Kr. 819. flbonnementS'Bedingungen: m oimementS> PreiZ präniimerand s: Licrtcliährl.?,zo MI., monail. 1,1U W, wöckicntlich W Psg. frei i»- Haus. Einzelne Zlnmmer ö Psg. Sonntag?- »ununcr mit illustrierter Somitag?- Acllage„Die Neue Welt" lv Psg. Post- Adonncnient: I.io Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiiunqk- Preisliste. Unter Kreuzband iür T cutichland lind Oesterreich- Ungarn 2�0 Mark, für daS übrige Ausland 4 Mark pro Atonal. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 80. Jahrg. CrldieiDt täglich. Verlinev Dolksblatt. Die Tnfertiens--Gcbui)r beträgt für die fechsgespallene«olonel- zeile oder deren Naiun vo Psg.. sjjr politische und gcwcrlschasllichc PcrcinS- und BcrsnmmlungS-Anzeigcn M Psg. „Itteine Anoeigen". das fctlgedrnchc Wort M Psg.(zulässig llseUgedruckle Worte), icdcs weitere Wort lv Psg Stellengesuche und Echlasstellenar zeigen das erste Wort lv Psg.. jedes weitere Worth Psg. Worte über lü Bitäi- slabcn zahlen für zwei Worte. Inserate �itr die nächste tgunnncr inüsscu bis i» Uhr nachtnittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis T Uhr abends geöffnet, Tclegraliun- Adresse: „S«iiil(tfmcKrat R?rliau. Zcntralorgan der rozialdemokrattfchen Partei Dcutfcblands. Redahtton: 8ÄZ. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplat?, Nr. 19�3. Donnerstag, den 4. Dezember 1913. Expedition: 8CQ. 68, Lindcnstraaoc 69. Ferniprechcr: Amt Nioritiplat,, Nr. löHl. Parteigenossen! Tie Verhandlungen des Reichstags am heutigen Tage haben klar und deutlich erivieseu, daß die Vorgänge, die sich in Elsaß-Lothringen abgespielt haben, noch weit schlimmer gewesen sind als bisher angenommen worden ist, und noch entschiedener vernrteilt werden müssen, als das bisher geschehen ist. Trotzdem haben der Reichskanzler und der Kriegsminister die in Elsaß-Lothringen etablierte Militärdiktatur in einer Weise zu rechtfertigen. versucht, die im Reichstage Stürme der Entrüstung ausgelöst hat. Gleichviel, wie das Ergebnis der Verhandlungen im Reichstage sein wird, es ist jetzt Pflicht des deutschen Volkes, seine Stinnne zu erheben und Protest einzulegen, nicht nur gegen die skandalösen Vorkommnisse ini Elsaß, sondern auch gegen die unerhörten Provokationen, die der Kanzler und der Kriegsminister dem Reichstage und damit dem �tnzen deutschen Volke ms Gesicht geschleudert haben. Wir fordern alle Parteiorganisationen ans, so schnell als möglich Protestversammlnngen einzuberufen. Parteigenossen, auf ans Werk! Berlin, 3. Dezember 1913. Der Partewvrstand. #' Die Demütigung des Reichskanzlers unter die tflllltärr�olte. Der Abgrund. Tag auf Tag verging. In Zaberii, int ganzen Elsaß griff die Anarchie immer weiter um sich. Tie Zivilgewalt war ohnmächtig. Tatlos sah sie zu, wie eine friedliebende Bevölkerung den Provokationen eines jungen Leutnants, der Willkür eines Regimentsobersten ausgesetzt war. Zwar hatte der Reichskanzler zugesagt, die Autorität der Gesetze zu wahren. Aber sein Wort war im Winde verweht. Herr v. Routter schickte seine Militärpatrouillen durch die Straßen, die Leutnants jagten mit gezückten Degen hinter Kindern her und Held Forstner säbelte einen lahmen Schuster nieder. Und das geduldige deutsche Volk tvartete und wartete... Worauf haben ivir gewartet? Auf die Erklärungen de Herrn Reichskanzlers und des Kriegsministers? Aber diese Herreil warteten ja ebenso wie wir selber auf das alles ent scheidende Wort. Sie dursten ja erst reden, nachdem sie selbst ihre Weisung empfangen hatten. Der Reichskanzler tvar ja ebenso ohnmächtig, ebenso gelähmt>vie die Zivilgeivalt über Haupt. Der Militarismus hatte sein wahres Gesicht gezeigt, feine Selbstherrlichkeit proklamiert, uud vor der Gewalt seines jüngsten Leutnants zerfiel die Autorität der bürgerlichen Gesetze, zerfiel die Verfassung des Deutschen Reiches wie mürber Zunder. Und der Reichskanzler wartete aus das er- lösende Wort. Er hat vergebens gewartet, vergebens gehofft und geharrt, das Wort ist nicht gesprochen worden. Der K a i s e r hat Jpii Versprechen des Kanzlers, die Autorität der Gesetze zil wahren, nicht zu dem seinen geniacht. Er hat in dem Konflikt zwischen der Verfassung und dem Militarisnms als oberster Kriegsherr entschieden, entschieden z n g u n st c n des M i l i- tarismuS. Wieder wie in den Novembertagen.lSW ist Wilhelm II. in Donaueschingen, fern von dem Sitz der verantwortlichen Regierung. Er hat vor seiner Entscheidung nicht einmal für nötig gehalten, den einzig Verantwortlichen, den Reichskanzler, zu hören. Reben den unverantwortlichen Ratgebern hat er nur den Kriegsminister, den Herrn v. F a l k e n h a h n gesprochen. Das Resliltat hat gestern der Reichstag tiiit staunender Entrüstung kennen gelernt.' Und daS ist schon Schande genug! Das Militär verfährt in einer Art. daß'der Reichskanzler selbst, daß selbst dieser Kriegsminister die Gesetzmäßigkeit feines Vorgehens zu recht- sertigen sich nicht unterfangen darf. Das Volk aber muß ge- duldig warten, bis in Donaueschingen die Entscheidung kommt. Wie imitier diese Entscheidung ausgefallen wäre, daß sie überhaupt erst notwendig geworden, daß die Regierung von sich aus das Umsichgreifen der Anarchie so lange gewähren lassen mußte, das tväre wahrhastig schon g e n u g de s bedürfen. Doch wie soll man das nennen, was nun wirklich Ereignis geworden ist? Bedeuten doch die Reden des Reichs- kanzlerS und des Kriegsministers die offene Proklamation. baß im Deutschen Reich militari st ifche Gewalt vor Recht und Gesetz geht. Der Staatsbürger ist vogelfrei vor dem jüngsten Offizier, das ist der Grundsatz, den der � Herr v. Falkenhayn nach seiner Rückkehr von Donaueschingen heute verkündet hat. Tie bürgerlichen Behörden müssen ab- danken, wenn eS dem Offizierkorps beliebt und lvenn dabei die Gesetze in Stücke brechen, was liegt daran, wenn nur die Herren, die sich die Gebieter der Armee dünken und sich als Beherrscher deS deutschen Volkes fühlen» sich in ihrem Machtdünkel nur nicht verletzt fühlen! Wüßte mau nicht, daß der Mann Falkenhayn heißt, man hätte fast meinen können, eS sei Herr v. Forst n er selber, der da als Kriegsminister seine Sache führte. Es war Geist von spinein Geist. Hörte man den Kriegsmiiiister, man hätte glauben müssen, die Helden von Z a b e r n verdienten»och Tapferkeitsmedaillen für ihre Taten gegen das Zivilistenpack. Kein Wort des Verständnisses für die so berechtigte Entrüstung des clsässischeli Volkes, aber Worte auf Worte des Hochmuts, des Machtwahns, der Provokation gegenüber dem empörten Aufschrei nach Recht, der sich den Begründern der Interpellation entrang. Und welcher Kontrast zwischen dem Kriegsminister und dem Herrn v. Bethmann Hollwea. Da der herausfordernde, schroffe, seiner Macht bewußte Vertreter des über die Zivilgewalt siegenden MilitakiSmns: hier der schuldbewußte, deinütige, seine Schwäche schamvoll erkennende Vertreter eben dieser Zivilgewalt. Ter vchersle Vertreter des Deutschen Reiches, in dessen Hand sich theoretisch die ganze Machtfülle dieses großen Reiches verkörpert, bot ein jämmerliches Bild der Hilflosigkeit, als er die furchtbare Wahrheit mit belang- tosen Redensarten— hoffentlich gegen seine eigene bessere Ueberzeugung— zu vertuschen suchte. Wäre er ein Mann und nicht ein dienernder Bureaukrat, er halte sich und dein deutschen Volte diesen schmachvollen Tag der Kapitulation vor der Militärgewalt erspart. Er hat es nicht getan, und er hat damit dem Reichstag die hohe Aufgabe gestellt, den Kamps für die Verfassung, den Kampf gegen die militärische Anarchie aufzunehmen. Wird er diese Aufgabe erfüllen? Es war, als ob die bürgerlichen Parteien das GefRil erfaßt hätte, sie ständen vor einem Abgrund, der sich jäh vor ihnen ausgetan hat. Der Militarismus hat sich ihnen plötzlich in seiner Nacktheit gezeigt und sie mußten sehen, daß er, den sie als ihren gehorsamen Diener im Kampfe gegen den inneren und äußeren Feind betrachtet hatten, sich zu ihrem gewalttätigen Herrn aufgeworfen hatte. Was die Sozialdemokratie immer gesagt, weshalb sie unablässig, aber vergeblich, die D e m 0 k r a t i s i e r u n g d e s H c c r w e s e 11 s gefordert hatte, das biß jetzt als zu späte Erkenntnis den bürgerlichen Herren schneidend in die Augen. Ans der zornigen Ent- rüstung des Zentrnmsredners, wie aus der sanften Melancholie des nativilalliberalen Herrn van Calker klang die Bestürzung heraus, die sie jetzt alle gepackt bat. die Bestürzung über die eigene Ohnmacht und die Allmacht des Offizierskorps. Und nun gibt es zu handeln. Der Reichstag mag zu- nächst einmal sprechen und der Regierung keinen Zweifel lassen, daß er auf der Unterwerfung des Offizierskorps unter Recht und Gesetz besteht. Dem beleidigten Volke, dem-denk- schon, nicht nur dem elsässischcn, muß Genilgtuung, die nlilitä- rischen Gesetzesverächter müssen der verdienten Strafe zuge- führt werden Ist die Regierung gut beraten, so erfüllt sie den Willen des Reichstags rasch und ohne Aufschub. Tut sie es nicht, dann muß der Reichstag den Kamps ausnehmen und beim Etat der Regierung seine Macht beweisen. Die M a j s e n draußen aber werden wissen, was sie zu tun haben; das Echo im Volke ivird nicht schwächer sein, als das im Reichstag. Der Stur in der Ent r ü ü 11 u g, der dort losbrach, er bläst ein Feuer an, das die allzu lange»nlitäristischc Uebill- lnacht geschürt hat. lind die Flammen mögen endlich das Tote verzehren, auf daß für das Leben Licht und Freiheit gewonnen werde!» 9er üeichstag gegen die Kililärdlklatur. Hin Deutschen Reichstage bat gester» vor stärk besetztem Hanse und vor überfüllten Tribünen ein Kamps begonnen, der iil Wahrheit nichts anderes ist als d i e A 11 f l e h n n>1 g eines großen Kulturvolkes gegen den M i l i- t a r i s»l u s dP s a ch t z e h n t e n H a h r h u n d e r l s. Bisher ist es die S 0 z i a l d e in 0 k r a t i e a l l e i n gewesen, die mit vollem- Bewußtsein gegen dieses Ueber�leibsel des Friderizianifcheil Absolutismus gefochte» hat. und auch die stärksten Ueberhebungen der prenßisch-deutschen Militär- Hierarchie haben es nicht vermocht, die Lammesgeduld des deutschen Spießbürgers zu erschöpfen. Das ist auch sicherlich im Augenblick noch nicht anders geworden: aber es ist kein übler Witz, daß derselbe Militarismus unmittelbar nach dein Milliardeilopser dem deutschen Volke ein Stücklein aufspielt, daß selbst dem zahmsteil und znjriedensteii Staatsbürger die Ohren gelten. Ans verhältnismäßig geriiigfügigeni Anlasse ist in dem friedlichen Vogesenstädicheil Zaber» eine Situation ein- standen, die nniiiöglich iväre, wenn die deutsche Bourgeoisie nicht von jeher dem Militarisiiiils alle llebergrifse hätte dnrcki- gehen lassen, die weniger»nlitärsromiiie Rationen von vorn- herein verhindert haben würden. Durch seilte historische Em- Wickelung i st T e» t s ch! a n d geradezu der l l a j s i-. s ch e Boden g e w 0 r d e n, auf d c m s i ch d e r M i l i° t a r i s m u s n a ch H e r z e 11 s J u st k» m in e l» und derart austoben tonnt c, daß heute sogar den parlamentarischen Vertretern des Bürgertiims angst und bange wird. DaS haben die Reden bewiesen, die am ersten Tage bei der Interpellation über die Vorgänge in Zaber.« gehalten ivurden. Kein einzig e r R ebne r des Hauses(nud es sind, mit Aüsnahine der Konservativen, bereits alle großen Parteien zu Worte gckoiilineii) hat auch nur ein einziges Wörtlein der Verteidigung für' das skandalöse Treiben deS ivild gewordenen Militarismus gewagt, und der Reichskanzler hat sich sicherlich noch niemals so gott" verlassen gefühlt, ivie bei den gestrigen Verhandlungen. Hn« dessen war seine vollständige Hsoliennig mehr als vcrdicnl. Herrn v. Bethmann Hollweg ist manchmal von seinen ivemgen Verteidigern das Lob gespendet worden, wenigstens eine kleine Ahnmig von de» Bedürfniffen des im Li). Hahr- hundert lebendeii deutschen Volkes zu haben. Seine gestrige Haltung in der Zaberneli Affäre mußte aber auch dem Optiinistischsten zeigen, daß dieser Kanzler nichts anderes ist, als der Lakai seines Herrn. Und da dieser Herr sich in dem Konflikt zwischen Zivil- und Militär behörden ans die Seite der Militärs gestellt hat, so sindet Herr v. Bethiiiann Hollweg nicht den Mut, ihm gegenüber die Staatsnotwendigkeiten zu vertreten. Dieser Kanzler sieht ruhig zu, wie eine j a h r z c h n, t e- lange B c r s ö h n n n g 2 p 0 l i ti k ll ö r st ä n d i g e r Männer in e�n er einzigen W 0 ch e von. Offizieren, die jeder nötigen Selbstzucht entbehren, zugrunde gerichtet ivird. Dieser Kanzler gibt selber zu/ daß pie Selbsthilfe des Militärs ungesetzlich>var und weist die militärischen Ge- setzesbrecher nicht in ihre Schranken l Dieser Kanzler benutzt als Unterlagen für seine Tar- legnngeu lediglich die Berichte des Generalkommandos, ob- gleich er nicht bestreiten tVinn, das; die Zibilvenvaltungen anderer Ausfassuiig über die Vorgänge sind! Dieser KgMer hält sich nnsahlich lange dab�i a!;t. die nlinutiösesie Rekapilulation der ersten Anfänge deo Konfliktes flü geben, statt mit starker Hand die himmelschreienden Miß- stände des Augenblicks zu beseitigen! Und dieser Kanzler fand sich mit dein Äriegsininister zst- sainuicn in der Anssastnng. das; vor allein der illock des Königs geschützt iverden müsse! Das mar der Vethmannschen Keis- lieit letzter Schills;, die im ganzen Hanse den lebhastesten Widersprnch fand. Dieser Widerspruch des llleicheaags nmchs zuiu Orkair. als der lck r i e g s in i n i st e r dieselben Töne noch meiianS stärker blies, und es mar geradezu ivohltiiend, dieses sachliche deutsche Parlament auch einmal von cnitr starken Leidenschaft dnrckichiittelt zu sehen. Als dieser überforsche Tlriegsinann dem Reichstage Vor- lesungen hielt, die als>iritik des kommandierenden iÄenrrals seinen untergebenen Ossi zieren gegenüber angcbrachtsein mochten, brach im ganzen Hanse ein minutenlanger(rntriistiuigostilrm iVus, der den Aricgsmiuistcr längere Istcit am Weitersprcchcii verhinderte. Für ihn sind die ihr gutes Recht verteidigenden Bürger Anfriihrcr, vor denen die Armee nicht zunickmeichrn darf. tll'ach seiner Meinung sind die frischen sniigeli Dfsizicre ii lu F o r st n c r deiil Heere derart unentbehrlich, daß man ihre läppischen Bemerkungen lso nannte der Mann die Bc- schiinpfnngeu des e! sä sä scheu Volkcsi einfach in den Äauf nehmen muß. Und die Persönliche Selbsthilfe des Offiziers gegen eine kindische„Beschimpfung" ist ihm so Natürlich, daß er gegen den die Bnrgcrbrnst durchbohrenden Säbel nicht allzuviel einznlvenden hat. Diese Haltung des Kanzlers und Kriegsmimsters ' tvnrde von den nachfolgenden Rednern:/ dem st,entrnnrsmann Jchrciibach und dem national- liberalen S trast'burger Recht st ehr er van U a l l e r nachdrücklichst zurückgewiesen. Uiid besonders Herr' F e h r e n b a ch erntete den stürmischen Beifall fast des gesamten Hauses, als er sagte, daß die Haltung der Regienmgsvertreier jeder Gerechtigkeit Hohn spreche und durch sie die Hossnungen einer endlichen Versöhnung zmischc» Slsaß-Lothringern und Altdeutschen geradezu vernichtet worden sei. Und hinhaltende �.ustimmnng fand Herr Fehrenbach auch bei der Sozialdemokratie, als er den 2. Dezember einen s ch w a t z e n T a g nanntö und vor der FMsetzung einer solch tollen Politik, die vor der Militärdirlainr zurück- weiche, ernst und eindringlich mahnte. Das würde das Ende Deutschlands sein, rief der.sentrnmsreducr, ivenn die obersten Bebörden des Reiches ein derart geringes Ver- sländnis A'ür die Durchsetzung der Gerechtigkeit für alle zeigten,— Es war iu der Tat ein schwarzer Tag für die Regierung; ob er ein Tag der Ehre für den Reichstag, der sich gestern mit Energie dem Toben der modernen Landskiiechte entgegen- warf, wird genannt werden können: das werden die werteren Verhandlungen erweisen,.Schon heute wird der Reichstag Gelegenheit haben zu zeiofy,, ob er seiner gestrigen Haltung trepblcibeu will. D sc i o z i a l d c m o k r a t i s che R e i ch s- t a g s f r a k s i o n sowie die F o r t sch r i t s l i ch e Volks- starte i liaben im Anschluß an die Fabcrne r Jntcr- st eltat j o II ein Mißtranensvoimn gegen den Reichskanzler beantragt, auf das sich, so hoffen wir, eine über- irältigende Maioritöt vereinigen wird, De» Imv gejchitderten Ereignisten gegenüber mußten naturgemäß die Begründungen dör �Interpellationen ctivas zurücktreten, obwohl in allen dreien manch treffliche Brinerkung fiel. Für die Fort f ch, r; t l l i ch e P o I k o- vartci balle diesen Teil der Ausgabe Herr R ö s e r. der Verlre-kr des Faberlstr Wahlkreises, für die es säs fische F r a k l i o» Herr H a u ß übernoinineu. Die Interpellation unserer Fraktion wurde in geschickter Weise von dein Ge- nossen K c i r o t c s begründet, dessen sachliche und kundige Tarkegstngcn, betebl von schärfe» Angriffen. gegen den über- reizten Militarismus, ein treffliches Vorspiel zn den bereits geschilderte» Debatten waren.—. Herste sindef die Fortsetzung der Debatic statt, bei der für die Sozialdemokratie vermutlich noch die beiden elsässi- ichen Abgeordneten H ei l l und Emmcl zn Worte lommeti werden: dann wird die'Entscheidung des Reichstags sallem Hochveirsl von oben. Eine eigenartige Verwildernng der RcHlsbegriffe fand sich in den Reden des Reichskanzlers" und des KriegSminislers. Sie bezeichneten die schweren Vergehen und Verbrechen, die ans mililäri- schcr Seite vargekopune» sind, nur als lliigehörigkeitcn, die allein salls disziplinar zu ahndcu seien. Ganz und gar verwundert stellten sie sich darüber, daß in dem Verhalten des Militärs Hochverrat liegt, Wie sieht es denn rechtlich? Eine g-ulle gröblicher, bom Straß gcjetzbuch»ist Slraie bedrohter Handlungen liegt nach dein vom Reichskanzler und Kuegsm'miskr zugegebenen Talbestaud vor. Danach hat stch zunächst der Leninant v. shorstner durch sein Vcrbalreir in der I'nstrustionsjtunde, in der er die Rekruten sich als„WackcL" melden ließ, einer ganz gröblichen Beleidigung und vor- s ch r i f t s tu i d r i g c ii B c h a n d lu n g sowie cincs schweren Mißbrauchs der DievstgcwaU schuldig gemacht, der nach K klt und VJl des Mililärsirafoeichbuchö mit Frciheirs- swafe bis zn zwei Fahren und mit Tiensienflanung oder Degradation bedroht tsl, Ganz unverständlich erschien dcnr Kricgsministcr die von den Rednern vertretene Ansicht, daß in dem Berjprcchen von zehn Mark für cinen niedergestochenen„Wackes" neben der gröbliche» Be- leidiginig der vlsaß-lloihriuger die Aufforderung und An- sr i f t ü n g zu eine»r M o r d e läge, Biellcichr ivird die Rechtslage dem jlriegSiniiistler etwas ilarcr, trenn er einen Varallelfall sich vergegenwärtigt, in den» der Aiisristcr zum Mord lein llenlnanl. sondern ein gemeiner Soldat oder eine Zivil- Person fem � wurde. Gesetzt, eine solche Peripir würde einem Soldaten erklären: wirst du inißhandclt, so laß das dir»ich: ge- fallen, mach von deinem NoJwehrfcecht Gebranch, lv c n n du da- bei den il n k e r y f f i z i e r oder Offizier den Schädel c i n j ch l a g st, so zahle ich d i r z c h n Mark, Wirde auch in solchem Falle der Kriegsmiiiistcr und der Rcichslanzler nur„eine kleine llngehörigkeitz' sür vorliegend erachten? Aach der Darstellung de-Z Reichskanzlers und des Knegsimiirsters haben die Mikilärbchörden, insbesondere der Oberst tvider Gesetz und Recht die v e r i a s s u n g s g e in ä ß gewährleistete per- schiliche Freiheit und die v c r f a s s u n g o g c in ä ß gewährleistete llnverletztichkeil der Wohnung verletzt und haben an Stelle der Verfassung S m äßig n st ä n d i g c n Zivilbehördcn die Milttärbchörde gesetzt. Bildeten nicht die Soldaten eine lsfentlich zufamineinzcrottcte Menschenmenge, die mit vereinten steästen gegen Personen Getpalitaligkeiien verübten- Tie Rädels- sährcr cincs viandsricdcnsbruchs bedroht der Z des Strafgesetzbuchs mit Zuchthaus bis zu zehn Fahren und init Zulässig keit der Polizeiaufsicht. Das Vorgehen der Soldaten erfolgte aber nach der Schilderung, die die Herren zn- gegeben, nicht um Landfriedensbrüchc zu begehen. Die Redner anS dem Hause vertraten die Ansicht, vorgegangen sei, um v»rfassungS- mäßig vorliegende F u u d a i» e n r a l e i n r i ch t u n g e ir des Deursckeir Reiches und des Bundesstaats Waß-Lothringeif gewaltsam zu ändern, nämlich die Grundsätze über die Unperletzlichkeit der periönlicheir. Freiheü und der Wohnung, sowie den Grnlidiatz, daß nicht die Militärbehörde, sonder« die Zivil- behörde clwaigc siiasborc'Handlungen zu verfolgen, für Sicher- heir zu sorgen und über die ösfentlicheii Plätze einer Stadt zn veosügcn hat. Es hat also nach dieser Aussassmig die Militärbehörde u n t e r n p m m e», die Verfassung des D c n t f ch e» Reichs und Elsqß-LothririgeuS g e- lv a l l j a m zu ändern. Das bezeichnet z 81 des Strafgesetzbuchs als einen mit t e b e n s l ä n g l i ch e in Zuchthaus oder lebenslänglicher F e st u n g s b a f t bedrohten Hochverrat. Sind das nur kleine Ilngehörigkeitcir oder ist das ein hochverräterisches Unleinohmen, die Bcrfassmig gelvaltsam in Scherben zu schlagen e ül!§ schäfte gehen deshalb schlecht und sesec sehnt die stillen Zeiten von früher zurück. Es gehört bicl dazu, diese ruhigen Leute so weit zn bringen. Ein alter, würdiger Graukopf sagte mir mit schmerzbeivegter Stimme:„Ich bin ein alier Soidai. ich habe den Krieg 1870 mitgemachi; folchL wilden Soldaten, wie am Freitag- abend ank dem Schloßplatz, baue ich damals nicht gesehen." Es war also ein historischer Tag, an dem Sbcrst v. Rcullcr Recht und Gesetz rücksichtslos niedcrtranipelu, Maschinengewehre im Hos der Kaserne auffahren und scharfe Patronen>n Mengen verteilen ließ und unter ruhigen Bürgern blindlings drauflos verhaftete. In Deltweiler(in einer halben Siunbe Wagenfahrt von Zaber» zu crrcicheüi herrschte eine ähnliche, noch tiefer gehende Erbitte. rnng. Es brach eine wahre Paiui aus, als gestern der Schreckens- ruf umging:„Tie Preußen koijimen." Man maß das Tpscr des Forfinerschen Hctdenmutes, einen nennzehnjährigen, schüchternen, braven und chrlichen Hinkefuß, gesehen Häven, um die Roheit zu begreifen, die dilZL Truppen mit Kolvenstößen arbeiten und mit Säbelhieben traktieren hieß. Und es kennzeichnete die ganze Willkür de-. Obersten bon Reutier, caß er ein paar Stunden nach diesem biutigen Vorfall hoch zu Roß an dem Wohnhaus des Bürgermeisters erschien, eines würdigen, weißhaarigen Herrn, der auch Notar ist, und ihn durch einen seoloaten auffordern ließ, au di� Tor seiner Besitzung zu lommeii. Eelbstverständtich belehrte der Bürgermeisicr den Herrn, was Anstand upd Höflichkeit ver- langt, lind spornt lirrend und sälielrasselnd betrat der Oberst das Amtszimmer de» Bürgermeisters, um ihn Vorhaltungen gegen die Freilassung dcr von den Soldaten Verhafteten zu machest. Unter anderem äußerte er, oaS macht das Zivil immer so. Er erhielt auch hier die verdiente kühle Ablehnung. Heute weilte hie Staatsanwaltschaft den ganzen Tag in Dctt. weiter, um eine Untersuchung über den Vorfall aufzunehmen, der den letzien Tropfen in ein zum Ueberloufen volles Faß bilde!. Denn wenn auch durch Vermittlung des Kreisdirektors, des obersten Zivitocamten des Kreises, die Militärpatrouillen von den S-raßen zurückgezogen sind und in der Hauptstrahe nur beschäftigungslose Gendarmen patrouillieren, immer 2, 1, L Gendarmen, die sich cr- zähien, was sie ihren Kindern zu Weihnachten schenken sollen, so iriß! doch die Erbiiterung, gerade weil sie stumm in und sich nicht entladen darf, in den Kreisen der Bürger immer tiefer. Mit zn- samnicngcbisscncn Zähnen liest man die Prollamalionen an den Straßenecken, in denen zur�Rühc ermahnt wird, und wo sich ein Soldat oder gar et» Offizier mit der ominösen VV sehen läßt, da solgen ihm feindliche und böse Blicke. Wenn diese Blicke das Ergebnis einer zweiundvicrzigjährigen Germanisationsarbeit sind, danir können die Preuße» cinpackeii, und die Korrespondenten der französischen nationÄistischen Prcst'e, die hier weilen, können sich ins Fäusichen lachen und den guten Wein des Landes auf Frankreich qiiftoß«». Denn in Irenigen Wochen haben diese Herren mehr getan als die Talen von Weliesiö und Konin'-len in vielen fahren. politische deberNcbt. Aus Zchilda. Dp komisch die VerfassungSpossc im Mecklenburger.Lande bcgonneir. hat, so komisch endet sie auch. Von bornhereiir drehte es sich bei dem ganzen Spiel um eine Portemonnaie- frage Sr. königl. Hoheit, des Schiveriner Großherzogs. Er forderte eine Verfassung— nicht, weil er sich plötzlich von liberalen oder gar demokratischen Ideen ergriffen fühlte, sondern iveil ihm sein Gehalt in einem Mißverhältnis zu seinen Ansprüchen zn stehen schien nud er eine Lohnerhöhung für angebracht hielt, für die der Landtag nicht zu haben mar. So gedachte er über eine Verfassung zu einer anderen Ordnung des seltsamen mecklcn- burgischcu FinauAvescns und damit auch zu reicheren Ein- künsteu zu getangen. Doch die mecktenburgischeil Funker sind zähe. Sie lehnten alle Verfassungsprojekte einer boheu Regierung ab. obgleich diese immer lächerlichere Vorschläge ausarbeitet und sich den Wünschen der Fünfer mit amjchipiichi'i' Ge'chiiieidigkeit anpaßte. Tic Znnker tonnten genan den tilecklenburgischen Spießbnrger-Liberatisinus. wie er in den inecklenburgischen Städten, besonders den kleinen Landstädte� tloriert. Sie wußten, wenn sie srranun hielten, lvurdeii die Bürgermeistcr dieser Städte, die iin Landtag die sogenannte„Land- s ch a s t" bitüen, mutig vor der„R i t l e r s ch a s t" zurück weiche». Und sie haben sich nicht geirrt. Tie Herren Bürgermeister geben den Kampf auf und bewillige» gehorsamst, tvas verlangt wird. Ans S t e r n b e r g, wo;ur Zeit der incck- lenburgifche Landtag tagt, loird tclegraphisch gemeldet: Vom mccktenburgischcn Landtage war durck. den Standes- hcschluß der Bürgermeister in den letzre» Jahren jährlich die Summev a r die M a t r i k u i a r b e 1 1 r ä g c an/das Reich und die B e st r c i t n ng der K o st e ri f ü r d i e b e i d c n L a n d c s i r r e n o n st a I k c u. was ungefähr di>' Summa von 1 öi>ckl>6i) M. ausmacht. Nach lebharicm Widerspruch mehrerer Bürgermeisicr uvd nach einer Senderderatung dec Bürgermeister unter sich slmiinte» diese im Plenum mit dcr Ritterschaft ab. T i e A b st! m m u n g e r g a b A n n a h m c des K o m nr i s s r o Ii s v o r s ch l a g e i Die Farce ist ans- die Junker bleiben vLHchont von einer Verfassung, der Großherzog erhält die gewiinichte Lohn- erhöhung und die Bevölkerung darf höhere Steuern aufbringen. So ist der echte vaterländische Ausgleich her- g e st e l l t. Der mecklenburgische Spießbürger-Liberalismus aber wird weiter von Freiheit(natürlich wohltemperierter), von heiligerer lleberzeugung, Bürgersimr usw. faseln. Alberne Märchen. Tie jetzige llleichstagsniehrheit hat bekanntlich einige Mandate der Rechten laificrt. Tanirt Hai sie sich den Haß der reaktionären Presse zugezogen, die loweit gehst offen zu verlangen, daß die Prüfung der Wahlen dem Reichstag entzogen werden soll. Eine Korrespondenz hat diesen Sommer die Nachricht verbreitet, daß bereits ein Antrag vorliege, dcr die Schaffung eineS Wahl- prüsiingSgerichlshofcs verlangst Tie Zusammensetzung biejcs Gerichlslioics war sogar in allen Einzelheiten wiedergegeben. Diese Nachricht trug den Stempel dreisrcr Ersindung au der Stü», denn der Reichstag war ja gannchr versamnrell. trotzdem wurde sie von dcr rechtsstetzendeu Presse gierig aus- gegriffen. Tatsächlich liegt ein s o l e r A n t» r z nl ck/l vor. zm Anschluß an die am Dienstag vorgenommenen Wahl- prüfringen kommen jedoch neue Angriffe auf die Reichstagsmchrhcit. Dcr Mann, der sie erhebst ist der Redakleur Fritz Stephau- Neu>u a n n, bekannl durch seine reichsveibändleriickcn schrift- stellerischen Leistungen. Zuerst schrieb er a.lS Vize-Ehes-Redakieur der„Täglichen Ruadschau" a l l d e u t i ch- a n t t s e in i l i s ch, dan» als Lciler der„Nalionalliberalen Korrespondenz" nptiona!» liberal, jetzt schreibt er als Redakteur der„Berliner Neuesten Nachrichten" l o n s e r v a t i v und führt einen scharfen Kampf gegen die Rationalliberalen! Die aus Sozialdemokraten, Forisdiriltlenr und Rationalliberalcn bestehende Mehrheit toll besonders im Falle Kölsch ein Saißripiel getrieben haben. Der geiuimie Journalist erzählt darüber: „Um sich die guie Laune der Revolulionäuv Antimonarchlft«« uub Batertandsverächicr zn sicher», siimnne Herr Kölsch, wie Li Erinnerung iei» wird, einem sozialdemokraiiichen Eeietzesornragt zur Wchrvorlage zu, welcher der Sozialdemokraiie dw sittliche Vcrgiilung der jungen Mannschaft wesentlich crleichiert hätte. Kein Nanonatliberalcr außer ihm. sogar lern Forlschrntler außer Herrn Dr. Neumami-Hoicr, dem Professor der Sraarswijscnichasren durch iürsllrch-lippische Erhebung, sand sich bcrcir. diesem Airirage beizupflichten. Der Lohn von der Sozialdemokratie bestand darin, daß sie mit der BolkSpartei und de» Notioualliberaleir pse msjorn den Reichstag iiberhaupl verhinderte, über diese Mandate vor den Ferien noch ävzuslimmen. bis Herr Kölsch jetzt, Ende November, dem lluvermsidtichc» zuvorkam. Dieic Behaupiungcrr sind alberne Märchen. Herr Kölsch hat sür den sozialdemokratischen Antrag gestimmt, der den Mkilärbopkott als politisches Kampfmittel aus- gei'chalrer wissen wollte. Daß aber die sozialdemokratische Fraktion sich deshalb bemühte, Herrn Kölich das Mandat bis zum Herbst zu sichern, ist eine grobe Unwahrheir, denn im Scnlorenlonvenr haben gerade die Sozialdemokrat»» darauf gedrängt daß die Entscheidung über die ipruchreffe» Mandaisprüfungen noch vor der Sommerpause erfolgen solle. Die Turchsührung dieser Absicht scheiterte jedoch daran, daß es einfach unmöglich war, nach Er- ledignng der Heeres- und Dcckungsvorlagcn noch ein beschlußfähiges Haus beisammen zu hallen. Die llnrersiellungen des erwähnten konservativen Blattes sind also völlige Unwahrheiten, die man einfach niedriger hängt. Tie Zeilen sind allerdings vorbei, loo die Mehrheit wie in den Fällen Buchwald und Braun iozialdemoirarische Mandate unter Beugung des Rechts kassiert«, dagegen oberfaule Mandate der Rechicn für gültig erklärte._ Herr Dr. Easselmann. Äie die Münchener Llärier melden, soll der Führer der bayer- rischen Liberalen Abg. Dr. Easselmann infolge der Haltung dcr FraktionSmehrheit und der Angriffe einzelner Abgeordneker in den Versammlungen der letzten Woche den B o r s i tz in dcr Fraktion niedergelegt haben. Fraktion habe zu dem Ent- schluß des Llb�. Dr. Easselmaml noch leine Aiellung genoinnren, ihn vielmehr gebeten, ihr zu dieser Stellungnahme biS-nach Schluß- der Generaldebatte im Landtage Frist zu geben. Zchwarzer Wa�lterrorismuö. Bor zwei Fahren hatten die JcutrumSlente in Lünen(Kreis Torlmund) für die Stadtverordnetenwahlen mit den dtalional- liberalen ein Bündni-s geschlossen, das dcu Fweck haben sollte, die Sozialdemokratie au-Z dem Rathaus fernzuhalten. Die National- liberalen halten sich zur Unterstützung des Zentrums in der dritten Abteilung vechflichtet, wohingegen das Zcutrmu für die nalionalliberalen Kandidaten der zweiten Abteilung eintreten sollte. Die liberalen Wähler taten ihre Pflicht und die ZentrumZlcutc wurden gewählt. Aber noch au demselben Abend stellte die ZentrnmSparici für die. zwÄte Abteilung eigene Kandidaten aus und brachte sie auch durch, lieber dieses verräterische Verhalten der Schwarzen waren die Liberalen natürlich nicht erbaut und in diesem Jahre. lehnten sie daher die latzensrcundliche Einladung zu einem Zu- saminengeben ebenso höflich wie entschiede» ab. In der dritten Ab- tcilung gelang es den Schwarzen, die Mandate noch einmal zu holen. Für die zweite Abteilung gaben unsere Gcnosfen die Parole züguiisten der Liberalen aus. Darüber sind die Schwarzen in große Wut geraten. Zu terroristischer Weise versuchten die Zentruinsonhäiiger vor allein die G e s ch ä st Z l e u t e eüizuichüchterii. Eine ganze Anzahl Geschäsi-sleute erhielt Postkarten folgenden In- haltS(wünlich}; Herrn P. P. Bei der morgigeil Wahl bitten wir auch der Katoliken zu gc- deiikeii. ha der größte Teil ihrer K ä u s e r. K a l h o l i k c u sind, dt II das ist Ilichr mehr wie recht! Wen der Liberaler Bürger- verein Iliiiccht thut, dann lhun sie recht. » Mehre die bei Jhiien laufen. Jüdische Geschäftsleute erhielten folgenden Schreibebrics: Geehrter Herr! Am 27. d. M. stndet die Stadiverorduetenwahl statt. Nun iit auch voii ihrer Kouseision auch eiir Kandidat aufgestellt. Dies ist nicht mehr wie recht. Nun bat aber Lünen 9000 Katholiken nnd i nur COOO Andersgläubige. Run will ma» den Äathotileu in der 2. Abteilung lemen Plötz einreihen, ist das recht. Sollten sie zur Wahl gehen, io biiieii wir auch zwei Zeiitrumslcnte zu wählen. Sollten ii e da« nicht thuen, so werden wir schau Ihrer gedenken. i e wissen ja, d a ß d i e M e h r- zahl ihrer Käufer Katholiken sind. Mehrere Katholiken. Man sieht es den beiden Schreiben ohne weiteres an. daß sie von 'einer Stelle aus veranlaßt sind. Wo diese zu suchen ist, dürste nickt ziveisdhasl sein. Am Abend des Wahliages drohien einige ZentrumSlcute, die ihre Sache schief gehen sahen, dem Wirt dcS liberalen Versammlungslokals de» Boykott an, als sie aus- gefordert wurden, sich wie gesittete Menschen zu betragen. Man sieht an diesen Beispielen, mit welcher Berechtigung die schwarze Presse über„sozialdcniokratiichcn TerroriSmuS" reden darf. Sie hat genug vor der eigenen Türe zu kehren. Im Nuhrrevier haben die Schwarzen in der Androhung und Anwendung terroristischer Mittel längst die scharfmacherischen Grubeiikapitalisten iibertroffcn. (*üt Monist in der hamburgischcu Landeskirche'i Gegen den Pastor Hehdorir in. Hamburg war von kirchlich- orthodorer Seite beim geistlichen Ministerium Beschwerde erhobeii, weil Pastor Heydorn beim Tode Bebel« in einem kirchlichen Blatte Hamburgs geäußert haben sollte, Bebel sei wie EhrrstuS ein Erlöser geivesen, cS sei daher zu versleben, wenn in vielen l!lr- beiierwohiiiiiigen beule da« Bild Bebels hänge. Ferner halte ein Artikel HeydornS über die Koilftnnalion.und seine Plilgliedschast im M o n i st« v blind den Zorn der Fommen erregt. Pastor Heydori� wurde schou im Roveinber zur Pernehuning tzor s!aS geistliche Miiiiste-' rium(das' heißl die Ävllezialbehötde d�r hämbürgischen Geiillichteilz geladen, war aber der Laoiiiig nicht gefolgt. Auch zur Lerhandlung am 1. Dezember ist er nicht erschienen. Es� ist nun in seiner Ab- Wesenheit das folgende llxieil über den Sünder gefällt worden i Der Arlitel zu Bebels Tod ist»iißversta»deii worden. Bebel wird darin iiichl Ehristus gleichgestellt, sondern eö wird nur geiagi, dast er dem Polt als ein Prophet der Erlösung aus malerieller und geistiger Rot erschienen sei. Die Rebciieiiiänder- ftellung fei zwar als leichi irreführend zu erstären. aber ein Grund zu diszipliiiarischem Vorgehen sei uichl darin zu siude». Aebulich lautet daS Urteil über die Stellungnahme Hehdorns zur Ko»- strmalion. Tagege» werden schwerste Bedenken erhoben gegen seine Zugehörigkeit zum Vluiustenbuiid, für den er auch elhischm Unterricht erteilt nnd bei momstiichen Eriatzfeiern siir Zanie und Trauung»ii:- gewirkt hat. DaS Ministerium hat darum Pastor Heydorn aus- gefordert, �auS dem Monijtenbund auSzittreie». Zugleich hat es ihm wegen seines Fernbleibens vom Gericht eiux Rüge erteilt. Ist Herr Heydoru tatsächlich im eigenilicven Sinne dcS Wortes Momsl,'o hat er allerdings unsere« ErachlenS nichts in det evan- geltichen Landeskirche HauibtirgS zu suchen, sonder» muß konsegueyler- weise auS der Kirche auslrclcn. Der Sturz cles franzöfifchen Ministeriums. Tie tstiederluste, die das Miiiiftoriuiil dej der Äeratulig des Änleihcgesetzes erlittei�at. ist von unseren Parteigenossen in der Kamnier unt stürm. scheu Rnseii der Genilgiung auf- geiiommeii lvordcii. In der Tal ist das Minijr.rinm Barth o u immer mehr zu einein Hindernis seder sortickritt- lichen Gntivichelung geworden und fand ats Werkzeug sozialer und politischer Reaktion zuletzt nur mehr die Sympathie der zUerikalen und Konserpativen. Trotz aller Mlgcnteiligen Ber- sichernngcn war die Forldauee der Ministerpräsidentichast Barthous elne Gesährdung der Weltlichkeit der Schule und eilte Stärkung des militaristischen ls>«istes. Tas Versprechen, daß n-enigstens die sinanzieffen Lasten des Militarismus den Be- sitzenden auferlegt werden, wurde nicht eingehalten, und statt durch direkte Besteuerung suchte man durch eine ungeheuer? liche Milliardenanleihe die Kosten auszubringeli. Trotz alle- dem hätten die Radikalen kaum die Energie zum Sturz deS Ministeriums gesunden, würde nicht die Ä b r e ch n u n g bei dsn Wahlen iinmcr liäher rücken. Deshalb haben sie das Mlnisterium grslürzt. das die perhaßte ÄerlängerrOg der dreijährigen Dienstzeit auf dem Gewisse» hat. Cb sie aber auch die Kraft sindeii werden, eine gründliche Äenderung der Politik der künftigen Regierung durchzusetzen, bleibt mehr als zweifelhaft. Tic Zusauiiiicnsrvung der Majorität. Paris, o. a.ezeuiber. Die oppositionelle Majorität der Kammer— 290 Deputierte— setzt sich folzendermag:» zu- sammen: Ein Milgtied der Recht«», ein Pragressisi, ein lvtitglied der republikanischen Union, 0 MjtHtiedcr der demokratischen Linken, dti der radikalen Linken. Nb sozialistische Radikale. LS sozialistische lltcpublikaner, 63 unifizierte Sozialisten, U Unab- hnngige. Sie Minorität— 265 Deputierte setzt sich folgender» maßen zusammelit 13 M'.iglieder der Rechte», per Actio» Udc- rale, 12 Progressisten, 31 Mitglieder oer republllanijchen Union, 62 Mitglieder der demotralischen Linken, 26 der radikalen Linken, 20 sozialistische Radikale, 4 sozialistische Republikaner. U Unab- wngigc. 15 Deputierte hatten sich der Stimme entHalle», abwesend waren stf. -...... Preßstiimtzcn. Paris, 3. Tezenlber. Der Eindruck, daß die Frag-' der R a�b- folgerschast 5Zarthous nicht leicht zii lösen sein werde, macht sich selbst in den Erörtcruiigen'dc-c'rädikalen Presse geltend. Die„L a n t e r n e" schreibt: Alle Schivierigkeiten, welche daS % reijahrsgcse tz angehäuft hat, alle criisten schiveveiilden Probleme, das Defizit, die Verteidigung der Vertveltlichung, die Wahl- resorvi, die Steuerreform werden auf den Schuiiern des körn-neNden' Ministcrinlns lasten.— Tie„A ir r o r c" fragt: DPas wird»mn jetzt lun'i Die kommende Regierung ivfch einen neuen" Gesetz- entwurs über die. AiUeibe hinbringen müssen, aber bis dahin schwebt dieselbe vollständig in der Luit. Die ,.H u m u n i t c" schreibt: Als die Sozialisten bei der Pertündiguiig des AhstimmungS- ergebnisses„R jeder m t de in T r e i jähr«ge setz!"- riefen» ivar die Kauunermehrheil jickulich verlegen.' Sie schien sich zu fragen, was sie mit ihrem Siege ansangen solle, und doch zeigt dieser Ruf deutlich, in weicher Riauung das unternoüiiiiene Werk fortgesetzt werden soll. Alle Schwierigkeiten, welche durch die Politik des militärischen Rückichrius hervoigcföhri würdet:, können nur dann gelöst werden, wenn mau das ilcbel an der Wurzel ersaßt.' Der„Madie- das Organ der gociuigl-m �aditnien Partei, drückt die tev hafte sie Befriedigung über den Sturz Barthous aus. Die politische Bedeniung der'.Abstimmung sei üvoraus bcr> ai. Niettzgud tonne beiiresten. daß B-nrlbou>b�t Recht gefallen iei z ebenso klar aber fest daß der Führer Per repnbli-'- kanischen Parteien Eaillaur die unzweideutige Zustimmung der Mehrheit der».ainmer erhalten habe. Po» den gemüßigten und konscrvativcn Blättern wird Caillaux und mit ihm die radistrle. Partei sehr heftig, angegrisfen. Der ..G ach l o i s" schreiol: In einem'Augenblick, wo die wirlichaitlichen Fragen in der ganzen Welt alle anderen stherwiegen. wo die Mächte an den fraiizösischen Geldmarkt appelliere», Iva Frankreich seine Finanzicast deweisen und zur Stärkung seines EinslujseS auSuiitzev könnte, hängt die Anleihe in der Lust. Wir haben Herrn' Caillaux eine ucite Bescherung zu danken. Ja mehreren repudiikanischcu Blättern wird erklärt, daß das künftige Kabinett, avelches die nächsten Kammerwahlen zu leiten haben ioebde. Vor allem eine Pewständigung zw-ischc n sämtlichen L i n k-- r e p u b l i k a n e r ii. herheisühren müsse. lieber die Frage der Nachfolgerschaft Barthous schrcivt Ja Urbs in der„Humanitä": Wir hauen-Grund zu dar Anuahiue, daß Präjidsnk P o i n ccnd, wenn der Präsident der llt-epubtik sich an Potitiker wenden sollte, welche' nach den letzten Ereignissen in keiner Weise vcrusen erscheinen, au die Spitze der'Rezierüng z» treten. Itslien. Eine autiuionarchischc Demvustration. Rom, 3. Tezeinver. l K a in m e r.) Bei de'r Verhandlung über eine Ansrage, bctressend einen am l5. Äoveiuber in Rimini zwischen der Menge und der Polizei»»rgekommencn Zusammen- stoß rief der republikanische Abgeorduete Gaudenzi: Ried er mit Sävoyen! Ter llnterstaaissekretär iin Ministeriuin des Innern Faleioni protestierte lebhaft und rief: E S lebe der König! DaS ganze Haus, mit Ausnahme der' äußersten Linkeii, erhob sich von den Plätzen und rief wiederholt: Es lebe der Königs An den stürmische» Beisallsrusen beteiligleu sich auch die'Tribünen, während die äußerste Linke lärmte. Der Präsident rief die Ruhestörer energisch zur Ordnung, womit der Zwischenfall erledigt war. öeiZien. ....-lw�Tie- Polt'sschnlc.; Brüssel, 2---wpjem-Bev-. s Kammer-) 2 In der fi&rfc begonneiren Srezialberatung des Schulgesetzes wurde' der o b k> g g l o r i s ch e ch u l n t e � � i c>) t im Priuzch p i n st i m ttl � g a lt g �- n o m ui c n. Hiss der Partei. Zur Geincindcwahlnicdcrlagc in Jena, Zu den Jenaer Gemeiiidewahleii, die von der reattioiiären Presse sreudestrahlend als Zeichew des Rückganges der Sozialdemokratie verbucht werden, schreibt u»aii uns aus Jena: Kurz vor der Hauptwahl war von bürgerlicher Seife ein Flug- blait hcraiisgegeben ivorden, das in der letzten öffciitlichsn Gc- uieinderatSsitzung vom Doinierotag von allen Seileii~ auch von allen anwesenden bürgerlichen Vertretern—' allgeincin als Seh Windel bczeichncl ipurde'. In dein Fiughlaft wurde von den Reformen, die der Geuieindeeat in den letzten Jahren iind in den meisten Fällen einmütig beschlossen hatte, behauptet, daß sie der Gemeinde außerordenttich vlef und heihe Koste» verursacht hätten; jährlich seien dadurch wenigskens 200 000 M. Mehrkosten verursacht worden. Dem vor in.hr als Jahresfrist vom Gemeiiiderat ein- stuninig geibählten Fiüanzdirettor ioirst man allerlei Finanzexperi- mentr bor. Ist der letzteren Zeit solle» mehrere Fondsve.r- sch io u>i d c>i so i». Dcr'Finänzdirektor habe eine ganze Anzahl angesammelte Fonds abgehoben und nicht zu- den Zwecken, zu denen sie angesaminelt waren, verwandt. Die Kassenrevisipnen sollen nach dem Flugblatt possciihaft wirke». Einer unserer Geiiosse» hatte im Genieinderat als Berichterstatter über das Ergebiiis einer Revi- sion da- Kaffenwesen gegenüber früher als ganz vorzüglich sunk- tionierend und leicht übersichtlich hingestellt. Dieser Bericht wird in dem Flugblatt als bestellte Arbeit bezeichnet. Mit den städtischen Einfamilienhäusern, die man gebaut-habe und deren weitere 20 zu bauen beschlossen sind, habe man den Arveitcrn ein Gescheut von 1000 bis 1500 M. geniccht. Die setzige Gemeindeverwaltung sei draus und dra», die„Stadt.vua in ein «chuldcnmecr zu stürzen", llnter der Leitung de« Obervürger- Meisters und des'Finauzdirektors sei der Verwaltungsapparar teuer und bure'äukrätisch geworden. Einseitig seien Klassenintercsscn gefördert worden; die übrigen Stände würden mbjorijiert. Dann folgt im. Flugblatt eiu pöbelhafter'Ausfall gegen die Sozialdemokratie und die Behauptung, daß das„diesmalige starke Zurückgehen der Studentenzahk an unserer Universität mit auf das Konto dieses sozialdeuiokratischeii Siegiinents in.Jena zu buchen" sui-' Die„Jeuaischo Zeitung", die das Flugblatt als Beilage brachte', mußt» nach dar Gemeiiideralswähl selbst feststellen, daß der Bestand der iinina'trikulierteil Studenten nicht nur deii des vorigen Wintersemesters erreicht, sondern diesen noch überschritrcii habe. Der Gcmeinderat-Hat sich nun mit der Lügenepistel beschäftigt. Der Obarbürgernieister ertlörle:„Ick kann hier ijn Raulen des Geineindevorstandes ertlären� daß alle Anwürfe heS Asugblattes glatte 11« w a h r h e i t c» sind." Und der Finanzdirektor sagte: „Gegen die i» dem Zlughlatt ge�cn mich gcrichieten g'emeinen A n s ch u ld i guu g e ii habe ich nur ein Pfui!, und ebenso nur ein Pfui!- für die Redaktion der Henaischen Zeitung." �Lebhafte Zustimmung des' gesamten Gdmei'nderats.j' Nachdem der Gesamt- gcineitzderat und vor allem unsere Genoffen mit dem M a ch- wert— wie es selbst von bürgerlicher Seite hezeichuet wurde— gehörig abgerechnet halten, wurde dem Finaiizdireitor auf Antrag des Oberbürgermeisters ginmütig. ein Pertrauensvo-uin ausgesprochen� und der Genieindcvorfiand bxapfträgt, die Klage gegen diesen Schwindel vorzubereiten. Die bürgerliche Mischmaschlifle hat auf Grund der elenden Lüge gesiegt. Und bei der am Freitag stattgefundenen Rachwahl, bei der drei erledigte Mandate zu besetzen waren', siegte der Mischmasch abermals, tpotzdem die Sozialdemokratii! bis zu 170 Stimmen gegeimber der Wähl.eny 17.. November zugenommen hat. ' Die„Jenaifche Zeitung" teilt' übrigens' mift� daß sie wegen öfsentticher Boleidigmig den Finanzdircktvr verklagen ivill. Der kommunalpolttische Mitarbeiter, der den Lügciabrei in dem Flug � blatk zusammenaebrallt hat, will sich der Klage anschließen. Auf den Prozeß kann man gespannt fein. Bcbcl-Kondoieuz-Zigarctte. Ter Zigarrensabrikant Julius Dick in SHtvepnitz. Amtshaupt- mannschafk Kamenz i. Sa., versendet an di Parieipresse Inseraten- austräge', ivockii er eine Zigaretle cmt'neblt. die er als„August- Bobcl-Kondol cnz--Zigarette'gesetzlich gescdützts" bezeichnet. In dem Inserat versichert Dick, daß er vom gesanueu Jahresumsatz der Purteikafse 2 Prqz. Bewillige, aus welchem Gründe es Pflicht jeden Arbeiters sei, nur obige Zigaretten zu rauchen. Es-ist sc'oitvcrsiändlich, daß die Partei mit: einem derartigen Gesckvitsgcbareu nichlS zu tun dat. Ter Parte. ivorstand hat iiets Zuwendungen' abgelehnt, die ihm ans Grund derartiger geschält- licher Muuipulatione.n gemacht werden sollten und verurteilt solche Maieöver aus- schärfste. Wir warnen dcsksalb die Arbeiter ausdrücklich vor solchen Jnseftrien.__ Tic„rote Woche" in Holland. Die holländische Sozialdemokratie hat, uiii die Wichlniederlage im dritten Amsterdame-« Kreis ivcttzn machen, eine„rote Woche" Veranstalteft die das.erfreulichste Resultat zeitigte. Roch sind erst k�m 150 der M Ortsstktionen die Gewinne bek-.mnft noch wird d-e A Speit'fortqcsetzi und schon ist bekannt, daß mehr als 2000 neue P.i eP e i ii!: t gl! ed e r nnd fast 2500 Abonnenten für das ZentreiHrgem gewonnen sind. So hat Amsterdam fast 000 neue Mitglieder erch alten. Haag mehr als 100 usw: Dabei macht Rotterdam' z. B. die Arbeit erst in der nächsten Woche. Ter Zweck, allen. Gegnerii zu zeigen, daß die Partei durch die letzte Schlappe nichts von ihrer Eusagie. eingebüßt hat, ist glänzend erreicht. Borausstck!- lich wird die Partei ihre» Mitgliederbestand um ein ganzes Fünftel vermehren.__ Personalien. Als Redakteur für den gewerkschaftlichen und soziocken Teil der„Schleswig Holsteinischen Volks- ze itung" ist von der Preßkommission Genoffe'Richard Hch gc- wählt worden. Genosse Heb ist seit Jahren als Schriftsetzer in der Druckerei der Äolk-zeitung beschäftigt und hat schon oft in der Redaktion. vertretungsweise avsgpholseV. Polls tzUieimp» Ccrichtiiciuo ukw. Stuttgarter Polizeipraxis vor Gericht. Das tzchö�ngericht Stuttgart Stadt unterzog am Dienstag. die Praxis de.--' Stuttgarter Polizeidirektors rr. Bithiuaer gegen ParthigenpMr einen: Rachprüfung, die für den Herrn Poiize'.- prafide Ilten sehr ungüAstig ausfiel. Anläßlich der Jahrhundertfeier der Völkerschlacht' der-Leipzig hatte auch der Stuttgarter Sozial demokratische Verein üine Anzahl Vcrfamiuulngen veranstaltet. Der Polizeidirekkor vervckt das Anheften der VcrsiimmlungSplakate- Darauihiu ließ die Partei den Tert der Plakate als'Flughlatl auf der Straße durch arveitsto,er Genossen verbreiten. Auf Anordnung der Polizeidirektion machte die Schutzmannschust Jagd aus die Per- breiter der Einladungen. Zehn Genossen wurden verhastet, teils zu Fuß. teils mit dcur GefapgeueiUvageu zum Polizeigefaugms trau-- porticrt. zwangsweise dem Fingorabdruckversahren unterworfen und bis zum Abend in den flinüigen Zellen mit Spitzbuben und Einbrechern zusammen eingesperrt. Wohl um einer gerichtlichen Prüfung dieses Verfahrens zu entgehen, war dann auf die niedrigste Polizeistrafe. I Mark pro Manu, erkannt worden. Dem Sekretär Genossen Bullmer waren M voraniwortlichgn Verleger des Flug- Wattes 50 M. Strafe zudiktiert worden, weil die EinreichUng eines Pftichteremplars bei der Polizei unterblieben war. Das Schöffen- aericht bestätigte die StrafverfSguug gegen den Genossen Bullmer; die so schmählich behqnoHlteu Verbrei ter der Ei»- ladnua zu. tiestraic». wa� das Gericht i e d'o ch Ii I ch t in der'Lnge, da es. an i ede-r gesetzlichen' Handhab e- d a z u m a u a e l t c. Dc5 erste der Genossen wurde darum g l a l l f r e i a e s p 2 ö est e n. Von emee gewerbsmäßigen Verbreitung von Druckschriften komie keine biede sein.— Die anderen neun Genossen haben bei der vorgesetzten. Behörde der Stuttgarter Polizei Einspruch gegen die Bestrafung ckHrgekegt. Das Urteil des Stull- garter Gerichts wird auch von der lÄreisregierung respektiert werden müssen. Nun wird zu prüfen sein, od die mißhandelten Genossen- den Spieß nicht umdrehen uird d e n P o 1 i z e i d i r e k t o r w c g c u widerrechtlicher F r e i h e i ks b e r a u b u u g belangen sollen. Ein bitteres Rachspiel für den Polizeidirektor wird. die. Affäre aus jeden Fall Huben. Mexikanischc Kämpfe. Mexiko, 3. Dezember.(W. T. B.st Wenige Meilen von der Hauptstadt entsemt. kam es zwischen ciuer kleinen Abteilung Gendarmerie, die in einen Hinterhalt gel-xkt ivorden war, und An- hängern Zapatas zu einem scharfen Gefecht. Das Feuer dauerte etwa zwanzig Minuten, schließlich flohen die Rebellen in die Berge. Aus dem Kampfplatz blieben z e h n T o t e zurück. Die Zahl der Verwundeten befrug auf beiden Seit«» über zwanzig. Schweres Ilnglück bei Schichbersuchen. Pilsen, 3. Dezember. Bei Schießversuchen mit Geschützen der Skodawerie zerbarst heute ein Geschützrohr. Drei Arbeiter wurden von n ,n h c rf l i e g c n d e n S p r e u g st ü ck e n gc- tötet, weil sie trotz Anordnung keine genügende Deckung ge- nommeit hatten._ Untlrschiaguugen des einer finnischen Bank. Hrlsinzfors, 3. Dezember. M. D. B.j Lei der Rh Aarlcvi-- Aktienbank ie'urden große Unterschlagungen entdeckt, die sich aus über e i n e M i l l i o n finnischer Mark belaufen. Tic Cholera. Konstcutiuopel, 3. Dezember. Gesteen sind hier sechs E h ol e r a s äll e, darunter zwei mit tödlichem Verlauf, vorge- tommciu Schutz der Schisfahrt gegen visbcrge. Washinztvn, 2. Deße.nber. ,W. T. B.) Schatzamtssekretäc McAdoo kam in seinem Kongrcßbcricht aus die in London lagende Konferenz zur Sicherimg des Lebens auf dem Meere zu sprechen und erwähnte dabei, daß aur der Konferenz die Frage einer A b p a. r p u i lli e r u» g des EiSgürtels im nördlichen 'Atlantischen Ozean erörtert werden würde. Die wichtigst«» Seenationeu, führte Adoo dabei aus, sollten sich über die Festsetzung der Fahe-lsiraßcn aus dem Atlantischen Ozean einigen, damit allen von Eisbergen während der Monate April bis Juni drohenjen-Gefahren aus dem Wege gegangen würde, und sollten die Schifsahrtsgesellschuste» zwingen, die festgesetzten Fahrtsträßen iunezuhalten. Zusauimenfassend sagte der Sehatz- se'kre'tär, daß die Schisfahrtsgesellschasten, ivenn sie bei ihren jetzigen Kursen beharrten, gezwungen werden sollten, auf ihre eigenen Lkostc» eine wirksame Abstatrouillierung de? Eises diirchziiftihren. Schwere Lchlsft-kataitl'pphe. Schanghai, 3. Dezember.(H. B.j Hier wird bckgnut, daß der Dampfer„RukPJnc" untergegangen ist und daß dabei 17 ö Ein- gebareue ertranken. Der„Rick Vue" war bei Aewehano ausgelaufen. G. Rapps Festsäle m* Nißle W. 57, Oennewitzstr. 18. Ferm'pr.: Kurf. 2334. Der gemütlichste Ballsaal des WestenS!—-Heute: Ciroßv? Ball. Die Siiic sind noch für Sonnabend, den 27. Dczemder zu günstigen Bedingungen freit» r Kapitän-Kautabak (gcsetzl. geschützt) Kapitän-Rauch- Schnupftabake A � hervorragend feine O.ualitat so schnell beliebt geworden. Zu haben w den einschlägigen Geschäften event. zu erfahren durch �C. Rocker, Kerlm, GrilNkt Weg!l9. 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Hinter Aianern. Montis Operetten. Die ideale Gattin. Schiller V. Hcimg'sunden. Schiller(kharlotienburg. Die goldene Ritterzeil. Residenz. Hoheit— der Franz. Rose. Der Meineidbauer. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend hafte. Rle»ic-Z. Die Sippe. Lustspielbaus. Die spanische Mege. Trinnon. Seine Geliedtc. Zlpollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Friedrich- WiidelmstädttscheS. Die Kinolönigin. Herrnfelv. Was. sagen Sie zu Lcibusch? Reichshalle». Stettiner Sänger. Äniang 81;, Ubr., Königgrätzer Stratze. Die fünf Franlsurler. Suiten. Hopsenraths Erben. Folies Cavrice. Der Kuckuck. Manövcrlchwindcl. Die Samuels. Walhalla. Der Liebcsonlel. Aniang 8ft. Ubr. NeueS Aolksthearcr. Ter ledige Hos. Anfang 3 Ubr. Rdmiralöpalast. Die lustige Puppe. CinesNollcndorf-Theatcr.Bariete- Lichtspiele. Sternwarte. Fnvalidenstr. 57—62 8l!lli»es-I>lög!ös 0. (Wallner-Thoater). Domierslag, abends 8 Uhr: fitelmg'fundcn. Freitag, abends 8 Uhr: liasemanns Töchter. Sonnabend, abends 8 Uhr: HeiiJig'f nnden� SehiHer-Tlieaier Cbabrü?rn' Donnerstag, abends 8 Ubr: l>ie goldene Rltterzeit. Freitag, abends 8 Uhr: l»ie. Jnng'frau von Orleans. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Oötz von jBerliching'en. sommbend, abends 8 Uhr: Wenn der neneWein blüht Theater aaerKöfligifäßer Strafe Lft. Uhr: Die fünf Frankfurter. Komodienhaus. -uhr: Hinter Mauern. Lörliiie� sdestef. 8 Uhr:• Wie einst im Mai. identzche'sächanspielhaäs 8 Uhr: Die heitere Residenz. �essiliF-Ideatef. 71/, Uhr: Peer Ciynt von Ibsen. Musik von Grieg. Freitag, Sounab., Sount.: Pygmalion. Msehes Künstlertheater Sozietät. Nlirnbetger Straße 70,71, am Zoo. Kasse; Nolleno. 1383. Donnerst. 8 Uhr: kose Bernd. Freitag 8 Uhr: I>er Biberpelz. Sonntag ll'/s Uhr: Dnncan- SchuSe.'Tänze und Reigen. Wochenschrift für Arbeitersamilieu Wöchentlich 1 Heft für IL Pf. Trietliil-liieltlßtaijt. Tbeater 30-31 Chausseestr. 30-31. Operetten• Gastspiel Die ICinokonigin Operette in 3 Akten von Georg Okonkowski u. Ful. Freund. Musik von Jean Gilbert. Kasscneröfsn. 7 Uhr. Ans. 8 Ubr. Sonnlagnachm. 3 Uhr: Die Räuber. 8 Uhr Residenz-Tiieater� Hoheit— der Franz! Musikalische Groieökc in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wölfs. Musik von Robert Winterberg. Allabendl. 8 Uhr: Hoheit— der Franz! Die ! Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berl. Reichstagswahlkreis Sonnabend, den 6, Dezember 1913, im großen Saal der Brauerei Fnedrtctasbain: Beethoven- Konzert Mitwirkende: Frau{Schauer-Bergniann(Brefilau) Sopran— Fräulein Haenlsch, Sopran— Fräulein Stapelfeld. Alt— Herr Ludw ig Heß. Tenor— Herr Dr. Gnttniann Tenor.— Herr van Eweyck, Baß— Am Klavier: Herr Ltitschg— Berliner Volksohor— Blüthner-Orchester.— Dirigent: Herr Dr. Ernst Zander. ( 1. Leonoren-OÜvertnre Xr. 3. Vortragslolge:'J.Phantasie für Klavier, Orchester nnd Chor. 1 3. l»lc nennte Sinfonie. Billetts a 70 Pf„ Textbuch 10 Pf., sind zu haben im Bureau des Wahlvereins, Stralauer Platz 10/11, sowie in den Speditionen P Böhm, Lausitzer Platz 14/15, Hackelbusch, Petersburger Platz 4, Zucht, Immanutdkirchstr. 12, Hanisch, Acker- straßo 174, im Lokal von P. HoSmann, Königsberger Str. 28, Köbbel, Büschingstr. 27 und am Eingang des Konzertlokals. 218/14 m m A Täglich Anfang 6 Chr. ja Sonntags, 3 Uhr: Matinee. — komplettes Programm grosser Vari6tä-Akte sowie unser» renommierten Lichtspiele Preise tod 65 Pfennig an. Nollentiorf-Theater deopalra Die Herrin des Nils Was Filmwunder der Welt wnrde mit großem Beifall auf genommen Wochentags Anfang 6'/, u. a Chr| Sonntags 4, e1/, und ä Uhr. Jugend-Vorsteilung j Mittwoch und Sonnabend 4 Uhr' zu halben Preisen. r □ Sozialdemokratischer Wahlverein für den S. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonntag den 7. Dezember 1913: Beethoven-Konzert im großen Konzertsaal der Brauerei Priedrichstiain� am Königstor. Mitwirkende: Frau Schaner-Bergmanti(Breslau), Sopran. Fräulein Haenlsch, Sopran. Fräulein Sfapelfeldt, Alt. Herr Ludwig Hess, Tenor. Herr Dr. Guttmann, Tenor. Herr van Eweyck, Baß. Am Klavier: Herr Ltitschg. Der Berliner Volkschor, das Blüthner-Orchester. Dirigent: Herr Dr. Ernst Zander. ( 1. Lconoren-Ouvertüre Sr. 3. Vortragsfolge J 2. Phantasie für Klavier, Orchester nnd Chor. 13. l>ie nennte Sinfonie. 232/17' Saalöffnung 6 Uhr. Konzertbeginn pünktlich 7'/, Ubr. Eintrittskarten a 70 Pf. sowie Textbücher a 10 Pf. sind bei den Bezirksführem und in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.— Rauchen nicht gestattet. Der Bildungsaasschuß. □ UT Hasenheide Weinbergsweg 16-17(2 Min. v. Kosenth. Tor) Reinickendorfer Straßo 14 Protea Phantastisches Schauspiel in 4 Akten. ! Sohöneberg, Hauptstr. 43 Täglich: Das glänzende Eröffiinngsprogramni mit TANGO» FIEBER Filmburleske von Edmund Edel u. Kar! Wilhelm. Cnlloc Hanrina BeHiner Praler-Tlieater rüSlüO IldUllllCl Stailauieuallec 7-3. visww sr f«r« Donnerstag, den 4. Dezember: Gastsplel des Voigt- Theaters: Der deutsche Wichel. linlang 0'/, Uhr Der Kuckuck. üfanövcrscbirlndcl. Die üianiucls. Vollsftück mit Gesang in 4 Alten von iliieysel. Kafseneräsinmig 7 Uhr. Ans. 80, Uhr. Vereinigt« Berliner Vuikshiiiineu. Enisen-Thcatcr. I Walhalla-Tkeater. 8'/, Uhr: I81/« Uhr(nur noch 4 Ausführungen): Hopfenraths Erben. I Der Eichesonkcl. aSoHsftücf mit Ges. n. Tanz in ö Akten.\ Posse mit Gelang u. Tanz in 3 Ali. W:: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90/91. Crroßes I>o|>pel-K.oiizert! Berliuer Konzerlliaus-OFehestep mit Jk»®loa ™--- MnitprsfrnSe 82. iLeitung: Komponist Frz. v. Bio n. Musikk Kaiser-Alexandcr-Garde-Gren.-Regts. Anfang 8 Uhr. Kintritt 50 Pf. Dirig. Kgl. Musikdir. Brase. Anfang 8 Uhr. An allen � � ktae!mittag8-�oiiiLi'l bei freicm Wochentagen: Eintritt. SO M- Belohnung erhält der Wiederbringer des uns ent- flogenen grauen Papageis. Pesondere Kennzeichen: Der Papagei hat einen roten Schwanz ,md spricht sehr deutlich die Worte: „Zum 200. Male: Tie blaue Maus." Ferner:„Madge Lesfing, Tu bist wirklich sehr drollig!" Ferner:„Kanone Mark, wo bist Tu?" Ferner:„Meine Herrschaften, das Theater ist ausverkauft." Gest. Meldungen an, Fichlspiele Mlilmochliiis. h'enes Programm: Rita Sacchetto f.rr,Ä iow wi. Die Tangotänzer Oscar und 8uzettc und eine Auslose hervorragender Kunstkräite! Sonntag, den T. Dezember: Nachmittags-(3:;. U.) Vorstellung. Kleine Preise! Rauchen gestattet! Theater des Westens. S Uhr: Polcnblut. Mittwoch u. Kontiabendnachm. 4 Uhr: Das tapfere Schneiderlein. Smnii.Rm. 3V,N.: Derlieba�Augustin. �ieaienffllleiiilorfplatz S. 'Allabtzzidiich 8 Uhr: Nikaclo. veräntw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Lnseraientell veroni'n. Eh. Glocke. Berl'n. Druck u.Periag: vorwärts Bucuor.u tleriagsaiiuali PaulSingerä:Co.,BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen u.UntcrhaltungSbL Die Direktion. ssriedriehsiraße 2IL VotliöiimlssVssislö coslkiNino Zerllsrlli �tkos 6� �esci 4 jcllMZfKM ÜWgllLZ Sslernv und ein weiteres großes Pro» \ gramm der besten V»rlet«kttnstler. Rauchen überall gestatte!.. Beginn 8 Uhr. Ab 7% Uhr: K O\ Z E R T. Reielishailen-Theater Stettiner Sauger ZiekeDbeens Künstler- Ägeotiir. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm 3 Uhr zu ermäg. Preisen: Ter Konivagniedall u.Vieihnaehls-Pr. Isubsnstraöe 43.49. 8 lif: ciem„ZniperÄtor� nseli York. Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Piotrowski: Ecber Xervositüt. I0SE=THEATE (arotzc ffronfturicr Str. 132. Der ifleineldbauer. Boiksstüd ut 4 Alten von Ludwig Anzengrubcr. � Ansaug 8 Uhr. Freit.: Berlin, wie es weint».lacht. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Eiskönig und Goldprinzcstcheu. ZiiTusBuschri Heute Donnerstag, 4. Dezember, U abends 1% Uhr: Das neue gr. Spez-Progr., u. a.: Kspt. Huling eine Ätordvolizene im Zirkue- Pnich. Der SchlusiakI spielt im Wasserbass. Ferner das gr. Gala-Programm. Zum Säilüsi: Die grotze Prunk-Pantouiinre: I�OMpvIii in 3 glänzende»'Akten. Keine 8tener. ausi. Sonnig. igtrkiis Alb. Schumann. Heute Donnerstag, 4. Dezbr., abends 7'/, Uhr; Große Elltevorstcllnng. Neu! U. a.: Neu! Elack Brothers komischer Gymuastikerakt Looping The Loop am Trapez. tzveu! The 3 Arleys Neu! mit ihrem neuest. bensat.-Akt. Miß Mariettas 5 ilress. Seelöwen zo Plerile! und weitere 10 Attraktionen. ytSF" Um 3-/.. Uhr:'-SSQ Tango vor Geriolst! Pantomimischo burleske in 3 Akten mit Gesang u. Tanz Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 05: Die Hoiss um die Erde in 40 Tagen, Passage-Pannplikmn 50 wilde Kongoweiber Männer und Kinder in einem eigens aufgebauten Kongodorfe. Der Frosehschlueker. Die P Rino-Varieie-Vorsteüüng von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Casino»Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Das glänzende Dczcmher-Fcst-Progr. Gailipiel der Amerikanischen Sensation ..I»! Bults vgg Tingel-Tangel." Dazu icit Qkihher total ausvertauft: lerd.i!lalld der TligendliM. Sonntagnachm. I Uhr: iöiiitterlicde. Imnon-IkLatsr. Täglich abends 8 Ubr: 8einc Geliebte. Sountagnachni. 3 U,: Die Liebe wacht. Ädaniralspalast. Eis- Arena.— Allabendlich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Elshailett Die lustige flippe. Beginn der Vorstellung S1/, Uhr. Bis 6 Uhr und von 103/, Uhr halbe Kassenpreise. iConecniia-Fesisöie 64 Andreas Strasse 6-1 i Jeden Donnerstag u- Sonntag: a Soiree der Hofimann-Sänger A» fang S L'hi. Nach der fcjoiree: FreS-Tanz. ' Vorzügskart. Laben Gültigkeit Dr. 319. 30. Iahrgavg. 1. jfijt i>es J«»jtts" Setliiift lolMtt. Dllimerstag, 4. Znember 1913. Gewerhfd�aftUcbcs. eine ößeihnachtsfrcude für die Arbeitslosen. Während iil den Gemeiiidckörperschaftcn die sozialdcmo- kratischcn Anträge auf Arbcitslosenfürsorge abgelehnt war- den sind und uiifcr Verlangen, eine ReichSarbeitslosenvcrsichc- rnirg einzuführen im bürgerlichen �ager fast nur ans Zinbedingte'Ablehnung, ja sogar auf feindseligen Widerstand stößt, haben die Berliner Gewerkschaften beschlossen, ihren arbeitslosen Ätitgliedern eine Weihnachtsfreudc zu machen, die ja angesichts der Größe des Elends immerhin nur eine befrlicidenc sein kann, aber deshalb besonders wertvoll sein wird, weil sie geschaffen werden soll durch Arbeitergroschen, die ans kamcradschasrlichcni Empfinden hergegeben werden. In einer am Montag abgehaltenen Versammlung der Berliner G c w c r k s ch a f t s k o ni i» i s s i o n befiirwor- tele Körsten namens des Ausschusses die Ausgabe von Sammellisten, durch deren Ertrag den arbeitslosen GeWerk- schastsmitgliedern eine besondere Unterstützung gewährt und ihren Kindern eine Weihnachtsbeschernug bereitet werde» soll. K ö r st c n begründete den Antrag mit dem Hinweis auf den großen Ilmfang und die lange Tauer der Arbeits- losigkeit. die besondere Maßnahmen zur Unterstützung der Arbeitslosen notwendig macht. Tic Gewerkschaften haben für die Arbeitslosen getan, was in ihren Kräften steht: meist gcivähren sie außerdem noch besondere Weihnachtsunter- stütznngcn in der einen oder anderen Jon» an die Arbeitslose». Tie weiteren Bemühungen der durch die Sozialdcmo- kratie vertretenen Arbeiterschaft, die Gemeinde zur Fürsorge für die Arbeiterschaft zu bewegen, sind z n r ü ck g e w i e s c n worden, man hat die Frage der Arbeitslosenfürsorgc als Sache des Reiches bezeichnet. Ter Reichstag hat sich in aller- nächster Zeit mit der Angelegenheit zu befassen, aber große Hofsnungen wird niemand ans ihn setzen. Angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes, das für die Tausende von Arbeitslosen leider kein Fest der Freude sein kann, hält es der Ausschuß der Berliner Gewcrkschaftskominission für eine solidarische Pflicht der in Arbeit Stehenden, ihren notleidenden Arbeitsbrüdern eine kleine Weihnachtsfreudc zu bereiten, zu deren.«osten jeder nach Maßgabe seiner finanziellen Kräfte beitragen kann. Zu diesem Zweck sollen Sammellisten aus- gegeben werden. Ter Ausschuß hat diesen Plan mit der Parteileitung von Groß-Berlin besprochen, die ihn durchaus gebilligt hat. Partei und Gewerkschaft Iverden also den Plan gemeinschaftlich aussnhren. Tie Ausführung ist so gedacht, daß jedem Arbeitslosen, der ans ihn entfallende Anteil ans dein Ertrage der Sammlung seinem Wunsch gemäß entweder in barem Geldc. oder in Anweisungen ans Waren gegeben wird, die durch Einkauf im großen zu weit günstigeren Be- dingungen bezogen werden als sie der einzelne haben kann. Außerdem soll den Kindern in mehreren großen Sälen eine Weihnachtsfeier mit Bescherung bereitet werden. So denkt die organisierte Arbeiterschaft Berlins ibren arbeitslosen Klassengeiiossen eine Weihnachtsfreudc zu bereiten. Tisknticrt wurde in der Versaminlimg nur über die technischen Einzelheiten der Tnrchführnng des Planes. Ter Plan selbst fand überall unbedingte und freudige Zu- stimmnng. Ter Antrag des Ansschnsses wurde einstiinniig angeiionimcn. Tie Ausgabe der Sainmcltistcn erfolgt sofort, so daß sedein Arbeiter Gelegenheit gegeben ist, seinen Beitrag zur Förderung des guten Werkes beizusteuern. LcrUn uns Amgeg-Nil. Die Aussperrung bei der Firma Köhler. Eine Vcrsamuiluiig der Musikinstrumcntcnmachcr beschäftigte sich am Dienstag mit der Aussperrung bei der Finna Äöbler. F. Leopold erstattete den Situationsbericht, nachdem er die be- tannten Vorgänge noch kurz rekapituliert hatte. Wahrscheinlich sind die Limvirkungc» der Scharsmactie: vom Verband deutscher Mechaniksabrikcn aus die Firma nicht ohne Erfolg geblieben. Aller- diugs hat sich diese verspekuliert»ud ist i» eine böse Klemme ge- raten. Tie meisten der im Betriebe Beschäftigten sind nicht zu gebrauchen und die wenigen Brauchbaren können den Betrieb na- tiirlich nicht aufrechterhalten. Ein Teil von dciten,cNv 44 Wochenbeitrögen können die Mitglieder im Falle .BArStzrantfceit oder ArbwitSlofigSeit vom Vorstand unterstützt werden. ArbeitSlosemintcrilüvung kann den Mitgliedern am Wohnorte •t&tä. des Zwcigvereins und ans der Reise gewährt werben, Ämawtenuuterslützung wind int Verlaufe eines Jahres bis zur chötk tdaucr von zwölf Wochen sfür 72 Tages gezahlt. Die Arbeits- koivvDntersiützuitg am-Erte wird im Verlaufe cines Jahres bis zur K»Kch st d a ii c r von acht Wochen ikür 48 Tage- gezahlt. Für .AWritslofigkeit in den Mouuten Januar und Februar wird ivtittt llnterstLtzung gezählt. Es ist gleich, ob die Er.verbslosigkeit ?'» einem Zuge fortdauert oder ob sie durch zeitweilige Evwcrbs- mstsigkeit unterbrochen wird. Das Jahr beginnt mit dem ersten .ttill: tii ützlings tage und endet mit der 52. Woche danach. Mit dem Ab.ausä der Unterstützung innerhalb der 52 Wochen ch.-ginnt ein neues Wartejahr von 52 Wochen. Liegen der Gr- .somidauer, der Uiiieritützung mehrere Umerstützul'.gsfälle zugrunde, so werden alle Unterjtützuirgstaga und-wachen ais zusammen- hängend vom ersten Unieosiützungs-age gezählt, und dann läuft vom So-tußtage an das netto Wartejahr. In diesem Wqrtcjabr muß das Mitglied mindestens 44 Wochen lang erwerbsfähig gewesen st in und für diese Zeil Beiträge gezahlt haben. Krankenuntcrstützungen und Strbeiistosenunteritützuiigen lam Orie und auf der Reise>, die in einen Zeitraum von 52 Wochen .fallen, werden gegeneinander ausgerechnet. Alle Ilnicntützungen .t't'ammen dürfen nicht höher sein als die für das betreffende Mit- güed in Betracht lammende Arbeitslosenunterstützung. Tie Festsetzung einer Karenzzeit bei wiederholter Atbeitsiosigke'l'bei der ersten Arbeitslosigkeit beträgt die Wane- zeit 6 Tage- innerhalb 52 Wochen hat der Berliner Verbaudstag, rulgegen der Kommisfionsvorlage, abgelehnt. Der Verbands vor- f'ild bat dringend, eine derartige Karenzzeit nach einigen Wochen r'.'»cuter Beschäftigung festzusetzen und wurden auch derartige An- träge gestellt. Nach längeren Auseinandersetzungen, beschloß der i'rbaildswg mit 118 gegen 113 Stimmen, daß bei einer Unter- t'.whung kec llnterstützungsperiode durch mehr als 24 Arbeitstagen ein: Karenzzeit von 3 Tagen durchzumachen ist. Tie U n t c r st ü tz u n g s s ä o e werden nach cincm neuen vnrag des Vorstandes beschlossen. Die Kraukenunter- s'ützung wurde aus rechnerischen Gründen in einigen klaffen itm 5 Pf. und um 1» Ps. erhöht. Sic wird nach folgender Skala «"zahlt: Tie A r b 0 i t s l o s e n u n t e r st ü tz u u g ist in allen Klassen am die Hälfte höher als die Krankenunterftützung. Sie beträgt bist ciuer Mitgliedschaftsdauer von: Tie Re I s c u u terst ü tzung beträgt wie bisher 1 M. pro Zig. Die Gesamtsumme der in 52 aufemandcrfolgendcn Wochen 'u erbebenden Reiscunterstützung«inklusive Aufenthaltsunter- iudunigj beträgt»ach einer Mitgliedschasisdauer von I Jahr »hßciträge) le- M., 2 Jahren 22 M.. 4 Jahren 30 M.. 0 Jahren i Mt. S Jahren(352 Beiträge« 50 M. Mit Ablauf de/ lluter- -stzwg, spätestens nach 00: Wochen vom ersten Unterst ützungStag« vsgrnnt ein neues Wartejahr von 52 Woche» und 44 Beiträgen. 5 Als N cb c r g«r ng sbest i m m u n g wurde seiigesepr. daß jvtglieder, die bis zum Jnkrafttreren der Arbeitslofennuterstütziing «:>« Verbände zwei Jahre angehören und 80 Beiträge bezahlt mben, soiort in der ersten Altersstufe vezugsverechtigl siird. Mit- hkieder, die dem Verbände vier Jähre angehören, sind in der .'weiten, die ihm sechs ZäKre angehören in der dritten, die acht j-ahre dem Verbände angehören in der vierten und die zehn Jahre dem Verbände angehören, find in der fünften ATtersstuft bezugs- vcrechtigi. Nach Besprechung einiger AuSführungsbestimmun- gen, die der Vorstand vorschlug und die auch akzeptiert wurden, überwies der Verbandstag alle zum Statut gekaßten Beschlüsse der Redaktionskommission, die zu den Ausführuitgsbestimmnngen noch einige Vorschläge machen soll. Ter Verbandötag beriet nun die Anträge unter„Per- schiedenes". Ter Veroandsveritand beantragte eine Ergänzung der statutarischen Bestimmungen über die B c i t r a g s b c f r c i u n g, der zugestimmt wurde. Sie gehl dahin, daß jede Bcitragsleistung für kranke und arbeitslose Mitglieder ruht, wenn sie noch nickt nntcrstützungsberechtigt oder wenn sie ausgesteuert sind. Die Bei- lragSbefreiüng in den genannten Fällen ist zivingendes Recht. Währcwd der beitragsfreien Zeit sind Frei m a r k c n zu kleben. Tiefe werden bei der Feststellung der Mitgliedschaftsdaucr und Beitragsleistung nicht mitgerechnet. Die Verh r ii r so rgeg e setz in Anspruch genommen zu iverden. Das abgebrauchte Schlagtoort:„Wer arbeiten lvill, finde immer Arvcii", ist eine große kiiuvahrhe.il und Selbstläuichnng. Da- gegen sprechen schon die mannigfache» lirsachen der Arbeitslosig- teil, wie technische Neneruiwen, Mißernten. politischc'Konstitic. wie die Balkankriege, Wechsel der Moden. Erschöpftnig der Arbeits- stätten. ilcver de» limfang der'Arbeitslosigkeit lasse sich bis fest leider noch keine Nebersicht machen. Tie Folgen de«-'Arbeitslosigkeit seien überaus verhängnisvoll. Die Eigemumsdelikte mehren sich. Viele Arbeitslose finden den Weg zu einem geordneten Leben nicht mehr zurück, werden irre an Gott, Staat niid Gesellschaft niid falieu der llmsturzpartei anHeim. Eine wirtliche Arbeilslosensür- sorge ist darum schon ans Gründen der Klugheit und Staatsraison soivic aus menschlichen Gründen eine dringende Notwendiakett. Ti.' vollkominelle Lösung der 2trveitstoscnsrage lväre natürlich eine Bc- schaffung von'Arbelt für alle, die arbeiten lvollen. Tas ist aber schtver. Fürst Bismarck erkannte allerdings schon vor 30 Jahren in gewissem Sinne ein Recht auf Arbeit. Es müßte nicht nur der Schug der nationalen Arbeil, soliden! auch der Schutz der nationalen Arbeitskraft gefordert werden. Leider seien aber diejenigen, die den Schutz der nationalen Arbeit fortwährend betonen, gerade dieselben Leute, die, obloohl in Deutschland Hunderttausende arbeitslos seien, unaufhörlich fremdländische Arbeiter ins Inland hineinziehen. Der schrankenlosen Schmntzkonkurrenz der geistig lind kulturell ticfcrstehenden ausländischen Arbeiter, deren Zahl zur- zeit in Teutschland über eine Million betrage, müsse durch Regle- rung und Parlament ein Ziel gesetzt iverden. Die verilünftige Regelung und Verkürzung der Arbeitszeit wäre ein vorbeugendes Mittel. Redner befürwortet außerdem die innere Kolonisation. Das wirksainste Mittet sei Einftihrung einer Arbeitslosenversicherung, die auf dem Grundsätze der Solidarität deruht. Das Turchgreifendsle wäre eine Reichs-Arbeitslosenversicherung, wie sie bereits in ver- schiedeneli Staaten besteht.'Auch eine Anzahl Kommune», besonders in Württemberg, sei mit der Arbeitslosenfürsorge vorange- gangen. In«härlottenburg wäre beinahe eine Arbeitslosenfur- sorge geschaffen worden, wenn nicht die tsozialdeinokratie in der Stadtverordnetenversammlung dagegen gestimmt hätten.(Hört! hört!)«Ter Redne?„vergaß" leider, die Gründe anzuführen, lves- wegeil die Sozialdemokraten gegen die Vorlage stimmten. Tie Vor- läge Ivar nämlich so gestaltet und enthielt so viel Verschlechte rn n gcn gegenüber einer früheren» von den Bürgerlichen abge- lehnten Vorlage, daß die sozialdemokratische Fraktion im Eharlotten- burger Rathause im Interesse der Arveiter dagegen stimmen mußten. Die Redaktion. Tie bürgerliche Gesellschaft, schließt der Redner, kann unmöglich den Arbeitern und Angestellten allein die Folgcwirkmigcn der Prodnllionsstockungen und der damit verbundenen Llrbeitslosig- keit aufbürden. Tic �Arbeitslosigkeit und ihre Folgen aber sind Nährquellen, aus denen die Sozialdemokratie schöpft. TaS haben die-sozialdemokrateil auch mehrfckch selbst betont. Wir dürfen diese Wunde am Bolkskörper nicht offenhaUeli. sondern müssen sie mög- lichü bald und mit dauerndem Erfolge heilen.'Stürmischer Bei- fall.) Redner befürwortet alsdann in einer längeren Erklärung eine reichsgesetzüche Regelung der Arbeitslosenversicherung. Da zurzeit einer Durchführung der Forderung noch größere'Schwierig- teilen entgegenstehen, empfiehlt der Kongreß, die schon in manchen Gemeinden eingeführten freiwilligen ArbeitSloscitkasscn in Anlehnung an die gewerkschaftliche Aroeitslosenversicherung in möglichst vielen Drten einzurichten. Zu de» Kosten haben die Versicherten, ferner die Gemeinden, auch die Bundesstaaten und das Reich beizutragen. Tic letzteren sollten auf die Gemeinden im Sinne der Einführung der kommunalen A r beitslo senverfich e- rung einwirken. Tie Arbeiter aber mögen nach wie vor aur die weitere Einführung der'Arbeitsloiciivcrsichcrung auf dem Wege der Selbsthilfe inner halb ihrer Berufsorganisationen hinwirken und das bereits Bestehende weiter ausbauen. Der Kongreß er- suckn die Regierung dringend, zuverlässigere Grundlagen zur Be- urteilung des Umsangs der Arbeitslosigkeit zn schaffen. Tics könnte geschehen durch periodische und allgemeine Arbeitslosen- Zählungen, unterstützt dura, örtliche Zählungen unter ZuHilfe- nähme der Arveiier-Berussverciue. Zur Vervollständigung der Statistik müßten alle Arbeitsnachweise, auch die der Ilnicrnehmer, durch die zuständigen Behörden zur Berichterstattung hervtlicktet werden. Es schloß sich hieran eine sehr lange und lebhaste De- batte, in der u. a. verlangt wurde, es müste unier Strafe gestellt werden, ausländische Arbeiter zu beschäftigen, solange noch in- lsindische Arbeiter zn haben seien. Es wurde alsdann noch ein längerer Antrag des A bg. Behrens angenennmen, der verlangt, daß zur Beseitigung der Landflucht die Landarveiter organisiert und Gesetze geschaffen werden, wonach den Landarbeitern das Koa- litionSrecht vollständig zusteht, so daß sie für gleichberechtigte Staatsbürger von Gesetzes wegen angesehen werden. Bei der Wahl zu m u s s ch u ß wurde ein Vertreter der katholischen Arbeitenachverbäude, Sitz Berlin, vorgeschlagen. Im- lmsch-Essen erklärte sich mit großer Entschiedenheit dagegen, da ein Vertreter dieser Faebberbönde sich in einer Weise geäußert habe, die aus einem Scharsmachertongreß Beifall gefunden hätte. Es müsse angenommen iverden, daß diese Leute nach Schluß des Kongresses gegen seine Beschlüsse Stellung nehmen. Solange die Vertreter der katholischen Fachverbände nicht erklären, daß sie nicht nur nicht gegen die Beschlüsse des Kongresses arbeiten, sondern in ihrem Sinne tätig sein lvollen, beantrage er, für heute einen Ver- treier dieser Verbände nicht in den Ausschuß zu wählen, den Aus- schuß dagegen zu verpflichten, mit dem Vorstand der katholischen Fachverbände in Verbindung zu treten und. wenn eine solche Er- klärung abgegeben ist. einen Vertreter in den �Ausschuß zu koop- tiereu.— Richter-Bcrlin erklärt, daß sie nickt gegen die Beschlüsse des Kongresses arbeiten iverden. �-ie verfolgen dieselben Ziele. geben nur andere Wege.— Redakteur Joos tritt für Aufreckt- erhaltung des Antrages Jmbusch ein, da Richters Erklärung nicht genüge. Ter Antrag Jmbusch gelangte mit großer Mehrheit zur Annahme. Die eigentliche Schlußrede dielt, mit stürmischem Beifall begrüßt, Gras Posadawsky, der ein großes Loblieo auf die deutsche Soziatpoliiik sang, für Koalitionsfreiheit eintrat und sick� gegen jede Verschärfung der bestehenden Strafgesetze wandte. Daraus wurde der Kongreß geschlossen. Gerichts-Leitung. Tic Hiilscn-Affärc. Zn dem Prozeßberick't vom 15. Zlovcmver üoer den Prozeß gegen den Redakteur Stcintbal wegen Beteidigung des General- intendanten v. Hülsen-Haeseler teilt uns der Schrifliieller Adolf Brand mit, daß die in der Verhandlung nach dem Bericht über ihn mitgeteilten Behauptungen iinzutressend sind. Er habe mit der Hülsen-Affärc niemals«�ivas zu tun gehavt. Weder dem Schauspieler Frank noch dem Redakteur Steinthal habe er jemals über Herrn v. Hülsen irgendwelche Gerüchte zugetragen, v. Hülsen habe deshalb auch gegen ihn Nock» nie eine«Strafverfolgung ein- geleitet. Er sei lvedcr jemals geisteskrank noch wegen angeblicher Geisteskrankheit interniert gewesen. Vo» der GesinScordming. � 9 der Gesiudeordnuiig vom 8. November 1810 bestimmt: Dienstboten, welche schon vermietet gewesen. Müssen bei dem An- tritt eines neuen Ticnjtes die rechtmäßige Verlassnng der vorigen Herrschaft nachweisen. Nack§ 12 verfällt der Annehmende durch Neberiretnug des§ 9 in eine Geldbuße. Die Bestimmungen sollte der Besitzer Äupitzti dadurch über- treten haben, daß er ein Dieiistmadchen in Stellung nahm, ohne sich von ihm die rechtmäßige„Verlassnng" der vorigen Herr- schart nachweisen zu lassen. Das Mädchen hatte sich vorher ander- lveitig vermietet, aber alsbald das Mietsgeld wirder z»rückgcgel>c» mit der Erklärung, sie wolle überhaupt nickt in Dienst geven. Die Strafkammer in Gncscn venirtrilte kapitzki auf Grund der ang» führten Gesetzesstellen. Das kammcrgcricht yoli jetzt das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei. Es führte aus: Aus dem Gebrauch ües Wortes „Vcrlassung" der vorigen Herrschaft im jj 0 der Gesindeorbnung sei zu folgern, Saß 8 13 in Veroindulia mit§ S nur zur Anwen- düng kommen könne, ivenn der Dienstboie schon vorher einen Dienit gehavt bade. Hier sei das aber nicht der Fall, da es zu dem Dienst bei demjenigen, der vordem das Mädchen gemietet batte, gar nicht getonrmen sei. TavauS folge die Freisprechung des äuget kzz um Besitzers. Versammlung�» Eine Veriammlung der Hausdicncr, Packer usw. der Waren- ballier A. Wrrtheim nahm am 1. Dezember in den„Eoronasälcn" Stellung zu dem Antwortschreiben, wetenes die Geschäftsleitung auf ein Schreiben des Deutschen TransportarbeiterverbandrS wegen Ausbesserung der Löhne an die Organisationsleitung ge- richie! hat. Das Antwortschreiben der Firma lautet: Till. Deutscher Transportarbeiterverband, Engelufer 14/15. Aus Ihr geehrtes Schreiben vom 20. Oktober erwidern wir Ihnen höflichst, daß unseren Dienern in jeder Hinsicht Gelegen- Veit gegeben ist, ihre Wünsche innerhalb unserer Firma vorzu« bringen. Hochachtungsvoll A. Wertheim, G. m. b. H. In der Diskussion wurde dann von allen Rednern aus da? Charakteristische in dem Schreiben der Firma A. Werthein: bin- gewiesen, die ihren Angestellten nicht gestalten will, daß ihre Wünsche in bezng auf Lohn und Arbeitszeit durch ihre Or- g a n i s a t i o n, den Deutschen Transportarbeiterverband, ver- treten werden Es gab anck» einmal eine Zeit, wo die Firma A. Wertheim die gewerkschaftlichen Organisationen sowie auch die sozialdemokratische Partei scbr wohl zu schätzen wußte Wir er- innern an die Einführung der Warenhansstcuer. Damals hat man die Mith.Ifo beider Organisationen gerne angenommen, lvaren es doch größtenteils die Interessen der Warenhausbesitzer, die damals von den organisierten Angestellten der Firma geschützt wurden. An der Hand des„Vorwärts" vom 18. März 1000 nmrbe den Versammelten gezeigt, toie die Firma es versianoeu hat, die Oeffentlichkeit für'ick» zu gewinnen. Die Eingabe au das Ab- geordnetenbaus ist dort vollständig zum Abdruck gebracht worden. Mit welchen Mitteln dabei operiert wurde, zeigt z. B. der ebenfalls angedruckte Auszug ans den Geschäftsbestimmuiigcn und An- gaben über Gehälter und über den Plan einer Pensionskasse. Durch diese Veröffentlichung sollte gezeigt iverden, welches Maß von sozialem Emprinden die Firma für ihre'Angestellten habe. ES ist ja nickst zu bestreiten, daß damals bei der Firma Wertheim einigermaßen gute Lohn- und Arbeitsbedingungen bestanden, heute ist davon allerdings nichts mehr zu spüren. Nach Berechnung der im Auszug veröffentlichten Lohnsätze sind heute, dach zirka 14 Jähren, für die unverheirateten Diener bis LI Jahre soviel wie gar keine Lohnaufbesserungen gemacht worden. Bei den ver- heirateten Dienern über 2t Jahre beträgt die Lohnaufbesserung in den 14 Jahren im Turchschnitt 20 Ps. pro Woche. Tie Firma bat also ihren'Angestellten seit dem Jahre 1000 sehr minimale Zulagen gewährt, obgleich gerade ihr doch bekannt ist, daß die Preise für Lebensmittel, Wohnung, Kleidung ustv. ganz eminent gestiegen sind. Ferner wurde in der Diskussion darüber Klage geführt, daß die Firma in den Abendstunden, anstatt arbeitslose Packer und Hausdiener einzustellen, Reichsdrnckcrciarbeiter bc- schäftigt. Ein Uebclstand, der schon seit Jahren kritisiert wird, ohne daß die Firma Aenderungen eintreten läßt. Bon einem Diener wurden dann den Versammelten die Wünsche seiner Kol- legen spezialisiert betaningegeben und gleichzeitig die Verbands- leiluiig beauftragt, eine persönliche linterre'bung bei der Gr- schästsleitung nachzusuchen. Folgende Resolution fand dann.-instiminige Annahme: „Die heutige Versammlung der DallSdieiier. Packer ustv. der Hauser A. W e r t h e i m nimmt Kenntnis von dem einge» gangenen Antwortschreiben der Firma und beauftragt die Ver. landsleitung, nunmehr mir der GeschästSleitung vcrsünlich in Verbindung zu treten und für möglichste Berücksichtigung der geäußerten Wünsche zu wirken." Mit einem Hoch auk dem Deutschen Transportarbciterverband schloß die imposante Versammlung. P@yZ' waren Cngros— Expcrl S.ScIiIesinger Neue i (Ordaananzüaua) Einzelverkauf wie alljährlich»u üiiliss'cn Preisen PeSzstoüas» Muffen Sleparoturen prompt arnl sauler Bitte genau auf zu r—«a «vjHauanummorfcii achten In« £ j j cnntag von 12— 2 Uhr geöffnet j£j Heines Werke 3 Bände 4 Mari■ Buchhandlung Vorwärts artiinen- Spezialliaus EniilLefövre Berlin S, Oranisnstr. 158. Wunderbare Weuhelten, C. anlinen, Stores, Vitrages. TilU- bettdeeken etc. ia allen Stilart. pamc Dekorationen mit ttuerbcliung. 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Zu dieser Bersainmluiig sind alle in, brlpn- und Betonbaugewerbe beNchäftlgton Mitglieder eingeladen, und ersuche» wir, aus allen Bauten für einen guten Besuch zu sargen! —____- Mitgliedsbuch legitimiert!_------------- Mit kollegialem Grud Der Sektionsvorstand. "WU ßölilSLbkl laballalbsilgs-Vssbaiill IZuhlstcIlc Berlin.———— Freitag, den 5. Dezember 1913, abendS S'/a Uhr, im Uosenthalcr lief, Rosenthaler Strastc Ii iS: PitglUdcr-Verfammlung Tagesordnung: 1. liniere Tarifbewegnng. Referent: Gauleiter Hcntzschcl '2. Diskussion. L. Verschiedenes.' 188/1" Kollegen und Kolleginnen! In dieser Beriammlnng soll der Stand und die Fortsiihrniig»»serer Darifbewegung eingehend erörtert werden.(SS ist desHaid Pflicht jedes einzelnen zu er- scheinen. Die LrtSverwallnng. SINGER Familien- Nähmaschinen sind die vollkommensten! Neue Spezial-Apparate für den Hausgebrauch. SINGER CO. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin, Leipziger Str. 92. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. alc Groß-Berlin. Am Freitag, den 5. Dezember 1013, abends 6 Uhr, im Köiiigstadt-Kasti!?, Holzmarktstraße 72, großer Saal, vorn 1. Etagc: killgemeine Wtgtjeäerversammlung. Tagesordnung: Ist das von der Innung Gebotene bezüglich eines nenen ßohn- tarifes für nns annehmbar? TaS auf der Tagesordnung Stehende wird alle Kollegen überzeuge», dost sämtliche Kollegen zur Persaminlung erscheinen müssen. i93;ü' - Chile Mitgliedsbnih kein Einlast. Anfang präzise. Oer Vorntand. 3. Vreuhlsch Snddentscht (339. KSttlgl. VrenK.) Klassenlotterie b«lasse 82. Ziehungstog i. Dezember 1913 Voruütwg Auf jede geiogeue Nnmoier find zwei gleich Hobe Wewtnne gefallen, nud zwar je einer auf die Los« gleicher Stummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 219 M. sind in Klauimern beigefügt. (Ohne Gewähr A. Et.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) IIS 2«S»6 376 öS? 319 65 1090 113 54 560 018 25 46 93 (10001 2483(600) LS 642 62 599 983 3072 133 324 447 60 763 4017 222 438 688 928 5042(3000) S79 416 SS 885 SSI aOöl 133 93( 600) 232 79£64 75 525 27 744 504(500) 911 7040(1000) 43 388 437 065 930 42( 500) 43 8036 162£91 393 63 420 547 645 829 62 74 65 0014 IIS 447 632 i6G0J 717 916 96 1O201 488 09 663 829 11129 225 3£3 47 402 97 556 657 83 963 81 83 1 2142 332 41 471 640 991 13018 272 396 616 656 14919 82 278 478 33 677 623 62 900, 16067 230(3000) 365 482 (3000) 741 841(1000) 15017 410 689 91 77698 635 1 7043 255 99 337 527 673( 600) 961 I82-.6 95 336 40 45 695 971 69 97 (1000) 10130 74 271 467 79 602 2 0063 105 241 469(500) 527(1000) 656 721 606(500) 29 9:6 89 21032 124 36 92 311 15 29 38 43 469 626 649 980 22105(1000) 95 356 479(6000) 604 82 551 53 761 91 SC6 029 31 2 3207 9 65 321 420 670(1000) 928 54 2 4060 115(600) 273 381 482 603 37 62 71 771 375 2 5166 83 232 95 337 61 602 83 661 52 99 716 960 87 2 8 040 176(1000) 206 82 319 37 89 713 2 7 053 63 101 230 408 546 696 363 906 2 8 268 493 625 606 q(500) 34 794 53 2B149 498 649 765 30114 4 249 618 97 601 713 824 900(5U)) 31 98 31050 309 15 34 405 90(500) 083 722 3 2318 21 557 810(6001 8 3034 40 104 812 44 391 447 618 51(3000) 661 706 882 3 4004 205 403 19 658 624 3 5 001 663 3B13) 208£0 613 911 99(lOOOl 3 7 313 616 093 772 815 3 3031 127(600) 329 36 433 32 11006) 612 46 7X4(500) 626 9,7 8 0024 32 92 263(1000) 305 471 643 827 62 4 0012 70 313 40 363 69 405 44 581 674 998 41062 203 469 73(500) 623(500) 767 311 12 61 53 945 4 2088(1000) 195 327 520 620 973 4 3 291 92 202 93 424(1000) 613 940 44-01 662 800 22(600) 83 34 91 4 5 026 810 854 94 46402 805 9SS 4/197 333 425 765(1000) SS5 4 8130 260 804 44 63 629 852 40155 82 611 721(1000) 73 99 936 50003 228 80 51023 80 193(600) 253 71 853 5 2291 89(600) 430 790 965 5 3253 337 9 4 423 645(600) 70(600) 677 7'19(600) 973 5 4 314 7 5 416 41 627 61(600) 730 79 900 6 6 077 122 239 689 751 81 89 904 10 8 8002 110 280 684 73 728 63 88 881 5 7 209 301 67 435 55 700 909 43 50263 69 332 444 5 0 106 209 27 59 341 445 717 63 86 00002 280 624 ,1000) 72 Siil(30 000) 93 01200$ El 313 33 62 414 29 619 s77(500) 958 63(600) 62188 263 4600) 322 543 43(1000) 672 89 716 94 811 74 0 3044 162(500) 2-3 431 594 614 896 0*014 33(3C0C) 63 170 87 262 395 95 442 (600) 636 64(5000) 90 734 80 893 007 8 5052 114 217 41 60 74 433 75 536 60£42 763 898 6 6042 63 149 463 86 512 80 863 6 7 093 806 63( 600) 492 611 65 809 14 46 85(3 0 0 0 0) 91S 53 6 6045 323 37(500) 450 85 93(1000) 677(1000 1 780 813 924 6 0002(1000) 14 15 169(1000) 20? Cj 423 657.547 (1000) 997 7 0012(50O) 388 637 70 683-769 950 51 67 65 71035 183 252 451 56 33 757(1000) 819 925 30 7 2041(3000) 195 332 403 73 625 7S2 676 79 7 3042£12 912 7 4088(30001 135 43 82 322 69 90 405 49 617 653(3009) 70 7 8104 212 39 68 71 (1000) 380 463 076 767 928 76143 302 5 42 472 663 58 724 823 7 7 025 70 114 43 303 36 431 377 065 7 8187 266 483 612 603 43 703 90(3000) 6-0 94 5 70150 293 370 665 816 33 47 783 903(600) so 6 0 38 247 49 480 696 980 90 81100 328 417 591 714 923 33(1000) 82205 28 503 62 610(1000) 46 82 636 71 8 3 243 � � 619(30001 722 67 13000) 903 8 4 909 13 33(600) 42 60 1(3 309 33 496 613 720 617 2 7 8 5107 47 374(3000) 402 69 621 47 773 8 6135 250 3oö 40 746 9-36(1000) 8 7 061 74 90 1-4(1000.) 220 75 483(3000) 647 713( 500) 88061 233 261 674 813 23 70 76(1000) 89263 419 35 85 692 688 828 9 0015 22(1000) 278 353 614 976»1002 386(500) 479 (1000) Ell 600(500) 29 814 94(500) 0 2413 63 695 0 3044 128 84 281 73 312 IJ 540 73 666 735(5000) 73 0 4143(3001 220 323 83 443 62£03 795 038 973 0 5 027 86 351 93 421 6"9 812 997 9 6071 305 64 455 5291500) 67 98 654 722 23 336(6001 941 97129 275( 3000) 77 402 7 83 675 703(1000) 326 909 69 88045 255 692 651 742 47 991 00104(1000) 20 65 548(3000) 502 21 704 20 66 694 95 942 93 �' 10 0023 77(1000) 262 76 305 521(600) 85 611 97 744 71 910 61 ,3(500) IO1019 121 225 333 72 404 39 648(600) 686 723(600) 61 889 973 97(1000) 102005 686 610 ,03142 43 233 384 4.7 39 815 959 104248 316 947 105090 251 63 319 31 414 667 809 11 25 988 91 IOBOOI 260 724 88 040 S39 I 0 7 00J 17 132(500) 292(500) 389 419 75 IO80I2 224 65 453 842 74 300 lOOOOl(1000) 117 67 84 203 11 SO(1000) 329 4/5£79 3. Vretchlsch.Sndd-utr-che (333. Königl. Ureuß.) Klasscnlotterle B.«lasse LL. Ziehungstag L. Dezember 1013 Nachmitiag A»f jede gezrgen« Nummer find zwei gleich boke tgewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer 1» den betdrn Abteilungen I u. It. Nur die Gewwne über 240 SDl. sind in Klauunem beigefügt. (Ohne Gewähr«. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 720(500) 1022 277 322 58 2199 408.(500) 640 803 980 3371 618 800 66 4213 27(500) 429 751 846 5964 8260 608 7160(600) 271 6sl 601(1000) 945 8008 115 340 775(600) 663 0122 361 10048 229 87 934«127 64 459 6» 920 12055 63(3000) 635 783 813 92 988 13097 181 90 411 92 541 636(600) 745 (6001 837 1 4031 712 13 88 804 65 1 6908 16083 397 1 7223 42(3 679(1000) 700 98 803 18063 323(600) 83 1 8063 231 521 61 64 863 20387(600) 21870 22628 2 3720 014 2 4162 439 884 89 980 2 5173( 500) 712(1000) 865 925 2 0167 339 628 27613 28311 36 973 20331 420 630 071 30133 625 669(600) 943 81387 1600) 499(3000) 3 2202 60 80 395 420 705 681 95 3 3213 95 669 797 34119 16CO1 210 437 623 9)7 3 6 013 321 614 766 664 3 6225 81 359 72 425 97 37135 63 401 20 760 346(1000, 3 8003 45 1-15(500) 300 734 870 30063 151 286 659 601 733 40586 671 857 924 45 41444 598 634 93 4 2395 668 766 43037 69 59 189(600) 419 4 4034 49 III 261 373 431 64(1000) 659 779 4 5 232 328 33 657 707 886 4 8 856 47142 380 642 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Dezember,»am Siechenhans Eilanghos bei Neppen stall. i>!achruf. Nach tangeul, schwerem Leiden I verstarb am Dienstag, den 2. De. | zernber,»iiser langjähriger, treuer Mitarbeiter Hermann Pieleke s Johannisthal, im 07. Lebensjahre. Sei» tänterer, ehrlicher Ohara kler, seine in langjähriger Tälinkezl bewiesene Psüchltreue ! und(Kewiffenhastigkeit sichern ihm s ein ehrendes, dauerndes Andenken. Ibi 2901®» Haufen Sic direkt beim Tischler) mcifler. Moderne Wobmings-(Zi». richtungen in jeder Preislage. Be- sichligen Sie meine Ausstellung. Vorwärisiescr 5 Prozent. Hantack, Siallschreiberstraße 57(Moritzplotz). Verians nur im Fabrikgebäude. Fahürngserleichterung. 1029.»' Händlerrrsch 170X00, Garlentiichh Bkumcntifch, Wirtsaiaftsjachen verkauft Lüedlle, Neukölln, Münchenerstraße 2l Schlafsofa. grünes. wie mm, ps a!l billig. Göhr, Pappelallee 12. Dloevel- Boebel. Oranren straße(Marrtzblatz) 58, Fabrikgebäude, liefert als Svezialitäl: Ein- nnd Zweizimmer-Einrichtrmgen. 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Siegen Streit oder Lob«' diffcrcnzc» sind gesperrt: Für die Holzleisten-'Brouchc' der Betrieb pon Dcltower Ztr. 4S/4»- NTW-tiWtSw» Arbcitsnackiwcis d. Stellmacher. iiiliuug»»d der--.'Sagenfabri. kante»- Kaiscr-granz-Grenadier. Platz. 89/14« ''rrzng ist streng fernzuhaNeii. vis ortsvervallun-»erlin 6e5 veubicden Rölrardeiterverdancke« Buchsruckecei u. BerlagSanstalt Paul Tinger u, Cv-, Lerliu Nr. 319. 30 Jahrgang. Z.WM des Lsmärts" Donnerstag, L Dezember 1913. partci- Hngelegenbcitem Vierter Wahlkreis. Heute nachmittag ö Uhr findet im Lokal von Boeker, Webersir. 17, die Märchenvorlesung mit Lichtbilder» statt. BillettS a 10 Pf. find noch zu haben bei Kvbbel, Biisching- slraße L7. «chcukendorf bei Königs-Wnstcrhausc». Sonnabend, den 6. d.M., abends 8 Uhr, im Lo'ale des Herrn Otto Pätsch: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung lvird in der Versammlung bekannt- gegeben. Niederschönhausen-Nordend. Am Freitag, den 6. Dezember, abends präzise 83,'4 Uhr, findet im Restaurant„Schlvarzer Adler" lng. Am Sooniag, den 1. Dozcnibcr. bcr� oaslaltc! der BÜdungSanSschich in Micks GesellschastShanS. Kar'itr. 12, «iip?lusstrllung einpfehlriiSwerter Jugeiidschriftt» und BeschäfligungS- iviele verbnndcn mit cincr Äutstellung von Parteiliteratur und kiinftlerischein Wandschmuck, �iie klnsslclluiig ist am Nachmittag von M jedermann geöffnet! inn ö'Ihr findet ein Vortrag 'f~i Uhr statt. Die SluSstMMg ist gegen die Borjabre bedeutend erlvcitcrtj iraS jeden Arbeiter und Parteigenossen zum Besuch veranlassen sollte. SpanSaa. ?iir Vetriebögenicinschait der Spandauer Straßenbahn mit der..Großen Vceliner". Ter von den Stadtverordneten eingesetzte Snudcravc-schiiß hat nach eingehenden Zer anolnngen mit>dr Grosteu Berliner Strastenaa!>n der Stadft>erotdnctenverstlmmlmig nachstehendi; Vorlage unterbreitet: Der ttmstcigcverkehr In Spandau und in(sl-arlottenourg wird ivie bisher aufrechterhalten. Eni Um- steigevsrkehr von allen Linien Svandau? zu allen Linien Ehar- lcitenlun'gK, so'ueii ein solcher bereits besteht, wird von den Äer- trete rn der Berti«.Elzartottenburger Strnfienbahugcscllsihast zu- gestanden. Diese ist auch bereit, nach Kvasten>)ic in Spandau al- stzolge der BctricbSgcmcitischaft zur Entlassung kommenden Angestellten vorzugsweise einzustellen. Tic Sarlin-Ehartoklen- Inirger Stratzenbahngcscllschaft sagt für die Ruhlebener Renntage die Durchführung der Einsetzungen zu und stellt dort soviel Ein- setzwagen fiir den Rücktwnsport auf, als eben technisch und nötigen- falls unier Aufrcchterhaltung eines VurleitnngSverkchrs möglich ist. Etwaige auf dem einen oder anderen Gebiet eintretende. Betriebs- f.örungen, z. B. durch die istugllappe» der hiesigen Charlotten- brücke, werden nicht als Anlas: chi Rellametionen»ud Entschädi gmigdansprüchk anerkannt.-- Tie voraussichtlich cntstcl?ende» l>e- sondecen Unkosten Spandaus lind mit Sllvill).v>. berechnet worden und zwar Beitrag zum Strastenbahnumbau beim Spanoaucr Bock 4S000 M.. Abänderung von drei Kurven 0000 M. und u»vorher gesehen« Auswcndnugcii 06 000 M. SitznngStage von Stadt- und(Scincindcvertrctungcn. Spandau. Hellte Oonnerüag, nachnlillagS l'/, Uhr, im Si�iliigS secll des nenen AathuuskS. Reinickendorf. Htttle Domieiötag, abends öh, Uhr, iin ZlalhauS, Hauptltraiic 08, lü. tl. ZtzriedrichShngen. Morgen Lrcilag, nachnutlagS ö llhr, im Ralhar soal, ariediichltr. Si. Nöpentck. Morgen Freitag, de» S. Dezember, nachmittags 5 llhr, im Ralhaudlaal. Diese Sitzungen sind össcntlich. Feder Ecnicindcailgetziicigc iL bc rrchtigt, ihnen als Zuhörer dcizuwohiicii. Bus Induftriß und Datidd. Berliner Aerkthrstrust� An der gesirigeu Berliner Börse erfuhren di� Aktien der Hoch- und Untergrundbahn und der Großen Elektrischen Straßenbahn erhebliche.sturssieigeruuasi!. Bekanntlich haben beide Unter- nehmen bei der Liguidatiou de» Fürstenlrnsts je ein Drittel der Aktien der Biunibus- Gesellschaft erlvorbcn und sind dadurch in engere Beziehungen zueinander getreten. Wir wiesen schon damals darauf hin, daß eine engere Fiiieresseng. mcinschast zwischen den drei Verkchrsiustitutcn geplant sei, die- zwar für die beteiliaten .Untcrilchmen sehr rentabel sei, aber für das Publikum zur Bcr- teucrung der Be'ölderung führen werde. In Envarlung dieser gesteigerten Rentabilität zeigen die iicrrsc aller beteiligten drei Unternehmen eine Tendenz zur Aufwärlsbewegung. Gestern sind wiederum die Kuksc der Hochbahn nm mehr al- 0 Proz.. die der CmuiBuSakUäU tint.l Proz. und Mo der Straßenbahn um mehr als l! Proz. gestiegen. Tie Ursache war, daß Gerüchte über bcstimmlc Einzplmaßnahmen des ,,Ver?chrSlrustes" verbreitet wurden. ?n B. E. W. und dir Stndt Berlin. der gestrigen Generalversammlung der Allgemeinen Elek- lrizitätS-Gesellschgil streifte her Vorsitzrtlde des Autsichjsrais, Tr. Walter Rathenau, kurz das Verhältnis der Berliner Elektki- zitätswcrke, der Tochtergesellschaft der A. E. G.. zu der Stadt- gemeinde Beklin. Er führte dazu nach dem..Börscn-Couricr" aus: „Die Verwaltung tei nicht in der Lage, über die inhaltschwcren Verhandlungen, die nnt der Stodtgemeind« Berlin bezüglich der B.E.W, und des Fcrukraftwerks Aittcrfold gepflogen werden, Aus- kunft zu geben, da. sie Mc Bcrpslichlung übernommen habe, nicht durch unzeitgemäße Mitteilungen die Äcthandltzngen, welche in durchaus frpuudschasllicher und louziliantcr Weise geführt würden, zu stören. Bei dein nahen VerHäUmS der A. E. G zu ihrer Dochter- Gesellschaft sei es nickst ausgeschlossen, daß die Gesellschaft gewisse Opfer zu bringen haben werde. Vom rein mathemalischen Gesichts. püplt aus betrachtet, fei es vielleicht besser, ircnn der Vertrag mit der Stadt nicht verlängert werde. Die Verwaltung wünsche kein Mitte! unversucht zu lassen, um eine Fortsetzung zu ermöglichen. Wie auch die Lösung sei, die Stadl Berlin werde auf alle Fälle genötigt sein, die für die Versorgung ihrer I n d v i: i e notwendige elektrische Energie von der Gesellschaft bzw. von dem p ro i e l t i c r t e n Fern- kr astwert zu beziehen. Tie Auslösung des Vertrages werde für die B, Cr. 28. nickst erfteUUch sein. Das Uiitüriiehnien wevde aber nnter allen Umständen bestehen bleiben, da es die ibm eventuell zufiichcudcti bedeutenden stNittel-- 180 bis llW Millionen Marl— bei anStömiiiiicher Rente gut anzulegen in der Lage sein werde. Beider Lösung des V e r t r u g s v c r b ü l t n i s f e s mit den B. E. W. werden d« r?l. E. G. die Aufträge der Stadt auf keinen F a-l i verloren geben." So sehr sich der'Vorsitzende auch bemühte, mit stiücksicht auf die schwebenden VorhandlnNgcn die Lage der B. E. W, nicht zu günstig erscheinen zu lassen, geht doch aus seinen'Auslassungen hervor, daß die B. E. W. durch die Errichtung der Fernlraflzentralc in BiUerfrld der Stndtgemcindc erhebliche Schwierigkeiten bereiten kann und wird. Was die Gcschästsiagc anbetrifft, so suchte Herr Rathenau die Eristeiiz einer Krise zu leugnen. Er lundtgte aber di« Ein- sührung von verbesserten Favrikationsinethoden an. nm den Rück- gang des llnisatzes auszugleichen. Auch eine bereits cingetretcnc Vcrkiirgh n g d c r L ö h u e mußte er-»geben. Versammlungen. Sechster Wahlkreis. Ter Sozialdemokratische Wahlverein für den sechsten Berliner RcichStagSwahl treiS veranstaltete am Dienstag vier gut besuchte Stcrsammlungcii mit dem. Thema: Tie Kämpfe der Arbeiterklasse um ihre Rechte. Tie Versammlung in PnhtMcmnck Theater in der Schönhauser tzillee war außerordentlich gut besucht. Viele mußten stehen. Hier referierte Genosse Redakteur Daum ig. Er erinnerte Einleitend daran, daß c4 an diesem i'lbend gerade 02 Jahre bcr sei, daß btapolcon III. durch einen Slaalssircich die Republik hinwegfegte und sich die Kaiserlrone aufsetzte. Daraus sei zu lernen einmal, daß die Reaktion stets und ständig die Gelegenheit benutze, gegen das Volk und seine Rechte vorzugehen. lind dann, daß unterdrückte Klassen, namentlich die'Arbeiterklasse, nur dann sll'greich sein können, wenn sie eine geschlossene große Macht dar- stellen, die in sicki die Einsicht trägt, daß die erstrebten Ziele die einzig richtigen sind und zum Dnrchbruch kommen müssen. Gerade jekl seien alle der Arbeüerllassc feindlich gesinnten Elemente mehr denn je daran, dein Volke Rechte zu versagen, die es fordere, und ihm andere Rechte zu nehmen. Redner übte dann eine scharfe, tief- gründige Kritik an dem alles überwuchernden Militarismus, wobei er auch die Affäre stabern kritisch würdigte und zeigte, daß sie nicht bloß eine Einzclepisode sei, sondern dem Wesen des Militarismus entspringe. Weiter behandelte Redner den Ansturm aller real- tiotiarcn Mächte gegen das Koalktipnsrccht der Arbeiter, der, nnter weicher Maske er auch niistrilt. därauf abziele, das KSalitionsrecht überhaupt zu vernichten. Auch gedachte er der Verhöhnung der Arbeiterklasse, die man als Antlvort habe für ihre Notschreie an- gcsichts der wirlschaftlichcn Krise und für die Forderung einer Reichs-'Arbeitslosenversicherung.'Nachdem Redner nocki daraus hingewiesen hatte, daß wir auch wieder den Kämpfen um den Zoll- tarif, um billigeres Brot und Fleisch entgegengingen, appellierte er in begeisternden Worten an die Versammelten, sich in jeder Be- ziehuug zu rüsten für die bevorstehenden schweren Kämvsc. Reben dem gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Kampfe, die durch- aus notwendig imt>cii, fei als notwendigster und jene zugleich vcr- bindender, der politische Kampf zu führen. Bereit sein ist alles! türmischcr Beifall.) Nachdem der Vorsitzende noch den Beitritt zum Wahlbereiu und das Monnemeut auf dcu„Vorwärts" ciupfohieii hatte, schloß die imposairle Versammlung mit einem dreimaligen Hoch aus die iutcrnaiioiiale Sozialdcmoiratie. Frankes Fcstsnlc. Ter Andrang zu diesem Saale war überaus groß. Tische und Stühle waren zum größten Teil aus dein Vcrsammluugsrauiu cnt- sernt worden, um Platz zu schassen. Auch Fpauc» waren In ve- achtenswerter Zahl erschiene». Genosse Lcdevour war Rcscrent und zeichnete mit selten Strichen die Situation, wie sie geschaffen ist durch das Bestreben der Scharfmacher, dem Volke das Koali- liausrechl zu rauben. Auch der Reichstag habe eitle» Kamvf NM sein Recht zu kührcn, damit zum Beispiel die vartameiitarischc Illltersuchuiigskouilnission wirklich ilutzbriiigeiide Arbeit leisten tan» und durch seine Zitsammensetzulig auch Gewähr bietet, gründlich vorzugehen.— Unsere Kämpfe gelten jodoch nicht allein der Per- teidignng, sondern auch der Erweiterung der Iriteheiideii Rcchle im Sinne weiterer Teniokratisicruiig. Dazu sei nötig, daß vor alle» Tingen das Wahlrecht zum Reichstag ein gleiches Wörde durch Beseitigung der ungleichen WahlkreiScintcilung. Fn den letzten Tagen ist uns aber ivciter der Kampf gegen den Militarismus in seiner scheußlichste» Erscheinungsform aufgedrängt worden. Tie Versammelten vrwicscn. daß bei ihnen volles VcntändistS nickst nur kür die lächerlich-groteske, sondern auch für die tiesernstc Seile der Suche porbanden ist, und dem Referenten wurde freudig zugc- itimmt, als et daraus hinwies, daß das nnsiilmge Vorgehen des Miiilarismu« das Entgegengesetzte bewirten werde, als geile Leule glauben, nämlich das ganze Voll gegen diese verhängnisvolle Jnsli- Intimi aufriittcln.— Tie höchste Stufe des Kampfes ums Recht sei aber der gewaltige hroletarischc Befreiungskampf aus dcu Fesseln der herrschend«» Wirlschnftsordiiuiig, so schloß der Referent» mit reichem Beifall belohnt. Ter Versammtuligsteiter Genosse Haschke spann den Ge- danken weiter, indem er die anwesenden Frauen und Männer ans- forderte, in die Reihen der sozialistischen Klasscnkäiiipfer einzu- treten. In der Diskussion erinnerte ein Redner daran, den Kin- der» bei der nahenden Weihnachtsfeier keine Säbel und ähnliche Dinge zum Geschenk zu machen. Pharussäle. Hunderte Menschen mußten vor den P h a r u s s ä l c n'in der Müllerstrasie nnvcrrichlctcr Sache umlcärcn, da eine für- iorgtiche Polizei borcils lange vor Beginn den Saal>v c g e n llabcrfülluug gesperrt hatte, ikud»tau muß es zugeben, der Saal war wirklich üversüllt. Obgleich die Tische hcrnusgeräumt lockren, drängte» sich die Erschienenen im«aal und auf der Gase rie, und selbst die Bühne war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ge- nossc Dr. Kart Liebknecht histle es hier übernommen» st per: Die Kämpfe der Arbeiter klage um ihre Rechte" zu sprechen, und die Art. in der der Redner sich dieser Aufgabe entledigte, fand den. allgeineinen Beifall der Versammelten. Genosse. Liebknecht gab znnächlt einen großzügigen Ileverbtick über das Wesen der Sozial Demokratie und bedachte die bürgerlichen Heulmeier, die durchaus die Sozialdemolratio nur als Rcsonnpartci gelten lassen wollen. mit ätzendem Spotl. Dann Heß der Redner die sozialpolitischen Gesetze vor dem geistigen Atige der Zubörcr Revue passieren, zeigte an der Hand vieler Beifvieie, wie schleckt diese sind, und wie sie vielfach durch eine gehässige. Verwaltungspraxis i'.ockt bedeutonb verschlechtert werden. Auch die Fragen der allgemeinen Politik fanden in ihren wesciitlickien Punkten durch den Referenten eine treffende Beleuchtung. Stürme der Entrüstung durchbrausten die Versainm- lung, nls der Referent da? Verhalten des Militarismus in Zaber« ins gebührende Licht rückte, und volle Zustimmung fand Licvtnccht, als er der Meinung Ausdruck verlieb, daß sich der Militarismus von der Zaber«« Blamage nicht so leicht wieder erholen wird. Zum Schluß ging der Redner aus das Gerede der Gegner»der den Rück gang der Sozialdemokratie ein und sagte: Wen» man auch über- zeugt ist, daß die Sozialdemokratie nie dauernd zuriickgehen kann, so schädigt es doch den politischen Kredit der Partei und besonders auch der klO Mann starken Reichstagsiraktion, wenn auch nur ein vorübergehender Rückschritt möglich ist. Mit einem anfeuernden Appell zuni Beitritt In"die politischen Organisationen schloß dan» der Redner seine stürmisch applaudierten Austüh- rungen. Auch in der Diskussion sowie, im Schlußwort des Vor- iitzenden wurde zu einer ninsassenden Tätigkeit für die. politische Organisation und zuni Abonnement auf den..Vorwärts" aufgc- fordert. Dlcser'Aufruf ist nich! u»gehört vorhallt, da ein Teil der 'Anwesenden sich sofort zum Wahlvereinsveitrltt meldete. Von sozialdemokratischer„Interesselosigkeit und OrganIsakionS- Niedergang war auch in der Versammlung im Moabiter Gespllschaftshaus nichls zu spüre»; denn schon vor Beginn der Versammlung war der Riesensaal dieses Etablissements überfüllt.'Auffällig und ein erfreuliches Omen war die Menge, der erschienrnen Frauen. Mit regstem Interesse lauschten die Anwesenden den sprühenden Ans- iührungen Heinrich Ströbcls. der mit vorzüglicher Sachkenntnis die Kämpfe der Arbeiterttosse um ihre Rcchle Revue passieren ließ. Statt Arbcitsloscnvcrslchcrung Raub dcS Koalitions- rechtes und Zuchthausvorlapru. Statt freien Wahlrechts in Pren- ßc» und Verbesserung deo Rcichstagswahlrechts werden dem deni- scheu Volte Militärausgaben in Höhe von 2 200 000 000 M. serviert. Stalt Gewähr ung sreiheltlichcr Garantien ein borniertes Gebärden des Militärs dem Volke gegenüber. Besonders bei der eingehenden Würdigung der Zaveriicr Militärdiktatur und der Forstncrschen .Hetdenkaten fand Ströhe l durch den spontan ausbrechenden Zorn der Versammlung von tiefster Empörung getragene Zustimmung. Ströbel bewies dann weiter, daß politische und wirtschaftliche Freiheit nicht allein durch gut besuchte Versammlungen, sonder» durch gründliche Erzicbuiigs und Bildungsarbest, durch ein Hand- in-Hand--arbeii.cn von Gewerkschaft und Partei und, namentlich in Berltn, nicht zuletzt durch eine gewaltige Steigerung der„Vor- >väris"-L«scr erreicht wird. Besinnt stch so die'Arbeiterschaft auf ihre Pflicht, dann wird sie auch ihre Recht« erobern. Starken Beifall lösten die trefflichen Worte StrobetS ans. Ihnen folgte eine ebenso lebhafte, wie interessante Diskussion. An das politische Gewissen der Frauen richtete die Genossin Pohl einen energischen Appell. Schwedt, PI et tuet und T i c d t k e wiesen unter anderem auf die dringende Notwendigteit der Bekämpfung der uatioeralcu Jugendpflege hin, denn da» Verhalten der Soldaten in Zaber» sollte der Arbeiterschaft ein warnendes Menetekel sein. Mit deni Bewußtsein, ibrc ganze Persönlichkeit dem Sozialis- muö zu weihen, gingen die'Anwesenden in froher Kampfes- stimmung auseinander. Kus aller Clelt. Erdbeben auf Sizilien. In Messina ist Dienstag ein heftige» Erdbeben wahr« geiioimnen worden. Tie Erdstöße waren die st ä r k st e n, die seit dem großen llnglück vom Dezember 1000 aufgetreten sind. Die Ein« wohncr flüchteten zu Tausenden ans dieSt ratzen und freien Plätze lind nahmen von ihren Habseligkeiten mit, ivaS sie in der Este erfassen konnten. Auch in Reggio und in der ganzen Provinz E a l a b r i e n ereigneten sich heftige E r d st ö tz e. Ucberall hal sich der Bevötkerung große Unruhe bemächtigt, da man die Katastrophe, die sich vor fünf Jahren ebenfalls»in die Weihnachtszeit ereignete, nur noch z» deutlich in Eriiincrung hat. 135 Personen bei einem Hotelbrande umgetommen. Ein entsetzliche» V'randungluck ivird ans B o st o n ge- meldet. Das dortige Ä r c a d i a n h o t e l ist durch Feuer poUständig zerstört ivarden. Bei dein Brande sind 23 Person e n in d e u F t a m m e n n in g c k o in in e it. Eine glotze Zahl S ch w e r v e r l e tz l c r wurde in das Kranken» haus gebracht. Lcrtel-Ipielzong. Die„Deutsche Tageszeitung" empfiehl! unter dem Strich ihrer nationalen Jugend folgende»«pielzeng: Ein W. C. für Herren und Damen mir beweglichem Dache, drei Türcn� zwei Sitzen('.i, zwei Wasserleitungen und c i u e in« v i e g e l. Da» Ganze sehr gefällig lackiert. Höhe>7 Zentimeter, Länge 20 Zentimeter, Breite 0 Zentimeter.'Preis 2,00 M.— Dasselbe, in besserer Dualität 4,70 M. Dem Spielzeug-Klosett gibt das Oertel-Blnlt solgende Empfehlung mit ans den Weg.„Eine kleine Skizze ztviickiPn dem Text veranschaulicht die geschmackvollen Formen besagten Spiel- zeuge», da» hoffentlich bei unserer Jugend infolge seiner Originalität den verdienten Anklang finden wird," Es geht doch nichts über den giilen Geschmack! Kleine Notizen. Reiche Vciite. In der letzten Rächt wurde bei Ankunft des Postzuge» von Brügge auf dem Bahnhof von V c r v i e r S fest- gpsiellr. daß eine Wertsendung der belgischen Ralionalbmik an eine Bank in Köln fehlte. Die Sendung war mit 1000 Frank de« llaricrt, enthielt aber in Wirklichkeit 050 000 Frank in Banknoten. Tie Diebe gelangten durch die Wand eines Abteils in den Raum, dessen Schrank sie erbrachen. Auch in dem folgenden Poslzuge, der in dem Bahnhofe von Vervicrs einlief, tvurde das Fehlen eines P o st p a I c t e s entdeckt, dessen Wert unbekannt ist. Bon den Dieben fclstl jede Spur. Eisenbahnunglück in Frnnlrcich. Dienstagabend stieß der Bon- l o g n e— P a r i 1 c r Schnellzug, der eine Anzahl von Passa» glercn. die mit dem Dampfer„Blücher" der Haniburg-Amerika-Linie emgetrofseii waren, beförderte, im Bahnhof R a u g- d u- F l i e r s mit einem Güterzuge zusammen. Der Heizer de» Schnell« zugcs wurde getötet. Von den Reifenden wurde niemand verletzt. Eine'Million unterschlageu. Bei der Rh Karlev!- Aktienbank in H e! s i n g s o r» wurden große U n i e r i ch l a g u n g e n enidcctt, die sich auf ii b c r eine Million finnischer Mark belaufen. llebcrschwemmung in Tcxa». Wie aus Austin im c-taate Texas gemeldet wird, steigt her E o l o r a d o f l u ß schnell; seine Fluten haben bereits viel Schaden angerichtet. In B e l t o n sollen zehn Personen in einer dreißig Fuß hohen Flutwelle de« Boches, der die Stadt durchfließt, umgetommen sein. tsdiarklvretle von Berti» ain ti.Tezemder linz. uachcKiwUeiuiw-» dos tgl. Polizewräsidiuinö. Anis(mtxoS), gute Sorte 14,70—115,00, mittel 00.00— uO.Ou, geringe 00,00—00, iJO. Mais> runder), gute Sorte lt. 70— 15,00. Richtltroli 5.00. Heu<5,10—7,40. M a r! l h a l l e n o r c t j e. 100 Jlilogc. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—7,0.00. SL-i!cdotme:i. iveitze 35.00—00.00. Linien 3(5,00—80.00. Karwficlu zKIetnbdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Nwdilciich. von der Keule I,, 50— 2.40. Ziindilesich, Bauchilel'ch 1,30—1.80. Schweincflcilch 1,40—2.00. Kalbileiich 1.40—2,40. Hammctflessch 1,50—2.40. Lutte: 2,40—3.00. 60 Slsick Eier 4,60—7,20. J Kitogramui Karoten 1,00—2,40. Aale 1.60— 3,00. Zander 1,40—3,30. Hechle 1,20—2,40. Lattckic 1,00—2,00. Schleie l.<50—3.20. Bleie 0.30— IAO. 60 Stück Kreble 1.00— 24.00. Iis iartesistadt m Ikikenkrtf bei Bahnhof Grünau, ein Schritt zur Lösung der Wohnungsfrage für alle erwerbstätigen Ttände Groh-Berlius» Ocsfenilichcr Vortrag mit vielen üidjtbilöem von Dr. Franz Oppenheimer und Adolf Otto am Lmtagz 5. pf?., abends 8', illir, in Wilkes FeUälkN. 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Vertag: Vorwärts Buchoruckerei u. Vi ctagsanilatl Paut-Singer u. Eo.. Berlin 18t. Sitzung. 3� t tiiu od), den 3. Dezember 1!)13, nachmittags 1!l h r. ?lm �uudeSratStisch: v. Beth>u auu Holliocg, v. Fal- k c ii h a tz u, Delbrück, Unter st aatSsekretär Äi a n d e l. Aus de: Tagesordnung stehen die XiltcrpeUatioacti der Tolhsparfcev der Sozialdemokraten und der eifärfer Uber Zabern. Abg. Röscrl c g i m c n t S b e s e h l er> lassen worden, der de» Ofstzicrcn daS mitteilt und der alle drei Mo a t c i n Erinnerung gerufen werden sollt c. (Abg. Ledebour sSoz.): Aber der K r i eg S m i n i st e r weiß nichts davon.)'Heiterkeit.! Allen neu eintretenden Dfstzicren sollte nach der Anordnung dcS llicgiineutSkomniandeurS dieser Befehl, der den Gebrauch dcS Wortes WackeS verbot, vorgelegt werden; er trägt auch den Vermerk: Kenntnis gciioiiinic», v. Forstncr. i Lebhaftes Hört I hört l) Trctzdem hat dieser Herr schon im vorigen Jahre die elsäsjischcn Rekruten notieren lassen und täglich als WackeS bezeichnet.(Hört' hört!) Sie nuißtcu sich melden mit den Worten i Ich liin ein Wortes. ststinif_ liuls; Unerhört!! Dieser unerhörte M i ß b r a n ch der D i e n st g e w a l t, diese E n l w ii r d i g n n g der M a ch t m i l t e l der A r m c e wird auch in der rechtsstehenden Presse deS Landes verurteilt. � Die Militärbehörden bätlen beruhigend wirken sollen i aber da zeigt sich die ganze Wcltsremdheit der Herren, die auch die Antwort des StriegSmiiiiftcrS ans die Anfrage DelsorS zeigte, als er tagte, er sei vier Ißbre im Elsaß dienstlich tätig gewesen, er habe das Wort WackeS dort zwar gehört, aber der Sinn des Wortes f�i ihm srcmd geblieben.(Lachen links.) DaS zeigt, daß selbst Herren in wichtigen Stelliliigen dort nichts gelernt haben. Viel zu spät kam die abschwächende Erklärung, wie v. Forstncr daS Wort„WackeS" geiiicinr baben toollte. Bemerken will ich, daß viele i. fsizicre a. D. und altdeutsche Beamte mit der Bevölkerung i!i beste m Einvernehmen leben. Auch von den artiveii Lssizicren haben nur der Oberst und vier der jüngsten LeutuantS die ganze Sache jetzt �durchgeführt. sLcbhafles Hört! hört!) Auch der Vorgänger deS L.beist v. llieutter hat in einer Iliitcrredmig anerkannt, daß die Labern er Bevölkerung ruhig n ii d friedlich sei.(Hört! börr!) Redner schildert nun- nied: den Hergang der bekaniiteit Ereignisse. Tic ganze Weisheit der Mililärpanei bestand darin, daß sie noch dem StaotSanwolt griff. lHeitcrkeil.) Die Hauptrolle spielt immer d« Leutnant b. Forstner, der durch Bekaiintioerdeit elneS Mißgeschicks im Manöver der Lächerlichkeit verfallen war. Der Höhepunkt des NechtSbruchS ereignete jick, dann am letzten Freitag mit den Szenen auf dem Schloßhof. Ein Schrcitiernteister, tvkirglied der Feuerwehr, der hei dein Tromüieltvirbel dachte, c-3 b r e tt n i, wurde in fein Haus hinauf v c r f o l g t v o n vier Soldaten mir Bajonetten, die auch seiner 78 jährigen Mutier ctitgcgcutrateit und ihr die Bajonette vor die Brust hielten.«Hört! hört!) Einen ganz unbeteiligten Arbeiter, einen Studcntcn, der nach dem Bahnhof ging, hat man verhaftet, ja selbst einen kleinen Jungen von nenn Jahren, der ein Heft holen wollte, hat man ergriffen.(Heiler- feil.) Auch der Redakteur des„Zaberner Anzeiger" ttrnrde ergriffen, des einzigen konservativen Wochenblattes in st, aber».(Heiterkeit.) Er schreibt darüber, nur ans den Zu- fpruch eines GettdarmerietvachiinetsierS wurde er etttlasseu und sein Glück sei es gewesen, daß der Leutnant mit seinem Säbel ander tväris leia, ästigt ivar, sonst wäre er auch in den ztellcr gesperrt worden. Allem die Krone aufgesetzt wurde durch die Verhaftung des«taatsauwaltS, der sofort wieder frei gelassen wurde und dcS Landgerichts- r a i s Dr. Kalif ch. der auf Veranlassung dssLandgerichtspräsidenteu freigelafse» wurde, die übrigen wurden sämtlich in einen Kohlen- k e l l e r gesperrt, in ein Loch von üb Ouadratmeter, das t c i n e Lüstling und Heizung besaß, stopfte man sie hinein, bis es voll lvar. � 18 Personen waren darin, die sich tt i ch t setzen konnten. Sie durften nicht einmal austreten, ihre»altirlichen Be- dürmisie m u ß t c tt s i e i n e i n e r E ck e d e s R a u m e s u e r- r i ch l c».(Lebhafte Pkui!- llkusc. Das find rntsische Zustände! <>ilocke des Präsidenten.) Erst um 10 IthrhiachtS, als sie säst e r- froren waren, brachte mau ihiien Decken, iu die sie sich notdürftig einhüllen koimten. An ihre Angehörigen konnten sie keine Nachricht gelangen lasse».(Hört! hört!) Die Zivilverwaltuug vrotcsiierle gegen dieses Verfahren, aber v e r g e b l i ch t der Oberst crilärte, er hadc noch iiicmnndcm z« fragen, er handle aus höhere» Befehl. (Lebhaftes Hört! hört! und Unruhe. Glocke des Präfidenten.) Erst gegen mittag wurden die Verhafteten e i n z c l n unter B e- g l e i t u n g von vier Bajonetten zu dem Zivilrichter gebracht, der sie sofort freiließ. Am Mittag hat die Z i p i l v e r w a l t u n g den O b c r st e n ivigen lassen, im Em- Verständnis mit dem Ministerium in Straßburg übernehme s i e die volle Verantwortung für die Aufrechterhaltimg der Ordnung, cr möge die Patrouillen von den Straßen zurückziehe». Trotzdem geschah tv nicht.«Lebhaftes Hört! hört!) Das u n g e s e tz l i ch c 7 reiben hat bereits a ni M i t t w o ch H c g o n n e n, als die Herren von einem Liebes m a h l kamen und die Verhaftnug von Leuten vornahmen, die angeblich gelacht hatten. Am Sonnabend- mittag drang der L e u t u a u t Schalt mit Soldaten in ein HanS, in das ei» kleiner Junge flüchtetr, der verhaftet werden jollte, tveil er gelacht hatte. Das war direkt H a u S f r i e d e n S b r u ch. Die Verhaftungen tvarcn ielbst nach den militärischen Vorschriften unberechtigt. Gröblich wurden Recht und Gesetz verlebt— weil über das provozierende Aultreten der Offiziere gelackt wurde. Wenn v. F o r st n e r sich beim Zigarrcneinkauf von vier Bajonetten begleiten läßt— da muß doch jeder Mensch lacken!(Zu- sliiimiung links.) Und wie erst, wenn bewaffnete Truppen kleinen Kindern u a ch l a u f c n! Gestern hat er nocki einen l a hm c n Schuster nieder ge schlage n. Alles im Lande ist enivört. das bctveist die Resolution der Bürgermeister der Mittel- slädte Elsaß-Lothringrins. worin auf das allgemein gute Verhältnis zwischen Militär und Zipil hingewiescii lvird. daß nur durch die WackeS- Schimpferei dattcrnd bedroht erscheint. Es müssen Maßnahmen getroffen werden, das sich solche Vorgänge n i ch t w i e d e r h o I c n uitd die Aufregung, die durch die Zscherben- rede und die Ankündigung von AtlSnahmegefetzen hervorgerufen ivorden war. nicht immer größer lvird. In ntiserenr Lande, das stolz ist aitf seine freiheitliche Vergangenheit, ist eine Politik der starren Hand und der Getvalt nicht angebracht. Es muß zur Gel- utttg kommen eine Politik dcS Rechts tmd der Gerechtigkeit. (Bravo! links.) Abg. Peirvtes(Soz.) begründet die sozialdemokratische Jttterpellatioti: ES loäre viel besser, wenn der Reichstag weniger Anlaß haben würde,«ich mit den Zu- ständen in Elsaß-Lothritigett zu beschäftigen, mit Vorgängen, die dem Volk imd dem Lande nicht zum Segen«gereich cm Wenn tvir im vorigen Jahr genötigt waren, die Absicht der elsässischen Regierung, neue AuSnahiiiegesetze zu schaffen, hier zur Sprache zu bringen, so glauben wir. daß die- dazu beigetragen hat, der elsässischen Regierung ihre reaktionären Pläne ettvaS auszutreiben, und wir hoffen, daß die heutige Aussprache dazu beitragen wird, daß die Akte der W i l l k ii r. der Militärdiktatur, und eitieS säbelrasscltidcu Generalissimus aufhören. Es lvird behauptet, die Sozialdemokratie freue sich besonders über die Zaberner Vorgänge, weil sie Pom Skandal lebe. Ack, wir haben solche Skandale gar nicht nötig, und w ü n s ch c n sie auch nicht, denn der Klassenkampf auf sozialem Gebiete kann und soll sich nach unserer Absicht durchaus friedlich vollziehen.«Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mau hat anch von einem nationalistischen Komplott gesprochen. Süchtig ist allerdings, daß die Eliaß-Loihringer keine Freunde des heutigen militari st i s ch c ii S h st c in s sind, das solche Blüten zeitigt, wie den Hauptmann von Köpenick und den Postboten von Straßburg, der 15000 Mann marschieren laßt,(Heiterkeit links) eines Shsiems, bei dem nicht, wie in der tiapolconifchcn Armee jeder Soldat seinen Marsdiallstab. sondern höchstens— seinen S a n d s a ck im Tornister trägt. Dieser Militarismus imponiert der elsässischen Bevölkerung nicht, aber sie tvriß sehr wohl, die Sache von der Pcrion zu unterscheiden. Im allgemeinen herrscht in den elsässischen Garnisonen ein durchaus' f r e n n d f ch a f ii iä) es V e r h ä l t n i s zwischen Zivil und Militär, die militärischen Personen sind als solche durchaus geachtet. Niemand wunderte sich mehr darüber» daß speziell Zaberu der Mittelpunkt solcher Ereignisse werden konnte, als die. die Zaberu kennen, denn Zaberu ist die d e tt i s ch- fr c» u d li ch st c Stadt und galt sogar schon iu der f r a n z ö- sischen Zeil als deutsch freundlich! sie hat die harmloseste Ae- völkernNg— der Beweis dafür ist, daß sie sich diese Dinge gefallen ließ.« Zustimmimg links.) Ich will die Rösersche Darlegung des Tatbestandes nicht wieder- holen. Es steht fest, daß der Herr Leutnant, der Herr Königslcutnant v. Forsitte'.' in der Jtistruktionsstuiide den Soldaten gesagt hat, weiui sie von einem..WackeS" angegriffen werden, dürsten, ja müßten sie ihn niederschlage tt und sie würden d a f ü r 1 0 M. von i h m erhalten. Also eine Prämie aus Totsdjlag, eine Auffordernng zur Gesetzesübertretung! Wenn dann der Sergeant aus seinem kleinen kärglichen Sold auch noch eitlen Taler dazu gcbcir wollte, so wirst das auf den Geist der Unteroffiziere ein eigentümliches Licht,.In einer anderen Silnation, als man uämlidt diesen Sergeanten vor die Wahl stellte, ob cr lieber Prügel haben oder sich als Eckstein benutzen lassen wolle, hat der tapfere Krieger das letztere vorgezogen! Der Oberst v. Rcuttcr. der angeblich wegversetzt werden sollte, ist zurück- gekommen und hat zur llkiederkämpfung der 8909 Menschen zählenden Bevöllcrung der«tadt ij 000 Patronen verteilen lassen. Tie elsässischen Rekruten aber wurden bestraft, verhaftet, vcr- fetzt, and) der Feldtvebel. Zwei Tage, bevor hier der Kriegsminister seine Enlichttldignngsredc hielt, hat sich bereits das Militär die Un- gesetzlichkeil geleistet, sich die Polizei g e to a l t ctttgegeu dem Willen der Zivilverwaltung anzumaßen. Zwei Tage nad) dieser ganz flagrante» GeietzeSverletzuvg stellt sich der Kriegsministcr hierher und hält eine E n t sch uld i g u n g S- rede, die selbstverständlich den Herrn v. F o r st u c r und seine Geistesverwandte erinungeii mußte, in derselben Weise fortzufahren, wie das Dann mtsäcklich am Tage dieser Rede ge- schehen ist.(Lebhafte Zustiinmung links. Ein Zuruf: Der Kriegs- minister ist sd)uldj> Wenn v. Forst» er sich in Begleitung von vier Bajonetten Sd)ololade kauft- iver soll da nicht lachen! k D a s i st c i n B i l d s ü r den„ S i in p l i c i s s i in u S", wie cr«ich cs nicht besser wünschen kann. Die Elsäjser habe» eben einen etwas gallischen Einschlag und' ganz selbstverständlidt lachen sie, wenn vier Mann mit aiisgepflaitziem Bajonett hinter eine m Leutnant herlaufe n müssen, der PralinvS kauft! «Heiterkeit links.) Sollen wir da einen Browning nehmen und ihn niederschießen.! Das wäre ja vielleidst auch eine Antwort gewesen! Tie Bevölkerung von Zaberu hat es vorgezogen, über den Leutnant zu lachen! lind wenn Fortbildungs- schüler von 19 Jahren, also noch viel jüngere Leute als der Herr KönigSIeutiiavt. ihm;. B.„B e tt b e fch m u tz c r" nachgeruseii Häven, dann hat er sich das doch wirklich selbst zuzuschreiben, denn i h m passiere» derartige Dinge. Dcnm aber sagt er in der Jnstrultionsstundc„Aus die sranzösische Fahne könnt Ihr....." Ist es zu verlvtmdern, wenn die Slraßenjugcnd sich dessen be- mächtigt" Aber, weim ein Leutnant beleidigt wird, dann kann cr nur genau so wie wir alle, zum Zivilrichter gehen, man hat aber auf dein Schloßplatz vor 15 oder 90 Leuten 59 eo o I d a t e u a u f m a r s ch i e r.e n l a s s e n— eine eigentümliche Art von Kriegs- betätigung! Da wird scharf geladen. DaS erste Glied muß nieder- knie n. das zweite anlegen, und der Herr O b e r st— k e i n 99 jähriger Leutiiant—. sondern der Her: Oberst steht dahinter und kommandiert, natürlich b inte r der Front, nicht vornan. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Der Gipfelpunkt dcS Militarismus ist dadurch erreicht ivorden, Jmß Herr v. F o r st n e r mit dem Säbel einen lahmen Sditl.hmacher k r i e g s u n f ä h i g «j e m a ch t hat. Ich) will nicht auf alle Einzelheiten eingehen. Tal- sackje ist. daß in Zaberu die Säbeldiktatur geherrscht hat. Wer er innert sich da nicht des Wortes des früheren Reichskanzlers Fürsten H ohenlohe in seinen Memoiren:„Mau will die clsaß-loth- ringtscke Bevölkerung zur Verzweiflung treiben, mau tvilil Aufstände pro» o, zier cn. um diese Aufstände dann v Int ig niederschlagen zu lönneti."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das schreibt kein Sozialdemokrat, sondern ein V o r g ii n g c r des lli c i ch s k a» z l e r S. Hier hat man es ver- sucht, Blut ist gesloisett, und man muß die Ruhe der Bevölkerung bewundern, daß sie das alles auf sich getiomineil hat.(Sehr wahr! links.) Das Militär hat in diesem Falle nach meiner Meinung direkt Hochverrat begangen. (Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts); wenn man das nicht annehmen will, so ist es nervöser Verfolguugs- tu ahn sinn. Wenn man gegen Schuljungen eine halbe Kompagnie illjllllll kommst 4. tymkt 1913. aufbietet, dann lvird man im Kriege gegen eine iciudkiche Pairouille e i n g a n z e s A r m e e I o r p S brauchen. Wenu das deutsche Heer keine besseren Krieger hat. als die von Zabern. dann be- dauere ich den Herrn Kriegsminisler.(Sehr gut! bei den Sozial- demokcaten.) Nun hat der Reichskanzler miZ am Montag versichert, daß die Autorität der Gesetze und der öfsentlichen Gewalten geschützt lverdcu solle. Mir wäre es lieber getvesei:, cr hiittc ein Wort von dem Recht gesprochen, daS mit nnS geboren ist. Davon war leider nicht die Rede. Er sprach davon, daß die Untersuchung eingeleitet sei. Ich frage: Bedarf eS denn angesichts solch offenkundiger Tal- fachen noch einer Untersuchung.' Hat das Militär das Recht, in dieser Weise auszutreten' ES gibt kein Gesetz, das ihm ein solches Recht ztibilligt. Es wäre nur möglich beim B e l a g e r tt n g S- zustand, und der müßte vonr Kaiser verhängt werden, oder wenn die Zivilgewalt es verlangt. Darum müssen tvir die Zaberner Vorgänge als A n a r ch i e imisrhalb dieses Reichel der Ordttting tmd der Gesetzlichkeit bezeichnen.(Seijr wahr! bcr den Sozial- demulraten.) Dadurch, daß der K r i e g S in i n i st e r nenlich eine Beschöill- � gnngSrede gehalten hat, hat er sich zum Mitschuldigen der Vorgänge gemacht, die sich nachher ereigneten.(Lebhafte Zttstimimtttg bei den Sozialdemokraten.) Um 1 Uhr hielt cr seine Rede hier, tun! Uhr nachmittags hatte Leutnant v. Forstner bereits Nachricht davon, daß der Kriegsmiiiister ihn gedeckt hatte. DaS hat ihm d a s Rück- g r a t gesteift, und abends um 7 Uhr ist er dann S d) o.k o l a d e kansen gegangen. War denn der Kriegsminister überhaupt übcr� die Vorgänge orientiert? Jd> bezweifle daS durchans. Hätte Herr v. Deimling ihm die Akten über den Fall Zabern mit- geteilt, dann hätte er sid) nicht" solche Schnitzer zuschulden lottunett lassen können. Er sagte, der Leutnant habe den verächtlichen Sinn des Ausdrucks„WackeS" nicht gekannt. Dann müßte also Herr u. F o r st n e r die Eksäffer im a l l g e m einet! gemeint und dazu anfgesordert haben, sie alle niederzuschlagen. Im Widersprud) mit der Erklärmig des Kriegsministers sieht auch die Erklärung des Jnfanterieregimeuts 99, die am 8. November im„Zaberner An- zeiger" erschien, wo es hieß, daß der Offizier nicht die Eliäjser im ganzen, sondern zu Schlägereien geneigte. Elemente, also tinrilicho Warles, wie wir sie verstehen, sittlich ittittdeiwertige Menschen, gemeint habe. Die lliede des Kriegsministers war wieder ciii Beiveis für die Weltfremdheit der Offiziere, denn cr sagte, er habe den Ans- druck Walkes nicht gekannt. Und einen Mann, der während �vierjährigen AitsenthallS in Elsaß so wenig gelernt hat, m a ck> t man z u m r i e g s m i n i st e r.(Große Heiterkeit und Sehr gut l bei den Sozialdemokraten!. Da meinte der Kriegsmiiiister. der Leutnant konnte nicht ahnen, daß seine Worte in die Oessentlichkeit ge- tragen würden. Dieser imichiildSvolle Engel, wenn er gewußt hätte. daß es an die große Glocke käme, so würde er es vielleicht nicht gesagt haben! Und im Kasertienhof kann man also sagen, was man will, da latm man die ganzen Elsäsier in der s ch ä b i g st e n W eise b c« ck i m p f e n, da kann man z n m T o tschl a g a u f f o r d e r n.(Sehr gut! b:i den Sozialdemo- kraten.) Die Aufforderung zum Niederschlagen der Warles erinnert ja an ein anderes Wort, das die Slreikbr'ed)er sagen: Wir lönnen uns alles erlauben, wir können anch einen totschlagen. ES erinnert anch an ein historisches Wort ans dein Jahre 1595. Damals standen die Bauern gegen die Herren Junker im Kamps. 18 999 Bauer u waren au der Zaberner Scheide blutig nieder- geschlagen unter dem Schlachtruf: övhlugt draus, der Herzog erlaubt es!(Hört! hör!! bei den Sozialdemo- lratett.) Der Kriegsmiiiister hat seine lltede auf den Tau gestimmi: Jugend hat keine Tugend I Gewiß, aber muß ein solcher Mann. der sich so wenig beherrscht, ausgerechnet ins Eifa ß fornineu? Ein Mann, der Speisekarten mit de in Degen a n f- spie ß t, tveil das französische Wort„Poularde" dranssieht.«Große Heiterkeit und Hört! Wrt! bei den Sozialdemokraten.) Und wenn der Lemnauc jung ist. sind denn die Rekruten älter als er? Meint der Kriegsminister vielleicht, loeil sie nicht die vorzügliche Er- ziehnng des Herrn Leutnant von �jabern genossen haten(Sehr ejtit! b. d. SO.;.), seien sie besser in der Lage zu beurteilen, was sie zu tun haben tmd was nicht. Wenn dcr KriegSininisier so milde sein kann gegenüber dem Leutnant, sollte cr sich nicht hierher sieilen und erklären: Dinge, toie sie sich die Rekruten im Elsaß erlaubt haben, dürfen in der Armee nicht geduldet werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Unrichtig ist, daß durch irgendwelche Presseäußerungeu die Dinge in Zaberu hervorgerufen oder verschlimmert ivorden seien. Da ist der Kriegsmiiiister genau so falsch informiert toie in den anderen Fällen. Also Ivo bletSl die Milde des ÄriegStniiiisterS gegenüber de» Rekruten Weiß er nicht, daß sie erst v i e r W o ch c n beim Militär lvaren, also sich über die TragtoeUe der Dinge noch gar it i dt t im Klaren sein kormten? Den Paragraphen hat der Kriegsmiiiister nicht angeführt, wonach Vorgesetzte, die Ilntergebene beleidigen, mit F r e i h e«t S st rase u bis z u ztoer Jahren bedroht werden. Hier. wird zweierlei Recht dekretiert: für die Relntten ungeheuer schwere Strafen für Dinge, die gar nicht tiachgetviesen sind, und auf der anderen Seite die milde Bestraftmg durch einen Verweis. Der Kriegsminister ist dem Reichstag v e r a n t w o r t l i di für alle?, was im Heere pasfiert. und wenn solche Dinge, wie sie in Zabern vorgekommen siitd, in so milder Weise bestraft werden, so müssen wir den KriegSintiiister darüber befragen. Nun ist auch gesagt luordeu, die Rekruten haben den Fahneneid gebrodten, weil sie über die Vorgänge iu der Jttstruktiolisstunde gesprochen haben.(Lachen links.) Seit wann sind denn schnoddrige Redensarten eines imreifeii Bursche», seit wann sind Beichiiiipfnngen von fast zwei Millionen Menschen Dienst- geheinmisse? Man soll den Fahneneid doch'nicht zu einer Farce herabwürdigen. Präsidont Kaeuips: Sie dürfen den Kriegsmiiiister nid)! beleidigen.. Abg. PeiroteS(fortfahrend): Diese Worte richten sich nicht gegen den KriegSininister. sondern gegen den Oberst v. R cuttcr, beim dieser hat vom Bruch des Fahneneides gesprochen. Miiteiltmgen an die Oeffenlkichkeit find leine Verletzung von Dietlstgeheimiiisieti. Die Soldaten hat man in Anklagezuftand versetzt, sie müssen büßen für die Forstner« s di e S ti l n b un g. Man hat gesagt, die Rekruten sollten versetzt werben, überhaupt sollen elsäsjische Rekruten nicht im Elsaß dienen. Setzen Sie sie doch an die r u s s i s ck) e Grenz e.(Zurufe rechts.) Wir würden das begrüßen, denn wenn Sie I l> r e(nach rechts).Kultur kennen lernen, halten sie um so fester an ihrem Vaterland.(Leb- haste Zustitmtmttg links.) Sie können nicht begreifen, tvartttu im Lande eine solche Aus- regmig herrscht? Ein Leulnant spricht ein Wort aus, und min geht im ganzen Laude ein Sturm der Entrüstung loS. Dieses Wörtleiu, das der Leutnant von Zabern ausgesprochen, ist ja nur der Tropfen, Oer d a S G l a S zum ll eberfließen gebracht hat. der Funke, der in das Pulverfaß gefallen ist. Nicht bloß in den Kasernen wird das elfaß-lothringische Volk beschimpft, und diese B-schintpsmigeit gehen seit I a h r z e Ii n t e n. Wenn eS nur ein Leutnant wäre, hätten tvir uns wahrhaftig nicht darüber auj- pcfeflt, sondern unJ gesagt: So cm Leutnant, auch wenn cZ ein y üiitg-Jftutiiant ist, kann uns nicht l> c l c i d i g c u. Wir yätten itsm vielleicht ein groszes wollenes Tuch gekauft, um ihn riumal trocken zu legen. iHciterkeit und Sehr gut I links.) AVer dah man nicht sofort das diichtige getrofsen'mid ihn versetzt hat, beweist, dag die ganze Militär- behörde sich niit ihm solidarisch snhll. Auch andere Leute haben seine Versetzung verlangt. Wäre sie erfolgt, so hätten die Dinge sich nicht so auswachsen können. Aber nicht nur den Leutnant hat man nicht versetzt, der Oberst, der anderer Dinge wegen be- reit-Z den A b sch i ed erhalten hatte, mußte schleunigst zurück- lomnien und wurde feierlich c m p f a u g e li. Weil mau seine Bcrabschiedung forderte, hat Herr v, Deimling" daZ Wort gesprochen: Run erst recht nicht! Und darum" sage ich, der wahre Schuldige an diesen Dingen ist nebst dem Kricgsminisier der Herr v. Deimling, der Sieger vorn Hcrcrolandc. (£ ho!-Nufe rechte,) Es ist ja sehr leicht. Schwarze zu Paaren zu l r e i b c n.(Lärmende llnwrbrechungen rechts und Zurufe: Gehen Sie doch hin I) Gehen Sie nur selbst einmal hin. Daß der Herr Deimling aus dein Hererolandc zu uns lain, erregte damals schon einen EntrüstungSstnrui. Der Reichstag kennt den Herrn ja, weil er auch hier durch sein Auftreten einen Stur in der Entrüstung hervorgerufen hat, und ausgerechnet diesen Typus einer übermütige» Soldateska schickt man zu miS.(Stürmische Unterbrechungen rechts.) Präsident Kuernpf: Es ist unmöglich, die Verhandlungen in dieser Weise fort- zuführen. Ich bitte Sic, sich zu mäßigen. Abg. Pcirotcs(fortfahrend): Vor allem bitte ich die Herren(nach rechtS), sich zu mäßigen, ich werde mich soviel wie möglich mäßigen. Herr Deimling redet frisch, fromm, fröhliai und forsch darauf los. Er ist ein n rn- gekehrter M o I t k e; Molrke verstand in sieben Sprachen zu schweigen, Herr Deimling ober redet in li Sprachen' iHeilerfcit.) Er redet überall und sein Schluß lauict immer: Haut die Nothojeu. Glauben Sie. daß das wirklich bei unS zu Lande dazu beiträgt, diesem Regime Achtung und Entgegenkommen zu sichern? Vergessen Sie doch nicht, daß Elsaß-Lothringen früher zu Frankreich gehört hat, daß wir in Frankreich 5 Ob OVO Landsleute haben. Noch heute wandern Jahr für Jahr Hunderte nach Frankreich hinüber, die in den RdchSlandcn ihr Brot nicht finden können. D a S sind unsere Brüder. Und da loird zu unZ beständig gejagt; Verhaut siel ohne daß irgend cm Anlaß gegeben ist. Aber der jüngste Leutnant gilt bei uns eben viel mehr, als Ruhe und Frieden. Seit der Entstehung dcö Konfliktes haben wir von der Regierung wenig gehört, so daß wir sie im starken Verdacht haben, daß sie sich nicht darum gc- kümmert hat. Ein Vertreter der Regierung hat noch vor sieben Monaten gesagt, sie ziehe mit der Militärverwaltung an einem Strange. Ob das euch heute noch der Fall ist, tve'iß ich nicht. Früher sprach man von einer militärischen Nebenregierung, heute ist die Armee nicht eine Nebenregierung, sondern die Re- gierung. Heute ist das Wort Bismarcks erfüllt, Elsaß soll ein GlaciZ sein. Es ist in den letzten Ll) Jahren in Elsaß-Lothringen nicht besser geworden: das Mili.tär bedeutet all cö. und das Zivil nichts. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele, die in der Oeffenilichkeit bekannt geworden sind. Der Bezirkspräsidcnl von ulsaß-Lothringen wurde gestürzt auf Veranlassung der Militärverwaltung. Der General Prittwitz v. Gaffrou rühmte sich, er habe die Verfolgung der reichsländischen Sportvereine veranlaßt, der Polizeipräsident von Mülhausen wurde v e r- setzt, weil er mit dem dortigen Generalmajor in Konflikt geraten war, er mußte gehen cur einen Machtspruch d c S K cu scrs hin. Der Kampf um die Jagdscheine für Ausländer ist vom Militär inszeniert worden, wir haben von einem Korpsbefehl Kenntnis bc- kommen, wonach Eliaß-Lvthringcr sich nicht in Vertrauensstellungen der Armee befinden sollen, in Schlettsiadt cntrnslete sich jüngst cur Hauptmann, daß acht Oberjägcr E I s ä s s e r seien.(Leb- Haftes Hört! hört!! Ich könnte noch eine ganze Reihe von Ilcbcrgrifien anführen, die sämtlich darin gipfeln, das Volk unter die mititärischc Knute zu bringen. Für ein solches System ist Herr Deimling der richtige Mann. Er ist schuld daran, daß die Ruhe nicht einkehrt, daß in den Relchslanden ein unerhörter R echtsbruch be- gangen wird, daß die persönliche Freiheit der Bürger nicht iiarantiert wird, daß in Elsaß- Lothringen Gesetz und Recht ro» dem Militär mit Füßen getreten werden. und wenn der Reichskanzler jetzt nicht zugreift, so�isi oller Welt klar, daß in Deutschland— Zaber» gehört auch zu Deutschland - nicht das Gesetz, sondern die Diktatur des Säbels regiert. Man sagt. Herrn Deimling sei ia diesen Tagen ein Tele- gramm einer Rcbcnregierung zugegangen, in dem ihm versichert wird, daß dieie Nebenregierung mit ihn! e i n v c r st a n den sei. Ich frage den Reichskanzler, ob ihm das bekannt ist? Freilich ist es fraglich, ob der Reichskanzler zugreifen kann, selbst wenn er zugreifen will, denn stärker als der Reichskanzler i st das Militär. Aber der Reichskanzler sollte vor seinen kaiserlichen Herrn hintretcn und sagen, daß er die Verantwortung für solche Dinge, die an das 10. Jahrhundert erinnern, n i ch t l ä n g c r tragen kann. Dadurch wiiide er die Glückwünsche der übergroßen Mehrheit des deutschen Volles erringen.(Lebhafte Zu- stimmung links.!. Die Zaberner Vorgänge haben uns auch die Shnmacht des AerfasjungStebeilS in Eljaß-Lothringen gezeigt. Wir mußten aufBezirks- tagen Resolutionen fassen, daß die Landesregierung sich an die Reichsregierung wenden möge, um das elsäsfitche Volk vor solchen Besch im Pfunden zu schütze». Daß solche Reso- lutionen notwendig wurden, beweist doch die Ohnmacht dcS Ver- fassungSlebenS. Wollen Sie wirklich, wie' mein Vorredner angedeutet hat, im Interesse deS Weltfriedens wirken, so müssen Sic auf eine Versöhnung der elsaß-lothringiichci: Bevölkerung hin- arbeiten. Dann müssen Sic die Militärdiktatur beseitigen und der rtsaß-lothringischcii Bevölkerung die Autonomie geben. Aber die Regierung, die versichert,� sie ivolle auf den Frieden hinarbeiten, läßt Frankreich r n h: g beschimpfen. Wenn eö um- gelehrt iväre, so wollte ich einmal unsere Alldeutschen hören. Aber in F r a n I r c i ch ist man ruhig und b e s o u n e n geblieben. Unter allen Umständen muß Genugtuung gemährt werde» für die Schmach, die de»! clsaß-lothringischcn Volke angetan ist. Die eingewanderten Denlfchen wurden bei uns einmal als Hunger- leider bezeichnet. Niemand von unS hat das gebillig:. Aber der Staatsanwalt erhob sofort eine Anklage und erzielte eine schwere Strafe, obgleich nur ganze drei Mann iiä> meldeten, die sich be- leidigt fühlten. Hier ist ein ganzes Volt beleidigt worden, ;iO Mann sind nnschuldig verhaftet worden, und wir verlangen B c st r a f u n g wegen dieser Gcsctzesverletznng, wir verlangen'die Bestrafung der Hochverräter. (Lärmende Unterbrechungen rechts.) Wie Sie es machen wollen, ist Ihre Sache, ob Sie das Regiment versetzen wollen oder anderes. Als 1907 ein französischer General in Nancy eine sübelrasielnde Rede hielt, wurde er sofort von der Regierung der Republik ver- fetzt. Wenn bei Ihnen derartige Ungehörigteilen vorkonnncn, sollten Sie ebenso verfahren. Einst fiel ans kaiserlichem Munde das stolze Wort:»Civis genuauud simik" Es sollte heißen, daß der Deutsche mit Stolz sich als Glied des herrlichen Deutschen Reiches fiihlen soll Die Zaberner Bürger haben in diesen Tagen einen V o r- a schina ck von all diesen Hetrlichkeiten erfahren, als mau sie in den Band nrenkcllcr sperrte. Vorläufig haben sie leinen Anlaß mit. Stolz zu lagen, elvi- gennanus suui. Und was den naborncrit' beute passiert, kann morgen den Holznnndern und i'edcm andern passiere«.(Lebhaftes Sehr richltg! links.) "äs"., in Mexiko oder in Venezuela emem Deutschen der -kim ewaetrieben wird, erhebt sich hier ein großer Sturm, dann ist di"deutsch e Ehre besndclt. dann muß ein deutsches Kriegsschiff in See stechen, um die Deuischcn zu schützen. Soll der deutsche Staatsbürger nicht auch innerhalb des Deutschen Reiches denselben Schutz genießen?(Sehr gut! links.) Herr Reichs- kanzler, Sie haben dafür'zu sorgen, daß Genugtuung für die Beschimpfungen gewährt wird. Sie haben dafür zu sorgen, daß die Hochverräter b e st r a f t werden. Tun Sic das nicht, so Ivird man im Auslände den civis germauus nur verächtlich ansehen und Teutschland wird hinter Venezuela und Mexiko marschieren. Präsiden Kaeuipf: Ihre Ausführungen sind beleidigend für d e n N e i ch s k a n z l c r und d a S deutsche Volk. Ich rufe Sie zur Ordnung!(Lebh. Verwunderung links.) Abg. Peirotes(fortfahrend): Ich habe gerade die Absicht, das deutsche Volk vor Beleidigungen zu schützen. Darum, Herr Reichskanzler, holen fcrie nach, was Sie und Ihre Vorgänger bisher versäumt haben. Bestrafen Sic die Schuldigen von Zaber» und arbeiten Sic mit uns.! Lachen rechts.) Arbeiten Sie mit uns an der Umgestaltung des Deutschen Reiches zu einem modernen frei- h e i t l i ch e n Staatswesen.(Lebhafter anhaltender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Zur Begründung der Interpellation Delsor u. Gen.(Elf.) er- hält das Wort Abg. Haust(Elf.): Der Reichskanzler ist jetzt wohl überzeugt, daß er z n l a n g c mit dem Eingreifen g e s ä u in t hat. Die Strafe und Sühne muß eine solche sein, daß sie abschreckend wirk:. Kaum hatte der Telegraph am Freitag die Worte des KriegSministers in das Reich binansgetragen, als neue r M u t die Brust der kriegerischen Herren schwellte und sie in der friedlichen Logesenstadi hausten, wie eine lvildgewordenc Rotte. Der O b c r st lvar dey A n s n h r e r, der ioinmandierendc General stärkt ihnen den Rucken, und der K r i e g S»i i n i st e r entschuldigt den Urheber mit seiner Jugend. DicS Kind, kein Engel ist so rein, laßt Eurer Huld empfohlen sein! Mit crner beruhigenden Erklärung hätte man allcS gutgemacht, statt dessen hat der Oberst nach zivci' Tagen den Leutnant in Schutz gcnonrmcn. Bon Rentier und Deimling haben lvir leine Remcdur erwartet, aber vom K r i e g S- min ist er hätten wir doch ein Wort des Bedauerns erhofft. Hat Zaber», daS solange den Dr. Höffe! von der R e i ch S p a r Ce i hierherschickte, das verdient? v. Forst» er hat schon lange vor der 10 Mark-Eeschichte die Elsäffcr im Regiment systematisch beleidigt und schikaniert mit schweigender Zustimmung seiner Vorgesetzten. lind der Sergeant Höflich, der disziplinwidrig gleich drei Mark dazuspendierte, benahm sich ebenso und Ivurde gelegentlich auch gewalttätig. In bezng auf die französische Fahne hat der Leutnant einen Ausdruck gc- braucht, den man als anständiger Mensch nicht in den Mund nehmen kann. Und der soll erziehen, der s e l b st noch der Erziehung bedarf? Seit meiner Soldatenzeit, Ivo man nur reifere Leutenauts instruieren ließ, ist man überall davon abgekommen— ein Getöse von Schimpfworten umgibt die Soldaten überall. Dieser Oberst, der sofort die Ruhe verliert, hat auch schon gesetzwidrig gehandelt, als er einen Offizier mit vier Gendarmen in die ll!e- daktion des„Zaberner Anzeigers" einbrechen ließ. Man muß sich wirklich wundern, daß Leute, wie General Deimling, beute noch an ihrem Platze find. Ich erinnere nur an die Szene, als er zum ersten Male im R c i ck ö t a g c austrat, wo Abg. M ü l I e r- Sagau vom Regime der Soldateska sprach.(Zuruf bei den Soz.: Und nicht zur Ordnung gerufen wurde!) Dies Regime der Soldateska bestellt auch heute in Elsaß-Lothringen. Bedauernswert sind die armen Soldaten, d!c sicb zu solchem M u m m c n s cb a n z haben hingeben müssen. In die Begleitung des Herrn v. Forst» er gehören nicht Soldaten, sondern eine Ammc, die ihn schützt. (Große Heiterkeit.) Gegen die Soldaten wird vorgegangen, aber unbehelligt läuft noch innner der Leutnant v. F o r st n c r umher. Als ein Leulnant in Oldenburg sich herausnahm, die Rekruten als Oldenönrger Ochsen zu bezeichnen, wurden die Ochsen wild und L4 S t l! n d e n s p ä t e r war d e r L e u l n a n t über d i e G r e n z c. So hätte es mich in Elsaß-Lothriiigen gehen müssen. Durch plumpe Soldatenstiefel sind alle Bemühungen der loyal gesinnten Elsässer seit st) Jahren u m s o n st gemacht. Die Früchte werden sich zeigen, stünstlich ist die Aufregung wahrlich nicht. Die sranzösischcn Blätter sind äußerst kühl geblieben. Sie sagten nur: Was regt Ihr Euch denn auf, haben lvir Euch nicht längst gesagt, was das für Leute, sind. Wir wollen hoffen, daß heute das ent- scheidende- Wort vom Herrn Reichskanzler g e- I p röche u werden wird und daß wir nachher sagen lömien: Es gibt noch Richter in Berlin.(Lebhafter Bcisall'bei den Elsässcrn iind links.) Reichskanzler v. Bethmann Holtwcg: Nach dem Ergebnis der Ermittelungen stellen sich die Vorgänge in Zabcrn ivie folgt dar. wobei ich bemerken will, daß im unmittel- baren Anschluß an meine Ausführungen der Herr Kriegs- in in ist er ergänzend daö Wort ergreifen wird:'Der Leutnant v. Forst ner hat in einer JiistruklionSstunde einem Rckiuleii Anweisung gegeben, wie er sich verhalten soll, wenn er an- gegriffen würde. Im Hinblick auf die mancherlei ernsten und traurigen Ereignisse in den letzten Jahren batle der Leutnant >v o h l Ver a n l a f s u n g, dicS zum Gegenstand der Instruktion zu machen. Er hat bei dieser Gelegcnheii für den Eintritt einer bestimmten Eventualität eine Geldprämie ausgesetzt, die der gleichfalls anwesende II n t e r o f fi z i c r erhöht bat. Diese Aus- setzung einer Geldprämie loar selbstverständlich eine kluge hörig- k e i t. Ter Leutnant hat bei der Gelegenheit denjenigen, der sich an den Rekruten vergreifen sollte, einen„Wackes" genannt. Weiterhin hat derselbe Lcntnant in der JnstruktionSstunde seine Re- krulcn vor dem Eintritt in die Fremdenlegion gewarnt. DaS war sein gutes Rech t. Er hat aber dabei mit Bezug auf den Dienst in der Fremdenlegion einen durchaus ungehörigen Ausdruck gebrauch». Die Pressemeldiing— und diese Pressemeldung ist von einem der Vorredner heute Pier im Reichstage vertreten worden—. die Meldung, daß der Leutnant die französische F ahne b c s ch i in p f t haben soll, ist nach dem Ergebnis der Ilntcr- suchung n N r i ch t i g.(Hört! hört!) Da diesem Ergebnis von ge- loisser Seite widersprochen ist. eS aber unbedingt notwendig erscheint, daß in dieser Beziehung Klarheit geschaffen ivird. ist die Unter- suchung wieder a u f g e n o m in e n worden, aber noch nicht abgeschlossen. Beleidigungen ciner Armee, mit der wir vor vierzig Jahren in ehrenvoller Weise die Waffen gekreuzt haben. würden selbswerstäiidlich in der deutschen Armee nuhi geduldet weiden.(Lebhafte Zustinmnmg.) Endlich hat derselbe Leutnant in der JnstruItionSstlmde dreimal Elsässer als W a ck e S tituliert. Ein Rekrut hat sich auf Befehl des Unteroffizier« beim Offizier melden müssen mit dem Ausdruck: Ich bin ein W a ck e S. iHörr l hört!> Für die vorgekommenen Unachörigkeilcn ist der Offizier rcklifiziert und bestraft worden, ebenso der Unleroifizier.(Zurufe links: Aber wie?> Auch das ist eine Selbswerständlichkeit. Tic Lorgänge in der JnstruktionSstunde sind von beteiligten Militärpenoneii in die O e s f e n t l i ch l e i t getragen worden, und zwar die Vorgänge rücksicktlick der Fremdenlegion durch ein mit Nanien unterzeichncleS Schriftstück an die Presse. Wegen dieses mit der militärischen Dis- ziplin absolut unvereinbaren Vorgehens gehen die Schuldigen ihrer B e st r a f u n g entgegen.(Zustimmung rechlSt) Fch habe diese ersten Vorgänge noch einmal kurz skizziert, tveil sie schließlich die L-uelle all der Tinge»zeworden find, welche sich hinterher ereignet haben. Ich will ebenso, wie eS der Herr Kriegs» minister getan, weder etwas beschönigen noch verheimlichen. Aber Ivas liegt bei diesen ersten Vorgängen vor? Ungehörig- leiten eines jungen Offiziers, begangen in den Wönden der Kaserne, unerfreulich, aber doch nicht >v e l t b e w e g e n d. Mit der verhältnismäßig geringen Be- deutung des Anfanges der Dinge steht die spätere Ent- s Wickelung in keinerlei Verhältnis�(Erneute Zustimnyuig.) Bezeichnend ist, daß der Mali n" unter den ersten gewesen ist, der die Sache in seinem Sinne vertvcrtet hat. Durch Artikel in der Lokalpreffe ist dann die Erregung in Zabcrn und über(labern hinaus weiter geschürt loorden. Die elsässische Bevötkernng hat sich durch den Gebrauch des Worte-„WackeS" beleidigt gefühlt. Man hat dabei von einem gctvolltcn öffentlichen Affronl der Bevölkerung gesprochen. Davon kann ja selbstverständlich nach all de» Ilinständeii, die ich angegeben habe, unter denen das Wort gebrmichi worden ist, leine Rede sein. Aber schließlich: das Wort ist gefallen. Die Presse hat lange Er- örlerungen über die Bedentung des Wortes angestimmt. Ich bin bemüht gewesen, mich bei E l s ä s s c r n selbst über die Cache zn informieren. Da erscheint mir die Sache doch folgenderniaßsii zu liegen; DaS Wort„WackeS" wird bald gebraucht für die Bezeichnung eines Hern m t r e i b e r S, eines n i ch l s n ü tz i g e n M e n s ch e n. bald gilt es als ein S p i tz n a m c für den E l s ä s s c r.(Lebhafte Unterbrechung der Elsässer. Zurufe: Niemals!) Ich kann ja die Onelle nennen, mir hat das der Abg. van E a l k e r gesagt.(Minutenlanges Gelächter bei den Elsässcm und links.) Meine Herren, ich ziehe daraus keine weiteren Folgerungen. Wenn Sie mich auhöreii. iverdcn lvir. glaube ich, in dieser Beziehung einer Meinung sein. Mir ist mitgeteilt ivorden. es würde als Spitzwort gebraucht, und »war gebraucht eö der Eliäsier selbst im gutmütigen do i n n c seinen Lmidslenten gegenüber.(Zurufe: Nein!) Verletzend wird es erst im Munde eines NichtelfäfferS. Ich halte eS für müßig, darüber zu streiten, ob der Elsässer eine Berechtignng dazu hat, tatsächlich fühlt er sich beleidigt. Früher ist der Gebranch dcS Wortes a n s d r n ct l i ch untersagt loorden an einzelnen Stellen, und ich kann in Uebereinstimmung mit dem Herrn Kriegsminister die Erwartling aussprechen, daß nach den jetzigen Vorkoniinnisscn und Erfahrungen da-S Wort in Zufnuft nicht mehr gebraucht werden wird.(Bravo! b. d. Nattb.) Aber meine Herren. ich trete den Herren doch wirklich nicht zu nahe, ivenn ich niciiie, die Elkässcr sollten doch nicht empfindlicher sein, wie audcre. l Sehr richtig bei den Nationalliberalen. i Der Elsäffcr nennt den Deutschen, wenn er von ihm spricht, mit Vorliebe einen Schwaben. (Lebhaftes: Oho! links.— Abg. L e d c b o u r sSoz.! ruft: Reöen Sie doch in einer so ernsten Sache nicht> o l ch e n Kohl!— Ordnung« ru f.) Die Altdeutschen regen sich darüber nicht ans. ebensowenig wie wir uns aufregen, wenn uns von Batiern oder Sachsen bedeutet wird, daß wir(Zuruf: Sanpreußen!) Preußen, und leine Bayern oder Sachsen sind. Man sollte daS nicht für ernst iiehincn. Aber sei dem, wie ihm wolle, die Elsässer haben sich tat- sächlich beleidigt gefühlt. Da? aber bildet doch noch in keiner Weise irgend eine Rechtfertigung dafür, daß in der Folge tat- sächlich Ossszicre oder Mamischaften beleidigt werde». iHikt'. hört!) Das ist tatsächlich geschehen! Ich will dabei vorweg bemerken, das; die Behauptung, die von einem der Herren Vorredner hier aus- gesprochen worden- ist, nämlich von einem mißhandelten und be» nidelten Unterosfizier eine Erfindung ist. Sie ist nicht richtig. (Hört! hört!> Im übrigen hat sich»ach der die n st l i ch c n M c l d u n g d e S G c n c r a l to in m a n d v S, auf die ich mich beziehe, die An- gelcgcnhcil folgeiidermaßeii abgefiiiclt. Am!). Noucmber, als Leui- iiant b. F o r st ii c r durch die Stadl ging, fanden Aniammlungen statt, Kinder ivarfen mit Steinen nach ihm.(Ruf bei den sozial- demokratcn: Kinder!> Am Nachmittag desselben Tages sammelte sich eine johlende Menge bor der Kaserne, auf die beiden Mannschastsvertreter, die Leutnant v. F o r st n c r nach seiner W o h n u n g begleiteten(Hört! hört! bei den sozialdemo» traten. wurden Steine aus der Menge geworfen. Am 10. No- vemvcr schrien und johlten eliva 100 Mensche», hauptsächlich junge Leute, hinter Offizieren aus der Haiiptitraßc her. am Li). November loerden mehrere Offiziere in der Nähe de- Schloßplatzes von Arbeitern, Kanalichiffern und Jungen umringt und augeichrien. Zwei von den Schreiern ivurdeu vom Militär festgenommen und an die Polizei abgegeben. Am 2y. November sammelte sich während der Turnstunde der Offiziere in der städtischcir Turnhalle eine Menge an der Kanalbrücke. Als die Offiziere her- auSlaineii, wurde von der Menge gejohlt und gebrüllt. Ein Ar- bcitcr von etwa 18 Jahren rief dem Leutnant v. F o r st n c r Schimpfworte nach. Er wurde festgenommen. Das war un- zweifelhaft gesetzlich berechtigt.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Um zwei Ofsizicre, die� vo-i der Kaserne nach Hause gingen und dabei die Hauptstraße passieren mußten, sammelten sich Menschen und schrien. Daraus befahl der Regimentskommandeur, nm die Offiziers vor weiteren Beschimpfungen zu schützen, dem Leutnant S ch a d t. mit einem Zug nach dem Schloppla« zu rücken»nd diese» z» säubern. Auch wenn hierzu formell eine gesetzliche Befugnis nicht vorlag,(Hart. Hort I links.) so ist die Maßregel doch lediglich aus dem Bestreben entstanden, Schliminerem vorzubcngc». (Stürmische Heiterkeit und große llnrnhe links.) Wenn die Herren diese Zwischenruse in einer Form wache» wollten, daß dabei eine geregelte Diskusston möglich ist, würde daS die Sache erleichtern. Die Herren, die vor mir zu Worte gekommen sind, haben-gesprochen von einer Erbitterung und lebhaften Erregung, die in den letzten Tagen des Novembers in Zabern geherrscht hat. Wenn bei dieser erbilierte» Stimmung der Oberst der Ansicht war: Wenn ia, in dem Moment, wo die Offiziere auf dein Schloßplatz von der Menge belästigt werden, sofort eingreife, so v e r h ü t e i ch c t w o s S ch t i Iii- in e r e«, so verhüte ich evenluctt l ä t l i»t, e Beleiht» g n li g e ii der Offiziere, so ist das vollkommen verständlich.(Stürmische Unruhe links) An die Räumung des Schloßplatzes haben sich d.ni» weitere Patrouilleilgänge angeschloffen, bei denen daS Militär gegen 80 Personen, darunter zweifellos auch einige».ibmiligie Passanten verhaftelc(Lebhafte Aha-Rnfe links: Abg. S t a d l h a g e n Soz.): Leider nur emei, Staatsanwalt!>. die bis zum nächsten Tag in der Kaserne festgehalten ivurdeu.(Zurufe von den eouz.: Auch dos ist richtig, was; Andauernde llnruhc.) Ich will mich durch Ihre Zwischenrufe nicht mehr itöreii lassen und werde darauf nicht mehr antworte!!, vielleicht hören Sie dann auf._(Srhr gut! rechts.) Soweit festgestellt werden tonnte, lug die gcseylilbc Befugnis zu diesem Borgehen nicht vor, insoweit eS sich nicht um Festnahmen auf frischer Ta: gehandelt haben sollte, in ivelchem Falle die Festgenommenen sofort an die Polizei or gm n e hätten abgegeben werden müssen.(Hört! hört, links. Unruhe.) Das Militär ist in dieser Weise eiiigeichrilten in der A n, ich t, d»iß die zivilen Sicherheitsorgane versagt und den Militärs bei den bis- hcrigen Vorkommnissen keinen oder keinen genügende« S ch ii tz g e iv ä h e l hätte n. Dic� Z i v i l b e h ä r d e n von Zabern bestreiten dies»ns das aUercntschiedcnstc.(Lebhafte« Hört! hört ü J» dieser tatsächlichen, nickt nur rechtlichen, sondern tat- sächlichen Frage stehen also die Ansichten der Lokalbe Hörden i ck r o f f einander>; e g e n ii der. Wer von beiden absolutes lltccht hat, in mir nach der Vorlage der gegenwärtigen UntersuchungSverhand- lnngen; u entscheiden nicht m S g l i ch(Lachen links. Unruhe ob es in der Zukunft möglich lein wird l Stürmisch« Zwischen- rufe links!, da» kann ick im Augenblick nicht sagen.(Große Nnrnhe links. Abg. L«ldeb our iSoz.s: Da» ist Ihre Bankrott- erklär u n g!> Wenn mich die Herren nur ausredeii lassen wollten und nicht Ihr Urteil durch Zwischenruse ausiprächeii, bevor ich meinen Satz zu Ende gesprochen habe!(Sehr gut! rechts.—" e d c- b o u r: Ob. bitte, der Satz war zu Ende! lGroße Heiterkeit.-- �a« Militär erklärt, daß es selbst bei der vorgenommenen Berilanung der ivilen Sicherheitsorgane in Zabern diesen nickt mvgltch ist. a ,l jedem 5) r t e der Stadt, wo eine Un�e�ettllchkeit passiert, sofort zur Stelle zu sei».(.Heiterleit.) J)h glaube, das ist nach der Borgeschichte nicht gmiz nnberechtigt. (Große Unruhe.) Die Militärbehörde hat mitgeteilt, daß fix[)Cn Standpunkt vertrete, daß Militärs Seleidiguligen. die lhnen zugefügt iverden, nicht auf sich sitzen I a>! s n dürfen und daß das namentlich in diesem Falle nicht geschehen- kann, wo cS sich»uhz um bctein.ielk BelästMnge» gehandelt hat, soadern nach dem, was ich Ihnen mitgeteilt habe, um eine ganze Kette von aufeinander- salgcnden Beteidigungcin �Lebhafte Zwischenrufe link-Z, auZ denen ::ian heraushört:„Der Rekrut muh sich aber alles gefallen lassen und„Der>Zcch ivar noch nicht zu Endel"— Heiterkeit.) Ob ioegcn Verletzung der Gesetze zivilrcchtliche Entschädigungsansprüche geltend gemacht Iverden lönnen. werden die St i ch t e r entscheiden müssen. Zch bitte aber auch, in diesem ernsten und in bieler Bc- Ziehung sehr traurigen Fall nicht zu bergessen, daü die Arme: da-Z Recht hat, sich grzcn direkte Angriffe zu schützen. < Erneute stürmische Grgcnrnfe links, anhaltende Unruhe), sie hat nicht nur das Siecht dazu, sondern auch die Pflicht. sÄnhaltende grosze Unruhe.) Wenn sie eS nicht tut, kann k e i n e A r nr e e in d e r W e l t bestehen!(Lebhafte Zustimmung rechts.) Ter Roch dcI Königs m«ft unter allen Umstände» respektiert werden. (Stürmische Unruhe und Unterbrechungen links.) Es ist die Pflicht der Behörde, die Menschen am Üebcn zn schützen. Das; es wenigstens da-Z Bewußtsein dieser Pflicht war, was die Militärbehörde in Zaber» beranlaßtc einzuschreiten. das ist f ü r m ich nicht zweifelhaft, auch wenn in der Folge bei den Maßnahmen, die ergriffen worden find, die gesetzlichen Grenzen nicht cingehalten iviirdc».(Ahn! Große Unruhe links.) Ich muß aber bei dieser Gelegenheit scharfe Verwahrung dagegen einlegen, daß der Abgeordnete P e i r o t e S unter einem nicht mißzuverstehenden Hinweis auf die Offiziere in Jabern von Hochverrat ge- 'brechen hat.'Stürmische Zurufe links: Es war Hochvcrrnt!) Das darf meines Dafürhaltens nicht geschehen. Ich lege jedenfalls M! e r wahr u n g dagegen ein.(Neue Zurufe links.) Man darf das Wort nicht gebrauchen, so lauge»ich: einer des Hochverrats f Ä n l d i g erkannt worden ist.(Neue stürmische Unterbrechungen links.) Es ist nicht richtig, die traurigen Vorgänge in Zaber» nicht als miS besonderen Umständen hervorgegangen, sondern als den Ausdruck eines liefgehenden allgemeinen Gegensatzes zwischen Zivil- und Militärverwaltung ansehen zn wollen. Ich habe objektiv dargelegt(Lachen links), wie der Vorfall cnl- standen ist. Er ist ans verhältnismäßig kleinen örtlichen Vorgängen, aus kränkenden Worten in der Kaserne, anS hudenhaften Schmählichkeiten ans der Straße unter fort- gesetzten Steigerungen von Wirkung und Gegenwirkung er- wachse». E r i st w e d e r für d i e a l l g e M e i n e n U m st n»de bei uns charakteristisch(«ehr richtig! rechts— Unruhe links,, noch kann oder muß ein allgemeiner Gegensatz zwischen Militär- und ZivilverwaUnng rm Reichs lande als lirsache für diese Unstimmigkeit in Zaber» angesehen werden. Meine Herren, ich glaube, wir wollen alle, so wenig erfreulich diese Vorgänge sind, nicht lediglich an der Vergangenheit festhalte», sondern ivir ivolleu auf die Zukunft sehen.(Stürmische Zurufe links.) Für die Zukunft kommt es vor allem darauf an, daß an dem Herde, wo die Erregung entstandetr ist, daß in Zaüern wieder normale Zustände einkehren, damit Vorgänge wie die jetzigen, bei denen eine gesunde Kooperation zwischen den Organen der Gewalten nicht ftattgesundeil hat, nicht wiederkehren tonnen. Dazu gehört ein a u d a n e r n d e r Kontakt zwischen den milirärisÄen und den Zivil- b c h ö r d e n. Das ist die Wiederherstellung des guten freundschaft- lichsu Verhältnisses zwischen Militär und der Zivilbevölkerung, wie es in Deutschland allgemein ist und lvic eS in Z aber» bis vor kurzer Zeil besonders gut gewesen ist.«Hört! hört!) Die Lnndesverwaltnng und die Vi i l i t ä r v e r iv a l t u n g arbeiten gemeinsam auf dieses Ziel hin.(Eachcn bei den Sozial- demolraten.) Ein General ist nach Zaber» entsandt worden, um von militärischer Seite das Nötige zu tun. Wenn ans einer gestrigen Preß- nolij etwa geschloffen werden sollte, daß er dauernd nach Straßbnrg zurückkehrt, so ist das falsch, sein Kommando ist noch nicht de- endet. ES ist aber durchaus notwendig, und wir sprechen die ernste Hoffnung anö, daß die elsässische Bevölkerung dies Bestreben der Behörden von stch aus unterstützt. Sonst kann dies Be- streben nichr zum Ziele sühren. Ich habe das Vertrauen zu der elsässischeii Bevölkerung, auch wenn sich ihrer infolge dieser Ereignisse eine E r r e g u ir g bemächtigt hat, daß sie aus dieses Ziel mit den Behörden hinarbeiten wird.— Gerade mit Rücksicht auf die Erregung. die im Elsaß herrscht und die sich auf Deutschland erstreckt hat, gerade mit Rücksicht darauf habe ich mir M ü h c ge- geben, den Fall objektiv darzulegen.«Unruhe und Lachen bei den Sozialdemokraten.) Meine Herren, ich habe ihn objektiv dargeleg:.(Heftiger Widerspruch.) Ich habe die Tat- fachen dargestellt und nach den Tatsachen geiirleiit. Ich habe sie objektiv dargestellt und mich jeder lcidenschaft- liche« Darstellung bei der Gelegenheit enthalten. Ich habe varigen Montag gesagt— und damit will ich schließen—: Die Auto- r i t ä l der öffentlichen G e lv a l t muß ebenso geschützt werden, wie die Autorität der Gesetze. Dabei bleibe i ch u n d dabei>v e r d e i ch b l e i b e n.) Bravo! rechts.— Andauernde Zwischenrufe und Zischen bei den Sozialdemokraten.) Preußischer Kriegsminister von Falkenhayn: Meinen Ausführungen bei der Beantwortung der kurzen An- frage über die Vorgänge in Zabern habe ich für die Zeit vom 6. bis 1 1. November, auf die sie sich bezogen, nichts hinzuzufügen. Ich sollte meinen, daß trotz des Widerspruchs von der Tribüne des Hauses hier meine Rede für jeden, der hören wollte, alles enthielt. Eines freilich konnte sie nicht enthalten und hat sie nicht enthalten, die Zusicherung nämlich, daß sich die Militärbchörde» de» von lärmenden Tumnltuanten »nd hetzerischen Preßorganen... (bei diesen Worten ertönen bei den Sozialdemokraten, den Elsässern und im Zentrum erregte, stillinische Zurufe. Viele Abgeordnete drängen unwillig nach vorn und men: Unwahrheit! Skandal! Der Abgeordnete Lcdebour(Soz.) springt auf die Treppe zur Tribüne und ruft dein KriegSnmiister zu: Sic arbeite» wie rin�gent provocateur im Reichstage, genau wie der Forstncr in Zaber»! Vergeblich sucht der Präsident Ruhe zn schaffen. Endlich legt sich die Erregung, und der Kriegsminister fährt fort): Darf ich meinen Satz wiederholen? (Erneute stürmische Zurufe.) Die Zusicherung nämlich, daß die Militärbehörden stch den von lärmenden Tumultuanten und hetzc- rifchen Preßorganen gestellten Forderungen fügen sollten.«Wieder bricht auf der Linken ein En t rü stun gS st urm ans. Man hört die Zurufs: Herunter von der Tribüne! Unverschämt- h e i t! und: D a S i st j a d e r F o r st n e r i» P e r s o n!) Da« ist in Wahrheit der- springende Punkt, um den sich seit dem 0. November der ganze« p e k t a k e l in Zabern drehte.(Erneute zornige Zurufe von der Linken.) Nicht n,n die mehr oder weniger übertrieb, uen Verfehlungen dcS LentuautS oder feiner Rekruten.(Stürmische Zurufe: des Obersten!) Jeder im Lande weiß, baß deren Rechte und Angelegenheiten in den festen Händen der Vorgesetzten liegen(schallendes Gelächter links), wo sie ihr Recht(Stürmische Zurufe links) finden iverden Um alle diese Dinge bandelt cS sich nicht, sondern um den nnS�sprochenen Versuch, durch P re ß tr e ib er e i en. durch Erreg mit' und»urch s>,ste»m tische Vrschimpfuiigc» einen nir- gesetzlichen Einfluß auf die Entscheidniigen der zuständigen Vthörbei, au zuüben.(Stürmischer Widerspruch b. d. Soz. u. Elsäss.) Ick, will ohne weiteres zugeben, daß ein Zurückweichen der Militärbehörden vielleicht für den Augen- blick Ruhe in aber» geschaffen hätte, aber das wäre eine trügerische Ruhe gewesen.«Beifall rcibtö. Lachen links.) Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen.«Zustimmung rechts. links.) Dunu würde der Versuch sicherlich Nachfolger gehabt haben. Um Voiwäude wären diejenigen, die jetzt diesen' Skandal gemacht haben(Große Unruhe links), nicht verlegen gewesen. Sie, die die läppischen Geschichten in der Kaserne zu solchen Zwecken ausgebeutet haben, Ihnen tpürde es immer möglich sein, etwas für solche Zwecke zu finden. Auf diese Weise würden wir unS schnell einem EhaoS nähern. Viele Elemente, nicht nur in der in Betracht kommenden Gegend, wünschen daS aber sicherlich nicht, im Interesse d e r O r d» u n g und der Auf- r e ch t e r h a l t u n g der Gesetze.(Lachen linlS.) Die A r m e e kann vor jenen Elementen, die ich meine, mögen sie sieh auch noch so ivild gebärden, nicht zurückweichen.«Stürmische Unter- brechungcil links.) Meine Herren, ich sage doch nur meine M e i n u n g. dazu bin ich verpflichtet. ES ist in den Reden der Herren Interpellanten viel die Rede gewesen von der N o t- w e n d i g k e i t der Wahrung der V o I l S r e ch t e. Ich bin ganz gewiß derselben Auffassung. Da aber die Armee be- lanntlich ein Teil des Volkes ist,(Siimnische Zwischenrufe bci den Sozialtcmoklatcn) und wahr- lich nicht der unwichtigste, toaS die unbestreitbare Talsache beweist, daß ohne die Armee nicht ein Stein dieser stolzen Mauern hier stände(Große Unruhe links)-- lein Arbeiter lönnle sein Brot im Frieden verdienen ohne die Armee. Zu den Lebcnebcdinguugcn der Armee gehört aber auch wie der Sauer- stoff zum Almen, daß die Autorität, die Disziplin und das Ehrgefühl hochgehalten worden.(Stürmische Zurufe bci den Sozialdemokraten. Zuruf: Auch von den Offizieren? Zuruf: Backes!) Daß eine Armee ohne Disziplin schon im Frieden nicht den Rainen verdient, haben vor mir Tauseude er- fahrener Männer ausgesprochen. Lesen Sie die Worte des Feld- Marschalls Mottle darüber nach, der daS besser gesagt hat, als ich eö lviinte. Kann aber irgend jemand, der nicht. von Partcilcidcnschaft verblendet ist, glauben, daß es der Disziplin in der Armee förderlich wäre, .wenn man von außen her, durch nnvcrantwot'tiiche Treiber die p f l i ch t in ä ß i g e n Entschließungen der v c r- antlv ortlichen Stellen beeinflussen könnte.(Zuruf bei de» Sozialdemokraten: DaS sagen Sie dem Reichstage!) Ich bitte, mir die Worte nicht im Munde zu verdrehen.) Ich spreche vor dem Reichstage von den Vorgängen in Zabern. Was das E h r g�e f ii h l der A r m e c bedeutet, weiß jeder. Ich rufe die Soldaten hier zn Zeugen, die in ernster Stunde aus dem Felde der Ehre � für da? Schicksal dcS Vater- landcS gelämpft haben. Da helfen dem Soldaten keine Reden. da hilft ihm nur die Disziplin und das Ehrgefühl.«Große Unruhe Unis. Zurufe: Was soll da? hier?) Ich meine hiernm durchaus nicht Uebcrhebuirg. Fragen Sie doch in Lothringen nach, wo ich vier Jahre an verantwortlicher Stelle tätig war, ob ich je militärische Ueherhcbnng vertreten hätte. Vielmehr meine ich das Ehrgefühl, daß es dem Soldaten nicht einen Augenblick Zweifel, Haft sein soll, wenn es sich um die Entscheidung zwischen Schande und Tod handelt.(Andauernde große Unruhe liuls. Rufe: Z u r Sache.) Ein solches Ehrgefühl dem Manne, ob er Offizier oder Soldat ist, anzuerziehen, ist nicht leicht. Es wäre unmöglich, wenn man fordern wollte, daß ein Soldat dlnicrnd planmäßige Beschimpfung ertragen soll.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die Soldaten wurden durch Vorgesetzte selbst beschimpft'.) Man sagt, es käme„nur' die Beleidigung eines ganz jungen Offiziers in Frage, man müßte ihn einfach lv e g j a g e u. Nach meine» Berichten sind nicht nur junge Offiziere be- leidigi worden.' Aber selbst wenn das richtig wäre, frage ich mich, ob denn die Leute, die das anführen, kein Verständnis dafür haben, was in unserer Armee ein junger Offizier und Unteroffizier bedeutet.(Gelächter linls.) Ich schätze das ehrwürdige Alter sehr hoch, nur so mehr, als ich leider auch schon darin eingerückt bin.(Heiterkeit rechts.) Aber ich bin ganz gclviß, daß die besten Lehren dcS ehrwürdigsten Greises daS Beispiel eines einzigen frischen junge» Offiziers oder UnterosfizierS nicht ersetzen können.(Stürmisches, andauerndes Gelächter links, Bravo! rechts.) Solche Offiziere werden um so eher bereit sein, ihr Leben für ihr Ideal in die Schanze zu schlagen- (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und die Mannschaften!) Die Armee braucht junge Führer so sehr, daß sie gern die manch- mal etwas täppischen Acußcrnnze» ihres jugendlichen Ueier- mutcS in de» Kauf nimmt.(Hört! hört! und andauernde Unruhe links und im Zentrum.) Bei der Beurteilung solcher Fälle behält das Wort unseres Reglements volle Gültigkeit, das« Unterlassungen und Versäumnisse eine schwerere Belastung bilde», als ein Fehlgreifen in der Wahl der Mittel.(Stürmisches Hört! hört! links.) Dieser Grundsatz muß vorangerückt werden bci der Bewertung der Vor- gänge in Zaber». Ich will auch cincir Artikel anS Zabern hier verlesen.(Zuruf links: den kennen wir schon!) Erlauben Sic. daß ich ihn trotzdem borlese.(Heiterkeit.) Der Redakteur des„Zaberncr Tageblatts" schreibt am S. November:„Ich habe mich erst vor etwa zehn Jahren als Elf äff er naturalisieren lasse», bin also kein Schwöb".— Ich weiß nicht, w a S daö h c i ß c n s o l l. (Stürmische anhaltende Heiterkeit.) Ich muß aber erkläre», daß die Skandalfälle der letzicn Zeit, die derartig zun, Himmel schreien, daß deutsche Behörden zugunsten einer hochverräterischen Anarchie abdanken mußten, wenn nicht mit aller Entschieden- heit eingeschritten wäre, unbedingt nicht weiter geduldet werden können. Wenn die Behörden nicht energisch die Hetze unterdrücken, kann Deutschland sich daraus gefaßt machen, daß in Zabern die Deutschen, alles ivaS deutsch denkt und fühlt, weniger seine? Lebens mehr sicher ist, als wenn sie a», Kongo wohnen würden. ES ist mir überaus schwer gefallen, diese Auffassung, die in Zabern gang und gäbe ist, zu Papier zu bringen, aber cS muß ja einmal zum Ausdruck ge- bracht werden, daß nicht nur in deutschen, sondern mich i» den ruhigen elsässischcn Kreisen..."(Stürmische Unruhe links und im Zentrum, in der die letzten Worte des Zitats untergehen.) Ferner ist mir beule morgen eine Proklamation de? Zaber»er KreiLdircktorS mitgeteilt worden:„Aus Anlaß der jüngsten Vorgänge in Zabern und D c t t w e i l c r. wo Militär- Personen durch flegelhafte Zurufe beleidigt wurden(Hört! hört! rechts) und wo das Militär daraufhin gezwungen war(Hört! hört! rechts), zur Selbsthilfe zu greife», fordere ich i», Auftrage des Statt- Halters die besoilneren Bürger auf, gegebenenfalls dazu beizutragen, daß Personen, die Offiziere und Mannschaften durch Zurufe be- leidigen, dingfest gemacht und dem Richter behufs B-strafuug zu- geführt werden. Die Betreffenden würden dadurch nicht nur sich um den guten Ruf des Bürgertums, der durch daS unanständige Auftreten einiger Buben koniproinittiert wird(Hört I hört! rechts), verdient machen, sondern auch dem Militär jeden Anlaß zum Selbstschutz nehmen." Dieser Schilderung habe ich nichts h i n z u z u f ü g e n und ebensowenig den Ausführungen des Herrn Reichskanzlers über die Rechtslage. Noch eines möchte ich streifen. Tie Armee ist eine furchtbare Waffe und sie muß es sein, wenn ihr Zweck erreicht werden soll. Sie ist nicht geschaffen, wul- lich nicht und bestimmt nicht, um den polizeilichen SicherheitSdicint zu erfülle», und es ist im höchsten Grade bedauerlich— mir selbst auch—, daß dies in unserem Falle» ö t i g w a r durch wiederholte Warnungen der Militärbehörde an die Jivilüehvrde.«Hört! hört! links.) Ebenso ist cS mir in hohem Grade verhaßt, wenn cS zum Einschreiten kommen muß.(In drohendem Tone): Schreitet die Armee aber einmal ein...(Stürmische Heiterkeit links), so sind Härten dabei ganz unvcrineidlich.(Stürmische Zuruft links.) EL war vorher die Rede von provozierenden Spaziergängen der O s s i z i c r e.> Zehr richtig! links) Herr R ö s c r. der davon sprach, nannte den 8. Novevlbcr. Da war aber noch nichts vasfiert. Fa. sollen denn die Offiziere in Zabern nicht fpaziereuge'hcn löiuieu! DaS nennt ein deutscher RrichstagSabgeoidnetcr provozierend! '(Zurufe links.) Derselbe Herr sagte, cS sei«änderbar gewesen, daß, als das zweite Bataillon alarmiert wurde, auch die M a' ch i n c r.- g e w c h r e mit alarmiert w u r d cn. Leben wir denn in in Teutschland oder wo leben wir? Maschinengewehre grhö.cu doch zur Armee. (Große Unruhe links.) Ueberlcgcn wir uns doch einmal etwas, meine Herren: Was wäre denn bester— daß ein Offizier in Jabern, dem ein Mann unflätige Schimpfworte zuruft, dem B e t r e s f c'P d c n den T c g c u durch den Leib stößt(Stürmisches Hört! hört! und minutenlange Uiitei Srechungen links. Abg. L e d c b o u r: Tos ist die Aufforderung zum Mord!) Ein Offizier darf sich nicht öffentlich beschimpfen lassen, das ist nicht möglich. Ist eZ da nicht besser, wenn da Leute mitgehen und ihm helfe», den Ilcbeltätcr ruhig anzupacken und zur Polizei zu bringen t Dann hat man von der A n s f o r d e r u n g zu m Totschlag gesprochen. Ich verstehe nicht, wie so eiMrS.ans- gesprochen werden kann. Ter Leutnant hat nach allen Angaben in der Jnstruktionsstunde gesagt: Wenn Dich,.. oder wenn S:e (Große Heilerkeit und Aha! links) einer so angreist, so wehren Sie sich ordentlich und gehen Sie ihm zu Leibe. Ist das ei:« Au«- rciznng zum Totschlag? Dann hat ein anderer Redner einen hohen General der deutschen Armee als TypuS der übermütigen Soldateska mit Rücksicht auf sein Auftreten im Reichstag be- zeichnet. Meine Herren, im Reichstag sind schon mehr Leute cut- gleist. Man sollte ihm doch diese Sache, die sieben Jahre zurück- liegt, nicht jetzt noch nachtragen.(Zuruf bei den Sozialdemokrale»: Er ist aber doch genau derselbe noch wie damals!)— Meine Herren, das ist ja das Beste an ihm (Stürmischer Beifall rechts. Große andauernde Unruhe und Zisch.» links und im Zentrum) Abg. Kehre ubach(Z.): Da? Unzulängliche, hier>v i r d' s E r e i g n i s Stürmische Zustimmung links und im Zentrum); das linbe- g reifliche, hier ist'S getan.(Erneute stürmische Zustimmung.) DaS war das Empfinden, mit dein wir den Vvrgängeii in Zaber» gegenüberstehen, mit denen wir aber noch mehr gegenüberstehen den Ausführungen, die w i r f o- eben gehört haben.(Stürmischer Beifall.) Das Gefühl der Beschämuiig ist über uns gekommen.(Lebhafte Zustinunung.) Dazu ge'elli sich ein bitterer Schmerz über die m o r a l i f ch e n V e r- l n st e dieser ll n g l ü ck s m o n a t e, die erst in schwerer Arbeit nach langer, langer Zeit wieder gut gemacht werden können.(SUir- mische Zustimmung.— Abg. P ach nicke(Vp': Aach d.r Mililärvorlage das dem Reichstage!) Die Aufgabe• des Parlaments ist es, die Meinung des Volkes zum Ausdruck zu bringen und zwar ohne alle Beschönigung. Wirtvollen nicht Vorwürfe gegen einzelne Personen erheben, sondern an unserem Teil, heilend auf die festgestellten Schäden wirken. Ich erkläre namens meiner Partei, daß wir die bestimmte Erwartmig hatten, durch die Erklärungen der R c g i e r u n g, des K a n z I e r s und des K r i e g S m i n i st e r S würde u n S' v o r g e a r b e i t c r >v e r d e n. Tiefe Erwartung ist schwer enttäuscht! (Stürmische Zustimmung.) Niemand im Hanse wird nnsercr Partei nachsagen können, daß sie kein Gefühl für Autorität befitzt, leine Befähigung, einzutreten für die Bedeutung und Machtstellung unseres Militärs. Aber, was heute hier vorgetragen wurde, klingt wie an? einer andcrcn Welt.(Stürmische Zustimmung.) ES ist schmerzlich, aber hier gibt cS kein Ilebeibrücken mehr. Das Recht vor allem.(Beifall.« Wenn der Reichskanzler zum Schutze des Rechl-Z nnd der öffentliche» Gewalten berufen ist, dann muß er hier R e in e d u r eintreten lassen.«Sehr richtig!) Wir haben dedauernde Aeußerungen gehört, aber nichts, was zur Abhilfe ge- troffen wurde und zur Aufrich.tung de? gebeugten Rechts! Dabo» habe ich nichts gehört.«Stürmische Zustimmung.« Wohl aber haben wir Ausführungen dcS Reichskanzlers gc- hört, die sich auf die Berichte der Militärvehörden stützten und die die Personen und die Tätigkeit der Zivilvcrwaltuiig in Straßbnrg in ei» bedenkliches Licht stelle». Durch Reden wie die des Kriegs in i n i st e r S aber, zieht man unnötige F o r s ch h c i r n n d Schneid in den Herzen junger LeutuantS auf. Wenn man so hört von dein Säbel, mit dem man einen durch- stechen muß.(Zuruf bci den Sozialdemokraten: Aufforderung zum Mord'.) DaS Militär untersteht dem G e f e tz und dein R e ch i. es ist nicht< x lex, und darf cS nicht fein.(Stünnischcr Beifall.) Wenn die Zwilbcvölkerung der Willkür des Militär S preis« gegeben lvüree, dann kinis Geniianiae! (Stürmischer Beifall.) Es ist schmerzhaft, in dieser Stunde so reden zu müsse». «Lebhafter Beifall.) Ich will nur die Hoffnung haben, daß derTon de? KriegSmiiiistcrS nicht die Resonanz ist von Unterredungen, die kurz vorher stattgesmiden habe».(Stürmischer minntenlaiiger Beifall im Zentrum und liinS.« Sonst>v ür d e d a S heute, das m u r, ich aussprechen, c i» die« a t e r«Schwarzer Tag) für d a s Deutsche Reick, sein.«Erneute brausende Zustinunung im Zentrum und linkö.) Ich hatte iiicht erwartet, so sprechen zu müsse». ES stimmt gar nicht mit der Dispositiv n überein, die ich mir gemacht hatte. Gegenüber diesen AnSführtingeii vom Regierungstische anS war es aber Pflicht und Schuldigkeit de? ersten Redners aus dem Hause, der hier auf die Tribüne tritt, in entsprechender Weise die Meinung zu sage u.(Erneuter stürmischer Bci- fall im Zentrum und links. Stürmische?, m i n n t e n- lange? H ä n d e k: a t s ch e n.« Nach diesen grundsätzlichen Darlegungen zn dem Ausgangspunlt. zu dem Gruudübel: der Leutnant behauptete, er habe mi: dem Ausdruck WockeS nur gewisse streitsüchtige Elemente gemeint. Ick, kau» diesen Behauptungen keinen Glanben beimessen. Er ha: die Leute mit WackeS angeredet; sie mußten stch mit dieser Bezeich- nuiig bei ihm melde u. Diese junge» Rekruten sind doch feine streitsüchtigen Elemente. ES steht auch fest, daß ei» früherer Regi- mentSkommandeur den Ausdruck WackeS verboten hat. Tiejr» Befehl kannte auch der Leutnant v. Forst nrr.(Abg. Noc ke (Soz.j: Diszivlin der Leutnants.) Ich glaube ja auch, daß WackeS ein Spitz- und Spottuame ist «Lebh. Widerspruch bei dm aus dem Elsaß stammenden Abgeordneten>. aber mit dem Zusatz:„Wenn Sie einen solchen WackeS mederstechen" ist cS eine Beleidigung. Ich hätte gedacht, daß fich_ der Äulturfortschritt auch auf das Militär erstreckt. Diese Bezeichnung, namentlich in Verbindung mit der tO M.-Prämie, erbittert mit Rocht die Elsässer, sie haben da? Recht, sich das zu verbitten(Stürinischcr Beifall) und strenge Bestrafung des- jcuigcil zu fordern, der diese �luurmeSbeleidigung gebraucht hat. Erfolgt die Snhiic nicht, da»» versagt das Gerechtigkeitsgefühl der Brhiirdcn! (Erneuter stürmischer Beifall.) Der Redner erzählt inchrcr Fälle ans Baden, in denen jungen Offizicrcii derartige Schimpfereien sehr energisch ausgetrieben lourdcn! man vergesse nicht das E h r gefnhl des Äolkes,(Stürmischer Beifall links und im Fcutrum) das sich auch von cinei» höheren Ssfizicr solches nicht gefallen lägt. Aber die Elsässer sollen sich alles gefallen lassen llnverantworilich ist dicse-Z Vorgehen, nachdem' sich wohl in einende M ä n n c r im llieichstagc llllühe gegeben haben, die Verhältnisse im Elsaß ni sanieren. Zaber» war der erste Wahl- kreis im Elsaß, der sich ganz a u s deutschen Boden g c- st e l l t hat. Da lommeu aber die Schars in a ch c r b l ä t t c r mit einer Sprache, die Ihnen,(nach rechts!) de» letzten Anhang im Volte rauben liimitr. Sie(zur AeichSpartci) Ivärcn cS dein Andenke .FHrcS Mitgliedes Dr. H ö f f e l schuldig, hier daS Nichiigc zu finden. er iv ü r d e es gesunden haben l(Ein Zuruf von der Reichspartei Leider!) v. Forstucr soll vom KorpSlominandeur einen Verweis er- ballen haben, obgleich nach dem Gesetz nur Freiheitsstrafe am Platze ivar. Es ivird vielfach angenommeii, daß die Schneidig» teil aus die Deckung des Obersten v. v. Deimling zurückzuführen ist. R c n t t c r durch den General Nun, mein aller Schulkamerad imd lieber Freund Berthold'Deimling hat hier oben damals in der Sitzung vom Fahre lätX! auch eine berühmte Rolle gespielt. > Stürmische Heilerkcit.) Ich weiß, daß Deimling ein einsichtiger und bürgerlich gesinnter Mann ist. Nicht auf ihn führe ich die Auf rcgung in Zaber» zurück, sondern ans die Soldatenverhaftungen und -Verhetzungen und auf die Keußerungen Forst» c rS über die Fremdenlegion und die f r a» z ö s i s ch e F a h n c. Die Mitteilungen der Soldaten waren eine Verletzung dcS MilitärgesetzcS, aber ihnen gehören doch die Milder ungsgründc, die man dein gebildeten Leutnant so reichlich zubilligt. Dazu kam, daß ein Rekrut mit Recht bei einem Feste beleidigende t'leußerungcn eines lliiterossizicrS zurückwies und darauf in bekannter Weise kujoniert wurde— denn das Bc schwcrderecht findet in den tatsächlichen Zuständen seine engen Grenzen und bei einer Beschwerde erhält man nur h ö ch st s c l t e n b! c ch t.(Stümische Zustiinmimg.) lind die Acußernng über die Fahne der Fremdenlegion von einem Herrn, der abends im Salon den Gebildeten spielt, ivirlie so bedauerlich, wie überhaupt der g a n z e Ton in der Kaserne! Warum hat der Reichskanzler leine Berichte der Zivilbehvrde n vorgetragen. sondern nur die cisnciiigcn gefärbte» Berichte des Gcilcralkonimaudos. Daß der Leutnant sich von Soldaten mit aufgepflaiiztein Gewehr begleiten läßt, um seinen L a k n o zn trinken, ist doch geradezu Tonifnichotirrie. ?er Grundfehler lvar, daß der Oberst v. Rentier nicht die Ein ficht hatte, daß dem Ehrgefühl der elsässischcn Bevölkerung nnr Genüge geleistet werden könne, iveim der Leutnant sofort a u S Z ii vern v c r s ch>o i n d c r. Er hätte ihm l b Tage Urlaub geben lömicn. und inzwischen wäre Zeit gewesen, die Sache zu erledigen. l Widerspruch rechts.) Wer das auch heute noch nickn einsieht, dem spreche, ich überhaupt jede Ein ficht ab.(fkebh. Zustimmung.> Sie müssen heraus. Wen haben Sie denn noch auf Ihrer Seite? Ich glaube, ich finde selbst auf den Bänken der r c ch l c st c n Seite volle Z n sl i m m u n g. i Lcbh. Zlislimmung..! Ein solcher Keil darf nicht in das Dcmsche Reich hineingetrieben lverden(Lebhafie Zustimmung), und wer das lut, weiß gar nicht, welche B cran i w ortung er trägt.(Erncnle lebhafte Zu- slimmung.) Was alles an Ilngerechtigkeitc n und Gesetzwidrig- k c i: c n vom Militär begangen ivorden ist, ist schon ausführlich crörlert lvordciz. Es bandelt sich hier nicht um Elsaß, sondern um eilten Fall, der ganz gctian in«jaitz Deutschland sich cbenso abspielen könnte wie in Zaber». lLcbh.ificS Scbr richtig!) Tie Entrüstung ist nicht aus den engen .Kreis dcS Lkheiils besäiräult, sie macht sich geltend im ganzen Deutschland.(Lebhafte Zustimmung im ganzen Hause mir Aus- nähme der Rechten.) Halten Sie sich nicht stark genug, dieser Eni- rüilimg mit den Mitteln Herr zu werden, die Sic bisher versucht haben! Zustimmung.) Möge die Regierung ans der Art dieser Vorgänge und der Art ihrer Besprcckning die genügende Lehre ziehe», und ick, hoste, daß mein Nachfolger aus diesem Platz das Gewissen der Regierung in gleicher Weise stärken werde, wie ich es versucht habe.(Stürmischer; niinuteiilangec Beifall.) Ltriogsiiiinistcr v. Falkeuhayu: Ter Vorredner bat recht, daß ein Verweis für den Offizier n i ckt r eine dem Gesetz entsprechende Stra'e gewesen wäre. Tat's.ich Ii cii ist der Offizier dem Gesetz e n t s v r c ch e n d bestraft worden.(Lebhafte Zurufe: Wie denn?) Ich kann sagen, er ist sehr schwer bestraft worden.(Erneute stürmische Zurufe Wie.') Ich bin nicht verpflichtet, über disziplinarische Verfügungen ilicr Austniift z» geben. (Stürmische Zurilw und große sllnrnye.i lieber die Milderungsgründe bei den Reirnlcn hat das Gericht zu enticheiden,»nd ich hoffe, daß es die Snaie nach allen cseiten beurteilen wird.(Lachen links.) Herr Feh re» dach hat dann einen Ansdrnc. von mir besonders angegriffen i als ich von Beteidtgungen von Offizieren auf der Straße sprach, hätte in meinen Worten eine Aufforderung z II tu Waffen gebrauch gelegen. Das ist It l ch l der Fall. Ich babe nur gesagt, ivenn ein Offizier bei solchen Zustünden, wie sie sich in Zobern entwickelt habe», immer wieder beleidigt wird»nd dann zur Selbsthilfe schreiten und den Mann festnehmen will und dann gezwungen wird, zur Waffe zu greifen, weil der Mmm sich wehrt, so in das begreiflich.(Stürmische, erregte Zurufe: Kneife r. Große Unriihe und Erregung.) Abg. Vau Caller(uatl.): � Die Entrüstung über die Vorfälle herrscht allgemein in laitd, ihre Bedentung geht weit über die militärische S in Drntsch- .......ärische Bedeutung lnnaus. Seit 16 Fahren wirke ich im Elsaß im Sinne einer Versöhnung, imd nun muß man sagen: Es ist nlles wieder kapnl! (Lebhafte Zustimmung.) Nicht das Vorkommnis mit dem Leutnant v. F o r st ner ist das Weltbewegende, sondern daß das Militär sich an die Stelle der Zivilbc Hörde gesetzt hat.(Leb- hafteS crehr richtig!) Zumichst zmn Worte„Backes". Als ich nach den Reichslanden kam, fragte ich einen Studenten, der mich besuchte, ivarum er keiner st n d c n t i s ck e n Verb i n d n n g angehöre. Er crividerte, er sei in einer gewesen, aber Elsässer könnten nicht darin bEiben. sie werden dort in unerträglicher Weise verhöhnt und beschimpft, man bezeichne sie olS o a ck c S i Große Heiterkeit. Zuruf: Das i sc der V e r t r 0» e ii S in a n n d c S R c i ch S k a n z l e r S!i T as Wort „Warles" wird auch in fast sreundlichem Sinne gebraucht, so sagt-. B. der Bater zn seinen Kindern„das Wackeslc"«Heitcr- kein. Vielleicht hat Leutnant v. Forstucr das Wort in diesem Sinne gemeint. tGroße Heiterkeil. Zch babe als Soldat auch land- ivirlschaftliche Ausdrücke gebrauröt(Heiterkeit� aber ich kann es doch nicht verstehen, daß das Ivos hier geschehen ist, nicht mit den s ch ä r f st e Ii Worten als völlig u n g c hörig g e l c n n- zeichnet worden ist. i Bravo! links.) Gewiß ist die In- firnktionsslunde leine höhere Töchterschule, aber auch in der Rekruten- schule müssen die E m p f i n d u n g en d e r Rekruten geschont werden und wenn ein Offizier das nicht tut, eignet er sich nicht tür die Slclle, an die er gestellt ist.(Bravo! links.) Ich gebe dein Kriegsminister zu. der Offizier darf nicht die Ucinsie Beleidigung oea u des Königs Stock dulden, aber man darf auch selber pichts tnii'w.'.-' den ändern, der auch des Königs Rock trägt, verletzt. sc Znfliiiiiuung links.) Warum hol die Militärverwaltung veränkwcrtllchcr Redakteur: Alfred Wielcpp, Reulölln. Für HT iLebb. nicht gleich in den ersten Tagen erklär!:„Weiin die Worte dcS LeulnaiitS so gefallen sind, dann wird die entsprechende Strafe ein- treten." Dann wäre eS zn de» ganzen Vorkommnissen nicht gc- lommcn.(Sehr ivahr! links.) Wenn das nicht geschehen ist, so aus dem Gesichtspunkt einer falschen Prestige- Politik, die meint, daß sie dann die Autorität gefährdet, wenn sie begangenes Unrecht zugibt. In der Tat aber gefährdet in a n die Autorität, wenn man Unrecht zn beschönigen sucht. (Sehr wahr! links.) Ich habe wirklich erwartet, daß der Kriegs minister sagen würde, Zv i r haben einen Fehler gemacht, damit daß wir die Sache nicht in 2, 3 Tagen korrigiert haben. Sind die Zustände in Elsaß-Lothringen wirklich so, wie der Kriegs- minister sie schilderte, io muß die Zivilverwaltung weg. Ich kenne den Statthalter Grafen Wedel und bin überzeugt, daß ihm bitteres ll n r c ch t g e s ch i c h t, wenn man ihm sagt. Du kannst uns mit Deinem Zivil nicht schützen, wir niiificn uns selbst schützen, wir kömieii ja nicht auf die Straße gehen, uns Schokolade kaufen. tGroße Heiterkeit.) Was hätte diese Sache nn englischen Parka in c n t für c i n e n S t n r m c r r e g t.(Sehr währ! links.) Aber wir sind ja so gutmütig. Mir ist im übrigen nicht so wichtig, was geschehen ist, als was geschehen soll. Wie denkt sich der Kriegsminister, ivic denkt sich der Reichskanzler die Zu- k n ii s l v o n Elsa ß-Lothringe n?< Zurufe bei den Sozial- demolraten:"Gar nichl!) Manche lueiuen, die Militär- d i k t a l ii r wäre das richtigste. Ich habe noch nicht gehört, daß dadurch je ein Land innerlich gewonnen wäre, aber es iväre ein mögliches System. Haben wir denn ober alle miteinander die Energie, eine solche Methode jahrelang dnrchznführcn? Nach den bisherigen Erfahrungen würde man doch bald zur Versöhniiiigspolitik mit gclcgcntlichc» Stöf-e» znrnckznkchrcn. also zu cincr unmöglichen Politik. Soll rS bei den jetzigen Zuständen bleiben? Was sind Ihre Absichten? «Zurufe bei den Sozialdemokraten: Keine!) Ich bitte dringend den Reichskanzler in dieser S ch i ck s a l s st u n d e für Elsaß Lothringen ,1» sagen, welche Maßregeln getroffen werden sollen, um Elsaß-Lothrigcii nicht vom Deutschen Reiche abzustoßen, sondern um eS ii ä her heranzuziehen an unser deutsches Baterland. as wünscht die unendliche Ilcberzabl aller Elsässer, das wünschen auch loir Alldeutsche.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum. Kriegsministcr v. Falkenhayn: Ter Vorredner hat an m i ch die Frage gerichtet, wie ich nur die Znlimft in Elsaß-Lothringen denke.« Stürmische Zuruie links: An den Reichskanzler!) Er hat direkt mich angeredet. Ich kann hier mir über die militärische Z n k u n f t reden und da lami ich Ihnen sagen: Wir werden in der Armee schon r d ii u n g halten, darauf t ö n n e n Sic sich v c r- lassen.(Stürmisches Gelächter links mid iin Zeiltruiii.) Sorgen Sie dafür, daß der G c i st ans diesen BcvölkeruiigSlreisen herausgeht, der jetzt drin gewesen ist und der zu diesen dedauerlicheii Vor- lomnmisscn geführt hat. M ehr kann ich dazu nicht sage n. (Erneutes stürmisches Gelächter links.) Präsident Kacmps teilt mit, daß folgender Antrag Adlaß(Vp.) eingegangen ist: „Ter Reichstag wolle beschließen, festzustellen, daß die Bc- Handlung des Gegenstandes der Interpellationen Röser, A I b r c ch t und D e i s o r duich den R e i chs k a n z c r der A»- s ch a u n n g des Reichstages nicht entspricht."(Leb- HafteS Bravo! links und im Zentrum.) Das Hans vertagt die weitere Besprechung der Fiilcr' pcllalioncn auf Donnerstag 1 Uhr. tVorhcc dritte Lesung des HandelSprovisoriuniS mit England.) Schluß 0 Uhr. �__ Zie Legiei'Wg zum klerzteßonflikt. Der gestrige„Rcichsanzeiger" verössentlich: folgende Vor- cinbarung dvr BuNdcsrcgieruiigcn über die Handhabung des K 370 des Kranlcnocrsi'chcrutigsgcsctzcs und folgende Bemerkungen der preußischen Minister für Handel und Gewerbe, für Landwirtschaft und des Ministers des Innern: „Nach den Beschlüsse» des am 2t>. Oltobcr d. F. hier abgehaire- iien Aerztctags und angcsichls der Stellung, welche die Kraulen- laffcnvcrbäiidc dazu genommen haben, muß damit gerechnet werden, daß es a» vielen Orien nicht gelingen wird, die dculnächstigc ärzt- lickie Versorgung der Kafie»aiitglieder durch schriftliche Verträge mit einer ausreichenden Anzahl von Aerzten sicherzustellen. ES ifi be.ecr zu cltvarte», daß zahlreiche Krauteukaffen hcantragcu werde», sie nach 8 37V RVO. zu ennuchtigeii, statt der Krankenpflege oder sonst erforderlichen ärztlichen Behandlung eine Barleistung zn gc- währen., Ucbcr die bei der AnSführuiig des 8 370 a. a. O. zu beachtenden Grundsätze bor unter dem Vorsitz des Herrn Staatssekretärs des Innern eine Beratung von Vertretern der Bundesregierungen statt- geiundei!, in der folgendes vereinbart worden ist: I. Voraussetzung für den Ersatz der Naturalleistungen der . lasse an Kranrensürsorgc durch ein crhöhrcs Krankengeld ist eine ernstliche Gefährdung der ärztlichen Versorgung dadurch, daß die Kasse keinen Vertrag zn angenicssetkcn Bedingungen iiiit einer aus- reichenden Zahl von Aerzten schließe» kann. Taher kann der Kasse die Ermächtigung aus 8 370 Nike erteilt werden, wenn die Gefahr- dnng de. ärztlichen Versorgung im Verhalten der Aerzte ihren Grund hat. Liegt der Grund in dem Verhalten der Kasse, so ist die Erinächtigüng zn versagen. Dabei ist grundsätzlich daran sestzn- halten, daß 8 370 nicht dazu bcstiuilnt ist, in den Streit zwischen Aerzten und Kassen über das Arztshstcm zugunsten der einen oder anderen Partei einzugreifen, ffonderii die ärztliche Versorgung der Kasscnulilglicder für die Dauer eines vcrtraglosen Zustcmdes sicher- ziistellen. ll. Das Oberversichcrnngsamt darf nicht von Amts wegen, sendern nur ans Antrag der Kasse cingreifeii. Bei lliogelung der Angelegenheit wird nach de» bisherigen Er- sahrungcn eine Vcruiiltelung der Beifficherungsämter in manche» Fällen zweckmäßig sein. III. Tie auf Grund der Ermächtigung gewährte Barlrisiung bietet de» Ersatz für die Kraiikcnpslege, die nach 8 Id2?>r. 1 91VC. ärztliche Behandlung und Versorgung»>il Arznei sowie Brillen, Bruchbändern und kleineren Heilmitteln umfaßt, und für die sonst ctsorderliche ärztlicbe Behandlung(ärztliche Gcvnrtshilsc, ärztliche Schwaugercnhilfe, ärztliche Hilfe an die Fainilicnaugehörigcn, so- weit sie satzungsinäßig.',» gewähren sind«. Den Kianteylafieu bleibt im Bedarfsfälle zur Herstellung des Gleichgewichts-.wisitiKn Sinnohmen und Ausgaben der Weg osieu. durch ihre Satzungen etwaige Mehrleistungen, insbesondere die Familieuhilfe, abzusckfasseii oder einzuschräiikeu oder die Beiträge zu erhöhen. I V. Die Höhe der Barleistung gebt bis zu des Durchschnitts- bctragcs dcS gesetzlichen Kraiucugeldes der Kasse. DaS gesetzliche Krankengeld beträgt die Hälfte des Grundlohucs (8 182 Nr. 2 RVO.. Der Durchschnittsbetrag ist in der Weise zn ermitteln, daß die Zahlen der in jeder Lohnstufe oder Klasse vorhandeuen Versicherten mi: den Grundlöhiicn vervielfältigt, diese Summen zusammen- gezählt und durch die Gesamtzahl der Versicherten geteilt werden. Ist als Grundlohn drr wirkliche Arbeitsverdienst festgesetzt, so sind die Grundlöhnc aller Versicherten zusaiiimcnzuzäblcn, und ihre Suiiimc ist durch die Auzabl der Bersichcrlen zu teile». Es ist jedoch auch eine summarische Berechuung des durchschnitt- lichen Grundlohns etwa in folgender Weise zulässig: Hat eine Kasse vier Klaffen Versicherter mit 1,50 M., 2,50 M., 3,50 M. und 4,50 M. Griiiidlohn, so wurde der Durchschnitt des Grundlohns— 3 M. betragen. Das gesetzliche Krankengeld würde hiernach 1,50 M. und der Höchstbetrag der Barleistung nach 8 370 NVO. 1 M. für den Arbeitstag betragen. Grundsätzlich soll die Barleistung den tatsächlich Voii dem Ver- sicherten für Heill>ellandl»»g und Heilmittel gezadllen oder zu zahlritdri! Betrag nicht übersteigen. Es bleibt den Kassen überlassen, wie sie sich die Ueberzeugung davon verschaffen, welchen Betrag der Versicherte tatsächlich ans- gewendet hat. V. Das Oberversicheruiigsanit kann die Ermächtigung auch auf Teile des Bezirks einer Änffe beschrämen, falls die Kasse für die übrigen Teile ihres Bezirks mit den Aerzten einig geworden ii!. VI. Ter Kasse bleibt überlassen, wie weit sie Krauieu- Psiege usw. in ustnra gewähren will. Ein Rechtsanspruch auf die Barleistung besteht nur, soweit die Kasse leine Krankenpflege usw. gewährt. Vif. Soweit die Kasse nicht durch eigene Aerzte oder Errich- (mig einer Art Poliklinik die erforderlichen Bescheiiligiingen erhält, löniien Bescheinigungen von Kaffenkonlrolleurctzi, Gemeinde- und Gntsvorstehcrii, Arbeitgebern, Hebaninicu. Schwestrrn oder ander! n Personen von hinreichender Zuverlässigkeit»nd Sachkunde, endlich Augenschein des Kassenvorstandes i» Frage komme». Schließlich bleibt bei Streit Veriiehinung des Arzte? als Zeugen oder Such- verständigen vor Versichcrungsaint oder Gericht. Hierzu bemerken die drei preußischen Minister folgendes: 1. Wie ich, der mitunterzeichliete Minister für Handel und Gewerbe, bereits in dein Erlasse vom 10. v. M.— III. 9126— ausgesprochen babe, dürfen die Krankenkassen nicht durch Versagen er Ermächtigung nach 8 370 RVO. zur Annahme eines bestimmten Arztsvstcms genötigt werden, es sei denn, daß eine Kasse oime Not die Gelegenheit der Vertragserneuerung dazu benutzen will, ein Arzishstcm zu beseitigen, dp? schon bi-ber für denselben Kaffen- bezirk mit Zustimmung der Beteiligten ntid zn ihrer Zufriedenheit bestanden bat, und- von dein bei im wesentlicheu gleichbleibenden Veraiisscp.lngcn angenommeii werden kann, daß es auch künftig befriedigend wirken werde. Auch dürfen die Kassen nicht ans dem angegebenen Weae gezwungen werden, sich dem Spruche eines Saficd, gerickns zu unter- werfen, das über das Arztshstcm bindend cnl scheide» soll. Bei den Entscheidliiigen nach 8 370 RVC. wird sodann der Anspruch der Kassen als berechtigt auziierkeiliieil sein, die Arztvei'iräge in ihren wesentlichen Bcslinimniigcn inii den einzelucii Aerzten abzuschließen, ohne'daß die ärztliche Organisaiisii als Pertrags- Partei mitwirkt. Wenn die Aerzte den Abschln!? individueller Verträge vre- weigern, ist hierdurch die Voraussetznug der Anwendung des 8 370 RVO. ohne weiteres erfüllt. Sofcrii indes nach den im ciiizclncn Falle vorliegenden Verhältnissen mit Bcstimmtlicit an- genommen werden darf, daß Aerzte in ausreicheuder Anzahl auch ohne Abschluß schriftlicher Verträge die Kranieiibebaiidlnng tatsö.Ä- Ijch zn angemessenen Bedingungen besorgen werden, cmvfichlt eS sich, trotz des Mangel? schriftlicher Verträge>8 368 RVO.l einsi- weilen nickit einzugreifen, auch die Kasse zur Znrückiiahme cineS> ciloa nach 8 370 RVC. gestellten Antrags zn veranlassen. Selbst- verständlich kann es sich dabei nur um Duldung eines vorüber- gehenden, den formalen Anforderungeii des Gesetzes nicht cnt- sprecheildeii. tatsächlich aber befriedigenden Znstoiides bändeln. Tie Ausübung eines Zwanges auf die Kaffen erscheint ferner nn allgemeinen nicht zulä'sig hinsichtlich der Honoriernng der ärz!» lichcn Einzcileistungcn und der verschiedenen Bemcffniig der Hono- rare nach Gruppen der Kassenmitglieder. 2. Die Erteilung der Ermächtigung nach 8 316 RVC. soll nicht allgemein an die Bedingung geknüpft werden, daß die Kasse zunächst ihre etwaigen Mehrleistniigen mindert oder beseitigt,»m hierdurch die finanzielle Lcistungsiähigkcit zur Besr'iediguilg erhöhter Hono- rarforderuiigen der Aerzte zu erwerben. Es können indes im ein- ', elnen Falle die Verhältnisse so liegen, daß der Kasse ein: Erhöhung der Beiträge— oder im Falle ihrer Verivcigcrniig eine Mindcinng der Mehrleistniigen— zugemutet werden kann, wenn diese Maß- nähme notwendig ist, um an sich angemesscncn.vonorarforderuiigeil der Aerzte genügen zu können. Das gleiche gilt hinsichtlich der Beschränkung de" den freiwillig Beigetretenen zu gewährenden Kassciileistungcn ans dci.� Kranlcii- geld«8 215 RÄC.1. 3. Die Ermächtig'.liig nach 8 370 RVC, ist nnr insoweit ans- zusprechen, als eine Kasse die Krankenpflege nicht in Natur zu leisten vermag. !. Bei Erteilung der Erinächtigüng sind in der Ziegel auch die im§ 370 Abs. 2 Ziffer 2—1 vorgesehenen Bestiinimiiigen zn irpscii. 5. Auf Zahnärzte bezieht siai 8 370 RVC. nickit(8 364 a. CA. Damit ist die Grundlage zur Anwendung des 8 370 in den von den Aerzten herbeigeführten Notfällen festgelegt. iiZtttcruugsübcrstcht vom 3. Tezember 1913. 1» 6!'.,liiinen läl 1. ■c I tSean ;s Ea Zwinemdc. 75",KSW Hamburg 7 0, WSW Berlin 7.', 7 W Franst. a.R 7«Ii München 7ti7 W Wien 7S4Ä ! Regen 7 bedcclt tl bedeckt 3 bedeckt 4 heiler J wolkig 8 10 10 11 Ctafioncn !»- £ es Tl *.= s? I m c. �■=.--i r* 1 c liscs« 1 ä. I Ifrf — Habaranda 7:!2 SW Petersburg 7>5 SW Scilln 77,8 SW Llbcrdcen 7:I9SSW Paris 76ö 5 2 roolfcul— S ? wov'ciil-3 6«völlig Ii 7 bedeck! 10 3 bedeckt i ZLettcrprogiiosc für Toniirrstag. de» J. Dezember 1913. Mild, jedoch vorwiegend Irübc mitRegensällen und starken südweslltchm Winden. Berliner W e l! e r b u r c a u. der iLaiicrttandS-Naeitrichten LandeZauitalt kör Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Nrttcrbnreuii Wasserstand M« m e l, Tilsit Brezel, Jnfterburg Weichsel. T Horn Oder, Ratibor Kroffen Frankiürt Warthe. Schniiun Landsberg Netze, Verdamm Elbe, Leilmeritz Dresden , Barbh Magdeburg Waffcrstaud Saale, chrochlltz Havel, �lumdaitst Siatbciivm'i. Spree, Svrrmberg) BeeStoio W c j c r, Münden Minden R b c i». WaximNanSau K.mb Köln Neckar, Heilbronu t M a> n. Hanau Mosel. Trier -> nulervcgel. au> sea 12. t. 12. nn TOü 62 17 120 87 IVO 270 1,-2 251 273 126 166 115 cm') +2 0 — 12 —I -s-o.I + 19 -11 +7 +3 -11 +2 -6