Nr.S«7. BboniKmfntS'lkdlngiingt»; »oimements• Preis pränumerando: «ierteljährl. 330 M?.. monatl. L10 STtJ., wöchentlich 23 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonnlags- veilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Blark pro Monat. Emgerragen in die Posl-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für D eutfchland und Oesterreich. Ungarn 2ö0 Mari, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. PoftabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Siumänien. Schweden und die Schweiz. Mcheln,»glich. *§>, Verlinev Volltsblnkk. 30. Jahrg. Die TnferflenS'Gcböfjr beträgt für die fechsgefpaltenc«lolonel- zeste oder deren Raum'» Pfg. für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VcrfammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Mnicigen", das fettgedruckte Wort A Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), iedes wettere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buch, flaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer uiüsseu bis k» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben worden. Die Expcdstion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SsÄdlilemsIint Bern»-. -.S w Zcntralorgnn der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Redaktion; SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8Z. Expedition: 8M. 68» �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplnst, Nr. 198 t. Sie sranzöiiichen Bergarbeiter gegen Äen Senat. Paris, 19. November.(Eig. Ber.) Der Bergarbeiterverband, die alte, von den Extrem- reformisien B a s l y und L a m c n d i n geleitete Organisation, der der Arbeitsminister erst am Freitag im Senat das Zeugnis der„Bravheit" ausgestellt hat, wendet sich in einem kraftvollen Streikmanifest an die französischen Bergleute. In den revolutionären Organisationen ist die Kampflust natürlich nicht geringer. Im Pas-de-Calais haben viele Belegschaften das Stichwort der Organisation gar nicht abgewartet. Ein paar tausend fuhren schon am Montag nicht ein und die Zahl ist ini Wachsen. Die Unternehmer mögen sich bei ihren Gesäiäststrägern im Senat bedanken, die gewähnt haben, die Geduld der Bergleute werde auch den Faustschlag vom Freitag hinnehmen. Es scheint angezeigt, die etwas komplizierte Materie, deren Behandlung in der Gesetzgebung den jetzigen Konflikt hervorgerufen hat, ein wenig detailliert darzustellen. Der Kamps geht um den Achtstundentag und zwar um den Achtstundentag für alle Bergarbeiter unter Tag. Zivar hat schon das Gesetz vom 29. Juni 1905 die Achtstundenschicht eingeführt, aber nur für die Häuer. Alle übrigen Kategorien— etlva die Hälfte der unter Tag Be- schäftigten— haben keine beschränkte Arbeitszeit. Uebrigens ist die Bezeichnung Achtstundenschicht auch irreführend. Die Schicht wird nänilich von der Einfahrt des letzten bis zur Ausfahrt des ersten Arbeiters berechnet, ist also tatsächlich länger. Die französische„Achtstundenschicht" läuft ungefähr auf dasselbe wie die 1901 in Oesterreich festgesetzte Neun- stundenschicht hinaus, und es ist überhaupt eine windige Ruhm- rcdigkeit. wenn der Berichterstatter über das neue Gesetz, Herr Boudenoot, im Senat behauptet hat, Frankreich habe dem ganzen Auslande im Bergarbeiterschutz ein Muster gegeben. Dast das Gesetz von 1905, das nur etwa 70000 von den rund 200 000 im französischen Bergbau Beschäftigten einen Normalarbeitstag gab, die Bergleute nicht befriedigen konnte, Versteht sich von selbst. Schon 1906 hat B a s l h eine Novelle dazu beantragt. Sie wandelte im Schneckengang durch die Kommissionen und vollendete ihre Bestimmung in einem großen Fußballmatch zwischen Dcputiertenkammer und Senat. Im November 1910 nahm der Senat einen Entwurf an, der. die Actztstundenschicht— in der Umgrenzung des Gesetzes von 1905— auf die bei den Verzimmerungs- und Jnstandhaltungsarbeitcn Beschäftigten ausdehnte. Für die im Förderdienst Beschäftigten waren neun Stunden vorgesehen, für die übrigen eine Regelung durch die Verwaltung. Der Text enthielt aber auch eine Bestimmung über verlängerte Schichten. Das Gesetz von 1905 läßt solche nämlich zu, knüpft sie aber an eine Erlaubnis, die nur für zwei Monate Gültigkeit hat. Der Senatstext von 1910 bestimmte, daß mit Erlaubnis des siaat- lichcn Bergingenieurs 90 Ueberstunden jährlich und im Falle einer durchs Kohlenmangel hervorgerufenen Wirtschaftskrise weitere 60 Stunden— diese mit Genehmigung des Ministers— gestattet werden sollten. Die Zahl der gestatteten Ueber- stunden war auf zwei»im Tage festgesetzt.— Die Deputierten- kaminer änderte diesen Text im März 1912 in entscheidenden Punkten ab. Vor allem dehnte sie das Gesetz auch auf die unter Tag arbeitenden Arbeiter der Erzbergiverke und Schiefer- brüche aus, wester setzte sie die Achtstundenschicht für alle Kategorien fest und endlich bestimmte sie dreißig Stunden als das Höchstmaß der jährlich zu bewilligenden Schicht- Verlängerungen. Die Senatskommission hat nun diesen Entwurf, der immerhin eine für die Bergleute annehmbare Reform des Gesetzes von 1905 bedeutete, gröblich verstümmelt. Und am letzten Freitag hat das Plenum die Weisung der Kommission befolgt, ohne Rücksicht auf die sehr entgegenkommenden Ver- Mittelungsvorschläge des Arbeitsministers(5 h e r 0 n. Was enthält der neue Text des Senats? Zunächst nimmt er die Erzbcrg- und Schieferbrucharbeiter aus. Weiter die Maschinisten, Pferdeführer, bei der Licht- und Wasserzufuhr beschäftigten Arbeiter und ähnliche, nicht direkt bei der Kohlen- Produktion tätige Kategorien— im ganzen nach der Berechnung des Senatsberichtcrstatters etwa 8 Proz. des Personals. Vor allem aber erhöht er die Zahl der in normalen Zeiten ge- statteten Ueberstunden auf 150 jährlich. Und zwar genügt eine einfache Anzeige an den Bergingenieur. Im Fall einer außerordentlichen Krise und im Interesse der nationalen Verteidigung darf die Regierung weitere Ueberstunden bewilligen. Man sieht, der„Achtstundentag" läuft in der Fassung des Senats auf einen Achtundeinhalbstundentag hinaus oder auf den Neunstundentag während eines halben, den Zehnstunden- tag während eines Vierteljahres. Ja. die Häuer sind danach schlechter daran als nach dem Gesetz von 1905, das die langen Schichten wenigstens von einer vorherigen behördlichen Genehmigung abhängig macht. Herr Cheron wollte die hartnäckigen Arbeiterfeinde des Senats durch Liebenswürdigkeit und Nachgiebigkeit milde Aimmen. Er opferte die Erzberg- und Schieferarbeiter und schlug vor, die Zahl der Ueberstunden auf 90 festzusetzen.' Aber vergebens hielt er dem Berichterstatter Boudenoot entgegen, daß die Senatsmehrheit vor drei Jahren doch selbst 90 Stunden angenommen hat. Herr Boudenoot schützte vor, daß der neue Text die Achtstundenschicht auf einen größeren Teil der Arbeiterschaft ausdehnt und erklärte, die Ueberstunden seien ein unerläßliches„Sicherheitsventil" des Gesetzes. Ein Sicherheitsventil wogegen? Herr Boudenoot wollte nach- weisen, daß eine Verkürzung der Schicht eine Verminderung der Produktion mit sich bringe und dadurch die Abhängigkeit Frankreichs vom ausländischen Markt steigere. Die Behaup- tungen Boudenoots über die Wirkung des Gesetzes von 1905 wurden von Cheron schlagend widerlegt. Die Statistik zeigt, daß dieses Gesetz die durchschnittliche Produktion wie die Gesamt- Produktion durchaus nicht geschädigt hat. Aber Herrn Boudenoot entfuhr in seinem Kampf gegen das Arbeiterrecht ein interessantes Geständnis. Er sagte nämlich:„Sehen Sie doch meine Herren, daß in diesem Jahre seit dem 8. Oktober infolge der Anwendung des neuen Militär- gesetzes die Zahl der Bergarbeiter um 7 bis 8000 Einheiten vermindert worden ist und daß sich daraus eine Produktionsverminderung von etwa 2 Millionen ergibt." In der Tat, dies ist des Pudels Kern. Das Proletariat soll nicht nur die Last des dritten Dienstjahres auf sich nehmen, sondern der verstärkte Militärismus wird auch Grund oder Vorwand für die Verweigerung sozialer Reformen. Wie rasch gehen doch die Prophezeiungen der sozialistischen Krittler der dreijährigen Dienstzeit in Erfüllung! Bei der Abstimmung bekam das von dem radikalen Senator D e b i e r r e beantragte Amendement, das im Sinne der Erklärungen des Ministers 90 Ueberstunden bewilligen wollte, nur IW gegen 166 Stimmen. Im Senat hat die„demokratische Linke"— das sind dort die Radikalen— die Mehrheit. Es sind so- mit Radikale, die an der provokatorischen Entscheidung schuld sind. In der Liste derjenigen, die das Amendement Debierre abgelehnt haben, finden sich die Namen von etlichen ehe- mciligen radikalen Ministern: Elemenceau. Couyba, Chaumi«, Millies-Lacroix, Monis. Was sagen unsere unentwegt blockfreundlichcn Genossen dazu? Gehört der Achtstundentag der Bergarbeiter auch zu den„Details", von denen die Sozialisten um des großen gemeinsamen„Pro- qramms" absehen müßten? Und müßten sich sozialistische Minister mit ihren radikalen Kollegen solidarisch erklären, um die Staatsmacht gegen die streikenden Bergleute aufzubieten. denen radikale Senatoren das geforderte bißchen Sonnenlicht verweigern? Der Stand des Streiks. Paris, 21. November. In einer von dem Hauptausschuß der französischen Kohlengrubenbesitzer einberufenen Versammlung erklärten die Direktoren der Bergwerke der Departements Nord und Pas-de-Calais, daß zwischen ihnen und den Bergleuten gegenwärtig keinerlei Zwist bestehe, und daß der Ausstand lediglich durch denBeschlußdeSSenats hervorgerufen worden sei. Die Direktoren versicherten, daß sie keinerlei Druck auf die Arbeiter ausüben würden, um sie zu Ueberstunden zu zwingen. Der Deputierte B a s l y erklärte in einer in Nantes abge- haltenen Ausschutz sitzung des Bergarbeitersyndi- k a t s, er hoffe, daß die Regierung, wie in früheren Fällen so auch diesmal, bei den Bergwerksgcsellschaften zugunsten der Berg- leute intervenieren werde. Falls sich die Gesellschaften entschließen würden, die langen Schichten abzuschaffen, würde der Streik sofort beendet werden. Der nationale Ausschutz des Bcrgarbeiterverbandes in Carmaux veröffentlicht einen Aufruf, in dem erklärt wird, daß weder die Regierung noch das Parlament die gegebenen Versprechungen erfüllt hätten, was unter den Bergleuten berechtigte Entrüstung hervorgerufen habe. Der Ausschutz müsse jede Ver- antwortung für etwaige Folgen dieser Haltung der öffentlichen Gewalten ablehnen. Der Verband der Bergarbeiter des Departements Loire hat beschlossen, sich dem allgemeinen Bergarbeiterausstande anzu- schliehcn. Live„Organisation von IBetriigcrn". London, 20. November.(Eig. Ber.) Die Rede Churchills in der Guildhall, in der er den eng- lischen Steuerzahlern eine westerc Vermehrung der Rüstungs- lasten ankiindigte, hat schon einen organisierten Widerstand auf den Plan gerufen. Dienstag protestierte eine aus höchst einflußreichen und angesehenen Männern zusammengesetzte Versammlung im Westniinster Palace Hotel zu London gegen das beständige und unerträgliche Anwachsen der Staatsausgaben, das in erster Linie dem Wettrüsten zuzuschreiben ist. Der Vorsitzende, Sir Herbert Leon, wies namentlich darauf hin, wie durch das riesige Anwachsen des Flottenetats die Kulturaufgaben vernachlässigt würden. Und wie das Geld verpulvert wird, zeigte er an dem Beispiel der„Empreß of Jndia", eines Schlachtschiffes, das vor ganz kurzer Z-it einfach als Schießscheibe benutzt wurde. Der Staat hätte daL Schiff für 15000 Pfund verkaufen können. Aber was macht sich ein Admiral aus 45 000 Pfund? Uebrigens dauerte da» Amüsement mit der„Empreß of Jndia" nicht lange. Um sie so lange wie möglich über Wasser zu halten, hatte man sie mit Kork und Holz gefüllt. Gleich nach den ersten Schüssen geriet das Schiff in Brand und 45000 Pfund gingen in Rauch auf. Ein anderer Redner sagte:„Wir befinden uns in der Gewalt einer Organisation von Betrügern (oroosts). Es sind Polittker, Generale, Rüstungsfabrikanten und Journalisten, die alle für unbegrenzte Ausgaben schwärmen und die gewohnt sind, Schrecken zu erfinden, mit denen sie das Publikum und die Minister ängstigen". Wer dies sagte, war kein anderer als der alte englische Staatsmann Lord W e l b y, der in der Staatsfinanz als erste Autorität gilt, war er doch hintereinander Hilfsfinanzsekretür des Schatzamts, Revisor der Zivilliste, Sekretär des Schatz- amtes, Kommissär der Ausstellung des Jahres 1351 und Vorsitzender der königlichen Kommission über militärische und Zivilausgaben in Indien. Der Mann muß es doch wissen. In einer Protestresolution, die er begründete, heißt es, daß sich die Rüstungsausgaben nicht auf die Vernunft, sondern aus die Furcht stützen, und daß sie die Macht des Landes schwächen und nicht stärken. Von ihm und anderen Finanzlcuten wurde auf den verderblichen Einfluß des Wett- rüstens auf die allgemeine Lage auf dem Geldmarkte hin- gewiesen. Genosse Barnes, der an der Diskussion teilnahm, be- merkte unter anderem, indem er auf die Notwendigkeit hin- wies, das für Rüstungen verschwendete Geld für die dringlich notwendige Sozialpolitik zu verwenden:„Wenn nichts getan wird, dann gehe ich weiter und sage, daß Sie, wenn der Krieg mit einem anderen Lande ausbrechen sollte, nicht sicher sein können, daß ein großer Teil der Arbeiterklasse loyal bleibt. Das mag unschmackhaft sein, es ist aber eine Tatsache." Die Versammlung nahm auch eine Resolutton gegen das Prisen recht zur See an, dessen Abschaffung sich England noch immer widersetzt, angeblich weil die englische Admiralität strategische Vorteile in diesem barbarischen Kriegsmittel sieht. Der Hauptwidcrstand kommt jedoch von den englischen Offizieren. Die auf Grund des Prisenrechts weggenommenen Handelsschiffe gehören in Eng- land nämlich nicht dem Staate/ sondern den Offizieren und der Mannschaft des Kriegsschiffes. Hat der Kapitän eines eng- lischen Kreuzers Glück, fängt er zum Beispiel einen „Imperator" weg, so kann er mit emem Schlage zum Millionär werden. Freilich, auch in dieser Piratenwelt ist es so eingerichtet, daß die unteren Schichten der Bevölkerung. die Matrosen, nicht viel abbekommen. Herr Hirst, der Re- dakteur des„Economist", berichtete in der Versammlung über einen Fall, der sich unlängst im Persischen Meerbusen zutrug, als ein englisches Kriegsschiff ein Schiff wegnahm. Der Offizier bekam den Löwenanteil, nämlich 200 Pfund; die Matrosen erhielten jeder ein Trinkgeld, nämlich ganze fünf Pencc. Die Versammlung beschloß schließlich, eine Reihe Ver- sammlungen abzuhalten. Lord Russell meinte, man müsse die Arbeiterschaft aufrütteln und die nur dem Namen nach bestehende Demokratte zur Wirklichkeit mache«. Sie ürbcitsloSigM. Trostlose Zustände in Württemberg. Die Zahl der Arbeitsuchenden auf den württeui- bergischen Arbeitsämtern und unentgeltlichen FachardeitSnach- weisen stieg von 23 860 im September des Jahres auf 30 030 im Oktober. Die Gesamtzahl der vermittelten Stellen fiel in der gleichen Zeit von 12 993 auf 12110. Im Oktober des Vor- jahres entfielen auf 100 offene Stellen für männliche Arbeits- kräfte 135 Arbeitsuchende, im Ottober dieses Jahres 209. Für weibliche Arbeitskräfte sind die Vergleichszahlen 91 und 123. Im Stuttgarter Arbeitsamt kamen auf 100 offene Stellen 240 männ- liche Arbeitsuchende. In fast allen größeren Jndustrieplätzen Württembergs sieht es ebenso traurig, teilweise noch schlimmer aus. So kamen auf 100 offene Stellen in Heilbronn 244 Ar- beitsuchende, Geislingen 267, Friedrichshafen 284, Gmünd 291, Reutlingen 348, Eßlingen 410. Verhältnismäßig günstig steht Ulm mit 189 Angeboten auf 100 offene Stellen für männliche Ar- beitskräfte. Dabei schaffen fast alle größeren Betriebe mit ver- kürzter Arbeitszeit. Württemberg zählt rund 2% Millionen Einwohner. Die Hälfte der Einwohnerschaft fand bisher ihr Brot in Gewerbe und Industrie, Handel und Verkehr. Die obigen Zahlen lassen er- kennen, wie stark verhältnismätzig die Arbeitslosigkeit in der Ar- beiterfchaft ist. Diesen Winter dürfte die Zahl noch sprunghaft in die Höhe schnellen, denn in einem großen Teil der landlichen Bezirke ficht es ebenso trostlos aus. Arbeitslosigkeit i« Dresden. Die allmonatlich vom Dresdener Gewerkschaftskartell bor- genommene Zählung der Arbeitslosen, an der sich von den 57 dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften 38 beteiligten, ergab unter 78 489 befragten Mitgliedern. 6226 Arbeitslose, das find 6,66 Proz. Im gleichen Monat des Vorjahres betrug der Prozentsatz 2,47, er fft also um 4,19 Proz. gestiegen. Die Zahl der weiblichen Arbeits- losen ist sogar von 2,95 aus 13,28, also um 10,23 Proz. gestiegen. Bekämpfung der ArbeitSlosenuot. Im altenburgischen Landtag hat unsere Frattion einen Antrag auf Linderung des durch die Arbeitslosigkeit hervorge- rufenen Notstandes eingebracht. Der Antrag fordert die Regierung auf, die Gemeinden zur Bildung von Fonds oder Einstellung von Mitteln in den Haushalt anzuhalten. Tie Mittel sollen aus den Ucberschüssen der Sparkassen genommen werden. Ferner soll die Regierung den Gemeinden empfehlen, Arbeiten, die im Gemeinde- intcresse liegen, alsbald auszuführen und zwar zu tarifmäßigen Bedingungen. Dem gegenwärtigen Landtage soll die Regierung noch einen Gesetzentwurf unterbreiten, wonach die Staatskasse den Gemeinden 5<) Proz. ihrer Aufwenoungen zur Arbeitslosen- Unterstützung zurückerstattet. Für die Etatsperiode 1914/16 er- gibt das eine Ausgabe von 48 006 M. In beschleunigter Weise sollen Staatsarbeiten ausgeführt werden, um einheimische Arbeiter '>n größerer Zahl zu beschäftigen. Endlich wird die Regierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Errichtung paritätischer Arbeitsnachweise durch Gemeinden, Gemeindeverbände oder Kreisverbände vorsieht.— Im Bundesrat soll die Regierung für eine Reichsarbeitslosenversicherung eintreten. Mit der Arbeitslosenversicherung hatte sich die Lübecker Bürgerschaft am letzten Montag zu beschäftigen. Von sozialdemo- kratischer Seite waren Anträge gestellt worden, die die schleunige Schaffung von Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit und die Einführung der Arbeitslosenversicherung bezweckte. Während man dem ersten Antrag allgemein zustimmte, wurden gegen die Arbeits- losenvcrsicherung namentlich von industrieller Seite Bedenken ge- äußert. Man hielt die Arbeitslosenversicherung für eine Aufgabe oeS Reiches und nicht der Einzelstaaten. Schließlich fanden beide Anträge eine Mehrheit. Die beantragte Arbeitslosenversicherung muß jedoch noch einer zweiten Lesung unterzogen werden, bevor sie an den Bürgerausschutz überwiesen wird. poUtilcbe CTeberHcbt Hansabund und Arbeitswilligenschutz. Die Proteste gegen die vom reinen Scharfmacherstandpunkt diktierte bekannte Resolution des Jndustrierates deS Hansabundes mehren sich innerhalb der eigenen Reihen dieses Bundes. Selbst ein so gemäßigter Verband wie der Verein iür Handlungskommis von 1858 erhebt gegen die Vorschläge des Jndustrierates seine Stimme. Die Landesgeschäftsstelle Verlin dieses Vereins sendet uns eine längere Erklärung, in der es heißt: .Zu der bekannten Entsckiließung des Jndustrierates des Hansa- bundes geben wir folgende Erklärung ab: 1. Der Beschluß als solcher ist gefaßt worden im Industrie- rate des Hansabundes, einer Unterorganisation, in der nur die Vertreter der Industrie Mitglieder sind, er stellt also eine ein- seitige Kundgebung einer Untergruppe dar. Bedauerlich ist. daß diese Entschließung des Jndustrierates vom Hansabund der Oeffent- lichkeit mitgeteilt wurde, bevor die offizielle Instanz deS Hansa- bundes, das Direktorium, zu dieser Entschließung seines Industrie» rates hat Stellung nehmen können. 2. Zu der Entschließung selbst stellen wir fest, daß an sich zwar die Borschläge sich auf dem Boden der bestehenden Gesetze bewegen, ein Sondergesetz oder ein Ausnahmegesetz nicht fordern. Wir erblicken aber in dieser Entschließung die Tendenz, die Frei- heit der wirtschaftlichen Kämpfe zugunsten der..Gelben' zu be- einflusien. Der Schutz der Arbeitswilligen ist heute die Parole aller derer geworden, die die Einschränkung der Koalilionsfrciheit der Arbeitnehmer anstreben. Air bedauern deshalb, daß der Jndustrierat im Hansabund im jetzigen Augenblick auch seinerseits in das Lager derjenigen übergeht, die als Gegner der Sozial- Politik und als Gegner der wirtschaftlichen Bertragssteiheit und deren Konsequenzen anzusehen sind. Das Eintreten für ein verschärftes, polizeiliches und strafrecht. liches Vorgehen wird, wie aus früheren Erfahrungen hergeleitet werden kann, als eine starke Bedrohung einer Streikbewegung und des Streiks überhaupt aufgefaßt werden können. Auch die Forde- rung nach einem beschleunigten Strafverfahren sowie die der Be- seitigung der Ausnahmestellung der Gewerkschaften und Berufs- vereine, ergänzt durch das Verlangen, den Begriff der strafbaren Bedrohung und Nötigung zu verschärfen, kann unseres ErachtenS nur die rückschrittliche Tendenz deS ganzen Antrages beweisen. Die Wünsch« des Jndustrierates ins Praktische umgesetzt, würden zweifellos in ihrer Folge gegen den Zustand völliger KoalitionS- freiheit wirken. Aus diesem Grunde bedauern wir, die Ent- schließung deS Jndustrierates und erwarten vom Direktorium des HanfabundeS, daß eS diesem Beschluß seine Zustimmung versagt.' Auch der Verband deutscher Handlungsgehilfen in Leipzig hat an das Direktorium des Hansabundes das dringende Er- suchen gerichtet, den Beschlüssen des Jndustrierates nicht bei- zutreten, weil die praktische Anwendung der vorgeschlagenen Maßregeln zu einer Gc- fährdung der bisher schon ungenügend ge- schützten Koalitionsfreiheit führen würde. Erhöhten Ardeitswilligenschutz fordert auch der Stettiner nationallibcrale Verein, in dessen letzter Versammlung Amtsrichter Sauerland folgende Leitsätze begründete, die auch Annahme fanden: .1. Ein allgemeiues Verbot des SlreikpostenstehenS ist abzulehnen. 2. Es empfiehlt sich, in solchen Orten, in denen die Gefahr eines Streiks vorliegt, auf Grund des Z 366 Z. 10 Str.-G. Polizeiverordnungen zu erlassen, durch welche die Polizeiorgane er- mächtigl werden, zur Erhaltung der Sicherheit, Bequemlichkeit und Ruhe auf den öffentlichen Wegen. Straßen und Plätzen oder Wasserstraßen Anordnungen zu treffen, deren Nichtbefolgung mit Strafe bedroht ist. 3. Der Z 153 der Gewerbeordnung ist abzuändern und dahin zu ergänzen, daß auch solche Handlungen unter Strafe gestellt werden, welche bezwecken, durch Anwendung von Zwang, Drohungen, Verrufserklärung, Borenthaltung oder Beschädigung von Arbeitsgerät usw. Arbeiter zur Niederlegung der Arbeit oder Arbeitgeber zur Entlassung von Arbeitern zu bestimmen oder Arbeiter nach vorausgegangenem Streik auS der Arbeit zu drängen. 4. Die Begriffe der§ß 240 und 241 deS Strafgesetzbuchs j Nötigung und Bedrohung) sind weiter zu fassen. 8. Die Strafprozeßordnung ist dahin zu ergänzen, daß eine beschleunigte Aburteilung der bei Streiks und öffent- lichen Unruhen vorkommenden Ausschreitungen ermöglicht wird.' Man will also das Streikrecht der Arbeiter nicht antasten, aber seinen Gebrauch unter Strafe stellen und so hinterrücks lahm legen. Dagegen beschloß der Vorstand der Ortsgruppe Stettin des Hansabundes in seiner letzten Sitzung folgende öffentliche Erklärung: »Der Vorstand der Ortsgruppe Stettin des HanfabundeS kann den Beschluß deS Jndustrierates im Hansabunde, betreffend den verstärkten Schutz der Arbeitswilligen nicht gutheißen. Er verlangt zwar scharfe Anwendung der bestehenden gesetzlichen Vor« ichriften überall, wo es geboten erscheint, hält aber auch die be- stehenden Gesetze bei richtiger Anwendung für genügend und er- klärt sich deshalb gegen jede der vom Jndustrierat gewünschten Gesetzesänderungen.' Den Stettiner Hansabündlern stand es allerdings auch am wenigsten an, neue Ausnahmegesetze gegen die organisierte Arbeiterschaft zu fordern, hat doch gerade die Stettiner Streik- justiz mit dem Freispruch des Totschlägers Brandenburg be- wiesen, daß die Justiz sich ihrer„heiligen Pflichten" gegen die herrschende Klasse bewußt ist. Tie bayerische Zivilliste vor dem Landtage. Bei überfüllten Tribünen und vollzähligem Hause— nur zwei Mitglieder fehlten wegen Krankheit, einer vom Zentrum und ein Sozialdemokrat— begann Freitagvormittag die Debatte im bayerischen Landtag über die Erhöhung der Zwilliste. Die Vormittagssitzung wird wesentlich von dem langen Vortrage des Ausschußreferenten ausgefüllt. Tann hält der Finanzministcr unter völliger Unaufmerksamkeit des Hauses eine Begründungs- rede. Eine Erhöhung der Ziviliste wäre schon längst notwendig gewesen, wenn nicht seit Jahren Zuschüsse aus dem Privatvermögen Ltws und Luitpolds gegeben worden wären. Nach dem RegierungS- Wechsel sei die jetzige Forderung der Mindestbetrag nach Prüfung aller einschlägigen Verhältnisse, der auch bei aller Berücksichtigung der Lage des Staatshaushalts als uneingeschränkt notwendig er- achtet werden müsse. Der liberale Abg. Müller- Hos begründet darauf den An- trag der Mehrheit der liberalen Fraktion. Den Liberalen ist eS so ernst mit der Erhöhung der Zivilliste in der don ihnen für auS- reichend erachteten Höhe, daß sie beabsichtigen, falls ihr Amendement und auch die Regierungsvorlage abgelehnt werden sollten, diese Erhöhung als Initiativantrag einzubringen. Die allgemeine Finanzlage, meint der Redner, sei für die Liberalen entscheidend. Bisher ist es völlig schleierhaft, wie der Etat bilanziert werden soll. Die bayerische Zivilliste beanspruche im Verhältnis zum Gesamt- budget das Fünf- bis Sechsfache wie in Preußen. Für die aller- wichtigsten sozialpolitischen Aufgaben sei kein Geld da. Auf allen Seiten müsse gespart werden, auch bei Hose. Zum Schluß erörtert der Redner den außerordentlich peinlichen Vorfall in Kelheim. Wer auch immer der gute Michel ge- wesen sein möge, der das Geld gegeben habe— alle Parteien seien sich darin einig, daß der Staat diese Summe dem Herrn zurückerstatte.— Tann verbreitete sich der Redner über die all» gemeine politische Lage, die Art der Durchführung der Königs- macherei, die parlamentarisch höchst bedauerlich gewesen sei. Die Vormittagssttzung schließt mit einer langen Rede des Zentrumsabgeordneten Held zugunsten der Regierungsvorlage. In der Nachmittagssitzung begründete Abg. Casselmann die Haltung der liberalen Minderheit, die alles bewilligen will. Auch die Liberalen, die z u n ä ch st für den Kompromißantrag stimmen wollten, seien von durchaus sachlichen Gründen geleitet. Entscheidend für seine Fraktion sei, daß seit 100 Jahren die bähe- rische Zivilliste nur einmal unwesentlich erhöht worden sei. In feurigen Ausführungen verteidigt dann Casselmann die Regie- rungsforderung gegen seine eigenen Parteifreunde. Jeder Beamte erhalt« heute mehr als vor 100 Jahren. Was jedem Beamten recht ist, sei dem König billig. Der Kompromißantrag würde bedeuten, daß der König keinen Pfennig zu seiner eigenen Verfügung hätte. Was käme denn danach, wenn jetzt das Ministerium Hertling über eine Ablehnung dieser Forderung stürze?(Pollmar ruft: Ein Ministerium Pichlerl Große Heiterkeit.) Casselmann will den Männerstolz vor dem Thron des Königs Demos behalten. Gegen die Regierungsforderung erklärt sich entschieden der Bauernbündler Gandorffer. Er will für den Kompromiß- antrag und gegen die Regierungsvorlage stimmen. Namens der Sozialdemokraten erklärt Abg. Müller, daß sie sowohl gegen den Kompromißantrag, wie natürlich auch gegen die Zivilliste stimmen werden. Unter dem Ministerium Hertling sei alles umgekehrt. So erfolge auch die Finanzierung des Königs später als die Gründung des Geschäfts. Die Erhöhung der Zivil» liste sei eine Parteihandlung des Ministeriums Hertling. Müller würdigt dann die Geschichtslegenden über die WittelSbacherschen Vermögensopfer als ewige Rechtsansprüche der Zivilliste; denn die heutige Bewilligung beschleunige nur den Ruin dieser Wirtschaft, Tie Not der christlichen Gewerkschafte«. In Köln hat am 17. November Herr Dr. Kirsch, früher ka» tholischer Geistlicher und bis zum vorigen Jahre Redakteur an der ..Kölnischen Volkszeitung", einen Bortrag über den christkatholischen Bruderkrieg gehalten. Der Redner, der aus seiner früheren Tätig- keit den Gcwerkschaftsstreit genau kennt, legte dar, daß das Streben des Vatikans nach völliger Vernichtung aller nicht von Rom gänz- lich abhängigen Organisationen nicht nachlassen werde. Der Papst und seine engere Umgebung kümmerten sich heute nicht mehr um die Meinung der Bischöfe. Die Hoffnung des Zentrums und der christlichen Gewerkschaften auf bischöfliche Hilfe werde daher der- gebens sein. Seit dem Vatikanum von 1870 sei der päpstliche Abso» lutismus zur höchsten Blüte entwickelt worden. Die vatikanischen Beschlüsse jenes Jahres brachten, wie Kirsch, näher nachwies, nicht nur das Unfehlbarkeitsdogma, sie raubten den Bischöfen auch jede Art von Mitregierung und legten unzweideutig fest, daß der Pap st in allen Fragen, auch sozialer und politi- scher Art, die allein maßgebende Autorität sei. Von den deutschen Bischöfen hätten die.Kölner' nichts zu hoffen. Wie die christlichen Gewerkschaften bisher schon vergeblich um die Hilfe der Bischöfe gefleht hätten, so würden sie auch in Zukunft kein Gehör sinden Der Vatikan werde bei der Duldung der christ- lichen Gewerkschaften nicht stehen bleiben und auch dem Zentrum gegenüber noch schärfere Seiten aufziehen. Ueber kurz oder lang sei sicher von Rom ein neuer Bannstiahl gegen die häretischen Organisationen zu erwarten. Eine Horde von Gewerkschastschristen versucht«, den Vortrag des jetzt altkatholischcn Geistlichen zu stören. Interesse opfern. Denn man darf nicht vergessen, daß die Svmpathie der europäischen Junker für die.Sklavenbarone" ebenso fehlgrisf wie die ausschließliche der Demokratie für die Nordstaatler. Auch das gehört zu den unausrottbaren Legenden, über die jeder Amerikaner lächelt. Die„Rebellen' des Südens stritten für föderative Unabhängigkeit von der Finanzbourgeoisie deS Nordens und des zentralistischen JoiperialiSmuS; beide Parteien stritten als gute Republikaner für die Freiheit, die sie meinten. Im übrigen wären die Verluste noch viel größere gewesen, wenn nicht die Milizen, jedes Drill-Schlendrians ledig, sich- selber jene neue mo- derne Taktik sowohl des Tchanzcns.und Einbuddelns, als des auf» gelösten Gefechts geschaffen hätten, die noch 1870 den zwei besten Regulärheeren meist mangelte, und die erst heute anerzogen wird, ohne daß die Nachahmung je die unter Lee und Grant erzielte Boll- kommenheit erreichte. Bezüglich Handhabung von Reiterei gilt dies sogar in erhöhtem Matze; alles Heutige steht noch immer tief unter dem Vorbild jener Miliz-kavallcrie. Selbst die Artillerie, von Me» chauikern und sonstigen qualiftzierten Arbeitern bedient, bot ballistisch und in der Leitung Mustergültiges für alle Zeiten. Das weiß jeder für immer, der mein Buch studierte; eS wird daher auch nicht abgestritten, sondern man kommt von hinten herum mit Ausreden, die immer wieder die geliebte Kasernendisziplin einschmuggeln. Also die Südstaatler lernten bald„soldatische Zucht und Ordnung", während die Nordstaatler erst später„das Friedens» Wesen der Miliz" abgestreift hätten! Wiederum trifft das genaue Gegenteil zu. Pedant Mc Clellan und seine Nachfolger legten Hauptnachdruck aus„Disziplin", und da sich der g a n z e Regulär- apparat bei den Nordstaatlern befand, herrschte dort von Anfang an weit mehr„militärisches" Wesen als bei den Südstaatlern. Gerade letztere stellten eine„Bürgerwehr" in einer Reinkultur dar. wie kaum je ein Heer der französischen Revolution. Bei Jacksons Helden- korps gab es„völlige Disziplinlosigkeit", vor der Sharpsburger Schlacht 10 000 Nachzügler. Doch sie traten eben alle wieder zum Kampf in die Reihen, machten nach wie vor die Gewaltmärsche mit, schlugen sich mit immer gleicher Hingebung- Farmer, Bürger, Studenten liebten ihre Offiziere nicht als„Vorgesetzte", sondern als Vorbilder, vergötterten Lee und Jackson nicht weil sie Generale, sondern weil sie Genies und Jdealmenschen waren. Denn nächst der Führung, die nicht gelernt wird, entscheidet allein der mora- lische Faktor, gleichbedeutend mit der wahren Disziplin: Einer für alle, alle für einen! Wo er fehlt, ist jede KadavcrdiSziplin tönend Erz und klingende Schelle. Die wahre militärische Erziehung muß sich an Geist und Charakter wenden; heutige Menschen sind nicht stumpfe Barbaren, die sich„für Gott und den Zaren' töten lassen. Man muß den Mannschaften beibringen, daß der einzelne nicht» und da» Vaterland der Rasse alles bedeutet, daß Feiglinge und vor dem Feind Ungehorsame sich selber schädigen, weil jeder die Folge» Das Schweizer IMziMm und der fliuerihanifche Bürgerkrieg. II.(Schluß.) „Die ungeheuren Reibungen, der Mangel an raschen großen Schlägen, die furchtbaren Verluste scheinen darauf hinzudeuten, daß Führer und Truppen beider Parteien nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe standen." So viel Worte, so viel Irrtümer, und ztoar immer die alten, besonders vom preußischen Generalstab vorgebrachten, die von Schweizer Offizieren gehorsamst nachgebetet werden. Unter „Reibungen" soll wohl der häufige Kommandowechsel zu verslehen sein. DaS ist reine Spiegelfechterei, da auch Napoleon und Friedrich oft genug ihre Unterführer während des Feldzugs ein- und absetzten(im Februar 1814 wechselte die Seine-Armee dreimal ihren Chef), der viermalige Kommandowcchsel der Potomacarmce sich aber auf vier Jechre verteilt. Anderswo stand es ähn- lich, und Lee selber befehltigte uneingeschränkt von An- fang bis Ende; nicht mal seine Korpschefs wechselten, natürlich Jackson« und Stuarts Tod ausgenommen. Selbst wenn aber dieser Einwand richtig wäre(bei Sedan drei- maliger Kommandowechsel mitten in der Schlacht, deutscherseits Entfernung von Steinmetz mitten im Kriege!), so würde daraus nur folgern, daß die Volksmiliz die richtige und nötige Auslese der Tüchtigen besorgt, unbehindert durch Rang- und AnciennitätL- rücksichten. Das wäre gerade ein besonderer Vorteil, wie denn auch die Einmischung der Volksrepräsentanten in den Französischen Revolutumskriegen zwar im einzelnen schadete, im großen aber jede Versumpfung der Kriegführung hinderte.„Mangel an raschen großen Schlägen'? DaS ist nun zum Entzücken gar! Nie hat man so viel rasche große Schläge in ein Halbjahr zusammengedrängt wie Juli bis Dezember 1862 oder gar Mai-Juni 1864. Daß die blutigsten Schlachten nie volle Entscheidung brachten, hing mit der unverwüstlichen Energie beider Parteien zusammen, wobei einer- feitS LeeS Genie, andererseits die unerschöpflichen Dkenschenmittcl der Union mitsprachen. Die Anschauung aber, der Krieg fei wegen taktischer Unzulänglichkeit so blutig verlaufen, steht auf gleich schwachen Füßen wie die beliebte Einrede, er habe deshalb so lange gedauert. Letztere? stammt einfach aus riesigen Entfernungen und großen Naturhindernissen her, abnormen Anforderungen von Zeit und Raum. Der einzige Feldzug, der sich damit vergleichen ließe, wäre der 1812/14 auf Linie Moskau— Paris, falls wir dieS als einheitlich folgerichtige Handlung auffassen, und der dauerte drei Jahre, trotz- dem zuerst Napoleon? Hauptheer 1812 aufgerieben und nachher die Verbündeten erdrückende Uebermacht hatten, wohlgemerkt an Rcgulärtruppen lmit Ausnahme der preußischen Landwehr) gegen milizartige Gebilde. Beiläufig vollbrachten letztere auch in Gewalt. Märschen, dieser Probe wahrer„Disziplin", völlig Ebenbürtiges neben den berühmten Märschen 1805/06. Der Vlarsch nach Dresden im August 1813 und die Märsche im Februar 1814 stehen eigentlich noch höher. Das größtenteils auS Landwehr bestehende Blücherhecr tat vollends am 18. Juni 1815 Unerhörtes in schwierigstem Marsch, nachfolgendem bitteren Kampf und rastloser Verfolgung, wobei oberschlesische Landwehrmänner am weitesten nachsetzten. Auch möchten wir einschalten, daß Wellingtons Engländer bei Talavera und Waterloo zu zwei Dritteln eingestellte Miliz(militis-men) waren und er außerdem öffentlich im Parlament„die Hannover- schen Milizbrigaden bei Waterloo" in den Himmel hob. Die be- deutendsten Militärs(siehe auch Erzherzog Karl, Gneisenau usw.) dachten also allzeit über Milizfähigkeit ganz anders als ihre winzi- gen heutigen Epigonen, die weder von Kriegspsychologie noch Kriegs- geschichte etwas wissen. Im übrigen sei daraus hingewiesen, daß Jacksons Märsche sich mit denen Bonapartes 1796 messen können, wo daS 64. ligar in seinem Historique einen Tagesmarsch von auS- gerechnet 64 Kilometer verzeichnet, aber gänzlich auS ungedrillten Rekruten bestand. Der Doppelmarsch ShermanS von Atlanta nach Nordcarolina übertrifft an Dauer bei ununterbrochener Bewegung jede ähnliche Leistung von Regulärheeren. Die Verluste endlich hatten ihre natürliche Ursache in der un- gewöhnlichen Bravour und Erbitterung der Milizheere beider Par- teien, die unter Umständen, wo jedes Regulärheer auf weiteres verzichtet haben würde, den Kamps fortsetzten. Insbesondere Grants „Hämmern" 1864 hätte sich kein anderes Heer gefallen lassen. Wie bezeichnend, daß am 18. August 1870 alle am 16. blutenden deutschen Truppen von frischen abgelöst werden mußten, die französischen Troupiers aber sich am 18. elend schlugen, mit Ausnahme des am 16. teils nicht verwandten, teils siegreichen KorpS Ladmiraultl Auch das bei Wörth so heldenhafte KorpS Mac Mahon schlug sich nachher bei Sedan nicht annähernd so gut. Grants Milizen aber rannten nach auflösenden Verlusten Tag für Tag ausS neue an, und erst ganz zuletzt, nach dreißig erfolglosen Schlachten und Gefechten, sank der Eiser. Von maßlosem Blutvergießen kann übrigens nur bei Grant die Rede sein, allenfalls noch bei Chicamauga; selbst die Stürme bei Sharps- und Fredericsburg kosteten den Föderierten relativ weniger als den Deutschen bei Mars-la-Tour und St. Privat, von Riesenverlusten unter Friedrich und Napoleon ganz abgesehen. Die Einbußen der amerikanischen Voltsheere schivollen also nur deshalb so hoch an, weil sie unablässig stritten und immer wieder neue Massen aus dem Boden stampften; nian kann höchstens den Schluß ziehen, daß Volksheere sich viel hartnäckiger schlagen als Reguläre. Sehr begreiflich, weil hier nicht Muß-Soldaten gegen- einander stehen, sondern freie Männer, die sich für ihreigeneS Das Zentrum und die preußische Wahlreform. Auf dem Parteitag der westfälischen Zentrnmspartei hielt der Vizepräsident des preußischen Abgeordnetendauses, der Zentrumsabgcordnete Dr. P o r s ch ein Referat über die Reform des preußischen Wahlrechts, dessen ganzer Inhalt nichts war, als eine dreiste Kriegs erklärung gegen die Wahlrcchtsforderungen der arbeitenden Bevölkerung! Herr Porsch ließ durchblicken, daß das Zentrum alles aufbieten werde, bei einer erneuten Verhandlung der preußischen Wahl- rechtsfrage im preußischen Abgeordnetenhausc wieder eine ähnlich perfide Taktik einzuschlagen, wie im Jahre 1910. Hatte doch Herr Porsch nicht des Lobes genug für diese Zentrumstaktik und das famose Gesetz, das damals »leider" gescheitert sei. Und was hat das Zentrum damals mit Hilfe der Kon- servativen unter Ablehnung selbst nationalliberaler Anträge zustande gebracht?� Die Einführung des geheimen Wahl- rechts, aber die Beibehaltung der indirekten Wahlen. Und bei der indirekten Wahl der Abgeordneten durch die Wahlmänner sollte sogar nicht einmal das geheime Wahlrecht eingeführt werden. Um zu verhindern, daß auf dem Lande und kleinen Städten die Sozialdemokratie die genügende Zahl von Wahlmännern finde, sollten die Wahlmänner die Abgeordneten in öffentlicher Abstimmung wählen. Durch diesen Streich wollte man es auch dem Freisinn unmöglich machen, ein Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie einzugehen. Und diese skandalöse„Reform" soll augenscheinlich auch jetzt wieder die Parole des Zentrums sein. Jedes Wort der Kritik solchen Plänen gegenüber bedeutete wirklich nur eine Beleidigung der drittklassigcn Wähler! Aber auch eine solche Wahlreform will sich das Zentrum noch durch allerhand Zugeständnisse der Regierung auf kirchcnpolitischem Gebiete bezahlen lassen. Nicht nur die Aufhebung des Jesuitengesetzes verlangt das Zentrum, sondern, so sagte Herr Porsch,„gegenüber dem Um- st u r z muß auf dem Schulgebiete die volle Freiheit der Kirche garantiert werden". Die Konfessionsschule, die Erwürgung der Simultanschule genügt dem Zentrum nicht. Tie Schulaufsicht soll wieder völlig in die Hände der Geistlichkeit gebracht werden. Die pfäffische Volksverdummung soll wieder lückenlos werden. Und das wissen wir ja aus den Zcntrumsanrrägen: auch die Fortbildungsschulen sollen vollständig unter die Gewalt der Geistlich k e i t gebracht werden. Das ist die Wahlreforni des Zentrums, das ist die kulturelle Tätigkeit, die das biedere Zentrum im neuen Land tage zu entfalten gedenkt!_ Teutschlands Absichten auf Angola. Dienstag sprack in der Kolonialgesellschaft Herr R o h r b a ch über eine von ihm kürzlich nach dem belgischen Kongo und Angola unternommene Studienreise. Er führte u. a. auS: In A n g o l a ist nur ein sehr kleiner Teil deS Landes für die europäische Kolonisation geeignet. Dabei ist aber zu beachten, daß in der Regenzeit das Getreide so in die Halme schießt, daß sich keine Frucht ansetzt. Das Vieh kann kaum fortgebracht werden und muß eingeführt werden� Die Weidetiere der Hochfläche sind ziemlich mager. Ausgewanderte Buren haben im Süden in einer landwirtschaf'lich herrlicben Gegend eine blühende Kolonie gegründet; aber ihr Ländchcn, das überdies bereits vollständig besiedelt ist, ist nur einen Reiltag lang und breit. Dagegen entfaltet sich an der Küste eine üppige Vegetation; hier gedeihen Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle. Im Innern des Landes leben zahlreiche kräftige Eingeborene, die sich aber bisher der portugiesischen Autorität entzogen haben. Sie werden, besonders wenn die Eisenbahnen ihr Gebiet erschließen, ein werlvolles Arbeitermaterial liefern; freilich ist eS ausgeschlossen, daß sie einfachen Anwerbern folgen und daß sich ihre Unterwerfung mit friedlichen Mitteln erreichen läßt. Die HäfG sind gut, die Tigerbai ein natür- licher Hafen für das nördliche Deutsch-Südweslafrika. Der Vor- tragende schloß mit dem Segenswunsche, daß sich Angola, im Interesse„unserer berechtigten Ansprüche' kräftig ent- w!ckclu möge. Wichtiger, als was Herr Rohrbach sagte, ist, waS er n i ch t I gewaltigung der Regierung ist in Rimini am 18. d. M. durch daS der Niederlage am eigenen Leibe erfährt. Das ist die wahre Lehre des Amerikanischen Bürgerkriegs. Erheiternd blasen auch Zivilisten in das übliche Horn. So sandte mir Tucquet sein„Bcauinont", Dithyrambe auf lange Dienstzeit. Der treffliche Kollege verzeihe, wenn ich ihn militaristi- scher finde als den aktiven General Pelot fals„Lehaut court" der vorurteilsloseste Historiker der Gambetta-Miliz), mit dem ich einst anregende Korrespondenz pflog. Ja. sogar das französische General- stabswerk unterstreicht, daß die Helden der Division Goze größten- teils aus Reservisten bestanden, die iwch nicht mal den Mechanismus des Ehassepot kannten. Taraus macht Ducquet, das seien altgediente Veteranen gewesen,„keine mit zweijähriger Dienstzeit" ll Noch erstaunlicher belehrt uns der Kalifornier Homer Lea in„Valour of Jgnorance", seine Landsleute seien mit Unrecht auf den Bürger- krieg stolz, und wärmt die ältesten Unwahrheiten und Trugschlüsse auf. Seltsamerweise spielte der schwächliche bucklige Herr nachher den Stabschef der chinesischen Revolution und schlug alle Regulären, gewiß eine Widerlegung der eigenen Theorie durch Praxis, da Feldherrntalent überall wild wächst. Dieser Zivilist ließ seither ein Bucb los:„The äay of the Saxon", das Abstruseste, was wohl je vom Stapel lief, alles schematisch und mathematisch geregel-, worin er Englands Untergang prophezeit, weil es sich auf Miliz« shstcm bei Invasion verlasse. Verbindung von blassem Toktrinaris- mus, den man..zivilistisch" nennen würde, mit bewiesener praktischer Tüchtigkeit als Zibilstratege belustigt. Er und seine chinesische Er- fahrung sind ja gerade der schlagendste Beweis für meine alte These: im Krieg entscheiden weder Drill noch Bewaffnung, sondern einzig die Führung— poeta nascitour, non fit— und noch mehr der moralische Faktor lHannibal gegen die Milizen Roms). Weil aber letzterer nachweislich bei'Volksaufgeboten am stärksten, und weil bei ihrem revolutionären Wesen am leichtesten die geborenen Führer an die Spitze kommen, so ist volkstümliches Milizsystem das einzige für die Jetztzeit passende. Uebrigens dürfen wir am 2ö. März 1914 die Jahrhundertfeier der herrlichsten Miliztat begehen, geradezu typisch fiir die von uns berfochtene Wahrheit. Damals fand die Nationalgardendivision Pacthod, welche früher der Kommißmilitär Oudinot nicht ins Feuer zu schicken wagte und bei der als Protest gegen so unfähige Führung viel Desertion einriß, ihren Untergang, von achtfacher Uebcrmacht der besten Reiterei und Artillerie angefallen.„Die Sprache hat keinen Ausdruck für die Haltung der Milizmänner". fchriK» General Telort als Augenzeuge. Hier zeigten Arbeiter, Bauern, Handwerker ohne Uniform und mit schlechten Jagdflinten, wie man für sein Vaterland gegen wüste Soldatesla stirbt. Ter Amerilanische Bürgerkrieg aber liefert für immer denAeweis für die höchste Wehr- fähigkeit des Milizsystems. Höchstgesteigerter seelischer Elan un- erläßlich, jeder Soldätledrill überflüssig— daS bleibt der Stein der Brisen für jede echte Kriegführung. sagte: daß die von ihm gepriesenen Küstengegenden Angolas von der Malaria und der Schlafkrankheit so verheert sind, daß ihre Nutzung außerordentlich erschwert ist; daß einzelne Gesellschaften ungeheueren Landbesitz in ihren Händen haben und zu rein speku- lativen Zwecken verwenden, ohne an seine tatsächliche Erschließung ernstlich zu denken; daß die Flüsse, teils wegen des Gefälles, teils wegen Barrenbildung, nicht schiffbar sind oder gar in der heißen Jahreszeit versiegen; daß der Baumwollbau bisher— auch auf den Versuchspflanzungen der Regierung— mit einem vollständigen Fiasko geendet hat._ Konservative Verdauungsbeschwerdeu. Aus Riesa wird uns geschrieben: Die Gemeinde Gröba bei Riesa in Sachsen hat in diesem Jahre die Beschleusung vollends durchgeführt. Dafür entstand ein Aufwand von 399 099 M. Bei der herrschenden Geldnot war es dem Gemeinderat nicht gelungen, Geld für eine Anleihe in ge- nannter Höhe zu erhalten. Tie bisherigen Geldgeber antworteten, daß sie vielleicht später dazu in der Lage seien, aber zurzeit sei es ausgeschlossen. Manche antworteten überhaupt nicht. Es lag frei- lich ein Anerbieten vor, das aber Bedingungen stellte, daß die der Gemeinderat nicht eingehen konnte. Unsere Genossen schlugen daher vor, eine Anfrage zu halten bei der Bankabteilung der Groß-Ein- kaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine. Die Antwort war eine zusagende und die Bedingungen bei weitem günstiger als bei dem privaten Institut. Der Gemcinderat entschied sich also ans Vor- schlag des Finanzansschusses, dem auch einer unserer Genossen angehört, für die Aufnahme der Anleihe bei der G. E. G. Vor einigen Wochen wurde der Beschluß in öffentlicher Sitzung be- kanntgegeben, und nun ist er auch zu den Ohren der„Konservativen Politischen Nachrichten" gedrungen, der Parteikorrespondenz der sächsiscven Konservativen. Diese stimmte darob folgende Jeremiade an: Der Gemeinderat zu Gröba bei Riesa hat zu Beschleusungs- zwecken eine Anleihe von 399 999 M. bei der sozialdemokratisch geleiteten Grotzeinkaufsgcsellschaft. deutscher Konsumvereine auf- genommen. Tie Anleihe wird mit 4Va Proz. verzinst und gelangt mit jährlich 19 999 M. zur Rückzahlung. Zum erstenmal tritt— wenigstens in Sachsen— die Sozialdemokratie als Geldgeberin gegenüber den Gemeinden auf. Die EntWickelung der kapitalisti- schen Macht der Umstnrzpartei wird durch ein derartiges Beispiel zur Genüge charakterisiert und wird wohl auch denen allmählich die Augen öffnen, die bisher an eine solche Entwickelnng nicht glauben wollten.... Nach Bekanntwerden dieser Ikotiz haben sich dreißig Gemeinden um Anleihen an die G.?. G. gewandt. Die Lage in JMcxiho. Washington, 20. November. Präsident Wilson legt die Lage in der Stadt Mexiko dahin aus, daß die Regierung Huertas in der Zersetzung begriffen sei und daß. obwohl die Dinge sich langsam entwickelten, die schlictzliche Abdankung Huertas sicher sei. Die Eröffnung des Kongreffes. Mexiko, 21. November. Die beiden Häuser deS Kongresses sind gestern nachmittag zusammengetreten. Entgegen den Er- Wartungen hat H u e r t a in seiner Bolschafl die Lage nur gestreift. Er griff vielmehr den früheren Kongreß an. Huerta erklärte, die innere Lage Mexikos sei so, daß sie einen weniger entschlossenen Mann enimuligen müßte. Der frühere Kongreß habe Exekutiv- und Justizgewalt ausgeübt und habe versucht, die Pläne der Re- gierung zu verhindern, so daß sie nicht zur Ausführung kommen konnten. Besonders die Depuiierlenkammer, so sagte Huerta, habe den Samen des Ansruhrs gesät und dahin gearbeitet, daß das Volk sich verblute und verarme, um es dann fremden Mächten in die Arme zu treiben. Zum Sprecher wurde Eduards Tamariz gewählt, dessen Ernennung zum Unterrichtsminister im vorigen Kongreß von der liberalen Opposition bekämpft worden war. In seiner Antwort au: die Worte Huertas versicherte er, daß der Kongreß Huerta einmütig bei seinen edlen Bemühungen um die Ausrechterhaltung der Unab- hängigkeit der Nation unterstützen werde. 27 Mitglieder des Kon gresses, unter ihnen 24 Katholiken, waren abwesend. Sämtliche Mitglieder des diplomatischen Korps waren zugegen, nur der Geschäfts- träger der Vereinigten Staaten fehlte. Schweiz. Liberale Revolutivnäre. Man weiß, daß der herrschende Freisinn nichts mehr verab- scheut als Revolution und Gewalttat. So groß ist sein Widerwille, daß er selbst so friedliche Mittel wie den letzten Züricher General- streik als Hochderrat verfolgen läßt und überhaupt den Vorwurf der Neigung zum gewaltsamen Umsturz als besonders wirksames Mittel gegen die friedlichen Umgestaltungsbestrebungen der Sozial- demokratie ausspielt. All das gilt aber nur dort, wo da? Reich der Freiheit und Gerechtigkeit schon verwirklicht ist, d. b., wo die radikale Partei selbst das Szepter trägt. Wo sie selbst von der Macht ausgeschlossen ist, hat sie den revolutionären Ueberliefc- rungen der Vorzeit noch nicht entsagt und scheut vor einem kleinen Staatsstreich durchaus nicht zurück. So hat jetzt auf dem Parteitag der Jungfreisinn i- gen des Kantons Bern der Vertreter der Freiburger Freisinnigen, Rechtsanlvalt und Großrat(Landtagsabgeordneter) Bartsch erklärt, daß der dreißigjährige Kampf gegen die klerikale Herrschaft im Kanton Freiburg die Alten müde gemacht habe. Aber der Nachwuchs führe den Kampf mit Erbitterung weiter.„Die Situation in Freiburg gleicht heute der des Tessins im Jahre 1899, bevor die R e v o l u t i o n dem liberalen Gedanken zur Herrschaft bcrhalf.... Man verst-he es im freisinnigen Lager der Scklwciz, wenn die Gesinnungsbrllder dort, wo sie aufs unerhörteste bedrückt werden, zur Selbsthilfe greisen..,. Hoffen wir, daß für Freiburg nicht der Tag kommen möge, wo die Kanonen das letzte Beweismittel des Souveräns bilden." Die Freiburger machen ein Recht darauf geltend, nach so langem , Kampfe die Bruderhilfe der übrigen Schweizer Freisinnigen in Anspruch zu nehmen. DaS„Volksrecht" leitet auS dem letzten Satze die Feststellung ab, daß eine Revolution in Freiburg ebenso wie die von 1899 in Tcssin, bei der sogar ein klerikaler RegicrungSrat erschossen wurde, auf die Unterstützung des Bundesrats hoffe» dürfe. Wurden doch die Rcvoluzzer von 1899 gegen des Bundesrats Willen vor die Geschworenen gestellt und dort glänzend freigesprochen. Ver- teidiger waren der heutige Bundesrat Forrer und Dr. Zür- ch c r, heute Professor des Strafrecbts in Zürich,— Man begreift die revolutionäre Stimmung der Freiburger Freisinnigen g-'gen die rücksichtslose und korrupte Herrschaft des klerikalen Systems Python. Wenn sie aber hier selbst als unzweifelhafte Minderheit da? Recht zum bewaffneten Aufftand in Anspruch nehmen, so kenn- zeichnet sich die zarte Pflanze der Gesetzlichkeit, die sie anderwärts so eifrig pflegen, doch als eitel Heuchelei. Italien. Polizeiexzesse in Rimini und ihr Nachspiel. Rom, 18. November.(Eig. Ber.) Eine von Sozialisten und j Republikanern angesagte Protestversammlung gegen die WaHlver- brutale Vorgehen der Polizei in ernster Weise gestört worden. Im Versammlungssaal selbst war durch ein Uebereinkommen des Organisationskomitees mit der Polizei nur ein höherer Polizei- bemnter und zwei Karabinieri zugegen. Beim Ausgang stieß aber die Menge auf zahlreiche Polizisten, die ohne irgendwelchen Anlaß in brutalster Weise gegen jeden Ruf, fast gegen jedes laute Wort, vorgingen. Als die Demonstranten es satt hatten, sich in dieser Weise büttcln zu lassen, setzten sich einige mit Steinen zur Wehr. Darauf gab der Polizeibeamte, nachdem erst eines der drei vor- geschriebenen Trompetensignale abgegeben worden war, Order zum Feuern, wobei drei Personen schwer verwundet wur- den. In der Folge wurden auch grundlose Verhaftungen vor- genommen. Als Protest gegen das brutale Vorgehen der Polizei ist die Stadt am 16. d. M. in Ausstand getreten. Auch die Läden, Kinematographen, Theater usw. sind geschlossen, und die Straßenbeleuchtung ist völlig eingestellt. Obwohl in Mailand 799 Arbeiter der ElektrizitätSweric der Nebenbahnen in Ausstand ge- treten sind, ist ein Uebergrcifen der Bewegung auf andere Städte unwahrscheinlich. Auch die bürgerliche Presse gibt zu, daß die Polizei sich schwerer Uebergriffe schuldig gemacht hat. RulUatid. Was erst noch gefordert werde» muff! Petersburg, 21. November. Die Reichsduma setzte in ihrer heutigen Sitzung die Beratung des Antrages fort, der die Immunität der Dumaabgeordncten und der gewählten Reichs- räte für ihre bei Ausübung des Mandates gehaltenen Reden fordert. Die Duma erklärte mit 129 gegen 63 Stimmen die Ver» wirklichung des Antrages für wünschenswert. Hmcnka. Sozialistische Erfolge in Amerika. New Aorl, 19. November,(©ig. Ber.) Die Ergebnisse der städtischen Wahlen in New Jork wie in anderen Städten der Ver- einigten Staaten stellen sich nachträglich als dem Sozialismus günstiger dar, als es am Abend der Schlacht schien. Zwar die lang- ersehnte„rote Welle" ist in der Hudsonmetropole auch diesmal aus- geblieben. Dafür können unsere Genossen aber darauf hinweisen, daß sie an diesem 4. November endlich mit der bisherigen, für alle dritten Parteien geltenden Regel, bei Kommunalwahlen gegen das Resultat der voraufgegangenen allgemeinen Wahl mehr oder weniger zusammenzuschrumpfen, gebrochen haben. Daß der Kampf für oder witwr Tammany Hall nach der Absägung des Gouverneurs Sulzer eine Besinnung der breiten Wählermasse auf ihre eigenen Interessen diesmal noch weniger zulassen würde als früher, war von allen mit den New Jorker Verhältnissen vertrauten Partei- genossen vorausgesehen worden, tvenn auch nicht alle so schwarz sahen, wie Genosse Algernpn Lee, der vier Tage vor den Wahlen— eben unter dem fatalistischen Einfluß des stets beobachteten Stimmenrückgangcs bei Kommunalwahlen— einen Stimmenverlust um ein volles Drittel gegenüber unserem Votum vom vorigen Jahre voraussagte. Zum Glück hatte sich Genosse Lee als Prophet nicht durchaus bewäbrt. Noch immer. haben mehr als neunzehn Zwanzigstel der Wähler, die zur Urne schritten— mehr als 590 990 von 623 029 Stimmgebern!—> ihre Stimmen an die Tammany-Spitzbubcn oder die nicht viel bessere antitammanytische „Fusion" weggeworfen; entgegen den Hofffmngen unserer Feinde und den Befürchtungen mancher Freunde ist aber die sozialistische Phalanx unerschüttert geblieben und sogar iwch verstärkt worden. Die bürgerliche Presse, die bei dem Sulzer-Rummel ein völliges Verschwinden der sozialistischen Stimmen zumal auf der New Aorker Ostseite erwartet und sogar die Lüge verbreitet hatte, die sozialistische Partei habe die Parole ausgegeben, in dem Sulzer- Distrikt für die Wahl des gestürzten Gouverneurs zum Landtags- (Afsembly-) Abgeordneten einzutreten, zeigt denn auch in fetten Lettern ihre Ueberraschung über unseren Fortschritt an, übrigens der triftigste Trost für solche Genossen, die anfänglich ob des aber- maligen Ausbleibens des großen entscheidenden Rucks nach ob«! fast verzagen wollten. Auf unsere Kandidaten für die allgemeinen städtischen Aemter entfielen am 4. November 32 199 bis 32 766 Stimmen, das sind rund 6999 Stimmen mehr, als unsere Genossen bei den allgemeinen Wahlen rm vorigen Jahre erhielten. Gegen- über der vorigen Kommunalwahl haben unsere Stimmen gar eine Steigerung um gut 399 Prozent erfahren. Anno 1999 brachten wir es natürlich auf nicht mehr als 19 596 Stimmen, nachdem schon bei den Staats- und Nationalwahlen vom Jahre 1998 25 785 Stimmen für unsere Kandidaten abgegeben worden waren. Aehnlich war das Stimmenverhältnis bei den städtischen Wahlen von 1995 und den Staatswahlen von 1994, und zwar trat damals ein Rückgang von 24 536 auf II 974 Stimmen ein. Bei dieser alten Tradition des Stimmenverlustes von einer allgemeinen bis zur darauffolgenden kommunalen Wahl haben unsere Genossen allen Grund, mit dem wenn zwar bescheidenen, so auch völlig traditions- widrigen Fortschritt, den der verflossene Wahltag gebracht hat, zu. frieden zu sein, um so mehr, als es an ermutigenden Anzeichen für die nächsten Wahlen wahrlich nicht fehlt. Letzte Nadmchten* Ludwig III. erhält seine Zulage. München, 2l. Nolxmber.(W. T. B.) Nachdem die Kammer der Abgeordneten in namentlicher Abstimmung den Zusatzantrag Müller-Hof mit 122 gegen 39 Stimmen abge- lehnt hatte, wurde der Regierungsantrag, der die erhöhte per- manente Zivilliste auf 5 409 000 Mark festsetzt, mit 110 gegen LO Stimnien angenommen. Da dieser Re- gierungsantrag zur Annahme eine Zweidrittelmehrheit er« fordert, welche damit gegeben ist, so ist dadurch der Gesetz» cntwurf in der Zweiten Kammer angenommen. F ü r den Gesetzentwurf stimmten das Zentrum geschlossen, der Bauernbund und einTeilderLiberalen, dagegen die Sozialdemokraten, der andere Teil der Liberalen sowie der Abgeordnete Gandorfer. Preuffrns Polcnpolitik in der österreichischeu Delegation. Wien, 21. November.(P. C.) Zwei Delegierte der polnischen Volkspartei haben von ihrer Partei den Auftrag erhalten, in der elegation die von Preußen gegen die Polen geübte Ent» eignungspolitik zur Sprache zu bringen. Heftige Kämpfe mit den mexikanische» Rebelleu. Mexiko, 21. November.(W. T. B.) Wie gemeldet wird, finde« in Victoria, das nach früheren Berichten von den Insurgenten ein» genommen sein sollte, heftige Kämpfe statt. Da» Kriegs- Ministerium erklärt, daß der Befehlshaber der Bundcstruppen in Victoria. Rabago, noch immer standhalte und daß in den letzten 24 Stunden in der Stadt ununterbrochen gekämpft worden fei. Ver- Stärkungen der Bundestruppen befinden sich auf dem Wege nach Victoria. Heute Sonnabend @(Doche Es versäume Niemand von dieser äusserst günstigen Einkaufsgelegenheit ausgiebigsten Gebrauch zu machen! BeachtenSie unsere Schaufenster! A.3andorf&6 Spitteimarkt Belle-Aitiancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Billige Lebensmittel Brntssnse . 55, 65 pf. Wfinse Pfund 65,70,75 pf. Ur Pfund 83,88 Pf. Konlnchen 75,95 gestreift Stück Hlnchblntt 53« Pfund Soweit Vorrai. Verkauf nicht an Wkderverkäufer. m*--> Spitteimarkt. Die mit S bezeichneten Artikel sind von der Zusendung ausgeschlossen. Wurstwaren Kolonialwaren Konserven Rot- od. 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Während der Wunsch des KriegsministerS auf Unterbringung verabschiedeter Offiziere in Handel und Industrie auch bei Unter- nehmern und Korporationen, besonders Handelskammern, teils kühl, teils direkt ablehnend behandelt worden ist, kommt jetzt die Handels- kammer für E s s e n, Mülheim und Oberhausen mir einem Gutachten heraus, an dem der Kriegsminister seine helle Freude haben wird. Das Wesentliche aus dem Gutachten läßt sich etwa wie folgt zusammenfassen: 1. Die Sache dürfe nicht von dem Gesichtspunkt aus be- trachtet werden, ob durch die Einstellung von Osfizieren den An- gestellien eine Konkurrenz erwächst, sondern maßgebend müsse in erster Linie die Frage der Erhaltung eines dienst- und kriegS- tüchtigen Offizierskorps„im allgemeinen vaterländischen Sinne" und damit auch im Interesse der Kreise von Industrie und Handel fein. Die lautgewordenen Befürchtungen gegen den Wunsch des Kriegsministers seien teils hinfällig, teils übertrieben. 2. Zur Erleichterung des Unterkommens der Offiziere in Handel und Industrie empfehle sich eine vom Kriegsministerium einzurichtende Auskunftsstelle für Offiziersversorgung, die von Zeit zu Zeit den Vertretungen der Industrie fHandelSlammern, wirl- schaftlichen Vereinigungen u. dergl.) eine Liste mit den Namen der Offiziere versende, die fich im zivilen Leben nützlich machen möchten. 3. Zwecks Ueberwindung der Schwierigkeit,.dafi die Herren beim Ausscheiden aus dem Dienst vielfach wenig Kenntnisse auf- zuweisen haben, um eine rasche Verwendbarkeit im geschäftlichen Leben zu ermöglichen", möge man den Offizieren Gelegen- heit geben, sich ohne grosze Kosten solche Kenntnisse anzueignen. In erster Linie Stenographie. Was die Aneignung sonstiger kaufmännischer Kenntnisse be- treffe, so sei zu berücksichtigen, dafi den Offizieren die für den Besuch von Handelsschulen usw. nötigen Mittel vielfach fehlen. „Nach Ansicht der Handelskammer, so heifit es wörtlich in dem Gutachten, müfite das KricgSministerium entweder dazu übergehen, eigene Kurse dieser Art zu schaften, was in Berlin, wo von der Handelshochschule aus die Lehrkräfte iir relativ einfacher Weife zu beschaffen wären, unschwer erreicht werden könnte, oder aber es müfite, wenn gegen eine Zentralisierung in Berlin Bedenken abwalteu sollten, ins Auge gefafit werden, an verschiedenen Orlen im Lande Kurse für verabschiedete Offiziere einzurichten.... Notwendig erscheint auf jeden Fall, dafi den zu verabschiedenden Offizieren, die sich einer kaufmännischen oder gewerblichen Tätigkeit widmen wollen, der Besuch dieser An- stall dadurch erleichtert wird, dafi man sie dienstlich auf einige Monate bis etlva zu einem halben Jahre zum Besuch der Kurse konimandiert...." Der Kriegsminister wird, wie gesagt, über die Hilfe, die ihm da von feiten der Essener Handelskammer geworden, sehr erfreut sein. Indes haftet dem Gutachten, eben weil es gerade von der Essener Handelskammer kommt, unter den obwaltenden Zeitumständen ein unangenehmes Odium an. verlin und Qmgegcnd. Lohnbewegung in den Berliner Lagerbierbrauereien. Die iu, Brauerei- und Mühlenarbciterverband organisierten Fahrer. Mitfahrer, Rescrvefahrer, Stalleute, Chauffeure und Bremser hatten sich am Donnerstag iin grofien Saal des Gewerkschaftshauses versamnielt, uin Stellung zur Lohnbewegung zu nehmen und die Wahlen zur Lohnkommission zu vollziehen. S ch u l d t, welcher das einleitende Referat übernommen, geht Zunächst auf den Tariivertrag von 1310 ein, dessen Kündigung ja I beschloffen ist, soweit er die Verhältnisse des Fahrpersonals regelt. Iän Hand der gemachten Ersahrungen schildert er, wie es rigorose Borgesetzte verstanden haben, den Tarif zuungunsten der im Fahr- personal beschäftigten Kollegen auszulegen und zwar in der Hauptsache bei der Arbeitszeit. Hier sei der Hebel anzusetzen und besonderes Gewicht auf die Regelung der Arbeitszeit im»euen Vertrage zu legen. Die bisher umsonst geleistete Sonntagsarbeit mufi künftig unter allen Umständen vergütet werden und vor allen Dingen bei Chauffeuren und deren Bremser dafür gesorgt werden, dafi an Stelle der jetzt üblichen Kilometergelder Bezahlung der geleisteten lieber- arbeit eintritt. Bei Besprechung der Löhne streift der Referent den 1910 zum erstenmal festgelegten Garanliclohn, der sich durchaus bewährt habe, wie an einer Anzahl von Fällen gezeigt werden konnte. Man müsse da�u kommen, im neuen Vertrage einen Ausbau desselben herbei- zuführen.» Im allgemeinen sei wohl eine Aufbesserung aller festen Löhne vorzunehmen, ebenso sei die Erhöhung der Provisionen für die Fafi- und Flaschenmitfahrcr zu fordern. Die Ablösung des Frei- biercs sei eine ganz selbstverständliche Forderung, von der das Fahr- personal nur Nutzen haben könne. Auf die Verhältnisse des Fahrpersonals in den Niederlagen geht Schuldt noch ganz besonders ein. Obgleich dort eine viel an- ftrengeiidere Tätigkeit gefordert wird, die Arbeitszeit eine viel längere ist, wird viel geringere Bezahlung geleistet als in den Brauereien. Durch Einbeziehung der Bierniedcrlagcn in den Geltungsbereich des neuen Tarifvertrages mufi dieser Ausbeutung der Arbeitskraft der dort Beschäftigten entgegengetreten werden. Schuldt bezeichnet seine Ausführungen lediglich als Fingerzeige für die zu wählende Kommission, welche nunmehr die Aufgabe habe, die Forderungen aufzustellen. Dies soll gemeinschaftlich mit der Fahrpersonal-Kommisfion des TranSportarbeiter-VerbandeS geschehen. Nach dem Referat setzte eine recht ausgiebige Diskussion ein, in der die gemachten AuSsührungen nicht nur bestätigt, sondern noch erweitert wurden. Alsdann wurde die Wahl der Lohnkommission vorgenommen. Mit der Aufforderung, olles zu tun, um die Organisation aus- zubauen, um durch diese den aufzustellenden Forderungen den nötigen Nachdruck zu verleihen, wurde die gut besuchte Versammlung geschloffen._ Zeugen gesucht. In der in Nr. 242 des„Vorwärts" vom 17. September in der dritten Beilage unter dem Titel„Polizei und Streikposten" ge- schilderten Verhaftung des Genossen Regge vom Kürschnerverband, der gegen das Vorgehen der betreffenden Polizeibeamten Beschwerde beim Polizeipräsidenten einlegte, wurde— wie gewöhnlich— der Spiefi umgedreht und Regge erhielt von der Amtsanwaltschaft gleich eine Woche Haft zudiktiert! Personen, die den Vorgang gesehen haben, die ganz besonders auch darüber Wahrnehmungen bekunden können, ob Regge irgendwie hin und her gegangen ist und wie belebt es gerade um diese Zeit auf dem Büschingplatz war, werden dringend ersucht, ihre Adresse an Regge, ZTO. 43, Weinstr. 8, parterre, oder nebenan im Bureau des Kürjchnerverbandes abzugeben. Achtung, Friseurgchilfen! Wegen Tarifbruch ist für Verbands- Mitglieder gesperrt: Änuth, Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 104. In die Liste der Firmen, die bewilligt haben, sind nachzutragen in Neukölln: Waldau, Weichselstr. 66; Walter. Leinesw. 8; S a r n o w, Schinkestr. 25. Zu streichen ist Striemann, Lausitzer Str. 32. Verband der Friseurgehilfen. Achtung, Steinarbeiter! Die Zahlstelle von Weifiensee befindet sich jetzt bei Herm. Dröger, Berliner Allee 286 s, Prälaten"). Die Ortsverwalwng. Deutsches Reich. Der Streik der Stettiner Hafenarbeiter beigelegt. Eine am Donnerstagvormittag tagende Sitzung der Vertrauens- leute und im Anschluß daran eine Versammlung der ausständigen Hafenarbeiter beschloß, den Streik für beendet zu erklären. Nach Prüfung der Situation und unter Berücksichtigung des Schriftwechsels mit dem Magistrat über die Wiederaufnahme der Arbeit, schien eS zwecklos, den Kampf weiter fortzuführen.. Nachdem die Bedingungen, daß bei der Arbeitsausnahme nur die Anfangslöhne gezahlt würden, nicht mehr in Betracht kamen und nach den Zusicherungen deS Magistrats, sofort 278 Mann, und nach Kündigung des stleikbrecher- lieferanten iveitere Streikende einzustellen, wat die Möglichkeit zur Beilegung des Streiks gegeben. Weiter kommt in Betracht, daß zur regelrechten Abwicklung des Verkehrs wohl noch eine größere Anzahl Arbeiter in nächster Zeit gebraucht werden, so daß zu erwarten steht, daß in kurzer Zeit alle Streikenden wieder in Arbeit lein werden. Dieser Beschluß, der gegen drei Stimmen gefafit wurde, wurde dem Magistrat sofort nach der Versammlung mitgeteilt und dabei zum Ausdruck gebracht, daß die Wiedereinstellung der Arbeiter nach dein Dienstaller vorgenommen, den Eingestellten vom Tage der Ein- stellung ab die vor dem Streik verdienten Löhne gewährt werden und recht bald eine A usbe s serung der Löhne der gc- samten städtischen Arbeiter vorgenommen toerden möchte. Der Magistrat antwortete darauf, daß es auch seinen Grundsätzen entspräche, bei der Besetzung der noch freien Arbeiterslellcn Arbeiter mit höherem Dienstalter in erster Linie zu berücksichtigen. Boykott über die Pommersche Meischwarenfabrik W. Weidner, Stettin. lieber die obige Finna verhängte das Eswerkichaftslartell Stettin den Boykott, weil dieselbe ihre Gesellen bei Strafe der sofortigen Entlassung zwang, schriftlich ihren Austritt aus dem Zentralverband der Fleischer zu erklären. Die Firma hat auch ferner angeordnet, daß für die Folge jeder Geselle, der von seinem gesetzlich gewätzc.- leisteten Koalitionsrecht Gebrauch macht, sofort auf die Straße ge- setzt wird. Die Firma liefert ihre Wursilvaren fast ausschließlich nach Groß« Berlin in die Kolonialwaren- und Delikatessengeschäfte, auch an die Schlächtermeister werden die Waren, speziell Teewurst, zum Wieder- verkauf abgesetzt. Die Adressen solcher Geschäfte, welche die boykottierte Ware vertreiben, bitten»vir dem Bureau des Zentral- verbände» der Fleischer, Elisabethstr. 11 I, mitzuteilen. Die DamaSzierer, Aefeer und Hilfsarbeiter von Solingen und Umgebung sind am Montag in einen Streik eingetreten. Alle Bemühungen der Arbeiterorganisationen, die Bewegung auf fried- lichem Wege durchzuführen, fanden bei den Unternehmern keine Gegenliebe. Nicht allein verweigern die Unternehmer jede Verhand- lung über den eingereichten Tarif, sondern sogar eine unverbindliche Aussprache wurde abgelehnt. Die Arbeiter waren deshalb ge- zwungen, die Arbeit niederzulegen. Die Situation ist für die Strci- kenden günstig. Falls sich von außerhalb keine Streikbrecher ein- finden, werden die Unternehmer über kurz oder lang Zugeständnisse machen müssen. An dem Streik sind beteiligt der Deutsche Metallarbeiterverband, Solinger Jndustriearbeiterverband und Christlicher Metallarbeiter- verband. Die Buchbinder in Tilsit führten im Oktober eine Lohnbewegung. Nachdem die Forderungen an die Unternehmer versandt worden waren, kam es auch bald mit vier von den fünf am Platze befind- lichen Firmen zu einer Einigung. Nur die Finita Otto v. Mauderode, die die auf fortschrittlicher Seite stehende„Tilsiter Allgem. Zeitung" verlegt und das größte Unternehmen im Buchbindergewerbe Tilsits ist, lehnte jedes Entgegenkommen ab. Die Arbeiter taten noch ein übriges und riefen' das Gewerbegericht als EinigungSamt an, um auf friedlichem Wege eine Aufbesserung ihrer äußerst gedrückten Löhne zu erreichen. Die Firma erschien aber vor dem Gewerbegericht nicht, weil, wie sie schriftlich mitteilte, sie auf eine Einigung keinen Wert lege. Als auch die in den Zeitungen und an den Anschlag- säulen erschienenen Bekanntmachungen des GewerbegerichtS sich ohne Einfluß auf die Firma erwiesen, stellten am 16. November 10 Buch- binder und 23 Arbeiterinnen die Arbeit ein, nur drei minderleistungs- fähige Gehilfen blieben im Betriebe zurück. Vom Buchbinderverband ist über den Ort die Sperre verhängt worden. Arbeitsangebote von Tilsit müssen also unbeachtet bleiben. kleines feuiUeton. Die fröhliche Weihnachtszeit. Weihnachlen rückt näher. Das ist die Zeit, in der mein Freund, der Volksschullehrer, am meisten über seine erzieherische Tätigkeit zu klagen hat. Er paukt die netten Weih- nachislieder ein:„Weihnachtsduft in jedem Raum..." und„O, du fröhlickie WeihnackitSzeit..." „Es sind schöne Lieder", sagt der Pädagoge,„und sie klingen feierlich aus den Kinderkehlcn—, aber wenn ich nur meinen Ge- danken ein Halt entgegensetzen könnte..., Weihnachtsdust in jedem Raum", ja. wen» ich nicht wüßte, dafi in dem Kellerloch des kleinen Willis der Kranken- und Apothekergeruch beständig schwelt, wenn ich nicht wützte�. daß das blecherne Stimmchen de? blassen Karls, das da„Fröhlickw Weihnacht" singt, nachmittags am Leipziger Platz Post- karten ausruft und unter den vierzig Schülern etwa zehn zu Familien gehören, die ohne«orge� aus vollem Herzen Weihnachten feiern können..., ja, dann wäre es schön, zu singen und sich mit den Kindern zu freuen... Ich will niemanden die schlichten hübschen Lieder nehmen oder zuwidermachcn... aber ich möchte den Kindern sagen:„Wir wollen alle kämpfen und streben, dafi jeder Wcihnachsduft und Weihnachts- luit zuhause hat, wenn er einmal Kinder hat und mit ibuen singen will, der Kampf ist nicht leicht, aber habt Mut und Hoffnung... ich glaube, dann glühte doch in manchem Gesicht, daö jetzt stumpf- sinnig die Melodie daberplärrt auS Gewohnheit und Zwang ein schimmerndes Leuchten auf, und wie eine Sphärenmusik ferner Zu- kunfl würde es kluigen:„Fröhliche Weihnacht überall..." Nicht das kommende Weit», achtsiest mit seiner Enge läge den Kindern im Sinn sondern in üppigen Farben würde die hoffende Phantasie eine ollgemelue Fröhlichkeit voir Sorge und Not befreiter Menschen sehen.... Aber so darf ich nicht reden.... Und ich siehe nun oben auf dem Podium wie ein Hanswurst und schäme mich vor den armen Schulern...." Das Mariuekino. Eine Pariser Zeitung erzählt, daß auf mehreren tranzo>uchcu Kriegsschiffen kinematographische Theater er- richtet worden sind. Sie dienen zur Unterhaltung der Mann- schaft, und die Wirkung soll sehr gut sein. Die Leute bleiben jetzt lieber an Bord und verlangen weniger Urlaub. Mannschaften, die sich etwas zu schulden kommen ließen, wurden auf einen oder mehrere Tage von den kinematographische, i Vorstellungen aus- geschlossen, und diese Strafe fürchten sie mehr— als Arrest bei Wasser und Brot. Es gibt keine Meuterei mehr auf französischen Kriegsschiffen. Desertionen schon gar nicht. Die kinematographiichen Theater fesseln die Mannschaften an Bord. Sie fürchten nichts mehr. Nicht de» schwercn Dienst, keine Entbehrungen und Gefahre», sie fürchten nur eine einzige Strafe, das Verbot, einer Kinovorstellung beiwohnen zu dürfen. Arrest bei Wasser und Brot ist hart, aber viel härter ist es. nicht sehen zu können, wie F r i tz ch e n ein Schlemmer ist und Moritz eine Entfettungskur macht. Beim Morgenappell wird der Mannschaft das Programm der Abendvorstellung bekanntgegeben. Die Wirkung ist einfach phäno- menal. Es klappt alles wie noch nie. Die Aussicht auf den Genuß eines tausendmelerlangen Schlagers hebt die Schlagkraft der Mann- schaft, kurz, es ist eine Lust auf französischen Kriegsschiffe» zu dienen, serldem sie sensationelle Dramen an Bord führen. Die Angst vor dem Feind sinkt, seitdem die Kriegstüchtigleit der Mannschaft durch d:e Flimmerkiste gehoben wird. Aber die französische Heeresverwaltung wird nicht auf halbem! Wege stehen bleiben. Sie wird das Kinotheater auch bei der Frem- denlegion einführen. Man wird die von einem zwanzigstündigen Marsche halbtoten Truppen mit lebenden Bildern laben, und sie werden nicht mehr zusammen-, sondern in Hochrufe auf die Legion ausbrechen. Eine mißglückte Klostergrüudung. AuS Monistenkreisen wird unS geschrieben: Eine merlwürdige Bankrotterklärung kündigt das „Monistische Jahrhundert" unter der Ueberschrift„Kolonie UneSma" folgendermaßen an: „Um mehrfachen Anfragen zu entsprechen bczw. zuvorzukommen, wird hierdurch mitgeteilt, daß die erste Versuchsreihe abgeschloffen ist und die bisherigen Teilnehmer übereingekommen sind, sich zu trennen. Das Unternehmen wird auf wenig geänderter Grundlage sortgesetzt. Wilhelm Ostwald.". Unter der Kolonie„UneSma" ist das(von Ostwald selbst so ge- nannte) m o n i st i s ch e K l o st e r zu verstehen, mit dessen In- szenierung Ostwald seinerzeit bei allen ernsthaft freiheitlich Denkenden, Mitgliedern und NichtMitgliedern des Monistenbundes, die iu dem Bund eine Abwehrvercinigung gegen die geistige Reaktion erblickten und ihm deshalb in erster Linie ihre Spmpalhie und oft auch ihre Milgliedichaft zuwandten— peinlich berührte, weil es ein entscheidender Schritt mehr war zu einer Art monistischen Kirchentums mit allen üblichen hierarchischen Ein- richlungen, Organisationsdetails, mystischen und symbolischen Orna- menten. Das monistische Kloster entpuppte sich als die Verball- hornung einer Produktionsgenossenschaft, die in der krassesten Form auf eine rein kapitalistische Grundlage gestellt wurde: der im „Monistischen Jahrhundert" von Ostwald entwickelte Plan gab mit rührender Unbekümmertheit ein raffiniert ausgeklügeltes System sür die Verwirklichung des Satzes: Wer das meiste Geld gibt, hat das Recht auf die wenig st e Arbeit. Nach der eingangs zitierten Mitteilung Ostwalds ist die„erste Versuchsreihe" abgeschlosicn, d. h. für alle, die etwas Genaueres über die ja sehr kurze Geschichte der so pomphaft ins Leben ge- stotzenen Gründung wissen und durch die Zeilen hindurch die Wirk- lichkeit sehen: Der Versuch i st verunglückt. Wahrscheinlich hat man wohl monistische Geldgeber, aber keine monistischen Proletarier gefunden. Die wenigen Geldgeber— weniger als ein Bäckerdutzend— find davongelaufen und zwar nicht mit den besten Gefühlen.„Die Unternehmung wird auf wenig geänderter Grundlage fortgesetzt" kann nach allen bekannt gewordenen Tatsachen nur heißen: Vielleicht wird ein neuer Versuch gemacht, wenn sich neue Versuchs— idealisten finden. So heißt es bestenfalls, ebenso nahe liegt aber die Deutung der Worte als schmucklose, taktvolle Leichenrede. Theater. Schillertheater O: Die goldene Ritterzert, von CbarleS M o r l o w a. Lachfutter für die sehr Genügsamen. Burlesker Schwank steht auf dem Theaterzettel; besser träfe Mäychen- stück. Denn Burleskes läßt Fleisch und Bein urwüchsigen Lebens spüren, in deftiger Karrikatur: aber hier war der Autor— das Stück ist englischer Herkunft— nur auf spaßige Situationen und Redensarten aus. die etwa die Höhe des Dorfbarbierwitzes erreichen, und was darüber liegt, blieb er' schuldig. Hauptperson(der Situationen und Redens- arte») ist einer vom altbekannten Schwankstamm der allzeit zungen- fertigen Ulkschwätzer, in diesem Falle ein bürichchenhaster Freiherr, dem die Bernarrtheit seiner Umgebung in alte Ritterherrlichkeit durch- aus zuwider ist. ES fällt ihm gar nicht ein. den wuchtigen Helden- > ahnen zuliebe seine leichte Spaßvogellust abzutun, trotz des Unmuts einer geliebten Cousine, die zum Schein mit einem Nebenbuhler an- bändelt, um ihn durch Eifersucht zum Reckentum aufzureizen. Aber nun besorgt ein Schnupfenfieber und eine Volladung Whiökeh ihm im Traum eine Gemeinschaft mit der Zeit der geringgeschätzten Ritterahnen. Inmitten eines bunten BurgvolkeS, das ihm als Herrn huldigt, treibt er sich im Gewände von heute um, erst im Schlafrock, dann im Smoking, zuletzt aber gepanzert, um den fehdelustig an- rückenden Rivalen zu besiegen, den er schließlich mit eisernen Ritter- Handschuhen niederboxt. Nachher spielt er den wildgcwordenen Recken in wachem Zustande weiter, bis der kraftprotzig posierende Nebenbuhler blamiert und erledigt und der heillos erschreckten Cousine nebst An- hang der Appetit an der Ritterschwärmerei vergangen ist. Das Ganze ist ein Clownstück, das sich in endlosem Variieren immer derselben Scherzmotive abwickelt. Auf einen Humor, der wenigstens die Traumsituationen witzig höher treiben könnte, wartet man vergebens. Kleinbürgerlicher IlnterhaltungSquarl. Reinhold K ö st l i n fand sich leicht in die Allotriarolle des Freiherrn. Er brauchte nur recht hingebend zu albern und klein zu tun; das brachte dann seine nacbsolgenden abführenden Kalauer und Berserkertaten beim Publikum durchschlagend zur Wirkung. Und davon lebt das Stück._ frd. Notizen. — Musikchronik. � Das zweite Konzert des Vereins für Frauen und Mädchen(Sonntag, 23. November, 4 Uhr, Blüthnersaal) bringt nur Werke von Beethoven. Mitwirkende: Heß-Ouartett und Anton Sistermans. — Eine Versuchsvühne in Köln. Von dem Borstand der Deutschen Werkbundausstellung in Köln 1914 wurde beschlossen, ?in Theater zu errichten, das als Versuchsbühne für die Lösung moderner lheatralischer künstlerischer Probleme dienen wird. Das Theater wird nach den Entwürfen Henry van de Veldes gebaut. — Ein m e r k!v ü r d i g e s A u f f ü h r u n g S v e r b o t. Die Zensurbehörde verbot in Wiesbaden ohne Angabe von Gründen die Aufführung des Dramas von Brienx„Die schiffbrüchigen". Dasselbe Stück wurde in München neulich sogar als Festaufführung zur Thronbesteigung gegeben. In Wiesbaden nimmt man wahr- scheinlich auf die Badegäste Rücksicht, die„schiffbrüchig" geworden sind. — Der Maurer alSNachtwächter und— Erzieher. Einem arbeitsfreudigen Manne, der allerdings über eine nicht all- tägliche Vielseitigkeit verfügen mufi. bietet sich, wie die.Bauwelt" berichtet, gegenwärtig eine seltene Gelegenheit, sein Glück zu machen: eine sächsische Landeserziehungsanstalt sucht zum baldigen Antritt einen gelernten Maurer als— Nachtwächter. Aber nicht genug damit, in dem Stellenangebot der Landeserziehungsanstal'c wird angekündigt, daß bei der Besetzung dieser— Maurer-Nacht- wächterstelle jene Bewerber bevorzugt werben, die sich iür den— Erzieherberuf eignen. Die Vergütung für diese dreifache Funktion beträgt pro Jahr 1200 M. Alle Achtung vor dem Manne, m dem sich diese vielseitig vereinigten Talente finden werden. In der Nacht wachen, auf daß keiner der Zöglinge entwische, am Tage mauern und am Abend unterrichten: mehr kann man für 1200 M. schwerlich verlangen.. — Die Gemälde druck Maschine. Der Moskauer Ingenieur Lebedenko will eine Gemäldedruckmaschine erfunden haben, die nach einem Originalgemälde die Farben ebenso„setzen" soll, wie ein Schriftsetzer die Lettern nach eineni Manuskript. Es lasten sich sodann nach seiner Angabe beliebig viel Abzüge mache«. Die Maschine verfügt über 300 verschiedene Farbentöne. I Ter Streik der Lahrcr Kartonageu- mtd Etuisarieiter geht jetzt bereits in die sechste Woche und ein Ende ist noch nicht abzusehen, nachdem die Fabrikanten den LZersuch der Streikenden, durch Werk« stallkommissionen zu einer Verständigung mit ihnen zu gelangen, nach einigen Winkelzügen mit der Forderung der bedingungslosen Wiederainnahme der Arbeit beantwortet haben. In einer Ner- lammlung der Streikenden am 18. November, in der die Vertreter des BuchvinderverbnndeS eS ihnen freistellten, nach eigenem Ermessen selbst zu entscheiden, ob sie darauf eingehen wollten, erklärten sie sich mit 316 gegen 2 Stimmen gegen die bedingungslose Wieder- aufnähme der Arbeit, was dem Vorsitzenden der Fabrikanten- Vereinigung noch am gleichen Tage mitgeteilt wurde. Die Fabrikanten lehnen jede Unterhandlung und Vermittelung ab mit der Erklärung, Lohnerhöhungen seien immer gewährt worden, sie würden auch nach Möglichkeit zukünftig gewährt werde»! die Fabrikanten würden bestrebt sein, da-Z gute Einvernehmen mit der Arbeiterschaft,.ganz gleich, ob organisiert oder nicht organisiert', zu pflegen, aber erst sollten die Arbeiter bedingungslos zur Arbeit zurückkehren. Von dem bisherigen.guten Einvernehmen' haben nun die Arbeiter die Nase gründlich voll, denn diese-S bestand tat- sächlich in einer Art sklavenartigem Dasein, in dem von einer noalitionsfreiheit oder einem Mitbestimmungsrecht bei den Arbeits« bedingungen wenig oder gar nichts zu spüren war. Der Kampf geht also weiter. Die Einwohnerschaft von Lahr und Umgegend soll durch ein Flugblatt des BuchbinderverbandeS über die Arbeitsverhältnisse in den Lahrer Kartonogen- und Etuis- fabriken sowie über die Ursachen des Streiks aufgeklärt werden. ES wird gebeten, überall den Zuzug von Kartonagen- und Etuis- arbeitern fernzuhalten. Klus der Partei. Kommunalwnhlcrfolgc. Bei der Stadtverordnetenwahl in Hohenmölsen(Bezirk Halle) wurden zwei Sozialdemokraten mit überwältigender Mehrheit gewählt. Damit haben unsere Genossen die ganze dritte Abteilung in ihrem Besitz. In Tauchern(Kreis WeigenfelS) wurden unsere Kandidaten in der dritten Abteilung einstimniig gewählt, da die Gegner in Er- kenntnis ihrer Ohnmacht sich nicht an der Wahl beteiligten. Die Die dritte Abteilung besteht hier seit Jahren aus Vertretern der Sozialdemokratie. In Coswig(Anhalt) siegte bei den Stadtverordnetenwahlen die sozialdemokratische Liste mit 709—738 gegen 671—683 Stimmen der Gegner. Die Sozialdemokratie hat jetzt von den 18 Sitzen im Stadlparlament 14 inne. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Rendsburg(Schleswig) wurde auch ein Sozialdemokrat gewählt. Damit zieht der erste Sozialdemokrat in das NendSburger Rathaus ein. Wahlerfolge in der Schweiz. Im Kanton Genf haben nach der bei dem Proporz erfolgten Neuwahl des Großen Rates(Landtages) unsere Genossen zwei Sitze erobert, womit sich ihre Vertretung auf 16 unter 70 Abgeordneten insgesamt erhöht. Einen recht erfreulichen Fortschritt weist endlich nach jahrelanger Stagnation unsere Partei auch in Lausanne, der Hauptstadt des Kanton« Woadt, auf. Bei den am Sonntag stattgefundenen Ge- meindewahlen erhielt die sozialdemokratische Liste 2245 Stimmen gegen nur 1500 im verflossenen Frühjahr. Von unseren Kandidaten erhielt Genosse Sutter 2576 die höchste Stimmenzahl. Die Gruppe der Auch- und Salonsozialistcn erhielt 436 Stimmen gegen 1000 im verflossenen Frühjahr. Sieist also ebenso im fluchtartigen Rückgange wie unsere Partei im starken Auffchwunge begriffen. Die Arbeiter Verlasien also immer mehr die auchsozialistische Gruppe. Im Kanton Neuen bürg fand am Sonnlag eine Ersatz- wohl in den Nationalrat statt, wobei unser Kandidat, Genosse Gro« pierre, zwar mit 6827 gegen 9881 Stimmen dem freisinnigen Gegen- kandidaten, für den auch Konservative stimmten, unterlegen ist, aber zugleich auch bestätigt wurde, daß unsere Partei in Chaux-de-FondS und Locke noch immer die Mehrheit hat, während die Gegner von der .sozialdemokratischen Abwirtschaftung' geschwindelt hatten, wobei natürlich der Wunsch der Vater des Gedankens war. Die Arbeiterbewegung in Holland. Nach der vorliegenden neuesten Statistik war die EntWickelung der holländischen Arbeiterbewegung im vergangenen Jahre(Oktober 1912 bi« Oktober 1913) sehr erfreulich. Die der Zentrale an- geschlosienen Gewerkschaften steigerten ihre Mitgliederzahl von 56 884 auf 79 327. Die Mitgliederzahl der Partei stieg von 14 154 auf 20 623 im Jahr: sie gewann bisher noch über 1000 Mitglieder. Die Zahl der Ortssektionen der Partei vermehrte sich von 272 auf 373. Die Abonnentenzahl des Zentralorgans der Partei stieg von 20 000 auf 28 000, die der Frauenzeitung von 4000 auf 5500. In den Gemeindevertretungen erhöhte sich die Zahl der sozialdemo« kratischen Vertreter von 171 auf 247, in den Provinzialverlretungen von 23 auf 52. Die Buchhandlung der Partei verbreiiete 476 950 Broschüren. Die Zahl der Parteiblätter beträgt jetzt 27, die Zahl der den modernen Standpunkt vertretenden Gewerkschafts- blätter 43, die der örtlichen Gcwerkschaftskartelle 48. Programinrevision in Holland. Auf Grund der vorjährigen Parteitagsbeschlüsse hat der Vor- Üand unserer holländischen Parteiorganisationen eine Kominission ernannt, welche den Teil des Parteiprogramms, der dre Forde- rungen an den Staat enthält, einer Revision unterziehen soll. Die Kommission ist zusammengesetzt ans den Parlamentsmitgliedern Troelstra, Vliegen, Schaper und Alberda und den Genossen Dr. Bonger, v. d. Tempel(Vorstandsmitglied der Gewerkschaflszentrale) und W i b a u t, mit dem Genossen Anker- s m i t als Schriftführer.___ Um Giolitti zum Rücktritt zu zwingen. Rom, den l8. November.(Eig. Ber.) Der„Avanti" verösfen-t- licht die Ansicht mehrerer sozialistischer Abgeordneter über die Zweckmäßigkeit eines Vorgehens unserer Parteisraktioii, durch das Giolitti zum Rücktritt gezwungen werde. Der Abgeordnete S a- in o g g i a meint, daß man den Ministerpräsidenten überhaupt nicht zu Worte kommen lassen solle, sondern ihn mit einem derartigen Tumult empfangen, daß er den Saal verlassen muß, wie er das im Jahre 1893 inutzie, als die Fünferlommission seine Beteiligung an dem Skandal der..Banca Romana" zur Sprache brachte. Ließe man Giolitti reden-, so würde es seiner Geschicklichkeit noch einmal gelingen, einen Teil der Kammer auf seine Seite zu bringen. Ter Abgeordnete Treves lehnt es ab, sich über die Taktik der Aktion auszusprechen, sagt aber, es könne keine Meinungsver. schiedenheit unter Sozialisten über die Frage bestehen, ob man Giolitti das Verbleiben im Amt unmöglich machen soll oder nicht. Giolitti vor den Senat zu bringen, wäre wohl gesetzlich, aber vom sozialistischen Standpunkt aus nicht richtig, weil diese Körperschaft dadurch nur on Ein-sluh gewönne, was unsere Partei nicht wünschen tan». Ter eigentliche Richter der Wahlkorruption Giolittis sei nicht der Senat, sondern das Volk. Auch Genosse M u s a t t i hält dafür, daß man nicht den Senat gegen Giolitti anrufen, sondern die öffentliche Meinung durch Demonstrationen innerhalb und außerhalb der Kammer mit allen Mitteln zum Ausdruck bringen müsse, um so Giolitti zum Rücktritt zu zwingen. Turati meint dagegen, daß man Giolitti keinen größeren Gefallen tun könnte, als ihm die Diskussion über die Wahlver- gewaltigung der Regierung zu ersparen und ihm als Opfer der Gewalttätigkeit der Sozialisten Shmpathien zu gewinnen. Ihn nicht zu Worte kommen zu lassen, würde der Gipfel des Unver- stände« sein. Dadurch würde auch die Anklage selbst verstummen müssen, was allen Interessen des Landes zuwider liefe. Was den Plan betrifft, Giolitti bor den Senat zu bringen, so setze er ein Per- trauen in die Gerichtsbarkeit dieser Körperschaft voraus, das nicht gerechtfertigt ist. Man müsse den Ministerpräsidenten durch Do- kumente und Tatsachen an den Pranger der öffentlichen Meinung stellen und es ihm unmöglich machen, je wieder politische Bedeutung zu gewinnen. Der Abgeordnete Morgari schließlich tritt ganz dem Vorschlag Ciccottis bei(von Ettore Ciccotti geht bekanntlich die Idee aus,� Giolitti wegen Wahlvergewaltigung vor den Senat als obersten Gerichtshof zu bringen). Er hält dafür, daß auch die Re- formisten und Republikaner für diese Taktik zu haben sein würden. Da jedoch vorauszusehen ist, daß Giolitti die Diskussion der Motion über die Wahlmache der Regierung um 6 Monate vertagt, wozu die Geschäftsordnung ihm die Hand bietet, müsse die Parteifraktion in der Diskussion über die Thronrede ihrem Protest über die Wahl- Methoden Giolittis mit allen Mitteln, eventuell auch durch Ofr struktion, Ausdruck geben. Sozialistische Blindenliteratur. Von der„Neuen Zeit, Organ zur Pflege sozialistischer Welt- anschauung unter den Blinden deutscher Zunge", ist die Ir. 1 des 5. Jahrganges erschienen. Das Heft hat folgenden Inhalt: Unser Endziel. August Bebel zum Gedächtnis. Von F. Richtsteig. Aus Bebels Leben. Des Propheten Gesang von Goethe. Aus Bebels Schriften und Reden. Tie Sprache des Fortschritts.(Eingesandt.) AuS der Gegenwart: Der Fluch des Kapitalismus, Gerechtigkeit im Junkerparadies. TaS Fraueiiitimmrecht in Norwegen. Die wissenschaftliche Beilage enthält: Der Ursprung der abstrakten Ideen. Von Paul Lafargue. Der Bezugspreis der Zeitschrift, die in Braillescher Kurzschrift gedruckt wird, beträgt bei sechsmaligem Erscheinen jährlich 3,60 M. für Deutschland und Oesterreich-Ungarn und 4,50 M. für die übrigen Staaten. Das Blatt wird nicht im Buchhandel vertrieben, sondern ist nur von A. Wendt, Berlin N. 20, Wicsenstr. 36, zu beziehen. Die Parteigenossen werden gebeten, die ihnen etwa bekannten Blinden auf das Organ aufmerksam zu machen. Das Kommuni st ische Manifest von Marx und Engels ist nunmehr auch in die Blindenschrift(Braillesche Kurzschrift) über- tragen und in diesem Druck herausgegeben worden. Da infolge der erhabenen Schrift die in Blindendruck hergestellten Bücher bei weitem umfangreicher sind als die Bücher der Sehenden, so bildet auch das Manifest einen stattlichen Band von 139 Seiten. Dem gemäß mußte auch der Preis auf 1,75 M. festgesetzt werden. Immer hin ist dieser Preis auf das niedrigste bemessen, da er lediglich die Herstellungs- und Versandkosten ausmacht. Es ist zii wünschen, daß das Manifest unter de» deutsch- sprecheilden Blinden die weiteste Verbreitung findet; wir bitten daher die Partei- und Gewerkschaftspresse des deutschen Sprach- gebieis um Abdruck der Anzeige. Das Buch ist nur von A. Wendt, Berlin N. 20, Wiesenstr. 36, zu beziehen. Bei Lieferung nach dem Ausland(außer Oesterreich-Ungarn) wird ein durch die Porto- erhöhung bedingter kleiner Preisaufschlag erhoben. Jugendbewegung. „Jungvolk 1914". Vom.Jungvolk'- Almanack, den die- Zentralstelle für die ar- beitende Jugend herausgibt, ist soeben Jahrgang 1914 erschienen. Der Inhalt des reizvoll ausgestatteten Buches ist wieder ungemein reichhaltig; die wichtigsten Gebiete unserer Jugendbildungsarbeit sind durch Beiträge vertreten, bei denen offensichtlich auch auf di« Form der Darstellung besondere Sorgfalt verwendet wurde. In Wesen und Ziele des Sozialismus führt«in äußerst populär ge- haltener Aufsatz in Briefen ein, den Wilhelm R i c p c k o h l bei- gesteuert hat. Persönlich nahegebracht wird den jugendlichen Lesern das Kulturideal des Sozialismus durch Heinrich S ch u l z's Charakterstudie über Bebel:„Werdet wie er!" Ein besonders für die proletarische Jugend wichtiges Kapitel der Zeitgeschichte entrollt Konrad H a e n i s ch in seinem Rückblick auf das Jubiläums- jähr. Die eigentliche Jugendbewegung und ihr weites Arbeits- gebiet behandeln folgende Beiträge: Die freie Jugendbewegung, von Karl Korn: Die Jugend gegen den Alkohol, von W. Soll- mann; Die weidliche Jugend im Beruf, von Luise Zietz; Bunte Hefte(gegen die Schundliteratur), von Otto Koenig; Warum turnen wir? von C. Aiging. Ein hübsch illustrierter Artikel L. Lessens schildert dann«ine Wanderung ums Schloäbische Meer, während uns Engelbert Grafs Aufsatz:„Der Kampf um die Erdpole", in weitere Fernen führt. Das schöngeistige Gebiet ist durch die Lebens- und Schaffensgeschichte zweier großer deutscher Meister, Gottfried Kellers(von E. Hörnte) und HanS Thomas (von Adolf Bruno), vertreten. Auch der unterhaltende Teil ist sorgfältig ausgewählt. An der Spitze steht da Gottfried Kellers wundervolle Novelle„Dietegen", deren Nachdruck die Kellerscken Erben ausnabmSiveise gestattet haben, und der der bc« kannte Nürnberger Künstler R. Schicstl reizende Abbildungen und Vignetten mitgegeben hat. Eine famose Kalendergeschichte ist auch die humoristische Erzählung„Ter Teufel von Steiningen" aus der Feder des jungen Schweizer Schriftstellers F. Kurz, während Jürgen Brand, von dem auch die flotte Shlvesterpredigt in Versen herstammt, in seinem Jugenderlebnis„Wie Gerd Wullen- Weber frei wurde", ernste, wobl jedes Jugendherz ergreifende Töne anschlägt. Belebt wird der Inhalt des Büchleins des weiteren durch eine Fülle von literarisch wertvollen Gedichten und durch zahlreiche Abbildungen und Randzeichnungen hervorragender Illustratoren. Dabei ist der Preis des 160 Seiten starken Bandes wieder so niedrig angesetzt, daß unser proletarischer Jugendkalender wobl auch in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung auf dem Büchermarkt bildet. Jugend-ausschüsse und Vereine erhalten ihn zum Selbst- kostenpreise. Kein Jugendgenosse sollte die Anschaffung dieses dauernd wertvollen Buches unterlassen, und auch als Weihnachts- geschenk sei der hübsche Band den Eltern unserer Jungen und Mädchen angelegentlichst empfohlen. „Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nr. 24 des fünften Jahrgangs bat unter anderem folgenden Inhalt: Sozialismus und Bolkswohlfahrt.— Steuern I.— Der Stammbaum des Menschen. Von Engelbert Graf.(Mit Abbildungen.)— Lehrer Neumann. Von Karl Löwe. — Eine LehrlingSstatistii.— AuS der Jugendbewegung.— Die Gegner an der Arbeit ut'w. Beilage: Der Sohn des Waldes. Erzähliiiig von R. Kipling. («chluß.)— lieber die Heranbildung von Panieleitern. Bo» Rikdard Wcimann.— Charakter.— Michelangelo. Von Otto Krille. (Mit Abbildungen.)— Ein junger Arbeiter. Gedichtzyklus von Fritz Elsner.— Die Zoologie in der Technik. Von Felix KautSky.— Mut. Erzählung von Otto Koenig. „Gut Heil"»der„Gelobt fei Jesus Christus'? Ach, so gerne würde ein hohes Kultusministerium sehen, daß alle bürgerlichen Jugendvereine einig gegen den roten Feind zu- sammensländen. Aber trotz aller Erlasse will es mit der Einigkeil der bürgerlichen Jugendpflege nicht recht klappen. Anstatt sich mit vereinter Kraft auf die freie Jugendbewegung zu stürzen, suöben sie sich gegenseitig die Milglieder abzusagen. Insbesondere führen die deutschen Turner frischfrommsröhlichfrei einen Krieg gegen die katholische» Jünglingsvereine, weil den Geistlichen die Bauchwellen und Kniebeugen in den deutschen Turnvereinen nicht religiös genug sind. Die.Kölnische Zeitung" hat diesem Kriege schon mehrere spaltenlange Leitartikel gewidmet, in deren letzte»(Rr. 1299) die Jüngliiigsoereinler wie folgt angeklagt werden: .Entspricht«S vielleicht der Eigenart der kirchlichen Vereine. L e i b e S ü b u» g e n zu treibe»? Wir glauben nickt, daß das Grundgesetz dieser Bereine Turnen und Spiel als Mittel zur Erreichung ihres Zwecks vorsieht. Wir verkenne» keine»- wegS die segensreiche Arbeit der Jünglings- und Gesellen- vereine, wir wisse», wie not eine religiöS-sittliche Erziehung gerade für die Jugend unserer Zeit ist, aber wir müssen uns energisch gegen eine Vereinigung wenden, die mit allen Mitteln uns zu schädigen sucht. Wir baben uns lange zurückgeholten. wir haben alles versucht, um mit diesen Vereinen in Frieden zu leben, wir haben es versucht, in vielen Fällen die persönliche Vermittelung der Vereinsleiter(Kapkäne und Pastoren) in An» spruch zu nehmen, aber leider mit sehr geringein Erfolg. Man hat uns beschimpft, verdächtigt und unsere Tätigkeit in den Augen der Gemeiiidemitglieber herabzusetzen versucht, man hat die Turner als eine Gefahr für die Jugend hingestellt, und die Jugend selbst durch Anwendung von kirchlichen Strafen gezwungen, aus diesen Vereinen auszutreten. Eine Denkschrift des Saargau.'? der Deutschen Turnerschaft führt Beispiele für den TerroriSmuS der katholischen Geistlichkeit an. aus der hervorgeht, daß die Turnvereine in katholischen Orten mit ihrer Beniichtung rechnen, wenn.die Behörde eine solche schonungs- lose mit so wenig einwandfreien Mitteln durchgeführte Konkurrenz nicht unterbindet". Wozu notabene die Behörde kein Recht hat. Uns ist die hier beklagte Kampfesweise der um ihre Schäflein besorgten Geistlichkeit nichts Neues. AuS Erfahrung wissen wir aber, daß die entrüsteten deutschen Turner das Schimpfen, Verdächtigen »nd Terrorisieren genau so gut verstehen, wie die Schwarzen. Für den jungen Arbeiter soll die Losung weder lauten»Gelobt sei Je'uS Christus", noch.Gut Heil", sondern immer nur.Frei Heil!" Baue» wir, während die Gegner raufen, unsere eigenen Organi- sationen auf.__ Bon der Jugendbewegung in der Schweiz. In Ölten tagte am Sonntag die Delegierienversammluug der schweizerischen sozialdemokratischen Jugendorganisationen, die von zirka 70 Delegierten und 30 Gästen besucht war. Es wurde die Vereinbarung der Parteileiiung und de» Gewerkschaftsbundes mit der Jugendorganisation zur Regelung deS gegenseitigen Verbälimsses mit großer Mehrheit angenommen. Daber gab es lebhafte Auseinandersetzungen über die Tattik der Jugendorganisation und namentlich deren Verhalten der Partei gegenüber, das durch anarckosyildikalistische Einflüsse beeinträchtigt wird. Viel zu reden gab sodann auch die Frage der Schaffung eines ständigen Sekretariats der Jugendorganisation, wobei die Finanzierung der Einrichtung die größte Schwierigkeit bietet, da die Zahl der organifierlen jugendlichen Genosien und ihre finanzielle Leistung?- fäbigkeit noch nicht die wünschenswerte Höhe erreicht haben. ES wurde schließlich knapp vor Torschluß, nachdem zahlreiche Delegierte wegen der Heimfahrt schon die Versammlung Verlasien hatten, mit 36 gegen 13 Stimmen die Schaffung eines eigenen Jugendsekretariats beschlossen. E? soll darüber aber noch mit der Parteileitung ver- handelt und ferner der Beschluß zur Urabstimmung in den Jugend- organisationen gebracht werde». Der Parteileiiung soll auf Antrag der Berner Genossen der Antrag gestellt werden, aus die Tagesordnung deS nächstjährigen Parteitages die Frage der sozialdemokratischen Jugendbewegung zu nehmen.___ Soziales» Auch eine—„Kulturerscheinung". Als eine Folgeerscheinung unseres modernen.Kulturlebens", das heißt der kapilalistischen Gesellschaftsordnung, die einen Teil der Menschen durch winkende Reichtümer zu ausreibendem Hasten und Jagen reizt, andere in die Lmal steter Sorge um das Stückchen Brot stürzt, die Arbeit zu einer Dual macht, ist die Zunahme der Geisteskrankheiten zu betrachten. Die meisten Kranken werden von der Statistik kaum erfaßt, denn sicherlich gehört ein großer Teil der sogenannten Nervenkranken zur Kategorie der geistig Genörlen. Trotzdem wächst die Zahl der in Irrenanstalten Untergebrachten in beängstigender Weise. In den Anstalten Preußens wurden Geistes- kranke gezählt: 1901.......... 78 955 1910.......... 127 914 1911.......... 132 982 Unter der letzteren Zahl befanden sich 59 029 weibliche Personen. Den Zugang im letzte» Jahre und die Art der Erkrankung gibt die folgende Zusammenstellung an: Krankheitsformen Einfache Seelenftörung......... Paralyiische Seelenstörung....... Imbezillität(angeborene) Idiotie u. Kretinismus Epilepsie mit und ohne Seelenstörung... Hysterie.............. Neurasthenie............. Chorea.............. TabeS............... Andere Krankheiten des Nervensystems... Alkoholismus............ Morphinismus und andere narkotische Ber- gistungen............ Andere Krankheiten. Zlisammcii.. Sehr groß ist die Zahl der Jugendlichen bei den Zugängen. DaS muß besonders bedenklich stimmen. Bon den neuen Fällen be- trafen 1773 männliche und 1231 weibliche Jngendliche von unter 16 Jahren. Als erblich belastel galien 7190 männliche und 5062 weibliche der eingelieferten jugendlichen Irren. Und bei insgesamt 9274— 8591 männlichen und 683 weiblichen— soll Trunksucht die Ursache der Geisteskrankheit sein. Ganz zweifellos ist die kapitalistische Wirtschaftsordnung vorwiegend die Ursache dergleicher Erscheinungen. Auf dem kovilalistlschen Boden gedeiht Eiitarlmig» Degeneration, körperlicher, geistiger und moralischer Zerfall. Als Bcrtrauensu:'»» entlassen. Ein Stellmacher klagte gestern vor dem Gewerbegericht unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Gerlh gegen die Firma Utermöle auf Auszahluiio von 19,25 M. Lohnrest und 5.53 M. ftir den Eni- lassungSlag. Di« Beklagte behauptet, die Arbeit des� Klägers sei unbrauchbar gewesen. Der Kläger dagegen stellt die Sache so dar: An der Arbeit wurde bemängelt, die Karosserie sei oben 8 Milli« meter schmäler gewesen als unten. Das sei aber ein Fehler, der dem Tyv technisch anhafte. Seit Fertigstellung der angeblich fehler- haften Arbeit habe er noch wochenlang und für mehrere hundert Mark gearbeitet. Als Grund seiner Entlassung sehe er vielmehr an, daß er als Vertrauensmann seiner Kollegen einen geplanten Lohnabzug abzuwehren hatte und dadurch der Firma unbequem wurde. Drei Zeugen bestätigten, d-:ß die Arbeit den geringfügigen Mangel nicht durch Verschulden des Klägers erhielt.— Das Gericht verurteilte die Firma dem Klageantrag gemäß. tvttlerungsüveriiail vom 21. November 1913. Swinemde. 763SW Sbedeckt Hamburg VRegen Berlin 766 S 3 bedeckt Frank?. a.M 768 SW 3 bedeckt München 772 SO| 2 heiter Wien 'avaranda 742jZsO >clerSburg 746 TW Scillv 756 TW Aberdeen!748-,ill Paris!7K6SSO 4!b«deckt Lviegen öbedeckt .bedeckt »bedeckt a 772 TW( Ihalb bbj—O II II Wetterprognose kür Sonnabend, de» 22. November 1913. Mild und zeitweise ausklarend. jedoch vorherrschend wolkig mit etwa« Regen und lebhasten südwestlichen Winden. Berliner Betterdnrea«. Suppen verbargen feinste Qualität! Sie haben deshalb auch seit mehr als 20 Sahren das volle Vertrauen von Millionen von Äausfrauen. 1 Nch! für 2—3 Teller 10 flg.— Mr als 40 Sorten. Theater und Vergnügungen DD ÖD □□ Sonnabend, 22. November. älntann'S U6r. Schiller- Ebarlottenburg. Götz von Berlichingen. Ansang 3'/, Uhr. Berliner. Ein VoUSseind. AritiNfl 4 Uhr. Urania. 15 Iaore bei den Schwarz- lug-Jndianern. Theater am RollendorfPlaN. �rau Holle. Thalia. Aschenbrödel. Vviien. Hm Reich der Zwerge. Walhalla. Siieeioilichen. Rose. Prinzessin Edestraut. �Iniaiig K Ilbr. Eines Palast am Zoo. Barletö- Lichtspiele. Ansang k'/, Ubr. CinesNoUendorf-Tbcater.Varieiö- Lichtspiele. Ansang 7 Nbr. Kgl. Lpernhaus.' Sicglried. Ainang 7-/, Nbr. «gl. Zttiautpielhaus. Die Jung- frau von Orleans. Teutsches. Ein EommernachtS- träum. Zirkus Busch. Gaiavorsiellung. Zirkus Zchumauu. Galavorstellung. Aniang 8 Udr. Urania. Mit dem Imperator nach New Jork. Hörsaal Pros. Dr. B. Donath: Wechselstrom und Drehstrom. Lesiixg. Pygmalion. «ammersptele. Maria Magdalene. «oniggratier Strasse. Die Krön- braut. Theater am Nollcndorspla«,. Der Mikado. Theater des Westens. Polcnblut. Berliner. Wie einst im Mai. Dentichrs«üuftler- Theater. Die Affäre. Deutsches Opernhaus. Undine. Deutsches L chaii'vielbaus. Die beilere Residenz. Ti>- n. Die Tan�oprinzesfin. «omödienhaus. Hinter Mauern. Montis Operetten. Die ideale Gattin. Schiller O. Die goldene Ritterzeit. Schiller Eharlottendurg. Die Jungsran von Orleans. Restdrnz. Hoheit— der Franz. Mcrropol. Die Reise um die Well in 40 Tagen. «anno. Ferdinand der Tugend« hafte, i Kleines. Belinde. Lust'pielhous. Im grünen Rock. Trianon. Seine Geliebte. Herrnselv. KaS sagen Sie zu tleibusch? Wintergarten. Spezialitäten. RcichsliaUrn. Steltmer Sänger. Eines Apollo-Theater. Bariets- Lichtipieic. Eines F riedrich- Wilhclmftädt. Die tllnokönigin. uniang Udr. R ose. Ter Meineidbauer. Luise». Von Stufe zu Stusc. Jolies Eaprice. Mißgeburt. DaS Adoptivkind. Walhalla. Der LiebeSonlel. Aniaiig 8'), Ubr. Neues Bolksthearer. Mudder MewS. Aniang 9 llbr.' Zldmiralspalast. Die lustige Puppe. CiuesNollcudorf-Theater.Varicto- Lichtlpiete. -» Sternwarte. Jnoalidenirr. 57—62 ScMler JÄeTör i Wallnor-rheafcerj. Sonnabend, abend« 8 Ubr: Die goldene Itltterzeit. Sonntag, abend« 8 Uhr: Die Stützen der Ciesellschaft. Montag, abend« 8 Ubr: Hosenmontag. jTbeater in der KöDipKtzer Straße 8 Uhr: Die Kronbraut. Komödienhaus. s u�r: Hinter Mauern. BerlineTThealer. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Tlieater des Westens. 8 Uhr: Polenbiut. Theater am Noliefidorlplatz 5. Allabendlich 8 Uhr: Hikado. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Weihnachlskomödie von Ziob. Sach«. bessinx-Itieater. 8 Uhr: p�maiion. Lustspiel von Bernhard Shaw. 8 Uhr 8 Uhr. Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Dilli Wolff. Musik von Robert Wintcrberg. Allabendl. 8 Uhr:Hokeit— der Franz! Totensonntag 6 Uhr: Hie Waise aus T.owood. Friedrieh-Wilhelüistddt Theater 30-31 Chausseesir. 30-31. Operetten- Vastsplel Zum 191. Male: Die Kinokönigin Operette in l! Akten v. Jean Gilbert. 'Ansang 8 Uhr. Totensonntag: llle pkalse von�owood. Dentschesjlönstlertheater Sozietät. NDrnbergei StraSe 70/71, em Zoo. Kasse; Nollend. 1383. Sonnabend 8 Uhr: Die Affäre. Sonntag 8 Uhr: Hanneies Himmelfahrt. Her zcrbroehenc Krng. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Dalsen Theater. I Walhalla-Theater. Heute 4 Ubr t kleine Preise): I 4 Uhr /kleine Preise): Im Reich der Zwerge. Schneewittchen n. die 7 Zwerge. 8'/, Ubr: Von hstnfe zn Stnfe.| S'/. Uhr: Her lilebesonkel. Zirkus Busch Sonnabend, den 22. November, abends 7'/: Uhr: Oa 1 a-Pr emier e Pompeji. Die bisher größte und prunkvollste AuSftattungSPantomime deS Zirkus Busch in S glänzenden Alten. 1. Akt: Der Palast de« DiomcdcS.—DaS BacchuSfest. 2., In der Schönte der Gladiatoren. 3.„ Das große Amphitheater.— Der Riesenzug der Schwert- sechter. Speerwerfer. Ileuleiischwinger, Ringtömpser und Wettkämpscr im Ouadrigasahren.— Die Todesfahrt Uber die zersprengte Brttcke. 4.. Das pompsjanische Bad!— Die Wasserspiele. 5.„ Die Rache des Vemv! Der Ausbruch des Kraters. Wilde Zerstörung und Brand Pompejis Im Aschenregen! Der Zusammensturz. Hierzu das grofte Gala-Programw. Im Besonderen: Karl Hagenbecks Menschen-Affen Hax, Moritz und Teddy. Montis Operettentheater, Ab---- W---*" Werg. Abends 8 Uhr: Leh&r-Novitat; Hie Ideale Gattin- |i Massary, I. Spiclmann a. G. erg. u. solg. Tage: Die ideale l-aillv. 0SE=THEATE Grone Franfhmer Str. 132. Rcchnlittllg« 4 Uhr: Hrlnzessln Fdeltraat. Abend» 8 Uhr: Oer Melneldhnaer. Sonntag: Her Melneldbaacr. Weinberesweg 16-17(2ilin. t. Rosenth. Tor) Reinickendorfer Straße 14 Der Liebe Zaubermacht. Romantische Erzählung— Kolorierter Film. Moritsplatx Hasenheide Die Waisen der Ansiedlung Episode aus dem wilden Westen. Die Herzogin von Polles Berg�res Lustspiel in 3 Akten. jk..Aon' —- MaiiopstpaßA 89— 7i :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90/91. Oroßes I>oppel- Konzert! Berliner Konzertliaus-Orchester mit 84l„n«teilkal Leitung; Komponist Frz. v. B 1 o n. Musikc. 4. Garde-Regiments z, F. Dirigent: Oberm. Schräder. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 PI. Anfang 8 Ehr. Wochentagen: Gr. lISeIlMjllSg5-«0llierl �eÄ" Sehiiier-Theaier Sonnabend, nachmillagS 3" Uhr: Götz von BerHchlngen. Lonnadend. abend» h Ubr: Hie.lungfrau s on Orleans. Somit-, mittag» 12 Uhr: atamm e rm uslk. «onnlag. abend« 8 Udr: Roscnmoutag. Montag, abends 8 Uhr: __ Jggendfreunde. 8 Uhr: Die heitere Residenz. Palast SM Zoo Tttglicd An Gor 6 Uhr. Komplettes 1'roKrsmm grosse Variitd'Akte sowie unsere renommierten Lichtspiele Preise von 65 P enn'g an. Nonentorf-THealer Cleopatra Die Herrin de» Nils Das Filmwunder der Welt »vnrdc mit grofiem Bei- lall aafgcnoinmcn. Wocbentsgs Anfang 61'. u. ß Uhr Sonntags 4. 6'., und 9 Ubr. Jugend-Vorstellung Mirtwoeb und Sonnabend 4 Uhr] an halben Prel.ea. Scheruchs Bierhallen Kotientbuler Tor(Kcke W'elnbergitweg). Tuguch Große Bayerische Bierfeste Tugnch Humor ♦ Stimmung Großer bürgerlicher Mittagstisch Riesenauswahl. Kleine Preise. Metropol-Theater. SlbendS 7 Uhr SS präzise: Ute Heise um die Erde in 40 Tagen. Totensonntag, d. 23. er., abends 8 Uhr: 's NullerB. Kurfürstendamm 236. | Vnr nochkarzcZclt! Zum 160. Male; ,Die blaue Maus' 1 mit Madge Lessing 1 Regie; Max Mack 1 Vorstellungen 5, 7. O Ohr. Oehs'sches Konzert-Orchester Leitung: Kapellmeister£rlch Ochs. Volkskonzert Brauerei Happoldt. Heute abend 8'/» Uhr. Eintritt 30 Pf. Willard der Mann, der wächst Grete Ffeflnil II Paul Beckers Operettendiva. H Komiker. Crispi und Farren Exzentr. Tanz-Duo und eine Kette hervorrapiler KönslkrSIte! Bauchen gestattet! Passaae-Panoplikum SO wilde Folios Gaprice. Anfang VI, Uhr Zum S3s Male; Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt Volkstlieater Neukölln. Hermannstraste 2v Sonntag, d. 23. November, 7'/, Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Allen v. Sudermann. Montag, den 24. November, 8'/» Uhr: Gewonnene Herzen. BollSstück in 4 Allen v. Dr. Müller. Kasino-'Pkeater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. 1 1 Der neue Saison-Possen- Schlager lerdinaud der Titselldhafte. Das droll. Stück seit Bestehen d. Tbeai. Borher da» eritft Spezialität..Progr. Sonntag, den 23. er., abends 8 Uhr: »Ein Weib aus dem Bolke«. 1TRATV1A Wrangel- WJ gtraBe 11. Jeden Sonnabend: Variett-Theater, Auf. 8 Uhr, nach Schluß: Areitauz. -Reu erössnet. Eintrllt 20 Pf. Sonntagsball beginnt 5 Uhr. Saal bt» 1000 Personen täglich fr eil Männer und Kinder in einem eigens anf- gebanten Kongodorfe in ihren Sitten n. Gebräuchen. Und die anderen Attraktionen. Die gr. Kino-yariele-Vorstellung von 5(Sonntags 8) bis 11 Uhr. ODEON | Vergnügungs-Palast SW der lOOUO IS* Potsdamer Str. 72 Heute und morgen: Seillünfer [Gebr. Niagara Orig. Japanische Ringkämpfe. Kabarett. Attraktionen. URANIA T';S%"r- Heute 4 Uhr: Walter Mao CHntock: 15 Jahre bei den ScbwarzfnB- Indianern In den Rocky Mountains von Montana. 8 Uhr: Mit d.„Imperator" nach New York. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. B.Donath Wechselstrom und Drehstrom. Zirkus ilb. Schumann. Sonnabend, den 22. November, abends 7'/. Uhr: High- Liifo- Evenlng! 5 dress. Seelöwen zu Pferde! vorgeführt von MiS Marietta. Neu! Lea Stara(3 Damen) Neu! Orig.-Jongleur-Akt, ,lm Maxim". Um 91/, Uhr:"Vd Tango vor Gericht! Pantomimische Burleske in 3 Akten mit Gesang a. Tanz Sonntag, den 23. November, SW" Totensonntag'W findet nur 1 gr. Sportvorstellung statt und zwar abends 7'/» Uhr. Boxhagen- Rummelsburg. Standplatz: Seume- u. GrypHiusstratze. Mar kurze Zelt l cinzozIAVUBU'Bcliäii Täglich abends 8'/, Uhr: Das viiDderbarePrograinffl! Heute Sonnabend, 22. Nov., nachmiiiag« 4 Uhr: zu fleinen Preise« für Erwachsene u. Kinder. Morgen, Totensonntag: Beginn der Nachmittags- Vorstellung 6 Ubr, der Abendvorstellung 8'/, llhr. V«iKt- TDeater Badstrasse 58. Morgen Sonntag, den 23. November, nachmittag»: Keine Vorstellung. Abends 8 Uhr: vss Beclil einer Mutter. Schauspiel in 4 Alten v. W. Schmidt- Häßler. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. �.clmiralspalast. JEls- Arena.— Allabendlich das neue mit durchachlagendem Erfolg aufgefOhrte Elaballett vis lustige?uppe. Beginn der Vorstellung 8>/«Uhr. Bis 6 Uhr und von lO*/. Uhr halbe Kassenpreise. Trianon-Theater. Sonnabend 8 Uhr? Seine Geliebte. Totensonntag 8 Uhr: Untren. Reiehshallen-Theater Stettiner Sänger Zickenbeens KDostler- Ansang 8 Uhr. Morg.Ab. 8 Uhr: Elite Soiree. Zum Schluß: Loldalen- tierzen. Doteusountag geöfinet von 5 Uhr abends Ins 2 Uhr früh. Anf. 71/» Uhr. Eintritt 30 Pt Bnr Ve» Inhal» der gn>erare tzdernimmr die»edaftian dem Publikum gegenüber feinrrlel Berautworrau». 5.. 8 Unsrem HtBen Genossen AngiiBt WelB zu seinem 70. Goburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 0io iZsnossen ils» See. SS?s «»»SSSSS� fc w ü/ «/ 9 \D %. Unserem lieben Genossen D>-. Gramach sow. Genossin Kaschefski zu ihrer Vermählung die herzl. Glückwünsche. vis Sseieil»liidese äse Z. Abi des 3. Kreises und Bez. 218. �SSSSSSSSSS-SGSS-SS� c Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Walilvereio f. d. 4. Berl. Reichslagswahlkreis. Landsberger Viertel. Bez. 424, 1. Den Mitgliedern zur Zlachricht, daß unser Genosse, der Tischler Ranfft Pasteurstraße 43, gestorben ist. Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findet am Montag, den 24. November, nach- mittags 3'/,'.Ihr, von der Leichen- Halle des Bartholomäus-KirchhoseS in Weißensee, Falkenberger Weg, aus stall. 218/10 Um rege Beteiligung ersucht Vee Vorstand. Deutscher floizarheiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. dasj unser Kollege, der Tischler AdoBf Ranfft lPasteurstratzc 43) im Älter von 52 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. November, nach- mittags 3'/« Uhr, von der Halle deS Bartholomäus- Kirchhoses in Weigensee, Falkenberger Stragc, aus stall. Um rege Betewgung ersucht 92/5 vis Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlvereio L d.s. Berl. iteichstagsvahlkreis. De» Genossen zur Nachricht, dag am Mittwoch unser Mitglied, der Friseur Albert Radau Philippstr. 13 a(7o Abteilung) nach langem Leiden gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 22. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus-Apostel-Kirch- hoses, Müllerstraße, aus stall. Um zahlreiche Beteiligung bittet 222/14 Id«i> Voi-staad. Allen lieben Verwandten. Freun- den und Bekannten zur Nachricht, dag mein lieber Mann, unser guter Vater, der Tapezierer ferdinsnd Zimmer am DtenStagnachmittag 41/a Uhr, am Herzschlag verstorben ist. Melinda Zimmer nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. November, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Gemeindesriedhoses Nieder- Schöneweide in All-Glienicke aus statt. 9ta Verband der Tapezierer Filiale Berlin. De» Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Tapezierer fcrdinaad Zimmer am Diens tag, den 18, November, verstorben ist. Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, aus dem Gemeinde-Friedhos von Niederschöneweide in Alt-Glienicke statt Die Ortsverwaltung. Statt besonderer Meldung! Am 17. November verstarb unser inniggeliebter Sohn und Bruder EMel» durch Heb erfahren. Um Alles Beileid blltet Familie s. Martini, WatdmannSlust. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. M., nachmittags 4 Uhr, vom Lübars er Gemeindesriedhosc aus statt 28b Danksagung. Für die herzliche Tellnahme bei >r Beerdigung meines lieben lanneS, unseres Vaters sagen wir len BeteUigten, insbesondere den arteigenossen des 519. Bezirks des Reichstagswahlkrelses, dem Ver- mdc der Maler und Lackierer sowie in Kollegen der Firma Alex u. �ohu rseren herzlichen Dank. �'b rida Drossel Kinderi1 Am 19. d. M. verschied nach kurzem schweren Leiden unsere geliebte Tochter und Schwester, die V c r I ä u s c r i n Gertrud Schöneburg im Alter von 24 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an A. Leinbrock und Frau, vcnv. Schöncburg. Alex Schön ebnrg. Die Beerdigung findet am 24. November, nachni. 3'/, Ubr, von der Halle des neuen Jakobi- kirchhoses/ Neukölln, Hermann- stratze 100, auS statt," 189/0 Deutscher lietaliarbeiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, das; unser Mitglied, der Hobler Herrn. Goldschmidt Licbenivalder Str. 55, am 18. d.M. an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 22. d. M.. nach- mittags 4st, Uhr, von der Leichen- halle deS sophien- Kirchhoses in der Freienwaldcr Straße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 130/3 Die Ortsverwaltung. Verband d.Gemeiiide-u.Staatsarb. Filiale CtroB-Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Max Krüger (■Berliner Pumpstation XI) verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenke» bewahren. �Dic Bestattung findet am Sonnabend, den 22. November, nachmittags 2'/, Uhr, aus dem Gemeindc-Friedhof, Miillerstraße, Ecke Scesträße. statt. 36/2 Die Ortsverwallung. SozialdemokratiseherWahlverein Charlottenburg. Am 18. November verstarb unter Genosse, der Schankwirt Heinrich Przyh>I am Fürstenbrunn, 1. Gruppe, Ehre seinem Andenken!. Die Beerdigung sindet heute Sonnabend, den 22. November, nachmittags 3 Uhr, von der Halle der Hcrz-Jesu-K!rche in Staaken aus statt, Um rege Beteiligung ersucht 251/3 Der Borftaud. Stemarbaiter. Mittwoch, den 26. November 1913, abends 8'/, Uhr, ---------- im Englische« Hof, Alexanderstr. 27c:------- MarmMdkitkr-NkrsmmlW. Tagesordnung: Stellungnahme zum Tarifablauf. StT Jeder in der Marmorbranche beschäftigte Kollege ist der- pflichtet, die Bersammlung zu besuchen. Tsiksklims Wochenrate von 1 an Vornehme Herren-Ulster Poletots, Anzüge fertigund nach Mass J. Knrzkr! Mass-Schneiderei Rosenlhaler Str. 3S Frankfuitef Allee 104 Reinickendorfer Str. 4 y freireligiöse Gemeinde. Am Sonntag, den 23. November, nachmittags 4 Uhr, Oeffentliclie T ersammliiiig in der Pappelallee 15—17. Referent: Waldeck üanasse: a,UllSGl*6 TotCfl"« Eintrittspreis 10 Pf. 53/10 Der Einberufer: A. Harndt, PappelaUee 15- • t �• 5.. r;. Bekanntmachung Ailgem. Ortskrankenkassk veibsnä der Krauerei-».Mühlen Arbeiter uncl vertvanüter Kerukgenoliev. GeschästSstelle: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt N.rbcn 4518 Cruppen-Versammlungen: Sonntag, den 23. November 1913, nachmittags 2 Uhr: für Trauer und Hilfsarbeiter im innere« Betriebe im Gewerkschaftshause, Engelufer 1», Saal l. Dienstag, den Ä5. November 1913, abends 8 Uhr, mr Flaschknkktlerllrbeitkr, Hofarbeitkr»»d Dkrslijiedrne im Gewerkschaftshause, Engclufer 13, großer Saal. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Unsere Tarisbewegung. 2. Wahl der Lohnkommisfion. vWp» Kollegen! Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist der wichtigen Tagesordnung wegen unumgänglich notwendig! Kein Mann darf schien l 41/16 Die Ortsverwaltung. Mittwoch, den L«. November 1S13, abends 8 Uhr, findet die Oedeatllelie General-Versammlung der Vertreter der Herren Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Restaurant A. Raddatz, Bcrlin-Britz, Chausseestraße 39, statt. Tagesordnung: 1, Wahl eines Ausschusses für die Prüsunz der Rechnung des Ge- schästsjahres 1913. 2. Bericht über stattgefundenc Kon- serenzen. 3. Verschiedenes. 298/11 Ansragcn, welche Einsichtnahme in die Bücher erfordern, müssen drei Tage vorher bei der Kassenvcrwal- tung angezeigt werden. Ter Borstand. W. Beut h mann. Vorsitzender. nr itr- Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185, >31 rfttt« ttrt 1 Die Zahlstelle von WclßcnHec befindet sich * jetzt Bei Herrn. Dröger, Hcrllncr Allee 250 (Prälaten). Die Ortsverwaltung. Orts-Krankenkasfe des Kofbinaclier-Gewerbes zu Berlin. Freitag, den 28. November, abends S1/, Uhr: Ordentliche— General-Versammlung bei Krause, Mariaiinenplatz 8. Tagesordnung: 1. Wahl cmcr Kommission zur Prü- sung der Jahresrechmmg. 2. Bericht über Organisation, Beiträge und Leistungen der Allge- meinen Orts-Kraiilenlasse. 3. Verschiedenes. Berlin, 22. November 1913. Her Verstand. Karl Sekwsdlsr, Mar Krause, Vorsitzender. Schristsührer. Keine Filinlen. iMark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig nnd nach Mass: Garantie für tadellosen Sitz. Jonas Kurzbera Oranienstr.1601- zwischen Moritz- U.Oranienplatz Söuie genau auf btiassel |u Hausnummer zu schien, f Montag, den 24. November 1913, abends 8 Uhr: Versammlung der Mkchamkrr, Uhmacher, Optiker souiit aller in mechamschell getrieben keschöstigen Koilegiunen nnd Koliegen in den Arminhallen, Äommandantenstraßc 58/59. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Adolf Cohen über: „Der geplante Angriff auf unser Koalitionsrecht." 2. Dtskussion. 3. Branchenangclegenheitcn. .......— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.----- Montag, den 24. November 1913, abends 6 Uhr: Kranchen Uersammlnng der Metall-, Fafson- und Revolver- dreher fowie Treherinnen im Gewerkschaftshaus, Berlin, Engelufer 15, Saal 4. Tagesordnung: 1. Bericht über die aufgenommene Statiftif. 2. DiSlussion. 3. Branchenangelcgcnheitcn. ---- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.—■■ Montag, den 24. November 1913, abends 8l/a Uhr: Kranchen- Nersammlung der eieklromontcure u. Heller Groß- Berlins in den Muff ker-Fests ä len, Kaiscr-Wilhelm-Straße 31 igroßcr Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Dr. B r e i t s ch e i d über: „Die Wirtschaftskrise und die Gewerkschaften." 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Montag, de« 24. November 1913, abends 7 Uhr: nar Versammlung IM. aller in der Schraubenbranche befchäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in Graumanns Fcstsälcn, Naunynstraße 27. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Diskusfion. 3. Neuwahl zur Agitationskommission. 4. Berbandsangelegenheiten. ==� Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.- Montag, den 24. November 1913, abends 6 Uhr: Versammlung aller in Metallgießereien beschäftigten Former und Bernfsgenoffen im Lokal„Süd-Lst", Waldemarstraße 75. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Brauchenvertrcters. 2. Diskussioii. 3. Neuwahl der ZlgitationSkomnnsiion und deS BranchcnvcllreterS. 4. Verbands- und Branchenangelegenheiten. . Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet Tie Ortsverwaltung. Stück 99 Pf., sind i« ' 130/2 Metallarbeiter-Notizkalender 1914,~ Bureau und bei den Bezirkskaisierer» zu habe». sfmann ■t oh r e n-str. 37i| �Gr.FranKfurtei str.115/ Keine Massenware! Nur beste Konfekt'on! Ulster Plüsch- Kimme früher 12 bis 18 M. für S 1l früher 20 bis 38 M. für"ISV 2 M- früher 40 bis 69 H für 22* 2 M- Konfektion Velours, friili.b.66M jetst 33 M Mohair• Seal• Plüsch früher bis l 2 14. jotet 60 M Modelle, früh.b. 240 M- jetzt 88 Kammgarn früher bis 36 M. lotet 15 M Epingie, früh b 59 M. letet 23 M. Modelle, früh b.l20M. letet 50 K. Auch für stärkste Figuren Passendes In allen Abteilungen. Echte Pelzmäntel, 130cm lang, für M.110— Sonntag Ein Posten eleg. Kleider... lürM. 30.— gsb«»«- Ein Posten eleg. Röcke.... für M. 12�- 12-201» Sonntag geöffnet 12-2 Uhr HHMHI MWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWW»»WWWWMWWMMWW 1' Verantwortlicher Redakteur: Alfted Wirlepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Td tüiocke Berlin. Dzuck u. Vertag. Borwari»»vulvdruckere, u. Veriagsanstalt Paul«inger u. h!o� Berlin j Kr. 807. 30 Jahrgang. ZKcilm des Lmärls- Kkilimr MIKsblÄ Sontlabenii. 3Z. November t913. ver SonntzgzlchuIIehrer zl! SIttllchlieitöverdrecher. Einem gemeingefährlichen Sittlichkeitsverbrechcr, der unter der Maske der Frömmigkeit seinen perversen Neigungen huldigte, ist Donnerstag nachmittag die Kriminalpolizei auf die Spur ge- kommen. Auf die Anzeige eines Kaufmannes, dessen tvjährige: Sohn von dem Unhold ebenfalls mißbraucht worden ist, wuroc der 28jährige Hausdiener Emil Barthaucr, der in der Komman- dawtenstr. 51 wohnte, verhaftet worden. Bei seiner Vernehmung gab B. die ihm zur Last gelegten, bisher bekannten Verbrechen zu. Wir erfahren darüber folgendes: Barthauer, der früher Krankenpfleger in der„Maison de Sante" war, verlor seine Stellung infolge einiger Unregelmäßig- keiten, die er sich im Dienst zuschulden hatte kommen lassen. Er wurde dann Gelegenheitsarbeiter und war zuletzt als Hausdiener in einem Geschäft in der Köpenickcr Straße angestellt. Barthauer verstand seine anormalen Neigungen sehr geschickt zu verbergen und wußte seine unschuldigen Opfer in überaus raffinierter Weise an sich zu locken. Er trat in den Verein christlicher j u n ger Männer, den Guttcmplerorden und andere derartige Ver- eine ein. Durch regelmäßigen Besuch der Jakobikirche in der Oranienstraße machte er die Bekanntschaft der dort amtierenden Geistlichen, der Gemeindevertreter usw. und wußte sich deren Ver- trauen in kurzer Zeit zu gewinnen. Als sich Barthauer als Helfer bei der Sonntagsschule der St.-Jakobi-Gcmeinde meldete, nahm man ihn, da er den Eindruck eines sehr ernsten, frommen Mannes machte, gern auf. B. erhielt eine Knabenabteilung, die er an den Sonntagen unterrichtete. Durch den Umgang mit den Kin- dern verschaffte er sich Eingang in zahlreiche Familien, von denen er, da er nach seiner Angabc oft krank und infolgedessen arbeitslos war, reichliche Unterstützungen cmpsing. Als er das volle Ver- trauen der Eltern gewonnen hatte, fing der Verbrecher � an, die Kinder in seine Netze zu ziehen. Er forderte die ihm anvertrauten Kinder, meist Knaben im Alter von 10 bis 15 Jahren, auf, mit ihm zusammen Versammlungen in christlichen Vereinigungen zu besuchen und führte schließlich, um die Kinder sicher zu machen, in seiner Wohnung Bibelstunden ein. Fast jeden Sonntag machte er mit seinen Zöglingen Spaziergänge und Ausflüge nach Treptow und anderen Vororten. Vor und nach dem Sonntagsschulgottes- dienst«der lud er die Kleinen in seine Wohnung, wo er stets drei bis vier Knaben zugleich bewirtete. Er schenkte den Jungen Bon- bons, Spielzeug usw. und verging sich dann nicht nur an seinen Opfern selbst, sondern verleitete diese auch noch abendrein zu einem sträflichen Verkehr untereinander. Seinen Wirtsleutcn fiel es zwar auf, daß Barthauer so oft Kinder in seiner Wohnung auf- nahm, doch vermuteten sie nichts Arges. Wenn er gefragt wurde, aus welchem Grunde er sich mit den Knaben in seinem Zimmer einschließe, so antwortete er stets, daß er dort Bibelstunde abhalte und nicht gestört sein wolle. Da er jedoch allmählich merkte, daß seine Wirte ihm nicht völlig trauten, ließ er die Kinder schließlich nur noch Sonntags nachmittags kommen, wenn außer ihm nie- mand in der Wohnung war. Ilm jeden Verdacht, sich homosexuell zu betätigen, von sich abzulenken, trat Barthaucr dem Sittlich- keitsvcrein zum weißen Kreuz bei und hielt dort Vor- träge über widernatürliche Unzucht, bei denen er die Kinder vor jedem geschlechtlichen Verkehr warnte. Das Vertrauen, das der Hausdiener in der Gemeinde genoß, war so groß, daß einige Eltern ihm sogar freiwillig ihre Kinder zuführten, damit sie aus dem Verkehr mit B. Gutes lernen sollten. So konnte der Verbrecher fast zwei Jahre lang seinen verbrecherische» Neigungen frönen. Schließlich aber sickerte durch einen seiner näheren Bekannten, der früher mft Barthaucr zusammengewohnt hatte, durch, daß der SonntagSschullehrer wohl nicht völlig normal veranlagt sei, und infolgedessen wurde ihm von dem die Schule leitenden Geistlichen sein Amt sofort entzogen. Vor einigen Tagen ereilte den Wolf im Schafspelz das Schicksal. Er hotte einen Ivjährigen Knaben, den Sohn eines Kaufmannes in der Kommandantenstraße, in seine Wohnung gelockt und sich dort in scheußlichster Weise an dem Kinde vergangen. Als der Kleine weinend nach Hause kam, er- zählte er den Eltern, was Barthaucr mit ihm vorgenommen habe und der Vater erstattete daraufhin sofort bei der Kriminalpolizei Anzeige. Die in vollem Umfange aufgenommenen Recherchen er- gaben so viel belaftenics Material, daß Barthaucr sofort verhaftet wurde. Bei seiner Vernehmung durch den Untersuchungsrichter gab er die sieben, bisher der Behörde bekannt gewordenen Fälle ohne weiteres zu. Wieviel Kinder der Unhold jedoch in den zwei Jahren seiner Tätigkeit als SonntagSschullehrer auf dem Gewissen hat, läßt sich vorläufig auch nicht annähernd feststellen. Die Er- Mittelungen gestalten sich sehr schwierig, da die verführten Kinder teils aus Scham und Furcht vor Strafe, teils aber auch durch die Drohungen Barthauers eingeschüchtert, nicht die ganze Wahr- heit zu bekennen den Mut haben. Ein schöner frommer Schweinepricster! Noch keine iiuzschreibung der Ashlen für die niederbarnimer MrankenKaik! 2°* l4 wiesen wir bereits im„Vorwärts" auf die Tatsache hin, daß das Versichcrungöamt Niederbarnim noch keinerler Anordnung auf Ausschreibung der Wahlen zur allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Niederbarnim ac- troffen hat. Auch heute scheint für das Versicherungsamt Niederbarnim die Bekanntmachung des Ministers für Handel und Gewerbe vom 22. Juli 1913, wonach die Wahlen zu den Organen der Kassen so beschleunigt werden sollen, daß am 1. Januar 1914 diese ihre Funktionen ausführen können, nicht zu bestehen. Nachdem biS zum 15. September d. I. die Wählerlisten eingereicht wurden, auch vor Wochen bereits im Kreistage die Beratung der Satzungen stattgefundeir hatte. mußte man annehmen, daß nun so schnell wie möglich die Wahlen ausgeschrieben wurden; aber tveit gefehlt. Allerorten ist man eifrig bei der Arbeit, um sich mit der nöuen Materie zu beschäftigen, die Kassenorgane sind bereits vorhanden, nur im Kreise Niederbarnim herrscht eine bewundernswerte Ruhe. Ist es doch beiJnnehaltung der Fristen ganz unmöglich, daß der Vor- stand vor Anfang Februar 1914 seine Funktionen übernehmen * kann. Derartige Verschleppungen müssen aber den Anschein erwecken, als ob absichtlich die künftigen Kassenmitglieder in ihrem Selbswerwaltungsrecht erheblich beeinträchtigt werden sollen, da bekanntlich das Versicherungsamt solange die Funktionen des Vorstandes übernimmt, bis der Vorstand gewählt ist. Wäre cS nicht überhaupt schon angebracht ge- wqe«. die wichtigsten Teile des Statuts öffentlich bekannt zu geben, damit Arbeitgeber wie Versicherte sich frühzeitig über ihre Pflichten und Rechte informieren können und dadurch den Geschäftsgang erleichtern helfen? Alle zurzeit im Kreise vorhandenen Ortskrankenkassen, bis auf zwei,»verde» am 31. Dezember d. I. geschlossen, alle Verträge sind daher gekündigt, von Verhandlungen über Abschluß neuer Verträge hat»nan jedoch bis heute noch nichts gehört. Welches Arztsystein wird die neue Kasse haben? Was ge- schieht mit den jetzigen Angestellten? Herrscht doch gerade unter den letzteren infolge der Unsicherheit über ihre fernere Zukunft eine ziemliche Erregtheit. Findet sich keine Behörde, die das Versicherungsamt Niederbarnim auf seine Pflichten anfmerksani macht?_ Partei- Hngclecfenbeiten. Vierter Wahlkreis, 8. Abteilung. Die Besichtigung des Krema- ioriumS findel morgen Sonntag, den 23. November, vorminags 10 Uhr, statt. Treffpunkt: Görlitzer Bahnhof 8'/,, Uhr. Abfahrt: Görlitzer Bahnhof 9 Uhr. 5. Kreis. Der BkldungSausfchuß macht besonders auf die heute Abend in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18 stattfindende Theater- Vorstellung aufmerksam und erwartet einen guten Besuch. Eintritt 50 Pf. Anfang S'/a Uhr. Wilmrrsderf. Am Montag, den 2t. November, abends 81/i Uhr, im..Viktoriagarten", Wilhelinsaue 1U: Mitgliederversammlung des WahlvereinS. Auf der Tagesordnung steht vor allem das Thema: „Zur Arbeitslose»frage." Referent: Genosse Dr. Bruno Borchardl. Eine große öffentliche Versammlung findet am Dienstag, den 2. Dezember, im„Stadtpark", Kaiserallee statt. Reichstagsabgeordneter Wolfgang Heine spricht über«Die Erschütterung des Koalitionsrechtes der Hand- und Kopfarbeiter". Schmargendorf. Die Flugblattverbreitnng am Sonntag findet nicht abends— wie es in der gestrigen Nummer irrtümlicherweise heißt— sondern f r ü h u in l!.ß Uhr vom Eafs Türke anZ statt. Tempclhof. Diejenigen Genossen, deren Kinder sich an den Reigenaufführungen am ersten Weihnachtsfeiertag beteiligen wollen, werden gebeten," die Kinder am Sonntag, den 23. November, vor- mittags 10 Uhr, nach dem„WilhelmSgartcn", Berliner Str. tv, zu schicken. Treptow-Bnumschulcnweg. Morgen Sonntag, früh 8>/z Uhr: Wichtige Flugblatwerbreitung von den Bezirkslokalen aus. Bezirk Rüdersdorf-Kalkberge und Tasdorf. Sonntag, den 23. No- vember, veranstatlcl der BildnngsauSschuß eine Jugcndschrlsten- und Wandschlnnckausswllung. Dieselbe rst geöffnet von mittags 12 bis abends ti Uhr. Nachmittags im selben Lokal: Oeffcnt. Versammlung. Tagesordnung: Jiigcndschriflen und Wandschmuck im proletarischen Heim. Früh um 7 Uhr findet die Flngblatlvcrbreitung statt. KöniGS-Wnsterhansen und Umgegend. Heute Soimabend, abends 3 Uhr. bei Tkormann. Neue Muhle: Vortrag. lRcferentin ist die Genossin Mathilde Wurm-Bcrlin.) Nach dem Vortrag: Gemüilichei Beisammensein mit Tanz. Reinickendorf-Dst. Morgen Sonntag, früh 8 Uhr, von den be kannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Die Genossen deö ersten Bezirkes treffen sich bei Hirsch, Residenzstr. 7. Spandau. Morgen. Sonntag, morgen? 8 Uhr, treffen sich die Genossen der Bezirke 1—9 bei Dertz. Sturstr. 22, und die Genossen der Bezirke 10—17 bei Koepnick, PichelZdorfer Str. 89, zur Ver richtung wichtiger Wahlarbciten. Jßerliner Nachrichten. Ein Teil von jener Kraft... Herr v. Jagotv ist zweifellos ein tüchtiger und unbezahlt barer Agitator. Was andere Leute oft mit größter Mühe nicht fertig bringen, besorgt Herr v. Jagow mit einem Feder- strich. Sein Verbot der Bußtagsverfammlungen, in denen über Kirchcnaustritt gesprochen werden sollte,"hat zu einem Besuch der ztvölf zu Donnerstagabend arrangierten Versanini lungen geführt, wie er lange nicht dageivesen ist. Fast alle Versammlungslokale waren bereits kurz nach 8 Uhr so über füllt, daß vielfach Absperrungen erfolgen mußten. Viele Hunderte standen auf der Straße, während in den Sälen die Menschen Kopf an Kopf den Darlegungen der Referenten über das Wesen der Staatskirchc lauschten. Gewaltige Empörung löste in verschiedenen Versainmlungen die Art. aus,»vie manche Geistliche über die Frauen sich äußerten, insbesondere die Bemerkung des orthodoxen Pfarrers O. Legius in der„Reformation", in welcher der fromme Herr über den Geburtenrückgang schreibt und fol- gendcS verbricht: „Zu bedauern ist es, daß nicht die meisten bei diesen Prozeduren lbei besonderen Eingriffe») eingehen. Erfreulicherweise kommt j« ein erheblicher Prozentsah moderner Berlinerinnen zur Strafe für ihre Friichtabireibcrcicn und künstlichen Fehlgeburten in diesen si- genannten Wochenbetten um. Es ist zu bedauern, daß immer nach viel zu viele dieser unniitzen Weiber am Lebcu bleiben, um ihr fluchwürdiges Wesen weiter zu treiben." Die Antivort der Frauen ans diesen Akt christlicher Nächstenliebe»var der einmütige Entschluß, aus der Kirche auszutreten. » lieber die einzelnen Versammlungen erhalten»vir noch folgende Berichte: 4?03 Kirchenaustrittörrklärunge» sind in den ztvölf Berliner Volksversammlungen unterschrieben»vordcn, die an Stelle der polizeilich verbotenen Bußtagsbersammlungen Donnerstag abend stattfanden. Alle Säle»varen»veitauS überfüllt, sieben Versammlungen»vurdcn deshalb polizeilich gesperrt. Wie unparteiisch die Polizei die Absperrung handhabte, geht daraus hervor, daß in den Pharussälcn von dem diensttuenden Polizeileutnant sogar ein Pfarrer zurückgewiesen»vurde, der sich verspätet einfand, da die Absperrung bereits um 8 Uhr verfügt werden mußte lder Versammlungsbeginn»var um '/z9 Uhr angesetzt). In Reinickendorf. Obcrschöi»ewcide, Ehar- lottcnburg fand u. a. polizeiliche Bewachung durch uniformierte Beamte statt. I» Köpenick wurde der Kriminal- byamte Engel als solcher erkannt, begehrte Einlaß ohne die 10 Pf. für Unkosten bezahlen zu wollen und»vurde dann von der Versammlung aufgefordert, den Saal zu verlassen. Er zeigte darauf seine Blechmarke und weigerte sich. Es erhob sich ein gewaltiger Sturm darüber, die Rednerin Frau Klara Bohm-Schuch legte der Versammlung nahe, den Kriminal- beamtcn nicht mit Gewalt auszuweisen,»venn es ihm Ver- gnugen mache, die Versammlung zu bespitzeln. Gegen das Verhalten dieses Beamten»vird Beschiverde erhoben. In Köpenick waren vorher die Einladungsplakate von der Polizei aus den Schaufenstern geivaltsam entfernt worden, auf de»» Widerspruch erklärten die Polizeibeamten, die Plakate sollten an die Säulen geklebt»verde»!!! In einigen Versammlungen, so in Schöneberg, Moabit u. a. stellten sich Geistliche zur Diskussion, in Moabit die Herren Ungnad, Will»nid Fabricins. Der größte Andrang herrschte in den Pharussälcn. Dort»vurde auch die höchste Zahl der Austritte festgestellt: 334. Bcmcrkensivert»var es. daß fast in allen Versammlungen auch Personen zu Worte kamen, die den Kirchenaustritt nicht»vegen ihres Unglaubens, sondern gerade»vegen ihres ausrichtige»! Christentums erklärten,»vcil sie die Landeskirche als eine Staats- e i n r i ch t u n g erkannt hätten. Außer der Zahl von Aus- triiten in den Pharussälen»vurdcn festgestellt: Swinemünder Gesellschaftshaus 438, Reinickendorf 130, Koppcnstraße 300 (hier sprach der Pastor a. D. Wangemann), Lichtenberg 330, Uraniasäle 415, Charlotte», bürg 300, Oberschönewcide 230, Köpenick 313, Schweizcrgaiten 345, Schmieberg 228, Moabit 386. Was leisten die Berliner Gemeindeschnlcn? Zu der Streitfrage, ob das A ch t k l a s s c n s l» st c in der Gemeindeschulen Berlins sich bewährt, bringt der neueste Jahresbericht der. Schuldcputalion»veiteres Material. Im Schul- jähr 1912/13 schieden aus den Gemeindeschulen 24 711 Kinder nach vollendeter Schulpflicht aus. davon aus den Klassen 1: 12 504, II: 6953. III: 3408, IV: 1858, V: 287, VI— VIII: 47, auS Nebenklaffen: 454. Von je 100 nach vollendeter Schulpflicht aus- geschiedenen Kindern gingen ab au§ den Klassen 1: 50,60, II: 26,92,. III: 13,79, IV; 5,49, V; 1,16, VI— VIII: 0,20, aus Ncbcnllassen: 1,84. Der Anteil der aus Klasse 1 abgegangenen Kinder ist gegenüber dem vorhergehende» Jahr wieder etwa? gestiegen und beträgt jetzt mit 50,60 Prozent mehr alsdieHälfte aller»ach vollendeter Schulpflicht ab- gegangenen Kinder. Die Antcilziffcr war in Prozent in den letzten fünf Schuljahren 1908/09 bis 1912/13: 43,32, 46,50, 48,51, 49,22. 50,60. Faßt man die als„Oberstufe" bezeichneten Klassen I bis 111 zusammen, so gingen ans ihr in den letzten fünf Schuljahren 1908/09 bis 1912/13 ab sin Prozent): 88,40, 91,21, 90,82, 91,31, 91,31. Die Schnldcputatio» hebt in ihrem Bericht aufs neue hervor, daß im besonderen die Antcilziffcr derjenigen Kinder, die aus Klasse I abgingen, sich von Jahr zu Jahr gesteigert hat. 50,60 Pro- zenl ist allerdings immer noch kein glänzendes Ergebnis, zumal da nur 9131 Kinder»36,95 Prozent aller nach Voll- eiidung der Schulpflicht abgehenden) die Klaffe I voll durchliefen und die übrigen 3373 Kinder nur noch ein Halbjahr darin fitzen konnten. Es ist aber zu hoffen, daß die seit Jahren un- unterbrochen andaucrndeBcsserung»vciterdauern »vird. Freilich werden nach der„Vereinheitlichung" des Gemeinde- schullehrplans für Groß-Berlin, weil dann auch in Berlin schon nach sieben Schuljahren„ein gewisser Abschluß" eintreten soll, wahrschein- sich die Gesuche um Entlassung vor Vollendung der Schulpflicht sich beträchtlich mehren. Das wäre eine sehr unersreulichc Nebenlvirlung jener Vereinheitlichung, die man uns als einen so großen„Fort- schritt" anpreisen will.__ Wie die Berliner Tteuerverwaltung die Arbeitslosigkeit bekämpft. Wie wenig Rücksicht selbst die Stcucrvcrwaltnng auf die Ar- bcitslosen nimmt haben»vir kürzlich schon einmal dargelegt, als»vir darauf hinwiese»;»vie furchtbar langsam die Ttcncrvcrlvaltnng die Anträge von Arbeitslosen auf Niederschlagung oder Stundung rück- ständiger Steuern erledigt. Heute müssen»vir mitteilen, daß die Stcucrverwaltung so Iveit geht, selbst die Miete für rückständige Steuern zu beschlagnahmen, die ein Schlafbursche an seinen Wirt zu entrichten hat. Ter Sachverhalt ergibt sich aus dem Schreiben, das der von dieser Maßnahme Betroffene an die Steuerverwaltung gerichtet hat. In diesem Schreiben heißt es: „In Sacken meiner rückständigen Stenern ist der bei mir wohnende Maschineiivutzer Paul M. aufgefordert»vordcn, seine an inich zu zahlende»Riete in Höhe Ihrer Forderung von 6,10 M. an Sie zu zahlen. Damit bin ich natürlich nicht einverstanden. Ich »miß mich»oirklich Ivniidcrn, daß Sie, Ivo Ihnen doch die fruchtlose ZlvangSvollstreckung gezeigt hat, daß ich nur das nllcrnötigste be- sitze, mir auch noch daS letzte nehmen»vollen. Den»Betrag, Ivelchcn ich von Herrn M. erhalte, brauche ich dringend nötig zur»Riete. Einen weiteren Betrag von 10— 15 M. zni» gleichen Zwecke leiht mir seit Monaten der Kaufmann Hugo Sp. Ich hatte Ihnen doch mit geteilt, wie schleckt es mir dieses Jahr gegangen ist. Am 21. April d. I. starb mein Kind nach»vocheiilarigcr Krankheit. Tic Koste» für den Arzt, Herrn Dr. Leo Schivarzstein, Schönhauser Allee, schulde ich noch jetzt. Tie Begräbniskosten habe ich mir vom Verbände geliehen. Dann kam meine Frau danieder. Im Juli d. I. erlitt ich einen schweren llnfnll durch Schädclquetschung, Armbruch und Beinverletznng. Beweis die Neuköllner Krankenkasse,»'lls noch schwerkranker Mann mußte ick, der Not gehorchend, die Arbeit wieder aufnehmen. Kurze Zeit darauf wurde ich ivegen Arbeits- mangel entlassen. Seit August bin ich noch ohne Arbeit und habe. um die Not der Meinen zu lindern, viele Stücke aus meiner Wirt- scbaft verkaufen müssen. Die vorige Wohnung mußte ich wegen Mietschuld räumen. Dabei wurde mir ineine letzte Habe gepfändet und verkauft. Zurzeit ohne Arbeit, eine kranke Frau, ein kleines Kind, zwei andere Kinder auch krank, ich selbst noch an den Folgen des Unfalls leidend, frage ich Sie, ob es. angebracht ist, mir die letzten Paar Mark, die ick zur Miete brauche, noch zu nehmen und mich dadurch aus die Strafte zu setzen. Für heute will ich Sie bitten, das Zablungsverbot vetr. Paul M. auszuheben. Ich»verde bezahlen, sei es auch in Raten, sobald ich kann." Tic Steucrverwaltung»vird sich öffentlich zu erklären haben, wer für die jetzt bcsolgkc Praxis veraiiüvortlich ist und»vie man ein Verfahren rechtfertigen kann,»vie das oben beliebte. Ist das die Sorge für die Arbeitslosen, daß man sie obdachlos»nacht und der Armcnvcrwaltung in die Arme treibt? Militärische Hasenjäger. Man schreibt uns: A», Donnerstag gegen 4.30 Uhr nachmittags kam am Görlitzer Bahnhof ein Trupp von etwa 30 Mann eine« hiesigen Regiments mit Hasen beivaffnete Militärpersvnen in Uniforin an. vorlviegend Spiellente, durchschnittlich 4 Stück Hasen tragend. Offiziere— 16 gezählt— trugen Zivilkleidimg. Die anwesenden Arbeitslosen soivie die Steuerzahler hatten da? Recht, dieles Spiel ansehen zu dürfen! Die Uniformen der Soldaten»varen durchiveg auf- fallend mit Hasenblut besudelt. Wie es heißt, handelte es sich um Mitglieder des Osfizier-JagdvereinS. Wäre es nicht besser gewesen, der Jagdderein hätte sich Arbeitslose als Treiber angenommen als Soldaten,»vodurch diesen Arbeits- losen ein Verdienst zugefallen»väre? Wie man Geld einbüßen kann. Eine Arbeiterfrau schreibt uns: Eines Sonnabends kaufte ich bei einem Schlächter auf dem Markt Fleisch. Auf ein in Zahlung gegebenes Zwanzigmarfftück erhielt ich kleines Geld, worumcr sich ein Taler befand von 1862, der anßer KurZ gesetzt ist. Dieser Taler ging durch vier Hände, ohne datz jeimmd daran etwas bemerkt hätte. Auf dem Postamt 86 Wasser- lorstratze wurde dieser Taler beanstandet und in zwei Hülsten geteilt. Mir wurde gesagt, daß dieser Taler einen Silberwert von 1,86 M. hätte. Ich bekam für diesen Taler in zwei Hälften bei einem Alt- bändler. an den man mich verwies, nur 1,16 M.. habe also 1,66 M. eingebüßt. Idb mache die Mitteilung zu dem Zwech um andere Personen zur Porsicht zu mahnen und sie vor ähnlichen Verlusten zu bewahren. Verordnung betreffend Sonntagsruhe und Beschäftigungszeit an den beiden letzten Sonntagen vor Weihnachten und an den Weihnachtstagcn 1313. A. Beschäftigung am 14. und 21. Dezember 1613. Gemäß S§ 105b Abs. 2, 105« und 41a der Rcichsgewerbeordnung und Nr. 138, 134, 136 und 137 der Ausführungsanweisung zur Rcichsgewerbeordnung vom 1. Mai 1964 wird für den Landes- polizcibezirk Berlin, umfassend die Stadtkreise Berlin, Charlotten- ourg, Bcrlin-Schöncberg, Neukölln, Bcrlin-Wilmersdorf und Berlin- Lichtenberg sowie für den Gcmcindebezirk Berlin-Stralau folgendes bestimmt und hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht: 1. Tie Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern im H a n d c I s g e iv e r b c ist in Abweichung von der für die ge- wöhitlichen Sonntage festgesetzten Beschäftigungszeit mit Ausnahme der im Rohcishandel, im Brennmatcrialienhandel sowie in den Bank-, Wechsel- und Lotteriegeschäften beschäftigten Angestellten, für welche die Beschäftigungszeit wie an den gewöhnlichen Sonn- «agen gilt, lvcrgl. Verordnung vom 2. August 1912 sowie die für die Stadtkreise Berlin, Charlottenburg, Berlin-Schöneberg, Berlin- Wilmersdorf, Neukölln, Bcrlin-Lichtenbcrg und für den Gemeinde- bezirk Berlin-Stralau bestehenden Ortsstatute), wie folgt gestattet: Am Sonntag, den 14. und 21. Dezember 1913, allgemein für das Handelsgewerbe: von 8— 10 lkbr vormittags und von 12— 8 Uhr nachmittag?. 2. Ter Handel mit Milch, mit Back- und Konditorwaren, mit Fleisch und Wurst sowie mit Vorkostwaren ist außerdem an den genannten zwei Sonntagen schon vor Beginn der allgemeinen Ver- kaufszeit von 5 Uhr morgens an zulässig. B. Beschäftigung am 1. WeihnachtStag. I m Handelsgewerbe ist am 1. Weihnachtstage die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern verboten. Ausnahmen werden jedoch folgende zugelassen: 1. In den Zeitungsspcditionen: von 4— 9 Uhr vormittags und, soweit der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufs- stellen stattfindet, 2. i m M i I ch h a n d e l: von 5— 10 Uhr vormittags und von 12— 2 Uhr nachmittags; 3. im Handel mit Back- und Konditorwaren ein- schließlich Konfitüren und im Handel mit Fleisch und Wurst, mit Vorko st waren und R o h e t§: von 5— 10 Uhr vormitlags; 4. im Handel m i t Kolonialwaren, mit Tabak und Zigarren, mit Bier und Wein: von 8—10 Uhr vormittags C. Zugleich wird hiermit noch auf solgcndes hingewiesen: 1. Am ersten W e i h n a ch t s t a g c ist ferner gestattet: die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern: 1. i m Bl umenhandcl, nach den bestehenden Vorschriften, von 9 bis 10 Uhr vormittags und von 12— 2 Uhr nachmittag?; 2. s) i m ambulanten Milch Handel, b> in Molkereien, zum Zwecke der Versorgung der Kundschaft mit Molkereiprodukten wie an den übrigen Sonn- und Festtagen gemäß 8 2 der Verordnung vom 14. Mai 1910«Amtsblatt S. 268« von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags olmc Unterbrechung durch die Hauptgottesdicnstpausc; 3. iin Gewerbebetriebe der Bierbrauereien und Eis- fabrikcn nach S 1 Abs. 3 der für den Landespolizeibezirk er- lassenen Verordnung vom 2. August 1912 behufs- Versorgung der Kundschaft mit Bier und Roheis während derselben Stunden, wäh- rcnd deren nach dem obigen«B. 3. und 4.) ein Handel mit RoheiS und mit Bier in offeneH-VerkaufSftellen zugelassen ist. II, Am 2. Wcihnachtstage finden die allgemeinen Vor- schristcn über die Sonntagsruhc im Handelsgewerbe Anwendung, uvje sie an den gclvöhnlichcn Sonntagen gelten. Die Stiftung zur„Gesinde-Belohuung und-Unter- stätzung", die in Berlin vor ziemlich einem Jahrhundert gegründet und seitdem von der Stadt verwaltet wurde, ist im Jahre 1912 in eine regelrechte Wohltätigkeitseinrichtung umgewandelt worden. Hierbei wurde endlich der althergebrachte, aller Gerechtigkeit hohnsprechende Bcitragszwang beseitigt, der bis dahin für die Berliner Dienstmädchen als eine Art Strafe für Stellenwechsel bestanden hatte, und auch auf das Erbrecht gegenüber den Unterstützten verzichtet. Das neue Statut der „Belohnungs- und Untcrstützungsanstalt für das Gesinde" er- leichterte zugleich die Bedingungen� unter denen eine Unterstützung aus Mitteln der Stiftung den durch Alter," Krankheit oder Unfall erwerbsunfähig und hilfs- bedürftig geivordcncn Dienstmädchen bewilligt werden kann und schränkte vor allem die Forderungen bezüglich der Mindestzeit des in Berlin ausgeübten„Gcsindedicnstes" ein. Unterstützung kann jetzt solchen Dienstmädchen zuteil werden, die in Berlin winde st ens die letzten fünf Jahre hindurch oder bei Unterbrechungen hier mindestens zusammen 15 Jahre lang gedient haben, ferner nach wie vor ohne Rückficht auf die Gesamtdauer der hier innegehabten Stellungen auch solchen Dienstmädchen, die„durch besondere Dienstleistungen, wie Rettung ihrer Herrschaft oder deren Kinder aus Jeuers-, Wassers- oder anderer Gefahr, Verteidigung derselben gegen gewaltsame Angriffe,, aufmerksame und treue Pflege und Wartung bei ansteckenden oder langwierigen Krankheiten und dergleichen mehr, sich ausgezeichnet oder sogar Schaden dabei erlitten haben". Tie Unterstützung wird gewährt durch Aufnahme in das jetzt so genannte„Altersheim", das früher die Bezeich- nung„Gesindehospital" führte, oder durch Beihilfe in barem Gelde. Von den Stellen im„Gcsindchospital" waren seit einer Reihe von Jahren immer eine erhebliche Anzahl un- besetzt geblieben, und die Zahl der besetzten Stellen hatte von Jahr zu Jahr sich noch weiter verringert. Die Hoffnung. daß jetzt nach der Aufnahmeerlcichterung sehr bald sämtliche Stellen des„Altersheims" besetzt sein würden, hat sich zu- nächst nicht erfüllt. Der soeben durch den Magistrat bekannt- gegebene Jahresbericht über das Verwaltungsjahr 1912 (1. April 1912 bis 31. März 1913) hebt�das hervor. Das Jahr hatte für das„Altersheim" mit Ii Insassinnen begonnen, brachte 4 Austritte durch Tod und 7 Neuaufnahmen und schloß hiernach mit erst 77 Insassinnen. Mithin waren von den 110 Stellen des, Altersheims" immer noch 33 unbesetzt. Der Bericht nimmt an, daß die Aufnahme- erleichtern ng noch nicht in weiteren Kreisen bekannt geworden sei. Eine Erklärung sieht er auch darin, daß die Insassinnen nicht gern zu je zweien oder dreien ein Zimmer teilen. Die Deputation will, kündigt der Bericht an. hier Wandel schaffen. Die„Altcrsheim"-Jnsassinnen er- halten neben Wohnung. Heizung, Beleuchtung noch ein Ver- pstegungsgeld bis zu 16 Mark pro Monat. Für Kleidung. Wäsche, Beköstigung haben sie selber zu sorgen, doch kann letztere vom„Altersheim" geliefert werden, wofür aus dem Verpflegungsgeld die Kosten zu decken sind. Solchen Personen, die nicht im„Altersheim" Aufnahme ipünschen oder ftnden, kann eine Barunterstützung bis zu zwölf Mark pro Monat gezahlt werden. Das Verwaltungsjahr 1912 begann mit 119 so unterstützten Per- sonen, im Laufe des Jahres kam 1 Person hinzu und gingen 8 ab, es blieben mithin am Schluß noch 112. Auch die Zahl dieser mit barem Gelde Unterstützten hat seit einer Reihe von Jahren sich immer weiter verringert. In den acht Jahren vom 3l. März 1904 bis zum 31. März 1913 ist sie fast ans die Hälfte heruntergegangen, von 209 auf 112. Ende März 1905 betrug �auch die Zahl der Hospital-Jnsassinncn noch 96, gegen nur 74 Ende März 1912 und erst wieder 77 Ende März 1913._ Umtausch von Arbeiterlegitimationskarten. Amtlich wird mitgeteilt: Auch in diesem Jahre kann für die» jenigen Arbeiter, von denen anzunehmen ist, daß sie über die Jahres- wende in ihrem Arbeitsverhältnis verbleiben, der Umtausch der Ar- bciterlegitimationskarten bereits vor dem 1. Januar, und zwar vom 1. Dezember ab beantragt werden. Zur Herbeiführung einer gleich- mäßigen Verteilung und rascheren Erledigung der mit dem Umtausch der Karlen verbundenen Dieustgeschäfte, die sich sonst im Monat Januar stark ansammeln würden, empfiehlt es sich daher, die An- träge aus Erneuerung der Karten tunlichst bereits in der ersten Hälfte des Dezember zu flellen. Zuständig für die Aufnahme der Anträge sind die Polizeireviere der Arbeitsstelle, soweit diese nicht im Bereiche des Polizeibezirksamts Berlin-Mitte liegt, anderenfalls ist das Polizeibezirksamt zuständig. Die Ausstellung empfehlenswerter Iugeudschrifteu im Gewerkschaftshaus ist heute und morgen von 4—8 Uhr ge- öffnet. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. Ein schwerer Straßenunfall trug sich gestern nachmittag in der In- validenstraße zu. Dort geriet beim Ueberschreiten des Fahrdammes der 58 Jahre alle Arbeiter Alois Bolter aus der Lynarstraße 9 unter einen Geschäftswagen und wurde so schwer verletzt, daß er nach der Charit« übergeführt werden mußte. Neben einem Oberichcnkelbruch und Quetschungen der rechten Seite scheint er auch noch schwere innere Verletzungen davongetragen zu haben. Ein alter Parteiveteran, der Zimmermann August Weiß, be- geht heute seinen 70. Geburtstag. Im Jahre 1868 kam er nach Berlin, beteiligte sich 1869 beim ersten Zimmerstreik und trat seiner gewerkschaftlichen Organisation sowie gleichzeitig dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein bei. Er ist der gewerkschaftlichen und politi- schen Organisation ohne Unterbrechung treu geblieben mit Ausnahme der Zeit, wo dieselben polizeilich aufgelöst waren. Unter dem Sozialistengesetz als Funktionär eiffig tätig in der Agitation für Reichstage- und Stadlvrrxrdnetenwahlen und organisatoritch in der Erledigung der Parteiarbeiten. Nach dem Nobiling-Attenlat war Weiß unter erschwerenden Umständen tätig in der Kleinarbeit, bei Flugblattverbreitungen usw. Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes war der Siebzigjährige mehrere Jahre Funltionär im 6. Kreise und sechs Jahre Besitzer im Berliner Gewerbcgericht. Ist Genosse Weiß öffentlich auch nicht besonder? hervorgetreten, im stillen und in der Kleinarbeit wirkte er unermüdlich, der neuen Generation ein Beispiel gebend. Freunde und Genossen im 6. Kreise wünschen dem lang- jährigen Kämpfer das Beste. Gesperrt. Wegen des Baues des Untergrundbahn Nord-Süd sind seit heute zwei Straßenstreckcn für den Verkehr von Fuhrwerken und Reitern gesperrt die Cvausseestroße von der Jnvalidenstraße, diese Strecke ganz, die erste für den Verkehr in südlicher Richtung. In die Sperrung eingesckiloffen sind die Dämme der Kreuzungen an den Endpunkten der gesperrten Strecken. Eine wesentliche Ver- änderung hat das ganze Bild der Chaussecstraße und der Friedrich- straße bis zur Weidendammer Brücke dadurch erfahren, daß die städtische Parkverwaltung alle Straßenbäume beseitigt hat. Zwei Schirme sind in der Generalversammlung des 6. Kreises in der Wiclefstratze stehen geblieben; einer ist abzuholen im Bureau Gerichtstratze 72, der andere bei Fritz Fröhlich, Wittstocker Straße 23. Gerichts-Leitung. Die Gräfin als Angeklagte. In der gestrigen Verhandlung wurde zunächst der frühere Heiratsvermittler Katz, jetzt in Hamburg, über den Fall vernommen, in welchem für einen Rcgierungsbau meister Linkenbach eine Ehefrau mit mindestens 360 066 M. Mitgift besorgt werden sollie. Ter Zeuge hat von dem Regicrungsbaumeistcr zunächst 306 M. Spesen zur Reise nach Frankfurt a. M. erhalten, davon der Angeklagten 156 M. abgegeben, und diese behauptet, noch Frankfurt a. M. gefahren und mit der Prinzessin Alexandra zu Asenburg-Büdingen, geschiedenen Freifrau v. Pagenack, zur Auswahl von Heiratskandi- datinnen in Verbindung getreten zu sein. Der Zeuge, der seinerzeit in Berlin ein ziemlich ausgedehntes Heiratsvermittelungsgeschäst betrieb, konnte steh auf die Einzelheiten nicht mehr genau besinnen, bestätigte aber, daß er selbst und nicht die Angeklagte die Vcrmitte- lung in dieser Affäre übernommen hatte. Die Verteidigung ver- langt die Vernehmung der Prinzessin von Usenburg-Büdingen. Diese werde bestätigen, daß die Angeklagte von ihr die Liste der vier Hciratskandidatinnen, von welcher mehrfach die Rede war, erhalten habe.— Staatsanwaltschaftsassessor Rusche bemerkte hier- zu, daß er noch einmal versuchen wolle, die Prinzessin zu laden. Bis jetzt sei es erfolglos geblieben. Ter Bruder der Prinzessin, Fürst Friedrich Wilhelm zu Dsenburg-Büdingen, habe die Ladung seiner Schwester nach einem Hotel in München nacbgeschickt. Tie Auskunft aus dem Hotel gehe dahin, daß die Prinzessin dort nickt wohne, sondern nur Briefschaften von dort abhole.— Daß die Prinzessin von Nienburg sich mit Heiratsvermittelungen abgab, wurde von dem als Zeugen vernommenen großherzoglich hessischen Museumsdirekwr Ostermann bestätigt. Es wurde dann ein Fall der Nachtragsanklage verhandelt, in welchem der Angeklagten Erpressung gegenüber dem früheren Pioniervberleutnant Rüdel und Diebstahl von Briefen, die diesem gehörten, vorgeworfen wird. Der Zeuge hat mit der Angeklagten in Lokalen wie der Nollendorf- Bar und der Excelsior-Weinstube verkehrt. Beide traten für längere Zeit in sehr intimen Verkehr, und der Zeuge hielt sich oft in der Wohnung der Angeklagten auf. Schließlich im«Sommer 1910 wurde der Zeuge des Verhältnisses überdrüssig und wollte von der An- geklagten loskommen, zum Teil auch, weil er dahinterkam, daß ihm die Angeklagte Briefe aus den Taschen entwendete. Die Angeklagte widerstrebte der Lösung des Verhältnisses entschieden; sie erklärte sich aber gegen Zahlung einer Abfindungssumme zur Trennung bereit. Sie soll erst 25 000 M. verlangt haben; schließlich kam aber zwischen beiden ein notarieller Vertrag dahin zustande, daß R. 15 000 M.. und zwar Unmittelbar nach seiner Verheiratung 3000 bis 5000 M. und den Rest in Jahresraten von 1000 M. zahlen solle. Trotz dieses notariellen Vertrages wurde der Verkehr des Zeugen, der damals noch im Dienst stand, mit der Angeklagten doch bald wieder angeknüpft. R. behauptet, daß sich ihm die Angeklagte vielfach aufgedrängt und ihm für den Fall, daß er sie verstoßen würde, mit Schritten bei dem Bataillon und Mitteilung an seine Mutter gedroht habe. Nach der Anklage soll im Sommer 1910 der Graf Königsmarck dem Zeugen gesagt haben, er sei der Verlobte der damals noch nicht verheirateten Angeklagten und habe die Regelung ihxer Angelegenheiten übernommen. Wie der Vorsitzende der Angeklagten vorhält, soll der Graf die Aufhebung deS notariellen Vertrages unter sofortiger Barzahlung von 7500 M. anstatt der Zahlung von 3000 ois 5000 M. nach der Heirat, verlangt haben. Tic Angeklagte behauptete, daß sie hiervon gar nichts wisse. Als sich R. in Frankfurt a. M. mit der Tochter einer Kauf- mannsfamilie verlobte, soll die Angeklagte mit Hilfe der von ihr entwendeten Briefe und durch lästige Beobachtungen des R. und seiner Braut, sowie durch anonyme Briefe versucht haben, das Verlöbnis zu stören. Als R. einige Zeit vor Weihnachten nach Frank- furt a. M. reiste, wo die Verlobung offiziell proklamiert werden sollte, soll die Angeklagte auch dorthin gereist sein und es nach Rücksprache mit der Schwester des R., der sie eine Anzahl der von ihr entwendeten Briefe vorlegte, erzielt haben, daß die Verlobung zunächst ins«Schwanken kam. Die Angeklagte soll dabei gedroht haben, daß eventuell etwas passierte, denn sie würde den R., den sie liebe, lieber tot als mit einer anderen zusammen sehen. R. will durch diese Drohungen bewogen sein, im Januar 1911 der An- geklagten 5000 M. gegen Rückgabe der Briefe und die Aushändi- gung des Vertrages zu zahlen. Die Angeklagte soll dann doch durch Briese an den Bataillonskommandeur die dienstliche Stellung des R. erschüttert und ihn dazu getrieben haben, auf Grund einer rheumatischen Erkrankung sein Abschiedsgesuch einzureichen. Er ist seit dem Herbst 1911 pensioniert; seine Verlobung ist wieder auf- gehoben worden. Die Angeklagte bestritt entschieden diese auf dm Angaben des R. beruhende Tarstellung und schilderte diesen in nicht sehr an- mutenden Farben. Sie behauptete u. a.. daß sie für diesen Ge- samtauslagcn in Höhe von etwa 5666 M. gemacht habe. Sie sei mit ihm Jahr und Tag gemeinschaftlich ausgegangen, sei mit ihm nach Monte Carlo gereist, habe mit ihm teure Lokale, Theater usw. besucht, große Zechen gemacht und die Ausgaben vielfach zum groß- ten Teil aus ihrer Tasche bestritten. Sie habe den Zeugen geliebt, und dieser habe ihr sogar die Ehe versprochen; daneben sei sie sehr eifersüchtig gewesen, und eS sei häufig zu turbulenten Szenen gekommen. Sie habe sich dem Zeugen nicht immer wieder auf- gedrängt, sondern umgekehrt: der Zeuge habe nicht von ihr lassen wollen, zum Teil aus materiellen Gründen, weil sie ihn oft sub» vmtioniert habe. Schließlich sei sie dahinter gekommen, daß der Zeuge die Gelder, die sie ihm zukommen ließ, mit anderen Frauen verpraßte. Deshalb habe sie sich durch den notariellen Vertrag sichern wollen, um ihr Geld wiederzubekommen. Der Zeuge R. kam bei seiner Vernehmung in viele Differenzen mit den Behauptungen der Angeklagten. Er behauptete, daß er nicht etwa von den Gaben der Angeklagten gelebt habe, sondern sehr viele Gelder aus eigenem zu den gemeinsamen Zechen, Reisen usw. beigetragen habe. Außer seinem Gehalt und den Zu» logen habe er in den Jahren seines Verkehrs mit der Angeklagten etwa 19 000 M. verbraucht. Daß das Geld, welches die Angeklagte hergab, von Liebhabern stammte, habe er nicht gewußt.— Die Angeklagte behauptete, daß der Zeuge sogar zweimal auf sie geschosten habe, einmal in der Wohnung und einmal im Walde. Ter Zeuge erklärte hierzu: die Angeklagte habe ihn einmal bei Gelegenheit einer militärischen Uebung besucht und da habe er, als sie durch den Wald gingen scherzeshalber nach Bäumen geschossen. Einmal habe er in der Wohnung bei e'>ncm Streit nach einem ungeladenen Revolver gegriffen, einmal habe er sich selbst erschießen wollen.— R�A. Bahn hielt dem Zeugen eine Reihe bestimmter Angaben der An» geklagten vor, wonach diese in zahlreichen Fällen ihm Gelder gegeben habe. Tie Ausgaben für Theater, Rennen, Diners usw. hätten pro Woche etwa 156 M. betragen. Zahlreiche Liebesbrief« des Zeugen zeigten, daß ein sehr herzliches Verhältnis zwischen beiden bestand. Der Verteidiger behauptete sogar, daß der Zeuge als aktiver Offizier 656 M. Proviston aus den Bermittlergcschäften der Angeklagten bezogen habe.— Der Zeuge gab zu, daß er mehr» fach geschäftliche Briefe nach dem Diktat der Angeklagten geschrie- den und dafür Geld erhalten habe. Die Liebesbriefe habe er unter dem großen Druck geschrieben, den die Angeklagte auf ihn aus- geübt; sie habe ihn sehr gequält und er habe ihr Liebe und Leiden- schast nur vorgespiegelt, um Ruhe vor ihr zu haben.— Unter Widerspruch des Zeugen behauptet der Verteidiger, daß die An- geklagte vom Okwber 1969 bis Oktober 1910 für R. etwa 11666 M. verausgabt habe."' „Was sich liebt, da?— schlägt sich", das war etwa der Inhalt weiterer Auseinandersetzungen. Die Angeklagte behauptete, daß sie von dem Zeugen mehrmals geschlagen worden sei; der Zeuge behauptete andererseits, daß er geschlagen worden und ihm die Angeklagte im Jähzorn alle Gegenstände, deren sie habhast wer» den konnte, an den Kops geworfen habe. Der Zeuge erzählte weiter, daß er sich schließlich vor der Angeklagten dadurch habe retten wollen, daß er sich nach Koblenz versetzen ließ; aber dort sei auch sofort wieder ein anonymer Brief eingetroffen und die Angeklagte habe ihn fortgesetzt durch einen Detektiv beobachten lassen und ihm allerlei Unannehmlichkeiten bereitet. Demgegenüber wird ein Brief des Zeugen verlesen, in dem es heißt:„Wenn Du nicht bei mir bleibst, dann passiert ein Unglück!" Mit Nachdruck erklärte die Angeklagte nochmals: Will der Zeuge leugnen, daß ich ihm Anzüge, Westen, Schuhe, Strümpfe, Krawatten, seidene Westen» Unterwäsche geschenkt, daß ich Geburtstags- und WeihnachtS- geschenkt für seine Mutter und Schwester ihm mitgegeben habe?— Der Zeuge antwortete, daß er sich immer geweigert habe, solch« Geschenke anzunehmen, die Angeklagte habe sie ihm aber auf- gedrängt. Die Zeugin Schenk, eine frühere Aufwärterin der Angeklagten, hat die„gnädige Frau" einmal mit blau uaterlaufrnen Auge« gesehen, während der„gnädige Herr" ein zerkratztes Gesicht hatte. Der Zeuge Graf Günther von KSnigsmarck erklärte vor seiner Vernehmung, daß, er nicht wisse, ob er vereidigt werden könne. Denn seine Familie habe den Antrag gestellt, ihn wegen angeb- lichen Irrsinns und Trunksucht zu entmündigen. Doch schwebe die Sache noch. Der Zeug« bestritt entschieden, daß er aus eigenem Antriebe oder auf Veranlassung der Angeklagten den Zeugen R. «sedroht habe. Er selbst habe seinerzeit die Absicht gehabt, die Angeklagte zu heiraten, und da letzter« ihm gesagt habe, daß ihr R. 7600 M. schuldig sei, so sei er eines Tages persönlich zu R. gegangen und habe ihm den Wunsch ausgesprochen, daß er daS Geld zurückzahlen möge.— R.-A. Bahn machte darauf aufmerk» sam, daß die Aussage des R. schon aus dem Grunde nicht stimme» könne, weil Graf Königsmarck zu der Zeit, wo er nach seiner Angabe bei R. war, dieser überhaupt noch gar nicht den notariellen Vertrag mit der Angeklagten abgeschlossen hatte.— Zeuge Graf Königsmarck erklärte noch auf Befragen, daß die Herrschaften sich gegenseitig geschlagen hätten. Er meint auch, daß die Angeklagte wahnsinnig verliebt in R. gewesen, ihn nicht habe freigeben wollen und deshalb einige Briefe photographiert habe.— Gegen den Widerspruch des Staatsanwalts vereidigt der Gerichtshof den Grafen Königsmarck. Es wurde dann noch ein anderer Fall� verhandelt, der auch �ine Erpressung sritcns der Angeklagten darstellen soll. Der Ge» schädigte soll hier der Steinbruchsbesitzer Kirchhoff sein. Dieser. dessen Vermögen etwa 206 000 M. betragen haben soll, kam 1908 in geschäftlichen Angelegenheiten nach Berlin und wurde dann Stammgast in der inzwischen eingegangenen Weinstube Excelsior» wo eine Frau Polly Just des Amtes als Büfettdame waltete. Dort verkehrten Herren sogenannter„feiner Stände", ebenso ge» wisse„Damen", darunter auch die Angeklagte mit ihrem damaligen Geliebten, dem Oberleutnant R. Es wurde viel Sekt� getrunken und K. machte an manchen Abenden Zechen von 106 bis 150 M. Nebenbei interessierte er sich auch für Frau Just und besuchte mit ihr des öfteren Theater und Weinlokale, wo Sekt getrunken wurde. Als die Just eines TageS sich von K- Geld borgen wollte. dieser aber solches nicht besaß, soll die Angeklagte als Helferin eingesprungen sein und gegen 1606 M. sich Zwei Wechsel über je 656 M. haben ausstellen lassen. K. hat dann der Frau Just etwa 500 M. als unverzinsliches Darlehen gegeben. Später ist K., der noch für Zechgenossen der Excelsior-Weinstube Bürgschaften über» nahm, in ernste Geldverlegenheiten gekommen und soll wiederholt von einem wucherischen Geldverleiher durch die Lermittelung der Angeklagten Gelder bezogen haben. Er ist nach und nach so sehe auf die schief« Ebene geraten, daß er sein ganzes Vermögen der- loren haben soll, außerdem noch sehr verschuldet ist. Die Ange- klagte, die aus diesen Transaktionen Provisionen bezogen hat, wird außerdem noch beschuldigt, den K. durch Drohung genötigt zu haben, ein Automobil für 8000 M. zu kaufen und dafür Pro- Vision geschluckt zu haben.— Die Angeklagte bestritt in diesem Falle sowohl den Wucher als die Erpressung.— Die hierzu vernommen« Zeugin Just bestätigte der Angeklagten, dah sich der «teinbruchsbesitzer K. als sehr reicher Mann aufgespielt habe. Die Zeugin weiß auch, daß die Angeklagte mehrfach über Miß- Handlungen durch den Zeugen R. geklagt habe. Die Zeugin meinte:„To etwas komme ja in den besten Familien vor." Die Verhandlung soll heute Uhr fortgesetzt werden. Der Monistenbund ein religöser und politischer Verein? Die im April des JahreS 1912 begründete Ortsgruppe Berlin des Deutschen Monistenbundes hatte die Eintragung der Orts- gruppe in das Vcreinsregister beantragt, gemäß den Bestimmun- gen deS Bürgerlichen Gesetzbuchs. Der Berliner Polizeipräsident erhob Einspruch auf Grund des Z 61 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wonach die Verwaltungsbehörde u. a. dann gegen die Eintragung eines Vereins in das Vereins- register Einspruch erheben kann, wenn der Verein einen politischen, sozialpolitischen oder religiösen Zweck verfolgt. Der Polizcipräsi- dent nahm an, der Verein verfolge als Mitglied des Deutschen Monistenbundes nicht nur einen politischen, sondern auch einen religiösen Zweck. Der Vorstand der Ortsgruppe erhob gegen den Polizeipräsi- denten die Klage im Vertvaltungsstrcitverfabren. Er machte gel- tend: der Verein sei weder ein politischer, noch ein religiöser Verein im Sinne der angezogenen Bestimmung. Eine religiöse Gesell- schaft sei er schon deshalb nicht, weil er sich, wie der ganze Monisten- bund, in Gegensatz zur Religion stelle. Er fuße auf philosophischem Boden und wolle, wie das Statut des Monistenbundes, dessen Mit- glied er sei, ergebe, unter Ablehnung alles Ucbernatürlichcn, eine momstisdje, eine einheitliche Weltanschauung erstreben. Er ver- folge auch keine politischen Zwecke. Jede Parteipolitik sei aus- geschlossen. Ter Bezirksausschuß wies jedoch die Klage der Ortsgruppe ab, indem er u. a. ausführte: Der Verein sei ein solcher, der religiöse und politische Zwecke verfolge. Unter religiösen Zwecken im Sinne des Z 61 des Bürgerlichen Gesetzbuchs seien auch religiöse Zweck« im weiteren Sinne zu verstehen. Deshalb fielen unter die Vereine, welche religiöse Zwecke verfolgten, nicht nur Verein«, �welche religiösen Zwecken dienen, sondern auch solche, die antireligiösen Zwecken dienten. Dazu gehörten auch Vereine, die, wie der Monistenbund und sein Berliner Ortsvcrein, die Bekämpfung des Glaubens an olles Ucbcr natürliche zu einer der Grundlagen ihrer Lehre machen. Ter Monistenbund und seine Ortsgruppe verfolgten auch Poll tische Zwecke, insofern ihre Bestrebungen auf eine Beeinflussung der Gesetzgebung und Verwaltung des Staates im Sinne der Durchführung monistischer Tendenzen gerichtet s«ien. Diese Tendenzen forderten u. a. die vollständig« Trennung von Staat und Kirche. Der konfessionelle Unterricht solle aus der Schule verbannt und den Eltern und Vormündern überlassen werden. Bei Durch- führung dieser Tendenzen würden das gegenseitige Verhältnis von Staat und Kirche, von Staat und Schule und Kirche, wie es zur- zeit gesetzlich anerkannt sei und namentlich in Preußen zur ver- fassungsmäßigen Grundlage des öffentlichen Lebens ausgestaltet seien, eine völlige Umgestaltung erfahren. Das Oberverwaltungsgericht, bei dem der Vorstand Berufung einlegte, bestätigte am 26. November das Urteil des Bezirksaus- schusseS als zutreffend und bemerkte noch, dah es mit der Bor- instanz annehme, daß die Ortsgruppe einen religiösen und poli- tischen Charakter im Sinne des 8 61 des Bürgerlichen Gesetzbuchs habe.— In München hat man kein« solchen Bedenken gehabt wie in Preußen. Denn dort, wo der Bund als Gesamtvereinigung seinen'„Sitz" hat, ist er als solcher in das VereinSrcgister eingc- tragen worden, ohne daß Einspruch- erhoben wurde. tlrch s Ein MajestätSbeleidigungsprozeß. beschäftigte gestern' die 7. Strafkammer des Landgericht» I. Aus der Untersuchungshaft wurde der Zeitungshändler Franz Fröhlich vorgeführt, um sich wegen groben Unfugs und Majcstätsbeleldigung zu verantworten. Der Angeklagte, der sich in der Friedrichstraße als Zeitungshändler beschäftigte, war eines Nachts im September vorigen jFahres. weil er das Publikum belästigte, von dem Schutz- mann Stimming sistiert worden. Als er von dem Beamten ab- geführt wurde, schrie er in die Menschenmenge Worte hinein, in denen er die Person deS Kaisers in Verbindung mit dem Prozeß gegen den Fürsten Philipp zu Eulenburg brachte. Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis. Brandstiftungen infolge Obdachlosigkeit. Ein Bild unserer herrlichen Gesellschaftsordnung entrollte die vor dem Schwurgericht in Halle a. S. stattgehabte Verhandlung gegen den 65jährigen Kürschner Gustav Rcichmuth, der wegen vor- sätzlicher Brandstiftung angeklagt war. Als der vorbestrafte Mann sich am Abend des 31. Oktober vergeblich um Obdach bemüht hatte, legte er sich in dem Diemen eines Landwirts schlafen. Gegen 2 Uhr nachts fror ihm sehr; da nahm er ein Streichholz und zündete den Diemen an, um im Zuchthause ein warmes Unter- kommen zu finden. Sofort nach der Tat ging er zu einem Polizei- beamtcn und sagte biesein:„Seien Sie doch so freundlich und arretieren Sie mich; ich bin ein alter Krüppel, den keiner will. Ich habe den Diemen angebrannt und will lieber ins Zuchthaus, als im Winter draußen die Knochen erfrieren." Bei der Nachfrage um etwas Essen, so sagte R., habe ihn eine Gutsbesitzersfrau mittags mit den Worten abgewiesen:„Ach, scheren Sie sich weg, unser Hund hat auch noch nichts." Durch die Brandstiftung wurden land- wirtschaftliche Erzeugnisse im Werte von 19 999 M. vernichtet. Als ein anderer Arbeitsloser die Tat des Angeklagten am anderen Tage in der Zeitung las, setzte er ebenfalls, um ein Unterkommen zu finden, einen zweiten Diemen in Brand und vernichtete wieder erhebliche Werte.— Der alte R. wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und sein Nacheiferer wird folgen. So wird gesorgt bis ins hohe Alter.— Gefüllte Kompottschüssel. Drei Jahre unschuldig im Zuchthaus. In der Nacht zum Montag, den 39. November 1998, wurde auf dem Wege von Unterglauheim nach Berghausen bei Höchstadt a.D. der Ockonomcnsohn Johann Schnelle von Berzhausen mit Stock- schlügen mißhandelt und dann durch einen Messerstich getötet. Als Täter wurde im Mai 1999 der 1879 in Blindhcim geborene verheiratete Schreiner Karl Krammcr von Unterglauheim vom Schwur- gericht Augsburg zu einer siebenjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Krammcr mußte am 5. Juni 1999 feine Zuchthausstrafe antreten, hörte jedoch nicht auf, seine Schuldlosigkeit an dem Tode des Schnelle zu beteuern, wie er dies vom ersten Tag an getan hatte. Unausgesetzt betrieb Krammer vom Zuchthaus aus die Wieder- aufnähme des Verfahrens, die er, nach Vcrbüßung von drei Jahren Zuchthaus im Vorjahre wegen ernster Gesundheitsgefährdung mit Strafunterbrechung bedacht, mit Unterstützung durch den Rechts- anwalt Frank-Mannheim in diesem Jahre erreichte. Nach fünf- tägiger Verhandlung gelangten die Geschworenen zur Berncinung der beiden gestellten Schuldfragen. Der seinerzeit unschuldig Ver- urteilte wurde freigesprochen. Eine abgewiesene Boykottklage. Bor zirka Jahresfrist brachen in der Brauerei Weber in Lehesten(Sachsen-Meiningen) Differenzen dadurch aus, daß Herr Weber durch fortgesetzte Kündigungen nach und nach alle in seinem Betrieb beschäftigten organisierten Brauereiarbeiter entfernte. Darauf verhängte der 6. Bezirk des Verbandes der Brauerei- und Mühlenarbeiter den Boykott über die Erzeugnisse der Weberschen Brauerei. Weber fühlte sich durch die in der Parteipresse erschienenen Bohkottinserate geschädigt, lief zum Kadi und hatte auch die Genugtuung, daß das Land- gericht Rudolstadt eine Strafe von 699 M. für jede weitere Boykottandrohung festsetzte. Auf eingelegte Berufung hat nunmehr daS Oberlandesgericht in Jena diese Verfügung aüfgchobcn und die Klage des BrauereibesiberS Weber kostenpflichtig zurück- gewiesen. Der Boykott ist ein vom Gesetz anerkanntes Kampf- mittel zur Ereichung berechtigter Bestrebungen. Ans aller Melt. Der Veteran im Ichweinestall. In Cunnersdorf, einem Dorfe in nächster Nähe der Haupt- und Residenzstadt Dresden, hat sich dieser Tage ein un- glaubliches Vorkommnis zugetragen. Der Arbeiter Friedrich Trau- gott Lobrmann, ein Beleran von 1879, hatte am 13. November bei einem Fleischermeisier Holz gehackt und gesägt. Er ging nach Feier- abend in den Gasthof und kaufte sich einen Topf Kaffee und ein Fläschchen Schnaps. Dann wurde er wohl von einem Unwohlsein befallen und konnte sich nicht mehr erheben. Er blieb deshalb sitzen, bis alle Gäste fort waren. Jetzt wurde der alle Mann aber kurzerhand vor die Tür geführl, wo er zusammenbrach. Nun wurde er in den Schweine st all geschafft, wo man ihn sich s e l b st überließ. Am späten Bormittag d»ö folgenden Tages, als der Alte immer noch nicht auf- stehen konnte, entschloß man sich, das Gemeindeamt i» Ottendorf. wo Lohrmann wohnh zu benachrichtigen. Es wurden' aber keine Anstalten gemacht, um dem kranlen allen Mann irgendwie bei» zustehen. Er mußte den ganzen zweiten Tag und auch noch die R'a cht im Schweine st alle liegen bleiben. Erst am dritten Tage, als sozialdemokratische Gemeinde- Vertreter, die von dieser unerhörten Behandlung Kenntnis erlangt hatten, energisch eingriffen, ließ man den Veteranen, der nicht stehen und auch nicht reden konnte, vom Arzt untersuchen. Dieser stellte hochgradige Herzschwäche fest und sorgte für sofortige Unterbringung. So geht es einem armen, kranken und halb arbeitsunfähigen Vete- ranen, der 1879„für das herrliche Deursche Reich" in den Krieg gezogen war. Nun konnie er, wenn sich seiner nicht Sozialdemo- kraten annahmen, in einem Schweinestall enden. Die frommen Christen, die etwa über das SchnapSfläschchcn des Alten zetern sollten, mögen sich an die Brust schlagen und die Räusche zählen, die sie von den Sedanfeste» heimbrachten. Sieben Monate im Gefängnis vergessen! Das Opfer einer ungeheuerlichen und beispiellosen Schlamperei ist in Rom ein fünfzehnjähriger Bursche mit Namen Carlo G a l i a geworden. Er hatte im vorigen März aus der Kasse seines Prinzipals 1999 Lire gestohlen und war im Mai zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. In Anbetracht des jugendlichen Alters wurde aber die bedingte Verurteilung angewendet. Trotzdem vergaß man es, den kleinen Sträfling in Freiheil zu setzen. Erst, als dieser Tage der Fall vor der Apellinstanz verhandelt wurde, stellte sich die unberechtigte Einbehaltung des Knaben heraus. Der Richter hatte beim Verlesen des Urteils die Zubilligung der bedingten Verurteilung vorzulesen ver- g e s s e n! So glaubte sich der kleine Taugenichts zu Recht im CSt* fängnis, und der schwere Irrtum, der für das ganze Leben deS Kindes verhängnisvoll werden kann, stellte sich erst bei der Ver- Handlung in zweiter Instanz heraus. Natürlich wurde der Bursche sofort in Freiheit gesetzt._ Die Geschäftsempfehlung am Weihwaflerkeffel- Am Ausgang der kalholiscben Kirche in Rath- Heumar prangt gleich neben dem Weibwasserkessel ein Plakat folgenden Inhalts: In jedem katholischen Hause muß eine katholische Zeitung sein. Es kommen hier in Betracht: „Rheinischer Merkur",„Lokal- Anzeig er",.Kölnisch« Bolls- zeitung". „Wer nicht für mich ist, der ist wider mi ch.� Diese fromme Reklame ist sicherlich erweiterungsfähig. Unweit von Rath-Heumar wohnt Herr Abg. Euler. Wie wär's, wenn er am Weihwasserlessel die Aufforderung anbringen ließe: Katholiken, versichert Euch! Der liebe Gott ist gewiß allmächtig, aber er kann nicht überall sein. Vorsorgliche Katholiken versichern sich deshalb. Versichert Euch aber nur b.i dein Abgeordneten des Zentrums Eulcr in BenSberg. Wenn der Aboniientensammler in der Kirche arbeilet, darf auch der Versichcrungsagenl neben dem Weihwasserkessel Reklame treiben. Kleine Notizen. Pegoud erhält Konkurrenten. Der große Erfolg PegoudS läßt die übrigen französischen Flieger nicht ruhen. Der Flieger Chanteloup hat Freitag nachmittag aus dem Flugplatz von Jsiy-les-Moulineaux ganz unerwartet einige sehr kühne Sturzflüge und Looping the'Laops ausgeführt. Er benutzte im Gegensatz zu Pegoud keinen besonders konstruierten Apparat, sondern den Doppeldecker, mit. dem er seine anderen Flüge auszuführen pflegt. Zugzusanimenstoß in Spanien. Zeitungsmcldnngen zufolge ist Freitag nachmittag ein E r p r e tz z u g auf dem Wege von Madrid nach Sevilla kurz vor der Station Empalme mit einem Güter. zug zusammengestoßen. Fünf Reisende erhielten lebens- gefährliche Verletzungen, eine große Anzahl Personen wurde leichter verletz!. Ein Schiff gestrandet. Am Freitag abend ist an der Südspitze der Insel Sylt eine norwegische Barle gestrandet. Von den zehn Mann der Besatzung haben neun schwimmend das Land erreicht, der zehnte wird vermißt. Freireligiöle<«e»ie>nde. Sonntag, den 23. November, vormittags 9 Ubr. Pappclallee 15/17. Neukölln,„Jdealpassage", Tegel, Bahnhoistr. 15, und Ober-Schönrweide. Klarasir. 2: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags II Uhr. Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. H. Hasse: „Was ist Leben".— Damen und Herren als Gäste willkommen. Emgegangene Druchrebnften. Mathematische Bibliothek. Nr. 13. Geheimnisse der Rechenkünstler. Von P. Macnnchen.— Nr. 15. Beispiele zur Geschichte der Ätaihematik. Von Willing und Gebhardt. Je 80 Ps.— Stellung nnd Aiiiarbeit der Frau in der Gemeinde. Von Jenny Apolant. L.40M. — Hcrvorra,.rildc Leistungen der Technik. Teil 1. Bon Pros. Dr. K. Schieber. Geb. 3 M.— Tic Ausstellung zur vergleichenden Jugcudtuiide der Geschlechter. Führer redigiert von W. Stein.(Ar- bellen des Bundes sür Schulreform. 7.) IM.— Saemann-Lchriften. 7. En Wickelung und Erziehung der Jugend während der Puber- tätszcit. 1.59 M.. geb. 2 M. Verlag: B. G. Teubner, Leipzig. Geschichte der Kunst in Flandern,-ton M. Rooses. 375 S. J.Hoff» mann. Stuttgart. Fünfzig Jahre Geschichte einer Wiener Bank. Bon K. Morawitz. 1,25 M. H. Heller u. Cie., Wien I. Muz der Niese. Ein Abcnlcurermärchen von R. Grötzsch. Geb. SM. Kaden u. Co„ Dresden...__ �_ Marktpreise von Bertin am Lv. November 1913, nach Ermittelungen des tgl Voltzetvräsidiums. Mais)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. uxioen » Oroße Ersparnis Strenge Reellltät Erstklassige Verarbeitung vereinigt unser Verkaufssystem. Selbstkostenpreis+ 100/o Eutzen Herren-Ulster ♦ Paletots ♦ Anzüge Selbstkostenpreis 1630 Verkaufspreis 1815 äo62 35*° 45lw Anfertigung nach Maß [Neueste Farben I Vorzüglicher Sitzj Seutsche Bekleidnngs-Qesellsehaft Turmstr.80 Qr. Frankfurt. Str. 4 Chausseestr. 27 Neukölln, Bergstr. 7b8 nahe Kl. Tlerff. Ecke FrnchtstraSe nahe Invalldenatraße' Edca P-alna-lIandJei�-BtraBe ra. b. H. Luchnionn Turmstrasse 76 Scholz Ottostrasse 1 Grösstes Warenhaus In Moabit Nur noch wenige Tage werden dreifache Rabattmarken verabfolgt da der Umbau fast beendet! 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Z.)(Nachdruck verbeten) 20 41 226 414 46 60 629 91 728 44 928 67 71 1017 247 60 fBOO) 331 491 667 804 16 931 2014 184 409 85 821 8054 66 97(600) 168(1000) 383 410 690 683 816 942 4014 27(5»0I 106 61 434 91 647 697 937 72 5167(600) 338 642 44 64 733 6617 791 7290 856 648 60 926 76 8074 116 246 62(1000) 66 69 324 98 443 613 46 71 87 800 36 942 8046 67 608 23 750 990 99 10093(1000) 163 65 476 691 646(600) 84« 97 11398 574 602 (1000) 12034 166 222 70 333 64 460 1 8044 201 63 66 91 343 71 79 1 4008 42 9? 342 661 709 45 60 1 5027 66 76 81 233 481 (1000) 98 702 12 90 1S106 73 633 802 1 7004 16 138 82 369 471 644 753 965 92 1 8067 447 68 651 81 729 868 920(10 0 001 18024 46 136 306 622 610 85 629 60 20130 280 316(1000) 623 626 541 61 21109 21 32 34 223 (500) 63 361 766 874(600) 991 2 2024 29 60 179 296 404 654 712 974 2 3169(600) 261 483 610(1000) 660 949 61 66 24035(1000) 484 827 2 6 019 67 93 110 36 299 418 729 923 28056 84 97 108 298 306(1000) 401 871 86 95 964 2 7 276 87 Sil 93 416 29 26 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St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 46 169 306 63 636 60(3000) 622 726 997 1267 669 691 764 832 2016 238 651 761 837 66 963 3344 603 8 801 67(500) 4007 124 74 238 312 13 21 41 471 621 24 773 8064 67 147 420 627 716 54(600) 71 805«073 104 12 49(600 1 327 87 421 (600)83651 66 70 731 82 815 7074 112 366 67 482 97�17 24 870 902 8014 171 493 748 843 960 63 59 0012 117 56(1000) 292 396 511 7(1!600> 912 72 10353 573 11180 87 313 601 819(600) 74 800 73 1 2026 824 685 893 1 8200 473 502 94 607 63 829 62 1 4037 241 363 472 613 735 301 81 974 1 5!46(ÖOC) 207(600) 62 359 650 771 675 968 18042 62 123 44 359 434 826 41 47 914 1 7204 10 62 (600) RS 454 837 18003 52(600) 129 233 98(1003) 381 90 439 616 77 615 18 61 716(1000) 871(600) 19040 103 48(500) 218 28 382 437 960 20192 417 607 84 89(1000) 93(1000) 804 31 969 83 85 21030 221 360 422(1000) 42 752 905 25 2 2089 231 370 645 (3000) 956 2 8017(1000) 117 203(3000) 313 38 443(3000) 81 813 906 19 2 4198 413 693 658 947 2 5146 297 371 661 664 743(1000) 26031 64 120 86 223 330 477 539 616 768 847 70 27145 234 74 359 616 616 66 71 77 770 837 42 962(1000) 64 2 8207 12 24 340 442 745 897 952 2 9180(1000) 211 36 87 335 424 35 49 96 678 616 932 43 98(3000) 30)04 18 19 69 76 79 220 323 77(600) 404 76 690 706(600) 81075 169 318 88 601 825 76 943 3 2081 200(600; 338 61(600) 436 605 63 939 3 3143 222 27 471 816 34167 261(600) 68 72 326 27 460 665 36 651(1000) 64 970 3 6020 93 670 794(3000) 668 79 3 0140 70 297 313 23 32 89 615 98 668(1000) 751(1000) 819 22 72 3 7090 191 223 39 338 62 77<500) 88 422 632 799 847 48 922 3 8 5t0 9)0 3 8 017(1000) 463 668 728 46 40 0 2(500) 324(600)«40 649 41105 36(1000) 248 662 77 601 68 934 4 2044 85 400 69 81 626(1000) 623(600) 75 78 975 43068 144 242 309 66 77 98 768 820 964 90(3000) 4 4389 04 403 37 76 613 4 6203 82 368(100ÜI 464 538 728 962(1000) 4 6 030 115 45 214 23 29 367 720 870 78 933 61(600) 4 7 090 276 346 729 44 47(600) 66 73 006 81 4 8 032 64 197 613 767 827 4«047( 500) 173 276 392 600 80 664 742 864 77 916 50112 14(1000) 74 277 338 620(600) 64 61(600) 996 61543 47 648 82 714 919 32 6 8289 372 413( 500) 5 3 011 405 10 47 727 876(3000) 993(600) 54108 272 303 11 526 86 629(3000) 706 5 6162 76 280 300 13 597 646 67 753 963 5 8395 697 (600) 860 72 76 5 7 083 131(3000) 479(600) 620 23 659 64 (600) 98 8 8 025 67 164 239(500) 322 424(600) 612 760 819 96 59118 350 672 764 885 964 79 83 «0025 600) 243 63 577 706 823 088«1021 67 277 495 693(600) 693(600) 829 81«9103 216 343 92 411 60 841 62 81 042 6 3226(500) 46 483 668 707 900(600) 22 46 8 4069 70 76 160 222( 600) 81 491£56 69 643 784 901«8344(5001 458 604 653 69 Sil««000 16 89 191 303 423 61 620 78 87 788 837 944(500) 97 6 7010 330 436 671 703 6 8043 102 77 223 300 568 80 731 60 70 842 45 80(1000)«0082 236 67 658 70362 626 39 968 71119 385 402 71 631 722 896 585 7 2301 95(3000) 473 647 826 70 7 3 009 251 324(600)431(1000) 60 538 39 740 813(1000) 30 95 7 4114(3000) 80 443 618 66 93 98 665(1000) 706 18 839 929 83 85> 75130 294 390(1000) 457 692 712 17 877 7 6106 14 26 31 298 627 79 331 95(1000) 912 48 70 7 7006 81 109 294 7 0071 160 200 26 35 478(1000) 794 813 997(3000) 7 0017(1000) 322 619 93 605 884 946 95 «0037 242 64 806 19 31(1000) 696 870 81008 21 64 92 99 107(1000)«81 629 36 739(1000) 44 73 8 2049 218 455 594 704 42 883 64 91 8 3005 29 1U 83 257 303 69 677 667 766 855 916«4010 466 666 83 634 746 929 B5I55 221(30001 411 675 700 604 7(500) 17 85 8 6 056 130 249 66 346 81 653 710 17 62 89 96 8 7103 20 254(3000) 321 80 627 615 643 (1000) 71 984 8 8093 186 220(500) 650 680 703 60 82 967 80143 242 421 690 918 57 OOll-fl 233 38 383 671 610 730 48 830 78«1175 332 41 «36 56 702 72 838 074 9 2146 368 028 761 912 23 71 81 13000) 9 3 008 427 734 888 967 CO«4127 377 728 66 69 9 5 006 1» 249 350 74 470(1000) 666 70 63) 767 82 872 943 70 08170 212 29 383 429 66(3000) 640 610 8 7 073 194 340 47 617 31 59 836(1000) 60 063 9 81-65 107 76 94 252 310 53 687 763 806 46 ■8023(SOOO) 44 66 92 242 416 532 65 667 772 79 818 „ 100119 34 298 329 44 492 690(1000) 760 55(600) 814 97 976 1O1010 26 72 209 28 363 681 733 957 1 02072 174 246 394 436 60(3000) 711(600' 853(6000) 10 3 025 60 ISS 331 420 676 703 45 68(500) 838 44 99 951 65 1 04219 61 487(500) 626 746 66 809 912 1 05165( 500) 280 328 51 419 803 38 945 (1000) 1OO010 144(600) 78 428 528 674(3000) 743 1 0 7 038 67 80 277 539 706 90 828 32 1 08028 79 80 87'134 263 91 346 62 449(600) 672 637 48 83l 10 9 090 198 634 858 901 ' verantwortlicher Redakteur: Alfred Wietepp, Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Vertag: Vorwärt» Buchdrurkerei u. 110043 169 79(1000' 249 336 763 78 991 111264<3000. 541» 602(3000) 723 607 17 112197 293 336(600) 52 431 37£3 681 711 78 113201 340 43 65 73 84(3000) 421 672 670 743 006 84 114147 303 4 429 34 30 505 14 87 924 48 115016 39 120 64 214(1000) 48 61(530) 314(500) 78(1000) 466 770 868 948 116038(100C) 45 358 82 452 693 117050 320 401 62 668 764 118018 IIS 72(600) 203 29 373 629 745 858 901 119023 63 297(1000) 667 750 67 89 96 835 120 12 21 335 425 56 810 30 933 1 21106 243 489 626 69 901 93 1 2 2368 766 97(1000) 123164 95 262 73(500) 300 27 420 602 33 709 27 816 86 957 74(500) 12 4002 55 137 455 (1000) 637 763 899 906 44 1 2 5013 38 87 128 76 332 586 725 802 19 940 1 28183 459 591 772(5000) 954«27019 102 307 426 601 733 948 95(500) 128117 92 221 39 415 66 706 54 87 863 67 1 2 9061 327 69(600) 586 639 862 950 71(1000) 130118 436 510 669 77(1000) 752(500) 958 1 81105 37 48 235 41(600) 403 27 655 761 67 1 3 2619 716(600) 889 950 138174 97 243 337 607 863 931(600) 13 4056 1�2 447 608 053(1000) 66 1 3 6 027 39 273 330 493 641 13 6074(600) 88 134 90 324(600) 407 747 62(600) 806 13 7032 00 297 39-3«87 623 719 21 32 639 1 3 8221 23 325 493 733 49 033 66 1 39179 482 643 140147 262 90 313 89£57 76 621 41 85 795 912 141017 165 68 257 329 464 669 738 76(600) RS 97 972 73 1 42111 238 302(600) 649 774 818 34 1 4 3 046 III 99 309 44 77 695 867 914 1 44402 647 871 77 914(600) 145166 414 601 9 851 956 1 46011 41 144 302 73 692 753 835 1 47144 63 73 413 604 86 08 665 719 35 94 800(600) 87 88(3000) 91 004 66(5001 14 8085(1000) 163 260(1000) 67 344 61 94 643(500) 774 82 813 46 997 149005 238 404 19 526 686 851 150059 70 IIS 408 37 602 42 607 64 702 65 859 944(500) 151203 542 682 716 63 821 958 1 6 2091 333 62 71 75 1 5 3073 163 270(1000) 75 300(3000) 416 28 563 798 830(500) 15 4092 170 76 280 367 455 77 603 764 853 1 5 5040(3000t 64 131 360 041 64(600) 16 8 079 216 63 317 42 428 582 668 66 72 881 157122 571 866 1 5 8066 168 360 724 57 804 920 1 6 8 084 306 83 447 70 712 70 931 99 100023 73 90 100 693(600) 666 923 80 1 61079 164 634 27 93(3000) 763 864 923 30 34 1 6 2060 127 412 96 611(3000) 87 769 806 76 935 1 63005 45 693 768 603 1 84124 637 828 70 89 1 8 8 018 31 308 497 699 626(3000) 886 048 1S65S6 823 " f" 629 717 65 82 44 76 266 ___ H 11031 63 280 338 458 524 37 44 93«Ts' 68 59(iOÖÖl 70(1000) 61<500) 800 65 80 1 72119 274 405 652(6001 938 1 7 8350(1000) 09(3M0) 719 31(1000) 856«74034 144 266(500) 339 41 559 631 53 885 175149 674 637 747 866 88 953(3000) 81>7«05« 233 478 637 €0 724 42 946 1 7 7054 336 614 37 69 75 766 99 981 92 1 78214 345(3000) 86 459 647 792 808 1 7 6419 80 735 842 180(14 299 678(5000) 629 871 933 181009(1000) 24 2;2 442(3000) 526 53 900(600) 182174 89 256(600) 452 610 44 658 755 862 60 UOM, 907 18311« 2��<3000) 498£41 974 184105 326 412 652 776 1 8 5 073 103 342 421 843 166037 69 253 487 74- 98(600) 733 79 841 979 1 8 7 016 57 60 330 427 679 640 993 1 88127 314(600) 82 426 37 39 94 646 976 189033 62 103 30 84 600 650 87 718 947 82 190112 34(3000) 200 6 81 444(500) 657 787 802 1 91118 20 247 361 423 623 32 48 72 691 733 37 888 949(1000) 83 192129 68 202 91 93 452 618 62 689(600) 962 1 93C2S 346 471 614 780(3000) 194 232(500) 40 56 71 460 720 1 9 8 019 176 231 82 303 691 703 37 973 1 9 8001(600) 45 225 306 411 35 1 9 7 308 347 75 407 511 607 825 40 1 96000 35 89 558 62 709 70 93 937 1 9 9320 61 527(1000) 786 871 94 90 0031 360 765 2 01393 620 581>500) 778 873 202106 20 88 224 86 353 486(1000) 614 72 82 635 775 847 990 2 0 3058 336 686 723 69 2 0 4266 424 28 720 24 66 860 96 2 0 6 385 95 462 603 76 96 782 855 2 0 6075 496 667 620 66 98 733 72 79 987 2 0 7007 668 672(3000) 787(1000) 881 208032 172(5C0) 613 21 31(500) 87 727 864 969 2 0 9115 223 363 604(1000) 73 623 31(500) 32 747 900 21 0050 129 217 35 314 62 494 669(1000) 706 68 817 80 211-171(1000) 115 23 344 690 626 735 85 827(600) 31 66 917 (SM) 21 2023 358 452 662 600 11 21 874 994 21 3082(1000) 393 96 411 36 628 64 68 632 81 840 21 4215(500) 87 91(1000) 334(1000) 80 82 405 638 621(600) 948 2 1 5075 133«1 60 731 76 354 477 610(1000) 88 700 2t 6 142 397(1000) 446 655 911 2 1 7044 251 392(3000) 609 76 641 63 884 963 93 218000 187 241 632 673 21 0051 295 345 595 748 58 220011 22 231 340(600, 42 640 769 78 97 933 2 21281 399 441 608 669 708 960 2 2 2061 163 89 86 223 368-Wl 949 (3000) 223110 214(500) 22 39 50 396 429 582 722 224110 44 67 637 813 37 65 65 951 2 2 8091 121 2� 48 374 612 718 27 903 226238(3000) 66 67 Ml 407 29 669 759 7 0 880 227005 31(1C00) 324 4� 66 69 64 562 744 2 2 8137 92 211(500) 95 626 60 739 76 010 62(600) 70 976(1000) 2 2 9007 336 446 63 636 839 Ol 11000; 618 35 230128 36 83 81 285 642 73 600 23 789 803 23101« 61 167 233 44 96 333 624 600 32 87 712 813 52 962 2 3 2100 (10000) 41 80 253 541(600) 762 99 233022 24 241 428 63 86 642 71 709 16(600) 21 g««nvinnrade oerbli»«-»: 2 Brlmlen zu 300000 IX.,| Winne zu 150000 5». 2«»«- 114 JU 6000 St., 1402 ju 3000 M. 302«|U 1000 81.. 3978 zu 600 zg. VerlagsmswlNSmU'Singer u. Co.. SerlinÄ«. Nr. 307. 30. Zehrgav� 3. jStilnjf des Jotwüttf KMw|oiy Intt Sounsbeud, 22. November j9l3. vom MuKikch-öSnischen ü'olkei- ksmpfplsk. Dcr Auflösung durch den Gendarm verfiel in Lsterby(Kreis Sonderburg) eine Zusammenkunft von etwa 6k) Personen, nachdem der Sprecher(Prediger) einer der sogenannten„Freigemeinden" Nordschleswigs, Herr Ericksen, einen Vortrag gehalten hatte, dem ein Bibeltext zugrunde lag, und zwar in dänischer Sprache. Dem Abiingen eines Psalms kam der Gendarm durch die Auflösung zuvor. Der Regierungspräsident zu Schleswig billigte in Ueberein- stimmung mit dem kommissarischen Amtsvorsteher und dem Land- rat die Auflösung. Der Regierungspräsident ging zunächst davon aus, daß hier nicht bloss eine gottesdienstliche Handlung vorgelegen habe, wie der Veranstalter Lassen meine, sondern eine öffentliche Versammlung im Sinne des Reichsvereinsgesetzes, und zwar eine politische Ver- sammlung. Das sei mizunchmen im Hinblick auf den Charakter der nordschleswigschen„Freigemeinden" und im Hinblick darauf, dass hier nach Annahme der Behörde auf Gründung einer neuen selbständigen Freigemeinde für den fraglichen Bezirk habe hin- gewirkt werden sollen. Die Auflösung sei jedenfalls berechtigt auf Grund des§ 14 und des§ 12 des Reichsvereinsgesetzes, weil die dänische Sprache in einer öffentlichen Versammlung ohne vor- herige Anzeige bei der Behörde gebraucht worden sei. Zwar handele es sich hier um einen Bezirk, wo nach Absatz 3 des§ 12 des Reichsvereinsgesetzes die dänische Sprache auch für öffentliche Ver- sainmlungen vorläufig noch zugelassen sei, aber unter der Bedin- gung, dass von ihrem Gebrauch der Polizei drei Tage vorher Anzeige gemacht werden müsse, was eben nicht geschehen sei.— Aber auch, wenn es sich um eine kirchliche Versammlung handelte, wäre die Auflösung berechtigt, und zlvar nach den§§ 1 ff. des preußischen Vcreinsgesetzes, weil für eine solche Versammlung nach§ 24 des Reiche&ereinsgesetzes noch das preußische Gesetz gelte, denn in diesem Falle wäre es eine Versammlung zur Erörterung öffentlicher An- gelegeicheiten, die nach§ 1 des preussischen Gesetzes hätte angezeigt werden müssen, was eben nichl geschehen sei. Lassen erhob Klage beim Obervcrwaltungsgcricht und machte geltend, nur eine gottesdienstliche Handlung habe vorgelegen. In der Verhandlung vor dem ersten Senat des Oberverwal- tungsgerichts am 20. November vertrat Rechtsanwalt Wolfgang Heine den Kläger. Der Anwalt legte, unter Würdigung der tat- sächlichen Verhältnisse, in längeren Rechtsausführungen dar, dass hier, wo nur eine kirchliche Erbauungszusammenkunft vorlag, weder das Reichsvereinsgesctz noch das Preussfiche Vereinsgesetz eine Hand- habung zur Auflösung geboten babe. Was das preuhische Vereins- recht angehe, so besage ja§ 24 des Reichsvereinsgesetzes, dass durch dieses Gesetz unberührt blieben die Bestimmungen des Landesrechts über religiöse und kirchliche Versammlungen. Das Heisse aber nicht» dass das ganze Landesvereinsrecht aufrechterhalten werden und an- wendbar sein solle für religiöse und kirchliche Versammlungen, son- dern es bedeute nur, dass die Spezialbestimmungen des LandeSrechtS aufrechterhalten bleiben sollen. Im preussischen Vereinsrecht sei die Spezialbestimmung die(§ 2), dass die Vorschriften der§§ 2 und 1 sich nicht auf kirchliche und religiöse Vereine und deren Ver- sammlungen beziehen, wenn diese Vereine KorporationSrechte haben. Also sei in Prcuhen durch§ 24 des ReichsgeseßeS nur dieses Pri- vilcgium aufrechterhalten worden.— Für diese Beschränkung in der Auslegung des Z 24 des Reichsvereinsrechtcs konnte sich Rechts- anwakt Heine u. a. auch auf den Kommentar im Handbuch des Herrn von Bitter berufen, das heißt auf das Handbuch des Chefs des Oberverwaltungsgerichts, der die augenblickliche Verhandlung leitete. Es heißt an jener Stelle im Handbuch des Herrn v. Bitter unter anderem, dass religiöse Vereine ohne Korporationsrechte im Gegensatz zu denen mit Korporationsrechten jetzt dem ReichSveremS- Besetz untersielen. Nach längerer Beratung gab Herr von Bitter folgendes bekannt: Zunächst eine persönliche Bemerkung an Herrn Rechtsanwalt Heine: Die von ihm zitierte Stelle im Handbuch vertrete eine An- ficht, die auch sonst lebhaft vertreten worden sei. Das Ober- derwaltungsgericht habe aber inzwischen in einem neueren, im Band 61 der Entscheidungen unlängst gedruckten Urteil das Gegen- teil von der Auffassung im Handbuch angenommen und gesagt, dass das ganze Gebiet der rel.giösen Bereine und Versammlungen nicht dem Reichsvercinsrecht untersteh«, sondern dem Landesrecht.— Wegen der großen Wichtigkeit dieser schtverwiegenden Rechtsfragen habe der Senat jetzt beschlossen, die Minister des Innern und deS Kultus zu ersuchen, sich durch Kommissare dazu zu äussern. Dann wird die Verhandlung in der vorliegenden Sache fortgesetzt werden. Invslichlattlirlscdeo bei den Berliner Arbeitern im Jabre 1912. Die Hauptursachen der Invalidität teilt der Bericht der Ber- liner Landesversicherungsanstalt in 5 Krankheitsgruppen, näm- sich: Lungenkrankheitcn mit chronischem Bronchialkatarrh, Nerven- krankhciten, Augenkrankheiten, Krankheiten des Gefäßspftems und Krankheiten der Knocken und Gelenke. Von diesen Hauptursachen nehmen bei den Männern die Lungenkrankheiten mit 27,5 Proz. die erste Stelle ein, dann folgen die Nervenkrankheiten einschliess- sich der Augen- und Ohrenkrankheiten mit 22,9 Proz., die Krank- heiten deS Gefässfpstems mit 16,5 Proz., die der EntWickelung und Ernährung einschliesslich des Alkoholismus mit 14.6 Proz., die der Haut. Knochen und Gelenke mit 12,1 Proz. usw. Bei den Frauen stehen die Nervenkrankheiten mit 20,5 Proz. an erster Stelle, dann folgen die Herz- und Gefäßerkrankungen mit 19,0 Prozent, die der Entwickelung und Ernährung einschliesslich der Altersschwache mit 18L Proz., Lungenkrankheiten mit 18,2 Proz., Krankheiten der Haut. Knochen und Gelenke mit 1S.1 Proz. usw. Ein erschreckendes Bild zeigt der Bericht bei der Jnvalidisierung der Versicherten, diese nach Alterklasien gegliedert. Von je 100 Rentnern wurden infolge Lungenkrankhciten mit chronischem Bronchialkatarrh für invalide erklärt: nicht mehr ein Drittel des ortsüblichen Tagelohnes(1,20 M. bzw. 0,75 M.) zu verdienen imstande waren. Welche Summe vernichteten Menschenglücks und Lebens- fteude birgt sich hinter diesen trockenen Ziffern! In der Blüte- zeit des Lebens bereits siech und teils dem Tode geweiht. Denn von 100 Rentnern starben bei den Männern in dem Alter von 20 bis 24 Iahren 39, von 25 bis 29 Jähren 24 und von 30 bis 34 Jahren 23; bei den Frauen in denselben Jahresaltern: 26, 13 und 15 Proz. Das ist das Los der Arbeiterklasse. Diese Zahlen sind eine furchtbare Anklage gegen das heutige kapitalistische Produktions- shstem. Von den Rentnern, nach Berufen gegliedert, stehen die Metall- arbeiter mit 197 pro Mille an erster Stelle, ihnen folgen die bau- gewerblichen Arbeiter(darunter hauptsächlich Maurer» Zimmerer» Maler) mit 173 pro Mille, dann folgen der Berkehr mit 97, der Handel mit 94, die Holzindustrie mit 92, die Dienstboten mit 46 pro Mille usw. Bei den Frauen stehen die Dienstboten mit 50Z pro Mille an erster Stelle, ihnen folgen die Näherinnen und Schneiderinnen mit 148; die Verkäufermnen mit 79, die Plätte- rinnen und Wäscherinnen mit 75, die Metallarbriterinne« mit 32 und die Papicrarbeiterinncn mit 26 pro Mille. Die Jnvaliditätsursache und Beruf zeigen uns das folgende Bild: Männliches Geschlecht. Bei untenstehenden Berufsarten entfallen von 100 Jnvalidftäts- Ursachen auf: Alter in Jahren männlich. weiblich.' Danach wurde die Jnvauoiua oci oen jungen Männern im ü bf0™ 20 bis 24 Jahren zu 66 Proz., bei den jungen Frauen m densellben JähreSaltern zu 64 Proz. durch Lungenkrankheiten Oder von 100 Jnvalidenrentnern wurden in den ?rimr-l"en b0n 20 bis 34 Jahren bei den Männern durch. «Uichnmd gerechnet 57 Proz. und bei den Frauen 505 Proz. all«, durch Lungrnkrankheite« soweit erwerbsunfähig, dich sie. Danach werden die Holz- und die Metallarbeiter am meisten von der Lungenschwindsucht betroffen; sie stehen mit 4.7 beiw. 4,6 Proz. noch über dem Durchschnitt. Bei dem weiblichen Ge- schlecht ist es die Bekleidungsindustrie, die am schwersten von der Lungenschwindsucht betroffen wird; sie steht mit 7,4 Proz. über dem Durschnitt. Ganz besonders sind es indessen die Näherinne« und Schneiderinnen, welche der Lungenschwindsucht zum Opfer fallen. Auch bei den Nervenkrankheiten stellen die Näherinnen das grötzte Kontingent. Der Bericht sagt darüber mit lakonischer Kürze:„Das ist mit der Tätigkeit der Näherinnen und Schneide- rinnen in Zusammenhang zu bringen." Leider ist es die„Tätigkeit". Indessen würde die„Tätigkeit" in den Grenzen, welche die Arbeit in unserer Kulturepoche er- heischt, ausgeübt werden, dann könnte der Würgeengel Lungen. schwindsucht nicht so ungeheuerlich hohe Opfer fordern. Wie ist es indessen mit dieser„Tätigkeit" bestellt? Die kapi- talistische Profitgier diktiert niedrige Löhne, infolgedessen lange Arbeitszeit, ungenügende Ernährung, schlechte Wohnungen. Das sind Faktoren, welche den Körper zermürben, widerstandsunfähig inachen und so die Arbeiter und Arbeiterinnen für die Lungen- schwindsucht geradezu züchten. Anerkennenswert sind die Leistungen der Berliner LandeSver- sicherungsanstalt bezüglich des Heilverfahrens. Insgesamt wurden für Heilbehandlung(ausser der Lungentuberkulose) 953 160 M.— darunter 258 417 M. für das weibliche Geschlecht— aufgewendet. Von dieser Summe wurden durch Dritte 192 996 M. zurückerstattet. Für die Behandlung der Lungentuberkulose wurden insgesamt 2 294 132 M.— darunter 809 870 M. für die weibliche« Personen— aufgewendet; von dieser Summe wurden durch Dritte 473 858 M. zurückerstattet. Ausserdem wurden für Zwecke, die mehr oder minder mit dem Heilverfahren im ursächlichen Zusammenhang stehen(Volksheil- stättenverein Rotes Kreuz usw.), 116 506.62 M. hergegeben. Das sind ganz bedeutende Summen, die für das Heilverfahren aufge- ivendet wurden. Indessen was nützt die Verwendung der Summen, solange nicht das Uebel bei der Wurzel angefaht und beseitigt wird? Die Arbeitszeit mutz auf ein vernünftiges Maß herabgesetzt, aus- kömmlichc Löhne und ausreichende zweckmäßige Ernährung, menschenwürdige Wohnungen, Luft und Licht in den Arbeitsstätten müssen geschaffen werden. Um das zu erreichen, ist der Anschluss an die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Ar- bester dringend erforderlich. Aus dem finanziellen Teil des Berichts sei folgendes her. vorgehoben: An Markenbeiträgen wurden 15272910,76 M., an Zinsen 2 685 073,68 M., an Strafgeldern 8799,54 M. vereinnahmt. Ausgegeben wurden für Rentenleistungen 6 367 607,65 M., Mehr- leistungen, K 1400 R.V.O., 96 463,77 M., für Ueberwachung der Rentenempfänger 88 587,91 M., Ueberwachung und Kontrolle des Beitragsverfahrens■ 159 607,56 M. Demnach wurde für Renten- leistungen etwas über ein Drittel(IM Millionen mehr) der Summe, die an Markenbeiträgen eingenommen war, verausgabt. Das Vermögen der Landesversicherungsanstalt Berlin betrug am 31. Dezember 1912 99 857 030 M. Man wird gewiss nichts gegen eine geordnete und vorsichtige Verwaltung der Anstalt einwenden können. Aber wenn nur zwei Fünftel der vereinnahmten Marken- beitrage für die Renten verausgabt werden und fast 100 Millionen Mark als Vermögen aufgespeichert liegen, wenn ständig die Nicht- bewilligungen von Invalidenrenten und das Aufspeichern von Millionenvermögen wachsen, so wird man dies als„soziale Für- sorge" nicht ansprechen können. Hus Indurtm und Kandel. Kapitalistische Umklammerung von Gemeinden. Die Frage: Kommunalisierung der B. E.-W. oder nicht, lenk die Aufmerliamkeit auf eine umsaflende, immer noch weiter treibende, in der sozialen und wirtschasttichen Bedeutung nicht zu übersehende Entkommunalisierung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Das Grosskapital hat bier schon über ein halbes Hundert Ge- m e i n d e n als Abnchmerinnen von Gas und elektrischer Energie in seine Abhängigkeit gebracht, die noch sehr verhängnisvoll werden kann. Die Trägerin der gewaltigen Macht ist das Rheinisch- West- fälische Elektrizitätswerk in Essen. Dahinter stecken die Industrie- Magnaten wie: Stinnes. Tbysien. Funke. Kirdorf, Klönne usw. Be- triebstechnisck steht das Elektrizitätswerk mit einer Reibe arosser Zechen insofern in Verbindung, als es von diesen die überschüssigen Mengen Energien übernimmt- und den Werken die von ibnen nicht selbst erzeugte Energie billig liefert. Auch betreibt daS Elektrizitäts- werk einige GaSgewinnungSanlagen, in Rottbaufen, Borbeck und Metlmann. Wegen der schon herauSaestellteu Personalunion bestehen keine wirtichastlichen Gegensätze zwiichen dem Elektrizitätswerk und dem Grosskapital in der Montanindustrie. DaS gemeinsame Interesse geht vielmehr dahin, möglichst alle Gemeinden als Konsumenten von Gas und elektrischer Energie direkt oder indirekt vom Rheim-Westf. Elektrizitätswerk abhängig zu machen. Selbstverständlich machen die Industriellen ihre in den Gemeinden wirksamen Einflüsse dieser Sache dienstbar. DaS ist uin so leichter möglich, als man geschickt genug ist, den Gemeinden günstige Verträge mit niedrigen Tarifen anzubieten: Tarife, die meistens unter den Seihstkosten in Eigen- betrieben bleiben. Gas z. B. wird für 2—4 Pf. pro Kubikmeter, elektrische Energie fast ebenso billig geliefert. Die Folge ist, dass man kommunale Gas- und Elektrizitätswerke ausser Betrieb setzt, an die Errichtung neuer Werke wird kaum noch gedacht. Das Ver- sorgungsgebiet des Elektrizitätswerkes wird im Norden von der holländischen Grenze, im Süden von Obertal, mit einer Grundfläche von über 6000 Quadratkilometern begrenzt. Mehr als 50 Gemeinden sind bereits Abnehmerinnen des Elektrizitäts- Werkes. DaS nicht allein: Zirka 2 Dutzend Gemeinden, darunter ebenfalls grosse Städte, sind jetzt auch schon dem Gasfernleitungsnetz des Elektrizitätswerkes angeschlossen. Und der Kreis der an- geschlossenen Gemeinden wird immer grösser. Allerdings nur so- lange, als es noch unabhängige Kommunen gibt. Das kann man, genau betrachtet, überhaupt von keiner Stadt, von keinem Dorf mehr sagen. Auf irgendeine Weise befinden sie sich schon in Abhängigkeit von den Montankö ingen. Eine grosse Reihe von Strassen- und Kleinbahnen sind dem sogen. Elektrizitätswerk entweder direkt angeschlossen oder sie werden durch das Mittel des Aktienbesitzes von ihm beeinflusst. Verschiedene Elektrizitätswerke, private und kommunale, die als Zentralen eingerichiet worden waren, gehören ebenfalls schon zum Besitzstand des Rhein.-Westf. Elektrizitäts- Werks. Enger und enger umklammert es Gemeinden, Kreise, Re- gierungsbezirke, den wichtigsten Teil der bedeutenden Provinz Rhein- land-Westfalen. Und hat man erst die Maschen dicht und fest genug geschlossen, dann kann die Preisdiktatnr einsetzen. Wenn man be- denkt, dass die elektrische Energie bald in jedem Haushalt, in jeder Werkstatt, in jedem Betriebe unentbehrlich sein wird, dann bekommt man einen Begriff davon, welche unheimliche Macht dem Kapital mit der Enlkominunaltsierung der Elekmziläts- und Gasversorgung erwächst. Wer weiss, ob nicht hinter den Projetten der B. E,-W. Hoffnungen verborgen sind, die das Rhein.-Westt. Elekttizhätswerk mit dem gelösten Problem der Fernversorgung erwecken kann. Die SpirituSzentralc hat mit Rücksicht auf die grosse Kartoffel- ernte und die dadurch bedingte Steigerung der Spiritusproduktion den Abschlusspreis, den sie als Abnehmerin an die Brenner zahlt, auf 50 M. herabgesetzt. Es ist das Mittel, um die Spiritus- Produktion einzudämmen. Eine Ermässigung der Preise für die Konsumenten ist damit nicht gegeben; im Gegenteil, diese Er- niedrigung der Abschlusspreise stellt ein Mittel dar, durch Ein- schränkung der Produktion die Preise für die Verbraucher hoch zu halten. Versammlungen. Der Hanfabund gegen das Koalitionsrecht. Der 58er und der Leipziger Handlungsgehilfenverband als Mitschuldige. Gegen die Verräter« dieser Verbände legte am vergangenen Donnerstag eine stark besuchte Handlungsgehilfenversammlung wuchtigen Protest ein. Schneidender Kritik unterzog Martin Meyer die Machenschaften dieser„Auch-Gehilfenorganisationen". Bekanntlich hat der bei seiner Gründung ach so liberal schillernde Hansabund oder vielmehr der Jndustrierat dieses Bundes kürzlich eine Verschärfung des Arbeitswilligenschutzes gefordert. Der Leipziger Verband, der korporativ dem Bunde angeschlossen ist, sowie der 58er, der auch seine Interessenvertretung im Hansabunde sieht, haben bis dato nichts gegen solches arbeiterfeindliches Ver- halten einzuwenden gehabt. Wenngleich jetzt auch der 58er in einem ebenso schamhaften wie täppischen Schreiben dem Zentral- verband und der staunenden Mitwelt verkündet, dass keines ihrer Mitglieder im Jndustrierate mitschalte und letzten Endes ja auch das Direktorium über diese Frage zu entscheiden habe. Und wenn man dann noch weiter vernimmt, dass die Aufdeckung solcher für diese„Gehilfenverbände" allerdings sehr unangenehmen Fragen nur eine„plumpe Hetze" deS Zentralverbandes sei, so hat die Ver- sammlungsleitung recht, sich gegen diese Jnsinuatio« durch eine geharnischte Gegenerklärung auszusprechen. Der Zentral- verband wird, als freie Gewerkschaft, arbeiterverräterisches Gebaren immer mit wuchtigen Streichen zu geißeln wiffen. Gibt es denn ein enttvürdigenderes Schauspiel, als zu sehen, wie Gchilfenverbände Arm in Arm mit den größten Scharfmachern Politik treiben? Mit den Scharfmachern, denen eitel Heuchelei auf der Stirn geschrieben steht, die über Terror der Arbeiter jammern und in Wirklichkeit die schlimmsten Terroristen sind. Meyer verstand es in geschickter Weise, einige Proben der»rtiger Terroristenarbeit zum besten zu geben. Er erinnerte daran, wie die Spirituszentrale, wie die Siegener Roheisenwerke, wie jetzt in neuester Zeit auch die„Herren" Aerzte terrorisiert haben und noch terrorisieren. Hier aber schreitet kein Staatsanwalt ein. Für das „gebildete Lump" eines Arztes, der einen„Streikbrecherarzt" so titulierte» brauchten nur 5 Äi. Strafe gezahlt werden, für das „nichtakademische Pfui" eines Arbeiters aber werden 5 Monate Gefängnis als nicht zu niedrig erachtet. Der Förderung solch schändlicher Gesetzesauslegung leihen nun die genannten Gehilfen- verbände ihre Kräfte. Bezeichnend für die Interessenvertretung der 58er ist es auck, dass ihr Herr Schaper de» Ausspruch tat: Festlegung einer besttmmten Schlietzungssttmde wird von den Handlungsgehilfen als Schikane empfunden.(?!) Herr Reif vom Leipziger Verband ist genau so arbeiterfeindlich. Sich beim Unternehmertum lieb Kind zu machen, geht eben vor Gehilfen- interessen. Und nun gar Herr Marquardt vom Leipziger Ver- band schließt sich als Reichstagsabgeordneter ausgerechnet der nationalliberalcn Partei an, die immer bereit ist, das KoalitionS- recht mit Füssen zu treten. Und dieser Verband läßt sich das bezeichnenderweise so ohne weiteres gefallen. Solange diese„Gehilfenverbände" nicht so viel Reinlichkeit�» gefühl haben, entioeder aus dem scharfmacherischen Hansabund auszutreten oder ihre Mitglieder und Führer zwingen, ein Gleiches zu tun, solange machen sie sich mitschuldig am Arbeiterverrat; denn auch durch Duldung macht man sich mitschuldig. Am Schluß seiner trefflichen, mit starkem Beifall aufge- nommenen Ausführungen ivics der Referent auf die einzige Hand- lungsgehilfcnorgaii?sation, die allerdings nicht mit dem Hansabund. sondern mit den freien Geiverkschaften Hand in Hand arbeitet, auf den Zentralverband der Handlungsgehilfen hin. Dieser allein ver- tritt rücksichtslos die Interessen der Arbeitnehmer. Wer es als Handlungsgehilfe ernst mit der Bekämpfung jeder die Arbeiterschaft und das Volkswohl schädigender Ausnahmegesetzgebung meint, hat die Pflicht, die Reiben des Zcntralverbandes zu stärken. Wie erwartet, hatte keiner der zahlreich anwesende» Gegner den Mut, das verräterische Getriebe ihrer Organisationen zu recht- fertigen. Sie schämten sich ihrer Verbände, an deren moralischen Bankerott jetzt wohl niemand mehr ztveifelt. Sodann wurde gegen keine Stimme folgende Resolution an- genommen: „Die heute in den Arminhallen, Kommandanten strasse, ver- sammelten Handlungsgehilfen nehmen mit Entrüstung von dem Beschluß des Jndustrierates des Hansabundes Kenntnis und er- klären, dass sie sich jedem Versuch zur Verschlechterung deS heute bestehenden Äoalitionsrechts auf das entschiedenste widersetzen werden. Die Forderung eines besonderen Arbeitswilligenschutzes bedeutet eine unerhörte Einschränkung des vornehmsten Rechtes der Angestellten und Arbeiter. An dem Beschluß des Industrie- rates ersehen die Versammelten, daß der Hansabund reinste llnternehmerinteressen verfolgt; Je können eS deshalb nicht fielen, daß e8 immer noch.SandlungSgehilfenvcrbände gibt, die durch ihre Mitgliedschaft im Hansabund Angeftellteninteressen vertreten zu tonnen glauben., Ta diese Verbände durch ihr Schweigen bewiesen haben, daß ,ie nicht den Willen baben, gegen. über diesem angestelltenfeindlichen Benehmen des.vansabundeS Stellung zu nehmen, so fordern die Versammelten die Sandlungs- aehilfen auf, diesen Verbänden den Rücken zu kehren, die als Interessenvertretung für sie nicht in Frage kommen." Berichtigung. In dem Kassenbericht de§ vierten Kreises sind zwei Summen nicht�richtig wiedergegeben. Es muß heißen: Tie Mindereinnahme deS Jahres 1913 gegenüber 1912 beträgt 10 875,22 nicht 11 874,54 M. Ferner bleibt ein Bestand am 1. Oktober 1913 von 1096,72, nicht 1069,72 M. Brfcfharten der Redaktion. *U htritlldK OmMukc fln»« Ltudenftratzeso, oorn Met — Sa»r»»»l—, w»che mg gl i<» vou«>■, dt» TS Uüt otenb», eomiaStnfc», »» 4S»tS 6 Ute adcnd» statt. Zeder für de»«rtctt-stea defttmmlen«uirage t« et»«»chftade»»d eine Zahl al» Merlzriche» detiusstgen. vrieflt-de Är.twon wird nicht erteUt.«»fragen, denen keine Adanneme»t»a»,l»»ng detgrfüg» ist. »erde» nicht»eannvarte«. SIltge Fragen trage man t» der E»rcchiinude»ar, L. H. 117. 1. Ja. sofern und soweit der Wochenlohn 28.85 M, über- steigt. 2. Die notwendige» HauShalwngSgegenitände müsse» oerbleiben Zu einer besonderen Ausforderung ist der Wirt auch dann nicht mehr ncrpstichter, 4. Etwa 18 M. wöchentlich.— Pieper. 1. Ja. soscrn die Sachen minderwertig geworden sind. Außerdem kann Entschädigung sür die geleistet« Arbeit verlangt werden. 2. Der Wert der Beinlleider unter Hinzurechnung eines geringen Betrages an Minderwert für die übrigen Kleidungsstücke.— N ID. 8. Sofern die Forderung vom Kontursgericht festgestellt ist, in 30 Jahren.- 51. 2. 168- Falls der Schuldner tat- lach. ich. nur 23 2.1. wöchentlich verdient, ist ein höherer Betrag kaum beitreibbar. Falls Sie glauben, daß der Vormund seine Pflicht nicht erfüllt, können Sie sich an das Vormundschastsgericht wenden. 2* Städtische Sparkasse oder Rechnungsslelle der Volkssürsorqe, Berlin. Eiigeluser 15. Die Städtische Sparkasse zablt 3>/, Proz. bis 3000 M. — Melusin u. Schr. Darüber sind wir leider nicht informiert.— See- straffe. Hamburg-Stellingen.— H. W. 50. Grammalitalilch richtig; „aeinci! Hut'.— Frida 100. Wenden Sie sich an einen Arzt. V. Z. 200. Fragen Sie an bei der Volksstirsorge in Hamburg, Beim Strohbause 32.— V. P. 41. Sprechen Sie zuerst mit einem Augenarzt und richten Sie sich nach dessen Feststellung.—.~l>y.l£kcRs Graset 340— 765 K.nnben~Ulster Grssei 765— 1350 JUngU-UlsteroröseizlS30 18M 2430 Die billig. Gegenslände sind Erzeugnisse unser. 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Doliwa, Ferdinand Torellstr. 4 Otto Donath, Stolnischestr. 22. H, Donner, Schönflieflerstr. 2 Rud.Duntker, Pankow, Jlühlanst.71 Fritz Eichlcr, Bastianstr. 18. W. Emst, Pücklerstr. 42. Franz Faulwetter, Manleuffel8tr.67. Carl Feist, Fricdcnstr. 101. Friedr.FIeuiailng,ßoiliagencrBtr.27. Paul Freitag, Stattgarterstr. 13. E. Freyer,BlJineBitr. 72.£.Markaiitr. R.Frledrich, Marionburgerstr. 38. HolnrIthFfister,PaDkav, Florast. 50 F. George, Wilhclmshavenerslr. 23. 6. Gierszewsid, Waldensorstr.O. Fritz Glauner, Chausseestr. 80. Gutunlor, R. Posonorstr. IG. V/llh. Godt, Emdenoi*str. 50. B. Gonslor, Treptow. Grätzstr. 65. O.QÖrk.WicseDitr.Sl.bM.grdne Bbm. Große-RhodeReinickendorferst. 95 Groß- Bäckerei„Berolina44 i.West. Pau!Grisard,Pankow,Flora8tr.l0. Paul Gärtner, Troskowstr. 44 A. Günther, Gr. Frankfurtcrst. 75 F.lIaDk«,Verlr.W.IIelinellaricnborger«t.7 KarlHcidenreIch,Münchcnerst.44 Karl Heunig, Steinmetzstr. 74 Gust.Hrfntsdiel,liRTeIberger8tr.26. G. Henning, Schraidtatr. 8 a. Job. 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Gustav Schölisch, Dolzigeratr. 31 Paul Schön, Kopenhagenerstr. 74. EberhardSchönwiese, LüderitiEtr.5 Paul Schröder, Heimersdorferstr. 27 E. Schön, Kniproderstr. 8 W. Schönwiese, Romintenerst. 54 Carl Schulz, Neukölln, Ilsestr.26 Paul Schulz, Hufclandatr. 2 Paul Schunert, Stolpischestr. 35, Adolf Schulz, Flora str. 78 Pank. Paul Schürer, Tilsiterstr. 12. Reinh.Schurwanz>Ks8taBi6B-Allee46 Karl Schwarz, Thaerstr. 21 P. Schwarzbeck, Wiclefstr. 27. Bruno Schwarz, Andreasplatz 8. Schwencke, Herrn. Rykestr. 23 E. Seeländer, Lenaustr. 7. Emst Seifert. Reuteratr. 78 Robert Seil, Mainzerstr. 15 Reinhold Sperling, Jahnstr. 19. ESplcttstößer,CharTottb.,Kantst.83 Otto Stieler» Warschauerstr. 69. P. Sygusch, Schönh. Allee 150 Georg Tank. Christburgerstr. 30 Carl Täniges, Wildenowstr. 17 Carl Tennert. Schleaiscbeatr. 19. E.Tessincr.Eeaideai5t.l25,BclBiekeBd. Emil Thomas, Voigtstr. 17 Johann Troff er, Alleestr. 46 Tu»«Ikon Filialen in allen I Urüdn Stadtteilen. F. 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Die Bewerber müffen mit der GenoffenfchaftSbcwegung voll- ständig vertiaut sein und den Worcnmarll beobachten können. ES wird nur aus durchaus tüchtige, erfahrene und bilanzsichere Kräfte refleliiert. Bewerbungen find unter„Borslandsgesuch' an den Unterzeichneten bis zum 15. Dezember 1913 einzureichen. Die Gesuche müssen enthalten Angabe über EehaltSanspiüchc. über die bisherige Tätigkeit und müssen erkennen lasskn, aus welche Stelle die Bewerber reslektiereii. 108/8* Der Aiutidelitsrat. Karl Franks, Borsitzender, Leipzig Stötteriu, Wasserturmstr. 40 I. Achtung! Musiker, w." EtllblisstMkni„Königsbavk", Gr. Fralldfulter Ztr. 117, Inh.: Hurt Breuer, ausgebrochenen Differenzen sind durch Verhand- lungen geregelt. Zentralverband der Zivilmufiker Deutschlands. 50/12 Ortsverwattung Berlin. �nteri-iclit. Unterricht in ber englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wirb englischer Unterricht erteilt. Auch werden Uebenetzungen an» gejertigi. G. 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Die Angelegenheit scheint zur Tragikomödie werden zu wollen; denn auch diesmal wurde sie von der Tages- ordnung abgesetzt, nachdem Oberbürgermeister Kais er darum er- sucht und mitgeteilt hatte, daß Verhandlungen wegen der ent- standenen Schwierigkeiten im Ministerium des Innern„schweben". Das gleiche Schicksal wurde dem vielumstrittenen und viel be- fehdeten städtischen Weinkeller zuteil. Der Stadtverordneten- Vorsteher Sander teilte nämlich mit, daß der Magistrat trotz der inzwischen erlangten Zustimmung durch die mit der Vorberalung betraute Kommission seme Vorlage erneut zurückgezogen habe. Für die bauliche Herrichtung eines Erbbegräbnisses für den ver- storbenen Stadtbaurat Kiel auf dem Jakobi-Kirchhof be- willigte die Versammlung einstimmig die vom Magistrat geforderte Summe von 3000 M. Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion: „in Neukölln eine kommunale Wohnungspflege einzmichten und zur Ausarbeitung der Organisation eine gemischte Kommission von IS Mitgliedern zu wählen," wurde vom Stadtverordneten Dr. F ü r st begründet. Nachdem eine frühere ganz brauchbare Vorlage eines Reichswohnungsgesetzes schon einmal zurückgezogen worden war, habe die Reichsregierung erst wieder durch den sozialdemokratischen Wahlsieg im Jahre 1912 fich veranlaßt gesehen, mit der Wohnungspflege sich zu beschäftigen. Leider sei man dabei auf den Ausweg gefallen, dem preußischen Dreiklassenparlanrent einen Entwurf�zu unterbreiten, der denn auch danach ausgefallen sei. Reich und Staat versagten also bis jetzt, so daß die Kommunen eingreifen müssen. Ganz mit Recht sei ein Entrüstungsschrei durch das Land gegangen, als durch den bekannten Propagandaausschuß für Groß-Berlin festgestellt wurde, daß in Groß- Berlin nicht weniger als 600 090 Menschen zu je fünf und mehr in einem Zimmer Hausen. Solche erschreckenden Zustände seien der rechte Boden für Krankheiten und sonssige Schäden. Beweise doch die Statistik klar den Zusammenhang zwischen Wohnungselend und Lungenschwindsucht. Von den Lungenkranken seien 82,S Proz. in Ein- und Zweizimmerwohnungen gestorben. Solche Brutställen der Tuberkulose müssen schleunigst beseitigt werden, sonst nützen alle anderen großen Aufwendungen dafür sehr wenig. Deshalb hätten auch hervor- ragende Hygieniker und wissenschaftliche Autoritäten, wie z. B. Rubner auf deni Tuberkulose-Kongreß, energisch nach einem Wohnungsgesetz verlangt. Einen erheblichen Anteil an der erschreckenden Säuglings- sterblichkeit hätten ebenfalls enge und schlecht zu lüftende Wohnungen. Hinzu kämen die sozial-sittlichen Schäden. Es stehe einwandfrei fest, daß der Alkoholismus verschwinden würde, wenn einwandfreie Wohnungen allgemein vorhanden wären.(Lachen bei den bürger- lichen Fraktionen.— Zuruf;„Je gemütlicher die Räume, desto mehr kneipt man!") DaS Lachen sei ganz unverständlich; habe doch Professor Schmoller, der gewiß nicht in den Verdacht eines Sozialdemokraten kommen könne, erklärt, daß der Mangel an Komfort in der Arbeiter- Wohnung aus dieser heraus und in die Kneipe treibe. In einem engen sozialen Zusammenhang stehe mit dem WohnungSelend auch die Prostitution, wie der konservative Professor Hahn nachgewiesen habe. Welche segensreiche Wirkung eine großzügige Wohnungs- Politik habe, das sei in Ulm, dessen Oberbürgermeister bahnbrechend in dieser Beziehung gewirkt habe, zu tage getreten. Einer Sterblichkeit von 18.6 Promille in den alten Stadtquartieren stehe dort eine solche von 5 Promille in den neugeschaffenen Vierteln mit Ein- familienhäusern gegenüber. Eine energische Wohnungskontrolle sei in Neukölln ebenso notwendig, wo in so manchem Stadtviertel Zu- stände beständen, angesichts deren dem Beschauer der Menschheit ganzer Jammer packt. Die Kosten dafür würden keineswegs allzu hohe werden; komme Schöneberg doch mit 6S00 M. zu diesem Zwecke aus. Aber selbst wenn mehr da- für gebraucht würde, dann brächten solche Mittel viel- fältig Zinsen durch Ersparnisse im Armen- und Krankenhauswesen. Es müne energisch für gesunde, lustige und gesunde Wohnungen, wie z. B. die bekannte Baugenossenschafr„Ideal" in nächster Nähe von Neukölln in mustergültiger Weise geschaffen habe(Lachen rechts) Sorge getragen werden. Redner ersuchte deshalb, der Einsetzung der beantragten Kommission einmütig zuzustimmen.— Stadtv. D r. Dietrich bezeichnet den Wert des Antrages als außer allem Zweifel stehend, so daß auch die Altbürgerliche Fraktion ihm zu- stimmen werde. Erklären wolle er aber, daß in Neukölln die Woh- nungsverhältnisse noch lange nicht so schlecht seien als ander- weil.— Stadtv. Kyllmann erklärte namens der kommunal- fort- schrittlichen Fraktion ebenfalls die Zustimmung und Oberbürgermeister Kaiser sagte die Mitarbeit des Magistrats zu. Hierauf wurde der Antrag einstimmig angenommen; in die Kommission delegierte die sozialdemokratische Fraktion die Stadtvv. Fleischer, Dr. Fürst, Dr. Silber st ein und Vogel. Dem Erweiterungsbau des Schulhauses am Mariendorfer Weg um 18 Klassen wurde zugestimmt und die dafür notwendigen Kosten in Höhe von rund 270 000 M. bewilligt. Auf die Anfrage des Stadtv. Rohr(Soz.), ob in dem neuen Schulhausflügel auch Räume für eine zweite Volksbibliothek vor- gesehen seien, und des Stadtv. Conrad(Soz.), ob trotz des Baues noch ein genügend großer Spielplatz für die Kinder verbleibe, ant- wartete Bürgermeister Dr. W e i n r e i ch bejahend; bezüglich der Volksbibliothek bestände jedoch Zweifel, ob die Lage der Schicke an der Peripherie als zweckmäßig zu betrachten ist. Die Versammlung trat darauf in eine nicht öffentliche Sitzung ein, in der u. a. auch der Ankauf eines Grundstückes bei Ueckeritz an der Ostsee zum Zwecke der Errichtung eines Ferien- Erholungsheims zur Beratung stand. Dem Ankauf, der einen Kostenaufwand von rund 7800 Mark erfordert, wurde zu- gestimmt. Charlottenburg. Ausstellung der Einäscherungserklörungen durch die Bezirks- Vorsteher Nach§ 9 des Feuerbestattungsgesetzes vom 14. September 1911 haben diejenigen, welche dereinst eingeäschert zu werden wünschen, ihren Willen entweder durch letztwillige Verfügung oder durch eine mündliche Erklärung Ausdruck zu geben, die von emer zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigte Person beurkundet sein muß. Diese Urkunden wurden in Charlottenburg bisher durch die Polizei und durch den Magistrat, Geschäftsstelle III, vollzogen. Um nun den von vielen Seiten vorgebrachten Wünschen zu entsprechen, hat der Magistrat von Charlottenburg beschlossen, die Ausstellung der Einäscherungserklärungen auch den Bezirksvorstehern zu über- tragen. Trevtow-Baumf chulenweg. In der Halbjahrs-Gcneralvcrsammlung der WahlvereiuS, die in« Lokal zur Rennbahn in Treptow tagte, erstattete der Vorsitzende den Täligkeitsberichr des Vorstandes. Derselbe führte aus, daß nach den Landlagswahlen ganz besonders an dem Ausbau der Organisation gearbeitet worden sei. Der Beschluß der letzten Kreis- General- Versammlung betreffend Einführung der Hauskassierung sei durch- geführt und allgemein als notwendig anerkannt. Um das Interesse an den Zahlabenden zu erwecken, habe der Vorstand eine Anzahl Referenten gewonnen, die regelmäßig Vorträge halten. Zur Belehrung der weiblichen Mitglieder werde in den Wintermonaten in beiden Ortsteilen ein Vortragskursus über Deutsche Geschichte veranstaltet. Bekanntgegeben wurden einige Ein- gaben an den Gemeindevorstand, welche jedoch von demselben ab- gelehnt worden seien; dies lege Zeugnis ab von der sozialpolitischen Rückständigkeit dieser Körperschaft. Die Mitgliederzahl habe im letzten Halbjahre infolge der großen Arbeitslosigkeit eine wesentliche Zunahme nicht erfahren. Die Kassen- Verhältnisse seien befriedigend. Bon der Kinderschutzkommission wurde berichtet, daß durch die Kontrolle die Zahl der in den Morgen- stunden beschäftigten Kinder stark zurückgegangen sei. Die Lokalkommission teilte mit, daß sämtliche Lokale frei sind. In der Diskussion wurden wesentliche Einwendungen an der Tätigkeit des Vorstandes nicht gemacht. Scharf verurteilt wurde dagegen das Verhalten des Genosse» Emil Lüdke, der entgegen einem Beschlüsse der Funktionäre eine öffentliche Versammlung mit dem Thema:„Ter Gebärstreik" arrangierte. Dafür wurde dem- selben eine Rüge erteilt. Gegen den Referenten dieser Versamm- lung, den Genossen Dr. A. Bernstein, soll Beschwerde beim Kreis erhoben werden. Anträge zur Kreis- und Verbandsgeneralversammlung lagen nicht vor. Nachdem noch die Delegiertenwahlen vollzogen waren, schloß der Vorsitzende mit der Mahnung an die Genossen, die Wintermonate zu benutzen zur weiteren Ausbreitung unserer Oagani- sation und zur Gewinnung neuer Leser des„Vorwärts". Nowawe«. Einen schmerzlichen Verlust hat die hiesige Arbeiterschaft zu be- klagen. Am 17. d. Mts. verstarb nach langwieriger Krankheit der Tischler Ernst Sauerniann, der Gründer und langjährige Vor- sitzende bezw. Bevollmächtigte der hiesigen Zahlstelle des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Der Verstorbene hat unter dem Sozialisten- gesetz mit manch anderem Kampfgenossen den reaktionären Schikanen getrotzt und auch durch seine spätere Tätigkeit zur Erstarkung der politischen Organisation ivie der Gewerkschaften in hohem Maße bei- getragen. Die Arbeiterschaft wird sein Andenken stets in Ehren halten! Ein kleiner Gernegroß, der bei der hiesigen Polizeibehörde an- gestellte Polizeibeamte Klein, verläßt am 1. Dezember den Ort, um in Birkenwerder bei Oranienburg eine neue Stellung anzutreten. Sein etwas plötzlicber Abgang ist deshalb erwähnenswert, weil er sich in der kurzen Zeit seines Hierseins nicht nur in bürgerlichen Kreisen durck seine zahlreichen Anzeigen äußerst mißliebig gemacht, sondern durch sein Vorgehen gegen die Arbeiterschaft sich auch deren berechtigte Verachtung zugezogen hat. Er hatte sich die Bekämpfung der Sozialdemokratie zur besonderen Aufgabe gemacht, dabei jedoch, wie sein Abgang zu beweisen scheint, nicht die erhofften Lorbeeren geerntet. Auf sein Konto ist auch die Bestrafung des Vorsitzenden des Wahlvereins in Höhe von 6 und 75 M. wegen Vorkommnissen bei der diesjährigen Maifeier im Schmidtschen Lolal zu setzen. Eingegangene Druckfekriften. Max Liebcrmaun. Von E. Hancke. 30 M., geb. 35 M. S. Cassirer- Berlin W 35. Juristisch- psychiatrische Grcnzfragen. 9. Bd. Heft 6. Die Alkohol-GetsteSstöruiigen. Gemeinverständlich als Grundlag, der pral- tischen und strastech Iiichen Trinkerfürsorge dargestellt von Dr. F. Schäfer. 1,60 M.—'rzUmliulojg;!-» medizinales. Literarische Studie von Dr. I. Bresler. 1 M..— C. Marhold, Halle a. S. Bücherei der Gesundheitspflege. Bd. 4. Hygiene der Lunge im gesunden und kranken Zustande. Von Prof. Dr. L. v. Schröttcr. 1,80 M-, geb. 2,25 M.— Bd. ö. Hygiene des Auges im gesunden und kranke« Zustande. Von Pros. Dr. O. v. Sicherer. 1,80 M., geb. 2,25 M.— Bd. 7. Hygiene der Zähne und des Mundes im gc- sundcn und kranken Zustande. Von Pros. Dr. G. Port. 1,40 M., geb. 1,80 M.— E. H. Moritz, Stuttgart. Dorigenossen. Neue Erzählungen von A. Huggenberger. 3 M., geb. 4 M. L. Staaclmann, Leipzig. Künftlcrbriefc anS dem 19. Jahrhundert. 181 Abbildungen. 14 M. B. Cassirer, Berlin W 35. Sternbuch für Anfänger. 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Zehlendorf llU8t*IlriaÄUn«t: He teste teil» ist ein M hi Jeapptei terzettfe" Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiklepp, Neukölln. Für den Jnjeralenleii oerantw.: Tb.Glncke.Lerlill. Druck u-Äerlagi-llorwarl««uchdruiterei u.«erlagSanftal»«aut Smaer BerlmSM