Ar. 312. JibonncmcntS'Redingungtn: Abonnements- Preis pränumerando: Tierteljährl. ZP0 Mk.. monail. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Psg, frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psa, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für daS übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Crldittnt täglich. � ♦>. Verlinev Volksblatt. Sie Insertion;-Lebilhi' beträgt für die scchsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum m Pfg. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versnmnuungs-Anzeigen L0 Pfg. „Kleine dlnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis £> Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffiiet, Telegramm- Adresse: „S«xislä«mol!ki>t Rtrlin", Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: SSI. 68, Llndenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzpla»,- Nr. 1383. Infame Ihme. Das deutsche Unternehmertum, vom kleinen Gewerbetreibenden bis zu dem Reichsten der Reichen, vereinigt sich in geschlossener Front zu dem Vorstoß gegen das Koalitionsrecht. Der Hetze, die die Konservativen eingeleitet, der die groß- industriellen Scharfmacher sich mit Begeisterung angeschlossen haben, hat sich jetzt auch nach seinem Jndustrierat das Direk- torium des H a n s a b u u d e s nicht versagt. Denn der Be- schluß, den Herr R i e ß e r und seine Leute gefaßt haben, ist alles, was ein Scharfmacherhcrz zunächst nur wünschen kann. Rasch hat der Hansabund die Entwickelung zurückgelegt, die wir bei seiner Gründung vorausgesagt haben. Bürger heraus! rief damals Herr Rießcr. Heraus zum Kampf gegen die Junkerherrschaft, heraus zum Kampf für eine liberale Entwickelung in Teutschland! Industrielle und Beamte, Kauflcute und Angestellte sollten in geschlossener Front gegen die Reaktion geführt werden. Und das Resultat: Der An- schluß des Bundes an das„Kartell der ständigen Sckiarf- inacher", das sich die Konservativen zur Befestigung ihrer Herrschaft geschaffen haben, und Mißbrauch der Angestellten für die schlimmsten Machenschaften aller Arbeiterfeindc. Und das ist die erste Frage: Was werden die Verbände der A n g e st e l l t e u nunmehr tun? Wollen sie noch länger einem Bunde angehören, der das Ge- schrei für den Arbcitswilligenschntz zu seinem Kampfruf ge- macht hat? Wollen sie sich weiter zu Werkzeugen ihrer Feinde, der Feinde aller von Lohn und Gehalt Lebenden mißbrauchen lassen? Mitschuldige des S ch a r f m a ch c r t u ms würden sie sein, wenn sie diese Frage bejahen würden. Denn aus ihnen lastet mit voller Wucht die Verantwortung. Werfen sie ihre Mitgliedskarten dem Herrn Rießcr, der sein Pro- gramm so rasch verraten hat, zerrissen vor die Füße, dann bat der H a n s a b u n d aufgehört zu e x i st i e r c n. Denn da� er auf die Gefolgschaft eines großen Teils der An- gestellteii hinweisen konnte, hat ja deni Hausabund seinen be- sondereu Charakter gegeben. Ohne die Angestellten sinkt er neben den anderen Verbänden der Industrie schnell zur vollen Bedeutungslosigkeit herab. Ter Entscheid kann unseres Erachtens nicht zweifelhast sein. Zwar hat der Hansabund aus Angst vor den Auge- stellten sein letztes Wort«och nicht gesprochen. Er hat nach dem Muster der Nationallibcralen einen'Ausschuß eingesetzt, der beraten soll, ob die Gewerkschaften noch mehr wie bisher wegen Nötigung und Bedrohung verfolgt, ob die Auferlegung der Schadensersatzpslicht die Lohnkämpfe nicht ganz verhindern könnte. Die Beratung ist ja auch wohl notivendig, um ein Gesetz zustande zu bringen, daß nur die Getverkschaften trifft, die Verbände der Unternehmer, die über ganz andere Zwangsund Machtmittel verfügen, aber vor jeder Verfolgung sicher- stellt. Brauchen jedoch die Angestellten wirklich erst dieses letzte Wort abzuwarten, genügt nicht, was das Direktorium bcreit's beschlossen hat? Von einem förmlichen Belageruugs- zustand gegen die—-Unternehmer tvagt der Hansabund zu reden und er formet im Verein niit allen anderen Scharfmachern, daß die bestehenden Gesetze und Verordnungen ini vollen Um- fange zur Geltung gebracht werden. Dk. staatliche« Exekutivorgaue sollen von der Regierung die nötigen Anweisungen er- halten, die das Streikpostenstehen gaiiz unmöglich machen würden. Und trotz der frischen Erinnerung an die schnelle Justiz im Ruhrstrcik wagt der Hansabund noch eine Be- schleunigung der Justiz zu fordern! Man muß den Charakter unserer Streikjustiz kennen, um zu wissen, was diese Forderungen bedeuten. Daß im Reichs- tag trotz aller Hetze schließlich eine Verschlechterung der gcsetz- lichen Bestimmungen durchgesetzt werden könnte, das halten wir vorläckfig nicht gerade für wahrscheinlich. Um.so sicherer aber ist es, daß dieses'Schreien nach schärferem Vorgehen der Polizei und der Gerichte unmittelbar die unheil- voll st eu Folgen für die deutsche Arbeiter- s ch a f t nach sich ziehen kann. Steht dock) schon Heiitc das deutsche Proletariat unter dem denkbar krassesten Ausnahmezustand. Denn was auf diesem Gebiete die Gesetze nicht leisten, das leistet die deutsche Recht- sprcchuug. Schon heute ist ja der Streikende in den Augen der Justiz ein Verbrecher, der Arbeitswillige aber ein Held, dem alle ihre Sympathie und all ihr Schutz gehört. Zun» Beweis dafür können nicht nur die Fälle dienen, wo Mörder freigesprochen werden, wenn der Mör- der der Arbeitswillige und das Opfer ein Streikender ist. Die Freisprechung des Brandenburg durch das Stettiner Schwurgericht steht ja nicht allein. Der berufsniäßige Streik- brecher Ruppert, der am 14.September 1912 in Burg bei Magdeburg einen Streikenden erschoß, ist im November von oen Geschworenen in Magdeburg freigesprochen worden, nachdem der Staatsantoalt— und das ist ebenso bezeichnend � wie der Freispruch selbst— auf Putativnotwehr(vermeintliche Notwehr) plädiert hatte. Dabei l>at dieser Ruppert wenige Monate darauf in Berlin wieder einen wüsten Re- volvcrerzeß begangen, bei dem mehrere Personen verletzt wur- den. Jedoch noch bezeichnender als diese krassen Fälle und in ! ihrer Summe noch schwerer auf die Arbeiterklasse drückend � sind die Opfer, die die Justiz Tag für Tag verschlingt. Be- � schleunigung der Justiz, Anwendung der Gesetze in vollem � Umfang schreien die Scharfmacher. Nach einer Teilzählung, ! die'drci Monate nach dem Bcrgarbeiterstreik erschien, erhielten 310 Männer und 106 Frauen insgesamt 8 3»/j. Jahre Gefängnis u n d Zuchthaus und 11069 Mark G e l d st r a f e I Die Gesamtzahl der Ver- urteilten ist weit höher und wurde vom Staatssekretär Del- brück mit etiva 2000 angegeben. Und was waren das für Urteile! Von der 6. Strafkammer in Bqchum erhielt ein Angeklagter Becker, der dabei g e st a n d e n hatte, wie ein Arbeitswilliger geschlagen wurde, sechs Monate Gefängnis! Das Gericht hat nämlich festgestellt,„daß Becker sich unter dem fraglichen Trupp streikender Bergleute befunden hat". Aus dieser Tatsache hat dann das Gericht den untrüglichen Schluß gezogen, daß„Becker bewußt und gewollt gebilligt hat, ivas die anderen taten. Also alles, was seine Begleiter getan haben, fällt Becker zur Last. Er befindet sich in einer Art untätiger Mittäterschaft". Untätiger Mittäter- schaft! Nach dieser Logik müßte jeder Scharfmacljer als An- stiftcr und Billiger der Taten eines Brandenburg und Nup- pert und erst reckst die Geschworenen, die diese freisprachen, wegen Mordes verurteilt werden! Der Arbeitswillige hat ja nach der Auffassung unserer Gerichte überhaupt eine besonders empfindliche Ehre. Für die Worte eines ergrauten Arbeiters au zwei jugendliche Streik- brecher:„Schämt Ihr Euch nicht, so jung und schon so ver- darben", verhängte das Schöffengericht.Hamburg zwei Wochen Gefängnis! Das Wort„Ekel" kostete einem Mausfelber Bergarbeiter einen Monat Gefängnis. Die Worte„R. handle ehrlos, wenn er seinen Kollegen in den Rücken falle", ahndete das Schöffengericht Neukölln mit drei Monaten, das Land- gcricht Berlin mit zwei Wochen Gefängnis! Das bloße Wort „Streikbrecher" wurde in Hamburg mit drei Monaten Ge- fängnis bestraft, in den Ruhrstreikprozessen mit Gefängnis bis zu zwei Monaten. Ja, für die Bezeichnung„Raußreißer" wurde in Erfurt auf vier Wochen Gefängnis erkannt, für den Ausdruck„Arbeitswillige" vom Landgericht III auf drei Wochen. A e r z t e dagegen wurden immer wieder, wenn sie Kollegen Streikbrecher nannten, freigesprochen. Anders als Streikende werden die Streikbrecher behau- delt. Ter berühmte H i n tz e hatte Streikende in Leipzig mit den Worten«Lump, Vagabund, HaderÄinip verfluchter, ich box dir eine riu", beschimpft. Vor dem Kriegsgericht der zweiten. Division in Rastenburg wurde er wegen öffentlicher Beleidigung in zwei Fällen zu 3 Mark und 3 Mark Geld- strafe verurteilt! Wegen ähnlicher Zurufe haben Strei- kende im Ruhrrevicr ein bis zwei Monate Gefängnis er- halten. Der Strcikbrecheragent 5laczi)iareck hatte zu einein Streikenden gesagt:„Dir Strolch habe ich schon lange auf den Zug, mach ja, daß Du ivegkommst, ich schmeiße Dich sonst in die Pauke." Urteil: 20 Mark Geldstrafe! Wir könnten diese Fälle, die ja nur einen kleinen Aus- schnitt aus dem viel umfangreicheren Gebiete der Streikjustiz behandeln, noch unendlich vermehren. In der jüngst im Vor- wärtsverlag erschienenen sehr lesenswerten Broschüre Erich Kuttners„ K l a s s e n j u st i z" findet man seitenlange Auf- Zählungen solcher Urteile. Aber das Wenige, was wir gesagt haben, zeigt, daß das Verlangen nach Ausnahmegesetzen völlig überflüssig, um so nötiger aber der Ruf nach Schutz des 5t 0 a l i t i 0 n s r c ch t s ist. Tic deutsche Rechtsprechung, die ganz unter dem Banne des biirgerlsthe« Klassenurteils steht, bedeutet heute bereits eine unerträgliche E i n sch r ä n- kung des Grundrechts des Proletariatsund legt den deutschen Arbeitern Opfer auf, die keine Arbeiterklasse eines zivilisier- t e n Landes mehr zu bringen hat. Und eine solche Justiz soll noch besonders scharf gemacht werden! Zugleich aber zeigt diese kleine Blütenlese, auf welch fruchtbaren Boden die Saat ausgestreut wird. Die Richter, die so urteilen, die Staatsanwälte, die solche Anklagen er- heben, die leihen ein nur zu geneigtes Ohr den Forderungen, die ihre Klassengenossen jetzt mit solchem Ungestüm au sie stellen. Was immer das schließliche Resultat der Hetze gegen das Koalitiousrecht sein mag, wir müssen darauf, gesaßt sein, daß die Verurteilungen Streikender noch härter und drakonischer, die D r a n g s a l i e r u n- gen der Streikposten durch die Polizei noch häufiger und schlimmer sein werden. Und dieser Hetze hat sich der H a n s a b u u d ganz und gar angeschlossen, darin unter- scheidet ihn nichts von den schlimmsten Feinden der Arbeiter- klaffe! Können es daher die Verbände der Expedition: SSI. 68, Llndenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplat», Nr. 1384» 'Angestellten noch verantworten, ihm län- g e r e Gefolgschaft zu leisten? Die Arbeiter aber kennen die Antwort. Auf die Bedrohung des Koalitionsrechts antworten sie mit dem Ruf nach seinem Schutz. Und den Versuchen, ihre Lohnkämpfc zu ver- hindern, setzen sie entgegen die leidenschaftliche Werbe- arbeit für ihre Organisation. Stärken wir die Gewerkschaften und machen wir uns bereit! Und wenn dann jene kommen, dann sollen sie uns zu einer Abwehr gerüstet finden, die ihnen die Lust an ihr e n Hetzereien gründlich benehmen wird. vs; Spionagegeietz. Der Militarismus wird in seinen Forderungen von Tag zu Tag unverfrorener. Es genügen ihm nicht die ungeheuren Gut- und Blutopfcr, die ihm eine allzu willige Volksvertretung Jahr um Jahr in erhöhtem Matze darbringt. Es genügt ihm nicht die Herrschast über 800 0l)0 Menschen, die ihm wehr- und willenlos unterworfen sind. Auch die gesamte Oefsentlichkcit soll seinem Machtbereiche einverleibt werden. Das zeigen nicht nur die Vor- gänge in dem Vogcsenstädtchcn Zabern, das zeigt auch die Vorlage, die der deutsche Reichstag in seiner Mittwochssitzung in erster Lesung beraten hat. Gesetzentwurf betr. den Verrat militärischer Geheimnisse nennt der Herr Staatssekretär der Justiz sein jüngstes Produkt, und er tut so, als ob ihm über Nacht die Erleuchtung gekommen wäre, datz das jetzige aus dem Jahre 1883 stammende Gesetz nicht mehr imstande sei, das geliebte deutsche Vaterland von in-»nd ausländischen Spionen zu schützen, und datz nur durch Verschärfung der bestehenden Strafparagraphen und durch Ausdehnung des Gesetzes auch auf Mitteilungen der Presse das herrliche Deutsche Reich vor dem ihm sonst sicher drohenden Untergänge gerettet werden könnte. Datz die Spionage und der Verrat militärischer Geheimnisse gegen Entgelt an sich ein verwerfliches Gewerk ist, darüber besteht wohl nirgends eine Meinungsverschiedenheit. Aber weder die völlig nichtssagende Rede L i s c 0 s, noch die im schneidigen Kommandoton, stark an eine Rekrutenvcrcidigung erinnernde Jungfernrede des neuen Herrn K r i c g s ni i n i st e r s vermochten darüber hinwegzutäuschen, datz es sich dem Militarismus um ganz andere Tinge noch bandelt. Uebrigens wird man das Debüt des„neuen Herrn der dUltschen Armee" nicht als sonderlich glücklich bezeichnen können. Er mimte zwar den Biedermann, der sich sogar vor der Kritik nickt scheue, der die Presse so hoch achte wie sonst niemand auf Gottes weitem Erdenrund, und der sogar auf die allermodernstcn Forderungen und Wünsche dankbar einzugchen bereit sei. Aber w i e er das sagte, die Art, wie. er sich als Kriegsminister des Königs von Preuhen im Reichstage einführte, den Nachdruck, den er aus die Mitarbeit des gesund«» vaterländischen Teiles des deutschen Volkes legte, ergaben sofort, datz auch Herr v. F a l- k c n h a t> n keinen anderen Faden spinnen>vird, als seine mehr oder minder erleuchteten Vorgänger, höchstens eine andere Nummer. Die nächste Zukunft wird es schon erweisen: Reformen in der Heeres- Verwaltung werden in ihm einen ebenso starken Gegner finden, wie in den Heeringen, Einem e tutti guuuti. Genosse Stadthagcn, der als erster Redner aus denk Hause nach Herrn T i r p i tz kurzer Zustimmungserklärung zum Wort kam, hing sofort der Katze die Schelle um. In dürren Worten erklärte er der Militärverwaltung, datz es sich bei dein Gesetzentwurf um nicht mehr und nicht Iveniger bandele, als die Presse und die gesamte Ocffentlichkeit unter die Oberausticht der Militärkommandantur zu stellen. Vor allen Dingen solle ein Ge- setz gegen die Presse gemacht werden, um den Militarismus vor unbequemer Kritik zu schützen. Werde der Entwurf in der vorliegenden Fassung Gesetz, so sei die Heeresverlvaltung, die ganze innere Einrichtung der. Armee, ein Kräutlein Rühretnichtdaran, jed- wedc Beseitigung von Mitzständen sei ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn man die Spionage bekämpfen wolle, dann müsse man ihr den Nährboden entziehen, und das ist der Militarismus selbst. Schonungslos deckte unser Redner die geheimen Absichten aus. die mit der Vorlage erreicht werden sollen, nichts schenkte er ihren Vätern, weder den Krupp-Prozetz. noch die Zaberner Wackcs- Affäre, noch die Spitzeleien, die Polizei- und Armeeverwaltungen aller Länder aus dem Gewissen haben. Im Interesse der Sicher- heit deutscher Staatsbürger, im Interesse des deutschen Heeres selbst verlangte Genosse Stadthagen unter lebhaftem Beifalle der Fraktion das sofortige Begräbnis der Regierungsvorlage. Darauf lietzen sich nun freilich die'Mehrheitsparteien nicht ein. Wohl forderte die Vorlage auch den Zentrumsredner Dr. Gröber zur schärfsten Kritik heraus, wohl fand sogar der Einerseits-Andcrseits-Professor van C a l k e r als Wortführer der nationalliberalen Fraktion die§§ 1 und 9 des Gesetzes 11 n a n- 11c hm bar, ein Unannehmbar, das auch von dem Sprecher der Fortschrittler, dem Professor Liszt, und sogar von Herrn Mer- t i n für die Reichspartci bezüglich des 8 9 ausgesprochen wurde, während natürlich die Konservativen durch Herrn H 0 l t s ch k c verkünden ließen, datz sie mit der Vorlage„im großen und ganzen" einverstanden seien. Aber eine 5i 0 m m i s s i 0 n s b c r a t u n g hielten sie doch alle für notwendig. Mit scharfer Pointierung polemisierte Genosse Cohen in seiner Jungfernrede, die die volle Aufmerksamkeit des HausÄ fand, sowohl gegen den Staatssekretär, als auch gegen die bürgerlichen Redner. Mit schneidender Schärfe wies er nach, datz, solange das Rüstungskapital international versippt, solange die Rüstungs- iudustrie nicht verstaatlicht, alle Bemühungen, die Spionage zu unterdrücken, vergeblich sind. Strafbeftimmungcn werden dal» Kapital nichi abschrecken, nur die Tpitzclquoie wird mit ihren Verschärfungen steigen. Scharfe Worte fand unser Redner auch gegen die e-pitzelcien der politischen Polizei, und am Falle Redl wies er nach, dag selbst das Ofjizierkorps nicht gefeit ist vor minderwertigen Elementen, dag aber gerade der falsche Ehrbegriff der Herren Offiziere die Aufdeckung der ganzen Wahrheit zum Schaden des Vaterlandes verhindere. Zum Schluß wies Genosse Cohen, auf ein Wort des Kriegsministers eingehend, die Wege, welche die deutsche Regierung wandeln müßte, wollte sie wirklich alle Chancen aus- nützen, um in einem zukünftigen Kriege siegen zu können. Mehr als alle Spionagegesetze, mehr als alle Strafbestimmungen sichern den Sieg in einem künftigen Kriege die aus Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit crsprießende wahrhaft nationale und staatliche Gesinnung des Volkes. Durch stürmischen Beifall bekräftigte die sozialdemokratische Fraktion diese und die Schlußworte des Redners. in denen er den bürgerlichen Parteien mitsamt der Regierung die volle Verantlvortung für alle Folgen der weiteren Rechtlosigkeit des deutschen Volkes auflud und ihnen ein„Lernt, Ihr seid gewarntl" zurief. Nun glaubte Herr v. F a l k e n h a y n sich als.Meister der Polemik zeigen zu tönnen. Er machte aber nur ztvei ganz kurze Ansätze und fuhr«damit— gründlich daneben. Mit Recht konnte Genosse Cohen ihm entgegnen, er möge doch nicht an ihm vorbei- reden und nicht auf präzis vorgebrachte Argumente mit nichts- sagenden Phrasen erwidern. Gegen die Sozialdemokratie wurde dann die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. * Genosse Cohen schreibt uns: „In der Beratung des�Spionagegesetzentwurss hatte ich auf die Aeußcrung des G e n e r a l l e u t n a n t s R o h n e in den„Ar- tillertstischen Monatsheften' hingewiesen, die die Ucberlegenheit der französischen Artillerie über die deutsche be- hauptcte. In meiner Schlußbemerkung gegen den Kriegsminister konnte ich in der Eile den Wortlaut nicht feststellen und teile ihn deshalb hier mit. Die betreffende Stelle in dem Aufsatz des Generalleutnants R ohne lautet wörtlich: „Ich glaube, die unbe st reitbare Tatsache, daß die führende Rolle von der deutschen Feld- artillerie auf die französische übergegangen ist, hängt>v es entlich mit der niedrigen Ein- schätz ung der wissenschaftlichen Betätigung unserer Offiziere zusammen". Sa; unfehlbare Mittel. Auf ein wahrhaft geniales Mittel zur Lösung der sozialen Frage ist man in Württemberg verfallen. Der Württembergische Ingenieur- verein hat ain Dienstag auf seiner Jahresversammlung beschlossen, daS Württenibergische Kultusministerium zu ersuchen, durch den öffentlichen Schulunterricht auf eine Milde r.n ng der Klassen- g e g e n s ä tz e hinzuarbeiten. Des weitere» teilte der Vorsitzende des Württembergischen Jngenieurvereins, Prof. Dr. Jng. v. Bach mit, daß auf seine Veranlassung der Vorstand des deutschen Goethe- Bundes ein Preisausschreiben erlassen werde, durch das die besten Arbeiten über das Thema, wie auf„rein menschlichem" Ge- biete eine Milderung der Klassengegensätze herbeizuführen sei, mit Preisen von 5000. 20tX> und lOOO M. bedacht werden sollten. Auf politischem und wirtschaftliche!» Wege habe man die Milderung der Klassengegensätze bisher vergeblich herbeizuführen versucht, nun müsse man eS auf besagtem„rein menschlichem" Gebiete versuchen. Es sei die Frage zu stellen:„Wie ist es gekommen, daß die gebildeten Oberschichten unseres Volles in so weitgehendem Matze die Fühlung mit den anderen Schichten verloren haben". Die Beantwortung dieser Frage müsie auch die Wege erkennen lassen, die künstig zur Lösung des sozialen Problems einzu- schlageiOseien. Wir möchten den Prcisbcwerbern einige Fingerzeige dafür geben, wie den„Oberschichten" ein größeres Verständnis für die Lage, die Bedürfnisse und die hierdurch bedingte» Seelenzustände der„anderen Schichten" beigebracht werden könnte. WaS das Schulwesen anlangt, so empfehlen wir die Einführung der Einheitsschule. Nur diejenigen Schüler, die unzweifelhafte Fähigkeiten für das eine oder andere Wissensgebiet beweisen, haben Zutritt zu den höheren Schulen. Jedes Privileg des Geldsacks scheidet aus. Außerdem haben alle Kinder der Bessersituierten drei- mal in der Woche ohne warmes Frühstück die Schule zu besuchen. Ihre Ferien habe» diese Bourgeoiskinder als Rübenzieher zu ver» bringen. Auch die Wartung von Proletariersprößlingen liegt ihnen für die Freizeit ob. Die proletarischen Schüler dagegen reisen mit den Bourgeoiseltern an die See oder ins Hochgebirge. Die Unternehmer haben 6 Monate in« Jahre als Lohnarbeiter zu schufte». Die Bankdirektoren werden als KommiS, die Agrarier als Landproletarier zu den ortsüblichen Löhnen beschäftigt. Die Herrschasten arbeiten 6 Monate im Jahre als Dienstboten. Die Krupp-Direktoren besorgen statt der Feuerwerker den Spionage- dienst.— Die Hausagrarier und Villenbesitzer wohnen in 1°> und 2-Swben- Wohnungen in Mietskasernen, während die Proletarier die Herrschaft- lichen Wohnungen beziehen. Die Aerzte haben sich und ihre Familie in Erkrankungssällen als Kassenpatienten behandeln zu lassen; die erkrankten Proletarier werden durch Hausärzte und in Privatsanatorien behandelt. Die Richter und Staatsanwälte beziehen zur Probe ein Jahr lang Ge- fängnisse und Zuchthäuser. Die Proletarier fahren künftig 1. und 2. Klasse, während den Befitzenden die Bazillenkutschen vierter Güte überwiesen werden. In« Theater kommen die Proleten ins Parkett und auf den ersten Rang, während die Herren Bourgeois sich aufs Juchhe zu begeben haben. Die Offiziere werden während der Hälfte der Dienstzeit von den„Gemeinen" gedrillt..... Das sind nur einige Fingerzeige. Aber ihre Berücksichtigung und Praktizierung würde den„Oberschichten" bereits binnen über- raschend kurzer Zeit zu einem Verständnis der Psyche der Proletarier verhelfen I Wir geben den Preisbewerbern diese Ratschläge gern gratis. Wir gönnen ihnen von Herzen die Preise. Nur fürchten wir, daß auch die trefflichsten Arbeiten zur Milderung der Klassengegensätze nicht das geringste beitragen iverden, dieweilen die„Oberschichten" sich hüten werden, von der ihnen gegebenen Studiengelegenheit Ge- brauch zu»lachen!_ polltirche Qebcrficht. Geschäftsdispositionen des Reichstages. Der Seniorenkonvent des Reichstages trat heute vor Beginn der Plenarsitzuiig zusammen und einigte sich dahin, am Sonnabend, den 13. Dezember, die Weihnachtsferien beginnen zu lassen, die bis zum 13. Januar 1911 dauern sollen. Auf die Tagesordnung für Donnerstag sollen gesetzt werden: die Vorlage betreffend Hilfskräste beim Reichsgericht, betreffend den Kolonialgerichtshof und wenn möglich die Wanderlager. Am Freitag und Sonnabend sollen Wahl- Prüfungen stattfinden. Die Abstimmungen über diese Wahlen sollen jedoch mit Rücksicht aus die Landtagseröffnung in Baden erst am Dienstag, den 2. Dezember, stattfinden. An demselben Tage sollen die Etatsberatungen beginnen. Nach beendeter erster Lesung des Etats soll die Besprechung der Interpellationen betreffend die Arbeitslosigkeit und betreffend die Vorgänge in Zabern erfolgen. Der Montag nächster Woche ist für die erste Lesung kleinerer Vorlagen verfügbar. Kurze Anfragen im Reichstage. Am Freitag wird die Regierung Anlaß haben, auf eine ganze Anzahl kurzer Anfragen Auskunft zu erteilen. Abg. Bock(Soz.) fragt an:„Ist die die Waffenindustrie stark beuirruhigende Nachricht richtig, daß die Verbündeten Regierungen gesetzgeberische Vorschläge zu inachen beabsichtigen, die auf eine Einschränkung des Handels mit Waffen abzielen?" Abg. Dr. Herzfeld(Soz.) stagt an, ob es richtig ist, daß daS Reichsautt des Innern eine Untersuchung über die Beziehungen deS englisch-ainerikanischen Tabakirustes zur deutschen Zigarettenindnstrie in die Wege zu leiten beschlossen hat. Die Frage geht dann weiter dahil«, ob der Reichskanzler zur Untersuchung dieser Angelegenheit Vertreter der Fraktionen deS Reichstages hinzuziehen wird. Abg. Göhre sSoz.) stellt folgende Anfrage:„Wairn und in welcher Gestalt wird die in Aussicht genominene Sachverständig««- kommission für WohnungSreform in Tätigkeit treten?" Die Abgg. Dr. Junck und Dr. Böttger snatl.) fragen an:„Ist es richtig, daß die Enlwurfsbearbettung zum Botschaftergebäude in Washington eiirein Architekten übertragen worden ist, der sich an den vom Auswärtigen Aint ausgeschriebenen Wettbewerbe deutscher Architekten überhaupt nicht beteiligt hat? Welche Gründe find hier- für maßgebend gewesen?" Abg. Alters(Welse) stellt die Anfrage, ob die öffentlich aufge- stellte Behauptung richtig ist, daß aus Anlaß der Heeresverstärkung seitens der deutschen HeereSverwaltmig Pferde ausländischer Her- kruift angekauft wurden, obwohl geeignete Tiere deutscher Zucht reichlich angeboten worden sind. Wiederaufnahme im Disziplinarverfahren. Ten« Reichstage ist ein Gesetzentwurf über die Wiederaufi«ahme eines Disziplinarverfahrens zugegangen. Der Wiederaufnahme z u g u n st e i« eines verurteilten und aus den« Ainte entfernten Beamten soll nach dem Entwurf dann stattgegeben werden, ivenii Tatsachen bekannt werden, die den Spruch ungerechtfertigt erscheinen lassen. Die Wiederaufnahme des Disziplinarverfahrens z n u n g u n st e n eines Beamten ist zulässig, wen«« anzunehinen ist, daß in« neuen Verfahren auf Dienstentlassung erkannt werden wird, die W-icderaufnahinc in diesem Falle ist»ur während eines Zeiträume? von fünf Jahren zulässig. Der Zaberner Fall. Der„Elsässer" schreibt tu einem kurzen zusammenfassenden Bericht über die Vorkommnisse iin Zaberner 99. Infanterie- Regiment: „Wir stellen fest und es wird durch die gerichtliche Nach- Prüfung in allen wesentlichen Puntten erhärtet, daß ein Offizier der ö. Koingagnie deS 99. Jnfanlerie- Regiments im Dienst die elsässische Bevölkerung gröblich beschimpft hat. Auf die in fest umgrenzter Form vorgebrachte Beschuldigung, die der„Elsässer" vor vierzehn Tagen erhob, ist die Militärbehörde bis heute, trotzdem die Presse imiirer wieder eine solche gewünscht hatte, die Antwort schuldig geblieben. Dadurch wird von militärischer Seite indirekt zugegeben, daß ein Rckrutenoffizier, der„unserer Jugend in dem«vichtigsten Abschnitt ihrer Ennvicklung als Lehrer und Erzieher bestellt ist",«hm untergebene Soldaten zur Demüiigung und Herabwürdigung ibres«tsässischen StainmcSbelvußtseinS gezwungen hat. Dabei blieb eS nicht. Derselbe„junge Mann" versprach seinen militärischen Zöglingen für die Tötung von elsässische» Stammesailgehörigen eine Geldsumme. Statt den« ungezügelten Betätignngsdrange des Rekrutenoffiziers ein Ziel zu setzen— was mit der LandeSpreffe auch die altdeutsche verlangte — beließ«hu das Generalkominando in seinem Wirkungskreis, wobei es in seinem starren Autoritätsgefühl durch eine tatlose Regierung sich bestärkt sehen mußte. Beide Gewalten tragen deshalb die volle Verantwortung für die dann kommende Fahnengeschichte. Die unzweideutigen Angaben deS„ElsäfferS" über Zeit, Ort und Personen konnten und können nicht widerlegt «verde». DaS weiß daS Generalkommando so gut wie«vir, deshalb handelte es in dieser Heillei« Situalion zun« ersten Male klug, als es ein neues„Dementi" nicht inehr veröffentlichte. Da- für verhaftet es die angeblichen„Schuldigen" und hält fruchtlose Haussuchungen ab.(Die von Zabern nach Straßburg versetzten elsässischen Rekrutei« wurden in Hast genommen.) So ist die Lage heute."- -st» * Zur Zaberner Angelegenheit wiflen außerdein die Straßburger „Neuesten Nachrichten" zu berichten, daß seit Dieirstag abend der kommandierende General v. Deimling denn Divisionskommandeur in Zabern weilt. Zu der Besprechung, die in der Angelegenheit des Leutnants v. Forstner stattfand, war das ganze Osfizierkorps zu- gezogen. Wie das Blatt aus bester Quelle erfährt, har v. Forstner einen scharfen Verweis erhalten, und hat er es nur seinem jugend- lichen Alter von 19 Jahren zu verdanken, daß er vorläufig im Heere verbleiben lann. Der Gebrauch des durch ihn angewandten Wortes„Wackes" ist inzwischen durch Regimentsbefehl streng ver- boten worden. Im Anschluß an den Fall«st auf den Gängen der Kaserne folgende Bekanntmachung handschriftlich angebracht:„Der Soldat hat über die bekannte Angelegenheit Verschwiegenheit zu be- obachien. Be« allen Meldungen und Aussagen muß er sich der strengsten Wahrheit befleißigen. Die absichtlich unrichtige Abstattung von Rapporten, dienstlichen Meldungen oder Berichten oder ihre wesent. liche Weiterbeförderung unterliegt strenger Bestrafung." Während der Oberst v. Reulter auf seinem Posten verbleibt, scheint die Stellung des Statthalters erschüttert zu sein. In ein- geweihten Kreisen wird erzählt, der Statthalter habe bereits zwei- «nal nach Berlin über die Zaberner Angelegenheit berichtet, sei aber bis heute ohne Antwort geblieben. Die ZentruniSstaktion deS elfaß-loth ringischen Landtags pro- testtert in einer Eingabe an den Landtag aufs schärfste gegen die Beleidigung des elsaß-lothringischen Volkes und gegen die BeHand- lung des Falles von Zabern durch die zuständigen Behörden. Die Fraktion will dafür Sorge trage««, daß„der traurige Fall im Land- tag die gebührende Beleuchtung findet". Aus dem sächsischen Landtage. Bei der Etatberatung in« sächsische»Landtag äußerte sich der sächsische Ftnanzmintstcr auch gleichzeitig über die Reichssteuern. Sie seien geeignet, der Finanzverwaltung der Etnzelstaatei« ernste Schwierigkeiten zu machen, wenn auf dem bis- herigen Wege fortgeschritten werden sollte. DaS zeige sich auch in dein sächsischen Haushaltsplan. Ter W e h r b e i t r a g sei noch verstäniiich gewesen, weil dadurch eine Millionenanleihe verinieden worden wäre, doch müsse eine Wiederholung dieses Versuchs unter allen Umständen ausgeschlossen bleiben. Es sei aber überflüssig gewesen, neben dem Wehrbeitrag««och eine Vermögenszuwachs st euer zu erheben. Man hätte mit indirekten Steuern und Abgaben bei dem Rechts- verkehr auskommen können.(Lebhafte Protestrufe li««ks.) Leider habe die sächsische Regierung die Vennögensznwachssteuer nicht verhütcn�können, sie werde aber bestrebt sein, die schlimmen Folgen für. die«taatsfinanzen nach Möglichkeit abzutvehren. Mit aller Entschiedenheit müsse sich die Regierung gegen jede Art R e i ch s v e r m ö g e n s st e u e r«« aussprechen. Denn es handle sich bier um nichts mehr oder weniger, als uin das Bestehen oder Nichtbestehen der Einzelstaatcn.(Zurufe links und Bewegung.) Die sächsische Regierung halte fest an dem Grundsatze, daß die direkten Steuern den E i n z e l st a a t e n verbleiben müßten. Nur so können sie und somit das Reich blühen und gedeihen. Auch der konservative Oekonoinierat Dr. Hühl erklärte, daß man an der Erhaltung der direkten Steuern für die Einzel- staaten festhalten müsse. Der nationalliberale Landgerichtsdirektor Hettler wendet sich mit etnigei, ausfallenden Bemerkungen gegen die So- zialdemokratie, der er vorwirft, daß sie bei der letzten Heercsver- inehrung durch ihre ablehnende Haltung die Arbeiterinteressen nicht wahrgenomnici« habe. Iin übrigen schildert er die Finanzlage Sachsens günstig und macht allen Beamte«, und Staatsarbcitcrn Versprechungen, bei denen offenbar die Nähe der Landtags- «v a h l e n maßgebend sind, denn bisher haben die National- liberalen für die Arbeiter noch nichts übrig gehabt. Zum Schluß erklärt der Redner, die Nationallibcralcn forderten nach«vie vor ein neues Schulgesetz nach liberalen Grundsätzen und würden da- von nicht ablassen. Genosse Fleißner wies die Anzapfungen der Nalionallibc- ralen Ivegen der sozialdemokratischen Haltung in der Rüstungsfrage scharf zurück und kennzeichnete dann die seitherige ablehnende Hal- tung der Nationalliberalen für die Wünsche der in den Staats- betrieben beschäftigten Arbeiter und den schroffen Gegensatz der Wahlrede Hettlers bei dem Etat. So schöne Reden hätten die Na- tionalliberalen für die Arbeiter, aber keine Taten. Bei der Schul- reforn« hätten die Sozialdemokraten alles aufgeboten, ein Gesetz für ein besseres Schulrecht zustande zu bringen, doch habe die Erste Kaiilmer den Gesetzenttourf der Zweiten Kammer vor die Füße geworfen. Sodann verkündete Genosse Fleißner einen sozialdemokratischen Antrag auf Befreiung der unteren Klaffen von der Staats- e r n k o in in e n st e u e r und kennzeichnete scharf das sächsische Steuersystem, besonders die indirekten Abgaben auf Schlachtvieh und Fleisch. Zum Schluß verwies er darauf, daß auf dem Gebiet der Sozialpolitik so gut«vie nichts geschehen sei. Die Etatseinstel- lungen seien auf die Interessen der herrschenden Klassen zugc- schnitten. Für die A r b e i t s lo s e n f ü r s o rg e habe«nan nichts übrig,«vohl aber große Summen für neue Prinzen- Apanagen und 250 099 M. für nationalc Jugend- k ö d e r u n g. Nach den Wünschen des Volkes, nach den Jnter- essen der Arbeiter frage nian nicht. Nachdem der Redner unter dein Betsall seiner Kollegen ge- schloffen halte, kritisierte der Freisinnige Günther die Uebcr- schnßpolitik des sächsischen Finanzministers, die er als verfassnngS» lvidrig bezeichnete.__ Aus dem bayerischen Landtage. In der Zweiten Kammer des bayerischen Landtags fanden am Mtttiooch ein Jentrnmsantrag und ein sozialdemokratischer Antrag einstimmige Annahme, die eine Aufstellung der Verteilung der Arbeiterversicherungslasten fordern. Zweck der Anttäge«st, den Anteil jener Kosten festzustellen, die die ärztlickien Gutachten ausmachen. Der Minister des Innern will nach Möglichkeit den Wünschen ent- sprechen. Die sozialistischen, liberalen und konservativen Fraktionen haben ferner Anttäge gestellt, daß die bayerische Regierung im Bundesrat auf einen Gesetzentwurf hinwirke, durch den die Kriegsteilnehmer Beihilfen erhalten. Die Sozialdemokraten verlangen mindestens 1 M. täglich. Auch hier versprach der Minister, sein Möglichstes zu tun. Alle Anträge wurden angenommen. Offiziöse Unverschämtheiten. In der„Kölnischen Zeitung"(Nr. 1325) leistet sich ein Osfiziosu« die Unverschämtheit, von euiem„Arbeitslosenrummel" der Sozialdemokratie zu schreiben. Er gebraucht Redewendungen, deren Gemeinheit nur noch von ihrer handgreiflichen Beschränktheit überboten wird. „Die Sozialdemokratie scheint unrettbar dein Wahn verfallen zu sein, daß nur die Ausnutzung einer ArbeitSIofigleit den Slill- stand in der Partei beseitigen könne. Arbeitslosigkeit heißt jetzt das Alpha und das Omega ihrer Agitation, und wo sie keine ArbettSlofigkelt, wie sie sie braucht, hat. da macht sie sich eine. Mi« Hilfe der Statistik und des allzeit bereiten arbeitsscheuen Mobs geht das ganz leicht. Die Stalistik kommt aus Papier, der Mob auf die Straße, und die sozialdemokratische Arbeitslosigkeit ist da! Die Berliner Gewerkschaftslommission hat durch eine Rund- frage bei den Gewerkschaftsorganisationen errechnet, daß 8,2 Proz. der organisierten Arbeiter Berlins arbeitslos seien, und«st nach einigem Hin- und Herjonglieren mit diesem Prozentsatz aus die Behaupiung gefallen, es gäbe in Groß-Berlin augenblicklich 83 999 Arbeitslose. Diese Behauptung hat natürlich nur einen Phantasiewert, aber sie stützt daS Wiederailfflackern der sozial- demokratischen Arbeitslosenagitation... Beizeiten«nuß dafür gesorgt«oerden, daß die sogenannten Arbeitslosenversammlungen nicht Sarnmelstellen für sozialdemo- kratisckie Straßenkundgebungen werden. Indem geringsten Zugeständnis nach dieser Richtung liegt eine große Gefahr. Darum gleich in« Anfang die nötige Eni- schiede nheit gegenüber jedem Versuch einer Kundgebung, die mit einer Besserung der Arbeitslosigkeit nichts zu tun hat!" Angesichts der Not iin ganzen Reiche wagt diese schöne Seele von„arbeitsscheuem Mob" zu sprechen, und so etwas repräsentiert nach eigener Behauptung die„anständige" Presse. Die Stadtverordnetenwahle» in Kiel. Kiel, 26. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Bei der heutigen estadiverordnetenwabl wurden fünf o- zialdemokratcn und vier Bürgerliche gewählt, trotzdem v e r l o r e n die Sozialdeinokraten ein Mandat, weil im vorigen Jahre die Zahl der Stadtverordneten von 36 auf 48 erhöht worden war und darum vorläufig jährlich außer den tnrnusgemäß ausscheidenden Stadtverordneten noch drei durch Los zu bestimmende Stadtverordnete ausscheiden müssen. Das Los traf diesmal ausschließlich sozial- demokratische Abgeordnete. Die Kieler Stadtverordttetenversammlung besteht nach der Wahl aus 25 Bürgerlichen und 23 Sozial- d e m o k r a t e n. Die Sozialdemokraten brachten 11 166. die Bürgerlichen 6800 Stimmen auf. Nur die B e z i r k s e i n- t e i l u n g hält eine sozialdemokratische Mehrheit vom Rat- Haufe fern. In den Wahlbezirken, wo hauptsächlich die Werftarbeiter wohnen, liatten die Bürgerlichen überhaupt keine Kandidaten aufgestellt. Die gottwohlgefällige Parteikasse. Auf der Delegiertenversarnmlung der Zentrumspartet des Kreis«« SaarlouiS hat der Sekretär der rheinischen Zentrumspartei Dr. I ö r, aus Kol,« laut der Nr. 299 der„Saarbrücker BolkSzeUung' d« Zentrumsparteikasse in folgender Weise gepriesen: In der sich anschließenden Diskussion ergriff u. a. auch Herr Dr. I ö r g das Wort, um kurz einige OrganisattonSfragen» streifen sowie die Notwendigkeit der Partetbeiträge darznfcg«». In letzterer Beziehung betonte er, daß der Parteibeitrag für das Zentrum mindestens so gottwohlgefällig sei wie Beiträge für die Missionen und für rein kirchliche Zwecke. Denn das Zentrum sorgt dafür, daß die Katholiken mindestens die religiösen Freiheiten behalten, die sie heute haben, und es ist nach Kräften bestrebt, daß sie auch jene Freiheit und Rechte erhalten, deren sie bisher noch ermangeln. Vom Parteibeitrage hat einer also genau so viel für die Ewigkeit wie von einem sonstigen guten Werk. Woraus zu entnehme, r ist, daß auch der Zutritt zur Seligkeit teurer wird; denn früher genügte schon der schwarze Stimmzettel. jetzt muß auch noch der Parteibeitrag entrichtet werden, bevor die HinnnelStüre sich öffnet. Immerhin bleibt die Zentrumspartei konkurrenzlos, denn sie ist die einzige Partei, die ihren Mitgliedern für ihre Zahlungswilligkeit die Freuden der Seligkeit zu garantieren vermag. Ob sich die Freuden der Ewigkeit steigern, je nach der Höhe des Parteibeitrages, hat Herr Dr. Jörg vergessen, bekannt zu geben._ Ausgewiesen. Die preußische Polizei hat ihren alten Ruhmeskranz um ein neues Heldenstück bereichert. Am Sonnabend, den 22. November 1Sl3, ist der Sörlitzer Bezirksleiter des Bäcker- und Konditoren Verbandes, Emil ProchaZka, aus Görlitz und aus Preußen als lästiger Ausländer ausgewiesen worden. Die näheren Umstände dieser Aus- Weisung lassen diese Maßregel als eine besonders gehässige er- scheinen. Emil Prochaska ist in Schlesien(Preußen) ge- boren; er verlebte auch in Preußen und Sachsen seine Jugend. Als er sich zum Militär stellte, sagte man ihm, er sei Oesterreicher. In Oesterreich wies man ihn ab mit der Begründung, er sei Preuße. Endlich hat er sich in Sachsen zum Militär stellen dürfen. Sämtliche Legitinrationspapiere, auch der Militärpaß, bescheinigen ihm die preußische Staatsangehörigkeit. Und wäre Prochaska nicht Beamter des Bäcker- und Kondiwrenverbandes geworden, so wäre er Preuße geblieben. Sein Vater ivar ein geborener Oesterreicher, der sich naturalisieren ließ. Bei einem großen Dorfbrande wurden auch diese Zkaturalisationspapiere sowie die Personenstandsakten der Gemeinde vernichtet. Bater und Mutter P.s starben, als er 8 rcsp. 4 Jahre zählte. Jeder einsichtsvolle Mensch weiß, daß dem Personenstand in früherer Zeit in Gemeinden wenig Bedeutung beigemessen wurde und daß unter solchen Umständen ein Staats- angehörigkeitsnachweis sebr schwierig ist. Die Görlitzer Polizei verlangte bei der Absicht Prochaskas vor cttva einem Jahre, sich zu verheiraten, den �staatsangehörigkeitsnachweis. Dies war P. wegen der oben angeführten Gründe nicht möglich. Er versuchte, sich in anderen Orten zu verheiraten, aber die Behörden, einmal auf- merksam gemacht, durchkreuzten diese Absicht. P. wurde am 21. No- vcmber d. I. nach dem Polizeirevier bestellt, und dort wurde ihm der Ausweisungsbefehl verlesen, nach welchem er innerhalb 24 Stun- den da».gastfreundliche" Preußen zu verlassen hat. Er wurde dann aufgefordert, das Aktenstück zu unterschreiben. Er weigerte sich, worauf ihm mit sofortiger Verhaftung und Transport über die Grenze gedroht wurde. Schließlich unterschrieb P. sein eigenes Urteil. Die Muren in Mexiko. Rückzug der Bundestruppen. El Paso, 26. November. Nach einer Meldung des Generals Villa ziehen sich die Bundestruppen gegen Süden zurück. Die Konstitutionalisten sollen alles Artilleriematerial aus drei von den sieben Zügen, die die Bundestruppcn in das Schlachtfeld brachten, erbeutet haben. Die verwundeten Offiziere der Bundestruppen.sind nach El Paso gebracht »vorden. Es wird gemeldet, daß 30 bis 40 gefangene Frei- »villige von den Bundestruppen auf Befehl Villas summarisch hingerichtet worden sind.. Oeltcmicb-Clngam. Deutsch-völkische Bübereien. Wie», 26. Nobenrber.(Abgeordnetenhaus.) Der Minister des Junern, Freiherr v. Hcinold, erklärte in Beantwortung von Interpellationen bezüglich der Sozialversicherungs vor- läge, die Regierung»verde aus die Fertigstellung des Gesetzes mit allem Nachdruck hiiuvirten. In der darauffolgenden Debatte über die Anträge bezüglich der Erhöhung der Lehrergehälter griff der Abgeordnete Ferdinand S e i d l(deutsch-national) die Sozialdemokraten auf das schärfste an.»vobci er ihnen Demagogie und unehrliches Verhalten gegen die Beamten vorwarf. Vizepräsident Perner st orfer(Soz.) bat das Haus um Entschuldigung, daß er aus persönlichen Gründen dem Abgeordneten Seidl trotz seiner äußerst beleidigen- den Ausdrücke keinen Ordnungsruf erteilt habe.(Lärmende Pfuirufe bei den Deutschnationalen. Beifall bei den Sozial- demokraten; Rufe von den Deutschradikalen und der Deutschen Arbeitspartei: Hinaus mit Pernerstorfer. Einige Sozialdemo- kraten lvarfen Zuckerstücke auf den Teutschradikalen Wolff(eine Anspielung auf die seinerzeitige jwrruptionsaffäre des Abg. Wolfs mit dem Zuckerkartell). Die Lärmszenen wiederholten sich bei jeder Erklärung Pernerstorfers bis zum Schluß.der Sitzung, die darauf bis morgen vertagt wurde. Friedensschluß in Kroatien. Budapest,'26. November. Abgeordnetenhaus. Ministerpräsident Graf Tisza erklärte auf Anfrage, daß die Verhandlungen mit den kroatischen Parteien zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hätten, da keinerlei Forderungen erhoben worden seien, welche mit dem Grundprinzip der Union mit Kroatien in Widerspruch ständen. Verschiedene strittige Fragen, namentlich betreffend das Ortsnamengesetz und die Dienstpragmatik der Eisen- bahnen seien im Kompromißwege gelöst worden, somit werde der verfassungslose Zustand in Kroatien aufge- hoben. Die Ernennung des königlichen Kommissars Skerlecz zum Bonus werde auf Antrag der ungarischen Regierung demnächst erfolgen. Ebenso würden die Wahlen zum Landtage ausge- schrieben werden. Die Erklärung des Ministerpräsidenten wurde mit großer Befriedigung aufgenommen. franhrelcb. Ein Antrag Jaurös. Paris, 26. November.(Privattelegramm des „Vorwärts".) In der morgigen Sitzung der Deputierten- kammer wird die Fraktion der geeinigten Sozialisten vor der Diskussion über die Anleiheforderungen folgenden Antrag ein- bringen: Die Kammer fordert die Regierung auf, das Gebiet der militärischen Unternehmungen in Marokko einzuschränken, durch die Organisierung des Volkes in Waffen die Dauer des Militärdienstes und die mit der Berufsarmee verbundenen finanziellen und wirtschaftlichen Lasten zu verringern und allen Regierungen ein Schiedsgericht für alle Zwistigkeiten vorzuschlagen und so einen für die Völker»veniger drückenden mternationalen Stand der Dinge vorzubereiten. Hus der Partei. Kommunalwahlen. Bei der Stadtverordnetenwahl in Uetersen(Holstein) fielen der Sozialdemokratie die beiden zur Wahl stehenden Stadtverordneten- sitze zu, so daß jetzt L Genossen im Stadtparlament von Uetersen sitzen. In Mühlhausen i. T h. wurde bei der Stadtverordneten- ersatzlvahl für einen verstorbenen Genossen das Mandat von der Sozialdemokratie mit 1658 gegen 371 Stimmen behauptet. Unsere Fraktion hat 8 Mitglieder. In Elberfeld hatten bei der Stadtverordnetenwahl die vereinigten Gegner, die mit allen Mitteln gearbeitet haben, den Erfolg, daß es der Sozialdemokratie nicht gelang, das letzte Drittel der 3. Klasse zu erobern. Der bürgerliche Mischmasch siegte mit 8247 gegen 6765 sozialdeinokratische Stimmen. Die Niederlage der Sozialdemokratie in Sachscn-Weimar. Alan schreibt uns aus Thüringen: Die Tatsache, daß die sozialdemokratischen Gcmeinderatsmehr- heiten in I e n a und Ilmenau vom 1. Januar 1914 ab beseitigt sind, solvie der„glänzende" Sieg der vereinten bürgerlichen Par- teien in Weimar und E i s e n a ch bei den letzten i�emcinderats- Wahlen wird von der bürgerlichen Presse als ein Rückgang der sozialdemokratischen Bewegung dargestellt. Daß dies eine ab- sichtliche Täuschung und Irreführung ist, läßt sich ohne lveiteres dadurch feststellen, daß in allen diesen Städten von einem Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen nicht nur keine Rede, sondern sogar noch eine überaus starke Stimmen zu- nähme für die sozialdemokratischen Listen zu verzeichnen ist. Be- sonders stark ist seit der vor 2 Jahren stattgefundenen Wahl bis jetzt die Zunahme in Jena, Ilmenau und Eise n a ch. Trotz alledem ist die„Niederlage" der Sozialdemokratie erklärlich. Ob- wohl die weimarische Gemeindeordnung seit 66 Jahren den Frauen unter den gleichen Voraussetzungen wie männlichen Personen (Selbständigkeit; 21 Jahre alt; Unterstützungswohnsitz in der Ge- meinde) das Bürgerrecht gewährt, ist bis vor kurzer Zeit nur in seltenen Fallen davon Gebrauch gemacht. Erst in den letzten Mo- naten wurden seitens derselben Kreise, die sich sonst als Gegner des Frauenwahlrechts hervortun, Frauen und Mädchen in großer Zahl veranlaßt, das Bürgerrecht zu erwerben. In Jena und Ilmenau sind in den letzten Monaten H u n- d e r t e von bürgerlichen Frauen als„Bürgerinnen" verpflichtet. Die zehn Mark Gebühren für jede neue Bürgerin auszu- brüfhen, fällt dem Unternehmertum ja nicht so schwer, als»vie dies bei den Frauen der Arbeiter der Fall ist. Fabrikanten in Ilmenau veranlaßten ihre Arbeiterinnen, das Bürgerrecht zu erwerben, sie gaben, gegen rateniveise Zurückzablung vom Arbeitslohn, die zehn Mark vorschußlvcise. Allerdings stellten sie dabei die Bedingung, daß ihnen(den Fabrikanten) die neuen Bürgerinnen die Voll- macht zur Abgabe der Stimme aushändigten.— Räch der Gemeindeordnung haben Bürgerinnen»oohl das Wahlrecht, aber — sie dürfen nicht selbst abstimmen; sie müssen mit ihrer Stimmen- abgäbe eine volljährige männliche Person bevollmächtigen. Aus diesem verhunzten Frauen»o ahlrecht beruht der„Er- folg" der bürgerlichen Parteien! Dazu kommt aber noch, daß be- treffs Feststellung der rechtlichen Selbständigkeit bei Arbeiter- frauen viel größere Schwierigkeiten gemacht wurden, als wie es naturgemäß bei den Frauen der„besseren" Kreise möglich ist. Wurden doch in Ilmenau allein 65 Verplichtungen von Bürgern und Bürgerinnen, die seitens der Arbeiterschaft angemeldet»varen, so lange hinausgezogen— bis die Wahl vorüber lvar. Die Hälfte dieser �Stimmen hätte genügt, daß nicht ein Mann der bürgerlichen Liste gewählt»vorden iväre.— Die„glänzenden Erfolge" der bürgerlichen Parteien waren nur möglich, daß Mittel im Kampfe gegen die Sozialdemokratie zur Anwendung kamen, die zu den schmutzigsten ihrer Art zu zählen sind._ Parteiliteratur. Gemeinde und Alkohol von E r n st M e h l i ch. Heft 15 der „Sozialdemokratischen Gemeindepolitik". Verlag der B u ch h a n d- lung Vorwärts- Berlin. Preis 1 M. VereinSauSgabc 56 Pf. Die«chrift behandelt u. a. die Fragen: Gasthausreform, Bedürsnisprüfung und Verminderung der Konzessionen, Kommu- nale Alkoholbesteuerung, Animierkneipen, Alkoholfreie Kantinen, der Alkohol im Krankenhause. Trinkerfürsorge, das Alkoholkapital und die Gemeinden usw. Unsere Genußmittcl. Von Dr. Alexander Lip schütz. Heft 38 der Arbeitcr-Gesundheits-Bibliothek. Ver- lag der Buchhandlung Vorwärts- Berlin. Preis 56 Pf., Vcreinsausgabe 26 Pf._ Jugendbewegung. Vom Kampf gegen die Arbeiterjugend. In eine Versammlung sugendlicher Bauarbeiter in Zeitz drangen fützlick» ein Polizeikommissar und ein Schutzmann, um die angeblich politische Versammlung zu überwachen. Trotz des Pro- testes wichen sie nicht von der Stelle. Ein älterer Bauarbeiter, der sich mit dem Kommissar auseinandersetzte, erhielt schließlich als „Leiter" einer„politischen Versammlung", in der Jugendliche dem Vereinsgesetz zuwider anwesend gewesen, ein Strafmandat. Es ist dietSpezialität dieses Kommissars, hinter der Arbeiterjugend her zu sein; aber auch nur hinter dieser, denn als kürzlich bei der Stadtverordnetenwahl Gymnasiasten in ihren Schülermützen und Mitglieder des Jungdeutschlandbundes als Wahlschlepper arbeitete», da fyitte niemand etlvas gegen diese politische Tätigkeit der Jugend- lichen!_ Hus Industrie und ftandeL Ausländische Arbeitsmärkte. Während die Situation des deutschen ArbeitSmarktes schon durch die Oktoberstatistik charakterisiert werden kann, liegen Be- richte über die meisten auswärtigen Arbeitsmärkte erst für den September vor. In England soll der Beschäftigungsgrad im September im allgemeinen noch gut gewesen sein, doch zeigte sich eine Abschtvächung in der Eisen- und Stahlindustrie, im Schiffbau, in der Maschinen- und Schuhindustrie, im Baugelverbe, in den Ziegeleien und in der Glasindustrie. Andererseits machte sich eine Verbesserung bemerkbar in der Weißblechindustrie, in der Buch- druckerei und in der Steinkohlenindustrie. Jmmevhin ist der Rück- gang in den zuerst genannten Industrien bemerkenswert, denn die Augustberichte über diese Industrien sprachen noch von einer zu- friedenstellenden Beschäftigung. Was die Arbeitslosigkeit angeht, so ist sie im September geringer gewesen als es die deutsche Arbeits- losigkeit im Oktober 1913 war. In Frankreich setzte sich die Verbesserung der Lage der Textilindustrie, die schon im August zu konstatieren Ivar, im September fort. Auch in der Metallindustrie war eine günstige EntWickelung zu verzeichnen. Der Durchschnitts- satz der Arbeitslosen war hier der niedrigste, der seit einer Reihe von Jahren festgestellt»vorden ist. Die Tätigkeit im Baugelverbe war noch ziemlich erheblich und die Arbeitslosigkeit weit weniger hoch als in den vergangenen Juhren zur gleichen Zeit. So günstig diese Berichte klingen, so muß doch festgestellt toerden, daß die Durchschnittsziffer der Arbeitslosen größer ist als in England und in Deutschland. Nach den aus Belgien vorliegenden Ar- beitSnachlveisen entfallen dort auf 166 Angebote 112 Nachfragen. Aus 166 Angebote im Vormonate kamen 128 Nachfragen und im September 1912 168 Nachfragen. Bei den Antlverpener Diamant- arbeitern umfaßte die Arbeitslosigkeit 15 Proz. der organisierten Mitglieder. Im allgemeinen hielt sich im September die Arbeits- losigkeit in Belgien auf der Höhe der deutschen Arbeitslosigkeit. In den Niederlanden machte sich im September eine nicht unerhebliche Abschwächung der gclverblichcn Tätigkeit gellend. Die Zahl der arbeitslosen gewerkschaftlichen Mitglieder der Diamanten- industrie bezifferte sich zu Ansang Juli auf 16,42 Proz., stieg dann allmählich auf 26,59 Proz. und hat im September einen unwesent- lichen Rückgang erfahren. Der Kohlenbergbau ivar hinreichend be- schäftigt,»venngleich die Nachfrage nach Kohle viel geringer als im ziveiten Vierteljahre ivar. In der Maschinenindustrie war der Be- schäftigungsgrad zwar in den meisten Städten gut, doch zeigte sich eine leichte Verschlechterung. In vielen Gemeinden war das An- gebot an Arbeitern größer als die Nachfrage. Die prozentuale Durchschnittszifser der Beschäftigungslosigkeit war im September in den Niederlanden ziemlich hoch, nämlich 4,9 Proz., gegen 2,4 Prozent im September 1912. Die Durchschnittszahl der Arbeits- losentage bezifferte sich im September wie im Vorjahre auf 5,8 Prozent, gegen 5,7 Proz. im September 1911. Aus der Schweiz »vird gemeldet, daß der Arbeitsmarkt dort im September etwas belebter gewesen sei als in den Vormonaten. Insgesamt kamen auf 166 offene Stellen für Männer 136 und für Frauen 74,9 Stellen- suchende, gegenüber 139,1 und 72,1 im Vormonate, also eine Ver- schlechterung. Für Italien liegen Berichte aus dem Oktober vor. In der Industrie soll sich eine leichte Besserung bemerkbar gemacht haben; das Baugewerbe liegt aber anscheinend auch in Italien noch iimner brach. Aus all diesen Berichten ist zu konstatieren, daß zwar die Lage der Arbeitsmärkte in den verschiedenen Ländern sehr ver- schiedenartig ist, daß man aber im allgemeinen von einer guten Beschäftigung«richt sprechen kann, vielmehr sich überall Anzeichen zunehmender Arbeitslosigkeit finden. Abschluß der Siemeus-Werke. Die SiemeuS-HalSke-A.-G. erzielte im bergan- genen Jahre einen Reingewinn von 12,5 Millionen Mark, woraus»vie im Vorjahre 12 Proz. Dividende ausgeschüttet werden sollen. Bei der SiemenS-Schuckert G. m. b. H. stellte sich der Reingewinn auf 13,8 Millionen Mark. Den Gesellschaftern sollen wieder 16 Proz. Dividende zufallen. Bei beiden Unternehmen ist die Steigerung de» Rein- gewinns gegen das Vorjahr unerheblich. Erst die genaueren Ab. schlußzisfcrn werden Aufklärung geben können, ob auch /die Roh- gewinne nur um weniges gestiegen sind oder ob die Unternehmen ihre Mehrerträgnissc zu inneren Reserven verwandt haben. Bei der ebenfalls zum Siemenskonzern gehörigen Elektri» z i t ä t s A.- G. twrm. Schuckert u. Co. in Nürnberg stieg der Bruttogewinn von 8,6 aus 9,7 Millionen Mark. Der Reingewinn hält sich nach Abzug der Unkosten, Abschreibungen mft 7,3 Millionen Mark ebenfalls ungefähr in der Höhe des Borjahres. Die Aktionäre sollen 8 Proz. Dividende erhalten. Letzte NachHcbten* Eröffnung des badischeu Landtags. Karlsruhe, 26. November.(W. T. B.) Der Landtag hielt heute abend 6 Uhr eine vorbereitende Sitzung ab, in der nach einer kurzen Begrüßung durch den Staatsminister Freiherrn v. Dusch der Zentrumsabgeordnete Morgenthaler zum Alterspräsidenten be- stimmt wurde. Die erste Arbeitssitzung der Zweiten Kammer wurde ans Freitag vormittag 16 llhr festgesetzt, vor derselben soll die Wahl des Präsidiums vorgenommen werden. Gegen die Wahlresultate im 5., 6., 29. und 46. Wahlkreise wird Ein- s p r u ch bei der Kammer erhoben werden. Stadtverordnctenwahlsieg in Elbing. Elbing, 26. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".)' Bei der heutigen Stadtverordnetenlvahl gewannen die Ge» nossen in der 3. Abteilung von sechs Sitzen, die sich bisher noch nicht in ihrem Besitz befanden, vier. Ein Genosse kommt in ans, sichtsreiche Stichwahl. Die Fraktion zählt jetzt 15 Mitglieder. Das Regime JüanschikaiL. Mukden, 26. November.(Meldung der Petersburger Tele» graphenagentur.) Mit Rücksicht ans die Erregung der Gemüter, die durch die Ereignisse in Peking und die Niederlage der Ratio- nalisten in der Mandschurei hervorgerufen worden ist, ist über Mukden der Belagerungszustand verhängt worden. Die Frage der Begrenzung der Befugnisse der Militär- und der Zivilverioaltungen in der Mandschurei ist endgültig geregelt. DaS Amt des Tutn ist abgeschafft»vorden, über die Provinzen sind Zivilgouverneure ge- setzt»vorden, die unmittelbar der Regierung in Peking unterstehen. In militärischer Beziehung ist die Mandschurei in der Form eines Sonderdistrikts abgetrennt worden, gleichzeitig ist ein Oberkommcm» deur eingesetzt worden. Bauunglück in Düsseldorf. Düsseldorf, 26. November.(H. B.) Bei dem Abbruch zweier Häuser stürzte heute ein Teil des MauertverkS ein, wodurch vier Arbeiter durch die Mauer begraben und schwer verletzt wurden. Zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Zahlreiche andere Arbeiter erlitten durch herabfallende Steine Verletzungen.._ Festnahme der Kölner Raubmörder. Köln a. Rh.. 26. November.(W. T. B.) AIS Mörder der Witwe Wießdorf in der Weißhüttengasse wurden heute zwei etwa 26jährigc stellenlose Hausdiener, Max K r a j e w S k i und Johann Ra nq u'e t t c, verhaftet, die die Tat bereits eingestanden haben. Krajetvski hatte sich fälschlich die Bezeichnung eines Bäckers Anton Julius Meier beigelegt und lvar unter diesem Namen alS mut- maßlicher Täter genannt»vorden. Die Untersuchung der„Volturno"-Katastrovhe. London, 26. November.(W. T. B.) Vor dem.Handelsamt wurde heute über den Brand des„Volturno" verhandelt. Der Antvalt des Amtes erklärte, das Schiff habe 19 Boote mitgesührt, lvelche noch 156 Personen mehr hätten ausnehmen können als an Bord»varen. Gegenüber der bei dem Untergang der„Titanic" gemachten Ersah- rung sei es bemerkcnslvcrt, daß der Verlust an Menschenleben ge- ringer gewesen»väre,»venu der„Volturno" gar keine Boote mit» geführt hätte, denn alle zu Wasser gebrachten Boote wären ver. unglückt, so daß viele Leute ertrunken»väven. Di« Ladung de? Schiffes bestand aus Fässern mit Ocl und Teer. auS Torf, Lumpen und mit Stroh bclvickeltcn Flaschen, daher glaubten der Kapitän und»ver sonst von der Ladung Kenntnis hatte, daS Schiff müsse jeden Augenblick zugrunde gehen. Der Kapitän, der Chefingenieur und zlvci Matrosen arbeiteten die ganze Nacht hindurch an der Herstellung von Flößen, um einen Teil der noch an Bord befindlichen 366 bis 466 Menschen zu retten. Als die Boote der anderen Schiffe ankamen, rief der Kapitän den Auslvanderern zu, sie möch- ten über Bord springen; als diese sich jedoch weigerten, sprangen die Ingenieure und mehrere Matrosen voran, um ihnen den Weg zu zeigen. Lord Dcsart, der den Vorsitz führte, erklärte, daß nach guter seemännischer Tradition gehandelt worden sei. Schreckliches Fliegerm»glück. Monrmclon, 26. November.(W. T. B.) Ein Militär- doppeldeckcr mit zivei Insassen ist an der Grenze der Departements Marne und Aube abgestürzt, wobei der Benzinbehälter explodierte und die beide» Flieger verbrannten. «;€€€««» 25«»SSSKjK (Ü/ Unserem verehrten Chef � <>> Hermann Seelig P S nebst Frau Gemahlin � � die herzlichsten Glückwünsche ZL V zur Silberhochzeit. � � Die Bodenmacher der Piano- iP H fabrik Bell& Co.& �9d$S3a9€€€€e6«e� t Todes-Anzeigen Sozialdefcokratischer Watilverein l. d. 6. Beri. Reictistagswatilkreis Am 24. d. SR. verstarb unsere Genossin Frau Klara Jäckel Pankstr. 69. Bezirk 808. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freilag, nachmittags 31/, Uhr, von der Halle dcS Zentral- Friedhofes in Friedrichssclde aus statt. 232/14 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Kreis NiederMin. Bezirk Nicderschönhausen. Am Dienstag, den 25. Nov., früh 7'/, Uhr, verschied nach lan- gem. schwerem Leiden unser Mit- glied, die Genossin Anns TvKingv im 36. Lebensjahr. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. d. SR., nachm. 3 Uhr, voh der Halle deS neuen ' riedhosS in der Sch önholzcr Heide, iernianenstrai.e, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 241/10 Die Bezirksleitung. Deutseher Hetallarlieiter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Kern- macher tteirrmrm Delor gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 27. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Französischen Kirchhofes in Pankow, Wollankstrasje, aus statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Gustav Struck am 25. November an Schlaganfall. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 28. November, nach- mittags 2*1, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen FriedhoseS, Seestrafie, Ecke Müllerstrafie, aus statt. 130/9 Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Turnverein„Fichte" Berlin. (SR. d. Arb.-Turnerb.) Den Turngenosscn zur Nachricht, dafi unser langjähriges, treues Mitglied Adalbert Kißliauer am 24. November gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 27. November, nachmittags 3llt Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- Hofes, Seestrafie, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 186/11 Der Vereinsvorftand. Beutscher Hoizarheiter-Yerband, Zahlstelle Berlin. Den Mlgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Maschinen- arbeiter kränz Heumann (Weixensee, Sedanstr. 3) im Alter von 50 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigmtg findet am Sonnabend, den 29. November, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle deS Weifienseer Genieinde- sriedhoseS, Rölckestraße, aus statt. 92/10 Die Ortsverwaltung. Beutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroE-Berlin. Ten Mitgliedern zur Nachricht, dafi unsere Kollegin Marie Klauß am 24. November im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. November, nachmittags 2'/- ilhr, von der Leichenhalle deS Gemeinde-Fried- Hose« in FriedrichSselde-Karlshorst aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/18 Dia Bezirksverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dafi meine liebe Frau und gute Mutter meines Kindes Martlia Greulich geb. Haupt am 25. d. Mts. nach kurzem schweren Leiden verschieden ist. Meüien Schmerz werden alle die würdige», die sie gekannt haben. Die Beerdigung findet Sonn- tag. den 30. November, 3 Uhr nachmittags, aus dem Gemeinde- friedhoj in Bohnsdorf statt. klrnii Greulich. Hiermit die traurige Nachricht, dafi am 23. November meine lie�e Frau, unsere herzenzsgute Mutter. Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Enkelin krieda Sauerweier geb. AudrEae nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 25 Jahren verstorben ist. Die BeerdiguM findet am Donnerstag, den 27. November, nachmittags 3'/« Uhr, von der Kapelle des städtischen FriedhoseS, Müllerstrafie, Ecke Seestrafie, aus statt. 7991 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen HicharU Sauerweier. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dafi meine liebe Frau, unsere treujorgende Mutter- Shnna Richter im 33. Lebensjahre am Dienstag, den 25. November, verschieden ist. Dies zeigen tiesbetrübt, um stille Teilnahme biltestd, an llrnst Richter nebst Salm Waldstrahe 49. Die Beerdigung findet Freitag 2'/, Uhr von der Leichenhalle in Itähnsdorf aus statt. 4491 Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die trau- rige Nachricht, dafi am Dienstag, den 25. November, abends, unser inniggeliebtes Töchterchen und Schwester Em» im Alter von 3'/, Jahren an Diphtherie und Scharlach ver- starben ist. Dies zeigen hierniil tiesbetrübt an die trauernden Eltern A. Zlinineriuunn nebst Frau, Neukölln, Schillerpromenade 5. Die Beerdigung findet am Sonnabend. 31/, Ubr, aus dein Zentralsriedhos in Friedrichssrlde i 1016 statt. Für die herzliche Teilnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Onkels RsuK Franke sagen wir allen Verwandten und Belannten, dem Deutschen Metall- arbeiterverband, oen Kollege» der Finna Tiburtius u. Co. und ganz besonders dem Soziatdemokratitchen Wadiverein Neukölln jür den schönen Grabgesang unseren besten Dunk. Frau ADna Franke. 15« Elise Blauroek,* Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes und treusorgenden Vaters Gottlieh Heinze sagen wir allen, welche ihm die letzte Ehre erwiesen haben, unseren innig- fielt Dank. Witwe Heinze 1059t nebst Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme lowie für die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes- 1926 Wilh. Dräger sagen wir allen Verwandten und Be- kannten unseren herzlichsten Dank. Li»»»« Dräger nebst Kindern. Allgemeine Orts- Krankenkasse Berlin- Weitzensee. General-Ver8aniniliing der Vertreter am Montag, den S.Dezember er., abends S Uhr, im Zicstaurant „Prälaten«, Berlin- Weifienjce, Lchberstrafie 122. Tagesordnung 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl der Rcchnungs-Prüsmigs. kommisfion(ein?lrbcitgeber, zwei 9lrbcitnchmer). 3. Verschiedenes. 299/2 Beschwerden gegen die Geschäfts- sührung müssen schristlich erfolgen und tönnen in der Versammlung nur be- antwortet werden, wenn dieselben mindestens drei Tage vorher erhoben worden find. Zum Eintritt sind nur die mit Legitimation versehenen Vertreter be- rcchtigt. Lerlin-Weifiensce, den 25. Rov. 1913. Der Vorstand. I. A.; Fuhrmann. Vorsitzender. Achtung! Achtung! fln alle in den Cagerbier-, fflalzbicr brauereien sowie ITiälzereien befebäft. fflafebiniften, Heizer, flbicljmierer und Koblenarbelter! Zwei Versammlungen Für die Tagschicht: Freitag, den SS. November, abends S Uhr. im Gewerkschaftshanse, Sngeluser 15, Saal III. Mr die Mittel- und Nachtschicht: Sonnabend, SS. November, morgens S Uhr, im Gewerkschaftshause. Engeluser 15, Saal I. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Unsere Tarifbewegung. Wahl der gemeinsamen Lohnkommisfion. Kollegen! Erscheint alle Mann in dielen wichtigen Versammlungen. Verband der Zlaoehinisten und Heizer, Verband der Uranerei- und UUhlenarbelter, Ortsverwaltungen Berlin.\ �dwngi ßrauereihandwerller Achtung! und Handwerker-Hilfsarbeiter. Sonnabend, SS. November, abendS 8 Uhr. im GewerkschaftShause, Engeluser 15, Saal I. WM" VrA'�aiiLmlLmK"MW aller in den Lagerbier-, Waltbierbranereieu sowie Mältereien beschäftigten Hnndwerber und Liandwerker-Hilfsarbkiter. Tagesordnung: Unsere Tarifbewegung. Wahl der gemeinsamen Lohnkommission. Kollegen! ES ist Eure dringendste Psticht, in dieser wichtigen Ver- sammiung zu erscheinen. Kein Mann darf fehlen. 44,17 L erband der Brauerei- u. Mnhlenarbeiter, Verband der Sattler, Teutsa er Nietallarbeiterverband, Berband der Maler u. Backierer, Deutscher.Holzarbeiterverband, Allgeni. Deutscher Gärtnervgxcin, Berband der Kuvferschmtede(OrtSocrwaltnngen Berlin). und Händlerinnen Berlins und Umgegend. Oeffentliche Versammlung am Tonntag, den 30. November, vormittags 11 Uhr, im Lokal von Fritz Wilke, Tcbastianftr. 30. Tagesordnung: Ist der Einzelverkaus auf den Engrosplätzen zulässig? Ref.: Kollege H. Müller. tOOb Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. m (Ersatzkasse.) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, den 28. November, abends 8'/, Uhr, im(»«»verksekskt«- haus, Engeluser 15: Mitglieder Nersammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quarta!. 2. Die Krankenkassen nach dem 1. Januar 1911. Referent: Kamerad E. Wellsow. 253/6' Der Vorstand. I. A.: Richard Schrfider, Berlin O., Tilsitcr Str. 7, vorn IV. SINGER Familien- Nähmaschinen sind die vollkommensten! Neue Spezial-Apparate für den Hausgebrauch. SINGER CO. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin, Leipziger Str. 92. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. Orts-Arankenkasse für Pankow. Die zum Freitag, den 5. Dczem- ber 1913, angesetzte Wahl zum Auösltiufi der Allgemeinen Qrts- krankenkän'e Berliu-Pankow wird hiermit aufgehoben. Sowohl von den Arbeitgebern, als auch von den 9lrbeitnehmern ist nur je ein einwandfreier Wablvorschlag eingereicht worden. Die vorgeschlagenen Personen gelten daber nach§ 9 der Wahlordnung als gewählt; die Vornahme einer Wahl ist nicht erforderlich. 298/20 Berlin-Vanlow, den 27. Nov. 1913. Otto Ristmann, Vorsitzender. J Ortskrankentasse der Nadler«nd Siebmacher. öonnabcnd, den L. Dezember 1913, abends 8 Uhr, im Lokal von Wollichläger. _ Zldalbertstr. S1:_ gBF" Ordentliche€MI Genera 1-Versammlung. Tagesordnung: 1. Verlesen der Protokolle. 2. Wahl der Revisoren zur Prü- fung der JahrcSrechnung 1913. 3. Bericht über die künftige Ge- staltiing der Allgemeinen Ortskranken- lasse der Stadt Berlin. 4. Gewährung einer einmaligen Teuerungszulage an den Rendanten. 5. Verschiedenes. 299/2' Der Vorstand. CS. 91.; Rod. Schmidt, Vors. Plüschmäntel Maulwurfimitation. Velours-du-Nord- u. Astrachanmäntel. Vork. au Private zu Engrospreisen direkt a. d. Fabrik, Kommandantenstr. 51, 1 Tr. im praktischen Gebrauch immer noch am billigsten! Urania-Salonoel garantiert rein amerikanisches Sicherheitspetroleum(wasserhell), größtmögliche :: Sicherheit gegen Explosionsgefahr.:: DAPOL garantiert rein amerikanisches Leuchtpetroleum. Die bewährten Marken" der Deutscb-iLmerikan. Petroleum-Gesellschaft ->). T4.. tzjfuyrman«,__.- Wrantw. Redakt.: Alfred Wiklrpp, Neukölln. Jnjeratenleil verantw.»b. Glocke. Äerl-n. Druck u. Verlag; Vorwarls Buchdr. u. Verlagsan>iall föulSinßeiiii.o,, Kackem-Genossenschast EhmlMrnburg n.ilmgrgrnd Einladung zur General-Versammlung am Sonntag, den 14. Dezember, nachmittags« Uhr, im Volkshaus, Rosinenstrafie 3. Tagesordnung: t. Anträge. 2.„Wie stellen sich die Genossen zur 9lnstcllung cincS kauilnännischen Leiters? 3. Ver» schicdencs. 108/10 Der Vorstand. Hafermark macht alle Kinder stark! Natürliestes Xähx-und ICräfti- 1 grunKsmittel für Säuglinge,[ stillende Mütter. Jlagen- j leidende, Schwächliche, Ke-[ konvaleszenten und für den| täglichen Familientisch. Originalpaket— 1 Pfd. 40 Pf.| Zu haben bei D. Mader, Prinzenstr. 86. Zu haben in den Filialen der| Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Knaben- Großes Lager in jeder Ausführung, nur eigene! Anfertigung. zu sehr billigen Preisen. I Herren-Garderobe nach Mast! Kail Hustädt,"TX™85' 2 Minuten vom Schief. Bahnhof. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,„'iXiatz 10— 2. 5— 7. Sonntasrs 10— 12. HpezialaB*zt f. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche. Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata> Kuren in u. Co. konz. Laboral, j Blut- Untersuchung., Fäden i. 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Dieser Paragraph lautet: „Wer es unternimmt, durch Gewalt oder Drohung eine Behörde oder einen Beamten zur Vornahme oder Unterlassung einer Amtshandlung zu nötigen, wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft." Genosse Eberle zerbrach sich vergeblich den Äopf, wann und wie er einen Beamten genötigt haben sollte. Schließlich nahm er an, daß es sich um einen Irrtum handele und ein anderer gemeint sei. Leichten Herzens ging er zum Amts- richtcr in der sicheren Erwartung, daß es nur ein paar Worte seinerseits bedürfe, um die Klärung zu bringen. Leider sollte er sich hierin täuschen, denn nach den Akten stand hier„der richtige Manil am rechten Fleck"! Es wurde ihm die Er- össnung gemacht, daß er in einer Eingabe vom 29. Oktober 1913 an das Sl. B. Bezirksamt zu Frankcnthal, in welcher er sich über die m a n g e l h a f t c Durchführung des Bau- arbciterschutzes beschwerte, diese Behörde habe „nötigen" wollen, die erlassenen oberpolizeilichen Vorschriften strikte durchzuführen. Denn er halte die ini Austrage des Deutschen BauarbeiterverbandcS gemachte Eingabe nnt fol- gendcr fürchterlichen Drohung geschlossen: „Wir haben nicht die Absicht, von der Behörde mehr zu verlangen als in den oberpolizeilichcn Vorschriften emhallen ist. Wir werden aber mit aller Energie auf Durchführung dieser Bestimmungen hinarbeiten. Sollte uns dennoch das könig- liche Bezirksamt in Frankenthal in dieser Beziehung nicht unter- stützen, dann wären wir gezwungen von jeder Eingabe eine Ab- schrist an das königliche Ministerium zu senden." Da haben wir's! Das königlich bayerische Bezirksamt kalkuliert nun offenbar so: Durch die„Androhung", dem Ministerium von den Eingaben an uns Kenntnis zu geben, sollen wir veranlaßt werden, etwas zu tun, was zu tun unseren eigenen Entschließungen anHeim gestellt sein muß. Das Bewußtsein, das Ministerium wird über unsere etwaige Untätigkeit unterrichtet werden, soll uns veranlassen, im Sinne der Bestrebungen zum Schutze der Bauarbeiter tätig zu sein. Das ist eine Nötigung. Daß es eine Nötigung zum Guten ist. eine Nötigung ist, unsere Pflicht zu tun, ist nebensächlich. denn es steht ja nicht im Gesetz, daß nur Nötigungen znni Bösen gemeint sind. Daß erst gestern wieder ein Ar- bciter beim Bau des städtischen Gastverks in Ludwigshafen insolge fehlender Abdeckung einen tödlichen Unfall erlitten hat, und daß bei den Neubauten der Anilinfabrik in Oppau von Anfang Mai bis zum 29. Juli vier Unfälle mit tödlichem Ausgang vorgekommen sind, ist sicherlich zu bedauern, aber ein Recht uns zu nötigen, darf der Bauarbeiterverband daraus nicht herleiten! Nach dieser Theorie der Frankenthaler Polizei darf man auch einen Polizisten nicht nötigen, einen Dieb festzunehmen, denn der Beamte weiß selber, was er zu tun hat. Ihn an seine Pflicht erinnern mit der Bemerkung, daß man eventuell seiner vorgesetzten Behörde von deni Ansinnen, das man ihm gestellt habe, Kenntnis geben werde, bedeutet eine straf- bare Nötigung. Der Beamte darf Wohl einen Bürger nötigen, aber nicht umgekehrt der Bürger den Beamten. In Kon- scquenz dieser Auffassung müßte übrigens auch das Beschwerde- recht gegen die Beamten abgeschafft iverden. Nun, vielleicht kommt das auch noch, denn wir haben es herrlich weit gebracht in xunoto, kasuistischer Rechtsauslegung, »venu es sich darum handelt, den mühsam erkänipften Arbeitcrschutz einigermaßen wirksam zu gestalten. Berlin und Qmgegend. Die Tarifbewegung der Brauereiarbciter. Nachdem am Sonntag die Brauer und Hilfsarbeiter Stellung zum Tarife genommen und bestimmte Leitsätze aufgestellt hatten, be- Kleines Feuilleton. „Die größte Seilsation" und„die höchste Naturwahrheit". Diese Anreißertitel sind natürlich Reklamen der Kinopresse entnommen, und sie werden gebraucht von Künstlerinnen, die aus ihrem Gebiete Tüchtiges leisten und nur vom Golde bestochen sich für das Kino mißbrauchen ließen. Die„größte Sensation des Winters" ist„Emmy Destinn im Löwenkäsig". Man sollte der Destinn täglich wenigstens einmal folgende Allkündigung vorlesen und jeder, der sie in der Oper oder im Konzert hört, sollte daran denken: „Das Filmdrama„Die Löwenbraut" nimmt unter den Er« zcugnissen der letzten Jahre schon aus dem Grunde eine besondere Stellung ein. weil darin eine Künstlerin von Weltruf nicht in einer für sie geschriebenen Rolle auftritt, sondern sich selbst spielt. Wir begegnen der großen Sängerin Emmy Destinn in dem Stück n>ehrnials in eigener Person und zwar im Konzerrsaal und— im Löwenkäsig, wo sie vor einem Auditorium von wilden Bestien die Mignon-Arie singt.".{. Beim oor« wundschaslsgerich! muß für-die Kinder die Bestellung eme» Pflegers deantragt werden Dieser tann AlimcntaNonstlage erheben. Nach Erhalt eines Urteils läßt sich das Guthaben be'chlagnabmem—.4. Z. Leider nein. _ R.(g. 1000. ES bliebe nur eine Klage auf Vcrlragslouing übrig. Eine solche erscheint jedoch sehr zweiselhast.— 31.» 44. Wenden Sie sich sofort an das Zentralarbeitcrsekretariat, Berlin, imzeluscr U/15.— Biarrtpretie vo» Berlin an, 2",. November 1013, naw Ermittelungen deS kgl. Polizeipräsidiums. Mais(mired), gute Sorte 16,50—19,90, mittel 00,00—00,00. geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,70—14�0. Richtstroh 4,00—5,20. Heu 6,00—7,60. Marlthallenpretje. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Sveisebobnen, weiße 35,00—60,00. Linien 36,00—70 00. Karlossein(Kleinbdl.i 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60—2.40, Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,40— 2,00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleiich 1,50— 2,40. Butler 2 40—3,00. 60 Stück Eier 4,40—7,20. 1 Kilogramm Karvien 1 00—2 40 Aale 1.60—3,00. Zander 1,20—3.20. Hechle 1.20—2.60. Barlckie'l 00—2.40, Schleie 1.60— 3,20. Bleie 0,80— 1,40. 60 Stück Krebse 1.00_ 24,00! BSafferstandS-Nachrtchren der LandeSanilall für Gewäsiertunde. milgetett! vom Berliner Wellerbiirn— Wasserstand M e m e t, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor , Kronen , Frankmri Warthe, Schrimm „ Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz „ Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau') Raldenow') Spree. Sprcmberg) KeeSlow Weier. Münden Minden Rhein, Maximiliansau Kaub ' Köln Neckar. Hcilbronn Main, Hanau Mosel. Trier am seit 25 11. 24.11. cm 102 50 10 80 298 432 281 336 127 207 138 cm1) -6 0 -i-7 +2 0 -6 -18 —10 -27 -34 —10 —17 -T ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.— 9 Unterveget. Herantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdrücke rei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin ZM Nr. 313. 80 Jahrgang. 2. ßcilnof iles JorniMf ßcrliiitr WMIl pdMKstns, 27. Koomber 191B, Ortshrankenhaffe niederbarnim. Nach neueren Informationen ist es doch völlig ausgeschlossen, daß die neue Ortskrankenkasse bereits am 1. Januar 1S14 ihre Tätigkeit ausnehmen kann. Die Ausschußwahlcn sollen erst in der ersten Hälfte des Monat Januar stattfinden. Und da die Vertreter im Ausschuß die Mitglieder des Vorstandes wählen und auch hier wieder Fristen für die Bekanntmachung vorgeschrieben sind, ergibt sich, daß der 1. April 1314 Wohl derjenige Termin sein wird, an welchem der neue Vorstand und Ausschuß in Funktion treten kann Damit sind die Rechte der Versicherten ganz erheblich beschnitten und es muß bei den kommenden Wahlen alles darangeseßt werden, um dann wenigstens eine in ihrem Sinne zusammengesetzte Körper- schaft entstehen zu lassen. Wir wiesln schon in Nr. 241 darauf bin, daß aus ganz bestimmten Aeußerungen zu entnehmen gewesen sei, daß die Organisation der neuen Llosse vom Bersicherungsamt übernommen werden sollte. Wie recht wir damals mit unseren Befürchtungen hatten, dafür ist jetzt der Beweis erbracht. To die vom Kreistage im ganzen, ohne Diskussion angenommene Wahl- ordnung vom Obervcrsicherungsamt genehmigt worden ist, wollen wir die in Frage kommenden Bestimmungen bereits heute einer Besprechung unterziehen. Bekanntlich ist es bei der Beratung der Vorlage nicht gelungen, eine Vereinfachung des Wahlmodus zu den Wahlen des Ausschusses durchzusetzen. Es ist also bei der Be- stimmung geblieben, daß der Kastenbezirk in 14 Wahlbezirke ge- teilt wird, deren jeder für sich getrennt wählt. Die Zahl der in jedem Bezirke zu wählenden Vertreter bemißt sich nach dem Ver- hältnis der auf volle Hundert abgerundeten Gesamtzahlen der in den einzelnen Bezirken vorhandenen Wähler. Zu ihrer Bercch- nung werden in jedem Bezirke gesondert Wählerlisten für die be- teiligtcn Arbeitgeber und Versicherten aufgestellt. Arbeitgeber wählen in demselben Bezirk wie die von ihnen beschäftigten Ver- sicherten; sie dürfen nur als Vertreter eines Bezirks gewählt wer- den. Die Einteilung der 14 Wahlbezirke mitzuteilen sind wir jetzt leider noch nicht in der Lage, da erst die amtliclw Bekanntgabe im Kreisblatt abgewartet werden muß. Der Ausschuß besteht aus M Vertretern(40 Arbeitnehmer und 20 Arbeitgeber). Trotzdem 80 000 Versicherte in Frage kommen, hat der Kreistag den An- trag unserer Genossen, diese Zahl auf 00 zu erhöhen, abgelehnt. Ist somit also eine ausreichende Vertretung nicht gewährleistet, so ist es schon aus diesem einen Grunde Pflicht der Versicherten, sich die einzelnen Vertreter genau anzusehen. Für jeden Vertreter sind außerdem noch zwei Ersatzmänner zu wählen, so daß die Zahl der zu wählenden Ausschußmitglieder im ganzen 180 beträgt(120 Arbeitnehmer und 60 Arbeitgeberl. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist nur, wer bei der Kasse versichert ist. das heißt also, wer zur Zeit der Wahl im Kassen- bezirk beschäftigt ist. Die Bestimmung, daß nur volljährige Deutsche wählbar sind, gibt auch den Frauen die Möglichkeit zu wählen und gewählt zu lverden. Nicht nur dem Ausschuß, sondern auch dem Vorstand dürfen Frauen angehören. Das war zwar schon immer so, trotzdem ist es nützlich, von Zeit zu Zeit daran zu erinnern. Die Wahlzeit dauert vier Jahre. Die Gewählten bleiben nach Ablauf dieser Zeit im Amte, bis ihre Nachfolger eintreten. Wer ausscheidet, kann wiedergewählt lverden. Eine Wiederwahl kann nach mindestens zweijähriger Amtsführung für die nächste Wahl- zeit abgelehnt werden. Berücksichtigt werden nur solche Wahlvor- schlüge, die spätestens vier Wochen vor dem Wahltag beim Ver- sicherungsamt-eingereicht sind. Außerdem ist besonders darauf zu achten, daß jeder Wahlvorschlag mindestens 80 Unterschriften von Wahlberechtigten tragen muß. Wenn die Wahlvorschläge verspätet eingereicht werden oder nicht die erforderlichen Unterschriften haben, sind sie ungültig. Wieviel Vertreter und Ersatzmänner in jedem Wahlbezirk zu wählen sind, wird in der Bekanntmachung bestimmt. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal soviel Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber find unter fortlaufender Nummer aufzuführen, welche die Reihen- folge ihrer Benennung ausdrückt, und nach Familien- und Ruf- namen, Beruf und Wohnort zu bezeichnen. Bei den Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlägen für die Arbeitnehmer ist von jedem Be- Werber eine Erklärung beizulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Vorschlags und ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unter- zeichncr zu bezeichnen. Wenn das unterblieben ist, gilt der erste und zweite Unterzeichner als Vertreter und Stellvertreter. Beide sind berechtigt und verpflichtet, dem Bersicherungsamt die zur Be- scitigung etwaiger Anstände erforderlichen Erklärungen abzugeben. Zwei oder mehr Wahlvorschläge können in der Weise mitein- ander verbunden lverden, daß sie anderen Wahlvorschlägen gegen- über als ein einziger Mahlvorschlag anzusehen und zu behandeln sind. wichen Fallen n�üste» die Untebzeilbner der betreffenden Vorschläge oder die Wahlvorschlagsvertretcr(siehe oben) überein- stimmend spätestens 2 Wochen vor dem Wahltag dem VersicherungS- amt(Landratsamt des Kreises Niederbarnim, Berlin NW. 40, Friedrich-Karl-Urer ö) gegenüber die Erklärung abgeben, daß die Vorschläge miteinander verbunden sein sollen. Wie wichtig die Funktion der Wahlvorschlagsvcrtreter ist, ersehen wir daraus, daß alle Anstände, die sich bei der Nachprüfung der Wahlvorschläge durch das Bersicherungsamt ergeben, umgehend dem Wahlvorschlagsver- treier mitgeteilt werden, der dann für die rechtzeitige Beseitigung derselben zu sorgen bat. Die Anstände selbst müssen spätestens zwei Wochen vor dem Wahltag beseitigt sein. Bis zu diesem Zeit- Punkt können Wahlvorschläge auch zurückgenommen werden. Auck eine Wahl obnc Stimmenabgabe kann erfolgen, wenn nämlich auf gültigen Wahlvorschlägen in, ganzen nur so viele wählbare Be- Werber benannt sind, als Vertreter zu'wäh'en sind. . Die Wahlhandlung wird von besonderen Wahlausschüssen ge- leitet, die für die Wahlen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer be- sonders eingesetzt werden. D,e Wahlausschußmitglicder werden erst- maiig vom Bersicherungsamt. später vom Vorstand der Kasse er- nannt. Zuni Wahlraum haben nur die Wahlberechtigten Zutritt. ~as ttierilcn kann, daß sich die Wähler icher ihre Person -�'aung ausweisen, ist es notwendig, daß sich jeder Wabler mit einer Legitimation versieht. Für die Kassenmitglicder genügt die Vorlegung des Mitgliedsbuches oder einer Bescheinigung Gebers, daß die Betreffenden am Tage der Wahl noch in Beichaftigung stehen. Ter Wähler kann nur einen solchen Stimm- zettel abgeben, der mit einem der zugelassenen Wahlvorschläge voll- tachbig übereinstimmt. Tie Stimmzettel sollen von weißer Farbe sein und einer Große, die das Bersicherungsamt bestimmt. Stimm- zettel, die l>wt> dwsiw Bestimmung abtocichen, sind ungültig, wenn durch dieses Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahrschein- lich ist. Die Stimmenabgabe ist wie bei der Reichstagswahl. Der Wähler erhält einen abgestempelten Umschlag(Wahlknvert) und tritt an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stimmzettel un- beachtet in den Umschlag legt, den er dann unberschlossen, umer Nem. seines Namens dem Wahlvorsteher übergibt. Wähler, die sin, um Schluß der Wahlhandlung im Wahlraum befinden, können ihre Stimme noch abgeben. Für die Wahl des Vorstandes gelten die gleiche» Bestimmungen wie für die Wabl des Ausschusses. Für dicsc Wahlvorschläge ge- nugen jedoch dre, Unterschriften. W .-�as Wahlergebnis wird erstmalig durch das Vcrsicherungsamt lpatestens bis zum Ablauf von zwei Wochen nach dem Wahltag mr leden Wahlbezirk getrennt ermittelt. Die Gültigkeit der Wabl rann innerhuib zwei Wochen nach der Bekanntmachung des Wahl- crgeomsses angefochten werden. Die Anfechtungen sind beim Ver- sichcrungsamt anzubringen, das auch endgültig darüber entscheidet. In letzter Zeit ist mehrfach eine Aufforderung ergangen, auch die Leistungen und die Bciiragshöhe der neuen Kasse bckanntzu- geben, damit sich die zukünftigen Mitglieder und die Arbeitgeber danach richten können. Für die baren Leistungen der Kasse werden die Mitglieder in sieben Klassen geteilt. In die Artuse A gehören Kassenmitglieder mit einem täglichen Entgelt bis 0,75 M.» ein- schließlich der ohne Entgelt beschäftigten Lehrlinge. In Stufe l von 0,76 M. bis l.lö M. II„ 1,M)„„ 2,15„ „ III. 2,16„„ 3,15„ „ IV. 3,16„„ 4,15„ V, 4,16„„ 5,15„ „ VI„ 5,16,„ 6,00„ und darüber. Ter Grundlobn ist festgesetzt für die Stufe A aus 0,60 M., Stufe I aus 1 M., Stufe II auf 2 M., Stufe III aus 3 M., Stufe IV aus 4 M., Stufe V aus 5 M., Stufe VI auf 6 M. Nach diesem Grundlohn wird auch"das Krankengeld bemessen, und ztvar beträgt es die Hälfte desselben. Wie bei der Beratung im Kreis- tage festgestellt wurde, bezieben zurzeit schon 23 324 Personen im Kreise das Krankengeld auch für den Sonntag, also für jeden Krankheitstag. Dem ist im Statut Rechnung getragen und werden demnach gezahlt In Stufe A pro Tag 0,30 M. oder pro Woche 2.10 M. I 0,50„„„„ 3.50 .. II..„ 1.00„„.„ 7,00„ „., III„„ 1,50„„„„ 10,50„ „„ IV„. 2,00„„„„ 14,00„ „„ V„„ 2,50„„„„ 17,50„ ..„ VI„„ 3,00„„„„ 21,00„ Während der ersten drei Tage wird Krankengeld nicht gezahlt, es sei denn, daß die Krankheit zum Tode geführt hat. Als Sterbe- geld wird der 25sache Betrag des Grundlohnes gezahlt, mindestens aber 50 M. Es beträgt demnach für Mitglieder der Stufe A 50 M.. Stufe I 50 M.. Stufe II 50 M., Stufe III 75 M„ Stufe lV 100 M., Stufe V 125 M., Stufe VI 150 M. Die Kassenbeiträge sind auf 4 Proz. des Grundlohnes bemessen und betragen für die Stufe A 0,18 M.. Stufe I 0,27 M.. Stufe II 0,57 M,. Stufe IIP 0,34 M., Stufe IV 1,11 M.. Stufe V 1,41 M. und Stufe Vl 1,68 M. Für Lehrlinge aller Art, die ohne Entgelt beschäftigt werden, gelten die Beiträge in Klaffe A. Für die aus Rennbahnen beschäftigten Mitglieder erhöhen sich diese Beiträge um 50 Proz. Eintrittsgelder werden nicht erhoben. Für die in der Landwirt- schaft und mit landwirtschaftlichen Arbeiten Beschäfligten hat der genannte Grundlohn keine Geltung. Für diese kommt nach§ 140 der Reichsversicherungsordnnng der ortsübliche Tagelohn gewöhn- licher Tagearbeiter in Betracht, der vom Oberversicherungsamt be- sonders festgesetzt wird und natürlich erheblich niedriger ist. Mit diesen Mitteilungen glauben wir allen geäußerten Wün- scheu Rechnung getragen zu haben. Ueber die Einteilung der Wahl- bezirke und die Zahl der zu wählenden Vertreter werden wir sofort nach Eingang der amtlichen Bekanntmachung berichten. Partei- Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Am Freitag, den 28. November, abends hl/z Uhr, stndet im Lokale von Boeker, Webcrstraße 17, der zweite Vortrag über„Die Entstehung des wissenschaftlichen Sozialismus (Marx und EugelS)" statt. Da der Bortragende, Reichstags- abgeordneter Genosse Rühle, am Freitag nochmal eine übersichtliche zusammenfassende Darstellung des ersten Vorlrages gibt, so ist zu empfehlen, daß noch Mitglieder sich daran beteiligen. Teilnehmer- karten a 30 Pf. sind noch am Eingang des Saales zu haben. Die Aufführung der Neunten Sinfonie findet statt am Sonn- abend, den 6. Dezember, im großen Saale der Brauerei Friedrichs- Hain. Billetts a 70 Pf., Teptbuch 10 Pf., sind im Bureau des Wahlvereins. Srralaucr Platz 10/11, sowie in den mit Plakaten ver- scheuen Geschäften zu haben. Anfang S Uhr. Sechster Wahlkreis. Am Dienstag, den 2. Dezember, finden in unserem Kreise vier öffentliche Agitationsversammlungcn statt, zu denen am Sonntag, den 30.?!ovember, ein Flugblatt von den bekannten Stellen aus verbreitet wird. Unsere Genossen und Genossinnen werden ersucht, sich wie immer, zahlreich und pünktlich zu beteiligen. Ferner wollen wir nicht verfehlen, unsere Mitglieder nochmals auf das am Sonntag, den 7. Dezember, abends 7>/z Uhr, im Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain stattfindende Beethoven-Konzeri aufmerksam zu machen. Wir bitten, die Entnahme der BlllcttS rechtzeitig zu bewirken, da offene Kasse nicht stattfindet. Einiriitskarten a 70 Pf. und Textbücher a 10 Pf. sind bei den Bezirksführern und in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. BortragSfolge: 1. Lconoren-Ouvertüre Nr. 3. 2. Phantasie für Klavier. Orwester und Chor. 3. Die neunte Sinfonie. Mitwirkende außer den Solisten: das Blüthner- Orchester und der Berliner Volkschor. Lichtenbergs Die Genossen zur L a n d a g i t a t i o n(einschließlich Rüdersdorf) treffen sich morgen Freitag, abends 8>/» Uhr, bei Wilhelm Schulz, Kronprinzenstr. 47. Johannisthal. Morgen Freitag, den 28. Nov.. abends 7i/z Uhr, von den bekannten Stellen ans wichtige Flugblatt- Verbreitung. Trebbin. Am Sonnabend, den 29. November, abends Sx/2 Uhr: Wahtvereinsvcrsammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Parteiangelegenheiten. Rosenthal. Freitag abend 7 Uhr: Flugblattverbreitimg von den bekannten Stellen auS. Röntgeutal, Zepernick, Buch. Heute abend, 8>/z Uhr, findet iin Lokal von Lange, Röntgcnial, Siemensstr. 10. der letzte Vortrags- abend über.die wirtschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiter- bewegung* statt. Reinickendorf-Ost. Vom Vortrogszhlln?:„Einführung in die sozialistische Weltanichammg' findet beule abend von 8>/z Uhr ab im „Seebad-, Residenzstr. 49. der letzie Jßdrliag statt.„Der Sozialismus und seine Zukunft- wird das Thema des heutigen Abends bilden._ Lerlmer Nadmcbteti. Ueber das Nahrpflichtigcngesetz. Die Versammlung der Armenkommissionsvorsteher. welche am Freitag im Bürgeriaale des Rathauses tagte, behandelte u. a. auch das sogenannte Arbeitsschcuengesctz vom Juli 1912. Herr Magistralsrat Lehmann erklärie, daß das sogeiiamite Arbeilsschenen- gesctz in der Hauptsache geschaffen sei, um die Armenpflege gegen frivole Ananipruchnahme zu schützen. Leider treten die Fälle sehr häufig auf. daß die zum Unterhalt Verpflichteten sich dieser Verpflichtung auf jede mögliche Weise zu entzichen suchen. Verpflichtet, filr den Unterhalt zu sorgen, sei zunächst der Familien- vorstand; so habe der Eheinartn in erster Linie für seine Familie zu sorgen oder auch die Witwe für ihre Kinder. Aber auch die er- wachsenen Kinder seien zum Untcrhglt bedürftiger Eltern oder Groß- eitern verpflichtet. Bis zum Jahre 1871 bestand der polizeiliche Arbeitszwang in einer ganzen Reihe von deutschen Äleinstaaten: erst durch die reichs- gesetzliche Regelung des UnterstützlingSwohnsitzes kam auch der Ar- bcitszlvang in Fortfall, um nun nach 40 Jahren wieder oufzutauchen. Wie sich gezeigt, sei der Arbeitszwang ein notwendiges Uebel. In Betracht kommen hierfür solche arbeitsscheuen Personen, welche böswillig nicht für sich und ihre Angehörigen sorgen und dadurch der Armenpflege zur Last fallen. Die zwangsweise Unterbringung in eine Arbeitsanstalt soll nur auf die Dauernder Uiiterstützungsbedürstigkeit geschehen und darf in der Regel ein Jahr nicht nberschreiteii. Nach einem Jahre hat der Untergebrachte euien Urlaub von mindestens drei Monaten zu verlangen. Gelingt es ihm in dieser Zeit, den Unterhalt für sich und seine Familie zu be- schaffen, so ist derselbe aus der Anstalt zu entlassen. Ter Magistratsrat warnte davor, auf diesen Arbeitszwang und das Gesetz große Hoffnungen zu setzen. Namentlich solle man nicht bei vorübergehender Not oder Streiks und Aussperrungen sowie längerer Arbeitslosigkeit nach der zwangsweisen Unterbringung schreien. Auch die Arbeitsfähigkeit des Betreffenden sei zu berücksichtigen, Aus alle Fälle aber müsse man durch gütliche Hinweisung und An- drohung der Unterbringung in eine Anstalt erst versuchen, den Unter- Hallungspflichtigen an seine Pflicht zu erinnern. Für Berlin ent- scheidet über die Notwendigkeit der Unterbringung der StadtauSschuß; der Betreffende ist zur mündlichen Verhandlung zu laden und zu hören. Gegen die Entscheidung des Stadtausschusses isb die Be- rufung an den Bezirksausschuß zulässig. Für Berlin sei die Er- richtung einer landwirtschaftlichen Anstalt in Aussicht genommen. Ersahrungen habe man bisher auf diesem Gebiete nicht gemacht. An die Vorsteher richtete der Vortragende das Ersuchen, keinesfalls leicht- fertig Anträge auf Unterbringung in eine Anstalt zu stellen, denn so einfach sei die Sache nicht. Wir müssen hierzu bemerken, daß auch in der Berliner Armen- Verwaltung mit dem Nährpflichtigengesetz stark gedroht wird. Uns liegt ein Fall vor, in dem ein verheirateter Arbeiter von der Armen- direkvoii aufgefordert wurde, für seinen im Siechenhaus unter- gebrachten Vater Unterhaltungskosten zu leisten und dem gedroht wurde, im Weigerungsfälle das Nährpflichtigengesetz anzuwenden, allerdings erging diese Aufforderung formularmäßig. Der Ar- beiter erklärte, nicht in der Lage zu sein, die Kosten zu tragen, zumal er seit längerer Zeit ohne Arbeit sei. Die Armen- direktion loendete sich nunmehr an die beiden erwachsenen Töchter. die im Hause wohnten mit der Aufforderung, für ihren Großvater zu zahlen, widrigenfalls— Nährpflichtigengesetz. Die beiden Töchter erktärtcn, mit sich zu tun zu haben, andererseits seien sie doch zuerst verpflichtet, dem arbeitslosen Vater mit durch' zuhelfcn.»- In solchen Fällen mit der Anwendung des Nährpflichtigen» gesetzcs zu drohen, ist ein Verfahren, das ganz unverständlich ist. Tic städtische Hochpaudcputation beriet und genehmigte in ihrer gestrigen Sitzung unter Vorsitz des Stadtrats Panofsky u. a. den speziellen Enttourf und Kostenanschlag zu dem Neubau eines Diphtherie- und Beobachtungspavillous für das Krankenhaus am Urban. Als Terrain hierfür ist das Grundstück des ehemaligen Er- ziehungshauscs am Urban bestimmt. I» der Sitzung gelangte ferner zur Annahme der Vorentwurf und Kostcnüberschlag für den Neubau einer Gemeindedoppelschule an der Danzigcr Straße und der spezielle Kostenanschlag für die neu zu errichtenden Dienst- und Wohngebäude an der Badstraße. In diesen sind u. a. vorgesehen Räume für eine Filiale der städtischen Sparkasse, eine Säuglings- fürsorgestelle, ein Armenamt sowie I�hrere Dienstwohnungen. Raubmord und Selbstmord des Täters. Eine schwere Bluttat setzte am gestrigen Mittwoch nachmittag um die dritte Slunde die Bewohner des Hauses Friedrichstraße 131a, in Schrecken. Dort wurde der Verlagsbuchhändler Michael Goldstein von seinem Buchhalter Johannes Surkoiv durch Hammerschläge und Revolverschüsse tödlich verletzt. Der Täter, der es an- scheinend auf einen Raub abgesehen hatte, verübte, als er sich an der Flucht verhindert sah, Selbstmord durch Er- schießen. Ueber die Tat wird uns folgendes mitgeteilt: In dem größtenteils von Geschäften und kaufmännischen Bureaus benutzten Hause Friedrichstr. 131a hatte sich seit dem 1. August d. I. der am 21. Mai 1886 zu Petersburg geborene Verlagsbuchhändler Michael Goldstein, dessen Ehefrau mit zwei Kindern zurzeit in Moskau lebt, niedergelassen, um dort einen Buch- und Zeitschriftenverlag zu be- gründen, der sich hauptsächlich aus russischen Werken und Schriften zusammensetzte. Goldstcin, der zahlreichen Zuspruch seitens der in der Reichshauptstadt wohnenden und studierenden russischen Staatsangehörigen genoß, engagierte im Herbst als Buchhalter den ebenfalls aus Rußland stammenden 26 Jahre alten Johann Surkow, der am 2. September 1887 zu Orel in Ruß- land geboren ist. Zwischen beiden kam es, wie Nachbarn bemerkten, des öfteren zu erregten Szenen, an denen Ivobl beide Personen infolge ihres Temperamentes die Schuld trugen. Am gestrigen Mittwochnachmittag hatte Goldstein den Betrag von 2000 Rubeln von der Bank abgeholt. Kurz nach 2 Uhr betrat der Buchhändler das ans zwei Geschäftsräumen und einem kleinen Privatkontor be- stehende Lager und begab sich an seinem Buchhalter vorbei in das Kontor, wo er sich am Schreibtisch niedersetzte. In diesem Augen- blick muß der Täter ihm nachgeschlichen sein und den Mord verübt haben, zu dem er sich zunächst eines schweren Hammers bediente, mit welchem er von hinten einen furchtbaren Hieb gegen den Kopf seines Opfers führte. Der Werkmeister Hermann Langer und der Schlosser Rudolf SadowSki, die eine halbe Etage höher mit der Ausbesserung einer Klingel beschäftigt waren, hörten um diese Zeit kurz hintereinander drei Schüsse fallen. Nach jeder De» tonation hörten sie gellende Hilferufe aus dem Goldfteinschen Ge« schüft dringen. Schnell entschlossen verabredeten sie sich dahin, daß der eine die Haustür, den einzigen Ausgang zur Straße bewachen, der andere die Polizei herbeiholen solle. Der Täter hatte sich in- zwischen augenscheinlich an der Brieftasche des Goldstein in räuberischer Absicht zu schaffen gemacht. Er scheint auch einen vergeblichen Ver- such zur Oeffnung des Geldschranks gemacht zu haben. Als hieraus der Schutzmann Völker mit Langer an der Tür des Geschäfts erschien und diese nach vergeblichem Einlaßbegehr mit dem Säbel aufzubrechen drohte, sprang Surkow, indem er die Tür aufriß, den beiden Männern mit vorgehaltenem Revolver entgegen, fand aber keine Zeit mehr, sich zur Wehr zu setzen. Der Anblick des inzwischen von vielen Menschen besetzten HofeS mag ihm klar gemacht haben, daß Wider- stand nutzlos und die Flucht abgeschnitten sei. Er drückte die Tür mit aller Macht wieder in das Schloß und tötete sich durch einen Revolverschuß in die rechte Schiäse. Den hierauf»ach gewaltsamer Oeffnung der Tür eindringenden Beamten des 7. Polizeireviers bot sich ein schrecklicher Anblick. Surkow lag entseelt in einer Blutlache, den Revolver umklammert haltend, am Boden. Goldstein, der noch schwache Lebenszeichen von sich gab, saü zusammengesunken im Stuhl vor seinem Schreibtisch. Da ein Arzt nicht zur Stelle war, und nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte, ob SurkowS Tod bereits eingetreten war, so ließ die Polizei beide nach der ko'nigl. Klinik in der Ziegelstraße schaffen. Dort starb Goldstein unter den Händen der Aerzte; er hatte einen tödlichen Schuß in die linke Schläfe und eine Schußwunde in der zur Deckung des Kopfes empor gehaltenen Hand davongetragen. Der Schlag des Hammers hatte den Schädel in entsetzlicher Weise zertrümmert. Bei Surkow konnte nur der auf der Stelle eingetretene Tod fest- gestellt werden. Der Selbstmord eines Pfarrers. Der Selbstmord eines Geistlichen wird aus dem Westen der Stadt gemeldet: An der Lutherkirche war seit dem 1. April als vierter Prediger der 34 Jahre alte Geistliche Fritz Weisker an- gestellt, der ans Sprottau in Schlesien stammt. Weisker wohnte init seiner Frau und seinen beiden Kindern in der Röhe der Kirche, iit der Biilowstraße 72, Ecke Steinmetzstraße, im ersten Stock des Bordergebäudes. Die Ehe des Paares war nicht glücklich, weil sich Mann und Frau nicht recht verstanden. Woran das lag, läßt sich nicht bestimmt sagen. Die Verhältnisse führten dahin, daß Frau Weisker vor zwei Monaten mit ihren Kindern den Mann verließ und nach ihrer Heimat in Schlesien zurückkehrte. Nun hatte der Prediger, wie es heißt von Verwandten seiner Frau, sich 2000 M. geliehen. Diese sollte er jetzt zurückzahlen, er war aber dazu nicht imstande. Die Gläubiger warteten nicht länger, ließen vielmehr, als sie kein Geld bekamen, die Wohnungseinrichtung pfänden und gestern morgen durch einen Gerichtsvollzieher abholen. Als dieser erschien, fand er keinen Einlaß in die Wohnung. Auf sein Klopfen und Klingeln wurde nicht geantwortet. Jetzt erinnerte sich eine Frau aus dem Hause, daß sie gegen 7 Uhr einen dumpfen Fall gehört batte. Sie hatte sich dabei nichts weiter gedacht. Erst jetzt schöpfte man Verdacht und fand ihn bald bestätigt. Der Gerichtsvollzieher ließ durch einen Schlosser öffnen, und nun sah man, daß Weisker Hand an sich gelegt hatte. Er hatte sich eine Nevolverkugel in die rechte Schläfe geschoffen und lag im Schlafzimmer tot auf dem Fußboden. Unterricht in der Glühstrumpfnäherei ist immer wieder ein lohnendes Geschäft. Lohnend ist die Sache für den, der solchen Unterricht gibt und das im voraus zu be- zahlende Lehrgeld einsackt. Die Hoffnungsfreudigen aber, die für ihre letzten paar Mark die Glühstrumpfnäherei erlernen und davon sich Arbeit und Brot versprechen, erleben nur zu oft die bitterste Enttäuschung. Dieser sogenannte Unterricht ist eine ebenso mühelose wie ein- trägliche Erwcrbsgelegenhcit für betriebsame Frauen, die entweder früher mal Glühstrumpfarbeiterinnen waren oder vielleicht selber die Glühstrumpfnäherei nur in solchem Unterricht erlernt haben und dann niemals sich ihren Lebensunterhalt als Glühstrumpf- arbeiterinnen haben verdienen müssen. Für die„Lehrerin" ist außer einiger Kenntnis der nötigsten bei der Glühstrumpfnäherei vorkommenden Handgriffe nur„noch erforderlich, daß sie alle paar Tage mal im„Lokalanzeigcr" oder in der„Morgenpost" durch eine kleine Anzeig« hon zwei oder drei Zeilen— am besten mit einer aufsehenerregenden und hoffnungweckenden Ueberschrift, wie „H e i in a r b e i t" oder„Nebenverdienst"— den Erwerb- suchcnden ihren Unterricht in der Glühstrumpfnäherei anbietet. Es ist ja immer Ueberfluß an Mädchen und Frauen, die nach jeder sich bietenden Erwerbsgelegenheit haschen müssen, und besonders Ehefrauen sind geneigt, auf solche Anerbietungen einzugehen und für die Aussicht auf Heimarbeit ein Lehrgeld von ö M. oder mehr zu opfern. Eine nach der and?r-n macht sich auf den Weg zur Wohnung der annoncierenden„Lehrerin", läßt sich von ihr die Nachweisung arbeitvergebender Firmen versprechen, zahlt dann das im voraus geforderte Lehrgeld, lernt täglich ein paar Stunden an dem von der Lehrerin Hofssegebenen Material und wird nach einigen Tagen entlassen tmi�r Ueberweisung eines Zettels, auf dem eine Reihe Firmen verzeichnet sind, wie sie jeder selber aus dem Adreßbuch abschreiben kann. So, nun kann die„fertige" Glüh- strumpfarbeiterin sich Arbeit suchen gehen! Ach, es sind ihrer so viele, die gleich ihr um Beschäftigung anfragen, nicht nur alle die, denen eben erst die betriebsamen Frauen für teures Lehrgeld die Glühstrumpfnäherei beigebracht haben, sondern auch ältere und eingeübte Arbeiterinnen, wie die Fabriken sie brauchen. Wenn nicht mal für die leistungsfähigen Arbeitskräste genug Be- fchäftigung vorhanden ist, wie soll da eine„Ausgelernte", die noch nichts als die paar Handgriffe kann, Arbeit finden? Ueber Erfahrungen chiescr Art berichteten wir vor einiger Zeit nach den Angaben von Frauen, die im Südosten der Stadt sich zu Glühstrumpfarbeiterinnen haben„ausbilden" lassen. Aehnliches wird uns jetzt aus Berlin-Nord gemeldet, wo eine im Hause Carmen-Sylva-Stratze 129 wohnende Frau das ein- trägliche Geschäft betreibt, erwerbsuchenden Frauen die Glüh- strumpfnäherei beizubringen. Eine der kleinen Anzeigen, die sie alle paar Tage in der..Morgenpost" veröffentlicht, lautete so: „Heimarbeit! Glühstrumpfnähen lehrt, Carmen-Sylva-Straße 129, vorn lll, geradezu." Die bezeichnete Wohnung wird, wie ein an der Tür befestigtes Namenschild angibt, von einem Polizei« beamten Hallpap bewohnt, den das Adreßbuch in der Mieterliste des betreffenden Hauses(Nr. 129 seit Umnumerierung der Straße, fiüher Nr. 158) als Schutzmann aufführt. Lern- lustige, die sich hier den Weg zu lohnender Heimarbeit weisen lassen wollten, schildern uns. wie es ihnen dabei ergangen ist. Sie wurden in der Hallpapschen Wohnung von einer Frau empfangen, die ihnen zunächst mal 5 M. als Lehrgeld abnahm. In dem Zimmer, wo sie mit ihnen verhandelte, hatte sie vor- sichtigerweife sogleich ein Plakat mit der Mahnung voraus- zubczahlen ausgehängt. Gelernt wurde drei Tage hindurch täglich zwei Stunden an einem Material, das von der„Lehrerin" ge- liefert wurde, aber höchstens ein paar Groschen pro Schülerin ge- kostet haben kann. In der Hallpapschen Wohnung saßen damals am Vormittag vier Schülerinnen und am Nachmittag vier Schülerinnen, das macht für drei Tage acht Schülerinnen mit einem Lehrgeld von zusammen 40 M. Man sieht, wie der Betrieb sich rentiert? Nach drei Tagen war die Lehre beendet, und den Schülerinnen wurde nunmehr ein Zettel mit Firmenadressen über- reicht, den sie bei der jetzt zu beginnenden Jagd nach Arbeit be- nutzen sollten. Schon die ersten paar Versuche vernichteten alle Hoffnungen.„Arbeit wollen Sie haben? Ja, die können wir Ihnen nicht geben! Es ist jetzt überhaupt wenig Arbeit." Nebenbei wurde gefragt, wo man denn biShifer schon gearbeitet habe.„Ach sv, Sie haben eben erst gelernt! Wo denn? — So, so! Bei der Frau in der Carmen-Shlva-Siraßc? Ist das nicht«ine Ächutzmannssrau?" Man kannte sie also schon, die Frau in der Carmen-Sylva-Straße. Ueber ihren Unterrichtsbetrieb bekamen die Arbeitsuchenden jetzt mißbilligende Worte zu hören, die wir hier nicht wiedergeben wollen. Und jetzt erfuhr mans auch, daß für eine Arbeiterin bei der Glühstrumpfnäherei über- Haupt nicht so viel zu verdienen sei. Ein paar Frauen hatten m ihrer Entrüstung den Einfall, die.Lehrerin" aufzusuchen und tza» Lehrgeld zurückzusordcr«. Aber da kamen sie schön an! Ob sie denn nicht für das Geld unterrichtet habe, fragte sie. Was sie wohl dafür könne, daß sich nicht gleich Arbeit finde. Uebrigens brauche doch eine Arbeitsuchende, sagte sie zu der einen der Frauen, nicht anzugeben, daß sie eben erst gelernt habe. Die Frau in der Carmen-Sylva-Straße annonciert nach wie vor in der„Morgenpost" und vielleicht auch in anderen Blättern, daß sie Glühstrumpfnähen lehrt, und als fast mühelosen Gewinn legt sie ein Fünfmarkstück zum andern. Durch ihren regen Unter- richtsbetrieb ist dafür gesorgt, daß die„A u s g e le r n t e n" immer neuen Nachschub erhalten, der das Angebot von Arbeitskräften immer weiter steigert, während die Nachfrage nach solchen nicht zunimmt. Frauen und Mädchen, die einen Erwerb suchen, sollten sich die von uns hier geschilderten Er- fahrungen sehr überlegen, che sie— Lehrgeld zahlen. Heiratsschwindler. Als Fabrikunternehmcr traten zwei Heiratsschwindler auf, die gestern von der Kriminalpolizei festgenommen wurden. Der eine ist ein früherer Kellner namens Höppel, ein Mann von 32 Jahren, der andere ein schon älterer Kaufmann Vizius. Höppel, der wegen Heiratsschwindels schon wiederholt vorbestraft ist, setzte sich mit jungen Mädchen, die unter die Haube kommen wollten, in Ber- bindung, schwindelte ihnen vor, daß er mit einem Geichäststeilhaber eine große Fabrik gründen wolle und veranlaßte die Vertrauens- seligen, ihre Ersparnisse in dieses Unternehmen hineinzustecken. Wenn die Mädchen zu Vizius kamen, um sich zu erkundigen, so redete ihnen der würdige alte Herr, der eine gute Wohnungs- einrichtung besaß, väterlich zu, und machte sie ganz sicher. Dann wurde ein Vertrag aufgesetzt, nachdem die Mädchen ihr Geld Höppel übergaben mit dem Auftrage, eS als Geschäftsanteil zu verwenden. Der Vertrag wurde ordnungsmäßig gestempelt und das Geld auf die Bank gebracht. Das Guthabenbuch der Bank wurde auch noch den Mädchen gezeigt. Von dem Gelde aber sahen sie nie etwas wieder. Die beiden Schwindler hoben es nach und nach ab und lebten davon, ohne an die„Fabrikgründung" weiter zu denken. Auf die Anzeige einer Betrogenen wurden beide gestern verhaftet. Briefschaften, die die Kriminalpolizei in ihrer Wohnung fand, gaben weitere Auskunft über ihr Treiben. Geschädigte Mädchen, die noch leine Anzeige gemacht haben, können sich im Zimmer 193 bei der Kriminalpolizei melden. Ei» neuer deutscher Höhenrekord. Eine vorzügliche Leistung hat am gestrigen Minwochmitlag der Flieger Schüler in Johannisthal aufgestellt. Schüler flog mit Kapilänleutnant a. D. Liepmann auf einem Ago-Doppeldecker mir i20 PS Argus-Motor um 11 Uhr 19 Minuten ab und schraubte sich in weiten Kreisen um den Platz in die Höhe. Trotz des recht böigen Windes, der bis zu 1009 Meter Höbe den Fliegern viel zu schaffen machte, stiea Schüler immer höher und erreichte schließlich 3499 Meter Höhe. Nach zweistündigem Fluge ging der Flieger in einem steilen Gleilfluge nieder und landete um 1 Uhr 18 Minuten vor seinem Schuppen. Somit hat Schüler den auf der letzten Hcrbstflugwoche von Sablalnig auf- gestellten deutschen Höhenrekord mit einem Passagier nicht unwesent- lich verbessert. Karl Bommer. Die Reihen lichten sich. Wieder ist einer von uns gegangen, den wir zur alten Garde zählten. Der Tischler Karl Bommer ist am Montag gestorben. Am 14. April 1913 feierte er seinen 79. Geburtslag. Schon in jungen Jahren trat Bommer in die Reihen der Sozialdemokratie als Kämpfer ein. Die Zeiten des Sozialistengesetzes machte B. mit ungeachtet aller Verfolgungen. Am 8. Dezember 1879 wurde er bei der Verbreitung sozialdemokratischer Schriften verhaftet und am 16. Dezember aus Berlin auf Grund des bestehenden Belagerungszustandes ausgewiesen. Am 17. Dezember ver- ließ Karl Bommer Berlin, eine Frau und vier unmündige Kinder zurück- lasseud. Bis in seine letzren Tage hat er der Partei treu gedient. Bei der letzten Reichsiagswahl sahen wir den 69jährigen Mann am SlichwohUage in die Provinz ziehen gen Lübben, um in einem drei Stunden entfernten Orte, der nur zu Fuß zu erreichen war, als Stimmzettelverteiler feine Pflicht zu tun. Er hat voll und ganz dielen Auftrag ausgeführt, bewundert von seinen Genossen ob dieses Opfermutes. Auch der Gewerkschaft war Bommer ein treuer Mit- kämpfer. In der Verwaltung der Hamburger Tischlerkasse, Zahl« stelle A in Berlin, sahen wir unseren verstorbenen Freund als Mit- glied der Verwaltung lange Jahre in treuer Pflichterfüllung für das Wohlergehen seiner kranken Mitmenschen wirken. Ein Vorbild für die heranwachsende Generation. Die Beerdigung erfolgt heute nachmittag in Friedrichsfelde. Nachtversammlung zum Massenstreik gegen die StaatSkirche. Es sind vielfach Wünsche laut geworden, um den Straßenbahnern, Droschkenkutschern, Chauffeuren, Gastwirtsgehilfen u. a. in Nacht- betrieben Angestellten Gelegenheit zu geben, an einer Versamm- lung zum Massenstreik gegen die Staatskirche teilzunehmen. Des- halb veranstaltet das 5iomitee„Konfessionslos" in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend in den Konzertsälen(vormals Keller), Koppenftr. 29, mitternachts 12 Uhr, eine Versammlung. Dachstuhlbrand in der RüdcrSdorfer Straße. In der fünften Nachmittagsstunde wurde Hie Feuerwehr gestern(Mittwoch) durch mebrfacken Alarm nach der Rü dersdorfer Straße 49 im Osten Berlins gerufen. Als die Löiebzflge dort eintrafen, stand der Dachstuhl des Wohnhauses in erheblicher Ausdehnung in Flammen. Es wurde sofort mit zwei Rohren Wasser gegeben, wodurch es ge- lan& den Brand innerhalb einer halben Stunde zu ersticken. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt.— Kurze Zeil darauf erfolgte Feueralarm nach der F r i e d r i ch st r a ß e 55. Dort waren in dem Lagerraum eines Wassengeschäfles einige Patronenhülsen explodiert und in Brand geraten. Durch den Luftdruck war eine größere Scheibe eingedrückt worden. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr in wenigen Minuten; Personen sind bei der Explosion nicht zu Schaden gekommen._ Vorort- JVachricbtein Neukölln. In der Generalversammlung des Wahlvereins widmete zunächst der zweite Borsitzende, Genosse Helbig, den im letzten Halbjahr verstorbenen 31 Mitgliedern ehrende Worte der Erinnerung, im be- sonderen dem Wirken deS verstorbenen Stadlverordneten Genossen Heller. Aus dem vom Vorsitzenden, Genossen Scholz, er- statteten Geschäftsbericht für das erste Halbjahr 1918 geht hervor, daß in Anbetracht der wirtschaftlichen Krise, die in Groß-Berlin etwa 33 999 Menschen zum Nichtstun verdammt und ihre Kreise auch in der Arbeiterstadt Neukölln gezogen hat, der Ab- schluß des Halbjahrs noch als halbwegs günstig bezeichnet werden kann. Zwar habe in sozialpolitischer Hinsicht genau wie im Reiche auch die Einsicht der Kommunalbehörden versagt; zur Linderung der durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufenen Not konnte das Neuköllner Stadtparlament nur 13 999 Mark zur Speisung bedürftiger Kinder locker machen, während selbst nach Ansicht des Magistrats 59 999 M. erforderlich wären, eine Summe, die für die Bedürfnisse des satten Bürgertums wohl aufgebracht worden wäre. Indessen sei der Erfolg der Organisationsarbeit trotz der durch die Krise etwas geringer gewordenen Aktionsfähigkeit noch zufriedenstellend. Die Landtagswahlen, die den' Gewinn des Kreises brachten und über deren ziffernmäßiges Resultat bereits berichtet wurde, er- brachten de» Beweis, daß auch in Neukölln Stimmenfang durch eine kommunalliberale Kandidatur ein eitel Unterfangen sei. Die Ver- waltungsgeschäfte der Organisation wurden erledigt in 16 Vorstands- und 3 erweiterten Vorstandssitzungen, 4 Sitzungen der Funktionäre, 9 Flugblattverbreitungen und 13 öffent« lichen Versammlungen. Die Mitgliederbeweg ung verzeichnet eine Zunahme von insgesamt 2992 Mitgliedern(darunter 1621 Neuaufnahmen), denen ein Abgang von 1319 Mitgliedern (darunter 797 wegen restierender Beiträge gestrichen) gegenübersteht, so daß ein Gesamtzuwachs von 692 zu buchen ist. Mit 16134 Mit- gliedern(darunter 3725 weiblichen) verzeichnet der Wahlverein am 1. Oktober 1913 seinen höchsten bisher erreichten Mitgliederbestand. Wenn man berücksichtige, daß umer den 797 wegen restierender Beiträge Ausgeschlossenen rund 499 sich befinden, deren Mitgliedschaft erst bis zu einem Jahr zählt, so müsse dieS ein Ansporn sein, für die Aufflärung besondere Mittel anzuwenden. Der Abonnenten- st and des„Vorwärts" betrug am 1. April 17 819, am 1. Oktober 16 739, mithin weniger 1989. Die im Oktober vorge- nommene Agitation erbrachte 1581 neue Abonnenten, so auch hier gegen 1. April eine Zunahme von 349 zu verzeichnen ist. T/rc erst viel belächelte Hauskassierung sei als durchaus erfolgreich zu bezeichnen. Es zeige sich hier der Wert des ständigen FüHlungneHmenS der Funktionäre mit den Mitgliedern. Für die Frauen sei eine bessere Ausgestaltung der Leseabende in Aussicht genommen. Der Jugendbewegung müsse weiter besondere Aufmerksamkeit ge- schenkt werden. Dem Verein„Jugendheim", der das zweite Heim in Betrieb gesetzt hat, müßten unter allen Umständen immer mehr Mitglieder zugeführt werden. Sei also auch der Rückblick auf das letzte Halbjahr nicht besonders ungünstig, so müsse angesichts der Ausblicke aus drohende Verschlechterungen die Parole bleiben: fort- gesetzte Aufflärung der noch Fernstehenden.— Den Kassenbericht erstattet Genosse R a d t k e t Die Gesamteinnahmen be- zifferten sich auf 27 433,77 M. An die jtreiskasse wurden abgeführt 17 346,89 M., am Orte ausgegeben 19 966,17 M.— Für die Kinder« ferienspiele wurden vereinnahmt 1759.79 M., ausgegeben 1313,25 M., so daß hier ein Bestand von 446,54 Wl. verblieb.— Der Bericht des Bibliothekars konstatiert eine Ausleihziffer von 8335 Bänden. Der Bestand an Büchern betrug am 1. April 2893, am 1. Oktober 3519 Bände.— In der Diskussion wünscht Genosse Franke in Zukunft die Vorlegung des Kaffenberichts in einer größeren Anzahl von Abzügen; Genosse H ofmann fragte an, aus welchen Motiven sich die sozialdemokratischen Stadtverordneten ver- pflichtet fühlten, für die Bewilligung von 3999 M. zum Erbbegräbnis des verstorbenen Stadtbaurats Kiehl einzutreten, und Genosse Schönlank wünschte, die Reichstags sraktion möge aufgefordert werden, energisch die Aufhebung der die Jugendbewegung hemmenden Bestimmungen des Z 17 des Reichsvereinsgesetzes zu betreiben. Den Wünschen der Genossen Franke und Schönlank soll entsprochen werden. Bezüglich der Anfrage des Genossen Hofmann teilte der Lorsitzende mit. daß dieser Beschluß älterer Natur und damals gefaßt sei unter dem frischen Eindruck deS erschütternden TodeS Äiehls, der mit seinen Fähigkeiten am Zweck« verband gescheitert sei. Ein Antrag des Genossen Karl S s, u I z wünscht für die Referenten des geplanten Kursus über das Erfurter Programm in den Frauen-Leseabenden die Herausgabe von Richt- linien und Vorbesprechungen der Referenten. Dem Antrag soll im zweiten Teile entsprochen werden, bezüglich des ersten Teils herrschte die Ansicht vor, jedem Referenten die Frage individuell bebandeln zu lassen.— Sodann nahm die Versammlung die Aufstellung zweier Kandidaten für demnächst bevorstehende Stadt- verordnetenersatzwahlen der dritten Abteilung vor. Für den 13. Bezirk, den der verstorbene Genosse Heller vertrat, wurde Genosse Rudolf Schulz und für den 9. Bezirk, dessen Mandat Genosse Ziechmann niedergelegt hat, der Genosse Robert Dichte, Hausbesitzer, no- miniert.— Eine ausgedehnte und teilweise sehr erregte Debatte entfesselte sodann eine Angelegenheit, die leider bereits mehrere Versammlungen beschäftigt hat. Gegen die Gewerkschafls- angestellten Haueisen und Michaelis war seitens des Wahl- Vereins ein Ausschlußverfahreii wegen Nichtablieferung deS Tagesverdienstes vom 1. Mai eingeleitet worden. Dieses Verfahren hatte im Falle Haueisen durch rechtskräftig ge« wordenes Urteil vom 29. März 1912 zum Ausschluss« geführt. H, der Mitglied des Vereins Arbeiterpresse ist, hat den Beiirag später an die Kasse Groß-Berlins abgeführt. Der Meinung des Vorstandes, daß durch die nach dem Ausschluß erfolgte Ablieferung der Ausschluß nicht mehr rückgängig zu machen sei, schließt sich die Versammlung an. Gegen Michaelis, der innerhalb des noch ichwebenden Ver- fahrens ebenfalls bezahlt hat, beantragte der Vorstand die Ein- stellung desselben. Von fast allen hierzu sprechenden Rednern, den Genossen Weiler, Frank. Reimann, Barth, wurde dieser Antrag scharf bekämpft und schließlich abgelehnt. Nach weiterer erregter Debatte, i» der durch die Genossen Helbig, Scholz, F e l l e r und A l b r e ch t der Rechtsstandpunkr des Vor- standes erneut vertrete», aber von den Gegnern des VorstandsantrageS belämpft wurde, gelangte der Vor« standöantrag sodann erneut zur Abstimmung, er wurde, da die erste Abstimmung zweifelhaft blieb, durch Auszählung mit 113 gegen 93 Stimmen wieder abgelehnt.— Ein weiterer Antrag des Vorstandes, den bereits früher geltenden Grundsatz, solchen Genoffen, die dem Wahlverein mindestens fünf Jahre an- gehören, beim Ableben ein Grabständchen zu widmen, wurde, da ivieder günstige Verhältnisse hierzu berechtigen, angenommen. Heute abend b'A Utir findet bei Bartsch, Hermannstr. 49, auf vielfachen Wunsch die Wiederholung des Märchens„Das Binsen- männchen und der Binsenmichel" statt. Billetts für Kinder 19 Pf. und Erwachsene 29 Pf. find noch in den bekannten Stellen zu haben. Wilmersdorf. Die mangelhafte Arbeitslosenfürfarge der reichen Stadt Wilmers- dorf wurde in der letzten Wahlvereinsversammlung von verschiedenen Rednern scharf gekennzeichnet. Nach einem Vortrage des Genossen Dr. Bruno Borchardt über die Arbeitslosenfürsorge brachte in der regen Diskussion Genosse Renner die unwürdige Behandlung der Arbeitslosenfürsorge in den letzten Stadtverordnetensitzungen zur Sprache. Genosse H i n r i ch s e n schilderte das Lrbeitslosenelcnd unter den Zimmerern. 39 von ihnen, die in Wilmersdorf wohnen, seien nicht weniger als bereits 239 Wochen ohne Beschäftigung. Die Zimmerarbeiten für die städtischen Bauten würden in Brandenburg und Französiscb-Buchholz ausgeführt zu Löhnen, die weit unter dem Berliner Tarife stehen. Das Vorstelligwerden bei dem Stadtbaurat Herrnring sei fruchtlos gewesen. Demgegenüber müsse rühmend hervorgehoben werden, daß auf das Eingreifen des Zimmerer- Verbandes die Berliner Hochbauverwaltung die Bezahlung der Zimmererarbeiten nach Tariflöhnen durchsetzte, die die Unternehmer für die Stadt in Friedrichshagen ausführen lassen.— Zum Schluß gab Genosse Fabian bekannt, daß die öffentliche Versammlung mit dem Genossen Wolfgang Heine als Redner am Montag, den 1. Dezember, im Stadtpark stattfindet. Friedrichshagen. Geschäftssorgen haben den 56 Jahre alten Kaufmann C. aus der Breestpromenade in den Tod getrieben. C. betrieb mit seinem Bruder, dcb ebenfalls in Friedrichshagen wohnt, in Berlin in der Stralauer Straße ein Leitergefchäft. Dieses besteht seit sechs Jahren, ging aber in der letzten Zeil so schlecht, daß die Inhaber in Schwierigkeiten gerieten. Vorgestern abend kam C. nicht nach Hause. Sein Bruder und seine Schwester, mit denen er als Jung- geselle die Wohnung teilte, kamen mitten in der Nacht, nichts Gutes ahnend, nach Berlin, um sich nach ihm umzusehen. Sie fanden ihn in dem Kontor, ans dem ihnen schon ein starker GcSgsruch entgegenkam, tot daliegen. Er hatte den Gashahn geöffnet und sich vergiftet. Rosenthal. Ei» tödlicher Unglücksfall ereignete sich vor einigen Tagen auf dem Bahnhof Reinickendorf-Rofenthal. Dort versuchte der in der Edelweißstraße 14 wohnhafte Drahtzieher Schwartz, der das Ziel überfahren hatte, aus dem bereits wieder in Bewegung befindlichen Zug herauszuspringen. Hierbei kam derselbe zwischen de«»ach- folgenden Wagen so unglücklich zu Fall, daß ihm der Brustkasten eingedrückt wurde. Der Tod trat sofort ein. Schw. hinterläßt eine Frau mit sechs unversorgten Kiqdern./ Reinickendorf-Ost. Die diesjährige Ausstellung guter Jugendschristen, Beschäftigungs- spiele sowie künstlerischen Wandschmucks ist noch bis inklusive Freitag, täglich von 5 bis 9 Uhr geöffnet. Die reichhaltig ausgestattete Ausstellung findet den allgememen Beifall aller Besucher, so daß nur gewünscht werden kann, wenn noch möglichst viele Arbeitereltern mit ihren Kindern die Ausstellung besichtigen werden. Spanvan. Staatliche und städtische Arbeitslosenfürsorge in Spandau. Wäh- rend hier ebenso wie in Groß-Berlin in der Privatindustrie und namentlich im Baugewerbe große Arbeitslosigkeit herrscht, wird in den hiesigen Milltärwerkstätten außer Tag- und Nachtschicht mit un- zähligen Uebcrstunden gearbeitet. Da nun immer noch Massen- einstellungen stattfinden und dabei auch viele auswärtige Arbeiter berücksichtigt werden, so lassen sich viele hiesige Arbeiter aus dem Arbeitsnachweis der kvnigl. technischen Institute eintragen in der Hoffnung, für den Winter Unterkunft zu finden, damit ihre Familien nicht zu hungern brauchen. Wie bitter enttäuscht manche Arbeits- lose werden, zeigt folgendes Schreiben, das ein Arbeiter von der staatlichen Arbeitsnachweisstelle erhielt:„Ihr Gesuch ist geprüft worden, Ihre Annahme, daß Sie in die Bewerberliste als Tischler eingetragen seien, ist irrig. ES muß bei dem Ihnen zugegangenen Bescheid verbleiben, wonach von Ihrer Ausnahme in die Listen infolge zu vieler Vornotierungen abgesehen werden muß.— Als Arbeiter kann ihre Ein- tragung nur erfolgen, wenn Sie Soldat waren, zutreffenden Falles wird Ihnen anheim gestellt, das Gesuch unter Vorlage sämtlicher Papiere zu erneuern." So sieht die staatliche Arbeitslosenfürsorge auS? wer nicht Soldat gewesen ist, kann keine Arbeit erhalten. Während nun viele Arbeiter vergebens nach Arbeit suchen und hungernd und frierend durch die Straßen wandern, kann man seit einigen Tagen auf dem städtischen Gelände am Askanier- ring in der Nähe des Hasenmark etwa 12 Soldaten beobachten, die unter Leitung eines städtischen Gärtners mit dem Ausgraben von Bäumen beschäftigt sind. Diese alten Bäume werden unter vielen Schwierigkeiten nach dem Kasernenhof der neuen Bespannungsabteilung gebracht und dort eingebuddelt. Wie gestern Arbeitslose beobachteten, wurde auch ein Baum von den Soldaten nach den städtischen Anlagen im Stabholzgarten gebracht, um dort eingepflanzt zu werden. Natürlich erregt die Verwendung von Soldaten zu diesen Arbeiten bei den herumstehenden Arbeitslosen große Empörung. Die Stadt' hat an» scheinend mit dem Militärfiskus ein Uebereinkommen dahin getroffen. daß für das unentgeltliche Abtreten der Bäume einige davon von den Soldaten nach den städtischen Anlagen gebracht werden. Während so die Stadt den Arbeitslosen wenig Entgegenkommen zeigt, tritt sie auch als Arbeitgeber wenig vorbildlich auf. Der ortstarifliche Stundenlohn für Steinsetzer beträgt hier 85 Pf., die Stadt, welche vorübergehend auch einige Steinsetzer beschäftigt, bei Arbeits- mangel aber sofort entläßt, zahlt einen Stundenlohn von 4 9 Pf. Wegen Betriebseinschränkung werden jetzt von den im Sommer in großer Zahl angelernten Straßenbahnschaffnern ohne Rücksicht auf den bevorstehenden Winter eine Anzahl entlassen. Aus dem Anlernen der Schaffner weiß nun die Stadt noch Kapital zu schlagen, indem sie denselben bei ihrer Entlassung von der gestellten Kaution 25— 3S M. für das Anlernen abzieht, trotzdem die Lehrzeit nur fünf Tage beträgt. Während der Lehrzeit erhält der Anzulernende rund 3 M. täglich, der Schaffner, der das Anlernen übernimmt, eine Entschädigung von täglich 20 Pf. Der Stadt kostet das Anlernen also rund 1ö M. EL ist doch kaum anzunehmen, daß die Stadt mit dem zu viel abgezogenen Lehrgeld da? Defizit der Nonnendammbahn bezahlen will. In welchem Privat- betrieb ist es überhaupt üblich, daß dem Arbeiter, der doch lediglich im Interesse der Firma angelernt wird, bei seiner ohne fein Ver- schulden erfolgten Entlassung das Lehrgeld abgezogen wird? NowaweS. Der Arbeitsnachweis, den der Verband märkischer ArbeitSnach- weise eingerichtet hat, ist in den Räumen des Gewerbegerichts, Lindenstr. 56, parterre links, eröffnet und steht für gewerbliche Ar- beiter und Arbeiterinnen nachmittags von 3 bis 4 llhr, für weib- liches Hauspersonal von 4 bis 6 Uhr zur Benutzung frei. Be- stellungen auf gewerbliches Personal werden auch telephonisch(Amt Nowawes Nr. 101, 102 und 103) von 8 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags entgegengenommen. Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Buckow. Heute Donnerstag, abends 6 Uhr, im Gemeindedurcau, Dorsstr. 29. Eichwalde. Freitag, 23. November, abends 7llt Uhr, im Rathaus. Fricdrichsfelde-Karlshorst. Freitag, abends Uhr, im Schulgebäude an der Treskowallee. Spandau. Heute Donnerstag, nachmittags 4'st Uhr, im Sitzungs- saal des neuen Rathauses. Diese Sitzungen sind»fsentlich. Jeder«emeindeangehlrige iß be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Eine hochinteressante Weltreise sür nur 15 Ps. die Woche. Aas regt den Geist von neuem an, bringt Frohsinn und Schafscns- sreudc wieder-- i Reiselust und Reisen! Wir ivollen erfahren, wie die Welt in Wirklichkeit mit all dem Reichwm ihrer Ratuischönheiten aus- sieht, und wie die Menschen daraus leben. Wer Zeit und Geld Hai, der reist. Aber wie viele können dieses überharcht und sollen sie es sich ver- sagen? Nein!— Trete daher jeder mit uns getrost die Weltreise an und lerne die Macht der Natur, die Sitten und Gebräuche der verschiedenen Menschenrassen ohne Rcisebeschwerdcn, teure Ausrüstungen und Reise- cldcr kennen. Er tann alles im gemütlichen Heim für nur 15 Ps. pro Woche durch unsere illustrierte Zeilschrist„Durch alle Weit» genietzcn. Um der Reise besser folgen zu können, erhalten alle Abonnenten außerdem in Lieserungen einen großen. Universal-Handatlas gratis. Derselbe enthält über 320 Voll- und Nebenkarten. Sobald Sie den Bestellschein ausgcsüllt und eingesandt haben, wird die Reise angetreten. Bestellschein. An die Expedition von„Durch alle Welt.. Berlin-Schöneberg, Am Park 11. Ich abonniere hiermit„Durch alle Welt- a 15 Ps. pro Heft wöchentlich durch Boten frei ins Haus. Name:.......................................... Ort, Straße:...................................... □ □□ □ □□ Donnerstag, 27. Nov. 1913. Ansang 6 Uhr. Eines Palast am Zoo. Varicle- Lichtspiele. Amang 6'/; Uhr. UinesNollcudorf-Dheatrr.Varieiö- Lichtspiele. Ansang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Antang 7'fa Ubr. Sgl. Ichauipielhaus. 1812. Deutsches. Torquato Tasto. Zirkus Bnich. Galavorncllung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Amana 8 UM.. Urania. Jh. Ehiba-Tolio: Das Leben der Japaner. Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Plotrowsli: Die Irrenanstalt. Kammeripiele. AndrokluS und der Löwe. Leiiiug. Pygmalion. Köuiggrätzer Straffe. Die Krön- braut. Theater am Nollendorfplatz. Der Mikado. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. Deutsches Sünftler- Theater. Die Affäre. Deutsches Opernhaus. Das Not- Hemd. Deutsches Schauspielhaus. Die heilere Residenz. Tbaiia. Die Tangoprinzesfin. «iomödienhaua. Hinter Mauern. Montiö Operetten. Die ideale Gattin. Schiller O. Die goldene Ritterzeit. Schiller Eharlotrenburg. Am Tage des GcrichiS. Residenz. Hoheit— der Franz. Mciropol. 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Sonnabend, abends 8 Uhr: Heimg'fnnden. Sehiller-Theaier Chahrü??.en" Donnerstag, abends 8 Uhr: Am Tage de« Gericht«. Freitag, abends 8 Ubr: llaHemanns Töchter. Sonnabend, nachmittags 3'/, Uhr: Zopf nnd Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hedda Gabler. Frieiileti-WilfelilL Theater' 30-31 Chausseestr. 30-31. Operetten- Gastspiel Zum 231. Male: Die Kinokonigin Operette in 3 Akten von Georg Lkonlowski u. Int. Freund. Musik von Jean Gilben. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die Räuber. Montfs Operettentheater, Abends 8 Uhr: Lehär-Novität: Die Ideale Gattin. Fritz i Massary. I. Spielmann a.®. Morg. u. folg. Tage: Die ideale Gattin. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblnt. Sonnab sU.: Das tapl. Schneiderlein. Lessing-Theater. s uhr: Pygmalion. Lustspiel von Bernard Shaw. IheateT am{iollenilorlplsiz 5. Allabendlich 8 Uhr: Mikado. Deutsches Kfinstlertbeater Sozietät. Nürnberger StraOe 70/71, am Zeo. Kasse: Nollend. 1383. Donnerstag 8 Uhr: Die Affäre. Freitag 8 Uhr: Zum 200. Male: Dep Biberpelz. 8 Uhr 8 Uhr. Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Woiff. Musik von Robert Winterberg. Allabendl. 8 Uhr: Noheit— der Franz! Letzte Woche! Willarcl der Mann, der wächst Grete Freuntl! Paol Beckers Operettendiva, i Komiker. Crispi und Farren Exzentr. Ges&ngs-Duo nnd eine Kette hervorragender Kunstkrätte I Sonntag, den 30. November: Nachmittags-(S'/jü.) Vorstellung. Kleine Preise I Daneben gestattet! URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Ih. Chiba, ToHo: Das Leben d. Japaner. Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Piotrowski: Die Irrenanstalt. Tfiffltch Anfang 6 Uhr. Sonntags, 3 Uhr: Matinee. H Komplettes Programm grosser~ Vari6t6-Akte sowie unsere renommletten Lieb(spiele Preise von 65 PFennlg an. Noiiendorf- Theater Cleopatra Die Herrin de» NM» Das Filmwonder der Welt wurde mit groOem Beifall aufgenommen. Woebentags Anfang 61/. n. S Ubr Sonntags 4, 61/, und 9 Ubr. Jugend-Vor»tellung I Mittwoch und Sonnabend 4 Ubr| an halben Preisen. 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Berlin Raykowlcz Serbien Hinze Berlin Hitzler Württemberg Hein Berlin Der gr. Entfcheidnngskampf ClemenfMjiösS s<-gen Weber Paris Köln Polles Gaprice. Anfang 81/, Uhr Freit Ritter Baldrian Das Adoptivkind Die Mißgeburt ember: Premiere. 28. November: ODEON V ergnügangs-Palast mr der 10 ODO-W« Potsdamer Str. 72 SSÄr" Heute und folgende Tage; Die Hölle im Oöeon. Feenhafte Beleuchtung des Biesenraumes. Mephisto masqne.— Großer Korso der Teufel u. Hexen. Höllen-Kabarett. Einzug in die HöUe. Frümiierung der schönsten Teufelin! Gebr. NTiagara zu Pferde auf d, Xlrahtseil. An f. 7Vi Uhr. Eintritt 30 Pf. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, 27. November, abends 71;, Uhr: Pompeji. Die bisher größte und prunkvollste AuSstattungspantomime d. Zirkus Busch in 5 glänzenden Akten. Besonders hervorzuheben: DaS BacchnSfest.— DaS große Amphitheater.— DaSpompej.Bad. Der Ausbruch deS Vesuv. Vorher: Das große Gala-Progr. Letzte Woche: Austr. der Menschen- äffen Max. Moritz und Teddy Metfopol- Theater. 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Z. las berliner Arbeitswilligen. vermittelungsbureau d. gelben .vaiidwerterichnnverbandes«. nse u. � GiriM». 8. Keilllge des„DomMs" Kerlilltt WlllsblM. 27»MM-.MZ. Keickstag. i7v. Sitzung. Mittwoch, den 26. November ISIS, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Lisco, v. Tirpitz, v. Falken- Hayn. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Interpellationen Ulbricht und Genossen(Soz.) betreffend die Arbeitslosigkeit, und Rösel und Genossen sBp.) betreffend die Borgänge in Z a b e r n. Aus die Frage des Präsidenten erklärt Umerstaatssekretär Richter die Bereitwilligkeit des Reichskanzlers, die Interpellationen in der zweiten Hälfte der nächsten W o ch e zu beantworten. Eingegangen sind zwei weitere Interpellationen Albrecht und Genossen Daß aber etwa ein Unterschied gemacht wird zwischen einer gesinnungstüchtigen und einer nicht gesinnungS- tüchtigen Presse, das akzeptiert kein Reichstag.(Bravo!) Wir beantragen Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. van Calker(natl.): Nach Auffassung meiner Freunde entspricht die Vorlage einem Bedürfnis. Mit dem Vorredner stimme ich aber darin überein, da ß das Gesetz in seinen Formulierungen durchaus nicht überall das Richtige getroffen hat. Die Lösung der Frage, was ein Geheimnis ist, überlasse ich, wie Herr Gröber, meinen Nach- folgern(Heiterkeit). Aber wir brauchen den Begriff auch nicht. Ich erinnere an die in Oesterreich gefundene Fassung, wonach strafbar ist, wer militärische Tatsacken usw. einem anderen mit- teilt,„die nicht öffentlich getroffen oder behandelt werden." Jedenfalls dürfen Geheimnisse, die uns Millionen kosten, nicht ent- wertet werden. Es muß in der Mitieiwng lechniscker Fortschritte eine gewisse Einheitlichkeit herrschen. Der Z 9(fahrlässige Preisgabe mililärischer Geheimnisse) ist uns in der vorliegenden Form unannehmbar. Wir würden auch wünicken, daß der Verrat durch Inländer und gegen Entgelt schärfer bestraft werde. Die Spionageprozesse sollten auch nur von einem Reichsgerichtssenat, nicht von zwei vereinigten entschieden werden. Abg. Holtschke(k.): Wir sind mit der Vorloge im großen und ganzen ein- v e r st a n d c n. Was militärisch geheim ist, werden im allgemeinen die militärische» Sackveiständigcn dem Gcrickt bezeichnen für den Fall, daß sie sich widerspreckc'n, wäre eine Definition im Gesetz wünschenswert. Gegen den K 9 haben sich auch konservative Zeitungen ausgesprochen; auch wir halten ihn in dieser Form für nicht wobl annehmbar, denn eine Unterbindung der freien Kritik am Heerwesen läge nicht im vaterländiiche» Interesse. Wir sind bereit, dem§ 9 eine Fassung zu geben, die die Besorgnisse der Presse beseitigt. Wir wünschen, daß dieser Gesetzentwurf möglichst bald Gesetz werde. Abg. Dr. v. Liszt(Vp.): Die Fricdensspionage ist eine noiwendige Begleiterscheinung deS Wettrüstens, dessen Steigerung anck sie vergrößert. Strasdrohungen bindern sie gar nicht. Trotzdem lcbnen wir das Gesetz nicht ab, denn es ersckeml uns als eine Mahnung an diejenigen, die die Spione ausschicken. Unannehmbar ist für uns der§ 1. der von jcdermoiin die Erkenntnis fordert, was alles ein militärlsckes Ge- HeimniS ist. Oft genug ist der Begriff des militäriscven Geheimnisses auch für die Sachverständigen ein Geheimnis. Im Krupp- Prozeß hat ein Sachverständiger den Jnh�t eines Original- kornwalzers für geheim, den des wörtlich damit über- einstimmenden Durch ich lags für n i ch r geheim erklärt.(Große Heiterkeit.) Und was ist eine Nachricht und was ist dann eine Nach- richt nich'7 Der§ 1 sagt kurz und gul:„Militärisches Geheimnis ist eben ein militärisches Geheimnis!"(Heiterkeil.) Nach§ 3 des Entwurfes wäre die ganze„lückenaufdeckende" Tätigkeit des Flotten- und Wehrvereins eine fortgesetzte st r a f b a r e' H a n d l u n g und die Herren v. Bernhardi. v. W r o ch e m und Keim hätten soviele Jahre Gefängnis auf- gebrummt erhallen, daß sie sie in dieiem Jahrhundert überhaupt nicht absitzen konnten.(Heiterkeit.) Der Entwurf stellt die militärische Behörde über Richter und Gesetz bei der Eiilickeidung, was Ge- heimniS isn Wie sollen das die Redaktionen und die Bürger er- fahren? Die Militärbehörden erklären ja Dinge für geheim, die läng st allgemein bekannt sind! Die ganze Geographie ist ja„geheim"!(Heiterkeit.) Der Redner empfiehlt die Eingabe des Reichsverbandes der deutschen Presse der Berücksichtigung und zitiert militärische Schriftsteller darüber, daß die Geheimniskrämerei viel- fach die Kritik verhindern solle.(Hört! hört!) Viel nötiger als solche Gesetze wäre ein größerer Schutz der Bewegung s- � freiheit des deutschen Staatsbürgers gegen die Militärbehörden und ihre Uebergriffe, da sich ihre An- schauungen nicht immer mit den sittlichen und moralischen Empfindungeit der Staatsbürger decken.(Zustimmung links und im Zentrum.) Wir haben im Sommer die st ä r! st e n Rüstungen bewilligt. Wir werden aber alle Vor- schlüge ablehnen, die nicht die Sicherheit des Reiches, sondern der Verhinderung der Kritik verfehlter Anordnungen dient. (Beifall links.) Abg. Merti«(Rp.): In der Verschärfung der Strafen für Spionage sehe» wir eine wesentliche Verbesserung des Gesetzes. Das milde Strafmaß für die beiden englischen Spione ist seinerzeit in den weitesten Kreisen nicht verstanden worden.— Auch für uns ist der§ 9, der von der sahr- lässigen Preisgabe militärischer Geheimnisse handelt, in der vor« liegenden Form nicht annehmbar. Abg. Cohen(Soz.): Bei den Ausführungen des Staatssekretärs mußte ich mir sagen, waS er doch für ein eigentümlicher Mensch ist. Noch vor einem Jahre stand er der Forderung nach einem neuen Spionagegesetz mit völliger Gleichgültigkeit gegenüber und heute findet er, daß sich schwere Mängel herausgestellt haben. Die Plötzlichkeit, mit der der Entwurf eingebracht ist, entspringt lediglich dem Wunsch der obersten Militärbehörde nach E r w e i t e- rung ihrer Machtbefugnisse.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Als"nicht körperliche Gegenstände" führte der Staatssekretär an: Neuerungen auf dem Gebiete des Bewaffnungs- Wesens, Ausgabe von Karten an Offiziere. Bewahrung neuer tech- nischer Einrichtungen, die Verwendung gewisser Stoffe. Nachrichten darüber sind dock aber ganz gewiß solche über körperliche Gegen« stände.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Meinem Laien- verstand ist es überhaupt unbegreiflich, daß eS Dinge gibt, die mit irgendwelchen Gesetzesparagraphen nicht saßbar sein sollten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Herausgabe von Büchern z. B. über die Unzulänglich- keit der bisherigen militärischen AuSbildungs- Methoden würden durch das Gesetz verhindert werden können und ich bin überzeugt, sie wird verhindert werden, wenn sie Schwächen hoher und höch st er Instanzen aufdeckt. ES könnte ein solches Verbot der Kritik militärischer Dinge aber leicht dazu führen, daß die Bewaffnung unseres Heeres minder- w e r t i g wird.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Es könnte auf Grund dieses Gesetzes auch jede Kritik an Mißständen im deutschen Heere, wie z. B. an unerhörten Anforderungen an die Truppen, Ueberhebungen des Offizierkorps oder einzelner Offiziere verhindert werden. Run, die sozialdemo- kratische Presse wird sich auch durch die Androhung schärfster Strafen nicht bewegen lassen, auf eine Kritik solcher Miß« stände zu verzickten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr van Calker meint, die Interessen des einzelnen müssen zurück- stehen vor denen der Gesamtheit. Aber was sind denn die Jnter- essen der Gesamtheit? Man erhält den Eindruck, als ob man mit Gesetzeskanonaden nach Art eines Maschincngewehrfeuers die Jnter- essen des einzelnen und der Gesamtheit unterdrücken will.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Der Z 9 ist ein Ausnahmegesetz gegen die oppositionelle Presse. Wir können uns vorstellen, welche Zustände einreißen werden, wenn die Volksinteresien durch eine Presse vom Scherltypus ver- treten werden. Schon heute frißt diese Presse der Regierung a u S der Hand. Mit der Peitsche dieses Gesetzes wird die Regierung diese Presse zu jedem Apporliecstück dressieren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wer die intimsten militärischen Dinge be�" richtet und dabei nach neuen Rüstungen schreit, wird sehr milde angefaßt werden, wer aber ernsthafte Kritik übt, sehr rauh. In Ä ü st r i n wurde im Juli auf Betreiben der Militärbehörde eine Ansichtskarte konfisziert, weil darauf un- deutlich ein S t ü ck ch e n F e st u n g s m a u c r zu sehen war. Die Verbreiter wurden unter Anklage gestellt, weil sie Risse einer Festung veröffentlicht hätten. Dabei war das Gelände der Stadt bereits auf- gelassen und die Mauern sollten demnächst geschleift werden. Gleichzeitig wurde auch von der Mililärbehörde ein Buch eines Majors angekündigt, in dem die Festungswerke bis ins k l e i n st e d a r g e st e l l t werden. An solchen Beispielen erkennt man, was die Militärbehörde will. Durch dieses Gesetz soll ein großes Gebiet des öffentlichen Lebens ihrer Diktatur ausgelicsert werden. Ein überreizter Militarismus will im tiefsten Frieden den Belagerungszustand über ganz Deutschland erklären. Wir können doch aber nicht ganz Deutschland in ein Truppenlager verwandeln, wo die Bürger nach der Pfeife des Militarismus zu tanzen haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdem.) Man will die technischen Verbesserungen besser schützen. Ohne Ver� st a a t l i ch u n g der R ü st u ii g S i n d u st r i e, oder wenigsten« einen Ansang dazu, kann man aber gar nicht hindern, daß von dort aus bei Anknüpfung geschäftlicher Verbindung— zum Teil sicher gutgläubig, aber es ist gar nicht zu verhindern— viel verraten wird. Man hat hier nur die Gewißheit, die denkbar höchsten Preise bezahlt zu haben, alles andere ist ungewiß. Das Rüstungskapital ist international versippt und nur Leute mit der rühren- den geschäfilickenllnerfabrenheit unsererStaatSsekretäre können darüber in, unklaren sein, was da vorgeht. Allerdings haben wir ja auch ge- ichäflstücktige Minister a la Podbielski gehabt I Karl Marx hat schon im„Kapital" darauf hingewiesen, daß daS"Kapital zur Erlangung höherer Dividenden alles wagt, also werden solche Strafbestiinmungeii es nicht abschrecken. Was ist es mit der in der„Frlf. Ztg." berichteten Uebertragung der Kriegs- materialpalente der Bitterselder Motorluftschiffabrik an die eng« liiche Firma Dickers u. SonS gegen Beteiligung am Ertrag? Soll es einmal ein Trost für das deulsche Volk sein, daß die Kriegs- opfer deshalb um so furchtbarer werden, weil der Feind das bessere Kriegsmaterial aus unserem Lande hat? Da möge der Kriegs- minister eingreifen� wenn er sich ein Verdienst nm das deutsche Volk erwerben will! Soll den» immer nur die Rentabilität herrschen? Es handelte sich hier zweifellos um die sckon im bestehenden Gesetz unter Strafe gestellte Besckaffung militärischer Geheimnisse! Bch dem e r st e n K r u p p- P r o z e tz hat sogar der so militaristische„Lokal-Anzeiger" erklärt, daß dergleichen im Rüstungs« betriebe liegt. Als seinerzeit der Schmiergelder- Paragraph gegen die Angestellten geschaffen werden sollte, konnte sich die natio- nale Presse nicht genug tun, das Schmiergelderwesen als eine Gefahr für die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie zu erklären. Aber heute, wo der große Krupp schmiert, sind die Dinge ganz anders geworden und die tönende Fortissimo von damals hat sich in das holde„Kruppchen, mem süßes Kruppchen" gewandelt. �Heiterkeit.) Wir wenden uns nicht gegen die Bestrafung von VecZiü.ern, aber wir wenden uns gegen eine Fassung, die es möglich macht, daß man den r u h i g st e n Staatsbürger mit Leicktigkeit an den Pranger stellen kann. Dabei bat der Staat seit jeher selbst die häßlickste Rolle bei der Entwickelung des Spionagewesens gespielt. Ich erinnere an den Fall des I u d e n, der als Spion nach Ruß- lond reisen sollte mit einem gefälschten Paß, in dem ihm bescheinigt wurde, daß er Christ und Preuße sei.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wenn ein Offizier Spionage treibt. sucht man das zu vertuschen. So hat man in Oesterreich dem Oberst Redl die Möglichkeit gelassen, sich zu erschießen und bei uns würde es ebenso sein.— Mit der Begünstigung der Spionage ziehen die Staaten eine Korruption groß, die aüf den eigenen Volkskörper übergehen muß.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Kriegsminister sagte, daß, wenn man siegen wolle, m« oHe Chancen ausnützen müsse. Solche drakonische Strafandrohungen sind aber keine Chance dazu. Siegen kann man nur. wenn in dem Volke eine lebendige Staatsgesinnung vorhanden ist, die dann auch nicht verraten und verkauft werden kann. Dem Entstehen eines lebendigen Staatsgeistcs aber wirkt in Preußen-Deutscb- l'a n d die V o r e n t h a l t u n g der Gleichberechtigung der Freiheit und Gerechtigkeit entgegen.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) In Preutzen-Deutschland gibt eS keine Regierung, die einsieht, daß hier ein Anfang gemacht werden muß. Natürlich, von den Geheimräten ein Spionagegesetz ausarbeiten lassen, das ist viel einfacher und bequemer; weshalb einen viel schwierigeren Weg be- schreiten, den die andern nicht mitmachen wollen. Der Reichskanzler hat sich hier einmal den Borwurf erlaubt, daß die Sozialdemokraten nicht bessern, sondern zerstören wollten. Deshalb mache ich die Regierung �darauf aufmerksam, wie sie die bestmöglichen Chancen für einen Zukunftskrieg für sich haben könnte. Aber es ist das tragische Verhängnis der herrschenden dünnen Oberschicht, daß sie entgegen ihrem eigenen Interesse keines ihrer Vorrechte auf- geben will! Was der Abg. Dr. Frank bei der Beratung der letzten Heeresvorlage in diesem Sinn von den Polen gesagt hat, und worüber die Rechte lächelte, das gilt für das ganze deutsche Volk, das ständig nach ungeschriebenen Ausnahme- g e setzen regiert wird. Hier wäre ein Gebiet, auf dem sich die Arbeit lohnen würde. Machen Sie den Versuch! Die Sozialdemo- kratie hat den besten Willen und ist bereit, Wege zu zeigen, die gangbar sind. Gerade wir als die Vertreter der schärfsten Opposition halten es bei jeder Gelegenheit für unsere Pflicht, vor dem ganzen Lande darauf aufmerkfam zu machen, daß es nicht an uns liegt, wenn die Möglichkeiten zur Besserung nicht ausgenutzt werden, sondern daß die ganze Last der Verantwortung dafür auf den Schultern der anderen liegt. Ganz andere Sachen tun uns not, als neue Spionage- gesetze, die Freiheit und Gleichheit des deutschen Volkes. Und deshalb: Disolts moniti!(Lernt, Ihr seid gewarnt.) (Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Falkenhayn: Auf die verschiedenen Angriffe auf die Armee will ich nicht ein- gehen, denn es handelt sich heute nicht um die Armee und die Heeresverwaltung, sondern um die Interessen des Reiches. Nur einige Bemerkungen deS Abg. Cohen kann ich nicht unwider- sprechen lassen. Er hat unter Berufung auf einen Militärschrift- steller gemeint, die deutsche Artillerie sei der eines anderen Staates unterlegen. Ob der Militärschriftsteller diese Behauptung wirklich aufgestellt hat. weiß ich nicht, das aber weiß ich, daß dieie Be- hauptung unzutreffend ist. Der Abg. Cohen hat dann Schlüsse auf das Handeln des deutschen Offizierskorps in gewissen Lagen ge- zogen. Ich möchte ihm auf die Irrwege dieser Ausführungen nicht folgen, eine ganze Anzahl von Rücksichten halten mich davon ab, aber das kann ich ihm versichern, daß das deutsche Offizierkorps in jeder Lage so handeln wird, wie es ihm die Ehre und die Pflicht gebieten.(Bravo! rechts. Rufe bei den Sozialdemokraten: Hurra! Hurra I) Abg. Cohen(Soz.): ES ist mir nicht eingefallen zu behaupten, die deutsche Artillerie sei schlechter als die französische. Aber in dem von mir zitierten Aussatz des Artilleriegcnerals R o h n e steht das. Ob der Herr Kriegsminister mehr von der Artillerie versteht als der Artillerie- general kann ich nicht beurteilen.— Zum Schluß hat der Kriegs- minister mit Emphase betont, das deutsche Oifizierkorps werde jeder- zeit seine Pflicht tun. Davon habe ich gar nicht gesprochen, sondern ich habe sehr präzis zum Spionagegesetz gesagt, daß der Fall Redl bewiesen habe, wie falsche Ehrbegriffe im Offizierkorps vorbanden sind und wie sie auch bei uns dazu führen könneic, daß im Interesse dieser falschen Ehrbegriffe die ganze Wahrheit, die für das Vaterland notwendig sei, nicht ans Licht komme.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Das Gesetz geht an eine Kom- Mission von 2l Mitgliedern. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr.(Novelle zur Gebühren- ordnung fiir Zeugen und Sachverständige; Gesetz über die Errich- tung eines Kolonialgerichtshofes, Kleinere Vorlagen.) Schluß ö Uhr. * Wie uns mitgeteilt wird, werden die Tribünenkarten des Reichs- tages, soweit sie der sozialdemokratischen Fraktion zur Verfügung stehen, von jetzt ab durch den Genoffen Ferdinand Ewald ausgegeben. Gesuche um Ueberlassung von Tribünenkarten sind nur an Genossen Ewald zu richten. Wttterungsüberiicht vom£6. November 1SI13. SUsOanai SEI„ if«I s« B-1 Swinemde. 770a Hamburg 1 768, 3® SB Berlin'771® Franks. a.M 773 3O München 7713O Wien j 773 Still 3 (Setter S»9S c5. ö II i* w2> 4 halb bd. 4 bedeckt Lbedeckl LNebel 2 Nebel jNebel Etatwnen Habaranda PelcrSburg Scilly Abcrdecn Paris »zt f- s -5 12 5 8 ZSetterprognose für Tonnerstag, de» 27. November 1913. Mild, jedoch vorherrschend wolkig mit etwas Regen und lebhaften süd- westlichen Winden. Berliner Wetlerbureau. 3. Prcttffil'ch-Süddetttsche (239. Königl. Zlrenß.) KUssenltftteHe 6. iklafse 16. ZiehungStag 26. November 1913 Vormittag Auf jede gezogen« Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, nnd zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Slbietluuge» I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr S. St.-A. f. Z.)(Nachdmck Verbote») Ivo s sso zz« 73(600) 463 59S 634 732 50 861 1086 206 633 988 2073 153(500) 410 609 92 619 44 872 82 948 52 3100 76 289 300 38 89 443 685 773 836 906 4109( 6001 66 235 336 422 691 638 788 8102 462 549-(600) 83 603 781 6209 304 39 72 560(600) 746 887 7 094 164 335 63 74 483 666 847 8013 (1000) 76 267 750 980 9163 343 85 645 866 10382 680 846 64 66 11677 736 89 843 68? 12036 148 242 412 73 637 737 39 806 925 1 8051(3000) 360 699 717 45 50 896 961 73(1000) 79 1 4036 46 81 121(1000) 227(600) 373 87 648 (500) 60 83(600) 91 667 707(600) 39 66 1 8254 318(500) 34 66 80 97 427 70(3000) 764 876 85 959 74 1 6036(3000) 39 125 41 99 506 644 769 831 17198 267 464 671 787 1 8126 405 17 834 92(1000) 18010 Isgioe s(1000) 326 337 79 489 672 13000) 87 60 94 997 2 8061 96 368 73 602 13 30 676(3000) 21000 2 44 77 85 (3000) 140 36 602(600) 984 2 2007 187 97 384 91 645(500) 671 748 892 2 3061 91 484 612 661 793 967 87 2 4036 46 64 228 40 58 81 419 38 610 840 96(1000) 909 2 5 041(1000) 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Vrenßisch Suddeutsche (»39. Köuigl. Urenß.) Klasseulstterke B. Klasse 16. ZiehungStag 28. November 1913 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen,»ud zwar je einrr auf die Lose gleicher Stummer in den beiden Abteilungen 1 u. II- Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdmck verboten) 6 19 267(1000) 378 470 622(1000) 68 609 943 1127 242 638 898 2071 270 502 88 3224 477 610 64 68 687 734(500) 45 817 81(500) 4116 213 476 686 633 76 803 96 947 5262 301 93 409 12 15 639 716 88 894 982 6883 995 7160 236 (1000) 400 872 99 933 8096 338(1000) 614 17 24 26 844 87 906 9212 36 581 96(1000) 813 63 10087 185 309 13 17 485 586 678 716 47 871 934 67 69 11336€27 676 719 902 95 1 2176 419 65 72 628 75 946 1 3078 184 233 420(1000) 786 800 948(500) 14147 72 316 562 672 729 40 92 814 35 1 6168(500) 78(600) 321 467 697 98 730 1 8008 113 71 82 245(600) 64 510 69 653 78 843| 600) 908 87 1 7067 494 602 712 894(3000) 935 18039 63 90 179 241 546 48 714 41 867 1 9211 18 398 460 66 601 45(600) 48 617 714 847 69 87 2 0 21 87 181(5001 256 411 43 568 670 85 758 820 21001 225 81 759 2 2017 117 27 76 281 421 596 2 3256 468 646 820 37 2 4063 242 620 716 832 968 2 5 038 80 286 646 69 769 (1000; 66 96 633 72 2 6022 49 163 204 80 460 824 2 7169 332 58 66 419 26 41 590 761(500) 66 2 8042 536 621 81 29045 46 64 445 46 667 674 777 848 76 82 30140 369 400 993 31006 314(3000) 630 84 620 871 03 3 20-1 99 142 8) 204 764 79 600 933 62(€00) 330 9 386 667 811 948(£00) 76 3 4111 208 723(SOO) 79 978 98 3 6 032 177 241 44(600) 388 48) 698 631 736 960 3 6289 406 694 729 848 948 3 7019 262 313 23 62 441 627 616(600) 60 039 914 3 8078 82 292 359 3 9044 112 227 312(1000) 460 742 962 80 40026 163 84 91 224 42 407 663 783 920 41002 161 230 338 40 414 850 941 92 4 2026 102 320 408 641 64(1000) 740 802 4 3397 430 650 88 793 97 960 4 4071 241 330 67 71 467 (1000) 609 40(1000) 661 704 90 840 4 5072 250 68 331 65 611 (6)0) 73 730 917 64(3000) 46251 623(1000) 63 797 4 7 066 67 203 366 453£15 637 39 708 68 922 4 821) 32 627 791 867 933 4 8 097 ,1000) 355 428 609 ,600) 25 66 717 8 9001 243 319 614 39(1000) 651 919 67 74(3000) 51066 102 35 318(1000) 424 81 636 934 93(6000) 52103 218 64 447 64 724 83 85 862 6 8112 208 41 646 792 933 67(600) 71 84043 95 128 81 258 63 428 972 86 66067 148 718 66058 40-/ 531 97 718 76 8 7 009 21 35(600) 38 139 324 95 458 74 600 603 5 824 42 960 58148 338 491 631 697 748(500) 818 62 88(41 162 292 497 676 622 36 49 907(1000) 6 0044 72(600) 103 ,1000) 6(600) 226 71 374 401 643 744 62 874 61376 601 646 786 93 986 93 6 2040 438 529 66 636 763 843 6 3123 606 61(6001 625 60 824 856 6 4162 268 96 345 602 24 83 651 706 70 818 46( 600) 71 6 6081 205 328 434 606 724 40(500) 871 943 6 6050 73 196 412 90 99 799 867 69 6 7460 561 719(600) 984 6 0143 339 68 76 669 613 73 826 6 8112 90 336 91 467 81 740 42 70215 306(600) 492 619(3000) 51 782 83 71043 159(3000) 213 337 43 426 604€09 875 ,500! 946 47 93 7 2040 66 166 (500) 218 360 462 96(1000) 633 805 40(1000) 7 3099 178 422 38 560(6000) 630 754 827 953 7 4011 93 116 33 269 459 68 610 ,600} 48 718 834(1000) 92 909, 30001 23 7 5163(3000) 343 581(SO 000) 923 84 76030 220 32 366 411 43(600) 87 572 91(1500) 726 79 848 7 7 187 204 90 306 415 660 62 606(600) 26(1000) 88 941 66 7 0101 36(3000) 295 303 666 630 84 87 861 909 67 7 9037 90(3000) 7B0 973 80107 245 467 526 681 901 64 83 81012 104 476 616 631 90(1000) 96 836 0 2080 157 333 625 631 41 46 63 96 783 «600, 86(1000) 86 815 944 8 3 052 141 90 266 629 47 919 68 (3000) 84 018 61 113 78 408 69 83 661 737 631 0 5 298 360 669 733 8 6032 190 93 263 323 86(600) 414 716 807 40 43 969 07047 33 297 496 621 96 738 95(1000) 919 48 8 8016 122 44 6-1 414 70 521 26 87 90 804(600) 46 928 8 0294(1000) 348 614(600) 866 9O3€0£0 70 411 683 767 911 80(1000) 91017 104(1000) 806 717 835 61 950 61 87 9 2 057 163 217 49 69 646 680 758 (1000) 926 79 9 3004 14 202 438 601 980 90 9 4071 138 2€6(1000) 80 567 782 868 922 98(1000) 9 5 036 246 634 73 618(1000) 9 6043 130 49(600) 78 420 662 99(1000) 709 67 811 9 7 201 21 46 463 97(1000) 500(3000) 61 77 608 38 76 718 44 98144 402 27 75 91 643 704(3000) 900(600) 8 8003 87(600) 80 244 97 583 92 641 746 904(1000) 66 10 0203 73(3000) 317 466 532 809 31(600) 33 161104 268 415 22 64(3000) 644 684 790 856 192136 392 600 39 727 927 (1000) 69 1 9 8 094 194(1000) 214 374€08 9 716| 104070 164 96 268 94 421 507 660 833(600> 19 5068(1000) 251 616 882 905 20 1 0 6097 166(600) 69 76(600) 213 4-4 661(500) 762 71 10 7 055 287 399 418 534 629(19)0) 797 108020' 64 169 ,357 630 627 726 96(1000) 860 70 946 1 0 9036 63 266 704 34 89 309 951 84 110143 244 462 84 548 712 46 812 111026 49 65 406 607 84 634 857(1000) 951 112112 331(1000) 621 976 113003(600) 83 204 89 331 67 67 681 633 736 915 79 114074 222 61 308 Hals- und Nasenkatarrhe, oder volkstümlicher gesagt. Husten und Schnupfen, entstehen durch Er- lältuug. Die Erkältung und Reizung durch Rauch, Staub usw. machen die Schleimhäuie für die An- steckung empfänglich, der Slaub emhält außerdem vielfach zugleich Ansteckungssloffe. Die Erscheinungen des Katarrhs bestehen in einer Entzündung der Schleimhäute, welche die Almungsorgane auskleiden, und in der Absonde« rung eines zuerst glasigen, später mit massenhaflen Bakterien durchwucherten, zähen oder auch dünn- flüssigen Schleimes. Die entzündete Schleimhaut, deren natürliche Abwehrvorrichtungen durch die Entzündung außer Funkno» gesetzt wird, ist für diese Bakierien der denkbar günstigste Nährboden. Sie ist aber auch während dieser Zeit eine gefährliche Einbruchspforte für die Ansteckung durch DiptheritiS, Lungenentzündung und Tuberkulose. und es ist ziemlich sicher, daß die große Mehrzahl aller Tuberknlose-Erkrankungen ihren Anfang wäh- rend solcher Katarrhe nahmen. Da die feinen Verästelungen der Luftrohren in den Lungen, die Bronchien, sich immer wieder mit zähem bakteriendurchwuchertem Schleim füllen, ko iit besonders des Morgens ein heftiger Husten- »i, vorhanden, der infolge der Anstrengung sehr schmerzhaft werden und speziell bei älteren Leuten mancherlei Komvlikationen Anlas»eben kann. Da Nase und Ohr durch einen Kanal in Ver- bindung stehen, so greift ein Nasenkatarrh oft auf die Ohren über und verursacht die gefährliche Mittelohrentzündung, deren Heilung äußerst lang- wierig ist. Eine sofortige energische Bekämpfung jedes Katarrhs, mag er nun milde oder in der schweren Form der Influenza auftreten, ist deshalb unbe- dingt geboten. Sie geschieht durch Behandlung der' erkrankten Schleimhäute mit desinfizierenden und lösenden Mitteln zwecks Abtölung und leichter Entfernung der Bakterienwuchcrungen. Diese Be- Handlung'muß sich aber bis in die Tiefen der Lungen erstrecken, denn gerade da die Gefahr am größten. � Man hat deshalb schon längst Sprayapparate konstruiert, durch welche desinfizierende und lösende Flüssigkeiten zerstäubt und eingeatmet werden. Diese Zerstäubung war aber bisher bei weitem nicht fein genug, die Hauptmenge der Flüssigkeit gelangte nur bis in den Mund, ein ganz geringer Bruchleil auch in den Kehlkopf, die Verzweigungen der Luftröhre erreichten sie nie. Das gelingt nun durch Tancrss Inhalator, aus welchem die Flüssigkeit nicht in Tröpfchen mit nassem, schwerem Dampf vermischt, austritt, son- dein in Form eines seinen, nicht nässenden, gas- artigen Nebels, der bis in die feinsten Ver- zweigungen der Luftröhre gelangt. So sein ist die Verteilung, daß man diesen Nebel, wenn man ihn eingeatmet hat. wie Zigarrenrauch wieder ausstoßen kann, was bei den alten Jnhalations- systemen ganz ausgeschlossen ist. Dadurch erklären sich die schnellen, bisher bei Katarrhen der Luftwege ganz ungewohnten Er- folge, welche zahlreiche Aerzte veranlaßten, TancröS Inhalator aufzunehmen und ihren Patienten zu verordnen. Trotz der kurzen Zeit, seit welcher TancrsS Inhalator im Handel ist. liegen bereits über 10 000 Anerkennungsschreiben von Aerzten und Patienten vor, welche durch vereidigten Bücher- revisor und polizeilich beglaubigt sind. Es handelt sich dabei zum großen Teil um Fälle, die jahrelang jeder anderen Behandlung getrabt haben. So schreibt Herr Garnison-VerwaltungS-Jn- spektor Jhde in Colmar i. E.: Ihren Inhalator habe ich heute gerade 3 Tage. Ich will nicht viele Worte machen, nur das will ich Ihnen sagen, daß die Wirkung bei meinem Halsleiden geradezu verblüffend ist. Ich verspüre keine Schmerzen mehr, der Hals und die Nase sind rein. Ich habe ein solch angenehmes Empfinden im Hals, wie seit langen Jahren nicht. Wenn ich Ihnen nun sage, daß ich meinen Halskatarrh jetzt etwa 18 Jahre habe, dann werden Sie es kaum glauben, aber es ist so. Der kleine Apparat ist ein wahrer Segen für die Menschheit. Ich werde, wo ich nur kann, Propaganda für ihn machen. Herr Julius Schreiber, Bildhauer, Berlin 8. ö3, Bärwaldstr. 57. schreibt: Ich leide seit I3/« Jahren an einem sehr schweren Lungenkatarrh, alle an- 401 61 66 624 894 115107 268 249 71(1000) 96 402 606 654 701 932 118086 366 665 1000; 627 69 768(1000) 817 993 117343 44 606 771 936 49 69(630) 118075 93 107(1000) 426 613 738 938 68 119663 83 600 12 745(1000) 94 920 120164 261 339 634 704 44 912 1 21246 466 665 80 87 830 91 12 2011 71 219 29 67 376 685 839 977 1 2 3210 402 66 690 829 79 979 124207(3000) 28 86 352 462 83 783 892 969 12B 026 69 126 60 369 438 653 668 722 33 1 2 6234 472 636 79 81 887 1 2 7 539 43 85 87 88 816 18(3000) 128168 249 309 86 98 675 1 2 8 040 91(1000) 130 67(600) 210 338 405 633 36 74 846 88 953 90 13 0211 464 783 663 1 81094 248(3000) 302 4g(6000) 476(600) 754 1 3 2 000 127(3000) 273 336 401 626 32 99 735 (1000) 91 833 1 3 3050 145 61(1000) 289 361(1008) 66 70 449 63 62 97 069 1 8 4072 160 94 433 93(3000) 611 93 887 135121 216(1000) 63 371 435 616 606 931 13 8662 678 94 860 931 137158 266 446 58 560 640 724(3000) 63 841 87 916 80 82 1 38136 61 426 624 41 626 084 929 60 1 30281 378(1000) 501 842 149106 83 294 382 423 78 624 33 775(3000) 890(6001 964 141212 482 94 688 616 741 864(30001 142129 234 68 75 643 70 76 659(5000) 863 70 908(600) 143134 342 676 77 633 (1000) 721(6001 970- 144163 92 274 382 628 667 751 819 14 5 034 180 330 433 84 645 725 43 694(3000) 148 2 9 79 (1000) 366(600) 69 476 647 60 644 829 37 993 147109 216 376 626 664 863 906 1 48066 IIS 230 400(600) 19 620 70 848 652 81 149122 67 219 400 628(1000) 753 845 911(1000) 20 150169 219 341 466 91 519 816 1 51102(600) 32 285 381 89 666 662 72 745 938(1000) 15 2 207(6000) 431(600) 731 56 654 153060»47 64 66 84 600 19 630 99 999(1000) 15 4002 188 277 334 448 591 94 644 767 872 1 5 6671 812 970 89 15 6049 84 259 75 363 419 614 2? 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Winne ,u 100 000 St. 2|u 60 000 M., 2 zu 50 000 2?, 8 z» 30 000 St., 10 zu 15000 St. 32 zu 10000 TO., 66 zu 6000 M, 618 zu 3000 TO.. 1772 zu 1000 St., 2404 zu 600 N. gewandten Mittel waren erfolglos, da wurde mir Ihr Jnhalationsapparat empfohlen, die Wirkung war überraschend trotz meiner 70 Jahre, es sind jetzt zirka 7 Wochen, daß ich Ihren Apparat ge- brauche und seit 3 Wochen sind Atemnot und Husten mir Schleimauswurs verschwunden. Indem tch nicht verfehlt habe, Ihren Apparat jeden meiner Sangeskollegen zu empfehlen, sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank. Nähere Auskunft über Tancrss Inhalator wird von der Firma Carl A. Tancrä, Wiesbaden H. 36, gerne kostenlos und ohne Kaufzwang er« teilt: auch fügt diese Firma ein Heft mit vtelen Anerkennungsschreiben bei, welche die volle Adreffe der Aussteller enthalten. Ich wünsche genaue Ausllirung über Ihr neues Jnhalationssystem. ES dürfen mir jedoch keine Kosten hierdurch entstehen. Name n. Stand: Wohnort:_ Genaue Adresse;. Im frankieren. offene» Briesumschlag mit l! Pfennig �Lerantwortlicher�Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwart» Suchdruckerei u. L-rtagSanftalt Paul Singer u.(ia, Verl»