Nr. 331. flbonnemenU'Redingungen: SSonnemeniä• PreiZ pränumerando: Bicrteljährl. B20 Mk., tnonall. 1,10 SDif, wöchenLich 28 Pfg, frei inS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Eonntags. Nummer mit Mnflrierter Sonntags- Beilage oClie Neue Welt" 10 Big, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in die Post-Zeiwngs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Teutschland und Oeslerreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland i Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänren. Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. Die InkertionZ-Ledühr Echägt für die sechsgcspaltene Kolonel. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewcrlschaftlichc Vereins. und Bersaiirmliings-Anzeigen 00 Ptg. „lileine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenon- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Inserate lur die nächste Nununcr müisen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. CridKint tägücb. Vevlinev VolkesblAtk. Telcgrainm- Adresse: „SsziZl-iemoittzl»er»»". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 650. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt MoriNplaN, Nr. 1983. Bis Hetze gegen das Hoalttiilns- recl)t- ein politiicljer Betrug. Aus Gewerkschaftskreisen wird uns geschrieben: Wer die Vorgänge noch im Gedächtnis hat, die vor nun- mehr bald 10 Jahren zur Verhängung des Sozialistengesetzes geführt haben, und sie mit der gegenwärtigen Hetze gegen das Äoalitionsrecht vergleicht, wer insbesondere die infame Hetze gegen das Streikrecht der Arbeiter init der damaligen Attentatshetze nebeneinander hält, der wird sehr leicht zu der Ansicht gelangen, daß die politischen Verhältnisse heute mit den damaligen manche Aehnlichkeit anflveisen. Es ist bekannt, daß Bismarck damals den Attentats- schwinde! und die ihm folgende Verhängung des Sozialisten- gcsetzeS zu dem Zwecke inszenierte, eine neue Orientierung der Handelspolitik deS Deutschen Reiches, die Hochschutzzollära, unter der wir heute noch leben und leiden, anzubahnen. Dazu mußte er das Bürgertuni, vor-allem die Mittclparteien, ein- schüchtern. Er tat das, indem er sie in Angst und Schrecken versetzte vor der anstürmenden Sozialdemokratie, und sie so seinen politischen Zwecken gefügig machte. Der Schwindel gelang glänzend. Ilm etlvas Aehnliches handelt es sich auch heute. Zwar haben die heutigen„Staatsmänner", die die Schicksale des Deutschen Reiches und Volkes lenken, nicht nötig, sich den Kopf über eine neue Handelspolitik zu zerbrechen. Deren Rutznießer, die zugleich die eigentlichen Herren im Staate sind, wollen gar keine andere Politik— aber obgleich das Schutzzollspstem heute einen Umfang und eine Höhe erreicht hat, die sich ihr Vater nie hat träumen lassen, so genügt das doch den Kreisen, die heute das deutsche Volk durch die Zoll- gesetzgebung ausbeuten, noch lange nicht: Sie verlangen den„lückenlosen Zolltarif"!— In den Freudenbecher ihrer Erwartungen haben nun die letzten Rcichstagswahlen eine erhebliche Menge Wermuts- tropfen geschüttet. Die Konservativen können mit den Klerikalen allein keine Majorität mehr bilden. Sie brauchen die Rationallibcralen. Und die Vorgänge nach den Wahlen haben ja auch gezeigt, daß die Reaktionäre aller Schattierungen ein- schließlich der Regierung nichts so sehr fürchten, als die Selbst- jMndigkcitsgclüstc dieser Partei. Es ist ja noch in Mischer Erinnerung, wie die Nationalliberalen abgekanzelt worden sind, weil sie in einem schwachen Augenblick bei der Präsi- dentenwahl so etwas wie liberale Anwandlungen gezeigt haben. Und wie wurden und werden noch jetzt die Frei- sinnigen wegen des Wahlabkommens mit unserer Partei behandelt. Weil sie schließlich aus politischem Selbsterhaltungstriebe offen das gemacht haben, was ihre Ankläger so oft hinter verschlossenen Türen getan und noch öfter haben tun tvollen, werden sie als der Ausbund aller politischen Schlech- tigkeit hingestellt. Und die Schwarzblauen wissen natürlich warum. Betrachtet man die ganze politische Situation unter diesem Gesichtswinkel, dann muß der politische Schwindel, der dahinter steckt, offen in die Augen springen. Gewiß ist allen Reaktiv- nären einschließlich der Regierung das Koalitionsrecht der Ar- beiter ein Greuel. Aber dieses Koalitionsrecht ist doch nur der Köder, mit dem die dummen bürgerlichen Karpfen gefangen werden sollen— ans den sie allerdings recht lustig angebissen haben! Zuerst natürlich die N a t i 0 n a l l i b e- r a l e n, denen es wirklich darum zu tun>var, ihre liberale Irrung vergessen zu machen. Bald folgte der Hansa- b u n d. Und unter den Fortschrittlern gibt es unsichere Kantonisten genug, die mit dem Köder sehr verdächtig lieb- äugeln. Es werden auch sicher noch mehr anbeißen, wenn es nicht gelingt, ihnen noch rechtzeitig den Blick dafür zu schärfen, wofür sie wieder einmal eingefangen werden sollen; wenn ihnen der politische Betrug, zu dem sich herzugeben sie im Begriff sind, nicht zum Verständnis gebracht wird. Die Reaktion will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zu nächst soll das Koalitionsrecht der Arbeiter beseitigt und dann — und das ist für die Reaktion das bei weitem wichtigere— soll damit zugleich auf Jahre und Jahrzehnte hinaus jede Möglichkeit eines fallweisen Zusammengehens der Liberalen mit den Sozialdemokraten unterbunden werden, indem man jede fernere Verständigung bei Wahlen ein für alle mal un- möglich macht! In der Tat— eine feine Spekulation! Freilich auch eine infernalisch niederträchtige Spekulation! Gc- lingt dieser fein eingefädelte Plan, dann ist eS allerdings auf lange Zeit hinaus ausgeschlossen, daß sich die bürgerliche Linke — abgesehen von einem hoffnungslosen Häuflein bürgerlicher Demokraten— und die Sozialdemokratie zu einer politischen Aktion zusammenfinden. Denn wer sich dazu hergibt, der Arbeiterklasse eine ihrer politischen Lebensnotwend.i gleiten zu rauben, mit dem ist ein Zusammengehen in anderen politi- schon Fragen natürlich zur Unmöglichkeit ge- worden. Man sieht, die Sammelpolitik, die der selige Miguel einst angebahnt hat, sie treibt noch immer ihre Blüten. Vor allein ergibt sich hieraus, daß die deutsche Arbeiter- klaffe alle Ursache hat, in jeder Beziehung auf ihrer Hut zu sein. Vor allem hat sie ihr Augenmerk darauf zu richten, daß ihr nicht aus den eigenen Reihen unliebsame Ueber- raschungen bereitet werden. Damals, vor dem Sozialistengesetz, waren es die Schüsse zweier Wahnwitziger, die den Stein ins ! Rollen gebracht haben. Die Zeiten haben sich inzwischen ge- 1 ändert. Heut steht die Majestät des Streikbrechers | zum mindesten so hoch wie die gewöhnlicher Majestäten. Heut i haben es etwaige„Attentäter" also wesentlich leichter wie! damals, wenn sie ein paar„staatserhaltende" Schüsse abgeben l wollen. Sie brauchen ihr wertvolles Haupt dabei nicht mehr in Gefahr zu bringen. Es genügt, wenn gelegentlich mal ein kleiner„Strcikkrawall" inszeniert wird: wie das gemacht wird, haben wir ja in Moabit und anderswo erlebt. Und so gut sich königlich preußische Polizisten gefunden haben, die sich zum Verteilen sozialdemokratischer Flugblätter und sonstiger „gefährlichere" Arbeiten förmlich drängten, die sich mit „Begeisterung" an die Spitze sozialdemokratischer Wahlrechts- demonstrationen gestellt haben usw., so gut kann es ja auch einmal passieren, daß in einem zufällig zusammengeratenen Haufen Streikender oder Ausgesperrter ein Schuß losgeht, der auch nial einen Arbeitswilligen trifft.... Es ist durchaus nicht anzunehmen, daß die Sorte PoIizei-„Gentlemen", die sich einstmals unter dem Sozialistengesetze ihren traurigen Ruhm erworben hat, die Jhring-Mahlow und Naporra c tutti quanti, in preußischen Landen so ganz und gar aus- gestorben sind. Und die Polizei verfügt ja über ein ansehn- iiches Arsenal von Knallbüchsen alter Konstruktion, die noch immer ihrer staatserhaltenden Verwendung harren, denen man natürlich ihre Herkunft nicht so ohne weiteres mehr ansieht. Es ist sehr stark zu fürchten, daß, Ivenn ein solches Ding mal in der angedeuteten Weise losgeht, das Echo dieser Schüsse im Reichstage eine Wirkung auslösen könnte, die den Reaktiv- nären aller Schattierungen das Herz im Leibe lachen machte. Wohl hat der jetzige Reichstag schon einmal einen Antrag auf Verbot des StrcikpostenstehenS mit überwältigender Ma- jorität abgelehnt. Aber die Tatsache, daß die Konservativen schon jetzt wieder mit einem solchen Antrage heranrücken, ist doch der beste Beweis dafür, daß die Reaktion Morgenluft wittert. Und daß die Regiernug einem solchen Antrage sehr gerne nachkommen würde, das wird ja wohl keiner bezweifeln. Wer weiß denn, ob es sich hier nicht überhaupt um b e- stellte Arbeit handelt, sei es zunächst auch nur, um von neuem zu sehen, wie der„Wind" jetzt weht. � Deshalb müssen die Arbeiter aus d e r H u t sein. Wieder sollte unsere Parteipresse, wie der„Sozialdemokrat" zur Zeit des Sozialistengesetzes, von Zeit zu Zeit an der Spitze die Warnung bringen: Arbeiter, laßt Euch nicht provozieren! Denn der Spitzel geht um, der Euch das Koalitionsrccht, eines Eurer politischen Grundrechte rauben will. Ob es gelingen wird, das freilich wird zum großen Teile davon abhängen, ob der politische Betrug gelingt, den man damit beabsichtigt.__ Der Entwurf des Kommunalabgabcn- Gefetzcs. Eine der ersten Vorlagen, mit denen sich der preußische Land- tag in der nächsten Session zu beschäftigen haben wird, ist der Eni- wurf eines Gesetzes zur Abänderung des Kommunalabgabengesetzes und des Kreis- und Provinzialabgabengesetzes. Soweit sich aus dem im„Reichsanzeigcr" veröffeittlichten Auszug ein Schluß ziehen läßt, handelt es sich auch hierbei wie bei fast allen Vorlagen der preußischen Regierung um Flickwcrk. Anstatt das Gesetz einer wirklichen Reform zu unterziehen, die die seit seinem Hnkraftiretcn verflossenen 20 Jahre wirtschaftlicher Entwickclung berücksichtigt, begnügt man sich damit, an einzelnen Bestimmungen herum- zudoktcru und glaubt wer weiß was getan zu haben, wenn man Industrie und Handel belastet und den Agrariern einige Gefällig- ketten erweist. Um das vorwegzunehmen, was die„Reform" nicht bringt, sei hervorgehoben, daß von einer Sic 11 er e n t l a st u n g der Minderbemittelten nicht die Rede ist. Nach wie vor sollen die Gemeinden verpflichtet sein, alle Einwohner mit einem Einkommen von mehr als 900 Mk. zur Gcmcindceinkommcnsteuer heranzuziehen. Tic Grenze des steuerfreien Existenzminimums bleibt also bestehen. Bedenkt man, daß die preußische Regierung schon im Jahre 1883, also vor 30 Jahren, die Befreiung aller Ein- kommen unter 1200 M. von jeder direkten Steuer unter Hinweis auf die bedrängte Lage der Zensiten der untersten Klassen ge- fordert hatte, bedenkt man, daß die Regierung schon damals aus- drücklich erklärt hatte, daß bei den gegenwärtigen Preisen des Lebensunterhaltes ein so knappes Auskommen nur unter Ein- schränkung wirtschaftlich notwendiger Bedürfnisse das Stcucrzahlen ermögliche, so wird man sich einen Begriff von der sozialpolitischen Einsichtslosigkeit der heutigen Regierung machen können. Inzwischen sind die Preise für den Ledensunterhalt weiter gestiegen, der Wert des Geldes ist gesunken, aber trotzdem werden alle Staatsbürger, die auch nur einen Pfennig mehr als 900 M. im Jahre verdienen, deren Einkommen also noch nicht ausreicht, um auch nur die bescheidensten Bedürsniffe zu befriedigen, nicht nur zur Staats-, sondern auch zur Gemeindeeinkommensteuer heran- gezogen. In England beginnt die Steuerpflicht erst bei 3200 M., aber Preußen marschiert bekanntlch in der Welt voran. Wenn auch nicht auf kulturellem Gebiet, so doch aus dem der Unterdrückung und Belastung der unbemittelten Schichten der Bevölkerung. Aber nicht genug damit, will die Regierung auch den Zustand verewigen, daß die Gemeinden bereits Einkommen von weniger als 900 M. Einkommen, also so geringe Einkommen, daß selbst der Staat auf ihre Besteuerung verzichtet, zur Steuer heranzuziehen berechtigt sein sollen. Einkommen von nicht mehr als 420 M. werden Expedition: SCQ. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. heute von zahllosen kleinen Gemeinden steuerlich ersaßt, die Mög- lichteit dazu bietet ihnen der§ 38 des Kommunalabgabengesetzes. den zu ändern die Regierung keinen Grund einsieht. Um so mehr wird es Aufgabe unserer Vertreter im Treiklassenparlament sein, diese Unterlassungssünde zu geißeln und aus sozialen und Gc- rechtigkeitsgründcn mit allein Nachdruck eine ganz erhebliche Hin- aufrückung der Steuergrenze zu fordern, die die Gemeinden frei zu lassen verpflichtet sein müssen. Der dadurch entstehende Ein- nahmcausfall kann auf andere Weise doppelt und dreifach wcti- gemacht werden. Man ermögliche den Gemeinden endlich die Erhebung von Zuschlägen zur Ergänzungssteucr, und man gestatte ihnen, die Zuschläge, die heute gleichmäßig sein müssen, progressiv nach oben zu gestalten. Das wären Reformen, die einen wirklichen Fortschritt bedeuten uird nicht weniger den Gemeinden als den Ar- bcitern und dem Mittelstände zum Vorteil gereichen würden. Auf die wirtschaftliche Lage der Arbeiter nimmt der Entwurf, wie das in Preußen ja eigentlich selbstverständlich ist, keine Rück- ficht, und den Mittelstand sucht er durch einige Bestimmungen zu ködern, die sich in der Praxis als belanglos erweisen werden. So sollen Filialen auswärtiger Unternehmungen stärker als ein- heimische Gewerbetreibende zur Gewerbesteuer Herangezogen werden können. Das bedeutet ein Zugeständnis an die sogenannten Mittelstandsretter, die durch Filialsteuern und dergl. die ein- heimischen Gewerbebetriebe vor auswärtiger Konkurrenz schützen zu können glauben. Ein völliges Verkennen der Entwicklungs- tendcnzcn unserer Volkswirtschaft! Die answärtigen Unter- nehmungen, die in fremden Gemeinden Filialen errichten, sind dazu imstande, einmal weil sie kapitalkräftiger sind, sodann aber, weil sie es besten verstanden haben, die technischen Fortschritte sich zu eigen zu machen als die oftmals kapitilschwachen und technisch rückständigen Kleiiibetricl>e. Durch Sondersteuern diese Konkurrenz zu beseitigen, ist ein aussichtsloses Beginnen. Das sollte doch selbst die preußische Regierung endlich eingesehen haben. Oder hat sie aus dem Fiasko der Warcnhaussteuer und der Soiidcrbcsteucrung der Konsumvereine noch immer nickits gelernt? Ebenso belanglos wird die Vorschrift bleiben, daß Bauausführungen eines Unter- nehmers in einer fremden Gemeinde, wenn sie länger als sechs Monate dauern, zur Steuer herangezogen werden könne». Zur Abhilfe der Finanznot der Gemeinden schlägt die Regie- rung eine Reihe von Maßnahmen vor. So sollen in Zutiinft der Gemeindeeinkommensteucr nicht nur Bcrggewerkschaftcn unter- worfen sein» sonder» auch andere Bergban betreibenden Vereini- gungen, sofern sie die Rechte juristischer Personen haben, und ebenso Gesellschaften mit beschränkter Haftung, mit Ausnahme derjenigen, deren Einkünfte satzungsgemäß ausschließlich zu gemeinnützigen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Zwecken zu verwenden sind. Auch soll fortab der FiskuS aus den zu Ansiedlungszweckcn ange- kauften Besitzungen oder aus anderen land- oder forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken gemcindcsteucrpslichtig sein. Ein Fort- schritt, dessen Bedeutung man freilich nicht überschätzen darf. Allzu sehr wird der Fiskus nicht bluten. Am heftigsten wird der Kampf voraussichtlich um die Frage der Besteuerung des Grundbesitzes entbrennen. Bisher ist es den Gemeinden völlig freigestellt, ob sie die Grundstücke nach dem Nutzungswert oder nach dem gemeinen Wert besteuern wollten. Ter erste Entwurf sah eine wesentliche Beschränkung dieser Ge- meindesteuerhoheit zugiinsten des dauernd land- oder forstwirtschasi- lichen Zwecken dienenden Grundbesitzes vor, der überall nach dem Ertragswerie besteuert werden sollte. Das war ein Entgegen- kommen gegen die Agrarier und die Grundstücksspekulanten. Wohl durch die scharfe Kritik des preußischen Städictagcs veranlaßt, hat die Regierung diese Bestimmung etwas abgeschwächt, die Bc- stcucrung nach dem Ertragswcrte soll nur noch dann eine zwin- gcnde Vorschrift sein, wenn solche Grundstücke von ihren Eigen- tümern oder deren gesetzlichen Vertretern oder Ehegatten oder ehelichen Abkömmlingen selbst verwaltet werden und wenn der zulctzt für das Grundstück gezahlte Preis nicht höher ist als der Er- tragswcrt. Das ist ein Fortschritt gegenüber dem ersten Entwurf, aber ein Rückschritt gegen den heutigen Zustand, die Regierung sucht hier den goldenen Mittelweg einzuschlagen, und di« Folge wird sein, daß sie nach beiden Seiten anstößt. Schließlich enthält der Entwurf noch eine Reihe von Bcstim- mungen über die Verteilung des gemeindcsteuerpflichtigen Ein- kommens zwischen mehreren Gemeinden. Auch das ist eine heiß umstrittene Frage, deren Lösung großen Schwierigkeiten begegnet. Schwierigkeiten, die um so größer werden, je enger die Wirtschaft- lichen Beziehungen der Gemeinden untereinander sind und je mehr sich die Regierung den Eingemeindungsbestrebungen widersetzt. Bei dem Widerstreit der Interessen wird es im Landtage zu langwierigen Auseinandersetzungen über die Reform kommen. Daß die Mehrheit sich bei dieser Gelegenheit auch der Interessen der Unbemittelten annimmt, ist nicht zu erwarten. Um so mehr wird es die Pflicht unserer Genossen sein, alles daran zu setzen, um dem werktätigen Volke neue Lasten zu ersparen und neue Gefahren von ihm abzuwehren. ssiler Eilig im neuen Schlauch. Aus Paris wird uns geschrieben: Es war weniger ein Vertrauensvotum als eine Be- gnadigung. Mit Herrn Doumergue könnte man sich irgendwo im französischen Süden denken, an einem Kaffeehaustisch, wo Honoratioren politisieren. Ter neue Ministerpräsident hat den lokalen Akzent, den bewährten Phrasenschatz der radikalen Biedermeierei und eine sonnige Liebenswürdigkeit. Sagt er zum zwanzigsten Male:„wir sind wahrhafte Republikaner, entschiedene Republikaner, Republikaner durch und durch", und scheint er schon im Ozean des entfesselten cynischen Ge- lächters verloren, seht er selbst eine so barinlos lächelnde und ehrlich vergnügte Miene auf. daß er alle lauernden Leiden schaften der Opposition bezwingt. Tie Marseillaise des un cnlwegten Icckobimsmus verwandelt sich in ein»Prosit der Genüitlichkeit". Entrüstet können nur diejenigen bleiben, die sich fest darauf verlasseu hatten, daß der Ztadikalismus die neue Ge- legenheit, eine entschiedene Politik im Sinne der Temokratie und der Sozialreform zu eröffnen, beim Schopf nehmen würde und daß die Geburtsstunde des neuen Blockes da sei Mit wohlwolleirder Würdigung der gegebenen Schwierig keiten hätten die sozialistischen Areuirde der Kooperation der Linksparteien die Bedingungen so billig als möglich gestellt Mit einem ganz sanften Versprechen, einer höflichen Verben gung vor dem„Prinzip" der demokratischen Heeresorganv sation hätte sich H e r v 6 begnügt, wenn der gute Wille tvenigstens nr der Abschlagszahlung einer Amnestie siir die Opfer der Soldatendenionstrationen und der Einstellung der politischen Verfolgungen zun: Ausdruck gekommen wäre. Aber nichts von alledem. Oder vielniehr hat das neue Ministerium statt die militärische Iugendnusbildung und die bessere Aus nützung der Reserven zur Ablösung der dreijährigen Tienstzeit vorzuschlagen, wie dies das Programm von Pau fordert, si'e als Zutat, als Verstärkung des Kasernen Militarismus präsentiert. In der Regierungserklärung heißt es ausdrücklich:„unabhängig von der Dienstzeit". Mag sein, daß manche von den Ministern es anders meinen Aber entscheidend ist, was die Regierung sagt. Denn bisher waren Regierungserklärungen immer nur unerreichte Maxima, niemals aber überschrittene Minima des Handelns. Mit dieser Stellung des Ministeriums in der Militär frage war die Stellung der Sozialisten zum Ministerimn ent schieden. Tie Zusagen in bezug auf die Steuerreform waren nichts, was unsere Genossen den Eintritt in die Neutralität untersagt hätte. Tas sozialpolitische Programm ist gleich Null Sticht einmal von der Durchsetzung des Mindestlohngesetzes für die Heimarbeiterinnen und des Zehnstundengesetzes im Senat steht etwas darin. Die Sozialisten haben deshalb dem Kampf zwischen den bürgerlichen Parteien und Klüngeln gleichmütig zugesehen und sich bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum einhellig enthalten. In der Auseinandersetzung zwischen den bürgerlichen Gruppen handelte es sich nicht um grundsätzliche, sondern um Personenfragen. Gewiß wirkte dahinter der alte Gegensatz zwischen der reaktionären, klerikalen Bourgeoisie und den durch die republikanische, antikirchliche Ideologie verbundenen städtischen und ländlichen Klassen. Als Generalanwalt der reaktionären Politik wurde B r i a n d von der Rechten und vom Zentrum begrüßt, aber seine Intervention entsprang einem persönlichen Bedürfnis. Das neue Ministerium hat sich gegen ihn konstituiert und ihm sogar einige seiner Gefolgs lente entführt. Ter Radikalismus des Programms aber schrumpfte zur moralinsaueren Proklamation eines Anti briändismus ein. Briand trat diesem Aechtungsversuch kalt blütig entgegen und nagelte die Radikalen auf ihren eigenen Prinzipienverrat fest. Er besorgte das virtuos, mit unbarm herziger Logik. Daß ein Briand über den Radikalismus Ge richt halten kann, ist schon dessen Verurteilling. Geschichtlich betrachtet ist der Verrat einer Klasse ein weit schwereres Ver brechen als private Lumperei. Aber auch die heuchlerische Tugendhaftigkeit, die nach Briands Stichwort gegen den Finanzier(5 a i l l a u x zu Felde gezogen ist. war ebenso widerlich wie perfid. Wenn der notorisch prostituierte„Figaro" die vaterlandslosen Pläne der nach profitlichen Auslands anleihen lüsternen Großfinanz entriistet denunziert hat und Herr Andrö L e f d v r e gestern als der Sachwalter des Puri- tanismus der Kontermine auftrat, war das für die Sozialisten kein Anlaß, sich mit der sich erbrechenden bürgerlichen Tugend an einen Tisch zu setzen._ politifche Gebcrncht. Der Wehrbeitrag. Riifang November hat der Bundesrat eine Verordnung über die Veranlagung deö Wehrbcitrages erlassen. In einzelnen Bundesstaaten sind hierzu in der Zwischenzeit noch besondere Ausführungsvorschriften ergangen; in anderen Staaten steht der Erlaß solcher Vorschriften noch aus. Die Veranlagung zum Wehrbeitrag schildert Regierungsrat B u ck in der„Deutschen Juristen-Zcitung" unter Zugrundelegung dieser Ausführungs- Vorschriften, besonders der preußischen, in folgender Weise: Die Veranlagung deS Wehrbeitrages und die Verständigung mit den anderen Bundesstaaten erfolgt durch Aufstellung von Liste». In die Wehrbeitragsliste sind alle natürlichen subjektiv steuerpflichtigen Personen aufzunehmen, von denen zu vermuten ist, daß sie ein Vermögen von mehr als 10 000 M. oder Einkommen von mehr als 5000 M. haben. Für die Zu- ständigkeit der Bundesstaaten zur Veranlagung und Erhebung deS Wehrbeitrages sind matzgebend die Wohnsitz- und Aufenthalts- Verhältnisse deS Beitragspflichtigen am 31. Dezember 1S13, wobei in Preutzen die Einkommensteuer- Veranlagungs- kommissionen für die Veranlagung bestimmt sind. Stellt sich heraus, daß ein Beitragspflichtiger in mehreren Bundesstaaten oder Veranlagungsbezirlen Vermögen oder Einkommen besitzt, so hat die zuständige Veranlagungsbehörde die in den Bundesstaaten be- sindlichen Vermögensteile zum Zwecke des Wehrbeitrages vom Vermögen zusammenzurechnen. Eine Zusammenrechnung der in den Bundesstaaten befindlichen Einkommensteile ist im Wehrsteuer- gesetz nicht vorgesehen, aber durch§ 42 BundeSralsvcrfassung den Behörden zur Pflicht gemacht. Bermögen, die den Betrag von 10 000 M. nicht übersteigen. sind, steuerfrei, ebenso Einkommen unter EiOOO M., wobei als Ein- kommen daS gesamte(eventuell aus mehreren Bundesstaaten zu- sammengerechnete) Einkommen eines Steuerpflichtigen gilt, einerlei, ob eS in einem Bundesstaat laudessteuerpflichtig ist. Als Einkommen im Sinne des Wehrbeitrages gilt dasjenige steuerpflichtige Einkommen, daS für das Steuerjahr 1314 veranlagt wird. Dabei gilt als für die Bemessung deS Wehrbcitrages maßgebend das niedrigste Einkommen derjenigen Steuerstufe, iu der der Beitragspflichtige zur Einkommensteuer veranlagt ist. Steuer- ermätzigtzngeu auf Grund besonderer Bestimmungen in den Ein- kommensteuergesetzen, z. V. Kinderprivileg usw., bleiben außer Betracht, der Wehrbeitrag wird also vom ungekürzten Einkommen erhoben. Besondere Bestimmungen sind getroffen, wenn Vermögen und Emkommen aus Vermögen zusammentreffen, indem hierbei zur Vermeidung der Doppelbesteuerung ein Betrag von 6 Proz. als wahrscheinliche Verzinsung des Vermögens abgezogen wird. Tic preußische Ausführungsanweisung gibt u. a. hierfür folgendes Beispiel: E. hat 12S00 M. Kapitalvermögen und ist zur Einkommen- steuer nach einem Einkommen von 5300 M. veranlagt. Auf den abgerundeten Betrag von 12 000 M. entfällt ein Wehrbeitrag von 18 M. Zur Ermittelung des Wehrbeitrags find zunächst 5 Proz. des wehrbeitragspflichtigen Vermögens— 600 M. von dem Ein- kommen von 5000 M. abzuziehen. Das verbleibende Einkommen von 4400 M. ist nach dem Tarif mit 1 Proz. wehrbeitragspflichtig. obschon eS nach der Kürzung 5000 M. nicht übersteigt. Der Wehr- beitrag vom Einkommen beträgt sonach 44 M. Der Gesamt- Wehrbeitrag stellt sich auf 18 M.-s. 44 M.— 62 M., er ist au' drei Jahresbeiträge von je 20 M., mithin auf 60 M. abzurunden. Bei der Veranlagung des Tehrbeitrages werden nicht die Bermögen der Angehörigen des Beitragspflichtigen zusammen gezählt, Das Vermögen der Kinder wird eventuell gesondert zum Wehrbeitrag herangezogen. Als Frist für die Abgabe der Ver- mögenSerklärungen ist in Preußen die Zeit vom 4.— 20. Januar 1914 bestimmt. Spätestens am 15. Dezember soll die Veranlagung� kommission die öffentliche Aufforderung zur Abgabe der Ver- mägenSerklärungen erlassen. Ein formelles Verfahren zur Er örterung der Bermögenserklärungen ist nach dem Gesetz nicht vor geschrieben. Die VeranlagungSkommisfion kann ohne VerHand lungen daS Vermögen und Einkommen anders annehmen, als es der Steuerpflichtige angegeben hat. Gegen die Veranlagungs- und Feststellungsbescheide steht die Berufung und gegen deren Entscheidung die Beschwerde an die oberen Instanzen zu. Ohne Religionsunterricht keinen Pfennig! Die westfälischen Provinzialbehörden sind in letzter Zeit in dem Bestreben, dem Staatsgesetze über die ländlichen Fortbildungsschulen Geltung zu verschaffen, auf hartnäckigen Widerstand gestoßen. In den Aussührungsanweismigen zu diesem Gesetze heißt es,„daß die Einfügung von Religionsunterricht in den Lehrplan der ländlichen Fortbildungsschulen nicht zulässig ist". Dem sind die Provinzial behörden gefolgt und haben versucht, entsprechende Beschlüsse in den Gemeinden zustande zu bringen. Aber das Zentrum in Westfalen sagt:„Nein! so etwas gibt eS bei uns nicht. Die religiöse Erziehung mag zehnmal gesichert sein, wir wollen den Kaplan in der Schule wissen I" Dagegen hat nun der O b e r p r ä s i d e n t in den letzten Wochen und Monaten mit Güte anzukämpfen versucht. Ein Erfolg ist ihm, besonders nach den programmatischen Kundgebungen einiger Zentrumstagungen nicht beschieden gewesen. Die Durchführung des Ge> setzes läßt infolgedessen dort, wo das Zentrum herrscht, auf sich warte». Neuerdings kommen auch die Kreistage dem Zentrum zu Hilfe. So kann das„Wests. Volksblatt" in Paderborn berichten, daß der Kreistag des Paderborner Kreises„nahezu einstimmig" folgende Entschließung angenommen hat: „Der Kreistag hält die Einführung des obligatorische» Reli gionsunterrichts in den Lehrplan der ländlichen Fortbildung«- schulen sür durchaus erforderlich. Der Kreistag ist daher zunächst nicht in der Lage, den Gemeinden des diesseitigen Kreises Beihilfen zur Errichtung von ländlichen Fortbildungsschulen zu bewilligen, so lange nicht die in kurzem zu erwartende K l a r st e l l n n g bezüglich des Religionsunterrichts erfolgt ist. DaS Bischofsblatt schreibt dazu: „Wir zweifeln nicht, daß der Kreistag mit diesem Beschluß der ganz überwiegenden Mehrheit der Kreiseingescssenen aus der Seele gesprochen hat, indem diese den Religionsunterricht gerade für die 14 bis 18 jährigen Jünglinge als. das wesentliche Erziehungsmittel betrachtet, ohne welches das bloße Wissen nicht zu einer gedeihlichen EntWickelung führen kann. Ein charakteristischer Vorgang: Die oberen Provinzialbehörden lehen um des Gesetzes Erfüllung mit der Andeutung, daß sich ja doch alles schon finden werde; aber die vom Zentrum beeinflutzten Gemeinden und Kreistage sperren kurzerhand die Temporalien und pochen darauf, daß die.„ K l a r h e i t in kurzem zu er« warten" ist. Was unter dieser Klarheit zu verstehen ist, braucht nicht ausgeführt zu werden; und man kann gespannt darauf sein, ob etwa nun die allgemeinen preußischen Ausführungsbestimmungelt auf das Kommando des westfälischen Zentrums geändert werden. Giesberts Lob. Den christlichen Gewerkschaftsführer GieSbert-, der in der„Köl- nischen VolkSzeitung" für verschärfte Strafbestimmungen gegen die Auswüchse des Koalitionswesens" eintritt, hat sein Schicksal rasch ereilt. Freudig bewegt spendet ihm die„Kölnische Zeitung" ihr Lob. Mit Recht nimmt die«Kölnische Zeitung" die nebenher erfolgte An- kündiaung deS Herrn Giesberts, daß die Gelverkschaftschristen„Ab- wehrmaßnahmen" ergreifen werden, wenn die Gesetzgebung gar zu 'charf wird, nicht ernst. Sie schreibt spöttisch: Wenn man von dem Borbehalt im letzten Satze absieht,(Das sind die„Abwehrniatznahmen". D. Red.) der offenbar nur g e m a ch t i st, u ni s i ck, f ü r a l l e F ä l l e d i e H a n d frei- z u h a l l e ii, darf der Reichskanzler mir dieser Aufnahme zufrieden sein. Sie ist allerdings deshalb besonders freund- l i ch, weil Herr Giesberts die paritätische Anwendung neuer Bc- stimmungen gegen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen erwartet. Das ist ganz selbstverständlich, und gerade von der Ratio- nalliberalen Partei wissen wir, daß sie den Terrorismus von Arbeit- gebern, die den Arbeitern wegen ihrerZugehörigkeit zu O rganisationen Schwierigkeiten macken, gerade so verurteilt, wie die Bedrohung Arbeitswilliger durch organisierte Arbeiter. Wenn deshalb die Ankündigung des Reichskanzlers den nichtsozialdemokratischen Arbeitern die Gewißheit gebracht bat, daß eS sich nicht um eine Beeinträchtigung des KoalitionSrechlö handelt, sondern um eine Abstellung schwer cinpfundener Mißstände, so können wir n, i t der E n t w i ck e I u n g zufrieden sein und die sozialdemokratischen Einwendungen, nach denen die Erklärungen des Kanzlers„ein Entgegenkommen gegen die Scharfmacher" sind, auf sich beruhen lasten. Die Scharfmacher sind also mit der„Entwicklung" der christlichen Gewerkschaften zufrieden. Hand in Hand mit den christlichen Arbeiter- ührern wollen sie„schwer einpftnidene Mißstände" abstellen. Auf dem deutschen Arbeiterkongreß haben die GieSbertS und Konsorten die uneittwegten Verteidiger des Koalitionsrechts gemimt; jetzt beginnen sie schon mit dessen schlimmsten Feinden freundschaftliche Händedrücke zu wechseln. Damit eröffnet sich die traurige Aussicht, daß wir christliche„Arbeiiervertreter" auch bei den Anschlügen auf daS Koalitionsrecht in den Reihen der Arbeiterfeinde finden werden, wie äe ja auch bei der ReichsverficherungSordnung geholfen haben, die Interessen der Arbeiter niederzutreten. Ter Kronprinz als Generalstäbler. Ter Kronprinz ist plötzlich vom Kommando der Lcibhusarcii enthoben und in dcn großen Gcneralstab versetzt worden. Daß es äch um eine plötzliche Versetzung Handell, gehl deutlich daraus hervor, daß die vom Kronprinzen bewohnte Villa in Langfuhr erst kürzlich von, Hofmarichallaint auf weitere Zeit, nämlich bi« zum Herbst 1914, gemietet worden ist. Liberale Blätter behaupten, daß man den Kronprinzen in eine andere Umgebung bringen wolle. Moralhsld en. Vor einigen Tagen hatte das zahlungsfähige Publikum Kölns eine Sensation: Mäxchen Haiden, in tadellosem Gcsellschastsdreß, gab eine zweistündige Borstellung und ließ die Seifenblasen seiner verschrobenen Anschauungen lustig tanzen. Ans seinen Geist- rcichelcien verdient ein Satz festgehalten zu werden: „Man mutz lügen, viel mehr lügen im In- terresse des Reiches." Die eleganten Zuhörer und Zuhöreriunen nahmen diese Weisheit, die der Herausgeber der„Zukunft" in langjähriger Ar- bcit erworben hat, entzückt hin. Tie„Kölnische Volkszeitung" dagegen(Nr. 1072) ist ob dieser Verwilderung im heiligen Köln batz erschrocken und donnert deshalb kräftig aus der schwarzen Moralpauke herum: Mit voller Entschiedenheit und mit voller Entrüstung mutz daher Hardens Satz zurückgewiesen werden, nicht nur von christ- lichem Boden aus, sondern vom Boden der natürlichen Moral und vom Boden der Interessen des Reiches! Eine Moral mit doppeltem Boden, eine Moral für die Po- litik, eine andere Moral für das Privatleben, eine andere für die Großen und eine andere für die Kleinen, das kann und darf es nicht geben. Wer eine solche Moral konstruiert, liefert damit Wasser auf die Mühle des Umsturzes und verwirrt die besten Kreise des deutschen Volkes in ihrem natürlichen sittlichen Empfinden. Wir sind so frei, zu diesem Wasserliefermiten auf die Mühlen des Umsturzes auch das fromme Zentrum und seine Presse zu rechnen. Sic verstehen die Lügenthcorie Hardens allezeit in die Praxis umzusetzen. Wünsche der untere» Beamten. Tie Vorstände der Organisationen der unteren Beamten haben in Berlin eine Versammlung abgehallen und oer neugegründeten „Sozialen Arbeitsgemeinschaft der unteren Beamten" nahegelegt, darauf hinzuwirken: 1.| Daß seitens der gesetzgebenden Itörperschaften im Reich und in Preußen unverzüglich die erforderlichen Schritte unter- nonimen tverden, um die infolge andauernder Teuerung außerordentlich drückend gewordene wirtschaftliche Lage der un- teren Beamten noch im kommenden Etatsjahre durch eine No- velle zum Besoldungsgesetz ausreichend zu verbessern. 2. Daß eine baldige Revision der Gesetze über den W o h n u n g s g c l d z u s ch u tz im Reich und in Preußen durch- geführt und dabei die Wohnungsverhältniste und das erhöhte Wohnbedürfnis der unteren Beamten und ihrer meist zahlreichen Faiiiilicn besonders berücksichtigt werde. Außerdem ist der ver- hältnismäßig höhere Mietauftvand für die kleineren Wohnungen der unteren Beamten in einer entsprechend erhöhten Bemessung des Wohnungsgeldes zum Ausdruck zu bringen. 3. Daß die Bestimmungen über das ArbeitSmaß, die Dienst- und Ruhezeiten und den Erholungsurlaub im Wege ge- setzt icher Vorschriften zeitgemäß geändert werden. 4. Daß ein den heutigen Zeitverhältnissen angepaßtes ein- h e i t l i ch e s B e a in t e n r c ch t geschaffen werde, daß vor allem lebenslängliche Anstellung für alle unteren Beamten und Ab- schaffung der Arreststrafe bringt. Reichstagsersaüwahl in Offenburg-Kehl. Eine am Sonntag in Offenburg ftattgcfundene KreiSkonkerenz des 7. badischen ReichstagSwahlkreises stellte einstimmig als Kandi- daten der Sozialdemokratie den Genossen Geiler, Redakteur in Mül- Hansen i. Elf., auf. Der frühere Vertreter des Kreises, Oekonomie- rat Schüler, hat die ihm vom Zentrum angebotene Kandidatur nach anfänglichem Weigern wieder angenommen. Die Liberalen habe« bekanntlich Stadtrat Kölsch-Karlsruhe wieder aufgestellt. Gegen die Militärdiktatur. Eine Protcjtvcrsammluiig der Fortschrittlichen Volkspartei gegen das preußische Säbclregiment nahm in Düsseldorf einen stürmischen Verlauf. Referent war der clsaß-lothringische Landtagsabgcordnete Wolf-Straßburg. Die Alldeutschen traten nach Essener Rezept außerordentlich provokatorisch auf. Von dem sozialdemotratischen Diskussionsredner wurde an Stelle der etsaß- lothringischen Frage die Vcrfassungsfrage in dcn Vordergrund ge- rückt und der„Fortschritt" um eine unzweideutige Stellungnahme ersucht. Darauf erklärte der frühere ReichsiagSabgeordnete Tr. Heinz Potthoss unter dem Beifall der Versammlung, daß der RcichStttz nur eine Antwort auf die Rechtfertigung der militärischen Willtür- alle durch dcn Kriegsminister haben könne, indem er den Militärctat ablehne. Schließlich genüge aber auch schon, wenn man dem Kriegsminister das GeHall verweigere!— DaS Zentrum, die stärkste bürgerliche Partei im Düsseldorfer Kreise, schwieg sich in allen Tonarten aus! »che» vor der Oeffentlichkeit! Unter dem Vorsitz des Oberstleutnants Eden verhandelte am Montag daS Kriegsgericht der 2. Gardedivision gegen zwei Offiziere und einen Wachtmeister. Angeklagt waren der H a u p I Nt n n n Sootmann vom Telegraphenbataillon Nr. 5, Leutnant Burckhardt vom Telegraphenbataillon Nr. 4 und Wacht- in e i st e r Frisch von dem gleichen Truppenteil. Die Ver- Handlungen wurden unter strengstem Ausschluß der Leffent« lichkeit' durchgeführt. Noch vor Verlesung der An- klage beantragte der Vertreter der Anklage den Ausschluß der Oeffentlichkeit. Das Gericht beschloß, für die ganze Dauer in nichtöffentlicher Sitzung zu verhandeln, weil eine Gefährdung der militärdienstlichen Interessen zu befürchten sei. Die Vorgänge, die der Anklage zugrunde liegen, haben sich während der letzten Herbftmanöver in Wernsdorf zugetragen. ES waren auch mehrere Zivilzeugen, darunter der Gemeindevorsteher von Wernsdorf geladen. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde folgendes Urteil in öffentlicher Sitzung ver« kündet: Der Angeklagte Hauptmann Sootmann wird unter Frei- sprechung von der Anklage im übrigen wegen Achtuiigsverletzung zu drei Tagen Stubenarrest verurleilt. Die Angeklagten Leutnant Burck« bardt und Wachtmeister Frisch werden von der Anklage der Un- botmäßigkeit freigesprochen. Auch die Begründung des Urteils erfolgte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Geistig mindertvertig und doch reif für das Gefängnis. Selten wird wohl ein Urteil so den Widerspruch heraussordcru und Aufsehen erregen, als wie das vom Breslauer Kriegsgericht gegen den Musketier B l a u w o ck vom 63. Infanterieregiment in Oppeln gefällte. Am 16. Juli kam Blauwock von Festung, wo er wegen Fahnenflucht eine Strafe verbüßt hatte, zu seinem Truppen- teil zurück. In der Nacht vom 23. zum 24. Juli desertierte er abermals, nur mit Hemd, Unterhose und Pantoffeln bekleidet. Aus einem Neubau stahl er sich Kleidungsgcgcnstände und fuhr dann mit der Eisenbahn als blinder Passagier nach Oberschlesieii, wo er sich durch cineit Schaufenstercinbruch Nahrungsmittel ver- schaffte. Wegen dieser neuen Delikte wurde Blauwock abermals vor das Kriegsgericht gestellt. Hier machte er zu seiner Entschuldi- gung geltend, daß er in der fraglichen Nacht unter schweren Kopfschmerzen gelitten habe und er nicht wisse, wie a s über ihn gekommen sei. Da auch sonst Zweifel an der Z u r c ch n u n g s f ä h i g k e i t des angeklagten Musketiers, der einen stupiden Eindruck macht, auftauchten, wurde er von militärischen Sachverständigen untersucht und beobachtet. Die Ermittelungen ergaben, daß Blauwock schon als Schüler gegenüber den anderen z u r ü ck b l i e b. Später unternahm er unstäte Wan- derungcn durch ganz Deutschland und im Auslande, wobei er wiederholt mit den Behörden in Konflikt geriet. Weiter stellten die militärischen Sachverständigen fest, daß B. einer notorischen Trinkerfamilie entstammt, erblich belastet ist und von Jugend an menschenscheu war und zu Sonder- barkeiten neige. Seine Vorgesetzten bezeichnen ihn als ein«« Menschen, der willig sei und sich g r n ß e JD! ii h c gebe, die ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen. Bon den sachverständigen wird 58. für n i cht normal gehalten, fondern für eine Person. die bei Begehung der Tat unter Zwangsvorstellungen gehandelt habe, aber dennoch für sein Tun verantwortlich(!) sei. Mit Rücksicht auf den schweren Krankheitszustand empfahlen die sachverständigen aber eine milde Strafe. Wahrscheinlich auf Ärund dieser Gutachten beantragte dann der Anklagevertreter auch„nur" 2 Jahre und 1 4 Tage Gefängnis. 4 Jahre Ehrverlust und Versetzung in die 2. Klasse. Das Gericht erkannte auf die schwere Strafe von 1 Jahr und 14 Tage Gefängnis! Wegen angeborener geistiger Akinderwertig- k e i t ist der Verurteilte auf Verfügung des Generalkommandos inzwischen als dien st unbrauchbar vom Militär cnt- lassen worden, aber trotzdem wurde er für seine Taten voll verantwortlich gemacht und hart bestraft. Wer vermag das Rätsel zu lösen?_ Der deutfche General in KcrnTtantinopd. Die Türkei hat den General Li in an V. Sanders für fünf Jahre in ihre Dienste genominen und ihm das Kam- mando des I. Armeekorps, das in Konstantinopel liegt, über- tragen. Dagegen hat die Tripelentcnte, wie kürzlich mitgeteilt. durch ihre Botschafter protestiert. Namentlich die russische Presse führt eine scharfe Sprache und erklärt, daß die lieber- tragung des Kommaudos von Konstantinopel an einen deutschen General die Aufhebung der Freiheit der Dardar- nellenstraße bedeuten könne. Im Ganzen macht die Erregung aber einen etwas gekünstelten Eindruck und wird wohl nur zu dem Zwecke inszeniert sein, der armen Türkei unter dem Titel „Kompensationen" weitere Zugeständnisse an die Mächte der Tripelentente zu erpressen._ Portugal. Sozialistische Gemeindewahlsiege in Portugal. Bei den Gemeindewahlen vom 7. Dezember haben die Sozia- listen zum erstenmal in mehreren Städten ihre Vertreter durch- gebracht. Wie die Lissaboner„Arbeiterstimme� meldet, wurden in Porto, der grossen Handelsstadt Nordportugals. 11 Sozialisten ge- wählt. In Covilha erhielt die Partei die absolute Mehrheit und siegte noch in einer Reihe anderer Gemeinden. England. Polizeibrutalitäteu gegen die Suffragette». London. IS. Dezember. Gestern abend kam eS im Arbeiter- viertel Eastend zu einem Z u s a m m e n st o h zwischen Polizei und Anhängern des F r a u e n st i m in r e ch t s. Eine Menge von 200 Personen versuchte vor den Häusern der Stadträte, die den Anhängerinnen des Frauenstimmrechts die Benutzung eines städtischen Saales verweigert hatten, eine Kundgebung zu veranstalten. Die Polizei forderte die Menge auf, die Strasse zu räumen. Trotzdem begann eine Frau, eine Rede zu halten. Darauf griff Polizei zu Pferde und zu Fuss die Menge an. Die Menge flüchtete sich unter Schreckensrufen. In der Dunkelheit wurden mehrere Frauen und Kinder mit Füssen getreten, es wurde jedoch nienrand ernstlich verletzt. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Strasse ist bedeckt mit zerrissenen Fahnen, Hüten, Stöcken und anderen Trümmern. Dolland. Arbeiterschutzpläne in Holland. In der schriftlichen Antwort auf den Scklionsbericht über seinen Etat hat der holländische Arbeitsminister T r e u b auf Drängen der Sozialdemokraten einige Mitteilungen über seine Pläne zur Arbeiter- schussgesetzgebung gemacht. Er kündigt ein Gesetz zur Ein- schränkung der Arbeitszeit für sämtliche erwachsenen Arbeiter an, scheint aber damit keine sehr radikalen Massnahmen zu beabsichtigen, denn er erklärt schon jetzt, dass er mit der inter- nationalen industriellen Konkurrenz zu rechnen habe. Ein be- sonderes Gesetz wird die Nachtarbeit in den Bäckereien abschaffen und damit eine Reform bringen, die schon ver- einzelt vergeblich in der Volksvertretung zu verwirklichen versucht wurde. Auch eine gesetzliche Regelung der Hausindustrie wird zu- gesagt, wobei aber ein Lohnminimum nur insofern' gesetzlich vor- geschrieben sein soll, als es notwendig erscheint, um gewisse Formen der Hausindustrie zu beseitigen. Der Minister beabsichtigt schliesslich, die Arbeit für Frauen und jugendliche Personen in den Spinnereien und Webereien am Sonnabendnachmittag zu verbieten. Mexiko. Tie Niederlage der Rebellen. Mexiko, 15. Dezember. Nichtamtliche Depeschen bestätigen die Nachricht von der N i e d e r l a g e der A u f st ä n d i s ch e n bei T a in p i c o. Tie Aufständischen haben alle Lokomotiven und Wagen der Eisenbahn mit sich genommen. Die Bundes- truppen berichten, daß 800 Aufständische getötet worden sind, ehe sie sich ans deni Feuerbereich der Geschütze retten konnten. Es wird keinerlei großer Sachschaden gemeldet. Raub und Mord. New Jork, IS. Dezember. Nach einer Depesche aus El Paso, welche die Berichte amerikanischer, deutscher und spanischer Flächt- linge wiedergibt, ist General Villa tatsächlich unbeschränkter Machthaber von Chihuahua. Er weist die Forderungen der Vertreter des Auslandes zurück und hat sich des Eigentums der Ausländer, das auf S Millionen Dollar eingeschätzt wird, bemächtigt. Ausserdem hat er zwanzig Mexikaner hinrichten lassen. Zu dem beschlagnahmten Eigentum gehört auch ein Depot, dessen Zllcrt auf 1 SOO 000 Dollar geschätzt wird. Es gehört deutschen, englischen, französischen und spanischen Inter- essenten. Andere Depots, welche Spaniern gehören und einen schätzungsweisen Wert von 3 SOO 000 Dollar darstellen, sind eben- falls beschlagnahmt worden. General Villa hat die Kaufleute aller Nationen wissen lassen, dass sie grosse Summen zur Unterstützung der Rebellen zu zahlen haben./ Hiid der partcü Anatole Franre über den Sozialismus. . London, 12. Dezember.(Eig. Ber.) Anatole France, der größte Schriftsteller Frankreichs, weilte in den letzten Tagen in London, wo ihm von der ganzen Bevölkerung ein überaus herz- licher Empfang bereitet wurde. Am 11. Dezember sprach er in einer von der Fabischen Gesellschaft anberaumten Versammlung, in der auch die Genossen S h a w, H y n d m a n und KeirHardie das Wort nahmen. Ter französische Meister, der sich seit Jahren zum Sozialaisinus bekennt, und öffentlich für ihn eintritt, hielt eine Rede über den Sozialismus, die Gefahren des Militarismus und die Nutzlosigkeit de» Krieges. Wir wollen hier einige Stellen aus der Rede zitieren. Anatole France sagte unter anderem:„Als Sozialist freue ich mich, diesen Abend unter Sozialisten zu weilen. Ich bin schon seit einer Reihe von Jahren Sozialist und werde mit jedem Tage mehr Sozialist. Ich bin Sozialist, weil der Sozialismus die Ge- rechtigkeit ist; ich bin Sozialist, weil der Sozialismus die Wahrheit ist; der Sozialismus wird aus dem Lohnshstem so unvermeidlich hervorgehen, wie das Lohnsystem der Leibeigenschaft folgte. Man kann den Fortschritt des Sozialismus verneinen, doch nur weil die meisten Menschen den Bestand dessen verneinen, wovor sie sich fürchten." „Wenn wir auf dem Festlande gegen diese oder jene Menschen- gruppe kämpfen, muß man nicht denken, wie manche Ihrer Lands- leute zu denken geneigt sind, daß dies ein Kamps gegen Personen ist, den wir führen: es ist ein Kampf für eine Idee. In England glauben viele, daß die politische Partei, die die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit in Frankreich verursacht hat, nur die nationale Sicherheit im Auge hatte, aber wir wissen recht gut, dass die Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit in Frankreich weit mehr durch Erwägungen sozialer Art als durch Gedanken über die Verteidigung gegen fremde Nationen herbeigeführt worden ist; sie bildet einen ersten Versuch zur rückschrittlichen Organisation der Gesellschaft; sie richtet sich wenigstens ebenso sehr gegen das französische Proletariat wie gegen mögliche Eindringlinge; sie gilt ebensosehr unserer Arbeiterföderation wie der Lücke in den Vogesen, dio den militärischen Durchbruch ermöglicht. Wenn diese reaktiv- nären Minister und klerikalen Abgeordneten, diese Geschäfts- männer, die zurzeit die Geschicke unseres Landes leiten, wirklich um die nationale Verteidigung besorgt gewesen wären, so würden sie eher alles andere vorgeschlagen haben als die Rückkehr zu den Berufsheeren, deren Unzulänglichkeit wohlbekannt ist. Sie würden sich an die lebendige Kraft der Demokratie gewandt haben, sie würden ein Volk in Waffen, die gröhte und einzige Zuflucht eines freien Landes, geschaffen haben. Aber das lag unseren Herr- schendeu nicht am Herzen. Sie wünschten das Land nur zu mili- tarisieren, um es leichter regieren zu können. Anderseits haben wir englischen, deutschen und französischen Sozialisten zusammen ein gemeinsames Ideal, einen gemeinsamen Willen, und das ist der Wille zum Frieden. Dass zwischen Deutsch- land und Frankreich eine sentimentale Abneigung besteht, und dass zwischen Deutschland und England eine wirtschaftliche Rivalität besteht, leugnen wir nicht; aber wir leugnen, dass es zwischen diesen drei grossen Nationen einen fundamentale», unversöhnlichen Gegen- satz gibt. Wir verlangen deshalb, dass aller Feindschaft zwischen ihnen ein Ziel gesetzt, und dass alle Feindseligkeit aus der Welt geschafft wird. Ter Krieg würde heute nichts mehr entscheiden. Die Zeiten sind dahin, als der Eroberer das besiegte Volk zerstören und es in die Sklaverei stossen konnte. Ein Krieg würde fortan ein nutzloses Unheil, ein vergebliches Verbrechen sein." Toicnliste der Partes. Zum Tode des Genossen Riem wird uns noch aus Dresden geschrieben: Am Sonnabend abend gegen 7 Uhr ist Landtagsabgeordneter Genosse Riem im Johannsiädter Krankenhause in Dresden an Herz- und Nervenschwäche gestorben. Er war seit 1900 Redakteur des Dresdner Parteiblattes, seit 1909 sächsischer Landtagsabgeordneter. Der Verstorbene stand in den ersten Reihen der Bewegung und war in ihr ungefähr 20 Jahre tätig. Vor einer Woche besuchte er noch die Sitzungen im Landtag. Sein Zustand verschimmelte sich schnell, sodass Riem fast hoffnungslos am Mittwoch voriger Woche in das Krankenbaus gebracht werden mußte. Der Verstorbene war auch viele Jahre im Vorstand der OrtS- krankenkasse, eine Zeit lang erster Vorsitzender der Parteiorganisation des Wahlkreises Dresden-Altstadt. Er vertrat in der Zweiten Kammer den 8. ländlichen Wahlkreis(in der Lausitz), wo er 190S unter dem neuen Wahlrecht in der Stichwahl mit Hilfe des kleineren Teiles der Freisinnigen gewählt wurde. Im Parlamente beteiligte er sich mit Geschick an den Arbeiten in den Kommissionen und im Plenum, er gehörte zu den häufigeren Rednern der Fraktion. R. war von Beruf Schriftsetzer. Nach Dresden kam er anfangs der 90er Jahre von Würzen, wo er am dortigen Parteiblatt tätig war. In Dresden war er zunächst als Schriftsetzer, dann als Korrektor tätig; 1900 wählte ihn die Presskommission auf eine neue Redakteur- stelle. Auch als Versammlungsrcduer und Agitator war der ver- storbene Genosse sehr tätig, und als solcher in ganz Sachsen bekannt. Die Partei übertrug ihm wiederholt Delegationen und andere Ehrenämter und auch auf den Ortskrankenkassen-Kongressen war er eine bekannte Persönlichkeit. Der Tod hält reiche Ernte unter den Dresdener Genossen. Kaum ist Heimann vor einigen Tagen in seine Gefilde gegangen und vor einigen Monaten August Kaden— dessen Aschenreste am Sonntag beigesetzt wurden— und sckion wieder mutzte einer unserer Besten sein Leben, noch nicht 46 Jahre alt, beschließen. Die Ge- nassen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Vom Rückgang der Sozialdemokratie. In Nürnberg wurde eine Hausagitation für den sozialdemokratischen Verein veran- staltet.' Trotz der Krise, die besonders schwer auf der Nürnberger Arbeiterschaft lastet, konnten rund 1600 Neuaufnahmen erzielt werden. Wieder ein Beweis dafür, daß die Sozialdemokratie den „Krebsgang" geht._ Huq Industrie und f>andeL KriegSschiidiguugen. Das kaiserliche Konsulat in Saloniki be- richtet: Der Abschluß des Friedens zwischen Griechenland und der Türkei Mitte November hat die Geschäftslage in Salonik nicht erheblich verbessert. Die Unsicherheit über die Neuorganisation des griechischen Mazedoniens, über Veränderungen im Zollwesen und Grenzverkehr und damit über die Möglichkeit, die Handels- Verbindungen nach den wichtigen Plätzen des früheren Hinter- lande?, namentlich nach UeSkiib, jetzt Skoplje, und Monastir in Neuserbien, tvieder aufzuncbmen und aufrecht zu erhalten, ist bestehen geblieben und der Bahn- und Schiffahrlsverkehr. besonders der erstcrc. bereitet dem Handel noch grosse Schwierigkeiten. Die Lust zu bestellen fehlt für Ware», deren Absatz, besonders nach dem Innern de§ Landes und über die neuen Grenzen, nicht sicher ist. Die Aussichten sür den Export nach Salonik haben sich für die nächste Zeit entschieden verschlechtert infolge der neuen Gebiets- Verteilung, der Verarmung und Auswanderung eines grossen Teiles der Bevölkerung. In Serbien werden grosse Anstrengungen gemacht, damit die Kaufleute im neuerworbencn Gebiet ihre Waren aus Belgrad beziehen._____ Soziales. Vom Kornwalzer zur Abortinspektiou. Im Zünderbetricb der Kruppschen Fabrik ist, wie die Essener„Arbeiterzeitung" berichtet, anlässlich der Jnbetrieb- setzung einer neuen Abortanlnge ein besonderer Abortwächter eingestellt. Ihm ist die„Wohlfahrtsaufgabe" zugefallen, darauf zu achten, daß die Arbeiter sich— nicht zu lange in dem Abort aufhalten und daß sie während der Verrichtung ihres Bedürfnisses eine aufrechte Haltung einnehmen. Gewissenhaft waltet der Abortwächter seines Amtes, die Einheitszeit und einheitliche Haltung für die Geschäfte des verschwiegenen Orts zu kontrollieren. Er überwacht auch, ob nicht„gemogelt" wird. Zu diesem Ztveck überzeugt er sich„von hinten" durch Aufheben der Jacken, ob auch durch Abknöpfen der Hosen dem „Ernst der Situation" hinreichend Rechnung getragen ist. Die Gewissenhaftigkeit des Klosettwärters hat viele Meldungen zur Folge. Die Meldungen— Ordnungsstrafen. So wurde ein Arbeiter wegen Lesens im Abort mit Strafe belegt. Er beschwerte sich und ihm wurde vom Betriebssührer bedeutet, er hätte durch seine Körperhaltung nicht den Anschein erwecken sollen, als ob er lese. Krupp ist dem römischen Kaiser Vespasian(regierte 69—79) weit über. Vespasian hatte eine Steuer auf Anstalten� zur Befriedigung leichterer Bedürfnisse gelegt. Sein Sohn Titus hielt ihm vor, das sei doch anrüchig. Da hielt der sparsame Vater dem geruchsempfindlichen Sohn das erste aus der Steuer eingekommene Geld mit der F��gc vor die Nase, ob es röche. Die Antwort nern olet(es riecht nicht) ist zum ge- flügelten Wort geworden. In Frankreich nennt man zur Er- inncrung an diese merkantile Fähigkeit des Kaisers die Be- dürfnisanstalten noch heute Vosxnsisnnss(sprich: Wespasienn). Krupp ist dem Vespasian über. Er inünzt Geld aus der Haltung und aus der Länge der Zeit, die beim Abprotzen schwerer Geschosse verwendet ist. Däs riecht nicht mehr, das stinkt zum Himmel. Die Auferlegung von Ordnungsstrafen und die Kontrolle sind grobeVerstöße gegen die guten Sitten. Nach§Z 134b und c der Gewerbeordnung wie nach§ 138 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sind die entsprechenden Vorschriften der Arbeitsordnung un- gültig, die Auferlegung von Strafen unzulässig. Aber was tut's? Die Gewcrbeinspektoren erhielten cknen Rüssel, als sie im Jahre 1901 vom Zentralverband der deutschen In- dustriellen erlassene Vorschriften als gegen die guten Sitten verstoßend bezeichneten. Der Verein erklärte, was gegen die guten Sitten verstoße, hätten allein, die Scharfmacher zu be- stimmen, deren Vorsitzender Krupps Dirigent ist. Und der Verstoß gegen Gesetz und gute Sitten(Ausschluß des§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches) ziert heute noch die Arbeitsordnungen.„Krupp ist der Staat", meinte ein An- geklagter vor dem Kriegsgericht, das wegen der Kornwalzcr verhandelte. Was Krupp tut, das ist wohlgetan, mag es sich um die Benutzung der Kornwalzer oder um die Ausnutzung der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Arbeiter und um Ehr- Verletzungen gegen sie handele. Städtische Wohnmigsfürsvrge. In Göttingen hat sich bei einer Revision der Kleinwohitungen herausgestellt, daß eine ganze Anzahl in absehbarer Zeit polizeilich geschlossen werden muß. Um rechtzeitig Ersatz zu schaffen, hat die Stadtverwaltung mit dem Spar- und Bauverein G. m. b. H. einen Vertrag abgeschlossen über den Bau von Kleinwohnungen. Die Stadtverwaltung übergibt dem genannten Verein ein 2300 gm grosses Grundstück im Norden der Stadt unentgeltlich, das durch Zu- kauf auf 8900 gm gebracht wird. Dieses Grundstück ist mit 16 Häusern zu bebauen, die insgesamt IIS Wohnungen mit Küche und zwei oder drei Räume enthalten. Jedes HauS hat Vor- und Hinter- garten und in der Mitte der Häuser befindet sich ein SOOO gm grosser Gartenspiclplatz. Die kleineren Wohnungen kosten 210, die grösseren 260 M. Miete. Dieser billige Preis ist nur dadurch möglich, dass die Laudesversicheruugsanstalt den größten Teil deS Baukapitals und ferner die Stadtverwaltung weitere 140 000 M. zu einem ganz niedrigen Zinsfuss leiht, bei dem sie alljährlich aus den Zinsen der Kaiser Wilhelm-RegicrungSjubiläums-Stiftung in Höhe von 40 000 M. noch drauflegt. Der dritte Teil der Häuser muß am 1. Oktober 1014, 191S und 1916 zu beziehen sein. Die Vermietung von 39 Wohnungen hat sich der Magistrat an städtische Arbeiter und Untorbeamte vorbehalten. Die städtischen Kollegien haben dem Vertrage mit dem Spar- und Bauverein einmütig zu- stimmt._ Kampf gegen die Schute. Tie schwarze Reaktion in Bayern möchte eine Wühlerei gegen das Schulgesetz inszenieren, die von dein obcrbahcrischcn Bauern- verein, einer reinen Zenirninsorganisation, geschürt wird. ES handelt sich um nichts geringeres, als um das Bestrebe», die Ganztagschulen auf dem Lande durch Halvtagschulen zu ersetzen. Der Verein hat eine Kominission eingesetzt, die entsprechende Ein- gaben an die Behörden auszuarbeiten hat, von den einzelnen Obmannschaften des Vereins wird die Aktion durch Resolutionen unterstützt. In einem Artikel des Dr. Heimschen Bauernblattes wird für die Sache lebhaft Propaganda gemacht und ein eingehen« des Programm entwickelt. Danach soll der bisherige tägliche Unter- richt von 3 und S54 Stunden aus 2V� und 3 Stunden herabgesetzt werden. Der Zweck dieses volksbildungsfcindlichc» Unternehmens wird in folgenden Sätzen unverhüllt kundgegeben: „An Gemeindeumlagen könnte auf diese Weise viel erspart werden. Das Wichtigste aber ist, dass dadurch neue Arbeitskräfte für die Landwirtschaft gewonnen würden. Die Schüler der oberen Jahrgänge müßten an den Nachmittagen zur Verrichtung von ihrer Arbeitskraft angemessenen Arbeiten zur Verfügung gestellt werden. Die Einführung der Halbschule wäre darum die größte Wohltat für die Bauern und ihre Kinder." Durch die grössere Ausbeutungsmöglichkeit der Kinderarbeit macht man den Bauern die Sache schmackhaft. Nebenbei wird auch noch erreicht, dass— und das ist wohl der Hauptzweck— die 5ttndcr nicht allzu viel von der verfluchten Bildung in sich aufnehmen. Das gibt dann williges Stimmvieh für die Zentrumtpartei. Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Landtags ist die Gefahr, dass derartige reaktionäre Bestrebungen zum Durchbruch gelangen, nicht gar zu gering. Letzt* IVacbricbteti. Tie deutsche Militärmission in Konstantinopcl. Wien, 13. Dezember.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.-Körr.» Bureaus.) Nach Informationen aus diplomatischen Kreisen hatte die vorgestrige Demarche der Vertreter der Triple-Entente hauptsächlich die Anfrage zum Gegenstände, ob die Därdanellen und der Bosporus untr das Kommando des Chefs der deutschen Militär- Mission gestellt seien. SVährend des heutigen diplomatischen Empfangs hat der Grotzwesir diese Demarche mündlich beantwortet und erklärt, dass die Truppen an den Meerengen nicht unter das Kommando von L i m a n s g e st c l l t seien. Vom österreichischen Buchdruckerstreik. Prag, IS. Dezember.(P. C.) Die passive Resistenz der hie- igen Setzer dauert an. Ein Teil der Morgen blätter wird morgen n ich t erscheinen, da die Zeituitjjen nicht gc- werden können. Bravouröse Tat einer Fliegerin. Paris, 13. Dezember.(P. C.) Die englische Aviatikerin Ms. Assheton Harbord ist mit einem Paffagier heute vor- mittag von dem Flugseide in Hendon abgeflogen, um über den Kanal nach Paris zu fliegen. Die Pilotin ist über dem Kanal in einen dichten Nebel geraten und irrte 2!4 Stundeil über dem Meere umher, bis sie endlich in der Nähe von Ronen landete. Nachdem sie neues Benzin aufgenommen hatte, setzte sie ihren Flug nach Paris fort, wo sie heute nachmittag ankam. Meute XjctocitsmlWel Wurstwaren Holsteiner Zervelatwurst in Fettdatm....... Pfund 1.35 Schinken nach Prager Art zum Backen u. Kochen, Pfund 1.30 Lachsschinken 1.90 Gänsebrust 1.60 Schinkenspeck 1.20 Ana eigener Wnxstlabrik; Rotwurst.... Pfund 55, 75 Pf. Landleberwurst.. Pfund 90 Ff. Pastetenleberwurst Pfund 1.15 Jagdwurst. v.... Pfund 1.10 Teewurst...iv;.. ptund 1.30 Frisches Fleisch Pa. Ochsenschmorf leisch ml m. Fr. Schinken i. Ganzen, Pfd. 80 pf. Schweinekotelettes, Pfund Im. Kamm und Schuft. Pfund 85 Pf. Bauch und Liesen.. Pfund 75 Pf. Rückenfett...... Pfund 60 Pf. Eisbein(Dickhein).. Pfund 70 Pf. Rindertalg ausgelassen, Pfd. 60 Pf. Winter-Kartoffeln Fische Weiße Zir. 1.85 Dabersche Ztr. 2.40 7 Zusendung durch die Paketfahrt Zentner 40 Pf, Säcke 25 Pf. Pfand. Kabeljau 25 Pf. Seelachs Sen?!.in.ES 25 pf. Schellfisch 2-4 Pfd. pfd 26 Pf. Rotzungen..... Pfund 26 Pf. Bratschollen... Pfund 16 Pf. Tarbutt....... Pfund 45 Pt Steinbutt...... Pfund 80 Pf. Zander....... Pfund 68 pf. Lachs in ganz. Fischen, Pfd. 50 Pf. Frische Karpfen Pfund 55 Pf. Frische Schleie Pfund 55 Pf. Lebende Karpfen m 85 u. 95 Pf. Lebende Schleie Pfund 1.15 Seemuscheln. 100 stück 30 Pf. Geflügel Brathühner stück 1.30 bis 2.40 Suppenhühner Stück 1.40 bis 2.60 Gansepokelfleisch Pfund 68 Pf. Butter Koch- u. Backbutter Pfund 1.10 und 1.18 Tischbutter Pfund 1.28, Vj Pfund 64 Pf. Tafelbutter Pfund 1.36, V- Pfund 68 Pf. Tafelschmalz... pfund 68 Pf. Obst und Gemüse Amerikan. Aepfel. Pfund 28 Pf. Kalifornische Aepfel Pfund 38 Pf. Belle Fleures Aepfel Pfund 28 Pf. Kochäpfel.... Pfund 13 16 Pf. Kochbirnen...... Pfund 15 P£ Kanarische Bananen Pfd. 28 P£ Ananas..... Pfund 75 85 P£ Almeriatrauben... Pfund 45 P£ Apfelsinen Dutzend 30 38 45 P£ Mandarinen...... Pfund 28 Pf Mandarinen Kiste 25 Stück 95 Pf Wal- n. Haselnüsse Pfund 45 Pf. Taranasse....... Pfund 55 Pf. Datteln........ Karton 35 Pf. Blumenkohl. Kopf 15 20 25 Pf Rosenkohl....... Pfund 15 Pf. Sellerie..... Knolle 5 8 12 Pf. Zheater. Dienstag, lS.Dezember 1913. Anfang 6 Uhr. Eines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Ansang 6'/, Mr. EinesNollendorf-rheater.Varicie- Lichtspiele. Anfang Tf, Ubr. Kgl. Opernhaus. Oavallsria rusticana. Bajazzi. «gl. Schauspielhaus. Gras Ehren- sried. Deutsches. Hamlet «öniggrätzer Straß«. Die süns Frankfurter. Zirkus Buich. Galavorslellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Jork. Deutsches Kiinftler- Dheater. Schirin und Gertraude. Leiilug. Pygmalion. Kammeripiele. Wetterleuchten. Dheater am Nollendorfplah. Der Mikado. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. Deutsches Opernhaus. Manon Lcscaut. Deutsches Schauspielhaus. Die heitere Residenz. Dbalia. Die Tangoprinzessin. Komödicnhaus. Hinter Mauern. Montis Operette». Die ideale Gattin. Schiller O. Geschäft ist Geschäft. Schiller Eharlottenburg. Am Tage dcS Gerichts. Residenz. Hoheit— der Franz. Note. Fröhliche Weihnacht. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend- haste. Kleines. Die Sippe. Lustipielhaus. Die spanische Fliege. Drianon. Seine Geliebte. Friedrich- Withetmstädtisches. Die Kinotönigin. Herrnfelv. Was sagen Sie zu Leibusch? Apollo. Spezialitäten� Wintergarken. Spezialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 8'/, Ubr. Luisen. Kasernenlust. Foties Eaprice. Der Kuckuck. Maliöoerichwindel. Die Samuels. Walhalla. Wotlenbummler. Admtralöpalast. Die lustige Puppe. Anfang 8»f, Ubr. NeueS Bolkstdeater. Der Gras von Charolais. Anfang 3 Ubr. Berliner Eispalast. Eissport. CinesNollcndors-Theater.Bariete- Lichtspiele. � Sternwarte. Invalid enstr. 67— 62 Schiller-Thealer 0. (W allner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Cieechtlft Ist Geschäft. Mittwoch, abends 8 Uhr: Heimg'f unden. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. DeatschesSchaaspielhaas 8 Uhr: Die heitere Residenz. Theater des Westens. 8 Uhr � Polenblut. Mittwoch u. Soimabendnachin. 4 Uhr: DoS tapfere Schnciderlein. Sonni. Rm. 3'/, U.: Der liebe Augustin. Tlieater am Nfillendorfplatz S. s Uhr. Mikado, s Uhr. Morgen Mittw. nach. 4 Ubr zu kleinen Preisen: Tran Holle. 8 Uhr Resilfeni-IUfu?- Hoheit— der Fron;! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artnr Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Winterberg. Allabendl. 8 Uhr: Hoheit— der Franz! Lessing-Theater. s uhn Pygmalion. Lustspiel von Bernard Shaw Mseties Kttostlertheater Sozietät. Nürnberger StraSe 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Dienst. 8 Uhr: Schirin und Gertraude. Mittw. 31/, Uhr: Duncan-Schule. Tanze und Reigen. Mittwoch 8 Uhr: Siehlrln sind Gertraude. URANIA TaubenstraSe 48/49. 8 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Passage-PanoplHtum 50 wilde Rongoweiber Männer und Kinder In einem eigen« aufgebauten Kongodorfe. Der Froschschiueker. Die gr. Kino-¥ariete-¥orstel!ung von 5(Sonntags 3) bis 11 Uhr. 0SE=THEATE Grone Fraiikinrter Str 132. Fröhliche Weihnacht. Weihnachtsstlick mit Gesang in S Akten von L. Ottomeyer. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Berlin wie es weint und lacht Vereinigte IterUner Voiksbnhncn. I-nl«« n Theater. 1 Walhalla-Theater. SV. Uhr: Kasernenlnft..1 8.'/. Uhr: Wolhenhnrnrnler. Schauspiel in 4 Akten von Stein I Posse in 3 Akten von Herm. Stein. und Söhngen. 1 Musik von Karl Krüger. Schiller-Tlieater Charlottenbnrg. Dienstag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Mittwoch, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Donnerstag, abends 8 Uhr: Jngendfrennde. Rita Saeehetto in Die weiße Dame. Lustspiel in 3 Atten und der phänomenale neue Spielplan. Vorstellungen: 5, 7, 9 Thr. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Seine Geliebte. Sonntagnachw. 3 U.: Die Liebe wacht. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Täglich Anfang 6 Uhr. Sonntags 3 Uhr: Matinee Kompl. Programm großer Variete=Akte sowie unsere renommierten Lichtspiele. Preise von 65 Pfennig an. Friedr.-ffieliiistäilt. Theater. Operetten-Gastspiel Zum 250. Male: Die RiDo-Rönigio. Operette in 3 Akten von Georg OkonkowSki u. Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. Kassenerösin. 7 Ubr. Am. 8 Ubr. ZirknH Alb. Schumann. Heute Dienstag, 16. Dezbr., abends T'/j Ubr: Große Novitäten-Vorstellung. Xeu! U. a.:\eu! I lind. Therese Renz mit ihren dressiert. Elefanten| und Ponnvs. Xeu! Blbcnn. tlob Neu: Vokal-Imitatoren. Neu! Mac So vorelgn Neu! I Matetor im Diabolospiel u. die übrig. Dezemh.-Attrakt.| Um 91/, Uhr: Nur noch kurze Zeit! Tango vor Gericlitll Pantomimische Burleske in 3 Akten mit Gesang u. Tanz Zirkus Busch. Heilte Dienskag, d. 16. Dezember, abends 7'!, Uhr: Das Tagesgespräch von Berlin! „Pompeji" bildet zurzeit die grojze Original- Ansst-Pant. des Zirkus Busch in 5 glänzend. Akten.'Besonders her- vorzuheben: Das'Bacchusseft.'— DaS groge Amphilhealer.— Das pompcjanische Bad.— Der Ausbruch des Kraters Borher daS grostc Spezialitäten. Programm. Kapt. Hnling. Eine Nordpolizeiic im Zirkus Busch. Ak«Clou« nn fc— MauerstraBe 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Oroße� Poppel-Konzert! Berliner Konzerthaus-Orehester mit s41nnarte«.kal' Leitung: Komponist Frz. v. B 1 o n. Musikkorps Kaiser-Franz-Gardo-Grenad.-Regts. Dirig. Oberm. A. Becker. Anfang 8 Uhr. Eintritt 59 Pf. Anfang 8 Uhr. wocbeÄ.., Gr.»aetimillags-lonzerl"tSÄ" Rita Saeehetto SSfiÄII Robert SteMI und die von Publikum und Presse glänzend beurteilten Rauchen gestattet! V oigt- Theatep Badstraste 58. Morgen Mittwoch, den 17. Dezember t I�eimg'sunäen. Wcihnachtsfomödic in 3 Akten von Ludwig Anzengrubcr. Kassenerössnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Brauerei Friedrichshain. Sonntag, den 31. Dezember 1013: Konzert des Berliner Sängerchors Mitgl. des Arb.-Sängerbundes, Chormeister Franz Bothe, und des Philharmonischen Orchesters Dirigent Camillo Hildebrand. Billetts im Vorverkauf 50 Pf., Kassenprexs 75 Pf.", hei den Vorwärts-Spcditeuren Zucht, Immanuelkirch- straße 12, und Hamsoh, Ackerstr. 174. riH Frledrichstrasso 21S - Tel. Lützow 2757— Costantino Bernardi and das orosse VarietB- Programm! Rancbcn Oberall gestattet I Beginn; 8 Uhr. M Ab 7',, Uhr: KONZERT rhwwwvwwwvfWrtwwwwAA z. ZmVie einst im Mai.....................„ "«frantto. Redakt.: Alfred'Wielepp, Neukölln. Jnseratentetl verantw. Th. Glockr, Berlin. Druck u. Verlag: VlTrwärts Buckdr. u. Verlagsanstalt Haul Singer äi Co..Bsrlln S�V. Hierzu 2 Beilagen».Unterhailungsdt. Lichtspiele Tnlon-Ralast Kurfürstendamm 26 Bavarla-Hans Friedrich- E. Taubenstr. Unter den Linden 21 Moritzplatz Hasenheide Weinbergsweg 16—17 Reinickendorfer Str. 14 Schöneberg, Hauptstr. 49 Programme des guten Geschmacks. Casino- Theater Lothringer str. 37. Täglich 8 Uhr. Das glänzende Dezember-Fest-Progr. Gastipiel der Amerikanischen Sensalio» .Im Bulldogg-Dingel-Tangel.« Dazu seit Oktober total ausverkauft: Ferdinand der Tugendhafte. Sonntag 4 Uhr: Der Denunziant. Folies Gaprice. Anfang 8'/. Uhr Der Kuckuck. Ranöversch nindcl. Die Samnelz. Admiralspalast. £is-Arena.— Allabendlich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Nie lustige?uppe. Beginn der VorsteUunc 8'/, Uhr. Bis 6 Uhr und von itP/* Uhr halbe jjur nen Zitnait acr �)iin Anschluß daran die die Mitglieder am meisten interessierenden Bestimmungen über die Arbeitslosenunterstützung. Daß diese Unterstützung eine Notwendigkeit ist, das wurde� an der Hand der Arbeitslosenziffern der Putzer beleuchtet. Innerhalb der 40 Wochen, sür die der Ver- band im Laufe des Jahres Beiträge erhebt, waren von den 1364 Mitgliedern der Puversektion arbeitslos: 541 bis 5 Wochen, 285 5 bis 10 Wochen. 240 10 bis 15 Wochen. 148 15 bis 20 Wochen. 150 über 20 Wochen. Nur 66 Mitglieder waren innerhalb der 40 Beitragswochen nicht arbeitslos. Würde sich die Erhebung auf das ganze Jahr erstrecken, so würden auch die letzten 66 noch unter den Arbeitslosen erscheinen. Der folgende Punkt der Tagesordnung:„Die letzten Ereignisse im Beruf" ergab eine Reihe von Beispielen dafür, daß die an- haltende Arbeitslosigkeit nicht selten Veranlassung gibt, Arbeiten zu so niedrigen Akkordpreisen anzunehmen, daß der übliche Tagelohn dabei nicht verdient werden kann. In mehreren derartigen Fällen wurde» durch das Eingreifen des Organisationsvertreters etwas bessere Preise beziehungsweise Lohngarantie erzielt. Kupferschmiede als Streikbrecher gesucht. Seit längerrer Zeit werden in bürgerlichen Zeitungen„un- organisierte Kupferschmiede* gesucht. Ter von der Staatsanwaltschaft unauffindbare Herr K eil in g und sein Kompagnon Koch geben derartige Annoncen auf, um für Firmen, welche bestreikt werden, Arbeitswillige zu beschaffen. Die Herren annoncieren in ganz Deutschland schon wochenlang, uni die streikenden Kupferschmiede be« der Firma Schering, Chemische Fabrik auf Aktien, zu ersetzen. Dies ist bis jetzt nicht gelungen. Es wird jeder eingestellt, der einmal als Kupferschmied gelernt hat, selbst wenn die Lehre nur ein paar Monate gedauert hat. Ganz eigenartig benimmt sich die Firma Schering bei dieser Angelegenheit. Der Herr Ingenieur hält in der Mittagszeit, wenn er mit den Arbeitswilligen allein ist, Vortrag über die Bedeutung und Nützlichkeit des Vereins der Nichtorganisierten und rät ihnen, andere Namen anzunehmen, zum Beispiel: H e i d m a n n nennt sich Wagner, Körner nennt sich Weiland, P f l ü g e l nennt sich Fischer oder Müller. Wie kommt der Herr Ingenieur dazu, die Träger ehrlicher Namen indirekt zu verdächtigen, ihren im Kämpfe befindlichen Kollegen in den Rücken gefallen zu sein? Wir bitten nach wie vor, den Zuzug von den Betrieben fernzu- halten, auf keinen Fall aber auf die ständigen Annoncen in bürger- lichcn Zeitungen hineinzufalleil. Verband der Kupferschmiede. Filiale Berlin. Zur Bewegung der Fleischer. Ueber die Sperre, welche über den Fleischermeister Otto G a r b i s ch. Lange Straße 57, verhängt ist. regt sich die„Allgemeine Fleischerzeitung" aus. Die„Dunkel- männcr", die das herausgegebene Flugblatt geschrieben haben, sollen nach ihr vor die Schranken des Gerichts gezogen werden. Warum die Flugblattschrciber vor die Schranken gezogen werden sollen, verschweigt das Blatt wohlweislich. Was aus diesem Flug- blatt steht, ist die volle Wahrheit. G a r b i s ch war jahrelang, und zwar bis zur Eröffnung seines Geschäftes, Vorstandsmitglied des gelben Fleischergesellenbundes. In ihrer Zeitung stellten die gelben Führer die organisierten Arbeiter als Eckensteher und Faulenzer bin. Diese gelben Rausreißer sollten es aber dann auch ver- schmähen, die Groschen der organisierten Arbeiter entgegenzu- nehmen. Aber das ist durchaus nicht der �all. Herr Garbisch er- klärt, wie uns mitgeteilt wurde, lieber sein Geschäft schließen zu wollen, als den Tarif mit der Organisation abzuschließen. Das ist Die Polizei zeigt sich bei dieser Gelegenheit natürlich auch Ivicder von der bekannten Seite. Ein Fleischer, der nicht das ge- eiligste verschuldete, wurde verhaftet, so daß das Publikum fragte: „Ja, was hat denn dieser Rann gemacht? Hat der gestohlen?" Einige andere Arbeiter, die in der Langen Straße, jedoch nicht vor dem Geschäft des Herrn Garbisch standeil luirgends, auch nicht vor dem Laden des Garbisch war ein Auflaufj, wurden durch An- drohung der Verhaftung gezwungen, weiterzugehen. Wenn unter solchen Umständen Aufläufe zustandekomme», sind nur die Schutz- leiite mit ihrem wenig geschickten Auftreten schuld daran. D i e T a r i f t o m m i s s i o n. Dcutkcbeä Reich. Einen Kampf gegen das Koalitiousrecht führt die Geschäfts- ntung der Tintenfabrik L e o n h a r d i in Loschwitz bei Dresden. Ten Herren Leitern, die alle stramme Militärvereinler sind, und die elegemlich auf den Kriegcrvereinssesten nicht genug über den erroriSmuS der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zetern können, will eS nicht in den Kopf, daß die Organiiatio» auch in dem bisher vorwiegend schwarzen Betriebe, in welchem Rilitärvereinler und Mitglieder des evangelischen Arbeitervereins die Hauptrolle spielten, Fuß gesaßt hat. Flugs hat man den Plan gefaßt, jeden, der auch nur im Verdachte steht, dem Verband anzugehören, Gelegenheit zu Haben, darüber nachzudeuken, auf welcher Seite wirklicher Terrorismus geübt wird. Als im Fachorgan des Verbandes eine Notiz über schwere Mißstände erschien, entließ man die mutmaßlichen Verfasser derselben, deren Wiedereinstellung durch die sofort eingeleiteten Verhandlungen nicht erreicht werden konnte. Mittlerweile hat man weitere 4 Arbeiter und 2 Arbeiterinnen entlassen: weitere Kündigungen sind vorgesehen. Die Geschäfts- leitung lehnt jede Verhandlung brüst ab. erklärt aber den Leuten, die nach dem Grunde der Entlassung fragen, daß es die Folge der gewerkschaftlichen Betätigung sei. Die Firma Leonhard! stellt neben Tinten aller Art auch Farbbänder her. Wir bitten das zu beachten, und gegebenenfalls Erkundigungen im Verband der Fabrikarbeiter. Dresden, Ritzenbergstr. 6 III, einzuziehen.— Arbetterfreundliche Blätter bitten wir um Abdruck. Hiislancl. Streik der städtischen Angestellte» in Leeds. Die städtischen Arbeiter von Leeds sind in den Ausstand ge- treten. Der Ausstand, der ganz plötzlich gekommen ist, droht einen großen Umfang anzunehmen. Bereits gestern kam es zwischen der Polizei und den Streikenden zu Zusammenstößen. Die in den Aus- stand getretenen Straßenbahnangestellten griffen die Straßenbahn- wagen an, die noch in Betrieb waren und jetzt von der Stadt- Verwaltung mit freiwilligen Führern, meistens Bureauangestellten, besetzt sind, die als Führer fungieren. Man sah u. a. einige Straßenbahnfübrer mit vornehmen Hüten und eleganten Kleidern. Auch von den drei Gasanstalten der Stadt liegen zwei voll- ständig still. In der dritten Gasfabrik arbeiten ebenfalls nur freiwillige, aus der Stadt fich meldende Kaufleute oder An- gestellte usw. Die Elektrizitätswerke können auch nur durch Einstellung Freiwilliger in Betrieb erhalten werden. Die Polizeimacht ist lehr verstärkt worden, da man glaubt, daß die Streitenden die Freiwilligen und Streikbrecher angreifen wollen. Die Stadtverwaltung hat mitgeteilt, daß sie absolut nicht nachgeben werde. Sie ist vielmehr damit beschäftigt, andere Arbeiter von aus- wärts heranzuziehen. Infolge des Mangels an Gas herrscht in vielen Häusern fast vollständige Dunkelheit. Um einigermaßen Licht zu schaffen, behalf man sich mit Kerzenlicht. Ein einziges Geschäft verkaufte in der Zeit von einer Stunde den gesamten Vorrat an Kerzen, annähernd 15 000 Stück. Da serner vielfach wegen Mangels au Gas nicht gekocht werden konnte, so hoben sich die meisten Leute mit Spirituskochern versehen. Es macht sich auch bereits Mangel an Spirituskochern und Brennspiritus bemerkbar. Ein Streik von Strafgefangenen. Wie aus Petersburg gemeldet wird, ist in I r k u t s k unter den Häftlingen des Strasgefängnisses ein Streik ausgebrochen, wie er auch in Rußland noch nicht dagewesen ist. 250 Mann, die in den Werkstätten arbeiteten, traten wegen schlechter Behandlung eines Sträflings durch die Aufseher in den Ausstand. Ein Teil der Streikenden hungert. Es wurde die Polizei requiriert, die eine körperliche Züchtigung aller feiernden Straf- l i n g e in Aussicht stellte, jedoch ohne Erfolg. Der Gouverneur fragte im Ministerium an, welche Zwangsmaßrcgcln er er- greifen soll.____________ BUrtfcHaftDcHer Ascheiibeiichl. Dividendenrückgang einer Großbank. Von allen Aktienunternehmungen find die Großbanken am wenigsten Schwankungen der Rentabilität ausgesetzt. Die Höhe der« von ihnen gezahlten Dividenden ändert sich von Jahr zu Jahr durchschnittlich so wenig, daß die Aktien dieser Unternehmungen fast den Charakter von festverzinslichen Wert- papieren annehmen. Da auch die Kurse der Großbank- Aktien wenig zu schwanken pflegen, sind von dem Besitzer solcher Aktien auch beim Verkauf keine nennenswerten Verluste oder Ge- Winne zu erwarten. Der Besitz einer Großbank-Aktie bietet im allgemeinen dieselbe Sicherheit auf eine gleichbleibende Verzinsung, wie die Hergäbe von Depositen(Spareinlagen) an die Depositen- Abteilung einer Großbank; bekanntlich ist eine Spareinlage bei einer Großbank eine ebenso sichere Kapitalsanlage, wie die Einlage bei der öffentlichen Sparkasse oder der Erwerb von Reichs- und Kommunalpapieren. Was die Rentabilität von Grotzbank-Akticn anbetrifft, so geht sie mehr noch als bei großen industriellen Unternehmungen stets parallel mit der«landesüblichen" Verzinsung, dem allgemeinen Zinssatz. Die tatsächliche Verzinsung(das Ver- hältnis von Kurs und Twidende) deckt sich fast immer vollkommen mit dem ofjizicllen Zinssatz der Reichsbank. Tie gewaltigen Kapitalsansammlungen, wie sie in dem Aktienkapital, den Re- serven und den Depositen(Einlagen von Sparern) vorliegen, bieten ein solches Risiko gegen Verluste und sichern den Großbanken eine solche Herrschaft im Wirtschaftsleben, daß selbst größere Verluste die den Aktionären gewährte Dividende nicht zu schmälern pflegen. Die Aufstellung des Gewinnes und die Bemessung der Dividende geschieht allerdings bei den Großbanken stets so vorsichtig, daß jährlich große innere Rücklagen gemacht und stille Reserven ange- legt werden können. Diese heimlichen Reservefonds dienen dann bei Bedarf zur Deckung von Verlusten. Um nur eins der be- kanntesten Beispiele dafür zu wiederholen: im vergangenen Jahre schrieb die Deutsche Bank für Terrain-Beteiligungen fünf Millio- neu ab, ohne daß diese Verluste auch nur in der Bilanz in Er- scheinung traten. Selbst den Schwankungen der Konjunktur ver- mögen die Großbanken noch besser standzuhalten, als die großen Unternehmungen der Schwerindustrie. Ein Montanwerk kann in stillen Jahren seinen Betrieb nicht beliebig einschränken; es bleibt immer an technische Anlagen gebunden. Die Finanzoperationen einer Großbank kennen solche betriebstechnischen Einschränkungen, die immer Verluste mit sich bringen, nicht. Selbst in und nach Krisenjahren geht die Dividende von Großbanken selten zurück. Eine Sonderstellung hinsichtlich der Rentabilität unter den Großbanken nimmt seit einigen Jähren der A. S ch a a f f- hausensche Bankverein(Köln-Berlin) ein. Der Schaaff- hausensche Bankverein wurde 1848, durch Uunvandlung eines Kölner Privatbankhauscs in ein« Aktiengesellschaft, gegründet und war zu- gleich die erste in Preußen konzessionierte Privatbank ohne Noten- ausgäbe. Schaaffhausen pflegt besondere Beziehungen zur rheinischen Industrie und hat erst spät(im Jahre 1891) durch eine Zweigniederlassung in Berlin ihre Geschäftstätigkeit über das ursprüngliche Gebiet hinaus in Mitteldeutschland erweitert. Diese Ausdehnung ist dem Bankverein aber nicht dauernd von Vorteil gewesen. Gerade durch die Teilnahme am Berliner Bau-Hypo- theken- und Terraiugeschäft sind ihm in den letzten Jahren erhebliche Verluste entstanden. Von 1904 bis 1909 unterhielt der Bankverein mit der Dresdner Bank eine Interessengemeinschaft, nach der die Geschäfte beider Institute gemeinsam geführt und die erzielten Reingewinne im Verhältnis des jeweiligen Atlien- und Reserve- kapitals geteilt wurden. Die Trennung von der Dresdner Bank scheint auf die Lage deS SchasfHausenschen Bankvereins ebenfalls ungünstig eingewirkt zu haben. In den letzten Jahren hat dann die Krisis auf dem Berliner Baumarkt, an dem der Bankverein durch Finanzierung zahlreicher Bau- und Terraingeschäfte beteiligt ist, dem Bankverein große Verluste gebracht. Im Jahre 1£>11 hatte der Bankverein IVi Proz. Dividende gezahlt. Im folgenden Jahre mußte er diesen Satz auf 5 Proz. ermäßigen. Ende 1912 war der Kurs der Aktien auf 114 gefallen gegen 136 im Jahre 1911 und 142 im Jahre 1910. Zurzeit haben die Aktien nur einen Kurs von 102. Obgleich der Bankverein im Jahre 1912 auf Berliner Grund- stücksgeschästc etwa 2 Millionen Mark hatte abschreiben müssen, sieht er sich in diesem Jähre zu neuen buchmäßigen Herabsetzungen seiner Anlagewerte gezwungen. Etiva 13 Vi Millionen werden diesmal die Abschreibungen erfordern. Ein Spezialreservefonds in Höhe von mehr als 9 Millionen Mark soll für diesen Zweck völlig aufgebraucht werden. Ferner wird die Dividende um weitere 2 Proz. auf 3 Proz. herabgesetzt werden, was bei einem Aftienkapital von 145 Millionen für die Aktionäre einen Minderertrag von 2,9 Millio- neu bedeutet. Die Abschreibungen werden so hoch bemessen, daß es sich nicht nur um eine Abstoßung der Terrainbeteiligungen handeln kann. Vielmehr scheint die Verwaltung die Absicht zu haben, eine allgemeine innere Festigung des Unternehmens vor- zunehmen. Die Abschreibungen sollen zumeist in dem Konto„Un- notierte Werte" vorgenommen werden, worin sich zahlreiche in- dustrielle Papiere befinden. Welche einzelne Posten die Ver- waltung dabei entlasten will, wird allerdings nicht bekanntgegeben. Nach dem letzten Jahresbericht hatte der Bankverein unter seinen Aktiven einen Bestand von über 22 Millionen Mark umrotierten, d. h. nicht kurSgängigen, Wertpapieren. Bei den übrigen Groß- banken mag der Besitz an solchen Papieren nicht geringer sein, aber dort ist er schon früher stark abgeschrieben worden. Der Bank- verein hat dagegen diese Papiere wahrscheinlich bisher zum An- kaufswert in die Bilanz eingestellt. Ein Konjunkturrückgang wirkt nun gerade auf die kleieren Unternehmungen, deren Aktien nicht zum Börsenhandel zugelassen sind, ungünstig ein. So haben im laufenden Jahre die Anteile(Kuxe) von Bergwerksunternehmun- gen eine starke Entwertung erfahren. Auch die zum Börsenhandel zugelassenen Papiere, deren Kurse offiziell notiert werden, haben bekanntlich seit der Eröffnung des LalkankriegeS einen starken Kursdruck erlitten. Die Verwaltung des Bankvereins scheint die Absicht zu haben, nicht nur eine innere Reinigung ihrer Konten vorzunehmen, sondern auch die Geschäftstätigkeit enger zu begrenzen. Es verlautet, daß der Bankverein sich mehr auf die rein dank- technische Tätigkeit zurückziehen will. Ohne das Berliner Gebiet ganz aufzugeben, ist doch geplant, wieder das Arbeitsfeld im Rhein. land zu bevorzugen. Bei der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 1913 im nächsten Frühjahr werden sich aus den textlichen Mitteilungen und der Bilanzaufstellung weitere Angaben über die Gründe und die Einzelheiten des finanziellen Rückgangs machen lassen. Daß eine Großbank, die in Deutschland an fünfter Stelle steht, innerhalb von zwei Jahren eine Dividendcnreduktion um 4Vi Proz. lvon 7 Vi auf 3 Proz.) vornimmt, ist jedenfalls ein außergewöhnlicher Vorgang, der der Verwaltung Veranlassung geben sollte, der Oeffentlichkeit weitgehendere Auskunft zu geben, als die Geschäftsberichte es zu tun pflegen. Iiigencibewegiiiig. Polizetkampf gegen die pommersche Jugendbewegung. Der pommersche BezirkSjugendauSfchuß hatte in den letzte» Tagen in mehreren Orten der Provinz Jugendagitationsversamm- lungen veranstaltet, in denen über die wah/en und falschen Freunde der Arbeiterjugend gesprochen werden sollte. Fast in allen Orten hatten die Gegner zur gleichen Zeit„nationale" Jugendversamm- lungen einberufen oder durch andere Veranstaltungen versucht, die jungen Leute von den Arbeiterjugendversa-mmlungen fernzuhalten. Wo ihnen dies nicht recht gelang, versuchten sie die letzteren durch Polizeigewalt auseinander zu sprengen. In Torgelow war die Polizeimqcht deS Ortes, geführt von dem Amtsvorsteher, voll- zählia zur Jugendversammlung anmarschiert. Schon vor Beginn der Versammlung erklärte der Amlsvorsteher, daß er dieselbe eigent- lich sür eine politische halte, da Einberufer und Redner Sozial- demokraten seien. Und als der Redner nun im Verlaus seiner Ausführungen das Gesetz zum Schutze jugendlicher Arbeiter kurz und völlig uukrilisch streifte, erklärte der Herr die Versammlung für eine politische und verlangte die Entfernung der Jugendlichen. Schnell gefaßt, berief der Vorsitzende sür die nächsten 10 Minuten eine neue unpolitische Jugendversammlung ein, und, da der Amts- Vorsteher selbst demonstriert hatte, wo die falschen Freunde der Arbeiterjugend sitzen, zeigte der Referent nun den kulturellen Wert der Arbeiterjugendbewegung und gewann so die Erschienenen für seine Sache. In S t o l p, wo man erst in diesen Tagen für die„nationale" Jugendbewegung eine laufende Ausgabe von 1500 M. in den Stadt» etat einstellte, hatte man ebenfalls ein starkes Polizeiaufgebot gegen die Arbeiterjugendversammlung aufgeboten. Fünf Pickelhauben zählte man im Versammlungslokal, mehrer« standen vor dessen Eingängen und eine naheliegende Restauration schien zu einer fliegenden Polizeiwache umgewandelt. Das ließ vermuten, daß die Polizei etwas im Schilde führte. Und in der Tat; als dem Referenten das Wort erteilt werden sollte, erhob sich der Ueber- wachende und verkündete, daß seine vorgesetzte Behörde die Ver- sammluna als eine politische betrachte und die Entfernung der Jugendlichen verlange. Einige Genossen eilten zum Ersten Bürger- mcister, um eine Aushebung der ungesetzlichen Polizeimaßregel zu erlangen, der aber saß an seinem Stammtisch und war deshalb für die Interpellanten nicht zu sprechen. Als nun die erwachsenen Arbeiter sich mit ihren Kindern und deren Freunden um die Tische gruppierten, um mit ihnen zwanglose Unterhaltung zu führen, wurden die verfügbaren Polizeimannschasten in den Saal gerufen und dieser zwangsweise geräumt. Und als sich in den Nestau- rationsräumen des Lokals ein paar erwachsene Arbeiter mit Jugendlichen zusammensetzten, pflanzten sich hinter ihnen die Pickelhauben auf, damit nur ja nichts UmstürzlerischcS verabredet werde. So bewies die Stolper Polizeibehörde den Arbeitern, daß sie mit brutaler Macht in ihre Erziehungsrechte eingreift, als feien sie moralisch minderwertige Personen. Derartiges Vorgehen erbittert aber die Alten ebenso wie die Jungen, und so wird auch in Pommern diese brutale Unter- drückungspolitik gegen die Arbeiterjugendbewegung gerade das Gegenteil von dem gewollten Zweck erreichenl GegrOadel 1894 Pelz w a r e b «ngrot— BlfMft S.Schlesinger Kaue KSml||>(r.:i (OrdooDansbaut) Einzelverkauf wl« aUJibrlleb»o WMIgiton Pralsaa Pelzstolas- Muffen ■cparatarea prompt und«»über Bitto genau auf J1«o I HaamummertJ achten la« �jJ�eenUgjrot��— gJjHr�eOffne�fc� '' 0«(Witntllche Ttilrahlung 0 Hafara elegant« 1 Mark •Herren-; iModen* fertig und nach MaSI : Julius: jFablani 0 Scfaooiderneletar • Gr, Frankfurter Str. 37, Ii• « Turmstr. 18, 1, kein Laden« • Kottbuser Strasse 14, nur® 2. 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Sie sind in jedem Hause— auch nachträglich noch— leicht anzubringen, Diese Apparate haben den grossen Vorzug, dass sie das Wasser völlig automatisch erhitzen, keiner Bedienung bedürfen, auch Keinen Schmutz verursachen und stets gleich mässig warmes, unbedingt tauberes und frisches Wasser liefern, das nnbedenk- lieh für alle Zwecke des Haushaltes Vei- wendung finden kann. Wegen näherer Auskunft, kostenlosem Ingenieürbesücb, Kostenanschlägen Und Zusendung einschlägiger Druckschriften wende man sich an die Vertriebs- ahleiluns g»r Gasgesellscbaft, Berlin S. 42, Gitschlner Strasse IB. Fernsprecher: Amt Moritzplats 4860—4861. Öumini-Schühc 5 Gaianfie für jedes Paar, •«#'MG' Edife Harburger'■ Rflnfg- Sfrasic 3* Taucntzien-Strassf Z» Leipziger Strasse 65 Oranicn- Strasse«7»* Oranien-51rasse34 friedenau.Rheinslr.l� v •Müller-Sfrasse 3a Neukölln, Bcrgslr. 7(4 Moabit: Turm.- Strasse* Todes-Anzeigen SozialderaokrafisctierWatii™ l.d. ißerlJeichstagswatiJkfeis. Petersburger Viertel. Bezirk 357. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß miler Genosse, der Töpfer Ignatz Zydel Eldenaer Str. 27 gestorben ist. 218/19 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch- nachmittag 3'/, Uhr von der Halle des Zentral-Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer WaUverein Eiehwalde. Am Freitag, den 12. Dez, ver« starb unser Mitglied, der Schlosser Ernst Zimmermann im Alter von 22 Jahren an Lungen- leiden. Ehre seinem Andenke» Die Beerdigung findet am Dienstag, den IS. Dez.. nachm. 3>/, Uhr. von der Leichenhalle des Gememde- Friedboscs in Eich- Walde aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. Treffpunkt sür die Mitglieder 3 Uhr bei Otto Gratzhoff, Bahn- bossirafic,_ 203/10 Zentralferband der Zimmerer Deutsehiaods. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 20. Den Bcrussgenossen zur Nach- richt. dag unser Mitglied Karl Schulz am 13. b. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Dienstag, den IS. d. Mts., nach- unttagS 2 Uhr, von der Halle des zweiten Schönebergcr Friedhofes (Blaute Hölle) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/16 Der Vorstand. ¥erhandd.Geffleinde-u,Staalsarh. Filiale OroS-Bcrlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, das; der Kollege Nikodemus Czaineskai (Berl, Partverwaltung.Kreuzberg) im Alter von K5 Jahren ver- starben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenten bewahren. Die Bestattung findet am Mitt- woch, den 17. Dezember, nachm. 'LS Uhr, von der Leichenhalle des MatthäuS-Kirchhoscs in Süd ende aus statt. 36/7 Die Ortsverwaltung. geutseherMetailarbeiter-VerbaDd Verwaltungsstelle Berlin. De« Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schlosser August Meinefeld Hagelbergerftr. 36, am 13. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenke» t Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- halle des Freireligiösen Friedhoss aus statt. Rege Beteiligung erwartet 131/12 Die Ortsverwaltung Vorhand der Maler, Lackierer etc- Filiale Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Maler Karl Muschalowitz am Dienstag, den 9. Dezember. oerstorbc» ist. Ehre seinem Andenken! 133/7 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlvereii! Neukölio. Nachruf. Am 11. Dezember verstarb unser Parteigenosse psul Krüger Emser©fr.' 93. 14. Bezirk. Ehre seinem Andenken! 239/1 Der Vorstand. ' Am Sonntag, den 14. Dezember, verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Man», unser gulcr Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Uhrmacher Oskar Seidel im 46. Lebensjahre. Im Namen 298b der trauernden Hinlcrbliebencn Anna Seidel geb. Kimmick und Kinder Neukölln, Prinz-Handjerystr. 60. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 17. Dezember, nach- mittags'/,3 Uhr. von der Leichen- halle des'Neuköllner Friedhofes, Maricndorfer Weg, aus statt. Für die liebevolle Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden anläßlich deS Heimganges memes lieben Mannes und Vaters, des Gastwirts Hermann Kabelitz sage allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Anna Kadelitz 296/12 und Kinder. Am 13. d. Mls. entschlief sanft meine liebe Frau, unsere gute Mutter Klsrs Stolz. DicS teilen liesbetiübt mit Heinrich Stolz nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 1'/« Uhr auf dem städtischen Friedhof in der Seeslratze statt. 297b lllgemeine Ortskratekasse sür Berlin-Tempelhof Bekanntmachung betreffend Ausschußwahlen. Aus dm Reihen der Versicherten ist nur ein Wahloorschlag ein- gegangen. Es gelten daher die Bor- geschlagenen als Ausschuß- Mitglieder gewählt. Die Liste cntbätt 30 Vertreter, 60 Ersahleute, beginnt mit dem Namen Becker und endigt mit dem Namen Fischer. Die sür den 2g. Dezember er. anberaumte Wahl findet daher nicht statt. Von den Arbeitgebern sind zwei Listen eingegangen, Liste 1 ringereicht durch Herrn Vuchdruckereibcsitzer Karl Schmillling. Liste 2 durch Herrn Installateur Gustav Thiel icke. Tic Wahle» für die Arbeit- geber finden daher, wie an- gegeben, am.3«. Dezember er. von iv Uhr vormittags bis« Uhr nachmittags statt. 301/15 Der Borstand der Allgemeinen Ortskrankenkasic für Lrrlin-Temprlhof. /gez.) Albert George. 1. Vorsitzender. Achtung! Suchkucker! Unurganisierte Handsetzer, Maschinensetzer, Maschinenmeister und Schmeizcrdegeu werden in Berliner Tageszettungen nach austerhalb von einem Herrn Koch in Nieder-Schönhausen gesucht. Die Kollegen sollen dazu gemistbraucht werden, unseren um Besserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen kämpfenden Kollegen in Oesterreich in den Rücken zu fallen. Es ist also Ehrenpflicht jedes Kollegen, unter keinen Umständen Stellung nach Oesterreich anzunehmen. i296b Der Notstand des Vereins der Kerliner Suchdrucker und Schristgießer. Zentral-Verband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands. Filiale Oroß-Berlln. 193/8 Achtung! Töpfer! Die Auszahlung der allgemewcn Weihnachtsuntcrftüvung erfolgt am nächsten Freitag, de» ig. Dezember, im GewerkschastshauS, Engclufer 15, Saal 3, und zwar für die Bezirte: Gesundbrunnen nnd Tchöncberg.... vormittags von 9— 10 Uhr Schönhauser Vorstadt nnd Wetffenscc..„„ 10—11„ Wedding und Südost..........„ 11—12, Osten und Zentrum......... nachmittags„ 2— 3, Moabit, Steglitz. Lichterfelde und Char- lotteuburg...........»„ 3— 4„ Neukölln und Pankow........,„ 4— 5„ Lichtenberg. Köpenick. Friedrichshagen, Reinickendorf. Dempelhof und Ma- riendorf............,, 5— 6„ Zu Bescherende, die an diesem Tage in Arbeit sieben, erheben ihre Unterstützung an diesem Abend von 5—'/,? Uhr. Ter Vorstand. £)pczei»taR'«t s. Haut-, Harn-, Frauenleiden, nero. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata< Kuren in Iis. Homeyer"I? Untersuchung.. Fäden i. Harm usw. Friedrichstr. 81, SÄ Spi. 10—2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Hgnorar mäftig. auch Tcilzahl. Separates Tamenzimmcr. Total-Ausverkauf! aSiofte tvoltzstraße 42. von 2,25 Teilzahlung Wochenrate von 1 M. an Vornehme Hemn-Ilistet MeMtUtze fertig und nach Mass J. Kurzbers Mass-Schneiderei Rosentbaler Str. 3E Frankfurter Allee 104 I Reinickendorfer Sfr. 4 riedr. Stabenow Trauring� ßerlinerstr. 146 ,. c �2 I llanhnr# Lieferant an0 1 1° kl ü b der Konsumgenossenschaft Beparaluren prtisw. g gut, BerUn U-Umgegend Eile zu Weile Spezialhaus für Pelzwaren M S., 119 Dresdener Str. 119 am Oranienplatz. 1000 Peizstolas Schals, Colliers, Pullen offeriere ich infolge günstiger Abschlüsse zu hervorragend hüligen Preisen. Echt Skunks-Stola.. von ää m. an lerzmurmel-Sfola von 13.50 m. an mit Köpfen und Schweifen. Alaska-Fuehs-Imitation.... 7.50 m. Marder,»erz. Persianer, Opssum. Biber, litis etc. in allen modernen Formen stets am Lager.* — genau auf die Firma «11116 Sile zu Weile Dresdener Str. 119 zu achten. 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Beachtung verdienen einige Beschlüsse über weitere Ausgestaltung des Groß-Berliner S t r a ß e n b a h n n e tz e s. Die Verbandsversammlung hatte bisher immer noch einen nur einstweiligen Vorstand gehabt, der für jede Sitzung neu ernannt wurde. Nachdem in der letzten Sitzung endlich die Geschäftsordnung zustande gekommen war. konnte erst gestern zu einer regelrechten Vorstandswahl geschritten werden. Ständiger Vorsitzender ist Oberbürgermeister Mermuth. Berlin, dem dieses Amt durch das Gesetz zugewiesen ist. Für das Geschäftsjahr 1913(bis 31. März 1914) wurden gewählt zu Beisitzern: Stadtverordnetenvorsteher Michelet-Berlin, Oberbürgermeister Scholz-Charlottenburg, Bürgernleister Buhrow-Steglitz, Äammerherr v. Veltheim, zu Beisitzerstell- Vertretern: Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Cassel- Berlin. Oberbürgermeister Ziethen-Lichtenberg. Bürgermeister Langerhans-Köpenick, Landrat a. D. v. Treskow. Gewählt wurden 24 Mitglieder in den Haushaltungsaus- schuh, je 18 Mitglieder in die drei Sonderausschüsse fiir die Geschäftsordnung, für Mahlprüfungen, für Bittgesuche, serner in den Verbandsausschuß an Stelle des ausgeschiedenen Bürgernieisters a. D. Schulz-Lichterfelde der Bürgermeister Langerhans-Köpenick. Es folgte die Beratung von drei Straßenbahn- vorlagen. Der Vorort R o s e n t h a l soll Straßenbahiwerbindung er- halten. Tie Aktiengesellschaft Berliner Elektrische Straßenbahnen will ihre in Berlin an der Mittelstraße beginnende und jetzt in Niederschönliausen au der Plantagenstraße endende Linie bis zum Rosenthaler Bahnhof der Kleinbahn Reinickendorf— Liebenwalde— Groß-Schönebeck verlängern. Die Verbands- Versammlung genehmigte den Vertrag mit der Straßenbahn- ges ellschaft. Rosenthal übernimmt einen Zuschuß zu den Bau- und Betriebskosten. In Steglitz und Schöneberg will die Große Berliner Straßenbahn vom Handjeryplatz durch die Bismarck- und Knausstraße Gleise legen, die an der Saarbrücke das vor- handene�Gleisnctz erreichen. Dadurch wird es möglich, die Linie 87 und 61 bis Steglitz zu verlängern, wofür dann Linie 49 bis zum Augusta-Viktoria-Krankenhaus durchgeführt werden soll. Die Verbandsversammlung stimmte dem Ver- trag mit der Straßenbahngesellschaft zu. ' In Charlottenburg wird die Berlin-Charlotten- burger Straßenbahn ihre Gleise vom Ringbahnhof Jungfern- heide�bis zur Weichbildgrenze gegen Spandau nahe an die Sie in eus-Schuckert- Werke heran weiterführen. Sie sollen nicht, wie ursprünglich mit Charlottenburg ver- eiubart war, auf dem Nomiendamm verlegt werden, sondern auf der neuen Straße 43, die der geradeste Weg ist. Bis zu den Siemens-Schuckert-Wcrken wird eine der am Bahnhof Juugfernheide endenden Linien verlängert, auch soll durch Eiusetzwagen vom Balinhof aus der Arbeiterverkehr bewältigt werden. Der Vertrag über dieses Erweiterungsprojekt hat hiermit noch ein anderes Projekt verknüpft, das eine bessere Verbindung von Charlottenburg, über Schöncberg nach Tempelhos bezweckt. Die Berlin-Charlottenburger Straßenbahn will hierzu die Lutherstraße zwischen Martin- Luther-Straße und Augsburger Straße benutzen. Char- lottenburg hat die Zustimmung davon abhängig gemacht, daß noch eine Strecke von der Neuen Kantstraße nach dem Reichs- kanzerplatz und der Reichsstraße gebaut und Linie 33 oder Linie 93 dorthin durchgeführt wird. Aus eine Anfrage des Stadtverordneten Holenberg- Charlottenburg wegen des Straßenbahnanschlusses zwischen Sophie-Charlotte-Platz und Reichskanzlerplatz und wegen Er- richtung von Straßenbahnwartehallen erwiderte Verbairdsdirektor Steiniger: Dem Bau des Anschlusses steht vom Verband«ichts im Wege. Ob die Landespolizei noch Schwierigkeiten macht, ist nicht bekannt. Errichtung von Wartehallen ist durch Vertrag gesichert. Tie Straßenbahn- gesellschaft geht sehr ungern daran, aber ihre Einwendungen halte ich nicht für begründet. Die Verbandsversammlung stimmte dem Vertrag über die ihr vorgelegten Erweiterungsprojekte zu. Beabsichtigt ist auch, am Spandauer Bock die Charlotten- burger Gleise mit denen der Straßenbahnen von Spandau zusammenzuschließen und eine Linie Neukölln— Berlin— Char- lottenburg— Spandau-Stadtpark zu schaffen. Der Verbands- ausschuß mußte diesen Teil der Vorlage zunächst zurückziehen, weil die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung Spandaus noch aussteht. OrtsKssiiIienKsike Uicdcrbarnirn— flcrztcllrcib. Auch dem Bersichcrungsamt Nicderbarnim ist es nicht gelungen, mit den Aerzten einen Verlrog abzuschließen, der den kranken Kassen- Mitgliedern der neuen Kasse ärzlliche Behandlung sichert. Die .Kassenärztliche Vereinigung im Kreise Nieder- b a r n i m fs erlätzt in Nr. töv des„Niederbarnimer Kreisblatts* vom 14. Dezember dieses Jabres eine Bekanntmachung des Inhalts, datz vom 1. Januar 1914 ab die Mitglieder verpflegtet sind, die Behandlung und Begutacktung der bei der Allgemeinen Ortskronkenkasie Niederbarnim Versicherten nur nach den ortsüblichen Sätzen der PrivatpraxiS(Besuch 3 M. beziehungsweise 2 M., Beratung in der Sprechstunde 2 M. bezw. l.Sl) M., Krankenscheine 2 M.) zu gewähren. Damit haben die Aerzte auch dieser Kasse den Krieg erklärt und man darf gespannt sein, wie sich die Versorgung der kranken Mitglieder dieser Kaste mit ärztlicher Hilfe nach dem 1. Januar 1914 regelt. Vor allem zeigt doch dieser Fall wieder klar, datz es selbst den Behörden nicht ge- lingt, den Eigensinn der Herren vom Leipziger Verband zu bekämpfen und zu brauchbaren Verträgen zu kommen. Aus diesem Vorgonge ist aber auch zu ersehen, welche gewaltige Arbeitsleistung dem neuen Ausschutz und Vorstand der Kasse ver- bleibt und datz alles darangesetzt werden mutz, die am 4. Januar stattfindenden Wahlen zu einem für die Versicherten günstigen Ab- schlutz zu bringen. Die Wahlvorschläge müssen bis 21. Dezember 1913 beim BerficherungSamt eingereicht sein. iw Jorairte" Partei- Hncfelegcnbeiten. Zehlendorf-Wannscebahn. Heute Dienstag, abends Z'/z Uhr, in Miecks Gesellschaftshaus. Karlstr. 12: Oeffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung:»Gegen die Säbelherrschaft in Zobern." Referent: Reichsiagsabgeordneter Georg Ledebour. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Am 2ö. Dezember, nachmittags 3Vz Uhr, findet in demselben Saale eine Weihnachtsfeier statt. Für ein gutes Programm ist ge- sorgt. Es wird ersucht, bei den Bezirkskassierern in den Teilnehmer- listen sich einzuzeichnen. Rosenthal. Die heute fällige Mitgliederversammlung fällt aus. öerbner Nacbricbtern Tie Reklamemarken-Epidemie. Sammelwut kennt keine Grenzen. Hat das Sammeln einen belehrenden Zweck, so ist das gewiß eine schöne Sache. Unsere Museen. Gemäldegalerien, Bibliotheken mit ihrem ungeheuren Kulturwert sind ja auch nur ein Produkt des Sammelns. Leute, die über viel totzuschlagende Zeit und da- neben über das nötige Kleingeld verfügen, sammeln aber auch alte Uniformen, Perücken und alte Stiefel. Porzellan und Kinderpuppen. Autogramme und älmlichen Krimskrams. Wie die Sammelsucht oft weit über ein vernünftiges Ziel hinaus- schießt, beweist die Jagd nach deutschen Briefmarken mit sel- tener ZahlenkomposÄion. Diese Briefmarken haben lediglich Liebhaberwert, aber Tausende drängen und stoßen sich zeit- weilig vor den Postämtern, um den ersehnten� Poststempel zu ergattern. Tausende sind angesteckt von der Suggestionskraft einer sinnlosen Mode und machen einen Rummel mit, für den die Zeit wahrlich besser angewendet werden könnte. Das Sammeln von Postkarten, das vor Jahren alle Welt ergriffen hatte, ist inzwischen stark abgeflaut. So mußte etwas Neues, das aus der Norm fällt, erfunden werden: die Reklamemarke. Nicht nur unsere Schuljugend ist auf die bunten Dinger, die Privat- und Geschäftsbriefen aufgeklebt werden, erpicht. Auch Zehntausende von Erwachsenen beteiligen sich an diesem neuesten Sammelsport, legen ganze Bücher mit Reklame- marken an und feilschen um die Bilderchen an einer regel- rechten Börse, die von der spekulativen Jugend in Schöneberg unter freiem Himmel etabliert ist. Vorwiegend wird ausgc- tauscht, besonders schöne Marken stehen hoch im Kurs, der aber nur Pfennigrechnung kennt. Die Reklamemarken sind natürlich, wie schon der Name besagt, weiter nichts als in der Hauptsache eine Spekulation von Handel, Gewerbe und In- dustrie. Der Geschäftsmann setzt unter ein mehr oder minder gelungenes Bildchen, das allen möglichen Interessengebieten entlehnt ist, den Namen seiner Firma. Selbst kleinste Ge- werbetreibende führen verschiedene Muster von Reklame- marken, um die von Muttern zum Einkauf geschickten Kinder als Kundschaft heranzuziehen. Doch auch schon auf Privat- Personen aller Stände ist die neue Mode übergesprungen. Der Offizier beklebt seinen Brief mit Schlachtenbildern, der Seemann mit Schiffen, der Pfarrer, mit Luther, der Lehrer. mit dem Charakterkopf Pestalozzis, der Schriftsteller mit Dichtern und anderen Geistesheroen, der Detiktiv mit Sherlock Holmes. So gewinnen die Rcklamemarken einen gewissen Wert, wenn sie mit wenigen Worten eine Beschreibung des Bildchens liefern und von allgemein belehrendem Interesse sind. Man sieht aber auch recht alberne Abbildungen, die zum Teil Proselpten für irgendeinen dunklen Zweck machen. Daß darunter die Pfadfinder und der Jungdeutschlandbund nicht fehlen, versteht sich am Rande. Das Beste ist, daß weitere arbeitende Kreise aus dieser Sammelmode. die sich noch eine ganze Weile halten wird, einigen Verdienst er- zielen._ Ein talentvoller Polizeihund. Von den Leistungen der Polizeihunde wird allerlei bekannt, wonach man sich über ihre Brauchbarkeit ein Urteil bilden kann. Die Polizei hat begreiflicherweise den Wunsch, daß ihre Hunde- dressur nicht etwa bloß als Sport eingeschätzt wird, der zlvar viel Geld kostet, aber zur Aufdeckung von Verbrechen wenig beiträgt. Darum sorgt von Zeit zu Zeit sie selber dafür, daß Mitteilungen an die Presse gelangen, die über Erfolge von Polizeihunden be- richten. Im..Vorlvärts" ist aber aus der Arbeit der Polizeihunde und der sie führenden Polizisten auch schon manches geschildert worden, was die Polizei wohl als weniger interessant für die Oeffentlichkeit ansah und daher für sich behielt. Jetzt erfahren wir aus Lichtenberg, aus dem früher Rummelsburg ge- nannten Ortsteil, wieder mal von einer Polizeihundleistung, die dort Aufsehen erregt hat. In einer an der Schlichi-Allee gelegenen Laubenkolonie wurde ein Diebstahl verübt, wobei Hühner und Kaninchen er- beutet wurden. Zur Ermittelung des Spitzbuben erschienen auf dem Gelände der Kolonie ein uniformierter Schutzmann und ein Kriminalpolizist, die einen Polizeihund bei sich führten, um ihn bei der Diebcssuche zu verwenden. Sie durchstreiften zunächst die ganze Kolonie, ohne datz es dem auf die Spur gesetzten Hund ge- lang, etwas zu finden. Erst als er an eine benachbarte Kolonie kam, hielt er plötzlich vor einem am Zaun seiner Parzelle stehenden Kolonisten an, den er nun nach allen Regeln der Kunst„verbellte". Erfreut über den Fang eilten die Polizisten herbei, und dem nicht wenig erschrockenen Mann wurde auf den Kopf zugesagt:„Ach, da haben wir ja den Spitzbuben! Gestehen Sie's nur ein, Sie sind's doch gewesen, der Hund hat Sie ja verbellt." Der Kolonist, ein Sattler E n g m a n n, beteuerte seine Unschuld und forderte sofortige Durchsuchung seiner Laube, seiner ganzen Par- zelle und weiter auch seiner in der Türrschmidtstratze gelegenen Wohnung. Während die beiden Beamten zunächst zur Durch- suchung der Laube schritten, richtete der eine an den Hund einen ihn zur Mitwirkung anspornenden Zuruf. Den faßte der Hund so auf, daß er wütend auf Engmann lossprang, ihn mit kräf- tigen Bissen am Oberschenkel packte und ihm b l u- tende Wunden zufügte. Was den Polizeihund auf Eng- mann hatte aufmerksam werden lassen, wurde dann unverzüglich aufgeklärt. Auf Engmanns Parzelle fanden sich noch Reste der seiner Katze hingeworfenen Eingeweide von Geflügel, das er ge- schlachtet hatte. Es waren Eingeweide nicht von Hühnern, sondern von einem Hahn und von zlvei Tauben, und die Tiere gehörten nicht dem Bestohlenen, sondern Engmann selber. Für Engmann wars ein Pech, daß dem„klugen" Polizeihund dieser kleine Unter- schied nicht bekannt war. Aber warum soll nicht auch ein Polizeihund mal danebengreifen können! Ist es Polizeibeamten nicht schon oft genug passiert, daß sie daneben griffen? Die beiden Beamten, die von dem Hund auf Engmanns Dienstag, tk. Dezember l9t3. Fährte geführt worden waren, mußten sehr bald den Irrtum einsehen. Durch zweifelsfreie Feststellung des Sach- Verhalts wurden sie belehrt, daß der Hund ihnen einen Hineinfall bereitet hatte. Sie gaben jetzt klein bei, und der Kriminalbeamte bat dringend, nichts darüber an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Er versuchte, Engmann wegen des ihm widerfahrenen Schimpfes zu beschwichtigen. Auch erklärte er unaufgefordert sich bereit, die Kosten der ärztlichen Behandlung zu ersetzen, die durch die erlittenen Hundebisse nötig wurde. Uns scheint sehr wünschenswert, daß eine amtliche Aufklärung darüber, wie die Attacke des Polizeihundes zu- stände gekommen ist, herbeigeführt und bekanntgegeben wird. In der Zeit der Hundesperre, wo die Polizei selber immer wieder der Bevölkerung von dem Schrecken der Tollwut erzählt, immer wieder den Hunden und ihren Besitzern die Qual der Sperre verlängert, sollte man solche Vorkommnisse eigentlich kaum für möglich halten. Trotz der angeblich so überaus gefährlichen Situation, die durch die vereinzelten Tollwutfälle geschaffen sein soll, darf ein Polizeihund ohne Maulkorb umherlaufen, so daß er vor den Augen seines Führers einen Menschen durch Bisse ver- letzen kann? Von welcher Art muß eine Polizeihundausbildung sein, die derartiges ermöglicht! Und was für ein Polizeihund- führer mag das sein, der es zu derartigem kommen läßt! Immer mehr zeigt es sich, datz solche Polizeihunde unter solcher Führung eine öffentliche Gefahr bedeuten. Ein städtischer Seefischverkauf findet am 23., 23. und 39. Dezember 1913 und am 1. Januar 1914 nicht statt. Ter allgemeine Lkirchensonntag. Gegen die Kirchenflucht soll der Kirchensonntag helfen. Die beiden Generalsuperintendenten für Groß-Berlin, Händler und Lahnsen, haben die Abhaltung eines allgemeinen Kirchensonntags in Anregung gebracht, der am 11. Januar 1914 in allen evange- lischen Kirchen Berlins stattfinden soll. Es soll dargelegt werden, was die Gemeindeglieder an der Kirche haben und was sie ihr schulden. Helfen wird das nicht viel. Nachtdienst bei der FcrnsprcchvermittelungSstelle in Berlin-Tcgel. Bei der FernsprechvermittelungSstelle in Berlin-Tegel wird vom 13. Dezember ab ununterbrochener Dienst abgehalten werden. Der Nachtdienst erstreckt sich auf den Ortsverkehr, den Nachbarortsverkehr mit Berlin, Berlin-Lichterfelde. Berlin-Licktenbcrg, Berlin-Ober- schöneweide, Berlin-Pankow, Berlin-Reinickendorf(Ost), Berlin- Steglitz. Berlin-Tempelhof, Berlin-Weitzensee, Berlin-Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln und den Vorortsverkehr mit Nowawes, Potsdam, Spandau,-Zehlendorf(Wannseebahn), sowie auf den Fern- verkehr mit denjenigen zum Tagesverkehr mit Berlin-Tegel zu- gelassenen Orten, an denen während der Nachtzeit Fernsprech- vermittelungsdienst abgehalten wird. Der Ausschuß zur Prüfung der Stadtverordneteuwahleu trat gestern abend zu einer kurzen Sitzung zusammen. Proteste lagen von keiner Seite vor und so wurden sämtliche Wahlen für gültig erklärt._ Flugzeugbrand in Johannisthal. In eine gefährliche Situation ist am gestrigen Sonntagvormittag der Flieger Breitbeil in Johannisthal geraten. Breitbeil hatte einen Probeflug auf einem Ago-Doppeldecker gemacht und wollte landtsti Dicht über dem Boden spritzte aus dem Vergaser infolge der Schräg- läge des Doppeldeckers Benzin heraus, das sich an dem heißen Motor entzündete. In wenigen Sekunden sprangest die Flammen auf Tragflächen über und setzten die ölgetränkte Leinewand in Flammen. Breitbeil wahrte jedoch seine Kaltblütigkeit, setzte hart auf, so daß die Maschine schon nach wenigen Metern Auslauf zum Halten kam und rettete sich schleunigst durch Abspringen. Es war auch, die höchste Zeit, da das Feuer bereits die Führergondel erfaßt hatte. Bald darauf explodierte auch der Benzinbehälter, so daß das Flugzeug fast vollständig vernichtet wurde. Breitbeil kam mit nur geringen Ver- letzungen davon. Warnung für Inhaber von Vereiuszimmer«. Inhaber von VereinSziinmern seien vor einem Gauner gewarnt, der folgendermaßen vorgeht. Er gibt an, fiir einen Mandolinen- klub, dessen Vorsitzender ein pensionierter Polizeiwachtmeister sei, ein Vereinszimmer zu suchen. Das alte Vereiuszimmer befinde sich in der Gartenstraße 46 bei Greulich. Er läßt sick vom neuen Wirt einen Fuhrmann besorgen, um da? Inventar abholen zu lönueu. Unterwegs bemerkt er. daß er den Schlüssel vergessen habe und geht dann nach dem neuen Lokal zurück, während er den Fuhrmann be- aufiragt, in dem Lokal in der Gartenstraße zu warten, bis er zurück« kehrt. Dem Inhaber des neuen Lokals erzählt er nun verschiedene Räubergeschichien und pumpt ihn swließlick an unter dem Vorgeben, das Geld werde am andern Tage aus der Vereinskasse zurückgezahlt. Dieser Schwindel ist in zahlreichen Fällen geglückt, weshalb hiermit vor dem etwa 23 Jahre allen Gauner gewarnt sei. Totgequetscht. Im Dienste tödlich verunglückt ist gestern morgen der 38 Jahre alte Wagenwäscher Paul Hagedorn aus der Cauerstraße 2 zu Charlottenburg. Der unverheiratete Mann war seit einem halben Jahre auf dem Stratzenbahuhof VII in der Ackerstr. 3/4 beschäftigt. Bei dem Versuch vom Tor zum Wagenschuppen auf die vordere Plattform hinaufzukommen, wurde Hagedorn zwischen Pfeiler und Wagen so stark gequetscht, daß er besinnungslos hinfiel und liegen blieb. Man brachte den Verunglückten nach der Hilfswache in der Lothringer Straße. Dort starb er schon kurz nach Einlieferung, wie die Aerzte feststellten, an den Folgen schwerer Brustquetschungen. Im Verkehr des Potsdamer Platzes verunglückte gestern vor- mittag gegen 89z Uhr der 46 Jahre alte Gärwer Gustav Neumann aus der Falkcnberger Straße zu Weißensee. Beim Ueberschreiten des Platzes wurde er von einem Straßenbahnwagen der Linie 72 umgestoßen und so heftig zu Boden geschleudert, daß er besinnungs- los liegen blieb. In der Charits, wo man eine Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen feststellte, kam der Verunglückte bald wieder zu sich. Zur weiteren Behandlung mußte er nach der Nervenklinik gebracht werden. Neunuhrladenschluß. Im Ortspolizeibezirk Berlin können die offenen Verkanssstellen vom 16. bis 19. und am 22. und 23. De- zember bis abends 9 Uhr geöffnet bleiben. Ein menschliches Skelett wurde gestern vormittag bei den Aus» schachlungsarbeilen im Universitälsgarlen gefunden. Es mutz lange da gelegen haben. Die Polizei zerbricht sich den Kopf über den Fund, ob möglicherweise ein Verbrechen vorliegt. Die Leiche des Buchdruckers Walter Bernhardt wurde gestarn am Holsteiner Ufer gelandet. ES� liegt Selbstmord vor.— Hünen grausigen Fund machte man Sonntagabend um 6 Uhr in einem Klosetlraum am Treppenflur des Hauses Webcrstr. 41. Dort lag die Leiche eines neugeborenen Knaben, die in weiße Leinewand- streifen eingewickelt war. ArbeiterBildungsschule. Die letzte Stunde des Literatur- lursuS, die in der vorigen Woche wegen des Zahlabends nicht stattfinden konnte, tvjrd am nächsten Mittwoch(17. Dezember) nachgeholt. Ncrlorcn hat eine Arbeiterfrau am gestrigen Montage auf dem Charlottenburger Markt ihr Portemonnaie mit 19,75 M. Geld, einem Pfandschein und einer silbernen Münze. Da es sich um Krankengeld handelt, trifft der Verlust die Verliererin schwer. Es wird um Ab- gäbe gebeten an Frau Schulz, Holzmarktstr. 12. Vorort- �aclmcbtem Neuköll«. Eine Razzia der Neuköllner Polizei erregte am Sonntagmorgen allgemeines Aufsehen. Aus mehreren Herbergen wurden etwa 200 Personen abgeholt und nach dem Polizeipräsidium eskortiert. Der Zug wurde im Morgengrauen von zahlreichen uniformierten und Kriminalschutzleuten durch die Richardstrahe geleitet und es rie nicht geringes Aufsehen hervor, daß auf jeder Seite eine Anzahl Polizeihunde mitgeftihrt wurden. In, Saale des Polizeipräsidiums hat ein Mitverhafteter, wie uns derselbe mitteilt, gerade nicht die besten Erfahrungen gemacht. Als nach kurzer Zeit ein Kriminal- beamter ein Fenster geöffnet hatte, habe er sich, weil er das Stehen nicht mehr aushalten konnte, auf die Fensterbank gesetzt. In dem- selben Augenblick sei ein Beamter gekommen, habe ihn herunter- gerissen und ihm zum Vorwurf gemacht, daß e r das Fenster ge- öffnet habe. Kurz darauf habe er in Gegenwart seiner Mit- verhafteten eine schallende Ohrfeige von dem Beamten erhalten. Als er, der Geschlagene, gegen diese Behandlung protestiert habe, sei er in den Keller in die Zelle abgeführt worden. Auf dem Wege nach der Zelle habe er nochmals eine unwürdige Be- Handlung erdulden müssen. Sein Ersuchen, den Kommissar sprechen zu können, sei völlig unbeachtet gelassen worden. Soweit die Polizei Massenverhaftungen zum Zwecke der Aus- findigmachung gesuchter Verbrecher vornimmt, wird sich hiergegen nichts einwenden lassen. Nur muff auch hier im Interesse unschuldig Sistierter gefordert werden, daß der Transport zur Polizei in einer das Ehrgefühl der Verhafteten möglichst schonenden Weise vollzogen wird. Den Geboten menschlicher Gesittung völlig zuwiderlaufend müßte es indessen jeder Mensch betrachten, wenn sich Polizeibeamte gar herausnehmen wollten, Verhaftete zu schlagen. ES dürste in diesem Falle dem Neuköllner Polizeipräsidenten ein leichtes sein, die Behauptungen deS angeblich Mißhandelten auf seine Richtigkeit zu prüfen, um so mehr, als derselbe angibt, daß eine größere Anzahl Mitverhafteter gesehen haben, als er von einem Kriminalbeamten geschlagen wurde. Eine Untersuchung der Angelegenheit ist nicht nur erforderlich, um dem Beschwerdeführer Genugtuung zu verschaffen. sondern auch um die Polizei von der ungeheuerlichen Beschuldigung, sie übe Prügelprozeduren aus, zu entlasten. Schöneberg. I» der Kirche irrsinnig geworden. Ein aufregender Vorfall spielte sich am Sonntagmittag in der Königin-Luise-Gedächtniskirche in der Sedanstraße ab. Als der Geistliche seine Predigt beginnen wollte, sprang eine auf der ersten Bank sitzende Frau auf. die den anderen Besuchern schon vorher dadurch aufgefallen war, daß sie unaufhörlich bKete mnd dazwischen wilde Drohungen vor sich hin- murmelte, uns begann, gegen die Kanzel gewendet, unzusammen- hängende Sätze hervorzustoßen. Man schaffte die Kranke in eine Nervenheilanstalt, wo festgestellt wurde, daß es sich um eine in Schöneberg wohnende 34 jährige Frau Schn. handelt. Eharlottenburg. Am Donnerstag, den 18. Dezember, findet im VolkShauS, Rosinenstr. 3, ein Vortrag über das Thema:.Das Buch, das du lesen sollst" statt. Dieser Bortrag dürfte für weite Kreise der Arbeiterschaft von Interesse sein, da er insbesondere auch An- regungen bei Neuanschaffung von Büchern für jung und alt geben wird. Die Abgabe von ausländischem Schweinefleisch ist in den städtischen Verkaufsstellen mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Preis» rückgong für inländisches Schweinefleisch bis auf weiteres eingestellt worden. Das in den Verkaufsstellen zum Verkauf gelangende in» ländische Schweine-, Kalb» und Hammelfleisch unterliegt nicht der Preisfestsetzimg des Magistrats. Lichtenberg. Ein Erfolg der Polizei. Die dritte Wiederholung der Kinder- bühnenspiele am Sonntag hatte, dank der MißHelligkeiten durch die Polizei, die größte Besucherzahl aufzuweisen. Wieder mußte Hunderten der Eintritt versagt werden, weil kein Platz mehr vor- banden war. Wären die Lokalitäten Lichtenbergs nicht besetzt, so könnten noch mindestens ebensoviel Wiederholungen vor Weih« nachten stattfinden. Der minimale Eintrittspreis von 10 Pf. pro Person ist in Anbetracht der Darbietungen dazu angetan, den Proletarier- lindern einige Stunden wahrer Freude zu bereiten. Werden nun auch jetzt die Kinderaufführungen unterbrochen, so wird das Früh- jähr ebenbürtige Aufführungen von Kindern bringen. Das Ver- gnügungskomitee erwartet von den Eltern, sofern es wiederum an dieselben herantritt, ihm durch bereitwilligste Ueberlassung der Kinder die altgewohnte Mithilfe nicht zu versagen. Im nächsten Jahre wird das Komitee Darbietungen bringen, die— den Gegnern sowie der Polizei zum Trotz— in den Herzen der Kinder unverwischbare Spuren proletarischen Geisteslebens hinterlassen dürften. Lichterfelde. Heute Dienstag finden die Wahlen zum Ausschuß der OrtS- krankenkasse statt. Da die Gegner die größten Anstrengungen machen, die Liste der Gewerkschaftskommission zu Fall zu bringen, wird die Arbeiterschaft ersucht, sich an der Wahl zu beteiligen. Auch können sich noch Genossen zur Wahlhilfe beim Genossen Moeckel melden. Das Wahllokal befindet sich bei Fritz Wahrendorf, Bäkestr. 7. Wahl» zeit von 4—9 Uhr. Wählt Liste I. Ober-Schönewcide. Die in der letzten Gemeindevertretersitzung genehmigte Ge- meindejahresrechnung für 1912 weist gegen den Voranschlag einen Ueberschuß von 3COOV M. auf; als wesentlicher Faktor zur Herbei- fllhrung dieses Resultates hat sich die Einführung der besonderen Gewerbesteuer erwiesen, durch die die Zensiten der ersten Gewerbe- steuerklaffe— die industriellen Großbetriebe— nach den gezahlten Löhnen und Gehältern berechnet, erfaßt werden. Als besondere Eigentümlichkeit mag die Tatsache gelten, daß die Gemeinde zu ihren laufenden S ch u l l a st e n im Betrage von 521 000 M. vom Staate nur einen Zuschuß von sage und schreibe 12 900 M. erhalten hat. Für das Armen Wesen ist nach der Rechnung von der Gemeinde ein Zuschuß von 60 000 M. auf- gewendet worden; darin offenbart sich der Charakter als Industrie- gemeinde, deren Bevölkerung schwer mit dem Dasein zu kämpsen hat. Nach den bis jetzt vorliegenden Angaben für das RechnungS- jähr 1913 steht zu erwarten, daß troß der großen Aufwendungen, die die Gemeinde zurzeit für Umwandlung der Kanalisation, für Straßenverbesserungen und Schulbau zu machen hat, der Steuerzuschlag für 1914 nicht erhöht zu werden braucht. «Ssihensee. Ans der Gemeindevertretung. Gegen den Magistrat von Berlin soll eine Klage angestrengt werden wegen Zahlung von 387 Mark, die dadurch entstanden sind, weil ein Berliner Kind in dem hiesigen Säuglingskrankenhause aufgenommen wurde, das in den Kinderkrankenhäusern Berlins keinen Platz fand. Das Kind schwebte nach ärztlichem Gutachten in Lebensgefahr, und die gütlichen Verhandlungen mit dem Magistrat scheiterten. Der Klage wurde stattgegeben. Zu Anfang nahm der Bürgermeister Dr. Woelck abermals Stellung gegen einige Auslassungen des Borsitzenden deS Aussichtsrats der Wcißenseer Bank, Herrn Rechtsanwalt Appelrath, die in der öffent- lichen Erklärung der Finanzkommiision schon besprochen waren. Er wurde hierin von den Schöffen Dr Klamroth und Rothe unterstützt. In der geheimen Sitzung wurde noch die Aufnahme einer Anleihe von 1 Million Mark für den Grunderwerbsfonds beschlossen. Außer- dem wurde ein Angebot aus Einräumung eines Nießbrauchrechtes angenommen. In einer am Dienstag stattfindenden Sitzung wird in geheimer Verhandlung nochmals Stellung genommen zu einer Sanierung der Weißenseer Bank. Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Mon- tagnachmittag gegen 3% Uhr vor dem Hause Berliner Allee 251. Dort lief das dreijährige Töchtercheu Else des Arbeiters Rotzoll, das auf dem Damm spielte, plötzlich unmittelbar vor dem heran« kommenden Motorwagen 1470 der Linie 62 aus das Gleis. Ehe der Fahrer seinen Wagen zum Halten bringen konnte, geriet das Kind unter den Vorderperron und den Schutzrahmen. Mit Hilfe von Passanten wurde der Straßenbahnwagen angehoben und das Mädchen hervorgezogen. Man schaffte die Kleine in das Weißenseer Kranken- haus, wo sie jedoch bald darauf verstarb. Kaulsdorf. Zur letzten Gemeinbevertretersitzuug hatten sich mehrere Frauen als Zuhörer eingefunden; der Gemeindevorsteher ersuchte die Ver- sammlung darüber abzustimmen, ob die anwesenden Frauen den Verhandlungen beiwohnen dürfen. Er bezog sich auf eine Bestim- mung der Landgemeindeordnung, wonach es heißt, daß Männer den Sitzungen beiwohnen„können". Unsere Genossen betonten, daß man sich nicht die preußische Polizeilogik zu eigen machen sollte: „was nicht ausdrücklich gestattet ist, ist verboten", sondern umge- kehrt:„erlaubt ist, was nicht besonders verboten ist." Des weiteren führten sie aus, daß in allen Parlamenten Frauen Zuhörer sein dürfen und daß die Gemeinden die Mitarbeit der Frauen nicht ent- raten können, wie ja auch die Verhältnisse bei uns im Orte zeigen, daß in der Armenkommission Frauen tätig sind. Einer der bürger- lichen Herren machte die Gemeindevertretung damit graulich, daß die in Anwesenheit der Frauen gefaßten Beschlüsse anfechtbar wären, unsere Genossen standen daher bei der Abstimmung allein. Alsdann teilte der Gemeindevorsteher mit, daß der Besitzer des Badeschlößchens gegen eine Pauschalgebühr von 40 M. allen Schul- kindern freien Eintritt während der Eislaufsaison gewährt. Von unserer Seite wurde ja wohl die Billigkeit dieses Angebots aner- kannt, nicht aber die Zweckmäßigkeit, da die betr. Eisbahn an der nördlichen Peripherie des Ortes liegt und daher dem größten Teil der Schulkinder geringen Nutzen bietet. Unsere Genossen bean- tragten nochmals, den«L-chulhof, der zentrale Lage hat, in eine Eisbahn umzuwandeln und die Mehrkosten dafür zu bewilligen, damit in den kurzen Wintertagen alle Kinder schon während der Pausen und Turnstunden sich aus dem Eise tummeln können. Es wurde beschlossen, das Angebot des Besitzers zu akzeptieren.— Bei der Aenderung der Bedingungen für die Erteilung der Aus- nahmebaugenehmigung wurde von unseren Genossen angeregt, die in Aussicht genommene provisorische Bürgersteigbefestigung bald vorzunehmen, um den zahlreich im Orte tvohncnden arbeitslosen Bauarbeitern Beschäftigungsmöglichkeit zu bieten. Vom Ge- meindevorsteher wurde entgegnet, daß zurzeit der Gemeinde die notwendigen Mittel fehlen und daß zur Durchführung des Planes die finanzielle Heranziehung der Anlieger notwendig sei. Be- schlössen wurde dann, den stark benutzten Weg vom Tunnel bis zur Friedrichstraße zu pflastern.— Der Abschluß der Jahresrechnung 1912 des Gemeindehaushalts ergibt nach verschiedenen Vorträgen auf das Jahr 1913 einen Bestand von 10 000 M. Die Neuregelung der Gehaltsbezüge aller in Gemeindediensten beschäftigten Per- sonen bringt eine allgemeine Aufbesserung im neuen Etatsjahr. Den Gemeindearbeitern wurde pro Woche 1 M. Zulage bewilligt mit rückwirkender Kraft vom 1. November.— Eine rege Debatte brachte noch der von unseren Genossen gestellte Antrag, allen Per- sonen, die aus einer anderen Landgemeinde zugezogen und zur Zeit der Aufstellung der Gemeindcwählerliste noch nicht ein Jahr am Orte wohnen, aber sonst die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen, das Wahlrecht zu erteilen. Nachdem dieser Antrag abgelehnt, wurde von unseren Vertretern ein neuer formuliert, wonach auf Antrag der betreffenden Personen der Gemeindevorsteher dem An- trage stattgeben kann, ohne daß erst die Gemeindevertretung Stellung hierzu nimmt. Dieser Antrag ergab sich aus der Tat- fache, daß die Gemcindevertretersitzung im Januar zu spät statt- findet, um dazu Stellung zu nehmen und die Antragsteller sonst uin ihr Recht kommen, wie dies vor zwei Jahren der Lall toar. Mit vier Stimmen bei sieben Enthaltungen wurde der Antrag an- genommen. Johannisthal. Aus der Gemcindevertreterfitzimg. Zu der von unseren Genossen in voriger Sitzung angeregten Frage der Arbeitslosenunterstützung lag ein Antrag der Finanzkommission auf Bewilligung eines Kredits von 500 M. zur Deckung einer Arbeitslosenunterstützung vor. Die Unterstützung ist als Darlehen gedacht und auch von der Gemeinde- Vertretung in dieser Form angenommen. Die Herren Dr. Dietrich und Scherfling unterstützten Erweiterungsanträge unserer Genossen gegenüber den Kommissionsvorschlägen. Es wurden mit 7 gegen 5 Stimmen, welch letztere sich auf den Kommissionsantrag ver- einigten, folgende Grundsätze aufgestellt: Die Unterstützung soll im allgemeinen bis zur Höhe von 60 M. in wöchentlichen Raten von höchsten« 10 M. an verheiratete, ein Jahr am Orte wohnende arbeitslose Personen gezahlt werden, wenn dieselben im vorauf- gegangenen Jahre vier Wochen arbeitslos waren und nachweisen können, daß die letzte Arbeitslosigkeit von mindestens einwöchiger Dauer war. Da der in der Vorlage beantragte Kredit von 500 M. zur Deckung der Unterstützung voraussichtlich nicht ausreicht. heantragte Herr Dr. Dietrich, denselben auf 1000 M. zu erhöhen; es wurde demgemäß beschlossen. Endlich dürfte auch der Platz für die Turnhalle gesichert sein. Erworben ist von der Gemeinde hierfür das Gelände»«eben der Schule in der Friedrichstraße. ES soll mit dem Baurat Königsberger eventuell wegen Aufstellung des Projekts verhandelt werden. Bohnsdorf. Mit dem Lokalbovkott hatte sich die letzte Mitgliedervcrsamm- lung des Wahlvereinö zu befassen. Am Ort befinden sich zlvci Lokale, die oer Arbeiterschaft hartnäckig verweigert werden: oaö Reswurant„Zu den vier Jahreszeiten", Inhaber Wilhelni Wirth, und das„Parkrestaurant". Inhaber Max Schulz. Die Bildungsbestrebungen der Bohnsdorfer Arbeiterschaft haben dadurch sehr zu leiden, weil sich das zur Verfügung stehende Lokal als viel zu klein erwiesen hat. Alle Vorstellungen der Lokalkommission bei den beiden Saalbefitzern waren bisher ohne Erfolg. Jeder von diesen beiden Wirten will sein Lokal freigeben, wenn es der andere tun würde, doch hat keiner von beiden die nötige Courage dazu. Bohnsdorf verfügt über eine gute Parteiorganisation bon über 200 Mitgliedern und stellt über 85 Proz. sozialdemokratischer Landtagswähler. Die Versammlung hat deshalb beschloffen, im Frühjahr den Lokalkampf mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aufzunehmen.— Den Bericht der Gemcindevertreter gab Genosse Schiffte. Redner betonte, daß das Ortsoberhaupt den einmal gefaßten Beschlutz, die Gemeindevertretersitzungen minde- stens alle Monate einmal stattfinden zu lassen, nicht respektiere. Als unsere Genossen dieses Verhalten rügten, habe er erklärt, daß, wenn man mit Gewalt auf der Ausführung des gefaßten Be- schluffes bestehen würde, er sich überhaupt nicht danach richte. Die bürgerliche Mehrheit habe darauf beschlossen, die Einberufung der Gemeindcvcrtretersitzungeu in das Belieben des Gcmeindevor- steherS zu stellen.— Tie verarmten Witwen erhalten je 10 M. als Weihnachtsgeschenk; ein Antrag unserer Genossen, 15 M. zu bewilligen, wurde abgelehnt.— Einem langgehegten Wunsche, in der Paradiesstraße einen Brieflasten aufzustellen, hat die Oberpost- direktion entsprochen. Rosenthal. Reiche Beute machten Diebe in der Nacht zum Sonntag. GZ wurde in das in der Hauptstraße belegene Gold«, Silber- und Uhren- geschäft von Artur Trenner eingebrochen. Die Diebe durchschnitten die Jalousie, räumten das Schaufenster aus und entwendeten Uhren und Silbersachen im Werte von 2—3000 M. Potsdam. Das Werner-Atfred-Bad in der Kaiser-WUhelm-Straße, das dem Andenken des verunglückten Aviatikers Werner Alfred Pietschker von seiner Mutter geweiht wurde und als Werner- Alfred-Bad-Stistung in die Verwaltung der Stadt übergeht, ist am Sonntag seiner Bestimmung übergeben worden. Die Fassade des Baues zeichnet sich durch würdige Gediegenheit aus und zwei Bronzefigurcn am Eingang— Adam und Eva— symbolisieren den Zweck der Anstalt. Jede Abteilung des Bades ist durch einen separaten Zugang erreichbar. Im Untergeschoß liegen die Braufeabteilungen, darüber die Wannen- und Medizinalbäder. Der Hinterbau beherbergt im Untergeschoß die Wäscherei, die auf das modernste eingerichtet ist. Durch eine besonders sinnreiche Apparatur wird dem Baderaum stets frische, vorgewärmte Luft zugeführt, die die verbrauchte Lust verdrängt. Der Sauberkeit wegen sind für die Wände vielfach Kacheln verwendet. Im Ma- schinenhaus liegen zwei große Keffcl. die automatisch mit Wasser gespeist werden. Der auf dem Nachbargrundstück noch verfügbare Raum wird später zur Anlage eines Licht- und Sonnenbades ver- wendet. Nieder- Schönhause»». Linie 23. Um einen Ueberblick darüber zu gewinnen, wie viel Fahrgäste Frühwagen der Linie 23 benutzen würden, ist aui der Polizeiwache eine Liste ausgelegt, in die sich diejenigen Einwohner, die in den Morgenstunden Frühwagen dieser Linie znr Erreichung ihres BeschäftigungsorteS benutzen würden, eintragen können. Das Ergebnis der Umfrage soll dazu dienen, die Große Berliner Straßen- bahn zur Einsetzung von Frühwagen zu veranlassen. Nowawes. Gcmeindcvertretersitzung. Nach Mitteilung des Bürgermeisters betrug der von der Gemeinde eingerichtete Verkauf an Seefischen in der Zeit vom 19. August bis 21. November insgesamt 8045 Pfund. An die Einführung und den Verkauf von russischem Fleisch kann nach Ansicht der Marktkommission vorläufig nicht gedacht werden, da ein diesbezüglicher Antrag im vorigen Jahre vom Landrat ab- gelehnt wurde und eine neuerliche Eingabe gegenwärtig unzweck- mäßig erscheint.— Beschlossen wurde der Erlaß einer Polizeiver- ordnung, die den Gruppenhausbau auf der Kleinen Sandschollc zuläßt. Die Angelegenheit hatte die Gemeindevertretung bereits in verschiedenen Sitzungen beschäftigt, ohne zu einem endgültigen Beschluß zu führen, bis sich einige Vertreter durch persönliche In- augenscheinnahme von solchen Bauten in Grünau-Falkenberg und Steglitz von der Haltlosigkeit der gegen den Grnppenhausbau geltend gemachten Bedenken überzeugten. Die Höchstlänge der Gebäude- gruppen wurde auf 60 Meter festgelegt.— Die Pflasterung der Eisenbahnstraße und des Lutherplatzes hat statt der veranlagten 26 000 M. nur 23 300 M. gekostet. Die mit 50 Proz. zu den Kosten herangezogenen Anlieger haben danach 31,98 M. pro laufenden Meter zu zahlen.— Der Punkt„Ortsstatutarische Regelung der Skraßenreinigung" löste eine längere Debatte aus, an der sich Redner aller Abteilungen beteiligten. Während der vorgelegte Statutenentwurf die Verpflichtung zur Reinigung aller innerhalb der geschlossenen Ortslage belegenen öffentlichen Wege den An- liegern auferlegt wissen wollte, vertrat Gemeindevertretcr Reiff den Standpunkt, daß die Straßen Gemeingut seien und daher zu deren Reinigung allein die Gemeinde verpflichtet sei. Die mit Steuern bereits überbürdeten Hausbesitzer könnten eine weitere Belastung durch die Verpflichtung zur Reinigung nicht ertragen, der Gemeinde müßte es jedoch möglich sein, die Kosten zu übernehmen, da ja für andere Zwecke auf Geld vorhanden sei. Die für die Gemeinde auf etwa 27 000 M. pro Jahr veranschlagten Kosten würden sich wohl erheblich niedriger stellen; im vorigen Jahre habender Straßenmeister z. B. nur etwa 17 000 M. hcrausgercchnel. Sehr bedenklich erscheine es ihm, die Hausbesitzer unter die Aufficht der Polizei zu stellen, die trotz gegenteiliger Versicherung des Bürgermeisters nicht immer so nachsichtig sein würde, wie es notwendig wäre. Syndikus Golisch wies darauf hin, daß das vorgeschlagene Reini- gungssystem auch in anderen, sogar großen Kommunen eingeführt sei und sich dort bewährt habe. Genosse Neumann erklärte, daß er mit seinen Fraktionskollegen auf dem gleichen Standpunkt w:e Gemeindevertreter Reiff stehe; auch er sei der prinzipiellen Mei» nung, daß die Gemeinde zur Straßenreinigung verpflichtet ist. Aber durch die Uebernahmc der Reinigung wäre die Gemeinde gezwungen, die ohnehin hohen Steuerzuschläge um mindestens 10 Proz. hinaufzuschrauben, was im Interesse des Ortes unter allen Umständen verhindert werden muß. � Auf Anfrage des Ge- meindevertreters Schneider teilte der Stra>enmeistcr mit, daß von den auf 27 000 M. veranschlagten Kosten etwa 10 000 M. auf die Gemeinde stür Reinigung der Wegkreuzungen und Plätze entfallen würden, während die Anlieger den Rest von 17 000 M. zu tragen hätten. Für den Erlaß des Ortsstatuts stimmten von 19 anwesen- den Gemeindcvcrordneten 15.— Zum Punkt Verstärkung einiger Etatstitcl für das laufende Etatsjahr lag auch ein Antrag der Müllabführgenossenschaft vor auf Erhöhung der ursprünglich auf 380 M. bemessenen Summe für Mitabfuhr des der Gemeinde gehörigen Mülls auf 500 M. Genosse Neumann erinnerte hierbei, wie verkehrt die Gemeinde gehandelt habe, als sie die Müllabsuhr in eigener Regie wegen des anfänglichen Desizits ausgab. Wenn sie die Gebühren erhöht hätte, wie es die Genossenschaft getan hat, dann könnte sie heute dasselbe leisten. Der Bürgermeister erhob den Einwand, daß die Gemeinde schon deshalb nicht so billig habe arbeiten können wie die Genossenschaft, weil die Gemeindearbeiter eine geregelte Arbeitszeit haben und deshalb nicht so ausgenutzt werden können, wie die vom Fuhrurternebmer beschäftigten Ar- beiter. Genosse Neumann widerlegte diese Ansicht jedoch mit dem Hinweis darauf, daß auch der für die Genossenschaft tätige Fuhr- Unternehmer in seinem Betriebe eine geregelte Arbeitszeit habe und seinen Arbeitern nicht nur tarifliche Löhne zahle, sondern auch etwaige Uebcrstunden entschädige. Kirchenaustritt und Amtsgerichtspraxis. Die von uns in Nr. 327 mitgeteilte Methode des Amtsgerichts Kalkberge, den Kirchenaustrittswilligen durch ungesetzliche Maß- nahmen allerlei Schwierigkeiten zu bereiten, scheint, wie man uns mitteilt, auch beim Amtsgericht Königs- Wu st erhaufen An- Wendung zu finden. Auch hier sind Personen, die ihren Austritt aus der Kirche an- gezeigt haben, zum I. bis 14. Januar 1914 zur mündlichen Erklärung bestellt. � Es sei nochmals darauf Hingewlesen, daß diejenigen Personen. die ihre schriftliche Sustrittserklärung vor dem 2. Dezember abgesandt Haben, vom 29. bis 31. Dezember mündlich ihre Austritts» erklärung während den Dienststunden abgegeben können; andern» falls müsien die Kirchensteuern ein Jahr länger gezahlt werden. Das Amtsgericht Kalkberge hat. wie man uns mit- teilt, seinen Irrtum bereit« berichtigt, indem eS den Antragstellern, die am 1. Dezember ihre Austrittserklärungen eingesandt batten, jetzt durch Schreiben bekannt gibt, daß dieselben nicht erst in der Zeit vom 1. bi» 14. Januar 1914, sondern bereits vom 29. De« zember 1913 ab bis zum 11. Januar 1914 zwecks Abgabe ihrer«ustrittserklärung sich melden können. Leider scheint auch hier ein erneuter Irrtum obzuwalten. Da der 11. Januar 1914«in Sonntag ist. verlängert sich nach den gesetzlichen Bestimmungen die Frist zur Abgabe einer Willenserklärung um einen Tag. wenn der letzte Tag der vorgeschriebenen Frist auf einen Sonntag fällt und läuft erst an dem auf den Sonntag nächstfolgenden Werktag ab- Demnach ist letzter Fristiag Montag, der 12. Januar 1914. Das Amtsgericht Kalkberge hat deshalb die Pflicht, eine Richtig- stellung seiner Richtigstellung vorzunehmen, will es sich nicht dem Borwurf aussetzen, den mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht vertrauten Austrittslustigen die Abgabe der Erklärungen erschwert zu haben._ Sitzungstage von Stadt- und tSemeindevertretungen. Lichtenberg. Donnerstag, den 18. d. M., abends 6 Uhr, im Rathaus, Möllendorfstratze. Mühlenbeck. Heute Dienstag, abends 8 Uhr. bei Müller. Teltow. Heute Dienstag, abends S Uhr, im Rathaus. Tieft Sitzungen sind össentlich. Jeder Gemeindeangehörige il be- «chtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Gericbts-Zeitung. In Verzweiflung. Durch das gefährliche Doppelspiel ihres Bräutigams hat sich die 28jährioe Wirtschafterin Karolme Servaik zu einem verzweifelten Racheakt hinreiben lasten, der sie nun gestern unter der Anklage der wissentlich falschen Anschuldigung vor die 5. Straf- kammer des Landgerichts I führte. Die Angeklagte war drei Jahre lang mit dem Postboten Strulve verlobt gewesen. Da der Hochzeitstermin auf Pfingsten d. I. festgelegt war, kündigte sie ihre Stellung und richtete sich mit ihren Ersparnissen eine Wohnung ein. Nach ihrer Behauptung will sie auch ihrem Bräutigam 300 M. gegeben haben, die er aber nicht zu Anschaffungen für den künftigen Haushalt verwandte, sondern in den Kneipen verbracht haben soll. Das Mädchen hatte voller Hoffnung auf zu- künftiges Glück keine Bedenken, auch ihre letzten Spar- g r o s ch e n für alle möglichen Anschaffungen auszugeben. Einige Tage vor dem angesetzten Hochzeitstermin wurde ihr mitgeteilt, daß ihr Bräutigam hinter ihrem Rücken seit längerer Zeit mit einer Plätterin ein Liebesverhältnis unterhalte. Sie traf dann eines Abends ihren Bräutigam Arn: in Arin mit der Plätterin auf der Strohe. Mit dein Rufe:„Du Schuft 1* brach die aus allen Himmeln gerissene Enttäuschte ohnmächtig zusammen. Der Bruder des Struwe nahm sich der völlig Gebrochenen, die nun ohne Geld und ohne Stellung dastand, an und gewährte ihr, da sie erkrankte, drei Wochen in seiner Wohnung Obdach. In dieser verzweifelten Situation ließ sich die Angeklagte zu einer törichten Tat hinreihen, die ihr die jetzige Klage einbrachte. Sie richtete an die Kriminal- Polizei eine Postkarle, in welcher sie ersuchte, den Post- boten Struwe zu beobachten, da dieser sich de§ Verbrechens gegen den§ 218 an seiner früheren Braut schuldig gemacht habe und der Verdacht bestehe, dah er an seinem jetzigen Verhältnis ähnliche Handlungen vornehme. Diese anonyme Denunziation hatte zur Folge, dah gegen Struwe ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Dies ergab die völlige Halt losigkcit der Verdächtigung. Bor Gericht gab die Angeklagte unter Tränenströmen zu, ihren Exbräutigam aus Rache falsch beschuldigt zu haben. StaatSanwaltschasts- rat Dr. FuchS beantragte die niedrigste gesetzlich zulässige Strafe von einem Monat Gefängnis. Das Gericht erkannte auf einen Monat Gefängnis und beschloh das vom Verteidiger in Aussicht gestellte Gnadengesuch der Angeklagten zu befürworten. Ter falsche Kriminalkommissar. Eine Art Grohmannssucht hat den Händler Ernst F r e d r i ch zu verschiedenen Straftaten geführt, wegen deren er sich gestern vor dem Strafrichtcr zn verantworten hatte. Der Angeklagte verkehrte häufig in der Schanlwirtschaft von Hintzmann in der Holzmarktstrahe. Da er sich stets etwas abseits von den übrigen Gästen hielt, brachte irgend jemand eines Tages auf, dah er Kriminalbeamter fei. Als er gefragt wurde, ob er Kriminalschutzmann sei, hüllte er sich in ein vielsagendes Schweigen. Allmählich schien er sich in diese Rolle hineinzuleben, er führte überall das grohe Wort und gab sich schliehlich auch selbst als Kriminalbeamter aus, nachdem er infolge verschiedener„Gratis- Lagen" erkannt hatte, dah sich aus seiner angenommenen Rolle sogar Kapital schlagen lasse. Eines Abends, als er ziemlich stark unter Alkoholdruck stand, verstieg er sich sogar dazu, eine regelrechte Verhaftung in dem Lokal vorzunehmen. Er sah dort mit einer Frau, die er als seine Ehefrau ausgab, als ein gewisser Kutz das Lokal betrat. Als ihm seine„Frau" in Gegenwart anderer Gäste erklärte, dah dieser sie einmal beleidigt habe, ging er auf ihn zu, hielt ihm ein Pennystück als ErkennungS- marke unter die Nase und erklärte ihn„im Namen deS Gesetzes" für verHaftel. Mit sicherem Polizeigriff schleppte er den völlig Ueberraschten bis dicht an die nächste Polizeiwache, wo er sich dann plötzlich empfahl und den etwas verdutzten„Verhafteten" stehen lieh Er ging dann in daS Lokal zurück und erzählte hier, dah er den Verhafteten in Nummer Sicher gebracht habe. Als er gerade dabei war, einen Fall auS seiner „kriminalistischen Praxis" zu erzählen, bei dem er wahre Heldentaten verrichtet habe, ging die Tür auf und herein trat der soeben Verhaftete in Begleitung eines Schutzmanns. Der „Herr Kriminalbeamte" muhte nun nochmals den Weg zur Polizei- wache antreten, allerdings in etwas veränderter Rollenbesetzung. Das Gericht erkannte auf sechs Wochen Gefängnis unter Anrechnung von vier Wochen der erlittenen Untersuchungshast. Der entflohene Aiigeklagte. Durch die vvn dem Unwetter am vergangenen Sonntag begünstigte Flucht eines Zuchthäuslers wurde gestern ein vor der 7. Strafkammer des Landgerichts l angesetzter Termin vereitelt. Es sollte gegen Adolf F ö l k e l, einen vielfach vorbestraften Einbrecher, verhandelt werden, der zurzeit in dem Zuchthause zu Naugard eine längere Strafe verbützt und noch vor dem Strafrichter ein nachträglich zur Kenntnis gekommenes Schuld- konto zu begleichen hatte. Der Angeklagte sollte, wie üblich, mit einem Transporteur nach Berlin geschafft und hier im Unter- suchungsgefängniS abgeliefert werden. Statt des Angeklagten traf ein Brief des Transporteurs ein, in welchem dieser mitteilte, dah Fölkel entflohen sei. Er habe den Sträfling ordnungsgemäh gc- sestett nach dem Bahnhot Naugard bringen wollen. Während deS plötzlich ausbrechenden Unwetters habe ihm F. plötzlia, einen Stoh versetzt und sei im Nu in der Dunkelheit verschwunden gewesen. DaS Gericht muhte die Verhandlung vertagen. Film und Zensur. 1. Die öffentliche Aufführung eines Films in vier Abteilungen, der sich betitelt:„Der Satan" oder„Das Drama der Menschheit" war vom Berliner Polizeipräsidenten verboten worden. Auf Be schwerde der Filmfirma Neinhardt hielt der Oberpräsident daS Verbot aufrecht, soweit der zweite Teil„Leben und Leidens- geschichte des Heilands bis zur Auferstehung", und der letzte Teil „Wirken deS Satans im modernen Leben" in Frage kommen. Gegen dies noch bestehen gebliebene teilweise Verbot richtete sich die Klage der Firma. Das Ober Verwaltungsgericht wies die Klage ab. nachdem es einer Probeausführung des Films beigewohnt hatte. Gründe: Der Senat erkenne an, dah die künstlerische Darstellung im gröhlen Teile des Films von hoher Vollkommenheit sei. DaS bindere aber nicht die Beurteilung im Hinblick aus§ 10, Teil 2. Titel 17 des Allgemeinen Landrechts, wonach die Polizei zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung einschreiten könne. Denil der zweite und der vierte Teil, um deren Verbot es sich nur noch handele, träten im ganzen nicht so wesentlich� hervor, dah man sagen könnte, das Künstlerische herrsche bei ihneir vor. Was den zweiten Teil angehe, bei dem Christi selbst auf dem Film erscheine, so sei der Senat der Meinung, dah die Leidcnzeit Christi, durch den Film vorgeführt, das religiöse Gefühl der Zuschauer in einem Kulturstaate auf dos Tieffte verletzen müsse. Das religiöse Empfinden in einem Kultur st aate sei aber ein Teil der öffentlichen Ordnung. Wenn das verletzt werde, so müsse dagegen eingeschritten werden. Das Verbot des zweiten Teils des Films sei darum berechtigt.— Und was den vierten Teil des Films angehe, so bringe er vieles zur Darstellung, was das Sittlichkeits- und Schamgefühl auf grobe Weise verletze. Auch das Sittlichkeits- und Schamgefühl sei ein Teil der öffentlichen Ordnung, so dah sich auch mit Bezug auf diesen vierten Teils des Films das polizeiliche Einschreiten rechtfertige. 2. Pädagogische Gründe wurden vom Berliner Polizeipräsidenten für das Verbot der Vorführung eines Films vor Kindern geltend gemacht. Der Film„Die drei bösen Buben" schildert Bubenstreiche in einem englischen Pensionat, die sich gegen eine Respektsperson aus diesem Pensionat richten. Der Polizei- Präsident und sein pädagogischer Berater sehen darin eine Ber- höhnung der Autorität, die, vom erzieherischen Standpunkt gesehen, die Borführung dieses Films vor Kindern höchst bedenklich erscheinen lasse. Der BezirkSauSschuh gab der von der Filmfirma er- hobenen Klage statt und hob das Verbot auf. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte das Urteil: Es handele sich um harmlose Scherze, von deren Aufführung man nicht sagen könnte, dah die Wirkung auf die Kinder eine solche sein müsse, dah sich ein Einschreiten rechtfertige. In einem ähnlichen Falle, betreffend das Verbot der Vorführung des Films„Schulze als Fesselkünstler" vor Kindern, ent- schieden BezirkSauSschuh und Oberverwaltungsgericht ebenfalls auf Aufhebung des Verbots._ Hus aller Alelt. Riefenbrand im Bcbweriner Schloß. Durch ein gewaltiges Schadenfeuer ist in der Nacht zum Montag ein großer Teil des prachtvollen Grobherzoglichen Schlosses in Schwerin zerstört worden. Das Feuer wurde am Sonntag abend gegen Cst/z Uhr entdeckt. ES kam im zweiten Stockwerk des nach dem Burgweg gelegenen Flügels aus und ver- breitete sich von hier aus sehr schnell. Vermutlich ist ein Heizungsdefekt die Ursache des Brandes. Vom Elisabeth zimmer auS griff der Brand zunächst auf den sogenannten „unfertigen Saal" sowie nach den Gobelin-Zimmern über. Dieser Bau stand bald in bedeutendem Umfange in Flammen. Das Feuer Pflanzte sich bei dem bis ein Uhr morgens herrschenden sturmartigen Wind immer weiter fort, und der ganze Dach- stuhl deS Südflügels wurde erfaßt. Im Südflügel brach eine Giebelfront zusammen und durchschlug die Decke des Goldenen Saales, der einstürzte. Der ganze w e st liche Bau wurde ein Raub der Flammen und mit ihm die Elisabeth-, die Strelitzer- und die Gobelinzimmer, ebenso der„unfertige Saal". In letzterem befand sich viel Mobiliar. Im Elisabethsaal befanden sich kostbare Möbel und in den Gobelinzimmern wertvolle alte GybelinS. In dem Turm, der bald bis in die Spitze in hellen Flckmmen stand, explodierte ein groher Vorrat von Jagd- p a rc o n e n. Da die Lage immer gefährlicher wurde, wurde von Rostock und Hamburg Hilfe erbeten. Die Rostocker Feuerwehr traf um 2llt Uhr mit einer Dampfspritze ein. Um 3 Uhr folgte die Hamburger Feuerwehr mit vier Dampsspritzen. Die Rostocker Feuer- wehr konnte noch bei der Rettung des Hauptportals Hilfe leisten. Auch Militär wurde requiriert, um sich in den Teilen deS Schlosses, die noch nicht vom Feuer ergriffen waren, an den Rcttungsarbeiten zu beteiligen. Der durch den Brand angerichtete Schaden wird auf etwa zwei bis drei Millionen Mark geschätzt. ** * Mit dem obengenannten„ u u f e r t i g e n S a a I" hat eS eine eigenartige Bewandnis. Er ist unfertig geblieben, weil in den Hof- kreise» der Aberglaube herrscht, dah nach Fertigstellung deS Saales die grobherzogliche Familie abgesetzt und aus dem Lande gejagt würde. ** * Das Schloh in Schwerin ist in den Jahren 184S— 1858 nach den Plänen des Architekten und Baumeisters Hofbaurats Adolf Demmler erbaut worden. Temmler war Demokrat und wurde im Jahre 1851 wegen seiner politischen Anschauung gemahregelt und ohne Pension entlassen. Demmler versuchte, auf seinen Bauten zu gunsten der Arbeiter den II n t e r n e h m e r g c w i n n auSzu- schalten und zog sich dadurch den Hah der ehrbaren Schweriner Spieher zu. Wiederholt wurden ihm Katzenmusiken darge- bracht, die Fensterscheiben seiner Wohnung wurden ihm ein- geworfen u. a. m. Später schloh sich Demmler der Sozial- demokratie an. Im Jahre 1877 tvurde er im Landkreise Leipzig als Vertreter der Arbeiter in den Reichstag gewählt, verzichtete aber 1878 nach der Auflösung auf die Wiederausstellung. Eisenbahnkatastrophe durch Tunneleinsturz. Als am Sonntagabend der von Rohwein nach Chemnitz fahrende Personenzug zwischen Gunncrsdorf und Braunsdorf den Tunnel des Harrasfelsens passierte. stürzte die Stirnseite an der Ausfahrt des Tunnels infolge einer erdbebcnartigcn Er- schütterung ein. Die heranbrausende Lokomotive fuhr auf die Trümmer auf und blieb in d e n S t e i n m a s s c n stecken. Die sechs nachfolgenden Wagen wurden in- einander geschoben. Auf telephonische und telegraphische Meldung wurden unverzüglich zwei Hilfszüge von Chemnitz und Leipzig sowie der Arztwagen von Döbeln abgelassen, so daß das Nettungs- werk in kurzer Zeit begonnen werden konnte. Als schwer- verletzt waren sieben Reisende zu betrachten, die Anzahl der Leichtverletzten beträgt 27. Tot im Zuge aufgefunden wurden vier Personen. Im Laufe des Montag wurden noch zwei Tote gefunden. Ob noch weitere Todesopfer unter den Trümmern liegen, konnte bisher nicht festgestellt werden. Der Felssturz, der nach vorläufiger Schätzung mehr als hundert Kubikmeter Massen umsaht, dürfte nach den bisherigen Ermittelungen außerordentlichen elementaren Ereignissen zuzuschreiben sein. * Ein anderes Eisenbahnunglück trug sich Montag früh gegen 4 Ubr bei der Station E b e r s h e i m im Elsaß zu. Die Maschine eines Güterzuges entgleiste, und der Zug begann zu brennen, da in dem umgestürzten Packwagen der Ofen umgefallen war. Vom Fahrperional kam niemand zu Schaden. Der Materialschaden soll beträchtlich sein, da zwei der Wagen mit wertvollen Seiden st offen beladen waren. Im Sturm gekentert. Der am Sonntag herrschende Sturm scheint auch auf der Nord- see ein Schiff zum Opfer gefordert zu haben. Wie aus Emden be- richtet wird, ist der Lotse Ravenberg, der Sonntag vormittag den Dampfer„Narwick" aus dem Emdcner Hafen durch die Ems steuerte, als Leiche treibend mit einem Rettungs- gürtel versehen am Montag von dem Linienschiff„Rhein- land" aufgefischt und nach Wilhelmshaven gebracht worden. Bei der Ansegelungstonne Huebertsgat in der Westems liegt ein eisernes Schiff kieloben. Es wird angenmnmen, dah es der Dampfer„Narwick" ist, da nicht allzu weit davon ein Boot mit der Aufschrift„Narwick" trieb, in welchem die Leiche eines Matrosen lag. Von dem Schicksal der ungefähr dreißig Mann starken Besatzung ist noch nichts bekannt. Automobilkatastrophe in Nordfrankreich. Am Sonntagabend ereignete sich auf der Straße von Com- pisgne- S o i s s o n s ein schweres Automobilunglück.� Der Mühlenbesitzer von Dören aus Soissons, der mit seiner Familie einen Automobilausflug unternommen hatte, wollte einem Spazier- gänger ausweichen. Bei der allzu jähen Wendung überschlug sich das Autobil; von Dooren, seine Frau und sein Sohn wurden aus dem Wagen hinausgeschleudert und blieben auf der Stelle tot, zwei andere Wageninsassen wurden lebensgefährlich verletzt. Kleine Notize». Unwetter in Wien. Ein orkanartiger Sturm, begleitet von strömendem Regen, suchte am Sonntagabend die österreichische Hauptstadt heim. Um Mitternacht entlud sich über Wien ein kurzes schweres Gewitter, daS von Hagel und dichtem Schneefäll begleitet war. Ein tollwütiger Hund. Vier Offiziere des in C h a m b e r y stationierten französischen 9. Husarenregiments sind von einem tollen Hud gebissen worden. Da man erst später durch eine eingehende tierärztliche Untersuchung deS Hundes feststellte, dah das Tier wutkranl tvar, ist der Erfolg der bei den Offizieren vor- genommenen Schutzimpfungen sehr in Frage gestellt. Ein Drama auf der Teufelsinsel. Aus der Teufelsinsel, auf der einst Dreyfus eingekerkert war, hat sich eine Tragödie ereignet, die zwei Strafgefangenen das Leben gekostet hat. Der Sträfling Müller bemächtigte sich in einem Anfall von Tropenkoller des Revolvers eines Aufiehers und gab damit aufs Geradewohl mehrere Schüsse ab, durch die der Sträfling Valesi tödlich getroffen wurde. Dann stürzte sich Müller inS Meer und ertrank. AuS einer vornehmen Familie. In der Darlehensschwindcl- affäre der Majorin v. Griesinger sind, wie aus Stuttgart gemeldet wird, außer ibr bis jetzt noch sechs weitere Personen ver- haftet worden. Die Schuldenlast wird auf 1Z4 Millionen angegeben, welche sich aber noch erhöhen dürfte. Die Familie Griesinger galt als eine der vornehmsten Stuttgarts. Die verhaftete Frau ist eine Ausländerin. fraucn-Lcfcabcndc. Tempelhof. Mittwoch, den 17. d. M., 8�/, Uhr. im Restaurant Stadt Dresden, Berliner Straße: Vortrag über„Die Bestimmungen deS Kinder- Ichutzgefttzcs"._ Jugeudveranstaltuage«. Charlotteuburg. Im Arbeiter-Jugendbeim, Nauen str 3, finde» in dieser Woche folgende Veranstaltungen statt: Dienstag, den IL. Dezember: Unterhaltungsabend. Donnerstag, den 18. Dez.: Vortrag und Diskussion. Sonntag, den 51. Dez., nachm.'ftS Uhr: Vortrag. Hieraus Unter- haltungsabend._ Arbeiter- Abstinenten- Bund. Ortsgruppe 2 Berlin- West. Morgen Mittwoch, abends 8'/, Uhr: Versammlung im Charlottenburger VolkShaus, Rosinenstr. 3. Vortrag. Gäste willkommen. Zentral-Kranken- und Begräbniskasse für Frauen nudMädchsn in Deutschland($. H. 26), Offenbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin I. Dienstag, den 16. Dezember, abends 8>/z Uhr: Außerordentliche Mitglieder- verjammluiig im Gewerkschastshause, Saal 1, Engeluser 15/16. Bmfbaften der Redaktion. TU ftrlfttiq« Spreamunde findet Ltndenstrase 69, vorn vier rreppe, — Fahrstubl wochcatsgltch Ben tVi bis 7V, Uhr abends, Eonnadend». »»» 4M, diö 6 Uhr abends statt. Jeder für den vrteftaftcn dclltmmtc» Anfrage ist rln Bnchftadc nnd eine Zahl als Merfzetchr» detzusstgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt,»»fragen, denen leine Adonaementsquittnng beigefügt ist, »erden nicht beantwortet,««ige Fragen trage man in der«»rechst, nde Mr. P. H. 27. 1. und 2. Nein. 3. Falls Zahlung des Gehaus am Fällig- keitStermin ausbleibt, Klage. 4. Aus Verlangeu ja.— F. flt. 165. Nein. Stenographie 16. Wenden Sie sich an I. Arndt, Neukölln, Pfläger- straße 14, Gth. I.— L. 16. Komitee Konfessionslos, Dr. B. Eckold, Berlin XIV, Alt-Moabit 83 a. Alles Nähere dort.— Gea. Baugenosscn schast„Paradies", Kollbuser User 44.— Friends 166. Sie müssen sich schon von einem Fachmann beraten lassen.—<6. H. 166. Zu erfragen bei der Stistiingsdeputation Berlin, Poststr. 16. � I. 166. Die an- gesragte Heilstätte können wir in Berlin nicht auffinden.— Seemann. An den deutschen Schulschiffsverein in Bremen, oder an den Verein„See- fahrt" in Hamburg, Navigationsschule.— A. Sch. 66. Vor ähnlichen Instituten haben wir wiederholt gewarnt und können nur immer wieder raten, vorsichtig zu sein.__ MarNpretie von Berlin am 1». Dezember 1613, nach Enniltelunaen de» tgl. Polizeipräsidiums. Mais smired), gute Sorte 16,76—17,06. miitc! Gfoo— 06#). geringe 60,60—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,70—15,10. Mchtstroh 0,00. Heu 0,00—0,00. WarttHaUenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sveiiebohnen. weiße 35,00—60,00. Linsen 36,00—80,00. Kartoffeln(KIclnhdl.) 4,06—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,36—1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40—3.00. 60 Stück Eier 4,60—7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,06—2,40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,40-3,20. Hechte 1,20—2,40. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 3,00—24,00. »ÄitternngSübersicht vom 15. Dezember 1613. «lalwnen Swinemde. Hamburg Berlin Frankl. a.M München Wien 1 c 2 Bf 761 WNW 764 WSW 763MW 767i SW 77023 761 58 «Setter 3 heiter 2 wolkig 3bedeckt 2j33unit 4Schnee 4bedcckt »K ti% S» h M« Wetterprognose für Dienstag, den 16. Dezember 1613. Etwas wärmer, veränderlich, vorherrschend wollig mit geringen Nieder- schlagen und lebhasten westlichen Winden, Berliner W et t erb ur e a u. WosserttandS-Nachrichten Wasserstand M e m e t. Tilsit P r e g e I, Jnfterburg Weichsel. Thor» Oder, Rattbor , Kronen , Frankiurt Warth«, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Barbv Magdeburg >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—») llnterpegel.— Die obere Lein- ist wieder etwas gestiegen, am Pegel Wispenstein seit vorgestern sriih um 15 cm. Möbelfabrik Rob. Seelisch Berlin o 3 G«grOndet 1878 empfiehlt gute preiswerte Wohnungs' Sinrichtungen 187 bis 10000 Mark Zu Weihnachten->» Geschenke: Büfetts Anrichten Bücherschränke Schreibtische Klubsessel Schreibsessel Chaiselongues Sofas, Umbauten Trumeaus Standuhren Wanduhren Flurgarderoben Bilder Teppiche auch sämtliche Kleinmöbel'VE Str.7t'73a Solide Aködel zu anerttannt billigen preisen Versand frachtfrei nach allen Plätzen Deutsehlands Besichtigung ohne Kaufzwang|| Illustrierte Kataloge gratis und franko| Sonntag, den atl. I>ezenib«r. Iii 8 geftffnet. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). 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