Ar. 339. nbonnements--Bcdingungen: BBomtemenlä- Preis ttönumcttmbo; «ierteljährl. S30 MI, moncü, 1,10 Bit., wöchentlich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag?- numnier mit illuflrierler Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband'für Deutschianü und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 30. Jahrg. crlchelnt lzoNch, Berliner Volksblntt. Zentralorgnn der foztaldeinokratirchcn Partei Deutfcblands. Die TnTertJons'Gcbüfer beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum«« Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versnmmlungs-Anzeigen A> Psg, „Klein« Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort'10 P-g. Stellengesuche und Schlafstellen>!>!- zeigen das erste Wort IN Pfg, jedeS weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: ,.Sozialdemokrat Bcriia". Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristpla«, Nr. 198Z. Sie Militär- unö Zunkerrevolte. Tic„Kreuz-Zcitung" luar sehr übcl beraten, als sie sich in ihrem Feldzug gegen das Urteil des Straßburger 5lricgs- yerichts als juristischen Sachverständigen den famosen Ber- t i ner Polizeipräsidenten v. Jagow verschrieb. Es erscheint uns fraglich, daß sie sich durch den Doktor juris v. Jagow Hätte bestechen lassen können. Denn das koiiservative Crgan hätte sich daran erinnern sollen, daß Herr V. Jagow mit ftinen juristischen Kenntnissen schon früher mehr vl-ö einmal, bei den höchsten juristischen Instanzen schmählich «ibgeblitzt ist. Gar manche seine diktatorische Jniprovi- sationen haben die Nachprüfung durch die Rechtsinstanzen nicht bestanden, sodaß das Machtgebot des Berliner Polizeigewal- tigen des öfteren kläglich gescheitert ist. So hätte sich die «Kreuz- Zeitung" doch wenigstens noch darauf erinnern können, daß der Boykott der Neuen Welt, der von dem Ber- liner Polizeipräsidenten der Charakter eines Lokals abgesprochen war. in deni ernste künstlerische Aufführungen abgehalteit werden könnten, von dem Gericht aufgehoben werden mußte. Cs wäre also verständiger gewesen, ivcnn die„Kreuz Zeitung" sich als juristischen Kronzeugen ,cino juristisch bc- schlage n erc Persönlichkeit ausgesucht bätte, wie gerade He'crn v. Jagow, dessen öiechtsverständnis sich als ein mehr als zweifelhaftes erwiesen hat. Wenn die„Krcuz-Zeitung" sich trotzdem an den Berliner Polizeipräsidenten wandte, so mag ein anderer Umstand für sie ausschlaggebend gewesen sein. Sie suchte offenbar nicht einen Rechtskundigen, sondern einen R c ch t s v e r ä ch t c r. Und in dieser Hinsicht tat sie allerdings keinen Fehlgriff. Denn Herr v. Jagow hat ja schon früher bewiesen, wie wenig ihm die Entscheidungen der Gerichte imponieren. Hat er es doch seinerzeit fertig gebracht, der Berliner Schutzmannschaft ein G e n e r a l l 0 b für ihre Tätigkeit in Moabit aus- zusprechen, die durch das GcrichtScrkcnntnis zum Toll die n l l e r s ch ä r f st e Kritik erfahren hatte. Die «Krcuz-Zeitung" wußte also, daß vor Gerichtsurteilen der Berliner Polizeipräsident keinerlei Respekt besitzt. Und seine erstaunliche Erklärung beweist ja auch, daß es ihm total gleichgültig ist, ob er es mit cinent Zivil gericht oder einem Kriegs gericht zu tun hat. Der Berliner Polizeipräsident ist ein Mann von dem gleichen Kaliber, wie die Herren Deimling, Reuter und Falkenhahn. Die Junkerdiktatur, mag sie von Organen der Polizei oder des Militärs geübt werden, ist seiner Meinung nach der Sphäre des Rechtes völlig cnt- hoben. Die souveräne Willkür ist ihm das oberste Gesetz! Leider nur müssen die„Kreuz-Zcitung" und der Berliner Polizeipräsident die unangenehme Erfahrung machen, daß ihr täppisches Draufgängertum diesmal bei fast der ganzen bürgerlichen Presse auf den schroffsten Widerspruch stößt. Die junkerlich-polizeipräsidalcn Anmaßungen haben einen Sturni der Entrüstung entfacht. Bon der fort- schrittlichen bis zur nationalliberalen und Zentrumspresse er- schallt nur ein Protest gegen die absolutistischen Anmaßungen. So schreibt das„Berliner Tageblatt": „Der Konflikt von Zabcrn bar mit Messerschärfe die Geister geschieden; und was die Jnterpellationsdebaiten mit dem fast allgemeinen Mißtrauensvotum des Reichstags noch offen ließen, das hat das Urteil dcS Ctraßburger Kriegsgerichts gegen den Leutnant v. Forstner vollendet. Auf der einen Seite steht das ganze deutsche Bürgertum, stehen fast die gesamte deutsche Bildung und Intelligenz, ohne Ansehen der politischen Richtung, stehen auch die klassenbewußten Arbeiter; all' diese Kreise treten einmütig ein für die Autorität dcS Gesetzes auch den militärischen Behörden gegen- über, für die bürgerliche Selbftverwallung und die Wahrung der verfassungsrechilichen Bestimmungen. Auf der anderen Seite stehen die Vertreter des S ä b e l r e g i m e n t s und des militärischen Faust rechts. Die„kleine, aber mächtige" Partei hebt von neuem keck ihr Haupt, und der Berliner Polizeipräsident v. Jagow wirst sich zu ihrem Führer auf." In seiner unglaublichen Erklärung hatte Herr v. Jagow auch geäußert, daß sich das Militär in Elsaß-Lothringcn «fast in Feindesland" befinde. Diese unerhörte Brüskierung der clsaß-lothringischen Bevölkerung hat im «Feindesland" in allen politischen Kreisen und in der ge- saniten Presse hie einniütigste Verurteilung gesunden. Man erklärt diese Auslassung nahezu für' das stärkste, was in der Zaberne Affäre von reaktionärer Seite überhaupt geleistet worden sei. Man findet es unerklärlich, daß der Träger der Zivilgewalt in der Reichshauptstadt eine solche Sprache führe» und offen das Recht des Militär- obsolutismus proklamieren darf. Man kann sich diesen dreisten Vorstoß nur als taktisches Manöver der Reaktion erklären, um den General v. Deimling, den Hauptver- ontwortlichcn für die Zaberner Exzesse, in Deckung zu bringen. Man erwartet aber vom Reichstage, daß er nun auch das ungeheuerliche Vorgehen des Herrn v. Jagow und seiner Hintermänner in die Schranken weisen wird. Die V 0 s s i s ch e Zeitung" nimmt sich die Mühe, die verblüffende Rcchtsunkcnntnis des Berliner Polizeipräsidenten an den Pranger zu stellen. Sic stellt zu- nächst fest, daß der von Jagow angezogene K 7, mit dem er das Vorliegen des Kompetenzkonfliktes zu begründen sucht. gar nicht in Frage kommen kann, sondern höchstens der � 6. Aber auch diesen hat der<1 0 0 t 0 r juris von Jagow nicht einmal so weit verstanden, als er für Preußen gilt. Das freisinnige Blatt weist nach, daß auch der§ 6 nur dann den Einwand des Kompetenz- konfliktes für Personen des Soldatenstandes zuläßt, wenn es sich um Z i v i l g e r i ch t e handelt. Für Militär- g c r i ch t c kann der Kompetenzkonflikt überhaupt nicht erhoben werden, weil das militärische Gerichts- verfahren nach§ 20 der Militärstrafgesetzordnimg vom kommandierenden General oder Divisionskommandeur aus- geht. Es handelt sich also um einen ganzen Rattenkönig von juristischen Mißverständnissen des Berliner Polizeipräsidenten, um eine so grenzenlose Verwirrung aller juristischen Begriffe, daß man nicht verstehen kann, tvie ein Mann von solcher Begriffsstutzigkeit es überhaupt zum ctootor juris zu bringen vermochte. Aber auch von alledem abgesehen, existieren für Elsaß-Lothringen und das Reich die be- treffenden Paragraphen des preußischen Gesetzes überhaupt nicht, und oberdrein würden sie auch in Preußen nur dann Geltung haben, wenn es sich wirklich um Ausübung von Hoheitsrechten, statt um ganz zweifellose Exzesse und Will- k ü r a k t c gehandelt hätte, wie sie von dem Straßburger Kriegsgericht völlig einwandfrei festgestellt worden sind. Der blutigste Laie würde sich schämen müssen, eine solche Ver- wirrung aller juristischen Begriffe anzurichten, wie Herr v. Jagow das in dem führenden konservativen Organ fertig gebracht hat. Selbst das Schcrlblatt sieht sich genötigt, eine Er- klärung des bekannten Strafrechtslehrers an der Berliner Universität Professor A n s ch ü tz zu bringen, in der es heißt t „Zunächst ist es völlig ausgeschlossen, daß die Berusungs- initanz sich das vom Herrn Polizeipräsidenten angezogene preußische Gesetz vom 13. Februar 1834 zu eigen machen kann. Denn preußische Landesgesetze haben für Elsaß-Lothringcn keine Geltung. Aber abgesehen davon, handelt es sich dock einzig und allein darum, ob die der Staatshoheit gezogenen Grenzen überschritten worden sind oder nicht. Es war Sache des Richters, zu prüfen, ob sich der. Offizier in diesen Grenzen ga- halten hat oder nicht. Damit ist doch der Gedanke der Staats- Hoheit selbst in keiner Weise angetastet." Selbst die sonst so trockene„ V 0 s s i s ch e Zeitung" fühlte sich durch die tolle Gesetzesinterprctation des Berliner Polizeipräsidenten zu einer beißenden Satire angeregt. In ihrer Abendausgabe vom Dienstag schxLibt sie: „Wir wollen es nur bekennen t Herr v. Jagow hat uns eine unruhige Nacht gemacht. Denn wir haben gewartet und gewartet, ob nicht eine amtliche Erklärung kommen würde, der Fehdcbricf des Präsidenten sei eine boshafte Erfindung und die „Kreuzzeitung" das Opfer eines schlecht c-n Scherzes geworden. Zwar sie hatte die Veröffentlichung mit den Worten eingeleitet:„Zum Prozeß Forstner sendet uns der Herr Polizei- Präsident von Berlin folgende Erklärung." Aber wir konnten nicht leicht glauben, daß die„Erklärung" wirklich von dem Oberhaupt der Berliner Polizei herrühre. Am Ende hat das konservative Blatt den Brief von einem andern Jagow bekommen und ihn irrig für den Präsidenten gehalten?„Dr. jur. von Jagow" steht unter dem Brief. Wir schlugen das Staatshandbuch auf, Seite 129:„v. Jagow, Polizeipräsident"; kein„Dr. jur." davor. Mithin wird es ein anderer sein. Aber dann schlugen wir auch das Gothaische Genealogische Taschenbuch der uradligen Häuser auf. Seite 397, und siehe da:„V. Jagow, Traugott Achaz, geboren zu Perlebcrg 18. Mai 1863, D r. j u r., königlich preutzi- scher Polizeipräsident in Berlin und Rittmeister der Reserve des dritten Gardeulanenregiments, Rechtsritter des Johanniter- ordens." Also doch! Und doch, wir konnten die Ztveifel nicht bannen. Es mußte eine Nachricht vom Wolffschen Bureau kommen, daß der Polizeipräsident mit der„Erklärung" nichts zu tun habe. Wir warteten bis Mitternacht; wir hörten 1 Uhr schlagen; es kam nichts; wir rechneten damit, noch während die Nummer schon gedruckt wurde, den Artikel über die„Erklärung" heraus- nehmen und die ersten Seiten des Blattes ändern zu müssen. Aber es kam nichts. Und trotzdem, wir konnten es noch immer nicht recht glauben, und— es war wirklich eine unruhige Nacht." Aber auch die n a t i 0 n a l l i b c r a l e Presse legt die schärfste Verwahrung gegen die journalistische Extratour des Herrn v. Jagow ein. Seine juristische Auffassung, bemerkt die „ Kölnische Zeit u n g sei eine derartige,„wie sie wohl kaum ein rechtlich gebildeter Mensch vertreten" habe. Noch bedenklicher als seine sonderbare Juristerei sei sein Appell an das Berufungsgericht. Dem Manne müsse das Handwerk gelegt werden;„Man muß aufs allercnt- s ch i c d e n st e erwarten, daß die vorgesetzte Stelle sich zu dieser unnötigen und schädlichen Aeußerung einer so autoritativen Persönlichkeit in der Zivilbeamtenschaft wie Herr v. Jagow äußert und den Berliner Polizeipräsiden- I teil in die Grenzen seiner amtlichen Tätig- � k c i t z u r ü ck w e i st. die wirklich weit genug gesteckt sind." i Auch die ultramontane„Kölnische V 0 l k s z e i t u n g" schreibt zu der Aeußerung Jagows, daß er z w e i f e I l 0 s in irgendeiner Form desavouiert werden in ii s s e, wenn auch nur, um zu verhüten, daß aus der Privat- � Meinung Jagows von naiven Leuten Schlüsse auf die Korrekt- j heit der Auffassung amtlicher Berliner Stellen gezogen werden könnten.„Wir glauben, daß die maßgebenden Staatsmänner über das Austreten Jagows ebenso denken wie wir. Sticht wenige im Volke dürften in der Erklärung Jagows Expedition: 8Tl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morifcplatz, Nr. 1984. etwa ein Pronunziamento d e s st a r k e n Mannes erblicken, den gewisse engbegrenzte Kteise als Nachfolger Bcthmanns wünschen. Vielleicht ist der Erfolg seines Vor- gehens ein ganz anderer, als diese Politiker wünschen." Tie Verfechter des Absolutismus haben bisher eine geradezu erstaunliche Ungeschicklichkeit bewiesen. Ohne die beispielslosen Provokationen der Bethmann Hollweg, Falken- bahn und Jagow wäre die bürgerliche Opposition schon längst bereit gewesen, Gras über die Zaberner Gewaltproben unserer Absolutisten wachsen zu lassen. Offenbar unterschätzen unsere Absolutisten aber die Bedeutung der O e f f e n t l i ch- k e i t derart, daß sie die unverhülltesten Rechtsverhöhnungen und Gerichtsbecinflnsinngen riskieren zu tönnen glauben, da ja das Bürgertum bei den entscheidenden Debatten im Reichs- tage eine so jämmerliche Rückgratlosigkeit bewiesen hat. Nach diesen Beweisen der bürgerlichen Feigheit freilich müssen wir leider auch befürchten, daß die jetzige Eni- rüstungskampagne der bürgerlichen Presse mit dein faul- st e n Friedensschluß ende n wird. So wenig man sich zutraute oder auch nur Lust hatte, die Bethmann Hollweg und Falkenhayn„zur Strecke zu bringen", so wenig Energie wird man auch bekunden, den ja schon längst unmöglichen Berliner Polizeipräsidenten zu„erledigen". Ter Eni- rüstungssturm unserer bürgerlichen Presse wird nach den ersten Aufwallungen ergebnislos verebben und die A b s 0 l u- tisten werden das. Heft in der Hand bc- halten!__ Das Urteil im Gewerkichaftsprozeß. Wir haben bereits gestern in einem ftöliier Telegramm gemeldet, daß die der Beleidigung der christlichen Gelverkschafts- führcr Giesbcrts, Stegcrwald und Genossen angeklagten sozial- demokratischen Zeitungsredakteure auf Grund der 183 und U-iN des Strafgesetzbuchs zu Geldstrafen von 36 bis 366 M. verurteilt worden sind. Erhalten haben: Redakteur Petersen(„Hamburger Echo") 436 M. Geldstraie, Schädlich i.Volkowacht". Bielefeld) 366 M.. Puckla("„Fränkische Bollstribüne", Bayreuth) 300 M., Dikrciter l.Fränkischer Volks- freund", Würzburg) 366 M., Niendorf(»Tadakarbeitcrzeituny") 366 M-, Kries(„Braucreiarbciter") 266 M., Wagner(„Berg- arbeiterzeitung") 266 M., Kleevoot(„Pfälziscke �Post", Ludwigs» Hafen) 366 M., Steinbüchl(„Arbeiterzeitung", Essen» 236 M. und Sollmann(„Rheinische Zeitung", Köln) 36 M. Geldstrafe. � Zur Begründung dieses Gerichtsurteils führte der Vorsitzende aus: „Die christlichen Getverkschaftsführcr sollen einmal nach den Behauptungen der Angeklagten ein abgelartetes Doppelspiel bei der Enzyklika getrieben Haiben, indem sie im Widerspruch zu ihren Erklärungen aus dem Essener Gewerkschaftskongreß vorher den Bischöfen eine Erklärung abgegeben hätten, die nicht vereinbar gewesen sei mit ihrem Standpunkt in Essen. In dieser Beziehung ist keinerlei Beweis er backt worden, von dieser Beschuldigung ist in der ganzen Verhandlung niwts übrig geblieben. Ein solcher Vorwurf wäre nicht nur ehrenrübrig für Stegcrwald und die katholiscken Mitglieder der christlichen Gewerkschaften, sondern er richtet sich auch gegen die evangelischen Mitglieder, denn cs wird gesprochen von den Giesbcrts, Schisscr, Stegcrwald, Behrens und Konsorten. Die Angeklagten haben nur gesagt, sie hätten nicht ausdrück- lich den Vorwurf des Doppelspiels erheben wollen, �abcr das Doppelspiel sei in anderer Form getrieben worden. Sie haben gesagt, die Interpretation, die die Gewerkschaftsführer geäußert hätten, sei zum Teil wertlos gewesen, weil sie nichts Neues brachte, zum Teil aber direkt falsch. Es>0 a r nicht die Ausgabe des Gerichts, festzustellen, was d e r Papst tatsächlich mit der Enzyklika gewollt oder beabsichtigt hat. Es mag den Angeklagten zugegeben werden, daß die Auslegung, die sie der Enzyklika geben, eine grössere Wahrscheinlichkeit für sich hat als die anderen Auslegungen. Es mag auch sein, daß andere Leute, insbesondere der Bischof Kor um von Trier, die Enzyklika anders auslegen und andere Anweisungen an ihre llnkergebenen erlassen haben als die christlichen GQverkschastsfiihrer. Tarauf kommt cs aber nicht an. denn, von einem unerlaubten Doppelspiel kann nur dann gesprochen werden, wenn Stegcrwald bewußt von der Unrichtigkeit seiner Interpretation überzeugt Ivar. Für die Annahme aber, daß dies der Fall war, ist keinerlei Beweis erbracht worden. Stegemvald hätte ja ein ganz rafft- niertes und wohl ausgeklügeltes Spiel treiben müssen, wenn er das getan hätte, und das haben die Angeklagten nicht beweisen können. Stegcrwald war beunruhigt durch die Angrisfc, die wegen der Enzyklika auf die christlichen Gewerkschaften erfolgt waren, und der Bischof Dr. Schulte von Paderborn hat ihn, weil er auch davon erfuhr, zu sich gebeten. Bisckof Dr. Schulte hat als Zeuge bekundet, daß Stcgerwald ehrlich bestrebt war bei seinem Versuch, aus diesen Schwierigkeiten herauszukommen. Im übrigen hat das Gericht nicht für nötig gehalten, auf alle die Erörterungen einzugehen, die im Anschluß an die Enzyklika cnt- standen sind, e s h a t j c s i ch l e d i g I i ck m i t d e m V 0 r- Wurf des Doppcl spiels zu beschäftigen. Dann i* den christlichen Gewerkschaften.nachgesagt worden, sie hätten sich verkauft, indem sie für eine Geldspende der rheinischen Jnustriellen an den Papst ihre Hal- tung geändert hätten, daß sie Streikbruck geirieben und daß sie Abmachungen getroffen hätten gegen das Wohl der Arbeiter. Auch das sind ehrenrührige Behauptungen, und auch hier ist ein Bc- weis nicht erbracht worden. Der dritte und schwerste Vorwurf ist der ausgesprochene Verdacht, daß die christlichen Gewerkschaftsführer s c l b st einen Judaslohn genommen hätten. Tie Angeklagten haben gesagt, der Vorwurf sei nicht personlich ge- meint, man habe sagen wollen, da- Geld sei in die Kassen der chnstsickicii Gcwcr�schzfton geflossen. Von jcdom unücfangencn Lesor können ober öie Artikel gar nicht anders verstanden wer> den, als daß dieser schmähliche Vorwurf gegen die christsicken Gewerkschaftsführer erhoben werde. Ein Beweis für ihn i st aber nicht erbracht. Das Gericht hat sich gefragt, ob es nicht bei diesem Vorwurf verleumderische B e l e i d i- gung annehmen sollte; cS l>at die? verneint, weil eine scharfe Feindschaft zwisct>en beiden Lagern besteht, und dann, weil eine Reibe von Artikeln vorliegen, aus denen die Angeklagten den Schluß haben ziehen können, baß so etwas möglich sei. Das Gc richt bat also nicht angenomnien, daß die Angeklagten sich auch diese Behauptung direkt aus den Fingern gesogen haben. Die Augeklagten haben den Schuh des§ 193 für sich iu An- spruch genommen, das Gericht hat ihn lediglich dem Angeklagten Wagner in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Deut schcn Bcrgarbeitcrverbandes zugebilligt. Im übrigen geht aus der Form der Artikel hervor, daß es den Angeklagten nicht darauf ankam, berechtigte Interessen wahrzunehmen, sondern dem Gegner eins anszuwiscyen. Daß der Streik nicht absolut von der Enzhklika verboten ist, ergibt sich nach Ansicht des Gerichts schon aus der Enzvklika selbst. Es ist selbstverständlich, daß die Bischöfe den Papst unterrichtet haben werden über die Stellung der christlichen Gewerkschaften zum Streik. Es wäre ein Nonsens, daß der Papst die christlichen Ge wcrkschaftcu erlauben und den Streik verbieten sollte. Es mag aber zugegeben werden, daß die Äirche und vor allem der Papst dem Streik nicht günstig gesonnt sind. Dies ist aber für die Frage, inwieweit ein Doppelspiel nachgewiesen ist, gleichgültig. Für das Strannaß ist wesentlich, daß die Auge- klagten die Behauptungen nicht selb st aufge- stellt» sondern in anderen, und zloar reputier- lichen Blättern, gesunde n haben und annehmen dursten, daß solche positiven Nachrichten von reputicrlichen Blättern nicht ohne jede Unterlage aufgestellt ivürdcn. Deshalb ist den Angeklagten, so merkwürdig es aussehen mag, bezüglich aller Handlungen der gute Glaube zugebilligt worden. Aber die Angckbagtcn haben sich nicht damit begnügt, diese Nachrichten Iveiterzugebcn, sondern sie haben mit derben Keulcnschlägen auf ihr« Gegner losgeschlagen, indem sie von Judaslohn gesprochen haben. Das Gericht hat andererseits bei den schweren Schimpfe- reien berücksichtigt, daß dies vor einem Leserkreis vielleicht nicht so schlimm war, der an derbe Ausdrücke gewöhnt ist, und es hat berücksichtigt, daß die Angeklagten einem scharfen Gegner gegen- überstanden und deshalb Zartheit nicht notwendig war. Die Urtcilsgründe sind mit dem Urteil zu publizieren, und zwar ebenso fett gedruckt, wie die Beleidigungen den Lesern auf- getischt wurden." Wie die Begründung des Urteils zeigt, ist das Gericht deshalb zu diesem Urteil gekommen, weil weder für den Vorwurf des Doppelspiels, noch für die Behauptung, die christlichen Gcwerk- schaftcn hätten sich durch Geldspenden der rheinisch-westfälischcn Industriellen zu ihrem Verhalten bestimmen lassen, in der Gerichts- Verhandlung ein Beweis erbvacht worden ist. Auf die verschiedenen Interpretationen der päpstlichen GcwerkschaftS-Enzyklika einzu- gehen, hat aber das Gericht abgelehnt. Es hat zwar zugegeben, daß die Auslegung, die unsere Genossen dieser Enzhklika gegeben haben, eine»größere Wahr- scheinlichkcit für sich hat" ab» die Auslegung der Herren Stegerwald, Giesberts usw., und daß auch der Bischof von Trier die betreffende Enzyklika anders interpretiert als die christlichen Gewerkschaftsleiteri aber in einer Untersuchung darüber, welche Auffassung die richtigere sei, hat es sich nicht ein- gelassen, da es eine solche Untersuchung als nicht zu seinen Auf- gaben gehörend betrachtete. Das ist begreiflich, aber damit war wenigstens in diesem Punkt den Angeklagten das Urteil gesprochen; denn daß die Herren Stegerwald und Genossen dem hohen Klerus in irgendeiner Form eine schriftliche Unterwerfungserklärung abgegeben oder sich feier- lichst in einer privaten Unterhaltung mündlich zu einer solchen Unterwerfung verpflichtet haben, wa r von vornherein ganz unwahrscheinlich und in Anbetracht des geheimen Eharak- ters solcher Akte in keinem Fall zu erweisen. Tie Frage ist vielmehr, inwiefern läßt sich aus dem Verhalten der Gewerkschaftsführer seit der Verkündigung der Enzhklika und vor allem aus der Stellung des Klerus zu den christlichen Ge w e r k s ch a f t e n schließen, daß eine Unter- werfung oder, sagen wir lieber, eine Unterordnung der christlichen Gewerkschaftsteiter unter die Forderungen und Bedingungen der päpstlichen Enzyklika erfolgt ist. Und in diesem Punkt kann man nur dem Zeugen Dr. Kaufmann beistimmen: die einfache Tatsache, daß der Episkopat troh der päpstlichen Aufforderung zur Ucber- wachung der christlichen Gewerkschaften bisher keinen Anlaß zum Eingreifen gefunden hat, beweist an sich schon zur Genüge, daß die Gewerkschaftsführer sich, wenn auch vielleicht nicht formell, so doch tatsächlich den von Rom gestellten Bedingungen gefügt haben. Bekennen sich doch auch alle diese Herren fast ostentativ als gute Söhne der katholischen Kirche, und diese Kirche lehrt und for- dcrt, daß in allen Fragen, die die Moral und das öffentliche sitt- liche Leben betreffen— und hierzu gehöytnachderkatho- tischen Kirch en lehre auch die gewerkschaftliche Tätigkeit—, der Katholik sich unbedingt der Anweisung der höheren Geistlichkeit zu unterwerfen habe, heißt es doch z. B. klar und deutlich in der Enzyklika„De paeeipuis civiura christianorum officits"(Von den wichtigsten Pflichten christlicher Bürger) vom 19. Januar 1890 über die Befolgung der päpstlichen Gebote und Verordnungen: »Was nun die Begrenzung dieses Gehorsams angeht, so soll sich niemand einreden, man brauche den Hirten der Kirche und besonders dem römischen Papste nur bezüglich jener Glaubens- lehren zu gehorchen, deren hartnäckige Verwerfung das Vcr- geben de? Irrglaubens ausmacht. Ebensowenig genügt die auf- richtige und feste Zustimmung zu jenen Lehren, welche von der Kirche zwar nicht durch feierliches Urteil entschieden, aber doch von ihrem ordentlichen und allgemeinen Lehrkörper als göttlich geoffenbart zu glauben vorgestellt werden: Wahrheiten, von denen das Vatikanische Konzil sagt, man müsse sie mit katholischem und göttlichem Glauben festhalten. Die Christenpflicht geht iveitcr und fordert darüber hinaus, daß man sich durch die Autorität der Bischöfe und bewnders des Apostolischen Stuhles leiten und weisen lasse." Und ferner fordert die Enzyklika über die christliche Staats- orduung vom 1. November 188ö: „Was immer daher im Leebn der Menschheit heilig ist, was immer auf das Heil der Seelen und den göttlichen Dienst bezug hat, sei es nua dieses an sich und seiner Natur nach oder wegen seiner Beziehung zu demselben, alles das ist der kirchlichen Ge- walt und ihrem Ausspruche unterstellt." Und an anderer Stelle derselben Enzyklika wird dieser Aus- spruch folgendermaßen ergänzt: „Es ist nicht erlaubt, zu scheiden zwischen den Pflichten des Privatmannes und jenen des Staatsbürgers, derart, daß die kirchliche Autorität im Privatleben Geltung habe, im öffentlichen dagegen keine Anerkennung finde; den» dies hieße Gutes und Schlechtes zusammentun und den Menschen in Zwiespalt setzen mit sich selbst." Als einen Irrtum müssen wir auch bezeichnen, daß das Ge- richt annimmt, der Streik sei nach der katholischen Lehre nicht der- boten; heißt cS doch in der obigen Urteilsbegründung: „Daß der Streik nicht absolut� von der Enzyklika verboten ist, ergibt sich nach Ansicht des Gerichts schon aus der Enzhklika selbst. ES ist selbstverständlich, daß die Bischöfe den Papst unter- richtet haben werden über die Stellung der christlichen GeWerk- schäften zum Streik. Es wäre ein Nonsens, daß der Papst die christlichen Gewerkschaften erlauben und den Streik verbieten sollte." Richtig ist, die Gewerkschaftsenzhtlika verbietet den Streik, aber frühere päpstliche Enzykliken verbieten ihn— oder, genauer gesagt, sie verbieten nicht den Streik an sich, wohl aber jeden Streik, der Handel und Industrie so- lvie das öffentliche Wohl schädigt oder zu.Un- ruhen und Wirren zu führen vermag. Und welcher Streik beeinflußt nicht Handel und Industrie oder das öfsentliche Wohl? So heißt es z. B. in der Enzyklika Leos XIII. über die Arbeiterfrage(vom 17. Mai 1891): »Nicht selten greisen die Arbeiter zu gemeinsamer Arbeits- einstellung, um gegen die Lohnherren einen Zwang auszuüben, wenil ihnen die Anforderungen zu schwer, die Ardeitsdauer zu lang, der Lohnsatz zu gering scheint. Dieses Vorgehen, da» in der Gegemoart immer häufiger wird und immer weiteren Um- fang annimmt, fordert die öffentliche Gewalt auf, Gegenwehr zu ergreifen; denn die Ausstände gereichen nicht bloß den Ar- beitgebern mitsamt den Arbeitern insgemein zum Schaden, sie benachteiligen auch empfindlich Handel und Industrie, überhaupt de» ganze» öffentlichen Wohlstand. Außerdem geben sie er- fahrungsgcmäß Anlaß zu Gewalttätigkeiten und Unruhen, und stören so den Frieden im Staate." Deshalb ist auch nach dem Runschreiben Leos XIII. der Staat berechtigt, jede Arbeitseinstellung, die zu Friedellsstörungen führen könnte, in i t Gewalt z u unterdrücken. Es heißt darüber in dem Rundschreiben: „Wenn also sich öffentliche Wirren ankündigen infolge auf- lchnerischer Hallung der Arbeiter oder infolge von Arbeitsein- stellungen, wenn die natürlichen Familicnbande in den Arbeiter- kreisen zerrüttet werden, wenn bei den Arbeitern die Religion gefährdet ist, indem ihnen nicht genügende Zeit und Gelegenheit zu ihren gottesdicnstlichen Pflichten gelassen wird... in allen diesen Fällen muß die Autorität und Gewalt des Staates sich geltend machen, jedoch ohne die rechten Schranken zu über- schreiten." Und zwar hat de« Staat da» Recht, nicht nur ausgebrochcne Streik» zu unterdrücken, sondern auch gegen die sogenannte Auf- hetzung zur Arbeitsniederlegung und Auflehnung einzuschreiten. MeiKIoilgM. Und Berlin? In Frankfurt a. M. wird seit langem die Errichtung einer kommunalen Arveitslosenversicherung geplant. Die Arbeilen sind bisher nicht recht vom Fleck gekommen und werden voraussichtlich noch längere Zeit in Anipruch nehmen, weil im Magistrat große Neigung für da» Kölner System besteht, während die Gewerkschailen das Genter System als Master wünschen. Die Mitarbeit der Gc- wcrkschasten will die Stadtverwallung aber nicht missen und des- halb zerbricht man sich die Köpfe, um einen Mittelloeg zu finden. Da die» noch nicht so schnell gehen wird, schlägt der Magistrat zur Linderung der augenblickliche» Not vor, daß vorläufig aus städtischen Milteln 19 999 M. zur Unterstützung von Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden. Für die Verwendung sollen folgende Grundsätze gelten: Unterstützung soll nur an Arbeitslose gewährt werden, die seit Jahresfrist in Frankfurt wohnen und ständig als Lohnarbeiter be- chäfligt gewesen sind. Arbeitslosigkeit infolge Krankheit, Streik, Aussperrung und groben Verschuldens schließt die Unterstützung aus. Das gleiche gilt für Empfänger laufender Armenunlerstützung. Die ersten sechs Tage der Arbeitslosigkeit sollen als Karenzzeit gelten. Für den Unteruützterr besteht die Verpflichtung zur Annahme von Arbeit, die seinem Beruf und seinenr bisherigen Verdienst entspricht. Weigerung hat, wie das Versäumen der täglichen Meldung bei der ArbeltsvermittelungSstelle, Verlust der Unter- tützung zur Folge. Tie Unterstützung beträgt für Ledige täglich 79 Pf., für Verheiratete 1 M. Sie erhöht sich für jedes Kind um 13 Pf. bis zum Höchstbetrage von 1,99 M. Wer aus der Unter- tützung seines Berufsvereins oder aus anderen Quellen ein täg- liches Einkommen von 2 M. hat. erhält keine Unterstützung. Hier- von können zugunsten von Familienvätern Ausnahmen gemacht werden, solange und soweit die gesamten Bezüge täglich 3 M. nicht übersteigen. Tie Auszahlung der Unterstützungen soll durch die tädtische ArbeitsvermittelungSstelle erfolgen. Ter geringe Betrag der Tagesunterstützung wird damit begründet, daß er nur ein Zu- schuß sein und von der Selbsthilfe durch Anschluß an die getverk- chafiliche Organisation mit ihren UnterstützungSeiurichtungen nicht abhalten soll. Steigende Arbeitslosigkeit i» Dresden. Die allmonatlich vom Gewerkschaftskartell vorgenommene Zählung der Arbeitslosen, an der sich von den 37 dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften 3t beteiligten, ergab für den 29. November unter 77 133 Befragten 3612 Arbeitslose, gleich 7,31 Prozent. Der gleiche Monat des Vorjahres ergab den Prozentsatz 2,29, er hat sich also in diesem Jahre um 3,92 Prozent gesteigert. Die Zahl der weiblichen Arbeitslosen hat sich von 1,17 auf 19,85, also um 9,38 Prozent erhöht. Arbeitslosenunterstützung in Sachseu-Altenburg. Der Landtag stimmte am Dienstag für den sozialdemo- kratischen Antrag betreffend Arbeitslosenunterstützung. Der Antrag lautet: „Die herzogliche Staatsregierung stellt für den Wirtschafts- abschnitt 1911—1916 jährlich bis zu 13 099 M. aus den Beständen bereit, um den Gemeinden bis zu 39 Prozent ihrer Aufwendungen für außergewöhnliche Arbeitslosenunterstützung auS Staatsmitteln zurückzuerstatten. Die herzogliche Staatsrcgierung wolle die Er- richtung neutraler und paritätisch geleiteter Arbeitsnachweise, verbunden mit einer Zentralstelle, weiter tatkräftig unterstützen." Die istbeiteiMruhe in Großbritannien. London, 20. Dezember.(Eig. Ber.) Die„Oabour unrest", die das englische Bürgertum in den letzten Jahren beständig er- schreckte, hat bei der besitzenden Klasse dieses Landes allmählich andere Gefühle erweckt. Mag auch das englische Proletariat leicht revoltieren, so sindet es es doch schwer, wegen der Unzulänglichkeit der überlieferten Qrganisationsformen seine Kräfte systematisch und erfolgreich auszunutzen. Viele der zahlreichen wirtschaftlichen Kämpfe sind daher wie das Hornberger Schießen mit vielem Ge- räusch und ohne Erfolg oder doch nur mit sehr geringem Erfolg verlaufen. Da» hat der besitzenden Klasse wieder Mut eingeflößt. Die Furcht ist dem Rachegedanken gewichen; man möchte der Ar- beiterklasse einmal eine Lektion erteilen, die sie nicht vergessen würde. Konservative wie Liberale sind sich darin einig. An vielen kleinen Ereignissen, die einzeln ganz unbedeutend wären, die aber zusammen deutlich die Stimmung erkennen lassen, ließe sich dies beweisen. Am besten läßt sich diese Stimmung des Bürgertums an dem Streik der Gemeindearbeiter in Lecds er- klären. Seit einigen Tagen verkündet die bürgerliche Presse von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten triumphierend, daß die so bescheidene Lohnforderung der Gemeindearbeiter in Lecds mit Hilfe der bürgerlichen Streikbrecher niedergeschlagen worden sei und daß der»Syndikalismus"(was nennt man heute in England nicht alles Syndikalismus!) eine große Schlappe erlitten habe. Der Streik der Gcmeindearbeiter in Leeds, der siebentgrößten Stadt in Großbritannien mit einer Einwohnerzahl von 159 999, brach nach langen Verhandlungen am 19. Dezember aus. Schon im August richtete der Gas- und Hilfsarbciterverband, dem die meisten Streikenden angehören, eine Petition an den Gemeinderat, in der eine Lohnaufbesserung von 2 Schilling die Woche für etwa 3999 Arbeiter gefordert wurde. Daß sich die Stadt die Bewilligung dieser mäßigen Forderung ohne Schwierigkeit leisten kann, ersieht man aus dem Reingewinn, den sie aus den vier großen städtischen Unternehmungen: Straßenbahnen, Wasserwerke, Elektrizitätswerke und Gasanstalt, erzielt. Im letzten Jahre betrug dieser Rein- gewinn 111999 Pfund und im laufenden Jahre wird er auf 128 999 Pfund geschätzt. Tie Arbeiter stellten sich auf den Stand- Punkt, der auch von den Arbcitergemeindevertretcrn aus einer Kon» serenz in diesem Jahre eingenommen wurde, daß nämlich der Ge- Vinn aus den Unternehmungen der Gemeinden in erster Linie dazu verwendet werden müsse, um für die Gcmeindeangestcllten menschen» würdige Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Ter Bürgermeister ver- sicherte den Arbeitern, daß man in der Angelegenheit vor den im November stattfindenden Gemeinderatswahlcn nichts unternehmen könne und die Führer der konservativen und der liberalen Partei im Lccdser Gemeinderat versprachen, daß man nach den Wahlen sofort Komitees ernennen werde, die sich mit der Petition befassen und dem Gcmeinderat Bericht erstatten würden. Aber nach den Wahlen besannen sich die Konservativen und Liberalen. Die Zu- gestäudnissc, die man zu machen bereit war, fielen sehr kläglich aus. 1999 von den 3999 Gcmeindcarbeitern bekaoien überhaupt nichts. Tann wurde einstimmig der Streik beschlossen, doch bis zum Ausbruch de» Kampfes wurde noch verhandelt. Zwei Tage später schlössen sich die städtischen Straßenbahner mit 933 gegen 31 Stimmen bei 223 Stimmenthaltungen den Streikenden an. Aber die Straßenbahner haben nicht lange ausgehalten. Vorgestern be» schloffen sie, zur Arbeit zurückzukehren, nachdem der konservativ- liberale Block alle Arbeiter mit der Entlassung bedroht hatte, die bis Freitag abend die Arbeit nicht wieder aufgenommen hätten. Die Frist ist inzwischen bis auf Montag morgen(22. Dezember) ausgedehnt worden. Das Bemerkenswerteste an diesem Streik ist aber die Begciste- rung, mit der sich Angehörige der besitzenden Klasse als Streikbrecher anwerben ließen. Unter dem Schutze einer großen Polizeiarmcc, die man aus den benachbarten Städten holte, eilten feiste Bourgeois, behäbige Stadträte, die Studenten der Universität in die Gasanstalt und die Elektrizitätsverke. Mit Mühe und Not gelang es den Streikbrechern, den Schein eines städtischen Betriebes aufrechtzu- erhalten. In Miniatur hatte man hier die Situation in Schweden während des Generalstreiks. Tie Bourgeoisie triumphierte für den Augenblick, und in dem Gefühl des Sieges vergaß sie die einfachsten Regeln des politischen AnstandeS. Im Gemeinderat hatten die Arbeitervertreter beantragt, ein Streikkomitee zu ernennen, das sich aus 5 Konservativen, 3 Liberalen und 2 Arbeitervertretern zusammensetzen sollte. Diese Zusammensetzung entspräche ungefähr der Zusammensetzung de» Gemeinderats. Anstatt dieses' Antrag? wurde ein anderer angenommen, der sich für die Bildung eine? nur aus Konservativen und Liberalen bestehenden Komitees aus- sprach. Unter allen Umständen mußten die Gemeindevertreter der Arbeiter aus dem Komitee ferngehalten werden.„Verräter oder Spione, die sich Eingang in eine Stadt verschafft haben, die belagert werden könnte," nannte sie die»Uorkshire Post", das größte bürger- liche Blatt Nordenglands. Und die„Times" schrieben entzückt: „Dies ist die erste Lektion, die dazu noch eine sehr greifbare ist, die man von dem Streik lernen kann. Konservative und Liberale haben sich in einer großen Notlage die Hände gereicht, um die Arbeiterpartei zu bekämpfen, und es steht außer Zweifel, daß die Mitglieder der beiden größeren Parteien die Handlungsweise ihrer Gemeindevertreter durchaus gutheißen." Das Entzücken der„Times" teilten auch die linksliberalen Blätter, die den Gemeindearbcitern schlankweg das Streikrecht aberkennen wollen. Einige von ihnen versuchten, ihren Arbeiterlescr» vorzulügen, daß nur die bösen Kon« servativen an allem schuld seien, und vergossen die obligatorischen Krokodilstränen über den„unglücklichen" Streik, dem man das Rückgrat gebrochen habe. 3999 Mann stehen zurzeit noch im Streit; 2399 von ihnen gehören dem Verband der Gasarbeiter an. Wie lange der Kampf noch dauern wird, ist schwer zu sagen. Wahr- scheinlich ist, daß sich der Streit infolge der großen Erbitterung, die die geschilderten Ereignisse unter der Arbeiterschaft hervorgerufen haben, in die Länge ziehen wird. In einer deutscken Industriestadt von der Größe Leeds' be- stünde vielleicht eine Parteiorganisation von 39 999 oder 49 999 Mit- gliedern. Hätte die Industriestadt Aorkshires eine ähnliche Organi- sation, so würde sich die Arbeiterschaft bei' dem bestehenden Gc- meindewahlrecht Englands längst die Mehrheit im Gemeinderat ver- schafft haben und den Bürgermeister stellen. Vielleicht wird dieser Kampf dazu beitragen, den Arbeitern zu veranschaulichen, wie viel schärfer in gewissen Lagen die politische Waffe ist. poUtifcbe Qcberlicbt. Der deutsche Episkopat im Kampfe für die Sittlichkeit. Die Bischöfe haben sich auf ihrer diesjährigen Konferenz itr Fulda außer mit allerlei anderen Gebrechen unserer gottlosen Zeit auch mit der Unsittlichkeit und Nnkeuschheit beschäftigt und. um den Einfluß des bösen Feindes zu brechen, eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die nach den,„Kirchlichen Anzeiger für die Erzdiözese Köln' folgenden Wortlaut haben: .1. Im allgemeinen ist die sexuelle Aufklärung der Jugend mit größter Vorsichr und Zurückhallung zu behandeln. Im Einzel- falle, wo es notwendig ist, ist sie Sache der Eltern oder de? Religionslehrers oder des Beichtvaters oder des Lehrers bezw. der Lehrerin. 2. Eine gemeinsame sexuelle Aufklärung durch Vorträge vor Gruppen von Schülern und Schulentlassenen ist zu verwerfen. 3. Die Erziehung zur Schambaftigkeit und Hochachtung der Keuschheit muß von früh aus gepflegt werden.(Vgl. gemeinsames Hirtenschreiben vom 12. August 1998.) 1. Macht sich für Schulentlassene das Bedürfnis sexueller Be« lehrung geltend, so ist sie bei Mädchen von der Mutter, bei Jung- lingen von der Mutter oder dem Vater oder in beiden Fällen auch von dem Beichtvater mit großer Vorsicht zu erteilen. Auch die geistlichen Leiter der Jünglingsverein- oder Erziehungsanstalten usw. können zuweilen durch diskrete Belehrung oder Verwarnung unter vier Augen beruhigend und ermutigend einwirken. 3. Niemals find gemeinsame turnerische Ver« anstaltungen oder turnerische Aufzüge von Knaben und Di ädchen zu billigen; ebensowenig gemeinsam- Wandervogel- Ausflüge heranwachsender Knaben und Mädchen und mehrtägige Wandervogel-Touren von Mädchen allein. Auch jedes vor breiter OeffentlichkeU hervortretende Schauturnen von Diädchen oder Damen und noch weit mehr öffe utliche Schwimm schau st ellnn gen derselben, und selbstverständlich auch alles gemeinsame Schwimmen von Mädchen und Knaben müssen aufs schärfste verurteilr werden. Körperliche Hebungen von Mädchen in einem dem weiblichen Körper und dem kindlichen und jungfräulichen Zartgefühl ent- sprechenden Umfange sind gewiß nicht zu verurteilen. Aber diesen Umfang(und in einzelnen Fällen beschränkte Zulasiung verständiger Zuschauer) abzumessen, ist Sache der Diskretion der religiös fühlenden Erzieher, nicht ausschließlich Sache eine« technischen Fachmanns. Es wäre tief zu bedauern, wenn die Körper» ./chuflgen beim weiblichen Geschlecht in solchem Umfange gepflegt würden, daß dadurch Zerfahrenheit ins Gemütsleben, Unlerichätzung der Geistes- und Gemülsbildung, Schwächung des weiblichen Züchtigkeilsgefühls und Verminderung der Liebe zum stillen häus- lichen Wirken eintreten würde. Aufs tiefste ist zu beklagen, daß die weibliche Kleidung gegenwärtig in toeiten Kreisen bei Kindern und Erwachsenen scharn- los geworden ist, und die Konferenz würde es lebhaft begrüßen, wenn der Katholische Frauenbund einen mutigen, entschiedenen und beharrlichen Kampf auf der ganzen Linie gegen jene schmachvolle Verirrung aufnehmen wollte. Es iväre tiestraurig, wenn katholische Eltern so kurzsichtig wären, den vorstehenden ernsten Mahnungen ihrer Bischöfe sich zu verschließen." Nützen diese Beschlüfle auch nicht zur Hebung der Sittlichkeit, so sind ste doch sehr wohl geeigner, die Prüderie zu fördern— aber vielleicht hält mancher Bischof beide Begriffs für identisch. �ur Kabinettskrise in Braunschtveig. Wie die amtlichen.Braunschweigischen Anzeigen" erfahren, ist zum 1. Februar 19lt an Stelle des Staatsministers Hartwieg zum Lorsitzenden des herzoglichen Staatsministeriums der Minister Wolfs und zum Minister des Innern der schon jetzt mit den Geschäften rinss slimmsührenden Mitgliedes des herzoglichen Staatsministeriums beauftragte Kreisdirektor Boden ernannt worden. Steuerfuche. In Conrads Jahrbüchern für Nationalökonomie schlägt ein Regierungsassessor Karl Elster eine neue Steuer vor. Einkommen- steuer und Bermögenssteuer sind ihm noch nicht genügend zur Er- fassung des gesamten steuerlichen Vermögens und Einkommens. Er empfiehlt als direkte Reichssteuer eine sogenannte Aufwands- steuer, die bemessen wird nach dem gesamten Aufwand für die Lebenshaltung. Ein Existenzminimum, das je nach der Zahl der Mitglieder eines Hausstandes schwankt, soll steuerfrei bleiben, alles darüber hinaus Ausgegebene aber der progressiven Besteuerung unterworfen werden. Die„Nationalliberale Korrespondenz" ist ganz begeistert von diesem Vorschlage. Au dieser Begeisterung gemessen, durfte es nicht wundernehmen, wenn die nationalliberale Fraktion womöglich noch in dieser Session einen Gesetzentwurf auf Einführung einer solchen Aufwandssteuer einbringt! sie würde sich sicher damit bei der im ewigen Dalles befindlichen Regierung Verzeihung für das Zabcrner Mißtrauensvotum holen. Tie Verhandlung gegen Oberst v. Reuter. Tie Verhandlung gegen Oberst von Reuter vorn Infanterieregiment 99 wird vor dem Gericht der 39. Division voraussichtlich am ö. Januar kommenden Jahres stattfinden. den Stichwahlen in Nentz j. L. Bei den drei Stichwahlen, die am Montag vollzogen wurden, siegten zwei Bündler und ein Fortschritller. Die unterlegenen Gegenkandidaten waren zwei Nalionalliberale und ein Sozialdemo- trat. Der Fortschritller wurde mit sozialdemokratischer Wahlhilfe gewählt. Sein uuierlegener Gegenlandidat ist der frühere Präsident, der sich an die Spitze der WahlrechtSräuber gestellt hatte. Am 39. Dezember finden die Stichwahlen in drei städtischen Kreisen statt, in denen drei Sozialdemokraten drei Nalionalliberale» gegenüber- stehen. Zivei Kreise dürften uns sicher sein. Sozialdemokratische Kandidatur in Köln-Land. Die sozialdemokratische Partei stellt für die Nawwahl in Köln- Land den Genossen Sollmann, Redakteur der„Rhein. Ztg." in Köln, auf. Reingefallen. Ende August behandelte dje„Münchener Post" die Vorgänge bei der Kehlheimer Fürstenfeier und erzählte in der Abwehr klerikaler Verdächtigungen, daß der Entiourf der Kehlheimer Rede auf der Reise von Passau nach Münckien nebst der ihn enthaltenden Brief- tusche verloren worden fei und sich der Verlierer, der Legationsrar v o n S t o ck h a m m e r n, an die„Münchcncr Post" und an da§ Nürnberger Parteiblatt gewendet habe, um diese zu bitten, falls ihnen der Entwurf zuginge, ihn nicht zu veröffeiitiicheii. Diese Gefälligkeit wurde erbeten und bewilligt, und unser Münchener Parteiblalt fügte hinzu:„Diese Sklaven wähnen, den politischen Gegner zugleich aus- nutzen und mißhandeln zu dürfen." Darauf veröffentlichte die klerikale„Donau-Zeitung", das Organ des Dr. Pichler, einen Artikel, in dem sie den von der„Miinchcner Post" angegebenen Sachverhalt wie folgt wiedergab: „Ein verbrecherischer Diebstahl, begangen auf der Fahrt im Eiseiibahnzuge zwischen Passau und München, und da der ge- stohlene Entwurf der Rede gerade dem soziatdemokratischcn Haupt- orgau übergeben wurde, offenbar ein Diebstahl eines G e n o s f e n. Das sozialdemokratische Blatt aber, dem der ge- stohlene Entwurf der Rede übergeben wurde, ist in diesem Fall nichts anderes als eine Hehlerin." Darauf klagte der Redakteur der„Münchcncr Post", Genosse Adolf Müller, gegen die„Donau-Zeitung". Die Verhandlung fand am DienStag vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz des Landgerichlsdirektors Sayer statt. Als einziger Zeuge bekundete Legationsrat v. Stockhammzrn, daß er in der Tat die Biieftasche auf unaufgeklärte Weise mit dem dou ihm der- faßten Entwurt der Kehlheimer Rede auf einer Dienstreise zwischen ?jaffau und München ani 28. Juli verloren habe! daß er erner, als die Brieftasche trotz ausgesetzter Sclobiiiing nicht wiedergesiindeii wurde, an die beiden sozialdemokratiichen Blätter jenes Ersuchen gerichtet hatte. Er sei überzeugt, daß die „Münchener Post" den Entwurf erstens nicht erhalten habe und daß fic zweitens, wenn sie ihn erhalten hätte, ganz loyal verfabren sein würde. Adolf Müller erklärte, ihm liege an einer Bestrafung des Beklagten nichts, nur an der Zurückweisung der schweren Borwürfe und an der Feststellung der Wahrheit. Darauf kam ein Vergleich zustande, in dem der Chesredaklenr der„Donau-Zeitung", Heinrich Wagner, zugibt, daß sein Artikel in vollkommener Entstellung des ivahren Sachverhalts eine Reihe der schärfsten und ehr- verletzendsten Behauptungen gegen die„Münchener Post" aufgestellt hat. Er nimmt diese säiiillichen Behauptuiigen als jeder tatsächliche» Grundlage entbehrend mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns zurück und biitel den Privatlläger um Entschuldigung. Der Beklagte trägt auch die rechtsanwaltlilbon Nebenkosten des Klägers und muß diesen Vergleich in einer Reihe von Blättern publizieren. Ein Kvakonisches Militärgerichtsurteil. Das OberkriegSgerichi des 17. Armeekorps verhandelte gegen den Husaren Tesch, der zu drei Jahren und drei Mo- naten Gefängnis verurteilt worden war, weil er im be- trunkenen Zustande den Gehorsam verweigert, einen Unteroffizier und einen Gefreiten belästigt und tätlich angegriffen hatte. Der Angeklagte machte in der Berufungsinstanz gellend, daß er sinn- los betrunken gewesen sei und sich auf nichts besinnen könne. Das Oberkriegsgcrichl verwarf jedoch die Berufung. Der Angeklagte ist wiederholt bestraft worden und diente deshalb bereits im vierten Jahre. Ain 18. Dezember d. I. sollte er entlasten werden. franhmeb. Finanzsorgen. Paris, 23. Dezember. Am Schluß der gestrige» Kammer- s i tz u n g kündigte der Kriegsministcr N o u l e n s an, er werde im Januar einen Gesetzentwurf über die Verjüngung der Kaders vor- legen. Jaurös stellte eine Reihe von Fragen über die Finanz- läge und über die Notwendigkeit, die Gehälter der Zivil- bemnten zu revidieren. Die inilitärischen Ausgabe» würde» andere Ausgaben in solchem Umfange nach sich ziehen, daß die Defensivkraft des Landes dadurch verringert werden würde. Finanzministcr Caillaux erwiderte, daß die Finanzlage des Landes außerordent- l i ch e r n st sei und alle Aufmerksamkeit verdiene. Er sei der Meiinnig, daß es unerläßlich sein würde, die Gehälter der Zivilbeamren zu erhöben. Man müsse schrittweise vorgehen. Aber es sei sicher eine der Lasten, die für die künftigen Budgets vorauszusehen seien. Das Parlament müsse entschlossen der Finanzlage begegnen, die durch die Umstände und das abgegebene Voium geschaffen worden sei. Die einzige finanzielle Politik, die der Situation gerecht werden könnte, sei die Schaffung von Hilfsyuellcn durck Steuern auf den erworbenenen Reichtum. Sodann wurde der Geiamtentwurf betreffend Gehaltserhöhungen für Offiziere und Unteroffiziere mit 41ö gegen 64 Stimmen angenommen. Paris, 23. Dezember. Vor der Budgetkommission erklärte Finanzminister Caillaux, er werde nach dem Wiederzusammen- treten der Kammer im Januar einen Entwurf für eine Steuer auf Kapital und Einkommen unter Einbeziehung der E r b s ch a f t s rechte vorlegen.__ Schwarze Soldaten in Europa. Paris, 23. Dezember. Der Versuch, schwarze Rekruten von den Antillen in südfranzösischen Regimentern unterzubringen, hat sich als ein vollkommenes Fiasko herausgestellt. Die Sterblich- keit unter den Schwarzen muß einen ziemlich hohen Prozentsatz er- reicht haben, denn der„Matin" teilt heute morgen mit, daß iürch- schnittlich täglich drei bis vier schwarze Rekruten beim Morgenappell fehlen und ins Lkrankcnhaus geschafft werden müssen. Man hat alles mögliche versucht, um den Kolonialtruppen das Klima er- träglich zu machen und hat ihnen sogar ihre heimatlich« Kost ge- geben, aber alles ohne Erfolg. Der„Matin" warnt die französischen Militärbehörden, ein derartiges Experiment zu wiederholen, das nur Menschenleben und Geld kosten würde. Diese Meldung beweist, daß das Schreckgespenst einer„schwarzen Armee", die gegen Deutschland losgelassen werden könne, von den Rüstungshetzern des deutschen Wehrvereins nicht mehr agitatorisch ausgenutzt werden kann. Haben doch auch die nach Marokko und Algerien überführten Senegalbataillone große Kranken- und Totenziffern aufzuweisen. Lehrer gegen die Popularitätshascherei Poinrarös. Paris, 23. Dezember. Die dem Syndikat angehörigen Lehrer des Seinedepartements haben anläßlich einer von dem Präsidenten der Repuvlik und dessen Gemahlin für die Pariser Schulkinder ver- anstalteien Weihnachtsfeier einen Beschlußantrag gefaßt, in dem sie gegen diese Veranstaltung Einspruch erheben, die an da? Vorgehen der römischen Kaiser erinnere, die zur Sicherung ihrer Popularität dem Volke Unterhaltungen boten. Italien. Zum Finanzexposä. Rom. den 29. Dezember. tt tt II" tt tr rr... 15,— ,, E).... VII. ,..,„... 18.—.. Lehrlinge ohne Entgelt erhalten keine bare Krankenunterstützung. Tie Familienangehörigen der im Krankenbause Untergebrachten er- halten, wenn der Erkrankte ibr Ernährer, ist, während der Dauer des Krankenhausauienthaltes die Hälfte der vorstehenden Beträge. Unvcr- heiratete oder solche Kassenmitglieder, welche für Familienangehörige nicht zu sorgen baden, erhalten für die Dauer des Krankcnhaüsausenthaltes der vorstehenden Beträge. Sterbegeld. Nn Sterbegeld wird gewährt: a) Für Mitglieder der Stufe A., 50,— M. d>,. I.... 50,—„ f)„„„„II.... 52,50„ d)...... III.... 70,-„ ß)„ tt. IV.... 105,—„ fi,...„ y.... 140,-„ Ei» ff ff ff II..». 17o,—„ E)..„„ VII....210-. Eintrittsgeld. Eintrittsgelder werden für die nach dem 1. Januar 1914 eintretenden jkasscmnitgliedcr n i ch t m c h r erhoben. Beiträge. Die Beiträge werden vom 1. Januar 1914 ab betragen: a) Stufe A(Lehrlinge ohne Entgelt).. 0,18 M. b)„ I bisher 30 Pfennige, fortan.. 0,27„ ')„ ll„ 40„,.. 0,42„ d). 111„ 00„.. 0,54. ,. „ IV 90,„... 0,81„ k)„ V„ 1,20 M.... 1,08„ KJ„ VI„(neu gebildet).. 1,35, B), VII.„.. 1,62„ Druckexemplare der neuen Satzung können in unserem Kassenlokal hier PistoriuSslr 17 in Empfang genommen werden. Berlm-Wcitzensee, den 23. Dezember 1913. Der Vorstand. Ä. Fuhrmann, Vorsitzender. 261/10 Bekanntmachung. Zur Beruhigung der Bevölkerung des Kreises Niedcrbarnim teilen wir Mit, datz, wenn am 1. Januar 1914 zwischen der Allgemeinen OrtSkranken- lasse des Kreises Niederbarnim und den eingesessenen Aerzten der Vertrags- lose Zustand eintritt, die Mitglieder der kassenärztlichen Vereinigung im Kreise Nicderbarnim verpflichtet sind, alle Mitglieder der Allgemeinen OrtS- krankenkaffe zu den ortsüblichen Sätzen der Privatpraxis zu behandeln und KrankheitSbefcheinigunge» auszustellen. ES ändert sich nicht die ärztliche Tätigkeit, fondern nur die Art der Honoricrung. Die Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, den Kranken einen Ersatz zu leisten. Unser Kamps richtet sich nicht gegen das Publikum, sondern gegen die Kassenverwaltung. 296/3» kafftnarsillcht VerrimMg im Krtist Niedttbarnim. frei geworden. Buchhandlung Vorwärts Q'ndenstraße 69 Klassiker Wandschmuck Lugendschriften Llntechaltungsliteratur Sozialistische Literatur Garbak Qualüai •| Mark\ • a � wöchentliche Teilzahlung � £ liefere elegante � »Herren-- •Moden* ® fertig und nach Maß! � : Julius: : Fabian: Schneidermeister Infolge der Zusammenlegung der Ärankenkassen sind im Gewerkschaftshaus Kllrealusmk für Griverkschchril 300/8 Unterrirtit in der englischen Svrache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erleilt. Auib werden Uebersetzunge» an- gefertigt. G. Swienty< Liebknecht Cbarlottenburg.«tuttgarlerplav 9 Gartenbaus III. 44.K' • Gr. Frankfurter Str. 37."• 5 Turmstr. 18, 1, kein Laden# • Kottbuser Strasse 14. nur• Z 2. Etage.• D Vorzeigrer dieser Annonce q G erhält 5 Prozent � # Rabatt! G Haben Sie blott� ich fertigt davon Anzug od. Pslttoi Mass, schick, dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laban� Neue Promenade 8, iL(Stadlb. Bors. II iten 1 t) y*"*. », s S Schenken Sie zu Weihnachten einen Gutschein auf ein Paar Salamanderstiefel und überlassen dem Beschenkten die Auswahl in einem W tznantw. Redakt.: Alfred Wielepp. Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt WaulSlngerS:Eo..BerlmLW. H.erzu 3«ellagen»u Uiiterhaltuuglbl, Hr. 339. 30. Iahrgavg. 1, KtilaU des„Butmitlü" Sftliiift Gcwcrkrcbaftlicbca. €üic internationale HrbeitswilUgen-Hgcntur. Die Sucht der Transportgesellschaften und ihrer Helfers- Helfer, die Auswanderung in künstlicher Weise zu forcieren und dadurch ihren eigenen Profit zu erhöhen, schreckt vor keinem Mittel zurück, so schlecht es auch sein mag. Es haben sich überall nicht nur nationale, sondern auch schon internationale Arbeitswilligen-Werbeburcaus gebildet, die habgierigen llnter- nehmern anderer Länder ein billigercs'Arbeitsmatcrial und den Schiffahrtsgesellschaften usw. Fahrgäste zuführen. Aus den massenhaft in Rußland und anderen Ländern deS Ostens ver- breiteten Zirkularen einer solchen Agentur dringen ivir nach- folgenden kurzen Auszug zum Abdruck: «Die Gcncratagenlur.The Transatlantic" in London hat den Auftrag, für die Werke„The Dominion Steel Corporation Lid.* und„Dominion Coal Coy Ltd." in Glace Bay und „Dominion Jron and Steel Cop Ltd." in Sydney in New Scot- land in Kanada 1500 Arbeiter zu stellen. Es werden gesucht: Bergarbeiter sHauer), die im Besitz des BerufszeugnisieS sind. Die Zahlung erfolgt tonnenweise. Ein Hauer kann von 60— Ivb Rubel(IM)— 250 Kronen) in zwei Wychen verdienen. Hilfshauer Zahlung tonnenweise. Ein Durchschnittslohn— 4 Rubel(10 Kronen) pro Tag und noch mehr. Ungelernte Arbeiter(1000—1500 Mann) für die Arbeit unter und über Tag. Der Lohn— 28—34 Kopeken(0.70—0,85 Kronen) pro Stunde. Niemand ist verpflichtet, unter Tag zu arbeiten, aber die Untertagsarbeit wird besser bezahlt. Arbeiter für Koksöfen in Sydney. Der Lohn— 28 Kop.(0,70 Kr.) pro Stunde. Der Arbeitstag ist 11 Stunden, aber die Arbeit ist sehr leicht. Arbeiter für eine Eisengießerei in Sydney. Der Arbeitstag 10 Stunden, der Lohn— wie bei den Koksofenarbeitern. Arbeiter für Steinbrüche in Marble Mountain. Der Arbeitstag— 10 Stunden, der Lohn 28 Kop. (0,70 Kr.) pro Stunde.„Das Leben in Marble Mountain ist sehr angenehm." Keine Erfahrung und keine berufliche Borbildung sind erfor- derlich. Jeder gesunde und arbeitslustige Mann wird aufgenommen, Es werden auch gesucht: Heizer(4 Rubel pro Tag). Eisen» Dreher, Zimmerer und andere Eisengießerei» arbeiter. Jeder ungelernte Arbeiter, der init der General- agentur„The TranSatlantic' in Verbindung steht, kann einer Be» fchäftigung mit dem ersten Tage der Ankunft sicher sein. Es wird ihm sofort ein Minimallohn von 2.8 Rubel (7 Kr.) garantiert, später kann er auch 4 Rubel(10 Kr.) pro Tag verdienen. Die gelernten Arbeiter können 4— 8 Rubel(10— 20 Kr> Pro Tag verdienen. _ Kost und LogiS werden von der Werkslcitung besorgt. Die entsprechenden Ausgaben betragen höchstens 80 Kop.<1 Kr.) pro Tag, so daß jeder Arbeiter selbst bei einem Lohn von 3 Rubel (7>/.2 Kr.) nicht weniger als 2 Rubel(5 Kr.) täglich sparen kann. Im Falle Erkrankung wird dein Arbeiter medizinische Hilfe und eine Geldunterstützung in der Höhe von 10 Rbl.(25 Kr.) pro Woche gewählt. Die Reisekosten werden von den Arbeitern selbst gc» tragen. Kein Vorschuß seitens der Werksleitung wird ihnen ge- währt. Die Sprachkenntnisse sind nicht notwendig: in Kanada und speziell in den in Frage kommenden Betrieben sind viele Arbeiter aus Rußland, Oesterreich utrd den Balkanstaaten beschäftigt, so daß jeder Arbeiter mit seiner Muttersprache auskommen kann. Jeder Arbeiter, der nach Kanada auswandern will, soll nach dem Bureau der Generalagentur schreiben und dabei seinen Namen, Alter, Nationalität und eventuell den Namen des Dampfers und das Datum der Abreise nach Kanada mitteilen. woraus er von dem Bureau ein„Ortifioate of Kmployment tArbeilszeugniS) gratis zugesandt erhält. Wer im Besitz eines Arbeitszeugnisses ist, begegnet keinen Schwierigkeiten bei der Landung in Kanada." Es folgen noch Preise der Eisenbahnfahrkarten von den kanadischen Häfen bis Sydney, Place Bay und anderen Ort- schasten, wo die genannten Werke gelegen sind. Die Arbeiter der genannten kanadischen Bergwerks- Liemes feuiUeton, Die heißblütige Polin. Der Graf Mielczynski hat seine Ehe- frau und ihren Neffen erschossen. Schön. Das ist eine Sache, die zunächst ihn und dann die Staatsanwaltschaft angeht. Aber die bürgerliche Presse, auch die sogenannte ernsthastc, die nur nebenbei, im Lokalteil, in Sensation macht, stürzt sich voller Berufseifer auf die beiden Leichen, um sie nach Möglichkeit bis aufs Hemd auSzu- ziehen. Da liegt die Nachricht von der Tragödie, aber das gibt nur fünf Zeilen. Der„Kleine Kürschner" her, da stehen die Daten über des Grafen Lebenslauf— noch einmal fünfzehn Zeilen. Aber das Lesepublikum auS Berlin W\V will Einzelheiten, will auch die Personalien der Opfer. Aber woher nehmen und nicht stehle». Der gelegentliche Korrespondent in Posen ist dringend antelephoniert worden. Nicht zu Hausei Auch sonst weiß niemand etwaS von der Gräfin, eine unbekannte Größe ist sie. Helfe sichdo jeder, wie er kann I Und der Lokalredaktcur wirft die Stirn in Falten, stößt energisch den Federhalter ins Tintenfaß und schreibt:„Die Gläfin Mielczynski"— Halt! Die Polen setzen die weibliche Endung ja auch an Namen!— und stolz auf seine Wissenschaft verbessert er:„Die Gräfin MielczynSka war eine schöne"— sie wird(denkt er) nicht schön gewesen sein? Hätte sonst der Neffe...?— aber„eine schöne"— was weiter? Eine Polin .war sie. Hineingegriffen in das Gehirnsckubfach mit den Klischees, Da lagern sie seit Jahrzehnten: die keusche deutsche Hausfrau, die elegante frivole Französin, die leidenschaftliche Spanierin und hier: die heißblütige Polin, Natürlich, daß er daran nicht gedacht hatte! Und aufatmend schreibt er weiter:....„eine schöne, heißblütige Polin, die usw. usw." Und das Blatt, das so„inodern" ist. daß cS jeden Morgen eine neue Meinung hat, druckt das Klischee, und die Leser, die sich eher aushängen würden, als veraltete Klischees bei ihren Möbeln, in ihrer Wohnung, in ihren Krawatlenmustern zu dulden, lesen be- friedigt daS Klischee von der„heißblütigen Polin", die in ihrem Blute schwimmt. Im Lokalteil i st die Polin liun einmal heißblütig, sie ist zu einer gewissen Blutlemperatur verpflichtet— Punktum I Triumph der Demokratie. Ter Kaiser war im Zoo, am Sonn- abend» und sah sich die Viecher im Aquarium an. Es war das übliche „Ereignis"—; eine Suite von Uniformen, sich verbeugende Fräcke und so. Und natürlich war das Aquarium während zweier Stunden für die übrige Menschheit gesperrt. Gesperrt— nur für den Schinock natürlich nicht. Welch ein Unglück, wenn etwa im„Lokal-Anzciger" anderntags nicht zu lesen gewesen wäre:... besichtigte mit Interesse... äußerte leutselig ... interessierte sich besonders... und so weiter. Damit solche erqnickungcn für ältliche Stiftsfräuleins und frischgeadclte Bankiers- gattinnen ins Blatt kommen, ist es nur recht und billig, wenn der offiziöse Schmock für alle Türen cincn Schlüssel hat. die sich dem Pöbel streng verschließen. Wenn aber der offiziöse einen Schlüssel hat, dann hat der demokratische scheu längst für einen Dietrich gesorgt. Und ist mit noch mehr Eifer dabei, daß der Leserschaft nichts von gcsellschaften, die zumeist selbst Ausländer sind, stehen schon seit langem in einem erbitterten Kämpf, um ihre jämmerliche Lage etwas zu erleichtern. In diesem Kampfe gegen ihre Arbeitgeber spielten das Militär, Verhaftungen von Streikenden, Brutalitäten aller Art eine große Rolle. Ans England wurden wiederholt Bergleute herbeigeholt, um als Arbeits- willige zu dienen. Doch konnten sie meist von den kana- dischen Gewerkschaften rechtzeitig abgefangen werden. Daher macht man nun den Versuch, Arbeiter ans rückständigeren Ländern zu beschaffen. Sie sollen 11 Stunden arbeiten, während die organisierten Arbeiter in Kanada überall den Acht- und Neunstundentag haben, ihnen auch viel höhere Löhne als den Zuwandernden geboten werden, entsprechend den sehr teuren Lebensverhältnissen. Nach alledem handelt es sich nur um einen Versuch, den Streikbrechertransport engros zu organisieren, und daher scheint es angebracht, ans solches Treiben in der Oeffentlichkeit recht oft aufmerksam zu machen, um Leichtgläubige vor Schaden zu bewahren. Es sei dazu noch bemerkt, daß auch in allen Städten Kanadas wie bei uns zurzeit eine sehr große Arbeits- losigkeit herrscht._ Berlin und amgegend. Maßrcgelungc» bei Aschinger waren die Folge der durch den Zentralverband der Handlungsgehilfen von der Firma geforderten wriflichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhällniffe für die dort längen Expedienten. Die bisher geführten Verhandlungen haben ein befriedigendes Resultat nicht gezeitigt. Die Firma hat sich zwar bereit erklärt, die Entlassenen wieder einzustellen, jedoch denselben Arbeit angeboten, die ihrer bisherigen Tätigkeit ganz und gar nicht entsprach. Die Differenzen bestehen deshalb weiter fort und ist der Betrieb der Firma Aschinger für organisierte Handlungsgehilfen ge- sperrt. Zentralverbaud der Handlungsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin, Münzstr. 20. Achtung, Frisenrgehilfen! Alle Verbandsmitaliedcr� melden sich am zweiten Feiertag, vormittags 10 Uhr, Linienstraße 73, zum Be« weise, daß sie nicht arbeiten. Tariflick geregelt sind die Verhältnisse bei R a st, Utrechier Straße 19. Verband der Friseurgehtlfen. Aus dem Fleischergewerbe. Der Zentralverbaud der Fleischer bat vor einiger Zeit an die Firma Otto S p e r l i ch„ Fleisch- und Wurstzentrale, Brunnenstraße 76. einen Tarifvertrag gesandt. In zwei Verhandlungen versuchte die Kommission eine friedliche Einigung zustande zu bringen. Jedoch ist eine solche bis zum heutigen Tage nicht erzielt worden. Die Organisation fordert zwölfstündige Arbeits« zeit, 13 Mark Minimallohn und Anerkennung des kostenlosen Arbeits- Nachweises. Eine am Sonmag, den 21. Dezember, vorgenommene Kontrolle ergab, daß es die Firma S p e r l i ch auch mit der gesetz- lich geregelten Arbeitszeit nicht io genau nimmt. Obwohl die Ar- beitszen der Ladengescllen am Sonntag früh»in 10 Uhr beendet sein muß. standen diese um 10'/z Uhr immer noch an ihrer Arbeit. Anzeige rsl erstattet. Die Organisation hat über die Firma Otto Eperlich, Brunnenstraße 76, die S p e r r e verhängt. Die Tarifkommission. vcuvkcbes Reich. Differenzen im Schiffszimmcrerberuf. Der Schiffsbaumeister Weise in Barby a. E. brach jetzt vor dem christlichen Friedensjest init seinen Arbeitern einen Streit vom Zaune. Den in Barby beschäftigten Schiffszimmerern war es ge- lunge», im Juli dieses Jahres ihren Stundenlohn von 38 auf 40 Pf. zu erhöhen. Der Unternehmer glaubte jedenfalls die Zeil für ge- lommen, die Arbeiter ichikaiiieren zu können. Er enlließ plötzlich einen Funllionär der Zahlstelle des SchiffSzimmererverbandeS ohne jeden ersichtlichen Grund. Zwei Tage nach dieser Entlassung wurde den übrigen SchiffSzimmerern der Werft der Reihe nach ein Revers zur Unterickrift vorgelegt, nach dem sich jeder Unterzeichner deS Schrift- stücks verpflichtet, für das Jahr 1914 leinen höheren Lohn zu bean- sprnchen. Gleichzeitig sollen sie sich der Firma gegenüber haftbar machen für den Schaden eines etwaigen Streiks. In der ersten Ueberrasckiung ließen sich einige zur Unterzeichnung des Schriftstückes verleiten. In einer Versammlung wurde dann aber später beschlossen, jede allen„huldvollen Worten" und allem„allerhöchsten Interesse" ver- loren geht. So auch am Sonntag wieder. Da glaubte das offiziöse Scherl- blatt mit noch nicht 60 Zeilen genug getan zu haben, die cS über den Kaiser im Aquarium brachte. Das sozusagen demokratische „Berliner Tageblatt" aber hatte höheren Ehrgeiz. Es brachte ganze 80 Zeilen. Nun sind aber die Spalten des„Lokal-Anzeigcrs" viel schmäler, als die des„Tageblatts": so daß— alles in allem genommen— das Leibblatt der Demokratie rund doppelt so viel„allerhöchstes Jntereffe" und„liebenswürdige Ansprachen" der Mitwelt mitteilte, wie das Hofdamenleibblatt. Sicherlich ein erfreuliches Zeichen. Wie wir es in der jüngsten Zeit schon ein paarmal festgestellt haben—: das Tageblatt ist auf dem besten Wege. Seine Leute verstehen ihre Zeit— und das, was ein sozusagen demokratisches Blatt dringend braucht. Uns hat geträumt, daß aus den Glorienschein dieser journa- listischen Glanzleistung hin die Frau Gräfin Tielc-Winkler zu Herrn Rudolf Mosse gekommen sei und ihm mitgeteilt habe, daß sein Blatt nunmehr alle Aussichien habe, offiziöses Organ zu werden. Nur ein paar demokratische Anwandlungen, die hie und da noch etwas„störten", müsse er noch ausmerzen... Herr Rudolf Mosse— so hat uns weiter geträumt— habe sich auf diese frohe Botschaft hin selig verbeugt und immer wieder verbeugt. Und nur leise den einen Einwand gewagt:„Aber... Exzellenz... gerade mit diesen demokratischen Anwandlungen... mache ich das größte Geschäft...!" So haben wir, wie gesagt, geträumt. Welch ein Unglück(für Herrn Mosse), daß Träume— Schäume sind! Soll man Neugeborene bade»? Unser ärztlicher Mitarbeiter schreibt uns: Es dürfte unbekonnt sein, daß über diesen ivichligen Punkt der Hygiene des Neugeborenen durchaus keine Uebereinstim- mung herrscht. Dies geht am deutlichsten daraus hervor, daß das preußische Hebammentebrbuch auch in seiner neuesten Auflage im 8 257 sich zu der allen Anschauung bekennt:„DaS neugeborene Kind erhält täglich ein Bad von 35 Grad Celsius": während im Gegensatz dazu daS sächsische im Z 171 verlangt:„Das Rind wird nur einmal nach der Geburt gebadet und dann biS zum Absall des NabelresteS und völliqer � VerHeilung der Nabelwunde täglich gewaschen". Erst wenn dies eingetreten ist, tvird das Kind täglich gebadet. Man sieht, daß der Grund für die Unstimmigkeiten in dem Nabelrest zu suchen ist. Durch daS tägliche Bad soll der Heilungsverlauf der Wunde verzögerr werden und auch Gelegenheit zu einer der gar nicht seltenen Infektionen gegeben sein. Doch wird man um der vielen Vorteile, die daS tägliche Bad als Wärme- und Lebensspender dem Säugling bietet, nicht verzichten wollen und dem eingebürgerten Gebrauche treu bleiben. Allerdings wird man sich stets vor Augen hallen müssen, daß die Nabelwunde auf da? behutsamste zu behandeln ist, nie mit Fingern angefaßt werden darf und dauernd mit einem sterilen Ver- band bedeckt ist. Musik. Mo» tisOpcrcttcn- Theater. Zum ersten Male: D i c verbotene Gstadt. Musik von Bruno G r a n i ch st a e d t c n. Wenn man China auf die Bühne bringen will, kann man das auf mSNlul 24. Dezember 1913. Unterzeichnung des Reverse? abzulehnen und die bereits gegebenen Unterschriften zurückzuzieben. Dieser Beschluß wurde dem Herrn Weise schriftlich mitgeteilt und zu gleicher Zeit die Bereitwilligkeil zu Verhandlringen ausgedrückt, um mit der Organisation die Arbeits- bediiigungen tariflich zu regeln. Als Antwort ließ Herr Weise einen der SchifsSziinmerer zu sich inS-Kontor rufen, wo ihm die Wahl zwischen der Unterzeichnung des Reverses oder seiner Entlassung gelassen wurde. Die Entlassung erfolgte denn auch sofort, nachdem die Unterschrift abgelehnt war. Der Sohn des Herrn Schiffsbaumeisters läuft nun von einem Arbeiter zum andern nno versucht die Leute zum Austritt aus dem Verbände zu bewegen. Sechs weitere Entlassungen erfolgten, weil die Arbeiter die Zu- mutungen diese? Herrn abwiesen.— Erwartet wird nun, daß der Zuzug von SchiffSzimmerern von Barby streng ferngehalten wird. Sechs Monate Gefängnis für ein Boykott-Mugblatt! Die Mitglieder deS Bäckerverbandes Hubrig und Strobel haitcn sich vor der Breslauer Strafkammer wegen Beleidigung und Preß- Vergehens zu verantworten. Der Anklage lagen einige Flugblätter zugrunde, die während des Breslauer Streik? im Mai 1013 in Breslau und der Umgegend verbreitet wurden. In diesen Flug- blättern wurde daS arbeiterfeindliche und unsoziale Verhalten einiger Breslauer Meister und solcher aus dem Landkreise an der Hand vieler drastischer Beispiele beleuchtet. Besonder« wurde die sich gerade in Breslau und Umgegend erschreckend breitmachende Lehrling?- züchterei besprochen. Die Flugblätter sollten daS kaufende Publikum über diese mißlichen Zustände in bestimmten Betrieben aufklären. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die genannten Meister in keiner Weise zu unterstützen. Als verantwortlicher Verfasser hatte Hub: ig gezeichnet. Auf die von einigen Meistern gemachten Anzeigen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage im öffentlichen Interesse. Zu der Hauptverhandlung waren zwanzig Zeugen geladen. Durch einen Teil der Zeugen konnte in der Tat der Nachweis geführt werden, daß die in den Flugblättern behaupteten Tatsachen zum größten Teil richtig seien. Freilich restlos, bis zum i-Tipfelchen, ließ sich nicht alles beweisen. Jedenfalls hat selbst der Vorsitzende in der Urteilsbegründung zugestehen müssen, daß ein Teil der in den Flug- blättern behaupteten Mißstände als wahr nachgewiesen worden ist.— Der Staatsanwalt hatte gegen Hubrig sieben Monate Gefängnis beantragt; das Gericht erkannte auf sechs Monate, obgleich Hubrig noch nicht vorbestraft ist. Begründet wurde das Urteil unter andere: n damit, daß auch im Reichstage schon darauf hingewiesen worden sei, öffentliche Beleidigungen nicht zu leicht zu nehmen. Die Ehre sei ein RechtSgut. Sie zu schützen und zwar wirksam, sei Aufgabe der Gerichte. Tilisland. Ausländcrhctzc. Der Streik der Sattler in Bern treibt sonderbare Blütew In der illustrierten Sattler- und Tapcziererzeitung. dem obligatorischen Organ des Sattlermeisterverbandes, werden die Ausländer als Ursache de« Streiks hingestellt. Es wird da von„ausländischen Hetzern", von„ausländische» Wühlbrüdeni", von„Wühlhubcrn",„zu- gelaufenen Wienerherren" usw. berichtet. Und dabei werden Arbeiter. deren langjähriger Aufenthalt in der Schweiz weder den Behörden noch den Meistern Anlaß zu Klagen bot, in elendester Weise denun- ziert. Es wird in der Meisierzcitung auch empfohlen, diese Gelegen heil zu benutzen und die Werkstätten von ausländischen Elementen zu säubern. Während nun die Meister auf der einen Seite so gegen die Ausländer Hetzen, suchen sie anderseits im Auslande wieder Arbeiter bei dauernder JahreSstelle. So wird uns von Wien folgendes berichtet: „Gebe Ihnen bekannt, daß die Wiener Ledergalanteriewaren- firma Seißer in der Arbeiterzeitung eine Annonce einschalten lassen wollte und zwar folgenden Inhalts: Gesucht selbständig arbeitender Taschner, der auch aus Leder Suit-Case eingearbeitet ist solvie auch das Mustermachen versteht. Rur ganz tüchtige Kraft kann berücksichtigt werden bei hohem Lohn und angenehmer, dauernder JahreSstellnng. Tüchtiger, selbständig arbeitender Koffermacher ans Rohrplatlc::-, zweierlei Arten tun. Entweder werden die bunten Gestalten be- matter Tassen ledendig, die Welt wird eine sarbcnbciupfte Tapete, Glöckchen trillern, alles spricht die Sprache der erhobenen Zeig:- finger. Biedermeierchina. Oder China ist nur eine allegorische Be- Zeichnung für das ewig gleiche Wien der Operetten. Bei Monti wählte man die zweite Art. Auch in China also gibt es Kommis, die noch in den wildesten Situationen„verehrte Frau" sage», auch in China spiegeln Ehemänner Konferenzen vor, wenn sie in die Teehäuser gehen, auch in China brüllen Liebhaber diskret beiseile, damit sie das Publifflin, aber nicht die Mitspielenden verstehen sollen, und eine Person sagte wahrhaftig:„Ich bin der Tranin einer Frühlingsnacht." Tie Bühnenbilder waren mäßig, ein Fräu- lein Nicklaß süß, süß, süß— Gott! wie ivar sie süß und die Musik.... Das Klavier hat nicht so viel Töne als Komponisten gelebt haben: wer wird so neuerungssüchtig sein!— tu. Theater a in N o l l e n d o r s p l a tz.„F r e d d y und Teddy", oder was dasselbe ist: Kastor und Pollux, nennen die Herren Lindau-Neidhart ihre englische Militäroperette. Vom Text läßt sich nur so viel sagen, daß die beiden Titelhelden Leutnants sind. Freddh, um sich vor den Zärtlichkeiten einer Majorsfrau sicher zu wissen, begeht eine Jllsubordination seinem Oberst gegen- jiber und spaziert in Arrest. Teddy tut natürlich ein gleiches— aus Freundschaft. Auf Festung geht es lustig her; denn das zarte Geschlecht fehlt nie, wo Träger des vornchlnsten Rockes beisammen sind. Verwechselungen: Flirt, Liebe, Eifersüchteleien kriegen einen tragikomischen Beigeschinack, als der General inspizieren kommt. Zinn Schluß wird die Truppe im Manöverfclde gesehen. Leutnant Teddy, eine Art dummer Hans, erhält den Avschied, ein Major auch. Während dieser init seiner Frau sich versöhnt, kriegen sich die aildereu. Die Musik hat D i g b y La Touche geschrieben. Darin sind cinige Walzerlicder und komische Duette, Militärmärsche sehr melodiös und recht frisch. Schon in der Elnleitungsmusik sind sie zu einem hübschen Strauß� gewunden. Tie Regie hat für reizende Dekorationen und für„Schmiß" im Ensemble reichlich gesorgt. Eng lisch sind die Tänze. Max Pallenberg und Joses V i c t o r a (Teddy und Freddy), sowie die Damen Grete Freund, Mary Behrens-Linke und Else B e r n a sind die Hauptaktcure. Pallenberg gibt ja wieder viel Gelegenheit zum Lachen, aber— das Operettendings in seiner Gesamterscheinung ist wieder bloß eine Wüste mit einigen musikalischen Oasen. cü. Notizen. — Die Schiebakademie. Goethe mahnt: Du im Leben nichts verschiebe! Aber die Akademie des Bauwesens inaclit die Schiebpolitik, die im sogenannten Fall'Ihne wahre Orgien feiert, flott und fröhlich mit. Ihre Sitzuilg, die in diesen Tagen ein„definitives Gutachten" abgeben sollte, wird bis Anfang Januar verschoben und zur Beruhigung der Harrenden,, die sich das Narrenspiel mit schweigender Lammsgeduld gefallen lassen, wird gc- sagt, die Akademie werde ihr Gutachten„durch Vorschläge crweitcrir' Erweitern? Elwa bis zum Scheitern? — Der AufsichtSrat auf demKriegSpfade. Tie plStzliche Entlassung de« Direktor» Reni vom Dresdener Albrech:- Bügel- und Musterkoffer sowie in cinschlägigelr Reparaturen ein- gearbeitet. Offerlen unter Zeugnisbeilage an die Firma: O. B., Bern �Schweiz). Spezialgeschäft für feine Lederwaren und Reiseartikel. Nehnliche Inserate find auch in Berlin erschienen, um unter goldenen Versprechungen auch deutsche Arbeiter nach Bern zu lotsen. Die Meister gestehen damit ein, dag sie gehörig in der Klemme und die Ausländer als Rausreitzer herbeisehnen. Die gemeine Denun-- ziation verfolgte wohl nur den Zweck, die Polizei gegen die Streikenden scharf zu machen. Ms Induftnc und F>andd. Zur Erncncrnng des Kohlensyndikats. Die.Rheinisch-Westfälische Zeitung* meldet: Wie wir von be- tciligter Seite hören, sind die Erneuerungsverhandlungen in der Ausschußsitzung vom 22. d. Ms. einen wesentlichen Schritt vorwärts gekommen. Der Ausschuß hat nämlich den Vertragsentwurf nunmehr definitiv festgestellt und in allen seinen Teilen genehmigt. ES wird nunmehr Aufgabe der nächsten Zechen- besitzerversammlung sein, ihn zur definitiven Annahme zu bringen, und da der Erneuerungsausschuß die Mehrheit ungefähr der- tritt und die Wünsche der einzelnen Zechen kennt, ist nicht anzunehmen, daß die Zechenbesitzerversammlung einen anderen Standpunkt einnehmen wird. Natürlich find auch in der Sitzung noch einige Wünsche unbefriedigt geblieben. So sei z. B. bezüglich des UmlagevcrfahrenS bisher wohl stets eine Mehrheit, aber nienials eine volle Einstimmigkeit erzielt worden. Besonders sei eine Hüttenzeche mit den, Umlageverfahren nicht einverstanden. Indessen darf angenommen werden, daß diese Einzelwünsche daS Einigungswerk nicht mehr in Gefahr bringen. Die nächste Zechenbesitzerversammlung findet im Januar statt und eS darf an diesem Termin voraussichtlich mit einer Annahme des Vertragsentwurfes durch die Syndikatszechen gerechnet werden. Bis zum 15. Mai 1814 bleibt dann Zeit, um den Beitritt der Außen- seiter, namentlich des FiskuS, herbeizuführen und ebenso auch ein Abkommen mit den Saarzechen zu treffen. Der Kriegstrnst. Der kommerzielle Hintergrund des Militär« und Flotten- Patriotismus und sein internationaler Charakter werden in immer mehr Ländern erkannt. Auf die Enthüllungen über planmäßige Förderung und kapitalistische Ausbeutung der Völkerverhetzung durch daS interessierte Großkapital und die von ihm auSgehallenen patriotische» Nellamcmacher, die in Deutschland, England und anderen europäischen Staaten erfolgt sind, folgen nun ähnliche Dar- legungen aus den Vereinigten Staaten. So erklärte im Bundessenat der Senator Thomas von Colorado:.Wir bauen Kriegsflotten mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung. Diese aber wird geschaffen und angefeuert durch Interessen, die sich von öffentlichen Aus- gaben nähren und fett werden, indem sie internationale Streitig- leiten an die Wand malen, KriegSgerüchte verbreiten und die Flottenmacht der Nationen gegen einander abwägen. Die nationale Eifersüchtelei wie die VerfaisungS- und religiösen Gegensätze und die Eifersucht rivalisierender Kabinette— alles sei kapitalisiert worden, um einen Kriegstrust zu bilden..Dieser Trust sabriziert und der- kauft alle Arten von Artikeln, die für das»Engros"-Hinschlachten von Menschen bestimmt sind. Er führt Ernten von Gold in seine Scheuneu, indem er den Weg frei macht für Ernten von Blut und Tränen. Er befitzt Geschützfabriken, Schiffswerften und Marinearsenale in jedem Lande der Welt, das»ine Seelüste und einen Staatsschatz hat." Der Senator weist darauf hin, daß bei jeder Kongreß- eröffnung Warnungen vor Japan und wegen mangelhasren Schutzes der Pazifikküste verbreitet werden. Bei jeder südamerikanischen Un- ruhe werde europäische Einmischung vorausgesagt und dabei auf die Unzulänglichkeit der eigenen Marine hingewiesen. Der Rüstungs- trust.fleht hinter Deutschlands Groll gegen England und Frank- reichS Groll gegen Deutschland. Er sichert sich die Herstellung zweier argentinischer Schlachtschiffe dafür, daß er die Pläne amerikanischer Schlachtschiffe, die er gebaut hat, an Argentinien verrät.' Die Taktik der Flottenagitation, die Senator Thomas von drüben nniteilt, kommt uns hier sehr bekannt vor. lind was er von der Jnternationalität dieses einträglichen Mordpatriotismus erzählt, summt merkwürdig mit anderen Mitteilungen, die vor kurzem durch die Presse gingen und auf. die.Teilung der Erde* mit Ausschluß preisdrückender Konkurrenz in den einzelnen Ländern zwischen den thcater durch den AufsichtSrat der Theatergesellschaft hat riiche Vorgeschichte. Direktor Renä hatte eS bei Antr Stellung unterlassen, ein bestimmtes Spielhonorar für maligeS Auftreten zu vereinbaren. Als nun Reub für jedes treten bd Mark Spielhonorar in Rechnung stellte, kam Differenzen, die bereits das Dresdener Landgericht be- schästigten. ES wurde Reno untersagt, überhaupt aufzutreten, worauf letzterer eine einstwetlige Verfügung des Landgerichts er« wirkte, die der Theatergesellschaft Alberttheater-A.-G. unter An- drohung von ISOl) M. Geldstrafe aufgab, Direktor Renb bis zur Entscheidung des zwischen den Parteien anhängig gemachten RechtS» streiteS das Auftreten als Schauspieler im Alberttheoter zu gestatten. Der Theatervorstand hat aber dessenungeachtet von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und dem Direktor das Betreten des Thealers ver- boten. Renü, dessen Kontrakt als Direktor auf zehn Jahre lautet, hat hierauf sofort eine neue Klage gegen das Alberttheater beim Dres- dener Landgericht eingereicht. — Weingartners neue Oper. DaS Darmstädter Hos- theater hat die neue Oper Felix von Weingartners. K a i n und Abel' zur Uraufführung erworben, die im Rahmen der im Mai stattfindenden.Frühlingsfestspiele' unter persönlicher Leitung Wein- gartnerS erfolgen soll. — Der erste Staudamm am Euphrat wurde vom Walt von Bagdad feierlich eingeweiht; das Wasser wurde durch den Damm in den alten Euphratkanal geleitet. Damit ist die erste Etappe jenes gewaltigen Planes vollbracht, durch den der englische Ingenieur Sir Williani WillcockS Mesopotamien die Fruchtbarkeit des emstigen.Gartens Eden' iviedergewinnen will. Die Gesamt- kosten belaufen sich auf 300 Millionen Mark. — JuleS Claretie ge starben. Der Romandichter und Theaterkritiker Jules Claretie, das Mitglied der französischen Akademie. bis vor kurzem Leiter des Theaters der Comüdie fransaise, ist gestern 73 Jahre alt zu Paris gestorben. Heilige Nacht. AlS nun Maria den Herrn gebar Zu Bethlehem, in der Nacht, da war Kein Feuer zum Wärmen und auch kein Licht, Damit daß nn Stalle kein Unglück geschicht. Die Sterne gaben den hellsten Schein» Da mußten sie wohl zufrieden sein. Sie hatten kein Decken und Windeln dabei; Sie legten es in die Krippen aufs Heu. Ein Ochs und ein Esel, die rückten sacht Und hotten auf uniern Heiland acht. So mußten sich helfen die armen Leut; ES war selbigsmal grab so wie heut. Aber eineS, was doch ganz anders war, Stellt uns Evangelium Lucae dar: Die Hirten kamen herein vom Feld. Sie haben sich neben die Krippe gestellt Und fielen voll Andacht auf ihre Knie. — Heut kam' ja bloß die Gendarmerie. Peter Schlemihl(.Simplicissiinus'). großen Patriotenfirmen der Krupp, Armstrong, Schneider usw. hin- wiesen. Nicht minder vertraut klingt eS, was über die Organisation der Flottenagitation von dem Abgeordneten H e n s l e y- Missouri im Repräsentantenhause berichtet wurde. Dieser nannte die Navy League, den amerikanische» Flottenverein, ein Werkzeug, des Kriegstrusts. I. P. Morgan, der Vater des Stahltrusls, sei der Schatzmeister dieser Liga gewesen und habe nach Hensleys früheren Enthüllungen dieses Amt niedergelegt. Wie ar- beitet dieser Flottenverein? Er schicke abgedankte Flottenoffiziere über das tzanze Land, die vor Handelskammern und anderen Ge- schäftsvereinigungen Reden halten, um für verstärkte Rüstungen zu wirken. Mehr als 700 Offiziere lebten in Washington, um auf die Kongreßmitglieder für solche Bewilligungen Einfluß zu üben..Man kann keinen Stein werfen, ohne m Gefahr zu sein, einen Herrn vom Militär oder der Floite zu lrcffen."— Alles ganz wie bei uns. Nur mit dem ganz selbstverständlichen Unterschied, daß diese Reiseredner und sonstigen Agenten der Rüstungslreiberei. selbst- verständlich ohne jede Vergütung, nur aus nationalem Eifer ihre Propaganda betreiben. Bei preußischen Offizieren ist das ganz selbstverständlich. Für sie bestehr nur daS eiserne nationale Pflicht- und daS hocharistokratische Ehrgefühl. Für metallische Gründe sind sie alle völlig unzugänglich. Und kommt einmal ein Fall ans Licht, wie der des königlichen Majors v. Wangenheim, der gegen ein monatliches Fixum der Firma Krupp.auf Anruf' zur Verfügung steht, dabei aber peinlich darauf bedacht ist. diese nebensächliche finanzielle Seite in Schweigen zu hüllen und als völlig unbefangener Fachmann in der Presse die Krupp- Reklame zu betreiben: so erklärt sich auch das ganz harmlos. Ein preußischer Edelmann steht allen materiellen Interesse» ebenio gänzlich sern, daß er von der besonderen Beurteilung, der solche Beziehungen sonst, z. V. wenn es sich um Börsenjournalisten handelt, ausgesetzt sind, gar keine Ahnung hat._ Ausstellungen. Nach den Katastern der.Ständigen Ausstellungs- kommission für die deutsche Industrie' find im Jahre 1813 nicht weniger als 578 gewerbliche Ausstellungen aller Art bekannt ge- worden, davon 223 in Deutschland und 35S im Auslände. An be- vorstehenden Ausstellungen sind in den Listen der Kommission bisher verzeichnet 101 deutsche und 148 ausländische Veranstaltungen, sonach sind insgesamt für 1313 und die folgenden Jahre 828 Ausstellungen und Ausstellungsprojekte gezählt worden. Soziales. Ein Bezirkspräfident gegen die Ausdehnung der Sonntagsruhe. Der Gemeinderat von Mülhausen i. E. hatte beschlossen, durch Ortsstatut die völlige Sonntagsruhe auch am 2. Weihnachtsfeiertag und in den Monaten Juli und August einzu- führen. Der Beschluß war auf Grund eines Abkommens zwischen den Handelsangestellten und der bedeutendsten kauf- männischen Unternehmerorganisation am Platze gefaßt wor- den. Trotzdem hat der Bezirkspräsident des Oberelsaß, der den Beschluß zu bestätigen hat, seine Entscheidung jetzt aus- gesetzt, da— der Reichstag sich demnächst mit dem Entwurf eines Reichsgesetzes über die Sonntagsruhe im Handels- gewerbe zu beschäftigen habe. Der Gemeinderat ersuchte den Bezirkspräsidenten erneut, schon jetzt sofort für den zweiten Weihnachtsfeiertag Beschluß zu fassen. Vier Handlungs- gehilsen-Organisationen protestierten in einer gemeinschast- lichen öffentlichen Kundgebung gegen die Untätigkeit des Be- zirkspräsidenten._ Die Fortschritte der Schulspeisung. ES ist eine bekannt« Tatsache, daß die Ernährung der Schul- linder, insbesondere in den Städten der Jndustriebezirke, oft eine sehr mangelhafte ist. Der Erfolg de? Schulunterrichts wird damit sehr oft in Frage gestellt. Vor allem bringt aber auch die un- genügende Ernährung schwere Gefahren für die körperliche Eni- Wickelung der heranreifenden Jugend mit sich. Es liegt daher ein erhebliches öffentliches Interesse vor, die Speisung von Kindern armer, erwerbstätiger Eltern zu fördern. Es empfiehlt sich, nicht nur die schlecht genährten Kinder zu speisen, sondern im Interesse des Kinderschutzes auch diejenigen, die durch Vernachlässigung der Familie heruntergekommen sind. Die bisher durch private Wohl- tätigkeit ins Leben gerufenen Einrichtungen von Schülerspeisungen sind nicht umfassend genug, um die vorhandenen Mißstände zu be- seitigen. ES müssen unter allen Umständen die Kommunen und womöglich auch der Staat helfend eingreifen.. In Deutschland ist auf diesem Gebiete bis jetzt Verhältnis- mäßig wenig geschehen. Irgend welche gesetzlichen Bestimmungen, die die Angelegenheit regeln, bestehen bis jetzt noch nirgends. Was geschehen ist, geschah meist auf Anregung der privaten Wohl- tätigkeit hin und beschränkt sich auf eine Anzahl größerer Städte. I» München bestehen eine Anzahl Suppenküchen, die jährlich rund 500 000 Portionen Suppe an Kinder verabreichen. In H a m- bürg wird die Schulspeisung vom„wohltätigen Schulverein' be- trieben, an dem die Armenvcrwaltung beteiligt ist. Auch in Berlin erhält der Verein zur Speisung armer Schulkinder eine städtische Unterstützung, aber nur in Höhe von etwa 5000 M. Der Verein stellt den Rektoren die Mittel zur Verfüguna, um armen Schulkindern ein Frühstück gewähren zu können. Für die Mittags- speisung hat der Magistrat mit dem Verein für Volkskuchen einen Vertrag geschloffen, wonach dieser gegen eine städtische Beihilfe von 11 Pf. pro Portion an Kinder, die von der Stadt zugewiesen werden, ein Mittagessen verabfolgt. In Charlottenburg werden jährlich rund 650 Kinder gespeist. Die Kosten betragen etwa 32 000 M. In Chemnitz sind 1500 M. in den städtischen Etat eingestellt, um bedürftigen Kindern ein warmeS Frühstück zu ge- währen. In Dresden werden dem Verein zur Speisung be- dürftiger Schullinder seit dem Jahre 1810 städtische Beihilfen von jährlich 15 000 M. gewährt. Frankfurt a. M. gibt für Schulkinderfrühstücke jährlich 10 000 M. aus, Stuttgart 40 000 M. In Leipzig werden den Kindern bedürftiger Arbeitsloser während dreier Wochen warme Milch mit Brötchen und Mittags eine kräftige Speise geliefert. Mannheim und Hannover haben ebenfalls je 10 000 M. zur Schulspeisung im Etat bereitgestellt. In Karls- r u h e hat die Stadtverwaltung dem Frauenverein die Organisation übertragen, der die Selbstlosten mit 18 Pf. pro Portion erstattet bekommt. Aehnliche Einrichtungen bestehen in Gleiwitz, Hanau, Fürth. Osnabrück, Zittau, Eibau, Rummelsburg. Peine usw. Werfen wir einen Blick auf daS Auslan d, so finden wir dort teilweise weit bessere Einrichtungen. In England besteht seit 1806 ein S ch u l s p e i s e g e s e tz. das im Jahre 1911 von 123 Gemeinden durchgeführt wurde. Im Jahre 1310 wurden ohne London 120 000 Schüler gespeist; die verzehrten Portionen näherten sich der neunten Million. In London selbst stieg die Zahl der gespeisten Schüler von 38 000 im Jahre 1808 auf 115 000 im Jahre 1810, die der verteilten Portionen von 144 000 auf 9 139 000. Insgesamt erhielten rund 228 000 englische Kinder 16 288 000 Mahl- zeiten im Jahre 1810. Die öffentlichen Zuschüffe dazu betragen 3� Millionen Mark. Alle beteiligten Stellen sind einig über die außerordentlich günstigen Erfolge der Einrichtung. In Frank. reich gehört die Schulspeisung sogar in den kleinen Dörfern zu den Wesenheiten der Volksschule. In Paris ist seit 1882 die Speisung bedürftiger Schulkinder obligatorisch. Die Stadt besitzt 380 Schul- kantinen für 583 Schulen; im Jahre 1809 wurden an 38 500 Kinder fast 8 Millionen Mahlzeiten berteilt. Der städttsche Zuschuß be- trägt annähernd 1 Million Mark. Im Jahre 1909 hatte Frank- reich(ohne Paris)-in 54 seiner 88 Departements 2367 Kantinen und speist« 148 000 Schüler. Drei Fünftel der Kantinen sind direkte kommunale Einrichtungen, die anderen beiden Fünftel werden teilweis« öffentlich unterhalten. Nach der französischen Schuliheorie muß jedes bedürftige Kind eine warme Mittagsmahlzcit erhalten. Niemals darf die Schulspeisung als Wohltat gelten. Holland ermäckstigte mit der Einführung der Volksschulpflicht die Gemeinden im Jahre 1900, Schüler zu speisen und zu kleiden, sofern die Nahrungsnot oder der Kleidermangel vom regelmäßigen Schulbesuch zurückhält. Im Jahre 1907 wurde die Einrichtung in 137 Städten durchgeführt. In der Schweiz ist die Schulspeisung ebenfalls gesetzlich geregelt; in einigen Kantonen ist sie sogar obli» gatorisch. Sehr verbreitet ist die öffentliche Schulspeisung in Italien. In Mailand erhalten täglich 17 600(38 Proz. säml- licher) Schulkinder warme Mittagskost; davon 30 Proz. unentgeltlich. In Rom, Genua, Padua, Venedig beteiligt sich die Hälfte aller Schüler an den überwiegend unentgeltlichen Mahlzeiten. Die Ge- samtausgaben von 44 Städten betrugen rund 1 Million Mark. In Amerika sind die Einrichtungen noch äußerst verschieden» artig. Vielfach sind Gelegenheiten geschaffen, daß sich die Schüler in der Schule selbst die Mahlzeiten bereiten oder wenigstens mit- gebrachte Speisen wärmen. Die gegenwärtige wirtschaftliche Krise sollte auch den deutschen Gemeinden Anlaß geben, sofort Maßnahmen zu treffen, um die Schulspeisung armer Kinder weiter auszugestalten. Sonst bleibt Deutschland in allen Kulturangelegenheiten hinkend zurück. Die Neuorganisation des KrankcnkaffenwesenS in Preußen. Eine llebersicht nach dem neuen, vom 1. Januar 1914 an vor- handenen Stand der Kassen im Königreich Preußen veröffentlicht das Ministerialblatt der Handels- und Gewerbeverwaltung(S. 598 und 599), gesondert für die 33 Lberversicherungsämter und die einzelnen Kaffenarten. Seither waren in Preußen als Träger der Krankenversicherung 19 241 Krankenkassen vorhanden, wobei die 2038 Gemeindekrankenversicherungen mitgerechnet sind. Nach der neuen Zusammenstellung sind als Träger der Krankenversicherung, wie sie im§ 235 der Reichsversicherungsordnung aufgesührt sind, 5867 vorhanden. Allgemeine Ortslrankenkaffen sind 491 neu er- richtet, 833 seitherige Ortskrankenkassen zu solchen ausgestaltet worden, so daß 1234 Allgemeine Ortskrankenkassen vorhanden sein werden. Daneben werden ferner bestehen 260 besondere Orls» krankenkassen, also solche für einzelne BerusSzweige. Landkranken- lassen(in die nur die Landarbeiter, Dienstboten und Hausgewerbe- treibenden gehören) sind 410 neu gegründet worden. Diese große ?lahl ist sehr bedauerlich, wenn man bedenkt, daß diese Kassensorin insichtlich der Rechte und Ansprüche der Versicherten das rück- ständigste Gebilde ist. Von den vorhandenen Betriebskrankenkassen bestehen 3243 weiter fort, von den Jnnungskrankenkassen 630. Im Gesamtergebnis haben sich die Ortskrankenkassen um 1283, die Jnnungskrankenkassen nur um ein« vermindert. Es bleibt also eine arge Zersplitterung auf dem Gebiet de? Kassenwesens insbesondere deshalb bestehen, weil die Jnnungs- krankenkassen auch als Zwergkassen konserviert, die Errichtung von Betriebskassen leicht gemacht und„Landkrankcnkassen' neu zuge- lassen sind._ Der Strumpf als Gelbschrank. Zu einer unerwarteten„nGthüllung' kam eS in der letzten Sitzung der 5. Kammer des Berliner KaufmannSgerichts. Eine Galizierin, die dort Klag« erhob, war von ihrem Arbeitgeber, einem Fleischwarenhändler, wegen Verdachts des Diebstahls entlassen worden. ES geschah dies auf Veranlassung einer 15jährigen Mit» angestellten, auch einer Galizierin, die gesehen haben wollt«, wie die bei ihren Verwandten wohnende Klägerin, al» sie von der Arbeit kommend in ihrem Logis eintraf, aus ihren Strümpfen ganze Würste herauszog. Di« Beschuldigungen der jugendlichen Zeugin erschienen wenig glaubhaft. Der Beklagte führte aber zum Beweise, daß eS der Klägerin nicht darauf ankomme. Geld oder Geldeswert in den Strümpfen zu verbergen, die Tatsache an, daß man einmal ein Zehnmarkstück bei ihr im Strumpf gefunden hätte. Wäre das Geld ehrlich erworben gewesen, so hätte sie eS, so meinte der Be- klagte, nicht im Strumpfe zu versenken brauchen. Gegen diese Unterstellung wehrte sich sehr temperamentvoll die junge Galizierin. Ihr Geld im Strumpf aufzubewahren, sei bei ihnen alteingeführt. Schon ihre Großmutter habe das Geld im Strumpf getragen. Auch gegenwärtig trage sie, die Klägerin, was sie an Geld besitze, in ihrem Strumpfe bei sich. Ehe sich daS Gericht versah, griff daS junge Mädchen in ihren Strumpf und holte 12 M. und 50 Pf. daraus zum Erstaunen von Gerichtshof und Publikum hervor. Nach dieser Aufklärung hielt das Kaufmannsgericht die Ent- lassnng nicht für berechtigt und verurteilte den Bellagten zur Zahlung des Restgehaltes. Ter Zeugin sei nach den gegenteiligen Aussagen der Verwandten der Klägerin kein Glauben beizumessen, und die Geldbewahrung im Strumpf entspringe hier in der Tat einem in manchen LandeSteilen althergebrachten Brauche. KrUfKasten der Redahtion» Die juristische Sprechstunde fällt heute aus. (f. Z. 18- Wenn das Vermögen tOOtid M, nicht übersteigt, steuerfrei. Uebcrstelgt das Einkommen nicht 2000 M,,(o ist ein Vermögen bis zu 50 000 M, webrbeitragssrei, bei einem Einkommen von nicht mehr als 4000 M. ist ein Vermögen bis zu M 000 M, steuerfrei. Für die Veranlagung zum Webrbciirag kommt der 25Iache Betrag des MieiSzinseS, welcher im Durchschnitt in den letzten drei Jahren erzielt ist oder hätte er- zielt werden können, in Frage, nach Abzug von ff. der Nebenabgaben und Abzug der Hypothekeiiztnsen. Von den ersten 50 000 M, sind 0,15 Proz,, von den nächsten angesangeneii oder vollen 50 000 M, 0,35 Proz, von den nächsten angefangenen oder vollen 100 000 M. 0,5 Proz, als Wehrbeitrag zu zahlen, und zwar in drei Raten, erstmalig innerhalb drei Monaten nach der Veranlagung zahlbar, das zweite Drittel am 15, Februar 1815 und das letzte Drittel am 15, Februar ISIS, Der Steuerpflilblige hat daS Recht, zu verlangen, das; anstelle des Ertragswertes der genieine Wert gesetzt wird. Bei der Besiysteuer wird der gemeine Wert zugrunde gelegt, aus Antrag des Slenervstichttgen tritt an dessen Stelle der Bettag des Kaufpreises, der Aiischasfungslostcn sowie aller aus das Grundstück gemachten besonderen Auswendungen während der Besitzzeit, soweit sie nicht zu den lausenden Wirtschastsausgaben gehören und soweit die durch die Auswendungen her. geslellten Bauten und Verbesserungen noch vorhanden sind. Die durch Ab» Nutzung entstandenen Berlminderungen lönnen gekürzt werden. Die Be- sitzsteuer wird aber nur erhoben vom Vermögenszuwachs, der nach dem 1. Januar 1914 eintritt. Die Feststellung des BermSgenSzuwnchse« erfolgt erstmalig zum l, April 1917 für den dreijährigen Zeitraum vom 1. Januar 1914 bis einschlietzlich 31. Dezember 1916.— N. A. Ja. — Ch. Sch.»8. t Ja. 2. Rein. 3. bis 5. Durch Gesetz vom 1. Juni 1900. 6, Seit 1. Januar 1376. 7. Nein, Es genügt die Anwesenheit eines Teils. 8. Die mündliche Erklärung ist nicht rechtsgültig, es tritt gesetzliche Erbtolge-in.— L. 28., Schöiicrlinde. Mit Ende deS JahrcS. — R. A. 100. Fragen Sie beim Komitee Konfessionslos, Dr. Eckold, Berlin NW, Alt-Moabit 83a, an.— E.(£. 100. Wir kennen die Kasse nicht, raten Ihnen aber, vorsichtig zu sein. Vor ähnlichen Kassen baden wir wiederholt gewarnt,— U. 32. Vom deutschen Schulscbifisverein in Bremen erhalten Sie die beste Auslunst.— E. W. 16. 1. Nein. 2. Ja. Marktpreise von Berlin am 22. Dezember 1013, nach ErniMewngen des kgi. Polizeivräsidiums. Mais(mixed), gute Sötte 16,60— 16,90, Nuttel 00,00—00,00, geringe 00,00— 00,00. Mais; runder), gute Sötte 14,80— 15,10, Nicht, troh 0,00- 0,00. Heu 0,00-0,00, M a r l l h a l l r n v r e i s e. 100 Kiiogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen gz/X>- 50,00. Sveisebobnen, weihe 35,00—60,00. Linien 36,00— 80,00. Karwfsein(Klembdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfletsch. von der Keule 1,60—2,40. Rindstei,ch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinesleilch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Buritt 2.40-3,00. 60 Stück Eier 4.60—7,20. 1 Kilogramm Karvien 1,40—2,40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,40-3.20. Hechte 1.40—2,60.«mg-de 1.00-2.00. Schlei« 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebs« 2,50—36,00. Erscheint 2 ma! wöchentlich» ssääss Grunow's Kaffee-Versd. DresdnersLTO CNienh Lindenstr. 105 ■ lituüll Speck- imdScliinkeiisalzcrei. BiHohoitreie GetranHe S'ranz Abraham fianb. Messina-u.Römertrank-Kell. C.25BaT!eIgir. 8», Fernsp. Kg8t.l3708 irDelter �Bmgjeiüüng Keiner, Otto, Gerichtstrafle 86. 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E. Lange, Brunnenstr, 166 Liepe, Schöneberg, Gnmew«Idjlr.30. Mever, P.,NkiliL, Berlin orstr.ia— 50 H. Neusch, Breitest. 24, Spandau. J. Ch. Polimann. Lolbriagerstr. 60. LLS�ran�er�Beimckend ö. HonßltorgM ßachep- K9aacHa C. Adameck, Nklln., Jonasstr. 23 A.Albat,Marktst. 12 13, Reinickendorf Albrecht, Eh, Fruchtstr. 29. Landbrotbäcker. Herrn. Albrecht P. Anders ch, Zionskirchstr. 17. R. Anderson, Thüringerstr. 32 Aamna, WUh� Ceekermänderttr. 11 K. Auat, Drontheimor Str. 40. Wilh. Bagge, Wiclefatr. 65/6. Willy Bär, Stromstr. 48. Paul Berger, Mirbachstr. 29 Josef Brofka, Kirchhofstr. 46/47 E. Beyer, Thornorstr. 6. ji.KW.Wl'MM!! 33. Otto Eiltepp, Kastanien-Allee 21 u. 60 Reinh. Blenkle, Wiesenstr. Ida. P.. Block, Sorauerstr. 18. AIw. Brämor, Romintenerstr. 40 Brotfabrik Heineradorfer Mühle F. Bcckeukamp, Camphausenst.ß PaulBochnlg, Pankow, Gorschstr.l 1 Rudolf BrechIln,Ockerst. 3 Nklln. F. Breitkopf, Exerzicrstr. 19a. Hermann Büß, Orönauerstr. 12. Ewald Buchler, Weaerstr. 47. 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Großa-RhodcReinickendorfer8t.95 Groß-Bückerei„Berollna41 I.West PauIGrisard,Panko w,Florastr.l0. Paul Gärtner, Treskowstr. 44 A. Gunther, Gr. Franklurterst. 75 F.Hanke, Vertr.W.Xehne Marienbijrgersl.7 Kai,lHeldenreich,IIünchene2*st44 Karl Hennig, Sreinmetzstr. 74 Gust. Helntadiel.lIaTelbergerstr. 26. O.Henning, Schmidtstr. 8a. Joh. Hlldebrandt, Rykeatr. 82 Paul Hoppe, Hennsdorferstr. 8 Hoppe'sNaekf.Iramerek, Adalbert«!. 66 P.Husgen,Herfurtk-,K.LichieBraderst. L. Ihlo, Gerichtestr. 63. Max Jacob, Pflügerstr. 70-1. B�runJahn, Resldenzst. 75, T.582 Reinickendorf, Hauserstr. 8. atr. o, Paiil Jarrasch, Spr.ngoU;r. 38 Jendr ey1'0« nuelkirchstr. 10 Fr Jendroyko, Ohmstr. 9. Max Jesse, Sandelstr. 27. O. Jeske, Ubauerstr. 1 B. Kanfbak, Lichtenberg.rstr.21 Georg Kappe, W ils« E>h»y«ssntr. 8. A. Kelb. Kostoekerstr. 81. H? Ki.spwettcr, Schlvolbeineritr. 18. Friedr KUnder, Mirbachstr 37 R. Klinke, WeiUens-, Lebderst 120. r.Kluek. Residenzst.lSo, Eeisickml H. Kleiner. Schuletr. 102 —- 1 ilfaulKoebn Baadelstr. 42. d�greUoiisüsi F*ax RnirfAre. /.am jja* Unibert, Landsb. Allee 2». Friedrich Knop, Bodestr. 81 PanlK6beniick,Wilh.StoIrestr.S5 A.Kosmehl,Nklln,Donau8tr-52-i3 A. Kosubeck, Sparrstr. 4 Ali® wKreU< weserstr. 179 r Kr,?1 c«dlneratr. 1>. C. Kauze, LlobigAtr.i, Rar! üMls Max Kühl, Triftstr. 9 Felix Kynaat, Danenstr. 5. Bäckersi KönschGr Kastanien-Allee 57_ P. Lamla, Immanueikirchstr. 20 Ew. Liesegang, Danzigerstr. 42 Adolf Linde, Lichtnbg., Wiliiclmslr.75 Carl Lindenberg, Lycbenerstr. 4. H. Lübs, ReinickcQd--0s{, Kiraekcstr.12 Fritz Langwitz, Hohenlohestr. 3. W.Luzemann, 0.,GabrielMax8t.2 W, Megow, Lichtcnbg.,(iärtnerst 5 H.Markgraf, CharI.,Goothe8tr.49. R. Markwortb, Pflügerstr. 11. R.Masrhler. Lichteabera. Oderair 17 f AntonMeiynar,Land8bergerst.l7 Alfred Metzner, Fuldastr. 55/6 MGIilsteff, Spandau, Bismarekslr. 5. G. Mosler,\Veißenburgerstr. 42 E. Muhle, Manteuffelstr. 87 Max Muth, Falkensteinstr. 37 Carl Neuendorff, Sickingerstr. 76 Wilhelm Niklau, Malplaquetst. 6. Gustav Nielsen, Lindowerstr. 9 P. Nitsdhke, Cadinerstr. 4. Fritz Otto, Warschauerstr. 60. Paul Otto, Danzigerätr. 31 RobertPötschke, Sprengeis tr.4/5. JüTopp, AmeQdestr.104, ReiaiekeQd.-Oiickond. Eml! Thomas, Voigtstr. 17 R. Tittel.Nkiin., Salcbowerstr.23 Johann Troffer, AHeestr. 46 Filialen in allen I UPDän Stadtteilen. F. Tzschetzsch, Wrangeist. 46 Otto Wagnitz, Müllerstr. 28 Ludwig ifallerJiiieWIr. 37. C. Wackerhagen, Pank.Brchincstr.61 Max Walter, Sebastinnstr. 82 E. Weber, Proviant®#, B«Iaickend.-0. KarlWeinholz,"Kameruners tr. 57 W,WeIlnltr.KoperDlkEs«t.9Wälilwch8t.27 ArtburWesser, SehlllerproiieifadeS« Clemens Weise, Jablonskistr. 1 Otto Winkler, Nannynstr. 73. O. Wolschendorf, Wildeusentr. 23. Otto Woweriers, Oldenburgstr. 8 Zachau, Gr.-Lichterf.,CkaBii8ecst85Ä Paul Zastrow, Stromstr. 33. M.Zeene, Immanueikirchstr. 29 J.ZIudler, Bsehwg., Behringstr.9. 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Niemand nimmt sich seiner an, es sei denn, daß er demütig bittend um Almosen sich bewirbt, die ihm allenfalls verabreicht werden von denen, die sich durch den Fleiß der Arbeiter bereichert haben. Anders stehi in dieser Zeit der organisierte Arbeiter da. Er hat nicht nur in guten Tagen, sondern auch in Not und Elend einen sicheren Rückhalt bei seinen klassenbewußten Arbeitsbrüdern. Während die bürgerliche Mehrheit der Berliner Stadlverordneten sich nicht bereit fand, aus den reichen Miltein der Stadt oOOOOO M- zur Linderung der Not der Arbeiislosen zu bewilligen, haben die organisierten Arbeiter durch freiwillige Sammlungen in kurzer Zeit — soweit bis jetzt bekannt ist— 250 000 M. aufgebracht, um ihren arbeitslosen Mitgliedern eine Weihnachtsfreude zu bereiten, und die Gewerkschaften haben außerdem besondere WeihnachtSunterstützungen für ihre Arbeitslosen bewilligt. So ist doch vielen Tausenden, denen sonst der Druck wirtschaftlicher Not jede Festcsstimmung vereitelt habe» würde, eine bescheidene Weihnachtsfeier ermöglicht. Ein Teil der durch die Sammlung eingelaufenen Gelder war von vornherein dazu bestimmt, den Kindern der Arbeitslosen eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Was viele Arbeitslosen ihren Kindern an diesem Weihnachtsfest nicht bieten können, das gibt ihnen in echt kameradschaftlicher Gesinnung die große Gemeinde der zum Klasienbewußtsein erwachten Arbcitsbrlldcr. Sie gibt es gern und freudig, jeder einzelne von seinem kargen Verdienst, in dem Be- wußlsein: Das harte Los der Arbeitslosigkeit, das heute meinen Kameraden getroffen hat, kann vielleicht bald auch mich treffen, und wie ich heute dem notleidenden Arbeilsbruder eine Freude mache, so wird er eS mir tun, wenn mich einmal die Not drückt und es ihm wieder bester gehr. Wo man so, getragen vom Empfinden vollster Solidarität, gibt, da hat das Empfangen nichts von dem demütigenden Beigeschmack des Almosens, der den Weihnachtsgaben bürgerlicher Wohltätigkeitsvereins anhaftet. In der großen Familie der durch gleiches Denken und Streben verbundenen Arbeiterschaft ist es der Bruder, der dem Bruder hilft. Von diesem Geist waren denn auch die Feiern getragen, die gestern den Kindern der Arbeitslosen in sieben der größten Säle Berlin» bereitet wurden. EL sind keine Almosen, keine milden Gaben, die Euch heute zugewendet werden, sagte Adolf Hofftnann in seiner Ansprache im Norden, in Ballschmieders großem Saale, in dem Kinder aller Altersklassen mit ihren Eltern Kopf an Kops saßen,— es sind keine Gaben, bei denen Ihr demütig dankbar dastehen sollt, denn was Euch hier zufällt, das habt Ihr Euch selbst erworben, durch treues Ausharren im Kamps, durch die Solidarität, die Ihr bewiesen habt und die auch diese Geschenke möglich machte, die Solidarität, in der sich die Menschenliebe erst beweist. ES ist ganz falsch, meinte Adolf Hoffmann, zu sagen: es gibt keinen Weihnachtsmann. Glaubt es nicht, denn es gibt doch einen. Und der eben heißt Solidarität. Und es gibt auch vielessin Wirklichkeit, was uns als ein bloßes Märchen erzählt wird; Zwerge und Riesen gibt es wirklich. Die sieben Zwerge, die heißen heute Mut, Aus- dauer, Selbstzucht, Erkenntnis, Wahrheitsliebe, Opferbereitschast, Brüderlichkeit, und wenn sie zusammenhalten, dann wird zuletzt der größte Riese vor ihnen klein. Es war erstaunlich, wie aufmerksam die Menge der Kinder im Saale horchten, wie gut sie Ruhe hielten. Merklich kam dem kleinen Volt der Mann da oben auf der Kanzel mit seinen Worten näher und näher. Und in allen Sälen herrschte dieselbe ernsthafte Stimmung. Rund 18 000 Kinder waren vorher zur Teilnahme an der Feier angemeldet. Aber es sind wohl Nachtrag- lich noch einige Tausend hinzugekommen, denn der Andrang in den Fesllokalen war ein ganz gewaltiger. Schon das Straßenbild stand unter dem Einfluß. In dichten Scharen strömten Kinder der ver- schiedensten Altersstufen, geleitet von den Eltern, herbei. Die zahl- reichen Genossinnen, die, an den Saalcingängcn, süße Gaben an die kleinen Besucher verteilend, ihres Amtes walteten, hatten es nicht leicht, bei dem starken Andränge ihre Arbeiten zu erledigen. Aber trotz mancher durch die ungewöhnliche Situation gegebenen Schwierig« keilen kam jedes Kind zu dem ihm zugedachten Geschenk. Die Zuckertüten im Arm, Vermutungen über den Inhalt aus- tauschend, saßen die Kleinen da. Sie bewunderten die riesigen Weihnachtsbäume mit den zahllosen bunten Flämmchcn und harrten in fröhlichem Geplauder dem weiteren Verlauf der Dinge.— Eine Festrede eröffnete die Feier, musikalische Vorträge— auf der Orgel, wo eine solche zur Verfügung stand— folgten. Die allen Kindern wohlbekannteu Weihnachtslieder waren es, deren Klänge den Raum durchzogen. Als dann Märchen vorgetragen und Lichtbilder dazu vorgeführt wurden, da glänzten die Augen der kleinen Zuhörer vor Freude und sie wurden nicht müde, durch lebhaften Beifall für die unterhaltenden Darbietungen zu danken.— Nach Schluß der Feier erhielt jedes Kind eine Weibnachissiolle. Auch Jugendschriften wurden verteilt. Und als die Austeilung geschehen war und ein guter Rest an Schriften noch auf den Vertciltischen lag, da strömten auch schon von der Straße her Kindergruppen heran und streckten die Hände vor. Man besann sich nicht lange: die Wünsche wurden erfüllt. Es war nur ein Buch, was die Kleinen erhielten. Aber es war ein Buch und sie zogen mit hellen Augen davon. Fröblich blickend und munter schwatzend zog die Schar der Kleinen heim. Sie, die zum großen Teil im Elternbause seit Wochen nur graues Elend gesehen haben, hatten einen Festlag, und mit kindlicher Freude haben sie ihn genossen. Tausenden von armen Kindern einige Stunden des Frohsinns, der ungetrübten Freude bereitet zu baben, daS ist der schöne Erfolg dieser Veranstaltung. Und dieser Erfolg ist des Opfers wert, welches die zahlreichen Arbeiter gebracht haben, die von ihren kärglichen Miltein ein Scherf- lein erübrigten, um andere zu erfreuen. So hat auch diese Weihnachtsfeier gezeigt, welch ein mächtiger Faktor in unserem Kulturleben die Arbeitersolidaritär ist. Hier hat sie, im verhältnismäßig kleinen Kreise und im bescheidenen Maße die christliche WeihnnchlSbolschaft erfüllt. Wenn die unerschütterliche Solidarität erst die gesamte Arbeiterklasse ersaßt hat, dann ist diese eine unbezwingliche Macht, die Unterdrückung und Ausbeulung, die Ursachen von Nor und Elend, aus der Welt schafft und damit die WeihnachlSbotichaft erfüllt:„Friede auf Erden und den Menschen -in Wohlgefallen."__ Partei- Ungelegenbeiten. Neukölln. Die Bibliothek des WahlvereinS ist vom 24. Dezember 2. Januar inll. geschlossen. des AwUs" KnlM LerÜner Nacbricbten� Eine Sonnenwendfeier in den Gosener Bergen. Langsam senkt sich der frühe Winterabend über Wald und Heide. Vom Seddinsee steigen leichte I!ebcl empor. Oben aber in den Gosener Sandbergen huscht gespensterhaft ein Lichtschein an den Talhängen entlang. In der großen Mulde flackert ein Licht auf, und noch eins, und wieder eins, und Plötzlich strahlt ein Weihnachtsbaum in seiner Lichterfülle, eine immergrüne Kiefer, die fest im märkischen Sand wurzelt. Dann aber konimt's von den Hängen herab, quillt aus dem Seeweg heraus und bald ist der eben noch so stille Talkessel belebt: Jungvolk ist es, das gekommen ist, nach altem Brauch das Fest der Wintersonnenwende zu begehen, wie um die Geisterstunde ist's, geheimnisvoll. Aber nickst bange Sorgen liegen auf den Gesichtern, Frohmut und Glück lachen daraus; bei den Mädeln und bei den Buben, und auch Große sind dabei. Aus der Arbeiterstadt Neukölln sind sie gekommen, um hier draußen in der freien Natur ihrer Freude Ausdruck zu geben� daß wieder einmal der Winter überwunden ist und die Sonne ihren Weg ins neue Jahr dem Licht entgegengeht. Feierlich schallen die Stimmen des Männerchors in die abendliche Stille hinaus:„Die Abend- glocken rufen". Eine wohltönende Frauenstimme nimmt unser Ohr gefangen; Worte, die von Herzen kommen und zu Herzen gehen. Sic lassen einen Gruß herüberklingen aus altersgrauer Vorzeit, von unseren heidnischen Vor- fahren, die um diese Zeit draußen in den heiligen Hainen den Sieg des Lichts über die Dunkelheit feierten. Aber ein neu Geschlecht ist erstanden, das sein Schicksal sich selbst schmiedet. Ein wunderbarer Ausblick öffnet sich unserem Auge, wo ein jeder seinen Lebensweg selbst formt. Vcrklungene Sagen ziehen im Geiste vorüber, und es bleibt in dem Sturm der Winternacht der jubelnde Gruß eines stolzen Menschenwillens an die gewendete Sonne, der unverrückbare Glaube an die bessere Zukunft eines glücklichen Menschengeschlechts. Andachtsvoll verharrt die Menge noch, als die Sänger einsetzen mit denr Lied:„Empor zum Licht". Dann hören wir GoetheS„Prometheus" Worte sprechen von Kraft und Leben und eines Jünglings„Hymne aitjws Feuer", hoffnnngsprühend. Kraftvoll setzt dann„Tord Foleson" ein:„Der Mann mag sinken, der das Banner trägt. Das Banner kann siegen, wenn der Mann auch fällt."--- Dann leuchtet's von den Berghängcn rot aui. rechts, links, geradeaus und erhellt die Talsohle und läßt uns schauen, wie viele ernste Gesichter da blicken und doch so hoffnnngsfroh: So feiern wir das Wcihnachtsfcst. Langsam verlöschen die Feuer da oben und die Lichter am Baum und bald' liegt das Bergtal im Dunkeln wie alle Tage. Ueber den Bergrücken aber klettert's, zum See geht'S hinunter: Jungvolk aus der Arbeiterschaft! Heimwärts geht's zu neuem Schaffen und zu neuem Kampf, aber mit dem stolzen Bewußtsein, daß auch sein Lebensweg führt: dem Licht entgegen! Ehrenzeugniffe für die sozialdemokratische Preffe. Die sozialdemokratische Presse hat in diesen Tagen das Vergnügen, daß sie gleich ein halbes Dutzend guter Zensuren buchen darf, die ihr von konservativer Seite aus- gestellt werden. In einer konservativen Zeitschrift noch dazu. Derjenigen nämlich, die der Führer der„Kulturkonservativen", der bekannte Dr. Adolf Graboivsky, herausgibt und die den zwiefach merkwürdigen Doppeltitel„Das neue Deutsch- l a n d"—„Wochenschrift für konservativen Fortschritt" führt. In einem früheren Heft besagter Zeitschrift hatte Grabowsky der konservativen Presse schon ins Gesicht gesagt: ihr wissenschaftlicher Teil und ihr Unterhaltungsteil stünden„ans eineni derart unbefriedigenden Ni- v e a u"-- man sieht, er hatte sich noch recht schonend aus- gedrückt--, daß konservativ denkende Leser in Scharen zur radikalen Presse getrieben würden. Diese befriedige die Be- dürfnisse der gebildeten Schichten weit besser; und namentlich der unterhaltende Teil einiger sozialdemokratischer Blätter könne sich sehen lassen. Also der Frcikonscrvative Grabowsky.— Man kann sich denken, was für ein W u t g e s ch r e i in der Junkerprcsse sich darob erhob. Die„Deutsche Tageszeitung", die„Post", der „Reichsbote" schäumten. Da s i e gegen die Behauptungen des allzu Freimütigen aus ihrem eigeiien Lager nichts— aber auch beim besten Willen nichts Greifbares sagen konnten, entlud sich ihre Wut im Donner eines großmächiigen Geschimpfes. So daß Grabowsky nun selber erklären muß:„Aus dieser Polemik der konservativen Presse allein ergebe sich ihr Tief- stand..." Man streut sich von Herzen über die Sätze, die der Freikonservative jetzt in seiner Entgegnung z. B. dem Redakteur der höchst apokryphen„Süddeutschen Konservativen Korrespondenz", einem Herrn Adam Röder, ins Stammbuch schreibt.„Man kann eben ganz gut konservativer Redakteur an cinein großen konservativen Blatt sein, und braucht doch von moderner Kunst und Dichtung nicht das geringste zu wissen und zu verstehen. Ja, cS soll sogar konservative Re- daktcnre geben, die noch stolz sind auf solche Ignoranz.. Außer dieser wüsten Schimpfkanonade der Marktweiber, denen er in die Eierkörbe getreten hatte,— außer den Leit- artikcln der„Post" und ihrer Konsorten hat Grabowsky noch einiges andere aus seiner Offenherzigkeit proftticrt. Eine Flut von Zustimmungserklä r u n g e n nämlich. Einige druckt Grabowsky jetzt im„Neuen Deutschland" ab. Und es ist wahrhaft ergötzlich zu lesen, wie darin utilcugbar gntkonscrvative Männer den Brechreiz umschreiben— oder auch nicht umschreiben, den ein Blick in das Gros der kon- scrvativen Blätter ihnen einträgt. Und wie sie ohne Aus- nähme mit Worten hoher Anerkennung von den sozialdcmo- kratischen Blättern reden. So schreibt ein Geheimer Admiralitätsrat Koch, der ein sünfnndzwanzigjähriges Halten und Lesen der„Post" überlebt hat, über den Unterhaltungsteil seines Leibblattes: „An ihrem Untcrhaltungsteil oder wenigstens an ihren Romanen gehe ich seit langem vorbei. Ich will mir keine Beleidigungsklage auf den Hals ziehen, ein Teil der Sachen der letzten Jahre war aber einfach furchtbar..." Auch der bekannte Dichter B ö r r i e s von M ü n ch- hausen stimmt Grabowskys Aufsatz zu. der„ihm und tausend anderen aus der Seele geschrieben ist". Es sei„wirk- lich ein Elend mit dem Feuilleton der konservativen Presse". Itöltfätt. A. S-Mw ,913. Wichtiger und für uns interessanter als diese Klage des feudalen Dichters ist aber, was Prof. Dr. Klunker, der Gründer und Leiter des Archivs Deutscher Berufsvormünder, in der Aussprache sagt. Er unterstreicht dick Grabowskys An- erkennung der sozialdemokratischen Presseleistungen:„Es freut mich, daß einmal jemand von Ihrer Richtung die ernsthafte Kulturarbeit anerkennt, die von sozialdemokratischer Seite geleistet wird." Klunker hält zum Schluß die sozialdemokra- tische Presse im allgemeinen der bürgerlichen als M u ft e r vor. Es ist also hohes und einstimmiges Lob, daS unserer Presse in der„Konservativen Wochenschrift" zuteil wird. Ein Neujahrsgeschenk für das Kaiserpaar. Wie alljährlich wird auch in diesem Jahr eine Deputation der Salzwirkerbrüderschaft im Tal zu Halle kHalloren) am Neujahrstage dem Kaiser und der Kaiserin die Glückwünsche der Brüderschaft überbringen. Aber in Anbetracht der schlechten Zeiten wird sie den Majestäten ein größeres Geschenk als sonst überreichen. Nicht weniger als hundert Schlack wür sie im Gewicht von je einem Pfund sind für den Kaiser— und eine Gänseleberwurst ist für die Kaiserin bestimmt. Es ist gesorgt, daß das Herrscherpaar das neue Jahr ohne Nahrungssorgen betritt. Man wird ihm hundert und eine Wurst zu Füßen legen und es wird geruhen, zu danken. Eine hungernde Proletarierfamilie könnte für eine solche Gabe nicht genug Worte des Dankes finden, sie würden über ein solches Glück in Tränen ausbrechen, aber die Majestäten werden nur Huld- vollst lächeln. Es ist ein Geschenk, das zum Himmel schreit, aber sie werden schweigen. Es wird ihnen nicht zu denken geben. Dieses Geschenk ist eine krasse Ironie, ein Hohn auf die Not deS arbeitenden Volkes. Tu sollst nicht Prügel»! Du sollst nicht prügeln! Wie oft noch werden wir diese Mah- nung an Lehrer und Eltern richten müssen? Sie ist nötig vom Standpunkt des Erziehers aus, nötig aber auch wegen der Gesund- heitSschädigungen, die durch körperliche Züchtigungen verursacht werden können. Vor kurzem erst meldeten wir, daß in Friedenau bei einem Knaben nach einer in der Schule erlittenen Züchtigung eine Er« krankung an Veitstanz aufgetreten war. Jetzt wird uns auS Berlin bekannt, daß bei einem Mädchen gleichfalls Anzeichen von Veitstanz sich bemerkbar gemacht haben, nachdem eS wiederholt in der Schule mit denr Rohrstock geschlagen worden war. Das jetzt siebenjährige Kind, das Ostern 1913 eingeschult wurde, besucht die 298. Gemeindeschule in der Scherenbergstraße und sitzt in Klasse 8. Schon in dieser untersten Klasse hat die Klassciilehrcrin Fräulein Baumann nicht ohne Prügel f e r t i g w e r d e n können! Schon gegen diese Kinder des aller- ersten Schuljahres glaubte sie den Rohrstock gebrauchen zu sollen! Will man wissen, wofür sie schlägt? DaS betreffende Kind hatte zum Beispiel mal den Satz„Schwarz-weiß-rot sind die deutschen Farben" nicht richtig geschrieben, da griff die Lehrerin zum Stock. Und wie hat sie mitunter ihren Rohrstock gehandhabt? Kinder haben zu Hause erzählt, daß Frl. B. mit ihm auf die Fingerspitzen gc- schlagen habe. Daß ein Lehrer oder eine Lehrerin das absichtlich tun könnte, muß man heutzutage für unmöglich halten. Wer diese in früheren Zeiten bei Schulpädagogen sehr belieble Strafart noch heute für zulässig halten wollte, wäre wert, sofort vom Schuldienst für immer ausgeschlossen zu werden. Frl. B. hat denn auch auf eine wegen eines anderen KindeS vorgebrachte Beschwerde, daß sie auf die Fingerspitzen geschlagen habe, erklärt, da werde sie mit dem Stock abgerutscht sein. Man sieht, wie gefährlich der Stock und überhaupt die körperliche Züchtigung nicht nur für den Geprügellen, sondern manchmal auch für den Prügelnden ist. Nur zu leicht kann durch Fahrlässigkeit ein Kind an semer Gesund- heit geschädigt werden, so daß schwere Verantwortung auf den prügelnden Pädagogen fällt. Es ist nicht bekannt geworden, daß Frl. B. seitdem nochmals in dieser Weise mit dem Stock abgerutscht wäre. Aber auf den Gebrauch des Stockes zu verzichten, hielt sie nicht für geboten, und Stockhiebe auf die Hände gab sie nach wie vor. Wir wiederholen: es handelt sich um eine 8. Klasse, urtr eine Klasse für 6— 7jährige Kinderl Als schließlich die Mutter des erst- erwähnten Kindes sich beschwerte, antwortete Frl. B.:„Wenn man schlägt, muß eS ja auch weh tun." Nachher ließ sie sich doch dazu herbei, zu versprechen, daß sie diesem Kinde keine Stockhiebe mehr auf die Hände geben wolle. Aber schon nach etwa acht Tagen brachte daS Kind dieselbe Klage nach Hause und wieder wies es an der Hand deutliche Spuren des Stockes, mit dem die Leherin ihre ErziehnngS- arbeit verrichtet hatte. Jetzt führte die Mutter daS Kind«inenr Arzt zu. Dieter kam nach eingehender Untersuchung zu dem Schluß, daß daS blutarme, nervöse, eingeschüchterte und Anzeichen des Veitstanz zeigende Kind bis auf weitere» von der Schule ferngehalten werden müsse. Das Kind wurde darailf- hin vom Schulbesuch bis Ostern nächsten Jahres dispensiert, eine Maßregel, die erfreulicherweise sehr bald auf da? Befinden des KindeS sichtlich g ü n st i g einwirkte. Der Arzt hat sich dabin geäußert, daß da? Kind am besten später einer anderen Schule zu überweisen sei. Wir geben dieses Vorkommnis bekannt zur Mahnung und Warnung für alle, die c« angeht. Wie lange noch wird der Zustand fortdauern, daß in unseren Schulen der Stock regieren darf?_ Die Organisation des Wohnungsamts der Stadt Berlin. Die organisatorischen VorbereilungSarbeiten de» Berliner Wohnungsamtes sind nimmchr soweit beendet, daß die praktische Arbeit der WohnungSanfsicht und WohnungSpflege planmäßig Mille Januar beginnen kann. Am 2. Januar werden die zehn WohnungS- inspektoren(darunter zwei weibliche) und zehn Wohnungspfleger (darunter drei werbliche) ihren Dienst antreten und die Bearbeitung der ihnen zugewiesene» Jnspektionsbezirke in Angrist nehmen. Di« 118 Wohnungskommissionen mit insgesamt mehr als 700 Mitgliedern werden sich voraussichtlich im Laufe deS 1. Quartals 1911 kon- stituieren können. Am 7. Januar wird daS Wohnungsamt seine Arbeitsräume Stralauer Str. 3—6, beziehen. Bei der Ausarbeitung des OrganisationSplaneS wurden die Einrichtungen der bisher schon bestchenden Organisationen der Woh- nungsailfsicht in anvcren Städten eingehend gepriffr und die dort durch die Praxis schon gewonnene vielseitige Erfahrung nach Mög- lichkeit verwertet. Dabei ergab eS sich, daß bei den eigenartigen Verhältnissen im Wohnungswesen der Reichshauptstadt, die selbst wieder inmitten cineS Kranzes dauernd wachsender Großstädte nur den Kern eines eng zusammenhängenden Stadtganzen bildet, eine Nachbildung der Organisation anderer Städte unmöglich war. In wichtigen Punkte» sah sich das Berliner Wohnungsamt vor die Lösung neuer organisatorischer Aufgaben gestellt, die vor allem auf die gewaltige Grobe deS Arbeitsgebietes zurückzuführen sind. Die Aufnahme der Bcsichtigungscrgebnisse erfolgt mittels Hau-Z- und AZahnungSkarten, für jedes besichtigte Gebäude und jede be- sichtigte Wohnung werden solche Karten ausgestellt und sodann in eine Kartothek vereinigt, die gleichzeitig die rasche und sichere Kon- wolle der Aufsichtstätigkeit und die statistische Verwertung des ge- wonnenen Materials ermöglicht. Durch das Kartotheksystem wird mit geringfügigen Ausnahmen die Anhäufung von Aktenstöben ver- mieden, was sicherlich einer raschen Erledigung aller laufenden Ar- beitcn sehr zu statten konnnen wird. Neben den regelmäbigen Wohnungsbesichtigungen sollen durch die Wohnungsinspellionen die beim Wohnungsamt einlaufenden An- zeigen über Mißstände in den Wohnungen einer genauen Prüfung und Bearbeitung unterzogen werden. Mit den Organisationen, die bisher schon in Berlin in sozialer und charitativer Absicht Wohnungspflege treiben, wird das Wohnungs- amt Vereinbarungen zu treffen suchen, die ein gedeihliches Zusammen- arbeiten sichern sollen. Schlechte Zeiten auch für die Steuereinziehung. Bei den Einkommen st euer n für Staat und Gemeinde hat in Berlin das Ergebnis der Steuereinziehung sich in den letzten Iahren wieder merklich verschlechtert. Im Steuerjahr 1ät2/l3, über daS jetzt die Steuerdeputation des Magistrats berichtet, waren einzuziehen Millionen Mark Staats-Einkommensteuer und 4Sllt Millionen Mark Gemeinde-Einkommensteuer. Eingenommen wurden aber für StaatS-EinIommensteuer nur SO Millionen, für Gemeinde- Einkommensteuer nur 43� Millionen, das sind bei beiden Steuern noch keine 89 Proz. des Steuersolls. Die fehlenden 11 Proz. setzen sich zusammen auS Beträgen, die wegen NichtVerpflichtung oder Unbeitreiblichkeit niedergeschlagen oder als Reste in das nächste Jahr hinübergenommen wurden. Von be- sonderem Interesse sind die Angaben über die Einziehung der Staatseinkommensteuer, weil hier der Bericht die Einkommen bis 3009 M. und die über 3000 M. unterscheidet. Bei den Einkommen über 3000 M. waren in 1912/13 die Einnahmen 93,47 Proz. des Solls, gegenüber 93,07 Proz., 94,04 Proz,, 95,61 Proz. in den drei Vorjahren zurück bis 1909/10. Dagegen waren bei den Einkommen vis 3000 M. in 1912/13 die Einnahmen nur 73,04 Proz. des Solls, gegenüber 73,60 Proz., 75,69 Proz,, 75,89 Proz. in den drei Vor- jähren. Bei den Einkommen bis 3000 M. hat im letzten Jahr das Einziehungsergebnis sich weiter verschlechtert. Der Steuerausfall allein wegen Unbeitreiblichkeit stellte sich hier diesmal auf 10,65 Proz. des Solls, gegenüber 10,52 Proz,, 10,03 Proz,, 10,24 Proz. in den drei Vorjahren. Dasi in Berlin der Eifer in der Steuerbeitreibung sich verringert hätte, wird keiner behaupten können. Teuerung und Arbeitslosigkeit erklären die Verschlechterung des Einziehungsergebnisses. Wenn Prinz Heinrich ankommt. Eine rätselhafte Massensistierung gab es am Mittwoch voriger Woche auf dem Lehrter Bahnhof. Verschiedene Personen, die am Abend vor 8 Uhr auf dem Bahnsteig verweilten, wurden von Polizeibeamten angehalten und nach der Bahnpolizeiwache geführt. Ein paar junge Leute, die eine Bahnsteigkarte genommen hatten, um einen mit dem Zug 7�» erwarteten Freund abzuholen, saßen plan- dcrnd auf einer Bank. Plötzlich trat ein Herr an sie heran, fragte sie kurz:.Was machen Sie hier?', wies sich durch Vorzeigung einer Blechmarke als Kriminalpolizift aus und führte die jungen Leute ab, obwohl sie Auskunst gegeben hatten. Auf der Bahn- Polizeiwache, wo schon mehrere anders Siftierte versammelt waren. benahmen ein paar Beamte sich sonderbar nervös. Einer fragte die Neueingelieferten, ob sie Waffen bei sich hätten. Sie verneinten, aber eS wurde dann noch eine Durchsuchung vorge- nommen, die selbstverständlich ergebnislos blieb. Ein Beamter brummte dabei etwas von Baucrnsängern. Die Vermutung, daß eS sich vielleicht um eine Jagd auf Bauernfänger gehandelt habe. dürste unzutreffend sein. Die Nervosität der Polizei und die Sistierung von Personen auS dem auf dem Bahnsteig wartenden Publikum soll darauf zurückzuführen sein, daß an jenem Abend auf dem Lehrter Bahnhof der von einer Englandreise nach Berlin zurückkehrende Prinz Heinrich erwartet wurde. Die Sistierten wurden, nachdem ihre Personalienangoben durch Telephonanfrage als richtig fest- gestellt worden waren, entlassen mit dem Benierken, daß sie zwar auf den Bahnsteig zurückkehren könnten, ihn aber nicht von der Polizeiwache aus, sondern auf einem Umwege über die Straße durch den üblichen Eingang betreten müßten. An der Schranke sagten sie unter Vorweisung der schon durcklochten Bahnsteigkarte dem Schaffner, sie seien sistiert gewesen, worauf der Schaffner, der wohl über die ganze Sache schon vorher unterrichtet worden war, sie ohne weiteres hindurchgehen ließ. Man muß in der Tat fragen, welchem Anlaß das Publikum den Uebercifer der Polizisten zu danken hatte. Soll eine Prinzenanlunft diese Belästigungen rechtfertigen können? Gefährliche Kinderfreuude. Im Norden der Stadt hat ein.Kiuderfrcund' ein kleines Mädchen aus der Ackerstratze an sich gelockt, es mit Süßigkeiten traktiert und nach verschiedenen Orten verschleppt, wo sich der Bursche an dem Kinde vergangen haben soll. Dann hat er eS sich allein überlassen. Die Polizei brachte es nach dem Revier, von wo aus es den Eltern zugeführt werden konnte. Die Beschreibung deS Burschen ist sehr unbestimmt.— In Neukölln wurde ein anderer Mann, der beschuldigt wird, sich gleichfalls an Kindern vergangen zu haben, in der Person eines unverheirateten Malers verhaftet. Eine weihnachtliche„Totenkammer' besteht feit Jahren bei der Post. Auf dem Paketpostamt in Berlin dienen um die Weihnachts- zeit besondere Räume dazu, solche Weihnachtssendungen, die sich zu- nächst als unbestellbar erweisen, an den Mann oder die Frau zu bringen. Viele Hunderte von Sendungen erleiden unterwegs Schiff- bruch. Rehe. Hasen, Gänse, Enten, Hühner werden zur besseren Konservierung gern unverpackt abgeschickt, verlieren aber dann häufig die pappene angebundene Fahne mit der Adresse deS Empfängers und Absenders. Ebenso geht von Kisten und Papierpaketen auf dein Bahntransport nicht selten die mangelhast aufgeklebte Adresse los. Oder die Adresie ist so mangelhaft geschrieben, daß die größte Kunst der Entzifferung und deS Rätselratens versagt. Erfreulicherweise empfinden die besonders geeichten Beamten, die in der postalischen Totenkammer tätig sind, gerade in der Weihnachtszeit ein mensch« licheS Rühren und geben sich redliche Mühe, den Empfängern die zugedachte WeihnacktSfreude nicht zu verderben. Da die Post- Verwaltung unter Umständen Schadenersatzansprüche zu gewärtigen hat, wird alles Denkbare versucht, um schnellstens die Bestellung noch rechtzeitig zu ermöglichen. Außer den Adreßbüchern werden der Telegraph, die Rohrpost und selbst die Polizei mit dem Einwohner- Meldeamt zu Hilfe gerufen. Mancher, der auf diese Weise mit mehrtägiger Verspätung doch noch seine Weihnachtsgans erhält, hat dann keine Ahnung. welcher Ermittelungsapparat durch das liebe lote Viech in Bewegung gesetzt wurde. Sehr viele Gegenstände, deren Absender und Empfänger beuu besten Willen nicht ermittelt werden kann, verfallen der Der- steigcrung. Wo wenigstens der Absender bekannt ist, wenn leicht verderbliche Postsachen versteigert werden müjsen, geht natürlich an ihn der Erlös, der meistens nur einen Bruchteil deS Wertes der Ware darstellt. Das gibt dann wieder zahlreiche Schreibereien und Beschwerden, aber auch der Postsiskus hat sich so gesichert, daß er nur höchst selten zum Schadenersatz herangezogen werden kann. Be- sonders schmerzlich ist eS, wenn eine brieflich mit dem Tage der Absendung angekündigte Sendung ausbleibt. Man tut dann gut, periönlich nach der Totenkammer zu gehen, und wird in vielen Fällen noch zum Fest in den Besitz des Ausreißers gelangen. Aus S!ot in den Tod. Wegen Nahrungssorgen hat gestern der 50jährige Bierabzieher Hermann Lilsche aus der Frankfurter Chaussee 14 Selbstmord ver- übt. L., der seil mehreren Jahren Witwer ist, war lange Zeil krank und verlor infolgedessen feine Stellung. Alle seine Bemühungen, Beschäiiigung zu finden, blieben vergeblich und so geriet er in große Not. Als feine geringen Ersparnisse verzehrt waren und er rrotz eifriger Bemühungen Arbeit nicht fand, mußte er Hunger leiden- AuS Verzweiflung über fein trauriges Geschick, machte der Bedauerns- werte seinem Lebe» ein Ende, indem er sich erhängte. Ein Beamter des Lichtenberger Magistrats, der von Lilsche Steuern erheben wollte, fand ihn tot an der Korridortüre hängend auf. Ein hinzu- gerufener Arzt ko»nte nur den schon vor mehreren Stunden ein- getretenen Tod feststellen.__ Zahlreiche Kollidiedstählr sind in den letzten Tagen verübt worden. Es tourden nicht weniger denn 18 Personen wegen solcher Diebstähle und wegen Hehlerei festgenommen. Ter wahre Jacob gelangt infolge der Weihnachtsfeiertage in der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69, erst Montag, den 29. d. Mts., zur Ausgabe. Die Antialkohol- AuSslclluug des Arbeiter-AbstinentenbundcS, Aktionsausschuß Groß-Berlm, befindet sich jetzt in der Graunsti. 36. Hof parterre, und ist ab Sonnabend, de» 27 Dezember, von 1 Uhr mittags bis 9 Uhr abends geöffnet. Der Eintritt ist frei. Der Männerchor Moabit veranstaltet am Donnerstag, den 26. Dezember ferster Feiertag), vormittags 10 Uhr. im Stadl-Theater, Alt-Moabil 47/48. unter Mitwirkung namhafter Arbeiter-Sängerchöre eine Sängermorgensprache, zwecks Agitation für die Bestrebungen der Arbeiler-Sänger. Parteigcnosfen, Sänger und Sangesfrcunde sind freundlich eingeladen. Eintritt frei. KirchcnauStrittsvcrsamiulungen finden am 11. Januar 1914 an- läßlich der Eröffnung des Landtages in verschiedenen Orlen, auch in Groß-Berlin, vom Komitee Konseisionslos einberufen, statt. Ein Portemonnaie mit Inhalt ist gestern abend auf dem Alexanderplatz gefunden worden. Wir werden gebeten, mitzuteilen, daß der Verlierer das Portemonnaie vom 18. Polizeirevier in der ZionSkirchftraße abholen kann. Vorort- Nachrichten» Weihnachtsveranstaltungen. Tempelhof. Am 1. Wcihnachtsseicrtag. abcndS 7 Uhr, findet im .Wilbelmsgailen', Berliner Straße 43, eine NeihnachtSfeicr statt. AuS dein Programm heben wir hervor: Streichkonzert, Rezitation(Frl. Marie Schipfmann). Kinderreigen und Ausführung, Chorgesang, Marmor- gruppen. Eintritt 25 Pf. Grünau. Am 1. Feiertag veranfialtet der hiesige Arbeiler-Gc'ang- verein»Eangcslust- einen Tdenterab nd. Ta sowohl der Ernst als auch der Htimm voll zur Geltung kommen, wäre zu wünschen, daß dw Arbeiter- Ichast den überaus rüdrigen Verein durch guten Besuch tatkräftig unter- stützen würde. Bohnsdorf. Eilicn Märchenabend mit Lichtbildern veranskallet am 1. Weihnachtsseieriag. liachmittags b'l, Uhr, in der.Villa Kahl' der hiesige BildungSausichuß. Boriragende Frau Elia Kübne. Gedichte, Märchen, Rätsel und Lieder zur Laute. Eintritt sür Erwachsene 20, für Sünder 10 Pf. Billetts sind zu haben beim Kajjierer Wilhelm Franz. Schöncberg. Die Weihnachtsjeier des A rb e i t o r- T u r n- Vereins findet in diesem Jahre in den.Spichernsälen'(Prachtsäle des West ens, Inhaber Stecherl), Splchernslr. 3, statt. Programm: Konzert. Märchenaufsührung, Turnen, humoristische und theatralische Vorträge des Ensemble.Bunte Bühne-. Beginn 5 Uhr. Eintriü 50 Ps. Ter Arbeiter- Nadfahrerbund. Ortsgruppe S.chönrberg, ver- anstallct am 27. Dezember eine Weihnachlsbeicherung der Kinder bei Ebrecht im Tunnel, Marttn-Lutbcr-Siraße 69. Beginn abends 6 Uhr. Tic Freie Turnerschaft Steglitz veronslallct am 1. Feiertag einen Unterhaltungiabend mit Künftlerlonzert, turnerischen Aufführungen, Vorträgen und Tanz im Reslauranl Birkenwäldchen. Da der Vciein bei Arbeiterseslen stets bereitwilligst inltwirlt und glcichsalls unter behördlichen Schikanen zu leiden hat, wird aus einen regen Besuch gerechnet. Lankwitz. Tic hiesige Ortsgruppe bes Arbeiter- Radfahrerbundes .Solidarität- veranstaltet am 1. Weihnachtsseierlag bei Siegel, Kaiser-Wilhelm-Str. 31, einen Unterhaltungsabend. Da der Verein bei Arbeitervergnügungen sedcrzcit zur Verfügung steht, werden die Genossen ge- beten, denselben zu unterstützen. Lichtenberg. Am Donnerstag, den 25, Dezember, hält der Wahl- verein im Lokal von Paul Schwarz, Möllendorstslr. 25/26, seine Weihnachts- feier ab. Außer Konzert sind theatralische Aufführungen, Kindergesang und Reigentanz vorgesehen. Der Beginn der Feier ist 6 Uhr abends. Billetts sind noch in beschränkter Zahl in folgenden Verkausöslellen zu Habel»: John, Zigarrengcsch., Gärlnerslr. 33, Wilh. Schulz, Rest., Kronprinzeuslr. 17, O. Blume, Rest., Alt-Boxhagcn 56, Krüger, Rest., Türrschmidtslr. 40. P. Werner, Rest.. Wilhelmslr. 66, Alielke, Rest., Möllendorfstr. 14, Gergs, Zigarrcngesch., WUHelmslr. 54. Ober. schöi», weide. Ter Turnverein Ober-Schöneweide veranstaltet seine diesjährige WeihnachtSseier am 2. Wcihiwchlsselertag im Schloßpark Wilhelminenhvf, kleiner Saal. Ansang nachmittags 4 Uhr. Ziieder-Schüneweide. Der Turnverein.Frisch aus- scicrt am 1. Feiertag sein StistungSsest ini großen Saal des Reswuranls Kyfshäuser. Ansang 6 Uhr. Saalöffnung 5 Uhr. Neukölln. Bolkssinfonickonzert. DaS nächste der von der Stadtgemeinde Neukölln veranstalteten Volkösinfoniekonzerte findet am Dienstag, den 30. Dezember 1913, abends 8ff, Uhr, im große» Saale der Neuen Welt in der Hasenheido. statt. Tos Konzerl wird von dem Blülhner- Orchester unter Leitung des Hofkapellmeisters E. v. Strauß aus- geführt. Besondere Bedeutung gewinnt das Konzert durch die Mit- Wirkung deS Herrn kgl. HofopernfängerS I. Bifchoff, deS ersten WagnersängerS der kgl. Hosoper, der einige Gesänge aus Wagnerschen Werken zum Vortrag bringen wird. Das interessanle Programm enthält die Ouvertüre zu„Euryanthe" von E. M. v. Weber, den.Gesang an den Abendstern'.„Wolframs Gesang im Sänger- krieg- von R. Wagner, das„Nocturna- und den„HockzeitSmarsch- aus„Der SommernachtStraum- von Mendelssohn, den„Walküren. ritt',„Wotans Abschied und Feuerzauber' von R. Wagner,„Zigenner- weisen' von Sarasote(Violiniolo des Herrn KonzertmeislerLambinon) und die sinfonische Dichtung„Oes von Fr. Liizt. Eintritts- karten zu 50 Pf.(L Parkett oder Balkon) und 30 Pf.(II. Parkett) sind in den Geschäften von Bergwald. Berliner Str. 56, Seidler, Bergstr. 42. Blubm, Kaiser-Friedrich-Straße 207/08, Jubl, Kaiser- Friedrich-Str. 247/48, Prochnow, Hermannstr. 69, den.Vorwärts'- Expeditionen, Neckarstroße 2, und Sicgfriedstraße 28/29, sowie an der Abendkasse erhältlich. Charlottenburg. Die städtischen BolkSbadeanstaltc» bleiben an beiden Weihnachts- feiertagen geschloffen. Am Heiligabend ist bereits um 5 Uhr Kasfenschluß. Steglitz. Eine kulante Wohnungsonuonce. Im hiesigen Bahnhofsgebäude war kürzlich eine Wohnung im Erdgeschoß besteheud aus 2 Stuben und 1 Küche zum 1. Januar 1914 oder später zu vermieten. Be- sichligung der Wohnung vermittelte die 73. Bahnmeisterei in Groß- Lichterfelde-Weit. Bedingungsgemäße Angebote sollten bis zum 20. Dezember d. I., vormittags 11 Uhr, an daS kgl. Eisenbahnbetriebsamt 7 in Berlin eingeiandt werden. Bedingungen konnte» daselbst eingesehen und für 50 Pf. gekauft werden. Ob sich wohl aus so uinständlichcr Weise ein Mieter für diese Wohnung ge- funden hat? Zonen. Die Stadtverordnete»- Stichwahl findet am Montag, den 29. Dezember, vormittags von 11 bis nachmittags 2 Uhr statt. Die Sozialdemokratie ist ebenfalls an der Stichwahl beteiligt. Kandidat derselben ist der Schriftsetzer Friedrich S a u p e. ES wird nun Aufgabe der Zosfener Arbeiterschaft sein müssen, demselben zum Siege zu verHelsen. Adlershof. Ein gräßlicher Unfall ereignete sich am Montag in der AdlerZ- hofer Filzfabrrk. Auf bisher unaufgeklärte Weise wurde die Ar« beiterin Anna Franz von der Maschinenwelle ersaßt und zirka fünfzehnmal herumgeschleudert. Der Kopf der Unglücklichen schlug hierbei gegen die Wand und wurde schrecklich zugerichtet. In dem Raum war zur Zeit des Unfalls noch eine zweite Arbeiterin be- fchästigt, die jedoch in ihrer Aufregung anstatt die Maschine zum Halten zu bringen, davonlief und den Maschinenmeister holte. Als die Verungliickle befreit wurde, gab sie nur noch schwache Lebens- zeichen von sich: sie binterläßr fünf unmündige Kinder im Alter von 1— 5 Jahren. Von den in der Fabrik Beschäftigten wird der Unfall in der Hauptsache auf die zurzeit herrschende Arbeitsmethode zurück- geführt. Während sonst immer noch mehrere Arbeiter in dem Raum beschäftigt sind, werden diese jetzt zu anderen Arbeiten auf dem Hofe beschäftigt, um hier Arbeiter zu sparen. Da die Löhne äußerst niedrige sind, müssen bei den Akkordarbeiten die Frauen, um etwas zu verdienen, äußerste Anstrengungen machen. Daß die Ver- hältnisse in der Fabrik so traurige sind, dürfte an den Arbeitern selber liegen, da bisher nur ein kleiner Teil zum Anschluß an die Organisation zu bewegen war. Köpenick. Der Athletenverciu Jugendkrast wendet sich in einer im.Köve- nicker Tageblatt' und.Köpenick« Dampfbool' veröffentlichten Er« iläxung gegen die Behauplung des Arbeiter-Sportkarlells, daß er mit dem Jungdeulschlandsbund zur Bekämpfung der Sozialdemo» kralie Hand in Hand gebe. Die Erklärung könnte bei der Arbeiter» schaft den Eindruck erwecken, daß der Verein Jugendkrafr ein Arbeitersportverein sei. Das Arbeiter-Sporlkartell sür Köpenick stellt demgegenüber folgendes fest: Der Verein.Jugendkrast" gehört dem .Deutschen Reichsverband für Schwerathletik' an, dieser wieder dem „Deutschen Reichsausschuß sür Olympische Spiele', dessen Protektor der deutsche Kronprinz und Präsident der preußische Staats» minister a. D. v. Podbielski ist. Nur durch diese nahe Verwandt« schasc mir der» Jungdeutichlandsbundc war eS dem Verein.Jugendkrast' möglich, sich an der Stadion-Einweihnng zu beteiligen. Dem Ardeiter-Arhletenbunde Deutschlands gehört der Verein nicht an. Wir bitten deshalb nochmals, alle Einlaßkarten dcö Vereins .Jugendkraft' für Festlichkeiten entschieden zurückzuweisen. Teltow. In einer gutbcsuchtcn öffentlichen Versammlung referierte Reichs« tagsabgeordneier Genosse Krätzig über das Thema.Militär« anarchie gegen VerfassungSrechl'. Die Ausführungen des Redner» wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Am Schluß der Ver« iammlung machten die Genossen Franke und Röder auf die bevor« flehenden Orrskrankenkassenwablen aufmerliain und ersuchren die Anwesenden, für die ihnen von den Parteigenosjen vorgeschlagenen Kandidaten zu stimmen, linier anderem unterzogen die Redner doS Verhalten des Kaffenvorsitzenden einer strengen Kritik. Derselbe habe, rrotzdem die Kasse keine freie Arztwahl habe und nur jetzt einen Kassenarzt besitze, mit diesem bereits einen Vertrag auf weitere iünf Jahre abgeschlosien. Die Wahlperiode dauere aber nur vi« Jahre, somit reiche der Vertrag zwischen Kasse und Arzt bereits in dre zweite Wahlperiode. Der Vorsitzende habe somit über die Köpfe der Mitglieder hinweg gehandelt. Nowawes. Die Arbeitslosigkeit am Orte, unter der besonders die Bauberufe zu leiden haben, hat im Laufe der letzten Monate einen Umfang angenommen, der für die nächste Zeit der Winterperiode zu den ichlimmsten Befiirchtungen berechtigt. Hunderte von Arbeitern, die bereits im Vorjahr von der allgemeinen Krise hart betroffen wurden, sind seit vielen Wochen ohne Beschäftigung und sehen nach Auf- zehrung ihrer mühsam erworbenen Eriparnisie der bittersten Not entgegen, ohne jegliche Hoffnung auf baldige Besserung. Denn der Winter hat erst begonnen, und viele Arbeiten, die infolge der bisherigen milden Witterung bis jetzt fortgeführt werden konnten. werden bei Eintritt von Schnee und strengem Frost auf längere Zeit ruhen müssen, wodurch das Heer der Arbeitslosen noch weient« lich gesteigert wird. Die von den Gewerkschaften gezahlten Unter« stützungcn schützen die Arbeitslosen zwar vor der äußersten Not, auf die Dauer ist es den Familien jedoch nicht möglich, dabei zu existieren, sie geraten schließlich in Schulden und Not, die nicht nur auf das Familienleben demoralisierend einwirken, sondern infolge der andauernden Unterernährung auch zu schweren gesuudheulilven Schäden führen müssen. Der Wahlverein hat daher angesichts dieses Zustandes beschlossen, an die Gemeindevertretung das Ersuchen zu richten, schleunigst Mittel und Wege zu suchen, um dem vorhandenen Notstand abzuhelfen. In einer bereits eingereichten Petition ichlägt er der Gemeindevertretung folgende Maßnahmen vor: 1. Sofortige Ausführung öffentlicher Arbeiten und planmäßige Schaffung von Arbeitsgelegenheit. 2. Einwirkung auf die staatlichen Behörden dahin, daß bei deren Bauten im Gemeindegebiet die hiesigen Arbeiter vor ausländischen oder auswärtigen den Vorzug erhalten. 3. Bereitstellung von Geldmitteln zur Unterstützung der durch längere Arbeitslosigkeit in Not geratenen Familien.— Der Wahl- verein verkenn! zwar nicht die Schwierigkeiten, die sich infolg« der mißlichen Finanzlage unserer Gemeinde der Erfüllung vor- stehender Forderungen entgegenstelle», ab« er sagt sich mit Recht. daß die Gemeinde eingreisen muß, wenn sie siebt, daß ein großer Teil der Bevölkerung obne seine Schuld vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch steht. Uebrigens bleibt hier zu bedenken, daß die zur Linderung der Not aufgewendeten Summen letzten Endes doch der Gemeinde zugute kommen, indem der Armenctat entlastet wird. Auch der von der Krise betroffene Mittelstand muß ein Jnteresie an einer wirksamen Linderung der Not haben. An seinen Vertretern liegt es nun, daß die Forderunzen der Arberterschaft erfüllt werden. Spandau. Doppelselbstmord eines Liebespaares. Gestern srkth wurden» dem Hause Götelstraße 15 die Leichen deS Hausbesitzers R- aus Charlottenburg und seiner Geliebte», der Portierfrau U. vergiftet aufgesunden. Wie hierzu gemeldet wird, unterhielt der in der Rönnestraße 8 zu Eharlottenburg wohnende, 50 Jahre alte N.. der verheiratet und Bater mehrerer Kinder ist, seit elwa sieben Jahren ein Liebesverhältnis mit der 46 Jahren alten Portierfrau U., die früher bei ihm in Dienst war. Als heute früh auf wiederholtet Klingeln von Verwandten die Wohnung der U. nicht geöffnet wurde, schöpfte man Verdacht. Man öffnete die Wohnung und fand dat Liebespaar vollständig angelleidet im Wohnzimmer tot auf dem Sofa sitzen. Beide hatten sich anscheinend in gegenseitigem Ein» Verständnis mit Zyankali vergiftet. Die Leichen wurden beschlag- nahmt. Spiel und Sport. Wanderer. TeutsAcr Arbeiter- SSauderbund»Tie Ziaturfreullde«. An den Weihnachtsjcieria.qcii werden folgende Touren unternommen: Lttsgrupvc Berlin: I. TahmSdors.Münchcbcrg, Märkische Zchwciz, Blumental, Freienwalde, Plagefcnn, Kloster Chorm� Eberswaldc<2 bis 4 Tage). Abfahrt 25. Dezember 7 Uhr vorm, vom«chleslschen Bahnhof. II. Durch den Ober- und Unter fprcewnld.(2~ 3 Soge.) 1. Tag: Lübben, Alt-Zauche, SchützcnbauS, Bufchinüble, Burg. 2. Tag: Burg, Kaupen,«traupitz. Lübben. li. Tag: Lübbe», Schiepzig, Wehla-Bcrg, Ldcrin. Abfahrt am 25. Dezember Gorlitzer Bahnhof 6.S5 Uhr vorm. III. Durch Mecklenburg(3—4 Tage). Neustrclitz. Burg Stargard, Tallenfe- See, �Neubrandenburg, Hohcnzieritz, Nenftrelitz. Absahr» am L6. Dezember Stettiner Fernbahnhof 5.42 Uhr vonn. IV. Äindertour(3 Tage). Dahlewitz, Gr.-Schulzendorf, Klauer Berge, Bannsce. Tresfpuult 2ö. Dezember vorm. S'/. Uhr am Potsdamer Platz, Jiormalubr. Lehnitz. Briese, Stolpe(1. Feiertag). Abfahrt Stcttrner Vorort- bahnhos 7.03 Uhr vorm. VL Berlenbrück, Debmfec, Briefen(2. Feiertag). Abfahrt Bahnhos Friedrichstrahe 6.20 Uhr vorm. VII. Rehbrücke, Ravcnsbcrge, Saarmund, Michendorf(2. Feiertag). Abfahrt Bahnhof Friedrichstrahe 8.42 Uhr vorm. Am Sonntag, den 28. Dezember: I. Schwante, Sarnower Forst, Oranienburg. Abfahrt Stettiner Fernbahnhof 6.46 Uhr vorm. II. Rahnsdorf, Fuchsberge, Forftbaus Schmalenberg, Erkner. Abfahrt Bahnhof Friedrichstraße 6.50 vorm., �chlefifchcr Bahnhof 7.03 Uhr vorin. III. Zehlendorf, Kl.-Machnow. Treffpunkt Bahnhof Zehlcndorf 2 Uhr nachmittags. Ortsgruppe Neukölln. Weihnachten: Durchs Stcrnbcrgcr Land <2— 4 Tage). Frankfurt a. O., Tzctzichnower Schweiz. Reppen, Burgwall, Klauswalder Mühle, Pleiste, Lagow, Lcckenieen, Schermeisel. Abfahrt i. Feiertag Bahnhof Neukölln 6.33 Uhr vorm., Schlesischer Bahnhos 7.15 Uhr vorm. bis Frankfurt a. O. 26. Dezember: Strausberg, Karzin, Rchfelde. Abfahrt Bahnhof Neu- töllu 6,08 Uhr, Schlesischer Bahnhof 6.33 Uhr vorm. Ortsgruppe Steglitz. 26. Dezember: Melchow, Nonnenflicß, Hcgermühle, Eberswaldc. Abfahrt Steltiner Fcrnbabnhof 5.59 Uhr vorm. 27. Dezember(Anschlußtonr): Britz, Altenhof, Werbellinfec. Abfahrt Etettiner Fernbahnhos 5.53 Uhr vorm. Ortsgruppe Friedrichs Hagen- Köpenick. 28. Dezember: Rahnsdorf, Fuckobrrge, Fh. Schmalenberg, Erkner. Treffpunkt 7.42 Uhr vorm. Bahnhof Rahnsdorf. Arbeiter-Touristenverein»Tie Naturfreunde». OrtsgruppeBerIW. An den Weihnachtssciertagen folgende Touren: l. Priegnitzgcbiei. 25. bis 28. Dezember. Friefack, Neustadt a. D., Kyritz, Herziprung, Wittstock, Kloster Heiligengrabe, Pritzwaik, Bleyenburg, Frehcnstem, Wittstock. Abfahrt nach Friefack am 25. Dezember Lehrter Bahnhof 6.20 Uhr(Eilzug). Nach- zügler am 26. Dezember mit gleichem Zuge nach Khritz, Neustadt a. D. umsteigen. II. Mecklenburg, 25.— 28, Dezember. Fürstenberg, Zechlin, Mirow, Bipperow, Röbel, Waren, Ratzeburg. Ncustrclitz. Abfahrt am 25. Dezember nach Fürstenberg, Stettincr Bahnhof 5.42 Uhr(4. Kl.) III. Overbruch, 25.— 28. Dezember eoterncbcck, Freienwalde a. O., Zehden, Raduhn, Nieder-Saaten, Schwedt a. O., Fclchow, Angermünde. Abfahrt am 25. Dez. nach Sternebcck, WAezener Bahnhos 5.30 Uhr(4. Kl.) IV. 25. Dezember. Durch den Duberolvforst. Absaht nach Gr. Köris, Görlitz«; Bahnhof 6.55 Uhr.— Gäste willkommen. Arbeiter- Wandervercin Berlin. I. Donnerstag, den 25. Dezember, Wanderfahrt nach Königs- Wusterhausen, Senzig, Gräben- dorj, Dubervw Forst(Frauensee, Schmölde, Hölzerner See), Gr. Köris (Rückfahrt!, Haide(Nachtquartier). Weglüngc etwa 24 km. Abs. 6.55 Uhr Görlitz er Bahnhof. �t II. Freitag, den 26. Dezember, Wanderfahrt nach Halbe, Tabak« see, Tornow. Egsdors, Tcupitzer See, Tornows Idyll, Sputendorf, Motzen- mühlc. Motzen. Weglänge etwa 20 km. Abf. 6.55 Uhr Görlitzer Bahnhof. Gäste willkommen. Sonntag, den 28. Dezember, Schlutz-Wanderfahrten 1913 nach Karolinenhof. I. Buckow, Schönefeld, Karolineuhof. Linie 28 bis Buckow benutzen, Abmarsch von Buckow'/.10 Uhr. II. Johannisthal, Ädlershos, Karolinenhof. Abs. 8 Uhr Görtz Bahnh. III. Erlner, Gosener Berge, Seddinjee, Karolmenhos. Abs. 8 Uhr Schlcsischcr Bahnhos. IV. Grünau, Karolinenhof. Treffpunkt 1 Uhr am Bahnhof w Grünau. Gäste willkommen. Turner. Freie Turnerfchaft Neukölln- Britz. Zwei große Fußball- Propagandafpicle finden am 2. Wcihuacktsseiertag auf dem Tasmonia-Sporiplatz, Grcnzallec, an der tttzlliuschcn Allee ttali. Die Fugend spiel! vormiliags 10 Uhr gegen Rcinickcndorier Ballivielllub; die Männer nachmittags 2 Uhr gegen Forst. Eintritt 25 Pf. Da am 1. Feiertag ein Wettspiel des Jungdeutlchlandbundcs auf demselben Sport- platz stattfindet und die Spiele als Gegenaktion gedacht find, sind alle Vereine der.Märkischen Spielvereinigimg" sowie die Arbeiterfchast Neuköllns ganz besonders eingeladen. Aus dem Turnplatz in Treptow. Köpenicker Landstraße . i chtcplatz) findet ein Propagandaipiel statt, in dem die 3, Männer- bteilung des Tu rnoercins.Fichte" einer auswärtigen Mannschaft gegenübersteht, Beginn wie oben. Märkische Tpiclvereiuigung. Bezirk Groß-Berlin, An den Weihnachtsfeiertagen tragen mehrere Berliner Wannschasten mit aus« wärtigen Bundesvereinen Freundschaftsspiele aus. ES spielen am 1. Weihnachtsfeiertag: Reinickendorfer Balls Pieltlub gegen Bremen Abt. I auf dem Fichte-Turnplatz in Reinickendorf am Schäfer» see. Adler gegen Dresdener Sportverein in Reinickendorf, Hauptftr. 51. Vorher spielen Adler II— Dresdener Sportverein II, Vorwärts gegen Brandenburg Abt. I in Zehlendorf, Machnower Chaussee. Verein für Bc< wegungslpielc gegen Oberspree in Frtcdrichsbagcn auf dem V. f. B.-Platz. Fußballklub Union-Pankow I. Mannfchost gegen Freie Sportvereinigung- Berlin; II. Mannschaft gegen Fichte VIII zweite Mannschaft. Am 2. WeibnachtSfcicrtag spielen: Fichte XVII— Brandenburg Abt. I aus dem Fichlc-Turnplatz in Reinickendorf am Schäsersce. Herta 1312— Dresdener Sportverein auf dem Adlerplatz in Reinickendorf. Hauptstr. 51. Fichte X>'I— Brandenburg Abt. II in Pankow, Damerowstr, Neukölln, Britz— Forst Abt, VII in Neukölln, Tasmania-PIatz. Iohannisthaler Ball- spielklub— Freie Sportvereinigung in Johannisthal, Friedrichstraße. Turn- und Sportvereinigung Schmargendorf— Temvelhof-Mariendorf auf dem Tempelhofer Feld. Die Spiele beginnen um 2 Uhr. Am 28. Dezember spielen: Liberias— Viktoria in Weißensee. Rcnn- bahnstr. 40. Spandau— Wetßensee in Spandau, Exerzierplatz, Sccburger- ftraße, Borussia— Rummelsburg in Witienau, Röder-Allee, Fichte III— Luckenwalde Abt. V aus dem Fichte-Turnplatz in Treptow- Baumfchulenweg, Köpenicker Landstraße. Vorher spielen Fichte III 2. Mannschaft— Luckenwalde Abt. II 2. Mannschaft. Spiel- und Sportverein Lankwitz gegen Froh-Frei in Lankwitz, Mühlenstraße. Athleten. Arbeiter-Athletrnbund Deutschlands. Am 25. Dezember(1. Feiertag) veranstalten folgende dem Bund an- gehörenden Bereine Gala-Sportvinflellungen und zwar: Der Sportklub.Freiheit I" in Schncgeibergs Festfälen. Hafenhcide 21. Ring- und Sportklub Adler 1305 Am Treptower Park 27, Inhaber Wanzlick. Kraft- und Artisten-Verein»Jugendkrast", Wilmersdorf, im Viktoria- garten, WilmcrSdori, Wilhelmsaue 126. Kraft- Sportklub.Olvnipla 07" Berlin, In den Krnrzbergsälen, Kreuz- bcrgstr. 48. Der Sportklub.Herakles 1833" in den Festsälen, Badstr. 13. Sportklub.Felsen" Johannisthal, im Restaurant.Zur grünen Ecke", Inhaber Krüger. Der Zentncrklub.Annin 1830" feiert im Etablissement.Elyfium", Landsberger Allee 40—41, sein 23. Stiftungsfest. Da am selben Tage noch von anderen Bereine» der Athletik Der- anstaltungci! getroffen find, weisen wir die Arbeiterfchast daraus hin, daß andere Bercinc als die vorstehenden mit dem Arbeit er-Athlctenbund nichts zu tun haben,_ Freireligiöse Gemeinde. Am 1. Wcihnachtsseierlag, vormittags 11 Uhr. Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. H. Hasse: »Die Weihe des Lichtes".— Damen und Herren als Gäste willivmmcn, ßnefkaften der Expedition. Patientrii in Beelitz, Buch und anderen HeUstittea. Diefentgen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wolle» ihrem bisherigen Spediteur wegen der Ueberwsifung von Frei- exeinvlaren sofort ihre Adresse ciiisenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen MonatS von der Post nicht geliefert werden. Alle Adresse» müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Wittcrungsüberfictit vom 83. Dezember 1913. Stafiona - X£ S a LZ C= lv i Vetter w« *11 i? mT wölken! Schnee bedeckt heiter bedeckt Swinsmde.!757sWSW 5 Regen 3 Havarando750iN Hamburg s758!SW 4!Ztegcn 2 Pclcrsburg740NW Berlin!760iIW 3 bedeckt 2 Scilla ,757O Franst, a.M 764�W' 2 Dunst— 1 tzlberdeen 754A München>766 SW s livoltenlj— 8 Paris>764 Still Wien 1764iWSSi 2halb bd.> Wetterprognose für Mittwoch, den Lt. Dezember ISIS. Ein wenig kälter, veränderlich, vorwiegend trübe und nebelig wiederholten Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterburea »tatwaen ni p— e« vett« ** K-* Ii -16 —10 10 4 5 mit v. Wafferstandö-Nachrichte» der LandcSanfialt für Gewäsicrlunde, milgeteili vom Berstner Wetterdurean Wasserstand Memet, Tilsit P r e g e l, Lnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krofien , Frantiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmratz » Dresden , Barbv » Magdeburg ') 4- bedeutet Wuchs.— Fall.— 1 Unterpegel. I�öniß-5tvsbie 3* Tauenteien-Stross« 1» leiptiger Strasse 65' Oranien• Strasse 47a Oranien-Stra5se34 Friedenau, Rhernstr. 14. Müller-Strasse 3a Neukölln, Bergslr. 7)4 Moabit; Turm- Strasse"50 CiuiraniSchühe S Garantie für ledes Paari Herren: nutLäürncri Dömen: jnif LalcBe:' .50 PUCK «Üe raeixe OjULÄliiäiis- IM Cinjorctte Möbelfabrik Rob. 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Gräfestr. 78, Baehr.* Ritterstr. 15, Wilhelm Boenicr.* Urbanstr. 68, Max Hahne. Nordwesten. Beusselstr. 62, Julius Löbcl. Beusselstr. 41, Paul Galotv* Emdenerstr. 47, Hermann Hagedorn.* Stromsir. 25, Robert Kern.* Zwinglistr. 29, Richard Kiepert.* Nordoste». Barnimitr. 42, Jakob Reick* Barnimstr. 15, Gustav Wittenberg. Höchsteslr. 7, W. Eckenbrecht. Landsberger Allee 145, Gustav Richter.* Marienburger Str. 32, E. Wolter.* Strausberger Str. 18, Karl Stenzcl. WmSslr. 25, A. Dierbach* Adlershof. Robert Hclmer. Friedenstr. 16. Karl Fante. Sedanstr. 29, R. Otto* BiSmarckstr. 5Ss, Otto Benkert. �ricdrichshagen. Wilhelmstr. 59, Fritz Moritz. Lichtenberg. TaSdorfer Str. 18, Paul Harting.' Neukölln. Fuldastr, 15, Albert Schuster.* Friedelstr. 3, Jickius Gans. Friedetstr. 61, Baehr.* Pankow. Mühlenstr, 38, Janikc.* Rummelsburg- Lichtenberg. Crossener Str. 17, l � �. Neue Bahnhosstr. 1/ �oh.Bobrowzky.« Reinickendorf-Ost. Kopenhagener Ltr, l, Adols Adelt.* Steglitz. Diippclstr. 5. 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Donnerstag, nachmiltagS 3 Uhr: .Andrea« tiloker. Donnerstag, abends 8 Uhr: Was ihr ivollt. Freitag, nachmittags 3 Uhr: Götx von Bcrlichingcu. Freitag, abends 8 Ubr: •lusrndfrenudc. DcutüchesSchaaHpielliuuH Heule geschlossen. I.Feiertag 3 Uhr: komeo unä lickia. SlUiv�Dio heitoro Residenz. TösaiepioilerOnigiräizerÄ Heute geschlossen. 1. Feiertag l1/., Uhr: König Klchard III. Koniödienhaus. Heute geschlossen, t. Feiertag 8 Uhr: Hinter Hanern. Berliner Thealer. Heute geschlossen. 1. Feiertag 3 Uhr: Wie einst Im Hai. Lessing-Theater. Geschlossen. Die Tagest ist von 10—2 geössnet. Donnerst., Freitag, Sonntag: I*>>rmalion. Theater des Westens. Heute geschlossen. Morgen 8 Uhr: Polenblnt. Mtsches Künstlertheater Sozietät. Mittwoch geschlossen. Donnerst. 3 lt.: Der Biberpelz. Donnerstag 8 Uhr; llunnele» Himmelfahrt. Der zerbrochene Krug. Freitag 3 Uhr: Glanbo nnd Heimat. 8 Ubr Residenz-Theater 8 Uhr. Heute geschlossen. Morgen: Hoheit— der Franz! Miisikalischc Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger nnd Willi Wolss. Musik von Robert Winterberg. Allabcndl. 8 Uhr.-Nobeit— der Franz! flieater am Holleoiiorfjtiatz 8. Nachmittags 4 Ubr: Frau Holle. ' Abends S Ubr: Fredde nnd Teddy. TölierCaprice. Anfang C:/4 Uhr Der Kncknck. Mauöverschwindcl. Die Sainnelw. Heute seschlossen. !OSE=THEATE Grone Frankiurter Sit. 132. Mittwoch geschlossen. Donnerstag und folg. Tage: —: l>cr Schürzenjäger. Ansang 8 Uhr. Donnerstag, nachmittags 3 Uhr Fröhliche Weihnacht. Meiropol- Theater. Hentc geschlossen. 5üi beiden WeihnachtSsei-rlaze»: Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Rachmitogs!S IBuliepE, Volkstheater Neukölln. Hormannstrago 20. Donnerstag, de» 25. Dezember: Hein lieopold. Voltsst. mit Ges. in 3 Alt. o. L'Arronge. Freitag, den 26. Dezember: Herllner Kinder. Geiangsposse in 4 Akten o. Salingrs. Sonnabend, den 27. Dezember: Napoleon und seine Frauen. Sensationskomödie in 8 Bildern von Howard und Lutz.— Ansang 8 Uhr. NMesMiiaedlMi täglich: JetiEPErwacltsüne hatiiasReclit Ein Rind frei einzuliilirej. Jedes Kind erhä t ein VinaisgeseU! Alles ßliae Extra-Entree. Vereinigte Berliner Volksbühnen. I.nisen-Theater. 1 Walhalla-Theater. Heute Mittwoch; Geschlossen. I Heute MiUwoch: Geschlossen. 1. Feiertag 3 Uhr: vis All«i>rilonz. I.Feiertag 3 Ubr: Heimat. 8'/, Uhr: Frecioisa. 1 2.(veierfag 3 llfjr: Von Stufe zu Stufe. URANIA Taubenstraße 48,49. Heute geschlossen. Ä»Clon" * 1»!■-- MauerstraSo 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraSe 82.— ZirnnierstraSe 90/91 DO» Heute: Geschlossen!"■9*0 An allen 3 Weihnachtsfeiertagen und Sonntag, den 28. d. Tl.: Oroße« Idoppel-Konzert! Anfang 4 Ihr. Oroße Silvester-Feier! Karten a 1,50 31. im„Clou"! Zirkus Alb. Schumann. I Heute keine Vorstellung. An allen 3 Weihnachtsfeiertagen: Donnerstag, den 25. Dezember, Dreitag, den 26. Dezember, Sonnabend, den 27. Dezember, I linden täglich l pSe Fest-lforstelliiop 2 statt. Anfang der Nachm.-Vorstellungen: I 3 Ihr und abonds i';, L'hr. in allen Vorstellungen ausnahmt- weise die neue große Ausstattung| in 7 Bildern: „Tipp". Nachmittags ein Kind frei. 50 wilde Weiber .Hänner nnd Kinder aus dem Innersten Afrikas. Der unersättliche Frosehsehlucker. 20 Säle rcit plastischen Kunstwerken in Lebensgröße. Alles ohne Extra- Entree Cinfritt für die gesamten Räume Lllllllll des Panoptikums inkl. aller Nebenräume und Cfl Sehenswürdigkeiten OU"> Soldafenu.KlnderäöPf. Brauerei Friedrichshain. Ab Weihnachten täglich: Schorsch Ehrengruher mit seinen Oberlandlern. Jlittwoobs u. Donnerstags: Elite-Tage. ArminiusaHallen Bremer Strotze 72/73 Tloabit Bremer Strotze 72/73 Voranzeige der Feiertage! Mittwoch, den 24. Dezember; Personatfeicr. Gcicklosscu. Int Restaurant an allen Feiertagen: Käantler-Koazert. Fweite» Feiertag: Greller Kavalier-Hall. Avis! Vorbestellung zur Silvesterfeier rechtzeitig erbeten. Telephon 186. 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Nachmittags hat jeder Erwachsene ein angehörigcs Kind unter zehn Jahren aus allen Sitzplätzen srei. JcdcS weitere Kind um. 10 Jahren zahlt die Hä.ste auf den Sitzplätzen. In bin Nachmittagsvorstellungen: Die gr. Ausstattungs-Pantomiinc Aus unseren Kolonien. Abends 7'/z Uhr: Pompeji. Trinnon-Iheater. Geschlossen. An allen 3 Wcibnachts« seicrtagen 8 Uhr: Anatoles Hochzeit. I.u. 2. Feiertag 3 Uhr: Dia Liebe wacht. Voigt- Theater " Badttrahe 58. 1. Feiertag, nachmittags 3 Uhr: Der deutsche Michel. 1. Feiertag, abends 8 Uhr: Rückkehr am Weihnachtsabend. 2. Feiertag, nachmittags 3 Uhr: Die Waise aus Powood. 2. Feiertag, abends 7 Uhr: Heimg'fundcn. 3. Feiertag, abends 8 Uhr: Kasernenlust. Kasicneröffn. l0 Ubr.'Ans. 3, 7, 8 Ubr. RejehLhsllsa-Thsstöf Stettiuer Sänger Heute gcschlossiu! Am l. und 2. Feiertag naehm.3Uhrz. ermätz.Pr.: D. Konipagnleball Logen 1 28., Ballon 75 Pi.. Gntree 39 Pf. ZlbendS 8 Uhr: Munkanten- Weibnachtc». I-—— Berliner——» nmor-ftnortett W. Wotzk; l®0dcrbergerSlr38 JBuslkwarrn jeder fer Ilefsr» auf Teilzahlung, im- wöchentlich I Mark tal 13. Jnhre's Brunnenftrahc 117- � IRQinickendorier Str. t07jt Moabit, C�Jzkowskyatr 35. VetcranenstriBe S.. Mlillerslr, EcXe Ant.nrtf. stur den Inhalt»er In er.ire nbecnimmi die Reoakttou dem Pnbtikum gegenüber keluertei Vcranrn>orrunq. Berantwortlicher Redatteur: Alfred Wieltpp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtS Bttchdruckerci u. Lerlagöanstalt Paul Singer üc Berlin SW. jt.339 30.?� x Keilllge des„Nsmarts" Kerlinn DslksblM. 9�« Zuagckeuticher Jugendkljutz. In dem mntlichen Organ des Jungdcutschlandbundes wird mit- geteilt, dag die Bundesleitung zugunsten eines stärkeren Jugend- schutzes auf die Gesetzgebung einwirken werde. Die ersten Schritte teien bereits getan. Sie beziveckcn aber nicht etwa eine Er- Weiterung der völlig ungenügenden gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der gewerblich tätigen Jugend. Daß durch eine Hebung der materiellen Lage, insbesondere durch Verkürzung der Arbeits- zeit erst die notwendige Grundlage für die körperliche Ausbildung der arbeitenden Jugend geschaffen werden muß, kann auch der Bundesleitung nicht unbekannt sein. Wir erinnern uns, daß vor etwa Jahresfrist ein philanthropisch gesinnter Arzt sich in die Spalten der Bundeszeitschrift verirrt hat, wo er ein„wirkliches, wirksames Jugendschutz-Gesetz" forderte, damit Industrie, Handel und Verkehr„uns nicht die Blüte der Nation fressen". Ein Echo fand indessen dies« Stimme nicht, weder im Organ selbst, noch bei der Bundesleitung. Wie kann man auch von dem Jungdeutschlandbunde, der Kapitalisten wie Krupp von Bohlen und Halbach in Essen zu seinen„Stiftern" zählt und der seine Tätigkeit kapitalistisch orientiert, verlangen, daß er an die Seite der dreimal gehaßten Sozialdemokratie trete, die jahrzehntelang einen heißen Kampf gegen die unerhörte Ausbeutung der heran- wachicnden Jugend führt. Was der Jungdeutfchlandbund als Jugendschutzmaßregel der- langt, bedeutet weder eine Ausdehnung des geltenden Jugend- scbutzes, noch eine Erweiterung der wenigen gesetzlichen Rechte der Jugend, erstrebt vielmehr«ine Einschränkung bestehen» der Freiheiten für Jugendliche, die für viele jsunge Arbeiter eine schwere Benachteiligung zur F 0 l g e h ä t t e. Ter Bund verlangt ein Verbot für Jugend- lich«, postlagcrndc Sendungen in Empfang zu nebmen. In dieser Maßregel sehen die Leiter des Bundes die Abwendung einer großen sittlichen Geiahr für die Jugend. Und die Publizisten des Bundes wissen diese Gefahr recht schwarz zu malen, um die verlangte Maß- regel als eine große jugcndrcttcnde Tat hinstellen zu können. Ein Journalist der„Köln. Volkszeitung", der einen Postlagerschalter „nur eine Stunde lang" beobachtet hat, will in einem„jungen Mann mit wallender Mähne und tiefliegenden Augen, der soeben ein rosarotes Briefckien abfordert", einen der„vielen ausländischen Studenten erkannt haben, die leider Gottes die deutsche weibliche Jugend nur allzu oft für ihre unlauteren Absichten zu gewinnen wissen". Der feine Beobachter hat weiter entdeckt, daß hier, am Postlagerschalter,„das noch unverdorbene Kind den ersten Schritt abseits vom rechten Wege tut", und daß auch hier„die Dirne ihre häßlichen Geschäfte anknüpft". Die geradezu komisch wirkenden Ilebcrtrcibungen sind mit Hän- den zu greisen. Für die Arbeiterjugend bestehen dieser Art sittlickie Gefahren jedenfalls nickt. Schon ihre finanziellen Verhältnisse gestatten ein derartig kostspieliges und zweifelhaftes Vergnügen nicht. Tagegen würden viele jung« Arbeiter durch ein Postlager- verbot direkt geschädigt werden. Wir denken an die große Zahl der Lehrlinge, die beim Meister in Kost und Logis sind. Sie haben ein Recht, zu verlangen, daß ihre Korrespondenz nicht unter die Kontrolle des Meisters gestellt wird, der nur in Ausnahmefällen das Wobl des Lehrlings im Auge hat, weil er andere Interessen besitzt als der Lehrling. Für diesen, einem Ausbeuter auf Jahre überantworteten jungen Menschen bildet der Postlagerschalter«ine Zufluchtsstätte, die Trost, Belehrung und Hilfe durch den Vater, die Mutter, einen Verwandken oder einen Freund in der Ferne vermittelt. Zur Abwendung von sittlichen Schäden wäre aber das Verbot völlig ungeeignet. Tie Jugendlichen, die heute ihre Postfreiheit mißbrauchen, fänden zur Befriedigung ungesunder und schädlicher Vergnügungen doch noch andere Wege, die ihnen teilweise sogar noch leichter zugänglich sind, als die kostspieligen und unterirdischen Post- «mälc. Und loird ein Weg verschüttet, tuen sich zehn andere auf. Gewiß ist die Jugend, besonders in den Großstädten, mannigfachen sittlichen Gefahren ausgesetzt. Aber sie lassen sich weder auf die Dauer einschränken noch beseitigen. Sic haben ihre Wurzel in der kapitalistischen Unkultur unserer Gesellschaftsordnung, die auf Er- zeugung von Profit beruht. Statt die menschlichen und clemen- taren Produktivkräfte zum Wohle der Menschheit zu verwenden, werden sie heute oft zur Schädigung des Volkswohls im Interesse Weniger vergeudet. Und die Gesellschaft ist unfähig, diesem Unsinn zu steuern. Von einer auf Ausbeutung beruhenden Gescllschast in harte Eriverbsarbcit gestoßen, kann der arbeitenden Jugend der Kampf gegen die Gefahren des Lebens nicht erspart werden. ES muß aber alles�darangcsetzt werden, daß aus diesem Kampf unsere Jugend als Siegerin hervorgeht. Das wird erreicht durch eine vernünftige Erziehung, die die Jugendlichen innerlich bereichert und kräftigt, sie zu selbständigen Menschen, Charakteren heranbildet. Man geleite die Jugendlichen auf die Wege zu gesunder Zerstreuung und edler Unterhaltung, guter Literatur und Belehrung. Man mache sie für höhere, künstlerische Genüsse empfänglich, interessiere sie für ernste, große Fragen, die alle ihre Gedanken in Anspruch nehmen. Diese Erziehungsarbeit ist Sinn und Zweck der freien Jugendbewegung. Innerlich bereichert und selbständig erzogen, besitzen ihre jugend- lichen Anhänger die Kraft, die allen sittlichen Gefahren Trotz zu bieten stark genug ist. Das Ideal, das die Bewegung ihren Freunden verleiht, ist ihnen ein sicherer Wegweiser durch die Fähr- nisse �dcs Lebens. Der Jungdeutschlandbund freilich wirkt der positiv-nützlichen, grundsätzlich modernen Erziehungsarbeit der freien Jugendbewe- gung bewußt entgegen. Mit seinen Massen-Kricgsspielen und seiner chauvinistischen Schundliteratur appelliert er an die niedrigen Instinkte des Menschen und erzieht somit Deutschlands Jugend, so- fern er überhaupt einen Einfluß auf sie gewinnt, zur Unsittlickkeit. Schwierige Aufgaben der Jugenderziehung weiß er nur mit Ver- boten zu lösen. Tarin zeigt sich erneut die pädagogische Unfähigkeit der Führer Juitgdeutschlands. Statt der Jugend die wenigen Freiheiten noch mehr zu be- schneiden und ihre Unselbständigkeit zu fördern, sorge man dafür, daß sie zum vernünftigen Gebrauch ihrer Neckte erzogen und ihr Persönliches Verantwortlichkeitsgcfühl gestärkt werde, wie es durch die freie Jugendbewegung geschieht. Daß unsere behördlichen Or- gane diese jüngste Kulturbeivcgung durch allerlei Schikane zu schädigen trachten, ist nur ein Beweis dafür, daß ihnen eine geistig stupide, sittlich verkommene Jugend lieber ist, als eine sittlich und geistig hochstehende Jugend. Denn jene läßt sich leichter ausbeuten und botmäßig machen, während diese geistiger Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeutung Trotz bietet und für ein menschen- würdiges Leben zu kämpfen bereit ist. Gmdns- Zeitung. Bedürfen Landpartien polizeilicher Genehmigung? Wunderbar sind die Wege unserer Justiz. Das beweist der folgende Fall. Kommen da am 27. April 1913 zwölf Mit- glieder des Arbeiterradfahrervereins aus Dorstfeld, die sich zu einem größeren Radfahrerfeste begeben wollen, durch das Torf Altenderne. Sie fahren durch das Dorf nicht in geschlossenem Trupp, sondern einzeln hintereinander und zwar mit Zwischenräumen. Diese Art zu fahren, die die geeignetste ist, die Dorfstraße nicht zu versperren, erregt aber gerade bei der hoclßvohlweiscn Polizei Aergernis. Schon wird die Fahrt als Aufzug angesehen und der Bergmann Heberling, der ein Horn bei sich hat, wird zum Anführer bezw. zum Leiter. Es gibt eine Anklage gegen ihn wegen Uebertretung der §§ 7 und 19 des Vereinsgesetzes, weil er einen ö f f e n t- lichen Aufzug, der nach Z 7 der Genehmigung bedurft hätte, für den eine solche aber nicht erteilt war, geleitet habe. Das Schöffengericht in Lünen verurteilte auch dön Angeklagten wegen Uebertretung des Vereinsgefctzes und nebenbei wegen Uebertretung der Polizeiverordnung des Oberpräsidenten von Westfalewiiber den Radfahrverkehr, weil H. keine Radfahrerkarte bei sich hatte. Das Landgericht in Dortmund als Bc- rufungsinstanz bestätigte das Urteil mit folgen- der Begründung: Die zwölf Radier seien im Gänsemarsch hintereinander gefahren, nach den Angaben des Polizei- beamten mit Zwischenräunien von etiva l1/� Meter, nach den Angaben des Angeklagten in Zwischenräumen von 4 Metern. Wenn man nun auch letzteres zugrunde legen wolle, so müßte doch angenommen werden, daß es sich um einen öffentlichen Aufzug gehandelt habe. Denn zwölf sei eine erhebliche Zahl, und die Art, wie sie über die Dorfstraßc in der Mittagszeit gefahren seien, sei geeignet gewesen, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen und den Verkehr zu stören. Selbst wenn Zwischenräume von 4 Metern zwischen den einzelnen Radlern gewesen seien, hätten nur besonders gewandte Per- sonen hindurchschlüpfen können. Der erste Strafsenat des Kammer- gerichts verwarf am Montag die Revision des Angeklagten als unbegründet. Das Kammergericht geht davon aus, daß ein Aufzug vorliege, wenn eine zu einem bestimmten Zwecke, ganz gleich welchem, vereinigte Anzahl von Menschen sich in einer Weise ans der Straße bewege, die geeignet sei, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen und den öffentlichen Verkehr(die öffentliche Ordnung) zu gefährden. Ob eine solche Gefähr- dung wirklich erfolgt sei, sei unerheblich. Im vorliegenden Falle erachtete das Kammcrgericht für festgestellt, daß ein öffentlicher Aufzug in diesem Sinne stattgefunden habe. Die Verurteilung wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes sei mit Recht erfolgt, ebenso wie die wegen Uebertretung der Rad- fahrerverordnung des Oberpräsidenten. Na, da wird es ja wohl nun eine Unmenge Anklagen gegen Pfadfinder, Wandervögel, Pensionate oder Kammer- gerichtsräte geben, die gemeinsam eine Landpartie unter- nehmen. Denn, wenn die mitgeteilten Entscheidungen richtig wären, müßte das ihre naturgemäße Folge fein. Indes— vielleicht gelangt das Kammergericht doch noch zur Erkenntnis, daß die Subsumierung der Ausfahrt von 12 Radfahrern unter den Begriff eines öffentlichen Aufzugs nur durch eine ganz plumpe Bolteschlagerei mit dem Sprachgebrauch und den aus ibm abzuleitenden Begriffen möglich war. Oder meint es wirklich, Landpartien bedürften polizeilicher Genehmigung? Zuhälter. Als einen gemeity,efährlichen Sckmarotzer bezeichnete der Staats- anwalt den Kaufmann Paul Krause, der auS der Untersuchungshaft der 6. Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt wurde, um sich wegen schwerer Zuhälterei der Ehefrau gegenüber zu verantworten. Der Angeklagte, welcher bei der Kriminalpolizei als einer der gefährlichsten Zuhälter Berlins gilt, gehört zu jenen Existenzen, die am Tage, bocknobel im Gehpelz, Zylinder und Lackstiefeln die Rolle des eleganten Kavaliers spielen und dann des Nachts unter brutalen Drohungen von mehreren Huldinnen der Friedrichstraße das Geld zu ihrem üppigen Leben verlangen. Der Angeklagte erklärte häufig mit zynischer Roheil, er sei. Re nnstallbesiyer", er habe in der Friedrichstraße mehrere„Spinden" zu laufen, jede„lau- fendeMaus" werde allabendlich an der Ecke Friedrich- und Zimmer- slraße zum.Kassenrapport" bestellt, sonst gebe es„Kattun" sPrügel). Zu seinen lebenden Geldguellen gehörte u. a. seine eigene Ehefrau, der er, während sie Herrenbesuche hatte, eine Art Dienerdienste leistete. Nebenbei hatte er noch mehrere andere . Braulens", mit denen er häufig Gastspielreisen in die Provinz unternahm. Trotzdem der gefährliche Bursche schon seit zwei Jahren von der Polizei gesucht wurde, gelang es ihm, wenn ihm die Polizei schon auf den Fersen war, rechtzeitig zu eniwischen. Am 28. August wurde er endlich, als er in der Leipziger Straße mit einem seiner Opfer Streit anfing, von dem Kriminalschutzmann Wild verhaftet. Er legte sich einen falschen Namen bei, wurde aber von dem Kriminal- kommissar Ueltzen dem Erkennungsdienst vorgeführt und dort als der vielgesuchte Paul Krause erkannt. Das Gericht erkannte dem Au- trage des Staatsanwalts gemäß auf zwei Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverluft und lleberweisung an das Arbeitshaus nach verbüßter Strafe. „Der Herr Polizeilcutnant will einen Vogel haben!" mit diesen Worten hatte die ledige Pauline, Karoline. Adelgunde, Berta Röder verschiedene Schwindelmanöver eingeleitet, wegen deren sie sich jetzt vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Die Angeklagte ist wiederholt wegen Diebstahls und anderer Vergehen vorbestraft. Als sie sich im Dezember v. I. in Not befand, kam sie auf folgende Idee, um sich Geld zu verschaffen. Sie erschien als Dienstmädchen gekleidet in verschiedenen Vogelhandlungen und gab sich als Dienstmädchen des Polizei- leuinanls Maurer aus. Sie erklärte dabei:„Der Herr Polizeileutnant möchte einen Vogel haben, seiner ist ihm weggeflogen". Sie erzählte dann weiter, daß der Leutnant M. steis bei offenem Fenster schlafe und dabei sei ihm der Vogel entflogen. Wenn die„Jnädige" nach Hause komme, sei sie über den Verlust ihres„Piepmatz" tolunglücklich. Da die Angeklagte diese Erzählung sehr glaubwürdig vorbrachte, wurden ihr in mehreren Fällen.Kanarienvögel zum Preise bis zu 30 M. mitgegeben, die sie natürlich sofort weiterverkaufte. Die Angeklagte kam schließlich zu der Meinung, daß es auch noch andere Vögel gebe, die besonders in gebratenem Zustande sich lehr gut verwenden lassen. Sie erschien bei einer Anzahl von Restauraleuren und erzählte, daß bei„Polizeileutnaiits" plötzlich Besuch eingetroffen sei. Sie solle schleunigst eine fertig gebratene Gans'holen und die Rechnung mitbringen. In mehreren Fällen wurde ihr auch die verlangte Gans ausgehändigt. Vor Gericht war die Angeklagte in vollem lim- fange geständig. Das ll r t e i l lauteie auf S Monate Gefängnis unter Anrechnung von 6 Wochen der erlittenen Unter> suchungshafr. Der verliebte Amtsvvrstrher. In sechsstündiger Sitzung verhandelte die Strafkammer in Halle a. S. am Montag gegen den Slljäbrigen A in t s v o r st e h e r Wilhelm Behling von Model ivitz bei Schkeuditz. Der Amtsvorsteher, der erst jüngst von dem Landgericht von der Anklage der Mißhandlung eines Arbeiters— Amtsvergehen— freigesprochen worden ist, wurde jetzt der tätlichen Beleidigung der jungen Arbeiterfrau Nestler beschuldigt. Frau Nestler war am 21. März d. I. im Amlsbureau des Angeklagten erschienen, um sich und ihre Familie abzumelden. Bei dieser Ge- legenheit— die Frau war damals schwanger— habe sie der Amts» Vorsteher dreimal unsittlich angefaßt und ihr u n- sittliche Zumutungen gemacht. Dann, so bekundete die Frau vor Gericht iveiter, habe ihr der Amtsvorsteher ein Zehnmarkstück gezeigt und sie gebeten, doch m sein Privatzimmer einzutreten. Als er die Tür seines Privat- zimmers öffnete, lehnte die Frau die Zudringlichkeit mit Entschieden� heit ab und verließ in großer Erreguna, das Bureau. Sie erzählte sofort einer Nachbarin, daß der Amtsvorsteher ihr zugemutet habe, sich in unsittlicher Weise 1t> M. zu„verdienen". Das Schkeuditzer Schöffengericht verurteilte den Amtsvorsteher wegen tätlicher Beleidigung zu 109 M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil hatte der verliebte Beamte Berufung eingelegt mit der Begründung, Frau Nestler sei unglaubwürdig. Die Berufungsverhandlung, zu der mehrer« Frau«» geladen waren, entzog sich wegen Sittengeföhrdung zum größten Teil der Oeffentlichkeit. Die Strafkammer bestätigte das Urteil erster Instanz. Sie schenkte den Angaben der Frau Nestler vollen Glauben mit der Begründung, auch zwei andere Frauen hätten über ähnliches Verhalten des Amtsvorstehers ihr gegenüber geklagt. Das Gericht hege nicht den geringsten Zweifel, daß der Amtsvorsteher auch gegen diese Frauen zudringlich geworden sei und Unsittliches beabsichtigt, ja zum Teil erreicht habe. Eine höhere Strafe gegen den Angeklagten zu verhängen, sei nicht geboten gewesen, weil diese Bestrafung schon für den Amtsvorsteher in seiner Stellung sehr schwere Folgen nach sich ziehen würde. Bekanntlich gelten die preußischen Amtsvorsteher als die festesten Stützen der Sittlichkeit auf dem Lande, die immer mit gutem Bei- spiel vorangehen. )Zus aller(Zielt. 8taatUcb fconzelTiomertc Räuber. Dieser Tage ist in I e k a t e r i n o s l a w der sogenannte Prozeß der„Steppenleufel" zu Ende gegangen, der für die Wertung der politischen Zustände in Rußland von außerordentlicher Bedeutung ist. Den Gegenstand der Anklage bildeten 17 Raubüberfälle, die Er- mordung von etwa 30 Personen und zahlreiche sonstige Scheußlich- leiten; verhaftet waren etwa 600 Personen, von denen ein Teil wahnsinnig wurde oder im Gefängnis zu Tode gemartert worden ist. Verurteilt wurden: 17 Angeklagte zur Zwangsarbeit, 28 zur Arrestantenkompagnie, 8 zu Gefängnishaft und nur 14 wurden freigesprochen. Während der kriegsgerichtlichen Verhandlung ist d« unanfecht- bar« Beweis erbracht worden, daß die Tätigkeit der angeklagten Räuberbande, die im Lause von 21/2 Jahren 4 Provinzen terrorisiert hat, im intimsten Zusammenhang stand mit der politischen Geheimpolizei, der berüchtigten„Ochrana". Der Führer der Räuberbande, Kuschtsch, stand seit 1005 in den Dien st en der Geheimpolizei. Eine An- zahl weiterer Mitglieder der Räuberbande standen nach» gewiesenermaßen im Solde der„Ochrana". Der Chef der Geheimpolizei Gendarmerieoberst Redin protegierte und leitete die Tätigkeit der. Steppenteufel', die für ihre Ue bei fälle mit staatlichen Patronen ausgerüstet wurden. Der Deteltiv- lommiffar Mecklcnbnrzew, ein vorbestraftes Subjekt, bildete das lebendige Band zwischen den.Steppenteufeln" und ihren Gönnern in der Geheimpolizei. Unter ihrer hohen Proteltion raubten und plünderten die polizeilichen Spitzel jahrelang die Provinz auS; zu derselben Zeit jedoch wurden Hunderte von Unschuldigen von der Geheimpolizei verhaftet, den fürchterlichste» Tor» turen ausgesetzt, zu Geständnissen gezwungen und entweder dem Gericht übergeben oder für hohe Summe», die an die polizeiliche« Erpresser gezahlt wurden, in Freiheit gesetzt. Vor dem Gericht wurde durch Zeugenaussagen erhärtet, daß viele der Angeklagten (und noch mehr andere, die zu Tode gemartert wurden) den fürchter- lichsten Folterungen unterworfen wurden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein großer Teil der Verurteilten unschuldig ist. Nach der Aussage der Frau des Hauptangellagten Kuschtsch Ware» nur fünf oder sechs Angeklagte Mitglieder der Räuberbande. Die eigent- lichen Schuldigen, darunter natürlich die verbrecherischen Leiter der Polizei, erstellen sich noch heute der Freiheit. 16 Jahre Kerkermeister seiner Geliebte». Wie aus N e>o D o r k gemeldet wird, hat der plötzliche Tod eines Rechtsanwalts C o n ch aus Montieello einen großen Skandal ans Tageslicht gefördert.— Bei der Durchsuchung der Wohnung durch die Polizei entdeckte diese eine Geheimtür und erbrach sie in Gegenwart der Witwe Conch. Zum größten Erstaunen aller fand man hinter der Tür ein wohl ausgestattetes Zimmer. Eine verstört aussehende Frau kam den Polizist«« ent- gegen und erklärte, daß sie seit IS Jahren in diesem Ge» mach gefangen gehalten würde. Sie sei eine Jugend- liebe ConchS und fei von diesem gezwungen worden, ihm hierher zu folgen. Sie durfte sich niemals am Tage zeigen und erschien nur nachts in der Wohnung ConchS. Die Frau scheint durch die lange Gesangenschast etwas'geistesgestört geworden zu sein. Der Skandal ist um so größer, als Conch ein sehr angesehenes Mitglied der amerikanischen Anwaltschaft war. Preutzen-Teutschland. Im„Hamburger Fremdenblatt" vom 10. Dezember befindet stch diese Annonce: Weihnachtsbittel Wer schenkt f. m. arme Dorfschule geeig. Wa»d- schmuck, überzählige Spielw., die als L e h r m i t t e l Verwendung find, k., Bücher z. Schulbibliothek. Herzlichen Dank vers. Lehrer Kenne, Oelkassen, Kreis Holzminden. Hundert Jahre nach der Erhebung Preußens, im dreiundvier» zigsten Jahre der neuen deutschen Reichsherrlichkeit muß für eine prcußifch-deutsche Volksschule das Lehrmaterial und die Schul» bibliothek im Wege des Bettelinferats zusammengcfochten werden. Wäre das Geld, das die zahllosen Jubelfeiern dieses JahreS gekostet haben, nicht zweckmäßiger dazu verwendet worden, i>»lch« Schand« flecke unserer Kultur zuzudecken? Kleine Norizen. Zugzusammcnstoß im Tunnel. In dem Tunnel zwischen Lyon und P a r a y ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen einem Per- sonen- und einem Güterzug. Vier Personen wurden schwer verletzt, mehrere Wagen des Güterzuge? wurden voll» kommen zertrümmert. Der Tunnel ist während der nächsten Tage unpassierbar. Hungersnot in Japan. Nach einer Meldung ouS Tokio herrscht in den japanischen Ä o m o r i und H o k k a i d o eine schreckliche Hungersnot. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt im äußersten Elend. Grubenunglück im asiatischen Rußland. Wie ein Telegramm aus Wladiwostok meldet, wütet in einem ausgebeuteten Schacht der Kohlengruben von A r l t seit acht Tagen ein Feuer. Der Brand ist jetzt auf einen Schacht übergeschlagen, in dem bei Ausbruch des Feuers b0 Mann arbeiteten. Wahrscheinlich sind alle Arbeiter umgekommr». m» Unserem Senossen a. SezirkZ. � sichrer | Ernst Gerth � und seiner liebe» Braut, iSc- V nojsin t Anna Mars A die herzlichsten Glückwünsche � zur V e r m ä h l u n g. ÜK0b & Die Funktionäre der V Ab teilung des VI. Kreises SSSSStzOHEH a®€€■€€€««»»ÄSsSISi» Unserem braven Genossen% | August Hirschfeld:: � in u- ® zu seinem /u. Geburtstage W >ß die herzlichsten Glückwünsche. H % Die Genossen der 8. Abteilung D im 4. Kreise.£ Wilmersdorf. Unseren Mitgliedern zur Nach. richt, daß am i ü. Dezember unser Parteigenosse, der Portier krledrlcli NlHlenstedt gestorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 24. d. Mi»., nachmittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Wilmersdorser Gemeinde- sriedhoses, Berliner Str., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 203/13 Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und BaterS Otto Kvföng sagen wir hierdurch allen unseren besten Dank. 29A Witwe tielling nebst Sohn. Typographia. Unseren Mitgliedern die be- trübend eNachricht, daß unser lang» jährige» Mitglied, Kollege Johannes Welfonder nach langen, Leiden am Montag verstorben ist. 21/3 Wir werde« seiner stet» w Ehren gedenke«. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle des Luisen-Kirch- hos», Bergmann straße, aus statt. Die Mitglieder werden gebeten, unserem braven Kameraden mög- lichst vollzählig das letzte Seiest zu Vor Toratand, Deutseber Holzarbeltarverbanil. Zahlstelle Berlin. Den Mit-'''cdern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Perlmutt. arbeiter Lustav Lchlaiier Wrangelstr.<53, im Alter von 33 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet hento Mittwoch, den 24. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle deS Oftsriedhosc» in AhrenS- sclde au» statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stockarbeiter Albert Lüdolff Kastanienallee 23, im Aller von öl Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Dezember. nachmittags 2 Uhr. von der Halle de» ZionS-Kirchvoses in Nieder- Schönhausen-Nordend au» statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Asnite ßkonlewski Fürstenwalder Str. 1, im Aller von 56 Jahren gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Pius-Kirchhose» in Wilhelmsberg au» statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler ftebard Stäche Lichtenberg, Weserstr. 18, im Alter von 42 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des Ost- FriedhojeS m Ahrensfelde aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um reg« Beteiligung ersucht 93/12 Die Ortsverwaltung. SozialflemokratischerWablvereii! Steglitz. In der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag starb unser Mitglied, die Genossin 203/14 Anna Werner Schildhorn stt. 70(UL Bezirk). Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 24. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- balle des Steglitzer Gemeinde- sriedhoses aus statt. Die Sänger treffen sich aus dem Fricdhose. Um reg- Beteiligung bltiet Oer Danksagung. Für die vielen Bttveise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Gustav Pardemann sagen wir allen, welche ihm die letzte Ehre erwiesen, unseren herzlichsten Dank. 49A Vlittee Martha Pardemann und Kinder. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme beim Hinscheiden mein-S geliebten Mannes, des Formers Wilhelm Hilnnlclte spreche ich hiermit meinen innigsten Dank aus. 29» Anna Slttnnloko. Kravkeu- u. Segräbmsjiasse des Vereins Deutscher Kutscher u. vem. Kerufsgen. E. H, Nr. 89. Bekanntmachung. Nachdem oben bezeichnete Kasse in ihrer am 3. November stattgehabten General- Versammlung beschlossen hatte, die Kasse am 31. Dezember 1913 auszulösen, hat dieselbe hierzu am 12. Dezember d. I. seitens des Kaiserlichen AnfsichlSamteS die Ae- nehmigung erhalten. Wir fordern nunmehr alle Gläu- biger auf. etwaige Ansprüche inner- halb dreier Monate im Kasseniotal, Weberstr. 6, gellend zu machen. Oer VorMtond. I. A.: G. AU seh. 296/10 Gemeinsame Ortskrankenkasse fdr Berlin-Wilmersdorf o, Umg. Berichtigung. Für Liste 1 sind nicht, wie ange- aeben. 320, sondern nur 30Ä gültige Stimmen abgegeben worden. Bon Liste 2 find als 1. Ersatz- männer nicht die unter 1— 26, sondern unter 21—26 Bezeichneten gewählt. Berlin-Wilmersdors, den 23. Dezember 1913. Der Vorstand. Im Austrage: Subscn. Hertel. Vorsitzender. Schristsührer. MohrenstöS Kolonneoen. QrlrflnKfurteritr TIS Trauer- Magazin KJeider.Hüteek. jm- Außersi? Preis«-«r Farbige Konfektion in größtem Maßstäbe tu bli ligster» -Preisen— Westmann Beste Bezugsquelle Auf Teilzahlung! Herren- und Damen-Uhren, Standuhren, Froischw., Ketten, Ringe, Broschen, Ohrringe, Armbänder. 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Die Vertreter im Ausschuß werden hiermit ausgesordert, Wahlvorschläge gesondert sür die Arbeitgeber und Kassenmitglieder auszustellen und dem unter zeichneien Vorstände, Cbaussccslraße 103, spätestens bis zum 9. Januar 1914 einzureichen,«päiei eingehende Wahlvorschläge sind un- üitig. Die Wahivorschläge müssen von je 3 Ausschußmitgliedern der etressendc» Gruppe unterzeichnet sein: von diesen ist dem Vorstand ein Wahlvorschlagsvertreter sowie ein Stellvertreter desselben zu bezeichnen. Die einzelnen Bewerber sind unter sorilausender Nummer auszusühren, welche die Reibe ihrer Benennung ausdrückt und nach FamUien- und Vornamen, Beruf und Wohnort zu bezeichnen. Bei Kassenmitgliedcru ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschästtgt find, anzugeben. Ferner ist mit den Wahlvvrschlögen sür Kassenmitglieder von jedem Bewerber.eine Erlläning darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wahtvorschläaen sür Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur ersorderlich. soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der Reichs» vcrficherungsordnung zur Ablehnung der Wahl besugi ist. Die Stimmabgabc ist an diese Wahivorschläge gebunden. Die Wahl« Vorschläge werden von dem unterzeichneten Borstand nach der Reihensolge ihres Einganges mit Ordnungsnummern versehen, welche mittels össent- sicher Belannlmachung mitgeteilt werden. Sind aus gültigen Wahlvorschlägen im ganzen nur soviel wählbare Be- Werber benannt, wie Vorstandsmitglieder zu wählen sind, so gelten sie gemäß fj 9 und 25 der Wahlordnung als gewählt. Die Vertreter im Ausschuß erhatten nach jj 23 der Wahlordnung noch eine schriftliche Mitteilung über die Vornahme der Borstandswahlen. verlin-iitchterfelde, den 23. Dezember 1913. 261/9 Der»vorstand. Max I.enjrcnfcld, Vorsitzender._ Kreuz und Quer ■■ ■ B durch den Balkan Eine Reisebeschreibung von Ludwig Lessen Mit Handzeichnungen von Ilse Schütze-Schur Gut gebunden 1,50 Mark....... In diesem Buche, das Land und Leute der Balkan-Halbinsel in bunten Szenen schildert, wird der Schauplatz der beiden jüngsten europäischen Kriege dem Leser lebhaft vor Augen gerückt— Der Leser lernt nicht nur Land und Leute der Balkanstaaten kennen, er wird auch in künstlerischer Form bekannt gemacht mit den reizvollen Naturschönheiten der Balkanlandschaft Das Buch wird von Alt und Jung gern gelesen werden.— Zu beziehen durch Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69. Herren-Moden wirklich Großes fertig und nach Maß, vorzügliche Ausführung. Stofilager. Monatazahiung 10 M. Öoldstelii Yorokatr. 51, Nähe BülowstraBe. Ob 1-n-s Barlin, Wllholmstr. 10. Heushaltuagochule und Pensionat, Inn.: Heinrich Poilak vorm. Grauen- hörst. Qrösste Fachlehranstalt. Unterricht in Anstand, feinem Benehmen, Kochen, Schneidern u. allen häuslichen Arbeiten. Abtg. B. Ausbild, für den herrschaftlich. Dienst als Klnderfrl., Stütze, lunsfer. Hausmädchen Prosp. gratis. Kelmimtnmchung der AllgkUlkttlkll Ortskraukenkiisse Spandau. Mit dem 1. Januar 1914 tritt das zweite Buch der Reichsversicherung»- ordnung, betreffend die Kranfenversichcrnng, in«rast. Damit treten auch verschiedene Aenderungen bezüglich des Äeldewescns und der Meldepflicht bei oben genannter Kasse ein, aus die hiermit ausmerlsam gemacht wirb. Die Meldepflicht umsaßt die im Z 165 der R.-B.-O. bezeichneten Personen mit Ausnahme der in der Land- und Forsiwirtschast Beschästigten. der Dienstboten, der im Wandergewerbe Belchästigten. der Hausgcwerbetrei- benden und ihrer hausgewerbiich Beschästigten sowie der übrigen Land- tranlenfassenpflichtigeu. Auch die in der Gärtnerei, im Friedhosöbetriebe. in Park- und Gartenpflege Beschästigten gehören der Allgemeinen Orts- Irankeniasse dann an, wenn sie nicht in Teilen landwirtschastiicher Betriebe tätig find. Der Allgemeinen Ortsirantenkasse gehören nicht an Versichc- rungspflichttge, die in eine besondere Orts- oder in eine Betriebs- oder JnnungStrankentasfe gehören. Hausreinigungsfraucn und Auswäricrinnen sind, soweit sie nicht in häuslicher Gemeinichajt bei der Dienstherrichait aus- genommen sind, zur Allgemeinen OrtSkrankentassc zu versichern, auch Dienst- Mädchen, die gelegentlich mit im Gewerbebetrieb tätig find, müssen dort gemeldet werden. Ferner müssen sämtliche in einem Betriebe Beschästigten, auch die, die einer Erlatzkasse angehören, sowie Lehrlinge, die keinerlei Entgelt be- kommen, zur Allgemeinen OrtSkraiikenlasse gemeltet werden.Auch alle lonltige Beschäsfigten, wie Beiriebsbeamie, Werkmeister und andere Angestellte in Shn- sich gehobener Stellung, sämtlich, wenn diese Belchästtgung ibren Hauptberus bitdet, HandlungSgehitscn- und-lehrsinge, Gehilsen und Lehrlinge in Apo- thelen, Bühnen- und Orchestermitglieder ohne Rücksicht aus den Kunftwert der Leistungen, Lehrer und Erzieher, soweit ihr regelmäßiger JahreSarbeilS- verdienst 2500 M nicht übersteigt, müssen gemeldet werden. Selbst zur Kasse melden müssen sich alle unständig Beschäsfigten, deren Beschästigung aus weniger als eine Woche entweder nach der Natur der Sache bcichränkt zu sein pflegt, oder im voraus durch den Arbeitsvertrag beschränkt ist. Zu den An- und Abmeldungen dürsen von jetzt ab nur noch die von der Kasse bestimmten Foimulare verwandt werden; andere werden nicht angenommen bezw. nicht anertannt. Formulare und Satzungen sind schon jetzt im Kasseniotal unentgeltlich zu haben. Außerdem sordern wir sämtliche Arbeitgeber unlerer Kasse, mit Ein- schluß der Ortskrankenkasse der Handwerker, der der Tischler, der der Schuh- macher und der der Zimmerer, auf. sür alle bereits dort Beschäsfigten und Gemeldeten eine neue Ausstellung über den Verdienst einzureichen, da mit dem 1. Januar 1914 eine neue höhere Klasse zu den bisherigen hinzukommt, und demzufolge eine neue Klasseneinteilung vorgenommen werden muß. Da nicht alle zu beachtenden Momente hier angegeben werden können, ersuchen wir, m Zweifelssällen und um gegen Bestrasungen aus Anlaß der Nichtbcfolgung der gesetzlichen Bestimmungen geschützt zu sein, Auskunst im Kasscnlokal, Breitestr. 69 zu holen. Achtung! Am 31. Dezember d. I. bleibt die Kasse wegen Umbauten den ganzen Tag geschlossen. Aus diesem Grunde wird der 31. Dezember, bezüglich der An- und Abmeldungen sowie der Krankmeldungen, wie ein Sonntag bebandelt werden; die sur diesen Tag sälligen Krankengelder ge- langen bereits am 30. Dezember d. I. zur Auszahlung. 261/8 Der Vorstand R. AppolJt, Borfitzender._ Bekanntmaclmng. Betrifft Wahl öcü Varstandks kr Allgemeiaea Ortskrankeakalsc Kcrlia- Lichteaberg. Von den Wahlberechtigten aus der Gruppe der Arbeitgeber und denen aus der Gruppe der Versicherten ist je nur eine WahlvorschlagSItste cm» gereicht und zwar: A. Wahlvorschlagslifte der Arbeitgeber. Vertreter: Stephan Meyer Ordentliche» Vorstandsmitglied! Max Liedloff, Fabrikbesitzer, hier, Zfittergut» straße 153 1. Ersatzmann: Ernst Köpp, Kaufmann, hier, Röderftr. 14/17 2. E: satzmann: Fritz Kilian. Fabrikbesitzer, hier. Herzbergstr. i<12/104 Ordentliches Vorstandsmitglied: Isidor Zkrasi, Kausmann, hier, Möllendors- straße 1 t Ersatzmann: Stephan Meyer, Kaufmann, hier, Herzbergsir. 26 9. Ersatzmann: Erich Friedemann, Fabrikbesitzer, hier. Möllendorsstr. 1 Ordentliches Vorstandsmitglied: Moritz Winter, Klempnermeister, hier, Türrschmidtstr. 41 1. Ersatzmann: Ernst Danneberg. Ingenieur, hier, Frankfurter Allee 180 2. Ersatzmann: Franz Nordmann, Geschäftsführer, hier, RathauSstr. 7 OrdenUiches Vorslandsmiiglied: Moritz Lichi, Kausmann, hier, Frankfurt« Chaussee 1 1. Ersatzmann: Kart Schmidt, Hutmacher, hier, Frankfurter Chaussee 129 2. Ersatzmann: Ernst Hering, Bürstenmacher, hier, Frankfurter Allee 197. ». Wahlvorschlagsliste der Bersicherre«. Vertreter: Wilhelm Bast. Ordentliche Borftandsmitglleder: 1. Seikel, Otto, Berlln-Lichtenberg, Frankfurter Allee 184 2. Budde, Georg, Bcrlin-Lichienberg. Kantstr. 23 8. Brühl, Paul. Berlin-Lichtenberg, Scharnweberstr. 67 4. Andre«, Georg, Berlin-Lichtenberg, Ritlerguistr. 107, p. III 5. Krumm. Heinrich, Berlin-Lichtenberg. Kronprinzenslr. 3, p. IV 6. Sydow, Fritz, Berlin-Lichtenberg, Mayimilianstt. 23 7. Hammer. Ariur, Berlin, Warschauer Str. 71 8. Lange, Anna, Berlin-Lichtenberg. GryphiuSstr. 34, Part. Wrsafcmäititer. 9. Lorenz, Paul, Berlin-Lichtenberg, Jungstr. 32. III 10. Keieler, Ernst, Berlin-Lichienberg. Rtiiergutstr. 26, IH 11. Koppen, Rudolf, Berlin-Lichienberg, Kreutzigerslr. 20 12. Saboiia, Julius, Berlin-Lichtenberg. Riiiergutstr. 23, III 13. Schulze. Hermann, Berlin-Lichienberg. Rormaiineiiilr. 4, II 14. Dehme!, Rabcri, Berlin 0. 112, Rommtenerslr. 4 15. Karraß, August. Berlin 0. 112, Rigaer Sir. 107 16. Czcrwinske, Fritz. Berlin-Lichienberg, Weserstr. 85 17. Grünau. Hermann, Berlin-Lichienberg, TaSdorscr Str. 25, II 18. Scholz. Verla, Berlin-Lichienberg, Kranprinzenltr. 27/23 19. Hoff, Richard, Berlin-Lichtenberg, Frantsurter Chaussee 153 20. Schindler, Walter, Berlin-Lichienberg, Gärwerslr. 5 21. Sonnenberg, Wilhelm, Berlin-Lichtenberg, Gürtelstr. 37 22. Kowalke, Hermann, Berlin, Köpenick« Str. 182 23. Rocke, Karl, Berlin-Lichienberg, Hagenstr. 7 24. Brock, Ernst, Berlin-Lichienberg. Müggelstt. 9, II. Vorstehende Wahivorschläge sind als güllig zugelassen worden. Da aus diesen im ganzen mir so viele Bewerber genannt, wie VorslandSmilgliedcr inkl. Ersatzmänner zu wählen sind, so gellen die Vorgeschlagenen ohne weiteres als gewählt. Die aus den 3. Januar 1914 angeletzte Vorstands« wähl wird daher ausgehoben. Einsvrüche gegen die Gültigkeit der durch Vorschlagslisten vollzogene» Wahl sind binnen 14 Tagen bei uns anzubringen. Berlin-Lichtenberg, den 22. Dezember 1913. Das Versicherungsamt. Ziel h e n._ 261/13 SUgart Fordern händler Sie hei Ihrem Zigarren- nur unsere Qualitätsmarken Spezialität Ho. III. Wir brauchen Ihre Unterstiltzung. Gen.-Vertr.: P. Horscb, EngeluferlS Qewerkschaftshaus. lverautwortlicher Redakteur: Alfrcp Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verautw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:BorwärtSBuchdruckerei u. Vcrlagsanstctlt Paul Singer& Co, Berlin SW.