen. In Nr. 801 hatten wir erklärt, daß wir die Diskussion schließen. Liegt ihm daran, daß wir sie wiedereröffnen? Hoffentlich kommt uns nun nicht aiicki noch der Vorsitzende des Medizinalvcreins wieder mit einer Berichtigung des von Dr. Goldschmidt erhobenen Vorwurfs, daß diese freiwillige Verficherungögesellschaft„ihre praktische» Aerzte im Gegensatz zum Hausarztvercin sehr schlecht besoldet." Wenn der Verein und der Arzt diesen'Streit gegeneinander aus- fechten wollen, so sollen sie sich dazu eine andere Stelle als die Spalten des„Vorwärts" suchen. Verhalten bei Unglücksfällen durch elektrische» Strom. Durch einen ministeriellen Erlaß lverden die Aerzte erneut darauf aufmerksam gemacht, daff bei Veruuglückungen durch elck- irischen Strom die künstliche Atmung sorgfältig und mindestens zwei Stunden lang fortgesetzt werden muff. Auch den Feuerwehr- organisatioueu soll eine entsprechende Weisung zugehen. Ter Erlaß ist das Ergebnis der Berichterstattung der Negierungspräsi- deuten und Oberpräfidcnten auf eine schon im Dezember vorigen JahreS ergangene Umfrage veranlaßt worden, Unglücksfälle mit tödlicbem Ausgang haben sich wiederholt ereignet,-jedoch wird in fast allen Berichten ausdrücklich darauf hingewiesen, daff in solchen Fällen sie Wiederbclebungsverstiche entweder wegen zu starker Verbrennungen oder Berkohlung zwecklos erschienen, oder daff die Wiederbelebungsversuche trotz zwei- bis dreistündiger Fortsetzung erfolglos geblieben waren. Nur einzelne Fälle werden gemeldet, bei denen die Wiederbelebungsversuche erfolgreich waren, während in mehr als Sä Fällen der Erfolg trotz lange genug fortgesetzter Wiederbelebungsversuche ausblieb. Klagen über vorzeitiges Ab- brechen der Wiederbelebungsversuche wurden nur wenige laut. So wird aus einzelnen Rcnierungsbezirken berichtet, daß die zu- gczogcncii Aerzte die Wiederbelebungsversuche unterlassen oder abgebrochen hätten, weil sie sich keinen Erfolg davon versprachen, und daß sie sich deshalb lediglich mit der Feststellung des Tooes begnügten._ Der Miiilnerchor„Fichte-Gesrginia 1879"(M. d. D. A.-S,-B.), Chormstr. Th. Gervais, gibt heute ini großen Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain sein erste-? Winterkouzcrt unter Mitwirkung des Berliner KonzertbausorchesterS(Dir, in Vertr. Prof. Traugott OchS). Kasseneröffnung 5 Uhr, Ansang präzise 6'/, Uhr. Unser Familicnrecht labtet ein Vortragszyklus, den die Rechts- auwaltsangestcllten nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, vom medizinischen und strafrechtlichen Standpunkt veranstalten. Vor- tragende sind die Herren Dr. med. et phil. Lungwitz, Rechtsanwälte Dr. Werthaner, Kurt Lange u, a. Die ersten Vorträge finden ani 17, Novemcr und 2, und 17. Dezember, abends S'A Uhr, in den Jndustric-Festsälcn, Beuthstr. 20, statt. Gastkatten sind für Nichtberufsangehürige in beschränkter Anzahl kostenfrei zu baben beim Verband der Burcauangestellten, Kaiser-Wilhclm- Straffe 20, Gegen gemcinschädlichc Tierhaltung bat sich ein Verein'ge- gründet, der die Aufstellung einer Liste„hundefrcier" Lokale bc- treibt, das heißt solcher, in denen weder vom Wirt Hunde gehalten, noch von den Gästen mitgebracht werden dürfen. Diese Liste soll von Zeit zu Zeil empfehlend öffentlich verbreitet werden. Zum Aushängen in den Lokalen liegen entsprechende Plakate bereit. Zur Hundesperre soll in einer Eingabe geltend gemacht werden, daß die schärfere Form zurzeit noch unentbehrlich sei. Hiernach lverden mit der Zeit die Lokale klassifiziert werden müssen. Die Hundefreunde werden vo» den Hundefeinden auch im geselligen Verkehr geschieden und gemieden werden. Es ist nur gut, daß nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Tic Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Radfahrer-Bundrs Solidarität veranstaltet am Mittwoch, den 19. November(Büß- tag), abends ä Uhr, in beiden Sälen der Neuen Welt, Hasenhcide, popnlär-wissenschaftliche Lichtbildervorträge über„Frühlingstage in Sizilien und Süditacien", soloic kincmatographischc Vor- stellungen und Gratisverlosung einer sprechenden Uhr. Das Pro- gramni ist in beiden«älcn gleich. Eintritt 80 Pf. Gesunde» ein Herrenschirm in der Versammlung der vierten Abteilung des sechsten Kreises. Abzuholen beim Abteilungsführer Genossen Adolf Buhl, Schlicmanustr. 10. Vorort- l�ackricdtev. Steglitz. Tic Arbcitsloscnfragc wurde vorgestern abend in unserem Ge- meindcparlamcnt verhandelt?— nein, totgeschwiegen! In Nachahmung der unsäglich komischen Taktik des allerdings wenig intelligenten Vogels Strauß senkten die bürgerlichen Herren die Köpfe bei der Abstimmung, weil— kein Sand da war, um sie ganz vergraben zu können. Die Begründung des Antrages der Sozialdemokraten, den der„Vorwärts" schon veröffentlicht bat, gab Genosse Aß mann in einer trefflichen, äußerst sachlichen und mit unanfechtbarem Ziffernmaterial unterstützten Rede. Er wies zunächst an Hand von Gewerkschastsstatistiken den ungeheuren Um- fang der Arbeitslosigkeit in Grotz-Berkin nach, zeigte dann auf Grund der. Akten der Armcnverwaltung, daß auch Steglitz in steigendem Maße davon in Mitleidenschaft gezogen wird und konnte aus der Begründung einer Nachtragsforderung, die der Gemeinde- vorstand selbst der Versammlung untervreitete, nachweise», daß auch von dieser Stelle aus eine außergewöhnliche Arbeitslosigkeit zugegeben werde. Er erkannte an, daß in der vorigen Sitzung die Bereitstellung von Mitteln für bereits beschlossene Gcmeindearbeiten erfolgt sei und ersuchte den Gemcindcvorstand, etwa noch in Vor- bereitung befindliche Projekte möglichst zu beschleunigen, um so viel wie möglich Arbeitsgelegenheit ziz schaffen. Bei dem großen Umfang der Arbeitslosigkeit sei diese Maßnahme jedoch nicht aus- reichend. Weder hierdurch, noch durch Gründung von Kolonien nach Bodelschwingh oder solchen nach dem System Ostwald in Reppen sei die A r b e i t s l o s i g k e i t z u beseitigen, deshalb müsse man versuchen, lvenigstens die traurigen Folgen der Arbeitslosigkeit einigermaßen zu lindern und zwar durch die A r b e i t s l o s e u v e r j i ch e r u n g. Er wies von vornherein das Argument der Gegner, daß das Sache des Reiches fei, mit der Bemerkung zurück, daß das selbstverständlich auch seine Ansicht sei. Aber jetzt handle es sich darum, daß für die Zwischen- zeit— ehe die Reichsversicherung, die nach seiner festen Ueber- zeugung sicher einst kommen müsse, bessernd eingreifen könne— durch die Gemeinde etwas geschehe. Jahre würden noch vergeben, ehe das Deutsche Reich, das nach seinen Lobrednern in der Sozial- Politik an der Spitze marschiere, endlich dahin komme, daß es gleich England, Nartvegen' nnd Dänemark eine staatliche Arbeitslosen- fürsorgc einrichte. Die Gewerkschaften allein könnten die Arbeits- losen nicht dauernd über Wasser halten, obwohl schätzungsweise II bis 12 Millionen Mark Arbeitslosenunterstützung von ihnen gezahlt würden, wodurch unzweifelhaft die Armcnetats der Äom- munen am meisten profitieren. Eine ganze Anzahl deutscher Städte, deren Namen er nannte, hätten bereits vorbildlich durch Einführung von Arbeitslosenunterstützung gewirkt und zugleich bewiesen, daß mit verhältnismäßig geringen Mitteln die Not wenigstens teilweise gelindert werden könnte. An Hand einer Broschüre:„Die Werke der Stadt Gent" ivies er nach, wie segensreich in jener Stadt die Arbeitslosenfürsorge gewirkt habe, und ersuchte zum Schluß um Annahme seines Antrages, der es ermöglichen werde, den unschul- digen Opfern der kapitalistischen Produktionsweise über die trübste Zeit hinwegzuhelfen, ohne sie zu zwingen, Armenunterstützung in Anspruch nehmen zu müssen, die neben der Beschämung auch noch den Verlust staatsbürgerlicher Rechte im Gefolge habe.— Der Gemeindevorstand ließ durch den Schöffen I o ch e m erklären, daß zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit demnächst von der Vertretung noch die Summe von 280 000 M. gefordert werden würde zwecks Erweiterung des Netzes der Regenwasserleitung. Die Ausführungen Aßmanns tonnte er zwar nicht entkräften, meinte aber, daß die Kommunen an der Frage durchaus nicht achtlos vorübergegangen seien. Er stützte sich auf die Verhandlungen auf dem Städtetag, im Zweckverband, in Groß-Berlin und kam natürlich zu dem Schluß:„Nur das Reich kann helfen." Auch die Erfahrung von Schöneberg schreckt ihn; 92 Proz. der gezahlten Unterstützung seien dort den Organisierten zugute gekommen, also den Wirtschaft- lich Stärkeren. Damit hält er für erwiesen, daß mit dieser Form der Unterstützung nichts erreicht werden könne. Deshalb müsse man die Frage noch zurückstellen und sich darauf beschränken, au Regierung und Reichstag zu petitionieren. Das sagte der Ge- meindevorstand. Und die Gemeiudevertrcter? Sie schwiegen! Tie Herren Rentiers, die reich gewordenen Bäcker- und Fleischer- meister, die Bankdircktorcn und Aufsichtsratsmitgliedcr, auch die Herren Beamten, die Regierungs- und Rechuungsrälc, Geheim-, Hos- und sonstige Räte— sie schwiegen alle, sogar der Herr Genoffcnschaftsdirektor, der sonst nie schweigen kann, auch er schwieg! Hatte Genosse Ahmann vorher an die soziale Einsicht der Herren nnd ihre Pflicht als Gemeindevertreter appelliert, so wandte er sich in seinem kurzen Schlußwort mit beredten Worten an ihr Herz, an ihre Pflicht als Menschen. Umsonst! Es handelte sich ja nicht um Mittel zu einem Fackelzug, zu einer Ein- weihungsfeicr oder einem anderen Vergnügen, sondern nur um beschäftigungslose Arbeiter, um darbende Fa- milien, um hungernde und frierende Kinder! Dafür haben die Herren weder ein Herz noch Geld! Außer den beiden Sozialdemokraten hob nur noch Herr Oberst G ä d k e die Hand für unseren Antrag. Tie übrigen Herren senkten ihre edlen Häupter und— dankten vielleicht ihrem Gott, daß sie keine Ar- heiter sind. Neukölln. Die Deputation für die städtischen Werke beschloß in ihrer letzten Sitzung den Erweiterungsbau des Ofenhauses lV der Gasanstalt. Die Erweiterung ist notwendig infolge des steigenden Konsums. Nach Fertigstellung wird die tägliche Höchstleistung 145 000 Kubik- metcr betragen. Die Entwickeluna der letzten Jahre zeigt sich in folgenden Zahlen. Die höchste Gasabgabe betrug in 24 Stunden im Jahre 1910: 100570 Kubikmeter, 191l: 104 510 Kubikmeter. 1912: 116 550 Kubikmeter; für 1913 sind 127 000 Kubikmeter und für 1914 136 000 Kubikmeter angenommen. Die Ofenbautrn wurden der Firma Martin u. Pagensiecher übergeben. Eine Submisfionsblüt« zeitigte auch hier die Ausschreibung. Das Mindestgebot betrug 200 000 M.. das Höchstgebot 338 695 M. Noch krasser trat der Unterschied bei der Vergebung der Fundamente in die Erscheinung. Hier betrug das Mindestgebot 21 826 M., daK Höchstgebot 42 890 M. Ein Unterschied von rund 100 Proz. Be- schlössen wurde ferner die provisorische elektrische Beleuchtung der Grcuzallce. Die Straßenziige Berliner, Berg-, Walter- und Herniannitraße bis an die Britzer Grenze sollen demnächst elektrische Beleuchtung erhalten. Ein Beschluß der Deputation vom 11. Juli er., ivonach Bogenlampen zur Ausführung kommen sollten, wurde auf» gehoben nnd beschlossen, die Beleuchtung durch eine nun auf den Markt gekommene 2500 kerzige Glühlampe erfolgen zu lassen. Die neue Lampe gibt ein vorzügliches Licht, stellt sich wohl im Verbrauch etwas höher, ist aber in der Anlage und Unterhaltung wesentlich billiger als die Bogenlampe. Die Lampe hat noch den wesentlichen Vorteil, daß sie mit zwei Fäden ausgerüstet, beim Uebergang zur Nachtbeleuchtung—11 Uhr— zur Hälfte ausgeschaltet werden kann. Beschlossen wurden ferner die neuen Stromliefcrungsbedingungen des Elektrizitätswerkes. Tic Neuköllner Haabwcrtee-Kcankenkasse steht jetzt, nachdem die im September schon einmal vollzogenen Delcgicrtcnwahlen von der Anssichtsbebörde für ungültig erklärt worden sind, wiederum vor der Wahl der Delegierten. Diese findet siir die in Berlin wohnen» den Kassenmitglieder am Montag, den 17. November, abends 8 Uhr, im Restaurant SchultHeiff. Berlin, Neue Jakobstr. 24/25, statt. Ter zum Zwecke der Herbeiführung geordneter Zustände von einer sehr großen Anzahl von Mitgliedern gegründete„Verein zur Wahrung der Mitgliederrechte" richtet an alle Ällitglieder der genannten Krankenkasse, denen an einer wirklichen Gesundung der Kasse etwas gelegen ist, das dringende Ersuchen, vollzählig sich an der Wahl zu beteiligen und nur den von ihm in Gemeinschaft mit dem Bund der Handwerker ausgestellten, zur Wahl vorgeschlagenen Kan» didatcn ihre Stimme zu geben. Lichtenberg. Gegen die Errichtung einer Betriebskrankenkasse sür das Per» sonal der städtischen Betriebe, iseit Jahren beschäftigt sich der Ma- gistrat mit dem Gedanken der Errichtung einer Betriebskranken« lasse für das Personal der städtischen Betriebe. Verschiedene Male Häven die städtischen Arbeiter zu diesen Bestrebungen Stellung ge» uoinmen und unzweideutig zu erkennen gegeben, daß sie von der Errichtung einer Betriebskrankenkasse nichts wissen wollen. Da- mit schien das Projekt gefallen. Um so überraschter waren die städtischen Arbeiter, als sie im Laufe der Woche eine Einladung des Magistrats zu einer Versammlung für Freitag, den 14. No- vember, erbieltcn mit der Tagesordnung: Errichtung einer Bc- tricbstrankenkassc; Beratung des Statuts. Das große Interesse. das die städtischen Arbeiter dieser Frage entgegenbringen, zeigte der außerordentlich starke Besuch der Versammlung. Von zirka 500 in Frage kommenden Personen waren zirka 450 erschienen. Und nicht allein die Arbeiter der städtischen Betriebe, auch das versichenmgs- Pflichtige Bureaupersonal und die in städtischen Betrieben tätigen Frauen waren zahlreich erschienen. Als Vertreter des Magistrats versuchte der Herr Versichcrungsdirektor Krüger den Versammelten die Borteile einer Betriebskrankenkasse auseinander zu setzen. Ter Erfolg war sehr eigenartig. In der umfangreichen Diskussion sprachen sich Redner aus allen Betrieben gegen die Errichtung aus. Eine Resolution, die sich entschieden gegen eine Betriebs- krankenkasse aussprach, wurde einstimmig angenommen. Eine Beratung des Statuts lehnte die Versammlung ebenfalls ein- st i m m i g ab. Ter Verlauf der Versammlung hat gezeigt, daff die städtischen Arbeiter und Angestellten einhellig gegen die Errichtung der Betriebskrankenkasse sind. Der Magistrat sollte aus diesem Votum die Konsequenzen ziehen und seine Vorlage fallen lassen. Schöneberg. Eine gutbesuchtr Versammlung der in städtischen Betrieben an» gestellten Personen beschäftigte sich mit dem Thema„Verschleppungs- Politik in Arbeiterfragen und Mahregelung im Augusta-Vikwria» Krankenhaus". Der Referent, Genosse P. Schulz, betonte: Genau wie bei der Erledigung der Arbeitsordnung werde bei der Neu» gestaltung der Ruhegeld- und Hinterbliebenenversorgung eine Ver» schleppungstaktik geübt. Am 25. September v. I. seien die abgc- änderten Bestimmungen beraten, in der ganzen Zeit— bis heute — aber nichts weiter unternommen worden, als daff die Materie in der Deputation zur Regelung der Arbeiterfragen verbandelt wurde. Der Magistrat have auf eine am 14. Oktober eingereichte Beschwerde mitgeteilt, daff es sich nur um die Durchführung redaktioneller Uebereinstimmung mit der Dienstordnung handele. Es stehe indessen fest, daff es sich bei dem neuen Entwurf nicht nur um redaktionelle Abänderungen, sondern, wie das in Schöneberg in den letzten Jahren wiederholt der Fall war, um hahnebüchene Verschlechterungen hau» dele. In der Frage der Ausgestaltung und Neuregelung des Ar» beiterausschuff-Reglements sei die Verschleppungspolitik in Rein» kultur nachzuweisen. Die von dem Herrn Stadtverordneten Zobel im September v. I. in der Stadtverordnetenversammlung zu un» recht aufgestellte Behauptung, daff der Gemeindearbeiterverband den Ortsvcrein der Hirsch-Dunckcrschen Gemeindearbeiter vergewaltigt habe, scheine auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Im Augusta- Biktoria-Krankenhaus sei ein seit 3 Jahren beschäftigter Hausdiener entlassen worden, weil er angeblich einen Unorganisierten wegen der Nichtzugehörigkeit zur Organisation belästigt haben soll. Wie fest» gestellt sei. verhalte sich die Sache umgekehrt. Ein unorganisierter Kollege habe in einer Versammlung, ganz wie ein echter Agent provocateur, die Vertrauensleute scharfmachen wollen, der Direktion des schlechten Essens wegen auf den Leib zu rücken. Am an- deren Morgen sei er mit Schimpfworten aus den Vertrauensmann zugestürzt, in der Absicht, gegen diesen tätlich zu werden. Dieser rabiate Geselle, der schon einmal vom Direktor Korbacher entlassen wurde, sei weiter als Zierde des Krankenhauses in Tätigkeit ge» blieben; der Vertrauensmann aber habe auf Grund der Angebereien weichen müssen, trotzdem ihm der Direktor für seine dreijährige Tätigkeit folgendes Zeugnis ausstellte:„Führung und Leistungen waren stets sehr gut." Von den eingeladenen bürgerlichen Stadtverordneten war als einziger der Herr Stadtverordnete Salinger erschienen. Nach der einwandsfreien Darstellung der Verschleppungspolitii der städtischen Körperschaften konnte auch er nichts anderes tun, als diese ver» urteilen. Leider steht fest, daff diese vernünftige Anschauung über Anstandspflichten von seinem Parteifreunde Zobel nicht geteilt wird. Auf zwei an diesen im Januar und Februar d. I. gerichtete Briefe, in denen er aufgefordert wurde, die in seiner Eigenschaft als Stadt- verordneter zu unrecht erhobenen Beschuldigungen gegen den Ge- meindearbeitcrverband, daß dieser den Hirsch-Dunckerschen Orts» verein vergewaltigt habe, richtig zu stellen, hat Herr Zobel nicht für nötig befunden, zu antworten. Der Stadtverordnete Genosse Küter rückte in sehr ausführlicher Weise die Arbeiterfreundlichkeit der liberalen Herren in das rechte Licht. Am Schluß nahmen die Versammelten einstimmig eine län- gerc Resolution au, die die Darlegung des Referenten zum Inhalt hat und den Magistrat ersucht, sür schleunige Abhilfe dieser Miß- stände Sorge zu tragen. Als wirksamstes Mittel, diesen Zuständen mit Erfolg zu begegnen, wird der Anschluß an die modernen Gewerk- schaftsorganisationen empfohlen. Maricndorf. Aus der Gemeindevertretung. Als einziger Punkt der össent» lichcn Sitzung stand die Erweiterung des Verschiebe» b a h n h o f s Tempelhof zur Beratung. Wie der Gemeinde» Vorsteher Dr. Priihß hierzu betonte, will die Eisenbahnbehörde den Bahnhof vergrößern; es sollen an der Dresdener Bahn drei Gleise und an der Anhalter Bahn vier Gleise neu gelegt werden. Mit den jetzt vorhandenen 11 Gleisen würden also nach dieser Erweiterung 18 Gleise nebeiieiiiaiider liegen. Es sei anzunehmen, daß dieser Verschiebebahnhof tief in das Gemeindegebiet komme, und darum sei es notwendig, daß von der Gemeinde Einspruch gegen eine derartige störende Anlage eingelegt werde. Die Eisenbahnbehörde müsse auf einen aufstrebenden Vorort, wie Mariendorf mit seinerViklenkolonie Siidende unbedingt Rücksicht nehmen und diese Anlage weiter hinaus in eine weniger bewohnte Gegend verlegen. Auch gegen die geplante Er- richtung eines großen Lokomotivschuppens auf Schöneberger Gebiet, dicht an der Mariendorfer Grenze, müsse energisch protestiert werden i außer dem Geräusch würde der Ort auch noch eine Rußplage be- kommen. Würden die Gleise nur dem Durchgangsverkehr dienen, so hätte die Gemeinde nichts einzuwenden. Gemeindevertreter Sauer schloß sich den Ausführungen des Vorstehers ort. Räch Meinung des Genossen Reinhardt wäre die Eisen- dahubehörde verpflichtet, nicht nur, wie es geschehen ist, 'Teilpläne einzusenden, sondern ein ausführlich aus- gearbeitetes Projekt zur Kenntnis der Gemeindevertretung g» langen zu lassen. Auch wäre es unbedingt notwendig, daß die Eisenbahnbehvrde zu dieser Sitzung einen Vertreter etil- sandt hätte, der an Ort und Stelle sich mformiercn und auch gleich Auskunft erteilen konnte. Daß dies Nicht geschehen, sei eine Brüskicrung der Mariendorfer Gemeindevertretung. Vor zirka L Jahren habe die Vertretung 164 066 M. zum Umbau des Marien- dorfer Bahnhofs zugeben müssen; dieser Umbau sei erst vor ganz kurzer Zeit fertig geworden, trotzdem geht das Gerücht um, daß bei der Reulegung der Geleise ein erneuter Umbau des Marlendorfer Bahnhofs geplant sei. Sollte das zutreffen, fv wäre eS ein Beweis von einer Kurzsichligkeit der Eisenbahn- Verwaltung, die nicht genug gebrandmarkt werden könnte.— .Nachdem noch mehrere der bürgerlichen Vertreter sich zur Sache geäußert, erfolgte die einstimmige Annahme des Einspruches gegen die geplante Errichtung des Lokomotivschuppens und auch des Rangier- bahnhofes. Ebenfalls einstimmig angenommen wurde ein Antrag Roack, worin der Landral des Kreises, der Regierungspräsident und der Zweckverband Groß-Berlin ersucht werden sollen, das Vorgehen der Gemeinde Mariendorf in dieser Angelegenheit tatkräftigst zu unterstützen.— Genosse Reichardt machte den Vorschlag, wenn dieser Protest nichts fruchten sollte, eine Petition an den preußischen Land- tag und das Herrenhaus zu richten.— Hierauf folgt noch eine ge- Heime Sitzung. Stcuenhagen(Ostbahn). Beim Militär gestorben. Der hoffnungsvolle Sohn unseres Parteigenossen B. Jahn wurde im vorigen Monat zur Fußartillerie nach Graudcnz eingezogen. Dort verstarb der junge Mann ganz plätzlich. Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des hiesigen Friedhofes aus statt. Alt-Glienicke. In der letzten Gcmeindcvertretersitzung wurde von unseren Ge- uossen der Dringlichkeitsantrag eingebracht, eine Arbeitslosen- fürsorge nach dem Genter System für unseren Ort einzuführen. Dieser Antrag wurde zurückgestellt. Der Gemcindcvorstand stellt in dieser Angelegenheit Erhebungen an und findet zu diesem Zweck am Dienstag, den IL. November, von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 3 Uhr, im Gemeindebureau, Rudowcr Straße 62, eine Arbeits- l o s e n z ä h l u n g statt. Hierzu sind Ouittungskarle, Krankenkassen- buch, Entlassungsschein usw. als Ausweis vorzulegen. Um dem Auprage auf Einführung der Arbeitslosenfürsorge Gellung zu ver- schaffen, ersuchen wir sämtliche arbeitslosen Personen, Männer und Frauen, sich am genannten Tage im Gcmeindebnrcau zu melden. Bernau. Bei der am Tonucrstag stattgefuudcnen Stadtverord- n e t e n w a h l für die III. Abteilung erhielten die Genossen Bruno Schneider 421, Adolf Sasse 420 Stimmen. Eine Gegen- kandidatur war nicht aufgestellt, es war daher von einem Kampfe nichts zu merken. Ganz anders dagegen war die Wahl am Freitag. den 14. d. M., für die II. Abteilung, in der wir zum ersten Male ernsthafte Kandidaturen ausstellten. Hier war ein Kampf im wahren Sinne des Wortes. Das zeigt sich am besten an der Wahlbclcili- gung; von 331 eingeschriebenen Wählern kamen 135 zur Wahl. Es erhielten die Bürgerlichen B. Tiehle 1, E. Schulze 97, F. Surell 39 Stimmen; unsere Genossen E. Wünsche 37, L. S t o ck l v w 29, M. R o s e n o w 27 Stimmen; 14 Stimmen waren zersplittert. Wenn man in Betracht zieht, daß unsere Kandidaten vor zwei Jahren in der II. Abteilung 9 Stimmen auf sich vereinigten, dann können wir mit dem Ergebnis der Wahl nicht nur zufrieden sein, sondern ernsthaft daran denken, schon bei der nächsten Wahl unsere Kandidaten durchzubringen, denn unsere Gegner haben alle Wähler, auf die sie Einfluß haben, zur Wahl geschleppt und können daher auf keinen größeren Zuwachs mehr rechnen. Anders aber steht es mit uns, hier können wir noch sehr viel herausholen; es zeigte sich auch diesmal, daß die meisten Geslbäftsleute nicht zur Wahl gingen, weil sie fürchteten, wirtschaftlich geschädigt zu werden. Es erwächst für unsere Genossen die Aufgabe, schon jetzt für die nächsten Wahlen zu arbeiten. Heute Sonntag findet im Saale des.Neuen Gesellschaftshauses" Jnh. H. Modisch, eine Bücher-, Wandschmuck- und Jugendschriften Ausstellung statt. Die Arbeiterschaft wird ersucht, die Ausstellung zu besuchen. Bohnsdorf. Den Bericht ans der Gcmeindevertrctcrsitzung erstatteten in der gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins die Gc uossen Schiffkc und tschulz. In die verstärkte Armenkommission wurde u. a. Genosse Klemm gewählt. Wegen der Erbauung einer Straßenbahn haben einige Vertreter wiederholt mit der Stadt Köpenick verhandelt, doch wurde ein definitiver Beschluß noch nicht gefaßt, da Köpenick 60 000 M. fordert, wodurch die Gemeinde zu stark belastet wird. Es sollen nun andere Gesellschaften zu Ver Handlungen herangezogen werden. Herr Thiele hatte von der Ge- meinde 4000 M. gefordert, um einen Autoomnibusverkehr für die Strecke Grünau-Falkenhorst einzuführen. Dies wurde abgelehnt. Für einen Unterrichtskursus der Gemeindelehrer u. a. für natio nale' Jugendpflcgtz, der in Freienwalde stattfand und von zwei Lehrern besucht war, wurden Telcgationskosten für zirka 3 Wochen gefordert. Dies wurde von unseren Genossen abgelehnt. Einige Bürgerliche wollten pro Mann und Tag fünf Mark bewilligen, einige vier Mark. Da man sich nicht einig wurde, fielen sämtliche Anträge. Dem Bau eines neuen Schulhauses wurde zugestimmt. Die Kosten belaufen sich auf zirka 135 000 M. Außer einer Turn- Halle(IV: 20 Meter) sind vier Bäder vorgesehen, die Schule soll sechs Klassen und 8 Klassenzimmer erhalten. Da die Baugenossenschaft „Paradies" für das Schulgrundstück drei Morgen kosten- und lastenfrei abgegeben hat, kann die Schule später bedeutend erweitert werden. Die Gemeinde wird voraussichtlich mit einem Drittel des Betrages zu den Baukosten herangezogen werden. Auf diesen Bericht folgte eine lebhafte Diskussion. Von ver- schiedcnen Genossen wurde bemängelt, daß die Schullchrer zu den patriotischen Gedenktagen(Völkerschlacht und Sedanfeicr) die Kinder aufforderten, im Sonntagsstaat zu erscheinen. Leider müsse konstatiert werden, daß verschiedene Arbcitereltern diesem Ver- langen bereitwilligst nachkamen. In der Handarbeitsstunde er- hielten die Mädchen christliche Traktütchen von der Lehrerin, daher müsse die Bibliothek zur Bekämpfung der Schundliteratur fleißiger benutzt werden und nicht etwa die Bibliothek unserer Gemeinde- schule.— Einige Genossen haben Strafmandate erhalten, weil sie als Mitglieder der Pflichtfcuerwehr sich an den Aufröumungs- arbeiten eines Schcuncnbrandcs nicht beteiligt hatten. Es wurde betont, daß man von der Pflichtfeuerwehr nicht verlangen könne, die nocki vorhandenen Gctrcidevorräte wegzuschaffen, nachdem das Feuer bereits seit acht Tagen gelöscht war; das wäre Sache der freiwilligen Feuerwehr. Richterliche Entscheidung sei erwünscht. Zur Verbandsgeueralversainnilung wurde Genosse F. Bölke dele- giert. Hierauf teilte der Vorsitzende Buoch, der Versammlung mit, daß er sein Amt als Vorsitzender niederlege, da er vom Zentral- vorstand des Kreises kein Material erhalte und gegen seine Wahl Bedenken geäußert worden seien. Er. berichtete über die stattge- j(Ansan'g"?"� Uhr.) fundenen Verhandlungen mit dem Kreisvorstand. Von vielen Dis- kussionSrednern wurde verlangt, daß der Gesainivorstand sich einer Reuwahl unterstelle. Da die Mitglieder geschlossen hinter Booch ständen, könnten die Anwürfe gegen den jetzigen Vorsitzenden nur aus den Reihen des Vorstandes kommen. Das Verhalten des Zeutralvorstandes wurde allseitig scharf verurteilt. Nach einer lebhaften Geschäftsarduungsdebatte wurde folgende Resolution Weißensee einstimmig augeiiomnien:„Die heutige Mitglicdcrver- sammlung hält die Wahl des Genossen Booch zum 1. Vorsitzenden und Rückert zum 2. Vorsitzenden ausrecht. Der Zentralvorstand wird aufgefordert, das erforderliche Material, wie üblich, dein 1. Vorsitzenden Booch, Gcnosscnschaftshaus 1, zuzusenden." Johannisthal. Seinen ersten Märchen-Rachmittag mit Lichtbildern veranstaltet der hiesige Bildungsausschuß am Mittwoch, 19. November(Bußtag), nachmittags 4)4 Uhr, im Restaurant„Lindenhof", Friedrichstr. 60. Wir können jedem, der seinen Kindern eine Freude bereiten will, den Besuch dieser von künstlerischem Geist getragenen Veranstaltung empfehlen. Der Eintritt kostet für Erivachscne 20 Pf., für Kinder die Hälfte. Schon beute sei darauf hiiigelviesen, daß die diesjährige Jugendschriftenausstellung, in welcher auch künstlerischer Wand- schmuck iKünstlcrsteinzeichnungcnl und Beschäftiguugsspielc ausgc- stellt werden, am Sonntag, den 30. November, 1. und 2 Dezember, im Restaurant von Otto Senftlcben(kleiner Saali stattfindeii wird. Zu dieser Ausstellung hat jedermann. uiicntgeltlich Zutritt. Ferner veranstaltet der Bildungsausschuß am Sonntag, den 7. Dezember, einen Besuch der FcucrbestattungSanlage der Gemeinde Treptow. Die Teilnehmer haben durch den Bildungsausschuß freien Eintritt. Derselbe bittet die Arbeitervereine Johannisthals, auf diese Daten bei ihren Veranstaltungen Rücksicht zu nehmen. Oranienburg. Aus zur«tadtverordnetenwahl! Heute Sonntag, den 16. November, von mittags 12 Uhr bis nachmittags 5 Uhr, finden die Stadtverordiietcnwahlcn für die dritte Abteilung statt. Hierzu sind zwei Wahlbezirke gebildet wor- den; es wählen die Wahlberechtigten mit den Anfangsbuchstaben A— L einschließlich im Saale des Gastwirts Fromm, Breite Straße 7, während für die Wähler mit den Anfangsbuchstaben M— Z der alte Stadtverordnetcnsitzungssaal in E i l e r s Hotel, Luisen- platz, als Wahllokal vorgesehen ist. Nachdem die bürgerlichen Par- tcien sich wenige Stunden vor der Wahl zum gemeinsamen Vor- gehen gegen die Sozialdemokratie trotz aller vorhergehenden Zänke- reien untereinander um den Mandatenschacher zusammengefunden haben, wird es ein heißer Kampf werden, zumal in dem hiesigen Lokalblättchen die von bürgerlicher Seite aufgestellten Kandidaten als die„populärsten" Männer Oranienbiirgs in allen möglichen Tonarten gepriesen werden. Tie Wähler werden daher zu beweisen haben,, daß sie einschen gelernt haben, von welcher Seite ihre Jntcr- essen wahrgenommen werden. Ihre Pflicht wird es heute sein müssen. Mann für Mann für die sozialdemokratischen Kandidaten, die Genossen Bernhard Papke, Buchdrucker, Adolf Frah in, Gastwirt, Paul Plessow, Eigentümer, ihre Stimme abzu- geben. Diejenigen Wähler, die hierüber noch im Zweifel waren, mögen das letzte Flugblatt der bürgerlichen Vereine lesen, sie lverden dann zu dem Ausruf kommen i„Keine Stimme einem bürgerlichen Kandidaten!" Nicht nur, daß in demselben die gesamte werktätige Bevölkerung Oranienburgs verunglimpft wird, sie wird auch mit einem fahrenden Zigeunervolk verglichen, die bald hier, bald dort wohnen, wo sie gerade Arbeit finden. Es gilt, dieser Elique von Emporkömmlingen zu zeigen, daß eine klassenbewußte Arbeiterschaft es nicht ruhig hinnimmt, wenn sie beschimpft wird. Nur durch eine Stärkung der sozialdemokratischen Stadtvcrordnetenfraktion kann für die arbeitende Bevölkerung eine Besserung in der Kommune geschaffen werden. Die zweite Abteilung, welche am Montag, den 17. No- veinber, nachmittags von 1-— 4 llhr, im alten Stadtverordneten- fitzungssaal von Eilers Hotel, Luiscnplatz, wählt, läßt nach dem nunmehrigen Zusammenschluß der Bürgerlichen für unsere Kau- didateu, die Genossen Karl G r o tz m a n n, Hermann Rohr- lack, Paul Zorn, Ferd. Voigt, Paul Tornow, wenig Hoffnung auf einen Sieg aufkommen. Aber dennoch gilt es, auch den letzten für uns zu gewinnenden Wähler an die Wahlurne heran- zuholen, um durch ein Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen gleichzeitig Protest gegen das Dreiklassenunrecht einzulegen. Daher: „Auf zur W a h l!" Nowunie«. „Ist der Geburtenrückgang eine revolutionäre Waffe?" Ueber dieses Thema sprach Genosse Dr. Alfred Bernstein in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvcrcins. In der Diskussion nahm zunächst Genosse Neumaun das Wort. Er bezeichnete gleich dem Referenten die Geburteneinschränkung mit Rücksicht auf die Er Haltung der Volksgesundheit als erstrebenswert; sie als revolutionäre Waffe zu gebrauchen, lehnte er jedoch entschieden ab, weil sich die Arbeiterklasse damit selbst am stärksten schädigen würde. Dieser Ansicht traten auch die Genossen Wolter, Köpke und Kirsch bei, während die Genossen Wittke,�Drescher, Stangenberg, Skurk sowie Genossin Reipert sich auf den Standpunkt des Referenten stellten. Potsdam. Die Arbeitslosigkeit hat in den letzten Wochen in Potsdam einen Umfang angenommen, wie er feit langem nicht beobachtet wurde. Selbst auf dem städtischen Arbeitsnachweis, der im allgemeinen nicht als Gradmesser der Arbeitslosigkeit anerkannt werden darf, weil sich hier nicht alle Arbeitslosen meiden, haben sich im Monat Oktober, einem Monat, wo bei normalen Zeiten ArbcitSmangel kaum herrscht, über 100 Arbeitslose mehr gemeldet, als im Monat Januar d. I. einem Monat, i» dem die Arbeitslosigkeit in der Regel ihren Höhepunkt erreicht. ES waren nämlich im Januar auf dem städtischen Arbeitsnachweise 731 Personen eingetragen und im Oktober betrug diese Zahl 833. Zieht man in Betracht, daß in Potsdam nur über 2000 gewerkschaftlich Organisierte vorhanden sind, so muß diese Zahl als erschreckend hoch bezeichnet werden. Es handelt sich bei diesen Zahlen, abgesehen von den weiblichen Personen, meist um gewerkschaftlich Organisierte. Seitens des Ma gistrats sind allerdings kürzlich 6000 M. zur Bekämpfung der Arbeits losigleit bewilligt worden. Ganz abgesehen davon, daß mit dieser Summe nicht viel angefangen werden kann, wird sie, wie das die Erfahrung gelehrt hat, nicht etwa zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit verwendet, sondern man entlastet damit den Armenctat, indein man in der Winterzeit alte gebrechliche Leute, die man so wie so unterstützen müßte, zum Schneeschaufcln und ähnlichen Arbeiten heranzieht. Auch hat der Magistrat vor einiger Zeit in Aussicht gestellt, Notstandsarbeiten in Angriff zu nehmen. ES würde bei den bereits beschlossenen Projekten auch ein leichtes sein, Arbeit zu beschaffen. Aber man scheint dies auf dem Rathause schon wieder vergessen zu haben, denn bis jetzt ist damit noch kein Anfang gemacht. Oder sind die gegenwärtige» Arbeitslosenzahlcn in Potsdam noch nicht groß genug? Es gehört zur Pflicht der Kom- munen, Arbeit für ihre Einwohner zu besorgen, u», sie vor Hunger und Kälte zu schützen. Hoffentlich sorgen die Potsdamer Arbeiter bei den am 24. und 25. Noveniber statifindenden Stadtverordneten- wählen dafür, daß in das Potsdamer Raihaus Leute einziehen, die für die Not der Arbeiter ein größeres Verständnis besitzen als die jetzige Stadlvcrtrctung._ CQocben-öpwlplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Margarete. Montag: Das Rhein- goid. Dienstag: Bohsmc. Mittwoch: Sinfonie-Konzert.(Ans. 7fl, Uhr.) Donnerstag: Die Walküre.(Anfang 7 Uhr.) Frestag: Figaros Hochzeit. Sonnabend: Stegsried.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: l Cavallona rusticana. Bajazzi.(Ailsalig Uhr.) Montag: Götterdämme« rung.(Anjang Gy, Uhr.)„. Königl. SchäusPielhanS. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Die Journalisten. Dienstag: Ariadne aus Naxos. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Die Neuvermählten. Die zärtlichen Verwandten. Freitag: Hans Lange. Sonnabend: Die Jungfrau von Orleans. Sonntag: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Die Rabensteinertn.(Ansang 7-/. Uhr.) 'Neues Opcrntfteater(Kroll). Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: gideiio. Montag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Rigoletto. Montag: Geschlossen.(Ansang 8 Uhry Deutsches Theater. Sonntag: Emilia Galotti. Montag: Em Sommcniachlsiraum. Dtcnstag: Der blaue Vogel. Mittwoch: Geschlofscn. Donnerstag: Torquato Tasso. Freitag: Viel Lärm um nichts. Sonn- abend: Ein SommcrnachtSlraum. Sonntag: Emilia Galotli. Montag: Viel Länn um nichts.(Ansang Tl2 Uhr.). Kammcrspielc. Sonntag: Der verlorene Sohn. Montag: Fruqnngs Erwachen. Dienstag: Der verlorene Sohn. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Schöne Frauen. Freitag: Der verlorene Sohn. Sonn- abend: Maria Magdalcne. Sonntag: Der verlorene Sohn. Montag: Frühlings Erwachen.(Ansang 8 Uhr.) Lcssing-Tlicatrr. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Piosessor Bernhardi. Abends: Pygmalion. Montag: Pygmalion. DimStag: Peer Gynt. (Anfang 7'/, ilbr.) Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag. Freitag und Sonn. obend: Pygmalion. Sonntag: Peer Gynt.(Ansang 7'/.'Uhr.) Montag: Pygmalion.(Ansang 8 Uhr). Berliner Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Bnmmelstudentcn. Abends und allabendlich: Wie einst im Mai.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlofscn. Theater in der Küniggräher Straße. Sonnlag und Montag: Die Kronbraut. Dienstag: Die jünf Franksurter. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag bis Montag: Die Kronbraut.(Anfang 8 Uhr.) Deutsches Schaiispiclhans. Sonntagnachmittag 3>/« Uhr: Der gute Rat. Abends. Montag und Dienstag: Die heitere Residenz. Mittwoch: Geistlicher Konzcrtabend. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Die heitere Residenz. Sonnlag: Der gute Ruf.(Ansang 7'l, Uhr.) Montag; Die heitere Residenz.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagiiachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Äindsor. Abends: Die Jüdin. Montag: Das Notbcmd. Dienstag: Der Wafsenschmied. Mittwoch: Konzert. �Donnerstag: Fidelio. Freitag: Das Nothcmd. Sonnabend: Undine. Sonntag: Die Jüdin. Montag: Undine.> Ansang 8 Uhr.)» Koniödienhaus.«omitagnachmittag 3Ubr: Filmzauber. Allabendlich: Hinter Mauern.(Ansang 8 Uhr.) Mittlvoch Geschlossen. Künsilcr-Thealcr. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: DaS Prinzip. Abends: Die Slssärc. Montag: Hannclcs Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug. Dienstag: Tic Affäre. Mitlivoch: Geschlossen. Donnerstag: Die Affäre. Freitag: Ter Biberpelz. Sonnabend: Die Affäre. Sonntag Hannclcs Himmclsahrt. Der zerbrochene Krug. Montag: HanneleS Himmclsahrt. Der zerbrochene Krug.(Ansang 8 Uhr.) Lnstipidlimis. Sonnlagnachmiltag 3 Uhr: Majolika. Bis aus weiteres allabendlich: Im grünen Rock.(Ans. 8 Uhr.) Mittwoch: Geschloffen. Theater des BSestens. Sonntagnachmittag 3ff, Uhr: Der liebe Augnilin. Allabendlich: Polcnblut.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. ' TIialia-Thearrr. Allabendlich: Tie Tnngoprinzcssi».(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Residenz- Theater. Sonntagiiachmittag 3 Uhr: Die Frau Präsi- denti». Allabendlich: Hoheit— der Franz.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Trianon- Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Seine Geliebte.(Anjang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Schillcr-Thcatcr Sonntagnachmillag 3 Uhr: Freiwild. Abends: Wenn der neue Wein blüht. Montag: Hasemanns Töchter. Dienstag: Rosenmoniag. Mittlvoch: Geschlossen. Donnerstag: Die goldene Rilier» zeit. Freitag: Rosciimontag. Sonnabend: Die goldene Ritterzeit. Sonn- tag: Die Stützen der Gescllscklast. Monlag: Roscnmontag.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater<5harlottenbiirg. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseid. Abends und Montag: Die Jungfrau von Orleans. Dienstag: Jugcndsrcundc. Miltwoch: Geschlossen. DonncrS» lag: Die Jungsrau von Orleans. Freitag: Jugendfreunde. Sonnabend: Die Jnngsrau von Orleans. Sonntag: Rojenmontag. Montag: Jugend- srcuiide.«Ansang 8 Uhr.) Luise», Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Hopsenrats Erben. Abends: Kascrnenlust. Montag und Dienstag: Hopsenrats Erben. Mittlvoch: Geschlossen. Donnerstag und Freitag: Hopsenrais Erben. Sonn» abend: Von Stufe zu Stuse. Sonntag und Montag: Kasernenlust.(An- sang S'l-t Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3'/. Uhr: Liebelei.'Abends, Moil.og und Dienstag: Bciindc. Miltwoch: Vortrag H. Eulcnberg.(An- sang ü'l, Uhr.) Doiincrslag bis Montag: Beiindc.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolksthratcr.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Mudder Mcws. Abends: Ter ledige Hof Monlag: Rausch. Dicnstaq: Die Siebzehnjährigen. Mittwoch: Geschiosseil. Donnerstag: Die Siebzehnjährigen. Freitag und Soiinabcnd: Mudder Mcws. Sonntag und Montag: Rausch.(Ansang 8ff, llhr.) Walhalla- Theater. Sonntagiiachmittag 3 Uhr: Vor hundert Jahren. Allabendlich: Der Licbcsonkcl.(Ansang 81/« Uhr.) Mittwoch: Geichloffen. Montis Operetten- Theater. Soimtagnachmiltag 3 Uhr: Die Fledermaus. Allabendlich: Die ideale Gattin.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: beschlossen.. �. Rose- Tlieatcr. Sonntagnachinittag 3 Ubr: Der Meincidbaucr. Abends, Montag und Dienstag: Im weißen Rößl. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Im iveißen Rißt. Freitag bis Sonntag: Der Meincidbaucr. Montag: Vcrliii, wie es weint uno lacht.(Äiisaug 81/, Uhr.) Theaicr am Nollendorsplan. Sonntagnachinittag 3 Uhr: Orplicus in der Unterwelt. Abends, Monlag und Dienstag: Ter Mikado. Mittwoch: Meine Rciie zum Südpol.' Donnerstag bis Sonnabend: Der Mikado. Sonntag: Liebelei. Montag: Der Mitado.(Ansang 8 Uhr.) Urania. Theater. Soniltag: Rtit dem„Imperator" nach New Jork. Montag: 15 Jahre bei den Schwarzsuß-Jadianern. Dienstag: Die Her« itelliing künüiicher Edelsteine. Mittwoch: Mit dem Imperator nach New ~"~....'■*-•'------- �rcitag, i; Monlag Jork.'Doyncrstag: 15 Jabre bei den Schwarzsuß.Jlldiaiicrn. «onnabend und Sonnlag: Mit dem Imperator nach New Jork unbeslioinit.(Ansang 8 llhr.) Gebr. Hcrrntcld-Theater. Zlllabcndlich: WaS sagen Sie zu Lei- busch?!(Ansang 8 Uhr.) Miltwoch: Geschlossen. Kasino-Tlieäter. Sonntagilachmittog 1 Uhr: Mutterliebe Allabcnd- lich: Ferdinand der Tugcndhastc.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Folies Eapricc. Allabendlich: Ritter Baldrian. � Mißgeburt. Adoptiv- kind.(Ansang 8'/. Ubr.) Mittlvoch; Geschlossen. Friedrich WilhelinstädtischeS Theater. Allabendlich: Die Kino- lömgm.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Metropol. Somiiagnachmittag 3 Uhr:'s Nullcrl. Allabendlich: Die llicije um die Welt in 40 Tagen.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Wintergarten. Allabendlich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. ReichShallen-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Stettincr Sänger. Allabendlich: Stettincr Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7'/, Uhr.) Mittwoch: Geschloffen. ZirkuS Busch. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang 7'/, Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Zirkus Schnmon». Sonntag nachmittag llfl, Uhr: Galavorstellung. Allabendlich: Galavorstellung.(Ansang 7>/„ Uhr.) Mittlvoch: Geschlossen. Zldiliiralspalaft. Eisballclt: Die lustige Puppe.(Alijang 9 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen._____ Briefkasten der Redaktion, Tic luclstischc Sprca,st»»»c findet L i« d c n st r»» c 6», vorn vier Treppe» — Fahrst nyl—, wochentaglich von 4>z, dis gl,- Uhr abends, Eonnabend«, van 4 dis 6 Uhr abends statt. Jedrr sür den Briefkasten destimmten Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merlzeiche» beizufügen. Briefliche Antwar» wir» nicht erieilt. Anfragen, dene» leiite Adonnrmentsgutttung detgefüg« ist, orrden nicht deantworiet. Eilige Fragen trage ma» in der Eprechstnnde«or. A. M. 9. Nur dann, wenn die Witwe invalide im Sinne des Gesetze» ist.— F. S. 1900. Der Pfarrer kann den Taufakt ablehnen. W. L. 409. Verjährung würde erst mit Ende Dezember dieses Jahre» eingetreten sei».— B. W. 177. Sie bleiben an den Mietsvertrag ge- bunden.— Otto. 79. Ja.— 30. Ii. 1. Ja, ob und welche Charge er erlangt hat, ist uns nicht bekannt. Um Privatverbältnisse der Partei. genossen kümmern wir uns nicht. 2. Ja.— A. R. Woltersdorf. 1. Schreiben Sie an den AmtSvorsiehtr und verlangen Sie die Fortnahme der Jnvalidenkarte. 2. Ja.— M. H. 97. Sie können die Sache auch selber beim Patentamt anmelden. Modell oder Zeichnung ist beizusügen. Kosten der Anmeldung 2V M., bei Ertellung 30 M. Veräußerung ist vor- und auch nachher zulässig.— A 300. Ihr Sohn ist in Berlin sort- bildungsschulpflichtig.— 3. 15. 1. Das ist Aufsassungssache. 2. Ja, der Junge muß aber aus der Landeskirche ausscheiden.— P. Ja, sofern Sie dazu imstande sind.— L. ij). III. Dazu ist der Arbeitgeber verpflichtet, ev. auch der Vater. Kosten entstehen nicht.— I. R. 39. 1. und 2. Ja. P. K. 40. Fordern Sie vom Eigentümer unter Setzung einer Frist Beseitigung des Uebelstandes unter der Androhung, daß sie nach erfolg- losem Ablauf der Frist den Vertrag per sofort lösen und Schadenersatz ver- langen würden.— W. O. 300. Ja, er wird aber sosort seines Amtes verlustig.— B. 3t., Neukölln. 1. Einwohnermeldeamt. 2. Ja, sofern die Frau nicht selber ihren Unterhalt bestreiten kann. 3. Nach Ermittelung MW �pezfalarzt f. Haut-, Haru-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in Dl. Homeyer Untersuchung., Fäden i. Harn usw. kii-lickiitt,. St.«A7». Ipr. ll>— 2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mähig. auch Teilzahl. Separate» Damenzimmer. Rester- � Handlung. Ulsterstoffe, gr.Ausw. Z.— an Damentuche, g. Qual. 2.90„ Neueste Kostlimstofle Kammgarn u. engl. I.—, Seiden und Sammele 1.—„ Pilische n. Astrachane 4.50„ Engl. Seal sehr billig Reste zu Knaben-Anzügen and Ulstern spottbillig. Konfektion Gelcgenlicit.kilare: Damen-Ulster.... t f. 25 an Kostüme....... 18.50„ Röcke, gr. Auswahl 3.50 n Kindermäntel in großer Auswahl, sehr billig. Auch gedieg. Maßanfertiguag. 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Ob diese Erfolg haben wird, hängt von dem Zeugnis der Personen, die bei der Gelegenheit zugegen gewesen find und von dem Gutachten des Schreibsach- verständigen ab.— M. W. S. 1283. 1. ES ist zu lange her. 2. Ja. — A. 3. 1. Ja. 2. Im Berliner Rathaus PreiS 2 M.— Stiftung. F. u. C. Licbermann-Stiiiuug. Bureau: ististungSbureau, Bertin, Post- stratze IS I.— 81. L. ÄS. städtische öffentliche Jmpfanftalt, Witbelmstr. 17 (SomtiagS 12—1).— R. S. 1. Wenn Sie zeitig komme», ja. 2. Ja, die ganzen Personalien. 3. Ja.— Alter Genoffc Ol. 1. Ja. 2. Ja, im 14. Bezirk in der Stichwahl mit Langerhans. 3. Am 14. 12.83 wurde Ewald gewählt. Verbuk von eleganten Damengarderoben in den bedeutend vergrüßerten Parterreräumeu nur allein ZentraNLeihhaus Jägerstr. 71 Ecke Kanonierstr. am. h Hocheleganle MoDatsgarderobec, teils in prima Seide, zu sehr mäßigen Preisen. 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Außer den Sozialisten haben besonders auch Christlichsoziale und Kon servative, wie die Grafen de Haussonville und D e M u n auf Abhilfe gegen Zustände gedrungen, die gestern von Rednern verschiedener Richtungen, namentlich auch vom radikalen Arbeitsminister Chcron als Skandal bezeichnet »viirden. Den unmittelbaren Anstoß zur Vorlage des Gesetzes gab die große Enquete über die Lohn- und Lebensverhält nissc der Heimarbeiterinnen der Wäsche- und der Blumen industrie, deren Resultat das Arbeitsaint in den Jahren 1910 und 1911 veröffentlichte. Der grauenhaften Wirklichkeit, die sich da offenbarte, hielten auch die Vorurteile und heuchlerischen Phrasen des in Frankreich noch imnier anmaßlich dozierenden Manchesterliberalismus nicht stand. In der Kammer hat gestern kein einziger Redner die Vorlage offen zu bekämpfen gewagt. Nur zwei nationalistische Klerikale versuchten— — dank Jaures' entscheidender Intervention ohne Erfolg— ihrer Perfidie hinter juristischen Einwendungen Befriedigung zu verschaffen. Das französischeGesetz geht erheblich weiter als das deutsche vom 20. Dezember 1911. Dagegen nicht so weit, wie das englische vom 2. Oktober 1909, das die Trades Boards auch für die Werkstättenarbeit zur Festsetzung des Minimallohnes beruft. Es soll für die Arbeiterinnen, der Bekleidungsindustrie gelten, kann aber auch in der Folge, wie ein Paragraph bcstimnit, auf andere Heimindustrien ausge- dehnt werden. Es setzt nicht den Lohnbctrag gesetzlich fest, was ja auch bei den in Zeit und Raum stark wechselnden Existenzkosten kaum anginge. Es will den Minimallohn nicht mit Rücksicht auf das Existenzminimum bemessen lassen, sondern auf der Grundlage des Lohnes der Werkstätten- arbeiterinnen. Es nimmt weiter nicht Rücksicht auf die gerade bei den Heimarbeiterinnen so schrecklichen Perioden der Arbeitslosigkeit. Immerhin, so schwere Mängel es aufweist, bedeutetes, prinzipiell und tatsächlich für die in Betracht kommenden Arbeiterinnen und für die Sozialresorm einen wichtigen Fortschritt. Darum haben auch die Sozialisten für die Vorlage gestimmt und die von Gen. V a i l l a n t ein- gebrachte und in einer ausgezeichneten Rede vertretene Gegen- Vorlage, die sich auf die Heimarbeit überhaupt bezog und ins- besondere auch die Inspektion- der Arbeitsstätten vorsah, zurückgezogen. Von größter Bedeutung ist das, vom Gesetz festgestellte Recht d e r E e w- c r k i ch a s t c n.. gegen das Uebertreten gerichtlich vorzugehen, auch wenn die geschädigte Arbeiterin es nicht selbst tut. Tie Gewerkschaften sind damit als die Sachwalter der Arbeiterschaft und als ihre Schützer kraft eigenen Rechts gesetzlich anerkannt. Das Gesetz gibt dieses Recht der Intervention allerdings auch anderen, dazu eigens legitimierten Verbänden, als welche verschiedene philanthropische Vereine in Betracht kommen. Bei dem heutigen. Zustand der gewerkschaftlichen Organisation in den in Frage konunenden Gewerben und bei der Angst der Heim- arbeiterinnen, besonders der Provinz, den Unternehmern der gewerkschaftlichen Betätigung verdächtig zu werden, ist dagegen kaum etwas einzuwenden. Die Hauptsache ist, daß die Ge- werkschaften sich sähig zeigen, die'Rolle, die ihnen das Gesetz darbietet, auszufüllen und den vor der Uebennacht der Aus- beuter zitternden Arbeiterinnen Selbstvertrauen und Vertrauen zur Organisation einzuflößen. Die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes sind: Das Geich ist anwendbar auf alle Arbeiterinnen, die im Haus Arbeilen an Kleidern, Hüten, Schuhen, Wäsche aller Art, Stickereien. Spitzen, Federn und Kunstblumcti, sowie alle anderen zur Be- kleidungSmdustrir gehörigen Arbeiten verrichten. Jeder Fabrikant, Komniissionär und Zwischenhändler, der solche Heimarbeileii verrichten läßt, hat ein Register mit Namen und Ndresse aller beschäftigten Arbeiterinnen zu führen. Er hat die Stückpreise in den Warteräumen sowie in den Lokalitäten, wo die Rohstoffe übergeben und die fertigen Waren üvernckmmen werden, dauernd anzuschlagen. Jeder Arbeiterin ist ein Block oder ein Heft zu übergeben, worauf die Art und die Oualität der Arbeit, das Datum und der Stückpreis verzeichnet sind. Dieser Preis darf nicht niedriger sein, als der angeschlagene. Bei der Ablieferung der Ware ist das Datum, der Lohn und die von der Arbeiterin gelragenen Kosten an- zumerken. Die Eintragungen sind auf dem Abschnitt oder in einen, eigenen Register zu wiederholen. Die Stückpreise sind so zu besten, daß sie einer Arbeiterin von mittlerer Geschicklichkeit gestalten, in zehn Stunden einen L o h n zu verdienen, der einem von den Arbeits- r ä t e n oder in ihrer Ermangelung von den Gewerbe- gerichren für den Beruf und die Gegend be- st i ni m t e n Minimum gleichkommt. Die ArbeilSräte sbeziv. Eewerbegerichte) bestimmen das Minimum in der Weise, daß cS in keinem Fall geringer ist, als z lv e i Drittel des gewöhnlich in der betr. Region den Werkstätten- arbeiterinnen von»liltlercr Geschicklichkeit in den üblichen Arbeiten des Berufs gezahlten Lohns. In Regionen, wo nur Heim- arbeil besteht, ist als Grundlage der Lohn der Tagelöhnerinnen oder der der Arbeiterinnen analoger Berufe in anderen, vergleich- baren Gegenden zu nehinen. Der so bestimmte Minimallohn dient als Grundlage für die Gewerbegerichtsurteile in den ihnen unter- breiteten, mit diesem Gegenstand zusammenhängenden Streitfällen. Der ArbeitSrat nimmt mindestens alle'3 Jahre eine Revision des Minimums vor. Die ArbeilSräte können, um den Gewerbegerichten die Entscheidung zu erleichicm, Lohntabellen für die verschiedenen Stückarbeiten aufstellen. Doch sind diese nicht wie das Minimum für die Gewcrbegerichte bindend. Lei der Be- stimmung des Minimums und der Lohntabellen durch das Gewerbe- gericht sind Vertreter der Uniernehme» und der Arbeiter in gleicher Anzahl heranzuziehen, d. h. die jüngsten nehmen event. an der Ab- stimmung nichr teil. Den Vorsitz führt der Friedensrichter. .®'e ArbeitSräte. bezw. Gewerbegerichle veiöffentlichen die Minimallöhne bezw. Lohniabellcn. Wird innerhalb dreier Monate gegen ihre Entjcheiduiig von feiten der Regierung, einer Berufs- vereintgung oder einer m dem Berus Jnieresien besitzenden Person Protest erhoben, entscheidet in letzter Instanz eine Zentralkommission im Srbettsministertum, der zwei Mitglieder deS Arbeitsrats oder GewerbegerrchtS, besten Entscheidung angefochten wird, zwei für drei Jahre gewählte Mitglieder der Gewerberichterschast— von beiden Körperschaften je ein A> beiler- und ein Unlernehmervertreter— und I ein Mitglied des Kassationshofes als Präsident angehören. Nach l Ablauf von drei Monaten oder nach der Entscheidung der Zentral- �kominission wird das Minimum obligatorisch. * Die Gewerbegerichte sind für alle aus diesem Gesetzesabschnitt entstehenden Streitsachen kompetent. Die Differenz zwischen dem gezahlten Lohn und dem ihr auf Grund de? Minimums geschuldeten ist der Arbeiterin auszufolgen, unbeschadet de? Schadenersatzes, zu dem der Unternehmer verurteilt werden kann. Jeder Fabrikant, Kommissionäre oder Zwischenhändler ist zivil für das durch sein Ver schulden nicht bezahlte Minimum haftbar. Der Termin für die Reklamationen gegen den Tarif beträgt 14 Tage. Für die Klagen, die Arbeiterinnen für ihre auf den Tarif begründeten Ansprüche erbeben, gilt die allgemeine, im bürgerlichen Gesetzbuch festgesetzte Frist. Die vom Arbeitsministerium durch Dekret autorisierten Der- einigu n gen und die B e r u fs s y n d i ka t e, die in einer Region für die BekleidungSiiidnstrie bestehen, selbst wenn sie in ihrer Gänze oder zum Teil aus Werkstätten- arbeitern bestehen, können wegen Nichtbeobachtung des vorliegenden Gesetzes eine Zivilklage aus- tragen, ohne einen Schaden nachweisen zu müsien. ' Das Gewerbegericht schlägt aus Anlaß jedes den Lohn einer Heimarbeiterin der bezeichneten Industrie betreffenden Prozesses den dem Urteil zugrunde gelegten Minimallohn und den daraus hervor- gebenden Tarif am Gerichtstor an. Jeder Interessent und jede Be- rufSvereinigung hat das Recht auf eine kostenlose Kopie. Im Falle, wo A r b e i t e r der bezeichneten Industrie, die zu Hause die gleichen Arbeiten wie die Arbeiterinnen ausführen, einen geringeren Lohn, als das für diese festgestellte Minimum be- trägt, beziehen, können sie vor den Gewerbegerichten die ent- spreche n d e Erhöhung dieses Lohnes unter den gleichen Bedingungen wie die Arbeiterinnen verlangen. Die vorstehenden Bestimmungen können, nach ein- geholtem Gutachten deS obersten ArbeitSratS durch ein Reglement der Verwaltung auf Heimarbeiterinnen anderer Ge- werbe ausgedehnt werden. Uebertretungen werden mit einer Geldstrafe von S— IS Fr., im Wiederholungsfälle mit 16—100 Fr. belegt. Bei Verletzung der Be- stimmungen über die Lohnhefte können die Strafen, gemäß der Angabe der geschädigten Personen multipliziert werden bis zur Gesamthöhe von 600 Frank. Der Höchstbetrag der Bußen bei ver- schiedenen Uebertretungen und im Uebertretungsfall beträgt 1000 Fr. Ob der Senat das Gesetz unverändert annehmen wird, darüber zu prophezeien, wäre mützig. Die Einstimmigkeit der Parteien der Deputicrtenkammer ist keine Bürgschaft, aber immerhin werden die Senatoren vielleicht nicht gern die einzige größere sozialpolitische Leistung dieser Gesetzgebungsperiode zu> nichts machen wollen. Sogar der großkapitalistische„Temps" läßt in seinem Parlamenttzbericht Sympathie mit den Unglück lichen merken, denen das» Gesetz zu Hilse kommen will, und nur das in seinem ökonomischen„Liberalismus" ganz ver bohrte„Journal des Dsbats" sieht in dem Gesetz schon die gefürchtete sozialistische Regelung des wirtschaftlichen Lebens verwirklicht und beschwört die Bourgeoisie, den„Anfängen zu widerstehen." Leibe Zugernibernegung. Die bürgerliche. Juapiidbeweguirg ist keineswegs eine ffo einheitliche, in sich geschlossene Masse,»tie es auf den erftev Blick hin scheint. Die bon Staats wegen und vorn Jungdeutschlandbund angestrebte gemeinsame Organisation der Jugendvereine betrifft nur die äußere Form der Bewegung. Sie kann und will auch nicht die ilincrhalö des Bürgertums bestehenden gesellschaftlichen Gegensätze ausgleichen. Gemeinsam ist allen Gruppen der bürgcr- lichen Jugendbewegung nur das Bestreben, die heranwachsende Arbeiterschaft im Banne der bürgerlichen Weltanschauung fesizu- halten, durch ideologische Beeinflussung den Durchbruch des Klassen- bewußtscins, dieser ersten Voraussetzung eines entschlossenen proletarischen Klassenkampfes, zu hindern. Die Mittel indessen, deren sich die bürgerlichen Jugenderzieher bedienen, find recht verschieden- artig. Solange die Arbeiterschaft wirtschaftlich rückständig»st. erweist sich das religiöse Mittel zu ihrer Beeinflussung als ausreichend. Seitdem dagegen die Großindustrie ihre Herrschaft begonnen, müssen die religiösen Vorstellungen ihren Zweck auf die grotzindustrielle Arbeiterschaft verfehlen. A» ihre Stelle tritt die patriotische Phrase. Infolgedessen geht die konfessionelle Bewegung, sofern sie sich noch der konfessionellen Methode bedient, ihres Einflusses auf die Arbeiterschaft in wachsendem Maße mit dem Fortschritt der Großindustrie oerlustig. Die interkonfessionelle, nationale Methode der Jugendbeeinfluffung gewinnt dagegen immer mehr an Bedeutung. Als eine Frucht industrieller Riesenbetriebe ist in den letzten Jahren eine neue Gruppe innerhalb der bürgerlichen Jugend- bewegung entitanden, die besonders die Beachtung der organisierten Arbeiterschafl verdient. Wie Regierung und bürgerliche Parteien aus politischen Gründen an der bürgerlichen Jugenderziehung interessiert sind, so besitzt der Kapitalist ein wirtschaftliches Interesse an der Heranbildung pon willigen Ausbeutungsobjekten. Die bürgerliche Jugendbewegung findet deshalb seine Billigung und Uiiterstützung. Aber der Kapitalift ist viel zu sehr egoistischer Ge- chäftsmann, als daß er für eine Sache Opfer bräckste, die, wenn auch seiner Klasse, so doch nicht immer ihm selbst, vielleicht sogar seinem Konkurrenten, zugute kommen. Jeder Kapitalist will die Früchte des Samens seiner klingenden Münzen in seine Scheuer bringen. Es ist daher kein Wunder, wenn in unserer Zeit eines überschwenglichen Jugendpflegerummels nun auch die Kapitalisten in„Jugendpflege", d. h. in Jugcndbeeinflussung machen. Wcsent- liche Arbeit auf diesem Gebiete ist natürlich nur für den Groß- iudustriellcli lohnend, der eine größere Schar Arbeiter benötigt. Er kann absolut große Summen für seine Jugendpflege auS- geben, in der Annahme, daß dies Kapital ihm reiche Zinsen tragen werde. Der kapitalistische Jugendpfleger vermag bei gutem Willen und einigem Geschick leichter an die jungen Arbeiter heranzukommen als die Werbeagenten der bürgerlichen Jugendbewegung. Diese knüpfen bekanntlich an die Fortbildungsschule an. Die vierzehn bis achtzehnjährigen Jungen und Mädel verbringen aber nur einen sehr kleinen Bruchteil ihrer Zeit in der Schule, den weitaus größten Teil stehen sie an der Arbeitsstätte unter dem Einfluß i>er organisierten Arbeiterschaft. Der Unternehmer bemüht sich nun, die Jugend diesem Einflüsse zu entziehe». Durch Anwendung von Zuckerbrot und Peitsche sucht er die jungen Arbeiter für �cine„Jugendpflege" zu gewinnen. Diese„Jugendpflege in den Fabriken" beginnt gewöhnlich harmlos und bescheiden mit der Gewährung eines Platzes oder einer Halle des Fabrikgeländes für Spiele der jungen Arbeiter. Auch Turngeräte werden angeschafft. Allmählich wird versucht, die spi lende Jugend zu einem Verein zusammenzuschließen. wozu diese leicht geneigt ist. wenn ihr eine gewisse Selbständigkeit eingeräumt wird. Damit wäre der Anfang der gelben Jugend- organisation getan. Ein Werkmeister. Betriebsleiter oder Lehrer führt die Aufsicht. Im allgemeinen läßt man aber der Jugend ziemlich viel BewepungSsreiheit. Mitunter werden sogar auch außerhalb deS Betriebes tätige Jugendliche in den Fabrikverein aufgenommen, um die unter der Jugend zahlreichen IreundschaftS. bündnisse zu bekräftigen. Wenn der Verein gebildet ist, werden die Veranstaltungen regelmäßig getroffen. Neben Spiel und Sport werden auch Wanderungen und Reisen gepflegt. Hierbei genießen die Fabriijugendver-einc in vollem Maße die Vergünstigungen der staatlichen Jugendbewegung, ivie Fahrpreisermäßigung, frei« Unterkunft in Kaserner usw. Mancher Unternehmer greift wohl auch in seine eigene Tasche, gewährt den Jugendlichen eine Reiseunter- stützung. spendet Uniformen, Musikinstrumente, wie Mandolinen, Zupfgeigen, Trommeln, um die Beteiligung an den Veranstaltungen zu hÄcn. So erkaufen sie sich bei der Jugend das Ansehen eines Wohltäters, obgleich sie wissen, daß diese Ausgaben nur einen und zwar sehr kleinen Teil des notwendigen Betriebskapitals zur Erzeugiliig von Mehrwert darstellen. Viele Unternehmer begnüge» sich aber mit diesen harmlosen Veranstaltungen, die unter dem Schein der körperlichen„Ertüchti- gung" stehen, nicht. Sie suchen in direkter Weise d!e� jungen Arbeiter zu beeinflussen. Nicht selten werden Jugendheime nnt Bibliotheken eingerichtet. Die BLchersainmlungen sind natürlich von den lliiternehiileril gut ausgewählt. Vorträge und Vortrags- kurse werden veranstaltet, zwischendurch werden zur Abwechselung auch Museen und Ausstellungen besichtigt, sowie Theatervor- stellungen besucht. Unternehmer, die zur ungestörten Fortführung ihres Betriebes eines Stabes besonders intelligenter Arbeiter bc- dürfen, lassen ihren intelligenteren Lehrlingen ein« besondere theoretisch-technische Ausbildung zuteil iverden. Obwohl diese Fabriksjugcndpflege cine besondere Stellung in der allgemeinen bürgerlichen Jugendbewegung einnimmt, ist sie dennoch keineswegs exklusiv. Im Gegenteil: die Unternehmer sind bestrebt, ihre jungen Arbeiter möglichst oft mit den größeren Veranstaltungen der gesamten Jugendbewegung, wie Äriegssplele, gemeinfaiste Feste, Aufzüge usw. in Verbindung zu bringen, weil sie nur zu gut wissen, daß Massenveranstaltungen cine große Anziehungskraft auf die Jugendlichen auszuüben vermögen. Tie gegebene Zentralorganifation der Fabriks- jugendpflege ist die gelbe Gewerkschaft? organi- s a t i o n. Auf dem Bundestage der gelben Werkvereine in Dresden im Jahre 1911 wurden die Vorstände aufgefordert,„energisch für die Sammlung der Jugend zu wirken". In Westdeutschland ent- wickelte sich aus dem Kruppschen Nationalen Arbeiterverein i'm Oktober 1912 der„Jugcndbund der wirtschaftsfriedlichen nationalen Arbeiterbewegung für Rheinland und Westfalen". Er zählte An- fang dieses Jahres 1600 Mitglieder. Einen großen Erfolg stellt diese Mitglicdkrzisfer wahrlich nicht dar. Trotzdem rühmen sich die Leiter der gelben Jugendbewegung, eine eigene Zeitung zu besitzen, die„Nationale Arbeiterjugend". Diese Jugendzeitung der Gelben ist aber nicht mehr als ein Kopfblatt der„Jungdeutschlandspost", die vom Jungdeutschlaiidbuiide und der Deutschen Turnerschaft seit Januar dieses JahrcS herausgegeben wird. Ter Inhalt beider Zeitunzen stimmt wörtlich überein, nur die Titel sind verschieden, und an der Stelle, wo die„Jungdeutschlandspost" Mitteilungen aus der Jungdeutschlandsbcwegung bringt, stehen in der„Nationalen Arbeiterjugend" die Rubriken„Aus der wirtschaftsfriedlichen nationalen Arbeiterbewegung",„Vereins-Nachrichten" und„Ver- sammlungskalender". Das hindert die Gelben nicht, die„Nationale Arbeitersugend" stolz„ihre" Zeitung zu nennen. Sie will gegen- wärtig 3000 Leser besitzen.'An der Stärke der gelben Jugend- vereine läßt sich indessen der Umfang der Fabriksjugendpflege nicht ermessen. Tie meisten Jugendvereine der Fabriken sind der gelben Bewegung noch nicht formell angeliedert. Der arbeiterfeindliche Ziveck, den die Unternehmer mit dieser Jugendpflege Verfolgern liegt auf der Hand. Sie soll jedem ein- zelnen Unternehmer eine Prätorianergarde seines Betriebes heran- züchten, die nicht nur gesinnungslos, sondern was besonders zu beachten, ist, teilweise fachlich gut.ausgebildet ist, um in jeder einzelnen Fabrik>!« Macht der organisierten Arbeiterschaft zu brechen. So präselttiert sich diese neuartige Jugendpflege als eine be- sondere Gefahr für den gewerkschaftlichen Kampf, die eine große Bedeutung anzunehmen droht. Die Arbeitgeberorganisationen und die Zentralstelle für Volkswohlfahrt, die Geburtshelferin der staat- lichen Jugendpflege, sind eifrig am Werke, die FabrikSjugendpfleg« systematisch zu fördern. Die organisierte Arbeiterschaft wird darum der Entwickelung der gelben Jugendbewegung ihre Aufmerksamkeit zu schenken und ihren ganzen Einfluß aufzubieten haben, um ihr entgegenzuwirken. Insbesondere sind die zungen Arbeiter und Arbeiterinnen über die„Fabriksjugendpflege" aufzuklären, die schon durch ihren Namen ihren arbeiterfeindlichen Charakter verrät. Jugendpflege und kapitalistische Fabrik sind Gegensätze wie Feuer und Waffer. Die kapitalistische Fabrik, die Stätte der Jugendausbeutung und der Jugendnot. wird jetzt zum Hort der Jugendpflege erhoben I Die best« Jugendpflege wäre die Aus- dehnung des wirtschaftlichen Jugendschutzes, die Einschränkung kapitalistischer Arbeit für Jugendliche. Die ärgsten Feinde dieses jugendfreundlichen Strebens sind aber bekanntlich unser« Herren Fabrikbesitzer. Wenn sie sich jetzt die Maske eines Jugendpflegers anlegen, so ist es Aufgabe der organisierten Arbeiter, dies« heuch- lerischen Kapitalisten vor den Augen der jungen Arbeiterschaft zn demaskieren, sie darzustellen als da», was sie sind und sein müssen: die Ausbeuter der arbeitenden Jugend. Hus der Partei. Kommunatwahlerfolge. Bei den Stadiverordnetenwahlen in Spremberg eroberten unsere Genossen drei neue Mandate der dritten Abteilung. Damit sind alle acht Mandate dieser Abteilung in den Händen der Sozial- demokratic._______ Jugendbewegung. Die Landplage. Dieser Ausdruck für die Auswüchse der Pfadfinder- und Waiidervogelbewegung scheint sich in bürgerlichen Kreisen mehr und mehr einzubürgern. In der„Kölnischen VolkSzettung" (Nr. 941) zeichnet ein' alter Schulmann von den Pfadfindern und Wandervögel» dieses Bild: Gewiß, körperliche, sportliche Betätigung in weis« abgesteckten Grenzen ist durchaus anzustreben, aber die Wander- Vögel- und Psadfinder-Manie ist eine Landplage geworden, dt« von vielen Seiten, von Gasthofbesitzern, Forstbeamten, AuS- flüglern, ja, auch von vielen Eltern, die ihre Kinder indeS doch „mittun" lassen als solche empfunden wird. Die Wanderhorden mit ihrer kindisch-spiclerischen Nachahmung militärischer Formen und Veranstaltungen, mit ihren Burenhüten, ihrem Abkoch- geschirr, ihren bändergeschinückten Zupfgeigen'sind bielfach schon lästige und fortgewünschte Gäste. Im Namen der Volksgesund- heit werden halbwüchsige Knaben und sogar Kinder, denen neben maßvoll geregelter Bewegung vor allem viel Schlaf und gute Ernährung iwsiäten, oft bis zur Erschöpfung ermüdet. Ich habe an manchen-soiintagmorgeii die kleinen Burschen marsch- mäßig bepackt, mit blassen Gesichtern und verschlafenen Augen in Reih und Glied daherzichen sehen. eS find mir auf GebirgS- ausslügen solche jugendlichen Wanderer in widerwärtig theatralischer, ja zigeunerhafter Tracht begegnet. Det bürgerliche Jugenderzieher behauptet auf Grund seiner Erfahrungen auch, daß der Lerneifer der Jugend durch dieses Getue zurückgehe. Nicht mit Unrecht fügt er hinzu, daß der Unfug von manchen Lehrern nur deshalb geduldet werde, weil diese Art der Jugendpflege zurzeit„oben" beliebt sei. So muh es komme«. Der Führer der Jungdeut schland-Gruppe in Wandsbek. Frei» Herr v. Gültlingen, ist von dem Schießunterricht für Junge« sehr plötzlich unb grünblich kuriert worden. Tarüber berichtet, er selber im„Boten" folgendermaßen: ..Herr �Landrat v. Bon in fuhr im Automobil durch den Kreis StormarN. Nahe Wandsbek passierte er einen Führer mit einer Abteilung Jugendlicher. Einer dcrsdlbcn ritz sein Aewehr herunter und zielte auf den Landrat, der instinktiv sich beiseite duckte. Soweit sollte diese„bewaffnete Macht" gerade gebracht sein, daß sie es nicht wagt, auf Menschen anzuschlagen." Der oberste Jugendpfleger des Kreises von seinen eigenen „Pfleglingen" mit dem Schietzeisen bedroht! Köstliches Bild! Die Jungdentschlaiidzcitung am Pranger. Gegen den Regierungspräsidenten von Merseburg und den Reklor der Fortbildungsschule N i ck i s ch in Schkeuditz mutzte die Strafkammer in Halle a. S. Stellung nehmen in einem sehr interessanten Prozeß, der gegen einen Fortbildungsschüler von Schkeuditz durch die dortige Schulverwaltung anhängig gemacht worden war. Bekanntlich hat der Regierungspräsident im Einverständnis mit dem Rektor, ohne vorher die zuständige Schul- deputation zu fragen, verfugt, die berüchtigte Zeitschrift: ..Wir sind Deutschlands Jugend" als„Lernmittel" für die Fortbildungsschule einzuführen. Die Schüler wurden gc- z w ungen, die Zeitung zu abonnieren, sollten dafür pro Jahr f>s> Pf. zahlen und die Schulverwaltung zahlte einen Zuschuß von 40 Pf. pro Kopf. Da sich zunächst 10, später nur ein Schüler weigerten, dieser Anordnung nachzukommen, ergingen Straf- Mandate auf Grund des Ortsstatutö betreffend �die Fortbildungs- schule. Schließlich verurteilte das Ichkcuditzer Schöffengericht die Schüler zur Zahlung von Geldstrafen von je 3 M. Das Schöffengericht hatte sich um die Frage, ob jene Zeitschrift ein Lern- mittel sei, herumgedrückt und nur formell nach dem Buchstaben des Gesetzes geurteilt.— Der Verteidiger der Angeklagten, Rechts- anwalt Wolfgang Heine- Berlin, focht aber das Urteil durch Berufung an und hatte als Sachverständigen den bekannten Pädagogen Professor Paul Barth von der Universität in Leipzig laden lassen. Genosse Heine ließ aus jener Schmähschrift gegen die Sozialdemokratie nur zwei Artikel verlesen, in denen die Wahrheit bezüglich des Verhaltens der Sozialdemokratie zu den Steuerfragen im Reichstage geradezu auf den Kopf gestellt wurde. Dann wurde aus dem Jugendblatte eine Kritik über die Genossen Borchardt und Leinert vom Landtage verlesen, in der ein Schutz- mann zum„Versohlen" aufgefordert und für gewisse Leute eine fünfte Wählerklasse gefordert wurde. Und schließlich gab man aus dem Blatte noch folgendes Poem zum Besten: Wir sind Sozialdemokraten, Wir sind Feinde des Lichts.— Vallera.— Wir essen gern Schinken und Braten, Und arbeiten tun wir nichts! Vallera.— Wir treten zu Boden, wie mans tut und mans hat. Unsere Hoffnung ist und bleibt auf dieser Welt— Ter Zukunftsstaat.— Vallera! Juchhei! Das Gericht ließ nicht zu, daß sich der Sachverständige Prof. Barth über den allgemeinen Gehalt der Zeitschrift als„Lernmittel" äußerte. ES hatte aber anerkannt, als Genosse Heine noch mehrere Artikel zum Verlesen anbot, daß die Darlegung der zwei Artikel zur Beurteilung der Sachlage völlig genüge. Prof. Barth wurde aber schließlich darüber vernommen, ob periodische Zeit- schriften allgemein als Lernmittel gelten könnten? Der Gelehrte verneinte die Frage und meinte, Rektor und Lehrer müßten die Lernmittel por der Verabreichung an die Schüler be- urteilen können. Das sei wohl bei einem' vorher zu prüfenden Buch, nicht aber bei einer periodischen Zeitschrift mög- lich. Man könne doch vorher nicht wissen, ob die Mitarbeiter solcher Zeitschrist den notwendigen Takt besäßen, die Jugend zu belehren. Es sei sehr bedenklich, die Politik in die Lernmittel hineinzubringen. Alle Pädagogen, die eS mit der Jugend gut meinen, verlangen, daß die Jugend mit politischen Dingen nicht be- helligt wird. Eine Zeitschrift, wie die vorliegende, könne keineswegs als ein Lernmittel angesehen werden. — Genosse Heine ging mit dieser Art bürgerlicher Jugendpflsge scharf ins Gericht und bezeichnete es als ein pädagogisches Verbrechen, solch elendes, jämmerliches Machwerk Kindern als Lernmittel in die Finger zu drücken. Die StraftamMer möge erkennen, daß solcher Mißbrauch mit Schülern sozialdemo- kratischer Eltern nicht getrieben werden dürfe.,— Auf Grund des Sachverständigengutachtens kam dann das Ge- richt auch zur Freisprechung der Schüler. Jene Zeitschrift sei k« i n L e r n m i t t e l. Gerichts-Leitung. Mißglückter Feldzug gegen Jugendliche. Am Tonntag, den 27. Juli 1913, fand in Nieder« s ch ö n h a u s e n eine öffentliche Jugendver- s a m m I u n g statt, welche die Aufmerksamkeit der Polizei in hohem Maße erregt hatte. Die Versammlung wurde von der Behörde als politische angesehen und überwacht. Als der Redner Genosse Pieck, eine halbe Stunde gesprochen hatte, verlangte der überwachende Polizeibeamte mit der Behaup- tung, die Rede sei politisch, die Entfernung der Jugendlichen. Darauf schloß der Versammlungsleiter, Genosse B a r t h e l, die Versammlung. Barthel erhielt alsdann eine Anklage. Er wurde auch vom Schöffengericht Pankow zu -19 M. Geldstrafe verurteilt:„1. weil er eine politische Ver- sammlung veranstaltet und geleitet hatte, ohne das vorher der Polizei anzuzeigen, und 2: weil er Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, in dieser. Versammlung der„Freien Jugendorganisation Pan?ow" und damit im Ver- ein geduldet hatte?' Barthel legte gegen dieses Urteil Berufung ein. Das Landgericht III hatte sich gestern mit d�r Angelegenheit zu beschäftigen. Tie beiden übertvachenden Beamten bekundeten: Schon vor Beginn der Versammlung hätten sie beobachtet, daß Jugendliche aus Pankow im geschlossenen Zuge unter Voran- tragung einer Fahne heranmarschierten, welche die Ans- schuft trug:„Freie Jugendorganisation Pankow-Niederjchön- Hausen". Die Beamten seien eingeschritten, hätten den Zug zerstreut und die Teilnehmer des Zuges seien dann in das Versammlungslokal in Niederschönhausen gegangen, wo sich bereits viele Jugendliche aus Niederschönhausen eingefunden hatten. Die Versammlung sei eine Versammlung der Freien Jugendorganisation Pankow, gewesen. Auf Befragen des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. Kurt Rofenfcld, ob denn eine solche Jugendorganisation in Pankow bestände, erklärte der eine Beamte, er nehme dies an. Als aber der Verteidiger weiter fragte, aus Grund welcher Tat- fachen er dies annehme, mußte er zugeben, daß ihm Tat- fachen nicht bekannt seien und daß die Polizei bereits seit Jahren den Vorstand des Vereins suche, aber nicht finden könne. Ueber den Inhalt des Vortrages des Genossen Pieck gaben die Beamten an, daß er den unpolitischen Eharakter der freien Jugendbewegung und der Versammlung betont habe, daß er die wirtschaftliche Seite der Arbeiterjugend geschildert und zur' Selbsthilfe durch An- schluß an die Jugendbewegung aufgefordert, dabei aber— furchtbarl— das heutige Schulwesen kritisiert und erklärt habe, die Schulen müßten noch besser werden. / Auf Grund dieser Beweisausnahme beantragte der V e r- Leidig er die F r e i sp r echr: n g. Der Staats- a n w a l t hielt die Anklage aufrecht. Das Landgericht erkannte auf Freisprechung des Angeklagten. Der Redner habe sich jeder politischen Er- örterung ferngehalten. Das gelte auch für seine die Schulen betreffenden Darlegungen. Der Zweck der Versammlung sei nicht der gewesen, die Schulverhältnisse zu erörtern. Es seien vielmehr diese nur gestreift, um die Notwendigkeit der Jugendbewegung darzulegen. Der Referent habe nicht emp- fohlen, etwa die Klinke der Gesetzgebung in die Hand zu nehmen, fondern er habe nur die Selbsthilfe für notwendig erklärt und damit habe er sich von der politischen Erörterung ferngehalten. Wann endlich wird gegen die Behörden strafgesetzlich vorgegangen werden, die die unpolitische Jugendbewegung zu hindern, aber die mit dem ausgesprochenen Zweck, gegen die Sozialdemokratie mobil zu machen, ins Leben gerufene Poli- tische von Generalen und anderen jugendlichen Herren geleitete Jugendbewegung zu fördern suchen? Oder ist das gesetzlich gestattet?_ Frieda HempelS LcopoldSorden. Die Kammersängerin Fräulein Frieda Hempcl war vor Jahren vom Sekretär des Königs Leopold von Belgien ersucht, in einem in der Villa Vandendorght stattfindenden Konzert mitzuwirken. Die Sängerin, die sich damals in Ostende befand, kam diesem Wunsche nach. Nach dem Konzert drückte König Leopold ihr seine An- erkennung aus und erklärte, ohne irgendein Zutun ihrerseits, er werde ihr eine Auszeichnung zusenden. Gleich nach dem Konzert reifte die Künstlerin wieder nach Ostende. Acht Tage später erhielt sie den Leopöldorden zugesandt. DaS„Kleine Journal" stellte nun einige Jahre später auf Grund eines Klatsches, der in einem französischen Journal auf Mitteilungen eines Kammerdieners aufgebaut und vom„Kleinen Journal" noch sensationell zugestutzt war, der Wahrheit zuwider die Sachlage in einer hämischen, die weibliche und künstlerische Ehre der Sängerin herabsetzenden Art so dar: Fräulein Hempel habe sich an Baronin Vaugham herangedrängt, um zu singen und einen Orden zu erhalten; gleich nach dem Feste habe eine wüste Orgie stattgefunden. Dem Fräulein Hempel. die kurz vor Erscheinen dieses Artikels zur Kammersängerin ernannt war, wurde von der Gcneralinteudanz das Befremden über den Inhalt des Artikels ausgedrückt. Sie stellte wegen der Verleumdungen Strofantrag. Seit zwei Jahren schwebt die Beleidigungsklage. Angeklagt sind der frühere verantwortliche Redakteur KoSpoth und der Verleger Arthur Lehmann. Da Lehmann wegen Krankheit entschuldigt war, beschloß die 6. Strafkammer des Landgerichts Berlin I, nur gegen Kospoth zu verhandeln. Der Staatsanwalt beantragte 2 Monate Gefängnis. Ter Ver- ireter der als Nebenklägerin zugelassenen Künstlerin, Rechtsanwalt Dr. Schlesinger, erklärte, seine Klientin habe ihn ermächtigt, das Gericht zu bitten, den Angeklagten, der sich bei ihr entschuldigt hat, nicht in das Gefängnis zu schicken, sondern zu Geldstrafe zu ver- urteilen. Das Gericht erkannte aus einen Monat Gefängnis. Ter Ar- tikel sei geeignet, die weibliche und künstlerische Ehre der Sieben- klägerin in hohem Grade herabzusetzen; sie habe sich auch vor ihrer vorgesetzten Dienstbehörde verantworten müssen. Der Artikel stelle keine wortgetreue gewissenhafte Uebersetzung dar. Der Angeklagte habe grob fahrlässig gehandelt und Fräulein Henipel schwer beleidigt. Es könne deshalb auf den Wunsch des Fräulein Hempel nicht eingegangen werden. Offizier und Laufbursche. Zu dem Renkontre zwischen einem Offtzier und einem Rad- fahrer, über dessen gerichtliche Verhandlung wir gestern berichteten, wird uns mitgeteilt, daß der angeklagte Braatz nicht Laufbursche oder Bureaubote, sondern Handlungsgehilfe, zurzeit Rechercheur, ist. Hud aller Gleit« Das Hochwasser. Die Ueberschwemmungen in Ostfrankreich nehmen in- ölge der ständig andauernden Regengüsse einen bedrohlichen Um- lang an. Besonders die Distrikte am der Saone find stark in Mitleidenschast gezogen. Sechs Dörfer stehen völlig unter Wasser; die Eimvohner mußten sich in die oberen Stockwerke flüchten und konnten erst durch zur Hilfe beordertes Militär aus ihrer bedrohlichen Lage befreit werden. Ein Kahn mit zwei Bauern wurde von der starken Strömung fortgerissen, kenterte, und beide Jnsassen ertranken. Auf der Saone wuvden zwei Lastschiffe von heftigem Wind auf das lieber- ichwemmungSgebiet getrieben. Sie stießen auf Pfeiler und be- ganncn sofort zu sinken.?lach der Ansicht des Wetterbureaus wird die Saone noch weiter steigen und einen Wasserstand von wenigstens 6.25 Nieter Höhe erreichen. Durch das andauernde Steigen des Flusses wird auch ChalonS bedroht, und Kauf- leute beeilen sich, ihre Keller zu räumen und die Waren in höher gelegenen Räumen vor der lleberschwemmung zu schützen. Auf den Schneiderschen Waffenfabriken in Creuzot mußten verschiedene Ab- teilungen infolge der Bedrohung durch das Hochwasser den Be- trieb einstellen.'Der Materialschaden ist sehr bedeutend. * Wie aus Köln gemeldet wird, beträgt die am Sonnabend estgestellte Rheinhöhe 3,82 Meter. Dag bedeutet ein Stet- gen u m 1,82 Metex i n n e r h a l b 2 4 Stunden. Ei««euer Schneesturm auf dem Huronsee. Ein zweiter Schneesturm, der ebenso heftig war wie der Blizzard bei Beginn der Woche, fegte in der Nacht zum Sonn- abend über den Huronsee. Drei Schiffe, denen es gelungen war, vor dem ersten Sturm in einem Hafen Schutz zu finden, wurden von dem zweiten Orkan auf hoher See überrascht. Alle drei sind untergegangen. Man glaubt, daß die Mannschaft v e r l o r e n ist, da es unmöglich war, den Schiffbrüchigen Hilfe zu bringen. Die Zahl der Menschen, die bei den Schneestürmen der letzten Wochen ums Leben ge- kommen sind, wird auf über 275 geschätzt. Schweres Strastcnbahnunglück. Em folgenschwerer Zusammenstoß ist Freitagabend gegen 7 Uhr auf dem Wege zwischen Villafranca und Nizza zwischen einer elektrischen Straßenbahn, die aus einer kleinen Lokomotive und drei Anhängewagen bestand, und einem AutomobilomnibuS erfolgt. Tie beiden Fahrzeuge fuhren in der gleichen Richtung nach Villafranca und ivaren voll besetzt. Auf der Höhe des Forts Rascaffe versuchte der Autoomnibus an der Straßenbahn vorbei- zukommen, und er fuhr mit voller Wucht gegen die in voller Fahrt befindliche Straßenbahn. Das Vorderteil des Omnibusses wurde völlig abgerissen, das Gefährt selbst stürzte und fiel in den Straßengraben. Die Straßenbahn entgleiste und die Lokomotive und der erste Wagen stürzten ebenfalls um. Fünf Per- sonen wurden lebensgefährlich verletzt und 40 andere erlitten so schwere Wunden, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Ein Grieche namens Antoniadis starb in: Laufe der Nacht; ein amerikanischer Matrose vom Schlachtschiff„Delaware" ist gleichfalls schwer verletzt. Ein englischer Sturzflieger. Der Aviatiker Pegoud hat in dem englischen Meger Huc einen Nacbahmer seiner Flugkunststücke gefunden. Huc bat Sonn- abend vormittag out einem englischen Apparat auf dem Platze Luc verschiedene Sturzflüge ausgeführt. Es ist ihm zweimal gelungen, das Looping the Loop mit dem Kopf nach unten auszuführen. Die Leistungen des Engländers find um so be- merkenswerter, als Huc zu seinen Vorführungen nicht, wie Pvgoud, einen eigens konstruierten Flugapparat benutzte. Außerdem herrschte ein überaus regnerisches Wetter mit starken Winden, was die Leistungen des neuen Sturzstiegers noch bedeutender erscheinen läßt. Kleine Notizen. Scharlachcpidcmie. In den rheinischen Orten Caternbach, Schonnebeck und Stoppenberg ist eine Scharlach« e p i d e m i e ausgebrochen, die einen ungeheuren Umfang annimmt. Bisher sind 100 Kinder erkrankt, von denen bereits 2 6 g e- st o r b e n sind. Ein Schiff in Flammen. Von Cape Race wird drahtlos ge- meldet, daß der s p a n t s ch e Frachtdampfer.BalmeS" im nördlichen Teile des Atlantischen Ozeans in Flammen stehe. Die Passagiere sind auf den Dampfer der Cunardliuie„Pannonia" übergeführt worden. Schweres Betriebsuaglnck. Beim Einsetzen eines Kessels in das auf der russischen Admiralttätswerft im Bau befindliche Großlinien- schiff„Poltawa" rissen die Ketten und der Kran stürzte ein. Vier Arbeiter wurden tödlich verletzt. Absturz eines amerikanischen Fliegeroffiziers. Ein Telegramm aus Manila besagt, daß der amerilanische Leutnant P e r r y mit einem Wasserflugzeug abstürzte und ertrank. frauen-Lefcabende. Friede»»«. Montag, 17. November, abends Uhr, bei Klabe, Handjerystr, 60/61. Kcnossm Käte Duncker über: Die Ent'wickelung der tapi- talislischeii Virllchastssormen. Nieder- Schiinlmuseu- Nordend. Unser Leseabend findet nicht am Dienstag, den 18., sondern am Donnerstag, den 20. November, abends 8V, Uhr, bei Rettig, Blankenburger Str. 4, statt. Vortrag der Genossin Malschke über: Unsere Schule. Steglitz. Montag'/a9 Uhr bei Thiel, Albrechtstr. 87, Vortrag des Genossen Meyer über: Die Arbeitslosigkeit und ihre Bckämpsung. Wcisscnsee. Die Leseabende müssen in den nächsten fünf Monaten verlegt werden. Sie finden von jetzt ab jeden dritten Montag im Monat statt. Die Genossin Baader» Berlin spricht in süns Vorträgen über:.Bebel: Die Frau in der Vergangenheit. Gegenwart und Zulunjl." — Demgemäß ist die erste Zusammenmnjt am Montag, den 17. No< v e m b c r, 8'/. Uhr, bei Peukcrt. Veranstaltungen. Lichtenberg. Die Besichtigung der Arbeiter-Wohlfahrtsausstellung in CharloUcnburg, die die Genossinnen des 3. Viertels am Bußtag unter- nehmen wollten, findet der öffenUichen Versammlung wegen erst am Sonn- tag. den 30. November, statt. Die Genossinnen treffen sich um st.2 Uhr aus Bahnhos Stralau-Rummelsburg(Bahnsteig D). Lichterfelde. Dienstag, den 18. November, abends 8'/, Uhr, bei Dahrendorf, Bäkestr. 7: Oessentliche Frauenoersammlung. Frl. Dr. Häuserer-Lerlin spricht über:.Frauenkrankheiten und deren Ver» hütung". Nach dem Vortrage: Freie Aussprache und Fragebeanlworwng. Auch Männer haben Zutritt._ Jugcndvcranstaltunge». Neukölln. Heute Sonntag, 2 Uhr nachmittags: Spielen aus dem Platz an der Geygerstrogc. Heini II. Nogatstr. 15. abends 6 Uhr: Vortrag deS tcrrn Prcuß über: Jugend und Sport.— Montag: Vortrag über: Der aUantrieg und seine Greuel.— Dienstag: Mädchenabend.— Mittwoch 6 Uhr: Vortrag über: Die Geschichte des 13. Jahrhunderts.— Donnerstag: Heiterer Abend: Musik, Gesang und Rezitation.— Freitag: DiskussionS- abend.— Für die geiamle Neuköllner Jugend findet am Mittwoch(Bußtag, in der Treptower Sternwarte eine kmematographische Vorstellung statt: „Scotts Jleise nach dem Südpol". Billetts sür Jugendliche a 20 Ps., für über 18jährsge 30 Pf. Jinb in beiden Heimeu zu haben. Steglitz-Friedenau. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr. bei Schell- Haje, Abornstr. lös.: Mitgliederversammlung. Vortrag des Herrn Seidel über:„Die EntwickelungSgcschichtc der Erde«. Der Vortrag ist die Vor- bereitung sür die aus Sonntag, den 23. November, angesetzt. Besichtiguug des Naturkundemuseums. Dempelhof- Mariendorf. Heute Somitag. abends>/.? Uhr, im Jugendheim: Elternabend, bestehend aus LichtbUdcroorl'rag:„Eine Ferienreise durch die sächsisch-böhmische Schweiz(Referent: Herr Leopold Flieg), Rezitationen, Gesang- und Musikourträgcn. Kein Jugendlicher darf fehlen! Bringt die Eltern mit!— Dienstag, den 18. November: Hand- arbeitsunterricht sür die weibliche Jugend.— Mittwoch, den 19. November: Geselliger Abend im Jugendheim. Beginn ö Uhr.— Donnerstag, den 20. November: Dislutier- und Leseabend. Berein der Freidenker für Feuerbestattung. Montag. den 17. November, abends 8'/, Uhr: Versammlung im Rosenthaler Hof, Rosen- thaler Str. 11/12._ WttteruugSübersicht vom 15. November 1013. Wetterprognose für Sonntag, de« 16. November 1913. Ein wenig lühler, zeitweise Heitel, jedoch unbeständig mit einzelne« Regenschauern und ziemlich starken westlichen Winden. Berliner V e tt er b ur e a o. BsaiierstandS-Nacvrichte« der Landesanstatt für Gewäsiertunde. umgeieill vom Berliner Detterburcau st 4- bedeutet Wuchs,— Fall.— st Unterpegel.— st um 5 Uhr nachmittags: 257 em. tSiehe Woche«-SpielPlan.) Freie Volksbühne. Sonntag, lfr November. nachm. 3 Uhr: Deutsches Opernhaus Charlottenburg: Zar und Zimmermann. Thalia-Theater: Die Wildente. Neues Volks-Theater: Mudder MewS. Schiller-Theater Charlottenburg: Der Pfarrer von Kirchfeld. Herrnseld-Theater: Zamilie Selicke. Deulsches Theater: Der lebende Leichnam,(ll1/, Uhr.) Reue Freie Volksbühne. Sonntag, 16. November, nachm. L'/j Uhr: Kammerspiele: Die Einnahme von Berg-op-Zoom. Nachm. 3 Uhr: Schiller Theater O: Freiwild. Lessing-Theater: Professor Bernhard!. Berliner Tdcater: Bummelstudentcn. Wontis Operetten- Theater: Die Fledermaus. Trianon-Theater: Die Liebe wacht. Theater in der Königgrätzerstraße: Das Lebenssest. Metropol-Tdeater:'S Nullerl. Theater am Nollendorfplatz: OrphcuS in der Unterwelt. Deutsches Künstlertheater: Das Prinzip. Nachm. 3'/, Uhr: Blüthnersaal: Einsoniekonzert. Abends 3 Uhr: Neues Bolls-Theater: Mudder MewS. AbendS 8-/. Uhr: NeueZ Volks-Theater: Dienstag und Donnerstag: Die Siebzehnjährigen. Freitag und Sonnabend: Mudder MewS. Letiiljef-Ilieslei'o.'Uem«. Sonnrag, nachmittags 3 Uhr: Freiwild. Sonntag, abends 8 Uhr: Wenn der neneWeln blüht Montag, abends 8 Uhr: ISaseinanns Töchter. Sehiller-Theaier Ch~" Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Sonnlag, abends 8 Uhr: Die Jon gf ran von Orleans. Montag, abends 8 Uhr: Die Jnngfran von Orleans. Die 8 Uhr: Kronbraut. Komödienhaus. «Uhr.- Hinter Mauerv. LeritoeT'Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Deutsch esSchansplelhans Nachm. 3� Ubr; Der gute Ruf. 8 Uhr: Die heitere Residenz Theater de» Westens. s uhr: Polenblut. Sonntgnchm.3'/,U.: Oer liebeAugustin. Mittm.: Oratorium.Judas Macabdus-'. 8 Residenz-Theater 8 Uhr Uhr. Hoheit— der Franz! Musilalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterberg. Morg. u. f. Tage: Hobelt i- der Franz! Montis Operettentheater. Nachm. 3 Uhr: Tie Fledermaus. Abends 8 Ubr: tebSr-HevitSt: Die Ideale Gattin. Fritz i Mafsary, I. Spielmann a. G. Moni. u. folg. Tage: Oie ideale Gattin. Mittwoch(Busitag) leine Vorstellung. ideztet' m NolleßilOFfplatz§. Allabendl. 8 Ubr: Zllteado. Nachm. 3 Ubr: Orpbeoe i. d. Unterwelt. Mittw., 19. b., 8 Uhr: einz. Vortrag: Meine Reife zum Südpol, ge- halten von Roald Amimdsen. Kessinx-Ihester. Nachm. 3 Uhr: Prof. Bernhard!. Abends 8 Uhr: Pygmalion. Lustspiel von Bernhard Shaw. Deutsches Jiünstlertheater Sozietät. Nürnberger Stralle 70/71, am Zoo. Kasse: Nollend. 1383. Nachm. 3 Uhr: Das Prinzip. Abends 8 Uhr: Die �.küre. Montag 8 Uhr: Hanneies Hlmmel- tahrt.— Der zerbrochene Krug. kneM-MelMiil. Theater 30-31 Chausseestr. 30-31. Operetten• Gastspiel Die fCinokönigin Operette in 3 Akten von Georg Okonkowskl u. Jul. Freund. Knslk von Jean Gilbert. Kassenerögn. 7 Uhr. Ani. 8 Uhr. 0SE=THEATEI ®roBe Frankiurter Str. 132. Nachmittags S Uhr: Der 3(elneldbaner. Abends g'/z Uhr: 8am 26. Male: Im weihen Röh l., ------- Im Wethen Röh l. 1 URANIA TaÄtr- Sonntag 8 Uhr; Mit d.„Imperator" nach New York. Montag 8 Uhr; Walter Mac Clintock; 15 Jahre bei den Schwarzfaß- Indianern In den Rocky Ronntalns von Kontana.— Hörsaal 8 Uhr; Konstr.-Ing. A. Keßner; Herstellung guBeiserner u. schmiedeisern. Röhren assiwe-Hanoplita SO vilde Männer und Kinder in einem eigens anf- gebauten Kougodorfe in ihren Sitten u. Gebräuchen. Und die anderen Attraktionen. Die gr. KiDQ-Variete-VoFstellung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Metropol-Theater Nachmittag 3 Uhr: Nullerl. Abends 7 Uhr 55 präzise; 1 i Ol Gr. AuSstattungSst. m. Ges. u. Tanz in '19 Bild. m. vollständ. freier Benutzung des lules Veme'jchcn Romanes von Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. Ln Szene ges. o. Dir. Richard Lohultz. Guido Thielseber. Joseph Giampietro. Karl ßaetunanD. Allred Sehmasow. Leopold Woli. Ludwig Volt. HeleneBalioi. Idaßusska. i. de Lande. Heute ZTorsteliungenS mit Nachm. S'.'jUhr Kleine Preise Willard Abends 8 Uhr dem Manne, der — wächst— und den auserlesenen November-ittrakliODen! — Raachen gestattet!— Udmiralspalast Eis-Arena Heute Sonntag 2 Vorstellungen 2 Nechm. und abends das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Die lustige Puppe. Von Leo Bartuschek. Musik von Julius Einödshofer. Beg. d. Nachm.- Vorst,(z. halb. Preisen) um l'/j Uhr. Beginn der Abend-Vorstellung S'/AThr. Ab lO5/. Uhr halbe Preise. Restaurant 1. Ranges. V oigt- Theater Badftrahe 58. Heute Sonntag, den 16. November: 3m£ Mein Leopold. fu?* Kasernenluft. Schauspiel In 4 Akten von Stein und Söhngen. Kasscneröffn. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. 0* ODEON Vergnügungs-Palast vm- der ioooo-mm Potsdamer Str. 72 bSÄ" Heute Anfang 4 Ubr. Auftreten der Geb. Niagara, die einzigen Seilläufer außer Blondin, welche d. Niagara- Wasserfälle überschnttea haben. . Auftreten 6, 9>/z und 10-/, Uhr. Attraktionen. Cabaret Eintritt 80 Pf.'H Sozi aldemokratif eher Mahlverein für Äen 4. Berliner Rdchstagswahlhrds in Heute Sonntag, den 16. November 1913: 218/8* Stiftungsfest Kellers Festsälen(inh.: Obigio), Koppenstr. 29: 1( Mitwirkende: Berliner Tonkänstler- Orchester. Herr F. Blume. X Sftnger- Abteiinn Dirigent; Ohormeister Herr Paul Kurz, begleitung.) X Sängerin Frl. Käthe Pirsche!. Turnerische Anfftihrnngen. X Tanz. Dirigent: ig 1.(M. d.: (Chorgesang mit Orchester- Musikdir. d. D. A.-S.-B.) im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Jlitwirkende: Berliner Konzert-Orchester. Dir: Musikdir. Herr H. Loppe, Gesangv Anakreon(M. d. D. A.-S.-B.) X Berliner Blk-Trlo. Turnerische Aufführungen. X Tanz. Kasseaeröffnuog 4 Ubr. Anfang 5 Ubr. Billetts 30 Pf. Achtung! Achtung! Hierdurch machen wir die Mitglieder auf das am Sonnabend, den 6. Dezember, abends 9 Uhr, stattflndende BeethoveiuKonzert besonders aufmerksam und ersuchen, die Entnahme der Billetts rechtzeitig zu bewirken. Rillplfc � 70 Pf und Textbücher ä 10 Pf. sind bei den Bezirksführem sowie UI1ICIIS in den Speditionen Böhm. Lausitzer Platz 14/15, Hackelbusch, Petersburger Platz 4, Zucht, Immanuelkirchstr. 12 und im Bureau des Wahlvereins, Stralauer Platz 10/11, zu haben. Zur AuSührung kommt: 1. Leonoren-Onvertttre Xo. 8. 2. Phantasie für Klavier, Orchester and Chor, 3. die Kennte Sinfonie.— Mitwirkende u. a. Berliner Tolkschor, Blttthner-Orcliester. Apollo-Theater Martin Kempinskl Das urkomische Original Die zwei Sergeanten Film-Volksscbauspiel in i Akten Nach einem mittelalterlichen sensationellen Sujet sowie ein weitere» komplette» erstklasstgpes Llehtsplel■ ProBnunm Cnuntertirochene Verstellung Ton 6 Uhr an. Sonntag von 3 Uhr an. Preis« von OS PI. an inkl. trarüerobe. Fragramm u. Steuer Nollendorf Theater Die Sensation von Berlin Zum 127a Mals Cleopatra Die Herrin des Nils Das Fllmwunder der Welt! S. M. dem Deutschen Kaiser am 12. Novbr. vorgeführt o. mltgros- ««mBelCall anlgenommen Wochentags 6'/» und 9 Uhr Sonntags 4, S'l, und 9 Uhr Jagend-Vorstellnna llltlwoch und Sonnabend 4 Uhr nu halben Freisen. Palast am Zoo Xum 1. Male in Europa: Lillian Webb und ihre 6 Piccaninnies. Die amüsantesten und originellsten Negersänger u.-Tänzer der Welt; ferner: Walter Stelner Berlins Lieblingskomiker sowie ein weiteres komplettes •rstklustges Variete and Llcbtsplel-Progranun Täglich ununterbrochene Vorstellung ron 6 Uhr an. Sonntags 3 Uhr Matiod«. Preise von 6S Pf. an inkl. Garderobe, Programm u. Steuer ASTA NIELSEN Klrlms IIb. Schumann. Heute Somitsg, 16. November; 2gv. Vorstellungen A nachm. ü'/jU.abds.f'/jU." In beiden"Vorstellungen: Debüt! Leopold Nebels Debütl 5 dress. SeeiöweD zu Plerile! Debüt! les Stars Debüt! Original.Jongleur-Akt zu Pferde! und weitere 12 neue Attraktionen. Abend« O'U Uhr: Tango m Gericht! Pantomimische Burleske in 3 Akten mit Gesang u. Tanz Zur Nachmittags- Vorstellung hat jeder Erwachsene' 1 Kind unter 10 Jahren frei auf allen _ Sitzplätzen._ Mstümliehe Konzerte, i Leitung: HrofessorTraugotl Ochs u. Kapeiimstr Lrieh Vehs. Donnerstag, den 20. Novbr., in der Bock-Brauerei. Freitag, den 21. Novbr., in der Brauerei Königstadt. Sonnabend, den 22. Novbr., in der Brauerei Happoldt. Solisten in diesen Konzerten: I Fräulein Emmi Holzkaemper(Mezzo-Sopran). i Herr Holkonrcrtmeloter Meyer(Violine). Karten a 80 Pf. an der Kasse. Anfang S1/» Uhr.| Circus Barutn* Boxhagen- Rnmmelsburg. Standplan: Seumc- u. Gryphiusstrahe. Heute 8ellvtsg. den 1«. November: 2brlllaute A Vorstellungen/ nachm. 4, abd». 8'/, Uhr. 14 In der NachmiltagS-Vorftellung ein u n x e h ü r» t e s Adcntl» ppoxrsfnfn zu halben Preisen sür Kinder unter 12 Jahren. Montag, den 17. Novbr. abends 8'/« Uhr: Das grandiose Programm! Zirkus Buscli. Heule Sountag, den 16. November: l Große Gala-forstellungen 2 nachm. S1!» Uhr, abends 7'/, Uhr. Nachm. hat jeder Erwachsene da» Recht, ein angehörigcs Kind unter 19 Jahren aus allen Sitzplätzen frei einzu'ührcn. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren zahlt die Hälfte aus den Sitzplätzen. In beiden Vorstellungen: Lsz lustige Schimpansen-Trio aus C. Hagenbecks Tierpark sowie Austreten aller großen Attraktionen. Außerdem nachmittags die pan- tomimistifche Burleske: General Bum-Bum Abends 7lJ.j Ehr: Ins mm Kolon. Casino«Theater 2oihrinBtr@tt.37. Täglich 8 Uhr. Der neue Saison-Poffen-Schlager Ferdinand der Tngeadhafte. Das droll. Stück seit Bestehen d. Theat. Lorher das erstkl. Spezialität.-Progr. Reiehshallen-Theater Stettiner Sänger Nachm. 3 Uhr auf allgem. Verlangen zu ermäßigten Preisen: Der Kompagnieball (Logen l M., Ballon 75 Ps., Entree 3« Pf.) Abends 8 Uhr: Zlokenbeens KUnstleragentur. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Tains CtelivhKvs Folies Gaprice. Zum 78s Male: .M.„„( Ritter Baldrian { Das Adoptivkind '•""inic Mißgeburt Cify-Park am Bahnhof FnedrtdistrouM Größte Volksschau Berlins 50 Schaugeschäfte Sehenswert II die neuen Attraktionen Ein Vergnügen für Jung und AHI Geöffnet taglidi nadimitt. 4 Uhr Sdnn-«. Feiert. nadimTtt. 8 Uhr bu 11 Uhr abends,— Eintritt frei Tolkstheater Neukölln. Hermannstrahe SO. Sonnlag, d. 16. November, 7'/, Uhr: Sbcrlock Holmes. Deteltivkomödic iü 4 Akt. von Sachse. Montag, den 17. November, 8'/, Uhr: Dcp Goldbaner. Schauspiel in 4 Akten v. Sitch. Pfeiffer ! dermania-praebtsäle N., Chausseestr. 110. Karl Richter, i Jeden Sonntag: PaiilManltieysI lustige Sängery Anfang B'/jUhr. Nachdem: Familien- Kränzchen. 1 Im weißen Saale von k> Uhr ab( GroBcp Ball. Morgen Montag: Hoftmanns Sttuger. (0af� lleyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 u. 15, Bier. hellu. dulrf.10Ps. ca. SO Zeltungen; Billard Std. 60 Ps. Zahlstelle der Freien VolksbOhne. Inh.: M. Wandtcn.' Anton Sisteruiann. Da» HeBqnnrtctt. Dill« tt» a 60 Pf. im Verein und in den bekannten Zahlstellen."'N" 53/19 Sängerchor„Wedding" Miiglied des Deutschen Arbeiier-Sünsfprbundcs, Gau Berlin. -' Chormeistor: llmil Thilo.--;------ Mittwoch, den 19. November 1913(Bußtag): - II. Ist im großen Saale der Germania-Pracbtsäle, Cbausscestr. 1 10. mitwirkende: Berliner Konzerthaus-Orcheeter unter Leitung seines Dirigenten Herrn Fr.*. Blon; Herr K. Burck- bantt. Bariton; am Flügel Herr Thilo. Eintrittskarten iuklusise Liedertexten 60 Pfennig. Anfang des Konzert? pünktlich 7 Uhr. X Saalöffnung 6 Uhr. X Kinder unter 0 Jahren haben keinen Zutritt. X Rauchen während des Konzerts nicht gestattet. X Die Saaltüren bleiben während XXX der Vorträge geschlossen. XXX Eintritlskarien mit Programm sind zu haben b. d. Mitgliedern Gustav Wegoner, Kesselstr. 39, Rest., ilduard Ulrich, Mal- nlaquetstr. 33, Rest.. Hermann Gladow, Amsterdamer Str. 90, Rest., Richard Kohlschmidt, Lindower Str. 25, Rost., Max Kietschmann, Gerichtstr. 74, Rest., Gustav Steffen, Soller- stiaße3, Rest.. Ernst Funke, Triftstr.03, Rest.. Henry Keubert, Müllerstr. 164, Hutgesch., Max Martens. Utrechterstr. 22, Plättgesch., Karl Werner. Togostr. 6, Plättgesch. 60/13 G. Rapps Festsäle m» Hißle W. 57, Ucnnewltzstr. 13. Fcrnspr.: Kurf. 2994. Ter gemütlichste Ballsaal des WestenSk— Heute:«i-oSvr' Doli. Tie Säle sind noch für Sonnabend, den 6. und 13. Dezember zu günstigen Bedingungen frei!• „Glon" :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraSe 90/91. Oroßes Doppel-Koiizert! Musikkorps Kaiser-Franz.Gards-Grenad.-Regts. Cirig. Oberm. A. Beeker. Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.: Oberm. Baarz. Anfang 4'/» Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 41/, Uhr. An allen Wochentagen Cr. Naehmillags-Konzert Gclangvmin.Jeu-Lwacht" M. d. D. A.-S.-B. Chonueister: Heinz Bleib Mittwoch, 19. November(Bußtag) im Etablissement der Brauerei Friedrichshain «M Konzert Mitwirkende: 60/10* Das Blüthnera Orchester (60 Künstler). Dir. Herr Bruno Weyersberg. Herr Gustav Franz(Bariton). Frau Betsy Schot(Sopran). Saalöffnnng 6 Uhr. Anfang T'/j Uhr. Kinder unter sechs.Tahren hoben keinen Zutritt. Eintritt 75 Pf. Offene Kasse findet nicht statt. Programm und Liedertexte am Eingang gratis. ■•.- Bauchen nicht gestattet... Eintrittskarten sind bei den Vereinsmitgliedern zu haben. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Enlsen-Theater. Kleine Preise. 3 llhr: Hopfenraths Erben. y-alR-ftflg mit Ges. u. Tanz in 5 Alten. Walhalla-Tbeater. Kleine Preise. 3 Ute: Tor hnndert Jahren. (Napoleons Sieg und Fall.) LlitzewetraDe Mt— 112. ¥ik(oria-firaoerei Bußtag, den 19. November 1913: LUtzowstraBe 111-112. KONZERT des M. d. D. A.-S.-B.— Chonaeister: Fritz Stempel. Mitwirkende: Frl. Käthe Pirsche!(Lieder zur Laut«) und Kahntsche Solisten- Kapelle. Programm inkl. Liedertexte 50 Pf. Eröffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Die Saaltüren bleiben während des Konzerts geschlossen. Daneben nicht gestattet. Nach dem Herren, die daran teilnehmen, Konzert: zahlen 50 Pfennig nach.[60/14 m Jil! Ii Ortsgruppe Berlin. Am Bußtag(19. Nov.) in beiden Sälen der Neuen Welt, Hasenheide: PopoIHr-wissensehaftliehe Ürlchtblldcr-Vortragc � des Herrn Dir. R. Laube aus Leipzig über Frühlingstage in Sizilien und Süditalien. (140 Riesenlichtbilder nach eignen Aufnahmen des Redners.) Klnematographische Vorstellungen u. Gratisverlosung einer sprechenden Uhr(Preis 130 M.) (Dieselbe ist im Laden Kottbnsor Damm 22 ausgestellt.) Erüffnung 5 Uhr. Nachdem: TflllZ. Eintritt 30 PI. (MS~ Das Programm ist in beiden Sälen gleich."MW Eintrittskarten sind zu haben im Restaurant der Neuen Welt und im Fahrradhaus„Frisch auf", Kottbuser Damm 22, Beußelstr. 19 und Brunnenstr. 35. 11/13 Die Featkonimiewlon. OLYMPIA Dalle für Sport and Körperkultur Kurfürntendanun t51(fr. Doligchnhbnh] Internationaler HiMMlKM! sö.™;« 4 gr. Seiisationskämpfe 1 Barkowski-Berlin gegen Hintze-Berlin Rajkovlcz-Scrb. geg. Westergaard-Schmidt-Spandau Hein-Berlin gegen Weber-Köln Der große Entscheidungskampf gegen Kasseneröflnung 7 Uhr. Beginn der Ringkämpfe 8>/z Uhr. Straßenbahnverbindungen: Linien 5, 8, 10, 76, 79. 91, A, W. Q. Stadtb.; Charlotteub. n. Halensee. Untergrundb.: Uhlandstraße. Berlins neuffifSomorf im �KouRttf de banse. Besselstr. Tc�eF'ei'eöri'clzftrQsde�» (Zr. Kall. Dienstag> b! »S Sonnabend' Dittwoc Donnersta, tSllE Am Buhtag, den 19. November 1913, wie alljährlich: seiiche Blut- u. LebewiM. Alle Freunde, Bekannte und Gönner sind hiermit freundlichst eingeladen.* Otto Senftieben. Grolle Franklurter l/nninohonl� Große Fraokliirter Straße M. jjMllliyöUdll� Straße III Heul, der 28. Felroar 1911. irei geiorden. Bestellung erbittet Kurt Breuer. Kgst. 1374. Wohin geht's Bnlitag? Mach Wollersdorfer Schleuse Cafe Rulivvaid. Mriem Friselie fforst oöiI Eisbein mit Sanerkolil. Dou�rf. SöiuMsÄrffleesoMe hergestellt aus reiner hydrophiler Baumwolle. Aerztl. anerkannter bester Schutz gegen Kälte und Schweiss. Kein Wundlaufen 1 Keine Erkältung 1 Keine horte Häuf! Keine Blatenl Für ältere Leute unentbehrlich. Schont Schuhe u. Strümpfe. r=-§aS" ' ExB. olS t-S;. i; x: �lS N jjQ c � � u es Mi o s:"-s ��■9=5 £ a«-» »la- =<«51 Fibrikam: Otw.ld Schubert, Harthau bei Chemnitz. Sophien-Säle Inhaber Joseph Heidrich, Sophienstr. 17-18 12 Säle in allen GröBen mit Bühne zu allen Gelegenheiten passend. _= An Sonnabenden und Sonntagen noch freil Kleine Vereinszimmer und 5 Kegelbahnen noch zu vergeben! Picheiswerder. 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Wir scheu, wie die neuerstandcnc Kapitalistcnklasse die freigesetzten fabelhaften Produktivkräfte zu begreifen und zu meistern sucht; wie sie die ganze soziale Struktur des Landes über den Haufen wirft und ein ihren Zwecken dienliches Proletariat förmlich aus dem Boden stampft; wie sie in rcvolutio- närcn Kämpfen die politische Macht erobert und ihren Wirtschaft- lichcn Interessen dienstbar macht; wie sie die verzweifelte Kraft- anstrengung des neuen Proletariats, sich des es würgenden neuen Wirtschaftsspstcms zu entledigen, die es übermächtig geworden, sieg- reich zurückschlägt; wie sie darauf ihre unbeschränkte wirtschaftliche, politische und geistige Herrschaft begründet und ihren Triumphzug durch die Welt antritt. Die letzten ISO Jahre waren, wenigstens bis in die allerncuesie Zeit, ohne Zweifel das Heldenzcitalter der englischen Bourgeoisie. Aber der Klassenkampf des Proletariats befolgte sie wie ihr Schatten. Und deshalb ist die Geschichte des Kapitalismus zugleich auch eine Geschichte der Revolte gegen den Kapitalismus, eine Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozia- lismus. Und die Periode war auch eine Zeit intensivsten Denkens. In den Namen Adam Smith, David Ricardo, Robert Owen, Charles Darwin und Karl Marx drückt sich eine fortschreitende Geistesarbeit aus, die in keiner ähnlich kurzen Periode der Weltgeschichte ihres- gleichen hat. Diese EntWickelung vom Gesichtspunkt der Arbeiterklasse zu schildern, macht sich Beers Buch zur?lufgabe. Es ist nach hergc brachtcr Methode in drei Perioden geteilt: 1. die Periode der Wirt- schastlichcn Revolution von riclg bis 1824, 2. die Periode des Chartis- inus von 1823 bis 1854, 3. die neueste Periode von 1833 bis 1912. Tic drei Teile sind in bezug auf Umfang, Bearbeitungsmethode und inneren Wert sehr verschieden. Der erste Teil gibt eine knappe, aber übersichtliche und lebendige Darstellung jener Umwälzungs- epoche auf wirtschaftlichem, sozialem, politischenl und sozialpoliti- schem Gebiete, einschließlich der Arbeit Owens und der Anfänge einer modernen Arbeiterbewegung. Dieser Teil fußt fast gänzlich auf den Forschungen moderner Autoren, enthält auch wenig Wert- urteile über Männer und Bewegungen, ist aber vielleicht gerade deshalb in der Darstellung der allgemeinen sozialen Znsammen- hänge der beste des Buches. Beträchtliche selbständige Arbeit leistet der Verfasser bei der Tarstellung der Sozialkritik, wie denn diese überhaupt die stärkste Seite des Büches ist. Es ist geradezu wunder- voll, wie er die komplizierte Geistesarbeit jener halbvcrgessencn Epoche auseinanderlegt und niit welch anschaulicher Methodik und Systematik er jedem Denker seinen Platz zuweist. Diese Partien des Buches verraten auf Schritt und Tritt einen philosophisch gründ- lich geschulten Verfasser, der seiner Materie vollkommen sicher ist. Auf der anderen Seite scheinen ihn seine fozialphilosophischen Studien zur Einseitigkeit verleitet zu haben. Die Sozialphilosophie über- wuchert und die wirkliche Geschichte, vor allem die wirklichen Aktio- nen der Arbeiter, aber auch der Umwälzungsprozeß der Produktion und die ganze Politik, kommen zu kurz. Besonders stiefmütterlich ist der gewaltige und langwierige Klassenkampf des landwirtschaft- lichen Proletariats, der zum Verständnis der sozialen Herrschafts- Verhältnisse der Periode so überaus wichtig ist, behandelt. Sehr befremdlich ist es, wenn Beer die alten Armengesetze als„eine Art Sozialreformgesetze" bezeichnet, die die Arbeiter vor der Demorali- sation und dem Elend jener Zeit gerettet hätten. Das Speenham- land-System war jedenfalls eine ganz besondere„Art von Sozial- resorm". Tic neueste Jorschungslitcratur, vor allein das prächtige Werk von I. L. and Barbara H a m m o n d: The Village Labourer, 1769—1832, weiß auf Grund unzähliger Zeiturkunden von der Wirkung dieser„Art Sozialreform" Dinge zu erzählen, die einen noch heute erschaudern lassen. Der zweite Teil des Buches, der die Periode des Chartismus behandelt, ist der umfangreichste und bei weitem interessanteste. Hier erhalten wir zum erstenmal eine wirklich lebendige, zusammen- hängende und genügend aussübrliche Geschichte dieses ersten ge- wältigen Klassenkampfes des modernen Jndustricproletariats. Man muß diesen Teil selbst lesen, um einen Begriff von der Fülle des interessanten und packenden Stoffes und der aus fleißigen Studien der zeitgenössischen Literatur beruhenden außerordentlich lebendigen und anschaulichen Darstellung des Verfassers zu erhalten. Aber dies bringt es auch mit sich, daß es bei der Beurteilung der zahlreichen und langen taktischen Auseinandersetzungen und Kämpfe jener Periode noch heute zu sehr lebhaften und scharfen Meinungsver- schicdenheiten kommen kann. Beer macht in dieser Beziehung aus seinem Herzen keine Mördergrube. O'Connor und seine nord- englischen Anhänger sind ihm die unwissenden Demagogen und Phrasenhelden, die das ganze Unglück des Chartismus verschuldet haben, während die„Londoner Arbciterintclligenz" als kluge, nach einer wissenschaftlicheren Auffassung handelnde Männer gelobt werden. Ihr Führer Lovctt, dessen Bedeutung Beer außerordentlich überschätzt, wird geradezu zum Helden des Chartismus gestempelt Wir meinen, daß diese Beurteilung weder dem persönlichen Tcmpe- rament des Verfassers, noch der objcknvcn Prüfung der Einzer- situationen entspringt, sondern sich aus seiner ganzen Geschichts- Philosophie ergibt. Diese Geschichtsphilosophic kennzeichnet sich da- durch, daß der Verfasser in seinem Vorwort von zwei„dem Marxis- mus entnommenen" Leitgedanken seiner Arbeit spricht und daß er den Gegensatz zwischen utopischem und wissenschaftlichem Sozialis- mus, zwischen ideologischer und materialistischer Geschichtsauf- fassung konsequent als solchen zwischen„juristischem" und„evo- lutionärem" Sozialismus darstellt. Das ist weder ein Zufall, noch auch ein bloßer Unterschied in der Phraseologie, sondern drückt eine Geschichtsauffassung aus, die vom Marxisnius, wie er allgemein verstanden wird, erheblich abweicht, insofern nämlich, als sie die Bc- deutung der Klassenintercssen und der Klassenkämpfe stark in den Hintergrund drängt. Daher kommt es, daß Beers Buch eigentlich mehr eine Geschichte der Sozialkritik, als eine Geschichte der Ar- beiterbcwegung ist. Und es scheint uns, daß er sich durch diese theo retische Grundauffassung auch das wirkliche Verständnis des Wesens des Chartismus verschlossen hat. Worin bestand das Wesen des Chartismus? Tarin, daß er eine revolutionäre Klassenbewcgung des ncuerstandencn Fabrik- Proletariats zum Sturz der noch nicht gefc st igten k a p i t a l i st i s ch c n Wirtschaftsordnung war. Das war sein historischer Sinn, und nur so ist er historisch begreiflich. Des- halb konnten nur die Fabrikarbcitermasscn Nordenglands, nicht aber die noch handwerkliche„Londoner Arbeiterintelligenz" seine cigent- lichen Träger fein. Darum hatte die Demokratie für den Chartis- mus nur einen Sinn als Mittel zur sofortigen Beseitigung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Ter Chartismus konnte sich nicht bescheiden mit dem Kampfe um den demokratischen Parla- mentarismus im„evolutionären" Sinne, also als Mittel zur all- mählichen Hebung der Lage der Arbeiterklasse, bis einmal viel- leicht nach Jahrhunderten„die Quantität in die Qualität umschlägt", denn das hieß nichts anderes, als den permanenten Bestand des Kapitalismns anerkennen zu einer Zeit, wo die Bourgeoisie selber desselben noch nicht sicher war. Und sofern Lovdt darin mit den»ord- englischen Chartisten nicht übereinstimmte, war das nicht etwa auf seine nachchartijtftche Sozialphilosophie, sondern auf seinen vor- kapitalistischen Entwickclungsgrad und auf seine Beeinflussung durch die bürgerlichen Radikalen zurückzuführen, die höchstens für eine einfache— und viel friedlichere— Fortsetzung des alten Wahl- reformkampfes ein Verständnis hatten. Dagegen mußten eben des- halb O'Connor und seine Anhänaer, und in geringerem Maße auch Owen, die rechten Männer für Iren Chartismus sein, einerlei, auf welche Theorien sie ihre Agitation stützten oder was sie nach dem Sturze des Kapitalismus anzufangen gedachten. Entscheidend war einzig der Wille zu dieser Tat. Aus diesem Wesen des Chartismus ergibt sich als selbstverständ- lich, daß er gerade in der liberalen Bourgeoisie den wirklichen Feind sehen mußte, den es niederzuwerfen galt. Das war kein„Ratschlag der Verzweiflung", wie Beer meint, ist nicht nur psychologisch er- klärlich, sondern war objektiv in den Dingen begründet. Genau so wie der bittere Haß der Chartisten gegen die Freihändler. Die Chartisten begriffen, daß der Freihandel den Zweck hatte und dazu berufen war, freie Bahn für die Entfaltung des Kapitalismus zu schaffen, daß also der Sieg des Freihandels den Tod des Chartis- mus bedeuten mußte. Und die Ursache der Niederlage des Chartis- mus ist nicht zu suchen in den falschen Theorie«, der Taktik und den gegenseitigen Streitigkeiten der Führer, sondern— in der Eid* Wickelung des Kapitalismus. Denn Kapitalismus und Chartismus schlössen einander aus. Und so erklärt es sich auch, warum die cnd- gültige Niederlage des Chartismus die völlige Ermattung rmd Rcsi» gnation des Proletariats zur Folge halte. Das Spiel war eben aus. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung hatte auf der ganzen Linie gesiegt und richtete sich behaglich aus ein langes Leben ein. Und das englische Proletariat wurde dann nicht eine„mit veralteten Theorien erblich belastete", sondern in einem wirklichen Eni« scheidungskampse zu Boden geschlagene Klasse, und erst mutzte eine halbe Generation ins Grab gehen, ehe sich die Arbeiterklasse mit dem Schicksal abfand, ein ganzes Zeitalter kapitalistischer Lohn- sklaverei durchzumachen. Waren die Chartisten verblendete Toren, als sie sich den un- mittelbaren Sturz des Kapitalismus zur Aufgabe machten? Darüber mag heute urteilen, wer Gefallen daran findet. Noch das Kommu» nistischc Manifest hält das Ende der Kapitalsherrschaft für ein nahe bevorstehendes Ereignis, lind erst 1839 schrieb Marx den Satz, daß„eine Gesellschaftsformation nie untergeht, bevor alle Produk» tivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist". Und wenn der Chartismus tatsächlich zur Arbcitcrschutzgesetzgebung und zur Demo� kratisierung Englands führte, so war das ganz sicher nicht der Er- folg der Taktik der moralischen Gewalt, sondern des sozialrevolutio« nären Kampfes der nordenglischen Massen, der der englischen Bonrgcoisic Respekt vor dem Proletariat einflößte und sie jene poli» tische Klugheit lehrte, die noch heute in der Welt einzig dasteht. Der letzte Teil des Beerschen Buches, der die Zeit von 1833 bis in die Gegenwart behandelt, bedeutet eine Enttäuschung. Hier treten die Vorzüge seiner BeHandlungsweise weniger hervor, um so stärker aber ihre Mängel. Auch dieser Teil zeichnet sich durch schöne und lichtvolle Darstellung sozialkritischer Gedankengänge aus. So ist die Aufdeckung der theoretischen Grundlagen des Fabianismus be- sonders glücklich und lehrreich. Aber auch hier verfällt Beer gleich wieder in den Fehler der Ucberschätzung des Einflusses der Theorie aus die politische Praxis, in einem Lande, wo sich die Praxis am wenigsten um Theorien schert. Seine Kritik der S.T.F. halten wir im wesentlichen für zutreffend und wir stimmen ihm auch in der prinzipiellen Verteidigung der Arbeiterpartei zu. Wenn er aber, wie es den Anschein hat, nicht nur mit der Taktik der Arbeiter- Partei ganz zufrieden ist, sondern auch die Frage, ob und wann sie sich zum bewußten Sozialismus durchringt, als eine Nebensächlichkeit betrachtet, so wird ihm wohl kein einziger Sozialist in England auf diesem Wege folgen. Auch in bezug auf das Osborne-Urteil äußert er eine sehr sonderbare Ansicht, die von keinem englischen Arbeiterführer geteilt wird. Wer sich aus Beers Auch ein tieferes Verständnis der britischen Arbeiterbewegung von heute, ihres Charakters, der Elemente ihrer Stärke und Schwäche, ihrer Entlvickclungstendenzen und ihrer Zukunstsaussichten holen wollte, der würde, fürchten wir, fast leer ausgehen. Seine„evolutionäre" Geschichtsauffassung hindert ihn daran, die Arbeiterbewegung als die lebendige Aktion einer einen Kamps um ihre Interessen führenden Klasse zu betrachten und sie mit den anderen Gesellschaftsklassen in lebendige Beziehung zu setzen. Von der Gewerkschaftsbewegung hören wir sehr wenig, und der tiefen Gärung der letzten Jahre, der er fälschlich einen syndika- listischen Charakter zuschreibt, scheint er wenig Interesse entgegen- zubringen. Noch weniger hören wir von den Herrschaftsmethoden der herrschenden Klassen, von den sozialen Rückwirkungen des prak- tischen Imperialismus und insbesondere vom Charakter und der Bedeutung des Liberalismus, ohne dessen Verständnis die ganze soziale Bewegung Englands ein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Wir haben mit unserer Kritik des Buches nicht zurückgehalten, weil wir die ihm zugrunde liegende Sozialphilosophie verwerfen. Aber wir möchten nicht mißverstanden sein. Diese Sozialphilosophie beherrscht zwar alle Teile der Arbeit, aber sie drängt sich dem Leser selten sehr auf. Und trotz alledem enthält das Werk soviel tüchtige selbständige Denk- und Forschungsarbeit, daß niemand, der sich mit dem Gegenstand wissenschaftlich befaßt, es ohne Bewunderung und ein Gefühl der Dankbarkeit lesen wird. Das Buch ist überall leicht verständlich, schön und klar, manchmal packend geschrieben und auch dort anregend, wo eS zum Widerspruch herausfordert. Und es ist schon deshalb eine überaus dankenswerte Arbeit, weil es kaum ver- fehlen kann, das Studium und die Erforschung dieses unerschöpf- lichen und über alle Maßen interessanten und lehrreichen Stoffes neu anzuregen. I. Sachse- London. '..■ 1 I MIMHl* König-Strasse 34 Leipziger Strasse 65 Tauentzien-Strasse 20 Oranien-Strasse 47a Oranien-Strasse 34 Müller-Strasse 3a rriedenau, Rheinst. 14 Neukölln, Bergstr. 7/8 Moabit: Turm-Strasse 50 in unfern 5iiefe]n mif Doppelfonien öcKorK/bfnlen- ö ood.�car-'Vfelf / Verband der sozialdemokratisch. Wahlvereine Berlins und Umgegend. Dienstag, den 18. November 1Ä13, abends 8% Uhr: Gcneral-VeriammlUDgen. Tir Bersammlungen werden pünktlich eröffnet. 1. Wahlkreis. Eorona-Prachtsäle, Kommandantenstr. 72. Tagesordnung; 1. Geschäfts- und Kassenbericht. -■ Bericht der Revisoren und der Kommissionen. ii. Verschiedenes. Ä Wahlkreis. Hofjäger-Palast, Hasenheide 52/53, Tagesordnung:• I. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Diskussion. 3. Bestätigung der Delegierten zur Verbands- Generalversammlung. 4. Vortrag über„Die nächsten Aufgaben dcS Reichstages". Referent: Reichstagsabg. Wctiarä Fischer. 3. Wahlkreis. Gewerkschaftshaus, Engclufer 11/15. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, Kassenbericht. Be- richt der Revisoren. 2. Bestätigung der Delegierten zur Verbands- Generalversammlung. 3. Vortrag des Stadtverordneten Genossen �äolk Kitter über:„Die internationalen Verbindungen der niodernen Arbeiter- bewegung." Mitgliedsbuch resp. Delegiertenkarte legitimieren. 4. Wahlkreis. Urania, Wrangclstrastc 10/1 1. Tagesordnung: l. Vorstands-, Kassen- und Revisionsbericht. 2. Anträge: s) Mitglieder, die im Zahlabend nicht erschienen und mit ihren« fälligen Monatsbeitrag im Rückstände sind. ist der Beitrag aus der Wohnung abzuholen und das Mitglied zum Besuch des Zahlabendö aufzufordern. b) Den Abteilungen sind zwecks Agita- tioi« jährlich l'J Mark zur Verfügung zu stellen 0 Antrag betreffs Berichterstattung. ä) Der Arbciter-Notizkalendcr hat ohne Annoncen zu erscheinen. 3. Wahlkreis. Brauerei Schweizergarteu, am KönigStor. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Fdusrck Bernstein über„Die Steuerpolitik der Sozialdemo- kratic".(Welche Steuern bewilligt die Sozialdemokratie; wem bewilligt die Sozialdemokratie Steuern und wann bewilligt sie solche.) 2. Diskussion. 3. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 4. Diskussion. 5. Vereinsaugelegenheiten. 0. Wahlkreis. Moabiter Gesellschaftshaus, Töiclefstr.iil. Tagesordnung: 1. Bestätigung der Delegierten zur Verbands- Generalversammlung. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Vortrag des Genossen Rcich-stagsabgeord. Georg l-eckedour. Treptow-Baumschulenweg. Rennbahn, Elsenstr. 115/110. Tagesordnung: i. Bericht des Vorstandes und der Kommission. 2. Stellungnahme zur Kreis- Generalversammlung und Generalversainnckung Groß- Berlin. Wahl der Delegierten. 3. Verschiedenes. wW Die Vorstände. Gensaine ßrtonkeiikasse für BerliD-Mariefldorf uori Omgegenil. Montag, b. S4. November 1913. abends fci1,/, Uhr. im Lotal nan Karl Ben icheck, Berlin-Marieudorf, Chamiccstr.L,: Oi-ckviitllvliv KenAsIvelZWmIlilig. T a g c s o r d n» n g: t. Wahl des Äiidschnsses zur Prüfung der«Zahresrechnimg slir lvl.!. U. Zlnlrag aus Pollmachlcrteilunz an den Vorstand zu eaciit. crjoider Ucbeii Aendcrungen der Tienil ordnung der Ängestellten. ed0, lo v. Vclannigabe der zurgenehinigien Satzung angeordnelen Minderungen. I. Verschiedenes. AM" Slnsragc» und Bcichivirde». bei denen ltinsichliiahme in die Kaisen. biichcr crsordcrlich ist, sind spälcstcnt bis zum SS. d. R. beivi Vorstand einzureichen. Ilm vollzähiiaeS und büulillchcs Erscheinen der Herren Vertreter wird höilichst gebeten Bcrlln-Maricndorf, t.'>. Nov. IStV. Ter Borstand. tl/n g. tieiv, Zt. Marek, eechriilsübrer. Voriitzender. Neukölln. ..(irundstein zur Finizkeit" Dienstag. den Itzl. November, abends s Ubr, bei Wolf, Uirchkosilr. 41: Milgliederversammiung Tagesordnung: 1. Nbrechmmg vom III. Onartal S. Verschiedenes inllaisenaiigelegen. heilen. I5l/10 vi« Oe». Verwaltung. Sektion I(Handelsarbciter). «°«Wiii Miiglither nedskthenher Kronihtn:'■ SeKlklduugSludllstrit, Kuchhande! und Zkitungtu, �heui., pharm, und parfümerir, Ein Kasükrkr und Kasskubateu, Lahrstuhlführkr und Portiers, Klus-, Selenchtungs- llnd ßun- marea, Handtuchfahrer, Holnuduitrie, Hanf- u. Warenhäuser, Konfektiov. lebensmittel- brauche, Lederbranche,(Teitilbranche, Theater- und Hinoaugestellte afm. Montag, den 17. November, abends bi'/z Uhr, in der Neue n P h i h a r m o n i e, Nöpetücker Str. 00/07: Oeffenlliclie Versammlung/. Im Voralieiiil neuer Kämpfe um den Zolllarif. Bei der große» Bedeutung diese« Vortrages für da« gesamte Handelsgewerbe ist c« Pflicht aller .«olleginnen und Kollegen obengenannter Branchen, in dieser Versammlung bestimmt zu erscheinen. Erscheint in Massen l KS/13 Die Sektionsleitung. I. A.: sseite«aggloe. Hausarzt verein Moabit. Montag, de« 17. November, abends S'/j Uhr, in der„Pastenhofcr Brauerei", Durmstraffc 25, (Dcostcc Saal: Geffenttiche Uerfammtnng für Frauen. 1. Vortrag(mit Lichtbildern) des Herrn Privatdozenten Dr. med. Liepmann: Die Gesundheitspflege der Frau. Ein Mittel zur Verhütung der Frauenkrankheiten. 2. Fragebeantniortung. Eintritt 80 Ptennlf. Ettr SUtflleder trel. 297/8 3- A.: W. Bodln, Roslocker Straße 36. Allgemeine Orts- Krankenkasse sstr Berlin- Tenipclhos. Einladung zu de: am Montag, den 31. Ro- vember. abends Punkt H'/, Ulir, im Nestau rant Stuhlinaiiii iÄe- nostenschastObau«). BerUn-Tempelhos, Torsstraße öl, stallsindinden OrckontUelHrn General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Wabl der Prüfungskommission zur Prüfung der ZabreSrechnnng für lSlv. S. Mitteilung über die Gc- iiebnügung de: ncncn Satzung. 3. Per- schicdencS. S�V/S Belchwerden und Stnsragcii stnd spättiliiis bi« Dienstag, den Ib. No- uewbrr er., bei der«asienverwalttuig schriftlich eiiizureichcn. Ter Vorstand dcrAllgimetneu Lrtstrankenkaise für Berlin. Tempelliof. sgcz.» Albert George, l. Vors. Znnüllgs-luaubtnkasst der Eifchltr-Juuvng. «»»»«� Ol-clc-ntllcl»«> Genessl-Vesssrnrnlnng der B«tr«t»r der Kasse: mttgUtdcr und der Iiinungsinitglieder am Mittwoch, den>!N. November. abend» 8 Iltir, im wewcrtschaft«- Haus, ängelujcr 15. Tagesordnung: 1. Bericht dcs Vorswüdes. 2. An» trag de» Vorstandes, dem(«cwerk». tranienverein auch iernerbin anzii< gehören. 3. Bcschlußsaisung über die Kionlenordnuiig. 4. Verschiedenes. 270/13 Orr Vorntand. Ortskrankenkasse für den Amts- und ßemeindebezirk Boxtiagen-Rumnislsburg. AmS«. November, abdS 8',. Uhr, im Cafd Bcllevuc. Hauptiir. i. Ordentl. General-Versammlung. Tagesordnung: t. Bericht von dem«land her Er- richtung der'Allgemeinen OrlSkrankcn- kaiic für den Sladtbezirk Berlin, Lichtenberg. 2. Wahl von 3 Revisoren zur Ab« nähme der.Znhredrcchllung. Ii. Verschiedeiic«. Gcinüg§»i de» KaiieiistulutO werden die für 1Sl3 gewähtten Ver- treter hiermit eingeladen. AIS Scgilimalion dient die Ein- ladungSkartc. 280 ll VcrliN-Lichienbcrg. 14. Novbr. 1018. Der Boritand. G. B u d d c. Vorsitzender. Orts-Ärankenkasse der Handwerker zu Spandau. Zlm M->ntag. de» S«. November, abend» 8'/z llbr, im Hotel zum Stern: LeoersI- Versammlung. Tagesordnung: l. Wahl der RcchnungSvrüsmtgs» kommtsston.% Verschiedenes. XB. Sic machen darauf aus, mcrlsain, daß 511 dicicr Bersamm- lung nur die Delegierten für da» Jlahi" t0tl> Zuteilt baden, nicht etwa die bereits zur Allgemeinen LrlS- kranlentassc gewählten Ausschuß. Ntilglieder. 280/ 14 n«r Tor«tt»i»d. A. Udewlg, Vorsitzender. Berliner Arbeiter-Schachklnb. Achtung, Schachspieler, und solche, die es lernen wollen! Am Bnsttag, den 10. November, nachmittags l'/r Uhr, in den„Königsälen", Nene Königstr. 23: (iroker Zciiaclixvettkampt mit darauf folgender Bliiidllug8YOi*Htellu]ig.'9i Die Bllndlingsparlien werden am Demonstratlonsbrctt vorgesübrl. Am stinnntng:. den ttS. X«» von,!>«>>>. beginnt in obigem Lokale «In llTni-ntvi- flli- XlottkiitltUlIvd«.-!- unseres Klubs, woran fich jeder«chachiptelcr bclciligcii kann. Die Beteiligung ist koiteiilo». Gespielt wird SoinilaqS vormittags von ld— t Uhr. ES find Bücherpreife vor- gesehen. Meldungen sind bi» zum 23. November, vormittag» 10 Uhr, an die Turiilerleilung, welche in obigem Lokale anwesend ist, zu machen. Ebensall» findet in obigem Lotalc ein jeden Sonn. tag. vormittags von ld bi« l Uhr mittag» statt. Wir ersuchen alle Ge- Nossen, sich an diesem unentgeltlichen Unterricht zu beteiligen. Um recht regen Besuch ersucht Idvi- Vnrntuiid. I. A.: Richard Beirr. X Sö. Müllerstraßc 153. 294/11 Verein der Freidenker für Feuerbestattung. Hl(> Berlin. CacgrUndet 1905. Montag, den 17. November er., abends S'/g Uhr, im„Rosenthaler Hoff', Roscnthalcr Ttr. 11/12: Mitgljkdtt-Nersllmnilliiiz. Gäste willkommen! Ausnahme..euer Mitglieder l 204/13 Der Vorstand. l» Verwaltung Kerlin. Freitag, den 21. November, abends 8 Uhr: Ordentliche"WD General- Versammlung im Getverkschaftshause, tSngelufcr 15, Saal ii. Tagesordnung: l. Bericht der Lrtsverwaltung und Kastcnbcricht. 2. Neuwahl des zweiten Nassirrcrs. 3. Anträge.____ Montag, den 17. November: Milglieder-Uersammlnnge» für folgende Bezirke und Branchen: Tagesordnung: Beratung der Anträge zur Generalver- sammlnng und Berbandsangelegenheiten. �ikekler. Kestrl« MUdfvc.tcn: abend» fi1/, Uhr bei Habels, vcrgmannstr. V/7. Bericht über»Di« Lohnverhältniss« tu» Bezirk". u �elliilQielarlzeller-»bend» 6 Uhr im Niinig- r,4vcn u.-t-euuioiaarpeim'. ftadt-Nastna. Holzmarttftr. 72. Vortrag de» Ttadtverordnelen Genossen A. Ritter über:»Die Krankenkasse» nach der ReichSversicherungSordnung". e«pp-,.z-lZn-I-rb'-n->.-- letzten Vorkommnisse in der Branche". MüiWl- u. fabrihtitchkr;«'ÄJS NW? Vortrag mit Lichtbildern de» Genossen Aranz Gutschmidt über: ..Wohnungselend und KohnungSreform in der Großstadl".— Die Kollegen werden ersucht, ihre, grauen mitzubringen.(MV Die Delegierten zur Generalveriammlung mästen anioesend sein. �t-nkleirtlist-rt«- abend»(i Uhr bei Hermcl. Holzmarktstr. St. dturupvl�l-tei-. j Vortrag d-S Kollegen Ritschke über:„Die Volk». iürsorge und die Schäden der Privatveriicherungcn'. 2. Bericht über unsere Bewegung. Kitt-htrorh*«• abend» SO. Ubr bei Max Krause, Mariannen- rkvl-umst-nsi'• platz S(Parthalle). Ol-20 Dl« OetsveeseMltung/. it n Verwaltungsstelle Berlin, N 54, Linienstr. 83-85. Tclepdon: Amt Norden 9714, 1239, 1987, 185. Zlchtttug! Achtung! Dienstag, den 18. November 1013, abends 8 Uhr: Versammlung sämtlicher in den Knopfbetrieben beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen in den Commeuius-Sälen, Memeler Straße 67. Tagesordnung: I. Vortrag de» Stadtverordneten Genossen Brückner über:»Da» Menschenschlachthaus�. 2. Diskussion. L. Letriebsrngelcgenheilen und Verschiedene»., 120/15 In Anbetracht des wichtigen Vortrages werden die Kollege» und Kolleginnen ersucht, zahlreich in der Versammlung zu erscheinen Tic Lrtsverwolmng. Mctallarbeitcr-Notizkalcndcr 1011, Stück 00 Pf., sind i« Bureau und bei den Bezirtskaisierern zu haben. Orlshmillltillttilsk der Kiittoiilinztgtltlkll zu Berlin. Die zun: 17. d. Ml», anberaumte Lenersi-Versammiung kann nicllt ftittfmben. Dieselbe wird mit gleicher Tagekordnung erst am Montag, den Ä4. 9kovember ISIZ, abends 8 Uhr, im„Berliner Klubhaus", Lhmstraße 2, abgehalten. 280/5 Berlin, den 12. November 1013. Der Vorstand. Dirckscnstr. t. I. Zl.: Sauer, Vorsitzender MM Brauereiarbeiter! MM Ktntt Sonntag, den 16. jlopcrabft, nomittngs ll'/z Utir, im lokal„Nene Welt", Haftaheik 108-114 CilV): Allgemeine Krsuereial'beiter Versammlung. Tagesordnung: Kündigen wir den Tarifvertrag? Diskussion.— Beschlußfassung. Zn dieser Versammlung sind sämtliche in den Lagerbierbranereien, Mälzereien, Malzbierbrauereien und Viernicdcrlagen beschäftigten und den unterzeichneten Organisationen angehörenden Arbeitnehmer eingeladen, als da find: Brauer, Hilfsarbeiter, Böttcher und deren Hilfsarbeiter, Flascheukellerarbeiter, Hofarbeiter, Maschinen-, Kessel- und Kohlenarbeiter, Handwerker nnd deren Hilfsarbeiter, Verschiedene, Fahrer, Mitfahrer, Reservesahrer, Lastchanffeure, Bremser und Stattente. Kollege», erscheint i» Masse» in dieser wichtige» versainntlung! Die Einberuser: Verband der Brauerei- und Mühlcnarbeiter. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Verband der Maschinisten u. Heizer. Deutscher Metall" arbeiter-Verband. Verband der Böttcher. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verband der Maler nnd Lackierer. Verband der Kupferschmiede. Verband der Zattler. Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein.(Ortsvcrwaltungen Berlin.) Kollege»! Der Berfantmlungsbeginn muhte verschöbe» werde», weil die Polizeibehörde die Abhaltung der mmlung unt 10 Uhr vormittags nicht gestattet. Die Verfamutlung wird präzise eröffnet, da uns der Saal nnr U Uhr zur Berfiigung steht. Wir ersuchen die Vertrauensmänner, dies den Mitgliedern bekannt zu geben. Wahlmisf chreib cu dcr Allgemeinen Ortskrankenkaff e für Berlin-Tenipelhos. �----—---—--— Kaiserin Augusta-St». 1.-——--—.— \Uuj(«tunb des§ 91 der neuen Kaijensatzung sind sür die Wahl- de.iade 1911/1917 die Vertreter und Ersatzmänner tür den RuKschuz ZU wähle». Ter AuSschug besieht aus 19 Lcrtrctern und U> Ersatzmännern der Arbeitgeber sowie 30 Vertretern und 60 Ersatzmännern der Versicherten. Die Versicherten sowohl als die Arbeitgeber haben das Wahl- recht in Person auszuüben, dürfen sich also nicht vertreten lassen. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Tic Arbeitgeber lönncn auch als Vertreter und als Ersatzmanner zum Ausschuß bevollmächtigte Betriebsleiter, Geichästssührer und Betriebsbeamtc der beteiligten Arbeitgeber wählen. Die Wahlen finden statt für die Arbritgeber-vertrete« avi Dienstag, den ZV. Dezember IUI», von vormittags 10 Uhr biS abends V Uhr, im Restaurant Hermann Mchulx, Äcrlin Tempclhof, Berliner Z«r. 125, und für die Bcrficherten-Bertreter am Montag, den X'J. Dezember 1913, von miitags IS»hr bis abend» h»hr, tm Restaurant Wllhclmtigarten, Berltn-Drmpel Hof. Berliner Str. 40. Die Wahlen sind geheim; gewählt wird nach den Grundsätzen der Ver> hältniSwahl. Jeder Wähler, welcher an der Wahl teilnehmen will, erhält auf sein Verlangen bi» spätestens 2l. Dezember 1913 im Kassenbureau mährend der Dienststunden von 6—1 Uhr eine Wahlkartc aiiSgehSudtgt, die am Wahltage als Ausmets über seine Wahl- und t-.timm> bcrechliaung dient nnd welche er dem Wahlausschutz vorzuweisen dat. Wähler, die nicht im Besitz einer Wablkarte iind. werden zur Wahl nur zugelassen, wenn sie in einer säintlläicu tNitgitedern de» WablauS- ichuss'S überzeugende» Weise ihre Wahlbercchtiguiig nachweisen tönne». Aus der Wablkart» sür die Arbeilgeber wird auch die Zahl ihrer Stimmen vcrmer.'t. Der WablauSschutz am Tage der Wahl ist besagt, die Wahl und Stwimberechtigung jede« Wähler» bei der Wahibandlung zu pnisen. Die Wähler töniien die Arbeitgeber- und Mitglieder-Verzeichnisse während der Knileustünden von 8—1 Uhr tni Kasscnburcau einleben. Einsprüche gegen die tlitchtiglett. der sich au» dein Arbeitgeber- und Nitgliedcrverzeichnlssc ergebenden Wahl- uno Stiminberechtigung sind bei Bcrvirtduna de» Ausschlusses spätestens bis zum 1. Dezember 1913 »ntrr Beifügung von Beweismitteln bei dem Kafienvorftand ein- zulegen. Wir fordern nunmehr die Wähler«Berstcherte nnd Arbeit- «eber) ans. bis spätestens zum 1. Dezember 1913 ichriftlichc Wahlvorfchlägc bei dem ftaffrnvorftand, getrennt für Arbritgebrr und für versicherte, einzureichen. Die Stimmabgabe der Wähler ist an diese Wahlvorichläge gebunden. Die Wablvorschläge müssen von mindestens je 10 Wahlberechtigten der beuessnide» Gruppe mit zulammen mindestens 30 Stimmen linterzcichnct sein. Die cinzcliieii Bewerber Nud unter sortlausender Nummer auszuführen, welche die Nechensolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Mamillen» und Bor- (lliuf-) Namen, Berus und Wotznort zu bezeichnen. Bei Bcrsichcrten ist auch der Arbeitgeber, bei dem ste beschälrtgt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschläge» sür Bersichert« ist von jedem Bewerber eine ErNärung darüber voi�ulegcn, dag er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei de» Wahworichlägcii für Arbeitgeber ist eine solche Erllärung nur erforderlich, soweit ein vorgeschlagener Beivcrber nach§ 17 der ReichsverstchcrungS- ordnung zur Adlebnuna der Wahl befugt ist. In jedem Wahloorichlag ist seriie, ein Vertreter de» Wahlvorschlage! und ein Stellvertreter sür ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu bezeichnen. IMt dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschtages und, soweit eine Ncibensolge erlennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Ter WahloorschlagSvcrtrcler iit berechtigt und ver- pflichtet, dein Vorstand die zur Beseitigung etwaiger Anstände erforderlichen Erltarunzen abzugeben. Die zugelafienen Wahlvorschläge können von den Wählern im Kassen- bureau während der Äaiscnstundcn von 6 bis 1 Uhr eingesehen werden. Sind aus gülligcn Wahloorschlägen im ganzen nur' so viele wählbare Bewerber benannt, wie Vertreter bezw. Ersatzmänner zu wählen sind, so gellen ste als gewählt. Sind weniger Bewerber vorgeschlagen, so gelten diese ebensalls al» gewählt. Der Wähler erhält clnen der Umschläge, die mit dem Stempel der Kaste oertchen und mi Wahlraum bereit zu hallen sind, tri» sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag legt und übergibt hieraus den Umschlag unverschlossen unter Nennung seines Namen» den Vorsitzenden oder dem oon diesem dezeichneten anderen Mttglted det Wahlausschusses. Dieser lätzt die Abgabe de» Stimmzettels vermerlen und wüst dann den Umschlag in die Wahlurne. Arbeitgeber mit mehrfachem Stimmrecht haben iooiei Stimmzettel je in einem 6c- sonderen Umschlag abzugeben, als sie Stimmen haben und abgeben wollen; m diesem Falle ist die Zahl der abgegebenen Umschläge vorzmncrlen. Wähler, die durch torpertiche Gebrechen behindert sind, ihren Stimm- zettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des Wahlausschusses zu übergeben, dürfen sich der Beihilfe einer Vertrauens- Person bedlenen. Laut Verfügung des Versicherungsamts sür den Kreis Teltow vom 4. Oltober 1913 find außer den gegenwärtig bereits bei der Kaste beteiligten Arbeitgebern und Arletlnehnrern auch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer wählbar und wahlberechtigt sind, die vom 1. Januar 1914 ab weiterhin an d«r ReichSlrankenversicherung beteiligt sein werden. Berlin-Tempelhos, im November 1913. 280/3 Der Vorstand der Allgemeinen Ortstrankenkafic für Berlill-Tempelhof. fctz.) Albert George, erster Borfitzender. ?lil»ll>grsp!inN'W!fen«ml Gehilfinnen Grotz-Berlins! Dienstag, den 18. November, abends 8t/., Uhr, in den„Arminhallen", Kommandanteiistr. 09/66: Oeffentliche Bersam mlung. Tagesordnung: 1. Wichtige Umwälzungen im Photographijchcil Beruf. 2. Diskussion. Die Versammlung erfordert das Erscheinen jede» einzelnen Berufs- tätigen, um zu diesen einschneidende» Veränderungen Stellung zu nehmen. Wichtige Dinge stehen in dieser Versammlung zur Entscheidung. Kollegen nnd Kolleginnen t Seit langer Zeit war keine Veriamminng so wichtig wie diese; zeigen Tie dtöhaib Ehr Interesse durch Massenbesuch. Orts-K rankenkaff e der 109/18 Tie Plioiographcn-Bcrwaltung. I. A.: Arlur Sadina, Britz, Ebcrsiadt Alle 4. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zvmgvcmn Berlin. Mittwoch, den 19. Rovcmber im(Sewrrlschastshaus( _ vormittags 10 Uhr. iaal 1), Eugelufcr 15: Generalversammlung des Öeramtzwcigvcreins. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Quartal. 2. Vortrag des Kollegen Hb'lnnl» über:.Da« Arbeitsrecht im Wechsel der Ze 3. Verschiedenes. vor Vvrntana. tnnai ttcn.« Ortskrankenkaffe Einladung »nr»rälvntUelicn General-Versammlung gewäblien Vertreter der QrtS traii'cnlasse Lichtenberg zu Donnerstag, den!!7. November, abends 8>/, Uhr. im Lokale.Schwarzer Adler-' /Richard Arnholdi, frankfurter <5hausiee 5 zu BcrUn-Lichtenbcrg. Tagesordnung: 1. Wahl der Kominissio» zur Prü- jung der)ahre«rechnilng pro 1913. 2. Schlußabrechnung der Ncuein- Achtung sür die Badeanstalt. 3. jiasienangelegenbeilen. 289/19 vor Vorstand. C. Dctkei, Vorsitzender. Orts- Krankenkaffe sür das Barbiergewerbe zu Berlin. Dirnstag, den 85. November 1018, abends 9>/, Uhr, Im..RoMcnthalcr Hof", Rosenthaler Sir. 11/12: .• Ordentliche—: General-Versammlung der Delegierten. Tageso rdn ii, ig: 1. Wahl des Ausschusses zur Prü- jung der Jabresrechiiutni pro 1913. 2. Bericht de« Vorstände«. 3. Kasicnangelegenhcitcn. Berlin, den 19. November 1913. Der Vorstand. Q. A.; Paul S ch r o 1 1 e, Vorsitzender. 289/18 Am Freitag, den 88 November 1913, abends 7'/, Uhr, tindet im Mchnarüen Vdler, Hauptstr. 144, eine Ordentliche General-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verlesung des Protokolls der letzteii tseneral-Versaminluiig. 2. Wahl von Prüsern sür die Zahres- rechnung 1913. 3. Genehmigung der Zlerziever- träge. 4. Kenntnisnahme von dem Inhalt der neuen Satzungen. 5. Bericht über da§ Inkrafttreten der Kraut enverstcherung nach der ReichSversichermigsordnuiig. 9a. Antrag der Beamten um lieber- nähme der Beiträge zur AngesteMeii« Versicherung. 6. Verschiedene«. 289/17 Berlin-Tdiöneberg, den 13. No- vember>913. Krukow, Borsitzender. Thielicke, . Schristsührer. Orts- Krankenkaffe der �igzi'i'etiiuaebei'Lgsi'etteuivzebei'. mi deren Hilfsarbeiter zu Berlin. Mittwoch, den 80. November er., abend» 8'/, Uhr, im.Rosenthaler Hof-, Nosenihaler Stratze 11—12: General-Versammlung tvozu die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Bericht de» Borstandes soivie Antrag desselben aus Absindung des Rendanten. 2. RechnungSbericht. 3. Wahl der Kommission zur Vor- vrüsnng der JahriSreihiiimg. 4. Der- ichiedenes. 2993b Einladungskarte legitimiert! Oer Vor»t»nd. y. A.: Willi Dscheuichn«». XGusuui-KeuGsseuscbatt Berlin und llingegeud t. L. m. b. tt. lentrate! liebtenberg. Bittergntstr. ff» 26. zur gefälligen Kenntnisnahme, daß Neukölln in Unseren Mitgliedern, Freunden und Gönnern wir unsere 40. VerkaulH« teile von Friedclstr. 15 nach Hobrechtstr. 26/27 verlegt haben. Am 18. November erölftieil wir unsere i2£. verkiufssteiic Koloiiiestr. 139« Orts- Krankenkaffe dn Stellmacher. Am Montag, de» LI. November, abends 8'/, Uhr, im.Nosenthaler Hof", Nosenihaler Str. 11/12: Ordentliche lZevefSt-VerssmwIuifg. Tagesordnung: l. Kassenbericht. 29(366 2. Wahl von drei Revisoren. 3. Berschledene Kassenangelegenheiten. Vr, Ter Zlorstand. Henkr. Vorsitzender. Gemeinsame am 25. November unsere 1�3. in Lichtenberg:, Gürtelstr. 40, am Ä. Dezember unsere 1164. 7�eltet*Stt*« 28. Ende dieser Woche in allen Verkaufsstolien: Aiistraliseke Kallinchen per Stück 108/3 Täglich: Ullch per Liter ÄO Pf. Der Vomttand. Orts-Krankenkafle für NlWWks ii. llmgeg. Am Montag, den 1. Dezember. abends K>/, Uhr, findet im Lokale des Serrn Illnx Ringer, Priefterstr. 31 ieintr Saali, die Ordentliche KellersI-Vei'ZAMmIiiiig statt, zu der die Delegierten hiermit ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Geschästliche Mitteilungen. 2. Bericht vom Krankentassentag in Breslau. 3. Wahl eines RechnuiigSauSschufleS Ar 19>3. 4. Bericht über die vorgenommene Stalulenünderung. S. Verschiedene«. 280/6 Anträge zu dieser Aeneralversamm- lung müssen zeb» Tage vorher beim Vorsitzenden eingereicht werden. W. Kernten, Vorsitzender. Orts- Krankenkaffe der Uhrmacher Mittwach, den 2«. November 1913, abends 9»Hr. im Reftanrant„Schnltheifi», Berlin, Neue Jakobstr. 24/23: Ordentliche lZelleril-Verssmmluifg Tagesordnung: t. Festietznna der Enlschüdignng sür den Kasse, isührer. 2. Wahl voi, drei Revisoren zur Prüfung der lllechimugen sür 1013. 3. Verschiedenes Die Herren Vertreter Arbeit- nehmer und Arbeitgeber) werden hierzu eingeladen. 279/17 Der Voratnnd. Gustav Laelsch. Vorsitzender. Robert DraBlar, Schnstsührer. Gemeinsame Orts- Krankenkaffe sür Ktrlin-Wilmersdlirs »nd Umgegend. Bekanntmachung betreffend Ausschreibung d. Wahlen zum Ausschuß vom 15. Nov. 1913. Wir teilen hierdurch ergebenst mit, dak sür alle Interessenten, Arbeit- geoer und Versicherte, Wahlordnungen unentgeltlich in unierem Kassenloial, Kaiser-Allee 173», in den Kasten» stunden von 9—1 Uhr zu haben sind. gerner machen wir daraus ans- merlsam. da« nutzer denen, in unserem Wahlaufruf im Wahllokal zu erhalten- den Stimmzettel auch ailderweilig zu beschassende Stimmzettel, soweit sie de» Vorschristen der Wahlordnung genügen, zulässig sind. 289/1» Berlin-WilmerSdors, den 18. November 1918. Der Torstand. Lübsen. Hertel, Vorsitzender._ Schristsiihrer. Sptjialitätkn: Jeden Mittwoch: Die berühinteil WrüUwürfiche». Jeden Svimabend: frische Blut-«nd Leberwurft.°. Wllrstmeykr, Krunnenkr. 6. | rafcrtk: Landeshufer Leinen- und Gebildweberei FoV. Orliofeld Größtes Spezialheus der Welt lür Leinen und Wäfche Mauerffraße S* 1 S. BTll Krausenffraße ö 11 Leipziger Straße£0-22, 70 77 Eröffffniiiag des am Moixtcig, den 17. November vormlllags lO Ulur Die neuen Verkaufsrdume, mif außerordenflich reicher Lichfverteilung, find in ihrer Ausdehnung und der wefenflichenErweiferung aller Abfeilungen einheiflich uberfichf- lieh geffalfef und werden durch modernffe Einrichfungen den Einkauf in behaglich vornehmer Ruhe ermöglichen. Belichfigung auch ohne Kaufveranlassung erbefen- ? ............................................... Gleichzeitig Beginn des................................................ □: :□ 0, Pr-ußisch.SSdd-utsche (»29. Köttigi. Preuß.) Klassenlotterie B. Klasse 8. Ziehnngstzg 15. Siodember ISIS Dornnttaz Auf jede iif.onme Siummer fluS Moei gletch hob« Cßctulnuc„«fall«»,»nd«war je fin«t auf bi« Lose gleichrr Nummer/z Uhr, I von der Leichenhalle des Zions- Kirchhofes in Nordend aus statt. Am 18. d. M. verstarb unser i Genosse, der Sattler �ugusiRsngoßz (Schulstr. 12. Bezirk 757). Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet morgen Montag, nachmittags 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des Städtischen 'riedhoses, Müller- Ecke See- rage, aus statt. 232/9 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Deutscher Hoizarbeiter-Iferband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Möbel- Polierer Albert Pohling Neukölln, Ikneiebcclstr. 117. im Alter von 40 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 1K. November, nachmittags 2'/. Uhr, von. der Halle des'Neuköllner Gemeinde- Fricdboscs am Mariendorser Weg aus slat,. Um rege Beteiligung ersucht 32,1 Die Ortsverwaitung. ¥erbandderSattIeru.Portefeuiller� Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Sattler 158/10& August Bargel (Werlstatt B. Wiedermann) verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet morgen Montag, den 17. November, nach- mittags ü'l, Uhr, von der Leichen- halle des Philipjius-Apostel-Kirch- hoscs aus nach dem Städtischen Friedhos in der Seestratze statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsvcrwaltung. Verband der Lithopplien, I Steindrucker u. verwandten Bernle (Deutscher Seueselder-Bund). /z Uhr, von der Leichenhalle. des Matthäi-Kirch- Hofes in Schöneberg, Priesterweg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 103/19 Die Verwaltung. Verband d. Gemeinde- u.Staatsarh, Filiale GroS-Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege (Zeorx Hummel (Berl. Parkverwaltung, 3. Revier) »erstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Sonn- tag, den 16. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen St. Johannis> Kirchhofes aus statt. 35/20 Die Ortsverwaltung. Verband d.Gemeinde-u. Staatsarb. Filiale Groß-Bcrlln. Unseren Mitgliedern zur Nach- j richt, daß die Kollegin CdsiMe Hobberg (früher Parkverwaltung) vei starben ist. Wir werden ihr ein ehrendes| Andenken bewahren. Die Bestattung findet am I Montag, den 17. November, von I der Leichenhalle des städtischen I Friedhofes in der Mllllerftraße I aus statt. 36/1 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Otto Ibomss Caprivistr. S, am 13. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 17. November, nach- mittags 2ll, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhofes in Friedrichsfelde auS statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schleifer lZottlieb Heinze Grünauer Str. 9, leiden. an Lungen- Die Beerdigung findet am Montag, den 17. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Thomas-Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet 129/10 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- u.- Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Freitag, den 14. November 1913, entschlief nach kurzen, schweren Leiden unser langjährigerKassierer Albert kusack Fruchtstr. 67 im 02. Lebensjahre. 2S3/5 Wir verlieren an dem Ver- storbenen einen treuen und gc- rechten Kollegen. Die Beerdigung findet Montag, den 17. Nov., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Petri- lirchhoses, Friedenstr. 84, aus statt. Die Ortsverwaltung Berlin I. Das plötzliche MIcben meines I lieben Batcrs l graste Ober- und Unterbetten} mit) S Kissen.......) jtJBp- mit Daunendecke 5 M. mehr.__ Feinste prima Biiuncnbettcn von 40 M. an. *■-| Preislisten und 1 Für nicht zusag. Kein gilsiko. � Proben gratis! f Bett.Gcld retour Bestellen Sic Ihren Bedarf an Betten nur bei der Altbewiihrten Betten-Bcrsand-J-irnia X,& M. Frankrone, Cassei-N. ■-i.■. v,. Mäntel Kostüme:: Plüsch- und Äslr.-Paletols 1 nur beste Verarbeit. von M. 0-5O bis 50.oo Jetat enorm billiger — Kinzcl- Verkauf � H. Heymanns |£ Engros-Haus »- Königstr. 32b, I. Etage. * � Eingang nur " Ecke Gontardstr. direkt a. 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Vertag: Borwärt» Suchdruckelei u. Le clagsanftalt Paul Singer«.Co., iLerlin SVIä