Ar. 325. nboDnerocntS'Uedingnngen: fSonncmmlS» PreiZ ptönumtremlio: Lieiteliährl. S�O SKI, monaü. 1,10 SKI, wöcheTUIich 28 Pfg. frei ins HauZ, Sinzeins Nunmier 5 Pfg. Sonntags- i�unnner mit illuftriertcr SomUagS- Beilage»Die Neue Welt* 10 Pfg. Pos!» kibonnement: 1,10 Marl dro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisiifte. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2,30 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, polland. Italien, Luxemburg, Portugal, nänicn, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. ertchdirt täglich. 5 ♦ Verlinev Volksblatt. die snieftions-Lebühi' beträgt für die sechsqespallcuc.«iolonel» z-ile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gcwcrlsibafllichc Vereins, und VcrsamnilungS-Anzcigcn 30 Pfg. „Kleine Hnseigen", das fcttgedruilie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. LIellengesuchc und Schlasitcllcnoi:. zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über löBuch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer uiüflcn bis I» Uhr nachmittags m der Exveditio» abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Tclegrmiim- Adresse: „Sezia'liUniolirat Rtrüa", Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblandö. „Und der Hans schleicht umher, trübe Augen, blasse Wangen—" So lvar es vom vergangenen Mittwoch bis zum gestrigen Dienstag. Eine ganze Woche ist B c t h m a n n H o l l w e g hin und her geschlichen, von Berlin bis Donaueschingen, von Donaueschingen wieder nach Berlin, von Partei zu Partei, von Parlamentarier zu Parlamentarier, um die schmollende bürgerliche Reichstagsmehrheit wieder zu versöhnen. In der gestrigen Reichstagssitzung sind die beiden schon bis zur nächsten' Strophe des alten Volksliedes gelangt: „Und er zupft sie am Zöpfchen, und sie dreht schon das Köpfchen." Aber nicht lange nichr wird es dauern:„so küßt sie ihren Hans, und es ist alles wieder gut"! Ein(lies ater, ein schwarzer Tag für den deutschen Parlamentarismus, bedeutete der Beginn der Etats- beratungen am Dienstag. Als am vergangenen Mitt- woch der Reichskanzler und der Kriegsministcr ihre herausfordernden Reden dem überraschten Reichstag an den Kopf pfefferten, entrang sich dem Zentrumsredner in der schönen Unüberlegtheit des zornigen Augenblicks das Wort vom dies ater. Der Tag war allerdings schwarz genug, soweit es sich um die zerfahrene Regierung des Deutschen Reiches und um ihren verfahrenen Karren handelte. Um so heller hob sich von diesem dunklen Hintergrund der Deutsche Reichstag ab, der sich ausnahmsweise und wider den Willen seiner bürgerlichen Mehrheit zu einer parlamentarischen Tat hin- gerissen sah. Wenigstens schien es eine Tat! In Wirklichkeit war es nur der Schatten, der von einem großen Ereignis voraus- geworfen wurde, das große Ereignis selbst aber ist aus- geblieben. Bevor es dazu kommen konnte, ist es der bürger- lichen Mehrheit ergangen wie dem Leutnant v. Forstner im Manöver. Und in kläglicher Haltung stand sie am Dienstag vor der Regierung. Das deutsche Volk wartete auf eine Erklärung des Reichskanzlers nach den Vorgängen der jüngsten Tage. Was soll werden, nachdent eine Fünfscchstclmehrheit des deutschen Reichstags dem einzigen verantwortlichen Manne der deutschen Regierungspolitik in einer der wichtigsten Rechts- und Ver- fassungsfragen klar und unzwcidetttig erklärt hat, daß sie seine Politik mißbilligt? Nichts wird! Alles bleibt wie es ist! Deutschland, der großen politischen Kinderstube, kann der lange Reichsschulmcister bieten, was er will. Es läßt sich alles gefallen! Als ob kein Zabern gewesen wäre, als ob keine leiden- schaftlichen Reichstagsdebatten stattgefunden hätten, als ob das Mißtrauensvotum des Reichstags ein harmloses Gesell- schaftsspiel bedeutete, als ob der Reichstag und das deutsche Volk mit den Zwischcnträgercien des Herrn Wahnschaffe und den Stilübungcn der„Norddeutschen Allgemeinen" zufrieden sein müßte— so trat der Reichskanzler Bothmann Hollweg ani Dienstag vor den Reichstag und sprach über— ja worüber? lieber den Balkankrieg, über Mesopotamien, über Sir Edward Grey. über den türkischen Sultan und über andere interessante und nichtinteressante Zeitgenossen. Nur über den Krieg in Elfaß-Lothringen zwischen Zivilvcrwaltung und Kommandogewalt, über die von einer selbstherrlichen Soldateska gefährdeten Rechte des deutschen Bürgers, über Tonaueschingcn und über seine eigene sonderbare Rolle in Donaueschingen und in Berlin sprach der Reichskanzler kein Wort. Was aber sagte der Reichstag? Er hörte dem balkan- geschichtlichen Vortrage des Reichskanzlers geduldig zu und unterbrach ihn mit keinem Worte. Und als Herr Bethmann Hollweg sich nach seiner nichtssagenden Plauderei über ausländisches dieS und das setzte, war es nur die sozialdemokratische Fraktion, die in erregten und entrüsteten Zurufen eine Antwort auf Zabern verlangte. In formell zurückhaltender, sachlich aber scharfer und schneidender Weise legte Genosse Scheidemann das Elend des deutschen Ver- saffungslebens au der Hand der jüngsten Vorgänge und der Haltung des Reichskanzlers bloß. Vor allen Dingen machte er die bürgerliche Mehrheit auf die große Gefahr aufmerksam, in die sie den Reichstag und das deutsche Volk bringt, wenn sie mitten im Anlaufe zu energischer Tat stecken bleibt und damit ihre eigene Handlung von vergangener Woche des- avouiert und dem allgemeinen Hohnlachen preisgibt. Und mit einer schmetternden Kampfansage gegen die Bethmann- Politik und das rückständige halbabsolutistische Regiernngssystem des Deutschen Reiches schloß Scheidemann. Jetzt endlich fühlte sich Herr Bethntann Hollwcg bemüßigt, auf Zabern und auf das Mißtrauensvotum des Reichstags einzugehen. Und wiederum gab er dem Deutschen Reichstage zu verstehen, daß ihm dieses Votum gleichgültig ist, so gleich- gültig wie etwa dem Leutnant v. Forstner die französische Fahne. Er fühlt sich als getreuer Fridolin seines Herrn. Das ist ihm größere Ehre und Würde als die Uebcreinstimmung mit der überwältigen Mehrheit des deutschen Volkes. Auf diese erneute Provokation des Deutschen Reichstags hätte jetzt die Antwort von bürgerlicher Seite kommen müssen, eine Antwort mit Hörnern und Klaue». eine Antwort, die dem mißhandelten deutschen Parlcunen- tariSmus seine Ehre wiedergegeben hätte. Eine Antwort kam. Aber nicht die, auf die das deutsche Volk wartet! Eine Antwort so nichtssagend, so harmlos, däß durch sie die Dienstagssitzung des Reichstags zu einem viel schwärzeren Tage für den Reichstag und den deutschen Parlamentarismus geworden ist. als sie der vorige Mittwoch für die deutsche Regierung und den Reichskanzler war! Wo am Mittwoch voriger Woche der erzürnte Zentrums- redner Fehrenbach seine kräftigen Worte gegen Reichskanzler und Kriegsminister schmetterte, wo der tiesbetrübte National- liberale v. Calker den Schinerz seiner Seele beinahe untröst- lich vor dem deutschen Volke ausheulte, da murmelte am gestrigen Dienstag Herr Peter Spahn und da schillerte in allen Regcnbogenfarben Herr B a s s e r m a n n. Sie sprachen von allen möglichen Dingen, worüber man in ruhigen Zeiten bei solchen Etatsreden schließlich reden mag. Nur über das Wichtigste sprachen sie nicht oder doch nur im Vorbeigehen und mit der deutlichen Absicht, aus den Vorgängen in Zabern und aus ihrer eigenen unerwartete» Courage von voriger Woche nur ja nicht die einzig richtigen und eines selbstbc- wußten Parlaments und eines reifen Volkes würdigen Konsc- qucnzen' zu ziehen! Ucber den Imperialismus sprach Herr Bassermann mit innigem Behagen, und um der imperialisti- schen Pläne des deutschen Kapitalismus wegen muß mau schnell über die innere Krise hinweg. Auch über die weit- bewegenden Ereignisse in Braunschweig sprach Herr Basser- mann. Und zweifellos ist es wichtiger, sich um etwelcher modrigen Vongottesgnadenbestimmungen in die zottige Mannesbrust zu werfen als um bedrohte oder zu erkämpfende Grundrechte des deutschen Volkes! Es sind beinahe 100 Jahre her— 1818 war es—, da suchte der große englische Sozialist Robert Owen deutsche Staatsnmnner für seine sozialresormerischen Pläne zu bc- geistern. Ein Frankfurter Bankier machte ihn mit maßgeben- den Männern des Bundestags und seiner Politik bekannt. Dieser Bankier hieß Bethmann. � Ter Nachkomme jenes Frankfurter Bankiers, der jetzt auf dein deutschen Reichs- kanzlersesscl sitzt, läßt sich selbst solche indirekten Begünstigun- gen des Sozialismus nicht zuschulden kommen. Er hält es statt dessen mit Friedrich von Gentz, dem bekannten reaktio- nären Schriftsteller, der Owen die spöttische Antwort gab: „Das wissen wir alles sehr wohl! Aber wir wollen nicht, daß die Massen unabhängig und wohl- habend werden. Wie könnten wir sie sonst regieren!" Aber der Bethmann von heute täuscht sich über die Massen! Sie werden sich ihre Unabhängigkeit und ihre Wohlhabenheit gegen ihn und gegen die bürgerliche Mehrheit des Deutscheu Reichstags erkämpfen. Reichskanzler und bürgerliche Parteien kommen und vergehen, das Volk bleibt und siegt!.! GewrklchaftsKongrcß. London» Ü. Tezembec.(P r i v a t t e l e g r a in m des„Bor- wärt s".) Tie angestrengten Bemühungen der nach Dublin cnt- sandten Vertreter der Zentraltörpcrschasien der britischen Arbeiter- bewegung, in letzter Stunde vor dem Zusammentritt des außerordentlichen Gewerkschaftskongresses eine Beilegung des Kampfes herbeizuführen, haben ohne Ergebnis geendet. Nach Dublin wurden sechs Männer geschickt, die infolge ihrer Stellung in der Arbeiterbewegung mehr als andere Arbeiterführer von dem Bewußt- sein der Verantwortlichkeit erfüllt sein müssen, die auf dem morgen stattfindenden Gewerkschaftskongreß lastet, und es ist klar, daß sie keine Mittel unversucht gelassen haben, um durch die Herbeiführung einer Einigung dem Kongreß eine vielleicht folgenschwere Beschluß- sassung zu ersparen. Sie sind in ihrer Nachgiebigkeit gegenüber den Dubliner Unternehmern bis an die äußerste Grenze gegangen. Tic letzten Verhandlungen wurden 2l> Stunden ununterbrochen fort- gesetzt und erst 5,30 Sonntag morgens abgebrochen. Tie letzte Ursache des Zusammenbruchs war die Weigerung der Unter- nchnicr, die Wicdcrcinstcllung aller?lusge» sperrten und Streikenden zuzusagen. Tic Arbeiter- Vertreter hatten schon außerordentlich weitgehende Konzessionen ge- macht: sie hatten den Verzicht auf den Sympathiestreik zugesagt und versprochen, daß in Zukunft Streiks nur nach bierwöchentlicher Kündigung und einer Urabstimmung der betroffenen Arbeiter statt- finden sollten. Demgegenüber verzichteten die Unternehmer nur aus die Forderung, daß die Arbeiter den Trcrnsportarbeitervcrbaud abschwören. Weiler konnten die Arbcitervertretcr nicht gehen; m der Frage der Wiedereinstellung konnten sie nicht weichen.. Nun hatte sich der a n ß c r o r d c n t I i ch e G e w e r k s ch a f t*- kongrcß, der heute hier in der Memorial Hall zusammentrat, mit der Tublincr Angelegenheit zu befassen. Der Verlauf der Beratungen war ziemlich. stürmisch,.Tie Telcgierteu der drei Zcnlralkörperschaftcn der britischen Arbeiterbewegung, die in Dublin waren, berichteten zunächst, daß es ihnen trotz der größten An- strengungen nicht gelungen sei, einen Friedensschluß hcrbeizn- führen. Die Verhandlungen seien an der Weigerung der Unter» nehmer, alle Ausgesperrten und Streikenden wieder einzustellen, gescheitert. Gleich nach der Annahme des Berichts gab man den Jrländern das Wort, deren Sache von dem Delegierten Conolly im ganzen in sachlicher Weise verfochten wurde. Als der bekannte Führer L a r k i n eine zusammenhanglose Rede hielt, in der es nicht an direkten Beleidigungen der britischen Gewerkschaftsführer fehlte, kam es zu aufregenden Szenen. Im Lause der Vormittagsverhandlungeu wurden vor der Oefscui- lichkeit viele unerquicklichen Dinge aus Tageslicht gezogen. Am Rachmittag kamen besonnenere Leute zum Wort, tvie der Berg- arbcitcr Smillie und der Textilarbeiter Shaw. Mehrere Rc- solutionen kamen ebenfalls zur Verhandlung. Ein Antrag, den Tublincr Ausgesperrten und Streikenden auch fernerhin die Unterstützung der britischen Arbeiterbewegung zuteil werden zu lassen, wurde einstimmig angenommen. Ter wichtigste An» trag des Tages lautete: „Diese Konferenz beauftragt das gemeinschaftliche Komitee das Komitee der drei Zentralkörper), ihre Beratungen mit dem Tublincr Etreikkomilee fortzusetzen, sich zu bemühen, die Ver- Handlungen mit dem Komitee der Unternehmer wieder aufzn- nehmen und jede legitime Methode, die in Uebereinstimmung nnt der Erhaltung gewerkschaftlicher Grundsätze ist, anzuwenden, um einen a n n c h m b a r c n u n d d a u c r n d c n F r i e d c u herbei- zuführen." Zu diesem Antrag stellten die Gasarbeiter ein Amende- ment, in dem unter anderem die Isolierung Dublins auf demWcgcdesSympathiestreiks gefordert wurde. Gegen dieses Amendement wendeten sich die Vertreter der großen Ver- bände. Ter Sekretär der Eisenbahner, Williams, führte unter anderem aus, daß die Eisenbahner stets ihre Pflicht getan böttcn, aber solch gewaltige Opfer, wie sie der Sympathiestreik gerade von ihnen verlange, könne man einer Arveiterkatcgorie billigerweise nicht zumuten. Tic beste Rede wurde von dem Vorsitzenden der Bergarbeiter gehalten, der es verstand, den Kongrcß zu beruhigen und den gemeinsamen Willen aller, den Dublinern bis zum Ende beizustehen, in passenden Worten zum Ausdruck zu bringen. Mit milder Ironie geißelte er die Worte Larkins, daß beim Streik das Geld nicht die Hauptsache sei, indem er auch noch darauf hinwies, daß bei jedem Streik, auch bei dem der Dubliner, die Bergarbeiier gleich um Geldunterstützungen gebeten wurden. Er wies� auch die heute in England so eifrig propagierte Ansicht zurück, daß bei oer Unterstützung der Dubliner Arbeiter die britischen Arbeiterführer von den Massen unwillig vorwärtsgetrieben würden, indem er fest- stellte, daß die Führer auf eigene Faust, ohne die Massen zu be- fragen, große Geldsummen für den Kampf in Dublin ausgegeben .hätten. Schließlich wurde das Amendement mit 203 000 gegen 228 000 Stimmen verworfen und die oben angeführte Resolution darauf fast einstimmig angenommen. Nach Ansicht vieler alter Delegierten sind aus einem britischen Arvciterüongrcß die Geister selten so scharf aufcinandergcplatzt wie diesmal. MeittloiigKeit. Immer wieder Erwägungen. Tic Skadt Berlin hat bekanntlich vor kurzem zusammen mit zahlreichen Bororten dem Reichskanzler das Gesuch unterbreitet, die reichSgesehliche Regelung der Zwangsversichcrung gegen die Arbeitslosigkeit in erster Reihe für das Bauewerbe, sodann aber auch in anderen erfahrungsgemäß von Perioden wiederlehrender Ar- bcitslosigleit betroffenen Erwerbszweigen alsbald in die Wege zu leiten. Darauf ist vom Reichskanzler die Mitteilung eingegangen, daß er das Reichsamt des Innern mit einer Prüfung der An- gelcgcnhcit beauftragt habe. Brttrtfupvco statt Arbcitsloscnvcrsichcruug. Seit Jahren führen die Sozialdemokraten im Nürnberger Rathause einen zähen Kamps um die Einführung der Arbeits- losenbersicherung, für die auch schon seit Iahren ein Statut fix und fertig ausgearbeitet worliegt. das aber nicht in Kraft geseßt wird, weil der ausschlaggebende Freisinn verlangt, daß zuerst der Staat vorangehen soll. Das einzige, was erreicht iverden konnte, ist die Einsetzung von 30 000 M. zu diesem Zwecke in den Etat, doch das Geld darf nicht ausgcgcben werden, bis wiederum der Staat den Anfang macht. Auch für Gewährung von Baruntcrstützung an Ar- beitSlefe können sich die Herren nicht erwärmen; gegenüber den Forderungen sozialdemokratischer Arbeitervertrctcr verwies man die Notleidenden auf die Armenkasse oder gab den höhnischen Rat. die Gewerkschaften sollten ihre Kassen zur Unterstützung der Arbeits- losen leeren. Daß die Gewerkschaften schon ganz gswaltige Mittel für diesen Zweck aufwenden, ficht die Leute nicht weiter an. So haben die Nürnberger Gewerkschaften in den ersten elf Monaten dieses Jahres nicht weniger als 240 000 M. für Zwecke der Arbeits- losenunterstützung verausgabt. Da nun die Not immer weiter steigt, kann sich auch das satte Bürgertum ihr nicht mcbr verschließen und sieht sich veranlaßt, doch etwas zu tun. Das Mittel, aus das man dabei verfallen ist. ist fast noch entwürdigender als die Ber- Weisung an die?lrmcnpflepc. Bon städtischer Seite hat man die philanthropischen Bürger und Bürgerinnen, die sportsmäßig die „Wohltätigkeit" üben mit der meist schlecht verhehlten Nebenabsicht, seine geschätzte Person bei gewissen Stellen in empfehlende Erinne- rung zu bringen. Mobil gemacht und einen Aufruf erlassen, nach dem an die Familien bedürftiger Arbeitsloser Essen abgegeben werden soll. Also Klostersuppenpolitik anstatt öffentlicher sozialer Fürsorge! Unser Nürnberger Parteiblatt hat die Veröffentlichung de» Aufrufs abgelehnt, dafür aber den Gewerkschaften 3000 M. für außerordentliche Unterstützungen an Arbeitslose überwiesen. Vom Gewerkschaftskartcll sind 10 000 M. zur Verfügung gestellt, auch andere Einrichtungen der Arbeiterbewegung steuern entsprechend bei,- so daß im ganzen zirka 30 000 M. verfügbar sind, die an die einzelnen Gelverkschaften nach ihrer Mitgliederstärke verteilt werden. Im Stadtmagistrat F ü rt h. wo man sich ebenfalls nicht zur Einführung der Arbeitslosenunterstützung bewegen lassen will; stellte Genosse Zorn den Antrag, 20 000 M. zur Barunterstützung an Arbeitslose zu bewilligen. Nach längerem Redekampf wurden 10 000 M. zu diesem Zweck ausgeworfen, die durch eine Kommission verteilt werden sollen. politische Cleberltcht. Zabem. Mititärdittatur ohne Ende. Der„Iialionalzeitung" wird aus Stroßburg gemeldet:„Eine Familie aus der Umgebung von Colmar hat einen Brief von ihrem vcim Militär stehenden Sohn erhalten. Daraus gebt hervor, daß man den elsäfsischen Rekruten ganz allgemein den WeibnachtSurlaub in die Heimat verweigern will. Man bekürchtet, daß die Besprechung der Zaberner Angelegenheit im Kreise der Familie und der Freunde die Disziplin bei den jungen Soldaten gefährden könne."— Das geht auch der militärfrommen„Rationalzeitung" über den Kamm und ste bemerkt hierzu:„Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, so wäre damit nur ein neuer Anlaß gegeben zum schärfsten Protest gegen einen solch überspannten Militarismus." Folgen von Zobern. Wie sich der„Züricher Tagesanzeiger" aus Bclfort melden läßt, haben sich dort und auf dem Werbebureau in Nancy 26 Elf äff er für die französische Fremdenlegion anwerben lassen.— So ist durch die Vorfälle von Zobern also auch der Agitation für die franzö- jischc Fremdenlegion Vorschub geleistet worden! Sozialdemokratische Protestkundgebungen. Gegen die Säbeldikiatur protestiert- am Montag- abend in Lübeck eine von 2000 Personen besuchte Massenversamm- lung, in der RcichstagSabgeordnctcr Th. Sch w a r tz.referierte. Eine Resolution, in der gegen den militärischen Absolutismus Pro- test erhoben und die Ausdehnung der BoltSrechte gefordert wird, gelangte einstimmig zur Annahme. Auch die Gothaer Arbeiterschaft protestierte am Montagabend in einer vom Sozialdemokratischen Verein einberufenen öffentlichen Versammlung gegen das„Fauit recht der Soldateska". Ter große Saal des VolkShauscs war lange vor Beginn der Vcr- sammlung überfüllt. Die Zahl der Anwesenden wurde auf 2000 geschätzt. Rcichstagsobgcordneter Bock erläuterte die Zaberner Vorkommnisse, fchiiderte den nur notdürftig verkleideten Absolutio- mus in unserem„Rechestaat" und die Zustände, die für ein politisch mündiges Volk unwürdig sind. Die Arbeiterschaft müsse diesen? T p st e m den Kampf ansagen und dürfe nicht eher rasten und ruhen, biS diesem System ein Ziel gesetzt ist. Eine scharfe P r o- teftresoluiicn wurde einstimmig angenommen. Tcrhal»dlung argen die Zaberner Rekruten. Wie telegraphisch auS Straßburg im Elsaß gemeldet »irlT findet die Verhandlung gegen die Zaberner Rekruten am Donnerstag, den 11. d. Mts.. vormittags, vor dem dorfigen Militär-DivisionSgericht statt. Militaristische Logik. Der deutsche Militarismus treibt seltsame Giftblütcn. Er führt nicht nur, wie erst jüngst wieder die Zaberner Vorgänge bewiesen haben, zur Willkür und Hiuwegsetzung der Soldateska über die verfassungsmäßigen Volksrechte: er erstickt auch in seinen Apologeten alle besseren menschlichen Gefühlsregungen. jede humane Betrachtungsweise. Er hat eben seine besondere eigene Logik, die Logik der Brutalität. Dafür liefert ein„Soldaten miß Handlungen" überschricbener Artikel der Dienstagmorgen- Nummer der ..Kreuz- Zeitung" einen neuen Beleg. Das ehrsame Organ der Strauchritter- Epigonen spottete darüber, daß voraussichtlich sich gar bald der Reichstag wieder mit Klagen über Soldatonmißhandlungcn zu beschäftigen haben werde, und der Kriegsminister wieder in üblicher Weise versichern werde, daß von der Heeresverwaltung alles geschehe, um solche Mißhandlungen auszurotten. Alach der Ansicht des ArfikelschreiberS ließen sich die Soldatenmiß Handlungen leicht wesentlich einschränken. Und wodurch? Nicht durch härtere Bestrafung viehischer Soldatenschinder, nicht durch Acnderung des heutigen kuriosen Beschwerde systems, besserer Ueberwachung der Rekrutenausbildung durch erfahrene Offiziere, Verminderung des läppischen Paradedrills oder irgendwelcher ähnlicher Maßnahmen— sondern durch häufigere und strengere Bestrafung der vom Unteroffizier beim Kompagnicchcf ge meldeten Rekruten. Wehleidig beklagt die„Kreuz-Zeitung", daß es Kom pagniechefs gibt, die nicht geneigt sind, jeden Genieinen, der ihnen als univillig, widersetzlich oder nachlässig gemeldet wird, sofort hart zu bestrafen, besonders nicht die eben eingetretenen Rekruten. Meldet der Unteroffizier sochcm Hauptmann zu oft Vergehen der Rekruten, erhält er wohl gar von seinem Vorgesetzten die Antwort:„Man meldet doch nicht jede Kleinigkeit!" Wenn der Hauptmann aber doch Strafen verhängt, ist er gewöhnlich zu milde. Oft verfügt er nur Nachexerzieren. Das ist, wie die„Kreuz-Zeitung" meint, ganz falsch; der Rekrut müsse eine weit härtere Strafe zudiktiert erhalten, und zwar eine Strafe, die sein S e l b st- gefiihl und seine Selbstachtung herabdrückt. Wörtlich heißt es in dem Artikel: Für den Rekruten ist diese Strafe nicht besonders fühlbar. deun er darf nicht überanstrengt werden, das könnte zu sehr un« angenehmen Folgen für die Vorgesetzten führen, sein Selbst- gefühl ist dadurch auch nicht wesentlich herab- gedrückt, von Selbstachtung in diesem Falle gar nicht zu sprechen, denn seine Kameraden achten ihn schon meist nicht niehr besonders hoch, wenn es so weit mit ihm gekommen ist, aber höchst unangenehm fühlbar ist diese Maßregel für den Unteroffizier, der wegen dieses Mannes von seiner ohnehin recht knappen ErbolungSzeit noch etwas einbüßt, und für den Offizier, der als Aufsicht dabei stehen muß. Damit ist die große Wahrscheinlichkeit gegeben, daß bei dem Unteroffizier sich ein Groll gegen diesen Rekruten einstellt, der ihm ohnehin schon genug Aerger bereitet hatte, bis er sich zu der Meldung entschloß und um desient- willen er nun auch noch von seiner freien Zeit verliert. Er sagt sich also:„Ten melde ich sobald nicht wieder," und in be- sondercm Maße sagt eS der Unteroffizier dann, wenn der Hauptmann den Rekruten überhaupt nicht bestraft hat. In beiden Fällen sagt er sich,„ich muß mir also selbst helfen", u n d d a m i t i st d a n n d'i e G r u n d b e di n g ü n g für die leider immer noch vorkommenden Fälle der so- genannten fo r t g es c tzt en Mi ß h a n d lun g e n gegeben. Deshalb: strengere Bestrafung der Rekruten. Abschaffung des heutigen Systems der Strafbücher(in die der„Straf- grund" eingetragen werden muß). Schutz der„Autorität der Uilteroffiziere mit allen zu Gebote stehenden Mitteln"— oder auf gut Deutsch: schärfere Behandlung des Rekruten, �größere Freiheit für den Unter- offizier und Ersetzung des Selbstgefühls des Gemeinen durch den Kadavergehorsam! Sicherlich ein wundersames Rezept, Soldatenmißhandlungen zu beseitigen._ Den Scharfmachern zu Willen! Nach dem„Bayerischen Kurier" wird ein Arbeitswilligen- schutzgesetz im Reichsamt desJnnernvorbercitet. Das Organ des bayerischen Zentrums schreibt, es dürfe angenommen iverden, daß ein erheblicher Teil der Bundesregierungen im Bundesrate für ein Arbeitswilligenschutzgesetz eintreten wird: Sachsen hätte bereits einen entsprechenden Antrag gestellt._ Radikale Worte. Ter Gcncralsekreiär der christlichen. Gcwerkschaslcn, Herr Adam Stegerwald, hat am Sonntag in einer öffentlichen Versammlung in Köln über den 3. Deutschen Arbeiterkongrcß derichtet. Der christliche Äewerkschaststührcr fand in seiner Rede sehr radikale Worte. Er sagte: „Der Bund der Landwirte fordert den lückenlosen Zolltarif. Er verschleiert ja voriichligcrwcise, was er darunter verstehen will. Nun, er soll uns nicht für so unklug halten, daß wir uns dadurch täuschen lassen. Wir lassen uns nicht vor fertige Tatsachen stellen. Wir baden eine Warnungstafel aufgestellt. Wir wollen unsere Interessen vorher geltend machen, damit die bürgerlichen Parteien, die zum großen Teil von Arbeitern gewählt sind, wissen, wie die organisierte christlich-nationale Aroeiterschaft über die großen Lebensfragen denkt. Wenn wir als Kongreß in der gegen-- wärtigen Situation nicht zu solchen Fragen Stellung genommen hätten, dann hätten es die christlichen Äewerk- schaff ten und jedenfalls auch andereOrganisa- t i o n e n abgelehnt, s ich daran zu beteiligen, dann hätten wir jede Selbstachtung und jedes S e l dst c w u ß t- sein preisgegeben. Und ohne diese Eigenschaften kann eine Masscnbwegung nicht bestehen." lind zu den Scharfmachern gewendet, rief Herr Stegerwald aus: „Tie große Lcffentlichkeit in Deutschland muß sich endlich einmal an den Gedanken gewöhnen, daß es nicht Aufgabe einer ch r i st l i ch. n a t: o n a I c n Arbeiterbewegung sein kann, den' bestehenden gesellschaftlichen Z u st a n d b l o ß z u loben; wir haben vielmehr auch F o p d e- rungen an Staat und Gesellschaft zu stellen! Wir erklären: Es ist nicht bloß das Recht des Bundes der Landwirte. des Zentralverbändes deutscher Industrieller ust.v,; wein, es ist auch das unbestreitbare Recht der christlich-nationalen Arbeiter- bewegung. genau so Stellung zu nehmen, wie das die anderen Jnieresseugruppan iür sich ais selbstvcritändlich ansehen." Es wird wohl mit den„Forderungen an Staat und Gesell- schast" nicht so schlimm werden, denn der weitaus größte Teil der Siegerwaldschen Rede gipfelte darin, nachzuweisen, daß die christlich. nationale Bewegung die Arbeiter mit den kapitalistischen Zuständen zu versöhnen trachte.„S ta a t sp o s iv it i s m u s" nennt man das, Herr Stegerwald. Er selbst schilderte ihn selbst in folgender Weise: „Die christlich-nationale Arbeiterbewegung sieht auf stoats- p o s i t i v e m Boden. Sie lehnt es ab, alles in Grund und Boden zu kritisieren. Das hat uns in den letzklln Jahren den Vorwurf eingebracht, eine Schwenkung noch rechts unternommen zu haben. Wie war denn die Sachlage? Seit 1900 ist das Bürgertum in immer steigendem Maße radikalisiert worden. Der Sozialdemokratie trieb man so die Hasen geradezu in die Küche. W i r fingen daher an, den deutschen Arbeitern zu sagen, daß es um Deutschland doch nicht so schlimm siehe, wie die Sozialdemokratie es wahr haben w o l l e." Auch ein Standpunkt: Weil die Sozialdemokratie Fortschritte machte, mußte den Arbeitern eingeredet werden, daß es ihnen in Teutschland recht gut gehe. Reform der Reichsratskammcr in Bayern. Zu Beginn der Dienstagsitzung der bayerischen Abgeordneten- kammer überraschte Freiherr v. Hertling das HauS mit der Mit- teilung, daß die Regierung eine Reform der ReichSratskammer plane. Man kann ungefähr voraussagen, wie diese Reform sich gestalten wird: gewerbliche Körperschaften, Handelskammern, Gewerbe- kammern usw. werden Vertretungen erhalten. Den Anlaß zu diesem plötzlichen Entschluß gibt eine Bestimmung der bayerischen Ver« fassung, die eS verhindert, die Königsmacher durch Berufung in den ReichSrat zu belohnen. Nach der Verfassung darf im Gegensatz zu Preußen, wo das Berufungsrecht des Königs unbeschränkt ist, die Zahl der berufenen Mitglieder des ReichsratS den dritten Teil der erblichen Mitglieder nicht übersteigen. Wo sind die Terroristen? Die Herren Scharfmacher klagen ständig über den„Terra- rismus" der freien Gewerkschaften. Wo jedoch in Wirklichkeit die Terroristen, und zwar Terroristen sons plirase sitzen, ist aus einem Artikel zu erkennen, der dem Dortmunder Amtsblatt zu- gcgangeu ist. Da wird die einige Gemeinden in der Umgebung. Dortmunds berührende Frage der Eingemeindung behandelt und dabei folgender empörende Vorgang geschildert: Jit einer der letzten Sitzungen der Gemeindevertretung Oestrichs, in der die betreffende Eingemeindung besprochen wurde, äußerte sich ein auf der Zeche Adolf von Hansemann beschäftigter Gemeindevertretcr gegen die Eingemeindung Oestrichs nach Men- gcde. Er erklärte, daß die Stimmung in seinen Bekanntenkreisen allgemein nicht für eine Eingemeindung sei, und man energisch von ihm verlangt habe, dem Wunsche der Zcchcnpartei, für die Eingemeindung zu stimmen, nicht zu folgen. Dieser Gemeindevertreter, der in der Rühe der Zeche ein kleines Anwesen besitzt, das seit alterSher der Familie gehört, und der »seit 19 Jahren ununterbrochen zur ständigen Zufriedenheit seiner Borgesetzten auf Zeche Hansemann als Schachthauer gearbeitet hat", erhielt kurz nach dieser Gemeinderatssitzung folgendes Schrei- den ins Haus gebracht: „Mengede, den 14. November 1913. An......... Mit dem heutigen Tage ist Ihnen Ihr Arbeitsverhältnis zur Zeche Adolf von Hansemann gekündigt. Ihr Austritt hat demnach mit Schluß des Monats zu erfolgen." Stempel der Dcutsch-Luxemburgischcn Bergwerks- und Hüttcn-Akticn-Gesellschaft. Der BetriebSführcr; D' gez. Niedercichholz." Der Amtsblatlartikler bemerkt dazu: „Ein derartig rigoroses Vorgehen kann nur tiefgehende Er- bittcrung hervorrufen, und man braucht sich nicht zu wundern, wenn durchs solche Maßnahmen Staatsbürger, die bisher, für die nationale«ache mit allen Kräften eingetreten sind, der Sozial- demokratie in die offenen Arme getrieben werden. Nicht ohne Grund ist bei seder Wahl eine Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen zu konstatieren. Aber der Terrorismus der Zechen- Partei geht noch viel weiter. Gemeindeeingesessene, die den Protest gegen die geplante Eingemeindung unterschrieben haben, sind dieserhalb zur Verantwortung gezogen worden, und wenn, sie keine genügende Entschuldigung vorbringen konnten, wurde Ihnen die Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis der Zeche an» gedroht. Kein Handwerker oder Geschäftsmann, der von der Zeche abhängig zu sein glaubt, wagt seine Ansicht frei und offen auszusprechen, weil er befürchten muß, in seinen Erwcrbsvcr- hältnissen geschädigt zu werden." Weiter wird bemerkt, daß der Amtsvorstehcr von den Zechen- Vertretern in der Gemcilidcvertrctung als Amtsvarordneter nicht wiedergewählt worden sei, weil er sich von der Zweckmäßigkeit der Eingemeindung nicht habe überzeugen können. Satt seiner habe sich der Oberinspektor der Zeche gewählt und wählen lassen. Bon sieben Mitgliedern des Gemcinderats seien vier Zechenbeamte, die gehorsamst und Pflicht schuldig st dem Winke von oben folgen müßten.— In einem Prozeß gegen einen sozialdemokratischen Funktionär erklärte auch ein Gemeindevorsteher auf eine Frage des Gerichts- Vorsitzenden ganz naiv, es sei doch„naturgemäß, daß die Zechcnbeamten im Gcmeinderat die I n t e r e s s e n d c r Z c ch c n wahrnähmen! � Das Dortmunder Amtsblatt hält den NaiionaUiberalen der berüchtigten„alten" Schule die Steigbügel. Wenn selbst dieses Blatt solchen Klagen eines„nationalen Mannes über den Tcrro- rismus der Zechen Raum gibt, dann kann man sich vorstellen. wie die ArbeitersSaft unter diesem brutalen Herrenrecht de? Kapitals zu leiden hat.___ Tie Nachwahl in Jerichow. Di- Konservativen haben für die bevorstehende Nachwahl zum Reichstag gemeinsam mit dem JSunde der Landwirte den Ritterguts- Pächter Martin Schiele in Schollene als Kandidaten aufgestellt. Für die Fortschrittler kandidiert der Fleischermeister K o b e l t. für die Sozialdemokratie wieder Genosie Haupt. Die Wahl dürfte in der ersten Hälfte des Februar stattfinden. Ter unwürdige Einjährige. Einen neuen Streich hat sich soeben der preußische Militaris- mus mit Unterstützung der beteiligten Zivilbebörden geleistet. Zu dem Genoffen Walter Stoeckcr in Köln, der in der prole- tarischen Jugendbewegung läng ist'und bis vor wenigen Wochen auch als Berichterstatter an der..Rheinischen Zeitung" Ko!n arbeitete, tau am 22. Juli ein Schutzmann, ließ sich den Berech- tigungsschcin Stoeckers zum Einjährig-Freiwilligendicnst vorlegen und beschlagnahmte ihn. Ende Juli erhielt darauf Stoeckcr folgen- dcS Schriftstück: „Ersatz-Kommiffion Köln(Stadt) II � Nr. 5982/1246£. Köln- 22. Juli 1913. Krebsgaffe 1. Durch Entscheidung der. Ersatzbehörde. 0- 0"uanz vom 14/10. Juli d. I. Nr. 1381 II b/M- V ist Ihnen die von der Prüfungskommission für Einjährig-Freiwiuige zu Berlin am 24. Februar 1911 erteilte B c r e ch t i g u n g z u m ib i n, ä h r i g- Freiwilligendienst entzogen und zugleich bestimmt worden, daß Ihre Heranziehung zum zwei- ozw. mehr» jäJjrtgcn Militärdienst im ordentlichen AushebmigS� verfahren zu erfolgen hat. Sie Häven sich daher in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar nächsten Jahres zur Stammrolle anzumelden. Königliche Ersatz-Äommisston des Aushebungsbezirks Köln Stadt II. Ter Militär- Ter Zivil- � Vorsitzende: gez. Bacmmstcr. Käme unleserlich." Sroecker wandte sich an die Ersatzkommission um Auskunft über die Gründe dieser Matzregel. Nach acht Wochen wurde ihm durch den Polizeikommissar seines Bezirks der mündliche Bescheid er- teilt, datz ihm die Militärbehörde wegen seiner Agitation für die sozialdemokratische Partei den Berechtigung-. schein entzogen habe. Es wurde dabei aus den§ 93 der Wehrordnung in Verbindung mit einer Geheimverfügung der zuständigen Ministerialinstanzen vom 21. Mai 1895 hingewiesen. Ter fragliche Paragraph der Wehrordnung berechtigt die Er- iatzbehörde zur Entziehung des Berechtigungsscheines, wenn der Betreffende bestrast ist oder beim Diensteintritt nicht mehr über die nötige„moralische Qualifikation" verfügt. Stoeckcr wandte sich nun an die Kölner Ersatzkommission und ersuchte um Mitteilung der Verfügung des Kricgsministeriums und des Ministeriums des Innern von 1895. Ein Ilnterbeamter gab die Auskunst, datz es sich dabei um die moralische� Qualifikation im Hinblick �aus die agitato- rische Tätigkeit �für die Sozialdemokratie handele, selbstverständlich begnügte sich Stoecker mit dieser Auskunft nicht. Beschwerde- führend wandte er sich an das Generalkommando und das Ober- Präsidium in Koblenz und ersuchte um Angabe des Inhalts der bc- treffenden ministeriellen Verfügung. Roch längerer Zeit bekam er folgende Antwort: „Ter Erlatz des Herrn Kriegsministers und des Herrn • Ministers des Innern vom 21. Mai 1895 spricht sich dahin aus, datz derjenige, welcher sich, wie Sic, in besonderem Motze in staatsfeindlichem Sinne agitatorisch be- i ä t i g t, die für den freiwilligen Eintritt ins Heer erforderliche - moralische Qualifikation nicht mehr besitzt, und datz ihm daher gemätz Sj 93 Abs. 2 der Wehrordnung die Berechtigung zum ein- jährig-freiwilligen Dienst zu entziehen ist. Von feiten des Generalkommandos: Der Chef des Generalstabes. lllnterschrift unleserlich), Oberst. Ter Obcrpräsident der Rheinprovinz. In Vertretung gez. Momm." Eine weitere Beschwerde an das ÄriegSministerium vom 25. September wurde nicht beantwortet. Unterstützung kinderreicher Eisenbahnbeamter. Der preutzische Eisenbahnminister hat angeordnet, datz den Eisenbahnbeamlen, die unler 3999 M. Gehalt beziehen, einmalige Unterstützungen in Höbe von 25—39 M. pro Familie gewahrt werden können. In erster Linie i ollen die Unterbeamten mit mehreren unversorgten Kindern berücksichtigt werden. Junkertum und Schule. Alles ist den Junkern verhatzt, was im Interesse der arbeitenden Bevölkerung geschieht. Gegen jeden sozialpolinichen Fortschritt wird Slurm gelaufen. Allem die Krone aufietzen dürfte aber das Vor- gehen des landwirtschaftlichen Zentralvcreins Königsberg, dem sogar die geringen sanitären Matznahmen der preutzischen Regierung im Interesse der ländlichen Schulen zuwider sind. Es hat die Regierung ersucht, die sanitären M a tz n a h m e n für die ländlichen Schulen tztehr den— ländlichen Verhältnissen anzupassen, »sbeiondere hat er sich gegen- das Oelen der Futzböden in den Schulen ausgesprochen. Die preutzische Regierung bar sich darauf veranlatzt gesehen, den Herren Junkern eine glatte Absage zu erteilen. Es heitzt darin: „Wir vermögen nicht anzuerkennen, datz die Anforderungen an ländliche Schuleinrichtungen über das Matz deS Notwendigen hinausgehen oder gar denen an städtischen Schulen gleichkommen. Die Anforderungen beschränken sich auf Dinge, die aus gesundheitlichen Gründen zur' Erzielung besserer Luft- und Lichtverhältnisse oder grötzerer Reinlichkeit dringend geboten sind, insbesondere auch im Hinblick auf die in der Provinz— auch auf den: Lande— noch sehr verbreitete Tuberkulöses Zu diesen, von den Aerzten geforderten Matznahmen gehört auch die Oelung des Futzbodens in den Schulen mit staubbindendem Oel..." Die geumdheiilicken Verhältnisse auf dem Lande lassen sicher viel zu wünschen übrig. Notgedrungen mutz die preutzische Regierung aus Verlangen der Acrzte einige saniiäre Matznahmen treffen, doch dre Junker find dagegen, weil diese Matznahmen Geld kosten. Lieber mag die Gesundheit der Kinder zum Teufel gehen; die Haupt- fache rst und bleibt, datz die I u n k e r für S ch u I z w c ck e n i ch i S auszugeben brauchen. Ter selbstsüchtige katholische Arbeiterverein und sein gelbcnseindlicher Kvrat. Zu einer recht interessanten Auseinandersetzung ist es zwischen den Mitgliedern des kaiholiichen Arbeitervereins„Stamm" in Haus- ham(Bayern) und ihrem Präses, dem Kuraten Leb, gekommen. Der Verein gehörte dem Verbände der süddeutschen katholischen Arbeitervereine a». Weil er aber sehr viel gelbe Werkvercinler in seinen Reihen zählte, war es zu bestigen Auseinandersetzungen mit der Verbandsleumig wie mit dem Präses gekommen, in deren Per- lauf der Verein seinen Austritt aus dem Perbande erklärte. In dem Bericht, den der gelbe„Werlverein" in seiner letzten Rümmer über die Angelegenheit veröfieiitlichle. interessiert besonders ein Brief, den der Ausschutz des Vereins.Stamm" an den Kuraten Leb, der inzwischen einen Konkurrcnzverein gegründet hatte, ge- richtet. �Jn diesen, Briese heitzt eS: „Indem Herr Kurar Leb eine derartig feindliche Stellung ein- genommen hat. erachtet dieser Sie unwürdig, Beicht- vater des BereinS zu sein. Da das kirchliche Oberhaupt dem genannten Verein die Ausübung religiöser Tätigkeit ver- weigert, sind die Mitglieder des Vereins der Ansicht, datz der hier in Betracht kommende Geistliche selbst nicht das gelingst« glaubt von deni. was er predigt, infolgedessen auch von uns nicht verlangt werden kann, datz wir dasselbe glauben sollen. Aus diesem Grunde verzichten wir auf die G e>, e r a l k o m m u n i o n mit der Ueberzeugung, datz jede eventuelle Vernachlässigung der religiösen Pflichten der Mitglieder nur Sie bei Gott zu verant- worlcn haben." Man mutz sagen, datz dieser Brief o» Deutlichkeit und hohe- r sich er Derbheit nicht« zu wünschen übrig lätzt. Erwähnt mag noch werden, datz der Kurat über den, Eifer, für den Verband der katho- l, scheu Arbeitervereine zu wirken, seine amtlichen Pflichten als Geist- sicher den Mitgliedern des Vereins.Stamm" gegenüber vergessen hat Er verweigerte dem Berein sämtliche kirchlichen Berrichlungen, und als ein Mitglied gestorben tvar und der Verein das übliche Seelenamt lesen lassen wollte, wurde er mit den Worten abgewiesen: .Auf den Nomen dieses Vereins lese ich kein heiliges Amt, überhaupt dürfen Sie mit Ihren Vereinsangelegenheiten meinen Pfarrhof nicht mehr betreten" Die gutkatholischen Gelben und der christkatholische Kurat sind einander wert. Die ÄlabUn in Bulgarien. Tefia, 9. Dezember.(Privattelegramm des.Vor- wärts".) Der Wahlausfall bedeutet einen glänzenden Sieg der Sozurldcmoftatir. Die Fraktion der Weitherzigen hat 29 Mandats die der Engherzigen 16 Sitze erhalten. Die Regierung hat eine Niederlage erlitten und verfügt kaum über die absolute Majorität. Die russophilen Parteien Teschows und Danews sind fast weggefegt worden. D a n e w selbst soll gewählt sein, seine Partei hat aber kein einziges Mandat erhalten. Die D e ,n o k r a t e n haben etwa 19, die Agrarier gegen 29 Sitze erobert._ Das Mniltermm Doutncrgue. Paris, 9. Dezember. Die neuen Minister sind gestern zu einer Beratung zusammengetreten, in der das zukünftige Programm der Regierung erörtert wurde. Das Kabinett wird dem Parlament erklären, datz es das Werk der Versöhnung der republikanischen Parteien durchführen, sich dabei aber ausschlietzlich auf Elemente de r Linken stützen wolle. In der Regierungserklärung sollen ins- besondere vier Punkte berücksichtigt werden: die Laienschule, die Wahlreform, die Finanzfrage und das Drei- j a h r s g e s e tz. Das Kabinett werdg nackdrücklich den Willen zu erkennen geben, datz es die Laienschule verteidigen wolle. Es werde mit der Scnatskommission zusammen an der Wahl- reform arbeiten, um einen Ausgleich zwischen beiden Häusern des Parlaments herbeizuführen. Dabei dürfe aber nicht verhehlt werde, datz es schwierig erscheine, in der kurzen Zeit bis zu den Wahlen zum Ziele zu kommen. Das Land selbst also werde Gelegenheit haben, sich zu der Angelegenheit zu äußern. Die Lösung der finanziellen Frage werde Caillaux überlassen werden. Es heitzt, Caillaux halte es nicht für notwendig, die Anleihe sofort aufzunehmen. Er wolle dem Erbschafts st eucrent Wurf noch einen Vorschlag über die Besteuerung des Kapitals hinzufügen, um die Ausgaben für das Heer decken zu können. Die Regierung wolle die Hauptpunkte des von der Kammer angenommenen Einkommensteuergesetzes im Senat verteidigen. Sie sei entschlossen, das Dreijahrsgesetz zum Besten der nationalen Verteidigung anzuwenden, werde es aber nicht als unabänderlich ansehen und die Hoffnung zum Ausdruck bringen, datz der Lauf der Ereignisse schließlich ge- statten werde, dem Gesetz die notwendige Milderung Wider- fahren zu lassen. Pretzstimmcn. Paris, 9. Tczember. Noch selten ist ein neues Ministerium von der gegnerischen Presse in so heftiger Weise angegriffen worden, wie das Kabinett Doumergue. So schreibt der„F i ß a r o": Wir können an dieses Ministerium, dessen blotze Ankündigung alle Welt beunruhigt hat, gar nicht glauben, solange wir nicht die Ernennung in dem Amtsblattc gelesen haben. So müssen wir denn auch erklären, datz ein solches Kabinett unmöglich, durchaus nicht lebensfähig und gar nicht vorhanden ist. Wenn dieses Ministerium keine Fabel ist, dann bildet es jedenfalls eine Herausforderung. Bewahren wir deshalb noch einen schwachen Hoffnungsschimmer. Die radikalen Blätter sprechen ihre Befriedigung darüber aus, daß es gelungen sei, ein Ministerium von so entschieden linksrepublikanischer Richtung zu bilden, verhehlen sich jedoch nicht, datz ihm Schwierigkeiten bevorstehen. I a u r e s schreibt in der«H u m a n i t e': Das neue Ministerium möge ohne Umschweife ankündigen, datz es die Steuerreformen dem Finanzgesetze für 1911 einverleiben wird, datz das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit für Frankreich nur eine ganz vor übergehende Schutzmatz nahm« bildet und datz cS dos Programm des Kongresses in Pau in teiner Hinsicht verleugnen wolle. Dann wird es leben und den Wutausbrüchen der Rück- schtittlichen Trotz bieten können. Clcmenceau meint in dem Blatte„L'Homme Liore": Der gewaltige Zorn der Gcmätzigten Republikaner mutz als ein Zeichen angesehen werden, datz die Republik einen guten Weg einge- schlagen hat. Englisches Misitraucu gegen das neue Kabinett. London, 9. Dezember. Das neue französische Kabinett wird von der konservativen englischen Presse mit unzweideutigem Mitz- trauen betrachtet. Unmittelbare Befürchtungen für die F e st i g- keit der Entente bestehen wohl nicht, aber in der Hauptsache wohl deshalb, weil man hofft, datz die Kombination DoumergucS fallen werde, ehe sie schaden kann. kUfßland. Der Beilis- Prozeß. Gestern ist die zweiwöchige Frist seit Verkündung des Urteils im Ritual in ordprozetz abgelaufen. Weder Anklagcbebörds noch Verteidigung haben Berufung eingelegt, und das Urteil tritt heute endgültig in Rechtskraft. Hus der parteu Ausgewiesen. Die deutsche Austveisuilgsschmach hat wieder ein Opfer ge- fordert. Diesmal ist es die s ä ch s i s ch e Regierung, die rücksichtslos die Existenz eines Menschen vernichtet, der seiner politischen Ueber- zeugung gemätz lebte und handelte. DaS Opfer königlich sächsischer VerfolgungSwut ist der 27jährige Schneidermeister Turra in Weida bei Riesa, der in Sachsen geboren ist. Aber sein Bater war österreicbischer Staatsangehöriger, der ungefähr 49 Jahre in Deutichland gelebt und sich in Sachsen verheiratet hatte. Genosse Turra war schon als junger Mensch in der Arbeiter- betvegung in der Schweiz und an verschiedenen Orten Deutschlands tälig. In den letzten Jahren hatte er sich in seiner Heimat selb« ständig gemacht. Er trat bei den letzten ReichStagSwahlen als Referent für die Partei ein, leitete die Frauen-DiSkutierabende und wurde schlietzlich Leiter der Jugendbewegung in Riesa. DaS erregte den Zorn der sächsischen Regierung, man besann sich, datz der in Sachsen geborene Turra nach dein Buchstaben des Gesetzes Aus- länder sei und verfügte die Ausweisung über ihn. Alle Reklamationen halfen ihm nichts; er erreichte nur, datz die AuSweisungsfrist auf den 31. Dezember verlängert wurde. Genofle Turra mutz also sein gutgehendes Geschäft aufgeben un? ins Elend wandern, und mit ihm seine alte Mutler, die er bei sich ausgenommen halte. Parteilitcratur. Stenographisches Protokoll der dcutsch-ftanzösische» Perstä»digungs- kouscrenz. Abgehalten am Psingstsonnlag. den 11. Mai 1913, zu Bern. Herausgegeben vom Organisationskomitee. Preis 25 Ps. Zu beziehen durch alle Parteibuchhandlungen. poli-eilicbes» OemvUicKes ulw. Preußische Prenfrejheft. Der. verantwortliche Redakteur der„S ch l e S w i g- H o I jl c i- Nischen V o I i sz e i t u n g" in Kiel, Genosse König, soll 59 Mark Strafe zahlen, weil in der„PolkSzeitung" ein Tischlermeister. der auf Menschen geschossen hatte, als.Revolverheld" bezeichnet worden war. In der Begrünung des. schöffengerichtlichen Urteils wird gesagt, datz ein allgemeines Recht für die Presse, Mißstände zu kritisieren, nicht bestehe, auch wenn die Gründe noch so laute: sind und die Mißstände in der geschilderten Weise bestehen. Des- halb finde der§ 193 keine Anwendung. Der Ausdruck„Revolver- Held" sei ein«chimpswort und eine Beleidigung. Mildernd käme für König jedoch in Betracht, datz erwiesenermaßen der Tischler- meister blindlings an einem Sonntagvormittag draufloSgeschosscn und Menschen gefährdet hat. Dazu war er nicht berechtigt, Em Industrie und Kandel. Vom Eisenmarkt. Ein Situationsbcrickt der„Rbein.-Wests. Ztg." über den Sicgcrländer Eisenmarkt ist geeignet�die optimiiftschen Hoffnungen zu zerstreuen, die von interessierter/z Uhr vonderLeichen- halle in Friedrichsjclde aus. Statt besonderer Keldung! Nach kurzem Krankenlager ver- schied am Montag, vormittags 1l*/z Uhr, unser innig stgclicbter einziger Sohn, der Schlächter kriti Stöber im 25. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbet übt an FTjp. Stöber und Frau. � Berlin, Boxhagen-Rummelsburg, Am Wismarplatz 3(Geschäft), 8. Dezember 1913. Die Becrdigmtg findet am Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- hause, Iungstr. 5, aus nach dem Friedhos in der Bornitzstrasse statt. ZentraheFliaiiil öer Fleiseiier. Ortsverwaltung Berlin. Am 8. Dezember starb unser Mitglied 295/18 friedrieb Sföber. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den II. Dezember, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- hause, Jungstr. 5, aus statt. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege CSBv Konrad verstorben ist. Ehre seinem Aubeuken! Die Ortsverwaltung. I Am Montag. 8. Dezember, verstarb unser lieber Lhes Friedrich Stöber, Lichtenberg. Fungstrasse 5, im Alter von 24 Jahren. g5a Die Angestellten. I ZentraiveM derSeiiitaeberi Deutseblaniis. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege Gustav Stolzenwald Barnimstr. 14, gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10 Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Zcntral-Friedhojes in Friedrichsjclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 170/1 Der Aorstand. lie»l8cdeF>i!etallaMeF-Vei>W Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mitglied, der Zuleger Zrnst kür�e! Neukölln, Berliner«trasse�l, am 6. Dezember an Halsleidcn ge- slorbcu ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. Dezember, nach- mittags 3'/f Uhr, von der Leichen- balle deS Gemeindc-FriedhoscS in Neulölln, Maricndorjcr Weg, aus statt._ Ferner starb unser Mitglied. der Schlosser Gustav Riegner Steglitz, Lauenburger Straße 22, am 7. Dezember an Lungenleiden. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des'Gemeinde- Fried- hoscs in Steglitz, Bergstrasse, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 131/6 Die Ortsverwaltung. Am 7. Dezember starb im Urban- Krankenhaus der Schneider Friedrich Bosse Kurze Strasse 8. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerStagnachmitlag 4 Uhr von der Halle des Zenlralsriedhoics in Friedrichsseide auS statt., Um rege Beteiligung ferner Freunde und Bekannten ersucht Wilhelm Schlaechter 239D Danzigcr Str. 46. Deutscher Textilarheiternrhand, Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass der Kollege Eiridi Brödler am 7. Dezemder gestorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittags 2>/,Uhr. von der Halle des städtischen BcgräbniSplatzes i» der Müllerstrassc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 191/1 Die Ortsverwaltung. Nach kurzem, schwerem Leiden starb am 8. Dezember, nachm. 3 Uhr, unser lieber Sohn und Bruder Paul. Dies zeigt ticjbettübt an Paul Schläskc u. Frau Berta geb. Hinz nebst Tochter. Die Beerdigung findet am 11. Dczbr., nachm. 2 Uhr, vom Trauerhausc, Schönhauser Allee, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher TcUnahmc bei demHinscheiden meines geliebten Älannes, unseres guten Baters sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren herzlichen Dank. Frsu Hedwig Weher 68A nebst Kinder». Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau 111A Ida Keich sage ich allen Freunden, Verwandten und Bekannten, sowie den Kollegen der Pianosabrik CS. Cito, dem Gesangverein.Vorwärts- Südost" und dem Wahlverein Neulölln meinen herz- iichsten Dank. Der trauernde Gatte Ban« Beleb. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme Lei demHinscheiden meines lieben Mannes sage ich allen Bc- teiligten, insbesondere dem Verband der Freien Gast- und Schaniwirte Berlins, von Panlotv-Tchönhausen, den Kollegen des Transport kontor (Anhalter Bahn) meinen herzlichen Dank. 243b Wwe. Martha Luckow und Sohn. Mohren$ti:5?ä Kolonnaden. Qr franKfurteritr 113 Trauer- Magazin Kleider, Hüte efc jr- Äußerste Preise-«* farbige Konfektion in größtem Moßitabe zu blt iigsren -Preisen— Westmann «ST - RaB k JSESä« felz- warett Fabrik und Lager von Stolas, Krawatten, Pelzbütcn, Pelzjacken, Moffen, Pelzen, Kindergarnituren nsw. 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Bezirk CiroB- Berlin Bureau C. 85, Jlünzstr. SO 11 Tonnerstag, den 11. Dezember 1913, abends 8V3 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenftrahe 58/59 Mglleder- Versammlung Tagesordnung: I. Beratung des neuen (Dctsfliitiit für den Öcntk Griß-Kerlin. 2. Bericht der Kaufmannsgerichtsdeifitzer. 3. Verschiedenes. ;== Mitgliedsbuch legitimiert. 295/16 Wegen der überaus wichtigen Tagesordnung bttten wir um zahlreichen und pünktlichen Besuch. Die Ortsverwaltung. Morgen, Donnerstag, 1 1. d. M., abends 8V3 Uhr, in Kellers Festsälen(Jnh. Obigl«) Koppenstr. 29: Gr. Protestversammlung. Tagesordnung: �jakmi. Referent: Karl Schnei dt 295/19 Herausgeber der„Tribüne'*. Kekanntmachmig betreffend die Wahleu der Nertreter und Ersatzmänner;nm Ausschuß der Ortskrankendaffe für das Maurergmerbe zu Berlin. Gemäss§ 9 der Wahlordnung den ?eben wir , dass von Seiten beteiligten Arbeit- W��WWWWWWWWWW�WW�I Arbeilgeber und der Versicherlen nur je ein Wahlvorschlag mit der höchst zulässigen Vertreterzahl eingegangen ist. Die Wahlvorschläge werden den Beteiligten bis zum 15. Dezember er. aus Wunsch im Kassenlokal Berlin C 54, Sophienstrasse 6, werktäglich von 9—1 Uhr, zur Einsicht vorgelegt. Da nur je ein Wahlvorichlag eingegangen ist, so gelten die Borge- schlagenen nach tz 10 der Wahlordnung als gewählt. ES braucht demnach am 21. bezw. 22. Dezember er. weder von den Arbeitgebern noch von den Versicherten gewählt zu werden. Anfechtungen gegen die Eültt gleit der Wahl find bis zum 23. De- zemder er. bei dein unterzeichneten Borstand oder beim Versicherungsamt der Stadt Berlin, Abteilung für Kraulen- und llnsallversichcrung, an- zubringen. 240b Berlin, den 8. Dezember 1913. Der Borstand der O rtskrankenkafse des Maurergewerbes zu Berlin A. Daebne€.. l.eiiiptulil Vorsitzender.___ Schriftsührer. piedp. Stabenow Berliner str. 146... T I llanhuPb lisrerant 3 F 1 0'' w � der Konsumgenossenschaft Reparaluren preisw, u gut. Berlin u. Umgegend Möbel- Ausstellung AussteUung von neuzeitlichen Ein- und Zwoizimmer-Einrich- tungeni. schlichter gediegener Geschmacksrichtung unter Berücksichtigung derBestrebun- gen der Kommission für vor- bildl Arbeiterwohnungen in Höffner's Möbel-Engrostiaus Berlin N. 201.' Veteranenstr.il, 12, 13. - Besichtigung frei.■ Abgabe der kompl. Einrichtungen sowie einzelner Stücke zu ganz mäßigen Preisen. Haben Sie fetoff9 /ch fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerk Zutaten von 25 Mark an. Moritz Labartd. Neue Promenade 8, U.(Stadtb. Bors.) J j ?) V Allgemeine Orts- Krankenkasse sür die oertilllgteuGemerbebttnede Eharlotttnburgs. Die Wabl zum Kaffenvorstande, die am 11. d. Mts. stattfinden sollte, fittdct nicht statt. Soivohl Arbeit- nchmer als auch Arbeitgeber haben je nur eine Wablvorschlagsliste ein» gereicht. Beide Listen sind zugelassen. somit bedarf es einer weiteren Wabl nicht. 301/7 Charloltenburg, den 8. Dezember 1913. Ter Kaffenvorstand. Brauerei sucht Restauration zu mieten, selbige beleiht auch Restaurationen:c. gegen Abnahme von Bier. Offerten unter Ii. f. 7431 an Haasenstein& Vogler, A.-G., Berlin W. 8. 234/1* Bad„Süd-Ost<* 40 Manleuffelstr. 40 a d. Oranienstr. SPflT" Alle Arten Bäder. Täglich: Russisch- römische und elektrische Bäder sür Damen und Herren. Lieferant sämll. Kranken- lassen sür Berlin und Vororte. 9 g».-Berlci h-J n sti t« t m Borod aedt, Friedrichft.l 15, H�-�Oranb.Tor. Tel. Nrd. 10854. verl. Fiack-, Smoking-, Gehrockanzüge in verschied. Preislag. bis z. eleganteft. Genre. Sehr grosse Zlusw. Mass. Preise. Herren-Moden fertig und nach Maß, wirklich vorzügliche Ausführung. Großes Stofflager. Monatszahluug 10 M. Ooldsteiu Yopckwtr. 51, Nähe BülowstraBe. 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Sonst sind'vir nicht in der Lage, die Wünsche und An- forderungcn unserer arbeitslosen Genossen rechtzeitig und ordentlich erledigen zu können. � ■Die Veröffentlichung über die Eingänge lvcrdcn von jetzt an täglich im„Vorwärts" erfolgen. Es gingen bisher ein: „Vorwärts" IQ COO,—. Gewcrlichaftskommijjion.Berlins und Um» hegend ÜOOOO,—. Sozialdemokratische Partei Groß-Berlius 20 OVO,—. Verband der Metallarbeiter, Zahlstelle Berlin 10 000,—. Konsumgenossenschaft Berlins und Umgegend 5000,—. Verband der Gemeinde- und Staats- «ubeiler, Verwaltung Berlin 5000,—. Verband der Schneider, Filiale Berlin 300O,—. Verband der Fabrikarbeiter, Verwaltung Grog-Berlin 1500,—. Verband der Transoorlarbeiter, Bezirk Grog-Berlin 3000,—. Liste 4001, Angestellte des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schristgieger� 27,50. Wäscherei Cohn u. Ellenburg 2,30. Verbano der Salilcr und Portcscuiller, LrtSverwaltuug Berlin »uS der Lokalkassc 500,—. Schneiderei- Gcnosscnichajt.Hoffnung" 225,—. Verband der Steinsetzer,? an, bezirk Gros;- Berlin 1000,—. Liste 1218 Druckerei Maurer u. Dimmick 35,—. Möbelsabnt„Union" 18,50. Sechser- ikassc Tischlerei Borrmann 10,—. Liste 3 Zentralkommission d, Krankenkassen 32.50. Firma Schul,;c u Hahn 20,—. Bildhaueralclicr Roch u. Fcuerbabn 39,—. Teppichhaus(Sg. Lange, Chauiscestrasze 10,—. Prahl, Charloltcnburg 10,— Sechserkastc Tischlerei Galle 5,—. Liese T. Lola??., Helene H. 5,—. Hospital Buch. Haus 5 5,—. Verband der Maschinisten u. Heizer, Zahlstelle Berlin 1000,—. Konsektions-Tagschneider bei Pect u. Cloppenburg 50,—. Transportarbeiter bei Schubert 10,-. Personal bei F. Fischer 11,50, �rebvcngelandersabrik Bogt u. Söhne 15,—. Bogenlamvensabrik St. Wcinert 10,—. Polierer bei Nürnberg 8,—..Solidarität", LrtSgrupvc Neukölln 10,—. Bureau der H-ewerkschaftskommission 30,—. Deutsche Syphon-Fabrik 12,—. Redaktion.Vorwärts" und„Nene Welt" 200,—. Alle Angestellten der Buchhuildlung Vorwärts 200,—. Werkstattsitzung Gründer u. Schön 15,—. � Taichcnwcrkstatt F. Demut fi 5,—. Schinold 7,—. Moritz Pfeil, Friedenau 6,—. F. Bergemann, Hohen- stau,cnstra«e 18 3.10, Slrbciter- Radfahrer- Bund„Solidarität". Gau 9, Bezirk 21, Rieder-Barnim 50,—. Margarete Neumann 20,—. Emma Kuhlmaun 10,—. Tischlerei Saucrwcin 25,—. Sammelliste der Firma G. u. H. Schütze 23,—. Fn Summa 101 305,10 M. Die Listen sind dort abzurechnen, wo sie entiiommen sind., Sonstige Beiträge sind zu richten an Alwin Körst eil, Engel- itfet 15 und Emil Bocskc, Lindenstr. 2 I. Mit Parteigrust Verband der sozialdcmokratischeu Wahlvcrcine Berlins u. Umg. I. Ä.: Engen Ernst. Gewerkschasts/ommisfion Berlins und Umgegend. A.; Alwin Äorstcii. Gewerhrcbaftllches. Der abgeblitzte DanfabuncL Ter Hansabund hat sich durch seine Stellungnahinc für den„Arbeitswilligenschutz" die Sympathie derjenigeil Wirt- schaftlichen Organisationen verscherzt, deren Mitglieder politisch dein Programm des Hansabundes zuneigen, die abei> wegen ihrer Bernfstätigkeit auch eine gewisse organisatorische Ellbogen- frcihmt nicht zu entbehren vermögen.<20 unterbreitete auch die Soziale Kommission des Werkmeistcr-Verbandes den Be- zirksvcreincn die nachfolgende Resolutioil zur Annahme t Daö fortgesetzte Verlangen nach einem verschärften gesetzlichen RrbeitSwilligenschutz. hinter dem sich die Beschränkung des Koa- lirionSrechiS verbirgt, hat eine erhebliche Stärkung erfahren durch den Beschluß des JndustrieraleS des.HansabundeS", an Reichstag und Regierung da« Verlangen zu stellen, für Sicherung der —» ���ueculichkeit und Sicherheil des Verkehrs z» sorgen und kleines feuilieton Abwärts zum Kin». Die Stadt GIciwitz bot ihr Siadtthcatcr zu vörliarcu. Ter Dirckwr. der im Packttxrhältnis zur Viktoria- gcsell'chan, der Besttzerin de? Theaters, steht, bat erklärt, daß er nicht imstande sei, die hohe Pachtsumme anfztibringen. Tie Viktoria- gcsclkschaft droht, ans dem Theater ein Kino zu machen. Sie drobt. Entweder der Direktor bezahlt die hohe Pachtsumme, vdcr aus den Breuer», die die Welt bedeuten, wird eine Flimmer- liste. Tie Filmfritzen sind bereit, der Viktoria die höchste Pacht iunir.ic zu bezahlen. Sic wollen das Theater haben, und Geld spielt� bei ihnen leine Rolle.. Sic Ixibcil Geld wie Mist, und so wirb man dem Glciwitzcr Theater den roten Hahn iPates Fabrikmarkcl aufs Dach fetzen. Tiefer Theaterschreck ist ein Bauernfänger� Ein„Programm", das l'cnte am Kursuritcndamm die obersten Schichten der lücfeUfclmft aufwühlt, wird acht Wochen später in einem Neuköllner Sechser- lrcntapp zünden. � Tie Filmindustrie mästet sich an dem«cnsationshuitgcr des Publikums. Sie beackert erfolgreich einen Sumpf, sie ist das große Arrlicht, sjx schiz� sjzz g��ne Brücken über die Klüfte, die in dem Geistesleben eines kapilalistischen Zeitalters klaffen. Sic defloriert die reine Kunst— und erntet die größten Erfolge, stc macht vor Iclnem Heiligtum halt— und feiert Siege auf der ganzen Linie. Hebbels„Mario Magdalena" wird auch verfilmt. An der Bugerm wird gesündigt. Auf der Suche nach einem großen Treffer siel das Los auf Hebbel. Man wird das Trauerspiel zu cinein Sensationsichlagcr zu- sammcnpreiicn, Effekte Werden knallen, man wird das Gerippe des Tranias ausichlackten, und es wird ein Fraß fein, der die Ein- geweidc der Gquiideu zum Herauswürgcn reizt. Tas Eichen des Radiums. Die„�»tcrnatioiiale Radium- Etandard-Kommissioii, die IM März des vorige» Fahrcs tagte, hat als Einheit für Radium ein Präparat von 2l,Sll Milligramm reinen Radiumchlorids angeno nmen, das grau Curie hcegeilellt Halle. Aiff Grund dieses Aornialmahes wird jetzt in Deutschland Radium gc- licht, und zwar durch 01c Phyiikalisch-lechnische Rcichsanstalt, in deren Besitze ein sogenannter..sekundärer Standard" ist, der auf einer Stufe mit dem Rormalmctcr und den übrigen Normalmaßcn dieser Anstalt steht, die den in Paris aufbewahrten Urbildern gleich- fertig sind. Wie Radium— und ebenso Mesothorium— von der Pnhstkaiisch-tcchnischcn Reichsanstait geeicht wird, idli nun deren -etter, Professor Warburg, in der Zeitschrift„Radium in Biologie und Heilkunde" mil.' -• Maßstab für btc Slärkc des Radiumpraparatcs werden die oura,vr,ngendcn Gainma-Strablcn verwendet, die von den Zcr- ßatlöprodukten ausgeben. Tie Eichung kann aber erst vorgenommen werde» wen» das zu prüfende Praparat sechs Wochen lang in einem dünnwandigen Glasgefäße aufbewahrt worden ist, weil die dahin zu wirken, daß die polizeilichen Exekutivbeamten nicht nur über�das Recht, sondern auch über die Pflicht zum Einschreite» bei Streikexzesscu belehrt werden und damit cine Beschleunigung des Strafverfahrens und die Verminderung von Förmlichleitcir zu verbinden. Weiter die Einführung der Hastpflicht nach§ 31 des Bürgerlichen Gesetzbuchs mich für die Gewerkschaften und Berufs- vereine zu fordern und endlich die Verschärfung der Strafen für den Tatbestand der 240, 241 des Strafgesetzbuches zu erstreben. Ter Haiisabund, der zwar keine politische Partei sein will, aber doch mit aller Krast dahin wirken will, daß Deutschlands Gewerbe, Handel und Industrie, die ihnen auf Grund ihrer Wirt- schaftlichen Bedeutung zukommende Gleichberechtigung in der Gesetzung, Verwaltung und Leitung des Staates nicht nur theo- rctisch, sondern auch praktisch eingeräumt und der gewerblichen Arbeit, ihren Vertretern und Angestellten eine bessere Würdigung im Staatsleben zuteil werde, hat damit seine Richtlinien ganz ge- wallig durchbrochen. Wenn der Hansabund in der Durchführung seiner Grundsätze die Vermittelung in einzelnen konkreten Slrcilfragen überirehinen will, wenn dies von beiden Seilen gewünscht wird, im übrigen aber sich in sozialpolitischen Fragen unter Jnnehaltung strengster Neutralität sich dort jeder Tätigkeit entHallen will, wo die Ver- trctung entgegengesetzter Interessen Sache der für diese Aufgaben bestehenden Sonderverbände sein muß. so beweist sein jetziges Verhalten, daß er nur einseitigen Interessen und zwar Arbeit- geberintercssen dienen will. Visher bestand noch Hoffnung, daß das Direktorium des Hansa- bnndes den Beschluß des Jndnstrierates zurückweisen werde, aber in seiner Sitzung vom 24. November hat sich dieses den Forde- ruiigen gegenüber nicht ablehneiid verhalten, sondern ist geneigt, ihnen zuzustimmen, sobald erst über die Fassung der verschärften Bestimmungen zum Schutze Arbeitswilliger cine Einigung erzielt worden ist. Der Deutsche Werkmeisicrverband fordert in seinem sozialen Programm die gesetzliche Sicherung des Koalilionsrechts. Die Frei- heit des Zusammenschlusies der Berufsgeliosicit zur Verfolgung gemeinsamer Ziele ist die Grundlage aller-standeSarbcit. Des- wegen muß das Recht der Organisation unbedingt gesichert und jeder Angriff aus die Verbandsfreiheit abgewehrt werden. Da der Hansabund Angestellte zu seinen Mitgliedern zählt, kann cS für diese keinen anderen Weg geben als auszuscheiden, wenn sie sich an dem Verhalten des Hansabundes nicht mitschuldig machen ivollen. Die Werkmeisterbezirksvereine Berlins und Umgebung erheben diese Pflicht, als Mitglieder einer Angesielltenorganisation. zur Ehrenpflicht und erwarten von ihren Mitgliedern, die Mitglieder des Haniabundes sind, daß sie als Protest gegen die beabsichtigte Beschränkung der Koalitionsfreiheit unverzüglich auS dem Hansabunde ausscheiden. Der Hansabund versuchte noch in letzter Stunde, die Stimmung in den Wcrkmcister-Bezirksvereinen zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Ein Telegramm der Zentrale des Hansabundcs au den Porsitzcndcu des Deutschen Werkmeister- Perbandcs sollte dahin wirken, daß die Vereine von der Bc schlußfassung Abstand nehmen, bis„aufklarendes Material" vom Hansabundc an dic'Bezirksvcreine des Deutschen Werk- meister-Verbandes gelangt sei. Es war aber nicht möglich, durch solche Maßnahmen einen Umschwung in der Stimmung in den Vereinen Herbeizuführen. Zu allen Werkmeister-Vereinen wurde die Resolution f a st c i n st i m m i g angenommen! Auch eine kombinierte Vor- standssitzung des Wcrknieister-Verbandes, die am Sonntag tagte, hat die Resolution einstimmig angenommen. Damit hat sich der Hansabund cine arge Zlbfuhr geholt. Verlin und Qmgegcncl. Tie gewerkschaftliche Slrbeiteflosenfürsorgc. Tie Bczirksvcrivaltung Groß-Berlin des deutschen Transport- arbcilervcrbandcs hat aus Beschluß der örtlichen Generalvcrsamm- lung vom 10. November d. I. bezüglich der Gewährung ciiier Extra- arbeitsloscnzuschuß-Anterstützung ihrer durch lange Arbeitslosigkeit in Not gcrateucn Mitglieder beschlossen, eine Extrazuschutz-llntcr- stützung auf folgender Grundlage zur Auszahlung zu bringen: Alle n n t c r st ü tz n n g s b e r c ch t 1 g t c n u n d z u r z c i t a us- g c st c il e r t c ll Mitglieder, die noch weiter a r b e i t s- l 0 s sind, erhalten während der Zeit vom l. T c- Strahlung dann erst konstant geworden ist. Bei der eigentlichen Prüfung wird nun die Radiummenge nach dem„Siandard" bc- stimmt, und»ach einer Woche wird die Prüfung wiederholt, Ilm die Konstanz festzustellen, wobei man sich gewöhnlich mit einer Fehlergrenze von 1 Proz. begnügt. Auf dem Schein, der die stärke des Radiumpräparatcs angibt, steht jedoch der Vorbehalt, daß die Angabe nur dann richtig ist, wenn neben Radium nicht andere Stoffe vorhanden sind, die durch- dringende Strahlen aussende», linier diesen anderen Stoffen ist vorzüglich das Mesothorium zu verstehen. Wenn dieses gleichzeitig mit Radiuni vorchanden ist, uiinint die Strahlung nämlich all- mä blich zu, dies dauert zwei Monate lang, und dann nimmt sie an Stärke allrnädlich wieder ab. Für die Eichung von Mesothorium- Präparaten wird ein ähnliches Verfahren angewendet, und das Radium dient dabei als AcrglcichSwcrt. 'Auch radioaktive Oucllwasicr und Salze werden von der Potz- sikalisch-technffchni Rcichsanstalt geprüft. Als Maß dient dann das „Millicuric", ein Tausendstel der Emanation- menge, die sich mit einem Gramm Radium im radioaktiven Gleichgewicht befindet. Ter Methusalem der Dramatiker. Ter Aclteste der französischen Schrisfftcllcr, Ferdinand T u g u c. ist am Sonnabend im Alter von 98 Fahren in Paris gestorben. Man könnte sogar von seinem vor- zeitigen Tode sprechen, da der rüstige Greis von cincni Straßen- bahnwagen überfahren worden ist. Tugne hat seine Iugendvcrse noch zu Goethes Lebzeiten geschrieben. In seinen Ansängen stand er im Gefolge Victor Hugos in der Schlachtordnung der Roman- tikcr gegen die Klassiker. FndeS wandte er sich bald von der Lyrik dem einträglicheren Tbealergewerbe zu, wo er. nach Versuchen, sich auf den„literarischen" Bühnen festzusetzen, ein paar Jahrzehnte lang ein fleißiger und erfolgreicher Erzeuger von Baudcvillcs und romantischen Volksstücken war. Sein dramatisches Erstlingsivcrk wurde 1838 im„Odcon" anfgesührt, später arbeitete er namentlich für das„Ambign", die„Prrlc St. Martin" und andere Vorort- bühnen. Er bat nicht weniger als 200 Akte geschrieben, dazu Ro- manc, Erzählungen und ein paar Bersbände.'Seil 40 Jahren lebte er in Zuückgezogcnhcit. Humor und Satire. Abzug! Tritt ab, mein Sohn, du hast nichts mehr zu suchen im Äanzlerhans,— du hast dich arg blamiert! Wir wollen ichlietzlich keinen ReichSennnchen— wir wollen Männer, die man respektiert!— Nun seht den Armen, ausgerichtet steht er, so long wie schwach, und spricht sein Verschcn her— Kanzler des Reichs—! doch für den Hochverräter, mein Gott,— da langt es nun nicht mehr l Der jüngste Leutnant bat den Degen, der Kanzler hat den Aktcnband— Der Leutnant kanü dich in den Keller legen, der Kanzler steckt das Köpfchen in den Sand. zcmber 1913 bis 28. Februar 1914 eine Zuschuß- u n t e r st ü tz u n g auf die Dauer v 0 n 4 Wochen. Demnach gelangen an die einzelnen Arbeitslosen Summen von 24 bis 48 M., je nach der Dauer der Mitgliedschaft, zur Aus- Zahlung. Laut Beschluß der erweiterten� Bezirksverwaltung sind zu der seitens der Partei und Geivcrlschnfien geplanten Weihnachts- beschcrung für die organisierten Arbeitslosen und ihren Familien ans der Ortskasse 3000 M. bewilligt worden. Im übrigen sind im Kreise der in Arbeit befindlichen Mitglieder Sammellisten verteilt worden, um auch hier dafür zu sorgen, daß die arbeitslosen Mit- glicdcr des Transportarbeiterverbandes an der Teilnahme dieser Beschcrung berechtigt sind. Wir ersuchen alle diejenigen Mitglieder, die in der Zeit'vom 1. September vis 30. November d. I. arbeitslos tvaren, in den Arbeitsnachweisen sich umgehend zu melden, um die notwendigen Angaben nach der Richtung hin zu machen. Bei dieser Gelegenheit ersuchen wir unsere Funktionäre, die Sammellisten so bald als möglich abzurechnen, damit die crfordcr- lichen Tispositioneu rechtzeitig getroffcn werden können. Deutscher Transportarbeiterverbandt Bezirk Groß-Berlin. Fabrikarb eiterverbaud, Zahlstelle Grost-Bcrlin. Das Resultat der Urabstimmung für Erhöhung des Beitrages um 5 Ps. pro Woche z u g n n st e n der A r b e i t s l 0 s e n i st folgendes: Abgestimmt haben 2425 Mitglieder; für die Erhöhung haben gestimmt 1978, dagegen 425; ungültig waren 22 Stimmen. Brauerei- und Mühlenarbeiter. Die Ortsvcrwaltung Berlin des Verbandes der Brauerei- und Mühlenarbeiter hat anS Mitteln der Lokalkasse zu der von der Berliner Gewerlichaflslommission veranstalteten Sammlung einer Weihnachtsspende für die Arbeitslosen der Gewerkschaftskommissioil den Betrag von 1500 M. überwiese». Gleichzeitig wurde be- schlössen, die von der Gewerkschafiskommiijion ausgegebenen Sammellisten in Umlauf zu setzen. Die Angestellten der Orts- Verwaltung haben sich sämtlich bereit erklärt,. zugunsten der Weihnachtsspendc einen Tagesarbeitsverdienst als Beitrag zu leisten. Neben dieser allgemeinen Weihilachtsspende gewährt die Ver- waltungSstcUe Berlin des Verbandes der Brauerei- und Mühlen- arbeiter ihren arbeitslosen Mitgliedern»vie in früheren Jahren so auch iit diesem Jahre eine Weihnachtsunterstützung. die laut Generalveriannitlniigsbeschlnß nach folgenden Sätzsir gezahlt wird Mitglied seit 1. Juli 1913 und arbeitslos seit 15. Dezember 1913........ 3 M. Mitglied seit l. Januar 1913 und arbeitslos seit 15. Dezember 1913...... 6 M. Mitglied seit 1. Januar 1913 und arbeitslos seil 30. November 1913...... 9 M. Mitglied seit 1. Januar 1913 und arbeitslos seit 15. November 1913...... 12 M. Die dauernd invaliden Mitglieder werden nach den obigen Sätzen unterstützt. Für Kinder unter 14 Jahren, zu deren Unterhalt das arbeitslose oder invalide Mitglied beiträgt, werden pro Kind 2 M. gezahlt. Die Mittel für diese Weihnachtsunterstütziing werden durch frei« willige Beiträge der Mitglieder auf Sammellisten aufgebracht bezw. die noch fehlende Summe der Lokalkasie entnommen. Die organi- sierten Braucreiarbciter haben allezeit ihre vornehmste Pflicht darin gesehen, arbeitsloseii Brüdern ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Die unterzeichnete Ortsverwallnng glaubt darum auch dieses Mal nicht sehlzugehen, wenn sie an alle in Arbeit stehenden Arbeils- kollegen die dringende Bitte richtet, sich zugunsten der arbeitslose» Geweikschastsgenossen und deren Familien nach Kräften an dieser Sammlung zu beteiligen. Kollegen! Haltet Eure altbewährte Solidarität hoch! Die Orlsverwaliung Berlin des Verbandes der Brauerei- und Mühlenarbeiter. I. A.: L u d w i g H 0 d a p p. Zur Wcihnachtslintcrstüvung der Arbeitslose» nahm am Montag eine Versammlung des Verbandes der Tapezierer Stellung. Mit Rücksicht darauf, daß gegenwärtig ein sehr großer Teil der Mit- glicdcr arbeitslos ist, wurde beschlossen, von einer Verbreitung der Sainmellisten seitens dcS Verbandes abzusehen und dafür 1000 M. ans der Lokalkasie zu der von der Gewerksckiaftskommission und der Parteileitung beranstalteten Weihnachtsunterstützung der Arbeitslosen zu zahlen._ Schieb ab, schieb ab, du sollst dich nicht mehr quälen— Man sagt mir doch, du seist Major? und laiiiist dem jüngsteil Leiltnaiit nichts befehlen?— Schieb ab, schieb ab! Und laß Pen andern vor!— __ Theobald. Notizen. — Nachricht von S t e f s a u s s 0 n. Die kanadische Re- gierung hat jetzt endlich von der arktischen Expedition Steffansson Nachricht erhalten. Stesiansion hat ihr von Point Barrow in Alaska mitgeteilt, daß er, als sein Schiff„Äarlnk" am 12. August etwa 15 Meilen vom Slrandc einfror, mit einigen Bc- gleitern an Land ging. Im Nebel und Sturm sei er schließlich von der„Karlul" abgelotinnen. Au der Stelle, wo er das Schiff ver- lasieii habe, sei dieses nicht mehr vorgeftnideii worden und äugen» blicklich fehle jede Spur von ihm und seiner 25 Mann starken Be« satzung. — Die Frau als Architekt. An der technischen Hoch« schule zu Karlsruhe hat in der Abteilung Architektur zum ersten Male eine Dame, Thekla Schild, die Diplomprüfimg mit AuSzeich- nimg bestanden. — Ein Ende der Radi um not? Eine leider wenig genaue Mitteilung der Londoiicr Wochenschrift„English Mechanic" behauptet, daß ein Naturforscher Professor Sommer Mittel gefunden Habe, das Radium auch au-5 ärmeren Erzen auf einem nicht zu kost- spieligen Wege zu gewinneil und so genügend große Mengen dar« zustellen, um den mächtig ailgewachseneti Bedarf zu bestiedigeli. Dies wäre in der Tat das einzige Mittel, uni genug Radium zu schaffen, da jetzt das Rohmaterial für Nadiumbercitung sehr zu mangeln begonnen hat, solange man sich aus die reicheren Erze beschränken muß. — Ein neuer Bruder der Erde. Der französische Astronom vom Pariser Observatorium. Giacobini, der bereits zwölf Kometen aufgefunden hat, entdeckte vor kurzem einen sehr schönen neuen Kometen, der im Gegensatz zu den meisten bisher bekannt gewordenen Wandersterneil im Somienihstem kreist und seinen Kreislauf um die Sonne regelmäßig in etwas mehr als sechs Jahren Vollender. — Billige Apfelsine». Die Apfelsinenernte ist in diesem Jaljcc ungewöhnlich ergiebig ausgefallen, nicht nur in Spanien und Poringal, sondern auch auf den Balearen und in Algier. Das be- weisen die großen Sendungen, die alltäglich in Marseille, dem Zentralhafen für den Apselsinenexport, eintreffen. — Die Flucht vor dem Händeschütteln. Die alte Sitte, die jedem Bürger der Vereinigten Staaten das Recht gab. am Neujahrsmorgen beim Präsidenten einzutreten und ihm die Hände zu schütteln, soll abgeschafft werden. Roosevelt und Tafr haben es noch fertig gebracht, den bandfefteii Gruß von 7000 Per- sonen entgegenzunehmen. Sie mutzten hinterdrein ein paar Tage lang zur Erholung den Arm in der Schlinge tragen. Aber Präsident Wilson will dies Bnrgervergnügen»ichl mehr mitmachen. Um leinen Landsleuten den eisernen Griff nach seiner Rechten und sich den Schmerz zu ersvaren. wird er am nächsten Neujahrstage, wie er kundgibt, seiner Hauptstadt Washington den Rücken kehren. Achtung, Dcstillutiousgthilfeu! Tie Differenzen mit Herrn Hermann Z ch u l z, Inhaber der Grokdcstillation B e u j s e l- n r a ß e 44. sind durch Vertragsabschluß beigelegt. Die sperre ist damir aufgehoben. Verband der GastwirtSgehilfeu. Ortsverivaltuiig Berlin. Die Geschäftsprattike» der Bctonbanfirma Czarnikow». i$o. In einer allgemeinen Mitgliederversammlung der Berliner Z i m m e r c r führte Witt über dieses Thema elwa aus: Die seit mehr als 20 Jahren bestehende Brma, die fast lonkurrcnzloS dasteht und dcehalb auf die ichtverstsn Zahlungsbedingungen einzugehen in der Lage ist, beliebt eine Lohnpolitik, die den schärfsten Widerspruch herausfordert. Bei den Arbeiten am Kvrnerpark in Neukölln wurden auch etwa S0 Zimmerer eingestellt, jedoch zu Eiuschalcrlvhnen. weil sie nur lrinschalarbciten zu machen hätten. Es stellte sich jedoch heraus, daß die verlangten Arbeiten derart konwliziert und durchaus nicht von regelrechten Zimmererarbeiten zu unterscheiden waren. Deshalb forderteu die Zinimerlcute auch Zinmtererlöhnc. Am 0. November kam eS zuni Konflikt. Der Bauführer lehnte eine höhere Bezahlung ab, weil sonst die Arbeiten zu teuer würden. Ver- Handlungen führten zu keinem Ziel. 30 Zimmcrleute traten in den streik ein. Jetzt drohte der Mitinhaber Becker, er werde die Lrgonifation auf Schadenersatz verklagen, wegen Tarifbruchö vor- gehen usw. Um jedoch ganz allgemein die Sache mit dem Verband der Baugeschäste ins sAare zu bringen, nahmen die Streikenden die Arbeit ivieder aus und cS wurde die Schlichtungskommission an- gerufen. Es zeigte sich aber, daß auch der Vertreter des Verbandes der Bangeschäste, B e I l e r b e ck. die sonderbare Auffassung vertrat, alle Arbeiten beim Betonbau seien Einschalarbeitcn. In der Schlichtungsloinmissioii forderten die Vertreter des Zentralverbandes der Zimmerer, daß die Zinna Ezarniko w u. E o. genau so Zümnercrlöhne zahlen müsse, wie alle übrigeit Ge- fchästc. Nach längerem Hin und Her tvurde den Vertretern der Arbeitnehmer die frage vorgelegt, ob die Zimmerer Zimmererlöhne fordern, gleichviel, welche Arbeit sie ausführen. Die Arbeitgeber verlangten Vertagung, um unter sich beraten zu können. Das Resultat war eine glatte Ablehnmig der Zimmererforderungem Leider war inzwischen die Arbeit soweit beendet, daß den Forderungen kein größerer Nachdruck verliehen werde» konnte. Er, Redner, schlage des- halb vor, diesen Einzelsall nicht iveiter zu verfolgen, aber im ge- gebcucn Augenblick die Frage erneut aufzugreifen. Dazu sei nötig. daß die Kollegen eifersüchtig über ihre Rechte wachen.— Die überaus zahlreichen Anwesenden gaben durch ihre lebhafte Zustimmung zu er- kennen, sie wollen in diesem Sinne tätig sein. H i n r i ch s e n wies dann mit warmen Worten auf die Samm- lung zugunsten einer Weihnachtsgabe an die Arbeitslosen hin. Zu Beginn der Versammlung hatte Genosse Dr. Rudolf Breit- scheid einen beisällig aufgenommenen Vortrag über;„Der Kampf um das Koalitionsrecht" gehallen. Oeutkebes lieicb. Werde» die Ruhrbergleute lebendig? Die neuesten Vorgänge im Ruhrkohlenbergöau tFeierfchichien, Lohnreduktioiien, Kündigungen) scheinen wieder ueueS Leben in die Reihen der Bergarbetier zu bringen, die infolge dcS verlorene» Streits zu einem erheblichen Teile gleichgültig geworden waren. Eine sehr gnc besuchte Bergarbeiterveriammlung. die am Sonntag in Essen srattfaud, stimmte dem Referenten, Genossen H u e, sehr leb» hast zu. als er zu schleunigem Aufraffen gegenüber der drohenden Gefahr weiterer Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse anfeuerte. Daß die Löhne während der Hochkvnjunktur gegenüber den riesigen Ilntenlehmergewinnen und der Lebensmittelverreuerung so stark im Hintertreffen geblieben und jetzt schon erheblich reduziert würden, obwohl die Profite noch auf alter Höhe ge- blieben, oder noch weiter steigen, sei die Folge des durch christlichen Streilbruch verlorenen Kampfes von 1012. Wenn die Christlichen meinen, daß jetzt die Zeit für einen Streik günstiger sei, so mögen sie nur handeln. Für den Verband könne er erklären, daß dieser keinen Streikbruch begehen werde, und auch die polnische BerujSvercimguug und die Hirsch- Dunckcrschea würden Solidarität üben. ES gelte aber, io schloß iednrr ieiuen Appell zum Masseneintritt in die Organisation, nicht »ur die Lohnfrag« und waS damit zusaimnenhängt, sondern auch die Verteidigung des �treikrochtS. gegen da! die Scharfmacher jetzt Sturm laufen.-- In der Disknision bestätigten mehrere Redner die Richtigkeit der von der Zecheiipresse in Abrede gestellten Nach- richten über Kündigungen. btsoiidecS aber über die teils pollzogenen oder für 1. Januar angekündigten starken Lohnkürzungen unter An- gaoe genauer Tatsachen. Die Stimmung war eine sehr gute. Husland. Tic Jyülijcu eines Tympathicstrcils. London, 7. Dezember. iE ig. Ber.) Ter Sympathiestreik aus der Großen Westdahn in SiidwaleS ist ebenso schnell zusammengebrochen, wie er entstand. Der wilde Streik brach im Znsammenhange mit dem Tubliner Kampfe mi-5. Ein Lokomotivführer weigerte sich, Dnbliuer Waren zu transportieren, und wurde desivegeu entlassen. Ein Kollege, der sich mit ihm sali- darisch erllärte, imirde gleichfalls enilassen. Darauf traten ihre Kollegen in Südwales in den Streik und verlangten ihre Wieder- cinstellung. Neben dieser Forderung wurde auch das Verlangen nach einem Achtstundentag laut. Bald fuhren aus den lokalen Strecken der Großen Westbahn in Südwalcs keine Züge mehr. Viele Kohlen- gruben mußte» die Förderung einstellen. Am Freitag befand sich das gesamte Lokomolivcrsonal der Bahn in SüdwalcS im AuS- stand; im ganzen feierten etiva 2000 Eisenbahner, was zur Folge tzatte, daß zwischeu 20 und 80 000 Arbeiter anderer Berufe, meist Bergarbeiter»nlseicr» mußten. AllcS dies geschah gegen den Willen der Leitung der beide» in Betracht kommenden Gcwerkichasten, des Allgemeinen Eisenbahner- Verbandes und der Gewerkschaft der Lokomotivführer. Die Gewerk- ützaftsführer begaben sich nach SüdwaleS, um den Streit zu schlichten. Sie sagten ihren Mitgliedern, daß ihr Verhalten unver- »mwortlich sei. Sie erklärten sich gegen den Symparhiestreik, wiesen darauf hin, daß man die Eiscnbahngcsellschasteu nicht zwingen könne, den Transport von Gütern zu verweigern, da sie laut Gesetz verpflichtet sind, alle Güter ohne Unterschied zu be- lördcrn. und daß es in einer demokratischen gewerkschaftlickcn Organisation nicht anginge, daß ein oder zwei Personen oder selbst eine Scition eigenmächtig eineil Kampf entfache, der die Gesamt- hat der Organisation an den Rand deL Verderbens bringe könne. Ja den Versanlinlungen. in denen sie sprachen, kam es zu stürmischen Szenen. Doch die Leiter der Gewerlichanen heharrtcn aus ihrem Standpunkt und es gelang ihnen am Freitag, mit der Eisenbahngesellschaft Frieden zu schließen. Der Sympathie- streik endete mit einer vollständigen Niederlage der Arbeiter. Dia beide» entlasseneu Lokomotivführer werden nicht wieder ein- gestellt: die Arbeiter mußten durch ihre Vertreter ihr Bedauern aus- sprechen, daß sie sich zu dieser Aktion haben hinreißen lassen, und versprechen, in Zukunft nicht wieder in derartige Streiks einzutreten; die Vertreter mußten de» Arbeitern empfehlen, als Strafe einen Beitrag von 1 Schilling bis zu LfF Schilling an das Viltoriaipital in Swindo» abzuführen; di« Arbeiter erhalten für die vertorene Zeit keine Bezahlung; sie müiieu sofort zur Arbeit zurückkehren. Nach dem Bekcuinttoerden dieses FrikdenSvertrageS nahmen die Eisen- babncr bald überall wieder die Arbeit auf. T h o in a S. einer der Sekretäre des EisenbahnerverbandeS, erklärte nach dem Abschluß des „Ich Habs die Mitglieder wiederholt vor Syuwathiestreiks ge- warnt. Dieö ist die beste, doch auch grausamste Erläuterimg des Sniirpathiestreils. ES rechtfertigt alles, wo« ich gesagt habe, und ich hoffe daß alle Mitglieder, die di« gewerkschastlichcn Grundsätze ichätzen und die wirklichen Bestrebungen, ihre Lag« zu verbesien,. achten. Schrine tun. um ihre Macht und ihren Einfluß zur Geltung in bringen, damit dieser Anarchie Einhalt geboten wird, die sie nur iu£ Unglück stürzen und die gewerkschaftliche Bewegung zum Ruin führen kann." DaS sind harte, aber wahre und zu beherzigende Worte. Der Sndtvaliscr Symparhiestreik konnte nicht anders enden wie er endete, und nur den Anstrengungen der Arbeiterführer ist es zu danken. daß die Streikenden nicht auch noch im AlterSrang zurückversetzt wurden. Gerade heute kommen diese wilden Streiks der sich mächtig ausdehnenden Eisenbahnerbewegung höchst ungelegen iiiid tönneu leicht zum gänzlichen Zusammenbruch der üirpo- saiiien Bewegung führen, die im Entstehen begriffen ist. ivalngc Mitgliedermassen sind dem Eiserrbahiierverbande im letzten Jahre zugeführt worden. Schon uinfaßt er weit über die Hälfte aller Eisenbahner Großbritanniens. Seine Macht ist schon so groß, daß die Eisenbahngeiellschaflen beschlossen haben, im nächsten Jahre dem Verbände die volle Anerkennung zu gewähren. Er nähert sieb dem Entwickeluiigsstadiuil!, in dem sich die Bergarbeiter befinden, die nicht immer mit dem Schwert in der Lust umher- zufuchteln brauchen, sondern nur die Hand aus den Knauf legen, um die»reisten ihrer Forderungen durchzudrückeil. In diesem Augenblick ist eS leicht möglich, daß ein: unbedachte Alrion alle Fortschritte und alle liinstigen Hoffnungen mit einem Schlage wieder zunichte macht. Daß der Sympathiestreik gerade in Sndwales ausbrach, hängt mit dem Temperaineni der Waliser zusainmen. Wie alle Kelten sind sie der höchsten Begeisterung und der höchsten Aufopferung fähig. Dieser Charalterzug offen- bart sich auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Leben». Einige Wochen lang herrscht zum Beispiel eine frenetische religiöse Begeisterung, der bald ein gänzlicher JndifferentiSmuS folgt. Daun sieht mau wieder, wie ganze Bergarbeiterdörfer tagelang die Arbeit rnhew lasse», um einen kleinen Buben zu finde», der sich iir de» Bergen verirrt hat. Geschieht eine»' cinzigeu ein Unrecht, so regt sich das ganze Volk auf. Aber da» Feuer, das bald lichterloh brennt, hält leider nicht lange an. ES folgt ihm die gänzliche Erschöpfung. Bei einem solchen Volke wird eS immer schwer sein, eine ordentliche, zielbewußte Bewegung ins Leben zu rufen. Der große Bergarbeiterstreil gab unS eine klare Einsicht in den Charakter dieses heißblütigen Völkchen». Die Walliser waren die ersten, die zum Kampf riefen. Sie waren aber auch die ersten, die die Waffen streckten, als die schwerfälligen Engländer und Schotten noch grimmig bei den Kauoncir ausharrten. Ter Kampf der cuglifche» Posiangcstelltcn. Am Sonnabend wurde eine wichtige Delegiertenkonferenz doir Postaiigestelltenorgamsatiolieii in Leicester abgehalten, auf der die zwei Gewerkschaften der Posttelegraphiste» und der Postschrcibcr mit zu- sammen 22 000 Mitgliedern durch etwa 200 Delegierte vertreten waren. Die Konferenz war eine vertrauliche, aber der kurze VerhandlungS- bericht, der veröffentlicht wurde, läßt keinen Zweifel über die er- bitterte und entschlossene Kaiiipfesstimmuiig. Eine Resolution, die einen sofortigen P o st st r e i k, womöglich unter Milwirkung der Transportarbeiter und Bergarbeiter verlangte, wurde nach langer Debatte nur mit gegen 83 Stimmen ab- gelehnt. ES wurde aber beschlossen, die Frage des Streiks der Entscheidung aller Kategorien von Postangestcltlen zu überlassen. Ferner wurde beschlossen, einen allgemeinen Kongreß aller Posr- angestellten einzuberufen, um eine g eure ins ante Liste von Forderungen aufzustellen. Inzwischen sollen die Vorstände der an der Konferenz vertretenen Organisationen jeden direkten und parlamcnlarischen Druck auf die Regiernng ausüben sowie in vier Wahlkreisen eigene Kandidaten aufstellen. Die Beschlüsse haben die unmittelbare Gefahr eines Poslftrerks zwar verringert, aber keineswegs beseitigt. Andere Kategorien von Postangestellten, so vor allem die Briefträger, sind noch entschiedener iir den Kampr,* Sozialea* Ein Kulturbitd aus einer Zentrumsdomäne. Ter GutSpächlcr Ehrisiian Halmheu in Epolding>Amls- getickt Wolfratshausen) beschäftigte einer» lljährigcu Dienst- vubcii. der in seiner körperlichen und geistige» Entwickelung etwas zurückgeblieben, aber sonst ein gutmütiger, williger Bursche ist. Dieser Bube wurde von dem Gutspächicr und seinem Tienstkneiht Josef Hoscr in der unurewschlichsten Weise mit allen möglicheli Gegenständen mißhandelt. Wenn der Junge weinte, wurde» ihm Pfrrdrexkremente in den Mund geschoben. Am 23. Dezember v. I. sollte der Junge im Austrage des GuiSpächlcrS alte Schuhe in einen wasserlecreu Brunnen werfen. Da auch die Schuhe des Tienstknechts dabei waren, weigerte sich der Junge au» Angst, von diesem wieder Prügel zu bekommen, de» Bcfcfl des Gutsvächtcrs auszuführen. t Aus Siraf« hiernir band ihn der Gutspöchtcr an ein Hcnseil und lies? ihn»ntcr Beihilfe des Tienstknechts in den fünf Meter tiefen Brunnen hinab, in dem sich eine Menge Unrat und verendete Katzen befanden. Tann warfen»e da» Seil nach, deckten den Brunnen zu, setzten auf den Deckel Reisig in Brand, wobei der Gurspächtcr Grablieder anstimmte. Ter Knabe hatte fürchterliche Angst, et zitterte am ganzen Körper. Um das Schreien de» Jungen kümmerte» sich die gcfühlsrohcn Menschen nicht. Eine ganze Viertelstunde mußte der arme Kerl in der stinkigen Tiefe zubringe». Unter größter 5iraftanstrcnguiig gelang es dem Jungen, an die Felsen ivand cmporzuklettcrn, worauf ihn der Gutspächicr noch einmal hinabstoßen wollte, woS ibm aber nicht gelang. Auf Zur- redestellung des Vaters des mißhandelten Jungen, meinte der christ- liche Gutspächter, dast aus Anlast des Tode» des Prinzrcgenten 800 Knaben geopfert werden müssen und daz» sei sein Sohn eben- falls bestimmt gewesen! Wegen Nötigung und Jreiheitsbcraubung zur Verantwortung gezogen, wollten die Aiigctlagtcn einen harmlosen„Spaß" gemacht haben. Ter Staatsanwalt beantragte gegen beide eine empfind- liche Freiheitsstrafe. Das Landgericht München II verurteilte den Gutöpächtcc zu 800 M. Geldstrafe und den Tionstknccht zu 100 M. Geldstrafe. Eine Milde für derartige gemeingefährliche Roheiten ist durch- aus nicht am Platze. Tic Strafgcsctzbuchnovcll- sieht für solche Bestialitäten Strafen von 2 Monaten bis 3 Jahren Gefängnis vor und läßt nur beim Vorliege» mildernder Umstände Geldstrafe zu. Welche mildernde» Umstände liegen zugunsten des Gutöpächtcr» vor? Sein patriotischer Zynismus? Ausländische Arbeiter im staatlichen Bernstcinwcrk. Hunderttausende deutsche Arbeiter sind gegenwärtig ohne Lohn und Brot. Tie tapitalistische WinschaftSordming hat sie und ihre Familien zum Hungern verurteilt. Statt daß in dieser Zeit eine sozial denkende Regierung nach Möglichkeit versucht, den deutschen Arbeitern Arbeitsgelegenheit zu schaffen, holt sie noch Galizicr und Polen nach Preußen. So berichten bürgerliche Blätter aus dem samland vom Bern sie in bau: ■ict i agebau bei Pfeffcrmühle, der bereits feit längerer Zeit in Angriff genommen, macht große Fortschritte. Der Bern- stein wird reichlich und in guter Qualität gesunden. Da die Arbeiter hier knapp sind, so hat die Regierung Polen und Galizier t-mmen lassen, es sind noch rtwa 100 fremde Arbeiter, welche hier überwintern. Der Tagepau soll nach Osten zu sehr lohnend sein. Ter Betrieb unicr der Erde wird in vollem Maße weiter. geführt, der Abbau erstreckt sich von Süden nach Norden." TaS ist die„soziale Fürsorge", die von der preußischen Rc- gicrung für die deutschen Arbeiter entfaltet wird. Wen» die Arbeiter knapp sind, so versucht man nicht, aus dem großen Heer der arbeitsloscir Deutschen Arbeitskräfte hcrauzuzrehen, sondern man holt Ausländer. Weshalb? Weil die Galizier und Polen »och rechtloser, billiger und williger als deutsche Arverter find. Das nennt die preußische Regierung, die aus dem Bernstein- bau Millionerl jährlich zieht,„Patriotismus". Aus dem Jnnungsschiedsgericht. (Sitzung vom 3. d. M.) 1. Haftet der Kellner für Zechschnlden? Ein Kellner forderte gestern von dem Restauratcur Rnydcr 34 M. Der Beklagte hatte dem Kläger gestaktet, einem Gast die Zeche zu kreditiercii. Tic Zeche wurde auch bezahlt. Später nahm der Gast noch mehrfach Kredit in Anspruch. Ter Beklagte selbst hat dem Gast einige Barbeträge geliehen. Beim Weggange des Klägers aus dem Arbeitsverhältnis betrug die Zechschuld noch 34 M., die zu zahlen sich der Beklagte weigerte, er meinte, der Kläger habe in jedem Falle die Erlaubnis zur Kreditgewährung einholen müssen. Da» Gericht kam zur Verurteilung dein Klageantrag entsprechend. Der Kellner habe im Interesse des Geschäfts gehandelt, durfte auch annehmen, daß der Inhaber nicht nur das eine Mal einverstanden war, zumal er selbst dem Gast Kredit gewährte. 2. Nachweisvermittelung. Ein Gastwirtsgehilfe klagte gegen die Gebr. Krause auf Zah» lung von ö,50 M. für einen Tag. Ter Kläger war vom Arbeits- Nachweis für die Beklagten vermittelt. Er kam auch pünktlich zur Arbeit, wurde zwei Stunden später wiedcrbestcllt, aber dann nicht zur Arbeit zugelassen, angeblich, weil er keine weiße Wäsche mit- gebracht hatte. Er war durch einen Irrtum des Nachweises zu den Beklagten geschickt, hatte einen ordnungsmäßigen Schein und sollte auch beschäftigt werden, weshalb er ein zweites Mal kommen sollte. Das Gericht kam zur Verurteilung der Beklagten. Ter Kläger hatte Anspruch auf Beschäftigung. Ter Irrtum des Nachweises durste dem Kläger nicht zur Last fallen, war vielmehr eine Sacke, die zwischen den Beklagten und dem Nachweis zu regeln ist. Sollte der Kläger weiße Wäsche mitbringen, dann mußte das bei ferner ersten Meldung gesagt werden. süiis aller Melt. fürftUcbcs Vergnügen. Vom verstorbenen Kaiser Friedrich erzählt man, daß er als Kronprinz bei einer Hoftagd einmal sein Gewehr abgegeben habe, mit der Bemerkung, daß cr die Metzelei nicht mehr mitmachen könne. Seine Stande sgcuojscn sind im allgemeinen weniger empfindlich; sie verfügen über stärkere Nerven, wenigstens soweit da» Niederknallen von Wi.d in Frage kommt. So hat der spanische König Alfons bei dem Onkel seiner Frau, einem Erzherzog, sechs Tage zur Jagd auf dessen mährischen Gütern verbrachr. Dabei wurden 10 072 Stück Wild, zumeist Fasane, geschoffe», von Alfons allein 3800. Die„Arbcirer- Zeitung" schildert das so: Das in den Fasangärten und Wildparks zusammengeihalrene Wild wurde von Treidern zusammengejagt und vor die Flinten der„Schützen" getrieben, die in daS in dichten Schwärmen bervorstürzeude Wild blind hincinfeuertcn.. Man stelle sich das Jagdvcrgiiügcn vor, bei dem täglich 2 Stunden in jeder Rinute 23 Stück Wild aus dichten Schwärmen heraus von einigen im Schnellseucriempo schießenden Schützen hin- gemäht werden! Und es gibt noch immer Leute, die über die Roheit der„ungevildcicn Massen" reden! Nebenbei mußten anläßlich dieser Jagdtage nicht weniger als 270 Gendarmen Tag und Nackt den Msperrdicnst versehen und in durchnäßten Kleidern im Kot waten. Sie erhielten die königliche Vergütung von 120 Heller täglich(1,02 MF. so daß sie für Kost noch was drauflegen mußten. — Uevrigcns hat der Thronfolger Franz Ferdinand am 4. November d. I. 0000 Stück Hochwild geschossen. Ein echt sütistllches Vergnügen und eine treffliche Vordereitung für den Krieg. IlevrigcnS könnten die Herren doch mit der tcch- irischen Entwickelung mitgehen und auf der Jagd Maschinen. gewehre benutzen. Das geht schneller und eS bliebe mehr Zeit zum Regieren._ Ein neues sinrubenunglurk. In dem Kohlenbergwerk B r i t o v im Bezirk Adels- b c r g(Krain) wurden infolge eures WassercinbruchS elf Bergleute verschüttet. Tie Rcttungsarbeiten sind im Gänge. Heber das Schicksal der Verunglückten ist bisher noch nichts bekannt.__ Verschollener Dampfer. Der Frachtdampfer.Prinz Wilhelm' der Hamburger Reederei H. Feindt, der am 2. Dezember von Hull nach Hamburg abgegangen war, ist bisher nicht an seinem Bestimmungsort ein- getroffen, so daß befürchtet wird, daß er mitsamt der Be- satzung von 17 Mann bei dem letzten Sturm in der Nordsee untergegangen ist. Tie Funkentclegraphic als Retter. Nach drahtlosen Meldungen, die in Norfolk(Virginia) ein- gegangen sind, erreichten den britischen Dainpfer„Oucrnmorc" funlentelegraphische Hilferufe des amerikanischen Küstenfahrers.Rio Grande". Auf dem„Rio Grande" war am Sonntag ftüh an der Küste von HatteraS Feuer ausgebrochen. Der.Ouernmore" fand das amerikanische Schiff und nahm die ISö Passagiere deSselbenanBord. ES gelang sodann, daS Feuer zu löschen. und di« Pasiagiere wurden wieder auf den„Rio Grande" zurück- gebracht, der die Fahrt unter eigenem Dampfe fortsetzte. Kleine Notizen. Eisrubahmtnglück in Belgien. Unweit der Station C h ö n ö e ist der Zug Lüttich-VervierS Montagabend entgleist. Dreißig P c r s o ne n w ur d en ver le tz t, ein Passagier wurde sterbend in da» Krankenhaus gebracht. Die Ursache des Unglücks ist un- bekannt. Schneestürme in Amerika. Ueber Wesrainerika ist eine scharfe Kältewelle niedergegangen. An vielen Orten herrscht furcht- barer Schnee stur m. An» allen Städten laufen Meldungen über angerichtete Schäden ein. Aus den großen Seen herrscht gleich- falls furchtbarer Sturm und man befürchtet neue Schiffsunfällc. Die Temperatur in Chicago war am Montag 32 Grad Fahren- heit niedriger als am Sonntag. Schwerer Unsall bei Sprengarbccteu. Em ichwercr Unfall bat sich auf der Eisenbahnlinie FraSne-Aallorbe im Mont-d'or Tunnel zugetragen. Eine Dynamitpatrone explodierte verfrüht vnd verletzte acht Arbeiter lebensgefährlich. Einer von ihnen ist im Hospital an den erlittenen Verletzungen bereits ge- storbcn. Einem anderen mußten beide Beine abgeno mm« n werden und cS besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. SSttterungSuderfichr vom S. Dezember»VIS- Wetterproguoie für Mitnvock.,»-»»«- Tezembcr 1913. Mild und zeitweise aufklarend, uoiwiegurd trübe mit wiederholten Niederschlägen und ziemlich starken westliche«,»'«den ' Berliner B rtterbureo». WEIHNACHTEN WM Kutturbilder Wider die Pfaffenherrschaft Ä" Emil Rosenow und ÄeinrichStrobel. Reich illustri \QV) Kulwrbilder aus den Religionskäinpfcn s 16. und des 17. Jahrhunderts. Bon illustriert mit Bildern und Dokumenten. Die Hohenzollern- Legende Dr. M. Maurenbrecher. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit. CVlf«** föifrst* Krieg und Kriegertm» in alter und neuerer Zeit. Von Äug o •£Hlir UU17 V2�l|vll Schulz. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit, darunter viele ganzseitige Illustrationen sowie auch zwei farbige Kunstbeilagen. Geschichte der Revolutionen fz SSÄ HS»" Revolution. Von Dr. A. Conrad y. Illustriert mit zahlreichen Bildern und Dokumenten. Jeder Band der„Kulturbilder" ist für sich abgeschlossen und kann daher einzeln bezogen werden. Jedes Äeft in zwei Bänden gut gebunden in Leinen nur 14,— Mk., in Kalbfranz 1»,— Mt. Kapitel zur Geschichte deutschen Eozialdemokratic. Von 1848 bis zum Erlaß des Iahren 1878 bis 1890. Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung S Kcrausgegeben von Eduard Bernstein.— u Band: Bei Sozialistengesetzes 1878.— 2. Band: Anter dem Sozialistengesetz in den 8. Band: Die Zeit von 1890 bis zur Gründung des Zentralverbandes von Groß-Berlin 1906. Jeder Band ist einzeln zu beziehen. Preis pro Band in Leinen v,»0 Mk., Kalbfranz 7,50 Ml. Die Parteien der großen französischen Revolution und ihre Presse. Von K e i n r i ch C u n o w. Mit zahlreichen Porträts. Zweite erweiterte Ausgabe des in erster Auflage unter dem Titel„Die revolutionäre Zeitungsliteratur Frankreichs während der Jahre 1789 bis 1791" erschienenen Werkes. Preis 6,— Mk., gebunden 7,50 Mk. Von der Presse sehr lobend besprochen. Es fehlt uns der Platz, Besprechungen zu veröffentlichen. Ursprung der Religion und des Gottesglaubens Von K. Cunow. Ein allgemein verständlich geschriebenes Buch. Preis Leinenband 1,50 Mk. Romane und Erzählungen für das arbeitende Volk Zeetei' Band gut gebunden 1 Mark ßfMtttorfc Ein Roman aus dem Pro- W letarierleben von A. Ger. � Der Ausweg S'ÄS Das Land der Zukunft Reisebeschreibungen von Leo Kolisch. Mit einer Einleitung von Paul Söhre. Verschrobenes Volk Von R. Grötzsch. Der Prinzipienreiter Eine Erzählung aus dem Jahre 1848 von Wilhelm Bios. In den Tod getrieben Zwei Erzählungen vonErnstPreczang. Der Pariser Garten und Anderes. Bon Minna Kautskv. Mutter ÄfTfÄ Der Morgen graut Erzählungen aus den» Proletarierleben von M. A n de r s e n- R e x ö. 1000 Mark Belohnung Kriminal-Roman von Kans Khan. Die Bände der Vorwärts-Bibliothek sind für jeden Freund guter Anterhaltungs-Literatur geschaffen, sie sind berufen, den Schund aus den Arbeilerwohnungen zu entfernen. Der billige Preis ermöglicht selbst den- jenigcn, die wenig Geld ausgeben können, gute Bücher zu Weihnachten zu schenken. Eine Reise nach Island und den Westmännerinseln Reisebriefe und Tagebuchblätter von E. S o n n e in a n n(Jürgen Brand). Preis geb. 2,50 Mk. Der durch sein„Alenbrook" bekannte Verfasser weiß, daß Kinder gern Reisebeschreibungen lesen. Darum hat er diese Reisebriefe und Tagebuchdlärter an Kinder geschrieben. In interessanter Weise schildert der Verfasser das uralte Eisland des Nordens, lehrt uns seine Geographie und Geschichte kennen und macht uns mit den Sitten und Gebräuche» seiner Einwohner bekannt. Zahlreiche Illustrationen tragen zur Erläuterung und zum Schmuck des Buches bei. Es ist daher dieses hochinteressante und schön ausgestattete Buch für Kinder und Erwachsene ganz besonders zu empfehlen. OYlAfS Bon Curt Grottewitz, heraus- viir|£1. UJCJIO gegeben von W. Bölsche. Mit zahl- reichen Abbildungen. Dieses Buch hat bei den bedeutendsten Pädagbgen wie in der Presse begeisterte Aufnahme gefunden. Broschiert 2,50 Mk., in dauerhaftem Leinenband 3,— Mk. Bölsche sagt in seinem Vorwort: DaS Werk will ein Volks- buch sein. Es erzählt von einem unveräußerlichen Besitz des Volkes— dem Walde. Möchte es beittagen zum Genuß dieses Besitzes, der uns bewahrt, ihn für gleichgültiges Gut zu halten. Briefe aus der Keid« an meine jungen W4- freunde. Von I. Brand. In diesem vor- trefflich ausgestatteten Buch bietet Freund Brand zwölf Vriefe, die er den Kindern in zwölf Monaten deS Jahres aus seinem Alenbrook schreibt. Durch jeden einzelnen dieser Briefe lernen die Leser ein besonderes Kapitel der Natur kenne» und schätzen. Geschmackvoll gebunden und mit Buchschmuck versehen 1,50 Mk. NEUDRUCKE iiiiiiiiuiimiiiiiiuiiiutminiiiiniiiiuuuinunuiuuiiiiiiiiminniiiiniiiiiiiiiiiiimüiiiiiiiiiiiiiiniiiimminninimiiiiiniiinimuimuiniiiuiiiiiiMiiiiiiiiiiniuiiiiiiimnuiniini flor honftrftß ttflitDraftiftl von Friedrich Engels. Kcrausgegeben von F r a n z Lrl vrmslyr ollUrlMW Mehring.— Preis 1,50 Mk., gebunden 2,- Mk. Die erste Auflage dieser Schrift war seit vielen Iahren vergriffen, die neue Auflage cnt- sprach infolgedessen einem von vielen Seiten geäußerten Wunsche. «ew VM. Mmwlle«sie» von Friedrich Engels.— Preis 1,50 Mk., gebunden 2,— Mk.— Es ist nahezu ein Vierteljahrhundert verflossen, seitdem Friedrich Engels„Die fchlesische Milliarde" herausgab, mit einer Einleitung über die Geschichte der preußischen Bauern. Magfien»er Anmie aa» ZieWl HS merkunge» herausgegeben von Franz Mehring.— Preis 2,50 Mk., gebunden 3,— Mk. littädlBtilüOß Ü0U F-A. Lange.— Mit Einleitung und Anmerkungen heraus- Der Ausgabe ist die ■ gegeben von Franz Mehring. Preis 1,50 Mk., gebunden 2,— Mk. ________...... erste Auflage des Langeschen Buckes zugrunde gelegt. Der Keraus- leber hat diese erste Ausgabe deshalb gewählt, weil sie am engsten mit den Anfängen vcr deutschen Sozialdemokratie zusammenhängt. WMe mm»»» Weg BS NS.Ä Porträt Schweitzers.— Preis 3,— Mk., gut gebunden 4,— Ml. iwmmumiiuWUnggummigwmMmmnmmlnmimmMnru�miiggnumunmimulmMmmmwmimmllgimnmmmimgimumuiimugniwmuimiummml SelWle»er WMgWgW Ig SegWgg»•»» o» und erweiterte Auflage.— Preis gebunden 2,— Mk. ' Zweite völlig neu bearbeitete Migggg»er Sflggetti m Merl« nisreicher Gelehrter, gibt in diesem Werke eine ganze Geschichte der Sklaverei in Griechen- land und Rom von den ältesten Zeiten bis zum jähen Untergang des Römischen Reichs. «««SM,«, rflnfrfiirfih) vom Ausgang des Mittelalters. Ein Leitfaden für Lehrende und Vvmiuji Lernende von Franz Mehring.— Gut gebunden 2,50 Mk. Tlor AntfitierrnfcnrnioEt wider Liebknecht, Bebel und Kepner vor dem Schwurgericht Uli tJÜUJutllulaylUjCiJ JU Leipzig vom 10. bis 26. März 1872. Mit einer Einleitung von Wilhelm Liebknecht und einem Anhang. Nach der zweiten Auflage unvcr- änderter Nachdruck. 944 Seiten. Preis gut gebunden 4,— Mk. Ilnform ttronnfllflC Berliner politische Satirc, Revolutionsgeist u. menschliche Komödie ZllUtllU ZJltUUljiUU oon Adolf G l a ß b r e n n e r. Ausgewählt und eingeleitet von Franz Diederich. Mit 117 Bilden» von Theodor Kosemamt. Adolf Schroedter, Wilhelm Scholz, C. Reinhardt, Gustav Keil und anderen.— Preis 3,— Mk., gebunden 4,— Mk « Anter diesem Gesamt- Titel erscheint eine Reihe guter und populär-wissenschaftlicher Bücher verschiedenartiger Wissensgebiete Zvelei- Uvlnondsnet»eautvt 1,— ! Entwicklungsgeschickte derErde. Von Georg Engelbert Graf. _ i 47 Abb. und Anhang: Geologische Profile ül und Erklärungen geologischer Fachausdrücke. ! Die Sozialdemokratie iin Lichte der Kulturentwickluna. Führung ! durch die Geschichte, Politik und Literatur der Sozialdemokratie. VonP.Kampffmcycr. ! Völkerschlachten��� _- kundliche Beiträge zur Jahrhundertfeier, == gesammelt von Dr. Ä. Conrady. 2 Teile. Z Goethes Werke Ä Sonntage eines Großstädters in Von Eurt Groltewttz. Mit einem oei, Vorwort von Wilhelm ■_ Bölsche. Vierte Auflaa«. Ausgestattet mit Buchschmuck und einem Porträt des Verfassers.— Preis gut gebunden 1,— Mk. Cfrrt/» imS Gedichte von L u d w i g L e s s e n. Das gut ausgestattete �.Nv UNtzl>�lLfe Buch gibt interessante Bilder aus dein Arbelterleben. begeisternde KampfeSrufe, visionäre Zeichnungen voll von einem frohen Zukunftsglauben. Aull, die fein getönten Natursttmmungeu fehlen nickt, die in knappen Strichen Landschaftsdilder von intimem Reiz hervorzaubern. Preis 1,50 Marl. von Clara Müller-Iahnke. Kcrausgegeben und reich illustriert von V90MCDI0 Oskar Iahnke. Mit einem Vorwort von Julius Kart. 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Rücker t. Gut gebunden 1,50 Mk.— Die Zola, Garschin, Lemonnier, Wereschtsckagin haben als Künstler die Greuel des Krieges dar- gestellt, d. h. aus Absichten heraus, die eine Stilisierung, eine Zurechlmachung des Stoffes bedingen, und von einem Stand- puntt, der außerhalb dieser Geschehnisse liegt. Kier aber erhebt die Stimme einer, der in Reih und Glied dabei gewesen ist, und die wahrhaft blutige Lebcnswahrheit, die jedes seiner Worte at- met, macht sein Zeugnis zu einein geradezu klassischen Dokument. Preußischer Kommiß?°�g�W?n?i7 Illustriert von I. Damberger. Gebunden 2,— Mk.— Dieses Duck ist von der Presse lobend besprochen worden und dürfte ein besonders geeignetes Weihnachtsgeschenk für die arbeitende Jugend und für alle diejenigen, die schon Soldaten waren, sein. Geschichten von St. Groß- �vVflllUJv Vl)Vu|jt man n. 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Zlniang 7-/, Ubr. Sgl. Schauipielbaus. Die Neu- vermählten. Die Zärtlichen Vcr- wandten. Deutsches. Ein Sommcrnachis- träum. «ammerspielc. Weitcrleuchtcn. «öniggraher Straste. Macbeth. Zirkns Bufch. Galavorilcllung. Zirkus-Schumann. Galavorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Hort Hörsaal S Uhr: Dr. SS. Bcrndt: Vercrbungsfragen. Sgl. Opernhaus. Eleltra. Seiiing. Pygmalion. � Theater am Nollcndorfplatz. Der Mikado. Theater des Westens. Polendlut. Berliner. Wie einst im Mai. Deutsches Künstler- Theater. Rose Bernd. Deutsches Opernhaus. Manon Lescaut. Deutsches Schauspielhaus. Tic heitere Residenz. Tlialia. Die Tangoprinzesfin. RomödienhanS. Hinter Mauern. Montis Operetten. Tie ideale Gattin. Schiller<>. Heimglundcn. Schiller(sharlotrenburg. Das ihr wollt. Residenz. Hoheit— der Franz. Rote. Der Meincidbauer. Mctropol. Die Reise um die Welt irr 40 Tagen.• � Kasino. Ferdinand der äugend- haste. Kleines. Die uoippc. LustipiclhauS. Die fpanirche fliege. Trianon. Geinc Geliebte. Friedrich- Will>clmftiidt„cheS. Die Kinokönigin. Hcrrnscld. Was sagen«re zu Lcibusch i Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spczialitäicn. Reichshalle». Stelliner Sänger. Ansang S'h Ubr. Luisen. Kascrnenlust. � � Folieö Gapricc. Der�Kuckua. Mauöoerschwindel. Die Samuels. Walhalla. Vcrcinsoorstellung. «dintralspalast. Die lustige Puppe. Ansang 8'/, Uhr. ReueS Bolkstheater. Mutter Theater und Vergnugunaen üüü m - JSnnn DeatschesSchansp lelhsas 8 Uhr: Tie heitere Residenz. sdeslei'ililiLi'WgMei'ZtNlöe 7'/, Uhr: /Vtacbetti. t(omo6ieaksus. 8 Uhr: Hinter Maueru. Ketüner skeAler. 8 Uhr.- Wie einst im Mai. Mer am üoilemlGrlplatz 8. s Uhr. Mikado. 8 Uhr. Nachm. 1 Uhr zu kleinen Preisen: Frau Holle. Lessing-Theater. 8 uhr- Pygmalion. Lustspiel von Bernard Shalo. 8 Uhr RssillölH-IKesieu Hoheit— der Fram! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterberg. AllabMdl. 8 Uhr: Hoheit— der Franz! Msciies Künstlertheater Sozietät. Nürnberger Straüe 70/7T, am Zoo. Kasse- Nollendorf 1383. TuTf Rose Bernd. Donnerstag VI? Uhr: Zum 1. Male: Mchlrin nird Gertrauilc. Scherzwicl in 4 Alten v. Ernst Hardt. Rose=theatei | Graste ssrankiurter Str. 132. I Hee!lieiiiei«lkai>ei'. I LollS stück in 4 Akten von Ludwig Zlnzcngruber. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Berlin wie es weint und lacht._ Germania-Praehtsale H., Chausseesir. 110. K. Richter. Jeden Mittwoch: '% Mantheys lustige länger. Ansang S Uhr. Eintritt 30 Ps. Nachdem Freitanz. — BorzugSkartcn gelten.— Jeden Donnerstag: GroBes Militär-Streich-Konzer» anschl. Familienkränzchcn. RewS. Ansang 9 Ubr. CivesNollcndorf-Theater.VarietL- Lichtsprel�. Sternwarte, Jnvalidenstr. b?— 62 Schiller-Theater 0. AVallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Heijug'fanden. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ha«»einanns Töchter. Freitag, abends 8 Uhr: Heini«'i>u>e>Sii. SehTlier-fheateF c*tT' Mittwoch, nachmittags 3" Uhr: Götz von®erllc hingen. Mittwoch, obcndS S Uhr: Zum 1. Male: Wo« ihr wollt, Donnerstag, abends 8 ubr. J>le Jnngfran Freitag, aocndS 8 Udr. a« ihr wollt. Theater öe« � eaten». 8 Uhr: Polcnhlnt. Mittwoch u. Sonnabenduachm.-luyr. Das tapfere Schnciderlctn. Sonnt. Nm. 3'/.U.: oer liebe Augustin. Palast am Zoo Täglich Anfang 6 Uhr. Sonntags 3 Uhr: Matinee. Komplettes Programm grosser 1 Vari6tö-Akte sowie unsere renomtnierien LI cht spiele Preise ron 65 Pfennig an. Nollendorf-Theater Cleopatra I Die Herrin des Nils Das Filmwunder der Welt S. M. dem Deutsehen Kaiser vorgeführt und mit grellem | Beilall aufgenommen. i | Wochentags Aul. 6'/. u. 9 Chr j ] Sonntage 1, Ö'/j und 9 Uhr. Jügend-VorntellHng Sonnabend 4 Uhr zn halben Freisen. URANIA TaubenstraBe 43,49. S Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Hörsaal 8 Uhr: Dr. w. Berndt: Vererbunjrsf ragen. Metropol-Theater. AbcndS präzise 7 Uhr öS: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Seine Gellebte. Sonntaguachm. 3 U.; Die Liebe wacht. Passage-Panoplitum 00 wilde Männer und Kinder in einem eigens anf- jjebanten Kongodorle. Der FFOsehsehlucker. Die gr. Kino-Yariele-yorsteDung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. V oigt- The ater Badstraste 58. Mittwoch, den 10. Dezember 1913: Die Waise aus Lowood. Schauspiel in 4 Akten v. Birch-Pseisser Kassenerössnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Casinv-TSisatol' Lothringer Str. 37. Täglich 8 Ubr. Das glänzende Dezcmber-Fcit-Progr. Gastspiel der Amerikanischen Sensation .Im Vulldogg-Tingcl-Tangcl." Dazu seit Oktober total ausverkauft: Ferdinaud drr Tugendhattt. Sonntag 4 Uhr: Ter Denunziant. .A.dßiZZ'aZLpalasi. Eis- Arena.— Allabendlich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Ais lustige flippe. BegiAn der Vorstellung S1/, Uhr. Bis 6 Uhr und von 103/, ehr halbe Kassenprcisc. ßeiehshaileQ-Theater Heute: Graste Ztzest. Bciiesiz- Soiree für die Mit- glieder der Gtettiner bsönzrer Gr. Rovitätenprogramm. Z. Schlug: Nr. 13. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermätz. Preisen: Der Kompagnieball und WeihnachtS- Programm! . SehuMöB.j Heute Mittwoch. 10. Dezember.| abends 7'/» Uhr: Gr. Gala-Vorstellung:. U. a.: Keu! Alice Follins Keulj die phänomenale' Croolin] mit ihren Partnern. § liress. Seeiöwsn zu Pferile!' Vorgeführt von MiB Marietta. Xen f The 3 Arlej'» Neu! Orig.-Perche-Balanco-AV'-oh. und die übrigen Dercmber- _ Novitäten. Um O'/j Uhr; Tanp vor Gerieht! Pantomimische Burleske in 3 Akten mit Gesang u. Tanz Vereinigte Berliner Volksbühnen. Enisen-Theatcr.| Walhalla-Theater. -- lf äglich 8-,'. Uhr: Kascrnenlnft.! 8;;( Uhr: Gr. ösientl. Vorstellung. Schou'picl in 4 Allen von Stein> Donnerstag 8'� Uhr: Premiere: und Söhngen. nnersiag a-/. ugr:-pixmn; Wolkcnbrnumlcr. JcmCIob" J«" MniiFP«trniTA ft9— I :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90.91. Xcues Programm! Rita Sacehetto Boterl Steiil und die von Pubühum und Presse glänzend beurteilten Hauchen gestattet! Großes Doppel-Konzert! Berliner Konzerthaus-Orchäslcr. Leitung: Komponist Frz. v. BIdn. Als Gastdirigent: Hofkapellmeister Prof. Traugotl Ochs. Musikkorps Garde-FQslller-Regiments. Oirig. Oberm. Dippel. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 PI Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr. Naehniittags-Konzert beÜ£lr Brauerei Friedrichshain. Donnerstag, den 11. Dezember 1913: Popuääres KConzert des Sängerchors Vorwärts-Süd-Ost Direktion: Otto Kowalski; vdnJ Blüthner-Orchesters. w�ersberg.0 Billetts im Von erkauf 30 Pf., an der Kasse 75 Pf., bei den Vorwaris-Spediteuren, Zucht, Immanuclkirch- strabe 12. und Hamsch, Ackerstr. 174. FriedrichstraBe 218 VorneliinstesVarlete Coslautino ßsrnarül 4 Scliwestern Rcnianos Salerno, Athos u. Read und ein weiteres großes Programm der besten Varict�ktinsticr. Rauchen überall gestattet. Beginn 8 Uhr. Ab yy.Uhr: K O\ X 1, K T. Folies Caprice. Anfang t'l, Uhr 'Der Kncknck. Manöversch-n Indcl. Die Samuels. Morgen Gala-Premiere: Rita Sacehetto in Die weiße Dame MARMOR-HAUS LICHT-SPIELE Kurfürstendamm 238 SASTÄ Heute zum und unwiderruflich letzten Maie „Die blaue Maus GS 5-7-9 Uhr Zirkus Busch. Heilte Mittwoch, d. 10. Dezember, j abends 70, Uhr: Gr-Wohltütigkeiteliorstellung| zum Besten des 12. Kreiskoin- j misiariatS des Rationaldanks für Beteranen. U. a.: Die neue grostePrnnk-Pantomime: j Pompeji. Vorher das graste Galaprogramm. Kapt. Huling eine Nordvolszene im Zirkus Busch. Aad. Smaragda mit ihren I dressierten Katzen und Tauben. La Dorando. Iongiier-Alt. Friedr.- Wühelmstädt. Theater. Die Eioo-Königin. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonnabend, den l3. 12., 4 Uhr: Dornröschen. Sonntag, den 14. 12., 3 Uhr: Maria Stuart. Kleine Preise. .Lichtspiele Union- Palast. Kurfürstendamm 20. Ilavaria• Haus, Fricdriob- Ecke Taubenstr.. Unter Jen Linden 21. Moritzplatz. Hasenheide, Weinbergsweg 16— 17, Kei- nickondorfer Straße 14. TUglich vor ausverkauften Häusern: ASTA NIELSEN in der Hauptrolle des mimischen Schauspiels ,Dlo Film-Primadonna* von URBAN GAD ' Schoneberg, Hauptstr. 49 Protea Phantastisches Schauspiel in 4 Akten. ?T?aBr»HfflBswaBSMEaBW3sx�a!5aMM«swPBa!?gsraräriH!BEsw*5a 'ä'"c r an t reo r t tidjer Rchcltcur: Alfred Wielepp, NeuMn. Für den Inseratenteil veremtw.: Tst-Glock-, Berlin. Druck u. Perltlg: Bcrwärtz Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul In alten U. 1.- Lichtspielen:___ TANöO= FIEBER Heute 4 Öhr: Üfeihnachts« Kinder- Vorstellung im U.T. Kurlürstcndamm 26. Ü.T. Weinbergs weg 16—17 U.T. Aiontzplatz und U.T. Hasenheide. S i nger& Co., Sö er iin SW. » 525. 30 1.*,« z. Seilte des DrMs" Kerlilm UlilksblR heute flrbcitslcfigkeit und flrmenverwaltung. Es war für jeden Klarsehenden selbstverständlich, daß durch größere Arbeitslosigkeit auch die Armenverwaltung mehr als bisher in Anspruch genommen werden würde. Ist auch der Weg zum Armenvorsteher ein schwerer, so bleibt doch manchem Familienvater kaum eine andere Wahl, als den oft mit Demütigungen aller Art verknüpften Gang anzutreten. Neben verständigen Armenvorstehern haben wir in Berlin auch recht unverständige� die nicht das geringste Verständnis für die Lage von arbeitslosen Menschen haben. Ja, es gibt Vorsteher— und ihre Zahl ist nicht einmal klein—, die schnell geneigt find, in einem Arbeitslosen einen Menschen zu sehen, der nicht arbeiten will. Das sind jene Leute, die da meinen:„Wer arbeiten will, bekommt schon Arbeit". Nur kommen sie in schwere Verlegenheit, wenn sie einen Weg angeben sollen, wie und wo Arbeit zu erlangen ist. Um zu zeigen, welcher Austastung manche Armenvorsteher huldigen, wollen wir ein besonderes Beispiel anführen. Ein Metallarbeiter. längere Zeit arbeitslos, konnte die Miete nicht bezahlen und wendete sich deshalb an den Armenvorsteher seines Bezirks um Hilfe, da er exmittiert wurde. Diese Hilfe wurde ihm insofern zuteil, als der Armenvorsteher Seegert von der 59. Armenkommission in der Skalitzer Str. 59b ihm einen Schein nach dem städtischen Obdach gab,, der folgenden Wort- laut hatte: Berlin, den 2. Dezember 1913. An das Städtische Obdach Der Schlosser Max M...., geb. 15. 8. 87. verheiratet, 1 Kind, und 1 Kind im Krankenhause, wohnhaft seit 1. Oktober 1913 Lübbener Straße 9, Hof HI, hat von uns mehrmals Unterstützung erhalten. Er sowie Frau haben keine Lust zur Arbeit, da er angibt, seit Juli noch keine Arbeit gefunden zu haben. Er verlangte heute wiederum im energischen gebieterischen Ton. daß er 19 Mark für Miete haben will. Wir lehnen jede bare Unterstützung ab, da er arbeitsscheu ist und bitten denselben einstweilen im Stadt. Obdach aufzunehmen, da er die Wohnung räumen muß und keine Wohnung gefunden hat. 59. A.C. (Siegel) Metzdorf. Seegert. UnS wurde das Schreiben vorgelegt und wir unterzogen uns der Mühe einer Nachprüfung über die Behauptung der Arbeitsscheu. Auf Grund der uns vorgelegten Arbeitszeugnisse stellten wir fest, daß der Schlosser gearbeitet hat: Vom 22. Juli 1999 bis 25. April 1910. Vom 19. Mai 1910 bis 11. August 1910. Vom 25. Oktober 1910 bis 14. Januar 1911. Vom Februar 1911 bis 4. Juli 1913. 12. September 1913 bis 1. Oktober 1913. 20. Oktober 1913 bis 1. November 1913. Und ein solcher Mann, der diese Zeugnisse auf- weist, wird von dem Armenvorsteher als Arbeitsscheuer gestempelt und ihm bare Unterstützung verweigert. Das ist ein Steckbrief, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann. Eine schwerere Beleidigung für einen Arbeiter, der nach besten Kräften sein Brot verdient hat, ist gar nicht denkbar. Dazu kommt die arge Bemerkmig über die Frau, die keme Lust haben soll, zu arbeiten. Diese Frau ist seit acht Monaten schwanger und dürfte bald niederkommen. Diese Sache zeigt einmal, wie oberflächlich Recherchen aus- geführt und wie leichtfertig ehrliche Arbeiter als arbeitsscheu erklärt werden. ES fehlt nur noch, daß gegen solchermaßen„Arbeits- scheue" daS Nährpflichtigengesetz in Anwendung gebracht und der so gestempelte Arbeitsscheue ins Arbeitshaus verwiesen wird. Durch Vermittelung des zuständigen recherchierenden Stadt- verordneten ist dieser Steckbrief zurückgenommen und ein anderer Schein für das Obdach ausgestellt worden, der die ominöse Kenn- zeichnung nicht enthält. Das ist ein Einzelfall, der uns gerade be- kannt geworden ist. Er zeigt aber, welche Austastung über Arbeits- scheu unter manchen Leuten in den Armenkommissionen und bei manchen Armenvorstehern vorhanden ist. Es wäre eine dankbare Aufgabe des Leiters der Armen- Verwaltung, angesichts der durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufenen besonderen Notstände, die Armenkommissionen darauf hinzuweisen, schnell und wirksam Hilfe zu leisten. Wer schnell gibt, gibt doppelt. Gerade durch schnelle und reichliche Hilfe kann verhütet werden, daß der Notleidende dauernd der Stadt zur Last fällt. Partei- Hngclegcnbcitcn. Erster Wahlkreis, Hansaviertel. Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr, bei Drechsler, Altonaer Str. 20: Vortrag des Genossen Dr. Alfred Bernstein. Zweiter Wahlkreis(Friedrichstadt), Hl. Abteilung. Mittwoch. den 10. Dezember: Zahlabend. Westliche Hälfte bei Rathmann, Wilhelmstr. 118, Vortrag des Genossen Tetzlaff:„Wohin geHort unsere Jugend". O e st l i ch e Hälfte bei Witwe Angustin, Oranienstr. 103.* 1 Z ahlnacht: abends'/z12 Uhr. Geschäftsbericht. 9 Ä™ wrm0en-T: Donnerstag früh 5 Uhr. 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Genosten Ingenieur. R. Woldt über:„Amerikanische Ausbeulungsiysleme ,n Deutschland". Alle Mitglieder erwartet Der Vorstand. „, Dritter Kreis. 9. Abteilung. Für den Bezirk 248 findet der Zahlabend von jetzt ab bei Hoffmann, Michaelkirchstr. 23, statt. Reukölln. Wir machen auf die Bücher- und Wandschmuck-AuS- stellung. die am Sonnabend eröffnet wurde, aufmerksam und bitten die Genossen und Genossinnen, insbesondere die Zahlabendleiter, für regen Besuch derselben zu agitieren. Die Ausstellung, die sich in den beiden oberen Sälen des Bartschschen Lokals, Hermannstr. 49, be- findet, ist geöffnet an den Wochentagen von ö'/z bis 9 Uhr abends, an den Sonntagen von nachmittags 3 bis abend« 9 Uhr. Der Bildungsausschuß. Steglitz- Die neue Einteilung der Abteilungen tritt erst im Januar in Kraft, heute nur Zahlabende. Treptow-Laumschulenweg. Morgen Donnerstag, abends 7'/z Uhr: Wichtige Flugblaitverbreitung von den Bezirkslokalen au«. Friedrichshagen. Donnerstag, den 11. Dezember, abends S1/* Uhr, im Eiskeller Friedrichstr. 96/97: Volksversammlung. Tagesordnung; .Säbelherrschaft und Militärdiktatur über dem Volke." Referent Reichsragsabgeordneter Max Cohen. Schmararndorf. Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Goetich(Waldkater), Warnemünder Slr. 14—15. Die Genossen werden ersucht, ihre Verbandsbücher mitzubringen. Zeuihen-Miersdorf. Heute Mittwoch: Mitgliederversammlung des Wahlvereins in MierSdors bei Krüger. Tagesordnung: 1. Be- ncht der Delegierten und Abrechnung vom Stiftungsfest. 2. Weih- nachtsfeiet, z. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. * m?" �'anicke. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr: Zahlabend. 1. Bezirk bei Henschel, Grünauer Straße; 2. Bezirk bei Bahr, Köpe- : Zahlabend für nicker Straße; 3. Bezirk(Ortsteil Falkenberg) bei Meier, Straße am Falkenberg. Eichwalde. Heute abend pünktlich 8>/z Uhr bei Witte: Wahl° v e r e i n s v e r s a m m l u n g. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Vor- trag deS Genossen M o l k e n t h i n:„Die Borgänge in Zabenr". 3. Vereinsangelegenheiten. Berlin-Buchholz. Heute Mittwoch findet statt des Zahlabends eine außerordentliche Generalversammlung bei Kähne, Berliner Straße 39, statt. Es stehen einige Wahlen und andere wichtige Abstimmungen auf der Tagesordnung. Mitgliedsbücher legitimieren. Röntgenthal, Zepernick, Buch. Der Zahlabend für Röntgenthal, Zepernick findet am Donnerstag, den 11. und der für Buch am Sonnabend, den 13. Dezember, abends S'/j Uhr, in den bekannten Lokalen statt. Lerlimr Nacbricbten* Unsere Museen. Berlin ist reich an Museen und wissenschaftlichen Instituten, die zum größten Teil unentgeltlich zugänglich sind. Was in den Museen an bildenden Werten aufgespeichert ist und in welchem Maße dadurch das spezielle und allgemeine Wissen erweitert werden kann, kann nur der ermessen, dem es ver- gönnt war, an den genannten Stätten viele Stunden verbringen zu können. Bei der Mannigfaltigkeit der angesammelten und aus- gestellten Schätze wird auch der, welchen nur bestimmte Ge- biete interessieren, auf seine Kosten kommen, da es sich ja hier um ganz konkrete Dinge handelt, die auch für den weniger Interessierten einen Allgemeinwert haben. Vor allem sind es das Geologische und das Verkehrsmuseum, Jnvalidenstr. 41- bezw. 51, welche auch dem Arbeiter für seine praktische Tätig- keit mannigfaltige Anregungen geben. Dasselbe kann von deni sehr reichhaltigen Museum für Meereskunde gesagt werden. Hier sind es besonders die einzelnen im Modell vorhandenen Schiffstypen, die dem Beschauer eine klare Vor- stellung von dem früheren und gegenwärtigen Stande der Schiffstechnik geben. Von weiterem Interesse sind die ver- schiedcnen, oft sehr komplizierten Instrumente der Tiefseeforschung und die Einrichtungen für den Sicherheitsdienst. Auch das Kunstgewerbc-Muscum hat für weite Kreise großes Interesse, da hier kunstvolle Arbeiten mit einer jähr- hundertelangen Vergangenheit ihren Ehrenplatz gefunden haben, die um so beachtenswerter sind, da man sie mit ver- hältnismäßig primitiven Hilfsmitteln verfertigt hat. Weniger von Nutzen"für die praktische Tätigkeit als für die Allgemeinbildung ist das alte und neue Museum am Lustgarten, das Naturkunde-Museum Jnvalidenstr. 43 und das Märkische Museum Wallstr. 50/54. In ersteren werden uns die Sitten und Gebräuche sowie die religiösen An- schauungen und die Kunst des Altertums wie auch der Neu- zeit vor Augen geführt. Im Museum für Naturkunde sind es die riesigen Skelette der Urtiere, die uns in Staunen ver- setzen, die man aber im Verhältnis zu den neuen Funden, die man in Ostafrika gemacht hat, klein nennen darf. Die bereits einzeln ausgestellten Knochen verraten uns die Riesenhaftigkeit jener Urtiere, und für die größten Exemplare reicht die Länge der Halle bei weitem nicht zu. Neben diesen urzeitlichen Resten werden wir hier bekannt ge- macht mit den gesamten einheimischen und fremden Tieren, von denen manche gar wunderlich aussehen. Die Eigentümlichkeiten der engeren Heimat finden wir im Märkischen Museum. Hier ist alles zusammengetragen, was man an Funden in der Mark Brandenburg gemacht hat. Be- sonders Berlin ist mit sachlichen und bildlichen Erinnerungen an die letzten Jahrhunderte stark vertreten. Für den Arbeiter besonders wichtig ist die„Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt" in Charlottenburg, Frauenhofer Straße 11/12. An zahlreichen Maschinen und sonstigen Arbeitsmitteln, mit denen der Arbeiter täglich umgehen muß, wird gezeigt, in welcher Weise sich durch Schutzvorrichtungen geeigneter Art und andere Maßregeln zahlreiche Unfälle ver- meiden lassen. Wichtig sind auch die Einrichtungen in hygienischer Beziehung und die Erklärungen über die Zu- sammensetzung der Nahrungsmittel und ihrem prozentualen Gehalt von Eiweiß, Fett usw. Alles in allem eine Aus- stellung, deren Besichtigung nur jedem empfohlen werden kann. Für reine künstlerische Betrachtungen kommt für alte Malerei das„Kaiser-Friedrich-Museum" und für die neua Malerei die Nationalgalcric in Betracht. Hier empfiehlt es sich. sich mit einem Führer zu versehen, mit dessen Hilfe eine leichtere Orientierung möglich ist. Neben diesen wichttgsten Museen sind noch zu nennen das Postmuseum, Leipziger Str. 16/18, das Rauchmuseum (Bildhauerarbeiten), Klosterstraße 76, das Völkerkunde-Museum, Königgrätzer Straße 120, und das Museum für deutsche Volks- trachten mnd Volkskunde, Klosterstraße Zß. Es ist also in den Berliner Museen eine geradezu un- ermeßliche Fülle von Anschauungsmaterial aus allen Wissens- gebieten ausgestellt und es ist nur zu wünschen, daß recht viele davon Gebrauch machen, da alle Vorbedingungen dazu vorhanden sind._ Ein sehr schlechtes Urteil über die Polizeihunde fällt im„Berliner Lokal-Anzeiger", der sich seiner Zeit entsprechend seiner Lobhudeltendenz gewaltig für die Polizeihundenase ins Zeug gelegt hatte, nun auch Dr. Th. Zell, der Direktor des Zoologischen Gartens. Er bestätigt im großen und ganzen, was schon der Polizei- leutnant Most gesagt hat, daß nämlich die Leistungen der bisher ab- gerichteten Polizeihunde außerordentlich mäßige und die über- schwänglichen Erwartungen, welche die Polizeibehörden an diese mit so verfrühtem Enthusiasmus ins Leben gerufene Ein- richtung knüpften, enttäuscht worden sind. ES sei, so sagt Polizeileutnant Most, noch nicht gelungen, die Hunde spurenrein zu machen; ferner nicht, die Hunde zu veran- lassen, nach Witterungnahme einer ihnen unbekannten menschlichen Witterung die gleiche menschliche Witterung irgendwie zu kenn- zeichnen. DaS Ausarbeiten einer 5 bis 6 Stunden alten Spur bereite den Hunden in den allermeisten Fällen schon erhebliche Schwierigkeiten. Wenn Führer von Polizeihunden mehr behaupten, so sei das Uebertreibung und ein Beweis, daß sie von den Fähig- ketten des Hundes keine Ahnung haben. Um die dm Polizei- Verwaltungen und besonders dem Minister des Innern wohl sehr -Berlin. unbequemen Erklärungen deS Polizeileutnants Moit, der auch Bor« steher der Polizeihund-Zuchtstation bei Strausberg ist, nach- zuprüfen, haben dann auf ministerielle Anordnung unter Teil- nähme hoher Beamter mehrfach Versuche stattgefunden, und bei ungefähr fünfzig Priifungsversuchen hat sich in jeder Hinsicht die Richtigkeit der Feststellungen des Herrn Most über die Spürfähigkeit ergeben. Dazu bemerkt Direktor Dr. Zell, es sei merkwürdiger- weise bei den Prüfungsberichten die Hauptsache auSgekafien worden, nämlich die Angabe des Ortes, an dem die Prüfung vorgenommen wurde. Jeder Tierkenner wisie, daß ein Hund mit semer Nase in der Großstadt nichts leisten könne. Die Unmenge der Gerüche, die auf ihn einstürmen, macheZ es ihm unmöglich, eine einzelne Ausdünstung zu verfolgen. Weil diese Grundregeln sogar den meisten Prüfungsrichtern ganz unbekannt sind, des- halb seien die Prüfungsergebnisse häufig gleich Null, zum Er- staunen der Führer und der Polizeihundbewegung. So müffe man zu denr Schluß kommen, daß die Prüfungen, wie sie heute abgehalten werden, so gut wie gar nichts beweisen. Deshalb solle man aber die Leistungen des Polizeihundes, die bisher überschätzt warm, auch nicht gleich kleinmütig unterschätzen. Wenn die Prüfungen irgend- einen Wert beanspruchen, so dürfen sie nach der Meinung des Dr. Zell nicht in Berlin abgehalten tverden, etwa gar auf dem Hofe eines von den Ausdünstungen unzähliger Menschen erfüllten Dienst- gebäudes. Die bisherigen Versuche mit Polizeihunden haben ein schönes Stück Geld verschlungen, das also auf Generalunkosten anscheinend wieder mal zum Fenster hinausgeworfen wurde. Am interessantesten ist die Bemerkung des Dr. Zell, daß die Polizeihunde in der Groß- stadt keinerlei Spürwert haben. Die PolizeihAndstation in der Magazinstraße ist also gänzlich überflüssig. Wird es nun aufhören. daß Kriminalbeamte mit ihren Renommierkötern provozierend durch die Berliner Straßen ziehen?_ Tic Wahlen zum Kaufmannsgericht finden für Handlungsgehilfen am Sonntag, den 15. Februar" 1914, für K a u f l e u t e am Mittwoch, den 18. Februar statt. Die Wählerlisten für die Kauflcute (Arbeitgeber) werden vom Donnerstag, den 8. Januar, bis Mittwoch, den 14. Januar 1914, zur öffentlichen Einsicht- nähme ausgelegt. Für die Arbeitnehmer werden Wählerlisten nicht aufgestellt.__ Die Post in Grost-Berlin zu Weihnachten und Neujahr. Für die Post an Weihnachten und Neujahr sind im Ober- Postdirektionsbezirk Berlin folgende besondere Anordnungen getroffen Ivorden. Am Sonntag, den 21. Dezember, bleiben die Paketannahme- und Ansgabeschaltcr von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags geöffnet. Am 25. Dezember werden die Paketausgabestellen wie Werktags offen gehalten. Es findet auch am 25. Dezember sowie am Neujahrstage eine einmalige Geldbestellung im Orte statt. Pakete werden nicht nur an den beiden Wcihnachtsfeiertagen, sondern auch am Sonntag, den 21. Dezember, bestellt. In Berlin, Berlin- Schöneberg, Berlin-Wilmersdors und Charlottenburg findet die Bestellung von Paketen auch schon am Sonntag, den 14. Dezember, statt. Sic ruht dagegen überall am Neu- jahrstage._ Bebauungsplan für städtisches Gelände i« Treptow. Wie bekannt, schweben beim Magistrat Berlin Erörterungen. das große, der Stadtgemeinde Berlin gehörige Gelände in Treptow in einer der modernen Anschauung entsprechenden Weise auf- zuschließen. Die Beratungen über die Aufstellnng eines BebauungS- planes haben damit begonnen, daß in der gestrigen Sitzung der Grundeigentumsdeputation der Bebauungsplanentwurf über den sogenannten Berliner Ortsteil, daS ist den Berlin zunächst belegenen Ortsteil, vorgelegt und darüber Beschluß gefaßt worden ist. Ueber die Ausschließung deS im mittleren Orlsteil von Treptow belegenen Baugeländes, das sich zum größten Teil im Eigentum der Stadtgemeinde Berlin befindet, hat gleichfalls eine Prüfung bereits eingesetzt. Insbesondere werden die auf Ersuchen des Magistrats von Eberstadt und Janssen gelieferten Entwürfe eines Bebauungsplanes demnächst dem Magistrat zur Beratung und Be- schlußfassung vorgelegt werden.— DaS zwischen Landsberger Straße und Landwehrstratze belegene städtische Baugelände soll bis auf weiteres als Eislausbahn und Sportplatz vermietet werden. Verlängerte Einfnhrerlaubnis für rusfifches Fleisch. Auf den Antrag des Magistrats hat der Minister für Landwirt- schaft, Domänen und Forsten die der Stadt Berlin erteilte Einfuhr- genehmigiing für russisches Rind- und Schweinefleisch in dem bis- herigen Umfange und unter den bisherigen Bedingungen bis zum 3t. März 1914 verlängert. Der Minister setzt aber dabei voraus, daß die Einfuhr von dem Magistrat werde eingestellt werden, sobald sich ergebe, daß nach dem Preisstande des einheimischen Fleisches ein Verkauf des russischen Fleisches zu einem nennenswert billigeren Preise nicht möglich ist. Richtiger wäre schon, wenn ganz allgemein die Grenzen geöffnet würden.___ Ein Fuhrwerk in die Spree gestürzt. Aus einem eigenartigen Anlaß wurde die Feuerwehr gestern früh nckch dem Grundstück Köpenicker Straße 33 gerufen. Dort war ein zweispännigeS Arbeitsfuhrwerk in die Spree gestürzt. Die Feuerwchrmannschaften machten sich sofort ans Rettungswerk. und es gelang auch nach vielen Bemühungen, die beiden Pferde mit Hilfe von Tauen und Holzbohlen gesund aus dem Waffer zu ziehen. Der Wagen wurde einstweilen im Wasser liegen gelassen und die Strombauverwaltung sperrte die Unfallstelle ab. Im Laufe des Tages sollte auch der Wagen wieder an Land gebracht werden. Der Kutscher deS Fuhrwerkes konnte sich im letzten Moment durrb einen Seitensprung in Sicherheit bringen und vor einem kühlen Bad be- wahren._ Aus der Armendirektion. Auf Antrag deS BormundschastsamteS der Stadt Berlin. ihm einen Fonds zur Gewährung erstmaliger llnterstütziing für uneheliche Kinder zu überweisen, wurde beschlossen, dem Amte bis zum 31. März 1914 300 M. zur Verfügung zu stellen und die Frage im übrigen einem Ausschuß zu überweisen. «Reiche Arme." Von Zeit zu Zeit wird in der bürgerlichen Presse berichtet, daß irgendein Almosenempfänger gestorben sei und man in seinem ärnr- lichen Nachlaß eine größere Summ« Geldes versteckt gefunden Hab«. Natürlich sei diese Geldsumme sofort an die Armenverwaltung ab- geführt worden, die das Recht habe, sich für die von ihr unnötig gezahlten Unterstützung-Zbeträge an der Hinterlassenschaft schadlos zu halten. Daran wird dann hier und da noch eine Betrachtung ge- knüpft, daß viele Almosenempfänger die gezahlte Unterstützung offenbar gar nicht nötig haben, aber eine übergroße Armut vortäuschen, um die Armenverwaltung zu schröpfen. Demgegenüber ist zunächst hervorzuheben, daß es sich bei diesen Geldfunden um ganz vereinzelte Fälle handelt, die im Verhältnis zu den in der Großstadt nach Zehntausenden zählenden Armenunterstützten gar nicht ins Gewicht fallen. Weiter kommt der sprichwörtliche Geiz alter Leute hinzu, der sich bis � zur Krankhaftigkeit steigern kann. Derartige Kranke leiden persönlich die größte Not, wie ja auch die in den letzten Tagen in der Marienburger Straße mit LOW) Mark in Gold unter dem Kopfkissen tot aufgefundene 80jährige Frau an Unterernährung gestorben ist. und hüten das vom Munde abgesparte Geld wie einen Schatz, ohne sich einen Begriff davon zu machen, wofür und für wen sie eigentlich sparen. Daß die Sparsumme nie- mals einen sehr hohen Betrag erreichen kann, dafür sorgt ja schon da3 Prinzip der Armenverwaltung, so wenig als möglich zu bewilligen. Ein nennenswerter Betrag kann nur in vieljähriger Selbstkasteiung zusammengehungert werden, und dann macht bei dem hohen Alter gewöhnlich der Tod einen Strich durch die Spar rechnung. Für die Krankhaftigkeit auch, daß stets die Hinterbliebenen ihnen nun aus der Nase geht, Endlich bleibt die Möglichkeit, daß städtischer Unterstützung herrührt, unangebracht und ungehörig, aus dieses Sparens zeugt es doch von der„reichen Erbschaft", die keine Ahnung gehabt haben. das Geld überhaupt nicht von Jedenfalls ist es durchaus solchen Einzelfällen irgendwelche «chlüsse ziehen zu wollen, die mit der Spitze gegen die Armut ge- richtet sind._ Isländische Hammel sind jetzt zum erstenmal lebend dem Ber liner Markt zugeführt worden. Die in ihrer Heimat mit Moos ge nährten Tiere haben eine dreiwöchentliche Seereise und die zehn tägige Quarantänezeit in Lübeck sehr gut überstanden. Die Hammel wurden gestern geschlachtet und zeigten, wie die„Allgemeine Fleischer- Zeitung" berichtet, feinfaseriges, ziemlich mageres Fleisch, das dem hiesigen Geschmack entsprechen dürste. Da auch die Einkaufspreise im Ursprungsland» derartig sind, daß die Einfuhr nach hier trotz bedeutender Spesen für Zoll und Fracht lohnend ist, so dürften bald größere Posten der Probesendung folgen. Selbstmordversuch eines Grafen, Aus noch nicht aufgeklärter Ursache hat in der letzten Nacht der 72jährige, in dem Hause Schillerstraße 74 zu Eharlottenburg wohnende Graf Ulrich Schack u. Wittenau seinem Leben ein Ende zu machen gesucht. Graf Schack, der seit Jahren an Asthma litt, lebte, da er in Berlin keine Ver- wandte besitzt, sehr zurückgezogen und bewohnte in dem oben er- wlihnten Hause eine Vierzimmerwohnung. In letzter Zeit hatte sich das Leiden so verschlimniert. daß der Graf aus dem Leben zu scheiden beschloß. In der Nacht kleidete sich der Greis an, und erwartete dann in der Küche, wo er den Gashahn der Koch- Maschine geöffnet hatte, den Tod. Als vormittags die Aufwärterin erschien, fand sie den Lebensmüden leblos auf dem Fußboden liegen. Die durch die Feuerwehr entsandten Samariter bemühten sich mit einem Arzt längere Zeit um den Erkrankten, vermochten jedoch nicht, ihn mit Hilfe des Sauerstoffapparates zur Besinnung zu bringen. Graf Schack'wurde schließlich in das Krankenhaus Westend gebracht, wo er schwer daniederliegt. Der Graf hat übrigens schon vor sechs Jahren einmal im Grunewald seinem Leben durch Erschießen ein Ende zu machen gesucht. Tie Friseurgeschäfte an den Feiertagen. Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß für Friseurgeschäfie zum bevorstehenden .Feste Ausnahme» hinsichtlich der Vorschriften über die Sonntagsruhe nicht zugelassen sind. Es darf somit, weder am silbernen noch am goldenen Sonntage über die Zeit von 2 Uhr nachmittags hinaus gearbeitet werden. Ebenso sind die Friseurgeschäfte an allen Feiertagen bis 2 Uhr oe- öffnet. Diejenigen Geschäfte, welche am 2. Feiertage gänzlich oder früher schließen, machen dies durch Aushang bekannt. Tie Friseurgeschäftsinhaber und-angestellten würden dem Pub- likum dankbar sein, wollte es an Sonn- und Festtagen überhaupt ihre Geschäfte so aufsuchen, daß pünktlich 2 Uhr die Arbeit beendet sein kann, da bei der geringsten Ueberschreitung stets eine Polizei- strafe zu gewärtigen ist. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich gestern abend gegen 6 Uhr in der Brückenstraße. Dort wurde ein etwa 40jähriger un- bekannter Mann beim Ueberschreiten des Fahrdamms von einem Straßenbahnwagen der Linie 3S zu Fall gebracht und überfahren. Als man den Wagen mittels Winde hochhob� war der Verunglückte bereits tot. Seine Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Kleine Nachrichten. Eine anscheinend geisteskranke Frau wurde in der Nacht zum Dienstag gegen 3 Uhr ganz nackt in Sturm und Schneegestöber in der Neuen Wilhelmstraße aufgefunden: sie hatte sich auf der Straße ihrer Kleider entledigt. Als die Leute die Un- glückliche anhalten und nach einem Krankenhause bringen wollten. ergriff sie die Flucht. Man holte sie aber bald ein, deckte die halb Erstarrte mit Mänteln und anderen Kleidungsstücken zu und brachte sie mit einem Wagen nach der Charits. Wer sie ist, konnte noch nicht fest- gestellt werden. Es handelt sich um eine Frau oder ein Mädchen in den mittleren Jahren.— Besinnungslos aufgefunden wurde gestern abend eine Greisin, die auch noch unbekannt ist. Sie brach vor dem Hause Prenzlauer Allee 208 auf dem Bürgeisteig zusammen und wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Die Frau ist etwa 70 Jahre alt, trug ein schwarzes Umschlagetuch, ein schwarzes Kopftuch, warme schwarze Schnürschuhe und halte eine alte Leder- lasche bei sich.— Auf dem Kulschbock vom Tode ereilt wurde gestern nachmittag der 47 Jahre alte Kutscher Karl Marten auS der Straß- burgstraße 100 zu Weitzensee. Vorort-?tadmckten. Lichtenberg. Fast die gesamte proletarische Schuljugend Lichtenbergs hatte sich am Sonnabend und Sonntag im„Schwarzen Adler" ein- gefunden, um sich an den Kinder-Bühnenspielen, welche d�s Ver- gnügungskomitce des Wahlvereins ihnen in diesem Jahre bot, zu ergötzen. Der reiche Beifall, den die Aufführungen ernteten, be- wies, daß pulsierendes Leben auf der Bühne besser wirkt, als Kino- oder Lichtspiclbildcr. Tie beiden Märchcnspielc„Tannen- bäumchens Wcihnachtsfest" und„Märchen im Walde" waren auch dazu angetan, den Lerneifer der 70 mitwirkenden Kinder zu be- friedigen. Außer Darstellungen von Märchenfiguren bot der Reigen- tanz sowie der Kindcrchor eine reiche Fülle der Abwechselung.— Von unserer Polizei ist bei dieser Gelegenheit wieder zu melden, daß sie„außerordentlich Gutes" leistete. Nach einer Verfügung von 1851 tragen theatralische Aufführungen einen öffentlichen Cha- rakter, sobald außer eingeschriebenen Mitgliedern eines Vereins Angehörige oder Verwandte teilnehmen. Da nun die Anmeldung und die Einreichung der Stücke zur Zensur unterblieb, wurde herumgeschnüffelt, bis der Veranstalter Kenntnis von der Sachlage erfuhr. So hing denn das Damoklesschwert des Verbots wieder über unserem Haupte und nur dem schnellen Eingreifen unserer Genossen gelang es, die Aufführung zu ermöglichen. Da nun, viel- fachen Wünschen entsprechend, eine nochmalige Aufführung am �onntag, den 14. Dezember, nachmittags 2K Uhr, im„Schwarzen Adler" vor sich gehen soll, ist dem Veranstalter bedeutet worden. daß die Genehmigung versagt wird, da diese Kinder-Bühnenspiele dann gewerbsmäßig betrieben werden. Es hat sich daher der Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität"(Bezirk Lichtenberg) bereiterklärt, eine ebensolche Veranstaltung zu arrangieren, an der wieder sämtliche Kinder mitwirken. Billetts zu dieser Sonntags- aufführung sind von heute ab zum Preise von 10 Pf. pro Person in folgenden Verkaufsstellen zu haben: John, Zigarrengeschäst, Gärtnerstr. 33; Wilh. Schulz, Gastwirt, Kronprinzenstr. 47; O. Blume, Gastwirt, Alt-Borhagen 56; Krüger, Gastwirt, Türr- schmidtstr. 40; P. Werner, Gastwirt, Wilhelmstr. 86; Mielke, Gast- lvirt, Möllendorfstr. 14; Gergs, Zigarrengeschäft, Wilhelmstr. 40. Neukölln. Aus der MagistratSsttzung. Zwecks Vorbereitung der von der Stadtverordnetenversammlung unterm 12. Juni 1913 genehmigten Bauausführungen: 1. Neubau einer Raumkühleranlage; 2. Neubau einer Apparatenanlage; 3. Neubau einer Reinigeranlage; 4. Neubau einer Stations-Gasmesseranlage sowie zum Ausbau der Fundamente für die im Ofenhaus IV vorgesehenen fünf neuen Oefen wird die Eröffnung eines Vorschusses genehmigt.— Der vorgelegte Anschlag- gebührentaris wird entsprechend dem Beschluß der Verkehrsdeputation vom 10. November 1913 genehmigt.— Die Verlegung der beiden an der I. Mädchenmittelschule geführten Parallelklassen 3 O und 4 0 nach der II. Mädchenmtttelschuie wird vom 1. April 1914 ab ge- nehmigt. Am Sonnabend, den 13. Dezember, abends 8 Uhr, findet in Kliems Festsälen, Hasenheide 14, ein Bauernball(Kostümfest zum Besten der Arbeiterjngendheime Neuköllns) statt. Billetts für Er- wachsene(30 Pf.) sind in allen Zahlabendlokalen zu haben. Aus- gabestellen für die Eintrittskarten für Jugendliche(15 Pf.) sind die Vorwärtsspeditionen Neckarstr. 2 und Siegfriedstr. 28/29, sowie die Jugendheime Nogatstr. 15 und Fuldaftr. 55/56. Garderobe 10 Pf. Hohen- Schönhausen. Einer Ausmictung verteufelt ähnlich sieht das Vorgehen eines am Orte ansässigen Schlächters gegen die Gemeinde aus. Letztere hat ein Verkaufslokal für russisches Fleisch bis zum 31. Dezember ge- mietet. Im Fall der Fortsetzung der Einfuhr von russischem Fleisch war wohl ohne weiteres anzunehmen, daß die Kommune den Ver- trieb des Fleisches, zumal dasselbe sich eines außerordentlichen Zu- spruches aus allen Schichten der Bevölkerung erfreute, weiter geführt hätte. Es erscheint darum verdächtig, daß der betreffende Haus- besitzcr anderweitig vermietete, ohne der Gemeindeverwaltung auch nur eine Silbe davon mitzuteilen. Erst durch einkaufende Frauen erhielt der Verkäufer von dem Geschehenen Kenntnis, der sich sogleich zu dem Hauswirt begab, der ihm eröffnete, daß eine Schlächterei errichtet werden solle. Merkwürdig aber ist, daß man gerade diesen Laden ausersehen hat, der noch dazu für die Er- richtung eines Schlächtereibetriebes zu klein ist, son- dern sich höchstens zum Fleischverkauf eignet, während ein im selben Hause befindlicher größerer Laden leer bleibt. Be- zeichnend ist auch, daß der Hauswirt diesen für den eventuellen späteren Verkauf des russischen Fleisches rundweg verweigert. Da die Einfuhr des russischen Fleisches nach dem 1. Januar fortgesetzt wird, werden unsere Genossen in der Gemeindevcrtreiung mit aller Macht darauf hinwirken, daß der Bevölkerung diese Einrichtung er- halten bleibt. Adlershof. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung hatten unsere Genossen folgenden DringlichkeitSantrag eingebracht:„Der Gemeinde- vorstand wird ersucht, 1000 M. zur Unterstützung der Arbeitslosen bereitzustellen. Diese Summe soll an hiesige Arbeitslose zur Ver- teilung gelangen und zwar derart, daß dieselben prozentual der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit und der Kopfzahl der Familien zum Weih- nachtssest eine Zuwendung erhalten. Die Höchstsumme soll im Einzelsall 20 M. nicht übersteigen." Die Dringlichkeit erkannte die Mehrheit der Vertretung nicht an, es konnte daher der Antrag nicht zur Verhandlung kommen. Hiermit hat die bürgerliche Mehrheit wieder einmal gezeigt, wie wenig Verständnis sie für die Not der arbeitenden Bevölkerung befitzt. Unsere Genossen werden Mittel und Wege finden, daß sich die Gemeindevertretung doch noch in diesem Jahre, und sei es in einer zu diesem Zweck extra einberufenen Sitzung, mit dem Antrag beschäftigen muß. Die Errichtung einer Steuerkasse hal sich als dringend notwendig herausgestellt. In Verbindung hiermit wurde gleichzeitig angeregt, eine Registrierkasse zu beschaffen. Nach eingehender Besichtigung der letzteren wurde beschlossen, nach dem Vorschlage des Etatsausschusses die Registrierkasse für den Preis von 3525 M. zu beschaffen. Eine Summe von 61 963 M. ist erforderlich, um die bereits seit Jahren in den Büchern als Vorschüsse gebuchten Ausgaben ordnungsmäßig zu erledigen. Von der Aufnahme einer neuen Anleihe wurde, im Hinblick auf den zurzeit ungünstigen Geld- markt, Abstand genommen; das Geld soll aus dem Kanalisations- fonds gegen 4 Proz. Zinsen entnommen werden. In der voran- gegangenen Sitzung hatte sich die Gemeindevertretung mir der Ein- führung des Verkaufs von ausländischem Fleisch beschäftigt. Da- mals hatte die Vertretung im Prinzip beschlossen, daß der Verkauf wieder stattfinden soll. Der Teuerungsausschuß, welcher den Verkauf endgültig in die Wege leiten sollte, hat den Beschluß der Gemeindevertretung aber nichl durchgeführt, da der Verkauf im Vorjahre einen Zuschuß von insgesamt 1303 M. erfordert hat. Diese Summe war im Oktober der Gemeindevertretung noch nicht bekannt und aus diesem Grunde lehnte der genannte Ausschuß— gecsen die Stimmen unserer Genossen— den Verkauf ab. Erreicht wurde da- mit, daß das Fleisch überhaupt nickt zum Verkauf kommt. Im Namen unserer Genossen geißelte Genosse Zabel ein derartiges selbstherr- liches Handeln des Ausschusses. Wären Bedenken vorhanden ge- wesen, so hätte vor allem die Gemeindevertretung davon in Kennt- nis gesetzt werden müssen und nicht durch die Verschleppungstaktik die Durchführung eines Beschlusses der Gemelndeveruetung verhindert werden dürfen. Da mit dem 31. Dezember jedenfalls die erleichterte Einfuhr von ausländischem Fleisch aushören wird, brachten unsere Genoffen folgenden Antrag ein:„Die Gemeinde- Vertretung beauftragt den Gemeindevorstand, sich mit den Nachbargemeinden tri Verbindung zu setzen, um vereint bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß die Einsuhr von ausländischem Fleisch auch nach dem 31. Dezember d. I. zu den erleichterten Be- stimmungen beibehalten, bleibt."(Der Antrag erübrigt sich jetzt, da die Genehmigung des Ministers bereits erteilt ist. Die Red.) Da das Defizit beim Verkauf erst in den letzten vier Wochen entstanden ist. verlangte Genosse Zabel eine genaue Untersuchung. Der Anregung schlössen sich auch die übrigen bürgerlichen Redner an. Schöffe Mendelssohn teille noch miß daß in den ersten Wochen des Fleischverkaufs sogar kleine Ueberschüsse zu verzeichnen waren, der Fehlbetrag am Schlüsse des Verkaufs daher um so auffälliger sei. Der Antrag unserer Genossen wurde angenommen; der Genicindevorsiand wurde ferner beauftragt, die Ursache des Minus nochmals genau nachzuprüfen. Die Orissatzung für die gewerbliche Fortbildungsschule wurde angenommen. Der Bebauungsplan für das Gelände zwischen Tel- tower Kanal, der Rudower Chaussee und der Görlitzer Bahn hat der Gemeindevertretung zu wiederholten Malen vorgelegen, da die Vertretung eine andere Verteilung der Grünflächen verlangte, als diese vom Zweckverband vorgesehen waren. Der neuaufgestellte Plan sieht 36,6 Proz. Freifläche vor und außerdem bildet eine breite Promenade den Abschluß gegen das vorgesehene Industrieviertel. Diesem Plan stimmte die Vertretung zu. Um die mangelhafte Be- dienung im Fernsprechdienst zu beseitigen, soll eine Beschwerde an die Polizeidirektion gerichtet werden. Auf eine Anfrage des Ge- nossen Zabel erklärte� der Bürgermeister, daß die neue Feuermelder- einrichtung in den nächsten Tagen fertig und in Dienst genommen werden wird. An der Mitgliederversammlung des Wahlvereins gedachte der Vorsitzende. Genoffe Klodt, zunächst des im letzten Monat ver- storbenen Genoffen Emil Bauer. Alsdann hielt Genosse Freundt einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über Feuerbestattung mit Erklärungen am Modell. An Stelle der Genossin Kohl wurde Genossin Bratz in den Vorstand gewählt. In den MIdungs- und Jugendmisschüß wählte die Versammlung die Genossen Ernst Krebs, Scbönfcld und die Genossin Frieda Petrich. Zur Neuauf- nähme in den Wahlvcrein hatten sich 32 männliche und 4 weibliche Mitglieder gemeldet. Die Genossen Mcil und Klodt bemängelten die oft zutage tretende Lauheit der Mitglieder, auch müsse dafür gesorgt werden, daß die einmal gewonnenen Mitglieder des Wahl- Vereins dauernd der Partei erhalten bleiben. Den Bericht von der Verbandsgeneralversammlung erstattete Genosse Pätzold. Genosse Zabel schilderte die Vorgänge in der letzten Gemeindevertreterfitzung, in welcher ein von unseren Vertretern gestellter Antrag, 1000 M. für die Arbeitslosen zu bewilligen, nicht zur Verhandlung kam. Unsere Vertreter werden daher die Einberufung einer neuen Sitzung verlangen.— Zum�schluß forderte Genosse Klodt noch zu reger Teilnahme an den Sammlungen für die Arbeitslosen auf. Köpenick. Arbeitslose und Notstandsarbeiten. Im Verfolg des letzten Stadtverordnetenbeschlusies macht der Magistrat bekannt, daß Arbeits- lose, welche bei den Notstandsarbeiten beschäftigt werden wollen, sich täglich im Nathans(Stadlbauamt) von 10' bis 12 Uhr melden können. Spandau. Selbstmord eines Hauptmanns. Am Montag hat sich der Haupt» mann Schröder vom Pionier-Bataillon Nr. 3 in Spandau erschossen. Grund des Selbstmordes ist, wie gemeldet wird, eine Liebes« angelegenheit. Bernau. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins gab Genoffe Zinnow zunächst den Bericht von der Stadiverordnetenwahl. Er ersucbte besonders die Frauen, diejenigen Geschäftsinhaber bei ihren Einkäufen zu berücksickligen, die bei Wahlen für unsere Kandidaten eintreten.'Die Diskussionsredner äußerten sich im selben Sinne. Dann erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, daß die Genoffen Ringers und Muth, die bei der Landtags- und der Stadt- verordnetenwahl ihr Stimmrecht nicht ausgeübt haben, ohne be- sondere Ladung ans der Mitgliederliste gestrichen werden. Hierauf erstattete Genosse Rosenow den Halbjahrsbericht. Demselben ist zu entnehmen, daß die Kassenverhälnisse sehr ungünstig sind; auch in der Mitgliederbewegung ist nur ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Als Gruppenführer wurden an Stelle der Genossen Leist und Koppitsch die Genosien Falbe und Bernau gewählt. Unter Verschiedenem teilte der Borsitzende mit. daß zu den am 4. Januar stattfindenden Wahlen zur Allgemeinen Krankenkasse des Kreises Niederbarnim eine Flugblattverbreitung vorgenommen wird; er ersuchte, daß bei der großen Bedeutung der Wahl die Verbreitung gewissenhafter als sonst erledigt wird. Ferner verwies Redner darauf, daß aus der Bibliothek 50 Bände fehlen; er forderte die Anwesenden auf, Umschau nach denselben zu halten. Mit einer Aufforderung, für den Wahlverein und den �Vorwärts" rege zu agitieren, wurde die Versammlung geschlossen. Zur Ortskrankenkassenwahl nehmen am Donnerstag, 11. Dezember, abends 8i/z Uhr, bei Troppens, die erweiterte Bezirksleitung des Wahlvereins, die Vorstände der Gewerkschaflen, die Kartelldelcgierten und die Delegierten der Ortskrankenkasien Stellung. Die Be- teiligten werden ersucht, die Sitzung vollzählig zu besuchen. Siftungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Nowawes. Heute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, im Rathause. Diese Sitzungen siiw»fsentlich. Jeder Gcmeindeangehörigc ist be- rechrizl, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Bmf haften der Redahtion. Tie luriftislbe Svreaift-Nde findet LindenftraSe SS, dorn vier Trebbe» — S a b r ft n b i—, wochentägiii» von bis 7 tut abend», e«aaa»ends> von IVj bis 6 Ute abends statt. Jedee flit den Bricslaiien bestimmten»nfraze ist ein Buchstabe und eine Zati als Merfz eichen beiznsügen. Briefliche Antwcn wird nicht erieilt. Anfrage», denen leine AbannementSgoitinng deigefSgi ist. berde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Lbrcchftznde vor. R. Z. 113. 1. Ja 2. Einen Anspruch aus Stundung haben Sie nicht. Versuchen Sie es jedoch mit einem Antrag. 3. Ja. 4. Eine staat- lich anerkannte Religionsgemeinschast, die auch aus Staatsmitteln Leistungen erhält.— A. I. 320. Ihr Vater soll es mtt einem Antrag an das Polizeipräsidium versuchen. Bestimmte Geschäfte weisen wir nicht nach. Sie können dieselben im Adreßbuch, II. Teil ermitteln. Die Armenverwaltung von Schönebcrg besindet sich im Rathaus.— W. B. 1. Sie schließen am zweckmäßigsten beim Notar einen Ehevcrtrag, der dann dem Amtsgericht zum Zwecke der Eintragung in das Güterrechtsregister und zum Zwecke der Publikation einzureichen ist.— H. B. 42. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein, sofern die Mittel nicht von Ihrer Frau erworben sind.— F. F. B. 40. Sie gehören noch der Landeskirche an, da zur Zeit Ihrer Geburt Ihr Vater noch nicht ausgeschieden war.— A. I. 37. 1. Die Gründe scheinen nicht ausreichend zu sein. 2. Stellen Sie im Termin dem Richter die Gründe dar. Es ist möglich, daß daraus Rücksicht genommen wirb.— I. B. 112. Ihre Mutter hat Anspruch aus Witwenrente, josern sie im Sinne des Gesetzes invalide ist.— Alter Genosse 85. 1. und 2. Nach dem Wortlaut des Testaments geht der Nachlaß in elf gleiche Teile. 3. Nein. 4. Die Anordnungen des Testamentsvollstreckers, sofern sie im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen liegen, sind maßgebend.— — 6666, K. P. Ihre Angaben reichen nicht aus, um einen nach dem Gesetz berechtigten Grund zum Getrenntleben zu habcu, dies um so weniger, als Jbre Behauptungen nicht beweisbar sind. DaS Zeugnis der unerwachsenen Kinder dürste kaum in Betracht kommen— P. K- 40. Läßt sich nur nach Einsichtnahme in die Kostenrechnung und dl« Handaltcn beurteilen.— G. M. 53. Nur dann, wenn es sich um Unterhalts- anspräche handelt.— A. P. 100. Nur zu beantworten, wenn die Höhe des Lohnes und die Anzahl der etwaigen Familienangehörigen bekannt ist. Der Arbeitgeber muß den im PsändungS- und UcberweisungSbefchluß ge- nannten Betrag kürzen.— 20. G. 39 Nein.— Alter Abonnent 1888. $Ijrc Angaben reichen nicht aus, kommen Sie mit der Testamenisabschrist in die Sprechstunde.— Zf. W. 71. Läßt sich nur nach Einsichtnahme in den Vertrag heurteilen.— H. D. 100. Falls Alimente von der Geburt des Kindes an eingeklagt sind, so kann der Beklagte mit den gezählten Be- trägen gegen die jetzt fälligen Ansprucge ausrechnen.— A. W. 4. Wir teilen Ihre Austastung.— E. L. 1- Des Vaters. 2. Ja.— W. I. Verlangen Sie von der Firma eine spezialisterte Ausstellung und prüfen Sie alsdann an der Hand der Quittungen nach, ob Sie noch etwa? schuldig sind. Ist das nicht der Fall, können Sie weitere Zahlungen ablehnen. Marktpretie von Verlin am 8. Dezember 1913. nach Ermittelungen des kgl. Volizewräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16.80—17,00. mittel 00,00—00,00. geringe 00,00—00.00. Mais(runder), gute Sorte 14 80—15 o0 Richtstroh 0,00. Heu 0,00—0,00. Markthatlenvreije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sveisebobnen. weiße 35,00— 60,00. Linien 36,00—80,00. Kartofiein(Kieinhdi.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60—2,40. Rindfleiich, Bauchfleisch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,40—2.00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2.40. Lutter 2,40—6.00. 60 Stück Eier 4,60— 7.20. 1 Kilogramm Kardien 1,00—2,40 Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechle 1,20—2,40. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60— 3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Kreble 2,00—24,00 ZSasierftandS-Nachrichten der Landesanflalt für Gewäfieriunde, mitgctelll vom Berliner Setterdurean Wasserstand M e m e i, Tilsit P r e g e t, Jnslerburg Weichsel. Thorn Oder. Rattbor , Krost'en , Frankiurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Pordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden Bardo Magdeburg Wasterstand Saale. Grochlt, Havel. Spandau 1 Ziatbenow) gsC' R b ei n. Maffmiliansau v Kaub Köln zzeckar, Heilbronn Main. Hanau Mosel. Trier ')+ bedeutet Wuchs,-Fall.- 1 Unterpegel. Erscheint 2 mal wöchentlich. 1 f Untenstehende Geschäfte empfehlen sich b. Einkauf. I" WövMsWine P.Bock, Klosters tr. 8/9, S liSsmein-üerfGhiedeiies Crunow's Kaffee-Versd. DresdnerstTO CUjoph Lindenstr. 105 ■ nivuil Speck» imdSchinkenfi&Izerei. �Ihoholtreie BsiranHe !Fr an z Abraham Hamb. Messina-u.Romertrank-Kell. C.25 Bartelatr. 8a, Fernsp.Kgst.lSTOS Arüeiiep-BeruisHleidung Keiner, Otto, Gerichtstraße 86. Partiewareng., Tegel, BninowstlS F. Ziilat, Waldemarstr. 64 a. a'?o-FaHHüüuie Üen�r. Auto l�chnikum Norden Prinzen-Allee 42 43 Chanffearschole Tages- und Abend-Kursus Eiptrilt jedcneit. Prosiiekle gratis. paßs-r.nitaüen Arkona-Bad, Anklamer-Str. 54. Baiflii-üßaUillOi��k m Landsbergeratr. 107 Gollnowstr. 41. Sötrsl-Eafl AnÄÄ. 25. Bad Frankfurt, Gr.Frkft.Str. 136. Lieferant sazntl. Krankenkassen Bad Friednchsbain,LaRd9bAlIeel53 Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. Kaiser-Frledrichs-Bad,CharI.t.Bk. linrionh9H�n(leDstr' 109 Soolqadie Llilüülllldd Friedriebst 8. Lief. a. Kaas. National-Bad, Bnmnenstr. 9. Bad Ostend SfÄn7 Original Lobtannin Bad Wallst r. 70,71 früh. Münsel Srotl. Bäder, auch, f. Krankenk. Kottbuser- Damm 79. Reforra-Bad, Wiener Str. 65. Reform-Bad Weißensee, Lehderst.104 Passage- Bad ■153a. W d B ü � 3 Schlesische Str. 31. andagen, Ei'rcmiutöpen R. Bauke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenlckerstr. 70. A. E. Lange, Bnmnenstr. 166 Liepe, Schöneberg, Gruevaldatr.30. Meyer, P.,NklliLjBerIiner8tr.49— 50 H. Keusch, Breitest. 24, Spandau. J. Ch. Pollmann, Uthringerstr. 60. M. Spranger, Remickend�StnlL gJgerjjjonöiiöPeiRn C. Adameck. Nklln., Jonasstr. 23 A.AIbat,>Iarktstl2'13,ReiBiekciidor! A'brocht, E., Fruchtstr. 29. Landbrotbäcker. Herrn. Albrecht P. Andersdh, Zionskirchstr. 17. R. Anderson, Thüringcrstr. 32 Asmus. Wilh., reckermuudentr. 11. K. Aust, Drontheimer Str. 40. Wilh. Bngge, Wiclefstr. 55 6. Willy Bär, Stromstr. 48. Paul Berger, Mirbachstr. 29 Josef Brefka, Kirchhofstr. 46/47 E. Beyer, Thornerstr. 6. H.EMWWMKe 33. Otto Billepp, Kutaniea-Allee 21 n. 69 Relnh. Bienkle, Wiesenstr. 19a. R. Block, Sorauerstr. 18. AIw. Brämer, Romintenerstr. 40 Brotfabrik Heinersdorfer Mühle F. Bockenkamp, Camphausenst.6 PculBochnlg,FankoVr,Görschstr.Il Rudolf BrechllnjOckerst. 3 Nklln. F. Breitkopf, Exerzierstr. 19 a. Hermann Büß, Grünauerstr. 12. Ewald Buchler, Weserstr. 47. Ernst Buller, Brüsselerstr. 43. Gust. Böhm, Gubenerstr. 26 G. Büchner, Nordhausenerstr. 39 Alb. Dachwig. Knmoninorstr. 16. Davids Landbrot.kudersdoi;er8:r.2a P&liagdepf:tT.44.W»CmanH-,E.Elif»bclkit. Paul ifo ily, Markusatraße 15, Albert Denkewitz, Jiblonskistr. 14 Doliwa, Ferdinand Torellstr. 4 Otto Donath, Stolpischestr. 22. H. 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Baffcrmann(natl.) fragt an, ob dem Reichskanzler bekannt ist, daß englische Unternehmer in Arabien, Syrien und Mesopotamien bedeutende P e t r o l e u m k o n z e s s i o n c n von der Türkei erworben haben, um das gewonnene Rohöl an die englische Admiralitäl zu berkaufcn und den Wettbewerb anderer Länder in diesen Gebieten aus- zuschließen, und was der Reichskanzler mit Rücksicht auf das große Interesse der deutschen Marine an einer gesicherten Heizöleinsuhr zu tun gedenke, um die Ausbeulung von Petroleum auch deutschen Unternehmern zu erinöglichen. Staatssekretär des Auswärtigen v. Jagow: Die Pressemeldungen über englische monopolartige Erwerbungen von Petroleumkonzessionen sind nach meinen Jnformalionen"in dieser Form unrichtig. Dagegen kann ich milteUen, daß mit einer deutschen und mit einer engliichen Jnteresseutengrnppc in der Türkei über den Erwerb von Petroleumkonzessionen, namentlich auch in Mesopotamien, verhandelt wird. Da die Verhandlungen noch schweben, bin ich nicht in der Lage, Einzelheiten mitzuteilen, doch kann ich schon jetzt sagen, daß das deutsche Interesse ge- wahrt wird. Abg. Baffcrmaun(natl.) fragt ferner an, ob bei dem Abkommen zwischen Rußland und China vom 5. Noveniber 1913, durch welches die«ouverä- nität Chinas über die äußere Mongolei, andererseits die Autonomie der letzteren anerkannt wurde, die dem Deutschen Reiche kraft Vertrages mit China von 1881 zustehende Meistbegünstigung ge- wahrt ist. Staatssekretär v. Jagow bestätigt, daß diese Meistbegünstigung gewahrt ist. Abg. Gunstcr(Vp.) fragt, ob die Reichsregierung eine Aenderung des ß 33 der G e- Werbeordnung in Aussicht genommen hat und ob einer even- tuellen Neuregelung dieser in das G a st w i r t S g e w c r b e tief- eingreifenden Materie vor Einbringung einer Vorlage Vertreter des Gewerbes gutachtlich gehört werden sollen. Direktor im Reichsamt des Innern Caspar: Ein Entwurf über die Aenderung des Z 33 der Gewerbeordnung ist im ReichSamt des Innern ausgearbeitet und liegt dem Bundesrat vor. Ucber den Gang der Verhandlungen ist eS zurzeit nicht möglich, Mitteilungen zu machen. Abg. Dr. Blankenhorn(natl.) fragt, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um der überhand- nehmenden Fabrikation von Malzwei neu, die eine täuschende Nachahmung der kleinen Traubenweine sind, entgegen- zutreten. Direktor im Reichsamt des Innern v. Jonquiörcs antwortet, daß eine entsprechende Lorlage dem Bundesrat in der n ä ch st enZ e i t zugchen wird.- Abg. Wurm(Soz.) lragi an. ob der Reichskanzler bereit ist, einen Gesetzentwurf vorzu- fegen, durw den die vorübergehenden Zollerleichte- rungen bei der Fleisch ein fuhr, deren Frist an, 31. März 1911 abläuft, verlängert werden. Direktor im Reichsauit des Innern Müller: Der Reichskanzler bat nicht die Absicht, einen solchen Gesetz- entwnrs dem Reichstage vorzulegen.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.> Grste Lefung des Etats. Reichskanzler v. Bethmanil Hollwcg: Seitdem ich hier im Hause zum letztenmal über die Orient- Politik gesprochen habe, haben sich die Ereignisse des zweiten Balkankrieges, der Vertrag von Bukarest und der Friedensschluß der Türkei mit ihren Gegnern im ersten Feldzug ereignet. Damit sind die Ereignisse aus dem Zustand der akuten Stonfltkte herausgetreten. wenngleich die Folgen dieser weltgeschichtlichen Umwälzung noch nicht abgeschlossen sind. Die Festlegung der albanischen Grenzen, die zeitweilig Schwierigkeiten bereitete, scheint ihrem recht- zeitigen Abschluß entgegenzugehen. Unsere Interessen werden nahe berührt durch die infolge der Zerstückelung eines Teiles der europäischen Türkei notwendige Neu- regelung der türkischen Staats schulden verhält- n i s s e. Die zu diesem Zweck in Paris zusainmengelretcne Kon- ferenz hat sich beim Ausbruch deö zweiten Balkankrieges vertagen müssen; vor ihrem Wiederzusammentritt bemühen wir uns, durch Einvernehmen mit anderen Großmächten, in letzter Zeit b e s o n- ders auch mit Frankreich, die Grundlagen für die Löiung der Frage vorzubereiten. Hoffentlich wird die Frage des Schicksals der Aegätschen Inseln ebenfalls eine befriedigende Lösung sinden. Die Großmächte haben in allen Phasen der BalkankrisiI, auch wenn ihre Fnlcresse» nicht nbereinslimnilen, stets schließlich so fest zusammengehalten, daß sie auch die noch aus- stehenden Schwierigkeiten zu überwinden wissen werden. Denn das Emveriiehinen der Großmächte, die Erkenntnis, daß die ruhige Weltlage unter den europäischen Mächten durch die Neuordnung der Balkanverhältnisse nicht erschüttert werden dürfe, ist während der monatelangen mühevollen Arbeit, die seit dem ersten Kanonen- schuß auf dem Balkan geleistet werden mußte, nicht gemindert, sondern veritärkt worden. DaS Verdienst daran haben alle Groß- mächte g e m e i n s a m, und eine spätere Zeit wird der vielfach scharf kritisierten Londoner Konferenz Dank dafür wisien, daß sie die solidarischen Interessen Europas erkannt, geeinigt und zu- sammengehalten hat. Wir werden uns auch fernerhin an di-ier gemeinsamen Arbeir der Mächte wie bisher bc- teiligen. Wir haben dabei die spezielle» Zuteressen unserer Bundes- genossen Oesterreich-Ungarn und Italien energisch und wirksam unterstützt und haben gleichzeitig in vertrauensvollem Zu- sammenarbeilen mit England und gestützt aus unsere freund- schaftlichen Beziehungen zu Rußland dein europäischen Konzert unsere Dienste geleistet, welche Arbeit uns durch die er- freulicherweise durchaus korrekten Beziehungen zu Frankreich er- leichtert worden ist. Wir haben die Frage, ob der Friede von Bukarest durch Europa revidiert werden soll, verneint, weil wir in ihm eine Basis anerkannt haben, von der aus die langwierigen Aufräumungsarbeiten auf dem Balkan begonnen werden könnten. J» dieser Erwartung haben wir unS nrcht getäuscht, denn seitdem reisen die Dinge auf dem Balkan ihrer Festigung langsam entgegen. Ich brauche nicht erst zu sagen, wohin ww gelonnnen wären, wenn die europaischen Großmächte in Unklar- heil und Uneinigkeit an die Revision des Vertrags gegangen fein tvürden. Die manchmal aufgetauchte Annahme, als ob die im Anfang angestellten Erwägungen über die Frage einer Revision des Vertragsunsere Bundesverhältniss e ungünstig beein- slußt chätlen, kann ich in i t Entschiedenheit zurück- weisen. Ich nehme dabei Bezug auf die Erklärungen des Grafen Berchtold in den österreichisch-ungarifchen Delegationen. Unser Bundesverhältnis ist in den großen LebenSinteresscn beider Reiche viel zu unerschütterlich begründet, als daß es durch etwaige Meinungsverschiedenheiten in Jnzidenzpunkten des Balkanproblcms, an dem Oesterreich-Ungarn viel mehr interessiert ist als wir, irgendwie getrübt werden könnte.(Lebhafter Beifall.) Der Dreibund hat sich im Verlauf der Balkankrise so stark bewährt, wie vielleicht nie zuvor. Die Großmächte stimmen über das Verhalten Europas zu der künftigen Entwickelung der Türkei überein. Nach dem Abschluß der bosnischen und lripolitanischen Frage hat der Dreibund ein eigenes Interesse an der Erhaltung und Festigung des türkischen Besitzstandes. Das englische R e g i c r u n g S p r o g r a in m der Sicherung des asiatischen Be- sitzcs der Türkei auf der Basis innerer Reformen, ohne Einmischung Europas, aber unter Mithilfe der an der Entwickelung Kleinasiens interessierten Mächte deckt sich mit unseren An- schau ungen, ebenso die französische Politik, die rücksichtlich der Türkei von einem konservativen Grundzug er- füllt ist. Die Unterredungen mit den russischen Ministern haben mich überzeugt, daß Rußland den Gedanken an territoriale Erwerbungen in Kleinasien von sich weist und auch sein Bestreben auf Besserung der Verhältnisse in Armenien gerichtet ist. Ein poli- tischer Konflikt wegen der Zukunft der Türkei steht also den europäischen Großmächten für absehbare, Zeit nicht bevor. ES bleibt der besonders in Kleinasien lebhafte wirtschaftliche Wettbewerb der einzelnen Länder, und da beanipruchen unsere großen wirtschaftlichen Interessen, namentlich mit Rücksicht auf die B a g d a d b a h n besondere Aufmerksamkeit. Wir haben mit der englischen Regierung VerHand- lungen eingeleitet, die den Zweck haben, möglichen wirtschaftlichen Reibungen vorzubeugen und die Bagdadbahn finanziell und politisch ein sür allemal sicher zu stellen. Wir haben auch mit der französischen Regierung auf deren Wunsch Besprechungen in ähnlichem Sinne gepflogen. Die englischen Verhandlungen sind ziemlich weit vorgeschritten, die französischen befinden sich noch im Anfangsstadium. Die in so erfreulicher Werse fortschreitende Besserung unseres Verhältnisses zu England hat uns ermöglicht, in f r e i ni ü t i g e in G e- danke'nauStausch an die Lösung des Bagdadproblems heran- zutreten. Um durch Verständigung über einzelne Fragen des welt- wirtschaftlichen und kolonialpolitischen Wettbewerbs die B e- ziehungen zwischen England und Deutschland d a u e r n d in r u h i g e B a h n e n z u r ii ck z n l e i t e n, die sie eine Zeitlang zu verlassen gedroht haben, haben wir mit England auch Verhandlungen eingeleitet, um der Entstehung von Wirtschaft« lichen Gegensätzen in Afrika vorzubeugen. Ohne Beeinträchtigung der Rechte Dritter arbeiten wir daran, einen billigen AuS- gleich zwischen den Interessen beider Teile zu finden. Von einseitiger V e r z i ch t l e i st u n g Deutschlands ist dabei nicht die Rede(Lebhaftes Bravo rechts und bei den Nationalliberalcn), so wenig wie von Kompensationen in Vorderasien und Zentralafrika oder umgekehrt. Die Verhandlungen sind noch im Gange, ich kann heule nicht mehr darüber sagen, aber es dürfte eine für beide Länder a n n e h mü ar e 2,ö i un g erzielt werden, und cS wird dann das Vertrauen, das gegenwärtig zwffchcn den beiden Re- gierungen besteht, auch auf diejenigen Kreise übergehen, die einer Wiederannäherung der beiden stammverwandten Völker einstweilen noch skeptisch gegenüberstehen. Lassen wir daÄ Pcrgaugenc ruhen und arbeiten wir zuversichtlich auf der Grundlage fort, die die Gegenwart uns bietet. Unsere Politik liegt klar und offen zutage, die Wahrung unserer eigenen Interessen und unserer Beziehungen zu unseren Bundesgenossen ist so klar vorgezeichnet, daß wir keinen anderen Weg gehen konnten. Diese Politik steht im Einklang mit den großen Gesichtspunkten, von denen aus unsere auswärtige Politik über- Haupt geleilet werden muß. Unsere Lage im Herzen Europas lvird uns allezeit darauf hinweisen, sür die Aufrecht- erhallung unserer Machtstellung die s ä m t l i che n physischen und moralischen Kräfte der Nation ein- zusetzen. Dieselben Kräfte fordern gebieterisch eine weitere Eni- saltung im Gelriebe der Weltwirtschaft und Weltkultur. Nur un- berechtigter Mißmut kann verkennen, daß Deutschland in den letzten Jahrzehnten an dieser Aufgabe mit Erfolg gearbeitet hat. Die Auf- gäbe bleibt groß und sie bedeutet ein bestimmtes und festes Ziel, auch wenn dieses nur in stetiger und geduldiger Aus- d a u e r erreicht werden kann.(Beifall rechts.— Zurufe bei den Sozialdemokraten: Und Zabern?) Abg. Schcidemailil(So,;.): Der Reichskanzler hat die Rede gehalten, die sein Minister- kollege in Bayern vor einigen Wochen angekündigt hat. Der Reichskanzler hat also, obwohl sich doch zwischen jener Ankündigung und dem heutigen Tage mancherlei abgespielt hat, nicht anders bis- poniert. Er hat über die auswärtige Politik gesprochen. Kein Mensch verkennt ihre Wichtigkeit, am wenigsten wir Sozial- demokratcn. Aber wenn er in der Weise, wie er getan, über die auswärtige Politik gesprochen hat, so geht daraus hervor, daß er f i ch n o ch i in m c r f ü r d e n geeigneten Mann h ä l t, die Interessen des deutschen Volke? dem Auslande gegenüber wahrzu- nehmen. Ich bin anderer Ansicht, Herr Reichskanzler. Sic sind nicht der geeignete Mann dazu! (Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichs- kanzler hat von weisen Herrschern und klngeii Staatsmännern ge- sprachen. Leider galt das alles nur vom Ausland.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube, die Pflicht zu habe», unS vom Balkan über Zaber» nach Berlin zurückzusühren. Meine Auf- gäbe ist keine angenehme, sondern eine geradezu peinliche, Iveil ich nach dem Unwerter der vorigen Woche eine Art Inventur machen muß, d. h. die Schäden abschätzen und die Verantwortlich- keilen feststelleil muß. Jedwede persönliche Gehässigkeit gegen den Reichskanzler liegt mir dabei durchaus fern, ebenso wie meinen sämtlichen Fraklionskollegen; sicher hat auch kein einziger der 293 Herren, die für das Mißtrauensvotum gestimmt haben, sich auS persönlicher Feindschaft gegen den Reichs- kanzler dazu verleiten lassen. Aber seine sachliche Politik, eine ganze Reihe seiner Vorlagen muß unS zur schärfsten Opposition veranlassen, z. B. die letzte Militärvorlage, von der ich bis zu diesem Augenblick überzeugt bin, daß sie ein ungeheurer Fehler war. Immerhin halte der Reichskanzler geivisse mildernde Um- st ä n d e, denn bis kurz vor dem Einbringen der Vorlage hat er selbst davon nichts wissen wollen, es war da nur das Werkzeug der übermächtigen Militärpartci. Auch dafür, daß er eö nicht fertig gebracht hat. daS gegebene WahlrechtS-Ver- sprechen für Preußen einzulösen, hat er mildernde Umstände, denn er selbst lvollte wohl ein ganz kleines Schrittchen vorwärts gehen, aber er durste nicht, die preußischen Junker haben es ihm verboten.(Sehr richtig! links, Lachen rechts.) Auch wenn er auf unsere Anfrage wegen der Arbeitslosigkeit hier eine mehr als klägliche Rede hat halten lassen, so hat er eine gewisse Entschuldigung. Er hat in den letzten Tagen so viel Kummer und Sorge gehabt, daß er an die Hunderttausciidc hungerilder Arbeiter nicht hat denken können.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber sehr scharf«-.uß ich mich wenden gegen die Antwort, die er heute auf die Anfrage wegen der Verlängerung der Zoll- e r l e i ch t c r u n g e n bei der Fleischeinfuhr hat erteilen lasten. Für diese glatte Absage gibt es keine Entschuldigung. (Lebhafte Zustimmung links.) Diese kleinen Zugeständnisse haben immerhin bewirkt, daß da, lvo die Gemeinden davon Gebrauch gemacht haben, die Flcischprcise etwas billiger wurde». In Grotz-Bcrlin zum Beispiel wurden 117 279 Zentner eingeführt, dabei wurden 159 999 M. zugesetzt, also pro Pfund 1,3 Pf., nicht 13, wie es in verschiedenen Zeitungen infolge eines Druckfehlers hieß. Es handelt sich dabei keineswegs um ein Fiasko, sondern um eine Einrichtung, die sehr segensreich gewirkt hat. Für Berlin ist die Ber- günstigung nur bis zum 31. Dezember bewilligt, und auf eine Ein- gäbe Berlins an den LandwirlschaftSminister um Verlängerung des Termins, die am 29. November gemacht ist, ist die Berliner Stadt- Verwaltung bis heute ohne Antwort!(Lebhaftes Hört! hört! links.) Ich darf aber auch feststellen, daß wir allen Vorlagen des Reichskanzlers die objektive Würdigung haben zuteil werden lassen, die tvir als selbstverständlich ansehen; eine Reihe seiner Vorlagen sind sogar nur mit unserer Hil,fe Gesetz geworden, so die Verfassung von Elsaß-Lothringen, die Besitz- st e u e r, die kleinen Verbesserungen im Zivil- und Militär st raigesctzbuch. DaS System, das Herr von Bethmann Hollwcg vertritt, bekämpfen wir selbst- perständlich grundsätzlich, aber daß wir alles, was spe- zi fisch Bethmann Hollwegtsch ist, bekämpft hätten, ist entfach ein Unsinn. Nicht wir. sondern Herr v. Bethmann Hollweg selbst ist es gelvesen, der sich die gegenwärtig so ver- fahrene Situation geschaffen hat, eine Situation, aus der ein Ausweg gefunden werden muß, der der Würde der deutschen Volksvertretung entspricht.(Lebhaftes Sehr wahr! links). Die jetzige Situation zeichnet sich durch eine Eigentümlichkeit aus, sie birgt eine solche Fülle von Komik, daß wirklich ein Dutzend Komödiendichter lange Zeit davon leben können. Immer wieder wird die Empörung weiter Volkskreise übertönr von dem Geläch.er über die vielen Iln geschicklichkeiteil.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraien.) Man sagt, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Aber richtig ist auch: wer zuletzt ausgelacht wird, wird am schlimmsten aus- gelacht. Und da habe ich die Sorge, daß der Reichstag unter Umständen derjenige sein kann, der zuletzt und am schlimmsten ausgelacht wird. Wir müssen auf der Hut sein. In den letzten Wochen ist ein blutjunger Leutnant, ein st r e n g e r O b e r st, ein schneidiger K r i e g s m i n i st e r und der Reichskanzler mit in das Gelächter hineingezogen worden. Sorgen wir dafür, daß nicht auch der Reichstag mit hineingezogen wird. Am 1. Dezember haben wir einen ernsthaften Beschluß gefaßt. Wir haben nun die Pflicht, zu untersuchen, welche Wirkung dieser Beschluß gehabt hat. Der Reichskanzler ist gleich nachher nach Donaueschingen gefahren. Wie offiziös mitgeteilt wurde, ist er dorthin befohlen worden zugleich mit dem Statthalter Graf Wedel und dem General v. Deimling. Die Herren haben dort eine kurze Unterredung mit dem Kaiser gehabt. Sie konnte nur kurz sein, weil der Kaiser gleich nachher zu weiteren Fest- lichkeiten fahren mußte. Der„Hamburgische Korrespondent', ein bis in den Briefkasten hinein gutgesinntes Blatt(Heiterkeit), schreibt darüber, daß die unerfreuliche Hast in befremdendem Mißverhältnis steht zu der ernsten Situation des deutschen Volkes.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Gleich darauf wurde mitgeteilt, daß die Truppen aus Zabern ver- legt würden und daß das kriegsgerichtliche Verfahren beschleunigt würde. Das erste ist eine zweideutige und zweischneidige Maß- nahine. Zweideutig sollte sie wohl auch sein. Man konnte zu denen, die die Rechte des Zivils vertreten, sagen: Seht doch, wie tvir Euch Genugtuung verschafft haben, indem wir die Truppen weg verlegten. Zu den Militärs dagegen konnte man sagen:.Na, haben wir die Geschichte nicht seingemächt? Die Hausbesitzer, die H a n d w e r k s m e i st e r und Kaufleute von Zabern haben wir schön hineingelegt." Jetzt mag der Gemeinderat einen Fußfall bei der Militärverwaltung tun, damit sie andere Truppen dort hinlegt. Mit dieser Zweideuligkeit hat man es aber keinem Teil recht gemacht. Daß die M i l i t ä r p a r t e i nur mit Miß- behagen die Verlegung der Truppen von Zabern aufgenommen hat, darüber gibt eS gar keinen Zweifel, llnd die Einwohner von Zabern müssen das Gefühl haben, daß man sie b e- strafl wie einen mißliebigen Gastwirt mit dem Militärboykott. Im Grunde ist die ganze Maßregel eine Bestrafung der Soldaten, der Unteroffiziere, die ihre Familien in Zabern haben. Die Bestrafung der Soldaten ist der Kern der Matzregel, wie man ja auch die sechs Rekruten, die Mitteilungen über das wunderbare Vorgehen des Herrn v. F o r st n e r gemacht haben sollen, gleich am Schlafittchen nabm und bis heute in Haft behatten hat. Die Herren v. F o r st n e r, v. R e u t t e r und v. Deimling laufen unbehelligt umher. Tie Offiziere sündigen und die Toldaten und Bürger werden dafür bestraft! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) und was den Beschluß auf Beschleunigung der kriegsgerichtlichen Entscheidung anlangt, so wird man ja im Vertrauen'auf die M i l i t ä r j u st i z(Gelächter bei den Sozialdemokraten) die Enlscheidung abwarten können. Für uns kann es nur darauf ankommen, hinzuarbeiten auf eine gründliche Reform unseres ganzen DiilitärivesenS, eine Reform an Haupt und Gliedern. Selbstverständlich werden wir beim Mililäretat unsere auf die Demokratisierung des Heeres abzielenden Anträge mit umso größerer Energie vertteten, als bis- her schon. ES sind Zweifel entstandcit, ob die nach dem 5. Dezember getroffenen Anordnungen ein Erfolg der Rcichstngsverhandlungen ge- Wesen sind. Auch hier dieselbe Z w e i d c u t i g ks i auf die man überall stößt. Ivo es sich nicht direlt um eine Stellungnahme zu- gunsten der Militärpartei handelt.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Allen denen, die dem Reichstag und seinem Verhalten recht gegeben baben, kann man sagen: Seht, das Mißtrauensvotum bat gewirkt. Den Militaristen dagegen sagt man: Ach, bildet Euch gar nicht ein, daß man den Beschluß de? Reichstages irgendwie be- rücksichligt hätte; das war alle» schon acht Tage vorher beschlossen. Dann kam aber da? seltsamste. Kaum hatte der Herr Reichskanzler am 1. De« zcmber diesen Saal verlassen, da wurde von ihm sehr nahestehender Seite die Nachricht verbreitet, alles, was sich hier abgespielt habe, sei eigentlich bloß ein großes Mißverständnis. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) ES wurde erklärt, daß der Reichskanzler in den letzten Tagen körperlich indisponiert gelvesen sei und deshalb nur andeutungsweise dun Vorgängen Mit- tcilimg inachte, von denen er deni Reichstage deutlicher Kennt- nis hätte geben können. es würde in Lieser Beziehung auch noch eine osstziöse Verlautbarung ersolgcn. Der Kaiser habe schon vor einigen Tagen, jedensaklS schon lange vor Beginn der Jnterpellationsdcbatte � im Reichstag, zwei Schreiben. das eine an den Reichskanzler, das andere an den General v. Deimling, gerichtet, wonach das Militär sich durchaus im Rahmen der Gesetze und im Kontakt mit den Zivil- behörden halten müsse. Zu Beginn der Woche habe der Kaiser dem General v. Deimling befohlen, einen General von konziliantem Wesen zur Untersuchuung der Vorgänge und zur Wiederherstellung der Verbindung zwischen Militärbehörden und Zivilbehörden nach Zabern zu schicken. Diese Enthüllungen mußten unter allen Umständen sehr befremdend wirken.(Sehr richlig! bei denSoziald.) Wir wünschen dem Reichskanzler ausnahmslos gulcGesundheit, aber eine Entschuldigung mit Unwohlsein in solchem Zusammenhange war in der Tat ein starkes Stück.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Dem Volke ist es einfach unfaßbar, daß ein Reichskanzler zwei Schreiben des Kaisers in der Tasche behält, ohne sie in einer solchen Situation zur Kenntnis des Reichstags zu bringen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das erinnert ja ganz un- willkürlich an� die Vorgänge vor fünf Jahren aus Anlaß der«Daily-Telegraph"-Nffäre.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Der damalige Reichskanzler l a s das Schreiben des Kaisers überhaupt nicht, der diesmalige steckt's in die Tasche und vergißt's.(Große Heiterkeits links.) Das ist ein Zeugnis von einer geradezu erstaunlichen„Hochachtung" vor dem allergnädigsten Herrn.(Sehr gut!, bei den Sozialdemokraten.« Wenige Stunden später hat man denn auch entdeckt, daß es so auch nicht geht. ES kanr ein Dementi. Der Chef der Reichskonzlei hatte nichts gesagt vom Unwohlsein, nichts gesagt von rednerischem Mißgeschick, nichts von einer Versetzung der Offiziere, nichts pon dem Vergessen oder Unterlassen der Verlesung zweier kaiserlichen Schreiben. Ebenso falsch sei die Behauptung von dem rednerischen Mißgeschick des Reichskanzlers. Er habe die beiden Schreiben schon deshalb nicht zu erwähnen vergessen können, weil beide Tatsachen vom Kanzler in seiner Rede erwähnt worden seien, und in der Tat, diese beiden Tatsachen sind, wie Sie sich aus dem Stenogramm überzeugen können, vom Herrn Reichs- kanzler erwähnt worden, aber freilich in einer Form und einer Ilmkleidung, daß sie s o g u t wie unbemerkt bleiben mußten. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Also ein Spiel der Jnter- pretation, um es allen recht gemacht zu haben. Dementi, Dementi des Dementis! Am 3. Dezember der ganze Rückzug vor dem Militär, am t. De- zember halber Rückzug vor dem Reichstag in einer Rede, in der der Reichskanzler nicht nur für die Gesetzlichkeit eintrat, sondern gleich- zeitig sich mit dem�Kriegsminister v. Falkenhayn solidarisch erklärte.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Falkenhayn hat dann sogar in einer sehr feinen Ver- beugung dieses saubere diplomatische Spiel noch unterstrichen. Es ist amtlich erklärt worden, daß der Reichskanzler nicht richtig verstanden worden sei. Ich weiß nicht, ob das Nichtverstehenkönnen an der mangelhaften Kapazität unserer Gehirne liegt, ich habe vielmehr den Eindruck, daß der Reichskanzler eS trotz des amtlichen Dementis an der notwendigen Klar- heit in seiner Rede hat fehlen lassen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Ich erinnere an das Wort Goethes:„Ein willkommener Wider- sprach bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie kür Toren." Das ist aus der Hexenküche, paßt aber auch auf unsere deutschen Zustände.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nun, der Reichskanzler ist wieder da, wir haben ihn wieder. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es war gewiß ein Pein- licher Augenblick für den ganzen Reichstag, als der Herr Reichskanzler heute seinen Fuß in den Saal setzte. Es war zweifel- los auch ein peinlicher Augenblick für ihn selbst. Wir müssen es ganz offen aussprechen, die ganze Situation, in der wir uns befinden, ist eine für die deutsche Volksvertretung sowohl wie für den Reichskanzler nicht besonders würdige.(Sehr wahr! bei den Soz.) In der D e m i s s i o n eines Kabinetts, die nach erfolgtem Mißtrauensvotum in allen parlamentarisch regierten Ländern ganz selbstverständlich eintritt(Aha I rechts), liegt nicht nur die Anerkennung der politischen Macht des Parlaments, sondern auch eiue Wahrimg der Selbstachtung des Ministers. (Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Werfen Sie einen Blick nach England und nach Frankreich. Dort ver- langen die Premiers, daß sie vom Parlament respektiert werden und das Parlament sie als ihre Führer anerkennt, und die Androhung seiner Demission ist nicht das schlechteste Mittel eines Minister- Präsidenten, um seine Autorität zu wahren.(Sehr gut! bei den Soz.) Was der Reichstag am 4. Dezember d. I. dem Reichskanzler an Nichtanerkennung seiner Führerschaft bescheinigt hat, steckt kein europäischer Staatsmann ein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Kein europäischer Staatsmann kehrt auf seine Ministerbank zurück, dem nran schwarz auf weiß gegeben hat, was Herrn v. Bethmann Hollweg die große Mehrheit dieses Hauses mit auf den Weg nach Donaueschingen ge- geben hat. Stellen Sie sich vor, wie im Ausland die Presse, ganz gleich welcher Partei, urteilen würde, wenn dort ein Minister nach einem solchen Votum der großen Mehrheit des Parlaments zurückkehren würde. Meines Erachlens müßte der Stolz jedes Staatsmannes sein, der rebellierenden Mehrheit das Bündel vor die Füße zu werfen.(Sehr gut! bei den Sozialdem. Unruhe rechts.) In Frankreich und England würde ein Minister auf seinen Deputiertensitz zurückgehen und sich durch einen guten Abgang die Achtung von Freuud und Feind sichern. Der Reichs- lanzler sprach am 4. Dezember von einer ernsten Stunde, die aber nicht etwa ernst sei, weil ihm ein Mißbilligungsvotum ausgestellt worden iei. das ist vielfach so verstanden worden, als wenn er hätte sagen wollen: es ist mir ganz gleichgültig, was ihr be- schließt. Ich nehme an, daß das wirklich ein Mißverständnis ge- Wesen ist(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) und daß der Reichs- kanzler den Beschluß des Reichstags sehr e.r n st genommen hat, sonst wären ja die Versuche ganz unverständlich, die von ihm nahe- stehender Spire gpiiacht worden find, um die einzelneir Parteien zur Abgäbe von Erklärungen zu bestinunen, durch die das Mißtrauens- Votum gemildert würde. Ich glaube auch, daß der Reichskanzler, wenn es ganz nach seinen eigenen Gefühlen gegangen wäre, dieses HauS lieber nicht wieder betreten hätte, er beneidet schließlich im Grunde seines Herzens seine europäischen Kollegen, die die Freiheit haben zu gehen, wenn die Würde es von ihnen fordert. Was den Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hier feffelt, ist der Fetisch des persönlichen Regiments. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Weiche Verwirrungen der politischen Lage Ein leitender Mann darf nicht gehen, wenn seine Autorität erschüttert ist, sondern er muß warten, bis man die Gnade hat, ihn zu entlassen, und diese Gnade hat man zurzeit nicht, wenn man glaubt, die Autorität der Krone dadurch wahren zu müssen, daß man ihren vor oller Welt deSavouirten Vertreter an sein Amt fesselt. Das ist im großen die gleiche Verwirrung der Begriffe wie im kleinen, die Nichtentsernung der schuldigen Offiziere in Zabern(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), mit denen ich im übrigen den Reichskanzler durchaus nicht vergleichen will.(Heiterkeit.) Die Offiziere in Zabern hat man nicht entfernt im Interesse der militärischen Autorität, und man läßt den Reick>skanzler nicht gehen in, Interesse der mon- archischen Autorität.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Rur keine Zugeständnisse an die Oeffentlichkeit. das Parlament, das Zipill(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Aber in diesem Ver- halten findet ein aufmerksamer Beobachter kein Zeichen wirklichen Krastbewußtseins.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Ganz im Gegenteil, man sagt sich, eine Autorität, die eine so große Angst vor Zugeständnissen hafi trägt damit alles andere als das Gefühl der Sicherheit zur Schau,(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So ist der Reichskanzler in die gegenwärtige unerquickliche Situation gekommen durch einen falschen Autoritätsbegriff, und er muß bleiben, obwohl er sicherlich kein Kleber ist. Er klebt nicht, er ist geklebt. (Grpße Heiterkeit.) Damit komme ich zu dem, was anklingt an das, was der Reichskanzler eingangs vorgetragen hat auf dem Gebiete der aus- wärtigsn Politik. Herr Reichskanzler, ich möchte die Frage an Sie richten: glauben Sie noch die Autorität zu besitzen, das deutsche Volk nach außen vertreten zu können?(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Ich weiß nicht, wie hoch«is das Votum einschätzen, das hier von fünf Sechstel der deutschen Volksvertretung in der vorigen Woche abgegeben worden ist. Aber das weiß ich ganz bestimmt, daß das Ausland danach eine große Hochachtung vor dem deutschen Volke und vor der deutschen Volksvertretung nicht haben wird.(Unruhe rechts. Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Ich weiß auch, daß man im Auslande einen Staats- mann einschätzt nach dem Fonds des Vertrauens, den er sich im Parlament und im Volke draußen erworben hat.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Jede andere im Amt befindliche Regierung kann von sich sagen bei diplomatischen Verhandlungen: hinter uns steht das Volk. Nun sind die Diplomaten höfliche Leute, die auch Selbstbeherrschung haben sollen. Aber, meine Herren, wie denn nun, wenn trotzdein sich bei diplomatischen Verhandlungen in das Gesicht ausländischer Diplomaten ein spöttisches Lächeln stiehlt, wenn der Reichskanzler davon spricht, daß er das deutsche Volk hinter sich hätte, und wenn man in der ausländischen Presse sagt: Herr v. Bethmann H o l l w e g ist zlvar ein großer Staatsmann, er hat es fertig gebracht, die ganze deutsche Nation zu einigen, aber nicht unter seiner Führerschaft, gegen sich. (Heiterkeit und sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Können Sie sich davon eine besondere Erhöhung des Ansehens des Deutschen Reiches vor dem Ausland versprechen, Herr Reichskanzler?! Darüber müssen- wir uns doch klar sein, daß der Reichstag, das ganze Reich, sich in einer Situation befindet, aus der ein Kompromiß keine Lösung bieten kann.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Je eifriger nach einem Kompromiß gesucht wird, um so mehr werden wir in eine Sackgasse kommen. Die Situation ist wenig würdig.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler ist zurück- geschickt worden, nachdem er mit einem Mißbilligungsbeschluß nach Donaueschtngen gefahren ist. Das ist eine starke Geste des persönlichen Regiments. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) ES wird gesagt, die Tage des Herrn v. Bethmann seien gezählt: wenn wir zurückkommen würden im nächsten Jahre im Herbst, würde ein anderer an seiner Stelle sitzen. Ja, damit müssen wir auch rechnen. Ick darf hier eine kleine Erinnerung vor Ihnen auffrischen. Als Sie im vorigen Jahre die große Militärvorlage -bewilligten, bewilligteir Sie sie dem alten würdigen Herrn v. H e e r i N g e n.(Lachen rechts. Zuruf des Abg. Erzberger.) ES macht mir große Freude. Herr Erzberger, daß Sie hier einen Zwischenruf machen. In meinem Manuskript steht unmittelbar hinter dieser Stelle in Klammern:„Herr Erzberger macht einen Zwischenruf."(Stürmische Heiterkeit.) Also der Reichstag hat Herrn v. Heeringen die Militärvorläge bewilligt, er hat auch all die Resolutionen Herrn v. Heeringen mitgegeben, der sie schmunzelnd in die Rocktasche gesteckt hat. Kaum war die Militär- Vorlage angenommen, verschwindet Herr v. Heeringen in der Versenkung und aus der Kulisse tritt Herr v. Falkenhahn I In Wirklichkeit haben Sie also die Militärvorlage Herrn v.Falken- Hayn bewilligt. lLachen rechts.) Das wird für die Wähler ein sehr freudiges Gefühl sein, wenn sie den Wehrbeitrag zahlen und sich bei jeder Mark sagen: das ist für Herrn v. Falkenhayn. Stellen Sie fick vor, der Herr Reichskanzler geht, in der Zeit, wo wir weggeschickt sind, kommt ein anderer, der wirtsckaftet dann mit den Mitteln, die im jetzigen Etat von Herrn V. Bethmann Hollweg verlangt worden sind. Wir wiffen ja gar nicht, was das für ein kommender Mann sein kann. ES kann ein Kulturkämpfer sein, der jeden Tag einen Jesuiten zum Frühstück verschluckt, oder um- gekehrt, ein Gesinnungsgenosse der Jesuiten, vielleicht Herr v. Hertling selber. Es kann auch ein Mann sein, dem gegenüber Herr v. Falkenhayn erscheint als Fanatiker für die Aufrechtcrhaltung verfassungsmäßiger Zu- stände.(Große Heiterkeit.) Ist cS dann nicht viel llüger, wir sagen, wir wollen erst den Mann und sein Programm kennen, che wir den Etat bewilligen? (Sehr wahr! b. d. Soz.) Das ist aber nur möglich, wenn wir die Krise, in der wir jetzt stecken, sobald wie möglich beendigen. Gewiß. der Kaiser hat das Recht der Ernennung und Entlassung des Reichs- kanzlers, ich sage leider. Aber der Reichstag hat das Recht, G e- setze anzunehmen und abzulehnen. Auf Grund dieses Rechts haben ja die Konservativen den Fürsten Bülow gestürzt, in- dem sie die Erbschaftssteuer ablehnten.(Lachen rechts.) Sie (nach rechts) find überhaupt nicht so zimperlich, wie die Liberalen, wenn es sich darum handelt, Ministern Schwierig- leiten zu bereiten.(Sehr war! bei den Sozialdemokraten.) Aller- Vings, wenn andere das tun, betrachten Sie das als Eingriff in Ihr Monopol. Mjnister stürze« dürfen nur die Kon- s e r v a t i v e n.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Im Augenblick aber handelt es sich gar nicht um das parlamentarische Regime, sondern um die praktische Beschränkung der monarchischen Gewalt durch das Recht des Parlaments zur Gesetzgebung. Gewiß, der Kaiser kann einen xbeliebigen Mann zum Reichskanzler machen, aber er kann nicht den Reichstag zwingen, mit diesem von ihm hierhin gesetzten Mann zu arbeiten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraren.) Meines Erachlens muß unter den gegebenen Umständen der Reichstag pflichtgemäß erklären: ei« Zusammenarbeiten mit Herrn v. Bethmann ist unmöglich geworden (Lebhaftes Bravo bei den Sozialdemokraten). Ich lese in den Augen ängstlicher Seelen, das würde den Konflikt bedeuten. Ach, meine Herren, dieser Konflikt wäre schneller beendet, als er begonnen ist. er würde sich anders abspielen als der«oiiflikl. den Fürst Bismarck vor 30 Jahren in Preußen gehabt hat. Fürst Bismarck stand einer einzigen Partei gegenüber, die aui Grund des Dreiklassenwahlrechts im Landtag saß; er siegle aus den bekannten Gründen. Nun ist doch Herr v. Bethmann kein Bismarck, und dann ist der Reichstag nicht gewählt aus Grund eines Wahlrechls, das Bisniarck als das erbärmlich st e bezeichnete, sondern er ist die wirkliche Ver» tretung des Volkes, abgesehen von den schweren Schönheit»- seh lern im Wahlgesetz. Glauben Sie uns. wenn der Reichstag, ge- stützt aui das Volk, einig zuiammensteht in dieser �Frage, wird kein Staatsmann in der Lage sein, ihm irgendwelche Schwierigkeilen zu bereiten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hier sollte der Reichstag einmal beweisen, daß es nicht nur Strohfeuer ge- wesen ist; jetzt heißt es zur Tat übergehen. Sie brauchen den Beschluß vom 4. Dezember nur so anzu- wenden, wie er vom Volke verstanden worden ist. Wir erblicken in dem Rechte des Reichstags, die Nichtübereinstimmung des Reichstags mit den, Reichskanzler zu erklären, em sehr wertvolles Recht, und wir wollen dies Recht nicht dadurch cnlwerten, daß wir es leichtfertig gebrauchen. Leichtfertig wäre es aber gebraucht, wenn man nachher sagen wollte, das war alles nicht so schlimm gemeint, wir wollen uns wieder vertragen. Wer nicht die Ab- ficht und nicht den Mut hat, eine Regierung zu beseitigen, der darf sich auch nicht heillos blo ßst ellen vor der Beamten- schaft, vor dem Parlament, vo.r der aanzen Welt. (Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es gibt jetzt nur zweierlei: entweder zieht der Reichstag die K o n s e q u e n z aus seinem Beschluß von voriger Woche, oder er bezichtigt sich selbst der unüberlegten Beschlußfassung.(Sehr wahr.' bei den Sozial- demokraten.) Das würde man draußen im Volte so deulen: der Reichstag hat selbst eingestanden, daß er politisch nicht reif ist. Vom Standpunkt meiner Freunde aus kann kein Abgeordneter, der für das Mißtrauensvotum gestimmt hat, dem Reichskanzler den Etat bewilligen. Zieht der Reichstag diese Konsequenz, so dürfen wir überzeugt sein, daß das ganze Voll einmütig hinter ihm st e h t. Am 4. Dezember hat da» ganze Voll draußen gejubelt, es hat sich gesagt: endlich einmal hat der Reichstag seinen Dl a n n g c st a n d e n.(Lachen rechts, Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abgesehen von den 5i da drüben, die dem Reichskanzler doch sonst die größten Schwierigkeiten gemacht haben, hat der Reichstag einmütig Front gemacht gegen die bureaukratische Anmaßung und gegen militärische Willkür. Zwei bürgerliche Abgeordnete waren die Helden des Tages. Ich freue mich dessen, aber es war fast zu schön. Seien Sie sich aber darüber klar: eine furchtbare Erbitterung wird das Voll erfassen, wenn man draußen zu der Ueberzeugung kommen sollte, daß alleS bloß Redefeuerwerk gc- wesen wäre, alles bloß revolutionäres Blendwerk, ohne den Willen zur Tat. Unsere Ablehnung des Etats wird diesmal noch eine ganz andere Resonanz finden als sonst.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man wird sich sagen, der Etat bedeutet in der Hauptsache die Be- willigung von Mitteln für den Kriegsmini st er v. Falken- Hayn. Dem kann man selbstverständlich keinen Pfennig be- willigen. Ich nehme auch an. daß der Antrag, die Gehälter des Reichskanzlers und des Kriegs Ministers zu streichen, von Ihnen einstimmig angenommen werden wird. (Lachen rechts.) Der Reichskanzler har einmal sehr verächtlich geredet von dem Slimmzeltelhaufen. Aber zum Schrecken aller Spötter ist dieser Haufen schon lange in Bewegung gelommen, und Ihr Nachfolger, Herr v. Bethmann, wird schon mehr Respekt vor dem Stimmzcttelhaufen haben, wenn er sieht, wer schon alles unter diesem Hausen begraben wurde. Durch schneidige Redensarten, hinter denen meist nichts steckt, kann man dem Volke jetzt nichl mehr imponieren. Seit 25 Jahren soll alles, was nicht als militärfromm angesehen wird, mit schnarrenden Redensarten z er- schmettert werden und in Scherben geschlagen werden. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Was war daS Ergebnis dieser schnarrenden Reden? Furcht sollte gesät werden, und gecrntet wurde schallendes Gelächter, Hohn und Spott, und eine maßlose Erbitterung im ganzen jBolke.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten, Lachen recht».)«eil Jahren ist � die politische Geschickte unseres Landes voll von inilitärischen Skandalen. Entrüsiungsstürme in der Presse und im Parlament. Ermannungsversuchc der bürgerlichen Parteien und Wiederzurückfallen in die alte. Schwäche! Jedes Zurück» weichen der bürgerlichen Opposition bedeutet' aber ein Steigen der roten Flut. Wollten wir hier nur Propaganda für unsere Partei machen, so müßten wir sagen: bleiben Sie. Herr v. Brtb» m an», gesegnet sei Herr V. F a l k e n h a y n, der in zwei Tagen mehr an Aufklärung über die Gemeingefährlichkeit unseres MUitariS- rnu» geleistet hat(Unruhe rechts), als alle seine Vorgänger.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber das wolle» wir nicht, �wir wollen hier mitarbeiten und deshalb suchen wir Sie aufzumuntern zur Tat! Räumen Sie die Trümmer fort, die auf dem Felde der Verwüstung liegen ge» blieben find. Wahren Sie das eigene HauS, wahren Sie die Ihnen anvertrauten Volks rechte, die Würde der Volks- Vertretung, hüten Sie sich vor dem Sturm, der über Sie herein- brechen wird, wenn«ie gegenüber der Schwäche der Regierung wieder in die alte Schwäche zurückfallen.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Wir betrachten, was so kommt und geht, während wir bleiben und wachsen. DaS ist kein Zufall: in der Ilebereinstimmung unserer Anschauungen und Forderungen mit den Bedürfnissen einer aufsteigenden BolkSmasse liegt das Geheimnis unserer Erfolge. Jeder Staatsmann muß scheitern, der diese Tatsache nicht zu er- kennen vermag. Wenn der Reichskanzler bleibt, wir haben keinen Schaden zu befürchten: wenn er geht— wir scheiden von ihm ohne Groll. Er hol gewiß das beste gewollt, er hat aber seine Zeit nicht verstanden.(Sehr wahr!) Für die Sozialdemokratie ist die Eni- scheidung, ob Herr v. Bethmann bleibt oder geht, keine Lebens- frage, ihr kommt es darauf an. die Massen zum Klassen- bewutztsein zu erziehen, sie für den Klassenkampf zu bilden. Aber für alle bürgerlichen Parteien, die jetzt am Kreuz- wege stehen und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, ist diese Frage eiue Schicksalsfrage. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Für sie kommt es darauf an, aus der gegenwärtigen Krisis eine Lösung zu finden, die den Erwartungen des Volkes entspricht. Aber wenn sie auch versagen, frohgemut werden wir de» Kampf um die Erweiterung der BotkS- reckte allein weiterführen, in der sicheren Ueberzeugung, daß fallen muß, was uns entgegen st cht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Dr. Äaempf ruft den Abg. Scheidemann zur Ordnung, Weiler erklärt habe, der Kriegsminister habe das saubere diplomatische Spiel noch unterstrichen. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Der Abg. Scheidemann meinte, meine Würde gebiete mir. sofort zu d e m i s s i o n i e r e n: ich ersuche ihn, durchaus mir selbst die Wahrung meiner eigenen Würde zu überlassen.(Beifall.) Er hat weiter behauptet, wie ich wohl glauben könnte, im Auslande noch die Autorität zu besitzen, um die auswärtige Politik Deutschlands zu vertreten. Auch die Sorge hierüber möge mir der Vorredner ganz ruhig allein überlassen.(Leb- hailer Beifall rechlS. Lachen bei de» Sozialdemolraten.) Ich habe das Vertrauen zu dem Ausland, daß es in dieser Be- ziehung anders denkt, als der Abg. S ck e i d e m a n n. Doch das sind nur nebensächliche Punkte. Ich muß aber Verwahrung dagegen einlegen, daß der Vorredner durch seine Ausführungen unsere verfassungsrechtlichen Zustände zu verschieben und zu ver- dunkeln versucht hat. Dagegen»rnßjch jetzt gleich im ersten Moment Verwahrung einlegen. Der Abg. Scheidemann hat sich Mühe ge» geben, der Mehrheit de» Reichstags klarzumachen, daß nach dem sogenannten Miftbilliguugsvotum (Große Unruhe links und Zurufe der Sozialdemokraten: So« genannten?) eS die Pflicht der Mehrheit, die dieses Votum beschlossen hat, sei, entweder mit mir nicht mehr zu verhandeln oder mich so anzugreifen, daß ich von meinem Platz abtreten müßte. DaS setzt einen Zustand unserer veriaffungsrechtlichen Verhältnisse vor- aus. den wir nicht haben.«Sehr richtig! recht».) Was bedeutet denn der Antrag, der an Interpellationen geknüpft wird? Als er vor anderthalb Jahren hier vom Reichstage beschlossen wurde, da waren sich alle Parteien darüber einig, daß dieser Antrag lediglich bezwecken sollte, dem Reichstage selbst die Feststellung zu erleichtern, wie die Mehrheit über den in der Interpellation verhandelten Gegenstand denkt.(Lachen links.) Es ist aus Reichstagskrcisen damals behauptet worden, daß bei der früheren Be- Handlung der Interpellationen der Reichstag selbst häufig nicht gewußt habe, was aus der ganzen Sache geworden sei. Ich erinnere mich daran, daß es der Abg. G r o e b e r war, der selbst den Vergleich mit dem Hornberger Schießen auf die Interpellationen anwendete, selbst die Sozialdemokraten— ich habe mir die Sachen heraussuchen lassen— waren der Ansicht, daß mit den an die Jnter» pellalion geknüpften Anträgen absolut nichts Neues berbeigeführt würde.(Hört! hört!) Selbst der Abg. L e d e b o u r— und das will doch viel sagen(Große Heiterkeit)— hat damals am 8. Mai 1912 erklärt, nachdem die Erklärung verlesen worden war, die ich aus dem Munde des Staatssekretärs des Innern über die beabsichtigte Aenderimg der Geschäftsordnung hatte ab- geben lassen, daß die ganze Sache vollkoinmen gegen- i'tandSloS sei und daß der Reichstag damit keine Machterweiterung vornehme. Und Dr. David hat gesagt:„WaS ist hier Neues ge- schaffen? Eine reine Zweckmäßigkeitsfrage ist es, daß solche Anträge zulässig sein sollen. Das ist das einzig Neue, was geschaffen werden soll, sonst nichts." Es handelt sich nur um ein rascheres, um ein zweckmäßigeres Versahren, um eine Meinungsäußerung des Reichs- tags zu irgend einer Frage der inneren oder äußeren Politik zu be- wirken. Ich führe noch einen Schlußsatz von Herrn L e d e b o u r an, wonach in den sehr langen und ausführlichen Verhandlungen in der Kommission von allen Seiten ausdrücklich festgestellt wurde, daß niemand eine Machterweitcrung des Reichstags beabsichtige. �sHörtl hört! rechts.) Nun vergleichen Sie einmal damit die Stellung, die heute Herr Scheide mann ein- genommen hat. Das ganze Haus ist damals der Ansicht gewesen, daß es sich um ein Jnternum des Reichstages handelt. Und heute soll nun mit einem Male durch den Antrag, der an die Jnter- pellation geknüpft ist, ein Druck ausgeübt werden, entweder auf die Entscheidung des Kaisers, oder auf die Entscheidung des Reichs- lanzlers. Das ist eine Verkehrung unserer ver- i a s s u n g S r e ch t l i ch e n Zustande.(Sehr richtig I rechts.) Das würde bedeuten die Aufrichtung der Herr- schaft des Parlaments. fBeifall rechts.) Herr Scheide- mann hat auf die französischen und englischen Zustände Bezug genommen. Das weiß doch aber jedes Kind, daß die ver- fagungsrechtlichen Verbältnisse in England und Frankreich von den unirigen ganz verschieden sind. Ich weiß sehr wohl, daß manche auf diese Verhältnisse hinwirken, ich möchte mich dann aber mir aller meiner Kraft dem entgegensetzen.(Lebhasler Beifall rechts. Unruhe links.) Ich möchte mich dem entgegensetzen, daß in dieser Beziehung unsere verfassungsrechtlichen Verhältnisse verändert werden.(Erneuter Beifall rechts.) Nach der Reichs- versassung steht dem Kaiser die Ernennung und die Entlassung des Reichskanzlers zu, in voll- kommen freier Entschließung. Und es ist verfassungswidrig, darauf einen Druck ausüben zu wollen. tBeifall rechts, Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Wegen des Beschlusses vom vorigen Mittwoch habe ich meine Demission nicht ein- gereicht«Beifall rechts. Lebhaftes Hört! hört! links.) und werde sie auch nicht einreiche».(Beifall rechts. Lebhafte Unruhe links.) Ich will� die Bedeutung des Antrags bei Interpellationen nicht ein- schränken, aber ich will diese Bedeutung auf ihren richtigen Wert zurückführen. Mit diesem Antrag wird doch nur festgestellt, daß die Behandlung deS JnterpellationSgegenslandeS durch den Reichskanzler mit den Anschauungen des Reichstages nicht über- einstimmt. Derartige Meinungsverschiedenheiten haben wir doch vielfach, sie gehören doch geradezu zum B e- standteil des politischen Lebens.(Lachen der Sozial- demokraten.) Derartige Meinungsverschiedenheiten treten doch viel schärfer hervor, ivenn ein wichtiges Gesetz von Ihnen abgelehnt tvird. Nun hat Herr Scheidemann das Haus aufgerufen, dnrck Ver- Weigerung des Etats solle es seinem Beschlüsse Geltung verschaffen. Ich will keine Mutmaßungen aussprechen, wie sich die Mehrheil des Hauses verhalten wird. Ich werde die weitere En t Wickelung ruhig abwarten.(Lachen links.) Das möchte ich aber noch einmal mit aller Schärfe betonen: Ich werde sedeni Versuch, die in der Verfassung fixierten Rechte des Kaisers einzuschränken, entschiedenen Wider- spruch entgegensetzen.(Beifall rechts, Zuruf von den Sozialdemokraten: Das ist sehr hübsch von Ihnen!— Heilerkeit.) Sie werden bei solchen Versuchen auf einen ganz unbeugsamen Widerstand stoßen. Auch das deutsche Volk iii seiner großen Mehrheit wird nicht wollen, daß die kaiserliche Gewalt unter sozialdemokratischen Zwang gestellt wird.(Lebhafter Beifall rechts— Gelächter der Sozial- demokraten.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Artikel l 5 der Reichsverfassung zwingt nnS, gleichgültig, wer der Reichskanzler ist, in die Erledigung der Geschäfte einzutreten. DeS- halb können wir auch n i ch r den Gedanken des Abg. Scheide- mann verfolgen, daß die Volksvertretung berechtigt sei, den Etat als ganzes abzulehnen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokr. Beifall im Zentrum und rechts.) Wir bewilligen den Etat und die Gesetze nichr für den Reichskanzler und nicht für den Kriegsminisler, sondern im Interesse des Reiches und des Volkes.(Zustimmung im Zentrum und rechts.) Von dem Wechsel in den internationalen Verhältnissen ist Deutschland verhältnismäßig am wenigsten berührt worden. In- folge der Heeres Vermehrung haben wir eine gesicherte und starke Stellung. Die internationalen Berhältnijje sind natürlich von großer Bedeutung für unseren Etat, wie tzr auch von den internationalen Wirlschastsverhältnissen abhängig ist. Das gibi den Einnahmen des Reiches eine gewisse Unsicherheit. Wir müssen uns klar machen, daß eine Stagnation im Wirtschaftsleben mir einer Verringerung der Einnahmen vor uns liegt, und daß wir mir darauf rechnen können, daß diese Stagnation eine vorübergehende ist. Ich glaube, die Berliner Handelskammer beurteilt die wirtschaftliche Konjunktur richtig mit der Annahme, daß sie gesund bleibt.— Von den 33/3 Milliarden Einnahmen des EtatS beanspruchen Heer und Warine 1600; alle» in allem dürfen wir die Aufwendungen für unsere Verteidigung auf 2100 Millionen Mark jährlich berechnen. Ein erfreuliches Ereignis ist, daß der Heereselat zum erstenmal ohne Anleihe auskommt. Bei der Marine werden wir diesen Zeitpunkt erst in drei Jahren er- reichen. Auf die Verhältniffe in Zabrrn will ich nicht mehr eingehen, sondern nur zwei kurze Be- merkuugen dazu machen. Der Reichskanzler hat die Achtung des Gesetzes betont, aber hinzugefügt, die Borkommniffe seien noch nicht so aufgeklärt, daß sich ein Urteil über die Gesetzwidrigkeit bilden lasse. Aber eilte Anzahl Vorkommnisse sind schon setzt der Beurteilung fähig, nnd der Reichskanzler müßte die Forderung ausstellen, daß daS Militär das Gesetz kennt und sich von Ueber- tretungen des Gesetzes zurückhält. Es ist auch falsch, wenn seitens deS Kriegs mini st erS besondere Betonung auf die Preßhetze gelegt wird. Wäre dafiir gcsorgr worden, daß bei dem ersten Vorfall, in dem entgegen dein Regmientsbefehl der Leutnant v. F o r st n e r den Ausdruck„Wackcs" gebrauchte, die Ursache der Erregung be- s e i t i g t worden wäre, so hätte eine Preßhetze nicht einsetzen können.(Sehr riäuig.) Die Verlegung des Regiments von Zaberu ist k e i n e Sühne. Diese Maßnahme trifft die Soldaten und die Gemeinde, aber nicht die Soldaten und nicht die Gemeinde haben gefehlt, sondern die Offiziere.(Sehr riibtig!) Ich nehme an, daß diese Maßregeln dauernde Folgen für die Soldaten und die Gemeinde nickt habe» werden.(Zustimmung.) Ich hoffe, daß die Zaberner Vorfälle nicht den Einfluß haben werden, daß wieder eine größere Zahl von Elsaß-Lothringern in die F r e m d e n I e g i o n eintritt. Ich möchte auch den Fall A m u n d s e n erwähnen. Das Ver- bot an ihn, seinen Bortrag in norwegischer Sprache zu halten, ist eine Maßregel, die geeignet ist, unsere internationalen Be- Ziehungen zu b e e int r ä ch ti g e n.(Sehr richtig! im Zentrum.) Der Etat des Reichsamts des Innern läßt die� Frage offen, ob die Dampsersubventionen weiter gewährt werden sollen. Die Heereövenvalmng verlangt von neuem die gestrichene n Offiziere für die Kommandanturen und eine Anzahl von Inten d anturste lle n. Ich nehme an, daß der Kriegs- minister den Etat noch nicht bearbeitet bat, sonst würde-ich es nicht für richtig hallen, daß er eine vom Reichstag bereits entschiedene Frage von neuem aufrollt.(Sehr richtig! im Zentrum.) Die Löiung der Due-llfrage ist durch die Entschließung des Bundesrats nicht gefördert worden.(Lebhafte Zustimmung imZentrum.) Der Kriegsminister sollte dieser Frage erneut seine Aufmerksamkeit schenken. Der Fall Knittcl wird bei der zweiten Lesung deS Etats durch ein anderes Mitglied meiner Fraktion besprochen werde». Die Sonderbestrebungen, das Abschließen deS Offizierkorps macht sich gerade in diesem Fall besonders geltend.(Sehr richtig! im Zentrum.) Nun zur auswärtigen Politik. Der Dreibund ist für unsere internationalen Berhältuisse unentbehrlich. Das Band, das Oesterreich und Deutschland umschlingt, muß möglichst fest und sicher sein. Die Enthüllungen über den Balkanbundvertrag haben unsere Freundschaft zu Rußland in einem etwas eigentümlichen Lichte gezeigt. Während wir im Frieden mit Rußland stehen. müssen wir'sehen, daß Rußland die Balkanstaaten zum Kriege gegen unseren Bundesgenossen Oesterreich an- reizt. Es wäre wünschenswert, wenn der Reichskanzler über die Verbandlungen mit Herrn Kokowzew Auskunft gäbe. Wichtiger noch als die Vorgänge im Orient sind die in Chi» a.(Lachen lmks.i Seither konnte man annehmen, daß England daran festhalte. China als Reich bestehen zu lassen. Sollten sich aber die englischen An- schauungen ändern, so läge die Frage der Aufteilung Chinas sehr nahe. Unsere Interessen gehen auf die Erhallung der Integrität Chinas und Wahrung der offenen Tür. Für unsere inneren Verhältnisse gilt, daß die Verfassung daS o b e r st e Gesetz i st.(Sehr richtig! im Zentrum.) Wir wolle» daher auch de» Fürsten die Rechte belassen, die ihnen die Ver- fassung gibt. Der ungesunde und unnatürliche Zustand, der sich in Bayern herausgebildet hatte, mußte seine Lösung so finden, wie eS geschehen ist. Die Lösung der braun schweigt scheu Frage ist der wirklich anmutige Abschluß eines kriegerischen DramaS. (Heiterkeit.) Unsere Sozialpolitik, die wir von Anfang an unterstützt haben, hat sich gut bewährt. Einen Stillstand darf es hier nicht geben.(Zustimmung im Hause.) Aber auck auf die Wünsche deS Handwerker st an des muß jetzt Rücksicht genommen werden. (Sehr richtig! imZentrum.) Am K o a l it i o n s r e ch t wollen wir festhalten; alle Ausschreitungen lassen sich vom Boden des gemeinen Rechts aus bekämpfen. Der Redner beklagt sich dann über ungleichmäßige Handhabung deS I e s u i t e n g e s e'tz e S. Abg. Bassermaun(natl.): Wir erkennen an, daß bei den Balkanwirren der Dreibund seine Probe gut bestanden hat. Die jüilgsten Enthüllungen über den serbisch-bulgarischen Geheimvertrag beweisen, wie wichtig für Oesterreich die Rückendeckung durch den Dreibund ist. Manche Einwände in Oesterreich gegen den Dreibund liegen auf der finanziellen Seite, weil ihm der Geldmarkt in Paris verschlossen ist. Durch das Verlangen Oesterreichs nach Revision des Lukarester Friedens wurden in Rumänien Verstimmungen gegen Oesterreich und den Dreibund überhaupt hervorgerufen. Wir freuen uns, daß diese Verstimmungen jetzt vorbei sind. Ebenso freuen wir uns über die Befferung unserer Beziehungen zu Ruß- l a n d: damit wird an die Bismarcksche Politik angeknüpft. die neben dem Dreibund auf da-Z gute Verhältnis zu Rußland stets großen Wert legte. Auch gegen England liegt uns jede Feind- seligkeil fern. Durch die englische Politik ist die Weltlage jetzt wesentlich verändert. England ist jetzt genötigt, in hohem Maße auch aus die anderen Staaten Rücksicht zu nehmen, während eS früher sich jahrelang nur mit Deutschland beschäftigte. Italien ist zu einer starken Mitlelmeermacht herangewachsen, und Oester- reich muß ebenfalls feine Mittelmcerstellung aufrechterhalten. Man ipricht vom deutschen Imperialismus. Der tritt aber doch in recht bescheidenem Gewände auf. Wir wollen nichts als S i ch e r u n g unserer Volkswirtschaft nnd daß es uns vergönnt ist Kolonialpolitik zu treiben, Siedelungspolitil und die Politik der Interessensphäre genau so wie alle anderen Länder. Ich hoffe, daß in bezug auf unsere Interessen bei der Bagdadbahn die Regierung energisch die bisherige Politik fortsetzt.— In der Erschließung von Ländern wie in Zenlralasrika. wo die Schlafkrankheit viel mehr aus- gebreitet ist, als man geglaubt hat. müsicn wir vorsichtig sein.— Bei der Auswahl der Diplomaten muß eine vorurleilslose Auslese nach Tüchtigkeit und Leistungen erfolgen.— Die Errichtung einer deutschen Auslandschule würde sicher befruchtend wirken. Es müßte möglich gemacht werden, daß für eine würdige Vertretung deutscher Aussteller an der Weltausstellung von San Francisco zwei Millionen bereitgestellt werden; wir können an dieser Aus- stellung nickt achtlos vorübergehen. Das Fernbleiben von der AuS- stellung würden die Amerikaner zu unserem Schaden vermerken. Was die innere Politik anlangt, so hoffen wir, daß die B r a u n s ch w e i g e r sich die welfische Agitation vom Leib zu hallen vermögen. Nicht billigen können wir die Art, wie der Friede zustande kam. Aus den Ausführungen des Reichsschatzsekretärs begrüße ich die Ankündigung von Erhöbungen der Beamten- besoldungen. Dem Vorschlage des Abg. Spahn, eine ständige Gewerbekommission einzusetzen, stimmen wir zu. Der Standpunkt unserer Fraktion in der Frage deS Arbeitswilligcuschutzcs ist der alte. Wir sind nach wie vor bereit, die Arbeitswilligen zu schützen, halten auch den bisherigen polizeilichen Schutz der Arbeitswilligen für nicht ausreichend.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir sind bereit, das in Betracht kommende Material objektiv und sine ira. et studio(ohne Leidenschaft) zu prüfen. Andererseits denken wir nicht daran, an dem K o a- l i t i o n s r e ch t zu rütteln oder den Weg der Ausnahme- gesetzgebung zu beschreiten.(Lachen bei den Sozialdeinokr) Das Resultat der Kommissionsberatung werden Sie(zu den Sozial- demokraten) ja wohl abwarten. In der Zaberner Angelegenheit können wir nnS den staatsrechtlichen Theorien des Herrn Scheide- m a n n n i ch t anschließen über die Wirkung des Votums vom letzten Donnerstag.(Bravo I rechts.) Seins Darlegungen find richtig für alle Staaten, deren Regierung ein Ausschuß der Parla- menlsmehrheit ist. WaS in unserer Geschäftsordnung, die mit der Regierung vereinbart ist, steht, ist eine Mißbilligung der Hand- habung der Regiernngsgeschäfte im einzelnen Fall. Wir haben am Donnersiag so votiert, weil auf die Verfehlungen in Zabcrir nicht die Sühne sofort gefolgt ist. Wäre Leutnant v. F o r st n e r sofort ver- setzr worden, wäre die ganze Verlegung des Regiments überflüssig geworden.(Sehr richtig!) Wir haben weiter so votiert, weil der Konflikt zwischen Militär- und Zivilverwaltung nicht mit der nötigen Energie im Keime erstickt worden ist. Ein Staatsmann der heutigen Zeit muß die Psychologie der jetzigen Menschen berücksich- tigen.(Lachen bei den Sozialdcmokraleu.) Sie könuen nicht leugnen, daß die Seelen und die Nerven der Menschen jetzt in ganz anderer Weise in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch ivir wollen die Aufrechterhaltung der militärischen Autorität und daß jede Verletzung der militärischen Disziplin unbedingt scharf geahndet wird. Aber die Kehrfeite der Medaille ist die strenge Respektierung der Gesetzgebung durch alle staatlichen Organe,»tili- täriscke und zivile, und die Notwendigkeit, wenn ein Gesetz verletzt ist. sofort einzugreifen und ivenn Remedur erfolgt ist, dann auch die Oeffentlichkeit davon zu verständigen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn nun die Untersuchung zeigen sollte, daß in der Mangel- hafligkeit der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen die Sache zum Teil begründet ist, dann richte ich den Appell an den Reichs- k a n z l e r, für eine scharfe präzise Abgrenzung der Zivilgewalt und Militärgewalt zu sorgen. Jedenfalls haben wir ans den Vorgäugeu»ach Donaueschingen doch erfahren, aus der„Nordd. Allgemeinen", daß von einem Verweis an den Leulnant und Sergeanten nicht die Rede war, sondern daß sie streng be st rast worden sind mit Arrest.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) DaS hätte man auch hier im Plenum miltcilen können.(Lebhafte Zustimmung links.) Auch daS, was sonst als Remedur mitgeteilt worden ist, erkennen wir an, eS rechtfertigt aber gleichzeltig auch unser Volum und wir bedauern nur, daß diese Tatsache» nicht in scharfer und präziser Form zur Kenntnis deS Reichstags bei der Interpellation gebracht worden sind.(Lebhaste Zustimmung links.) Ich habe selten so viel im tiefsten Innern ehrlich b c w e g t e�P a r l a m e ntacicr gesehen, wie am Mittwoch und Donnerstag.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hoffentlich ist die Erregung mit dem Abzug des Regiments gewichen.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Elsaß-Lothringen möge bedenken, daß der Reichstag in seiner großen Mehrheit ein volles Verständnis für die berechtigten Wünsche des elsaß-lothringischen Volkes hat und daß der Reichskanzler hier ein offenes und cbrlickeS Bekenntnis zu der Verfassung abgelegt hat. Weiter werden Sie berücksichtigen müssen, daß es offenbar daS heiße Bemühen des Kaisers war, einzugreifen und den berechtigten Beschwerden der elsaß-lolhringischen Bevölkerung seinerseits abzuhelfen. (Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Abg. Ledebour(Soz.) zur persönlicheli Bcmerluug: Der Reichs- kanzler hat tu durchaus zutreffender Weife die Ausführungen zitiert. lnit denen ich die Angliederung von Mißtrauensvoten an Interpellationen befürwortet habe, er hat sie aber unzil treffend gedeutet. Die Ermöglichung von Mißtrauensvoten schafft dem Reichstag lein neues Recht, sondern nur die Ausführung eines bereits bestehenden Rechtes bei Gelegenheiten, wo es besonders wirksam angewandt werden kann. In seinem heißen Bemühen, den Herrn Reichskanzler an den Haaren aus der Tunke herauszuziehen (Heiterkeit), ist Herr Bass ermann dazu übergegangen, eine Bemerlung von mir zu deuten. Er hat nämlich gesagt, die Kommission habe mit der Regierung die Fassung ver- einbart. Zu der Kommission gehöre auch ich. Wir haben das nicht getan.(Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Ich war dabei, eS ist ganz etwas anderes gewesen I Einige Nationalliberale haben mit der Regierung kompromisselt.(Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Wenn der NeickSkanzler mir seine Anschauung unterschiebt, wenn er damals nicht erkannt hat und beute nicht zugestehen will, daß die Neuerung dem Reichstag die Gelegenheit zu besserer Macht- betätigung und zur Machterweiterung gibt, so liefert er nur einen neuen Beweis dafür, daß in dem Reichskanzler das Unzulängliche Ereignis geworden ist.(Rufe rechts: Das gehört nicht zur persöntichen Bemerkung!) Der Herr Reichskanzler hat also unrecht, wenn er mir seine Ansicht unterschiebt. Das ist keine Rechtsfrage, sondern eiue Tatfrage. Auf Antrag von S e y d a(Pole), dem Graf Westarp wider- spricht, wird der Bericht der Wahlprüfungskommissiou über das Wahlrecht von verzogenen Wählern an die erste Stelle der morgigen Tagesordnung gesetzt. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr: Bericht der WahlprüfungS- kommission. Antrag B a s s e r in a n n wegen Beteiligung an der Weltausstellung in St. Francisco, und Fortsetzung der Etatberatung. Schluß 6>/z Uhr. Jugendbewegung. Antisemitische Anreißerei. Tie deutschnaiionalen Handlungsjünglinge entrüsten sich bekanntlich in den höchsten Tönen über die Geschäftspraktiken gc- wisscr jüdischer Kommis. Ueber die Reklame i h r c r„Standes- organisation", des Deutschnationalen Handlungsgchilfcnvcrbandes, finden sie indessen kein Wort der Mißbilligung, obwohl die von ihr betriebene Propaganda die jüdische Anreißerei noch bedeutend übertrumpft. Man lese nur folgendes Rundschreiben des Verbandes, das an jugendliche Mitglieder gesandt wurde: Hamburg 36, am 7. Nov. 1L13. Holstenwall 4. Lieber junger Freund! Eine besonders wichtige Angelegenheit veranlaßt uns, an Sie zu schreiben. Wir möchten Ihre Gedanken einmal aus die Tarsache hinlenken, daß Taufende und aber Taufende deutscher Kaufmannslehrlinge unseren Reihen noch sernjtchcn und gleich- gültig in den Tag liineinleben, ohne sich ihres tieferen Per- hältrnsses zu ihrem Berufe und zu ihrem Volke bewußt zu wer- den. Diese aufzurütteln und ihnen zu zeigen, wie ernsthaft wir in unserem Bruderbunde an uns selbst und an der Er- füllung unserer Ausgaben arbeiten, ist Ihre und unser aller heiligste Pflicht! Werben Sie deshalb für Ihre Jugendabteilung mit der ganzen Begctjterung�Jhvcs jugendlichen Herzens! Freude und Befriedigung wird Sie dabei erfüllen! Um Ihre treue Mitarbeit aber auch greifbar zu belohnen, wollen wir Ihnen eine Weihnachtsfreude O bereiten, nnd zwar durch Ucbcrrcichung eines schönen Buches für jede Neuaufnahme, die Sie uns nach den dcigedruckten Be- dingungen ans beifolgenden zwei Beitrittserklärungen bringen. Nun zeigen Sie uns, lieber junger Freund, daß Sie uns verstanden haben! Bringen Sic uns mindestens ein neues Mitglied und arbeiten Sie mit unseren Bundes- brüdern und Ihrem Obmann an der Entwickelung Ihrer Jugcnd- abtcilung! Mit deutschem Gruße Dcutschnationalcr Handluugsgehilfcnvcrband Abteilung 14(für Lehrlinge). Roth, Schneider. Außer zwei Beitrittsvordrucken sind dem Schreiben die„Be- dingungcn" jür das Weihnachts-Prcisausschreiben für 1013 bei- gegeben. Tarin werden die jugendlichen VerbandSmitglieder zur Beteiligung an folgendem Geschäft ausgefordert: Für die bis zum ö. Januar 1014 erfolgte Werbung eines Mitgliedes gibt es ein Buch von Peter Roscggcr:„Drei Geschichten", für das zweite Mitglied ein Buch:„Jugcnderinnerungen" von Ernst Rietschel. Die gewonnenen Mitglieder werden bei späteren Preisausschreiben gutgeschrieben. So gibt es sür die Gewinnung drei weiterer neuer Mitglieder wieder Bücher; sür die fünfte Beitrittserklärung wird der sugendliche Werber Ehrenmitglied im Wanderbunde„Fah- rende Gesellen": bis zur Beendigung der Lehrzeit braucht er keine Beiträge zu zahlen, auch die Zeitschrift„Der fahrende Gesell" erhält er unentgeltlich. Damit noch nicht genug. Bei der zwölften Beitrittserklärung gibt es eine silberne VerbandSnadcl, bei der 24. einen silbernen Ring(!) mit dcm Verbandswappen, für die 50. eine goldene Perbandsnadel. Ehrenmitglied, goldene Vcrbandsnadcl, alles zusammen für noch nicht einen Groschen.________ Genebtö- Zeitung. Aufgehobenes Verbot einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel. Ter Polizeipräsident zu Hannover hatte dein Genossen Törnke die Genehmigung zu einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel versagt, weläfe am Sonntag, den 20. Tk- tobcr 1912, nachmittags 3 Uhr ans dem Schiitzenplatz zu. Hannover stattfinden sollte. Beschwerden halfen nichts. Es wurde Kla�e erhoben. Auf Antrag des Rechtsanwalts Wolsgang Herne wurde Beweis über die Zugangswegc erhoben. Am Montag lag das Bewcisergebnis vor. Das Obcrverwaltungsgericht hob jetzt die Bcschwerdcbescheide auf und setzte die Verbotsver- füg nng des Polizeipräsidenten außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt; Nach dem Reichsvercins- gesetz hätte der Polizeipräsident die öffentliche Versammlung auf dem Schützenplatz nur verbieten können, wenn eine Ge- fahr für die öffentliche Sicherheit bestanden hätte. In der Veranstaltung selbst habe er nun eine solche Gefahr nichl ge- sehen; das gehe schon daraus hervor, daß er selber dem Kläger anheimgestellt habe, die Versammlung doÄ im Wülselcr Biergarten abzuhalten. Auch in der Wahl de» Platzes habe der Polizeipräsident keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit gefunden. Im übrigen sei ja auch, wie der vorliegende Plan und die örtlichen Verhältnisse erkennen ließen, der Schützen platz durchaus geeignet für Versammlungen größerer Massen, und er werde ja auch alljährlich mehrfach dazu benutzt. Ter Polizeipräsident habe bloß die Zuwege nicht ausreichend gefunden. Darin könne ihm aber das Gericht nicht bei- treten. Auch, wenn man zugrunde lege, was der Polizei- Präsident über die Zugangswege jetzt selber angegeben habe, genügten die drei Wege vollständig, so daß da- hingestellt bleiben könne, ob noch ein vierter Weg vorhanden >ei. Da die drei Wege nach Auffassung des Senats voll- ständig genügten, um ein ordnungsmäßiges Zu- und Ab- gehen zu gewährleisten, so fehle ein genügender Anhalt für eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Das Verbot sei aufzuheben. Kautionsschwindel. Brtrügcreicn nach Art cincr„schwarzen Bande" wurden dem Eaufmann und Apotheker Johann Maria von Flotow aus ÄarW- Horst zur Last gelegt, gegen den gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts 1 f unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors llancnblcy eine umfangreiche Anklage zu verhandeln hatte. Ter Angeklagte, der, wie er behauptet, ein direkter Nachkomme des berühmten Komponisten ist, hat schon in den frühereu Jahren verschiedene Betrügereien begangen. Er wurde aber damals durch ein Gutachten des Medizinälrats Lcppmaun als geisteskrank an- gesehen und als gemeingefährlich auch kurze Zeit in einer Irren- anstatt interniert, aus der er auf Betreiben der Verwandten wieder entlassen wurde. Nachdem die gegen ihn ausgesprochene Eni- nülndigung wieder aufgehoben worden!var, verlegte er sich sofort wieder von neuem aus das„Gründen". Er gründete u. a. in der Brandcnburgischcn Strasse in Südcnde einen„Spezialitätenversand und Bijoutericgeschäst". Als Inhaberin war seine Schwiegermutter, eine in Dresden wohnhaste Frau Schimpf, in das Handelsregister eingetragen. Schon kurze Zeit später trab von Flotow mit neuen Gründungen hervor. Zu diesen zählte n. a. das„Pharmazeutische Laboratorium Johann Maria von Flotow", die„Katcrwcin-Brr- triebsgesellschast von Flotow u. Co." usw. Wie die Anklage bc- hauptet, soll sich der Angeklagte, der völlig mittellos lvar, um nach außen hin nobel auftreten zu können, erst einige Geldmittel durch eine Art Kautionsschwindel verschafft haben. Er crtlärte, daß sein Geschäft einen großen Gewinn abwerfe, daß er alleiniger Inhaber sei, bin und wieder ließ er auch durchblicken, daß ein reicher Koni- mcrzienrat, dessen Namen er nicht nennen dürfe, Gesellschafter sei. 'Auf diese Weise veranlasste er einen Buchhalter Külmla zur Her- gäbe von baren 5000 M. als Geschästseinlagc, für die er für 5000 Mark Kuxe der„Gewerkschaft Erika", chelcbe nach Ansicht der An- tlage völlig tvcrtloS sein sollen, als Sicherheit deponierte. In einem anderen Fall gab er ebenfalls Ivcrtlose<-hares der„Chikago- Brazilian Diamond Eo." als Sicherheit. Wie die Anklage ihm weiter vorwirft, soll er dann nach Art einer sog.„schivarzcn Bande" bei zahlreichen Firmen unter falschen Vorspiegelungen Waren be- stellt haben, um sie sofort wieder zu Schleuderpreisen weitcrzuver- kaufen. II. a. halte er Schreibmaschinen, eine Komprimiermaschine für zirka M00 M.. Spiritus, Suppenwürfel. Apothckerwarcn von erheblichem Wert auf Kredit erhalten und sofort weitcrvcrkaust. Ter Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von l Jahr und 9 Monaten und Vertust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer von 5 Jahren.— TasWtericht verurteilte den Angeklagten unter Freisprechung in einigen Fällen aus rechtlichen Gründen wegen Betruges in 15 Fällen zu 10 Monaten Gefängnis. Entsührung. Eine Entführurijgsgeschichte bildete den Gegenstand einer An- klage, welche gestern die 6. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Gocbel beschäftigte. Aus der Untersuchung wurde der angebliche Journalist Albert Haldenwang vorgeführt. Er ist beschuldigt, eine minderjährige Frauensperson gegen den Willen der Eltern entführt zu haben, um sie zur Ehe oder zur Unzucht zu bringen. Der ans der Schiveiz stammende Angeklagte nennt sich„Jour- nalist", trotzdem er, wie einige zur Verlesung gebrachte Briefe er- gaben, mit der deutschen i-prache auf dem Kriegsfüße steht, so daß jeden Hörer ein gelinder Schauer überlief. Vor einiger Zeit machte der Angeklagte die Bekanntschaft der jetzt 20jährigen Gertrud Häuslsr, der Töchicr eines Schuhinacherlneistcrs." Zwischen beiden ent- stand ein Liebesverhältnis. Eines Tages lvar das Pärchen spurlos verschwunden. Der Vater lief zur Polizei und zeigte an, daß seine Tochter offenbar einem Mädchenhändler in die Hände gefallen sei. Er erinnerte sich jetzt, daß der Entführer einmal etwas von Nizza und Genua gesprochen harte und glaubte schon seine Tochter von einem Agenten eines dortigen öffentlichen Hauses entführt. Schließlich wurde festgestellt, daß das Pärchen unter dem Namen eines„Ehepaars Brnnner" in einem Hotel in Hamburg abgestiegen war. Ter Entführer wurde verhaftet, während da« Mädchen von ihrem Vater von Hamburg abgeholt wurde. In der elterlichen Wohnung gab es eine etwas heftige Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter. Einige Tage später erlebte der Vater eine neue Aufregung, denn seine Tochter verschwand zum zweiten Male und blieb seitdem verschwunden. In der gestrigen Verhandlung erklärte der Angeklagte auf eine Frage des Vorsitzenden, daß er den Aufenthalt der Gertrud Häusler nicht kenne.— Staatsanwaltsafscssor Dr. Erich beantragte eine Ge- fängnisstrafe von 3 Monaten. Ter Angeklagte, dem dieser Antrag wohl cttvas auf die Nerven gefallen lvar, trat nun plötzlich mit der Erklärung hervor, das; er das junge Mädchen verborgen halte. Er gab seinem bisher durch das Berufsgeheimnis gebundenen Vertcidi- ger, Rechtsanlvalt Alfred Ballicn, die Genehmigung, die Adresse anzugeben und zur allgemeinen Ueberraschung stellte es sich heraus, daß die Vermißte sich unter dein Namen„E. Btgot" ganz vergnügt in Berlin aufhält und unter diesem Namen durch postlagcrnde Briefe mit dem Verteidiger korrespondiert hatte. Das Gericht be- schloß unter diesen Umständen, die Verhandlung zu vertagen und die Zeugin H. zu dem nächsten Termin zu laden. Ei» 15 jähriger Jüngling— 11- Jahre Gefängnis. Die alte, verrostete Methode, junge Ucbelläter durch Prügel und Gefängnisstrafen zu bessern, beherrscht leider immer noch Wesse Kreise. Ties ergab eine Jngendftrastaminersitzung in Halle a. S., vor der der erst 15 jährige Sattlerlchrling Friedrich Emmerich von Teutschenthal wegen Brandstiftung unter Anklage stand. Ter junge Mansch lvar zu den? Sattlermeister Kleine in die Lehre getreten und hatte sich»ach dem Zeugnis des Meisters in der ersten Zeit auch fleißig und anstellig gezeigt. Ter Lehrling trat aber bald einem„patriotischen" Turnverein und dann, wie man vor Gericht sagte, auf Veranlassung seines Vaters auch einem Jugendvercin „mit sozialdemokratischer Tendenz" bei. Ter Meister wollte von beiden Vereinen nichts wissen und soll de?? Jungen wiederholt ge- schlagen habe??, weil er öfter nach 10 Uhr abends nach Hause ge- kommen sei. In den letzten Akonatei?, seit dein Wegzuge der Eltern des Lehrlings von dem Wohnort des Meisters, will der Lehr- ling fast täglich von? Meister ausgeschimpft oder geschlagen worden fein. Als der Lehrling aui 23. Dktoocr wegen Zuspätkommens von dem Meister mit einem Stück Zngelricliien sehr derb gezüchtigt lvurde, setzte er die Scheune des Meisters in Brand, was er schon längere Zeit vorher aus Lebensüberdruß geplant haben sollte.— Ter Staatsanwalt beantragte gegen den 15 jährigen drei Jahre Gc- fängnis. Das Urteil lautete auf Ii!- Jahre Gefängnis. Rcttntelcgrammfälschungcn. Das Dortmunder Schlourgcricht verurteilte gestern, wie uns ielegraphisch gemeldet wird, die Obcrpostassistrnten Spiekcrmann und Meier aus Unna wegen Fälschung von Renntelegrammen zu je einem Jahr acht Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehr- vertust. Der Schneidermeister Baubel erhielt als Anstifter zwei Jahre Zuchthaus. Alle drei Verurteilten wurden sofort verhaftet. Was eine Regierung für keiuc Beleidigung hält. In einer bei der Staatsanwaltschaft schwebenden Unter- suchungssachc gegen den Kaufinann Münden zu Herten war das Amt Herten un? eingehende Aeußerung über die Person Mündcns von der Staatsanwaltschaft ersucht worden. Der Polizeikommissar Kostcdde aus Herten äußerte sich darauf zu den Akten über den Leumund M.s und schloß seinen Bericht mit der Bemerkung: M. sei „ein richtiger frecher polnischer Jnbc". M. erhielt von dieser schriftlichen Aeußerung Kenntnis und erhob darauf gegen den Polizeikommissar Kostedde die Privat- Bclcidigungsklezc. Nachdem das Landgericht im Gegensatz zu dem Amtsgericht Necklinghausen die Eröffnung des Hauptvcrfahrens be- schlössen hatte, erhob die Regierung zu Münster zugunsten des Kommissars den Konflikt und verlangte die endgültige Einstellung des Beleidigungsversahrens. Die Regierung wollte in der mit- geteilten Aeußerirng keine Beleidigung erblicken. In der Verhandlung vor dem Lberverwaltungsgcricht vertrat Rechtsanwalt Wolfgang Heine den Privatkläger Münden. Er trat dafür ein, daß der Konflikt der Regierung für unbegründet erklärt lverden möge. Wohin sollte es führen, wenn Behörden, wenn auch im inneren Verkehr, die Gepflogenheiten der ungebildetsten Mcn- schcn, nämlich der antisemitischen Agitatoren, anwe??den dürsten! Das Tbervcrwaltungsgericht erklärte den Konflikt für unbc- gründet. Denn zu den angeführten Worten habe kein Anlaß vor- gelegen; diese Eharäktcrisierung sei nicht nur überflüssig gewesen, sondern Kosteddc sei damit auch über seine Amtsbefugnissc hinaus- gegangen. Die Beleidigungsklage nimmt nun ihren Fortgang. Versammlungen. Ein Nachspiel zu den Ausschußivahlen für die Allgemeine Ortskrankenkasse. Am Montag beschäftigte sich eine stark besuchte Funktionär- Versammlung des Transportarvdtervcrbaiides mit dem Ergebnis dieser Wahlen. Vordem hielt Albert Kohn einen vorzüglichen Vortrag über die Krankenversicherung in ihrer neuen Fassung ab 1. Januar 1914. Werner behandelte die Vorgeschichte der Ber- schiuelznngsverhandlungen der Ortskrankenkasse der Kanslcmc und der Allgemeinen Ortskrankenkasse, deren Erfolg bekanntlich die Vcr- eimgung beider Kassen ab Januar 19l t ist. Tie Transportarbeiter sind nun mit dem Ausfall der Ausschußwahlen als Organisation nicht zufrieden. Eine Kommission des Gewerkschaftsausschusscs, bestehend aus Kunze(Schneiderveroand) und K ö r st c n ar- bcitcte iiach Meinung Werners nicht in? Interesse des Tra??s- portarbeiterverbandes. Als man dem Verbände nur eine?? Vcr- trelcr �nnd zwei Ersatzleute zubilligen wollte, kostete es nach Wer- ??crs Tarstellung entschiedenes Verhandeln, um wenigstens drei Vertreter und sechs Ersatzleute zu erringen. Dabei hä?rci? die Transportarbeiter als zweitgrößte Organisation und als stärkste in den? Kassenoerbandc mindestens 15 Vertreter?ind!tO Ersatzleute bekommen müsse??. Tie Schneider haben als verl?ältnis?l?äßig kleine Gruppe szirka 9000 Verbandsmitgliedcr) 13 ordentliche Vertreter und 23 erste Stellvertreter in? Ausschuß der Kra??tenkässc. Werner sprach sich scharf gegen diese Ungerechtigkeit aus und bedauerte, daß chu?i?a??n und Uthcß, die gei?au wie der Referent das Vor- gehe?? des Ausschusses der Gewerkschastskonimissstm vcrur?cilten. Es wurde dann einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Beschwerden der Transportarbeiter??icdcrgclcgt sind, während an? Schlüsse derselben der Bczirksverwaltung anbei mgestellt wird, dic- jenigen Maßnahmen zu ergreife??, welche geeignet sind, die Rechte des Transportarbcitcrverbai?des für die Zukunft sicher zu stellen. Singegan�ene Dpucklcknften. Märchen der Wirklichkeit. Vo?? Maxi??, Gorki.— Buben und Mädel. Dialoge?'on F. Molnar.— Ter Held des Tages. Roman von A. Brody.— Jeder Ba!?d 3 M„ geb. i I. Ladyschnikoiv, Berlin W 15. AUgem. Grtskrankenka ffe für bei? Stadtbezirk Köpenick. EcnM§ 23 der Wahlordnung laden wir hiermit die Vertreter des Allsschupeo zur Vornah??le der Wahl der Vorstandsmitglieder ein. ES sind zu?vählc?? von seile?? der Arbeitgeber 4 Vorstandsmitglieder m?d 8 Ersatz- i??ä?iner, von feite?? der Kasscnmilgliedcr 3 Vorstandsmitglieder und IS Ersas- mä??ner. Die Wabl ersolgt in den Räume» der Kasse Berliner Str. 3 (Eingang Gutcnbcrgstrasze) und zwar für die Zlrbcitgeber au? Tienstag, de» 30. Dezember d. I., in der Zeit?>o?? 7 bis 7H'. Uhr avendS: für die Kassenli?itgliedcr a??? Dienstag, den 30. Dczc???bcr d. I.. ?>? der Zeit vo?? 8 bis 0 Uhr abeilds. Die Wahl ist geheim, getvähss wird»ach den Grundsätzen der Per- bätlniswahl nach näherer Bestii??l??ling der Wahlordnung. Die Mahlzeit dauert 4 Jahre. Tie Vertreter in? Ausschuß ivcrden hiermit alifgejordert Wahlvorschläge gewndcrt für die Arbeitgeber ul?d Kafscumitglieder auszustellen und den? unlerzeichnete?? Vorstände. Berliner Str. 3. spätestens bis zu??? 1k. Dczem- ber d. I. einzureichen. Später ei??geliend- Wahlvorjchläge sind irngllllig. Die Wahlvorichläge lnüssea oo?r je 3 Ausfchusjmitglicdcr?? der betrcsfendcu Gruppe unterzeichnet sei??: vo?? diese:? ist dem Dorsta??d ein Wahlvorschlags- vcriretcr jolvie ci?i Stellvertreter desselben zu l-ezeichnen. Die einzelnen Be vcrbcr sind unter fortlaufender Rümmer auizusübren. welche die Reibe ihrer Benennung ansdrürlt und nach Familien- und Vornamen, Beruf uuö Wohnort z?i bezeichucn. Bei Kniicnmitgiiedcrn ist auch der Arbeitgeber. bei dem sie beschäftigt sind, aiiztigebe». Ferner ist mit den Wahloorschlägen für Ka'sknntitgUeder von jedem Beioerber eine Erklärung darüber llorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wahworschlägen sür 'Arbeitgeber ist eine solch- Erklärung nur ersorderlich, soweit ein vor- geschlagener Bewerber nach g 17 der RcichsvcrsicherungSordnuNg zur Ab- lehnung der Wahl befugt ist. Tie Siinlinenabgadc ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Die Wabl- Vorschläge lverden von de?» unterzeichneten Vorstand nach der Reihenfolge ihres Einganges mit OrdiiuiigSnummern versehet?, ivelche mittels ösient» IkcherZZelmintmachmtg mitgeteilt werde??. Sind aus gültige?? Wahlvorschläge?? i>?l ganzen nur soviel wählbare -Bewerber benanilt,?vie VorstaudSinitglieder zu wählen sind, so geltc?i sie gemäß K 9 u?id 25 der Wahlordnung als gewählt. Tie Vertreter im Ansschilß erhalte?! nach Z 23 der Wahlordnung noch citic schriftliche Mittcilt??ig über die Bornahme der Vorftandslvablcn. jt ü p e?! i il, den 9. Dezember 19X2. 301/8 Ter Vorstand. Otto Nickel, Vorsitzender.'lötlhclm Plehm, Scheistführcr. M atentanwalt Prillwitzj __ Benl i n N'.WZt.Thur.nstralte 3�. Dr. SimmeB Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Ää«* 10— 2, 5—7. 8onnlaes 10— 12. Berneue Ba n d der Vorwäits-Biiotliek: Erzählungen aus dem Prolo- toxierleben von M. Andersen Nexö. Preis gut gebunden 1 Hark. 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