Nr. 9. Erscheint täglich außer Montags. Brets pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Big. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreichs Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Gingerz. in der Voit Zeitungs- Breisliste 0 für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Bfg., für Vereins- und Versammlungs Anzeigen 20 fg Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in Der Expedition abgegeben werden. Die Grpedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Fefttagen bis 9 Uhr Vor: mittags geöffnet. Fernspredjer: Amt I. 1508. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin! Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Freitag, den 12. Januar 1894. Von den Besten der ist, zu kandidiren". Mation. " " " " Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. von Stumm, der doch eine parlamentarische Größe(!!)[ verhandlung und dem schöffengerichtlichen Urtheil haben wir ist, zu kandidiren". Ferner fand die Verlesung zweier unsererseits kein Wort hinzuzufügen. Die„ Edelsten und gerichtlicher Urtheile statt, nach welchen der Graf Besten der Nation", um die es sich hier handelt, sind damit wegen roher Mißhandlung seines Hundes, den er in genügend gekennzeichnet. Es liegt nur in unserem Interesse, Gine eigene Fronie des Schicksals hat es gewollt, daß Gemeinschaft mit einem Diener zu Tode gequält, zu wenn der Kgl. Preußische Bergrath Hilger in Saarbrücken dieser Tage mitten im Lande der dicksten Kapitalistenproken, der höchsten zulässigen Geldstrafe von 150 m. ver durch weitere Artikel des Staatsblattes Bergmannsfreund" vor dem Schöffengericht in Essen, ein Edelster der Nation", urtheilt ist. In beiden Urtheilen heißt cs, daß die Strafe recht bald wieder Anlaß zu ähnlichen Gerichtsverhandlungen ein ultramontaner Graf, und ein Bester der Nation", ein wegen der bei der That an den Tag gelegten besonderen giebt. Den Genoffen im Saarrevier aber geben wir den föniglich preußischer Bergrath aus dem Saarrevier, wegen Gefühlsrohheit so hoch ausgefallen sei. Der Vertheidiger unmaßgeblichen Rath, den Wortlaut der gesammten Verunfagbarer Beleidigungen, mit denen sie gegenseitig ihre Hilger's äußerte im Anschluß daran, daß gerade eine Thier handlungen, wie er in Nr. 358 der Rhein- Westf. 3tg." unbestreitbare Eignung für ihre hohen" Stellungen dar quälerei den Schlüssel für die Art des Charakters eines vom 28. Dezember 1893 wieder gegeben ist, als Flugblatt gethan hatten, zu Geldstrafen von mehreren hundert Mark Menschen giebt". Er wies auf den schönen Ausspruch zu drucken und massenhaft im Saarrevier unter den Bergverurtheilt worden sind. Es handelte sich um die den Alexander von Humboldt's hin:" Wo man Grausamkeit leuten zu verbreiten. Hilger hat gewußt, weshalb er die Lesern des Vorwärts" aus dem Leitartikel vom gegen die Thiere gewahr wird, ist es ein sicheres Beichen Verhandlungen im Bergmannsfreund" nur sehr kurz er11. Juli vorigen Jahres bekannte Affäre Schulen der Unwissenheit und Rohheit, welche selbst durch alle äußeren wähnte, und eine bessere Agitationsschrift für uns läßt sich burg- Hilger. Der frühere Bergassessor, jezige Bergrath Zeichen der Pracht und des Adels nicht übertüncht werden gar nicht denken. Ultramontane und konservative Größen Hilger ist der Redakteur des berüchtigten, mit staatlichen tann." Außerdem geschah des Gerüchts Erwähnung, nach werden damit dem Volfe in richtiger Beleuchtung gezeigt. Mitteln im Saarrevier herausgegebenen Bergmanns- welchem der Graf durch königliche Gnade ohne wissen Und wenn dabei die Erkenntniß abfällt, welcher Bundesfreundes", der in der gröbsten Beschimpfung aller Organi- schaftliche Befähigung als Einjähriger gedient haben genossen sich Freiherr v. Stumm erfreut, so kann das gesationsbestrebungen der dortigen Bergleute das Menschen soll". Schulenburg suche sich ferner durch unwahrhaftig wiß nichts schaden. mögliche geleistet hat und fortwährend leistet. Hilger, ein feit" zu vertheidigen. Es sei einem Manne von der gesellsteinreicher Herr, den die Umgegend von Saarbrücken vor schaftlichen Stellung des Grafen vorbehalten geblieben, Ausnehmlich aus seinen progigen Spazierritten mit obligatem brücke wie Lump, Ehrabschneidung, Sudelei und Lüge zu Reitknecht kennt, zeichnet zwar, seitdem wir seine journa- gebrauchen". liftischen Leistungen im Vorwärts" wiederholt niedriger Und dann auf das Konto des jetzigen fgl. preußischen gehängt haben, den Bergmannsfreund" nicht mehr als ver- Bergraths Hilger. Derselbe hob seine Eigenschaft als Mitantwortlicher Redakteur, ist aber nach wie vor glied einer der ersten preußischen Bergbehörden und Premierder leitende Geist" des edlen Staatsblattes; wir lieutenant der Reserve eines der vornehmsten Kavalleriefind neugierig, об in den nächstens beginnen- regimenter" selbst hervor. Wie schön paßten dazu die Fest den Verhandlungen des preußischen Landtages eine stellungen der Verhandlungen und des Urtheils über seine der freisinnigen Koryphäen den Muth findet, zu der be- Person und seinen Artikel! Der Vertheidiger Schulenburg's treffenden Etatsposition das Nöthige zu sagen. Besagter durfte ruhig sagen,„ er habe selten einen Artikel gelesen, der Hilger hatte voriges Jahr den Graf Schulenburg, welcher an persönlichen Verunglimpfungen eines politischen Gegners Freiherrn von Stumm im Saarrevier als ultramontaner das leiste", was Hilger geleistet habe. Hilger hätte seinen Reichstags- Kandidat entgegengestellt worden war, auf das Namen unter den Artikel setzen fönnen; er habe es vor Gehässigste in persönlicher Weise durch den„ Bergmanns gezogen, dies nicht zu thun". Die Folgerung daraus wurde freund" angegriffen. Schulenburg antwortete gebührend, dem Gericht überlassen. Die Beweisaufnahme habe dares folgte eine Forderung zum Duell und schließlich die gethan, so resumirte sich der Anwalt des Grafen, daß schiedene Interessenten in Form von Handelsprofit, UnternehmerBeleidigungsklage, die jetzt zum Austrag gekommen ist. Hilger schmäht und schimpft und Wahrheit und Unwahr- gewinn, Zins, Grundrente; und die Gesetze dieser Vertheilung Wir wollen uns nun darauf beschränken, dasjenige zu heit ohne Prüfung durcheinander mischt". Das Gericht sind es, die im dritten Buch dargelegt werden. Mit der Prosammenzustellen, was nach dem gewiß unverdächtigen Be- hatte dem nur hinzuzufügen, daß diese Charakterisirung duktion, der Zirkulation und der Distribution des Mehrwerths richt des Effener Kapitalistenblattes, der Rhein- Westf. des königlich preußischen Bergraths zutreffe und daß sie ist aber dessen ganzer Lebenslauf abgeschlossen, und weiter nichts Zeitung", in der Gerichtsverhandlung vom 27. Dezember deshalb nicht beleidigend sei. Bezüglich des Glaubenswechsels vorigen Jahres zur Charakteristik der beiden Edelsten und und der Verheirathung des Grafen, so heißt es ferner im Gerichts- über ihn zu sagen. Außer den Gesezen der Profitrate im allgeBesten" gerichtlich festgestellt worden ist. urtheil, habe sich Hilger einen schweren, ehrverlegenden Vor- meinen werden in diesem dritten Buch untersucht: HandelsErstens auf das Konto des Grafen Schulenburg. Der wurf" zu Schulden kommen lassen, von dem nichts erwiesen ist". tapital, zinstragendes Kapital, Kredit und Banken, Bodenrente Vertheidiger des Hilger sagte diesem Edelsten der Nation Durch den ganzen Artikel des Bergraths Hilger, der sich und Grundeigenthum, Gegenstände, durch welche, im Anschluß ins Gesicht, daß er Ausdrücke gebraucht habe, wie man sie immer als Eittenrichter über die Saar- Bergleute auf an die in den beiden ersten Büchern behandelten Themata, die in dem Munde eines gesellschaftlich gebildeten Menschen für spielt, gehe eben ein höhnischer Zug, der unabweislich auf dem Titel versprochene Kritik der politischen Dekonomie" unmöglich halten sollte". Er stellte es im Anschluß an den dazu führen muß, daß er den Grafen habe beleidigen sich erschöpft. Hilger'schen Artikel als eine gewisse Unverfrorenheit von wollen". einer solchen Persönlichkeit hin, gegen den Freiherrn " Feuilleton. Nachdruck verboten.] Helene. " " Diesen wörtlichen Ausführungen aus der Gerichts,,, sie hatte in seinen Augen das schlimmste Verbrechen begangen, ein todeswürdiges," höhnte Lazar. " Denke doch, sie hatte sich unterfangen, nicht nur unter [ Alle Rechte vorbehalten. Den Bauern überhaupt, sondern unter den Bauern ihres [ 14 Vaters Propaganda zu machen, unter ihnen Gedanken von Recht und Aufklärung zu verbreiten." Roman in zwei Bänden von Minna Kautsky. Und das wurde entdeckt?" fragte Konrad, mehr und Der Alte wollte mit seiner gelehrten Tochter ein mehr interessirt. wenig flunkern, er dachte sich wohl, mag sie immerhin für Lazar nickte. ein Weilchen diesen modernen Schwindel mitmachen, so bald es mir nicht mehr paßt, sage ich Halt. Aber es tam anders. " begriffen und wird hoffentlich spätestens im September d. J. Marg Kapital", drittes Buch, ist nunmehr im Druck erscheinen können. Der Inhalt dieses langerwarteten britten Buches wird den theoretischen Theil des Werkes abschließen, so daß dann nur noch das lezte, vierte Buch zu erwarten bleibt, das einen historisch- kritischen Ueberblick über die Theorien vom Mehrwerth enthalten wird. Das erste Buch zeigt, wie der Mehrwerth des Kapitalisten aus dem Arbeiter herausgeschlagen wird, und das zweite Buch, wie dieser zunächst in Produkt bestehende Mehrwerth in Geld realisirt wird. In diesen beiden ersten Mehrwerth in Geld realisirt wird. In diesen beiden ersten Büchern handelt es sich also nur vom Mehrwerth, so lange er noch in der Hand seines ersten Aneigners, des industriellen Kapitalisten sich befindet. Er bleibt aber nur zum Theil in der Hand dieses ersten Aneigners; er wird später vertheilt an ver Drdnung gebracht und ich sah die künftige Frau Dodukoff erst in der Kirche. ernstes Gesicht, mit klaren, ruhigen Augen, die mit dem Sie tam auf mich zu und ich blickte in ein schönes, Ausdruck des Dankes und des Vertrauens zu mir emporsahen. Sie wollen mich retten?" fragte sie leise. Ich neigte mich ihr entgegen. Sofia Alexandrowna, wir vermählen uns einer Jdee." Sie neigte den Kopf ruhig und hoheitsvoll: " So ist es, einer Idee." " Dann kommen Sie." Wir traten in den Altar; die Zeremonie begann. Sie machte mir keinen anderen Eindruck, als daß unser Pope des Langen und Breiten viel Unsinn schwatte. Als die Tochter des Herrn war sie unter den Bauern nur auf Mißtrauen gestoßen, man hielt sie für einen Spion, und einer dieser Armseligen, Unterdrückten selbst hatte sie Unsere Universitäten sind der Mittelpunkt aller politi- dem Herrn" denunzirt. Der griff sofort zu dem beliebten schen Bestrebungen. Die Studentinnen lernten die großen Mittel aller Tyrannen, er bestrafte das ihm untergebene zeitbewegenden Ideen kennen, die in ihnen eine maßlose Wesen mit Härte und Grausamkeit, um es dadurch zur Begeisterung erweckten. Sie theilten bald unsere Ueber- Vernunft zu bringen." Als sie aber dann ihre Hand in die meine legte und zeugungen und verlangten nichts sehnlicher, als den großen Natalie war außer sich, sie hielt die Freundin für ver- mit ihren ruhigen Augen fest und treu in die meinen sah, Kampf der Befreiung mitzufämpfen. Auch Sofia loren. Aber plötzlich erschien Sofia Alexandrowna wieder da fühlte ich, daß es etwas Schönes und Großes sei, das Alexandrowna hatte diesen Prozeß durchgemacht und sich im Hause Karzow. Sie war aus dem Vaterhause uns in diesem Augenblick einigte und verband. der Bewegung angeschlossen, als der Befehl des Vaters sie geflohen. Aber sie wußte, ihr Vater werde ihr nachzurückrief. setzen und die Gesetze zu Hilfe rufen, damit sie ihm über das Höchste galt, leisteten wir den Schwur, und wir Wie zwei Streiter in einer Sache, die uns Beiden als Natalie Karzow, meine Braut, ihre Freundin, erzählte antwortet werde als sein Eigenthum.... da blieb keine hielten uns fest an den Händen und sprachen laut und voll mir damals von ihr, und wie untröstlich Sofia sei, die WahlUniversität und Petersburg verlassen zu müssen. Sie hoffte indeß bald wiederzukommen. Aber es vergingen Wochen Rechten des Gatten ausgestattet, sie der Willkür des Vaters feitig stützen und lieben wollten, jede Gefahr theilend, jede " Ich verstehe, Du hast sie geheirathet, um, mit den Ueberzeugung die Worte: daß wir einstehen wollen Einer für den Anderen, immer und allezeit, daß wir uns gegen und Monate, ohne daß eine Nachricht von ihr eintraf. zu entziehen." Natalie, die sie zärtlich liebte, schrieb ihr wiederholt, ver- So ist es. Meine Braut war die Vermittlerin: Rümmerniß, und selbst im Tode nicht von einander lassen langte dringend nach einer Zeile, nach einer telegraphischen sie wußte unsere beiderseitigen Bedenken zu beseitigen. Wir waren im Geiste verbunden... und ich küßte sie drei Vermittlerin; wollten, um unserem hohen Ziele gerecht zu werden. Mittheilung; nichts, fein Lebenszeichen. Endlich erfuhr Ein Pope und die nöthigen Zeugen waren gewonnen Mal nach russischer Sitte..." Natalie durch einen reisenden Kaufmann, daß Sofia und die Trauung konnte vor sich gehen. Es war be= Alexandrowna eine Gefangene im väterlichen Hause sei, schlossen, daß wir uns sofort nach derselben trennen Lazar machte eine Pause. Die aufgeftüßte Hand be daß sie stets beobachtet werde, selbst des Nachts. Jeder würden. Sofia sollte als Frau Dodukoff nach Moskau schirmte ihm Stirne und Angen, die nach innen gerichtet Berkehr nach außen war ihr untersagt, ihre Briefe und die gehen, um dort ihre Studien zu beendigen. Da ihr mütter- blieben, einer Erinnerung sich hingebend. ihrer Freunde wurden geöffnet und unterschlagen." liches Vermögen ihr nicht vorenthalten blieb, war sie wohl" Abscheulich," rief Konrad. Aber weshalb diese habend genug, umt jede Unterstüßung meinerseits zurück Tyrannei, was hatte sie denn gethan?" zuweisen. Unsere gemeinschaftlichen Freunde hatten alles in " Dann veränderte er seine Stellung und setzte sich zurecht, breit und gerade. Wir trennten uns noch in der Kirche, nachdem wir Berlin, den 11. Januar. " " Politische Leberlicht. allgemeine Wahlrecht verwünschen und auch für den Reichs- Mecklenburg vorherrscht, also den meisten Schaden verAften herum. Wie oft mag der alte Schlauberger das sollende Junker freigelassen hat. Das Wild, welches in tag des Dreiklassen- Wahlsystem herbeisehnen, unter dessen ursacht, ist nämlich gerade das Reh. Es ist geradezu erAus dem Reichstag. Wenn es die Länge ausmachte, Herrschaft in Preußen es so kinderleicht war in Steuer- staunlich, welche Mengen dieses Wildes dort( zwischen dann hätte heute der Staatssekretär der Reichsfinanzen, reform" zu machen. Hagenow und Bruhne) in der nächsten Nähe der Bahn auf den Graf von Posadowsky, eine ausgezeichnete Rede gehalten. großen Rapsschlägen und Roggensaaten äsen", Bolle zwei Stunden nahm derselbe die Geduld des Hauses Bundesraths wurde die Vorlage betreffend die Anerkennung ein von den Vorzügen seiner obotritischen Heimath Bundesrath. In der heute stattgehabten Sigung des sang unlängst in einer mitteldeutschen Jagdzeitung in Anspruch, eine Anstrengung, die für eine bereits verder belgischen Prüfungszeichen für Handfeuerwaffen in begeisterter Nimrod. Aber abgesehen davon, daß der lorene Sache uns recht unangebracht zu sein scheint, be- Deutschland dem betreffenden Ausschusse überwiesen. Dem Begriff übermäßig" so dehnbar ist, wie es die Ritter eben sonders wenn der Juhalt der Rede so ganz im umgekehrten Ausschußantrage über die Vorlage betreffend die An- wollen und bestimmen werden, das ganze Wildschaden- Gesez Verhältniß zu ihrer Länge steht. wendung des Militärtarifs für Eisenbahnen bei der Be- ist weiter nichts, als eitel Blendwerk. In Mecklenburg Als verloren kann aber die Tabaksteuer- Vorlage in förderung von Kriegsbedürfnissen wurde die Zustimmung giebt es nämlich keine Bauern, sondern nur Erbpächter. ihrer jezigen Gestalt, nach den heute von dem Abgeordneten ertheilt. Fritzen namens des Zentrums, und des Abgeordneten BasserUnd diese haben sämmtlich in ihren Pachtkontrakten einen mann für einen Theil der Nationalliberalen abgegebenen Erklärungen, wohl gelten. werden. " Die Aufhebung des Identitätsnachweises wird Passus stehen, wonach sie keinen Anspruch irgend auch die Aufhebung der preußischen Staffeltarife welcher Art auf Wildschadenersatz haben. nach sich ziehen. Die Staffeltarife für Getreide traten in Derselbe Ritterlandtag verwarf eine Regierungsvorlage, Wirksamkeit am 1. September 1891 und sollten in einer welche verlangt, daß auf den ritterschaftlichen Gütern die Beit der größten Theuerung den Getreidetransport von dem Lehrer fünftighin fest angestellt werden sollten. Es bleibt Osten nach dem Westen so viel als möglich erleichtern. Sie also beim Alten: Jeden Tag und jede Stunde, wie und bestimmten demgemäß, daß bei Transporten im Julande wann es ihm beliebt, kann der Ritter den Lehrer zum Teufel von 200 Kilometern an, bei solchen über die Grenze von jagen wie einen räubigen Hund. So sieht der Junker aus und so handelt der Junker, 240 Kilometern an der Streckensatz von 42 Pf. pro Kilometer mit der wachsenden Entfernung sich staffelförmig er- wenn er den Bauer in seinen Fängen weiß. Jm„ Bund der mäßigen solle in der Weise, daß er bei mehr als 1200 Rilo- Landwirthe", ja da pfeift er allerdings eine ganz andere Das Zentrum wird geschlossen und von den Nationalliberalen ein starker Bruchtheil gegen das Gesetz stimmen, damit ist das Schicksal desselben voraussichtlich entschieden, da auch unter den Konservativen sich Gegner finden. Für die Vorlage im vollen Umfange trat heute nur Stumm ein, der sich mehr und mehr zum freiwilligen Regierungskommissar herauswächst. Daß damit die Reden dieses Führers der Schlotbarone genießbarer werden, kann allerdings nicht gesagt werden. Der Redner des Zentrums berührte auch die Miquel'schen Steuerreformpläne und erklärte er dieselben für ein todt- Nothstandsmaßregel sein sollte, blieb aber dann bestehen, Polizeizenfur. Die Tragweite der in dem Gröber'schen geborenes Kind, da die Tabakstener wahrscheinlich, die weil die oſtelbischen Getreideproduzenten durch die Ein- Antrage den Polizeibehörden überwiesenen Befugnisse, Weinsteuer aber sicher abgelehnt werden wird. Die Rosten richtung höhere Preise erzielten. So etwas ist ja in durch Kontrolle der Kolporteure und die Genehmigung der Militärvorlage will Herr Frigen durch Grhöhung der Militärvorlage will Herr Frißen durch Erhöhung der Preußen- Deutschland etwas Alltägliches. Noch vom 1. Sep- ihrer Schriftenverzeichnisse eine Bensur über den Lesestoff Börsensteuer und des Lotteriestempels, der Champagner- tember 1892 bis Ende Mai 1893 wurden nach den Staffel- des deutschen Volkes auszuüben, erhält eine recht intereſſante und Kunstweinsteuer und des Zolles auf importirte Bigarren tarifen 237 000 Tonnen Getreide befördert, und davon Illuſtration durch ein Verzeichniß derjenigen Schriften, decken; soweit diese Erhöhungen von Steuern und Zölle stammten 202 000 Tonnen aus den Ostprovinzen. So sehr die unter den gegenwärtigen, weit milderen Gesetzesnicht ausreichen, sollen die Matrikularumlagen erhöht die Staffeltarife den Oft- Junkern gefielen, ebenso großen bestimmungen bereits von einigen Polizeibehörden vom Vertrieb Abscheu erregten sie bei ihren Brüdern im Süden und ausgeschlossen wurden. Anläßlich des Gröber'schen Attentats Gegen die Quittungs- und Frachtbriefstempel- Steuer Weſten des Reiches. Von den oben angeführten 202 000 ist eine solche Liste veröffentlicht worden. Man muß wirkverhielt fich Frigen, im Unterschied zu Herrn v. Buol, der Tonnen gingen zwar nur 8900 Tonnen nach West lich staunen, was alles so einem Polizeigemüth anstößig sich dafür ausgesprochen hatte, sehr skeptisch. Im Zentrum deutschland, 6500 Tonnen nach Süddeutschland, 6500 Tonnen nach Süddeutschland, und erscheinen konnte. Die harmlosesten Sachen, z. B. Hoffscheint also der Wind in jüngster Zeit umgeschlagen im Königreich Sachsen wurde durch die Staffeltarife die mann's" Lehrbuch der Pflanzenkunde"," Der Mensch" von zu haben, wozu die energischen Proteste aus den Reihen österreichische Einfuhr so gut wie verdrängt, aber die Ranke," Das Erdbeben in Japan" wurden von dem der katholischen Wähler ihr gut Theil beigetragen haben Agrarier im Westen und Süden schrieen doch fortgesezt polizeilichen Bannstrahl getroffen, vermuthlich, weil sie dürften. über Benachtheiligung, daß es nur so staubte. Sie nach der Ansicht der Menschenkenner in den PolizeiRecht lebendig sprach Herr Bassermann gegen die hätten schon so größere Selbstkosten als die Ostelbier, und Bureaus auf den Umsturz der bestehenden StaatsVorlage. Man merkte es dieser Rede an, daß die Wahl jetzt würden sie auch noch mit fremdem Getreide über- und Gesellschafts- Ordnung hinwirkten, oder weil die des Vertreters für Mannheim das Produkt einer sehr ge- schwemmt, und sie seien doch gerade so gute Staatsstüßen anatomischen Abbildungen in Rante's" Mensch" dem mischten Gesellschaft ist. Die Demokraten, Bauernbündler u. s. w. u. s. w. Und richtig, auch dieses Schreien hatte Er Sittlichkeitsgefühl der zartbeseiteten Polizeigemüther anund Schutzöllner finden in dieser Rede ihr Kompliment folg. Ende Juni 1893 wurde im preußischen Landtage einstößig waren. Wir könnten die lange Liste der mitund vor den badisch- pfälzischen Tabakbauern machte Baffer- Antrag angenommen, die Staffeltarife aufzuheben. Aus getheilten verbotenen Harmlosigkeiten mit Leichtigkeit vermann besonders seine Reverenz, indem er sich für eine Versehen" kam allerdings gleichzeitig anch ein Beschluß zu vielfachen, wenn wir aus den Erfahrungen unserer buchausgiebige Erhöhung des Zolles auf ausländischen Tabak stande, die Probezeit der Staffeltarife weiter aufrecht zu erhändlerischen Parteigenossen all die Verbote zusammenhalten und weitere Erhebungen vorzunehmen. Am meisten stellten, von denen gerichtlich unangefochten gebliebene Für die anarchistischen und auch sozialistischen erfreut über dieses Versehen" dürfte der preußische Eisen- sozialistische oder freidenkerische Schriften betroffen wurden. Schwadroneure gegen die Benützung des Wahlrechtes durch bahnminister gewesen sein. Die Einnahmen der Staats: So durfte, um nur ein Kuriosum zu erwähnen, Langkavel's die Arbeiter, sei auf das interessante Geständniß des national bahnen waren infolge der Staffeltarife pro Jahr um fünf Der Mensch und seine Raffen" nicht kolportirt werden, liberalen Bollblutbourgeois Bassermann hingewiesen, daß Millionen Mark gestiegen. Seit der Wegfall des Identitäts- weil auf der Umschlagseite eines Heftes eine Schrift Stern's es angesichts des allgemeinen, gleichen und direkten Wahl nachweises so gut wie sicher ist, erfolgt der Ansturm der über den Atheismus angekündigt war. Vor einer Polizeirechts schwer halten dürfte, auf die Dauer an der Erhöhung westelbischen Agrarier in verstärktem Maße. Das bayerische behörde, die nach solchen Grundsägen ihres Amtes waltet, der Konsumsteuern festzuhalten. Zentrumi droht bereits mit der Entfachung einer Agitation würde feine Schrift sicher sein, und es giebt ihrer leider Wir glauben dies auch, und wenn die Agrarier den gegen die Schutzölle überhaupt. Es hätte dieser Drohung viele in Deutschland. Die schlimmste Wirkung ihres Thuns russischen Handelsvertrag wirklich zu Fall bringen und die nicht bedurft. Schon wird gemeldet, daß zwischen Preußen besteht aber nicht sowohl in den einzelnen Verboten, als in Regierung den Reichstag auflösen sollte, dann dürfen und Bayern Verhandlungen über die Aufhebung der Tarife der Beunruhigung des Buchhandels und der daraus hervor fich die Freunde der indirekten Steuern auf schweben. Und die Staffeltarife werden fallen. Der Dst gehenden Schädigung des Geisteslebens, die durch solche ein Kesseltreiben gefaßt machen, das die elbier hat in kurzem seinen Happen weg, es wäre nur eine Verbote bewirkt werden. ihnen Lust an den Noßtäuscher- Kuiff, vor den Wahlen Inkonsequenz der herrschenden Interessenwirthschaft, wenn Sozialdemokratische Politik durch eine freikonservon den„ starken Schultern" zu schwatzen und nachher die nicht auch seinem westelbischen Bruder der Mund gestopft Genuß- und Lebensmittel der breiten Volksschichten zu be- würde. Der Fünfmillionen- Ausfall kann die Sache etwas vative Profefforenbrille besehen. In einer Jahreslaften, vergehen soll. aufhalten, aber verhindern wird er sie nicht. Preußen hat betrachtung giebt der Herausgeber der preußischen JahrDie Vorgänge vor und nach den letzten Wahlen haben ia seinen Miquel. Und der weiß schon, wem er auch diese bücher, Herr Professor Delbrück, auch einige Beauch den Vertrauens Duseligsten die Augen geöffnet und neue Last aufladen wird, den geduldigen Schultern des merkungen über die Sozialdemokratie zum Besten. Er findet es verwunderlich, daß die sozialdemokratische Reichstagsein zweites Mal gelingt ein solcher Schwindel nicht mehr. arbeitenden Volkes. Fraktion den Handelsverträgen zugestimmt habe. Wie Daß diese Erkenntniß schließlich auch in den Reihen der Junker, Bauer und Lehrer. In dem Laude, so da verträgt sich das mit ihrem Programm?" frägt er. Ordnungsparteien" durchbricht, dafür war das heutige den Ochsenkopf im Wappen führt und Mecklenburg genannt will doch eine revolutionäre Partei sein, die alles Berhalten der Herren Bassermann und Frigen ein recht wird, gab es bis vor kurzem weder ein Wildschaden- Gesetz, verneint, was den heutigen Staat stüßen und stärken erfreuliches Zeugniß. Die Debatte wird morgen fortgesetzt noch irgend eine Verpflichtung, Wildschaden zu ersetzen. könnte. Und welche herrliche Gelegenheit war es diesmal, und wird dann ein Vertreter unserer Fraktion zum Wort Die immer mehr sich häufenden Klagen veranlaßten endlich den Staat in Verwirrung zu sehen... Die Antwort ist einfach: kommen. Gemeldet find Meister, Molkenbuhr und Förster, den mecklenburgischen Landtag, in seiner letzten Sigung ein daß unsere Sozialdemokraten sehr gut wissen, daß es mit der alle drei Zigarrenarbeiter. Wildschaden- Gesez in Berathung zu nehmen. Und die Revolution nichts ist; fie prunten nur noch mit dieser Ritter, die ja schier einzig und allein den Landtag aus alten Kanone, wissen aber sehr wohl, daß sie nicht machen, beschlossen: Jeder Wildschaden, und betrage er auch scharf geladen werden darf, weil sie beim weniger als 5 Mart, wird fortan ersetzt. Jeder durch Reh- feuern springen und die Bedienungsmannschaft arg wild verursuchte Schaden wird aber nur dann ersetzt, wenn gefährden würde." Des weiteren konstruirt sich nachgewiesen wird, daß er in übermüthiger" Weise an- Herr Delbrück eine innerhalb der sozialdemokratischen gerichtet ist. Das ist das Schlupfloch, das sich der zahlen- Partei bestehende gemäßigte Richtung Bollmar- Regien, die metern bis auf 21/2 Pf. herabgehe. Was ursprünglich eine Melodie. ursprünglich eine Wielodie.ja da pfeift er allerding aussprach. = Der Reichs- Schatzsekretär hat die Finanzminister der Einzelstaaten aufgeboten, ihm bei der Vertheidigung der Tabaksteuer behilflich zu sein. Neben den anderen Herren Finanzleitern ist auch der bayerische Finanzminister v. Riedel heute am Bundesrathstisch zu sehen gewesen. Herr Miquel machte ein recht saueres Gesicht und stöberte viel unter seinen all' die Küsse und Händedrücke unserer Freunde entgegengenommen hatten, und ich habe sie nicht wiedergesehen." „ Und Deine Braut Natalie?" fragte Konrad. Ein weicher, unendlich zärtlicher Ausdruck kam in das Geficht des Russen. und sie war nach der Meinung der Anwesenden, mit allzu raschen Schritten an der Hand ihres Bräutigams an den Altar getreten. " " Ste AbSeufzer, die als Reflexbewegung ihrer Bruft entstiegen, vers mochte sie nicht zu bannen, aber nach jetem Seufzer sah sie so lieb und verschämt ihn an, als bäte sie ihn um Verzeihung für ihre findische Schwäche. Die Bahnfahrt dauerte einige Stunden. In der Station Miesbach erwartete fie ein Wagen. Die Zeremonie begann. Sie lauschte den Worten des Priesters, der ihr von dem schönen und hohen Berufe des eibes sprach und von den großen, aber auch schweren Pflichten, die sie freiwillig auf sich genommen habe, und Es war ganz dunkel geworden, als sie zwischen Auen wie sie nun alle Kräfte aufbieten müsse, damit sie ihnen und einsamen Gehölzen die Thalstraße nach St. Agath hinan fuhren. Schwere Wolken waren herauf gezogen, die Luft war drückend schwül und unbewegt und nur das gleichmäßig aufschlagende Geräusch der Pferdehufe und Räder unterbrach die sie umgebende Stille. Sie näherten sich rasch dem Eudziel ihrer Reise, aber Erich trieb den Kutscher zu " Ach, mein Täubchen, sie war das süßeste, unbefangenfte Kind, aber der Augenblick hatte auch sie gereift. Sie steht heute mitten in der Bewegung, aber sie befindet sich in voller, glücklicher Uebereinstimmung mit ihrer ganzen genüge. Familie. Ihr Vater, Michael Karzow, gehört dem Exekutiv- Sie wollte es. Eine heiße Opferwilligkeit brannte in Somitee an, wir werden von ihnen hören... da hast Du dem unerfahrenen Herzen auf. Sie erhob die Augen, die die Geschichte." in einem fast übernatürlichen Glanze strahlten, und laut Konrad streckte dem Freunde die Hand entgegen und und kräftig, nicht wie eine schüchterne Braut, nein, wie drückte sie mit Wärme. ein junger, begeisterter Krieger, der seinen Fahneneid " Ich danke Dir von ganzem Herzen, Lazar, ach die schwört, der ihn für Leben und Tod verpflichtet, sprach sie noch größerer Eile an, damit sie nicht in den Regen dem Priester die Worte nach, die für sie bindend waren tämen. Ter junge Ruffe erhob sich, streckte seine muskulösen für alle Zeit. Arme und lachte. Sie war verheirathet sie war Frau. " Du siehst, daß mein Netschajew Recht hat. Unsereiner Es war so sonderbar sie dünkte sich seelisch ver fann eine Frau haben sogar zwei es trägt ihm nichts ändert, ihre Willenskraft war erhöht. ein, und so etwas wie zärtliche Gefühle find nur eine Qual und eine Fessel für uns." Geschichte ist lehrreich." be Konrad nickte, einen Seufzer unterdrückend. " Ja, ja, ein Kloh, das wäre das beste." Er fuhr sich über die Augen, als wolle er die letzte Thräne hinwegwischen, und als er den Freund jetzt ansah, blitzte etwas Kühnes und Streitbares darin auf, das zu dem jungen martirten Gesichte vortrefflich paßte: " Ich werde Deinem Netschajem nachstreben, wir werden ja sehen, ob wir's bis zur Vollkommenheit bringen." VIII. Es war spät am Nachmittage, als das neuvermählte Baar feiner Sommerresidenz entgegen fuhr, wo Alles zu seiner Aufnahme bereit stand. Nach dem Anfalle von nervöser Zaghaftigkeit war Lene in die entgegengesetzte Stimmung verfallen. Sie zeigte sich entschlossen, fast ungeduldig, daß sich ihr Echicksal erfülle, Nun kam der Abschied. Sie mußte sich von den Eltern trennen, von ihren Brüdern, und Allen, die sie bisher geliebt hatte. Es riß an ihrem Herzen, das unter den verhaltenen Thränen zuckte- aber sie suchte sich standhaft zu zeigen und den Schmerz zu bezwingen. Jin Wagen fizend, lächelte sie ihnen noch zu, die sich vor dem Wagenschlag drängten und winkte mit den Augen und Händen, sprechen konnte sie nicht, ein Lebewohl. Aber als der Wagen sie weiter trug, lehnte sie sich in die sie umschlingenden Armee des Gatten zurück, und weinte als müsse ihr das Herz brechen. Während sie den Schnellzug bestiegen, trocknete sie ihre Augen, und im Koupee saß sie ruhig und gefaßt ihrem Manne gegenüber. Er hatte sich eine Bigarre angezündet und plauderte beiter und übermüthig wie immer. Sie lächelte erst, dann lachte sie. Die unwillkürlichen Die Wälder traten zurück und plötzlich rasselte der Wagen über das holprige Pflaster eines bayerischen Dorfes. Sie tamen auf einen Platz mit einer Kirche, von ES Häusern umgeben, die mit Giebeln geziert waren. war St. Agath. Erich machte Zene auf dies und jenes aufmerksam, aber so sehr sie auch, ihre Augen anstrengte, sie vermochte in dem herrschenden Dunkel nichts zu erkennen. Es war ein sonderbares Gefühl, sich mit Erich bei Nacht in einer ganz fremden Umgebung zu finden, die sie niemals vorher geschaut, die sie nicht einmal in Umrissen zu unterscheiden vermochte, und daher ihre Phantasie in ungewöhnlichem Grade erregte. Sie vernahm Gesang in der Ferne und Bellen der Hunde jezt plätscherte ganz in der Nähe ein Auslaufbrunnen, sie hörte flüsternde Stimmen, ein Gekicher von Mädchen, ohne sie selbst zu erspähen, und sie wendete den Blick den matt erleuchteten Fenstern zu, die aus dem Dunkel der Nacht ihr entgegen strahlten, als dem einzig Wirklichen in einem verwirrenden Traum, dann verschwanden auch diese. ( Fortsegung folgt.) trob taktischen Niederlagen auf den Parteikongressen im, freien; er besteht, weil unsere Zeit zwischen Kapital und Arbeit, die diese Preiserhöhung zuerst und am stärksten trifft. Den Reichstag bei der Abstimmung über die Handelsverträge eine unheilvolle Kluft geschaffen hat, welche ganze Klaffen unserer ganzen Winter hindurch, auch während der milden Wochen, hat thatsächlich den Sieg davon getragen habe. Diese herr Bevölkerung in schroffen Gegensatz zu einander bringt. Die so- der Kohlenring die Preise so hoch gehalten, wie sie sonst felbft in liche Entdeckung begründet er mit den Worten: Man genannten besitzenden Klassen müssen in liberaler, opferwilliger außerordentlichen Nothfällen kaum zu steigen pflegten und doch fürchtete die Empörung der industriellen Arbeiter in den und loyaler Weise den sogenannten arbeitenden Klaffen entgegen war das noch nicht genug die grimmige Rälte ist der er= fürchtete die Empörung der industriellen Arbeiter in den kommen. Der Staat muß zwischen beiden den versöhnenden Ber- wünschte Anlaß, noch Bezirken, die durch die Verwerfung der Verträge zu mittler machen und mit mehr Geld aus den Taschen Arbeiterentlassungen genöthigt worden wären und getraute feitigung wirklich seiner ganzen Kraft die Be- des Publikums zu erpressen. Um bei weitem noch nicht sich nicht, die Genossen durch die orthodoxe Lehre zu ftreben. vorhandener sozialer Mißstände an einen Schilling pro Tonne haben die Kohlenarbeiter mehr als Dann wird auch der Arbeiter von Verirrungen drei Monate Glend ertragen müssen, seitdem diese Lohnreduktion beruhigen, daß je eher sie zu Lumpen- Proletariern würden, zurückkommen, wie sie uns in Most's Lehren und in den Thaten abgewehrt worden, muß das wohlhabende Publikum die Tonne desto schneller die erlösende Revolution kommen werde." feiner Schüler entgegentreten. Bekämpfe man unablässig den im Durchschnitt 6 Schillinge theurer bezahlen als sonst, der KonEs war wirklich eine schwierige, eines deutschen Professors traffen Egoismus, welcher die Signatur unserer Zeit ist, welcher fument aus den ärmeren Klassen um mindestens 10 Schillinge. durchaus würdige Aufgabe in den wenigen Sägen einen uns im Großen in der Schutzzoll politik der Großmächte und im Eine herrliche Wirthschaftsordnung, die solche Ausschlachtung solchen Rattenkönig von Mißverständnissen zusammen- begegnet. Sorge man dafür, daß dem Arbeiter für sich und die räfonnirt, und rührt doch keine Hand, es anders zu machen, und Kleinen auf Schritt und Tritt im täglichen Handel und Wandel der Nothlage gestattet. Aber was will man? Das Publikum zudrehen. Die Kombination Vollmar- Legien und ihren an- Geinigen törperliche und geistige Gesundheit bewahrt bleibe und felbft Taufende und Abertausende von Arbeitern lassen sich noch geblichen Sieg in der Frage der Handelsverträge brauchen daß er für die Tage der Krankheit, der Arbeitsunfähigkeit und einreden, die hohen Löhne der Kohlenarbeiter seien an der Preiswir wohl nicht weiter zu erörtern. Das wird jedem, für den Fall seines Todes sich und die Seinen gegen Noth und steigerung Schuld. Thatsächlich fostet die Tonne Kohlen auf der der die Personen und die Verhältnisse kennt, nur Glend sicher stellen kann. Dann wird der Anarchismus ver Grube alles in allem etwas über 3 Schillinge Arbeitslohn ein Lächeln abgewinnen. Durch seine Behauptung, es sei schwinden, denn dann, aber auch erst dann hat man das Uebel den Konsumenten in London dagegen über 30 Schillinge. eine orthodore Lehre der Sozialdemokratie, daß die erlösende an der Wurzel erfaßt. Diese Ueberzeugung hat sich in den letzten Revolution um so schneller kommen werde, je eher die Ar- Jahren in immer weiteren Kreisen Bahn gebrochen, die gefeß- und man muß schon zufrieden sein, daß mindestens ein Theil des Immerhin hos Bublitum iſt eine ſchiver bevegende male beiter zu Lumpenproletariern würden, hat aber der brave gebenden Behörden aller Kulturstaaten stehen bereits auf diesem selben zur Erfenntniß gelangt ist, daß diese ökonomische Welt Professor in noch kaum zu übertreffender Weise seine Un Boden. Verfolge man den betretenen Weg und es werden keine nicht die beste aller möglichen und deshalb werth ist, einer fenntniß der wirklichen Lehre und Taktik unserer Partei ausnahmsweisen Maßregeln nöthig sein." besseren zu weichen, und daß diese Erkenntniß immer weiter um Schön aber die schönen Worte sind leider nur Worte sich greift. Auch fehlt es sonst nicht an Lichtblicken in all' der bewiesen. Er weiß also noch nicht einmal, daß wir gewesen. In den seitdem verflossenen acht Jahren ist die eid- Misere. Die Schröpfung desjenigen Theils des Publikums, das gerade im Gegentheil der Ueberzeugung sind, daß von den genössische Sozialpolitik kaum vom Flecke gekommen und statt die Rohle blos im Haushalt fonsumirt, bietet an sich noch keine Butschereien verzweifelter Lumpen Proletarier nichts der Sozialreform bringt heute der schweizerische Bundesrath Gewähr, daß den Kohlenarbeitern ihr„ living wage" auf abzu erwarten ist für unsere Sache, daß wir vielmehr die Anarchistengesetz und abermalige Anarchistenuntersuchung. Der sehbare Zeit gesichert bleibt, für diese Frage kam es darauf an, Umgestaltung unserer Gesellschaftsverhältnisse von Grund einzige Unterschied zwischen heute und 1885 besteht darin, daß ob die großen Eisenbahn-, Gas- zc. Kompagnien zc., die den Gruben auf nur erwarten von der zielbewußten Thätigkeit der damals ein erst ernannter außerordentlicher Bundes gegenüber eine ganz andere Position einnehmen als die vereinzelt bas auf nur erwarten von der zielbewußten Thätigkeit der anwalt amtete und heute der geschaffene ordentliche stehenden Hauskonsumenten, zur Zahlung von Preisen sich bequemen aufgeklärten und wohlorganisirten Arbeitermasse. Den Bundesanwalt die Untersuchung führt. Das ist auch ein Fort würden, bei denen nach Behauptung der Grubenbesitzer die Fortjetzigen Staat und die jetzige Gesellschaft zu ruiniren, das schritt, aber feiner im Sinne der Müller'schen Rathschläge. Im zahlung des von den Arbeitern statuirten Minimallohnes allein überlassen wir ruhig der Ausreifung und dem mit der Aus- Sinne dieser Rathschläge liegt es gewiß auch nicht, daß möglich ist. Und das scheint in der That erreicht zu sein. Ver reifung fortschreitenden Fäulnißprozeß der kapitalistischen die tapitalistischen Politiker gegenwärtig die Voltsinitiative für schiedene große Gesellschaften, darunter die North- Eastern EisenWirthschaftsordnung. Was da persönliches Zuthun bei- unentgeltliche Krankenpflege mit allen Mitteln bekämpfen und bahn, haben sich herbeilassen müssen, Lieferungskontrakte zu tragen kann, das besorgen schon diejenigen Leute, sich überhaupt jeder ernſten Sozialreform widersetzen. 11/2 Schilling die Tonne mehr als vorher einzugehen. Der die fich für die festen Stützen der Gesellschaft halten. Unser Röstlich ist schließlich, daß Oberst Müller selbst, der als glänzenden Einmüthigkeit der Bergarbeiter- Federation gegenüber Eingreifen in das heutige Staatsgetriebe ist darauf gerichtet Politiker und Nationalrath der radikalen Partei angehört, nicht hatten die Grubenleitungen nicht den Muth, auf niedrigere und war von jeher darauf gerichtet, dem Proletariat in lassen, sondern daß er im Gegensatz zu seinen Worten im solcher, den die Industrie wohl vertragen tann, wie auch die nur nichts gethan hat, um seinen Worten die Thaten folgen zu Kontrakte einzugehen. Andererseits ist der Preisaufschlag ein der Gegenwart günstigere Existenzbedingungen und mög- Sommer 1898 anläßlich des Berner Krawalls und nachher als Haustonsumenten ihn wenig lichste Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Dadurch wirken ein reaktionärer, arbeiterfeindlicher Politiker sich bethätigt hat. wenig empfinden würden. Indeß wir, lassen Sie sich das gesagt sein, Herr Professor, auch herrschen im Handel mit diesen solche Ungeheuerlichkeiten, zahlen So fehlt leider die große Sozialreform noch immer, dafür ist diese auch in besten Beiten so viel Zwischenprofite, daß es ein gut Theil für die Revolutionirung unserer Gesellschafts- aber auch der Anarchismus geblieben. lächerlich wäre, hier überhaupt von berechtigten Preiserhöhungen ordnung. Aber die revolutionäre Stellung, die Sie meinen, hängt ganz von der Taktik ihrer Klaffengenossen ab. Und zu reden. weil die Handelsverträge durch Verbilligung der Lebensmittel dem deutschen Proletariat günstigere Existenzbedingungen verschaffen, deshalb und aus keinem anderen Grunde haben unsere Abgeordneten für sie gestimmt. 1 Die Helden Haus Blum und Otto Bismarck. In einer gegen Hans Blum gerichteten Erwiderung schreiben die Münchener Neuesten Nachrichten":" Ueber den Inhalt und den Werth des Buches von Hans Blum sprach sich Fürst Bismarck während der Festtage unserem Gewährs manne gegenüber sehr abfällig aus." Ferner schreiben die " Neuesten Nachrichten":" Auf telegraphische Anfrage sandte uns Blum einen langen, scharf polemischen Brief über die Arnim- Angelegenheit, weigerte sich aber ent: schieden, der Deffentlichkeit gegenüber die Verantwort lichkeit für diesen Brief zu übernehmen und ihn zu zeichnen." Bismard beantwortet die Briefe Arnim's nicht und Blum läßt die feinigen nicht veröffentlichen. Helden vom Scheitel bis zur Zehe. Herr Dr. Theodor Herzka ersucht uns anläßlich einer Bemerkung in unserem Leitartikel Sozialistische Endosmose" um die Aufnahme folgender Berichtigung: Es ist unwahr, daß ich jemals Börsenspekulant gewesen und es ist unwahr, daß Freiland eine Aktienunternehmung ist. Wenn Sie mich einen Finanzblattgründer nennen, so bemerke ich demgegenüber, daß ich allerdings ein großes politisches Tageblatt, die Wiener Allgemeine Zeitung", und eine staatswirthschaftliche Wochenschrift Zeitschrift für Staats- und Volkswirthschaft" gründete, die beide, so lange sie unter meiner Leitung standen, in entschiedener Weise für die Idee der sozialen Freiheit und Gerechtigkeit eintraten. " Wir bemerken dazu: Ein jeder, der mit den Wiener Breßverhältnissen vertraut ist, wird bestätigen können, daß die Wiener Allgemeine Zeitung" zur Zeit der Leitung des Herrn Dr. Herzka derart eng mit der Börse liirt war, daß Die Bezeichnung Finanzblatt" durchaus gerechtfertigt ist. Herr Dr. Hertta war ferner vor dieser Gründung Börsen- Redakteur der Neuen Freien Presse", deren enge Beziehungen zur Wiener Kreditanstalt und zur Rothschilds- Gruppe allgemein bekannt sind. In dieser Stellung wußte sich Herr Dr. Herzka ein bedeutendes Einkommen zu ver schaffen, das über ein Redakteurgehalt weit hinausging. Unsere Annahme, daß das durch Börsen spekulationen ge schah, war eine sehr milde für Herrn Dr. Theodor Herzka. Daß Freiland" fein Aktienunternehmen, wörtlich genommen, ist, wissen wir und weiß jeder unserer Leser. Wir wollten dadurch in scherzhafter Weise nur aussprechen, daß Herr Dr. Herzka die während seiner früheren Börsenthätigkeit erworbenen Erfahrungen auch bei seinen neuen 1ozialreformerischen Gründungen zur Anwendung bringt. Wir erinnern nur daran, daß als Zentralbehörde der Kolonie eine große Bank gedacht ist.- börbe ber Monopolifirung von Sprengstoffen. Die„ Budapester Correspondenz" meldet: Die jüngst aufgetauchte Nachricht einiger Blätter, daß der ungarische und öfterreichische Minister des Innern sich mit der Frage der Monopolifirung aller Sprengstoffe beschäftigen, entbehrt jeder Grundlage. Diese Frage bildete nicht einmal den Gegenstand einer Erörterung. Anarchismus und Sozialreform. Man schreibt uns aus der Schweiz: ein Standal und blos aus dem krankhaften Geisteszustand Die Verurtheilung Vaillant- Marchal's ist einfach Die gegenwärtige Lage Italiens erinnert lebhaft der Bourgeois- Geschworenen zu erklären, die aus Angst vor an die in den Jahren 1847 und 1848. Ueberall regte es sich dem Anarchisten- Gespenst die Denkfähigkeit verloren haben. damals. Hier eine Demonstration, dort eine kleiner Butsch. Ein Mann, der, in der Wahnvorstellung, seine eigene Lage und Dann wieder Ruhe, und plöglich eine größere Demondie Lage der Armen und Elenden zu verbessern, einen mit irgend ſtration, ein größerer Putsch, bis schließlich, nach vielfachen einem Sprengstoff gefüllten Kochtopf oder ein sonstiges Gefäß in Pausen und Unterbrechungen die Putsche und Demoneiner Versammlung von Menschen, die er erschrecken oder strationen sich zu einer Revolution zusammenthaten, die tödten will, zum Plazen bringt, kann unmöglich als zwar nur vorübergehenden Erfolg hatte, aber doch den Mensch mit normalem Hirne betrachtet werden. Zwischen Sturz der damaligen Ordnung der Dinge vorbereiteten. Mittel und Zweck ist absolut kein Zusammenhang Das heutige Königreich Italien ist das Produkt, das prakfein Bernünftiger kann auf den Gedanken kommen, durch tische Ergebniß jener revolutionären Demonstrationen und Tödtung oder Bedrohung eines oder mehrerer Gesellschafts- Putsche der Jahre 1847 und 1848. Und es ist nicht blos glieder die ganze aus vielen Millionen Gliedern bestehende ein Bibelspruch, sondern auch ein geschichtliches Ent Gesellschaft zu einer Maßregel allgemeiner Humantität zu wicklungs- Gesetz: daß Mittel durch welche bewegen. Wer das glaubt, ist einfach verrückt, und gehört, da ein Mensch oder ein System sich auf auf Kosten seine Geisteskrankheit sich in gemeingefährlichen anderer in die Höhe gebracht hat, ihm auch Handlungen äußert, ins Frrenhaus. Einen solchen Mann zum Verderben gereichen, oder wie die Bibel sich auszum Tod zu verurtheilen ist eine Feigheit und eine Barberei, drückt: Womit Du gesündigt hast, damit wirst Du bestraft und das Urtheil zu vollstrecken, wäre im Verbrechen. werden, wer das Schwert zieht, wird durch das Schwert Ueber den Gang der Verhandlung liegen noch die fol- untergehen. Und wer die Revolution benutzt und fälscht, um sich zu erhöhen, der geht durch die Revolution unter. genden Depeschen vor: Paris, 10. Januar. Bei dem Wiederbeginn der Ver- Louis Philipp, der Bürgerkönig, hat das erfahren. Und handlung erklärt Baillant, er habe die Bombe geschleudert, das Königshaus der Piemontesen, das eine ähnliche Rolle weil er keine Arbeit finden und seine Familie nicht ernähren gespielt, ist jetzt daran es zu erfahren. Es ist möglich, daß fonnte. Hierauf verlas Vaillant ein langes Schriftstück, in die gegenwärtigen Putsche und Aufstandsversuche noch einwelchem er die bestehende Gesellschaftsordnung angreift. 3um mal gewaltsam zurückgedrängt werden und daß ihnen eine Schlusse erklärt er, er habe in seinem Kampfe gegen die Ge- Pause vergleichsweiser Ruhe folgt; gewiß aber ist in jedem sellschaft seinen Gegner nur verwundet, man könne ihn be strafen, aber was werde der Wahrspruch der Geschworenen Falle, daß der Boden, auf dem die Monarchie steht, in der Geschichte der Völker sein! Aus dem weiteren Zeugen- ganz unterhöhlt ist und daß unter ihm ber verhör geht hervor, daß Vaillant nach der Explosion zu entfliehen Bulkan der Revolution brodelt und gährt. versuchte. Hierauf wird die Verhandlung vertagt. Die Kein Zweifel, der Anfang vom Ende ist gekommen im Eingang des Justizpalastes anfgefundene Bombe enthielt Sand. im günstigsten Fall erfämpft Crispi mit blutiger Hand Paris, 10. Januar. Der Generalprokurator wies nach, und er hat den Muth des Verbrechens noch eine kurze daß Vaillant nicht durch seine Nothlage, sondern durch seine Galgenfrist für die Monarchie, deren Todtengräber er Eitelkeit zu dem Verbrechen getrieben sei; er habe die Kammer sein wird, wenn ihn selbst nicht sehr bald das Schicksal ereilt.für sein Attentat gewählt, weil er damit noch größeres Aufsehen erregen wollte, als die Urheber des Attentats von Es liegen ferner folgende Depeschen vor: Barcelona. Der Generalprokurator beantragt die TodesRom, 10. Januar. Bei den gestrigen Unruhen in strafe und ermahnt die Geschworenen eindringlichst, ihre Pflicht Corato riefen die Tumultuanten:„ Es lebe Sizilien! Hoch zu thun. Frankreich!" Jn, Neapel werden die Saussuchungen bei ben Anführern der Arbeiterbünde und die Verhaftungen der Anführer mit der Begründung fortgesetzt, daß diese Verbindungen verbrecherische seien. Die Behörden von Neapel haben strenge Maßregeln getroffen, um jeden Versuch von Ruhestörung zu unterdrücken. Heute Nachmittag find 5 Transportdampfer mit Truppen von dort nach Palermo abgegangen; eine große Menschenmenge wohnte der Abfahrt bei. In Bologna ordnete die Präfektur die Auflösung des dortigen Arbeiterbundes an. In Turin, wo einige Ver haftungen von Anarchisten vorgenommen wurden, richtet die Polizei ihr besonderes Augenmert auf die Zuzüge von der französischen und schweizerischen Grenze. In Mantua Brescia, Macerata und Ancona tamen einige unbedeutende Kundgebungen seitens der Anarchisten vor. Paris, 10. Januar. Der Direktor des städtischen Laboratoriums, Girard erklärte, die von Vaillant geworfene Bombe würde mehrere Personen getödtet haben, wenn sie nicht in der Luft explodirt wäre. Der Vertheidiger Vaillant's Labori, hob in seiner Vertheidigungsrede hervor, das von Vaillant begangene Verbrechen gehöre nicht zu den Verbrechen gegen die Gesellschaft, Vaillant habe niemand getödtet, es fei unmöglich, ihn zum Tode zu verurtheilen. Die Geschworenen eintritt der Geschwor Berathung zuru. Berdikt verkündet, wurde das welches auf schuldig lautete. Vaillant wurde zum Tode verurtheilt und rief bei Verkündigung des Urtheils aus: Es lebe die Anarchie!". " Nach Mittheilung der Blätter befand sich Gustav v. Rothschild deshalb nicht auf der Geschworenenbant, weil er von der Vertheidigung abgelehnt worden war. Paris, 11. Januar. Die Geschworenen beriethen 25 Minuten und bejahten sämmtliche vier Schuldfragen auf vor bedachten Mordversuch und Zerstörung eines öffentlichen Gebäudes, ohne Zubilligung mildernder Umstände. " Rom, 10. Januar. Wie der Agenzia Stefani" aus Modena gemeldet wird, veranstalteten 1000 zur Fortschaffung des Schnees verwendete Arbeiter in Finale dell' Emilia eine Demonstration, indem sie die zur Dienstleistung einberufenen Militärpflichtigen zum Bahnhofe begleiteten, Arbeiterlieder anstimmten und Hochrufe quf den Deputirten Agnini ausbrachten. Nach Finale dell' Emilia wurden Truppenverstärkungen entfandt. Mantua, 10. Januar. Eine Anzahl beschäftigungsloser Arbeiter begab sich vor das Stadthaus und verlangte unter aufrührerischen Rufen Arbeit. Die Demonstranten wurden ohne Anwendung von Gewalt zerstreut. Paris, 11. Januar. Vaillant weigerte sich gestern nach seiner Verurtheilung zum Tode Berufung gegen den Wahr spruch der Geschworenen einzulegen. Wie es heißt, habe er den Geschworenen gedankt, da er den Tod lebensläng lichem Zuchthause vorziehe., Vaillant wird heute in das Bellengefängniß abgeführt werden. Die republikanischen und fonservativen Blätter stimmen dem Wahrspruch der Geschwo- d renen zu. Paris, 11. Januar. Nachdem das Todesurtheil gegen Vaillant gestern Abend gefällt und bekannt war, rotteten sich vor den Thoren des Justizpalastes zahlreiche Anarchisten zusammen, welche darauf die angrenzenden Straßen unter Hochrufen auf Vaillant durchzogen. Wie verlautet, hat der Wer theidiger Baillants ein Kassationsgesuch entworfen, das Vaillant indeß nicht unterzeichnen will. Depelthen.oliv Im Jahre 1885 fand, wie erinnerlich, aus Anlaß der Stellmacher und Kammerer- Thaten in der Schweiz eine umfangreiche Untersuchung gegen die Anarchisten statt, welche mit der Ausweisung von etwa 20 Anarchisten endete. Der nicht- anarchistische ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Droh und Warnungsbriefschreiber, Wilhelm Hust, hatte sich im Gladstone erklärte: Kurz vor seinem Tode hatte Lord Clarendon St. Galler Gefängniß erhängt und damit den einzigen Fall, der London, 11. Januar. Unterhaus. Der Premierminister zu einem Prozeß geführt haben würde, aus der Welt geschafft. bei den Mächten die gegenseitige Abrüstung angeregt und von Die Untersuchung war geführt worden von dem zum außerder Regierung eines großen europäischen Landes eine sehr erordentlichen Bundesanwalt bestellten Oberst Müller dem heu muthigende Antwort erhalten. Lord Clarendon konnte aber die tigen Stadtpräsidenten von Bern, der einen umfangreichen Paris, 11. Januar. Vaillant hat sich nunmehr bereit Sache nicht weiter verfolgen. Was mich anbetrifft, so halte ich Bericht erstattete und darin sich auch über die Maßregeln erklärt, das Rafsationsgesuch zu unterzeichnen. zwar an den von mir über die Frage im Allgemeinen ausgesproche gegen weitere Ausbreitung des Anarchismus aussprach. Kohlenpreise und Kohlenstreik in England. Unser nen Ansichten fest, zweifle aber sehr, ob der gegenwärtige Augenblick Die gerade jetzt sehr zeitgemäßen Worte lauten: Londoner Korrespondent schreibt: Fünf Todesfälle from für solche Vorstellungen bei den Mächten vortheilhaft wäre. Als das wirtsamste Mittel zur Bekämpfung des exposure" melden die Londoner Zeitungen vom 5. Januar, d. h. Im weiteren Verlaufe der Sigung erklärte der ParlamentsAnarchismus betrachtet der Unterzeichnete die möglichst weit fünf Fälle, wo Leute der Kälte direkt erlegen sind. Wie viele sekretär des Auswärtigen, Grey, die Regierung beabsichtige, herzige Erfüllung der berechtigten Forderungen der Arbeiterklasse. fich infolge von exposure ausgesetztheit den Keim zu durch die Konsuln im Auslande eine Warnung gegen die EinTer Anarchismus ist nicht von ungefähr entstanden; er ent- lebensgefährlichen Erkrankungen zuziehen, entzieht sich der wanderung nach England zu erlassen und in derselben hervor stand und besteht, weil große Kreise der Menschheit wirklich Kenntnißnahme eines erleuchteten Publikums. zuheben, daß der englische Arbeitsmarkt überfüllt sei und die Noth leiden oder doch im Kampfe ums Dasein feine Aussicht Natürlich hat die Rälte sofort den Preis der Kohlen wieder Erwartungen armer Einwanderer auf Besserung ihrer Lage wahrs haben, sich aus ihrer elenden Lage durch eigene Arbeit zu be- in die Höhe geschnellt, und wie immer sind es die armen Leute, scheinlich getäuscht werden würden. " Für den Inhalt der Inserate über. nimmt die Redaktion dem Vublikum American- Theater. Täglich: Grohe Vorstellung. gegenüber keinerlei Verantwortung Neu! Wieder- Auftreten Neu! Theater. Freitag, den 12. Januar. Opernhaus. Carmen. Schauspielhaus. Kabale und Liebe. Deutsches Theater. Das Käthchen von Heilbronn. des urkomischen Bendix. Neu!! Auftreten des Ne!! besten Bauchredners d. Jeßtzeit H. Blank. ratweil'sche Bierhallen Kommandantenftr.77-79. Aelt. u. größt. Etablissem. Berl. Neues Programm. Täglich von 6 Uhr ab bei National- Konzert freiem Entree. Maria Stuart. Die Gründung Roms D. Obenlandler Berliner Theater. Der ungläubige Leffing- Theater. Thomas. Ein Millionär a. D. Wallner- Theater. Geschlossen. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Lieutenant zur See. Rehdenz- Theater. Der Mustergatte. Neues Theater. Jugend. Central- Theater. fall. Berlin 1893. Ein toller Ein Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Viktoria Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Alexanderplat- Theater. Die lustigen Weiber von Berlin. Nach her: Bajazzi. National- Theater. Der Teufel in Berlin. Nachher: Charley's Zante. Theater Unter den Linden. American- Theater. Die Gründung Die Gondoliere. Hierauf: Brahma. Roms in der Möckernstraße, oder: Die Rache des Gänserichs. Wintergarten. Spezialitäten- Vorstellung. Reichshallen- Theater. SpezialitätenBorstellung. Apollo Theater. Vorstellung. Spezialitäten Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Doppelvorstellung zu einfachen Preisen. Novitäten! Novitäten! Zum ersten Male: Charley's Tante. Große parodistische Posse mit Gesang und Tanz von Hugo Busse. Regie: Mar Samst. Vorher: Der Teufel in Berlin. Große Posse mit Gesang und Tanz in 3 Atten von Eugen Prudens. Musik von A. Wiedecke. Regie: Mar Samst. Kasseneröffnung 62 Uhr. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Central- Theater. Alte Jakobstraße 30. Bum 7. Male: Ein toller Einfall. Schwant in 4 Atten von Carl Laufs. Sierauf zum Berlin 1893. 20. Male: oder: Die Rache des Gänserichs. Her in National- Tracht Auftr. sämmtl. Spezialitäten. In Vorbereitung: Die Obdachlosen, oder: Lumpen- Susanne. Parod.- real. Traumstück von Oscar Wagner. Anfang Wochentags 71/2 Uhr, Sonntags 62 Uhr. Etablissement Blas. Buggenhagen. Plas. Morig Moriz Täglich Gr. Instrumental- Konzert. Gr. Frühstücks- u. Mittagstisch. Spezial Ausschant von Pabenhofer Lagerbier, hell und dunkel. An den Wochentagen findet das Konzert in den unteren Restaurationsräumen, Entree 10 Pf., Sonntag in Säle für Versammlungen, Kommerje, dem oberen Saal, Entree 25 Pf., statt. Festlichkeiten 2c. PassagePanopticum. Der Deutsche Mann mit dem Steinkopf. Ohne Extra- Entree. Entree 50 Pt. Kinder 25 Pf. und Auftreten von Künstlern. Spezialitäten 1. Ranges. Mr. Kauning, Concertmaler. Derselbe wird innerhalb 15 Minuten ein Delgemälde malen, welches nach Schluß der Borstellung verlooft wird. Sonntags Anf. 5 Uhr. Entree 30 Pf. Circus Renz, ( Karlstrake.) Freitag, den 12. Januar 1894, Abends 7/4 Uhr: Große Komiker- Vorstellung. 11. A. Prinz Carneval und sein Renz. Die gr. Tremplinsprünge über Gefolge, vorgef. von Herrn R. Renz. Die hohe Schule ger. von Frl. Oceana 10 Pferde. Der urkom. ImitationsStlown Mr. Ybbs. Die musikal. Klowns Gebr. Krasucki. Der Klown Merkel mit dem Esel Pipifax. Mr. Lavater Lee 2c. Zum Schluß: Arbeiter- Bildungsschnie Sonnabend, den 13. Januar 1894, Abends 8% Uhr, in der Brauerei Friedrichshain am Königsthor III. Stiftungs- Fest unter gütiger Mitwirkung der Typographia, Gesangverein Berliner Buchdrucker u. Schriftgiesser ( Mitglied des A.-S.-B.) und der Herren P. Rury( Orgel) und G. Winkler. Auszug aus dem Programm: 454/6 Brotog, mit Orgelbegleitung und| Grande Phantasie pour l'Orgel, von Laboin. b. Der Soldat c. Minnelied Ouverture zum Trauerspiel Robes. a. Herbstnacht pierre" von Litolff. est rede, gehalten vom ReichstagsAbgeordneten W. Liebfnec) t. Beriot. 7. Violin- Konzert ( Solist: Violin Virtuose Herr Tompcha.) Weinzierl. Silcher. W. Bünte. ( Vorgetragen vom Gesangverein.) Ein Jahrmarkt in Krähwinkel. Tongemälde in 12 Bildern v. Schreiner. Orchester: 42 Musiker der Freien Vereinigung der ZivilBerufsmusiker unter Leitung des Herrn Schonert. Nachher: Großer Ball( Doppeltes Orchester). Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pf. na c. Billets à 30 Pf. sind in den Schulen: Müllerstr. 179a, Markusstraße 31, Reichenbergerstr. 133, Grünstr. 10, und in den Zahlstellen, sowie in den mit Plakaten belegten Lokalen und Handlungen zu haben. Deutscher Holzarbeiter- Verband ( Zahlstelle Berlin). Ein Künstlerfest. Bezirks- Versammlungen. Vollständig neue und glänzende AusWesten Sonntag, den 14. Januar, Vormittags Norden Montag, den 15. Januar, Abends stattung und Einlagen. Ueberraschende 102 Uhr, in Königshof, Bülowstraße. Wasser- und Lichteffekte. Preise wie gewöhnlidy. 82 Uhr, bei Keller, Bergstraße 68. Sonnabend: Ein Künstlerfest. Sonntag 2 Vorstellungen, Nachm. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vorschläge zu Werkstatt- Kontrolleuren. 4 Uhr( 1 Kind frei) und Abend 71/2 Uhr. 4. Verschiedenes. Der Circus ist gut geheizt. Fr. Renz, Direktor. Kaufmann's Variété Circus G. Schumann, Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Täglich: Spezialitäten- Vorstellung und Konzert. Nen! Neu! Nen! Ein Stiergefecht in Cadig. Große Ausstattungs- Parodie. Pantomime mit Ballet, ausgef. von den spanischen Clowns Hermandos Beiso und sämmtlichem Theater Personal. { Sonntags 6 Uhr. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree Wochentags 50 Pf. W. Noack's Concert- und Gesellschafts- Säle, Brunnenstrasse No. 16, Täglich: Revue in 2 Abth. von 2. Leipziger. Gr. Theater- u. SpezialitätenAnfang der Vorstellung 7/2, der Revue 914 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Schwant in 3 Att. v. Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Poffe mit Gesang in 1 Aft Vorstellung. Jeden Sonntag und Donnerstag Nach der Borstellung: Lanz- Kränzchen. Avis! Empfehle meine hocheleganten Säle mit elektr. Beleucht. f. Vereine und Brivatfestlichkeiten zu den koulant. Bed. Friedrich- Karl- Ufer, Ecke Karlstrasse. Freitag, den 12. Januar cr., Abends 7/2 Uhr: Große brillante Vorstellung. Hervorzuheben: 13 Hengste in Freiheit dressirt und vorgeführt von Herrn Max Schumann. Luft- Potpourry der Geschw. Lecusson. Mr. Aguimoff, Jongleur zu Pferd. Jeu de bas, ger. von 3 Herren. Entrée Comique des beliebten Klowns Little: Fred. Eugen Lecusson als engl. Jockey. Faust und Gretchen, zus. in Freiheit Mr. Vertrauensmänner- Versammlungen: Süd- West Donnerstag, den 18. Jannar, Abends 812 Uhr, bei Lütke, Boffenrrstraße 10. Moabit Sonntag, den 14. Januar, Vormittags 10 Uhr, in Ahren's Brauerei, Thurmstraße 26. Tages Ordnung: Besprechung über Werkstattverhältnisse und Abgabe der ausgefüllten Fragebogen seitens der Vertrauensmänner. W Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, auch der des Westens, in diesen Versammlungen zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. 431/17 Achtung! Zimmerer! Achtung! Oeffentl. Bezirksversammlung für Nord- Ost dressirt und vorgeführt von Herrn Ad. Sonntag, d. 14. Januar, im Gesellschaftshause, Swinemünderstr. 35. Schumann. Komisches Entree des Original- Klowns William Olschansky. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Naether über: Die Nothwendigkeit der GeFromenade des fleurs, ger. v. Frl. werkschafts- Organisation. 2. Wie stellen sich die Kameraden zu dem Verein Mathilde u. Jeanette Lecusson. Das der Zimmerer Berlins und Umgegend. 3. Verschiedenes und Aufnahme neuer Schulpferd Albert", ger. v. Frl. Adele Mitglieder. Schumann. Zum Schluß der Vorstellung: Cancan vor Gericht. 429/9 Ballet Burleske in 2 Tableaux. 1. Tabl.: Ein Maskenball im Bal mabile. 2. Tabl.: Vor Gericht. Serpentintanz von 4 Damen. Um recht zahlreichen Besuch bittet. Der Einberufer. Paul Dummer, Huffitenstr. 15. Gr. öffentliche Versammlung sämmtlicher Morgen: Große Worſtellung mit Droschkenkutscher u. Arbeiter Berlins u. Umg. neuem Programm. Hochachtungsvoll und ergebenst G. Schumann, Direktor. Zentral- Verband der Brauer ( Zweigverein der Provinz Brandenburg). von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Sonntag, den 14. Jannar, Nachm. präz. 2½ Uhr, bei kene rstein Musik von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 1/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Alcazar. Dresdenerstr. 52/53( City- Passage.) Freitag: Eveline. Tailory. Bellini. Gottlieb's. Die Lotte Siger. Stempel. 3 Backfische. Waschinsky. 15 Entree 15 Pf. B R. Winkler. Victoria- Brauerei, Lützowstraße 111-112. Jeden Freitag und Montag: ( oberer Saal), Alte Jakobftr. 75): Monats- Versammlung. Tagesordnung: am Freitag, den 12. d. M., Abends 9 Uhr, in den ,, Concordia Sälen", Andreasstraße Nr. 64. Tages Ordnung: 1. Beschlußfassung über den Antrag des Kollegen Schütte in der Verſammlung vom 10. d. M. betreffend die Verhängung der Sperre über die in Betracht kommenden Tarameter- Fuhrherren. 2. Distussion. unseren Streit ist, so ist das Erscheinen sämmtlicher Kollegen und Arbeiter in Da der Beschluß dieser Versammlung von weittragender Bedeutung für dieser Versammlung nothwendig. 1. Die Arbeitslosigkeit in unserem Gewerbe und der bestehende Arbeits- 143/6 nachweis. Referent Kollege Lang. 2. Diskussion. 3. Innere Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreichen Besuch bittet. Achtung! Der Vorkand. Achtung! 1189b Freie Vereinigung der Getreideträger und Speicher- Arbeiter. Sonntag, den 14. Januar, Vormittags 11 Uhr, Das Agitations- Komitee der Droschkeukutscher Berlins und Umgegend. J. A.: A. Stiller. Achtung! Maurer Achtung! Berlins und Umgegend. Sonntag, den 14. Januar 1894, Vorm. 10 Uhr: Große öffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Röllig, Neue Friedrichstraße 44: in der ,, Concordia"( oberer Saal), C. Saeger, Andreasstr. No. 64. General- Versammlung Tagesordnung: 1. Rassenbericht. 2. Vereinsangelegenheiten. aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 197/19 Tages Ordnung: 1. Rückblick auf die Bewegung des vergangenen Jahres und Ergreifung Mitglieder werden von Maßregeln behufs Verbesserung der Organisation in diesem Jahre. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Der Vorstand. 445/6 Sämmtliche Maurer werden hiermit eingeladen. Der Vertrauensmann. A. Matull, Rüderst orferstraße 50. Stettiner Achtung Bananschläger! Fr. Vereinigung der Bauarbeiter Berlins. Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Im Vorverkauf 40 Pf. ( siehe Platate). Neu! Große öffentliche General- Versammlung sämmtlicher Bauanschläger am Sonntag, den 14. Januar 1894, Vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Joël, Andreas-Straße Nr. 21. Tagesordnung: " 1. Vortrag über: Zweck und Ziel der Gewerkschafts- Organisation". Berlin's Referent Herr P. Jahn. 2. Distuffion. 3. Verschiedenes. Lieblinge. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, 1121b pünktlich zu erscheinen. Bur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Große Instrumentalszene. Sonntag: Sanssouci. Der Einberufer. Sonntag, den 14. Januar, Vorm. 11 Uhr, im Saale des Genossen Wilke, Andreasstraße 26: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Paetzel über Jefuiten. 2. Diskussion. 3. Wahl eines 2. Schriftführers und eines Zahlstelleninhabers für Ost und Süd- Ost. 4. Abrechnung vom 3. und 4. Quartal 1893 und vom Stiftungsfeste. 5. Vereinsengelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Um regen Besuch bittet. 129/13 Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Der Vorstand. Hierzu zwei Beilagen 1. Beilage Nr. 9. zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 24. Gigung vom 11. Januar 1894, 1 Uhr. Am Bundesrathstische: Freitag, den 12. Januar 1894. der Quantität vermieden werden und Don manchen die Finanzen sogar 11. Jahrg. die Tabakpflanzer gegen die Steuervorlage aufbringen. brotlos und daher rührt gerade die Erbitterung in der Bevölkerung Man behauptete, daß ein ungeheurer Konsumrückgang entstehen gegen diese Vorlage. Man sagt, daß die anderen Staaten viel mehr würde; dadurch würden Arbeiterentlassungen nothwendig werden aus dem Tabak einnehmen. Man darf aber die Einnahmen und damit hatte man die soziale Frage konstruirt. Ich bestreite, nicht so ohne weiteres vergleichen. Man müßte bei uns der daß ein Konsumrückgang eintreten wird. Eine Ver Einnahme aus der Tabaksteuer zurechnen, was die Tabakv. Bötticher, Miquel, theurung der Fünfpfennig- Zigarre um 1 Pfennig würde fabrikanten und-Händler an Einkommen- und Gewerbesteuer v. Riedel, v. Marschall, Graf von Posadowsky. aber durch Verwendung anderer Qualitäten und durch dem Staate außer der Tabaksteuer zahlen. Aus der Tabaksteuer Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung Aenderung tönnen. sollen 45 Millionen Mark mehr erzielt werden; sie werden erkauft der Erklärung betreffend den Abschluß eines Handel3. Man sagt, daß die verbündeten Regierungen selbst einen Konsum- mit der Vernichtung der Eristenz einer großen Anzahl von Unterprovisoriums zwischen dem Reiche und Spanien rücfgang von 12 pet. angenommen haben. Das hat uns fern nehmern, mit der Brotlosigkeit vieler Tausend Arbeiter und mit für die Zeit vom 1. bis 31. Januar d. J. gelegen. Wir mußten möglichst genau schäßen, und das mußten der Unzufriedenheit der gesammten Bevölkerung. Diejenigen, Nach kurzen Ausführungen des Abg. Rickert wird die Er wir, weil wir voraussahen, daß jetzt große Vorräthe an- welche die Sozialpolitik auf Grundlage der kaiserlichen Botschaft flärung fofort in zweiter Berathung genehmigt. gesammelt werden würden. Wir müßten sogar dazu übergehen, von 1881 in die Hand genommen haben, werden doch sehr BeEs folgt die erste Berathung des Entwurfes eines Zabat: die Gewährung von Ueberstunden abzuschlagen, um die weib- denken tragen, einer solchen Vorlage zuzustimmen. Ich kann steuer Gesezes. lichen Arbeiter nicht zu sehr anzustrengen. Wir mußten auch namens meiner politischen Freunde erklären, daß wir dieser Schatzsekretär Graf v. Posadowsky: Bei der Etat darauf rechnen, daß die meisten Raucher sich mit 5 Kilogramm Vorlage, so wie sie liegt, nicht zustimmen können.( Bewegung.) berathung ist der Regierung von der linten Seite gesagt worden, Vorrath, der steuerfrei bleibt, versorgen. Ein Konsumrückgang Die Durchführung des Steuerreformplanes wird darunter leiden, wir sollten erst die Zuckersteuer, die Getreidezölle und die ist nicht zu befürchten, denn sonst hätte ja in jedem Jahre eine aber ich glaube, dieser Steuerreformplan ist überhaupt undurch Petroleumsteuer abschaffen, dann sollten wir mit einem solchen starte Schwankung des Konsums stattfinden müssen angesichts der führbar. Die Weinsteuer hat mit Ausnahme der Steuer auf Gesetze wie das vorliegende wiederkommen. des schwankenden Preise Darin liegt die stark schwankenden ausländischen Labats. Kunst- und Schaumwein feine Spur von Aussicht; dadurch fällt Anerkennung, daß der Tabak ein Genußmittel ist, welches Ich resumire: Der Konsumrückgang wird nicht ein von den geplanten Mehreinnahmen so viel weg, daß von einer gegenüber den übrigen wohl entbehrt werden kann. Die Re- treten, ja ist nicht einmal wahrscheinlich. Wären die Ueberweisung von 40 Millionen an die Einzelstaaten gar nicht gierung hat geprüft, wie sich Nach der Stimmung und nach der ertheilte Rathschlag verbündeten Regierungen davon überzeugt, daß die Ent mehr die Rede sein kann. rechnungsmäßig gestalten würde. Er würde einen Ausfall lassung einer größeren Zahl von Arbeitern die Folge der der Lage, in der wir uns befinden, müssen wir uns beschränken, von 265 Millionen Mark ergeben, um eine Mehreinnahme Vorlage sein würde, so hätten sie dieselbe nicht eingebracht. Mit die Millionen flüssig zu machen, welche die Militärvorlage ervon 45 Millionen Mart aus dem Tabak zu ziehen. Preußen der Steigerung der Agitation ist auch die Zahl der Arbeiter, die fordert, und zwar in einer Weise, welche die größte Schonung müßte, um seinen Antheil im Betrage von 1631/2 Millionen an entlassen werden würden, immer größer geworden; mit 15 000 der Volksmassen verbürgt. Außer der Stener auf Kunst. und dem Ausfall zu decken, seine Einkommensteuer um 132 pet. fing man an, dann nahm man mit der Zunahme der Erhizung Schaumweine wäre vielleicht noch eine energische Zollerhöhung erhöhen. Einen solchen Weg kann also die Reichsregierung den Mund etwas voller, man tam zu 30 000, dann zu 50 000, für Tabatfabrikate herbeizuführen. Mit der Börsensteuer zunicht gehen. Wenn man einem solchen Rathschlag folgte, endlich hat man sich sogar zu 100 000 aufgeschwungen. Ich habe fammen ergiebt das 36 Millionen Mark, und da für die Miliwürde die Tabakindustrie nicht um einen Deut besser zuerst diese Angaben mit einer gewissen Harmlosigkeit aufge- tärvorlage jetzt nur 43 Millionen nothwendig sind, so würden gestellt sein; die Tabatfabrikanten würden neben der Tabak nommen. Deutschland hat 160 000, Frankreich 18 000, Defter die fehlenden 7 Millionen auf die Matrikularbeiträge gelegt Fabrifatsteuer auch noch die hohen Zuschläge zur Einkommen- reich 36 000 Tabatarbeiter. Die letzteren Ziffern machten mich werden, was durchaus angemessen ist( 3uftimmung im Zentrum), steuer zu zahlen haben. Man sagt, die andern Staaten mit ſtubig. Bei uns werden 1480 000 Zentner, in Frankreich namentlich wenn man in Betracht zieht, daß die eigenen Ginhohen Tabatsteuern oder sogar Monopolen hätten viel mehr 721 000, in Desterreich 620 000 3entner Rohtabat verarbeitet. nahmen des Reiches in den nächsten Jahren sich so steigern Schulden als wir. Der Vergleich wäre richtig, wenn Deutsch- Danach würde ein Arbeiter bei uns 9,25 Zentner, in Frankreich werden, daß sie genügen, um die wachsenden Kosten der Militärland ein Einheitsstaat wäre. Wenn wir die Schuldenlast fest- 40, in Desterreich 16 Zentner Tabak verarbeiten. Muß diese vorlage zu decken. Also, meine Herren, lassen Sie sich stellen wollten, müßten wir die Schulden der Einzelstaaten zu- Verschiedenartigkeit der Zahlen nicht Verdacht erregen? Nach nicht bange machen, es wird viel schwarz gemalt und zählen; dann erhalten wir für Deutschland 113/4 Milliarden der Angabe der Tabak- Berufsgenossenschaft sind 107 000 Arbeiter im Landtage wird noch viel schwärzer gemalt werden, In Preußen Schulden, also beinahe so viel wie England, mehr wie Italien vorhanden.( Buruf: Hausindustrte!) Darauf komme ich. Die aber lassen Sie sich nicht bange machen. nd Desterreich, wo die Belastung des Tabaks sehr viel höher Bahl der Arbeitstage bei der Tabakindustrie wird auf 225 liegen verhältnißmäßig günstig. ist, als sie nach der Vorlage werden soll. In Deutschland fällt berechnet; dadurch ist man auf die Zahl von 140 000 Abg. v. Stumm( Rp.): Jeder vernünftige Mensch müßte und da noch 20 000 auf den Kopf der Bevölkerung 14,64 M. an indirekten und Ver- Arbeitern gekommen 20 000 Hausarbeiter fich sagen, daß die Regierung die Tabaksteuer bringen würde brauchssteuern, und damit steht Deutschland auf der untersten hinzugerechnet, kommt man auf die Zahl von 160 000. ja bringen mußte. Als die Regierung Bier und Branntwein Stufe der indirekten Belastung. In der Presse ist darauf In Frankreich und Desterreich sind die Tabatarbeiter nur bei der besteuert wissen wollte, wollte der Reichstag davon nichts wissen. hingewiesen worden, daß die indirekten Steuern fich Tabatindustrie beschäftigt, bei uns aber sind die Tabakarbeiter Natürlich blieb der Tabak übrig. Die Pfeife des armen Mannes feit 1879 um 400 Millionen Mark erhöht haben, daß man nur nebenfächlich mit der Tabakfabrikation beschäftigt; sie sind scheidet hierbei vollkommen aus; denn da die Inlandsteuer aufdeshalb der weiteren Vermehrung Einhalt thun müsse. Es zum Theil auch Landarbeiter und würden, wenn sie beim Tabak gehoben wird, wird der Pfeifentabat billiger werden als bisfind nur 367 Millionen Mark Steigerungen eingetreten, aber diese nicht mehr beschäftigt werden können, andere Beschäftigung her: darüber klagen ja auch die Zigarrenfabrikanten, daß indirekten Steuern werden nicht von den ärmeren Klassen allein finden, zumal die Tabakindustrie hauptsächlich in solchen man teine Zigarren mehr rauchen wird. Das Ergebniß der getragen; es werden davon nicht betroffen diejenigen, welche in Gegenden vorherrscht, wo es an Arbeitern mangelt, wohin die Vorlage ist, daß die ärmsten Leute nicht mehr, sondern weniger Lohn und Brot stehen und diejenigen ländlichen Arbeiter, welche Sachfengänger aus den östlichen Provinzen sich wenden. Wenn Lasten zu tragen haben, daß der Mittelstand etwas mehr und Deputat erhalten. Es sind aber feit 1879 für die arbeitenden diese Arbeiter bei der Landwirthschaft Beschäftigung finden, so die Reichen am meisten von der Tabatsteuer bezahlen müssen. Klassen auch Erleichterungen und Zuwendungen eingeführt worden, wird die Zahl der Sachsengänger vermindert werden,( Buruf bei( Sehr richtig! rechts.) Der Tabakbau ist durch die Gewichtsteuer namentlich durch die sozialpolitische Gesetzgebung, für welche den Sozialdemokraten: Hat der Mann eine Ahnung!) denn ich verdrängt worden; deshalb ist diese Vorlage, welche diese Steuer das Reich erhebliche Opfer bringt, die den arbeitenden Klassen nehme an, daß die Fabrikanten nicht die alten abgängigen Ar- beseitigt, in Elsaß- Lothringen mit Jubel begrüßt worden. In allein zu gute kommen. Die Lebenshaltung unserer Arbeiter hat beiter, sondern zuerst die jüngeren entlassen werden.( Buruf bei Baden allerdings waren die Pflanzer zuerst gegen die Vorlage fich bedeutend gehoben; die Löhne find gestiegen, wie man aus den Sozialdemokraten: Hat der Mann eine Ahnung!) Ich komme eingenommen; ich hoffe, daß sich inzwischen schon ein Umschwung der ganzen Lohnstatistit der Eisenbahnverwaltungen ersehen kann. nun zu den Kontrollbestimmungen. Die Branntwein- und vollzogen haben wird. Ein sehnlicher Wunsch der süddeutschen Die Löhne der Bahnarbeiter sind seit 1881 um 17 pet. gestiegen. Buckerindustrie haben fich diese Kontrollmaßregeln ge- Tabakbauer, daß das Entrippen des Tabaks und das Auslaugen Daß die Löhne der landwirthschaftlichen Arbeiter gestiegen sind, fallen laffen müssen, warum foll der Tabak aus der Rippen steuerfrei geschehen darf, wird durch die Vorlage sein? Die ist eine notorische Thatsache; hierin liegt ja die Ursache des genommen Tabakbauern werden von Der erfüllt. Wenn wir nur wieder dahin kommen, wo wir vor der Rückgangs des Reinertrags der Landwirthschaft. Ein Steigen lästigen Feldkontrolle befreit Be Gewichtsteuer waren, so würden wir 73 000 Pflanzer mit ihren der Löhne ergeben auch die Lohnnachweisungen der gewerblichen schränkungen, denen sie in bezug auf den Anbau unterlagen. Familien mehr haben als jetzt; was besagt dem gegenüber Berufsgenossenschaften. Was will gegenüber der Steigerung der Wenn man zum Konfum billigerer Bigarren übergeht, dann wird die Zahl der Arbeiter, von deren Entlassung man hier Einnahmeverhältnisse eine indirekte Belastung von 72 M. pro das hauptsächlich der Hausindustrie zu gute kommen, welche gesprochen hat. Die Zahl wird jedenfalls nicht 50 000 Kopf besagen. Die ganzen Ausgaben, welche aus dieser Steuer- hauptsächlich die billigeren Zigarren herstellt. Für die Haus betragen. Dagegen kann ich dem Schaßsekretär nicht belastung bestritten werden, dienen meist nur für die Vertheidigung industrie sind die Kontrollbestimmungen besonders leicht festzustimmen, daß gar keine Entlassung stattfinden werde. des Waterlandes und daran haben auch die Arbeiter ein Interesse. gestellt. Von anderer Seite aber sprach man von den Tabak- 1879 handelte es sich um eine Vertheuerung sämmtlicher TabakFrüher sagte man nur, die unteren Klassen sollen nicht belastet fflaven, ja man sagte, die unter Polizeiaufsicht stehenden Personen sorten, während nach der heutigen Vorlage zum Theil gar feine werden; jetzt will man auch den Mittelstand schon nicht mehr ständen besser da als die Tabatfabrikanten. Die Annahme der Wertheuerung einzutreten braucht; deshalb ist ein so starker belasten. Wenn aber nur die wohlhabendsten Klassen belastet Militärvorlage zwang uns mehr Geld zu beschaffen und da die Konsumrückgang wie damals nicht zu befürchten. Die Kontrollen werden sollen, zu welchen Steuerprozenten würden wir dann Biersteuer nicht beliebt wurde, so mußten wir, da direkte Steuern könnten sich die Tabatfabrikanten wohl ebenso gut gefallen tommen? Dann kommen wir zu dem, was uns bei der Börsen- im Reiche nicht durchführbar sind, zu indirekten Steuern greifen lassen, wie die Branntweinbrenner und die Zuckerfabrikanten. steuer immer angedroht wird. Man sagt, wenn wir den Umsatz- und um die schwächeren Schultern zu schonen, mußten wir zur In Amerika sind die Kontrollmaßregeln sehr viel schwerer. Den stempel verdoppeln, werden die Bantiers alle auswandern. Fabrikatsteuer übergehen. Denn die jetzige Steuer liegt viel zu Tabaffabrikanten muß daran liegen, daß sie endlich Ruhe be= Wenn wir durch die direkten Steuern allein die Ausgaben decken nahe beim Produzenten. Der Weinsteuer macht man denselben kommen und die können sie nur bekommen, wenn endlich einmal wollten, so würden uns alle wohlhabenden Leute auswandern. Vorwurf, daß sie dem Winzer zufallen muß. eine reelle Tabatssteuer eingeführt wird. Man sagt, daß man Durch den geschäftsordnungsmäßigen Beschluß des Reichstages Abg. Frigen( 3.): Ich hoffe, daß die Vorlage, wie sie hier zum Pfeifenrauchen übergehen wird. Wäre das ein nationales ist es uns versagt worden, über die Frage der Reichs Finanz- liegt, nicht Gefeß werden wird. Der Schatzsekretär hat viele Unglückt? Pfeife rauchen ist gesünder als Bigarren rauchen. reform vorab zu verhandeln. Die Frage wird gleichsam von hinten Dinge angeführt, auch Schuldenlasten der auswärtigen Staaten Diejenigen, die Pfeife rauchen, haben meist ein gemüthlicheres aufgerollt. Wie sollte eine direkte Reichssteuer eingeführt werden? und des Reichs. Er hat dabei die Schulden der Ginzelstaaten Temperament, als die Zigarrenraucher( Heiterkeit). Aus der Wir müßten eine Reichs Zentralbehörde zur Einschätzung der den Schulden des Reichs zugezählt, aber dabei vergessen, daß großen Vorliebe der sozialdemokratischen Führer für das ZigarrenSteuer haben, welche vielleicht andere Entscheidungen treffen die Einzelstaaten, wie Preußen, Baden, Sachsen u. s. w. Staats- geschäft schließe ich, daß daffelbe ein sehr nußbringendes ſein muß. würde als die Landes- Steuerbehörden. Die Einzelstaaten würden eisenbahnen haben, die in Frankreich und England nicht vor Wenn die Sozialdemokraten den Arbeitern die Steuerlast erdadurch gezwungen werden, ihre eigene Steuergesetzgebung auf- handen sind. Man muß in den Kern der Agitation eindringen, leichtern wollen, so könnten sie den Arbeitern gestatten, fich der zugeben und die Landessteuern in Form von Zuschlägen zur und da ergiebt es sich, daß gegen die Tabaksteuer eine solche Kontrollmarke zu entziehen; denn die Einnahme aus der Reichssteuer zu erheben. Tadurch würden die Einzelstaaten zu Erbitterung herrscht, daß der Reichstag sich hüten sollte, darauf Kontrollmarte ist jedenfalls viel größer, als die Einnahme aus Provinzen des Reiches degradirt.( Sehr richtig! rechts; Buruf einzugehen. Der Reichsschatzsekretär hat bestritten, daß die An der Steuer sein wird. Wenn ein Konjumrückgang eintritt, so links: Das geschieht schon jetzt!) Dadurch würde den Einzel gaben der Interessen über den Konsumrückgang von 1879 richtig würde ich das, abgesehen von der Entlassung der Arbeiter, als staaten das Hoheitsrecht der Steuererhebung genommen und der find; dann hätte er uns in den Motiven doch die richtigen ein nationales Glud ansehen. Ein Vergnügen ist selbst diese Charakter des Bundesstaates für das Reich beseitigt.( Sehr Bahlen geben sollen. Der Tabak ist ein ganz unentbehrliches Steuer nicht, aber wenn eine Steuer nothwendig ist, und eine richtig! rechts.) Genußmittel, ebenso wie der Kaffee( lebhafte Zustimmung), man Nothwendigkeit liegt so dringend vor wie niemals, weil wir die Die Tabakindustrie ist eine sehr weit verbreitete, einflußreiche fann ihn nicht mehr entbehren. Die Vierpfennig- Zigarre wird Militärkosten nicht auf die Matrikularbeiträge nehmen können, so Industrie. Es giebt unter den Tabakfabrikanten Männer, welche in Zukunft mit 5 Pf, bezahlt werden müssen und das ist für ist die Tabat- Fabrikatsteuer die richtige Form für dieselbe. Die fagen: Der Tabat fann mehr tragen. Aber die Disziplin läßt den kleinen Mann ganz gehöriger Preisaufschlag. Sozialdemokraten wollen allerdings eine Reichs- Einkommenes nicht zu, daß auch nur einmal Einer aus der Reihe springt, Die Zigarren bis zu 6 Pf. machen 891/2 pet. des oder Reichs Erbschaftssteuer einführen. Aber dadurch würden und die Tabakindustrie hat eine wohlgefüllte Kriegskaffe. Aber ganzen Konsums aus; die Tabaksteuer muß also wesent wir alles mobile Kapital aus dem Lande hinaustreiben. Herr davor fürchten wir uns nicht am Tische des Bundesrathes. Ge- lich auf die mittleren und unteren Klassen zurückfallen. Richter will die Liebesgabe aufheben. Wie fönnen Sie von der wiffe Dinge der Agitation müssen aber niedriger gehängt wer- Die Angabe der Interessenten, daß in der Tabakbranche Regierung, welche zugesichert, daß die Landwirthschaft nicht den. Eine Broschüre meint, die schweren Kontrollmaßregeln 150 000 Arbeiter beschäftigt find, dürfte nicht zu niedrig gegriffen belastet soll, einen solchen Wortbruch würden zur Vermehrung der Defraudation dienen; Gelegenheit sein, wenn in den Fabriken, d. h. in den Tabatsbetrieben mit warten, daß sie die Landwirthschaft durch die Aufmacht Diebe!( Sehr richtig! auf allen Seiten.) Es kommt noch mehr als 10 Arbeitern, schon 107 000 Personen beschäftigt sind. hebung der Liebesgabe ruinirt.( Bustimmung rechts.) beffer. Die Deutsche Tabat- Zeitung" schreibt: Da Eigenthum Wenn der Staatssekretär den Industriellen Uebertreibungen vor- Unsere direkten Steuern find ziemlich hoch; es ist nachgewiesen, Diebstahl ist, so nehmen wir Euer Eigenthum. Es ist beschämend, geworfen hat, so scheint er selbst bezüglich der Zahl der Arbeiter daß wir bei den großen Einkommen die höchsten Steuern unter daß niemand den Muth gehabt, diese unangemessene Agitation in den entgegengesetzten Fehler verfallen zu sein. Daß 1879 ein allen Staaten Europas haben. Ich glaube, daß die Vorlage öffentlich zu brandmarken. Es entspricht dem Gerechtigkeits- Rückgang des Konsums stattgefunden hat, ist durch die Statistit alles das erfüllt, was der Reichskanzler versprochen hat. gefühl des deutschen Volkes, daß ein solches Genußmittel höher festgestellt und ergiebt sich namentlich, wenn man nicht einzelne Abg. Baffermann( natl.): Ein Theil meiner Freunde ist besteuert wird. Der Tabat ist ein Genußmittel, entbehrlicher Jahre, sondern größere Beitabschnitte mit einander vergleicht, für die Vorlage, ein anderer Theil aber ist anderer Meinung. als andere Genußmittel, die viel höher belastet sind, zum wobei die Mehreinfuhr des einen oder anderen Jahres aus Sie sehen in derselben fein Steuerideal, sondern eine Schädigung Beispiel Salz mit 300 und Zucker mit 60 pCt. des Werthes. geglichen wird. Wenn nach der Vorlage der Zigarren- der Industrie. Wir kommen zur Ablehnung aus allgemeinen Die jetzt bestehende Gewichtssteuer drückt auch den billigsten konsum um 1/6, der Rauchtabakverbrauch um 1/12 zurückgeht, politischen Gründen und auch sehr sachlichen Gründen, welche Tabat, den inländischen Tabat am allermeisten; die Kontrolle so muß daraus die Entlassung einer größeren Anzahl von Ar- auf dem Gebiet der Tabakindustrie selbst liegen. Ich bin überlastet hauptsächlich auf der Inlandsproduktion, so daß es un beitern folgen und zwar mindestens um 20 000 Köpfe. Es wird zeugt, wenn wir uns über die Deckungsfrage so ausgesprochen möglich sein würde, bei dem jetzigen Steuersystem eine erhöhte aber auch eine Verschiebung in den Arbeitsverhältnissen eintreten. hätten, wie es geschehen ist, so würde die ZusammenEinnahme zu erzielen, weil der Tabakbauer die erhöhte Steuer Die großen Betriebe tönnen die Kontrollen aushalten; die kleinen sehung des Reichstags vielleicht eine andere geworden gar nicht auslegen könnte. Die Materialsteuer kann nur in der Betriebe nicht, sie werden eingehen. Ferner wird der Fabrikant, sein( Sehr richtig!), welche die Annahme der MilitärHöhe erhoben werden, daß das minderwerthigste Material sie um den Werth der Fattura herabzudrücken, manche Arbeit dem vorlage nicht geführt hätte. Mein Fraktionsgenosse Osann hat fragen kann. Will man mehr Einnahmen erzielen, dann muß Händler überlassen, z. B. das Sortiren und Verpacken der Bigarren. Schon früher den Standpunkt dargelegt, welchen ich auch man den Schritt von der Material zur Verbrauchssteuer thun, Man wird auch von schönen kostspieligen Aufmachungen der einnehme. Wir hätten gern die Einführung von Luxuswie man das gethan hat bei der Zuckersteuer und bei der Brannt Bigarren absehen und die Hilfsgewerbe der Tabakindustrie: Die steuern gesehen( Sehr richtig! bei den Antisemiten), und wenn weinsteuer. Redner giebt eine Uebersicht über die Schwankungen Etiquettendruckerei, die Zigarrentisten- Fabrikation 2c. werden er- diese auch nur 10-15 Millionen ergeben hätten, so wäre doch des inländischen Tabakbaues und der Preise des inländischen heblich benachtheiligt werden. Die schlechten wirthschaftlichen der moralische Effekt nicht zu unterschäßen gewesen. Auch eine Tabats und weist darauf hin, daß die Tabatinteressenten den Verhältnisse haben schon dahin geführt, daß z. B. die Hand- Wehrsteuer halten wir für möglich, nicht nur als Kopfftener, Tabakbauern einreden wollen, daß sie in Zukunft den drei- weber kaum genügende Beschäftigung haben. Durch Fürsorge sondern auch als Zuschlag zur Einkommensteuer unter Schonung fachen Steuersatz zahlen müßten, trotzdem doch die Inland- von Vereinen u. s. w. ist es möglich geworden, diesen Leuten die der schwächeren Existenzen. Die Reichs, Einkommensteuer und fleuer vollständig beseitigt wird. Man wollte dadurch Zigarrenfabrikation zugängig zu machen. Diese Leute waren zuerst Reichs- Erbschaftssteuer kann ich ebenfalls nur empfehlen; ſie " = ein werden er wird kommen und muß kommen, denn die Frage der Vermehrung der Konsumsteuern wird immer schwieriger werden. ( Sehr richtig! links.) Wir haben die Verquickung der Deckungs. frage mit der Finanzreform bedauert; ich spreche natürlich nur für einen Theil meiner Freunde. Der Staatssekretär hat sich gegen die Agitation der Tabatinteressenten gewendet. Ich kann Diese Agitation begreifen, wenn sie auch in vielen Punkten das Maß des Erlaubten überschritten hat. Allein wenn man sieht, wieviel Hunderttausende in der Tabakindustrie ihren Unterhalt finden, dann wird man bei der fortwährenden Beunruhigung gerade diefer Industrie es begreifen, daß sie sich ihrer Haut wehrt. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß in der indirekten Besteuerung eine Belastung der großen Massen liegt; der Raucher muß seine Ausgaben erhöhen oder seinen Konsum einschränken. Der Tabak fann mehr bluten, ist ein richtiger Sag, der aber bedenklich wird, wenn die Industrie und die Arbeiter darunter zu leiden anfangen infolge des Konsumrückganges. Daß ein solcher eintreten würde, bestritt der Schatsekretär, troßdem die Regierung selbst in der Vorlage darauf rechnet. Eine bestimmte Schäßung des Konsums wird sich schwer aufstellen laffen, weil dabei die wirthschaftlichen Verhältnisse mitspielen. Ständen die Löhne hoch, so würde der Konsumrückgang nicht so bemerklich sein, wie jezt bei niedrigen Löhnen. 1879 ist ein Konsumrüdgang eingetreten; er wird diesmal sehr viel stärker sein, weil die Steuererhöhung eine stärkere ist als damals. Besonders bedauerlich wird es sein, daß die fleineren Betriebe geschädigt werden, die sich gerade in der Tabatindustrie erhalten haben, weil dieselbe teine kostspieligen Maschinen 2c. erfordert. Dazu kommt, daß die Tabatindustrie nicht so sehr wie andere Industrien nach den großen Städten sich gezogen hat und daß in diesem Erwerbszweige man leichter zur Selbständigkeit fommt als in anderen. Welcher Prozentsatz von Arbeitern entlassen werden wird, kann man schwer ermitteln; aber auch schon die Entlassung von 1000 Arbeitern würde bedenklich genug sein. Daß das alles jugendliche Arbeiter sind, davon kann gar feine Rede sein. Im Gegentheil, die Fabrikanten werden gemüßigt sein, sich die theuersten Arbeitskräfte abzuwälzen. Der Schah sekretär meint, davon werde sie ihre Humanität abhalten( Lachen links), aber die Humanität hat da ihre Grenzen, wo das Geschäft anfängt. In vielen Gegenden meiner Heimath, wo der landwirthschaftliche Betrieb noch mit dem Fabritbetriebe verbunden ist, gab es bisher keine Sozialdemofraten. Die Sozialdemokraten haben sich dieser Frage der Tabaksteuer bemächtigt, und wir haben das Ergebnis, daß sich jetzt in folchen Gegenden schon sozialdemokratische Stimmen bemerkbar machen. Auf die Tabakpflanzer müssen wir alle mögliche Rücksicht nehmen. Auch die Kontrollmaßregeln werden nicht geeignet sein, die Zufriedenheit der Tabakbauer zu erhöhen. Heute werden einige Erleichterungen gestattet, aber bei unserem bureaukratischen Wesen wird es bald dahin kommen, daß nach den ersten Defraudationen die Kontrollmaßregeln verschärft werden.( Sehr richtig! links.) Ich sehe also voraus, daß die Unzufriedenheit, welche im Erwerbsleben seit dem Rücktritt des Fürsten Bismard eingetreten ist, wachsen wird, auch in den Kreisen der Arbeiter. Ich stehe nicht auf dem Standpunkt, daß jede Mehrbelastung des Tabats abzulehnen ist, aber diefes uncrhörte Eindringen in taufende von Betrieben fann ich nicht billigen; ich muß die Vorlage, so wie sie vorliegt, ablehnen. Wir sind bereit, Mehreinnahmen zu beschaffen durch Erhöhung des Zolles auf den ausländischen Tabat, was teine Schädigung der Industrie herbeiführen wird. Der Staatssekretär des Reichsschayamts deutete bei der Etatberathung an, daß man bei Durchführung der Reichssteuer- Reform beim Mehrbedarf des Reiches sich werde umjehen müssen, welcher Erwerbszweig herangezogen werden soll. Das wird in erster Linie wahrscheinlich immer die Tabakindustrie sein.( Buruf: Monopol!) Wir sind aber nicht der Meinung, daß das Monopol ein Eegen für das Deutsche Reich ist. ( Beifall links.) Um 6 Nhr wird die weitere Berathung bis Freitag 1 Uhr Jnteressen besser gewahrt würden, als es beim Eingehen auf das Projekt B der Fall sein würde. anwohne und diese Thatsache doch auffällig sei; derselbe müſſe Gelegenheit haben, sich über die aufgeworfene technische Frage Die schließliche auffallende Erklärung der Magistratsvertreter, zu äußern. daß der von der Berliner Pferdebahn- Gesellschaft für die Ueber- Oberbürgermeister 3elle: In der Presse wie in der Verführung der Pferdebahn über die Linden in Aussicht gestellte sammlung ist schon mehrfach der Versuch gemacht worden, den Beitrag von 1 Million Mart auf die Kosten in Anrechnung ge- Magistratskörper auseinander zu reißen, indem man ein Glied bracht werden müsse, ist im Ausschusse einfach zur Kenntniß desselben gegen das andere ausspielt. Das ist ein unerträglicher genommen worden, und es wird folgende Beschlußfassung vor- Bustand und ich bitte Sie, diese eigenthümliche Art der Zergeschlagen: stückelung des von Ihnen gewählten Magistrats nicht mehr fortDie Versammlung erklärt sich grundsäßlich mit der zusehen. Fragen des Hochbau's, wenn sie plöglich aufgeworfen Durchführung des Projektes B einverstanden, ermächtigt werden, fann Herr Hobrecht ebenso gut beantworten, wie Herr den Magistrat zu den erforderlichen weiteren Berhand- Blankenstein. lungen dieserhalb und sieht einer Vorlage über den Erwerb der dabei in Frage kommenden Grundstücke und Rechte, sowie über die Deckung der Kosten entgegen. Referent des Ausschusses ist der Stadtv. Jacobi. Bom Stadtv. Schwalbe wird beantragt, die Vorlage an den Ausschuß zurückzuverweisen. Ein Antrag Wohlgemuth will die Genehmigung aussprechen unter der Bedingung, daß auf dem Schloßplatze eine Baufluchtlinie in der Verlängerung des Brückengeländers hergestellt und der Vorsprung bei der Breitenstraße beseitigt wird; es würden dadurch nur 5 Meter von den Häusern am Schloßplab abgeschnitten werden. Stadtv. Singer beantragt, für den Fall der Annahme des Ausschußantrags zwischen die Worte„ einverstanden- ermächtigt" folgenden Sah einzuschalten: unter der Bedingung, daß der berzeitige Besizer des Marstallgebäudes in der Breitenstraße, für den Fall einer Veräußerung oder anderweiten Verwendung desselben diejenige Summe, welche zur Freilegung des Marstallgebäudes, für den Erwerb der am Schloßplate belegen en Häuser gezahlt wird, der Stadtgemeinde Berlin zurückerstattet und daß der Häuservorsprung auf der Nordseite der Königstraße von Burgstraße bis Heilige Geiststraße beseitigt wird." Etadtv. Singer( zur Geschäftsordnung): Es ist die Zurück verweisung an den Ausschuß beantragt. Ich möchte anheimstellen, nach der Begründung dieses Antrages und seiner Disfussion die Entscheidung darüber herbeizuführen, ob die Versamms lung die Zurückweisung will oder nicht. Es könnte dadurch viel Zeit erspart werden. Vorsteher Langerhans hält sich nicht für berechtigt, vor dem Schluß der Debatte über diesen Antrag die Abstimmung herbeizuführen. Derselben Ansicht ist Stadtv. Meyer II. Stadtv. Singer stüßt sich auf§ 14 der Geschäftsordnung, welcher besagt, daß die Versammlung eine Vorlage in jedem Stadium der zweiten Berathung an einen Ausschuß zu verweisen berechtigt ist. Stadtv. Meyer II ist gegen die Bertagung. Technische Fragen können in jedem fünftigen Stadium aufgeworfen werden und der Vertagungen wäre dann kein Ende. Nachdem die Sache ein Jahr lang schwebe, sei man wohl vor dem Verdacht sicher, heute in der Beschlußfassung vorschnell zu sein. Die Vertagung wird abgelehnt. Stadtrath Me ubrint hält die vom Magistrat aufgestellten Tagen für die Enteignung für zutreffend und speziell sich selbst zur Aufstellung einer richtigen Tage für befähigt. Nach den Offerten der Eigenthümer sei außerdem an einen freihändigen Erwerb der Häufer am Schloßplatz nicht zu denken. Enteignung werde also eintreten müssen. Die Enteignung würde aber garnicht zugestanden werden, wenn die Stadt die enteigneten Gebäude nur theilweise zur Plagerweiterung benußen wollte; enteignen Sie aber nur die 5 Meter, so könne niemand die Eigenthümer zwingen, die Restflächen der Stadt zu verkaufen. Stadtv. Spinola erklärt sich gegen alle drei Anträge. Die Zurückverweisung an den Ausschuß sei zwecklos, der Antrag Singer unannehmbar, da man hier doch feinen Vertrag mit der Krone schließe, sondern die Häuser am Echloßplate im im öffentlichen Interesse beseitigen wolle. Dasselbe gelte vou Antrag Wohlgemuth und von dem neuen Projekt des Herrn Selle. Bei dieser großen Sache tomme es ihm auf eine Million mehr oder weniger nicht an. ( Unruhe und Widerspruch.) Es geht ein Schlußantrag ein. Stadtv. Singer beantragt über diesen Schlußantrag namentliche Abstimmung. Der Antrag Einger findet die geschäftsordnungsmäßige Unterſtügung. Der Schlußantrag wird mit 87 gegen 32 Stimmen abgelehnt. von Stadtv. Vogtherr: Es tommt bei unserer heutigen Abſtimmung nicht blos auf eine prinzipielle Entscheidung an. Theilt die Versammlung diesen Standpunkt, dann hätten wir die Vorlage schon vor Monaten annehmen können, dann brauchten wir Vorsteher angerhans meint, der Antrag auf Zurück- teinen Ausschuß einzusetzen und gewisse Ausschüsse zu verlangen, verweisung fönne zwar in jedem Stadium der Berathung ge- welche wir jetzt, wenn auch nicht ganz hinlänglich, erhalten haben. stellt werden, aber die Abstimmung habe erst nach Schluß der Der unbefangene Leser des Ausschußberichtes muß auf den Gedanken Berathung stattzufinden; er werde infolge dieser seiner Auf- tommen, daß die Ausführung des Projekts B für die Stadt in fassung auch über den Antrag Singer nicht abstimmen lassen. der That das Billigere und Vortheilhaftere wäre. Die Kosten Stadtv. Selle: Gegen den von der Mehrheit der Ver- des Projekts auf der Nordseite werden einfach auf 1800 000, die sammlung am 5. Oftober festgelegten Standpunkt ist in der auf der Südseite auf 1340 000. beziffert, diese Bahlen mögen neuen Vorlage Stichhaltiges nicht angeführt worden. Man be- zutreffen, wenn man sie für sich betrachtet, aber die Südseite zu fürchtet jetzt, die Verbreiterung auf der Nordseite sei kostspieliger verb reitern ist ja doch ohne die Niederreißung der Häuser am und verhindere die Durchführung der Pferdebahn. Durch Ver- Echloßplate undenkbar, und außerdem muß der Zwangs. breiterung auf der Nordseite, wie ich sie im Ausschuß näher anfauf der sogenannten alten Post" erfolgen. Wir wissen bei detaillirt habe, wird aber ebenfalls ein Fahrdamm von 10 Metern dem letzten Gebäude überhaupt nicht, was wir damit anfangen gegeben, der die Anlage einer Pferdebahn ermöglicht wollen, und vor allem nicht, ob wir gut oder schlecht faufen und in der Nähe der Burgstraße breiter sein würde werden. Es steht nur fest, daß wir ein Grundstück für als die Straße nach der Verbreiterung auf der Südseite, 3/2 Millionen kaufen sollen, aber weiter nichts. Sonst fragen nämlich 18 statt 17 Meter, dagegen freilich vor dem Gebäude der wir auch bei den fleinsten Anläufen sehr genau nach dem Ober- Postdirektion nur 16 Weter. Aber der Bürgersteig in Verwendungszwecke; hier soll das auffallenderweise nicht ge= Breite von 3 Metern an dieser Stelle würde völlig dem Verkehr schehen. Zu dem Preise von 1300 m. pro Quadratmeter der genügen. Eine Koutrekurve der Pferdebahn ist ja nicht schön; Häuser von Königstraße 5 bis zur Spandauerstraße kommt der aber an dieser allein braucht man sich doch gewiß nicht zu Magistrat dadurch, daß er die gütigst angebotene Spende von stoßen, wenn man dadurch 1 800 000 m. für Sie Häuser am 100 000 M. einfach von dem von Herrn Israel normirten Schloßplate ersparen kann. Auch braucht die Pferde- Preise Don 2000 m. abzieht; mit dem Preise bahn ja durchaus nicht zweigeleißig durch die ganze Strecke 1300 M. bei Herrn Israel sehr gelegt zu werden. Eventuell würde ferner der Schloß- schlecht ankommen, weil er doch nur für den Fall die brunnen ein wenig weiter nach Norden verschoben werden 100 000 m. spendiren will, daß der Quadratmeter mit 2000 m. müssen. Die Verbreiterung auf der Nordseite erfordert nach bezahlt wird. Wie fann die Stadt aber überhaupt ein solches meinen Vorschlägen nur 450 Quadratmeter. Die Südseide Geschenk annehmen wollen? Ein reicher Adjazent giebt einen wird erfordert 678 Quadratmeter oder 228 Quadratmeter mehr. Beitrag zur Ausführung irgend eines Projekts; Darüber hinaus bliebe doch aber auch die vorspringende Ecke an das zur Praxis, dann werden bald nur dort Straßender König und Heiligegeiststraße bestehen. Der Magistrat hat verbreiterungen vorgenommen werden, wo reiche Adjazenten bekanntlich nicht die Absicht, an dieser Stelle etwas zu ändern, wenn sein Projekt B angenommen wird. Aber unzweifelhaft wird, wenn erst die Eüdseite verbreitert ist, die Bürgerschaft die Beseitigung dieser unschönen vorspringenden Ecke ungestüm fordern. Dann wäre aber die neue Kurfürstenbrücke plöglich um rund 2 Meter zu schmal. Die Berechnung der wahrschein lichen Kosten der Enteignung, wie sie der Ausschuß beliebt hat, fann auf Zuverlässigkeit keinen Anspruch machen. Die zutreffende Bewerthung der baulich ausgezeichnet zu verwendenden Grundstücke am Schloßplate wird hinter 2 400 000 m. nicht zurückbleiben. Die Abtheilungen haben sich konstituirt und die Wahl des Die alte Post" kostet ebenfalls einige Hunderttausende mehr, Ausschusses zur Vorbereitung der Neuwahl der ständigen Aus- am meisten aber wird der Kostenpunkt für die Häuser von der schüsse und zur Abordnung der Mitglieder in die Kuratorien Alten Post" bis zur Königstraße den Anschlag überschreiten. und die gemischten Deputationen, sowie die Wahl des Pflaster- Mehmen Sie deshalb, wenn Sie durchaus die Südseite verbreitern ausschusses vorgenommen. In letzteren ist auch der Stadtv. wollen, wenigstens den Antrag Wohlgemuth an, lehnen Sie aber Borgmann gewählt; dem ersteren gehören Stadtvv. Singer in erster Linie die Magistratsvorlage ab. und Vogtherr an. vertagt. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. Deffentliche Sihung vom Donnerstag, 11. Januar, Nachmittag 3 5 Uhr. Zu Beginn der Sitzung werden der zum befoldeten Stadtrath gewählte und als solcher bestätigte bisherige Stadtv. Nam 31 au, sowie die wiedergewählten Stadtv. Dr. Hermes, Vogtherr und Wallach( von denen Stadtv. Bogtherr wegen Erkrankung an der Einführung in der vorigen Sitzung am 4. Januar nicht theilnehmen konnte) durch den Oberbürgermeister Belle ein geführt und verpflichtet. V werden wir aber vorhanden sind und die Berücksichtigung der ärmeren Gegenden wird in demselben Maße rückwärts gehen. Das Pferdebahn. Projekt anlangend, ist uns wiederum offen gesagt worden in dem Husschußbericht, daß die Polizei die Genehmigung zur Durchlegung nur giebt für den Fall der Verbreiterung auf der Südseite. Die Polizei macht also die Konzession nicht von einer be= stimmten Straßenbreite abhängig, sondern sie stellt sich auf den eigensinnigen Standpunkt der Staatsbehörden: So will ich's, fo befehl ich's! Auf diesen Standpunkt hat sich eine Stadtverordneten- Versammlung nicht zu stellen; wenn wir besser halten, in Erwägung der städtischen Interessen, dieſem Willen ein Nein! entgegenzusetzen, dann ist unser Wille der maßgebende( Lebhafte Zustimmung). Die PferdebahnGesellschaft läßt uns jetzt mittheilen, daß sie für die Durchlegung der Pferdebahn durch die Königstraße allein feinen Zuschuß geben wird. Daran tennen wir die Pferdebahn Gesellschaft Baurath Hobre cht bestreitet, daß der Selle'sche Borschlag wieder, wie wir sie schon lange fennen: sie fragt den Rutut nach Vor der Tagesordnung erklärt Stadtv. Sentig, daß er weniger Terrain erfordere, und behauptet wiederum, daß für die den Staatsbehörden, fie fragt nur nach ihrem Geldbeutel! Der feine Behauptung in voriger Sigung, der 81. Stadtbezirk fei Verbreiterung auf der Nordseite eine Pferdebahn Konzession Hinweis auf die Million zeigt aber, daß die beiden Vorlagen, 1898 bei der Wahl anders als 1883 zufammengesetzt gewesen, weder für eine zwei-, noch für eine eingeleifige Linie gewährt betreffend die Pferdebahn über die Linden und die Niedernach genauestem Studium des amtlichen Materials und der werden würde. Die Versammlung müsse das Südprojekt an reißung der Häuser am Schloßplatz in noch viel engerem Bestandtheile des Bezirkes selbst nicht aufrecht erhalten könne. nehmen, damit endlich im Interesse des Verkehrs die Brücke und Zusammenhange standen, als man zuerst zugeben wollte. In Er bedauert, getäuscht worden zu sein und bittet die Versamm: die Pferdebahn zu stande kämen. dem ganzen großen Projekt kommt es nicht auf die Pferdebahn, lung und die betheiligten Beamten um Entschuldigung.( Bravo!) Stadtv. Schwalbe tritt furz für seinen Antrag auf Zurück- nicht auf die Verbreiterung der Königstre.se, sondern lediglich Die vom Magiftrat bekanntlich zum zweiten Male ein verweisung an den Ausschuß ein. Man müsse die neuen Vor- auf die Beseitigung der Häuser am Schloßplate an. Es handelt gebrachte Vorlage betr. die Verbreiterung der König- schläge auf ihre finanzielle Tragweite prüfen und es könne auf sich für die Krone lediglich darum, den Schloßplaß zu vergrößern, die straße auf der Südseite und die Beseitigung der einen Aufschub von acht Tagen nicht ankommen. Marstallfaçade anzubringen und so einen Lieblingswunsch erfüllen zu Häuser am Schloßplay 7-16 ist von dem niedergesetzten Stadtv. Wohlgemuth beharrt gegenüber dem Stadt- Bau- laffen, für den wir der Krone gerade gut genug sind.( Vorsteher Ausschusse diesmal mit 11 gegen 4 Stimmen zur Annahme rath dabei, daß der Eelle'sche Vorschlag weniger Terrain er Langerhans hält diese Redeweise nicht für ganz angebracht.) empfohlen worden. Die Magistratsvertreter haben dem Ausschusse fordert als das Magistratsprojekt B. Ueber den Kostenpunkt Jch will mir Mühe geben, soweit mir das möglich ist, dem Vordetaillirte Berechnungen vorgelegt, wonach die Enteignung der der Enteignung der Häuser am Schloßplay, sowie über die Ersteher zu folgen.( Heiterfeit.) Das Brückenbauprojekt hat mit der Häuser am Schloßplate eine Kostensumme von nicht über werbung der erforderlichen Fläche in der Königstraße hat Sache ebenfalls nichts zu thun, es war längst für uns eine I 800 000 M., die Verbreiterung der Königstraße auf dem Grund- Redner als Sachverständiger Tagen aufgestellt. Sie gehen abgethane Sache, gerade wie die Verbreiterung der Königstraße stück der Alten Post" höchstens 1 Million Mart, die Ver- bezüglich des Schloßplates über diejenige des Magistrats auf der Nordseite nach dem seinerzeit festgelegten Ausspruch des breiterung zwischen Boft- und Spandauerstraße in maximo 470 000 ganz beträchtlich hinaus. Auffallend sei ferner, daß über den Herrn Hobrecht. Zur Begründung des Amendements Singer Mark erfordern wird. Die Gesammtkosten würden sich hiernach auf Umbau der Alten Post" ein Gutachten des Stadtbauraths für erinnere ich daran, daß gewisse Hausbesizer sich ja gern Ver3 bis allerhöchftens 3/2 Milonen belaufen. Dieser Maximalbetrag ist Hochbau fehlt, daß man dem Ausschuß nur den Anschlag einer schönerungen ihrer Grundstücke durch Verbesserung von deren von der Mehrheit des Ausschusses diesmal als tein so hoher er privaten Baufirma für diesen Umbau vorgelegt hat. Es ist für Umgebung gefallen lassen, aber niemals mit dabei sind, wenn achtet worden, daß die Stadt sich seinetwegen von der Durch die Stadtverordneten- Versammlung überhaupt unerträglich, ein es darauf ankommt, die Kosten tragen zu helfen. Ein solcher führung des geplanten Unternehmens abschrecken laffen dürfe, Bauprojekt zu genehmigen, das sie nicht revidirt hat. Die Berechnung Hausbesitzer ist die Krone auch. Es wird zwar geruht, bie zumal derfelbe, da der Umbau der Kurfürstenbrücke wenigstens der Kosten für die Verbreiterung zwischen Post- und Spandauer: Kosten für die Façade aus höchsteigenem Säckel zu bezahlen, 2 Jahre in Anspruch nehme, sich auf mehrere Jahre vertheile. Nach der Straße unter Abzug der vom Kommerzienrath Israel angebotenen aber weiter soll nichts geschehen. Die Beseitigung der Häuſer Anschauung der Mehrheit besteht über die Nothwendigkeit der Schenkung von 100 000 m. ist doch rein mechanisch und ganz am Schloßplate ist nicht geboten durch Verkehrs, GesundheitsVerbreiterung der Königstraße allseitiges Einverständniß; mit der unzulässig. Diese Straßenstrecke zu verbreitern wird nicht unter oder Schön heitsinteressen, auch nicht durch die Rücksicht Verbreiterung auf der Nordseite, der die Versammlung bisher einer halben Million, sondern über eine Million kosten. Im auf die Pferdebahn. Den Antrag Singer empfehle ich den Vorzug gegeben, würden aber diejenigen Vortheile ganzen fommen wir auf allermindestens 5 Millionen. Wenn man also dringend zur Annahme. Es ist das einzige Aequivalent, für den Verkehr und für eine den fästhetischen Anforderungen die Sache jetzt wieder mit der Pferdebahn über die was Sie für den unglückseligen Fall der Annahme der entsprechende Ausgestaltung des Straßenzuges nicht erreicht, Linden verquickt, so sei man doch offen und sage: Wir Vorlage den Bürgern Berlins bieten tönnen. Die Stadt welche der Mehrheit erstrebenswerth erscheinen; vor allem aber bekommen die Pferdebahn über die Linden nicht, wenn Berlin hat sich immer und Alles vom Fistus gefallen lassen, erlange man die unerläßliche Pferdebahn- Verbindung Rathhaus- wir nicht die Häuser am Schloßplate abreißen!( Sehr hat selten Gelegenheit und noch seltener den Muth, dem Fistus, Schloßplay- Werderscher Martt nur durch die Verbreiterung auf gut! und vielfache Zustimmung.) Mit anderen Worten: wir den Behörden die Stirne zu zeigen. Hier ist eine Gelegenheit dazu, der Südseite. Nach einer Berechnung des Magistrats würde haben 2 Millionen dafür zu zahlen, daß wir die Pferdebahn über weil wir in unserem guten Rechte sind. Der große schöne Schloßplay auch für die Verbreiterung auf der Nordseite ein Betrag von die Linden bekommen!( Sehr wahr!) Wenn man blos 5 Meter soll auf unsere Kosten mit aller Gewalt verschönert werden, hier 1800 000 M. Roften erwachsen, während die Südanlage nur abschneide, werde die Stadt allerdings die Grundstücke kaufen werden die Verkehrsintereffen ausgespielt. Wenn aber einmal 1340 000. erfordert. müssen, aber sie habe dann sehr werthvolle Grundstücke von unsere Plätze erst frei gelegt sind, dann sind sie sehr gut dazu Die Minorität beharrte auf ihrem ablehnenden Standpunkt; 10 Meter Tiefe zur Verwerthung. Alle Interessen, die außerhalb zu gebrauchen, Kirchen darauf zu erbauen.( Beifall bei den Sozialsie bestritt, daß sich in der Sachlage seit dem legten Beschluß der Kreise der Bürgerschaft mit dieser Frage verknüpft seien, demokraten.) der Versammlung irgend etwas geändert habe, bemängelte gingen die Versammlung nichts an und diese sollte sich in Stadtbaurath Hobrecht: Herr Vogtherr ist im Frrthum, Die Roftenberechnung des Magistrats, der sie eine anderweite so schlechten Zeiten wie die jetzigen besonders hüten, so große wenn er meint, die ganze Sache habe ihren Schwerpunkt im Schloßplay. entgegenstellte, wonach mindestens 6 Millionen an Koften erwachsen Summen für angebliche Verschönerung der Stadt auszugeben. Ein kurzes Nein! den Behörden gegenüber zu das Stadtv. Friedemann beantragt die Vertagung der Be- sagen, werden, und hielt nach wie vor an der Meinung fest, daß bei muß sehr überlegt werden. Es ist nicht aus der Verbreiterung auf der Nordfeite( Projekt A) die städtischen rathung, weil der Stadtbaurath für Hochbau der Sihung nicht Muthwillen oder Opposition dieses Mein richtig, »u sagen, sondern nur dann, wenn glaubt, zu etwas Nach- lheiligem, Schädlichem gezwungen werden zu sollen. Wir halten aber dafür, daß das Projekt der Stadt Vortheile bringt. Ein «anz gewöhnliches Bauprojekt durchzusetzen, dazu bin ich that- sächlich auch im stände; ich kann versichern, daß ein sehr be- deutender Theil des Gebäudes der„Alten Post" erhalten werden kann. Was darüber in einem Artikel des„Tageblatts" gesagt ist, trifft nicht zu. Eine Maske vor den Marstall legen, die Krone zu den Kosten des Unternehmens heranzuziehen, solche Forde- rungen haben keine Aussicht auf Erfüllung, wenn wir gleich- zeitig von der Ausführung der Projekts den höchsten Nutzen für die Stadt erwarten.(Zuruf: Aber wir nicht!) Niemand glaubt ernstlich, daß der Marstall etwa zu mehrstöckigen Gebäuden parzcllirt werden wird.(Zuruf: Doch!) Lehnen Sie die Zurück- Verweisung ab: Haben Sie Gnade mit sich und mit uns!(Große Heiterkeit.) Stadtv. Sachs II erklärt, für die Vorlage zu stimmen und dabei nur von Motiven, die in der Sache selbst liegen, geleitet zu werden. Er sei ebenso unabhängig, wie Herr Vogtherr, aber er besitze außerdem noch denBürgersinn, der jenem abgehe. Alle Red- ner mit Ausnahme des Stadtv. Aogtherr hätten die Angelegenheit fach- lich erörtert. Die frühere Voraussetzung, daß die Kosten zu hoch seien, daß man auch für die Nordseite vielleicht die Pferdebahn erhallen würde, seien ins Wanken gekommen, deshalb muffe man jetzt das Projekt B annehmen. Dieienigen, die so viel über Arbeitslosigkeit jammern, sollten doch hier zugreifen, wo eine so schöne Arbeitsgelegenheit sich darbietet.(Beifall und Widerspruch.) Stadtv. Singer: Wenn der Stadtbaurath meint, wir möch- ten Gnade haben mit uns und dem Magistrat, so hat der letztere diese Gnade mit der Versammlung nicht gehabt, als er die abge- lehnte Vorlage wieder einbrachte. Herr Hobrecht, der Magistrat und die Freunde der Vorlage unter uns dürfen alle für sich beanspruchen. daß sie nach fester Ueber- zcngung votiren, aber dasselbe nehmen wir für uns in Anspruch. Das Urlheil über unsere Entscheidung liegt in der Bürgerschaft, und diese ist der Meinung, daß wir in jetziger Zeit die Wünsche und Ansichten der Behörden und der Staatsrcgierung nicht so i» den Vordergrund stellen sollen, wie es hier geschieht. Ich habe meinen Unterantrag eingebracht für den Fall, daß der Enthusiasmus des Magistrats die Versammlung derartig hypnotisirt(Rufe: Oh! oh!), daß sie sich aus diesem Banne nicht mehr los machen kann. Für diesen Fall muß Vorsorge getroffen werden, daß die materiellen Aufwendungen, welche die Stadt gemacht hat, ihr ersetzt werden, wenn die Voraussetzungen, unter denen diese Aufwendungen gemacht sind, fortfallen. Man macht dagegen geltend, daß gegen andere Adjazenten eine solche Forderung niemals bisher erhoben worden ist, aber die Krone ist ein ganz anderer Adjazent als die andern. Ist es so außergewöhnlich. daß der Kronfiskus sich bestimmter Gebäude entäußert? Habe» Sie Brief und Siegel darauf, daß dieses Gebäude im Besitz der Krone bleiben wird? Noch vor kurzem haben offiziöse Zeitungen von der Verlegung der Residenz ge- sprocl en. Und können nicht Verhältnisse kommen, wo es der Krone nahe gelegt wird, dieses Gebäude zu veräußern? Soll dann die Wertherhöhung, tvelche das Gebäude durch die auf städtische Kosten erfolgte Ausführung des Projekts erhält, von der K«ne eingesteckt werden? Ist die Annahme des Projekts B nicht mehr abwendbar. tritt ein Nmfall ein, dann soll man wenigstens meinen Unterantrag annehmen. Herrn Hobrecht habe ich noch zu bemerken, daß für die Wahrung der Jntereffen der Bürger- schasl das Gefühl in derStadtverordneten-Versammlung mindestens ebenso lebhast vorhanden sein muß, als beim Magistrat, weil der letztere ja erst«in Produkt der Versammlung, aus dieser hinaus bestillirt ist. Ein Schlußantrag wird angenommen. Persönlich bemerkt Stadtv. Sachs II: Herr Singer sprach vom Umfallen. Ich bitte ihn, sich darüber, wie man das macht, von dem Kollegen Voatherr eine hübsche Episode erzählen zu lassen, welche bei Gelegenheit der Vorlage des neuen Rathhauses sich ereignete. Stadtv. Vogtherr: Ich bin damals nicht umgefallen, unsere Abstimmung war die Konsequenz unserer Ausführungen. Herr Sachs II hat erklärt, ich allein hätte die Vorlage nicht sachlich behandelt, Er ist zu dieser Zensur nicht legilimirt, auch scheint mir seine Befähigung dazu zweifelhaft. Ter Antrag Schwalbe aus Z u r ü ck v e r w e i s u n g an den Attsschuß wird in namentlicher Abstimmung mit 103 gegen 13 Stimmen abgelehnt; desgleichen der Antrag Singer mit 69 gegen 29 Stimmen. Der Antrag Wohlgemuth wird gegen <5 Stimmen ebenfalls abgelehnt. Zn uainentlicher Abstimmung wird schließlich die Magifiratsvorlage mit 66 gegen 32 Stinimen a n g e n o m m e n. Ueber den Antrag Singer betr. die Inangriffnahme von Maßregeln zur Bekämpfung des St oth st an des und der Arbeitslosigkeit unter der Berliner Arbeiter- bcvölkeruug hat der unter dem Vorsitz des Stadtv. Alexander S>! c y c r berathende Sonderausschuß einen Theilbericht erstattet, der den letzten Passus des Antrags betrifft. Dieser Passus lautet: Die Versammlung ersucht den Magistrat schleunigst in verschiedenen Gegenden, namentlich in den östlichen und nördlichen Stadtlheilcn, heizbare Räume zu beschaffen, in denen Arbeitslose auch am Tage ?l u f e n t h a l t nehmen können. Stach dem Bericht des Vorsitzenden haben die Antragsteller ausgeführt, daß die vorhandenen Wärmehallen weder örtlich noch ihren Dimensionen nach dem Bedürfnisse genügen, daß bei den gegenwärtigen Temperatur- Verhältnissen schnell gehandelt werden müsse, daß man einzelne Stndtbahnbogen oder Turnhallen für den Zweck einrichten solle, die augenblicklich Arbeitslos«» wenigstens in arbeitsfähigem Zustande zu erhallen. Auf diese Darlegungen sei von keiner Seite etwas entgegnet und sodann der Antrag angenommen worden. Dieser Gegenstand wird, obwohl es bereits 16 Uhr ge- wcidcn ist, wegen seiner Dringlichkeit noch verhandelt. Oberbürgermeister Z e l l e: Der Magistrat hat beschlossen, Räu.mlichkeiten in dem städtischen Obdach, die gegenwärtig nur der nächtlichen Beherbergung dienen, auch bei Tage als Wärme- hallen den Zwecken des Antrages dienstbar zu machen. Er hat diesen Beschluß schon vorigen Dienstag ins Leben treten lassen. Er hat äußert em beschlossen, mit dem privaten Verein für die Wärme- Halle am Alcxanderplatz in Verbindung zu treten, um ihm Hilfe zubieten, seine Anlagen auszudehnen. Der Verein lhcilt'mir mit., er habe sich gegenwärtig an dieser Stelle schon so vcr- größcrt, daß er regelmäßig 1600-1800 Pertonen täglich auf- nehmen könne. Ueberfüllung sei noch nicht beobachtet worden. Durch einen gewissen Turnus der Entlassung, ter si.h in den Räumen Aushaltenden könnten an Wochentagen bis zu 7000, an Sonntagen bis zu 9000 Personen untergebracht werden. Für diese Winrerkampagne scheint ihm ein dringendes Bedürsniß für die Erweiterung der Wärmehallen nicht vorzuliegen; es wird also augenblicklich weiter kamn etwas zu thun sein. Statt. Kalisch beantragt, den Magistrat zu ersuchen, Vor- sorge dahin zu treffen, daß im nächsten Winter für den Fall des Eintritts strenger Kälte entsprechende Räumlichkeiten vorhanden sind.— Stadtv. Singer erkennt dankbar an, daß der Magistrats- beschluß seinem Antrage entgegenkommt, einem Theile der Herr- schentc» Noll) werde dadurch abgeholfen. Daß aber niit der Vcr- vindung mit der Wärmehalle am Alexanderplatze dem Bedürfnisse genügt sei, müsse er bestreiten. Der sonst sehr verdiente Vorstand dieser Anstalt habe keine Autorität für das von ihm abgegebene Gutachten, auch wäre es nicht angezeigt, blos an dieser Stelle eine Aufnahmestelle einzurichten; es seien städtische Räume genug vorhanden, die sich für den Zweck eigneten, und man brächte damit diese Angelegenheit aus der privaten Wohlthätigkeits- behandlung in die der städtischen Behörden. Antrag Kalisch kann Redner nur dankbar unterstützen. Stadtv. Kalisch begründet kurz seinen Antrag. Die Ver- suche, welche der Vorstand der Wärmehalle gemacht habe. Wärmehallen auch außerhalb des Zentrums ein- zurichten, seien fruchtlos ausgefallen. Das Obdach sei jetzt auch am Tage geöffnet, es nächtigten dort 2300 Menschen vorgestern, am Tage aber blieben nur 10, heute ist gar kein einziger draußen im Obdach gewesen. Die Leute kommen eben nach dem Alexanderplatz, weil die dortige Ein- richtung eine private ist, und sie meiden das Obdach, weil es eine städtische Anstalt ist. Höchstens könnte der Magistrat ver- suchen, weitere Lokalitäten inmitten der Stadt zu beschaffen; auf Stadtbahubögen wird aber schwerlich zu rechnen sein, denn der Fiskus ist in seiner Fürsorge für die Armen so weit gegangen, daß er uns unsere Stadtbahnbogen um 230 M., von 750 auf 1000 M., gesteigert hat(hört, hört!) Anlagen in der Peripherie haben wirklich keinen Zweck. Stadtv. Singer: Eine seit wenigen Tagen eingeführte Einrichtung kann doch unmöglich schon allgemein bekannt sein. Anschläge an den Bahnhöfen, an den Säulen und so weiter sind dazu nöthig. Ter Magistrat sollte doch den Versuch machen, Wärmehallen in den verschiedenen Stadtgegenden zu errichten. Dezentralisation könne nur nützlich wirken. Wenn aus ganz Berlin Alles erst zur Wärmehalle am Alexanderplatz laufen soll, dann bleibt den Leuten Zeit, Beschäftigung zu suchen, kaum noch übrig. Der Antrag Kalisch wird dem Ausschuß für die Singer'schen Anträge überwiesen, der Ausschußantrag angenommen. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung werden für heute abgesetzt. (Schluß Vzll Uhr.) UtarlaurenkrrviMies. Die Budactkommission berieth heute die Denkschrift der Regierung bezüglich der Einführung des Systems der Dienst- Aliersziilagen für die mittleren Rcichsbeamten. Für die Unter- beamten ist die Angelegenheit bereits durch den vorjährigen Etat erledigt. Ausgenommen von der Einführung der Altcrszulagen sind die Post- und Telegraphen-Unterbeamten und auch die mittleren Beamten dieser Verwaltung sollen nach Ansicht der Regierung nicht von der Veränderung betroffen werden. Der Referent Abgeordneter Graf Limburg-Stirum erläuterte an der Hand der Denkschrift die Vorzüge des Systems der Dienst- Alterszulagen, erklärte sich mit der Aus- führuug desselben einverstanden und wünschte, daß für die Beamten der Postverwaltung ebenfalls Alterszulagen eingeführt werden. Der Korreferent Abg. Singer legte die Gründe dar, aus welchen die sozialdemokratische Partei die Einführung der Alterszulagen befürwortet. Es handle sich darum, die Beamten von der Willkür der vorgesetzten Behörden frei zu machen. Die Zulage soll als ein Recht des Beamten angesehen werden, welche ihm in bestimmten Zwischenräumen zu Theil werden müsse und nicht der Ansstuß des Wohlivollens oder eine Belohnung für gutes Verhalten sein. Ter Redner bekämpfte deshalb energisch den in der Denkschrift enthaltenen Satz, daß die Zulage bei be- friedigenbem dienstlichen und aiißerdicnstlichcii Verhalten des Beamten erfolgen soll, daß jedoch dem Beamten ein Rechts- anspruch auf die Zulage nicht zusteht.— Nach Ansicht des Korreferenten hat der Beamte bei Pflicht- gemäßer Erfüllung seiner Obliegenheiten— andernfalls besitzt die Behörde ja in dem Disziplinarverfahren genügende Mittel— einen vollen Rechtsanspruch auf die Zulage. Um das außer- dienstliche Verhalten habe sich die Behörde, soweit die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte in Frage komme, überhaupt nicht zu kümmern. In der Postverivaltung namentlich werde die Uebcrwachnng des außerdienstlichen Verhaltens der Beamten mit einer Virtuosität betrieben, die einer besseren Sache würdig fei. Redner behält sich vor, bei Beralhung des Postetats diese Angelegenheit ein- gehend zu behandeln und hält die Gründe, welche die Denkschrift für die N i ch t e i n b e z i e h u n g der Postbeamten in das Alters- zulagensystem nicht für beweiskräftig. Der Nachtheil, der für die unteren und mittleren Postbeamten etwa bei der Einführung entsteht, soll ausgeglichen werden durch Erhöhung der Anfangsgehältcr, Zusammenlegung mehrerer Etatstitel, Verkürzung der Wartezeit. Es gäbe Mittel und Wege, den Postbeamten die Vortheile der Dienst-Alterszulagen zugängig zu machen, ohne dieselben durch verlangsamtes Ausrücken in eine höhere Gehaltsstufe zu schädigen. Der Redner stellte für die Spezialbcrathung des Postetats einen Antrag in Aussicht, der den Reichskanzler auffordert, dafür zu sorgen, daß das System der Dienst-Alterszulagen auch für die Post- und Tclegraphcnverwaltuug eingeführt wird. Der Vertreter des Reichsschatzamts äußerte sich über die finanzielle Wirkung des Regierungsvorschlages, den er mit etwa 230 000 M. pro Jahr bezifferte. Die Reichs-Postverwaltuug ließ durch ihren Vertreter er- klären, daß sie einzig im Interesse ihrer Beamten sich der Ein- führung der Tienst-Sllterszulageii für die Post- und Telegraphen- Verwaltung widersetze. Die Beamten stehen sich jetzt besser, da sie in kürzerer Zeit als wie später im Gehalt ausrücken. Durch Einführung des neuen Systems würden die Nnterbeamten allein um 2 360 000 M. geschädigt, was im einzelnen Falle 80 bis 135 M. Jahresverlust für die Unterbeamteu ausmache. Die Verpflichtung, für ihre Beamten einzutreten, hätte der Post ihren Widerspruch diktirt, den das Reichsschatzamt schließlich insoweit anerkannt habe, daß die Post für den vorliegenden Etat außer Ansatz geblieben sei. Die Verhandlungen über die Frage schweben noch, wenn sich ein Weg finden ließe, ohne Schädigung der Beamten die Dienst- Alterszulagen auch bei der Post einzuführen, so werde die Post- verivaltnng gern die Hand dazu bieten. In der Diskussion trat der Abg. Gröber im Wesentlichen den illussührungen des Abg. Singer'bei. Auch das Zentrum wolle den Beamten einen Rechtsanspruch auf die Zulage gewähren und ebenso das außerdienstliche Verhalten des Beamten, namentlich in politischer Beziehung bei Wahlen u. s. w. nicht der Disziplin der vorgesetzten Behörde unterworfen wissen. Die uationalliberalen Redner wünschen auch die Einbeziehung der Postbeamten in die Alterszulagen; ebenso die Vertreter der konservativen Partei. Alle Parteien sind der Meinung, daß eine Schädigung der Beamten in bezug auf Einkommen durck die Veränderung des Zulagesystems nicht erfolgen solle, daß jedoch dafür gesorgt werden müsse, die Ausnahmestellung der Postbeamten, über welche aus den Kreisen der Beamten selbst vielfach Klage geführt wird, zu beseitigen. Die weitere Verfolgung dieses Gegenstandes wird bis zur Berathung des Postetars ausgesetzt und die Vertreter der Post- Verwaltung werden um Beibringung von Material zur Be- urtheiluug der thatsächlichen und event. zukünftigen Verhältnisse auf diesem Gebiet ersucht. In der Morgen Vormittag stattfindenden Sitzung wird die Einzelberathnng der für die mittleren Reichsbemnten— mit Ausnahme der Postbeamten— vorliegenden Denkschrift wegen Ein- sührung der Dienst-Alterszulagen fortgesetzt und außerdem der Etat des Reichsamts des Innern weiter berathen werden. NÄlvkeiNLtÄvMIZON. Eine Delegirten- Konferenz der sozial de mo» kratischen Partei des 11. badischen Wahl, k r e i s e s, welche am Sonnlag in Mannheim tagte, war von 28 Delegirten beschickt. Es handelte sich hauptsächlich um Neuorganisation. Die Debatte nahm einen glatten Verlauf und endete mit der Annahme des von dem Agitationskomitee vor- gelegten Statuts, das nächster Woche den einzelnen Orten ein- gehändigt werden wird. Die nächste Konferenz findet in zwei Monaten in Hemsbach statt. � Zur Ausklarung der Parteigenossen über das Gerücht, der Genosse Lehmann(Dortmund) halte die s.Z. von den Parteigenossen für die inhaftirten Bergleute gesammelten Gelder widerrechtlich zurück, veröffentlicht der Vertrauensmann Wilh. Böcker folgendes: Das Gerücht beruht auf einem großen Jrrthum, da von der Summe von 1400 M. fortlaufend die Fa- milien der inhaftirten Bergleute, theilweise noch bis Mitte dieses Jahres, unterstützt und die Prozeßkosten gedeckt werden müssen. Der Unterzeichnete wurde in Bochum gewählt, um mit Lehmann die Angelegenheit zu ordnen und erklärt der Wahrheit gemäp, daß diese Summe in durchaus korrekter Weise von Lehmann verwaltet und dem Zweck entsprechend verwendet wird. Die gegnerischen Blätter aber, welche diese irrige Meinung in der gehässigsten Weise ausbeuteten, ersuche ich, auch diese Erklärung ihren Lesern nicht vorzuenthalten. Mit dem Appell an die gegnerischen Blätter dürfte der Genosse wohl wenig Glück haben, denn was blieben den Blättern, die sich mit einem wahren Heiß« Hunger auf derartige Gerüchte stürzen, um die Sozialdemokratie zu schädigen, sonst noch für Mittel übrig, uns zu bekämpfen. Todtculistc der Partei. In Fürth ist Genosse Voll- mann(Buchdrucker) gestorben und gestern unter der Theilnahme von wohl tausend Personen beerdigt worden. Zahlreiche Kranz- spenden und Deputationen von den umliegenden Orten waren Beweise der Achtung, die Vollmann als Genosse in weitesten Kreisen genossen Halle. Mit dem durch einen Arbeiter-Gesang- verein vorgetragenen Lied:„Ein Sohn des Volkes will ich sein," verabschiedeten sich die Freunde Vollmann's von dessen Grab. »» Polizeiliches, Gerichtliches zc. — Grober Unfug. Zwei Genossen aus Limbach bei Chemnitz hatten an einem Sonntag während der Wahlzeit in benachbarten Dörfern Flugblätter vertheilt und waren wegen dieses„Verbrechens" von dem Gemeindevorstand eines Ortes mit 5 M. Strafe belegt worden. Das Schöffengericht sowohl als auch das Landgericht entschied die von den Beklagten ein- gelegte Berufung zu Ungunsten der Letzteren. Die Revision beim Ober-Landesgericht hatte den gleichen Erfolg. Die Revision wurde kostenpflichtig abgewiesen. Aus dem Erkennt» iß des Ober-Landesgerichts, das wir des großen Umsanges wegen nicht dem Wortlaut nach wiedergeben können, geht mit zwingender Deuilichkeit hervor, daß in Zukunft in Sachsen die Vertheilung von Wahlflugblättern nicht nur während des sonntäglichen Gottes« bieustes oder überhaupt am Sonntag, sondern daß die Ver- theilung von Wahlflugblättern überhaupt als grober Unfug be- straft werden kann, wenn„schon durch die Art und Weise der Vertheilung" der Flugblätter nach Ansicht der Polizei und der Gerichte„der äußere Bestand der Ordnung verletzt" wird. Die Flugblattvertheiler dürfen z. B. nicht„eine größere Anzahl von Flugblättern frei und sichtbar auf dem Arme tragen, so daß die Thätigkeit des Verbreitens auch auf öffent« licher Straße wahrnehmbar" wird, die sozialdemokratischen Flug- blätler dürfen nur Solchen gegeben werden, die danach Ver- langen tragen:c.:c.— Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir behaupten, daß bei Durchführung der Anschauungen des sächsischen Ober-Landesgerichtes das Vertheilen von sozial- demokratischen Flugblättern in Sachsen überhaupt unmöglich' gemacht würde. �- — Genosse Hülle. Redakteur der„Thüringer Tribünef zu Erfurt wurde wegen Beleidigung des Landraths zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt.— — Aus Anhalt werden eine Reihe Fälle gemeldet, welche deutlich erkennen lassen, wie auch dort die Behörden keine Gelegenheit vorübergehen laffen, den Sozialdemokraten ihre besondere Aufmerksamkeit zu widmen, wobei es einzelnen Organen recht oft passirt, ihre Gesetzesunkenntniß in hellstem Lichte erscheinen zu lassen. In Coswig waren zwei Genossen angeklagt, ohne polizeiliche Genehmigung Eintrittsgeld in einer öffentlichen Bersamnilung erhoben zu haben. In erster wie in zweiter Instanz erfolgte Freisprechung, da ein Verbot der Polizei, Eintrittsgeld zu erheben, unzulässig sei.— In dem- selben Orte halten bei Abhaltung des Vergnügens eines Rauchklubs es sich zwei Polizisten erlaubt', in die betreffenden Lokalitäten eiiizudringen. Sie wurden natürlich zurückgewiesen, wobei sie von seilen einiger Genossen eine Gesetzesbelehrung mit auf den Wegbekamen. Die dabei gefallenen Bemerkungen sollten Beamten- beleidignngen enthalten haben. Die kürzlich stattgefundene Ver- Handlung endete mit Freisprechung. In Leipzig wurde am 9. d. Mts. der' Parteigenosse Heinrich Runge, begleitet von einigen hundert Partei- genossen, zur letzten Ruhe gebracht. Loksles. Zum Berliner Schuhmacherstreik, besser zu dem aus Anlaß desselben ausgebrochenen Streit zwischen den Streitenden und dem Abgeordneten Bock- Gotha hatten wir bisher aus naheliegenden Gründen eine abwartende Stellung eingenommen. Aus dieser Reserve wären wir, um die im Lohnkampse sich be- findlichen Arbeiter nicht zu schädigen, auch vor Beendigung des Streiks nicht herausgetreten, wenn uns nicht Berichte, die büraer- liche Blätter über die am Mittwoch Abend stattgehabte Ver- sammlung der Streikenden veröffentlichen, dazu zwingen würden. In jener Versammlung soll nach dem Bericht des„In- relligenz-Blattes" von dem Referenten Menzel be- haupter worden sein, Bock habe im„Schuhmacherfachblatt" in einem Artikel gesagt:„Ter anarchistische Schuhmacher König habe den Streik verschuldet, der Staatsanwalt möge doch den- selben fassen."(Wir zitiren wörtlich nach dem„Intelligenz- Blatt".) Einschalten wollen wir hier, daß weder unser Bericht- erstatter noch eine Anzahl zuverlässiger Parteigenossen, welche der Versammlung beigewohnt haben, die besagte Wendung des Referenten in dem Sinne aufgefaßt haben, den das„Jntell. Blatt" ihr gegeben hat. Wir haben nun gar nicht die Absicht, die Vertheidigung des Genossen Bock zu übernehmen, überlassen dies vielmehr ihm selber; es soll auch vorläufig nicht unsere Aufgabe sein, unsern Staudpunkt zum Streik selbst klar zu legen, so wenig, wie wir auf die Polemiken B o ck's eingehen wollen. Unsere Aufgabe soll lediglich die sein, aus dem Artikel des Genossen Bock selbst das Unhaltbare der(nach Angabe des„Jntelligenz-Vlattes") in der Versammlung aiifgestellten Anschuldigung nachzuweisen. Zu dieser Maßnahme sind wir umsomehr verpflichtet, als wir aus Erfahrung wissen, daß die gcsammte bürgerliche Presse mit einem wahren Heißhunger sich ans den fetten Bissen werfen und ihn gegen uns ausschlachten wird. Um unseren Lesern den Nachweis zu liefern, daß sich in dem besagten Artikel nicht das Mindeste befindet, was zu einer solchen maßlosen Anschuldigung benutzt werden könnte, geben wir den, Herrn König betreffenden Passus wörtlich wieder. Genosse Bock schreibt, nachdem er gegen die Nutzlosigkeit des -treiks polemifirl, über König selbst:„Nun ein Wort mit Herrn König, bei welchem sich ein ehrlicher Charakter aller- tölpelhaften Eifer bestrebt sind, die Herzenssehnsucht ihrer Brodgeber nach möglichst pikanten" Versammlungsberichten zu erfüllen sei es auch ein wenig auf Kosten der Wahrheit. Gerichts- Beitung: Glücksspiel auf Der Angeklagte Diet wollte Meine Tante, Deine Tante" gar nicht fennen und anfangs nicht gewußt haben, daß seine Gäste im Hinterzimmer ein verbotenes Spiel trieben. Als er es erfahren habe, sowie auch, daß Wilke falsch spielen solle, habe er dem letzteren die Thür gezeigt. Der Staatsanwalt hielt beide Angeschuldigten im Sinne der Anklage für überführt, er be antragte gegen Wilte sechs Monate Gefängniß und 600 M. Geldstrafe, gegen Diet 300 M. Geldstrafe. Der VerWächter der öffentlichen Ordnung wegen Meineids oings erst Handschuhe anziehen muß, um sich in seine Nähe zu begeben. Dieser saubere Mensch hat, die Nothlage unserer Kollegen benutzend und seiner anarchistischen Natur ent sprechend, eine ganze Anzahl Streits angezettelt, bei denen er gewöhnlich als Gemaßregelter übrig übrig blieb und unterstützt wurde. In Fürth i. B. war in der Fabrik Gebrüder Berneis ein Streit ausgebrochen. Der Unterzeichnete verhandelte persönlich mit den Fabrikanten um Beilegung des Streits. Nach längerem Verhandeln famen wir An den ,, ollen ehrlichen Seemann" erinnerte eine Bertheidiger des letzteren, Rechtsanwalt Flatau, plädirte für Freiiberein, daß am andern Tage früh 61/2 Uhr alle Arbeiter ohne fönlichkeit, welche gestern unter der Anklage des gewerbsmäßigen sprechung, erreichte aber nur, daß der Gerichtshof der Strafe Ausnahme die Arbeit unter den festgesetzten Bedingungen auf Glückspiels sowie wegen Betrugs in einem Falle vor der neunten gegen Dieß auf 150 m. ermäßigte. nehmen sollten. Die Bedingungen zu halten gaben wir uns das Strafkammer des Landgerichts I stand. Der Schlächter Otto Cegen Wilke wurde nach dem Antrage des Staatsanwalts Ehrenwort. Ich reiste nach Nürnberg. Am andern Tage theilte Wilte, den ein Bruſtleiden an der Ausübung des von ihm erkannt. Herr König mit, daß er gemaßregelt sei. Auf unsern Vor- erlernten Berufs hindert, sollte sich seit Jahren vom Hazardspiel yalt bei Herrn Berneis, daß er sein Ehrenwort nicht ernährt haben, wobei er seine Opfer unter den Lohnschlächtern gehalten, erklärte derselbe im Beisein Königs, daß er suchte, welche er auf dem Viehhofe fennen gelernt hatte. Die vor Gericht. Im Oktober v. J. stand der Fleischermeister ein Wort gehalten; es sei ausgemacht, daß alle Arbeiter spiellustigen Personen versammelten sich am häufigsten im Lokale risch kat vor der Strafkammer zu Liegni, um sich wegen früh 6 Uhr anfangen sollten, König sei aber nicht früh des Schankwirths Diez in der Thaerstraße, wo ihnen ein einer Anklage, lautend anf Hausfriedensbruch und Widerstand fondern Mittag 11 Uhr gekommen, inzwischen habe er, Hinterzimmer eingeräumt wurde. Dietz befand fich gegen die Staatsgewalt, zu verantworten. Dieser Vergehen glaubend, daß König nicht anfangen wolle, einen anderen Mann deshalb wegen Duldens Don der sollte er sich dadurch schuldig gemacht haben, daß er in einem an deffen Statt genommen. Der Fabrikant war sicher in seinem Anklagebank. Es wurde„ Meine Tante, Deine Tante" gespielt, Schantlokale, aus welchem er wiederholt hinausgewiesen worden Recht." Bruder" König aber spielte wie immer den Gemaß- Wilke war zumeist der Bankhalter. Auffallend war, daß er stets war, starken Lärm gemacht und den ihn verhaftenden Nachtregelten. In Weißenfels war König einige Wochen, als ein ein Spiel Karten bei sich führte, das er beim Spiel benutte und wächtern Röhricht und Sojanski auf dem Wege zur Streit ausbrach. König reiste nach Groißsch und andere Orte, dann wieder mit nach Hause nahm. Diese Thatsache gab Wilfe Polizeiwache starken Widerstand geleistet habe. In dem ieß sich in Groizsch das Reisegeld geben und verlangte dasselbe zu. Der Vorsigende fragte ihn, ob er nicht auch jezt ein Spiel Termine behauptete nun Grischkat, von den Wächtern arg auch in Weißenfels. Auf die Frage, ob er in Groißsch nichts Karten bei sich führe, um dem Gerichtshof das Wesen und die gemißhandelt worden zu sein. Dies stellten die beiden erhalten, antwortete er mit nein. Ein Briefwechsel stellte die Handhabung des genannten Spiels vor Augen führen zu können. Wächter unter ihrem Zeugeneide in Abrede. Durch die Beweis: Gache feft. König wurde wegen verschiedener solcher Delikte Wilke verneinte, worauf es einige Seiterkeite erregte, als ein aufnahme wurde jedoch bewiesen, daß der Wächter Röhricht den aus dem Verein deutscher Schuhmacher ausgeschlossen. Und Mann im Zuhöreraum- augenscheinlich ein Schlächter- Grischfat bereits bei der Verhaftung mit einem Ochsenziemer ge= dieser reinliche saubere Rönig spielt jetzt eine Hauptrolle aufsprang, ein Spiel Karten aus der Tasche schlagen hat; auch bekundete ein Zeuge, daß er kurz nach der bei den Anarchisten und bei dem Berliner Schuhmacherstreik. und es dem Gerichtshofe zur Verfügung stellte. Das Anerbieten Ginlieferung Grischkat's in das Polizeigefängniß lautes JammerDieser Mensch war es, der mich einen politischen Hochstapler wurde angenommen, worauf Wilte sich an den Zeugentisch setzen geſchrei desselben vernommen habe. Da nun Griſchkat bei seiner Vernannte. Freut mich, daß solches Gesindel auf mich räfonnirt und eine Erklärung des Spiels geben mußte. Die Zeugen be- haftung unverlegt gewesen ist, am anderen Morgen jedoch, wie ein und schimpft, jedes belobende Wort aus folchem Munde würde fundeten sodann, daß der Angeklagte Wilke in auffallender ärztliches Attest bewies, starke Verlegungen am Kopf, welche von ich als Beleidigung auffaffen. So, Herr Redakteur Boshart vom Weise vom Glück begünstigt worden sei. Einmal hat Wilke in rohen Mißhandlungen herrührten, gehabt hat, entstand der Verfreifinnigen„ Gothaischen Tageblatt", sammt der verschwägerten furzer Zeit dem Schlächter Schulze gegen 90 m. abgenommen, dacht des Meineides gegen die beiden Nachtwächter. Dieſelben Bourgeoispreſſe, ſieht mein Verleumder, Euer Schüßling aus. und zwar, während der Lettere auf Wilke's Bureden die Bant wurden im Termine alsbald verhaftet. Gestern standen Ich erkläre, daß ich diesem König, seinen Trabanten und bour hielt. In diesem Falle soll der Angeflagte sich eines diese Wächter der öffentlichen Ordnung nun geoisen Gönnern das Recht einräume, nach Herzensluft auf Betruges schuldig gemacht haben, den der Gerichtshof auch Anklage des wissentlichen Meineides und der vorsät mich zu schimpfen. Von solchen Leuten thut es mir nämlich durch die Beweisaufnahme für erwiesen hielt. Wilfe hatte lichen Körperverlegung vor dem hiesigen Schwurgericht. fich dicht hinter den Stuhl des Bankhalters gestellt. Er Der Angeklagte Röhricht, welcher sich durch hestige Er Aus dem Obigen vird niemand eine Denunziation, wie sie machte seinen Einsatz erst dann benn der Bankhalter regung und Bergeßlichkeit auszureden versuchte, wurde durch sas Intelligenzblatt" und auch der Reichsbote" dem Genossen eine Karte für den Spieler verdeckt hingelegt hatte und die für die Beweisaufnahme feiner Schuld in vollem Umfange überBock unterzuschieben versuchen, herauslesen fönnen. Da uns nun ihn bestimmte Karte abziehen wollte. Immer hatte Wilte das führt, dagegen fonnte dem Angeklagten Sojansti nicht nachge= das Zeugniß von Parteigenoffen zu Gebote steht, welche, wie oben Glück, eine hohe Karte zu besetzen und dadurch zu gewinnen; war wiesen werden, daß er an der Mißhandlung des Grischkat beangedeutet, den Referenten in ganz anderem Sinne als der Re- die Karte der Sehenden eine niedrige gewesen, so hatte Wilke theiligt gewesen sei und blieb gegen ihn nur die Anklage wegen porter der betreffenden Blätter verstanden haben, so müssen wir sich daran nicht betheiligt. Später wurde das Räthsel gelöst. wissentlichen Meineides bestehen. Die Geschworenen billigten zu der Anschauung gelangen, daß die angezogenen Blätter den Von den Karten, die Wilte mitgebracht hatte, waren die Könige beiden Angeklagten mildernde Umstände zu. Das Urtheil gegen harmlosen Ausspruch des referirenden Arbeiters zweckdienlich und Damen an den Ecken mit einem Zeichen versehen, welches Röhricht lautete auf 2 Jahr 6 Monate Zuchthaus und 3 Jahr redigirten. Als Entschuldigung möge vielleicht dienen, daß die nur dem scharfen Auge des Angeklagten erkennbar war. Er Ehrverlust, gegen Sojanšti auf 9 Monate Gefängniß. Berichterstatter der bürgerlichen Blätter mit einem etwas zu konnte danach seinen Einsatz richten und mußte gewinnen. aicht weh." Bur Beachtung! Bezugnehmend auf die Annonce im Vorwärts" vom Sonntag, den 7. cr. von der Genossenschafts- Bäckerei für Berlin und Umgegend( Ein Appell an den Magen") haben wir Folgendes zu erwidern: Wir haben ſeit Bestehen der Kontrollmarke dieselbe sofort eingeführt, während obige Genossenschaft erst 1/4 Jahr später durch vieles Drängen sich dazu bequemt hat. Auf Absatz 2, das Buführen von frischem Brot am Sonntag bemerken wir: Sonntags und Feiertags wird bei uns nicht gebacken; das unseren Kunden Sonntag früh zugefahrene Brot wird in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag gebacken. Ferner wird behauptet, daß die GenossenschaftsBäckerei Vorwärts" von 4-5 Personen gegründet sei und sich fälschlicherweise Genossenschafts- Bäckerei Vorwärts, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht nennt. Dieses erklären wir für unwahr. Wir bedauern, daß der Geschäftsführer Herr Freitag nicht mehr Kenntnisse vom Genossengründen tönnen. Weiter bemerken wir, daß wir vom Tage der Gründung unferer Bäckerei an unsere Eintragung beim Handelsgericht beantragt haben, jedoch den Antrag mehrere Male infolge einiger Formfehler zurück erhielten und jetzt endgiltig der Eintragung entgegensehen, so daß die Schuld hieran nicht auf unserer Seite liegt. ſchaftsgesetz befißt, daß er weiß, daß 4-5 Personen teine Genossenschaft 80g | unter der Kranken- und Sterbekasse des Verein Berl. Bau- Anschläger Verband der Bauarbeiter Vereins der Former. mittags 11 Uhr, findet Gipsstr. 3 die Am Sonntag, den 14. Januar, Vorordentl. Generalversammlung statt. Da die Tagesordnung für die Mitglieder eine sehr wichtige ist, bittet um regen Besuch für im 1185b Der Vorstand. J. A.: Albert Mewes. Arbeiter- Verein Rummelsburg u. Umgegend. Sonntag, den 14. Januar 1894, Mittags 122 Uhr, Lokale des Herrn Müller, Neue Prinz Albertstr. 70: im Nord" Sonntag, den 14. Januar, Vormittags 91/2 Uhr. Restaurant Dase, Brunnenstr. 154: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung der Revisoren. 2. Neuwahl des Vorstandes nach§ 3 unserer Statuten. 3. Besprechung der geschäftlichen Lage. Referent: G. Jacob. 4. Ausgabe der Karten pro 1894. 5. Verschiedenes. 1188b Der Vorstand. Sonnabend, 13. Januar, Ab. 8½½ Uhr, Friedrichshagen. 81/2 bei Max Lerdje( Rundtheil): Nun wird zum Schluß noch gefagt, daß gewiffe Konkurrens und Defftl. Versammlung. Deffentl. Volks- Versammlung. Tagesordnung: Händler Brot mit Kontrollmarte als Genossenschaftsbrot verkaufen. Dies hat seine Richtigkeit, da das von uns gebackene Brot mit Stempel 1. Vortrag der Genossen Buck, G. B. Vorwärts" in Wirklichkeit Genossenschaftsbrot ist und unsere b Ritter und Pramschüfer über unsere nehmer( u. A. die erwähnten Th. Dochow und P. Schertel) mit Recht unser Landagitation. 2. Diskussion. 3. VerBrot als Genossenschaftsbrot verkaufen können. schiedenes. 111/5 Wir bedauern noch, daß die Genossenschafts- Bäckerei für Berlin und Umgegend derartige Wege einschlägt, um für sich gewissermaßen Reklame zu machen, und deuten wir darauf hin, daß, falls dieselbe in dieser Weise fortfahren sollte, wir uns genöthigt sehen, die Gründe zu veröffentlichen, we3halb wir seiner Zeit veranlaßt wurden, eine Genossenschafts- Bäckerei unter dem Namen Vorwärts" zu gründen. Der Vorstand der Genossenschafts- Bäckerei ,, Vorwärts". Mitglieder- Versammlung der Holz- und Bretterträger Berlins und Umgegend am Sonntag, den 14. Jannar, Vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Möhring( Märkischer Hof), Admiralstraße 18 c. Tagesordnung: Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 4. Quartal 1893. 4. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 179/20 Der Vorstand: P. Karnal. Achtung! Maurer und Putzer. Große öffentliche Versammlung am Freitag, den 12. Januar, Vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Joël, Andreasstr. 21. Tagesordnung: u. Berufsgenossen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 14. Januar 1894, Borm. 11 Uhr, bei Sarger, Grüner Weg Nr. 29: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl des gesammten Vorstandes 3. Abrechnung vom 4. Quartal 1893 4. Verschiedenes. 404/16 Der Vorstand. Präuscher's Museum. Tausende von anatomischen Präparaten. Schußkanal durch fünf Körper. Gladiatoren- Kampf. Wunder d. Ceroplastik u.Mechanik. Täglich von 9 früh bis 10 Abends für erwachsene Herren. Tagesordnung:[ 1186b Dienstag und Freitag: Damentag. Vortrag des Reichstagsabg. Auer. Institut, SchönholzerDer Vorstand. Homöopath. 17. r. straße 8-9, 4-5. 11376 Sonntags 9-10. ,, Zum Prophet" Welthans für Herren- u.Knaben- Garderoben I. Etage. Am Dönhoffplatz. I. Etage. Ecke Leipziger- und Kommandantenstr. Juventur- Ausverkauf ohne Rücksicht auf die bisherigen Preise: Winter- Paletpts von 8 Mt. an Hosen in Buytin zc. von 4 Mt. an Bauch- Paletots Pelerinen Mäntel 10 Hohenzoll- Mäntel 21 Hochieine Paletots in Frisé, Montag= nac, Düffel 12 " " " " " " " Nouveauté- Hosen Haus- u.Jagdjoppen, 6 Interims- Joppen, elegant Schlafröcke in 6 " "" " 數 8 " " 15 Double 2c. 7 " " " " Raiser- Mäntel " " Schlafröcke inVelour ,, 10 " " 445/5 Cheviot- Anzüge " " H Westen, hochfein " 11/2 Compl. feinere AnKnaben- Anzüge " 21/2 "" 15 " " Burschen- Anzüge 5 of # 7 " 7 " " " 1. Ernste Lehren der gegenwärtigen wirthschaftlichen Lage. Referent Reichstags- Abgeordneter C. Frohme. 2. Die haltlosen Zustände im Gewerbe. Kollegen, da uns die Natur ein Halt im Kampfe um unser täglich Brot geboten, erwarten wir, daß Ihr recht zahlreich erscheinen werdet, um endlich Stellung zu nehmen gegen die miserablen Zustände im Berufe. Alle Bauhandwerker sind zu dieser Versammlung eingeladen. Die Vertrauensmänner: H. Schiegolski, Schwedterstr. 27. F. Gräschke, Staligerstr. 54. Metzner's Korbwaaren- Fabrik, Berlin, Andreasstr. 23, Hof part., vis- à- vis d. Andreasplat Kinderwagen, größtes Lager Berlins. Musterbücher gratis. Theilzahlung gestattet. 500 Mark zahle ich Jedem, der mir nachweist, daß ich nicht das größte Kinderwagen- Lager Berlins habe. F. Metzner. 100 züge Gehrock- Anzüge, hf. ,, 26" Jünglings- Anzüge Knaben- Paletots mit und ohne Pelerine, sowie KnabenHohenzollern- Mäntel zu äußerst billigen Preisen. Frack- Verleih- Institut. Versand nur gegen Nachnahme. Sonntags geöffnet bis 2 Uhr. !! Roh- Tabak!! Sämmtl. in- u. ausländischen Sorten, gute Qualität, tadelloser Brand, in billigster Preislage, empfiehlt RohtabakHeinr. Franck, andlung, vorräthig. Brunnenstr. 185. Formen( Bockfoorn) wieder 37 37 as anerkannt reelle und billigste Einkaufs-Quelle des Süd- Ostens für Gold-, Silber-, Alfénidewaaren( Eig.Fabr.) goldene u. silberne Uhren empfiehlt sich H. 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Wie ich es in meinem letzten Berichte Ihnen vorausgesagt. so ist eS gekommen. Alle telegraphisch in die Welt gesetzten Nachrichten von dem warmen Herzen Crispi's für die verhungernden und zur Verzweiflung getriebenen Bauern und Ar- bester Siziliens, von angekündigten Reformen in der kommunalen Besteuerung, Kaden stch als erbärmliche Lügen erwiesen. Diese Nachrichten sind. wie sich jetzt berausgestellt hat, in dem offi- ziellen Depeschenbureau von der Regierung selbst, die mit Lügen- depeschen und falschen Nachrichten geradezu Orgien treibt, sabrizirt worden. Die Wahrheit ist: Crispi's Brutalität offenbart sich in ihrem vollen Glanz. Sizilien ist in Belagerungszustand erklärt worden. Flinte und Säbel wüthet auf der unglücklichen Insel. Das Veiterli-Gewehr muß seine Wunder zeigen an den Schlacht- opfern Crispi's, an Männern. Frauen und Kindern des Volkes. Schon werden die Tobten und Verwundeten zu vielen Hunderten gezählt, alle natürlich aus Seiten des Volkes. Wurden doch erst kürzlich in Masineo, einem Orte von 10 000 Einwohnern in der Provinz Palermo, 80 Personen niedergeschoffen, 30 aus der Stelle gelödtel und b0 schwer und leicht Verwundete, darunter eine große Anzahl Frauen, in die Spitäler getragen. Ein sozialistisches Blatt Süditaliens ruft aus: Crispi bereitet sich vor, sich den Namen des Bluthundes von Sizilien zu er- werben, wie einst Marschall Haynau den Namen Hyäne von Ärescia sich verdiente. Alle bürgerlichen Rechte auf Sizilien sind aufgehoben; man denke: Sämmtliche Orgauisalionen der Fasci, die mit den Verzweiflungsausbrüchen der Verhungernden gar nichts zu thun hatten, sind von Crispi's Werkzeug, dem zum Oberbefehlshaber von Sizilien ernannten General Morra di Lavria no, einem Blutmenschen, der durch Grausamkeil im Heere berüchtigt ist, für revolutionär er- klärt und aufgelöst worden. Die Organisation von 400 000 Menschen, die zum ersten Mal aus thierischem Zustande sich zu erheben begann, ist zerstört, ihre geistigen Führer, die Präsidenten der Fasci, darunter Parlaments-Abgeordnete und bei Freund und Feind angesehene Männer sind ins Gesängniß geworfen. Letzten Freitag wurden verhaftet die Präsidenten der Fasci Gabriele Bosco und De Felice Giuffrida in Palermo, ferner Petrina, Präsident des Fasci's von Messina, ferner der in früheren Berichten mehrfach genannte hochver- diente Arzt De Luca, Präsident des Fasci's von Girgenti, der Organisator der Schwefelarbeiter Siziliens, serner der 'Advokat Montalto, Präsident des Fasci's von Trapani und der Rcdaklcur des tiefernsten, vorzüglich geleiteten sozialistischen Blattes»II Maro"(„Das Meer), ferner in Palermo der Pro- jessor und Provinzialrath Vincenzo Curatolo, der sich offen als überzeugten Sozialisten erklärt hatte, und endlich der Leiter des Blattes„Giustizia Sociale" mit Namen Miniscaho. Dieses Blatt selbst, die sozialistische Hanptwochenschrift Siziliens, wurde brutal unterdrückt, ihr ferneres Erscheinen verboten. Das ist der Goltessriede Crispi's auf Sizilien. Die Post- und Telegraphen- ämter stehen unter militärischer Slussicht, keine wahre Nachricht, die der Willkürherrschaft nicht gefällt, wird herübergelassen. Die Hauptvorstände der Fasci waren kurz vor ihrer Gefangennahme in Palermo zusammen- getreten und hatten einen Ausruf beschlossen, den wir schon in vir. 6 vom 9. Januar zur Kenntuiß unserer Leser brachten. Dieser Aufruf, in der brennenden Roth des Augenblicks unter Verzweiflungsausbrüchen der Volkswuth verfaßt, ist ein Altenstück von hoher politischer Bedeutung. Wie sehr man auch über einzelne Forderungen, die an Lassalle's Vorschläge erinnern, so insbesondere über den Schlußsatz aburtheilen mag, oder ver- schiedener Meinung sein kann; man darf die Ausnahinever- hältniffe, wie sie in Sizilien bestehen, nicht außer Acht lassen, und mit dieser Berücksichtigung ist der Aufruf ein Vorstoß in der sozialen Bewegung der Gegenwart, und die Verfasser und Unter- zeichner haben sich für die Zukunstswelt ein Verdienst erworben. Die Forderung der unmittelbaren Enteignung (Expropriation) und Ver�esellschaftlichung der großen Latifundien zu Ackerbau- und Jndustrie-Verbänden zeigt von Muth und Ent- schlosfenheit und von klarer Erkennlniß dessen, was Roth thut. Die Regierung hat die Bedeutung des Aufrufes wohl erkannt, und im Schreck und Entsetzen über die sozialistischen Forderungen, die ja die heutige Ordnung, die Welt des Elends und die Hungersnoth zerstören wollen, mit der Gefangennahme der Unter- zeichner geantwortet. Uebcr die Erdrückung des Proletariats Siziliens durch die UachvarschaftsgUden. Etanton Coit macht nun dunkle Andeutungen, daß nach der Neuorganisation der gesammten Bevölkerung in Nachbarschafts- gilben man in ihnen die brauchbarsten Werkzeuge zu einer völligen Neugestaltung der Gesellschaft besitze. Zu dem Zweck plant er die Hineinziehung aller möglichen Aufgaben in ihren Thälig- keitsbereich. Gegenwärtig liefert die eine Mustergild-! in Leigh- ton Hall den Mitgliedern Fortbildungskurse und Unterhaltungs- abende. Coit denkt aber auch an einen ausgedehnten Hand- sertigkeitsunterricht, sowie an Näh- und Kochschulen für die Mädchen; serner soll die Gilde direkt ins wirthschastliche Leben eingreifen, indem sie eine Kohlenniederlage für du Mitglieder errichtet und ihnen auch sonst als Ersatz für Konsumvereine dient. Letzteres wäre ganz zweckmäßig, vorausgesetzt, daß der Mitgliederbestand ein fester ist, und daß die Mitglieder genug Ge- meingeist besitzen, um die Entnahme der Waarcn aus der Eildeniederlage unter allen Umständen dem Ankaufe in Privat- geschästen vorzuziehen. Ueberflüssig sind Handfertigkeitskurse, die den Fach- schulen überlassen bleiben müssen. Geradezu bedenklich würde aber die Errichtung eines Arbeitsnachweis-Bureaus durch die Gilde sein, denn Arbeitsnachweise nützen nur, wenn sie in großem Maßstäbe wirken können. Obendrein solle» für diese und ähnliche Aufgaben besondere besoldete Gildebeamle angestellt werden. Für die Leighton Hall- Gilde sind deren zwei in Aussicht genommen. Werden diese Gildebeamten nun auch nur, wie Coit vorschlägt, mit dem orts- üblichen Tagelohn entlohnt, so ist für ihren Unterhalt doch eine ganz erkleckliche Summe Geldes erforderlich, und es frägt sich sehr, ob die Gilde außer ihren sonstigen beträchtlichen Ausgaben ai'ch noch diese Summe aufbringen kann. Außer zu den direkten Gildegeschäflen sollen diese Beamten nun auch noch zu staiistischen Erhebungen aller Art verwandt werden. Coit meint, daß sich besonders auf gesundheitssörderliche hygienische Re- formen auf diese Weise hinwirken lasse und erwähnt init Stolz, daß von feiten der Gilde die Errichtung eines öffentlichen Waschhauses für Kentish Town angeregt worden sei. Da müssen wir Herrn Coit darauf aufmerksam machen, daß eine solche Thätigkeit in Berlin in viel höherem Maße, als es durch die Gilde und ihre besoldeten Beamten geschehen kann, bereits durch die Arbeiter-Sanitätskcmmission ausgeübt wird. Um irgend ctwas Ersprießliches zu leisten, müßten auch in London derartige Unternehmungen von einer Zentralstelle aus organisirt werden. kommunalen und Lebensmittel-Steuern hat der„Vorwärts" schon eine Zahlenangabe gemacht. Die genaueren Vergleichs� zahlen sind folgende: In Piemont bezahlen 1133 Kommunen die Jahressumme von 12 Millionen Lebensmittel-Steuern, in Venezien 771 Kom- munen T/i Millionen, in Ligurien(Genua) 267 Kommunen IIVs Millionen. Im Vergleich zu diesen Provinzen wird Sizilien durch die Lebensmittel, Steuern geradezu ausgepreßt Sizilien bezahlt nämlich bei einem Bestand von nur 340 Kommunen, an jährlichen Konsumsteuern die horrende Summe von 22 218 000 Franks. Es ist von sehr anziehendem und ein- schneidendem Werth, diesen Zahlen, die also das den Armen und Aermsten abgepreßte Einkommen bedeutet, ein anderes Ein- kommen entgegenzuhalten, über das gegenwärtig von allen Blättern Italiens gesprochen wird, das ist die Zivilliste und das Vermögen des königlichen Hauses von Italien. Bekanntlich be- zieht der König des allerärmsten Großstaates Europas die aller- reichste Einnahme, die kolossale Zivilliste von 14 Millionen jähr- lich. Aber dies ist bei weitem nicht alles. Das Geldvermögen des königlichen Hauses von Italien— also ganz ab- gesehen von den Landgütern und zahlreichen Schlössern mit ihren Kunstschätzen— beläust sich nach neuerer Fest- stellung auf rund 110 Millionen Franks. Diese Summe hat Seine Majestät erst kürzlich in weiser Voraussicht möglicher, nahender Ereignisse dem von den Königen so allgemein ver- ehrten Schatzmeister Rothschild in sichere Verwahrung gegeben und bezieht daraus allein eine Rente, die den größten Theil alles Elendes in Sizilien zu heben vermöchte. Welche Be- trachtungen diese Gegenüberstellung von Zahlen und Einnahmen hervorzurufen geeignet ist. kann sich der Leser leicht denken.— Die Ereignisse in Sizilien beginnen allmälig auch auf dem Fest- lande Italien ihre Wirkung zu äußern. In Mailand, Turin, Genua und Venedig haben kleinere, aber bezeichnende An- sammlungen, Aufläufe mit Kundgebungen stattgefunden, an denen sich auch zum Theil Mitglieder der organi- sirte», sozialistischen Partei der Arbeiter betheiligten. Ueberall offenbarte sich die wärmste begeistertste Theilnahme mit dem Proletariat Siziliens. Hoch Sizilien! Nieder mit den Konsumstenern! Rieder mit der Schandwirthschaft Crispi's! war der immer wiederholte Schrei des Volles. Crispi hat bis- her diesen Ruf beantwortet, wie es von ihm zu erwarten war, durch Wiedereinberulung der Reserven, durch Verstärkung aller Garnisonen in den Hanptplätzen des Festlandes und durch Sen- dung immer neuer Truppen nach seinem geliebten Heimathlande Sizilien. 40 000 Mann Soldaten stehen gegenwärlig bereits in Sizilien; Tag und Nacht ununterbrochen wird die Ueberfahrt von Militär, Flinten und Kanonen fortgesetzt; er hat versprochen, die Ueberschwemmung Siziliens mit Militär auf 60 000 Mann zu bringen. Die bürgerlich- radikalen Blätter, deren Korrespon- denzcn auf Befehl Crispi's von der Post unterschlagen werden — ich wiederhole es, keine wahre Nachricht kommt offiziell mit Wissen der Regierung aus Sizilien— haben beschlossen. Geheim- korrcspondenten hinzuschicken, die auf Umwegen wahrheitsgetreu berichten sollen. Im Angesicht dieser neu einsetzenden Schand- wirthschaft des Staatsmannes nach berühmten Muster» ringt sich in dem aufwachenden Bewußtsein von Millionen Menschen heute der Ausschrei und die Frage los: Wie lauge noch soll Kretinismus und der Wahnsinn auf Erden die Well regieren! rokrorles. Arbeiter-BildungSschule. Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß Montag Abend in der Südost-Schule unentgeltlicher Unter- richt in Stenographie ertheilt wird. Theilnehmer mögen sich dort melden. Der Unterricht in Gesetzeskunde findet Freitag Abend daselbst statt. Zur Besprechung gelangt das Gesetz betreffend die Gewcrbcgerichte. Die Gewerbegerichts-Beisitzer, sowie Vereins- vorstände werden höflichst ersucht, sich diesem Kursus anschließen zu wolle». Sonnabend, den 13. d. Mts., fällt der Unterricht in volks- lhümlicher Medizin, des Stiftungsfestes wegen, aus. Ein Idyll auS der Ferienkolonie. Der im Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiment dienende Gefreite Hart- mann ist wegen Soldatenmißhandlung dem Kriegsgericht unter- stellt worden. Die Affäre hängt mit dem Vorfall zusammen. daß ein Rekrut des genannten Regiments fahnenflüchtig geworden war, den man Unter den Linden festnahm. Derselbe erklärte, Die Gilde und ihre besoldeten Beamten dürften nur ausführende Organe sein. Nun trägt sick Coit auch noch mit dem ehrgeizigen Plan, durch die Gilden direkt aus die Gesetzgebung zur Durchführung sozialer Reformen einzuwirken, verwickelt sich Vrber dabei in die erstaunlichsten Widersprüche. Im Anfang seiner Darlegungen betont er, alle Leute, ohne Unterschied des religiösen Bekennt- nisses oder der politischen Ueberzeugung, sollten den Gilben an- gehören. Er schwelgt in dem Gedanken, wie nützlich es für Liberale und Konservative sein würde, wenn sie innerhalb der Gilde ihre Ansichten gegenseitig austauschen könnlen. Daß es auch Sozialdemokraten in England giebt und daß also auch diese in den Gilden Aufnahme finden mußten, übersieht er entweder aus Unwissenheit oder aus Berechnung. Nun ist es zweifellos möglich, Leute der verschiedensten religiösen und politischen An- schauungen zu irgend welchen gemeinsamen unwesentlichen wirth- schafllichcn Unternehmungen, wie Kohlenniederlagen es sind, zu vereinen. Auch zum gemeinsamen Meinungsaustausch lassen sie sich mit Erfolg anHallen. Die Gemeiuschasl solcher verschieden- artiger Elemente müßte aber sofort in die Brüche gehen, wenn es sich um die gcmeinsame Fortbildung in der Ethik, im RechtS- wesen, in der Geschichte, in der Nationalökonomie Handell, wie Coit das plant. Ter Lehrer, der solche Stoffe behandelt und vorträgt, niuß doch selbst von einer ganz bestimmten Anschauungs- weise ausgehen; er muß, wen» er Freidenker oder Rechtgläubiger, wenn er Konservativer oder Liberaler oder Sozialdemokrat ist, bei Leuten gegnerischer Anschauung Anstoß erregen. Tie Hörer iverden, falls sie überhaupt eine eigene Anschauung haben, es sich nicht tefalle» lassen, im gegnerischen Sinne„fortgebildet" zu werden. genn Coit und seine Freunde in Kentish Town auf keinen der- artigen Widerstand gestoßen sind, so läßt sich das nur daraus erklären, daß sie mit politisch rückständigen Leuten zu thun hatten, die zivar in unklarer Weise mit allgemeinen Fortschritts- bewegungcn sympathiesirten, sich aber doch noch keine eigene Meinung aus irgend einem Geistesgebiete gebildet hatten. Dafür, daß die Leighton Hall-Gilde nicht aus klassenbewußten Arbeitern gebildet wird, haben wir ein schlagendes Beispiel angeführt. Wären die Gildegenossen ausgesprochene Anhänger der Sozial- deniokratie gewesen, so würden sie es sehr übel vermerkt haben, daß der Lehrer und Berather um den Kern der sozialen Frage wie die Katze um den heißen Brei herumgeht. Trotz dieser Zaghaftigkeit, oder vielleicht gerade wegen der Unklarheit, die ihn deherrscht, glaubt Herr Coit nun doch in den Nachbarschaftsgilden das richtige Mittel zur Lösung der sozialen Frage an der Hand zu haben. Er meint, eine umfassende Or- wegen schlechter Behandlung desertirt zu sein. Die eingeleitete Untersuchung hat nun herausgestellt, daß Hartmann den Rekruten befahl, sich hinzulegen, worauf er dieselben mit einer Klops- peitsche behandelte. Die„Musteranstalten" als Gabenspender. Eine sehr deprimirende Festüberraschuna soll dem Beamtenpersonal der Stadt- und Ringhahn noch kurz vor Jahresschluß durch eine geheime Verfügung des vorgesetzten Betriebsamtes zu Theil ge- worden sein. Die Stationsvorstände seien— heißt es— an- gewiesen worden, Unter st ützungsgesuche fernerhin nicht mehr anzunehmen und einzureichen, weil der Unterstützungs- fonds erschöpft sei und daher Unterstützungen nicht mehr bewilligt werden könnten. Nur in den„a ll e r d r i n g e n d st e n Fällen" soll es zulässig sein, solche Gesuche dem Betriebsamt vorzulegen. Die Verfügung sei den Beamten zur Kenntniß und Unterschrift vorgelegt worden. Es sollen seitdem selbst Nothstände, welche durch Krankheiten oder Todesfälle in den Familien von Beamten, auch gering besoldeter, eingetreten sind, von den Stations- vorständen nicht als stichhaltig genug für die Annahme von Unter- stützungsgesuchen anerkannt worden sein. Ganz recht so. Desto klarer die Beamten darüber belehrt werden, was sie an Hilfe im furchtbarsten Elend vom Staat zu erwarten haben, desto besser für— die Sozialdemokratie. In den hiesigen Klein-Geschäften haben in den letzten Tagen Umfragen durch Polizeibeamte stattgefunden, um fest- zustellen, ob und in welchem Umfange der Verkauf von Flaschen- bier stattfindet. Bei den Geschäftsinhabern hat diese Umfrage die wohl auch begründete Vermuthung erweckt, daß es sich um eine Vorermittelung für eine neue Biersteuer handeln könne. Ein Beitrag zum wirklichen Elend der landwirth- schaftlichen Arbeiter. Ende Oktober vergangenen Jahres sank ein 68jähriger Mann auf den Straßen Berlins zusammen. Von mitleidigen Samaritern wurde er nach dem Krankenhause Friedrichshain geschafft. Dort stellte sich heraus, daß der Zu- sammengebrochene der Hofarbeiter Daniel Augnstin aus Piplin, Kreis Gumbinnen, war. Infolge Enlkräftung und infolge kolossaler Schmerzen, die ihm ein Beinbruch verursachten, war er zusammengebrochen. Nach wochenlanger Behandlung wurde ihm dann im Friedrichshain ein Bein amputirt. Der Arme soll sich noch dort i» Behandlung befinden. Wie kam er nach Berlin? Er wollte sich an„seinen Kaiser" wenden, wurde nicht vorgelassen und warf die Bittschrift in einen Briefkasten. Und was steht in der Bittschrift? Weshalb wendete Augustin sich an„seinen Kaiser"? Augustin stand nebst seiner Ehefrau seit 23 Jahren bei dem Rittergutsbesitzer v. Bolzin zu Parecken(Kreis Gumbinnen) als Hofarbeiter im Dienste. Vor etwa 12 Jahren verunglückte er im Dienst: er zog sich beim Steinabladen einen Bruch und eine Beschädigung der Füße zu. Seine Erwerbsfähigkeit nahm ab. Seit etwa 5 Jahren wurde er nur noch zum Holzbacken und zur nächtlichen Bewachung des Gutes verwendet. Er erhielt hierfür(abgesehen von Essen) die horrende Belohnung von 2,50 bis 4,50 M. monatlich— je nach Gunst seines Herren. Vor 3 Jahren machte eine längere Krankheit dem Augustin die Aus- Übung seines Wächterpostens unmöglich. Nach überstandener Krankheit war er noch weniger erwerbsfähig wie vordem. Durch die Arbeit seiner Frau, die als Hofarbeiterin seit 23 Jahren gegen einen jährlichen Lobn von 24 Thalern und wöchentlich ein Brot angestellt war, wurde der Hauptverdienst der Familie b». schafft. Da beging die Frau im Juni 1893 ein furchtbares Ver- brechen: sie warf das Futter, das ein Schwem des gnädigen Herrn nicht fressen wollte, einem Schwein eines anderen Hof- arbeiters vor. Diese Sünde erfuhr der„gnädige Herr", prügelte die alte Frau durch, entließ sie und verbot, bei 10 M. Strafe. ihr Essen zu geben. Augustin sollte fortan Essen nur in der Küche verabreicht erhalten, um nicht etwa seiner Fran etwas abzugeben. Verstohlen steckte der im Dienst des Gnädigen erwerbsunfähig Gewordene ein paar Kartoffeln für seine Frau ein. Diese er- hielt übrigens bald darauf eine andere— bessere— Stellung. Das Fußleiden des Augustin verschlimmerte sich, da ihm. keine ärztliche Behandlung zu theil wurde. Da befahl denn der „gnädige Herr", dem„faulen Hund" fortan nur noch täglich einen Tops Suppe zu geben. Die einzige Kuh, die Augustin besaß, verkaufte der gnädige Herr für sich! Das sei. meinte er auf Vorstellungen dagegen, sein Recht. denn er erhalte ja den Augustin. Augustin erschien seine Lage selbst für einen ostelbischen Landarbeiter zu trostlos. In seinem wohl wenig gerechtfertigten, aber durch nichts erschütterten Ver- trauen zur Allmacht der Polizei wendete er stch an den Amts- Vorsteher, dann an die Polizei— vergeblich. Nunmehr wendete ganisation des geistigen und sittlichen Lebens des Volkes wäre die nothwendige Voraussetzung zur Besserung seines irdischen Looses. Sehen wir einmal ab von der konventionellen theologischen Ausdrucksweise des Verfassers, der neben der Sorge für das irdische Loos des Volkes auch noch ein überirdisches Loos im Auge hat. so steht seine Grundausfassung doch auch sonst in unmittelbarem Gegensatz zu derjenigen, auf der die gesammte zielbewußte, mo- derne Arbeiterbewegung fußt. Sie bat es klar erkannt, daß die geistige und sittliche Hebung der Menschheit erst nach der Um- estaltung unserer gesammlen Wirthschaftsverfassung in voller Freiheit vor stch gehen kann und daß Alles, was wir jetzt zur lusbildung der Einzelnen thun können, nur den nächsten Zweck hat, sie für den wirlhschaftspolitischen Emanzipationskamps des Proletariats befähigter zu machen. Coit will nun aber gerade den umgekehrten Weg ein- schlagen. Er meint, die Gilden sollten nach erfolgter geistiger und sittlicher Organisation des Volkes„ihre ganze Kraft an eme Aenderung der Gesetzgebung setzen." Diese Idee ist von so kind- licher Naivität, daß es sich nicht lohnt, darüber zu reden. Herr Coit könnte füglich wissen, daß in Deutschland und England jetzt bereits große Parteien sich mit der Reorganisation von Staat und Gesellschaft durch das Mittel der Gesetzgebung recht ernstlich befassen und sicher nicht ihre Thätigkeit einstellen werden, weil in Zukunft möglicherweise einmal ein« Coit'sche Gildenpartei mit einem noch vorläufig ganz unbestimmten sozialen Programm in Wirksamkeit treten könnte. Die Nachbarschaftsgilden haben einen weit beschränkteren Werth and Wirkungskreis, als Herr Coit ihnen beimißt, dennoch haben sie einen gewissen Werth auch für uns, da sie in Einzel- heilen mit manchen Bestrebungen innerhalb unserer eigenen Be- wegung zusammenklingen, und deshalb haben wir uns so aus- führlich mit ihnen beschäftigt. Wir dürfen nichts unbeachtet lassen, was wir zur Förderung der proletarischen Bewegung nutzbar machen können. Indem wir den berechtigten Kern der Nachbarschaftsgilden herausschälen, müssen wir zu unserem Bedauern noch den letzten Anschein von Originalität zerstören, der ihnen anhastet. Coit selbst erwähnt, daß er die Anregung zu seinen Bestrebungen von der Heilsarmee und der Toynbee- Hall- Bewegung, einem durch junge Gelehrte gebildeten Volks-Bildungsverein, empfangen hat. Aber auch für die Form der Organisation und ihre wesentlichsten Eigenheiten. sogar für deren Namen giebt es Vorbilder, und zwar bei einem deutschen Volksstamme, den Siebenbürger Sachsen. Seit Jahrhunderten bestehen in Siebenbürgen Verbände, die mit fich Augustin an den Raiser. Wie er von da ins Krankenhaus| feine Ansprüche im Wege des Zivilprozesses geltend machen. 1 werbegericht auf Bahlung einer Sohnentschädigung( Entschädigung tam, haben wir oben mitgetheilt. Wodurch seine Leidens Schäfer Schulz tlagte nun auf Schadenersatz beim Landgericht für Gehalt, Kost und Logis). Der Beklagte wendet ein, daß er geschichte uns bekannt wurde? Das ist gleichgiltig. Das Wesent- zu Lyd( Aktenzeichen 0.555 de 91) im Armenrecht. Nach statt den Kläger nicht neu engagirt habe und daß diefer bei lichste ist, daß dies traurige Loos des Landarbeiters nicht vergehabter Beweisaufnahme wurde er abgewiesen, da das der Entlassung sein vorgebliches Recht auf die Kündigung einzelt dasteht, sondern typisch für die entsetzliche Lage unserer Gericht einen zwingenden Beweis dafür nicht geführt erachtete, nicht geltend gemacht hätte. Wäre dies geschehen, so oftelbischen Lanbarbeiter ist, die häufig trauriger als die Leib- daß der bis zu dem Tage der Mißhandlung völlig erwerbsfähige hätte er noch 14 Tage weiter arbeiten können. eig ener ist. Nun auch die ostelbischen gefnechteten, aus: Kläger in folge der Mißhandlungen erwerbsunfähig geworden Kläger wurde to stenpflichtig abgewiesen. Gründe: geh ungerten Leidensbrüder beginnen die gemeinsame Ursache des sei. Denn die Mißhandlungen hätten nur in ein paar Ohr- Der Gerichtshof sei erstlich von der Erwägung ausgegangen, gemeinsamen Elends der Arbeitenden aller Orten zu erkennen feigen und ein paar Stößen" bestanden", seien also ganz gering: daß durch die Herabsetzung des Gehaltes beziehungsweise durch und fich im Kampf gegen die Ausbeuter jeder Art der zielfügige Mißhandlungen" gewesen. Ob Staatsanwalt und Gericht die bezügliche Abmachung durchaus nicht das alte Vertragsbewußten sozialdemokratischen Bewegung anzuschließen. auch dann angenommen hätten, es liege nur eine ganz gering- verhältniß aufgehoben und ein völlig neues an seine Stelle gehintereinander ab. Die Folge war bei den am meisten Zu dem Hirschlaff- Kohn'schen Wucherprozeß wird bezahlung des Entlassungstages. Der A'18 Vorfihender des Gewerbegerichts- Ausschusses fügige Mißhandlung vor, wenn ein 58jähriger Staatsanwalt treten fei. Der alte Vertrag bestand fort, nur eine Bestimmung, fungiri der Affeffor v. Schulz, feitdem Assessor Dr. Freund als der Richter" nur" mit ein paar Ohrfeigen und Stößen vor die die betreffs des Gehalts, wurde geändert. Dann aber wäre es lebenslänglicher Beamter der Stadt im Vorstande der Alters- Brust trattirt wäre? Oder hätten sie dann von der zunehmenden unter allen Umständen Sache des Klägers gewesen, ein feiner und Invaliditätsversicherungs- Anstalt Berlin angestellt ist. Buchtlosigkeit und Rohheit der arbeitenden Klassen ein Liedchen Meinung nach ihm zustehendes Recht gleich bei der Entlassung Wenig bekannt dürfte sein, daß die Vorsitzenden der einzelnen su fingen gewußt? Schäfer Schulz versäumte infolge seiner er geltend zu machen und zu sagen: Ich beanspruche die vierzehn Kammern des Gerichts, bekanntlich Magistratsassessoren, nur im lärlichen Rechtsunkenntniß leider die Berufungsfrist, so daß das tägige Kündigung. Der Beklagte felbft habe ja gesagt, das er Nebenamt Richter find. Ihre richterliche Thätigkeit ist nur Neben ihn abweisende Urtheil rechtskräftig geworden ist. Das ist ein den Kläger auf sein Verlangen unbedenklich noch 14 Tage be beschäftigung, als Magistratsbeamte haben sie sonst noch zu thun, je wahres Bild aus der wirklich„ nothleidenden" Landwirthschaft. schäftigt hätte. nach dem Reffort, welchem fie angehören. Allein dem Gewerbegericht Des Proletarier8 Leidensbahn. Aus dem Fenster gefeine Kraft zu widmen, hat nur einer der jüngst neu eingetretenen fprungen ist gestern( Mittwoch) Nachmittag um 1 Uhr der Affefforen. Die Frequenz des Gewerbegerichts ist stetig ge- 36 Jahre alte Arbeiter Chriftian Meinung, der im dritten Stock wachsen. Am besten spiegelt sich das ab an den während der des Hauses Linienstr. 14 in Schlafstelle wohnte. Er war schwinddreiviertel Jahr seines Bestehens nothwendig gewordenen Um füchtig und sab sein baldiges Ende voraus. Durch den Sprung wälzungen. Im Mai 1893 hatten je zwei Kammern( I nnd 11, auf den Hof zog er sich einen Genidbruch zu, der den sofortigen III und IV, V und VI, VII und VIII) einen Vorsitzenden und Tob zur Folge hatte. hielten ihre Sigungen an einem Tage in demselben Zimmer belegten" Kammern, daß ihre Sigungen nicht selten bis Abends um sechs, in einzelnen Fällen gar bis sieben Uhr dauerten. Nach einigen Monaten schon konnte an einem Tage in jedem Verhandlungszimmer nur eine Kammerſitzung statt finden, so sehr hatten sich die zu erledigenden Klagen vermehrt. Die Vorsitzenden haben jett statt einmal zweimal in der Woche mit Beifizern zu fißen". Dann wurden die Räumlichkeiten des Gerichts erweitert und die Zahl der Vorsitzenden vermehrt, schließlich hatte jeder derfelben nur noch eine Kammer. Statt einer hielten die zumeist belasteten Kammern bald mehrere Sigungen( mit Beifißern) in der Woche ab, so die Kammern I und III. In den Monaten Oktober und November 1893 fanden fast jede Woche vier Sigungen der jetzt genannten Kammer( für Baugewerbe) statt. Jeht hat dieselbe wegen Ueberlastung fogar getheilt werden müssen. Neben ihrem alten Vorsitzenden Cuno hat nun Assessor Fürst in derselben noch den Vorsitz zu führen. Mindestens sechs Sigungen hat diese Kammer jetzt jede Woche, außerdem haben die Vorsitzenden noch Vergleichstermine abzuhalten. " nicht nur Gewerbegericht. Rammer VIII. Stellvertretender Vorsigender: Assessor v. Schulz. Sizung vom 6. Januar. Der Papierkleber B. beansprucht von dem Buntpapier- Fabrikanten Ehrlich( die frühere Firma seines Betriebes hieß Frank und Voß) eine Lohnentschädigung von 40 M. und 5,84 und 3,49 M. als Akkordrest. Sein Vertreter, Kartonarbeiter Greifenberg, beantragt außerdem die Verurtheilung des Beklagten zur BeDie Entlassung des Klägers Abend in Dresden aus der Untersuchungshaft entlassen ist, obne ba er mit den Alfordfähen unzufrieden war, nur gesagt, wenn richtet, daß der Agent und Gutsbesitzer Simon Kohn am Mittwoch erfolgte an einem Montag Vormittag. Herr Ehrlich bestreitet, B. entlassen zu haben; er habe zu demselben, daß eine Bürgschaft geleistet wurde. Zu der Entlassung dürften ihm der gezahlte Preis nicht genüge, fönne er ja aufhören. Er günstige Zeugenaussagen geführt haben, so daß Kohn voraus- habe nur nicht mehr zahlen wollen. Beklagter bemängelt auch sichtlich in den Prozeß nicht weiter verwickelt werden wird. die Höhe des Entschädigungsanspruches. Der Kläger habe in Unschuldig ins Irrenhaus gesperrt wurde der Kauf den Wochen, wo er Aftord arbeitete, lange nicht mann R., der im Süden der Stadt ein gut gehendes Kolonial- ben Lohn von 20 m. verbient, welcher ihm vorher zu geschäft betrieben hat. Am 15. Dezember wurde er plöglich der theil geworden sei. Deshalb habe er ihm schon ExtraPolizei von seinen eigenen Verwandten als geistestrank denunzirt bonifikationen gegeben; 1 M. und auch 2 M. die Woche, aus und schließlich, nachdem die von zwei Aerzten angeblich an- Humanität.(?) Am Tage seines Abganges habe Kläger statt gestellte Untersuchung ebenfalls auf Geistestrantheit lautete, in der verdienten" 16,50 m. fagar 20 m. erhalten; er, M. die Frrenabtheilung der Neuen Charitee eingeliefert. Hier mußte Beklagter habe sich dadurch in Güte mit ihm zu einigen gesich N., der sich vollständig geistesgefund fühlte, fich allerdings sucht. Der Vertreter des Klägers und ein Zeuge desselben, der nur wegen zweier Prozeßfachen und einer zurückgegangenen Papierarbeiter W., behaupten übereinstimmend folgendes gegen Verlobung, in einer momentanen Aufregung befand, gefallen die Darlegungen des Beklagten. Die von diesem festgesetzten lassen, zuerst gebabet, dann mit einer Anstaltskleidung Atfordsäge seien bedeutend geringer als in den anderen Fabriken. bekleidet und in einem Zimmer mit 14 Geistes- und epileptisch Kläger sowohl wie Zeuge hätten wiederholt ihre UnzufriedenKranken zusammen internirt zu werden. Der Vorsicht wegen heit mit denselben Herrn Ehrlich zu erkennen gegeben. wurde R. noch mit der Zwangsjacke bekleidet, ihm diefelbe jedoch Alls Ehrlich am bewußten Montag in die Fabrik geEin Beitrag zum Recht der Landarbeiter, gemiß schon am nächsten Tage wieder abgenommen und er selbst nach tommen fet, habe B. ihn wegen des geringen Verdienstes handelt zu werden. Aus den Akten des zu Berlin, Forster neuntägigem Aufenthalt, nachdem die dortigen Aerzte sich von angesprochen, für sich, sondern auch im straße wohnhaften, jetzt erwerbsunfähigen, früheren Schäfers feiner geistigen Gesundheit überzeugt hatten, sofort wieder ent- Namen des Beugen. Beide feien sofort ins Romptoir beordert Schulz. Schulz ist seit seiner ihm im Juni 1889 durch seinen laffen. R., dessen Geschäft in der Zwischenzeit von unkundiger worden, wo auf die Bejabung seiner Frage, ob sie mit dem Dienstherrn auf dem Gute Choszewen( Kreis Lyck) zugefügten and verwaltet und dem selber als einem anscheinend Geistes- Afford unzufrieden feien, Ehrlich gesagt habe: Ich bin schon Mißhandlung arbeitsunfähig. Alle seine Bemühüngen, Be- franken das größte Mißtrauen entgegengebracht wird, ist durch lange mit Ihnen unzufrieden, Sie hören auf, aber sofort. Daß strafung des Gutsherrn( Mauerhoff) und Entschädigung zu er- diefes Vorkommniß vollständig ruinirt. Sein einst blühendes sie gehen könnten, wenn ihnen der Akkord nicht paffe, habe der langen, sind von den Gerichten abgewiesen. Wir lassen Auszüge Geschäft ist soweit heruntergekommen, daß heute bereits eine Beklagte nicht gefagt. Dieser wendet nachträglich noch gegen aus den Urtheilen, die für sich selbst sprechen, folgen. Gläubiger- Versammlung stattfindet. die Affordrestforderung ein, dieselbe sei um deswillen hinfällig, weil der Kläger eine Schöffengericht zu Sensburg weist unter dem 10. Juli 1890 bie Duittung unterschrieben Wegen fehlender Geldbeträge hat gestern( Mittwoch) Privattlage wegen Mißhandlung unter folgender Begründung Nachmittag der Agent Adolf Krüger in feiner Wohnung in der hätte( über die 20 M. der letzten Woche), in der ausab. Am 6. Juni 1889 wurden die Schafe auf dem Gute Naunynstraße Hand an sich selbst gelegt. Er war für eine brücklich stehe:" Zum Ausgleich der Lohndifferenz erhalten und so weiter. Er weist die Quittung vor. Beklagter stellt den Choczewen geschoren und bemerkte der beklagte Gutsherr hiesige bekannte Lebensversicherungs- Gesellschaft thätig und konnte ( Mauerhoff), daß einige Schafe schmuzig waren. Er fragte bei der Abrechnung den auszuzahlenden Betrag nicht voll ab- Beugen W. als befangen hin, weil diefer wegen derfelben Gedeshalb den Privatkläger( Schäfer Schulz), wie viel benn eigent- liefern. Aus Angst vor den Folgen hat er sich an der Stuben- chichte" wie B. gegen ihn flage; der Termin in dieser Sache lich schmuzig feten, worauf der Privatkläger in trobigem Tone thür erhängt. fei allerdings an einem anderen Tage. B. bemerkt betreffs der ( hört, hört!) erwiderte, das tönne er nicht wissen, und noch vorgewiesenen Quittung, er habe die Zahlung von 20 M. nur Wegen Mordes verhaftet ist der Arbeiter Karl Rahmlow als einen Ausgleich für den Verdienst der lezten Woche unverständlich mauite"(!!). Der Beklagte begab aus Weißensee, der als ein gewaltthätiger und dem Trunte er betrachtet und sich zu den Beklagten dahingehend geäußert. sich darauf ins Fach und versette, versette, wie die Zeugen Schepfer und Borbola eiblich bekundet haben, dem Privatfläger getrunkenem Zustande Nachmittags heimgelehrt fein und hier hof vereidigte nicht den Beugen, wie der Kläger erwartet hatte, Sebener Mensch bezeichnet wird. Er soll am 20. v. M. in an- Dieser stützt sich auf den Wortlaut der Quittung. Der Gerichtseinen Stoß oor die Brust mit den Worten: Du taught ohne jebe Veranlassung seine 6 Monate alte Tochter Emma in fondern fällte unter Ansehung eines neuen Termins folgendes nichts und der Hund auch nichts. Hierauf antwortete Privat überaus roher Weise gemißhandelt und dann im Bette erstickt Urtheil: Dem Kläger wird folgender Cid auferlegt: Es ist wahr, Iläger: Dann schieße ich in die Schaafe und machte Miene, die haben. So lautet die Beschuldigung, die von den älteren daß der Beklagte am 20. November zu mir gesagt hat, ich solle Scheune zu verlassen, erhielt aber vom Beklagten noch einen Kindern, die im Zimmer anwesend waren und bisher aus sofort aufhören; es ist nicht wahr, daß der Beklagte gesagt hat, Stoß vor die Brust, so daß er zur Erde taumelte." Furcht geschwiegen haben, jeht erhoben wird. Daß die That wenn ich nicht mit den Akkordfähen zufrieden sei, solle ich ( Der Privatkläger war damals 58 Jahre alt.) Biernach", fagt mit Ueberlegung ausgeführt ist, wird daraus geschlossen, daß sofort aufhören. Leistet der Kläger den Eid, so wird Beklagter bas Urtheil, ist zwar für thatsächlich festgestellt erachtet, daß St. vorher geäußert hatte, das Kind gehöre nicht ihm und werde verurtheilt, 39 M. demselben zu zahlen. Leistet er ihn nicht, so der Beklagte den Privattläger vorfäblich förper: baber nicht lange leben. Uebrigens ist im August 1891 ein ist er abgewiesen. Mit der Mehrforderung wird Kläger mit lich mißhandelt hat. Das Schöffengericht hat 4 Monate altes Kind desselben Mannes unter Umständen ge- Rücksicht auf seine Unterschrift, durch die er einen Ausgleich der inbeffen für erwiefen erachtet, daß der Anstorben, die die Annahme einer Gewaltthat begründet erscheinen Lohndifferenzen, nicht einer bestimmten 2ohndiffe: getlagte durch das Benehmen des Privat: lassen. Die Frau scheint den Mann gleichfalls zu beschuldigen. rens, anerkennt, abgewiesen. Bei Bemessung der Sohnflägers derartig gereizt war, daß er sich nicht be herrschen tonnte, und ihn deshalb von der Einen schrecklichen Tod hat die sechs Jahre alte Tochter entschädigung wurde als angemessen ein Wochenlohn von 18 M. Antlage freigesprochen"!! Von einer Berufung war Martha der Prinz Eugenstr. 2 wohnenden Schuhmacher Grothe- erachtet.( Somit ist der Beklagte zur eventuellen Bezahlung des fein Erfolg an erwarten. Ebensowenig schritt die Staatsanwalt fchen Eheleute gefunden. Vor einigen Tagen betrat das Kind in Entlassungstages außer zur Bahlung der 14 tägigen Lohnschaft ein, wiewohl der Schäfer ärztliche Atteste überreichte, in Abwesenheit seiner Mutter( war diese wohl„ leichtsinnigerweise" entschädigung verurtheilt, oder doch so gut wie verurtheilt benen seine Erwerbsunfäbigfeit bescheinigt wurde. Der Staatsanwalt zur Arbeit gegangen? D. Red.) die Küche und nahm von der worden.) Der Kläger erklärte sich bereit, im neuen Termin den ging von der Ansicht aus, Mauerhoff habe seinen 58jährigen Schäfer Maschine einen mit kochendem Waffer gefüllten Theekessel. ihm aufgegebenen Eid zu leisten. Mit dem Einverständniß beider Parteien wurde dann gleich wegen ungebührlichen Betragens gezüchtigt". Falls der Schäfer während es diesen in der Hand hielt, fiel es hintenüber, und infolge der Mißhandlungen erwerbsunfähig geworden" möge er das siedende Wasser ergoß sich über seinen Körper. Aerztliche die Sache W. wider Ehrlich verhandelt. Da die zu Grunde Bilfe tonnte nichts mehr nüßen und die Kleine starb in der liegenden Umstände die gleichen sind, wie in der Sache B. wider Nacht zum Mittwoch. Ehrlich, war auch das Resultat der Verhandlung das gleiche. ben Klubs der Coit'schen Nachbarschaftsgilde eine erstaunliche Aehnlichkeit haben. In einer Schilderung des Siebenbürger Volkslebens heißt es darüber: In schauervoller Weise getödtet hat sich Mittwoch Nach- Vor dem Straffenat des Rammergerichts wurde am mittag der 27 Jahre alte Dr. med. Ferdinand Gutmann, der Donnerstag gegen den Genoffen Lührmann in Bramsche ver aus Nürnberg stamint und sich zwecks weiterer Ausbildung auf handelt, den die Polizei in eine Geldstrafe von 10 M. genommen Die jungen Burschen wie die jungen Mädchen gehören dem Gebiete der Heilkunde hier aufhielt. Er hatte sich im Erd- hatte, weil er am 30. April 1898 eine Tanzluftbarkeit, die nach von der Konfirmation bis zur Ehe ihren Verbänden an: geschoß des Hauses Luisenstr. 9 ein möblirtes Bimmer geniethet der Meinung der Polizei eine öffentliche war, veranstaltet, aber der Bruderschaft und der Schwesterschaft. Diese haben eine unb lag feinen Studien sehr eifrig ob. Dabei scheint er sich gleichwohl nicht die polizeiliche Genehmigung dazu nachgesucht jebe ihre Gesetze, Gesetze, thre Strafen und ihre Beamten, überarbeitet zu haben und auf sonderliche Gedanfen gekommen hatte. Lührmann beantragte richterliche Entscheidung, und bie alle ihre bestimmten Funktionen zur Förderung der Sittlich- au fein. Als am Mittwoch Nachmittag seine Wirthin, eine Schöffengericht wie Berufungskammer bestätigten den Strafbefehl, feit und Geselligkeit zuertheilt erhalten. Dit der Heirath scheiden Frau L., fein Bimmer aufsuchte, fand sie ihn auf dem Sopha indem sie die Oeffentlichkeit der Tanzlustoarkeit darin fanden, Braut und Bräutigam aus den Verbänden und treten in eine figend als Beiche vor. Auf einem Zettel, den er auf dem Tische daß die Gesellschaft, welche dieselbe veranstaltete, eigens und der vier Nachbarschaften ein, in welche ein fedes Dorf gewöhnlich niedergelegt hatte, theilte er mit, daß er sich mittels Morphium nur zu diesem Zwecke zusammengetreten sei. In der heute zur getheilt ist. Von ihrem erwählten Nachbarvater geführt, ziehen vergiftet habe, gab auch als Grund traurige Familienverhältnisse Verhandlung gekommenen Revision hiergegen bestritt der Anbiese Nachbarschaften aus zu gemeinsamen Dorfarbeiten, leisten bei Bauten einem der Ihrigen den nöthigen Beistand, vor diesem an, die in Wirklichkeit gar nicht bestehen. Der junge Arzt hatte geklagte, daß diese Thatsache ein Wertmal ber Deffentlichkeit sei. bei Bauten einem der Ihrigen den nöthigen Beistand, vor diesem aber nicht blos Gift genommen, denn der Fußboden seines Außerdem bemängelte er, daß ein Zeuge nicht vernommen, und Nachbarvater erscheinen sie einmal im Jahr zum" Sittag" oder Bimmers war in eine Blutlache umgewandelt worden. Mit schließlich, daß nur festgestellt sei, er, der Angeklagte, babe die Richttag", vor der Abendmahlsfeier zum Versöhnabend. Jebe Hilfe eines Eegirmessers hatte er fich die rechte Gesichtsfeite von Tanzluftbarkeit veranstalten helfen. Nun dürfe aber im vorNachbarschaft begräbt ihre Tobten. Da haben wir also das Coit'sche Ideal, die Organisation der Stirne bis zum Auge und dann den rechten Unterkiefer auf: liegenden Falle nach dem Gesetze nur der Thäter, nicht der des geistigen und fittlichen Lebens in Nachbarschaften nach dem geschnitten, so daß die Backenknochen blosgelegt waren. Darauf jenige, welcher Beihilfe leistet, bestraft werden. des geistigen und fittlichen Lebens in Nachbarschaften nach dem Alter abgestuft, verwirklicht, so weit es erreichbar ist unter dörf geführt und sich endlich die Pulsadern an beiden Handgelenken Sache zur nochmaligen Entscheidung an die Berufungskaminer Alter abgestuft, verwirklicht, so weit es erreichbar ist unter dörf. hatte er einen tiefen Schnitt in die rechte Seite seines Halfes gericht hob das Urtheil der Vorinstanz auf und verwies die lichen Verhältnissen. Nur in den Fortbildungseinrichtungen geben durch Kreuzschnitte geöffnet. des Landgerichts zu Osnabrück zurück, weil das Urtheil dieser die Coit'schen Nachbarschaftsgilden über die Siebenbürger Nach barschaften hinaus. Brände statt. Gerichts- Beitung. Das KammerPolizeibericht. Am 10. d. Mts. Vormittags wurde ein Berufungsinstanz überaus kurz sei und daraus nicht hervorgehe, Wenn uns der Coit'sche Nachahmungsversuch einer deutschen Arzt in seiner Wohnung in der Quisenstraße todt aufgefunden. daß der Angeklagte wirklich der Veranstalter der Tanzluftbarkeit Boltsinstitution in den Großstädten Englands und Amerika's be- Er hat sich anscheinend mittels Morphium vergiftet. Mittags war. Es heiße dariu vielmehr nur, Lührmann habe die Tanzsonders intereffirt, fo liegt es daran, daß auch hier in Berlin ftürzte sich ein Stutscher aus einem Fenster feiner im 3. Stode luftbarkeit veranstalten helfen. ein gleiches Bedürfniß nach einem engeren Verkehr, nach regerem eines Hauses in der Linienstraße belegenen Wohnung auf den Wann und wie hat der troy Nichtausschlusses der Gedankenaustausch, nach der ausgiebigeren Nugbarmachung von Hof binab und fand auf der Stelle den Tod. Abends wurde gesetzlichen Kündigungsfrist plöglich entlassene Arbeiter Bildungsmitteln in Arbeiterkreisen empfunden wird und zu gleich ein Mann in seiner Wohnung, in der Naunynstraße, erhängt fein Blecht auf dieselbe geltend zu machen, unt sich einen eventuellen Jm Laufe des Tages fanden drei fleine Entschädigungsanspruch zu sichern? Diese Frage hat eine Zeit artigen Unternehmungen geführt hat, die wiederum aus den Goit'schen vorgefunden. Erfahrungen mancherlei Anregung entnehmen fönnen. Ohne in lang infolge ihrer verschiedenen Beantwortung durch die eindie optimistischen Zukunftsschwelgereien des Herrn Coit zu ver zelnen Stammern bes Gewerbegerichts zu den widerspruchsvollsten fallen, tönnen auch wir das Prinzip der Nachbarschafts- Organi Entscheidungen bei ganz wesensgleichem Thatbestand geführt. fationen zur Förderung der Geselligkeit, des Meinungsaustausches Der Kläger hätte seinen Anspruch auf die Kündigungsfrist bei und des freundnachbarlichen Zusammenwirtens unter den Berder Entlassung dem Arbeitgeber gegenüber gleich geltend machen liner Gesinnungsgenossen zur Anwendung bringen. Es kann das Gewerbe- Gericht. Kammer VI. Borsigender: Assessor müssen; da er es nicht gethan, erfolgte seine Abweisung, benur zur Stärkung der gesammten proletarischen Bewegung und 2e o. Sigung vom 5. Januar. gründete der Vorsitzende der einen Kammer das abweisende zur geistigen Förderung der einzelnen Genossen dienen. Wir Der Koch H. war bis zum 1. Dezember vorigen Jahres beim Urtheil derfelben, hinzufügend, das widerspruchslose ruhige tönnen darauf hinweisen, daß längst vor dem Erscheinen der Restaurateur R. Müller für 160 M. monatlich in Stellung. An Gehen auf die Entlassung hin sei ein stillschweigendes" Coit'schen Schrift der jüngst im Vorwärts" veröffentlichte Ent- diefem Tage wurde ihm von Müller eröffnet, daß er ihn nur be- Einverständniß mit derfelben und dainit auch mit der Nichtwurf zur Reorganisation der Berliner Wahlvereine ein solches halten tönne, wenn er fortan mit 120 M. zufrieden sei. Das anwendung der Kündigungsfrist. Der Vorsitzende einer anderen nachbarliches Zusammenwirken geplant hat, dem die Genossen- Arbeitsverhältniß war ein fündigungsloses. H. ging auf das Rammer führte in der Begründung des entgegenfchaften der einzelnen Stadtbezirke zur Grundlage gegeben werden Anerbieten Müller's ein. Später wurde er aber doch entlassen, gejeßten Urtheils, also der Verurtheilung des follten. Diese Bezirksgenoffenfchaften würden vor der Coit'schen Müller hatte einem Freunde die Stellung versprochen und löfte Beklagten, beim Vorliegen desselben Thatbestands Gilde noch den Vortheil voraus haben, daß die Theilnehmer dies Versprechen ein. In der Meinung, er sei durch die Vers aus, es sei gleichgiltig, ob der Kläger Anspruch auf die Kündiburchweg schon durch die gemeinsame Betheiligung am öffent einbarung betreffs des geringeren Gehalts ein neues Engagement gungsfrist bei seiner Entlaffung erhoben habe oder nicht. Den lichen Leben mit einander eng verbunden sind. bei Müller eingegangen und es gelte, weil diesmal nicht aus Entschädigungsanspruch fönne er jederzeit innerhalb der gefezG. Ledebour. geschlossen, die gefeßliche Kündigungsfrist, flagte H. nun beim Ge- lichen Verjährungsfrist erheben. Sintemalen in Werkstätten und " beim Biertisch viel über die Praris des Gewerbegerichts debattirt| Drganisation erkannt hat. Die winzigen Rosten für die Vereinigung| zu laffen. So wird z. B. aus Johanngeorgenstadt im und fluggeschnackt" wird und die, welche auf dem Gericht zu werden gescheut, aber ohne Murren läßt sich eine große Anzahl fächsischen Erzgebirge berichtet, daß ein derartiger Fabrikant, thun hatten, ihre Erfahrungen dort erzählen, entstanden, eine Berufsgenossen täglich und wöchentlich vom Lohn Abzüge gefallen. bei dem die Arbeiter 1,20 m. verdienen, seinen Arbeitern jede Folge der sich widersprechenden Urtheile, unter den Arbeitern Aufgepaßt! das ist wiederum die Parole im neuen Jahre. Schließt Arbeitsordnung mit 50 Pfennig anrechnet, wer sich das gegenfäßliche Anschauungen über die oben gestellte Frage. Man Euch der kleinen Schaar der kämpfenden Streiter an, tretet der nicht gefallen lassen will, fliegt hinaus. Dabei hat jedes Grem dem Deutschen Schneider= wußte nicht, sofern man sich überhaupt um das Gefeh" be- Organisation, und plar zwei Pfennige zu drucken gekostet. Der Prinzipal hat alsp fümmerte, woran man war. Neuerdings ist nun mit bezug auf Schneiderinnen- Verband als Mitglieder bei. Das mit der Arbeitsordnung ein schönes Geschäft gemacht, da bei ihm das stillschweigende Einverständniß" mit der Entlassung an stelle Eintrittsgeld für Männer beträgt 50 Pf., der wöchentliche Bei zirka 80 Mann beschäftigt werden. Es würde sich lohnen, durch der widerspruchsvollen eine widerspruchs lose Praris des trag mit Lofalzuschlag 20 Pf., für Frauen beträgt der wöchent- Gerichtsentscheid feststellen zu lassen, ob er dazu berechtigt ist. Gerichts getreten. Und zwar zu gunsten dieses still- liche Beitrag 5 Pf., das Eintrittsgeld 15 Pf. Die Fachzeitung Die Wirkungen des Kapitalismus sind überall die gleichen schweigenden Einverständnisses". In allen Fällen, erhält jedes Mitglied wöchentlich ins Haus gesandt. Wir geben wodie kündigung nicht ausgefchloffen war, aber die in Folgendem die Zahlstellen des Verbandes bekannt; auch werden furchtbaren. Ueberfluß, Zurus auf der einen, Armuth, Mittellosigkeit auf der anderen Seite. Wie in allen Großstädten, so Kläger ihr Recht darauf nicht gleich, d. h. bei der daselbst neue Mitglieder aufgenommen: Entlassung und dem Weggange vom Arbeit 1. Zentral- Arbeitsnachweis und Auskunfts- Bureau Schüßen- wird auch in Wien die Zahl derer, die von allen Mitteln entgeber, geltend machten, erfolgte in legter ftraße 18/19( Restaurant Freygang), wochentäglich blößt, auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesen sind, eine in Beit ftets ihre Abweisung. Diese übereinstimmenden von 8-1 Uhr, außerdem Sonnabend Abends von 81/2 bis jedem Winter größere. Ueber den Verkehr in den dortigen 10 Uhr. Wärmehallen wird berichtet: In den letzten fünf Tagen wurden Urtheile sind das Ergebniß einer Ronferenz der Vorsitzenden, soviel Schreiber dieses gehört hat. Es hat also jeder Arbeiter, dieselben von 79 146 Personen, 24 985 Männern, 24 588 Frauen und 29 573 Kindern besucht, die mit 81 307 Portionen Suppe und der nicht gewillt ist, seinen- das ist hier selbstverständlich vorauszusehen durch teine Abmachung be 81 780 Portionen Brot betheilt wurden. Wie lange wird ein seitigten Kündigungs- und event. Entschädigungsanspruch System, daß solche Früchte zeitigt, wohl noch bestehen können? zu verlieren, bei plöglich erfolgender Entlassung sofort zum Arbeitgeber zu sagen: Höre mal, lieber Arbeitgeber, Du mußt mich noch 14 Tage beschäftigen, sonst steige ich, wenn auch Dir nicht auf den Kopf, so doch aufs Gewerbegericht. Und klar und deutlich, wie hier ausgedrückt, muß die Anspruchs erhebung" sein. 2. Grenadierftr. 33 bei Seefeldt, Montag Abends von 81/ 2-10 Uhr; 3. Perlebergerstr. 28 bei Hermerschmidt, Montag Abends von 81/ 2-10 Uhr; 4. Blumenthalftr. 5 bei Behrendt, Montag Abends von 81/ 2-10 Uhr; 5. Annenstraße 9 bei Prog, Mittwoch Abends 81/2 bis 10 Uhr. Außerdem für Mäntelnäherinnen: bei Frau Schwarz, Wienerfir. 68, vorn 4 Tr., Reimann, Wrangelstr. 53, vorn 3 Tr. " " Akkumulation des Grundbesitzes. Vor 200 Jahren zählte man in Mecklenburg noch gegen 12 000 ritterschaftliche Bauernhöfe, vor 100 Jahren waren dieselben, auf 4472 zusammengeschmolzen, und gegenwärtig giebt es daselbst nur noch 1280 bäuerliche Anwesen. Die Vereinigung des Grundbesitzes in wenigen Händen geht also rasch und sicher vor sich. Der Hundebraten vor dem Reichsgericht. Auy die er Für die öffentlichen Angelegenheiten, die in unserem Ge- Die Arbeitslosenkommission in Basel sammelte 15 000 bärmliche foziale Lage der Bevölkerung im Osten des begnadeten werbe auftauchen, besteht eine aus Kollegen und Kolleginnen Franken, die Regierung( des Kantons) gab 1000 Mart, so daß preußischen Staates wirft eine Verhandlung ein grelles Schlag- aller Branchen zusammengesetzte Kommission, die Agitations- 16 000 Mark zur Vertheilung gelangen konnten. Dahingegen licht, die sich am 9. Januar in der Revisionsinstanz vor dem Kommission der Schneider und Schneiderin hatte dieselbe Regierung sich bemüßigt gefühlt, 25 000 Franken Reichsgericht abspielte. Die Tochter des Gastwirths Dobronen Berlins. Um die unter allen Umständen den Bauern zu bewilligen zur Anschaffung von Nothfutter. Das scheleti in Lahna( D.-Pr.) verheirathete sich und als Hauptfchädigende Bersplitterung der Kräfte au ist jedenfalls ein Beweis, daß auch die bemokratische" Republik schmaus bei der im Hause des Vaters abgehaltenen Hochzeits- verhindern, beruft diese Kommission von Zeit zu Zeit in noch sehr weit davon entfernt ist, alle Bürger als gleichberechtigt feier wurde ein Hundebraten aufgetischt. Das Thier, an bem allen Stadttheilen Berlins Bersammlungen ein, in denen alle zu betrachten. fich die Hochzeitsgesellschaft labte, war aber auf unredlichem auftauchenden öffentlichen Fragen, an denen die ganze Kollegen Wege erworben worden. Ueber die Quittungssteuer in Holland wird dem Dem Förster Neumann war ein großer Hühnerhund ab- fchaft intereffirt ist, zur Erörterung gelangen. Ebenso werden Hamburger Echo" von dort geschrieben: Die Mithanden gekommen, und dieser war das Opfer, welches sich die agitatorische und belehrende Vorträge gehalten. Achtet daher auf die von unterzeichneter theilung des Holländischen Korrespondenten an den Weſt Familie ausersehen hatte. Bater, Mutter und Sohn hatten Kommission einberufenen Bersammlungen. fálischen Merkur", daß man hier die Quittungssteuerpflicht um fich am 7. Juli v. J. vor der Straffammer in Neidenburg Um wiederum mit ben Kollegen aller Geschäfte in Fühlung geht dadurch, daß man einfach einen Strich durch die Rechnung wegen Diebstahls zu verantworten. Vater und Sohn wurden freigesprochen, dagegen wurde die Mutter wegen einfachen Dieb- 8 bleiben und die vorkommenden Mißstände wahrheitsgetreu feft- macht und darunter schreibt bezahlt", beruht wohl auf uns stahls zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. Gegen sie war zustellen, haben wir das Werkstatt- und Geschäfts- Delegirten fenntniß des betr. Gesetzes. Wenn nämlich derjenige, der die fyftem eingerichtet. Mindestens ein Kollege oder eine Kollegin betr. Quittung( oder durchgestrichene Rechnung) festgestellt, daß sie das Fleisch zubereitet und das Fell vergraben aus jebem Geschäft, die uns gegenüber als Vertrauens. hat, damit zum Steuereinehmer geht, wird der Gläubiger habe. In ihrer Revision bestritt die Angeklagte, fich eines personen gelten, haben an den Gigungen theilzunehmen und ihre der den Strich angebracht oder das Wort„ bezahlt" geschrieben Diebstahls schuldig gemacht zu haben und wollte höchstens zu geben, einer Unterschlagung schuldig zu sein, da der Hund selbst Adresse an den Kollegen Timm, Schüßenstr. 18/19, zu senden. bat, mit 25 Gulden( 41,66) bestraft. Das Gefeß umfaßt nämlich geben, einer Unterschlagung schuldig zu sein, da der Hund selbst Ebenfalls haben diese Vertrauenspersonen die Pflicht, für die alle Quittungen und andere einseitliche Akten oder Schriften, fich aus dem Gewahrsam des Eigenthümers fortbegeben habe. welche die Anerkennung vom Gläubiger enthalten, daß eine Schuld In der Verhandlung vor dem Reichsgerichte äußerte der Reichs- Organisation einzutreten. In unserem Bentral- Arbeitsnachweis- und Auskunfts- Bureau, vernichtet ist, ungeachtet der Form, worin die Schriftstücke verfaßt anwalt verschiedene Bedenken gegen das Urtheil, namentlich Schüßenstr. 18/19, liegen die Tarife der beim letzten Streit be find, und wäre es in der Form von Berichten und Briesen." Das erachtete er die Feststellung, daß die Angeklagte den Hund erachtete er die Feststellung, daß die Angeklagte den Hund„ be feitigt" habe, nicht für ausreichend. Das Reichsgericht war willigten Geschäfte zur Ansicht jedes Kollegen aus. Es ist Eure Gesetz enthält also Bestimmungen, mittelft beren es auch die vom aber der Meinung, daß die Strafkammer sich über den Begriff Pflicht, wenn Ihr Eure Arbeitspläge verändert, daß Ihr Kenntniß Korrespondenten des„ W. M." gemeinte Form der Quittung trifft. davon nehmt, wie in den Geschäften bezahlt wird. Der Schwerpunkt liegt aber in der Unmöglichkeit, die Umgehung der Wegnahme nicht im Irrthume befunden habe und erklärte werden die Tarife Gültigkeit behalten. In unserem Bureau des Gefeßes zu kontrolliren. Bei uns werden recht viele Rechdie Revision für unbegründet. Dieselbe wurde beshalb ver- werden Klagen über Gewerbestreitigkeiten angefertigt, sowie Aus- nungen einfach ohne Steuer quittirt und das Gesetz dient nur worfen. Die Diebin" muß also ben unrechtmäßigen Erwerb des Hundebratens mit Gefängniß fühnen. Das ist ein funft ertheilt über alle das Interesse unserer Kollegen und zu oft dazu, einem Feinde einen Streich zu spielen dadurch, daß man eine von ihm unterzeichnete, unversteuerte Quittung dem Kolleginnen berührenden Fragen. Kulturbild aus dem Eldorado der nothleidenden Spiritus Steuereinnehmer überbringt. barone! Nur so " bekommen Alle stattfindenden Versammlungen werden durch Inserate Uebrigens drückt diese Quittungssteuer auch dadurch wieder im Vorwärts" bekannt gegeben. Am Montag, den 15. b. M., Der Butterkrieg" fordert jest täglich Opfer in Form Abends 81/2 Uhr, findet bei Frey, Brunnenstraße 185( alte besonders ben kleinen Mann", daß die großen Kaufleute u. s. w. von Verurtheilungen durch die Schöffengerichte. Ein besonders Nummer 140), eine öffentliche Versammlung der Militär- und die Steuer( wie das Gefeß auch fordert) vom Schuldner zahlen bezeichnender Fall beschäftigte gestern die 141. Abtheilung des Lieferungsschneider statt, in der Kollege Bilz aus Bantow über laffen, indem die kleinen Gläubiger durch die Konkurrenz oft Schöffengerichts. Der Kaufmann Meinecke hatte ein Straf- das Thema: Die günstigen Verhältnisse der Militär- und gezwungen werden, sie selbst zu zahlen. In Holland hat mandat in Höhe von 60 W. erhalten, weil in seinem in der Lieferungsbranche und wie wahren die Kollegen ihre Interessen?" man also mit der schon länger bestehenden Quittungssteuer genau Dieffenbachstraße gelegenen Geschäfte an einem Septembertage zu referiren wird. Am Dienstag, den 16. b. M., tagt in Moabit, die Erfahrungen gemacht, die wir auch für das in Deutschdrei verschiedenen Malen Butter verabfolgt worden war, die Perlebergerstraße 13 im Viktoriasalon, eine öffentliche Versammland bevorstehende Gesetz in Aussicht gestellt. nach dem Gutachten des Gerichtschemikers Dr. Bischoff mehr oder lung, in der Kollege Timm über das Thema referirt: Wie der weniger mit Margarine versetzt war. Der Prozentsah war in jedem Löwe das Wild fresfet in der Haide, so fressen die Reichen die Falle verschieden, die erste Butterprobe enthielt 83, die zweite Armen". 50 und die dritte gar 60 pCt. Margarine. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Coßmann, bestritt im Termine, daß eine Fahrlässigkeit seitens des Angeklagten vorliege. Derfelbe befize mehrere Geschäfte und könne unmöglich jedes Faß Butter burch Geschmack und Geruch oder durch die Bischoff'sche Schmelzprobe prüfen. Der Gerichtshof hielt es für unerheblich, ob der An: geklagte selbst oder durch seine Leute verfälschte Butter verkaufe, unter allen Umständen sei er verantwortlich zu machen. Der Einspruch wurde daher verworfen. Reichsgerichtsentscheidung. Sinsichtlich des Berb- ta der Beschäftigung von Arbeitern an& efttagen und an den Vorabenden von Festtagen hat der§ 105a Abs. 2 der Gewerbe- Ordnung in der Fassung vom 1. Juni 1891 bestimmt: Welche Tage als Festtage gelten, bestimmen unter Berücksichtigung der örtlichen und tonfeffionellen Verhältnisse die Landesregierungen." Durch diese Bestimmung ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 1. Strassenats, vom 2. Oftober 1898, den Landesregierungen nicht die Neuregelung der Fefttage geboten, sondern es gelten danach in Ermangelung einer Neuregelung die bisherigen einschlägigen Landes- Berordnungen. Die Agitationstommission Der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Im klassischen Land der großen Vermögen, in Amerika, geht die Auspowerung der Massen und die Konzentration des Kapitals rustig vorwärts. Nach den neuesten Schäzungen befiben 91 pt. der Einwohner nur 29 pCt. der vorhandenen Befihthümer, während der ungeheure Rest von 71 pet. alles Reichthums sich unter die geringe Bahl von 9 pet. vertheilt. Das ist Ordnung, und zwar von Gott eingefeßte. bei Die Vergütung für die Naturalverpflegung der bewaffneten Macht betreffend, veröffentlicht der Reichsanzeiger" folgende Bekanntmachung: Auf grund der Vorschriften im§ 9 Biffer 2 des Gesezes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden vom 13. Februar 1875( ReichsGesetzblatt S. 52) ist der Betrag der für die Naturalverpflegung zu gewährenden Vergütung für das Jahr 1894 bahin fest= gestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist: a) für die volle Tagestoft b) für die Mittagsfost c) für die Abendkost mit Brot 80 Pf. 35 ohne Brot 65 Pf. 40 • " " 25 20 " " 15 10 " " Versammlungen. Im deutschen Holzarbeiter- Verband( Ostbezirk) fand am 8. Dezember eine Versammlung statt. Da der Referent nicht erschienen war, mußte man zum 2. Punkt der Tagesordnung übergehen. Die Versammlung vollzog zunächst die Wahl der Werkstatt- Kontrolleure und wurden hierzu die Kollegen Sievert, Hörnite, Maßto, Loge, Dubkro, Werner, Rother und Kubasch gewählt. Zu Beitragssammlern wurden die Kollegen, die bisher d) für die Morgenfost. Dieses Amt inne hatten, wieder vorgeschlagen. Zum Bibliothekar Für die volle Tagestoft eines Angehörigen des Wehrstandes wählte die Versammlung Kollegen Sommer und zum Schriftführer fetzt bie Regierung als Vergütung 80 Pf. fest, womit sie sich Koll. Wolter. In mehreren Werkstätten war von der Kontroll- Romsicher nur ben nothwendigsten Saz ftipulirt hat. Rechnet man mission Nachfeierabend- und Sonntagsarbeit festgestellt. Die Kolnach denselben Säßen das Budget einer Arbeiterfamilie von legen von Kraffelt, Friedrichsbergerstr. 11, waren vollständig erVater, Mutter und drei Kindern, lettere für zwei erwachsene schienen und verpflichteten sich, eine 91/ astündige Arbeitszeit einzuPersonen gerechnet, so brauchte dieselbe 4 Mal 80= 8,20 M. führen. Die Kollegen von Schüler, Friedrichsbergerstr. 11, und täglich oder 22 Mart 40 Pf. wöchentlich allein zum Leben. Salzmann, Friedenstr. 58, hatten die Arbeitszeit nur 2-8 Wochen Eine Arbeiterfamilie tann eine solche Summe natürlich niemals vor Weihnachten verlängert, sonst aber eine regelrechte ArbeitsSoziale Lteberlicht. für den nackten Lebensunterhalt ausgeben, dazu wäre ein Jahreszeit. Ueber die Werkstatt von Franz Berndt in Friedrichsberg, An die Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche und einkommen von mindeſtens 2500 M. nöthig. Wie hoch steht dem Blumenthalstr. 42, entspann sich eine lebhafte Debatte. Berndt Kravattenfabrikation! Seit ungefähr drei Jahren besteht hier aller Arbeiter haben nicht mehr wie 600 bis 900 W. Und über blau machten und die übrigen Tage dann nach Feierabend und gegenüber das Durchschnittseinkommend er Arbeiter? 90 Prozent war selber erschienen und erklärte, daß seine Arbeiter 2-3 Tage ein von dem Verein Berliner Wäschefabrikanten eingerichteter 1000. werden allein zum Leben gebraucht, wenn eine Familie die Nacht gearbeitet hätten. Kollege Glocke meinte, Berndt Arbeitsnachweis für sämmtliche in der Branche beschäftigten Ar- sich nicht nur fättigen, sondern auch ernähren, d. h. die ver aus- müsse soviel Energie bejizen, um für eine regelrechte Arbeitszeit beiter und Arbeiterinnen. Dieser wird vom Kassirer der Drtszu forgen, was auch Berndt für die Zukunft versprach. Krankenkasse für die Wäschefabrikation verwaltet, und erhält gabten Kräfte wieder ersetzen soll. diefer Herr neben feinem Gehalt als Kassirer eine Vergütigung Ueber den Rückgang der Stickerei- Industrie in der von jährlich 100 M. Daß dieser Arbeitsnachweis nur dazu dient, Schweiz, einer Branche, die dort ehemals in der größten um mißliebigen Arbeitern das Arbeiten in der Branche unmög- Blüthe geftanden, wird berichtet, daß Sticker, welche noch im lich zu machen, ist bekannt. Aus diesen und verschiedenen anderen Jahre 1892 1662 Franken verdienten, im Jahre 1893 es Gründen haben die vereinigten Arbeiter und Arbeiterinnen der nur auf 1243 Frankeu brachten. Ein niedriger Sticker brachte Wäsche- und Kravattenfabritation in ihren legten Versammlungen es seit 10 Wochen nicht höher als auf 9,50 Franken durch beschlossen, den schon seit drei Jahren bestehenden Arbeisnachweis schnittlich pro Woche, während ein anderer Sticker erklärt, feit der Plätterinnen und verwandten Berufsgenossen, Holzmartt Wochen seiner armen Mutter kein Rostgeld mehr bezahlen zu straße 8, derartig zu erweitern, daß vom 1. Januar 1894 tönnen. Die Lackirer hatten am 2. b. M. eine Versammlung, in der Genosse Bauer einen Vortrag über das Thema:„ Die Gigenwärme des Menschen" hielt, dem eine lehrreiche" Diskussion folgte. Die Abrechnung, welche Kollege Linde gab, weist eine Sinnahme von 125,75 W. und eine Ausgabe von 105,50 m. auf. Erfreulicher Weise zeigte dies eine regere Betheiligung der Kollegen an der Organisation. Das Vereinslokal, welches wegen Geschäftsaufgabe des Wirthes verlegt werden mußte, befindet sich jest Alte Jakobstr. 69, bei Lenz. Generalversammlung ab. In der Berathung über die Statuten Der Verein der Schäftebranche hielt am 6. Januar eine bemerkt Krause, eine Grweiterung des Statuts sei überflüssig und schädlich, weil nach seiner Ansicht die Freiheit der Mitglieder unterdrückt werde. sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Branche, wie: Vom Schlachtfelde der Arbeit. Dem Geschäftsbericht der Zuschneider, Näherinnen, Stemplerinnen, Knopflochnäherinnen, land- und Forstwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft von Anha It Einstemerinnen, Wäscherinnen, Blätterinnen, Stärkerinnen, Sor von 1893 entnehmen wir, daß in diesem Jahre im Ganzen tirerinnen, Kartoniterinnen, Bolzenleute ze. unentgeltlich Arbeit 842 Unfälle gegen 260 im Vorjahre zur Anzeige gelangten. Da 1993 nachgewiesen erhalten sollen. Kollegen und Kolleginnen! Eure Pflicht ist es nun, den von Arbeitern gegründeten unentgeltlichen empfänger belief sich auf 189, darunter 27 Wittiven und 31 Kinder. Don hatten 17 den Tod zur Folge. Die Zahl der RentenDieser Ansicht wird von mehreren Seiten widersprochen mit Arbeitsnachweis bei etwaiger Arbeitslosigkeit zu benutzen. Thue Beim Schiedsgericht wurde von 40 Berufungen durch 14 Be- der Begründung, daß ein Statui von der Majorität der Mitein jeder seine Schuldigkeit, dann werden die Erwartungen, die scheide der Entschädigungsanspruch abgelehnt und burch 26 Be- glieder geschaffen, niemals den letzteren schaden kann, vielmehr bei der Gründung gehegt, in Erfüllung gehen. Pflicht der Mitglieder ist, ein Statut festzusetzen, auf grund dessen Nochmals Arbeiter und Arbeiterinnen, meidet den in der scheide ber Entschädigungsanspruch anerkannt. Georgenkirchstraße befindlichen, unter Kontrolle der Fabrikanten Zur Warnung für Tegtilarbeiter. Gine Segeltuchsich der Verein von Personen befreien fann, die gegen die stehenden Arbeitsnachweis. fabrik in Sachsen versendet an verschiedene Arbeiter Interessen der Mitgliedermajorität verstoßen. Darauf werden blätter Inserate, in denen sie Arbeiter sucht bei„ gutem Lohn 11 Paragraphen des vorgeschlagenen Statuts mit großer und dauernder Beschäftigung." Erkundigungen haben nun erStimmenzahl angenommen. Die darauf vorgenommene Vorgeben, daß es dort wie in einem Taubenschlage zugehe, daß der standswahl ergab folgendes Resultat: Kleinau, Vorsitzender; Lohn im Durchschnitt pro Woche 5 bis 7 m. betrage und daß Plath, Kassirer und Baumgart, Schriftführer. Zu Revisoren außerdem einer der Fabrikherren mit Vorliebe die Peitsche gegen wurden gewählt die Kollegen Köhler und Kasper. Zu dem Streik Arbeiter anwende. Wir theilen dies mit, falls das Inserat in bei dem Fabrikanten Fürstenheim wird bekannt gegeben, daß er anderen Blättern erscheinen sollte, damit jedermann weiß, was für die Arbeiter günstig steht, da fast sämmtliche von den 70 dort Arbeitenden dem Zentralverband der Schuhmacher angehören. bei dieser Firma zu holen ist. C. Hergt, Barnim str. 41a. Der Fabrikant habe denn auch schon seine schlechte Situation beArbeitsordnungen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, jedem griffen und drei Viertel der Forderungen bewilligt, trotzdem seien Achtung, Schneider und Schneiderinnen Berlins. Bis- Arbeiter bei seinem Eintritt in die Beschäftigung eine Arbeits- die Arbeiter nicht willens, die Arbeit eher aufzunehmen, als bis lang ist es, im Verhältniß zu der großen Bahl der in der ordnung einzuhändigen. Von der Zulässigkeit eines Abzuges die ganze Lohnreduktion zurückgenommen ist. Zum Schluß wird Echneiderei beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, nur eine dafür enthält die Gewerbe- Ordnung nichts. Trotzdem entblöden bekannt gegeben, daß am 10. Februar ein Maskenball des Vereins geringe Anzahl Kollegen und Kolleginnen, die die Macht der sich einzelne Fabrikanten nicht, auch für diese sich noch bezahlen stattfindet. Aber gleichzeitig rufen wir Euch zu: Organisirt Euch! Tommt in die Versammlungen! Denn nur in der Vereinigung findet ihr Schutz gegen Uebervortheilung und Unterstüßung im Kampfe um Eure Existenz. Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß am Dienstag, den 16. 6. M. in Paſters Salon, Neue König straße 7, Abends 81/2 Uhr, eine öffentliche Versammlung für fämmtliche in der Wäsche und Kravattenbranche beschäftigten Personen stattfindet. " Die öffentliche Versammlung der Droschfenkutscher| 3wede eine neue Versammlung einzuberufen. Sollte diese zur settler nicht blos des Berliner, sondern auch mehrerer früherer, und Arbeiter, welche, einberufen von der Agitationstommission Annahme dieses Antrages führen, so sagte er in diesem Falle füddeutscher Streifs bezeichnet und König sei nun am Montag der Troschkentutscher, am 10. b. M. nächtlicherweile im Lokale die nachhaltige Unterstügung des Ausstandes durch die Berliner verhaftet worden. Die Leiter des hiesigen Streits seien dagegen Zum Schultheiß"( Gisteller) tagte, um sowohl der Berliner Arbeiterschaft zu.( Großer Beifall.) Sozialdemokraten und König habe nichts weiter gethan als in Arbeiterschaft wie auch den bei Tage fahrenden Droschkentutschern Die Versammluung stimmte einmüthig diesem Vorschlage zu. der Versammlung bisweilen gesprochen, woran ihn doch niemand Gelegenheit zu geben, nochmals zum Ausstande der Tarameter- Es folgte eine ausgedehnte Diskussion über die Situation hindern fonnte. Es folgte eine ausgedehnte Diskussion über die Situation hindern fonnte. Die Kollegen in Bremen und anderen Städten Troschkentutscher Stellung zu nehmen, hatte sich eines außer des Ausstandes. weigerten sich, einen Heller nach Berlin zu schicken, hänselten ordentlich zahlreichen Zuspruchs sowohl seitens der Droschten- Genosse Millarg besonders fritisirte in scharfer Weise von Berlin angekommene Kollegen, die dort Mühe haben die futscher, wie auch der Berliner Arbeiterschaft zu erfreuen. Gin- das Verhalten der Polizeibehörde den Kutschern gegenüber, die Rollegen vom Abreisen nach Berlin abzuhalten. Dem Verhalten geleitet wurden die Verhandlungen durch ein Referat des Reichs- Verhältnisse im Droschfenfuhrgewerbe und machte den Kutschern Bock's stellt Redner die mannigfachen Reden unserer Genossen tags Abgeordneten Legien, welcher den Streit ale in ungeschminkter Weise tlar, daß sie in die Reihen der sozia im Reichstage gegenüber, in welchen diese betont, daß Streifts Abwehr bezw. Angriffsmittel geçen fapitalistische Ausbeutungen listischen Arbeiterschaft gehören, was diefelben bisher allerdings nicht von einzelnen Hegern" gemacht werden, und stellte an erläuterte, den Werth und die Macht der Arbeiterorganisation sehr wenig begriffen und bethätigt hätten. Auch Genosse die Berliner Gewertschaften die Frage, ob ein Mann veranschaulichte und den Ausstand der Taxameter= Droschten Wagner erklärte es zwar für Ehrenpflicht der Arbeiterschaft, wie Bock, Bock, dessen Artikel den futscher behandelte, denselben für durchaus berechtigt erklärend, den Streit zu unterstüßen, ermahnte die Rutscher aber ebenfalls Dunder'schen Organs gefunden habe, noch länger BerBeifall eines Hirschzum festen Zusammenhalten auffordernd und es für Pflicht der sehr eindringlich, sich dieser Unterstüßung in Zukunft auch treter der Sozialdemokratie im gesammten Arbeiterschaft bezeichnend, den Ausstand zu unter- würdig zu erweisen, sich zu organisiren und Sozialdemokraten Nachdem Redner noch den bewundernswerthen Muth der Reichstage fein dürfe. flüßen. Im Anschluß an den mit lebhaftem Beifall entgegen zu werden. Die Stimmung bei den Kutschern war eine durch Streifenden geschildert und die bis dahin Indifferenten zum genommenen Vortrag erörterte Kollege Schütte die Ursachen aus zuversichtliche trotz aller gegnerischen Manipulationen. Die weiteren Ausharren ermahnt hatte, schloß er mit den Worten, des Ausstandes der Taxameter- Droschkentutscher, gleichzeitig den beschließende Versammlung findet am Freitag Abend statt. die Berliner Gewerkschaften würden die Streitenden nicht verSituationsbericht erstattend. Derfelbe sprach die Zuversicht aus, Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung, welche am rathen. Schuhmacher August Fleischer erklärte im Namen Bod's: daß der den Kutschern aufgezwungene Ausstand so lange aufrecht 10. Januar in Joel's Saal tagte, erörterte die Frage: Wie Die Versammlung sei als Gewerkschaftsversammlung einberufen, erhalten werde, bis entweder die fragliche Polizeiverordnung stellen sich die Gewerkschaften Berlins zu dem Verhalten des dem Telegirten der Schuhmacher zur Gewerkschaftskommission zurückgenommen oder aber die Fuhrherren den Taxameter Reichstags- Abgeordneten Bock- Gotha den ausgesperrten Schuh- fei aber von einer solchen nichts bekannt und Bock werde daher der Kapitalistengesellschaft wieder zur Verfügung zur Verfügung gestellt machern Berlins gegenüber?" Schuhmacher Wenzel, der das in eine andere, wirkliche Gewerkschaftsversammlung tommen. haben. Redner appellirte an die Solidarität der Kollegen- Referat übernommen hatte, giebt zunächst einen Ueberblick über Goldarbeiter Faber wies darauf hin, daß die Gewerkschafts schaft und der Arbeiterschaft, den Ausstand thatkräftig die Berliner Schuhmacherbewegung. Als der Zwickerverein ge- tommission den Streit der Zwicker gut geheißen habe und selbst zu unterstützen. Derfelbe müsse dazu beitragen, die gefeßgeben bildet war, da begannen die Unternehmer erst wieder mit Maß- Manns genug fei, ihrem Beschlusse Achtung zu verschaffen, wo den Körperschaften zu veranlassen, die Machtvollkommenheiten regelungen, an die sie bis dahin nicht gedacht hatten. So dagegen verstoßen werde. Daher hätte man sich wegen Einder Verwaltungsbehörden zu beschränken. Redner schilderte wurden bei Mauf nach und nach 6 bis 7 Personen gemaßregelt, berufung der allgemeinen Gewerkschaftsversammlung an die weiter, mit welcher Geschwindigkeit entgegen den sonstigen be- die in dem Verein irgend ein Amt inne hatten. Der Streit Gewerkschaftskommission wenden sollen. Nachdem eine Verhördlichen Gepflogenheiten zu jetziger Zeit Droschkentutscher ge- brach aus. Vierundzwanzig Stunden später habe er, Redner, tagung der Versammlung abgelehnt war, führte Faber macht werden. Hiergegen müsse Front gemacht werden. Be- felbft den Streifenden zur Wiederaufnahme der Arbeit rathen aus, diese Versammlung frage zur Schlichtung des fchwerdeführung bei den Behörden würde durchaus aussichtslos wollen. Als er aber von der schamlosen Behandlung er- Streites unter den Berliner Schuhmachern sicher nicht fein. Die Kutscher bätten auch feine Veranlassung, sich als Vorfahren, welcher die Arbeiter und fogar auch die bei. Die Arbeiter sollen sich endlich daran gewöhnen, nicht frann für die interessirten Fuhrherrn gebrauchen zu lassen. Die Arbeiterinnen seitens des Unternehmerthums ausgefeht ohne weiteres in das Geschimpfe einzelner Leute einzustimmen, Agitationskommission sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß waren, da mußte er den Streit für berechtigt ansehen. Der sondern fie ruhig schimpfen lassen. Diese Zänkereien könnten geRepreffiomaßregeln am Blaze feien und legte Redner dem Reichstags- Abgeordnete Bock habe nun im Schuhmacher- Fachblatt rade zur Unterstüßung der Streifenden nicht begeistern. Zapezirer zufolge der Versammlung folgenden Antrag zur Diskussion und einen Artikel veröffentlicht, in dem es hieß, frivole Leute hätten Feder bemerkte, daß die Zentralverbände alle so eingerichtet seien, Beschlußfassung vor: erst die Zwicker von der Schuhmacher- Bewegung getrennt, fie daß ein Mann, der an der Spike steht und vielfach auch die Um den Streit der Zarameter Droschkentutscher nicht un- dadurch mittellos gemacht und sie dann in den Streit getrieben. Redaktion des Fachblattes führe, die ganze Bewegung über nöthigerweise in die Länge zu ziehen, erklären sich alle diejenigen Die Wirkung sei alsbald erkennbar gewesen. Auf der Reise nach Deutschland bestimme. An der weiteren Diskussion betheiligten Kollegen, welche noch heute bei Taxameter Droschkenfuhrherrn Mittelwalde habe er in verschiedenen Städten und besonders in sich noch eine große Anzahl von Rednern, darunter auch die beschäftigt find, aber Droschken erster oder zweiter Klasse ohne Mittelwalde selbst die Mißgunst fennen gelernt, die sich auf den Herren Werner u. Komp., die die Angelegenheit für ihre bekannten Zarameter fahren, mit den schon seit dem 1. d. Mts. im Aus-( in Mittelwalde vom Fabrikanten den Arbeitern vorgelesenen) 3wede auszubeuten suchten. Daß Bock's Schreibweise ungebührlich stande befindlichen Kollegen dadurch solidarisch, daß sie soweit Artikel Bod's gründete. Gleichwohl sei es in Mittelwalde, in fei, bestritt feiner, Verurtheilung fand sie namentlich auch von die gesetzliche Kündigungsfrist ihnen nicht entgegensteht vom Glatz möglich gewesen, die Kollegen von der Nothwendigkeit den Parteigenossen Buchbinder Seiler, Uhrmacher Nather, Stein. Montag, den 15. d. M. ab die Arbeit ebenfalls einstellen. Sie solidarischen Verhaltens zu überzeugen. In Breslau dagegen met Thomas- Rixdorf, die sämmtlich die Nothwendigkeit betonten, verpflichten sich, ihre Dienstherren von diesem Beschlusse in hätte ihm der Vertrauensmann der sozialdemokratischen Partei die Streifenden zu unterstützen, um ihnen den Sieg zu sichern. Kenntniß zu sehen und den Dienst sofort aufzukündigen." feine Unterstützung zur Ginberufung einer Schuhmacher- Ver- Die Versammlung nahm hierauf folgende Resolution an:" Die fammlung nicht gewährt. Auf eine Anfrage bei Bock nach dem Namen Versammlung erklärt die Schreibweise des Herrn Bock als ein des Verfassers jenes Artikels habe Bock die Antwort verweigert niedriges und frivoles Vorgehen den streifenden Schuhmachern und in dem Fachblatt die Berliner Schuhmacher egoistische Elemente gegenüber. Sie verspricht die Streifenden weiter materiell zu genannt, die nicht werth wären einer Unterstüßung; in Zukunft unterstützen. Herr Bock hat sich durch sein fabrikantenfreundsollten nur die Mitglieder des Schuhmacher Verbandes unter- liches Benehmen jedes Recht verwirkt, sich weiter Arbeiterstüht werden. Den Anarchisten König habe Bock als den An- vertreter zu nennen." = Dieser Antrag rief großen Jubel hervor. Genosse Frante sprach namens der Gewerkschafts- Kommission den Droschkenkutschern vollste Sympathie aus, rieth aber von der Annahme sans phrase des vorstehenden Antrages entschieden ab. Er legte es den Kutschern vielmehr nahe, den Antrag sich roohl zu überlegen, gründlich zu berathen und zu diesem COTOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXOXO Verlag des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt Berlin SW., Beuth- Straße 2. Den Parteigenossen empfehlen wir zur Anschaffung: Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Abgehalten zu Köln vom 22.- 28. Oktober 1893. ca. 18 Bogen 80. elegant broschirt Preis 40 Pfennig. 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