Kr. 326. RbonnementS'BedinQungtn: BSotmcmeiitä■ Preis pränumerando! »icrteljährl. ZL0 MI, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 28 Psg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nuinmer mit Uluitrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Seit" 10 Psg. Post- Nbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Past-Zeitungs, Preisliste. Unter Kreuzband tut Deutschland und Oesterreich< Ungarn ZäO Marl, für das übrige Ausiand « Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Pornigal, feuisiämcn, Schweden und die t-chwciz. 30. Jahrg. erscheint lägst dl, Vevlinev Volltsblcrtt. Zcntralorga« der rozialdemokratirchen Partei Deutfchlands. Die TnfertionS'Gcbüitr betrögt für die scchsgespaliene Nolonel- zeile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersnmmIungS-Anzejgen SO Psg. „Klein« Mnz«ig«n", das settgedruikte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruStc Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengeluche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes wcUere Wort 5 Psg. Worte über löVuch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsten bis & lllir nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SezialdlRiokrat RcrliiT, Redaktion: 8Rl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritsplass, Nr. 1983. Donnerstag, den 11. Dezember 1013. Expedition: 8Rl. 68, Lindcnetrassc 69. Fernsprecher: Amt Moriyplat;, Nr. 1384. Der fiiaiw auf dem Tfolierfcl)eroel. Zum Schluß der gestrigen Reichstagssitzung ereignete sich ein putziges Schauspiel: der isolierteste aller Reichskanzler, den Teutschland je gehabt hat, der nicht nur von allen guten Geistern, sondern auch von allen Parteien verlassen ist, der typische Mann auf dem Jsolierschemel, hatte, bepackt mit seinem zweiten Mißtrauensvotunt innerhalb kurzer Frist, den kläglichen Mut, der größten Partei des Reichstags und des Landes, der Viereinviertelmillionenpartei, der Volkspartei schlechthin, vorzuhalten, daß sie— jawohl, die Sozialdemokratie!— isoliert dastehe, durch einen breiten Strich getrennt von dem„Volksempfinden". So klang in der Tat nicht nur die Rede des Reichskanzlers ans, sondern das war ihr Grund- klang vom ersten Wort bis zum letzten. In der Frage des Arbeitswilligeilschutzes wie in der Aaberner Affäre scheute sich Herr V. B e t h m a n n H 0 l l> weg nicht, solchem Köhlerglauben deutlichen Ausdruck zu geben, und wenn nian ihn da an seinem Platze hin- und her- wehen sah. wie eine Trauerweide aus dem Grabe seiner eigenen Hoffnungen hin- und herschwankend, mußte, ob er trollte oder nicht, an die Ehrlichkeit der Worte glauben und cm die des Mannes, der sie pedantisch, schutmeisterlich und gequält hervorstieß. Wie anders aber als wohl sonst in Menschenköpfen'malt sich dann in diesem Kopfe die Welt! Wahrend die Massen draußen nach Brot und Arbeit schreien, sieht er wahrhaftig die Millionen sich schütteln vor Abscheu über den unerhörten Terrorismus der streikenden Arbeiter und hört sie laut schreien nach dem Polizisten, dem Gendarmen und dem Staatsanwalt. Freilich hatten vorher ans diesem Felde der geborene Junker Graf von W e st a r p und der gebackene Junker Freiherr von G a in p wacker den großen Schleifstein gedreht: Schutz der Hintzegarde! Nieder mit dem Koalitionsrecht! Zu Boden die Gewerkschaften! Tas war es, was laut und vernehmlich ans dem„sozialpoliti- schen" Teil ihrer Reden heransklang. Ta konnte denn dter Kanzler nicht länger hinter dem Busch des Schweigens sitzen bleiben, in dessen Schatten er sich so wohlfühlt, sondern er mußte Farbe bekennen. Aber es war ganz und gar nicht die angeborene Farbe der Entschließung, die den W e st a r p und Konsorten in so gesundem Rot auf den Wangen leuchtet, son- tzern ein schwer zu bezeichnender Mischmasch, eine Schminke, angerührt aus den Tuben Jch-möchte-gern, Jch-kann-noch-nicht und Wenn-es-doch-ginge. Wer allerdings durch das krause Gerank philosophasternder Sätzchen von der„Freiheit des In- bividualismus" und gerechttuender Mätzchen von der„pari- tätischen Behandlung" der Frage hindurchgreift, der packt in die erbarmungslosen Dornen des industriellen Scharfmacher- tiims.� Schält man den Kern aus dein unbestimmten Beth- mannschen Gerede heraus, so kommt man schließlich doch auf das Programm des Zentralverbandes der Industriellen, denn was der neue Strafgesetzentlvurf. auf den sich Herr v. B e t h- mann H 0 l l w e g berief, beibringt zur Erdrosselung des Koalitionsrechts, wie auch die Absicht, die Gewerkschaften für Schaden, erwachsen durch ihren„Terrorismus", zivilrechtlich haftbar zu machen, ist geeignet, auch auf das Antlitz derer uin R ö t g e r das Lächeln des Wohlgefallens zu zaubern. Achtung vor diesem Kanzler! Nur der Mangel an Ge- legenheit trennt ihn davoit, der Handlauger der gröbsten Ccharfmachergelüste zu werden. Aber wenn er so in diesen Reichstag schaut und die Häupter seiner Lieben zählt, auf die er sich in diesen Tingen verlassen kann, da wandelt ihn doch stärker denn je des Gedankens Blässe an, daß mit dieser Parla. mentszusammensetzung nichts zu machen ist. So wurde er denn zaghaft, stellte in Aussicht, versprach für die Zukunft, appellierte an das..Volksempfinden", aber er fand bei seinen einstigen Schildhaltern auf der Rechten keinen tröstlichen Blick, keinen ermunternden Zuruf, und hoffnungslos ließ er dann wieder den Blick zur Linken hinüberirren, die bald mit eisigem Schweigen, bald mit höhnischem Wort seine Ankündigung aufnahm der typische Mann auf dem Jsolierschemel. Nicht anders ging es mit seiner Sprechübung in der Zaberner Affäre. Auch hier setzte er sich mit Elan und Aplomb � es gibt keine zureichenden deutschen Worte für diese unvergleichlichen Kuuststückchen— zwischen zwei Stühle. Nachdem der Kriegsmnnster v. Falken Hayn, weniger aufreizend als vor acht Tagen, den Fetisch der militärischen Tisziplin dein Hause vorgehalten hatte, just wie es ein russischer Feldpope mit seinem Heiligenbild vor dem Regiment ktt, suchte der Kanzler der ewigen Verlegenheiten herauszu- hauen, was irgend herauszuhauen war, sich, den Militaris- mus und die Zivilbehörden im Reichsland auch. Er erklärte seine Meinung über die Zaberner Vorfälle dahin, daß er sich Noch keine Meinung gebildet habe, nein, noch nicht! Und einerseits, andererseits, und zwar, aber, und wenn schon, denn schon! Einen Rückzug habe die Regierung gewiß nicht I angetreten, durchaus nicht, aber, seine Zensuren nach rechts � I und links austeilend, bedachte er auch die Rechte mit einem � Tadel, weil sie Statthalter, Bezirkspräsident und Kreisdirektor � hart angefaßt. Und wenn auch dieser Teil seiner Rede ein Musterbeispiel von Unentschlossenheit war, so schauten doch, wie oben die Hörner des Scharfmachertums, so hier die Pferde- süße des Absolutismus hervor, der lustig auf Parlament und Parlamentarisinus pfeift. Nur in einem hatte der Mann des steten Unrechts un- ! zweifelhaft recht: es herrscht keine„Homogenität" mehr zwischen den Parteien, die ihm in voriger Hoche das Miß- l trauensvotum dargebracht. Nein, wahrhaftig nicht, denn den bürgerlichen Parteien schlägt längst wieder das Herz in dem Kleidungsstück, das die Sitzgelegenheit schamhaft umhüllt, und wenn sie auch von Herrn v. Beth mann Hollweg nichts Rechtes wissen wollen, so wollen sie ihn dock) noch weniger missen. Diesen peinlichen Eindruck strömte auch die Rede des Fortschrittlers Dr.'Wiemer, der mit unsagbar schmalzigem Pathos— der Mann sollte sich mit einer Talgfabrik ins Benehmen fetzen!— die Brücke zu schlagen suchte zwischen Mänuerstolz vor Kanzlersesseln und Regierungs- frommheit vor Fürstenblicken, und deshalb war der Anflug von Hohn, mit dem der oberste Reichsbeamte von der man- gelndeu„Homogenität" sprach, wohlverdient. Aus audereni Holz geschnitzt als diese ewig schwankenden Gestalten sind ganz sicher die Junker, und wenn man feste Umrisse sucht, so findet man sie eher bei dem Grafen W e st a r p als bei Dr. Wiemer. Dieser ist ein Schwamm, vollgesogen mit den Tränen, die der Freisinn über seine eigene Hoffnungslosigkeit vergossen lxtt und noch vergießt, aber bei jenem weiß man, woran er ist. Ein Volksfeind, rücksichtslos, zäb, entschlossen, alles uiederzutrampeln, was den Interessen des Junkertums im Wege steht, gehört Graf W e st a r p zu den CharaktSpen, die früher den Zorn des Volkes am stärksten auf sich lenkten. Heute freilich mag er noch so beschränkt die Welt aus dem Gesichtswinkel des ostelbischeu Laudrats betrachten, mag er noch so schneidig sein Himmel- donnerwetter rufen über die Zaberner„Rebellen" wie über die sozialistischen„Terroristen", an den Kräften, die die moderne Arbeiterbewegung entfesselt, finden auch lieber- menschen seinesgleichen auf zivilisiertere Art ihren Meister. Aber sie sind dankenswerte Erscheinungen im parlantentarischeu Getriebe, weil sie bei aller Verschlagenheit aus ihrem Herzen keine Mördergrube zu machen vermögen und erkennen lassen, wohin die Fahrt geht. Bei Herrn v. B e t h m a n n H 0 l l w e g erkennt das kaum der Zehnte. Er brachte es schließlich fertig, über die Braun schweiger Welfenfrage doppelt so lange zu reden als über die Frage des Koalitionsrechtes und die Zaberner Affäre zusammen. Hier war er ganz und gar der Hos- beamte, der über Hofdinge plauderte, der Typ des stammeln- den Hofmarschalls v. Kalb aus dem achtzehnten Säkulum. Wir aber schreiben zwanzigstes Jahrhundert, Herr v. B e t h m a n n H 0 I l>v e g! lisch der fliinlllerltrile. Paris, 8. Dezember.(Eig. Ber.) Die Miuisterkrise ist endlich gelöst, aber die Art, wie sie gelöst ist, bezeugt, daß die allgemeine politische Krise der Republik fortdauert. Die neue Regierung hat. ihrem Personal nach, einen ausgesprochen linksradikalen Charakter, aber an dieser Tugend hat die Not ihren Anteil. Doumergue hat die auswärtigen Angelegen- heiten selbst übernommen, da er von demgemäßigten Ribot, um den er sich hartnäckig bemüht hatte, sowie von Jean D u p u y eine hartnäckige Weigerung entgegengesetzt bekam. Diese Abweisung hat vor allem in �der Gegnerschaft der beiden gegen die Einkorn m e n st euer ihren Grund, deren Verfechtung so ungefähr das ganze Reformprogramm der neuen Regierung ausmachen dürfte— von dem obligaten „Schutz der Laienschule" natürlich abgesehen. C l e m e n e e a u h�im„Homme Libre" erklärt, die radikale Regierung dürfe dMMäßigung nicht durch den Zuzug von unzuverlässigen Parteigängern— d. h. natürlich Briandisten— erhalten, sondern aiis sich selbst produzieren. In der Tat hat der neue Kriegsmiiiister N 0 u l e n s für die dreijährige Dienstzeit ge- stimntt, ebenso der Marineminister Monis im Senat. Man muß also darauf gefaßt sein, daß das Militärprogramm des Kongresses von Pau, die auch von Caillaux befürivortete„schritt- tveise" Rückkehr zur zweijährigen Dienstzeit nicht auf der Fahne des Kabinetts stehen wird. Ter Wutanfall, womit das „Journal des Debats" die radikale Regierung empfängt, kommt nicht etwa von der Angst, die bürgerliche Linke werde jetzt den ersten Schritt zur allgemeinen Volksbelvasfnung unternehmen. sondern daher, daß es der radikalen Linken doch noch gelungen ist, ihrer vom Neunationalismus schon für endgültig angesehenen Ausscheidung von der politischen Macht Einhalt zu tun. Unzufrieden ist natürlich auch der„Temps", der sich über die Glanzlosigkeit der Mehrheit der neuen Minister- namen mokiert. Sein Aerger ist durch die Entschiedenheit hervorgerufen, womit der von Caillaux geleitete Doumergue die stillen Gesellschafter Briands ferngehalten hat. Zwar ist im neuen Ministerium auch die„demokratische und soziale Entente", das Gegengebilde der geeinigten Radikalen ver- treten, aber doch durch keine streitbaren Briandisten. Man lvird guttun, das neue Ministerium ohne große Hoffnungen aus reformatorischen Sturm und Drang zu er- warten. Seine Stellung zur Wahlreform wird schwerlich die Bestimmtheit erlangen, die auf feiten der Gemäßigten den Versuch ausschließen Ivürhe, ihm den Proporz zwischen die Beine zu lverfen. Die Taktik der sozialistischen Fraktion wird da mit mancher Schwierigkeit zu tun haben. Wenn die Zusammensetzung des Kabinetts schon die Ver- teidigung des Proporzes im Senat fraglich macht, so wird mau auch noch abwarten müssen, wie sich die Regierung mit den Widerständen, die die Einkommensteuer bei der auch von Linksrepublikanern zusammeugesetzten Mehrheit des Senats sicher finden wird und die schon im Komniissionsbericht zum Ausdruck kommt, abfinden lvird. Jedenfalls würde eine Regierung, die nicht bereit wäre, int Kampf für eine das mobile Kapital heranziehende Steuer ihre Existenz einzusetzen, den Rest des politischen Ansehens des Radikalismus bei den treugebliebenen Bauernmassen verspielen. Tic erste Interpellation. Paris, 10. Dezember. Ter sozialistisch-republikanische Dcpu- tierte Violette kündigt an, daß er am Donnerstag nach der Regierungserklärung das Ministerium über dessen allgemeine Politik interpellieren lverdc. Da Violette ein Anhänger des Llabinctts ist, bat die Interpellation zweifellos nur den Zweck, ein Vertrauensvotum der Kammer herbeizuführen, vom Mkgsng der Sosisldemoltrztie. Zlns dem r h e i n i s ch- w e st f ä I i s ch e n Industrie- gebiet wird uns geschrieben:- Kaum kann man.noch eine„nationale" Zeitung in die Hand nehmen, ohne darin von dem„Rückgang der Soztckl- demokratie" zn lesen. Vornehmlich wird dabei auf den Aus- fall der badischeu Landtagswahlen und auf die sozialpoliti- scheu und koinmunalpolrtischen Wahlen in Westdeutschland verwiesen. Man kann es unseren Gegnern nicht verübeln, daß sie nach so vielen Niederlagen sich der seltenen Sieges- stunden freuen und, wie nach der„Zerschmetterung der Sozialdemokratie" bei den Hotteutotten-Reichstagswahleu 1907 sich Courage einreden init der„bestimmten Versicherung", daß iniu die„sozialdemokratische Hochflut überwunden" fei. Um aber iu den Kreisen unserer Genossen keine falschen Vor- stelluitgen einwurzeln zu lassen, wollen wir die Ergebnisse der letzten sozial- und kommunalpolitischeu Wahlen in dem hiesigen Industriegebiet einer kritischen Betrachtung unter- ziehen. Tie Wahlen zu den Ortskrankeukassen sind keineswegs so ungünstig für uns ausgefallen, wie es nach den Triumph- berichten der bürgerlichen Presse aussieht. Strenge Vergleiche mit früheren Wahlen sind nicht möglich, weil in diesem Jahre sowohl die Art deS Wahlverfahrens wie auch der Kreis der Wahlberechtigten ein anderer war. Neberflüssig, zu beweisen, daß die Kämpfe tun die Krankenkassenvertreter zu einer„na- tioitalen" und„christlichen" Schlacht gegen die„Vaterlands- losen Roten" ausgestaltet wurden. Dieser Tamtam zieht noch stark in einem Landesteil, wohin sich itlmufhörlich ein Strom wirtschafts- und parteipolitisch ungeschulter Elemente ergießt. Besondere Aufmerksamkeit verdient unsererseits der Umstand, daß dort, wo weibliche Krankenkassenwähler in erheblicher Zahl zu den Urne» schritten, das„nationale Kartell", worin sich häufig außer den koufessionellen Arbeitervereinen und den tiltramontanen(tzewerkschasten auch die Gelben zu- sammenschlossen, am besten abschnitt! Unsere Genossen wür- den in manchen Kassen diesmal die Majorität bekommen haben, wenn nicht die weiblichen Wähler in Scharen gegen uns niobtl gemacht worden wären. In der Großstadt Essen verdanken es die„Nationalen" nur den zirka 1300 weiblichen Wählern, daß nochmals die größte Bertreterzahl tutseren Gegnern zufiel. Doch drangen unsere Genossen setzt so stark vor, daß die„nationale" Liste nur itoch einen Vertreter mehr als die unsrige erhielt. Ohne die Mobilmachung der überwiegend klerikal gesinnten weiblichen Wähler würden die freien©ewerkscheifteii schon diesmal die stärkste Vertretung im Kassenvorstand erhalte» haben. Aehntich so in anderen Orten. Man sieht hieraus, daß eine intensivere politische Aufklärung und Organisierung der proletarischen Mädchen und Frauen notwendig i st. Tieselbe Erfahrung machten unsere Mün- cheiter Genossen bei der jüngsten Ortskrankenkassenwahl, wie wir einer Besprechung in der„Münchener Post" entnehmen. Zu den von dem geitanitten Parteiblatte mitgeteilten Details über die klerikale Fanatisierung der„nationalen".�Wähler können wir auch aus dem hiesigen Bezirk manch drchtisches Seitenstück liefern. An verschiedenen Orten führten sich die Klerikalen so provozierend auf, daß unsere Genossen sich mit Gewalt bezivingen mußten, wollten sie den Wahlakt nicht in eine wüste Schlägerei ausarten lassen. Hinterher klagte die klerikale Presse natürlich über den Terrorismus der Sozia- listen. Es wird unsere Aufgabe sein, an der Hand der nun erst- mali gnach den neuen gesetzlichen Vorschriften durchgeführten Krankenkassenwahlen die künftigen Wahlen sorgfältiger vor- zubereiten. Uebriaens befanden sicki vordem fast aste Mehr- betten in den Vorständen der rheinisch-westfälischen Orts-mnd Gcmeindekrankenkassen in den Händen der„Nationalen". Tie von der bürgerlichen Presse cieincldcten„sozialdenwkratisck)en Ztiederlagen" waren keine Verluste, sondern unsere Genossen drangen diesmal noch nicht mit Mehrheit durch. Was nicht ist, muß noch werden. Eritstere Beachtung verdienen die K o in m u n a l w a h- I cn. Zwar handelte es sich hierbei selten um Erhaltung des bisherigen Besitzstandes � wir sind eben nur erst in relativ wenigen Gemeindeparlainenten vertreten. Von den Groß- ftädten erfreuenjich nur Essen und Tortmund einiger sozial- demokratischer Stadtverordneten. In einer Reihe von vor- wiegend in den südlichen Teilen des, Industriegebiets(Land- kreis Tortmund. Kreise Hörde und Hattingen und ini nörd- lichen Teile des Kreises Hagen) belegenen Landgemeinden bc. sitzen wir Vertreter in der dritten, in mehreren besitzen wir die ganze dritte Klasse, in einigen haben wir schon die Mehr- heit der Gemeinderatssitze. Ausnahmslos liegen die bc- treffenden L)rtc im Verbreitungsbezirk der„Tortnmuder Ar- beitcrzcitung". Nur in vereinzelten Gemeinden des übrigen Industriegebiets vermochten wir bisher Gemcinderatssitze zu erobern. Diese Begrenzung ist sehr charakteristisch. Tic bürgerlichen Nachrichten über„sozialdemokratische Niederlagen bei den GemcinderatSwahlen" treffen auf das südliche und öst- liche Industriegebiet nicht zu. Unsere Partei hat hier sehr gut abgeschnitten! Wir behaupteten unsere Mandate in Eving(2), Eichlinghofen(2), Ralingen(1), Persebeck(1), Oespel(1), Deusen(1), Brakel(1). Ellinghausen(1), Horstmar kl). Wellinghofen(1), Wichlinghofen(1). Schüren(l), Hostedde(2), Kirchderne(1). Tie Sozialdemokratie eroberte neue Mandate in Tellwig-Holte(1). Annen(2), Brambauer (2), Altenderne-Oberbecker(2). Niederaden(1). Obcraden(1), Rünthe(1), Bergkamen(1), Wiej-cherhöfen(3). Das sind 1-l neu eroberte und 17 behauptete Mandate! Sieht das nach einem Rückgang der Sozialdemokratie aus? Tie meisten bürgerlichen Meldungen über„sozialdemokratische Niederlagen" betreffen Orte, in deren Verwaltungskörperschaften nie ein Sozialdemokrat saß! Zudem erhöhten wir stellenweise. trotz„Niederlage" unsere Stimmenzahl, während die gegne- rische zurückging. In Hünen erhielten wir jetzt 17 gegen früher 11 Proz. der abgegebenen Wahlstimmen, lvährend die des Zentrums von ä9 auf o3 zurückgingen. Richtig ist, daß unsere Partei im allgemeinen bei den diesjährigen Gemeinderatswahlen keine Fortschritte machte, in manchen Orten sogar. Stimmenverluste zu beklagen hat. Wer aber die Verhältnisse in der„Kohlenkiste" kennt, wundert sich darüber nicht. Gerade bei den Gemeinderatswahlen spielen oft Fragen lokalpatriotischer Art eine entscheidende Rolle; außerdem ist bekanntlich das Wahlrecht an einen längeren Wohnsitz in der betreffenden Gemeinde gebunden. Tie Masse der Industriearbeiterschaft besteht aber längst nicht mehr aus bodenständigen, also an den lokalen Vorgängen interessierten Elementen, sondern befindet sich auf einer sozusagen unaufhörlichen Wanderung. Fräulein Li Fischer- Eckert hat sich die Verhältnisse der typischen Industriege- rueiiide Hamborn bei Oberhausen zum Vorwurf einer Studie über die wirtschaftliche und soziale Lage der Arbeiterfrauen gewählt und stellte nach den Gemeindeakten für 1911/12 fest: In Hainborn meldeten sich 37 631 Personen an. 32 210 ab, es nieldeten sich 17 116 um. Tie Gesaititzahl der Bevölkerung betrug 106 990. Hamborn kann man für ein ganzes Drittel seiner Bevölkerung eher als ein Wanderlagcr als eine feste �Ansiedelung ansprechen. In den meisten der init anlerikani- scher Schnelligkeit angewachsenen Ortschaften des mittleren und nördlichen Industriegebiets dürften sich die gleichen Wan- deruugsverhältnisse wie in Hamborn vorfinden. Die Funktio- näre unserer Partei und unserer Gewerkschaften machen alle die Erfahrung, daß sie zwar in den cinzelneit Ortschaften im Laufe eines Jahres zahlreiche Mitglieder gewinnen, aber kommt der Funktionär nach einigen Wochen oder Monaten wieder, so findet er oft den größten Teil der Mitglieder nicht mehr an. Sie gingen erneut auf die Wandenrng nach einer zusagenden Arbeitsstelle, wohin, war nicht zu ermitteln: die meisten tauchten in der unaufhörlich flutenden Masse unter, die wenigsten werden an dem neuen, auch nur vorübergehen- den Wohnort von den dortigen Vertrauensleuten aufgefunden. Das ist die Hauptursache der Stagnation und sogar des zeit- weiligen Rückganges der Parteinütgliedschaften im hiesigen Industriegebiet. Hunderttausende wechseln jährlich den Arbeitsplatz. ein großer Teil davon auch den Wohnort. Da ist der Verlust an Wählecstimmen bei den Gemeinderatswahlen leicht begreiflich. Eine ungeheure Masse von Proletariern nomadisiert förmlich, und unsere Partei, die aus der Menge der Aermsten ihre Reihen verstärken muß. ist vor- wiegend die Leidtragende. Jit dem südlichen Industriebezirk. dcni niedergehenden, wo die Arbeiterbevölkerimg am boden- ständigsten ist. haben wir die besten Erfolge bei den Gemeinde. ratswahlen. In diesem Bezirk ist auch der Zustrom der oft- elbischcn und fremdsprachigen, noch von keiner sozialistischen Aufklärung berührten Eleinente nur geringfügig, was wieder- um erklärt, warum wir hier Hochburgen besitzen. Je weiter nach Norden, um so stärker das Volksgemisch und die nomadi- sierendc Lebensweise. Hier ist denn auch die Doinäne der auch in den Genreiudeparlanrenten befehlenden großkapitalistischen Herricher. Wie terroristisch diese Rufer nach einem Streikbrecher- schutzgesetz bei den Gemeinderatswahlen vorgehen, das bc- kommen nickst nur wir, sondern auch die bürgerlichen Gruppen zu spüren, die noch als Oppositionsparteien auftreten. Die Zentrumspartei, deren Presse sich nicht genug tun kann im Jubel über„sozialdemokratische Niederlagen", hätte alle Ursache, hübsch bescheiden zu sein. Es kann sich in einer ganzen Reihe Gemeinden nur noch gegen die Sozialdemokratie behaupten, in- dem es Bündnisse mit den Zechen- und H üt t c n ka p i t a l i st e n schließt! Wie es dabei zu- geht, zeigt drastisch eine Pressenotiz, nach welcher die„Gc- Werks chast Deutscher Kaiser"(Thyssen) dem Zentrum gnädigst gestattet hat, in Hamborn den„bisherigen Stadtverordneten Ahlfänger"(Zentrum) wieder auf die Liste zu setzen! Das Zentrum befindet sich also schon in voller Abhängigkeit von dem Grubenkapitalismus! Mit Hilfe des großkapitalistischen Terrorisinus, der rücksichtslos das Wahlrecht der Werkssklaven vergewaltigt, hat das Zentrum, nicht nur in Hamborn, die So- zialdemokratie„besiegt". Es inacht sich die kapitalistischen Gewaltmittel zur Erhaltung seiner Mandate zunutze. Wo das Zentrum noch geglaubt hat. ohne Verbeugung vor den Werksgewaltigen seine Mandate beliauptcn zu können, da erlebt es, wie im stockkatholischen Recklinghausen, eine schwere Niederlage. In Recklinghansen siegte das Zen- trum in der dritten Klasse bisher glatt. Tiesmal erhielten die Kandidaten des„liberalen"(Zechen-) Wahlvercins etwa 1000 Stiinmen mehr als das Zentrum! Tie klerikale Reck- linghauser„Volkszeitung" klagt, der Wahlausfall sei eine Folge des unerhörten Terrorismus der Zechen- v e r lv a l t ir n g e n. Viele Wähler, im Herzen Zentrunis- leute, hätten„aus Furcht vor den unglaublichen Drohungen ihrer Brotgeber und aus Sorge für ihre Familie nicht gewagt, gegen den B c- fehl der Zechen zu wählen!" Damit ist die Art, wie die kapitalistischen Terroristen iin Ruhrgebiet die Wahlen „machen", richtig gekennzeichnet. Wenn aber schon dem Zen- trum in einer seiner Hochburgen, wo ihni außer sonstigen Hilfsmitteln noch die ganze Kaplanokratie zur Verfügung stand, eine solche Niederlage bereitet werden konnte, dann kann man sich denken, wie ungeheuer schwer es erst den Sozialdemo- kratcn, die von allen„gottgewollten Autoritäten" wie Ver- brccher behandelt tverden. sein muß, sich Vertretungen in den Gemeindeparlamenten zu verschaffen. Das Zentrum hat den kapitalistischen Terrorismus stillschweigend geduldet und sogar noch eifrig unterstützt, wenn er sich nur gegen die „Roten" wandte. Nun ihm in seiner Hochburg Recklinghausen die kapitalistischen Terroristen die Wähler vergewaltigten, schreit seine Presse Zeter und Mordio. Es ist bezeichnend für die gewalttätige Rücksichtslosigkeit des„liberalen" Kapitalis- mus, daß er es sogar fertig bringt, seinen Willen, in einer Stadt, wo die große Mehrheit der Gemeindewähler zweifellos klerikal gesinnt ist, durchzusetzen. Das hätte das Zentrum vor wenigen Iahren noch für unmöglich gehalten. Ob es daraus den Schluß zieht, den angeblickten„Rückgang der So- zialdemokratie im Industriegebiet" nicht mehr als eine „Ueberwindung der sozialistischen Hochflut" auszuposaunen, ist eine andere Frage._ polWche Qcberlicbt. Aus der sozialdemokratischen Reichstagssraktion. Die Fraktion wählte in ihrer Sitzung am Mittwoch an Stelle des Genossen Bebel den Genossen Scheidemann zum Fraktionsvorsitzenden. In den Seniorenkonvent werden außer den Genossen, die dieser Körperschaft bereits angehören. noch die Genossen Ledebour und scheide mann delegiert. Als Redner zum Etat des R e i ch s a m t s des Innern werden bestimmt! Schmidt-Berlin, Spiegel, Krätzig. Dr. Erdmann und R. Fischer-Berlin.— In die deutsch-französische parlamentarische Verständignngskommission wird au Stelle Bebels Genosse Bernstein delegiert. In der mecklenburgischen Verfassiingsfrage wird die Fraktion eine Interpellation einbringen. Das Mandat v. Lieberts ungültig! Die WahlprüfungSkommiision des Reichstages befaßte sich am Mittwoch wieder mit der ReichstagSwahl im 14. sächsischen Wahl- kreise. Dort siegte am 26. Januar 1912 in der Stichwahl der Reichöverbändler v. Liebert mit IS 081 Stimmen gegen 13 061, die auf unseren Genossen R y s s e l- Leipzig entfielen. Der Reichs- tag beschloß im Lorjahre Beweiserhebung über eine Reihe von Be- hauptungen, die im Wahlprotest aufgestellt worden waren. Beim Wiederzusammentritt des Reichstages lag das Ergebnis dieser Be- weisoufnahmen endlich vor. Es wurde festgestellt, daß eine An« zahl O e st e r r c i ch e r in die Wählerlisten eingetragen waren»nd auch gewählt hatten. Diese Stimmen waren für ungültig zu erklären und dem Sieger abzuziehen. In einem Orte hatte man drei Wähler einfach deshalb gestrichen und sie damit ihres Wahlrechts beraubt, weil sie am 3. Januar 1912 aus dem Orte verzogen waren. Diese Stimmen mußten nach alter Praxis des Reichstages dem unterlegenen Kandidaten zugezählt werden. In verschiedenen Orten wurden Wähler in die Wählerlisten eingetragen, die erst nach Schluß der AuSlagefrist, teilweise erst in den ersten Tagen des Januar, zugezogen waren. Die Stimmen dieser Wähler mußten kassiert werden und waren dem Sieger abzuziehen. DaS Ergebnis war schließlich folgendes t Herrn v. Liebert waren 36 Stimmen abzuzieb en, damit verblieben ihm noch 13 045 Stimmen; Rysiel erhielt 4 Stimmen zugezählt, damit stieg seine Stimmenzahl auf 13 063. Herr v. Liebert hatte also die Mehrheit verloren und die Kommission beschloß ein- st i m m i g, das Mandat des ReichsverbandSgcnerals für u n- gültig zu erklären._ Kein Zuchthausgesctt in Vorbereitung. Offiziös wird berichtet!„Die Meldung eines bayerischen Zentrumsblattes, daß im Reichsamt des Innern ein Gesetz- cntwurf betreffend den erhöhten Schutz der Arbeitswilliaen ausgearbeitet»verde, trifft nicht zu. J:n Reichsamt des Innern befchäftiat man sich natürlich auch mit dieser in der Oesfentlichkeit bielfach erörterten Froge, aber bisher nur in der Weise, daß das erforderliche Material zur näheren Prüfnna der Angelegenheit bearbeitet wird. Von der Aus- arbeituna einer Porlage ist vorläufig noch keine Rede." Zaber». Ein Zabcrnrr Soldat verurteilt. Während bisher kein Mensch erfahren konnte, welche Strafe den Leutnant Forstncr getroffen hat, dringt sehr rasch an die Ocffentlichkeit. wie sie Soldaten bc- straft»erden, die an den Redensarten des Offiziers Anstoß ge- nommcn haben. Wie gemeldet, verschwand plötzlich der Bursche des Oberst v. Reutter, der clsässische Musketier Ficht, in Unter- suchungShaft. ohne daß selbst seiner Mutter über den Sachverhalt A u s»n n f t gegeben worden wäre. Wie nun aus Zaber» gcmcldct wird, ist Montag die Aburteilung des Burschen, der, aus der Untersuchungshaft von zwei Soldaten eskortiert, nach dem Truppenübungsplatz Hagenau transportiert »vurde, vor einem Standgericht erfolgt. Ficht hat in einem Zaberner Geschäft seiner Privatmeinung über den Fall Forstner reien Lauf gelassen. Die Wände müssen nun wohl Ohren gelWt haben. Montag erhielt er fünf Wochen Arrest, wovon zwei Wochen auf die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt angeschen werden. Ich bin ein Prentze. In der.Deutschen Tageszeitung" quasselt ein Biedennann über „Elsässisch-Lothringische Zustände". Das Geschreibsel selber bewirkt Zustände, wenn maws liest. Es ist, gelinde, höflich, parlamentarisch ausgedrückt: Ouatsck! Also Schwamm drüber I Nur der Schluß- pasius ist für die Sinnesart dieser echtpreußischen Leute allzu kenn- zeichnend, als daß er unter den Tisch fallen dürfte. OertelS Bieder- mann schreibt da— nebenbei: es ist sicher Schwindel!—: In einem elsässiichen Dorf südlich Mülhausens pochte ein De- serteur aus Weißenburg spät abends an ei» Fenster, hinter dem er Licht sah. Als der Bauer öffnete, sagte der Deserteur:„Ach helft mir über die Grenze, ich bin den Preußen weggelauseii." Der Elsässer sagte, der Mann möge einen Augenblick hereinkonimen, er»volle sich erst anziehen. Als der Deserteur eintrat, ergriff der Bauer ihn beim Kragen, warf ihn in eine dunkle Kammer und schloß ab mit den Worten:„Warte man, ich werde dir helfen. den Preußen weglaufen, ich habe in Berlin bei der Garde gedient." Dann holte er den Gendarn,. DaS ist.prej» fische Erziehung"! So also sieht sie aus, die preußische Erziehung? Einen armen Teufel, der, mag er ouSgefressen haben was er will, doch in erster Reihe ein gehetzter Mann ist, und der dem Stammesbruder blind- lings vertraut, in eine Falle locken, den Spitzel spielen, mit klappern» den Holzpantinen zur Gcndarmericstation rennen und den armen Teufel ans Messer liefern, das ist— hört es, Preußen und Nicht- Preußen!— preußische Erziehung. DaS ist echtes Preußentum, wie es im Bannkreis der ostelbischen Weltanschauung blüht, wächst und gedeiht. Aber haben da nicht die Elsässer und wer immer außerhalb der Grenzpfähle sitzt,„die wie das Zebra sind gestreist", haben sie nicht zehnfach, hundertfach, tausendfach recht, sich von diesem Preußentum mit Worten abzuwenden, die in keinem Hand» buch des guten Tons zu finden sind? Tie Wahl eines Oberbürgermeisters in Nürnberg »vurde am Dienstagabend vom Gemeindekollegium vorgenommen. Von 60 Gemeindebevollmächtigten waren S7 erschienen. Auf den bisherigen ersten Bürgermeister von Regensburg Dr. Geßler fielen 44 Stimmen, auf den Nürnberger rechtskundigen MagistratSrat Weigel 13 Stimmen. Die letzteren wnrden von den Nationalliberalen und Mittelständlern abgegeben. Die Mehrheit für Dr. Geßler fetzt sich zusammen aus 19 sozialdemokratischen, 22 freifinnigen und 2 demo- kratischen Stimmen. Die Wahl bedeutet einen Bruch zwischen den Freisinnigen und Nationalliberalen, die bisher stets bei den Ge- nieindewahlen gemeinsam vorgegangen sind und die Rathaus- Mehrheit gebildet haben. Ob die Differenzen, die sich in der Bürgermeisterfrage zeigten, auch bei anderen Fragen nachwirken werden, muß sich erst zeigen.__ Ter charakterfeste Wehrvereinsgcneral. General Keim sprach vor einigen Tagen in Braunschweig in einer Wehrvereinsversammlung und kam in seinem Vortrag auch auf das Welfenhaus zu sprechen. Er sagt«: „Kein deutsches Fürstenhaus hat so viel tapfere Männer aufzuivetsen, als das Haus Braunschweig-Lüneburg. Zahlreiche Glieder des braunschwcigischcn Fürstenhauses starben den Helden- tod fürs Vaterland und fielen vor dem Feinde. Die Braun» schweizer haben daher allen Grund, stolz zu sein auf ihr Fürsten- haus." Die WeHrvereinler quittierten mit allgemeinem Bravo. Ter» selbe Keim hielt vor einigen Jahren in demselben. Saale eine gleiche Versammlung ab. Damals sprach Keim von derselben Stelle, von der ans er jetzt wieder geredet hat, über die Welsen die folgen- den Worte: „Gute Braunschweiger mögen Sie schon sein, ich bin auch ein guter Hcssen-Tarmstädter: aber ivelfisch dürfen Sie nicht sein. Schon seit dem Mittelalter sind die Welsen stets Reichs- Verräter gewesen. Lassen Sie den Eumberländer. wo er ist." Der Vortrag war damals von denselben Wchrvercinlern bc- sucht,»vie der Vortrag vor einigen Tagen. Und dieselben Weh» vercinlcr, die jetzt die Lobhudelei aus die Welsen mit stürmisebcm Bravo begrüßten, dankten damals dem Keim mit einem gleichen Bravo. Es waren Offiziere darunter und die.ersten Kreise" aus Stadt und Land. Damals suchte man das Welfenhaus ver- ächtlich zu machen: inzwischen ist aber der Welfcnprinz der Schwiegersohn des Kaisers geworden. Landtagsersatzwahl in Timmern. AnUlicheS Wahlergebnis: Bei her Ersatzwahl zum Hause der Abgeordneten im Wahlkreise Koblenz 4.iSimmern) ist der Guts- besitzer Karl Andres-Kreuznach(natl.) mit den 260 abgegebenen Stimmen gewählt worden. Die beleidigte Majestät. Wegen einer im Juni d. I. in Höchst a. M. gehaltenen Rede zum Rcgicrungsfubiläum Wilhelms II. ist gegen den Reichstags- abgeordneten Genossen Wendel ein Verfahren»vegen Majestäts- bcleidigung eingeleitet worden. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Wiesbaden hatte die Einleitung des Verfahrens auf eine Straf- anzeige des Landrats von Höchst hin abgelehnt und die Anklage erst auf Verfügung des Oberstaatsanivalts in Frankfurt a. M. erhoben. Eine falsche Meldung. Ein heutiges Morgenblatt meldet aus Straßburg, daß das Ver« bot des kommandierenden Generals von Deimling, den elsässtsrben Rekruten We>hnach:Surlaub zu erteilen, aufgehoben»vorden fei. Wte das„Wolffsche Telegr.-Bureau" offiziös mitteilt, kann von einer Aufhebung eines solchen Verbotes keine Rede sein, da eS überhonpl nicht ergangen ist. Die Sinnlosigkeit einer derartigen Maßregel liegt za offen zu Tage. Protest gegen die Militärdiktatur. Magdeburg. Tie Arbeiterschaft Magdeburgs protestierte am Dienstagabend in einer überaus stark besuchten Versammlung gegen Militärdiktatur und Säbelherrfchasi. Aach einem Referat des Reichstagsabgeordneten Genossen Landsberg wurde einstimmig eine Protestresolution angenommen. Im Regierungsbezirk Magdc- bürg fanden außerdem now Protestvcrsammlungcn statt in Halber st adt. Wernigerode. Burg. Ascherslebcn. Gommern und einer Anzahl kleinerer Orte. Tic Versamm- lungen waren durchweg sehr stark besucht. Vraunschweig. Dienstagabend fand unter riesigem Andrang der Bevölkerung eine Proteftvcrsainmlung gegen die Militärdiktatur statt. Redner»Dar Redakteur Genosse Richard Wagner. Eine Protestresolution, die einen Ausbau der Rcichsverfassung im demo- kratischen Sinne forderte, fand einstimmige Annahme. Trier. Noch keine Versammlung war hier so zahlreich besucht, als die Protestversammlung. Saal und Galerie»varen überfüllt und viele mutzten umkehren, weil sie keinen Platz mehr fanden. Obwohl die hiesige Zeiirrumsprcssc gegen die Versammlung gehetzt hatte, schloß sich der Vorsitzende des christlichen Materverbarwes dem Protest an. Eine scharfe Resolution fand einstimmige Annahme. Luckenwalde. Zwei übervolle Versammlungen, in denen die Reichstagsabgeordneten Ewald und Jäckcl sprachen, fanden am Man- tag in Luckenwalde statt, um Protest zu erheben gegen die mili- tarististhen Ausschreitungen in Zabcrn und deren Verteidigung durch die Regierung im Reichstage. Einstimmig wurde die Bcr- lincr Resolution von den etwa 2000 anwesenden Männern»nd Frauen angenommen. Jena. Eine von 2000 Personen besuchte Protestversammlung fand am Montag im großen Saale des Volkshauses statt. TaS Bürgertum hatte es trotz Einladung vorgezogen der Versammlung fernzubleiben. Eine scharfe Resolution wurde gegen zwei Stimmen angenommen. Ein Schritt der Cripelentcntc. London. 10. Tezcnlber. Wie das Rellterscke Bureau er- fährt, ist beschlossen worden, daß die e n a l i s Ä e- die f r a n- z ö s i sch e und die r u f s i s ch e R c g i e r u n g in Kon- stantinovel Erkundigungeu einziehen, ob es wahr sei. daß die türkische Regierung einem beut i 9 c n Offizier das Oberkommando in der tlirkt' Ä e n Armee übertragen habe und bis zu welchem Grade dies die Lafle tu Konstanttnopel berühren werde. Tie Unterredungen über diese Frage, die zwischen dem russischen Botschafter und der deutschen Regierung in Berlin stattfanden, trugen ein sehr freundschaftliches Gevräge, und Teutschland hat Kenntnis von der Absicht der drei Mächte, in Konstantinopel Erkundigungen einzuziehen. fforwcgeti. Die Gemeindewahleu. Die norwegischen Gemeindewahlen sind zu Ende. Ueberall hol die Sozialdemokratie große Forlschritte gemacht. In den Land- gemeinden ist die Stimmenzabl um Sl> Prozent gestiegen. In manchen Städten hat die Partei die Majorität erobert. In der Hauptstadt Kristiania ist die Sozialdemokratie die stärkste Partei geworden. Sie hat 30 833 Stimmen bekommen und damit die Kon- servativen mit ihren 30079 Stimmen überflügelt. Die Radikalen zählen nur 7136 und die.Freisinnigen" nur 4360 Stimmen. Die Sozialdemokralen erhalten danach 36 oder 37 Mandate, die Kon- servativen 35, die Radikalen 8 und die Freisinnigen 5 Mandate. Zusammen können deshalb die Sozialdemokraten und die Radikalen die Stadt regieren, und obgleich die Radikalen natürlich nicht in allem zuverlässig sind, kann man doch jetzt sicher sein, daß manche wichtige Reformen in der kommenden Gemeinderatsperiode durchgeführt werden. So wird man jetzt versuchen, die Wohnungsnot durch k o m- m u n a l e Maßregeln zu vermindern. Weiter wird man freie Lehrmittel in die Volksschule einführen. Die kommunalen Arbeiter werden ihre acht Stunden Arbeitszeit erhalten. Die SteuerfreiheitSgrenze wird erhöht werden usw. Infolge ihrer Stimmenzahl dürfte jetzt die Sozialdemokratie den Präfidentensitz des Stadtrats besetzen können. Die Radikalen können aber dies verhindern, wenn sie für den konservativen Präsident- kandidat stimmen. Vielleicht tun sie auch dieses aus sogenannten »nationalen" Beweggründen. Der Präsidentkandidat der Sozial- demokratie ist nämlich kein Norweger von Geburt, er ist ein Däne, der doch zirka 30 Jahre in Norwegen ist. Die Radikalen haben mit Freudenschreien einen Dänen als König für Norwegen berufen. Als Präsidenten in den Stadtrat der Hauptstadt wollen sie doch jetzt keinen.Dänen" sehen. Der.Nationalismus" ist sich selbst überall ähnlich. Butganen. TaS Wahlergebnis. Sofia, 10. Dezember. Berichtigend wird aus Sofia mit- geteilt, daß die Zahl der gewählten Agrarier 47, der Sozia- listen 37 beträgt. Die Führer der drei Regierungsparteien, RadoSlawow, Ghenadiew und T o n t s ch c w, sind heute vom Könige in Audienz empfange» worden, um über die durch daß Wahlergebnis geschaffene Lage zu beraten. Nach Mitteilungen von zuständiger Stelle sind keine Beschlüsse gefaßt worden. Die Regierung werde vorläufig abwarten und versuchen, mit den Bauernbündlenr ein Kompromiß zu schließen. Mexiko. Neuwahlen. Mexiko, 10. Dezember. Der Kongreß hat die letzten Präsidentschaftswahlen für ungültig erklärt. Die Neuwahlen sind für den Juli angesetzt. H u c r t a soll bis dahin als provisorischer Präsident weiter fungieren. pariamentarilekes. Tas Tuellunwcsrn. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien haben in der Reichstagskommission zur Regelung der Duell- frage sich auf einen Antrag geeinigt, daß dem Strafgesetzbuch ein§ 208a eingeschoben werde, wonach bei freventlicher Verschuldung des Duells an Stelle der Festungshaft auf Gefängnisstrafe zu erkennen ist. Die Meinungen gehen darüber auseinander, ob in diesem Falle auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann oder zu erkennen ist. Tie sozial- demokratischen Vertreter beantragten: Die Kommission wolle beschließen: 1. Der fünfzehnte Abschnitt des Strafgesetzbuchs(§ 201 bis § 210) wird aufgehoben. 2. In den Abschnitten 16 und 17 des Strafgesetzbuchs wer- den die nachstehenden Bestimmungen neu eingestellt: a)§ 223a als Absatz 2: Ist die Körperverletzung begangen im Zweikampf mit tödlichen Waffen, so ist auf Gefängnis- st rafe nicht unter einem Jahr zu erkennen. b) Z 223b: Die Herausforderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen sowie oie Annahme einer solchen Heraus- sorderung wird mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Gefängnisstrafe von sechs Monaten bis zu drei Jahren fntt ein, tpenn bei der Herausforderung die Absicht, dah einer von beiden Teilen das Leben verlieren soll, entweder ans- gesprochen ist oder aus der gewählten Art des Ztvcikampfes erhellt. c)§ 223c: Die Bezeigung oder Androhung von Vcrach- tung wegen Unterlassung einer Herausforderung zum Zwei- kämpf oder wegen Nichtannahme einer solchen HcrauSfordc- rung wird mit Gefängnis bestraft. d)§ 224 Absatz 2: Ist solch eine Körperverletzung im Zweikampf mit tödlichen Waffen begangen worden, so darf auf Gefängnis � nur erkannt werden, wenn mildernde Umstände vorliegen. e) 8 226?lvsatz 2: Ist durch die im Zweikampf bewirkte Körperverletzung der Tod dcS Verletzten herbeigeführt worden, so darf aus Gefängnis nur erkannt werden, wenn mil. d c r n d e U m st ä n d« vorliegen. kl In den unter a. b, c, d, c aufgeführten Fällen ist neben der Freiheitsstrafe Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte zulässig, wenn der Täter sich einer ehrlosen Handlungs- weis» schuldig gemacht hat, die in einer Beziehung zum Zwei- kämpf steht. Die Abstimmung über die Anträge findet in der ersten Sitzung der Kommission nach Neujahr statt. Bus der Partei. Erklärung. In der am 8. Dezember 1913 abgehaltenen Sitzung de« Ge- samtvoritandcö des Bergarbeilcrvcrbandcs.� wo der Genosse Adamck Ans Rccklinghausen und der Unterfertigte zugegen gewesen sind, wurde u. a. auch die in der letzten Zeit in oen Reifyen der Mit- glieoer der Polnischen sozialdemokratischen Partei sP.P.S.) auf- getauchte und zum.separatisnius auf gewerkschaftlichem Gebiete hinarbeitende Strömung erörtert. Der Drang zum Separatismus ist unter den Genossen der P.P.S. besonders stark aufgetaucht nach einem in der Rummer vom 5. November 1913 des„Dziennik Robotniczy"(Organ der P.P.S,) veröffentlichten Artikel, der gegen vcn Genossen Bauer von der Geiicralkomiilission den Vorwurf er- hebt, er solle in einer am 24. Oktober 1913 in Kattowitz abgehal- 1'". Konferenz auf mehrere polnisch« Angestellte des Berg- arveitcrverbandc» einen unberechtigten Druck ausgeübt haben sie sollen� entweocr den Jenaer Partciöcschluß befolgen, d. h. aus der "uSir-ten. oder die Konsequenzen ziehen. Die erschöpfende »usjpmch« hat w pxr obenerwähnten Sitzung ergeben: 1. daß der Genosse Bauer einen solchen Druck auf Vcrbandsangc st eilte und Mit- glieder der P.P.S. nicht a u s g c ü b t h a t; 2. daß eine Aeußcrung, wie sie der„Dziennik Robotniczii" dem Genossen Bauer in den Mund gelegt hat, weder der Form, noch dem Sinne nach gefallen ist; 3. daß ein Mitglied oer Gcneralkommission solche Eni- schcidungcn in internen Verbandsangclegenheiten, wie der „Dziennik Robotniczh" das in dem fraglichen Artikel behauptet, gar nicht fällen kann, weil der Verband in derartigen Fragen vollständig selbständig ist; 4. daß nach meiner Ucbcrzeugung der Berg- arbciterverband selbst noch nie ein Mitglied oder einen Angestellten in seiner Zugehörigkeit zur P.P.S. oder einer anderen Partei ge- hindert hat; 5. daß der Bergarbeiterverband nichts unternommen hat, was eine neue Zersplitterung der Bergarbeiter rechtfertigen könnte. Angesichts eines solchen Tatbestandes warne ich die Partei- genossen oer P.P.S. vor einem Separatismus aus gewerkschaft- lichem Gebiete. Ich habe mich überzeugt, daß, besonders soweit der Bergarbeitervcrband in Frage kommt, dazu kein Anlaß vorliegt, abgesehen von den Schäden, die der Separatismus gerade den polnischen Arbeitern bringen würde. Einer Parteibowegung, die nach Beseitigung der als Grund zum Separatismus an- gegebenen Ursachen trotzdem Separatismus betreiben würde, könnte ich unter keinen Umständen weiter angehören. _ Franz B o r h s. Zum Solinger Lokalistenstreit. Die Kreisgeneralversammlung des sozialdemokratischen Ber- eins für den Wahlkreis Solingen beschäftigte sich am Sonntag- nachmittag im überfüllten Saale des Walder Gewerkschaftsbauses mit dem Antrage der UntcrsuchungSkommission, gegen die Führer des lokalistischen Jndustriearbeitcrverbandes Braun, Ern, Eckardt und Witte wegen ihres parteischädigenden Verhaltens das Aus- schlußverfahren aus der Partei einzuleiten. Nach stundenlanger oft sehr erregter Diskussion, in der die Angeschuldigten es ab- lehnten, sich zu verteidigen, dafür aber neue Angriffe schiverster Art gegen die Partei und einzelne Genossen erhoben, wurde ein- stimmig bei einigen Stiinmentbaltnngen dem Antrage der Untersuchungskommission gemäß beschlossen. Mit der Entfernung dieser Leute aus der Partei dürfte nach langen Jahren endlich wieder ein geordnetes Parteileben im Kreise Solingen möglich sein. Auch gegen den Stadtverordneten Brückenhaus(Lokalist) wurde die Einleitung des Ausschlußverfahrens gegen 16 Stimmen beschlossen. Brückenhaus hatte Maßnahmen der Parteiorganisation in entstellter Form in einem„Eingesandt" der bürgerlichen Presse übermittelt. Der Aufforderung, sein Stadtverordnetcnmandat niederzulegen, ist Brückenhaus nicht nachgekommen. Eine Bcbel-Gcdiichtnissrier i» der Kirche, In Zürich fand am vergangenen Sonntag in der Kirche Wipkingcn eine Gedächtnisfeier für August Bebel statt. Die Aus- schmückung der Kirche hatte die Züricher Stadtgärtnerei über- nommen. Tie Feier wurde durch Glockengeläute eingeleitet, Orgelvorträge und Männerchöre, die u. a. Uthmanns„Hymne an die Freiheit" sangen, folgten. Ter alte Genosse Hermann G r e u- l i ch hielt von der Kanzel die Gedächtnisrede.-Zum Schluß der wirkungsvollen Feier sangen die Arbeitcrsänger den Chor„Ter Völker Frciheitssturm"._ Soziales* Eine erfolgreiche Abwehr der Acrztrforderungen in Düsseldorf. Im Oktober wurde berichtet, daß im Düsseldorfer Industrie- gebiet zwischen Acrzten und Krankcntasscn eine Einigung zustande gekommen sei." Die Krankenkassen hatten Ttjt August Aerzte gesucht und zirka 180 Angebote erhalten, worauf die Acrzteorganisation in Düsseldorf sich wohl oder übel zu Verhandlungen bequemen mußte. Als bei diesen Verhandlungen in allen wichtigen Punkten eine Einigung erzielt war, wurde den Aerztcn, die sich gemeldet hatten, mitgeteilt, daß die Kassen nunmehr auf ihre Dienste vcr- zichten müßten.— Mittlerweile fand der Acrztctog in Berlin statt, und nun erklärten die Düsseldorfer Aerzte trotz der erfolgten Einigung den Bertrag zum 1. Januar nicht akzeptieren zu wollen. Die Unterzeichnung des Vertrages könne erst erfolgen, wenn die Zentrale in Leipzig ihre Genehmigung erteile. Tie Kassen waren über das Verhalten der Aerzte naturgemäß empört. Tie Aerzte hatten bei den ganzen Verhandlungen mit keiner Silbe erwähnt, daß die Unterzeichnung des Vertrages von Leipzig abhängig sei und die Kasscnvcrtretcr nahmen als selbstverständlich an, daß in Anbetracht der ganzen Umstände die Unterzeichnung erfolgen würde.— Es wurde» nun erneut Schritte in die Wege geleitet, um trotz der verschlechterten Situation für die Kassen doch noch Aerzte zu bekommen. Diese Bemühungen waren von Erfolg ge- kront. Es sind bereits 65 Aerzte fest angestellt, und zwar mit einem zehn)ährigen Vertrag. Da 125 000 Kassenmitglieder in Frage komme», ist der Bedarf für diese bereits reichlich gedeckt. Unter Hinzurechnung der Familienversicherung sind etwa 80 Aerzte erforderlich. Die noch fehlenden 15 Aerzte können»ach und nach angestellt werden. Von dein§ 370 der ReichSvcrsicherungsordnung. dessen Anwendung beantragt war, brauchen die Kassen jetzt keine» Gebrauch zu machen. Der Verlust des Düsseldorfer Industriegebiets ist für den Leipziger Aerztcvcrband ein schwerer Schlag. Die vereinbarteii Pauschalhouorare waren wohl die höchsten in Deutschland. Sie betrugen bei den Jnnungskrankenkassen pro Kopf 0,28 M., den Ortskrankenkasscn 0,69 M. und den Bctriebskrankciikaffen(durch- schnittlich) 8,00 M., alles ohne Familienversicherung. Die neu engagierten Aerzte erhalten ein Fixum von 10 000 M.. und weitere 1500 M. sind pro Arzt vorgesehen, die nach einem bestimmten System, den Leistungen entsprechend, den einzelnen Acrzten gezahlt werden.,_ Ter Buchstabe des Gesetzes. Das rigorose Vorgehen einer Firma gegenüber einem armen Angestellten, der 800 M- beim Einkassieren verlor, auS rechtlichen Motiven nicht abwehren zu können, bedauerte die l. Kammer des Berliner Kauftnannsgerichts, wie sie das in der Urteilsbegründung zum Ausdruck brachte. Der Kläger in dem betreffenden Prozeß, der Kontorist B., lvar etwa fünf Jahre in dem beklagten Speditionsgeschäft von Bäsch u. Eo. in Stellung gewesen. Er hatte sich während dieser Zeit einwand- frei geführt. Als er im September d. I. eine größere Geldsumme einkassieren sollte, passierte ihm das Unglück, acht Hundcrtmark, scheine aus der Rocktasche zu verlieren. Infolge der seelischen Aufregung über den Verlust lag der Gehilfe drei Wochen krank danieder. Als er am 8. Oktober wieder ins Geschäft kam, hatte er noch sein Septeinbergehalt zu bekommen. B. mußte sich erst verpflichten, die verlorenen 800 M. in Raten von monatlich 19 M. abzuzahlen. Außerdem mußte er bescheinigen, daß er über den September hinaus keine weiteren Ansprüche stellen will. Erst als die Firma diese den Kläger bindenden Erklärungen unterschrieben in Händen hatte, zahlte sie ihm das Septeinbergehalt in Höhe von 80 M. B. erhebt vor dem Kaufmannsgericht noch einen An- sprüch auf das Gchalt für Oktober. Die Frage des Vorsitzenden, warum er sich durch Unterschriften von solcher Tragweite seiner Rechte begibt, beantwortet der junge Man», der den Eindruck eines körperlich und seelisch Zusammengebrochenen macht, dahin, daß er infolge seiner Krankheit dringend Geld brauchte. Er mußte schon unterschreiben, damit er in seiner Notlage wenigstens etwas Geld zur Bestreitung des Nötigsten und zur Tilgung der dringendsten Schulden in Händen bekomme. 1 Das Kaufmannsgericht entschied, daß es leider zur Abweisung des Klägers kämmen müsse. Die Sympathien des Gerichts ständen auf feiten des Klägers, aber rechtlich lasse sich leider nichts dagegen machen. Denn die Unterschrift binde den Kläger.— Ter Vorsitzende riet dem Vertreter der Beklagten, in Zukunft derartige Pflichtzahlungen nicht mit der Abnahme von Reversen zu vcr- quicken. Das Gericht hätte sehr wohl dem Kläger auf Grund des Ge- setzes das Gehalt zusprechen können und sollen. Der Revers war ungültig, weil er gegen die guten Sitten verstieß(tz 138 des Bürgerlichen Gesetzbuchs) und überdies das Lohnbeschlagnahmc- gesctz verletzte, dessen§ 2 jede Verfügung des Arbeiters, Hand- lungsgehilfen oder Angestellten über sein Gehalt für rechtsungültig erklärt, falls die Verfügung vor dem Fälligkeitstermin erfolgte und das in diesem Jahre gezahlte Gchalt noch nicht 1500 M. überstieg. Ein geistesschwacher Wächter forderte gestern vor dem Ge- wcrbegrricht, Kammer 8(Vorsitzender Magistratsrat Schultz), von dem Wach- und Schlicßinstitut Groß-Berlin nachträgliche Be- Zahlung für insgesamt 1294 Ueberstunden a 40 Pf.— 517,60 M. Der Kläger war bei der Beklagten von Januar 1910 bis September 1913 als Rcscrvcwächter tätig und erhielt pro Tag 1 M. Lohn bei vierstündiger Arbeitszeit. Er behauptet nun, an den Sonn- und Feiertagen während der Dauer seines Arbeitsverhält- in ff es gezwungen gewesen zu sein, je 12 Stunden Dienst zu tun. Daraus ergibt sich die Klagcsordcrung. Die Beklagte wendet ein, die Engagementsbcdingungen lauteten auf wochentags 4 Stunden und Sonntags 12 Stunden Dienst. Habe der Kläger dennoch Ansprüche auf Bezahlung von lieber- arbeit gehabt, dann mußte er das innerhalb acht Tagen nach jeder Lohnzahlung geltend machen, wie ein entspreche..0er Vermerk auf den Lohntüten ausdrücklich besagt. Anerkannt wurden lediglich 3.20 M.. Diesem Anerkenntnis gemäß kam das Gericht zu einer Vcr- urieilung der Angeklagten zur Zahlung von 3,20 M. Mit der Mehrforderung wurde der Kläger abgewiesen. Für seine Bc- hauptung, daß auch Sonntags nur 4 Stunden Dienst getan werden sollte, spreche wohl die äußerst geringe Bezahlung, aber der Kläger babc doch Jahre darüber hingehen lassen, ohne dagegen zu pro- testieren. Auf den Eid als Beweis für seine Behauptung könne nicht zurückgegrifse» werden, da der Kläger geistesschwach ist und unter gerichtlicher Vorrnnridschast steht. Taraus wäre auch die Ungültigkeit des Anstellungsvertrages herzuleiten, da auch die Zu- stiniinuna des Klägers fehle. Weil jedoch der Pfleger wider- spruchslos geduldet habe, daß der Kläger jahrelang Sonntags 12 Stunden tätig war, müsse darin ein stillschweigendes Ein- Verständnis erblickt werde». �. Mit Recht betonte der Vorsitzende, daß die beklagte Gesellschas., die sehr häufig vor dein Gericht erscheint, sehr oft die Sorgfalt in der Auswahl ihrer Wächter vermissen läßt, die in Anbetracht der hohen Verantwortlichitzd unbedingt zu fordern sei. Zu verwundern sei es bei der äußerst minimalen Entlohnun» nicht, wenn~emc eingestellt werden müßten, die im Leben schon mancherlet Schis)« bruch gelitten hätten. Tie Oeffcntiichtcit habe ein Interesse daran, dies festgestellt zu sehen. letzte Nachrichten. Mordversuch im Norden Berlins. Die Möbelhändlerin JosefaErhardt wurde gestern abend in ihrem Geschäftslokal im Hause Bergstr. 3 v o n de m H änd le r Paul P i et j ch er überfallen und gewürgt.� Auf ihre Hilferufe eilten Hausbewohner herbei, die den Pietscher festnahmen und der Polizei übergaben. Bei seiner Ergreifung hatte er eine Schlinge in der Hand, mit der er anscheinend die Frau erdrosseln wollte. Cr wurde nach seiner Vernehmung aus dem 11. Polizei» revicr der Kriminalpolizei übergeben. Einzelheiten fehlen noch. Arbeitslosenfürsorge in Bayern. München, 10. Dezember.cktlouslcltaDg, An alle Mtglieäer cles �eigvereins! Mit Unterstützung der Gewerkschaften sollen die seit dem 1. September d. I. mindestens 6 Woche» arbeitslos geweseneu organisierten Arbeiter Grost-Berlins«auch wenn sie jetzt in Arbeit stehen) und alle die unterstützt werden, die jetzt eine Woche arbeitslos sind. Ebenso sollen nach dem Beschlusi der letzten allgemeinen Mitgliederversammlung unserer Organisation alle Kollegen unterstützt werde», die in diesem Jahre sich mehr als 19 Wochen als arbeitslos zur Kontrolle gemeldet haben und dies durch den Kontrollstempel im Mitgliedsbuche nachweisen können. Um die Unterlagen für die Aufstellung der Listen zur Aus- zahlung der Wcihnachtsunterstütznng zu beschaffen, ersuchen wir alle Kollegen, auf die obige Vorbedingungen zutreffen, sich am Donnerstag, Freitag oder Sonnatzend dieser Woche abends von 7 bis 9 Uhr in den Verkchrslokalen ihrer Bezirke melden z« wollen. Als Ausweis dient das Mit- gliedsbuch; wenn dieses abgegeben ist, kann es im Verkehrs- lokal in Empfang genommen werden. Die Kollegen von Norden l melden sich bei Maaff, Lychcner Straffe 3, die von Norden ll bei Borger, Graunstr. 41. Alle Kollegen werden«m weiteste Verbreitung dieser Mit- teilung ersucht. 147/2 Der Zweigvereinsvorstand. um • Fahrradhaus„Frisch auf"• Offenbach a. 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Sonst sind wir nicht in der Lage, die Wünsche und An- forderungen unserer arbeitslosen Genosien rechtzeitig und ordentlich erledigen zu können. Die Veröffentlichung über die Eingänge wird von jetzt an täglich ini„Vorwärts" erfolgen. Es gingen ferner ein: Metallarbeiter bei Moeckcs 10,—. Arbeiter der Firma Rauichcnberger 15,—. Arbeiter bei Koebke 18,75. Arbeiter bei Maillies u Schwabe 20,40. Arbeiter bei Gebr. Lipke 10,50. Tischlerei Struck 12,—. Reederei Kahnt u. Hcrtzer SO,—. Tr. Gh. Schöncberg 30,—..Exericrstratze 6" 77,—. Dr. Alfred Bernstein 20,—. Franz Loeper 20.—. A.-G. Gladenbeck Abt. Müller 10,—. A. Schulze u. Engler 3,—. Verband der Sattler u. Porte- scuiller, Ortsoerwaltung Berlin, aus Listen 300,05. Verband der Buchbinder Ortsocrmaltung Berlin 1000,—. Verband der Schneider aus Liste 4617 24,15. 4622 5,60. 4638 47,—. 4675 8,50. 4678 15,85. 4680 5,10. 4681 10,15. 4682 2,25. 4686 57,60. 4687 25,30. Kaufmännische Angestellte der„Vor- loärts"-Buchdruckerei 147,50. Verband der Töpfer, Filiale Berlin 500,—. Verband der Buchdruck-Hilfsarbeiter, Ortsverwaltung Berlin 500,—. Ver- band der Handlungsgehilfen, ans Listen 120,10. Von den Angestellten des Fabrikarbcitcrverbandes aus Liste 3100 101,25. Lifte 3002 Magnesia. Werk SSeiBcusee 22,60. Lifte 3005 Sprilsabrik M. 25. Müller 19,35.' Liste 3007 Büstensabrik Baschwitz 8,35. Liste 3008 Baschwitz 18,25. Liste 3054 Farbenfabrik Gebr. Schmidt 9,50. Liste 3056 Gummisabrik Herz 24,75. Liste 3060 Gummi- und Kabelwerk Dr. Casiicrcr 35,35. Liste 3062 Norddeutsche Gummisabrik 14,05. Liste 3088 Schallplattenwcrk.Mgrolit', Neixcnsee 35,60. Liste 3089 Schallplattcnsabrik.Cdeon", Wcisjcnsce 12,85. Liste 3090 Kunststein-Werke Roßberg u. Co. 12,50. Abteiimig Schleiferei bei Dewitt u. Herz 16,—. Tischlerei Ionelcit 11,80. Tischler und Polierer bei Grünthal, Passow u. Co. 17,—. Angestellte bei Lauermann 8,50. Lifte 5 Slrbciter bei Schwabe u. Co. 12.50. Slrbciter bei R. Tbiele 4,50. Arbeiter bei Bliesener 11,50. Angestellte der Jnnungskrankenkasse der Tischler 53,00. Gürtler bei Reinhold 10,75. C. St., Handlungsgehilfen V.—. Tapezierer bei E erlach 2,—. Bauarb eiterocrband aus Listen 71,50. Transportarbeiterverband, OrtSvcrwaltung Berlin, auf folgende Listen■ 7016 17,90. 7024 20,25. 7028 122,—. 7038 8,05. 7072 32,80. 7075 22,55. 7086 30,95. 7091 21,30. 7095 11,60. 7104 durch Th. Zickerl, Fräsekuticher, gesammelt 38,80. 7119 10,95. 7505 13,—. 7515 Kutscher V. 23. ff., Platz 8, 7,95. 7522 13,40. 7574 2,70. 7584 8,35. 7585 5,70. 7589 Arbeiter von Thicsscn u. Co. 9,25. 7590 Brettichneider u. ffrüqcr 12,30. 7760 14,—. 7761 Arbeiter von Vallentin u. Co. 7,—. 7775 10,20. 7776 5,90. 7798 42,20. 7815 tüucard 6,20. 7834 Spcditeurvcrein Görlitzer Bahn 12,80. 7836 Anhalter TranSportkontor 42,85. 7847 5 95. 8117 7,50. 8173 25,—. 8192 7,85. 8211 8.50. 8222 10,95. 8230 7,75. 8918 Betrieb Pinkcrt 1,10. 7731 BetricbSarbeiter der Berliner GenoffenschastSbäckerci, Gericht- siraste 23 55,20.— Verband der Steinarbeiter, Zahlstelle Berlin, aus folgende Listen: 4752 Wiescngrund 38,65, 4753 Stanke 21.75. 4754 Ellcr 10,—. 4755 Huth 3,50. 4756 Lcder u. Laudien 12,50. 4757 Touchert 6,90. 4758 Messerschmidt 4,50. 4759 Riedel u. Hiller 3,95. 4761 Rasemann u. ffluth 2.90. 4763 ffieser 27,50. 4766 Zachö. Biesen- tbalcr Straste 7,75. 4767 Sasse Nachs., Liesenstraste 5.35. 4768 Braun 5,30. 4769 Strchler 5,80. 4772 Kirchhcimer 1,—. 4773 Holzmann 5,60. 4774 Czarnikoiv 22,80. 4776 Bornstew 3,—. 4777 Kästner 1.80. 4778 Körner 3,50. 4779 Schilling 5,45. 4782 Teich 17,85. 4784 Wimniel 11,—. 4785 durch Lewin 1,90. 4786 Frieseckc 21,30. 4787®otl((tm!f30,—. 4805 Winckler 10,—. Summa 291,55. G. W. 2,—. Liste 48 Angestellte des HauptburcauS des Lederarbciterverbandes 25,—. Ln Summa 4615,55 M. Bisher sind veröffentlicht 101 205,40 M. Dazu lammen 4615,55 M. In Summa 105 820,95 M. Die Listen find dort abzurechnen, wo sie entnommen sind. Die Listen 3643 und 7582 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. In gestriger Abrechnung soll eS heißen: v o n den Angestellten der Zentralkommiffion der Krankenkassen. Sonstige Beiträge sind zu richten an Alwin Körsten, Engel- ufer 15 und Emil Bocske, Lindenstr. 2 I. Das Zimmer 23 der Gewerkschaftskommission ist täglich ge- öffnet von 9—1 und 4—8 Uhr. Mit Parteigruß Verband der sozialdemokratischen Wahlvereiue Berlins u. Umg. I. A.: Eugen Ernst. Gewerkschaftskommisfion Berlins und Umgegend. I. A.: Alwin Körsten. SewerKscKaMicKes. 6cwerkrcbaftsimtgUedcr find lästige Ausländer. Seit einiger Zelt versucht der Giasarbeiterver�d ini Glatzer Bezirk in Schlesien die dort.ru Tausenden beicliästigten Glasarbeiter für die Organisation zu gewinnen. Die Er- folge blieben nicht ans. Die Glasschleifer im dortigen Be- zirk sind zum großen Teil Oesterreicher und vielfach auch schon in Oesterreich organisiert gewesen, so daß die Führung der Bewegung ihnen zufiel. Obgleich die Bewegung kaum begonnen hat. werden schon Versuche gemacht, um die junge Organisation im Keime zu ersticken. Der kaum gewählte Vertrauensmann, ein sehr ruhiger Mann, erhielt seine Ausweisung als lästiger Ausländer. Womit niag der Mann sich wohl„lästig" ge- macht haben? Seit einigen Monaten geht übrigens auch der christliche Keram- und Steinarbeiterverband im Glatzer Bezirk daraus aus, Mitglieder für sein Organisatiönchen zu gewinnen. Ob- gleich die Herrschaften sofort einen Gauleiter dort hinge- setzt haben, kamen sie über ein Bäckerdutzend Mitglieder nicht hinaus. Als der Vorsitzende des Glasarbeiterverbandes einige Versammlungen abhalten wollte, hatten die christlichen Herr- schaften ihm die>Säle abgetrieben, trotzdeni gelang es. die Versammlungen in anderen Lokalen abzuhalten. Nach den Saalabtreibungen nun die Ausweisung. Die dortige Arbeiter- schaft ist für die Organisation reif, und die Ausweisung des Vertrauensmannes wird dem Gedanken der Organisation erst den Boden ebnen. Verlin unü Qnizegcncl. Tie Kompngnonfirma Steiling u. Keiiing. Herr Furagebäudler I. S t e i l i n g, Liebeuwalder Str. 45, von dem wir in Nr. 306 des„Vorwärts" mitgeteilt hatten, daß er sich in dem Streik bei der Firma Schmiedigen besonders be- tätigt und bei der H.'ranschaffung von Arbeitswilligen durch den Slreikbrecheragenten K e i l i n g mittätig war, hat unS vor einigen Tage» eine Zuschrift zugehen lassen, in der es hieß: „Ich habe niemals mit Keiling verhandelt, war auch niemals bei Keiling und kenne ihn überhaupt nicht." Zu dieser„Berichtigung" erhalten wir nun aus Transport- arbeilerkreisen eine merkwürdige Aufklärung, die auch zeigt, wie manchmal Berichtigungen zustande kommen. Die Berichtigung be- trifft offenbar den allen Herrn S t e i l i n g, der allerdings In- haber des Geschäftes ist, an den aber niemand der Beteiligten überhaupt dachte, da seine körperliche Rüstigkeit keine solch« mehr ist, daß er in der Lage wäre, Slreilbrechertransporie zu organisieren. Für ihn ist im Geschäft leitend tälig sein o h n, der— wie das oft bei Vater und Sohn zu sein pslegr— aus denselben Familiennamen hört, wie der alte Herr S t e i l i n g. Dieter Sohn nun war es, über dessen Existenz sich die„Berichtigung" fein säuberlich ans- schweigt, der Herrn S ch m i e d i g e n zu dem Streikbrecheragenten Keiling begleitete. Er fühlte sich offenbar in der Rolle eines Arbeitswilligeuagenten im Ehrenamt außerordentlich wohl, nahm ganz die sattsam bekannten Manieren jener Herren an und bewaffnete sich sogar nach Art derselben mit einem Revolver. Wir verstehen nach den uns ge- wordenen Mitteilungen überhaupt nicht recht, warum jetzt die Familie Steiling ans einmal so großen Wert darauf legt,„nichr dabei gewesen" zu sein. Das war nicht immer so. Als während der Bewegung ein Mitglied der Streikleitung das Bureau des Herrn Steiling anrief und dort bat, die Firma möchte sich doch in dem Streik bei S ch m i e d i g e n neutral verhalten, da wurde die Tat- fache der Streikbrechervermittelung unter Kompagnonschaft mit Herrn Keiling in keiner Weise abgeleugnet. Aber barsch wurde erklärt: „Das inachen wir, wie wir wollen!" Wir bedauern nach alledem, von Herrn Steiling, von dem jung e n Herrn Sleiling, dem faktischen Leiter der Firma, den Ruhm nicht nehmen zu können, daß er zugunsten der Firma S ch m i e d i g e n selbstlos sich mit dem Streikbrechervermittler Keiling verband. �_ Aus dem Flelichergewerbc. Ter Fleischerineisier Otto Gar- bisch. Langestr. 57, läßt sich zu keiner Einigung herbei. Ter Koni- Mission, welche bei Herrn G a r b i s ch vorstellig ivar, erklärte der- selbe rundweg, daß er mit der Organisation keinen Tarif ab- schließen werde. Organisierte Gesellen stellt Herr Garbisch nicht ein, sondern nur solche, welche dem gelben Bunde angc- hören. Wenn Herr G a r b i s ch von der organisierten Arbeiter- schaft in seinem Betriebe nichts wissen will, sollte er offen erklären, daß er ein Gegner derselben ist und an organisierte Arbeiter auch nichts verkaufen will. Die Lohnkommisfion. der organisierten Flcffchergeseven. Das technische Bühnenpersonal im Deutschen Opernhaus. „Das Deutsche Opernhaus hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur in künstlerischer Beziehung Mustergültiges zu' leisten, sondern auch auf sozialem Gebiete, soweit es sich um die Wahr- nehmung der materiellen Interessen seiner Mitglieder handelt, anderen Bühnen vorbildlich zu sein." So zu lesen in einem der letzten Theaterhefte des Deutschen Opernhauses. Wir müssen leider konstatieren, daß für Löhn und Arbeitszeit des technischen Bühnenpersonals das Gegenteil zutrifft, und hier die Direktion anderen Theatern gegenüber nicht vorbildlich wirkt. Das technische Bühnenpersonal hat im Deutschen Opernhaus eine unendlich lange Arbeitszeit, täglich muffen Uebcrstundcn bei Tag und Nacht geleistet werden. In den letzten Wochen haben Ar- beiter 96 Stünden hintereinander gearbeitet, nur mit Unterbrechung durch kurze Eßpausen; Tag und Nacht haben die Leute ihre Familie nicht zu sehen bekommen. In der Tischlerei mit Maschinenbetrieb wird auch des Sonntags während der Kirchzeit gearbeitet. Daß bei einer derartig langen Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter direkt gefährdet wird, kann niemand bestreiten. Die gezahlten Löhne entsprechen nicht den Anforderungen, welchen die Bühnenarbeiter zu entsprechen haben. Wockenlöhnc von 28,75 Mk. reichen auch nicht unter den heutigen wirtschafÜichcn Verhältnissen, um damit eine Familie zu ernähren. An anderen Theatern werden bereits Monatsgagen von 125— 135 Mk. gezahlt. Auch die Ilcberstnndenbezablung gehört mit zu den schlechtesten. Für Tagesstunden werden 50 Ps. und für Nachtstunden 70 Ps. gezahlt, wogegen in unseren anderen Theatern 60 Ps. und 1 Mk. üblich sind. Ebensowenig entspricht die Bezahlung der Nachmittagsvor- stellung mit 1 Mk., ein Satz, der vor 15 Jahren in Berlin gezahlt wurde, den heutigen Anforderungen. An allen anderen Theatern werden 1,50 Mk. rcsp. die Halde Tagesgage schon seit Jahren ge- zablt. Durch Eingaben und Vorstelligwerden der Organisation und der Kollegen wurde das Vcrsprecken von der Direktion gegeben, für die Zukunft ebenfalls 1,50 Mk. zu zablcn. Auch hier versagt die Borbildlichkeit; die Bühnenarbeiicr muffen heut noch die Räch- mittagsvorstellung für 1 Mk. leisten. Auch die Bcbandlnng derselben durch ihre Vorgesetzten läßt viel zu wünschen Übrig. Bei jeder Gelegenheit wird dem Arbeiter gesagt:„Wenn es Ihnen nicht paßt, dann können Sie gehen", oder- „Es sind 100 andere Arbeiter vorgemerkt." Ist das vielleicht auch vorbildlich, immer gleich mit Entlaffung zu droben? Was nützen da all die Pcnsionskassen, wenn der Ärbeiter bei der geringsten Kleinigkeit entlaffen wird. Tie Schuld daran, daß das technische Bühnenpersonal noch unter so bedauerlichen Verhältnissen zu leben gezwungen ist, liegt allerdings nicht nur an der Direktion, sondern zum weitaus größten Teil an den Angestellten selbst. Ten Weg z» ihrer Organisation haben die meisten derselben bis jetzt noch nicht finden können. Die Selbsthilfe durch die Organisation ist ihnen noch fremd. Wären sie ohne Ausnahme dem Deutschen Trans- Portarbeiterverband angescbloffen, so müßte sich die Direktion in ganz anderem Maße auch ihrer sozialen Ausgaben erinnern. Berichtigung. In dem Artikel der Dienstogsmimnier>ttes „Vorwärts" über„Die Arbeitslosigkeit in der Berliner Holzindustrie de? Baugewerbes" befindet sich in Zeile 13 und 14 von oben ein siunenlstellender Fehler. Es heißt dort:„Dagegen gellen Arbeits- longleiten von 10—13 Wochen als besonders günstig." Es muß heißen:„Dagegen gelten Arbeitsgelegenheiten'von 10—13 Wochen als besonders günstig." Deutsches Reieb. Ein koalitionsfeindlicher Schnapslieferant. Die Steinhägerfinna H. C. König in Steinhagen in Westfalen verweigert den Brennereiarbeitern entgegen den mit dein Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter getrosseue» Vereinbarungen das Koalitionsrccht. Angebahnte Verhaiidlungeii blieben erfolglos. Ter Streik in der Oberrheinischen� Kartonnagenfabrik in Mannheim ist mit gbtem Erfolge für die Streikenden beendet. Die kleines feuiUeron. Rote Fahnen am Brandenburger Tor. Wie? Was? Wann? Wieso? Jawohl, eS hat seine Richtigkeit! Am Brandenburger Tor flattern knallrote, blutrote, rcvolntionsrole Fähnchen, zwei, vier, sechs Stück. Mit Revolution haben sie allerdnrgs nichts zu tun, sondern sie dienen irgendeinem geheimnisvollen fuhrtgchnischen Zweck, denn sie hängen an einem Gerüst, mit dem das Branden- burger Tor umbaut ist. Aber immerhin: es sind knallrote, blul- rote, revolutionSrote Fähnchen, die einzigen satten Farbflecke auf dem trüben Grau dieses regnerischen Dezembertages, und wenn ein Windstoß kommt, flattern sie so lustig, wie rote Fahnen nur flattern können.. Niemand beachtet sie. Zwei Schutzleute stehen gleichgültig dar« unter, der brave Grenadier von den Franzern wird durch sie nicht gestört, die Autos, durch die Bogen des Tores hindnrchflitzend. nehmen keine Rotiz davon. Nur als um die Mittagsstunde ein langer, grauer, grämlicher Mann in flotter Kutsche, mit einem Lxib- jäger auf dem Bock, durch das Brandenburger Tor fährt, sieht er empor, entdeckt das leuchtende Rot und erbleicht... Gr schließt die Augen, sieht imnberiehbare Menschenmassen, drohende Fäuste, hö-i ein dumpfes Grollen, einen Stunnmarsch... da hält der W�zei, am Reichstag, der Schlag wird aufgerissen, der Reichskanzler ste.�t, mit einem bösen Schreck in den Gliedern, aus. Scheu sieht er am Portal noch einmal zurück: sie flattern noch immer lustig, die roten Fahnen am Brandenburger Tor. Die Welthauptstadt der Zukunft. Ein amerikanischer Ingenieur namens Andersen hat den Plan eines internationalen Kultur- zenlrumS ausgeheckt, ein französischer Regierungsbaumeister namens H e b r a r d die Bauanlage in allen Details im nationalistisch ge- richteten Geschmack amerikanischer Rcchtwinkligkeit entworfen und nun hat auch im Festsaal der Panier Sorbonne nach einem Paten- sprucki des Philoiophieprofeffors Boutroux der vom Salon- anarchisten zum nationalistischen Verherrlicher der kapitalistischen Energie fortgeschrilleiie Romanschreiber Paul Adam einem gut- gekleideten Publiko versichert, daß ein solches für die„Auslese" komponierte und vorbehaltene Kosmopolis der prositlichen Vater- länderei und Lmidraubreluzim: durchaus keinen Schaden tun würde. Was soll man von alledem halten? Nehmen wir an, daß irgend ein amerikanischer Krösus wirklich in die Spendierhosen lühr« und daraus den Hundertmillioncnscheck b-rauSzöge, der erforderlich ist um alle die Museen, Institute, Sternwarten, Sportbahncn lamt Funkspruchlurm und Simultanteinpel samtlicher Religionen zu errichten! Was wäre das anderes als ei» ins Gigantische gesteigertes Dorf Potemkins? Eine lügnerische Los- trennung der paar Lichtpunkte der modernen Gesellichast von der Migeheurei. schwarzen Masse ihres Elends und ihrer Schande? Weno d,e Herrschaften schon einen Extrakt ihrer Kultur herstellen i wollen, mögen sie doch auch die Grundpfeiler der beuligen Ordnung nicht vergessen! Gehört in die Welthauplstadt der Herren Andersen und Höbrard nicht eine Mustersabrik, wo die ivissenschafl« lichste Ausbeutung der Proletariat genannten Maschine vor- geführt wird? Und wo bleiben in dem Plan Ka- fernen und Gefängiiiffe, die doch genau so unentbehrlich und ebenso moralische Anstalten sind, wie der Mordpatriolisinus und das Privateigentum, diese von der bürgerlichen Wissenschaft an- erkannten Ewigkeitswerte? Sehen wir ganz ab von den materiellen Unmöglichkeiten dieser kapitalistischen Wolkeukuckucksheime, von dem Unsin», eine Äültur- siadt herstellen zu wollen, um die sich nicht gleich eine Elend« und Unkullurstadl lagern würde, init Nrinenwohiuliigen der dort Be schästigtcn, mit Gastwirtschaften und Schäntcii, mit Bars und Freudenbäusern für Koligreisisten und Sportfestlern— charakterisiert sich nicht das ganze Projekt als eine Maskierung der Abneigung der herrschenden Klaffe, der geschichtlich gegebenen Gesellschaft den Weg zur Kultur freizulassen? In allen Ländern rühren sich die neuen Kräfte, in den Städten der alten und der neuen Well, aus den Engen altersgrauer, ge- krümmter Gassen und anö den in endloser Monotonie geschichteten Schlafgestellen der Sklaveustädte bricht ein nie gekannter Schöpfungs- Wille, ein kühn hinansteigender Glaube an die Zukunft der Mensch- heit empor. Aber was die Herrschenden mit all ihren Gewalt- inilteln nicht zu vernichten vermögen, das möchten sie wenigstens aus dem allgemeinen Fluß herausheben und im Dunstkreis der Tatenlosigkeit isolieren. Die„Welthauplstadt" ist ebenso eine Verjenseitigung deS Kulturwillens, wie der Himmel der Religionen eine Verjenseitigung deS Glücksbedürfnisses der Menschheit. Aber die Menschheit hat die Epoche solcher Verdrängungskünste hinter sich. Sie weiß, daß so wenig, wie der Weltfrieden anS dem von einen, erfolgreichen Jobber gespendeten„Friedenspalast", die Einheit der Kultur aus einem Phantasiespiel kommen kann, dessen sich Nutznießer, Prediger und wohlwollende Ansdeuter der Unkultur gnädig annehmen. Dir Hunde bellen? Um den Fall Ihne wird nach wie vor herumgeredet. Das Auswärtige Amr erklärt, der Bau der Botschaft in Washington sei noch uitsr vergeben. Die Ärchitektenvereine lagen, der Fall sei noch nicht klargestellt. Auch die Bauakademie hüllt sich in geheinuilsvolles Schweigen. Die Wahrheit ist, daß der Kaiser den Bau an Geheimrat Ihne vergeben hat, um ihn dafür zu entschädigen, daß Ihnes Entwurf beim Bau des Opernhauses ausgefallen ist. Man hat auch den Kaiser auf das Ungewöhnliche der'Vergebnng des Baues aufmerksam gemacht und ihm erklärt, daß die öffentliche Meinung vielleicht sich mit dem Fall beschäftigen und daß der Reichstag opponieren würde. Darauf soll das Wort gefallen sein: Die Hunde bellen, aber der Wagen geht weiter. Einstweilen schleicht der Wagen allerdings stockend im trüben Dunkeln, und eine neueMitteilung, die jetzt in fSePresse sickert, will soga. wissen, ihm weide demnächst ein Hindernis dar die Räder fliegen Die Akademie des Bauwesens soll morgen tagen, und es heißt, es sei nicht ausgeschlossen, daß sie de» Jhneschen Entwurf wegen ge- wisser Mängel gutachtlich als ungeeignet zur Ausführung bezeichnen werde. Ali'o: es sei„nicht ausgeschlossen". Und wenn die Herren es wirklich wagen, bellen werden sie sicher nicht. Und eben deshalb — was immer jetzt ihr Tun wirken mast— wird der gewisse Wagen um so sicherer in alter Richtung weiter gehen, und die Ihnes werden wieder und wieder den Bocksitz haben und die Wurst erjagen. Notizen. — Thcaterchronik. Gerhart Hauptmanns neues Dramci„Der Bogen des Odhssens" wird die Uraufführung im Kiliistleitheatcr in der ersten Hälfte des Januar erleben.— Tic bevorstehende Aufführung der dramatischen Werke Georg B ü ch ii c r s im Lessiiigtheater—„Leonce und Lena" und ZSozzeck"— soll musikalisch ausgeschmückt und abgestimmt werden. Solche Zugaben brauchen diese Werke wirklich nicht. — N u s ch a B n tz e gestorben. Im Lichterselder Kreis» krankenhaus starb gestern. 53 Jahre alt, die Darstellcrin konzschcr Rollen am Königlichen Schauspielhaus. Frau Nnscha Bntze. Am Montag brach sie während des Spiels ohnmächtig zusammen. Sie war gc- borene Berlinerin, trat schon mit 14 Jahren auf die Bühne und wirkte seit einem Vierleljahrhiindert in Berlin, wohin Barnay sie aus Wiesbaden ans Berliner Theater holte. Bei denen, die an der in Hofiheatern geleisteten Arbeit Gefallen finden, war ihre Kunst hoch angeschrieben. Sie war eine nanchafle Vertreterin des Konversationsspiels. — Vorträge. Heute abend 8 Uhr findet in der Sing akademie der letzte Vortrag von Roald Amundsen mit Lichi- und Kinobildern statt. Thema:„Meine Reise zum Südpol". Karten bei A. Wertheim, Bote u. Bock und an der Abendkasse.— Im Berliner Toniünstler-Verein hält am Freitag, den 12. Dezember, abends 8 Uhr, im Saale des ArchiteklenhauseS, Wilhelmsir. 92/93, Herr h. Diestel einen Vortrag über. V i o lin te t?» l t und Geizenba n". — Der Friedenspreis der N o b e l st i f t u n g. Der im Jahre 1912 nicht ausgeteilte Nobel-FriedenSpreis wurde zusammen mit dem diesjährigen dem ehemaligen amerikanischen Minister des Aeußeren. Senator Elihu Root, und dem belgischen Senator Henry Lafontaine, dem Präfidenten de» internationalen pernianentcn FriedenS- bureauS, zugesprochen. — Moskäuer Theaterzensur. Henri Nathansons Schauspiel„Hinter Mauern" wurde in Moskau erst erfolgreich auf- geführt und dann auf Antrieb des Stadtkommandanten verboten, weil es das Judentum zu sehr idealisiere. durch den ArbeitswiMgen-Agcntcn Boy- Berlin herbeigelockten ungeübten AicheitSwilligen aus Berlin und Frankfurt a. M. waren nicht imstande, die Streikenden zu ersetzen. Turch Verinittelung des Gewerbegerichtsvorsitzeiiden kam nach vierwöchigem Streik ein Tari� für die Dauer von drei Jahren zustande, dem die Streiken- den mit allen gegen eine Stimme zustimmten. Feierschichten im siiddeutschen Textilgewerbe. Ter Verband der süddeutschen Textilindustriellen batte be- schlössen, wegen der schlechten Geschäfiskonjunktur die wöchentliche Arbeitszeit um 10 Stunden zu reduzieren. Eine von den christlichen Gewerkschaften und den Hirsch-Dinickcrschen einberufene öffentliche Versammlung in Augsburg beschloß eine Resolution, in der ge- fordert wird, an die Unternehmer das Ersuchen zu stellen, für den Lohnausfall eine Entschädigung von 12 Proz. des Arbeitsverdienstes zu zahlen und den Sonnabend frei zu geben statt des Montags, den die Unternehmer als wöchentlichen Feierschichtcntag bestimme» wollten. Tluslana. Deutschnationaler Arbeiterhatz. Anläßlich der Aussperrung in den österreichischen Buchdrücke- rcien haben die Organisationen der Kauflcute in Deutsch-Böhmcn beschlossen, den ausgesperrten Buchdruckerei- arb eitern keinen Kredit zu gewähren, sondern auf unbcdi/igte Barzahlung zu bestehen. Dieser gehässige Beschluß dürfte wesentlich dazu beitragen, die Genossenschaftsbewcgung des Proletariats zu fördern. � Sämtliche Sattler in Bern(Schweiz) stehen seit sechs Wochen im Streik, weil die Unternehmer die geringfügigen Forderungen abgelehnt haben.— Die Aussperrung der 457 Militärsattler in Paris dauert seit dem 31. Juli d. I. an, ohne daß ein Ende ab- zusehen ist. Es handelte sich anfänglich um einen Abwehrstreik. Die Unternehmer beabsichtigten, die Arbeitszeit zu verlängern. In Bern und in Paris erhoffen die Sattler einen Erfolg, wenn die Sattler Deutschands die Inserate der Unternehmer nicht beachten und nach wie vor jeden Zuzug streng fernhalten )Siis Indüftm und FtandeL Die Banken und der Wehrbeitrag. Wir sind jetzt ungefähr bei der Mitte des Dezember angelangt und noch haben wir keine Wertpapiersteigerung gehabt. DaS ist für den Kenner der Börse eine Ausnahmeerscheinung und sie muß ihre besonderen Gründe haben. Tagtäglich hören wir, daß der Geld- markt flüssiger geworden sei, wir sehen den Reichsbankstand sich bessern und damit, glauben wir, seien die Borbedingungen für eine EffektenaufwärtSbewegung geschaffen. Aber es gibt eine solche Be- wegung nur, wenn die Großbanken wollen. Denn was die Groß- banken an der Börse nicht wollen, das geschieht auch nicht. Und diesmal wollen fis keine Effektenhausfe. Weil fie diesmal kein Interesse haben, die Bilanzen mit möglichst hohen Kursen zu tristeren, sondern im Gegenteil, weil sie alles daran setzen, Ultimo Dezember möglichst niedrige Kurse zu haben. Denn die Effekten- kurie von Ultimo Dezember sind die Berechnungskurse sür den Wehrbeitrag und man läßt lieber die Bilanz etwas ungünstiger erscheinen, als daß man niehr Wehrbeitrag zahlt. An der Finanz- kraft der Institute wird ja dadurch nichts geändert. Wenn die Effektenhausfe nicht gegen Ende Dezember gemacht wird, so wird sie eben Anfang Januar gemacht. Das ist gehupft wie gesprungen und die Banken haben von der Verspätung keinen Schaden. Gegen die Zuckcrsteuer. In der Sitzung des Reichstags vom 2. Dezember erklärte Reichsschatzsekretär Kühn in seiner Rede zum Etat: .Zur Erhaltung des Gleichgewichts im RdchshauZhalt seien die 150 Millionen Zuckersteuer unentbehrlich. Die Steuer habe -ja auch Produttion uird Handel nicht geschädigt. Denn unsere letztjährige Zuckererzeugung sei geradezu ein Weltrekord gewesen." Der Braunschweig-Hannoversche Zweigverein des Vereins der deutschen Zuckerindustrie' will sich diese Schönfärberei nicht gefallen lassen. Er hielt i» Braunschmeig eine Generalversammlung ab, in der eine von Geheimrat König in Hannover ausgearbeitete Erklärung gegen die Kühnschcn Aeußerungen zur Verlesung kamen. Die Erklärung soll der Reichsregierung eingereicht werden. Scharf nimmt der Entwurf zu der Eingabe Stellung gegen die Aeußerung des Reichsschatzsekretärs. Es wird entschieden bestritten, daß die Aussichten der Zuckerindustri« sür das kommende Jahr gut, die Preise auskömmlich seien und daß sich trotz der Aufrechterhaltung der Zuckersteuer Industrie, Handel und Konsumenten gleichmäßig wohlbefänden. Die Zuckerindustrie sei auf einem Tiefstand an- gekommen, bei dem sie nicht mebr in der Lage sei, von dem Erlös aus Zucker die Produktion von Rüben zu decken. Die Preise seien ruinös und keineswegs gut. Die Herabsetzung der Zuckersteuer, die zum 1. März 1909 bereits angekündigt worden sei, habe man unterlassen und jetzt sogar auf unbestimmte Zeit verschoben. Es wird dann verlangt, eine Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 auf 10 M. endlich herbeizuführen. Der Führer deS Bundes der Landwirte, Oekonomierat Vibrans, fand die Eingabe ausgezeichnet und zweckmäßig, aber noch nicht ganz ausreichend. Wenn man mit der Verbrauchsabgabe auf 3 M. heruntergehe, würde sich das Reich immer noch nicht schlecht dabei stehen. Er verlangt eine Versammlung von Landwirten und Zuckerindustriellen, in der gegen die Aeußerungen des Reichsschatz- sekretärS und gegen die Höhe der Konsulnabgabe Protest«ingelegt lverden soll. Die Versammlung soll einberufen, aber auch im Reichstage soll gegen die unrichtigen Aeußerungen deS Reichsschatz- sckretärs protestiert werden. Semlns- Deining. Korrigierte Mansfelber Streikjustiz. Das Landgericht in Halle a. S., das sicher nicht in dem Ver- dacht steht, Streikende besonders milde zu behandeln, brachte am Dienstag in einem Streikurteil zum Ausdruck, daß die vorhandenen Strafmittel vollauf genügen. Arbeitswillige entsprechend zu schützen. Bekanntlich wurde, wie wir kürzlich berichteten, der bisher un- bestrafte, SSjährige Bauarbeiter Richard Suhr vom Hettstedter Schöffengericht zu der barbarischen Straf« von sechs Wochen Ge- fängnis verurteilt, weil er einem Arbeitswilligen, der von seines- gleichen und seinem Unternehmer begleitet wurde, nur das Wort „Pfui" zugerufen hatte. Dieses Urteil lag der Berufungsinstanz zur Nachprüfung vor. Da der Arbeitswillige Strafantrag wegen Beleidigung nicht gestellt hatte, verurteilte man auf Grund des Z 153 der Gewerbeordnung. „Was man nicht definieren kann, sieht man als Einschüchterung der Arb�iswilligen an." Die Hettstedter Schöffengerichtsbegründung malt« grau in grau und sagte, sicher hätten die Arbeitswilligen durch das Wort„Pfui" eingeschüchtert werden sollen. Tatsächlich batte der Angeklagte aber bei der Unterredung mit dem Arbeits- willigen die Worte gebraucht:»Du kannst ruhig nach Haufe gehe» wir tun Dir nichts" und dann nur im Verlaufe der Erregung das Wort„Pfui" gebraucht. Die im Berufungsgericht bekannt gegeben« Urteilsbegründung enthielt folgende köstlichen Sätze:„Fast bei jedem Streike seien Ausschreitungen vorgekommen. Arbeits willige wären wider ihren Willen zur Arbeitseinstellung ge zwungen und mißhandelt worden. Da seien strenge Abschreckung» mittel nötig, um Arbeitswilligen das unbedingt Notwendige Gefühl völliger Sicherheit zu geben." Das sagt ein Urteil von einem Städtchen, in dem die Maschinen- gewehre gelegentlich des Bergarbeiterstreiks aufgepflanzt wurden, um die Bergarbeiter wieder in die Schächte zu treiben.— Die Berufungsrichter„erkannten auch an", daß ein energischer Arbeits- willigcnschutz„notwendig" sei. Trotz dieser Erwägung sei aber die von erster Instanz verhängte Strafe viel zu hoch. Eine Ver- urteilung auf Grund des Z 153 der Gewerbeordnung müsse erfolgen. So schlimm liege aber der Fall nicht, um eine so strenge Strafe von sechs Wochen zu rechtfertigen. Tie vom Amtsanwalt in erster Instanz beantragte Strafe von einer Woche Gefängnis erscheine völlig ausreichend. Tie Strafe wurde daher von sechs Wochen auf eine Woche herabgesetzt. Auch eine Woche Gefängnis ist eine außerordentlich hohe Strafe. Ein hartes Streikurteil gegen unorganisierte Arbeiter. Im August d. I. traten eine Anzahl unorganisierte, durchweg junge Leute in einer Erfurter Stuhlfabrik in einen„wilden" Streik ein. Einige von ihnen gerieten in dessen Verlauf mit einem Arbeitswilligen Alfred Rasch, der an einer anderen Stelle die Arbeit aufgab, um in der bestreikten Fabrik Arbeitswilligendicnste zu verrichten, in Differenzen, wobei R. einige Ohrfeigen erhielt; auch will er mit einem schlauchartigen Gegenstand geschlagen worden sein, jedoch ist er trotz aller dieser angeblichen Mißhandlungen nach wie vor seiner Arbeit nachgegangen. Es wurde gegen drei junge Leute Anklage wegen Nötigung und Bedrohung erhoben und die Strafkammer in Erfurt erkannte auf Gefängnisstrafen von K Monaten, 5 Monate» und einen Monat. Der Staatsanwalt hatte„nur" 4 Monate und je 3 Monate Gefängnis beantragt, aber diese Strafen erschienen dem Gericht noch zu milde. Der Vorsitzende Dr. Siebert führte bei Begründung des Urteils aus, daß jeder, der sich gegen die Autorität des Staats versehe, streng bestraft werde, ganz gleich, oh er organisiert, arbeits- willig oder unorganisiert sei. In letzter Zeit und auch wieder am selben Tage, als dieses Urteil erging, hatte das Erfurter Schöffengericht sich mtt Anklagen wegen Uebertretung des gesetzlichen Arbeiterschutzes und des Kinderschutzgesetzes zu beschäftigen. In allen diesen Fällen, die auch eine Auflehnung gegen die Autorität des Staates darstellen, wurde auf wahrhaft lächerlich geringe Strafen— 5 bis 10 M. Geldstrafe— erkannt. So sieht die Gleichheit vor dem Gesetz aus. Der Schutzmann als Einbrecher. Die Geracr zweite Strafkammer verhandelte in einer Ein- bruchssache, bei welcher ein Hüter der Ordnung die Rolle des An- geklagten spielte. Angeklagt war der Schutzmann Geitner, der in der Nacht zum 4. November bei einem Einbrnchsdiebstahl auf frischer Tat erwischt worden war. Geitner hatte in Erfahrung ge- bracht, daß eine Frau Sommermcier, die Bewohnerin einer Villa in Leumnitz, an dem betreffenden Abend ein Vergnügen mitmachen wollte. Er rechnete darauf, daß die Frau erst spät nach Hause komme» werde und öffnete kurz vor Mitternacht mtt einem Dietrich die Wohnung. Aus einer Geldbörse stahl er zunächst 10 M. Bevor er andere Behälter durchwühlen konnte, ereilte ihn aber sein Schicksal. Die Frau Sommcrmeier war nach Hause gekommen und hatte, als sie Licht in der Wohnung bemerkte, Lärm geschlagen. Das Haus wurde umstellt und beim Nachsuchen der Angeklagte auf dem Dach gefunden, wo er sich vergeblich hinter einem Kamin zu ver- bergen suchte. " Geitner war in der Verhandlung geständig. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Zuchthausstrafe von vier Jahren. Das Gericht blieb aber weit unter diesem Strafmaß; es erkannte auf zwei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Wissentlich falsche Anschuldigung. Eine unheimliche Sendung, die. toie zuerst angenommen wurde, verwesende Leichenteile enthielt, spielte die Hauptrolle in einer Verhandlung, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Bahr die 1. Strafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Wegen wissentlich falscher Anschuldigung war der Kranken- Pfleger Johann Bethel angeklagt. Der Angeklagte, welcher selbst schon erwachsene Töchter hat, war mit der bei einer Frau Jaeobi in Wilmersdorf bediensteten Köchin N. bekannt geworden, die ver- lobt ist. Er versuchte wiederholt, die N. zu überreden, ihrem Bräutigam den Laufpaß zu geben und mit ihm ein LiebeSverhält- nis einzugehen. Als die N. feine Annäherungsversuche in ziemlich deutlicher Form ablehnte, suchte er sich zu rächen. Eines Tages erhielt die N. ein großes Paket per Post zugesandt, dessen Absender, wie ans der Paketadresse hervorging, ihr Bräutigam Tews war. Als sie freudestrahlend das Paket öffnete, stieg ihr ein keineswegs lieblicher Duft in die Nase, der bei weiterem Oeffnen einen hef- tigen Brechreiz hervorrief. Sie öffnete trotzdem die geheimnisvolle Kiste weiter, bis sie mit einem Aufschrei zurücktaumelte, denn der Inhalt bestand aus verwesenden Fleischteilen, die sie zuerst für Teile einer menschlichen Leiche hielt. Die genauere Untersuchung ergab jedoch, daß es sich um gewisse Teile eines Ochsen handelte, die gewöhnlich weggeworfen lverden. Die Empfängerin dieser ekelhaften Sendung vermutete sofort den Absender in der Person des jetzigen Angeklagten und erstattete gegen diesen Anzeige wegen Beleidigung und Urkundenfälschung. Beiße! bestritt ganz entschieden der Absender zu sein und erwiderte die Anzeige gegen ihn seinerseits mit einer Anzeige wegen wissent- lich falscher Anschuldigung gegen die N. Inzwischen stellte der ge- riehtliche Schreibsachverständige, Rechnungsrat Altrichter fest, daß ein Teil der Adresse von dem Angeklagten, das übrige von fremder Hand geschrieben worden war. Die Ermittelungen der Polizei ergaben, daß tatsächlich ein Teil der Adresse von einem anderen Manne geschrieben war. Dieser wurde auch in der Person eines gewissen Klinkert ermittelt, der auch sofort erklärte, daß er die Adresse an die Zeugin N. auf Wunsch des Angeklagten geschrieben habe. Ferner bekundete die Wirtin des Angeklagten und andere Zeugen, daß sie das Paket bei ihm gesehen hatten. Die Staatsanwaltschaft drehte nun den Spieß um und erhob wegen der gegen die R. von dem Angeklagten erstatteten Anzeige nun gegen ihn selbst Anklage wegen wissentlich falscher An- schuldigung. In der gestrigen Verhandlung beantragte der Staatsanwalt zwei Monate Gefängnis. Das Gericht ging jedoch erheblich über diesen Antrag hinaus und erkannte auf 6 Monate Gefängnis. Sittlichkeitsverbrechen. Die Strafkammer des Landgerichts III verurteilte gestern einen Arbeiter Emil Thicm aus Reinickendorf, der sich längere Zeit hindurch an zwei minderjährigen Stieftöchtern in t«r empörendsten Weise unsittlich vergangen hat, zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus. Fast zu derselben Zeit stand ein Otto Wandree. der einem eigenartig veranlagten Herrn sich„in Freundschaft" genähert und ihm in einem günstigen Äugenblick daS Portemonnaie gestohlen hat, vor der Strafkammer des Landgerichts I. Da der Angeklagte schon einmal wegen eines ähnlichen Diebstahls vorbestraft ist, er- kannte das Gericht auf 2 Jahre Gefängnis. Ucberfall. Zu dein Gerichtsbericht über einen nächtlichen Ueberfall im Tiergarten teilt uns der Vater des verurteilten Fräsers Strobusch mit, dieser habe Revision eingelegt, weil ein Ueberfall nicht vorliege. Hu 8 aller Weit. Warum Deimling in die Kolonien ging. Der militärische Herrscher im Elsaß, Herr v. Deimling, hat geruht, in einer illustren Versammlung in Straßburg über seine Erfahrungen in Südwestafrika zu sprechen. AuS einem Bericht des „Hamburgischen Korrespondent" erfahren wir, daß besonders bemerkt wurde-- ein Zeichen für das gute Einvernehmen zwischen Militär» und Zivilbehörden—, daß der Kaiserliche Statthalter Graf v. Wedel in Uniform zu dem Vortrage erschienen war. Ob sich unter den vielen hohen Offizieren, die den Saal füllten, auch der wackere Herr v. F o r st n e r befand, läßt sich aus dem Bericht leider nicht ersehen. Wie General v. Deimling in seinen Aus« sührungen sagte, habe er sich seinerzeit freiwillig zur Unterdrückung der Unruhen in Südwest gemeldet, weil er nicht immer nur Platzpatronen verschießen wollte. Bei solch christlichen Grundsätzen des Herrn v. Deimling, der in seinem damaligen Vorgesetzten v. Trotha wahrscheinlich eine gleichgestimmte Seele fand, nimmt eS wahrlich nicht wunder, daß die Unterdrückung der Unruhen in eine Ausrottung der H e r e r o S ausartete. Zum Dank offenbar belegten die Ochsen- treiber— wie Herr v. Deimling vortrug— ihre Ochsen mit Vor- liebe mit den Namen Bismarck und Deimling. Schade, daß Herr v. F o r st n e r damals noch seine ersten Hosen trug und so um den Ruhm gekommen ist. Tie Schneestürme in Amerika. Die Randgebiete der Verewigten Staaten bis zu den Felsen- bergen der Rockv Mountains und die ganze atlantische Küste sind mit einer tiefen Schneeschicht bedeckt. Die Stadt Denver(Kolorado) ist größtenteils von der Welt ab- geschlossen. Viele Straßen konnten noch nicht wieder gangbar gemacht werden. In Ohio und Illinois haben die meisten Fabriken schließen müssen, weil sie keine Rohstoffe heranschaffen konnten, da alle Eisenbahnlinien verschneit sind. Schwerer Hagelschlag und Sturm ging über die großen Seen nieder. Auf dem Michigan- und Eriesee sind drei Passagierschiffe mit Mann und Maus untergegangen. In New Denk und im Norden von Virginia herrschten heftige Stürme. Verschiedene Schleppboote wurden ins offene Meer gettieben. Die Not ist allenthalben sehr groß.___ Tie Gefahren des Alkohols. Während einer HochzeitSsestlichkeit im Osten New Yorks ge- lang es vier Kindern, die der Feier beiwohnten, sich un- bemerkt einige Flaschen Likör anzueignen. Unbemerkt tranken alle vier erhebliche Quantitäten. AlS man schließlich das Fehlen der Kinder bemerkte und sich auf die Suche nach ihnen machte, fand man sie in einem entfernten Zimmer völlig b«- w u ß t l o s auf. Alle vier mußten sofort ins Krankenhaus über- geführt werden, wo eines bereits der akuten Alkoholver- g i f t u n g erlegen ist. Die drei anderen schweben in Lebensgefahr.___ Das freie Deutschland. Der, RegenSburger Anzeiger" brachte dieser Tage die folgende Schweifwedelei: Hoher Huldbewei« Seiner Durchlaucht de» Fürsten von Thurn und Taxis. Es wird unS ge- schrieben: Mit welch auserlesener HerzenSgüte Seine hoch- fürstliche Durchlaucht, Fürst Albert von Thurn und Taxis das Schicksal seiner Untergebenen verfolgt und wie nahe dem hoben Herr» es geht, wenn ein schwerer Schlag die Familie eines unter ihnen heimsucht, hat Seine hochfürstliche Durch- l a u ch t neuerlich bewiesen bei dem tragischen Geschicke, daS die junge Gatttn des fürstl. Konditors Wenzler, Elisabeth Wenzler, ereilt hat. Seine Durchlaucht ließ nicht nur an dem Grabe der Verstorbenen einen prächtigen Kranz niederlegen, sondern hat sich auch an dem Seelengottesdienst in St. Emmeram höchstpersönlich beteiligt. Im Laufe des vorgestrigen Donnerstag stattete der Fürst noch einen Besuch bei dem fürstl. Leibkammerdiener a. D. Herr Joh. Stollreiter ab, welcher 38 Jahre lang im persönlichen Dienste deS durchlauchtigsten Herrn stand, und sprach überaus liebenswürdige Worte deS Beileides und des Trostes. Wenn irgend etwas imstande war, die von dem furchtbaren Geschicke noch tief er- schüttelten Hinterbliebenen einigermaßen zu trösten, so waren es sicher diese hohen, un- endlich gnädigen Huldbeweise Seiner hoch- fürstlichen Durchlaucht. Durch diese rührende Teilnahme ist aber auch von neuem bestätigt, welch warmes, edles Herz Seine Durchlaucht befitzt, welches sich nicht nur Untergebenen, sondern auch, wie durch viele hohe Hand- l u n g e n erwiesen, dem allgemeinen Wohle der Bevölkerung zu gegebener Zeil in der edelsten und feinstsühlenden Weise öffnet. Seine Hochfür st liche Durchlaucht kann aber auch der tiefsten Dankbarkeit und Liebe versichert sein. Tiefer geht's nimmer t bemerkt dazu die„Tägl. Rundschau". Mit Verlaub: In Hagen i. W. verbot die Polizei die Aufführung eines Weihnachtsmärchens„König Nußknacker", weil eS in einer im Märchenspiele gesungenen Nußknacker-Hymne heißt: „Heil Knacker dir." Darin sah die Hochwohllöbliche ein« Entweihung der Nationalhymne. Kleine Notizen. Straßenbahnzusammenstoß. Auf dem Hradschin in Prag ent« gleiste hei der Lorettokirche ein Motorwagen der elektrischen Straßen- bahn, ein anderer fuhr auf ihn aus; beide wurden zertrümmert. Zwölf Fahrgäste sind verletzt, darunter fünf schwer. Das tägliche Grubenunglück. In den nahe der russischen Station Wolynzewo befindlichen Kohlengruben hat eine E x p l o- s i o n stattgesunden. Fünf Arbeiter wurden getötet und fünf verwundet. Die Cholera in Konstantinopel. Die Cholera fordert in der türkischen Hauptstadt immer neue Opfer. In den letzten 48 Stunden haben sich in der Stadt 28 Cholerafälle zugetragen. Todessturz eine« französischen Fliegers. Der Flieger Letort, d« Mittwoch früh von Buc aufgestiegen war, machte hier in der Nähe einen Landungsversuch. Dabei überschlug sich da? Flugzeug, der Flieger geriet unter den Motor und wurde zu Tode gequetscht. Letort ist besonders durch seinen Flug Paris-Danzig(1350 Kilometer), den er um den Pommerhpokal unternahm, bekannt geworden. Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund.(Ortsgruppe Berlin.) Freitag, den 12. Dezember, abends 9 Uhr, im Gewertschastshause. Engel- User IS: Versammlung. Vortrag des Genossen Gerbard Pufemann: Der Einfluß der ArbeitSlofigkeit aus den Charakter.— Gäste willwmmcn. rSasierftand». Nachrichten der LandeSanstalt für Gewäflertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbum« Wasserstand Kernet, Tilsit Pregel, Jnfterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , ftrosien . Frankfurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeri; . Dresden , Barby , Magdeburg >)+ bedeutet Wucht,— Fall.—■) lwtrrpegel. 3us der Frauenbewegung. Die Notwendigkeit der Lildungsarbeit. Die proletarische Frauenbeivegung bedeutet eininal die Zusammenfassuna aller proletarischen Frauen in dem�Kanrpfe um politische Rechte und zuni anderen verfolgt sie die Schulung und Aufklärung dieser Frauen. Ihre Aufklärung kann sich aber nicht nur auf die politische und soziale Rechtlosigkeit der Frauen beschränken, denn auch die Freiheit der arbeitenden Frauen wird erobert im Kampf um die Freiheit der Ar- beiterklasse. Das unterscheidet die proletarische Frauenbewegung so tief von allen anderen Frauenorganisationen. daß uns der Kampf um die politische Gleichberechtigung der Frau nicht d a s Z i e l an sich ist, sondern nur der Zweck, die Frauen kampftüchtiger und kampffähiger werden zu lassen, damit sie in dein Befreiungskämpfe der Arbeiterklasse wirken können. Deshalb ist auch die Erziehungsaufgabe an unseren weiblichen Parteimitgliedern eine viel umfangreichere und schwer- wiegendere als in allen anderen Vereinigungen der Frauen, wie immer sie heißen mögen. Der Klassenkampf der Arbeiterschaft beruht nicht auf willkürlichen Voraussetzungen, sondern seine Ziele und Wege sind die schwer errungenen Früchte wissenschaftlickier Erkenntnisse. Deshalb kann diese Ziele und Wege nur derjenige voll und gan� begreifen, der die Möglichkeit hat. in diese wissenschastlichen Erkenntnisse einzudringen. Das ist not- wendig für den Mann, noch viel notwendiger für die Frau. Tic Frau ist an ein logisches und diszipliniertes Deicken nicht gewöhnt.„Dienen lerne und schweigen das Weib, nach seiner Bestimmung." Das sind die Grundsätze einer jahrhunderte- langen Erziehung gewesen, und künstlich wurde das Denken in jedem weiblichen Wesen zurückgehalten. Deshalb ist die Erziehung der Frauen zu geordneteni Denken so notwendig. deshalb müssen wir darin eine der wichtigsten Aufgaben sehen. Eins der wichtigsten Hindernisse für die Teilnahme von Frauen an den Bildungsveranstaltungen der Partei ist in den wirtschaftlichen Verhältnissen zu finden. Hunderte Frauen sind durch die elenden wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen, ihre ganze geistige und körperliche Kraft aufzuwenden, um ihre Familie vor den entsetzlichen Folgen der Not zu be- wahren. Sie finden nicht leicht die Kraft, all diese Mühen zu überwinden und noch anderen Gedanken Raum zu geben. Aber es gibt auch Hunderte Frauen, und gewiß auch viele Mitglieder in unseren Reihen, die nicht den Drang haben tiefere Erkenntnisse zu erreichen. Es genügt. noch vielen Frauen, wenn sie in den großen Versammlungen sind, wenn sie Demonstrationen mitmachen, wenn sie an dem äußeren lleben der Partei teilnehmen. Wenige nur trachten, auch in den Geist dieser Partei einzudringen, wenige sind es noch. die bildungshungrig und bildungseifrig zu unseren Vorträgen kommen, unsere Broschüren lesen und die Bückrcr verstehen lernen, in denen das reiche sozialistische Wissen aufgestapelt ist Es gilt deshalb vor allem, den Bildungsdrang in den Frauen zu wecken. Wieder und immer wieder in nie rasten- dem Eifer müssen wir den Frauen sagen, daß sie ihre Freiheit. die Linderung der Not nur erreichen können, wenn sie selbst imstande sind, die indifferenten und fernstehenden Frauen zu erwecken, und das können sie nur. wenn sie selbst lernen und inuner tiefer eindringen in den Geist des Sozialismus. Unser Appell soll aber nickst nur die Frauen erreichen, wir dürfen nicht vergessen, daß diese Bildungsarbeit Zeit kostet, und daß wir auch den Männern begreiflich machen müssen, daß sie ihren Frauen diese Zeit nicht nehmen dürfen. Es wird vielleicht manchmal erforderlich sein, daß der Mann seine Frau in den Vortrag gehen läßt und er selbst daheim bleibt. Dann darf auch der Mann nichts Ueberflüssiges in dieser Bildungsarbeit sehen, dann darf auch er nicht vergessen daß die Frau ja seine Kinder erziehen soll, nicht nur zu tüchtigen Menschen, sondern, was weit mehr und weit schwie riger ist, zu geistigen Erben ihrer Eltern. Diese Pflichten kann die Frau nur erfüllen, wenn ihre eigene Bildung und ihr eigenes Wissen inuner reicher und umfassender und vor allem immer klarer wird. Es ist keine Verschwendung der weiblichen Arbeitskraft, wenn die Frau das Bedürfnis enipsindet. einen Teil ihrer Zeit höheren, geistigen Arbeiten zu widmen. Des- halb muß sie noch immer nicht ihren Haushalt vernachlässigen, denn auch hier läßt sich mit Verständnis und Nachdenken so manches hessern und leichter erledigen, als wenn es gedanken los und unverständlich erledigt wird. Eins aber muß alle Bedenken immer wieder niederringen, die Erkenntnis, daß die Frauen diese Erziehung zum Sozial lismus brauchen, weil sie nur dann ihre Pflicht im KlasseNl kämpf voll und ganz erfüllen können. Zwei Raustochter. IL Aach den Erfahrungen mir meinem ersten Patenkinde, die eine große Enttäuschung für mich bedeuteten, tvar ich recht gespannt. wa» ich nun bei dem zweiten, bei Mariechen, erleben würde. Ich wußte, daß ihr Vater schon seit Monaten arbeitsunfähig war und krank zu Bett lag. Ich wußte auch, daß wenig Aussicht war, daß er je wieder seine volle Gesundheit erlangen und für seine Familie sorgen würde. Mariechens Mutter hatte eine Stellung in einem großen Plättgcschäst angenommen, wo si« verhältnismäßig gut be- zahlt wurde. Llber sie war gezwungen, den größten Teil des Tages fern von ihrem Hause zu sein. Ach wählte daher einen Sonntag zum Beiuch, um sie sicher anzutreffen. Als ich am Nachmittag die vielen Treppen hinaufgestiegen war zu der Wohnung von Marie- chens Eltern, fand ich die ganze Familie in dem großen Wohn- zimmcr versammelt, in daS man das Bett deS kranken Baters gestellt hatte. Maricchen und ihre Mutter besserten Wäsche aus. Der älteste dreizehnjährige Sohn las„Wilhelm Tell" vor. Die drei jüngeren Kinder spielten in einer Ecke mit einem Baukasten. Die Sonne schien durch die weißen Gardinen und alles sah so friedlich und gemütlich aus, daß ich scherzend zu dem Kranken sagte:.Sie liegen ja hier wie in Abrahams Schoß." Worauf er meinte, daß e» dort gewiß nicht so umerhaltend und behaglich wäre wie bei ihm, wenn er Sonntags all seine Lieben um sich babcn könne. Nach einer Weile kam ich zu dem eigentlichen Zweck meines Besuches und fragte Mariechen, was sie über ihre Zukunft be- schlössen hätte. Mariechen wurde rot, sah die Mutter an, die Mutter sah sie an, und endlich antwortete si« ebenso verlegen wie vor kur- zem Marie-Luise, das andere Patenkind:„Haustochter." Ich war entsetzt. Also auch die» Mädchen, da» doch auf das Geldvcrdienen angewiesen war, da» zu Hause nur immer da» Beispiel unermüd- kichen Fleißc« vor Augen gshabt hatte— auch Mariechen wollt« .Haustochter" werden. Da brach aber Mariechen in Tränen aus und die Mutter ergriff das Wort für sie.„Sehen Sie," wendete sie sich an mich,„wir haben eS schon hin und her überlegt und wollten auch mit Ihnen darüber sprechen, aber e» bleibt uns ja gar nichts andere» übrig, als daß Maricchen Haustochter wird. Sie wissen ja, wie gern und wie gut sie gelernt hat. Nun machte ihre Lehrerin «» neulich den Vorschlag, od wir Mariechen nicht al« Kinder- „Vorwärts" Nr. 326.— Donnerstag, den 11. Dezember 1913. gärtncrin ausbilden lassen wollten. Sie hat doch so viel Liebe zu den Kindern und so viel Geschick, sie zu beschäftigen. Nun sollte sie sogar eine Freistelle bekommen in dein Seminar zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen. Aber es würde uns noch immer eine Menge kosten. Das Seminar ist so weit fort, daß Maricchen fahren müßte. Sie müßte doch auch immer gut angezogen sein. S,c braucht Bücher und andere Dinge, die nicht alle von der Anstalt geliefert worden. So wie die Sachen bei uns liegen, würden auch diese Ausgaben uns jetzt zu sckhr drücken, als daß wir sie erschwingen könnten. Wir hätten auch Mariechen gern als Schneiderin ausbilden lassen, wozu sie ja ebenfalls Geschick und Lust hat. Aber auch da dauert es zu lange, bis sie etwas verdienen kann. Die Hauptsache aber ist, daß es bei uns zu Hause so nicht weiter geht. Ich habe ja neben der Plättcrei bisher den Haushalt so gut versorgt, wie es mir möglich tvar. Aber mein Mann ist dock» zu krank, als daß man ihn weiter so viele Stunden am Tage allein liege» lassen könnte. Auch die anderen Kinder werden nicht so versorgt und verpflegt, wie es sein müßte. Aufgeben aber kann ick» meine Tätigkeit nicht, denn wovon sollten wir denn jetzt leben? Da habe ich mich nun schon seit Monaten ans den Tag gefreut, an dem Mariechen aus der Schule lommt. Sie ist eine sehr geschickte Krankenpflegerin. Etwas kochen kann sie auch, �und die übrige Hausarbeit, waschen, scheuern und was sonst im Haushalt vorkommt, das hat sie sich schon ganz gut angenommen. Es ist wirklich das beste, Mariechen wird Haustochter, das heißt, sie über- nimmt alle meine häuslichen Pflichten. Vielleicht kommen doch toieder bessere Zeiten, dann hat sie ja immer noch Zeit, etwas zu ergreifen. Es wird ihr ja schrecklich schwer, denn seit die Lehrerin ihr von der Freistelle gesprochen hat. denkt sie nur immer, wie schön es gewesen wäre und wieviel Geld sie hätte verdienen können, wenn sie Kindergärtnerin geivordcn wäre." Maricchen hatte die ganze Zeit leise vor sich hingcschluchzt. Da trafen sich unsere Augen und richteten sich gleichzeitig auf das schmerzersüllte Gesicht des armen Kranken, der ja eigentlich der Anlaß war, daß alle» so anders kam, als daS Kind eS sich gewünscht hatte. Und das tapfere kleine Ding wischte sich die Tränen aus den Au(jen, versuchte zu lächeln und sagte:„Es ist doch vielleicht ganz schön, Haustochter zu sein. Da brauche ich nicht zu fremden Leuten und kann immer um mein Väterchen sein." Ich ging bedrückt nach Hause und dachte nacb, wie sich da helfen ließe. Aber ich fand keinen Ausweg. Nach einiger Zeit suchte ich dann Mariechen auf, um zu sehen, wie sie sich in ihrem Beruf als Haustochter eingelebt hätte. Es war zehn Uhr, die Zeit, um die Mario-Luise im Bett frühstückte. Maricchen machte mir auf. Ihre große Wirtschaftsschürze verhüllte daS ganze kleine Persönchen. „Gut, daß Du kommst, Tante," empfing sie mich.„Tu kannst Väter- chen Gesellschaft leisten. Ich habe gestern gewaschen»nd will schnell auf den Trockenboden, um auszuhängen." Ich hals ihr den Korb mit der Wäsche hinauftragen»nb setzte mich zu dem Kranken. „Was fingen wir wobl an ohne unsere Haustochter," sagte er mir. „So klein und schwächlich sie aussieht, so flink geht ihr die Arbeit von der Hand. Dabei pflegt sie mich besser als eine geprüfte Krankenschwester. DaS hat sogar der Doktor gesagt." Nach einer Weile erschien Mariechen wieder, um das Mittagessen zu kochen. „Kind, bist Du denn nicht müde?" meinte der Vater.„Du bist ja heute schon um fünf Uhr aufgestanden." Aber Maricchen huschte in der Küche hin und her, sang fröhlich dabei und sah ab und zu in die Stube, ob der Kranke auch nichts brauchte. Mittags kamen die Mutter und die Kinder aus der Schule und dem Kindergarten. „Habe ich es jetzt gut," sagte die Mutter,„seit ich eine Haustochter habe, die so schön fiir mich sorgt und die mir alle Arbeit im Hause abnimmt." Mariechen brachte eine große Schüssel mit Reisbrei. für den Vater ein Krankensüppchen, für die Mutter ein Stück Fleisch, weil die gepflegt werden mußte, und sie strahlte, als alle ihre Kochkunst lobten. Nach dem Essen wusch fie auf. Dann sah sie nach den Schularbeiten der größeren Kinder, beschäftigte die Kleinen mit allerhand Spielen und fand noch Zeit, mit mir zu plaudern.„Bist Du nun zufrieden, Mariechen," fragte ich,„oder ist es Dir noch immer so schwer, daß Du nicht Kindergärtnerin werden kannst?"„Offen gestanden, Tante," sagte sie,„ich habe eigentlich kaum Zeit, noch daran zu denken. Es gibt so viel Arbeit von srüb bis spät, daß ich froh bin, wenn ich fertig werde. Es ist auch schön, daß es Vater so viel besser geht, seit er seine ordent- liche Pflege hat, und Mutter hätte ja auch nicht so weiter arbeiten können, wenn sie neben der Plätterei noch alle Hausarbeit gehabt hätte."„Hast Du nun gar keine Pläne und Wünsche für die Zu- kunft?" fragte ich weiter. Sie hatte sich freilich in ihrem klugen Köpfchen einen Zukunftsplan zurecht gemacht, der mir sehr ein- leuchtete. Wenn sie zu Hause nicht mehr gebraucht würde, wenn der Vater gesund würde oder eine der Schwestern ihre Stelle ein- nehmen könnte, dann wollte sie noch einen Kursus in der Kranken- pflege durchmachen, aber nicht eigentlich, um ausschließlich Kranken- schwestcr zu werden.„Weißt Du, richtige Krankenschwestern gibt es ja schon viele. Was ich möchte, ist mehr das Amt einer Helferin, die von der Gemeinde oder besser noch von der Krankenkasse ange- stellt würde. Es gibt so viele Familien, in denen die Frau und Mutter aus irgendeinem Grunde mit verdienen oder de» Haupt- erwerb auf sich nehmen muß. Darüber muß fie aber die Pflichten im Hause versäumen, die Kinder vernachlässigen, und eS reicht nicht dazu, daß sie eine Stellvcrtreterin bezahlen kann. Es gibt auch so diele Frauen, die so krank sind, daß sie in ein Krankenhaus oder in ein Erholungsheim müßten, um sich ihrer Familie zu erhalten. Aber sie wollen und können nicht fort, weil niemand da ist, der sich in der Zeit de» Haushaltes annehmen, der für Mann und Kinder sorgen könnte. Da müßte es Helferinnen geben, die mit Kochen, Haushalten, Kindcrerziehung, Krankenpflege gut Bescheid Wissen. Sie müßten überall die Hausfrau und Mutter vertreten, wo e» nötig ist, und die Bezahlung mußte die Gemeinde oder die Ortslrankenkaste übernehmen. Es gibt ja wohl schon Gemeindeschwestern. die ähnliches tu», aber sie sind viel zu sehr überlastet, baben noch so diele Nebenämter. Diese Helferinnen mühten das Amt der Haustochter übernehmen, wo keine ist." Ich konnte Mariechen mitteilen, daß schon einzelne Kassen solche Helferinnen angestellt haben, und ihr Beispiel wird wohl bald überall Nach ahmung finden. Sq getvann der Beruf der Haustochter, der mir zuerst so viel Schrecken eingeflößt hatte nach der Auffassung der reichen höheren Tochter, plötzlich eine soziale Bedeutung für mich. Er wird für manche? alleinstehende Mädchen, für manche einsame Frau eine befriedigende Tätigkeit bringen und mancher Frau und Mutter cö erleichtern, ihrem Beruf nachzugehen, vor allem aber ihr in Zeiten der Krankheit oder auch nach Wochenbetten eS ermöglichen, sich auszukurieren oder zu erholen, ohne daß das Schreckgespenst des ver- lassenen HauShaÜes hinter ihr steht. Anna Bios. Frauenberufe. Die Lehrdame in der Glasmalerei. Von bürgerlichen Frauenrechtlerinnen ivird sebr häufig die handwerkSmässige Ausbildung der Frauen als Voraussetzung für eine bessere Eni- lohnung im Frauenberus bezeichnet. Gewiß wäre eine bessere fach- §«werbliche Borbildung für weibliche und männliche jugendliche rbciter durchaus notwendig, und von unserer Seile ist daher stelS ein Ausbau der Fortbildungsschulen für beide Geschlechter gefordert worden. Aber die bürgerlichen Bestrebungen gehen meist dahin, die von der Entwickelung längst überholte rein handwerksmäßige Aus« bildung in ihren alten Formen und mit all ihren neuen Schäden auf die jugendlichen Arbeiterinnen auszudehnen. Die Einführung einer mehrjährigen Lehrzeit spielt unter diesen Forderungen die Haupt- rolle, und eS ist bezeichnend, aber auch verständlich, daß die Unternehmer diese Forderung gerne unterstützen. Ei» Mädchen mit mehrjähriger Lehrzeit ersetzt eine Arbeiterin, deren Lohn der Unter« nehmer sparen kann. Von einem derartigen Versuch planmäßiger Züchtung von Lehrmädchen in der Glasmalerei weiß da» Organ des Zentralverbandes der Glase? zu berichten. Die Firma Heiners« dörfische Glasmalerei lBerlin) verspricht jungen Mädchen, die sich der Glasmalerei widmen, eine sichere und lohnende Existenz. Dw „Glaser-Zeitung" kann demgegenüber feststellen, daß in ganz Groß- Berlin höchsten? S0 Glasmaler in Betracht kommen, die sich aus noch nicht ein Dutzend Geschäste verteilen, von denen die Mehrzahl meistens nur zwei bis drei Gehilsen beschäftigt. Die Arbeitslosig- keit bei den Glasmalern beträgt nicht selten 50 Prozent, da auch in diesen, Gewerbe Saisonarbeit in Frage kommt. Deshalb wird es selbst tüchtigen Gehilfen mit jahrzehntelanger Berufs- erfahrung inuner schwerer, auch nur einigermaßen dauernde Stellung zu finden. In dem HeinerSdorffschen Betriebe selbst sind die Ver- bältuiste nicht die besten: ES arbeiten dort zurzeit ungefähr 8—9 Glasmaler, 2 Glas malerinnen, 4 männliche und 5 w e i b- liche Lehrlinge oder L e h r d a m e n, in ein und demselben Raum arbeiten dann noch 3— kl) Glaser und 4 Lehrlinge. Hierbei sei gleich hervorgehoben, daß es in keiner namhaften Glasmalerei in Berlin der Fall ist, daß die Glasmaler sich in einem Raum mit denjölei- gläsern befinden und neben der Einatmung des ungesunden Färb- staubcS auch noch die giftigen Bleioxyde einatmen müsten, die sich beim Ablöten der Bleifelder entwickeln. Die ArbeilSmelhode ist geradezu ein fabrikmäßige. Die Mädchen werden fast ausschließlich zur Äussührung von Massenartikeln, die sich hundertfach wiederholen, wobei das Muster, nach dem die Lehrdame arbeiten muß. nock von einem Gehilfen hergestellt wird, verwendet. Selbst nach der Aus- bildung vertraut man diese Arbeit ihnen vielfach nicht mal an. Oder sie müssen Hunderte von Scheiben wischen, wobei sie den un- gesunden Farbstaub des Schwarzlotes, daS auch Bleioxyd enthält, einatmen müssen. Von einer übergeordneten Stellung— wie die Firma behauptet— kann bei diesen Tätigkeiten keine Rede sein. Wie bezahlt nun die Firma Heinersdorff ihre ausgebildeten Glasmalerinne»? Getreu ihrem Prospekt entsprechend speiste sie dieselben mit 69 Pf. Stundenlohn ab, obwohl derselbe laut Tarif bö und 75 Ps. betrug. Erst als der Vertrauensmann der im Betrieb Beschäftigten energisch darauf hinwies, daß daS ein Verstoß gegen den Tarifvertrag wäre, bequemte sich die Firma dazu, den Tariflohn von 65 Ps/ sjctzt 03 Ps.) zu zahlen. Als charakteristisch muß hierbei festgehalten iverden, daß den Damen erklärt wurde, den erhöhlen Lohn bekämen sie nicht auf Grund ibrer Leistungen, sondern weil auf die Firma ein Druck ausgeübt werde. Die Firma HeinerZdorff ist auch bemüht, die bei ihr„ausgebil- deten" Damen nach den zwei Jahren loszuwerden, um sich wieder neue kostenlose Arbeitskräfte heranzuholen. Die Puvmacherri zu erlernen ist wohl der Wunsch manchen jungen Mädchens. Leider sind auch hier die Existenzbedingungen sehr schlechte, lieber einen Mangel an freier Zeit ist in diesem Berufe nicht zu klagen. Die Arbeitsgelegenheit beschränkt sich im Jahre auf vier bis fünf Monate bei einem Gehalt von 30—75 M. den Monat. Nur die Direktricen stehen sich bester. Die übrige Zeit muß ausgesetzt werden. WaS dann? Die Putzmacherin sucht dann Stellung als Verkäuferin oder. Arbeiterin und ist glücklich, einen Unterschlupf gefunden zu baben. besonders jetzt im Winter. Auch ist die Putzbranche als Gewerbe der Handelskammer an- geschlossen worden und bildet nun eine Art Innung, die gewiste Borschristen befolgen muß. Da gibt es eine Lehrzeit von einem Jahr und eine zweijährige Zuarbeiterei. Also eine regelrechte Lehr- zeit von drei Jahren mit einer Entschädigung von 10 M. den Monat im ersten und 20—80 M. im zweiten und dritten Jahre. Dann kommt die.Gesellenprüfung", wofür 3 M. zu zahlen sind. Auch der„Meisterprüfung" kann sich die Gehilfin unterziehen. Diese Prüfung kostet 15 M. und wird natürlich von der„Meisterdireklrice" bezahlt, die damit da? Recht erlangt, dem Chef„Lehrlinge" auszu» bilden und zwar drei Jahre lang. Ein Verband deutscher Dentistinnen hat sich auf Betreiben des Verbandes für handwerksmäßig« und fachgewerbliche Ausbildung der Frau Ende November in Berlin gebildet. Auch eine Ortsgruppe Groß-Berlin ist bereits ins Leben gerufen worden. Launenhafte Kinder. Launenhafte Kinder, die„nicht wissen, was sie wollen", enden mit Weinen, in das sich die Nervenspannung auflöst. Sie„betteln um Schläge", sagt man auch; und eigentümlich ist eS, wie ein« leichte Züchtigung bei solchen Gelegenheiten die Nerven ins Gleichgewicht bringt und dem Kinde beinahe willkommen zu sein scheint; es be« ruhigt sich sofort, ist versöhnlich, durchaus nicht bitter über die Sirase. die es nach seiner Aniicht ungerecht erlitten hat. DaS Kind hat wirklich um Strafe als Medizin gebettelt. Aber es gibt eine andere Art, die schwarzen Geister auszu- treiben. Man nimmt das Kind in seine Arme, damit cs den Magnc- tismus eines freundlichen Menschen fühlt, und eS beruhigt sich. Diese Art ist be s s e r als alle anderen. Der Knabe hatte laiche Anfalle. Wenn ein Vergnügen winkte, ein Ausflug zum Beispiel, um Beeren zu pflücken, bat er, zu Hause bleiben zu dürfen. Er wußte, er werde sich zu Haus« sü>r lang- weilen. Er wollte so gern mitgehen, aber er wollte vor allem zu Hause bleiben. Ein anderer Wille, stärker alS seiner, befahl ihm, zu Hause zu bleiben. Je mehr man auf ihn einredete, desto fester wurde der Widerstand. Kam dann aber jemand, packte ihn scherz- hast beim Kragen und lvarf ihn auf den Leiterwagen, dann ge- horchte er und war sroh, daß er von dem unerklärlichen Willen be- freit worden.(Strindberg, Sohn einer Magd.) Literarisches. Stellung und Mitarbeit der Frau in der Gemeinde. Bon Jenny Apolant.(2. Auflage. Verlag von Teubncr, Berlin 1913. 193 Seiten. 2,40 M.) Tic Arbeit stützt sich aus Fragebogen, die an alle deutschen Stadt- und Landgemeinden m,t mehr als 3000 Einwohnern versandt wurden. Sie bietet eine gute Gesamtübcr- ficht über die Art der kommunalen Betätigung von Frauen und über die— verhältnismäßig noch immer geringe— Zahl der in den Kommunen tätigen Frauen. Zunächst werden auf Grund der gesetz- lichen Bestimmungen des Reiches und der Bundesstaaten die Bedin- gungen beleuchtet, unter denen die Frau zur Mitarbeit in der Gc- mciiide zugelassen wird. Dann folgt die Darstellung der Erfolge auf den einzelnen Arbeitsgebieten(Armen- und Waiscnpflcge, Vor- mundschaft, Schulvcrlvaltnng, Wohnungspflege usw.) mit einer tabellarische» Uebersicht. Zum Schluß wird die Mitarbeit der Frau im europäischen Ausland skizziert. In der„Einführung" ver- missen wir einen Hinweis auf den Anteil der einzelnen politischen Parteien an den Fortschritten auf dem behandelten Gebiete: die Sozialdemokratie hätte dabei an erster Stelle als Förderin ver Mitarbeit von Frauen in der Genieinde genannt werden müssen. Lunte JMappe. Im Kampfe mit dem Brauntweintrufel. 188 russische Bäuerinnen — Müller und Frauen im Dorfe Kasfili(Gouverneinem Smolenskj haben der Gouveriiementsverloaltung eine Bittschrift eingereicht, in welcher sie die Notwendigkeit der sofortige» Schließung des Dorf- trakriers folgenderweise begründen: Da« letzte Brot, daS letzte Hemd wird vertrunken. Durch die ständige Trunkenheit ihrer Väter sind viele Familien derartig verarmt, daß die kleinen Kinder ver- hungert und halbnackt dasitzen. In der Nacht siebt man viele Haus- väter zuni Traktier allerlei Hausvorräte schleppen: der eine ein paar Pud Roggen, der andere mehrere Bündel Heu, ein dritter ein Stück Leinwand, das er seiner Familie gestohlen.. Werden die unglücklichen Franc» Erfolg haben? Gewiß nicht! Denn im Branntlveiiikonsum ljegt die mächtig« Einnahmequelle der russischen Regierung, die unaushörlich im Steigen begriffen ist. Diese imerschöpfliche Goldquelle läßt sich die Regierung, die da» Branntweinmonopol besitzt, nicht schmäler». ifl II □ □ □ noo ÖÖO □ DD Theater und Vergnügungen nun D»»««rStag, den 11. Detz. 1913. tlnfang 6 Uhr. Klnti Palast am Zoo. Oadel�« Lichtspiele. gnfanq a1/, vhr. UtsesNollendorf-Theater.Barietö- Lichtspiele. duistnm � Uhr. Sgl. Qvernhaa». Tristan und Lsold«. «nsan« 71, liste. Sgl. Bchanspielhaug. Gras Ehrenfried. Deutsches. Hamlet. Deutsches Sunstler> Dheatrr. Schirm und Gertraude. ?esftnft. Peer Shnt. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schnmau». Galavorstellung. «nsang 8 vdr. Urania. Mit de« Imperator nach New Dort. Sammerspiele,»udroiln» und der Löwe. SSniggrStzer E trade. Die Krön- braut. Theater am Stoleadorfpla». Der Miado. Theater deö DSesteuS. Polenblut. Bertiuer. Die einst im Mai. Deutsche« Opernhaus. Die Jüdin. Deutsches Schauspielhaus. Die heue« Residenz. Tbalia. Die Tangoprinzesfi». SomödienhauS. Hinter Mauern. Montiö Operette». Die ideale Gattin. Schiller O. Hasemann» Töchter. Schiller Eharlattenburg. Die Jungfrau von Orleans. «efideuz. Hoheit— der Franz. »tose. Berlin wie e» weint und lacht. Metrvpol. Die Reise um die Weil in 40 Tagen. Sasiuo. Ferdinand der Tugend- haste. SleiueS. Die Sippe. Luftspielhaus. Die spautsch« Fliege. Trianou. Seine Geliebte. Friedrich- WilhelmstädtifcheS. Die Kinolönigiu. Herrnfeld. Wa» sag« Sie zu Leibusch? Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Steichohalle«. Stettiner Sänger. Sntang 8'/, Uhr. Luise». Kasernenlust. FolieS Caprice. Der Kuckuck. Manöverschwindel. DieSamnelS. Walhalla. Woltenbummler. Admtralspalast. Die lustige Puppe. Ansang 8',', Ubr. vtrueS BolkStheater. Der ledige Hos. Ansang 9 Ubr. SinesSIollendorf-Theater.Dariete- Lichtspiele. '.' Sternwarte. Javalldenstr. b7— 62 Schiller-Theater 0. (Wallner-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Hasemann» Töchter. Freitag, abends 8 Uhr: Helmg' fanden. Sonnabend, abends 8 Uhr: �■Tgeu and»ein Rtnig._ Schiller-Theater" Cbariottenburg. DonnerSwg, abends 8 Uhr: Die Jnngfran von Orleano. Freitag, abend» 8 Uhr: Was Ihr wollt. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die goldene Bltterseit. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Mttwoch a. Sonnabendnachm. 4 Uhr: DaS tapfere Schneidcrlein. Sonnt. Nm. 3'/,U.: 0seliede Suguetln. 8 Uhr: Die Kronbraut Komödienhaus. L Uhr: Hmter Mauern. BepIineMfheater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. 8. Allabendlich 8 Uhr: Mikado. Lessing-Theater. tv, nhc: Peer Gynt. Bon Ibsen. Musik von Grieg. ReiebstaHen-TdeAtei' Stettiner feibnger Zleh�nbeen's KtLnsaerngentnr und daS DeihnachtSstück Christmarkt. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäg. Preisen: llee Xompagniohall und Christmarkt. Balkon 76 Ps.. tSntrer 39 Pf. UentschesSchaaspielbaas _ 8J.lfcr: Tie Heitere Residenz. .»Keeilleei-Theeler» Hoheit— her Fron;! Musikalische GroteSkc in 3 Akten van Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik r—? Robert Winterberg. ALabciidl. 8 Uhr: ttoheit— vor Franz! Deutsches Kunstlertheater Sozietät. Nürnberger Straße 70 71, am Zoo. Kasse; Noilendort 1383. Donnerstag T1/, Uhr: Zum 1. Male: Sichlrin and Gertraude. Scherzspiel in 4 Akten v. Ernst Hardt. Freitag 8 Uhr: Seblrln und Gertrande. BOSE=THEATEI Groß« Ftanfiurlet Str. 132. Abends 8'/. Uhr: Ikei'Uu wie es weint nud lacht. Freitag: Der Metneidbauer. Sonnabend 4 Uhr: Prinzessin Edeltraut. Passage�mplikum 50 wilde Kongoweiber MSnnor und Kinder In einem eigens nnf- gebauten Kongodorfe. Der Froschscblucker. Die gr. Kino-Yariet6-?opsleUung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Metrepol- Theater. Abends präzise 7 Uhr 35: Die Reise um die Erde in 40 Tagen._ Casino s Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Das glänzende Dezember-Fest-Progr. Gastspiel der Amerikanischen Sensation .Im Pulldogg-Tingel-Tangel.- Dazu seit Oktober total ausrcrknust: Ferdinand der Tugendhafte. Sonntag 4 Uhr: Der Denunziant. k Lichtspiele Union- Polnst, Kur- fürstendnmni 26. Ilavaria• Hans, Friedrich- Picke Taubenstr., Unter 1 den Linden 21, Moritzlatz. Ilasenheide, Wein- erj-sweg 16— 17, Reinickendorfer Straße 14. I In unseren Theatern bewandern täglich über 6000 Personen ASTA NIELSEN in der Hauptrolle des mimischen Schauspiels ,Dle Film-Primadonna' von URBAN GAB ' Schöneberg, Hauptstr. 49 Protea rhanta"-' ischer Schauspiel in 4 Akten. In allen U. T.- Lichtspielen: TANGO» FIEBER Für die nächsten Vorstellungen gelasgt�ur Aufführung im Leo Tolstoi: Deutschen Theater Der lebendeleichnam Artnr Scbnltzler: Lessing. Theater Prolcssor Bernhardt Otto Ik'leolai: Deutsches Opernhaus M insligenWeiber f.Winilsor 1 Gerhart Hauptmann: Kfinstler» Theater Her Diherpell Octave Htrabcaa: Schiller-Theater Ost Geschäft tSt Geschäft Karl ROBler: Herrnfeld» Theater DlllterM ZaUD Gerhart Hanptman n:| Neues Volks■ Theater HtCliael Kramer Jaeqnes OfTenbach: Theater am Nollendorfplatz OrpIieDS fll ÖET ODtBIf Ell| für sämtliche Hacbmittags- und gemischte Abteilungen. Der Spielplan der Abend-Abteilungen bringt zunächst im IVeaen Volks Theater: Beer Hoffmaan...... Graf Ctiarolals Breunert........ Der Kaiserj&ger Hauptmann....... Michael Krämer Extra- Vorstellung im Herrnfeld-Theater Freitag, den 26. Dezember(2. Weihnachtsfeiertag), 3 Uhr nachmittags: Hinterm Zaun. > Eintrittskarten a 1,10 M.. für Xicbtraitglieder 25 Pf. Xach- zahlung, in allen Zahlstellen. Kxtra- Vorstellungen am 26. Dezember(2. Weihnachtsfeiertag) Deutsches Opernhaus: ZOT Und Ziniinermonn. . Und das Licht scheinet in Lessing»Theater: der Finsternis Berliner Theater: Große Rositieil« Schiller-Theater Charlottenbg.; Götz VOR BsrlidlingBR Neues Volks»Theater: Die Siebzehnjährigen Eintrittskarten ä 1,10. Xichtmitglieder 25 Pf. Xacbzablung, in folgenden Zahlstellen: stf. Zigartengeschäft Beyer, Veteranenstr. U SO.,, Horsch, Engelnfer 15 O. r r Dunst, Cadiner Str. 15 S.., Schulz, Admiralstr. 40a KW. Restaurant G 8 b e 1, Putlitzstr. 10 C. Kaufhaus Fr. Hahn, Alexanderplatz Charlottenbnrg: Schmidt, Wilmersdorfer Str. 130 Kenkttlln: Conrad, Hermannstr. 50. Zirkus Alb. Schumann. Heut« Donnerstag. U.Dez., abends 70, Uhr: Gr. Elite-Vorstelluag. U. a.: Miß Mariettas 8 dress. Seelöwen zu Plerde! Neu! Alice U'ollla Neu! die phänomenale Creolin mit ihren Partnern. Mr. Gnnjas Hunde-, Aflen- und Katzen-Oressur-Ak!. Neu! The3Arlej»i Neu! Orig.-Perche- Balance- Akroh. und weitere 10 neue Attrakt. DUp- Um 9'/, Uhr: Tango vor Gericht! Pantomimische Burleske in 3 Akten mit Gesang u. Tanz URANIA TaubenstraBe 48 49. b Ubr: Mit dem„Imperator" nach New York. Friedr.- Wiibelmstädt. Theater. Die Kino-Königin. Saifcncröffn. 7 Uhr. Aus. 8 Uhr. Sonnabend, de» 13.>2., 4 Uhr: Oorarveiebea. Sonntag, den 14. 12., 3 Uhr: Ilurla Stuart. Kleine t reise.__ Kcucs Programm! Rita Sacchetto ÄiÄti bliert Steill und die von Publikum und Presse glänzend beurteilten MMÄW! Raachen gestattet! Täglich An kasg 6 Ubr. M Sonntags 3 Uhr: Matinee. — Komplette« Programm grosser Varlötö'Akte sowie unsere renommierten Lieb tsplele Preise von 65 Pfennig an. Frledrichstrafie 218 Vorneltnistes Variete Costantino Bernardi 4 Schwestern Romanos Salerno, Athos u. Read und ein weiteres großes Programm der besten Varlet�bUnstler. Rauchen überall gestattet Beginn 8 Uhr. Ab 7'/. Uhr: KONZERT, Folies Caprice. I Aniang »>/. liste Der Kacknck. MaaOveruchwtndel. Die Samuel». Adtniralspalast. Eis- Arena.— Allabendlich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Die lustige?uppe. 3 ginn der Vorstellung 81/. Uhr. Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Nollenöorf-Theater Cleopatra Die Herrin de* Nils Das Filmwunder der Welt S. M. dem Deutseben Kaiser vorgeführt und mit großem Beifall aufgenommen. Wochentags Auf. k>/, u. 9Ubr Sonntags 4, 6'/i und 9 Ubr. Jagend- Vorstellung Sonnabend 4 Uhr zn halben Preisen. Berliner Praler-Thealer Kastanienallee 7—9. Donnerstag, de» tl. Dezember 1913: Gastspiel des Poigt. DheatcrS: Die Waise aus Lowood. Schaulpicl in 4 Akten v. Birch.PIclffer »tassencröffuung 7 Uhr. Ans. 8',', Uhr. lconlndliMSle 64 Andreas Strasse 64 A Jeden Donnerstag: u- Sonntag: �Soiree der Hoffmann-Sänger Anfang 8 Ubr. Nach der Soiree: FreL-Tan*- ' Voriugskart. haben Gültigkeit _____ Adr- Neukölln V ljshn*tr.74L Vereinigte Berliner Volksbühnen. Walhalla-Theater. 8V, Uhr: Zum ersten Male: Wolkenbnmrnler. Posse in 3 Atten von Herrn. Stein. Enlsen-Tbeater. Täglich S1/, Uhr: Kasernenlnft. Schauspiel in 4 Akten von Stein und Iödngen. lirllus Ouzcd. Heute Donnerstag, lt. Dezember, abends VI, Uhr: Pompeji die große AuSstatiungSpantomime m 5 glänzenden Atten. Borbrr daS grostr Zpezialitütcn Programm. lispt. B uling eine Rordpolszene im Zirkus Busch. Rad. Smaragd a mit ihren dreslierten Kahen und Tauben. r.a Doraado, Jonglier-Akt. iTianon-Ikeater. Täglich abends 8 Ubr: Selae Gellebte. Sonntagnachm. 3 U.: Die Liebe wacht. JL öS :: Berliner:: Konzerthaus -- Mauerstrale 82.— Zimmerstraße 90/91. Ccroßes Öoppel-IConzert! Berliner Konzerthaus-Orehesler 0111 s4«rJuknl" I.eitung: Komponist Frz. v. B 1 o n. Musikk. Kaiser- Alexander Garde- Gren-Regls. Dlrig Kgl Musikdir. Brase. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen: Cimtmi ow n. amaug Cr. Nachmillags-Konzert Brauerei Friedrichshain. Donnerstag, den 11. Desember XOIS: Populäres Konzert des Sängerchors Vorwärts-Süd-Ost Direktion: Otto Kowalski zt Blütliner-Orchesters.?�c?0°be°°g° Billetts im Vorverkauf SO Pf., an der Kasse 75 Pf., bei den VorwSrts-Spediteuron, Zucht, Xmmanuelkirch- straße 12, und Hanisoh, Ackerstr. 174. (An der Kaiser-Wilhelm- Gcdächtnis-Kirche) Kurfürstendamm 236. j Heute, Donnerstag, 11. Dezember: {Grosse Gala-Premiere Wieder ein grosser Lacherfolg! iDIe weiße Dame Lustspiel In 3 Akten In der Titelrolle die entzückende j Rita Sacchetto Ausserdem der phänomenale neue Spielplan 5, 7. 9 Uhr- 'vsomtworUichtt ifteholteui: Alfred Melepp, Neukölln. Zur Buchdruckcrcl u. V-rlagSanpalt Paul Singer&. Co, Berlin SW." St, 326. SOMts«!. 2. Atüllßk Quittung über Beiträge zum Bebel-Fonds. Verband der Bäcker, Berlin Ivo,—. Von den SoUcgen der Möbelfabrik G. Liluge, Warschauer Str. Iii,—. Bauarbciicr„Vor>värls"-2>c»bau, Lindcvstr, 2 Ärbcitcr der Mrma Junker 10,—. Scchserkasse der Firma Evirlch u, Schönig 80,—, Organiiierte Arbeiter der Firma Flohr, Berlin 5ö,öl>,!i»om Personal„Vorniärts"-Druckerei, Zlbt, Buchbinderei ,'<0,—. Von den Arbeitern und Arbeiterinnen der Firma C, P. Gocrz, Friedenau.>Lteglit; und Schöneberg 606,55. Kesammelt von den frciorganisierten Casölcllncrn Berlins 8iX>,—, Bierkasse der Buch- drnckerei Drewitz 1 1,32, Ncberschnh von der Kranzspende der Kellerarbeiter der Firma Louis Rer 4,—. Trotz Polizeiichikancn und Vcr- iammlungsauslösung, 2irbeitcr- Radfahrcrbnnd Solidarität, Stralau- Gummelsburg und Lichtenberg 10,—, Von den Schneidern der Firma Rudolf Hertzog 12,—. Von den Kollegen der Firma Franz Stock, Sechser- lasse 10,—. Lithographen und Steindrucker der Firma Albrecht u. Meister 10,—. Prozeßhonorar von Dr, Oskar Cohn 40,—, Kranzüberschuß vom 728._ Bezirk, 6. Kreis 2,65. Kollegen der Firma W, Schwarpkopft, Reinickendorf 15.—. Verband der Schneider, Ortsoerwaltung Berlin 5.50, Abi. Düll, Fiinia Typograpb, Moabit 20,—. Gen, Menzel, Portland 160,—' Ueberichuß vom Bierkonsum der Dcnta-Wcrle, Oranienstr, 25 80,—. Fllnipfcnnigkasse der Tischlerei Kaiser 10,—. Scchserkasfe der Firma Weber, Treptow 10,—, Kollegen der Schneiderei- Gcnosscnschast Hoffnung 85,—. Schrijtschneidcr-Vercinigung Berlin 10.—. Aus der Sechscrkasse Abt. Werkzeugbau der Firma Äaschincnsabrik Schwartz- topff, Werk Wildau 10,—. Schrrslgießcrci H, Bcrtbold. Ueberschuß einer Kranzspende 12,30. 1. Kreis, a ionto Sammellisten 70,—. Aus der Sechserkasse von der,. Modelltischlern der Firma Gerting 6,—. Anreißer, N. A, G„ Obcr-Schönerveide 5,—. Bon den Kollege» der Firma Schwartzkopff, Wildau, Meister Klemm 5,—. Gcramtpers. d. Bnchdruckerei Seydel u, Co. 24,60. Ges. v. d.'Arbeitern d. Firma Kopp u. Joseph 3,50. 7 Kollegen R. H. 7,—. Aus der Icchscrkassc der Korbmacher der Rohrmöbclsabrik L. Seeseldt 5,—. A. Gcrisch, 2. Rate 200,—. Lese- und Diskulicrklub.Wilhelm Liebknecht" durch Halfter 10.—. Richter 1.—. Gesammelt vom Personal der Großbuch- binderci Lliderttz u. Bauer, Wilhclmilr. 118 30,—. 5. Kreis, aus Liste» 200,35(darimter: Karl Kirslc 1,—; 1. Abt. Huhnflcisch 56,80; lg, Abt. Blum 59,05; Ib. Zlbt. Extrabeitrag aus der Sechserkafsc, Bezirk 414/4146 7,10; Ib. Abt. Schmilewski 14,75; 2. Abt. Weise 48,05; 5. Abt.«tindt 7,90, desgl. 4,40, zus. 12,30; 6, Zlbt. Hacker 5,80; 8. Zlbt. Extra- bcilrag aus der Scchserkasse, Bezirk 449 5,—<. 2. Kreis, Bezirke 50/52 5,—. Alzidenz-Stcreotypeme von Ullstein u, Co, 18,30. 1./2. Abt. Ueberichuß vrm Kranz beim Gen. Werner 1,55. Ottilie Baader 2,20. Kollegen von Eckel! u. Glinicke, Kranzüberschuß 5,—. Bolensraucii der Sped. Werner. Kranzüberschuß 4,10, Sattler v, Schebra, Sechscrkasse 10,—. BuchüruckhiisSarbeUer der„Deutschen Tageszeitung" 80,—. 4. Kreis, Sammellisten a tonto 1650,—(darunter: Maschincnarbeitcr in N. A. G,, Oiste 8451 14,60; Buchbinderei Wübben u, Co., Lille 884 il 41,80; Ber- bandsgehiljcn der Buchdruckelci Trowitzsch u. Sohn aus Liste 4188 5,70). Gesellen der Möbelfabrik„Hoffnung" 10,—, Bezirk 384 II 10,—. Für den 6. SU'cis durch Hirsch 3.—. Bon den Arbeitern der Firma Ludwig Loewe, Extrabeitrag 15,—, Für Berta Seeger—.40. Für Bnchdruckerei H. Büttner 13,50. Bon Kollegen der Firma Zlrnhcim durch Förster 1,50. 6. Kreis aus Listen 2736.83(darunter: für Kassensabrik Martin 18,55; für Titania, Mix n. Genest, Schreibmaschine 68,50; sür Bezirk 587, Keil durch Böltger 1,—; durch Becker, von deni Bau der Zlrbciterbaugenossenschast in Bohnsdorf 11,55; sür Bezr k 504a, Uebersch. Landpartie durch Allbaus 3.50; sür Sechserkasse der Sattler der Firma Schebaran 10,—). Konsumbau Lichtenberg 57,80. Weitere Beiträge sind zu richten an Emil Boeske, Berlin V8, Lindenftraffe 3 i. Partei- Hngcle�enbeitem Wilmersdorf. Am Freitag, den 12. Dezember, abends 81/., Uhr, spricht in einer öffentlichen Versammlung im„Viktoriagarten", Wilhelmsaue 114/115, Frau Regina Rüben über Jugend- jchriften und Wandschmuck im Arbeiterhcim". Eintritt frei! Lankwitz. Der nächste Vortragsabend über die Einführung in die loisseiischastlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung findet a.n Freitag, den 12. Dezember, pünktlich 9 Uhr, bei Schulz, Mühlenstr. 21. statt. Rudow. Soimtag.'14.-Dezember, nachmittags 5 Uhr, bei Palm: Wahlverciii-versantmlstirgs-- Berliner N�cbrlcbten, Zur Fürsorge für schwachbefähigtc Kinder hatte die Stadt Berlin den Gemeindcschulcn die Ncücntlassen bei- gegeben, die sich später zu Hilfsschulen answuchscn. Außerdem richtete sie für schulentlassene Schwachbefähigl: eine besondere Fortbildungsschule ein. die ihnen eine weitere Ausrüstung mit Kenntnissen und Fertigkeiten zuteil werden lassen will. Doch auch hiermit ist noch lange nicht alles getan, was einem schwachbefähigten Kind an Beistand und Schuh nötig ist, wenn es i n s L c b e n b inaustreten muß. Die Frage, was aus so einem Kind einmal werden soll und ob es selber sich sei» Brot wird vor- dienen können, ist sür unbemittelte Eltem eine Ouellc bitterster Sorgen. Ter..Erzichungs- und Fürsorgcverein für g e i st i g zurückgebliebene Kinde r", dessen Vorsitzender der Stadtschnlrat Fischer ist, bemüht sich, solchen Eltern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.?tbcr es wird oft sehr schwer und nicht selten geradezu unmöglich, sür schulentlassene Schmach- befähigte eine Lehrstelle oder überhaupt irgendeine Arbeit zu finden. Wie die Zukunft der schwer oder gar nicht crwerbs- sähig werdenden geistig Schwachen sich gestaltet und auf welche Weise ihnen zu helfen wäre, darüber sprach am Montag in dem genannten Verein der Rektor Fuchs, Leiter der Fort- bildungsschulc sür Schwachbcfähigte. Fuchs hat Gelegenheit, eine Fülle von Erfahrungen über die Not der schulentlassenen Schwach- befähigten zu sammeln. Er schilderte den Leidensweg der bc- dauernswcrtcn Jungen und Mädel, die heranwachsend in der Familie verkümmern oder draußen in der Welt Umhcrgcstoßen werden. Viele geraten unter die Landstreicher und Prostituierten, füllen die Gefängnisse und Arbeitshäuser, enden im Irrenhaus. Und doch könnten nicht wenige sich und der Gesellschaft erhalten werden, wenn es gelänge, ihre mäßige Arbeitsfähigkeit in irgend- einer Weise noch nutzbar zu machen. Fuchs schlägt zu diesem Zweck vor, ein Heim zu schassen, das den Schwachbefähigten die Familie ersetzen, ihnen eine leichte Beschäftigung ermöglichen und die dazu erforderliche Ausbildung geben kann. Auch Haus- wirtsckan sowie Garrcn- und Landbau sollen in den Arbeitsplan dieser Beschäftigungsanswlt eingefügt werden. Wo es angeht, will man die Heiminsassen später loiedcr zu den Angehörigen entlassen. Wenn das nicht möglich ist, müßten die älteren Schwachbcfähigten allmählich in besondere Heime abgeschoben werden. Gedacht ist an einen ersten Versuch mit einem Heim zunächst für Mädchen. Man hofft, daß ein wesentlicher der Kosten von Angehörigen hergeben werden wird. Der Vortragende schloß niit einer cindring- lichcn Mahnung, zu helfen, daßauch dcn Schwachbefähigtcn ihr Recht auf Arbeit werde. In der Diskussion bestätigte Stabsarzt-ütier, �citcr c-cr Charitätlinik für nervenkranke Kinder, daß nack seinen Ertabrungc» die Scklvachbcfähjgten nack Voll- endung der Schulpflicht meist hilflos sind. Heime für Schmach- �whigte zu fördern, liege vor allein im Interesse der Stadt die dadurch ihre Armenpflege ctlvas entlasten könne. Daß c/ sich hier um eine Aufgabe handelt, deren Lösung *l"e Pflicht der Gemeinde ist und nicht wieder der Privat- tattgkcit überlassen werden darf, erscheint uns ganz selbstverständlich te Jotiiiirlö"|ftli Gegen die Maul- und Klauenseuche. Infolge des Ausbruches der Maul- und Klauenseuche auf dem Magerviehhos in Friedrichsfelde hat der Berliner Polizeipräsident mit Genehmigung des Landwirtschaftsministers eine Verordnung er- lassen, ivonach auf den Magerviehhos Rinder, Schweine und Schafe aus den Regierungsbezirken Allenstein, Danzig, Marienwerder, Breslau, Liegnitz, Oppeln, aus den Bezirken Schwaben und Ober- bapern des Königreichs Bayern, aus dem Schwarzwald- und Donau- kreise des Königreichs Württemberg, auS den Bezirken Konstanz und Frciburg des GroßherzogtmnS Baden, aus dem Oberelsaß und aus Lothringen nicht aufgetrieben werden dürfen. Die Ursprungs- zeugnisse für Rinder und Schweine müssen außer den üblichen An- gaben die Bescheinigung der allsstellenden Behörde enthalten, daß der Ursprungsvrt seit 14 Tagen frei von Maul- und Klauenseuche ist. Für Schweine bedarf es dieser Ursprungszeugnisse nicht, wenn sür sie Gesundheitszeugnisse von Amtstierärzten beigebracht werden. Die Anordnung ist bereits gestern in Kraft getreten. Zinserhöhung der Niederbarnimer Kreisfparkasse. Auch die Sparkasse des Kreises Niedcrbarnim wird ihren Zinöfuß erhöhen. Der Niederbarnimer Kreisausschns; hat gestern beschlossen, dem Kreistag in seiner Sitzung im Februar vorzuschlagen, den Sparkassenzinssuß vom 1. April Istl-l ab auf 3'/z Proz. zu erhöhen, vorausgesetzt, daß die Berliner Stadtverordneten dem Antrag auf Zinserhöhung der Berliner Sparkasse zustimmen._ Tie Fahne des Laubcnkolonisten. An einem Wochentage war», naßkalt und nebelig, als ich als Arbeitsloser durch die Laubenkolonie ging. Ist es dasselbe Stückchen Erde, wo es noch vor wenigen Wochen so lustig hämmerte und nagelte und lustige Kinderstimmen voll Freude und Lust jauchzten? Wohl ist es dasselbe unbebaute Fleckchen, aber es ist still ge- worden. Nur von einzelnen Parzellen her hört man noch einen Hahnenschrei. Vor einem der Drahtgitter, die den„Hühncrhof" nm- schließen, steht ein tleiner, blonder Bursche, der Muttern unbedingt beim Füttern helfen muß, und dabei mit großen Augen den stolzen Hahn bewundert. Auf dem Gesicht der Frau liegt ein Zug der Zufriedenheit, auck) die Augen des Kleinen leuchten mehr, als es nach unserer göttlichen Weltordnuug sür Arbeiterkinder üblich ist.— Doch jetzt horcht der kleine Knabe auf, er hört schwere Schritte. Zwei Polizisten kommen den schmalen Laubcnweg entlaiig, darauf achtend, ihren heiligen Rock vor widerspenstigen Drahtenden des Zaunes zu schützen. Wie von einer Natter gestochen, zeigt plötzlich der Größere der Beiden nach der Parzelle hlnüber. Erstaunt bemerkt eS die Frau in derselben. Ich sehe noch mal zurück und bleibe stehen, doch nichts sehe ich, waS für mein aller- dings ungeübtes Auge auffällig wäre. Aber schon hat der eine Polizeimann seine Schritte beschleunigt und tritt jetzt durch die schmale Laltenlür auf das kleine Grundstück: „Sagen Sie mal," schnarrt er die erschreckte Frau an,„was ist denn das für ein roier Lappen auf Ihrer Laube?"(Richtig, da sehe ich eine kleine Fahne in der Farbe der Liebe lustig im Winde flattern.)„Ach was, Ihr Mann, wir kommen in ein paar Tagen wieder. Sorgen Sie dafür, daß der Lappen weg kommt. Gern hätte wohl die junge Frau dem Sprecher die richtige Antwort gegeben, aber sie sieht die beiden Hünen, bewaffnet mit Schwert und Schießprügel und verspricht, ihren Mann die Fahne abnehmen zu lassen. Mit gemessenen Schritten gehen die beiden Behelmten ihres Weges, auch ich.gehe lächelnd weiter.„ Gestern ging ich wieder durch dasselbe LaubeiHmV' und auch an der kleinen Parzelle vorbei. Neugierig sah ich hinüber, ob wohl die Fahne einer höheren Gewalt hat weichen müssen. Doch da flattert sie noch genau wie damals.— Aber nein! Sie ist ja nicht mehr ganz rot, ein kleiner weißer Stern leuchtet aus ihrer Mitte hervor; der hat ihr die Kraft genommen, jetzt kann sie kein Unheil mehr anrichten._ Gut bezahlte Ehrenämter. In den Berliner Handwerkerkreisen ist neuerdings häufig gegen die Wirtschast in den Vorständen der Zwangsinnungen protestiert worden. Es wurde vielfach darauf hingeloieicii, daß Mitglieder der Vorstände zu hohe Vergütungen sür ihre Tätigkeit, die eigentlich eine ehrenamtliche sein soll, bezögen. Anläßlich von Statuten- änderuiigen, die vor kurzem bei mehreren Innungen notwendig ge- worden waren, haben die beteiligten Lkreise darauf gedrängt, die Höhe der Vergütung herabzudrllcken. In Einzelfällen haben sie sich direkt an den Polizeipräsidenlen gewendet mit dem Ersuchen, die in dem neuen Satzungsentwurf vorgesehene Vcrgülung für Obermeister ihrer Höhe wegen nicht zu genehmigen. In einem Falle ist ein derartiges Gesuch bereits von Erfolg gewesen. Die Bäcker- Zwangsinnung in Berlin hatte für ihren Obermeister eine Entschädigung in Höhe von jährlich 4590 Mark ausgeworfen. Nun hat der Polizeipiäsident dem JnnungSvorstande mit- geteilt, daß er die neuen Statuten dieses außerordentlich hohen Betrages wegen nicht genehmigen könne und anheimstellt, die Vergütung auf 3000 Mark zu mnäßigeii. Das sei die höchste Sumnie, die als zulässig erachtet werden könne. Daraufhin bat der Jnnungsausschuß eine Kommission gewählt, die bei dem Polizei- Präsidenten um eine Unterredung nachsuchen sollte, uin ihn zur Ausgabe seines Standpunktes zu veranlassen, j Als Gegenaktion haben aber zahlreiche mit dieser hohen Entschädigung an den Ober- meister nicht einverstandene Jnnungsmitgliedcr ihrerseits eine Ein- gäbe an den' Polizeipräsidenten gerichtet und ihn darin gebeten, an seinem Bescheide festziihalten. Auf diese Eingabe ist den Absendern jetzt mitgeteilt worden, daß der Polizeipräsident auf seinem Stand- punkte dem JnnungSvorstande gegenüber beharre. In Handwetker- kreisen wird daraus hingewiesen, daß manche Obermeister aus ihren verschiedenen Ehrenämtern und ihrer sonstigen Tätigkeit ein Ein- kommen von jährlich etwa 20 000 M. haben. Selbst Ehrenämter lohnen'_ Ueberiahren und getötet. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern vormittag Unter den Linden. Als der Schuhmachermeister Rudolf Ebeling aus der Linienstr. 161 au der Ecke der Wilbelmstraße den Fahrdamm überschreiten wollte, übersah er das Herannaheil einer Kraftdroschke. Die Räder des Wagens gingen über den schon bejahrten Manu hin- weg und richteten ihn schrecklich zu. Er wurde sofort nach der Charits gebracht, doch verstarb er hier schon kurz»ach der Ein- lieserung. Ebeling, der verheiratet war. befand sich auf dem Wege zu dem Hofschuhmachcrmeistcr Breit'pecht in der Wilhclinstr. 13, für den der Mann, der in seinem Fache Vorzügliches leistete Heimarbeit verrichtete.__ Achtet auf die Wohnuugen! Die Geschäfts- und WohnungSeinbrüche häufen sich auch diesmal wieder stark vor dem Weihnachtssest. In den letzten Rächten waren Einbrecher an mehreren Stellen an der„Arbeit". Einige machten auch sehr reiche Beute. So fielen Spitzbuben, die die Scidengroß- iDlmtierstilg 11. Aeiember 1913. Handlung von Georg R. Schäfer in der Roßstr. 19/20 heimsuchten, für über 6000 M. Seidenstoffe in die Hände. Die Einbrecher sind wahrscheinlich vom Wasser, Friedrichsgracht, her eingedrungen und haben daim die Flurtüreu zu den im vierten Stock des Vorderhauses belegenen Lagerräumen mit Nachschlüsseln ge- öffnet. Trotzdem das Grundstück besonders bewacht wird, hat man von den Dieben nichts gesehen.— Für etwa 5000 M. Brillantringe, Armbänder, Kolliers, Pelze usw. sowie 300 M. bares Geld erbeuteten Einbrecher, die der Wohnung des Kaufmanns Hans Meyer, die im zweite» Stock des Hauses Schönhauser Allee 158» liegt, einen Besuch abstatteten. Während sich der Mann-geschäftlick) unterwegs und die Frau bei Bekannten befand, öffneten Diebe die unbeaufsichtigte Wohnung mit Nachschlüsseln und schleppten un- bemerkt so viel an Schmuck- und Wertsachen sowie Kleidungsstücken weg, wie sie nur fortzuschaffen vermochten.— Schwere Arbeit hatten Geldschrankknacker, die es aus das Abzahlungsgeschäft von Cohn in der Großen Frankfurter Str. 58 abgesehen hatten. Hier verschafften sich die Spitzbuben zuerst Eingang in ein Nebenhaus. Von hier stiegen sie über eine Mauer auf das Grundstück Nt. 58, wo sie mit einem Diamanten eine Scheibe aus dem Fenster des Kontors der Firma Cohn schnitten, den Riegel. zurückschoben und so einstiegen. Sie-machten sich jetzt an den Geldschrank, den sie nach längeren Bohrversuchen auch sprengten. Sie fanden darin jedoch nur wenig über 50 M. Weil dies ihnen aber zu wenig war, nahmen sie noch für 600 M. Leinewand mit, die sie in dem Räume fanden.— Endlich drangen Diebe noch in ein Hcrrenartikelgeschäft ein, das ein Kaufmann erst vor wenigen Tagen in dem Hause Dresdener Str. 12 eingerichtet hat. Die Spitzbuben ließen hier Herrenulster, Jackett- anziige sowie Pelze im Gesamtwerte von etwa 1000 M. mitgehen.-- Auch in zahlreichen kleineren Wohnungen wurde eingebrochen, wo- durch gerade kleine Leute schwere Verluste erlitten. Zwei Kinder vom Grstickungstode gerettet. In der Nacht zu Mittwoch wurde die Feuerwehr nach der Kochstraße 31 gerufen, wo auf einem Hängeboden im Hochparterre ein Feuer ausgebrochen war. Tie Feuerlvehrmannschasten stiegen durch ciu Fenster in die Wohnung ein und es stellte sich heraus, daß auf dem Hängeboden Papier und Gerumpel unter einem Bett brannte, in dem zwei 12 und 7 Jahre alte Knaben Rudolf und Willi Schade lagen. Die Kinder hatten sich in ihrer Angst unter der Bettdecke verkrochen und wurden von den Savpenrcn aus dem schon stark verqualmten Raum in Sicherheit gebracksi. Das Feuer selbst konnte schnell gelöscht werden. Offenbar haben die beiden Knaben, die sich allein in der Wohnung befanden, auf dem Hängeboden mit Streichhölzern gespielt und dadurch den Brand verursacht. Zum Glück hatten andere Hausbewohner die Gefahr noch rechtzeitig genug bemerkt und schleunigst die Feuerwehr alarmiert. Die beiden Knaben klagten infolge der Raucheinatmuug über heftige Kopfschmerzen, erholten sick) aber an der frischen Luft bald wieder.— Gesterp(Mittwoch) früh hatte die Feuerwehr längere Zeit in der G r e n a d i c r str a ß e 3 3 zu tun, wo ein größcrcr Posten Brennmaterialien in einem Heiz- keller brannte. Ter Baumarkenfonds der Neuen Freien Bolksbühne. Wir erhalten folgende Zuschrift: Tie Neue Freie Volksbühne gab zu Anfang ihres Spiel- jabres 1913/14 ein Wcrbcblat� und Programm heraus, worin auf Seite 6 das neue Volkskunsihaus Erwähnung findet und die MiU. gtieder zum eifrigen Sparen für den Baufonds auf- gefordert werden. Ter Artikel lautet zum Schluß: „Weder die freiwilligen Einzahlungen, noch die kleinen Groschenzuschlägc gehen den Mitgliedern verloren. Wer den Zuschlag von 10 Ps. zehnmal entrichtet hat, erhält eine Bau- marke im Werte von 1 M.. und wer 10 Baumarken getlebr hat, einen Bausche in im Werte von 10 M., der sogleich zu 5 Proz. verzinst wird. Viele Mitglieder benutzen die günstige Spar- gelegcnheit auch zur Anlage größerer Sparbeträge. Näheres über Verzinsung, Rückzahlung, Amortisation der Einzahlungen enthalten die Statuten des Bauvcrmögens." Nun hat aber vor sieben Woasen eine Mitgliederversammlung stattgefunden, in der beschlossen worden ist, den Zuschlag von 10 Ps. zum Baufonds den einzelnen Mitgliedern schon für das Spieljahr 1913/14 nicht mehr guizuschreiben und auch alle sonst erworbenen Baumarkcn, sobald sie nicht bis zum 1. Mai 1914 als Bau- schein— 10 M. umgetauscht werden, dem Amortisationsfonds überwiesen werden. Es entsteht daraus das folgende, sehr häufig eintretende Exempcl: Hat eine Familie drei Karten im Besitz -und sind in jeder Karte 5 M. Baumarken geklebt, so sind nach dem neuen Beschluß bis zum 1. Mai 1914 entweder für 15 M. neue Baumarkcn zu erwerben oder die Familie geht der Summe von 15 M. v c r I u st i g. Daß ein solcher, große Härten enthalteuder Beschluß in einer Zeit der allgemeinen Arbeitslosigkeit und Lcbcnsmitteltcucrilng gefaßt werden konnte, ist wohl nur daraus zurückzuführen, daß die Versammlung mit der Tagesordnung nicht in der Tagespressc bekanntgegeben und ein Versammlungslokal gewählt tvar, in dem nicht der zwanzigste Teil der 50 000 Mitglieder zählenden Volksbühne Platz gefunden hätte, ein Verfahren, das bei einem Verein, der demokratische Prinzipien verfolgen sollte, nicht leicht zu verstehen ist. Im Interesse des Vereins ist zu wünschen, daß in einer neu cinzu- berufenen Versammlung die oben angeführten unglücklichen Bc- schlüsse eine Verbesserung finden. Rliiltgcnuiltcrsilchungen sind, wie bekannt, nicht billig. Einem Kassenpatienten, der auf Kosten der Buchdrucker-Ortskrankenlasse in der Universitätsklinik(Ziegelstraße) behandelt wurde, hat so eine Untersuchung mit Röntgenstrahlen eine sehr unangenehme Ueberraschung bereitet. Da die Kasse sich nur zur Zahlung von Kur- kosten in Höhe von 3 M. pro Tag verpflichtet hatte, so mußte der Patient bei der Aufnahme im voran? erklären, daß er selber die Kosten der Röntgenuntersuchung decken werde. Ihm wurde ein Ausnahnicschein vorgelegt, den er zu unterschreiben hatte, und in der Verfassung, in der er sich befand tat er das, ohne viel hinzusehen. Niemand machte ihn besonders darauf aufmerksam, welche Verpflichtung er durch seine Unterschrift einging, und er halte auch keinen Begleiter bei sich, der für ihn den Aufnahme- schein hätte zuvor durchlesen können. Nach Beendigung der Kur wurde ihm dam, eine Kostenrechnung überreicht, die ihm 36 Mark abforderte, für drei photographische Aufnahmen je 8 M. und für eine Durchleuchtung 12 M. Die Kasse lehnte ab, diese Kosten zu ersetzen, der Patient wird daher selber zahlen müssen. Er bittet uns um Bekanntgabe seiner Ersahrungen, damit andere vor ähn- lichen Ueberraschungcii bewahrt bleiben. Eigentlich ist es ja etwas Selbstverständliches, daß niemand ein Schriftstück uligelcscn unier- schreiben soll. Aber unter den hier vorliegenden besonderen Um- ständen hätte man einen ausdrücklichen Hinweis wohl für nötig halten können. Im v-Zug dcstohlcn. Von einem internationalen Eisenbahndieb bestohlen worden ist auf der Fahrt mit einem v-Zug von Basel nach Berlin eine alleinreisende Dame. Der Langfinger erbeutete nicht nur 1000 Lire in Banlnoten. sondern aucki uocb zwei Ringe, die ebenfalls zusammen einen Wert von etwa 1000 iv!. haben.'SJer eine ist traubenfvrmig und mit einem blauen Saphir und zwei Brillanten besetzt. Der andere trägt einen Smaragd und mehrere Brillanten. Beide Ringe sind aus Gold gefertigt. Wo sie der Dame gestohlen worden sind, kann diese nicht sagen. Sie entdeckte den Verlust erst kurz vor ihrer Ankunft. Das Berliner Aquarium ist nicht nur reich an großen und auffallenden Schaustücken, sondern es legt auch Wert daraus, die Besucher mit wissenschaftlich wertvollen Tieren bekannt zu machen. So finde.'! wir jetzt in einem größeren Aquarium des zweiten Stockwerks zwei südamerikanische Molchfische. Diese nur selten lebend nach Europa kommenden Tiere haben eine aalähnliche Gestalt, sind jedoch mit größeren Schuppen bedeckt und weisen vier eigentümliche arm. und beinähnliche Anhänge ans. Das merk- würdigste an ihnen ist, daß sie nicht wie�die übrigen Fische durch Kiemen, sondern durch Lungen atmen. Sic entnehmen mit Hilfe ibrer Nase Luft über dem Wasserspiegel auf und verfügen sogar über eine Stimme. Mit ihren beiden in Afrika und Australien lebenden Verwandten teilen sie die Eigenschaft, daß sie sich beim Austrocknen der Gewässer im Schlamm einkapseln tönnci!. Vorort- �acbricbten. Lichtenberg. Die Hetze der großen bürgerlichen Fraktion gegen die Stadt« verordneten der MittelstandZgruppe, die es gewagt haben, den sozialdemokratischen Stadtratskandidaten ihre Stimme zu geben, nimmt ihren Fortgang. Nicht allein, daß die bürgerliche Vereinigung sich in Zukunst streng absondern will von den mittelständlerischcn Vertretern, soll auch gegen die den letzteren angehörenden Beamten disziplinarisch vorgegangen werden. Das Ortsblältchen schreibt hierüber folgendes: .Die reinliche Scheidung zwischen der bürgerlichen Vereinigung und der Mittelstandsgruppe in der Stadtverordneten-Versammlung ist bereits vollzogen worden. In einer gestern abend im Rathause abgehaltenen Fraktionssitzung der bürgerlichen Ver- einigung ist beschlossen worden, an den Herrn Städtv. Aigte als Führer der Mittelstandsgruppe die schriftliche Mitteilung gelangen zu lassen, daß die Mitglieder der Gruppe nicht mehr zu den Fraktionssitzungen der bürgerlichen Vereinigung eingeladen werden sollen.— Außerdem erfahren wir von gut unter« richteter Seite, daß gegen die der Mittelstandsgruppe an- gehörenden Beamten wegen ihrer Abstimmung bei den Stadt- ratswahlen das Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist." Weil also einzelne bürgerliche Bcamtenvertretcr, einem gewissen Gefühl der Gerechtigkeit folgend, den Kandidaten der Sozialdemo« kratie ihre Stimme gaben, deshalb soll gegen sie ein Disziplinar- verfahren eingeleitet werden und zwar auf Grund einer hinter« hältigen Denunziation einer Verlretergruppe, die ihre Aufgabe nur in der Wahrnehmung ihrer persönlichen Interessen erblickt. Schon diese dreiste Provokation müßten die Vertreter der Mittelstands- gruppe mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Die vom Bildungsausschuß arrangierte Zlusstcllnug von Schriften, Wandschmuck und Beschäftigungsspielen, wird heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, im Jugendheim. Tosscstr. 22 parterre, eröffnet. Die Ausstellung tagt bis einschließlich Donnerstag, den 18. De- zeniber, und ist täglich von nachmittags 4 Uhr bis abends 9 Uhr geöffnet. Sonntag, den 14. Dezember, von 1—9 Uhr. Es wird jedermann empfohlen, die Ausstellung zu besichtigen. Der Eintritt ist für Kinder und Erwachsene srei. Köpenick. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich die zum Dienstag abend nach dem Stadttheater einberufene Volksversamm- lung, in welcher„Die Säbeldiktatur des preußischen Militarismus" auf der Tagesordnung stand. Saal und Galerien waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Referent des Abends, Genosse Her- mann Müller fParteivorstand), verstand es in ausgezeichneter Weise, die unhaltbaren Zustände Preußen-Deutschlands, wie sich solche im Anschluß an die Zaberner Vorkommnisse so recht im wahren Lichte gezeigt haben, zu geißeln. Der reiche Beifall während und nach dem Vor- trage bewies, daß der Referent den Anwesenden aus dem Herzen gesprochen hatte; er legte aber auch Zeugnis dafür ab, wie tief die Empörung über die skandolöseil Vorgänge, die sich in den letzten Tagen in Zabern und im Reichstage abgespielt haben, in die Massen des Volkes gedrungen ist. Die in den Versammlungen am Sonntag angenommene Resolution gelangte auch hier zur einstimmigen An- »ahme« Der Ertrag einer Tellersammlung wurde dem Fonds zur Weihnachtsbescherung der Arbeitslosen überiviescn. Eingeleitet und geschlossen wurde die imposante Versammlung durch Gesang des Köpenicker MänncherchorS. Schöneberg. Der nächste Bolksunterhaltungsaiend der Stadt Schöneberg findet am Sonntag, den 14. Dezember, nachmittags 5 llhr, in der Aula Belziger Straße 48— 52 statt. Dieser Abend ist dem Opern- komponisten Verdi gewidmet. Als Mitwirkende haben zugesagt: die Opernsängerin Frau Elsa Remack und Frl. Margarete Meysel, sowie die Opernsänger Ludwig Frankel und Willy Merkel.— Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Eintrittskarten sind in der Zeitungs- spedition Martin-Lulherstr. 69 und im Laden der Konsumgenossen- schast, Apostel-Paulusstr. 40, zu haben. Charlottenburg. Gewerbcgrrichtswahlcn in Eharlotteniurg. Die Wahlperiode der jetzigen Beisitzer des Gewerbegerichts läuft am 31. März 1914 ab. Es baben daher im Januar 1914 Neuwahlen stattzufinden. Nach Artikel 11 des Ortsstatuts betreffend das Gewerbegerichl zu Charlottenburg hat das Gewerbegericht zu bestimmen, wieviele Beisitzer jeder Gattung in jedem Wahlbezirke zu wählen sind. In der von dem Vorsitzenden des Gewerbegerichls, Magistrats« rat Dr. Landsberger, auf Freitag, den S. Dezember 1913, abends 8 Uhr. in dem neuen Sitzungssaale des Ge« Werbegerichts anberaumten Sitzung wurde beschlossen, daß von den für die Zeit vom 1. April 1914 bis 31. März 1916 zu wählenden 18 Arbeitgeber- und 18 Arbeitnehmer- beisitzern im 1. und 2. Wahlbezirk je 2 Arbeitgeber und je 2 Arbeit- nehmer, im 3. Wahlbezirk 3 Arbeitgeber und 4 Arbeitnehmer, im 4. Wahlbezirk je 2 Arbeitgeber und Arbeitnehmer, im 5. Wahlbezirk 2 Arbeitgeber und 3 Arbeitnehmer, im 6. Wahlbezirk 3 Arbeitgeber und 2 Arbeitnehmer, im 7. Wahlbezirk je 2 Arbeitgeber und Arbeit- „ehmer und im 8. Wahlbezirk 2 Arbeitgeber und 1 Arbeitnehmer zu wählen sind. Stadtratswahl. Der Ausschuß zur Wahl eines Stadtrats hat seine Beratungen beendet und schlägt der Slodtverordnetenveriamm- lung vor: Magistratsrat Dr. Brühl-Bcrlin, Magistratsrat Dr. Gordan- Berlin, Landesrat Augustin-Wiesbaden. Friedrichsfelde-Neu-Lichtenberg. In einer gut besuchte» Protefiversammlung beleuchtete Genosse Ucko in trefflichen Worten die ganze Lächerlichkeit, aber anch den Ernst der Zaberner Affäre. Die vorliegende Resolution wurde ein- stimmig angenommen. Genosse Schwenk wies dann auf die Per- anstaltung des Jugendklubs hin, über die wir weiter unten einiges Nähere aussühren. Zum Schluß der Versammlung wurde eine be- sondere Tellersammlung zugunsten der WeihnacktSgabe an die Ar- beitSlosen veranstaltet, die ein recht erfreuliches Ergebnis hatte._____ — Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für den nfnedrichsfekde. Arbeitcrcltcrn, habt acht! Am Sonnabend, den 13. Dezember, wird der„Jugendklub ehemaliger Schüler der 1. Volksschule" im„Schloßrestaurant", das der Arbeiterschaft verweigert wird, seinen ersten Familienabcnd abHallen. Protektor des Klubs ist Rektor Maak. Ueber den Charakter dieses Klubs ivaltet bei den Arbeitercltein kein Zweifel ob. Wenn trotzdem Volksschülern von zu Hause Erlaubnis gegeben wurde, an dieser Veranstaltung mitzuwirken, so ist wohl anzunehmen, daß die Eltern glaubten, es handle sich wie in früheren Jahren um sogenannte Elternabende. Die Beteiligung an solchen wurde den Kindern zumeist wohl gestattet, weil man der Meinung war, den Kindern selbst damit eine Freude zu bereiten. Darüber, daß es sich in diesem Jahre um keinen Elternabend der Schule, sondern um einen solchen des Klubs handelt, sind die VolkSschüler anscheinend bis in die letzten Tage im Unktaren gelassen worden. Nur infolge dieser Unklarheit baben wohl viele Eltern, wenn auch mit Mißmut, über die häufigen, fast an jedem Nachmittag statt- sindenden Proben hinweggesehen; denn gerade dadurch wurden die Schularbeiten arg beeinträchtigt, so daß dieselben oft erst in den späten Abendstunden von den ermüdeten, abgespannten Schülern fertiggestellt werden konnten. Nach alledem dürfte wohl niemand von den Arbeitereltcrn weiterhin gewillt sein, die Kinder an der Veranstaltung mitwirken zu lassen. Geradezu unverantwortlich wäre es gehandelt, wenn die Eltern durch den Kauf von Programmen den Jugendklub finanziell unterstützen wollten, muß dock die übergroße Mehrheit der Bevölkerung ohnehin unwillig' zu- sehen, wie dieser alljährlich aus Gemeindemitteln durch Hunderte von Mark alimentiert wird. Deshalb, Arbeiterellcrn gestaltet Euren Kindern die Mitwirkung nicht und behaltet Euere Groschen für nützlichere Dinge. Vergeßt auch nicht, daß die prole- tarischc Jugendbewegung nicht nur keine Unterstützung ihrer durchaus einwandfreien Bestrebungen erhält, sondern sogar in jeder denkbaren Art und Weise schikaniert wird. Zoffen. Die am Montag stattgefundene Stadtverordnetenwahl der dritten Abteilung bat noch kein endgültiges Resultat gebracht, so daß noch Stichwahl staltfinden muß. An derselben ist auch unser Kandidat, Genosse Saupo beteiligt. In einer von über 390 Personen besuchten Protestversammlung gegen die Militärdiltatur in Elsaß-Lolhringen sprach am Montag abend Genosse E. Uttger-Berlitt. Eine im Sinne des Referats ein- gebrachte Resolution fand einstimmige Annahme. An der Ver- lammlung nahmen auch einige Anhänger des Bürgertums teil. Adlershof. Die Liste zur Eintragung der Arbeitslosen liegt noch bis Sonn- abend, den 18. Dezember, in der Verkaussballe der Konsumgenossen- schast, Bisntarckstr. 81. von 8— 12 und 3—6 Uhr aus. Um die Arbeitslosigkeit am Orte genau feststellen zu können, wird gebeten, diesen Zeitpunkt nicht zu versäumen. Um die mangelhafte Bedienung im Fcrnsprcchdicnst zu beseitigen, soll einem Beschluß der Gemeindevertretung zufolge nicht, wie es im gestrigen Bericht heißt, an die Polizeidireklion, sondern an die Post- direltion eine Beschwerde gerichtet werden. Eine KirchcnaustrittSvcrsammiung, einberufen vom Komitee „Konfessionslos", findet heute Donnerstagabend im Lokal dcS Herrn Lehmgrüber, Bismarckstr. 2, statt. Der' Referent. Genosse Ernst Reuler-Halensee, wird über das Thema„Der Massenstreik gegen die Staatskirche" sprechen. Auch in Adlershof zeigt das kirchliche Leben deutlich, wie überflüssig die Kirche für daS Volk geworden ist. Nach einer vorgenommenen Zählung waren am letzten Sonntag 75 Per- sonen in der Kirche, darunter 31 Frauen und 22 Kinder. AIS diese Kirche vor etwa 12 Jahren gebaut wurde, gab die polnische Ge- meinde dazu von Geldern der Allgemeinheit ein Geschenk von 20 000 M. Friedrichshagen. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurden einig« Etats- Überschreitungen bewilligt. Mit der Abrechnung der Gemetndebade- anstalt hatte sich die Baudeputation in mehreren Sitzungen zu be- ichästigen, da einzelne Arbeiten mit dem Voranschlag nicht überein- stimmten. Nachdem diese Mängel beseitigt sind, Ivurde die Ab- rcchnung auf Vorschlag der Deputation genehmigt. Der Pächter der Seeterrasse hatte an die Gemeindevertretung den Antrag gestellt, den Pachtvertrag erst vom 1. April 1913 in Wirksamkeit treten zu lassen, er sei nicht in der Lage gewesen, den Betrieb schon im Jahre 1912 zu eröffnen, da die Gemeinde mit ihren Arbeiten so weit im Rück- stände war. Der Gemeindevorstand schlug vor, die Pacht für das erste Jahr nicht zu erheben, aber an dem alten Bertrag keine Aende- rungen vorzunehmen. Nach längerer Diskussion, in der u. a. darauf hingewiesen wurde, daß die Vertretung schon in einer trüberen Sitzung die Pacht für das erste Jahr um die Hälfte herabgesetzt hat, wurde der Antrag des Gcmeindevorstandes mit 9 gegen 8 Stimmen angenommen. Zum Bericht des Schulzahnarztes wurde mitgeteilt, daß von 1753 Geineindcschulkindern nur 130 gesunde Zähne hätten. Da gegen den Schulzahnarzt verschiedene Beschwerden vorgebracht wurden, stellte der Vertreter Hoppe den Antrag, bierfür eine besondere Kommission zu wählen. Bürgermeister Dr. Stiller bekämpfte diesen Antrag, da die Schttldeputalion hierfür zuständig sei. Genosse Tornow ersuchte, weil von unserer Seile niemand zur Scbul- depulation zugelassen wird, die Angelegenheit der� Gesundheüs- kommission zu überweisen. Nachdem Herr Hoppe seinen Antrag zurückgezogen hatte, wurde unser Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokralen abgelehnt.— In der geheimen Sitzung wurde RegierungSbaumeister Arnold als Gemeindebautneister mit einem AnsangSgehalt von 5000 M. gewählt. Spanvan. Eine von 2599 Personen besuchte Protestversammluiig gegen das Säbelregiment in Zabern fand Dienstagabend in der Brauerei Pichelsdorf statt. Der strömende Regen hrelt die Spandauer Ar- beiterschast nicht ab, in dichten Scharen aufs Torf zur Versammlung zu wandern, da hier die großen Säle inmitten der Stadt der Partei immer noch verweigert werden. Reichstagsabgeordneter Genosse Liebknecht, der bei seinem Erscheinen lebhaft begrüßt wurde, sprach über das Thema:„Tie milttänsche Willkürherrschaft in Zabern und der Teutsche Reichstag". Nach eingehender Schilde- rung der skandalösen Vorgänge in Zabern hielt Redner scharfe Abrechnung mit den bürgerlichen Parteien, die schon am ersten Tage der Etatsdebatte vollständig versagt haben und den Kampf gegen die Regierung allein unserer Partei überlassen. Da auf den Reichstag kein Verlaß mehr sei, so müsse sich das gesamte Prole- tariat um unsere Partei scharen, um den Kampf für die Ver- fassungsänderung siegreich durchführen zu können. Genosse Lieb- knccht schloß sein mit stürmischem Beifall ausgenommencs Referat mit der Aufforderung: Auf zur Arbeit, zum Kampf gegen die bürgerlichen Parteien, zum Kampf gegen den Militarismus, zum Kampf gegen das persönliche Regiment! Nach Annahme der dekannten Resolution und einem kernigen Schlußwort schloß Genosse Jahnke die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie. Durch einen Sturz von der Bahnhosstreppe ist vorgestern ein Reisender schwer verunglückt. Nachmittags wollte derselbe vom Span- datier Hauptbahnhof auS nach Berlin fahren. Als der Reisende schnell die Treppe zu dem nach den Bahnsteigen führenden Tunnel hinablief. glitt er aus und kam so unglücklich zu Fall, daß er sich nicht mehr erheben konnte. Ter hinzugerufens Bahnarzt stellte eine Verletzung des Rückgrats und anichetnend auch innere Verletzungen fest und veranlaßte die Aufnahme des Verunglückten in dos Span- dauer Krankenhaus. Die Stadtverordneten-Ersaywahl für den 1. Bezirk(Altstadt) der 3. Abteilung, die durch das Ableben des Stadtv. tochob erforder ' kich geworden ist, ist jetzt vom Magistrat auf Montag, den 29..Dezember, vormittags von 19 bis 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 8'A Uhr, im„Altstädtischen Kasino", Rittcrstr. 12, festgelegt worden. Jever Wähler erhält zum Ausweis eine schriftliche Einladung. Wer keine schriftliche Einladung erhält, kann sich auch durch seinen Steucrzcttel ausweisen. Ter Boykott des„Raten Adlers" wird jetzt von den GeWerk- schaften energischer in die Hand genommen, da festgestellt worden ist, daß Sonntags immer noch eine Anzahl organisierter Arbeiter aus Unkenntnis das Stadtlheater besuchen. Tie Arbeiterschaft soll insbesondere darauf hingewiesen werden, daß nicht nur die Veranstaltungen des Untcrpächters Leick'ter, sondern auch die Theatervorstellungen des Generalpächtcrs Passig streng zu meiden sind.— Tie Verhandlungen zwecks Freigabe der Säle für alle Parteien, die zwischen den Saalbesitzcrn und den Militärbehörden schweben, sind noch nickt zum Abschluß gelangt. Bei einer längeren Konferenz, die die>saalbesitzer mit dem Stadtkommandanten kürzlich hatten, verhielt sich letzterer zur Frage der Freigabe der -sälc zu allen Versammlungen, die eine zivingcnde Nottocndigkcit ist, nicht direkt ablehnend. Ein bestimmtes Versprechen ohne Zu- stimmung des Kriegsministers, daß die Saalbesitzcr mit einem Militärboykott nicht zu rechnen haben, wenn sie ihre Säle zu sozialdemokratischen Versammlungen hergeben, konnte jedoch der Stadtkommandant nicht abgeben. Ten endgültigen Bescheid des Kriegsministcr-ums sollen die Saalbesitzcr in diesen Tagen er- halten. Potsdam. Wie die Notlage der Arbeftslosen ausgenutzt wird. Bei der Röhrenlegung vom Schlachthos nach Templin, einer Arbeit, die seitens der Stadt einer auswärtigen Firma übertragen wurde, wurden vor einigen Wochen die Potsdamer verheirateten Arbeiter entlassen und durch billigere auswärtige Arbeitskräfte ersetzt Bei der hier herrschenden Arbeitsnot erregte das natürlitb das Mißfallen der Potsdamer Arbeiterschaft und eine hier kürzliche abgehaltene Arbeitsloienversammlung beauftragte die Leitung der Versammlung, an die Stadtverordneten und den Magistrat die Bitte zu richten, bei der Vergebung von Arbeiten darauf zu achten, daß die tariflicben Löhne gezahlt werden und daß in den Zeilen der Arbeitsnot möglichst Potsdamer Arbeiter be- schäfligt werden. Die Arbeiterschaft rechnete umsomehr auf Entgegenkommen, als gerade die Potsdamer Stadtverordneten Pein- lich darauf achten, daß kein Stück Arbeit aus Potsdam heraus- kommt, damit die hiesigen Gewerbetreibenden nicht zu kurz kommen, und damit das Geld in Potsdam bleibt. Da die Arbeiter genau wie die Gewerbetreibenden zu den Gemeindelasten herangezogen werden, glauben sie natürlich auch den gleichen Anspruck wie jene erheben zu können. Der Magistrat bat jetzt auch für Abhilfe bei der Röhrenlegung gesorgt. Er hat nämliäi dem betreffenden Unternehmer einen Teil der Arbeitslosen, die sich um Nolstandsarbeiten beworben haben, zugesandt, welche jetzt neben den auswärtigen Ar- beitern, die 49 Pf. Stundenlohn erhalten und zum Teil auch in Akkord arbeiten, 2, 59 M a r k Lohn bekommen. Dies ist nämlich der für Natstandsarbeiter festgesetzte Hungerlobn in der Residenzstadt Potsdam. Diese? Verhalten des Magistrats muß den schärfsten Protest herausfordern. Es handelt sich nämlich bei der Röhrenlegung nicht um eine Noistandsarbeit, sondern um eine Arbeit, die schon früher, als von Notstandsarbeiten noch gar nicht geredet wurde, vergeben war. Während die ans- wältigen Arbeiter früher von den entlassenen Potsdamer Arbeitern als Lohndrücker bezeichnet wurden, bekommen jetzt die Potsdamer Notstandsarbeiter von jenen diese und noch andere Worte zu hören. Ob man sich wirklich nicht schämt, den Potsdamer Steuerzahlern so etwas zu bieten. Kann es einen größeren Hohn für die armen Arbeitslosen geben, als daß sie dieselbe Atbeit, die den auswärtigen Arbeitern mir 49 Pf. pro Stunde entschädigt wird, für 27 Pf. leisten müssen. Eine Protestvcrsammlung gegen die Säbeldiktatur fand am Dienstagabend im.Friedrichsgarten" statt. Der große, geräumige Saal Ivar überfüllt. Den beifällig aufgenommenen Aussührnngeir des Genossen Peirote« folgte die Annahme einer Resolution, die sich gegen die Säbeldiktatur richtet. Titzungstage von Stadt- und Gemeindevertretungen. Glienicke(Nordbahn). Heute Donnerstag, abends 7 Uhr, im Gemeinde- bnrcau, Hanptlw. 18.., v. Kautsdorf. Heute Donnerstag, abends i Uhr, im-Sitzungssaal des Verwaltungsgkbäudcs. Adolsstr. 25. �. ,,, Weideusee. Freilag, den 12. Dezember, nachmittags a Uhu im Rathanse, Albertinenstr. 6. Tagesordnung unter anderem: Magnahmen zur Steuerung der Arbeitslosigkeit. Tiefe Sitzungen find»sfenilich. Jeder Semcindeangehsrige t« bt- rechtigl, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Veranstaltungen. Verein für Kraue» ü»d Mädchen der Rrlicitertlafsc. Monkag, den 15 Dezember, abends 8'/, Ubr, w Kcllerö Neuen Philbarmoiiie, Köpc. niiker Str SS/97: II. Licktbitdervortrag: JnrprclsionismuS und Er,prcIsioniS. mus. Rescrent: Herr Kutistichriftsteller Robert Breuer. Gäste, Männer und Frauen, willkommen._ Jugeudveranftaltunge». Eharlotkenbürg. Für die arbeitende Jugend sind in den nächsten Tagen solgendc Veranstaltungen getrosten:... Donnerstag, den 11. Dezember, abends'/.S Uhr, im Jugenobeim, Rostnen'tr. 3: Vortrag des Herrn S- Katzenstein über: Proletarische Dichtung. Anschliegend Rezitationen... � Freitag, den 12. Dezember: Mädchenabend. Vortrag: Was bietet das Jugendheim den jugendlichen Arbeiterinnen f Sonntag, den 14. Dezember: Ausslug nach Caputh und �erch. �rest. Punkt'/,8 Uhr früh Babnbos Charloitendurg. ,,-ihrgeId SO Pf. Abends im Jugendheim: Uvtcrhaltiliigsobend. Dienstag, den tk. Dezember: DiSkusstonSabeiid. Die Arbeitereltcrn werden ersucht, ihre Kinder auf miscr Jugendheim aufmerksam zu machen._ Marttvretle von Berlin am v. Dezember 1913. nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. MaiS(rnireb), gute Sorte 16,80—17,00. mittel 00 00— 00,00, geringe 00,00—00.00. Mais r runder), gute Sorte 14,70— 15,10. Ri'chütroh 5,00. Heu 6,20—7,20. M a r t l b a l l e n pr e is». 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50.00. Svcisebobiien. wettzs 85,00—60,00. Linien 30,00—80.00. Kartosteln(JUcttibiU 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60—2.40. Rindfleiich. Bauchsteilch 1,30— 1.80. Schweinefleisch 1,40—2.00. Kalbtl-isch 1.40-2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40-3.00. 50 Stück Eier 4,60—7,20. 1 Kilogramm Karvten 1,00—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3.20. Heckte 1.20—2.40. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60—3.20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebi« 2,00—24.00. ßnefkaften der Redaktion. <5. H. 100. ES ist ratsam, noch de» Tausschein zu besorgen. _ 4j.(si i. Uns ui(fit besannt. 2. In der Leitung dominiert der Freist»». — Ä. L. 20. Eharilö.— 91. E. 05. Wissen wir nicht, da wir mit dem Arrangement nichts zu tun baben.— R. C-. 00. Wir löunen Ihnen m dieser traurigen Angelegenheit leider keinen Rat geben. Sprechen rne doch einmal mit einem Arzt.— W. Et. 23. Jnseltenpulvcr wird aus den Blüten verschicdeiicr Blumen gewonnen und hat mit P ersten nichts»u»un: wird von vielen Fabrilanlen bergestelll. Welches davon daS beste t|V ist uns nicht betannt.— F. H. 02. Warten Sie das Ergebnis ker�ftna»" Untersuchung ab.— E K. 300. Fragen Sie bei den betr. Gcseüichaitcn an— F. 9)1. 50. Wir verweisen aus den Artikel in der Nummer vom Sonntag, den 7. Dezember, unter der Ueberschrist:„Das nennt man vedeut» same Erruitgenschaslen". In diesem Artikel ist auch die von ohneu gestellte Frage behandelt. zSetterproqnose für Donnerstag, de» II» Dezember 101Z. Etwas lühlcr, zeitweise ausklarciid. vorherrschend wolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich starten westlichen Winden. Berlin er Wetterbureau. Inseratenteil vcrantw.: TH.Gldcke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 326. 30. Iahrgmy. 3, KkiiU i>es Jiitnärlü" jicrliiifr WlKsblM. Noullerstag, lt. Aeimber l9l3. vie LtaMbatte im Keichstsg. 18S. Sitzung. Mittwoch, den 10. Dezember 191Z, mittags 12 Uhr. Am BundeSratZtisch: Kühn, Dr. Delbrück, v. Falken- Hayn. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Bericht der Wahlprüfungskommission über die Frage, ob die in die Wählerliste eingelragene» Wähler bei einer Nachwahl zur Ausübung des Wahlrechts auch dann b e- r e ch t i g t sind, wenn sie inzwischen ihren Wohnsitz verlegt haben. Die K o m m i s s l o n hat die Frage bejaht. Abg. Dr. Arendt(Rp.) Ich halte den Entscheid der Kommission für sehr bedenk- lich. Das Wahlgesetz bestimmt ausdrücklich, dag derjenige wähl- berechtigt ist, der z u r Z e i t d e r W a h l seinen Wohnsitz in dem beireffenden Wahlkreise hat. Das legt man jetzt so aus: zur Zeit der Aufstellung der Wählerliste. Das heistt nicht auslegen, das heißt unterlegen. Man beruft sich auf die Praxis bei Stichwahlen. Aber Stichwahl und Hauptwahl bilden eine einheitliche Wahl. Für die Nachwahl kann das auf keinen Fall zutreffen. Hat doch die Kommission auch anerkannt, daß, wer zwischen Wahl und Nachwahl in Konkurs gerät, selbstverständlich nicht wahlberechtigt mehr ist. Ein ebenso bindendes Erfordernis des Gesetzes ist aber der Wohnsitz im Wahlkreis. Das mag man als hart und falsch empfinden. aber es steht iin Gesetz. � Die Frage ist von so großer Tragweite, daß lvir sie hier nicht lösen können. Ich beantrage, diesen Bericht der Kommission an eine eigene Koni Mission von 14 Mit- gliedern zu überweisen. sBravo! rechts.) Abg. Dr. v. Veit(k.): legt dar, daß die Minderheit der Wahlprüfungskommission denselben Standpunkt wie der Abg. Arendt eingenommen habe und stimmt dein Antrag Arendt zu. Ministerialdirektor Lewald: Schon in der Wahlprüfungskommission hat der Regierung?- lomniiffar erklärt, auch von der Regierung werde der ß 7 deS Wahlgesetzes dahin ausgelegt, daß bei Nachwahlen nur Wahl- berechtigt ist, wer iin betreffenden Wahlkreis seinen W o h n s i tz h a t. Ich bin beauftragt, auszusprechen, daß das auch jetzt noch die Meinung des Reichskanzlers ist. Abg. Dr. Paasche(natl.): Ein Beschluß des Reichstages, wie er das Wahlgesetz auslegt, hat gar keine Bedeutung; der nächste Reichstag kann ohne weiteres das Gegenteil beschließen. Wir haben ja auch eben gehört, daß der Reichskanzler an seiner entgegengesetzten Auffassung festhält. WaS wir auch beschließen, so bleibt doch die Bestimmung des Wahlgesetzes bestehen, daß nur wahlberechtigt ist, wer in die Wählerliste eingetragen ist und seinen Wohnsitz in dem betreffenden Wahlkreis hat. Damit schließt die Diskussion. Berichterstatter Abg. Pfleger(Z.) verteidigt den Beschluß der Kommission, bleibt aber auf der Tribüne unverständlich. Der Anirag Arendt wird abgelehnt, der Antrag der Kommission a n g e n o m m e n. Die internationale Uebereinkunft betr. Maßregel» gegen Pest, Eholcra und Gelbfieber wird in erster und zweiter Beratung debatte- los a n g e n o m m e n. Es folgt die erste Beratung des von den Abgg. Baffer- mann lnatl.), Eberl(Soz.), Erzberger sZ.). G o t h e i n(Vp.) eingebrachten NochtragsetatS, der öl» 000 M. für die Beteiligung Deutschlands an der Weltausstellung in San Francisco fordert. Abg. Dr. Arendt tRp.) äußert Bedenken gegen die Beschickung der Weltausstellung; denn die Weltausstellungen seien in den letzten Jahren immer mehr zu Jahrmärkten und Rummelplätzen geworden. Die Zukunft gehöre den Fachausstellungen, nicht den Weltausstellungen. Auf Antrag Baffcrmann lnatl.) geht der Gesetzentwurf an die Ludgetto m Mission. Es folgt die Fortsetzung der Leratunz cles etate. (Ter Reichskanzler erscheint.) Abg. Graf v. Westarp sk.) bespricht zunächst die Reichsfinanzen, die durch die Reichsfinanz. reform von lOOi) höchst erfreulich gebessert worden seien, was sich auch noch in dem Etat für 1914 zeigt, so z. B. in der Schulden- tilgung. Das Anwachsen der festen Schuld verlangsamt sich, die schwebende wird geringer. Nul den gesunden Finanzen ver- danken wir. daß wir die Marokko- und Balkankrise so gut überstanden haben und den Bedarf für die Heeresvorlage von 191 l, 1912 und 1913 decken können.(Sehr richtig! rechts.) Auf eigene Füße ist das Reich nicht erst durch die Besitzsteucrn gestellt worden, �denn das Reich halte ja schon vorher 660 000 000 M. reichs- eigene Steuern. Wir haben uns derZuwachssteuereinigung zwischen den anderen bürgerliche» Parteien und der Sozialdemo- tratie nicht angeschlossen, weil da? ein Anfang auf dem Wege der Neberspannung des B e s i tz st c n e r p r i n z i p s und der Einschränkung der Selbständigkeit der Einzelftaaten ist.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Die sächsische Regierung hatte recht, sich da- gegen auszusprechen. iBravo! rechts.) WaS der W e h r b e i t r a g bringt, ist fraglich. Die Kurse stehen niedrig, die Berechnung kann unterschritten werden, eS ist zweifelhaft, ob nicht 200 Millionen des Bedarfs ungedeckt bleiben. Der Wchrbeiirag darf nur ein einmaliger, für diese einmaligen Kosten be- stimmter sein,'er darf für nichts anderes verwendet und nicht zur dauernden Einrichtung gemacht werden (lebhafte Zustimmung rechts), denn er schneidet viel zu sehr ein und beschränkt die Selbständigkeit der Bundesstaaten viel zu sehr. Die Warnung HertlingS vor neuen Rüstungsausgaben würde unseren Wünschen gewiß entsprechen, aber keineSsalls dürfen i�eue Nü st un gen wieder durch einen Wehrbeitrag gedeckt werden,(Bravo! recktS— Aha' links.) Wir freuen uns der Erhaltung deS Friedens, obgleich wir nicht den Frieden um jeden Preis, sondern nur den Frieden wollen, der mit den Interessen und der Ehre deS Vaterlandes vereinbar ist. Das war hier der Fall. Mit Beiriediguug erfüllt uns die Freundschaft mit Rußland. Eine stnailzielle Beteiligung des Reiches gegen den Willen der Regieruuß und eines großen Teiles der Industrie an öer Weitaus st cllu li g t n S a n Franziska wünschen wir mchl, anderenfalls aber wurden auch wir dafür eintreten. Mit der letzten Wehrvorlage haben wir nicht über das Ziel geschossen, das bat die Weltlage bewiesen.(Bravo! rechts.) Uebcr Zaber» sollten wir beim Etat nicht sprechen, und die Rede des Abg. Scheide- mann allein hätte uns davon auch nicht abgebracht.(Sehr gut! recht?.) Abg. S ch e i d e m a n n sagte, daß das ganze Volk hinter dem Reichstagsvotum vom 4. Dezember gestanden hätte; o»eiu, sehr große und wertvolle Teile des Volkes stehen hinter unserer Auffassung, und darin bestätigt uns, was wir in der öffentlichen Meinung hören und lesen. Ich schätze die Abgg. F e h r e n- b a cd und van E a l k e r sehr hoch und bedaure, daß sie ein solches Lob aus dem Munde des Abg. S ch e i d e m a n n erhalten baben.(Heilerkeit rechts.) Der 4. Dezember konnte allerdings' dazu Anlaß geben, denn bei den Reden dieser Herren erscholl hier H ä n d e l l a t s ch e n, es erschollen Hochrufe, kurzum Beifall- bezeugungeii. die bisher im Reichstage nicht üblich waren.(Sehr wahr! rechts.) Ich habe aber doch Zweifel, ob das hocklodernde Feuer der Begeisterung, mit der man im Reichstage dem Drachen Militärdiktatur zu Leibe gegangen ist und ihn tot- geschlagen hat, in derselben Kraft heute und gestern noch lodert. (Heiterkeit rechts. Unruhe links.) Wenn der Abg. Spahn sagte, daß sich das Militär Ungesetzlichkeiten habe zuschulden kommen lassen, so übersieht er, daß vor und nach der Jnstrutlions- stund- voni 28. November eine fortdauernde Kette immer wieder- kehrender Beläsiigungen und Beschimpfungen der Offiziere, von An- griffen auf das Militär, von bubcnhaften Schmühlichkeite« auf der Straße vorgekommen ist.(Abg. Stadthagen: Nach den mili- tärischen Berichten I) Nein, nach dem, was allgemein bekannt und von keiner Seile ernsthast bestritten ist, nicht einnial von dem Kreis- direktor in Zobern selbst. Wir betonen mit aller Entschiedenheit, daß daS Militär nicht nur die Berechtigung, sondern die ernste Verpflichtung hat, gegen solche Belästigungen ein- zuschreilen und Beleidigungen der Uniform nicht zu dulden. ( Bravo! rcckts, große Unruhe links.) Ich berufe mich auf Jhering, der ausdrücklich die Selbsthilfepflicht des Offiziers anerkennt, da die bewaffnete Macht gefürchtet sein muß und jeder sich sagen muß, daß es ebenso gefährlich ist, der Uniform zu nahe zu treten, als den Rädern einer Maschine zu nahe zu kommen.(Beifall rechts, stürmischer Widerspruch links.) Wir wissen dem Kricgsminister Tank, daß er diesem Recht und dieser Pflicht des Militärs, sich gegen Beleidigungen und Beschimpiungen zu schützen, Ausdruck gegeben bat(Stürmisches Oho! und Pfuirufe links), und wenn Sie mick mit Pfui beichimpfen, so ist mir das ganz gleichgültig.(Bizepräfident Paasche erklärt, daß er die Pfuirufer zur Ordnung rufen würde, wenn er sie kennte. Abgeordneter Dr. Liebkneckt(soz.): Niederstechen!) Wir erwarten, daß die maßgebenden Stelle» sich auch weiterhin den Forderungen einer hetzerische» Prcffe und den Versuche», das Heer zu demokratisieren, nicht fügen werden, Versuche, zu denen nach der Rede des Abgeordneten Scheidemann auch die Vorgänge vom 4. Dezember gehören, die nichts weiter sind, als ein Glied in der Kette des Bestrebens nach Demokratisierung deS Heeres, nach Beugung des Heere? unter die Macht der Straße und der Presse(Gelächter links), das Sie mit dem Resolutionssturm des vorigen Frühjahrs angefangen baben, und womit Sie ja bei der ElatSberalung fortfahren wollen. Wir wollen und können nicht glauben, daß die maßgebenden Stellen in dieser Beziehung einen Rückzug antreten, das wäre eine überaus traurige und ernste Erfahrung. Gegenüber der Ver- legung der Garnison von Zaber» nach den Truppenllbungs- Plätzen legen wir uns aber vollste Zurückhaltung auf, indem wir nicht vergessen, daß dies eine Maßnahme de? Ober- b e f e h l S ist.(Heiterkeit links.) Kritisieren müssen wir mit großer Entschiedenheit das Verhalten der Zivilvcrwaltung in Elsaß-Lothringen, namentlich seit dem 4. Dezember. Der Unter- staatSsekretär Zorn v. Bulach hat früher der konservativen Fraktion angehört. Nach den neuesten Ereignissen find wir aller- dings zu der Meinung gekommen, daß die lange zeitliche und ört- liche Entfernung ihn auch von unseren Grundsätzen entfernt hat. (Stürmische Heiterkeit links.) Er hat dem»Lokal-Anzeiger" tele- graphiert:.Habe jetzt keine Veranlassung mehr, Abschiedsgesuch einzureichen." ES war auch durchaus nicht am Platze, daß er sich in dieser Siluotion durch einen Berickilerstatter der„Verl. Morgenpost" hat interviewen lassen— daß es nicht gerade ein Bericht- erstatter des.Vorwärts" gewesen ist, wollen wir ja an- erkennen.(Heiterkeit.) In einer Erklärung der amtlichen.Straßburger Korrespondenz" werden auch Maßnahmen für die Zukunft angekündigt, die von der Zentralstelle aus nicht angekündigt worden sind, so z. B. wird von einer angeblichen Zusage des Kaisers gesprochc», wonach die verfassungsmäßigen Zustände strenger beachtet werde» sollen. Hierin liegt eine von den Zentralstellen nicht aus- gesprochene Kritik der Militärverwaltung(Ironische Zurufe bei den Sozialdemokraten:„Unerhört!) und es bleibt hier eine Differenz zwischen dieser Kundgebung und der der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Auch das.nickt mehr" in der Depesche des StaalS- fekretärS bedeutet eine solche Kritik und kann der Weisung, wieder ein guteö Verhältnis zwischen Zivilverwaltung und Militärbehörde herzustellen, nicht dienlich sein. Der Kreisdirektor von Z a b e r n hat erklärt, daß er zwar 15 Gendarmen zusammengezogen hat, diese jedoch nicht für notwendig gehalten hätte. Er hat aber selbst eine Kundmachung erlassen, worin von Flegeleien gegen das Militär gesprochen ivird. Ja, zum Himmeldonnerwctier (minutenlanges stürmisches Gelächter), was soll denn noch notwendig sein, um ein polizeiliche? Einschreiten hervorzurufen. Wenn ich L a n d r a t wäre, hätte ich ein frühere? Einschreiten für notwendig gehalten, lvenn das Militär beleidigt und beschimpft würde.(Lachen links.) Der Reichskanzler hat erklärt, daß die Zaberner Vorfälle für ihn kein Anlaß feien, seine Meinung über die Zweckmäßigkeit der Verfassung und der eingeschlagenen Politik in Elsaß-Lothringen zu ändern. Nun, für unS find diese Vorfälle auch kein Anlaß, unsere Auffassung in dieser Beziehung zu revidieren.(Sehr gut! recht?. Lachen links.) Es besteht denn dock die Beftirchtling, daß der don uns ein- geschlagene Weg nicht zu dein Ziele führen wird, die Elsaß-Loih- ringer so an das deutsche Vaterland anzugliedern, lvie es in ihrem Interesse und für die Sicherheit des Bestandes de? Deutschen Reiches ersorderlich ist. Was den Beschluß vom 4. Dezember anlangt, so hat er zwei Auslegungen gefuildcn, die sich fckroff gegenüberstehen. Nach der Sozialdemokratie soll er die Aufforderung an den Reichs- kanzler bedeuten, sein Amt niederzulegen. Wir wissen noch nicht, ob die Herren F o r t s ch r i t t l e r sich aus denselben Slandvunkt stellen werden. In der sreisinmgen Presse ist er verschiedentlich zum Ausdruck gekommen. Zentrum und Ratio nalliberale dagegen hoben erklärt, sie ,-ien nur in dem ganz speziellen Fall mit der Erklärung der Regierung nicht einverstanden. Herr Scheide- mann hat in persönlich ftwdi'eliger Weise davon gesprochen, daß es für den Reichskanzler ein unwürdiger Zustand sei, nach diesem Miß- traucnsvotum hier noch aufzutreten.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokratcn.— Sehr unrichtig! rechts.) Auch in der freifinnigen Presse ist zum Ausdruck gebracht worden, daß das MißlraucnSvoium zur D e m i i s i o n führen müsse, und im Auslände. Ivo mau unseren verfassungsrechtliche» Verhältnissen ferner steht, hm diese Anschauung auch in weiten Kreisen Boden gefunden. Wir haben bei den Be- sprechungen über daS Jnterpellationsrecht seinerzeit von vornherein darauf hingewiesen: so wird die Sache kommen. Wenn da? Miß« traue nSvotum erst eingeführt wird, kann es gar nicht aus- bleiben, daß es aufgefaßt wird als eine Aufforderung an den Kanzler, zu demissionieren.(Hört! hört!) Die Behauptung des Herrn Bassermann, die Fassung der Geschäftsordnung sei da- mal? zwischen der Kommission und der Reichsregierung vereinbart lvorden, trifft auch nach meiner Meinung nicht zu, da muß ich Herrn Scheide mann recht geben. Die Regierung hat sich damals auf den Standpunkt gestellt, das sei eine i n t e rn e A n g e l e g e n h e i t des Reichstags. Aber ich möchte doch zu erwägen geben: nachdem nun so genau eingetroffen ist, was wir vorausgesagt haben, lvärc es dann nicht doch seitens der Regierung richtiger gewesen, wenn sie schon damals gegenüber diesen Beschlüssen des Reichstages scharfen Protest erhoben hätte.(Abg. Ledebour: Interne Angelegenheit des Reichstages!) Und den bürgerlichen Parteien muß ich vorhalten, wäre es nicht richtiger gewesen, wenn sie damals unseren Warnungen gefolgt wären.(Große Heiterkeit bei den Soz.) Der Beschluß vom 4. Dezember bedeutet ein Urteil über die Zaberner Angelegenheit, das gefällt wurde auf Grund von Preß- berichten und privaten Mitteilungen.(Abg. G r o e b e r: Und ans Grund der Erklärungen des Reichskanzlers!) Gewiß, aber ein Urteil, das gefällt wurde über Angelegenheiten, über die gleich- zeitig gerichtliche und Verwallungsversahren schweben. �(Sehr richtig! rechts.) Wie vereinbart sich das mit Ihrer Anschauung von der Unabhängigkeit der Gerichte?(Sehr gut I rechts.) Haben Sie denn überhaupt noch ein Bewußtsein davon, daß man in ein schwebendes Verfahren nicht eingreifen darf?(Gelächter links.) Ich habe mich an den Kopf gefaßt und habe nicht verstanden, wie der Reichstag so verfahren kann.(Große Heiterkeil links.) Man hat gesagt, der Beschluß und sein Schicksal sei der Würde des Reichstages nicht an- gemessen. Meine Herren, heute ist Mittwoch,(Große Heiterkeit) vor acht Tagen spielten sich in diesem Saale Szenen ab, von denen ich allerdings lebhast bezweifle, ob sie dem Ansehen des Parlatne'nts zuträglich waren.(Lebhafte Zustimmung rechts, Gelächter links.) Eine solche Fülle von Lärm und Erregung habe ich in diesem Hause noch nicht erlebt. Diese Dinge sind dem Ansehen de? Reichstags in weitesten Kreisen des Landes und des Auslandes überaus abträglich gewesen. (Lebhafter Widerspruch links.) Und was wird staatsrechtlich aus dem Beschluß des Reichstags werden? Kann der Bundesrat dazu Stellung nehmen, wie das sonst RcickStagSbeschlüssen gegen- über geschieht? Nein, der Beschluß ist ein Nichts, er wandert dahin, wohin er gehört, in den stenographischen Bericht.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Zu den wichtigsten Aufgaben der innerenPolitik gehört die Stellung der Regierung zn der Sozialdemokratie, diesem Staat im Staate. Auf dem Jenaer Parteitag der Sozialdemokratie ist der Massenstreik keineswegs abgelehnt worden, nur jetzt sei der Zeitpunkt noch nicht für ihn da, wurde gesagt. Aber es wäre nicht das erst« Mal in der Geschichte, daß die Massen nicht auf einen Zeitpunkt warteten, den die Führer bestimmten. Gegen den sozialdemokratischen Zwang und Terror, der den Arbeitern zuruft:.Erst rot, dann_Brol", muß der Staat Stellung nehmen. Wenn die Abgeordneten Spahn und Bassermann gestern erllärten, da? Koalilionsrecht solle nicht angetastet werden, so haben sie offene Türen eingerannt; das Koaliiions- recht soll vielmehr gegen den sozialdemokratischen Terror geschützt werden; das liegt vor allem auch im Interesse des Mittelstandes. In unserem Antrag zum Schutze der Arbeitswilligen haben wir auch eine Formulierung auf- genommen, die vom Jndustricrate des Hansabundes stammt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Erklärt man die Berufsvereine für rechtsfähig, so würden sie für widerrechtliche Handlungen der Mitglieder hasten. Aber das nützt nichts, so lange das Strcikpostcnstehcn für gesetzlich erlaubt erklärt wird. Unser Antrag au� verstärkten Arbeitswilligen schütz ist ja zweimal mi� großer Mehrheit abgelehnt worden. Aber bis lies in die Reihen der L i b e r a l e n ist die Ileberzeugung gedrungen, daß der gegen- wärtige Zustand unhaltbar ist, daß vor allem daS Strcikposten- stchrn verboten werden muß. Die Nationalliberalen haben sogar eine besondere Kommisfion zum Studium der Frage eingesetzt. Wir wollen deren Ergebnis nicht abwarten, wir haben auch unseren Antrag nicht wieder eingebracht, denn nach unserer Meinung gebührt die Initiative beim Vorgehen gegen die sozialdemokratische Zwangs- und Gewaltherrschast der Regierung.(Sehr richtig! rechts.) Unserer Unterstützung wird sie dabei sicher sein. (Bravo! rechts.) Reichsschatzsekrctär Kühn verwahrt sich dagegen, daß die Einnahmen aus den Zöllen un- v o r s i ch t i g aufgestellt seien. Die RcichSvermögenszuwachssteuer hänge eng mit dein Wehrbeitag zusammen, der keineswegs lediglich die einmaligen Ausgabe» decken solle, sondern mit der ersten Rate der VermögenSzuwachSstcuer zusammenfalle. Abg. Wicmcr(Vp.): In der Beurteilung des Beschlusses vom 4. Dezember weichen wir vom Zentrum und den Nationalliberalen ab, können aber auch die Schlußfolgerungen deS Herrn S ch e i d e»t a n n nicht ziehen, für die die verfassungs- mäßigen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Abgeord« nctcr Scheide mann erklärt das Zusammenarbeiten mit dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg für u n m ö g l i ch. Aber der Reichskanzler wird seine Demission nicht einreichen. Dann müßte die Sozialdemokratie die Konsequenz ziehen und hier nicht weiter mitarbeiten, was freilich noch törichter wäre, als d e r Streik in der R ü st u ngskommission. Den Etat hat die Sozial- demokratie ja auch sonst schon abgelehnt, das ist also lein b e- sonderer Strofakr. Auch bei der Interpellation über die Polenpolitik erklärte sich eine Mehrheit gegen den Reichskanzler. Dainals hat die Sozialdemokratie die Demission nicht verlangt, sondern sogar die Mittel für die Wehrvorlage bewilligt.(Hört! hört! rechts.) Und dabei ist eine Aenderung der Polenpolitik nicht eingetreten, während nach dem 4. Dezember eine Aenderung der Haltung der Regierirng eingetreten ist. Der Beschluß vom 4. Dezember war nicht etwa die Ausivallung eines Augenblicks, obne politische Bedeutung. Der Reichskanzler i r r t s i ck in seiner Wertung der Aenderung der Ge« Ichästsordnung. Gras Westarp hat mit einer gewissen Schaden- fteude betont, die Konservativen hätten gewußt, es würde so kommen. Ich mache kein Hehl daran?: wir haben gewollt. daß eS s o kommt.(Sehr richtig! links.) Wir wollten, daß der Reichstag ein Urteil über die Politik der Regierung ausspricht. Ein solches Mißtrauensvotum kann auch in einem nichtparlamriltarischon Staats- Wesen seine Wirkung nicht verfehlen.(Sehr richtig! links.f Wir haben eine Verstärkung der Rechte des Parlaments gewollt, und werden uns freuen, lvenn sie erreicht wird. Wir halten das parlamentarische Regime jedenfalls für besser, wie den gegenwärtigen Scheinkonstitutio» n a I i s m u S.(Sehr richtig! links.) GeWitz ist der Kanzler nicht verpflichtet, zurückzutreten, wenn ihm die Mehrheit da-Z Vertrauen versagt, ob er richtig und klug handelt,� wenn er diese Folgerung n i ch l zieht, ist freilich eine »»dere Frage. Fürst B ü l o>v hat sie gezogen und ist gegangen, als die Erbschaftssteuervorlage abgelehnt wurde. DaS parlamentarische Regime setzt aber voraus, datz die Parteien, die das Mißtrauen bekunden, bereit sind, die Regierungsgeschäste und die Verantwortung mit den anderen Mehrheitsparteien zusammen zü übernehmen, und ich weiß nicht, ob die Sozial- demokratie dazu bereit ist. Herr Frank nickt, aber ich bin sicher, K a u t s k y und Rosa Luxemburg iverden die Ver- pflichtung nicht anerkennen.(Zustimmung bei der Volkspartei.) Es lommt aber hinzu, datz iick die Lage seit dein 4. Dezember etwas geändert hat. Gewiß sind wir nicht voll befriedigt, denn was wir wissen, haben wir der Presse entnommen, der Reichs- kanzler hat es nicht für nötig gehalten, dem Hause mitzuteilen, was geschehen i st.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Das Regiment wird von Z a b e r n verlegt. Plan sagt, das ist eine Strafe für die Soldaten und die Bürger. Vor allem wird dadurch der Verschmelzungs- Prozeß zwischen den Altdeutschen und den Elsässer» ge- stört, es wird das freundschaftliche Verhalten zwischen den Soldaten und der Bevölkerung beeinträchtigt. Daß die militärische Autorität unter solchem freundschaftlichen Ver- halten nicht leidet, beweist die Achtung, die der Vorgänger des Herrn v. Deimling, Graf Häseler, genossen hat.(Sehr wahr I) Ich hoffe, daß die Verlegung des Regiments von Zabern nur eine vor- übergehende ist, und ich hoffe auch, daß eine milde Be- Handlung der unerfahrenen Rekruten eintreten wird. Dem Grafen W est arp ist die Zivilbehörde nicht scharf und schneidig genug vorgegangen. Er sagt: Wenn ich dagewesen wäre, Himmel- donnerwetter noch mal! Aber mit diesem Himmeldonnerwetter hätten Sie den Elsässern verteufelt wenig imponiert. (Sehr gut! links.) Der Reichskanzler hat ganz recht, wenn er betont, daß die Auffassungen und Empfindungen, das Freiheitsgefühl der Bevölkerung von Elsaß- Lothringen denn doch ein ganz anderes ist als in O st e l b i e n, wo die Landräte nach� dem Herzen des Herrn v. Westarp das Regiment führen. Graf Westarps Verspottung des Votums vom 4. Dezember trifft den Kern der Sache nicht. Der Reichstag hat alle Veranlassung, auf dieses Votum st o I z zu sein. Wir haben mit ihm bekundet, daß wir eine Verletzung von Gesetz und Verfassung nicht dulde» wollen und Sühne für die Borfälle in Elsaß- Lothringen verlaugen. Die 54 um den Grafen Westarp brauchen nicht stolz darauf zu sein, daß sie sich abseits gehalten, als es galt, Gesetzesverletzungen zu verurteilen.(Zustimmung links.) Graf Westarp sang ein Loblied auf die Militärs, die ohne Rück- ficht auf das Gesetz vorgegangen find, und selbstverständlich auch auf den Kriegsmini st er, der, Fleisch von ihrem Fleisch, diese Dinge hier verteidigt hat. Selbstverständlich muß das Militär seine Ehre wahren, obwohl wir einen Unterschied zwischen militärischer und bürgerlicher Ehre nicht anerkennen.(Sehr richtig! links.) Die Wahrung der Ehre hat aber selbstverständlich zu geschehen nur auf dem Boden der Gesetze.(Lebhafte Zustimmung links.) Graf W e st a r p hat sich auf Jhering berufen. Nun, ein moderner Staatsrechtslehrer, Prof. A n s ch ü tz, hat das Vorgehen des Militärs Kundgebungen rechtsverachtend« Willkür genannt.(Hört! hört! links.) Dieser Auffassung schließen wir uns an und wir protestieren gegen die Art, wie der Redner der Kon- servativen die vorgekommenen Gesetzesverletzungen verteidigt hat.(Lebhaftes Bravo I links.) Den Schutz der Würde und des Ansehens des deutschen Reichstages können wir den Konservativen wirklich nicht überlassen, die aus'ihrer Abneigung gegen den Reichstag des allgemeinen Wahlrechts nie ein Hehl gemacht, ja dem Reichskanzler vorgeworfen haben, daß er»diese Bude'(Hört! hört! links) nicht längst ausgeräumt hat. Erstaunt war ich, daß Graf Westarp über Braunschweig gar nichlS gesagt hat, nachdem in der konservativen Presse ange- � kündigt war, es werde darüber ein Sturm im Reichstag losgehen, gegen den die Novemberstürme von 1908 nur ein leises Säuseln gewesen seien.(Hört! hört! links.) Für uns ist wichtiger die Aufgabe, den Trotz der mecklenburgische» Ritterschaft zu brechen, der der Großherzog selbst das Zeugnis ausgestellt hat, daß sie sich nicht habe entschließen können, ihre Sonderinlerefien den, Gesamt- wohl unterzuordnen(Hört I hört I links). Nachdem jetzt die Verfassung in Mecklenbrrg endgültig gcscheikcrl ist, muß das Reich eingreifen. Der Bundesrat mag die Handhabe bieten, daß auf dem Wege der Reichsgesetzgebung eine VerfassungS- reform in Mecklenburg durchgeführt wird.(Bravo I links.) Den Ausführungen des Reichsschatzsekrelärs über den Elat stimmen wir im allgemeinen zu und begrüßen insbesondere die angekündigten Beamtenbcsoldungserhvhungen und die gesetzliche Regelung der Ver« hältniffe der Altpensionäre.— Unsere Haltung zur letzten Wehr- Vorlage hat der sozialdemokratische Redner mit Unrecht kritisiert. Wir haben sie nicht dem Kriegsminister bewilligt, sondern in der Erkenntnis ihrer Notwendigkeit. Jetzt wird es darauf an- kommen, die Reformen im Militärwesen durchzuführen. Freilich unter dem Regime dieses Kriegsministers werden moderne Reformen im Militärwesen schwer durchzuführen sein, er scheint um ein Jahrhundert zu spät auf die Welt gekommen zu sein.(Sehr gut I links.) Wir begrüßen das Warnungssignal, das Freiherr v. H e r t l i n g als Ministerpräsident gegen eine weitere Vermehrung der Rüstungen in den nächsten Jahren aufgestellt hat. Wir stehen auch dem Vorschlag des englischen Ministers As q u i t h auf Be- schränkung der Rüstungen sympathisch gegenüber. Freilich müssen genügend Garantien geschaffen werden. Aber es wäre ein schwerer politischer Fehler, wenn die deutsche Reichsregierung gegen- über solchen Vorschlägen anderer Staaten sich von vorhcrein ab- lehnend verhalten würde.(Bravo! links.) Gegen die Treibe- reien des Wehrveins sollte die Regierung scharf Stellung nehmen.(Sehr richtig! links.) Sucht er doch jetzt schon wieder Stimmung zu machen für neue Rüstungen, weil unsere jetzige militärische Situation»ungünstiger* sei als vor der Wehr- Vorlage.(Hört! hört! links.) Solchem Chauvinismus muß ent- gegengewirkt werden, auch da, wo er sich in der Jugend- bewegung zeigt.(Sehr gut I links.) Vor einem Aderlaß in dem Wehrbe'itrag wird der dentsche Volkswohlstand hoffentlich bewahrt bleiben. Wie hoch mag eigentlich der Anteil der Landes- f ü r st e n an diesem Wehrbeiirag sein? Darüber erfahren wir leider nichts. Der konservative Graf Kleist hat neulich im Hinblick auf die Annahme der Besitzsteuer gesagt, das gleiche, allge- meine Wahlrecht im Reich würde zum Vernichter des staats- erhaltenden preußischen Geistes. Das ist ein Ausfluß des engherzigen preußischen Partikularismus, den Fürst Bismarck als den schlimmsten in Teutschland bezeichnet hat. Wir sind im Gegenteil der Ansicht, datz die Einführung der Besitzsteucr den Reichsgedanken gestärkt hat.— Die ungünstige tvirtschastliche Lage rft verschuldet worden durch die unglückliche Diskontpolitik der Reichs- bank sowie das Vorgehen der Eisenbahnverwaltung, die mit ihren Bestellungen nicht rechtzeitig herausgekonimen ist.— Dem Grafen Westarp bestreite ich das Recht, bei seinen scharf macheri- schen Ausführungen sich als Vertreter des Mittelstandes auszuspielen.(Sehr richtig! links.) Wir sind natürlich auch dafür, daß die Arbeitsfreiheit ausreichend geschützt wird. Terroristischen Handhabungen des Koalilions- rechtes muß wirksam entgegengetreten werden. Aber die von den Konservativen verlangte Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen ist nicht erforderlicb. Das Koalitionsrecht ist eine Errungenschaft libe- raler Staatsauffasfung. und wir sind entschlossen, diese Errungen- schast mit aller Energie zu verteidigen. Wir wollen die Sicherung und den Ausbau des Koalitionsrechts, wir wollen auch die Anerkennung der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Für Ausnahmemaßregel» oder auch nur ungerechte Handhabung der be- stehenden Gesetze werden wir nur eine glatte Ab-' l e h n n n g haben. Es ist bezeichnend, daß auch die politisch rechtsstehenden Arbeitervereine sich mit aller Energie gegen diesen konservativen Vorstoß wenden. Wir verlangen eine Wirtschaftspolitik, die den V o l k s i nt e r e s s e n mehr gerecht wird, nicht aber Sonderinteressen dient, wie sie Fürst B ü l o w soeben gekennzeichnet hat. Unter der Handels- vertragspolitil Caprivis ist die Landwirtschaft ständig vorwärts- geschritten. Wir fordern großzügige innere Kolonisation und Reform des diplomatischen Dienstes durch Erweiterung deS Kreises der Anwärter. Den Reibungen zwischen Diplomaten und Konsuln muß ein Ende gemacht werden. Mit der auswärtigen Politik der Re- gieruno sind tvir einverstanden. Heute hat Graf Westarp für ein gutes Verhältnis mit England gesprochen, in der Marokkodcbatte aber hat der Abg. v. H e y d e b r a n d fast den Krieg mit England gefordert.— Will der Kanzler nur die Rechte des Kaisers unge- schmälert erhalten; was ist's mit den Bolksrechten, mit der Reform des karrikicrende» Wahlrechts in Preußen, die der König feierlicki in Aussicht gestellt hat und mit der Neu- cinteilung der ReichstagSwahlkreise? Es war höchst bezeichnend für unsere unerfreulichen Zustände, daß der Kanzler 3 V Stunden seiner kostbaren Zeil opfern mußte für eine � st ü n d i g e Unterredung, um zu erfahren, welche Stellung er einzunehmen habe.(Sehr gut! linkS.) Das Jubiläumsjahr, das dem Volke so schwere Opfer auferlegt hat. schließt mit schweren Enttäuschungen ab. Arbeiten wir am Ausbau der Volksrechte I (Beifall links.) Kriegsminister v. Falkcnhayn: Ich halte es für meine vornehmste Pflicht, hier An- gehörige der Armee— mit Ausnahme von mir— gegen Angriffe, die ich nach sorgfältiger Prüfung nicht für berechligr halte, in Schutz zu nehmen. Es ist verschiedentlich betont worden, die Zu- spitzung der Verhältnisse in Zabern sei dem Umstände zuzu- schreiben, daß der betreffende Offizier nicht schnell genug aus der Garnison entfernt worden und daß in der Sache seiner Be- straiung Gebeimniskrämerei getrieben sei.(Sehr richtig! links.) Ich halte beide Borwürfe nicht für richtig.(Sehr richtig! rechts. Lachen links.) Was die Versetzung anlangt, so ist es nötig, sich inuner wieder zu vergegenwärtigen, wie sich die Dinge abgespielt habe». Der Zeitungsartikel vom 6. November, in dem die An- schuldigungen gegen den Offizier enthalten waren, ist am 7. No- vember dem Regimentskommandeur bekannt geworden. Er hat den Offizier sofort zur Rechenschaft gezogen und es ist am 8. November in einer� Zaberner Zeitung, am 9. und 10. No- vember in großen Straßburger Zeitungen festgestellt worden, daß von einer beabsichtigten Beleidigung der elsäsfischen Bevölkerung gar keine Rede sein kann.(Lachen links und Unruhe.) Gleichzeitig sind die Vernehmungen der 76 oder mehr Rekruten, die in der JnstruktionSstunde anwesend waren, eingeleitet worden. Denn nur aus deren Aussage konnte festgestellt werden, in welchem Umfange Beleidigungen dieser Leute vorgekommen waren. Aber ehe noch diese Vernehmunzen abgeschlossen waren und ab- geschlossen sein konnten, setzten die Straßenauflöufe und die Prcßkampagne mit neuen Anschuldigungen gegen den Offizier ein. Daß nun von einer Versetzung keine Rede mehr sein konnte, ehe nicht ordnnngs- und gesetzmäßig die Sache klargestellt war, das glaube ich hier im Hause schon eingehend dargelegt zu haben.(Sehr gut! rechts.) Es ist dann ferner hier gesagt worden, daß das. was nachträglich in der»Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über die Bestrafung des Offiziers oder Unteroffiziers wegen wörtlicher Beleidigung ihrer Untergebenen gestanden habe, auch in diesem Hause bei der Ver- Handlung hätte gesagt werden können. DaS ist geschehen (Sehr richtig! rechts), und zwar durch mich. Als ich, sobald ich durch die Ausführungen des Abg. Fehrenbach— ich muß sagen zu meiner Ueberraschung— erfuhr, daß trotz der ganz klaren Gesetzesbestimmungen über diese Frage Zweifel bestanden, bin ich sofort aufgestanden und habe genau dasselbe gesagt, was später in der offiziösen Verlautbarung gesagt worden ist.(Lachen links.) Mehr kann ich auch heute nicht sagen. Denn eS widerspräche sowohl dem Wesen als auch dem Zweck der Disziplinar st rafgewalt, wenn man ihrer Ausübung im einzelnen der öffentlichen Kritik preisgeben wollte. (Hört! hört! links.) Nicht einmal die direkten Vorgesetzten dürfen eingreifen, in diese Ausübung, es sei denn, daß es sich um Ver- stößc gegen gesetzliche Bestimmungen handelt oder um Unterlafiung der Ahndung eines Vergehens. Wollte man anders verfahren, so würde man denjenigen, die im K r i e g S f a l l e die Verantwortung in den höchsten Momenten der Gefahr alleine tragen können und sie daher im Frieden allein tragen müssen, aus der Hand winden und man würde damit den Grundstein unterhöhlen, auf dem unsere Armee ruht. (Sehr wahr! rechts— Lachen links.) llnd wenn ich mich nichl irre, so ist in diesem Hause schon häufig darauf hingewiesen worden und zwar nicht bloß von dieser Bank, sondern auch von den Bänken im Saale, daß es unbedingt nötig sei, dem zuständigen Disziplinarvorgesetzten die Bekugnisse zu geben, die er zur AuS- führung dieser Disziplinargewalt braucht, das ist Selbständigkeit und das nötige Dienstanfchen, Wie aber ein Disziplinarvorgesetzter sich selbständig fühlen soll, und sein Dienstansehen behalten soll, wenn seine DiSziplinarmaßregeln im einzelnen der Kritik der Oeffentlichkeit ausgesetzt werden, das weiß ich nicht.(Sehr richtig! rechlS. Unruhe und Zurufe links.) Sie stören mich gar nicht mit Ihren Unterbrechungen, aber ich möckite doch bitten, daß Sie in mir den Vertreter der Armee sprechen lassen.(Bravo! rechts.) Mir persönlich wäre das ganz gleichgültig. Vizepräsident Dove: Ich bitte um Ruhe, kann aber andererseits nicht finden, daß gerade die letzten Unterbrechungen derartig gewesen wären I (Sehr gut! links.) Kriegsminister v. Falkenhayu: Es ist dann über die Verlegung der beiden Bataillone gesprochen. Ich möchte den Erörterungen darüber nicht folgen, für wen sie eigentlich eine Strafe sein soll, wer dadurch mehr geschädigt wird, ob die Garnison oder die Unterosfiziere oder die Mann- schaflen. Denn es handelt sich um eine Matzregel, die, wie auch hier anerkannt worden ist, notwendig war und wenn eine militärische Maßregel notwendig war und ist, wie hier vorher gelagt wurde, um Ruhe und Frieden zu stiften, dann laim man schließlich nicht lange bedenken, ob irgend jemand dabei geschädigt wird.(Hört! hört I links.) Soviel über Zabern. Es ist dann hier eingegangen worden aus den Fall Knittel. Der Leutnant der Landwehr, Knittel, hat, soviel ich weiß, Revision gegen das ikim ungünstige Urteil eingelegt und ich möchte deshalb in Ucbereinstimmung mit dem Abg. S p e r l i ch(!) von der Zentrumspartei im einzelnen nicht darauf eingehen. Aber das eine kann ich schon heute erklären, daß ich mit meinen beiden Herren Anitsvorgängern in dieser Frage auf ganz demselben Standpunkte stehe. Und zwar: jedes Zurverantwortungziehen eines Offiziers des Beurlaubtenstandes wegen politischer Betätigung innerhalb der staatserhallenden Parteien muß ausgeschlossen bleiben. Ein Osttzier aber, der sich im a n ti n a li o n a l en oder anti- monarchischen Sinne betätigt, kann nicht im Heere belasten werden; in einer monarchischen und nationalen Armee sind solche Führer undenkbar.(Bravo I rechts.) Da er noch heute als Offizier des Beurlaubtenstandes der Armee angehört, trotzdem gegen ihn und sein Verhalten bei und nach der Landtags- wähl von 1908 die Untersuchung längst durchgeführt und abgeschlossen ist(Zuruf der Sozialdemokraten: Wahlfteibeit I) dürfte daS Eine zweifellos feststehen, daß an maßgebender Stelle dem Leutnant der Landwehr Knittel der Vorwurf antinationalen und anti- monarchischen Verhaltens nicht gemacht worden ist.(Vereinzeltes Bravo! rechts.) Ng. v. Morawski(Pole): Wir beneiden die Elsaß-Lothringer, denn bei uns ist eS hundertmal schlimmer seit ILO Jahren. Im Elsaß sind es Einzelfälle, bei uns ist es ein S y st e m. Bis in das Heilig- tun« der Kirche greift man mit rauher Hand ein. Das Regierungs- system bei uns ist unmoralisch.(Präsident K>' e m p f ruft den Redner zur Ordnung.) Man will die Gefühle der polnischen Be- völlerung nicht verstehen. Was sonst gul und edel ist, wird ins Gegenteil verkehrt. Die Stimmung, die bei uns erzeugt wird, muß auch nach außen wirken und die Atmosphäre vergiften. Abg. Frhr. v. Gamp-Massauncn(Rp.): Schuld der Eisenbahnverwaltung ist die schlechte wirtschaftliche Lage, wie Herr W i e m e r meinte, keineswegs. Geht es doch der Textilindustrie am schlechtesten. Die Herabsetzung der Kohlenpreise wird, fürchte ich, auf die Löhne der Arbeiter nicht ohne Einfluß bleiben. Besonderen Dank sprechen wir der Regierung für die Fürsorge der Alrpensionäre aus und für die Wieder- einstellung der Ostmarkenzulage in den Etat.— Die Frage der Bankpolitik ist wichtiger als die Z a b e r n e r Angelegenheit. Der übermäßigen Einführung ausländischer Werte muß entgegengetreten werden; es muß eine Enquete veranstaltet werden, die nach Mitteln zur Abhilfe sucht.— Den Schutz der Arbeitswilligen will ich im Interesse der Arbeiter, nicht als Repräsentant des Sckarfmachertums.(Lachen links.) Beim Bcrgarbeilerstreik kamen 2000 Körperverletzungen vor, die erst aufhörten, als Militär hinkam. Wenn wir die Möglichkeit solcher Körperverletzungen hindern, so erweisen wir doch den Arbeitern einen Dienst.(Sehr richtig! rechts.) Daß auch der H a n I a b u n d einen größeren Schutz der Arbeitswilligen verlangt, beweist, in wie weite Kreise die Uebcrzeugung von der Notwendigkeit dieser Forderung gedrungen ist. Wir selbst wollen nicht etwa Ausnahme- gesctze. Redner führt an Hand von Zeilungsstimmen Fälle an, in denen Arbeitswillige sich zu ihrem Schutze der Waffe be- dienen mußten.(Widerspruch bei den Sozialdempkraten.) Wenn Sie die Arbeiter nickt schützen, proklamieren Sie die Notwehr, dann muß man ihnen einen Revolver in die Hand geben. (Hört! hört! links. Abgeordneter Vogtherr: Unerhörte Eulstellung! Unruhe. Präsident K a e m p f rügt den Zuruf.) Im StetrinerFall ist der Angeklagte freigesprochen worden, weil man Notwehr angenommen hat. Zu solchen Konsequenzen führt es, wenn die Ar- bei'lswilligen nicht genügend geschützt werden.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Daß die Industrie im Reichstage mehr vertreten ist, hat die Wahlpolitik des Hansabundes verhindert. Herrn Dr. Wiemer kann ich bestätigen, daß wir bei der Finanzresorm des letzten Sommers mitgetan haben, um die Sozialdemokratie aus der Mehrheit auszuschalten, was uns ja auch gelungen ist. Gegen den russischen Handelsvertrag habe ich seinerzeit gestimmt. weil mich damals der Reichskanzler Caprivi in meiner Eigenschaft al» vortragender Rat in meiner parlamentarischen Freiheit beeinträchtigen wollte.(Bravo! rechts.) Die Landwirtschaft will den inneren Markt haben, sie ist bereits in der Lage, im Kriegs« falle die einheimische Bevölkerung zu ernähren. (Widerspruch links.) An meinen Ausführungen in der Zaberner Debatte halte ich fest. Warum sollte hier nicht gesagt werden können, daß der Mann zwei oder drei Monate Arrest bekommen hat'{! Eine strenge Abgrenzung der Kompetenzen zwischen Militär- und Zivilbebörde ist gerade im Elsaß nicht möglich. Soll die Militär- behörde z. B. nicht dagegen Einspruch erbeben dürfen, daß die Zivil- behörden an französische Offiziere oder sranzosensreundlichc Eliässer Jagdscheine in Grenzwäldern ausstellen. Der Zusatz der»Straß- burger Korrespondenz" über die Garantien, die der Kaiser dem Swtthalter über Einhaltung der Verfassungsmäßigkeit gegeben habe, war hoch st ungehörig, und ich bitte den Reichskanzler, da- gegen einzuschreiten.(Beifall rechts.) Reichskanzler v. Bethmanu Hollweg: Ich möchte anknüpfen an die Auslassungen des Herrn Grafen Westarp über den Schutz gegen Mißbrauch des Koalitionsrechtes, »vorüber sich auch der Vorredner geäußert hat. Es ist selbstver- ständlich, daß ich den Gegenstand in allen seinen Konsequenzen ver- folgt habe. Ich weise zunächst daraus hin, was ich vor drei Jahren über diese Frage hier im Hause gesagt habe, eS war anläßlich der Interpellation über die Moabiter Exzesse. Damals habe ich meine Meinung dahin ausgesprochen, gegen Aus- wuchs des KoalitionSwcsens könne nicht eingeschritten werden durch Ausnahmegesetze, sondern nur auf Grund des gemeinen Rechtes, und cS darf dabei ein Einbruch in die Koalitionsfreiheit nichl erfolgen.(Vereinzelte Zustimmung.) Nach den Aeußerunqen, die bisher in diesem Hause gefallen sind, nehme ich an, daß diese beiden Grundsätze die Zustimmung der bürgerlichen Parteien finden werden.(Zustimmung rechts, Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Das Koalitionswesen ist eine Erscheinung, die bei uns ebenso gut wie in anderen Ländern durch die wirtschaftliche EntWickelung zu einer Notwendigkeit für die Arbeiterschaft und für das Unternehmertum geworden ist. ES wäre ein ebenso aus- sichtsloses wie törichtes Unternehmen, durch Alte der Gesetzgebung einer solchen Entwickelung das Leben abschneiden zu wollen.(Sehr richtig! bei der bürgerlichen Linken.) Aber das hindert uns nicht, Auswüchsen(Oho! bei den Sozial- demokraten), wo sie konstatiert werden(Unruhe bei den Sozial- demokraten)— sie sind konstatiert—(«ehr ricyiig! rechts,— Odo! bei den Sozialdemokraten), ich brauche mich darüber nicht näher auszulasten, entgegenzutreten.(Zuruf bei den«ozialdemokraten: Schwarze Listen!) Geiviß, durchaus paritätisch muß vor- gegangen werden. DaS liegt schon in dem Grundsatz, auf dem Boden de? gemeinen Rechts die Abhilfe zu schaffen. Als AuS- Hilfe ist vorgeschlagen worden einmal die Revision deS Straf- gefetzbuchS und zweitens die zivilrechtliche Haftung der Koalitionen. Gegenüber der übergroßen Macht, ivelcke die Koalitionen ausüben, nicht nur infolge der Anzahl ihrer Mitglieder, infolge der Disziplin, sondern auch durch das große Vermögen, das sie besitzen, drängt sich von selbst die Erwägung auf, als Gegenstück hierzu die zivilrcchtliche Haftung einzuführen für den Schaden, den die Koalition durch Beauftragte anderen im Widerspruch mit dem Gesetz oder mit den guten Sitten zufügen.(Hört I hört!) Im Zusammcnbang damit steht die Frage der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, die zu lösen ja schon einmal gesetzgeberisch unternommen worden ist, aber vergeblich. Ich glaube, auf keinen Widerstand zu stoßen. wenn ich sage, daß diese beiden Fragen, so oft sie auch hier ver- handelt worden sind, noch keineswegs zu einem gesetz- geberischen Akt reif sind. Was die Revision der Strafgesetze anlangt, so habe ich vor drei Jahren daraus hingewiesen, daß die Kommiision. welche sich mit der Revision des Strafgesetzbuchs befaßt, der Ansicht sei, es müsse in dem revidierten Strafgesetzbuch die Frei« beit und das Selbstbestimmungsrecht des Individuums schärfer ge- schützt iverden als bisher. Es find von der Kommission entsprechende Paragraphen in den Entwurf des neuen Strafgesetzbnchs auf- genommen worden. Daß dies geschieht, erscheint mir selbstverständ- lich. Alö daS Strafgesetzbuch erlaffen wurde, befand sich daS Koalitionswcsen im Vergleich zu heule doch noch sehr in den Anfängen, und als der Gesetzgeber die Paragraphen zum Schutze der persönlichen Freiheit verfaßte, hatte er fm wesentlichen im Auge, Angriffe auf die persönliche Freiheit des Individuums durch ein drittes Individuum, aber nicht Angriffe, die gestützt wurden auf die Mawr von Koalitionen. Wenn nun die tatsächliche Entwickelung uns gezeigt hat. daß die Freiheit des Individuums jetzt in anderen Formen wie früher, und auch von anderen Subjekten, von den Koalitionen angegriffen wird, so muß dre Gesetzgebung diesem Gang der tatiächlickien Entwickelung folgen. Ich halte das für eine Notwendigkeit. Ich möchte aber doch gleichzeitig glauben, daß man sich täuscht, wenn man dieser Revision des Strafgesetzbuchs gar zu große Wirkung z»- schreibt.(Sehr richtig! rechts.) Die Erfahrung hat gezeigt, daß wenn fetzt Terrorismus nicht überall und nicht genügend gefaßt wird, das in unzähligen Fällen nicht an dem Tatbestand, sondern an anderen Dingen liegt, vielfach daran, daß es an den nötigen Zeugen fehlt, und dann an folgendem: gerade die empfindlichste Form des Terrorismus, als die ich zum Beispiel den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott sSebr richtig! bei den Sozialdemokraten) und den Boykott auf der Arbeitsstätte be- zeichne, pflegen sich in der Regel nicht auszudrücken in aktiven Angriffen, sondern in N n t e r l a s s u n g e n(Sehr richtig! rechts.) und diese Unterlassungen werden wir durch das Strafgesetzbuch, auch wenn eö revidiert ist, nicht fassen. Ich tvill damit nicht sagen, daß ich die Aenderung des Strafgesetzes nicht�ioollte, ich warne nur davor, zu glauben, daß damit die großen Schäden, die wir tat- sächlich haben, und die von weiten Bolkskreisen empfunden werden, geheilt werden könnten. Im Gegenteil, ich muß die Be- sorgnis aussprechen, daß gerade die Formen des TerrorismuS, die vom Strafrichter nicht gefaßt werden, zunehmen werden, das beweisen die Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben, gerade diese Formen des TerrorismuS werden stark angewendet und sehr bitter empfunden in den unzähligen Fällen, wo die mit dem wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Boykott oder mit dem Boykott auf der Ar- beitsslälte Bedrohten sich vor den Ruin ihrer gesamten Existenz ge- stellt sehen, wenn sie dem Boykott nicht nachgeben. Ich glaube, wirksame Abhilfe wird nur dann geschaffen werden können, wenn sich das allgemeine Volksempfinden gegen diese Ein- schnürnng der persönlichen Freiheit auflehnt.(Sehr gut! rechts und bei den Nationalliberalen.) Wenn das Volksempfinden diesen Terrorismus von sich weist.(Zuruf der Sozialdemokraten: Oeffentliche Wahl! Schwarze Listen! Militär- b o y k o t t I) Ohne diese Hilfe werden auch neue Paragraphen sehr leicht auf dem Papier stehen bleiben. Ich bin der Ansicht, daß sich unser Volksempfinden bei der Ueberspannung der Koalitionsfreiheit, die stattgefunden hat, immer energischer und tatsächlich auflehnt gegen diesen Boykott, gegen den Terror, den ich geschildert habe. Ich stimme mit dem Abg. v. G a m p vollkommen darin überein. Man kann diese Stimmen nicht ablehnen, wie die Sozialdemokratie tut, mit dem Hinweis auf Scharfmacher. Damit ist nichts gesagt. Es liegen doch nicht bloß Aeußerungen der Industriellen vor, sondern auch die Mitteilungen des Abg. Bassermann waren doch recht bezeichnend, und ebenso bezeichnend ist die Haltung einer großen Anzahl von Handelskammern, die Kundgebungen aus dem Handwerkerstand und schließlich auch die Stellung des Direktoriums des Hansabundes.(Lebhaftes Hört! hört! und Lachen auf verschiedenen Seiten.) Die Regierung, das sage ich der rechten Seite dieses Hauses, ist sich der Verantwortung, die sie gegenüber den tatsächlichen Erscheinungen und Stimmungen im Volke hat, vollbewußt, und ich stimme mit dem Grafen Westarp durchaus darin überein, daß in dieser unser Volksleben so tief be- rührenden Frage die Regierung eine führende Rolle zu spielen hat und daß sie dem Reichstag Aktionen vor- zuschlagen hat, sobald sie glaubt, daß die Vor- bedingungen hierfür gegeben sind. Ich habe schon seiner- zeit den Staatssekretär des Innern gebeten, die Erfahrungen, die über den ganzen Verlauf der deutschen Arbeitsstreitigkeiten ge- sammelt worden sind, und die Erfahrungen, die in anderen Ländern gemacht worden sind, zusammenstellen. Ich hoffe, daß in nicht zu ferner Zeit dem Reichstag diese Arbeit vorgelegt werden wird. (Zurufe bei den Sozialdemokraten: Sind dafür auch LLOOOM. hergegeben worden?) Sie wird nicht nur, waS ich für durchaus er« wünscht halte, wertvolle Fingerzeige geben für die Hand- habung der bestehenden Gesetze, denn hier bestehen mannigfache Unklarheiten, sondern sie wird uns auch die Grundlage für weitere Verhandlungen dieser wichtigen Frage sein.(Hört! hört!) Abg. Bas sermann hat dem Bundesrat einen Umfall in der braunschwcigischcn Frage vorgeworfen. Das ist in keiner Weise berechtigt.(Abg. Stadthagen: I wo!— Heiterkeit.) Die Verhältnisse haben sich sehr geändert, und das hat der Bundesrat berücksichtigt. 190tZ bis 1907 hat der Herzog von Cumberland angeboten, für den Prinzen Ernst August, der den braunschweigischcn Thron besteigen sollte, den Verzicht auf Hannover auszusprechen, dagegen wollte er für seinen älteren Sohn, den seither verstorbenen Prinzen Georg Wilhelm, diesen Verzicht nicht aussprechen. Das machte den Eindruck, als ob nun zwei welfische Linien gebildet werden sollten, und diese unter- sirichene Differenzierung war nicht annehmbar. 1885 war es Bismarcks und. des Bundesrats Ueberzeugung, daß ein welfischer Fürstenhof in Braunschwcig zum Hauptquartier für Bestrebungen geworden wäre, welche gegen einen anderen Bundesstaat gerichtet waren. Das mußte jetzt wieder geprüft werden, da Prinz Ernst August der einzige Erbe geworden und dadurch die Ursache der Ver- zichtforderung von 1907 weggefallen war. Der Bundesrat ge- wann die Ueberzeugung, daß Ruhe eintreten werde auf Grund der Vermählung des Prinzen mit der Tochter des Kaisers (Bravo rechts), weiter auf Grund seines Eintritts in die preußische Armee und seines Fahneneides, wodurch er auf Lebenszeit die Verpflichtung übernommen hat, nichts zu tun und nichts zu unter- stützen, was darauf gerichtet ist, den derzeitigen Besitzstand Preußens zu verändern, sowie auf das Bekenntnis des Prinzen zur Ver- fassung und zu den Pflichten, welche ihm gegen seine Verbündeten obliegen. Davon, daß wir die welfische Agitation in Hannover durch unser Vorgehen bestärkt hätten, kann keine Rede sein. Wir hätten das aber getan, wenn wir um des bedeutungslosen Verzichts willen die welfische Frage verewigt und dem Prinzen Ernst August zum Märtyrer des Welfentums gemacht hätten. So haben wir der welfische» Bewegung in Hannover für die Zukunft ihren stärksten Stützpunkt genommen. Zum Schluß noch wenige Worte in bezug auf die Jnterpellationsdebatte über Zabern. Im Gegensatz zum Abg. Scheidcmann haben sich die Führer des Zentrums und der Nationalliberalen in der Frage der poli- tischen Bedeutung des Mißtrauensvotums auf den verfaffungs- mäßigen Boden gestellt. Herr Wiemcr hat es zwar abgelehnt, sich die Anschauungen der sozialdenwkratischen Fraktion über div Tragweite des Mißtrauensvotums anzueignen, hat aber recht un- willige Aeußerungen darüber gemacht, daß ich im Laufe der Etats- dcbatte auf die Zaberner Angelegenheit nicht noch einmal zurück- gekommen bin und daß dem Reichstag leider keine amtlichen Er- klärungen darüber zugegangen sind. Ja, meine Herren, was sollte ich denn zu der Sache weiter erklären, nach- dem am 3. Dezember gesagt Warden und öffentlich bekannt ist, daß der Jnterpcllationsgegenstand einem gerichtlichen Verfahren unter- liegt. Wohin führen uns denn die jetzigen weiteren Debatten? Der eine wirft dem Kreisdirektor Vernachlässigung seiner Pflichten vor, greift den Statthalter, den Staatssekretär an, der andere den kam- mandierenden General. Ich habe schon am 3. Dezember erklärt, daß ich auf Grund der mir vorliegenden, einander widersprechenden Berichte über das Verhältnis zwischen Zivil und Militär an den strittigen Tagen in Zabern mit Sicherheit nicht entscheiden kann, wo Recht und Unrecht liegt. Ich kann nur bedauern, daß bei diesem Ungewissen Stande hier schon ganz kategorische Ur- teile gefällt und Angriffe gegen einzelne Personen gerichtet worden sind. Das eine kann ich sagen: in der amtlichen Behandlung und Beurteilung der ganzen Sache ist infolge der Interpellation kein Umschwung eingetreten, die Annahme des Abg. Wiemer ist falsch. Und mit gleicher Bestimmtheit sage ich, daß von einem Ruckzug, wie ihn Graf Westarp zu fürchten schien, keine Rede ist. (Hört!' hört! links.) Das Zurückgreifen des Abg. Scheidemann auf die Jnterpellationsdebatte hat das eine Verdienst gehabt, daß es offenbar machte, daß eine Homogenität unter den Parteien, welche sich zu dem Mißbilligungsvotum vereinist hatten, in keiner Weise vorhairden ist. So wenig eine Einmütigkeit bestand über die Tragweite, so wenig bestand sie in den Motiven. Die Aeußerung der sozialdemokratischen Presse und danach der Wortführer in diesem Sause haben— darin stimme ich dem Grafen Westarp durchaus zu— keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Sozial- demokratie die Vorfälle in Zabern zum willkommenen Anlaß ge- nommen hat, um gegen die verfassungsmäßigen Rechte des Kaisers einen kräftigen Sturm einzuleiten. (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.— Zuruf: Gegen die Anmaßungen des Militärs!) Hier scheiden sich die Geister, hier ist die Sozialdemokratie isoliert und sie wird es hoffentlich immer bleiben.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Die weitere Debatte wird vertagt auf Donnerstag 11 Uhr. Schluß 6% Uhr. Jugendbewegung. Eine mißglückte gelbe Gründung. � Als ein schöner Erfolg proletarischer Jugenderziehung darf die folgende Tatsache verbucht werden: Die Firma H. W. Keuma in Elberfeld wollte am vergangenen Freitag eine Jugcrrdabtei- lung der gelben Werkvercine ins Leben rufen. Zu diesem Zweck chatte sie ihre Lehrlinge, nahezu 100, versammeln lassen. Ein be- stellter gelber Agitator suchte den Lehrlingen den Mund ordentlich wässerig zu machen mit all dem Guten und Schönem was der gelbe Jngendbuird leisten werde. Für die weiblichen Mitglieder sollen Näh- und Kochabende und ähnliche Einrichtungen getroffen werden, um die Mädchen zu braven Hausfrauen zu erziehen. Für die männlichen Mitglieder aber soll eine Jugendwehr gebildet werden, die an ihre jungen Krieger während der militärischen Dienstzeit pro Monat 3 M. Unterstützung zahlen wüvde. Und noch verschiedene andere große Versprechungen wußte der gelbe Mann zu machen. Alles dies machte aber auf die jungen, zum Klassenbewußtsein erwachten Arbeiter und Arbeiterinnen keinen /Eindruck. Sic erkannten den heuchlerischen Charakter und den arbeiterfeindlichen Zweck des neuen Unternehmens. Von den nabc- zu 100 anwesenden Jugendlichen meldeten sich ganze zwei weidliche und ein männlicher sunger Arbeiter zur Aufnahme. Die Jugendlichen bewiesen somit mehr Rückgrat und ehrlichen Mut als in ähnlichen Situationen erwachsene Arbeiter an den Tag gelegt haben._ Sozjaldeinokraüsctier Wablverein| k.ll. 4. BbpI. Reietistagswatilkpeis, Stralauer Viertel. Bez. 303. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Maurer Karl Schulz Koppenslr.. 96, gestorben isu Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am 8 Freitag, den 12. Dezember, nach- mittags 3'/,Uhr, von derHalle des Freireligiösen Friedhofes, Pappel- n Allee, aus statt. 218/18 » Um rege Beteiligung ersucht R_ Per Vorwiand. ßectscher Baiiariieiierverlianl i Zwelgvereln Berlin. Sektion der Pntxer. Am 9. Dezember starb unser Mitglied Karl Schulz (Bezirk Osten 1). Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Freireligiösen Friedhofes, Pappel« Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 147/1 Per Vorstnnd. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß der Putzer Karl Sclrnlz am Dienstag früh 7l/4 Uhr verstorben ist. 249b Im Namen der Hinterbliebenen: Ww. Bnrie Kessel, geb. Schulz, Kovpenslraße 96. Die Beerdigung findet am Freitag, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle der Freireligiösen Ge- meinde. Pappel-Allee IL, aus statt. Beenüpperein der Zimraerleuie Groß-Berlins. Am Montag, den 8. Dezember, abends 7'/, Uhr, verschied nach kurzem Krankeniager im Alter von 82 Jahren an Blasenentzündung unser langjähriges Mitglied, der Kamerad Uiäwix Sauer Eisenbahnltr. 16. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. d. M., nachm. 3>/, Uhr. von der Leichenhalle des Einmaus-RirchhofeS in Neukölln, Hermannstr. 130. aus statt. 250b Der Vorstand. veMderHetallarjiBiter'Vei'daiid Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner kemkard Ziegler (Neukölln, Ziethenstraße S) am 8. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 12. Dezember, nach. mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-FriedhoseS in Britz, Rudoiver Strage, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 131/7 Die OrtsrerwsUung Danksagung. Für die viele» Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden ryeruer lieben Frau sage ich allen Freunden und Betannlen herzlichen Dank. 92A»er trauernde Gatte Fritz Horn. Am Dienstag, den 9. Dezember, verstarb meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter. Schwieger- mutier und Grotzmulter piedtK im Aller von 60 Jahren. Pnnl Ficbig nebst Kindern, Lclteitrafet 2. Die Beerdigung findet morgen Frettag, den 12. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Himmelsahrts-Kirchhoses aus statt. 92A teppdecken größte Auswahl, billigst; auch Ausarbeiten alter x-Steppdecken. Fabrik Berlin, Vkailstr. 72, zwischen Rotz- u. Jnselstr. Jlluftr. Preiskatalog gratis. Brakt. Welbnachtszagabe u Erstklassige Briketts 1000 Stück M. 0. Halbsteine M. 0.80, Gaskoks I M. 1.75. Steinkohlen M. 1 75. j r—- Brennholz.■ Michel- Brikett-Veitrieb Breukttlln,Telepbonl610 1 Knesebeckstr. 148. £»pezlalarzt (. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hat«- Kuren in u. Co. konz. Laboral, j Blut. Untersuchung., Fäden i. Harn usw. Ftiedricltstr, 81,«Ä Spr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. U— 2. Honorar mäßig, auch Teilzahi. Separates Dainenzimmer. Kzytiiiy s&rukM Dr. Homeyer Vorjährige Ulster uud Anzüge von 85 bis BO M. Gehrock«Anzüge Smokings auf Seide Billige Hosenwoche. Versandhaus„Germania" Unter den Linden 21.• Sonntag bis abends geöffnet. Zweiztmmer- Wohnung sosort oder später Prenzlauer Allee 23. 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Genre. Sehr große Aus«. Mäß. Preise. EtranHe Htmur-gsorgane. Welche Gefahren kranke Atmungsorgane für den ganzen Körper bilden, wird leider von vielen Laien noch nicht genügend gewürdigt. Aus dein so wenig beachleten Schnupfen entsteht leicht ein Rachen- oder Kehlkopflatarrh. welcher, lieser eindringend, Luströhren- und Bronchialkatarrh verursachen kann. Um für die naturgemäße Bekämpfung dieser tiefer liegenden Katarrhe das richtige Verständnis zu gewinnen, muß man die Atmungsorgane in ihrem Zusammenhange betrachten. I» die feinen Ver- üstelungen der Almungsorgane kann nur die Luft eindringen; zur Bekämpfung tiefer liegender Katarrhe kann man also naturgemäß auch nur die mit wirksamen Desinfektions- und Heilmitteln ge- mischte oder imprägnierte Luit verwenden. Das Verdienst, eine hierfür geeignete Methode in idealer Weise praktisch verbreitet zu haben, gebührt der Firma Carl A. Tanerö. Wiesbaden 2 99. Von dieier Firma ist ein kleiner sinnreicher Apparat konstruiert worden, der nach besonderem Verfahren desinfizierende und heilkräftige Stoffe zum Ein- atmen bis in die tiefsten Lustwege bringt, ohne Kitzelreiz zu verursachen oder sonstwie die Schleim- häute anzugreifen, und zwar auf kaltem Wege, um auch neuer Erkältung vorzubeugen. Hiermit sind bei Krankheiten und Katarrhen der Atmungsorgane, wie Bronchialkatarrh, Lungenspitzenkatarrh. Luftröhren« kaiarrh, Kehlkopf-, Aachen-, Nasenkaiarrh, Keuch- husten. Folgen von Influenza, Asthma usw. über- raschende Erfolge erzielt worden, worüber sich Tausende in begeisterten Briefen aussprechen. So schreiben unter vielen anderen: Herr Realschulvorstand Vüchler in Rastatt: Ich litt vierzig Jahre an einem hartnäckigen Lnfl- röhren- und Lungeukaiarrh, gebrauchte englische JnhalationSgläser, die mir nichts halten, und eine Masse Arzneien, die ebensoviel bewirkten und mir einen Magen- und Darmkaiarrb zuzogen. Vor kurzem ließ tch mir einen Tancröscheu Inhalator kommen, und bald war mein altes Leiden voll- ständig gebeilt. Auch das Asthma, daS ich mir iutolge des anhaltenden Hustens zugezogen halte, ist fast vollständig verschwunden. Ich bin deshalb ganz begeistert von dem Tancrsschen Inhalator und kann ähnlich Leidenden nur den Rat geben, sich sobald alS möglich den vorzüglichen Toners- schen Inhalator anzuschaffen. Ich habe diese An- erkennung freiwillig(ohne Aufforderung) ausgestellt und mit meinem Namen unterzeichnet. Nachschrift. Ich bade obige Anerkennung am 22. Februar 1910 geschrieben und mich seitdem durch beständige Anwendung der Tancrsschen Ein- atmungen auch von meinem bösen Asthma befreit. Außerdem urteilen über TancräS Inhalator: Herr G. Lifchke. Eisenbahnassistent in Danzig, Koltowgasse 21: Teile Ihnen höfl. mit. � daß ich mit dem Inhalator sehr zufrieden bin. Bei meinem langjährigen Stockschnupfen hat er ganz vorzüglichen Erfolg gezeitigt. Derselbe war in kurzer Zeit behoben. Herr Otto Block, Justizkanzleibeamter in Berlin d7. 20, Badstr. 15: Nachdem ich jetzt reichlich drei Monate Ihren Inhalator benutzt habe, drängt es mich, Ihnen meinen aufrichtigsten Dank und meine volle Anerkennung für Ihre großartige Erfindung auszusprechen. Schon seit meiner Jugend Hit ich an Atembeschwerden(Rasselgeräusche beim Atmen uud Verschleimung) und war für Erkältungen zu- gänglicher als andere Menschen. Mit zunehmendem Aller, ich stehe in» 69. Lebensjahre, nahm auch mein Leiden zu, ich mußte jeden Winter ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und sah mit Angst und Sorge jedem neuen Winter entgegen. Anfang dieses Jahres traten die Atembeschwerden mit besonderer Heftigkeit auf. Ich konnte keine Nacht schlafen uud fand nur am Tage, auf dem Sofa sitzend, den notwendigsten Schlaf. Ich befand mich in nieder- gedrückter Stimmung, IcbenSüberdrüssig und halte für nichts mehr Interesse. Da kam mir Ihr Inserat zur Kenntnis und ich bestellte mir Ihren Apparat. Schon nach zweiwöchigem, vorschriftsmäßigem Ge- brauche Ihres Inhalators verspürte ich Besserung, die Rasselgeräusche verschwanden, ich atmete freier undcher Schleim löste sich leicht nach kurzem Räuspern. Ich fühlte wieder Lebenslust, Arbcitsfreudigkeit und genoß wieder ohne jedes Schlafmittel volle Bettruhe. Jedem meiner Mitmenschen, welche gleich mir an Atembeschwerden leiden möchte ich aus vollem, dankbarem Herzen Ihren Inhalator als Wohltäter der Menschheit empfehlen. Es liegen über 19099 ähnlicher Anerkennungen vor, welche durch einen vereidigten Vücherrevlsor und polizeilich beglaubigt sind. Die Originalbriefe können jederzeit bei uns eingesehen werden. An minderbemittelte, vertrauenswürdige Per- sonrn wird der Apparat laut unseren besonderen Bedingungen auch gegen bequeme Ratenzahlung abgegeben. Nähere Auskunft über T a n e r s s Inhalator wird von der Firma Carl A. Tuners, Wiesbaden H. 99, gerne kostenlos und ohne Kaufzwang er- teilt. Verlangen Sie noch heute gratis belehrende Broschüre. Firma Carl A. Tanerd, Wiesbaden H.99. Ich wünsche genaue Ausklirung über Ihr ucnes Jnbalationösiistcm. ES dürfen mir jedoch keine Kosten hierdurch cutstehen. Naine u. Stand: Wohnort: Genaue Adresse:. Im offene« Briefumschlag mit 3 Pfennig frankieren. Steinarbeiter. Morgen Freitag, vormittags 10 Uhr, im GeWerk- schaftshaus(Saal 3): ' Iedrc Arbeitslose ist verpflichtet zu erscheinen! 172/7_ TMc OrtsvcrTralfong. Dr. Simmei Spezial-Arzf ffir Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,.JiÄ 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12. VT" Verband der Haler, Sasklerer, Anstreicher Biircau: Melchiorstraße 28, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Filiale Zerlin. U8V. Arbeitsnachweis: Rückerstraßc 9. Fernsprecher: Amt Norden 0708 Sonnabend, den IJt. Dezember, vormittags 11'/» Uhr, ini Gewerkschaftshaus, Engelufer 1»: Versammlung der arbeitslosen Mitglieder der Filiale Berlin. Wir ersuchen unsere arbeitslosen Kollegen, unbedingt in dieser Versammlung zu erscheinen, da es sich um die Auszahlung einer Extraunterstützüng handelt. In folgenden Orten melden sich die Kollegen in ihren Kontrollstellen: Adlershof, Köpenick, Friedrichshagen, Lichtcrfcldc, Köiiigs-Wustcrhausen, Zehleudorf und Strausberg. Die Ortsvef'tvaltuiix. wird in heilbaren, wenn auch veralteten Fällen behoben durch meine glänzend ewährten Asthmafropfen, Flasche 2.50 M. Sei starken Anfällen sofortige Hilfe dureb Indische Asfö ntakr au t er, Kart. 2.00 M. Garant, unschädlich! VorNachahm.jed. Art sei gewarnt! Otto Reichel. Berl.43,Ejsenbahnst.4 J Heines Werke ■ 3 Bant« 4 Btart- Buchhandlung Vorwärts vei-vren�St. NU!- den neuen, chemisch präparierten Kohlenanzünder Pakefe 6 3 und lO PI. überall zu haben. 8 Ü BescJiLmutoiixiy von Wohnung und Küche durcli Ruß, Sirelclißöl�er und kein HoLz zum Feueranzünden mehr nötig. PHARMAKON o. m. i>. Berlin SWZQ und Frnnkfnrl a. M. Verkäufe. 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