Nr. 338. Bbennements-Bcdingungcn: LbonnementZ- Preis pränumerando: Vierteljährl. S,ZS MI., monatl. 1,10 Mü, wöchentlich 28 Pfjp frei ins Hau?, Sinzeine Nummer 6 Pfg. EonntagS. nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Breisliste. Unter Kreuzband für Deuttchiand und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mari, für das übrige Ausland . Mari pro Monat. Postabonnemeius nehmen am Belgien..Dänemark, >olland. Italien, Luxemburg. Portugal, 1— änicn. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. CridKint täglich. Verlinev Dolksblatk. Die InlertionS' Gebühr Beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zcilc oder deren Raum 60 Psg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersnmmlungs-Anzeigen 50 Pfg. „Utein- Anaeigen", das"fettgedrulite Wort 20 Psg.(zulässig �fettgedruckt- Worte), iedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafslellcnan. zeigen das erste Wort 10 Psg., sedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Puch> 1 laben zählen für zwei Worte. Inserate är die nächste Nummer niüfsen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Dir Exvcditioil ist bis 7 Uhr abends gcöffiict. Telegramm-Adresse: „Sosislilemoliizl Rerlia". OS Zcntralorgan der rozfaldemokrat» feben Partei Deutfcblands. Rcdahtton: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 198Z. Sonnabend, den 13. Dezember 1913. CxpedMon: 8Äl. 68, I-indensrrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplap, Nr. 138�. Und noch ein tag des Kampfes! Ueber neun Stunden hat die Sitzung des Reichstags am gestrigen Freitag gedauert. Tie Sehnsucht der bürgerlichen Parteien, möglichst rasch nach Hause zu kommen, wollte es so. Man hatte sogar noch außer der Erledigung der ersten Lesung des Etats die sozialdemokratische Krupp-Interpellation auf die Tagesordnung gesetzt. Vielleicht in der stillen Hoffnung, die unbequcnie Angelegenheit vor dem übermüdeten Hause möglichst schnell, unauffällig und beiläufig zu erledigen. Von den neun Stunden der Tagung�iauer wurde un- gefähr die Hälfte durch Reden von Sozialdemokraten aus- gefüllt. Aber mehr noch als durch den äußerlichen Umstand der Zeitspanne überragten die sozialdemokratischen Reden durch ihren sachlichen Gehalt und durch ihre politische Bc- deutung die Reden von bürgerlicher Seite. Gewiß, es sind nur Reden gewesen, die gehalten worden sind. Es ist nun einmal nicht anders im„Parlament". Mit dem Parlieren wird dort fast alles gemacht. Und an die Reden sollen sich die politischen Taten innerhalb und außer- halb des Parlamentes alä. der Schlußstrich, als das Ergebnis, zugleich aber auch als der Anfang und die Grundlage für neue parlamentarische Reden und Taten schließen. Es liegt in der Ratur der Sache, daß die sozialdcmo- kratischen 3iedcn eine viel größere Bedeutung außerhalb des Reichstages als im Hause selber haben. Sie sind zum größten Teile im besten Sinne des Wortes„Reden zum Fenster hinaus". Sie sollen die Massen aufrütteln, sie mit politischem Jntereffe erfüllen, dadurch aber auch die politische Aktion der Massen beleben, wodurch wiederum die Tätigkeit der Sozialdemokratie im Parlament eine wertvolle Anregung und Unterstützung erfährt. In diesem Sinne war die soeben beendete erste Lesung des Etats sehr ergiebig für uns. Am ergiebigsten aber war der letzte Tag, der gestrige Freitag, er war im gleichen Maße ein Tag energischen Kampfes und ein Tag der Ehre für die Sozial- demokratie, wie er wiederum ein trüber Tag, ein Tag des Versagens für die bürgerlichen Parteien und ein Tag der Un- ehre für die Regierung war. Klarer noch als einer der vorher- gegangenen Tage hat die gestrige Sitzung zum Ausdruck gebracht, daß es lediglich die Sozialdemokratie ist, die kon- sequcnt und rücksichtslos dießlFnteressen des arbeitenden Volkes verficht und damit auch zugleich am besten dem Wohle und der Würde des deutschen Volkes dient. » Nach einigen belanglosen Reden von bürgerlicher Seite nahni Genosse David das Wort zu einer abschließenden Zusammenfassung der Ergebnisse der Etatsberatung. Zu Be- ginn schob er mit einigen humoristischen Bemerkungen den welfischcn Redner beiseite, der wie ein Althändler in politischen Antiquitäten die welfischcn Aspirationen als besondere Kost- barkcit vor dem Hause ausgekramt hatte. Dann ging er zu einer Kritik des Etats über und verlangte dringend, daß die vom Schatzsckrctär empfohlene Sparsamkeitspolitik nicht am unrechten Lrte, vor allem nicht bei den Unterstützungen der Familien, die den vierten Sohn beim Militär haben, ge- übt werden möge. In der auswärtigen Politik forderte er eine Politik der Versöhnung und Verständigung, besonders mit Frankreich. Scharf kritisierte er die Mangelhaftigkeit der deutschen Sozialpolitik, wobei er in geschickter Weise dem alten Ammenmärchen zu Leibe rückte, warum die Sozial- dcmokratcn seinerzeit gegen die sozialpolitischen Gesetze gestimnit haben. So flügellahm die deutsche Sozialpolitik ist, so munter sind die maßgebenden Herren in und hinter der Regierung in der geheimen Vorbereitung offener und versteckter Ausnahmegesetze gegen die Koalitionsfreiheit, die sie euphemistisch Schutz der Arbeitswilligen firntieren. An diesen Bemühungen hinter den Kulissen ist besonders auch der Reichskanzler eifrig beteiligt. Zum Schluß wandte sich unser Redner der Z a b e r n e r A n g e l c g c n h e i t. zu. Er fragte den„sogenannten" Reichskanzler, ob er auch nach den Ver- Handlungen des gestrigen Tages keine Konsequenzen aus dem Mißtrauensvotum zu ziehen gedenken! unstreifig bestehe für ihn kein, staatsrechtlicher Zwang zur Demission, aber ob er sich nicht moralisch dazu gcnöttgt sehe. Während der Davidschen Rede war das sorgenvolle, grani- durchfurchte Gesicht des Reichskanzlers ani Bundesratsfischc aufgetaucht. Müde saß der Mann auf seinem Stuhle, müde sprach er nach David einige Worte, durch die er aber- mals ein wenig die Wirkung seiner Erklärungen in der vorigen � Woche abzuschwächen versuchte. Wieder mußten ihn, bei dieser schwierigen Arbeit einige dcplazierte Ausfälle auf die Sozialdemokratie als Folie dienen. Wie weltfremd dieser oberste Beamte des Deutschen Reiches in das Leben schaut, bewies seine„Widerlegung" der Davidschen Be- hauptung, daß sich eine Kluft nicht zwischen Heer und Volk, sondern im Heere selbst zwischen der Offizierskaste und dem gemeinen Manne befinde. Die Herren von der sozial- demokratischen Fraktion wissen nach der Meinung des Herrn Reichskanzlers in unserem Heere nicht Bescheid. Wie aus einem Munde flog ihm die Antwort zurück, daß gerade die Sozialdemokraten fast alle als gemeine Soldaten im Heere gedient haben. Sie sind über diesen Punkt fürwahr besser unterrichtet als der Herr Generalleutnant v. Bethmann Hollweg und seine militärischen Berater. Müde setzte sich der Reichskanzler und bald verließ er wieder das für ihn neuerdings so ungastliche Haus. Der Mann hat es gegenwärtig nicht leicht. Es möchten wohl nicht viele Leute in Deutschland gegenwärtig in seiner Haut stecken. Er kann sich dafür bei der Zwiespältigkeit unserer ver- fassungsrechtlichen Zustände bedanken. Wenn sich einer so wie er zum willenlosen Puffer des persönlichen Regiments gegen das Parlament hergibt, darf er sich nicht wmkdern, wenn es Püffe setzt. Mit einer überaus glücklich pointierten Rede unseres Gg- nosscn Bios schloß die erste Lesung des Etats. Genosse Bios beschränkte sich lediglich darauf, einige feine und einige grobe satirische Pfeile auf die operettenhafte Haupt- und Staats- aktion in Braunschweig abzuschnellen. Mehrmals erweckte unser Genosse durch die gelassene und überlegene Art, mit der er allen Beteiligten seine spöttischen Bemerkungen an den Kopf warf, lebhafte Heiterkeit im ganzen Hause, au: meisten durch seine Schlußbemerkung, durch die er zugleich im Namen des anderen braunschweigischen Abgeordneten, des Genossen Antrick, und„im Namen von 48(Xv braunschweigischen Wählern und Republikanern gegen die uns aufgeheiratete Dynastie" Pro- testiere. * Und dann kam die K r u P P- I n t e r p c l l a t i 0 n, die Frage der sozialdemokratischen Fraktion an die Regierung, warum sie den Abgeordneten Liebknecht als Mitglied der Untersuchungskonimission für Rüstungslicserungeu abgelehnt habe. Genosse Ledebour begründete die Interpellation mit der notwendigen sachlichen Schärfe und mit dem ihm in so reichem Maße zur Verfügung stehenden kaustischen Witz. Für beides bot der Gegenstand der Interpellation deni An- greiser die volle Breitseite dar. Als eine Verletzung der Rechte des Parlaments wies Ledebour das Verhalten der Regierung unwiderleglich nach. Nach dem bisherigen parla- mentarischen Gebrauche stand, der Regierung nicht das Recht zu, sich aus den einzelnen Fraktionen die ihr genehmen Ab- geordneten herauszusuchen. Sie war verpflichtet, die Vor- schlage der Parteien zu akzeptieren. Bei allen anderen Par» teien ist sie auch so verfahren. Nur bei der Sozialdemokratie lehnte sie gerade den Mann ab, der in erster Linie in die Kommission hineingehörte. Ledebour appellierte zum Schluß an die Solidarität der übrigen Parteien in einer Frage, die die elementarsten Rechte der Parteien und des Reichstags an- gehe. Tie Antwort gab der Staatssekretär des Innern, Tel- brück, der typische Vertreter des korrekten Beamtentums und der unfehlbaren Bureaukratie. In gleichmäßig rieseln- den temperamentlosen Tonfalle redete er— um die Sache herum. Worte, Worte, nichts als Worte. Nur einmal wurde der Herr Bureaukrat lebhaft. Das war, als er an den eigent- lichen Kern der Weigerung der Regierung kam: die sozial- demokratische Fraktion habe ein dem Reichstage nicht zu- stehendes Recht durchsetzen wollen, sie habe es der Regierung nicht mehr überlassen wollen, gnädigst auszuwählen und selber zu bestiinmen, wen sie haben wollte, sondern sie habe die Re- gierung zwingen wollen, einen bestimmten Abgeordneten zu nehmen. Der selbstherrliche Bureaukrat, der den Reichstag nur als eine unbequeme, aber leider nicht zu beseitigende Be- willigungsmaschine der Regierung betrachtet, reckte sich zu seiner vollen staatsmännischen Korrektheit und Ueberlegenheit auf:„und das konnte die Regierung doch nicht-- Der Rest seiner Worte ging unter in dem Sturm der Entrüstung, mit dem die sozialdemokratische Fraktion diese Herausforde- rung des Reichstags durch die Bureaukratie beantwortete. Nach dein berufsmäßigen Regieruugsanwalt kam ihr frei- williger Fürsprecher, der alt-uationalliberale Kammcrgerichts- rat Schiffer. Für ihn war die Rechtsfrage zugunsten der Regierung geklärt. Und im Ueberschwange seines bürgerlicki- kapitalistischen Juristenherzens hielt der Herr den Augenblick für günstig, auf den Krupp-Prozeß einzugehen und die Sache so darzustellen, als ob die Sozialdemokratie als die Ge- schlagene aus diesem Prozesse hervorgegangen sei. Mit übel- angebrachtem Hohne lehnte er künftige Kornwalzermitteilun- gen von vornherein ab und mit dichterischem Pathos pries er die sittliche Reinheit der deutschen Industrie und der Kruppdynastie im besonderen. Das gab unserem Genossen N 0 s k e noch als dem letzten Redner des Tages und damit gleichzeitig als dem letzten Red- ner des Reichstages im alten Jahre die erwünschte Gelegen- heit, die Antwort der Sozialdemokratie auf diese Heraus- forderung zu erteilen und unsere Meinung über den Krupp- Prozeß vor der vollsten Oeffentlichkeit darzulegen. Aus einem umfangreichen und hieb- und stichfesten Material packte unser Redner aus, und je länger er redete, um so länger wurden auch die Gesichter auf der bürgerlichen Seite. Er wies nach, wie überall Kruppsches Geld und Kruppscher Einfluß wühlt, wie durch den Krupp-Prozeß nach den Aeußerungen des An- klagevertreters und anderer Beteiligter längst nicht alle Skan- dale aufgedeckt worden sind, wie in der Annahme Kruppscher Geschenke und Kruppscher Gastfreundschaft die hohen Herren der Regierung den unteren Beamten ein peinliches Beispiel geben. Die sozialdemokratische Partei kann mit der letzten Reichs- tagssitzung zufrieden sein. Unsere Fraktion hat erneut be- kündet, daß sie ihre Pflicht weiß und schlagkräftig für die Interessen des Proletariats auf dem Posten ist. An den Genossen und Genossinnen im Lande ist es nun, in den nächsten vier Wochen der parlamentarischen Pause die Ergebnisse der jüngsten Tagung des deutschen Reichstages für die Aufrüttelung der Massen im Lande und damit auch für die notwendige Machterweiterung des deutschen Parlaments im Interesse der Freiheit und der Wohlfahrt des deutschen Volkes nutzbar zu machen. Wnchen-GIailbsch. Tie Agitationszentrale der angeblich„interkonfessionellen" Zentrumspartei ist der Bolksverein fürdas katholische Teutschland, dessen Hauptquartier sich in der niederrheinischcn Industriestadt P?.-Gladbach befindet. Aus kleinen Anfängen hcrauZ hat sich dieser Verein in den 23 Jahren seines Daseins zu einer mächtigen umfassenden Organisation entwickelt und es auf nahezu 330 vgl) Mitglieder gebracht. Da jedes Mitglied jährlich 1 M. Bei- trag zahlt, bedeutet das eine Einnahme von 8(X)0l>0 M. pro Jahr. Ter Volksverein betreibt ein riesiges Verlagsgeschäft in Büchern, Broschüren, Zeitungen und Flugschriften. Dieses.Ge» schüft, das mit einer eigenen Druckerei arbeitet, ist Selbstzweck; es erfüllt seine Aufgabe, auch wenn es keinen Ucberschuß abwirft. Von seinem Umfange mögen die folgenden Andeutungen ein Bild geben: In den Jahren lgW) bis 1912 verschickte der Volksvereinö- vcrlgg 1079 909 sozialpolitische Flugblätter, 4 199 999„gemein- nützige" Flugblätter, 12 999 999„apologetische"(der Verteidigung der Kirche gewidmete) Flugblätter, 32 259 999 Agitationsflugblättcr, 819 999 Aufrufe, 15 999 999 Jahresberichte, Mitteilungen an die Geschäftsführer, Briefe an die Vertrauensmänner usw., 23 599 999 OrganisationSmaterialicn. Seit seiner 1899 erfolgten Gründung hat der Verein 87 Aiillionen Flugblätter versandt. Hin- zu kommen neben der Vereinsschrift und der bekannten„West- deutschen Arbeiterzeitung" besondere Zeitschriften für die Jugend im allgemeinen, für die iveiblichc Jugend, für die Jugend auf dem Lande, für Studierende, für die Frauen usw. Sogar eine Zeit- schrist zur Pflege des Lichtbilderbetricbcs ist vorhanden, daneben eine Filmverleihanstalt. Zu den Lesern der Zentrumspreffc spricht M.-Gkadbach all» wöchentlich durch eine an 385 ultramontane Tageszeitungen ver» sandte politische und apologetische Korrespondenz. Bekannt sind die Kurse, die der Volksverein für die ein- zclncn Berufsgattüngcn, wie Arbeiter. Handwerker, öffentliche Be- amte, Landwirte, Techniker, Lehrer und Lehrerinnen, Ordenslcute, Studenten abhält. Ganz besonders aber befaßt er sich mit der Dressur von christlichen Arbeiter- und Gewertschaftssekretären. Um all das Aufgezählte und noch vieles andere leisten zu können, beschäftigt die Zentrale in einem riesigen, eigens für ihre Zwecke erbauten Hause in Be.-Gladbach ein Gcsamtpcrso- » n l von 163 Kräften. Darunter sind 65 Angestellte, von denen 16 literarisch und rednerisch tätig. sind. Die anderen sind Hilfspersonal. Neben der Zentrale werden sechs Landes sekrc- t a r i a t e und elf hauptamtlich verwaltete Sekretariate unter- halten; ferner ist der Volksverein an 63 anderen Sekretariaten be- teiligt. Das Reich ist in Agitationsbczirke eingeteilt, denen Bezirks- geschäftsfithrer vorstehen, die wieder mit Vertrauensmännern ar- beitcn. Wie emsig ulid systematisch alle diese Kräfte wirken, dafür zeugen die im verflossenen Geschäftsjahr versandten 1719 713 Mit- teilungcn, Briefe usw., sowie die 2 243 513 Organisationsinatc- rialicn.„..' Diese Angaben erschöpfen jedoch bei weitem nicht die Tätigkeit M.-Gladbachs. Es sei zum Beispiel auf die„soziale Studenten- arbeit" verwiesen, die durch ein eigenes Sekretariat unter Dr. Sonnenschein betrieben wird und im letzten Jahr 227„Ferienver- cinigungen" hatte, die etwa 299 Arbeiterkurse veranstalteten. Für die studentischen Arbeiterkurse erscheint eine eigene Schrift„Tie Volksgenossen". Daneben erscheine» die„Sozialen Studenten» blätter" in einer Auflage von 19 999 Exemplaren, Noch systcmatischcr ist der eigentliche Jugend fa-n g organi- siert. Und auch der Frauenagitation hat man(besonders im letzten Jahre) große Aufmerksamkeit gewidmet, und zwar aus- gesprochenermaßen zur Bekämpfung der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Der Volksverein hat 26 700 weibliche Mitglieder, für die eine besondere Zeitschrift hergestellt wird. Die im letzten Jahre gedruckten Bücher und Broschüren, die sich fast ausschließlich gegen die Sozialdemokratie richten, hatten eine Auflage von 821 000 Exemplaren. Eine der Hauptaufgaben des Volksvercins ist auch die Förderung der ch r i st l i ch e n Gewerkschaften, die ihre Gründung den M.-Gladbachern verdanken. Oft werden die Wahlerfolge des Zentrunis nur darauf zurück- geführt, daß diese Partei in den katholischen Geistlichen ein Riesen- Heer unbezahlter Agitatoren besitzt, die nicht nur mit der Bevölke- rung ihres Wirkungskreises bekannt und verwachsen sind, sondern auch infolge ihres geistlichen Amtes sich einer besonderen Autorität erfreuen. Da? ist sicher zum großen Teil richtig; doch mutz an- erkannt werden, daß sich die Zentrumspartei daneben im Volks- verein einen Agitations-, Jnstruktions-, Flugblätter- und Bro- schürenvertriebs-Apparat geschaffen hat, wie ihn keine andere Partei besitzt. Auch die sozialdemokratische Partei kann in dieser Hinsicht noch gar manches vom Zentrum lernen. ftolitifcke Oeberfkbt. Nationalliberale Nachklänge der Zabern-Tebatte. To gemäßigt in Ton und Haltung auch entsprechend den schonen Traditionen der politischen Ouallentiere sich der natio- nalliberale Abgeordnete Professor v. Calkcr in der Reichs- tagssttzung des 4. Dezember gegen das Vorgehen der Militär- behörden in Zabern gewandt hat. findet doch seine Rede bei den Rechts- oder, wie sie sich zu nennen belieben. Altnational- liberalen heftigste Verurteilung, und deshalb leistet sich Herr Päul Fuhrmann als Vertrauensmann dieser Spezies in der „Altnationalliberalen Reichskorrespondenz" eine scharfe Zu- rechtweisung der nationalliberalen Reichstagsfraktion und ihres Redners. Herr Fuhrniann schüttet zunächst in seinem„Zaber n" überschriebenen Artikel seine ganze sittliche Entrüstung über die radaulustige Sozialdemokratie und Fortschrittliche Volks- Partei sowie über das demagogische Zentrum aus. Er«mint: „Die„Nationallibernle 5lorresponvenz" Hot es bedauert, daß die Sozialdemokratie bei dem„lediglich um der Opposition willen künstlich inszenierten Radau" in den Freisinnigen Genosse» ihres TunS gefunden habe. In der Tat ist kein Wort �u scharf. die Würdelosigkeit der gekennzeichneten Auftritte zu brandmarken. Wenn man bedenkt, daß sie den demokratischen Parteien zur Last fallen, die auf eine Erweiterung der Rechte des Parlaments hinarbeiten, dann konnten die Gruppen keinen besseren Beiv eis für ihre Un- reife und für die Schädlichkeit des von ihnen vertretenen Systeins erbringen, als er in den eigenen Handlungen zur Erscheinung kam. Wer im politischen Leben steht und damit in die„politische D r e ck l i n i e" eingerückt ist, der hat es gewiß verlernt, in manchen Dingen allzu zimperlich zu sein. Was aber am � 1. Dezember im Reichstag geschah, das hat sicherlich keiner der 'bcteiligkcn Abgeordneten jemals in dtr tadclulnstigsten Volksversammlung erlebt." Ilm so größer war nach Herrn Fuhrmanns Ansicht die ../Verpflichtung, diesem Treiben entgegenzutreten und sich schützend vor die Regierung, das heißt den Kanzler, zu stellen. In der Rede des Herrn v. Calker aber, habe man jeden Ver- such dieser Art„schmerzlich" vermißl— wodurch die natio- nalliberale Partei in den schrecklichen Verdacht geraten sei, mit der bürgerlichen und sozialistischen Demokratie genieiniame Beweggründe und Ziele zu habe». Besonders hätte Herr v. Calker auf die Nachlässigkeit der Zivilbehörden in den Reichslanden und auf den unpatriotischen Geist der Elsässer hinweise» müssen: „Vor allem aber hätte der Bevölkerung des Reichslandes gesagt werden müssen, daß sie im Verein mit einzelnen hetzerischen Preßorgancn mit die Schuld daran trägt, daß ein an sich nicht „weltbewegender" Vorfall so unheilvolle Folgen hatte. Wenn man sich aber leider darauf beschränkte, dem elsässischen Volke von allen Seiten gut zuzureden, es möge aus der Parteinahme des Reichstages das Wohlwollen des deutschen Volkes für seine Eigenart und seine Rechte entnehmen, dann war das kaum der richtige Weg, einen, wie die Dinge zeigen, überempfindlich gc- wordenen Volksstamm, der weit über die berechtigte Eigenart hinaus zur kulturellen, wenn nicht gar staatlichen vollen Ver- selbständigüng entschlossen ist, zum innerlichen Anschluß an die altdeutsche Kultur Und zur Unterordnung unter den Reichs- gcdanken zu führen." Leider habe die nationalliberale Reichstagsfraktion ver- säumt, von dem„Parlnmentsspektakel der Sozialdemokratie nnd des Freisinns" weit abzurücken, die Rechte der Krone gegenüber deni Parlament hervorzukehren und die ihr„durch Tradition, Parteicharakter und durch die nationalen In- teressen" gewiesene Stellung einzunehmen. Für den Amphibiencharakter der Nationalliberale» ist diese Abriiffelung der nationalliberalen Reichstagsfraktion höchst.kennzeichnend. Zugleich aber � beweist sie, welches Uebergewicht in der nationalliberalen Partei seit dem vorigen Jahr die sogenannte„alte" Richtung erlangt hat. Noch vor Jahresfrist hätte Herr Fuhrmann sich kaum offen in dieser Weise als Zensor und Öberschnlmeister seiner Partei aufzu- spielen gewagt._. Tie Zaberncr Zivilverwaltung gegen die Militär- legenden. Daß unter Duldung und Mitwirkung des Obersten p. Reuter in Zabern eine verfassungswidrige Militärdiktatur etabliert wurde, ist ja selbst von Herrn v. Äcthmann Hollweg gnädigst zugestanden worden. Aber der Reichskanzler folvohl wie der Kriegsminister haben zur Entschuldigung dieser un- erhörten Gesetzesverletznng eine von militärischer Seite ausgehende Darlegung wiedergegeben, wonach die Offiziere zur Abwehr von Beleidigungen hätten greifen müssen, weil ihnen die Z i v i l v e r w a l t u n g nicht den nötigen Schutz gewährt hätte. Gegen diese unwahre Darstellung wendet sich die Zaberner Zivilverlvaltnng durch eine Erklärung in der„ S t r a ß b n r g e r Post". In dieser Erklärung heißt es: „Tatsächlich hat die Polizei in Zabern i h r o P f l i ch t e r f ii l l t. Es siehe» dort der unler einem Oberwachtmciswr organisierten städtischen Ortspolizei vier Polizisten, drei Feldhüter und zwei Nachtwächter zur Verfügung. Die Gendarmeriestation Zabern besteht aus einem Oberwachlmeister, zwei berittenen und zwei Fuß- gcndarinen. AIS die ersten Ansammlungen vor dem Hause des Leutnants v. Forstner am 8. November stattfanden, wurdeu die städtischen Polizeidiener sofort dort» bin geschickt und eS gelang ihnen auch, die Tumultuanten zu zerstreuen. Am 9. November, als wieder Ansammlungen vorkamen, griffen neben der allerdings wirkungslosen Feuerwehr, die.eine freiwillige ist und nicht den Charakter einer städtischen Einrichtung hat, sofort auf Anordnung des Kreisdirektors die fünf Gendarmen sämtlich zu Fuß ein und hielten die meistens ans Frauen und lärmender Jugend bestehende Ansammlung so gut es ging in Schranken. Die Menge war sehr aufgeregt, aber Verfehlungen gegen das Strafgesetz sind kaum vorgekommen. Ebenso wenig kam es am 10. November zu strafbaren Handlungen. Für alle Fälle traf jedoch der Kreisdirektor weitere Maßnahmen, um jeglichen Kundgebungen vorbeugen zu können. Aus seine Anordnung erließ der Bürgermeister eine belnhigende Bekanntmachung. In den Schulen wurden die Kinder verwarnt, die Leitung der großen Wcrkzeugmaschinenfabrik Zorn- hos versuchte ihre Arbeiter durch Anschlag zu warnen. Vier weitere Gendarmen wurden herangezogen, ab- gesehen von der Ortspolizei, die wohl wie in den meisten kleinen Landstädten nicht mit der einer Großstadt berglichen werden darf, und also acht Gendarmen, darunter mehrere berittene unter einem Oberwachlmeister, bereitgehalten. Wenn man bedenkt, daß Zabern im ganzen etwa 9000 Einwohner zählt, und für die Aniamm- lungen nur ein kleiner Raun, in Frage kam, mußte dieses Sicher- heitsanfgcbot als durcBans genügend gelten. ES ist auch am Dienstag, 11. November, nichts von be- sonderer Aufregung in der Stgdt bemerkt worden. Die von auswärts herangezogenen Gendarmen konnten unbedenklich am 12. November wieder entlassen werden, und das weitere Verhalten der Bevölkerung vom 12. bis 23. November rechtfertigte wohl auch diese Maßnahme. D i e Stadl blieb ruhig. Gleichwohl war die aus fünf Mann bestehende Zaberitcr Gendarmerie von ihren gewöhnlichen Patrouillengängen entbunden und hatte den Befehl, dauernd in der Hauptstraße— eS kommt hier eine Länge von 200 Meter in Betracht— in Stärke von zwei Mann zu patrouillieren. Die Ortspolizisten hatte ihre gewöhnlichen Diensigänge und hallen sich mit Einbruch der Dunkelheit für alle Fälle zur Verfügung zu halten. Daß trotzdem mili- t ä r t s ch e Patrouille» in der Stadt erschienen und Leutnant v. Forstner nur mit militärischer Bedeckung ausging, kann jedenfalls damit, daß in der Bevölkerung Unruhen zu befürchten waren, nicht begründet werden. Ob eS sich mit dem nötigen Schuß gegen vereinzelte Beleidigungen rechtfertigen läßt, mag dahingestellt bleiben. Auch an dein kritischen Tage, dein 28. November, war keinerlei Ansammlung vorauszusehen. Der Äendarmerieoberwachtmeister war noch eine Viertel st uit de vor dem Trommel- Wirbel, der der militärischen Straße»räumung vorausging, über den fast leeren Schloßplatz gegangen nnd halte nichts A u f s ä l l i g c s g e m e r k t. Die Gendarmeriepatrouille von zlvei Mann und einem Polizisten stand am Schloß- platz. Daß dann alles zusammenlief, als plötzlich militärische Trommelwirbel mitten in der Stadt e r s ch a Ilten und Aufruhrparagrapheir ver- lesen wurden, darf iiicmaitd wundern. Falsch ist aber und muß niit aller Entschiedenheit besiritteil werden, ivenn in ciiicin solchen Augenblick von gefährlicher Znsammen- rottung und von Versagen der Ztvilgewalt ge- sp r o ch e n wird." Das Militär hat also nicht nur durch die von Forstner verübten skandalösen Exzesse die nur zu gerechtfertigte Eni- Pörung der Zaberner und elsässischen Bevölkerung überhaupt provoziert, sondern auch ohne den geringsten Anlaß Maßnahmen ergriffen, zu denen es keinerlei Berechtigung be- saß. die im Gegenteil die g r L b l i ch st e n V e r f a s su n g S- Verletzungen darstellten. Durch die Darlegung der Zaberncr Zivilverwaltung fällt also auch der letzte faden- scheinige Beschönigungsversuch für die Militärverwaltung hinweg. Ilm so gespannter darf man sein, welche Strafen dem Reuter. Forstner und anderen Schuldigen blühen werden. Wenn eine halboffiziöse Korrespondenz bereits mitteilen zu können glaubt, daß die unerhörten Ccsetzesverletzungen in einer Versetzung des Leutnants v. F o r st n e r eine genügende Sühne finden und daß Oberst Reuter vollends straffrei bleiben werde, so halten wir diese Darstellung einstweilen für allzu optimistisch. Sollte die Sühne aber wirklich ähnlich ausfallen, so könnte sich die Sozialdemokratie fürs erste wegen Mangels an Agitationsstoff wirklich nicht beklagen! Proklamierung des Faustrechts. Den norddeutschen konservativen Organen folgend, proklamiert nun auch die„Süddeutsche Konservative Korrespondenz" daS militärische Faustrecht. Das Blatt schreibt: „Das Militär ist die Garde des Königs und die General- schutzmnnnschaft des ganzen Reiches und des ganzen Volkes. Tie Armee ist der technische vollendetste Ausdruck obrigkeitliche» Macht- IvillcnS und durch seine Subkorpqration mit dem KönigSwillen ei» wesentlicher. Bestandteil der Obrigkeit. Wenn Soldaten von Lümmeln und Proleten, von einem deutsch-, tönigs« und militärfeindlichen Plebs bedroht werden, dann haben sie dreimal das Recht, sofort gegen die Attentäter einzuschreiten." Das Zentrum und der sogenannte Slrpcitswtlligenschutz. Bei den Debatten der baherischen Abgeordnetenkammer über die Gewerbcaussicht erklärte a>N Donnerstag der klerikale Arbeiterführer Oswald sich zwar gegen eine neue Zuchthausvorlage, fügte aber wörtlich hinzu:„Wir sind auch der Meinung, daß gegenüber den Bestrebungen des immer wieder hervortretenden Terrorismus, der Ausschaltung von Arbeitswilligen, auch solcher die organisiert sind, init einer größereil Entschiedenheit entgegengetreten werden muß als bisher." Man müsse sich, erklärte er, ernstlich überlegen, ob eS nicht Zeit sei, gegen den Terrorismns der„sozialdemokratischen Gewerkschaften" einzuschreiten. Er sei der Meinung, daß eS kein wirksameres Mittel gebe, als wenn die Kaufleule und Arbeitgeber, an die terroristische Anforderungeit gestellt würden, den Staatsanwalt davon in Kenntnis setzten unter Benennung der betreffenden Personen, und wenn dieser dann mit Entschiedenheit eingriffe. Er richte deshalb auch an die Regierung die Bitte, ihren Einfluß im Bundesrat dafür geltend zu machen, daß der geplante ArbeilSivilligenschntz unterbleibe, dafür aber die geltenden gesetzlichen Bestimmuiigen strenge auf jene an- gewandt würden, die anderen gegenüber TertoriSinuS und Gewalt ausübten. Die bayerische„Staatszeitrlng" saßt den Inhalt der Oswaldschen Aeußerüngen zutreffend in dem Satz zusammen: Oswald habe sich nur gegen ein d i r e t t e S Arbeiiswilligenschutzgesetz ausgesprochen. Das baherische Zentrum will in der Tat zunächst indirekt auf dem Verwaltungswege einen Ausnahmezustand für die freien Gewerk- schatten schaffe». Später wird es dann auch für eine Verschärfung des allgemeinen Strafgesetzes eintreten. Bürgerliche Gewaltakte. In jeder der beiden schlesijchen Städte O h l a u und B u n z l a u wurden bei den diesjährigen Stadtverorvnetciiwahlcn vicrSozial- deniokraten gewählt, deren Wahl jedoch dieser Tage von den bürgerlichen Mehrheiten beider Stadiparlamente sür ungültig erklärt wurden. Angeblich sollen Verstöße gegen das Wahlgesetz vorgekommen sein. In Bunzlau, wo zur Prüfung von Wahl- Protesten eine besondere RechtSlommission besteht, wies deren Vertreter daraus hin, daß nach genauer Prüfung der Protestgründe auch nicht das gering st e übrig bleibe, was eine Un« gültigkeitserklärung rechtfertigen lönne. DaS half aber nichts, die bürgerliche Mehrheit erklärte einfach die Wahl der vier Sozialdemokraten für ungültig. In O h l a u waren die Protestgründe ebenso fadenscheinig wie in Bunzlau, aber auch hier sorgte die bürgerliche Mehrheit durch Ungültigkeitserklärung dafür, daß die rechtmäßig Gewählten vor« läufig das ihnen übertragene Amt nicht ausüben dürfen. In den beiden Städten werden unsere Genossen den Klage- weg beschreiten. Bis zur Erledigung des Verfahrens bleiben aber die bisherigen Mandatinhaber im Besitz derselben, denn nach § 28 der Städteordnung für die sechs östlichen Provinzen können Stadtverordnete so lange in„Tätigkeit" bleiben, bis ihre Nachfolger das Recht erworben haben, ihr Amt anzutreten. Daß einer von diesen Herren das Amt, das er während dieser Zeit ausübt, ohne dazu beauftragt zu sein, freiwillig niederlegt, ist kaum anzunehmen. Die bürgerliche Moral ist in dieser Beziehung durchaus nicht engherzig. Tie dcutsch-französische Annäherung. Am 9. Dezember hat im Reichslag eine Sitzung deutscher Parla- mentarier stattgefunden, um das durch die Berner Ver- ständiguiigskonferenz von Pfingsten 1913 eingesetzte ständige Komitee der deutsib-französtschen Verständigungskonferenz durch Kooptation zu vervollständigen und zu konstituleren, nachdem die Konstituierung der französischen Abteilung des Komitees kürzlich stattgefunden hat. Es wurde von den deutschen RcichStagSabgcord- neten die Einsetzung eineS Vorstandes von fünf Mitgliedern be- schloffen, die den fünf in dem Komitee vertretenen Parteien ent- nommen worden sind. Es sind dies die Herren: Reichstagsabgeordneter Dr. Belzer(Z.) „ Dr. Bollert(natl.) „ Dr. H a a s e(Soz.) „ Haußmann(Vp.) Dr. Ricklin(Elf.) Zum Vorsitzenden wurde Abgeordneter Haußmann bestimmt. Dem Komitee selbst gehören die ReichstagSabgeordneten Belzer, Bolz, Bollert, D�avid, Fischbeck, Frank, Gothein, Haase, Haegy, Haußmann, Ledebour, Liesching, v. Liszt, Müller- Meiningen, Pfeiffer, Ricklin, Scheide mann und W e i l l. Der Vorstand wurde beaujtragt, dem Komitee Vorschläge über die Art und Weise gemeinsamen Vorgehens zu unterbreiten. ES wurde in der Sitzung mitgeteilt, daß von den französischen Teilnehmern der Berner Konferenz und der inneren Kommission zwei in das neue Ministerium eingetreten sind und daß Minister Caillaux der Berner Konferenz schriftlich seine Sympathie und sein Einverständnis mit« geteilt hatte.__ Linden als Hafenstadt. Die städtischen Kollegien der Stadt Linden(bei Hannover) bewilligten gestern einstimmig die Smnme von 4 800 000 M. zur Erbauung eines städtischen Hafens mit Hafcnbahnhof im Anschluß an den'Stichkanal des Rhein-Leine-Kauals. Der Magistrat hatte aus den Ueberschüssen der letzten Jahre zu diesem Zwecke einen Fonds von l'/a Millionen Mark angesammelt, so daß eine Steuer- erhöhung vorläufig noch nicht nötig erscheint. Zentrum nnd christliche Gewerkschaften. Aus dem Zentrumiparteitag sür den Kreis Aachen-Land. der am 7. Dezember stattfand, wurde auch die Haltung des gentrums zu den Kommunalwahlen besprochen nnd doraushin erklärt, daß„die Gc- mcinderaiSwahlen vom politischeil Parteistandpunkt au? gemacht lverden müssen". Demnach kommen die kommunalen Interessen der Genieinden für das Zentrum erst in zweiter Linie in Betracht. Weiter wurde erllärt: „Die Aufstellung der Kandidaten bei Kommunalwablen müsse durch die OrtSkomiteeS der Partei, nicht durch allgemeine Volks« Versammlung erfolgen. DaS Komitee präsentiere seine Kandidaten der Zentrumswählcrversaminlung. Wo das nicht geschehe, könne das zu unliebsamen Vorkommnissen führen, wie das beispiels- weife in Gressenich geschehen ist, wo ein Hirsch-Dunckerschcr Gc- werkschastlcr aufgestellt, allerdings nicht gewählt wurde, der im Streik bei Prym ganz besonders gegen die christlichen Gewerkschaften aufgetreten ist. Wer gegen die christlichen Gewerkschaften ist, wird vorn ämtrum bekämpft. Als Gegenleistung bekämpfen die christlichen ewerkschaften wieder jeden, der nicht sür daS Zentrum zu haben ist. Bei Wahlen und bei Volks- und arbeiterverräterischen Streichen des einen oder des anderen Teils macht sich diese Solidarität ganz besonders bemerkbar, lind da sage noch einer, daß Zentrumsparlei und christliche Gewerlschaften nicht eins sind. Konservative„Enthüllungen Die aktenmäßige Darlegung über den konservativen Wahl- beeinflussungsversuch im schlesischen Kreise L ö w e n b e r g, die in der ReichStagSsitzung vom 28. November der freisinnige Abgeordnete Ablaß vortrug, läßt die Konservativen nicht ruhen. Gleich nach Herrn Ablaß meldete sich damals Graf Westarp zum Wort und kündigte peinliche Eiithii Hungen über sozialdemokratisch- freisinnige Techtelmcchtelcien im selben Löweuberger Kreise an. Jetzt sind diese Enthüllungen heraus. Der konservative Lvwenberger Malermeister W e y m a n n. der bekanntlich ganz aus„eigener Entschließung" dem sozialdemokratischen Vertrauensmann erst 500, dann 1000 Mark angeboten hatte, falls die sozialdemokratischen Wähler in der Stichwahl nicht für Kopsch stimmen würden, richtet einen„Offenen Brief" an den Abg. Ablaß, in dem er folgendes behauptet: „WaS tat der Freisinn? Zwei seiner Vertrauensmänner, Herr Brauereibesitzer Hohberg und Herr Gartenbesitzer Julius Seidel, beide Hierselbst, besuchte» den Vertrauensmann der sozialdemo« kratischen Partei, Herrn Maerten, in dessen Wohnung, um nicht, wie ich getan, sich wegen eventueller Stimmenthaltung zu er« kundigen, sondern um Stimmabgabe für ihren Kandidaten zu werben unter gleickzeitiger Uebernahme sämtlicher Kosten, die durch Inserate und Flugblätter auf Gnmfr dieses. Abkommens erwachsen würden. Vorher war die Anerkennung erwähnter sechs Forderungen, welche die sozialdemokratische Partei gestellt hatte, mit eigen- händiger Unterschrift des Herrn Kopsch versehen, eingetroffen; doch mußte dieselbe, um bei den Genossen Annahme zu finden, erst noch mit dem sreisinnigen Parteistempel erhärtet werden. Dieses geschah und das Geschäft war richtig.— Wissen Sie, Herr Justizrat, den geldlichen Preis für dieses Techtelmechtel anzugeben? Wenn nicht, der jetzige Abgeordnete Herr Rektor Kopsch, wird hierüber wohl Auskunft geben tonnen." Der Vorwurf, der hier den Freisinnigen gemacht wird, liegt darin, daß sie, angeblich um die Ausführung des sogen. DSißpsungs. abkomme»? zwischen Sozialdemokratie und Freisinn zu ermöglichen. der Löwenberger Parteileitung Geld gegeben haben! Ohne Zweifel eine Erfindung: denn sonst wurde Herr Wey- mann doch genaueres darüber angeben können. Tie Unmöglichkeit einer solchen örtlichen finanzielle» Intimität ergibt sich jchgn aui dem ganzen zentralen Charakter der damaligen Abmachungen zwischen Sozialdemokratie und Freisinn.— Der oben genannte sozialdemo- kratische Vertrauensmann Maerten gehört jedoch heute der Partei nicht mehr an; vielleicht rechnet Herr Weymann daher auf eine gewisse Unlontrollierbarkeit seiner Behauptungen. Oeltcrrdcb. Erhöhung des steuerfreien Existenzminimulns. Bei der Beratung deS Personal-Einkommensteuergesetzes im österreichischen Abgeordnetcnhause wurde auf Antrag der Sozial- demokraten der 8 in folgender Fassung angenommen: „Von der Einkommensteuer sind serner befreit, Personen, deren gesamtes Einkommen, auf ein Jahr berechnet, den Betrag von 1600 Kronen(statt wie bisher 1200 Kronen) nicht über- steigt." Die Regierung hat den Beschlutz als unannehmbar erklärt; es handelt sich daher nun noch darum, datz die Mehrheitsparteien bei der dritten Lesung nicht umfallen. franhmcb. Die Presie über die Rcgierungscrkärung. Paris, 12. Dezember. Die Mehrheit der radikalen Blätter äutzert sich über die gestrige Kammersitzung sehr befriedigt. Diese sei ein Beweis dafür, datz eS für die letzte Kabinettskrise keine andere Lösung gegeben habe, als die Bildung eines radikalen Kabinetts, welches mit der Rechten nicht paktiere und den geeinigten Sozialisten keine übermätzigen Zu- geständnisse machen wolle. Die konservative und ge« mähigte Presse meint, datz das erste Auftreten des neuen Ministeriums kein sehr glänzendes gewesen sei und kritisiert insbesondere die rednerische Leistung des Ministerpräsidenten DoumcrgUe. I a u r e s erklärt in der H u m a n i t e: Der gestrige Tag hat sowohl der Rechten wie der radikalen Partei Enttäuschungen gebracht. Die Rechte hatte gehofft, das Ministerium durch einen heftigen Angriff zu stürzen, und die radikale Partei hatte gehofft, datz ihr Ministerium das Programm deS Kongresses von Pau zum Regierungsprogramm machen würde. Das Kabinett hat jedoch nicht gewagt, ein klares Wort zu sprechen. Ist es vielleicht innerlich entzweit? Besteht es vielleicht aus einem linken Flügel unter der Führung C a i l l a u x' und aus einem rechten Flügel unter der Führung VV i v i a n i s? Hat es durch diesen letzteren oder durch andere Minister bereits den geheimen Einfluß des Elhsees über sich ergchen lassen? Als das bemerkenswerteste Ereignis der Sitzung wird vielfach das Eingreifen des früheren Ministerpräsidenten B r i a n d her- vorgehoben, der offenkundig die Rolle eines Führers der Opposition übernommen habe. RiilZland. Mitzglucktcr Fluchtversuch aus der sibirischen Lerbannung. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Wir erhielten hier die schmerzliche Mitteilung, datz die alte und verdiente Genossin Katharina Breschko-Bresch- k o w s k a j a bei eiueni Fluchtversucl? auS der sibirischen Verbannung von der Polizei gefangen genommen lind im Ge- fängniS von Jrkutsk interniert worden ist. Tie Genossin Breschko-Breschkowskaja. die jetzt 70 Jahre alt ist, gehört zu den ältesten und energischsten Vorkämpfern der russischen revolutionären Bewegung. Schon im Jahre 1873 nahm sie an der sozialistischen Propaganda im Volk regen Anteil. 187-t verhaftet, saß sie vier Jahre in Untersuchunas- Haft und wurde in dein berühmten Prozetz der 193 zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Im Sommer 1881 unter- nahm sie mit drei anderen Genossen einen Fluchtversuch aus der �Gefangenschaft. Sie wurde auf der Flucht verhaftet und zu 5 weiteren Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Im Jahre 1898 kehrte sie aus der Verbannung zurück und lebte unter Polizeiaufsicht in Minsk. Von hier flüchtete sie nach dein Auslände und unternahm eine Reise durch Amerika, wo sie auf zahlreich besuchten Volksversammlungen die Leiden der politischen Verbannten in Sibirien schilderte. In den nach- folgenden Jahren nahm sie regen Anteil an der revollitio- nären Bewegung und gehörte unter anderem zu den Mit- begrüiideru der sozialrevolutiouären Partei. Ihre letzte Ver- Haftung fällt in das Jahre 1910. Sie wurde zusammen mit Tschai kowski, für dessen Befreiung eine intensive Agi- tation in England einsetzte, vor Gericht gestellt und zur Zwangsansiedelung in Ostsibirien verurteilt. Als Verbau- nungsort wurde ihr Kirensk im Gouvernement Jrkutsk an- gewiesen, und hier wurde die fast 79jährige kranke Frau so streng bewacht, datz ihr Aufenthalt in Kirensk sich durch nichts von strenger Gcfängnishast unterschied. Jeder Schritt der Verbannten wurde von Polizisten überwacht, und Tag und Rächt defilierten vor ihrer Wohnung zwei Schutz- leute. Die unaufhörlichen polizeilichen Verfolgungen, die fortwährenden Eingriffe in ihr Privatleben waren uin so quälender, als die Genossi'n schwer erkrankte und nicht einmal die Möglichkeit hatte, ärztliche Heilung und Pflege zu finden. Tie unerträglichen Bedingungen der Verbannung trieben sie schließlich zu einem tollkühnen Fluchtversuch. Auf die Mittei» lung von ihrer Flucht wurde die gesamte Polizei des Bezirks auf die Beine gebracht. Einige Tage nach der Flucht wurde die Genossin gefangen genominen und unter Bedeckung von 59 Polizisten nach dem Gefängnis geschafft. Der Genossin Breschko-Breschkowskaja droht nun wegen des Fluchtversuchs eine langwierige UntersilcknngShast, Ver- bannung nach) den nördlichsten Bezirken des Gouvernements Jakutsk, vielleicht sogar eine noch strengere Strafe. So rächt sich die Zarenregierung an ihren politischen Gegnern. Weder Alter noch Krankheit schützt sie vor der infamen Rachsucht, vor der Barbarei der herrschenden Banditenregierung. Ein Monsterprozeß der Schwarzmeerslotte. Tie Voruntersuchung in dem Prozetz der Scemannsorgani- sation der Schwarzmeerslotte, zu der bekanntlich auch der in Alexandria verhaftete gnd an Rutzland ausgelieferte Redakteur des SccmannSorgans, Genosse Adamowitsch, herangezogen worden ist, ist, wie aus Odessa gemeldet wird, deendet, lieber 100 Personen sind unter Anklage gestellt. Die Anklage lautet auf Art. 102 deS Strafgesetzbuches(gewaltsamer Umsturz der Staats- ordnung) und bedroht die Angeklagten mit dem Verlust aller bürgerlichen Rechte und langjähriger Zwang». arbettl Mexiko. Ein neuer Erfolg der Aufständischen. New Nork, 12. Dezember. Nach einem Telegramm des Blattes„Sun" auS Mexiko haben die Insurgenten gestern abend Tamptco eingenommen. Hus der Partei. Aus den Organisationen. Eine sozialdemokratische Konferenz für den Reichstagswahlkrei« Würzburg tagte in Würzburg. Nach dem Bericht hatte der Wahlkreisverein am IS. Oktober 2503 Mitglieder, darunter 242 weibliche. Trotz der elenden Wirtschafts- läge und sonstiger ungünstiger Verhältnisse, unter denen der Wahl- kreis zu leiden hat, ist ein Rückgang nicht eingetreten, vielmehr ist eine Mitgliederzunahme von 72 zu verzeichnen. Aus dem Bericht ging weiter hervor, daß das Bezirksamt Würzburg sozialisten- gesetzliche Traditionen wieder zu beleben sucht, indem es für jede einzelne Sektion des WahlkreisvereinS die Anmeldepflicht konstruieren möchte. Dagegen wehrt sich der Kreisvorstand natürlich und da das Bezirksamt auf seiner Anschauung beharrt, wird die Sache zum ge- richtlichen AuStrag kommen. Personalien. Parteisekretär Gehrmann im Wahlkreis Nauniburg-Weißenfels-Zeitz wurde zum Parteisekretär für Harburg gewählt. Er tritt seinen Posten am 1. Januar an. Gemcinderatswahlen in Württemberg. Von den württembegischen GemeindcatSwahlen liegen eine Reihe weiterer Ergebnisse vor. Trotzdem die bürgerlichen Parteien sich in dem Maße enger zusammenschließen, indem in unserer Partei der Eifer zur Erringung von Einfluß in den Gemeindeverwaltungen wächst, ist es doch in einer ganzen Anzahl kleinerer Gemeinden gelungen, die ersten sozialdemokratischen Vertreter auf die Rat- häuier zu senden. Stehen diesen Erfolgen da und dort auch Ent- täuschungen gegenüber, so werden sie durch die erfreulichen Er- gebnisse mehr als aufgewogen. In der Schwarzwaldgemeinde Unterreichenbach verzichteten die Gegner auf jeden Kampf und überließen unseren Genossen das Rathaus, das nun ganz von sozialdemokratischen Gemeinderäten besetzt ist. In der großen Torfgemeinde Fellbach, Oberamt Kannstatt, zieht jetzt auch ein Genosse in das Rathaus ein. Von den Städten sind zu nennen: Gaislingen und Metzingcn, wo wir je einen; Urach, wo wir zwei Sitze neu holten; Göppingen, wo zwei und Heiden- heim, wo drei bisher in unserem Besitz gewesene Mandate wieder durch Parteigenossen besetzt wurden. In Heidenheim besteht der Gemeinderat künftig aus neun bürgerlichen und acht sozial- demokratischen Mitgliedern. Prcßvrvzcb. Zu einem Monat Gefängnis verurteilte das Alten- bürg er Schöffengericht den Redakteur der„Altenburger Volks- zeitung", Genossen Hermann Müller, wegen Beleidigung des Redakteurs Winkler. Der Kläger hatte in seinem„unparteiischen" Blatte behauptet, datz der verstorbene Genosse Buchwaid von der ReichstagSkandidatur verdrängt worden sei. Tie„Altenburger Volkszcitung" wies nach, datz diese Behauptung erfunden war. In der Kritik, die dem gegnerischen Blatte gewidmet war, erblickte das Gericht den Tatbestand der Beleidigung des Redakteurs. Rm Industrie und Dandel. Zinsermiitzigmig. Ende Oktober ist der Zinsfuß der Reichsbank von 6 auf Sst, Proz. ermäßigt worden. Gestern har die Verwaltung der Reichsbank sich zu einer neuen DiSkontermäßigung um'/» Proz. auf S Proz. ent« schlössen. Nur sehr selten sind zu Ende des Jahres Zins- Herabsetzungen vorgenommen worden. Gewöhnlich wurde der ZtnS- fuß tn den Herbstmonaten vielmehr heraufgesetzt, da sich in dieser Zeit die Ansprüche auf dem Geldmarkt zu vermehren pflegen. Wenn in diesem Jahre eine Zinsherabsetzung ersolgt, so wird das erklärlich durch die Situation, die seit dem Herbit 1012 auf dem Geldmarkt herrscht«. D e Bedürfnisse der Industrie infolge der gesteigerten Hochkonjunktur und die Unsicher- heit infolge des Balkankrieges führten im vergangenen Winter zu großer Geldknappheit, die die Reichsbank zur Verteuerung der Kredite veranlaßte. End« Oktober 1012 wurde von der Reichs- bank der Zinsfuß von 4'/, auf S Prozent und bald darauf (Mitte November) von 5 auf 6 Prozent heraufgesetzt. Erst in den Herbstmonaten dieses Jahres hat die Anspannung ans dem Geldmärkte nachgelassen; die Ansprüche an die Reichsbank wurden niedriger. Gleichzeitig stieg der Metall- und Goldbestand der Reichsbank, was zum Teil allerdings dadurch hervorgerufen wurde, daß das Reich in verstärktem Maße Papiergeld(kleine Noten) aus- gab. Mit Rückficht auf die bessere Lage des Geldmarktes bat nun die Reichsbank der Zinsermätzigung vom Ende Oktober in diesen Tagen eine weitere folgest lassen. So kommt es, daß augenblicklich die Deutsche Reichsbank und die Bank von England dieselbe Zinsrate fordern, während für gewöhnlich der Diskont in England niedriger steht. Ob die Erleichterung des Kredits der Industrie die gewünschte Belebung bringen wird, bleibt fraglich. Dle Krise hat bereits einen solchen Umfang, daß die soeben beschlossene Zinsermäßigung dem Wirtschastsleben ebensowenig eine merkbare Anregung bringen wird wie die Diskontermäßigung Ends Oktober. Eissyndikat. Mehrere Groß-Bcrliner EiZproduzenten haben sich zu einem „Verbände Groß-Berliner Eisfabriken" zusammengeschlossen. Das Svndikat ist aus 6 Jahre abgeschlossen worden. Es sieht eine Pro- duktionsbeschränkung auf Grund des vorjährigen Absatzes für die Mitglieder vor; für den Mehrabsatz muß eine Abgabe an das Syn- dikat gezahlt werden. Die Preise werden von dem Syndikat sofort um 5 Pf. pro Zentner(jetziger Preis 50 Pf. ab Werk) erhöht werden. Neben dem größten Elsproduzenten, der Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen, gehören dem Syndikat fünf private Unter- nehmungeN und die kommunalen Eiswcrkc von Steglitz, L i ch t e r f e l d e und Neukölln an. Tic Gemeindevertretungen dieser drei Orte werden hoffentlich bald Gelegenheit nehmen, ihren Einfluß aufzubieten gegen die Unterstützung privater Preistreiberei durch kommunale Werke, die doch dazu geschaffen worden sind, um die Eisproduktion im Interesse der Allgemeinheit zu regeln. Soziales. Drakonische Strafen. Vor der ersten Breslau er Strafkammer wurde ein Prozetz wegen eines Boykott- Flugblattes des Bäckerverbandes verhandelt, der so recht zeigt, aus welch un- eheuerliche Strafen Gerichte erkennen, wenn bei Gelegen« eit der Wahrnehmung von Arbeitertnteressen eine Bcleidi- gung erfolgt sein solle. Gelegentlich einer im Frühjahr stattgefundenen Lohn- bewegung der Bäcker wurde in Breslau und Umgegend ein Flugblatt verbreitet, in dem auf die iin Bäckereigewerbe übliche Lehrlingszüchterei hingewiesen und den Bäckermeistern, die den Forderungen der Gehilfen ablehnend gegenüberstanden, Mangel an sozialpolitischem Empfinden zum Vorwurf gemacht wurde. Ferner wurde in dem Flugblatt aufgefordert, nur bei solchen Bäckermeistern zu kaufen, die die Forderungen des Bäcker- und Konditoren- Verbandes bewilligt hätten. Die Bäckermeister fühlten sich durch das Flugblatt beleidigt und in ihrem Geschäft ge- schädigt. Es klagte der Staatsanwalt nicht nur gegen den H e r a u s g e b e r des Flugblattes, sondern noch gegen die D r u ck e r e i b e s i tz e r i n. m der dasselbe hergestellt wurde, gegen deren Tochter als Mitbesitzerin und gegen den Verbreiter des F l u g b l a t k e s. Nach mehrstündiger Verhandlung, zu der über 29 Zeugen geladen waren, erkannte das Gericht gegen den Bäcker H u b r i ch als Herausgeber auf die außerordentlich hohe Strafe von 6 Monaten Gefängnis. Die Druckerei- besitzerin mutz 159 M. Geld st rase bezahlen, während ihre Tochter als Mitinhaberin nur deshalb f r e i g e- sprachen wurde, weil sie den Nachweis führen konnte, datz sie mit dem Geschäft nichts zu tun hat. Gegen den Ver- breiter des Flugblattes, einen Bäckergesellen, soll besonders verhandelt werden. Er war zum Termin nicht erschienen. E'ne lohnende Erwerbsgelegenheit. Die Zigarettenlehranstalt von Heers, Blumenstratze 71, stand gestern vor dem Gewerbegericht, Kammer 6. Sechs Lchrdamen forderten je 10 M. Lehrgeld zurück und außerdem je für 14 Tage 60 M. wegen Nichtbeschästigung. Die Verhandlung ergab volle Bestätigung der in unserem Artikel vom 0. Dezember gegebenen Sachdarstellung. Alle, die sich auf die Annoncen hin melden, in denen zum Teil nicht einmal vom Lehrgeld die Rede ist, zum Teil aber nur S M. Lehrgeld als erforderlich bezeichnet werden, müssen zunächst 5 M. Lehrgeld entrichten, worauf sie die Zusicherung erhalten, in Hocharbeiten mit und ohne Mundstück unterwiesen zu werden. Nachdem sie drei Tage der achttägigen Lehrzeit hinter sich haben, wird ihnen eröffnet, datz das bisher Gelernte keineswegs zu einer perfekten Ausbildung ausreiche, dazu sei vielmehr nötig, mit Stukhülsen. griechisch und flach arbeiten zu lernen. Das kostet abermals S M. Das Werkzeug— ein paar Holzstäbchen mit Messinghülsen— will die Beklagte den Lehrdamen„geschenkt" haben. Als die Lehrzeit beendet war, dann bekamen die Klägerinnen je 100 Stück Zigaretten in Arbeit, wofür sie am Wochenschlutz die stolze Lohnsumme von 20 Pfennigen erhalten hätten, wenn die Beklagte nicht fast samt- liche als unbrauchbar zurückgewiesen hätte. Das gab den Kläge- rinnen Veranlassung, die Rückzahlung des Lehrgeldes zu fordern, weil sie nicht genügend ausgebildet seien und ferner wegen Nicht. beschästigung für zwei Wochen Lohn, dessen Höhe sie dem Ver» sprechen in der Annonce entsprechend auf wöchentlich 30 M. nor- mierten. Sie setzten jedoch auf Anraten des Gerichts ihren Klage- anspruch auf wöchentlich 7,50 M. herab, da eine eben aus der Lehre kommende Arbeiterin nur auf diesen Vekdlenst kommen würde. Das Gericht kam in einem Falle zur Verurteilung der Bc- klagten in Höhe von 25 M., und zwar IS M. für zwei Wochen und 10 M. zurückzuerstattendes Lehrgeld. Daraufhin einigte sich die Beklagte mit den übrigen Klägq, rinnen auf der Basis von je 25 M., zahlbar in wöchentlichen Raten, beginnend am 20. Dezember. Sollte die Beklagte mit einer Rate in Verzug geraten, wird der gesamte Rejtbetvag sofort fällig. Die Ansprüche gegenüber dem Sohne der Deklagten, Walter Heers, bleiben bei Nichterfüllung de? Vergleichs den Klägerinnen vor- behalten. In der Bgründung wurde gesagt: Auf Grund der Annonce mutzten die Klägerinnen davon ausgehen, datz sie lediglich ein Lehrgeld von 5 M. zu zahlen hätten. Aus dem weiteren Ersuchen, nochmal» 5 M. zu zahlen, seien dem Gericht Bedenken aufgestiegen, ob CS dabei mit rechtlichen Dingen zugehe. Diese Zweifel wurden nach Einsichtnahme in die Ouittungo«> noch bestärkt und aus der Verhandlung habe das Gericht die volle Ilebcrzeugung gewonnen, daß eS der Beklagten lediglich auf das Lehrgeld ankam und sie gar nicht dir Absicht hatte, den Klägerinnen das Zigarcttenmachcn zu lehren. Außerdem war Beschäftigung zugesagt. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben können 100 Stück zu 20 Pf. pro Woche absolut nicht als das angesehen werden, was als an» genommen zu gewähren war. Aus der an Interessanten Einzetheiten überreichen Verhandlung seien noch einige charakteristische Episoden hervorgehoben. Da ist zunächst bemerkenswert, daß die im Rtchterkollegium sitzenden Sach- verständigen feststellen, daß eine Zigarettenarbeiterin, wenn sie regelrecht unterwiesen worden ist, nach beendeter Lehrzeit höchstens auf 7,50 M. Wochenverdienst kommt. Auch die Frau HcerS weiß das ganz genau, denn, als ihr, nachdem das erste Urteil gefällt war, zum Vergleich mit den übrigen Klägerinnen geraten wurde, und zwar auf der Basis von je 25 M., rief sie selbst ganz entsetzt aus:„Soviel hätten die Klägerinnen im Leben nie verdient." In der Annonce aber stellt sie 30 M. Wochcnvcrdicnst in Aussicht. Trotzdem an dieser Gegcnübcrstikllung, wie auch an früheren Bei- spielen leicht zu erkennen ist. welche Bewandtnis es mit derartigen Lehranstalten hat, scheinen sich doch in ihrer Not und Unwissenheit noch recht viele an diesen letzten, vermeintlichen Rettungsanker zu klammern. Nach den Angaben der Klägerinnen sind zu ihrer Zeit 18 Lchrdamen zugleich in einem viel zu engen Raum in „Lehre" gewesen. Da nur täglich zwei Nachmittag», bezw. Vor- Mittagsstunden in Betracht kamen, ist wohl anzunehmen, das ge- wisscrmatzen Wcchselschichten bestanden, so datz die..Lehrtätigkeit" der Beklagten als recht rentabel erscheint. Darauf läßt auch eine Aeutzerung der Frau Heers einer an Krämpfen leidenden Lehr- dame gegenüber schließen:„Sie(Frau Heers) lebe von fettem Speck und gutem Kognak und fühle sich ganz gesund dabei!" Da» ist ihr schon zu glauben. Ein anderer Vorgang bestätigt die Auffassung deS Gerichts, datz es der Beklagten in der Hauptsache auf die Erlangung der 10 M. Lehrgeld ankam. Eine der Klägerinnen hatte, um die ersten 0 M. zu erschwingen, ihre Sachen'nach dem Leihhaus ge- bracht und 8 M. erhalten. 3 M. brauchte sie zum Lcbensnnter- halt. Als die weiteren b M. Lehrgeld angefordert wurden, wollten die Kolleginnen für sie bürgen, daß sie nach Empfang ihre» ersten Verdienstes zahlen würde. Darauf ließ sich die Beklagte unter keine» Umständen ein. Warum? letzte Nacbricbtcn. Vereitelter Ucbcrrumpelungsbersuch der belgischen Regierung. Brüssel, 12. Dezember.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Kammer beantragte der Ministerpräsident, die Dauer der Sitzungen zu verlängern, umdasSchulgcsetzbisNeujahr zu erledigen. Die Opposition erhob heftigen Widerspruch und drohte mit Obstruktion, was gegen Echlutz der Sitzung zu lär» Menden Kundgebungen ftthrte und die Abstimmung über den ministeriellen Antrag unmöglich machte. Die nächste Sitzung findet erst in der kommenden Woche statt. Schreckliches Grubenunglück. Ostrau, 12. Dezember.(P. E.) Auf dem Erna-Schacht er- eignete sich heute nachmittag ein furchtbares Unglück. Beim Ein- fahren einer aus sieben Mann bestehenden Partie von Berg- arbcitern ritz oaö Seil des FördcrkovbeS. Samt- liche sieben Mann stürzten in den mehr a l s 3 0 0 Meter tiefen Schacht und blieben mit voll st an- dig zerschmetterten Gliedern liegen. Tie Förder- anlage war erst vor wenigen Tagen in Betrieb gesetzt worden. Der Betrieb auf dem Schacht ist behördlich sistiert, Sonnabend Es versäume Niemand von dieser äusserst günstigen Einkaufsgelegenheit ausgiebigsten Gebrauch zu machen! Beachten Sie unsere Schaufenster! A.DandorfoC Spittelmarkt Belle-fllliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm D Q D D D D D D D D D D D D D D D D D D Q D D D D D D D D Wurstwaren Cervelat-od.Salamiwurstmndill30 Thüringer Knoblauchwurst...... Pfand 1,45 Bauernbratwurst......... Pfand 1.25 Edite Braunsdiweiger Mettwors! Ff„„d 1.30 Edle Hailesde Leberwurst....... p�d 1.30 ff. 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SevoerKfeKaMicKes. „Toslalclemokratifcker Herrorismus gegen taubstumme." Unter dieser Ueberschrift bringt die„Allgemeine Deutsche Daubstummen-Zeitschrift" vom 1. Dezember d. I. einen Bericht von dem am 8. November abgehaltenen preußischen Taubstummenfiirsorgetage. Nach diesem Bericht Iiot Direktor Ä ch o r s ch von der Taubstunmienanstalt in Berlin erklärt, daß an den Taubstummen gewerkschaftlicher Terrorismus ge- übt werde. Die genannte Zeitung berichtet hierüber: „Wenn durch die Anstalt oder durch die Fürsorgevereine für Taubstumme ein Taubstummer bei einem human denkenden Arbeitgeber irgendeiner Branche Arbeit erhalten habe, so kämen sofort die Gewerkschaften und machten ihre vermeintlichen Rechte geltend. Vor allem aber fordern sie von dem Taub- stummen den Nachweis, daß er die Arbeit durch den Arbeits- Nachweis der Gewerkschaft erhalten habe. Sei das nicht der Fall, so werde er gezwungen, der Gewerkschaftsorganisation bei- zutreten, und wenn diese Bestrebungen keinen Erfolg haben, dann wird der Arbeitgeber solange gepreßt, bis er den armen Taubstummen wieder vor die Türe gesetzt habe. Dieser Terro- rismus, so erklärte Direktor«chorsch, sei ganz besonders ver- werflich, da es schon an und für sich sehr schwer halte, für Taubstumme Arbeitsgelegenheit zu beschaffen, denn u. a. sei es gesetzlich verboten, Taubstumme an Maschinen zu beschäftigen. Zum mindesten müßte der Terrorismus unter ganz besonders strenge«trafen gestellt werden, der Taubstummen, Blinden und Krüppeln gegenüber geübt werde." Es gehört heute zum guten Ton, bei ollen Anlässen über sozialdemokratischen Terrorismus und von„vermeintlichen Rechten" der Gewerkschaften zu reden. Wie die Taubstummen selbst über die Darlegungen des Direktors Sch o r s ch denken, kam am Montag in einer Versammlung taubstuinmcr Schneider zum Ausdruck. In dieser Versammlung wurden dieAngriffe gegen die Gewerkschaften durch- weg als unbegründet und unberechtigt zu- r ü ck g e w i e s e n. Es sei i m G e g e n t e i l richtig, daß sich die Gewerkschaften der Taubstummen ganz be- sonders angenommen haben und ihre Interessen gleich denen der rchrigen Mitglieder wahrnehmen. Jnsbe- sondere trifft dies für das Schneidergewerbe zu, wo eine große Anzahl Taubstummer beschäftigt sind, die regelmäßig Ver- sammlungen abhalten. Wie in dieser Versammlung aus- geführt wurde, erblicken die Taubstummen in dem Fern- halten ihrer Leidensgefährten von den Gewerkschaften, wie dies von den Taubstummeufürsorgevereinen geschieht, eine Schädigung ihrer Interessen. Dies gehe schon daraus her- vor, daß Direktor S ch o r s ch von„vermeintlichen Rechten" der Gewerkschaften spreche. Auch die Taubstummen hätten durch das Vorgehen der Gewerkschaften höhere Löhne erzielt und es liege kein Grund vor, den Taubstummen die höheren Löhne vorzuenthalten. Dies geschehe aber bei der Verniitte- lung solcher Arbeiter an sogenannte„humandenkende" Arbeit- peber. Hier trete die Humanität in umgekehrtem Sinne in Erscheinung. Die Arbeiter müßten dann zu niedrigeren Löhnen arbeiten, wozu gar kein Anlaß vorliege. Gerade die Taubstummen seien erst durch die Hilfe der Gewerkschaft dazu gekommen, daß die Arbeitgeber ihre Rotlage nicht mehr aus- nützen können. In der Redewendung von den„vermeint- lichen Rechten" komme die Feindschaft gegen die GeWerk- schaften zum Ausdruck. Die Feinde der Gewerkschaften ver- mochten den Taubstummen keine guten Dienste bei der Er- langung einer Arbeitsstelle zu leisten. Wenn die Taub- stummenfürsorgevereine die Leistungen der Gewerkschaften auf diesem Gebiet anerkennen und die durch dieselben er- wordenen Rechte beachten würden, so vermöchten sie den Taub- stummen zu helfen. Dazu bedürfe es aber, daß die Redens- arten vom Terrorismus der Gewerksckxlften unterbleiben. Grund dazu liegt vor. Die Taubstummen selbst weisen die gegen die Gewerkschaften erhobenen Anschuldigungen als un- berechtigt zurück._ Berlin und ömgegcnd. Mahregelungen bei Aschinger. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen hatte für die bei der Firma beschäftigtem Expedienten die Regelung der Löbne und Arbeitsbedingungen durch einen Tarifvertrag gefordert. Die AM- wort der Firma war die sofortige Entlassung der Expedienten. Eine Versammlung aller bei der Firma Beschäftigten beauftragte darauf die Organisationsvcrtreter, vorstellig zu werden und die Wicdereinstellung der Entlassenen zu verlangen. In der Ver- Handlung am 3. Dezember sagte Herr Direktor Woyda auch die Wicdereinstellung zu. Bis heute ist jedoch eine solche immer noch nicht erfolgt. T i e F i r m a h a t auch i h r V e r s p r e ch c n, bis zum Donnerstag schriftlichen Bescheid zu geben, nickt eingehalten. Aus dem Gesagten ist klar zu erkennen, daß die Firma diese Angelegenheit� verschleppen will. Einem Entlassenen hat man einen Posten als„Spülcr" angeboten, was geradezu als eine Verhöhnung angesehen werden mutz. Die Organisationen werden gezwungen sein, daraus die Konsequenzen zu ziehen._ Zur Tarifbelvegung der Tabakarbeiter(Sroh-Berlins. Wir weisen nochmals darauf hin, daß die roten Tarifplakate nunmehr zur Ausgabe gelangt sind. Diejenigen Fabrikanten, tvelche nock nicht im Besitze des roten Plakats sind, ersuchen wir, dieielben bis Mittwoch, den 17. d. M., in unserem Bureau, Dragoner Str. 6a. II, gegen Vorzeigung des Tarifs in Empfang zu nehmen. Fabrikanten, welche nach dem 17. d. M. betreffs Ilmlausch des roten Plakats kommen, können bei der nächsten Veröffentlichung im„Vorwärts" nicht mehr berücksichtigt werden. Arbeiter I Raucher! Achtet bei Euren Einkäufen auf die rotcn Plakale, unterschrieben: Withelin Tscheuschner. Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter Grotz-Berlins. Achtung, Frisrurgchi'fe» k Tariflich geregelt sind die Arbeits- bedingungen bei Förster, Neue Höchste. 38, M i e l k e, Hutten- stratze 32, Lück, Kochbannstr. 28, Zwicke, Neukölln, Jägerstr. 41, M e h e r, Weitzensee, Elsatzstr. 72. Aufgelöst ist das Tarifverhältnis bei Wehrend, Triftstr. 40, P u p k e, GabelSbergerstr. 6. P r e tz, Gubener Str. 48. Verband der Friseugehilfen. Veutlcbes ReitS. Tie P. P. S. und die Gewerkschaften.� Im„Dziennik Robotniczy", dem Organ der P. P. S., ist die Behauptung aufgestellt worden, daß ich auf einer Konferenz, die am 24. Oktober d. I. in Kattowitz tagte, im Namen der General- kommission erklärt haben soll: die Gcwerkschafissekretäre sollten sich den Jenenser Beschlüsien anpassen und in deren Sinne arbeiten. Wer das nicht tue, der stelle sich außerhalb des Organi- sationsrahmens und habe die eventuellen Kon« sequenzen zu erwarten. Diese mir unterstellten Ausführungen werden vom Vorstand der P. P. S. zu einer Hetze gegen die gewerkschaftlichen Zentralverbände und als Begründung für die Notwendigkeit der Gründung polnisch- sozialistischer Gewerkschaften benutzt, Wie der Genosse Löffler in dem in Nr. 48 de?„Corr.-Bl/ vom 2g. November veröffentlichten Artikel„Auf dem Wege zum Separa- tismus" bereits betont hat, ist es mir natürlich gar nicht eingefallen, Aeutzerungen der von der P. P. S. behaupteten Art zu machen; ich habe vielmehr das Gegenteil gesagt, nämlich: „Daß der bedauerliche Streit zioischen der P. P. S. lind der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die Gewerkschaflen eigentlich nichts anginge. Es bestehe aber die Gefahr, daß dieser Streit auch in die Gewerkschaften hineingetragen werde. Die Gewerkschaftsmitglieder seien eben zu einem erheblichen Teil auch Parteigenossen. Durch die von der P. P. S. be- liebte persönliche Kampsesweise werde die Gefahr noch gesteigert. Würde aber der Zank und Stank in die Gcwerk- schaftsvcrsanimlungen hineingetragen, so könne von einer ersprießlichen Tätigkeit der Gewerkschaften leine Rede sein. Die GewerkschastSfunktionäre sollten deshalb streng darauf achten, daß diese Streitigkeiten aus den Gewerkschaftsversammlungen fern« gehalten würden. Mache es sich notwendig, Verdächtigungen gegen einzelne GewerkschaftSgenosien zu widerlegen, so solle die? mit möglichster Kürze geschehen. Im übrigen aber solle man sich darauf beschränken, gewerkichaftliche Aufklärung zu ver« breiten und eine energische gewerkschaftliche Agitation zu betreiben." Ferner wies ich darauf hin, daß in unseren gewerkschaftlichen Zentrolverbäiiden demokratische Disziplin geübt werden müsse, wenn die Gewerkschasten wirklich kainpffähig sein wollten. Diejenigen Gc- lvcrkschafter, die Parteigenösten seien, hätten also in erster Linie die Pflicht, Beschlüsse der Parteitage zu beachten. Als dann einige Zeit später drei Mitglieder der P. P. S., die Angestellte des Bergarbeiterverbandes sind, ihren Austritt aus der P. P. S. mit einer ganz anderen Begründung erklärten, stellte der „Dziennik Robotniezy" die Behauptung auf, die drei Genossen seien durch Drohungen, die ich in jener Konferenz ausgesprochen habe, zum Austritt veranlaßt worden. Meinen Ausführungen soll zu entnehmen gewesen sei»:„Wollt Ihr nicht arbeiten für die deutschen Wahl.vereine, dann werfe« wir Euch ans Euren Stellungen." Weiter: der Austritt und die Erklärungen seien geschehen unter dem „Druck auf den Magen". Am 3. November fragte der Vorstand der P. P. S. bei der Generalkonnnission an, welche Stellung sie zu den mir unterstellten Aeutzerungen einnehnie. Zu derselben Zeit, nämlich bereits am 6. November, brachte aber der„Dziennik Robotniczy" einen Leit- artikel, überschrieben:„Im Namen der Generalkommission'. In diesem Artikel wird es als feststehende Tatsache bezeichnet, daß ich in dem eingangs wiedergegebenen Sinne mich geäußert hätte und zun, Schluß ausgeführt: „Wir stellen fest, daß die Genossen Ritzmann, Cepernit und Dänisch die Konsequenzen aufBefehldesGenossen Bauer „im Namen der Gencralkomniission" gezogen haben. Wir werden dieie nach innerem Parteitage erst ziehen und deshalb bitten wir unsere Genossen, abzuwarten mit kaltem Blute und Ruhe die Erfolge— der po'-tiichen Propaganda der Funktionäre der Zentralverbände." Aus diesem Artikel ergibt sich mit aller Deutlichkeit, daß die Anfrage an die Generalkommission ja nur als eine Form betrachtet worden ist und nicht ernst gemeint war. Ohne eine Erklärung ab- zuwarten, wurde zu einem Zeitpunkt, als eine Antwort noch nicht eingetroffen sein konnte, in gewissenloser Weise die Verhetzung der polnischen Gewerkschafismitglieder betrieben. Angesichts eines solchen Verhallens erübrigt sich natürlich die BeanNvortung der Anfrage de? Vorstandes der P. P. S. durch die Geueralkommifsion. Daß der Vorstand der P P. S. seil langer Zeit systematisch daraus hinarbeitet, besondere polnisch-sozialistische Gewerkschaften zu gründen, um dadurch der P. P. S. eine größere Lebensfähigkeit zu geben, ist allen Kennern der Verhältnisse längst bekannt. Ter Genosse Löffler hat in dem bereits von mir erwähnten Artikel den Beweis dafür erbracht. Ter Vorstand der P. P. S. glaubt sicher selbst nickst daran, daß die Genossen Rrtzmann, Cepernik und Danisch infolge Drohungen meinerseits aus der P. P. S. ausgetreten sind- Er weiß zu genau, daß nicht ich oder die Generalkommissioii, sondern der Vor st and des Deutschen Bergarbeiter- v erb an des über die'Anstellung und Entlassung seiner Beamten entscheidet und daß die Generalkommission auf diese Dinge gar leinen Einfluß hat. Ter Vorstand de§ Vergarbeiterverbandes hat aber nie einen Zweifel darüber entstehen lassen, daß er seinen Funl'.ionären keine Vorschriften über die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei macht. Nebrigens ist ans den gewerkschaftlichen Zentralverbänden noch nie ein Mitglied wegen seiner politischen Be« tätigung ausgeschlossen worden. Alles das wissen die P. P. S.-Leute sehr gut. Sie hausieren aber mit ihren Verdächtigungen, weil es ihren separatistischen Zwecken dienlich scheint. Berlin, 10. Dezember 1913. G. Bauer. Kleines feuilleton. Wie der Schakal zum König gemacht wurde. Das Persische Papageienbuch erzählt folgende fabelhafte Geschichte von einem, der etwas anderes scheinen wollte, als er war: Ein Schakal hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, nach einer Stadt zu gehen, wo er feine Schnauze in Gefäße hineinsteckte, die verschiedenen Leuten ge- hörten. Eines Abeuds ging er seiner Gewohnheit gemäß nach dem Hause eines JndigomacherS, und als er seinen Kopf m einen Kübel mit Indigo gesteckt hatte, geschah es. daß er der Länge nach hinein- fiel und nur mit großer Mühe wieder herauskam. Sein ganzer Körper wurde blau geiärbl. Als er in die Wüste ging, meinten alle Tiere, wie sie eine solche wunderbare Figur sahen, es sei irgend ein gewaltiges Tier. Die Horde von Schakals machte ihn zu ihrem Anführer und ge- borchle seinen Befehlen. Damit niemand ihn an seiner Stimme erlennen solle, ließ der Schakal andere schwache Tiere neben sich stellen. So bildeten die Schakals während der Hofcour den ersten Rang, die Füchse den zweiten, die Hirsche und die Affen den dritten. Wölfe machten den vierten Rang aus, Löwen den fünften und Ele- fanten den sechsten Rang. So oft die Schakale bellten, erhob der Anführer zugleich mit ihuen auch einen Lärm und niemand machte ihn ausfindig. Allein nach einigen Tagen, als dieser Anführer sich allmählich bor den anderen Schakals zu schämen anfing, entfernte er sie eine Strecke und stellte die Löwen und Elefanten neben sich: des Nachts fingen die Schakale an zu heulen, ivorauf der Anführer in ihren Lärm mit einstimmte. Die wilden Tiere, die neben ihm standen. entdeckten, wer er sei; fie schämten sich vor sich selbst, fielen über den Anführer her und rissen ihm den Bauch auf. Ein Abenteuer mst der Eisenbahnverwaltung. Aus Lauter. bach in Hessen wird uns geschrieben: Wer sich auf dem hiesigen Bahnhofe eine Fahrkarte 4. Klasse nach Angersbach löst, hat dafür fünf deutsche Reichspfennige zu entrichten. Die Königliche Staats- eisenbahn gewährt dem Käufer einer solchen Karte folgende Gegen. leistungen: 1. Sie gestattet dem Billetinhaber bereitwilligst eine kleine Promenade auf dem überdachten und vor Unberufenen sorg- fältig gehüteten Bahnsteig. 2. Verpflichtet sie sich, den Besitzer der Karte nebst einigen Gepäckstücken unter Zuhilfenahme der Dampf- kraft schnell und sicher nach der zwei Kilometer von Lauterbach entfernten Station Angersbach zu befördern. 3. Der Karteninhaber ist befugt, auch in AngerSbach den Bahnsteig zu benutzen. Nun war dieser Tage einer— eS soll ein Schalk gewesen sein—, der auf die Hauptverpflichtung der Bahn, ihn zwei Kilo- meter weit zu befördern, freiwillig verzichtete. Er legte nur Wert darauf, die Bahnsteigpromenade zu machen, da er einen Freund erwartete. Als der aber nicht kam, erließ er der Bahnverwaltung alle übrigen Leistungen und begab sich an den Ausgang zurück. Für seine Großmut verlangte unser Freund keinerlei Anerkennung, aber er war doch nicht wenig überrascht, als man ihn beim Ver- lassen des Bahnhofs zu einer G e l d st r a f e von 1 M. ver- donnerte. Wofür hatte er das verdient! Hatte er nicht der Bahn die Dvmpfkraft für seine Person erspart? Hatte er nicht eben- falls zugunsten der Bahn ans die ihm vertraglich zustehende Ab- »wtzung des Reiseabteils sowie die des Bahnsteigs in Angersbach verzichtet? Und nun wurde er, statt eine Belohnung zu erhalten, noch in Strafe genommen. Theater. Deutsches Künstlertheater: Schiri n und G er- t r a u d e, Scherzspiel von Ernst Hardt. Hardts Bahn schien aufwärts zu geben. Nach dem„Tantris", der dem Dichter einen ungetvöhnlichen Bühnenerfolg eintrug, war ihm in seiner„Gudrun" ein Werk von unvergleichlich größerem Wuchs gelungen, ein Drama, das die Prägung ernsten Ringens, bildnerisckicr Kraft, gereiften Kunstverstandes trug. Um so peinlicher ist die Enttäu- schung bei dein neuen Stücke. Daß dem üblichen Premierenbeifall, der den Autor im Lauf des Abeuds wohl ein halbdutzendinal her- vorrief, kein Zischen antwortete, läßt sich nur aus der Höflichkeit des Publikums erklären. Hoffentlich wenigstens! Sonst stünde es schlimm für den Geschmack. Die idyllische Geschichte vom Grafen von Gleichen, der in Ge- fangenschaft geraten, seine schöne türkische Befreierin heiratete und, heimgekehrt, mit zwei Ehefrauen, der aus dem Morgenlande mitgc- brachten und der angestammten christlich germanischen, ein friod- voll-fröhliches Leben bis an sein seliges Ende führte, bietet in ihrer gutgläubigen Naivität gewiß auch einen dankbaren Stoff für parodislisch« Verulkung. Zu einer Simplizissimusschnurre etwa im alten Chronikenstile hätte der Hardtsche Einfall, daß die Frauen ein Freundschafts- bündnis schließen, bei dem im Gegensatz zur Sage der gute Ritter leer ausgeht, sehr wohl gereicht. Sollte eine kleine Komödie daraus werden, so galt es, den Rahmen dieser Grundidee mit witzig ftin- kelndem Detail zu füllen, das Thema nach verschiedenen Seilen sinnvoll zu variieren. Hier versagte des Autors Phantasie. Dafür versuchte er, den dürftigen Stoff, der nicht zu einem einzigen Akt gelangt hätte, durch immer weitere Verdünnungen, durch einen breit schwatzhaften im Versmaß farbloser Trochäen plätschernden Dialog zu vier vollen Akten auszurecken! Der dicke Graf— dick, weil Schirin, die Türkin, ihm in der langen Haft viele gut« Happen zugesteckt— stellt die Begleiterin seiner christlichen Gemahlin zunächst als Diener vor, dem er die Flucht aus dem Gefängnisse zu danken habe. Ein Teil der Zeit geht damit hin, daß diese Dame, die Puppen spielend neun Jahre lang dem fernen Gatten Treue hielt, mit dem schönen Fremdling flirtet. Bis dann dem van Eifersucht geplagten Ritter die Wahr- beit herausplatzt. Gertraudchcn findet sich sehr leicht in ihre neue Lage. Wenn sie Schirin als Liebhaber nicht kriegen kann, ist ihr Schirin als Kameradin, mit der sie den Besitz des Mannes teilen soll, genau so angenehm. Die Türkin zeigt sich als eben solche Puppeunärrin wie sie selbst. Ein paar alberne Kinder, jagen die beiden Unzertrennlichen kichernd und quietschend im Schloß herum. Sehr zum Verdruß des Ritters, der vergebens bald nach der einen und bald nach der anderen girrt. Was nutzen ihm zwei Frauen, wenn keine sich um ihn kümmert! Ein Trupp von Vettern und Büschen, der den Einsamen gern trösten möchte, dient als Ver- legenheitsanshilse, die Kosten des dritten Aktes zu bestreiten. Der letzte spielt im Schlafgemach. Selbst daß der Dicke sich totstellt, verbessert seine Chancen nicht. Schirin und Gertraud zanken sich an seiner Leiche, aber kaum daß er die Augen aufschlägt, sind sie wie sonst ein Herz und eine Seele. Sie machen sich davon. Brum, mend löscht er die Lampe ans und kriecht ins Bett. Herr T i e d t k e in der Hauptrolle versuchte nach Möglichkeit, den dürftigen Humor des Textes aufzufrischen. Bei all seinem großen Talent: ohne rechten Erfolg. Die Darstellung der beiden Frauenfiguren durch Annalise Wagner und Johanna Z i m m e r. mann ließ mancherlei zu wünschen übrig. llt. München er Theater. Die Zeitschrift„Neue Kunst" veranstaltete in den Kammerspielen als Separatvorstellung die Uraufführung von Franz Bleis Schauspiel„Die Well e", wobei man auf dem Programm die von der ängstlichen Zensur, die in Blei stets so was ivie einen Erotiker oder Pornographen wittert, vorher gestrichenen(übrigens ziemlich belanglosen) Dialog- stellen bequem nachlesen konnte. Die ans Sensatiönchen gerichteten Neugierigen kamen indessen diesmal nur halb auf ihre Kosten, denn der„Mann mit der Puderquaste im Wappen" hat nur ein „anständiges" Stück ihnen vorgesetzt. Anständig im Siniie der Moral, anständig im Sinne der künstlerischen Qualität des«chan- spiel». Er konfrontiert in der„Welle" Begierde und Zügellosigkeit des Lebensgenusses mit der gereiften Kultur eine? Erkenntnis- menschen und Freilustgentlemans von amerikanischem Zuschnitt. Eine an Mammon und Lüsten reiche Parvenüprinzessin betrügt ihren Fürsten— mit Gott und aller Welt und einem schwarz- äugigen Zigeunerprimas. Sie sinkt ins Variete hinab. Aber die Welle, die reinigende Welle der Armut, wird sie wieder emportragen zu einem Leben voll Selbsterkenntnis, Selbstzucht, Freiheit und Ordnung. Dann erst wird sie reif sein, mit dem wahren Freund ihres Leibes und ihrer Seele, dem„Kulturfarmer" Roßla- Diihna, ein Leben im Sinne Bleis, der sich niit den Jabren zum Naturästheten tum hinaufgeläutert hat, zu führen. Blei selbst spielte in dem erfolgreichen Stück diesen Räsoneur mit rührender Unbeholfenheit ä la Wcdekind. m. Notizen. — K n n st ch r o n i k. Bei Paul Cassircr stell! Hans Baluschek eine Sammlung seiner Werke aus, die einen Ueberblick über sein bisherige? Schaffen gibt. Daneben werden die neuesten Arbeiten Konrad von Kardorfss gezeigt und neue Bilder von Wilhelm Trübner. — Die Elizabeth-Duncan-Schul« veranstaltet am Sonnabend, nachmittags lli/z Uhr. ein« zweite Aufführung der Tänze und Neigen im Deutschen Künstlertheater. — K u n st a b e n d. Der 3. Autorenabend der Zeitschrift „Die Aktion" findet Sonnabend im Vortragssaa!„Austria" (Potsdamer Straße 28> statt. Ter Maler Max Oppenheimer spricht über„Neue Malerei". Franz Pfemfert über„Jugendbewegung und Antisemitismus". Aktions-Autoren werden vorgelesen. — Das Londoner Frauentheater, eine Gründung der„Freibeitsliga der Schauspielerinnen", hat seine Aufführungen mit Brieurf„Die alleinstehende Frau" begonnen. Shaw? Guttin hat das Stück übersetzt. — Französische Dichterpreise. Alles in allem zahlt Frankreich nach einer Zusammenstellung des„TeinpS" an seine Dichter und Schriftsteller jährlich nicht weniger als 210 000 Fr. in Preisen ans. — Wo ist Gioconda? In den Gängen der italienischen Kammer war Freitag das Gerücht verbreitet, das im Pariser Louvre gestohlene Gemälde der Gioconda sei in Florenz aufgesunden worden. Und in Paris wurde kürzlich behauptet, sie sei gar nicht gestohlen, sondern bei einer Restauration draufgegaiigen. t SEESH-S«»SSIZIZ Dem BezirkZfahrer G lZiLitz? M ßebst Braut die besten Glückwünsche c zur Vermählung. W vi» funktiznäre der 10. AU. des 6. Kreises. M i Sozisliraiokratisclier Wahl?erein| Hölln. Am 10. Dezember verstarb unser| j Parteigenosse Edwin Krause j München er Str. 16. 23. Bezirk.| Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am! sonntag. den 14. Dezember, nach- I mittags 2 Uhr, von der Leichen- z Halle des Reuen Jakobi-Krrchhoses, I I Herniaunstratze, aus statt. 1238/20 Ter Borstand. iSozialsieniokraiiseher Wahlverein| Spilan. Den Genossen zur Rad 1 baj} unser Mitglied, der Ä arbeiter ittermann LcKrüder 1(Bezirk 11) verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am i ! Sonntag, den 14. Dezember, I ! nachmittags l'/>llhr. von der Halle j des Friedhofs in den Kifieln aus I > statt. 1 Um rege Beteiligung ersucht 29613 Der Vorstand. OentsdiefMetailartieiter-Vertiandj Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, � | baj) unser Mitglied, der Schmied ttermann Schröder| gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am I B Sowitag, den 14. Dezember, I "J nachm. Vj, Ubr, von der Leichen- l halle des städtischen Friedhofes in| Spandau, Kifieln, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 131/10 Die Ortsverwaltung.| Deutselier TransportarliEiter- Mmü. Bezirksverwaltung llr�B Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, ! bo/SP-' unser Kollege, der Haus- \ dien er 1 Rodert Slorg am 9. d. MtS., im Alter von 52 Jahren verstorben ist. 7S/6 Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberg« Friedhofes in Marzahn auS statt. Oie Bezirksvorwaltung. Am Mittwoch, den 10. d. M., I abends 11 Uhr, verstarb nach! langem, schwerem Leiden unsere inniggcliebte Tochter u. Schwester WlArgsrele U\m\\ im 18. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Ol» trauernden Hinterbliebenen. Neukölln, 12. Dezember 1913. Die Einäsch-rung findet am Montag, den 15. Dezember, nach» mittags 3 Ubr. wr Krematorium zu Berlin, Gerichtstraße 37—38, statt. lila jatehentliche Teilzahlung liefere elegante fertig und oaeh Maß! SchncidcrxneiBter ® Gr. Frankfurter Str. 37, ii• % Turrnstr. 18, 1, kein Laden 2 ® Kottbuser Strasse 14, nur• 5 2. Etage. � Vorieigrer dieser Annonce 0 0 erhält 5 Prozent G O Rabatt!• •••••••* E. G. m. d. H. Zentrale: Lictitenberg. Rlttefgutstr, 16 26. Bezirk Nieder-Schönhausen. Sonntag, den 14. Dezember, nachmittags von 2 Uhr an; W aren- Ausstellung; im Lokale von Perschke, An der Kirche. Abends 6 Uhr, in demselben Lokal: Versammlung;. Tagesordnung: Vortrag der Genossin Lodahl über: Familienhaushali und KonsumnQenossenschaft.� Hierauf. Gemütliches Beisammensein wit Tanz. Neukölln. 108/16 Sonntag, 14. Dezember, nachm. 6 Uhr, in den Passage-Festsälen, Bergstraße 151/152: V ersammlung. Tagesordnung; Ein Streifzug durch die Konsum-Genossenschaften Englands und Schottlands. Referent: Genosse Btlrns. Hierauf: Qemutliches Beisammensein mit Tanz. Um zahlreichen Besuch bitten Die Abteilniigsleltiuiceil. aar••»-�iwriir V-mtmimr« �ammmar»-vn Ulstenvoehe. 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Dezember bereits seit einer Woche oder, von diesem Tage zurück- gerechnet, innerhalb eines Vierteljahres min- destenZ SWochen arbeitslos waren und wieder sind. Die Feststellung der arbeitslosen Mitglieder unserer Filiale sunterstützungSberechtigte, ausgesteuerte und nicht unterstützungsberechtigte) erfolgt heute Sollvabtnd, den 13. Dez., nachmitt. 4—9 Uhr, im Bureau der'Ortsverwaltung. Verbandsbuch, Krankenkasienbuch und Ausweise über die Arbeitslosigkeit(Jnvalidenkarte oder dergleichen) sind mitzu- bringen. Nur diejenigen, welche sich im vorstehend bezeichneten Termin eintragen lassen, sind zum Empfang der WeihnachtS- gäbe und zur Teilnahme an der Weihnachtsbescherung be« rechtigt. Neben der Unterstützung der Berliner GewerkschastSkom- Mission erhalten unsere arbeitslosen Kollegen und Kolleginnen auf Beschluß der Generalversammlung vom 4. Dezember noch eine besondere Extranntrrstüsnng auS der Filialfasse. Die Ortsverwaltnng. Ii Teilzahlung ;| Wochenrate von 1 M. an J[ Vornehme iIHm-lllster II PQietots.flnzflge j; fertig und nach Mass TKimIkh I Mass-Schneiderei I Rasentbaler SU. 36 i Fiankfurter Allee 104 I Reinickendorfer Str. 4 HerrenfUshttte, nur Neuheiten in bewährten Qualitäten von Mi. 1,00. 8.40, 3.00, 3.50 und 4,50. Hnarfllzhüte Mt. 5,00. 6.00. 8.00. Zyllndcrtattte u. Chapcan claques Mk. 8,00, 10,00. 12,00 und 15,00. Haar- u. WollTclour-Hüte Mf. 4.50 a bis 12,00. M UlKterhütc Mf. 1,00, 2,40, 3.50 u. 4.00. GrSBte Herrenhutspezialgeschälie des Nordens. Lesern dieser Zeitung 5 Proz. Rabatt in bari I IfMAfl l�nurf Hutmacher- I.Gesch.: Brunnenstraße 54, AlllCUIVIUy, meister."•» Schönhaus.Ailee HS Bitte genau anf Xamen und HnnHnnmnier zn achten. Die Kranken- und Begräbniskasse d. Vereins d. deutsch. Kutscher und verwandten Berufsgenossen. Eingeschriebene Hilfskasse No, 83, Berlin, ist laut Beschlust der Generaiver. sammlung vom 3. November 1913 am'31. Dezember 1913 ausgelöst. Etwaige Forderungen find bis zum 31. März 1914 im Kafienlokal, Weber- strafie 6, einzureichen. 299/8 vor Vorstand. Teilzahlung 50 � Herreu- Ulster, Anzüge, Hamen- Ulster, Kostüme, Köcke, Blusen, Pelzstolas, Betten, Wäsche, Porzellan, Gardinen. Teppiche, Steppdecken. Tischdecken. Möbel, Polsterwaren, bunte Küchen, Spiegel, Bilder, Uhren, Puppenwagen, Zithern, Mandolinen, Grammophone. F.& H. Schmidt, Inserat mitbringen k Wert 8 M. en-str. 3FA ZMlvsekmSntel «A aus Mohair-Seal I statt SSM. SO B ausVeloursduKord ,, 65 ,, 33 Modelle.......» 250„ 100 elzmänfel aus echt. PeU 130 Ic. statt 200 M. aechlPers. 100,110 lg... 1100.. GBO Garnituren.... tob 600 bis 18 Ister aus besten Stoffes statt Ms 17 M. 8X aus Is Court-Stoffen„„ 99„ 15 Modelle........„ 75„ 32 ostttme a. gut. ivammgara statt bto 96 M. 18 a.Phantaeiestoffen m n 71 n 33 Modelle.......»212„ 66 leider P II EC R Rocke........s.su�l» Blusen» Ahes auch für stärkste Figuren. Qassende | ÜBtlll ÜfBt Hl. 12-t Gesellschaftskleid, statt bis 48 M SO Un Posten zu Geschenken„ 18 Orts-Krankenkasse der Buchbinder »nd verwandte» Grwerir z« Berlin. Das Kaffenlokal ist vom Tiens- tag, de« IS., bis TonnerStag, den 18. Dezember, weg-n Um- zages geschloffen. Vom Freitag, d. IS. Dezember, ob befindet fich daS Kaffenlokal im Haufe 301/13 ZtralaverStr. 7/9, 2. Etage Kassenstunden von 8—1 Uhr. K. Gottesmann» Vorsitzender. WeihMchlsbäunie von 60 Pf. an. Brunnenstr. 41. �adrikinsrlle gee. gesell. Ln�ros lZMe pWeii- 8pexigl-?abrik kerlias. p. R. ZIEROW Berlin, Schönhauser Allee 179. Größtes Lager von Kugelgelenkpuppen, Charnkterbabys, B&lgen, Köpfen, Perücken, sämtL Puppentleidung. Reparaturen und alle Ersatzteile. Klnselverkanf. Welcher Rechtsanvalt Jurist a. D. d. v. Zeit bat, aber niobt teuer, würde b. m. auf Lande Strafsache energiseh u. erfahren bearbeiten? Off. unt. J. M. 717» bei. 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Urania. Mit de« Imperator«ach New Kork. Deutsches. Viel Lörm um Nichts. Deutsches«üuftter- Theater. Schirm und Gertraude. Lesjiug. Pygmalion. «ammersptcle. Androkw« der Löwe. «öuiggrätzer Straffe. Die ikron. braut. Theater am Nollendorfplatz. Der Mifado. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. TeuPches Opernhaus. Die Königin von ÄOjda. Deutsches Schauspielhaus. Die Hestert Residenz. Tbalia. Die Tangoprinzessin. «omödicnhaus. Hinter Mauern. Montis Operetten. Die ideale lKattin. Schiller O. GygeS und sein Ring. Schiller Vharlotteudnrg. Die goldene Ritterzeit. Residenz. Hoheit— der Franz. Rose. Setiin, wie eS weint und lacht. Metropol. Die Reff« um die»eil in 4.0 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend- haste. «lrtnes. Die Sippe. Lustipiclbans. Die spanffche Fliege. Triauo». Seme lLeiiebte. Friedrich- WilbclmstädtischeS. Die ttinolönigiu. Herrnsel». Bas sage» St« zu Lcibujch? Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle«. Slettmer Sänger. 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Schiller Thealer Ctcr' Sonnabend, abends 8 Uhr: Die goldene Kitterzelt. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Klrctafeld Sonntag, abends 8 Uhr: Wa* Ihr wollt. Montag, abends 8 Uhr: _ Jngendfrennde. 8 Uhr: Die Krön braut. Komödienhaus. svhr: Hiuter Mavtrv. SerlinesThealer. 8 Uhr: Wie einst im /Nai. IMte Xönstlertheater Sozlctbt. NSrnbargar StraDe 70/71, am Zoo. Kasse; Nollendorf 1383. Sonnabend 31/, Uhr: Dnncan-Sctaule. Tänze und Reigen. Sonnabend 8 Uhr: Seblrln und Gertraude. Lessing-Theater. s Uhr: Pygmalion. Lustspiel von Beruard Shaw. Grone Franffurter Str. 132. Nachmittags 4 Uhr: Prinzessin(.sdeltraut. Abends 8 Uhr: Berlin wie r« weint und lacht. Sonntag nachm. 3 Uhr: Fröhliche Weihnacht. Abends 8 Uhr: Der Sitteaapoftel. Folies Gaprice. Anfang t'l, iJhrl Der Kncknck. RanOverschivlndcl. Die Samnels. (4n der Kalier- Wilbelm- Gedlcblnu- Klrek«) spietV Kurfdrstendamm 236. Wiederum Men-UeH-Edolg! Rita Saecbetto in Die weiße Dame. 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Eintritt 50 Pt Anfang 8 Uhr. Morgen; Großes Doppel-Konzert. Anfang 8 Uhr. Brauerei Friedriebsbain. Sonntag, den 31. Dezember 1018: Konzert des Berliner Sängerchors Mitgl. des Arb.-Sängerbundes, Chonneister Franz Bothe, und des Philharmonischen Orchesters Dirigent Camillo Hildebrand. Billetts im Vorverkauf 50 PL, Kassenpreis 75 PL, bei den Vorwärts-Spediteuren Zucht, Immanuelkirchstraße 12, und Hamsch, Ackerstr. 174. Relchshallea-Theater Stettiner Hünger Xlrkenbecn'H KUnatleragentar und das SeihnachtSstäck Chriatmarkt. Sonntag nachm. 3 Uhr zu erniätz. Preisen: vor Ksnpagnieball und Chrtstmarkt. Ballon 75 Ps.. (Ftttrct 39 Pf. ATene» Programm! Rita Saeehetto S'Ääl Jikürt Sleill und die von Publikiira und glänzend beurteilten TIcUch Antaoc C Uhr, Sonntags 3 Uhr: Matinee. Komplett«» Profmmm grosser Vari6t6-Akle sowie unsere renommiertes Lichtspiele Preise ron SS Pfennig aa. Noilendorf- Theater Cleopatra Die Herrin de» Nils Das Filmwunder der Welt S. 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Gastspiel der Amerikanischen Sensation »Im Bulldogg-Tingel-Tangel." Dazu seit Oftober total auSvertaust: Ferdivand der Tugendhafte. Sonntag 4 Uhr: Der Denunziant. Pass�P�ojiiikuni SO vilde Kongoweiber Männer und Kinder In einem eigen« ant- gebanten Kongodorfe. Der Froschsehlucker. Die gr. Kino-VarielE-Voestfillung vcy 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Seine Geliebte. Sonntagnachm. 3 U.: Die Oeds wacht. UT Lichtspiele Union-Palast Kurfurstendamm 26 Bavorin-Rnn» Priedrich- E. Taubcnstr. Moritzplatz Hasenheide Weinbergsweg 16—17 Reiniokendorferstr. 14 Zum 300. Mal: Die unsterbliche Filmburleske TANGO» FIEBER Schöneberg, Hauptstr. 49 Eine Aeroplan- Heirat. Lustspiel in 3 Akten. URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Mit dem„Imperator44 nach New York. Zirkns Busch. Heute Tonnabend, 13. Dezember, • abends 7'/, Uhr: Grolle Sporit-Vorttelluag. DI« gr. AuSstattungS-Pantomt««: „Pompeji44 in 6 glänzenden Alte«. Kapt. Hullfig eine Nordpolszene im Zirlut Busch. ZIad. stirnaragda mit ihren dressierten Katzen und Tauben. La Dorando, Jonglier-Akt. Sonntag 31/, Ühr z. 2. iiltale: lllnS unsere» Kolouie». 1 Kind unt. 1D Jahren aus all. Sitzplätze» frei. Volilslheslei' Neukölln. Hcrmannstraffe 210. Sonntag, den 14. Dezembeii, 7st, Uhr: Prinz und Bettlerin. AuSstaUmigSlomödie in 4 Eisten vo» Howard und Lutz. Montag, den 15. Dezember, 8*1, Uhr: Burla Stnart. Trauerspiel in 5 Alten von Schiller. Friedr.- Wilhelmsiidt. Theater. Die Kino-Königin. Kassen eröffn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Heute 4 Uhr: Dornritzebea. Morgen Sonntag 3 Uhr: fflarla Stuart. Kleine Vreise. Voigt- Theater Badstraffe 58. Sonntag, den 14. Dezember 1913: Nachmittags: feine Vorstellung. Abends 8 Uhr: Die Waise aaslowool Schauspiel i« 4 Akten o. Birch-Pseiffer Kasseneröffnrmg 10 Uhr. Ans. 8 Uhri City- Park «b Bahnhof Fricdridubem Größte Volksschau Berlins 50 Schaugeschäfte Sehenswert II die neuen Aftraktiofm Ein Vergnüge« für hmg uod Attl Gcöffoet tfigUdi nddurutt. 4 Uhr Sonn- n. Feiert, nadimitt. 3 Uhr b« 11 Uhr abends.— Eintritt frei Ädmiralspalast. Pia- Arena.— Allabendlich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Sie lustige?uppe. Beginn der Vorstellung S'/jUhr, Bis 6 Uhr und von 10*/. Uhr halbe Kassenpreise. ODEON | Vergnügnngs- Palast Bar* der 10 000-WW Potsdamer Str. 72 ggÄ Heute a morg.«. letzt.; Im ZlUerthal. Auftreten der Tangotänser Ilse Bois und Erwin van Boy und der Geb. Mlagara, TurmseiUftufer. j Anfang 7l/,Uhr. Eintritt 80 Pf. I Vom 15.-19, Dez. gesohl. weg. Vorbor. z. Weihnachtsfeier. I-*— ►- Berliner—- umor-Auortett iR W. Wlltzky �ßOderbergerStr�! gut Pen Inhalt der Jnlerate «hernimmt die Redattio« dem Pndlibtm gegenüber keinerlei Berantwort«»«. h W elhnaehtsverkfinS Knaben-Anzüge in sämtlichen Formen 4.50 6.50 7.50 bis 15.- Xnaben-f yjacks u. uuter »90 3.90 5- bis 18- Sünglings-flnzüge in Sport- und Sakko-Form 11.50 14.— 17- bis 4« Uüngüngs-Ulsfer 15.50 19»4.- bis 45. gamen-Coslflmc unS Ulster JU Besonders preiswertes Angebot In Foiten-Anzüge für s bis H Jahre 4.75 5.50 6.25 bis 12.50 H. Este& Dytldtoff Berlin, der trau(Ifen Strasse 8— O, Petrikirche Sonntag von 8—10. 12—8 Uhr geöffnet. Knaben- und JQnglings-Lodsn- Jopppen,-Pelerinen u.-Hosen i» Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1S87. 1239. 9714, 185. Montag» den t5. Dezember 1913, abends 8'/, Uhr: Außerordentliche-------- Kranchen Uerfammlung der Elektromonteure«nd Helfer Grotz-Berlins l» den ZlnsUivr-rSAtsNIen, Kaiser-Wilhelm-Str. ZI. Tagesordnung: 1. Bortrag:.Unsere nächsten Aufgaben für die Zukunft-. 2. Bericht über die Bausachausstellung in Leipzig. 3. Verschiedenes. AM- Kollegen! Da sehr wichtige Dinge zu besprechen find, die da? Interesse sedeS einzelnen beanspruchen, ist das Erscheinen sämtlicher Kollegen unbedingt erforderlich. Namenilich die Kollegen von der A.E.-G.» SiemeuS und Mix«. Genest find besonders eingeladen. 131/9__ Die Ortsverwaltong. f i»! Zweigvcmn Berlin. Sektion der Putzer! Sonntag, de« 14. Dezember er., vormittags 19 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: ]tlltgllcdcr-Verfaiiiiiilutig Tagesordnung: L Dt« Beschlüsse des ausserordentliche» Berbandstages. L. Die leyten Vorkommnisse in unserem Beruse. 3, Verschiedenes. Die Sektlonaleltnng. Sektion der Stukkateure! Montag, de« 15. Dezember er., abends 8 Uhr, in dem Lokal des Genossen Fritz Wille, Sebastianstr. 39: JVHtgllcdcr Versammlung Tagesordnung: t Bortrag de« Kollegen Wenzels über:.Bo« der Mark zur Zunft-. 4 GewerkschastlicheS. Die Gekttonslelteuig. An alle JWtgUedcr des Zweigvereins! Mit Unterstützung der Gewerkschafte» sollen die seit dem 1. September d. I. mindestens 6 Wochen arbeitslos geweseneu organisierten Arbeiter Groß-Berlius sauch wenn sie jetzt in Arbeit stehen) und alle die unterstützt werden, die jetzt eine Woche arbeitslos sind. Ebenso sollen nach dem Beschluß der letzten allgemeinen Mitgliederversammlung unserer Organisation alle Kollegen uuterMtzt werde», die in diesem Jahre sich mehr als 19 Wochen al» arbeitslos zur Kontrolle gemeldet haben und dies dnrch de» Äoatrollsiempel im Mitgliedsbuche nachweisen könne«. Um die Unterlagen für die Anfstellnug der Listen znr S»s- zahlnng der Weihuachtsonterstützung zu beschaffe«,«rsnche« wir all« Kollege», auf die obige Vorbedingungen zutreffe», sich heute Sonnabend, abends von 7 bis 9 Uhr, in den VerkehrSlokalen ihrer Bezirke melden zu wolle«. Als Ausweis dient das Mitgliedsbuch; wenn dieses abgegeben ist, kann eS im Berkehrslokal in Empfang genommen werden. Die Kollegen von Norden l melden sich bei Maaß, Lycheuer Straße 3, die von Norden II bei Berger, Graunstr. 41. Alle Kollege« werden um weiteste Verbreitung dieser Mitteilung ersucht. 147,2 _ Der Zweigvereinsvorstand. DieWeilmadbisfreude erhöht ein Gcii6chein. Auf emPAAr SALAMANDER » STieFSL fr Marke Salamander Mk 12_ Salamander Sxco Mk.üS Salamander Luxu�MklS- Sdlamander ächahtfeö. m.b.H. Berlin, �entraleBerh'n W8. FrxedrichÄtr.lSS :: Unerreichte:: Leistungsfähigkeit. Allein-Verkauf. St&rkes.sogenanntes englisch Leder, grau od. braun gestreift od. einfarbig. Am Bund aus einem Stück, Feste Kappnähte. Taschen aus schwerem Pilot. Gr. _ Flicken umsonst. Preis für normale Mannes- J50 grüße........* Jünglingsgrößen entspr. billiger. Manchester>Anzüge Marke Gambrinus. Strapazierfest. Joppe, 2reih. warm gefütt. 11.90 Weste... 3.60. Hose... 6.75 Blaue Montour-Jacken, Marke Siemens, wasch- 045 echt Köper od. Drell, M. 2 Blaue Monteur-Hosen. BSS Marke Siemens, do. 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Verlegung des Vormundschaftsamts. Das Bormundschaftsamt der Stadt Berlin ist zurzeit in der Alten Jakobstraße 33 untergebracht. Die dortigen Räume reichen für die stark gewachsenen Arbeiten des Amtes nicht mehr auS. Der Magistrai hat deshalb die Verlegung des Amtes beschlossen. Es wird demnächst nach den dazu angemieteten Räumen im Hau)? Landsberger Straße 43/47 übersiedeln. Um Abonnenten. Der Verlag des„Berliner Tageblatts" hat durch seine Zeitungs frauen Adressen von Abonnenten der„Bossischen Zeitung" sammeln laffen, um diese durch eine achttägige unentgeltlich« Zustellung des „Tageblatts" für sich zu gewinnen. Dem Verlag schien der Ucber gang der„Vossischen Zeitung" in den Ullsteinvcrlag besonders günstig. Das behagte aber der anderen Seite nicht und so kam es zu einer gerichtlichen Verhandlung wegen unlauteren Wett- bewerbs, nachdem der Verlag der..Vossischen Zeitung" ein« einst weilige Verfügung erwirkt hatte, nach welcher dem Verlag des Tageblatts" bei Strafe das Adressensammcln der Abonnenten der „Vossischen Zeitung" untersagt wurde. Das Gericht trat dieser Verfügung bei. Fingierte Raubüberfälle. Die Zahl der Fälle, die zunächst als Raubüberfälle gemeldet Werden, hinterher sich aber als fingiert herausstellen, ist in den letzten Jahren so gestiegen, daß Publikum wie Kriminalpolizei solchen Meldungen sehr skeptisch gegenüberstehen. Da meldet ein junger Mann,«r sei in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag im Tiergarten angefallen und beraubt worden. Dt« Kriminal- Polizei traut von vornherein d«r Sache nicht. Sie stellt fest, daß der junge Mann am Sonnabend sein Gehalt erhalten und daß er verschiedene Abstecher gemacht hat. Um nun erklärlich erscheinen zu lassen, ohne Geld nach Hause zu kommen, hat er einen Raub- Überfall erdichtet. Ter Kriminalpolizei gesteht er es schließlich. als«r nicht mehr anders kann, auch zu. In Köpenick erschien dieser Tage ein Eisenbahner I. auf der Polizeiwache und bekundete, er sei Montag früh zwischen 4 und S Uhr auf dem Weg« zwischen Spindlersfeld und Bahnhof Ober. spree im Walde von Räubern überfallen, niedergeschlagen und beraubt worden. Es habe zwischen ihm und den Tätern ein ver- zweifelter Kampf stattgefunden. Der stark zerrissene und be- schädigte Dienftmantel des angeblich Ucberfallenen zeugte noch von den Wirkungen des Kanipfes. Sofort stellte die Kriminalpolizei eingehende Erhebungen über die Täterschaft an, lchne jedoch etwas Bestimmtes zü ermitteln. Am Mittwoch erschien I. ein zweites Mal auf der Wache, diesmal aber aus dem Grunde, um seine ersten Angaben zu widerrufen und einzugestehen, daß er die ganze Geschichte von dem Raubanfall erfunden habe. Er habe sich an jenem Morgen verspätet, und um keine Unannehmlichkeiten an der Dienststelle wegen Zuspätkommens zu haben, sei er auf den Gr- danken gekommen, den Ueberfall zu fingieren. Den Dienftmantel hatte er sich selbst zerrissen und auch die Knöpfe abgeschnitten. Wahrscheinlich wird sich I. nun wegen groben Unfugs vor dem Strafrichter zu verantworten haben. Solche und ähnliche Meldungen werden so häufig erstattet, daß das Mißtrauen sehr groß ist und leicht dazu führen kann, daß bei wirklichen Ueberfällen nicht derjenige Eifer angewendet wird, die Schuldigen zu finden, wie das manchmal erforderlich wäre und die Rowdies freiere Bahn haben. Bemerkt sei, daß Bestrafung eintritt, wenn sich herausstellt, daß die Polizei durch Anzeigen erdichteter Raubanfälle irregeführt worden ist. Die Ausstellung empfehlenswerter Jugendschriften im Gewcrk- schaftshause ist nur noch heute und morgen von 3—9 Uhr geöffnet. Die neben der Ausstellung gelegene Verkaufsstelle der Vorwärts- Buchhandlung ist am Sonnabend von 3—9 Uhr, am Sonntag von 3—8 Uhr offen._ Die beide» Inseln Scharfenberg und Baumwerder im Tegeler See,.welche bekanntlich von der Stadt Berlin zur Durch- legung der Wasserrohre von dem projektierten städtischen Wasserwerk in Heiligensee erworben worden sind, werden nur zum Teil für die Zwecke der Wasserwerke gebraucht. Im übrigen sollen sie nicht der Bebauung erschlossen werden, sondern in ihrem Zustande erhalten bleiben. Der dendrologische(Gehölz) Garten auf Scharfenberg wird ddrn Publikum geöffnet werden. Die Insel Baumwerder will man au Sport-, Ruder- und Segelvereine und Privatpersonen verpachlen. Zwei Kindesuiordc beschäftigten die Kriminalpolizei. Aus dem Schlachtcnsec wurde die Leiche eines neugeborenen Knaben gr landet, der etwa ein bis zwei Tage gelebt haben mutz und mit einer Schnur erdrosselt worden ist. Die Schnur, die beim Aus- finden der Leiche noch um den Hals herum lag, hatte tiefe Ein- schnitte hervorgerufen.— Mit den Händen erwürgt worden ist ein neugeborener Knabe, dessen Leiche gestern vormittag von der Pförtnerfrau des Hauses Dennewitzstraße 10 auf der Treppe des Borderhauses aufgefunden wurde. Die kleine Leiche war in ein Stück eines Hemdes eingewickelt und in einen braunen Karton gelegt worden. Dieser war noch in neues braunes Packpapier eingehüllt und das ganze dann verschnürt. Die verstümmelte Leiche eines Mannes wurde gestern an der Charlottenburger Schleuse aus der Spree gelandet. Dem Toten ist das rechte Bein abgeschlagen worden, wahrscheinlich von einer Dampferschraube. Der Mann ist etwa 1,76 Meter groß und kräftig gebaut, hat blondes Haar, einen rötlichen, englisch geschnittenen Schnurrbart und ein rundes Gesicht und trug einen zweireihigen dunklen Anzug, ein blaues Sweater, ein bläulich-schwarzgestreiftes Hemd, Trikotunterzeug und schwarze Schnürschuhe. Durch die Fensterscheiben auf die Straße hinab sprang der 42 Jahre alte Jnstallaleur H. aus der Hussitenstraße, um jickj das Leben zu nehmen. Der Unglückliche zeigte seit einiger Zeit Spuren geistiger Verwirrung. Nach einer ruhigen Nacht sprang Hoffmann gestern morgen um 7 Uhr plötzlich aus dem Bett und stürzte sich durch die Fensterscheibe hindurch aus dem 4. Stock auf die Straße hinab. Er verletzte sich so schwer, daß er im Lozarus-Krankenhause bald nach der Aufnahme starb. Selbstmord im Krankenhause beging ein 54 Jahre akter Kellner Joseph Jäger, der sich in der letzten Zeit wohnungsloS in Berlin aufhielt. Der Mann war eines schweren Leidens wegen in ein hiesiges Krankenhaus gebracht worden. Hier schnitt er sich in einem unbewachten Augenblick die Kehle durch und starb an Verblutung. Verloren wurde auf dem Bahnhof Niederschöneweide eine schwarze Wachstuchtasche mit 7 Sammellisten zur Weihnachls- bescherung Nr. 10 069 bis 10 076 sowie Beitragsmarken vom Wahl- verein. Abzugeben im Bureau des Wahlvereins, Stralaner Platz 10/11. Sollten die Listen irgendwo auftauchen, so sind dieselben anzuhalten. Im Walhalla- Theater am WeinbergSweg hat sich eine Wo Ikenbnmmler-Posse von Hermann Stein eingefunden, um, wie es bei der ersten Aufführung, Donnerstag, den Anschein hatte, allda längere Zeit zu verweilen. Der Verfasser bringt eine zum besten Teil lustige Fabel auf. Sie spielt sich halb an Bord eines Amerikadampfcrs, halb am Strande Helgoland? ad. Ter junge Kapitän, hier zphause, hat ein geliebtes Mädchen zurück- gelassen, das aber, da er niemals von sich hören ließ, nunmehr einen reichen, doch tölpelhaften Burschen heiraten soll. Natürlich schlägt der schmucke Seefahrer die Landratte auS dem Felde. Da- neben ist dann noch ein aus feschen Weibsen bestehendes„Schiffs- Kabarett" und, damit Wasser- und Luftrcich, eng einander zugesellt, das angebrochene Säkulum„in die Schranken fordern" können, auch noch eine Aviatikertruppe. Zu diesem bunten Durcheinander hat Carl Krüger eine, obzwar mancherlei Anleihen bei Humver- dincks„Hansel-und-Gretel"-Oper und anderen Komponisten nicht entbehrende, dennoch hübsche Musik geschrieben. Es mangelt Krüger incht an eigenen musikalischen Einfällen. Und dann muten sie ziemlich originell an.� Einige humoristische Duetts, Couplets und Liedchen, wie das Helgoländer Fischerinnen-Carmen, oder der „Flieger'-Kantus dürften ja wohl rasch auf die Walzen gelangen. Reizvolle Bilder sehen wir auf Helgoland selbst sich entfalten. Dahin gehört vornehmlich die Tanzszenerie des insularen Jung- Volks. Der Schiffseigner, eine Art Mormonenhäuptling, die un- garisch radebrechende Soubrette, der schwarze Barbutz, die coirragiert mannweibliche Aviatikerin, der Auftritt preußischer Polizeier, der Chinese usw. sorgen schon für allerhand Augen- und Ohrenschmaus. Gesungen, getanzt, geulkt wird reichlich und recht gut. Am nach- haltigen Erfolg dürfte also nicht zu zweifeln sein, Gerichte-Zeitung. Bitte» weitergehen! Vor dem Jugendgericht Berlin-Mitte wurde gestern auf« neue jene Straßenszene erörtert, die sich am 26. September abends gegen 11 Uhr in der Adalbertstraße abspielte. Mehrere junge Leute, die aus einer in der Kommandantenstraße abgehaltenen Jugendversamm- lung heimkehrten, sollen vor dem Hause Adalbertftr. 62 in Verkehrs- hindernder Weise auf dem Bürgersteig stehen gebliebe» sein und die von Schutzleuten an sie gerichtete Aufforderung weiter zn gehen nicht rasch genug befolgt haben. Die gegen sie ergangenen polizeiliche» Slrafbefehle wurden den Gerichten zur Entscheidung vorgelegt, wo- bei zwei der jungen Leute in der Berufungsinstanz eine Freisprechung erzielten. Ein anderer, ein 16jähriger Lehrling Fritz Müller, hatte in derselben Sache sich erst jetzt vor dem Jugendgericht zn verantworten. Nach seiner Darstellung, die von zwei Zeugen unter- stützt wurde, hätte ein S-butzmann sie angeschrien:„Ihr Hammels, macht» daß Ihr nach Hause geht und inS Bett kommt!" Sie seien weitergegangen, aber später wieder stehen geblieben, worauf ein paar ihnen nachradelnde Schutzleute sie festnahmen. Nach der Dar- stellung der Schutzleute hätte die Aufforderung gelautet:„Bitte» weitergehe»!" aber die jungen Leute seien nur ganz langsam weiter- gegangen und hätten wieder stehenbleibend sich über die Polizei lustig gemacht. Als sie dann gestellt wurden, seien sie davon« gelaufen, was, doch schon auf«in Schuldbewußtsein schließen lasse. Der Amtsanwalt beantragte gegen Müller 3 Mark Geldstrafe. Der Verteidiger Rechtsanwalt Ricgner hielt Freisprechung für geboten, weil in der wenig belebten Strohe zu so später Stunde der Verkehr nicht behindert worden und übrigens auch die Aufforderung tatsächlich sofort befolgt worden sei. Da» Gericht nahm gleichfalls keine Verkehrsbehindenmg an, sah aber in der Langsamkeit des Weiter» gehen« eine Nichtbcfolgung und erkannte auf 3 Mari Geldstrafe. Unverständlich, weShalb w einem langsamen Weitergehen kein Weitergehen liegen soll._ Die Gräfin al« Angeklagt». In der gestrigen Verhandlung kam aus dem Notizbui� der An- geklagten folgender von ihr geschriebener VerS zur Verlesung, den der Staatsanwalt al« charakteristisch gegen die Angeklagte gelten lassen wollte:„AuS Lumpen wurde ich gemacht— Zu Lumpen werde ich gebracht— Bon Lumpen nähren Lumpen sich— Und mancher ward zum Lump durch mich."— Rechtsanwalt Dr. Klee: Das ist allerdings sehr wichtig.(Heiterkeit.) Meines Erachtens hat die Angeklagte ein Rätsel in das Notizbuch geschrieben. Offen- bar ist es ein Rätsel, dessen Lösung lautet: Da« Papier! (Heiterkeit.) Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Staats. nnwalt wegen Wuchers, Konkursvergehens, Beleidigung, Dieb- stahls an Briefen und Bedrohung eine Gesamtstrafe von 3 Jahren S Monaten Gefängnis, 3050 M. Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverlust. Sollte das Gericht, erklärt der Staatsanwalt am Schlüsse des Plaidoyers, die vorgebrachten Tatsachen zur Ueber- führung der Angeklagten noch nicht für ausreichend erachten, so müsse er die Vertagung beantragen und noch weitere Beweis« er- bringen über Vorgänge, die ihm erst während der Verhandlung bekannt geworden seien. Dann würde er die Vorladung des Prinzen von Braganza, des deutschen Gesandten in Guatemala, des Generalmajors von Linden in Erfurt, ferner von Zeugen aus Colon und Panama usw. beantragen müssen. Schließlich sei ihm ein weiterer Fall mitgeteilt worden, wo die Angeklagte jemand die Ehe versprochen haben soll— gegen einen Vorschutz von 3000 M. Die Verhandlung wurde auf Sonnabend Uhr vertagt, ' Vorprozeß zum Mordprozeß Galle. Der de? Mordes an der Wirtschafterin Gertrud Galle der- tüchtige Händler Hermann Henk wurde gestern aus der Unter- suchungshaft der 2. Strafkammer des Landgerichts II vorgeführt, um sich wegen einer Reihe von Straftaten zu verantworten, die mit dem noch ungeklärten Verschwinden und dem mutmaßlichen Tode der Galle in unmittelbarer Verbindung stehen. Der Angeklagte ist erst im März dieses Jahres nach Verbützung einer achtjährigen Zuchthausstrafe aus der Strafanstalt gekommen. Die vom StaatSanwalts-Ässessor Roß vertreten« Anklage lautet auf Betrng in mehreren Fällen und schwere Urkunden- fälschung. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsdirektor Jacob. Die gestrige Verhandlung gegen Henk bildete gewissermaßen das Vorspiel zu dem Anfang nächsten Jahres vor dem Schwur- gericht stattfindenden Prozeß gegen H. wegen Mordes an der Ger- trud Galle. Aus der Vernehmung deS Angeklagten ergab sich folgendes: Bald nach seiner Entlassung aus dem Zuchthause legte sich der Angeklagte, nachdem er hin und wieder als Gelegenheits- arbeiter gearbeitet hatte, auf den Heiratsschwindel, und zwar suchte «r sich dazu ausschließlich Frauen und Mädchen aus, die längst „auS dem Schneider" waren, in der Annahme, daß diese mitunter mehr als leichtgläubig sind und gewöhnlich auch über Ersparnisse verfügen. So hatte er u. a. die Bekannlschaft einer Frau Hassel gemacht, der er erzählte, er habe in Anklam-Eiche ein Grundstück und sei als Maschinist bei der Firma Pintsch in Fürstenwalde an- gestellt. Wie der Vorsitzende ihm vorhält, habe er schon mit dieser Zeugin den Versuch gemacht, sie nach einer menschenleeren Stelle im Walde an der Ehaussc« Fürstenwalde-Trebus zu locken, die in den jetzigen Anklagefällen und auch in der Galleschcn Mordsache «ine große Rolle spielt. Zu derselben Zeit, als er mit der Frau Hassel in Verbindung stand, hatte der Angeklagte durch eine Heiratsvermittlerin ein 39jähriges Fräulein Haas« in Grünberg kennen gelernt. Unter falschen Vorspiegelungen lockte er der leicht- gläubigen H. 300 M. ab. Am 23. Juli d. I. machte er dann durch die Inhaberin deS „HeivatSvermittelungsbureauS Mertens", eine Frau Lange, die Bekanntschaft der Wirtschafterin Gertrud Galle. Wie der Ange- klagte gestern behauptete, habe er nicht die Absicht gehabt, die Galle zu heiraten, er habe sie nur„weiter vermitteln" wollen, da er schon einen Heiratskandidaten für sie in Aussicht hatte. Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten vor, daß dieser Heiratskandidat eine ähn- liche Rolle wie der„große Unbekannte" spiele. ES soll dies, wie Henk behauptet, ein Kaufmann Darge sein, den er auf der Fahrt von Frankfurt nach Guben kennen gelernt habe und der damals Reisender für ein Filzschuhgcschäst gewesen sei.— Als Landgerichts- direktor Jacob davon spricht, daß die Galle tot sei, erklärt der An- geklagte mit erhobener Stimme:„Tie Galle lebt, sie ist mit Darge erst nach Zoppot und dann nach Rußland gefahren. Alles was darüber erzählt wird, sind Phantasien des Kriminalkommissars Kuhn."— Der Vorsitzende hält dem Angetlagten dann weiter vor, daß er an einem Tage von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nach- mittags mit der Galle in der Schankwirtschaft von Homuth in Reinickendorf gewesen sei, die G. habe sich von der Frau noch Butterbrote zurechtmachen lassen, mit dem Hinweise, daß sie mit Henk einen Ausflug machen wolle. Bon diesem Augenblick an ist die Galle spurlos verschwunden. Während er früher zugegeben, dann aber wieder bestritten hatte, mit der Galle in Fürstenwalde gewesen zu sein, behauptete er gestern, daß er sich in Reinickendorf von der Galle verabschiedet habe. Am nächsten Tage sei die G. in Begleitung des Darge zu ihm gekommen. Sie wären dann in ein Hotel in der Breslauer Straße 18 gegangen, wo ihm die G. ihr über 1500 M. lautendes Sparkassenbuch der städtischen Sparkasse in Krassen für 1200 M. bar verkauft habe. Ueber die Herkunft dieses Geldes hat H. die widersprechendsten Angaben gemacht.— Nachdem der Angeklagte dann zwei Tage verschwunden war, er- schien er mit dem Sparkassenbuch der Galle in dem Lokal der Zeugin Gastwirtin Niebuhr. Das Buch trug jetzt einen, wie die Anklage behauptet, von Henk gefälschten OuittungSvermerk der Galle. Er schickte dann daS Buch an die Sparkasse in Krassen mit dem Ersuchen, das Geld auszuzahlen. Wie er behauptet, babe ihm die Galle die Erlaubnis erteilt, in ihrem Namen an die Sparkasse in Krossen zu schreiben. Er habe dann mehrere Briefe und Tele- gramme in dem Namen der G. nach Krossen geschickt, um daS Geld zu erhalten. Der Borsitzende hält ihm wiederum vor, daß er sogar versucht habe, eine Verwandte der Frau Niebuhr zu bestimmen, sich als Gertrud Galle auszugeben. Zwischen dem Vorsitzenden, der mit großer Zähigkeit immer wieder auf die vorhandenen Ver- dachtSgründ« hinweist, und dem Angeklagten, der sich immer mehr in unlösbare Widersprüche verwickelt, kommt es wiederholt zu recht lebhaften Szenen. Als der Angeklagt« schließlich erkennt, daß er durch den Vorsitzenden aufs Glatteis gelockt war und sich selbst ver- raten hatte, erklärt er, daß er überhaupt nichts mehr sagen werde. Nach eingehender Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt- fchaftSassessor Roß mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte, der zusammen zirka 24 Jahre Gefängnis- und Zuchthausstrafen hinter sich habe, ein äußerst gemeingefährlicher Verbrecher sei, eine Zucht- hauSstrase von 10 Jahren. Auf die Frage deS Vorsitzenden, ob er noch etwa? zu sagen habe, erklärte der Angeklagte:„Ich beantrage, die Zeugin Galle zu laden." Borstyendcr: Jawohl, wenn Sie uns die Adresse mitteilen. Angekl.: Das werde ich sofort tun, wenn ich frei kommen würde.— Das Gericht sah den Angeklagten als über- führt im Sinne des Eröffnungsbeschlusses an und erkannte auf 10 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizriaufsicht._ In dem großen Vetrugßprozcß gegen Haas und Genossen kam gestern nach fünfwöchiger mühevoller Verhandlung daS Gericht zu folgendem Urteil: HaaS wird wegen Betruges und Urkunden- fälschung in 15 Fällen zu 3 Jahren Gefängnis und Anrechnung von 3 Zitaten Untersuchungshaft und- Ehrverlust auf 3 Jahr«, Herzfeld wegen Betruges in 0 Fällen zu 1 Jahr Gefängnis und Ehrverlust auf ein Jahr verurteilt. Bei der Strafabmessung wurde berücksichtigt, daß Haas als ein gefährlicher Hochstapler zu bezeichnen sei, der in raffinierter Weise zahlreichen Leuten hohe Summen abgenommen habe. LOstündige Arbeitszeit— im Polizeibienst. In der Stadt. Halle a. S., in der man sich auf die soziale Für- sorge für die untersten Schichten der Bevölkerung viel einbildet, standen am Donnerstag die Gefangenenaufseher GramS und Winter vor der Strafkammer, weil sie durch Uebcrbürdung im Dienst fahr- lässigerweise verschuldet hatten, daß zwei Gefangene aus dem Polizeigefängnis entwichen. Am 29. Juli ergriffen zwei polnische Arbeiter, die Straftaten begangen hatten und später ausgewiesen werden sollten, durch ein Dachfenster des Hauptpolizeigefängnisses die Flucht und entkamen. Der eine Flüchtling wird noch heute gesucht. Der Polizeibericht meldete damals die Schauermär, die Polen wären gewaltsam ausgebrochen und hätten den Gefangenen- aufseher Grams mit dem Schlüsselbund niedergeschlagen. Diese Darstellung stellte sich in der Verhandlung als unwahr heraus und war vojn dem bedauernswerten Gefangenenaufseher, der früher im Polizemußendienst beschäftigt gewesen und wegen Krankheit „erleichterten Innendienst" erhalten hatte, nur erfunden worden, um sich vor der Verantwortung zu decken. Die Angeklagten ent- schuldigten sich mit Uebcrbürdung im Dienst und außergewöhnlich starker Beschäftigung. Ihr Dienst, den sie abwechselnd versahen, erstreckte sich von 8 Uhr morgens bis anderen Tages 1 Nhr mittags» also ganze 29 Stunden hindurch. Ihr Vorgesetzter mußte vor Ge- richt zugeben, daß sie reichlich viel Arbeit gehabt hätten: ein Be- weis dafür sei, daß nach dem Geschehnis eine dritte Ausfeherstelle eingerichtet sei.— Die Strafkammer erkannte an, daß den Be- amten ein Dienst zugemutet worden sei, dem sie nicht gewachsen waren. Bei der Länge der Dienstzeit mußten sie begreiflicherweise am Ende sehr ermüdet sein. Da es nun aber ohne Bestrafung nicht abgehen durste, wurden die Angeklagten unter Berücksichtigung aller MilderungSgründe zur Zahlung von 10 bzw. 20 M. verurteilt. FretreligiSse Gemetnde. Sonntag, den 14. Dezember, vormittags 0 Uhr, Pappclallee 15/17, Neukölln, ,/Fdcalpassage", Tegel, Bahnboiftr. 15, und vbcr-Schöneweide, Klaraslr. L: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr, Kleine Franksurler Straße L: Vortrag von Herrn A. Fttcher: ,DaS Land ohne Heimkehr."— Damen und Herren als Gäste willkommen. Avgemrine Kranken- und Strrbckasse der Steeallardrtter. dtS Uhr abend», Cunnobenti, von 4'rj vi» 6 Nhr«den»»(tan. Jeder für de»«rtcftaftc»»eftimmlen«»frage ist ei» Bnihftade and eine Zahl al» Merkzeichen beizufügen. Briefliche«nnvort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnemcntsgntttnng beigefügt ist, verd-n nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man ia der evrechslnndr vor. N.(f. 1815. AIS gutes populäres Wert über die stanzöüsche Revolu- tion können wir Ihnen emvsehlen i Wilhelm Bios,.Die sranzösische Revolution". Wollen Sie sich aber näher über da» Wirlschastsleben, das Parteigetriebe, die Presse zur Zelt der französischen Revolution unterrichten, so lesen Sie: Heinrich Cunow,«Die Parteien der großen sranzösischen Revolution und ihre Presse". Eine populäre Einleitung in das Studium der Marxschen Wirtschastslchre und die Marrsche Geschichtslheorte bieten Karl Kaülsky» Schrift„Karl Man/ ökonomische Lehren" und Friedrich Engels«Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutsche» Philosophie". Sämtliche Schriften find in der Vorivärts-Luchhandlung, Lindcnstraße Kg, zu haben.— R. Sch. 100. 1. und 2. Ja, 3. New.— — 35t. W. 1. Rur die gegnerischen Anwallülollen. 2. Rein.— 91. B- 101. Das Verlangen vcrslößl gegen keine Bestimmungen. In Momenten der Gesabr inüsseli natürlich die anderen Ausgänge ebenfalls sreigelassen werden, — O. M. 375. Ihre Angaben reichen nicht aus, lammen Sie in die Sprechstunde.— M. H., Lichtenberg. 1. bis 3. Ja MM iliNillMNMIM M-./«MV- iiimr ßr iradifoSgende Qfrgerntdndei Herr en-Ulster PltOieh«SO Phtntaslestoffo �040 Ausnahmepreis Bit*, tratv, rr&n» oliv Chev. ff 400 Ausnahmepreis Herren-Paletott MarenfU-Chevtot Ausnohmeprels Mino OÄT mtraiuco Mclton- Q 4100 Cbeviot Ausnahmepreis OU 21" Herren-Anzflge Chevlott«nd Kammrarnarten 0 ,4 SO Ausnahmepreis KiiMiiiW I Cheviots nach OQ40 engl Art, Ausnahmepreis GehrocK-Anzflge ich van TtJchkammgarn Q QOO Ausnahmepreis OU Todtfearnnrani mit Salden- CA 00 tplogtl... Ausnahmepreli O4* Obig« PrtU« vantehen lieh für dl« angegebenen Gröben und erhöhe« ildi für Jede Cröpe um 0.25 bezw. 0.50 bezw. 1.00 Mark. weitere Herren- Hosen hell und dankelgestreift Karam- garnarten.. Ausnahmepreis 1 1• r a n t e Kammfarnatrelfen Ausnahmepreis Phantasie Westen zum Aussuchen, moderne Ajo Muster Ausnahmepreis(* Bozener Mäntel imprftgn.. Strichlod., grau Ol 60 ll. oliv. 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W.Luzemann,0.,GabrielMax8t.2 W, Megow, Lichtenbg., Girtnent. 5 H.Markgraf, Charl.,Goethestr.4" R. Markworth, Pflügerstr. 11. mito-Fahrlciiuie Cen er. Auto Technikum Norden Prinzen- Allee 42/43 CIiaarföanehBle Tages- and Abend-Knrsas Bstritt jederzeit. Prospekte gratis, R. Masdll er. Llchtesberg. Oderstr. 27» AntonMelynarjLandabergerst.l? Alfred Mstzner, Fuldastr. 55/6> MQhlsteff, Spandau, BUnarckstr. 5 O. Mösl er, Weißenburgeretr. 42 E. Muhle, ifanteuffelstr. 87 Max Math, Falken steinstr. 87 Carl Neuendorfi, Sickiagerstr. 76 Wilhelm Niklau, Malplaquetat. 6. Gustav Nielson. Lindoworstr. 9 P. Nltsdike, Cadinerstr. 4. Fritz Otto, Warschauerstr. Piade-fin.'taiten Arkona-Bad, Anklamor-Btr. 84. UV UncUberjerstr. 107 tStatS Coilnow.tr. 41. [eHlial-BSll An.e�0Är.«. Bad Frankfurt, Gr.Frkft.Str. 136. Lieferant sämtl. Krankenkassen Paul Otto, Danrigcrstr. 31 RobertPötschke,Sprengelstr.4S. J.ß.Pepp, AEieDdestr.104, Reinickend.-Ösl Bad FriedridisbBiD,UniBbAllMl53 Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. K aiser-Friedrichs-Bad, Chiri.tBk. I indonhail Lind,'nRtr- 109 ShIimIU LlU'JBÜUaa Priedriehit 3. Lief.». Kua. National-Bad, Brunnenstr. S. Bad Ostend I Original Lohtannln-Bad Wallstr. 70 71. früh. Münsel Smtl. Bader�auch. f. Krankenk. Passage- Bad gSÄ" Reform-Bad. Wiener Str. 65. Reform-Bad\V eißensee, Lehdorst.lOl Iscniner-Bad. nierstr.bla S i I e 8 ia s®"episches" SU GununluiareR R. Bauke, Stralauer Str. 66. Berkholz, Köpenickerstr. 70. A. E. Lange, Brunnenstr..166 Liepe, Schöneberg, GraaewaldstrJO. Mever,P.>Nkito.lBorliner8tr.49— 60 H. Neusch, Breitest. 24, Spandau. J. Ch. Pollmann, Letbriigerstr. 60. F�Sjgranger�R�nicl�� Str. 11. gäcHe�ujonaitpreiRn C. Adameck, Nklln., Jonasstr. 28 A.Albat,Marki8tl2'13,Reiiiiekesdorl AI brecht, E., Fmchtstr. 29. Landbrotbäcker. Herrn. Albredit P, Andersdi, Zionskirchstr. 17. R. Anderson, Thüringeratr. 82 Asmus, Wüh., Ueckermttiderstr. 11. K. Aust, Dronthcimer Str. 40. Wllh. Bagge, Widefstr. 66/6. Willy Bär, Stromstr. 48. Paul Berger, Mirbachstr. 29 Josef Brofka, Kircbhofstr. 46/47 E. Beyer, Thornerstr. 6. Uitkel, EHM ZZ. Otto Blllepp, KxsUoifB-AllH 21 T. 12 Reinh. Bleukle, Wiesenstr. 19 a. R. Block, Sotauerstr. 18. Alw. B ämer, Romintenerstr. 40 Brotfabrik Heinersdorfer Mühle F. Bockenkamp, Camphausenst.G PauIEochnig.l caköWjGörschstr.ll Rudolf Brechlin,Ockerst. 3 Nklln. F. Broltkopf, Exorzierstr. 19 a. Hermann Büß, Grönauerstr. 12. Ewald Budiler, Weserstr. 47. Ernst Buller, Brüsselerstr. 48. Gust. Böhm, Gubcnerstr. 26 O. Büchner. Nordhausenerstr. 89 Alb. Dachwik, Knmcrunerstr. 16. Davids LanciDrot.KuäendcrrerSir.-ia l�li>(f.44.W«6f?iann-. E.EUiab;tk»t Foul Dclly, Markuy.sirabe 16. Albert Denkewitz, Jablmkiatr. 14 Doliwa, Ferdinand Torollstr. 4 Otto Donath, Stolpischestr. 28. H. Donner, Schönfließoratr. 2 Rnd.Dundcer, Pankow, MäbleasL?! Fritz Eichler, Bastianstr. 18, W. Ernst, Pücklerstr. 42. Franz Faulwctter, MÄnUnffelstrAT. Carl Feist, Friedenstr. 101. Friedr.FIemruIng, BoxhagenerftrA?. 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Januar ihre Ergebnisse einsenden, kann das vorläufige Et- gebnis der Viehzählung bis Ende Januar 1914 herausgegeben werden. Abg. Irl(Z.) fragt an, wann das für 1913 in Aussicht genommene Gesetz betr. die Vorschriften über die Rücklagen der Berufs- genossenschaften dem Reichstag zugehen werden. Ministerialdirektor Dr. Caspar erwidert, daß die Vorlage noch im Laufe dieses JahreS ein- gebracht werde. Hierauf werden auf Antrag der GefchäftSordnungskommission die nachgesuchten Genehmigungen zur Strafverfolgung der Ab- geordneten Thiele(Soz.>, Wendel sSoz.), H o f s m a n n(Soz.) versagt. Di- Uebereinkunst betreffend Maßregeln gegen Pest, Cholera und Gelbfieber wird in dritter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Beratung deS Antrages Bas s ermann und Genossen, betreffend die deutsche Ausstellung in San Francisco. Abg. Bassermanu(natl.) berichtet über die Verhandlungen der Kommission und betont be- sonders, daß infolg« des erst im letzten Augenblick vom Gcbeimrat L e w a l d in die Diskussion getragenen wichtigen Gesichtspunktes, daß nach dessen Ansicht die Durchführung einer würdigen deutschen Ausstellung in der zur Verfügung stehenden Zeit von 14 Monaten technisch nicht möglich sei, die Kommission von einer Beschluß- faffung abgesehen habe mit dem Wunsche, daß diese Erklärung des Geheimrats L e w a l d im Plenum wiederholt werde. Ministerialdircktor Lcwald: Bei den früheren amerikanischen Ausstellungen standen 18 Monate zur Verfügung und das war schon äußerst knapp. Für die Ausstellung von San Francisco, die in so außerordentlicher Entfernung statt- findet, hätten wir aber nur 14 Monate und 1 Woche. Dazu die Transportstörungen im Winter— die Ausstellung soll im Februar ISIS beginnen. Auf den Panamalkanal scheint man wegen der Erdrutsche nicht sicher rechnen zu können. Kurz, der Reichs- komminar wäre in der schlimmsten Situation. Der Transport um das Kap Horn dauert 3 Monate. Zu gründlicher Organisation ist die Zeit zu kurz und gerade darin lag sicher immer der Erfolg der deutschen Beteiligung an den Weltausstellungen. Es genügt nicht, die normale Handelsware zusammenzustellen— ein solches Lorgehen hat uns seiner Zeit in Philadelphia daS Urteil.Billig und schlecht!' eingebracht, das unsere Industrie erit durch Ehikago loSbringen konnte. Um Wettbewerb handelt eS sich, also muffen die Höchstleistungen herausgeholt werden, der beste Play gesichert werden, lüiistlerische Architektur geschaffen werden usw. Auch die Frage der V e r s i ch e r u n g ist nach der Erdbeben- katastrophe von 1906 völlig ungeklärt. Also die ReichSregicrung kann der Beteiligung nicht zustimmen. Der Antrag wird zurückgezogen. Damit ist der Gegenstand erledigt. ES wird die erste Lesung des Etats fortgesetzt. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Die Konjunktur sehe tch nicht so schwarz, den ReichShauShalt kann sie nicht beeinflussen. Bedauerlich ist. daß man l Million 3tcich«anteil an der WertzuwachSsteuer den Terrainspekulanten ge- schenkt hat. Der Rückgang der Branntweinsteuer- einnähme um 8 Millionen ist für die VolkSgesund- he.t h o« st erfreulich.— Die Z a b e r n e r Affäre hangt vielen schon zum Halse heraus, aber da mau uns das Wort abgelchn.il-n hat. muß ich davon noch reden. Wir haben m einer l�klarung zu Protokoll die Vorgänge auf, schärflte i. 51" Die landSmannschaftlichen Verspottungen usw., die bei den Deutschen leider üblich sind, erstrecken sich eben auch aus daS Heer. Der Kriegsimnister tollte derartige Uzereien verbieten Der amtliche BenchterstattungSapparat funktioniert immer schlecht hier bei Zabern, ein anvermal, als von der Errichtung einer Hunde- schlächterei oder der Vergrabung von auf einer Hoffagd erschossene» Hasen gefaselt wurde. Beim Mißbilligungsvolum haben wir nicht m i t g e t a n, weil wir den Sozialdemokraten nicht auf den Weg zum parlamentarischeu Regime folgen wollen— Dann paraphrasiert der Redner die Aussührungen des Kanzlers und der übrigen bürgerlichen Redner über die ouSwäilig« Politik und fordert bessere Lebcnsbedinguiigen sür die Eingeborenen der Kolonien, wo es an Arbeilerichntz mangelt und Raubbau mit der Gesundheit der Eingeborenen getrieben wird.— Viel dringlicher als neuer ArbcitSwGigcnichutz wäre ein besserer Schutz gegen Beleidigungen durch die Presse; man ist ja vogelfrei, der Prozeß wird monate-. jahrelang hinausgezogen, und dann endet er durch eine gerissene RcchtSverlreunig oft ganz ander« als richtig wäre, lind oft muß der siegende Iclägcr noch die Kosten zahlen. Da vergeht einem der Appetit, daS Gericht anzurufen. Ich bitte um eine rasche Reform I Das Unbehagen über TerrorismuS ist erst nach den öffentlichen Landtagsivahlen in Preuße» recht laut geworden. Da wird furchtbar politisch terrorisiert. Also geheime« Wahlrecht I Der wirlschastUche TerrorismuS ist unleugbar, ober ist n o ch lange n i ch r so i ch l i m m a l« d e r Unternehmerterror durch schwarze Listen und gegen andere Unternehmer sogar. Den schlimmsten Koalilionszwang üben nicht dre Gewerkschaften, sondern diejenigen Unternehmer au«. �" �ie gelben Vereine züchten und die Beschäftigung der Arbeiter vom Besitz der gelben MitaliedSkarte abhängig machen. Der ichlimmsie TerrorismuS ist nidit der äußerliche, sonder» dieser GewinenslerrorismuS. Wenn man etwa« tun will, dann tue man eilvaS gegen die Verhinderung am Gebrauch der Koalitionsfreiheit. Tie chrtstlichnalionale Arbeiter- bewegung lehnt weitere>t Arbeits willigenschutz ab. ?ur Bekämpfung der Auswüchse würde es genügen, wem, sich alle an- ändigen Menichcn und Zeitungen gegen den Terrorismus zusammen- finden. Dto pg- Ztreikpostenstehen verbietet, macht d a S Koalitionsrecht zu einer stumpfen Waffe. Mit den E�reffung». und Nötigungöparagraphen deS Strafgesetzentwurfs 'st nicht« anzufangen Die angekündigte Denkschrift muß paritätisch auch über den Unternchmcrtcrror berichten— dann wird der Ruf nach neuen Gesetzen gleich verstummen.»Die Enlwickelung steht nicht still', sagte die Thronrede— dann aber muß die Sozial- Politik ausgebaut werden. Mutterschutz ist nötig, soll der Geburlenrückgang aufgehalten werden; Mutterschutz auch in der Landwirtichast I Die Berufsgenosienschaften raten ihren Verletzten hausieren zu gehen— und hier machen wir Hausier- g e s e tz e I Auch für den Mittelstand und die Kleindauern muß etwas geschehen. Keine Hemmung der Organisationen im Volke, sondern weise Entwickeliing der sittlichen und nationalen Kräfte! Abg. Seyda(Pole): Es ist bezeichnend sür unsere Verfassungszustände. daß der oberste Beamte des Reiche«, der dem Reichstag verantwortliche Reichs- k a n z l e r, ei» mit überwältigender Mehrheit erteiltes Mißtrauens- Votum einfach als gu�ntiiä negligeable(als ein Nichts) behandelte; es ist charakteristisch, daß ein Volk von 66� Millionen keinen Einfluß darauf hat, ob der Reichskanzler im Amte bleibt oder nicht.— Tie Ereignisse auf dem Balkan sollten für olle Rationen ein Menetekel sein, die in unmoralischer und kullurwidriger Weise andere Nationen unterdrücken. Es ist zu begrüßen, daß Eng- land sich anschickt. den Jrländeril eine freiheitliche Verfassung zu geben, daß O e st e r r e i ch in Kroatien wieder ver- fassuiigsmäßige Zustände hergestellt; nur Rußland und Preußen halten an der brutale ir Unter orückungspolrtil f e st-(Vizepräsident Dr. Paasch« rügt diesen Ausdruck gegenüber Preußen.) Bündniffe könneil nur Bestand haben, wenn die Völker selbst von ihrer Notwendigkeit überzeugt sind. Bei uns gibt es aber eine zwar nicht große, aber einflußreiche Gruppe, die All- deutschen, die gegen unser Bündnis mit Oesterreich hetzen und Teile Oesterreichs loszureißen und an Deutschland anzu- gliedern verlangen. Professor Delbrück hat recht, wenn er die Alldeutschen als die größte Gefahr bezeichnet, weil sie uns in einen gefährlichen Krieg zu verwickeln streben. Wie sollten die slawischen Teile Oesterreichs mit frohem Herzen am Dreibund hängen, wenn sie sehen, wie Preußen gegen ihre Brüder eine brutale Vernichtungspolitil betreibt. Will der Reichs- kanzler den Dreibund stärken, so sorge er sür das Aufhören dieser Unterdrückungspolitii.(Lebhafte Zustimmung bei den Polen.) Scharfer Prolest muß erhoben werden gegen die Aeußerungen zum Fall K n i t t e l. Danach könnte nur ein Nationaldeulscher Offizier werden. Die Verfassung kennt nur Reichsangehörige; auch Dänen und Polen müssen Königsdiensie leisten und haben im Falle der geeigneten Vorbildung den Rechtsanspruch. Offizier zu werden. (Sehr richtig! bei den Polen.) Die entgegenstehende Auffassung des Kricgsministers ist verfassungswidrig, sie paßt aber in das ganze System der preußischen Verfolgungspolitik gegen die Polen. bei der nach Verfasiung und Recht nicht gefragt wird.(Sehr wahr I bei den Polen.) Die Schaffung von Feuerstellen und Wohnungen wird den Polen polizeilich versagt, in Erdhöhlen müssen sie häufig wohnen.(Hört! hört!) ES werden im Etat l'/z Millionen Mark zur Förderung deutscher Schulen im Auslande gefordert, doch wohl, damit deutsche Kinder im Auslände in ihrer Muttersprache unterrichtet werden; hunderttausende» polnischen Kindern verwehrt man dies und selbst den privaten Unterricht in polnischer Sprache ver- bietet man und bestraft ihn mit Geld und sogar mit Gefängnis. (Hört! hört! bei den Polen.) Abg. Alpers(Wclfe): Abgeordneter Paaschs hat von uns verlangt, daß wir Hara- kiri machen. Mögen zunächst die Nationalliberalen ihre Agitation gegen uns einstellen. Ihre Behauptungen, daß unsere Bestrebungen gegen das Deutsche Reick gerichtet seien, sind von ihrer Seite wider besseres Wisien aufgestellt worden. DaS Königreich Hannover ist durch eine ungerechte Anncktion zu einer preußischen Provinz gemacht worden. Dagegen protestieren wir und verlangen ein freies Hannover, da« den anderen deutschen Staaten gleichgestellt ist. Wir sind Föderalisten und Monarchisten und können auch als solche die Revolution von oben, die in der Anneklion von Hannover liegt, nicht anerkenne». Diese Revolution von oben trägt Schuld an dem starken Anwachsen der Sozialdemokratie in Hannover. Wie Braunichweig hat das ebenso kerndeutsche Hannover ein Recht auf Selbständigkeit. Die Vergrößerung Preußens durch die Annexion Hannovers hat Bismarck selbst als ein Unglück für Preußen bezeichnet. Wir wollen nicht geringeren Rechts sein al« die übrigen Bruder in Deutschland. Auch da« Bestreben, aus einem niedersächsischen Hannoveraner einen ostelbischen Preußen zu machen, wird stets srncktloS bleiben. Herzog Ernst August hat den„gegen wältigen Besitzstand' anerkannt. Darin liegt keine A n e r k e n n u N g de« Rechtes d-S Besitzstandes, keinVerzichtauf Hannover weder direkt noch indirekt.(Hört! hört! recht«). Den jetzigen Besitzstand erkennen auch wir an, aber den Kamps für daS ewige Recht der Wiederherstellung des König- reich« Hannover werden wir nie aufgeben.(Bravo! bei den Welsen.) Abg. Dr. David(Soz.): Der Vorredner sprach von dem ewigen Recht der Hannoveraner aus das Königreich. Da müßte er nn« aber erst eine Karte vor« legen, aus der wir die G r e n z g e st a l t u n g der deutschen Länder erlemien könnten, wie sie zum mindesten doch bei Christi Geburt gewesen ist.(Heiterkeit.) Denn die Ernigkeit fängt doch schon v o r 1866 an.(Heiterkeit.) Im übrigen versteht er unter ewigem Reckt offenbar das dynastische Recht. Wäre eö ihm darum ,n lun, das Reckt im allgemeinem Sinne, daS Volksrecht zu vertreten, hält« er ganz anders sprechen müssen. In der Stadt Hannover be« stebi heute noch eine von dem dynastischen Hause, dessen Interessen er vertreten hat. etlassene Städteordnung. nach der eS bis heute nicht möglich ist. daß auch nur ein einziger Vertreter der Sozialdemokratie, die die große Mehrheit der Bevölkerung in Hannover bildet, in die hannoversche Stadtverordneten- Versammlung komme» kann.(Hört! hört l bei den Sozial- deniokralcn.s So siebt es mit dem Recht Hannovers au«, für das der Borredner eine Lanze gebrochen hat. Für diese Reckte können wir nicht eintreten. Er lmi nickt den Nachweis erbracht, daß hinter seinen Forderuiigen die Mehrheit des hannoverschen Volkes steht; wohl aber können w i r diesen Nachweis für die von uns verlangte RecktSumgestaltung in Hannover erbringen. Nun zu dem, was ich eigentlich sagen wolle. Der einzige RegieningSverireter, der rnit dem Verlauf der Etalsdebalte zufrieden isr. ist sicher Herr K ü h n.(Schatzsekretär Kühn nickt zustimmend. Heilerkeit.) Man hat ihn von allen Seilen mit Lob überschüttet, daß es ihm gelungen sei, den Etat beinabe ins Gleichgewicht zu bringen. Ich finde, daß es eigentlich keilt großes Kunststück gewesen ist, an- gestckt« der Milliarden Steuern und des Wehrbeitrages, die wir in den legten Jahren bewilligt haben. Aber ich will ihm die Freude nicht vergälle».(Heiterkeit.) Seinem Grundsatz der Sparsamkeit stimmen wir zu. falls die Sparsamkeil nicht an falschen Punkten einsetzt. So darf die S u m m e v o n 2 4 0 M a r t für jede Familie, die den vierte» Sohn beim Militär hat, trotzdem die Anzahl dieser Familien sich als viel größer herausgestellt hat, als man an- nahm, keinesfalls beschränkt werden; vielmals sollte dies Geld so rasch al» möglich auSgezaht werden. Ebenso stimmen wir dem Grundsatz zu, daß Anleihen nur für werbende Zwecke gemacht werden sollen. Die Konsequenz wäre also, daß bei neuen RüstungS- vorlagen zum mindesten die einmaligen Ausgaben nicht durch An- leihen aufgebracht werden dürfen, sondern durch die Wiederholung des WchrbeitrageS. Freilich zweifle ich, ob es ihm gelingen wird, diesen schönen Grund- sag wirklich durchzuführen. Graf Westarp hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß seine Freunde gar nicht daran denken, diesen Grundsatz in Zukunft anzuerkennen. Die Konservativen beabsichtigen also, bei neuen Rüstungsvorlagen die Lasten wieder auf die Massen des Volkes in Form von indirekten Steuern zu schieben. lHört I hört I bei den Soziald.) Und wenn es nach den Herren der Rechten geht, werden wir sehr bald neue R ü st n n g S V o r l a g e n bekommen. In ihren Reihen sitzen ja die Rüstungstreiber, die Ktiegsinteressenten militärischen Charakters wie die, die mit dem Kriege ein lukratives Geschäft machen. Häufig ist da auch eine Personalunion vorhanden, indem die militärischen Kriegstreiber zugleich interessiert find an den Dividenden der großen Rüstungsfirmen. Herr Erzberger erklärte, seine Freunde wollen für die nächste Zeit keine neuen Rüstungen, und beries sich auf Frei- Herrn v. Hertling. Aber mit Worten ist eS nicht getan. Will man diesen Riistungstreibercien wirklich Halt gebielen, so muß man, falls wieder eine neue Vorlage kommt, sie auch ablehnen. Die Rllstungstreibereien sind gerade so stark geworden, weil das Zentrum und die Liberalen, einschließlich der Volks- Partei, jeden praktischen Widerstand gegen ihre Forderungen seit Jahren aufgegeben haben.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Die beste Sicherung deS Reiches gegen Angriffe liegt in der internationale» Verständigung, die erfreulicherweise ein paar kleine Zeichen des Fortschritts zu verzeichnen hat. Man behauptet, daß zwischen der Ankündigung eines FlottenfeierjahreS durch den englischen Marineminister Churchill und seiner neueren RüstungS- rede ein Widerspruch bestehe. Das ist aber nicht richtig, denn Churchill hat erklärt, daß England sich in dem Maß seiner Rüstungen durchaus nach Deutschland richten werde. Auf die Ankündigung deS FlottenfeierjahreS folgte bei uns ein großes Geschrei der Riistungsinteressenten und eine ablehnend e Erklärung de« RegierungSorganS— die natürliche Konsequenz war. daß Churchill sagte: Dann nicht! Dann müssen wir unsere Flotte entsprechend weiter ausbilden. Die deutsche Regierung trifft die ganze Verantlvortung dafür.(Die Staatssekretäre T i r p i tz und I a g o w hatten während dieser Aussührungen den Saal betreten. ihn aber sofort wieder verlassen.) Ein sriedlicheS freund» schafiliches Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich ist der Schlüssel zur Friedenspolitik auf dem Kontinent und wir sind überzeugt, daß wohl die große Mehrheit des deutschen wie des französischeil Volkes Frieden und Freundschaft will.(Sehr wahr! links.) An der Berner VerständigungStonfercnz haben ISO Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaften Frankreichs teilgenommen, einige von ihnen sind heule Minister. Wir freuen uns, daß dem in Bern eingesetzten Komitee außer uns die beiden liberalen Parteien, das Zentrum und die Elsässer angehören, und wir hoffen, daß eS gelingen wird, GaranHen zu schaffen gegen die unverantwortlichen Treibereien chauvinistischer Ideologen und direkter Kriegs-Geldinteresienten.(Bravo I links.) Das beschämende Vortragsverbot gegen Amundsen ist ja zurückgenommen worden, aber es war nur ein Zug in der von ostelbiichem Junkergeist erfüllten, daS Ansehen und die Jnter- esien des Deutschen Reiches schwer schädigenden Politik an der dänischen Grenze. Gerade mit den uns so verwandten skandinavischen Völkern sollten wir in einem möglichst engen frenndschaft- lichen Verhältnis stehen und nicht nur mit Oesterreich-Nngarn, sondern auch mit ihnen einen Zollverein bilden.— Einen Krieg mit Rußland wünschen auch wir nicht, aber uiisere Regierung lönnte doch die Pflicht einsehen, einen gewissen moralischen Druck aus Rußland auszuüben, damit dort die unmenschliche Grausamkeit, die S ch a n d- taten und Greuel aufhören, deren sich das russische Regime bei der Behandlung der politffchen Gefangenen schuldig macht. (Sehr richtig! links.) Tausende der besten Leute, die nicht« anderes wollen, als aus ihrem Lande endlich ein Kulturland zu machen, werden dort durch schändliche Mißhandlungen gequält, man läßt sie durch Entziehung der notwendigste» LebenSsaktoren elend der Schwindsucht und anderen Epidemie» verfallen. Die doslir verant- wörtlichen Machthaber sollen e« wissen, daß diese Methode di« Verachtung aller grrccht empfindenden Menschen herausfordert und in weitestem Maße verdient.(Lebhafter Beifall hMf Für die sozialpolitischen Aufgaben hat daS Reich infolge seiner ungeheueren MilitärauSgaben keine Mittel, so für die Reichs statt st ik, für die Herabsetzung der Alters- grenze von 70 auf 6S Jahre, für die Arbeitslosen- Versicherung. Herr Behrens hat uns vorgetragen, daß er in diesem Sommer sich von den schlechten Verhältnissen überzeugt habe, unter denen die Arbeiterfrauen, namentlich auf dem Lande, ihre Kinder zur Welt bringen müssen. Ich wundere mich über den Mut de« Herrn Behrens.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Er war es doch, der in der dritten Lesung der ReichSvcrsicherungS- Ordnung für den Antrag eintrat, den ich damals ein Doktiment der Schande genannt habe und der die obligatorische Wöcherinnen- Unterstützung der Landkrankenkaffen, also für die Landarbeiterinnen und die Frauen der kleinsten bäuerlichen Selbstwirtschafler von 8 auf 4 Wochen herabsetzen wollte. Hoffentlich hat sich Herr Behrens beim Anblick des Elends auch daran erinnert I Herr Erzberger hat den sehr allen Vorwurf gegen uns erhoben, daß die Sozial- dcmokratie gegen die sozialpoutlschen Gesetze gestimmt bade. Es ist nicht angenehm, immer wieder dagegen sprechen zu müssen.(Abg. Erzberger: ein sehr unterrichteter Das glaube ich!> Herr Erzberger, Sie sind doch terrichteter Mann.(Zuruf bei den Soz.: Da« glaubt er auch. Heiterkeit.) Sie kennen hoch auch daS Zustande kommen unierer sozialen Gesetzgebung. Dann miiffe» Sie doch auch wisien, daß 1388 die ganze Zentrumspartei mit 13 Aus- »ahmen gegen daS Gesetz über die Invaliden- und Altersversicherung gestimmt hat I(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) 1896/97 kam der Zentrumsantrag Hompesch. wonach die Verstcheruiigspflicht für die Land- und Forstwirtschast und für da« Handwerk aufgehoben und der Reichszuschuß von 50 M. gestrichen werden sollte. Sech« Jahre nach der Erlassung des Ge- setze« stellte daS Zentrum einen Antrag, der darauf hinaus lief. da« Gesetz wieder zu vernichten. Windthorst hatte ja erklärt, daß da« Zenirum gegen diese Gesetzgebung sei. iveil sie nicht ein Sprung ins Dunkle, sondern in den sozio- l i st i s ch e n Staat sei und Eugen Richter begrüßte den Antrag Hompesch, weil dadurch die schrittweise Aufhebung des ganzen Gesetzes eingeleitet werde.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Ver- gesien Sie doch auch das nicht, Herr Erzberger, wenn Sie draußen diesen Vorwurf erheben— dann werden Sie beitragen, die W a h r h e i t im politischen Kampfe zu fördern.(Sehr gut! links.) Und wenn Sie ein klebriges tun wollen, dann fügen Sie hinzu, daß da« Zentrum gegen diese Gesetze gestimmt hat, weil sie den Arbeitern zu viel gaben und die S o z ial d em o kra t en. weil sie den Arbeitern zuwenig gaben, und weil sie hofften, mehr erreichen zn können; sagen Sie auch noch, daß die Sv-iuldcmokrat«« stets Verbesserungsanträge gestellt und für eine Reihe von Novellen, die mehr Gutes als Schlechtes brachten, ge- summt haben!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber Herr �rzberger wird auch nach meinen Ausführungen draußen damit agitieren, daß wir.dagegen g e st i mm t*'haben. Verlangen Sie noch eine besondere Hochachtung für solche agitatorische ß pflogenheiten?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Was die Sozialpolitik im ganzen anlangt, und das schrei, wir hätten zu viel Sozialpolitik, so ist das g e r a d e z u frivol angesichts der ungeheuren Reichtumsanhäufung, des Prunks und deS Luxus auf der einen Seite und auf der anderen Seite der entsetzlichen Massennot. die gerade wieder in diesem Winter in den größeren Städten auftritt. Wenn die freien Gewerkschaften, die Sie so gern als sozialdemokratische Strcilvereine hinstellen, nicht mit solchen grosien Mitteln dieser Rot entgegenträten, wenn sie nicht diese Millionen und Aber Millionen für K r a n k e n- u n d A r b e i t S l o s e n u n t e r st ü tz u n g ausgäben, so wäre diese Not noch viel furchtbarer. Wenn man den Kampf gegen die Arbeiterorganisationen proklamiert, so kann das nur ge fchehcn unter Verkennung dieser gewaltigen Kulturleistung und kann nur das eine Motiv haben, die Sucht zu herrschen. Das sind auch die Motive zu dem sogenannten Arbeitswilligengesetz. Der Reichskanzler hat hier mit scheinbar sehr gerecht klingenden Worten erklärt, er denke nicht an ein Ausnahmegesetz und an ein Eingreifen in die Koalitions- freiheit. Aehnlich sprach er 1910 anläßlich der M o a b i t e r Polizeiexzesse; damals hat er, nebenbei bemerkt, kein Be- denke» getragen, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist gut, daran zu erinnern, weil daraus hervorgeht, woher das Geschrei nach dem Arbeitswilligenschutzgesetz entstanden ist. Es ist ja kein neues Ge» schrei, und Herr v. Bethmann Hollweg ist kein neutraler Zu- schauer, nein, er war von Anfang an dabei. Kurz vorher hatte ein konservattver Parteitag in Hannover stattgefunden, wo Herr Y. Heydebrand ganz ebenso sagte: keine Ausnahme- gesetzt Ausbau der Strafgesetze. Das macht« sich der Reichskanzler zu eigen. Kurz vorher war auch eine Konferenz im Hotel Adlon gewesen, wo die Hauptstützen der Industrie sich zusammenfanden, u. a. die Herren B u e ck und G a m p, die doch gleichfalls nach einem Ausnahmegesetz in der Heydebrand- schen Lafiung riefen. Da also fitzen die Urheber, und der R e i ch s- kanssler folgte ihnen. Die Herren glauben, damit eine Parole für die Sammlungspolitik zu haben, zur Knebelung der wirtschaftlichen Bewegung de? arbeitenden Volkes, und um ihre politisch reaktionären Pläne verwirklichen zu können. Zu derselben Zeit sagte Heydebrand, es würde bald hart auf hart gehen, und in der konservativen Presie war zu lesen, man dürfe auch vordemStaats- streich nicht zurückschrecken, wenn es gälte, das Reichstags- wahlrecht zu reformieren, und zu der gleichen Zeit machte Herr v. Bethmann Hollweg im Preußischen Abgeordnetenhaus die dekannten abfälligen Aeußerungen über das Reichstagswahlrecht. Da haben Sie den Zusammenhang. Seitdem hat der Reichskanzler das Ziel nicht aus dem Auge gelassen. Freilich war er so klug, ein- zusehen, daß er gegen den Reichstag nichts machen könnte. Roch kürzlich hat ein General auf der Konferenz des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratte— der Reichskanzler hat jetzt schlechtes Wetter, er lebt in der Angst, daß sein fiihrender General aus dem Reichstag verschwindet(Heiterkeit)— mitgeteilt, er habe mit dem Kanzler über das Arbeitswilligengesetz ausführlich gesprochen, der Reichskanzler wünsche auch einen Schutz gegen den sozialdemokratischen Terrorismus, und besonders einen Schutz der Arbeitswilligen, aber er legte dem General die Frage vor, wie soll ich das mit diesem Reichstag erreichen, in dem nicht einmal die sogenannten staats- erhaltenden Parteien vollständig einig sind über den Nutzen und Zweck einer solchen Maßnahme. Sie sehen, der R eich s ka n zier steht als ein Treiberfnktor hinter den Knliffen. Daraus erkennen Sie den ganzen Charafter seiner Politik. So klug die ganze Taktik dieses Borgehens auch ausgedacht ist, so ist- sie doch zu durchsichttg, als daß ein denkender Mensch sich täuschen lassen könnte. Man will es auf dem Boden des gemeinen Rechts erreichen, ja. gemein wird dieses Recht sein, sogar sehr gemein. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Jedes solche Einschnüren der Bewegnngsfteiheit, die die Arbeiterschaft im wirtschaftlichen Kampfe notwendig hat, läuft darauf hinaus, die Arbeiter zu treffen, und nicht das Kapital. Die Unternehmer brauchen keine Streikposten, sie verständigen sich durch Telephon und Telegraph. Wenn die Herrenrechte ein solche? Vorgehen mit dem Argument.gegen den sozialdemokratischen TerrorismuS" verlangen— wie unehrlich und unwahr ist es, wenn diese Herren das deutsche Volk vor dem TerroriSmuS beschützen wollen; sie, deren ganzes Regiment ohne TerroriSmus zusammenbricht. Man macht ein große? Ge- schrei, daß die Sozialdemokraten ihre wirtschaftliche Macht bei Land- tags« und Gemeindewahlen benutzen, um einen politischen Druck auszuüben. DaS find aber nur Einzelfälle, die wir radikal beseitige» wollen durch das geheime Wahlrecht.(Lebhaftes Sehr richttgl links.) Sie(nach rechts) widersetzen sich dem. Können Sie als anständige Menschen einen solchen Widerspruch vertrete» und solch Argument gegen uns verfechten? Was man von dieser terroristtschen Art deS RegierenS zu erwarten hat, sehen wir auS der ganzen preußischen Verwattungspraxis, und das klang aus den Worte» deS Grafen Westarp heraus. Man weist aus die 2090 Strafen beim Bergarbeiterstreik in Westfalen hin. Wie sehen denn diese Fälle auS? Wenn man jedes schiefe Ansehen eines Ar- ntSwilligen, jedes Pfui gegenüber einem Streikbrecher zum V e r- rechen stempelt, so ist das sehr rigoros. Und verurteilt sind vor .llem Frauen, Kinder und Nichtorganisierte. Die durch oie Organisation Geschulten wissen sich im Jntereffe der Organisation solcher Ausschreitungen.zu enthalten. Die Regierung soll zunächst dafür sorgen, oaß der Terrorismus der Staatsbehörden endlich aufhört.(Sehr richttgl bei den Sozialdemokraten.) In Stettin wurde der Arbeiter Brandenburg, der als Arbeitswilliger einen Streikenden einfach niedergestochen hatte, ohne daß eine Spur von Notwehr vorlag, von den Geschworenen freigesprochen. Das Schwurgericht war zusammengesetzt auS Gutsbesitzern und Fabrikanten.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten) Das ist das krasseste Beispiel d e r K l a s s e n j u st i z, das in der letzten Zeit zu konstatieren ist. Die Zusammensetzung der Schwurgerichte darf nicht, so bleiben Auch die arbeitende Bevölkerung muß im entsprechenden Prozentsatz hinein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Als Mottv für den Schutz der Arbeitswilligen führt man Angriffe der Sozialdemokraten gegen nichtsozialdemokrattsche Arbeiter an. Dann mühten doch die nichffozialdemokratischen Arbciterorgani- sationen die ersten sein, die diesen Schutz verlangen. Aber auf dem christlich-nationaleu Arbeiterkongreß in Berlin iührte der christ- liche Arbeitersekretär Andre aus:.Die Phrase vom erhöhten Schutz der Arbeitswilligen dient lediglich zurDeckung reaktiv- närer Maßnahmen, die den Lebensnerv jeder selbständigen Arbeiterbewegung tteffen sollen.... Die Streikposten werden den Verkehr wohl weniger gefährden, wie die Autos der Herren, die durch die Straßen rasen."(Lebhaftes Sehr richtig I) In bezug auf den sozialdemokratischen Terrorismus sagt er, es ist immer noch besser, eS geschieht einem einzellfen Arbeiter unrecht, als daß das Vorwärtsstreben der ganzen Arbeiterklasse ge- b e ni m t wird. Dann geißelt er den Unternehmerterrorismus und sagt weiter: Es besteht ja heute keine Koalitionsfreiheit für den Arbeiter, t der Galgen ist daneben aufgerichtet durch den§153 der Gewerbeordnung. Dessen Beseitigung fordert er, und einstimmig trat der Kongreß diesem Verlangen bei, und weiter ver- langte der Kongreß, das Streikposten stehen gegenüber der Polizeiwillkür für ein im wirtschaftlichen Kampfe als crlaubteSMittel zu erklären. Herr G i e S b e r t S ftihrte auf demselben Kongreß aus, das berüchtigte Wort vom Schutz der Arbeitswilligen birgt eine ganze Welt von s-ozialreaktionären Maßnahmen. Das sind die Stimmen aus christlich-nationalen Arbeiterkreisen. Daß in dieser Situation, bei den Angriffen aus die fundamentalen Rechte der Arbeiter im wirtschaftlichen Kampf, die anderen Arbeiter- organisationen mit den freien Gewerkschaften zu einer geschlossenen Phalanx zusammenstehen, ist h o ch e r f r e u l i ch. Auch die kauf- männischen, technischen, Werkmeisterorganisa- t i o n e n wehren sich dagegen. Dem Hansabund ist seine Stellung- nähme zum Schutz der Arbeitswilligen schlecht bekommen, seine Angestelltenverbändc protestieren aufs schärfste dagegen. Auf der ganzen Linie treten die Arbeiter gegen den Ver- such aus, im Interesse des Kapitals die Arbeiterbewegung zu knebeln. Diese einmütige Front ist eine erfreuliche Wirkung des Vorstoßes der Herren von der Rechten. Diese Herren wollen einen Bund der schaffenden Stände schaffen, der schaffenden Stände ohne Arbeit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Seine Sache wird dadurch nicht besser werden, daß der Reichskanzler mit der Fahne, auf dein das große Portemonnaie als Symbol gezeichnet ist, diesem Bund der schaffenden Stände voranschreitet. Voran der Reichskanzler mit der Fahne, dahinter Herr v. Heydebrand mit dem Marschallstab, und dann Dr. O c r t e l mit der großen Pauke.(Schallende Heiterkeit.) Es ist der große Kampf zur Knebelung der Arbeiterschaft. Demgegenüber rufen wir alle, die sich eins fühlen in den Fragen der Interessen der Arbeit gegenüber einem Bunde der schaffenden Stände auf zu dem Bunde der ständig Schaffenden. In diesem Kampfe sind wir nicht so isoliert, wie der Reichskanzler(Zuruf bei den Sozialdemo- traten: Der sogenannte Reichskanzler— Heiterkeit) in der Zaberner Angelegenheit. Er hat offenbar angenommen, dadurch, daß er er- klärte, es handele sich nur um einen Vorstoß der Sozialdemokratie und dann verschwand, jetzt sei alles wieder gut. Der gestrige Tag hat ihn wohl belehrt, daß er sich getäuscht hat. Die große Mehrheit des Reichstages hat auch gestern die Haltung deS Reichs- kanzlers in dieser ganzen Angelegenheit einschließlich seinermach- träglichen Erklärungen mißbilligt.(Sehr richttgl links und im Zentrum.) Was ist denn das praktische Resultat der ganzen Sache für Zaber» und Elsaß-Lothringen? Daß«alles schweb:", kann doch kein befriedigender Abschluß dieser Angelegenheit für die Bevölkerung sein. Der Kriegsministcr hat noch bis zuletzt erklärt, er dürfe nichts über die Bestrafung des Leutnants v. Forstner sagen. Das Wohl des Reiches hänge davon ab, ob das Publikum erfährt, wie der Leutnant bestraft ist. Welcher Geist spricht daraus? Eine Sache, die eine solche öffentliche politische Bedeutung gewonnen hat, will man immer noch beurteilen aus dem Gesichtswinkel einer beliebigen Disziplinarbagatellsache. Die Herren begreifen noch immer nicht, daß die Oeffentlicbkeit ein Recht hat, in diesem Fall von der Strafe Kenntnis zu erhalten, weil das von p o l i t i s ch e r B e d e u t u n g ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Oder fürchtet man etwa eine Mitteilung über das Strafmatz, wenn man glaubt, daß auch dann die Oeffentlichkeit nicht beftiedigt sein würde? Man sagt im Elsaß, der LeuMant habe ftir die schwere Beleidigung der Soldaten, die daneben noch ein Disziplinbruch war, nachdem durch Regimentsbefehl der Gebrauch des Wortes Wackes verboten war, 8 Tage Stubenarrest bekommen.(Lebhaftes Hört k hört I links.) Sollte das die strenge Arreststrafe sein, damit er in Muße seine Schokolade aufessen kann? (Heiterkeit.) Wir haben keine Erklärung von der Regierung, die das Gegenteil besagt. Aus der anderen Seite wissen wir jetzt, daß die Rekruten, die in Wahrnehmung ihrer Ehre austraten, die den Rock des Königs schützen wollten gegen die Be- leidigung des Leuwants Forstner, sechs Wochen Mittelarrest be- kommen haben, also eine weit schwerere Strafe. Gestern ist auch bekannt geworden, daß in der Tat die von so hoher Bildung des Leutnants zeugende Aeußerung sich nicht auf die französische Fremden- legion, sondern auf die französische Fahne bezogen hat (Hört! hört I links.) Hoffentlich zögert die Regierung nicht, in bezug aus diesen Punkt eine befriedigende Erklärung abzugeben. Ilngestraft ist Leuwant F o r st n e r auch noch für sein brutales Vorgehen gegen den wehrlosen gelähmten Schuhmacher, den er mit dem Säbel über denKops schlug. Vielleicht bat er eS getan, um die ausgesetzte Prämie von 10 M. für Niederschlagen eines»WackeS" zu verdienen und die 3 M. des Sergeanten noch dazu.(Heiterkeit.) Im übrigen setzt sich der Kriegsminister Über die Frage, ob durch Verlegung des Regiments wirtschaftliche Atteressen geschädigt werden, äußerst leicht hinweg. Auch hier wiederum die Erledigung nach der Schablone.(Sehr wahr! links.) Wenn Sie glauben, auf diese Weise könnte die Sache zur Ruhe kommen, täuschen Sie sich wahrhaftig. Man hat nun gesagt, es müsse eine bessere Abgrenzung der Zivil- und Mlitärgewalt erstrebt werden. Das ist aber nur mög- lich auf dem Wege unserer Anträge durch Gewährung einer wrrklich autonomen Verfassung sür Elsaß- Lothringen, durch Beseitigung der Präponderanz der Militär- gewalt, wie in den anderen Bundesstaaten. Wenn es darauf ankommt, hat übrigens bei uns ganz im allgemeinen die Mititärbehörde das Uebergewicht. Es ist wie in der bekannten Ehe, wenn die Eheleute einig sind, gilt der Wille der Frau, wenn sie uneinig sind, der des Mannes. (Heiterkeit.) Wir erstreben als plastische Frucht der Verhandlungen einen viel weitergehenden Einfluß der Zivilgerichtsbarkeit auf die Angehörigen der Armee. Demokratisierung der Armee in der Richtung des VolksheereS in Waffen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Stimmung für diese Reformen eine bessere geworden ist, so ist das in erster Linie da? Verdienst des preußischen K r i e g s m i n i st e r s v. F a l k e n h a y n. Er erweist sich hier als ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafftl(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Doch auch der Reichskanzler hat sein volles Maß von Ver- dienst dabei. Er sprach von einer Kluft zwischen Armee und Volk. Das ist schief gesehen. Die Kluft besteht vielmehr innerhalb der Armee, zwischen der maßgebenden OsfizierSkaste und dem gemeinen Mann.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Wenn die Herren.Armee" sagen, so meinen sie die Offiziere.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Die anderen Soldaten, das ist eigentlich auch Zivilpack, das wird g e s ch u n dfe n, die haben kein Ehrgefühl, die kann inan mißhandeln, beschimpfen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Kautsky hat in der.Neuen Zeit" einmal sehr treffend die zweifache Wirkung beleuchtet, die der Rock des Königs hat, für den. der ihn trägt: er macht den Offizier zum Halbgott und den Soldaten zum Sklaven.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Den Offizier stellt er über die Gesetze, den Soldaten nimmt er das Recht und das Gesetz.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Man sagt, ohne die Armee wäre kein Stein dieses Reichstagsbaues da. Haben denn die Offiziere allein ihre Schuldigkeit getan? Die meisten Offiziere von heute waren ja gar nicht dabei, jedenfalls nicht Herr v. F o r st n e r. Bilden nicht die Masie des Heeres die Leute, die in Friedenszeiten denBürger- rock tragen, den man ohne weiteres glaubt, beleidigen zu können,- die Leute, denen die Offiziere den Degen in den Leib rennen wollen, wenn sie ihnen in die Quere kommen. Nicht unr einen Vorstoß der Sozialdemokratie gegen die deutsche Annee handelt es sich. Wir protestieren dagegen, daß die OsfizierSkaste sich als Armee aufspielt.(Lebhafte Zuslimuiung bei den Sozialdemokraten.) zieren in iBror(Sfointnthptt tnnBrBntftrt :c inccgie ucuui�tuujcii. �cqciüaqt; vcb veil vsoziaroemo- kraten.) Und daß die Offiziere nicht etwa höhere sittliche Tüchtigkeit für sich in Anspruch nehmen könneii, wie die Gesamtheit der Bevölkerung, beweist die Tatsache, daß in so vielen Prozessen der letzten Zeit, Wucher». Spielerprozessen usw. immer wieder Offiziere, und meist aus den fein st en Regimentern mit den feinsten Namen, eine traurige Rolle spielen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Das soll natürlich kein Vorwurf gegen den Offizier- stand als solchen sein, aber er hat auch nicht das Recht, sich als etwas Besseres hinzustellen.— Der Reichskanzler hat in diesen Debatten vollkomnien versagt. Erst gestern fragte Herr Haußmann: hat der sogenannte Reichskanzler etwa die Z i v i l g e w a l t in Schutz genommen?(Präsident Kacmpf: Den Ausdruck„sogenannter Reichskanzler" muß ich als absolut u n z u l ä.s s i g erklären. Unruhe bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Sogenanntes Mißtrauensvotum!) Nachdem. der Reichskanzler neulich selbst dies Wort in den parlamentarischen Wortschatz eingefügt hat, glaubte ich nicht, daß es aus dem Rahmen der parlamentarischen Ordnung herausfiele.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.)— Der Reichskanzler hat weiter nur von der staatsrechtlichen Bedeutung des sogenannten Miß- trauenSvolums(Rufe bei den Sozialdemokraten: Zur Ordnung I) gesprochen und die politische Bedeutung gänzlich außer acht gelassen. Er berief sich daraus, ich hätte seinerzeit selbst anerkannt, daß mit der Annahme von Anträgen nach Interpellationen kein neues Recht des Reichstags geschaffen werde, eS sei eine reine Zweckmäßigkeitsfrage. Er hat aber nicht erwähnt, daß ich vorher ausdrücklich betont hatte, daß der Reichstag schon heute das verfassungsmäßige Recht habe, durch Annahme von Anträgen und Refolulionen zu konstatieren, daß die Haltung der Regierung mit der des Reichstags nicht übereinstimme, also der Regierung ein M i ß t r a u e n s v o t u m zu erklären. In diesem Zusammenhang bezeichnete ich es dann als ein rascheres, zweckmäßigeres Versahren, wenn dies jetzt im Anschluß an Jnter- pellationen möglich sei.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Staatsrechtlich liegt es natürlich so, daß wir den Reichskanzler nicht zwingen könilen. sein Amt niederzulegen. Der Zwang, der hier ausgeübt wird, ist ganz anderer Art, und das ist die politische Be« deutung der Sache, es ist ein moralischer Zwang. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Diese Auffassung wird von der großen Mehrheit des Reichstags geteilt. Schrieb doch auch die.Germania" zwei Tage nach der Erklärung des Reichskanzlers: .Der moralisch Unterlegene bleibt der Kanzler".(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben dem Kanzler nahe gelegt, die Konsequenz aus unserem Beschluß zu ziehen. Ob er es tut, ist sür uns nicht das Entscheidende, und auch das Ausland sieht die Sache nicht von der staatsrechtlichen, sondern von der politisch- moralischen Seite an. Die Hauptsache ist aber, was der Reichstag für eine Konsequenz aus seinem Beschluß zieht. Tie schärfste Konsequenz, die Ablehnung des Budgets, wollen die bürgerlichen Parteien nicht ziehen. Aber sie werden doch auch empfinden, daß sie sich vor der breiten Oeffentlichkeit engagiert haben, daß sie irgend- welche Konsequenzen daraus ziehen müssen. Die große Oeffentlich« keit draußen erwartet, daß die große Mehrheit, die das Mißtrauens« Votum beschlossen hat, auch dafür sorgt, daß Reformen militär» und verfassungsrechtlicher Art geschaffen werden, die ähnlichen Vorkommnissen vorbeugen.(Sehr wahr! bei den Sozial« demokracen.) Wenn übrigens Herr Erzberger meinte. Wir müßten immer das Budget ablehnen, dazu wären wir durch Parteilagsbeschlüsse verpflichtet, so hat er übersehen, daß dieie Verpflichtung für den Fall nicht gilt, daß durch unsere Annahme de-l�BudgelS ein schlechtere!» Budget verhütet wird. Ferner ist auch die Sozialdemokratie ein lebendiger Körper. Wir binden uns nicht sür alle Zukunft, kommen wir in neue Verhältnisse, dann werden wir sehen, ob wir andere Beschlüsse fassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokralen.) Dadurch unterscheiden wir uns von der Weltanschauung der katholi» schen Kirche. Unsere Beschlüsse find keine unumstößlichen Dogmen. sondern Richtlinien für absehbare Z�ei.t, so lange die Voraussetzungen zutreffen, unter denen die Beschlüsse gefaßt wurden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler wollte die Situation dadurch für sich retten, daß er damit schloß, die Mehrheit des deutschen Volkes wünsche nicht, daß die Rechte des Kaisers unter sozialdemokratischen Zwang gebracht würden. Erstens betreiben wir keine Gewalt» Politik. Das ist Sache der Staatsstreichler auf der anderen Seite. Wir sind eine demokratische Partei. Wir wollen Gleichberechtigung aller Bllrrger ohne Ausnahme. Wir wollen keine Klasienberrichaft. sondern unser Kampf richtet sich gegen die bestehende Klassenherrschaft.(Sehr wahr! b. d. Soz.) In der Rich- tung dieser Ideen liegt auch das, was man parlamentarisches System nennt. Daß diese Idee reitet, hat gestern auch Herr Erzberger anerkannt. Tie heutige Zeil will nichts mehr wissen von den Be« griffen„Untertaiten" und„Obrigkeit"; freie SlaalSbürger verlangen SelbstbeftimmuiigSrechl über sich und Mitbestimmungsrecht in öffentlichen Angelegenheiten. Dieser Entwickelung kann weder die konservative Partei, noch die Regierung, noch der Monarch Halt gebieten.(Sehr ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Wer dem Monarchen gut rär, der rät ihm, diese Entwickelung nicht zu hemmen, sondern selbst die Hand zu EinrickNungen zu bieten, durch die der Wille der Mehrheit des Volkes ungebrochen zum Ausdruck kommt; der rät dem König von Preußen, daß auch da» Versprechen der preußischen Wahlreform endlich erfüllt wirb.,(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokratie kämpft nicht als Minderheit gegen das Recht des Kaisers, sondern sie kämpft um die p o l i t i s ch e M a ch t, d. h. um die Mehrheit des Volkes. Es ist ein Ringen um die Volksseele, und in diesem Kampfe sind wir guter Hoffnung, denn unsere Sache ist eine gute. Die Beispiele in Frankreich und kftigland können nicht ohne Wirkung auf die politische Psychologie des Deutschen Reiches bleiben, das alte feudale System Preußens ist unhaltbar. Auf dem Wege der Verfassung durch Gewinnung der Mehrheit des Volkes führen wir weiter den Kampf für materielle und geistige Kultur unseres ganzen Volkes.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemo« kraten.) Reichskanzler v. Betljmanu Hollweg: Wohin die verfassungsrechtliche Entwickelung führen würde, vo» der der Abg. David am Schluß seiner Rede gesprochen hat, da» beweisen die sozialdemokratischen Anträge auf B e r f a s s u n g S« ändern n gen. Diese Anträge bedeuten eine völlige Verschiebung der Gewalten. Sie verlangen die Ernennung und Ent» lassung des Reichskanzlers auf Grund eines Be« schlusseS des Reichstages. Sie verlangen, daß die Ent« scheidung über Krieg und Frieden dem Reichstag überlassen sein soll. Was bedeutet das anders, als daß die Macht und die Gewalt des Kaisers, wie sie von der Verfasiung fixiert ist, vollkommen geschwächt werden sollen.(Zustimmung rechts.) Der Abg. D a v t d hat dann an ein Wort von mir angeknüpft, das ich in der Z a b e r n- Sache gesprochen habe. Ich habe damals gesagt, daß die Gefahr auftaucht, als wolle eine Kluft zwischen der Armee und dem Volle entstehen. Dr. David hat nun gesagt, eine solche Kluft bestehe schon zwischen den Offizieren und zwischen den Mannschaften.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Rufe.Sehr richttg! beweisen mir nur,>. atz die Herren von der sozialdemokrattschen Fraktton in unserem Heere nicht Bescheid wissen.(Beifall rechts.— Lebhafter®L* spruch der Sozialdemokraten.) Es gibt wohl kein Heer in der-usa, in dem das vertrauensvolle nnd gute Verhältnis zwischen D{fä,eTttt »nd Soldaten so gepflegt wird, wie in dem deutschen Heere.~" Lachen der Sozialdemokraten.) Wer daö bestreitet(� s �-oz.. I e d e r. d e r S o l d a t g e w e s e n i st!). der machtdr-Augen nicht auf.(Sehr richtig!) Lesen Sie in der Geschickfte unl ege nach. Da werden Sie finden, daß es gerade dieserZuia h r zwischen der Mannschaft und zwischen dem Offizierkorpö(E n dem Heere die größte Stärke gegeben hat..(«-. fall recht».) haben doch in diesen, Jahre gesehen, wie bei den chen Regiments- feiern und Stiflungsfesten, die gefeiert iv�ben. dle allen Soldaten sich zu Tausenden bei ihren alten cr,J. eingefunden haben, um die Erinnerung an die großen Zeuen zu feiern, die daS Regiment erlebt ha: und die Erinnerung an o>e alte Soldatenzeit. Würde denn das dann möglich sein, wenn tatsächlich die Kluft be- stände?(Beifall rechts.) Ich halte eS für sehr falsch und der- hängnisvoll, wenn in dieser Weise von den Sozialdemokraten versucht wird, Unfrieden in das Heer zu bringen.(Lebhafter Widerspruch der Sozialdemolr. Zurufe: Mannschaftsschindereien!) Sie haben damit auch kein Glück meine Herren, der gesunde Sinn unseres Mannes wird eS genügend einschätzen, wenn in dieser Weise hier die Dinge verkehrt werden in das gerade Gegenteil von der Wirklichkeit.(Zustimmung rechts, Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Bei der gestrigen Rede des Abgeordneten Erzberger war ich nicht anwesend und habe sie erst heute früh im Bericht gelesen. Ich bedauere aufrichtig, das; die Aus- führungen des Abgeordneten Erzberger mich nötigen, auf meine Haltuug in der Zaberner Angelegenheit noch einmal zurückzukommen. (Abgeordneter Scheidemann(Soz.): Das werden Sie noch öfter müssen I Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger hat hier erklärt, daß seine Fraktion dem Mißbilligungsantrag zuge- stimmt habe, weil— darauf liefen seine Ausführungen hinaus— ich statt Recht und Gesetz zu schützen, ungesetzliche Gewalt beschönigt und verteidigt hätte.(Lebhaftes Sehr richtig! links.' Der JnterpellationSbeschlutz sollte— das Wort ist gestern gefallen— ein politisches Urteil darstellen. Dieses Urteil konnte zunächst doch nur dahin gehen, daß bei uns Recht und Gesetz unter allen Umständen und selbstverständ- lich von den öffentlchen Gewalten in allererster Linie gewahrt werden müssen und daß. wo Rechtsverletzungen stattfinden, die Sühne nicht ausbleiben darf. Nun, wenn Sie an das zurückdenken, was ich am Monrag voriger Woche, als ich zum erstenmal über Z ab ern sprach, dann am Miilwoch und Donnerstag gesagt habe, so werden Sie finden, daß ich diesen Grundsatz scharf und wiederholt und nachdrücklich ausgesprochen habe.(Wiederspruch links.) Darin haben ja die Herren natürlich immer recht, ein Reichskanzler, der diesen Satz ab- leugnete, müßte sofort von seinem Platz weichen. (Lebhafte Zurufe der Sozialdemokraten: Na also!) Und nun weiter: Dieses Recht, von dem ich gesprochen habe, muß, wenn es verletzt worden ist, eine Sühne finden und zwar, woraus ich wiederholt hingewiesen habe, in einem Rechtsstaat im geordneten rechtlichen Verfahren. Dieses rechtliche Verfahren ist unmittelbar nach der Zaberner Angelegenheit eingeleitet worden. Habe ich mich dem etwa widersetzt?(Heiterkeit links und Zurufe der Sozialdemokraten: Das wäre ja noch schöner!) Am ersten Tage der Jnterpellationsdebatte habe ich für die Armee das Recht vindiziert, sich gegen direkte Angriffe zu wehren und das ist gesetzliches Recht I Ich habe des weiteren ausdrücklich gesagt, daß von einem gewissen Zeitpunkt ab die militärischen Matz- nahmen, soweit die Untersuchung bisher geführt worden ist, eine Ueberschreilung der gesetzlichen Schranken bedeuten. Wo bleibt da der Lorwurf, daß ich das Recht nicht geschützt habe? Der Abgeordnete Erzberger hat ferner meinen Hinweis auf die Ver- schiedenartigkeit der Motive und Ziele des JnterpellationSbeschluffeS nicht gelten lasten. Der Abgeordnete Erzberger hat dabei voll- kommen übersehen, dutz ich mich, als ich diese Worte sagte, nicht gegen die bürgerlichen Parteien gewendet habe, sondern gegen die Tendenz der sozialdemokratischen Fraktion, aus den Zaberner Vorgängen einen Anlatz zu nehmen zu einem Sturmlauf gegen dre Verfassung und die kaiser- lichen Rechte.(Unruhe links.) Glauben Sie doch nicht, datz ich die sachlichen Motive verkenne und nicht würdigte, die von bürger- licher Seite in der Sorge um Recht und Gesetz hier geltend gemacht worden find. Diese Motive und Empfindungen verkenne ich keines- Wegs, aber um so mehr habe ich das Recht, die Behauptung, datz ich das Recht nicht geschützt hätte, datz ich den Respekt vor dem Gesetz nicht erwähnt hätte, als eine Umkehrung des wirk- lichen Sachverhalts hinzustellen, gegen die ich hiermit ent- schieden Verwahrung einlege. Wg. Hoff(Np.): Die eben gehörte Erklärung beweist, daß der Reichskanzler das sogenannte Mißtrauensvotum doch nicht so auf die leichte Schulter genommen hat, wie er es selbst dargestellt hat. Davon nehmeu wir gern Notiz, ich will auch hoffen, daß die Ver- lcgung des Regiments von Zabern, wodurch die Bürger in ihrer wirtschaftlichen Existenz scharf getroffen werden, keine dau- ernde Matzregel sein wird.— Der Redner wendet sich dann gegen die Angriffe des Stög. Dr. O e r t e I auf die liberale Wahl- und Stichwahlpolftik und fordert eine N eu e i n t c i l u ng der Wahlkreise.— Die Grundlage unserer Wirtschaftspolitik denken wir ebensowenig zu verlasten wie Herr Dr. O c r t e l, nur betrachten wir als diese Grundlage unsere langfristigen Handels- Verträge. Die Aera Eaprivi kann sich sehr gut neben der tmter dem neuen Zolltarif sehen lassen. Wäre man 1902 den An- trägen des Bundes der Landwirte gefolgt, so wäre ganz unabseh- bar, was für eine Teuerung der Lebensmittel entstan- den wäre. Abg. Blos(Soz.): Die Braunschweiger Angelegenheiten sind hier so dargestellt worden, als ob es sich lediglich um eine Idylle bei Hos handelte. Das Braunschwciger Volk, das der Reichs- kanzler mit Recht kerndeutsch nannte, hat zwei Reichstags- Mandate zu vergeben, und diese hat es an Sozialdcmo- k r a t e n vergeben. Der Reichskanzler, der es so darstellt, als ob daS ganze Braunschweiger Volk sich beglückt fühle und wie die Engel im Himmel die Wendung der Dinge mit Hallelujachören begrüßt, hätte dafür sorgen sollen, daß dieses Volk nicht nach der Hammelhcrdenstaatspolitik behandelt würde.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Der Reichskanzler verivahrte sich dagegen, daß der Bundesrat u m g e- fallen sei in dieser Frage. Wenn das richtig ist, gibt es über- Haupt keinen Umfall. Bei den früheren Verhandlungen führte ein Rechtsgelehrter aus, die Einverleibung Hannovers in Preußen sei kein rechtswidriger Gewaltakt gewesen, sondern ein Rechtsakt. lHeiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ter Herr hätte zum Ehrendoktor des preußischen Säbel- und K a n o n e n r e ch t ernannt werden sollen.(Heiterkeit.) Aller- dings könnte ein Königreich Hannover nur bei Gelegenheit eines Weltkrieges wieder errichtet werden; wer sich auf den Thron setzen wurde,� ist freilich eine Frage der Zukunft, aber irgendeiner wurde sich scyou sinden.(Heiterkeit.) Verwundert bin ich, datz der Vertreter von Braunschweig im Bundesrat gesagt hat. es»st bei der Neuregelung in Braunschweig alle? nach den G r u n d s a tz e n d e r L e g i t i m i t ä t vor sich gegangen. Der brannschweigische Boden ist durch Revolutionen von oben und unten so umgewühlt worden, datz von Legitimität dort gar keine Rede sein kann; die Stadt Braunschweig selbst ist von den Welsen mit den Waffen in der Hand überfallen und vom Reiche geraubt worden. Auch der letzte Herzog Wil- Helm kam durch eine Revolution auf den Thron.— Die Heirat der Kaisertochter mit einein ioelfischen Prinzen hat ganz unglaubliche Wirkungen gehabt. Die braunschiveigifche Welfenpartei hat sich aufgelöst mit der Begründung, sie lKtte keinen Zweck mehr, denn die Nationalliberalen wären so aal- alatt. datz sie ihnen keine Konkurrenz machen könnten. iGroßc Heiterkeit.) Das braunschweigische Volk verlangt vor allem eine Beseitigung des bestehenden Wahlrechts zum Landtag, das noch schlimmer ist als das preuhische; der Landtaa kann als eine Volksvertretung nicht anerkannt werden. Wir hatten bei der Umänderung der braunschweigischen Verhält- > üc ein. q(�jmmnng des braunschweigischen Volkes gewünscht welche Form Braunschweig annehmen sollte. Die Wohl- taten, die' man dem braunschweigischen Volk bis jetzt von oben er- wiesen hat. sind eigentümlicher Art, man betreibt dort die Himmebdonnerwetterpolitik; und ich glaube nicht, daß das neue Regiment diese Uebelstände zu beseitigen trachtet. Wir Protestieren aeaen die Art. wie man die Umänderung in Braun sihtveig vollzogen hat. Der Abg. A n t r i ck, der ebenfalls einen braunschweigischen Wahlkreis vertritt, schließt sich meinen' Ausführungeii an. Im Namen von 48 999 braunschweigi- schcn Wählern und Republikanern protestieren wir gegen die uns aufgeheiratrtc Dynastie.(Beifall bei den Sozial- demokraten und Heiterkeit.) Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abgg. Dr. Kopsch(Vp.) und Dr. Oertel(k.) schließt die DiÄussion. Persönlich bemerkt Abg. Erzberger(&) gegenüber dem Reichskanzler, er habe nur gesagt, im Zabcrncr Falle habe der ReichskanAer versagt. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Den Antrag, die Wöchnerinnenunterstützung bei den Land- krankenkassen auf 4 Wochen herabzusetzen, habe ich nicht unter- schrieben Abg. Dr. David(Soz.): In der namentlichen Abstimmung hat Herr Behrens für diesen Antrag gestimmt.(Hört! hört!)" Abg. Behrens: DaS ist richtig(Hört! hört!); ich wollte eben das R.B.O.- Kotttjiromiß nicht stören, war aber mit dem Antrag nicht ein- verstanden.(Heiterkeit links.) Abg. Dr. David: Und da haben Sie mit Ja gestimintl(Hört! hört? und Heiter- keit links.) Der Etat geht an die Kommission. Die Interpellation Ober den Husficbluß Dr. Liebknechts aus der prOfungshorntnifTion. Abg. Ledebonr(Soz.) begründet die Interpellation, zu deren Beantwortung sich Staats- sekretär Delbrück bereiterklärt.— Die Ausschließung unseres Kan- didaten war eine Verletzung unserer Rechte und der des Reichstages. Die Kommission wurde eingesetzt zur Prüfung der äußerst bedenklichen KorruptionSersckeinungen bei den Rüstungslieferungen. Dr. L i c b k n e ch t hat Pflicht- gemäß von den ihm mitgeteilten Zuständen schleunigst dem Kriegs- minister Mitteilung gemacht, und sie dann auch hier im Reichstage zur Sprache gebracht. Wir fürchteten schon, daß die Regierung sich versucht fühlen konnte, dem Dr. Liebknecht für die Vertretung des Staatswohls den roten Adlerorden 4. Klasse zu ver- leihen.(Heiterkeit.) Aber statt dessen ist er ihr noch viel unbe- quemer geworden als vorher.(Widerspruch rechts.) Aus ihrer Presse wenigstens ist das zu schließen! In dem Reichstagsbeschlutz auf Einsetzung der Kommission war ja nicht festgelegte datz der Reichstag eine Anzahl seiner Mitglieder hineinwählen sollte, wohl aber war das 199S/96 bei der Untersuchungskommisfion für die Mißstände in Südwestafrika mit Zustimmung der Regierung der Fall gewesen— hier aber sollte das verfassungS- widrig sein; auch eine Errungenschast der Neuzeit! Den Vorgängern des jetzigen sogenannten Reichsregenten war es nicht verfassungswidrig erschienen. Der Staatssekretär S t e n- gel hatte 1995 in der Budgetkommission der Wahl einer Vertretung in diese Kommission durch den Reichstag nicht widersprochen, sich ausdrücklich mit ihr einverstanden erklärt. Der Bundesrat trat dem Reichstagsbeschluß bei und schließlich forderte der Reichskanzler Fürst B ü l o w unter Mitteilung der in die Kommission entsandten Regierungsvertreter den Reichstag zur Ernennung seiner Ver- treter auf.(Hört! bört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Staats- sekretär Delbrück mit seiner Erklärung, datz ein gleiches Ver- fahren 1913 verfassungswidrig wäre, recht hat, dann hat der Bundes- rat und der Reichskanzler Fürst Bülow damals die Verfassung gebrochen, nach der Auffassung der staatserhaltenden Krei� also einen Hoch- verrat begangen.(Heiterkeit.) Auch Sie, meine Herren von der Regierung, haben Machterweiterungsgelüste, Sie sind nicht ganz konservativ, Sie wollen Ihre Macht dem Reichstag gegenüber erioeitern. Sie blamieren den Reichskanzler Fürsten Bülow, mit dem Sie, Herr Dr. Delbrück, doch noch zusammen- gearbeitet haben, bis auf die Knochen, ffeilich Sie selbst sind auf alle Fälle»nit blamiert!(Große Heiterkeit.) Als der Reichstag 1913 in einer Resolution die Einsetzung einer Untcrsuchungskommission forderte, ließ der Reichskanzler erklären, datz diese Kommission aus den Vertretern der beteiligten Ressorts und aus Sachverständigen bestehen würde, sowie datz in diese Kom- Mission eine entsprechende Zahl von Mitgliedern dieses hohen Hauses berufen werden, wobei die Wünsche der Parteien des Reichstages Berücksichtigung finden sollen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung konzedierte also diesmal nicht die autonome Ausübung des Rechts des Reichstages auf Ernennung von Kommissionsmitgliedern, sie behielt sich das Recht der Ernennung vor, sagte aber die Berücksichtigung der Wünsche der Parteien zu. Wenn die deutsche Sprache einen Sinn hat, und wenn man eine gewipe Loyalität im Verkehr zwischen Regierung und Reichstag auf beiden Seiten als notwendige Vor- aussetzung eines gedeihlichen Zusammcnarbeitens anerkennt, so konnte dies gar keinen anderen Sinn haben als: wir behalten uns allerdings das Recht der Ernennung vor, aber daS Vorschlags- recht auf Grund einer freien Wahl gestehen wir dem Reichstag zu, und wir werden die Vorschläge akzeptieren, die der Reichstag uns macht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) So verfährt der Reichstag gegenüber seinen eigenen Fraktionen bei den Kommissionswahlen. Die Regierung hat aber nicht etwa nachher gesagt: Reichstag, mache deine Vorschläge, dann werden wir die Leute berufen, sondern sie selber hat sich die Leute ausgesucht. Schon dieses Verfahren war� ein Widerspruch gegen das eigene Versprechen der Regierung. lSehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Sie hat nach ihren Erwägungen zwei unserer Mitglieder aufgefordert, in die Kommission einzutreten. Da dieses Verfahren, sich als Vertreter unserer Fraktion Kollegen auszusuchen, die ihr passen, von der Regierung schon früher einmal angewendet worden ivar, haben wir beschlossen, daß die Bestimmung unserer Vertreter nur von uns selbst auszuüben ist. Den von der Regierung in Aus- ficht genommenen Abg. Noske haben wir akzeptiert, weil er sich viel mit militärischen Fragen befaßt hat, für den anderen Kollegen aber haben wir unseren Freund Liebknecht vorgeschlagen, der doch das � Hauptverdicnst an der Aufrollung dieser ganzen Angelegenheit hat. Wir glaubten, die Reichsregierung würde einsichtig, vorsichtig und patriotisch genug sein, um anzuerkennen, datz gerade Liebknecht im Interesse des Staatswohls sich besondere Ver- d i e n st e erworben hatte. Es kam zu stundenlangen Verhandlungen zwischen der Regierung und unseren Freunden Haase und Lieb- knecht, die aber zu einem Ergebnis nicht führten, weil sich die Herren absolut nicht auf Liebknecht einlassen wollen, und wir fragen nun nach den Gründen. Liebknecht soll voreingenommen und befangen sein, weil er zuerst diese Sache aufgerollt hat— nach einer anderen Version hat er in der Ocffenllichkeit eine prononzierte Stellung bei der Sache eingenommen. Unseres Erachtens müßte er gerade deshalb unter allen Umständen in die Kom- Mission hinein(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten), weil er unter alle» Abgeordneten für diese Frage der geeignetste ist. Den Abg. Erzberger, der bei anderer Gelegenheit auch sehr prononziert gegen Krupp vorgegangen ist, den hat die Regierung für die Kom- Mission akzeptiert! Schließlich machte man den„Vermittclungs- Vorschlag", Liebknecht als Sachverständigen zu berufen. Vorein- genommenhcit und Befangenheit können gegen einen Richter geltend gemacht werden, aber diese Kommission hat ja kein Urteil zu fällen. Datz sich Liebknecht vorher mit der Sache befaßt hat, ist weder ein rechtlicher, noch ein moralischer Hinderungsgrund, fondern eine Empfehlung für ihn. Daß er aber Sawverständiger sein soll, ist ein offenkuiidiger Widersinn. Er ist von Berus Jurist, er hat zwar auch beim Militär gedient, ich glaube, bei den Pionieren, aber er hat nicht einmal die Knöpfe gekriegt.(Heiterkeit.) Das war also nur eine Verlegenhcitsauskunft. Wieweit ein Sachver- ständiger zugezogen werden soll, liegt an der Regierung. Ich habe ssinerzeit in der Südwestasrika-Kommission nach großem Wider- streben Mermuths die Zuziehung eines Kammergerichtsrats als Sachverständigen erreicht. Man ließ ihn eine theoretische Rede über das Hererorecht halten und schickte ihn dann nach Hans. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Selbst wenn die Regierung Liebknecht als Sachverständigen solche Rechte geben wollte wie den Kommissionsmitgliedcrn, so handelt es sich hier doch um eine Rechts- frage, die nicht in die Gnade und das Belieben der Regierung gestellt ist. Aber ich kann diese ganze Ver- legenheitsauskunft totstechen.(Heiterkeit.� Am 23. April 1913 hat der Staatssekretär Delbrück gesagt, daß die Kommission aus Ver- tretern der Ressorts, aus Sachverständigen und aus solchen Mit- gliedern des Hauses bestehen soll, die sich durch Beteiligung an diesen Angelegenheiten als sachkundig erwiesen haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist ja gerade die Empfehlung, die Liebknecht im allerhöchsten Matze für sich hat. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Also zu einer Zeit, als der Staatssekretär noch nicht wußte, datz wir Liebknecht präsentieren würden— er hätte es ja ahnen können, aber die Herren von der Reichsregierung ahnen ja überhaupt nichts mehr(Heiterkeit)—, war er so unvorsichtig, gerade das als Qualifikation hervorzuheben, was Liebknecht besonders auszeichnet. Das ist ein so voll- kommener Widerspruch, daß ich wirklich gespannt bin, was die Herren von der Regierung nun sagen werden. Ich komme dann auf einige Einwände der Handlanger der Regierung in-der Presse, von denen ich hoffe, datz sie sich die Re- gierung nicht zueigen machen wird. So schrieb die„Post": Es sei nach dem ganzen Verhalten des Abg. Liebknecht zu erwarten, daß er sein Mandat zu sozialdemokratische» Ver- hetznngszwecken mißbrauchen werde. Das ist erstens eine sehr gehässige Jnsinuierung und würde zweitens, wenn es zuträfe, gegen alle Sozialdemokraten gelten. Dann kam die„Deutsche Tageszeitung" mit einem besonders widerwärtigen Einwand, indem sie behauptete, Liebknecht hätte eine längere Freiheitsstrafe wegen Landesverrats verbüßt. Das ist glatt erlogen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Landesverrat ist etwas Gemeines, was kein Sozial- demokrat begehen wird. Liebknecht ist vielmehr zur Festungsbast verurteilt worden wegen Vorbereitung zum Hochverrat, die man zu erkennen glaubte in seinem Vorgehen gegen Auswüchse des Militarismus. Da müßten auch unsere Anträge die Entscheidung über Krieg und Frieden nicht dem Kaiser, sondern dem Reichstag zu übertragen, eine Vorbereitung zum Hochverrat sein, voraus- gesetzt datz man annehme, sie sollten aus gewaltsamem Wege durch- gesetzt werden. Im Übrigen ist die Festungshast ja die custcxiia honesta(ehrenhaft), die auch Duellanten zuteil wird. Das Gericht hat damit anerkannt, datz eine ehrlose Handlungsweise nicht vorlag. Ferner befindet sich Liebknecht bei der Vorbereitung zum Hochverrat in sehr hochstehender Gesellschaft; denn Vor- bereitung zum Hochverrat war es auch, was neulich Professor Delbrück als historische Tatsache über Bismarck mitgeteilt hat, daß er darauf hinarbeiteie, daß die Bundesfürstcn zusammentreten und aus eigener Machtvollkommenheit das Deutsche Reich zertrümmern sollten.(?lbg. Arendt: Er hat es geschaffen� Herr Arendt, Ihre Geschichtskenntnis reicht nicht an Sexta heran. (Große Heiterkeit.) Und auch wenn er es geschaffen hätte, und auch wenn Herzog Ernst August von Braunschweig so vorgehen würde, wäre das Vorbereitung zum Hochverrat. Also Liebknecht kann Bismarck als Genossen mit sich aus die Anklagebank ziehen. (Heiterkeit.) Ich hoffe, ich Hab« mir den Dank des Staatssekretärs dadurch erworben, datz ich von vornherein diesen blühenden Unsinn der„Deutschen Tageszeitung" widerlegt habe.— Wie hat sich die Sache nun weiter abgespielt? Eines schönen Tages erhielten wir einen Brief vom Geheimrat Lewald: Da über Lieb- knecht kein Einverständnis erzielt sei, sei mein Freund Noske in die Kommission berufen. Natürlich baben wir das abgelehnt. Wir bestehen auf unserem Recht, unsererseits«inen Vertreter zu ernennen. Es handelt sich hi«r um eine Frage, die alle Parteien angeht, denn wir stehen hier als Bcrteidiger eines Rechtes des Reichstag» gegen ungehörige Ansprüche der Bureaukraiie.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Wir haben neulich einmütig Herrn Fehrenbach zugestimmt, als es sich darum handelte, die Rechte des deutschen Volkes zu wahren. Beweisen Ei« auch uns Solidarität hier, wo es sich um Rechte des Reichs. tags handelt. Unterstützen Sie di« Sozialdemokratie in ihrem gerechten Kampf in der Abwehr bureaukratischer Uebergriffe und der Verteidigung der Rechte des Parlaments.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Ein Widerspruch zwischen unserer Erklärung vom 23. April und dem weiteren Vorgehen besteht nicht. Am 23. April stand zur Erörterung ein Antrag der Sozialdemokraten, der die Einsetzung einer Art von Enquetekommission forderte, wie sie in parlalnentarisch regierten Ländern eingesetzt werden. Der Antrag wurde als mit dem Geiste und Wortlaut der Ver- fassung unvereinbar bekämpft. Es lag ferner vor der Antrag der B u d g c t k o m m i s s i o n, der den Reichskanzler er- suchte, eine Kommission cinzeebcrufcn, der auch vom Reichstag zu, wählende Mitglieder angehören sollten. Auch gegen diesen Antrag habe ich Bedenken geäußert, speziell dahin, datz es bei einer solchen Kommission, die nur durch den Reichskanzler berufen werden könne, bedenklich fein würde, dem Reichs- tage ein Mitbestimmungsrecht in der Art einzuräumen, datz er an der Wahl der Mitglieder als solcher teilnehme. Im An- schlutz daran erklärte ich, datz der Reichskanzler bereit sei, Vertreter der Regierung und geeignete sachverständige in die Kommission zu berufen, auch Mitglieder des Reichstages, wobei die Wünsche der Parteien berücksichtigt werden sollten. Diese Zusage konnte in dem Zusammenhang der Vorgänge nur den Sin» haben, datz der Reichs- kanzler über die Wahl dieser Abgeordneten mit dien Fraktionen in Verbindung treten werde, datz er aber weder dem Reichstag noch gar einer einzelnen Fraktion es überlasse, entscheidenden Einfluß auf die Zusammensetzung der Kommission zu gewinnen. (Lebhafte Unruhe bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Verdrehung!) Sie(zu den Sozialdemokraten) mögen meine Erklärung anders aufgefaßt haben als ich, aber gegen den Vorwurf der Verdrehung mutz ich mit aller Entschiedenheit mich Verlvahren.(Lebhafter Bei- fall rechts.) Der Abgeordnete Ledebonr hat in der Stellungnahme des Reichskanzlers einen Widerspruch gefunden mit dem Verhalten des Reichskanzlers Fürst Bulow bei der Zusammensetzung d e r K o m m i s s i o n 1 9 9 ö, bei der der Reichskanzler ausdrücklich die in die Kommission zu berufenden Mitglieder vom Reichstage hat wählen lassen. Er hat ferner aus dieser Tatsache weiter de- duziert, datz der Reichskanzler ein Recht des Reichstages, in dieser Weise an der Bildung der Kommission mitzuwirken, anerkannt habe. Auch diese Deduftion ist n i ch t r i ch t t g. Ich habe bereits früher darauf hingeioiescn. daß die Bildung gemischter Kom- Missionen m der Reichsverfassung nicht vorgesehen sei, datz, wenn derartige Kommissionen gebildet werden, es dem freien Er- messen des Reichskanzlers überlassen sei, wie er die Kommission zusammensetzen will, datz, wenn in diesem Falle aus Zweckmätzigkctsgründen, die ich nicht kenne, diese Modalität der Wahl durch den Reichstag anerkannt worden sei, das doch nicht ge- eignet sei, ein Recht deS Reichstage?, derartige WMen tmrziN nehmen, zu begründen. Nun haben allerdings bei dem Beschluß am 28. April verschiedene Abgeordnete auch aus den bürgerlichen Parteien meiner Auffassung Bedenken entgegen- gehalten und widersprochen. Die Fraktionen babcn sich aber, in dem Bestreben, praktische Arbeit zu leisten, über diese Differenzen hinweggesetzt und ich habe mit keiner anderen Fraktion irgendwelche Schwierigkeiten über die Berufung der Mitglieder der Kommission gehabt. Ich habe die großen Fraktionen bitten lassen, sich durch zwei, und die kleineren, sich durch ein Mitglied vertreten zu lassen, und dann meinerseits Borschläge über die geeigneten Personen gemacht, und zwar lediglich unter dem Gesichtspunkte der besonderen Qualifikation für die in der Kommission zu er- örternden Fragen. Es lag mir daran, diejenigen Herren aus den einzelnen Fraktionen zu gewinnen, die als Referenten ihrer Fraktionen zum Heeres- und Marineetat mit den Verhältnissen dieser Etats und den früheren Verhandlungen in der Budgetkommission besonders vertraut waren. jSehr richtigl rechts.) Auf dieser Grundlage habe ich mich mit sämtlichen übrigen Fraktionen verständigt, und zwar nicht etwa so, daß die Frak- tionen ohne weiteres meine Vorschläge angenommen hätten, son- dern sie haben auch ihrerseits Einwendungen gemacht. Wir haben uns in Ruhe über die einzelnen Persönlichkeiten unterhalten und uns dann auch geeinigt. Bloß bei den Verhandlungen mit den Sozialdemokraten haben sich Schwierigkeiten ergeben. Ich hatte ihnen vorgeschlagen, die Abgeordneten Noske und Dr. Südckum in die Kommission zu berufen, die mir geeignet erschienen als Referenten für Heere», und Marincetat. fAbg. Ledebour: Darüber entscheiden wir.) Ich habe hier nur festzustellen, waZ ich für Gründe hatte. Diese Herren hielt ich für besonders geeignet, namens der NeichSregicrung berufen zu werden. Darauf habe ich von, Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion eine Mitteilung erhalten, die Fraktion habe beschlossen, an Stelle des"Dr. Südekum Dr. Liebknecht in die Kommission zu entsenden. ES ist darauf sofort von meinem Vertreter eingewendet worden, daß Dr. Lieb- knechtdoch wohl nichtgeeignet sei, da er in persön- l i ch st e r Weise als Ankläger aufgetreten sei und deshalb nicht mitarbeiten könne. iLebhafte Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Darauf hat mein Vertreter ausdrücklich hingewiesen, daß cS sorgfältig vermieden werden würde, in die Kommission, der doch auch dem Hause nicht Angchörende angehören sollten, solche Personen zu berufen, die Firmen angehören, die au NüstuligSlieferu» gen beteiligt sind.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Sie können daraus entnehmen, mit welcher Sorgfalt ich bestrebt war. ein ganz unparteiisches Forum für die Entscheidung der zu erörternden Fragen zu schaffen. Darauf hat der Fraktionsvorsitzende meinem Vertreter gesagt, die Fraktion habe so beschlossen und werde davon nicht abgehen. Im übrigen sei es irrig, daß Herr Dr. Liebknecht nicht unparteiisch sei. Hier stand uns nicht eine Erklärung, ein Wunsch der Fraktion gegenüber, oen ich hätte berücksichtigen könne», sondern eine Forderung, die nicht erfüllt werden konnte nach den Grundsätzen, die für die Bildung der Kommission ausgestellt waren.(Große Unruhe. Abg. Ledebour ruft: Wortklaubereil— Der Präsident ruft ihn hierfür zur Ordnung.) Ich habe dann versucht, mit den Sozialdemokraten zu einer Verständigung zu gelangen. Es ist von meinem Vertreter erklärt worden, daß ich nicht die geringsten Bedenken hätte, Dr. Liebknecht als Sachverständigen zu hören. Die Kommission hat ihre Vorschläge und Beschlüsse zu formulieren, die Sachverständigen aber werden in der Kommission und vor der Kommission gehört. Es entspricht den Gepflogenheiten derartiger Kommissionen, daß man Personen, deren Auskünfte man schätzt, deren Meinungen man hören will, die aber in gewisser Weise interessiert sind, als Sachverständige hört. Dann lehnte aber auch Herr NoSke ab. weil Dr. Liebknecht nicht berufen>vac und die sozialdemokratische Fraktion erklärte,„daß sie eS nunmehr ab- lehne, überhaupt Vertreter in die Kommisston zu senden, da ein Recht des Reichstags verletzt worden sei". Es handelt sich aber nicht um ein dem Reichstag nach der Verfassung zustehendes Recht. Im vorliegenden Falle kam überhaupt oer Reichstag nicht mehr in Frage, sondern lediglich die Fraktion. Tie Rüstungskommisston sollte nicht etwa eine Revision des gerichtlichen Verfahrens im Krupp-Prozeß bedeuten— das stünde ja in bollständigem Wider- spruch mit dem Gesetz—, sondern den Konnex von überwiegend wirtschaftlichen Fragen erörtern, die sich bei dem Verfahren un- screr Heeres- und Marineverwaltung bei Vergebung von Liefe- rungen entwickeln. Es war erwünscht, daß diese Fragen mit kühler Nüchternheit und minder temperamentvoll erörtert werden, als der Abg. Liebknecht die Krupp-Affäre nicht zum Borteil der Sache und des deutschen Vaterlandes erörtert hat.(Lebhafter Bei- fall rechts.— Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Liebknecht war zu der Annahme berechtigt, daß Beamte der Mili- tärverwattung von der Firma Krupp bestochen waren. Er hat das dem Kriegsminister mitgeteilt. Das ivar nicht nur sein Recht, son- dern seine Pflicht. Er hat aber ivährend des Schwebens des ge- richtlichen Verfahrens hier im Reichstag von einem Panama ge- sprachen, während die mit ungewöhnlicher Gründlichkeit geführten Untersuchungen(Widerspruch bei den Sozialdemokraten) ergeben haben,' daß zwar eine Bestechung untergeordneter Organe statt- gefunden hat, die inzwischen gesühnt tvorocn ist. daß aber keines- falls Zustände borliegen, die die Bezeichnung Panama rechtfertigen, eine Bezeichnung, die im Auslande die Auffassung erweckt hat, als wenn tn unserer in der ganzen Welt geachteten Waffenindustrie unerträgliche skandalöse Zustände herrschten. Diese Ausführungen des Abg. Liebknecht, die nach dem ihm zugänglichen Material nicht begründet waren, waren im hohen Matze geeignet, die Allgemeinheit und unser Ansehen im Auslande zu schädigen.(Widerspruch bei den.Sozialdemokraten� Sie werden begreifen, daß ich unter diesen Umständen den Wunsch hatte, in die Rüstungskommission statt des Abg. Liebknecht ein anderes der zahlreichen sachkundigen Mitglieder der sozialdemo- kratischen Fraktion entsandt zu sehen.(Beifall recht?.— Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Auf Antrag des Abg. Haase(Soz.) wird die Besprechung der Interpellation beschloffen. Abg. Schiffer(natl.): Mit derselben Rücksicht, mit der wir auf unsere Rechte achten, müssen wir auch die Rechte des Bundesrats achten, und wir müssen anerkennen, daß die Rechtsfrage zugunsten des Staats- sckretärs liegt. Ob es glücklich und praktisch war, so zu der- fahren, ob speziell der Gedanke, Herrn Liebknecht als Eachver- ständigen zu hören, glücklich war, ist mir zweifelhaft. Rechtlich liegt die Sache so, daß der Reichskanzler Verwahrung ein- gelegt hat dagegen, daß der Reichstag die Mitglieder der Kommission wählt, daß sie vielmehr durch den Reichskanzler be- rufen werden. Der Abg. Frank wandte sich gegen diesen Stand- Punkt, hat ihn also als Standpunkt der Regierung anerkannt. tAbg. Haase: Wenn die Wünsche der Fraktionen beachtet wer- den.) Gewiß, aber dieser Satz schließt die Entschlietzungsfreiheit des Reichskanzlers nicht aus, sondern besagt nur, daß er sich mit den Fraktionen ins Benehmen setzen wird, und ihren Vorschlägen nur aus sachlichen Gründen nicht zustimmen und darüber hier Auskunft geben würde, daß eS aber rein sachliche Erwägungen waren, die den Reichskanzler zur Ablehnung des Dr. Liebknecht führten, ist doch zweifellos. Der Reichskanzler hat also seine Zuständigkeit nicht überschritten und in die Rechte des Reichstages nicht eingegriffen. Schön allerdings ist es, wie die ganze sozialdemokratische Fraktion für den Abg. Liebknecht eingetreten ist, der sich doch eigentlich sehr hineingelegt hat.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemo- traten.) Nun, das, was sich bei dem sehr weit angelegten Gerichts- verfahren ergeben hat, entsprach in keiner Weise den großen Worten des Abg. Liebknecht. Bestehen bleibt allerdings, daß einige sehr zu beklagende Verfehlungen vorgekommen sind. Die Folge des Vor- gehens war aber auch eine schwere Schädigung der Industrie. Künftige K-rnwalzermitteilungen werden wir skeptischer entgegen- nehmen und hoffentlich wird auch Herr Liebknecht nach den pein- lichen Erfahrungen dieser Affäre künftig den Mund nicht so voll nehmen!(Beifall bei den Nationalliberalen. Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gothein(Vp.): Da eS sich hier leider nicht um eine Parlamentsenquete nach englischem Muster gehandelt hat, so hatte Dr. Liebknecht keinen Rechtsanspruch. Aber das Wort des Staatssekretärs„Berück- sichtigung" bedeutete Erfüllung der Fraktionswünsche. ES wäre klüger gewesen, den Sozialdemokraten keinen Anlaß zu geben, sich von der Kommission fernzuhalten. Herausgekommen wäre aus der Kommission auch nichts, selbst wenn zehn Liebknechts darin ge- sessen hätten. Also, wir sollten wirklich nicht so nervös sein. Besser wäre es auch gewesen, nicht durch die Feruhaltung Lieb- knechts vor dem Ausland oen Anschein zu erwecken, als ob man irgend etwas fürchtete. Jedenfalls hat man mehr Schaden als Nutzen durch die Fernbaltuna angerichtet. Es ist eine gesunde Reaktion eines gerecht dcnkeuoen Volkes wenn es sich gegen Miß- stände aufbäumt. Recht soll Recht bleiben, mag einer noch so hoch stehen! Die Kommission soll möglichst öffentlich arbeiten, die Lcfsentlichkeit hat ein Recht darauf, zu sehen, ob im deutschen Wirt- schaftsleben alles mit rechten Dingen zugeht.(Bravo! bei der Volkspartei.) Freiherr v. Gamp(kons.): Der Kruppprozeß wäre besser unerörtert geblieben. Die Be- Handlung des hochachtbaren Direktors Rötger ist höchst bedenklich. Was weiß ein so hoher Beamter von den kleinen Bewirtungen eine? kleinen Beamten in der Ferne. Wie kam der Staats- anwalt zu seinem höchst abfälligen Urteil über Rötger»roch dazu in einem Antrag aus Einstellung des Verfahrens. Zu der dem Staatsanwalt obliegenden Wahrung der öffent- lichen Interessen gehört auch, die Ehre der Leute nicht anzugreifen. Daß die Sozialdemokratie der sich freu- ende Dritte ist, düchte dem Staatsanwalt nicht sehr angenehm sein. Abg. Noske(Soz.): Die Herren Schiffer und Gamp haben sich für Krupp inS Zeug gelegt. Soll das etwa ein Kampf darum sein, in wessen Kasse die Wahlgelder der Firma Krupp gehen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts und bei den Nationalliberalen.) Das Interesse für die Machenschaften der Firma Krupp wird iin Volke nicht sobald erlahmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Wie die Zusammensetzung der Rüstungskommission im Volke beurteilt wird, beweist die Tatsache, daß man heute schon von einer BerwschungSkommission spricht.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Als die Kom- Mission eingesetzt werden sollte, sagte Herr Spahn, die Hauptsache sei, daß sie schleunigst zusammentrete und rasche Arbeit leiste.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Erst sieben Monate später aber trat die Kommission zusammen, um üch bald wieder zu vertagen.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Durch das HeranSmanövrieren der Sozialdemokraten aus der Kom- Mission ist da» Vertrauen im Volke zu der Kommission selbst ge- schwunden, jedenfalls in den Teilen des Volkes, die in der Sozial- dcmokratie das öffentliche.Gewissen sehen. Die Regierung weiß gar nicht, bis zu nxlcher Tiefe das Mißtrauen in die Regierung bei den Heercslieferungen gedrungen ist. Daß eS ungeheuer groß, haben auch die Herren Spahn, Paasche und Müller. M e i n i n g e n a n e r k a n n t. Bei diesem Konflikt, den die Re> gierung mit der sozialdemokratischen Partei vom Zaune brach, l>andelt eS sich nicht um die Person des Abg. Liebknecht, sondern um Rechte des Reichstages, die vor 7 Monaten noch von allen bürgerlichen Parteien als selbst- verständlich angesehen wurden. Daß die Regierung den Konflikt suchte und die sozialdemokratische Partei absichtlich brüskierte, geht auch aus der kränkenden Form herbor, in der uns die Mitteilung von dem endgültigen Beschluß der Regierung gemacht wunde. Bevor wir etwas offiziell erfuhren, stand es bereits in der b ü r g e r- lichen Presse.— Geradezu leid tat mir der Staatssekretär, als er das Vorgehen des Reichskanzlers mit Gründen zu rechtferti- gen suchte. In einem Atem nannte er Liebknecht mit RüftungSintercssenten. Dann aber will er wieder so freuiMich sein, Liebknecht als Sachverständigen zu hören. In der Presse fiihrte man als Grund an, Liebknecht sei ivegen Landes- Verrats verurteilt worden. Dabei ist er vom Ehrengericht, von seinen Standesgenossen freigesprochen worden. Welche Verwilde- rung der moralische» Begrifte zeigt sich in der Presse, die die Firma Krupp als Unschuldslämmchen hinzustellen sucht, vor allem tut dies die Scherlpresse. Dabei ist bekannt, daß zur Sanierung dieses Zeitungsunternehmens auch Kruppsches Gelb verwandt worden ist.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Daß es sich bei dem Krupp-Prozeß durchaus nicht um Kleinigkeiten handelte, beweist die eidliche Aussage des Sachverständigen des Kriegsmini st eriums Major von Waltershausen:„Ich möchte noch sagen, daß das Klein- g e s ch ä f t" für Krupp von ungeheurer Bedeutung ist." lLebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Hat doch auch Brandt wiederholt gesagt: Ich will darüber nichts sagen, ich möchte den Skandal nicht noch größer machen.(Erneutes lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Brandt sagte auch: die Konkurrenzfirmen erfahren auch alles, was sie wollen, und nicht nur durch Unterbeamte. Warum leuchtet da die Regierung nicht hinein? Es ist viel mehr faul, als im Krupp-Prozeß herausgekommen ist. Was ich hier über die Vor- Sänge beim Kauf des UebungsplatzeS bei Zossen behauptet habe, at sich vor Gericht sämtlich als wahr herausgestellt. Der Bürger. meister von Zossen hat allein 100 000 M. eingesteckt. Und die Nach. richten, aus Grund deren diese Dinge möglich waren, stammten aus dem Kricgsministerium.(Lebhaftes Hört! hört!) Wir werden über diese und andere Korruptionserscheinungen noch bei verschie- denen Etats zu sprechen Gelegenheit haben. In der Presse und auch hier von Herrn Schiffer wurde gesagt: Liebknecht habe hier den Mund zu voll genommen. Er hat nicht ein Wort mehr de- hauptct, als bis aufs i-Tipfelchen auf bim i vor Gericht erwiesen worden ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Liebknecht ging erst an den Reichstag, als er erfuhr, daß man nicht gegen die Schuldigen das Hauptversahren eröffnen wolle, sondern daß man seinen Gewährmann suche, daß man einem Unschuldigen an den Kragen wolle; da war es seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, der Katze die Schelle umzuhängen.— Liebknecht soll nicht geeignet sein, in die Kommission einzutreten, weil er bezüglich der Rüstungen die Regierung scharf angegriffen habe. Dann hatte man auch den Abg. Erzberger und mich nicht in die Kommission berufen dürken.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man fragte nun, warum der Abg. Südekum und ich in die Kommission nicht eintreten. Jedes Mitglied der sozialdemokratischen Partei muß es sich verbitten, in einen derartigen Gegensatz zu seinen Parteigenossen gebracht und als sozialdemokratische Musterknaben gcwertct zu werden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Liebknecht soll nicht geeignet sein, weil die Kommission richterliche Funktionen ausüben soll. Dann dürfen RegicrungSvertreter dort leine Rolle spielen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Den Direktor des vom Reich subventionierten Lloyd ruft man hinein. Er wird dort sagen können, wie man Bilanzen aufstellen muß. um hohe Subventionen zu bekommen. Die Ablehnung Liebknechts betrachten wir als offene Parteinahme zugunsten der kampromit- tierten Firma.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Kleine Firmen, die Schmiergelder geben, gibt man preis, die Mllionenfirma entschädigt man. Wie mit zweierlei Maß gemessen wird, beweist, daß der früher« Kriegsminister v. Hecriugen gesagt hat: jede Verbindung mit einer Firma, der auch nur in einem Fall nachgewiesen sei, daß sie Schmiergelder gegeben habe, werde abgebrochen, und daß dann derselbe KriegSminifter die Verdienste der Firma Krupp in den Himmel hob. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß hat Krupp große Verdienste, aber nicht um das Deutsche Reich, sondern auf Kosten des Reiches gehabt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo» kraten.) Durch di« Ablehnung des verhaßten Anklägers der Firma Krupp bat man versucht, diese in etwas zu rehabilitieren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wer von den hohen Herren von der Regierung hat eigentlich noch nicht die Gastfreundschaft von Krupp genossen?! Bei den Jubelseierlichkeiten waren sie alle versammelt. Staatssekretär Tirpitz hat eine Mill'onenstiktung von Krupp damals mitgenommen. Nach unserer Ansicht hat das Reich es nicht nötig. Krupp erst seine Kanonen viel zu teuer zu bezahlen und sich dann von ihm etwas schenken zu lassen.(Lebhafte Zustim- mung bei den Sozialdemokraten.) Bezeichnend ist auch, daß wäh- rend der schwebenden Untersuchung an den Inhaber der Firma Krupp ein hoher Orden verliehen wurde, und daß noch nach dem Urteilsspruch der Kaiser mit dem Chef der Firma an festlicher Tafel zusammengesesscn hat. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir im Kampf um da» Recht und gegen kapitalistisch« Unmoral allein stehen, wenn da? Zutraue» zur Regierung und den bürgerlichen Parteien schwindet— unser Schaden wird das nicht sein.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten) Präsident Kacmpf erklärt die Bemerkungen de? Abg. NoSke über die Kruppgelder für die Parteien der Abgg. v. Gamp und Schiffer, sowie daS auf die Regierung gemünzte„ein Mann, ein Wort" für unparlamentarisch.(Heiterkeit b. d. Soziall>emokr.) Die Besprechung schließt. Nächst« Sitzung: DicnStag, den 18. Januar, 2 Uhr nachmittag?. (Petitionen.) Jeder ist sieh selbst der Nächsie- insbesondere, wenn es sieh darum handelt, Ersparnisse zu machen! Unser Ausverkauf wegen vollständiger Auflösung bietet zu Weihnachten Gelegenheit, die besten Erzeugnisse in Herren- und Knabenbekleidung jeder Art zu fabelhatt billigen Preisen einzukauten. 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Die Kompagnie zählt 35„Mann" und ver- anstallet jeden Sonnabend Uebungen, die aus Feld« und Pionier- dienst, Exerzieren, Dauermärswen und sportlichen Veranstaltungen bestehen. Auch Kriegsspiele finden statt. Besonders die C h i n e s e n- jugend soll angeblich mit neidersüllten Blicken den Uebungen der deutschen Jugendwehr zuschauen.— Vielleicht führt man die Jugend- pflege auch in anderen Kolonien ein und steckt z. B. die Neger- jünglinge am Kongo in die Jugendwebruniform. Die Schwarzen haben sür die Kriegslänze Jungdeutschlands vielleicht mehr Ver- ständnis als die Arbeiterjugend in Deutichland. /Zus aller Älelt. Ein Riesenskandal in Paris. Die Pariser Polizei ist einer Skandalgeschichte, wie sie kaum ihresgleichen hat, auf die Spur gekommen. Vor einigen Tagen ver« schwand plötzlich aus dem Pariser Vorort Montargis ein Löjähriges Mädchen namens Clementine Cousin. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß das Mädchen einem Verbrechen gegen das keimende Leben zum Opfer gefallen ist. Weitere Er- Mittelungen in dieser Affäre führten auf die Spur der Hebamme Jeanne Simon, die schon vor einigen Tagen hätte verhaftet werden können, die man aber noch yt Freiheit liefe, um sie beobachten zu lassen und auf diese Weise Material zu ihrer Ueber- führung zu gewinnen. Durch die Ueberwachung der Hebamme wurde festgestellt, dafe diese gemeinsam mit einem Manne namens B e r- n a r d in verschiedenen Stadtteilen von Paris Wohnungen unter- hielt, in denen sie Frauen und Mädchen, die einem steudigen Er- eignis entgegensahen, gegen hohes Honorar ihre Unterstützung zuteil werden liefeen. Am Montag safeen Frau Simon und ihr Freund Bernard hinter Schloß und Niegel. Die in den Wohnungen des verbrecherischen Paares vorgenommenen Haussuchungen förderten geradezu grauenhafte Einzelheiten zutage. Das Verbrecher- paar hat seit 7—8 Jahren Abtreibung und Engelmacherei in großem Stile betrieben. Jede Frau, die sich an das Paar wandte, erhielt eine bestimmte Nummer und mit dieser Nummer wurde auch der Briefwechsel gekennzeichnet, der zwischen der Frau Simon und ihren Klientinnen geführt wurde. Die letzte Nummer deS vorigen Jahres war 13121, während die unglückliche Clementine Cousin die Nummer 1t 131 erhallen hatte. Demnach muß das Paar in den letzten Jahren über 14000 Abtreibungen vorgenommen haben. Wie viele Frauen hierbei den Tod gesunden haben, läßt sich natürlich nicht mehr feststellen. Die Nachforschungen der Polizei werden dadurch erleichtert, daß Bernard eine vollkommene Buchführung eingerichtet hat, aus der hervorgeht, dafe die Verbrecher für den Fall 200 Franken verlangt haben. Die grauenhafte Affäre erregt überall das größte Aufsehen. izwei der Verbrecher tödlich verletzt wurden. Schließlich �gelang es den Feldhütern, die Banditen festzunehmen. Das Haupt der Einbrecherbande ist ein D e s e r t e u r,. der wegen verschiedener Mordtaten gesucht wird._ Kleine Notizen. Explosion in einer Spritfabrik. In dem Brennereibeiriebe des Rittergutes Goscieszyn dein Wollstein(Posen) explodierte ein Kartoffeldämpfer, wobei zwei in der Nähe stehende Arbeiter von den heißen Breimassen überschüttet wurden feiner war so- fort tot, der andere starb nach einigen Stunden. Ehctragödic. Der Maurermeister Svaton in I g l a u(Mähren) hat seine Frau, die Mutter seiner neun Kinder, wegen eines mißlichen Familienstreites ermordet und, als er sah, daß er den ihn verfolgenden Gendarmen nicht mehr entrinnen konnte, S e l b st in o r d verübt. Unfall in der französischen Marine. Auf dem Torpedoboot 366, das im Hafen von B r e st vor Anker liegt, ereignete sich gestern ein schwerer Unfall infolge'Platzens eines Dampsrohrs. Drei Matrosen erlitten hierbei ziemlich erhebliche Verletzungen. Einer von ihnen mußte in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus transportiert werden. Absturz einer Fliegerin. Die französische Aviatikerin Mar- v i n g t stürzte am Freitag auf dem Flugfelde von Reims ab. Der Apparat wurde vollkommen zertrümmert, während Fräulein Marvingt in der Hauptsache mit dem Schrecken davonkam. Im Kampfe mit Banditen. Ein blutiger Slraßenkampf zwischen Banditen und Feldhütern fand in dem kleinen Städtchen R e s e S in.der Provinz Katalonien statt.' Eine Schar bewaffneter Banditen war in ein Landhaus ein- gedrungen, um es zu plündern. Die Glocken einer nahen Kirche läuteten Sturm, worauf Feldhüter herbeieilten. Zwischen ihnen und den Banditen, die sich inzwischen in dem Landhaus häus- lich eingerichtet hatten, kam es zu einer förmlichen Schlacht. Auf beiden Seiten wurde mit großer Erbitterung gekämpft. Ueber 200 Schüsse wurden auf beiden Seiten abgegeben, durch die Wi arktpreile von Berlin am 11. Tezember 1i»1Z, naq Mmnllelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,80— 17,00, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,70—15,10. Richtstroh 0,00. Heu 0,00—0,00. M a r i l h a l l e n v r e i j e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sveisebobnen. Meitze 35,00—60,00. Linsen 36,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch.1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,60—7,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,00—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,20—2,40. Barsche 1,00— 3, vi. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 2,00-�4.00. WitterungSüberfichi vom IS. Dezember 1!»16. vetler 3 bedeckt 3bedeckt 4bedeckt SDunft 2bedeckt �Regen as c% »» i? m£> Stationen ßs Bf Saparanda745 SO elerSbilrg'751 S Scilly 765MSW Aberdeen 748SSW Paris 768SW Vetter Schnee Schnee bedeckt heiter bedeckt ** C* Ii —9 -3 11 9 7 irvrrrervrvgnvir twc �unnuucup. vcn ±o. toLtf* Mild und zeitweise austlarend, jedoch vorwiegend nebelig oder wolkig mit etwas Regen und ziemlich lebhasten südwestlichen Winden. Bekanntmachung der Ortskrankenkasse der Gürtler zu Berlin. Die Ortskranlenkasse der Gürtler zu Berlin ist als besondere Orts- lranlenkasse zugelassen. Die mit den Bestimmungen der ReichsvcrsicherungSordnung in Ein- klang gebrachte neue Satzung ist am 26. November er. vom Königlichen Obcrvcrsichcrungsamt Grotz< Berlin genehmigt worden. Die Mitglieder werden hiermit ersucht, die neuen Satzungen vom 29. Dezember 1913 ab vom Arbeit- gcber abzusordcrn. Die freiwilligen Mitglieder erhalten dieselben im Kassenlokal. 301/11 Berlin, den 12. Dezember 1913, Der Borstand. 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Privat-Praxis gestattet. Gest. An- geböte erbitten baldigst unter 1 an die Hauptcxpcdition des„Vorwärts". 296/2* Hobelbänke. Werkzeug. Schumann, Markusstraße 46.__ 294/9- w ormt verantwortlicher Redakteur: Alfred Bgielepp, Reukölln. F ü r'de n'J n s cratentcis verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Bud)druckereiu. Verlagsanstalt PauDSinger Li Co., BerlinSÄ� Mustergültiges Deutsch sprechen und schreiben lehrt billig(auch abends) erfahrener Prioailehrer. Ansragen unter.Postlagcrlatte 653', Briespost- aint, Berlin. H38* Ksui�esucke. Plattnabsälle, alte Äoldiachen, Bruchgold, Silber, Gebisse, alle Ubren, Kehrgold. Goldwatlen, Quecksilber, Stanniol iowie iäintliche Gold-, Silber-, plalinbalttqen Rückstände laust Broh, Edelmetallschmelze. Berlin, Köpenickerstraße 29. Telephon Moritz- platz 3476. 58051* Goldichnielze taust döchstzahlend Zahngebissc, alle Metalle. Witwe Nieper, nur Köpenickerstraße 157. Zahngebissc, Zahn bi« 1.30(Ab- Holling)� Plaiinabjälle 5,70. 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April 1911 nach gemeinsam aufgestellien Grundsätzen be gonnene Tätigkeit der drei Schulärzte umfaßte: 1. die Untersuchung der neueingeschulten Kinder auf ihren Gesundheitszustand, 2. die Begutachtung der Schulfähigkeit der von den Schulleitern dem Schularzt zugewiesenen akut oder chronisch erkrankten Kinder, 3. die Beobachtung und Begutachtung der für die Hilfsschule vor- geschlagenen Kinder, 4. die Untersuchung der die Schule verlassenden Kinder hinsichtlich der Brauchbarkeit der von ihnen erwählten Berufe und ö. die Kontrolle der schulhygienischcn Einrichtungen. Außerdem wurden durch je einen der Schulärzte die schulärztliche Ueberwachung der Hilfsschulkinder sowie die Beaufsichtigung des orthopädischen Turnkursus und des StotlerkursuS wahrgenommen. Auf Grund der einige Wochen nach erfolgter Einschulung vorgenommenen Unter- suchungen wurden den Eltern Mitteilungen über etwaige Krankheiten oder Konstilutionsanomalien gemacht, andere Kinder wurden außerdem der hiesigen Lungenfürsorgestelle überwiesen, noch andere den Klassen- lehrern als in diesem oder jenem Fache als schonungsbedürftig empfohlen. In einem für jedes Kind angelegten Geiundheilsschein soll eine mög- lichst lückenlose Uebersicht über dessen Gesundheitsverhältnisse während der ganzen Schulzeit erlangt werden. Der Untersuchung bei der Einschulung folgt im zweiten Schuljahre eine Nachrevision derjenigen Kinder, bei denen die erstere Beanstandungen ergeben hatte. Weitere genaue Untersuchungen finden dann im vierten und sechsten Schul- zahre und eine Schlußuntersuchung beim Verlassen der Schule statt. Tie hygienische Beschaffenheit der Schulräume wird in dem Bericht als zufriedenstellend bezeichnet. Nur soll in diesem Winter laut gc- wordenen Klagen über Ungleichmäßigkeit der Temperatur auf den Grund gegangen werden. Bei der Bekämpfung der Infektionskrankheiten wird besonderes Gewicht auf Maßnahmen zur Verhinderung der Ver- breitung der Diphtherie gelegt. Recht eingehend haben sich die Schul- ärzte auch mit der Bekämpfung der Tuberkulose befaßt. Als ein wesentlich vorbeugendes Mittel wird zur besseren Entwicklung des Brustkorbes eine größere Sorgfalt bei der Vornahme von Atmungs- Übungen in den Turn- und Freistunden anempfohlen. Für die Schüler mit Sprachfehlern haben in den Winterhalbjahren Stotterkurse statt- gefunden, deren Resultate gut und für die meisten Kinder hoffentlich von Dauer sein werden. Zur Verhütung von Rückgratsverkrümmungen sowie zur Besserung schon bestehender leichter Fälle ist im Jahre 1911 der ocihopädische Schulunterricht— und zwar vorerst nur für Mädchen— zur Einführung gelangt. Der Bericht beklagt es, daß infolge der geringen, hierzu verfügbaren Mittel nicht auch für Knaben die Einrichtung eines derartigen Turnkursus erfolgen tonnte. Des weiteren wird die Hergabe von Mitteln für Einrichtung eines unter ärztlicher Leitung stattfindenden Kursus auch für Kinder mit schweren Rückgratsverkrümmungen gefordert, sowie die Ausdehnung des orthopädischen Schulunterrichts, sowohl für Mädchen als auch für Knaben, auch auf den Sommer. Nach dem Bericht waren in den beiden Hilfsschulen am 1. Oktober 1911 2,3 Proz., zur selben Zeit 1912 2,1 Proz. der Gemeindeschüler untergebracht. Der Modus, nach welchem früher die Auslese der schwachbegabten Kinder durch die Klassenlehrer vor- genommen wurde und erst nach Aufnahme in die Hilfsschule deren schulärztliche Untersuchung erfolgte, ist fallen gelassen worden. Neuerdings werden die Von den Klasienlehren, für die Hilfsschule geeignet befundenen Kinder zunächst einer aus dem Kreis- schulinspektor, einem Rektor, zwei Hilfsschullehrern und dem Hilfs- schularzt gebildeten Kommission, die nach Bedarf durch den Klassen- lehrer und Rektor der bisherigen Schule des Kindes ergänzt werden kann, überwiesen. Diese Kommission hat dann endgültig über die Ueberweisung an die Hilfsschule Bestimmung zu treffen. Die schul- ärztliche Ueberwachung dieser Kinder wird mit großer Sorgfalt ausgeübt. Die erzielten Bildungsresultate werden in dem Bericht als für die dabei tätigen Lehrkräfte anerkennenswert besonders hervor- gehoben. Kalkberge-Rüdersdorf. Recht intcrcfiantc Dinge kamen in der letzten Versammlung des hiesigen Bürgervercins zur Sprache. Besonders eingehende Besprechung fand die Rektorats-Angelegenheit. Von der Regie- rung ist bekanntlich als Rektor der hiesigen Gemeindeschule der Lehrer Härtung iLeutnant der Reserve) aus Oberschöneweide be- stimmt worden. Tagegen ist vom Schulvorstand mit allen Stimmen Protest eingelegt worden. Ueber die Unterrichtseinteilung wurde wiederholt lebhafte Klage geführt; sogar die Kinder der untersten Klassen haben mitunter 7—6 Stunden täglich Unterricht. Eine scharfe Zurückweisung fand das Gebaren des hiesigen Amtsvor- stehers, der bei den Arbeitgebern Unterschriften für einen von ihm aufgesetzten Wahlvorschlag für die Wahl eines Vertreters und zwei Ersatzmännern für die Allgemeine Ortskrankenkasse Niedcrbarnim durch einen Polizeibeamten sammeln ließ.— Sehr geklagt wurde auch über den blau-weitz-blauen Jungsturm("Graf Zeppelin-Kompagnie), der mit seinen Schreckrevolvern viel Unfug treibt. Es sei nicht zu verstehen, daß Eltern ihre Kinder dorthin gehen ließen. Tiese Meinung vertraten dieselben Bürgerlichen, die seinerzeit für diese Art bürgerlicher Jugendpflege Feuer und Flamme waren und demselben in jeder Beziehung die weitgehendste Unterstützung angedeihen ließen. Der Jugendbund hat allerdings schon das Zeitliche gesegnet. Aus seiner Asche ging der„Jugendsturm" her- vor._ Sitzungstage von Stadt- und Gemeindevertrewugen. Petershagen. Montagnachmittag 51/, Uhr: U. a. Beschlutzsassung über Anschluß an das Kreisgaswerk. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Wemeindeangehlrig« tfi be, rechttgt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Spezialgeschäft m Musikalien und Instrumente � 4 TluAa-aMM Zu Weihnachten empfehle ich |p|fiiuL:i uüe Art Musikalien u. Instrumente Ul 11 dl Dl CUllld ,ZTU aUerbüligdten Preisen. MTmanarmonikas, Yiolinen, Mm»ej t am iateplafe Ä.i�'äSgÄa — Telephon: Königstadt 8488.— in großer Auswahl. Echte Weichselpfeifen. Spezialität: KeMeiWlev. 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