Ur. 341. flbonncmentS'Bedingungen: Abonnements» Preis xräniMeranbo: Lierteliährl. S,S0 Mü, uionatl. I.tv Mk, wöchenwü 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. miminct mit iHufttintct Somtlags. Beilage.Die Neue Weif tv Pfg. Poft« Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poji-ZcitungK. Preisliste. Unter Kreuzband siir Deutschland und Oesterreich- Ungarn Ü50 Marl, für das übrige Ausland 4 Mar! pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden uitd die Schweiz. 30. Jahrg. Ciltijcint t-gllch. � ♦>■ Verlinev VolkSblstt. Die TnferiionS' Gebühr Beträgt für die scchsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für poiiNsche und gewcrtschaftlichc Pereins und Lersnmnilungs-Anzeigeu 30 P-g „Kleine Anaeigen", das fettgebrnrflr Wort 20 Pfg.(zulässig 2fcttgedruclic Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlassielleiie zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über lö Sttrh staben zählen für zwei Worte. Jnscro für die nächste Nummer müssen in, 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iji bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdcinolirat RcrliB-. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion; 8 AI. 68, Lindenatrassc 69, Fernsprecher: Amt Moritzplan, Nr. 1S83. Sottntag, de« Ä8. Dezember 1013. Expedition: 8ÄI. 68, t-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morttiplah, Nr. 1384. Oer poüzeikampf gegen die Lewerkichasten. Die deutscheu Gewerkschaften haben bau Anbeginn an einen fast ununterbrochenen Kampf gegen Bosheit und Ber� folgungSwut zu führen gehabt. Die gewerkschaftliche Aktion zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter richtet sich natürlich in erster Linie gegen die Unternehmer. Dem engen Polizeisinn erscheint das als eine Auflehnung gegen die gottge- wollte Wcltordnung; er wittert, wie sich der Polizeiminister Puttkamer unrühmlichen Angedenkens seinerzeit ausdrückte, hinter jedem Streik Äe Hhdra der Revolution. Die Polizei betrachtet sich als den natürlichen Schützer des Staates gegen den Umsturz, und sie hält es für ein ganz besonders verdienst- liches Werk, den Gewerkschaften durch allerlei Itadelstichc das Leben zu erschweren. Die Handhaben zur Drangsalierung der Gewerkschaften sind der Polizei eine nach der anderen entwunden worden. Das Sozialistengesetz ist gefallen; und das Gesetz über die privaten Versicherungen hat die Versuche, die Gewerkschaften als Versicherungsanstalten von der ministeriellen Ge- nehmigung abhängigzu machen, verhindert. Die bunte Musterkartc der e i n z e l st a a t l i ch e n V e r c i n s g e s e tz e, die so trcff- liche Handhaben bot, die Gelverkschaften zu schikanieren, ist be- seitigt. Wir haben das Reichsvereinsgesetz als das Produkt des konservativ-liberalen Paarnngsvcrsuchs erhalten. Aber der Polizeigeist ist unverändert geblieben. Die Politischerklärung der Gelverkschaften und ihre Unterstellung unter das Vereinsgesetz ist der neueste Sport, dem sich die Polizei mit großem Eiser aber geringem Erfolge hingibt. Die Unterstellung unter das Vereinsgesetz hätte zur Folge, daß Statut und Verzeichnis der Vorstands- Mitglieder der Polizei eingereicht werden müßten, und daß es den Gelverkschaften verboten wäre, unter 18 Jahre alte Personen als Mitglieder aufzunehmen. Das bedeutet eine unerträgliche Beschränkung der BelvegungSfrei- h e i t der Gewerkschaften, gegen welche diese sich mit aller Energie wehren. Um den Nachweis zu führen, daß die Gewerkschaften politische Vereine sind, bedarf es einer sehr gekünstelten Aus- legung des Vcreinsaesetzes. Dieses bezeichnet als Kriterium eines politischen Vereins, daß er„eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweck t". Eine solche Ein- Wirkung ist aber niemals Zweck der Gewerkschaften. Die Vielgestaltigkeit des wirtschaftlichen Lebens bringt es mit sich, daß die Gewerkschaften gelegentlich auch durch Petitionen auf die Gesetzgebung einzuwirken suchen, und daß sie sich mit manchen gesetzgeberischen Fragen beschäftigen. Werden doch zum Beispiel durch die sozialpolitische Gesetzgebung, durch das geplante Gesetz zum Schutze der Streikbrecher usw. die Jnter- essen der Gewerkschaften auf das lebhafteste berührt. Aber diese Betätigung ist nicht der Z w e ck der Gewerkschaften; sie wollen die materielle Lage ihrer Mitglieder verbessern und das erfordert eine so vielseitige Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet, daß dagegen die gelegentliche Be- schäftigung mit politischen oder richtiger sozialpolitischen Fragen kaum in Betracht kommt. Für die Rechtsgleichheit in Deutsch- land ist es übrigens bezeichnend, daß' Versuche zur Unter- stellung unter das Vereinsgesetz gegen andere Gewerkschafts- richtungen, die sich in ähnlicher Weise betätigen, und gegen die Unternehmerorganisationen, die sich in weit umfang- reicherem Maße mit politischen Fragen beschäftigen, nicht unter- nommcn werden. Die Verfolgungen richten sich ausschließlich gegen die freien Gewerkschaften, sie allein erscheinen der Polizei und dem Unternehmertum„gefährlich", weil sie die einzigen Gewerkschaften sind, welche rückhaltlos die Arbeiterinteressen vertreten. So schmeichelhaft auch diese indirekte Anerkennung der freien Gewerkschaften ist, so haben sie doch alle Ver- anlassung. gegen eine solche unberechtigte„Bevorzugung" entschieden zn protestieren. Unter den vielen Prozessen, die in neuerer Zeit gegen örtliche Verwaltungsstellen verschiedener Organisationen ge- führt wurden, hat die Klage gegen die Zahlstelle Fried- land in Schlesien deS Deutschen Holzarbeiter- Verbandes besonderes Aufsehen erregt. Der Vorstand des Deutschen Holzarbeitcrverbandes hat diesen Prozeß zum Anlaß genommen, in einer Broschüre*) die Stellung der Ge- werkschaften zur Politik grundsätzlich zu behandeln. Tic Ge- schichte dieses Prozesses ist schnell erzählt. Ani 27. Januar 1912 erhielt der Bevollmächtigte der Zahlstelle Friedland ein Strafmandat über ö M., weil er sich geweigert hat, der Polizei das Statut des Verbandes und das Verzeichnis der Vorstands- Mitglieder einzureichen. Er beantragte gerichtliche Entscheidung, aber erst ein volles Jahr später, am 29. Januar 1913 fand die Verhandlung vor dem Schöffengericht Friedland statt. Sie endete mit der Bestätigung des Eotrafmandats. In der Berufungsinstanz vor dem Landgericht Waldenburg wurde der Bevollmächtigte freigesprochen, und die vom Staatsanwalt eingelegte Revision wurde vom Oberlandes- gericht in Breslau verworfen. Sonach ist endgültig fest- *) Politik und Gewerkschaften. Ein Kapitel au-Z den/ Kämpfen der Gewerkschaften mit Polizei und Justiz. Herausgegeben vom Vorstand des Deutschen Holzarbeiterverbandes.> gestellt, daß die Zahlstelle Friedland des Deutschen Holz- arbeiterverbandes kein politischer Verein ist. Die lange Dauer der Untersuchung vor der erstzinstanz- lichen Behandlung der Sache war durch den Eifer des Fried- länder Amtsanwalts veranlaßt ivorden. Er lvollte an- scheinend den Nachweis führen, daß nicht nur die Zahlstelle Friedland, sondern der ganze Deutsche Holzarbeiterverband ein politischer Verein ist. Zu diesem Zweck forderte er von den Polizeiverwaltungen einer ganzen Reihe von Städten Gutachten ein. Die Ausbeute im Sinne des AmtSanwalts, die diese Gutachten boten, war jedoch so gering, daß er sie schließlich nicht erst zum Gegen- stand der Verhandlung machte. Aber sie waren Bestandteile der Akten geworden und sind so zur Kenntnis des Holzarbeiter Verbandes gekommen, der sich durch ihre Veröffentlichung ein Verdienst erworben hat. Der Amtsanwalt hatte einen Fragebogen ausgearbeitet, in dem gefragt wurde: ob in den Versammlungen des Verbandes durch Redner oder durch Verteilung von Flugblättern parteipolitische Agitation betrieben wurde und ob der Verband selbst parteipolitisch gehaltene Flugblätter herausgegeben babc. 2. Ob die Vertrauensleute des Verbandes versuchen, die Mit- gliedcr zu veranlassen, der sozialdemokratischen Partei beizutreten öder sozialdemokratisch zu wählen. 3. Ob die Führer des Verbandes in der sozialdemokratischen Partei eine besondere Rolle spielen. 4. Ob in der„Holzarbeiter-Zeitung" in parieipolitischem Sinne agitiert wird, und schließlich ö. Ob Geld aus der GewerkschaftSkasse in die politische Partei- lasse geflossen ist. Auf diese Fragen liegen Antworten bor von der Handels- kammer in Schweidnitz imd von den Polizei- ver w altu ngen in T Horn, Stuttgart, Hamburg, Berlin, D a n z i g. Breslau, Frankfurt a. M., Dresden. Düsseldorf, Königsberg und Main z. Diese Gutachten lauten recht verschiedenartig. Einige Polizeibehörden haben Auskünfte von U n t 0 r n e h m e r 0 r g a n i- s a t i 0 n e n(!) eingeholt und diese zu den Akten ge- geben! So hat der Geschäftsführer des Arbeitgeber- Schutzverbandes für das deutsche'Holzgewerbe in Mainz ein ausführliches Gutachten ausgearbeitet, daS so eingeleitet wird: „Die Hauptfrage, ob der Deutsche Holzarbeiter- Verband als politischer Verein anzusehen ist, ist m. E. ohne weiteres zu bejahe n." In wohltuendem Gegensatz zn dieser seltsamen Bekundung steht das durch die Handelskammer in Schweidnitz übermittelte Gutachten des deutschen I n d u st r i e- S ch u tz- Verbandes in D r c s d c n, dessen Geschäftsführer erklärt: „Nach unserer Ansicht ist der Deutsche Holzarbciterverband nicht als politischer Verein zu betrachten." Sehr bezeichnend ist das vom Polizeipräsidium D a u z i g gelieferte Material. Es ist ein Gutachten der dortigen Handwerkskammer, welches sich auf Auskünfte stützt, die vom— chri st lichen Holzarbeiterverband(!) eingeholt wurden. Dieser scheint sich in der Rolle des denunziatorischen Gtaatsretters sehr wichtig vorgekommen zu sein. Er hat zwei Pamphlete aus der M.-Gladbacher Lügen- fabrik zu den Akten gegeben, aus denen der politische Charakter der freien Gewerkschaften bewiesen werden soll und zwei Nummern der„Holzarbeiter-Zeitung". Der Vorstand der Handwerkskammer benicrkt hierzu: „Weitere Nummern dieser Zeitung werden vom christlichen Holzarbeiterverband hier- selbst, Pfeffer st adt Nr. 1, jederzeit gern zur Ver- fügung gestellt." Einer Kritik bedarf dieses christliche Denunziantenstück nicht; es richtet sich von selbst. Das größte Interesse beansprucht der Bericht, den das Polizeipräsidium i n B e r l i n geliefert hat. Aus diesem Bericht geht nämlich hervor, daß hier alles, was als eine politische Betätigung der Gewerkschaften gedeutet werden kann, sorgfältig gesammelt und registriert wird. Außer dem Gutachten aus dem Friedländer Prozeß ist in der Broschüre noch ein anderes Gutachten abgedruckt, welches das Berliner Polizeipräsidium am 1. Januar 1913 an das Oberverwaltungs- gericht erstattet hat, in einer Streitsache, bei welcher es sich um die Politischcrklärung der Zahlstelle Culm- scc des Zimmererverbandes handelte. Diesem Gut- achten ist in einer umfangreichen, tabellarisch geordneten Liste das„ B e w e i s m a t e r i a l für die g e m c i n s a m c Arbeit der Partei und Gewerkschaft" bei- gegeben, von dem es jedoch heißt, daß es keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht. Die Liste ist gegliedert iit Material, welches„Generalkommission und Partei" betrifft, solches über „Gewerkschaftskommission und Partei" und„Verschiedenes". Sie enthält insgesamt 79 Stücke, meist Protokolle, Broschüren, Flugblätter, Zeitungen usw. Alles ist schön geordnet und in drei Rubriken gebracht, nämlich„Bezeichnung des Vorganges", „Organisation" und„Bezeichnung des Inhalts". Die Berliner Polizei ist augenscheinlich sehr stolz auf ihren Sammeleifer. Es handelt sich aber auch um Material zur Schuriegelung von Arbeiterorganisationen, und da hat eS die Polizei noch nie an Eifer fehlen lassen. Wichtig erscheint insbesondere folgende Stelle in dem polizeilichen Dokument: „Es schwebe« jedoch seit einiger Zeit Erwägungen, ob nicht mit Rücksicht auf die vielfach, namentlich in letzter Zeit, hier fest. gestellte politische Tätigkeit der Zentralvcrbändc der freien Gcwerk- fchnsten Deutschlands und namentlich ihrer gemeinsamen, zentralen und lokalen Berbindirngen, nämlich der Generalkommission und der Gewcrkschaftskartelle, die Ze n tralver bände unter das Reich Svereinsgc fetz zu stellen find." Der gleiche Gedanke kehrt auch tu dem Gutachten des Polizeipräsidenten bezüglich des Deutschen Holzarbeiterverbandes loieder, von dem es heißt, daß er bisher noch nicht als politischer Verein behandelt lvorden ist. „Es sind jedoch zurzeit Erwägungen im Gange, den oben er- wähnten Verband dem Reichsvereinsgesetz zu unterstellen." Daß au diesen Erwägungen auch der Polizeiminister bc- teiligt ist, kann aus einer anderen Stelle des Gutachtens ge schloffen werden, in welcher es von dem Jahrbuch 1999 des Verbandes heißt: „DaS hiesige Aktenexemplar liegt bei dem Herrn Minister des Inner» mit meinem Bericht vom 2. März d. I. vor." Aus diesem Material ist der Schluß berechtigt, daß in absehbarer Zeit eine große Polizeiaktion gegen die Gewerkschaften bevor st cht. Durch Unterstellung untcr das Vereinsgesetz soll ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Ob diese Aktion den gewünschten Erfolg zeitigen wird, kann dahingestellt bleiben. Die in den Gewerkschaften organisierten Ar- b e i t c r haben nicht nur ein Interesse daran, daß solche Polizeitaten die gebührende Zurückweisung erfahren: sie müssen von vornherein unmöglich gemacht werden. Das Mittel hierzu sind starke politische Organisationen und eine starke Vertretung der Sozialdemokratie in den Parlamenten. Es ist überflüssig und vielleicht nicht einmal wünschensivert, daß die Arbeiter in den Gelverkschaften Politik treiben. Sic müssen sich aber vollzählig den sozialdemokra tischen Organisationen anschließen und hier in vollem Maße ihre Pflichten als Sozialdemokraten erfüllen. Gin honiervaliver farnilienkracb. Den Junkern ging bei den letzten NeichStagSwahlen neben anderen Kreisen in Ostpreußen auch der Wahlkreis Jnsterburg G um binnen verloren. Selbstverständlich suchten die Konser- vativen sofort nach Mitteln und Wegen, um den Kreis zurückzuerobern. Vor allem waren sie bestrebt, sich ein Blatt zu schaffen, das für ihre Politik unbedingt eintrat. Zwar gab es in Jnsterburg ein konser- varives Organ, das.Ostpreußische Tageblatt", das dem Verleger Alfons de Resse gehörte. Dieser Herr ist ein begeisterter An- Hänger der Junkerpolitik. Er hat sich siir die Konserdativen die Finger lirnnd geschrieben, und in Wahlkämpfen hat er Reden für konservative Kandidaten gehalten. Trotzdem müssen ihn die Junker des Jnsterburger Kreises nicht als den richtigen Mann angesehc» habe», denn sie setzten ihm ein Konkurrcnzblatt, die„Ost- preußische Warte", vor die Nase, an deren Gründung der L a n d r a t des Kreises ebenfalls beteiligt ist. Erst kürzlich hat er zugegeben, daß er sich mit 2900 Mark an der Gründung beteiligt hat und in der GründungSpersammIung hat er— nach den bisher unwidersprochenen Angaben des Herrn de Resse— den„praktischen Vorschlag" gemacht, jeder G e m e i n d e v 0 r st e h e r nehme fünf Anteilscheine z n 190 Mark, einen behalte er und die anderen bringe er im Dorfe unter. Natürlich wurde auch der amtliche Apparat zur Gewinnung von Abonnenten für daS neue konservative Blatt in Bcivegung gesetzt. Als der Verleger Alfons de Resse sah, daß seine Existenz unter- graben wurde, setzte er sich hin und verfaßte über das Treiben der Konservativen eine Broschüre, die in einer Auflage von 19 999 Exemplaren in die Oesfentlichkcit gelangen sollte. Als die konservativen Herren davon Kenntnis erhielten, lenkten sie ein und kauften Herrn de Resöe Zeitung und Verlag für schweres Geld ab. Sie hatten wohl jetzt in einem Ort zwei konfervati vc Zeitungen,(!!) dafür aber die Genugtuung, daß die gefürchteie Broschüre nicht erschien. Liberale Blätter behaupteten, die Kon- servativen seien in dieser Broschüre so illustriert worden, tu i e nie zuvor geschehen sei, und wie es auch von dem größten und verbissensten Gegner nicht hätte geschehen kö mien. In der allerletzten Zeit richteten die Liberalen ei». Anzahl der heftigsten Vorwürfe gegen das Jnsterburger LandratS am:; insbesondere wandten sie sich gegen die Art, wie für das neue koiiscr- vative Organ, an dem der Landrat finanziell beteiligt ist, Abonnenten gesammelt wurden. DaS veranlaßte den KreisauSschuß, die Mit- gliedcr deS Kreistages zu einer Zusammenkunft einzuberufen, um dem Herrn L a n d r a t ein Vertrauensvotum aus- z u st e l l e ii. DaS geschah auch. Die Koniervativcu glauben jetzt. es sei alles in schönster Ordnung. Da erscheint es ganz- angebracht. ihnen etwas aus der Broschüre des Herrn de Resse vorzuhalten, die bisher daS Licht der Oeffentlichkeit nicht erblickt hat. Das Schristcheit trägt den schönen und vielversprechenden Titel: „Gewalt vor Recht!" Im Schlußwort führt der Verfasser aus: „Zur Wahrung meiner berechtigten Interessen und zur Abwehr von Nachteilen in meinem Wirtschaftöleben habe ich die obigen aus- führlichen Darlegungen gemacht. Ich wende mich an die Oeffentlichkeit mit der Bitte um Schutz und Untcr- stützung in der weiteren Abwehr. Wohl habe ich angenommen, daß das Organ meiner Gegner in einen scharfen Konkurrenzkampf mit mir treten würde, daß man aber die Schamlosigkeit haben würde, mit dem Apparat der Amtsexekutoren il n d Kirchendienern Abonnenten(für die konservative „Wart e") zu pressen und n a ch d e r A r t v o n S t r a u ch- diebcn in ein umfriedetes Eigentum einzubrechen, dos hätte ich nicht einmal in Rubland, geschweige denn bei uns im angeblich gesitteten Preußen für möglich gehalten. Noch vor Ivenigcn Tagen sin Nr. 406 vom 13. August ISIS) hat die „Deutsche Tageszeitung", die doch für die konservative Sitte und Art das maßgebende Blatt sein soll, in einem Artikel es scharf ver- urteilt, daß ein demokratisches Blatt sich an die Bürgermeister der kleineren Städte gewandt hat mit der Bitte, dem Verlage'eine Persönlichkeit namhaft zu machen, die das Austragen und Verteilen von Propaganda-Exemplaren und die Gewinnung von Abonnenten übernehmen könnte. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt am Schlüsse des Artikels wörtlich: „Was Ivürde man wohl in der linksliberalen Presse dazu sagen, wenn die„Deutsche Tageszeitung" sich mit einein ähnlichen Ersuchen an die ländlichen Gemeindevorsteher wenden wollte? Man würde das mindestens als eine Unverfrorenheit bezeichnen. Das jüdisch-liberale Blatt glaubt aber die Bürgermeister als solche auf diese Weise in ihren Dienst stellen zu dürfen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß es von den Herren, an die eS sich gewandt hat, die einer solchen Anreißerei allein gebührende Antwort erhalten wird. Dazu sind denn docki die Herren Bürgermeister nicht da, um die Vermittelung von Werbeagenten sür de- mokratische Blätter zu besorgen." Hm l Sehr schön gesagt! Das aber, was das nicht genannte demokratische Blatt getan hat, ist nichts gegen das, was im Landkreise Jnsterburg unter der wohlwollenden Förderung des Kreischefs und ZeitungSverlegerS Overwcg, j a auf seine direkte An- Ordnung geschieht.. Jenes demokratische Blatt wendet sich, ohne einen Druck ausüben zu können, an die Bürgermeister und bittet nur, ihm eine Persönlichkeit namhaft zu machen, mit der eS sich dann in Verbindung setzen will, hier aber iverden die Orts- vor st eher und sonstigen nachgeordneten Beamten des Landratsaintes direkt in den Dien st eines p r i v a t e n U it t e r n e h m e n s g e st e l l t, sie müssen, von ihre in Chef und Vorgesetzten abhängig, und an- geregt im Bureau des Landratsamtes zum Schaden eines anderen Unternehmens für das Organ des Landrats und ZeitungSverlegerS arbeiten. Auf dem königlichen Landratsamt zu Jnsterburg wird also der Name des Königs zu privatgeschäftlichen und parteipolitischen Zwecken mißbraucht, letzteres noch dazu in törichter Verkennung des Privatinteresses, das vom Spalten und Entzweie» keinen Nutzen hat. Ich klage den königlichen Landrat Adolf Over- w c g, der die Verantwortung dafür trägt, hiermit dessen an! Des Königs Majestät hat ihm sein Amt, seine Dienstbefugnisse und seinen Einfluß nicht zu solchen Zwecken verliehen. Gerecht und un- parteiisch soll er über den Parteien stehen. Es ist seine Auf- gäbe nicht, Existenzen zn vernichten, oder auch nur geschehen zu lassen, daß man das versucht. Auf dem Schwarzen Adlerorden steht der Wahlspruch der Hohenzollern:„Jedem daS Seine I* I ch frage Sie, Herr Landrat. ob Sie diesen Wahlspruch Ihres und meines Königs kennen und loerde meine Anklage gegebenen Falls bor den Stufen des Thrones wiederholen. Ich klage aber auch die Führer der konservativen Sache in Jnsterburg Stadt und Land an, ihr Führeramt z umSchaden krer Partei vertvaltet zu haben. In der jetzigen Zeit braucht man andere Führer. Das deutsche Volk ist es nicht mehr gewohnt, so geführt zu werden. Die Kleinen und Kleinsten wollen heute mitratcn und mittaten und nicht nur zu Wahlzeiten einmal in die Erscheinung treten. Als Herr Dr. Brandes jdcr konservative Kandidat des Kreises) mit der fertigenListe des neuen Vorstandes hervortrat, erhob sich in den hinteren Reihen Gemurre. Er hat es nicht gehört, sonst hätte er schon damals die Gärung erkannt, die seit langer Zeit im Wahlkreise vorhanden ist. Das Volk braucht wirkliche Führer, nicht solche, die nach einer ernsten Wählerversammlung erklären: „Ich habe genug von dieser Abendunterhaltung". Das Führeramt ist auch nicht erblich mit dem größten Besitz verbunden, es beruht auf dem Vertrauen des Volkes so bei den Konservativen wie bei den andere« Parteien bis zur äußersten Linken. Darüber aber sind sich unendlich viele in Jnsterburg-Stadt und Land klar, daß die gegenwärtige Führung nicht die Fühlung mit der Menge hat, die sie haben müßte, wenn unsere Sache gelingen soll. Und hier steckt das Geheimnis, warum Gumbinnen-Jnsterburg den Konservativen für den Reichs« tag verloren gegangen ist. Wo die Höchsten im Kreise Führer sein wollen, da müssen sie auch gleichzeitig die Eignung für Führeramt und Liebe und Sympathie der ganzen Wählerschaft haben. Man hat es immer noch erlebt Und hier wird's auch so sein, Wer andern eine Grube gräbt Fällt selbst hinein. Jetzt kann der Kreisausschuß den Kreistag wieder zu einer Ver- traueiislnudgebung für den Herrn Landrat zusammentrommeln. politische(lebersicdt. Bethmann Hollweg„amtsmüde"? Der Berliner Mitarbeiter des„Frank. Courier" will gehört haben, daß das Mißtrauensvotum vom 4. Dezember dem Reichs- kanzler die weitere amtliche Betätigung, insbesondere im Reichstage, so verleidet habe, daß er vertrauten Personen gegenüber den Ent- schluß kundgegeben habe, sich möglichst bald ins Privat- leben zurückzuziehen. Der Reichskanzler habe sich nur die Wahl des Zeitpunktes für seinen Rücktritt selbst vorbehalten und zwar wolle er erst noch das deutsch-englische Abkommen über Vorderasien(Bagdadbahn) und über Afrika zu stände bringen. Mit diesem Abkommen hoffe Herr v. Bcthmann sich einen guten Abgang zu verschaffen. ES gibt auch Leute, die die vermeintliche Amtsmüdigkeit deS Kanzlers den Treibereien der agrarkonservativen Clique zuschreiben. Der Brief des Berliner Polizeipräsidenten Jagow sei ein charakte- ristisches Zeiche» für den Grad, den die Hetze gegen Bethmann wegen seines Mangels an Schneidigkeit in der elsaß-lothringischen Frage erreicht bat._ Zur ueuesten Staatshoheitslehre. Ein ehemaliger Offizier schreibt uns: Endlich einmal ein Lichtblick für die Herren Soldatenschinder I Ikild daß der, der ihn ivendete, der Polizeipräsident von Berlin ist, macht ihn noch wertvoller. Seine Exzellenz haben bekanntlich zu erklären geruht, daß militärische Uebungen Alte der Staatshoheit seien, die Beseitigung von Hindernissen, die ihnen be- reitet würden, ebenfalls zu diesen Alten gehöre und daher st r a f l o S bleiben müffe. Nehmen wir einmal an. ein Sergeant Schultz? stehe vor Gericht, weil er einen Füsilier Pieske mit der Faust mehrmals ins Gesicht geschlagen hat, und verteidige sich damit, daß der Pieske beim Parademarsch nicht Schritt gehalten und damit dieser mili- tärischen Uebung Hindernisse bereitet habe. Hätte der Herr Polizeipräsident recht, so wäre» auch die Faustschläge des Sergeanten Akte der Staatshoheit und Schultz? müßte glatt freigesprochen werden. Vielleicht inspiriert Herr v. Jagow mit seiner genialen GesetzeSauSleguug den„Sim- plicissimuS" zu einem Bilde, auf dein ein Unteroffizier zu einem Soldaten sagt:„Wenn ick Dir in die Fresse haue, so ist das keene Mißhandlung, sondern ein Akt der Staatshoheit, verstanden!" UcbrigenS hat der militärischen Uebung in Dettweiler überhaupt kein Zivilist Hindernisse bereitet. Das tat einzig und allein der Leutnant v. Forstner selbst, indem er mit der Jagd auf Zivilisten die eigentliche Arbeit seiner Truppen verzögerte. Bielleicht ergänzt Herr v. Jagow seine lichtvollen Ausführungen auch noch durch die Beantivorlung der Frage, ob er das Absingen des schweinischen Liedes, das die Soldaten während ihres Marsche/ durch Dettweiler zum besten gaben, ebenfalls für einen Akt der Staatshoheit hält. Nebenbei.bemerkt: Nichts charakterisiert den Leutnant v. Forstner besser, als daß er es duldete, daß die von ihm geführte Abteilung inner- halb eines Dorfes ein derartiges Lied sang und es auf diese Weise auch Frauen, Mädchen und Kindern in die Ohren grölte. Das kann man nicht mit seiner Jugend entschuldigen, denn auch ein junger Offizier mit IS Jahren muß soviel Takt und Fein- gefühl besitzen, daß er einen solchen Skandal nicht zuläßt. Herr v. Jagolv behauptete in seiner Erklärung auch, daß dem v o r n e h m st e n Beruf Schande erwachse, wenn Taten wie jene des Leutnants Forstner mit Gefängnis geahndet würden. Die Mißhandlung Wehrloser und die Mißhandlung Un- bewaffneter durch Bewaffnete haben aber mit der Vornehmheit gar nichts zu tun. Sie sind vielmehr ihr Gegenteil. Hätte der Leutnant v. Forstner den Schuster Blank wohl auch dann kurzer- Hand über den Kopf geschlagen, wenn er mit ihm ohne Waffen und ohneBegleitung allein auf weiter Flur gewesen wäre? Man sagt, der schönste Schmuck des Soldaten sei die Tapferkeit. Es ist aber nicht tapfer, wenn ein Offizier mit dem Säbel über einen Zivilisten herfällt, der keine Waffe bei sich trägt. Eine solche Handlung ist brutal, weiter nichts! Leider findet diese Auf- saffung im deutschen Offizierskorps keinen Anklang. Die höheren Regionen bemühen sich auch gar nicht, sie in die Offiziere hineinzulegen. Siehe die Rede des Herrn v. Falkenhayn im Reichstag! Würde hier einmal eine gründliche Aenderung ein- treten, würde der Begriff Schneidigkeit, der in den meisten Fällen nur zur Verherrlichung der Brutalität dient, einer Vernunft- gentätzen Revision unterzogen, so wäre auch ein großer Schritt in der Ausrottung der Soldaten schindcrei getan. Ein Tnmmerjungenstreich? Strafiburg i. Eis., 27. Dezember. Wie aus Zaber» hierher gemeldet wird, wurden gestern abend auf einen im inneren Hofe der Schloßkaserne stehenden Posten des Wach- komniandos vom Jnfanterie-Regiment 105 zwei scharfe Schüsse von einer außenstehenden Zivilperson abgegeben, welche sofort nach den Schüssen weglief. Eine Feststellung des Täters konnte nicht erfolgen. Die Angelegenheit wurde so- fort der Staatsanwaltschaft übergeben. Ter Kreisdirektor hat eine Belohnung von 600 M. auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt. Zobern, 27. Dezember. Wie schon gemeldet, fielen gestern abend nach 6 Uhr zwei SchUffe vom Kanalbassin-her in den Schloßhof hinter der Kaserne, woselbst ein Posten des Säch» fischen Jnfanterie-Regiments Nr. 105 auf und ab ging. Mehrer-e Soldaten bekunden übereinstimmend, daß sie das Aufschlagen des Geschosses gehört und den Feuerschein des Schusses gesehen haben. Eine Kugel hat man bis- h e r ii i ch t gefunden. Trotz eifriger Nachforschuiigeii ist es bis zur Stunde nicht gelungen, den Täter zu ermitteln. Der Posten blieb unverletzt. Unter allen Umständen handelt es sich um ein einzelnes Vorkommnis, das von der Bevölkc- rung aufs schärfste verurteilt wird. Das Urteil gegen Forstner ein— Schandfleck! Das Blatt der orthodoxen Pastoren und der Hofdamen, der„Neichsbote", veröffentlicht eine angebliche Zuschrift aus seinem fromnien Leserkreis, in der gesagt wird: „Das Urteil gegen Leutnant von Forstner ist ein Schandfleck für die deutsche Nation. Wer sich nicht zur deutschen Nation rechnet, der kann den harten Ausdruck ablehnen." Die Redaktion des„Reichsboten" erklärt sich mit dieser Beschimpfimg eines deutschen Kriegsgerichts völlig ein- verstanden und bezeichnet jeden, der anders denkt, als einen Verräter am deutschen Volk! Dabei darf man nicht vergessen, daß das Urteil von einem königlich preußi- schen Kriegsgericht gefällt wurde! Zaberner Allerlei. Die Uniersuchnng gegen den Oberst b. Reuter ist noch nicht abgeschlossen und eS ist daher auch unbestimmt, ob die Ver- Handlung schon am ö. Januar stattfinden kann. Gegen 70 Zeugen sollen geladen werden. Gegen den Leutnant Schabt, der die Truppen auf die Be- völkerung von Zabern zielen ließ, ist ebenfalls ein Verfahren ein- geleitet worden. Wann es zum Abschluß kommt, steht noch nicht fest. Die Verhandlung gegen den Leutnant v. F o r st n e r vor dem Oberkriegsgerichl findet in der zweiten Hälfte des Januar statt. General v. D e i m I i n g hat einen KorpSbefehl gegen gemeine Soldatenlieder erlassen. Anlaß dazu bot die Feststellung im Forstner- Prozeß, daß die Soldaten beiin Durchmarsch durch Dettweiler ein zotiges Lied gelungen haben, dessen Inhalt auch nicht anbcutungS- weise wiedergegeben werden konnte. In dem Korpsbefehl Deim- lings heißt es, daß der Kaiser solche Lieder beim Militär nicht gern sähe. Es existiere übrigens ein Verzeichnis der gestatteten Lieder. Zabern bekommt eine Gendarmerie st ation mit einem Offizier an der Spitze. Der ganze Beritt Weißenburg(7 Stationen mit 16 Gendarmen) soll vom Distrikt Straßburg abgetrennt und dem Distrikt Saarburg angegliedert werden. Der Distriktsoffizier erhält seinen Wohnsitz in Zabern. Eine Nachwahl in Sachsen. Durch den Tod unseres Genossen Riem ist eine Landtags- Nachwahl nötig, geworden. Das Ministerium des Innern hat sie auf Donnerstag, den 26. Februar n. I., festgelegt. Es handelt sich um den zweiten ländlichen Wahlkreis, der sieben meist größere Orte der Oberlausitz(Amtshauptmannschaften Lübau und Zittau) um- saßt. Um den Kreis wird ein heißer Kampf entbrennen. Riem erhielt in der Hauptwahl 1900 6816 Stimmen, der Nationalliberale 4068, der Freisinnige 3146. In der Stichwahl siegten wir mit 7632 Stimmen gegen 6021 Nationalliberale. Die Wahlbeteiligung stieg von der Haupt- zur Stichwahl von 81,74 auf 38,64 Proz. Ein kleinerer Teil der Freisinnigen stimmte in der Stichwahl sozial- demokratisch, der wcitgrößte wählte jedoch nationalliberal. Die Freisinnigen werden bei der Nachwähl alles daransetzen, mit in die Stichwahl zu kommen. Unsere Genossen werden selbst- verständlich mit aller Wucht in den Wahlrampf gehen. Ein Nach- folger Riems ist noch nicht bestimmt. Die Genossen des Kreises nehmen in den nächsten Tagen Stellung zur Kandidaten- frage. Die Regierung hat die Wahl sehr rasch, elf Tage nach dem Tode des Abgeordneten, ausgeschrieben. Da der Landtag etwa Ende April auseinandergeht und damit die Periode seiner Wahl über- Haupt abläuft, wird der neue Abgeordnete nur etwa zwei Monate sein Mandat ausüben können. Im Herbst 1914 finden dann Neu- Wahlen für das ganze Land statt, da das jetzt geltende Wahlsystem die frühere Drittelerneuerung nicht kennt, der einzige Fortschritt, den das neue Wahlrecht gebracht hat. Während der drei Tagungsperiodcn des sächsischen Landtages von 1909/10 bis 1913/14 sind fünf Abgeordnete verstorben und zwar zwei der konservativen Fraktion, je ein Abgeordneter der national» liberalen und der sozialdemokratischen, sowie der einzige Frei- konservative der Kammer. Das letztere Mandat wurde bei der Nachwahl von uns gewonnen, so daß die Zahl der sozialdemolra- tischen Abgeordneten aus 26(von insgesamt 91) stieg. Im übrigen trat keine Verschiebung der Parteiverhältnisse in der Kammer ein. Hoffentlich wird das nun sreigewordene sozialdemokratische Mandat der Partei erhalten. Auch ein„Doppelspiel". Drei Tage haben die wackeren Christenführer vor Ge- richt in Entrüstung gemacht, weil einige sozialdemokratische Zeitungen ihnen Doppelspiel und andere Unehrlich- leiten vorgeworfen haben. Das Gericht hat ihre Ehre hin- reichend repariert, aber noch während des Prozesses hat der klerikale Schwindel schon wieder eingesetzt, und zwar in der „Kölnischen Volkszeitnng". Dieses Blatt bringt es fertig, in seinem sehr langen Bericht der Anwaltsrede des Vertreters der Kläger, Dr. Schreiber, sechs Spalten zu widmen und das dreistündige Plaidoyer des Genossen Heine mit dreizehn Zeilen abzutun. Das ist nichts anderes als eine Entstellung der Prozcßverhandlnngen. Wenn schon die große klerikale Presse mit solchen Mitteln arbeitet, wird sich niemand wundern dürfen, wenn mpn klerikalen Gewerk- schaftsagitatorcn auch in Zukunft allerlei zutraut, ivas gegen die Wahrheitsliebe verstößt._ Gewerkschaftschristen und Scharfmachertum. In dem Prozeß der Christenführer Steg er Wald und Kon- sorten gegen zehn sozialdemokratische Redakteure hat Rechtsanwalt Wolfgang Heine auch auf die Rolle der Zentrumsgewerkschaftler des Ruhrgebiets bei den letzten Reichstagswahlen hingewiesen. „Lieber den Teufel als Hue!" hat der Redakteur Im- b u s ch vom christlichen„Bergknappen" gerufen, wie er an Gerichts- stelle eingestand, und auch gegen den Vorwurf, den Wahlkreis Duis, burg-Mülheim an einen Scharfmacher ausgeliefert zu haben, hat man sich nicht nur nicht gewehrt, sondern der nämliche Jmbusch gab zu, daß das Bureau des christlichen Verbandes nahezu zu einem Wahlbureau für den Zechenkandidaten Böttger gemacht worden ist und daß man Zentrums stimmen schon im ersten Wahlgang deni nationallibcralen Kandidaten zugeführt hat, damit dieser und nicht die aussichtslosere Zentrumskandidatur mit den Sozialdemokraten in die Stichwahl komme.„Jeder andere ist uns lieber als ein sozialdemokratischer Kandidat!", so sagten die Gewerkschastschristeti, und sie handelten danach. Jetzt kommt aber der nationalliberale Wahlaus- s ch u ß dieses Kreises und sucht Herrn Dr. Böttger durch eine in der bürgerlichen Presse veröffentlichte Erklärung, die sich gegen Heines Ausführungen wendet, von dem Odium der Scharfmacherci zu befreien. Der Wahlausschuß verweist auf Böttger» Wahlreden und darauf, was er dieser Tage noch in einer Versammlung in Oberhausen gesagt habe, wo er„für Äoalitions- und«treikrecht eingetreten" sei. Wir kennen diese Rede nicht, wohl aber kennen wir Herrn Dr. Böttger als einen der allcrgefährlichsten Scharfmacher, und zwar deshalb, weil er nicht in der delirie- rcnden Weise der Arbeiterseinde Tilleschcr Observanz vorgeht, sondern mit System, Ruhe und Schlauheit. Dr. Böttger hat im Scherlschen„Tag" am 16. und 17. Januar 1913 in zwei Artikeln seinem Herzen Luft gemacht. Er versicherte dort zwar auch, wie ein Jahr vorher als Reichstagskandidat, daß er ein Freund der Koalitionsfreiheit seiz aber er meint die„Frei- heit", die nicht gebraucht werden darf, die Freiheit mit dem Galgen daneben. Er verlangt„nur" das Verbot des„den Frieden bedrohen- den" Streikpostenstehens. Damit wäre den Koalitionsrechtsfeinden vollauf gedient: erstens bedroht jedes Streikpostenstehen nach der Ansicht der Behörden den„Frieden", zweitens aber wäre es den Handlangern des Ausbeutertums kinderleicht, durch einige kleine Provokationen der Posten den gewünschten„Tatbestand" herbeizu- führen. Dr. Böttger fordert eine Ergänzung des z 163 der Ge- Werbeordnung dahin, daß das Streikpostenstehen nur noch„zur Erlangung oder Vermittelung von— Nachrichten statthaft" sei, aber auch nur dann,„wenn dadurch nicht der Friede der Bevölkerung gestört und die Sicherheit und Bequemlichkeit des Publikums be- einträchtigt wird". Ferner wünscht er eine„präzisere Fassung deS § 240 des Strafgesetzbuches", um mit dem Nötigungsparagraphcn auch die Schikanierung von Arbeitswilligen fassen zu können: zur Strafverfolgung soll es nicht mehr eines Antrages des Gekränkten bedürfen, sondern es soll„einem Verein Aktivlegitimation zur Klagestellung gegeben werden". Endlich liebäugelt Böttger mit der„Haftung der Gewerkschaften oder Gewerkschaftskartelle" nach KZ 823 bis 831 B.G.B. Seine Forderungen nennt er einen„wirklich bescheidenen Versuch, die Staatsgewalt zu verpflich- te«, die Zügel nicht weiter am Boden schleifen zu lassen". Wenn das keine Scharfmacherei schlimmster Art ist, dann gibt es keine. Interessant ist aber, daß der n a t i o n a l l i b e r a l e Wahlausschuß Böttgers Scharfmachertum schamhaft leugnet, wäh- rend vor dem Kölner Gericht die Gewerkschaftschristen gar kein Hehl ans dieser Eigenschaft des von ihnen in den Reichs- tag entsandten Arbeiterfeindes machten. Oeftermcb. Ein Geschäft des Kriegsministers. Dem früheren Kriegsminister v. Ausfenberg war während seiner Amtszeit von einem Orden ein ungarischer Land- komplex sür Schießplatzzwecke zum Preise von 3.4 Milltonen Kronen angeboten worden. Er veranlaßt« aber eine G. m. b. H.„Patria"/ das Gut für 3,65 Millionen zu kaufen und es der Heeresbenvaltung gegen eine Iahresnnete von 315 604 Kronen(— 9 Proz.I) zu verpachten. Nach 24 Jahren ist der Staat überdies verpflichtet, der Gesellschaft den Besitz für 3 924 750 Kronen abzukaufen. So werden in �4 Jahren etwa Millionen— nämlich die höhere Verzinsung und der Schlußgewinn für die Gesellschaft— hinausgeworfen. Entlassung des Ministers DlugvSz. Wien. 27. Dezember. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben, durch welches der Minister v. D l u g o s z unter Würdigung der von ihm geleisteten Dienste vom Amte eines Ministers enthoben wird. Eine geschäftstüchtige Exzellenz. .oor cuü-gen Iahren wurde der tschechische Rübenbauer und Abgeordnete P r a s ch c k zum Minister gemacht,' um die Stimmen seiner Partei der Regierung zuzuführen. Seit feinem Rücktritt bezieht er dank des kaiserlichen„Vorbehalts feiner Wiederverwendung im Dienste" 16 000 Kronen Ministerpension statt 8000 Kronen: seit 1911 wird er beschuldigt, 200 000 Kronen Wahlgelder aus dein Reptilienfonds be- kommen zu haben, und jetzt hat der einstige Musikfeldwebel mit seinem Bruder ein G u t f ii r Millionen gekauft. Ein wahrer Märtyrer der Politik! Sturmszenen im kroatischen Landtage. Agram, 27. Dezember. Unter Entfaltung des üblichen Ge- prängcs wurde heute der neugewählte Landtag mittels Königlichen Reskriptes durch den Banus Baron Skerlecz eröffnet. Das Reskript kündigt u.■ a. das Gesetz betreffend die Regelung des Auswande- rungswesens am Nach den� Eröffnungsformalitäten kam es zu stürmischen Szenen. Der Alterspräsident Mileusnicz(Oppositionell) beraumte die nächste Sitzung für Montag an, die Majorität wünschte dagegen, datz heute nachmittag eine neue Sitzung stattfinde zum Zwecke der Wahl des Präsidiums. Als Mileusnicz die Anbe- raumung der nächsten Sitzung für Montag erneut ankündigte, rief die Majorität:„Gehen Sie von der Präsidentenestrade, dorthin ge- hört Tuskau." Hierauf verlies Mileusnicz seinen Platz, den der Regierungsparteiler Tuskau, der der Zweitälteste der Landtagsmit- glieder ist, bestieg. Tuskau verkündete dann, daß die nächste Sitzung heute nachmittag 2 Uhr stattfinden solle. Zwei Oppositionelle stürzten sich auf Tuskau und wollten ihm den Stuhl wegziehen. Die Regierungsparteiler suchten Tuskau zu schützen, es kam zu Hand- gemenge und Tumult. Plötzlich erschien Mileusnicz wieder auf der Tribüne und erklärte, es bleibe dabei, daß die nächste Sitzung am Montag stattfinde. Unter Protestrufen der Rechten und unter Lärm wurde die Sitzung geschlossen. franhreid). Briand gründet eine neue Partei. Paris, 27. Dezember. Einhundertfünf republikanische Sena- toren und Abgeordnete hielten gestern abend eine vorbereitende Ver- sammlung ab, um die politische Lage zu besprechen und ohne sich einer der bestehenden Gruppierungen anzuschließen, eine P r o p a- ganda- und Aktionsorganisation zu gründen. Nach einer Beratung erkannten die Teilnehmer einstimmig die Not- wendigkeit an, unter den republikanischen Elementen der Linken, die Anhänger der nationalen Verteidigung, der Laienschule, der steuerlichen Gerechtigkeit, des sozialen Fortschritts und der Ein- kracht unter allen Bürgern sind, eine parlamentarische und außer- parlamentarische Vereinigung zu gründen. Eine besondere Kom- Mission, welche die Statuten vorbereiten und ein Programm aus- arbeiten soll, wurde sofort gebildet. Dieser Kommission gehören besonders an Briand, Barthou, Joseph Reinach, Pierre Baudin und Cheron. Im Lause der Versammlung erklärte es B r 1a n d'älS gemein- sames Ziel, eine Organisation zu gründen, die einer allgemeinen Bewegung im Lande entspreche, einer Bewegung, die seit seiner Rede in St. Etienne noch zugenommen habe. Es handle sich vor allem darum, Eintracht unter allen Republikanern zu predigen und jedes Hindernis, welches die Eintracht stören könnte, zu beseitigen. Die Vereinigung werde jeder Partei ihre Selbständigkeit lassen, sie alle umfassen und nach einer gemeinsamen Richtung orientieren. Briand kündigte sodann eine bevorstehende Redekampagne an, die er mit Barthou, Cheron und anderen unternehmen werde. Er werde sich ohne Unterschied der Partei an alle für die Laienschule und für die soziale Gerechtigkeit eingenommenen Republikaner wenden. Die Gruppe wird voraussichtlich den Namen„Union soziale et democratique" annehmen. Anklagen gegen den früheren Kriegsminister Etienne. Paris, 27. Dezember. Die„H u m a u i t 6" behauptet, daß der frühere Kriegsminister Etienne sechs Tage nach dem Sturze des Kabinetts Barthou Dienstbriefc unterzeichnet habe, durch welche mehreren Generälen und Mitgliedern des Sberslcn Kriegsrates Kommandostellen im Kriegssalle znge- wiesen werden. So sei dem General du Castelnau das Kommando des in den Ruhestand getretenen Generals Pau zugeteilt worden. Das Blatt erhebt entschieden Widerspruch gegen dieses Vorgehen, das es als einen Amtsmißbrauch und als eine äußerst schwere Gesetzesverletzung bezeichnet. Heimsendung der farbigen Soldaten. Paris, 27. Dezember. Der Kriegsministcr hat auf den Bericht des Generalstabsarztes hin beschlossen, die gegenwärtig in mehreren Städten Südfrankreichs Dienst tuenden Kreolenkontingente, die sich nicht an das Klima gewöhnen können, wieder-n die Kolonien zurückzuschicken. Snglanä. Weihnachtsbcscherung der Tnbliner Arbeiterkinder. London, 26. Dezember.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Die Kinder der ausgesperrten und streiken- den Tubliner Arbeiter sind von den englischen Arbeitern mit einer reichlichen Weihnachtsspende bedacht worden. Wie hier verlautet, will L a r k i n nach den Vereinigten Staaten und Kanada gehen und auf der Rückreise Frankreich und Deutschland besuchen, uin unter der organisierten Arbeiterschaft dieser Länder Hilfe für die Dnbliner zu er- wirken. Von Jnterefi'e mag es noch sein, zu erfahren, daß Larkin und der Sekretär des Tubliner Gewerkschaftskartells sich Mitte des Jahres auf einer Studienreise durch Belgien und Deutsch- land befanden, als sie in Brüssel durch die in Dublin aus- brechenden Kämpfe zurückgerufen wurden. Serbien. Ministerkrise. Belgrad, 26. Dezember.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.« Korresp.-BureauS.) Während der bemigen Ekupschtinasitzung verließ geiamle Opposition unter Protest ihrer Führer gegen das der- iassuiigsn-idrige Vorgehen der Regierung in der Budgeifrage demon- strativ den Saal. Hierauf sollte abgestimmt werden, dock war das Haus beschlußunfähig. Es erfolgte daher Vertagung auf Montag. Wie verlautet, beschloß das Kabinett Paschitsch im Zusammenhang nur diesen Vorgängen wegen der Obstruktion der gesamten Oppo» sinon dem König« seine Demission zu unterbreiten. Belgrad, 27. Dezember. Ministerpräsident Paschitsch er- stattete vormittags dem König Bericht über den Verlauf der gestrigen Sitzung der Skupschtina und unterbreitete hierbei die Demission des gesamten Kabinetts. Ter König nahm jedoch die Demission nicht an, versicherte viel- mehr den Ministerpräsidenten seines vollen Vertrauens. In der nachmittags abgehaltenen Sitzung der Regierungspartei erstattete der Ministerpräsident ein ausführliches Expose, worin er insbe- sondere die ernste auswärtige Lage schilderte. Die Regierungs- Partei wird morgen über das weitere Vorgehen angesichts der Haltung der. Opposition Beschluß fassen. Tripolis. Vom Kolonialkrieg der Italiener. Bengasi, 26. Dezember. Gestern wurde eine italienische Proviantkolonne auf dem Marsche von Alerg nach Gsur von Beduinen angegriffen. Die Italiener zerstreuten die Angreifer, von denen zehn getötet und zahlreiche verletzt wurden. Von der Kolonne fielen ein Offizier, zwei italienische Soldaten und ein A s k a r i; ein Italiener wurde verwundet. Marokko. Die Riffpiraten. Gibraltar, 27. Dezember. Eingeborene gaben gestern abend erneut auf den an der afrikanischen Küste gestrandeten englischen Kreuzer.Ludgate" Schüsse ab. Der spanische Kreuzer.Pelayo", der in der Nähe kreuzte, richtete sofort seine Scheinwerfer auf die Küste und sandte vierzig Seesoldaten mit Maschinengewehren an Bord der„Ludgate". Die Seesoldaten feuerten auf die Ein- geborenen, die daraufhin in die Berge flohen. An Bord der.Ludgate" wurde niemand verwundet. Die Verluste der Eingeborenen sind unbekannt. Kriegsschiffe bewachen das gestrandete Schiff, an dem die Bergungsarbeiten fortgesetzt werden.% Hua der Partei. Genosse Witti und der Kaiferempfang. Die„Münch euer Post" schreibt am Mittwoch:„In der gegnerischen Presse wird die Mär verbreitet, gegen den Genossen Witti sei beim Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins München das Parteiverfahren beantragt wegen seiner Teilnahme am Emp- fang des deutschen Kaisers im Münchener Rathaus. Diese Be- hauptung ist unrichtig. Es sei folgendes kurz festgestellt: Genosse Witti bekleidet das Amt des 2. Vorstandes des Gemeindekollegiums seit Januar 1911. Vor der Uebernahme dieses Amtes gab er die Erklärung ab, datz er die mit dem Amt zusammenhängenden Re- Präsentationspflichten erfüllen werde. Diese Erklärung erfolgte auf Grund eines Beschlusses der sozialdemokratischen Rathaus- fraktion, der dem Sinne nach vor Uebernahme des Vorstands- Postens in der„Münchener Post" veröffentlicht worden und ohne jeden Widerspruch geblieben ist. Auch der Gesamtausschuß des Sozialdemokratischen Vereins hat nach Darlegung der Gründe die Haltung der Rathausfraktion einhellig gutgeheißen. Vor der Neu- Wahl des Vorstandes des Gemeindekollegiums für das Jahr 1912 beschäftigte sich die Rathausfraktion neuerdings mit der Frage, ob der Sitz im Vorstand abermals verlangt werden solle trotz der mit ihm verbundenen Repräsentationspflichten. Auch diesmal beschloß die Fraktion, den Einfluß der Partei nicht durch die Repräsen- tationspflichten preiszugeben. Genosse Witti hat also, da er als Vorstand des Gemeindekollegiums beim Besuch des Kaisers im Hause der Stadt zugegen war, eine mit dem übernommenem Amt zusammenhängende Verpflichtung erfüllt und sich auch in diesem Falle vorher' mit dem Fraktionsvorstand verständigt." Durch diese Erklärung wird.Genosse Witti als. Person, etwas entlastet, der Repräsentationsakt wird dadurch aber nicht schmack- basier gemacht. Es ist sehr inkonsequent von der„Münchener Post", daß sie in Wort und Bild über die Empfangsfeierlichkeiten spottet, die Teilnahme eines Genossen an der höfischen Zeremonie aber als Erfüllung einer wichtigen Parteipflicht hinstellt. Unsere bayerischen Genossen wissen doch ganz genau, daß die Teilnahme an solchen monarchistischen Feierlichkeiten den Unwillen der weitesten Parteikreise erregen muß. Die kommunalen Interessen der Mün- chener Arbeiter wären nicht im mindesten gefährdet worden, wenn Genosse Witti auf den Händedruck Wilhelms II. verzichtet hätte. Berichtigung einer Berichtigung. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns: Es ist unter allen Umständen ein schweres und undankbares Geschäft, das Resümee einer Debatte zu schreiben und dabei allen Teilnehmern gerecht zu werden. Besonders schwer und undankbar ist es aber, wenn die Debatte in drei Sprachen geführt wird, wenn sich dieselben Teilnehmer einmal der einen und einmal der anderen Sprache bedienen und wenn es sich dazu noch um eine so ver- wickelte Sache handelt, wie die Zersplitterung unserer russischen Genossen, die, wie einige versichern, weniger durch sachliche Differen- zen als durch Verschiedenheiten in der Terminologie und den Temperamenten hervorgerufen worden ist. Hier mag oft die un- scheinbarste Wendung der einen und der anderen Sektion vonaus- schlaggebender Bedeutung sein und der nicht eingeweihte Zuhörer kann leicht auf eine falsche Fährte. geraten. Daß selbst einer Genossin wie Rosa Luxemburg, die in den russischen Angelegen- heiten so zu Hause ist. unter diesen Verhältnissen Irrtümer unter- laufen können, beweisen etliche der Berichtigungen, die sie im „Vorwärts" vom 23. Dezember zu meinem Bericht über die letzte Sitzung des Internationalen Bureaus macht. Sie bestreitet unter anderem, daß die Aenderung in der von Kautsky begründeten Resolution auf Antrag Lapinskis vorgenommen worden sei. Nach der Sitzung übergab der Sekretär Huysmans den anwesenden Ver- tretern der sozialistischen Presse die Originale der Resolution und der Amendements zur Abschrift. Das von mir dem Genossen Lapinski zugeschriebene Amendement trägt im Original seinen Namen, rührt also auch wohl von ibm her. Was die mir als fach- lich unwesentlich erscheinende Kritik meines notwendigerweise kurz gebaltenen Berichts anlangt, muß es natürlich den Lesern deL „Vorwärts" Ii belassen bleiben, zu urteilen, ob ihnen die russische Situation jetzt klarer ist._ Der Parteitag der P. P. S. O s w i e c i m, den 25. Dezember. Der Parteitag der P.P. S. wurde heute mittag 1 Uhr in Oswiecim, einer galizischen Grenz- stadt, eröffnet. Man hat sich jenseits der deutschen Grenze begeben, um vor den„Renegaten" gesicherter zu sein.' Auch wird eine strenge Kontrolle geführt, damit kein Unberufener an den Verhandlungen teilnimmt. Anwesend sind etwa 25 Delegierte aus Oberschlesien, Posen, Berlin, Bremen. Hamburg, Rheinland-Westfalen und Leipzig. Von galizischen Genossen nehmen Haase und Diamant, letzterer ist Mitglied des Internationalen Komitees, an den Verhandlungen teil. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung: das Verhältnis z u.r deutschen Sozialdemokratie, referiert B i n i s- z k i e w i e z° Kattowitz. Er sprach, im Gegensatz zu seiner bis- herigen Kampfesweise, recht ruhig. Natürlich ist der Beschluß des Jenaer Parteitages— nach Aufassung des Referenten— nur dem deutschen Nationalismus und dem Haß gegen die Polen zuzu- schreiben. Er legte dem Parteitag folgende Resolution vor: „Der 15. Parteitag der Polnisch-Sozialdcmokratischen Partei, preußischen Anteils, verdammt den Beschluß der deutschen sozialdemokratischen Partei in Jena, als eine Probe derVer- gewaltigung des polnischen Volkes. Der deutsche Parteitag hatte das Recht, die im Jahre 1996 getroffenen Ver- einbarungen zu brechen, aber das Recht aus- das Leben der P. P. S. und die demagogischen Beschimp- fungen der polnischen Arbeiter und d?e Auf- f orderung zum Eintritt in die deut scheu Wahl- vereine ist ein nationales Verbrechen und eine Nichtbeachtung der Jnternationalität, die alle Stationen auerkennt, ohne Rücksicht der Zugehörigkeit zu einem Staate. Und weil sich die deutsche Sozialdemokratie auf der polnischen Erde häuslich einrichten will und schon heute ihre heiMpfigen Anhänger vor- aussagen, datz sie in den polnischen Wahlbezirken Kandidaten der Wahlvereine aufstellen wird, so beschließt der Parteitag: Die P. P. S. nominiert ihre Kandidaten in allen Bezirken der polnischen Landesteile, je nachdem es die finanziellen Mittel erlauben. Um die deutsche Partei zu zwingen, unsere Rechte in den polnischen Wahlbezirken zu respektieren, nominiert die P. P. S. in solchen deutschen Bezirken Kandidaten, in welchen die polnischen Stimmen über die Wahl des Abgeordneten entscheiden, wie z. B. in Bochum- G e l s e n k i r ch e n, Dortmund- Hörde, Duisburg-Mülheim, Bremen usw.— In anderen Bezirken entscheidet jedesmal die P. P. S. als höchste Instanz bei den Wahlen. Ohne ihre Zustimmung darf für keinen Kandidaten gestimmt werden. Der Parteitag fordert zum Schluß alle Genossen auf, in den polnischen Landesteilen und in der Emigration in eine straffe Agitation für den„Dziennik Robötniczy" einzutreten. Auch diejenigen, die heute in den deutschen Wahlvereinen sind, soll man überzeugen, daß sie zur P. P. S. gehören und ihre ' Nation nicht verraten sollen." In der Diskusston wendete sich Diamant scharf gegen diese Resolution. Besonders belämpfte er das Vorhaben, in den rheinisch- westfälischen und anderen Wahlkreisen, Kandidaten der P. P.«. aufzustellen. Auch Haase wendete sich gegen die Resolution. Eine Anzahl Abänderungsanträge zur Resolution liegen vor. Bis abends 6 Uhr war eine Entscheidung noch nicht gefallen. Am zweiten Verhandlungstage soll die Stellung der P. P. S. zu den freien Gewerkschaften besprochen und darüber beschlossen werden._ poKzeilichee, Gerichtliches uftv. Eine eigenartige Staatsaktion. In Erfurt ist die Behörde seit längerer Zeit bemüht, dem Bildungsausschutz etwas am Zeuge zu flicken. Schon vor etwa einem Vierteljahr fanden Vernehmungen der Mit- glieder des Bildungsausschusses statt, deren Ziel zu sein schien, den Ausschuß zu einem politischen„Verein" zu stempeln. Als das aber nicht ging, glaubte man jetzt entdeckt zu haben, datz sich der Bildungsausschutz mit den von ihm in die Wege geleiteten Ver- anstaltungen eines— Gewerbevergehens schuldig mache. Man scheint anzunehmen, datz der Bildungsausschuß einen ge- werbesteuerpflichtigen Geschäftsbetrieb darstelle. Um dafür Be- weise zu bekommen, wurde am W e i h n a ch t s h e i I i gäbe n d sowohl in dem Redaktionszimmer des Genossen Prager, des Vorsitzenden des Ausschusses, wie auch in seiner Wohnung Polizei- lich g e h a u s s u ch t. Gefunden wurde natürlich nichts. Man darf gespannt sein, was nun folgen wird. Das ist fürwahr kein schlechter Witz! Die Arbeiterschaft be- müht sich, auf ihre Kosten, unter Auferlegung großer Opfer, die Lücken in der Bildung und dem Wissen der Arbeiter auszufüllen, die die mangelhafte Volksschulbildung in so reichem Matze ver- schuldet. Und dann sollen die mit diesen vom Staat vernach- lässigten Kulturaufgaben betrauten Organe der organisier- ten Arbeiterschaft sich noch eines Gewerbevergehens schuldig ge- macht haben. Man vergesse aber nicht, daß. Erfurt in Preußen liegt. Preußen soll angeblich ein„Kulturstaat" sein. Preftprozesse. Von der Bremer Strafkammer wurde am Dienstag, den 23. De-ember, der Genosse Schwartz, Verantwortlicher der „Bremer B ür ge r- Z e i k u n g" zu 1299 M. Geldstrafe verurteilt. Ein Oberlehrer fühlte sich durch einen Artikel beleidigt, der sein Verhalten bei der Jahrhundertfeier wahrend des Fackelzuges kritisiert ljatte. Der Staatsanwalt hatte sechs Wochen Gc- fängnis beantragt. Wegen Beleidigung eines Anltsvorstehers war der Veranworiliche unseres Görlitz er Parteiblattes vom Schöffengericht zu 199 M. Geldstrafe verurteilt worden. Das Landgericht verwarf die eingelegte Berufung und die gegen das Urteil nunmehr anhängig gemachte Revision wiirdc vom Oberlandesgericht auch als unbe- gründet zurückgewiesen.__ Km Industrie und Kandel. Der Einfluß der amerikanischen Zolltarifreform auf den deutschen Ausfuhrhandel wird in dem Jahresbericht der Handelskammer Bremen günstig beurteilt: Dem deutschen Ausfuhrgeschäft dürfte der am 3. Oktober beschlossene und sofort in Kraft gesetzte neue Zolltarif der Vereinigten Staaten, der Zollermäßigungeu auch für viele Erzeugnisse der deutschen Industrie gebracht hat, eine e r- hebliche Förderung gewähren, wenn auch zugleich die früher mit dem Deutschen Reich vereinbarten Erleichterungen im ameri- kanischen Zollverwaltungsverfahren fortgefallen und sogar neue Er- schwerungen hinzugetreten sind. Eine langfristige Ordnung unserer handelspolitischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten bleibt ein dringendes Bedürfnis, zumal die weitere Gültigkeit des im Jahre 19l9 zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ub- geschlossenen Handelsabkommens, das sich auf den amerikanischen Zolltarif von 1999 bezieht, zweifelhaft sein kann und die alten, mit einjähriger Frist kündbaren Handels« und Schiffahrtsverträge der Vereinigten Staaten mit den Hansestädten, Preußen und Mecklen- bürg von der Union nicht mehr wie früher auf das gesamte Deutsche Reich angewendet werden, so auch in der Frage des durch das neue amerikanische Tansgesetz den fremden Schiffen zugedachten„Flaggen- zolles", einer Zollbevorzugung der auf Schiffen der Vereinigten Staaten eingeführten Waren. Ist auch diese Bestimmung zunächst im BerfügungSwege außer Kraft gesetzt, so besteht doch keine Sicherheit für die Aufrechterhaltnng einer solchen Verwaltungsmaßregel. und eine einwandfreie vertragliche Regelung ist geboten, sofern nicht besser noch der Abschnitt ganz aus dem Gesetz gestrichen werden sollte.»_______ Hetzte Nachrichten. Unruhen in Sofia. Paris, 27. Dezember.(P.-C.) Wie ber„Temsis" in einer Depesche aus Sofia meldet, ist es am Donnerstag in einer politischen Versammlung zwischen Sozialisten und politischen GegnernzueinemKampfgc- komme n. Der Kampf war äußerst heftig. Zahlreiche Personen wurden verletzt, unter ihnen mehrere lebensgefährlich, die in das Hospital geschafft wilrden. Rufe wie:„Nieder mit dem König! Hoch die Republik! wurden laut. Da die Polizeibehörden gegen die große Anzahl der Streitenden machtlos waren, versuchte man Militär hinzu- zuziehen, aber dieSoldatenweigertensich, gegen die Sozialisten zu marschieren. Ucberschwemmungen in Königsberg l Pr. Königsberg i. Pr., 27. Dezember.(W. T. B.) Heftige Regen- böen, die heute morgen plötzlich einsetzten, haben das hochgehende Pregelwasser gestaut und mit Macht landeinwärts getrieben.. Die Hochflut hat die tiefer gelegenen Straßen, wie Untere und'Obere Fischmarkt, den Kohlmarkt und die angrenzenden Straßen völlig überschwemmt und den Verkehr unterbrochen. Die Kellerräume stehen unter Wasser. Eine Reihe von Fernsprechleitungen sind ge- stört. Erst gegen 9 Uhr abends hat der Sturm nachgelassen, so daß ein weiteres Steigen des Wassers nicht zu befürchten ist. 11 A.Weiiheim 1 Leipziger Strasse König~Strasse T rinKglas-Garnituren besonderes Angebot ScHriftlicH« Bestellungen sind an die Versand« Abteilung Berlin W.66 zu richten Rosenthaler Str. Moritzplatz für Restaurateure Salatschüsseln gepresst n bis 58 Kompottcllcr......... 7 et. Fruchtschalen........ 85 Pf. Salatschüsseln geschi 30 ei. bis 1.05 Kompotteller geschliffen... 23 Pf. 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Bibliotheken, Bereine, Gewerkschaften, Arbeitersekre- tariatc:c., welche den„Borwärts" in kompletten Jahrgängen sammeln, haben also Gelegenheit, solche aus dauerhaftem und befferem Papier gedruckte Exemplare zu beziehen. Der Preis für diese Ausgabe beträgt 2 Mark pro Monat. Die Expedition wird dann jeweilen am Schlüsse eines Monats »der Quartals die bestellten Exemplare komplett an den Auftraggeber übersenden. Bestellungen erbitten wir direkt an die Expedition bis spätestens ÄS. Dezember d. I. zu richten. Expedition des„Vorwärts". SewerKseKaMicKes. „RohC Gönnerschaft. Die christlichen Gctverkschaftcn erfreuen sich immer mehr der Anerkennung der herrschenden Kreise. Und die Auer- kennung entspringt der Erkenntnis, daß die christlichen Gc° werkschaften das letzte Mittel sind, die Herrschaft der Herrschen- den, die Unterjochung der Unterjochten zu festigen und zu Oer- längern. In solcher Wertschätzung müssen sogar die Gelben weit, weit hinter den Christen-Gewerkschaftcn zurückstehen. In der„Köln. VolkSztg."(Nr. 1117) ist den M.-Glad- bachern nun— welche Gnade— ein Fürsprecher aus„hoch adeligen konservativen Kreisen" erstanden. Er macht der kou- servativen Partei klar, daß sie alle Ursache habe, die christ- liehen Gewerkschaften als Bnndcsgenosscn wertzuschätzen und zu fördern, anstatt ihnen Mißtrauen eirtgcgenzubringen. Man muß anerkennen: die Gründe des hochadeligen Gönners sind durchschlagend. Er weiß, was die christlichen Gewerkschaften den Feinden einer freien, lediglich auf die Wahrnehmung von Arbeiterinteressen eingestellten Arbeiterbewegung für gute, unbezahlbare Dienste leistet. Unumwunden gesteht der Hoch- adelige, daß die„Arbeiterbewegung aus einer Notlage heraus entstanden" sei. Sic führte in das Lager der Sozialdemo- kratie. Da erwuchs den herrschenden Sippen in den christ- lichen Geiverkschaften ein Retter in der Not. Tie Arbeiter- schaft wurde zersplittert. Das. schon bedeutet eine Machtstär- kung ihrer Gegner. Besonders imponiert dem Verteidiger der M.-Gladbacher ihr„Verhalten... zum Streik im Gegensatz zu den freien Gewerkschaften, und i h r iz p r in z ip i c l le Gegnerschaft zur So- z i a l d e m o k r a t i e h— Hier wird ziemlich unverblümt eingestanden— die„Köln. VvlkZztg." bestätigt es—, daß die eigentliche Aufgabe der christlichen Gewerkschaften nicht der Kampf gegen die Notlage der Arbeiter, sondern gegen die freien Gewerkschaften und d i e S o z i a l d c in o- kratie ist. Und daß sie solcher Aufgabe sich mit Hingebung widmen, das habe doch der Christen Verhalten aus Anlaß des letzten Ruhrarbeiterstreiks gezeigt.— Es läßt sich nicht be- streiten,.bei dieser Gelegenheit baben die M.-Gladbacher die Interessen des Kapitals und der herrschenden Gesellschaft ganz besonders erfolgreich vertreten. Erklärlich daher, daß ihr neuer Agitator aus dem Hochadcl schmerzbewegt ausruft: „Es ist geradezu unverständlich, daß auch staatserhaltende Parteien, als ivelchc die Äanservativen in hervorragendem Maße gelten, diese Bundesgenossen im Kampfe gegen die Sozialdemo- kratie nicht mit Freuden begrüßt und ihnen die Hand gereicht haben." Das Lob, Spießgesellen der allcrschlimmstm Arbeiter- feinde zu sein, haben die Giesbcrts, Steg er Wald, Schiffer und Genossen vollauf verdient. Man höre nur weiter, was man von ihnen erwartet. Die Konservativen nähren einen furchtbaren Haß gegen das Koalitionsrecht, aus Furcht, es könne schließlich auch die bekannten idyllischen Zu- stände auf den Rittergüteril etwas nach modernen Auffassun- gen beeinflussen, die Lairdarbeiter aus den Niederungen der Hörigkeit herausreißen, ihnen Selbstbewußtsein einflößen und Gefühl für Menschen- und Persönlichkeitsrcchte erwecken. Dieser Sorge gegenüber bemerkt der hochadeligc Gönner der Zcrsplitterungstätigkeit christlicher Gewerkschaften, daß gerade solcher Aussichten wegen seine Schützlinge von den Konser- vativen als Bundesgenossen anerkannt werden müßten. Die EntWickelung nehme ihren Lauf. Die Sozialdemokratie habe mit der Organisation der Landarbeiter begonnen. Mit ihren Erfolgen wachse die Gefahr, daß die Landproletarier das Streikrecht forderten. Das„Unglück" soll verhindert wer- den— durch Förderung ch r i st l i ch e r G e w e r k- s cha f t e n! Hofsnungsfroh erklärt der Blaublütige als Agi- tator für christliche Streikbrecherorganisationen, dürfe man den christlichen Führern nach ihrem bisherigen Verhalten„die Einsicht und den Verstand zutrauen, daß sie zu der Einführung des Streikrechtes", das den Landarbeitern den freien Gebrauch dieser Waffe erlaube,„nie die Hand bieten w ü r- den". Also als B u n d c s g e n o s s e n g e g e n ein Streik- recht der Landarbeiter werden die christlkhen Gewerkschaften den Konservativen sehr sehr warm empfohlen. Da sie nicht für ein„Linsengericht guten Lohnes" ihre grundsätz- liehe Gegnerschaft gegen die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokraten preisgeben würden, was man von den Gel- den zu befürchten hätte, darum seien die Christen im Kampfe gegen eine freie Arbeiterbclvcgung den Gelben vorzuziehen. Wir müssen gestehen: die Würdigung der M.-Gladbacher aus konservativ-hochadeligen Kreisen entspricht ihrem tatsächlichen„Werte", findet in der Verratspolitik der Zentrums- demagogen ihre unbedingte Rechtfertigung. Die Herren Giesberts, Schiffer, Steger wald usw. als Ver- trauensmänner der Junker anerkannt, das fehlte noch, um aller Welt unzweideutig zu zeigen, daß die christlichen Gewcrk- schaften als Instrumente der Herrschenden mißbraucht werden. Hoffentlich drucken die christlichen Geiverkschaftsblätter den „wertvollen" Artikel eines hochgeschätzten Mitarbeiters der „Köln. Volksztg." wörtlich nach. Dann wird dock) manches Mitglied erfahren, daß die christlichen Gewerkschaften nichts anderes sind, als Schutztruppcn der herrschenden Sippen. Berlin und Qmgegcnd. Die Arbeitslosigkeit unter den Berliner Holzarbeitern bat eine geradezu ungeheure Ausdehnung angenommen. Die„Fachzcitung der Tischlermeister", das Organ der Tischlcrimiungcn von Groß- Berlin und Zentralblatt des Arbeitgeber-Echutzverbandes für das deutsche Holzgcwerbc, berichtet darüber in der lebten Nummer: „Ein ungeheuerer Andrang herrschte am Montag, den 22. d. M., auf dem Arbeitsnachweis zu Berlin. Arbeitslose Holz- arbeiter, hauptsächlich Möbeltischler, 1320 an der Zahl, meldeten sich dort zum Einschreiben. Es sind das meist solche, welche, wie immer vor den Wcihnachtsfeiertagcn, entlassen werden und nach Neujahr die Arbeit wieder aufnehmen. Daß bei diesem un- geheuren Andrang der Massen die dort beschäftigten Beamten alle Hände voll zu tun hatten, läßt sich wohl denken. Die Ein- gangstüren wurden förmlich gestürmt, es wurden sogar Fenster- schciben eingedrückt und die Tatsache, daß auch einige Unzufriedene ihren Unmut durch laute Reden zu erkenuen gaben, verursachte noch mehr Tumult. Eine genaue Zählung der Arbeitslosen konnte wegen«chlutz der Zeitung nicht vorgenommen werden. Es sind zu den vorhandenen 4741 Arbeitslosen die 1 320 hinzu- zuzählen, so ergibt die Summe der auf dem Nach- weis eingetragenen 0001. Hosseutlich Ivird das neue Jahr mithelfen, die Zahl zu verringern." Angesichts der wahrhaft überwältigenden Not, die aus diesen kahlen Zifseru zum Himmel schreit, ist es auch diesem Unternehmer- organ vergangen, die grausamen Tatsachen irgendwie polemisch beiseite schieben zu wollen. Es redet Bände über das vorhandene Elend, daß�uch die„Fachzcitung" sich nicht anders zu helfen weiß, als erschüttert zu stammeln:„Hosscntlich wird das neue Jahr mit- helfen, die Zahl zu verringern." veurkebes Reich. Die polnische Bcrufsvcreinigung»nd die Separatisten. Ter Vorstand der Polnischen Berufsvcreinigung hatte in den ihm nahestehenden polnischen Zeitungen einen. Ausruf, betitelt: „An unsere Zahlstelle» und BezirkSlciter" veröffentlicht. In diesem Aufruf wurde behauptet, daß die Verbandsbeamten Borys und Adainck wegen ihrer Zugehörigkeit zur polnischen Partei vom Verband auf das Pflaster geworscn worden seien. Zugleich wurden die Mitglieder P. B. V. aufgefordert, überall diese Vorkommnisse bekannt zu geben, damit kein Pole mehr einer fremden Genossen- schaft angehöre. Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands sandte nun an die in Betracht kommenden Zeitungen folgende Berichtigung: An dte Redaktion des..... Iii der Nummer Ihres Blattes vom.... veröffentlichen Sie ein vom Vorstand der Polnischen Berussvereinigung(Ab- .teilung Bergarbeiter) ausgehendes Schriftstück, in welchem aus gewisse Differenzen zwischen der Polnischen Partei der Sozialisten lP. P. S.) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschland» hingewiesen wird. Wörtlich heißt es in dem Artikel: „Jetzt aber ist es Tatsache geworden, was ivir lange vor- aussagten. Mit dem Ausschluß der P. P. S. kam die Reihe an die polnischen Beamten des BergarbciterverdandeS. Der Verband, der die Politik und Unterstützung der Sozialdemo- kratischcn Partei leugnet, warf wegen Zugehörigkeit seiner Beamten zur polnischen Partei und wegen Bekundung einer, wenn auch nur wenig warmen polnischen Gesinnung die Herren Borps und Adainck aufs Straßenpflasicr." Diese Behauptungen sind erweislich unwahr. Unter Be- rufung auf die preßgesetzlichen Vorschriften ersuchen wir Sie um Vcrösscntlichung folgender Richtigstellung: 1. Weder Borys noch Adamek sind wegen ihrer Zugehörig- kcit zur P. P. es. aus dem Verband sdieiist entlassen worden, sondern Adamek hat am 0. Dezember selber gekündigt, obgleich ibm am 8. Dezember von dem Unterzeichneten ausdrücklich erklärt worden war, daß kein Verbaudsbeamter wegen Zuge- Hörigkeit zur P. P. S. oder irgend einer anderen politischen Partei entlassen würde. Borys selber 7)at am 10. Dezember 1913 im Bochluner„Volksblatt" unsere Erklärung als zu- treffend bestätigt. 2. Borys ist am 21. Dezember 1913 vom VerbandSvorstand gekündigt, die Kündigung Adaineks ist von uns am selben Tage definitiv gutgeheißen worden, weil sich nach der am 14. Dezember 1913 stattgesundenen Konferenz des Bergarbeiter- Verbandes herausgestellt hat, daß Borys und Adamek entgegen ihren uns gegebenen Versicherungen für eine neue gewcrk- schastlichc Sonderorgaiiisation agitierten und Adamek außer- dem a» vcrbandsfeindliche Zeitungen, darunter auch an ein hakatistischcs Organ, seine Vcrbandskollcgen beschimpfende Be- richte versandt hat. Die parteipolitische oder nationalistische Stellungnahme von Borps und Adamek hat also ihr Ausscheiden aus dem Verbands- dienst nicht bewirkt. Mit Glück Auf Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Teutschlands. I. A.: Sachse." Etil dem Staate nützliches Element. Vor der Strastammer des Landgerichts Plauen hatte sich kürz- lich der Drucker Enno Walter Schaar schmidt aus Plauen wegen zwei vollendeter und einem versuchten schivcren Einbruchs- diebstahl zu verantworten. Wegen der beiden ersteren. Fälle konnte der schlüssige Beweis, daß er die Sachen gestohlen hat, nicht geführt werden. Er wurde in diesen Fällen nur wegen Hehlerei bestraft, da er die gestohlenen Gegenstände«Spitzen) verkauft hatte. Im dritten Falle aber wurde er erwischt, als er gerade mit einem Karton gestohlener Spitzen im Werte von mehreren Hundert Mark verschwinden wollte. Dieser r-xhaarschmidt ist kein Unbekannter. kleines Feuilleton. Die Devise. Vor Weihnachten steht der bürgerliche Journalist vor einer schweren Aufgabe. Er soll Lesefuttcr mit vielen klingen- den Namen bringen und doch den Raum der gutbezahlten Inserate nicht beengen. Die Lösung der Frage ist die Umfrage. Diesmal brachte das„Berk. Tagebl." natürlich zwei. Eine an«Schriftsteller und Künstler, die sich selbst ihrer Haut wehren mögen, und eine Frage nach der Devise an sonstige„Namen". Es ist klar, daß ein geriebener Geschäftsmann oder ein geric- bener Politiker nur etwas als seine Devise veröffentlichen kann, das ihn der breiten Masse günstig zeigt. Die Antworten bestehen darum naturgemäß aus ausweichenden Witzen, Vcrsaminlungs- Phrasen und Plattheiten. Nicht weniger als fünf leuchtende Geister schenken ihrer Mitwelt den originellen Wahlspruch:„Tue recht und scheue niemand." Zwei davon mit der persönlichen Note der eigen- artigen Form. Wie: Tue deine Pflicht, und kümmere dich um nichts weiter." So Dr. Kaempf, Präsident des Reichs- tages. Und:„Tue, was Du für richtig und recht hältst, und frage nicht danach, was die„andern" sagen." So Pros. A. Kampf. Das haben sie nun davon. Aus Gutmütigkeit oder Rcklamesucht läßt man sich zu einer Gefälligkeit verleiten(eine Hand wäscht ja auch die andere), und der Tank? Man wird so zusammengestellt, daß man bloßgestellt ist. Welcher Mensch, der sich nicht selbst für einen zynischen Verbrecher hält, hat übrigens nicht die Devise: Tue recht und scheue niemand? Aus einzelnen Antworten klingt auch deutlich heraus, was sie von der Frage halten. Nur die Höflichkeit wird wohl manchen ab- gehalten haben, die Devise zu schreiben: Aus dumme Fragen gebe ich keine Antwort. Einer aber ist nicht gefragt worden, dessen auf- richtige Antwort die ganze Umfrage sehr klar beleuchtet hätte: Rudolf Mosse. Seine Antwort�würde sicher sein:„Meine Devise ist das Inserat." Wer diese Großtaten liberaler„großer" Blätter mit klaren Augen sieht, muß die Wiener um ihren Karl Kraus beneiden, dem die moralische Hinrichtung geistloser Schmöae noch immer Ver- gnügen bereitet. Und wüßte man nicht, daß dieser große Satiriker eine aussichtsreichere Lebensaufgabe hat als das publizistische Scharfrichteramt, würde man versucht sein, ihm nahezulegen, seine Tätigkeit doch wenigstens ein Jahr lang in Berlin auszuüben.. Der gestiefelte Köter. Nein, es ist kein Druckfehler: es beißt schon so. Der„gestiefelte Kater" ist ein hübsches Kindermärchen: der gestiefelte K ö t e r ist(leider) kein Märchen und hübsch ist es auch nicht. Im vornehmsten Berliner Westen, um den Bayerischen Platz herum. war'S. Da wandelte vor ein paar Tagen eine Dame(ob »a« sie mit. ob man sie ohne Gänsefüßchen zu schreiben hat, sieht «an de« Damen und.Damen" aus jener Gegend oft genug durchaus nicht an)— da wandelte also eine elegante Dame mit einem kleinen Hund die Straße entlang. Er trug ein blaues, mit Gold abgesetztes Seidenmäntelchen, der Hund. Das wäre(in jener Gegend) noch nicht einmal so sehr ausgefallen. Wenn er nicht so merkwürdig geklappert hätte, wenn er lies. Geklappert? nanu? Wahrhaftig— nun hatten es auch ein paar Portierkinder entdeckt und lachten es hell in die Welt hinaus—: Das kleine Viech hatte — Stiefel an. Zwei Paar Stiefel, regelrechte Stiefel, wenn auch ohne Abiätze, aus seinem hellbraunem Leder, Stiefel, die mit hellen Seidenbändern kokett verschnürt waren.... Der Dame(oder„Dame")«schien die Aufmerksamkeit nicht un- lieb, die sie erregte. Aber rasch wurde das Gefolge—: Kinder, Messenger- boys, Ausfabrcr, PortierSsrauen, ein großer Zug hatte sich bald zu- sammengefunden. Und folgte. An einem Straßenkehrer kam der Zug vorbei. Der ließ den Besen sinken und starrte erstaunt das Wundertier an. Und schüttelte den Kopf: Merkwürdig, merkwürdig... Ein Kinderwagen, mit Zeitungen beladen, stand am Wege: Dahin steuerte das Hundeviech. Ach. Mariechen, sieh doch mal... l" Die Zeitungsfrau hielt mitten im Abzählen inne, um ihrem Kinde das Wunder zu zeigen. Unwillkürlich lief ihr Blick von den weichen Schuhchen des Hundes zu den harten, häßlichen und sicher auch zerrissenen des kleinen Mädchens an ihrer Seite. Da—— ein helle» Gelächter des Publikums-- da» blauseidene Tier hatte den Kinderwagen erreicht und hob in nicht miß- zuverstehender Absicht da» linke— bestiefelte— Hinterbein. Es sah grotesk aus, das Gefolge lachte, wieherte, schrie,— da wurde es der Eleganten zu arg. Ein jäher Ruck an der Leine, ein Wink nach einem Auto, daS vorbeifuhr— unzart riß sie ihr Kleinod vom Boden— es war eine regelrechte Flucht. Aber sie fuhr nicht ganz ohne Rache ab.... Als das Auto anzog, da lag auf ihrem Gesicht eine solche Verachtung dieses Pöbels, dieser Ungebildeten, die nicht einmal wußten, daß Hunde- schuhe jetzt in Paris und Nizza und nun woht auch bald in ganz Berlin WW„modern" sind,— eine solch' eisige Verachtung lag auf ihrem Gesicht, daß— der„Pöbel"' noch einmal das Lachen bekam. Das war sehr unrecht von ihm, sicherlich. Jules Claretie ist in Paris kurz vor Weihnachten an einer Gripp- gestorben, wenige Wochen, nachdem er die Direktion der „Cvmsdie Franqaise", an die er sich mit aller Kraft klammerte, hatte verlassen müssen. Er war ein Schriftsteller von geradezu unheim- sicher Fruchibarkeit. 1802 Hai er als Zwciundzloanzigjähriger sein erstes Buck veröffentlicht, einen Roman, dem Dutzende anderer folgten. Die forlgefetzie Viclschreiberei hat seinem zweifellosen Talent die künstlerische Konzentralion versagt. Erfolge sind ihm nicht ausgeblieben, auch auf dem Theater, dem er Stücke der verschiedensten Genres gegeben hat. Aber diese Werke sind längst vergessen, ebenso wie seine„populären" Geschichtsdar- stellungen. unter denen sich eine leichtfertig hingeschleuderte Geschichte des deutsch-französischen Kriegs und eine seichte und ungerechte Dar- stellung der Kommunezeit befindet. Claretie war vor allem Journalist, im Stil der allen Zeit, da die Zeitungen noch für langatmige Chroniken Leser fanden. Der„TempS", der diese Tradition noch festhält, brachte bis in die allerletzte Zeit unter dem Titel„Das Leben in Paris" wöchentliche Plaudereien ElaretieS, wahre Bandwürmer, die neben allerhand Literatur- und Theatertratsch aus Väter- und Großväterzeit gelegentlich interessante Details enthielten. Als nach ElaretieS Rücktritt bekannt wurde, daß der Pen- sionär nunmehr seine Memoiren schreiben werde, fragte sich alle Welt verwundert, was ihm denn noch zu schreiben übrig bleibe. Die Leitung der Eomvdie Fraw aise hatte Claretie 28 Jahre inne. Konflikte mit der schwer zu behandelnden Schau- spielerfeudalität dieses Theaters hat er natürlich in Masse gehabt, wiederholt auch mit Autoren. Die EntWickelung der dramatischen Dichtung wie der Schauspielkunst in Frankreich ist von seiner Direltionsführung ebenso wenig beeinflußt worden, wie die der deutschen von den Hofmarschällen, Bureaukraten und gebildeten Aengst- lingen der Hofthealer. Claresie war Mitglied der Akademie und Inhaber sonstiger Ehren des Bourgeoisstaates, für die er sehr empfänglich war. Er war eine charakteristische Figur unter jenen Parisern, von denen man versichert, daß sie unter dem Kaiserreich jung waren. Theater. Freie Volksbühne. Hinterm Zaun, Komödie von Karl R ö ß l e r. Das Hungerelend fahrender Schauspieler, noch immer eins der traurigsten Kapitel im Zeitalter kapitalistischer Aus- beutung, ist oft von Angehörigen dieser Klasse geschildert worden. Einzelne Typen, wie den Schönthanschen Schmierendirektor Striese, haben die Mitglieder der Freien Volksbühne schon früher auf den Brettern gesehen. Ungleich tiefer schürfte Rößler. Intensivstes persönliches Erleben ließ ihn eine Reihe jener Gestalten des Künstler- Proletariats herausgreifen und mit dem farbigen Schimmer ihres „glänzenden Elends" umkleiden. Im ersten Akt haben wir sie alle beisammen, die Schiff- brüchigen. Betrogenen, Zerbrochenen, die die ärgste Not weder des letzreit Reste» ihres Galgenhumors, noch auch ihrer leicht entzünd» lichen Zukuissthoffnungen und ihres größenwahnsinnigen Künstler- stolzes berauben konnte. Aus diesem„Meerschweinchen"- Milieu leitet die tragische Figur des jungen Anfängers in den Kreis der „gehobenen" Mimen hinüber. Im zweite» und dritten Aufzug begegnet uns ein Trifolium von„Hofschauspielcrn".„Er"— ein eitel ausgeblasener, nach Fürstengunst lechzender Prahler:„Sie"— gleich- falls ein großes Talent, aber kein Charakter, und stets darauf be- dacht, sich an gut zahlende Liebhaber zu verkaufen. Daneben geht die alt gewordene Kollegin, der, wenn sonst nichts, doch der Futter- trog und das Behagen am Soupieren und Pokulieren geblieben ist. er war schon vielfach vorbesirast, zuletzt mit 5 Iahren Zuchthans, .'bcnfalls wegen Einbruchsdiebstahls. Sioch in Erinnerung dürft« im Vogtland sein, in welche Erregung die vogtländische Bevölkerung geriet, als Schaarschmidt aus dem Zuchthaus ausgebrochen war. Er wurde jedoch damals wieder eingefangen und erhielt dabei im Mampf mit der Polizei eine Verwundung. Der„Vogtländische Anzeiger"— eines der bedeutendsten konservativen Blätter Sachsens — nennt ihn einen unverbesserlichen Dieb und gemeingefährlichen Burschen. Das Bild, das hier der„Vogtländische Anzeiger" von Schaarschmidt gibt, ist jedoch unvollständig. Wir wollen zur Ehren- rcttung Schaarschmidts es ergänzen. Im Herbst 1311, als er in seinem eigentlichen Beruf, dem Ein- und Ausbrechen, vielleicht gerade beschäftigungslos war, verlegte er sich aufs Streikbrechen, damit beweisend, das; er auch ein„dem Staate nützliches Element" ist. Er gab eine Gastrolle als Streik- brechcr in Stuttgart, gelegentlich des Streiks bei der Fk�ma Joseph u. Eo. Als einer der rabiatesten dieser streikbrechenden Gesellen stand er unter dem besonderen Schutze der Polizei und es hätte nicht viel gefehlt, wären ehrliche Arbeiter seinetwegen ins Ge- fängnis gewandert. Nur dem glücklichen Umstand, daß ihn die Arbeiter trotz seines falsch angegebenen Vornamens an der Schmarre, die er sich im Kampf mit der �Polizei geholt hat, rekognoszieren konnten, ist es zu danken, dag er unschädlich gemacht ward. Nian mag wohl doch Bedenken getragen haben, mit einem solchen Kronzeugen aufzutreten.— Wie aber, wenn er nicht er- tannt worden wäre? Wie so viele andere iväre er als Zeuge auf ehrliche Arbeiter. losgelassen worden, und es war gar nicht abzusehen, wieviel Unglück er bei der heutigen Hetze gegen streikende Arbeiter hätte anrichten können. In der jetzigen Zeit des Ver- langens nach mehr Arbeitswilligenschutz diesen Fall der Vergessen- heit zu entreisten, ist wohl angebracht. Gerade schön ist es also von der bürgerlichen Presse nicht, wenn sie neben seinem Sünden- registcr diese„nützlichen Taten" des Verbrechers schämig verschweigt. ZZusUnd. Streikbrecher nach Colorado(Amerika) gesucht. Von der Distriktsleituitg der Amerikanischen Bcrgarbeiter- organisation ging beim Bcrgarbeiterverband(Sitz Bochum) die Nachricht ein, dast der Bergarbeiterstreit im Staate Eolorado noch anhält. Da die Bergwerksunternehmer von Eolorado sich groste Mühe geben, auf dem europäischen Festland und besonders in Deutschland Streikbrecher anzuwerben, so möge diese Nachricht alle Arbeiter und besonders die Bergarbeiter warnen. Kein Arbeiter, der auf seine Ehre hält, darf zum Verräter an der kämpfenden Bergarbeiterschast im Staate Colorado werden. Habt auf die Agenten ein wachsames Auge. Hoch die Solidarität! Sie Ktsnllenvei'iichenilig der Ihaiisgewerbctrcibendcn. Bei der Uebersicht, die wir in der Nummer vom LS. November über die Krankenversicherungspflicht gaben, wie sie vom 1. Januar ab aussehen wird, hatten wir bereits mitgeteilt, daß vom 1. Januar 13l1 ab alle Hausgewerbetreibenden krankenversicherungspflichtig werden und wie diese Pflicht sich gestaltet. Hausgewerbetreibende werden ohne Rücksicht auf den Betriebssitz ihrer Auftraggeber bei der Landkrankenkasse versichert, in deren Bezirk sie ihre eigene Betriebsstätte haben. Besteht dort keine Land- krankenkasse, so fallen sie der Ortskrankenkasse zu. Bei der gleichen Kasse werden ihre hausgewerblich Beschäftigten versichert. Die haus- gewerblichen Versicherungspflichtigen werden regelmäßig in ein Mit- gliedervcrzeichnis eingetragen und insofern ebenso behandelt, wie unständig Beschäftigte, auch in bezug auf die Mitgliedschaft. Die Mittel für die Krankenversicherung werden teils durch Zuschüsse der Personen aufgebracht, in deren Auftrag und für deren Rechnung bausgewerblich gearbeitet wird sA u f t r a g g e b e r z u s ch ü s s e), teils von den Hausgewerbetreibenden selbst und ihren hausgewerblich Beschäftigten. Als Krankenhilfe wird neben der Krankenpflege ein besonders berechnetes Krankengeld gewährt. Seine Höhe richtet sich nach dem Betrage der dem Versicherten gutgeschriebenen Zuschüsse der Auftraggeber. Auch bei den Hausgewerbetreibenden kann, wie bei der Landwirtschaft, erweiterte Krankenpflege einge- führt werden und wie bei der unständigen Beschäftigung eine Wartezeit von höchstens sechs Wochen eingeführt wer- den. Der Gemeindeverband kann durch Statut die hausgewerblich Versicherungspflichtigen von der Beitragspflicht befreien und selbst die Kosten übernehmen, sofern die Zuschüsse der Auftraggeber zur Deckung nicht ausreichen. Die Zuschüsse der Auftraggeber betragen bis auf weiteres zwei Mark von 13(1 Mark des verdienten Lohnes. Der Artikel 23 des Einführungsgesetzes stellt den Hausgewerbetreibenden frei, welche bisher einer Krankenkasse angehörten, bei ihrer Kasse zu verbleiben. Hierdurch können die Hausgewerbetreibenden vor Nachteilen geschützt werden. Im Z 482 der Reichsversicherungs- AlleS läuft bei diesen Dreien darauf hinaus, keiner Moral Kon- zessionen zu machen! sie stehen„jenseits von gut und böse". Und der junge Schmierenspieler aus dem ersten Aufzug sucht umsonst die Mutter, um zwischen zwei Hagestolzen, die beide als seine Erzeuger gelten, den richtigen Vater herauszufinden und nun vielleicht den sicheren Halt fürs fernere Leben zu gewinnen. Man kann nicht behaupten, daß diese Typen weder eine Ausnahme, noch eine Regel bilden; aber die Wahrscheinlichkeit spricht dafür. So wirft der Dichter Fragen auf, die verschieden, je nach den ge- schilderten Zuständen und je nach dem Standpunkt, den die Zuschauer einnehmen, beantwortet oder unbeantwortel bleiben. Eins ist aber sicher: Röstler hat eine gehaltvolle Künstlerkomödie geschaffen und die Mitglieder der Freien Volksbühne genießen den Vorzug, sie nunmehr in einer bis ins kleinste liebevoll durchgearbeiteten Auf- sührung zu sehen. Interessant, ja von stupender Plastik sind sie fast alle, die Träger der Haupt- wie der Chargenrollen. Fritz Witte- Wild gebührt für seine Regie besonderes Lob. elc. Sßttfil. Bei vffenbachs Orpheus, der jetzt für die Mitglieder der Freien Volksbühne im Theater am Nollendorfplatz gegeben wird, muß man sich das Paris unter Napoleon HI hinzudenken. Denn das Zeitalter seiner skrupellosen Protektionswirtschaft bedeutet auch den Höhepunkt des ausschweifenden Lebens und Treibens der Bour- geoisie in der Seinestadt. Die Krinoline und der Cancan sind Allein- Herrscher im Bereich der„sprechenden" Beine. In dies Paris warf Offen- bach 1860 seinen Orpheus als die leibhaftige Verspottung jenes höfischen Ganz- und Halbgötterregimes. Man verstand die tönende Blasphemie gar wohl und gebürdete sich wie toll vor satanischer Lust. Dreihundert Mal ging die Operelte mit Triumph über die Pariser Bretter. Solch eine Ueberfülle in Rhythmen und Melodien, moussierend wie Cham- pagner, despektierlich selbst gegen die allerhöchsten Szepterträger Himmels und der Erden, hatte noch keiner geboten. Um so schärfer it der Kontrast, als Offenbach die Handlung der Calzabigi-Gluckschen Oper„Orpheus und Eurydike" ins parodistiiche Gegenteil verkehrte, diese Spottgeburt mit dem feierlichen Ernst Gluckscher Musikfragmente durchtränkte und darein seines eignen Witze« kecken sprübenden Zauber >erweble. Keine nachträgliche Verböserung des Librettos durch aktuelle Coupletverse und lokale Ulkcreien vermag die zündende Wirkung der Offenbachschen Musik abzuschwächen. Sie ist zeitlos , olitisch. Die Aufführung der Operette am ersten Weihnachtstage toar im anzen darstellerisch recht flott, schnitt hingegen gesanglich weniger gut ab. Im Bacchanal versagte die Vertreterin der Eurydike. Hans Ztyx müstte auch ein anderer sein. Orpheus,„die öffentliche Mei- ung" und Jupiter, der allerdings mit Petrus, dem Himmels- osörluer, verwechselt wurde, gingen an. Sehr bedauerlich war die 'lerkürzung der Operette und das überstürzte Tempo der Vorstellung. oie bereits um S1/« Uhr ihr vorzeitiges Ende fand. ole. ordnung ist deul Bundesrat die Bestimmung darüber über- tragen, wie die Vorschriften über die hausgewerb- liche Krankenversicherung durchzuführen sind. Diese Vorschriften hat der Bundesrat jetzt endlich erlassen und im Reichsanzeiger vom 24. Dezember veröffentlicht. Sie gehen dahin: ?Auf Grund des 8 492 der Reichsversicherungsordnung und des Artikels 100 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsord- nung hat der Bundesrat folgende- bestimmt: I. l. Wollen ein Hausgewerbetreibender und seine versicherungs- Pflichtigen hausgewerblich Beschäftigten oder einzelne von ihnen nach Artikel 23 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungs- ordnung Mitglieder einer anderen als der gesetzlich zuständigen Kasse(gewählte Kasse) bleiben oder werden, so haben sie es dem Borstand der anderen Kasse anzuzeigen. Die Mitgliedschaft bei der gewählten Kasse beginnt mit dem Eingang der Anzeige bei dieser Kasse. Als gesetzlich zuständige Kasse im Sinne des Abs. 1 gilt die Landkrankenkasse der Betriebsstätte des Hausgewerbetreibenden. An ihre Stelle tritt die allgemeine Ortskrankenkaffe, wenn für die Be- triebsstätte des Hausgewerbetreibenden keine Landkrankenkasse bc- steht, oder wenn die hausgewerblichen Versicherungspflichtigen der allgemeinen Ortskrankcnkasse nach Z 236 Abs. 2 der Reichsversichc- rungsordnung zugewiesen sind. 2. Die gewählte Kasse hat den Beitritt dem Vorstand der ge- setzlich zuständigen Kasse unverzüglich mitzuteilen. 3. Die gewählte Kasse hat über die nach Artikel 23 des Ein- führungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung bei ihr versicherten hausgewerblichen Versicherungspflichtigen ein besonderes Äerzeich- nis nach 8 4 der Bekanntmachung über Art und Form der Rech- nungsführung der Orts-, Land-, Betriebs- und Jnnungskranken- lassen vom 3. Oktober 1313(Zentralblatt für das Deutsche Reich, 1313, S. 1003) zu führen. 4. Der Hausgewerbetreibende hat für seine eigene Person die Beiträge allein zu tragen. Im übrigen sind für die Versicherung dieser Mitglieder dieselben Bestimmungen anzuwenden wie für die übrigen Riitglieder der gewählten Kasse. Die 8Z 466 bis 433 der Reichsversicherungsordnung gelten für diese Mitglieder nicht; die Pflichte» der Auftraggeber bleiben bestehen. S. Die Kasse, an die der Auftraggeber die Zuschüsse zu zahlen hat(88 473, 477 der Reichsversicherungsordiiung), hat die bei ihr von dem Auftraggeber eingezahlten Zuschüsse an die für die Ver- sichcrimg der Hausgewerbetreibenden gesetzlich zuständige Kasse (Nr. 1 Abs. 2) abzuführen. Diese hat die Zuschüsse unverzüglich dem Hausgewerbetreibenden auf dessen Kosten auszuzahlen, sofern ihr weder dieser noch einer seiner hausgewerblich Beschäftigten an- gehört. Andernfalls behält sie die Zuschüsse, soweit diese nicht am Schlüsse des Kalendervierteljahrcs die Höhe der Beiträge übersteigen, die der Hausgewerbetreibende an sie in dem verflossenen Kalender- Vierteljahr zu zahlen hatte; einen lleberschuß hat sie dem Haus- gewerbetreibenden auf dessen Kosten auszuzahlen oder auf rück- ständige Beiträge zu verrechnen. 6. Ist der Hausgewerbetreibende gegenüber der von ihm oder einem seiner hausgewerblich Beschäftigten gewählten Kasse(Nr. 1 Abs. 1) mit Beiträgen im Rückstand, so kann diese insoweit von der gesetzlich zuständigen Kasse(Nr. 1 Abs. 2) Befriedigung au- den Zuschüssen verlangen, die dem Hausgewerbetreibenden selbst zustehen. 7. Der Austritt aus der gewählten Kasse ist, vorbehaltlich der Vorschrift des Artikels 23 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung jederzeit zulässig. Die Kasse hat den Austritt dem Vorstand der gesetzlich zuständigen Kasse(Nr. 1 Abs. 2) unverzüglich mitzuteilen. II. Solange und solveit eine für die Versicherung der hausgewerb- lich Versicherungspflichtigen gesetzlich zuständige Kasse in ihrer Satzung noch keine Bestimmungen über die hau-gewcrbliche Kran- kenversicherung getroffen hat, erhebt sie für die hausgewerblichen Versicherungspflichtigen an Beiträgen zwei vom Hundert de« Orts- lohnes; sie gclvährt dann die Regelleistungen, wobei als Grund- lohn der Ortslohn dient. Dies gilt nicht für die Fälle des§ 488 der Reichsversichcrungsordnung und des Artikels 29 des Ein- ftihrungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung." Soziales. Ein Leutnant a. D. als Vorsitzender einer Krankenkasse. Dem evangelischen Arbeitersekretär Andreas Walter in S t o l P i. P o m. ist es zu verdanken, daß in der dortigen Allgemeinen Ortskrankenkaffe am 1. is�anuar 1914 ein Leutnant a. D. den Vorsitz gegen eine Entschädigung von 1299 Mark pro Jahr fuhrt. Bei den Vorstandswahlen zur genannten Kasse erhielten die freien Gewerkschaften drei und die nationale Mischmasch- Notizen. — Ein Preisausschreiben für ein Arbeite r-Chor- werk hat der Gau Wien des Reichsverbandes der Arbeitergesang- vereine Oesterreichs erlassen. 230 und 1S0 Kronen sind für einen würdigen Chor zur Einleitung von internationalen Kongressen usw. ausgesetzt. Der Text darf der sozialistiscve» Ueberzeugung nicht widersprechen. Deni Preisgericht gebören außer dem Bundeschor- meister Schoos noch an die Tonkünstler Prof. Lafite und Prof. Mandyczewski, der Gauobmann Jenik, der Musikkritiker der„Arbeiter- Zeitung" Dr. Bach und unser musikalisch sehr interessierter Freund Abg. Dr. Ellenbogen. — Vorträge. Im Bürgeksaal des Rathauses spricht am 29. Dezember Geheimral Wilhelm Förster in der Gesellschaft für ethische Kultur über das Thema:„Beginn der gemeinsamen Ver- walwng der Erde". — Die Humboldt-Akademie gibt für das erste Lehr- Vierteljahr 1914 ihr VorlesungsverzeiHni- heraus, das 235 Vortrags- reihen aus allen Gebieten von Wisienschaft und Kunst und deren praktischer Anwendung enthält. Von den Abteilungen wurden be- sonders die musikwissenschaftliche und die naturwissenschaftliche er- iveitert. Vorlesungsverzeichnisse und Hörerkarten im Hauptbureau, Kurfürstenstr. 166 I, in den Kaufhäusern, in zahlreichen Buchhand- lungen in allen Stadtteilen. — Eine Ehrung Karl HenckellS. Für Zsein letztes lyrisches Buch„Im Weitergehen" und zur Ehrung seiner dichte- rischen Lebensarbeit überhaupt wurde dem Dichter Karl Henckell der 2000 Mark Preis der August Specht-Stistung zuerkannt, die ihre Ehrungen für Bücher freien Geistes erteilt. Henckell, dem das kämpfende Proletariat seit den Tagen de§ Ausnahmegesetzes viele wertvolle Gedichte verdankt, vollendet sein SO. Lebensjahr. Die genannte Stiftung hat zugleich an Arno Holz eine Ehrengabe von 1000 Mk. beschlossen, — Der Verleger Heinrich Minden, dessen Verdienste um die Einführung ZolaS, Dostojcwskys, Ibsen- in Deutschland in der Geschichte der modernen literarischen Bewegung seit den achtziger Jahren von Bedeutung sind, ist am zweiten Weihnachtstage in seinem Wohnort Blasewitz bei Dresden gestorben. — Ein edles Weihnachtsgeschenk. Das Marien- Krankenhaus in Kastel erhielt 100 Milligramm Radium für Krebs- behandtung zum Geschenk. — D i e Galerie der konfiszierten Künstler- werken ist abermals gewachsen. Diesmal hat der Staatsanwalt sich auf die Wiedergabe von Werken des Bildhauers Heinrich Mißfeldt gestürzt. Ein„kauerndes Mädchen" und ein„Spiegel der Muse" mußten dran glaube». Das erste Werk wurde seinerzeit von der preußischen Landesiunstkommission staatlich angekauft, von dem andern, einer Bronze, erwarb Prinz Heinrich von Preußen ein Exemplar. Keiner von beiden wird dem Staatsanwalt, der Un- züchtigkeil wittert, wo der Künstler Schönheit empfand, für seine Auffasiung ein Haar krümmen. gesellschaff ebenfalls tzrei Stimmen resp. drei Vertreter. Da der bisherige Vorsitzende, ein Arbeitgeber, die Kasse sieben Jahre lang musterhaft geführt und geleitet hat. auch zur Zu- friedenheit der gewerkschaftlichen Arbeiter, wählten ihn die Arbeitgeber einstimmig und unseredrei Ge» nossen ebenfalls wieder. Anders die„Nationalen". Unter der Führung des evangelischen Arbeitersekretärs Andreas Walter wählten sie einen Arbeiter, der selbst erklärte, zuni Vorsitzenden nicht befähigt zu sein. Darauf erfolgte ein zweiter Wahlgaug. Jetzt schlugen sie einen Arbeitgeber vor, von dem feststand, daß er ebenfalls nicht befähigt zum Amte war. Da itun zweimal eine Einigung nicht erzielt war, wurde das Versicherungsamt benachrichtigt und dieses bestellte den Leutnant a. D. Zöller zum Vorsitzenden dcr Kas.se gegen eine Entschädigung von 1299 Mark pro Jahr. Der Fall ist wohl in Deutschland einzig, daß durch die Tätigkeit eines Arbeiter sekretärs das Selbswer- waltungsrecht des Arbeiters in der Krankenkasse so preis- gegeben wird. Eine in dieser Angelegenheit einberufene Generalversammlung, die von Arbeitgebern und Arbeitern zcchlveich besucht war, nahm nach einer lebhaften Aussprache eine Resolution gegen das Vorgehen des Versicherungsaintes an. Diese Resolution wurde dem Versicherungsamt wie auch dem Oberversicherungsamt unterbreitet. Von feiten der Ar- beitgeber wurde beschlossen, eine Beschwerde an das Ober- versicherungsamt zu senden, um die Bestellung eines Leutnants wieder rückgängig zu machen. Bom Paradies der Landarbeiter. Unserem Rostocker Bruderorgan entnehmen wir folgenden typischen Kontrakt eines Landarbeiters: Tagelohnsätze für ledige Arbeiter 1913 zu Danneborth bei Kröpelin. 1. 1. Dezember— 31. Januar... 1,S0 M. pro Tag 2. 1. Februar— IS. März..... 1,75„„„ 3. 16. März— bis 15. April.... 1,80„„„ 4. 16. April— bis 15. Juni.... 2,—„„„ 5. 16. Juni— 1. August...... 2,50„„„ 6. 1. August— 15. September... 8,—„„ 7. 16. September— 1. Oktober... 2,50„„„ 8. 1. Oktober— 31. Oktober.... 2,—„„„ 9. 1. November— 30. November.. 1,75„„„ V o r I o st wird nicht unentgeltlich gegeben, auf Verlangen jedoch gegen 30 Pf. täglich verabfolgt. Für eine volle Jahresarbeitszeit wird den Arbeitern im Früh- jähr 30 Ruten gepflügtes, gedüngtes, fertig bestelltes Kartoffelland zur Bepflanzung unentgeltlich übergeben, doch behält die Gutsherr- schaft sich bis zur Beendigung der übernommenen Pflichten der Ar« bester das Eigentumsrecht an dem bepflanzten Acker vor. Vom 15. März stellt jeder Arbeiter eine Kaution von 16 M., welche nach ordnungsmäßiger Beendigung der Arbeit zurückgezahlt wird. Der Lohn beträgt: 0 zu 1.......... 78,— M. „ 2.......... 64,75„ . 3.......... 39,60„ „4.......... 104,—„ „5.......... 100,—„ „ 6,......... 114,—„ „7.......... 86,-„ „8.......... 54,-„ „ 0.......... 46,50, Summa 634,85 M. 6 Wochen Erntezeit, freie Beköstigung— 36 Tage a 1,20 43,20 M. 30 Ruten Acker a 0,50........... 15,—, Tagelohn...............■ 634,85 Summa 693,05 M. Der Lohn, der in den Dezember- und Januarmonaten bei 9stün- diger Arbeitszeit 1,50 Mk. beträgt, ist nach Abzug der„Vorkost" auf 1,20— eine Mark und zwanzig Pfennige— zusammengeschmolzen. Bedenkt man, daß während der 36 Tage Erntezeit„fteie Beköstigung" geliefert und diese mit 1,20 Mk. pro. Tag in Anrechnung gebracht wird, so ergibt sich, daß der Arbeiter, der im Winter, wo er keine«freie Beköstigung" erhält, eben nur 1,20 Mk. pro Tag ver- dient, just soviel verdient, wie er aufißt! Höchstens, daß er die 30 Pf. für die„Vorkost" erübrigt hätte! Und in den vielen Mo« naten, wo der Tagelohn ebenfalls unter 2 Mk. bleibt, ists nicht viel anders! Dabei herrscht im Sommer eine 12-. 13-, ja 14stün» dige Arbeitszeit. Wer solche himmelschreiende Lohnverhältnisse bessern will, muß der Organisation der Landarbeiter beitreten und auf Beseitigung der gegen die Landarbeiter gerichteten Ausnahmegesetze hinwirken. Gerickts-Leitung. LeibcSrentenvcrtrag und Entmündigung. Ein interessanter Rechtsfall, der wieder ein Schlaglicht auf das Jnternierungswesen wirft, gelangte zur Entscheidung des Land» gerichts III. Die Porträtmalerin Frau Ritterschaftsrat Eben in Eharlottenburg trat im Jahre 1907 mit der Versicherungsgesellschaft „Nordstern" in Verbindung und schloß mit dieser einen Vertrag ab, nach welchem sie ihr Vermögen in Höhe von zirka 40 000 M. gegen Zahlung einer lebenslänglichen Leibrente von 3200 M. der Versicherungsgesellschaft zuführte. Hiermit war die in guten Verhältnissen in Charlottenburg lebende Tochter der Frau E. aber gar nicht einverstanden. Sie ließ die Mutter wider deren Willen in eine Privatirrenanstalt bringen. Dabei wurde geltend gemacht, daß die Mutter an Sinnes» täuschungen leide und sich einbilde, in telepatischer Sprache mit den sogenannten„Intelligenzen" verkehren zu können, die nach ihrer Meinung das Weltall erfüllen. Auf Grund eingeholter Gutachten zweier Psychiater ist Frau E. durch Beschluß des Amtsgerichts Char- lottenburg wegen Geisteskrankheit entmündigt, nachdem zunächst die Tochter vorläufig zur Bormünderin ernannt worden war. Nach Rechtskrast des Entmündigungsbeschlusses wurde dann endgültig ein Vormund und ein Gegenvormund bestellt. Kurz vor Erlaß des Entmündigungsbeschlusses wurde Frau E.. die fast vier Monate in der Anstalt zugebracht hatte, entlassen und bei einem Landpfarrer untergebracht. Erst nach 2Z4 Jahren gelang es ihr, die Genebmi- gung des Vormundes zur Rückkehr nach Charlottenburg zu erreiche». Die Versuche, den Leibrentenvertrag anzufechten, waren in- zwischen gescheitert, da das VormundschaftSgericht den Vertrag als durchaus im Interesse des Mündels liegend erachtete. Nach ihrer Rückkehr nach Charlottenburg stellte Frau E. den Antrag aus Wiederaufhebung der Entmündigung. Dieser wurde jedoch vom Amtsgericht abgelehnt. Da der Vormund sich weigerte, beim Landgericht die Klage auf Wiederaufhebung der Entmündi- gung zu erheben, sie selbst aber infolge der Entmündigung eine gültige Vollmacht nicht erteilen konnte, wurde ihr auf ihren Antrag vom Gericht der Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried zum gesetzlichen Ver- tretcr behufs Erhebung der Klage beigeordnet. Auf die vom letz- teren eingereichte Klage lvurdc vom Gericht nochmals das Gut» achten eines gerichtlichen Sachverständigen' eingefordert. Dieser empfahl die Slufrechtcrhaltung der Entmündigung wegen Geistes- krankhett. Im Gegensatz hierzu hat das Gericht der erhobenen Klage stattgegeben, die Entmündigung aufgehoben und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt. Aus dem eingehend begründeten Erkenntnis sind einige Sätze bemerkenswert. Tos Lanogericht sagt u. a.: Die Wiederauf-- Hebung der Entmündigung ist auch zulässig, wenn von Anfang an ein Grund zur Entmündigung nicht gegeben war. Das Gericht will aber auf eine Prüfung dieser Frage nicht eingehen, wenn- gleich es erhebliche Bedenken hat, ob nicht das Amtsgericht bei seinem Beschluß von der irrigen Ansicht ausgegangen ist, daß eine Person, die nach dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen geisteskrank ist, ohne weiteres auch�als geschäftsunfähig zu bezeichnen ist. Das Gutachten des Sachverständigen, welches die Grundlage für den Entmündigungsbeschluß bildet, ist erstattet, als die Klägerin bereits einige Zeit in der Anstalt interniert war. Daß eine Einsperrung aber auch auf einen sonst geistig gesunden Menschen eine recht ungünstige Wirkung ausüben kann, davon ist das Gericht überzeugt. Ob aber die Jnternicrung der Klägerin nicht eine recht bedenkliche Mahregel war, ist dem Gericht sehr zweifelhaft, zumal die Vermutung naheliegt, daß der Abschluß des Leibrentenantrages die wesentliche Veranlassung der Jnternicrung und Entmündigung gewesen ist. Die Klägerin ist vor dem Prozeßgericht gehört worden und hat bei dieser Vernehmung zu- nächst einen ganz klaren und verständigen Eindruck und über ihren Aufenthalt in der Anstalt, ihre Beschäftigung und ihre Vermögens- Verhältnisse durchaus klare und zusammenhängende Angaben ge- macht. Erst als sie nach„Intelligenzen" gefragt wurde, förderte sie Ansichten zutage, die für einen normales Menschen nicht ver- ständlich sind. Ob nun ein Mensch, der in allen Lcbensbcziehungen klar handelt und denkt und nur in einer bestimmten Richtung einen von der Norm abweichenden Defekt aufweist, tatsächlich schon als„geisteskrank" zu bezeichnen ist, erscheint dem Gericht zwcifel- Haft. Doch will es dem Sachverständigen zugeben, daß, wenn alle von der Tochter behaupteten Tatsachen bewiesen werden, die Klägerin auch zur Zeit noch als geisteskrank zu bezeichnen ist. Nicht zugegeben aber kann dem Sachverständigen werden, daß eine solche geisteskranke Person, wie die Klägerin, auch ohne weiteres als geschäftsunfähig zu bezeichnen ist. Der Leibrcntenvertrag, dessen Abschluß zur Entmündigung der Klägerin geführt hat, ist von ihrem Standpunkt ein durchaus verständiger Vertrag. Ab- gesehen von diesem Vertrag ist aber trotz Ausübung des richter- lichcn Fragcrechts nichts vorgebracht, was die Geschäftsunfähigkeit der Klägerin begründen soll. Sic hat seit längerer Zeit wieder eine eigene Wohnung in Charlottcnburg, hält diese gut in Stand, kocht selbst, bezahlt ihre Miete, macht alle für den Haushalt not- wendigen Einkäufe selbst. Dafür, daß sie diesen Gcschäftstreis— der z. Z. eigentlich nur in dem Verzehren der Rente besteht— nicht selbst auszufüllen vermag, ist nicht das geringste erbracht. Aus diesen Gründen mußte das Gericht zur Aufhebung der Ent- Kündigung kommen. Erfindcrschicksal. Vor einiger Zeit wurde der Eiscnbahnbetricbsinspektor a. T. Peter Krause aus Köln hier in Berlin auf Veranlassung der Staats- anwaltschaft in Köln unter dem Verdacht des Betruges verhaftet. Krause ist Erfinder eines durch Deutsches Reichspatent geschützten Gcwchrgeschosses zum Jnbrandschießen von Luftschiffen. Das Kriegs- Ministerium, welchem K. seine Erfinduna anbot, veranlaßte durch die Gewchrprüfungskommission in Spandau ein Probeschießen, wel- ches ein verhältnismäßig gutes Resultat hatte, da es gelang, unter Verwendung des gewöhnlichen Jnfantcriegewehres mit 30 Schüssen 2 Ballons in Brand zu setzen. Kurz vorher hatte Krause mit ver- schiedenen Geldgebern, darunter ein Gerichtssekretär in Köln, Ver- träge abgeschlossen, nach denen sie sich gegen Hergabe von Dar- lehen in Höhe von einigen tausend Mark an der Verwertung der Erfindung beteiligten. Da die Prüfung seitens der Militärbehörde sehr langsam vor sich ging, die Geldgeber jedoch hofften, möglichst schnell goldene Berge zu verdienen, glaubten sie schließlich, von Krause betrogen zu sein und erstatteten, ohne das Ergebnis abzu- warten, kurzerhand Strafanzeige. Hierdurch schadeten sie der Sache selbst ganz kolossal, denn K. wurde verhaftet und konnte keine wei- tcren Geschosse zu Prüfungszwecken herstellen. Außerdem mußten die schon festgesetzten Termine zu Schießvcrsuchen in Petersburg, London und Rom aufgehoben werden. Nachdem der Sachverhalt sich völlig zugunsten des Erfinders, der mehrere Wochen in Untersuchungshaft sitzen mußte, aufgeklärt hatte, wurde K. jetzt auf freien Fuß gesetzt. Straßenbahnabonnement. Eine übel angebrachte Sparsamkeit, die sehr böse Folgen haben sollte, führte den Bauführer Josef Maehling unter der Anklage des Betruges und der schweren Urkundenfälschung vor die 6. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war in dem Geschäft seines Schwiegervaters tätig. Dieser erkrankte im Juli d. I. und der Angeklagte mußte von nun an sämtliche geschäftliche Angelegenheiten allein erledigen. Als er eines Tages in dem Schreibtisch seines Schwiegervaters dessen kurz vorher gelöste Abonnementskarte für die Berliner Straßenbahn fand, ärgerte er sich darüber, daß das Geld umsonst gezahlt sei, da sein Schwiegervater voraussichtlich längere Zeit an das Bett gefesselt sein würde. Ohne viel Bedenken riß er die Pho- tographie seines Schwiegervaters heraus und heftete an deren Stelle seine eigene in die Karte hinein. Da von der Stratzenbahngesell- schaft, um derartige Manipulationen zu verhindern, seit längerer Zeit ein sogenannter Trockenstempel eingeführt ist, der gleichzeitig Karte und Bild mit kleinen Eindrücken versieht, war der Ange- klagte, um die Karte benutzen zu können, gezwungen, auch diesen Stempel, der sich zur Hälfte auf der Photographie seines Schwieger- Vaters befand, ebenfalls nachzuahmen. Er erreichte dies auch mit Hilfe einer Nadel, mit der er die fehlenden Eindrücke in das Bild einprägte. Trotz der geschickten Fälschung wurde er eines Tages auf dem Außenring von dem Schaftner Mau, dem die Karte auf- fiel, angehalten. Der Schaffner sandte die Karte an die Direktion. Dort iourde die Fälschung erkannt. Die Folge war die jetzige An- klage wegen Urkundenfälschung und Betrug. Der Staatsanwalt beantragte 3 Wochen Gefängnis, während Rechtsanwalt Dr. Gutfeld bestritt, daß jene Photographie einen ur- kundlichen Charakter habe.— Das Gericht kam unter Bezugnahme auf eine Reichsgerichtscntscheidung zu einer Verurteilung des An- geklagten im Sinne der Anklage. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte als Angehöriger der gebildeten Stände besonders darauf bedacht sein müßte, wegen so geringer Vorteile nicht gegen das Gesetz zu verstoßen, erkannte das Gericht auf 2 Wochen Gefängnis. Klus aller Welt. Schreckenstat eines Ratenden. Der Schauplatz schwerer Bluttaten, die in ihren Einzel- heiten lebhaft an die Mordtaten des Oberlehrers Wagner in Mühlhausen a. Enz erinnern, war in der Itacht vom Mitt- woch zum Donnerstag das im tvürttembergischen Neckarkreisc gelegene Dörfchen O b e r st e n f e l d. Der von seiner Frau getrennt lebende Glaser W i l h c l m K ü m m c r l c n aus B e i l st c i n hat in O b e r st e n f e l d, wo seine Frau lebte, diese und weitere sieben Personen durch Messerstiche und Gewehrschüsse schwer verletzt und später Selbstmord verübt. lieber die Einzelheiten des entsetzlichen Dramas berichten die folgenden Telegramme: Obcrstciifcld im Ldcramt Marbach, 27. Dezember. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zwischen 3 und 4 Uhr früh kam der schon einige Zeit von seiner Frau getrennt lebende Wilhelm Kümmerten von Beilstein hierher. Er drang in das Haus seines Schwiegervaters ein und stach dort seine Frau in den Unter- leib und verletzte sie lebensgefährlich. Dann richtete er eine Schußwaffe auf den herbeigeeilten Schwiegervater, den Bauern L a y e r, und auf seinen Schwager und seine Schwägerin. Nachdem er das Haus verlassen hatte, schoß er auf zwei Nachbarn, die Bauern R i e g e r und K a e f e r und entfernte sich aus dem Orte. Etwas später kehrte er um und gab auch noch einen Schuß auf das Haus seines Schwagers, des Schreiners L a y e r, ab. Layer und seine Fran ergriffen die Flucht, Kümmerlen schoß. hinter ihnen her und verletzte seinen Schwager schwer und die Frau leicht. Dann verließ er den Ort cntgültig und begab sich nach Beilftein zurück. Dort verübte er in einem Gartenhaus Selbstmord. Die Landjägermannschaft wurde zwar sofort aufgeboten, als sie aber ankam, war Kümmerlen be- reits tot. Obcrstcnfrld im Oberamt Marbach, 27. Dezember. Von den Verwundeten sind die Weingärtner Kaefer und Rieger durch Schrolschüsse in den Kopf sehr schwer verletzt. Sie dürsten kaum mit dem Leben davonkommen. Einem Schwager hat Kümmerlen einige Finger abgeschossen und außerdem durch Schrotschüsse i n den Kopf und die B r u st er- heblich verletzt. Auch eine Schwägerin ist durch Schrotschüsse in den Hinterkopf schwer verletzt. Die übrigen Verwundeten sind weniger schwer verletzt. Man hofft sie mit Ausnahme der beiden Weingärtner am Leben erhalten zu können. Stuttgart, 27. Dezember, lieber die schwere Bluttat des Glasers Kümmerlen wird hier noch bekannt: Kümmerlen hat sich schon länger mit dem Gedanken getragen, sich an seinen Verwandten, von denen er annahm, daß sie seine Frau gegen ihn aushetzten, zu rächen. In einem hinterlas senen Brief, de» er schon zwei Tage vor der Tat geschrieben hat, heißt es, daß man ihn am 26. Dezem- ber, seinem Hochzeitstage begraben könne. furchtbare Katattrophc bei einer Sleihnachts- feier. 80 Personen umgekommen. Einen grauenvollen Ausgang nahm eine Weihnachtsfeier, die in C a l u m e t im Staate Michigan am ersten Festtage für die Angehörigen der dort streikenden Bergarbeiter stattsaiid. 700 Personen, zumeist Frauen und Kinder, waren in einem großen Saale der Stadt zur Weihnachtsfeier ver- sammelt, als plötzlich ein Unbekannter den Kopf zur Türe hineinsteckte und„Feuer!" rief. Sofort entstand eine große Panik. Alles drängte dem Ausgange zu. Die An- gestellten des Wirts und die Veranstalter der Feier versuchten alles, um das Publikum zu beruhigen, aber vergeblich. Be- sonders die Frauen und Kinder drängten so ungestüm auf die Tür ein, daß sofort einige bewußtlos niederfielen, über die die anderen hinwegeiltcn. Im ganzen sind 80 Per- sonen, zum größten Teil Kinder, der Panik zum Opfer gefallen. Entsetzliche Szenen spielten sich nach der Katastrophe ab. Mehrere Mütter, die auf die Nachricht von dem schrecklichen Unglück herbeieilten, verfielen in Wahnsinn, als sie den Tod ihrer Lieben erfuhren. Verhaftete Stadtverordnete. In der mecklenburgischen Stadt Wismar besteht seit längerer Zeit ein Konflikt zwischen dem Magistrat und dem Stadtverordneten- kollegium, der daraus entstanden ist, daß der Magistrat vier vom Stadtverordnetenkollegium zu Stadträten vorgeschlagene Mitglieder ablehnte. Es sind dann S ch m ä b b r i e f e gegen Ratsmitglieder geschrieben worden, als deren Verfasser der eine der abgewiesenen Kandidaten, ein Kaufmann A h r c n S, in Frage kommt. Deshalb wurde gegen ihn ein Haftbefehl erlassen, der nur wegen schwerer Erkrankung nicht ausgeführt werden konnte. Dagegen sind die anderen drei abgewiesenen Kandidaten wegen Mittäterschaft und Kollusionsgefahr verhaftet worden. Eifenbahnkatastrophe»�. Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich am Donnerstag bei Groningen in Holland zugetragen.' In der Nähe der Eisenbahn- brücke über den Oranje-Kanal ist ein Schnellzug entgleist. Fünf Personen, unter denen sich auch der Sohn des Minister- Präsidenten befindet, sind getötet und zwölf verwundet worden. Ein anderer schwerer Eisenbahnuufall ereignete sich am Freitag auf der österreichischen Eisenbahnstation Mährisch-Osirau. Dort stieß ein Arbeiterzug mit einer Rangierlolomotive zu- sammen, wobei ein Lokomotivführer getötet, ein Bahnbean, ter schwer und acht leicht verletzt wurden. folgenschwere Pulvcrexplosion in Süditalie». In der am Golf von Neapel gelegenen süditalienischcn Ortschaft T o r r c Annunziata hat in der Nacht zum Donnerstag in einem Räume, der zur Anfertigung von Feucrlverkskörpern diente, eine Explosion stattgefunden. Das ganze Haus stürzte ein. Unter den Trümmern wurden 14 Tote und fünf Verletzte aufgefunden. Seepiratcn in New Aork. Ein mit unglaublicher Frechheit ausgeführter Hafeudiebsiahl, der an Ueberfälle der Piraten früherer Tage erinnert, bildet, wie ein Telegramm aus New Jork meldet, dort das Tagesgespräch. Während der Festtage haben Flußräuber im Hafen einen Schleppdampfer gestohlen und sind mit ihm an den Pier der Zentral-Railway-Eompany gefahren, wo ein Floß verankert war. auf dem sich 10 Waggons, mit Wcihnachtsgüteru beladen, be- fanden. Die Seeräuber befestigten das Floß mitsamt der Ladung an den Schleppdampfer und zogen es nach Stater Island. Hier luden sie die Güter auf ihren Schleppdampfer und ließen das Floß dann herrenlos forttreiben. Hierauf dampften sie nach H o b o k e n, Ivo sie die Güter an Land brachten und dann den Schleppdampfer mit Volldampf ohne jegliche Bedienung den Fluß hinuntertreiben ließen. Der Polizei, die erst sehr spät Mitteilung von diesem Seeräuberkunststück erhalten halte, gelang es von der Bande bis jetzt vier Individuen zu verhaften. Die Ver- hafteten verweigern jede Aussage über ihre Helfershelfer sowie über den Verbleib der geraubten Waren. Kleine Notizen. Bon einem Wilderer erschossen. Wie aus Hannoversch- Münden gemeldet wird, ist der Förster Knoche vom Forsthaus Nonnenholz am Mittwochabend gegen 10 Uhr von zwei Holzarbeitern erschossen aufgefunden worden. Der Täter, ein Wilderer namens Fuhrmann auö Hubenrode, ist flüchtig. Schweres Dampfcrunglück. Am Donnerstagvormittag kenterte im Emdener Außenhafen ein Schlepp d a m pf e r, der einen Seedampfer bugsierte. Der Kapitän wurde gerettet, die übrigen drei Mann der Besatzung ertranken. Automobilkatastrophc. In der Nähe von Zenkau geriet am Donnerstag ein Automobil aus Leipzig auf der nassen Straße ins Schleudern, raunte gegen einen Stein und überschlug sich. Der Besitzer des KrafÜvagcnS H a u s ch i l d wurde so schwer ver- letzt, daß er bald darauf verstarb. Die drei anderen Insassen wurden teils schwerer, teils leichter verletzt. Grubenunglück in England. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Freitag durch Abstürzen eines Förderkorbes in den Kohlenminpn von C a r d i f f. Von den im Korbe befindlichen Arbeitern wurden 18 verletzt, davon sieben tödlich. Eine Flulwcllc an der amerikanischen Küste. Wie aus New Dork gemeldet wird, sind in B a r n e g a t infolge einer nach einem hefügen Sturm eingetretenen F l u t w e l l e zehn Personen ertrunken. In Sea Bright und anderen Küstenstädten von New Jersey ist sehr großer Schaden angerichlet worden, ebenso an der Küste von Long Island, wo zahlreiche Villen zerstört wurden. Ein neuer Hohenrekord. Der französische Flieger L e- g a g n e u x hat mit 61S0 Meter Höhe einen neuen Weltrekord aufgestellt; die Flugzeit betrug eine Stunde und 35 Minuten. Marktpreise von Berlin am L4. Dezember 1i»1Z, nach Ermittelungen deS kgl. Polizeipräsidiums. Mais lmixed), gute Sorte 16,60— 16,90, mittel 00,00— 00,00, geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 11,80— 16,10. Richtstroh 0,00- 0,00, Heu 6,00—6,20. Warkthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Sveisebobnen. weiße 35,00-60,00. Linien 36,00—80,00. Kartoffeln(Klembdl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindsteisch, von der Keule l,60— 2,40. Rindfleisch, Bauch fleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40— 2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40—8,00. 60 Stück Eier 4,60— 7,20. 1 Kilogramm Karpsc» 1,40— 2,50. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00—2,20. Schleie 1,60—3.20. Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krcbie 2,50—36,00. SIT NEUJAHR! / Tauenrzien- Strasse 30 Köni�-Strasse 34 Leipziger-Strasse 63 Oranien-Strasse 47a Müllcr-Strasse 3a Oranien-Strassc 34 Moabit. Turmstr. 5ö Friedenau. Rbeinst. 14 Neukölln. 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Erst wenn Nachliefernng und Aufklärung nicht in angemessener 4 Frist erfolgen, schreibe man unter Angabe der bereits unter- uommeneu Schritte au die Hauptexpeditiou des„Vorwärts", Berlin SW 68, Liudeuftr. 69. parte!- Hngelegenbeiten. Dritter Wahlkreis. Am Mittwoch, den 31. Dezember, veranstaltet der Wahlverein in den Geiamträumen des Gewertschastshaujes eine Silvesterfeier unter Mitwirkung des„Berliner Ulk-Trio". Ansang S Uhr. Billetts 20 Pf. Tanz 30 Pf. Wilmersdorf. Die für Montag, den 29. Dezember, fällige Mit- gliederverfammlung des Wahlvereins fällt aus. Lichterfeldr. Dienstag, den 30. Dezember, abends 8V2 Uhr: Mitgliederversammlung im Restaurant Erpel, Berliner Straße(Ost). Wichtige Tagesordnung. Borsigwalde- Wittenau. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet in den Borsigwalder Festsälen die Märckenvorstellung des Wahlvereins statt. Kinder von Genossen sind frei. Erwachsene zahlen 20 Pf. Nach der Vorstellung gemütliches Beisammensein und Tanz. Herren, die daran reilnehmen, zahlen 30 Pf. Billetts sind bei den Bezirksführern zu haben. LerUner I�admcbten. Was ist Schundliteratur? Mit Schundliteratur bezeichnet man Druckerzeugnisse, die Leben und Menschheit in verlogener Weise darstellen und mit allen Mitteln auf die Sensationslust spekulieren. Schund- literatur sind vor allem jene Schauerromane, die im Gewand bunter Hefte massenhaft im Volke verbreitet werden und gerade den Aermsten Jahr für Jahr Millionen von Mark aus der Tasche ziehem Diese Art von Literatur arbeitet auch gern mit Hurrapatriotismus und phrasenhafter Frömmelei, weil ihr eben alle Mittel recht sind. Sie fördert oberflächliche Denkungsart und bedeutet in jedem Falle eine Irreführung des guten Geschmacks. Sie ist Gift für das Gemüt und ge- eignet, namentlich jugendliche Gemüter den großen, ernsten Dingen des Daseins zu entfremden. Die schärfste Gegnerin der Schundliteratur ist und muß deshalb die Sozialdemokratie sein, die aufgeklärte Arbeiterschaft, die' uin Befreiung aus geistigen und materiellen Fesseln ringt. Schundliteratur in der Arbeiterwohnung ist Widersinn, ist es um so mehr, als wertvolle Lektüre für wenig Geld und ohne große Mühe er- reichbar ist. Tie Romanbibliothek„In Freien Stunden", die in un- serem Berliner Parteiverlage, der Buchhandlung Vorwärts, erscheint, und von der am 1. Januar ein neues Abonnement beginnt, kommt diesem Unterhaltungsbedürfnis entgegen, indem sie künstlerisch illustrierte Romane nur einwandfreier Autoren veröffentlicht. Sie legt besonders Gewicht auf Volks- tümlichkeit des Gebotenen und bevorzugt fesselnde, inter- essante- Darstellungen. Jede» Heft ist 24 Seiten stark und bringt neben dem illustrierten Hauptroman weitere Novellen, Erzählungen, Aufsätze. Skizzen und Notizen aus allen Wissensgebieten, zum Teil mit Bildern. Eine kleine Ecke in jeder Nummer—„Scherz und Satire"— sorgt fürs Lachen. Wöchentlich erscheint ein Heft zum Preise von 16 Pf. Mit dem letzten Heft jedes Halbjahresbandes liefert der Verlag den Abonnenten ein künstlerisch ausgeführtes Bild(Wandschmuck) vollständig gratis. Parteigenossen und Genossinnen! Werbt mit uns für eine weitere Einschränkung der Schundliteratur! Abonniert Eure Romanbibliothek„In Freien Stunden" und agitiert bei Euren Freunden, in Heim, Werkstatt und Fabrik für sie! Im ersten Heft 1914 beginnt zu erscheinen:„Der A m e r i k a- I 0 h a n n", ein Bauernroman aus Schweden von Felix M 0 e s ch l i n. Illustriert von Max Fabian, sowie A s m u s Sempers I u g c n d l a n d, der Roman einer Kindheit von Otto Ernst. An kleineren Beiträgen sind in Aussicht genommen: Pauls merkwürdigste Nacht. Von Friedrich Hebbel.— Chinesische Tugenden. Von E. Osten.— Heilwirkung der Fußbäder. Von Dr. Otto Gotthilf.— Männ- liche„Kindermädchen" unter den Wirbeltieren(illustriert). Von Dr. Georg Stehli.— Und viele andere Aufsätze und Er- Zählungen. „In Freien Stunden" kann bei allen Buchhandlungen, Zeitungsspediteuren, Kolporteuren sowie bei den Postanstalten zum Preise von 16 Pf. wöchentlich bestellt werden. Näheres über die Zeitschrift„In Freien S t u n- den" erfahren unsere Leser aus dem illustrierten Prospekt, der der heutigen Ausgabe der„Neuen Welt" beigegeben ist und dem wir auch unsere obigen Ausführungen entnommen haben. Wcihnachtsstüruie brausten draußen, während drinnen Alt und Jung Weihnachtslieder sangen. Recht ungemütlich war die Weihnachtsnatur. Sturmgepeitschter Regen fegte über Stadt und Land, hielt die feiernden Menschen ab von weiten Weihnachtsspaziergängen. Im Schneetreiben— das tveire noch ein Vergnügen gewesen, aber auch die weiße Flut, auf d:e unsere Arbeitslosen sehnsüchtig hoffen, blieb aus. So waren die Straßen leerer als sonst in festlichen Tagen. Nur vor den Bahnhöfen, Theatern, Zirkussen. Restaurants und Caf6s, die überfüllt waren, zeigte sich stärkerer Verkehr. In zahlreichen Lokalen fand sich die organisierte Arbeiterschaft zu schönen Weihnachtsfeiern, bei denen besonderer Wert aus künst- lerische Darbietungen gelegt wurde, zusammen. Drinnen in den Hausern mag es während des Festes auch vielfach gestürmt haben. Zum Heere der ewig Unzufriedenen, die nie genug kriegen können, gesellt sich die noch größere Schar derer, die abseits vom Gabentisch stehen müssen. Sie haben nur eine Hoffnung: durch Sturmgebraus führt der Weg zum Sieg! Billige und gute Theatervorstellungen. Wir machen darauf aufmerksam, daß für unsere Theater- Vorstellung am I.Januar 1914, nachmittags 3 Uhr. ini Herrn- feld-Theater noch Karten in der Verkaufsstelle Restauration Paersch. Oldenburger Str. 16. zu haben sind. Preis 1,10 M pro Karte. Der Bezirksbildungsausschuß Groß-Berlin. Philharmonische Konzerte. Die nächsten vom Philharmonischen Orchester veranstalteten Volkskonzerte finden am Dienstag, den 36. Dezember, abends 8 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichs- Hain 16— 23, und am Freitag, den 2. Januar n. I.. abends 8 Uhr, in der Brauerei Happolt, Hasenheide 32— 38, statt. Billetts zu den Volkskonzerten sind im Vorverkauf bei der Berliner Gewerkschaftskonimission, Engelufer 15, Zimmer 13, und in den betreffenden Konzertsälen zu haben. Außerdem werden an der Abendkasse Eintrittskarten ausgegeben, sofern noch welche vorhairden sind. Das Rauchen im Konzertsaal ist nicht gestattet, Stühle dürfen nicht init Garderobe belegt oder reserviert werden. Der Jagowerlast für die Silvesternacht. Das Polizei- Präsidium teilt mit:„Gegen den Unsug in der Silvesternacht wird auch in diesem Jahre wieder von der Polizei energisch Front gemacht werden. Vorkommende Ausschreitungen werden nicht mehr durch polizeiliche Slrafverfügungen erledigt, sondern der Siaaisanwaltschaft zur gerichtliwen Ahndung überwiesen. Im Jahre 1913 sind aus diesem Anlasse 47 Personen gerichtlich ver- urteilt worden, davon 9 zu Haftstrasen von einem Tage bis zu einer Woche und 38 zu einer Geldstrafe von 1 bis 70 ML Es wird auch diesmal besonders darauf geachtet werden, daß das immer mehr überhandnehmende Confettiwerfen und Schleudern von Papierschlangen nach fahrenden Straßenbahnwagen, Omnibussen und an- deren Fuhrwerken möglichst vermieden wird, da ein solcher llnfug in hohem Maße geeignet ist, größere Unfälle herbeizuführen, indem nicht nur die Pferde scheu gemacht, sondern auch die Wagenführer in ihrer Bewegungsfreiheit und Aufmerksamkeit erheblich behindert werden." Der Erlaß richtet sich diesmal in der Hauptsache gegen die goldene Jugend!_ Wasser für Sek.. Auf einen besonderen Einfall ist ein Schwindler gelommen. der es auf Gastwirte abgesehen hat. In einer Gastwirtschaft im Hansa- viertel erschien ein Mann von etwa 33 Jahren, ließ sich in der Gast- stube nieder, aß etwas zu Mittag, zog den Wirt in ein Gespräch und erzählte ihm, als man sich über Weihnachtsbescherungen unterhielt, daß er u. a. drei Flaschen Sekt zum Feste bekommen habe. Seiner Firma könne er es nicht verdenken, ihre Angestellten in dieser Weise zu beschenken, denn es sei eine Weinhandlung. Den Angestellten aber, zu denen auch er gehöre, wäre bare? Geld lieber gewesen, ihm persönlich schon deshalb, weil er sich aus dem„Zeug" nichts mache, obgleich es die beste Marke eines ersten Sekthauses sei. Der Gast bekannte endlich, daß er die drei Flaschen in den Taschen seines Ulsters bei sich habe, um sie vielleicht an jemanden, 4>er sich aus Sekt mehr mache als er. gegen bares' Geld los- zuwerden. Dann holte er eine Flasche heran, überzeugte den Wirt durch ihr Aeußeres, daß sie wirklich aus dem Keller einer ersten Firma stamme und meinte, ob er sie nicht selbst gebrauchen könne. Der Wirt hatte erst nicht viel Lust zu dem Geschäft, weit Sekt bei ihm nicht viel verlangt wird, ließ sich dann aber herbei, die drei Flaschen dem Gast abzunehmen, um diesem einen Gefallen zu er- weisen und weil er sich sagte, daß er für die Feiertage mit seiner Familie auch einmal ein Glas Sekt trinken könne. Man wurde handelseinig auf 3,— Mark die Flasche. Spät abends, nachdem der Gast sich längst empfohlen hatte, brach der Wirt die erste Flasche an, um sie einer heiteren Tafelrunde vorzusetzen. Um die Stimmung zu heben, wollte er den Pfropfen gehörig knallen lassen. Aber Knall und Schaum blieben gänzlich aus, und als man jetzt, schon etwas mißtrauisch kostete, erfuhr man. daß der Weibnachtsgast statt feinen SekleS reines unverfälschtes Wasser gebracht hatte. Auch die beiden anderen Flaschen enthielten nichts anderes. Jetzt wunderte sich auch der Wirt nicht mehr, daß der Verkäufer sich aus dem„Zeug" nichts gemacht hatte._ Ein verhängnisvoller Weihnachtsbaumbrand, bei dem drei Per- sonen schwere Verletzungen erlitten, hat sich am zweiten Weih- nachtsfeiertage in Steglitz zugetragen. Der Oberlehrer Professor Menzel aus der Goethestr. 01 in Charlottenburg hatte am Freitag- nachmittag mit einer bei ihm wohnenden Schwester eine ältere, in der Miquelstraße 14 in Steglitz wohnende Schwester besucht. Am Abend wurde der Weihnachtsbaum angezündet. Plötzlich fingen Baumbehang und Watte, die auf die Zweige gestreut war, Feuer, und in wenigen Augenblicken stand der Tannenbaum in hellen Flammen. Der Professor und seine Schwestern versuchten den Brand zu löschen, konnten jedoch nichts ausrichten. Ihre Kleider fingen schließlich ebenfalls Feuer und alle drei Personen erlitten schwere Brandwunden im Gesicht, an der Brust und an den Händen. Auf die Hilferufe der Verunglückten eilten mehrere Haus- bewohner hinzu, deren vereinten Bemühungen es nach längerer Zeit gelang, die Flammen zu ersticken und den Wohnungsbrand zu löschen. Die drei Verletzten wurden nach der Unfallstation ge- bracht, wo ihnen Rotverbände angelegt wurden. Die Verletzungen der beiden Damen erwiesen sich als so schwer, daß die beiden Ge- schwister in das Britzer Kreiskrankenhaus geschafft werden mutzten. Professor Menzel wurde in einer Droschke nach seiner Wohnung gebracht, wo er sich in ärztlicher Behandlung befindet. Bon einem Kraftwagen überfahren und schwer verletzt wurde gestern abend in der Großen Frankfurter Straße eine unbekannte Frau von etwa Sä bis 00 Jahren. Die Frau wollte vor dem Hause Nr.!01 den Fahrdamm überschreiten und übersah dabei das Heran- nahen dss Kraftwagens. Tie Verletzungen, die sie bei dem Unfall erlitt, waren so schwer, daß sie die Besinnung verlor. Sie iourde nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Die Unbekannte ist klein und untersetzt, hat graumeliertes Haar und trug einen schwarzen Kapotthut, einen schwarzen Rock und einen schwarzen Pelzkragen. In der Hand hatte sie eine Ledertasche. Weihnachtsarbeit der Feuerwehr. In den Weihnachtsfeiertagen brachen in Groß-Berlin mehrere größere Brände aus. Am Morgen des ersten Festtages stand in er C h a u s s c e st r a tz e 34 im dritten und vierten Stock des linken Seitenflügels auf dem vierten Hofe eine Drechslerei mit einem Holzlager in hellen Flammen. Tie Feuerwehr eilte mit zwei Löschzügen zu Hilfe und ging sofort über eine mechanische Leiter und über die Treppen hinweg gegen das Feuer vor. Da sich eine starke Rauchcntwickelung geltend machte, mußte auch ein Rauch- schutzapparat in Benutzung genommen werden. Obgleich aus zwei Rohren kräftig Wasser gegeben wurde, dauerte es doch über zwei Stunden, ehe die Gefahr als beseitigt gelten konnte. Der Brand- schaden ist bedeutend.— Zur selben Zeit brannte an der Ecke der Berliner und Mainzer Straße in Neukölln ein Seifen- geschäfi in ganzer Ausdehnung. Die Flammen schlugen außen bis zum ersten Stock empor und infolge der enormen Hitze zer- platzten die dortigen Wohnungsfenster. Da es allgemein hieß, in der Wohnung im ersten Stock seien kleine Kinder, so rücktet auf den Alarm„Menschenleben in Gefahr" die gesamte Neuköllner j Feuerwehr unter Führung des Branddirektors an. Während das 1 Feuer mit zwei Schlauchleitungen bekämpft wurde, drangen mehrere Mannschaften in die Wohnung des ersten Stockes ein, um sie genau abzusuchen. Wie sich ergab, Ivar bon der Familie aber niemand zu Haus. Vier Feuerwehrleute, der Obcrfeuerivehrmann H a r n a p p und die Feuermänner Kitzler, Knecht und H aber! and, zogen sich schmerzhafte Brandwunden an den Hän- den bczw. am Gesicht zu. Der Seifenladen ist pollständig durch den Brand zerstört worden. Ein anderer Ladenbrand kam abends kurz nach 10 Uhr an der Ecke Wagner- und Siegfried st raße zu Lichtenberg zum Ausbruch. Hier herrschte das Feuer in einem Zigarren- geschäfi und durch den starken Qualm wurden zwei Kinder, die in einem Nebenraum schliefen, in Ersticknngsgefahc gebracht. Die Lichtenberger Feuerwehr rettete die beiden Kinder durch ein Fenster. Der Brand wurde mit der Motorspritze in kurzer Zeit gelöscht.— In der Fennstraße 27 brannte ein Kessel- Haus und die Flammen hatten auch bereits die Dachverschalung erfaßt. Die Löscharbeitcn wurden durch starke Rauchentwickclung sehr erschwert und nahmen längere Zeit in Anspruch. Der Feuer- wehrmann Rothe erkrankte auf der Brandstelle so schwer unter der Einwirkung der Raucheinatmung, daß er nach seiner Wohnung entlassen werden mutzte.— Am zweiten Feiertag wütete in den Nachmittagsstunden ein großer Dachstuhlbrand in der A I v c n s- l e b e n st r a tz e 8, im Westen Berlins. Das Feuer hatte seinen Herd im Dachgeschoß des Seitenflügels und beschäftigte den zwölften Löschzug mehrere Stunden. Der Dachstuhl ist zu einem erheblichen Teil vernichtet worden.— Ein weiterer Dachstuhlverbrand brach in der vergangenen Stacht in der B e r g m a n n st r a ß e 13 aus. Die Flammen ergriffen die Dachkonstruktion des rechten Seiten- flügels und konnten erst nach längerem Wassergeben aus zwei Rohren unterdrückt werden.— In der Lange st ratze 29 mußte ein größerer Kcllerbrand und in der P f l u g st r a ß e 10 ein größerer Wohnungsbrand abgelöscht werden.— Bei einem Feuer in der Oder berger Straße 12 wurde der Kaufmann Rattke bewußtlos aufgefunden. Die Saramiter der Feuerwehr stellten sofort Wiederbelebungsversuche an und brachten den Mann auch nach längeren Bemühungen wieder ins Bewußtsein zurück.-- Die Charlottenburger Feucrivehr wurde in der Nacht zum zweiten Feiertag ziveimal böswillig alarmiert. Der erste Alarm führte nach dem Charlottenburger Ufer und der zweite nach der Franklinstraße 23. In beiden Fällen gelang es nicht, die Täter zu ermitteln.— In der Kolonie Wenden schloß bei Köpenick brach am zweiten Feiertag, nachmittag kurz vor 4 Uhr, ein Großfeuer aus. Als die Köpenicker Feuerwehr anrückte, stand in der Goethe- stratze die aus Holz gebaute Villa des Kaufmamis Stern in hellen Flammen. Obgleich sofort kräftig Wasser gegeben wurde, konnte von der Villa doch so gut wie rnchts mehr gerettet werden. Der Besitzer war mit seiner Familie beim Ausbruch des Feuers nicht anwesnch. Die Ursache des Brandes konnte nicht ermittelt werdell. 10t) Mark Beloqnm.g sind auf die Wiederherbeischaffung von Schmucksachen ausgesetzt, die ein Goldarbeiterlehrling verloren hat. Es Handell sich um ein Platinarmband mit zwölf festen und einein losen Brillanten, drei goldenen, 583 gestempelten Ringen und drei großen ovalen blauen Kunstsaphiren, die zum Fassen beigelegt waren Die Schmuckstücke, die zusammen einen Werl von ungefähr 1000 Mark haben, befanden sich in einem kleinen, weißen Pakelchen, das der Lehrling in einer Umhängetasche trug. Auf dem Wege von der Seydelstraße 14 nach der Neuen Grünstraße 33 kam ihm diese« abhanden, ohne daß er sich sein Verschwinden erklären kann.„ Der Geschädigte sichert dem Wiederbringer der Schmucksachen eine Be- lohnung'von 100 Mark zu,_ Sperrung wegen Abbruchs der Weidendammbrücke. Die Weidendammbrücke wird mit dem 3. Januar 1914 wegen des Baues der Nord— Südbahn bis auf weiters für jeden Verkehr gesperrt. Während der Dauer dieser Sperrung treten folgend« Verkehrsumlenkungen ein: 1. Der gesamte von Norden kommende, sonst die Weidendamm- brücke benutzende Last- und Kraftomnibusverkehr hat seinen Weg bon der Friedrichstraße her spätestens durch die Karlstrafje, die Albrechtstraße und über die in deren Zuge liegende Notbrücke zu nehmen. 2. Der gesainte bon Süden her kommende, sonst die Weiden» dammbrücke benutzende Last- und Kraftomnibusverkehr hat seineu Weg über die Ebertsbrücke zu nehmen. 3. Der übrige Wagenverkehr, der Pferdeomnibusverkehr, sowie die Fußgänger nehmen nach beiden Richtungen hin ihren Weg über die unmittelbar neben der Weidendammbrücke angelegt« Not- brücke. Sollten die Bauarbeiten für den Spreetunnel der Nord- Südbahn die vorübergehende Sperrung dieser Notbrücke für den Wagenverkehr erforderlich machen, so hat dieser entsprechend der Ziffer 1 und 2 dieser Bekanntmachung seinen Weg in der Nord- Südrichtung über die Notbrücke im Zuge der Albrechtstraße, in der Süd-Nordrichtung über die Ebertsbrücke zu nehmen. 4. Die Notbrücke im Zuge der Albrechtstraße darf nur in der Nord-Südrichtung befahren iverden. 3. Straßenbahnen: a) Linien 25 und 82 E fahren durch die Georgenstraße, die Prinz-Friedrich-Karlstraße, über die Ebertsbrücke durch die Artilleriestraße nach dem Oranienburger Tor bezw. um» gekehrt; b) die Linien 32. 34. 34 E und 43 fahren durch die llniversitätsstraße, die Prinz-Friedrich-Karlstraße über die Eberts- brücke durch die Artilleriestraße nach- dein Oranienburger Tor und umgekehrt; c) die Linien 12, 12 E, 18 und 20 fahren durch die Dorotheenstraße, die Neue Wilhelmstraße über die Marschallbrücke, durch die Luiscnstraße bezw. umgekehrt. 0. Die Kraftomnibuslimen 2, 4, 4a, 4b, 4c fahren in der Nord- Südcichtung von der Ecke Friodrichstraße und Karlstraße durch die Karlstraße, Albrechtstraße über die in deren Zuge liegende Not- brücke, durch die Georgenstraße nach der Friedrichstraße. Dieselben Linien fahren in der Süd-Nordrichtung von der Ecke Charlotten- straße und Dorotheenstraße durch die Prinz-Louis-Ferdinandstraße über die Ebertsbrücke, durch die Artilleriestraße und die Ziegelstraße nach der Friedrichstraße. Der Facharbeitsnachweis des SchneidergewerbeZ in Berlin und Umgegend, ivelcher auf Anregung des Magistrats und unter Mit- Wirkung der Innung und fast aller beteiligten Arbeitgeber- und Ar- beitnebmerverbände' in der konstituierenden Sitzung vom 8. De- zembcr beschlossen wurde, wird am 2. Januar zunächst in den Räumen des Zentralvereinö für Arbeitsnachweis, Rückerstr. 9(am Schönhauser Tor) eröffnet worden. Der NaÄweis wird in der Zeil' von nacknnittags 3—7 Uhr für männliches und weibliches Personal ge- öffnet sein. Zur Einschreibung der Arbeitsuchenden ist JnvaliditätS» karte bezw. Lohnbuch vorzulegen. Die Vermittelung ist für beide Teile völlig kostenlos. Die weiter in Aussicht genommenen Filialen in der Eichhorn« straße, Alt-Moabit, Friedrichstraße. Wedding und Schönhauser Alle« werden voraussichtlich am 1. Februar zur Eröffnung gelangen. Die Linie 28 der Großen Berliner Straßenbahn, auf der bis- her auf der Endstrccke Nordbahnhof-Wittenau bis Irrenhaus Dall- darf zeitweise 30-Minutenvcrkehr herrschte, soll vom 2. Januar 1914 ab versuchsweise auch dort 13-Minutenverkehr erhalten. Die Bei- beHaltung dieser Maßnahme ist allerdings davon abhängig, daß sich das erwartete Verkehrsbedürfnis auch tatsächlich ergibt. Verloren wurde in der Städtischen Straßenbahn(Schönhauser Allee, Ecke Dauziger Straße) eine schlvarzlederne Handlasche mit gelbem Bügel, die unter anderem ein Portomonnaie mit Inhalt, ein Taschentuch, G. L. gezeichnet, und zwei Photographien ent hielt. Der Finder wird um Abgabe gebeten bei Fornfeist, Kopeu hageuerstr. 47, Ouergeb. III.— Am Dienstag nachmittag S Uhr verlor eine Arbeiterfrau, von der Kinderbescherung bei Ballschmieder kommend, auf dem Wege durch die Brunnenstraße ein Malerverbands- buch Und Wahlvereinsbuch auf den Namen Dornbusch. Abzugeben bei Hans Dornbusch, Wolliner Straße 8, Hof pt.— Eine Witwe hat Hochbahnstation Kottbuser Tor am 1. Weihnachtsfeiertag zwischen 4— Uhr eine goldene Uhr und Kette verloren. Der ehrliche Finder wird gebeten, selbige gegen Belohnung abzugeben bei Döring, Berlin 80., Dresdener Str. 126, l.— Bei der Weihnachtsbescherung der Arbeitslosen in Kellers Festsälen, Koppeustraße, ist ein Damen- schirm abhanden gekommen. Kleine Krücke mit Silberbeschlag, Schirnr schwarz mit grüner Kante. Der ehrliche Finder wird gebeten, denselben abzugeben bei W. Gerlach, Lichtenberg, Weserstraße 35, Quergebäude 4 Treppen._ Vorort- JSacbricbtem Köpenick. Der Borauschlag des Etats für 1914 lag bereits den Stadt- verordneten in ihrer letzten Sitzung zur Beratung vor. Einleitend erstattete Bürgermeister Dr. Langerhans den Berwaltungs- bericht für das Jahr 1913. Aus demselben ist zu entnehmen, daß sowohl die wirtschaftlichen wie auch die finanziellen Verhältnisse iui Berichtsjahr als günstig zu betrachten sind. Zu dieser günstigen Gntwickelung haben in erster Linie die städtischen Werke beige- tragen. Die Ueberschüssc im letzten Jahre betrugen beim Elektri- zitätswerk 161 999 M. und beim Gaswerk 98 999 M., das sind zu- sammcn 199 Proz. der Steuern. Die eigentlichen Kommunal- schulden belaufen sich nur auf 4 569 999 M. Demgegenüber steht als Hauptbestandteil des Vermögens die städtische Forst. Ueber- gehend zum Etat für 1914 erklärte Redner, es könne nicht erwartet werden, daß die Werke ebenso wie in den letzten Jahren auch künftig von Jahr zu Jahr ihren Ueberschuß sprunghaft weiter erhöhen werden; der Magistrat habe daher bei Aufstellung des Voranschlages für 1914, den wirtschaftlichen Zcitverhältnissen Rech- nung tragend, nur die notwendigen Ausgabeposten in den Etat eingestellt. Herabgesetzt werden sollen die Gemeindeinkommen- steuer von 159 auf 149 Proz., die Gewerbesteuer 1. und 2. Klasse von 265 auf 269 Proz., der 3. und 4. Klasse von 179 auf 169 Proz. uiid die Betricbssteuer von 189 auf 129 Proz. In der hierauf folgenden Besprechung des Voranschlages wurde von unseren Ge- nossen detont, daß, so sehr sie auch der Herabsetzung der Ein- kommensteuer sympathisch gegenüberstehen, sie ein Weitergehen auf diesem Wege nicht für richtig halten, da noch viele schon längst dringend erforderliche Einrichtungen in unserer Gemeinde fehlen. Zum Beispiel habe Köpenick noch keine Warmbadcanstalt, ebenso sei im Schulwesen noch vieles zu bessern. Während in den höheren Schulen die einzelnen Klassen mit nur 29 bis 39 Schülern besetzt wären, seien in den Volksschulen immer noch 45 bis 59, und in einzelnen Klassen sogar noch mehr Schüler vorhanden. Weiter sei die Errichtung von Waldschulen erforderlich, desgleichen die Schaffung von gewerblichen Fortbildungsschulen für Mädchen. Luch befänden sich im Etat noch die Biersleuer mit 25 999 M. und die Lustbarkeitsstcuer mit 8599 M., auf deren Beseitigung hinge- wirkt werden müssen Nunmehr wurde der Voranschlag dem Etats- ausschuß zur Vorberatung überwiesen.' In der st ädti scheu Schulzah n'k l i n i k wurden in der Zeit vom 1. April bis 15. Dezember d. I. 886 Kinder be- handelt, darunter 16 unentgeltlich. Insgesamt wurden 3345 Kon- sultationen ausgeführt. Durchschnittlich besuchten 25 Patienten pro Tag die Klinik. Auf die einzelnen Schulen verteilen sich die Abonnenten wie folgt: 1. Gemeindcschulc 89, 2. 196, 3. 45. 4. 83, 5. 143, 6. 139, 8. 125, Hilfsschule 19 und Seminar-Uebungsschule 28 Weiter wurden 24 noch nicht schulpflichtige Kinder behandelt. Es kann den Eltern nur dringend geraten werden, im Interesse ihrer Kinder die 1 M. pro Jahr zu opfern und Abonnent bei der Klinik zu werden. Kostet doch meist schon ein einziger Besuch beim Zahn- arzt mehr als eine Mark, während die Klinik für diesen Preis das ganze Jahr in Anspruch genommen werden darf. Neukölln. Em Embruch wurde in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag in der Spedition Siegfriedstraße verübt. Die hier be- findliche, am Fußboden angeschlossene Kassette wurde losgebrochen und daraus etwa 129 M. entwendet. Am anderen Morgen wurde die leere Kassette auf dem Nachbargrundstück au� efunden. Allem Anschein nach sind die Diebe mit den Verhältnissen in der Spedition vertraut gewesen, denn das Pult, in welchem sich der Schlüssel zur Kassette befand, war angebrochen. Die Diebo müssen hierbei jedoch gestört worden sein, ehe sie.dasselbe öffnen konnten. Sie haben sich alsdann durch das Küchenfenster wieder entfernt. Johannisthal. „Opfersteuern". Eigenartige Zustände bestehen am hiesigen Ort. Bereits früher haben wir auf den sonderbaren Brauch verwiesen, wonach alljährlich Ende des Jahres Beamte der Gemeinde von den erwachsenen Einwohnern eine Opfersteuer von 19 Pf. fordern, die für den Magen der Kirche bestimmt ist. Eine Anzahl Einwohner sträubt sich natürlich, der Kirche diesen Tribut zu entrichten; doch das hilft ihnen nichts, denn diesen Zahlungsunlustigen wird sofort mit der Pfändung gedroht. Das schönste ist, daß niemand weiß, auf Grund welcher Bestimmung die Kirche neben ihrer Steuer ein solches Opfer- geld einzuziehen berechtigt ist. Wenn die Kirche noch von denen, die ständige Kirchenbesucher sind, diesen Beitrag einziehen lassen würde, so wäre das eine An- gelegenheit, mit der sich der einzelne abfinden könnte, sie macht aber keinen Unterschied und fordert auch diejenigen gebieterisch zur Zahlung, die kein Bedürfnis zum Kircheubesuch empfinden. Zu spät erst sieht so mancher ein, daß er mit der Kirche auch formell brechen mutz, um dauernd von der Heranziehung zu solchen Steuem verschont zu bleiben. Mariendorf. Die Gemeindevertretung hatte sich vor Weihnackten noch mit einer reichhaltige» Tagesordnung zu befassen. Zum Punkt: Nach- bewilligung von Mitteln zum Schuletat, beschloß die Vertretung, die geforderte Summe aus dem Dispositionsfonds und de» Rest aus laufenden Mitteln, desgleichen die Summe von 1693 M. für die Lehreralterszulagenkasse aus laufenden Mitteln zu bewilligen. Bei dem Titel.Steuerrückzahlungen' gab der Vorsteher bekannt, daß die EtatSpofition infolge des wirtschaftlichen Niederganges um 2599 M. verstärkt werden müßte. Es handelt sich um Beträge aus früheren Jahren, die jetzt zur Rückzahlung gelangen müssen. Die„Abnahme der Rechnung über den Bau des Reform- Realgymnasiums' wurde debattelos genehmigt. lieber dke Kreisbahnangelegenheiten berichtet der Gemeindevorsteher. Die Verkehrsvcrhälwisse seien jetzt durch Einstellung des Pendelverkehrs und Einführung des Zwanzigminutenverkehrs schlechter gc- worden wie früher. Der Fahrpreis werde allgemein für zu teuer gehalten, daher die Abneigung der Bevölkerung, die Kreisbahn zu benutzen. Der Vorsteher erklärte, daß ihm die Klagen bekannt und von der Kreisbahnverwaltung sowie vom Kreistage wohlwollende Berücksichtigung zugesagt sei.— Zu dem Antrag eines Bäckermeisters auf Rücknahme der Kündigung des Mietverhällnisses in einem der Gemeinde gehörigen Hause erklärte der Berichterstatter Schöffe Pohmer, daß keine Veranlassung vorliege, die Kündigung zurückzunehmen. Schon die lästige Rauchplage sowie sanitäre und andere Gründe seien bestimmend, den Dispens nicht zu verlängern. Bei dieser Frage führte Herr Sauer wieder einen seiner berühmten Eiertänze auf; er mußte sich erst vom Genossen Reichardt belehren lassen, daß die Gemeinde verpflichtet ist, auf ihren Grundstücken vorbildlich zu sein. Bei Punkt 7: Neuschaffung der Stelle eines Polizeisergeanten, betonte der Gemeindevorsteher, daß infolge der vielen sportlichen Veranstaltungen am Ort sich ein Mangel an Beamten fühlbar mache. Genosse Reichardt kritisierte, daß die Gemeinde die Kosten für den Besuch der Polizeischule tragen müßte, obendrein würden durch den Besuch der Schule die Beamten monatelang ihrem Dienst entzogen. Die Regierung solle, wenn sie den Besuch der Schule fordere, auch die Kosten tragen. Der übrige Teil der Tagesordnung wurde in nichtöffentlicher Sitzung erledigt. Pankow. Arbeitslosigkeit und Notstandsarbeit. Ueber die Erfahrungen, die ein Arbeiter bei den von der Gemeinde ausgeschriebenen Notstands arbeiten machte, wird uns von demselben folgendes mitgeteilt: Da ich seit dem 1. September d. I. arbeitslos war, meldete auch ich mich auf dem Armenbureau, um bei den Notstandsarbeiten be- schäftigt zu werden. Ich erhielt auch solche bei den Kanalisations- arbeiten in der Berliner Straße. Hier bemerkte ich jedoch, daß an den Arbeiten eine Akkordkolonne beschäftigt war. Trotzdem wurden verschiedene Arbeitslose, die am Montag vor Weihnachten um Arbeit vorsprachen, abgewiesen. Als wir am dritten Feiertag früh 7 Ubr zur Arbeitsstelle kamen, teilte uns der Schackitmeister mit, daß wir im Akkord arbeiten müßten. Einige Arbeiter erklärten, daß sie sich dazu außerstande sähen, worauf ihnen vom Schachtmeister bedeutet wurde, daß er sie dann nicht beschäftigen könnte. Diese Verfügung, die Arbeiten im Akkord verrichten zu lassen, sei von der Gemeinde- Verwaltung erteilt worden. Allgemein herrscht die Ansicht, daß in Anbetracht des schlechten Bodens die Arbeiten gar nicht im Akkord ausgeführt toerdcn können. Am ersten Tage, so bemerkt der betreffende Arbeiter, zerbrach bereits meine Schippe, so daß ich eine neue kaufen mußte und meine Sckiaftstiefel sind gleichfalls kurz und klein. Auch sind die Unterkunftsräume in den Pausen viel zu klein- Arbeiter, die bei der Arbeit in Schweiß geraten, aber in der Pause in den Buden kein Unterkommen finden können, laufen bei der jewei- ligen ungünstigen Witterung Gefahr, dauernden Schaden an ihrer Gesundheit zu erleiden. Hierzu kommt, daß der Verdienst nicht ause reicht, um das Brot im Lokal zu verzehren. In 6 Tagen erhielt ich 17,22 M., nach Abzug von 2,28 M. für Krankenkasse und Invaliden- beitrag verbleibt mir ein Lohn von 14,94 M.— Soweit die Mit- teilungen. Wir können uns nicht denken, daß die Gemeindeverwal- tung bei Vergebung von Notstandsarbeiten an Arbeitslose den Zweck verfolgt, diese in der hier geschilderten Weise zu drücken. Oder hat die Tiefbauverwaltung aus eigener Initiative solche Anordnungen getroffen? Eine Aufklärung darüber wäre dringend am Platze. Spandau. Am Montag, den 29. b. Mts., abends von 8-�-19 Uhr finden im Hotel Roter Adler, Potsdamer Straße, die Wahlen zum. Aus» schütz der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Maurer statt. Da von diesen Wahlen die weitere Ausgestaltung der Kasse abhängig ist, so darf kein Maurer, Bauarbeiter oder sonstiger Arbeiter, der in Spandauer Baubetrieben beschäftigt ist, an dieser Wahl fehlen. Wenn die Versicherten eine Gewißheit haben wollen, daß ihre Interessen vertreten werden, so darf keiner anderen als der Liste B die Stimme gegeben werden. Wahlberechtigt sind alle Mitglieder der Kasse, die das 21. Lebensjahr überschritten haben, sowie auch diejenigen, die auf Grund des Gesetzes versicherungspflichtig werden. Als Legitimation bei den Wahlen gilt der Nachweis der bisherigen Mitgliedschaft. Bei denjenigen, die erst versicherungspflichtig werden, dient eine vom Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung, daß derselbe in einem Spandauer Betriebe beschäftigt ist. Wir bitten alle Beteiligten, auf die Wahl an ihrer Arbeits stätt« aufmerksam zu machen und für die Liste B zu stimmen. Die Stadtverordnctcn-Ersatzwahl an Slelle des verstorbenen Stadtverordneten Schob im 1. Bezirk der 3. Abteilung(Altstadt und Stresowviertel) findet morgen Montag, von 19 bis 1 Uhr und 4 bis 8 t/z Uhr nachmittags im„Altstädliscden Kasino' in der Ritterstraße statt. Als Legitimation gilt entweder die Wahleinladung des Magistrats, der Steuerzettel, Militärpaß oder Jnvalidcnkarte. Dem vom Wahlverein aufgestellten Kandidaten Genossen Emil Stahl stehen nicht weniger als drei bürgerliche Kandidaten gegen- über. Wenn auch der 1. Bezirk für die Partei wenig aussichtsreich ist, so muß doch von jedem organisierten Arbeiter alles daran gesetzt werden, um die Stimmenzabl für unseren 5landidaten, die vor zwei Jahren 129 betrug, bedeutend zu erhöhen. Die ungeteilte Arbeitszeit bei der städtischen Verwaltung wird am 1. Januar versuchsweise eingeführt. Die städtischen Kassen im neuen Rathauie und in den Stadtteilen SiemenSstadt und Haselhorst sind für das Publikum vormittags von 8—1 Uhr. die Bureaus von 8—3 Uhr geöffnet. Für die zwangsweise eingeführte Landkrankenkasse sind jetzt vom hiesigen Versicherungsamt die Vorstands- und Ausschußmitglieder ernannt worden. Das Bersilberungsamt hat für die am 1. Januar ins Leben tretende Landkrankenkasse vorläufig die freie Arztwahl eingeführt. Stralau. Nach dem Bolköliederabend am 1. Weihnachtsfeiertag ist ein Wintercape irrtümlich falsch ausgegeben worden. Da der Garderobier ersatzpflichtig ist, wird dringend gebeten, das Kleidungsstück zurück- zugeben an Hermann Schulz, Markgrafendamm 19, 1. Quer- gebäude III._ Spiel und Sport Radfahrer. Arbeiter< Radfahrerbund„Solidarität'. Ortsgruppe Berlin, Abteilung III: Sonntag, den 28, Dezember: Nachmittagstour nach Johannisthal (Senstleben). Start: 2 Uhr, Lausitzer Platz 12. Bei schlechtem Wetter per Bahn. Donnerstag, den 1. Januar 1314: Streistour. Start: 2 Uhr. Abends im StarÄokai_ Mocken-Spielplan der ßerlüier Cbeater. Kgnigl. Opernhaus. Sonntag: Die Hugenotten. Montag: Madame Butierfly. Dienstag: Boheme. Mittwoch: Der Wildschütz.(Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag und Montag: Parsival.(Ansang 7 11 Sönigl. Schauspielhaus. Sonntag: Wilhelm Tell. Montag: Die Ouitzows Dienstag: Die Rabcnsteinerin. Mittwoch: Der Schlagbaum. Donnerstag: Die Neuvermählten. Die zärtlichen Verwandten. Freitag: Colbcrg Sonnabend: Hamlet. Sonnlag: Hans Lange. Montag: Prinz Friedrich von Homburg.(Anfang 7'/, Uhr.)_„ Neues Operntheatet(Kroll). Sonntagnachmitiag 2:/. Uhr: Gold- fische Abends 8 Uhr: Der Freischütz. Mittwoch: Martha.(Ans. 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Viel Lärm um nichts. Montag: Der Kausmann von Venedig. Dienstag: Ein SommernachtSttaum. Mitt- woch: Viel Lärm um nichts.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Der Kaus- mann von Venedig. Freitag: Hamlet. Sonnabend: Viel Lärm um nichts. Sonntag: Der Kausmann von Venedig. Montag: Ein Sommernachts- träum.(Ans. 7'/, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Androklu« und der Lowe. Montag: Die Pariserin.(Ansang 7'/, Uhr.) Dienstag: Wetterleuchte». Mttwoch: Die Pariserin.(Ansang 7-/, Uhr.) Donnerstag: Wetterleuchten. Frettag: Die Pariserin. Sonnabend: Androklus und der Löwe. Sonntag: Die Pariierin. Montag: Wetterleuchten.(Anfang 8 Uhr.) Lessing-Thcatrr. Sonntagnachmitiag 3 Uhr: Professor Bernhard,. AbendS: Pygmalion. Montag: Peer Gynt.(Ansang 7»/, Uhr.) Dienstag und Mittwoch: Pygmalion. Donnerstagnachmittag: Professor Bernhardt. Abends: Peer Gynt.(Ansang TL Uhr.) Freitag: Wozzek. Leonce und Lena.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonnabend und Sonntag: Pygmalion.(Ans. 8 Uhr.) Sonntaznachnnttag: Professor Bernhardt. Montag: Wozzek. Leonce und Lena.(Ansang 7'/, Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmitiag 3 Uhr: Bummclstudenicn. Allabendlich: Wie einst im Mai.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgrätzer Strasse. Sonntag: König Richard l II. (Anfang 7'l, Uhr.) Moniag; Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: König Richard III.(Anfang 7'L Uhr.) Mittwoch: Die sünf Franlfuricr. (Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: König Richard III..(Ansang TJ-, Ubr.) Freitag: Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend ünd Sonntag: König Richard III.(Ansang 7'L Uhr. Montag: Brand.(Ans. TL Ubr.) Deutsches Künstler- Theater..-onntagnachmittag 3. Uhr: Der Biberpelz. Abends: Schiri» und Gertraude. Montag: Glairbc und Heimat. Dienstag und Mittwoch: Schirin und Gertraude. Donncrstagnachmittag: Der Biberpelz. Abends: Schirin und Gertraude. Freitag: Der Bibervctz. Sonnabend: Schirin und Gertraude. Sonntagnachmittag: Der Biber- pelz. Abends: Schirin und Gertraude. Montag: Glaube und Heimat. (Ansang 8 Mr.) Deutsches Schanspielhaus. sonntagnachmittag 3 Uhr: Hamlet. Abends und Montag: Die heitere Residenz. Dienstag- und Mittwochnach» mittag: Petcrchcns Moudfahrt. Dienstagabend: Die heitere Residenz.(Ali- sang 8 Uhr.) Mittwoch 7 Uhr: Wer zuletzt lacht. Donnerstagnachmittag: Die Stützen der Gesellschaft. Abends: Wer zuletzt lacht. Freitag- und Sonnabendnachmittag: PeierchenS Mondfahrt. Sonntagnachmitiag: Romeo und Julia, Allabendlich: Wer zuletzt lacht.(Ansang 8 Uhr.) Tentsches OperuhanS. Sonntagnachmitläg: Zar und Zimmermann. Abends: Undine. Montag: Der Waffenschmied. Dienstag: Der Mikado. Mittwochs Die lusttgen Weiber von Windsor.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Parsival.(Ansang 6 Uhr.) Freitag: Zar und Zimmermann. Sonn- abend: Der Troubadour. Sonntag: Parsisal.(Ansang 6 Uhr.) Moniag: Undine.«Ansang 8 Uhr.) KomödienhauS. Sonntag-, Donnerstag- u. Sonntagnachmittag 3 Uhr: FUmzaubcr. Allabendlich: Hinter Mauern.(Ansang 8 Uhr.) Lustfpiclhaus. Sonntag- und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Hofgunst. Donnerstagnachmittag: Majolika. Allabendlich: Die spanische Fliege, filnsang 8 lZhr.) Theater deö Westens. Sonntag- und Donnerslagnach mittag 3'L Uhr: Gräfin Fisi. Dienstag-, Mittwoch- und Sonnabendliachmiitag: Das tavsere Schneiderlein. Sonntagnachmittag: Gräsin Fisi. Allabendlich: Polenblut.(Ansaug Mittwoch 7 Uhr. sonst 8 Uhr.) Thalia- Theater. Allabendlich: Die Tangoprinzesfin.(Ansang 8 Uhr.) DonnerStagnachmittag: Puppchen. Residenz-Theater. Sonntagnachmitiag 3 Uhr; In Vertretung. Donncrstagnachmiltaz: Die Frau Präsidentin. Nächsten Sonntagnach- mittag: In Vertretung. Allabendlich: Hoheit— der Franz.(Ans. 8 Uhr.) Trianon-Thealer. Sonntag- und Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Anatoles Hochzeit.(Ans. Mittwoch 7 Uhr, sonst 3 Uhr.) � Kleines Theater. Sonntag-, Donnerstag- und nächsten Soniliag- nachmittag 3 Uhr: Bclinde. Allabendlich: Jettchm Gebert.(Ansang Mittwoch TL, sonst 8 Uhr.) Tchtster-Tdcater tt. Soiintagna-r.mtttag 3 Uhr: Geschüst ist Geschäft. Abends: Wenn der neue Wein blüht. Montag: Rosenmontag. Dienstag: Hcimg'funden. Mittwoch: Die Großstadtluft. DonnerStagnachmittag: V!c< schäst ist Geschäft. Abends: Rosenmontag. Freitag und Smmabend: Die Großstadtluft. Sonntagnachmittag: Geschäft ist Geschäft. Abends: Der Pfarrer von Kirchseid.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlottcnburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Andreas Hoser. Abends: Die Großstadttust. Montag: Was ihr wollt. Dienstag: Freiwild. Mittwoch: Meyers. Donnerstagnachmittag: Andreas Hoser. AbendS: Was ihr wollt. Freitag: Meyers. Sonnabend: Was ihr wollt. Sonntagnachmittag: Andreas Hoser. Abends: Meyers.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. idoiintagnachmitlag 3 Uhr: Heimat. Abends: Das Milchmädchen von Schöneberg. Montag bis Donnerstag: Das Milch- mädchen von Schönebcrg. Freitag: Der Hüttcnbesitzer. Sounlag und Montag: Deines Bruders Weib.(Ansang S'l, Uhr.) Ncneö BotkStheater.(Neue Freie Poltsbühnc.) Sonntagnachmittag Uhr und abends: Der Gras von Cbarolais. Moniag: Der ledige Hos. Dienstag bis Freitag: Der Gras von Charolais. Sonnabend, Soiiiilag und Montag: Der Kaiserjäger/(Ansang 3'/, Uhr.) Doilncrstagnachlnittag: Der ledige Hof. Walhalla-Thcater. Allabendlich: Wolkenbummler.(Anfang 8'/, Uhr.) Sonntagnachmittag: Kasernenlust. Montis Operettcn-Theater. Sonntag-, Donnerstag- und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Allabendlich: Die verbotene Stadt.'(Ansang 8 Uhr, Mittwoch 7 Uhr.) Rosc-Tbeatec. Allabendlich: Der«chürzenjäger. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Donnerstagnachmittag: Dorf und Stadt. Sonnabendnachmstlag: Frau Holle. Nächsten Sonntagnach- mittag: Im weißen�Röy'l.(Abends Ansang 8 UhrZ am Nollendorfplass. Sonntag-, Donnerstag- u. nächsten 3 Uhr:. Orpheus in der Unterwelt.«onnadeudüach- Allabendlich: Freddy u. Teddy.(Ansang Mittwoch Allabendlich: Mit dem Imperator nach New Dorl. Allabendlich: Das sagen Sie zu Tbeatcr Sonntagna« mittag: TL Uhr/sonst 8 Uhr.) Urania-Theater (Anfang 8 Uhr.) Gebr. Herrnteld-Tbeater. Leibusch?(Ansang 8 Uhr.) Kasino-Theater. Sonntagnachmitiag 4 Uhr: Geheimnisse von New Jork. Allabendlich: Ferdmand der Tugendhaste.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: Der Kuckuck. Manöoerschwindel.(An- fang S'L Uhr.) Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die keusche Susanne. Allabendlich: Di- Zkinokönigin.(Anfang 8 Uhr.) Apollo. Sonnlagnachm. 3'/, Uhr sowie allabendlich: Spezialitäten. (Ans. 8 Uhr.( Metropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr:'s Nullerl. Allabendlich: Die Reise um die Erde in 49 Tagen.(Anfang 7.55 Uhr.) Wintergarte». Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich: Spcziali- täten.(Ansang 8 Uhr.) Reichsbatteii-Tbcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr sowie allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Ubr. Sonntags T/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'L Uhr und allabendlich TL Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich TL Uhr: Galavorstellung. Admiralspalaft. Eisballett: Die lustige Puppe.(Ansang S'l, Uhr.) Berliner Eispalast. Eissport.(Ansang S Uhr.) CineS Palast am Zoo. Varietö-Lichtjpiele. Täglich: 6 Uhr. Eines Nollendorf-Theatcr. Variets-Lichtspiele. Täglich: S'L und 9 Uhr.___. frauen-Lefeabende. Reinickendorf-West. Moniag, den 29., abends 8'L Uhr, im Lokal von Hallmann, Scharnweberstr. 53. Singegangene Druckfcbriftcn. Von der„Neuen Zeit' ist soeben das 13. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Die Einigung in England und Rußland. Von K. Kautsky.— Geschichlsschreibung ohne Gänsesüßchen. Von N. Rjasanoss.— Ein englischer Farmer über die«grar. frage. Von I. Köttgen.— Das Kinoproblem und die Arbeiter. Von Franz Förster. 1. �„„ Die Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. bandluiigen, Poslanstalle» und Kolporieure zuin Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 35 Pf. Der„Wahre Jacob' bat mit der soeben erschienenen Neujahrs» nvminer sein dreißigstes Lebensjahr vollendet, welches Ereignis in dem Gedicht„Zum neuen Jahr" gebührend gewürdigt wird Der Preis der 12 Seiten starken Nummer lft 10 Pf. Probenummern (inS jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu be- ��Von der„Gleichheit', Zeitschrist für die Interessen der Arbetteriiinen, ist uns soeben Nr. 7 des 24. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben»vir hervor: Erlösung.— Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. XI. Von Anna Bios.— TaS Ergebnis.— Die Gewinnung der weiblichen Jugend. Von Mathilde Wurm.— Die Frauen und der Wahlkamps in Italien. Von Angelila Balabanoss.— Arbcitende Müttcr. II. Von Johann Ferch. Fretreligiöfe Gemeinde. Sonntag, den 23. Dezember, vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag von Herrn Dr. W- Vne: „Friedrich Hebbel und die moderne Frau'.— Damen und Herren als Gaste Willkommens_ JugendveranftalNmge». Stralau und Stralaucr Viertel. Heute Somttag. nachmittag« S'L Uhr, bei Stemicke.«UI-Stralau 5: Weihnachiss-iev. beuchend au» Konzert, Gesang, Theateraussührung. Festrede. Nachdem: Gemütliches Bei- sammensein. Eintritt 29 Ps. Um recht rege Beteiligung, auch der Eltern, wird ersucht.„ � Roscnthal. Am Sonnlag, den 23. Dezember, 5 Uhr; Weih feier im Jugendheim, Linden-Allee bei Kerkering. Musikalische Unterh Vorträge, Verlosung usw. Eintritt frei. Itung, ErecSieint 2 mal wöchentlich. Grunow's Kaffee-Versd. DresdnerstTO CKjonh Lindenstr. 105 ■ niuuH Specke imdSchinfceBaalzprti. A Ibolioifreje Getränhe Franz Abraham lUmk. Messma-u.Römertrank-Kell. €.25 Bartelstr. 8a, Fernsp. ggst.13708 lyDejje�rujsJÄ� Keiner, Otto, Gerichtstraß© 86. Partiewar�ng., Tegel, BmnowsUS F. Zillat, Waldemarstr. 64a. �iito-FaUPictiuiB Centr. A�toTeemilkum Norden Priazen-Allee<2/13 Ctmiffetirselnie Tazes- und Abend-Kursus Eimntt jedentli. Prmyeklt gratis B ade-flnüalten Arkona-Bad, Anklamer-Str. 31. M JUf'MOäliit 104&ank.-ka?3. MS Landsbergentr. 107 Collnowstr. 41. [eiitral-E2!l Anze?geÄr. 25. (ßad Frankfurt, Gr.Frklt.Str. 136. jLioferant eämtl. Krankenkassen Bad FriedriilisbaIa,LanliliAlIeel53 Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. Kaiser-Frledricbs-Bad.Ctsrl.a.Bli. !iiufnnhaHI'i,"i«118tt- llis Ssolpells LlnOcOliuU Friedriclist 8. Lief. a.Kui. Natlonal-Bad, Bnumenatr. S. Bad Ostend M'Sen 1 Original Lohtamün-BaJ� Wallstr. 70/71 früh. Nünsel Smtl. Bäder, auch, f. Krankenk. Passage- Bad Reform-Bad, Wiener Str. 65. Reform-Bad Weißensee, LelidersU04 iScnilier-Bafl,lHerstr.1!i3a. 35 Sesia«SdesischeStTsT pandagen, BiiHimiuigren R. Bänke, Stralauer Str. 66. Berkbolz, Köpenlckcrstr. 70. A.£. Lange, Brunnenstr. 166 Liepe, Schönoberg, GmaewaMaltJO. llever,P.,Skili.,Eorlicer8tT.49— 60 B. Neusdi, Breitest. 21, Spandau. J. Ch. Pollmann, Loihriiderstr. 60. B��ren�er�Beiniekend RäcHer- b. Kc�ilspsiqn C. Adamack, NkBn., Jonasstr. 23 A.AIbat,5Iarktst.]S'13,Eeliiid[Uidetl Albredit, E., Fruchlstr. 29. Landbrotbäcker. Herrn. Albredit P. Andersch, Zionsklrcbstr. 17. R, Anderson. Xhüringerstr. 32 Aamut, WUb., LecL.rniänderatr. 11. K. Auat, Dronthoimer Str. 10. WUb. Bagge, Widefstr. 65/6. Willy Bär, Stromstr. 18. Paul Berger, Mirbacbstr. 29 Josef Brefka, Kircbbofstr. 16/47 E. Boyer, Tbomerstr. 6. Otto BÜlepp, KBtuUn-4UM 21».«9 Relnh. Breckle, Wiesonstr. 19a R. Block, Sotauerstr. 18. Alw. Brbmer, Bomintenorstr. 10 Bcutfabtik Heinetsdorfer Mühle F. Bockenkanjp. Camphausenst.S PaulBochnlg.l'aikow.Görschstr.U Rudolf ErechUn,Ockerst. 3 SUla. F. Breitkopf, Ezerzlorstr. loa. Hermann Buk, Grfinauerstr. 12. Ewald Bndiler, Weserstr. 17. Ernst Buller, Brüsselerstr. 43. Gust. Böhm, Gubencrstr. 26 O. Büchner, Nordhausenerstr.SO Alb. Dadiwlti. Kamerun erstr. 16. Davids L8n(lorot.Küilend9rler3ir.>9 Faliuilen»tr.44.Wa6iä»pn-,r,41i»»l"!läät. Paul Dolly» �darkusstralLr 15.' Albert Denkewitz, Jtblaukiitr. 14 Dnllwa, Ferdinand Torollstr. 1 Otto Donath, Stolpisobestr. 22. H. Donner, Scbönftießerstr. 2 Rud.Duncker, Pankow, ltühlciisl.71 Fritz Eichler, Bastianstr. 16. W. Emst, Pöcklerstr. 12. Franz Faulwetter, UiaUaIeIitr.67. Carl Feist, Friedenstr. 101. Friedr.Flemm!ng,B(iilugencritr.27. Paul Freitag, Stuttgarterstr. 13. E. Freyer.BlnmeBilr. 72. E. Harkasitr. E.Friedrich, Marienburgcrstr. 38. HeInridiFrister.F»«kojr,FIorast.50 F. George, WiliieliiistuTenorsIr, 23. B. Gierszewskl, Waldcnscratr.O. Fritz Glauner, Chausseestr. 80. Cumnlor, R. Posenerstr. 16. Wilh. Godt, Emdenerstr. 59. B. Gonsior, Treptow. Qrätzstr. 65. O.GBrh,Wiescaitr.31,br.n.jr6ne Rbm. Große-RhodeReinickendorferst. 95 Groß-Bäekerei ,,Berolina'4 i.W est PaulGrlsard,Pankow,Fiorastr.lO. Paul Gärtner, Treskowstr. 41 A. Günther, Gr Frankfurterst. 75 F.!lsDkc,Vcrtr.WJItbne Marionbirgeist.? KarlHeidenrelch,MUnchencrst.ll Karl Hennig, Steinmetrstr. 74 Gast. Helntedrel.UaTelbergcrslr. 26. G. Henning, Beb midtstr. 8 a. Job. HUdebrandt, Rykestr. 31 Paul Hoppe, Hermsdorforstr. 8 Hoppe'iNacbf.Kraraarekddalbertatee P.Kusgen,Herfiiilh-,B,i,tfbtenridersk L. Ible, Gericbtsstr. 53. Max Jacob, Pflttgerstr. 70-1, herub.Jatan, Kesldenzsc. 75, T.582 Reinickendorf, Hausers tr. 3, taui Jarräsch, Sprcngolstr. 83 Jendrey ko, Immanueikircbstr. 10 Fr. Jendreyko, Obinstr. 9. Hax Josse, Bandeis tr. 27. O, Jeske, Libauerstr. 1 B. Kanthak, Licbtenbergerstr. 21 Georg Kappe, Wilbeimibamnitr. 8. A. Kelb, Rostockerstr. 31. F. Kiesewetter, Schirolbotnoriti. 15. Frledr. Klinder, Mirbacbstr. 37 R. Klinke, Weißens., Lohdcrst.120. J. Kindt, Residonzst.lSS, P�iaickeil K. Kleiner. Schulstr.)02 ■k. meunj»» NWWW Paul Koehn Haadolsir, 42. Max Kcitfert, kainisü. Allee 29. Friedrich Knop, Bodestr. 31 Paul K6bemldt, Wilb.8tolzestr.35 Alb. Kratky, Cadincrstr. II. !•» Liebigstr. 1. C. Kunze. »äcHer- u. Conditopsien Karl Küosrls ÄScbdonscb. Max Kühl, Triftstr. 9 Felix Kynast, Danenstr. 5. Bäckerei Könschor Kastanien-Allee 57 [ EezaBgsiaMeMiewVei*zeSciiw5sM[ Untenstehende Geschäfte empfehlen sich b. Einkauf.' P. Lainla, Immanueikircbstr. 20 Ew. Liesegang, Danzigerstr. 12 Adolf Linde, Licbtnbg., Wubf lnutr.75 Carl Lindenberg, Lycbeieritt. 1. H. Lühs, Reiuieteio.-Oiit, Kmekuti.It Fritz Lungwitz, Hobenlohestr. 3. W.Luzemann,0.,GabrieIMaxst.2 W. Megotv, Lichtonbg., Girlnerfii 5 H.Markgraf, Cbarl.,Goetbe3tr.l9. R. Markworth, Pflügerstr. 11. R. Masch! er. Ucbtcsbard. Odontr. 27> AntonMelynar�jandsbergerst.17 Alfred Metzner, Fuldastr. 55/6 MOblsteff, Spandau, Biamarckstr. 5. G. 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II Hubert RSsuer, Triftstr. 1 AltredRost, Reichonbergerst.lSS F.Sandmann, Trepl«v,Gratzstr.25. Wilhelm S auter, ODdeasrderstr. 36. W.Sdiaa{,Koiii(kD(I.-Ost.IToTiiiut.g3 R. Schado.Paliss-St.S Fil. O u.NO Emil S cb aller, Schpeinerstr. 52. P. Scblnauer, Anklamerstr. 15. P.Schi rmcr,f,emicko«d.-O.J,rovuu«t.53 Carl Schleich, O., Wühlischst. 3 Wllh Schmidt, Liebonwalderst.lO Paul Schmoll, Amsterdamerstr.9. Willy Schneider, Heioocktoastr. 13. Gustav Schölisch, Dolzigesstr. 31 Paul Schön, Kopenbagenerstr. 74. EbechardSchönwicse,bfideritialr.s Paul Schröder, Htimeradorfentr. 27 E. Schön, Kniproderstr. 8 W. Schönwiese, Ronrintenerst. 54 Gari Schulz, Neukölln, Ilsestr. 26 Paul Schulz, Hufelaudatr. 2 Paul Schunert, Stolpischestr. 35, Adolf Schulz, Florastr. 78 Pank. Paul Schürer, Tilsiterstr. 12. Reinb.Schurwanz.Kohaiiiea-AlloMS Karl Schwarz, Thaerstr. 21 P. Scbwarzbedc, Wiciefstr. 97. Bruno Schwarz, Andceasplatz 3. Schwendce, Herrn. Rykestr. 23 E. Seeländer, Lenaustr. 7. 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Motzstr. 66, Ecke Martin-Lnther- straße. *K. Potsdamer Str. 103a, Ecke Knrfürstenstraße. •B. Potsdamer Str. 126, nahe Eichhornstraße. Berlin NW.t Zl H. Flensburger Str. 16 a. Ecke Lessingstraße. *0. Turmstr. 27, Ecke d. Stromstraße. Berlin N.: *B. Badstr. 85— 36, G-esnndbrtmnen. Q. Brunnenstr.2. aRosenthalerTor. L. Chaasseestr. 128/129, am Oranienburger Tor. •8. Büllerstr. 6, am Wedding. TU. Schönhaaser Allee 83, Wichertstraße. *X Schönhauser Allee 144. Ecke Berlin C: *C. Könlgstr. 33, am Bahnhof Alexanderplatz. P. Spittelmarkt 4—7, Kaufhaus Spittelmarkt. Charlottenburg: •J. Berliner Str.58, nahe Hauptpost, *J IL Kaiserdamm 118, Ecke Suarez- straße. *Z II. Kaiserdamm 39, Reichskanzlerplatz(Eröffnung bevorstehend). Schöneberg: *Gr II. Barbarossastr. 45, an Berchtesgadener Straße. *N. Hauptstr. 18, gegenüber dem Bathaus. *SI1. Innsbrncker Str. 9/19, Ecke Badens che Straße. Wilmersdorf s •H II Hohenzoilerndamm 196, Ecke Uhlandstraße. »V IL Kaiser- Allee 190/191, Ecke Güutzelstraße. Friedenau s •T. Rheinstr. 1/2, Ecke Schmargendorfer Straße. *K II. Südwest- Korso 77, Ecke Kaiserallee. Steglitz s *V. SchloBstr. 85, gegenüber dem Rathaus. nahe Berlin NO.: •Z. Grelfswalder Str. 295, an der Marienburger Straße. •H. Gr. Frankfurter Str. 32, an der Pürstenwalder Straße. T. Landsberger Str. 199, am Büschingplatz. *A III. Prenzlauer Allee 25, Ecke Raabestraße(Eröffnung bevorstehend). Berlin O.: M. An der Jannowltzbrücke 1. *D II. Frankfurter Allee 1/2, am Ringbahnhot Berlin SO.: IiU Köpenicker Str. 1, am Schles. Tor. BU. Wiener Str. 11, nahe Görlitzer Bahnhot Berlin 8.: BU Nene Koßstr. 1, Ecke Neue Jakobstraße. *D. Oranienstr. 145/ 1 46, am Moritzplatz. Berlin SW.: NU Belle- Alllance-Str. 107, am Blücherplatz. *S IL Frlcdrich8tr.204, Eck. Sehützen- straße. *G. Llndenstr. 7, Ecke der Neuen- burger Straße. Annahme von Depositengeldern zur Verzinsung; An- und Verkauf von Wertpapieren, ausländischen Geldsorten, Devisen usw.; Einlösung von Coupons und Dividenden- Scheinen, Ausstellung von Schecks und Kreditbriefen: Diskontieren und Einziehen von Wechseln und Schecks j Deleihung börsengängiger Wertpapiere und deren Ver- Sicherung gegen Kursverlust im Falle der Aaslosung; Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren; Beschaffung und Unferbringnng von Hypothekengcldern; Ablösung von Hypotheken, die das Berliner oder das Brandenburgiscbe Pfandbriefamt erwirbt; Annahme von Paketen, Kisten und dergl. als verschlossene Depots unter gesetzmäßiger Haftung der Bank; Vermögensverwaltungen aller Art sowie Testamentsvollstreckungen. Lichterfelde: ♦W. Ost, Jnngfernstieg 3, Bahnhof Ost. 'A IL West, Carlstr. 114, am Wann- eeebahnhof. Zehlendorf-Mitte: *U IL Hauptstr. 7. Spandau: •Q n. Potsdamer Str. 31—32. Tegel: *0 II. Berliner Str. 99, nah© der Hauptstraße. Pankow; •O II. Schönbolzer Str. 1, nahe dem Rathaus. Neukölln: *P II. Berliner Str. 56 57, am Hauptpostamt. *F II. Kottbnser Damm 79, a. Hohenstaufenplatz. Tempelhof: *E IL Berliner Str. 8, nahe Ring- bahnhof. *W H. Hobenzollern-Korso 1(Neu- Tempelhof). Die mit* bezeichneten Wechselstuben besitzen Stahlkammern. Silvester- Scherzartikel in grosser Auswahl, hochorigineile Neu heiten. Konkurrenzlos billige Preise UlKlse Maoortikel unübertroffene Reichhaltigkeit. ■- Das Neueste! Mii-Iieclw deMgü Dutzend 85 Pfennig. Riesen- Auswahl in humoristischen Kopfbedeckunsen aus Papier und btoif Stück von 1 Pf. an Sie finden bei uns hochoriginelle, sensaiionelie Neuheiten tür jede Silvesterfeier N. Liemann, Berlin C nur Prenzlauer Strasse 46c 2 Minuten vom Alexanderplatz. 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Filz- waren- Versertiger zu Berlin. Bekanntmachung. Laut Beschluß des Kgl. Oberver- sichaungsamleS Groß-Berlw ist aus Antrag der außerordentlichen(Nene- ralverjammlung vom 8. Dezember 19! 3 die OrtStrankenkasse der Hut- mach er, Hutsurnituren- und Filz- warenversertiger zu Berlin geschloffen worden. Tie Schließung tritt mit Ablauf des 31. Dezember 1913 in Kraft. Wir bringen diesen Beschluß unter Hinweis aus K 302 der Relchsver- sicheruligsordnung zur öffentlichen Kenntn s. Forderungen an die Kasse find nach dem 31. Dezember 1913 an die Allgemeine OrtSkranlenkassc der Gstadt Berlin, LO.KöpenickerStr.LO/82, einzureichen. 381b Der Vorstand. S Dannheuser, Vorsitzender. Alte Jalobstr. 20/21. Bekanntmachung. Die neue Satzung der Jnuuiigs- Krankenkasse der Schuhmacher (Zwangslasie) ist genehmigt und kann in den(Seschästsstunden von 8 biS 1 Uhr im Kassenlokal, Friedrichs- gracht17,entgegengenommen werden. Jakob Ege, 261/17 Vorsitzender. Krankenkasse der Personen-Lohn- snhrwerks- Innung zu Berlin. Bekanntmachung. Es wird hiermit seitens der unter- zeichneten Kranlenlasse bekannt ge- macht, daß daS neue Statut und die Wahlordnung nach den neuen Be< stimmungen der ReichSversicherungS- ordnung durch das Oberversicherungs- amt genehmigt und am 1. Januar 19U in Kraft tritt. Die Arbeitgeber und Arbeitnebmer haben daher sich schon jetzt dieserhalb zu informieren. Das neue«tatut sowie ein ÄuS- hang über die Höbe der zu zahlenden Beiträge wird den einzelnen Mit- gliedern durch die Ardeitgeber zu. gestellt sobald das Statut fertig ist, was noch eine Zeitlang in Anspruch nehmen wird, da dasselbe erst vor einigen Tagen genehmigt worden ist. Die Zuteilung zu der dem Arbeits. verdienst entsprechenden Stuse erfolgt durch die Krankenkasse. 261/15 „Die dem Versicherungsamt der «ladt Berlin vorliegende Kranken. ordnung wird auch später bekannt gemacht. N«r Vorstand. 3 a.: Rose. Sie fühlen sich wie neugeboren, wc»« 18- schnupfen. 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GSrlitzer Viertel. Bezirk 20511. S(m Freitag, den 26. o. Mtt., verstarb nach längcrem Leiden unser Genosse, der Arbeiter Wilhelm Weiß Reichenberger Str. S3. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Montag, 29. Dezbr., nachmittags l1/. Uhr, von der Halle des Zcn- trai-FricdhoseS in FriedrichSfcldc aus statt. Um rege Beteiligmig bittet Ter Borstand. Zentral-Rrankeii- ü. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. E. H. Berlin, Bezirk 17. Am Freitag, den 26. Dezember, verstarb nach langem Leiden unser Mitglied Wilhelm Weiß Reichenberger Strotze 83. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, 29. Dezember, nachm. I1/, Uhr, von' M'~ der lle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- tclde aus stall. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsvrrwaltnng. Sozialdemokratischer Wahiverein I.d. UerLReichstagswabikreis. Petersburger Viertel. Bez. 352. Den Mitglieden, zur Nachricht, datz unser Genosse, der Schloffer Oshen Lutz Thaerstratze 37, im Sllter von 44 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. Dezember, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhojeS in Friedrichs. selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht vor Vorstand. Sozialdemokratischer Wabl?ere!n !. d. 4. Berl. Reichstagswahlkrels Stralauer Viertel. Bezirk 311. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genoffe, der Buchbinder Otte Fricke RüderSdorsrrStr. 14, gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet ain Mon» tag, den 29. Dezember, nachmittags 1'/« Uhr, vom Trauerhauie aus nach dein Zentral-Friedhos m Friedrichsselde statt. Um rege Beteiligung ersucht 219/9 Uer Vorstand, Deutscher MetaUarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mttglied, der Arbeiter Otto.Eimst am 26. d. MIs. gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Dezember, nach- mittags l'l, Uhr, von der Leichen- halle des KemeindesriedhoseS in Beelitz aus statt. 132/ l Rege Beteiligung wird erwarte!. Nachruf. Ferner starb unser Mitglied. der Schleiser iugust Sehnurslein. Ehre seinem Andenken l Die Ortsverwaitung. Hierdurch zur Nachricht, datz die Beerdigung meines ge- liebten Mannes Heinrich Hillebrand am Montag, den 29. Dezember, nachmittags 2il4 Uhr, aus dem St.- Philippus- Apostel- Friedhos, Müllerstratze 44/45, stattfindet. Hcdono HlUcbrand 44A geb. Dittloff. Sozialdemokratischer Wahiverein !. d.6.BerI.ileichstags-Wahlkreis. Nachruf. Am 23. Dezember verstarb unser Genosse, der Schleifer �uxust Lchnnrstein Müllerstratze 145, Bezirk 767. Ehre seinem Aubenten! Die Einäscherung iand bereits am 26. Dezember im Krematormm in der Gerichtsttatze statt. Ilm 24, Dezember verstarb unser Genoffe, der Maurer Heinrich Hillebrand Buchstratzc 4, Bezirk 731. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in der Seestratze(Ein- gang Müllerstratze) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/14 ll»«r Vorstand. Beutscher Bauarheiterverband. Zwcigverei» Berlin. Am 24. Dezember starb unser Mitglied, der Maurer Heinrich Hillehrand (Bezirk Wedding). Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle der Philipp üs-Gemeinde aus aus dem städtischen Friedhofe in der Seestratze statt. Um rege Beteiligung ersucht 147/6 Der Vorstand. Beutscher Iransgurtarheiter- Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Arbeits- kutsch er Paul pallesche am 24. d. MiZ. im Sllter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Montag, den 29. d. Mts., nach- mittags 2>/, Uhr, von der Leichen- halle des Städtischen FriedhoseS in Schöneberg(Blanke Hölle) aus statt. 75/13 Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Arbeiter peinhnld Lehmann am 22. d. Mts. im Sllter von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Bezirksverwaltung. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, datz unser Mitglied, der Kartonnieter Max Händschke verstorben ist. 25/8 Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet beute Sonntag, den 28. Dezember, nach. mittags'lt4 Uhr, von der Leichen- halle des Gememde-FriedhoseS tn Achtenberg, Friedrichsselder Weg, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Verb. d. Schneider. Schneiderinnen u. Wäscheartieiter Deutschlands. ■ Filiale Berlin.== N a ch r u f. linieren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, datz der Bttlitär- ')neider, Kollege .Johann am 23. Dezember im Sllter 54 Jahren oerftorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung hat am Freitag, den 26. d. Mts., auf dem neuen St.-Jobannis-Kirchhos in Plötzensee stattgefunden. 165/7 oia Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten ValerS sagen wir allen, insbesondere den Herren Chess der Elrma S. Seligsohn und den werten ollegen meines lieben Mannes, welche ihm die letzte Ehre erwiesen. unser» herzlichsten Dank. g2A Witwe Panllne I.Udolff nebst Tochter. Verband der Lithographen, Steindruekern.yerwandtenBerule (Photographen). Am 23. Dezember verstarb in. solge Schlagansalls unser Mit- glied, der Photograph Otto Malchow im Alter von 38 Jahren. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 28. d. Mts., nach- mittags 3'/- Uhr, von der Leichen- Halle des Bartholomäus-Kirchhofes in Weitzensee, Falletibergstratze, aus statt. 98/1 Die Verwaltung der Filiale VI. yernandd.Gemeinde-o.Staatsarb. Filiale(jiroB-Berlln. Unseren Mitgliedern zur Nach- ruht, datz der Kollege Fritz Nowack II, welcher im Beiriebe des städtischen Gaswerks in Schmargendors be- schöftigt war, verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Sonntag, den 28, Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Fried- hoseS in Friedenau ans statt. 36/9 Ble Ortsverwaltung. Todesanzeige. Am 25. Dezember, morgens 3 Uhr, verschied nach langem, schweren Leiden mein lieber Mann Etmst Holzruß, Nestaurateur, Cchönwalder Stratze 28. Die Beerdigung findet Montag, den 29. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Danlessried- hoss, Reinickendorf-West, aus statt. Witwe Henriette Holzfuß. Danksagung. Für die reichen Kranzipeiideii und vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Holsnc Graap sage ich alle» Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Wahl- verein des 6. Kreises, dem Transport- arbeiterverband und dem Sparverein Goldgrube meinen innigsten Dank. ßugus-t Graap. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzsvenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Trapp sagen wir allen, weiche derselben die letzte Ehre erwiesen, unseren herzlich- sten Dank. 101a Witwer Ulbert Trapp nebst Söhnen Walter und Willi. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung ineines lieben Mannes, unseres guten VaterS sagen wir allen Verwandle», Freunden und Bekannten uns eren herzlichen Dank. Wwe. Martha Haiisnnann 38bb nebst Kindern._ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten' Mutter, sage ich allen Teilnehmern meinen innigsten Dank. 40A Otto Kandier nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Gatten, Vaters und Bruders IKchanl Stäche sagen wir allen Beteiligten, besonders den Sängern sowie dem Genossen Wiederneier für seine trostreichen Worte am Sarge des Entschlasenen unseren herzlichsten Dank. 74A Familie Stäche. Danksagung. Für die autzerordenlliche Beteiligung und Kraiizipenden bei der Beerdigung unseres lieben Vaters 105Sl Vug/ast Ijchniann sagen wir dem Wahloerein des vierten Berliner WahilreiseS(Bezirk Lübbener Stratze�, dem Verband der Gast- und Schaiilwirie, dem Rauchilub Bahia, dem Berliner Naucherbund, den Mietern vom Hause, dem Verein der Haus- und Grundbesitzer sowie allen Verwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines UebenMaiines, unseres guten Vaters Wilbeim Linke sagen wir allen unseren besten Dank. JEmiiia I-inkc geb. Schulz und Kinder. 9A vi» Zt. I»nu»r d. 1. 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Dad urch werden auch alle in den Haushaltungen beschästigten Personen kranienversichcrungspflichtig. Der Dienstherr, welcher seinen Wohnsitz in Berlin Hai, ist deshalb verpflichiet, die in seinem Haushalt gegen Entgelt(Gehalt oder Lohn) oder freie Wohnung und Kost beschästigten Dienstboten. Äwdcrsräulem, Erzieherinnen, Haus- damcn oder Siützcn des Haushalts, Sluswärlerinnen, Boten, Botinnen, Kutscher, Chauffeure nud Diener, sowie die von ihm mit der HauSreinigung beauftragten Pcrsoueu, Portiers und Portierssrauen, vom ersten Tage ihrer Beschäftigung an bei der Allgemeine» Ortskrankenkafse der Stadt Berlin. Kiosterslr. 71/72. oder bei der seiner Wohnung am nächsten liegenden Zahl- und Meldestelle binnen drei Tagen nach Beginn und Ende der Bcichästigung zu meiden. Die Abmeldung tanu ilnterbieiben, ivenn die Arbeit für kürzere Zeit wie eine Woche unterbrochen wird und die Beiträge sortgezahit werden. Für alle Meldungen sind die vom Kassenvorstaudc vorgeschriebenen Vordrucke zu benutzen, die»nentgeltlich ausgehändigt werden. Befreiung von der Bersichcrungspslicht. Aus Antrag der Dienst- herrschaslen werden Dicustbolen von der Versicherungspflicht befreit, welche an ihren Arbeitgeber bei Erkrankung Rechtsanspruch aus eine Unterstlltzung habe», die den Leistungen der Kasse gleichwertig ist. Dabei ist Voraus- sctzung:_ 1. datz der Arbeitgeber die volle llnterstützung aus eigenen Mrtieln gewährt. 2. dast seine Leistungsfähigkeit sicher ist. 3. datz er den Antrag sür leine sämtliche Dienstboten stellt, soweit sie vertraglich zur rcgclmätzigen Arbeit für mindestens zwei Wochen vcr- pflichtet sind. Ueber den Aiitrag aus Befreiung entscheidet der Kassenvorstand Die Befreiung wirkt vom Tage des Eingangs an. Wird der Antrags ab- gelehnt, so entscheidet aus Beschwerde das ObcrversicherungSamt endgültig. Der Nachweis der Lcistungssähigkcit ist in der Regel durch Vorlegung des Stcuerzcttcis zu erbringen. Eine Befreiung gilt nur sür die Dauer des DiciistvertrageS und für den Dlenstboteli, sür den sie nachgesucht wird. Deuieutsprechend ist sie für jeden neu aufgenommenen Dienstboten besonders zu beantrage«. Der Beitritt z» dem in Berlin bestehende»„Abonnements- verein von Dienstderrschaftcn für kranke Dienstboten aus Gegen- seitigkcit» hat also nicht die Befreiung von der BersichernngS- Pflicht bei der Allgemeinen OrtSkrankcnkasse der Stadt Berlin zur Folge, vielmehr hat die Allgemeine Ortörrankettkaffe der Stadt Berlin dessennngeachtet das Recht, die Leistungsfähigkeit des Antragstellers nachzuprüfen, und die Dienstherrschaft hat tn allen Fällen für jede» angenommenen Dienstboten einen Bcfreiungs» nntrag bei der Kasse zu stelle». Den Tieustboten dürfen keinerlei Beitragsteile für den AboiincmentSverein iu Abzug gebracht werden, vielmehr hat die Dienstherrschaft den Jahresbeitrag an diesen Verein im Betrage von 36 M. allein zu tragen. Während die Mitglicdschast bei dein Abomi-menis- verein nnr jährlich gekündigt werden dars und die Beiträge an diesen Verein auch dann zu leisten sind, wenn vorübergehend ein Dienstbote mcht gehalten wird, werden von der Allgemeinen OrtSkrankentaise der Stadt Berlin Beiträge nur biö zum Tage der vorschriftSmäftig erfolgten Abmeldung des Dienstboten erhoben. Den Diciistherrschasten werden Legitimattonsscheine ausgehändigt, welche im Erkrankuiigssalle eines Dienstboten mit dem S/amen desselben auSzusülle», von der Dienstherrschaft zu unterzeichnen sind und dann zur Inanspruchnahme der Hilsc eines im AerztevcrzeichniS aufgefiihrtcn Arztes berechtigen." 261/13» Jeder Arbeitgeber erhält auf Antrag unentgeltlich je ei» Exemplar der Satzung, des Ttrastcuperzeichnisseö, sowie ein Merzte- und LiefcrontcnverzeichuiS. Aljgrmtink Ortskravkenkassc der Atadt Serlin. Bekanntmachung. Zur Beruhigung der Bevölkerung des Kreises Nicdcrbarnlm testen wir mit, datz, wenn am 1. Januar 1914 zwischen der Allgemeinen OrtSkranken- kaffe des Kreises Niedcrbarnim und den eingesessenen Aerzten der Vertrags- lose Zustand eintritt, die Mitglieder der kassenärzllichen Vereinigung im Kreise Niedcrbarnim verpflichtet sind, alle Mitglieder der Allgemeinen Orts- krankenkasse zu den ortsüblichen Sätzen der Privatpraxis zu behandeln und Krankheitsbescheinigungcn auszustellen. Es ändert sich nicht die ärztliche Tätigkeit, sondern nur die Art der Honorierung. Die Krankenknssc ist gesetzlich verpsllchtet, den Kranken einen Ersatz zu leisten. Unser Kamps richtet sich nicht gegen das Publikum, sondern gegen die Kaffenverwaltung. 296/8» Kasstnäytliche Nertimptg im Kreise Niederbarmm. Mohrenstöfs Kolonnsdan. QrfranKfurterMrTQ Trauer- jazin Kleiäer.hütBäc Äußerste Preise-ac . farbige KonfeKnon in grö(Mem Moßarabe jfllic zul Westmann BaerSofui Kleider- Werke Berlin. Oegr. 1891. Chauwee«traße 29-— 30, 11. Brüokenstraßt 11, Gr. Frankfurter(Sir. 20. Sohönebern. Haupistr. 10. | atentanwalt Prillwitz'Kftl sü: Die Dresdner Banfe empfiehlt durch Inserat im heutigen Anzeigenteil dem PriTatpublikrim ihre zahlreichen über Boriin und Vororte verbreiteten Weohsehrtmben und Depositenteesea, Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 30 Pfg.(zulässig 2tettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 p»g,; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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