( 5 Pfennig)( 5 Pfennig) Ar. 333. Av A 3V. Jahrg. flbonnementS'lkdingungen: a V�>. A/f � �ionz-eebühr � ttonnemcntä. Bioiä pränumerando:| A DUI-eN�odr? deren Rmrm M°Via � i"c ö�M-irL1-»' �Wn■ 1% mrnT lir Iii W ufTw iflk Ä*M � Ks�.nN-»«n�°�°i� .mm E k SS änti�Sf?* DD 1 MB DH/ W> W» BB WM Wäf t> und Versammlnungs-Anzeinen 30 Pfa. SnnimVr*r��niji�i<äfnr �nnnflJS�' DD 1 W» �W»■bH // BS! 8�5 HH DD HR f iF S DD..Kleine Hnsetgen", das fcltgebruffie sr.Ä�SMoiriof.: M.-W W D DL) WWW WD W(Z D «n~f 4aü HB B B B W ÜB B V B MIaL ReKmesucht und° Schwfswlle�n. iTnior oEnS�-�?,' KUtiEu HH Bh HB DW BH BB HB) m Bs zeigen das erste Wort lv Pig� jedes »?nÄ!an>> ,a!d r�ei�üi� DB>B B> DM �9 Bi Bsl BH HH 4BB5�E/ weitere Wort!. Pfg. Worte üb« lSBuch. fvtwnrF kÜ dn««S?'«h �ni H W M JHlv BHV H staben zählen für zwei Worte. Jnscraie �mnrl Wr'n SntiM' HB HB BD. DB< JKBr� HD // DB für die nächste Kummer müssen bis trtmn n��t: Bi HB �T/�W/ JSCs // n 5 Uhr nachmittags III der Expedition -Ä??? rr,num o.,'i,mk. ,r.!Rnri?,�i HB, HB\ ▼/' S VV� /7X HB, adgegeden werden. Die Ervcditien ist ß�Äck S�� �ie�chW SM*� c � TJ*9�* tiis 7 Uhc�odcttdä geöffnet, - C�T X/O-e�VV� Tetegramm-Adresse: eridieint täglict.„SezialdtrtieKrat Rersi«". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Parte» Deutfcblands. Redaktion: 65Q. 68, Lindcnftraßc 69. Fernsprecher: Amt Morikplav. Nr. Ig8Z. vie Schick Tie bürgerliche Klüsse Teutschlands hat, wie mau zu sagen pflegt, inehr Glück als Verstand. Zloch jedesmal hat sie kläglich versagt, wenn es darum ging, sich im Kamps gegen die Genalteil des achtzehnten Jahrhunderts ähnliche Rechte zu erooern, wie sie das Bürgertum anderer zivilisierter Län- 'der genießt. Tie letzte verpaßte Gelegenheit fiel in das Jahr der papierenen Revolution, das Jahr der glorreichen No- vembcrrevolution von 1908. Als damals die Entrüstung über die gefährlichen Seitensprünge des persönlichen Regi- ments bis zu den Freikonservativen hinüber wilde Wogen warf, hatte die Rcichstagsmehrheit es in der Hand, konstitu- tionellc Garantien gegen künftige Uebergrisse nicht nur zu verlangen, sondern auch zu erzwingen. Sie tat es nicht. Als Herr v. B ü l 0 w vielmehr das Tel seiner fettigen Beredsam- kcit auf die hochgehenden Wellen schüttete, glätteten sie sich sofort, und ruhig glitt die Galeere des Absolutismus dar- über hin. Vielleicht trägt doch mancher der Hasenfüße von 1908 jetzt um die schwächliche Haltung von damals bitter Reu und Leid, denn, was sich jetzt vollzieht, stellt bei weitem die Ereignisse von 1998 in den Schatten. TamalS Worte, heute Taten! Tamaks ein monarchisches Staatsoberhaupt, mit der Raschheit seiner Entschlüsse, der Unbedachtsamkeit seiner Verössentlichun- gen und der Mittelalterlichkcit seines Gotteögnadenideals die Welt in Unruhe und Erstaunen setzend, heute eine rücksichtslose Soldateska, Rech: und Gesetz niedcrtrampclnd, den Bürger frech verhöhnend und mit dein Säbel die Verfassung wohl» gemut zerschlitzend. 1908 brachte mit dem„Taily-Telegraph". Interview die Nucken und Mucken des persönlichen Regiments zum Ausdruck, 1913 aber bringt den Anfang der Revolution von oben. So wenigstens fassen die ostelbischen Junker die Tinge auf. Ter Trommelwirbel auf dem Schloßplatz von Zabern, der dein Wüten der übermütigen Soldateska gegen friedliche Bürger vorausging, klingt ihnen lieblich zu Ohr als das Signal zu jener Revolution von oben. Was gestern in Zabern möglich war. soll morgen im Ruhrrevier und übermorgen in Berlin inöglich sein: daß konfliktslüsterne Kriegskneckite mit souveräner Hairdbewegung die Zivilbehörden beiseite schieben und ein schrankenloses Säbelregiment errichte». Wenn dann in den großen Städten, die solchen Konflikten andere Eilt» wickelungsmöglichkcitcn bieten als das kleine, ruhige, schläfrige Zaber», die Massen gegen die Willkür der Gamaschenknöpfe aufsässig werden, erteilt man den Maschinengewehren das Wort und die Gelegenheit, die von Bismarck schon so heftig ersehnte, ist da. die soziale Frage als eine m i l i- t ä r i s ch e Frage auf der Straße zu lösen, das heißt: die deutschen Arbeiter in einem furchtbaren Blutbad zusammenzukartätschen und alle oppositionellen Elemente in Festungskasemattcn verschwinden zu lassen. Tas ist die berauschende Aussicht, die sich im Zusammen- bang mit dem Zaberner Fall vor den Augen der brutalen Junker und Scharfmacher aufint, und schon der helle Jubel, mit dem sie den Schirmherrn der brutalen Soldateska, den Kriegsminister v. Falkenhayn, unilärmen, zeigt, was sie im Schilde führen. In diesem General sehen sie den viel- begehrten„dummen, aber starken Kerl", der das bißchen Par- lamentarismus in Teutschland zu Paaren treiben soll, in ihm erblicken sie de« Anwärter ans den Sessel Bethmann H 0 l l w e g s. den Unteroffizier als Reichskanzler, nachdem wir einen Siebenschläfer, einen Friseur und einen Oberlehrer als Kanzler gehabt haben. Dorum ist es auch eine schiefe Einschätzung der Lage, wenn man über den an sich unbedeutenden Zwischenfall jammert, der init ein wenig gutem Willen hätte beigelegt werden können: man brauchte den Leutnant v. Forstncr nur zu versetzen, nicht einmal in ein anderes Regiment, son- dern nur in das dritte Bataillon der 99er. das in Pfalzburg in Garnison stehst Aber vorbeigeschossen! Daß der gute Wille bei dem Militär fehlte, daß eher die Welt zugrunde geht, ehe ein beim Zivil mißliebiger Jüngling nnt Epaulettes entfernt wird, das ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit aus dem System, das hier in Frage steht. Ter Zaberner Fall ist kein Zufall, sondern ein Schuliall, und ebenso konnte sich der Kon- flikt zwischen dem Militarismus und der Verfassung— denn darum dreht es sich hier!— iu Krotoscksiu oder in Mörchingen l�er sonstwo in einer der unzähligen Garnisonen der großen Kaserne Teutschland entzünden. Wenn sich die bürgerliche Masse Teutschlands nicht diese Montag, den 8. Dezember 1013. prinzipielle Bedeutung der jüngsten Ereignisse klar macht, ist von vornherein Hopfen und Malz an ihr verloren. Es handelt sich weder um den kleinen Leutnant F o r st n e r noch um den schneidigen Oberst R e u t t e r noch um den eisen- fresserischen General Deimling und auch nicht um Falkenhayn und nicht um Bethmann H o l l w e g: all diese interessanten Personen sind letzten Endes so gleich- gültig wie die Puppen in einem Kasperletheater, sonder n S y st e ni prallt hier gegen System. M i l i t a r i s- m u s und Verfassung stoßen zusammen. Freilich scheint dabei der Militarismus der eiserne und die Verfassung der tönerne Topf zu sein, und wer in Scherben geht bei dem Zusammenstoß, scheint keinem Zweifel zu unterliegen, aber das ist nur Schein. In Wahrheit kann das Volk sehr wohl siegreich den Kampf gegen die Handvoll Junker und Milita- risten durchführen. Als ini November 1848 der bürgerlichen Revolution in Preußen mit den Kolben der Soldateska der Garaus gemacht werden sollte, rief die von Karl Marx und Friedrich Engels geleitete„Nene Rheinische Zeitung" dem Bürgertum zu: „Ein Wränge!, ein Brandenburg begreif!, daß sie einen Degen tragen und Uniform und Gshalt beziehen. Woher aber der Degen und die llnisorm und das Gehalt, das begreifen sie nicht... Das Königtum irotst nicht nur dem Völkery es trotzt dem Bürgertum. Besiegt es also aus bürgerliche Weise. Und Ivie besiegt man das Königtum in bürgerlicher Weise? Indem man es aushungert, lind wig hungert man es aus? Andern inau dje' Steuer» verweigert. Bedenkt es wohll Alle Prinzen von Preußen, alle Brandenburgs und Wrangcls pro- duziercn kein— Kommißbrot. Ihr, ihr produziert selbst das Kommißbrot." So steht es auch heute. Wenn die militärischen Ga- maschenkuöpse nicht vor Recht und Gesetz kapitulieren, sperrt ihnen das Kommißbrot! Verweigert wenigstens das Militär- budget! Es bedarf nur der drei Tinge, die Danton vom Konvent forderte: Kühnheit, Kühnheit und abermals Kühn- heit! Aber wird freilich eine Gesellschaftsklasse diese Kühn- heit gegen den Militarismus ausbringen, die in den Ma- schincngewchren den sichersten Schutz gegen die drohende soziale Rebolution sieht? Doch so oder so, die Schicksalsstunde für das deutsche Bürgertum hat geschlagen. Verpaßt es sie auch diesmal, so verdient es jeden Kolbenstoß in die Kniekehle und jeden Kommißstiefeltritt ins Gesäß, den ihm der Militarismus in Zukunft noch versetzen wird. kelchcvichtigungzmsnöver. Ter Reichskanzler fühlt das Bedürfnis, die Erregung über sein Auftreten im Reichstag abzuschwächen. Schon seine ani Tonnerstag gehaltene zweite Rede hatte den klar ersichilickien Zweck, den durch die erste Rede erweckten Eindruck seiner gottergebenen Fügung unter den Willen der Militärgcwalten abzuschwächen— jedoch ohne dem Reichstag irgendwelche Zu- geständnisfe zu machen oder den Kriegsminister zu deinen. tieren. Jetzt hält er allem Anschein nach eine noch weitere Abschwächung für nötig, denn die„Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht an der Spitze ihres letzten Wochenrückblickes.eine Art Ergänzung der Tonnerstagrede des Kanzlers, in der ver- sucht wird, es so darzustellen, als beruhten die sck-arfen Ent° gegnnngen, die die Kanzleräußenmgen im Parlament und in der Presse gefunden haben, im wesentlichen nur auf falschen Auffassungen und Mißverständnissen. Tatsächlich, io erklärt das Knnzlerblatt, habe Herr v. Bethmann Sollweg gar nicht sagen wollen und auch gar nicht gesagt, was man aus seinen Worten gefolgert habe, so daß nur die Annahme bleibe,„gewisse Teile" des Reichstags hätten den Reichskanzler nicht richtig verstanden oder nicht richtig ver- stehen wollen: „Manche Nuösübrungen brioer Reden sind bei der den Reichstag beherrschenden Stimmung nicht richtig v e r st. a n d e n und nicht sofort richtig g c jo c r t c t worden. Fn gewissen Teilen des Hauses hat man das, itxrs der Reichskanzler im Sinuc der Beruhigung und Versöhnung sagte, o f f c n b a r a u ch nicht verstehen wollen. Tiesem Eindruck wird sich niemand ent- zogen haben, der die Ausbrüche der Sozialdemokratie und besonders einzelner ihrer Wortfübrer wäbrend de: Rede des Reichskanzlers beobachtet hat." Dam» gibt die„Nordd. Allg. Ztg." einen wohlabgesiimm- ten Ueberblick über die Entwtckelung der Ereignisse, der das Vorgehen des Militärs in Zabern als recht unbedeutend hin- stellt, und sucht darauf zu beweisen, wie der Reichskanzler so- fort vermittelnd und einsichtsvoll eingegriffen habe: Expedition: 8M. 68, Lindenftraße 69. Kerufvreckicr: Amt MorinvlnU. Nr. 1984. „Als die Vorgänge in Berlin bekannt werden, erstattet der Reichskanzler alsbald dem Kaiser Bericht und verabredet mit dem Kriegsminister, daß dieser sich nach Donaueschingcn begibt. Ans Vorschlag des Reichskanzlers und des Kriegsministers befiehlt Seine Majestät, daß unverzüglich aus Straßburg ein General nach Zabern entsandt wird, mit dem Austrag, für die Wieder- Herstellung geordneter Zustände, des gehörigen Kontakts mit den Zivilbchörden und des guten Einvernehmens mit der Bevölkerung zu sorgen. Gleichzeitig ergehen vom Kaiser Befehle an den Statthalter und' den kommandierenden General, daß sie für das Handinhandgehen der Zivil- und Militärbehörden zu sorgen hätten. Dem kommandierenden General gibt Seine Majestät auf, darüber zu wachen, daß das Militär unbedingt innerhalb der gesetzlichen Grenzen bleibe. Der Kaiser verlangt ferner von dem nach Zabern entsandten Genera! genauen Bericht unter Vorbehalt seiner weiteren Entscheidungen. Der Statthalter entsendet zur Aufklärung des Sachverhalts einen Beamten des Ministeriums nach Zabern. Die erforderlichen Untersuchungen werden von den Zivil- und Militärbehörden borgenommen.... Am 1. Dezember erklärt der Reichskanzler in einer vor- läufigen Mitteilung, daß die Autorität der Gesetze ebenso ge- schützt werde wie die öffentliche Ordnung und die Autorität der öffentlichen Gewalten. Am S. und 4. gibt er eine Darstellimg der Ereignisse und der ergriffenen Maßnahmen, wobei er keinen Zweifel läßt, daß er das militärische Vorgehen von der Räumung des Schloßplatzes an nicht mehr für gesetzlich halte, daß das be- gangcne Unrecht seine Sühne finden müsse. Da inzwischen noch einige Verhaftungen durch Militärpatrouillen stattgefunden haben, befiehlt der Kaiser den Statthalter, den kommandierenden General soivie den Reichskanzler, der sich schon zuvor zum perfön- licheu Bericht angemeldet harte, zum Vortrag. Das nächste Er- gcbnis der Besprechungen in Tonaucschingcn ist der Befehl Seiner Majestät, die Garnison von Zabern bis auf weiteres nach einem Truppenübungsplatz zu verlegen und die schwebenden kricgs- gerichtlichen Verfahren mit Beschleunigung zu Ende zu führen. Mit dieser durchgreifenden Maßregel wird jede Gelegenheit zu weiteren Reibungen gwi scheu dem Militär und der Bevölkerung in Zabern be- s c i t i g t.". � Die ganze Darstellung hat, wie sich deutlich aus ihrem Wortlaut ergibt, keinen anderen Zweck, als zu beweisen, wie prächtig der Verwaltungsapparat funktioniert hat, und wie unnötig es sei, sich über die Vorgänge, in Zaber», die doch eigentlich nur eine Bagatelle seien, irgendwie aufzuregen. Auf diesem Wege der Beschwichrigung hofft man offenbar iu den Regierungskreiseii am schnellsten und bequemste» ohne jegliche Zugeständnisse �iber die unangenehme Angelegenheit hinwegzukommen und die Nationalliberalen Ivic die Zeil- trumspolitiker milde und versöhnlich zu stimmen. ES liegt Methode in diesem Spiel. Ganz sicher wird man daher in den nächsten Tage» in allerlei ganz- und halbofsiziösen Blättern lesen: der Kaiser hätte mit Weisheit eingegriffen, die kleinen Vergehen würden von den 5t'negsgcnchten unnach- sichtlich gesühnt werden, und damit sei dann alles geschehen, was möglich sei, um wieder normale Zustände im schönen Elsaß herbeizuführen: jetzt noch weiter einmal Geschehenes aufzurühren, heiße nur die Schadenfreude des Auslandes herausfordern. Zwar stimmt die ganze Argumentation nicht, denn längst handelt es sich nicht mehr nur um die Be- schimpfung der Elsässer durch den Leutnant v. Forstner, auch nicht mehr um die Uebergrisse deü Obersten v. Rcutter, son- deru um die willkürliche H i n lv egsetzung der Militärbehörden über die Vcrfassuugs- rechte des deutscheu Volkes und um die offene Provokation der deutschen Volksvertretung durch den sich loillig den Ansprüchen des Offizierskorps unterordnendm Reichs- kanzler und Kriegsminister, das heißt um die Frage:„Soll das Militär herrschen oder das Recht?", aber der gute Bürger ist ja so genügsam und friedlich— zumal jetzt, wo Weihnachtssorgen seinen Kops beschästigen. Darauf speku- liert man ossensichtlich in den höheren Regierungskreiseii. Wenn der gute Bürger sich in den Novenwertagen 1908 so leicht besänftigen ließ, weshalb sollte er sich jetzt nicht ein- sangen lassen? ** Amtliche Erklärung der Tiraßvurgcr Regierung. Tie amtliche„Straßburgcr.Korrespondenz" veröffentlicht folgende Erklärung: „Wie bereits gemeldet, ist das 2. Oberrheinische Infanterie- Regiment Nr. 99. soweit es seinen Standort in Zabern harte, Vach dem Truppenübungsplatz von Bitsch und Hagenau verlegt worden. Diese Verlegnng wurde verfügt, um die Möglichkeit lvciterer Reibungen zu beseitigen und um Ruhe und Frieden in der Stadt Zabern wieder herzustelle». Weitere Maßnahmen, die geeignet sind, der allgemeinen Erregung ein Ende zu machen, sind bereits beschlossen. Ihre Ausführung wird erfolge» nach Abschluß des zurzeit anhängigen militärischen Gerichisber- sahrcus, in dem die Verantwortung für die Vorfälle am 23. November und an den darauffolgenden Tagen festgestellt werden ' wird und borgekommene Gesetzwidrigkeiten ihre Sühne finden sollen. Tas Verfahren wird so rasch als möglich durchgeführt werden." poUtilcbe CJcberficht Fortschrittliche Volkspartei und Zuchthausgesech. Der ZcntralauSschuß der Fortschrittlichen Volkspartei trat am Sonnabend in Berlin zu seiner Herbsttagung zusammen. Zu- nächst beschäftigte sich der Ausschuß mit der Zaberner Affäre, wo- bei er die Haltung der Fortschrittlichen Volkspartei billigte; dann aber wurde die Frage des..Schutzes der Arbeitswilligen" zur Er- örterung gestellt. Die Beteiligung an der Debatte war eine außer- ordentlich rege. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, aber der Referent Wiemer faßte die Debatte dahin zusammen,„daß der Zentral- ausschuß einmütig für den Schutz der Arbeitsfreihcit. aber gegen eine Verschärfung der Gesetze, für die Ausgestaltung des Koalitionsrechts und für die Rechtsfähigkeit der Be- rufsvereine sei". Ein Kulturbild. Der Landrat des Kreises Liegnitz erlätzt im dortigen Kreisblatt die alljährlich übliche Anweisung über den Abschub der russisch- und galizisch-polnischen Arbeiter in ihre Heimat, die bis zum •20. Dezember zu erfolgen hat. Im Anschluß daran sagt der Landrat: „Ferner ersuche ich die Polizei- und Gemindebehörden. alle Arbeitgeber dringend zu veranlassen, nach erfolgter Abreise der Saisonarbeiter, unmittelbar nach dem Freiwerden ihrer Quartiere die von den Ausländern benutzten Wohn- und Schlafräume sowie sämtliches Mobiliar mit Sodawasser und Seife gründlich reinigen und die von den Leuten benutzten Matratzen und Wolldecken durch den zuständigen amtlichen Desinfektor desinfizieren zu lassen. Das Bettstroh der Leute ist zu verbrennen. Diese Maßnahmen sind im gesundheitspolizeilichen Interesse zur erfolgreichen Be- kämpfung der alljährlich unter den ausländischen Saisonarbeitern zahlreich aufgetretenen ansteckenden Krankheiten— wie Krätze, Körnerkrankheit der Augen pp.— durchaus notwendig." Von der Kultur, die in den Gefilden der preußischen Junker herrscht, gibt die Anordnung indes ein sehr anschauliches Bild. Der lippesche Landtag. beschäftigt sich seit einigen Tagen mit einem neuen Volksschulgesctz. Der erste Paragraph, der die Ziele der Volksschule andeutet, ist aus dem sächsischen Volksschulgesetz herübcrgenommen und enthält die Vorschrift, daß die Schule die Kinder auf religiös-sittlicher Grund- läge zu vaterländischer Gesinnung usw. zu erziehen habe. Nur der sozialdemokratische Vertreter wendete sich gegen diese umschriebene Auslieferung der Volksschule an die Kirche und die monarchische Phrase. Die Liberalen forderten zwar die Proklamierung der Volksschule als Staatsveranstaltung, zogen aber nicht die Konse- quenzen und versteckten sich dahinter, daß der größte Teil des Volkes noch religiös gesinnt sei. Die Kommission des Landtages hatte Aufhebung des Schul- gelbes beschlossen. Nachdem die Regierung erklärte, daß dadurch die Vorlage ernstlich gefährdet sei, schlug sich ein Nationalliberaler auf die Seite der Konservativen und rettete das Schulgeld. Bei der Frage der Bildung der Schulkörperschaften machte der sozialdemokratische Vertreter Versuche zur Durchführung des gleichen Wahlechts, aber selbst die Fortschrittler stimmten geschlossen für dessen Annahme. « Zu der Beratung eines Volksschulgesetzes in Lippe bringt die den Konservativen nahestehende„Tageszeitung" in Detmold eine „Stimme vom Lande". Da heißt es: „Zu den Kommissionsbeschlüssen ist vorgesehen, den Kindern keine unterrichtsfreien Nachmittage zu gewähren. Das ist gerade für die Landbevölkerung sehr bedauerlich.... Was sollen unseren Kindern eigentlich so manche technische Fächer?... Wenn sie ein gewisses Maß von Allge- meinbildung empfangen, so dürfte das ausreichen; dann würde auch die starke Landflucht aufhören und sie würden zufrieden ihre Scholle bebauen, wie das Eltern und Großeltern auch getan haben. Da klagen die Städter über hohe Lebensmittelpreise. Wie kann es denn anders sein, wenn dem Landwirt durch die Schule die willigsten Arbeitskräfte entzogen werden?" Man sieht, in der Abneigung gegen die Volksschule und in der brutalen Vertretung ihrer Interessen gleichen die westelbischen Agrarier ihren feudalen ostelbischen Standesbrüdern durchaus. Zaberner Spaziergang. Zabern, den 5. Dezember 1913. Als Anno 1870 die preußischen Pickelhauben hier auftauchten. quartierten sie sich in dem prächtigsten Gebäude der Stadt ein, dem alten Bischofssitz der Kardinäle von Rohan, den sie flugs in eine Kaserne umwandelten. Noch heute bildet der imposante Bau aus rotem Sandstein den Mittelpunkt des idyllischen Vogesenstädtchens am Fuße des Hohbarr, das man sich eigentlich nur im hellen Sommersonnenschein und nicht im trüben Dczemöernebel, eigent- lich nur in heiterer Fest- und Friedensstimmung und nicht in Angst und Erbitterung angesichts einer wildgewordenen Soldateska vorzustellen vermag. Aber dennoch legt sich der Dezembcrnebel lähmend auf die Lungen und das Säbelregimcnt des Obristen v. Reutter lähmend auf die Stimmung. Freilich, die Zeiten der Pracht und des Glanzes, deren Er- inncrung der Name Rohan weckt, sind für Zabern auf immer ver- schwunden. Es waren jene Rohans, deren stürmischen Hochmut schon ihr berühmter Wappenspruch kündete: visu ns puis, Iloy no veux, Eoban je suis. Zu Deutsch: Gott kann ich nicht sein, König will ich nicht sein, Rohan bin ich. Sie waren so feudal wie diese ihre Geschlcchtslosung, die Fürsten von Rohan, die prunkvoll bald in Straßburg, bald in Zabern residierten, echte Kirchenfürsten des ancien regime in Brokat und Purpur, schäferlichen Spielen so wenig abgeneigt wie dem Weidwcrk in Wald und Flur und dem frohen Gelage im ge- täfelten Saal. In diesem Sandsteinschloß hauste auch der letzte und tollste dieser fürstlichen Kardinäle, Rene Louis Edouard de Rohan, ein Weiberheld und ein Verschwender, der sich unter seinesgleichen sehen lassen konnte. Kein Wunder, daß er sich hier im Zaberner Schloß mit dem berüchtigten Abenteurer Cagliostro einließ, der ein Meister in der edlen Goldmachckunst zu sein vorgab. Kein Wunder, daß ihn schließlich sein Drang nach immer neuen Lippen uno Brüsten in schlimme Händel warf: er streckte seine Hände nach der begehrenswerten Königin Marie Antoinette aus, Gauner und Bauernfänger nutzten seine Balzstimmung aus, und er ging ihnen ins Netz. Die Halsbandgeschichte kam, die vor ganz Europa den Sumpf der herrschenden Klassen Frankreichs aufdeckte und jeden, Die Revolutionsspielerei der Ulsterleute. London, 7. Dezember. Infolge des gestrigen königlichen Verbotes der Waffen- und Munitionseinfuhr nach Irland durchsuchten die Zollbeamten in Belfast gestern alle dort an- gekommenen Schiffe. Man machte dabei eine ganze Reihe interessanter Entdeckungen. Den Behörden war die Nachricht zugegangen, daß in diesen Tagen ein Schiff mit Waffen für die Ulsterleute abgehen werde und in einem Hafen im Norden Irlands anlegen würde. Wahrscheinlich nahm man nun an, daß dieses Schiff in Belfast landen würde. Jedenfalls ent- deckte man bei einer Durchsuchung des aus Liverpool kommen- den Dampfers„Patriotic" unter den Kohlen versteckt neun Kisten nrit Gewehren und Bajonetten und 90 000 Patronen. Im Hafenamt meldete sich später ein junger Matrose, der angab, daß er ein Schiff wisse, das gleichfalls für die Ulster- leute Waffen an Bord habe. Das Schiff habe in einem kleinen Nebenhafen geankert. Als die Behörden sich nach dem Schiffe umsahen, mußte man feststellen, daß es bereits wieder aus- gefahren sei, wahrscheinlich nach Dublin. Man benachrichtigte die dortigen Hafcnbehörden, die daraufhin an Bord des in- zwischen angekommenen Dampfers„Canibria" im Gepäck der an Bord befindlichen bekannten englischen Frauenrechtlerin Miß Lawlor fünfzig Gewehre fand. Die Ulsterleute, so wird gemeldet, lachen über das Ver- bot und erklären, daß dies ihrer Waffeneinfuhr nicht den ge- ringsten Abbruch täte. Bei der Beschaffenheit der irländischen Küste und der geringen Zahl der Zollwächter in Irland sei es ein leichtes, mit Motorbooten Waffen in beliebiger Zahl einzuschmuggeln.__ Das neue französische Ministerium. Paris, 7. Dezember. Senator Doumergue hat heute früh eine lange Besprechung mit Caillaux gehabt, der sich ihm für das Finanzportefeuille zur Verfügung stellte für den Fall, daß Doumergue das Kabinett bijden sollte. Doumergue besuchte dar- auf Leon Bourgeois, Clemenceau, Combes und Jean Dupuy. Für den Augenblick hat Doumergue nur Caillaux und Viviani be- stimmte Portefeuilles angeboten. Er wird am Nachmittag und morgen vormittag seine Bemühungen fortsetzen und Deschanel und Briand aufsuchen. Doumergue soll dem Präsidenten Poincare seine endgültige Entscheidung morgen vormittag 11 Uhr mitteilen. Wie verlautet, berechtigt die Aufnahme, die Doumergue bei den Persönlichkeiten, die er aufsuchte, gefunden hat, zu der An- nähme, daß seine Bemühungen wahrscheinlich von Erfolg gekrönt sein werden. Qbschon Doumergue noch nicht offiziell mit der B>l- dung des Kabinetts beauftragt worden ist, und bis jetzt nur die Zuerteilung zweier Portefeuilles feststeht, so sind doch Gerüchte im Umlauf, wonach sich das neue Kabinett folgendermaßen zusammen- setzen wird: Ministcrpräsidentschaft und Inneres: Doumergue; Auswärtiges: Ribot oder Delcasse; Justiz: Jean Dupuy; Idrieg: General Dubail mit General Serrail als Gcneralstabschef; Marine: Roulens; Unterricht: Viviani; Finanzen: Caillaux; Handel: Fernand David; Ackerbau: Malvy oder Raynaud; Kolonien: Lebrun; Oeffentliche Arbeiten: LHopiteau; Arbeit und soziale Fürsorge: Renonlt. Sie IProteft'Verfammlungen in Groß-Berlin. In nicht weniger als 17 Versammlungen, die von gut 30 000 Menschen besucht waren, protestierte gestern das Ber- liner Proletariat gegen die Rechtsverletzungen durch die Mili- tärbehörden im Elsaß. Die Hauptmasse stellte natürlich das Proletariat. Nie ist zwar das Bürgertuni aufgeregter ge- Wesen über das rücksichtslose Auftreten einer wildgewordcnen Soldateska, nie ist in den Wirtsstuben, nie in den Bureaus lauter auf unsere Regierung, auf unsere politischen Zustände geschimpft worden, als nachdem Herr v. B c t h m a n n H o l I- weg und Herr v. F a I k e n h a y n im Reichstag ihre auch in Regierungskreisen als ungeschickt empfundenen, von der Be- völkerung als provokatorisch aufgefaßten Reden ge- halten hatten. Aber dann kam die Verlegung des 99. Re- giinents, und die kochende Seele so mancher Bürger kühlte sich wieder ab auf ihre gewöhnliche Temperatur. So protestierte gestern denn im wesentlichen nur das Pro- letariat, nur die sozialdemokratisch vorgebildete Arbeiterschaft, die allein sich nicht damit begnügte, in den Zaberner Vor- gängen Mißgriffe einzelner zu sehen, sondern die sie ganz richtig wertete als Symptome eines Systems. Der Aufzug der Massen gab schon eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlungen den proletarischen Viertels in der Nähe der gewaltigen Lokale, in denen man sich versammelte, ihr Gepräge. Eine ganze Reihe von Versammlungen mußte abgesperrt werden. Ter größte Andrang dürfte wohl in den Pharussälen in der Müllerstraße und in dem bekannten ehe- maligen Kellerschen Lokale in der Koppenstraße geherrscht haben. Hier im äußersten Norden und im äußersten Osten des Berliner Weichbildes inmitten stark proletarischer Be- zirke brachte der Andrang der Massen auch die Polizei in einige Verlegenheit.'Ganz besonders war das in der Koppen- straße der Fall. Der große Saal, die Galerien, die Bühne, alles tvar dort dicht besetzt und immer drängten noch neue Massen an, die vergeblich Einlaß suchten. In wenigen Mi- nuten waren auch die beiden geräumigen Nebensäle gefüllt. Die Besucher glaubten, hier würden ebenfalls Versammlungen abgehalten werden, doch das ließ sich nicht ermöglichen, weil dafür kein Referent zur Stelle war. Nun strömten die Massen, die sich außerhalb des großen Saales angesammelt hatten, hinaus. Auf dem Hofe wimmelte es von Schutzleuten. Die waren offenbar nicht instruiert, wie sie sich diesen Massen gegenüber verhalten sollten.„Rauslassen?" fragte der eine. „Nee, nich rauslassen" antwortete ein anderer, der es wohl für bedenklich halten mochte, wenn die auf der Straße vor den verschlossenen und polizeilich bewachten Eingangstoren harrende Menge noch durch weiteren starken Zuzug vermehrt wurde. Andererseits mag wohl unter einer oder anderen Pickelhaube die Erkenntnis aufgedämniert fein, daß„nicht rauslassen" gleichbedeutend wäre mit widerrechtlicher Frei- heitsberanbung. Also siegte die Parole:„Rauslassen".— Das Tor wurde geöffnet, eine tausendköpfige Menge überflutete die Koppen straße, wo Dutzende von Schutzleuten umherstanden, Polizeioffizicre patrouillierten und radfahrende Ordonanzen hin- und hersausten, wie in Er- ivartung eines großen Ereignisses. Die Polizei war überhaupt in einem ungeheuren Auf- gebot vertreten, wenn sie sich auch nach Möglichkeit versteckt im Hintergrund aufhielt. Besonders stark war, wie immer, das Aufgebot am Schönhauser Tor. Von dem dortigen Lokale der Brauerei Königstadt bis nach dem Schloßplatz und Unter den Linden ist nur eine gute Viertelstunde Weges. Und das mag wohl die Veranlassung sein, daß man diesen„strategischen" Punkt ebenso wie die Brücken zur Schloßinsel besonders stark besetzt. Während in den: überfüllten Brauereisaale die Tausende der Erschienenen mit Begeisterung den Ausführun- gen des Genossens Ledebours lauschten, Herrschte auf der Straße oder besser gesagt in einigen Häusern der Schön- hauser Allee ein reges Treiben, dessen Arangement die Polizei übernommen hatte. Was war da alles aufgeboten worden! Ein ganzer Stab von Offizieren. Schutzleute zu Pferde, zu Rad und zu Fuß, ja sogar der„Polizeihund" fehlte nicht. Tie Jagowmannen wollten jedenfalls zeigen, daß die Zivilverwaltung— die sich in Z a b e r n so taktvoll benommen hat— in Berlin durchaus in der Lage ist, das Militär zu. er- setzen. Interessieren wird es unsere Leser, daß das Patrizier- Restaurant Schönhauser A l l e e 4, wie immer, zu einer fliegenden Polizeiwache umgewandelt war. Alle „Kriegsvorbereitungen" der Polizei, hier wie anderwärts, waren jedoch vergeblich. Es gab nichts, aber auch gar nichts zu tun; ruhig und selbstbewußt, wie sie gekommen waren, verließen die Tausende die Versammlungen. Nach Äliems Festsälen in der Hasenheide strömten die Massen seit Vil'2 Uhr hinzu. Kurz nach 12 Uhr tvar der Saal überfüllt, viele mußten umkehren. Die Polizei verhielt sich reserviert. Die temperamentvollen Aus» der Augen hatte, zu sehen, und Ohren, zu hören, die nahende Revolution ahnen ließ. Das tvar vier Jahre vor dem Bastillen- stürm. Heute durchduftet der penetrante preußische Kommiß- geruch die Räume, die einst geschwängert waren von den Ge- rüchen des verwesenden Rokoko, und auf dem Schloßplatz, auf den Wohl der liebeskranke Kardinal um die Stunde der Dämmerung manchmal träumerisch hinausgestarrt hat, gespannt, ob sich nicht aus den Schatten eine wohlbekannte Frauengestalt lösen würde, auf demselben Schloßplatz rasselt heute der preußische Trommel- Wirbel, schnarren die preußischen Kommandos und betätigt sich der preußische Gewehrkolben gegen ruhige Bürger. Und der Keller, in den man diese Bürger Wider Recht und Gesetz sperrt, ist just dasselbe Gelaß, in dem Cagliostro einst auf Rohans Geheiß bei seiner Goldmacherei geheiumisvolle Stoffe in Tiegeln sieden und phantastische Dämpfe zur Decke steigen lieh. Mit der Revolution hatte Zabern nicht viel mehr zu tun, als der Kardinal Rohan, der als elsässischer Abgeordneter in der Konsti- tuante eine flüchtige Rolle spielte, dann auswanderte und 1303 in Dunkel und Vergessenheit in Ettenheim im Badischen starb. Zaberns Revolutionszeit liegt weiter zurück in der Geschichte. Als in den zwanziger Jahren des sechzehnten Jahrhunderts überall in Süd- deutschland die Losung des armen Kunrad von Mund zu Mund ging und allenthalben die aufgestürmten Bauern ihren Herren den roten Hahn aufs Schloß setzten und sie selbst durch die Spieße jagten, war Zabern das Hauptquartier eines großen aufständischen Bauern- Heeres unter Erasmus Gerber. Ter Herzog Anton von Lothringen schloß die Stadt ein, berannte sie und bot schließlich den Belagerten freien Abzug an. Erasmus Gerber schlug ein, aber als sich die Tore öffneten und die wehr, und waffenlosen Bauern erschienen, stürzten sich die Herzoglichen auf sie und ein furchtbar blutiges Würgen Hub an: 20 000 Bauern sollen an diesem roten Tag, dem 17. Mai 1525, ihr Leben gelassen haben. Solcher Sturmzeiten und der Tage des Dreißigjährigen Krieges, der verheerend über die Stadt hinbrauste, und des Pandurcn- schreckens Anno 1744 mag der elsässische Dichter Christian Schmitt gedacht haben, als er von Zabern sang: Was es erlitt in Leid und Streit, Von Sturm und Not geschlagen, Vergangen ist's,— die neue Zeit, Die Zeit des Lichts will tagen. Aber ach! Der brave Herr Schmitt aus Straßburg hat seine Rechnung oder vielmehr seine Verse ohne das Regiment 99 und seinen Kommandeur gemacht. Zwar muß man sagen: wenn die jüngsten Leutnants des Regiments auch mit der ganzen Grandezza der Fllrstkardinäle von Rohan einherstolzieren, neben dem Herzog Anton von Lothringen erscheint der Oberst v. Reutter in recht ver- söhnlichem Lichte und neben den 20 000 gemetzelten Bauern will der eine Schufter mit dem Säbelhieb aus der Stirn quantitativ recht wenig besagen. Aber die obstinaten Bürger von Zabern wollen nun einmal nicht einsehen, daß es eine„Zeit des Lichts" ist, wenn Offiziere mit gezücktem Sarras hinter Sechsjährigen drcinjagen und die geladenen Flinten auf den ersten Besten angeschlagen werden. Und sie haben wirklich keinen angeborenen Hang zum Obstinat. sein, die Bürger von Zabern, die lommscomm sind, so lammfromm» daß ein einziger verschlafener Nachtwächter genügte, sie in Zaum zu halten: selbst als letzthin ihrer ein paar Dutzend auf dem Schloß. platz standen, um durch ein bißchen Gejohle gegen die Gewaltakte der Soldateska zu protestieren, und der Herr Kreisdirektor unter sie trat, zogen sie höflich das Käppckzcn vor dem Gebieter des Kreise? und dann erst johlten sie weiter. Und gegen diese braven, geduldigen, der Rosenzucht obliegenden Bürger, die weder nationalistisch noch französelnd, noch überhaupt politisch gestimmt sind, hat man Ma- schinengcwehrc aufgefahren und 45 000 scharfe Patronen bereit ge» legt, für jeden Zaberncr, Greis, Weib und Säugling eingerechnet, also iünf! Damit hat die Pickelhaube cS glücklich zuwege gebracht» die Nachtmütze rebellisch zu machen und iiebernde Unruhe in eine Stadt zu tragen, die wegen ihrer unerschütterlichen Ruhe seit dem Romancier Edmond About den bezeichnenden Beinamen..Schlafen- bürg" führt. Wirklich gleicht das Leben hier in seiner behaglichen Eintönig» keit dem blanken Kanal, der Rhein und Marne verbindend, mitten durch die Stadt führt, ichnurgerade, mit glatten Uiern, ohne unvor- hergesehene Untiefen, ohne Wellenschlag. So geht auch das Leben seinen abgezirkelten Gang, im stets gleichen Trott, jeder kennt jeden, jeder grüßt jeden, jeder weiß um des Nachbars Töpfe und Tellern, und die wichtigen Ereignisse, als da sind Versteigerung einer Kuh und Verkauf eines Mobilars, werden von dem Orts- diener init einer gigantischen Schelle ausgeschellt. Abends gehen die Notabein würdevoll ihren Schoppen trinken und reden dies und das und spielen eine Partie Bezique. die Straßen werden immer leerer und stiller und— doch Halt! ist das nicht die Zabcrner Revolution? Helle Stimmen, Lärm.... Kinder, die sich an der Hand gefaßt haben und singen. Erschrecken Sie nicht, Herr Leut- nant, und sehen Sie sich nicht so ängstlich nach den Gendarmen um, es ist heute der Abend des Heiligen Nicolas, eines echten, rechten Kinderfestiages mit Pfefferkuchen, Nüssen und Knecht Ruprecht, und was die Kleinen singen, hat mit dem Betttuch des Kameraden v. Forstner nichts zu tun, sondern ist ein alter Reim zu diesem Tage: Saint Nicolas! Ha! Ha! Ha! hw. führungen des Referenten, Genossen Richard Fischer, wurden oft durch stürmischen Beifall unterbrochen.- Er kennzeichnete zu- nächst die kläglichen VersassuagSzustände, wonach eine Regierung, ein Reichskanzler noch im Amt bleiben, obwohl im Parlament mit einer Majorität von mehr als sechs Siebentel ein Mißtrauens- Votum angenommen worden ist. Dann gab Genosse Fischer ein Bild der Vorgänge, die zu dem Konflikt geführt haben. Der mit einer Patrouille von vier Mann in den Straßen umherziehende Leutnant, der auf diese Weise bei seinen Zigaretten- und Konfektcinkäuscn geschützt werden müsse, sei eine wunderbare Simplicissimus-Figur, selbst wenn man von seiner Hosengeschichte absehe. Trotz der Lächerlichkeit kann man von einer Tragödie sprechen. Die Verfolgung und Verhaftung von Kindern uird Bürgern— Richter und Staatsanwalt miteinbegriffen die Mißhandlung eines wehrlosen Krüppels, stelle eine Ueber- Hebung, eine Roheit dar. Er— Redner— würde es verstehen können, wenn der Offizier, der seinen Degen gegen einen lahmen Schuster gezogen habe, diesen Degen aus Schamgefühl zerbrochen hätte. Die Billigung der Taten durch den Kriegsminister, mit dem sich der Reichskanzler solidarisch erklärt habe, sei ein Anreiz zu Wiederholungen. All diese Taten verursacht aber das System, aus dem auch die feigen Soldatenmißhandlungen entspringen. Der Klassengegensatz im Heer, die Auffassung unserer Machthaber, daß die Armee eine Prätorianergardc darstelle, sei die Ursache. Dem- gegenüber sei unsere Forderung, Umgestaltung in ein Volkshecr, zu setzen. Gcwcrkschaftshaus. In dem starkgefüllten Saale sprach der Genosse Pfannkuch. In ruhiger, wohlpointierler Rede entrollte er ein Bild der Dinge, wie sie sich in den letzten Tagen im Elsaß und im Reichstag ereignet haben. Wie sehr aber diese Dinge an sich aufreizend wirken, konnte man daran erkennen, daß die wohlabgewcgenen Ausführungen häufig von stürmischen Entrüstungsstürmen unterbrochen wurden. Als dann aber der Redner auf die Weiterentwicklung der Dinge zu sprechen kam, die Schritte bezeichnete, die geian werden müssen, um aus der Situation für die Demokratisierung der Verfassung den größten Nutzen zu ziehen, da stimmte ihm die Versammlung nachHallig zu. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen, dagegen kam ein Antrag zur Annahme, am Schluß der Versamm- lung fürdieWeihnachtsgabeandieArbeitslosen eine besondere Tellersammlung zu veranstalten. Die Äonzert- und Festsäle in der Koppcnstraße, das frühere Kcllersche Lokal, war völlig uocr- füllt, so daß Tausende keinen Platz fanden und es vetM A�zug der Ueberzähligen zu den an anderer Stelle geschilderten Szenen kam. Referent war Genosse Robert Schmidt, der die militärischen Uebergriffe in Zabcrn, sowie die Verteidigung der Militärdiktatur durch den Kriegsminister und ihre Beschönigung durch den Reichs- kanzler der wohlverdienten rücksichtslosen Kritik unterzog. Tic Wor:e des Redners weckten ein lebhaftes Echo bei den Zuhörern. Zustimmende Zwischenrufe und rauschender Beifall legten Zeugnis dafür ab, daß die Volksmassen durchglüht sind von Empörung über die militärischen Gesetzesverächtcr und diejenigen, welche es wagten, den Verfassungsbruch der Soldateska im Reichstage zu verteidigen. Trotz des riesigen Polizeiaufgebots vollzog sich die Heimkehr der Massen nach Schluß der Versammlung ohne Störung. Die' Genossen und Genossinnen der Schönhauser Vor- stadt und des 5. Wahlkreises versammelten sich in dem großen Saale der Brauerei Äönigstadt. Schon lange vor Beginn strömten in ununterbrochenen Scharen die empörten Volksmasscn, um Zeugnis abzulegen gegen das mili- tari ische Säbelregimcnt und ihre Verteidiger auf der Rcgierungs- bank. Genosse Reichstagsabgcordneter Ledebour wußte dem durch eine übermütige Soldateska beleidigten Empfinden des Volkes in trefflichen Worten Ausdruck zu verleihen. In wuchtigen Strichen zeichnete der Redner die Entwicklung der Zaberner Affäre. Mit Spott und Hohn übergoß er die Heldentaten des jugendlichen Herrn von Forstncr. Ausführlich beschäftigte sich Ledebour mit den Reden des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg sowie mit der des neugebackenen Kriegs mini st ers von Falten Heyn, dessen letzten Ausführungen ein« unerhörte Provokation bedeuten und einer Aufforderung zum Totschlag gleichkommen. An dem In- halt dieser Reden können alle nachträglichen offiziösen und offi- ziellcn Erklärungen nichts ändern, auch nicht die faule Ausrede, daß die Reden infolge der Zwischenrufe einiger sozialdemokratischer Wo ifübrer nur falsch verstanden wurden. Stürmischen Beifall er!e!e der Redner, als er die Anwesenden aufforderte, den Kampf nun nicht für beendet zu halten, sondern ihn anschwellen zu lassen, zu einem verstärkten Kampf gegen den Militarismus, dessen Wesen dazu angetan i't. täglich solch« Vorfälle zu wiederholen. Auch nach Walters Kastanienwäldchen in der B a d st r a ß e erfolgte ein großer Ansturm von Männern und Frauen, die Protest einlegen wollten gegen das Ueberwuchern des Militarismus, gegen Verfassungsbrüche und ihre„staats- männische" Beschönigung. Balo füllte sich der große Saal. Und obwohl er zur Hälfte von Sitzgelegenheiten freigehalten tvar, um recht viel„Stehplätze" zu ermöglichten, konnte er die immer noch hcranströmenden Protestier nicht alle fassen. Wer nicht Platz fand, promenierte im Garten oder auf der Straße, um so seine Teil- nähme am grcßen Vclksv-otcst kundzugeben.— Draußen sah man an den verschiedensten Ecken die staatSschntzbcreitc Schutzmann- schaft in Iln-sorm und Zivil. Auch fehlten nicht die blauen Radlcr, die mit gcwnchtigcr Miene dem Offi-ier Meldungen erstatten und bereit sind, denen, die man nicht sieht, Aufträge auf Flügeln des Rades zu überbringen. Vor der orichtgedrüngten Zuhörerschaft referierte RcichStagS- akgeordneter Dr. O n e s s e l. Seine kritische Würdig-ng der her- vorstcchcndsten Einzelheiten und namentlich des Verhaltens de? KriegSministcrs und des Reichskanzlers wurde vie''' starkem Beifall der Versammelten unterbrochen. Und als er am Schluß darlegte, Laß ein solcher Kricgsministcr und ein sylchxr Kanzler nicht auf den von ihnen eingenommenen Posten gehörten und dnß der Kampf von der Sozialdemokratie bei den Etatsberatungen energisch fortgeführt werden würde, wellte der Beifallssturm gar kein Ende nehmen. Spontan ertönte am Schluß der Versammlung unser altes Kampflied, Cie Marseillaise, und langsam leerte sich das Lokal. In den Ps'arus-Sölcn in der Müllerstraße sprach Reichstagsabgeordneter Buck-DreSden. Der große Saal war schon frühzeitig angefüllt und von der Polizei abgesperrt. Hundert« von Besuchern mußten umkehren, da sie keinen Einlaß fanden. Der Referent erklärte, daß er selbst in Zabern gewesen sei und sich von der Stimmung und der Meinung der Bevölkerung unterrichtet und daselbst auch Unterredungen mit einigen der mißhandelten Personen gepflogen habe. Nachdrücklich erhob Redner die Forderung, das jetzige Heer einer durchgreifen- den Umwandlung zu unterziehen und es zu einem Volksheere im besten Sinne des Wortes zu gestalten. Die Ausführungen des Redners wurden vielfach von tosendem Beifall und tausendfachen Entrüstnngsrufen unterbrochen. Auch im Moabiter Gesellschaftöhaus tagte eine Riesenversammlung. Fast 2000 Personen folgten in größter Spannung den famosen Ausführungen Dr. Liebknechts. Knallenden Peitschenhieben gleich sauste Liebknechts'wohlerwogene Kritik auf die schmachvolle Militärdiktatur nieder. Zum Orkan steigerten sich die Entrüstungsstürme und Pfuis, als der Redner die Worte des Kriegsminister Falkenhayn zitierte, die einen privi- legierten Mord gutheißen. Glücklich persiflierte Liebknecht die B e t h ma n n s ch c Politik und ihre Erfolge. Für das arbeitende Volk, das nach dem Entrüstungsrausch der Bürgerlichen wieder ganz allein den Kampf gegen die schmachvollen Zustände führen wird, heißt es erneut zu rüsten und mit aller Energie für freiheitliche Garantien, gegen Militärdiktatur und-Anarchie zu kämpfen. „Wühlen Sie, Hetzen Sie gegeji den Militarismus!" Diese letzten Worte des Referats lösten brausendes Echo unter den Versammel- ten aus und siegesbewußt hallte das Hoch auf die Sozialdemokratie, unter dem sich die Anwesenden zerstreuten. Kerline? Vororte. In Charlottcnburg behandelte vor überfüllter Versammlung Genosse Ströbel das Thema des Tages. Seinem wirkungs- vollen Vortrag wurde in lautloser Stille gelauscht, nur bei Schilde- rung des anmaßenden Verhaltens der elsäsfischen Militärbehörden. sowie der Ohnmacht der Zivilbehörden, nnd des jammervollen Verhaltens von Reichskanzler und Kriegsministcr machte sich der Unmut der Versammelten in lauten Zwischenrufen Lust. Zu Be- ginn der Versammlung mußte ein Krnninalbeamker zum Verlassen des Lokals aufgefordert werden, da schon zwei Uniformierte an- wesend waren."Erst nach Beruhigung über den Zwischenfall konnte Genosse Ströbel beginnen. In Neukölln mit seiner riesigen proletarischen Bevölkerung fanden zwei Versammlungen statt, deren eine in Bartschs Fest- sälen in der Hermannstraßc, die andere in den Passagc-Fcstsälen in der Bergstraße tagte. Natürlich wiesen beide eine riesige Besucherzahl auf. Stürmische Heiterkeit erregte es, als in Bartschs Festsälen Genosse Eichhorn es als immerhin etwas Erfreuliches bezeichnete, daß auch einmal ein leibhaftiger Staatsanwali als Arrestant unfreiwilligen Aufenthalt in dem Kasernenkcller nehmen mußte. Im Verlaufe seiner weiteren Ausführungen wies der Redner auf ein für unsere Zustände charakteristisches Zusammen- treffen hin. Während der Zorn des Volkes seinen Höhepunkt erreicht habe, weilte der Kaiser in Donaueschingen bei seinem Freunde, dem Fürsten Fürstenberg, und lag der Fuchsjagd ob. Ein Zufall sei es wohl, daß vor fünf Jahren, fast genau um dieselbe Zeit, als infolge der bekannten Veröffentlichungen im „Daily Chronicle" die Entrüstung durch die ganzen Lande ging, der Kaiser ebenfalls in Donaueschingen weilte nnd dort unbelümmert um diese Vorgänge seinem Jagdvergnügen nach- ging.— Obgleich natürlich auch die Neuköllner Polizei in der gewohnten Weise mobil gemacht hatte, fand sie nach Schluß der Versammlungen keine Gelegenheit zum Einschreiten. In Wilmersdorf sprach im vollbesetzten Viktoriagarten anstatt des Genossen W e i l l. der nach dem Elsaß gefahren war, Genosse Molkenbuhr. Seine Schilderungen der Zaberner Vorfälle er- regten doch, so bekannt sie auch sein mochten, immer neue Heiterkeit und Beifall in der Versammlung. Genosse Molkenbuhr wie? aber in erster Linie darauf hin, daß es sich bei dem ganzen Streit nicht um den Leutnant v. Forstner oder irgend welche einzelnen Leute handelt, sondern um die Grundfrage unserer deutschen Polt- tik: Verfassungsstaat oder Militärstaat. Er begrüßte die offene Sprache des Kriegsministers, weil sie deutlich das Recht unserer Auffassung vom geistigen Zustand des Militärs jedem gezeigt habe, der überhaupt sehen will. Ueberaus lebhafter Beifall zeigte, wie sehr Genosse Molkenbuhr allen aus dem Herzen gesprochen hatte. In Obcrschöncwcide referierte in einer gutbesuchten Versamm- lung im Wilhelminenhof Genosse Arthur Stadthagen. Die Versammlung nahm nach oft stürmischen Beifallskundgebungen ein- stimmig folgende vom Referenten vorgeschlagene Resolution an: „Die Versammelten protestieren gegen die Beschönigungen, die der Reichskanzler und der Kriegsminister im Reichstag den von Offizieren in Zabern verübten Vergehen und Verbrechen haben zuteil werden lassen. Sie verlangen eine unparteiische Untersuchung und die strengste Bestrafung der schuldigen Offiziere, die sich feiger Beleidigungen ihrer Untergebenen, der Anstiftung zum Morde so- wie des Landfriedensbruches und Hochverrats gegen die Zivil- bevölkerung schuldig gemacht haben. Die Vorgänge sind eine Folge des herrschenden Militärsystcms. Dies zu bekämpfen und die Armee zu einem wirklichen Volksheer zu gestalten, mutz das Be- streben des Volkes sein. Die Versammelten fordern, daß alle Mittel für dies System abgelehnt werden und daß der Reichstag und die Regierung endlich die gerechten Ansprüche der Arbeiterklasse erfüllt. Die Massen müssen mehr wie je über die Notwendigkeit des sozial- demokratischen Zieles und darüber aufgeklärt werden, daß ohne Drängen nach diesem Ziel die Gefahr absoluter Militärwillkür an Stelle von Gesetz und Recht immer drohender wird." ** * Alle Versammlungen, mit Ausnahme der in Oberschöncweidc, die eine besondere vom Genossen Stadthagen vorgeschlagen� Resolution annahm, stimmten einstimmig für die nachstehende Rc- solution: Die Versammlung brandmarkt dic� unerhörten Ueber- griffe des militärischen Absolutismus. Sie konstatiert mit Entrüstung, daß der Reichskanzler, statt Recht und Gesetz zu wahren, sich willenlos der militärischen Diktatur gebeugt hat und erklärt das Auf- treten des Kriegsministers für eine unerträgliche Provo- kation des deutschen Volkes. Sie erachtet die vom Reichs- tag erzwungenen verspäteten Mastnahinen zur Sühne der militärischen Gesetzlosigkeit für völlig ungenügend und fordert vom Reichstag die Schaffung vt�fässungsmästiger Garantien gegen die Sclbstherrlichkeit drs Lffrzierkorps und die UnVerantwortlichkeit der obersten Kommando- gewalt. xSie fordert den Reichstag auf, mit unbeugsamer Ent- schlossenheit auf den Konsegnen' n seines Mißtrauens- votruns zu bestehen und von allen Mitteln und insbesondere von dem der Bndgetvcrlveigcrung Gebrauch zu machen, um den Rücktritt des Reichskanzlers und des Kriegsministers durchzusetzen. Die Versammlung erkennt in den skandalösen Ereignissen von Zabern nur ein Symptom des mil'taristischen Systems und drückt ihre Entschlossenheit aus, den Kampf gegen den Militarismus mit aller Energie fortzuführen. Sie erblickt in der Demokratisierung der Hceresverfossnng, in der Ersetzung des stehenden Heeres durch die Mil'Z die wichtigste Aufgabe volksfreundlicher Politik und die unerläßliche Vor- bcdingung, um an Stelle der Herrschaft von Bureau- kratie und Militär die Souveränität des Volkswillens zu setzen. prstettkunckgebungen lm Reiche. Strasburg. In Strahburg gehen die Wogen der Entrüstung über die Zaberner Vorgänge natürlich am höchsten. Am Sonntag- nachmittag sand in einer Markthalle eine Protestversammlung statt, die selbst nach der Schätzung des Polizeikommissars von winde- stens 80 00 Personen. Arbeiter. Bürger und Angehörige anderer Berufsschichten besucht war. Unter stürmischem Beifall sprachen von zwei Bühnen die reichsländischen Abgeordneten P e i r o t e s unv B ö h I e. die die sofortige Abdankung des Generals Deimling und der verantwortlichen Regierungsmänner forderten. Eine enr- sprechende Resolution wurde einstimmig angenommen. Zu gleicher Zeit fanden auch in Z a b e r n und 6 anderen Ortschafteu stark über- füllte Protestversammlungen statt. München. Die vom Sozialdemokratischen Verein einberufene Volksversammlung im Kindl-Keller war von mehr als 6000 Per- sonen besucht. Schon lange vor Beginn der Versammlung war der Saal überfüllt. Die Versammlung folgte den Ausführungen des Abg. Wolfgang Heine mit stürmischem Beifall. Folgende Reso- lution wurde einstimmig angenommen: „Die Versammlung verurteilt die Gesetzwidrigkeit der Militär- Personen und militärischen Behörden in Zabern und ihre Beschäm- gung durch den Reichskanzler und Kriegsminister. Dem verletzten Rechtsgcsühl des Voltes kann nur Sühne geleistet werden durch den Rücktritt dieser beiden Personen. Um solche Ausschreitungen in Zukunft zu verhindern, fordert die Versammlung die Ueberwindung dieses Geistes des Militarismus, die Verwandlung des Standes- Heeres in ein Volkshecr und Umgestaltung des SoldatenstaateS tn einen Volksstaat und Rechtsstaat." Leipzig: Die Leipziger Arbeiterschaft demonstrierte am Sonn- tag in acht stark besuchten Versammlungen gegen die Vorgänge in Zabcrn und die im Reichstag proklamierte Herrschaft de» Sä- bels in Teutschland. In einer Resolution forderten die Versam- melten„die bedingungslose.Einordnung der Militärbehörden, die absolute Unterordnung des Offizierskovps unter die Gesetze, die Respektierung der Bürgerrechte auch durch das Heer. Die Zaberncr Vorgänge und die Haltung der Reichsregierung erkennt die Ver- sammlung als einen natürlichen Ausfluß des Militarismus, der nicht nur das Mark des Volkes verzehrt und den Weltfrieden ge- fährdct, sondern auch die.Rechte des Volkes beständig bedroht. Die Versammelten erklären es daher als dringende Pflicht, den Mili- tarismus, der in der übermilitaristischen Aera immer gewaltigere Dimensionen annimmt, mit allen Kräften zu bekämpfen und die Ersetzung des stehenden Heeres durch eine demokratische Heeres- Organisation, durch die Miliz, zu erkämpfen. Breslau: Die BrcSlauer Arbeiter erhoben in drei großen Versammlungen stürmisch Protest gegen die Vorgänge in Zabern nnd das Verhalten der Regierung. Eine entsprechende Resolution wurde überall einstimmig angenommen. Die Polizei, die Straßen- demonstrationen befürchtete, hatte wic.der umfangreiche Vor- kehrungen getroffen. In den verschiedenen Stadtteilen wurden Schutzmannstrupps unter Versteck gehalten und die Posten auf der Straße hatten den Revolver umgeschnallt. Ein Anlaß zum Ein- schreiten fand sich aber nicht.— Auch im Landkreise Breslau tagten sechs stark besuchte Versammlungen. Köln. In Köln und in den Vororten fanden 9 überfüllte Protestversammlungen gegen die Zabcrner Vorgänge und die von der Regierung geschützte Militärdiktatur statt. In einer nach den Referaten der Abgg. H o f r i ch t e r und Emme! angenommenen Resolution wurde zum Ausdruck gebracht, daß man bei der bevor. stehenden Etatsberatung den allerschärfsten Kampf gegen die Regierung erwartet.— Insgesamt mögen an den Kölner Kund- gedungen etwa 4S00 Personen teilgenommen haben. De Polizei verhielt sich zurückhaltend.— In den nächsten Tagen ver- anstalten auch die Fortschrittler und das Zentrum Protestkund- gedungen in Köln. �iis aller Melt. Verheerende Schneestürme. Aus verschiedenen Städten Colorados treffen Nachrichten über ein fürchterliches Schneetreiben ein, das dort seit über 30 Stunden bereits mit unverminderter Heftigkeit niedergeht. Ter ganze Staat liegt unter einer Schneedecke, die stellen- weise über zwei Meter hoch ist. Ter Verkehr ist völliglahmgclegt. Es verkehren bereits seit 24 Stun- den keine Züge, eine Anzahl von ihnen ist auf offener Strecke stecken geblieben. Es ist unmöglich, i h n e n H i l f e zu bringen, und man fruchtet, daß zahlreiche Per» sonen u ni s Leben gekommen sind. In Denver arbeitet nian mit großer Anstrengung daran, wenigstens einen kleinen Verkehrsweg zu schaffen, da infolge der Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs die Lebens- mittelzufuhren aufgehört haben und eine Hungersnot droht. Ter Sturm ist von einer solchen Heftigkeit, wie man es seit dem denkwüdigen Sturmjahre 1885 nicht mehr beobachtet hat. In einigen Städten sind Tausende von Bureauarbeiterir und Geschäftsleuten in ihren Bureaus eingeschneit und über- nachten dort, weil die Wege nach ihren meistens vor der Stadt liegenden Wohnungen ungangbar sind und weil auch der Sturm von lebensgefährlicher Heftigkeit ist Die Schulen sind in den meisten Orten geschlossen. Viele Schornsteine sind zusammengebrochen, wodurch große Verheerungen angerichtet siftd. Bisher werden aus Denver Ist Todesfälle durch Er- frieren gemeldet. Nähere Einzelheiten laufen nur sehr spärlich ein. da die meisten Telegraphenleitungen gestört sind. * Ein verheerender Schneesturm herrscht auch, wie aus Paris gemeldet wird, in den Bergen und den höher gelege- neu Ortschaften der O b e r> S a v o y e n. In vielen Ort- schasicn liegt der Schnee auf den Straßen in einer Höhe von 50 Zentimetern. Viele Bergdörfer sind eingeschneit. Mehrere Personen werden bereits als vermißt gemeldet. Die Schulen sind geschlossen worden._ Eine Grubenkatastrophe. In der Nacht zum Sonntag um 3 Uhr brach in einem Gesenk der 200-Meter-Sohlc der Emmagrube bei Rybnik in Schlesien ein Brand aus, dessen Ursache noch nicht aufgeklärt ist. Durch die nach der 400-Meter-Sohlc ziehenden Brandgase wurden sechzehn Bergleute getötet. Drei der Getöteten konnten erst im Laufe des Sonntagvormittags geborgen werden. Der Brand wurde völlig gelöscht._ f*etzU Nachrichten. Tod eines russischen Militärfliegers. Petersburg, 7. Dezember.(P.-C.) Der russische Marine- flieger Leutnant Saksrut stürzte in der Nähe von Libau mit einem Wasserflugzeug, auf dem sich noch ein Passagier befand, in die Ostsee. Der Apparat war in einer Höhe von 30 Metern übergekippt. Der Flieger war auf der Stelle tot, während der Passagier mit un- bedeutenden Verletzungen davonkam. Theater. Montag, 8. Dezember 1913. Aniang S Ubr. <5ineS Palast am Zoo. Dariete- Lichtlpiele. Aniang KV, Mr. CinesNollcndorf-Theatcr.Barietv- Lichtjpiele. Aniang Tl, Mr. Deutsches. Ein Sommcrnachts- träum. Leiiing. Peer Ghnt. irkus Boich. Galavorstellung. irkuS Schumann. Galavorstellung. Aniang 8 Udr. Kgl. Opernhaus. Salome. «gl. Schauspielhaus. Freund Fritz. llranta. Mit dem.Imperator" nach New Dort. Ramnieripiele. Der verlorene Sohn. Theater am Nollendorfplatz. Der Mikado. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. Dcutichcs Künstler- Theater. Der Biberpelz. Deutsches Opernhaus. Zar und Zimmermann. Deutsches Schauspielhaus. Die heitere Residenz. Tbalia. 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Ferch Der Morgen graut Erzählnngen aus dem Proletarierleben von M. Andersen- Nex5 IM Mark Belohnung Kriminalroman v. Hans Hyan & � SW Ein Weihnachtsgeschenk das in alte irlieltelatta pl Frende Miel Zn beziehen durch: Buchhandlung Vorwärts« Lindenstraße 69(Laden) und sämtliche Ausgabestellen. Hierz» 1 Beils«. Dr. 32B, BO. Zalirgang. ßtilfljt iitü Jotfflätfü" lifiliütr Jlollislilntt. Montag. 8. Dezember 11)13. Die drei größten Zeitgenoff en Drei Namen nenn' ich euch inhaltsschwer, Sie gehen von Munde zu Munde; Ihr Ruhm dringt weit über Land und Meer, Das Weltall nimmt davon Kunde. Äell strahlet dieser drei Namen Glanz Im Keldenbuche des deutschen Land's. Von F o r st n e r der Nanten erster ist, Ein Leutnant trägt ihn in Ehren. In Zabern als guter Soldat und Christ Die Wackes tät er belehren, Wie edel und taktvoll der Preußengeist, And wie kühn er auf Frankreichs Fahne sch.... Die Wackes nahmen die Sache krumm And taten dem Leutnant was blasen. Der schnallte sich seine Plempe um And rasselte durch die Straßen. Er stürzt' sich in eine blutige Schlacht And hat einen Krüppel zur Strecke gebracht. Schokolade kauft sich der Äeldensohn Im Schutze von vier Bajonetten. And lacht auch die Welt voll Spott und L>ohn, Mein Ruhmeslied soll ihn doch retten: Ein solcher Leutnant voll Schneid und Pracht Wird in keinem Lande uns nachgemacht. Der zweite Nam', dem ich singe Preis, Ist F a l k e n h a y n, der Minister des Krieges. Äei, wie er im Reichstag zu schnauzen weiß, Wie er jauchzt ob des Zaberner Sieges. Nicht tippen läßt er, Donner und Dona, An den bunten Kittel. Äurra, Hurra I Als dritten endlich rühmt mein Sang, Den Kanzler des Reiches, den langen. ■Jöerrn Bethmann ist vor dem Reichstag nicht bang, Für ihn gilt nur des Kriegsherrn Verlangen. Man sieht ihn als treuen Fridolin An Forstners und Falkenhayns Strange zich'a. Die drei Namen merket euch inhaltsschwer, Sie pflanzet von Munde zu Munde; Vergessen darf man sie nimmermehr, Von Deutschlands Größe geben sie Kunde, O deutsche Freiheit, wie schläfst du gut In Forstners, Falkenhayns, Bethmanns Kut! BcrUn-Oonaucfcbincfen. Um die Advcntszeit wird cä schön still im Saud. So snll, daß wir im Reichstag jeden einzelnen Abgeordneten umfallen hören werden, ehe die Etatsberatnng im Reichstag beginnt. Um die Mittagseit kam der Reichskanzler in Donaueschingcn an, wo bekanntlich in den Novembertagen außer der Donau noch verschiedenes Andere zu entspringen pflegt. Fast gleichzeitig kamen die feindlichen Straßburgcr Zwillinge Wedel und Deimling, und die k. k. preußische Regie klappte wieder so vorzüglich, daß tatsächlich zwischen der Ankunft der Herren und der?lbrcise des allerhöchsten Kriegsherren einige Minuten blieben für eine rasche Durchspräche der verschiedenen Bagatellen, als da sind Miliiärrcvolution in Zabern. Mßtrauensv'otuul des Reichstags, Empörung des ganzen Lölkes usw. usw. Im Hintergrund stand schon Wolfs, die Hand an der Delcphonrurbel, um sofort die erschütternde Mitteilung unters Boll zu rufen,- daß der Kaiser der Gerechtigkeit ein Vene tun und daß berühmte 99. Regiment von Zabern auf den Truppen- Übungsplatz Hagenau versetzen wolle. Ein Knistern geht durch den deutschen Völkerwald. In den gewaltigen, Eichen rauscht und raunt es, und die dunkeln Kronen der Zentrumsriesen tuscheln und flüstern es den leichtbcwegten Blätter des nationalliberalen Birkenwäldchens zu:„Jetzt istSste Gelegenheit günstig, der Kaiser hat nachgegeben. Auf, lasset uns auch nachgeben und mit Gott für König und Vaterland umfallen! Ein Mißtrauensvotum ist recht und gut, aber wir dürfen es doch nicht so Iveit treiben, uns selber ernst zu nehmen, denn das könnte all denen von unfern Parteifreunden schaden, die knapp vor einem Lrden oder einem Titel stehen oder deren Söhne eben den Rock trage», den wir, abgesehen von unserer felsenfesten politischen Uebcrzeugung, natürlich entschlossen sind, über unser» mißfarbenen Bürgrrock zu stellen. � Die Sozen und Juden Habens leicht. Die werden sowieso nicht in die gättergleichc Vereinigung der Reserveoffiziere aufgenommen. Aber wir! Wir Stützen von Thron und und Altar! Wir könnten Kaisers Geburtstag nicht überleben, wenn unser Hurraschrst nicht aus dem leider etwas engen Kragen der bauchumspannenden Uniform gen Himmel stiege!" So flüsterts im staatSerhaltcndcn Haine, der Hauch der kaiserlichen Huld fächelt beruhigend im Parteilaub und in der Stille des Advents hört man da und dort eine machtvolle Eiche langsam sinken, umfallen und in Ergebenheit ersterbend den Boden küssen, auf dem eine leuchtende Oelspur noch den Weg des kaiserlichen Auws anzeigt. In Donaueschingen geschah das Wunder, daß man dem Volk ausgerechnet die Genugtuung erfand, die für die Blödheit loyaler Augen nach etwas aussah und die Zabcrner nach all den Be- schimpsungen der letzten Wochen erst recht traf. Die Gegenstände ihrer Empörung sind ihnen ihnommen und zugleich so und so vielen ihrer Mitbürger die civzigc Verdienstmöglichkcit. So sühnt man im Deutschen Reich Wilhelms II. militärischen Aufruhr, sobald er sich gegen die Canaille richtet. Wäre die Mehrheit, die das Mißtrauensvotum im Parlament annahm, fähig, siaatsmännifch zu denken, so würde sie jetzt den Reichskanzler erst recht nach Haufe schicken, wenn er zum Etat seine Weisheit kos werden will. Ein Mann, der dann nicht einmal seine Entlassung anbietet, wenn sechs Siebentel des Volkes seine feige Selbstvcrnichtung in allen Tonarten mißbilligen, der von seinem Herrn und Kaiser nichts erreicht, als eine Maßnahme, die die Beleidigten viel mehr trifft, als die Beleidig r, und wizu die labme Versicherung, die Herren Deimling und Wedel seien„verwarnt" worden, der solche Läppereien einem Reichstag anzubieten wagt, der Genugtuung für' ein beleidigtes Volk verlangt, ein solcher Kanzler müßte aus einem rechtens Abgekanzelte» zu einem Exkanzler werden. Wer dessen Etat bcwrlligt, ohne daß volle Genug- t u u n g gewährt wird, hat das Recht verwirkt, seine E n t r ü st u n g und seine Uebcrzeugung e r n st g c- nommcn zu sehen. _ Beiz. Liberale Entwicklung. 7. Dezember: Die unerhörte Beschimpfung, die der verantwortliche Leiter der deutschen Politik dein Bürgertum angetan hat, findet nun— wir freuen uns aufrichtig— völlige Sühne. Wie wir hören, ist dem Leutnant v. Aorstner untersagt worden, vor Vollendung des 20. Jahres p ers ö n l i ch in Zaber» Prallines einzukaufen. Wie uns weiter aus bester Quelle mitgeteilt wird, hat General v. Deimling den zu Unrecht verhafteten Staatsanwalt fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift geschenkt. Wir glauben »ich! fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß diese hochherzigen Entichlüsse auf die Reise des Reichskanzlers nach Donaucschingen zurückzuführen sind, der sich damit wieder als ebenso hervor- ragender, wie charakter- und vertrauensvoller Staatsmann bewiesen hat. Das Volt atmet, nach dieser glücklichen Lösung, wie von einem Mb befreit, auf... 8. Dezember. In liberalen Regierungskreii'en erregt großen Unmut, daß man im Reichsland sich trotz-des edel- sinnigen und klugen Entgegenkommens an ihre berechtigten Wünsche immer noch nicht beruhigt hat. Wie uns ein Privattelc- gramm aus Zaber» meldet, hat gestern ein fünfjähriger Knabe auf offener Straße� laut gelacht, obtvohl kein Offizier in der Nähe war. Traurige Früchte der Verhetzung. S. Dezember. Man erfährt jetzt die Gründe, die Herrn v. Bethmann zu seinem Verhalten im Reichstag veranlaßten. Hätte man sie sofort gewußt, so würde der Reichstag sich nicht den be- dauerlichcn Fehlgriff eines auch verfassungsmäßig durchaus uuge- hörigen Mißtrauensvotums haben zuschulden kommen lassen. Der Reichskanzler hatte die sichern Beweise, daß französische und polnische Hetzer die ganze Aufregung ini Volk« angestiftet haben. Die ganze Gegend war von ausländischen Spionen überflutet. Tie Armee und die Reichsregierung hätte vor dem Feinde kapituliert, wenn sie nicht mit äußerster Strenge durchgegriffen hätten. Schlappheit wäre Landesverrat gewesen. An der deutschen Volks- Vertretung ist es nun, die schwer gekränkten Offiziere, die die opfer. volle Wacht an der Wcstgrenze halten, um Entschuldigung zu bitten. Wie wir hören, wird eine diesbezügliche Kundgabung vorbereitet. 10. Dezember. Die Meldungen häufen sich, daß die elsässischen Truppen vom Geist der Meuterei beherrscht sind., der von fremden Agenten unausgesetzt geschürt wird. Ist es doch bereits vorgekommen, daß ein elsässischer Rekrut in der Kaserne sein Lager verunreinigt und- dadurch sich ganz offenbar Rechte angemaßt bat, die nur seineu Vorgesetzten zustehen. Wir richten an die Militär- Verwaltung das dringende Ersuchen, mit äußerster Schärfe gegen diese Auslösung der Disziplin einzuschreiten, ohne jede falsche Humanitätsduselei. Das Vaterland ist in Gefahr. ll. Dezemb er. Die Sozialdemokraten interpellierten heute im Reichstag wegen der militärischen Besetzung eines Kranken- Hauses in Zabern, bei dem vier Personen an Schreck und zehn Per- sonen an vorsätzlich mangelnder Achtsamkeit gegenüber den in ihrer Nähe befindlichen Bajonetten starben. Der Kriegsminister gab die Information, daß einige des Landesverrats verdächtige neun- bis zwölfjährige Knaben, die einen Angriff aus eine Kompagnie Sol- daten versucht hatten, Rippenbrüche und Schädclrisse simuliert hätten, um sich der gerechten Strafe zu entziehen. Darauf gaben alle bürgerlichen Parteien die Erklärung ab, daß sie es weit von sich wiesen, in nationalen und politischen Angelegenheiten an der Seite des Umsturzes gegen die Monarchie und die Armee Stellung zu nehmen. Zum Schluß fand ein Antrag' Annahme, der die Hetze der Sozialdemokratie auf das schärfste verurteilt und dem Kriegs- minister das Vertrauen ausspricht. Verfolgung des Angreifers. Der starke Mnn. (Frei nach der alldeutschen»Po st".) Hurra, kurra, ballelujah! Ha. endlich, endlich ist er da Und wird die PlebS schon schlauchen: Ja, er. aus den wir lang' geharrt In dieser schwachen Gegenwart: Der Mann— hal—, den wir brauchen! Nun wahre dich, Zylinderhut; Denn seine Nerven, die sind gut, Und Willen bat er auch een'. Und seine Siimme ist gar stark, Da bebt gleich jedes Rückenmark I Heil, Mann dir, den wir brauchen! Wie er von Zabern reden tat! Verdammt noch mal, das hatte Naht! Man sah den Atem rauchen. WaS sich schon Forstners Sabul nahm, Schlug er noch einmal krumm und lahm— Der Mann— ha!—, den wir brauchen l Nun aber weiter. Kreuz und Tod! Wo anders tut'S auch bitter not, Den Pöbel anzuhauchen I Ntn ia das Zivilistenpackl Die Flinte ist kein Dudelsack Beim Manne, den wir brauchen! Zuviel der Rebellion geschah. Wir hatten manchmal Furcht beinah, Die Roten anzujauchen. Nun aber, lieber Herregott. Schickst du unS den in dieser Not: Den Mann— hal den wir brauchen! Hurra, hurra, halleluja!... Der starke Mann, er wird doch da Sich nicht den Arm verstauchen? Ach Jott, es kam schon mancher so Und war am Ende höllisch iroh, Daß er nicht zu gebrauchen. Daura, da 3 pferd� Ich war damals sechzehn Jahre alt und seit drei Monaten drunten aus Steingatt-Erbstolle, der Kohlengrube. Mein Amt war, ein Pjerd, das einem Park von zehn bis zwölf eisernen, auf Schienen rollenden Kohlenwagen vor- gespannt war. hurtig und geschwind vom unterirdisch stundenweit entfernten Abbaugebiet durch die enge, einspurige Strecke zum Förderschachte zu treiben und jagen. Noch nie in meinem bisher still verlaufenen Leben hatte ich Gelegenheit gehabt, mit einem größeren verständigen Tier umzu- gehen, geschweige denn das Leben und Wesen eines GrubenpfcrdcS zu kennen. Und so mag man meine entfetzte Verwunderung verstehen, als mir der Streckenwärter, oder vielmehr der Strosienbolz, wie er in der Bergmannssprache genannt wird, bei Beginn meiner Treiber- tätigkeit dringend die Anschaffung einer zünftigen Drahtpeitsche empfahl. Ich habe seinen guten Rat nicht zur Tat gemacht. Die wirk- liche Anwendung solcherlei und noch viel schlimmerer Zucht- und Marterwerkzeuge ist mir im Verlaufe meiner Pserdetreiberzeit schrecklich klar geworden, so daß ich nur immer mit Schauder an jene rohen Menschen und armen Tiere denken muß. Nein, ich hatte nicht einmal nötig, von meinem regelrechten Handstecken Gebrauch zu machen. Meine Laura wußte ja alles, was da drunten im Dunkeln vor sich gehen muß, viel besser als ich. der Neuling. Achtzehn Jahre lang, ohne Unterbrechung, hatte sie, mit den Bergleuten von Sohle zu Sohle tiefer im Erdengrund, durch die langen, gewundenen, schmutzigen Strecken die Züge zum Schachte geschleppt. Ich weiß nicht, wie eS kam. Sie mußte von rassigem Geblüte sein. Denn während die meisten der Kohlengäule nach kurzer Zeit in der Erde verstrupptcn, bissig und borstig wurden, blieb ihr glattes, falbes Fell immer rein und weich. Ihre Flanken be» hielten den schlanken Schwung, und der magere, knochige Kopf war trotz der leeren rechten Augenhöhle noch von edler Form zu nennen. In Wahrheit, wir zwei, mein Pferd und ich. waren bald Freunde. Wenn ich meiner Laura kosend den samtweichen Wacs streichelte oder in der Mähne kraute, schnaubte sie leise, wieherte sryh und schnupperte an meiner Jackentasche, in der ihr täglich Stück Zucker war. Sie war dankbar. War mein Grubenlicht in der windigen Strecke ausgeblasen, so fand sie, hinter sich die rollende, grollende Wagenslucht, im Tunlcln den richtigen Weg durch die Kurven und Oucrschlägc. hielt von selbst vor den Weichen, die ich umzulegen hatte, und schüttelte verneinend den Kopf, wenn ich treiben wollte und etwas nicht in Ordnung war. Jetzt will ich kurz erzählen, wie das Tier zu Ende kam. Es war an einem Nachmittag. Ich hatte meine Laura vor einen bcladenen Kobtenzug gespannt und rollte zum Schacht. In der finstern. schmalen Strecke lief ich mit meiner Lampe an den Seiten des SchienenzugcS jlink vorarn, denn die Bahn war stark schllssig, so daß die Wagen von selber liefen und mein Pi-rd blindlings über Scfr-eilen, Steine und Pfützen h-nweg traben mußte, daß die Ketten klirrten. Plötzlich! Hinter einer Kurve, ich sprang schnell in den Wassergraben, fünf Meter voraus. Entsetzen! Die Fahrbahn lag hoch verschüttet voll, das überhängende Gebirge war durch die morschen Hölzer hereingebrockenl Gewaltige Felsllötze hatte ich in meiner Lampe Schein gesehen, und drückte mich jetzt ängstlich und schrcckcnsvoll zur Seite in den Schuh eine? dicken Elchen- stemvcls. indes das arme Tier vor dem rasch rollenden Zuge an mir vorbei in sein sicheres Verdelben getrieben wurde. Es lonnte ja nicht ausweichen, die Wände standen so eng. Und im nächsten Augenblick rannten die schweren Waaen. zer- trümmernd und gewaltig rumorend, zu einem wücen ChaoS zu» sammen. Steine lösten sich über mir und zerschlugen meine Hände. Mein Herz pochte laut in der Angst, verschüttet zu werden. Aber das Gebirge blieb still.— Ich horchte. Ein klagendes Schnauben drang an mein �br� und als ich mein Licht wieder angezündet hatte und näher kam, sah ich mein armes. liebes Pferd mit beiden»erbrochenen Hinterbeinen in lein Ge- Cm Brief der Berliner Arbeiter an IVlarx. (Ein Beitrag zur Berliner Partcigeschichte.) In seinen„Neuen Beiträgen zur Biographie von K. Marx und F. Engels"(„Neue Zeit", IN?, Band II) erwähnt Ge- nosse Mehring einen Bergbantcchniker Sigfried Meyer, der bis 1867 in Berlin lebte, und im Jahre 1865, zusammen mit Theodor Metzner und August Vogt, an Marx das Er- suchen richtete, die Leitung der deutschen Arbeiterbewe- gung zu übernehmen. Die Uinstände, unter denen dies ge- schah, die Motive, mit denen Meyer seinen Antrag begründete, das Ziel, das er im Auge hatte, alles das blieb unbekannt. Genosse Bernstein, der für seine Geschichte der Berliner Ar- beiterbewegung viel neues Material aus den Briefen der Be- teiligten zusammengebracht hat und oft von Mehner spricht, gibt uns ebenfalls keine Erklärung. Erst in dem soeben veröffentlichten Marx-Engels-Brief- Wechsel stoßen wir auf folgende Stelle in einem Brief au Engels vom 15. November 1865: „Ten einliegenden Brief, der sich übrigens durch seine Manier und Stilistik sehr vorteilhaft von denen der rheini- schen Arbeiter auszeichnet, schickst Du mir gefälligst zurück. sobald Du ihn gelesen. Tie Höflichkeit erfordert nämlich. darauf zu antworten." Der Brief Meyers hat auch auf Engels einen großen Ein- druck gemacht. Am 17. November 1865 schreibt er an Marx: „Der Brief der Berliner hat mich wirklich sehr frappiert. Der Brief ist nun aber sicher nicht von einen: Arbeiter geschrieben, das beweist schon die ganz richtig durchgeführte Grimmsche Orthographie, und ich bin nicht ganz ohne Verdacht an der Echtheit der Sache. Jedenfalls wäre weitere Erkundigung über die drei Unter- zeichner einzuziehen. Wilhelm(Liebknecht) sollte sie jeden- falls kennen, wenn die Geschichte doua fiele ist. Meine Verdachtsmotive basieren sich � mehr auf die Form des Schriftstücks, der Inhalt scheint entschieden dagegen zu sprechen. Da Du ja nicht nach Berlin gehst, um dort eine neue Organisation zu stiften, hat es indes gar nichts auf sich, wenn Tu an die Leute schreibst. Den Brief inliegend zurück." Mittlerweile erhielt Marx ein Schreiben von Liebknecht, der alle seine und Engels' Zweifel an der Echtheit des Briefes und Zuverlässigkeit der Briefschreiber zerstreute. Seine Ant- wort kann man sich leicht vorstellen. Nachdein die preußische Regierung, trotz der Amnestie Marx für immer den Weg nach Preußen absperrte, war es für ihn unmöglich, nach Berlin zu kommen und direkten Anteil an der praktischen Arbeiter- bcwegung zu nehmen. Es ist uns gelungen, diesen Brief in Marx' Papieren zu finden, und wir übergeben ihn jetzt der Oeffcntlichkeit als einen Beitrag zur Berliner Parteigcsch'chte wie zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung: wirft dieser Brief doch einiges Licht aus die wenig bekannte Geschichte der Ueber- gangszcit zwischen LassalleS Tod und dem neuen Aufschwung der deutschen Arbeiterbewegung Ende der sechziger Jahre. Zum Schluß noch einige biographische Daten über die Unterzeichner des Briefes..Einer von ihnen, der„alte M e tz n e r", der langjährige Berliner S.adtvcrordnete und Mitglied der Parteileitung(gestorben am 26. August 1962), ist eine fast allen Genossen bekannte Persönlichkeit aus der Geschichte der Berliner Bcwegung. Mit�seinen Freunden August Vogt, seinem Beruf nach auch Schuhmacher, und Sigfried Meyer, einem Mechaniker, schloß er sich sehr früh der Lassalleanischen Arbeiterbewegung an. Metzner spielte als Altgeselle der Schuhmacher eine wichtig« Rolle iin Berliner Altgesellenverein und wurde, ebenso-wie sein älterer Freund und Lehrer Vogt, eines der einflußreichsten Mitglieder der Berliner Organisation. Wie in der Rheinprovinz, so fand auch in Berlin Lassalle einen Stützpunkt in ehemaligen Mitgliedern des Bundes der Kommunisten. August Vogt war schon als junger Mensch Mitglied des Bundes gewesen, als dieser noch von London aus geleitet wurde.„Die Grundsätze desselben, wie sie im Kommunistischen Manifest niedergelegt sind, hatte er in sich aufgenommen und in höchst intelligenter Weise verarbeitet. so daß er jedem Gegner aus dem bürgerlichen Lager gewachsen war. und was ihm am rednerischen Talent abg ng, ersetzte er reichlich durch Tiefe der Auffassung und Schärfe der Ärgu- mentation. Proletarier voni Scheitel bis zur Sohle"— so schreibt Sorge in einem versckrollencn Aufsatz über:„Zwei Pioniere der Internationale in den Vereinigten Staaten"— „zerzauste er die zierlich gebauten bürgerlichen Phrasen von Freiheit, Brüderlichkeit, Freisinnigkeit und dergleichen un- barmherzig, reduzierte sie auf ihr Nichts und wies allen vürgerlichen Parteien und deren Wortführern Stirn und Zähne. Die Eigenartigkeit und überzeugende Kraft seiner Beweisführung bei Diskussionen war häufig geradezu über- raschend und machte auf Arbeiter tiefen Eindruck. Bei einer Debatte über die Definition von Bürger und Proletarier, von Bourgeois und Lohnarbeiter, behauptete � und bewies Vogt mit unwiderleglicher Logik, daß Lassalle ein Bourgeois und Marx ein Lohnarbeiter sei. Als Jos. Tietzgens' Schrift: „Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit" einst auf der Tagesordnung stand und diskut'ert wurde, zeigte dieser Proletarier und Lohnarbeiter Vogt in einer gedrängten historischen Auseinandersetzung, daß die auf Sinnenwahr- nehmungen begründete Denkweise einen ihrer eminentesten Vertreter, abgesehen von den älteren griechischen Philosophen. schon in Eiordano Bruno gehabt habe." Es ist möglich, daß Sorge seinen alten Freund über- schätzt, jedenfalls steht es fest, daß Vogt einer aus der alten Garde war. die ihre Erziehung im Bunde der Kontmunisten erhalten hat. � Zu seinem Glück war Vogt nicht in die Kommunisten- Verfolgungen der Jahre 1851/53 verwickelt worden. Als Handwcrksbursche wanderte er durch Deutsckland und warb eifrig überall Gesinnungsgenossen. In Berlin war er längere Zeit tätig, und hier lernte Lassallc ihn kennen und schätzen. Vogt, so erzählt Sorge weiter, war fast taglich in LassalleS Wohnung, sobald letzterer in Verlin war. und wurde von ihm in Sachen der Agitation und Propaganda stets zu Rate ge- zogen._ Vogt war es auch, der ebenso wie Metzner den jungen Sigfried Meyer für die Arbeiterbewegung gewann. Alle drei beteiligten sich lebhaft an Lassalles Agitation, ohne sich mit ihm zu identifizieren, ebenso wie Liebknecht, mit dem sie, insbesondere im Winter 1864/65. engere Beziehungen an- knüpften und den sie eifrig in seiner Opposition gegen den neuen Präsidenten des Allgemeinen Arbeitervereins, B. Becker, unterstützten. Es ist eben die Verwirrung, die in die Berliner Arbeiterbewegung zuerst durch diesen Kampf zwischen Becker und Schweitzer einerseits und Liebknecht andererseits, und später durch den Kampf zwischen Becker und Schweitzer sowie durch die Ausweisung Liebknechts gebrach: wurde, die die Freunde auf Vogts Vorschlag veranlaßt hat, den unten abgedruckten Brief an Marx zu schreiben. Man kann schwerlich einen besseren Beweis finden, wie schon im Jahre 1865 die Lassallesche Organisationssorm h i st o r i s ch ver- altet war. wie hoch intellektuell entwickelt die unter dem Ein- fluß des alten Bundes der Kommunisten stehende Elemente waren und wie stark das demokratische Gefühl und der revolu- tionäre Trotz bei diesen Berliner Arbeitern entwickelt war, die sich noch weniger mit Schweitzers Liebäugeleien mit Bismarck als mit Lassalles taktischer Wendung im Jahre 1863/64 befreunden konnten. Tie drei Freunde fuhren auch weiter mit ihrer Propa- ganda fort. Ihrer Initiative— Sigfried Meyer voran— und ihrer Opferwilligkeit ist es zuzuschreiben, daß im Jahre 1866 eine neue?lusgabe des vollständig vergriffenen �Konimunistischen Manifestes" veranstaltet wurde. Derselbe Krieg, der Metzner auf die Schlachtfelder Böhmens rief, zwang durch seine wirtschaftlichen Folgen, Meyer nach Amerika auszuwandern. Ein halbes Jahr später folgte ihm sein Freund Vogt. Beide nahmen hervorragend teil an der deutsch-amerikanischen Bewegung.� Leider ist Meyer sehr früh aus seiner Tätigkeit weggerissen worden. In Amerika wurde er Bergbautcchniker und starb dort Anfang der siebziger Jahre infolge eines Betriebsunfalls. Die von Sorge aufbewahrten Briefe von Marx an Meyer und Vogt zeigen, wie hoch der Schöpfer des„Kapitals" beide schätzte.'So schrieb Marx aus Hannover, 36. April 1867, an Meyer folgenden Brief, der, wie Mehring mit vollem Recht gegenüber den Marrvernichtern bemerkt, seine„Herz- losigkeit" in helles Licht fetzt: Lieber Freund, Sie müssen sebr schlecht von mir denken, und um so schlechter, wenn ich Ihnen sage, daß Ihre Briefe mir nicht nur eine große Freude bereitet haben, sondern ein wahrer Trost fiir mich waren während der qualvollen Pe- riode, worin sie mir zukamen. Einen tüchtigen, Prinzipien- festen Mann fiir unsere Partei gesichert zu wissen, entschädigt mich für das Schlimmste. Zudem waren Ihre Briese voll der liebenswürdigsten Freundschaft für mich persönlich, und Sie begreifen, daß ich, der mit der Welt (der offiziellen) im bittersten Kampfe steht, dies am we- nigsten unterschätzen kann. Warum ich Ihnen also nicht antwortete? Weil ich fort- tvährend am Rande des Grabes schwebte. Ich mußte also jeden arbeitsfähigen Moment benutzen, um mein Werk fertig zu machen, dem ich Gesundheit, Lebensglück und Familie geopfert habe. Ich hoffe, daß diese Erklärung keines weiteren Zusatzes bedarf. Ich lache über die so- genannten„praktischen" Männer und ihre Weisheit. Wenn man ein Ockpe sein wollte, könnte man natürlich den Mensckiheitsqualen den Rücken kehren und für seine eigene Haut sorgen. Aber ich hätte mich wirklich für u n p r a k- tisch gehalten, wenn ich gestorben wäre, ohne mein Buch, wenigstens in Manuskript, ganz fertig zu machen. Vogt schlug sich nach dem Tode seines jungen Freundes kümmerlich durch und starb Anfang der 80er Jahre. R. » Berlin, 13. November 1865. Wertester Herr! DnL Bcwuhtsein der geistigen Abhängigkeit von Ihren und Engels' unS freilich nur teilweise bekannten Schriften ermutigt uns, Ihnen die gegenwärtigen deutschen Arbeiterverhältnisse zu schildern: Ter vor 2(s Jahren gemachte Versuch der Organisation der Deutschen Arbeiterpartei pfropfte den ZäsariSmus auf demokratische Grundsätze. Indem Lassalle gleichzeitig für selbständige? Denken und gegen individuelles Meinen in die Schranken trat, vergaß er stränge eingeschnürt, zwischen Felsen und Wagen fest eingeklemmt. Ein breiter Blutstrom quoll an? den abgeschnittenen Glieder- stümpsen in das graue Gestein. Das Tier wandte den Kopf, als es mich hörte, und sah mich mit seinem einzigen Auge so unsäglich bittend und traurig an, daß mich der Schmerz übermannte und heiße Tränen auf meine blutenden Hönde sielen. So kam das erste und letzte Grubenpferd, das ich geführt habe, zu Ende, denn von dem Tage an vermochte ich nicht mehr Treiber sein. Sin sonclerbarcr Wenn man in Altona die Große Bergstraße nach der Ham- burgcr Grenze hinuntcrsc''enlcrt. kommt man an einer Straße vorbei, die den Namen..Tic kleine Freiheit" führt. Ob sie den Namen führt. Neil hier in der Nacht ein außerordentlich freies Treiben zu h rrschen Ps'-gt, tveih ich nick't. Genug, sie führt ihn. Biegt man nun in Tie kleine Freiheit ein, trifft man sehr bald ei» Gebäude, das ganz unzweiielhaft eine Kirche oder eine Kapelle oder cm kleiner Tempel ist. Vor einigen Tagen führte mich mein Weg in der Naebt durch diese Straße, und die Straße gehört zu denen, die erst in der Nacht erwachen. Ich sah wie gewöhnlich den Ilcinen Tempel liegen, und meine Augen glitten recht gleichgültig über ihn hin. Tann aber stutzte ich mit eiucm Mal und wurde aufmerksam. Was war das? In dem säulengetrazencn Vorbau hatte ein fliegender Wursthändler mu weißer Schürze seinen �-taiid aufgeschlagen. Ich traute meinen Augen nicht recht und sah noch einmal hin. Aber' der Händler mit seinem Wurstkessel blieb, und er benutzte ganz richtig den Tcmpelvorbau als Laden. Im ersten Augenblick dachte ich. daß der Tempel vielleicht eine Atrappx sei. In der Zcit der Kinokultur gewöhnt man sich ja an gemalte H i'userfassaden und qemalte Tempclbautcn. Vielleicht war der ganze Tempel nur eine Thcatcrdekorauon, die man hingebaut hatte um durch die sonderbare Aufmachung die Käufe, anzulocken. Dann ober fiel mir ein. daß der arme Teufel mit seinem Wurstkessel schwerlick, so große Rcklamespcsen ausgeben konnte. Zum Uebcrftuß(j,„g jch nunmehr auf das Gebäude los. ES war richtiges Gotteshaus mit solidem Mauerwerk. Aber wie kam der Wursthändler da hin? nichts Geringeres, als beider Grenze anzugeben. Nicht ohne Zu- sammenhang mit dieser unnatürlichen Verbindung war es, daß er, ausgehend von der Möglichkeit, ein volkstümliches Königtum könnte seine Vorschläge durchführen, das letzte Wort zu sagen, eingestan- denermaßen Anstand nahm. Allmählich wurde das von Lasjalle abgeschwächte Prinzip noch mehr abgeschwächt und mißverstanden. Die liberale Schule suchte durch Ausbeutung unglücklich gewählter Schlagwörter, z. B. Staatshilfe, den unentwickelten Arbeitern, wcl- chen es schwer fällt, sich aus den Banden der jetzigen Gesellschaft hinaus zu denken, weiszumachen, das so verunstaltete Prinzip führe in das Lager der Reaktion. Diese benutzte natürlich den Umstand und liebäugelte mit verschiedenen Personen der Bewegung, welche, verführt durch Eitelkeit und ohne genaue Kenntnis des Prinzips, sich nach verschiedenen Richtungen hinneigten.(Sozialdemokrat.) Diesem Verrat de: demokratischen Grundsätze leistete Liebknecht und der mehr entwickelte Kern der hiesigen Arbeiter harten Wider- stand. In neuerer Zeit wurden daher von jenen sogenannten Führern des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, welcher seiner unvermeidlichen Auslösung entgegen geht, weitgehende Zugeftänd- nisse an diese Arbeiter gemacht, unter anderem der Vorschlag ent- wickelt, Sie zum Ehrenpräsidenten zu ernennen und neben ein dreiköpfiges Direktorium zu stellen. Wir erachten nun eine Zentralisation der Arbeiterpartei in Deutschland für nötig und hoffen, daß Sie, geehrter Herr, durch Ihr persönliches Erscheinen bei uns die besseren Kräfte anleiten und unterstützen werden; denn in Berlin, welches wir trotz des an der Oberfläche schwimmenden Spülichts für den Zeitpunkt der Bewegung halten, fehlt es seit Liebknechts Weggang, welcher es trefflich verstand, den revolutionären Gedanken zu wecken, an geistigen Kräften. Mit welch geioaltigem Respekt selbst von den schlechten Elementen der Partei, welche die Wissenschaft schließlich doch nickst entbehren können, Ihr Name genannt wird, bedarf keines Beweises. Dazu kommt, daß den vielen noch zu sehr vcrbrei- teten Verleumdungen gegenüber Ihre Gegenwart uns zu hoher Genugtuung gereichen würde, so wie sie gewiß sehr wichtig wäre für die Wirkung ihres jetzt erscheinenden Werkes, welches wieder tot zu schweigen die Presse geneigt sein wird. Die Bedeutung, welche man in neuester Zeit auch innerhalb wissenschaftlicher Kreise ihren Werken beizulegen anfängt und die unter uns tief begrün- dete Verehrung für Sie sichern Ihnen eine kräftige Unterstützung. Wir wissen, daß sich das Proletariat von der Bourgeoisie trennen muß und hoffen durch mündliche Besprechung mit Ihnen am leichtesten Klarheit über die geeigneten Mittel zu erlangen. Sollten Sie wider Erwarten außerstande sein, unserer Bitte zu entsprechen, so ersuchen wir Sie, uns zeitweise wentgstens mit Ihrem Rate zu unterstützen. Hochachtungsvoll August Vogt, Schuhmacher, Th. Metzner. 4ö Ritterstraße, Hof Sigfrid Meyer. links, 2 Treppen, Berlin. August Vogt. Th. Mehner. Sigfried Meyer. August Vogt. Vom cles Lebens. Heber dem Leutnant. Ter Geschäftsfreund(einen ParlamcntSbericht lesend): Schrecklich! Schrecklich! Man ist seines Lebens nicht mehr sicher. Denk Dir: der alte Levy und seine Mutter— wie man die be- handelt hat. Wie in Kiew! So ein Leutnant ist'n Melach (König), mehr Ivie'n Melach. Er sch-- nicht nur aufs Bett, sondern auf die ganze Welt. Alles steht hinter ihm, auch der Bethmann. Man kann ihm nichts anhaben. Der Leutnant ist stärker wie wir, er bleibt, und wir müssen kuschen. Der alte Pariser(einen Prozeßbericht lesend): Was für ein Stuß. Laß Dich nicht von den Zeitungen beschwatzen. Ein Leutnant ist gar nichts. Unser einer kann ihn sofort wegblasen. Jch sage Dir. ein Leunant—'n Spielzeug! So(verächtlich) kann man ihn zertreten. Der Geschäftsfreund: Ja, wenn Du nur lachst, rennt er Dir gleich den Säbel in den Bauch. Der alte Pariser: Du bist mcschugge mit Deiner Angst. � Jch Hab' Erfahrungen.(Seufzend.) Es hat mir viel gekostet, � daß so ein preußischer Offizier gar nichts ist— gar nichts. Im jüdischen Tempel, den wir als Knaben in den Schul- stunden kennen lernten, befand sich zwar ein Hof, in dem die Opfertierc feilgehalten wurden. Aber mir wollte keine Sekte ein- fallen, die heute noch derartige Opfer bringt. Und daß man gar den Göttern heiße Würste opfern sollte, war mir erst recht un- bekannt. Also was war das? Das Bild des Wursthändlerladens schnitt um so stärker in die Augen, da sich dem Tempel gegenüber der Eingang in eine bekannte Bordellstraße befand. Einige kamen aus der Freudengasse und sckrittcn zum Wurst- Händler im Tcmpelvorbau hinüber. Andere verließen den Tempel- Vorbau und gingen„zu den Dirns", wie der gemütliche Hol- steiner sagt. Wie überdies ein derartiges Nachtpublikum aussieht, kann' sich jeder leicbt vorstellen, der Hamburg und St. Pauli(in dessen näcbstcr Nähe wir uns befinden) kennt. Betrunkene Matrosen; umherschweifende heimliche Dirnen; biedere Landbewohner, die auch einmal die lockende Sünde genießen wollen; Viehhändler mit gold- gefüllten Beuteln; verkommene Lumpenproletarier; Zuhälter, Ver- brecher und dergleichen. Und das alles flutete an dem Gotteshaus vorbei oder ging in den Vorbau zum Händler hinein. Es konnte also unmöglich ein Tempel sein. Es mußte irgend- eine besondere Bewandtnis mit dieser Sache haben. Man macht doch nicht den Vorbau eines Gotteshauses zu einem Kaufladen für das nächtliche Publikum der Bordellstraße. So sicher der Augenschein Ichrtc: dies ist ein Tempel; so sicher konnte es nicht der Fall sein. Mein Verstand also sagte zu diesem Tempel ein scharfes Nein; meine Augen aber sagten ebenso hart- näckig Ja. Woher sollte ich Gewißheit bekommen? Und siehe da! Aus der Bordellgasse kam mir die Gewißheit cntgegengeschritten. Zwei behäbige Schutzleute mit furchterregend vorgeschnalltcn Dienstrevolvern kamen auf mich zu. „Gestatten Sie?" redete ich sie an. ..Bitte!" „Was ist das für ein Gebäude?" -Das ist die frühere Menonitenkirche." Also doch eine Kirche. Meine Augen behielten recht. .Wird sie nicht mehr benutzt?" „Nein." Der Geschäftsfreund(höhnisch): Nu, bring Du mvt den Forstner von Zaber» weg! Der alte Pariser: Mit Geld macht man alles! Der Geschäftsfreund: Willst ihm wohl ein Regiment in Bomst oder Meseritz kaufen? Der alte Pariser: Gar nichts werd ich ihm kaufen. Geld werd ich ihm leihen— und weg ist er. Der Geschäftsfreund: Dein Geld wird weg sein, der Leutnant aber bleibt da. Der alte Pariser: Also paß auf, wie man's macht! Die im Reichstag wissen nichts. Natürlich braucht'n Leutnant Geld, natürlich hat er's nicht. Also kommt der alte Pariser und sagt und handelt. Nach einem Jahr ist der großmächtige Leutnant dem alten Pariser 50 0 M. schuldig. Der Geschäftsfreund: Und der Leutnant lacht und bleibt! Der alte Pariser: Er bleibt nicht! Jch klage das Geld ein, dann kommt die Familie des Herrn Leutnant und was tut sie? Sie läßt'n entmündigen! Dann braucht er nicht zahlen, aber'n entmündigter Leutnant ist nu doch kein Leutnant mehr. Hält' man den alten Pariser nach Zabern geschickt, er hält' sich geopfert, er hat doch auch seine Bürgerehre in Leib. Er hätt' ihm geliehen Geld, er hätt' verloren sein Geld, aber der Leutnant war' entmündigt. Verständ' der Reichstag sein Geschäft, würd' er Geld an Offiziere leihen. Das Geld würd' er loS, aber die Offiziere auch! SndlicK eine durchgreifende Reform. Das bayerische Eisenbahnministerium ist unausgesetzt damit beschäftigt, die Sicherheit des Bahnverkehrs zu erhöhen. Nach langem Nachdenken der Ministerialbeamten kam folgender Erlaß zustande:„Die Bahnwärter, Schrankenwärter und Hilfswärter, sofern letztere Dienstmütze tragen, haben bei der Vorbeifahrt kaiserlicher Sonderzüge mit der Front nach letzterer eine Stellung einzunehmen wie bei dem militärische!' Kommando„Stillgestande n". Bei Tage ist im rechtet: Arm die Fahne mit Ueberzug zu tragen. Ein Grüßen mit der Hand an der Kopfbedeckung findet nicht statt. Werden bei diesen Reisen zur Verstärkung der Bahnbewachung Hilfsbedienstete oder Arbeiter ohne Dienstmütze eingestellt, so haben diese bei der Vorbeifahrt des Zuges ebenfalls die Kommandostellung „Stillgestande n" einzunehmen und während der Dunkelheit die brennende Laterne, bei Tage die abgenommene Kopf- bedcckung in der rechten Hand zu halten. Die Weichen- steller auf den Bahnhöfen, sowohl diejenigen, die im Freien stehen, als auch die in den Stellwerken, haben sich eben- s o wie die Bahnwärter zu verhalten." lind da redet man den Beamten immer nach, sie wären trockene Bureaukraten ohne Sinn für Humor. Oer Raifer irrt fich nie. Oesterreichs amtliches Militärblatt,„Tanzers Armeezeitimg", berichtet nach der Zuschrift eines preußischen Offiziers: „Bei einem rheinischen Kaisermanüver sah der Kaiser mit Interesse dem Feuern einer Batterie zu. Tie Batterie kommandierte ein Oberleutnant für den erkrankten Batteriechef. Mit den Worten:„Sehr gut, ich gratuliere zu der Batterie, Herr Hauptmann!" ritt der Kaiser weiter. Der Oberleutnant nahm die Sache wörtlich und meldete sich bei seinem Vorgesetzten als durch Allerhöchste Kabinettsorder zum Hauptmann befördert. Auf die Entgegnung seiner Bor- gesetzten, daß doch jedenfalls ein Versehen vorliege, erwiderte der neu ernannte Hauptmann, daß er dies nicht annehme. Auf eine Anfrage beim Militärkabinett wurde dem Regiment geantwortet, daß Seine Majestät sich niemals irre und die Be- fördern ng bestehen blieb. Der junge Hauptmann war auf diese Weise drei Jahre früher zu dieser Charge befördert worden." Wäre es nicht möglich, nach dem Beispiel der katholischen Kirche, die ja bekanntlich die Unfehlbarkeit des Papstes proklamiert hat, in die Reichsverfassung einen Artikel hineinzuarbeiten, wonach die Unfehlbarkeit des Kaisers gesetzlich festgelegt wird? Me soll man einen Schutzmann anblicken? In Breslau ist bekanntlich ein Pholograph zu 14 Tagen Ge- fängnis verurteilt worden, weil er einen Schutzmann angeblickt hatte. Der Schutz» an» nahm an, daß der Blick beleidigend ge- Wesen sei. Nach oiesem Urteil erhebt sich nun vor jedem preußischen Staatsbürger die schicksalsschwere Frage: Wie soll ich einen „Als ivas dient sie denn jetzt?" „Als H u n d c st a l l." „Wie beliebt?" Der Schutzmann lächelte sonderbar. Die Sache kam ihm offen- bar selber merkwürdig vor. „Es ist schon richtig," sagte er dann.„Als Hundestall." „Aber, mein Gott, von allem anderen ganz abgesehen: wer ha- denn so viele Hunde, daß er sich eine Kirche als Stall mieten muß?" Ach so! Ach so! Es ist sonderbar, daß ein im kirchlichen Sinn. gottloser Mensch in solchem Falle so begriffsstutzig sein konnte. Die Sache war ja im Grunde überaus einfach. Meine Augen hatten also recht behalten: dies Haus war ein kleiner TempÄl, den man dem Dienst des Ewigen geweiht hatte. Nun wurde der Tempel nicht mehr gebrmicht. Sollte darum etwa der Wohnungslvert und der Wert des Grundstückes unbenutzt bleiben? Sollte man das Gebäude einfach schließen, bis es ab- gerissen wurde? Dos wäre von der kapitalistischen Welt zu viel verlangt. Also mußte es doch vermietet werden! Wenn dann aber ein unbescholtener Hundedresseur ankam, der es als Hundestall be. nutzen wollte— warum denn eigentlich nicht? War sein Gel. etwa schlechter, als das anderer Leute? Soll man ein so einfachem Geschäft mit Aesthetik oder gar mit Religion vermengen? Seien wir doch keine Narren! Wenn eine Kirche schon geschäftlich cmsgebeutet werden soll, kann sie so gut ein Huubestall sein wie alles andere. Auch der Wursthändler paßte nun vollständig in den Rahmen des Ganzen. Warum sollte die rote Jule dort im Vorbau nicht ihre ge- schlccbtlichen Zoten mit dem dicken Viehhändler tauschen? Sie standen ja doch ganz einfach im Vorbau eines Hundestalls. Oer Römg und die Hhr. ES wollte mal ein König Angenannt In feinem Land die Ahr anhalten: Der kleine Zeiger schrie in seiner L>and> Der große hat ihm den Kopf gespalten. nsrns Kyfer. Sdjujjmann. anblicken, wenn ich nicht hinter oic Mauern eines EcfmignisseS zu kommen wünsche? Wenn ich ihn mit einem furchtlos heiteren Blick anschaue-- ist es im Sinne des preußischen Feu- dalismus nicht ein schweres Verbrechen, in Gegenivart eines Schutz- mannes furchtlos und heiter zu sein? Wie soll das Volk denn noch regiert werden, wenn eS unter dem Eindruck eines Schutz- mannssäbels heiter zu sein wagt? Wenn ich ihn nun aber mit einem melancholisch- traurigen Blick ansehe? Tann gerate ich erst recht in des Teufels Küche. Ein solcher Blick müßte geradezu als eine— stumme Klage gegen die prcu- tzische Weltordnimg aufgefaßt werden, deren Stütze der Schutz- mann ist. Versuchen wir es also lieber mit einem milden Blick, der um die Gunst des Mächtigen wirbt. Sind Sie verrückt geworden, wenn ich fragen darf? Damit hätten wir ja eine völlig unzulässige cagtatio bcnevolentiae; einen Versuch, den Mann vom rauhen Weg der Pflicht abzubringen; eine psychologische Bestechung; eine Verweichlichung des preußischen Beamtenapparats. Aber wenn ich ihn nun ganz einfach freundlich anblicke? Dann machen Sie sich einer unzulässigen Intimität schuloig. Wo soll die staatliche Autorität bleiben, wenn jeder Hansnarr von einem Zivilisten glaubt, einen Schutzmann freundlich an- blicken zu dürfen? Vielleicht darf ich ihn m i t Furcht und Zittern an- schauen? Das dürfen Sie auch nicht. Zittern sollen Tic erst, wenn er Sie beim Kragen hat. Wenn Sie vorher zittern, sprechen Sie ihm Ihr Mißtrauen aus. Sic nehmen an, daß er sich an Ihnen vergehen könnte. Sie beschuldigen ihn geradezu des Miß- brauchs seiner Amtsgetvalt. Darf ich ihn vielleicht mutig ansehen? Mutig? Sind Sic von Sinnen? Sie fordern ihn ja heraus? Er wäre ja völlig in seinem Recht, wenn er Sie mit einem wohl- gezielten Säbelhieb niederstreckte. Wie soll ich mich dann aber verhalten? In welcher Weise soll mein Blick einen: Schutzmann begegnen? Das will ich Ihnen sagen: Der preußische Staat wird nicht eher ruhen und rasten, bis der Schutz-. mann zu den Existenzen gehört, die ein an- st ä n d i g e r Mensch überhaupt nicht a n s i e h t. Der Kapitalift. Zu einem Krokodile kam Ein armer Teufel voller Gram, Der sprach zu», Krokodile: Du, halte doch mal stille! .Du bist so rundlich und so nett, So ungewöhnlich dick und seit, Du bist ein Kapitaliste!" Allein es sprach das Krokodil: „Um Gotteswille», schweige still! Ich bin ein guter Christe, Und gar kein Kapitaliste; Ich fresse mich, ich armer Lurch, Nur grade noch so leidlich durch In diesem armrn Lande." Da sah man gleich dem armen Mann Die echte Bruderliebe an; Er sprach zum Krokodile: .Ich hol dir was, sei stille!" Doch wie er grab sich wenden will, Da frißt ihn schnell das Krokodil; 's war doch ein Kapitaliste. Loki. H119 Groß-ßerlüi. Der Schlangenhändler. Er steht am Mühlendamm, mit dein Rücken zur Spar- hasse, und handelt mit Schlangen. Künstlichen natürlich. Sic sind ilicht größer als Regenwürmer und überdies an einen Papierteller gebunden. Aber sie bewegen sich. Sic leben, wenn man es will. Einen ganzen Sack voll hat der Mann von den Tierchen. Jminer wieder holt er ein neues hervor. Sie finden reißenden Absatz. Der Händler bibbert vor Kälte. Aber was tut's, wenn nur die Ware wie die warnien Semmeln weggeht. Ein Dreiradfahrer stoppt, steigt ab und mischt sich unter die Umstehenden. Ein Hausdiener bringt seinen Wagen zum Stehen und„muß erstmal kiken, wat der hat". Ter Händler redet und redet.„Hier," ruft er.„hier meine Herren, ist wieder ein neues Exemplar. Ein ganz neues Eremplar. Doch bevor ich weiterspreche, niuß ich Sie aufmerksam machen, daß ich hier nicht allein als Kaufmann stehe. Ich verkaufe diese Schlangen zu Reklamezwecken für Hagenbccks Indien. Das ermöglicht den niedrigen Preis von zehn Pfennig. Das ist kein Geld für dieses Wundertierche�r, das ist kein Kapital für einen Gegenstand, der in keinem Haushalt fehlen darf. Bei keiner Belustigung, ob Taufe, �b Hochzeit, o B e- erdigung. nirgends darf diese Schlange fehlen. Sie ver- breitet Stimmung, si'e erregt Heiterkeit! Dieses Tierchen. meine Herrschasten, verscheucht Ihren Kummer, und ein Strich vom Kopf bis zur Schwanzspitze bringt es wieder zur Ruhe. Derselbe Strich, vom Schwanz zum Kopf, bringt es wieder in Beivegung! Seit einer Woche sitzen zwei Gelebrtc Tag und Rächt, aber sie können das Geheimnis dieser Schlange nicht erforschen. Alle Mühe ist umsonst. Nein, umsonst ist dieses Tier nicht zu haben, aber für zehn Pfennig hat es seder weg." Ein kleiner Junge will kaufen. Man macht ihm Platz. Das Geschäft ist im Nu abgewickelt und der Händler redet schon wieder.„Das ist das Tier, das im Paradiese mit der Eva unter einer Decke gesteckt hat, und loer seiner Schwieger- inutter einen Schabernack spielen will, der versäume es nicht, ein solches Tierchen zu kaufen. Er schickt es der Alten mit einem Eilboten, ahnungslos öffnet sie das Kuvert, erschrickt. springt durch die Decke, und los sind Sie sie. Nur zehn Pfennig kostet J2ic der Spaß. Einen Sitbergroschen. Mir dieser kleinen Schlange können Sie sich den Drachen Halse schaffen." Der Mann redet nicht nur. Er hat auch Witz. amüsiere mich �diebisch, aber lache verstohlen. „Tragen Sie nicht Ihr ganzes Geld nach der Sparkasse. Zehn Pfennig müssen Sie für diese Schlange ausgeben. Ein vom Ich Strich vom Kopf bis zur Schwanzspitze bringt es wieder zur Ruhe. Derselbe Strich— hier. Ich danke. Stück für Stück nur zehn Pfennig." Er holt tief Atem und aus dem tiefen Sack ein neues Stück. „Das Geheinmis der indischen Fakire und Schlangen- beschwörer ist enthüllt. Vollständig enthüllt. Hier, jeder sein eigener Schlangenbeschwörer. Jeder Mann, der eine Frau hat, der Kinder hat. und auch der. der keine hat, muß eine solche Schlange kaufen. Zehn Pfennig sind kein Kapital. Nein, nein, zehn Pfennig sind kein Geld. Denken Sic nicht falsch von der Schlange. Sic ist nur klein, aber sie macht Riesenspaß. Sie ist unbezahlbar, aber ich ich verkaufe sie für nur zehn Pfennig. Stück für Stück." Und schon wieder wird er eine los. Ich schlängle mich seitwärts. Ich kaufe ja doch keine. Zehn Pfennig sind, weiß Gott, kein Kapital, aber der Teufel kann es fügen, daß man sie zuweilen nicht hat. Ter Händler redet und redet. Es ist kurzwellig, ihm zuzuhören, aber für ihn wickelt sich das Ge- schäft zu langsam ab. Er möchte gerne noch mehr verkaufen und weniger reden._ Wegen fortgesetzter Erpressung ist der Ii Jahre alte Spediteur Reder aas Tcmpelhof verhaftet worden. R. und Frau lebten srüber, damals noch kinderlos, in einer Provinzstadt. Die Frau verkehrte viel mit einer Jugend- freundin, einer vermögenden Dame. Nach deren Verheiratung setzten die Ehepaare den frcundschastlichen Verkehr fort. Als eines Tages die Jugendfreundin Frau R. besuchen wollte, traf sie nur deren Mann zuhause. Dieser nutzte die Gelegenheit aus und machte sich die Frau seinen Willen gefügig. Als R. später nach Berlin zog, versicherte die Jugendfreundin seiner Frau, sie werde 'bei ihr stets Hilfe finden, wenn es nötig sein sollte. In der letzten Zeit ging es R. nun nicht gut. Er erinnerte nun die wohlhabende, jetzt verwitwete Dame an ihr gegebenes Versprechen und erhielt auch sofort mehrere Tausend Mark. Bald daraus rief er ihr den über lt> Jahre zurückliegenden Vorfall ins Gedächtnis und drohte ihr mit Enthüllungen, falls sie nicht weiter schicke, was er verlange. Nachdem die Frau nach und nach 48 000 Mark geopfert hatte, wußte sie sich keinen Rat mehr. Das schrieb sie auch dem Erpresser und sie stellte ihm vor Augen, daß er sie und ihre ganze Familie zu- gründe richte. Die Briefe hörten nun auf. Aber R. griff darauf zu einem anderen, ganz abgefeimten Mittel. Seine leidende Frau erkrankte schwer. Kurz bevor er sie in eine Heilanstalt brachte, zwang er sie, Wechsel mit dem Namen ihrer Jugendfreundin zu unterschreiben. Er rechnete daraus, daß die Kranke sterben werde, bevor die Wechsel fällig würden. Im Vertrauen aus diese Deckung füllte er die Wechsel auf je 10 000 Mark aus. Als ein Berliner Rechtskonsulent einen von ihnen am Fälligkeitstage vorlegte, wandte sich die Dame an einen Rechtsanwalt in Berlin. Jetzt kam das schändliche Treiben des R. an den Tag. Tie Staatsanwalt- schaft erhielt Kenntnis davon und die Kriminalpolizei nahm den Erpresser fest. In seiner Wohnung fand man noch zwei der ge- fälschten Wechsel. Was der Verhaftete mit dem erbeuteten Gelde, im ganzen S8 000 Mark, angefangen hat, weiß man nicht. Im Hause galt er als einfacher und bescheidener Mann. Trotz der hohen Summe, die er der Dame abgepreßt hatte, batte er noch Schulden, so daß ihm nach seiner Festnahme einen Teil der Möbel gepfändet wurden. Ei» tötlicher Strastenbahnnnfall ereignete sich gestern abend gegen 7 Uhr in der Brunnenstraße vor dem Eingang � des Bahnhofs Etesundbrunnen. Dort wurde der 10jährige Schüler Conrad aus der Müllerstraße von einem Straßenbahnwagen der Linie 3 Übersahren und getötet. Ter Knabe hatte mit mehreren Kameraden gespielt und war hierbei in den herankommenden Straßenbahnwagen gelaufen. Tie Leiche wurde zunächst nach dem Lazaruskrankenhause gebracht. Am Bahnhof Treptow fiel die in der Matternschen Stiftung der Stadt Berlin wohnhafte verwitwete Rittmeistersfrau Schröder von einen, Straßenbahnwagen der Linie 00 herab, sie geriet unter den Vorderperron des Anbängers und zog sich schwere Verletzungen zu. Tic Verunglückte fand im Krankenhaus Bethanien Aufnahme. Nach Unterschlagungen in Höhe von ungefähr 12 000 Mark hat die 31 Jahre alte Buchhalterin H., die bei ihrer Mutter in der Steinmctzsrraßc wobntc und bei einem Beamten in der Matthäi- kirchstraße als Privatsekretärin beschäftig, war. mit ihrem Geliebten die Flucht ergriffen. Die H. versah diesen Posten schon seit drei Jahren und führte sich gut. Am vergangenen Freitag erschien die Sekretärin nicht auf ihrer Arbeitsstelle. Als sie auch am Sonn- abend nicht erschien, ohne mitzuteilen, warum sie fehle, erkundigte sich ihr Vorgesetzter bei der Mutter. Jetzt crfubr er, daß die Sckrc- tärin verschwunden war. Eine Nachprüfung seiner Bücher ergab dann, daß die Angestellte im Laufe des letzten Jahres nach und nach 12 000 M. veruntreut hatte. Die Ermittelungen ergaben, daß sie mit ihrem Bräutigam, einem Reisenden, die Flucht ergriffen hatte. Man nimmt an. daß dieser sie auch zu den Veruntreuungen veranlaßt hat. Eine große Ucbcrraschung erlebte eine Vermieterin aus der Stralaucr Straße, als sie von einer Reise in ihre Wohnung zurück- kehrte. Sie fand diese völlig ausgeräumt und ihren Untermieter, einen 33 Jahre alten stellungslosen Kaufmann Karl Mewes. der sie beaufstchtigen sollte, verschwunden. Tic Frau mutzte plötzlich in Familienangelegenheiten nach KottbuS. Sic übergab ihrem Untermieter die Schlüssel und bat ihn. während ihrer Abwesenheit nach dem Rechten zu sehen. Dieser tat dies auch besonders gründlich, indem er die Schränke und Behälter mit einen, Nachschlüssel öffnete und die Wertsachen, die er darin fand, �ersetzte. Schließlich nahm er auch„och die Betten und andere Sachen und machte sie Zu Geld. Als er nun erfuhr, daß seine Wirtin wiederkommen wollte, zog er es vor, das Feld zu räumen. Gestern wurde M. ver- hastet. Tie Potsdamer Luftfchiffwerft aus dem Luftschifshafen bildet gegenwärtig den Gegenstand der Eingemeindungsverhandlungen zwischen der Sladt Potsdam, der das Gelände gehört, und dem Kreise Ofthavelland, in dem der Luslschiffhasen liegt. Schwierig- teilen stehen nicht mehr im Wege und mit der Fertigstellung �der Werftbauten wird die Eingemeindungssrage entschieden sein. Tic Fabrikation, die sich aus verschiedene Wcrkstättbctriebc erstreckt, wird von einer Gasherstellungsanlage avsehen und sich nur auf die Bc- arbcitung der Konstruktionsteite beziehen. LebensgesährUch verletzt wurde bei einem nächtlichen Exzeß in der Nacht zum Sonntag der 23 Jahre alte Arbeiter Friedrich Abromowski, Wiesenstraße 41,42. A. soll in einem Lokal in der Reinickendorfer Straße mit mehrere» Gästen in einen erregten Wortwechsel geraten sein. Als dann nach Mitternacht Abromowski das Lokal verließ, folgten ihm seine Widersacher und fielen über ihn her. Einer der Angreiser versetzte dem Ueberfallenen eine« wuchtigen Stich in den Unterleib. A. wurde von hinzukommenden Schutzleuten zunächst zur Rettungswache gebracht' und dann ins Virchow-K rankenhaus eingeliefert, wo noch in der Nacht eine Opera- tion an ibm vorgenommen wurde. Der Zustand des Schwerver- letzten ist hoffnungslos. Bon den Attentätern konnte bisher keiner ermittelt werde». Spiel und Sport. Bewegungsspiele»nd Wandern. In seinem Schriftchen über„Sport und Arbeiter" schreibt Genosse Dr. R. S i l b e r st u;„Tie wichtigste Ergänzung des Turnens müssen Bewegungen im Freien sein, das heißt Bewegungsspiele und Wandern. Bewegungsspiele, wie die deutschen Turnspiele: Barlauf. Tritten abschlagen. Nachlaufen. schwarzer Mann und andere mehr, sind wie alle Lauf- Übungen eine Kräftigung der sonst etwas vernachlässigten Beine, des Herzens, der Lunge, vorausgesetzt, daß sie aus staubfreien offenen Plätzen ausgeübt werden. Neben den deutschen Spielen baben sich imnier mehr die aus England importierten Ballspiele eingebürgert, die auch twi den Arbestern in ausgedehntem Maße Eingang finden sollten. Das Fußballspiel, das in England und Amerika mit außerordentlichem Eifer betrieben wird, hat auch bei uns viele Anhänger gewonnen: freilich ist es nicht von der Hand zu weisen, daß bei diesem spiel nicht selten schwere Verletzungen, Brüche der Arme und Beine, heftige Stöße gegen den Ilnicr- leib vorkommen können. Besonders bei den öffentlichen Weit- kämpfen soll es oft recht roh zugehen. Die Freunde dieses Sports behaupten demgegenüber, daß das Fußballspiel nicht gefährlicher sei. als andere Sportarten. In den richtigen Grenzen ausgeübt, ohne die Auswüchse der ö s s e n t- lichen Wettkämpse ans staubfreien Plätzen gespielt, ist es eine Stählung und Kräftigung gerade der Bein- und Bauchmuskulatur, schärst den Blick, befördert die Geschicklich keit und lenkt den Sinn von der Misere des Alltagslebens ab. Das Prinzip besteht darin, daß der Ball nur mit den Füßen oder Beinen getrieben werden darf und jede Partei das Ziel zu erreichen sucht, den Ball in das Lager der Gegenpartei und zwischen zwei an den Enden des Platzes stehende Stangen hindurch zu treiben. Ist das Fußballspiel mehr ein Kraftsport, der Wohl nur von Männern ausgeübt werden kann und immerhin leicht zu Gewalttätigkeit ausarten kann, so ist ein anderes Ballspiel, das Lawn-Tennisspiel. geradezu dazu angetan, Schönheit und Grazie beim Spiel zu ihrem Rechte kommen zu lassen; es ist sichr das schönste und cdeleste aller Ballspiele; leider wird es bis jetzt fast nur von den oberen Zehntausend ge'pielt, von den Arbeitern bisher wohl fast ganz gemieden, und doch könnte es von den Arbeiterturn- und Sportvereinen sehr wohl�auch aus ihren Turn- und Freiluftplätzen getrieben werden. Denn kein Spiel ist so kräftigend für den Körper und zu gleicher Zeit so fördernd für die Grazie und Schönheit der Körper- bewegungen, wie das Tennisspiel. Es wird mit kleinen Bällen gespielt, die mit«chlägern über ein Netz hinweg- geschlagen werden, und zwar immer möglichst so, daß der Gegner den Ball nur mit Mühe oder überhaupt nicht zurück- schlagen kann. Neben den Spielen kommt das Wandern als Ergänzung des Turnens vorzüglich st, Betracht; es vereinigt Betätigung des Körpers mit Erquickung des Gemüts, es treibt den Men- schen aus den engen Straßen der Stadt hinaus in die freie Natur, und man braucht nur die Scharen zu sehen, die Sonn- und Feiertags zu Fuß. zu Rad oder mir der Eisenbahn ans den Großstädten herausströmen, um zu begreisen, daß der alte Wandertrieb und die Freude an der Natur noch immer im Menschen vorhanden ist. trotzdem es gerade dein Großstädter immer schwerer wird, hinaus zu gelangen. Das Gehen als solches ist eine kräftige Uebung für die Berne, die n, der Arbeitswoche meist nickt genügend und auch incht rn zweck- mäßiger Weise bewegt werden. Die übrigen Korpermuskeln kommen beim Wandern weniger in Tätigkeit, dafür wird Atmung und Blutkreislauf gekräftigt und die natürlichen Verbrennungsprozesse vermehrt. Aus Gehirn und Nerven, die beim einfachen Wandern für die Muskelbewcgungen kaimi in Anspruch genommen werden, wirkt die Landschaft. Wald und Wiesen. Felder und Gewässer ergilickend und belebend. Eine Ermüdung durch die Wanderung in freier Natur tritt daher viel später aus als durch eine Wanderung durch gleich große Strecken bekannter Stadtstraßen. Nichts kann für Körper und Geist angenehmer und erfrischender sein, als die Arbeit der Woche durch eine ausgiebige Wanderung am Sonntag zu unterbrechen."_ Fnßball. Froh-Frei-Lichierfeldc gegen Freie Turnerschaft-Velien, 4.S für Bellen; Tcmpclhos-Mariendort gegen Rapid 0:i; Jt. V. L. gegen Charlotienburp. 1. Mannschaften, 4: 1 für R. B. C.; Mahls- dors gegen Tiiania, Mahlsdorf kämpflos gewonnen; Merkur gegen Pankower Union 7: 1 für Union; Alemannia gegen Neukolln-Brch. 1. Mannschaften. 4:4; F'chte 10.'2. Mannermann, chast, gegen Hertha. 3. Mannschaft. Fichte lO kampflos gewonnen;»mt "' 1. Mann, chatten, 2: 2; Turn- traiau; spiclkluv gegc.. desgleichen gegen Vorwärts, 2. Mannschaft, 1l:0 für Cbarloitcnbiirg gegen Spandau, 0:1 für Ebarloltenburg: Freie Sportvereinigung, 3. Mannschaft, gegen Charlottenburg, 0: 1 nie Freie Sportvereinigung; Ficht« 7 gegen Fichte 1. 7:3 mr Fichte 1; Fichte 4 gegen Pankow, Fichte 4 kampflos gewonnen; vcriha gegen Fichte 9, 7:0 für Hertha. Faustball. Freie Turncrschast-Reinickendorf gegen Freie Turnerschaft- Schönholz, 83: 91 für Reinickendorf. !}l!Qnj BlOSiUS Gemahlin die besten Glückwünsche zur zilbcrvochzci». llie gunktionZre der 2. Abteilung 3. Kreis. »»o&m i V «99935395� Hochzeit v" Zur silbernen. unicrem langjähr wen Gciwsieii Mlkelm Darmfeb somic Genossin iNugnste Harni.ch. die bc-tcii Gluck- wünsche. Die G-noflen des 528. Bezirls, VI. 101« e» v