Ar. 321. flbonnementS'Bedingunstn: Iffionnetttcnla- Preis pränumerando: WertelMrl. L,Z0 SRI., inormll. 1,10 Mk, »ocheiUIiÄ 23 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S P-g. Sonntag?, nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post, Wonnemeill: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland i Mar! pro Monat. Postaboiinements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luremburg, Portugal. «mnänicn, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. kklchelnt laglld. Derlinev Volksblstt. Die InfcrtionS'Gcbüljr Betrögt für die scchsgcspalteuc Kolonek- zeilc oder deren Jiamu 60 Psg.. für poNrischc und gcwcrkicha'llichc Vereins, und Versamuiliinge-Anzeigen M Psg. Meine �nreigen", das feligedruckle Wort 20 Psg.(zulässig 2 fellgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Pig Stellengesuche und Schlasstellenaii, zeigen das erste Wort 10 P,g., jedes weitere Wort ü Psg. Worte über 16 Puch. siaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächsic Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Ervedition iit bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sdzialdcmohrat Rtrlia". OS/ Zcntralor�an der rozialdcmokrati fchen Parte» Deutfchlands. Redaktion: 8 Tl. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Sonnabend, den 3. Dezember 1013. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Natten und- hungern! Die Verhandlungen im Reichstage über die Arbeits losen-Jnterpellation der Sozialdemokraten bilden eine bezeichnende Fortsetzung der Auseinandersetzungen au den beiden Tagen vorher. Zeigen sie doch, daß dieselbe Gesell schast, die für den Militarismus unbegrenzte Lasten dem ar bettenden Volke auferlegt, vollständig versagt, wenn es gilt, auch nur die dringendsten der allgemein als berechtigt an- erkannten Forderungen der Arbeiter zu erfüllen. Daß es sich hier in der Tat um dringende und berechtigte Forderungen der Arbeiter handelt, mußten sowohl die Rc- gierungen als auch die Redner der großen Mehrheit des Reichstages zugeben. Genosse S i l b e r s ch m i d t begründete in sehr wirksamer Weite die Interpellation. Er legte ausführlich dar, wie notwendig die von uns verlangten Maßnahmen zur Hilfe für die arbeitslosen Arbeiter sind. Er führte eine Fülle von Tatsachen an, die unwiderleglich beweisen, daß das. was bisher für die arbeitslosen Arbeiter gcschclien ist, in keiner Weise genügt, und daß auch die Gemeinden allein nicht in dem nötigen Maße helfen können, sondern daß das Reich endlich eingreifen müsse. Der Vertreter des Reichskanzlers, der Staatssekretär im Reichsaint des Innern, Herr Dr. Delbrück, ließ es in seiner Antwort auf die Interpellation an schönen Worten nicht fehlen. Er gab ausdrücklich zu. daß sich auch das Reich um die Hilfe für die arbeitslosen Arbeiter kümmern müsse. Am liebsten hätte der Herr mit dieser allgemeinen und ganz unverbindlichen Redensart die sozialdemokratische Jnter- pellation abgetan. Das ging aber nicht. Die«ozialdemo- kraten hatten ja ausdrücklich nach den Maßnahmen gefragt, die der Reichskanzler zur Hilte für die arbeitslosen Arbeiter durchzuführen gedenkt, und insbesondere»vollten sie Wissel», ob der Reichskanzler dem Reichstage den Entwurf eines Arbeitslosenverückieruiigs» Gesetzes vorlegen werde. Ucberdies hatte Genosse Silberschmidt eingehend die einzelnen Forderungen für die arbeitslosen Arbeiter bt- fprochen. Er hatte verlangt, daß»vir die Grenzen für die Einfuhr billiger Lebensmittel öffnen, daß»vir unsere Arbeiter- schutzgesetzgebnilg besser ausbauen und daß»vir den von den freien Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei ge- wiesenen Weg zur Arbeitslosenversicherung beschreiten. Ueber die Arbeiterschutzsorderungen sprach der Staats- fekretär kein Wort. Trotz aller Mahnungen und A>»träge der Sozialdemokraten hat dieser Reichstag zur Verbesserung des gesetzlichen Arbeiterschutzes so gut»vis gar nichts geleistet. Diese Tatsache zeigt nur zu deutlich, wie es in Wahrheit»nit der Arbeitersreu»idlichkeit der Regierungen und der bürger- lichcn Parteien bestellt ist. Daher ist es begreiflich, daß der Staatssekretär es vorzog, über die Arbeiterschutzsorderungen mit Stillschiveigen hinwegzugehen. .Dagegen leistete der Herr sich de» Scherz, mit der ernstesten Miene von der Welt zu versichern, daß die„be- wahrte" Zollivucherwirtschaft auch den Arbeiter»» zum Nutzen gereicht— cr erntete damit ans der linken Seite des Hauses die»vohlverdiente Heiterkeit. ausführlich beschäftigte er sich aber mit der Arbeits- lchenversichernng, um alle. niöglicheii und unmöglichen Schwierigkeiten, die sich bei diesen» Unternehmen zeigen könnten, ii» den lebhaftesten Farben auszumalen. Ein Zuruf erinnerte den Herrn daran, daß»vir aus den» Gebiete der Arbeiterversicherung schon einige Erfahrungen hoben. Taraus antwortete Herr Delbrück, daß sich die Arbeitslosenversicherung in vielen wichtigen Punkren von den andern Versicherungen des Reicks unterscheide, und daß gerade aus diesem Grunde die Durchführung dieser Versicherung besonders schtvierig sei. ~ Allerdings kann kein verständiger Mensch die Unterschiede Übersehen. Aber nach den Erfahrungen mit den Arbeitervcr- sicherungen des Reichs und mit den Ärbeitslosenversicherungei» der Gewerkschaften sind die Schwierigkeiten leichter zu über- winden als seinerzeit die Schwierigkeiten bei der ersten Reichs- Versicherung, als noch jede Erfahrung aus diesem Gebiete fehlte. � Offenbar sind aber auch für den Staatssekretär jene Schwierigkeiten durchaus nicht entscheidend. Wichtiger ist viel»»ehr die Furcht, daß die freien Gewerkschaften durch die Arbeitslosenversicherung gestärkt»verden können. Tie Getveik- ichaften wollen den Arbeitern möglichst günstige Lolin- und Arbcttsbcdingungen erringen. Das ist ihr ganzes Verbrechen. Uin dieses Verbrechens willen sucht der Staatssekretär alles zu vermeiden, was irgendwie zu einer Stärkung der Gewerk- schaften führen könnte— selbst wenn dadurch Tausende von Arbeitern dein furchtbarsten Elend preisgegebeit werden. Eine schöne Auffassung von oer Aufgabe des Ministers für Arbeitslosenversicherung nicht tragen können. Im vorigen Jahre dagegen bei den gewaltigen neuen Ausgaben für das Militär, da hieß es: die Ausgaben müssen gedeckt werden: da gab es keine Rücksicht daraus, ob unser Wirtsckfaftsleben durch die Entziehung so großer Summen für unproduktive Zwecke nicht auch aufs schwerste geschädigt werde. Aber frei- lich! Bei der Arbeitloseiw/trsicher�ng handelt es sich ja nicht um schireidige Offiziere, sondern nur— um hungernde Arbeiter. So können die arbeitslosen Arbeiter, wenn es nach der Rede des Staatssekretärs koinmt, noch lange aus die Arbeits- loscnversicherung warten und— hungern. Auch von den bürgerlichen Parteien haben sie nichts zu erwarten. Tie meisten Abgeordneten hielten es gar nicht der Mühe»vert, den Verhandlungen beizulvohncn. Ter Redner des Zentrums, Abgeordneter G i e s b e r t s, der Nationalliberale Tr. O n a r ck(Coburg) und Abgeordneter W e i n h a u s e n von der Fortschrittlichen Volkspartei folgten dem Beispiele des Staatssekretärs, wobei sie allerdings niehr oder weniger freundliche Worte für die Arbeitslosenpersicherung hatten. Sie begnügten sich ebenfalls mit der Hofsnnng. daß vielleicht dereinsl einmal eine bessere Statistik vorliegen werde und die Schwierigkeiten durch Untersuchungen und Erwägungen verringert»verde»». Dann werde die Arbeitsloseiiversichernng kommen. Der Konservative Graf v. C a r m e r- Zicse»vitz und der Freikonservative Wer m u t h traten offen gegen die Arbeits- losenversicherung auf. Der erste befürchtete, daß nach Durch- sührung der Arbeitslosenversicherung noch mehr Arbeiter als bisher ans der liebevollen Behandlung der Junker entlaufen würden, m»d der andere Herr»viederholte all die geistreiche»» Einwände der„Arbcitgeber-Zcitung".— Tie Beratung wird heute fortgesetzt. Aber schon jetzt ist jeder Zweifel darüber geschwunden, daß es noch vieler Arbeit der aufgeklärten Arbeiter bedarf, uni die Arbeitslosenver- sicherung zu erringen.__ €in Mang oder ein Cnde? T 0 n a u e s ch i u g c n, 5. Dezember.(W. D. B.) Sc. Majestät hatten für heule vormittag den Reichs- kanzlcr, den Statthalter und dcu Koiiimandicrenden General v. Deimling nach Donaucschingen befohlen, nm weitere Vorträge über die bekannten Borgänge in Zaber» eiitgcgcnzunchmen. Se. Majestät haben darauf zn bestimmen gcrnht, daß die Garnison von Zaber» bis ans weiteres nach dem Trupp eAnbungSplatz verlegt wird. Die schwebenden kriegsgerichtliche» Bcrsahrcn werden mit Beschleunigung zu Ende geführt. Ter Reichskanzler hatte jämmerlich versagt. Ter K r i e g S m i n i st e r hatte die brutalen Willkürakte der Militärmacht herausfordernd verteidigt. Der Sieg der Col- dateSka über Recht und Gesetz»var vollstäitdig. Da griff der Reichstag ein und»nit übertvältigender Mehrheit sprach er als Vertretung des empörten und entrüsteten Volkes der erbärinlichen Haltung der Regierung das vernichtende Urteil. Und vor diesen: Urteil, vor dem anfflammenden Zorn der Massen sind die übermütigen Militaristen nun doch zurück- gelvichen. Einen kleinen Schritt»mr, aber doch einen Schritt rückwärts! Oberster Hüter und Wächter der Verfassung zu sein, ist erste Pflicht des Reichskanzlers. Doch untätig und schwachmütig hat er zugesehen,»vie Recht und Gesetz unter sporenklirrende Füße getreten wurden. Er hat das herausfordernde Pronunziamento des überniütigen Reaktionärs, der als Kriegsminister fungiert, nicht nur geduldet, er hat sich mit dem Verteidiger niili- taristischer Selbstherrlichkeit»»och solidarisch erklärt. Der Kanzler hat seine Pflicht verletzt, er hat versäumt, was seines Amtes ist, er ist im Angesicht des stanncnden Auslandes, an- gesichts des empörten Deutschlands vor der triumphierenden Militärmacht in den Staub gesunken. Er hat versagt, Ivo er nicht versagen durfte, er hat sich selbst erledigt. An seine Stelle trat der Reichstag. Er erfüllte die Pflicht, die deiil Kanzler oblag, rief nach Donaueschingen hinüber, was zur sagen des Kanzlers Aufgabe»var. Er und die Regie- rung nicht wahrte Recht und Gesetz. Ter Reichstag und nicht der Kanzler wies die Gesetzlosigkeit des Militarismus zurück. Ter Reichstag und nicht der Kanzler gab dem verzweifelnden Elsaß-Lothringen das Selbitvertranen»vieder. Ter Reichstag und nicht der Kanzler rettete in diesem Momente die niedergetretene Würde des deutschen Volkes. Ter Reichs- tag und»ncht der Kanzler erzwang das erste Zurückweichen der Militärmacht. Es ist ein moralischer Sieg des Parlaments über die Bureaukratie, ein bedeutungsvoller Schritt auf einem zukunftsreichen Wege. Aber mich nur ein Schritt vorwärts, dem andere folgen müssen, soll er seine Bedeutung bewahren. Ter Militarismus bat durch die feste Haltung des Reichs- tags eine Schlappe erlitten. Aber nur aus einem kleinen Vorhntsgefecht hat er seine Vorposten zurückgezogen. Tie Hauptniacht ist unerschüttert. Das ruhinbedeckte Regiment lvird endlich Zabern verlassen, der Leutnant v. F 0 r st n e r wird zur Rechenschaft gezogen»verden und der Oberst Sozialpolitik! Aber glaubt denn der Herr tvirklich, daß er Reutter ist kaltgestellt. Es siitd Selbstverständlichkeiten, mit dieser verineintlich so guten Gesinnung jene Gefahr, die die.»venu sie sofort bei Ausbruch des Konfliktes erfolgt wären, Stärkung der Gewerkschaften, vermeidet? Das Gegenteil vielleicht ausgereicht hätten. Heute koinineit sie z u s p ä t und tritt ein. Je mehr die Arbeiter in ihrer Hoffnung auf die sind völlig ungenügend. Tie Forstners und Reutters L. Zum Äub)-in-r R-d- ivielt! d-r St-atsl-rr-tärno» s-w-n s™r 3*'tra? 7>-"" Sauvttrumpf aus. mit dem er denn auch das Spiel— �bern hatten nicht so lange ihr Mutchen an den unglücklichen wenigstens bei den Unternehmern— sicher gewinnt: er per- Bewohnern kühlen können, wenn das Generalkommando in sicherte, daß vorläufig die Unternehmer die Kosten der Straßburg ihnen nicht, entgegen den so sehr berechtigten An- sprüchen der elsässischen Regierung, seine mächtige Unter- stützung gewährt hätte. Was geschieht mit dem Herr»» v. Deimling? Darauf erhalten wir keine Antwort. lind noch»veniger ans die andere, bedeutungsvollere Frage, ob trotz des Spruches des Reichstages die Herren v. B e t h in a 11 n und F a l k c n h a y n noch länger ein Amt versehen sollen, zu dem sie sich in schicksalssch>verer Stunde so völlig unfähig crtviesen haben. Diese Antwort kann freilich nicht aus Tonaueschingen kommen, die kann nur der Reichstag selbst geben. Herr v. Bethmann freilich scheint zum Bleiben entschlossen, und schon beginnt die Stimmungsmache, um alles als unglückliches Mißverständnis erscheinen zu lassen. Aus dein Reichskanzler- amt geht eine sonderbare Meldung in die Welt, die behauptet, der Kanzler sei»vegen Indisposition nicht in der Lage ge- tvesen, im Reichstage»nitznteilen,»velche Maßnahmen der Kaiser veranlaßt habe, nm den Konflikt ii» Zabern beizulegen. Schon seit drei Tagen liege die Kabinettsorder über die Ver- legnitg des Regiments Str. 99 von Zabern nach dem Truppen- Übungsplätze vor. Alich sei in einem Schreiben. an den Reichs- kanzler Aniveisiing ergangen, daß eine sorgfältige Unter- suchung nach allen Richtiingei» hin durchgeführt»verden müsse. Dnrch die Kommandierung des Generalmajors Kühn sei bereits Oberst Reutter kaltgestellt»vorden und eine Ver- schling des Leutnants von Forstner werde erfolgen. Tie offiziöse Mitteilung über die Maßnahmen, die iin Falle Zabern getroffen»verden sollen, werde vorbereitet. Sonderbar! Von einer Indisposition, iveiiigstens von einer physischen, haben»vir nichts bemerkt, und � eine psychische wäre vielleicht eine Erklärung, aber keine Entschuldigung des Auftretens des Kanzlers und»viik- lich noch tveniger eine Rechtfertigung seines Bleiben?. In» übrigen aber läßt diese Tarstellung die Hal- tiing der Regierung nur noch schlimmer, noch unvcrantivort- lichcr erscheinen. Ist sie»vahr, so sagt sie nichts anderes, als daß der Kanzler gegen die eingerissene Anarchie noch»v e n i g e r sagen und tun wollte, als es selbst Wilhelm II. und dein Militär- k a b i n e t t nötig schien. Dann»var Herr v. Bethniann Hollweg noch militaristischer als die Militaristen, dann zog er es vor, mit dem Kriegsininister die Gesetzlosigkeit zu recht- fertige», nur uin es sich mit der mächtigen militärischen Kamarilla nicht zu verderben. Konnte man bisher annehmen, der Kanzler habe gegen bessere Ueberzeugung ans Ohnmacht und unter dem Zwang der militärischen Machthaber alles preisgegeben,»vas zu»Vahren seine verdannnte Pflicht und Schuldigkeit gewesen tväre, so müßte man jetzt glauben, er habe ans freiem Entschluß der Militärmacht die Versassimg preisgegeben. Dann i st ein W e i t e r v e r h a 11 d e l n mit diesen» Reichskanzler für den Reichstag e r st recht n n ni ö g I i ch. Es ist auf jeden Fall unmöglich! Ein Nachgeben des Reichstages gäbe alles ans,»vas eben errungen ist. Tie Ueber- macht der regierenden Ueberinacht über die Bureaukratie bliebe erhalten und der militaristische Uebermut erhöbe rasch aufs neue sein Haupt. Deshalb muß der Reichstag ganze Ar» b e i t machen und Garantien schassen, die ein für allemal das Entstehen solcher Vorgänge unmöglich machen. Es ist unerträglich, daß die Zivilgewalt ohnmächtig zusehen muß, iveiin es dem Militarismus gefällt, sich über Gesetz und Recht himvegzusetzen. Die verfassungsmäßige Verantlsortung des Reichskanzlers muß sich auch auf die Akte der obersten Kommandogewalt erstrecken, der Absolutismus des Militär- kabinetts gebrochen, die Unterordnung der Militärmacht unter den Willen der Volksvertretung stabilisiert.werden. Das Verbleiben Bethmann Hollwegs ist keine Personenfrage, sie ist eine Verfassungsfrage geworden, die der Reichstag durchfechten muß. Wird er das tun? Das hängt von den bürger- lichen Parteien ab. Sie haben bisher alle Anmaßungen des Militarismus, von denen Zabern nur ein Symptom gewesen ist, geduldet. Sie sind uns stets entgegengetreten, wenn wir die Temokratifienlng der Heeresverfassung als unerläßliche Vorbedingung jeden politischen Fortschritts gefordert haben. Sie haben uns im Stich gelassen, wenn wir den Ausbau der Verfassung gefordert haben. Jetzt haben si'e die Folgen ge sehen. Aber ob diese Lehre ausreicht? Ihre Verantwortung ist groß. Bleiben sie fest, so bedeutet der Erfolg, den der Reichstag errungen hat, einen verheißungsvollen Anfang. Ist ihre Energie erschöpft, erfaßt sie wieder die Angst vor der eigenen Courage, so ist ein faules Kompromiß das traurige Ende. Für uns aber, denen sie nichts Neues mehr sagen konnte, ist sie die Aussorderung, den Kampf, der die letzten Tage erfüllt.hat, fortzuführen, zusammen mit den bürger- lichen Parteien, wenn sie noch kämpfen wollen, allein, wenn es sein muß, gestützt aus die immer ra'cher wachsende Macht und Erkentnis der arbeitenden Massen. ZunMilstitiii' oder Volksherrlchaft? Tie offiziösen Meldungen über das Ergebnis der Konferenz in Tonaueschingen sind ja sehr turz. Es wird nur mitgeteilt, daß das Zaberner Regiment einstweilen verlegt und die militärischen Unter- suchungcn beschleunigt werden sollen. Das ist eine mehr all s dürftige Nachricht. Das ist die Ankündigung von Maßnahme», die schon l ä n g st hätten erfolgen müssen! Und trotz- dem: die Junker sind förmlich aus dem Häuschen geraten ob dieser Hiobspost. Ein Spiegelbild ihres Seelenzustandcs und das hallendste Echo ihrer Wünsche sind die Aeußerungen der„Deut- schen Tägeszeitun g". Schon am Tonnerstag, nach der An- nähme der Mißtrauenskundgebung für die Politik der Regierung, schwante dem Junkerblatt, daß die Sache vielleicht doch schief gehen könnte. Deshalb trompetete es in Sperr- und Fettdruck in der FrcitagsMorgennuinmer folgende Kriegserklärung hinaus: „Die Vorgänge in Zabern würden nur dann Anlaß zu dauernder und tiefer Erregung bieten, wenn der Kanzler den von ihm und dem Kriegsminister vorgestern und gestern cingenom- menen Standpunkt etwa ausgeben wollte. Wenn er aller- dings sich entschließen sollte, zurückzuweichen und geivisse, über das Maß hinausgehende Zugeständnisse zu machen, dann würde die Lage nicht nur für ihn, sondern für das deutsche Heer und das Deutsche Reich tiefernst, bitter ernst werde n!"- In ihrer Abendausgabe vom Freilag wird die„Deutsche Tages- zeiiung" bei weitem deutlicher. Sie schreit Zetcr und Mordio über die mit Vorliebe von der Linken(!) getriebene„Minister- stürzerei". Ter Rechten sei es niemals eingefallen, die Er- wählten des kaiserlichen Vertrauens stürzen zu wollen! Ein wahr- hast burlesker Schwindelversuch! Gewiß haben es die Herren Junker bisher meist verstanden, ihre Schlingen hinter den Kulissen zu legen und im Geheimen ihre Minen springen zu lassen. Der Einfluß der„kleinen, aber mächtigen Partei" der agrarischen Schreier und Terroristen gründete sich in der Hauptsache auf ihren persönlichen Einfluß auf den Träger der Krone, aus ihre geheimen Machenschasten, ihre persönlichen Einflüsterungsoersuche, ihr unter? irdisches Intrigantentum. Aber wenn den Junkern diese sauberen Manöver ausnahmsweise einmal nicht gelangen, so trug inail auch irsths die geringsten Bedenken, durch politische Brüskierungen ver- baßtc Politiker unmöglich zu machen. Tic Abhalfterung Bülows ist noch in guter Erinnerung. Alle Liebedienerei vor den Junkern, all das SichhinmlsspiJeir auf den agrarische n Kanzler, nützte dem Vater der Blockpaarung nichts. Als sich die erste Gele- gcnheit bot, wurde der Verhaßte mit Hilfe des Zentrums zur Strecke gebracht. Und diese Junkersippc spielt sich jetzt als polt- tischcr Klub der Harmlosen ans, dem es noch nie in den Sinn gekommen sei, einen mißliebigen Erwählten des Kaisers in den Crlus zu stoßen! � Aber diese widerliche Heuchelei paart sich doch erfreulicherweise mit einer Dosis Offenherzigkeit, wie wir sie uns schöner gar nicht wünschen können. Spielt sich Herr Ocrtel auch in seinem ilcuestcn Artikel geradezu auf den fanatischen Verherrlicher des Absolutismus hinaus, so hat er doch„eine Sorge": „Nur die eine Sorge haben sie, daß man sich zu einem Rück- M»!ic in irgendwelcher Form entschließen könnte, der keine andere Hedewtnng haben wüvde, als die Unterwerfung unter die picht Verfassung sin äßige Gewalt des llicichs- tag es. Ein solcher Rückzug würde unter allen Umständen ge- eignet sein, die Stellung der Monarchie im Reiche zu sch wachen und die Disziplin im Heere zu er- sich ü t t e r n." Tie Pc»abschiedung des Kanzlers unterstehe allein dein Kaiser, und jedwede Einwirkung auf diesen sei mit dem Geiste der Ver- fassnng unvereinbar. Wolle der Kaiser dein Kanzler fernerhin sein Vertrauen schenken, so habe man kein Recht und keine Ver- anlassung, dreinzureden. Aber dann legt der Ehefrcdakteur der „Deutschen Tageszeitung" nicht nur gegen den Kanzler des kaiscr- lichen Vertrauens los, sondern auch gegen den Kaiser s e l b st: „Das eine Bedenken muß aber vom Standpunkte der monarchischen Staatsausfassung mit aller Entschiedenheit und Deutlichkeit geäußert werden: entschließt man sich in diesem Falle, dem Mehrheitsbeschlüsse des Reichstages in irgendeiner Form nachzugeben, so wird der Reichstag ohne Zweifel in Zukunft von diesem Mittel immer mehr Gebrauch machen, und das könnte der Anfang vom Ende der verfassungsmäßigen Stellung und Gewalt der Krone sein." Tic Junker als Vormund der Krone, welch kostbares Bild! Natürlich veranlaßt sie ntir ihre„Königstreuc bis auf die Knochen", sich des möglicherweise übelberatenen Kaisers durch solch schreienden Sperr- und Fettdruck anzunehmen. Ein kreischender Widerspruch bei alledem! Wenn der Kaiser wirklich die durch ihre Erleuchtung von„Gottes Gnaden" so souveräne und unfehlbare Stelle ist, als Welche sie von dem Junkcrblatt hingestellt wird, so sollte Herr Ocrtel es ihr doch auch f r e u n d l i ch st allein überlassen, wie sie zu entscheiden beliebt. Aber nein! Sobald irgendein Anzeichen daraus hindeutet, daß ein Entschluß des Trägers der Krone nickst s o aussallen könnte, wie die Inn k e r, natürlich „in Ehrfurcht ersterbend", befehlen, so muß sich das führende Junkcrblatt mit einem Aufwand von Druckerschwärze und sitt- lieber Entrüstung ins Zeug legen, der die junkerliche Doktrin des Absolutismus und die Theorie des Gottcsgnadentums noch viel mehr diskreditiert, als alle demokratischen Einwände. Die durch Spxrrdruck mahncnden und durch Fettdruck drohenden Warnungen und Beschwörungen der junkerlichen Vor- inünder der Krone beweisen allzu deutlich, daß den innersten Kern aller junkerlichen Verherrlichung des Absolutismus doch das weift Sprüchlein bildet: lind der König absolut, Wenn er u n s den Willen tut. Wir sind unendlich weit davon entfernt, die offiziöse Meldung über den kaiserlichen Entscheid irgendwie überschätzen zu wollen. Sollte es jetzt wirklich aus Donaueschingen anders schallen, als das Echo des KriegsministerS am Mittwoch erwarten ließ, so würden wir das wahrhaftig nicht als eine solide Bürgschaft für die Zu- tun st betrachten. Dic� einzige Garantie gegen Exzesse des militaristischen oder sonstigen Absolutismus bietet die Schaffung wahrhaft verfassungsmäßiger, demokratischer Zustände im Reiche! Solche Zustände schaffen zu helfen, ist die ernste und dringendste Aufgabe der sozialdemokratischen Partei. Erst dann wird sich zeigen, ob politisch erhebliche Elemente des Bürgertums bereit sind>' an dieser, schon so lange unausweichlichen und bisher immer noch unter den feigsten Vorwänden verschobenen Fortent- Wickelung unseres Verfassungswcsens ernstlich mitzuarbeiten. Sollte sich dann herausstellen, daß das rhetorische Pathos und der so wortreich beteuerte Bürgerstolz vor Königsthronen sich wieder einmal scheu in die eigene Armseligkeit zurückzieht, sobald es ernst wird, so wäre das für die arbeitende Klaffe nur ein um so k r ä s- t i g e r e r Ansporn, das Werk der Demokratisierung Deutschlands mit um so leiden schaftli/chcrer Tatkraft in Angriff zu nehmen! Kurze Beratung. Ter Kanzler kam Freitag um 1l Uhr 20 Minuten in Tonaueschingen an. Ter Kaiser fuhr bereits um 2 llhr wieder nach Stuttgart, wo verschiedene Feste gefeiert wurden. In noch nicht zwei Stunden war also die immerhin nicht unwichtige Angelegenheit erledigt. Die Abstimmung über das Mißtrauensvotum. Gegen das Mißtrauensvotum in der Zaberner Angelegenheit stimmten die K o n s e r v a t i v e n: Arnstadt, v. Bieberstein, v. Böhlen- dorff-Kölpin, Bohtz, v. Bolko, v. Bredcrlow, v. Brockhausen, Graf v. Carmer, Dietrich, Frompter, v. Graefe, Goltschalk, Dr. v. Heyde- brand, Hoesch, Hollschke, Krahmer, Malkewitz, v. Massow, Meyer sKreuzburgj, Nebbel, Nieder löhner, Dr. Oertel, Reckte zurua. Die Sparschraube im Eisenbahnbetrieb. Die herrschende Wirtschaftskrise hat zu einem erheblichen Rück- gang des Eisenbahnverkehrs geführt. Das hat die preußische Eisen- bahnverwaltung bewogen, die Sparschraube mehr als bisher anzuziehen. In einer von der Eisenbahndirektion Frankfurt an die Dienststellen ergangenen Verfügung wird unter Hinweis auf den eingetretenen Verkehrsrückgang, auf die bereits er- folgte Verminderung der Zahl der Güterzüge und teilweise Um- Wandlung sonst regelmäßig verkehrender Züge in sogen. Bedarfszüge, die Erwartung ausgesprochen, daß nun auch die K o p f z i f f e r(d. h. die Arbeitskräfte) aus dem gleichen Grunde zurückgeben. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Beamte im unteren Bahnhofs- und Ab- fertigungs- sowie im Lokomotiv- und Zugdienst und um Betriebs- arbeiter. Um jeglichem unwirtschaftlichen Personalvcrbrauch vorzu- beugen, werden Neueinstellungen von Arbeitskräften untersagt. Sollte fich an einer Stelle eine Vermehrung von Arbeitskrästen nötig machen, so ist in dem Antrag gleichzeitig anzugeben, an welcher Stelle gleichartige Arbeitskräfte erspart werden können. Keines- falls darf für einen in den Betriebsdienst zu übernehmenden Strecken- oder Werkstattarbeiter ohne vorherige Genehmigung der Eisenbahndirektion Ersatz eingestellt werden. Auch die durch natürlichen Abgang freiwerdcndcn Stellen dürfen nicht durch Neu- einstellungen, sondern nur aus vorhandenem Personal ergänzt werden. Sofern sich an irgendeiner Stelle Arbeitskräfte oder auch nur Tagewerke ersparen lassen, sind diese alsbald zurück- zuziehen. Die überzähligen Kräfte sind möglichst an Stellen unterzubringen, bei denen infolge natürlichen Abganges Bedarf eintritt. Lassen sie sich aus diese Weise nicht unterbringen, s o werden durch die ArbeiterauSgleichs stelle Ver- schieb» n gen nach anderen Orten vorgenommen. Betriebsarbeiter werden in die Rotte gesteckt, Hilfsheizer in die Werk- statt usw. Die Amtsvorstände und die Stellenvorsieher lind strikte angewiesen, der Durchführung dieser Anweisung Folge zu leisten. Die Verschiebung der Arbeiter hat natürlich stets eine erheb- lichc Benachteiligung der Arbeiter im Gefolge: der Lohn ist in der Regel geringer und Stellenzulagen kommen in Wegfall, während oftmals erhöhte Ausgaben erwachsen. Neueinstellungen beim Streckenpersonal, die sich bei regelmäßigen Betriebsverhältniffen in dieser Jahreszeit nötig machen, werden demnach in diesem Winter nicht erfolgen. ES sind sogar Entlassungen nicht aus- geschlossen. Breslauer Jahrhundertfeier-Itreiche. Ter BreSlaucr Magistrat erlangte seinerzeit nur dadurch die Zustimmung der sozialdemokratischen Stadtverordneten und damit die Mehrheit für den Bau der großen Jahrhundertfesthalle, daß Oberbürgermeister Dr. Bender Iviederholt in öffentlicher Sitzung erklärte, die Halle werde allen Bürgern, auch den Sozial- demokratcn für ihre Veranstaltungen zur Verfügung stehen. In- zwischen hat Dr. Bender sein Amt niedergelegt und Herr Dr- Matting aus Charlottenburg ist Oberbürgermeister von Breslau geworden. Diesem Herrn ging von Charlottenburg her der beste Ruf voraus. Seine liberale Gesinnung sollte über allen Zweifel erhaben sein, so daß unsere Breslauer Genossen keine Bedenken trugen, ihm bei der Wahl des Oberbürgermeisters auch ihre Stimmen zu geben. In Breslau angekommen, entwickelte jedoch der Herr recht bald einen sehr sonderbaren„Liberalismus". Während der Jahrhnndert-Ausstellung gefiel er sich wiederholt in den ärgsten körperlichen und oratorischen Verrenkungen vor den höfischen Kreisen. Auch die Unterdrückung deS Hauptmann-FestspielS war sein Werk. Nun hat der Arbritcr-Sängerbund die Genehmigung zur Ab- hallung eines schlesisdien Arbeiter-Sängerfestes in der Halle nach- gesucht, das zu Pfingsten 1914 stattfinden soll. Der VerwaltungS« auSschuß der Halle hatte sich für die Ueberlassung der Halle ent- schieden, aber der Oberbürgermeister drückte im Magistrat einen Antrag durch, wonach die Halle für Veranstaltungen von politischen Parteien und den einer Partei nahestehenden sonstigen Vereinen nicht zur Verfügung stehen sollte. Diese slaatserhaltende Handlung hat i.r der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag mit einer großen Blamage für den „liberalen" Oberbürgermeister geendet. Der liberale Berichterstatter, Justizrat Feige, beantragte kurzweg die Ablehnung der Vorlage. Ferner traten Genosse L ö b e und der freisinnige Justizrat Heil- berg in längeren Ausführungen dem reaktionären Anschlag ent- gegen. Obwohl Matting über eine Stunde lang seinen Antrag ver- teidigte. mußte er am Schluß sehen, daß er nur etwa ein Dutzend der Stadtverordneten aus seiner Seite hatte. Es wurde beschlossen, daß die Halle allen politischen Parteien zur Verfügung stehen soll. Noch ein Schlag traf Herrn Matting am gleichen Tage. Wieder- holt haben die sozialdeniokratischen Stadtverordneten Klage geführt über die Behandlung städtischer Arbeiter durch den Hafendirektor M e u s e r. Auch die„VolkSwacht" nahm sich der Klagen der Ar- beiter an. Anstatt Besserungen zu schaffen, stellte Matting Straf- antrag gegen die„Volkswacht". Der angeklagte Redakteur wurde indessen kostenlos freigesprochen, da die Angaben des Artikels als wahr erwiesen wurden._ Wie sich Lima» selbst manlschelliert. So ziemlich das stärkste, was alldeutsche Großmäuler an politi- scher Charakterfestigkeit bereits geleistet haben, offenbarten in ihren Nummern vom 2. und 4. Dezember, also innerhalb von 72 Stunden, die Limanschen„Leipziger Neuesten Nachrichten", das L-iborgan des deutschen Thronfolgers. Lassen wir dies Organ un« entwcgter alltculschcr Gesinnung mit eigenen Worten sprechen. 1. Nr. 333 vom Dienstag, 2. Dezember. (Der Leitartikel ist grollend überschrieben„D e r Skandal von Zaber n". „Der verhaftete Staatsanwalt, der arretierte Landgerichlsrat, der brave Feuerwehrmann Lcvi. der„Deutschland, Tcuts-dland über alle.' fingt und eingesperrt wird, sind nickt mehr humoristische Figuren, tondcrn lebendige Proteste gegen einen Verhängnis- vollen Irrtum. Sie werden im Reichstag erscheinen und Herr v. Falkenhayn ivird diese Schatten hinter Banquo« Stuhl nur mit Muhe beschwören. Der Fehlgriff wird seine Sühne finden, das ist sicher. Aber er tritt loeit zurück in den Hinter- grund vor dem lastenden Gewicht, das dieses Schauspiel von gaben, auf unsere Zukunft wälzt. Ein rechtsstehendes Blatt meinte jüngst, daß in den Reichslanden alle«, ver- ludert" fei. Ein harter Ausdruck, aber wer kann Widerspruch erhebend--- �a.? Bild sieht freilich anders aus als jene wunderschönen Gemälde, die man sonst zu malen pflegte, wenn der Kaiser ins Land kam, damals etwa, als man ihm die Höh- köniasbura schenkte, wenn die Glocken läuleten. die Bauern und Bäuerinnen sich �um Spalier aufstellten, Fahnen wehten und Transparente leuchteten. Diese Kulissen sind jetzt durchlöchert, man sieht die Wahrheit dahinter, diese jammervolle, häßliche Wahrheit, dies« Betätigung alle» dessen, was die nationale Presse seit Jahren täglich schrieb." 2. Nr. 335 von, Donnerstag. 4. Dezember. (Der Leitartikel ist zart' überschrieben„Die Vorfälle in Zabern.") -Herr v Fallenhayn sprach von„l ä p p i s ch e n G e s ch i ch t e n aus der Kaserne". Und Hand auss Herz: sind diese G«- schichten von dem kleinen Leutnant, dessen Namen jetzt durch olle Weltteile fliegt, nicht wirklich läppisch? Und ist eS nicht � niindestens ebenso läppisch, wenn der Reichstag, dieser wunder- liche Reichstag lärmend gegen den Satz protestiert, daß auch die Armee ein Teil des Volkes sei und daß ihr Recht gleich jedem Volksrecht geschützt werden muffe, oder gegen den Satz, daß die Autorität, die Disziplin, das Ehr- gefühl zu den Lebensbedingungen gehören?... Ein häß- jicher, kein großer Tag. Ein Festtag der Demagogie, und ein zweiter und dritter Tag wird folgen, und man wird dem Kanzler ein Mißtrauensvotum geben mit der Mehrheit, die dem Reickslande die Verfassung schenkte, und demselben Kanzler, der sie schuf. Auch eine Ironie der Weltgeschichte, ein Treppen- witz von ganz besonderer Art." sNämlich dieser Gesinnungsumschwung des belfernden BlatteS. D. Red.) Der famose Harden-Zeuge Lim an hat sich noch„fort- entwickelt". Brachte er es bisher schon fertig, für.den robusten Intellekt der Oertel-Leser das Gegenteil von dem zu schreiben, was er zu gleicher Zeit anderweitig publizierte, so ist es ihm jetzt bereits gelungen, sich in seinem eigenen Blatte innerhalb 72 Stunden kräftig zu maulschellierenl_ Agrarischer Boykott gegen den Militärfistus. Der landwirtschaftliche Kreisverein zu L i e g n i tz will die Landwirtschaflskammer dazu veranlassen, daß sie bei den zuständigen Regierungsstellen um„zeitgemäßere" Bezahlung für Manövervorspanndienste eintritt. �Sollte die Regierung die agrarischen Wünsche unberücksichtigt laffen, dann könne es, wie ein einstimmig angenommener Antrag des landwirtschaft- lichen Vereins Liegnitz heißt, keinem Landwirt mehr ver- dacht werden, wenn er die Stellung von Vorspannen zur Manöverzeit ablehne. Das bedeutet weiter nichts, als eine glatte Bohkottierung des Militärfiskus. Da die Regierung aber immer ein williges Ohr für agrarische Wünsche hat, wird es aller Voraussicht nach nicht zu einem Steil kommen. Reichölagskandidatur. Für die Ersatzwahl im Kreise Rosenberg-Löbau wollen die bürgerlichen Parteien den Landrat v. Brünneck als deutschen Sammelkandidaten gegen die Polen aufstellen. Landrat v. Brünneck will sich im Falle seiner Wahl der Reichspartei anschließen. Die dieser Partei angehörigen Landräte Dr. Hegenscheidt und Halem können ja nun ihren Kollegen am besten unterweisen, wie man reichsparteiliche Wahlsiege zurechtmacht. Aus Ostelbien. Die„Jnsterburger Allgemeine Zeitung" berichtet ein niedliches Geschichtche» von einem Gemeindevorsteher im Landkreise Jnster- bürg, der in diesen Tagen vom Briefträger seines Bezirks das NamenSvcrzeichnis der Zeitungs-Postabonnenten verlangte. Als das agrarische Gemeindeoberhaupt mit seinem Ansinnen beim Briefträger abgeblitzt war, ging er weiter. Doch lassen wir die Jnsterburger Zeitung selbst reden:„Wenige Stunden hiernach erschien derselbe Gemeiudevorsteher bei dem Postagcnten seines Bezirks mit dem- selben Ersuchen. Doch auch der Postagent lehnte es strikte ab, ihm die verlangte Auskunft zu geben. Er ließ dabei wissen, daß sich bereits jener Briefträger über das Lorgehen des Gemeindevorstehers beschwert habe. Darauf gab der Gemeindevorsteher seinem Unwillen Ausdruck durch die drastischen Warle.:„Nanu, ich bin als Gemeinde- vorstand vom Landratsamt beauftragt, diese Er- Mittelungen durch die Briefträger zu machen und einzusenden!" Das Blatt versichert, die Mitteilung sei ihm von durchaus glaub- würdiger und zuverlässiger Seite zugegangen. Die franzöfiPehe JVKmftcrknfe. Paris, 5. Dezember. R i b o t erklärte dem Präsidenten Poiilcar�, dasi er es unter, den gegenwärtigen Umständen ablehne, die Bildung des.st a b i n e t t s zu übernehmen. Tarauf hat Poincar� Jean D u p u y mit der Kabinetts- bildung beauftragt. Dieser antwortet,, er werde versuchen, ein Kabinett d e r L i n k e n zur Einigung der Republikaner zu bilden. k�ulUand. Zum Protest gegen die russischen Gefänguisgrcuel. Der Aufruf für die politischen Gefangenen Rußlands, der am 25. November in den Zeitungen Westeuropas und Amerikas erschien, hat einen starken Widerhall in Nußland gefunden. Allerdings haben nur die beiden Petersburger Arbeiterblätter. den Mut gehabt, den Aufruf unverkürzt zu veröffentlichen— wofür sie, nebenbei bemerkt, konfisziert und zur gerichtlichen Beraniwortung gezogen wurden—, indessen sind in den meisten Blättern Auszüge auS dem Aufruf und telegraphische Meldungen auS allen Haupt- städten Europas wiedergegeben worden, die den Protest deS europäischen Kulturgewissens gegen die Schmach der russischen Ge- fängnisgreuel eindrucksvoll zur Geltung gebracht haben. In den Petersburger Regierungskreisen ist man, wie ein gut unterrichtetes Blatt meldet, über diese Einmischung deS Buslandes empört. Aber die Anklage gegen die russische Hinkerwirtschaft ist in dem Protest so eingehend begründet, seine Ausführungen sind so unanfechtbar, daß daS Gefängnisreffort, das sonst schnell mit Dementis bei der Hand ist, den Mut nicht findet, gegen die angebliche.Einmischung" öffentlich aufzutreten. Ganz abgesehen von dieser Wirkung deS europäischen Protestes dürste der Zusammenschluß der angesehensten Vertreter der Kultut- weit auch auf die Haltung der russischen liberalen Gesellschaft einen günstigen Einfluß ausübe». Mit Recht geißelt das bedeutendste Blair Südrußlands, die demokratische„KijewSkaja MySl", die ver- brecherische Gleichgülrigkeit des russischen Liberalismus gegenüber den in den Kerkern und Eiswüsten begrabenen Kämpfern der russischen Freiheit.„Die besten Männer und Frauen Europas— schreibt das Blatt— die Freunde der Gerechtigkeit»nd Menschlichkeit haben ihre Stimme erhoben zum Protest gegen die politische Massendeportation in Rußland. Sie schenken den beruhigenden Mitteilungen der den russischen Ministerien nahestehenden Zeitungen, das in Rußland fast das goldene Jahrhundert der politischen Freiheit und der persönlichen Unantastbar- keit eingetreten sei, keinen Glauben. Sie laffen sich durch KokowzewS Erliärung, die Gerüchte über Massenvcrschickungen seien stark übertrieben, nicht beschwichtigen. Sie wissen, daß seit dem Oktober 1905 über 40 000 Personen wegen politischer Vergehen in Rußland ver- urteilt worden sind, von denen über 3000 hingerichtet, über 10000 in den Toienhäusern der„Katorga" eingekerkert wurden. Sie wissen, daß auch beule die Gefängnisse, die„Katorga" und die VerbannungSorte überfüllt sind. Sie stellen sich zur Aufgabe, die Tatsachen zu sammeln und zu veröffeittlichcn, die allen Freunden der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, ohne Unterschied der Partei, ein gesichertes Urteil über diese grauenvollen Zustände ermöglichen. Sie können es nicht länger mit ansehen, daß irgendwo in der Ferne politische Gefangene in den Kerkern und in der Verbannung schmachten. Bei uns aber hat man sich mit diesen Zuständen ausgesöhnt. Die politischen Freunde der ungeheueren Mehrheit der Unterzeichner des ausländischen Protestes schweigen und laffen sich durch die„Exzesse" der Verbau- nung und der Katorga, die für sie zu Alltagserscheinungen gewor- den sind, nicht aus ihrer Ruhe stören... Unsere liberale Oppo- sition, die von den Oktobristen weit nach links abgerückt ist, tritt nur in seltenen Fällen aus ihrer Gleichgültigkeit gegenüber den Greueln der politischen Deportation hervor. Die ungeheuere Mehr- heit der diesbezüglichen Interpellationen ist nicht auf die Initiative der Liberalen in der Duma eingebracht worden. Die mehrfach eingebrachte Interpellation über das Schicksal der verurteilten Ab- geordneten der zweiten Duma hätte vielleicht zu anderen Ergeb- nisten geführt, wenn sie von den liberalen Kreisen innerhalb und außerhalb der Duma energischer unterstützt worden wäre. Die zahlreichen Beweise der„Exzesse", die die Ausländer zum Protest veranlassen, bleiben bei uns gleichsam unbeachtet. Die Selbst- morde in den Gefängnissen, das Hungerdasein und daS Elend in der Verbannung und noch viele ähnliche Tatsachen werden durch die Gleichgültigkeit der Gesellschaft erstickt und mit düsterem Still- schweigen übergangen. Der ausländische Protest— fährt das Kiewer Blatt fort—- muh eine glühende Scham in uns wachrufen und das Gewisien der Gesellschaft aufrütteln. Nicht den Ausländern, nicht den fernen Freunden der Gerechtigkeit und Menschlichkeit muß die Last auf- erlegt werden, die von denen getragen werden muß, die so viel über das Anschwellen der oppositionellen Stimmung und die neuen Aufgaben der Opposition sprechen. Man muß die in dem auslän- dischen Protest erwähnten Tatsachen sammeln und veröffentlichen, man muß sie von der Tribüne der Duma verkünden und sie allen zur Kenntnis bringen, die sie zu hören vermögen/ Mexiko. Eine neue Niederlage der Regiernngstruppen. New Jork, 5. Dezember. Nach einer Depesche aus Brownsville lTexas) hat bei Tula, 40 englische Meilen südwestlich von Ciutad Vieloria, ein 24stündiges Gefecht zwischen Bundestruppen und Rebellen stattgefunden, in welchem jene 200 Mann ver« loren haben sollen.__ . Em InduFtne und FtandeL Bankzusammenschluß. Die Seher Bank in Lehe will sich mit der Deutschen Nationalbank in Bremen vereinigen. Auf den ersten Blick sieht die Sache so aus, als ob sich zwei Provinzbank« institute zusammentun wollen, um sich als ein geschlossenes Provinz- inftitut der Großbankkonkurrenz gegenüber kräftiger zu betätigen. Es sieht aber nur so aus, denn die Leher Bank in Lehe ist ge- schäftlich mit der Hannoverschen Bank verbündet und die Hau- noversche Bank steht in engsten Beziehungen zur Deutschen Bank in Berlin. Die Nationalbank in Bremen ihrerseits wieder ist durch ihre Verbindung mit der Verwaltung des Norddeutschen Lloyd, in der bekanntlich auch die Deutsche Bank vertreten ist. ebenfalls zum Konzern der Deutschen Bank zu rechnen. Wir haben also hier nichts weiter als die Zusammenlegung zweier Provinz- bankinstitute, die als Filialen der Deutschen Bank in Berlin an- zusehen sind. Die Leher Bank mußte für 1912 mit ihrer Dwidende von 9 auf 6 Proz. zurückgehen. Die Deutsche Nationalbank in Bremen ist eines der größeren Provinzbankinstitute und die Hau- noversche Bank ragt ebenfalls schon über daS Mittelmaß der Provinzbanken hinaus. Neues Elektrizitätskapital. Obwohl es auf dem Geldmarkte noch immer an Kapitalzuflüssen fehlt, tritt der große Elektrizitäts- konzcrn, in dem die A. E. G. und Siemens maßgebend sind, doch mit einem erheblichen Geldbegehr hervor. Die Dcutsch-Ueberseeische Elektrizätätsgesellschast gibt 30 Millionen Mark Vorzugsaktien aus, die Siemens elektrische Betriebs-Aktiengescllschaft 8 Millionen Mark Obligationcnanleihe für den Schweizer Markt und 4,5 Millionen Mark weitere Obligationenanleihe, und, wie es heißt, will die Hochbahn 20 Millionen Mark Nominal neue Aktien begeben. Das wäre insgesamt ein Nominalbetrag von 62,5 Millionen Mark,'zu den Begebungskursen gerechnet natürlich viel mehr. Vor einigen Tagen hat die Generalversammlung der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschast stattgefunden und in dieser Generalversammlung hat der Aufsichtsratsvorsitzcnde, Dr. Walter Rathenau, gesagt, es sei anzunehmen, daß die Gesellschaft vor- läufig kein neues Kapital gebrauchen werde. Die großen Elektrizitätsunternehmnngen verfahren aber immer nach dem- selben Rezept. Wenn sie selbst keine Emissionen vornehmen, weqn sie keine neuen Aktien oder Anleihen begeben, so lassen sie durch ihre KvnzernunterneHmungen Geld aufnehmen. Zusammenschluß. Auf einem Gebiete herrscht gute Konjunktur: Auf dem der Verlängerung und Neugründung von Kartellen, Kon- ventionen usw. Mit einem nachahmenswerten Eifer baut daS Unternehmertum seine Organisationen aus; solche mit der Aufgabe, die Preise zu steigern, ebenso so wie die der Frontstellung gegen die Arbeiterschaft. Ueber die Gründung von Organisationen gibt die nachfolgende, auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebende Ausstellung ein Bild: Eine Verlängerung deS Jnternaturnalen SpiegclglassyndikatS wurde herbeigeführt. DaS Internationale Zuckersyndikat zu verlängern, gelang ebülfalls. Die Neugründung eines NöhrensyndilatS steht vor dem Abschluß. AlS gesichert zu de- trachten ist die Neugründung eines Rheinisch-Westfälischen Zement- syndikats. Eine Verkaufsstelle der zu ewer Preisvereinigung zu- sammengeschlossenen Hersteller isolierter Leitungsrohren wurde ge- gründet. Die Waggonbauanstalten schloffen stch zu einem Ver- bände zusammen. Die„Textilkondention" gründet« ein Kartell zwecks Förderung deS Organ: sationszwanges. Nord- und Mittel- deutsche Gießereien gründeten eine Einkaufsgesellschaft. Die Schirmfabritanten gründeten eine Konvention. Weil dies« Kon- vention sofort mit Preiserhöhung vorging, schloffen sich auch die Schirmgrotzfabrikanten zu sammcn.— So rüstet daS Unternehmer- tum. Die aufgeführten Vereinigungen bezwecken durchwegs eine bessere Verwertung der Arbeitsleistung für die Unternehmer. Denselben Zwecken diesen die Gewerkschaften für die Arbeiter, schast. Sie sollten an dem Eifer der Unternehmerverbände den Beweis für die Notwendigkeit und Nützlichkeit de» Zusammen, schlusses erkennen._ Hetzte Nachrichten« in eta, politischen tbaren Krisen- überwältigen- großer Span- bayerischen »dgebung der Billigung. ausdrücklich ver- und man be- nv Die Beurteilung der Kanzlerrede München, 5. Dezember.(H. B.) In ba! Kreisen sieht man der Weiterentwickelung deS zustandes,>oie er durch das MißtrauenSvi' den Reichstagsmehrheit geschaffen worden nung entgegen. Bis in die hö' Regierungskreise findet die Volksvertretung Verständnis Man versteht dort, wie die„Frankfurter Zeü sichern kann, die Haltung des Reichskanzlers dauert lebhaft, daß es durch die Art seine? Auftretens zu einem solchen verhängnisvollen Konflikt zwischen der Reichsleitung und dem Reichstag überhaupt hat kommen können. Waffeneinfuhrverbot für Jrlan.'). London, 5. Dezember.(P. C.) Die Zuspitzung der Gitua- tion in Irland hat zu einer Reihe verschärfter Regie« rungs maßnahmen geführt. In diesem Zusamme/hmige ist ein königliche? Dekret ergangen, daS die Einfuhr von Waffen nach Irland verbietet. Beendigung des englischen Eisenbahnerstrei?«� � London, 5. Dezember.(P. C.) Die Verhandlungen Zwischen den Eisenbahngesellschaften und ihren Angestellten über die Bei- legung des Streiks haben zu einem Ergebnis geführt. Die Wieder- aufnähme der Arbeit soll bereits morgen erfolgen. WatlKtmlK MMe es-ldoxlSOj <|35 1 Bett. decke englisch Tüll, <|35 1 r'Senfier- r Mm weiss, k mit Siumchen nndj Etioterel- Einssta <|35 r rllBSta!!ll� Rock weiss, Barchent mit Lengnette. 135> 2 mit Jacquare- Kante ..«XllOi 135> 1 Plrnte- 13S> i Christ- banm- Ständer �35 Soweit Torrat . 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Hn die Arbeiterschaft Groß-Berlins! Weihnachten naht, das Fest der Liebe, und löst wieder bei Millionen einen Hauch warmen Mitgefühls aus. Gibt es doch für jeden menschlich Denkenden kein größeres, reineres Glück als geben und andere damit erfreuen zu können. Wie trostlos öde und leer aber muß es in den Herzen der Arbcitereltern aussehen, die ihren Kindern auch nicht die kleinste Weihnachtsfreude bieten können, und wie entsetzlich muß es für eine Mutter sein, den Weihnachtstisch ihrer Lieblinge auch nicht mit der kleinsten, armseligsten Gabe schmücken zu können. Nichts verniögen sie ihren Kindern zu geben, worüber diese sich freuen würden, weil kein Geld im Hause ist. Frühzeitig verbittert müssen die armen Kinder sehen, wie die Lichter der Bäume für andere brennen, wie die Geschenke andere Kinder erfreuen. Und sie hatten doch noch immer gehofft. Aber nicht nur daß sie von jeder Freude ausgeschlossen»Verden, diese armen jungen Menschenblumen sind oft dein schlimmsten Elend überliefert. Wochen- ja monatelauge Arbeitslosigkeit des Vaters haben den Hunger als ständigen Gast in die Fainilie gebracht. Seit Monaten weist die Arbeiterschaft auf diese Folgen der herrschenden Krise hin, seit Monaten appelliert sie an Staat und Kommunen, den Opfern der Arbeitslosigkeit doch wenigstens etivas zu helfen, aber fast nichts ist geschehen! Gebt uns Brot oder Arbeit, so riefen L>ic Arbeitslosen in den Versammlungen, aber keine Hand streckte sich ihnen helfend cnL gegen. Die von der Arbeiterschaft seit Jahren geforderte Arbcitslosenfürsorge wird nicht eingeführt,»veil die industriellen Scharstnacher und die agrarischen Zolllvuchercr es nicht»vollen. Die einzelnen Komniunen lehnen die Aufgabe ab,»veil sie angeblich die Mittel zu ihrer Durchführung nicht haben, und schieben sie dem Staate zi». Der Staat aber denkt gar nicht daran, diese»vahrhast staatserhaltende Aufgabe zu erfüllen. Worte, nichts als Worte hat man für die Arbeitslosen, die doch so dringend der Hilfe bedürfen.„Erwägungen"»vill man anstellen, und»vährend der Zeit können die Arbeitslosen ruhig Hungers sterben. Millionen»Verden für Feste ausgegeben, Milliardengelvinne fallen den Besitzenden zu, für die arbeitslosen Arbeiter aber sind keine Mittel vorhanden, ihren Hunger zu stillen. Tallscndc fleißiger Arbeiter haben den Wunsch, arbeiten zu dürfen, dainit sie von sich und ihren Familien das gräßliche Elend ablvcnden können, aber die Herrschenden bleiben untätig- Da lvenden wir uns an Euch, Ihr Enterbten der Gesellschaft! Angesichts der besonderen Notlage, in die sich hier in Groß-Berlin Tausende von fleißigen Arbeitern befinde»», haben die Vertreter der steien Gewerkschafteil und der sozialdemokratischen Partei Verlins beschlossen, den Arbeitslosen und deren Lindern eine wenn auch kleine Weihnachtsbescherung zu verschaffen. Folgende Stlinmcn sind bereits gezeichnet: 30 000 Mark„Vorwärts". L0 000„ Berliner Gelverkschaftskommission. 30 000„ Sozialdemokratische Partei Groß-Berlins. 10000„ Verband der Metallarbeiter. 5000„ Kolffumgenossenschaft Bcrlii» und Unrgcgeild. 5000.„ Verband der Staats- und Gemeindearbciter. 3000„ Verband der Schneider. 1 500„ Verband der Fabrikarbeiter. Um»veitere Mittel zu beschaffen haben»vir Sammellisten herausgegeben und wir bitten jeden sozial Fühlenden sich an der Sammlung zu beteiligen. Wir Iviffsn, daß»vir das entsetzliche Elend dainit nicht beseitigen, da dieses in der heut bestehenden Gesellschaft begründet ist, aber»vir möchten den Arbeiterfamilien, die durch eine lange Arbeitslosigkeit schon so hart betroffen sind, namentlich aber auch den armen unschuldigen Kindern, eine kleine Freude bereiten. Wir»Äffen auch, daß unsere Klassengenossen nicht viel zu geben imstande sind, aber»vir fordern dessenungeachtet auf zu geben, was ihnen möglich ist. Und wir bitten weiter, gebt schnell, damit»vir den Aerinsten eine kleine Weihnachtsfreude bereiten können. Die Listen sind möglichst schnell abzurechnen und z>var dort, wo sie entnommen sind. Sonstige Beiträge sind zu richten an Alwin Körsteu, Engclufer 15 und Emil Bocskc, Lindcnstr. 2 T, Mit Partcigruß Neriilllld der sozialdtmokratischen Wahlvereine Kerlins und Umgegend. Kerliner Gmerkschastsklmmisiion. I. A.: Alwin Körsten. I. St.: Eugen Ernst. Gcwcrkfchaftlicbcs. Älie Cerrorismusrnärcbcn cntltchcn. Aus Anlaß der a»n 25. November abgehaltenen Arbeitslosenversammlungen brachte die„Post" einen Leitartikel mit der lleberschrist„Zwei Arbeitslose. Sluch ein Beitrag zur Arbeitslosenfrage". In diesem Artikel wurde an zwei Bei- spielen der grausame Terrorismus geschildert, mit ivelchem angeblich sozialdeniokratischc Slrbeiter Arbeitslvillige an der Arbeit hindern,»md so zur Vermehrung der Arbeitslosigkeit beitragen. Ter eine Fall betrifft einen Former in Aschers- leben. Ten»vahren Sachverhalt haben»vir bereits in» „Vor>värts" voin 28. November geschildert. Der andere Fall ist aber»»och viel krasser; die„Post" sagt, er„ist ttipisch für den sozialdemokratischen Terror, für die unerhörte und u» erbittliche Knebelung, für die Strangulierrmg, denen nicht sozialdemokratische Arbeiter bei uns ausgesetzt sind." Der Fall spielt in der Berliner Holzindustrie. Der Treppenbauer S. hätte in dem Betrieb von K. au- gefangen. Sein Ehef hätte aber zu seinem Bedaitern den tüchtigen Arbeiter nach einigen Wochen entlassen müssen. Seine Nebenarbeiter hätten die Entlassung erzwungen,»veil S. keinen„Ausweis des sozialdemokratischen Arbeitsnachiveises" beizubringen verinochte. Hierzu sei bemerkt, daß es in Berlin keinen sozialdemokratischen Arbeitsnachlveis, wohl aber einen „paritätischen Arbeitsnachweis für die Berliner Holzmdustrie" gibt, der vom Slrbeitgeber-Schutz- verband(!), dem Deutschen Holzarbeiterverband und dem H i r s ch- D u n ck e r s ch e»l Geiverkverein der Holzarbeiter g e in e i u s a n» v e r>v a l t c t wird. Durch den Tarifvertrag für die Berliner Holzindustrie ist die Benutzung dieses Slrbeits- nackstveises für a N e Beteiligten obligatorisch. Dieses Obligatorium gilt nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die Unternehmer. Das Slrbeitsnachweis- Reglement. welches als Bestandteil des Tarifvertrages gilt, bestimmt im§ 4: „Die Arbeitgeber deS Vertragsgebietes für die Berliner Holzindustrie find verpflichtet, alle vakanten Stellen an den Nach- weis zu melden." Gegen diese Bestiinmung hat die Firnia Kuhnert, um die es sich hier handelt, schon wiederholt verstoßen, indem sie Arbeiter ohne Benutzung des Arbeitsnachweises einstellte. Erst in: April dieses Jahres»vurden die Obleute der Schlichtungskommission, also je ein Vertreter der Arbeit- g e b e r und der Arbeiter, eines solchen Falles»vegen bei Kuhnert vorstellig und dieser erklärte sich daraufhin bereit, die unter Verletzung des Vertrages eingestellten Arbeiter zu entlassen. Trotzdem stellte er in dem vorliegenden �yalle »nieder den Slrbeiter S. ohne Benutzung des paritätischen Arbeitsnachiveises ein. Die„Post" entrüstet sich darüber, daß drei Vertrauensleute des Betriebes den Unternehmer zur Siede stellten. Aber das ist der ordnungsmäßige Weg, auf»vclchem die Schlichtung von Differenzen ciilgeleitet»vird. Statt sich zu verständigen, gab Herr Kuhnert den Vertrauensmännern eine grobe Slntwort. Infolgedessen »vurdc die Sache nun vor die Schlichtungskonimission gebracht. Wieder»vurden die beiden Obleute vorstellig, und sie erhielten das Versprechen, daß S. entlassen»verden soll,»venn die Slrbeik, die er in Händen hat, fertig ist. Daniit gab man sich all- seitig zufrieden. Aber Ztuhnert hielt sein Wort nicht, und als die Vertrauensmänner nach einigen Wochen wieder vorsprachen, »vurden sie mit der Mitteilung abgefertigt, daß S. als Werk- führer»veiter beschäftigt»verde. Das empfanden die Slrbeiter als Hohn, denn einmal gibt eö in dem Betriebe schon reichlich Äufsichtspersonal, und dann ist es für jeden Fachmann lächerlich, cinen bisher als Z i m m m e r ni a n n tätig gewesenen Arbeiter zuin Werkführer in einer Jnnenbau- Werkstatt zu machen, in welcher saubere Tischler arbeit angefertigt wird. Die kleines fcmlleton DaS Wareufchicksal der heiligsten Güter. Eine Berliner Heirats- Prma veröffentlicht in einer großen deulschen Tageszeitung einen Heiratskatalog, auS dem wir das folgende Stück mitteilen möchten: Frl. llt Jahre alt 30 000 M. Mitgift Frl. Frl. Frl. Frl. Wio. Ww. Ww. Frl. Frl. 23 49 23 40 42 30 30 36 35 40 000 50 000 110 000 120 000 125 000 200 000 250 000 300 000 500 000 Wir möchten ausdrücklicki bemerken, daß der Katalog im Original noch viel reichhaltiger ist. Aber das mitgeteilte Stück genügt durch- aus. Wir lassen unsere Augen die schlichte Sachlichkeit dieser Offerte genießen und gestatten uns die Frage: Kann man sich eine Welt denken, in der die heiligsten und ver- antwortungsoollsten Geschäfte der Natur ärger zu einer bloßen Ware herabgewürdigt werden? ES ist Schopenhauer, der die Kinderzeugung das verantwortungsvollste Geschäft der Natur nennt. Der Kapitalismus aber wirst alle Verantwortlichkeit in die Gosse, wenn nur Geld umgesetzt werden kann. Was ist in der kapitalistischen Welt im Grunde noch nicht zur Bare geworden? Die Vaterlandsliebe? Unter dem Namen Patriotismus ist sie seit langem ein Geschäft, das gelegentlich mit sehr unsauberen Mitteln arbeitet. Der Prozeß Krupp liefert eine Riesenillustration Eine Firma, die vom Staat lebt, scheut sich nicht, den Apparat eben dieies Staates zu korrumpieren und alle militärischen Geheimnisse zu gefährden. Der Ruhm? Der vortreffliche Herr Sudermann verramschte trotz seiner Rieseneinnahmen eine seiner besten Arbeiten an das Kino. Die sittliche Gesinnung? Die staatserhaltenden Blätter bezeichnen alle die Ehe als eine.heilige' Einrichtung. Im Inseratenteil aber machen sie ein ordinäres Schachcrgeschäft daraus. Di« Religion? Der.Vorwärts' zeigte erst kürzlich, wie im Fall des Abgeordneten Euler die Religion dem Geschäft als Vor- spann dienen mußte. Der Gekreuzigte von Golgatha»vurde zum Agenten einer Versicherungsanstalt gemacht. Und der gläubige An- Hänger des Gekreuzigten wurde für diesen Scherz mit einem monat- lichen Fixum bezahlt. DaS Wort aus dem kommunistischen Manifest, nach dem der Kapitalismus die Dinge ihrer Ehrwürdigkert entkleidet, ist er- schalend in Erfüllung gegangen. Die Weltorduung des Kapitalis- M« hat sich immer mehr m eine satanische Fratze verkehrt. Die Stadt drr 60 000 Schutzes. Wer nach seinem Namen gefragt»vird, aber nicht angeben möchte, wie er»virklich heißt, nennt sicherlich den Namen Schulze, Müller, Schmidt oder Meier, denn diese Namen sind nach allgemeiner Anschauung die häufigsten. Am häufigsten aber scheint der Name Schulze zu sein. Ein Mitarbeiter des„Confeetionairs" hat dies wenigstens an der Hand des Groß-Berliner Adreßbuches festgestellt. Das angeführte Blatt berichtet in seiner hübschen Plauderei, daß das Groß-Berliner Adreßbuch den Namen Schulze 15 4v0mal enthält. Siechnet man aber jede Familie nur mit 4 Personen, so heißt das, das in Groß- Berlin rund 60 000 Schulze» wohnen, also genug, um eine recht ansehnliche Mittelstadt damit zu bevölkern. Siamen, die sich über tausendmal im Groß-Berliner Adreßbuch finden, gibt es 37. Ziach Schulze(mit 15 400) kommt in bedeutendem Abstände Müller mit 10 880 und hierauf fast ebenso zahlreich der Name Schmidt(10180). Dann kommt ein erheblicher Sprung abwärts: der Name Meier (in verschiedenen Schreibweisen) ist mit der Zahl 6400 vertreten; hierauf kommen Krüger(5760), Hofftnann(5240), Neumann (5170) und Lehmann(5090). Damit ist die Liste der Namen, die über 50V0mal vorkommen, erschöpft, lieber 4V00mal kommen noch die Namen Schröder, Krause und Wolf vor, über 3000 Fischer, Lange und Schneider, und dann zlvischen 2000- und 3000mal in absteigender Reihenfolge: Hermann. Kühn, Franke, Werner, Voigt, Koch und Scholz. Der Name Meier, der nach»oeitverbreitetcr Ansicht der häufigste ist, hält also in Berlin nicht die Spitze, sondern wird von Schulze»veit überboten. In Bremen und Hamburg dagegen soll dies Verhältnis anders sein. In anderen Ländern findet sich übrigens ähnliches, und e» sei auf Dänemark verwiesen, Ivo beinahe jeder dritte Mensch den Siamen Hansen führen soll. Liebesbriefe aus dem Feldzuge 1812. Die„Geschichte der Siamenlosen'. die man in jüngster Zeil als einen wichtigen Zweig historischer Forschung gekennzeichnet hat. erfährt eine interessante Bereicherung durch eine umfängliche Briefveröffentlichung, die von russischer Seite erfolgt ist. Schon früher lvaren einzelne Schreiben bekannt geworden, die die Kosaken»vährend des russisch-französischen Feldzuges aufgefangen hatten: Briefe der Krieger der großen Armee an ihre Frauen dabeim und Briefe der Französinnei?, die ihren Männern in den Wüsten Rußlands Trost bringen sollten. All diese .Briefe, die sie nicht erreichten,' ruhten nun, von den Kosaken an zuständiger Stelle abgeliefert, in den russischen Archiven und waren nur hier und da vereinzelt veröffentlicht. Auf Veranlassung des Direktors der Kaiserlichen Archive ist nunmehr der größte Teil dieser Schreiben der Oeffentlichkeit zugänglich ge« macht worden in einem Werk, da» zwei französische Gelehrte besorgt haben und das nicht etwa nur die Briefe der Generale und Offiziere, sondern auch die Liebesergüsse der gemeinen Soldaten enthält, so- »veil sie sich erhalten haben. In seinem neuesten Buche»veist der Napoleonforscher Frederic Masion auf diese einzigartige Material- sammlung hi». die ein lebendiges und ergreifendes Bild von den persönlichsten Stimmungen der Soldaten der großen Armee bietet: „Welch prachtvolle Figuren guter Soldaten, braver Leute, leidenschaft- sicher Liebender und treuer Ehemänner heben sich aus diesen alten Papieren ab. Liebe!" Wieviel Geist, wieviel Anmut,»vieviel Stolz und 13. Tie gerüffelte Eloquc. Bei uns laiin man in Theaterkritiken oft lesen, daß die Claqu« sich unangenehm bemerkbar gemacht habe, und daß es eine Schande sei, wenn die Direktion des Theaters sich herausnehme, in dieser Weise und durch gedungene Leute das Urteil des Publikums beeinflussen zu wollen. In Madrid aber wurde dieser Tage von einem angesehenen Blatt die Claque mit großer Schärfe angegriffen, weil sie bei der ersten Aufführung von Boitos Oper„Mcfistofele" nicht ihre Pflicht getan und durch ihr lässiges Verhalten die Künstler ganz verwirrt habe. Man konnte da die erbaulichen Ergüsse lesen:„Wir haben gestern l-e- merkt, daß die Claque ganz planlos zu Werke ging und ungewöhn- sich träge tvar. Ein Zögern und Zurückhalten beim Beifallklatschen bringt die Künstler aus der Fassung: wenn sie ihre Leistung nicht reich belohnt sehen, verlieren sie das Selbstvertrauen und das Publikum hat unter den Folgen dieses Mißmutes der Künstler zu leiden, und das ist doch»vohl das Schlimmste, was bei einer Vorstellung geschehen kann. Wir können versichern, daß der Sänger (folgt der Name) infolge der Unsicherheit der Claque an manchen Stellen um den wohlverdienten cMhusiastischen Beifall gekommen ist, und daß dieses durch die Claque herbeigeführte Versagen des Publikums dann in ungünstiger Weise auf seinen Gesang ein» gewirkt hat.. Wirklich ein recht nettes offenes Gejrändni»»' Notizen. � Vorträge. Dr. Ferro! spricht Sonnabend und Montag, abends S1/« Uhr, noch einmal in der Treptow-Sternwarte über sein neues Rechnungsverfahren. — Die neue kg l. Bibliothek soll im April eingeweiht werden. Bis dahin sollen im Innern der große Bibliotheksaal so- wie die Räume für die Akademie der Wissenschaften fertiggestellt sein. Die jetzt provisorisch in dem nach der Dorotheenstraße liege»- den Teile des Gebäudes untergebrachte Bibliothek siedelt nack' den dann fertiggestellten Räumen über und die frciwerdenden Räume werden dann für die Unlerbringung der Universilätsbibliothel ver- wendet. — Hermann Vahrs Komödie„Das Phantom' kam am Stuttgarter Schauspielhause zur Uraufführung. Das im Dialog»vitzige, aber handlungsarme Stück ist eine psychologische Studie über ein Eheproblem. — Im Kupfer st ichkabinett der Berliner Museen find R e in b r a n d t s Radierungen ausgestellt. — Nansens Lob. Nach einem Vortrage, den der dänische Grönlandforscher Koch in der Storwegischen Geographischen Gesell« schafr über seine letzte Grönlandexpedition gehalten hatte, chara!« terisierte Fridtjof St a n s e n die Kochsche Expedition als ei« der größten Taten in der Geschichte der arkttschen Forschung. Vertrauensmänner mußten nun auf Wunsch ihrer Kollegen noch einmal mit dem Unternehmer verhandeln. Da die Arbeiter, an ihren Bänken stehend, das Ergebnis der Ver- Handlungen abwarteten, wurde Herr Kuhnert nachgiebig und er willigte nun in die Entlassung des S. Wer den Dingen fernsteht, ist leicht geneigt zu vermuten, daß das Verlangen auf Entlassung des S. gestellt wurde, weil er nicht dem Deutschen Holzarbeiterverbande angehörte. In Wirklichkeit spielt aber hierbei die Organisationszugehörig- keit durchaus keine Rolle. Waren doch z. B. die Arbeiter, deren Entlassung früher von Kuhnert gefordert worden war, Verbandsmitglieder. Die Berliner Holzarbeiter der- laugen von jedem Berufsangehörigen, gleichviel ob und welcher Organisation er angehört, die Benutzung des Arbeitsnachweises und sie gehen gegen jeden, der den Tarifvertrag in dieser Hinsicht verletzt, mit rücksichtsloser Strenge vor. Die Arbeits- losigkeit im Berliner Holzgewerbe ist so groß, daß die Um gehung des Arbeitsnachweises als Ver letzung der gemeinsamen Interessen angesehen und dementsprechend gewertet wird. Die Arbeitsvermittelung auf dem paritätischen Arbeits nachweise erfolgt, das sei hier nebenbei bemerkt, streng uw parteiisch; dafür bürgt schon der Umstand, daß die Vermitte� lungstätigkeit von Ängestellten sämtlicher am Vertrag be teiligten Organisationen ausgeübt wird. Nach dem Reglement ist es Aufgabe der Arbeitsvermittler, die gemeldeten Stellen bestmöglichst mit geeigneten Kräften zu besetzen. Natürlich werden bei gleicher Qualifikation die Bewerber bevorzugt, die länger arbeitslos sind. Außerdem enthält das Regle- ment auch weitere Bestimmungen, die es ermöglichen, berechtigte Sonderwünsche der Unternehmer hinsichtlich der Zuweisung bestimmter Personen zu entsprechen. Der Fall, den die„Post" in so schauerlichen Farben als ein typisches Beispiel für den„Terrorismus der Arbeiter" schildert, stellt sich in Wirklichkeit als der Fall eines t a r i f- brüchigen Unternehmers dar, der nur durch scharfe Maßnahmen zur Jnnehaltung seiner Vertragspflichten erzogen werden kann. ßerKn und Qrngegend. Tarifbewegnng der Schoßschuhmacher. Die Schoßschuhmacher setzten in einer am Donnerstag abge- baltenen Versammlung ihre Beratung des Tarifentwurfs fort. Ahs Grundforderungen kommen in Betracht: Lohnerhöhung, Bezahlung der Extraarbeit HSpezialwüniche der Kundschaft), Herstellung der Arbeit in Werkstätten statt im Heim des Arbeiters, statt einer fünfjährigen eine zweijährige Tarifdauer. Was die Bezahlung der Extraarbeit betrifft, so wurde diese Forderung schon lüOö von einem Teil der Maßschuhmacher gefordert; nunmehr aber hat sich innerhalb der letzten Jahre die gesamte Gehilfenschaft zu der An- ficht durchgerungen, daß die Extraarbeiten in Zukunft unbedingt bezahlt werden müssen. Die Forderung auf Errichtung von Be- triebswerkstätten ist schon aus hygienischen und sanitären Gründen zu verlangen. Auch wird der Arbeiter geschädigt durch das Liefern und Abholen der Arbeit, wobei oft mehrere Stunden verloren gehen, die am Abend wiedereingeholt werden müssen. Gesunde Arbetztsräume und geregelte Arbeitszeit sind darum nur zu er- reichen, wenn der Arbeitgeber für helle, passende Räume zu sorgen hat. Ein Redner erklärte, daß es notwendig sei, im kommenden Tarifkampfe die Werkstattfrage von der Lohnfrage zu trennen. llebrigens würden die meisten Geschäfte in absehbarer Zeit schon von selbst Werkstätten einrichten, denn die Maschinentechnik drängt dazu. Nur die allerfeinsten Geschäfte, deren Kundschaft Luxus- preise bezahlen, würden auch noch fernerhin die Heimarbeit be- halten. Andere Redner traten dem entgegen und führten aus, daß die Werkstattfrage von der Lohnfrage nicht getrennt werden dürfe, solle der Tarifkampf nicht geschädigt werden. Mit Bestimmtheit wurde ausgesprochen, daß nur eine zweijährige Vertragszeit m Betracht komme. Es wurde noch eine siebengliedrige Lohnkom- Mission gewühlt. Die Beschlußfassung über die Kündigung des Tarifs soll im Januar 1914 erfolgen._ AuS dein Fleischergewerbe. Der Zentralverband der Fleischer, Berlin, sandte an den Fleischermeister Garbisch, Berlin, Lange Straße 57, einen Tarifvertrag. Der Tarif fordert zwölfstündige tägliche Arbeitszeit, 59 Pf. Ueberstunden- bezahlung, 13 M. Minimallohn pro Woche und Anerkennung des kostenlosen Arbeitsnachweises. Herr Garbisch lehnt diese ganz minimalen Forderungen rundweg ab. Es ist auch kein Wunder, wenn man erfährt, daß Garbisch jahrelang Führer der gelben Brüderschaftler war. Nur ist es nicht zu verstehen, daß diese Herren, wenn sie Meister werden, mit der organisierten Arbeiterschaft ihr Geschäft machen wollen. Ueber die Firma Garbisch hat die Orgauisa- tion die Sperre verhängt. Die Fleischermeister Rohloff, Naunhnstraße 8, August Jonas, Greifswalder Straße 225, Grüstel u. Bröhmer, Fruchtstraße 28, M i e r s ch, Koloniestraße 38, Knopf, Kolberger stratze 12, und O t t e, Lichtenberg, Scharnweberstraße 6/7, haben neuerdings mit dem Zentralverband der Fleischer den Tarif- vertrag abgeschlossen. Die Ortsverwaltung des Fleischerverbandes. besser ergeht es ihm in anderen Bergrebieren. Man kann darum verstehen, daß die Leitung der christlichen Organisation schon vor Monaten die Veröffentlichung der monatlichen Abrechnungen im Verbandsorgan eingestellt hat. Dadurch ist es unmöglich gemacht, die Mitgliederbewegung auf Grund der vereinnahmten Beiträge zu kontrollieren. Hilft alles nichts, im Gewerkverein hat sich der Pleitegeier eingenistet und ist durch keine Täuschungsmanöver wieder zu verscheuchen. Und das ist gut so. Hus der Partei. Herr Fouragrhändler I. Steiling schreibt uns:„Die Angabe in Nr. 396 Ihres Blattes, daß ich mit dem Fuhrwertsbesitzer Schmiedigen bei dein Streikbrecheragenten Keiling, Schulzendorfer Str. 13, ge- Wesen sei, ist unzutreffend. Ich habe niemals mit Keiling ver- bandelt, war auch niemals bei Keiling und kenne ihn überhaupt nicht." Deutsches Reich. Der Gewerkverein christlicher Bergarveiter im Saarrevier. Die größte christliche Gewerkschaft hat im Saarrevier abge- wirtschaftet. Vor einigen Jahren zählte der Gewerkverein christ- licher Bergarbeiter in Saarabien rund 29 999 Mitglieder, im Jahre 1911 ging es schon rapide bergab, und im Jahre 1912 waren nur noch 7—8999 Mitglieder vorhanden. Dann wurde die bekannte Lohnbewegungskomödie inszeniert, die für einige Wochen die Zahl der Mitglieder auf zirka 16 999 erhöhte. Als die Bewegung beendet war, die saarabischen Bergarbeiter infolge der Haltung der christ- liehen Organisation sich als die Betrogenen betrachten mußten, ver- ließen aufs neue Tausende die Fahne des Gewerkvereins. Dieser suchte nun durch eine Knappschastsreformbewegung noch zu retten, was zu retten war. Er stellte eine Reihe Verbesserungsanträge und legte sie der Knappschaftsgeneralversammlung ain 13. Novem- bcr 1913 vor. Da erlebte der Gewcrkvcrein das blamable Schau- lpiel, daß von seinen 89 Knappschaftsvertretern 24 die Forderungen er Organisation im Stich ließen und mithalfen, das Knappschafts- siatut zuungunsten der Bergarbeiter zu verschlech- e r n. Das hat den Gewerkverein vollends in Mißkredit bei den 'crgleuten gebracht. Er bemüht sich zwar, die Einberufung einer 'euen Generalversammlung von der Knappschaftsvcrwaltung und er Bergbehörde zu erflehen, er droht ferner, die in der General- icrsammlung abtrünnig gewordenen Aeltesten aus der Organisation luszuschlicßen, desgleichen die Aeltesten, die künftig die Knapp- ckäftsfordcrungen nicht genügend vertreten. Aber alles Hilst nichts. «ö�vrlicliteU des Gewcrkvereins im Saarrevier ist zu Ende. Er :.rt„/.rfi iwrlieoendcn Mitteilungen NU r noch 2—3999 Mit- oll dort nach vorliegeiiden Mitteilungen n u r n o ch , l i c d e r haben. Daß der Kampf des Bischofs Korum von Trier -acn den Gelverkvercin zu der gewaltigen Mitglicderflucht be>- etvaoen bat fei nur nebenbei bemerkt. So ist der Gcwerkverein in Saarrcvicr zu völliger Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Nicht Koiiimiinalwahlen. Die Stadtverordnetenwahlen in Mainz brachten der Sozial- demokratie einen glänzenden Sieg. Es waren 29 Mandate von 52 neu zu besetzen. Die Sozialdemokraten hatten fünf Sitze zu ver- teidigen. Gegen sie stand eine Verbindung von Zentrum, National liberalen und Freisinnigen. In den Vororten Kastel, Kostheim und Mombach siegte die Liste der Sozialdemokraten mit erheblicher Mehrheit. In der Stadt Mainz wurden bisher 7 Sozialdemokraten mit 5799 gegen 4421 Stimmen des bürgerlichen Mischmaschs gc wählt. Im Stadtparlament werden nunmehr statt bisher 11 Sozial- demokraten deren mindestens 18 sitzen. Bei den Wahlen zum Stadtparlament in Vegesack bei Bremen wurden neben fünf Bürgerlichen ein Sozialdemokrat ge- wählt. Dem Stadtparlament wird von nun an nur noch ein Sozialdemokrat angehören, während vor einigen Jahren durch einen Zufallssieg 19 Sozialdemokraten gewählt worden waren. Wegen der schlechten Wohnungsverhältnisse in Vegesack ziehen immer mehr Arbeiter in die preußischen Nachbarorte. Dies erklärt den Mißerfolg der Sozialdemokraten. DaS Programm der Sozialdemokratie Neuseelands. Der im Juni abgehaltene Arbeiterkongreß hat die einheitliche Gliederung der neuseeländischen Arbeiterbewegung in zwei selbständige, im Einvernehmen arbeitende Organisationen: den Vereinigten GeWerk- sckiaftsverband und die Sozialdemokratische Partei, gebracht. Die beiden sind nun mit eigenen Bureaus und Verwaltungsausschüssen ins Leben getreten. Ihr gemeinsames Organ ist der wöchentlich mit acht Seiten großen Formats erscheinende„Maoriland Wörter". Dort ist jetzt das Parteiprogramm erschienen. Es stellt an die Spitze die sozialistische Grundforderung: Vergesellschaftung der Pro duktions-, Austausch- und Verkehrsmittel. Das Gegenwart»- Programm fordert: Volles Frauenstimmrecht fftatt des jetzigen be- schränkten), Proporz, Vorschlags- und Verwerfungsrecht. Abberufungs- reckt gegen Gewählte.— Recht auf Arbeit mitMindestlohnund sechs stündigem Arbeitstag.— Freiwilligkeit sstatt des Zwanges) der Unterstellung der Gewerkschaften unter das S ch i e d s a in t s g e s e tz. — Vertretung der Arbeiter in allen Verwaltungsräten der großen öffentlichen Betriebe.— Bau von Handelsschiffen durch den Staat.— Staatliche Kranken-, Unfall-, Lebens-, Feuer Versicherung.— Altersrente von 82 Pfd. Sterl.(654 M.) an alle Frauen von 59, Männer von 69 Jahren an nach löjährigem Aufenthalt im Lande.— Ersatz des Militär Zwanges durch frei willige Organisation mit demokratischen Einrichtungen, die nie in Lohnkämpfen Verwendung finden darf. poltreitiches, ßcncbtllches ufw. Eine haltlose Gendarmerieanzesge. Am 18. Oktober fand im Kreise Hanau eine Reihe Protest- Versammlungen gegen den Völkerschlachtrummel in Leipzig statt. In Rüdigheim sprach Genosse Redakteur Hammer- Frank- furt über das Thema:„Die geschichtliche Wahrheit des Jahres 1813". Der überwachende Gendarmeriewachtmeister verfaßte einen Versammlungsbericht an seine vorgesetzte Behörde, in dem er zum Ausdruck brachte, daß das Referat angelegt gewesen sei, das Volk gegen das herrschende Hohenzöllernhaus aufzuwiegeln. Auch habe der Referen�Hck in beleidigenden Aeuherungen gegen Mitglieder des Hohcnzollernhauses ergangen. Nun wurde ein hochnotpeinliches Verfahren wegen Majestätsbeleidigung gegerx den Genossen Hammer eingeleitet, mit dem Erfolg, daß der Erste Staatsanwalt in Hanau dem Beschuldigten mitteilt: „Das gegen Sie wegen Majestätsbeleidigung eingeleitete Ermittelungsverfahren habe ich eingestellt. Lehmann." Dieses Ergebnis ist ein neuer Beweis dafür, wie ungeeignet manche Gendarmen zur Ileberwachung von politischen Versammlungen sind._ Prcßprozcflc. Vier Prozesse hatte unser Solinger Parteiblatt, die„Ber- gische Arbeiterstimme", in den letzten Tagen vor der Elberfelder Strafkammer und vor dem Solinger Schöffengericht zu bestehen. Der Rekrutenabschiedsartikel vom 29. September gefiel dem Staats- anwalt so wenig, daß er in der Verhandlung gegen den veraniwort- lichen Redakteur, Genossen Merkel, wegen Verächtlichmackung von Staatseinrichtungen eine Gefängnisstrafe von einem Monat beantragte. Die Strafkammer erkannte auf eine Geldstrafe von 199 M.— Wegen Beleidigung ztveier Aerztc hatten sich der frühere Verantwortliche der„Arbeiterstimme", Genosse C h r i st m a n n, und der Expedient, Genosse Wüsthof, zu verantworten. Der öohn des Genossen Wüsthos war zum Strüppel geworden, was auf eine falsche ärztliche Behandlung zurückgeführt wird. Obgleich die staatsanwaltschaftliche Mitteilung vorlag, daß gegen die beiden Aerzte ein Strafverfahren schtoebe, verurteilte die Strafkammer beide Angeklagte zu je 199 M. Geldstrafe.— Weiter soll Genosse Ehristmann die Leichlingcr Freiwillige Feuerwehr beleidigt haben. Unser Parteiblatt hatte kritisiert, daß bei einem Brande allerhand Löschgeräte nicht zur Stelle oder mangelhaft vorhanden waren. Da die Mängel aber nicht der Freiwilligen, sondern einer Betriebs- feuerwehr zur Last zu legen sind, erkannte das Schöffengericht auf 199 M. Geldstrafe.— Ferner war der Geschäftsführer des Solinger lokalistischen Jildustrieverbandes, Witte, zum Kafbi gelaufen, weil Witte in der„Arbeiterstimme" als Querulant und Stanker be- zeichnet worden war. Diese Charakterisierung soll Genosse Christ- mann mit 39 M. Strafe sühnen. „RauSreißer" und„Auchkollege" war ein Arbeiter in einem Artikel der Zittauer„Volkszeitung" genannt worden. Im öffent- lichen Interesse leitete die Staatsanwaltschaft in Bautzen gegen den verantwortlichen Redakteur unseres Zittauer Parteiblattes, Ge- nossen S ch n e t t l e r, ein Strafverfahren ein, das mit der Ver- urteilung zu 59 M. Geldstrafe endete.— Man kann nunmehr die Preisfrage aufwerfen, wie ein Streikbrecher straflos bezeichne! werden darf. Vom Strafkonto der Parteipresse. Im Monat November d. I. sind gegen Redakteure der deutschen Arbeiterpresse wieder eine stattliche Anzahl Urteile gefällt worden. Soweit bekannt geworden, wurden innerhalb dieser 25 Werktage in 15 Prozessen die Urteil« gesprochen. Das Resul- tat ist folgendes: Dreimal sah man sich veranlaßt, freizusprechen, in den weiteren 12 Fällen wurde erkannt auf insgesamt sieben Monate Gefängnis- und 1585 Mark Geld st rase! J>n voraufgegangenen Monat Oftober wurden 16 Prozeßurtcile gezählt, mit einer Freisprechung, sieben Monaten und 8 Wochen Gefängnis- und 2799 Mari Geldstrafe. Und im November des Jahres 1912 waren es 14 Prozesse, wobei es sich um drei Freisprechungen, vier Wochen Gefängnis- und 1975 Mark Geldstrafe handelte. 8o2iales. Schwangerenfürsorge. Das Gemeindekollegium Nürnbergs hat Ansang dieses JahreS einen sozialdemokratischen Antrag angenommen, der Frage der Unentgeltlichkeit der Geburtshilfe näherzutreten und zu diesem Zweck Erhebungen über die Einrichtungen und Kosten in verschie- denen Städten zu pflegen. Nach Abschluß der Erhebungen und nach- dem vom Ausschutz ein sozialdemokratischer Antrag aus Einsetzung von 19 999 M. in den Voranschlag nebst entsprechenden Bestim- mungen begutachtet worden war, begann in den gemeindlichen Kol- legten die übliche Flickschusterei, wie man sie von den Nürnberger Rathausliberalen von jeher gewohnt ist. Man suchte die Sache von vornherein dadurch zu verekeln, daß man die Armenpflege einbezog, deren Inanspruchnahme bei allen honetten Leuten etwas An- rüchiges an sich hat. Ohne sie können sich die Nürnberger Frei» sinnig-Liberalen überhaupt keine Einrichtung denken. Die Armen» pflege, in der ebenfalls die satten Bürger überwiegen, gab ein merkwürdiges Gutachten ab: Die Sache gehe zu weit; jede Wohltat, die gewährt werde, wirke demoralisierend usw. Die Frage wurde nun im Magistrat endgültig verhandelt. Hierbei zeigten sich die freisinnigen und nationalliberalen Stadtväter wieder in ihrer gan» zen Glorie. Tie ursprünglich beantragten 19 999 M. schrumpften auf 4999 M. zusammen, die man gnädigst bewilligte; trotz des heftigen Widerstandes unserer Genossen, die auch die Bestimmung nicht zu Fall bringen konnten, daß der Armenpflegschaftsrat die Gesuche zu begutachten hat. Die allgemeinen Voraussetzungen der Unterstützung wurden nun wie folgt festgesetzt: Mindestens ein- jähriger Aufenthalt der Wöchnerin in Nürnberg vor der Entbindung. Ebenso dürfen sie nicht aus einer anderen Kasse oder aus einer Stiftung Unterstützung zu den Entbindungskosten erhalten. Haupt- bedingung ist Bedürftigkeit, die besonders dann als gegeben erachtet werden kann: s) bei verheirateten Wöchnerinnen, wenn der Er- nährer der Familie erwerbsunfähig oder arbeitslos ist; b) bei ledigen, verwitweten, geschiedenen oder getrennt lebenden Wöchne- rinnen, wenn sie eine solche Anzahl von Kindern haben, daß die Ernährung der Familie durch die Behandlung der Kosten der Geburtshilfe erheblich beeinträchtigt würde. Die Unterstützung muß von der Wöchnerin oder deren Ehemann in der Regel rechtzeitig vor der Entbindung selbst nachgesucht werden. Sericbts- Leitung. Aus dem Polizeikampf gegen die arbeitende Jugend. Am Donnerstag wies das Oberverwaltungsgericht zwei gegen völlig ungerechtfertigte BersammlungSauflösungen gerichtete Klagen ab. Ter erste Fall betraf eine vom Arbeitersekretär Krüger in Königsberg einberufene Versammlung für die arbeitende Jugend. In ihr referierte der Genosse Redakteur Marchionini über daS Thema:„Preußische Geschichte vor hundert Jahren". Als er kurz vor dem Schluß des Vortrages war und erwähnte, daß die von Friedrich Wilhelm III. versprochene Verfassung erst 1848 habe er» kämpft werden müssen, unterbrach der anwesende Kriminalschutz- mann Parlow den Vortragenden und forderte alle Anwesenden auf, den Saal zu verlassen.„Aus allgemeinen polizeilichen Gründen zur Verhinderung strafbarer Handlungen", bemerkte er dabei. Im zweiten Fall, dessen Verhandlung mit dem ersten verbunden wurde, handelte es sich um folgendes: Am 29. April sollte wieder eine von Krüger einberufene Versammlung der arbeitenden Jugend stattfinden, wo Redakteur Markwald über das Thema:„17. März 1813 und 18. März 1848" referieren sollte. Sofort, nachdem Mark- Wald das Wort hatte, forderte der anwesende Polizeibeamte alle Jngewdlichen unter 18 Jahren auf, das Lokal zu verlassen, da es ein« politische Versammlung sei. Vergeblich waren die Beschwerden bis an den Obcrpräsidenten. Vergeblich auch die Beweisführung des Rechtsanwalts. Hugo Haase. daß die Auflösungen keinerlei«tütze in dem Gesetz finden— das Oberverwaltungsgericht wies ohne Verkündigung von Gründe» beide Klagen ab.___ Ein polizeilich bestellter Einbruch. Der ehemalige Kriminalschutzmaun Boij und der frühere Kon- torist Erich Hesse standen gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II als Angeklagte. Die Anklage gegen Hesse lautete auf schwere» Diebstahl im straffchärfenden Rückfall, die gegen Boß auf Körperverletzung mittelst gefährlichen Werkzeugs, mit der Folge, daß der Verletzte in-dauerndes Siechtum verfiel. Die Verhandlung entrollte folgende Tragikomödie. Ein ge» wisser Ponkowski, der wiederholt wegen Diebstahls bestraft worden ist, hat der Kriminalpolizei Spitzcldienste geleistet. Er hat für Votz„gearbeitet". Anfang September sagte Voß ihm:„Wir wollen einmal ein Ding in meiner Wohnung machen, wir wollen einen Einbruch fingieren, es klappt sehr gut, da meine Frau verreist ist. Bringen Sie einen Mann mit und brechen Sie bei mir ein, ich werde zu Hause bleiben." Der Gentleman Ponkowski erhielt eine Mark Draufgeld. Vereinbart war, Votz solle den angeblichen Ein« brecher packen und dann seine Heldentat seiner Behörde meloen, um gebührend belobt zu werden. Ponkowski bereitete nun die Komödie vor. Er redete dem Angeklagten Hesse zu, bei einem angeblichen Rentier, dessen Räum» lichkeiten er ausbaldowert habe, mit ihm zusammen einzubrechen. Tic Sache ging programmäßig vor sich. Ponkowsti hatte insofern Pech, als der von Voh ihm übergebene Dietrich abbrach. Er be» gab sich nun„ach dem Hof und kletterte dann mit Unterstützung von Boß durchs Fenster. Voß verduftete dann, Hesse kam mit Hilfe von Ponkowski hinein und begann zusammenzupacken. Nach dem vereinbarten Plan sollte nun Ponkowski einen Schuß mit einem Revolver abgeben, schleunigst durch das Fenster entfliehen und Voß sollte dann Hesse festnehmen und verhauen. Ponkowski spielte seine Rolle nach Vereinbarung. Voß aber rief dem Hesse zu, Hände hoch und schoß auf dem forteilenden Hesse mehrere Schüsse ab, so daß mehrere Kugeln quer durch den Körper gingen. Hesse wurde am Maybachufer schwer verletzt aufgefunden und nach dem Urbankrankenhaus gebracht. Tort wurde er operiert. Er gab ohne weiteres den Einbruchsdiebstahl bei Voß zu. Ponkowski, oen er als seinen Komplicen angegeben hatte, wurde dann geraume Zeit später vernommen und klärte den Sachverhalt auf. Voß hatte inzwischen am 19. September, am Tage nach dem in der voraufgegangenen Nacht fingierten Einbruch, der Behörde mitgeteilt, von zwei Einbrechern sei in der voraufgegangenen Nacht in seiner Wohnung, Lachmannstr. 2, eingebrochen; er sei durch ein Geräusch wach geworoen, habe aus die Einbrecher losgc» schössen und nehme an, einer der Einbrecher sei getroffen worocn. Ponkowski erzählte nun gestern als Zeuge, noch am 16. Sep- tember sei Boß zu ihm gekommen und habe ihm gesagt: ich habe auf Hesse geschossen und ihn verwundet, Tu mußt sofort verduften, am besten nach Hamburg. Voß gab ihm 7 M. Reisegeld, Ponkowski verduftete nach Hamburg. Dort erhielt er noch 29 M. nachgeschickt und wurden ihm ferner 59 M. versprochen. Ponkowski wuroe in Hamburg der Boden heiß. Er wollte nach Antwerpen und von dort nach Amerika und ersuchte schriftlich um Geld. Da das Geld zu spät abgesendet wurde, wanderte er zu Fuß nach Berlin, kam hier nach einer fünftägigen Fußwanderung an. Hier ersuchte er den Boß. ihn in der Wohnung seiner Schwester zu sprechen. Voß kam dem Wunsche nach. Bei der Unterredung erklärte Voß:„Sie haben mir oben einen Strick gedreht und werden mich wohl raus» schmeißen. Das beste ist: wir spielen Theater, indem ich Sic selbst verhafte. Sie bekommen höchstens ein halbes Jahr und. wenn Sie rauskommen, bekommen Sic von mir 2909 M. Dem Zeugen er» schien diese Gage akzeptabel. Er willigte in die neue Komödie. Die Berhaftungsszene sollte auf dein sogenannten„Lause» park"(Courbiereplatz) vor sich gehen. Da erschien denn auch Voß, packte Ponkowski ganz nach Verabredung- Ponkowski wioersetzte sich scheinbar, Voß rief Schutzleute hinöss- ile1c fesselten Ponkowski urch führten ihn ab. Der ganze Zweck der Komödie sei, wie Ponkoivski bekunoete und mehrere Zeugenaussagen glaubhast machien. bcr gewesen, baß Voß einmal einen recht schneidigen Schutzmann markieren wollte, deshalb sollte die Sache auch als eine möglichst gefährliche eingefädelt werden. Der Angeklagte Voß suchte in der Verhandlung die Aussage des Belastungszeugen als Schwindel und Racheakt hinzustellen. Ponkowski habe freilich für ihn als Vigilant gearbeitet, er habe ihm auch einmal einen sehr wichtigen Dienst geleistet. Hierfür hätte Voß ihm 100 M. als Belohnung versprochen, diese habe er bann nicht zahlen können, deshalb sei ihm Rache geschworen. Die Bekundungen des Ponkowski wurden aber durch eine ganze Reihe Momente unterstützt. Unter andereni bekundete der Kriminal- schutzmann Scharmach, der Zeuge Ponkoivski habe ihm schon vier Wochen vor der Tat davon erzählt, daß Voß in ihm dringe, bei ihm einen fingierten Einbruch zu verüben. Zu einer Reihe von Beamten hat Voß geäußert, er möchte mal bei einer Jache bei sein, von der ganz Berlin spreche. Die medizinischen Sachverständigen konnten die Frage, ob Hesse in dauerndes Siechtum verfallen würde, nicht mit Sicherheit bejahen. Staatsanwaltsassessor Roß beantragte gegen Boß eine Zucht- hausstrafe von 3 Jahren und S Jahre Ehrverlust, gegen Hesse 5 Monate Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. Frev bat, von einer Zuchthausstrafe Abstand zu nehmen, da dem Angeklagten ein gutes Leumundszeugnis von seinen- Vorgesetzten ausgestellt war. Das Urteil gegen Boß lautete wegen einfacher Körperverletzung im Amte auf 2 Jahre Gefängnis und gegen Hesse wegen schweren Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle auf die gesetzliche Mindest- strafe von 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Ein nettes Stück polizeilicher Diebeskomödie. Empörendes aus einer Lchrlingszüchtcrei. Ein Bild gewissenloser brutaler Lehrlingsquälcrci wurde am Mittwoch vor dem Landgericht Nordhausen aufgerollt, vor dem sich ein kaum 17jähriger Bäckerlehrling wegen Meineids zu vcrant- Worten hatte. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die vier Lehrlinge des stramm nationalen Bäckermeisters Jäppelt in Sanger- Hausen von ihrem Meister zu einer falschen Aussage veranlaßt worden find, damit er von der Anklage einer Uebertretung der Ge- werbcordnnng freigesprochen werde. Er hatte wegen zu langer Beschäftigung der Lehrlinge einen Strafbefehl über 3 M. erhalten, war aber infolge der falschen Aussagen der Jungen freigesprochen worden. Bald darauf wurde aber festgestellt, daß die bedauerns- werten Jungen mitunter von 1 Uhr nachts bis abends 10 Uhr, als» ununterbrochen 20— zwanzig— Stunden arbeiten mußten und fast gar keine Ruhepausen hatte». Wenn sie in die Fortbildungs- schule kamen, konnten sie kaum die Augen aushalten. Der ange- klagte Lehrling gab das ihm zur Last gelegte Verbrechen unum- wunden zu, doch habe er sowie die anderen Lehrkollegen die für den Meister günstige Aussage auf dessen Veranlassung gemacht. Ter Meister habe sämtliche Lehrlinge kurz vor der ersten Bcr- nchmung sowie am Tage des Termins aufgefordert, auszusagen, die gesetzliche Ruhepause würde ihnen gewährt. Er fügte hinzu, sie sollten ja recht vorsichtig sein und sich ja nicht verplappern. Aus Angst vor dem Meister, der sie wegen jeder Kleinigkeit in der furcht- barsten Weise verprügele, hätten sie sämtlich den Auftrag aus- geführt. Es sei wiederholt vorgekommen, daß die Lehrlinge mit Honigkuchenformen, Feuerhaken, Beilstielen, Klopfpeitschen und Rollhölzern so verprügelt wurden, daß sie braun und blau waren und auch geblutet hätten. Nur aus Angst vor neuen Mißhandlungen habe er bewußlcrmaßen die Unwahrheit gesagt, trotzdem ihn der Amtsrichter auf die schweren Folgen des Meineids aufmerksam machte. In der Beweisaufnahme bestätigten die übrigen Lehrlinge, daß auch sie aus Furcht vor Prügel absichtlich die Unwahrheit ge- sagt hätten. Hierbei kam noch zur Sprache, daß einer der Un- glücklichen, der in jenem Termin von der ihm vom Meister einge- trichterten Aussage ein wenig abgewichen sei, sofort nach der Ge- richtsverhandlung Prügel bekommen habe. Auch von anderen Zeugen wurde bestätigt, daß der brutale Meineidsanstifter schon am frühesten Morgen mit dem Prügeln angefangen habe. Die frühere Wirtschafterin des Schinders bekundete, daß sie oft habe dazwischen- springen müssen, um die Lehrlinge vor Prügel zu schützen. Dem Antrag des Verteidigers, gemäß§ 52, wonach eine strafbare Hand- lung nicht vorhanden ist, wenn der Täter durch Gewalt oder Drohung zur Handlung genötigt ist, auf Freisprechung zu erkennen, trat das Gericht nicht bei, sondern es erkannte auf ein Jahr Ge- fängnis. Wenn auch der Meister der Anstifter sei, so sei der(jetzt 17jährigel Red.) Angeklagte doch für die Tat verantwortlich. Nach Ansicht des Gerichts hat der Junge also die erforderliche Einsicht der Strafbarkeit gehabt. Aber der Lehrlings„bildner", diese Stütze von Thron und Altar? Erst werden die Jungen bis zur Er- schöpfung ausgebeutet, dann mit allerhand gefährlichen Werkzeugen blutig geschlagen und dann für ihr ganzes Leben unglücklich ge- macht. Wird nun der Lehrlingsbildner wegen Mißhandlung und Anstiftung zum Meineide angeklagt werden? Versammlungen. Verband der Gemeindearbeiter. Die am Donnerstag abgehaltene Generalversammlung der Filiale Berlin beschäftigte sich zunächst mit der Frage des Lohnzuschusscs bei Heilstättenbehandlung. Den städti- schen Arbeitern Berlins wird auf Grund eines Magistratsbeschlusses vom 17. November 1902 in Krankheitsfällen bis zu einer bestimmten Dauer die Differenz zwischen Lohn und Krankengeld gezahlt. Sonderbarerweise wird dieser Magistratsbeschluß nicht angewandt aus solche Fälle, wo eine Hettstättenpflege durch die Versicherungs- anstalt oder Berufsgenossenschaft stattfindet.— Die Versammlung beauftragte die Arbeiterausschüsse der verschiedenen Verwaltungen, sich umgehend mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen und zu be- antragen, daß der Magistratsbeschluß vom 17. November 1902 auch bei Heilstätteiibehandlung Anwendung finde. Die von der Ortsverwaltung beantragte Anstellung eines Hilfs- nrbciterS im Filialbureau wurde mit 309 gegen 1S1 Stimmen be- schlössen. Eine lange Diskussion rief die von der Ortsverwaltung in Uebercinstimmung mit den Vertrauensmännern beantragte Revision der Gehaltsskala der Agitationsleiter hervor. Die bisherige Skala beginnt mit 2000 M. und endet mit 2600 M. Nach dem Antrage soll das Höchstgehalt auf 3000 M. festgesetzt werden. Das bedeutet für die Praxis, daß diejenigen, welche das jetzige Höchstgehalt von 2600 M. bereits erreicht haben, durch jährliche Zulagen von je 100 M. in vier Jahren auf 3000 M. kommen würde».— Der Antrag wurde schließlich mit 309 gegen 163 Stimmen abgelehnt. Ohne Debatte stimmte die Versammlung crnem Antrage der Ortsverwaltung zu, der besagt, daß die Arbeitslosen und seit dem 1. Oktober ausgesteuerten Mitglieder eine besondere Weihnachts- Unterstützung erhalten. Dieselbe beträgt für männliche Mitglieder 8 M., für weibliche Mitglieder 3 M., außerdem für jedes Kind 1 M. bis zum Höchstbetrage von 3 M. als Kinderzulage. Briefkasten der Redaktion. Sie luriftlsche epreqstunde findet Linde»str-»e SS, vor« die» Treppe» — Faprttuhl—, wochentiglich«im m dis 7V& Uhr abend», e-anadend», »an i'.h dtS 6 Uhr adend»(mtl. Jeder für den Brieflasten teCtmmten«»frage ist ein viichsmde und eine Zahl al» Mcrtzeichen deizusügen. Briefliche»niwori wird nicht ertiiii. Anfragen, denen leine AdonnemeniSgniiinng beigefügt ist, »erden nicht bianiworiti. Eilige Fragen trage man t« der Sprechftnnde vor. 91. T. 450. Sie sind zahlungspflichtig, sosern nicht durch Ehevertrag Ihr Nießbrauchs- und Verwaltungsrecht an dem Vermögen der Frau aus- geschlossen ist.— G. 91. 53. Die VcriicherungSbcdingungen find maß- gebend.— G. B. 2. Wenn nicht ausdrücklich vereinbart, ist die Ründiaung zum IS. nicht zulässig. Sie brauchen also nichts zurückzuzahlen. Der Mieter ist andererseits jedoch berechtigt, bis zum Ersten nächsten Monats den Raum zu benutzen.— Straßburg. Es werden alljährlich 150 000 M. in den Etat ssir die Vcteranenspendc eingestellt. Die diesjährige Verteilung ist jedoch schon erfolgt. Im kommenden Jahr stellen Sie wiederum einen Antrag. Die AntragSirlst wird zu gegebener Zeit im„Vorwärts» publiziert werden.— Gifler. Ehaiiiisfoplan. Ohne Einsichtnahme in den Miets- vertrag und ohne Kenntnis der etwaigen Nachteile, die Ihnen entstehen könnten, nicht zu beantworten.— W. R. Wilhelmshaven. Nein. — W. 8. Zweisclhast. Wir raten, beim Versicherungsamt, Am Köllnischcn Park 3 anzufragen.— B. 9l. 04. 1. und 2. Von dem Pfarramt Ihres Geburtsortes, falls die Taufe dort vollzogen ist. 3. Die Höhe der Kosten ist nicht allgemein geregelt, sondern in den einzelnen Kircheiigemeinden ver- schieden— F. St. III. Die Geschwister Ihrer Frau und der Mann Ihrer Tochter sind nicht zahlungspflichtig. Leben die Eltern Ihrer Frau und sind diese zahInng-Zsähig, so können diese in Anspruch genommen werden. 2S0. P. M. Nein, salls Sie nicht noch mehrere gute Anzüge und noch etwa einen anderen Winterllb erzieh er besitzen. — Fr. P. 10. t. Wenden Sie sich an das Arbeitersekretariat, Engel- user 11/15. 2. Sosern die betreffenden Sachen von der Versicherung bc- troffen werden, ist die Gesellschaft zahlungspflichtig.— E. R. 24. 1. und 2. Ja.— I. G. 75. 1. und 2. Ihr Bater ist zahlungspflichtig. 8. Das wäre zulässig. Sie müssen sich jedoch eine schriftliche Prozeßvollmacht aus- stellen lassen und dem Gericht überreichen.— Hayna» H. G. Ihre An- sraae ist bereit« in der Nummer des„Vorwärts" vom 22. November be- antwortet.— 9l. S. 10». Die von Ihnen gemachte Ausrechnung dürste auch vom Gericht für zulässig und angemessen erachtet werden.— H. W. 35. Dazu hat die Wirtin keine Berechligung. Sie könnten nach wie vor Ihre Bekannte besuchen und die Zugänge zur Passage benutzen.— Espero 25. 1. Soscrn Ihre Darstellung zutrifft, ja. 2. Unter der Voraussetzung zu 1, nein. 3. Ein solches Gesuch dürste zur Zeit aussichtslos sein. Es muß mindestens ein Jahr verstrichen sein. i. Ja. 6. Nein. Die Beschaffung der Einwilligung des geschiedenen Ehegatten ist zedoch zweckmäßig.— W. M. 07. 1. Nein. 2. Möglich, jetzt aber bedeutungslos. 3. Machen Sic eventuell der Gemeinde Mitteilung von den Verhältnissen Ihres Bruders Ihr Sohn ist an sich ebenfalls hastbar. Er würde aber, salls mannschast ist zutreffend. Ein Rekurs würde aussichtslos � ein NaWralisatiomägesuch beim Polizeipräsidium einzureichen. Wird Ihre Braut naiuralisiert, so ist das Ehesähigkeitszeugnis nicht erforderlich. — F. H. Ol Nk. AuS dem genannten Grunde kann die Rente nicht entzogen werden.— M. St. 00. 1. Nein. 2. u. 8. Fordern Sie, am besten durch eingeschriebenen Brief, vom Vermieter Beseitigung der Mängel unter Setzung einer Frist von etwa 11 Tagen, und drohen Sie an, daß Sie nach Wlaus der Frist auf Lösung des Mietsvertrages klagen würden. Eine solche Klage hätte Aussicht aus Erfolg, wenn eine Gesundheits- gesährdung bewiesen werden kann. Vor Erhebung der Klage ist es zweckmäßig, sich ' H � Todes-Anzeigen SozIaldemokratiseiierWalilvErein f.d.Z.Berl.ReicIistags-ffalilkreis. Bezirk 72. Am 4. d. MtS. verstarb unser Mitglied, der Gastivirt Julius Luckow Möckernftr. 131. Ghre feinem Andenken! v?e"digui,g stndet Montag, den 8 d. MtS., nachmittags 3 Uhr von der.Halle de» Luka».Kkrchhos«' Britz, Tcmpelhoser Weg, aus statt! Um rege Beteiligung bittet 194/3 Ter Vorstand. Bvziaidemoki'atizeliel'Valilvmiii f. i 2. Berl. Reichslagswalilkreis. Bezirk 135. Am 3. Dezember verstarb unser Mitglied, Frau Dons Intopf. Ehre ihrem Andenken t Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 6. Dezember, nachmittags 1'/,Uhr, von derHalle des Zentralsriedhoscs in Friedrichs- jelde aus statt. Um rege Beteiligung bittet 194/12 Der Vorstand. Bozialileinoki'atlAiIiei'Vaiilvei'elfi U.ß.Bei'I.BeWagz-WIki'eiZ. Am Dienstag verstarb unser Genosse, der Dreher tieinrick Weber früher Lüderitzsw. 59. Bez. 770a. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heule Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, auf dem Geincindesriedhos in Rcmickendors.Ost statt. Um rege Beteiligung ersucht Her Vorstand. Dienstag verstarb unsere Genossin, Frau kerta Nora srüher Swinemünder Str. 77. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 2'/. Uhr. von der Halle de» städtische» Fried- böses, Müllerstratze, Ecke See- straße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/2 ver Vorstand. Am Mittwoch starb im 39.LebenS> jähre meine liebe Frau I�s KoicK. Ter trauernde Gatte Hans Beicli. ®e"MBun0 findet morgen 9j,Si.naSn"rtQ8 S Ubr vom «f* Eriedboi am Marien- dorfer Weg au« statt IbA DeutschErMelaHarheiter-Yerbajui Vcrwaltunpsstelle Berlin. Den Kollegen«ur Nachricht, büß unser Mitglied, die Arbeiterin kerta Nora Kopen Hagener Str. 54. am 4. De- zcmber an Lungenlciden ge- Ilorben rst." Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Dezeinber, nach. mittags 2'/« Ubr, von der Leichen- balle deS Städtischen Friedhoscs in der Müllerftraßc aus statt. Femer starb unser Mitglied, der Klempner >Vlsälslsu8 I�eicK Swinemündcr Str. 77, am 4. Dezember an Lungenlciden. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Dezember. nachm. 3 Ubr, von der Leichenhalle de» HedwigS-Kirchhosc». Reinicken- dors, Berliner Str. 25, aus statt. Ehre ihrem stlndeiiken! Rege Beteiligung erwartet 131/2 Die Ortsverwaltung. Todeöanzcige. Nach langem, schwerem Leiden vernarb am Mittwoch, den 3. De- zcmber, mein lieber Mann, unser guter Batcr, der Arbeiter Joseph Pingel im Atter von 53 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Montag. den 8. Dez.. nachm. 1-/, Uhr. von der Halle de» städtischen Fried- hose«, Seestraße, au« statt. 79A Veriiaai! der Maler, Lackierer, Anstreiclier usw. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nal daß unser Mitglied, der Maier Josvf Holiz am 3. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Sanntag, den 7. d. MtS., nach» mittags 3 Ubr, von der Halle des Matthäus-KirchhoseS in der Groß- görsch enstraße aus statt. 133/3 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beiveise herzlicher Teilnabme bei der Beeroigung meiner 'iebcn Frau, sage ich hiermit allen Verwandten und Belannten meinen innigsten Dank. _ Fritz KruliS. Herren-Moden kertig; und nach Maß, wirklich vorzügliche Ausführung. Großes Stofilager. Monatszahlung 10 II. Goldstein Torckstr. 51, Nähe Bfllowstraße. an das Polizeipräsidium mit dem Antrage aus Untersuchung der Räume zu wenden.— L. G. 33. L bi» 3 Mark. — M. K. Zur Herausgabe der alten Maschine ist die Firma nicht ver- pflichtet, desgleichen nicht zur Annahme der neuen. Sie müssen vielmehr die vereinbarten Raten pünktlich zahlen, andernfalls die Firma Klage auf Zahlung des gesamten Kaufpreises erheben könnte.— 91. Sch.» Borna. Nach der Rcichsversicherungsordnung können die sreien Hilsskassen al» Ersatz- taffen zugelassen werden. Ob dies sür die hier in Frage kommende Kasse zutrifft, erfahren Sie durch Nachfrage beim Vorstand: eventuell auch aus dem Statut ersichtlich.— P. P. 5. Als gesetzliche Erben würden Sie so- wie die Geschwister Ihres Mannes in Frage kommen. Die WirtschaftSsachcn verbleiben jedoch in vollem Umfange der Ehestau.— B. B. 103. Ohne Bezeichnung der Sachen nicht näher anzugeben. Die zur standesgemäßen Führung des Haushalts notwendigen Gegenstände müssen belassen werden. F. 00. Fordern Sie die Eigentümerin nochmals unter Fristsetzung zur Aussührung der Renovation ans und drohen an, daß Sie nach fruchtlosem Abiaus der Frist die Arbeiten selber ausführen lassen werden. Die Kosten dafür können Sie alsdann einklagen.— Vorwärts 100. 1. Nach Ihrer Darstellung nicht. Ist jedoch eine Verurteilung zur solidarischen Hastung erfolgt, so kann der Gläubiger in voller Höhe seine Ansprüche von dem Besitzer des Autos einziehen. 2. Fragen Sie eventuell bei der Nord- deutschen MetallberusSgenossenschaft, Berlin, Tempelhofer Nser 1». an. — I. I. 20. Wenden Sie sich an die Steuerdeputation des Magistrats. Ist dort die Bezahlung nicht jestzustellen und können Sie auch durch Ouit- tungen die Zahlungen nicht nachweisen, so sind Sie zur nochm öligen Zah- lung verpflichtet.— G. G. 500. Wenn ein Sachverstandiger unsachgemäße Arbeit bekunden würde, können Sie den Restbetrag bis zur sachgemäßen Herstellung zurückbehalten.— E. G. 81. Den Antrag aus Ermäßigung stellen Sie dann, wenn die Erwerbslosigkeit Ihrer Frau 10 Wochen ange- dauert hat. Das Stammbuch dürste ausreichen. Falls Sie keine besondere Vorladung erhalten, müssen Sie selber zum Amtsgericht Mitte gehen und zwar srüheitens am 20. Dezember.— N. 100. Um Auszahlung zu er- langen, müßte Klage aus Abgabe der EinwilligungSerllärung gegen Ihre Frau erhoben werden. IrdnU Wwst*•■'rtÄtirr.Pd der Wtoalcm.,. SoziaidcniokratisctierWatilverein Neukölln. Am 4. Dezember verstarb unsere Parteigenossin krau lös Reick Erlanger Straße 12. 5. Bezirk. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuköllner Gemeinde» sriedhoseS, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 238/19 Der Vorstand. ItltSkvN- und Großes Lager in Jeder Ausführung, ndr eigene Anfertigung, zu sehr billigen Preisen. Herren-Garderobe nach Mast Karl Hiistadt, 2 Minuten vom Schlcs. Bahnhof. Beulsdier Bolzarbeiterverbaod. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Mechanik- arbetterin liechvig Liebreich Fticbrichäfclbc, Waldersecslr. 53, im Alter von 26 Jahren ge- starben ist. 02/18 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des KarlShorster FriedhoseS aus statt. Die Ortsverwaltung. Direkt von der Quelle erhalten Sie l'slmatminentb.ZGbwöfcsrkäsk u. daher am bill. von UN» das Psund zu 85 it. 90 Pf. franko per Nach». Ochsenreiter u. MSsle, Oberreute. daher. Allg. 148/8* ig: Greift zuI�B •Ted. Herrn, der sich eleg. u. bill. kleiden will, empfehle elegante Monatsgarderobe in feinsten Werkstatt. Berlins gearb,, von Herr- schaften.Doktoren,Kavalierennur kurze Zeit gebr.(für jed. Fig.pass.) Kavalier-Jaekett-AnztlgeS, 10, 14, 1»» . Kavalier-Rock-Anzüge 10, 12, 16, 20 M. ' Kavaüer-Paletots 8, 10, 14, 18 M. Kavalier-Herren-Hosen 2.50, 5,00 M. 1 Bister, sehr billig.* GroBe Abteilung neuer Garderobe Mnllisnop Qr. 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Schwarzer Adler, Frinks. Chllillscc 5 Ober-Zeliölleveiüe. Wilhelminenhof, schMpÄ Pankoff, Zum Kurfürsten, ßttlinct Str. 102. Weißensee, Schloß Weißensee, 9««»« jii« 205/210 Tagesordnung: KtilHaranarehie statt Verfassmtgsreeht Abgeordneter Otto Braun Burk-Dresden Br. Oskar Cohn Bmll ElcllllOrii, Redakteur Richard Fischer Konrad Haenisch n ti f/ rt Referenten: Abgeordneter Adolf Holfmann Oeorg Fedehonr Br. Karl Fiehknecht Herrn. Hilller, Parteivorstand „ Wilhelm Pfaunknch Br. �ncsscl-Tarmstadt fp 197/ iS* Abgeordneter Robert Schmidt Arthur Stadtha�en Heinrich Ströbel „ Br. Wcill- Straßburg Fritz Znheil Ter Einberufer: Lußen Ernst, Lindenstr. 2. #/ /f Extra bMAiunnhmeprelse zum(dellmuctitsfeste Dauer nur bis Montag, d, 8. Dezbr. Prompt. Verund n.d) außerhalb Mandiester-Anzüge Tide Farben, Größe 1......... Mandiester-Änzüge Qualität I, GrSüe 1........... Blusen- Anzüge bla« Cheviot, Größe 1......... Prinz-Heinr.-Anzüge farbige Buckekins, Größe 1...... 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Alle Arbeiter und alle Anhänger der bürgerlichen Freiheit müssen daher in die Versammlungen strömen, in denen am Sonntagmittag gegen die Zaberner Säbelexzefse und die Militärdiktatur protestiert werden soll. Nieder mit der militaristischen Uederhedung! Es lebe das Hecht des Uolkes! partci- Hncfelegenhciten. Bierter Wahlkreis. Heute abend, präzise S Uhr. findet das Becthoven-Äonzert unter Mitwirkung des Berliner Bolkschors. des BlüthnerorchesterS und verschiedener Solisten und unter Leitung des Herrn Dr. Zander im großen Saal der Brauerei Friedrichs- Hain, statt. Billets a 70 Pf. sind zu haben im Bureau des Wahl- Vereins, Stralauer Platz 10/11, in den Speditionen Böhm, Lausitzer Platz 14/15, Hackelbusch, Petersburger Platz 4, Hanisch, Acker- stratze 174, Zucht, Jmmanuelkirchstraße 12, P. Hoffmann, Königs- berger Stratze 28, Kölbel, Büschingstratze 27, in den Verkaufs- stellen der Konsumgenossenschaft Elbinger Straße 42, Hufeland- straße 17 und am Eingang dcS Konzertlokals. Schöneberg. Sonntag, den 7. Dezember, morgens SU Uhr, findet eim wichtige Handzettelverbreitung von den Leseabend- lokalen aus, statt. Genossen und Genossinnen wollen sich rege daran beteiligen. Treptow-Baumschulenwrg. Morgen Sonntag, früh 8H Uhr, wichtige Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Hohenschönhausen. Heute abend Flugblattverbreitung von den Bezirlslokalen aus. Schmargendorf. Die Genossen versammeln sich am Sonntag, vormittags 11 Uhr, im Restaurant„Waldkater", Warnemünder Straße 14, zur Teilnahme an der Versammlung in WilmerS- dorf. NowawcS. Eine Proteswersammlung gegen die Säbeldiktatur findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, in Schmidts Festsälen lJnh. Hermann Wolfsgramm), Wilhelmstrahe 41/43, statt. Das Erscheinen aller Genossen und Genossinnen wird bestimmt erwartet. Lerüner Nacbrichten. Ei« Abend in der Arbeiter-Bildungsschule. Rauschenden Strömen gleich fließt der großstädtische Ver- kehr im Zentruni der Stadt, am Alexanderplatz zusammen. Wir aber verlassen diesen Schauplatz des Hastens und Trei- Kens, um nach des Tages Mühe an ruhigerer Stätte Er- holung und Genuß zu suchen: im gastlichen Heim der Ar- beiter-Bildungsschule, in der nahen Grenadierstraße gelegen. Beim Eintritt in den hohen, einfachen Raum grüßt uns von roter Drapierung umgeben die Büste Wilhelni Lieb- knechts, des begeisterten Gründers und langjährigen Förderers der Schule. Nur wenige Schüler haben sich erst eingefunden, aber bald ist der Zustrom lebhafter. Männer des Prole- tariats jeden Alters, markante Gesichter, in deren Zügen sich 'das strenge Wechselspiel schwerer körperlicher und zugleich ernster geistiger Arbeit widerspiegelt. Allabendlich kommen hier zahlreich die Wißbegierigen der Arbeiterklasse zusammen, um durch systematischen Unterricht ihr mangelhaftes Wissen zu bereichern, die Waffen zu schmieden für den erhabenen Be» freiungskampf der Menschheit. Sie haben das Wort ihres großen Lehrmeisters und Vorkämpfers Ferdinand Lassalle verstanden: Von den hohen Bergspitzen der Wissenschaft aus sieht man das Morgenrot des neuen Tages früher, als unten im Gewllhle des täglichen Lebens. Die Arbeiterklasse ist hier in der Tat bemüht, diese Worte zu verwirklichen, sich zu den lichten Höhen menschlicher Erkenntnis emporzuarbeiten, von denen aus sie die Forderungen und Notwendigkeiten des Tages zielklarer, bewußter verfolgen kann. Immer vielgestaltiger wird das Leben und Treiben der lernbegierigen Arbeiter. Währenjl oben aus den Schätzen der Bibliothek ein lebhafter Büchewustausch einsetzt, herrscht unten im Saal ein reges Interesse für den wohlgefüllten Zei- tungsschrank, oder kleine Gruppen führen in gedämpfter Sprache eine angeregte Unterhaltung. Ein energisches Klingelzeichen des Lehrers kündet den bc- ginnenden Vortrag an. Wie ein elektrischer Schlag zuckt es durch den lichten Raum— tiefe Stille und alles lauscht den interessanten, schön geformten Ausführungen über Wirt- schattsgeschlchte. Der Redner, ein meisterhafter Pädagoge, findet für seine lehrreichen Worte ein dankbares Publikum. Mancher berühmte Universitätsprofessor kann ihn um dieses Auditorium beneiden. Es sind allerdings die Angehörigen des„vierten Standes", die in diesem seltenen Hörsaal eine eigene Geisteskultur treiben, deren Wirken schon täglich ficht- bar in die Erscheinung tritt, deren Früchte erst in der Zu- kunst zu voller Reife gelangen. Eifrig werden Notizen gemacht, um den Sinn der Worte für spätere Stunden zu besitzen. Dem reichlich einstündigen Vortrage folgt eine gehaltreiche Debatte, Lehrer und Schüler tauschen in freiem Verkehr ihre Gedanken aus, ohne daß die „Autorität" des ersteren irgendwie untergraben wird.— Gleiches tritt auch bei den übrigen Lehrfächern in Erschei- nung. Langsam leert sich das Schullokal. Leuchtenden Auges verlassen die Arbeiter heute ihre Bildungsstätten, immer wiederkehrend zu der Quelle des Wissens. Vom städtischen Rcttungswescn. In der letzten Sitzung de-Z Kuratoriums für das städtische Rettungswesen wurde bn'chlossen, die Rettungsstellen am Spittclmarkt und in der Kommandantenstraße vorläufig an ihren bisherigen stellen zu belassen während die Errichtung einer neuen Reltungs- Pelle un Nordosten zum 1. April 1012 in Aussicht genommen wurde. Gleichzeitig wurde beschlossen, durch praktische Versuche festzustellen, ob es sich nicht durch eine Abänderung der auf das Stettungs- Wesen hinweisenden Transparentlaternen ermöglichen läßt, ohne Erhöhung der Gesamtkosten die Zahl der Transparente zu ver- mehren. Tic neuen Ehrenbürger der Stadt Berlin. Die Stadtverord- netenversammlung hat am Donnerstag in ihrer geheimen Sitzung dem Antrage des Magistrats zugestimmt, den beiden Vorstehern, Herrn Michelet und Herrn Cassel, das Ehtenbürgerrecht zu ver- leihen. Das Leichtkrankenhaus. Der Magistrat hat in seiner Freitagösitzung den Entwurf für den Ausbau des Johannes-Stiftes für die Zwecke eines Leicht- krankenhauses genehmigt. Es sollen in dieser Anstalt 181 Betten für den genannten Zweck installiert werden. Sie wird in bctriebs- technischer Hinsicht unabhängig von den anderen Anstalten sein und nur hinsichtlich der Wäscherei von dem Krankenhaus Moabit ver- sorgt werden. Es wird angestrebt, die Anstalt im nächsten Früh- jähr, voraussichtlich im Monat Mai, in Betrieb zu nehmen. Tie Ausstellung empfehlenswerter Jugendschristen im Gewerkschaftshaus, verbunden mit einer Ausstellung von Wandschmuck und Beschäftigungsspielen ist heute, Sonnabend, von 7 bis 9 Uhr, an den folgenden Tagen bis einschließlich Sonntag, den 14. Dezember, täglich von 3 bis 9 Uhr geöffnet. Die von der Buchhandlung Vorwärts eingerichtete Verkaufs- stelle ist in der üblichen Geschäftszeit geöffnet. Die Aus- stellung der Jugendschriften und der Beschäftigungsspiele be- findet sich im Ouergebäude, Saal III, die Verkaufsstelle des Vorwärts im nebenbei gelegenen Saale II. Im jetzigen Aus- stellungsraum verbleibt die Wandschmuck-Ausstellung und die Ausgabe der Schriften zur Bekämpfung der Schundliteratur. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei, doch haben Kinder nur in Begleitung von Erwachseneu Zutritt. Es wird dringend gebeten, in den Ausstellungsräumen nicht zu rauchen. Zum Morde an der(Serhardt. Der Unterkörper gefunden. Zu Gerüchten von einem neuen Morde gab gestern vormittag ein unheimlicher Fund im Stadtschleusenkanal Veranlassung. Gegen 10 Uhr sah ein junger Mann unter der Gertraudtenbrückc einen nackten Teil eines menschlichen Körpers treiben. Er benachrichtigte einen Schutzmann, und dieser bestieg mit ihm und einem anderen Manne den RettungSkahn, um den Fund zu bergen. Es ergab sich, daß man cS mit einem weiblichen Unterleib und mit Oberscheiitelii bis zu den Knien zu tun hatte. Ter Leichenteil wurde auf der Laderampe an der Oberwasserstrahe einstweilen geborgen. Der Vorgang lockte bald viele Menschen an, und so verbreitete sich in kurzer Zeit das Gerücht, daß abermäls ein Kapitalverbrechen ver. übt worden sei/ Es unterliegt aber kaum einem Zweifel, daß der Körperteil zu dem Oberkörper der ermordeten Gerhardt gehört, der vor vier Wochen an der Waiscnbrücke aus der Spree gelandet wurde. Darauf weist schon die Schnittfläche hin. Ter Unterleib enthält noch die Eingeweide. Die Unterschenkel sind an den Knien abge- trennt und noch nicht gefunden. Der Leichenteil hat bis jetzt viel- leicht irgendwo unter einem Kahn gelegen und ist nun erst zum Vorschein gekommen. Die Verwesung ist wohl deshalb noch nicht weiter vorgeschritten, weil der Leib nicht mehr geschlossen war. So konnten sich kein« Gase mehr bilden, die sonst wohl eine stärkere Zerstörung hervorgcrusen hätten. Die Kriminalpolizei ließ den Fund schleunigst nach dem Schauhause bringen, wo er alsbald ärzt- lich genauer untersucht werden wird. Gestern nachmittag fand im Schauhause durch den GerichtSarzt Professor Dr. Strauch die Besichtigung der Leichenteile statt. Die Vermutung, daß sie zu der Leiche der ermordeten Gerhardt ge- hörten, bestätigte sich. Es fehlen also jetzt nur noch die Unterschenkel mit den Füßen. Ter Mörder hat. um sie von den Oberschenkeln zu lösen, mit seinem Werlzeug an den Knien wiederholt angesetzt und sie so aus dem Kugelgelenk herausgenommen. Es fragte sich nun, ob der neue Fund gleichzeitig mit dem Oberkörper ins Waffer ge- warfen sein kann oder erst später. Die Beschaffenheit des Fleisches und namentlich der FeUvcrkalkung läßt darauf schließen/ daß der Unterkörper schon lange im Wasser gelegen hat, also wahrscheinlich zu der gleichen Zeit wie der Oberkörper hineingekommen ist. Wahr. scheinlich hat der Mörder dann auch gleich die noch nicht gefundenen Unterschenkel dem Wasser übergeben. Wichtig wäre es nun, zu wissen, ob nicht jemand in der Zeit vom 27. Oktober bis 4. November, den Tagen des Verschwinden? der Gerhardt bis zum Auffinden ihrer Leiche, von dem Wegschaffen dreier Pakete von irgendeiner Wohnung oder Laube aus nach dem Wasser zu etwas gesehen hat. Es kann auch fei», daß in der Zeit vielleicht jemand Papier zu der Hülle oder anderes Material zu diesem Zwecke gekauft bat. Vielleicht erinnert sich ein Geschäfts- mann eines derartigen Vorganges. Alle, die nach dieser Richtung oder sonst irgend ctwaS über di« Gerhardt wissen, werden nunmehr unter Hinweis auf die Belohnung von 2000 M. noch"einmal drin- gend ersucht, sich unverzüglich im Zimmer 87 dcS Polizeipräsidiums zu melden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß manche mit dem, waS sie über die Gerhardt noch wissen, zurückhalten. Allen diesen Leuten, die sich aus irgendeinem Grunde scheuen, ihre Wahr- nehmungen uiitzutcilcn, wird die strengste Diskretion zugesichert. Thüringer Heimarbeiter haben sich zu einer Glasbläser- Genossenschaft des Meininger Oberlandes zusammeiigetan und sie stellen ihre eigenen Erzeugnisse vom 8. bis 22. Dezember im Ge- werkschaftshause und Usedomstraße 32, im Restaurant von H Koch, zum Verkauf aus. Der von den so gedrückten Glasarbeitern her- gestellte Glas-Christbaumfchmuck und moderner Baumschmuck ist iehr begehrt und es kann der Kauf dieser Erzeugnisse nur empfohlen werden. Ein Zlrbeiter von seinem Arbeitgeber erschlagen. Ein trauriger Vorfall, der mit dem Tode eines Menschen endete, hat sich am Donnerstagabend in Lichtenberg abgespielt. Der 37jährige frühere Produktenhändler Friedrich Hilde. brandt, der in dem Haufe Tasdorfcr Stratze 14 wohnt, war erst am Donnerstag morgen bei dem Kohlenhändler Adolf L i n d n e r in der Möllendorffstratze als Kutscher eingetreten. Er hatte von seinem Prinzipal den Auftrag erhalten, vom Bahnhof Lichteitberg eine Fuhre Preßkohlen nach der Alfredstraße zu schaffen, dort den Betrag von 70 Mk. einzukassieren und das Geld dann bei ihm abzuliefern. Nachdem Hildebrandt die Kohlen aufgeladen hatte und sich auf dem Wege zur Alfrcdstraße befand, wurde sein Wagen von mehreren Männern umringt und er selbst in eine Kneipe ver- schleppt, wo sie ihn vollständig betrunken machten. Inzwischen brachten die Unbekannten den Kohlenwagen nach Neukölln, wo sie die Ladung verkauften; sie fuhren dann nochmals nach dem Güter- bahnhof Lichtenberg, wo sie zwei Fuhren hintereinander abholten und verschärften. Gegen Abend brachten die Männer das Führ- werk vor die Kneipe, wo sie Hildebrandt zurückgelassen hatten und dieser fuhr nun zu seinem Auftraggeber zurück, dem er den Vorfall schilderte. Ter Kohlenhändler geriet hierüber in eine solche Wut, daß er einen Besen ergriff und so lange auf Hildebrandt, einen kleinen, sehr schwächlichen Menschen losschlug, bis dieser bluiübcr- strömt zu Boden sank. Einige Arbeiter entrissen den Bewußtlosen schließlich den Händen des sich wie rasend Geberdenden und schafften Hildebrandt in seine Wohnung. Die Frau des Arbeiters glaubte, daß der Mann total betrunken sei und bekümmerte sich zunächü nicht lveiter um den Zustand des Mannes. Nach wenigen Minuten verstarb jedoch H. infolge der furchtbaren Kopfverletzungen, die Lindncr ihm beigebracht hatte. Die Frau bemerkte zunächst noch immer nicht, daß ihr Mann tot fei und holte erst gestern mittag, als H. nicht wieder erwachen wollte, einen Arzt herbei. Tiefer stellte den bereits am Donnerstag abend erfolgten Tod des Kutscher? fest. Der Kohlenhändler, der bereits mehrfach wegen schwerer Miß- Handlungen vorbestraft ist und vom Gericht als geistig minder- wcrtig erklärt worden ist, wurde verhaftet. Märchennachmittage für Gemcindeschulkinder bcranstalict das Amt für soziale Arbeit der Berliner Freien Studentenschaft unent- geltlich vom 9. und 10. Dezember ab wöchentlich. Sie finde» siait: Dienstag nachmittags von kl-5 bis'AO Uhr in der 143. Ge- meindeschule, Culmstr. 15, in der 235. Gemeindeschule, Litthaucr Stratze 18, in der 228. Gemcindeschulc, Pasteurstr. 5, in der 14. Ge- meindeschule, Antonstr. 10/15. Mittwoch nachmittags von'Aö bis Aß Uhr in der 121. Ose- meindeschule, Prenzlauer Allee 227/228, in der 133. Geiiuindefchnle, Bergmaniistr. 28/29, in der 250. Gemeindeschule, Waitstr. 16, in der 194. Gemeindeschule, Prinzenallcc 8. Vcrkehrsanordnnngcn. Der Polizeipräsident hat bestimmt, daß die Nicdcrwallstraße zwischen der Kleinen Jägcrstraße und dem Spittclniarkt 1. im Durchgangsverkehr überhaupt nicht, 2. für den übrigen Verkehr nur in der Richtung von der Kleinen Jägcrstraße nach dem Spittclmarkt befahren werden darf. Das Berliner Zlquarium verfügt trotz feines kurzen Vestchens bereits Über 11 Arten von Riesenschlangen. Einige davon sind sogar in mehreren Stücken da. Insbesondere sind die Tiger-, Teppich-, Diamant-, Hieroglyphen-, Abgottschlangc sowie die scltcncr zu findenden Arten der Madagaskar-, Kaiser-, Schlank-Boa, Anakonda usw. vertreten. Beim Namen Riesenschlange denkt der Beschauer i» der Regel an die südamerikanische l!os constrictor, was ein Irrtum ist; die längsten und dicksten sind nämlich die indisch-malaiischen Python-Artcn, von denen das Aquarium eine riesige Netzschlange schon lange vor der Eröffnung erworben, hatte, Die Schlangcnsamnilung des neuen Aquariums übertrifft diejenige des alten bereits um ein Vielfaches. Ter Umbau des Zirkus Schumann. Das Umbauprojekr des Zirkus Schumann, das im wesentlichen die Forderungen des Polizeipräsidiums zur Grundlage hat, liegt nun dem Ministerium des Jnnerii vor. dessen Genehmigung in der nächsten Zeit zu er- warten ist. Man kann nunmehr bestimmt annehmen., daß mit dem Umbau im Frühjahr begonnen und der Zirkus in seiner neuen Gestalt im Herbst eröffnet werden kann. Auch nach der Umge- staltung soll das Deutsche Theater zur Direktion des Zirkus Säiu- mann wie bisher in einem Pachtverhältnis stehen. Das Deutsche Theater plant die Verausialtung von ungefähr"6 9 Bor- stell un gen im Jahr. Alle anderen Vorführungen und Ver- nnstaltiiiigen in dem neuen Hause werden auch weiterhin unter der Direktion von Albert Schumann stehen. Die ArbcitcrbildungSschule hielt am Sonntag ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Jahresbericht lag gedruckt vor. Der Vorsitzende. Genosse Lamms, sprach sein Bedauern darüber aus, daß jstvei alte Lehrer der Schule, die Genossen Grunwaldt und Borchardt, im lausenden Ouarlal an ihrer Lehrtätigkeil gehindert Die Schule hat gegen das Vorjahr zirka 200 Mitglieder ver- loren. Da diese Tatsache darauf zurückzuführen ist. daß die Partei die Bildungsarbeit viel intensiver betreibt, als noch vor ganz kurzer Zeit, ist irgend eine Gefahr in dem Rückgang der Mitgliederzahl nicht zu erblicken. Die Schule wird in nicht allzu ferner Zeil so- wieso dem Lildungswesen der Partei organisatorisch angegliedert werden. Für die Bibliothek und Zweckmäßigkeit derselbe» spricht der Umstand, daß selbst im schulfreien Sommerguartal 895 Bände aus- geliehen wurden. An den Vorstandsbericht schloß sich eine lange, zeitweise sehr erregte Diskussion, die mit der Annahme eines An- rrages endete, nach dem der Vorstand an die in Frage kommenden Instanzen das Ersuchen richten soll, das gegen Borchardt und (Ärunwald gerichtete Verfahren zu beschleunigen, damit die Schule ihre Lehrer möglichst schnell wieder bekomme. Die danach vorgenommene Neuwahl des Vorstandes hatte fol- gendes Ergebnis: Vorsitzende: Lamms und Miethle: Kassierer: Königs und Elsner? Schriftführer: Beil und Mahler; Bibliothekar: Balzer; Revisoren: Rohloff und Wagner. Vorort- f'fodmcbtem Weihensee. Notstandsmaßnahmen. Die sozialdemokratische Fraktion hat an den Gemeindevorstand sowie die Gemeindevertretung erneut eine Petition eingereicht, worin ersucht wird, Maßnahmen gegen die immer mehr überhandnehmende Arbeitslosigkeit zu treffen. Die Petition enthält allgemeines statistisches Material unter Zugrundelegung der Verhältnisse in Weißensee und außer- dem ist die 3. Beilage der Nr. 398 des„Vortvärts" der Petition als Anlage überwiesen, die den Stand der Arbeitslosigkeit in Groß-Berlin durch die Berliner Gewerkschaftskommission darstellt. Ferner sind Grundsätze für die zu treffenden Maßnahmen er- läutert. Unsere Genossen verlangen wom Hochbauamt die so- fortige Inangriffnahme des Feuerwehrdienstgebäudes, die Vornahme größerer Reparaturen in anderen öffentlichen Gebäuoen, sowie die Inangriffnahme der laufenden Unterhaltungsarbeiten. Vom Tiefbauamt sollen die noch fälligen Kanalisationsarbeiten in Angriff genommen werden, ebenso Straßenbauten, Platz- und Schmuckanlagen. An direkten Unterstützungen wird gefordert: loyalste Handhabung der Armenunterstützung, direkte, auf Antrag bare Unterstützung an Arbeitslose, Mietszuschüsse, Ausgabe von Speisemarken an Arbeitslose und Witwen auf warmes Essen in oer Volksspeiscanstalt, Verteilung von warmem Essen an Schulkinder Arbeitsloser: Ankauf von Brennmaterial seitens der Ge- meinde und Abgabe zum Selbstkostenpreis, Gewährung einer Teuerungszulage an alle Gemeindeangestellten mit einen: Ein- kommen unter 1899 M. Zugleich wird beantragt, daß alle Unter- stützungen und Vergünstigungen nicht den Charakter der Armen- Unterstützung tragen. Hohen- Schönhausen. Eine Kirchenaustrittsvcrsammlung findet morgen, Sonntag, nachmittags 2 Uhr, im Lokal von Schultze, Hauptstraße 3/9, statt. Als Referenten sind angegeben Dr. Zepler, Emil Unger und Frau Klara Bohm-Schuch. Borsigwalde. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins wurde zunächst als Schriftführer Genosse Schölzke gewählt. Hierauf hielt Genosse Glöckner einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie. Alsdann erstattete Genosse Schäfer den Bericht der Bezirksleitung. Redner erwähnte, daß bei der Landtagswahl von 2999 eingeschriebenen Wählern 1213�ihr Wahlrecht ausgeübt hätten, von diesen entfallen 1971 auf die Sozialdemokratie, 22 auf die Liberalen und III auf die Konservativen. ES wurden 23 sozialdemokratische, 2 liberale und 7 konservative Wahlmänner gewählt. Eine überfüllte Protest- Versammlung habe sich gegen die Bewilligung von 25 999 M. aus Gemeindemitteln gewendet, die die Gemeindevertretung zum Bau einer Kirche hergegeben habe. Als Antwort hierauf hätten 199 Vrsammlungsbesucher ihren Austritt aus der Kirche erklärt. Eine weitere Versammlung habe sich mit den trostlosen Schulvcrhält- nisscn beschäftigen müssen, weil trotz Fertigstellung� der neuen Schule Kinder von Borsigwalde nach Wittenau zur Schule gehen müssen. Leider habe die Gemeindevertretung zu dieser Angelegen- yeit noch nicht Stellung genommen. Der Antrag der Bezirks- leitung, in Zukunft auf allen Zahlabenden, sowie bei Flugblatt- Verbreitungen eine Präsenzliste zu führen, wurde angenommen. Dagegen der Antrag, nur alle Vierteljahr eine Mitgliederversamm- lung stattfinden zu lassen, abgelehnt. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden zu regerer Mitarbeit für die Par- tci auf. Bernau. lieber die„Forderungen der Arbeitslosen an die Kommune" referierte am Dienstag Genosse Paul Tuvont in einer sehr gul be- suchten Arbettslosenversammlung. Der Referent zeigte an Hand der Statistik den großen Umfang ber Arbeitslosigkeit, er wies darauf hin, daß die Kommune sowie der Staat verpflichtet seien, durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit dem bestehenden Notstand entgegen- zutreten: aber auch die Einführung der Arbeitslosenversicherung sei eine Pflicht, die die Kommune auf die Dauer nicht außer acht lassen kann. Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen des Redners. In der Diskussion betonte Genosse Zinnow, daß am Orte die Arbeits- losenfürsorge abgelehnt und vorläufig auch nicht an eine Einführung derselben zu denken sei; er schlug dann vor. eine Kommission zum Bürgermeister zu senden, die ihm die Forderung der Versammlung auf Schaffung von Arbeitsgelegenheit unterbreitet. Die Genossen Sasse, Krause und Rückert wurden beauftragt, mit dem Bürger- meister zu verhandeln. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Versammlung geschlossen. Wie berichtet wird, hatte die Verhandlung der Kommission den Erfolg, daß der Bürgermeister versprach, die nötigen Vorbereitungen ,u treffen, damit Ansang nächster Woche mit den städtischen Ar- besten begonnen werden kann. Es sei noch darauf hingewiesen, daß heim Genossen Adolf Herrmann. Bürgermeisterstraße, eine Liste aus- liegt, wo alle Arbeitslosen, die auf Arbeit reflektieren, sich einzeichnen sollen. Nieder-Schönhause«, Nordend. Aus der Gemeindevertretung. Aus Anlaß des Brandes des Hauses Beuth- und Ecke Körnerstraße hatte die Einwohnerschaft sich lebhaft mit der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr beschäftigt. Bc- sonders wurde das späte Erscheinen der Feuerwehr kritisiert; ferner, daß die Schläuche undicht gewesen seien und die Hydranten nicht funktioniert hätten. Der Gemeindevorstand hatte sich nun an den Vorstand der Feuerivehr um Aufklärung dieser Angelegenheit ge- wandt. Die angeblichen Unzuträglichkeiten sind von diesem dahin erklärt worden, daß die Feuerwehr zu spät alarmiert worden sei. Was die undichten«chläuche betreffe, so müsse gesagt werden, daß sich ein solcher Uebelstand nicht ganz vermeiden lasse, trotzdem eine Prüfung derselben in kurzen Zeiträumen stattfinde. Die Hydranten sollen häufiger nachgesehen werden.— Zu dem vorjährigen Fleisch- verkauf wurden eine Anzahl Gerätschaften angeschafft, dieselben sollen nun öffentlich versteigert werden. Gegen den Verkauf der Geräte wandte sich Genosse Hiege mit der Begründung, daß die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Fleischverkaufs vorliege, schon deshalb, um etwaigen Preistreibereien der hiesigen Schlächtermeister zu begegnen. Die Vertretung beschloß, von dem Verkauf der Geräte Abstand zu nehmen. Die ersten Wagen der Linie 23 fahren zu spät ab, dadurch nützt den Arbeitern diese Linie nicht viel. Auf Vorschlag unserer Vertreter soll eine Liste ausgelegt werden, in welche sich alle diejenigen einzeichnen können, die ein Interesse an Einstellung von Frühwagen haben. Dem wurde zugestimmt. Es soll zu diesem Zweck eine besondere Bekanntmachung des Ge- meindevorstandes an den Plakatsäulen erfolgen. Die Abänderung des Ortsstatuts, betreffend die Rechtsverhältnisse der Gemeinde- beamten, wurde einer eingehenden Beratung unterzogen. Die Ab- ändcrung machte sich durch das in Kraft getretene Angestellten- Versicherungsgesetz notwendig. Um die Versicherungssumme von 459 M. pro Jahr zu sparen, wurde dem Kündigungsparagraphen eine andere Fassung gegeben. Der Erlaß eines Ortsstatuts gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragen- den Gegenden zeitigte eine längere Debatte. Sie hatte das Er- gebnis, daß verschiedene Streichungen im Statut vorgenommen wurden. Dem„Niederschönhauser Tageblatt", einer Nebenausgabe der.Pankower Vorortzeitung", wurden die amtlichen Bekannt- machungen entzogen. Infolge der vorgerückten Zeit wurden die übrigen Punkte der Tagesordnung vertagt. Am Sonntag, den 7. Dezember, von 12 bis 6 Uhr, findet im Restaurant Liedcmit(Jnh. Perschkej, Am Kirchplatz, eine Jugend- schriften-, Wandschmuck- und Spieflvarenausstellung statt. Nachmittags 2 Uhr: Ocffentlicher Vortrag über„Gute und schlechte Jugendliteratur". Vortragende: Genossin Regina Rüben. Oranienburg. Die Frage der Errichtung eines GewerbcgerichtS nimmt jetzt festere Formen an. Nachdem unsere Genossen vor mehreren Wochen erneut eine» darauf abzielenden Antrag im Stadtparlament ein- gebracht batten, schien es fast, als sollte demselben wiederum ein sang- und klangloses Begräbnis beschicden sein. Der Antrag wurde dem Magistrat als Material überwiesen. Erst der Stadt- verordnetenwahlkampf rollte die Angelegenheit wieder auf. als unsere Genossen eine von bürgerlicher Seite einberufene Ver- sammlung besuchtem In dieser hielt Genosse Papkc bei der Be- antwortung eines Lügenflugblattcs den bürgerlichen Parteien ihre Sünden im Stadtparlament vor, und er geißelte auch u. a. deren Verhalten zu unserem Antrage der Errichtung eines Gewerbe- gerichts. In seiner letzten Mitgliederversammlung, zu der auch Gäste Zutritt hatten, beschäftigte sich der„Verein selbständiger Handel- und Gewerbetreibender" u. a. auch mit dieser Frage. Fortbildungsschullehrer Mauß als Referent verbreitete sich zunächst über die gesetzliche Einführung eines Gewerbegerichts, um dann auf den Wert desselben näher einzugehen. Die Kosten für ein Gewerbcgericht würden nicht zu hoch sein. Sowohl der Referent wie auch alle anderen Redner waren daher der Ansicht, daß es sehr zu begrüßen sei, wenn die städtischen Körperschafleu die Er- richtung eines Gewerbegerichts in unserer Stadt beschließen wür- den. Redner schloß seine Ausführungen mit den Worten:„Das Gewerbegericht ist ein soziales Bedürfnis!"— Mit dieser Stellungnahme ist nun auch dem Magistrat die von uns seinerzeit gemachte Einwendung:„Die Arbeitgeber wollen ein solches nicht", genommen; es steht nunmehr zu erwarten, daß Oranienburg bald ein Gewerbegcricht besitzen wird. Fichtenau. Eine Jugcndschriften- und Wandschmuckausstellung veranstaltet der Bildungsausschuß morgen Sonntag, den 7. Dezember, von mittags 12 Uhr bis abends 6 Uhr, im„Gesellschastshaus". Der Eintritt ist frei. In demselben Lokal findet nachmittags 3 Uhr eine öffentliche Versammlung statt mit der Tagesordnung:„Jugend- schriften und Wandschmuck im proletarischen Seim". Ein reger Besuch der Arbeiterschaft ist erwünscht. Kalkberge-Rüdersdorf. AuS der Gemeindevertrctersitzung. Der Bahndirektor, Schöffe Koepisch. gab zunächst von dem gegenwärtigen Stand der Bahn- angelegenhcit Kenntnis. Die Umwandlung des Benzolbetriebes in elektrischen Betrieb kostet einer Berechnung der A. E.W. zufolge. für die ganze Strecke(Kalkbcrge— Schöneiche— Friedrichsbagen) 199 419 M. Ter Kostenanteil für Kalkberge würde etwa 129 999 Mark betragen. Miteinbegriffen sind in dieser Summe die Kosten für drei Antriebswagen, die sich aus etwa 79 999 M. stellen. Da- gegen sind noch extra für einen Umformer 12 599 M. und für die Anlage einer Weiche 1399 M. zu zahlen.— Nachdem wurde von der Vertretung die Aufnahme eines Darlehns von der Adels- dank in Höhe von 119 999 M.(die zur Deckung der Restbaukosten für die Bahn dients genehmigt.— Der Vorsitzende gab sodann von! einem Projekt einer Thüringischen Gesellschaft Kenntnis. Die Gesellschaft hat sich gegen Ucbernahmc der aus die beteiligten Ge- meinden entfallenden Zillsgarantien seitens der Kommunen er- boten, eine gleislose elektrische Oberleitungsbahn Rüdersdorf— Kalkberge— Erkner— Gosen— Köpenick zu schaffen. Die auf Kalk- berge entfallende Zinsgarantie würde etwa 1999 M. betragen. Die Versammlung beschloß, die Angelegenheit zu vertagen.— Unter anderem wurde noch mitgeteilt, daß ein früherer Kalkbergcr Einwohner, der Bankier H. Gumpert, der Gemeinde aus Anlaß seiner am 8. Dezember d. I. stattfindenden goldenen Hochzeit, ein Geschenk von 3999 M. vermacht habe mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieser Sume alljährlich am 8. Dezember än bedürftige Arme der Gemeinde verteilt werden sollen.— Die hiesige Rektorstelle gedenkt die Regierung unter Vorbehalt der Zustimmung des Schulvorstands dem Lehrer Hartwig aus Oberschöneweide, der nebenbei bemerkt, Leutnant der Reserve ist, zu übertragen, womit ein großer Teil der hiesigen Einwohnerschaft aus verschiedenen Gründen nicht einverstanden wäre. Lübars-Waidmannslust. Aus der Gemeindevertretung. Die Einnahmen für das der Gemeinde gehörige, an der Ueberbrückung der Dianastraße belegene, 1182 Quadratmeter große Grundstück, das im vorigen Jahre an den Eisenbahnfiskus zum Preise von 4149,59 M. verkauft worden war, sind nicht in das Gemeinderechnungsbuch für 1912 eingetragen toorden. Auch im Etat für 1913 war wohl dieses Grundstück unter dem Grundvcrmögensnachweis gestrichen, aber der Erlös hierfür als Bestand in irgendeiner Form nicht verzeichnet. In der letzten Sitzung brachte nun der Gemeindevorsteher eine Vor« läge ein, in der verlangt wurde, diele Summe zur Bestreitung der Kosten für die Herstellung der Verbindungsstraße mit Wit- tenau, welche Eisenbahngelände berührt, zu vertvcnoen. Unsere Genossen wendeten sich oagegen. Genosse Kestin sprach die Ver« mutung aus, daß dieser Betrag jedenfalls für die Hergabe des 589 Quadratmeter großen Verbindungsstraßcngcländes mit dem Eisenbahnfiskus verrechnet werden scll, wofür der Fiskus 7 M. pro Quadratmeter von der Gemeinde fordert; das sei gerade noch einmal soviel, als derselbe für das Gemeindegrundstück an der Dianastraße geboten habe. Redner beantragte, diese 4149,59 M. dem Grundstücksfonds zu überweisen, damit die SchuldentilgungS- raten, welche aus den laufenden Mitteln bestritten werden, gespart und zur Erfüllung sozialer Aufgaben Verwendung finden können. Die Geineindevertretnng lehnte ohne Debatte diesen Antrag ab und gab der Vorlage ihre Zustimmung. Ferner wurde beschlossen, einen öffentlichen Spielplatz(der Dianaplatz soll nicht mehr dazu benutzt werden) auf freiem Felde östlich der Oranienburger Ehaussee am Hermsdorfer Wege zu planieren und einzuzäunen. Da durch die Einzäunung des kleinen Platzes die Spielenden bc« engt werden könnten, sprachen unsere Genossen dagegen. Das auf dem Pumpstationsgrundstück errichtete Beamtemoohnhaus soll nach dem Beschluß der Gemeindevertretung nur von dem anzu« stellenden Maschinenmeister bezogen werden, der darin freie Wohnung und außerdem 1899 M. Jahresgehalt, freie Heizung und Gasbeleuchtung bekommt. Tie übrigen Wohnungen werden als Bureauraume für die gesamte Gemeindeberlvaltung, die nach dort übersiedeln soll, hergerichtet. Der kleine, als Sitzungszimmer der Gemeindevertretung vorgeschenc Raum genügt nicht dem vor- handcnen Bedürfnis. Die Oefsentlichkeit wird durch die Beengt- heit hier ebenso ausgeschaltet, wie im alten Gebäude. Fretreligiöse wemeinde. Sonntag, oen 7. Dezember, vormittags 9 Ubv. Pappclallee 13/17, Neukölln,.Ftdealpassage", Tegel, Bahnhoiftr. 15. und Qbcr-Schöneweide, Klarastr. 2: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Ubr. Kleine Franksiivler Str.(5: Vortrag von Herrn Dr. V. Wille: „Ausblicke in» Unendliche".— Damen und Herren als Gäste willlommen. Jugendveranstaltunge». Britz-Biickow. Morgen Sonntag: Ausflug nach Bohnsdorf. Nachmittags im Lokale des Herrn Bicrbach, Dorfstr. 19: Geselliges Beisammen- sein unter Teilnahme der Bohnsdorser Aibeiterjugend. Tresspunkt«: 9 Uhr Germaniapromenade, Ecke Cbausseettrage, 9»/, Mr Triststraxe, Ecke Chausseestraße, 19 Uhr Buckow, Dvrsstraße, Ecke Chaussee- straße.— Die Unkosten sür diesen Ausflug belaufen sich aus 49 Pf. Stralau. Sonntag, den 7. Dezember: Besichtigung der Ausstellung für Arbeiterwohlsahrt Charlottenburg, Fraunboserstr. 11—12. Rege Beteiligung. auch der Eitern, erwünscht. Trcsspuntt 12'/, im Jugendheim. Lichtenberg-Friedrichsfelde. Am Sonntag, den 7. Dezember, nach- mittags 4 Uhr, findet bei Werner(Erdmann), Wildelmltr. 86, nahe Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsselde, ein UnterhaltungSabend der Grupve in statt, bestehend aus 1. Rezitation, 2. Gesang mit Begleitung. L. Mandolinen» konzcrt, 4. Tanz. Freunde und Bekannte sind willkommen. Entree srci. Neukölln. Sonntag, den 7. Dezember: Besichtigung der Gasanstalt. Trefipunkt: VornüttagS'/419 Uhr am Herzbergplatz. WitterungSüberstcht vom 5. Dezember 1913. R-T if Setter Swinemde. 749>SW 8Regen Hamburg NötWSV 1 Regen Berlin 752®» 1 bedeckt Franks. a.M 7KI W 4 wolkig München 764 W 6 wolkig Wien ,761» 3 bedeckt d« Ä Ii s? M« Stationen ii! ii i '| 1 taparanda 72�NRO eterSburgN37 ZW Sctlly Aberdeeo Paris 76USNW 751!» 761 SW s Bett« Ibedeckt 1 wolkeirl "wolkig t wölken!!— 2 2 wölken!! 1 Ii Wetterprognose für Sonnabend, den V. Dezember 1913. Zunächst kühl, zeitweise heiter bei srischen westlichen Winden; später wieder zunehmende Erwärmung, Bewölkung und etwas Regen. V Berliner Wetterbureau. F" Des' Fortschritt Professor Dr. Scliär, Dozent an der Berliner Handels-Hochsohulo schreibt in der„Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis" folgendes: „Der Fortschritt in dem Verkaufssystem— Selbstkostenpreis+ 10%— besteht aber gerade darin, daß die Höhe dieser Gebühr für die kaufmännische Dienstleistung jedermann bekannt, dem Belieben des Kaufmanns entzogen und ein für allemal rechtlich und kalkulatorisch festgelegt wird, Erwiesenermaßen kommt es namentlich im Detailhandel oft vor, daß die Höhe des Gewinnzuschlages sehr elastisch ist, daß namentlich bei den Waren, die der Käufer auf ihren Wert hin nicht zu beurteilen vermag, ein unverhältnismäßig hoher Zuschlag gemacht wird. Nach dem System — Selbstkostonpreis 4" 10%— sind derartige Handelspraktiken ausgeschlossen." HerrensUlsfer, Paletots« Anzüge Neueste Moden. Vorzüglicher Sitz. SelMosteiipms 16.50_ 24.20 32,00 41.00 Verkanlspreis 18«15 26 62 35*20 45*10 Dentsche Bekleidnngs- Gesellschaft m. d. H. 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Franz Faul weiter, Hanleaffelitr.67, Carl Feist, Friedenstr. 101. Friedr.Flemraing,BoihagcDentr.27. Paul Freitag, Stuttgarterstr. 13. E. Freyer, Blumcnstr. 72. E. Mirkwitr. R.Friedrich, Marienburgerstr. 38. HelnrlchFrIster,Pankow,Florast.50 F. George, M ilhelmibmiierstr. 23. B. Gierszewskl, Waldenserstr.S. Fritz Glauner, Chauascestr. 80. Gumnior, R. Posenerstr. 16. Wilh. Godt, Emdenerstr. 59. B. Gonsior, Treptow. Grätzstr. 65. O.Görtz, WiescBitr.Sl, br.a.griiae Rba. Große-RhodeReinickendorferst.öö �»r�B-Bäckerei„Beroliua" i.West. PauiGrisard, Pankow, Florastr.lO. Paul Gärtner, Treskowstr. 44 A. Günther, Gr. Frankfurterst. 75 F.fl*nke,Vertr.W.Mehne Marienbnrgcrsl.? KarlHeidenreiCii,Münchenerst.44 Karl Hennig, Steinmetzstr. 74 Gust. Heintscbel.ilavclbergorstr. 26. G.Henning, Schmidtstr. 8a. Joh. Hildebrandt, Rykestr. 32 Paul Hoppe, Hermsdorferstr. 8 Hoppe*sNacbf.Kraniarck,Adalbertst.66 P JHusgen, Herfurth-, E.hi'htenrtderst. L. Ihle, Gerichtsstr. 53. Max Jacob, Pflügerstr. 70-1. 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Silberschmidt(Soz.): Die Frage der Arbeitslosigkeit berührt unser Volksleben ebenso stark wie die in den letzten Tagen erörterten politischen Fragen. («ehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bereits vor zwanzig Jahren hat sich der Reichstag mit dieser Frage beschäftigt, dann wurde 1902 die Einführung der Arbeitslosenverstchcrung gefordert, daneben die gesetzliche Einführung deS zehn st ü n d i g e n Ma r i m a lar b e it S t a g e S, die S ch a'ffun g ein e s R eich s- arbeitsam tes usw. Ter Reichstag forderte damals den Bundesrat auf. Untersuchungen über die Arbeitslosigkeit an- zustellen und Vorschläge über eine zweckmästige Ausgestaltung einer Arbeitslosenversicherung zu machen. Der Bundesrat bcschlost jedoch nur eine Feststellung über den Stand der Arbeitslosigkeit. Als 1998 die Frage wiederum verhandelt wurde. erklärte der damalige Staatssekretär des Innern v. B e t h m a n n H o l l w e g die Frage einer reichsrecht- lichen allgemeinen Arbeitslosenversicherung für noch nicht reif. Auch ein Zentrumsredner wünschte noch die Ersahrungen, die der Zimmererverband machen würde, abzuwarten. Das Reich also hielt die Frage für noch nicht reif, die Landtage dagegen erklärten, die Regelung sei Sache des Reiches, so der� preustische und der lvürtlembcrgische Landtag, ferner die hessische Regierung in einer Denlschrift vom Jahre 1919. Der Deutsche Städletagvon 1911 stellte sich auf denselben Standpunkt und beantragte am 2ö. Sep- tember 1911 beim Bundesrat ein Gesetz zur Regelung der Arbeits- losenversicherung für die Saisonarbeiter. Bis zum heutigen Tage hat er eine Antwort noch nicht erhalten.(HvrtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Im Januar 1913 nahm der Reichstag eine Resolution an, in der baldmöglichst eine Vorlage zur Arbeitslosenversicherung gefördert wurde. Trotzdem ist bis heute eine Aeusterung der Reichsregierung hierzu noch nicht be- kannt geworden. Auf der internationalen Konferenz zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit erklärte der Vertreter der deutschen Regierung, Geheimrat Zacher, ebenfalls, das Problem könne nur auf dem Wege der nationalen Gesetzgebung gelöst werden. Der b a y e- r i s ch e Landtag Hai beschlossen, zur Unterstützung der städttschen Arbeitslosenunterstützung eine Subvention zu zahlen. TaS ist die erste prinzipielle Zu- stimmung eines deutschen Bundesstaates und eine Konzession an die Idee der Reichsarbeitsloienunlerstntzung. Es kommt darin zum Ausdruck, dast der Staat für die Folgen der Arbeitslosigkeit einzu- stehen habe. Wenn daS Reich die Arbeitslosen an die Kommunen verweist, so ist das ohne praktischen Wert, denn nur 14 ineist süd- deutsche Städte haben im Jahre 1912 die graste Summe von 34 99 9 M. zur Unterstützung der Arbeitslosen ausgezahlt. Das ist natürlich nicht geeignet, das graste Elend der Arbeitslosigkeit zu mindern. Dazu kommt, dast von den übrigen Städten sich sehr viele der Angelegenheit nicht einmal freundlich gegenüberstellen. Ich erinnere nur an Halle a. d. Saale, wo man die Interpellation nicht einer Besprechung für wert erachtete. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Bei dem Hin- und Hcrschiebrn der Frage zwischen Reich, Staat und Kommunen müssen die Angestellten und Arbeiter den Eindruck erkalte», dast es diesen Körperschaften nicht c r n st d a m i t i st�, die Folgen der Arbeitslosigkeit zu lindern(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), und dast unsere herrschenden Klassen eine graste Portion Elend mit ansehen können, ehe sie sich bewogen fühlen, helfend einzugreifen. In der letzten Zeit ist die Stellung zu der Frage in Westen Kreisen eine andere geworden.� Weile Kreise sind zur Auffassung gelangt, dast bei dem helfenden Eingreifen gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit ein Akt der Wohltätigkeil vorliegt, sondern etile Pflicht des Reiches. Auf dem VerbandStag der Arbeitsnachweise für Bayern austerte sich der Referent zu dem Punkt der Arbeitslosenversicherung in dic'cm Sinne, ebenso der bekannte Sozialpolitiker Professor I a st r o w in seiner Denkschrüt jür die Stadt Eharlotlenburg, desgleichen der Bei- geordnete der Stadt O s f e n b a ch in dem amtlichen Dokument zur Begrüudung einer öffentliche» Arbeltslosenunterstützung. Als Er gelimS der 29 jährigen Besprechungen der Frage kann festgestellt werden, dast. während die Stadlverwaltungen, die Landtage und der Reichstag sich über ihre Pflicht der Ilnierstlitzung stritten, von der Arbeiterbe weguirg aller Schattierungen in deut scheu Landen die Frage der Arbeitslosenunterstützung zum Teil ihrer praktischen Lösung e n t g e g c n g e f ü h r t worden stst. lieber die heutige austcrordentliche Arbeits los ig- keil besteht im Gegensatz zu früheren Perioden eine McinungS- Verschiedenheit nicht. Auch die bürgerliche Presse erkennt ihren Umfang an. Auch wird Von einem gröberen Kreis von Personen jetzt anerkannt, dast die Arbeitslosigkeit»ickit Schuld der Arbeiter ist, sondern dast sie durw die ivirtschaftliche Cntlvickclung geschaffen ist, dast der gesell sch a f t l i ch e Zu st and ihre Dauer erhöht, lind dast damit der Gesainlhcil die Pflicbr erwächst, ihren Folgen zu begegne», ffrcic Plcioeilicljafteii, christliche Gewertichafle», liberale Ärbcilrrllereine, die polnischen Bcrufsvcreiiic, die An» gestelltenorgailisalionen nnd ein grostcr Teil der in Mitlcidcnschast gezogenen austerhalb dieser Kreise stehenden bürgerliche» Kreise sind cinmülig der Auffassung, dast das Reich hier einzugreifen habe. Insbesondere sind sie darin einig, dast hier nicht Werke der Wohl- tätigkeit und Humanität in Frage kommen könne», sonder» dast die Arbeiter ein Recht auf ArbcitSlosciivcrsichcrung haben, dast sie ihre Forderungen und Ansprüche in dem sicheren Bewusttsein stellen, dast ihrem Rechtsempfinden Rechnung getragen werde.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeitslosigkeit, die uns heute von neuem zur Behandlung der Frage zwingt, ist eine ganz austerordentliche, das Elend in ihrem Gefolge steigt, und eine Aussicht auf Besserung in nächster Zeit ist nicht vorhanden. Trotzdem must hervorgehoben werden, dast dieser Zustand durchaus kein austergewöhnlicher, sondern die ständige Begleiterscheinung unserer Wirtschaftsordnung ifl. Nicht nur im H a u d w e r k, I n d u st r i e, Handel und G e to e r b e. sondern auch in der Landwirtschaft steigt die Zahl der Arbeitslosen. Auch in den Zahlen des„ReichsarbeitSblatles" tritt uns die graste Arbeitslosigkeit entgegen. Wir finden eine abnorme Zunahme der Arbeitsuchenden und eine außcrgewöhn- liche Verminderung der offenen Stellen. In den letzten neun Jahren hat sich die Zahl der Arbeitsuchenden um 3 667 999 vermehrt, die der offenen Stellen nur um 2 136 799, so dast ein Uebcrschuß von 1 228 700 arbeitsuchenden Personen vorhanden ist. Und dabei wird die Summe der Arbeitskräfte durch Heranziehen von Ausländern noch verlgröstert. Im Jahre 1911 sind 696 999, im Jahre 1912 729 999 Personen von der Industrie und Landwirtschaft ins Land gezogen worden, und das Jahr 1913 dürste keine Verminderung dieser Zahlen gebracht haben. Die Be- richte der Gewerbeinipektoren weisen ferner darauf hin, dast auster- dem noch eine austerordentliche Verschärfung der Arbeitslosigkeit dadurch eintritt, dast die deutsche Industrie immer mehr dazu über- geht, den älteren Arbeiter aus d�em Betriebe aus- z u s ch e i d e n. Es ist eine charakteristische Begleiterschewung der heutigen Pro- duktionsweise, dast sie jedes Gefühl beä Seite stellt und sich nur von reinen Prositintcressen leiten lassen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Gewerbeinspekloren beklagen das. Als Einstellungsgrenze des Grosteisenarbeiters! wird von dem Düffel- dorfer Gewerbeinspektor das 40. Lebenswahr bezeichnet.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Zahl der Arbeiter, die in dem Alter von über S9 Jahren noch beschäftigt werden, ist immer mehr zurückgegangen. Diese Personen werden vom Tische des Lebens hinweggestosten und niemand kümmert sich darum, wo sie mit ihren müden und miirbegearbeiteten Kgochen bleiben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und.nicht � nur unsere ProdnltionSweise sondern auch u n s s>r e W i r t s ch a f t S- p o l i ti k hat schuld an der Not der Arbeitslosen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Angesichts dieser Zustände ist die Frage vollauf berechtigt, was die Regierung zu tun gedenkt, um-dieser Not abzuhelfen. Ist sie bereit, die Arbeitslosenversicherung einzuführen, den Arbeiter schütz zu erhöhen rntd für eine Ver- billigung der Lebensmittel zu sargen. Ist sie bereit, endlich zu Taten überzugehen? Durch die Folgen der M a r o k k o w r r r e n und des Balkan- krieg es hat die deutsche Erwerbstätigkeit schwer gelitten.(Sehr wahr!) Insbesondere das Baugewerbe ist durch den hohen Geldständ, der durch die ungeschickte Politik deSl Deutschen Reiches herbeigeführt worden ist, schwer geschädigt wordan. Die Arbeitslosigkeit ist so grost, dast sie, wie das.Rcichsarbeits- blatt" zugibt, die Arbeitslosigkeit in dem Järhre der schwersten Krise 1998 i ir den S ch a t t e ir st e l l t.(Hört! hört!) Auf Grund des Materials der zwei Millionen Arbeiter umfasKmden Fachverbände ist sestzustellen, dast die Arbeitslosigkeit vom Oktober 1912 mit 1.7 Proz. auf 2,8 Proz. im Oktober 1913 gestiegen ist.(Hört? hört! b. d. Soziald.) Die Summen, die z. B. die Zimmerer für Arbeitslosenunterstützung ausgeben milstten, sind seit dem Vorjahre um das Vielsache gestiegen. Die betreffenden AuSgpben des Holz» a r b e i t e r Verbandes sind seit 1911 von 674 909 M. aus 1714009 Mark in diesem Jahre gestiegen. 1 912 990 M. haben die Metall- a r b e i t e r für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch im G a st w i r ts g e w e r b e, bei den Bäckern und Konditoren, wo jährlich Lber 14 009 junge Leute ausgelernt werden, macht sich die Krise stark bemerkbar. Selbst die Arbeitslosigkeit der Gemein dcarbeiter äst in der letzten Zeit erheblich angeschwollen. Und selbst die Heimarbeiter, die ihre Mitglieder in der Landwirtschast unterbringe» lönnen, leiden unter groster Arbeitslosigkeit; sie finden auch in der Landwirt- sch a fr, für die sie geeignet sind, keine Arbeit..(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In den Großstädten ist die Arbeits- losigkeit besonders groß; sie betrögt z. B. bei de» Dachdeckern in Berlin 41 Prozv'.t. (Hört! hört!) Diese Zahlen, die in der bürgerlichen Preffeangezweiseltsind, sind auf dieselbe Weise ermittelt wie die des R e i ch s st a t i st i- scheu Amts.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Besonders empfindlich und verheerend wird diesmal die Krise, hoeil die Arbeiter infolge der voraufgegangenen Teuerung wirtschaftlich nicht so widerstandsfähig sind, wie in früheren Perioden.(Sehr, wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Folgen der übergroßen Arbeitslosigkeit will' ich nicht aus- iührlich schildern. Sie wissen, dast die Arbeitslosigkeit demorali- sierend wirkt, dast die Zahl der Eigentum--vergehen in solchen Z�len zunimmt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das beweist die Statistik unzweifelhaft. Wie dringend notwendig Mastnahmen gegen die Not des Volkes sind, beweist auch der G e- b u r t e ii r ü ck g'a n g. Wie die Arbeitslosigkeit auf das Gemüts leben der Arbeiter wirkt, darüber haben meine Freunde in Breslau eine Erhebung veranstaltet. Mehrere äußerten Selbstmordabfichten. Schwermut, Trübsinn traten auf. Die Arbeitslosigkeit zerstört die Lust zum Leben, die Fähigkeit zur Mitarbeit au de» großen Auf- gaben der Menschbeit. Und da soll die ArbeitSloffenversicherung demoralisierend wirken? Wer das behauptet, hat keüjne Ahnung vom Seelenleben der Arbeiter.(Sehr wahr! bor den Sozial- dcmokraten.) Aber auch der M i t t e l st a n d, der von der Kauf- kraft der Arbeiter lebt, hat das größte Interesse daran, die Malten kaufkräftig und konsum fähig zu erbalie». Nur eine d ü n ii e O b e r s ch i ch t ist nicht hieran iiiteressteru und nur die- jenigen sind Gegner der Arbeiisloseiiversicherung, die die Beitrage sürchlen und die das Volk nicht widerstandsfähig erhalten wollen. Darum bezeichnen die Arbeitgeberorganisationen und ihre Presse die Arbeitslosenversicherung als Faulciizcruntcrstüüuiig, ja alS einen Wafpsinn. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie fern stehen diese Kreise der Wirklichkeil uud wie sind sie von dem Streben des deutschen Arbeiters nach selbstmidiger Existenz unberührt geblieben! Die Gewerkschaften ohne II n t e r s ch i e d> der Richtung haben die Selbständigkeit des. deutschen Arbeiters gewaltig erhöht.(?r will durch eigene Kraft existieren; cu ist es, der Deutschl-rnds Industrie grost und konkurrenz fähig gemacht uiiv er darf fordern, dast ihm /olcho Berdäch- tigniigen fernbleiben,(«sehr wahr.' bei den So�ialbamokratcn.) Wir find doch längst hinaus über das Dogma vom freien Spiel der Kräfte. Wir wissen doch, dast dieses „freie Spiel" die Volksgesundheit aufs schwerste geschädigt hat, so dast man daS Koalitionsrecht als Abwehr- und Schuffniastrcget ein- führen inustle. Es handelt sich hier um eine der wichtigsten Aufgaben des Reichstags, denn nicht den Gemeinden ist die Milderung der Schäden der herrschenden ProdpklionSordnung zu überlassen, sondern das ist Sache des Reichs! Vor allem hat das Reich Maßnahmen zu treffen, um die gegenwärtige Not zu lindern. Alle öffentlichen Körperschaften müßten die in Aussicht stehenden Arbeiten schleunigst in Angriff nehmen— ich hoffe, dast daS schon geschehen ist. Den Städten, denen dadurch besondere Unkosten entstehen, sollte die Reichsregierung entgegenkommen, dadurch, dast sie die Pflicht der sofortigen Amortisation der aufgewandten Summen hinausschiebt und ihnen außerdem wie die bayerische Re« gierung Barmittel zur Verfügung stellt. Die Zuziehung sremdländtscher Arbeitskräfte must in der Zeit der Krise möglichst beschränkt werden. Den Gemeinden müssen Anregungen und Direktiven zur Milderung der Arbeitslosigkeit gegeben werden. Wichtig ist auch die Regelung der Arbeitsnachweise über das 3k e i ch. Die Städte allein werden diese Fragen kaum lesen können, zumal wciur wie in Neukölln 56 Proz. der ortsangesessenen Arbeiter außerhalb der Gemeinde in Arbeit stehen. Auch stehen den Städten im Winter die Mittel zur Arbeitslosenunterstützung zur Verfügung, besonders die Industriestädte, in denen unter Umständen die große Mehrzahl der Steuerzahler von der Krise betroffen wird. Der Auffassung, der Herr Gröber einmal Ausdruck gegeben hat, dast die Sorge für die Arbeitslosen Sache der freie» LiebeStätigkeil sei, lönnen wir nicht zustimmen. Die freie Liebeslätigkeit in allen Ehren, aber sie reicht nicht aus zur Linderung dieser Not. Hier must der Staat, das Reich ein- greifen. Unmöglich ist auch, daß alle Arbeiter in der Landwirtschaft Beschäftigung suchen, dazu ist ihre Konstitution auch gar nicht gc- eignet. Die Selbsthilfe haben die Arbeiter in ihren Gewerkschaften in weitestgehendem Maße betätigt. Die freien Gewcrk- sch asten haben im Laufe von 20 Jahren 90 Millionen für Arbcitsloscnuntcrstütznng ausgegeben. Sie haben dadurch Reich, Staat und Gemeinden den größten Dienst erwiesen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokr.) Sie haben die A r m e n u n t e r st ü tz u n g entlastet, Zehntausende Familien vor Demoralisation bewahrt, sich die größten Kulturverdienste erworben und haben darum hierbei das Recht, mit ihren Erfahrungen mitzuraien.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Die Gegner der Arbeitslosenversicherung behaupten, es sei un- möglich, eine Kontrolle einzuführen darüber, ob die Arbeits- losigkeit verschuldet oder unverschuldet ist. Die Arbeiterorganisationen werden sich gern mit aller Kraft in den Dienst dieser Kontrolle stellen. Eine Summe viel geringer als die von der„Nordd. Allg. Ztg." angegebene, die für A r m e n u n t e r st ü tz u n g und Vagabondag'ebekämpfung ausgegeben wurde, würde ausreichen, um alle die. die unter den schwersten seelischen Leiden zu Vagabunden herabgesunken sind, vor diesem Los z n bewahren. Wer da weist, was das bedeutet, wenn die Familie hungert, wenn der Ernährer trotz aller Arbeitssuche seine Hände nicht mehr verkaufen und seinen Angehörigen nichts mehr geben kann— wer das erfahren oder miterlebt hat, der nur weist, was vorangehen must, ehe der Arbeitslose in die G l e i ch g ü l l i g k e i t und W u r st i g l e i t ver- fällt, die zum Vagabundierenden gehört und die da sagt:.Mag nun werden, was da will!"(Bewegung und Beifall b. d. Soz.) Es ist eine tiefe Kränkung der Arbeiter, sie� mit jenen Leuten auf eine Stufe zu stellen, die wirklich arbeitsscheu sind, ganz abgesehen von den Leuten, die grundsätzlich nur andere für sich arbeiten lassen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Mittel, die aufgewendet worden sind für die Arbeitslosen, sind produktiv angelegt zur Erhaltung der Vollskrast.(Sehr richtig l bei den Sozialdemolratcn.) England ist jetzt Deutschland voran- gegangen und hat im letzten Jahre die Arbeitslosenversicherung zwangsweise für die sogenannten Wettersaisonarbeiler cingesührl. Dänemark gibt fünf Millionen für die Arbeitslosenunterstützung aus. Unsere Forderungen sind bekannt. Wir fordern Einführung der ReichSarbeitslosenversicherung in der Voraussetzung, dast die Träger die Gewerkschaften sind. Auch der Zieichsverein liberaler Arbeiter und Angestellten hat diese Forderung in sein Programm ausgenommen. Die gleiche Forderung haben die christlichen Arbeiter in den letzten Tagen aus ihrem Kongreß erhoben. Hauptsache wäre, dast die Re- gierung sich jetzt für die Einführung der Arbeitslosenversicherung im Prinzip erklärt — über die Einzelmastregeln der Verwaltung und Kontrolle würde die Verständigung dann leicht sein. Die Arbeiterschaft ohne Unterschied der Partei steht dem Genter System freundlich gegenüber, sie würde auch ein anderes gutes System akzeptieren, aber jedenfalls müßten die Gewerkschaften die Träger der Versiche- rung und die Unorganisierten einbezogen werden, während deren Eigenversicherung unpraktiich wäre und den Grundgedanken der ganzeir Sozialversicherung, der Versicherung auf Gegenseitigkeit nicht ent- sprechen würde. Wir fragen: Wie stellt sich die Regierung zu der Resolution deS Reichstags vom Januar dieses Jahres, die eine Vorlage auf diesem Gebiet fordert? Sollte die 3iegierung ablehnen, eine solche Borlage einzu- bringen, so könnte der Lteichstag von sich aus an einem der nächsten Tage die Frage erneut auf die Tagesordnung setzen, er könnte eine Kommission einsetzen, ein Gesetz ausarbeiten und dem Bundesrat vorlegen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ob der Reichstag soviel Energie'für diese wichtige Frage aus- bringen wird, will ich zunächst dahingestellt sein lassen und die Antwort der Regierung abwarten. Auf jeden Fall ist die Frage der Arbeitslosigkeit für das Volk ebenso wichtig, wie die Frage, die wir gestern hier beraten haben, und ich möchte dem ReickiStag doch nahe legen, zu erwägen, ob. wenn die Re- gierung versagt, nicht doch weitere Schritte zur Erfüllung dieser wichtigen Aufgabe getan werde« können. Die„Könische Zeitung" und andere behaupten, dast die Sozial- demolratie diese Fragen nur aus agitatorischen Gründen be- handle. Wäre das der Fall, so müßten wir wünschen, dast Regierung und Reichstag sich möglichst ablehnend verhielten. Uns aber kommt es nur darauf an, den von Not und Elend Be- fallenen zu helfen. Wir hoffen, dast die große Mehrheit des Reichstags mit uns alle-- daran setzen wird, um den Arbeitslosen Schutz und Linderung in weitestem Umfang zu geben. Die Regierung muß erkennen, dast diese Frage so brennend geworden ist, dast sie gelöst werden must, soll nicht die Skation schwer ge- schädigt werden. Lehnt die Regierung ab, so wird sie im Interesse der Ration gezwungen werden müssen, ihre Haltung zu ändern. Sehnsüchtig blicken die Ll r b e i t e r m a s s e n aus den Reichstag. Enttäusche» Sie sie nicht!(Lebhafter Beisull bei den Sozialdemokraten.) (StaatSfelrctäv Do. Delbrück: Die Bckmnpfnng der Arbeitslosigkeit, ihrer uiierfreutichen und bcdciitli-he» Erscheiiiiiiigen gehört h" den ungelösten Problemen bcr ivirtschaftliche» und iiidustrietlen Entloicklung, die der modcrne Kultur- staat gezeitigt hat— ungelöst nicht, weil es an Verständnis und gutem Willen fehlte, sondern ungelöst wegen der in der Sache liegenden Schwierigkeiten und weil sie nach unserer Aus- fassung bisher zur Lösung nicht reif geworden ist, trotzdem daran schon seit 39, im Sieichstag seit 20 Jahren gearbeitet wird. Es wäre ciuc Ucbcrstürzung, wegen der augenblicklichen Konjnnktur die Lösung dieses Problems sofort durch- führen zu wollen. ES fehlt au einer zuverlässigen Statistik, um die Lage des Ar- beitsmcrrltes gründlich zu erkennen. Die Zählungen der GeWerk- schasteu reichen dazu nicht aus, nicht weil ihre Zuverlässigkeit an- zuzweiseln wäre, sondern weil sie immer nur die Arbeitslosen ein- zclner Gewerkschaften um fassen und nicht die ungleich größere Menge der nicht organisierten Arbeiter, sowie auch wogen der Verschiedenheit der Arbeitslosenunterstützungen und des Erforder- nisses einer Karenzsrist. Immerhin kann man sagen, daß die Ar- beitslostgkeit am größten ist in Berlin, Hamburg, München und Nürnberg,, am geringsten in Schlcswig-Holstein, Mecklenburg usw. "luch die Mitgliedszahlen der Krankenkassen können zur Beurteilung des Arbeitsmarktes herangezogen werden und auf Grund aller Er- Mittelungen kann gesagt wenden, daß die Beschäftigungsziffer im Jahre 1912 die beste, daß sie aber auch 1913 noch g ü n st i g e r war als 199 8. Man kann zurzeit nicht mehr sagen, als daß wir im Beginn einer leicht weichenden Konjunktur stehen. Ich habe auch eine Umfrage bei der Industrie veranstaltet, die das bestätigt. In normalen Verhältnissen l?at Deutschland nicht so viele Arbeiter, wie es braucht. 1919 wutden insgesamt rund 899 999 Ausländer beschäftigt, ieicht etwa allein in Ostelbicn und in der Landwirtschaft, sondern auch in der Industrie, Hauswirtschaft usw. Manche Bc- triebe und Gewerbe können ohne Ausländer gar nicht auskommen, so die Landwirtschaft und auch der Tiefbau, denen es an inlän- dischen Arbeitern fehlt, wie ich selbst beim Bau des Kaiscr-Wil- helm-KanalS erfahren habe. Ter oberschlesische Bergbau könnte seine Förderung ohne die ausländischen Arbeiter nicht aufrecht- erhalten. Es ist unrichtig, daß diese Ausländer ausschließlich in das Land� gezogen würden, um die Löhne zu drücken, sondern sie sind allmählich, ob das nun erfreulich ist oder nicht, ein Bedürfnis für unser« BolkStoirtschaft geworden. Es ist auch die E I n w i r- kung deS Balkan krieges und der internationalen Situa- tion zu berücksichtigen, sowie der Umstand, daß die u n g ü n st i g e Lage des Baumarktes eine große Zahl von Industrien in Mitleidenschaft gezogen hat. Auch in der Textilindustrie ist nicht alles so, wie es fein sollte, aber diese weitverzweigte Industrie hat niemals durchwegs den gleichen Stand. Ich fasse also zusammen: K«d»e scharfe Krisis, kein allgemeiner Notstand, ohne daß örtliche Schwierigkeiten in einzelnen Industrien ausge- schlössen werden. Der Schatzsekretär hat letzthin gesagt daß wir vielleicht am Rande eines Tals stehen, aber wie lang, wie weit und wie tief dieses Tal ist, das wissen wir nicht und ich bin auch nicht in der Lage, mit voller Bestimmtheit zu sagen, ob nicht diejenigen recht haben, die mir sagten, es handle sich nicht um eine Krisis, sondern nur um ein allmähliches Sinken der Preise. Günstig beeinflußt wurde der Nrbeitsmarkt durch die ganz enorm« Zunahme unserer Aussuhr. Wir können uns wohl der Hoffnung hingeben, daß ohne ein unmittelbares Eingreifen des Reiches die zunächst beteiligten Faktoren über die Schwierigkeiten der Situation hinwegkommen werden. Eine Reihe der vom Vorredner genannten Notstandsmaßnahmen würden den erwarteten Erfolg nicht erzielen. Das Ziel unserer Wirtschaftspolitik war und bleibt Stärkung des inneren Marktes. Die Verhältnisse des Marktes liegen bei uns günstiger als in andern Ländern, nur augenblicklich nicht, weil es sich diesmal um eine internationale Versteifung des Geldmarktes handelt, die aus besonderen Gründen auf Deutschland vor allem wirkt. Jeden- falls geht daraus hervor, daß es im Interesse der Arbeiter liegt, unsere bisherige Wirtschaftspolitik bei- zubehalten. sLachen bei den Sozialdemokraten.) Daß das Problem der Arbeitslosigkeit ein sehr ernstes ist, er- kenne ich an. Kein Staatsmann, kein Volkswirt sollte an ihm vorübergehen. ganz abgesehen von dem Mitleid, das jeder natürlich ver- anlagte Mensch für alle die empfindet, die der Arbeitslosigkeit aus- gesetzt sind. Man hat darauf hingewiesen, daß das Problem ur- alt ist, daß es schon zu Zeiten des Perikles Arbeits- loiigkeit gegeben hat. Man müßte sich daher damit ab- finden, und das einzig mögliche sei, günstige Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Man kann aber nicht sagen, daß die Arbeitslosigkeit heute dasselbe wäre wie zu Zeiten des Perikles. So wie sie heute ist, ist sie zweifellos ein Produkt unserer modernen industriellen und wirtschaftlichen EntWickelung. Die Freizügigkeit und die EntWickelung zum Großbetrieb haben die Gefahren der Arbeits- losigkeit gesteigert. Aber inzwischen haben die Organisationen das freie Spiel der Kräfte vom Arbeitsmarkt längst ausgeschaltet. Ter Arbeitsmarkt wird jetzt günstig beeinflußt von den Organisationen sowohl der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer. In ihrer jetzigen Form ist die Arbeitslosigkeit zum erstenmal in den'79er, 39er Iah- ren an uns herangetreten. Die Kommunen standen damals vor einer schtvierigen Aufgabe. Reben den theoretischen und akadem!- schen Erörterungen in Vereinen und Parlamente,? haben sich auch die unmittelbar Beteiligten, die Kommunen und die Arbeiter, daran gemacht, auf dem Wege der Selbsthilfe Besserung zu schaffen. Die Arbeitslosenunterstützung der Gewerkschaften ist zweifellos eine anerkennenswerte Leistung, jedenfalls die wirksamste von allen, die bisher in dieser Beziehung getroffen worden sind. Aber von ihr werden die Nichtorganisierten, also der weitsaus größte Teil und der wirtschaftlich minder gutgestellte Teil der Arbeiter nicht erfaßt. Das müßte eine staatliche Zwangsversichcrung tun. Tie Gewerkschaften find auch bei der Uebcrsehbarkeit der Verhältnisse ihrer ganzen Organisation nach in der Lage, die nötige Kontrolle auszuführen, und ihre Mittel wirtschaftlich zu verwalten, auch Vorzüge, die einer großen staatlichen Organisation nicht in dem Maße zur Verfügung stehen. Diese Beschränkung der Ge- werkschaften bat die Kommunen ans den Plan gerufen, und daraus hat sich das Genter System entwickelt, das sich auch der unorgani- sierten Arbeiter annimmt, und in etwa 29 Städten Deutschlands eingeführt ist. Dazu kommen noch drei oder vier Städte, die frei- willige Versicherungstassen haben. Dies Eintreten der Städte hat wohl zu einer Vermehrung der verfügbaren Mittel geführt, ist aber doch vor allem den organiserlen Arbeitern zugute gc- kommen. Es hat auch den grundsätzlichen Mangel, daß dadurch die Fonds der Gewerkschaften f r c t w e r d e n, die sich selbst als Kampfcsorganisationen bezeichnen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Es wird doch derselbe Betrag an Arbeitslosen- -Unterstützung gewährt wie vorher-!). Aber es liegt doch klar auf ider Hand, daß die Lage der Gewerkschaften, die städtische Zuschüsse bekommen, günstiger ist als vorher.(Lachen bei den Sozialdemo- -kraten.) Ich halte es für grundsätzlich bedeutlich, eine solche Unter- -stützung aus öffentlichen Mitteln an Berufsvereine zu geben, und sich selbst als Kampfvereinc bezeichnen. Das ist auch das Haupt- bedenken, was ich gegen eine Reichsverficherung im Anschluß an die Gewerkschaften habe, vor allem, da eine solche obligatorische Ver- sicherung des Reiches dann direkt als Koalitionszwang wirken wird.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Schrecklich!) Das wäre allerdings nach meinen Begriffen schrecklich, denn ich stehe auf dem .Standpunkt, daß das in absolutem Widerspruch mit den Grund- -sätzen stecht, auf denen unsere ganze Staats- und Wirtschafts- ■ordnung ausgebaut ist, tvcnn man den einzelnen zwingt, um exi- stieren zu können, einer bestimmten Organisation beizutreten. iLachen bei den Sozialdemokraten, Zuruf: Z w a n-g si n n u n g!) .Ich bin sehrimZ Weisel, ob daseineglückl.i cheOrga- n i s a t i o n ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nun hat man verlangt, das Reich möge wenigstens für die Städte die Grundlage zu einer Zwangsversichcrung schaffen. Ich halte auch diese Frage für noch nicht reif. Sie hat das Bedenken, daß, wenn man in einzelnen großen Städten die Verhältnisse der Arbeiter- schaft durch Einführung der obligatorischen Arbeitslosenunter- Stützung bessert, ein Zusammenströmen der Arbeiterschaft gerade in 'diesen Städten erfolgt, d. h. daß man einmal die Landflucht bc- 'fördert, und andererseits den Arbeitsmarkt in diesen Städten natur- «gemäß ungünstig beeinflußt. Unter diesen Umständen ist es durchaus verständlich, trenn man sagt: warum bringt dann das Reich nicht eine allgemeine obliga- torische Versicherung aller Arbeiter?(Sehr richtig!) Ihr stehen 'aber eine Reihe Schwierigkeiten entgegen, so die Schwie- rigkeit, festzustellen, wann der Versicherungszwaiig vorliegt, weil es sich bei der Arbeitslosigkeit um ein Ereignis handelt, das nicht ganz 'ohne den Willen des betreffenden Versicherungspflichtigen eintreten kam,, wenn auch nicht einzutreten braucht.(Zuruf bei den Sozial- .demokraten: Krankenversicherung!) Das ist etwas ganz anderes. Die Tatsache, daß der Mensch krank wird, kann unbestritten und zweifellos objektiv festgestellt werden.'(Na! Na! bei den Sozial- demokraten.) Die Tatsache aber, ob jemand durch sein V e r s ch u l- den arbeitslos ist oder nicht, ist überaus schwierig festzustellen. Es müßte festgestellt werden, ob er, wenn er sich darum bemüht hätte, in der Lage gewesen wäre, doch Arbeit zu kriegen, oder es handelt sich darum, ob er, eine Arbeit, die man ihm übermittelt hat, nicht übernommen hat. Besonders das letztere wird eine unüberwind- liche Klippe sein, denn von hundert Arbeiten, die man einem Arbeitslosen anbietet, w i r d e r 99 zurück- weisen.(Lachen rechts. Widerspruch bei den Sozialdemokraten!) Ich finde es auch ganz verständlich, daß ein Jnnenarbeiter nicht bereit ist, bei 7 Grad Kälte Außenarbeit zu leisten. Eine weitere Schwierigkeiten ist, daß das Maß der Arbeitslosigkeit in den ver- schiedenen Erwerbsgruppen und Landesteilen ganz verschieden ist. Tie Landwirtschaft hat immer Arbeitermangel, man kann sie also nicht recht heranziehen, kann sie aber auch nicht ausschließen, wenn man nicht die Landflucht noch mehr vermehren will. Weiter liegt die Gefahr vor, daß ein Unternehmer, der erhebliche Beiträge zu einer solchen Versicherung zu zahlen hat, im Augenblick, wo der Betrieb unrentabel wird, die Bude zumacht und sagt: Nun geht hin und laßt Euch Eure Arbeitslosenversicherung auszahlen. Ferner kommt in Betracht, daß ein solches Unternehmen wenigstens zur- zeit absolut nicht zu finanzieren ist. Wir sind außerstande, zu über- sehen, zu welchen Konsequenzen eine solche Reichsarbeitslosenver- sicheruna führen würde, wenigstens, solange uns nicht eine bessere Statistik als die jetzige zur Verfügung steht. Es muß erst eine Statistik geschaften werden, die uns annähernd die Grundlage für die Beurteilung der Konsequenzen gibt. �Dann ist es-auch ausge- schlössen, daß wir an eine solch neue Frage herantreten, bevor Land- Wirtschaft, Handel, Handwerk und Industrie nicht die Lasten der noch gar nicht in Kraft getretenen Reichsversicherungsordnung ver- daut haben.(Sehr richtig! rechts.) Dann noch eins. Eine Arbeits- losenversicherung ist solange ausgeschlossen, als wir nicht ein or- ganisch verbundenes Netz von Arbeitsnachweisen haben, so daß wir uns vollständig üher Angebot und Nachfrage orientieren können. Wir haben sehr gut«ingerichtete Arbeitsnachweise, die man nicht zertrümmern soll zugunsten einer neuen bureaukratischen Einrich- tung; die Ansätze und der gute Wille zur Schaffung einer Zentrale sind bei unseren privaten Zlrbeitsnachweisen überall vorhanden. Der Vorredner svellte es so dar, als ob uns das Ausland voran sei. Aber auch im Ausland ist man aus dem Stadium der Ver- suche noch nicht heraufgekommen.(Zuruf: Deutschland in der Welt voran!) In der Sozialpolitik sind wir vorangegangen, und wenn England uns in der neuesten Zeit etwas vorangekommen ist, so können wir uns immerhin sehen lassen. Uebrigens hat England von 14 Millionen Arbeitern nur 2,5 Millionen der Zwaiigsyersiche- rung unterworfen und auch davon sind nur 63 Proz. gelernte Arbeiter. Aus dem englischen Versuch läßt sich noch lange nicht über- sehen, wie die Verhcftnisse in einer Krise sich gestalten werden. In Norwegen ist keine Zwangsversicherung, da ist die Sache auf die Berufsvereine aufgdbaut, und von 499 990 Lohnarbeitern sind ganze 27 999 Mann beteiligt.(Hört! hört! rechts.) Ganz ähnlich liegt es in Dänemark. Also auch im Auslaiide ist man aus dem Studieren und Probieren noch nicht heraus, auch da sind bisher nur schüchterne Versuche gemacht, me auch nicht annähernd den Anforderungen ent- sprechen, die man an uns stellt. Tie Verhältnisse in Deutschland sind jedenfalls für eine allgemeine Arbeitslosenversicherung zurzeit noch nicht reif. Ich fasse meine Ausführungen also dahin zu- samiiien: erstens, eine alle Angestellten und Arbeiter umfassende gesetzliche Arbeitslosenversicherung ist zurzeit noch nicht reif. Zwei- tcns: selbst wenn stch die Schwierigketten gegen die Durchführbar- keit einer solchen Versicherung überwinden ließen, so ist nicht daran zu denken, solange nicht Handel, Industrie und Landwirtschaft die neuen Belastungen durch die Reichsversicherungsordnung verarbeitet haben. Zunächst muß die Arbeitslosenstatlstik aus- gebaut werden, und ebenso mutz ein sachgemäßer Aus- bau der Arbeitsnachweise geschehe», und in dieser Be- ziehung werden wer dafür sorgen, daß das geschieht, was notwendig und sachgemäß sst.(Zustimmung rechts.) Auf Antrag- deS Abg. Molkenbuhr(Soz.) wird in die Besprechung der Interpellation eingetreten. Abg. Giesberts(Z.): Das Provlllm der Fürsorge für die Arbeitslosen muß ebenso sicher gelöst weckhen wie bei der Kranken- und Jnvalldensürsorge. Gewiß sind die- Schwierigkeiten größer, aber man darf sie nicht benutzen, um sirch dahinter zu verschanzen, um nichts zu tun. Tie Frage unter demi Gesichtspunkte der Fürsorg« für Tagediebe und Faulenzer zu betrachten, wäre ganz unangebracht und ist in diesem Hause Gott sei Dank unmöglich geworden.— Richtigstellen mutz ich gegenüber d-ttr Ausführungen Silberschmidts, daß H«rr Groeber sich für die frsve Liebestätigkeit lediglich bei den Wanderarbeitern ausgesprochen hat. Die Arbeitslosenversicherung derjenigen, die nur ein paar Wochen arbeitslos sind, könnte von den Gewerkschaften selbst gelöst worden; schlimmer ist ei schon mit den Saisongewerben und natürlich mit der Konjunktur-Arbeitslosigkeit. Die Wirkungen des Krieges hothen sich in Amerika, Oesterreich usw. viel eher gezeigt wie bei uns. Einen starken Tiefstand der Konjunktur haben wir nicht und bei dem Mangel an Wohnungen, z. B. im rheinisch-west- fälischen Industriegebiet, muß bald eine intensive Bautätigkeit ein- setzen und daw.ft dürft« sich unsere gesamte Wirtschaft bald erholen. Was Herr Skikberschmidt über die verheerenden Wirkungen der Arbeitslosigkeit«gesagt hat, unterstreiche ich noch. Die Erhaltung der vollen ArbeitÄftaft ist das Wichtigste für unsere Industrie. Die Behauptung vtm der Rentienjägerei ist eine große Verleumdung der Arbeiter. Es ist z. B. in Köln festgestellt, daß die Arbeitslosen alles tun, um Arbeit zu finden, sie verzichten da sogar auf den Unter- stützungswohirsbtz! Als vorbeugende Tätigkeit ist eine Regelung der Produktion unerläßlich, sie darf sich nicht anarchistisch ent- wickeln; das sehen ja die Kartell« usw. auch ein, und ihrer Mit- Wirkung wevlten wir hier nicht entraten könne», z. B. bei der Ge- staltung des Arbeitsnachweises. Die öffentlichen Arbeiten müssen auf die veriruitlichen Krisenzeiten verlegt werden. Wenn man Arbeitslosen hie öffentliche Armenunterstützung bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit gibt, dann soll sie keine Einwirkung auf politische Rechte haben Äürfen. Würden dte Gewerkschaften die ReichsarbeitS- losenversichernng und ihre Gelder zu verwalten haben, so würde man dafür zweifellos die Selbständigkeit der Gewerkschaften an- tasten. Dagegen ist das bayerische und württembergische Beispiel sehr nachahii»enswert. Aber es tut niemand etwas im Lande, man macht nur Schwierigkeiten und Einwände? Die Kölner Arbeits- losenversichernng, die jedem die Möglichkeit, sich zu versichern und eine Prämie gibt, ist ein guter Anfang. Gegen städtische Arbeits- losenversicherung hat sich einmal auch unser freisinniger Kollege Fischbeck ausgesprochen.— ES wäre Zeit, daß zunächst einmal das große stolze Preußen mit seinen reichen Mitteln ein Beispiel gäbe! Wir werden das an der geeigneten Stelle verlangen.— Eine besondere Kommission für diese Frage wäre nützlich, sie würde u. a. auch übertrickbene Anforderungen aus das Praktische reduzieren. (Bravo im Zentrum,) Abg. Dr. Quarck-Koburg(natl.): Gewiß homdelt es sich um eine brennende Frage. Die einen verlangen die Versicherung als Schlußstein der Sozialversicherung, von deren Uferlosigkeit allerdings andere sprechen. ES ist aber kerne Ueberspannung der Sozialpolitik, unverschuldete Arbeitslosig- keit zu linder»; das ist auch keine Wohltätigkeit, denn die Volks- Wirtschaft braucht gesunde Arbeiter.— Vor allem wäre eine indi- vidualisierende Statistik nötig. Bedauerlich ist sowohl der Zuzug ausländischer Arbeiter auch in der Zeit der Stagnation, als auch das Zusammendrängen der Ar- beitcrmassen in denStädten, während das Land Leutenot hat. Das liegt an der Unvollkommcnbeit der Arbeitsnachweise, wie an der Differenzierung der Arbeit. Wenn die Unternehmer Beiträge zahlen sollen, werden sie sich nicht mehr be- mühen, die Arbeiter in Krisenzeiten weiter zu beschäftigen. Und wie soll das Land Beiträge zahlen, da doch die Arbeiter in die Städte ziehen?(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Die Arbeitslosenhilfe ist doch eigentlich Sache der Städte; sie müßte doch die Freude der Organisationen sein, denen wir gern die Rechts- sähigkeit zuerkennen würden. Vielleicht gibt man den Städten einen Spar-, Rücklage- oder Versicherungszwang I! Die Arbeits- nachweise dürfen nicht mechanisch-bureautratisch, sondern müssen organisatorisch und psychologisch arbeiten im Zusammenschluß und unter Aufsicht des Reiches. Eine bessere Fürsorge für die Wander- armen ist auch nötig.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Weinhauscn(Vp.): Wir halten es für eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit, der Arbeitslosigkeit energisch entgegenzutreten, denn die Arbeitslosigkeit schwächt den Massenionsum und damit den inneren Markt. Auch kulturell ist der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit geboten, denn die Masse der Arbeitslosen drückt auf das Lohnniveau der Arbeiter. Daher begrüßen wir alle Mittel zur Bekämpfung der Arbcitslosig- keit, auch die Selbsthilfe der Gewerkschaften, Vor allem wünschen wir ein« energische Inangriffnahme von Notstandsarbciten. Wie sind auch nicht grundsätzliche Gegner einer Reichsarveitslosenver- sicherung. Ist es doch einer der Unseren, Leopold Sonncmann, gewesen, der diese Frage zuerst angeregt hat. Der E, n w a n d, daß eine solche Versicherung nur eine Prämie auf Faulheit sei, ist wirklich n i ch t« r n st zu nehmen. Im Gegenteil ist die Sicherheit der Existenz ein viel größerer Anreiz zur Tüchtigkeit und Sparsamkeit.(Sehr richtig! links.) Natürlich können wir uns aucb den Schwierigkeiten der Durchführung einer Reichsarbeits- losenversicherung nicht verscbließen. Schon die Zählung der Ar- beitslosen ist schwierig. Wir unterstützen aber gern die Bestre- bungen aus Schaffung einer regelmäßigen Rcicbs-Arbeitslosen- statistik. Und dann: wo sollen die Mittel herkommen? Augenblicklich hat sie das Reich gar nicht zur Verfügung, cS bliebe nur das System der Zuschüsse an die Gewerkschaften übrig. Aber wo bliebe dann die Mitwirkung und Mitverantwortung des Reiches, das die Zu- schüsse gibt, zumal die Gewerkschaften die selbständige Verwaltung ihrer Kassen sich nicht einschränken lassen wollen. Große Vorzüge hat das Gcntcr System. Daß die Organisationen der Arbeiter da- von Vorteil haben, schadet meiner Auffassung nach gar nicht, im Gegenteil ist die EntWickelung der Gewerkschaften sehr wünschenswert. Ein Mangel des Systems ist aber, daß die Nichtorganisierten, die bedürftigsten Arbeiter, dabei am schlechtesten wegkommen. Die Bestrebungen des Vereins für innere Kolonisation sind durchaus zu begrüßen, aber sie bleiben ein kleines Tröpflein auf einen sehr heißen Stein. Sic beweisen jedenfalls den großen Wert der inneren Kolonisation für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. iSehr richtig! links.) Die Voraussetzung einer wirksamen Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit ist jedenfalls der Ausbau der Arbeits- nachweise. Hier wäre ein Zwangsgesetz zur reichsgesetz» lichen Regelung am Platze. Vielleicht könnte man nach dem Muster Englands einen Berus, etwa das Baugewerbe, zunächst herausgreifen und mit ihm«inen Teilversuch machen. Auch mit der Einsetzung einer Kommission wären wir einverstanden. Wir wünschen keine gefährlichen Experimente, sind aber sonst zu jeder Mitarbeit bereit. Im Interesse des deutschen Ansehens sollten wir versuchen, die Führung auf dem Gebiete der Sozialpolitik wiederzugewinnen.(Bravo! links.) Abg. Graf Carmer-Ziesertoitz(f.); Mit der Interpellation können wir uns im großen und ganze» eilwerstanden erklären, halten aber den Weg der Reichsarbeitslosenversicherung nicht für gangbar. Wir halten die große Arbeitslosigkeit für sehr bedauerlich und sind gern bereit, ihren wirtschaftlichen und vor allem moralischen Schäden entgegenzuwirken. Ausscheiden für uns natürlich die Arbeits» losen infolge von Streiks und Aussperrungen und die Arbeits- scheuen. Diese sind lange nicht so zahlreich, als man denkt, und ge- hören auf jeden Fall in ein Arbeitshaus. Der Grund der Arbeits- losigkeit liegt auf keinem Fall im Mangel an Arbeitsgelegenheit. 1895 waren im Sommer 1,3, im Winter 3,4 Proz. aller Arbeiter beschäftigungslos. Jetzt werden es vielleicht zirka 699 999 sein. Denen gegenüber stehen die zirka 799 999 ausländischen Arbeiter in Deutschland. Der Fehler liegt eben an dem ZugindieGroß, stadt, der das Land entvölkert. Jeder fünfte Einwohner wohnt heute in der Großstadt. Die Gründe sind ja ziemlich klar(Abg. Schmidt(Soz.): Jawohs!). Die jungen Leute wollen sich in der Stadt freimachen von der Autorität der Eltern und Vormünder.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Zu denken gibt auch, daß man sagt, wir sind nicht mehr an der Spitze der Sozialpolitik. Nach der neuen Vcrficherungsordnung sind wir ganz sicher an der Spitze in bezug auf Sozialpolitik und dürfen die Unternehmer nicht weiter belasten. Auch darf man nicht übersehen, daß«ine alle Angestellten und Ar» bester umfassende Versicherung ein« große Ungerechtigkeit wäre gegen die zahlreichen keineswegs besser stehenden kleinen selb» ständigen Gewerbetreibenden. Zur Verminderung der Arbeitslosig. keit bin ich gern bereit beizutragen.(Bravo! rechts.) Abg. Warmuth(Rp.): Einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit stehen so viel Schwierigkeiten entgegen,«daß der ganze Weg als abwegig erscheint. Die Grenze zwischen verschuldeter und unverschuldeter Arbeitslosig- keit läßt sich gar nicht ziehen. Wer seine sichere Arbeitsstelle auf dem Lande verläßt und in der Stadt keine Arbeit findet, soll der etwa unterstützt werden? Wie steht es ferner mit den Strei- k ende n und mit den Ausgesperrten? Die sozialdemokra» tischen Gewerkschaften, die sich jetzt so sehr für die Arbeitslosen- Unterstützung einsetzen, verwenden noch nicht den zehnten Teil ihrer Eilinahmen für diesen Zweck, alles übrige für Kampszwecke. Da kam, doch keine Rede davon fein, die Gewerkschaften durch Einfüh. rung des Gcnter Systems zu unterstützen. Auch bei dem ge» mischten System, wie es in Schöneberg eingeführt isst schöpfen das Fett die Gewerkfchaften ab. All die Gesetze, die wir zum Schutz der Arbeiter geschassen haben, sind noch nicht verdaut; da können wir doch nicht daran denken, der Industrie neue große Lasten aufzuerlegen. Gerade die Kleinen würden am meisten Scbcoden davon baben. Was geschehen kann, liegt lediglich auf dem Gebiet der Arbeitsnachtveise; diese müßten zu einem Zentralarbeits. Nachweis ausgebaut werden, der aber auch einen gewissen Arbeitszwang müßte ausüben können. Den Sozialdemokraten kann dieser Ge» danke doch nicht abschreckend sein; denn in ihrem Zukunftsstaat verlangen sie ja auch den Arbeitszwang. Durch eine Arbeitslosen- Versicherung würde die Landslucht noch wachsen. Sie würde einen wichtigen Kulturfattor vernichten, denn„des Menschen Lust kann allzu leicht erschlaffen", der Staat darf nicht die allgemeine Bor- sehung sein und eine Schlaffheit großziehen durch eine Arbeits- losenversicherung, die dem Volkscharakter und der BolkSgefundheit nicht von Nutzen sein könnte.(Beifall rechts.) Hierauf vertagt sich das Haus auf Sonnabend 19 Uhr. Der Präsident schlägt vor. morgen zunächst die Debatte fort- zusetzen und dann die Interpellation Arnstedt(!.) über das Hinaus. schieben des Inkrafttretens der Dienstbotenverfichernng zu behandeln. Abg. Graf Westarp(k.) bittet, diesen Punkt zuerst zu der» handeln. Abg. Molkenbuhr(Sog.) widerspricht; ein Beschluß könne doch nicht gefaßt werden, wofern nicht etwa die Konservativen beab- sichtigen, eventuell ein Mißtrauensvotum für den Reichskanzler zu beantragen.(Heiterkeit.) Abg. Graf Westarp(t.): Diese Absicht besteht nicht, aber wir wünschen eine Klärung der Angelegenheit. Das Resultat der Abstimmung ist zunächst zweifelhast. Bei« Hammelsprung wird der Antrag Westarp mit 199 gegen 9? Stimm«» abgelehnt. Der Vorschlag deS Präsidenten ist alfo angenomme». Schluß 6!? Uhr. Teiliahlung m%■$ das beliebteste £ Desinfektionsmittel seifte' // auf dem Toilettentisch keiner f Dame fehlen. Wasohwaseer | mit einem geringen Zusatz von 1 Lysoform ist welch wie Regen- \ wasser und beseitigt über» '4 rasehend schnell alle % Unreinigkeiten der£ W, Haut Jp% E.G.m.b.H. Zentfale: Lichtenbefg, Ritterptsi. Mk Von höchster Heizkraft Ke ne trockene Luft Eigene Kürschnerei. Reparatnren gut, Hchnell, bililgtit. 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Abends 7 Uhr; Vortrag des Genossen Miras über:«Die Studienreise deutscher Genossenschafter durch England". wrag� Gemütliches Beisammensein und Tanz. Fintritt frei.■..............— n Es ladet freundlichst ein Für Die Abtcilungsleifnng. Britz findet am gleichen Tage, nachmittags 2 Uhr, im Lokal von Raddatz, Chausseestraße, eine Waren-Ausstellung statt. 108/15 Abends: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. ———_ Fintritt frei.■ Um zahlreichen Besuch bittet Die Agitatlouskommissloit. Wochenrate von 1 M« an Vornehme Herrsn-Uister Paletots, AnzRge fertig und nach Mass J. Kurzbers Mass-Schneiderei Rosenthaler Str. 3E Frankfurter Allee 104 Reie�ckeedoffer Str. 4 _••- / 1 Mark • 9 wöchentliche Tellt.hhirg q liefere elegante � • Herren-; •Moden* fertig und nach MaBI : Julius: : Fabian: J Sehnoidermeistei • Gr. Frankfurter Str. 37,» o * Turmstr. 18, 1, kein Laden 5 • Kottbuser Strasse 14, nur® 5 2. Etage.* •« 0 Vorzeiger dieser Annonee 0 0 erhält S Prozent 0 0 Rabatt! G V Grüne Flacthe WciiJO. Hülle. irbeitersekretär gesucht I Für das Arbeitersekretariat Urcmei» wird ein Arbeiter- !lretär gesucht. Reflektiert wird nur aus tüchtige Krast. Bewerber, is aus eine mehrjährige Tätigkeit in gleichem Amte zurückblicken, ehalten den Borzug. Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse, Tienstjahre werden angerechnet. Bewerbungen sind unter Angabe der bisherigen Tätigkeit in der .Arbeiterbewegung bis zum 12. Dezember zu richten an Zl. Ulteio, Kremen, Faulenstr. 38/60. rar MM Verwaltung Berlin. SHinnmlher und SchimiHeriiiiM!. Montag, den 8. Dezember, abends K'/z Uhr: MitglieÄep-Ve�rammlung bei Knörig, Stralaner Brücke 3. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Kollegen N i t f ch k e über: Tie Bolksfürsorge und die Schäden der Privatversicherungcu. 2. Berbands- und Brancheiiangelegenheiteu. Montag, den 8. Dezember 1013, abends 6 Uhr: ==i Verstttntttlttttg ?cr Laden- und Kontormöbel- Branche im Luisenstädtischeu Kasino, Oranienstr. 180. Tagesordnung: 1. Vortrag, 2. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verband-- ngelegenheiten._ Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 4 Uhr, bei tTbiglo(früher Keller), Koppenstr. 29: Näredellsortrsg mit l-iedldiläerv MW" Liii'"WD Einlah S'/a Uhr. Anfang 4 Uhr. Eiulahkarten a 40 Pf. für Kinder und deren Begleiter sind aus illen Zahlstellen, beim Gastwirt Kollegen Grewc, Rungestr. 20, und im llurea» zu haben. Die arbeitslosen Kollegen können Einlagkarten sür ihre Kinder im Bureau gratis erhalten. V/17 Die Ortsverwaltnng. Ii jemilltungsstelle Berlin. N 54, linienör. 83—85. Telephon: Amt Norden 135, 1229, 1937, 9714. Montag, den 8. Dezember, abends S'/s Uhr: fersannninng der Masehinenfortner in den Borussia-Zälcn, Ackerstr. 6/7. Tagesordnung: 1. Neuwahl der Branchenkommission. 2. VerbandSangelegcnhciten nd Verschiedenes. 7--— Mitgliedsbuch legitimiert.—> Montag, den 8. Dezember, abends 8 Uhr, int Gewerkschaftshause, Eugelnfer 15: Branchen-Versammlung ft in den SchmrMtch-, Eisenmöbe!-, Möbeischloß- und n den Kkiritben f. geloliste Sieche beschäftigten Kollegen. Tageso rdnullg: 1. Vortrag de- Genossen 8el>titte. 2. Jahresbericht der Branchen» mmüssion. 2. Neuwahl der Kommission. 4. Verschiedenes. Dienstag, den O.Dezember, abends 6 Uhr: Sranchen- Uersammlnng sei' IMalldrüdter Berlins u. Umgegend im Gewerkschastshanse, Engelnser 15(Saal 4). Tagesordnung: 1. Lichtbilder- und Experimcntaloortrag de- Herrn Direktor morgen- torn:»Ter Mensch im Kampf mit giftigen Gasen". 2. Branchen- ngelegenheiten. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der äußern loichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen Zcr dringend notwendig. Die Kollegen werden ersucht, zu dieser Vcp- nmilung ihre Frauen mitzubringen. Nil Di« Ortsverwaltmijx. In der in Rr. 317 des �Vorwärts" erfolgten Bekanntmachung vom 1. Dezember 1913 .st jolgeiidcs zu berichtigen. Es soll heißen: „der Wahlvorschlag der wahlberechtigte» Versicherten Ber- treter, eingereicht durch Herrn Gustav Wittig, Neukölln, enthält 6 Vorstandsmltglicdcr und 12 Ersahmänner derselben beginnend mit Ludwig Geschwindner(nicht Geschwinder), Nenkölln, Boddinstr. 21(nicht 26). Allgemeine Grtskrankenbasse für Kenkölln. Der Kasfenvorftand: 291/4 V'ieckler, Vorsitzender. Xalowskü, Schrisisührcr._ / Können Sie n�erden roenn oleJhre otime mif VWs�-TDMsi) Droqerten Ppet�ciep Ohcnnalbdiadnfel'M.l fontscher Sanarheiter-Verhand. Zwcigvcrein Berlin. Sonntag, den 7. Dezember, vorm. 19 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstrahe 30: kiligemeine Mglieäer- Versammlung. Tagesordnung: Kerilhterkattnng nom nlißerordentlichen Aerbondstage. Die Krivtrbslosk«mlterßiihl>Nli im Kaiiarbkitcr-ilnliaiid. �>4!. Ta in demselben Saale mittags 12 llftt auch eine Proteftveriammlung stattfindet, wird obige Lersanimtuilg pünttlich eröffnet und ersucken wir die Kollegen darum, ffch schon um S�', Uhr einfinde» zu wollen. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Ter Vorstand des Tcutscheu Bauarbciter-Verbandcs. Zweigverei» Berlin. f mm m. Bureau: Engeluscr 14/15. Deutschlands. 6ercbäf töftcllc Groß- Berlin. Tel.: Amt Moritzpl. 13261 WM" Einladung"MF zu der am 7. Dezember, vormittags 0 Uhr, in den Andrcassälen, Andreasstraße 21, stattfindenden außerordentlichen denerat'Versattttnlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu außerordentlichen Maßnahmen der vorhandenen Arbeitslosigkeit. Antrag der Verwaltung. 2. Neuwahl der Verwaltung und der Kommissionsmitglieder. Werte Kollegen! Wegen der um 4Ä Uhr stattfindenden Proteftversammlnngen bitten wir dringend, rechtzeitig in der Bersammlung zu erscheine», damit jedem Kollegen die Gelegenheit gc- boten ist, an den Protestvertammluugen teilzunehmen. Erscheint deshalb pünktlich. _ CHnc Mitgliedsbuch kein Zutritt.= 153/9 Sozialisten! Äclitung! Anarchisten! Sonntag, den 7. Dezember 4VIZ, vormittags 44':. Uhr, im Lokal des Herrn A. Boeker, Weberstraße 17: 6r. öffcntl. Volks-veriammlung. Tagesordnung: i Der Willkürakt in Zaber« und die Anarchisten! 2. Diskussion. Reserenten: Bcrthold Eahn und Eugen Pontcw. Zahlreichen Besuch erwartet l92b �aarodlstlsedo �«reltilxattz? Uerlla. J. 21.: Fr. Knieftedt, Fürslenwalver Str. 3. hlodeMiCtincl 1 Ge- Brunnenstraße 71";� Müllerstraße 1 74 1 schüft: am Rasenthaler Platz. , schüft: 1 Ecke FennstraBe Wohnuogs-Einrichtungen auf Kredit 1 Stube und Küche: Ferner; 1 Schrank An- Wohnzimmer ZBettstellen zahlg. Schlafzimmer 1 Tisch 10 M. Speisezimmer 2 Stühle Wochen- Herrenzimmer I Spiegel rate Küchen in allen 1 Küche 2 Jn. Färb, u.ilustn. Einzelne Möbel von 5 M. Anzah ung an Sonntags geöffnet von 12—2 Uhr / | III. Etage| Relsemastei' Ulster:: Paletots Anzüge:: Hosen gebe an Private zu Fabrikpreisen ab � Herrcnkleiderfabpik J. Coper H Alexanderstr. 55, III(neb. d Alexander-Kaserne) Geöffnetb. 7 Uhr abends.:: Sonntags v. 12— 2 Uhr. B Allgemeine Ortskrankenkasse zu Berlin. Ilm Sonntag, den 44. Dezember IstlZ, vormütarF 9'/. Uhr. findet im Berliner Klubhaus, Lhmstr. S, die Oraeittltvl»« Leoei'Sl'Vei'SAmmlilNN statt, zu der die sür 1912/13 gc- wählien Vertreter hiermit ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschusses zur Prü- sung der Rechnung des lausende» Jahres. 2. Die Auseinandersetzung zwischen der Allgemeinen OrtSlrankenlasse zu Berlin, der Lrtskranlenkasse sür den Gewerbebetrieb der Kausleute usw. und der OrtStrantcnkasse der Bureau- angestellten gemäß Z 286 III der R.-V O. 3. Definitive Genehmigung von Verträgen mit Aerzten und Zlpo- thekern. 4. Antrag deS Vorstandes aus Rc gclung der Dienstverhältnisse zweier AbtcitungSvorstcher. 5. Antrag des Vorstandes aus Be- willizung einer Teuerungszulage für die Angestellten der Kaste. 6. Bericht über die Ilusgestaltung der Zlllgemeinen Ortskrankentasse. 7. Vortrag deS Herrn Dr. Volz über„Die neuen Ausgabe!» der Krankenkassen". Berlin, den 6. Dezember 1913. 201/2 Ue,' Vorstand. W. Pichl. Vorsitzender. ?e!Msren-Mnk,/'° gegenüber Polizeipräsidium n. Untergrundbabnhok Alexanderpl. Linzel- Verkaiik von Sehals, Stölas, MM zii Diedrigslea Prä! Reparaturen Umänderungen! Auf Hansnumnier achten! — Früher 35 Jahre Neue KonigstraBe. Sonntags geöffnet! Keisemuster Ulster, Paletots, Anzüge verkaufe einzeln spottbillig, um zu räumen: Herrenkleider-Fabrik Hackescher Markt 2/3, III. (Fahrstuhl.) Wochentag 8-7, Sonntag 12-2. vom Berein.Tanne" findet in diesem Jahre nicht in der Quitzowstraße statt, sondern in der Gellep- und.tlttllcratraBc. Orts- Krankenkasse der Mechlliliker, Optiker und veno. Geuierke p Kerlin. Montag, den 4ö. Tezbr. 1913, abends 8 Uhr: Ordentliche General'Versammluiig sämtlicher Vertreter ia den„Arnliiiballen", Komm an» dantenstr. 58/59. Tagesordnung: 4. Vahl der Kommission zur Prü» sung der JahreSrechnung von 1913. 2. Bericht des Vorstandes über die am 1. Januar 1914 in Geltung tretende Kastcnsatzung. 3. Antrag auf Bewilligung einer Teuerungszulage an die Kassen- angestellten. 4. Beschlußfassung über eineKranlen- ordnung. 391/1 Berlin, den 4. Dezember 1913. 14er Vorstand. I. A.: t�ax Gutsche, Vorsitzender. Beschwerden und Zinsragen, zu deren Beantwortung die Einsicht der Kassenalten erjordeilich ist, lönncn nur erledigt werden, wenn sie bis zum 19. Dezember eingereicht werden. Die Generalversammlung wird pünktlich eröffnet. Allgemeine Orts- Krankenkasse Berlin- Britz. Bekannwiachung. Gemäß der ZZ 9 und 19 der Wahl» ordnung sür die ZluSschußwaHIcn geben wir den wablberechtigten Ar» beitgebcrn und Versicherten bekannt, daß nur zwei Wahioorschläge ein» gereicht und als gültig anerkannt worden sind. Die angesektc Wabl sür den 44. Dezember 4943 iit hiermit aufgehoben. Der Wahlvorschlag der Arbeitgeber, eingereicht durch Herrn A. Locwen» thal, enthält 29 Vertreter und 49 Er» satzmäuner, beginnend mit dem Namen Karl Fellenberg. Der Wahlvorschlag der Arbcilnebmer, eingereicht, durch Herrn Hugo Brehme, enthält 49 Ver» tretcr und 89 Etsatzmänncc, bc- ginnend mit dem Namen Albert Lehmann. 391/3 Etwaige öiusbrüchc sind innerhalb zwei Wochen vom Tage dieser Bc» kanntmachung ab gerechnet, bei dem Kassenvorstand oder dem Ver» sicherungSamt anzubringen. Berlin-Britz, den 5. Dezember 1913, Ter Vorstand. W. Beuthmaun, H. Locwcnthal, Vorsitzender. Lchrijtsührer. Keine Fiiiolen. iMark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante Herren- Moden fertig und nach Mass: Garantie für fade!» losen Sitz» Jonas Kurzbers Oranienstr. 1601- zwischen Morilz- u. Oranienplatz. 1 Bitte genau aul Mrassel |u Hausnummer zu achten. 1 SpeziaEarzt für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- Störung. Mäßige Preise.• Dr. med. WockenfuB. Friedrichstr. 125(Oramenb. Tor) Sprochst. v. 8— 8. 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Ter Leipziger Acrztcverband hat den seit Jahren angedrohten lLeneralstreik über die Krankenkassen verhängt. Auf seine Anord- nung weigern sich die Aerzte. über den 1. Januar nächsten Jahres hinaus neue Verträge mil den Krankenkassen zu schließen-, es wird daher, soweit nicht Verträge schon bestehen, ein vertragsloser Zu- stand bei den Kassen eintreten. Damit müssen die Kassen von der Verpflichtung befreit werden, den kranken Versicherten die Hilfe von Acrztcn zur Verfügung zu stellen. Die Kassen werden dafür eine bare Leistung geben und es den Versicherten überlassen müssen, selbst für geeignete Behandlung zu sorgen. Die Aerzte sollen die kranken Versicherten nur gegen Vorausbezahlung des Honorars oder gegen Leistung eines größeren Barvorschusses behandeln. Da- durch könnten die Krankenkassen in die schwierigste Lage gebracht werden, wenn die Versicherten nicht die zur Abwehr dieses Schlages erforderlichen, noch bekannt zu gebenden Maßnahmen der Kranken- kapen unbedingt befolgen. Seit Jahren sind die Aerzte vom Leipziger Aerzteverband auf- gestachelt worden. Die Aerzte sind deshalb gegen die Krankenver- sicherung voreingenommen und nehmen mehr und mehr gegen jede Versicherung für den Krankheitsfall eine feindselige Haltung ein. Die ärztliche Behandlung der kleinen Handwerker, Gewerbctreiben- den und Landwirte sowie der unteren Beamten, die wirtschaftlich dem Arbeiter nahestehen, kür Rechnung freiwilliger Krankenkassen Wird grundsätzlich abgelehnt. Bei der gesetzlichen Krankenversiche- rung erschweren und verhindern die Aerzte die Einführuitg der Familicnbehandlung, der wichtigsten Mehrleistung des Gesetzes. Den Beitrittsberechtigten, den sogenannten kleinen Selbständigen, soll ärztliche Hilfe nur als Privatpatienten gewährt und damit die Versicherung vereitelt wcrdSn. Tic Aerzte sind der Ansicht, daß sich jeder gegen Feuer-, Hagel-, Waffersgesahr wie überhaupt gegen alle Unglücksfälle des Lebens versichern möge, nur nicht auf ärztliche Hilfe. Das Gesetz gibt den Aerzten das unbeschränkte Monopol für die ärztliche Behandlung bei den Krankenkassen, verpflichtet diese aber in keiner Weise und hält sie nicht einmal hierzu an. Dieser für die Kassen unhaltbare Zustand gibt den Aerzten das völlige Ncbergcwicht über die Kassen und wird von ihnen zum Schaden der Kassen gründlich ausgenutzt. Die Aerzte wollen für die Kassen nur tätig sein, wenn es ihnen paßt, und nur zu den von ihnen einseitig aufgestellten Bedingungen. Sie verlangen, daß grundsätzlich jeder Arzt, der es wünscht, zur Kassenpraxis zugelassen werden muß. Alle Verträge sollen zu dem gleichen Zeitpunkte ablaufen. Die Hono- rare sollen nach der Höhe des Arbeitseinkommens der Versicherten abgestuft werden. Tie Aerzteorganisationen wollen für die ärzt- liche Versorgung der Versicherten, durch die öS v. H. der Ausgaben der Kassen hervorgerufen werden, allein entscheidend sein, während nach dem Gesetz für die Kassenausgaben wie für-die gesamte Kassen- gebarung der Kassenvorstand verantwortlich ist. Die Aerzte und ihre Organisationen lehnen eine Nachprüfung der durch sie be- stimmten Ausgaben durch die Kassenorgane ab und wollen darüber allein befinden. Bei freier Arztwahl ist den Bcrsichertcn keines- Wegs der„Arzt des Vertrauens" gewährleistet. Viele Aerzte denken gar nicht daran, Kassenpraxis zu treiben. Die Versicherten sollen nach den Forderungen der Aerzteorganisation angewiesen werden, den nächstwohnenden Arzt in Anspruch zu nehmen. In großen und mittleren Städten ist kein Arzt verpflichtet, die Hausbchand- lung eines Versicherten zu übernehmen, der über zwei Kilometer enticrnt wohnt, wenn mehr als ein dienstverpflichteter Arzt näher wohnt. Tut der Arzt dies doch, so soll der Versicherte die erheblichen Mehrkosten trage». Bei unterschiedlicher Bezahlung der ärztlichen Behandlung der Versicherten würde, abgesehen von den großen prak- tischen Schwierigkeiten, sofort der Vorwurf erhoben werden, daß die Vcrsiche-.-n, für die mehr bezahlt wird, besser behandelt loerden. Es würde dadurch ein Keil in die auf dem Grundsatz der Solidarität aufgebaute Krankenversicherung getrieben werden. Um die Leffentlichkeit zu gewinnen, wird die Behauptung auf- gestellt, daß öS U. H. der Bevölkerung ärztliche Behandlung durch die Krankenkassen erhielte. Dies ist eine ungeheuerliche-Uebertrei- bung. Die Krankenversicherung nach der Reichsversicherungs- ordnung wird etwa 20 Millionen Personen umfassen. Rechnet man 1l) Millionen hinzu, die vielleicht unter die Familienbehandlung fallen, so bleiben 3S Millionen Personen, d. h. mehr als Sl> v. H. der freien Praxis der Aerzte vorbehalten und gerade alle bemittelten und wohlhabenden Volkskreise. Die Kraitkenkasseit sind bereit, angemessene Honorare zu zahlen und die Aerzte frei und unabhängig zu stellen, auch eine in jeder Beziehung ausreichende Zahl von Aerzten zuzulassen. � Wo Kassen und Aerzte einig sind, möge auch die freie Arztwahl eingeführt werden. Tie Krankenkassen befinden sich in dem bevorstehenden Kampfe lediglich in der Abwehr. Sie haben ihr Möglichstes getan, um die seit Jahren bestehende große ispannung zu beenden. Die Kassen- Vertreter sind in ihren Zugeständnissen viel weiter gegangen, als nach dem Gesetz von ihnen beansprucht werden kann. Die mit Selbst- Verwaltung ausgestatteten Kassen lehnen es aber ab, sich alles auf- zwingen zu lassen, was die Aerzte in ihren Erwerbs-, Organi- sations- und Etandesinteressen fordern. Sic verwahren sich auch gegen die unerhörte Sprache, die die Leiter der Aerzteorganisationen gegen die Träger der rcichsgesctzlichcn Krankenversicherung führen, und gegen den Tcrrorismus, der Aerzten und Kassen gegenüber auf jede Weise und unter Benutzung der staatlichen Standcsorganisation geübt wird. Die Krankenkassen können die Hauptforderungen des Leipziger Aerzteverbandes nicht anerkennen; dies hieße die Krankenkassen den Aerzten ausliefern und aus dev Krankenversicherung eine Aerzteversicherung machen. Dafür kann kein Kassenvertreter die Verantwortung übernehmen. Dringt der Leipziger Aerzteverband mit seinen Forderungen durch, so sinken die Kassen im wesentlichen zu bloßen Stellen für die Beitragserhebung und die Krankengeld- zahlung herab. Die Arbeiter, Versicherten und ihre Arbeitgeber haben dann fast ausschließlich die Aufgabe, die durch die Aerzte bestimmten Ausgaben durch überaus hohe Beiträge zu decken. Die den Versicherten mit den Arbeitgebern im Gesetz gewährleistete Selbstverwaltung würde zum Hohn. Die Forderungen des Lcip- ziger Aerzteverbandes bedingen an sich, wie auch durch ihre schlimmen Folgen und Begleiterscheinungen nicht nur erhebliche Erhöhungen der Beiträge," sondern auch eine Herabsetzung der Leistungen. Allein um die gesetzlich vorgeschriebenen Regel- leistungen zu decken, müßte dann der höchste zulässige Beitragssatz erhoben werden. Ein Ausbau der Krankenversicherung wäre un- möglich gemacht und die ganze öffentliche Krankenversicherung in Gefahr gebracht. Das Gemeinwohl würde auf das äußerste gc- schädigt! Arbeiter und Versicherte, die Pflicht gebietet euch, in dem bevor- stehenden Aerztcstrcik den für eure Interessen kämpfenden Kranken- lassen rückhaltlos zu vertrauen und sie nachdrücklichst zu unter- stützen. Arbeiter und Versicherte, schützt eure Krankenkassen! Berlin, den 24. November 1913. Hauptverdand deutscher Ortskrankenkassen, Dresden. Hauptvcrbaud deutscher Betriebskrankenkassen, Essen. Gesamtverband deutscher Krankenkassen, Essen. Allgemeiner deutscher Knappschaftsverband, Berlin. Verband deutscher Jnnungskrankenkassen, Hannover. Bus aller Welt. Hungersnot in Rusiland. In W e st g r u s i e n herricht die Hungersnot. Ganze Bauern- familien liegen erschöpft danieder und sind nicht mehr imstande, sich zu erheben. An verschiedenen Orten sind zahlreiche Todesfälle zu verzeichnen. Die Leichen sind in die Berge ge- tragen und dort liegen gelassen worden. Tie freie ökonomische Gesellschaft spendete den Hungernden zunächst eine große Geldsumme und beabsichtigt weiter, eine Rettungsaktion in die Wege zu leiten. Auch in U d ö k sSibirien) sind 120 Arbeiterfamilien ohne Lebensmittel, da der Dampfer, der frischen Proviant bringen sollte, im Ochotskischen Meere durch Stürme aufgehalten wurde. Die Arbeiterschaft ist so dem Hunger preisgegeben, da die Lebensmittelzufuhr zu Lande in kürzester Zeit sich nicht bewerk- stelligen läßr. Die Schntzmannschaft in der Tanzstunde! Ein Polizei-Jdyll wird der„Franks. Ztg." aus Halle ge- meldet: Wer an einem Nachmittag der vorigen Woche zufällig die „Kaifer-Wilhelm-Halle", einen bekannten VersammlungS- und Tanz- saal unserer Stadl, betrat, der konnte ein seltsames Schauspiel sehen. In Reih und Glied standen dort uniformierte Schutzleute und vor ihnen tanzte graziös der Ballettmeister C r u g ö r i mit einer jungen Schönen berunr. Man sah den Tanz- meister elegante Pas und scharmante Eapriolen tanzen, man sah ihn aber auch in eiligem Tempo mit seiner Partnerin durch den Saal schieben, man sah, wie er seinen Arm ist um die Büste seiner Taine preßte und wie die beiden nach den neuesten Melodien allerliebst dahinwackelte». ja man sah sie sogar in dem allerhöchst verpönten Tangotanz selig dahinschweben. Und mit heiligem Ernst verfolgten die Schutzleute jeden Schritt. Kein Auge wandte sich von den kunstvollen Sprüngen und Touren des Paares ab, kein Lächeln glitt über die strengen Gesichter der Wächter der öffentlichen Ordnung. Niemals hat ein Primaner oder ein Backfischlein niit tieferer Inbrunst das Tun seines TanzmeisterS verfolgt. Die ballesche Polizei wollte wohl ihren Beamten in der Tat die modischen Tänze beibringen? Aber nein! Die Sache ver- hielt sich anders, nämlich io: In den Sälen Halles prangt seit einiger Zeit ein Plakat mit der Inschrift:„Wackel-, Schiebe- und Knicktänze verboten." Zu jedem Ball werden Ab- gesandte der Polizei geschickt, die dafür zu sorgen haben, daß das Verbot nicht übertreten wird. Nun liebt man in Halle die Wackel- und Schiebetänze genau so wie anderswo und das Publikunt schob und wackelte trotz des grimmigen Vexbols nach Herzens» lust. Nahte sich dann ein Polizist einem dieser verbrecherischen Paare, so bekam er unter allgemeinem Hallo die Antwort:„Das ist kein Wackeltanz, das ist Polka, wir können Polka nicht anders tanzen". Die Autorität der Halleichen Polizei kam ins Wanken und der Polizeipräsident kam auf den Einfall, an Hand praktischer Beispiele seinen Untergebenen zeigen zu lassen, was verboten und was erlaubt sei. Er lud den Tanzmeister Crugvri ein, in der „Kaiser Wilhelmhalle" den Kommissaren, Wachtmeistern und Ser- geanlen die modernen Tänze vorzuführen und ihnen dabei zu er- klären, welche Bewegungen mit Schieben, Wackeln und Knicken ge- meint seien._ Pommersche Wochensuvpe. Wir lesen im„Landarbeiter", dem Fachorgan des Deutschen Landarbeiterverbandes: Einem unserer Kollegen der Ortsgruppe Meesigcr war Familienzuwachs beschieden. Die gnädige Frau hörte davon, und ergriffen von dem Ereignis, glaubte auch sie Gutes tun zu müssen und gab ihrer Mamsell Anweisung, der Frau eine W o ch en- supp e zur Stärkung zu senden. Die Mamsell, wohl mit dem Spar- sinn der gnädigen Frau vertraut, stellte die Frage, ob sie Vollmilch hierzu nehmen dürfe.„Nicht doch, Magermilch!" ergänzte„die Gnädige".„So nian hat" steht im Kochbuch. Die Magermilch war ausgegangen. Nun wurde die Leuteköchm angewiesen, solche aus dem Schweinestall herbeizuschaffen. Dies geschah, indem die Köchin aus dem Zementbehälter, in welchen die Magermilch für die Schweine gegossen wurde, eine Portion herausholte. Die Suppe wurde auch angerichtet, aber statt der kleinen Klümpchen wurde ein großer Klumpen, die Magermilch streikte, eignete sich nicht mehr für die Wochensuppe, und so bekam die Frau eine Fleischsuppe, die ihr jedenfalls dienlicher war. Kleine Notizen. 5l) 000 Mark unterschlage». Der bei einem Rechtsanwalt in Hagen i. W. angestellte Bureauvorsteher Josef S ch l u b a ch ist nach VerÜbung von Veruntreuungen, die im Lause der Jahre die Summe von 60 000 M. erreicht haben, flüchtig geworden. Schissbruch. An der Nordwestküste Norwegens wurden mehrere Rettungsgllrtel des norwegischen Dampfers„Malmberget" gefunden. Man befürchtet, daß der Dampfer, der mir einer Erzladung nach England und Holland unterwegs ivar� und eine Besatzung von 46 Mann halte, mit Mann und Maus untergegangen ist. DaS Wüten der Suffragetten. Kelly M a n f i o n in Sk-l« morlie bei Glasgow ein unbewohntes herrschaftliches Gebäude, dessen Baulosten 60 000 Pfund Sterling betragen hatten, ist durch eine Feuersbrun st völlig zerstört worden. Es wird Brandstiftung durch Anhängerinnen des Frauen st immrechtS vermutet. Auf der Brandstelle wurden Schriften von Anhängerinnen des Frauenstimmreckcks gefunden. Die Lepra in Spanien. Einer Mitteilung deS Direktor? de? Gesundheitsamtes zufolge sind in V i l l e r e a t zahlreiche Erkran- kungen an Lepra vorgekommen. Bisher wurden 21 KrankheitS- fälle konstatiert. Die Erkrankten sind sofort isoliert worden, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Zentrale: Berlin C. 19, Jcnisalcmcr Strafjc 32-35 Potsdamer Strafe Nr. 2 Taucntzien-Sh-atze 19a Tauentzien-'Strache 7 b Friedrich-Strafe Nr. 75 König-Strafe Nr. 25-26 Rot enthaler Straf e Nr. 5 Oranien-Siraf e Nr. 161 Cr. Frankfurter Str. 123 Chaussee-Strafe 114-115 Schönebg., Haupi-Str.146 Neukölln, Berg-Str. 25 Chart., Wllmendorter Str. 45 Für den Weihnachisiisch! Auf Wunsch kostenlose Verpackung in feinen Präsent-Karton»! 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Wenn der neneW ein blüht Sonntag, nachmittag 3 Uhr: J>er Pfarrer von Kirehfeld , Sonntag, abends 8 Die goldene Kitterzeit. Montag, abends 8 Uhr: Die goldene Bitterkeit, 8 Uhr(zum Z5. Male): Die Kronbraut. Komodienkmis. s uhr: Hiubr Mavtru. Berlmer�Thealer. 8 Uhr: Wie einst im ATai. Lessing-Theater. s Uhr: Pygmalion. Lustspiel von Vernarb Shaw. VeulsehesMsiMkslsr Sozietiit. Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. Kasse: Nollend. 1383. Sonnabend 8 Uhr: Hannolea Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug. Sonntag 12 Uhr: Dnncan- Schule. Tänze und Reigen. Sonntag 3 Uhr: Da» Prinzip. 8 Uhr: Bo»e Bernd. Friedricb-WilhelnisM. Theater 30-31 Chausseestr. 30-31. Operetten- Gastspiel Die Kinokonigin Operette in 3 Akten Bon Georg Okonkowski u.?ul. Freund. Musik von Jean Gilbert. Kassenerössn. 7 Ubr. Ans. 8 Uhr. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die Räuder. �Residenz-Hieater�. Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterberg. 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Die Hölle im Odeon. 10 Uhr: Preisgekrönte Tango- Tliiincr. »LH U: Brüder M«»«ora' TurmseiUSufon Kalte und warme Küche. ,,. Wrangelstr. iL. U rania,- Neu eröffnet:- -«.mobend» Barlete-Tbeatcr. Eintritt 20 Pf. Srestan» Sonntags �1 upr-«ludev. Vor. stellung- � 1*5- Graud Ball ohne Tanznachzahluiig. Biidnen- jaal auch lloanadend» hcctentrel z» n-raeben.__ 191hg Nr. 32t. 3l). Jahrg. Kchke-Krikze i>rs Lmiich" flr Wm-GßU k. Dmmdn 1913. Vorort- JVachrld�ten. Lichtenberg. Aus der Stadverordneteuversammluug. Die Einführung des Genossen Brühl erfolgte erst nach einem kleinen Intermezzo, dessen Zweck durch den Verlauf der weiteren Verhandlungen offenkundig genug wurde. Einer mit dem gerade nicht seltenen Namen Schulze, hatte gegen die Gültigkeit der Wahl Einspruch erhoben und sich dabei aus das kürzlich gefällte Urteil des Oberverwaltungsgerichts gestützt, wonach die Wählerlisten ungültig sind. Der gewissenhafte Mann unterließ jedoch seine Adresse anzu- geben, weswegen der Wahlausschuß beantragte, über den Einspruch zur Tagesordnung überzugehen. Auch der Sladtverordnetenvorsteher Plonz vertrat die Auffassung, daß die Wahl als gültig anzusehen sei, da ja die berichtigten Wählerlisten nur für die oberen Klassen für daS Wahlergebnis von Bedeutung sein würden. Stadtv. Schachtel aber widersprach der Einführung Brühls, weil er als Mitglied des Wahlausschusses nicht geladen worden sei. Der Zweck der Uebnng war, im Jiiteresie des Ergebnisses der Stadtratswahlen den Genossen Brühl für diese Sitzung fernzuhalten.— Die Stadlratswahlen, deren Resultat wir gestern bereits kurz mitteilten, machten den Tag zu einem.schwarzen" der Schachtel» Gruppe. Einige Herren suchten, als beim zweiten Wahlgange Stichwahl zwischen dem Genossen John und dem Stadtv. Danneberg notwendig wurde, ihren Mißmut hinter schlecht angebrachten Witzen zu verbergen; bei dein endlichen Sieg unserer Genossen erstarrten diese indessen zu peinlichem Schweigen. Nachdem neben den vier bürgerlichen Herren Dr. Standke, Dr. Nachtway, Lange und Bleckmann unsere beiden Genossen Grauer und John zu unbesoldeten Stadträten von der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung gewählt wurden, ist diese es ihrem eigenen Ansehen schuldig, uun auch mannhaft zu ihrem Beschluß zu stehen. Alsdann beantragte Genosse Grauer, die beiden, von unseren Vertretern schon jzu wiederholten Malen gestellten Anträge vorweg zu beraten, die«m Interesse der Arbeits» losen forderten: t. umgehend alle Arbeiten in Angriff zu nehmen und zur Ausführung zu bringen, die bereits genehmigt und Mittel dafür bewilligt sind; 2. zum Zwecke der schleunigen Inangriffnahme weiterer Bauten. Pflasterungen und Srraßenregulierungen weitere Mittel anzufordern; 3. 50 000 M. bereit zu stellen, von denen arbeitslosen Ge- meindemitgliedern Beihilfen gewährt werden sollen und 4. eine gemischte Kommission einzusetzen, die über die Auf- bringung der Mittel und Verteilung beraten soll. Genosse Grauer begründete in längeren, wirkungsvollen Aus- sührungen die Anträge und verlangte, der Magistrat möge endlich aus seinen Erwägungen, von denen auch nicht e i n Arbeitsloser satt würde, heraustreten und handeln. Wenn der Magistrat schon nicht den Willen babe, aus eigenem Vorschläge zu machen, loie es seine Pflicht sei, dann solle er wenigstens den von uns gewiesenen Weg gehen, denn auch der stelle nur daS Mindestmaß dessen dar, ivaS die gegenwärtige wirtschaftliche Notlage gebieterisch fordere. Bon den bürgerlichen Rednern mußte zwar der Umfang der Arbeits- losigkeit voll zugegeben werden, aber zur wirksamen Be- kämpfung bei UebelS ist man recht wenig entschlossen. Komisch wirkte es geradezu, daß dem Eintreten der Sozial- demokratie für die Wertznwachssteuer, für höhere Löhne usw. die Schuld an der wirtschaftlichen Krise beigemessen wurde. Naiv und ein Hohn zugleich war es, als z. B. Stadtv. Plothen verlangte, die Gewerkschaften, die bereits Millionen für die Arbeiter aufwenden und dadurch zugegebenermaßen wesentlich zur Entlastung des ge- nieindlichen Armenetäts beitragen, möchten ihre Streiklassen aus- schütten. Den Gipfel aber erklomm der Stadtverordnete Schumacher, der die Fürsorge für arbeitslose Unternehmer einer Arbeitslosenfürsorge vorangestellt sehen möchte. Allen diesen sozial rückständigen Herren sagten unsere Genossen Rössel, Jaffke und K e r tz s ch e r ganz gehörig die Wahrheit. Oberbürgermeister Ziethen bemühte sich um den Nachweis, daß der Magistrat ja alles getan habe, was in seinen Kräften stand— er vergaß den Zusatz: aber erst auf das fortwährende Drängen unserer Genossen. Er stellte auch noch eine Reihe weiterer Vorlagen in Aussicht, die darauf berechnet sind, Arbeitsgelegenheit zu beschaffen. Er bemängelte, daß Arbeitslose vom Tiesbauamt nachgewiesene Arbeit manchmal nicht angenommen hätten, mußte aber zugleich zugeben, daß diese Leute wohl außerstande gewesen seien, die von ihnen verlangte Arbeit auszusühren. Er besitzt immerhin etwas mehr soziales Ver- ständnis. wie die Hört! Hört I- Rufer, denen Genosse Jaffke mit der Aufforderung heimleuchtete, sie möchten doch einmal versuchen, ob sie auch nur zwei Stunden diese Arbeiten aushielten. Der An- trag zu 1. wurde einstimmig angenommen, zu 2. abgelehnt, unter Hinweis auf einige Vorlagen, die bereits der Versammlung gemacht waren und später Zustimmung fanden; im Antrag 3. wurde der Betrag auf 10 000 M. herabgesetzt und 4. angenommen. Im Verlauf der Debatte wurde mehrfach die Zusicherung gegeben, daß in erster Linie den mit Aufträgen der Stadt bedachten Unternehmern streng zur Pflicht gemacht werden soll, soweit als irgend möglich Lichten- berger Arbeiter und zunächst die verheirateten einzustellen, wobei wir außerdem Zahlung tariflicher Löhne fordem. Genosse John berichtete dann über die JahreSrechnung der städtischen Sparkasse, die mit einem buchmäßigen Defizit von 24 640 Mark abschließt, weil dem errechneten Gewinn von 52 600 M. ein Kursverlust von rund 73000 M. gegenübersteht. Der KurS- Verlust ist darauf zurückzuführen, daß die Kassen gezwungen sind, einen erheblichen Prozentsatz ihrer Beträge in Staatspapieren anzu- legen, damit der Staat seine Anleihen unterbringen kann. Die user- loie Anleihewirtschast führt aber zu immer weiterem Sinken der Anleihewerte und der Verlust wird deshalb von einem buchmäßigen zu einem effektiven werden. Der Rechnungsausschuß ließ werter durch seinen Berichterstatter den Wunsch aussprechen, die Stadt Verwaltung möge künstig anstatt hochverzinsliche Anleihen aufzunehmen die gesetzlich gewährleistete Verwendung der Sparkafsengelder bis zu 25 Proz. zur Deckung des städtischen Finanzbedarfs voll ausnützen. Bürgermeister Ung er, als Stadtlämmerer, hält es aber für besser angebracht den.soliden" Grundbesitz durch Hingabe von Hypotheken au§ Sparkassenmitteln zu unter- stützen und dafür einen weit geringeren Zinssatz zu nehmen, als die Stadt ihrerseits für Anleihen aufwenden muß.— Bei den Vorlagen, von denen weiter oben in bezug auf die Arbeitslosenfürsorge die Rede war, handelt es sich um die Ausführung eines Schutneu- j&ezw. Umbaues an der Lück- und Leopoldstraße; um die Ausschmückung der Frankfurter Chaussee zwischen Möllendorf- und Hubertusstraße; um die Anlage eines Schmuckplatzes vor dem Cecilienlyceum; die Umlcgung des Regenwasferkanals in der Frankfurter Chaussee zwischen Hubertus- und Siegfriedstraße und um die Ausführung des Regen- wasserkanals in der Wartenbergstraße. Ferner wurde zugesagt, schon jetzt soweit möglich, die Inneneinrichtungen für die mt Bau begriffenen Schulen usw. zu vergeben.— Die Erhebung höherer Foribildungsschulbeiträge, wie sie der Handelsminister unter An- drohung einer Kürzung des StaalSzuschusses gefordert hatte, wurde von der Stadtverordnetenversammlung wie auch vom Magistrat ab- gelehnt._ Tie heute Sonnabend, nachmittags 3 Uhr und morgen Sonntag, nuchmiltagS 2>/, Uhr, im.Schwarzen Adler", stattfindenden Kinder> Bühnenspiele bringen ein Weihnachtsbild: Märchen im Walde und Tannenbäumchens WeihnachlSsest, Märchen in zwei Bildern zum Vortrag. Der Eintritt für Kinder ebenso für Erwachseue beträgt 10 Pf. Rernickendorf. Ueber die gärtnerische Ausgestaltung von Plätzen referierte an Harrd einiger von ihm angefertigter Projekte und Mooelle in der letzten Gemeindevertretersitzung der Gartenbau- architckt Griese. Seine Projekte wurden zur Weiterbcratung der Wegebaukommission überwiesen. Die Kosten für die Aus- schmückung der Plätze an der Haupt- und Segenskirche, sowie des " ohenzollernplatzes dürften sich auf zirka 50 000 M. belaufen. seitens der Groh-Berliner Vororte soll bei der Stuttgarter Ver- sicherungsgesellschast eine Kollektivversicherung gegen Haftpflicht bei Hilfeleistung durch die Berliner Feuerwehr abgeschlosien werden. Da durch den Beitritt zu der Versicherung die Hilfeleistung der Berliner Feuerwehr bei größeren Bränden gewähr« leistet wird, stimmte die Gemeindevertretung dem Beitritt zu. Seit Jahren, forderte die Genreindevertretung die Erweiterung deS die Geschäfte führenden Ausschusses des Verbandskrankenhauses der vier Gemeinden Reinickendorf, Tegel, Wittenau'und Rosen- thal. Dieser Ausschuß besteht zurzeit aus den Bürgermeistern der vier Gemeinden. Das Stimmrecht verteilt sich nach der Ein- Wohnerzahl der Verbandsgemeinden, so daß jedem Vertreter ans je 1000 Einwohner eine Stimme zufällt. DaS Mitbesftmmungs- recht der Gemeindevertretungen war bei diesem Verwaltungssystem völlig ausgeschaltet. Wiederholte Versuche, die Zusammen- setzung des Ausschusses zu ändern, scheiterten. Schließlich wurde vom jetzigen Ausschuß eine Aenderung in Vorschlag oebracht, die der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung vorlag. Nach diesem Vorschlag soll der Ausschuß durch je ein Mitglied der Gemeinde- Vertretung verstärkt werden. Das Stimmenverhältnis soll wie bisher bestehen bleiben. Sollten die beiden Vertreter eines OrteS sich über eine Abstimmung nicht einigen können, dann soll nach wie vor nur der Gemeindevorsteher stimmberechtigt sein und zwar mit allen seiner Gemeinde zustehenden Stimmen. Daß diese kuriose„Erweiterung der Rechte der Gemeindevertretung" dieser nicht zusagte, versteht sich von felbst. Sie wurde, nachdem Genosse Schönberg wie auch Herr Rechtsanwalt P i n k u s dagegen ge- sprachen, abgelehnt und der Gemeindevorstand beauftragt, mit den übrigen Verbandsgemeinden erneute Verhandlungen anzuknüpfen, die sich auch gleichzeitig auf die Regelung anderer Differenzpunktc erstrecken sollen. Der Bebauungsplan— dieses Schmerzenskind der Gemeinde— kann nicht leben und nicht sterben. Seit etwa 20 Jahren kurieren alle zuständigen und kompetenten Stellen an ihm herum, und seit ebensolanger Zeit arbeitet die Gemeinde ohne einen genehmigten Bebauungsplan. Es werden Straßen an- gelegt, ganze Quartiere parzelliert und bebaut, alles ohne Ge- nehmigung. Nachdem der Plan jahrelang bei den Interessenten gelegen hatte und endlich der Regierung zur Genehmigung unter- breitet wurde, war er— veraltet. Jetzt werden die neuesten, modernsten, städtebaulichen Forderungen der vorzunehmenden Ab- änderung zugrundegelegt. 35 bis 40 Proz. Freiflächen werden gefordert, ganze Banblocks werden kassiert. Alte und neue Häuser an den verkehrsreichsten Punkten sollen der Spitzhacke zum Opfer fallen— eine Schmuckanlage soll hier besser am Platze sein. Lmdec find diese Forderungen ohne große Opfer nicht zu erfüllen. Die Regierung wird in erneut angebahnten Verhandlungen auch die Quelle zeigen müssen, aus der die Proletavier-Gemeinde die riesigen Mittel hernimmt, die eine derartige, an sich sehr be- grüßenswerte Modernisierung des Bebauungsplanes verlangt. Die in der Sitzung vom 17. Dezember euiaesetzte Arbeitslosen-Kommission hat sich jn' zwei Sitzungen mit den von unseren Genossen vorgeschlagenen Mitteln zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und deren Folgen beschäftigt. Die Anträge unserer Genossen fanden auch in der Kommission glatte Ablehnung bis auf einen, der nachträglich als letzter Punkt ans die Tagesordnung der Gemeindovertretersitzung gesetzt war und für den die Dring- lichkeit beschlossen wurde. Nach Begründung durch den Genossen Schönberg und Befürwortung durch den Bürgermeister Wille und den Schöffen Reinecke wurde beschlossen: Den bedürftigen Arbeitslosen unverzinsliche Darlehen zu gewähren und zu diesem Zwecke vorläufig 5000 M. zur Verfügung zu stellen. Diese Dar- lehen sind nicht alS Armenunterstützung zu betrachten. Die even- tuell erforderlichen Recherchen sollen nicht durch die Organe der Armenverwaltung, sondern tmrch die Mitglieder der Gemeinde- Vertretung selbst borgenommen werden; wodurch diesen zugleich Sie Beurteilung der Notwendigkeit einer weitergehend« HilfS- I aktion ermöglich werden soll. Lsfe Seihneyer genannt Piccadilly des Ostens Ecke Frankfurter Allee und Petersburger Straße ab 1. Dezember: neues KOnstler- Ensemble 2 Kapellen. Etablissement Klostergarten\ ...... PltttzcDüee, Am neuen Jungkernsteg.->- ::: Mälo zn Tcrsamnilanecn und Festlichkeiten.::: Sonntag ab 4 Uhr, Freitag ab 8 Ubr; C-rofier Ball. Vorzügl. Küche. Helle u. dunkle Blere, Malzbier. Kaff ee auch in Kannen. !.------ Fernsprecher: Wilhelm 6069= ' rWWWWWWWVWWWWW*WWWWWWWWWWWWWWWW1 FWWWWWWI „Seestern" Tnb.: Wllh. Kirsche Berlin 0, Königsberger Straße 17 Tel.: Amt Königstadt, 11364. See- und Flußfische. 8ßmtliche Riluchernaren und Delikatessen täglich frisch. 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