ontagsmlsgave( s Pfennig) Kr. 84ä. H bonnemcnts-Bf dingu ngcn: Abonnements- PreiZ präiunnerando: Bieiteljährl. 3,39 SRI., mcnotl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus, Einzelne Nummer S Pfg. SonNtagS- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- AbonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Prelslisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2.50 Mark, für das übrige Ausland i Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, lluremburg, Portugal. Slumänien, Schweden und die Schweiz.. ertchClDt ISglich. 30. Jahrg. vie Iniertionz-eedllhs beirägl sür die scchsgcspallenc Kolonel» geile oder deren Raum 00 Psg., für politische und acwcrkschastlichc Pcrcuu� und Bcrsamlnlnungs-Anzeigen SO Psg. ..Uleinc Znoeisen", das settgedruclte Wort 20 Psg.(zulässig 2 icttgedruclie Worte), jedes wntcre Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen»!,. zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort ö Psg. Worte über lö Buch stabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächst- Nummer müssen bis E> Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegranint- Adresse: „Soziälileindkrat RerliB*. Zentralorgan der rozialdemohrati leben parte» Deutfchlands. Rcdahtton; SQL 68, Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Moripplan.?tr.»»83. Montag, den 29. Dezember 1913. Expedition: SM. 68, Lindenftraße 69. afernivrechcr: Amt Moritiplalt, Nr.»»8». 8er politische Leutnant. Als der verflossene Reichskanzler sein Blockexpernnent begann und die„Paarung" der liberalen und konservativen Ideen predigte, da verkündete der Leipziger Historiker Pro- fessor L a m p r e ch t, der für Bülow schwärinte, wie er von Bethmann begeistert ist, das; nun die Politisierung des deut- schen Bürgertums einsetze. Wir wollen uns mit dem gelehrten Freunde und Bewunderer zweier Reichskanzler nicht darüber auseinandersetzen, inwieweit seine Prophe- zeiung in Erfüllung gegangen ist. aber man könnte beinahe zu der Berinutung gelangen, daß der Prozeß schon zu einem gewissen Abschlüsse gelangt sei, wenn mail vernimmt, wie die Politisierung neuerdings auf einen Stand ausgedehnt werden soll, den von einer ernsthaften Beschäftigung mit öffentlichen Angelegenheiten fernzuhalten bisher als eines der wichtigsten Erfordernisse der Sicherheit und Ruhe des Staates galt. In„Tanzers Armeezeitung" und in der „Kreuzzeitung" fordert nämlich ein Major Graf W r a n g e l nicht mehr und nicht weniger als die p 0 l i- t i s ch'e Schulung des Offiziers und bricht so— scheinbar wenigstens— mit einer grade in seinen Kreisen heilig gehaltenen Tradition des preußischen und deutschen Staates. Von nieinandem ist die Slotwendigkeil der politischen Abstinenz der Armee nachdrücklicher betont worden als von den deutschen Konservativen, deren Führer ja selbst fast durch- weg als ehemalige Offiziere zu dem Militär in der nnmittel- barsten Beziehung stehen, und kein Heer der Welt steht äußer- lich betrachtet der Politik tatsächlich auch ferner als das deutsche. Es ist das stets als sein besonderer Vorzug ge- priesen worden und besonders ließ man das deutsche Offizier- korps sich strahlend von dem französischen abheben, das durch seine Anteilnahme an den öffentlichen Ereignissen innerlich zerrissen und dadurch in seinem soldatischen Werte bedeutend herabgedrückt sei.... Und nun kommt der Major Graf Wrangel und verlangt die politische Ausklärung des jungen Leutnants durch ältere Kameraden und Vorgesetzte in Vorträgen, die sich unter anderem auch auf das Staatsrecht und auf das Strafgesetz erstrecken sollen! Heißt das nicht an den Grundfesten der herrlichen deutschen Armee und seines vor allen andern Herr- lichen Offizicrkorps rütteln? Die bange Frage ist auch einem anderen Mitarbeiter der „Kreuzzeitung" aufgetaucht, der„dem leidigen Ruf «nsererZeit nach mehr W i s s e n" kein Zugeständnis machen möchte und dem aktiven Offizier die schöne Zierde der politischen Ignoranz nicht rauben will. Aber je mehr dieser und der Befürworter der Politisierung miteinander streiten» um so mehr stellt sich heraus, daß ihre An- und Absichten im Grunde gar nicht so weit voneinander verschieden sind. Dem Aengstlichen hätte ja auch schon der Ort und Zeitpunkt der Wrangelschen Veröffentlichung sagen können, daß die Anre- gnng nichts enthält, wovor er sich zu fürchten brauchte. Daß gerade die„Krcnzzeitung" in den Tagen, die durch den Leut- nant V. Forstner und den Polizeipräsidenten v. Iagow ihr Ge- präge erhalten, ihre Spalten dem Wunsche nach einer politi- scheu Schulung des Offiziers öffnet, mußte doch alle Besorg- nisse zerstreuen, und außerdem macht der Graf Wrangel �doch zum Grund- und Eckstein seiner Ausführungen den Satz: „Der Offizier— auch der pensionierte— i st in erster Linie dazu berufen, den K a»n P f gegen den inneren Feind zu führe n", wobei er unter dem inneren Feind nicht so sehr bewaffnete Arbeiter- bataillone verstanden wissen will, als vielmehr alle Vertreter von antimonarchischen, autoritätsfcindlichen und zersetzenden Kundgebungen und Bestrebungen. Auch wenn er es im Verlauf der Diskussion nicht näher ausgeführt hätte, so wäre schon aus dieser Grundauffassnng zu erkennen gewesen, daß er die Gesinnung des politi- scheu Konservativismus für die einzige erachtet, die dem deutschen Offizier zusteht, oder wie er es ausdrückt, daß in dem zur Erfüllung seiner Aufgabe erforderlichen Sinne „Geist, Gesinnung und Pflichtauffassung des Offizierkorps sich nur auf konservativem Nährboden entwickeln" können. Was also'Graf Wrangel politische Schulung nennt, ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine parteipolitische Bcarbci- tung des jungen Offiziers im konservativen Sinne. Sein Ideal wäre ihm wohl, daß in den Kasinos der Herr von Oldenburg-Januschau über das Staätsrecht, der Freiherr v. Wangenheim über Volkswirtschaftslehre und �der Herr v. Jagow über Jurisprudenz Vorträge hielten. Sein Kritiker aber, dem der Ruf nach einer Erweiterung des Wissens so unangenehm in den Ohren klingt, kann sich doch höchstens an der hier gewählten Form stoßen. Sachlich wird er gegen die konservative Beeinflussung um so weniger ein- wenden wollen, als die Erfüllung der Wrangelschen Wünsche sa nur aus eine systematische Bestärkung des Geistes hinaus- liefe, der schon heute im deutschen Offizierkorps gehegt und gepflegt wird. Gewiß ist der Offizier unpolitisch, insofern als er keiner Partei als eingeschriebenes Mitglied angehört und sich in der Regel auch keinerlei Gedanken über staatsrechtliche, Volks. wirtsckjaftliche und sozialpolitische Einzelfragen macht. Aber sein ganzes Denken und seine ganze Auffassung vom Staat und den in ihm wirksamen Faktoren wird nach Lage der Dinge bewußt und unbewußt in die Richtung des jeder Anerkennung von Volksrechten feindlichen Konservativismus gedrängt. Wenn Graf Wrangel eine besondere politisch-konservative Erziehung für notwendig erklärt, so will er also nur einen bestehenden Zustand methodisch befestigen, und sein Verlangen beweist im übrigen nur zweierlei: erstens, wie sehr man sich im kon- servativen Lager bewußt ist, daß es jetzt aufs ganze geht, und zweitens, wie lächerlich es ist, von der deutschen Armee als einem Bolksheer zu reden. Seutichlsnäs pensionierte Armee. Der Pensionssonds des Deutschen Reiches beziffert sich im kommenden Etatsjahr 1914 auf die ungeheure Summe von 14 3'2 7 69 20 M. Das riesenhafte Anschloellen des Pensionsfonds ist eine Folge der Bestrebungen, die auf die Per- jüngung des Offizierkorps hinauslaufen. In wenigen Jahren wird das noch schlimmer, denn für die sehnsüchtig auf Be- förderung harrenden Offiziere nmK' Platz gemacht werden, neue Stellen in größerer Zahl lassen sich nicht schaffen— folglich setzt man die große Säge in Bewegung und schickt Männer, die mancher Proletarier um ihre robuste Gesundheit be- neiden könnte, einfach in Pension. Daß die abgesägten Offiziere etwa alle krank und deshalb dienstuntauglich sind, das behauptet die Militärverwaltung selber nicht, denn es werden auch solche Offiziere pcnsionic-t. die zur weiteren Beförderung ungeeignet erscheinen. Der Form halber bringen sie natürlich alle ein Krank- hcitszcngnis bei, denn rheumatische Veranlagung, angegriffene Nerven usw. wird jeder Stabsarzt mit Leichtigkeit konstatieren. In der Pensionopolis verschwinden diese Krankhcits- e r sch c i n u n g e n" natürlich sehr rasch/ aber wer einmal pensioniert ist, der bleibt. es auch. Ter Reichstag ist diesem u n- erhörten Treiben gegenüber machtlos, er kann keine Pensionen streichen, weil die Pension sich auf einen Rechtsanspruch gründet, die Pensionierung aber einen Akt der Kommandogewalt darstellt. Bei den nachfolgenden Zahlen ist zu beachten, daß sie sich nur auf Preußen, Württemberg und Sachsen beziehen, denn Bayern hat einen völlig s c l b st ä n d i g e n Heeres- und demnach auch Pensionsetat. Die genannten drei Staaten haben gegenwärtig an Pensionären: 3 4 kommandierende Generale, kostet 017 93ö M., 219 Generalleutnants, kostet 2 033 814 M.. 5 9 8 Generalmajore, kostet 5 507 832 M. 842 pensionierte Generale ist eine R c k 0 r d l e i st n n g, die uns kein anderer Staat der Welt nachmachen wird. Dazu kommen dann noch 800 Regimentskommandeure und nicht weniger als 238 2 Bataillonskommandeurc; Kosten- punkt: 17584233 M. Tic inaktiven Generale und Stabs- offiziere werden also dem deutschen Volte 1914 die Summe von 2 03438 14 M. kosten. Außerdem haben wir 3535 pensionierte Hauptleutc und Rittmeister mit 10 005 873 M. und 3180 Leutnants mit 3 100 943 M. Ten 10 7 4 5 Offizieren mit einer Pensions- summe von 39510030 M. stehen gegenüber 16 7 4 8 5 pensionierte Mannschaften vom Feldwebel abwärts mit einer Pensionssummc von 30 0 7 0 2 2 3 M. Tic Pensionen, die den wirklich kranken und in ihrer ErwerbSsähigkcii vielfach stark beschränkten Mannschaften gegeben werden, schützen oft lediglich davor, direkt verhungern zu müssen. Die Marine darf natürlich hinter dem Heere nicht zurück- bleiben. Das Avancement ist zwar bei der Marine besser als bei der Armee, aber auch hier wird unablässig an der Verjüngung gearbeitet. Die Marine zählte am 30. Juni 1013 bereits 27 p c n- sionierte Admirale und Vizeadmirale, Kosten: 403 919 M.; 26 Konteradmirale, Kosten: 247 501 M. Ferner 94 Kapitäne mit 686 239 M.. 118 Fregattenkapitäne mit 507 311 Mark, 128 KapitSnleutnants mit 403 504 M. und 78 L e n t- n a n t s mit 100 719 M. Pensionen. Getrennt hiervon werden jene Pensionäre geführt, die uns der Hunnenzng»ach China beschert hat. Es sind das 21 Generale(Divifions- und Brigadekominandeure), 11 Regt- ni c n t s k 0 in m a n d e u r e, 30 B a t a i l l 0 n S k 0 m ni a n d e u r c» 40 Hauptleutc und R i t t m e i ft c r und 05 L e u t n a n i s mit zusammen 849 863 M. Pension. Die große Anzahl der Generale erklärt sich daraus, daß diese Herren v.o r ihrer Pensionierung noch rasch in die höheren Stellen befördert worden sind. Zu diesen China-Pensionären stellt die Marine noch extra: 3 Adm i- ralc, 5 Konteradmirale, 11 Kapitäne, 10 Fregatten- kapitäne, 14 Kapitän leut na nts und 8 Leutnants. Kosten: 352 371 M. Dazu Armee und Marine zusammen: 3034 Mannschaften mit einer Pensionssumme von 1 237 590 M. Enorme Summen verschlingt auch die Versorgung der Hinterbliebenen; Leistungen, gegen die natürlich nichts ein- zuwenden ist. Von dem ganzen Pensionsctat in Höhe von 145 270 920 M. entfallen auf die Armee allein 97317248 M.» auf die Marine 12 125 290 M.» während die Zivilverwal. tung des Reiches nur 4 770 000 M. beansprucht. Eine, Verminderung dieser geradezu unerträglich werdenden Lasten ist nur zu erreichen, wenn in der Armee das System der Offizierspensionierungen eine R c. form an Haupt und Glieder» erfährt.' Es ist.geradezu ein Skandal, wenn höhe Ossiziere ihre Pension einstecken und dann hochbezahlte leitende Stellen in der Pribatindüstrie übernehmen können, die höhe Anforderungen an die geistige und körperliche Rüstigkeit stellen. Wie auf allen Gebieten, so schöpft auch mit dem ungeheuerlichen System der Pensionierungen der Militarismus aus dem Vollen, und es ist sehr angebracht, das Augenmerk der Oeffenilichlcit einmal auf das Wachsen der Pen- sionSlast zu lenken. vom pmißiichen Polizeigeiit. Eine Gruppe von Kölner Schutzleuten hat sich an die ,,R h e i n i s ch e Zeitung" in Köln mit den: Ersuchen gewendcr, die Dienstverhältnisse der Schutzmannschaft einer öffentlichen Kritik zu unterziehen. Unser Kölner Parteiblatt beginnt mit dieser Kritik, indem es Abschnitte aus den umfangreichen Dienst- anwcisungen derKölner Schutzleute abdruckt. Neben mancherlei vernünftigen Vorschriften befinden sich sovicle luchei- liche und kleinliche darunter, daß man den Schutzleuten die Un- znfricdeiihcit nachfühlen kann. Daneben spricht soviel an- m aßen der preußischer Polizeigeist aus dem Toku- ment, daß es der breitesten Ocsfcntlichkeit mitgeteilt zu werden ver- dient. Es heißt da:, Vor allem ist es die Aufgabe des Schutzmannes, ein treuer Hüter der Gesetze zu sein und dem Geiste der Zucht und Ordnung Geltung zu verschaffen.... Gegen das Publikum soll er sich stets besonnen, wohl- wollend, höflich und, soweit es die Erfüllung der ihm aus- erlegten Dienstpflichten zuläßt, zuvorkommend benehmen und sich unbedingt jedes schroffen Kommandotones enthalten. Hier» durch wird er sich die Achtung und das Vertrauen der ordnnngs- liebenden Bevölkerung erwerben und sichern. Es folgen dann langatmige Vorschriften über Ehrenbezeu- gmigcn, die in dem interessanten Satze gipfeln: Bei Absperrungen anläßlich der Anwesenheit Ihrer .Majestäten u n d anderer F ü r st l i ch k c i t e n werden Ehrenbezeugungen(Honneurs) in keinem Falle erwiesen, weil alsdann die aufmerksamste Beobachtung des Publikums und die Beseitigung etwaiger Verkehrshindernisse die Hauptaufgabe der Sichcrhcitsbcamten bilden. Tie äußere Erscheinung des Vertreters von„Zucht� und Ordnung" wird bis auf die Schnurrbarthaarc geregelt: Das Kopfhaar muß nach militärischer Art hinten und an den Seiten des Kopfes kurz geschnitten sein. Das Tragen eines Kncbelbartes ist verboten. Die Sorgen des Kölner Polizeipräsidcnien erstrecken sich aber aus noch viel wichtigere Tinge: Der Paletot erster und zweiter Garnitur wird den Schutz- männern 0 b n e S c i t c n t a s ch e geliefert. Es ist verboten. in diesen solche nachträglich anbringen zu lassen. Nur in den Mänteln dritter Garnitur ist es gestattet, Taschen anzubringen. Wann der Helm und wann die Mütze zu tragen ist, wann der eine abzunehmen und die andere auf dein Kopfe zu behalten in, hat die Behörde alles weislich geordnet. Schließlich bestimmt sie: Bei Trauungen und sonstigen feierlichen Gelegenheiten, z. B. bei Teilnahme an Festlichkeiten der Kriegervereinc, haben die Schutzmänner stets Uniform zu tragen. Nach diesen Kaserncnschcrzen kommt eine Bestimmung, die ernsthaften Widerspruch hervorrufen mutz: Es wird gewünscht, daß der Schutzmann sich Per- einen als Rl i i g l i c d überhaupt nicht anschließt; der Beitritt zu einem politischen Vereine ist ihm untersagt, ebenso ist es ipni nicht gestattet, freiwillig politischen Versammlungen beizuwohnen. Das ist ein ganz ungesetzlicher Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte der Schutzleute. Man wird d e n P 0 l i z e i m i n i st e r interpellieren müssen,>vic er diesen Terro- r i s m u s rechtfertigen will. Ein großer Teil der Dienstvorschriften beschäftigt sich mit dem Verhalten gegen A>i> l i t ä r p e r s 0 n e n, denen ein Ausnahmerechr eingeräumt wird. Das geht soweit, daß der Rock des Königs sogar eine öffentliche Dirne vor dem rauhen Zugreifen, einer Schutzmannssaust schützt. In den„Tie n st a n>v e i s u n g e n für Beamte der Sittenpolizei" findet man nämlich diesen lustigen Satz: Die Beamten haben bei der Erfüllung der sittenpolizeilichen Ausgaben jedes Aufsehen zu vermeiden, den Frauenspersonen mit Ruhe und Gemessenheit zu begegnen, sich insbesondere jedes schroffen Verhaltens und aller unangemessenen Bemerkungen zu enthalten. Sie müssen sich Takt und einen sicheren Blick an- zueignen suchen, um bei ihrem Einschreiten keinen Mißgriff zu tun. Ein sofortiges Einschreiten hat zu unter- bleiben, wenn eine Frauensperson in Begleitung eines in Uniform befindlichen Offiziers betroffen wird und es sich bei der Verfolgung derselben lediglich um Sitten- polizeikontraventionen oder sonstige lieber» tretungen handelt. Für bie sonstige Behandlung von M i l i t ä r p e r s o n e n stnd besondere, sehr vorsichtig gehaltene Bestimmungen erlassen. Man liest da: Die Polizeibeamten sollen sich des direkten Einschreitens gegen Militärpersonen in Uniform grundsätzlich soviel als möglich enthalten. Geht es absolut nicht ohne polizeiliches Einschreiten ab, so sind die Militärpersonen im Gegensatze zum Zivil mit Glarehand- schuhen anzufassen: Sind diese Beamten genötigt, gegen eine Militärperson in Uniform direkt einzuschreiten oder gar ihre Arretierung vorzu- nehmen, so muh dies aus möglich st schonende Weise geschehen, und dieselben machen sich st r a f b a r, wenn sie die dem Militär stände zukommenden Rücksichten vernachlässigen, wenn sie beleidigende Worte dabei ge- brauchen, sich in ihrer Stellung überheben oder gar zu Tätlich- leiten sich hinreißen lassen. Gilt diese schonende Behandlung schon den Miliiärpersonen der unteren Grade, so kommen für die Offiziere noch andere Gesichtspunkte in Betracht: Der Offizier ist dadurch, daß erdieOffiziersuniform der Armee Seiner Majestät des Königs trägt, als Offizier legitimiert, bedarf der Polizei gegen- über keiner anderen Legitimation und darf und muß demgemäß(er mag zu den aktiven oder nichtaktiven Lffi- zieren gehören) im Interesse seines Standes besondere Rücksichten in Anspruch nehmen. Sein Stand legt ihm dagegen auch die Verpflichtung auf, den Befehlen seiner Vorgesetzten mit Pünktlichkeit nachzukommen, daher sich nicht erwarten läßt, daß ein Offizier gegen polizeiliche, ihm bekannt gewordene Anordnungen fehlen wird. Sollte dies demungeachtet geschehen, so geht die Befugnis der Polizeibeamten n u r d a h i n, den Offizier ruhig und in angemessenen Worten darauf aufmerksam zu machen, daß er gegen eine solche polizeiliche Anordnung gefehlt habe. Es ist anzunehmen, daß der Offizier einer solchen Aufsor- derung sofort Folge geben wird; sollte er eS wider Erwarten nicht tun, so haben die Polizeibeamten sogleich Meldung von dem Vor- falle zu machen. Weiter gehen ihre Befugnisse hier nicht, da es dem alkgemeinen Interesse mehr entspricht, das; eine polizeiliche Ilebertretung augenblicklich ungcrügt bleibt und erst später eine ernste Rüge zur Folge hat, als daß ein Konflikt zwischen Offizieren und Polizei- beamten herbeigeführt wird. Das heißt also klipp und klar: lieber einen Offizier laufen lassen, als durch das Einschreiten die Uniform Seiner Majestät zu kompromittieren. Gegen einen Offizier darf laut den Kölner Dienstvorschriften die Polizei überhaupt nur dann ein- schreiten, wenn„er ein Verbrechen begeht und(!) zur Aufrecht- erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit Gefahr im Ver- zuge ist". Auch in diesem äußersten Falle hat der Schutzmann nur das„Recht", keinesfalls aber die Pflicht, einzu- schreiten. Es wird ihm in den Vorschriften immer wieder ein- geschärft, welche ungeheure Verantwortung der Polizeibcamte auf sich lädt, der einen Offizier in die Schranken des Gesetzes weist: Diese Verantwortlichkeit, welche die Polizeibeamten bei einem solchen Einschreiten gegen einen Offizier auf sich nehmen, ist aber um so größer, da sich in vielen Fällen die Identität der Person ohne weiteres Aufsehen wird feststellen lassen und dem Gesetze hinterher vollständige Genüge geschehen kann. Die Polizeibcamten haben genau zu erwägen, daß es sich bei der Arretierung eines Offiziers nicht um Personen allein, sondern auch um die Kompromittierung der Offi- ziersuniform der Armee Seiner Majestät des Königs handelt und daß nur ganz außergewöhnliche Umstände eine solche Arretierung rechtfertigen und sie der Ver- antwortlichkeit für ihr Verfahren entheben können. Wohlverstanden: Diese Bestimmung handelt von Verbrechern in Offiziersuniform, denn bei gewöhnlichen Vergehen darf der Schutzmann überhaupt gegen einen Offizier nicht einschreiten. ES ist sicher, daß solche Schutzmannsanweisungen für ganz Preußen Geltung haben. Um so notwendiger, daß die Oeffentlichkeit die Einzelheiten solch borussischer Kulturdokumente näher kennen lernt. pol'tilcke Geberficbr* Die Schüsse von Zaber». Die durch das Wolffsche Bureau verbreitete amtliche Darstellung der Zaberner Schießaffäre, nach der die Annahme eines Anschlages aus den Posten ausgeschlossen ist, er- regt den Unwillen der reaktionären Presse. Am wütendsten ist darüber die„Post". Dieses Scharfmacherblatt schreibt: „Eine grellere Beleuchtung hätte die Lage im Elsaß nicht erfahren können als durch dieses Vorkommnis. Zwar ist es uns nichts Neues mehr, daß unsere Soldaten dort unten aus der Straße ihres Lebens nicht sicher sind; aber daß sie selbst im inneren Hofe der eigenen Kaserne damit rechnen müssen, von einer Kugel meuchlings getroffen zu werden, ist eine Erfahrung, die man erst am zweiten Weihnachtsfeiertage des Jahres 1913 gemacht hat. Wer jetzt noch bestreitet, daß unsere Regimenter an der Westgrenze des Reiches sich..fast wie in Feindesland" fühlen und ein Recht zu solchen Empfindungen haben, der will sich durch die Ereignisse nicht belehren lassen." Das„Berliner Tageblatt" läßt sich aus Zabcrn melden, daß dort der Verdacht besteht, daß es sich bei den Schüssen um bestellte Arbeit gehandelt habe. Ins- besondere werde die Frage erörtert, warum der Gefreite, wenn der Täter noch in Sehweite war, nicht sofort eine Verfolgung eingeleitet habe. Trotz eifrigen Suchens sind die Kugeln bisher nicht gefunden worden. Auch in Straßburg legt man der ganzen Sache keinerlei Bedeutung bei; man ist davon überzeugt, daß es sich ini höchsten Falle um einen törichten Streich handeln könne. Wenn es nach den Wünschen der scharfmacherischen Presse ginge, dann müßten aus dem Vorkommnis in Zabern die allerschärfften Konsequenzen gezogen werden. General von Deimling klagt. General v. Deimling hat gegen verschiedene Blätter Straf- antrag gestellt, weil sie die Aeußerung verbreitet haben, die L e u t- nant v. Forstner über die französische Fahne ge- macht hat. Daß diese Aeußerung so gefallen ist, daS haben die Zeugen in dem Prozeß gegen den Leutnant v. Forstner vor dem Straßburger Kriegsgericht ausdrücklich bestätigt. Die sämtlichen Rekruten sind in einem anderen Verfahren vernommen worden. Ein Teil wußte nichts mehr, ein Teil gab an, daß der Leutnant die französische Fahne nicht gemeint habe, der andere Teil bestätigte, daß die französische Fahne beschimpft worden sei. In dem Prozeß gegen die verklagten Blätter wird der Leutnant in eigener Sache als Zeuge auftreten, und es kommt dann ganz darauf an, ob das Gericht ihm oder den persönlich an der Sache nicht interessierten Soldaten mehr Glauben schenkt. Kriegervereine gegen die Reichstagsmehrheit. Während der Weihnachtstage haben die Konservativen eine Menge von Kriegervereinsversammlungen veranlaßt, in denen der Reichstagsmehrheit das schärfste Mißtrauen ausgesprochen wurde, weil dem Reichskanzler ein Mißtrauensvotum aus- g e st e l l t w o r d c n i st. Gleichzeitig wurde dem Kriegs- m i n i st e r das vollste Vertrauen der Krieger zum Ausdruck gebracht. Die meisten dieser Kundgebungen fanden in Orten statt, die auf der Landkarte nicht verzeichnet stehen, man muß schon das Ortslexikon zur Hand nehmen, um sich über sie zu informieren. In den meisten Fällen war es offenbar so, daß der eingesessene Junker seinen Krieger- verein zusammentrommelte, die Mitglieder zunächst durch eine Alkoholspende in die erforderliche Stimmung brachte, dann eine patriotische Rede herunterschnarrte, und die Entrüstungs- komödie war fertig. Diese-Aktion der Kriegervereine richtet sich nicht bloß gegen die Sozialdemokratie, sondern auch gegen die Fort- schrittler, die Nationalliberalen und das Zentrum. Will man angesichts dieser Tatsache noch immer behaupten, daß die Kriegervcreine keine Politik treiben? Ein Witzblattfeind. Der Rittergutsbesitzer und Redner des Bundes der Landwirte, F. v. Bodelschwingh, verlangt nach der„Deutschen Tages- zeitung" in einer Eingabe an den preußischen Minister deS ' Innern ein Verbot an die Bahnhofsbuchhandlungen, die„Lustigen Blätter" und ähnliche„sogenannte" Witzblätter zu verkaufen. Der Junker macht seinem bekümmerten Herzen dann noch folgendermaßen Luft: „Die jüdisch-demokratische Minierarbeit soll gewiß nicht lediglich mit Polizeiverboten bekämpft werden; es bedarf der Gegenwirkung seitens aller staatserhaltcnden Elemente, einer Arbeit, an der ich seit vielen Jahren redlich teilgenommen habe. Aber wenn der zersetzenden Tätigkeit einer gewissenlosen Presse staatlicherseits nicht engere Schranken gezogen werden als bisher, so erscheint der Erfolg der aufbauenden Tätigkeit immer mehr in Frage gestellt und die Demokratie entwickelt sich zu einer akuten Gefahr für die Monarchie." Die Junker sind stets eifrige, wenn auch unfreiwillige Mit- arbeiter der Witzblätter gewesen. Herr v. Bodelschwingh kann aber für sein Geistesprodukt ein Extrahonorar von den Witzblättern beanspruchen. Leute seiner Art lassen in den Redaktionen keinen Stoffmangel aufkommen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß Herr v. Bodelschwingh auch das—„Berliner Tageblatt" vom Bahnhofsbuchhandel ausgeschlossen wissen will. Die Mirnftcrhrife in Serbien. Belgrad, 27. Dezember. Ministerpräsident Paschitsch erstattete vormittags dem König Bericht über den Verlauf der gestrigen Sitzung der Skupschtina und unterbreitete hierbei die Demission des gesamten Kabinetts. Der König nahm jedoch die Demission nicht an, versicherte vielmehr den Ministerpräsidenten seines vollen Vertrauens. Belgrad, 28. Dezember. Den ganzen Tag über hielt die Altradikale Partei, der auch die Mitglieder der gegen- wärtigen Regierung angehören, Sitzungen ab, in denen die Frage erörtert wurde, ob das Ministerium Paschitsch auf seine dem König überreichte Demission beharren oder die Geschäfte vorläufig weiter- führen soll. Es wurde mit Rücksicht darauf, daß die Altradikale Partei die Majorität in der Skupschtina besitzt, beschlossen, dem Wunsche des Königs nach Verbleiben des Kabinetts im Amte zu entsprechen. Die Jungradikale Partei und die Dissidenten hielten heute eine gemeinsame Sitzung ab, in der beschlossen wurde, im Hinblick auf das verfassungswidrige Verhalten des Ministeriums Paschitsch den Kampf gegen das gegenwärtige Kabinett mit den schärssten parlamentarischen Mitteln zu beginnen. Sollte sich diese Maßregel als wirkungslos evweisen, so wird die gesamte Opposition den Sitzungen der Skupschtina fernbleiben, um die Ver» antwortlichkeit der Ereignisse der Majorität allein zu überlassen. Belgrad, 28. Dezember. Nach einer langen Sitzung des Ministerrates erklärte der Minister für öffentliche Arbeiten, Jankowitsch, daß die Regierung beschlossen habe, angesichts des Beschlusses des Kongresses der altradikalen Partei vorläufig im Amte zu verbleiben. ?Ziis Groß-ßerUn. Weihnachtsfeiern für die arbettendc Jugend und dere» Eltern fanden gestern in Berlin statt. Der Besuch war noch impo» sanier als sonst bei ähnlichen Feiern, ein schönes Zeichen. welchen reegn Interesses sich die festlichen Veranstaltungen für unsere Jugend erfreuen. Steht doch in erster Reihe daS Bestreben, der heranwachsenden, wißbegierigen Arbeiter- Alocdenfilm. i i. Dieweil des Menschen Fiirrecht Lache» ist» Rabelais. Ragows Craum. Es war reichlich spät, als er in sein elegant eingerichtetes Junggescllenheim zurückkehrte. Zur Erholung von den Anstren- gungen, die die Leitung des polizeilichen Feiertagsdienstes in einer Riesenstadt mit sich brachte, hatte er am Abend das Theater Folies caprice besucht. Im Halbdunkel seiner Loge hatte er sich bei den drollig-schlüpfrigen Sächelchen, die unten auf der Bühne serviett wurden, Vortvefflich amüsiert. Danach war er noch auf ein paar Stunden in seinen Klub gegangen. Der Freundeskreis war dort nicht allzu groß. Sehr wider Willen hatte mancher der Getreuen der weihnachtlichen Familiensimpelei ein Opfer bringen und an irgendeiner„traulichen" Feier unter dem brennenden Weihnachtsbaum teilnehmen müssen. So waren denn im Klub nur einige eingefleischte Junggesellen und Einspänner vertreten gewesen: Einige Herren von der Gardekavallerie und vom 1. Garde- regiment zu Fuß sowie einige ehemalige Bonner Borussen, die zurzeit in der Diplomatie oder in verschiedenen höheren Regie- rungsämtern untergekrochen waren. Alle natürlich vom reinsten Blaublut und konservativ bis auf die Knochen. Man hatte ihn zu seinem Artikel in der„Kreuzzeitung" über die Zaberner Ge- schichte beglückwünscht. Viel Worte hatte man dabei nicht gemacht. Denn was er da unter der Firma Dr. jur. ausgeplaudert hatte. entsprach so vollständig den Gedankengängen der feudalen Klub- genossen, daß ihnen lange Erörterungen darüber nicht in den Sinn kamen. Was die demokratischen Zeitungsfatzken darüber schrieben, las man nicht, das konnte ihnen Hundewurscht sein. Er selbst hatte im dienstlichen und gesellschaftlichen Feiertagstrubel die Zeitungen noch nicht durchlesen können, so daß das Thema Zabern ohne weitere Variationen bald erledigt war. So war man denn bald wieder bei dem allgewohnten Unterhaltungsstoff: Pferde- und Turfgeschichten. Gesellschaftsklatsch, Hofintimitäten und der- gleichen angelangt. Aber die Herren waren alle nicht in sonder- licher Stimmung. Auch die sonst so beliebten Witze über den „Langen"(alias Bethmann-Hollweg, des Deutschen Reiches Knnz- ler) sielen ziemlich matt aus. So hatte er sich denn auch bald verabschiedet und war wieder daheim. Zum Schlafen war eS ihm noch zu früh„ aber er konnte ja noch eine Stunde lang die ver- säumte Zeitungslektüre nachholen. Der Diener hatte ihn in Pantoffeln und bequeme Haus- pckesche geholfen, hatte Likörservice und Rauchtisch in Reichnähe geschoben, die elektrische Leselampe zurechtgerückt und einen Stoß Zeitungen auf das Tischchen vor dem Klubsessel aufgebaut. Dann *) Anmerkung der Redaktion. Nach einer stürmischen Redak- tionSkonferenz beschloß die Mehrheit der Redaktion, das in der vorigen Nunimern entfernte Motto trotz Deimling und Jagow wieder cm seine alte Stelle zu setzen, da es sich nur um eine Privatmeinung des alten Rabelais handelt. war er geräuschlos verschwunden und hatte seinen Herrn allein in dem behaglich durchwärmten Zimmer zurückgelassen. Der hatte sich in aller Seelenruhe einen Kognak Hennessy einverleibt, eine lange Importe angezündet und dann zu den Zeitungen gegriffen. Zuerst kam die„Norddeutsche Allgemeine." Aha, die hatte also auch zu seinem„Fall" Stellung nehmen müssen. Ein spöttisches Lächeln glitt über sein Gesicht mit dem napeleonischen Schnitt, auf den er so stolz war.„Na Kinder, reißt Euch kein Bein aus," murmelte er vor sich hin.„Das mit der„Entscheidung des Staats- Ministeriums" und der„Korrektur" wird sich schon halten lassen, sintemalen mein Chef Dallwitz ein Herz und eine Seele mit mir ist. Und der„Lange" muß tanzen, wie wir pfeifen. Und weiter oben, da kann mir erst recht keiner... Die brave„Norddeutsche" mußt« halt den liberalen Kläffern einen Knochen vorwerfen." Die„Norddeutsche" flattert neben dem Klubsessel zur Erde. Er greift der Reihe nach zur„Kölnischen Zeitung", zur Tante Voß, zum B. T., zur Frankfurter und durchblättert sie. Beim Lesen der Notizen, die sich mit ihm befaßten, glitt das höhnische Lächeln des großen Menschenverächters über seine Züge.«Hui, was die Kerls auf dem Papier für Courage haben. Mangel an staatlicher Gesinnung und Disziplin werfen sie mir vor. Na wartet, ich will euch schon zeigen, was Disziplin ist. Ich warne euch Jammer- seelenl Dabei ist das Gesindel im Stillen heilfroh, daß wir sie regieren und daß sie unter unserer preußischen Zucht und Ord- nung ihre Geschäfte machen können. Bei all ihrem demokratischen Schnickschnack haben sie doch einen Heidenschiß vor den Arbeitern und sind uns dankbar, daß wir die unter der Fuchtel halten. Und wie knicken sie zusammen, wenn man mit ihnen freundlich tut oder wenn man mal einen Gnadenstrahl von oben zu ihnen durch- brechen läßt.— Bagage!" Das liberale Blatt, das er in der Hand hielt, rauschte zer- knüllt zu Boden. Der Ekel, der ihn befallen hatte, mutzte mit einem Kognak weggespült werden. Dann griff er zum„Vorwärts". Mit zusammengekniffenen Lippen blätterte er die Seiten um. Seine Gedanken nahmen auf einmal eine dienstliche Richtung. „Donnerwetter, am 8. Januar ist Landtagseröffnung, da heißt's gegen etwaige Demonstrationen mobil machen." Doch zum Aus- denken strategischer Pläne war er schon zu müde. Gähnend mur- melte er vor sich hin:„Dazu ist noch Zeit." Seine Augen fielen wieder auf das Zeitungsblatt.„Halt, was ist das?" Eine Ge- werkschast der Polizisten?! Ach so, in London. Interessiert las er den Artikel. Das war ja reizend! Eine Protestversammlung von 1000 Schutzleuten mit aufreizenden Reden und roten Plakaten. Gründung einer Schutzmannsgewerkschaft und Streikdrohung. Und das ausgerechnet in dem Lande, dessen Policeman ihm die liberalen Schmieranten immer als Muster gepriesen hatten. Mit einem Gefühl auffichtiger Schadenfreude ließ er das Zeitungsblatt sinken. „Na, so was sollten meine Blauen mal riskieren. Denen habe ich erst vor ein paar Tagen die Marotten von wegen einer Vereins- gründung gründlich ausgetrieben. Solche Zicken gibt's in meinem Korps nicht." Er lehnte sich in den weichen Klubsessel zurück und übersah mit stolzer Genugtuung alle Befehle und Erlasse, mit denen er im Laufe seiner Amtszeit den Blauen und dem Publikum DiS» ziplin und Botmäßigkeit beigebracht hatte.„Mag die Bande ü* stillen räsouicren, parieren müssen sie ja doch alle." Das Gefühl seiner Macht löste ein unendliches Behagen in ihm aus. Er dehnte sich in den molligen Polstern und blickte wunschlos und zufrieden vor sich hin. Allmählich verwischten sich in ihm di» Grenzen zwischen Bewußtsein und Schlaf. Er war eingeschlummert und träumte.-- Er war im Abgeordnetenhaus, das soeben zu seiner neue» Tagung zusammengetreten war. Am Abend vorher hatte er seine Absperrungsbefehle gegeben. Arbeiterdemonstrationen waren danach ganz ausgeschlossen. Der ganze Straßenkomplex vom Schloß bis zum Landtagsgebäude war dank seiner genialen Strategie von seinen Blauen so zerniert, daß kein Mäuschen ohne seinen Willen hindurch konnte. Er wollte im Landtage seinem verehrten Chef und Gönner Dallwitz Meldung machen und dann eine Rundfahrt um die Absperrungskette machen. Doch was dringt auf einmal in die stillen Räume des Landtagsgebüudes? Das Summen von unzähligen Menschenstimmcn und Gesang! Er eilt an ein Fenster. „Das freie Wahlrecht ist das Zeichen", tönt es ihm aus tausend Kehlen in die Ohren. Die ganze Prinz-Albrecht-Strahe ist schwarz von Menschen, aus der Mlhelm- und Königgrätzer Straße strömen immer neue Massen nach! Atemlos kommt die ihn begleitende Ordonnanz, die er an das Telephon geschickt hatte, gelaufen:..Mel» dung vom Polizeipräsidium: Der ganze Schloßplatz und die b«. nachbarten Straßen und Plätze sind von Demonstranten über. flutet."— Ja, geht denn die Welt unter? Wo sind denn die Schutz. leute? Unter die Massen unten kommt Bewegung, sie stauen sich rechts und links. Da, endlich blinken Helme aus der dunklen Mcn» schenflut heraus. Kompagnienweise rücken die Schutzleute an. Doch was ist das? Sie bilden nicht Kette und drängen die Temon- stranten nicht zurück? Sie marschieren geschlossen durch die Menge. die ihnen Platz macht und stellen sich ruhig vor dem Landtags. gebäude auf?„Blankziehen! Zum Donnerwetter blankziebenl" schreit er aus Leibeskräften hinunter. Aber� nicht eine Pl-mp« fliegt aus der Scheide. Dafür steigt ein großes Plakat über den Schutzmannsreihen empor:„Fürchtet nichts— die Polizeigewerk« schaft" steht in roten Lettern darauf. Er steht erst eine Weile starr, dann fuchtelt er wild mit den Armen... Pardauz, klirr! Der Rauchtisch und das Likörservice fliegen zu Boden. Flaschen und Gläser liegen in Scherben. Er springt aus dem Klubsessel und reibt sich noch fassungS» los die Augen.„Also nur ein Traum", seufzt er er. leichtert.„Dieser verfluchte Zeitungsartikel!" Um sich zu be. ruhigen, tritt er an das Fenster und lüftet den Vorhang. Drüben auf der anderen Straßenseite patrouillieren die beiden Schutz. mannsposten, die ständig vor seinem Hause aufgestellt sind, auf und ab. Das gelbe Browningkoppel leuchtet im Laternenscheiu zu ihm herauf. Sie haben das Licht in seinem Zimmer schon lange be- merkt und markieren besondere Strammhcit. Erleichtert läßt er den Vorhang sinken. Er weiß, daß denen da unten und deren Kameraden das geistige Rückgrat in Kaserne und Wachstube ge- brachen worden ist. Emst. jugend aus Dichtung und Aiusik leicht Faßliches, fest im jungen Gemüt Haftendes zu bieten, die Jugend frühzeitig einzuführen in Bildungsgebiete, die ihr bisher so gut wie verschlossen waren, ihr nachträglich erreichbar zu machen, was die einseitige, rückständige Volksschullehre versäumt hat. So waren unter deni frischen Eindruck der Weihnachtszeit Tausende herbeigeströmt, hatten sich wie eine große Familie um die mächtigen lichtfunkelnden Tannenbäume geschart. Von den Weihnachtstannen, zum baldigen Sterben verurteilt. drang das erweckende Licht in die Herzen der lebensprühenden Jugend, das Licht desselben Geistes, von dem die stolz auf ihren Nachwuchs blickenden Eltern erfüllt waren. Bei der Feier im Gewerkschaftshause bestritt das reichhaltige Programm mit Gesang und Rezitation das Ehepaar Kühne. Tie vielfach mit Beziehung auf das Weih. nachtsfest gewählten, ernsten und heiteren Lieder zur Laute und vier Duette fanden den stürmischen Beifall, wie er in so spontaner Begeisterung dem Künstler eben nur von der leicht empfänglichen Jugend gezollt wird. In den P h a r u s- s ä l e n waren die echt künstlerischen Vorträge auch Haupt- sächlich der Frau Musika geweiht. Das Berliner Streich- quartett(Frau Gertrud Steiner-Rothstein, Herr David Haist, Herr Kurt Liepmann, Herr Fritz Becker) holte sich nach jeder Piece neuen, tausendfachen Applaus. Atemlos lauschte die Menge dem klangvollen Bariton des Herrn Lietzmann. Herr H. Fuhrmann rezitierte aus älteren und neueren Dich- tungen. Aus der Festrede in den Pharussälen. die auch die historische EntWickelung des Weihnachtsfestes streifte, klang die Befriedigung, daß der alte unerfüllbare Weihnachtstraum immer mehr zerstiebe, und die Hoffnung, daß auf neuem Geiste, mit dem Geiste der Jugend, sich bald eine neue Welt aufbauen werde, die das christliche Märchen von der Nächsten- liebe endlich zur beglückenden Tat werden lasse. In diesem Sinne waren die schönen Feiern— es fanden vier statt—, was sie sein sollten: Ein Fest, arbeitender Jugend wert. Die ihre bildenden Lehrer ehrt. Kündigungstermine. Bei Kündigungsfristen von 3Monaten3Tagenist in diesem Jahre nicht der 28. Dezember, sondern der 29. d. M. der letzte Kllndigungstag, da in Fällen, in denen der letzte Tag einer Frist ein Sonntag oder gesetzlicher Feiertag ist, erst mit dem nächstfolgenden Werktag die Frist abläuft. Wer also bisher die Aufkündigung verabsäumt hat. kann dies heute noch nachholen._ Der„gefallige" Landsmann. Auf den Bahnhöfen lauern ständig jene Tagediebe auf un- beholfene, aus der Provinz kommende Durchreisende, nähern sich ihren Opfern unter dem Vorgeben, ihnen als Landsmann gefällig zu fein; aber in der Absicht, zu stehlen. Gestern wurde am Schle- fischen Bahnhof ein solcher.Landsmann" festgenommen, der einen jungen Burschen beschwatzt hatte und ihm daS Gepäck aufbewahren wollte. Vorsicht ist für alle in Berlin ankommenden jungen Leute sehr am Platze. Fürsorgezöglinge auf der Flucht. , In der Nacht zum Sonntag flohen aus dem Zufluchtshaus Sicher in Plötzensee vier Mädchen, indem sie sich an Stricken aus den Fenstern herabließen. Sie wurden aber bald wieder von Be. amten zurückgebracht. Einbrüche in Kirchen. Aus der SegenAirche in Reinickendorf sowie au? dem Ge- meindehaus in Wittenau stahlen Einbrecher verschiedene Silber- fachen. Von der Bibel lösten sie den Silbcrbeschla� und rissen die (EhristuSfigur ab, um sie mitzunehmen. Auch eine Anzahl Orden Oer Arbeitslose. Ich höre die Räder treiben, Die Kolbenstangen gehn !lnd muß durch die Fensterscheiben Das Werk im Gange sehn. Ich kenne sein Getriebe And jeden Griff genau And meine ganze Liebe Gehört dem Eisenbau. And kann mich doch nicht rühren, Nicht regen, wie ich will: Denn vor geschloss'nen Türen Stand ich vor Kummer still. „Fünfhundert Mann entlassen!" So hieß es— Arbeitsnot— Wir standen auf den Straßen And waren ohne Brot And waren ohne Jooffen. Die Arme, stark wie eh, Doch keins der Tore offen. And bald dröhn Eis und Schnee--- Ich höre die Räder treiben, Die Kolbenstangen zehn... Wo werde ich verbleiben?--- Wer hört mein stummes Flehn?... Leo Äeller. k)ofjagä. Es soll Leute geben, die der Meinung sind, die Herren und Damen an den Höfen hätten ein besonders angenehmes Leben und herzlich wenig zu tun. In Wirklichkeit trifft das natürlich keines- �egs zu, und nur sozialdemokratische Verblendung kann sich der Einsicht verschließen, daß der Dienst bei Hose— von der aufreibende» Tätigkeit der regierenden Herren selbst sei ganz abgesehen— zu den anstrengendsten Berufen überhaupt gehört. Ein erschütterndes Bild von den Anforderungen, die ihr hoheS Amt den Auserwählten der fürstlichen Herren auserlegt, findet man jetzt wieder in bayerischen Blättern. Letzthin langte bekanntlich Wilhelm, von Gottes Gnaden und so weiter, bei Ludwig, von Land- und Ehrenzeichen wurden gestohlen. In einem Gebüsch wurden mehrere Leuchter aufgefunden, die anscheinend dort versteckt war» den waren. Der Säugling als Eiseubahnpassagier. Eine Uebcrraschung eigener Art erlebten Bahnbeauite auf der Vorortstrecke nach Strausberg. Bei einer Revision eines Zuges entdeckten sie m einem Abteil dritter Klasse ein in dicke wollene Decken gehülltes Kind, das jämmerlich schrie. Der jung« Erden- büvger wurde der Waisenverwaltung übergeben. Wahrscheinlich hat sich die Mutter in der Weise des Säuglings entledigt, indem sie eine Strecke mit ihm im Zuge fuhr und das Kind dann einfach zurückließ. Keffelexplosion in Schöueberg. Gestern mittag kurz vor 12 Uhr wurden die Bewohner des Hauses Fregestraße 65/66 zu Schöneberg durch eine heftige Detonation aufgeschreckt. Die Ursache war eine Äesselexplosion im Heizkeller des Vordergebäudes. Durch den gewaltigen Luftdruck wurde eine massive Kellerwand eingedrückt und die Kellerdecke in die Höhe gehoben, so daß in der darüberliegenden Wohnung mehrere Möbelstücke durcheinandergeworfen wurden. Auch ein Ofen erhielt große Risse. An der Hofseite gingen zahlreiche Fensterscheiben in Trümmer und die Explosion hatte auch im Keller Feuer ver- ursacht. Tie Schöneberger Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit ab. Die AufräumungSarbeiten nahmen aber fast zwei Stunden in Anspruch. Bölkerschlachtdenkmals-Medaille. Unter diesem Namen empfiehlt ein Mann mit dem seltenen Namen Schneider aus Leipzig ein Erinnerungszeichen, das für 25 Pf. abgelassen werden soll. Die Medaille ist vom Deutschen Patriotenbund offiziell genehmigt und wird den Leitern höherer Schulen durch ein Zirkular mit folgendem Wortlaut empfohlen: Leipzig, den 4. November 1S13. Veranlaßt durch die Anregung mehrerer Herren Schul- rektoren gestatte ich mir angeschlossen die einzige vom Deutschen Patriotenbund genehmigte offizielle VölkerschlachtdenkmalS-Me- daille als Muster zu übersenden. Falls Sie die Absicht haben, Ihren Schülern eine schöne Erinnerung an daS Jubeljahr der Völkerschlacht bei Leipzig zu besorgen, würde ich es mir zur Ehre anrechnen, Ihnen diese Medaille für 25 Pf. das Stück— natürlich bei größerer Abnahme — abzulassen. Da die Medaille erst angefertigt werden muß, würde der Versand ungefähr 8 Tage nach Aufgabe der Bestellung erfolgen können." Der Herr Schneider ist ein sehr geschäftsgewandter Mann. Er sagt, er würde eS sich zur Ehre anrechnen, die Medaille für 25 Pf. pro Stück abzulassen. Also nur der Ehre wegen, nicht aber des Verdienstes halber, handelt Herr Schneider mit Völkerschlachtdenkmals- Medaillen!_ Strahenunfalle. Am Sonnabendabend versuchte an der Ecke der Prenzlauer Allee und der Marienburger Straße Frau Natalie Armisch die Schienen vor dem herannahenden Motor- wagen 2747 zu überschreiten, kam jedoch zu Fall und zog sich einen Bruch des linken Armes sowie eine Wunde über dem linken Auge zu. Die Verunglückte erhielt auf der Unfallstation einen Not- verband und wurde dann in ihre Wohnung geschafft.— Vor dem Hause Gitschiner Straße 86 geriet am Sonnabendabend der 83jährige Rentier Paul Sommer beim Ueberschreiten des Dammes unter den Vorderperron eines Motorwagens der Linie 1. Der Greis, der bei dem Sturz einen Schädelbruch davongetragen hatte, wurde in das Krankenhaus am Urban gebracht. Kleine Rachrichten. Auf der Straße vom Tode ereilt wurde Sonnabend abend die 68 Jahre alte Witwe Karoline Sophie Thiede aus der Wilhelmshavener Straße 25. Ihre Begleiterin bracht« sie nach oem Krankenhaus in Moabit, wo sie jevoch nicht mehr aufgenommen werden konnte, weil sie schon gestorben war. — Den Tod im Wasser suchte und fand in der Sonntagnacht ein unbekannter Mann. Er sprang gegen 2 Uhr von der Monbijou- brücke in die Spree, ging unter und ertrank.— Erschossen auf- gefunden wurde gestern im Grunewald der Obersekundaner Jeß, der seit einigen Tagen vermißt wurde._ tagS Gnaden König im Lande der Schwarzröcke und der Weih- würschte, zum Besuch an. Natürlich war er mit all dem Pomp und der Feierlichkeit empfangen, die sich für so einen erhabenen Herrscher gehört, und die man sich in Bayern angesichts der rühm- lichst bekannten Spendierfreudigkeit ungenannt sein wollender güti- ger Geber leisten kann. Wer vermag zu crmessen, welche Strapazen dieser hohe Besuch den Würderträgern des bayerischen Landes auferlegte! Heilige Bewunderung und heißes Mitleid zugleich müssen jeden durchzittern, der einen Blick aus das Programm wirft, das für den feierlichen Empfang entworfen ward. 10 Uhr 56 Minuten: Große Militärische Begrüßung auf dem Bahnhof:„Anzug: Offiziere: Paradeanzug mit angelegtem Mantel, das große Ordensband über dem Mantel; Herren vom Zivil: Uni- form mit Band; dunkles Beinkleid(ohne Mantel); Damen: Hohes Kleid mit Hut." Wenig später: Empfangsfeierlichkeit in der Kgl. Residenz: „Anzug: Offiziere: Paradeanzug; Herren vom Zivil: Uniform mit Band, dunkles Beinkleid; Damen: Hohes Kleid mit Hut." 1 Uhr: Frühstück in den„Reichen Zimmern":„Anzug: Offi- ziere: Ueberrock mit Helm; Herren vom Zivil: Gehrock mit hohem Hut; Damen: Hohes Kleid mit Hut". %6 Uhr: Tafel bei Sr. Kgl. Hoheit dem Kronprinzen:„Anzug: Offiziere: GesellschaftSanzug; Herren vorn Zivil: Hoffrack mit Band; Damen: Ausgeschnittenes Kleid." 8 Uhr: Festvorslellung im Kgl. Hoftheater: Anzug: Herren: Gala; Damen: Ausgeschnittenes Kleid mit Orden und Ordensband. Also: Innerhalb zehn Stunden vier- bis fünfmaliger Kleider- Wechsel. Zwischendurch Reden, mehrere Mahlzeiten, Hin- und Herfahren. Es verlangt schon die Geschmeidigkeit und die Ge- schicklichkeit eines Akrobaten, um da mitzukommen. Wobei nicht zu vergessen ist, daß alle Teilnehmer an den Veranstaltungen „Würde" zu wahren haben. Und daß es sich um richtiggehende Bayern handelt, denen man diese Hätz zumutet. Wirklich, man weih nicht, soll man sie bewundern oder bc- mitleiden. Wie manchem muß die Hetzerei die Schwindsucht an den Hals jagen. Aber schon die Lateiner haben es gesagt:«Süß und ehrenvoll ist es, für's Vaterland zu sterben." Vater uncl 8okn. Komödie von G. E s m a n n. Diese Komödie des vor neun Jahren auf tragische Weise ums Leben gekommenen dänischen Autors wurde schon früher gegeben. Wenn sie nun abermals auf dem Spielplan der freien Volksbühnen (im Thaliathcater) erscheint, mag es ihrer Vortrefflichkeit als Ganzes zugeschrieben werden— unbeschadet gewisser Spuren des Alters. Insofern nämlich als der Vater in Punkto Liebe tut, was er einst beim Sohne strafen zu müssen glaubte, wird die Handlung mehr einer mathematischen Gleichung ähnlich und könnte schsießlich auch umgekehrt entrollt werden. Bei dieser Wiederholung ver- Spiel unck Sport. Fußball. Der verregnete zweite Fciertaz brachte auch dem Fußballsport manche Enttäuschung. Gerade dieser Tag gibt dem Arbeitersportlcr eine sehr gute Gelegenheit. mit den Brudervcreincn in der Mark Brandenburg einen friedlichen Wettstreit abzuhalten, wenn--- das Wetter einigermaßen ist. Trockene Kälte schadet dabei nichts, denn sowohl Fußballer wie Zu- schauer scheuen nicht das übrigens auch dem Körper sehr bekömm- liche„Durchfrieren", wenn ein interessantes Spiel alle gefesselt hält. Aber diesmal hatte Petrus es nicht einmal bei dem zum Weihnachtsfest so herbeigesehnten Schneesall bewenden lassen, son- der» fortwährender Landregen mit recht unangenehmen naßkalten Stürmen vertrieb den meisten die Lust, sich ins Freie hinauSzu- wagen. Draußen vor den Toren der Stadt aber, wo sich die Fuß- ballcr ihr Stelldichein gaben, tvarcn die Chausseen in langgestreckte 142 Uhr standen sich die 2. Mannschaften von Fichte 3 und Lucken- walde 2 gegenüber. In der ersten Halbzeit nutzte Luckenwalde den Wind gut aus und konnte viermal einsenden, während Fichte 3 Seenketten verwandelt, durch die man versuchen mußte, zum Ziel zu kommen. Von der Märkischen Sptelvereinigung(Mitglied des A.-T.°B.) waren drei Luckenwalde! Mannschaften nach Berlin gekommen, um sich mit Fichte 3 zu messen. Auch eine ganz« Anzahl Zuschauer war pünktlich zur Stelle, da die Lücken- walder als scharfe Konkurrenten bekannt sind und somit inter- essantes Spiel zu erwarten war. Den Anfang machte ein Wettspiel des Berliner F. f. B. 94 gegen Luckenwalde, 2. Abteilung, das der erster« überlegen mit 3: 1 für sich entscheiden konnte. Um sich mit zwei Toren begnügen nmßte. In der zweiten Halbzeit ge- lang es den letzteren aber, alle Angriffe der Luckenwalder abzu- wehren und noch drei weitere Tore zu erzielen, so daß das Spiel mit 5: 4 für Fichte 3 seinen Abschluß fand. Nun kamen als Hauptkonkurrenten die t. Mannschaften von Luckenwalde 5 und Fichte 3 an die Reihe. Luckenwalde hatte Anstoß und war in der ersten Halbzeit durch den scharfen Wind im Vorteil. Ein flottes und freies Spiel brachte den Ball oft vor die beiden Tore, bis es dem Luckenwalder Linksaußen gelang, durch eine Flanke den Ball dem Mittelstürmer zuzuspielen, der ihn zum ersten Tore verwandelte. Bald nachdem fiel auch das zweite Tor durch flotten Durchbruch, so daß es mit 2:6 für Luckenwalde in die Pause ging. In der zweiten Halbzeit hatte Fichte 3 den Wind für sich, konnte aber nicht verhindern, daß die Luckenwalder durch scharfen Angriff auch noch das dritte Tor erzielten. Erst nach einer halben Stunde fiel das erste Tor für Fichte durch den Mittel- stürmer, der eine schöne Flanke des RechiSaußen, die aber vom Tor abprallte, verwandelte. Drei Minuten vor Schluß fiel dann noch ein zweites und gleichzeitig das letzte Tor für Ficht« durch "einen Bombenschuß des Halblinken, so daß das Endresultat 3: 2 für Luckenwalde war. Die Gäste zeichneten sich durch Schnelligkeit aus, bei Fichte waren besonders der Halblinke und der Mittelläufer gut. Das Publikum brachte dem korrekten Spiel lebhaftes Inter- esse entgegen. Hockey. Vor einiger Zeit wiesen wir bereits an dieser Stelle auf daS dem Fußballspiel ähnliche, aber mehr Feinheiten als dieses ent- haltende Hockeyspiel hin. Inzwischen hat sich das Interesse ftir das von der Arbeiterschaft bisher wenig gepflegte Spiel wesentlich ge- höben. Wie uns mitgeteilt wird, finden nunmehr Sonntags- vormittags regelmäßig UebungS- oder Wettspiele auf dem Turn- platz Treptow des Turnvereins„Fichte" statt, zu denen Zu» schauern und Sportfreunden der Zutritt gern gestattet wird. Wer Interesse für diese? Spiel hat, kann sich bei der 3. oder 16. Männer- abteilung des Turnvereins„Fichte" melden. Im neuen Jahre werden auch Damen obigen Vereins auf demselben Platz Uebungs- spiele vorführen, so daß auch den Sportfreundinnen ausreichende Gelegenheit zur Betätigung gegeben ist. tvandter Vorgänge wird heute mancherlei schon etwas banal lust- spielmätzig anmute», was man ehedem als Merkmal einer höher stehenden regelrechten Komödie bewertet hat. Immerhin— die Wirkung auf die Lachmuskeln blieb dem Stücke unverloren. Dank seiner vortrefflichen Aufführung unter der so umsichtigen als fein- fühligen Regie F r i tz W i t t e- W i l d s. Er hat ein Ensemble zu- sammengestellt, in dem alle Rollen aufs günstigste besetzt waren. ESmann führt zwei Parteien mit grundverschiedenen Anschau- ungen und Sonderintereffen vor, die im Schoß der Familie des GroßkaufmannS Holm sich gegenseitig bekämpfen. Auf der einen Seite stehen Vater und Sohn. Jener fand in Aenderly Lebius, dieser in Fritz Junkermann eine Darstellung, die der Per- sönlichkeit wie der jeweiligen Situation im kräftigen Zusammen- klang alles gab. Als Dritte gesellt sich den Zweien des jungen Gwßkaufinanns Frau Etel. Toni W i l k e n S traf die anglo- amerikanisch-chinesische Mischung in dieser resolut unbekümmerten Natur mit schöner Sicherheit. Ihre Standpauke über das so gräß- lich„alte" Europa war köstlich grotesk. Berta Lund— von Poldi Ruß warmtönig gegeben— bildet das Streitobjekt der beiden Lager. Zur anderen,„Tugend und Menschenwürde" repräsen- ticrenden Gruppe zählen die Frau d(s alten Holm, die in ihrer Kränklichkeit und seelischen Verkümmerung durch Maria Alten- b e r g überzeugend verkörpert wurde, ferner Agathe(Marga F u g g e r) und ihr Mann(Hans Werder). Sowohl diese Rollen, wie die der frechdachsigen Camilla(Else Gressin) und des schmarotzenden Neergard(Maximilian S l a d e ck) wurden vor- trefflich charakterisiert.«ll. Die feuerverfichertea Zigarren. Ist eS für einen Privatmann zweckmäßig, seine Zigarren gegen Feuer zu versichern? Ein New Uorker Rechtsanwalt legte sich diese Frage vor einem halben Jabre vor. bejahte sie, ging zu einer Versicherungsgesellschaft und ließ sich 3066 Zigarren auf 666 Dollar gegen Feuer versichern. Kürzlich kam er nun, wie der„GauloiS" berichtet, bei der ver- sicherungSgeiellschaft mit der betrübenden Meldung, seine Zigarren seien verbrannt und verlangte die Versicherungssumme ausbezahlt. Die Versicherungsgesellschaft hatte bis dahin nichts von einem Brande bei dem Rechtsanwalt vernommen und erkundigte sich nach den näheren Umständen.„Die Sache ist ganz einfach." erklärte der Rechtsanwatt,«ich selbst habe die 3666 Zigarre» eine nach der anderen aufgeraucht. Hier ist eine Bestätigung dafür, die drei Zeugen unterschriebe» haben; ihre Unter- s-dristen sind überdies amtlich beglaubigt." Natürlich weigerte sich die Versicherungsgesellschaft, die verbrannten Zigarren zu ersetzen, e« kam zum Prozeß, und die echt amerikanische Entscheidung lautete. die Zigarren müßten ersetzt werden, weil sie nach dem Wortlaute de« Versicherungsscheines eine gegen Feuer versicherte Handelsware seien, die durch Feuer vernichtet worden sei. In der nächsten Instanz kehrte freilich die Versicherungsgesellschaft den Spieß um und die Geschichte kam dem Rechtsanwalt ziemlich teuer zu stehen: die Ver- sicherungSgesellschaft wteS nämlich nach, daß der klagende Rechts« anwalt nach seinem eigenen Geständnisse«eine durch Feuer ver« nichtete, gegen Feuer versichert gewesene Handelsware böswillig in Brand gesteckt habe" l Der Spaß soll ihm auf 5606 M. zu stehen gekommen sein. fSfirfifittlltefuhotc. Am 1. Weihuachtsfciertag spielte der R. B. C. gegen Bremen I im Gesellschaftsspiel., Das an interessanten Momenten reiche Spiel endete mit 5: 1 zugunsten des R. B. C. Bei Halbzeit stand das Spiel 1:0 für Bremen. Freie Turnerschaft Wilmersdorf gegen Leipzig 4: 0 für Wilmersdorf. Leipzig gegen Westfalen 3:1 für Westfalen. Adler gegen Dresdener Sportverein 1: 1. Adler II .gegen Dresden II 3:0 für Dresden. Pankow gegen Fichte 12 3; 2 für Fichte. Neukölln gegen Forst stlbt. 7) 2:0 für Neukölln. llnion--Pankow gegen Sportvereinigung Berlin I 2:0 für Union- Pankow. Union-Pankotv II gegen Fichte 811 Z: 3 für Union. Neukölln(1. Jugend) gegen R. B. C. 1: 1. Fichte 17 gegen Bran- Jenburg 13: 1 für Fichte 17. Am gestrigen Sonntag brachten die Spiele folgendes Ergebnis: Fichte 10 gegen Fichte 18 1: V für Fichte 16. R. B. ll. gegen Reinickendorfer Ballspiclklub 6:2 für R. B.C. Fichte 9 gegen Waidmannslust 4:1 für Fichte 9. V. S. B.(2. Mannsch.) gegen Rummelsburg(1. Mannsch.) 5:2 für Rummelsburg. Weißensee gegen Spandau 3: 1 für Weißensec. Fichte 12(2. Mannsch.) gegen Sperber(2. Mannsch.) 7: 0 für Fichte 12. Fichte 12(3. Mannsch.) gegen Borussia<3. Mannsch.) 3: 3. Sportvereinigung(2. Mannsch.) gegen Fichte� 2(2. Mannsch.) 12: 2 für Fichte. Sportvereinigung gegen Jungstralau 10: 1 für Sportvereinigung. Union-Pankow gegen.Fichte 3 6:2 für Union. Hertha 12(1. Mannsch.) gegen Freie Turnerschaft Reinickendorf 5: 0 für Hertha. Hertha 12 ,(2. Mannsch.) gegen Freie Turnerschaft Reinickendorf.8:1 für Hertha. Rummelsburg gegen Borussia 1: 1. Weißensee gegen Fichte 17 3: 1 für Weißensee. V. S. B. gegen Fichte 8, von Fichte 8 kampflos gewonnen, Ein Eifersuchtsdrama. Auf dem Bahnhof in Belgrad spielte sich ein blutiges Drama ab. Ter Sekretär des serbischen Hofmarschallamtcs Hauptmann I o v i c i c hatte sich nach dem Bahnhofe begeben, um eine Aus- landsreise anzutreten, und seine junge Gattin gab ihm das Geleit. Am Zuge verabschiedete sich der Hauptmann von ihr, und während sie ihn umarmte, st i e ß sie ihm ein Messer in den Hals. I o v i c i c sank schwer verletzt zu Boden, während die Frau ver- haftet wurde. Die Gattenmörderin gehört einer sehr angesehenen Belgrader Familie an und galt als sehr exzentrisch. Es heißt, daß sie die Tat aus Eifersucht verübt hat, Hus aller Melt. Sm öchurhcnftreicb der amerikanischen poltzet! In Calu in c t, im Staate Michigan, streiken die Berg- arbeiter. Bei einer Weihnachtsfeier, die ihnen ihre Klassen- genossen bereiteten, ereignete sich, wie wir schon tele- graphisch meldeten, ein schwerer Unfall dadurch, daß ein per- brecherisch veranlagtes Individuum in den Saal hinein „Feuer" rief. 8l) Personen fielen der entstehenden Panik zum Opfer. Nun regte, sich die bürgerliche„Mildtätigkeit". Ter Präsident der Miner-Föderation Karl Meyer riet aber den Streikenden, aus den Händen derer, die ihre Bewegung mit den- schmutzigsten Mitteln bekämpften, keine Wohltaten in Empfang zu nehmen. Das nahni die Polizei als Borwand her, Meyer gewaltsam aus dem Staate Michigan zu eist» fernen. Sie drang, während er schlief, in sein Zimmer und weckte i'hn mit R e v o I v e r st ö ß e n! Tann wurde er in einen Eisenbahnzug geschleppt. Dort hielt man i h n während der F a h r t m i t Revolvern in Schach? Plötzlich g i n g e i n Schuß los. der den Wehrlosen traf und ihn an der Seite verletzte. Die Stelle, wo man den Verwundeten niederlegte, wurde von Blu� förmlich überschwemmt? Man kann sich nach diesem Vorgehen wohl denken, wo der Schurke zu suchen ist, der die Panik auf der Weihnachtsfeier hervorrief! Meyer wurde nach Chikago gebracht und befindet sich jetzt dort in ärztlicher Behandlung. Er erklärte, daß er nach seiner notdürftigen Wiederherstellung sofort nach Calumet zurückkehren werde, um dort die Bewegung der Minen- arbeiter pflichtgemäß weiter zu leiten. Eisenbahnunfall.' Am SllnnabendabLlld.-süid im Kaiser.Wilhelm-TmrNel bei Kucheln, zwei Güterzüge zusammengestoßen. Zwei Beamte sind tot und zwei verletzt.� Vierzig Wagen.wurden zer- trümmert. Infolge der-EnWersuNg. ist die Strecke Kochem-Ell.er für den Personen- und Güterverkehr gesperrt. Der Durchgangsverkehr Koblenz— Trier und umgekehrt mutz über die Eifelstrecke und Nahe- bahn umgeleitet werden, da ein Umsteigen an der Unfallstelle nicht möglich ist. Für den Ortsverkehr werden Pendelzüge von Trier nach Eller' und von Koblenz nach Kochem gefahren. Der Verkehr wird voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages wieder aufge- nommen werden. Als Ursache des Unglücks wurde bis jetzt er- mittest, daß beim Auswechseln einer schadhaften Schiene die vor- geschriebenen Sicherheitsmaßnahmen nicht genügend beachtet wurden. Ter„Vertreter des Eisenbahnministers". Ein geschickter Hochstapler, der sich Mars ico nannte, besuchte unter der Maske eines Abgeordneten des Eisenbahnministeriums die Bauern Süditaliens und unterhandelte mit ihnen wegen des Ankaufes ihrer Gehöfte für den Bau einer neuen Eisenbahnlinie Rom— Neapel. Er bot den Bauern hohe Summen für ihr Eigen- tum und erzählte ihnen unter anderem, daß der Zahlungstermin auf den 23. Dezember anberaumt sei. Vorher müsse er jedoch dem Ministerium genaue Unterlagen usw. vorlegen. In der Hoffnung, die Gehöfte zu hohen Preisen losschlagen zu können, gaben die gut- gläubigen Bauern dem Schwindler Beträge von 1000 bis 10 000 Lire. Groß war jedoch die Empörung der Bauern, als sie am 23. Dezember vom Eisenbahnministerium in Rom die Mitteilung erhielten, daß ein Kommissär M a r s i c o gar nicht existiere und sie nur einem Schwindler zum Opfer gefallen sind. Die Untersuchung bat bisher Aufklärung über die Person des Schwindlers nicht ge- bracht. Vom Jahrmarkt äes Lebens. Jagoi-viana. Die bürgerliche Presse ist empört. Sie ist ganz aus dem Häuschen, weil ihr Polizeipräsident es wagte, seine Meinung über die Kriegsgerichtsverhandlung gegen den kleinen Forstner zu sagen. In allen Tonarten der Empörung schallt es aus dem bürgerlichen Blätterwalde wieder. Ja, was wollen denn die guten Leute eigent- lich? Hatten sie denn wirklich geglaubt, daß Herr Dr. jur. v. Jagow anders denkt, anders denken konnte, als er es in seinem Artikel niederlegte? Glauben denn die Herren wirklich, daß ein Berliner Polizeipräsident, noch dazu, wenn er sich der besonderen Gunst seines kaiserlichen Herrn erfreut, ein anderes Staatsrecht anerkennen könnte, als das mittelalterliche, in dem er seinen Doktor gemacht hat? Doch die bürgerliche Presse ist empört. Als ob Herr v. Jagow eine Einzelerscheinung wäre und nicht darüber hinaus ein ganzes System, das der altpreutzischen Reaktion, verkörpere. Ob die Herren zufällig Jagow, Forstner, Reuter, Falkenhahn oder Olden- bürg heißen: allen gemeinsam ist die gänzliche Verachtung des Volkes, das nur dazu geschaffen ist, von ihnen am Gängelbandc geführt zu werden. Wenn es aber unbotmäßig werden sollte: den Daumen aufs Auge und die Knie auf die Brust. Die bürgerliche Presse ist empört. Sie weiß offenbar nicht, daß es derselbe Herr v. Jagow ist, der es wagte, sein„Ich warne Neugierige!" dem Volke entgegenzuruscn. Sie hat schließlich in Herrn v. Jagow einen halben Liberalen gesehen und darum auch seinerzeit mit schmatzendem Behagen die Polizeiberichte über die Moabiter Petroleure abgedruckt. War es denn etwa weniger pro- vokatorisch, als Herr Dr. v. Jagow damals die Moabiter Schutz- leute belobigte, trotzdem gerichtsnotorisch war, daß sie sich der aller- gröbsten Ausschreitungen schuldig gemacht hatten; daß unter ihnen sich die Totschläger des Arbeiters Herrmann befanden? Die bürgerliche Presse ist empört. Wo war und blieb die lohende Empörung, als Berlins Polizeipräsident die Arbeiterturn- vereine verfolgte, die Jugendorganisationen auflöste, die Volks- bühnen schikanierte und so vieles anderes mehr? Und doch ist die bürgerliche Presse empört. Sie ist. wie aus den Wolken gefallen, weil ihr Polizeipräsident es wagte, seinen früheren reaktionären Anschlägen einen neuen hinzuzufügen. Aber die Empörung wird nicht lange anhalten. Wenn Herr v. Jagow, waS ja wohl bald zu erwarten ist, die Treppe hinaufstolpert, wird sie seiner rühmend gedenken. Hat er doch den Verkehr im Engpaß der Friedrichstraße reguliert. forltner in neuer Ausgabe. Em Zögling des Gymnasiums in Mainz, ein Jüngling namens von S ch i m m e l p f e n n i g, hat nach Berichten bürger- licher Blätter gelegentlich eines Meinungsstreites erklärt: Ein Preußischer Edelmann darf sich von einem hessischen Lackel nicht beleidigen lassen! Wer mir zu nahe kommt, den schieße ich nieder! Eine Durchsuchung des hoffnungsvollen adligen Sprößlings ergab, daß er einen Revolver und einen Dolch bei sich hatte, obwohl das Waffentragen anläßlich einer Schießerei in der dortigen Oberrealschule ausdrücklich verboten war. Wie die Alten sungen, so zwitschern die L— ieben Jungen. Das Volk aber müßte wirklich aus„Walkes" und„Lackeln" bestehen, wenn es nicht jeder Herrschaft von Leuten nach Art der Forstner und Schimmelpfennig ein baldiges und definitives Ende bereitete. Letzte Nachrichten. Sturmschäden in Süddcutschland. Stuttgart, 28. Dezember. Bei sehr tiefem Barometerstand trat gegen 6 Uhr abends ein orkanartiger Sturm auf, der nach hier eingegangenen Nachrichten in ganz Süddcutschland großen Schaden anrichtete und besonders auch Telephon- und Tclegraphcnsiörungen im Gefolge hatte. Wieder flott geworden.. Gibraltar, 28. Dezember. Der britische Dampfer„Ludgate" ist wieder flottgemacht und in den hiesigen Hafen gebracht worden. Tie Situation in Abessinien. Rom, 28. Dezember. Die„Tribuna" meldet aus Addis Weba: Der Tod Mcneliks hat bis jetzt in Abessinien keine Unruhen hervorgerusen. Die Regierung, liegt in Wirklichkeit in den Händen des Ras Michael, des Vaters des Thronerben Lidsch Jeassu. Die in der Hauptstadt vereinigten Führer haben den Regierungswechsel mit. Ruhe und Vertrauen aufgenommen- Den Führern der Be- völkeruug in der Landschaft Tigreh wurde verboten, ihr Gebiet zu verlassen. Dieses Verbot ist gegen Ras Olie, den Bruder der Kaiserin Taitu gerichtet, von dem befürchtet wird, daß er gegen Ras Michael eine unfreundliche Haltung einnehmen könnte. Rc? Michael ordnete für alle Fälle die Zusammcnziohung größerer Truppeninasien an der Grenze von Tigreh an. Ci e neral-Versarnmlung der Vertreter der Ortskrankcnkafse der Schuhmacher heute, Montag, den ÄS. Dezember, abends S1/., Uhr, im Lokal„Klubhaus"(Engl. Garte»), Alexanderstratzc 27c. Tagesordnung: 1. Wahl von S Mitgliedern zur Vorprüfung der Jahresrechnung pro 1913. 2. Vortrag über die Ausgestaltung der Allgemeinen Lrtslrankenkasse. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Berlin, den 27. Dezember 1313. ver Vorstand. Ad. Bendig, Vorsitzender. Otto Kiesow, Schriftführer. Wir empfehlen jedem Zeiiungsleser zur Anschaffung: Liedknechlz YMMMMterbuch Dreizehnte Huflage. Neu bearbeitet, berichtigt und vermehrt unter Berückfichtigung der Rechtschreibung nach dem vereinbarten amtlichen Regelbuch. preis in Oelnrvanck gebunden silark 3,20. Zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin 81V 68. Liudenitraße 89 iLadeul. 246/13* 'Cheatef. Montag, 39. Dezember 1913. Aniang 6 Ubr. Eines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Aniang K'/z Ubr. CinesNollendorf-Dhcater.Variete- Lichtspiele. Anfang VI, Ubr. Opernhaus. Madama Butierflh. .«gl. Schauspielhaus. Die Ouitzows. Deutsches. Der Kausmann von �Venedig. Rammerspiele. Die Pariserin. Leiiing. Peer Gynt. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkns Schumann. Galavorstellung. Aniang 8 Ubr. Urania. Mit dem Imperator nach New Hork. Deutsches Künstler- Theater. Glaube und Heimat. Kleines. Jettchen Gebert. Montis Operetten. Die verbotene Stadt. Theater am Nollendorfplah. Freddy und Teddy. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mao Deutsches Schauspielhaus. Die heitere Residenz. Tdaiia. Die Tangoprinzelsin. Koniggräyer Strasse. Die Krön- ' braut. Komödienhans. Hinter Mauern. Residenz. Hoheit— der Franz. Rose. Schürzenjäger. Metropol. Die Resse um die Welt in 40 Tagen. Kasino. Ferdinand der Tugend- hafte. Deutsches Opernhaus. Der Waffen- ich mied. Schiller v. Rosenmontag. Schiller Gharlotrenbnrg. Was ihr wollt. Luiiivielhaiis. Die spanische Fliege. Trianon. Anatoles Hochzeit. Friedrich- Wilhelmstädtisches» Die Kinokönigin. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Leibusch? Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Aniang Sy« Ubr. Luisen. Das Milchmädchen von � Schöneberg. Walhalla. Wolkenbummler. Fvlies Gavrice. Der Kuckuck. Manöverschwindel. Die Samuels. Aniang 9 Ubr. Admiralspalaft. Die lustige Puppe. Berliner Gispalast. Eissport. CinesNollendorf-Theater.Barietö- Lichtspiele. »» » Sternwarte. Jnvaüdenstr. 57—82 r€EEHDOOHOH€itzG«V� Dem Genossen ist w Karl Moertz und Frau| S viel Glück zur Silberhochzeit.$ G Die Funktionäre der 37. Abteil.|{ ® des 4. 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Ob- gleich wir der Ansicht sind, daß Genosse Bernstein Ver- schiedenes aus diesem Artikel herausliest, was nicht darin steht, bringen wirdoch seine Tarstellung ihres parteigeschicht- lichen Interesses wegen wörtlich zum Abdruck. Die Redaktion des„Vortoärt s". Ter Artikel„Bebel und Liebknecht an Marx" in der Beilag« de»„Vorwärts" vom 22. Dezember d. I. enthält eine Reibe von Angaben über die Vorgeschichte und Geschichte des Züricher„Sozial- demokrat", die irriger Natur sind. Weder mit der Reise, die Bebel und der Schreiber dieses im Dezember 1880 nach London machten. noch mit der damaligen R«daktion des Züricher.Sozialdemokrat" verhielt es sich so. wie der Verfasser es schildert. Zunächst widerspricht eZ den Tatsachen, wenn der Verfasser hinsichtlich der Personen, welche auf Grund eines von der da- maligen Leitung der Partei ihnen übertragenen Mandats im Jahre 1879 die Kommission für die Gründung des„Sozialdemokrat" bil. beten, wie folgt schreibt: „An dieser Kommission nahmen außer Höchberg auch Schramm und B e r n st e i n teil, die kurz vocher in einem Artikel der Partei vorgeworfen hatten, bislang ein«„Arbeiter- Partei" gewesen zu sein, die Bourgeoisie dadurch gegen sich auf- gebracht und bis zu einem gewissen Grade provoziert zu haben." Ter Artikel, um den es sich handelt, ist der Aufsatz im ersten Band deS Richter-sHöchberg-)schen Jahrbuchs für Sozialwissenschaf- ten:„Rückblicke auf die sozialistische Bewegung in Deutschland". Meine Mitwirkung an ihm beschränkte sich, wie der Verfasser in Mehrings„Geschichte der" deutschen Sozialdemokratie" nachlesen konnte, auf„einige nebensächliche Zeilen"(Mehring, zweite Auflage, Band IV S. 188). Es waren das nämlich gerade 18 Zeilen, zu deren Niederschrift ich mich obendrein, da ich den ganzen Aufsatz für unzeitgemäß hielt, nur auf dringendes Ersuchen Höchbergs ent- schlössen hatte, die ich der Sache nach heute noch wie damals unter- schreib« und die mit der Frage Arbeiterpartei oder nicht gar nichts zu tun hatten. Indem ich dies feststelle, muß ich jedoch zugleich die verstor- benen Parteimitglieder Karl Höchberg und C. A. Schramm dagegen in Schutz nehmen, der Partei einen so unsinnigen Vorwurf gemacht zu haben, wie der Verfasser von dem erwähnten Aufsatz behauptet. Sie haben gegen Auslassungen polemisiert, in denen nach ihrer Ansicht der Sozialismus zu«inseitig als Sache der Industriearbeiter hingestellt und die Reife der Arbeiter für die Vertretung und Verwirklichung d«§ Sozialismus übertrieben wurde, und sie haben dabei nicht genug betont, daß sich dies fast nur auf die Agitationsweise W. HasselmannS und seines Anhanges bezog. ES ist ihnen aber nicht eingefallen, sich grundsätzlich dagegen auS- zusprechen, daß die Sozialdemokratie wesentlich Partei der Arbeiter- klass« zu sein habe. Die Tendenz ihrer betreffenden Ausführungen ging dahin, nachzuweisen, daß di« Sozialdemokratie, um möglichst viele Arbeiter zu befähigen, dem Sozialismus in der Gesetzgebung und Verwaltung zu vertreten, eine viel umfangreichere Bildungs- arbeit entfalten müsse, als bis dahin von ihr betrieben worden war. Geschehe das, heißt es in dein Aufsatz, so werde die Zeit „nicht mehr fern sein, wo der Arbeiterstand ein genügendes Kon- tingent tüchtig qualifizierter Kandidaten für alle Wahlen ausseineneigenenReihenzu stellen rmstande sein wird. Uttd in diesem Fall ist uns ein aus den Reihen der Arbeiter gestellter Kandidat sogar lieber, als ein Mitglied der bevorzugten Klassen." Man mag in den Ausführungen über diesen Punkt eine lieber- schätzung des theoretischen Wissens gegenüber dem aus den Er- fahrungen des praktischen Lebens der Arbeiter geschöpfter. Wissen finden, über welches die Arbeiterklasse verfügt. ES darf aber dabei nicht vergessen werden, daß. als der erwähnte Aufsatz geschrieben wurde, die Arbeiterschaft Deutschlands nicht über den zehnten Teil derjenigen Einrichtungen verfügte, in denen heute ihre Angehörigen praktische Erfahrungen und Kenntnisse zur wirksamen Vettretung der Interessen der Arbeiter erwerben. Und doch kann man selbst heute noch, obwohl sich die Bildungsmittel der Partei auch sonst gegen damals unendlich vervielfältigt haben, auf Schritt und Tritt in der Partei Hören, WS müsse noch mehr für die Bildung der Arbeiterklasse geschehen. Soviel sich gegen die Form einwenden läßt, in der Höchberg und Schramm ihren Gedanken Ausdruck gaben, und so sehr namentlich Höchberg in der theoretischen Be- griindung des Sozialismus von Marx und Engels abwich, so wenig war es ihre Absicht,„die Ziele der Sozialdemokratie abzuschwächen oder zu verschleiern. Im Gegenteil wird es gleich zu Anfang ihres Aufsatzes den sozialistischen Arbeitern Deutschlands als V c r- bienst angerechnet, daß sie, einmal zur Erkenntnis gekommen, daß der Kapitalgewinn„Eigentum an fremdem Arbeitswert" v*. sich über Lassalles Vorschlag der staatlich finanzierten Produktw- genossenschaften hinaus„mit der Einseitigkeit, die nach Herrn von Treitschkes Ausspruch die Tugend des tapferen Mannes ist"), sich für vollständige Abschaffung deS Eigentums an P r o d u k t i o n s m i t t« I n e r k l ä r t" hätten. Dies offene Aus- sprechen habe der Sache deS Sozialismus mehr genützt als geschadet. Es sei damit endlich eine Klarlegung der letzten Mittel eingetreten, durch welch« nach Ansicht der heute lebenden Sozialisien der�Not und dem Elend, soweit überhaupt möglich, ein Ende gemacht werden kann." Kurz: ein« Nachprüfung des Höchberg-Schrammschen Auft'atzcs wird zeigen, daß, wenn er viel Anfechtbares enthielt, er nicht von der Absicht diktiert war, den Grundcharakter der Sozialdemokratie, wie ihn damals die große Mehrheit der führenden Parteigenossen in Deutschland verstand, abschwächend zu ändern. Man wird in ihm gar manches dargelegt finden, was mittlerweile von der Partei befolgt worden ist und die Probe der Erfahrung bestanden hat.") Daß aber fein« Veröffentlichung in der gewählten Form unzeit- gemäß war. war noch in weit höherem Maße, als mein« Ansicht. die des Genossen Georg Volkmar, der den„Sozialdemokrat" von der ersten Nummer an bis Ende 1888 redigiert hat. Vollniar hat im Herbst 187S in einem Schreiben sehr scharfe Kritik an dem Aufsatz geübt, und dieses Schreiben war Marx und Engels lange vor der Zeit bekannt, wo Bebel und ich nach London fuhren. Es ist denn auch weiterhin die Behauptung unrichtig, daß die genannte Reise mit der Frage der Redaktion deS„Sozialdemokrat" in Verbindung stand. Von einem Personenwechsel in der Redaktion war in jenem Zeitpunkt gar keine Rede. Die Reise hatte den Zweck, eine Verständigung zwischen Leipzig und Zürich auf der einen Seite und Marx und Engels auf der anderen Seite herbeizuführen, und zwar war es in Zürich, wie ich nun gezwungen bin, festzustellen, der Schreiber dieses gewesen, der immer wieder darauf gedrungen hatte, ein gut«? Verhältnis mit den 2ondoi«rn zu suchen. Schon die im Sommer 187S erfolgte Reise Höchbergs nach London war auf Drängen von mir unternommen worden. Erst um die Jahreswende 1888/81, einig« Wochen nach Bebels und meinem Besuch in London, kam es zu einem, obendrein zunächst nur provisorischen Personenwechsel in der Redalfton deS„Sozialdemokrat". Und zwar waren es nicht Marx und Engels, die ihn verursachten, sondern Johann M o st. Most hatte, was zu jener Zeit einer Denunziation gleichkam, in der„Freiheit" Wollmar als Redakteur deS„Sozialdemokrat" bezeichnet, und besondere Um- stände ließen es infolgedessen als im Interesse Vollmars und der Partei gelegen erscheinen, daß Vollmar zeitweilig Zürich verließ. Damit er dies könne, erklärte ich mich bereit, ihn zeitweilig als Redakteur deS„Sozialdemokrat" zu vertreten. Vollmar übersiedelte nach Paris, wo sich fein Aufenthalt erheblich länger, als vorausgesetzt, hinzog, und so erging nach einiger Zeit die Einladung der Parteileitung an mich, die Redaktion dauernd fortzuführen."") Hinsichtlich deS Wie meiner Redaktionstätigkeit unterwerfe ich mich selbstverständlich jeder Kriftl. Wae aber ihren grundsätz- lichen Charakter anbetrifft, so muß ich gegenüber der hierin ziemlich zweideutigen Bemerkung des Verfasser? des„Vorwärts"- Artikels bemerken, daß der feststand, ehe es dazu kam. daß Friedrich Engel» mich mit Briefen über politische Vorgänge und EntWicke- lungen und von Zeit zu Zeit auch Beiträgen für den„Sozial- demokrat" erfreute. Der erste Brief dieser Art, den ich von Engels erhalten habe, bekräftigt das. Uns hinsichtlich K. KautSkhS kann ich feststellen, daß eS zwischen ihm und mir weder in der ersten Zeit noch später zu AuSeinandcrsetzuugen über die grund- sätzliche Haltung deS„Sozialdemokrat" gekommen ist. Kautsky hat sich des öfteren durch freiwillige Beiträge um den„Sozialdemokrat" verdient gemacht und mir, als er in London lebte, viele Briefe in- formatorischen Inhalts geschrieben. Aber in daS Grundsätzliche meiner RcdaktionSführung hat er sich niemals eingemischt. Jedem das Seine. Dem Inhalt nach war der.Sozialdemokrat" in hohem Grade Produkt von Kollektivarbeit, tote Kollektivarbeit es gewesen ist, die seine Verbreitung zu solcher Höhe gebracht hat. Spricht man von seinem polittschen Gehalt, so darf nicht vergessen werden, daß er vor allem in Wilhelm Liebknecht einen r c g e I- mäßigen und sehr fleißigen politischen Mitredakteur hatte. Theoretisch wurde er, soweit dies im Bereich meines Könnens lag, im Geiste der Lehren von Marx und Engels gehalten. Daß dies im Blatt von der ersten Nummer an zum Ausdruck kam, für die ich die Verantwortuirg trug, dazu bedurft« eS keiner Anregung und keiner„Hilfe". Berlin-Schöneberg, Dezember 1813. Ed. Bernstein. *) Dieser Hinweis auf Treitschke war selbstverständlich als Hieb auf den Genannten gemeint, der einer der Hauptrufer für Ausnahmegesetze gegen die'Sozialdemokratie gewesen war. Ed. B. ") Hierhin gehört U. a. die Ermahnung, die Bedeutung der Komumnalwahlen nicht zu unterschätzen. Schramm hatte zu dem ersten ernsthaften Versuch der Partei, ni Berlin in das„Rote Haus" einzubringen, den Anstoß gegeben. "•) Daß ich gegen Ende 1881 die Redaktion wieder niederzulegen wünschte, hafte einen poliftschen Konflikt zum Anlaß, der auf ganz anderem Gebiet la� als die hier erörterten Fragen, und daher m dieser Verbindung unbesprochen bleiben kann. Der Landvogt Jagotv. Eehr frei nach Schillers„Wilhelm Tell", 4. Aufzug. (Der Laudvogt Jaaow und Delbrück, genannt.der halbe", reiten zu Pferd durch die Wilhelmstrahe.) Jagow: Ich bin der Rechten strammgetreuer Diener Und muh b'rauf denken, wie ich ihr gefalle. Sie hat mich nicht ins Land geschickt, dem Volk Zu schmeicheln und ihm sanft zu wn— Gehorsam ibcwartet sie; der Streit ist: ob der Reichstag Soll Herr sein in dem Lande oder Falkenhayn! Der Bürger m ei st er von Zaber n: Jetzt ist der Augenblick! Jetzt bring' ich's an! (Nähert fich furchtsam.) Jagow: Ich schrieb den Brief nicht an die„Kreuz-Zeitung" DeS Scherzes wegen, oder um die Herzen Des Volks zu prüfen; diese kenn' ich längst. Ich schrieb ihn drum, damit die Liberalen Daran zu kauen haben; dast das Kriegsgericht Mir über den jurist'schen Unsinn stolp're. DaS Unerhörte Hab' ich hingepflanzt, Damit man an das Tollste sich gewöhne, Denn dazu ist der deutsche Bürger da! Delbrück: Das Volk hat aber doch gewisse Rechte— Jagow: Drauf pfeif ich grad' so wie der Hehdevrandl Weiischicht'ae Dinge sind im Werk und Werden; S. M. allem soll herrschen; was der Vater Wortreich begonnen, soll der Sohn vollenden. Reichstag und Recht sind uns ein Stein im Weg. So oder so— man muß die Kerle schinden! Der Bürgermeister von Zabern: Barmherzigkeit. Herr Laudvogt! Gnade! Gnade! Die Bürgerschaft von Zabern ward getreten! Selbst bess're Leute hat die Soldateska Gesperrt in den Pandurenkeller! Forswer, Der Leutnanlstyp, den' uns kein Staat mehr nachmacht, Er soll zur Sühne nun auch wirklich sitzen. Gerechtigkeit, Landvogt! Du bist allmächtig Im Lande Preutzen! Jeder weist das ja! Delbrück: Bei Gott, das ist ein übler Zwischenfall! Jagow: Ein allzu milder Herrscher bin ich noch Gegen dies Volk.— Die Richter sind noch frei, Doch es soll anders werden, ich gelob eS! Ein neuer UkaS soll in diesen Landen Verkündigen— Ich will— (Ein Pseil aus der Redaktion der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ttifst ihn.) Delbrück: Herr Landvogt!— Gott! WaS ist das? Woher kam das? DerBürgermeister vonZabern-: Mord! Mord l Er taumelt, sinkt! Er ist getroffen! Mitten in'S Herz hat ihn der Pfeil getroffen! Kein neuer Utas wird— Jagow(heiter lächelnd): DaS ist BethmannS Geichost! Er ist aus Pappe, lieber Delbrück, ieht! Und schiert mich einen Dreck!— Zum Alexanderplatz. Dast ich den neu'slen Ukas nun diktiere I Xnar. Die£IbendfcKiiKe. Ich hatte nach dem Mittagessen die Zeitung gelesen. Irgendeine Geschäftsempfehlung auf Kunstdruckpapier war dabei unbeachtet in den Papierkorb geflogen. AIS ich mich am Abend wieder an meinen guten, alten Sekretär setzte, lag das- Kunstdruckpapier auf der Schreibplatte. Merk- wüvdigerweise. Aber ich dachte noch nicht viel dabei, als ich eS seelenruhig von neuem in die Tiefe versenkte. Erst, als es am nächsten Morgen wieder oben, wieder auf dem grünen Tuch lag, wurde ich aufmerksam. Und las jetzt wenigstens die Ueberschrift:„Neue Abend schuhe." Und erkannte mit wehmütigem Scharfsinn weshalb das Prospcktum im Papierkorb keine Ruhe finden konnte. Nun ja. Der Winter war da..Man" brauchte neue Abendschuhe. Und da ich mit meiner kleinen Frau gerne in Frieden lebe, fing ich an zu lesen. In Gottes Namen denn... »» 3!anu? Das habe ich nun deffj nicht gewusti... Dast wir von wcsgen der Steuern und dem Landtagsuahl recht und der Monarchie und so weiter Parteien haben— na ja. Aber wegen Ball schuhe?— Aber da stand's in wunderschöner Antiqua, deutlich, Irrtum ausgeschlossen: Dast sich„innerhalb der Kreise, die sich anzuziehen verstehen. zwei Parteien geviMt �hätten, die„Individuellen" und die„Ab- gestimmten"." Und gleich folgen dann auch die Parteiprogramme. Der Leitartikler des Schuhgeschäfts formuliert sie auf seinem Kunst- druckpapter folgendermaßen: „Die Abgestimmten verlangen, dast Strumpf und Schuh farblich genau zur Nuance des Kleides stimmen. Sie verneinen den Selbstzweck dieses Toilettendetails soweit, dast sie Form und 'Schnitt für weniger wichtig halten, als die peinlichste farbliche Nebereinstimmung." „Als Ding an sich betrachten die Individuellen den Schuh. Sie billigen, dast seine Farbe mit der Toilette harmoniere. Aber sie lehnen die sklavische Farbenkongruenz ab, deren Mist- achtung von den Abgestimmten als geschmackliche Todsünde be- trachtet wird."-- In der Tat: ein verd.... schwieriges Dilemma, dieses. Soll man(als Dame von Welt) den Schuh als„Ding an sich" be- trachten(o Kant,— Du hast doch nicht umsonst gelebt!) oder den „Selbstzweck dieses Toilettendetails verneinen"? Ja. und hier kann man doch sehen, dast die Damen aus dem goldenen Westen z. B. durchaus nicht etwa mit Nichtstun und Pralincgeknabber ihre Tage verbringen, wie es rüde Schriftsteller immer behaupten. Man überlege nur. wie manche Tage ange- strengte st er Gedankenarbeit es gekostot haben mag, wie mancherlei Anproben und Konferenzen mit der Schneiderin und dem befreundeten Künstler,— bis in jedem Fall die verantwortungs- volle Entscheidung gefallen war—: abgestimmt oder individuell... Welch ein Glück, dast diesen geplagten Damen der diesjährige Winter ein gut Teil von der Qual der Wahl abgenommen hat.„Die Wage hat sich in dieser Saison merklich zugunsten der Jndivi- duellen gesenkt"— so verkündet das Kunstdruckpapier. Und man spürt, dast sein Verfasser fich der Wichtigkeit seiner Botschaft „voll und ganz" bewuht ist. Freilich bleiben nun noch gerade genug Probleme. Das„Spitz- licht im Gesamtbild des Abendkleids"(wie der Prospekt poetisch die Ballschuhe nennt) ist ja noch lange nicht fertig. Da ist die wichtige Frage nach dem Material. Was wählt man?— Handbemalten Brokatlame, von dem man den besten Freundinnen so nebenbei erzählen kann, dast er genau nach dem Vorbild eine? Schuhes von 178(1-- das Original steht im Musee de Cluny in Paris-- geschaffen sei? Oder Perlenstoff, dessen Musterung ein„bekannter französischer Künstler" entworfen hat? Oder— was sehr schick sein soll— mehrfarbig gebeizte Schlangenhaut? Oder Elfenbeinatlas mit Handstickerei? Oder— die äcrniere nouvesute, laut Prospekt—: Seide, die in Batikarbeit genau zum Kleid abgestimmte, antike Musterungen in zarten Farben enthält? «« ck Ja—: auch der Reichtum bringt seine Sorgen, wie man hier sieht— und wie eS der VolkSmund schon so schön binsenwarheitlich in ein Sprichwort gefastt hat. Und dieser„Sorgen" wegen kommen die Damen der sogenann- ten„besseren" Kreise, die Trägerinnen der Ballschuhe aus Hand- bemaltem Brokatlame oder gebatikter Seide, das Publikum des reizenden Prospekts da vor mir. natürlich nicht dazu, ein Herz fiir die Millionen zu haben, denen die kommende Zeit der Kälte und Nässe auch Schuhsorgen beschert, nur Sorgen etwas anderer Art...* Viermal, sechsmal durchgerissen flattert der Prospekt in den Papierkorb. Mitsamt seiner vornehmen Antiqua, mit den Rand» leisten und den Klischees— und dem herrlichen Geschwafel de» Modeschriftstellers. Nun wird er ja wohl nicht mehr auferstehen. O. E. „Lerne groß und frei reden!" h. Du hast da« sicher schon irgendwo einmal gelesen, das: „Lerne grost und frei reden!' Vielleicht hiest es auch: Lernen S i e grost und frei reden! Es spukt nicht nur durch die Jnseralen- plantaren, es geht ja, ein Zug im kapitalistischen Leben dabin, durch und beim Reden etwas zu sein, was man in WirUichleit gar nicht i st. So enlstanden die„Rednerakadcmien". In Berlin kann man von einem solchen Jnstilnte hören, dast es sogar Ministern das Reden beigebracht habe. Es verlangt aber beileibe für seine Wissenschaft nicht immer bares Geld, es verzapfi Weisheiten auch ganz umsoiist in Taschenkaleiidern; zum Beispiel diese„Redner» reget":... Oesfentliche Versammlung... Ter Redner erblickt in den Hörern eine Körperichaft und hat einzelne Rücksichten nickt zu nehmen. Wenn der Inhalt seines Vortrages nicht genügend loirki, so wird er durch das Gewuchtige und Lebendige meistens sein Ziel erreichen.. So werden zwar keine Köpfe, aber die viel gefürchteten Schmalzlöpte erzogen. Aber verschweigen wir nichtS: die„moderne Redekunst" will auch den inneren Menschen bessern. Der eine ihrer grossen Berliner Propheten sorgt dafür durch einen.Tagesregulator für das Innenleben". Der lautet: Pflege den Tag über folgende Gedanken: Beim Erwachen: Freude soll heute mein Gemüt erfüllen.' Zweite Slunde: Ich will das innere Gleichgewicht erhalten. Dnite Stunde: Alles lässt sich überwinden. Vierte Stunde: Jede Unannehinlichkeit betrachte ich als Bildung?- mittel. Fünfte Stunde: Energisch will ich mich meiner Aüfgaben widmen. Sechste Sninde t Ausdauer bewahre iw bei jeder Arbeit. Siebente Stunde: Die niedrigen Neigungen bekämpfe ich. Ächte Siiinde: Furcht und Feigheit lasse ich nicht ailfkommcn. Neunte Siunde: Ich will das Interesse für das Schöne steigern. Zehnte Stunde: Meine Gesinnung soll edler werdeil. Elfte Slunde: Tie Pbaillasie ist das Klima des Geistes. Zwölfte Slunde: Der heitere Blick ins Ganze fördert die Ge« simdheit. Abendgedauke: In Ruhe versenke ich mich in die Tieken meines Seelenlebens. Vortrefflich! Rur wird den Patienten leider nicht verraten, wo sie das Gemüt oder gar die Gesinnung hernehmen sollen. Und gar die Tiefe des Seelenlebens wird auch das Institut— oder gibt et eine besondere Abteilung dafür?— schwerlich lieseru können. Indes mit Speck sängt man Mäuse. Und die Hauptsache bleibt: so tun und darüber reden. J�acb dem fest. Tja— nun ijt eS wieder mal vorüber.— Vaukier Wede meier löscht der Lichter Glanz, Nieder lässt er sich-- und zieht mit trüber Feder die Bilanz. Einerseits: man hat nicht schlecht gepräpelt. Kaviar, Sekt-- und welch ein Slrasgeucht: Taptrer als er auf die Karpfen losgesäbelt, Hieb der Forstner nicht! Und ganz nett war auch— bei der Bescherung— Wie er milde, wie ein Wachs zerloff Und auf seines Personals Verehrung Menschenliebe troff...! Andrerseits... ist diese Liebe icuer. Die Familje l Angeftellte I Dienerschaft! Alle, alle woll'n se'was von Wedemeier,-» Einlach ekelhast! Gott sei Dank— die Sache ist erledigt! Rührung, Liebe, die verd..... Scheiikcrei (Rebst der Fülle, die den Magen schädigt) Für ein Jahr vorbei! So entschlossen hockt er im Fotölcke Ernst erwägend aller dieser Feste Zweck... „Minna, packen Sie doch die Champagnerkelche Und die Menschenliebe wieder weg!" Oswald. UXic wird man reich? Von Hermann Wagner. Der Autor des nachfolgenden gemeinnützigen Aufsatzes, selbst ein mehrfacher Millionär, hält es für seine Pflicht, strebsamen jungen Leuten, die nicht rechts vorwärts kommen können, einige praktische Winke darüber zu geben, wie man sicher, mühelos und schnell reich wird. Dank erwartet er keinen, denn er ist nicht senti- mental. Dagegen ist er gern bereit, Leuten, deren Absicht es ist, fich zu Millionären auszubilden, gegen ein angemessenes Honorar Stunden zu geben. Reflektanten wollen sich melden. * Ein sehr wirkungsvolles Mittel, schnell, sicher und ohne sonder- liche Mühen Geld zu erwerben, besteht darin, dast man auf die körperlichen Gebrechen seiner Mitmenschen spekuliert. Bekanntlich gibt es unter den Menschen Abertausende, die krank sind. Da aber in der Welt schlechterdings nichts existiert, an dem sich nicht Geld verdienen ließe, sofern man die Sache nur richtig anpackt, so stellen natürlich auch die Krankheiten der Menschen für solche, die klug, fix und energisch sind, ein Feld dar, auf dem sich eine Überreiche Ernte einheimsen läßt. Nur muß man sich dabei im vornherein von der fixen Idee freimachen, Krankheiten auch heilen zu wollen. Die Heilung der Krankheiten überlasse man ruhig den Aerzten. Für den Unternehmer sind die Krankheiten nicht dazu da. damit er sie beseitige, sondern damit er an ihnen ver- diene. Wie macht er das nun? Er teilt vor allem die Menschen in solche ein, die dick, in solche, die mager, in solche, die kahl, und in solche, die überhaupt krank sind. Für die bi- überhaupt krank sind, erfindet er eine Universal- medizin, genannt„Jerusalemer Balsam". Bei der Erfindung achte er darauf, daß ihre Bestandteile billig, unschädlich, in der Farbe grün oder braun und im Geruch möglichst geheimnisvoll seien. Der „Jerusalemer Balsam" soll nichts nützen, dafür auch nichts schaden, sondern nur etwas kosten. Für die, die kahl sind, erfindet er eine Salbe, der er den Namen„Hariosol" gibt. Es empfiehlt sich,„Hariosol" aus reinem Schweinefett mit einem Zusatz grüner oder gelber Farbe zu be- reiten. Schweinefett ist sehr billig und durchaus unschädlich. Der kahle Schädel selbst des ältesten und gebrechlichsten Mannes wird Schweinefett gut vertragen.______ Verantwortlicher Redakteur: Paul John. Berlin. Für d Für die, die mager sind, erfindet er ein Pulver, das er mit Glück„Mastin" nennen wird. Da es mästen soll, wird er es nicht ohne Vorteil aus reinem Kornmehl herstellen, denn ein Mensch, dessen vornehmliche Nahrung Mehl bildete, ist noch nie magerer geworden, als er ohnehin war. Für die endlich, die dick sind, konstruiert er am besten einen Turnapparat. Je ungeschickter die Konstruktion dieses Apparates sein wird, um so mehr Mühe wird es verursachen, an ihm zu turnen. Und das ist gut, denn dadurch wird der Turnende in Schweiß geraten und durch diesen, sowie durch den Aerger, den er haben wird, an Fett vielleicht verlieren. Natürlich hat man dadurch, dast man Heilmittel erfindet, erst den kleineren Teil seiner Aufgabe gelöst, denn viel wichtiger, als Heilmittel erfinden, ist es, Heilmittel auch zu verkaufen. Um auch hierin Erfolg zu haben, gehe man folgendermaßen vor: Man lasse vor allem eine Million Prosepkte drucken. In diesen Prospekten weise man mit kräftigen, eindringlichen, angsterwecken- den Worten auf die Gefahren hin, denen jene sich aussetzen, die keimenden Krankheiten nicht rechtzeitig begegnen. Welcher Mensch könne überhaupt von sich sagen, daß er vollkommen gesund sei? Hier zähle man getrost die Symptome aller existierender Krank- heiten auf, Pest und Cholera nicht ausgeschlossen, denn es gibt tat- sächlich keinen gesunden Menschen auf der Welt, der nach Lektüre dieses Prospektes nicht irgendeines der aufgezählten Symptome an sich entdeckte. Diese Menschen zu beunruhigen, das ist der Zweck des Prospektes. Man wird ihn um so vollkommener erreichen, je realistischer und schwärzer man die drohenden Krankheiten schildert, und man wird ganz besonders klug handeln, wenn man den Text recht wirksam noch durch drastische Abbildungen unterstützt. Der Effekt wird sich beim Leser in einem heftigen Gruseln kundtun, und dieses Gruseln wird der Samen sein, welcher dem Säenden eine reiche Ernte verheißt. Denn der Prospekt ist natürlich nicht nur dazu da, dieses Gruseln zu erwecken, sondern es auch sogleich wieder zu beseitigen, dadurch, daß er auf die beispiellos heilenden, nie versagenden, immer helfenden Wirkungen der Universalmedizin.Jerusalemer Balsam" hinweist. Oder gibt es eine Krankheit, gegen die man den.Jerusalemer Balsam" nicht mit Erfolg in Anwendung bringen könnte? Es gibt keine. Ja, eS scheint fast, oiä seien die Krankheiten überhaupt nur dazu da, um vom„Jerusalemer Balsam" sofort und radikal wieder beseitigt zu werden, und als müsse jeder als ein armer Irrsinniger angesehen werden, der nicht postwendend mindestens eine Flasche davon bestellt— gegen 3 Mark 60 per Nachnahme oder gegen Voreinsendung des Betrages, auch in Brief- marken, mit L Proz. Rabatt._ m Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck n. Verlag. Vorwärt In der gleichen Weise wie den„Jerusalemer Balsam" preist man natürlich auch das„Hariosol", das„Mastin" und den Turn- apparat an. Man unterlasse es dabei nicht, das Maul reckst voll zu nehmen, und verspreche den Haar- und Bartlosen üppiges Kops- haar und imposante Bärte, den Mageren bestrickende Formen und den Dicken den Wuchs eines Apollo. Die Eitelkeit ist nun einmal jene Seite am Menschen, an der man ihn am leichtesten packen kann. Wessen Wunsch wäre es schliestlich nicht auch, einen impo» santen Bart, bestrickende Formen und den Wuchs eines Apollo zu haben? Liegen die Prospekte fertig vor, dann setze man sich in den Besitz der neuesten und besten Adreßbücher des Deutschen Reiches, Oester- rcichs und der Schweiz, engagiere zehn junge Leute und lasse sie die Prospekte an sämtliche Einwohner der genannten drei Staaten versenden. Man achte dabei darauf, dast kein Einwohner über- gangen wird, man berücksichtige vielmehr die Beamten irgendeines Ministeriums für Kultus und Unterricht genau so wie die Familie irgendeines Analphabeten, da ja die Krankheit ebenso wie die Naivität bekanntlich keine Mldungsunterschicde kennt und da das Geld, das ein Schuhputzer einschickt, ebensowenig riecht wie jenes. das einen Baron zum Absender hat. Hat man die Prospekte verschickt, dann schaffe man sich schlcu- »igst eine eiserne Kasse an, denn das Geld wird in wahnsinnigen Mengen herbeigeströmt kommen. Die Postanweisungen werden zu Tausenden eingehen, denn jeder, der einen Prospekt erhalten hat, wird, wenn er nicht überhaupt krank ist oder krank zu sein glaubt, doch zum mindesten kahl oder doch mager oder doch dick sein. Und da der, der dick ist, immer mager, und der, der mager ist, immer dick werden möchte, so wird die Nachfrage nach„Hariosol", nach „Mastin" und nach dem Turnapparat naturgemäß eine stürmische sein— vom„Jerusalemcr Balsam" ganz abgesehen, dessen Absatz hektoliterweise vor sich gehen wird. Und schon nach einigen Monaten wird sich der Fabrikant mit dem Gewinn von mindestens einer halben Million ins Privatleben zurückziehen können. » Wie man sieht, ist es gar nicht zu schwer, sich" und rasch Reichtümer zu sammeln. Tie hier mitgeteilte Art ist nur eine von den vielen, die der Autor dieses Aufsatzes, wie schon bemerkt: selbst ein mehrfacher Millionär, kennt und ausprobiert hat. Und sie ist noch lange nicht die beste! Sollte also der eine oder der andere Leser die Neigung ver- spüren, Reichtümer zu erwerben, dann wende er sich vertrauensvoll an den Verfasser, der zwar kein Menschenfreund, dafür aber ein Meister darin. ist, den Dummen, die bekanntlich nie alle werden, das Geld abzuknöpfen._______ "öuchvruckerei u. Vertagsanstalt Pau> Singer u. Eo, Berti p SW