Nr. 338. HbonnementS'BidingUDaen: vbomiements- Preis pränumerando! Vierteljährl. 8,30 Mk, monatl. 1,10 Mk, wöchentlich B Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S P!g. Sonntags- nmnmer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2,ö0 Mark, für das übrige ilusiand 4 Mark pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, «umänien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. Vit Insti'tionz-eedilhi' betrögt für die scchsgespaltcnc Kolouel- zeile oder deren Raum 60 Pig.. für Crlchtlnt»glich. Verlinev IDuIfeWalf. Wort 20 Pfg. l zulässig 2fettgedr>uk!e Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellrnon> zeigen das erste Wort 10 Big., jedes wettere Wort S Pfg. Worte über lö Buch- i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis > Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben ivcrden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adrefle: „SniiltUmolik»! Rcrlln". 05 Zcntmhrgan der foztaldemokratifchcn Partei Dcutfcblands. Redaktion: 881. 68, Ltndcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz» Nr. 1U8Z. Dienstag, den 23» Dezember 1913. Expedition: 881. 68, Ltndenstraaae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1384. fiielfrich Engels und die lililiz. Während der vor kurzem veröffeutlichte Briefwechsel von Karl Marx und Friedrich Engels der kämpfenden Arbeiterklasse eine schier überquellende Fülle von Belehrung und Anregung bietet, bringt er auch der bürgerlichen Welt wenigstens einen Gewinnst. Als süße Rosine hat nämlich das„Berliner Tageblatt" aus den vier dicken Bänden eine einzige Briefstelle lferausgeklaubt, in der Engels den Milizgedanken in Grunds und Boden zu verdammen scheint. Sie stanimt aus einem Schreiben vom 16. Januar 1868 und lautet: „Der ameritanische Krieg— Miliz aus beiden Seiten— beweist nichts, als daß das M i l i z s y st e m ganz unerhörte Opfer an Geld und Menschen kostet, weil eben die Organisation nur aus dem Papier besteht. Wie wäre es den Danlees gegangen, wenn sie statt der südlichen Milizen ein festes Heer von ein paar hunderttausend Mann sich gegenüber gehabt hätten? Ehe der Norden sich organisierte, wären diese in New Dork und Boston gewesen und hätten mit Hilfe der Demokraten den Frieden diktiert, wo dann der Westen hätte Sezession spielen können. Der Kerl ist gut, wenn er sagt, die Hauptsache seien gut« Offiziere und das Vertrauen der Leute in die Offiziere, was beide» beim Nk i l i z s y st e in ja gar nicht zu er- schwingen i st! Was den Leuten beim Milizwesen überall im- poniert, ist die große Masse der Leute, die man auf einmal bekommt, und die verhältnismäßige Leichtigkeit, die Leute aus- zubilden, besonders vor dem Feind. Das letztere ist aber nichts Neues, der alte Napoleon konnte auch Dreimonatsrekruten, in Regimenter formiert, vor den Feind führen; dazu gehören aber gute Kader, und dazu eben wieder etwas anderes als das schweizerisch-amerikanische M i l i z s h st e m. Die Danlees hatten am Ende des Krieges noch sehr mangelhafte Kader. Seit Einführung der Hinterlader is: es mit der puren Miliz er st recht am Ende. Womit nicht gesagt ist, daß(nicht) jede nationale Militärorgani. sation irgendwo zwischen der preußischen und schweizerischen in der Mitte liegt— wo? Das hängt von den jedesmaligen Umständen ab. Erst eine kommunistisch e i n g e r i ch. tete und erzogene Gesellschaft kann sich dem Milizsystem sehr nähern und da noch asymp- t 0 t i s ch(ohne es je zu erreichen)." „Hiernach", fügt schadenfroh das Mosseblatt hinzu,„bleibt allerdings von dem Milizideal nichts übrig." Ohne weiteres sei zugegeben, daß, was Engels au diesem 16. Januar 1868 äußert, alles andere verrät als Be- geisterung für den Milizgedanken, aber um diese Acußerung in ihreni Wert richtig einzuschätzen, niuß bedacht werden, daß sie in erster Reihe eine Reaktion auf zwei Erscheinungen dar- stellt: einmal auf die Mtlizpläne Cluserets und zum zweiten auf den Krieg der amerikanischen Nordstaaten gegen die Südstaaten. Was C I u s e r e t wollte und was sich in dem amerikanisckfen Bürgerkrieg zeigte, das und nichts anderes trifft zunächst Engels' schroffes Urteil. Nun läßt sich auch mit dem besten Willen nicht behaupten, daß Cluserets Milizplan sonderlich viel mit dem Volks- wehrgedanken des modernen Proletariats gemein gehabt hätte. C l u s e r e t war das Urbild des in aller Welt herum- zigeunernden Landsknechts. Seine ersten zweifelhaften Lor- beeren hatte er sich als Leutnant des 55. Linieninfanterie- regiinentS in der Pariser Junischlacht von 1848 gepflückt, in der C a v a i g n a c die hungernden Arbeiter niedernietzelte, im Krimkrieg erwarb er sich den Hauptmannsrang, im Sezessions- krieg, in dem er ans der Seite der Nordstaaten focht, den Generalstitel und das amerikanische Bürgerrecht. Zwischen- durch war er Garibaldis Fahnen gefolgt, hatte für die irischen Fenier eine Aufstandsarmee zusammentrommeln wollen und suchte auch gelegentlich Annäherung an die Jnter- nationale. Was dieser eitle Prahlhans an Gedanken über das Milizsystem herausgab, war so innerlich hohl wie er selber, und wie recht Engels im Jahre 1868 daran tat, die Theorie dieses Landsknechts abzulehnen, bewies C l u s e r c t für seinen Teil im Jahre 1871, als er in den achtundzwanzig Tagen, da er Delegierter des Krieges, das ist Kriegsminister der Kommune, war, auf der ganzen Linie versagte. Ebensowenig hat niit der Volkswehr des sozialistischen Proletariats zu schaffen, was in dem amerikanischen Bürger- krieg als Miliz über Nacht aus dem Boden gestampft wurde. Daß die Heere sowohl des Nordens wie auch des Südens über Nacht aus dem Boden gestampft wurden, daß die Rahmen fehlten, in die Freiwillige und Ausgehobeuc zu festen Formationen eingespannt werden konnten, daß an militärisch gebildeten Offizieren ebenso großer Mangel war wie an allen technischen Voraussetzungen des Krieges, an Verwaltungs-, Verpflegung� und Gesundheitswesen, an Pioniertruppen wie an Zeughäusern, alles das war ja gerade wesentlich für die Art dieser improvisierten Armeen. Aus Nichts wird nichts, und daher eine Tatfache wie die Schlacht von Bull Run, die das geschlagene Heer der Nordstaaten in wilder Flucht aus- einanderslieben und das siegreiche Heer der Südstaaten zer- rüttet und ebenfalls der Aufläsung nahe, unfähig zu irgend- welcher Verfolgung, auf dem Schlachtfeld Halt machen ließ. Danach pausierten die kriegführenden Mächte ein Jahr, um erst einmal Ordnung und Disziplin.in ihre Augenblicks- soloaten hineinzubringen, aber bei allen hervorragenden Leistungen der späteren Kriegsjahre ereigneten sich auch dann noch Ansbrüche von Panik und Disziplinwidrigkeiten und auch die Massendesertion riß nie ab— der Norden allein verlor im Lause der Zeit durch Deserteure rund 266 666 Mann! Schon im Verlauf des Krieges urteilte Engels sehr skeptisch über die Kampffähigkeit und Kampfbegeisterung namentlich der Nordstaaten, und wenn er nach dem Kriege sein Urteil dahin zusammenfaßte,„daß das Milizsystem ganz unerhörte Opfer an Geld und Menschen kostet, weil eben die Organi sation nur auf dem Papier besteht", so ist dieser Satz zum mindesten in der Wendung richtig,„daß das Milizsystem ganz unerhörte Opfer an Geld und Menschen kostet, w 0 die Organisation nur auf dem Papier besteht", wie es eben ini amerikanischen Bürgerkrieg der Fall war. Was sich aber die Sozialdemokratie unter Volkswehr vor stellt, sind nicht zusammhanglose Haufen, die auf den Klang der Tromniel aus der Haustür gestürzt sind, nie eine Flinte in der Hand gehabt und nie in Reih und Glied gestanden haben, und nun unter ebenso kundigen Führern marschieren, ohne zu wissen, wie, warum und wohin, sondern es ist das von Jugend au militärisch gebildete und kriegsmäßig geübte Volk in Waffen, zusammengefügt in festen Organisationen und mit Führern, die ihr Handwerk verstehen. Für diese allein logische Art von Miliz hat sich auch der voni„Berliner Tage- blatt" als Kronzeuge aus dem Grab bemühte Friedrich Engels erwärmt, wenn nicht 1868, so dock 1893, ein Viertel jahrhundert später, als er feine Artikelreihe„Kann Europa abrüsten?" schrieb, um darzutun, daß vom rein militärischen Standpunkt schon heute die Umwandlung der stehenden Heere in eine ans allgemeiner Volksbewaffnung beruhende Miliz möglich ist. Tort wies er nach, daß zunächst die zweijährige Dienstzeit für alle Waffengattungen durchführbar ist, und be tonte mit Nachdruck,* „daß cS nicht bei den zwei Jahren bleiben soll. Es handelt sich vielmehr darum, daß der Antrag auf internationale zwei. jährige Dienstzeit nur der erste Schritt sein soll zu einer all mählichen weiteren Herabsetzung der Dienstzeit— sage zunächst auf achtzehn Monate, zwei Sommer und ein Winter—, dann ein Jahr dann...? Hier fängt der Zukunftsstaat an, das unverfälschte Milizsystem, und davon wollen wir weiter reden, wenn die Sache erst wirklich in Gang gebracht ist." Bleibt„hiernach" von dem Milizideal wirklich nichts übrig? Klar durchschaute Engels allerdings, daß die Ver wirklichung des Milizgedankens ihre zwei Seiten Hat, eine militärische und eine politische. Rein militärisch gesehen, ist die kurzfristige Ausbildung des Mannes zum kriegsrüchtigen Feldsolduten bei vorausgegangener militari- scher Jugenderziehung zehnfach möglich, aber um mit einer solchen Miliz erfolgreich im Feuer zn operieren, genügt weder die kurze Ausbildung noch die militärische Jugenderziehung, sondern»vas den Ausschlag gibt, sind moralische Faktoren: der Wille zum Sieg und die Hingabe an das(Änize. Weil aber der moderne Klassenstaat, und erst recht nicht ein ultrareaktio- närer Junker- und Gendariuenstaat wie Preußen, diesen Sinn der Hingabe in seinen unterdrückten und ausgebeuteten Massen nicht zu tvecken vermag, ist für ihn die Verwirklichung des Milizgedankens politisch ein Unding. Jeder politischen Organisation entspricht eben eine besondere militärische Or- ganisation: der Klassenstaat von heute ist mit einer Miliz so undenkbar wie der sozialistische Volksstaat von morgen mit einem stehenden Heer, denn jener muß, wenn er seine Ziele durchsetzen will, Heer und Volk scharf voneinander trennen, und dieser ist, wenn er Bestand haben will, Heer und Volk in einem, das Volk als Heer und das Heer als Volk. Diese Erkenntnis wird uns aber so wenig abhalten, mit aller Entschiedenheit für die Demokratisierung des Heeres der Gegenwart zu kämpfen, wie uns die Ueberzeugung, daß die Vergesellschaftung der Produktionsmittel mit dem ka° pitalistischen Staat unvereinbar ist, an dem Kampf für sozial- politische Reformen aller Art hindert. Iloch einmal die Ashireform. Paris, 19. Dezember.(Eig. Bcr.) Mit allen Stimmen gegen die der geeinigten Radikalen ha! gestern die Deputiertenkammer den Antrag der WaHlreformkoin- Mission angenommen, die Regierung aufzufordern, im Senat die schleunig« Erledigungder Wah.rcform zu be- treiben. Und Herr Doumergue, der Chef einer Regierung, deren eigentliche Stütze just die geeinigien Radikalen sind, las das Versprechen ab, sich in dieser Richtung zu bemühen und auf eine Vcrmittelung zwischen den Standpunkten der Kammer und des Senats hinzuarbeiten. Ten radikalen Reformgegnern brauchte das weiter nicht wehezutun. Der Kammerbeschluß, den Genosse Grousfier, der unermüdliche Werkführcr der Reform, mit einer stark applaudierten Rede einleitet«, worin er dem jetzigen Mini- sterium vorrechnete, daß von seinen 12 Mitgliedern 10 bei den früheren Abstimmungen das Prinzip des Quotienten unterstützt haben, wird die Opposition des Senat» nicht brechen. Die Reform wird entweder noch in der Senatskommission oder imPlenum hängen bleiben und im Mai wird man die Deputierten nach dem bestehenden Bezirkswahlrccht wählen. Das Versprechen Doumergues mag für die Proportionalisten einen moralischen Sinn haben, logisch läuft es auf einen Unsinn hinaus. Die Senatsmehrheit erklärt als ihr Grundprinzip, l von dem sie nicht abrücken will, daß kein Kandidat als gewählt erklärt werden dürfe, der nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten habe die Wahlreform aber soll doch die Vertretung der Minderheit verbürgen. Ein wirklicher Au?- gleich ist da unmöglich, solange nicht eine„Reform" des mensch- lichen Denkens den Satz des Widerspruches ausgeschieden hat. Wenn es sich aber darum handeln sollte, das von der Kammer beschlossene Gesetz durch grundsätzliche Zugeständnisse den Senats- wünschen soweit anzupassen, daß von der ursprünglichen Absicht der Reformfreunde eigentlich nur noch der Titel zeugt, so muß man sich fragen, ob ein Verfahren, das um der Wählreform willen den Sinn und Existenzgrund der Reform selbst preisgibt, den Interessen der Arbeiterklasse entspräche. Wir haben schon dar- gelegt, daß das Amendement L e s e v r e das Wahlrecht dem ein- fachen, die Minderheiten vergewaltigenden Listenskrutinium ganz nahekommt, daß der fortbestehende zweite Wahlgang den Kuh- Handel aufrechterhält und das Amendement M cgi not die slädii- schen, industriellen Wählerschaften zugunsten der agrarischen be- nachteiligt. Charakteristisch ist auch, daß die gestern von der Wählreformkommission vorgeschlagcncne Resolution nur noch von der Listenwahl mit M i u d e r h e i t s V e r t r e t u 11 g spricht, aber nicht von verhältnismäßiger Miiiderheitsvertretnng. Man darf also das zur Erledigung dem Senat unterbreitet« Gesetz nicht einmal mehr mit dem Namen des Proporzes bezeichnen. Im Verlans der verschiedenen Beratungen und Abänderungen ist man damit verfahren, wie man in verarmenden Familien mitunter mit Schmuck verfährt, indem man erst die Edelsteine nach und nach durch Imitationen ersetzt und schließlich sogar die Fassung, so daß nur die Form und der falsche Schein übrig bleibt. Allerdings bleibt Alternative verdrießlich, daß sich die Soziali st en entweder mit derTalinireforin b c- gnügcn oder die erste Reform im Frühling als Hindernis einer klaren Wahltaktik vorfinden sollen. Es liegt auf der Hand, daß die reaktionären Parteien in der Wahlcampagne der Wahlreformförderung ein möglichst großes Gewicht zn geben bestrebt sein werden. Die Sozialisten werden aber genötigt sein, die allgemeinen politischen und sozialen Interessen des Proletariats in den Bordergrund zu stellen und sich gegen ihre Bundesgenossen im Kamps für die Verhältniswahl zu wenden, die unter Führung Briands zur Vernichtung des bürgerlichen Radikalismus ausziehen werden, der trotz aller Jämmerlichkeit der militariitischm und klerikalen Reaktion vorzu- ziehen ist. Die Situation, die daraus der Partei erwächst, ist so 1111. klar, daß die Föderation von Savoyen eine V o l k s a b st i m in u 11 g über die Wahlresorin vorschlägt, die den Wahle» vorangehen und derart dieses Problem von Ider Wahlplattform entfernen soll. Es besteht aber kein« Aussicht, daß die bnrgerlilben Freunde und Feinde der Reform unserer Partei den Gefallen tun werden, diesen ja sicher vernünftigen Vorschlag anzunehmen, um sie von dem Dilemma der Wahlkoalitionen zu befreien. Ganz abgesehen davon, daß die Ausführung eines solchen Vorschlages durch die Verfassung nicht vorgesehen ist. Ein Plebiszit aber, da? nur aus der Jnitia- tive politischer Parteien hervorginge, wäre ahne Bedeutung. ei« Irrenltausproztß. T h 0 r n, 22. Dezember 1913. (Telegraphischcr Bericht.) Vor der hiesigen Strafkammer begann heute ein Prozeß, der infolge seiner Vorgeschichte und der in Betracht kommenden Per» soncn geeignet ist, Aussehen zn erregen. Es handelt sich um den praktischen Arzt Dr. Schacht in Culm in Westpreußen. der gleich manchen andern Bürgern dieser Stadt in Konflikte mit den städtischen Behörden geriet, besonders in seiner Eigenschaft als Bevollmächtigter der Gregorschen Erben. Es kam auch zu Kon- flikten mit höheren Provinzialbeamten und es entspannen sich eine Reihe von Prozessen. Auch Dr. Schacht ivar wegen Belcioigung eines Beamten, dem er u. a. Morphinismus vorgeworfen hatte, angeklagt worden.' In der Verhandlung wurden Zweifel an der geistigen Gesundheit des Angeklagten Dr. Schacht geäußert und es kam dazu, daß Dr. Schacht zur Beobachtung einige Monate in der Irrenanstalt Cvnradstein interniert wurde. lieber seine Erlebnisse in dieser Anstalt bat er eine Bposchüre„Dreyftisiadcn in Deutsch- land" veröffentlicht, die scblvere Anschuldigungen gegen die be- handelnden Aerzte und die Leitung der Anstalt enthält und Eni- hüllunge» über die Zustände in Conradstein bringt. Dr. Schacht behnupiet, daß er selbst niemals Morphium geuommen habe, wie ihm oies zum Vorwurf gemacht werde, sondern daß ihm in der Anstalt heimlich Morphium und Atropin in die Speisen ge- mischt worden seien, was er als Arzt alsbald an den Symptomen erkannt. Tagegen hat er sich zu schützen versucht. Das sei ihm aber nicht immer gelungen, so daß er schwere körperliche Schädi- gungen davongetragen habe. Diese heimlichen Zuführungen von Morphium und ähnlichen Giften sei geschehen, um ihn dann bei den alsbald darauf vorgenonimenen llntcrsuchungen eben als Mor» phinistcn erklären zu können. Zu der Perhaiidlung vor der Straskammer, die vom Land- gcrichtsdircktor Geh. Jusiizrat Graßmann geleitet wird, sind als Sachverständige geladen die behandelnden Aerzte in Conradstein Tr. Braune und Tr. Mootz. die ein umfangreiches schriftliches Gutachten über den Geisteszustand oes Dr. Schacht erstattet haben. Aus Antrag des Verteidigers Rechtsanwalt Tr. Kurt Rosenfeld- Berlin ist auch Geheimrat Professor Dr. His von der Königlichen Charit« in Berlin als Sachverständiger geladen worden. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärt Verteidiger Rechts- auwalt Dr. Rosen selb, daß er oie beiden Sachverständigen aus C o n r a d st c i n aus Conradstein wegen Befangenheit ablehne. Zur Begründung weilt der Verteidiger u. a. darauf hin, daß gegen beide»Sachverständige Strafanzeige wegen Beimischung von Morphium und Atropin er- stattet ist. Im Gutachten werde fern«:«ms die Ansicht eines mit irci Jahren Zuchthaus bestraften ManncS Gewicht gelegt. Erbliche Belastung hätten die Sachverständigen daraus gefolgert, dast ein Bruder in einer Irrenanstalt sich befunden hat, wiewohl dieser Bruder infolge eines Unfalls erkrankt sei. Auch aus Annahme über die Tätigkeit des Angeklagten als Stadtverordneter zögen oie Sachverständigen Schlüsse, wiewohl diese Tatsachen der Annahme entbehren. Tic beiden Sachverständigen bestreiten, bc- fangen zu sein. Insbesondere sei es durchaus unrichtig, das; dem Dr. Schacht heimlich Morphium oder Atropin gegeben sei. Auch die Pfleger und der Oberpfleger hätten das eidesstattlich in Abrede gestellt. Bach längerer Beratung wies daS Gericht den Ab- lehnungsantrag als unbegründet zurück, weil eine begründete Besorgnis der Befangenheit gegen die beiden Sachver- ständigen nicht vorliege. Um dem Angenagten Gelegenheit zur 'Beschwerde gegen diesen Beschluß zu geben, wurde die Sache vertagt.__ Politxfche Qeberlicbt. Gegen Gesetz»nd Verfassung! Den Junkern und ihrem Anhang ist der Kamm bereits wieder mächtig geschwollen. DaS Urteil des Strahburgcr Kriegsgerichts empfinden sie als Attentat gegen den Militärabsolutismus, als ersten Versuch, auch die Soldateska unter die Majestät des Gesetzes zu beugen. Die ganze reaktionäre Meute beginnt Sturm zu laufen gegen den Spruch des Straßburger Kriegs- gerichts. Zum Teil kleidet sich die wütende Rebellion gegen diesen Akt der Militärjustiz in die Form des Mit- leids mit dem verurteilten Säbelhelden; zum Teil aber wirft man den Richtern direkt einen Fehlspruch vor, appelliert man an die NevisionSinstonz. ja proklamiert man sogar gottesfürchtig und dreist das souveräne Recht des Militärs, Recht und Verfassung einfach unter die Füße zu trampeln. Und es sind nicht etwa nur politische Freischärler und Desperados, die daS Straßburger Urteil schmähen und Gesetz und Verfassung gegenüber die diktatorische Willkür der Soldateska als das oberste Gesetz preisen, nein, eS ist das führende Organ der kon- servativen Partei selb st, die.Kreuz-Zeitung�, die in der skrupellosesten Weise die Autorität von Gesetz und Bc- Hörden zu untergraben versucht. In ihrer SonntagSnummer vergießt die„Kreuz-Zeitung" zunächst bittere Tränen über daS Los des zu„entehrender" GesängniSstrase verurteilten Leutnants. Der Aermste müsse nun seinen Abschied nehmen und sehe dadurch„seine wirtschaftliche Existenz bedroht". Na, wenn die in den Kadettenanstalten verzapfte Bildung nicht ganz für die Katze ist, würde es einem so jungen Menschen bei solchen Konnexionen doch wahrhaftig nicht schwer werden, auch im bllrger- -lichen Leben einen Unterschlupf zu finden. Daß er dann die Staats- bürger nicht mehr im schnarrenden Kasernenton beleidigen und den Säbel gegen wehrlose Menschen zücken kann, ist nur ein Segen für ihn und für die Allgemeinheit! Aber diese verlogene Heulmcierei des Blattes ist nur die Ein- leitung. Seine Tränen gelten nicht der Person ForstnerS, sondern der Sache: dem bedrohten Willkütregiment und der traditionellen Gesetzesverachtung unseres Militarismus. Heißt eS doch in dem weiland Hammersteinschen Organ: „Wir Jjaben es ja aus dem Mund des KriegSgerichtsrats Becker gehört:„Um für Satisfaktion zu sorgen, sind die Gerichte und Behörden da." W i r stehen nicht auf dem Standpunkt, daß eine solche gewaltsame Umwandlung der A n- s ch a u n n g e n, auf denen bisher die Erziehung in unserer Armee beruhte, ohne schwere Schädigung ihres Geistes möglich ist." Das Gesetz soll also für die Armee, d.h. die Herren Offiziere, existiere». Sie sollen sich selbst nach unbeschränkter Willkür Genugtuung verschaffen können, mag solcher Unfug tausendmal Gesetz und Verfassung ins Gesicht schlagen! Am Montag wird die.Kreuz-Zeitung" noch deutlicher. Sie hat sich inzwischen einige„Autoritäten" herangeholt, die gegen das Straßburger Urteil zu Felde ziehen. Ein gewisser Bolko v. Katte macht tveitläufige Ausführungen darüber, daß das Militär nach der herrschenden Staatsrechtslehre da von seiner Waffe Gebrauch machen dürfe,„wo es sich einem rechtswidrigen Angriff gegenübersieht und durch einen solchen gefährlich bedroht sieht." Auf die erwähnten, aber weder genannten noch zitierten Strafrechtslehrer einzugehen, verlohntsich umso weniger, als ja gerade das Straßburger Kriegsgericht f e st g est e l lt hat. daß in D e t t w e i l e r der„rechtswidrige Angriff" ganz auf feiten des Leutnants Forstner war! Damit erledigt sich beiläufig auch der Erguß des berüchtigten„Wirklichen Geheimen KriegsratS" Romen, der von dem Oberkriegsgericht erwartet, daß es den Heldenjüngling Forstner unter Zu- billigung der(vom Straßburger Kriegsgericht verneinten) Putativnotwehr freisprechen werde. Wir trauen trotz aller reaktionären Hetze auch dein Oberkricgsgericht nicht zu, daß et einen Offizier für s o h a s e n h e r z i g halten könnte, sich dadurch„bedroht" zu fühlen, daß ein Lahmer sich gegen die gesetzwidrige Behandlung wehrt, die ihm von den Fäusten und Gewehrkolben eines halben Dutzend strammer Mus- k e t i e r e widerfährt. Zu einem Freispruch des Forstner könnte nur d i e Auffassung führen: Mag dem Schuster Blank die brutalste Wer- gewaltigung widerfahren sein, mag nur die krankhafteste Schreck- haftigkeit dem Forstner die Wahnidee eines Bedrohtseins eingegeben haben— der Schuster verdiente den Säbelhieb, weil er, obtvohl nur Zivilkanaille, sich gegen die Militär- Willkür überhaupt aufzulehnen wagte! Den Bogel schießt in der„Kreuz-Zeitung" afJer Berlins rühm- be— deckter Polizeipräsident, der Doktor juris I a g o w ab. Ob der Forstner das Gesetz verletzt hat oder nicht, ist diesem Polizei- gewaltigen— obwohl er sich seinem Doktortitel nach doch einmal juristischer Studien beflisse» haben muß— total schnuppe. Ihn kümmert weder Verfassung noch Gesetz. Dafür kommt ihm eine dunkle Ahnung von dem Kompetenzkonflikt. Putativ- Notwehr oder nicht— äh, wir in Preußen haben Kompetenz- konflikt. Weiß momentan nicht, ob so was auch für Reich existiert— wenn nich, na dann muß schleunigst so was jemacht werden. Jedenfalls gilt Jrundfatz:„Strafverfolgung wegen eines Aktes der Staatshoheit ist unzulässig." Herr v. Jagow hat also entdeckt, daß die Niedersäbelnng des hinkenden Schusters ein„Akt der Staatshoheit" war! Schade, daß das Straßburger Kriegsgericht nicht früher von dem Dr. jur. Jagow erleuchtet wurde. Forstners brutal lächerlicher Exzeß als Akt der Staatshoheit anerkannt,— ein prachtvolleres Stichwort für den Protest gegen den Militärabsolutismus hätten sich die„StaatSfeinde" wirklich nicht wünschen können!_ Ermordung einer deutschen Expedition. Auf der Insel Neu-Mecklenburg(Tombora) des Bismarck- Archipels sind nach einer Meldung der Forscher D e i n i n g e r und ein anderer deutscher Gelehrter, die Proben toertvoller Hölzer sammelten, mit 14 eingeborenen Begleitern getütet worden. An- geblich soll diese Ermordung von Kannibalen(Menschen- sressern) verübt worden sein. Die Insel Neu-Mecklenburg, die von der deutschen Kolonial- verloaltung mit einer ganzen Reihe von Fahrstraßen durchzogen worden ist, galt bisher als ein durchaus friedliches Gebiet. Die Eingeborenen hatten sich freiwillig unterworfen und zum Straßen- bau und Anpflanzung von Kulturpflanzen heranziehen lassen. Der kürzlich verstorbene Bezirksamtmann Boglinski hatte ganz allein. nur von einigen eingeborenen Dienern begleitet, die ganze 12 000 Quadratkilometer große Insel durchreisen können. lleber die Ursache des Ueberfalles ist noch nichts bekannt. Ob lediglich der auf dem Bismarckarchipel noch vorkommende Kanni- balismus die Ursache war oder ob sich die Eingeborenen g e- kränkt fühlten, steht dahin. Sollte ein Akt des Kannibalismus vorliegen, so wäre daraus keineswegs ohne weiteres ein Schluß auf die barbarische Kulturstufe oder„Tücke" der Eingeborenen zu ziehen. Denn der Kannibalismus, der, ursprünglich wahrscheinlich aus einem rein physischen Hunger nach Fleischnahrung in einem tierarmen Gebiete hervorgegangen, sich später in religiöse Formen zu kleiden pflegt, war aus manchen Inselgruppen der Südsee weit verbreitet, auch auf Neu-Seeland, dessen eingeborene Bevölkerung geistig auf außerordentlich hoher Stufe steht. Wenn wir uns nur daran erinnern, daß, wenn auch keine Menschenfresserei, so doch Bestialitäten, die dem Kannibalismus mindestens eben- bürtig sind, auch in Deutschland noch vor wenigen M e n- s ch e n a l t e r n an der Tagesordnung waren— wir erinnern nur an die Ketzer- und Hexenverbrennungen—, so wird man aus dem scheußlichen Verbrechen des Kannibalismus durchaus nicht ohne lveiteres die Verpflichtung zu einen: nicht minder brutalen Vernichtungsfeldzug gegen die Schuldigen ableiten dürfen! Eine blutige Strafexpedition gegen den schuldigen Stamm, eine koloniale Justiz, wie sie ja in unserer deutschen Kolonial- Politik an der Tagesordnung ist, wäre nur eine brutale und rohe Wiedervergeltung für die unselige Tat. Man sollte deshalb, statt einfach so und so viele Dutzend oder Hunderte„Kanni- balen" niederzuknallen, erst eine Untersuchung über die U r- fache der Katastrophe einleiten und erst dann eine in den not- wendigen Grenzen sich haltende Vergeltung üben! Reichstagskandidatur. DaS Zentrum stellte im siebenten badischen ReichStagSwahlkreis Offenburg den Landtagsabgeordneten Professor W i r t h- Freiburg als Kandidaten für die ReichstagSnachwaHl auf. Der frühere Ver- treter dxS 7. Wahlkreises, Oekonomierat Schüler, kandidiert aus Ge- sundheitsrücksichten nicht mehr. Die Wahl ist bekanntlich notwendig geworden, weil der Reichstag das Mandat des nationalliberalen Abgeordneten Kölsch für ungültig erklärt hat. Eine Kabinettskrise im Kleinen. Im braunschweigischen Staatsministerium ist bereits, trotzdem der Welfenprinz Ernst August erst vor kurzem den Herzogsthron be- stiegen hat, eine kleine Krise ausgebrochen. Der StaatSminister Hartwieg hat„wegen seines Gesundheitszustandes" seine Versetzung in den Ruhestand beantragt, die der Herzog zum 1. Februar 1914 genehmigt hat. In Anerkennung seiner„hervorragenden Verdienste um das Herzogtum" verlieh ihm der Herzog jedoch die Brillanten zum Großkreuz deS Ordens Heinrichs des Löwen. Ein Attentat auf das Gemeindewahlrecht in Sachsen- Weimar. Die weimarische Regierung hat einen Eittwurf für eine neue Landgemeinde- und Städteordnung ausgearbeitet, der dem im Februar nächsten Jahres wieder zusammentreteirden Landtag zur Beratung vorgelegt rverden soll. Die„K o m»r u n a l e Praxi s" ist in der Lage, jetzt schon aus der Vorlage allerlei Einzelheiten zu veröffentlichen: „Auch rn dem neuen Entwurf sind die Grundsätze der Gc- meindeordnung vom 22. Februar 1820 beibehalten. Der Begriff„Bürger" wird auch fernerhin aufrecht erhalten. Bezüglich der„Erwerbung des Bürgerrechts" ist insofern eine Verschlechterung gegen den jetzigen Zustand vorgesehen, als männ- liche Personen, die die sonstigen Voraussetzungen erfüllt haben, erst vom 25. Lebensjahre ab, und Frauen erst vom 30. Lebensjahre ab dieses Recht erwerben können, während bisher das 21. Lebensjahr maßgebend war. Die kostenlose Verleihung des Bürgerrechts an Reichs-, Staats-, Hof-, Gemeinde-, Kirchen- beamte und Lehrer ist auch ferner vorgesehen. Em Zwang zur Erwerbimg des Bürgerrechts ist auch zu- künftig für diejenigen festgesetzt, die die Voraussetzungen zu seiner Erwerbung erfüllt haben. Im Weigerungsfälle kann der lLemeindevorstand eine Strafe bis zu 72 M k. verhänge». Der Besitz der Staatsangehörigkeit— wie bisher— ist nicht erforderlich, es, genügt die R c i ch s a n g e h ö r i g k e i t. Eine wesentliche Äenderung sieht der Entwurf darin vor, daß daS Gemein dewahl recht auf vollständig neuen Grundlagen aufgebaut wird. In allen Gemeinden unter 2000 Einwohner wird das P l u r a l w a h l sy sie m auf 500 Mark steuerpflichtiges Einkommen eine Stimme— eingeführt. Aber damit ist es noch nicht genug. Wer nach diesem System nicht über mehrere Stimmen verfügt, der soll inindestens zwei � Stimmen abgeben können, wenn er zwei bis vier Hektar land- wirtschaftlich bewirtschaftet; drei Stimmen bei 4— 6 Hektar; vier Stimmen bei 6—8 Hektar; fünf Stimmen bei 8�-10 Hektar und für jede vier Hektar mehr bewirtschafttete Fläche eine Stimme mehr. Diese auffällige Bevorzugung des ländlichen Grundbesitzes soll mehr noch als bisher zur Unterdrückung der Arbeiterbevölkerung dienen. Es soll aber auch in solchen Ge- »einden, wo durch die Entwickelung der Kaliindustrie der allein ausschlaggebende Einfluß der Grundbesitzer beseitigt wurde, diesen der Einfluß in erhöhtem Maße wieder gesichert werden. Nicht minder stark soll das Gcmeindewahlrecht in den Städten ver- schandelt werden. Als Städte sollen alle Gemeinden mit über 2000 Einwohnern gelten. Die„Stadtverordneten"— wie die Gemeindevertreter in den Städten nunmehr benannt werden— sollen zur Hälfte„mindestens" Hausbesitzer sein. Es sind drei verschiedene Klassen von Wahlberechtigten vorgesehen, die in vier verschiedene Gruppen geteilt sind. I» der ersten Gruppe wählen alle Wahlberechtigten. In der zweiten Gruppe wählen solche Wahlberechtigte, die ein Einkommen unter 2800 M. haben; in der dritten Gruppe wählen Wahlberechtigte mit einem Ein- kommen über 2800■ M.: Handwerker, Geschäftsleute, Privat« angestellte, Beamte ohne akademische Vorbildung; in der vierten Gruppe wählen dann Wahlberechtigte mit einem Einkommen über 2800 M., Beamte, Rentner, Pensionäre, Angestellte usw. mit akademischer Vorbildung. Nach dieser famosen Erwerbsgliedermig sollen nun die Wahl- berechtigten der Gruppen eins, zwei und vier je ein Fünftel, die der Gruppe drei zwei Fünftel der Stadtverordneten wählen. Wählbar von den einzelnen Gruppen sind nur Angehörige dieser Gruppen. Eine größere Verschlechterung eines Wahlrechts, das bisher — wenn auch unter gewissen Ersckstverungen— als allgemeines, gleiches Wahlrecht ausgeübt wurde, ist kaum denkbar. In der ersten Gruppe wählen alle Wahlberechtigte, auch die in den übrigen Gruppen noch mit einer Stimme Bedachten. Die Ar- beiter, kleinen Gcschäftsleuie, Handwerker usw können in dieser Gruppe Wohl die Mehrheit bilden, aber sie können nur den fünften Teil der Stadtverordneten im günstigsten Falle wählen. Dann kommt die zweite Gruppe derer, die ein Einkommen unter 2800 M. haben, auch hier trifft genau dasselbe zu, wie bei der ersten Gruppe, nur besteht hier leichter die Möglichkeit, daß die Arbeiter— mit einem Fünftel der Mandate— einen Erfolg haben können. In der dritten Gruppe hat man den Innungen und Mittelstandsrettcrn wesentlich dadurch Rechnung getragen, daß man die akademisch Gebildeten mit den Grundbesitzern in eine besondere Gruppe gebracht hat, und der dritten Gruppe die doppelte Zahl von Mandaten zuweist. Mit der vierten Gruppe sollen die sogenannten„gebildeten" Kreise, Akademiker, Lehrer, Pfarrer, Beamte usw. berücksichtigt werden, aus daß ihnen jeden- falls eine Vertretung gesichert ist." Für die Ausübung des Wahlrechts sind einige Verbesserungen vorgesehen. So die, daß mittels beschriebener oder im Wege der Vervielfältigung hergestellter Stimmzettel gewählt werden kann; auch Frauen können ihre Stimme selbst abgeben. Diese wenigen Neuerungen wiegen aber nicht entfernt die Verschlechte- rungen des jetzigen Zustands auf. Offenkundig klingt aus dem ganzen Entwurf— dessen Geheimhaltung bis zum äußersten Termin der Regierung so am Herzen liegt, daß sie allem Ersuchen um Veröffentlichung eisiges Schweigen entgegensetzte die Angst vor der Sozialdemokratie heraus. Zaberner Nachspiele. Der Redakteur Coestls des„ E l s ä s s e r" hat bekanntlich Zaberner Rekruten darüber ausgefragt, ob der Leutnant v. Forstner gesagt habe, daß er auf die französische Fahne oder daß er auf die französische Fremdenlegion sch.. ße, und dann ihre Aussagen in seinem Blatt veröffentlicht, obgleich er den Rekruten vorher das Versprechen gegeben hatte, ihre Mitteilungen nicht in die Zeitung zu bringen. Wegen dieser Handlung hat der Berliner Schriftsteller- klub gegen ihn folgenden Beschluß gefaßt: „Der Vorstand des Berliner Schriftstellerklubs sieht in dem Verhalten deS Redakteur» des„Elsässer" in Slraßburg gegenüber den jetzt zu Arreststrafen verurteilten Zaberner Retruten einen sehr schweren Verstoß gegen die journalistische StandeSehre, die es streng verbietet, Dinge, die privatim mitgeleilt sind, für die Veröffent- lichung zu verwenden. Er verurteilt das Verhalten des betreffenden Redalteurs insonderheit deswegen, weil dieser den drei Rekruten ursprünglich zugesichert hatte, das bekannte Schriftstück der Oeffent- Irchteil nicht zugänglich machen zu wollen." Auch der Verband der Ostdeutschen Presse bat eine Resolution angenommen, in der das Verhalten des Redakteurs Coestlö vom „Elsässer" in Straßburg als unerhörter Vertrauensmißbrauch im Interesse der Ehre und des Ansehens des deutschen RedakteurstandeS scharf verurteilt wird.___ Ostmarkeuzulage» auf Umwegen. In einer Zuschrift aus Posrbeamtenkreisen an die„Deutsche Tageszeitung" wird der Borschlag gemacht, die vom Reichstag ab. gelehnten Ostmarkeuzulagen auS dem preußischen Ostmarkenfonds zu bezahlen. Diese Anregung erscheint selbst dem agrarischen Blatte höchst bedenklich; daS Blatt meint: „Diese Anregung ist gewiß gut gemeint; wir halten sie aber weder für staatsrechtlich möglich, noch für durchführbar. Die Reichspostverwaltung hat die Ostmarkeuzulage in den nächsten ReichshauShaltSetat wieder aufgenommen. Sie wird jedenfalls Mittel und Wege erwogen haben, die Forderung in diesem Jahre durchzusetzen. Daß sie unbedingt durchgesetzt werden muß, ist auch unsere Ueberzeugung." Wie es anzustellen ist, das Zentrum in dieser Frage zum Um. fall zu bewegen, das ist vorerst noch das Geheimnis der„Deutschen Tageszeitung". Vielleicht Jesuiten gegen Ostmarkenzulage? Ausfuhrzoll auf Kameruner Kautschuk. Nachdem der Staatssekretär des ReichSkolomalamtS sich in der Besprechung mit den Interessenten vom 20. November mit der Um- Wandlung de» festen Ausfuhrzolles auf Kameruner Kautschuk in «iiien Wertzoll mit gleitender Skala grundsätzlich einverstanden er- klärt hatte, ist nunmehr das Gouvernemeiu in Buea drahtlich angewiesen worden, den Kautschuk-AuSfuhrzoll bis auf weiteres zu stunden. Das Provisorium soll solange bestehen bleibe», bis über die endgültige Ausgestaltung deS StaffelrarifeS Entscheidung getroffen ist. Vorher werden noch Verhandlungen mit den heimischen Jnter- essenten gepflogen werden, die Gouverneur Ebermaier alsbald nach Neujahr aufnehmen wird._ Oefterrticb. Ter Abgang des Panamaministers. Wien, 22. Dezember. Wie das„Neue Wiener Tageblatt" erfährt, hat der polnische Laiidsmamiininistcr D l u g o s z gestern sein formelles Demissionsgesuch eingereicht. Qngarn. Ei» Majestätsbeleidigungsprozrß. Das Blatt der B u d a p e st e r Sozialdemokratie, die „Nepszava", hatte im Januar dieses Jahres drei Artikel ver. öffentlicht, in denen das Verhältnis der Regierung des Lukacs zu dem Monarchen geschildert wurde. In drei Stellen des Artikels hatte die Staatsanwaltschaft Majestätsbeleidigungeu erblickt. Als Verfasser meldete sich der sozialdemokratische Führer und Krankenkassenvorstand Stephan B a l o g h. Am Sonnabend fand die Verhandlung vor einenr Strafsenat des Budapester Gerichtes statt. Ter Angeklagte wurde zu seckis Monaten Staatsgefängnis und drei Jahren Amtsverlust ver- urteilt. Der Staatsanlvalt hat.. w e g e n zu geringen Strafausmaßes" appelliert. franhrnd). Erhöhung des Offiziers- und Unterosfizierssoldcs. Paris, 22. Dezember. Die Deputiertcnkammer beriet heute weiter über den Gesetzentwurf betreffend Gehalts« und Sold» erhöhungen für Offiziere und Unteroffiziere. Ein Abänderungi. antrag Dalbiez, welcher die Generäle und die ihnen gleich. stehenden Offiziere von den Wohltaten des Gesetzes ausschließt, wurde mit 310 gegen 238 Stimmen angenommen, obgleich die Re- gierung und die Budgctkoiumission wenigstens die Brigadegenerale in das Gesetz einzubcgreifen wünschten. Ebenso bekämpfte die Re- gierung einen weiteren Antrag Dalbiez, welcher die Gehalts- erhöhung der Obersten beschneidet. In der Nachmittassitzung der Kamuier wurde der zweite Antrag Dalbiez. der die Gehaltserhöhung der Obersten beschneidet. mit 293 gegen 263 Stimmen angenommen. Schvecleti. Ausbau der Heeresorganisation. Stockholm, 21. Dezember. Staatsmintster Staaff hielt heute in Karlslrona eine Rede, in der er die Hauptpunkte des Regie. rungsprogramms betreffend die nationale Verteidigung bekannt- gab und die Wichtigkeit betonte, das Neutralitätsprinzinp sestzu» halten. Schweden müsse mit allen Mächten Freundschaft halten. ohne zu irgendeiner in herzliche Beziehungen zu treten. Für da» Fußvolk solle Winterausbildung eingeführt werden, doch erst nach den Neuwahlen im Jahre 1914 werde bestimmt werden, wie groß die Verlängerung der Ucbungszeit für die Fußtruppen sein soll. Tie Mittel dafür wären vorhanden. Die Wehrkraft würde weiter erhöht durch Ausbildung aller Studenten als Reservechargen. Die Vermehrung der Kosten für die Ausrüstung deS Heeres, den Bau von Kriegsschiffen, die Verstärkung der Küstenbefestigungen und die Verlängerungen der Wehrpflichtzeit der SpezialWaffen Würde durch die wachsenden Staatseinnahmen sowie durch«ine nach deutschem Muster gestaltete progresswe Wchrstcuer auf größere Der- wögen und Einkommen gedeckt. Rußland. Vernichtung des finnischen Lotsenwesens. Die Kommission des russischen Reichsrats Hirt sich vor kurzem genötigt gesehen, die Tätigkeit der russischen Lotsen in Finnland, die bekanntlich seit der Russifikation des finnischen Lotsenwesens an die Stelle der einheimischen Lotsen getreten sind, als völlig mangelhaft zu bezeichnen. Die Statistik der Havarien in den sin- nischcn Gewässern infolge Verschuldens der russischen Lotsen illu- striert grell diese Tatsache. Es fanden statt: im Frühling 24, im Sommer 23 und im Herbst(September und Oktober) 26 ernste Havarien. Die Unsicherheit in den finnischen Gewässern nimmt immer mehr zu, und selbst die Bureaukraten im Reichsrat sehen sich zu dem Geständnis gezwungen, daß die Russifizierung des sin- naschen LotseMvesenS zu einem Zusammenbruch dieser Institution geführt hat. Serbien. Ein neuer Militärgesetzentwurf. Belgrad, 21. Dezember. Mit Rücksicht auf die Notwendigkeit eines Ausbaues der Armee wurde im Kriegsministerium ein Ge- setzentwurf ausgearbeitet, wonach der Friedensstand 12 Infanterie- und 2 Kavallcriedivisionen betragen wird. Bisher bestand der Friedensstand aud 6 Infanterie- und einer Kavalleriedivision. Mus der Partei. Aus dem Parteiausschuß. Eine rote Woche! Der Parteiausschuß hat in Ueberein- stimmung mit dem Parteivorstand beschlossen, eine„rote Woche" zu veranstalten. Alle Parteiorganisationen sollen in den Tagen vom 8. bis 16. März n. I. zur Werbung neuer Mitglieder für die Parteiorganisationen und zur Gewinnung neuer Abonnen- ten für die Parteipresse tun, was in ihren Kräften steht.— Die Versammlungen zugunsten des Frauenwahlrechts fallen nach dem bereits veröffentlichten Beschluß des Parteiausschusses zeitlich zu- sammen mit der„roten Woche". Die Partei und die K i r ch e n a u s t r i t ts b e w c- g u n g. Der Parteiausschuß hat in seiner Sitzung vom 26. d. M. sich auch mit der Kirchenaustrittsbewegung befaßt. Einstimmig wurde folgende Erklärung beschlossen: ..Parteivorstand und Parteiausschuß stellen ausdrücklich fest, daß die Agitation zum Austritt aus der Landeskirche eine private Veranstaltung des Komitees„Konfessionslos" und der Freidenier- vereine ist, denen die Sozialdemokratische Partei völlig fernsteht. Sie lehnt entschieden ab, die Parteiorganisationen in den Dienst dieser Bewegung zu setzen."_ Zur Angelegenheit des Genosse« Leutert. Am Sonntag, den 21. Dezember, tagte im Beisein beS Genossen Leutert eine erweiterte Sitzung des Kreisvorstandes Wei- mar III(Jena-Neustadt), um Stellung zu nehmen zu dem am 13. Dezember vor dem Apoldaer Schöffengericht verhandelten Pro- zeß. Nach längerer Aussprache konnte der Vorstand gegenwärtig einen Grund zum Vorgehen gegen Leutert nicht finden. Beide Teile kamen aber überein, auf Grund des Organisationsstatuts die Angelegenheft zur weiteren Verfolgung an den Bezirksvorstand zu geben. Der Äreisvorstand Weimar III. I. A.: Adolf Hörschelmann- Jena. DaS Internationale Bureau. Genossin Rosa Luxemburg schreibt unS: Der Bericht über die Sitzung des Internationalen Sozialisti- schen Bureaus im„Vorwärts" vom 18. d. M. enthält einige Un- genauigkeiten und gibt den Verlauf der Debatte, infolge seiner Kürze, so unvollständig wieder, daß der Leser nicht klar darüber wird, worum sich die Meinungsverschiedenheit eigentlich drehte. Die Resolution Kautsky enthielt ursprüngltch den Satz, daß sich das Exekutivkomitee mit allen,„die sich als Sozialdemokraten betrachten", ins Einvernehmen setzen sollte, um eine allgemeine russische Parteikonferenz zustande zu bringen. Gegen diesen Satz richteten sich meine Ausführungen und der Berichterstatter verkennt durchaus die Situation in der russischen Sozialdemokratie, wenn er von„kleinen Aendcrungen" an der Resolution spricht, um die es sich handelte. Nachdem ich anerkennend hervorgehoben hatte, daß die Resolu- tion der deutschen Vertretung den Antrag der russisch-polnischen Sozialdemokratie betreffend die Wiederherstellung der Einigkeit in der Arbeiterpartei Rußlands unterstützte, sah ich mich jedoch ge- zwungen, mich gegen den obigen Satz in der Resolution und namentlich gegen die von Kautsky gegebene Begründung mit Ent- schiedenheit zu tuenden. Ich führte ungefähr folgendes aus: Es sei durchaus falsch, sich einzubilden, als handle es sich jetzt darum, in Rußland eine ganz neue Partei aus freien Stücken zu improvi- sieren. Nicht um die Gründung einer neuen Partei, sondern um die Wiederherstellung der alten Partei handele es sich. Nicht also lose Elemente, die sich selbst„als Sozialdemokraten betrachten wollen", sondern diejenigen Gruppen und Richtungen, die das Pro- gramm, das Statut, also die Beschlüsse der alten Partei für sich als bindend betrachten, müssen wieder vereinigt werden. Die sozial- demokratische Bewegung in Rußland sei keine tabula rasa, die einige Partei habe bereits seit 19(16 bis vor kurzem existiert, sie war das historische Werk der Revolution, und es wäre sowohl verkehrt wie aussichtslos, jetzt mit einem Federstrich die Geschichte der letzten 6 Jahre der russischen Bewegung annullieren zu wollen, man müsse vielmehr an die vorhergehende EntWickelung der Partei anknüpfen. ES ist gerade der Springpunkt der Streitigkeiten in Rußland, ob die Arbeiterbewegung auf der Basis der alten revolutionären Partei aufgebaut oder ob mit der Vergangenheit gebrochen und eine ganz neue Basis geschaffen werden solle. Sollte sich das Bureau auf dieses letztere Projekt einlassen, so unterliege es keinem Zweifel, daß es auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen und mit der Ausführung seiner Aufgabe scheitern würde. Wenn mich ferner der Bericht sagen läßt:„man müsse sich auf den legalen Boden stellen">— eine Aeußerung, die in russischen Ver- Hältnissen durchaus mißverstanden werden könnte—, so habe ich nicht etwa von der Tätigkeit auf dem„legalen Boden" der söge- nannten russischen Verfassung: in legalen Arbeitervereinen u. Vgl. gesprochen, sondern ich verlangte, daß das Bureau bei der EinigungS- aktion an die P a r t e i l e g a l i t ä t anknüpfen soll, d. h. daß die Basis und die Beschlüsse der alten Partei als maßgebend respektiert werden würn.— Es ist gleichfalls ein Jprtum, wenn der Bericht sagt, die Aenderung im Text der Resolution sei auf Antrag Lapinskis vorgenommen worden. Tatsächlich wurden die Worte, daß man sich mit allen verständigen wolle,„die sich als Sozialdemokraten betrachten", durch die Worte:„sämtliche Fraktionen, die das Pro- gramm der Sozialdemokratie Rußlands anerkennen", von Kautsky selbst ersetzt worden, was er als eine Konzession an die von mir geäußerten Gesichtspunkte auffaßte.— Endlich was die angebliche Zurückziehung meines Amendements betrifft, von der der Bericht spricht, so hatte ich keinen Anlaß, es zurückzuziehen, nachdem der Vorsitzende Vandervelde erklart hatte, das Exekutivkomitee be- trachte es als selbstverständlich, daß es sich vor alle in mit den Vertretern der Sozialdemokratie Rußlands und Russisch-Polens verstandigen müsse, wolle sich jedoch die Hände nicht im voraus binden, auch m,t anderen Gruppen verhandeln zu dürfen. Dagegen ivar naturlich nichts einzuwenden, zumal es sich vorerst um eine Be- sprahung zur Klärung der Streitpunkte handelte. Mus Industrie und Kandel. Die Konjunktur für Kriegsmaterial. Auf der außerordentlichen Generalversammlung der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik(Ehrhardt) wurde über die Markt- läge berichtet: Die Beschäftigung in Kriegs- wie in Fricdensmaterial sei während des verflossenen Geschäftsjahres gut gewesen, so daß der Umsatz so groß gewesen sei, wie es bisher noch nicht der Fall gewesen. In der letzten Zeit habe die Beschäftigung in Friedens- Material nicht unerheblich nachgelassen. Durch Auflösung der Röhrenkonvention seien die Preise namentlich für Röhreniabrikate zurückgegangen, indessen böten die Verhandlungen auf Gründung eines neuen RöhrensyndikateS Aussicht aus Erfolg. Der Markt für Kriegsmaterial sei nach wie vor gut und scheine es auch noch für die nächste Zeit zu bleiben. Trotzdem sei es bisher wegen der internationalen Konkurrenz nicht möglich gewesen, die Preise für Kriegsmaterial zu erhöhen.— Die Generalversammlung beschäftigte sich mir Vorschlägen, die im August d. I. von der Aktionärsmehrheit abgelehnt wurden, obgleich sie im Interesse deS Unternehmens und der Aktionäre lagen. Es wurde damals be- hauptet, daß hinter dieser Mehrheit Krupp stünde und Krupp hat diese Behauptung nicht bestritten. Als Ehrhardts Konkurrenz für Krupp gefährlich zu werden drohte, hat Krupp eine große Zahl der Ehrhardt-Aktien erworben, um die Entwickelung seines Konkurrenten zu hemmen. Auch die letzte Generalversammlung am Montag hat daher nur einen der Verwaltungsvorschläge gebilligt, während ein weiterer Vorschlag inzwischen fallen gelassen worden ist, da er bei pem Widerstande Krupps keine Aussicht auf Annahme hatte. Kohleuverbrauch im November. DaS Rheinisch-Westfälische Kohlcnsyndikat berichtet: Der Monat November hat im Kohlen- und Brikettabsatz ein etwas günstigeres Ergebnis als der Vormonat gebracht, während der Koksabsatz eine weitere Abschwächung erfahren hat. Der rechnungS- mäßige Absatz ist auf 94,76 Proz. der Beteiligungsanteile gestiegen (gegen 89,73 Proz. im Vormonat und 92,84 Proz. im Monat No- vember 1912). Da der Berichtsmonat 37/8 Arbeitstage weniger hatte, ergibt sich zwar in der Gesamtmenge gegen den Vormonat ein Rückgang, im arbeitstäglichen Durchschnitt ist dagegen eine Steigerung von 6.86 Proz. und gegen November 1912 von 6,91 Proz. erzielt worden. Aehnlich hat sich der Kohlen- und Brikettabsatz gestaltet. Der Koksabsatz war infolge des weiteren Rückganges des Absatzes an die Hochofenwerke und der Einbuße, welche der Verbrauch für Hausbrandzwecke durch die milde Witterung erlitten hat, Hauptfach- lich aber infolge des stärkeren Wettbewerbes der außenstehenden Zechen ungünstig. Die Förderung innerhalb deS Monats ergab gegen den Bormonat eine Steigerung von 6,16 Proz. gegen November 1912 von 6,63 Proz. Der Eisenbahnversand hat sich regelmäßig abge- wickelt. Die Wagenforderungen der Zechen find in vollem Umfange befriedigt worden. Der Umschlagverkehr in den Rhein- und Ruhr- Häsen war lebhaft. 6eno flen fcbaftll cbea» Angriffe gegen die„Volksfürsorge". Die„Deutsche Volksversicherungs-Äkftenvesellschasi" hat in ihren Reklameschristen hie Behauptung aufgestellt, die Gelder der bei der gcwerkschaftlich-genossenschaftlichen Versicherung„Volis- fürsorge" Versicherten würden dazu dienen müssen, der Umsturz- Partei einen neuen starken Kriegsschatz im Kampfe gegen den Gcgenwartsstaat zu schaffen. Daraufhin hat die„Volksfürsorge" gegen die„Deutsche VolksversicherungS-Aiftengesellschaft" Klage erhoben, welche sich auf Z 14 des Gesetzes über Pen unlauteren Wett- baverb stützt. Die Klägerin beantragt, der Beklagten die Berbrci. tung der betreffenden Schriften zu untersagen. Wie wir am 17. Dezember mitteilten, hat die Presse eine ohne Zweifel auf Informationen der„Deutschen Bollsversicherungs. Aktiengesellschaft" zurückzuführende Notiz verbreitet, worin groß- sprecherisch gesagt wird: die„Deutsche Volksversicherungs-Aktien- gesellschaft" werde in dem gerichtlichen Termin den Beweis der Wahrheit für ihre Behauptung erbringen.— Jeder Kenner der Perhältniffe weiß, daß ein solcher Beweis gar nicht erbracht werden kann, weil die bei der„Bolksfürsorge" eingehenden Beiträge ledig- lich im Interesse der Versicherten verwandt werden, und zwar in viel höherem Maße, als es bei irgend einer anderen Versicherungs- gesellschaft der Fall ist. Es ist nun so gekommen, wie wir es schon am 17. Dezember vorausgesagt haben. Die„Deutsche Volksversicherungs-Aktien- gesellschaft" macht gar nicht den Versuch, die Wahrheit ihrer Be- hauptung zu beweisen; aber sie bewirkt die Verschleppung der gerichtlichen Verhandlung und gewinnt dadurch wieder Zeit, um ihre Flugblätter mit den gegen die„VolkSfürsorgc" gerichteten un- wahren Angaben weiter zu verbreiten.— Auf gestern war der Termin am'Landgericht II angesetzt. In letzter Stunde, nämlich am Sonnabend» erhielt der Anwalt der Klägerin rinen langen Schriftsatz des Anwalts der Beklagten. Der Schriftsatz macht natürlich eine eingehende Entgegnung des Vertreters der Klägerin notwendig. Deshalb wurde der Termin auf den 26. Januar vertagt. In dem erwähnten Schriftsatz der Beklagten sindet sich keine Spur vom Versuch eines Wahrheitsbeweises. Dagegen sucht sich die Beklagte unter Berufung auf formal-rcchtliche Erwägungen aus der Schlinge zu ziehen. Sie sagt nämlich: es sei ihr gar nicht eingefallen, tatsächlich zu behaupten, die Gelder der„Bolksfür- sorge" würden in ungesetzlicher Weise für die Zwecke der Umsturz- Partei verwendet werden, sondern sie habe nur der Ansicht Ausdruck gegeben, die Gelder könnten innerhalb der gesetzlichen Grenzen für sozialdemokratische Zwecke Verwendung sinden. Das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb verbiete ja nur die Verbreitung unwahrer Tatsachen, aber nicht die Verbreitung von Ansichten und Meinungen über ein Unternehmen. Damit hat also die Beklagte bereits zugegeben, daß sich ihre gegen die„Volksfürsorge" gerichteten Ansichten und Meinungen nicht auf Tatsachen stützen. Sie sirid ja auch nur dem Bedürfnis entsprungen, eine von der Arbeiterschaft im Interesse der Arbeiter gegründete Versicherungsanstalt zu diskreditieren. Soziales. § 137 Abf. 2 der Gewerbeordnung. Wegen Vergehens gegen§ 137 Abs. 2 der Gewerbeordnung hat das Landgericht Lyck am 19. Juni d. I. den Pantoffelfabrikantcn August Backendorsf zu 39 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Ge- Werbeordnung enthält über die Beschäftigungsdauer von Arbeitern und Arbeiterinnen in einem besonderen Abschnitt Bestimmungen ür alle Betriebe, in denen mindestens 19 Arbeiter beschäftigt wer- den. Ein Unterabschnitt enthält weiter die Sonderbestimmung für alle Betriebe, in denen in der Regel mindestens 19 Arbeiter beschäf- tigt werden. Und 8 137 Abs. 2 lautet da:„Die Beschäftigung von Arbeiterinnen darf die Dauer von 19 Stunden täglich, an Vor- abendcn der Sonn- und Festtage von 8 Stunden, nicht überschreiten." Gegen diese Bestimmung sollte sich der Angeklagte vergangen haben, da er in der Zeit vom Dezember 1912 bis April 1913 an Sonn- abenden Arbeiterinnen 19 Stunden, also über die gesetzliche Zeit hinaus beschäftigt hat. Zwar pflegte der Angeklagte in der stillen Zeit, nämlich in den Monaten Februar bis Juni, nicht mehr als 8 Arbeiterinnen zu beschäftigen, was er auch zu seiner Verteidi» gung vorgebracht hat. Da er aber während der anderen Monate, also während des größten Teils des Jahres, das Personal auf 19 Arbeiterinnen erhöht hatte, traf nach Ansicht des Gerichts die für 8 137 Abs. 2 erforderliche Voraussetzung zu, daß nämlich in dem Betrieb des Angeklagten in der Regel mindestens 19 Arbeiter beschäftigt wurden. Deshalb hat das Gericht den Angeklagten eines Vergehens gegen die genannte Gesetzesbestimmung für schuldig be- funden. In seiner Revision rügte der Angeklagte, daß die Gesetzes- bestimmung im vorliegenden Falle zu Unrecht angewendet worden sei, da er doch in einigen Monaten Iveniger als 19 Arbeiter zu be- schäftigen pflege. Das Reichsgericht erkannte am Sonnabend auf Verwerfung des Rechtsmittels._ Gesetzwidrige Lohnbeschlagnahme. Wir haben schon wiederholt Gelegenheit nehmen müssen, das ungesetzliche Verfahren von Gemeinden bei Lohnpfändungen wegen Steuerrückstände zu rügen mit dem Erfolg, daß ein Teil der Groß-Berliner Gemeinden jetzt das Gesetz beachtet. Tempelhof gehört aber zu den Gemeilibe», die bisher wegen Steuerschulden ohne Rücksicht darauf, wann die Schuld fällig ge- worden ist, die Beschlagnahme vornehmen lassen. Nach dem Lohn- beschlagnahmegesetz kann nur wegen einer Steuerschuld, die nicht länger als V* Jahr fällig ist, der Lohn ohne Rücksicht auf seine Höhe gepfändet werden, während wegen älterer Rückstände die Be- schlagnahme nur zulässig ist, wenn uub soweit der Ncbenschuldner mehr als 1699 M. jährlich verdient. Die Gemeinde Tempclhof hat in einem uns vorliegenden Fall tvcgen einer alten Steuerschuld von 33,69 M. den Lohn eines Arbeiters in vollem Umfange pfän- den lassen, so daß ihm in einer Woche überhaupt nichts ausgezahlt wurde. Auf Beschwerde hin hat allerdings der Landrat eingegriffen, jedoch hätte der Arbeiter in den inzwischen verstrichenen 14 Tagen verhungern können, wenn er nicht von anderer Seite Hilfe be- kommen hätte. Der Fall liegt besonders kraß. Der betreffende Genosse hatte nach mehr als zehnwöchentlichcr Arbeitslosigkeit erst wieder einige Wochen Verdienst; dies war der Gemeinde Tcmpelhof bekannt. Hoffentlich nimmt die Gemeinde Anlaß, in Zukunft dem Gesetz entsprechend zu verfahren. Zu empfehlen ist der Gemeinde, ihre Psän- dungsformulare zu ändern, damit nicht Beamte aus Gesetzes- Unkenntnis die Formulare falsch ausfüllen. Die Existenz des Arbeiters ist gesichert bis ins hohe Alter. Der 8 1~3 der Reichsversicherungsordnung sieht vor, daß von dem Beitrittsztvang zur Krankenkasse auf seinen Antrag befreit wird, wer auf die Dauer nur zu einem geringen Teile arbeits- fähig ist. solange der vorläufig untcrstützungspflichtige Armcnvcr- band damit ciiwerstanden ist. In dem 8 9 des Statuts des Allgemeinen Knappschaftsvcr- bandes Bochum ist dasselbe zum Ausdruck gebracht. 69 Invaliden, die von 1. Januar 1914 ab versicherungspflichtig wären, wurden von der Armenverwaltung Oberhnusen mit ihrem Antrag um Befreiung von der Versicherungspflicht abgewiesen, und die Zeche „Coneordia" in Oberhausen kündigte diese Leute zum V Januar 1914, So sieht es mit der Existenz dieser Invaliden aus. Wohl haben sie eine kleine Pension, doch die langt weder zum Leben noch zum Sterben. Zu Neujahr verlieren sie die Arbeit, die man ihnen bisher gewährt, weil sie nicht versicherungspflichtig waren. Doch auch die„Wohltätigkeit" der Zeche„Coneordia" erscheint in sonderbarem Lichte. Sie entläßt 69 arine Teufel wegen einiger Groschen Bei- träge, die sie zur Krankenkasse hätte leisten müssen. Oder kam etwa von der Knappschaftskrankenkasse die Anweisung, keine In- validen einzustellen, wenn sie nicht von der Versicherungspflicht be- freit sind? Eines wie das andere wäre so recht würdig dem Koste der Liebe angepaßt, das wir in einigen Tagen feiern. Die Arbeitslosigkeit im Etat der Landesversicherungsanstalt Berti». Der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Berlin hat in feiner gestrigen Sitzung den Voranschlag für 1914 mit 21 Mill. Mark in Einnahme und Ausgabe festgestellt. Bei der Etats- Position„Einnahme aus Beiträgen" führte der Borsitzende des Vorstandes Landcsrat Dr. Freund aus. daß dcrRückgang der Ein- nahmen im November gegen das Vorjahr ein so beträchtlicher ge- wesen sei, wie noch nie seit Bestehen der Landesversichcrungs- anstalt Berlin. Es werde sich vermutlich beim Jahrcsergebnis Vorstandes Landcsrat Dr. Freund aus, daß der Rückgang der Ein- nahmen ergeben. Der Grund hierfür sei zweifellos in der gegen- wärtigen Depression des Arbeitsmarktes zu suchen. Die Aus- gaben für das vorbeugende Heilverfahren sind mit rund vier Millionen Mark veranschlagt; mit dieser Summe steht die Landes- Versicherungsanstalt Berlin an der Spitze aller deutschen Anstalten. Der Neberschutz ist mit rund sieben Millionen Mark veranschlagt, so daß das Vermögen der Anstalt auf rund 119 Millionen Mark anwachsen wird. letzte Nadmdbten* Die angebliche Meuterei auf Neu-Meckleuburg. lieber die an anderer Stelle mitgeteilte Niedermetzelet deS Oberförsters Deiningcr und seines Kollegen nebst Beglcitmann- schaften durch Kaunibalen auf Neu-Mecklenburg ist, wie das Hirschsche Telegraphcnbureau im Reichskolonialamtc erfährt, eine amtliche Bestätigung bisher noch nicht einge. troffen. Man hat daher noch nicht alle Hofftrung aufgegeben, daß die Nachricht vielleicht auf einem Irrtum be- ruht und die Mitglieder der Expedition noch am Leben sind. Hafenarbeiterstreik in Kopenhagen. Kopenhagen, 22. Dezember.(Privatdepeschcdes„Bor- wärt s".) Die Hafenarbeiter im hiesigen Freihafen haben heute den Streik beschlossen. Das Streikkomitee ersucht, Anwerbungen nach 51opcnhagen keine Folge zu leisten. Gnöexplosion in einem Kinotheater. Panosova(Ungarn). 22. Dezember.(P.-C.) In einem hiesigen Kinotheater ereignete sich gestern eine Gasexplosion. Es entstand eine große Panik, bei der drei Personen lebensgefähr- lich und zahlreiche leichter verletzt wurben. Bon den Schioervcrletzten sind bereits zwei gestorben.' Eisenbahnunglück in Rußland. Eharbin, 22. Dezember.(W. T. 23.) Zwischen den Stationen Ssjaosuifyn und sßudachedzh rissen sich von einein Güterzuge einige beladene Wagen los, rollten aber auf dem abschüssigen'Bahngleise zurück und rannten auf einen Militärzug mit Re- krutcn auf. Drei Güterwagen wurden zertrümmert und die Lokomotive sowie fünf Wagen des Militärzuges beschädigt. E i n Bahnschaffner und ein Rekrut wurden getötet, ein Offizier, vier Rekruten, der Zugführer und der Heizer verletzt. Tödlicher Unfall einer amerikanischen Schriftstellerin. New Bork, 22. Dezember.(P.-C.) Die amerikanische Schrift- stellerin Ms. Virginia Waughan tvurdc, als sie die Straße passieren wollte, von einem Straßenbahnwagen er- faßt, zu Boden geschleudert und sofort getötet. •m f G W O Unserem langjährigen Kassierer H k. Igmillö n°i,-t fsgv Q zur Silbkrhochzeit bie herzlichsten Glückwünsche. Zentral-Krank,-Unterstütz.- Verein der Schmiede, Berlin DI. � I. A.: Die Örtsverwaltung, > $ S M F i Todes-Anzeigen SozialdemokfatisclierWalilyerein L i 4. Seil. Reiebstagswatilkreis Köpenicker Viertel. Bezirk 185 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Drechsler Gustav Schlaizer Wrangelstr. 63 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 24. Dezember. nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Ost-KirchhoseS in AhrenSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/7 Der Vorstand. SezialdeinokratischerWahlvereli] (.d.S.BerlReielistags-Vaiiikrels. Km 20. d. MtS. verstarb unsere Genossin, die Frau Meta Ott Luxemburger Str. 6. Bezirk 769. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle deS neuen Nazareth- KirchhoseS, Reinickendors- West, Kögelstrahe, auZ statt. Um rege Beteiligwtg ersucht Vor Vorstand. Am 20. d. MtS. verstarb unsere Genossin, die Zeitungsausträgerin Helene Graap Kolomestr. 77. Bezirk 830u. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigimg findet heute Dienstag, nachmittags 2't, Uhr, von der Halle des Sophien- Kirchhofes in der Freienwalder Strahe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/12 vor Vorstand. DeiitseberHetallarbeiter-Verbaiid Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Arbeiter Älsi-tm Lehmann am 17. d. MIs. an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Dezember, nachmittags l1/« Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Fried- hoseS in Buch aus statt. Ferner starb der Klempner unser Mitglied, I*a?At Pech© am 19. d. Mts. an Blutvergiftung. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Dezember, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- Halle des«ebastian- Kirchhoj es in Neinickendors, Humboldtstrage, aus statt.__ 131/19 Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Karl ttfditer Fried richsseldc, am 20. d. Mts. an Magen- und Darmleiden. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhause in Friedrichsseide, Prinzenallee 30. aus nach dem Gemeinde-Friedhos in KarlShorst statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. H a c h r n f. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Gustav Tegel, TreSkowstrasie 21, 19. d. Mts. an Herzleiden. Ehre ihrem Andenke»! Querste am Am 20. Dezember oerstarb nach langem schwerem Leiden im 54. Lebensjahre meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Tante, Schwieger- und Grogmutter EmiKs Müller geb. Lange. DieS Ziagen mit der Bitte um stille Teilnahme an, die traueruden Hinterbliebeueir 96A «iarl Mülier, Putzer. nebst Kinder», Friedrichsselde, Prmzen- Allee 4. Die Beerdigung sindet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, vom Karlshorster Kirchhof aus statt. teppseifen . gröhte Auswahl, billigst,- / auch plusarbctten alter Steppdecken. Fabrik»erlin, Vkallstr. 72, zwischen Rotz- u. Jnselstr. Jllustr. Preiskatalog gratis. Ifrnllt. Wjelhnachtsy.ngabe SozialdefflokraliscberWahlYereiD Neukölln. Am Mittwoch, den 17. Dezember, verstarb unsere Parteigenossin Lmilie Glotz Cannerstr. 16, 12. Bezirk. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet heute den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde-Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Unt rege Beteiligung ersucht 239/3 Ter Borstand. Nach schwerem Leiden starb unser lieber Kollege, der Buch- druckerinvalide Mannes Welfonder im Alter von 65 Jahren. Ein bleibendes Andenken bc- wahren ihm Die Kollegen von Ullstein& Eo. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen-Kirch- hosS, Bergmannstratze, aus statt. MalMen- und Sterbekasse der Tischler. Zahlstelle Friedrichsfelde. Am Sonnabend, den 20. De- zember. verstarb unser Mitglied, der Schlosser Karl Richter. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 23. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhause in Friedrichsselde, Prinzenallee 30, aus statt. 184/3 Oie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres gute» Vaters sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten unseren herz- lichen Dank. V«e. Ida Bantvili nebst Kindern. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den MUgliedern zur Nachricht. datz unsere Kollegin, die Arbeiterin Halana Graap am 20. d. Mts. im Aller von 32 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung sindet heute Dienstag, den 23. Dezember, nachmittags 2*/« Uhr, von de- Leichenhalle des Sophien-Kirch- HoseS, Freienwalder Stratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/12 Oie Bezirksverwallung. Danksagung. Für die Überaus zahlreiche Teil- nähme und Blumenspende bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters, des Gastwirts ic»rl Wolf sagen wir hiermit unseren herz- lichsten Dank. »ert« Wolf, geb. Wollsehllger. 4431 Paul Wolf. Am Mittwoch, den 17. Dezember, verschied nach kurzem, aber schwe- rem Leiden meine liebe, gute Frau, Mutter. Schwägerin und Tante Lmilia Glotz geb. Wernstedt im Alter von 35 Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt a« Oswald Glotz nebst Kindern. Die Beerdigung findet am 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von derLeichenhalle des Neuköllner städtischen Friedhofes, Marien. dorser Weg, aus statt. 111A Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme bei der Beisetzung unseres lieben Töchterchen IRcÄwtg sagen wir allen Beteiligten, ms- besondere Herrn Harndt von der Freireligiösen Gemeinde sür die trost- reichen Worte, dem Gesangverein Lberschöneweider Liedertafel für den erhebenden Gesang, sowie den Mit- bewohnern und Bekanntet! sür die zahlreichen Kranzspenden unfern tief- gefühllesten Dank. Willi Mücke und Frau. Oanksaenngg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters Prltz Pan 356b sagen wir allen Verivandten, Freun- den und Bekannten, dem Wahlverein des 4. Kreises, dem Deutschen Bau» arbeilerverband sowie den Sängern und Herrn Wieloch sür seine trost- reichen Worte unseren innigsten Dank. Witwe Auguste Pau nebst Söhnen. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr, 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239. 9714, 185. Ma! Erwerbsliise finmlic. wmi,! WegenQuartalsschlust bleibt das Bureau der Kraukenabteilung am Freitag, de» S. Januar den ganzen Tag geschlossen und werden die kranken Kollegen ersucht, ihre Unterstützung bis zum 3k. Dezember, mittags IJä Uhr, abzuheben. Ausgeschlossen davon sind diejenigen, welche sich in Krankenhäusern oder Heilstätten befinden und die Unter« ftützung erst nach Beendigung der Krankheit abholen. 131/18__ Die Lrtsverwalning. Teilzahliinfl SO1? Herren- Ulster, Anzüge. Damen- Ulster, Kostüme, Röcke, Blusen, Pelzstolas, Betten, Wäsche, Porzellan, Gardinen, Teppiche, Steppdecken, Tischdecken, Möbel, Polsterwaren, bunte Küchen, Spiegel, Bilder, Uhren, Puppenwagen, Zithern, Mandblinen, Grammophone. Petersburger Strafle�23, nur IJC tage' F.& H. Schmidt, Inserat mitbringen! Wert 3 5t. j-fut-Arnold Dresdenerstr. 116 (Kein Udes) am Oranleiiplöti Sehr grosse Auswahl in Mützen u. Pelzwaren Welche Herrenh&te von Mk. 1,50-6,- Ausserordentlich Steife Herrenhfite von Mk 2,00—7,00 niedrige Preise! Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 .»«OVO». 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Lcwvn 7.65. 1». Abt. durch Franz Lieck auf Listen 106,05. Ib. Abt. Extrabeitr. Seiler 1.—. Id. Abt. durch P.CHmiIewski auf Listen 29,80. 2. Zivi. L. 19812 Möbclsabrik Peters u. Co. 22,50. 2. 19808 Maßschneiderei Peek u. Cloppenburg 36.—. L. 19900 Papiergroßbandlung S. L. Cahen 18,80. 2. 19801 Möbelfabrik Schmidt 2,90. 2. 19796 Geldschrankjabrik Fuhrmann 7,35. 2. Abt. durch H. Weife aus Listen 93,30. 4. Abt. L. 19861 Fensterputzer bei P. Schulz, Markgrasenstraße 5,75. 2. 19876 Sparvercin Gerecht 5,30. 2. 19885 Arbeitsnachweis Garmannstraße 17,—. 4. Abt. durch Franz Schmidt aus Listen 187,—. 5. Abt. lleberschuß der Arbeiter und Arbeiterinnen von Tengelmami 8,—. 5. Abt. durch Stindt aus Liste» 24.30. 7. Abt. Aus der Sechserkaffe 10.—. 7. Abt. durch Fritz Böttcher aus Liiten 99,—.— Berichtigung! 4. Kreis. Es muß heißen: Aus Liste 11531 Betr. der Diamai, tcngasglüblichtgesellichast, Gubener Str. 47 26,10 nicht 14,25.— Gesammelt aus dein 11. Bundestag der tecbnisch-indnstriellen Beamten von den Mitgliedern und Gästen 83,—. Erster Kreis ans Listen 106,05 idarunter 18023 Pianosabrtk Ed. Westmayer 31,50). Tcllow-Beeskow aus Listen 366.65, daruntir durch Wahlvercin Treptow von den Koll. der Firma Prüfer 5,50. B. E.-W. Oberspree, Elettr. Abt. 12.50. Koll. d. Fa. Hirtschulz. Lichtenberg 5,50. Von d. organisierten Koll. d. Fa. Bruno Mädler 11,50. Koll. der Fa. I. Ries, Klofterstr. 13,30. Koll. d. Fa. Levy d. Schmied 13,—. Wahlverein Nieder-Schöneweidc 55,70. Wahlvercin Lichtenrade 13.60. 2. 16306 120.—. Sammlung von Schiffahrttreibeiiden 21,50. O. Nachtigall 24,—. R. Gabel, Neukölln 2.50. Dr. Hiidebrand 10,—. Koll. bei H. LoaS 8,45. O. H., Mariendorf 3.—. Koll. bei Braun u. Wols 11,25. Ueberschuß der Kranz- sammlung Abt. 10 und 38 bei A. Borstg 15,25. Koll. der Maschinenfabr. Rohrbachcr 25,—. F. R. K. 7,—. Tischler der Alt.-Gci. für Bauaus- sührungeii 21,50. Koll. bei Rohrbach u. Ko. 25,—. 2. 99 Chemische Fabrik W. Häver 10,25. Koll. bei Barth 5,—. Lubasch 1,—. Personal der Deutschen Jnvasion-Werlc 23,—. 2. 4036 Druckerei Ed. Loewenthai 4,—. L. 17 Dr. Hilserding 102.50. Riebm u. Sohn. 3. Etage 16,—. 2.6113 Vergolder zügig, prunkvoll ist namentlich der Mittelsatz, worin der„Tanz um� goldene Kalb" geschildert wird. Alles und alle niederzwingend er' dröhnt der Elefantenschritt deS Götzen Kapitalismus, bald von Vom- bardons und Posannen, bald von Kontrabässen und englischen Hörnern markiert, lind ringsum führt die„Gesellschaft" bei Walzern, Polonäsen und Militärmarschklängen, ja selbst kirchlichen Gesängen ihre WahnsinnStänze auf. Das Cchlußstück„Der Tod" beginnt mit markdurchschütternden Dissonanzen im tiefsten Baß der Holzblas- iiistrumente. Der Leichenzug zieht vorüber, die Totenglocke ertönt in dumpfen Einzelschlägen und mählich, wie der Schmerz verebbte, löst sich das Tongemälde in Resignationsstimmungen, denen der Gcsangschor mir dem Kardinalspruche buddhistischer Weisheu ant- tvortet:„Geh an der Welt vorüber, es ist nicdts"... Die Sinfonie machte einen gewauigen EindAlck. Theodore Spiering. der Dirigent des Abends und der anwesende Koiiiponist wurden begeistert gefeiert. etz. Siotizen. — M u s i k ch r o n i k. Das 3. Konzert des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse findet Sonntag, 28. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im Blüthner-Saal statt. Herr Werner Wolff leitet das verstärkte Blüthner-Orchestcr. Herr Leo Kestenberg spielt das zweite Klavierkonzert von Liszt. Außer- dem enthält das Programm Werke von Bruckner, Berlioz und Richard Strauß. — Vorträge. Um allen Schülern den Besuch der wissenschaftlichen Kino-Vorträge auf der Treptow-Stern- Iv a r t c zu ermöglichen, gibt die Direktion während der Weihnachts- ferien jedem Erwachsenen das Recht, zu den Vorführungen e i n Kind unter. 14 Jahren frei einzuführen. Folgende Vor- träge finden statt: 25. Dezember, nachmittags 5 Uhr, und 27. Dezember, abends 7 Uhr:„Das bäurische Hochland" und„Wcihnachts- märchen"; 25. Dezember, abends 7 Uhr, sowie 26. und 27. Dezember, nachmittags 5 Uhr:„Mit Schnellzug und Ozeandampfer von Berlin über Bremen nach New Jork"; 26. Dezember, abends 7 Uhr: „Europäische und exotische Jagden". - Eine Wallot- Büste. Eine von Robert Diez geschaffene Büste des im vorigen Jahre verstorbenen Erbauers des Reichstags- gebäudcs wurde in der Dresdener Technischen Hochschule aufgestellt. — D i e Jagd aus Mitscbuldige. Perugia bestreitet, daß er bei dem M o n a- L i s a- Diebstahl Mitschuldige gehabt habe, aber die Pariser Polizei telegraphiert in alle Welt, er habe einem ihrer Beamten gestanden, zwei Brüder Lanzelotti hätten das Bild längere Zeit für ihn aufbewahrt. Sie wurden verhaftet und sollen als Hehler mitprozessiert werden. Sie sollen an Italien aus- geliefert werden. Damit hats jetzt die Pariser Polizei. Sie, die den Dieb nicht fassen konnte, als man erhebliches Interesse dafür hatte, ist drauf und dran, durch ihren nachtrottendcn Spüreifer sich dem Gelächter der Welt auszuliefern. — Dresdener Theaterkrach. Der Aufsichtsrat de? Dresdener Alberr-Theaters hat den Direktor seines Unternehmens Knall und Fall abgetan. Er fühlte sich durch den Mann, wie er kundgibt, grob beleidigt, vergißt aber mitzuteilen, durch welches Ansinnen er ihn aus der Haut gejagt hat. Bei Jensch 18,20. L. 4141 Druckerei L. Borchardt 5,35. L. 43L2 Druckerei C. Behrens 11.50. L. IS Dr. H. 20,—. L.«108 Vergolder bei B. Heinrich S,—. Pubst, Köpenick 7,30. L. 4087 Druckerei Gebr. Radehkh 13,75. L. 4277 Druckerei O. Lange 10,—. L. 7466 Bäcker der Brotfabrik Ullrich 6,50. L. 4047 Druckerei O. Reichau G. m. b. H. 3,50. Liste 4090 Druckerei Meinet 4.—. Tischler bei Rotter 15,50. Kall, bei Müller 20,50. Arbeiter bei Gerhardt, 2. Rate 30,75. L. 4810 Verband der Steinarbeiter 3,70. L. 100 Menz 19,65. L. 4088 G. Lyon 20,—. Zeutralverband der Bäcker imd Konditoren, OrtSoerwaltung Berlin 1000,—. L. 7373 Koll. der Bröl sabrik Marold 13,00. P. Amelong 8,00. Sparverein„Biene", Oberschöne> weide 10,—. Geburtstagsfeier 2,—. Groschenkasse der Abt. Nahrstedt der A. E. G. Brunnensir. 20,—. L. 96 Sassenbach 10,—. Verband der Bauarbeiter aus Listen 41,85. Verband der Metallarbeiter L. 503 Firma Klemme 10,—. L. 504 6,90. L. 505 15,25. L. 506 Por �ellansabr. Teltow 12,—.(!. P. Goen L. 511 36,10. L. 513 61,—. L. 51« 30,20. L. 523 16,70. L. 532 22,—. L. 533 18,10. L. 534 15,50. L. 541 52,70. L. 545 10,-.«.547 1.35. L. 543 Firma Hesse 27.—. L. 551 3,40. 3. 552 18,65. Spandau L. 662 41,95. L. 663 8,—. L. 664 13,60. 2. 665 2,—. L. 666 10,15. L. 667 7,55. L. 668 7,—. L. 669 3,80. L. 670 25,85. 2. 671 6,75. L 672 23,25. L. 673 3,75. 2. 674 22,10. 2. 676 9,50. Aafsensabrik 2. 841 25,10. 3. 873 13,35. Daimler, Marienselde L. 892 .......--- a 893 75|_._ g. 896 3,45. 2. 897 2. 900 18,50. 2. 901 53,75. 2. 914 2.101115,-. 2.1014 16,-. 2.1017 2. 1024 Firma Blume 10,—. 2. 1025 30,—. 2. 1028 5,—. 2. 1029 24,55. 1090 17,50. 2. 1097 7,70. L. 1118 2. 1131 28,— A. E.-G., Brunnen :6,80. 2. 893 67,75. 3. 894 42,30. 15,40. 2. 898 24,90. 2. 899 48,35. 18,50. 2. 994 17,—. 2. 996 16,10. 12,—. 2. 1018 10,55. 2. 1023 4,50. 0,50. 2. 1026 Groschenkasse Bernert !. 1033 Tloesser-Kraslband 11,—. 2. 7,80. 2. 1122 15,20. 2. 1127 12,60. und Ackerstraße 2. 1279 23,—. 2. 1280 19,75. 2. 1285 42,15. 2. 1302 17,75. 2. 1647 15,75. 2. 1762 Phillipsthal u. Berendt 1«,-. 2. 1763 Stich. Baier 1,—. Dr. P. Meyer 2. 2107 8,30. 2. 2110 10,60. 2. 2213 Hackel u. Picht 9,—. L. 2218 Aron 3,50. 2. 2568 18,30. 2. 2569 17,10. 2. 2579 3,10. 2. 2580 Schleiser und Gürtler Butzke 14,65. 2. 2592 16,40. 2. 2596 6,30. 2. 2597 9,15. 2. 2598 4,65. 2. 2755-59 u.«2 Steffen u. Nolle 50,50. 2. 2763— 64 Druckenmüller 22,80. 2. 2770 Daimler, Marienselde 53,50. 2. 2845 Neubert 27,30. 2. 2862 Weyhermann 42,—. 2. 564 Firma Rud. Otto Meyer 22,70. 2. 569 3,25. 2. 576 10,35. 2. 578 Deicke, WilmerSdors 14,40. 2. 597 Fröjchke u. Co. 12,30. 2. 622 17,85. August Boeker, Weberstraße 15,—. Sparverein Spinne 2,—. 2. 4226 Druckerei Münch 7.60. 2. 4261 kleine Druckereien durch Beutler 8,75. 2. 24 'lriur Stadthagen 60,—. 2. 4161 Druckerei Keilpflug 8,25. R. G. 1,—. ■J. B. 2. 14/15 8,—. Gürtlerei Trippensee u. Schreiber 11,60. 2. 4050 Hansa-Dr uckerei 4.50. Tischlerei Lehmann, Steglitz 40,25. 2. 95 Happoldt ,06. 2. 18 durch Th. Glucke 93,60. Arbeiter Schwimmverein Neukölln 10,—. 2. 97 Pianosabrik Dahsen 31,—. Auto-Teil-Gesellschast 10,30. 2. 82 Restaurant des Gewerkschastshauses 46,—. Schultheiß-Brauerei 50,—. Siegerts Tanzschule 10,—. A. R. W. 1,—. E. Wille 1,—. H. Rautenberg ,05. Tapezierer bei Schiele u. Oppermann 3,—. Salzmami 3,05. Wilh. Duperle 8,06. Gesammelt bei Bruno Jämmrich 3,25. Koll. bei F. Löwenstein 3,75. Tapezierer bei O. Schmidt 4,—. Ueberschuß der Iranzipende Taube bei Bernstein 4,15. K. Felgentreu 5,—. Personal Clönnig Braueret 5,—. 2 Kollegen b. O. Wols 5,05. Lotterieverein Glücks- trommel 7,50. Karl Thomas 8,—. Kollegen bei Gebauer u. May 8,50. F. Henschel 1. Würzburg 10,05. Kollegen der Möbelfabrik Hanke u. Kaeber 10,—. Tischlere! der Akkumulatorensabrik i. Oberschöneweide 14,—. Arbeiter her Patzenhoser Brauerei 22,70.„I. S., Kaiserin-Augusta-Straße" 100,—. In Summa 8 219,85 M. Berichtigung: Die gestern am Sonntag veröffentlichte Endsumme soll heißen 230 321,46 M. und nicht, wie irrtümlich angegeben, 230 660,92 M. Bisher find veröffentlicht 230 821,46 M. Dazu kommen 8 219,85 M- In Summa 239 041,31 M. Die Listen find dort abzurechnen, wo fie entnommen find. Di- Listen 31S1, 8643, 6786, 6706, 6948, 6969, 7768, 8105 und 8273 sind verloren gegangen und find beim Vorzeigen anzu- salten._ Gericbta- Zeitung. Im Hemd zur Polizeiwache. Seit Jahren wird darüber geklagt, daß auf einer Polizei- wache in Altona von den Schutzleuten furchtbar geprügelt »verde. In einzelnen Fällen konnte das auch gerichtlich fest- gestellt werden, ohne daß sich die Dinge änderten. Als vor kurzem ein Verprügelter in einer bürgerlichen Zeitung seine Klagen erhob, erklärte der naive Polizeisenator, es sei un- möglich, daß die Schutzleute prügeln könnten, weil zu jeder Zeit ein Vorgesetzter auf der Wache sei. Welcher Geist in den Schutzleuten der Prügelwache— den Namen hat sie schon erhalten— herrscht, zeigt ein Vorgang, der vor dem Altonaer Schöffengericht bekannt wurde. In der Nacht zum 3. Oktober war ein Schauermann N. wegen eines kleinen Straßenstreites sistiert und nach Auf- gäbe seiner Personalien wieder entlassen worden. Als er fort war, wurde eine Fensterscheibe der Wachtstube eingeworfen. Mehrere Polizisten, die hinausstürmten, sahen einen Mann davonlaufen, und das mußte natürlich N. sein. Zum Glück hatte man ja eben dessen Adresse erfahren. Vier Schutzleute stürmten nun dorthin, klopften die hochschwangere Frau aus dem Bett, stießen sie herüber und hinüber, traktierten sie mit Maul- und Schnauzehalt en und zogen mit g e- ziicktemSäbel an das Bett des fe st schlafenden Mannes. Er wurde herausgelangt und auf- gefordert, sich anzuziehen. In seiner Schlaf- trnnkenheit fand der Mann nicht sofort seine Unterhosen, auch war er neugierig, was man eigentlich von ihm wolle. Das war zuviel für die Geduld der Beamten. Sie packten ihnimHemd, wie er war, fesselten ihn und schleppten ihn, vier Mann hoch, zur Wache. Der Zug erregte natürlich auf den belebten Straßen, dem Wege von etwa einer Viertelstunde bis zur Wache, großes Aufsehen und Entrüstung. Danach fragten die Herren Schutz- leute nichts, sie schleppten ihr nacktes, frierendes und natürlich auch schimpfendes Opfer zur Wache, wo er unter den nötigen Püffen in eine Zelle gesperrt wurde. Die Folge dieses Vorganges war eine Anklage gegen N. wegen Sachbeschädigung, Wider- standeS und Beamtenbeleidigung. Die Beamten bestätigten durchaus die Angaben des Angeklagten. Sie er- klärten, sie hätten den Mann aus dem Bett heran? verhaftet, um ihn an weiteren Straf- taten zu hindern. Das war selbst dem A l t o n a e r Schöffengericht, das schon manches Polizeistückchen kennen gelernt hat, zu bunt. Obwohl der Staatsanwalt preußisch-schneidig vier Wochen Gefängnis beantragt hatte, verurteilte eS ihn wegen einiger Schimpfworts zu öM. Geldstrafe und sprach ihn im übrigen frei, weil das Vorgehen der Beamten ungesetzlich und auch sonst in keiner Weise zu rechtfertigen gewesen sei. Wird nun gegen die Schutzleute wegen widerrechtlicher Verhaftung, Mißbrauchs der Amtsgewalt, Beleidigung und Körperverletzung endlich Anklage erhoben werden? Und wird der preußische Justizminister untersuchen lassen, ob in der bisherigen Nichtverfolgung der Straftaten der Schutzleute eine strafbare Begünstigung ihrer Verbrechen oder Vergehen liegt? Oder ist die Justiz auch in diesem Fall ebenso ohnmächtig gegen Polizeiuntaten, wie sie sich bislang ohnmächtig zur Verfolgung des Breslauer Schutzmanns erwies, der dem Arbeiter B i e w a l d t einen Arm abhackte, und zur Ver- folgung der Schutzleute, die den Arbeiter Hermann tot- schlugen?_ Wahlstimmenkauf. Fällt der Kauf d«S Versprechen», nicht zu wählen, auch unter § 100 de» Strafgesetzbuchs? Dies« Frag« bejahte ani Sonnabend daß Reichsgericht. Nach Z 100 wird mit Gefängws von einem Monat an bestraft, wer in einer öffentlichen Angelegenheit«ine Wahlstimm« kaust oder verkauft. Am 11. Juni hatte das Landgericht Mannheim die Witwe August« Kling wegen StimmenkauseS zu einem Monat, den Schuhmacher Martin Borte ll wegen Stimmenverkaufes zu einem Monat und den Landwirt Georg Borte wegen Beihilfe dazu zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt hat. Frau K. hatte einen. ReverS in Händen, wonach Martin B. unter gewissen Umständen verpflichtet war, ihr eine Summe von 1000 M. zu zahlen. AIS wegen deS Reverses zwischen beiden Personen Unterhaichlungen geführt wur- den, fanden gerade m dem betreffenden Orte Wahlen zum Bürger- ausschuß statt. B. II sagte zu Frau K., wenn sie ihm den Revers zurückgebe, wolle er sich verpflichten, bei der Gemeindewahl nicht mit abzustimmen und seinen Bruder Georg veranlassen, ein gleiches zu tun. DieS ist dann auch geschehen. Die Verurteilten legten Revision ein. Das Reichsgericht ge- langte zur Verwerfung der Revision mit folgender Begründung: Nach Z 100 wird bestraft, wer eine Wahlstimme kauft oder verkauft. Es war die Frage zu entscheiden, ob unter dieser Bestimmung auch der Fall anzusehen ist, daß jemand sich bezahlen läßt dafür, daß er überhaupt nicht abstimmt. Der Senat hat diese Frage bejaht. Der Fall muß ebenso behandelt werden wie der Kauf und Verkauf. Der Wortlaut des Gesetzes allein konnte zu Bedenken keinen Anlaß geben; buchstäblich kann der Z 100 überhaupt nicht angewendet werden, denn eine Stimme läßt sich nicht kaufen oder verkaufen. Gegenstand deS Kaufes ist vielmehr ein Abkommen, wonach der Verkaufende eine Bezahlung dafür annimmt, daß er von seinem freien Stimmrecht keinen Gebrauch macht, sondern entweder gar keinen Gebrauch in einem bestimmten Sinne macht oder dem Kaufenden das Recht einräumt, über keine Wahlstimme zu ver« fügen._ Der Wächter als Dieb. Massendiebstähle, die sich auf einen Zeitraum von über zehn Jahren erstreckten, lagen einer umfangreichen Anklaaesache zu- gründe, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Seelert die 6. Strafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurde der bisher unbescholtene Fritz Gäbelcr aus Karlshorst vorgeführt, um sich wegen sortgesetzten schweren und einfachen Diebstahls zu verantworten. Mitangeklagt wegen Hehlerei waren der Schankwirt Gustav Fürch und dessen Ehefrau Anna F., beide aus Lichtenberg. Der Angeklagte Gäbelcr war seit 14 Jahren auf der Rennbahn KarlShorst als Wächter angestellt gewesen. Schon vor mehreren Jahren war es dem Rcstaurateur Habckuß, der neben dem Hotel „Zum Kronprinzen" auf der Rennbahn eine Restauration betreibt, aufgefallen, daß seine Wein- und Kognakvorräte, insbesondere aber sein Geschirr- und Serviettenvorrat rapide abnahm. Es gerieten mehrere Angestellte und Kellner in den Verdacht, mit den Diebereien zu tun zu haben; dieser Verdacht erwies sich jedoch, wie sich erst später ergab, als falsch. Als vor längerer Zeit der Rennbahn- inspektor Kott bestohlen wurde, war es der Angeklagte, der den Verdacht auf einen Zimmermann Just lenkte. Diese Verdächtigung wurde dem Angeklagten selbst zum Verhängnis. Es erregte Arg- wohn, daß der Angeklagte, der sich stets in Begleitung eines Polizei- Hundes auf der Rennbahn aufhielt, nichts von dem Diebstahl ge- merkt haben sollte. Eine Haussuchung hatte ein überraschendes Re- 'ultat. Es wurde ein ganzes Warenlager gestohlener Sachen be- chlagnahmt, die bei der Wegschaffung zwei große Wagen füllten. Eine zweite Haussuchung in dem Lokal der Angeklagten Fürch zeigte auch den Weg, den ein Teil der von Gäbeler gestohlenen Sachen genommen hatte, denn auch bei Fürch wurden Teller, Tassen, Servietten, Wirtschaftsgeräte und Handwerkszeug beschlag- nahmt. GLbeler gab bei seiner Verhaftung auch zu, die Sachen entwendet zu haben, bestritt jedoch ganz entschieden, die Diebstähle mittels Einbruchs verübt zu haben. Er behauptete, die Sachen mittels einer Art Angelrute und einer Trahtschlinge durch eine Luke deS RestaurationSgcbäudcs herausgefischt zu haben. Ein Lokaltermin auf der Rennbahn Karlshorst ergab die Möglichkeit, diese Diebesangel mit Erfolg in Tätigkeit zu setzen. Dagegen konnten verschiedene andere Diebstähle nur mittels Einbruchs ver- übt worden sein, so u. a. ein Diebstahl an Teilen des kaiserlichen Tafrlserviees, welches am Tage des Armee-Jagd-RennenS, bei welchem betf Kaiser anwesend war, in dem Kaiserpavillon aufge- stellt gewesen war. Am nächsten Morgen fehlten von dem Service, welches über 20 000 Mark gekostet hatte, mehrere goldene Löffel und Schalen. Nach mehrstündiger Verhandlung beantragte der Staatsanwalt gegen Gäbeler 3 Jahre Zuchthaus und gegen die Fürchschen Ehe- leute je 3 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten der erlittenen Unter- suchungshaft, Fürch wurde zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt, Frau F. freigesprochen.___ Der Chef als Berführer. Schwere sittliche Verfehlungen gegen«ine jugendliche Arbeiterin wurden dem Fabrikanten Otto Keilwagen zur Last gelegt, gegen den gestern die 2. Strafkammer des Landgerichts II eine Anklage wegen Vergehens gegen den Z 182 deS Strafgesetzbuchs sBerführung einer Minderjährigen) zu verhandeln hatte. Der Angeklagte betreibt in der Knesebeckstr. 30 zu Neukölln eine Putzfederfabrik, in der er mehrere jugendliche Arbeiterinnen beschäftigt. Wie behauptet wird, soll der Angeklagte in seinem Betriebe ein« Art Paschawirtschaft eingeführt haben, indem die jeweilige„Favoritin" mehr Lohn erhält und auch das große Wort führen darf. Eines Tages im August d. I. ließ K. eine 15jährige Arbeiterin in fein Kontor kommen und verging sich hier an dem Mädchen, wie es behauptet, sogar unter Anwendung von Gewalt. DaS Mädchen verheimlichte vor ihren Eltern aus Scham diesen Vorgang, bis der Angeklagte kurz vor Pfingsten d. I. eine zweite Attacke versuchte. Erst jetzt beichtete sie ihren Eltern, was vor- gefallen war. ES wurde Strafantrag gestellt und von der Staats- anwaltschaft Anklag« wegen Verführung einer Minderjährigen erhoben, da es sich ergab, daß das Mädchen bis dahin völlig un. beschälten war. Nach längerer unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Verhandlung kam das Gericht zu einer Verurteilung des Angeklagten im Sinne der Anklagen ES erkannte auf vier Monate Gefängnis._ Geistlicher Zentrumsterror vor Gericht. Bor dem Schöffengericht in Neumarkt(Oberpfalz) wurde ein Prozeß verhandelt, der uns den Terrorismus politisierender Zen- trumsgeistlicher in bengalischer Beleuchtung zeigt. Angeklagt war der katholische Pfarrer Götz von Deining wegen Beleidigung eines Maschinenreisenden. Der Fall ist ein Nachspiel zur jüngsten Reichstagsnachwahl im Wahlkreise Neumarkt. Der Reisende hatte in einer Zentrumsversammlung erst in Aussicht ge- stellt, daß er bei den Bauern für den Zentrumskandidaten wirken werde, er besann sich aber dann eines Besseren und veranlaßte eine liberale Versammlung. Darüber ärgerte sich der Pfarrer derart, daß er zur Frau des Reisenden ging, um oen ehelichen Frieden dadurch zu fördern, daß er ihr Vorwürfe wegen des Verhaltens ihres Mannes machte und dabei die Drohung verlauten ließ, er werde dieses Verhalten in den Zeitungen kennzeichnen und dafür sorgen, daß er kein Geschäft mehr mache. Auch in der Kirche werde er die Sache zur Sprache bringen. Tatsächlich zog er auch in einer Predigt gegen den Reisenden loS. Das Gericht verurteilte den Zen. trumSpfarrer zu 200 M. Geldstrafe. Seine Widerklage gegen den Reisenden, der in einer liberalen Versammlung erklärt hatte, der Pfarrer sei zu jung und leide an Größenwahn, wurde abgewiesen. Wenn alle Fälle von solchem geistlichen Terrorismus verfolgt würden, bekämen die Gerichte ungeheuer viel Arbeit, aber die meisten Leute lassen sich durch du Scheu vor dem Priestergewand davon zurückhalten. Hud aller Älelt. Schweres Bootsunglück an der Nordseeküste. Eine Rudcrbootskatastrophe, bei der vier Personen er- tranken, hat sich am Sonntagnachmittag an der o l d e n» burgischen Nordseeküste zugetragen. Ein Ruderboot. das mit vier Insassen von der bekannten Nordseeinsel Spiekeroog nach der Nachbarinsel Harlingerfiel unter- wegs war, k enterte plötzlich auf hoher See. Die Ursache des Unglücks ist unbekannt. Alle vier Insassen, der Bootsinhaber, sein Gehilfe und seine Fahrgäste, ein Maurer und ein Maurerpolier, fanden den Tod in den Wellen, durchtvegs junge Leute, die sich erst vor kurzer Zeit verheiratet hatten. Grostfeuer im Hafen v»n Portsmouth. Eine Riesenfeuersbrunst die im englischen Hafen Ports- in o u t h ausbrach, hat einen großen Teil der Hafenanlagen zerstört. Dem Brande sind auch zwei Wächter in einem Signal- türme zum Opfer gefallen. Ein großes Gebäude, in dem sich Segelspeicher befanden, wurde vernichtet. Der angerichtete Schaden'wird auf vier Millionen Mark geschätzt. Der gleichfall» niedergebrannte Semaphorturm, in dem sich die Zentralsignalstelle deS Hafens befand, bot einen ausgedehnten Ueberblick über Spithead und den Solent. Der Turm war 167 Fuß hoch und ganz aus Holz gebaut. Er stammte aus dem Ende des 18. Jahr- Hunderts. Tag und Rächt wurde in ihm eine Wache von drei Mann unterhalten, die auch vorgestern Dienst hatte. Von den drei Mann ist nur einer entkommen. Es besteht kein Zweifel, daß die beiden anderen umgekommen sind. DaS Feuer wurde abends um 7 Uhr 25 Minuten auf dem Schlachtkreuzer„Queen Mary" bemerkt. Es wurde sofort allgemeiner Alarm gegeben und von allen im Hafen liegenden Schiffen wurden Abteilungen mit Löschapparaten gelandet. DaS Feuer war meilenweit sichtbar. Einige Zeit bestand Gefahr, daß es auch die Oel- und Farbenlager ergreifen würde. Der Schlachtkreuzer„Queen Mary", auf den brennende Holzstücke und Funken niederregneten, mutzte seinen Liegeplatz ver- lassen. Erst um 2 Uhr morgens wurde man des Feuers Herr, dessen Ursache noch nicht festgestellt worden ist. In dem verbrannten Gebäude befanden sich auch alte Schiffsmodelle und historische Doku- mente, darunter solche aus dem Krimkriege. Die Vulkanausbrüche auf de» Hebriden. Ueber den Ausbruch de» Vulkan« auf der zur Gruppe der Neuen Hebriden gehörenden Insel A m b r y n werden jetzt erschütternde Einzelheiten bekannt. Die Eingeborenen verschiedener Dörfer wurden auf ihrer gemeinsamen Flucht vor der glühenden Lava in zwei Gruppen getrennt. Nur einer dieser Gruppen gelang es, dem glühenden Strom zu entgehen, die andere fand den Ausweg versperrt und viele der Leute fielen, noch ehe fie von dem Lavastrom erreicht wurden, infolge der kolossalen Hitze tot nieder. Die zweite Gruppe mußte untätig zusehen wie ibre Kameraden bald von dem glühenden Strom bedeckt wurden. Ueberfall auf einen Eifenbahnzug. Nach einer Meldung aus Kalkutta wurde in der Nacht zum Sonntag ein Eisenbahnzug auf der Strecke Peschawar— Kalkutta von Räubern überfallen. Der M a s ch in en fü h r e r, der Zugführer und der Heizer wurden von den Räubern niedergeschossen. In der Zwischenzeit aber konnten sich die Reisenden um einige im Zuge befindliche britische Offiziere scharen, die gemeinschafrlich mir einigen im Zuge befindlichen Soldaten mit ihren Säbeln die Angreifer in die Flucht schlugen.-' Kleine Notizen. Zwei Personen überfahren. Beim Ueberschreiten einer bereits geschlossenen Eisenbahnschranke wurden am Sonntag abend in Rüningen ber Braun'chweig der Tischlermeister Niehoff und der Sohn des Briefträgers Haars aus Braunschweig von einem Per» sonenzuge erfaßt.— Niehoff wurde sofort getötet, der Knabe schwer verletzt. Explosion in einem Hofznge. Auf dem Bahnhofe in Rostock ist rn einem Hofzuge der Kaiserin-Wilwc von Rußland am Montag nachmittag in der Lichtmotorenanlage eine Explosion erfolgt. Drei Zügbeamte erlitten schwere, sieben leichtere erletzungen. Automobilkatastrophe'iu Spanien. Ein Automobil, in dem sich mehrere Mitglieder der Madrider Aristokratie befanden, stürzte in der Umgegend von Madrid um. Bon den Insassen wurde einer gerölet, vier verletzt, darunter einer tödlich. Ein tragischer Tollwutfall. In der russischen Stadt P i n« k war ein Realschüler von einem tollwütigen Hunde gebissen worden. In einem Tollwutanfall, den der Schüler dann selbst erlitt, biß er 24 seiner Kameraden. Der Schüler starb darauf unter furchtbaren Qualen, während seine Opfer nach dem Pasteur-Jnstitut in Wilna gebracht wurden. Eisenbahnunglück in Ungarn. Bei der Station Pihar PuSpek karambolierte ein Personenzug mit einem Güter- z u g. Zwei Dienstwagen und drei Güterwagen entgleisten. Der Heizer des Personenzuges erlitt schwere Brand« wunden, mehrere Passagiere wurden leichter verletzt. Brandunglück in einem Londoner Borort. In dem Londoner Vorort Knighbridge brach Montag nachmittag in einem Land- hauS Feuer aus, daS sich schnell über alle Stockwerke des Hause» verbreitete. Ein Koch, der noch einmal in das brenn» ende HauS hineinlief, um Werlsachen zu retten, verbrannte. Zwei Feuerwehrleute und ein Diener erlitten beim Löschen deS FeuerS lebensgefährliche Brandwunden. Man ver- mutet, daß Suffragetten den Brand angelegt haben. WafferftandS-Nach richten der LandeZanftalt für Gewasiertunve. mitgeteilt vom Berliner Wetterburean Waff erstand Memet, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Kroffen , Frantwrt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg Wafferstand Saale, Grochtitz H a 0 e t. Svandauff „ Ratbenowff Spree. Svremöerg') , BeeSlow Weser, Münden Minden R h e-i n, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Main. Hanau Mosel. Trier am 21 12. cn> 176 74 63 160 114 270 890 416 268 303 107 254 1U |'tix 'SO. 12. ern') —26 —7 0 —30 +8 -29 — 24 — 10 — 4 -9 — 8 +8 -17 ')+ bedeutet Wuchs.-Fall.- 1 SSltBl*la>l>k'*Al iSStilM*""""' PILSATOR EIN GUTER TRUNK AM STAMMTISCH UND IM HAUSE IJ«b«r&ll zu ti&btn in Fluchen, Hannen und Siphon« BÖHMISCHES BRAUHAUS HO 18. 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Anfang 3 Uhr Deutsches Schauspielhaus. Peterchens Mondfahrt. Anfang 4 Uhr. Theater des Westens. Das tapfere Schneiderlein. Ansang S Uhr. GiueS Palast am Zoo. Lariets Lichtspiele. Anfang«V, Uhr. CtauSRu llendars-Theater.vartett» Lichtspiele. Anfang 7 NSr. Sgl. Opernhaus. Die Walküre. Kduiggräfcer Strasse. König Richard III. Ansang VI, Mr., Sgl. Schauspielhaus. Die Neu- vermählten.— Die zärtlichen Verwandten. Deutsches. Biel Lärm um Nichts. »lernes. Jettchen Gebert. MontiS Operetten. Die verbotene Stadt. Theater am Nollendorfplatz. Freddy und Teddy. ZirkuS Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Ansang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Jork. Lesfing. Wozzek. Leonce und Lena. Kammerspiele. Der verlorene Sohn. Deutsches Künstler- Theater. Schirm und Gertraude. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. Deutsches Schauspielhaus. Die heitere Residenz. Tbaiia. Die Tangoprinzessin. «omödienhaus. Hinter Mauern. Resideuz. Hoheit— der Franz. Rose. Schürzenjäger. Metropot. Die Reife um die Welt in 40 Tagen. Sastuo. Ferdinand der Tugend- haste. Deutsches OperuhauS. DerWaffen- fchmied. Schiller 4». Heimg'funden. Schiller Charlotreudurg. Die goldene Rrtterzeit. Lustipielhaus. Die fpanifche Fliege. Trtauon. AnatoleS Hochzeit. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Die Kinokönigin. Herrnfeld. Was jagen Sie zu Leibusch? Apollo. Spezialitäten. Wtnrergarren. Spezialitäten. Reichshallen. Stcttiner Sänger. Anfang 8'/. Uhr. Luisen. O Tanuebaum. Walhalla. Wollenbummler. Fvlies(taprice. Der Kuckuck. Manöverjchivtndel. Die Samuels. Ansaag 8ll, Uhr. RcueS Bolketheater. Der ledige Hoj. Anfang 9 Ubr. Admiralspalaft. Die lustige Puppe. Berliner Eispalast. Eissport. DinesNolleuiwrf-Theater.Pariete- Lichtspiele. Sternwarte, Lnoalidenstr. b7— 62 Scdiller-'ltieaier Q.!sr.; Dienstag, abends 8 Uhr: Helmg'fimden. Mittwoch geschloffen. Donnerstag, nachmittags 3 Uhr: Glvnvdtitt tut Gescliiltt. Donnerstag, abends 8 Uhr: Heilmix'liil»«!««.___ SedlMldeilier"IST Dienstag, abends 8 Uhr: Die goldene Kitterzelt. Mittwoch geschlossen. Donnerstag, nachmittags 3 Uhr: Andren» Koker. Donnerstag, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Dentsches�chaaspleihanH Nachm. 3 Uhr: Peterchens Mondfahrt. 8 Uhr: Die heitere Residenz. wMiiiliei'IiWUW�iMe 7 Uhr: Zum ersten Male: König Richard III. Komödienhaus. «uhr: Hinter Mauern. Beritoer Thealer. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Lessing-Theater. s uhr- Wozzeek. Leonee u. Lern Von Georg Büchner. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblnt. DienStag u. Sonnabendnachm. 4 Uhr: DaS tapfere Schneiderlein. tohte Jiünstlertheater Sozietat. DienStag 8 Uhr: Schirm nnd Gertrande. Mittwoch geschlossen. Donnerst. 3 U.: Der Klherpelz. Donnerstag 8 Uhr; Hanneies Himmelfahrt. Per»erbrochene Krwg« Vsttmiwortlicher Redakteur: URANIA TaubensiraSe 48/49. 8 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Tbeater am Mlemioffplatz S. 7>/3 Uhr: Zum 1. Male: 5reMxuiiiiIeäl>?. ?Sdi'ezilI--.Jöi'Iiliae!lta!möa tsxkick» teliee�sciiMe tisl WLc'il Gin Rind frei einzuiliren. Jedes Kind erhält ein MMMN! Alles obne Extra- Entree. 50 wilde Weiber Kanner nnd Kinder aus dem Innersten Afrikas. Der unersättliche Froschscblucker. { 20 Säle mit plastischen Kunstwerken in LebensgröSe. Alles ohne Extra- Entree CinfriM fürdie gesamten Räume I □IUI III zes Panoptikums inkl. aller Nebenräume und Ell Sehenswürdigkeiten»ll Pf. Soldatenu.KlnderSSPf. Metropol-Theater. Aoends präzise 7 Uhr 55: Hie Oeiee um die Erde in 40 Tagen. Polles Gaprice. Anfang 8'/« Uhr Der Knchnch. Hanoverschwindel. Die Samnels. Lichtspiele i Untor den Linden 21 M o r i t z p 1 a t z Hasonheide Wainbergsweg 16— 17 Reinick endorferstr. 14 Schöneb arg, Hauptstr. 49 Programme des guten Geschmacks. Mittwoch, 24. Dezember: Geschlossen. Donnerstag, 25. Dezember: Grüße Welimacbts- Fest-Vorstellung. Freitag, 26. Dezember Große Veibnacbts- Fest-Torstellung. Vollständig neues Programm. Sonnabend, 27. Dezember Große Veihnacbts- Fest-Vorstellung. mit dem neuen Programm. Heute 4 Uhr: im U. T. Hasenheido Weihnaehts- Jngend-Vorstellnng. Sozialdcmohratlfeher �dahlvcrcin für den 4. Bcrtlmr Rckhstagswahlhr« Freitag, den 26. Dezember(2. Feiertag), in Kellers Festsälen, Koppenstraße X«. 39: \ ßeiterer Hbend Lachende Bilder— Reitere Vorträge. UitmiliVonito Ifünttlop• Vokalqnartett: Frl. Meie Zlotnicka(Sopran). Frl. Durra(Alt), mllnli HclillC HUIlulibl. Herr Springer(Tenor), Herr Willi Durra(Bariton), Herr Albert Heinrich Burger(Rezitationen). Im.weiten Teil; tlt/l Dl© sittliche Forderung. Ein Einakter von Otto Erich Hertieben. Perion en: Rita Revera, internat, Konzertsängerin. Friedrich Stierwald, Kaufmann, Inhaber der Firma 0. W. Stierwald Söhne. Berta, Ritas Kammermädchen. Ort: Ein großes deutsches Modebad.— Leitung: Herr Albert Heinrich Burger. Nach der Vorstellung: T-A. Eintritt SO Pf. Saalöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Billetts sind in den in Plakaten belegten Geschäften zn haben. Weihnachtsfeier._ Am 2. Weihnachtsfeiertag, abends 6 Uhr, bei F. Wilke, Sebastianstr. 39. Vortrag des Landtags-Abgeordneten Adolf Hoftmann: Friede auf Erden? Nach dem Vortrag:„Geselliges Beisammensein". Gesang des Kinderchors, Tanz usw. 64/3 Eintritt 10 Pfennig. Der Einberufer: A. Harndt, PappelaUee 15. A Turn-Vereln„Fichte" Berlin Mitglied des Arbeiter-Tumer-Bundes. Donnerstag, den 25. Dezember(1. Feiertag), in der„Neuen Welt", Hasenheide 108-114, WeihnachtssFeier bestehend in Konzert, turnerischen und humor. Aufführungen, Ball. Im hinteren Saal, 2000 Personen fassend, findet außer turnerischen Aufführungen, Berliner Ulk-Trio eine Märchenaufführung:„Schnee- welBchen nnd Rosenrot" statt. Die verehrten Eltern werden höflichst gebeten, mit den Kindern im hintern Saal Platz zu nehmen. Nach der Vorstellung in beiden Sälen Tanz. Herren zahlen 50 Pf. nach. Erdffnnng 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 5 Uhr. Programm an der Kontrolle gratis.-WZ 186/12 J Zahlstelle Berlin Dentsclier Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin Sonnabend, den 27. Dezember(Z. Feiertag), bei Obiglo(trüber Keller), Koppenstraße 29: Weihnachts-Vergnügen Mitwirkende: Neues TonkünstlersOrchester, Dirigent: Franz Hollfelder— Betty Lang, Sängerin— Berliner Ulk»Trio. Saal: liasperie« tbeater � < Im kleinen Einlaß 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. b im großen Saal: LonobereUnhsaä T a n z. Ball bei zwei Orchestern. Eintritt 50 Pfennig. Kinder frei. Eintrittskarten sind auf allen Zahlstellen, beim Gastwirt Kollegen Greive, Rungestraße 30, und im Bureau zu haben.(93/6*) Das Komitee. V oigt- Theater Babftrasse 38. 1. Feiertag, nachmittags 3 Uhr: Der deutsche Michel. 1. Feiertag, abends 8 Uhr: Rückkehr am Weihnachtsabend. 2. Feiertag, nachmittags 3 Uhr: Die Waise aus Lowood. 2. Feiertag, abends 7 Uhr: Heimg'funden. 3. Feiertag, abends 8 Uhr: «nfeWnluft. Kasseneröffn. 10 Uhr. Ans. 3, 7, 8 Uhr. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Heute zum 1. Male Anatoles Hochzeit. Mittwoch geschlossen. 8 Residenz-Tlieater 8 Uhr Uhr. Hoheit— der Franz! Mnsifalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wölfs. Musik von Robert Winterberg. Allabendl. 8 Uhr: Hoheit— der Franz! Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich jubelnder Beifall! Ferdinand der Tugendhafte. An allen Feiertagen: 4 Uhr: Geheimnisse von New York, 8 Uhr: Ferdinand der Tugendhafte und das grandiose Fest-Programm. Vereinigte Berliner Volksbhhnen Eniscn-Theater. I Walhalla-Theater. 8st. Uhr: Q Tannebanrn. 8'/, Uhr: Wolkenbnnimler. Em neues deutsches Weihnachts- 1 Posse in 3 Akten von Herrn. Stein. märchen von Martin Frehse.| Musik von Karl Krüger. jil fnATg"" Beriiner" mVaIIU Konzerthaus ■■■ l»- MauerstraBe 82.— Zimmerstraße 90i91. Heute: Oroßes Konzert! Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Borgen: Geschlossen! An allen 3 Weihnachtsfelertagen und 8onntag, den 28. d. ZU: Cirroßes Doppel-Konzert! Anfang 4 Uhr. OSE=THEATE| Große Frankfurter Str 132. Ans. 8 Uhr. Zum 1. Malt: Der Schnrieniäger. Gr. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akt- von Hermann Freu und F.W.Hardt- Musik von Walter Zachar. Mittwoch geschlossen. Frieip.-lbeliiistäill fheater. Operetten-Gastspiel Zum 258. Male; Die Rino-KßDigto. Operette in 3 Zllten von Georg OkonkowSki u. Julius Freund. Musik von Jean Gilberl Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Heute 4 Uhr: Dornröschen. «oranzeige: Sin oeiden Feier- tagen nachmittags 3 Uhr: Die Kensehe 8nsanne. Admiralspalast. Eis- Arena.— Allabendlich das neue mit durchschlagendem Erfolg aufgeführte Eisballett Sie lustige f*upps. Beginn der Vorstelluag 8>/. Uhr. Bis 6 Uhr und von lO3/, Uhr halbe Kassenpreise. Zirkus Alb. Sehumann. Heute Dienstag, den 23. Dez.: abends 7l/2 Uhr: Große Sport-Vorstellung bestehend aus 10 erstklassigen neuen Attraktionen. PUT" Um 91/, Uhr: VU Das große Ausstattungsstück vom Turf in 7 Bildern; „Tipp" der Derby-Favorit 1314. Auf das glänzendste inszeniert vom Kommissionarat Albert j Sohumaun. M��en Mittwoch, d. 24. De».:| Geaehlosaen. Zirkus Busch. Heute Dienstag, den 23. Dez., abends Ist, Ubr: „Doinpejl" Original-Prunk-Pantomimc des I Zirkus Busch in 5 glänz. Akten, j Borher das glänzende Spezialitätcn-Programm. Mittwoch, 24. Dez.: Geschlossen, i Voranzeige! An allen L Weih. nachtsseiertagen 2 groye Fcsloor- stellungen. Nachmittags hat jeder I Erwachsene ein Mnd unter zehn I Jahren frei. JnallenNachmitiags- l Vorstellungen:„AttS unseren j Kolonien". Abend?: Pompeji. Kit» Zscehetto 8erene ktiorcl D. Venus im Lade. und die von Publikum uud Presse glänzend beurteilten r- Raachen gestattet! FrledrtehairaBse 218 — T«l, LQtzcw 1767— Costanlino Bernardi nud das gross« Variete- Programm! Rauchen überall gestattet Z Beginn: 8 Uhr. Ab 1. Januar 1914: Gastspial ffarlslein . in der tollsa Barleska „Der Stolz der 3. Kompanie" Januar- V ariete-Programm Bernhard Varbitz ReichshalleD-Theater Stettiner Sänger Kusikantenweitmaetiten von Metzlet. Ans. 8 Uhr. Nächste Nachm.. Vorstellungen: '25. Dezember. Sß. Dezember, '2H. Dezember. Der 8om- L pagniebnll. Beste Bezugsquelle Auf Teilzahlung! Herren- und Damen-Uhren, Standuhren, Freischw., Ketten, Ringe. Broschen, __ Ohrringe, Armbänder. Grammophone, Pathö- Apparate, Platten Zithern, Spieldosen, Harmonikas. Man- dolinen, Geigen, Christbaumsländer, Fahrräder usw. Juhre& König O. Warschauer Str. 68 N. Invaliden- Straße 7 SO. Grttnaoer Str. 10 Prima junge 297/12* Bafermast-Gänse Lrig.-Kiste 13 St., Pfd. 65 Psg. ab. Besichtigung nnd Kauf 11—1, Külilbaus ttöpenicker Str. 41. Wilhelm Trauschke, Ganse-Gross.Hau dluug. «lfre�Wiele'pp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag:'Vorwärts Buchdruaerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SW. St. 338. 30 Jnfttjatj. 2. iSfillljjE Ortshranhenkaiic iiicdcrbarnim. Das Versicherungsamt des Äreises Ztiederbarnim gibt jetzt ein Verzeichnis der Zahl- und Meldestellen der neuen Orts- krankenkaffe bekannt. Danach werden in 8ö Ortschaften des Kreises Melde st ellen eingerichtet. Diese sind in fast allen Fällen den Gemeindevorstäirden angegliedert. Wo eine Regelung bisher nicht erzielt wurde, muß die Meldung an die H a u p t- melde st elle in Berlin NW. 40, Friedrich- Karl- Ufer S, erfolgen. Auch besondere An- und Abmeldekarten sind vorgesehen, die bei den Meldestellen zu entnehmen sind. Ein un- erhörter Zustand ist es, dqß diese Veröffentlichungen in kleinen Ortsblättchen erfolgen und nicht in den großen Berliner Zeitungen. Wohlgemerit, die Meldestellen konnnen für die An- und Abmeldungen durch die Arbeitgeber uno bei Weiterführung der Mitgliedschaft beim Austritt aus der Beschäftigung in Betracht.(Freiwillige Mitgliedschaft.) Wie weit diese Meldestellen auch für die Krankmeldung in Anspruch genommen werden können, ist jedenfalls:wch Gegenstand der Erwägung. Tie Bekanntmachung läßt sich darüber nicht aus. Neben diesen Meldestellen sind auch noch ö6 Zahlstellen errichtet, die durchweg den bestehenden Nebenstellen der Kreisspar- lasse angeschlossen sind. Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt jeden Freitag in der Zahl st elle des Wohnortes. Auf Wunsch erfolgt die Zusendung des Krankengeldes unter Kürzung des Portos durch die Post. Ist der Freitag ein Feiertag, so erfolgt die Zahlung am borheigshenden Werktage. Die in Berlin wohnhaften erkrankten Mitglieder müssen ihr Krankengeld bei der Hauptzahlstelle im Kreishause, Berlin NW. 40, Friedrich-Karl-Ufer S, Zimmer ö, in Empfang nehmen. Damit ist auch die Zahlung des Krankengeldes und der Verkehr mit den Kranken sozial denkenden und praktisch tätigen Angestellten entlvunden. An ihre Stelle tritt Gevatter Schuster und Schneider, Tischlermeister, Eisenhändler und sonstige Kaufleute, zum großen Teil mit offenen Geschäften. Welche Ge- fahren für die erkrankten Mitglieder darin liegen, wird sich in der ganzen Größe erst später ermessen lassen. Man denke nur an schwere Erkrankungen akuter. Art(Lungenentzünduirg, Blinddarm- entzündung), wo schnelle Hilfe im Krankenhause oft der einzige Weg zur Rettung ist. Hier zeigt sich jedenfalls am ehesten, oaß die Zahl- und Meldebureaus über den ganzen Kreis verteilt und den Händen sachkundiger und tüchtiger Kassenbeamten anvertraut werden müßten. Es zeigt sich aber auch ganz deutlich, wie tüchtig Vorstand uno Ausschuß der neuen Kasse sein müssen, um später dieses ganze Elend wieder zu beseitigen. Die Wahlen am 4. Januar sind daher der größten Beachtung wert. Sie haben in der Tat genau den gleichen Wert wie politische Wahlen. Partei-?Zngelegenkeiten. Billige und gute Theatervorstellungen. Wir machen darauf aufmerksam, daß für unsere Theater- Vorstellung am 1. Januar 1914, nachmittags 3 Uhr, im Herrn- feld-Theater noch Karten in folgenden Verkaufsstellen zu haben sind: Restauration Paersch, Oldenburger Str. 10, Restauration Dieseler, Brunnenstr. 145, Bureau des Holzarbeiterverbandes, Rimgestr. 39, 9—1 und 5—7 Uhr, und int Bureau, Lindenstr. 3. Zur Darstellung gelangt:„Hinterm Zaun", Lustspiel von Karl Rößler. Die Karten für den 25. und 28. De- zeniber sind ausverkauft. Der Bezftks-Bildungsausschuß Groß-Berlin. Vierter Kreis. Die Bibliothek, Beymestraße, Ecke Rotherstraße. ist am 24. und 27. d. Mls. geschlossen. Am 27. d. Mls.(3. Weihnachlsfeiertag) findet für die 21. und 22. Abteilung in den Markgrafensälen. Markgrafendamm 34, eine Weihnachtsfeier, verbunden mit Konzert, Rezitationen, Deklamationen, ernsten und heiteren Inhalts, turnerischen Aufführungen, lebenden Bildern sowie der Märchenaufführung.Winter und Frühling" statt. Billetis a 20 Pf. sind noch bei den Bezirksführern sowie bei Rückert, Goßlerstr. 24, zu haben. 6. Wahlkreis. Das Bureau des Kreises bleibt heute geschlossen; ani morgigen Mittwoch ist es bis 1 Uhr nachmittags geöffnet.— Uraniabilletts zum 2. Feiertag sind noch im Restaurant Nietzschmann, Gerichtstr. 74, im Bureau des Kreises und im Bureau des 4. Kreises, Stralauer Platz 19/11, zu haben. Mariendorf. Der Bildungsausschuß veranstaltet am 1. Weihnachts- feiertag in Laars Gesellschaftshaus, Chausseestr. 303. einen Kunst- abend unter Mitwirkung des Berliner Tonkünstler-OrchesterS(Dirigent Kapellmeister Alfred Hirsch), Hofopernsänger Eugen Wolff. Frau Dr. Klara Wolff sowie des ArbeilergesangvereinS Mariendorf (Dirigent Herr Jean van den DrieS). Anfang des Konzerts Punkt 7 Uhr. Zossen. Am 1. WeihnachtSfeiertag veranstaltet der Wahlverein im Lokale des Herrn Scherler eine Weihnachtsfeier. Diese beginnt nachmittags 4 Uhr mit einem Lichtbildervortrag von Gen. Ingenieur Otto Roth-Berlin. Um 3 Uhr abends: Auftreten des Humoristen Herrn W. Holz-Berlin und der Vortragskünstlerin Frl. Anna Rau- Berlin. Bezirk Waidmannslust. Am Donnerstag, den 23. Dezember (1. Feierlag) veranstaltet der Wahlverein im Restaurant„Bellevue" (Inhaber Pfeffer) in HermSdorf eine Weihnachtsfeier bestehend in Konzert und Chorgesängen, ausgeführt von Kindern und dem Arbeiter- gefangverein„Nordische Klänge". Ferner gelangt das Theaterstück „Häniel und Gretels WeihnachtStraum" zur Aufführung. Nachher Tanz. Anfang 3 Uhr. Eintritt 20 Pf. Kinder unter 14 Jahren frei. Da weder Mühen noch Kosten gespart sind, wollen die Mitglieder für regen Besuch Sorge tragen. Stralau. Am ersten Weihnachtstag veranstallet der Wahlverein in den Markgrafensälen, Marlgrafendamm 34, einen Volkslieder- abend als Weihnachtsfeier. Mitwirkende sind: Gesang: Frau Goetz- Levy und Herr Piet Deutsch, am Flügel: Herr Kapellmelster Levy, Rezitation: Frl. Margarete Merlbach. Nachher Tanz. Herren zahlen 30 Pf. nach. Eröffnung 3'/» Uhr. Anfang 3'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Borsigwalde-Wittenau. Sonntag, den 28. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, findet in den Borstgwalder Festsälen eine Märchen» Vorstellung statt._ Erwachsene 20 Pf. Eintritt Kinder von Partei- genossen sind frei. Genossen, welche noch nicht im Besitz von Kinder- billerts sind, können sich solche gratis beim Genossen A. Beutle, Schubarthstr. 33, vom II, abholen. berliner I�admcbteu. Die juristische Sprechstunde fällt morgen, Mittwoch, de» 24. Dezember, aus. des LmSrls" Honigkuchen. Auf deu Weihnachtstisch nimmt, abgesehen von den teuren Ueberraschungen, neben Aepfeln und Nüssen, der Honig- kuchen seinen von altersher behaupteten ständigen Platz ein. Namentlich die besseren, nicht allzu schweren Sorten des Honigkuchens verdienen wegen ihres Nährwertes und ihrer sonstigen vorzüglichen Eigenschaften der Verdauungsregulierung, auch außer der Weihnachtszeit von Kindern wie Erwachsenen ständiger genossen zu werden. Die Honigkuchenfabrikatton beschränkte sich in früheren Zeiten nur auf bestimmte Orte. Die bekanntesten sind Nürnberg und Thorn. Die Entwicklung zu Großbetrieben hat auch dort die Kleiuhandwerker(Lebküchler, Lebzelter, Pfefferküchler) hinweg- gefegt, die Herstellung in größere Fabriken verlegt und auch die Fabrikanten anderer Städte veranlaßt, in ihren Schoko- laden-. Zuckerwaren- und ähnlichen Betrieben eine Abteilung für Honigkuchensabrikatton zu schaffen. Die Konzentratton mit ihrer Herstellung im Großen hat die Kleinbäckereien und Konditoreien immer mehr veranlaßt, die Herstellung nur den Fabriken zu überlassen und sich damit zu begnügen, lediglich als Wiederverkäufer zu fungieren. In Berliner Bäckereien wird daher fast gar kein Honigkuchen produziert. Die Fabrikanten geben an die Wiederverkäufer meist höhcrenRabatt, als der Verdienst bei eigener Herstellung beträgt. Die Fabrikanten können dies auch, denn die Lohn- und Arbeits- bedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen in dieser Branche sind recht wenig beneidenswerte. Nur selten nimmt der Käufer der Honigkuchen, wie auch der Beschenkte Interesse an der Lebenslage der Erzeuger des Produtts. Die Gepflogenheit der Konsumenten, nur zum Weihnachtsfeste Pfefferkuchen zu essen, veranlaßt die Fabri- kanten, die Fabrikation der Honigkuchen auf eine kurze Zeit zusammenzudrängen. Das sührt dazu, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Branche als Weihnachtsgeschenk den Eni- lassungsschein erhalten. Dabei verdienen diese Saisonarbeiter und Arbeiterinnen blutwenig. Arbeiter erhalten 25 bis herunter zu 29 Pf. pro Stunde, Arbeiterinnen bekommen 12, 19, ja teilweise?(sieben) Pfennig Stundenlohn. In der Nürnberger Lebkuchenbranche hat der Bäcker- und Konditorenverband seit Jahren einen Tarif mit den Fabrikanten, in Thorn nur mit der Firma Richard Thomas, während die beiden„Hoflieferanten" Gustav Weese und Hermann Thomas jeden Versuch, einen Tarifvertrag zu schaffen, ablehnen. Nun hat in diesenl Jahre die K o n s u m- G c n o s s e n- schaft Berlin und Umgegend als erster deutscher Konsumverein die Honigkuchenfabrikation in Angriff genomnien. Er ist daher in der Lage, in allen Verkaufsstellen ausschließlich Honigkuchen aller Sorten aus eigenem Betriebe zum Verkauf zu bringen. Bei der Beurteilung der Güte des Erzeugnisses und des Geschmacks darf der Konsument sich nicht von den scharfen, den Verdauungsorganen schädlichen Gewürzen, wie sie manche Fabrikanten verwenden, beeinflussen lassen; ausschlaggebend muß der reine, milde Honiggeschmack fem. Wer diesen Rat befolgt, wird bei den Erzeugnissen der Konsumgenossenschaft Berlin nnd Umgegend auf seine Rechnung kommen. Es braucht sicherlich nicht erst betont zu werden, daß die Konsumgenossenschaft in der gesamten Branche die weitaus besten Löhne zahlt und trotzdem nicht teurer ist. Im kommenden Jahre wird der Betrieb durch den Neubau in räumlicher wie technisch-vollendeter Weise noch ganz bedeutend erweitert. Notstand und Weihnachten. Wenn die bürgerliche Gesellschaft das Vorhandensein eines großen Notstandes gewöhnlich bestreitet oder doch stets bei der Hand ist, den Jammer der unteren und untersten Kreise als übertrieben hinzustellen, so rücken sie doch kurz vor Weihnachten mit der Wahr- heit heraus. Dann meldeten sich zahlreiche bürgerliche und besonders kirchliche Institutionen und malen den Rotstand, um ihre Kassen zu füllen und in Wohltätigkeit zu schwimmen, in den ergreifendsten Bildern. Gewiß wird auf diese Weise die Not ein wenig ge- lindert und manche Kinderhand zu Weihnachten gefüllt, aber es ist ja auch allgemein bekannt, daß in der Auswahl der zu Beschenkenden ein System vorherrscht, das mehr auf die Gesinnung der Not- leidenden als auf ihre Bedürftigkeit Wert legt. Wer nicht nach der Kirche läuft und mit den Augen klappert, hat auch bei der größten Not schwerlich darauf zu rechnen, daß ihm die Kirche hilft. Vor uns liegt die gedruckte Weihnachtsbitte der Berliner Stadt- Mission. Was dieser noch mit einem Elendsbild geschmückte Zettel schildert, das ist diesmal die traurige Wahrheit, wenigstens ein Teil der Wahrheit. Man höre: „...Du weißt etwas von WeihnachtS-F r e n d e. Weißt du auch etwas von Weihnachts not? Von Hunger am heiligen Abend? Von Verzweiflung? Noch klingt mir im Ohre nach der Notschrei der Verzweis- lung, der mir gestern abend aus einem nächtlich stillen Hause entgegengellte und mir das Blut in den Adern stocken ließ! Der Schrei zerriß die Nacht wie etwas, was keine Existenz haben sollte auf der Menschenerde, wie etwas, was mich betraf und zur Hilfe ausrief, obwohl ich nicht wußte, wer ihn ausstieß, wer ver- gewaltigt, wer zur Bestie geworden war. Die Not macht zur Bestie, Stellungslosigkeit, Obdachlosigkeit, Hunger, Kälte! Geh' mit der Nachtmission durch� die glänzende Friedrichstadt.— Du siehst nur frohes Leben, schäumende Becher, sprühenden Humor?— Glaube es: hier wohnt die Notl'Da stehen zwei Männer am Eingang der Passage: Neun Tage in Berlin und noch kein Bett gesehen! Durchschüttelt von Naßkälte, gefoltert von Hunger und bohrender Angst um die Zukunft. Die Stadtmission bietet ihnen Bett und Dach, Rat und Hilfe. Aber die anderen 70 000 Stellungs- und Obdachlosen, wer bekümmert sich um die? Ach, im Stehen schlafend haben wir sie ge- sunden! Es ist ja verboten, auf der Erde und auf den Bänken zu liegen. K i n d e r n o t. Ist sie ergreifender zu schildern, als durch die trockene, statistische Angabe, daß vom Jahre 1380 bis 1903 1132 Schulkinder sich in Berlin das Leben genommen haben? Selbst hungern,»schmerz, Kälte, Sorge zu ertragen. Berliner Eltern können das. Aber die zarten Kinder hungern, frieren, mitsorgen zu sehen, das bricht den Eltern das Herz. Aehnlich, wie auf obenstehendem Bilde zu sehen, findet ein Stadtmissionsinspektor am heiligen Abend vor einem glänzenden Schaufenster zwei ftierende Kinder, Spielsachen seilbietend. „Nun, habt ihr denn kein Weihnachten zu Hause?" redet er sie freundlich an.„Bei uns gibt es das nicht," entgegnete der älteste, etwas verkrüppelte Knabe, mit tiestraurigem, schmerzlichem Zucken um den bleichen Mund..Weswegen nicht?" Die DienstAg. 23. Dezember 1913. Wohnung, bei der sie jetzt angelangt sind, gibt die überzeugende Anwart: Vor vier Wochen hat sich die lungenschwiirdsüchtige Mutter der vier Kinder das Leben genommen. Der Vater ist den Tag über auf Arbeit. So hausen die vier Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren allein in der Unordnung, dem Schmutz, der Freudelosigkeit. Ein anderes Bild: Dunkle, enge Hoswohnung, bestehend aus Küche und Kammer. Hier hausen zwölf Personen. Ein schwäch- licher, arbeitsloser Mann, eine zarte, lebensmüde Frau. Wie sollen die ihre zehn Kinder, alle unter vierzehn Jahren, durch den Winter bringen?— Ein feuchter Kellerranm. Ausstattung: zwei Pritschen, ein halber Küchenschrank, ein zerbrochener Stuhl. Bewohnung: ehe- verlassene, hungerentkräftete Frau und vier Kinder. Tie Nach- barin hat nach und nach 20 Mk. für Eßwaren geborgt- Am 4. Advent will sie es zurückholen. Sie findet die ganze Familie auf den Futzdielen liegend bei der Mahlzeit, aus einer Schüssel schwärzliche, unbestimmbare Speise gierig verzehrend. Was ist's? Brotsuppe, deren Inhalt soeben auf der Straße und in den Häusern zusammengebettelt ist...." Der blaue Zettel lag dem Berliner Hof- und Regierungsblatt mit Namen„Lokal-Anzeiger" bei. Er kam also auch in die lusttgen Kreise mit dem„frohen Leben, dein schäumenden Becher, dem sprühenden Humor". In die Ohren müßte ihnen der Schrei der Not gellen. Was sie tun, ist ein großes Nichts, da selbst gut leben am fettsten macht, oder eitel Talmi. Und die Kirche selber? Was tut sie diesen Zuständen gegenüber? Sie sammelt einige Brocken, wirklich helfen kann sie nicht. Im Gegenteil: Sie stützt den Staat. stützt die heutige Gesellschaft, die solche Zustände zeitigt und begeifert diejenigen, die mit aller Entschiedenheit für eine neue Welt kämpfen, in der die Wurzeln des MassenclendZ ausgerodet sind. Zu dem Unglück auf dem Stettiner Bahnhof. Uns wird geschrieben: Bei dem schweren Unglück auf dem Stettiner Vorortbahnhof, worüber in der SonntagSnummer 330 des„Vorwärts" berichtet wird, hat sich der Maschinenmeister Rettig, wie eS heißt, die Schlag- oder durchschnitten, als er mit der Fault ein Fenster einschlug, um durch die Oeffnung hinauszuklettern. Derartige schwere Schnittverletzuugen lassen sich in der Regel vermeiden, wenn man im Falle einer Gefahr Glas- scheiben nicht mit der Hand oder mit der Faust einzu- stoßen sucht, sondern, wie die Feuerwehr es tut, mit dem Ellenbogen. Hierzu gehört ja freilich auch ein gewisses Geschick, denn Verletzungen sind auch hierbei nicht ganz ausgeschlossen, besbnderS bei großen Scheiben. Immerhin ist die Gefahr, sich zu schneiden, nicht eine so unmittelbare wie bei Benutzung der Faust, und bei großen Scheiben ist eine Umwickelung des Armes mit dem ausgezogenen Rock, wenn nichts anderes zur Hand und wenn noch Zeit genug ist, auch ein Gefahrlinderungsmitlel. Zuweilen genügt schon, den Arm soweit aus dem Aermel herauszuziehen, daß mit dem umgeschlagenen Aermel gestoßen werden kann, dazu gehört aber schon besondere Geistesgegenwart. Beim plötzlichen Ausströmen von Dämpfen oder Einströmen von Rauch durch Feueransbruch in einzelne Räume erreich: man die Tür in manchen Fällen augenblicklicher Gefahr auch dadurch, daß man am Fußboden entlang kriecht, weil Rauch und Dämpfe anfänglich in die Höhe steigen, das Almen noch gestatten und sich erst bei Äbl> kühlung senken. Naiürlich sind solche Hilfsmittel immer nur unter besonderen Umständen anwendbar und nur für Personen, die Ruhe und Bei� sonnenheit auch in hoher Gefahr bewahren. Aber es hat zuweilen Wert, solche Kunstgriffe wenigstens zu kennen, da, wo Menschen vor- Händen sind, die nicht gleich in der Gefahr die Fassung ver- lieren. Schwerer Unfall auf dem Bahnhof Schöneberg. Zwei Bahnbeamte getötet. Auf dem Schöneberger Ringbahnhof hat sich am gestrigen Montagnacbmitlag gegen B1� Uhr ein schwerer Unfall ereignet, bei dem zwei Beamte, die sich in Ausübung ihres Dienstes befanden, von einem Zuge überfahren und auf der Stelle getötet wurden. Die Verunglückten sind der Bahnwärter Briese, der im Beamtenhause in Steglitz wohnt und der Bahnarbeiter Schäfer aus der Dennewitz- straße 33. Der Bahnwärter Briese sollte die im Bereiche des Bahn- Hofs Schöneberg gelegenen Ferngleise revidiere», wie dies täglich ge- schieht. Der Beamte verließ das Bahnhofsgebäude in Begleitung des Bahnarbeiters Schäfer, der zur Ausbildung als Bahnwärter nach der Station Schöneberg abkommandiert war. Beide Beamte waren vorschriftsmäßig mit Laternen versehen; sie schritten zwischen je zwei Gleisen dahin, um ihnen begegnenden Zügen rechtzeitig ausweichen zu können. Dadurch, daß bei dem Bahnhof Schönbcrg die Fern- gleise und die Vorortgleise zusammentreffen, her/icht dort ein sehr lebhafter Zugverkehr, Die vom Anhalter Bahnhof kommenden Fern- zöge, ebenso wie die Güterzüge und die Vorortzüge, die vom Pots- damer Bahnhof kommen, passieren die Station in fast ununterbrochener Folge, sodaß der Dienst auf dem Bahnhof Schöneberg besonders schwer ist. Briese schritt, gefolgt von Schäfer, an der Borortstrecke entlang, als gegen 3.13 Uhr nachmittags von Westen her der fahr« planmäßige Vorortzug herannahte. Briese rief seinem Begleiter zu, auf das Nebenglein zu treten und trat selbst aus den nach Westen führenden zweiten Schienenstrang. Leider hatten die beiden Männer das Herannahen eines Sondergüterzuges vom Anhalter Bahnhof übersehen, der daS Gleis benutzte, auf daS sie sich geflüchtet hatten. Beide Beamte wurden von der Lokomotive des Güterzuges erfaßt und zu Boden gerissen. Briese hatte offenbar noch im letzten Augenblick die Gefahr bemerkt und versucht zur Seite zu springen. Er war jedoch von der Maschine erfaßt worden, die ihm die hintere Schädeldccke derart abtrennte, daß das Gehirn bloßgelegt wurde und zum Teil heranSspntzte. Schäfer, war direkt unter die Maschine geraten, ihm wurde der Körper in zwei Teile geteilt. Bei beiden Verunglückten trat der Tod auf der Stelle ein. Vom Bahn- Hof aus war der furchtbare Unfall bemerkt worden. Der oussichtS- führende Beamte begab sich sofort mit mehreren Beamten zur Unfall- stelle, die etwa 20 Schritte hinter der Bahnhofshalle liegt. Der Güterzug wurde sofort zum Stehen gebracht und die Ueberreste des Sch. aus dem Getriebe der Maschine hervorgeholt. Der Lokomotivführer des Güterzuges erklärte, daß er die beiden Männer erst im allerletzten Augenblick auf den Schienen gesehen habe, so daß die von ihm sofort angewendeten Bremsmittel nicht mehr rechtzeitig genug wirken konnten. Er behauptet, daß die Gleise durch den Rauch des vorher hindurchgefahrenen Vorortzuges völlig unüber- sichtlich gemacht Ivaren. Die Leichen der beiden Verunglückten wurden zunächst an dem freien Platz unter der Zugangstreppe zum Bahnhof aufgebahrt und später nach der Schöneberger Leichenhalle geschafft. Sch. befand sich gestern zum ersten Male auf dem Bahnhof Schöneberg in Dienst und hatte gestern seinen ersten Streckengang gemacht. Todessturz in einen Fahrstuhlschacht. In der vergangenen Nacht wurde die Feuerwehr nach dem Grundstück der Auergesellschaft in der Rotherstr. 8/12 gerufen, wo sich ein schwerer Unfall zugetragen hatte. Ein Mann war unbefugterweise in einen Neubau der Firma gegangen, um, wie mau annimmt, dort zu nächtigen. Der Fremde stürzte in der Dunkel heit in einen Fahrstuhlschacht— die Fahrstühle sind noch nicht ein- gebaut— und blieb mit zerschmetterten Gliedern im Keller liegen. Als der Unglücksfall bemerkt wurde, alarmierte man sofort die Feuerwehr, die den Mann aber nur als Leiche bergen konnte. Der Tote wurde als ein Mann namens Langer festgestellt. Broßfeuer in der Barnimstrasze. Gestern Montag, nachmittags kurz vor 2 Uhr, kam in der Barnimstr. 22 in der Papier- und Kartonfabrik von S. Laqueur Nachfolger Bock u. Co. G. m. b. H. ein Großfeuer zum Ausbruch. Der Brand entstand im Obergeschoß des ersten OuergebäudeS in einem Lagerraum für Pappen und fand an den Vorräten reichliche Nahrung, so daß die Flammen sehr bald auch auf den Dachstuhl des OuergebäudeS übersprangen. Die Feuerwehr eilte mit den Zügen 17 und 20 zu Hilfe und griff daS Feuer sofort mit sieben Schlauchleitungen an. Fünf Rohre wurden durch den Hausflur gelegt, während die anderen beiden Schlauchleitungen von der Geopgenkirch- strotze aus über die Dächer geleitet wurden. Die Sapperrre hatten anfangs unter Rauch und Hitze zu leiden. Durch kräftiges Waffer- geben konnte der Brand schließlich auf das Obergeschoß und auf den Dachstuhl beschränkt werden. Große Posten Pappen sind ein Raub der Flammen geworden, so daß der Schaden erheblich ist. Die Brandreste wurden auf die beiden Höfe des Grundstücks hinab- geworfen und dort gründlich abgelöscht. Auch der Wasserschaden ist bedeutend, da das Wasser bis zum zweiten Stock durch die Decken gesickert ist. Mit den AufräumungSarbeiten halte die Wehr bis zum Abend zu tun. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt. Ein größerer Dachstuhlbrand beschäftigte die Schöneberger Feuer- wehr am Sonntag in der Heilbronner Straße 11. Das Feuer hatte mehrere Bodenverschläge und einen Teil vom Dachstuhl des Vorder- Hauses erfaßt. Der Löschangriff erfolgte von einer mechanischen Leiter und von den Treppen aus. und zwar wurde mit drei Schlauch- leitungen, die an die Dampfspritze angeschlossen waren, Wasser ge- geben. Nach einstllndiger Tätigkeit war jede Gefahr beseitigt. Ueber die Ursache des Feuers konnte nichts ermittelt werden. Der„talentvolle" Polizeihund. Wir berichteten in Nr. 331, daß in einer Laubenkolonie Lichtenbergs bei einer Suche nach einem Ge- flügeldieb ein von Polizeibeamten mitgeführter Hund auf falsche Fährte geriet. Er attackierte einen harmlosen Kolonisten, der eigenes Geflügel geschlachtet und dadurch die Nase des Hundes aus sich ge- lenkt hatte. Einer, der bei der Suche zugegen war, schreibt uns jetzt, die Verwundung jeneß Kolonisten sei nicht erheblich gewesen und der Hund sei kein Polizeihund. Die Tatsache, daß Polizeibeamte einen Hund mitwirken ließen und er einen Unschuldigen „v erbellt e� und zubeißend verwundete, wird nicht bestritten. Da verstehen wir nicht, was dieser Versuch einer Richtig- stcllung bezweckt. Daß der Verwundete genötigt war, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, steht ja fest. Im übrigen ist die Schwere der Verwundung gleichgültig für die Frage, von welcher Art die Fähigkeiten dieses Polizeihundes und seines Führers sind und welche Gefahr für die Bevölkerung in solcher Polizeihundverwundung liegt. Die Annahme, daß der mitgeführte Hund kein Polizeihund war, erscheint uns durchaus irrig. Wäre sie richtig, so hätte der Beamte ihn gewiß nicht ohne weiteres zum Polizeihunddienst benutzt. Nur Polizeihunde haben das Vorrecht, auch in Zeiten der Hunde- sperre frei und ohne Maulkorb umherzulaufen, so daß sie Menschen mit scharfem Biß anfallen können. Wenn ein Privathund das tut, dann wird die dafür verantwortliche Person bestraft, und der Hund rlskiert, wegen„TollwutverdachtS" niedergemetzelt zu werden. Von all' dem ist in dem vorliegenden Fall nichts bekannt geworden. Es wird also wohl seine Richtigkeit damit haben, daß der Hund, der auf falsche Fährte geriel und in Gegenwart von Polizeibeamten auf einen harmlosen Menschen losbitz, ein Diensthund der Polizei war. Diese Leistung paßt übrigen« auch ganz zu manchem anderen Stücklein, das von Polizeihunden schon bekannt geworden ist. Wer ist der Tote? Auf dem Stcttiner Bahnhof erhängte sich gestern früh ein noch unbekannter Mann. Als man ihn kurz nach 8 Uhr in einem Kloseltraum erhängt auffand, war er schon tot. Der Tote ist etwa 28 bis 32 Jahre alt, 1,65 Meter groß und schlank, hat rötliches Haar, einen kleinen Schnurrbart, ein längliches Gesicht und eine gebogene Nase und trug einen schwarzen steifen Hut, in dem sich der Buchstabe X befindet, einen Marengoüberzieher, ein schwarzes Jackett und Weste und eine schwarzgestreifte Hose. An der rechten Hand hat er Drüsennarhen.__.___ Jugendveranftaltungeu. Pankow-Niederschönhausen. Sonntag, den 28. Dezember, nach- mittags i Uhr, findet im Jugendheim eine Weihnachtsfeier, verbunden mit Konzert, Rezitationen und Gesang, statt. Hieran anschließend gemütliches Beisammensein im.Türmchen", Kaiser-Friedrich-Straße 12. Jeder Jugend« liche wird gebeten, zur Bescherung ein Gefchenl mitzubringen, welche wähl- los verteilt iverden. Es wird eine zahlreiche Beteiligung erwartet.— Am Heiligabend ist das Jugendheim geschlossen. Britz. Heute abend 8 Uhr im Jugendheim, Rungiuistr. 3, Märchenabend.— Charlottenburg. Mittwoch, den 2i. Dezember, abends 8'/, Uhr: Wei hnachtsseier im Jugendheim. Donnerstag, den 25. Dezember:>2vaziergana nach dem Grunetvald. Abmarsch'/,3 Uhr Sophie- Charlotten- Platz. Abends 7 Uhr WeihnachtS- Unterhaltung im Jugendheim. Freitag, den 26. Dezember: Unterhaltungsabend im Jugendheim. Mittwoch, den 31. Dezember, abends 8'/, Uhr i S tl o e st c r s e i e r. Jugendliche und deren Angehörige, die daran teilzunehmen wünschen, werde» ersucht, sich im Jugendheim zu melden. Das Arbeiter- Jugendheim Charlottenburg befindet fich Rofinenstr. 3, Seitensl. Part., und ist täglich 7—'/jlO Uhr, Sonntags von i—'/jW Uhr geöffnet.— Freitag Mädchenabcnd. Weihnachtsveranstaltungen. Neukölln. Der Arbeiter-Schwimm oerein Neukölln bält am 1. Wcibnachtsscierlag in den Passage- Fcstsälen, Bergstrahe,.eine Weihnachtsfeier ab. Für Anterhaltüng'därch Konzert,'Bescherung'.' Tanz usw. ist auf das beste gesorgt. Eintrittskarten a 10 Ps. einschl. Tanz sind an der Abendtasse erbölllich. Beginn pünkllich 6 Uhr. Wilmersdorf. Am 1. Feiertag feiert die Miigliedschast Wilmersdorf des Arbeitcr-Nadfahrerbundcs.Solidarität" Ihre Weihnachtsbeschcrung, ver- Kunden mit Spezialitäten-Vorstellung und Ball im GesellschaslshauS, Wilhelmsaue 112. Freunde und Könner sind eingeladen. Die Weihnach tsseier der Freien Turnerschast Wilmersdorf findet am 1. Weihnachtsfeiertag, abends von 6 Uhr ab, im«stadtpark, Kaiser-Allee, statt. Konzert, turnerische, theatralische Slussuhrungen und Kinderbescherung. Jedes Kind erhält eine Gabe. Eintritt für Erwachsene 30 Ps., Kinder frei. Nach 12 Uhr Tanz. Alt-Gtienicke. Die Freie Turnerschaft Alt-Glienicke veranstaltet am 1. Weihnachtsseiertag im Vereinslolal von F. Bohn(Deutsches Haus) eine Theatervorstellung mit turnerischen Aufführungen. Nach dem Theater gc- mütliches Beisammensein. Der Verein hofft in Anbetracht des reichhaltigen Programms aus recht zahlreiches Erscheinen der Arbeiterschaft. Lichtenberg. Die Freie Turnerschast Lichtenberg veranstaltet am 1. Weihnachtsseiertag ein Weihnachtsvcrgnügen, bestehend auS Rezitationen, Bariton- und Violmsolo und turnerischen Aufführungen. Anfang 0 Uhr, Eintritt 30 Ps. Da der Verein bei Parteivergnügunaen sich stets zur Ver- sügung stellt, wird zahlreicher Besuch der Llrbeiterschast erwartet. Marttvretle von Berlin am 20. Dezember 1312. na» Srmilteiungcn des kgl. Volizeiprästdiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,80—17,10, mittel 00,00—00,00. geringe 00,00—00,00. Mais �runder), gute Sorte 11,80—15,20. Richtstroh 0,00- 0,00, Heu 6,20-7,80. Markthatlenvreije. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 31,00— 50,00.■ Sveisebobnen. weihe 35.00— 60,00. Linien 36,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinbdl.) 1,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,10. Rindsteifch, Bauchflciich 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,10—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfieiich 1,50—2,40. Butter 2,40—3.00. 60 Stück Eier 4,80— 7,20. 1 Kilogramm Karoten 1,40—2,10. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechle 1,40—2,60. Barsche 1,00—2,20. Schleie 1,60—3,20. Blei- 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2.50— 36.00. _ Wttterungsübernch» vom 22. Dezember 1913.__ Stationen ■Sii® et1 bS Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien I 763 NW 760WSW 768 SW 77SSW 777 NNO 772.® — Vetter i_ 6chedeckt 4 wolkig 6 bedeckt 1 Dunst 2heiler 4 wolkig aas t* wö Etattonen = 3=■ es° zadaranda 745N 3etersburg712Still Zcilly|772:DSO Aberdeen Paris 768.3S 77öStill 4 bedeckt ! Schnee 3 wolkig l! wölken! Nebel Wetterprognose kür DienStag, den 23. Dezember 1913. Etwas kühler, zeitweise auillarend. vorwiegend trübe mit geringe» Niederschlägen und ziemlich starken westlichen Winden. Gkiiltillsme Oriskracktililllssc für'''' Kerlin- Wilmnsiisrs«O Knijtjniii. Die Wahl am 17. Dezember 1913 der Vertreter zum Ausschuh der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin-Wilmcrsdors ergab solgendes Resultat. Es wurden abgegeben sür Arbeitgeber 427 Stimmen; davon ungültig 5 Stimmen, so daß 422 gültige Stimmen verblieben. Davon entfielen aus Liste I(Heenemann) 320 Stimmen .. II(Lllbsen) 120 Aus Lifte I entsallen demnach 15 Vertreter, aus Liste II 5 Vertreter. Gewählt sind somit von Liste I des eingereichten Wahloorschlages die unter Nr. 1—15 und von Liste II die unter Nr. 1—5 Angeführten. AIS Ersatzmänner von Liste I sind die unter Nr. 21—24, 27, 23, 30, 81, 35— 40 und als zweite Ersatzmänner dieser Liste die unter Nr. 41—44, 46—49, 51—55 und 57—58 Aufgesübrten gewählt. Von Liste II sind als erste Ersatzmänner die unter Nr. 1—26 und als zweite Ersatzmänner die unter Nr. 41—45 Ausgeführien gewählt. Die Wahl der Arbeitnehmer hatte nicht stattzufinden, da nur ein gültiger Wahlvorschlag mit genügend Bewerbern eingereicht wurde. Die aus diesem Wahlvorschlag genannten Personen find somit als Vertreter der Arbeitnehmer gewählt. Einsprüche gegen die Gültigkeit der Wahl sind bis spätestens Ll. Dezember 1913 beim Vorstand der.Gemeinsamen Ortskrankenkasse Berlin. Wilmersdorf oder beim VersicherungSamt der Stadt Berlin-WilmerS- dorj einzureichen. Bekanutmachuttg betr. die Wahle» der Vertreter und Ersatzmänner zum Borstand der Allgemeine» Ortskrankenkasse Berlin-WilmerSdorf. Am Donnerstag, den 15. Januar 1914, sinden im Kassenlolal Berlm-Wilmersdorf, Kaiserallee 173a, die Wahlen der Vertreter und Ersatz. Männer zum Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin- Wilmcrs- dovs statt. Es sind zu wählen aus der Mitte der Arbeitgeber 3 Vertreter und 6 Ersatzmänner, aus der Mitte der Versicherten 6 Vertreter und 12 Ersatz- Männer. Gewählt wird auf die Dauer von vier Jahren. DaS Wablrecht ist in Person auszuüben.... Die Arbeitgeber wühlen von 6—7 Uhr nachmittags un Vorstandszimmer. Die Veisichcrtcil von 6—7 Uhr im Kassenvorraum. Wahlberechtigt sind nur die gewählten Vertreter zum Ausschuh. Wühlbar als Vertreter der Arbeitgeber find nur solche Arbeitgeber, die für ihre versicherungSpslichtig Beschäftigten Beiträge an die Allgemeine Orts- irankenkasse zu zahlen haben..„.. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist nur, wer bei der Kasse ver- sichert ist. m Die Wablbercchtiatcn werden hiermit aufgefordert, Wahlvorschläge ge- sondert sür die beteiligten Arbeitgeber und Versicherte» auszustelleir und dem unterzeichneten Vorstand spätestens bis zlun 3l. Dezember 1913 unter der Adresse:. Wahlbureau der Ortskrankenkasse sür Berlin-Wilmersdorf Kaiser-Allee 173a einzureichen. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens je 3 Wahwerechtigten der betreffenden Gruppe unterzeichnet und etwaige Anstände bis zum 7. Januar 1914 beseitigt sein. Bis zu diesem Zeitpunlle können Wahlvorschläge auch zurückgenommen werden. Die zugelassenen Wahlvorschläge werden eine Woche vor der Wahl im Kassenlokal während der Zeit von 9 Uhr vor- mittags bis 1 Uhr nachmittags zur Einfichwahme sür dle Wähler auS- llege». Die Wahlvorschläge sind ungültig, wenn sie verspätet eingereicht werden, oder wenn sie nicht mit den erforderlichen Unterschristen versehen, oder wenn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenjolge ausgeführt sind, es sei denn, daß die Mängel rechtzeitig beseitigt werden. . Di« Stimmabgabe ist an die Wahlvorschläge gebunden. Sind aus gültigen Wahlvorschlägen im ganzen nur so viele wählbare Belverber benannt,, wie Vertreter zu wählen sind, so gelten sie als gewählt. Sind weniger Bewerber vorgeschlagen, so gelten drcse ebenfalls als gewählt. Der Stimmzettel, der dem Wühler im Wahllokal ausgehündtgt wird, muh die Ordnungsnummer des Wahlvorschlags, dem der Wähler seine Stimme geben will, enthalten. Der Wähler kann nur einen solchen Stimm- zettel abgeben, der mit einer Ordnnngsnummer der zugelassenen Wahl- vorschlüge übereinstimmt. Die Stimmzettel sollen von weiher Farbe und 10 mal 15 ein groß sein. Stimmzettel, die von diesen Bestimmungen abweichen, sind ungültig, wenn das Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich � Betr. der übrige» Bestimmungen verweise« ivir auf die Wahlordnung. welche im Kasscnlokal aus Wunsch unentgeltlich verabfolgt wird. Die Wahl wird zur festgesetzten Zeit geschlossen; nur die am Schlüsse der Wahlhandlung im Wahlraum anwesenden Wähler dürfen dann noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. B e r l i n- W i l m e r s d o r s, den 22. Dezember 1913. 261/7 Ter Borstand der gemeinsamen Ortskrankenkasse für Berlin-Wilmers- dorf und Umgegend. I. A.: Lübsen. Vorsitzender. Hertel, Schristjührer. Brauerei Friedrichshain. Ab Weihnachten tttg/Ilch: Schorsch Elirengruber mit seinen Oberlandlern. Mittwochs u. Donnerstags: Elltc-Tnsre. Ii.Pfau,SaDdägist Direksenstraße 20 zwischen Babnhos Alepanderpkatz und Polizeipräsidium.— Amt ICst. 3208. 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ÄuS der Verhandlung vom Sonnabend, die sich bis in die Nacht hinein erstreckle, ist noch die Aussage des sozialdemokratischen Landtagsabgcordnetcn Hue nachzutragen, der sich ausführlich über die Vorgeschichte des letzten Bergarbeiterstreiks verbreitete. Er setzte auseinander, daß die Forde« vungen der Bergarbeiter berechtigt waren und früher auch von den Christlichen vertreten worden waren. Die Konjunktur für einen Streik war durchaus günstig. Die Christlichen lehnten aber die Beteiligung an einem Streik ab, weil angeblich die Zechcnbesitzer eine Lohnerhöhung versprochen hätten. Das war nicht wahr. Wie jetzt auch amtlich zu lesen ist, hatten die Zechenbesitzer den Arbeiter- ausschiisien sämlliche Forderungen abgelehnt und alle friedlichen Mittel waren erschöpft. Erst dann griffen wir zum Streik. Die Christlichen machten aber nicht mit. 1905 hatten sie mit uns Schulter an Scbuller gekämpft. Vors.: Sie sind ja nun in Bochum durchgefallen. Warum sind gerade Sie dem christlichen Bergverein so verhahl? Z e u g e: Ich bin nicht schlechtweg verhaßt, sondern nur gewissen Führern. Bei meinen Parteifreunden bin ich wegen meiner ?ieutralilärsdnselei verschrien, weil gerade ich seit langer Zeit für ein Zusammengehen aller Bergarbeiteroerbände ein- trele.— Vors.: Sie sollen die Verbreitung eines Flugblattes gegen Brust geduldet haben, das Brust Bestechung vorwarf?— Zeuge: Das ist natürlich unwahr. Einer unserer früheren Angestellten mit Namen Spaniol hat das auf eigene Faust gemacht. Als wir es erfuhren, haben wir es sofort inhibiert. Spaniol wollte die Talsache der Bestechung aus christlichen Gewerkschafts kreisen erfahren haben. Ich habe die Behauptung, daß Brust be ftochen sei, niemals, tvcder öffentlich noch in vertraulichem Kreise aufgestellt oder vertreten. Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Fiel nicht die Aenderung der Haltung des Gewerkvereins zeitlich zusammen mit dem Brief des Fürstbischofs Kopp, in dein von dem«verseuchten Westen" gesprochen wird?— Kläger Stegerwald: Wenn auch daraus eine kirchliche Be- aufsichtigung konstruiert werden soll, so sage ich, daß Efferts, gegen dessen Rede sich der Brief richtete, von uns desavouiert wurde, be- vor dieser Brief deS Kardinals Kopp bekannt wurde. Der letzte Zeuge ist der Vorsitzende des Hirsch-Dunckerschen Gewerkperems der Bergarbeiler, S ch m i d t- L-berhausen, der sich über die Vorgeschichie und die AuSsichlsn des letzten Bergarbeiier- Itreiks im Sinne Hues äußert. Verl. Rechisanwalt Heine: Die Hirsch-Dunckerschen Bergarbeiler haben sich am Streik beteiligt?— Zeuge: Jawohl.— Bert. Rechrsanwalr Heine: lind trotzdem haben die Christlichen immer von der«sozialdemokralischen Mache" gesprochen und damil ihre Nichtbeteiligung am Streik entschuldigt? ~ Z e u g e S ch m i d t: So ist es.— Vert. R.-A. Heine: Und die Forderungen, die man kurz vorher selbst ausgestellt hatte, wurden als sozialdemokratische Forderungen verdächtigt?— Zeuge: Ja. Mit der Vernehmung dieser beiden Zeugen war die Beweisaufnahme beendet und sie wurde zu Beginn der heuligen Verhandlung nach Erledigung einiger juristischen Formalitäten für geschlossen erklärt. � Hieraus beginnt der Vertreter der Privatlläger, Rechtsanmalt Schreiber, sein Plädoyer. Er führt aus: Ein großer Aufwand ward schmählich vertan— das ist das Ergebnis dieses Prozesses, der eine Niederlage der christlichen Gewerlschaftcn bringen sollte, wie sie schlimmer nicht gedacht werden könnte! Im sozial- demokratischen Blättcrwalde rauschte es von einem bevorstehenden Desavcu der Bischöfe, die schmählich ausgespielt werden gegen das Oberhaupt der katho- tischen Kirche. Einem Kardinal wurde ein schmähliches politisches Handelsgeschäft nachgesagt. Nichts ist davon Übrig geblieben. Die Essener Tagung hat niemals die Aufgabe gehabt, gegen ancrkanilte Autoritäten in der katholischen Kirche Stellung zu nehmen; sie war vielmehr gerichtet an die Adresse derjenigen, die üblen Billens ans der Enzyklika etwas herauslesen zu dürfen glaubten, was nieinals in ihr drin gestanden hat. Nach der Enzyklika sirrgu.- lare quadarn jubelte sogar der«Vorwärts": ,, Es lebe S e ine Heiligkeit d e r P a p st!" Gegen eins solche schiefe Auf- fassung richtete sich die Progrommrede des Klägers Stegerwald in Essen. Mit Recht tonnte er betonen, daß die Enzyklika keine llnterwerfung der christlichen Gewerkschaften im Sinne der Berliner Richtung bedeute. In der ganzen sozialdemokratischen Presse wurde höhnend behauptet, die christlichen Gewerkschaftsführer würden gar nicht wagen. Be- leidignngsklage zu erheben. Nun baben wir uns hier an offener Gerichtssielle wiedergesehen. Jeder der drei Tage war für die Herren Angeklagten ein„dies aekas". Wir wußten, daß es so kommen mußte. Die christlichen Gewerkschaftsführer müßten ja Tummköpfe fein, wenn die ungeheuerlichen Vorwürfe, die infamen Be- leidigungen der Angeklagten hatten bewiesen werden können. Für die Angeklagte!� ist das Ergebnis der Beweisaufnahme geradezu ver- nichlend.«vie hatten zusammen mit den Herren der Berliner Richtung gejubelt, daß durch die Enzyklika die wirtschaftliche lln- abbängigkeil der christlichen Gewerkschaften am Ende sei. Dabei haben wir von Bischof Dr. Schulte gehört, was zwischen ihm und Stegerwald vorgegangen ist. Die Interpretation ist dem Bischof von Paderborn nicht abgekauft, sondern viel eher von Stegerwald ertrotzt worden. Ausrecht hat Stegerwald auch vor dem Bischof Dr. Schulte gc- standen, und dieser Bischof hatte die Situation erfaßt. Er hac nicht gegen Rom, sondern im Sinne Roms und in Ilebereinstimmung mit dem Primas des deutschen EpiscvpatS der Enzyklika eine zutreffende Interpretation gegebe». Was ist ferner bewiesen worden über die Bercinbarnng mit rheinisch-westfälischen Jndustriellea zum Zweck der Verschacherung von Wahlkreisen? Der verstorbene Kardinal Fischer— der„reisende Diabetiker", wie es geschmackvoll heißt— sollte einen Peterspfennig der lchweren Jndustr'.c nach Rom gebracht haben, damit sollte Rom bestochen werden, und im Anschluß daran wurde die Frage aufgeworfen, ob ein Teil des Judaslohnes etwa ilt�die Taschen der christlichen Gewerkschaftsführer geflossen sei. Diese Frage stellen, heißt sie bejahen. Trotzdem nehme ich auch hier, abgesehen von der Behauptung des Judaslohns, nicht ver- leumderische Beleidigung an, da leider Stimmen aus dem katho- tischen Lager selbst und die verlesenen Artikel der Berliner ,,M ä r- k i s ch e n V o l k s z e i t u n g" die Angeklagten in ihrem Glauben bestärken konnten. In bezug auf das Strafmaß äußere ich mich nur dahin, daß ich von einer Freiheitsstrafe ausdrücklich absehe. Ich schließe mit dem Wunsche, daß diese Vorwurfe und Beschuldigungen nun endlich aufhören möchten. Plaidoyer Wolfgang Heines. Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgang Heine- Berlin: Gelviß ist es uns nicht gelungen, alles zu beweisen. So ist nicht erwiesen, daß die Kloger irgendeinem Mitglied der katholischen Kirche vor der Essener Tagung eine schriftliche U n t c r w e r f u n g s- e r k l ä r u n g abgegeben habe n. Es ist auch nicht erwiesen, daß Kardinal Fischer l 1- Millionen Peterspfenaige der Groß- inoustrie nach Rom gebracht hat. Von vornherein habe ich es für! unwahrscheinlich gehalten, daß die Führer der christlichen Gttvcrk-\ * schaften s i ch persönliche Vorteile bei dieser Gelegenheit oerschafft hätten. Dafür habe ich überhaupt keinen Beweis an- getreten, loei! ich bedauere, daß ein Teil der von mir vertretenen Blätter im Eifer des Gefechts sich zu dieser Behauptung hat hin- reißen lassen. Obwohl meine Klienten in derselben Weise Person- lich gehässig von den Christlichen bekämpft werden, hätten sie, die sich nichtchristlich nennen, besser getan, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Ich mißbillige diese Form des politischen und ivirt- schaftlichen Kampfes.(Rechtsanwalt Schreiber: Wir auch!) Dar- über aber sind wir wohl alle klar, daß meine Klienteu nur den Namen hergeben müssen, daß aber in Wahrheit der Prozeß geführt wird gegen die Gegner im katholischen Loger selbst. Der Prozeß hat nur Bedeutung für die Kläger, weilDr. Kauf- mann hier am Zeugen st o nd gestanden hat. Alle diese Behauptungen haben vorher in der„Wartburg" und in der„Täg- lichcn Rundschau" gestanden. Es ist keine Klage erfolgt; dos ließ meine Klienten an ihre Richtigkeit glauben. Auch Katholiken haben daran geglaubt. Stegerwald Ut in Essen viel weiter gegangen als er heute zugibt. Seine Essener Rede war eine tatsächliche Unterwerfung unter einen Willcnsakt der katholischen Kirche, eine Erfüllung päpstlicher Wünsche. Leider machte es mir die Ab- lehnung meiner Beweisanträge unmöglich, ans den inneren reli- giösen Znsammenhang einzugehen. Die höchst verklansn- lierte Zulassung der christlichen Gewerkschaften kommt einem Verbot sehr nahe. Sie werden verboten werden, wenn die Bedingungen für ihre�Zulassung nicht mehr vor- Händen sind. Nach der Essener Rede Lotegerwalds haben sich die christlichen Gewerkschaften auch in gewerkschaftlichen Angelegenheiten dem katholischen Religion 8- und Sittengesetz unterworfen und auf der anderen Seile behandelt die katholische Kirche die christlichen Gewerkschaften w i e katholische Organisationen. Wie käme sonst der Domkapitnlar Dr. Kreutzioald dazu, die Leiter der interkonfessionellen Gewerkschaften zu sich z u z i t i e r e n u n d i h n c n i m A n f t r a g d e s k a t h o l i s ch e n E r z b i s ch o f s das Rundschreiben der Bischöfe auszuhändigen. Ob nach dieser Sachlage cvangel'sche Arbeiter noch in christlichen Gewerkschaften bleiben können, ist eine Sache des Charakters und des Geschmacks. Es sollte ihnen widerstreben, mit Lernen in einer Organisation zu bleiben, denen von ihrer kirchlichen Autorität gesagt wird, ein Zusammensein init Protestanten sei eine Gefahr für ihre Sittlichkeit. Die Enzyklika richtet sich ausschließlich gegen die Arbeiter, denn der Unternehmern hat noch kein Bischof und kein Papst Bedingungen auferlegt für die Zugehörigkeit zu einer interkonfessionellen Organisation. Den Arbeitern aber wird sie nur da gestattet, wo Bürgschaften dafür gegeben sind, daß die Katholiken in ihrem Innern keinen Schaddn nehmen.' Diese allerdings sehr bittere Pille hat Stegerwald in Köln den Delegierten dadurch zu versüßen gesucht, daß er sagte, der Papst sei von den Berlinern beredet worden. Ter Papst hat aber doch die Vernrteilungderinterkonsessionellen Gewerkschaften ausgesprochen und nur die Voll- st reckung aufgeschoben. Mir liegt nichts serner, als die Machtansprüche der Kurie gegen deutsche Arbeiter zu verteidigen. Je mutiger die deutschen katholischen Arbeiter diese Ansprüche ab- lehnen, desto besser; aber das muß ganz anders geschehen wie hier. An sich ist das keine Schande für Stegerwald, wenn er als guter Ka- tholik sich unterworfen hätte, aber er hkat in Essen denKongrctz irregeführt. Die Gewerkschaften waren durch Stegerwaids Erklärung katholische Gewerkschaften geworden, � das sagte et in Essen nicht. Er verschwieg auch den gewerkschaftsfeind- lichen Grundzug der Enzyklika unddes halbist de r� V o r w u r s des Doppelspiels begründet. Wenn die Bischöfe erklärt hätten, daß sie nicht daran denken, an ihrer Haltung zu den christ- lichen Gewerkschaften etwas zu ändern, so wäre das eine mannhafte Tat der deutschen Bischösc, es wäre eine Auflehnung gegen die Enzyklika gewesen, aber nur dann hatte Stegerwald sagen dürfen: wir bleiben die alten. Dieses mutig klingende Wort wird geschlagen durch die den Bischöfen vorher gegebenen Zugeständnisse, alles zu tun, was die Kirche für gut hält und alles zu unterlassen, lvas die Kirche nicht für gut hält. Das ist aber keine unabhängige Gewerkschaftstaktik mehr. Daraus er- klärt sich auch die jetzige freundliche Haltung der Regierung zu den christlichen Gewerkschaften. Diese spielen sich auf als den festen Damm gegen die rote Flut. Nur aus diesen politischen Gründen hat sich die Regierung in Rom für sie verwendet. Ist es da meinen Kliemen zu verübeln, daß sie in den christlichen Gewerkschaften keine Gewerkschaften mehr, sondern Wahlvcreine gegen die Sozial- demokratie sehen? Dazu kam dann noch das Verhalten der Christlichen beim letzten Bcrgarbciterstreik. Wenn jemals, so war damals etwas zu erreichen, es mußte aber ent- schlössen vorgegangen werden. Die christlichen Arbeiter beteiligten sich aber nicht an den friedlichen Maßnahmen, obgleich sie die Berechtigung der Forderungen selbst anerkannt hatten. Nachdem den Arbeitern der Verräter im eigenen Nacken saß, konnten die Zechenherren natürlich alles schroff ablehnen, und nun erst wurde der Streik unvermeidlich. Wer eine so günstige Situation für die Bergarbeiter unbenutzt oorübergehen ließ, der muß politische, aber keine gewerkschaftlichen Gründe gehabt haben. Von hochpolitischen Gcsichtspunklen aus müssen die Artikel betrachtet werden und ihnen gegenüber spielen die darin enthaltenen Be- leidigungen nur eine untergeordnete Rolle. Den Angeklagten war cS nicht darum zu tun, die Privatkläger zu beleidigen, sondern sie wollten die in taktischen Fragen tatsächlich eingetretene Schwenkung der christlichen Gewerkschaftsbewegung nach rechts krittsiercn. Den Angeklagten steht der Schutz deS§ 193 des Strafgesetzbuchs zur Seite und wenn überhaupt auf eine Strafe erkannt wird, so muß es eine milde Slrase sein. Nach einer Pause repliziert der Klagevertreter Rechtsanwalt Schreiber: Die politischen Ausführungen des Rechtsanwalts Heine waren nicht an die Adresse de§ Gerichts gerichtet, sie waren für die Oeffentlichkeit bestimmt und sollten retten, was zn retten ist. Ten Prozeßstofs selbst hat auch Herr Heine preisgeben müssen. Sein Versuch, ein Doppelspiel zu beweisen, war eine Donquichot- teric. Im übrigen ist ja die Frage der Unterwerfung jüngst aktuell geworden. Als jetzt nach der Enzyklika der Bischof von Trier den Versuch machte, sich in den Lobnkamps im Saarrevicr einzumischen, winkte der„Bergknappe" deutlich ab und der Bischof hat das für die Zukunft zur Kenntnis genommen.' Der Privatkläger Stegerwald setzt auseinander, daß in mehr als b9 Proz. aller wirtschaftlichen Fragen die gläubigen katholischen und die gläubigen evangelischen Arbeiter gleiche Jnter- essen haben. Daraus ergibt sich ihr Zusammenarbeiten von selbst. Ter gläubige evangelische Arbeiter steht ja auch dem gläubigen katholischen Arbeiter in seiner ganzen Lebensauffassung viel näher, als der Sozialdemokratie. Diese treibt einseitige Klassenpolittk, das lehnen wir ab. Wir lehnen aber auch ab das System der katholischen Fach- abteilungen, die eine S.'nderung nach Konfessionen betreiben. Wenn bei uns alles nach Klassen und.Konfessionen gesondert würde, dann kann die deutsche Volkswirtschaft sich nicht entwickeln vor lauter Reibungsflächen. Die Rede Heines war e'ine glän- z e n d e R e ch t f e r t i g n n g f ü r d i e E Li st e n z der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Wir werden sie zn benutzen verstehen im Kampf gegen die Fach- abteilungen, denen wir zeigen werdest wohin die Reise gehen würde, wenn es keine christlichen Gewerkschaften gebe. Wir werden diese Rede ins Französische und Italienische übersetzen lassen, um auch den dortigen Quertreibern, die uns nicht günstig gesinnt sind, zu zeigen, wie notwendig die christlichen Gewerkschaften sind. Es hat keine Unterwerfung stattgefunden. Wenn die Bischöfe einmal wagen sollten, sich in unsere Angelegen- Herten zu mischen, so werden wir uns zn wehren wissen. Vor allem: wir lassen uns das Streitstecht. nicht nehmen. Gewiß, der Papst hat uns nicht gelobt, aber im Gegensatz zu den Fachabteilern, kommen wir auch ohne päpstliches Lob aus. Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Gewiß, die Christlichen haben auch nach der Enzyklika Streiks geführt, aber deShaldwotlen ihnen ja auch dieBerliner an dieGurgel.(Heiterkeit.) Herr Stegerwald hat in Köln und Essen versichert, daß den Mitgliedern nicht zugemutet werden würde, was die Kirche ver- bietet. Wenn das in die gewerkschaftliche Praxis Übersetzt wird, dann mögen sich die Herren ins Grab legen und sich von den Bcr- linern einschaufeln lassen, denn etwas anderes wollen die Berliner auch nicht. * Köln, 22. Dezember.(Privattelegramm b e s „Vorwärts".) Das Urteil im Kölner GewerkFcbaftsprozeß lautete gegen die angeklagten sozialdemokratischen Redakteure auf Geldstrafen, die sich zwischen öl) bis 50l) M k. bewegen. In der Begründung wird ausgeführt, daß für die An- schuldigungen kein Beweis erbracht sei; die Angeklagten konnten jedoch an eine gewisse Wahrscheinlichkeit der Beschuldi- gnugcn glauben, da sie vorher in reputierlichen Blättern gc- standen hatten. Ter Schutz des§ 193 wurde nur dem Gc- nossen Wagner als Vorstandsmitglied des alten Bergarbeiter- Verbandes zugebilligt. Tie Urteilogründc sind mit dem Urteil zu publizieren und sollen cbensv sett gedruckt werden, wie es die Beleidigungen selbst waren. "ZugenclbeWegung. Erfolglose Polizeiaktion gegen die Arbeiter-Jugendbewegung. Das Schöffengericht in Recklinghausen hatte am 1. Sep- tenrber d. I. von sieben angeklagten jungen Arbeitern einen wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz zu 59 M. Geldstrafe verurteilt, weil er einen politischen Verein ins Leben gerufen und in diesem Verein junge Leute im Alter von unter 18 Jahren geduldet haben sollte. Tie B o ch n m e r Strafkammer als Berninngsinftanz er- kannte gegen den Verurteilten auf Freisprechung und verwarf die Berufung des Amtsanwalts gegen die Freisprechung der übrigen Angeklagten, da ihnen keinerlei politische Betätigung nachgewiesen werden konnte. Der Verteidiger hob hervor, daß die Polizei im Hinblick aus die Arbeiterjugend den Matzstäb dafür, was das Ver- einsgesetz erfordere, völlig verloren habe. Festgestellt wurde noch in der Verhandlung, daß die Zentrumspartei öffentlich zum Beitritt in ihre Jugendorganisation auffordere; daß der Führer der evan- gcliichen Jugendbewegung. Dietrich v. Ocrtzen, öffentlich bekunde, in den Jahren 1911/12 zehn politische Vorträge vor Jugendlichen gehalten zu haben; festgestellt wurde ferner, daß die„Jungdeutsch- landpost" Polemiken bringt, daß das katholische Jngcndorgan, die „Wacht" noch vor kurzem einen hochpolitischen Artikel Über die Motive der Waffensabrikanten für ihre militaristische Propaganda enthalten habe usw. Doch habe man bisher nichts davon gehört, daß die Polizei gegen diese Jugendbewegung eingeschritten sei. KriöfKalten der Rcdahtiow. Tie juristische Sprechstunde fällt morgen, Mittwoch aus. Dillkreis. Sie werden die im Tenbnerfchen Verlage in Leipzig er« Idjicncnen Spielbücher meinen. Oder TrombcrS Buch, das im Verlage Löwe in Stuttgart erschienen.— St. S. SJ7. In Ihrem Falle haften beide Arbeitgeber als Gesamtschuldner. Es ist zweckmäßig, daß diese sich über den Beittagsanteil einigen. Jnvalidenmarken find 32 Pf. pro Woche ans- zuwenden, die Höhe des Kaffenbeitrages ergibt sich aus dem Stalut der Krankenkasse. Bezüglich der Beiträge zur Invalidenversicherung ill der Arbeitgeber, der Sie zuerst beschäftigt, zahlungspflichtig.— C. B. 2. Char- lottcnburg. Beschweren Sie sich bei dem Berliner Polizeipräsidenten, eventuell beim Kultusministerium. Im übrigen genügen auch sonstige Schriftstücke, aus denen sich Ihre Religionszugehörigkeit ergibt, z. B. Kon- firmationsschein, unseres ErachtenS auch das Leranlagungsschrcibcn der Kirchenbehördc, desgleichen Stammbuch. L. R.:{. 1. Als steuerpflichtiges Vermögen gilt das Fünfundzwanzig« sache des Plietsertragcs, der in den letzten 3 Jahren im Durchschnitt er» zielt worden ist, oder im Falle der Vermietung hätte erzielt werden können, nack>?lbzug von 1lt für Nebenleistungen und Jnstaiibhallungskosten, oder. falls höhere Beträge hierfür nachgewiesen werden tonnen, nach Abzug dieses Betrages. Außerdem sind die Hypothekenschulden abzugsfähig. Haben Sie also in den letzten 3 Jahren einen Mielsertrag von durchschnittlich k<»5 M. gebabi, so würde sich, soweit das Grundstück in Frage lonimt, ein steuer- v süchtiges Vermögen von 67 160 M. ergeben(abgerundet aus 67 000 M.). Sie haben das Recht, zu verlangen, daß der Veranlagung der gemeine Wert zugrunde gelegt wird. Nach Ihrer Mitteilung würde dieser Bettag aber höher sein. 2. und 3. Die Beträge rechnen zum steuerpflichtigen Ver- mögen mit hinzu, es würde, sich atso ein Gesamtveripögen vvu 70 000 M. ergeben, für welches ein Wehrbcitrag von 1t5 M. zu zahlen ist, und zwar in 3 Ziatm, erstmalig fällig bei der Veranlagung und zahlbar innerhalb 3 Monaten, das zweite Drittel fällig am 15. Februar 191ö und das letzte Drittel am 15. Februar 1916. Bemerkt sei, daß es sich hier nur um den einmaligen Wehrbeitrag handelt.— F. Sch. 1861. Kommen Sie mit der Karte in die Sprechstunde.— iU. P. 211. 1. 21 bis 22 M. monatlich. 2. Nach Beendigung der 26. Kranlhcitswoche.— 31. D. 27. Nein.— B. I. 1. und 2. Ja.— E. W. 1. Sic sind zahlungspflichtig.— 44. Ja. — R. Z. 56 11. Am 12. November 1903.— R. P. 44. 1. und 2. Das beste ist, Unterricht nehmen. ES gibt Bücher zum Selbstunterricht, doch bleibt der Ersolg meist aus.— E. 67. Museum für Naturkunde, In- validensttaße 43.— P.®. 36. Die Konsumgenossenschaften sind berück- sichtigt.— B. D. Jawohl.— G. 161. Amlsvorstaud Grunewald-Forst. Berlin-Gruncwald.— Joghurt. Em Pflanzcnzusatz, der wohl den Preis rcchtscrtigeii soll.— H. 3>. Hohen-Ncucndorf. In großen Drogen- geschästcn.— Borkum' 12. Wir haben nicht die Möglichkeit der Nach- Prüfung, aber es kann schon sein, da es sich doch mehr um Paradestücke handcit— F. W. 32. Die angesragten Institute sind private Unter- nehmungen, über deren Einrichtungen wir nicht unterrichtet sind und über die wir gruiidsätzitch leine Auskunft erteilen. Wenden Sie sich an die städtische Technische Mittelschule, Bc-lm bl. 65, Zeppelwplatz. — t». W. 1466. Der mit dem Zwangsoerwalter geschlossene Mietsverttag ist auch jetzt noch bindend.— E. H. L6. Die Handlmig ist auch jetzt noch sttasbar, und zwar stände Zuchthaus in Aussicht, wenn nicht mildernde Umstände zugebilligt werden.— M. u. Co. 225. 1. und 2. Nein.— C. K. 36. 1. Nein. 2. Die Ortspolizcibehördc.— C. L. 96. 1. und 2. Nein.— St. R. 1. i. und 2. Der Vertrag wäre anfechtbar, sosern er in der dem Erwerber bekannten Ansicht, Ihren Prozeßgegner zu benachteiligen, geschloffen wird. 3. bis 6. Beantragen Sie unter Darstellung des Sachverhalts die Ver- nehmung Ihrer Zeugen beim Prozeßgericht.— SA. R. 75. Nein, Sie können nur den Korb mit Inhalt nach voryeriger Androhung unter Setzung einer Einlösungsfrist öffentlich versteigern lassen.— Lohnbuch 15. Nein.— 29. SS. 516. 1. Nein. 2. Geldstrafe bis zu 600 Mark oder Haftsttase bis zu 6 Wochen.— F. W. 92. Ihre Angaben reichen nicht aus, kommen Sie m die Sprechstunde. Bezüglich der Hnpothekenangeleaenheit bringen Sie den Hypothekenbrief mit.— Meyer 15. Durch Gesetz nicht vorgeschrieben.— ßrieffcaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch niui niiSercn Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen ibrcnr bisherigen Cpediteur wegen der Ilcberweisung von Fmi. ezemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz gewesene Jackett- u. Rockanzüge, Paletots, Ulster, Serie I: lO-— 18 M., Serie II: SJO— 30 M.. größtenteils auf Seide. Femer Gelegenheitskäufe in neuer Raßgarderobe enorm billig. Riesenposten Kleider, Kostüme, Plttschinüntel, auf Seide, früher 150. jetzt 30—35 M. Große Posten Pelz stolas in Skunks, Härder, Nerz, Füchsen, früher bis 800, jetzt 30—75 M. Große Auswahl in Herren-Gehpelzen. Gelegenheitskäufe in Damen-, Reise und Wagen-, Pelzen. ExtrarAngebot in Lombard gewesener Teppiche, Gardinen. 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Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co� Berlin SW. Nr. 338. 30. Jahrg. KcMs-KcilGe te Jnniiärte" fiit jlwiifH-WIlni. 23. Aezmber 1913. Der Klludestllg der ttchmsch-iudustriellen Keamten. Der Bundestag, über dessen Stellungnahme in dem Vorstands- konflikt wir schon berichtet haben, beschäftigte sich am zweiten Ver- Handlungstage auch mit dem Thema Arbeitgeber und Koalitionsrecht. Das Reserat hierzu erstattete Schweitzer- Berlin. Besonders scharf ging der Referent mit dem Hansabund ins Gericht. Der Beschluß des Jndustrierates zeige, daß die Skepsis, mit der der Bund der technisch-industriellen Beamten dem Hansabund seit jeher gegenüber gestanden hat, vollauf gerechtfertigt war. Dieser entpuppt sich als reine Unternchmerorganisation.(Lebhafte Zu- stimmung.) Daran ändert auch nichts die nachträgliche Korrektur des Direktoriums, das nur vorsichtiger formuliert, was der Jndustrierat mit naiver Unvorsichtigkeit gesagt hat. . Wenn die Scharfmacher über Organisationszwang jammern, so müssen wir uns einmal beschäftigen mit dem Terrorismus und Organrsationszwang der Arbeitgeber gegen ihre Angestellten. Redner führt hierzu eine Fülle wert- vollen Materials an. Die brutalen Massenmaßrege- l u n g e n technischer A n g c st c l l t c n, wie sie 1903 in Augs- bürg, ISOg in Oberschlisien, 1911 in vier trade grübt worden sind, haben zwar in letzter Zeit nachgelassen, an ihre Stelle aber ist der noch viel schlimmere heimliche Terrorismus getreten. Hierher gehört die Frage nach der Organiiations- Zugehörigkeit beim Engagement, die der Verband der Metall- industriellen nach dem Streik der Eisenkonstrukteure eingeführt hat. Herr Garvens- Hannover hat sogar eine systematische Gesinnungsschnüffelei erdacht, bei der die Angestellten durch Karthoteken kontrolliert werden. Der Syndikus des Süd- westdeutschen Arbeitgeberverbandes, Herr Olle, hat diesen Gedanken in einer Broschüre propagiert und weiter vorgeschlagen, die Organisationszugehörigkeit der Angestellten durch Belpitzelung der Versammlungen zu ermitteln. Di« neugegründete Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände hat die Parole ausgegeben, den Kampf gegen die organisierten technischen Angestellten aus der ganzen Linie aufzunehmen und sie bei sinken- der Konjunktur in die gelben Werkvereine hinein- zupressen. Eine Anzahl Firmen legen den Angestellten einen förmlichen Revers vor, daß sie dem Bunde nicht angehören, die Firma Stahmer-Georgshütte bedroht die Bundeszugehörigkeit sogar mit Konventionalstrafe! Die Firma Flach nimmt ihren Angestellten das Ehrenwort nicht nur daraufhin ab, daß sie der Organisation nicht angehören, sondern auch, daß sie Bunde s- Mitglieder denunzieren werden. Die Firmen Krause in Leipzig, Hold u. Eo. in Zittau, Schütz in Würzen fordern von ihren Angestellten den Eintritt in den gelben Werkverein. Wer sich weigert, wird vor den Direktor zitiert. Ter Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat in Hannover sogar versucht, eine gelbe Technikerorgani- s a t i o n, den Nationalen Tcchnikerverband zu gründen. Allerdings hat er hiermit ein schmähliches Fiasko erlitten, trvtz aller Unterstützung von Arbeitgeberseite ist der Verband nicht über das erste Hundert Mitglieder herausgekommen. All das zeigt, daß wir keinen Avbeitswilligenschutz brauchen, sondern Schutz gegen die Arbeitgeber. Aus der Koalitions f r e i h e i t, die Vogel- freiheit ist, mutz ein Koalitions recht werden. Redner streift noch die Haltung der Parteien und kritisiert den Um fall der Nationalliberalen. Wie einseitig die berühmte„Arbeitswilligenschutzkommifsion" thr Material sammelt, beweist der in den Zeitungen veröffentlichte Brief der Ortsgruppe Magdeburg, deren Vorsitzender Herr Abg. Schiffer ist, an die dortige Ortsgruppe B. t. i. B. Die Herren sind allerdings an die falsche Adresse geraten. Das aber mögen sie sich merken: Wir betrachten jeden als Feind, der an das Koali- ttonSrecht zu tasten wagt.(Stürmischer Beifall.) Ohne Diskussion wird daras in namentlicher Abstimmung e i n- stimmig folgende Resolutton angenommen: Der elfte ordentliche Bundestag der technisch-industriellen Beamten eMickt in der unter dem falschen Schlagwort vom «Schutz der Arbeitswilligen" betriebenen Agitation der Arbeit- aeber für ein gesetzliches Verbot des Streikpostenstehens oder sonstige Mahnahmen gegen den augeblichen Organisationszwang der Gewerkschaften einen systematischen Versuch, den Angestellten und Arbeitern die Ausübung des Äoalitionsrechts unmöglich zu machen oder doch nach Möglichkeit zu erschweren. Diese Hetze gegen das Koalitionsrccht ist um so mehr zu verurteilen, als die jsA 152 Abs. 2 und 153 der Gewerbeordnung schon heute«in Ausnahmerccht darstellen, das seine Spitze gegen die Organisation der Arbeitnehmer kehrt. So wenig Ausschreitungen bei Arbeits- streitigfeiten verteidigt werden sollen, so sehr muß doch anderer- seit? darauf hingewiesen werden, daß viel notwendiger als«in Schutz der Arbeilswilligen ein Schutz der organisierten Ange- stellten und Arbeiter gegen den Terrorismus der Arbeitgeber ist. Namentlich die technischen Angestellten werden in ihrer Koalitions- krciheit in immer rücksichtsloserer Weise bedroht, wie vor allem der Vorsuch, eine systematische Gesinnungskontrolle über sie aus- zuübcn, beweist. Der Bundestag richtet deshalb an die politischen Parteien und die gesetzgebenden Körperschaften die Aufforderung, jede Beschränkung der Koalitionsfreiheit abzulehnen und statt dessen ihren Ausbau zu einem wirklichen Koalitions recht baldigst in die Wege zu leiten. Man beschloß dann, den Punkt Rcichsarbettslosenversicherung auf die Tagesordnung zu setzen. Das Referat erstattet S o h l i ch- Berlin. Er begründet die Notwendigkeit der staat- lichen Arbeitslosenversicherung vom volkswirtschaftlichen und sozialen Standpunkt aus und widerlegt die Einwände, die von gegnerischer Seite gegen diese, namentlich auch gegen das Genter System, erhoben werden. Seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Aus- führungen klingen in folgende Resolution aus, die nach kurzer Debatte einstimmige Annahme findet: Der elfte Bundestag der technisch-industriellen Beamten er- klärt, daß die Einführung einer Reichsarbeitslosenversicheruug als die dringendste Aufgabe her Zeit bezeichnet werden muß. So- lange dieser Ausbau der staatlichen Versicherung von Reichs wegen noch nicht erfolgt ist, hält der Bundestag die Gemeinden für ver- pflichtet, ihrerseits die Arbeitslosenversicherung einzuführen. Für die Durchführung der Arbeitslosenversicherung empfiehlt der Bundestag das Gcnter System, das ein geordnetes Zusammen- wirken zwischen den Kommunen und den bisherigen Hauptträgern der Arbeitslosenversicherung, den Angestellten- und Arbeiterver- bänden, gewährleistet. Im Zusammenhang mit der Arbeitslosen- Versicherung erachtet der Bundestag schließlich den systematischen Ausbau des paritätischen Arbeitsnachweises für dringend geboten. Im Anschluß hieran wird eine Sammlung für die Weihnachtsbescherung der Kinder der Berliner Arbeitslosen veranstaltet, an der sich alle Anwesenden be- teiligen._ Vorort- Nachrichten« Zv!ahlsdorf an der Ostbahn. Eine reichhaltige Tagesordnung halte die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung zu erledigen. Einem Antrag der Bau- kommission, die Mittel zur Prüfung der Begräbnisplatzentwürfe zu bewilligen und den Herren Bartsch und Klein Stimmrecht in der Kommission zu gewähren, wurde stattgegeben. Den zu mili- tärischen Hebungen eingezogenen Gemcindeavbeitern soll der Lohn unter Abzug der Reichsunterstützung weitergezahlt werden. Mit Stimmengleichheit wurde ein Ortsstatut angenommen, wonach die Anlieger bei Schneefall und Glatteis verpflichtet sind, auf den Bürgersteigen eine IVn Meter breite Gehbahn herzustellen und zu bestreuen. Ferner wurde der Ausdehnung der Gemeindehaftpflicht- Versicherung auf da? Risiko aus der Straßenunterhaltungs- und Reinigungspflicht zugestimmt. Ter Gemeindevorsteher wurde Ve- auftragt, mit der Eisenbahnverwaltung in Verhandlung zu treten, um die Fußwege nördlich der Bahn zu verbessern. Zwecks Weih- nachtszuwendung an Bedürftige wurde den Armenpflcgern je 39 M. überwiesen. Die Straßenbahnverwallung in Köpenick will den Nachtragsvertrag kündigen, um eine Erhöhung der Preise für Zeitkarten vorzunehmen; sie begründet ihr Vorgehen mit der ge- ringen Frequenz der L-uie Mahlsdors— Köpenick. In der Debatte kam allgemein die gegenteilige Ansicht zum Ausdruck. Die Angele- genheit wurde einer Kommission überwiesen. Aus Antrag wurde die Firma Friedrich u. Hedike in Liqu. von der ferneren Garantie- leistung für ihre Lieferungen und Arbeiten zum Rathausbau ent- Kunden. Ein Antrag unserer Genoffen auf Gewährung einer Unterstützung an Arbeitslose wurde vom Genossen Schumann in wirksamer Weise begründet. ES wurde beschlossen, den seit dem 16. Ottober d. I. am Orte wohnenden erwerbsfähigen Arbeitslosen, sofern sie nachweislich über 6 Wochen arbeitslos sind, eine Unter- stützung zu gewähren, die keinerlei Beschränkung der Gemeinderechte nach sich zieht, und zwar für Verheiratete eine solch« von 39 M. und für Ledige 15 M. Ein Antrag des Herrn Bartsch, denjenigen Einwohnern, die am Orte noch kein Gemeinderecht besitzen, es aber in ihrer früheren Wvhngemeinde besessen hätten, dieses Recht auf ihren Antrag auch hier zu verleihen, wurde angenommen. Der Erwerb von Straßenland vom Brockmeierschen Grundstück in der Bahnhofstraße und das Gesuch eines Beamten auf Anrechnung auswärtiger Dienstjah�, wurden in geheimer Sitzung behandelt. Biesdorf. Die Arbeitslosen werden ersucht, sich umgehend beim Gemeinde- Vertreter Müller zu melden, damit sie noch vor Weihnachten in den Besitz der von der Gemeindevertretung festgesetzten Unterstützung kommen. Bernau. Aus der Stodtverordneteuversamvilung. Für ausgeführte Not- standsarbeiten wurden zunächst K2g,49 M. gefordert und von der Versammlung bewilligt. Eine Magistratsvorlage ersuchte die Be- willigung Iveiterer Kosten für vorzunehmende Notstandsarbeiten auf den zu errichtenden Rieselfeldern. Hieran knüpfte sich eine längere Diskussion. Genosse Helbig verlangte die Ausführung der Arbeiten im Tagelobn, nicht in Akkord, wie dies vorher der Fall gewesen sei. Von den Bürgerlichen wurde hierauf erwidert, daß eine gerechtere Entlohnung nur durch Akkordvergebung möglich wäre, angeblich weil es fleißige und weniger fleißige Arbeiter gebe. Auch wären ver- schiedene Arbeiter nicht so firui, die AptierungSarbeitcn ausführen zu können; es empfehle sich aus diesen Gründen die Akkordarbeit vor- zuziehen. Der Stadtv. Bach, seines Zeichens Bauunternehmer, sprach sich gleichfalls für das Akkordsystem aus mit dem Zusatz, den Arbeitern einen täglichen Verdienst von nicht mehr als drei Mark zu bewilligen. Außerdem wünschte er, daß diejenigen Arbeiter, die einer Organisation angehören, erst in letzter Linie zu Notstands- arbeiten herangezogen werden, es sollten die Organisierten erst die ihnen aus ihren Verbänden zustehenden Unterstützungen beziehen. Die Genossen Krüger und Helbig traten diesen Auffassungen mit aller Schärfe entgegen. Herr Bach habe mit seinen Darlegungen den krassesten Unternehmerstandpunkt herausgekehrt. Genosse Helbig empfahl Herrn Bach, er möge es einmal versuchen, vier Wochen lang mit einem täglichen Arbeitsverdienst von 3 M. und der geforderten Arbeit seinen Lebensunterhalt zu fristen, er würde sicher in ganz kurzer Zeit einen Teil seines Körpergewichts verlieren. Auch scheine er von den UiiterstützUiigen der Gewerkschaften keine Ahnung zu haben, sonst könnte er sich doch wohl nicht einbilden, daß die Ar- beiter infolge Bezuges von Arbeitsloseniinterstützuüg ihrer Gcwerk- schalten von Notstandsarbeiten ausgeschlossen werden müßten. Der Antrag des Genossen Helbig, die Arbeiten in Tagelohn zu vergeben und einen täglichen Verdienst von 3,59 M. zuzusichern, wurde mit 9 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Dafür wurde ein Antrag des Stadt- verordneten Schulze, die Arbeiten möglichst in Akkord ausführen zu lassen und vorläufig eine Summe von 2000 M. festzusetzen, angenommen. Eine Magistratsvorlage betreffend die Uebernahme einer Meldestelle für die Allgemeine Ortskrankenkasse Aiederbarnim wurde vertagt, da von unseren Genossen die Ablehnung in Aussicht gestellt wurde und ein Teil Bürgerlicher durch Abwesenheit glänzten. In nichtöffentlicher Sitzung wurde die Besoldungsordnung der Lehrer erledigt. Danach sind für die 1.— 6. Alterszulage a 259 M. als Ortszulage vorgesehen, wohingegen früher nur die dritte und vierte Alierszulage mit 259 M. bedacht wurde. Die Regelung der Gehälter der Bureaugehilfen ist einer be- sonderen Beschlußfassung vorbehalten. Petershagen bei FrederSdori. Der letzte» Gemeindcvertretersitzung lag der Antrag auf Anschluß der Gemeinde an das Kreisgaswerk vor. An den Vortrag des Referenten, Herrn Dr. Weill, schloß sich eine reichhaltige Diskussion, in der die Frage des festzusetzenden Preises für das Gas, der Pflichten der Gemeinde einerseits und der Gesellschaft andererseits berührt wurden. Alsdann wurde im Prinzip einstimmig der Anschluß an das Werk beschlossen. Eine spätere Spezial- ausarbeitung des Vertrages bleibt noch der Gemeindevertretung vor- behalten. Ober-Schöneweide. Eine Zelluloidexplosion ereignete sich am Sonnabendnachmitiag im Akkumulatorenwerk. In dem mit weiblichen Arbeitskräften be- setzten Arbeitsraum zur Herstellung der Zelluloidzellen war ver- mullich durch Funkensprung von den dort aufgestellten Arbeits- Maschinen das leicht entzündliche Material in Brand geraten. Glücklicherweise gelang es sämtlichen Beschäftigten noch ins Freie zu gelangen, einige Minuten später erfolgte eine gewaltige Explosion, durch welche eine Zerstörung der gesamten Fertigvorräte herbei- geführt wurde. Den Arbeiterinnen wurde durch Einsturz einer Wand ihre in einem Nebenraume untergebrachte Garderobe teilweise beschädigt.__ eingegangene Drucklchriften. Freiheit. TrogSdie. Von R. Möller. 1 M., geb. 1,59 M.— Magazin- Verlag A. Dreßler, Leipzig-Möckern. Was sollen wir lesen? 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