Ar. 343. Hbonnements--lkdinpngen: Sboimements- Prci-Z pränumerando: Vicrteljährl. SLV Mt., üioiiatd 1,10 Mk,, wöchentlich W Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pjg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Nene Welt' lk> Pfg, Posi- Monnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Premliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungllni 2,50 Mar!, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonncments nehmcti an: Belgien, Täncmarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 3l). Jahrg. Sie MeifwnS'Gebiiljr beträgt für die jechsgespaitene Koloncl- zcilc oder deren biaitin 00 Pfg., für politische und gewcrlschastlichc Vereine und LersmuMlungs-Anzeigen SO Pia „Kleine Anreizen", das scttgedrucöe Wort 20 Pfg.(zulässig Lfcttgcdri'che Wortes, jedes weitere Wort 10 P"' Stellengesuche und Schiafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lZPiich. Naben Zählen für zwei Worte. 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Gacdkc schreibt uns: „In Ihrem Aussätze„Friedrich Engels und die Miliz" erklären Sie die sozialistische Auffassung der Miliz in folgen- den Worten: „Was sich aber die Sozialdemokratie unter Noltswchr vor- stellt, sind nicht zusammenhanglose Haufen, die auf den Klang der Trommel aus der Haustür gestürzt sind, nie eine Flinte in der Hand gehabt und nie in Reih und Glied gestanden haben, und nun unter ebenso kundigen Führern marschieren, ohne zu wissen, wie, warum und wohin, sondern es ist das von Jugend an militärisch gebildete und kriegsmäßig geübte Volk in Waffen, zusammengefügt in festen Organisationen und mit Führern, die ihr Handwerk verstehen." Wie Sie vorstehend, sowohl negativ als positiv, das Wesen der Miliz in Ihrem Sinne in festen Umrissen gezeichnet haben, sollte eigentlich kein denkender Militär, kein erfahrener Soldat, niemand, der die Lehren der Kriegsgeschichte erfaßt hat, die Sache für unausführbar halten. Heere, aus solchen Truppen zusammengesetzt, haben wiederholt in denkwürdigen Heldentaten die Welt aus den Angeln gehoben, und sogar die Heere Friedrichs des Großen, in den späteren Jahren des siebenjährigen Krieges, waren von diesem Ideal nicht allzu weit entfernt— im schärfsten Gegensatze zu dem Heere, das 1806 so schmählich ziisamnienbrach. Tic Massen, die Scharn- Horst zum Freiheitskriege aufbot— nicht die Landwehr, sondern gerade die Linientruppen—, kamen ihm noch näher: die preußische Landwehr, die ich eben erwähnte, blieb dahinter ebenso zurück wie die Rekrutenheere, mit denen Napoleon deil Feldzug 1813 durchführte. Man könnte vielleicht zweifelhaft sein, ob man eine der- artige Volkswehr noch als Miliz im üblichen Sinne des Wortes bezeichnen darf. Ich wenigstens habe mich stets da- gegen gesträubt, eine solche gut durchgebildete und von er- fayrcnen Stämmen eingerahmte Truppe nur darum als Miliz zn bezeichnen, weil sie eine sehr kurze Kasernendienstzeit hat. Ich würde sie ein Volkshecr in des Wortes eigenster Beden- tung nennen, im Gegensatz zu unserem gegenwärtigen militaristischen System, das mit dem Volkshecr nur die un- erschöpflichen Massen gemein hat. seinem Geiste und innerstem Wesen nach aber dem Soldheer des achtzehnten Jahrhunderts gleicht und nach dem Willen der' Regierenden gleichen soll. Ein solches Volksheer, wie Sic es als das Ideal eines „Miliz/'heeres hinstellen, könnte auch unter den heutigen Ver- Hältnissen und auch in der politischen Lage Deutschlands ohne weiteres durchgeführt werden: natürlich in allmählicher Eni- Wickelung und mit stufenweiseu Uebergängen. Daß die sogenannten Linksliberalcn— und mit ihnen die Weisen des „Berliner Tageblatts"— bei der Heeresvermehrung des„Jubiläumsjahres" so gar keinen Versuch gemacht haben. sich diesem Jedal zu nähern, daß sie ohne weiteres, schwach� herzig und gedankenlos, erklärten, die gegenwärtige Zeit sei für solche Experimente nicht geeignet, ist einer der schwersten Vorwürfe, die man dem an Versäumnissen überreichen Frei- sinn machen muß. Man darf nicht etwa aus die Schweiz verweisen, um deren Milizheer— das übrigens ebenfalls kein Milizheer im ursprünglichen Sinne des Wortes mehr ist— gewisse Schwächen nachzusagen und darum das System als unbrauch- bar für Teutschland zu erklären. In der Schweiz fehlt es noch an kundigen Führern, besonders an Unteroffizieren, und die militärische Jngendbildung, wiewohl der deutschen weit überlegen, steht gleichwohl nicht aus der erforderlichen und er- rei-chbaren Höhe und Allgemeinheit. Im übrigen aber ist die Schweiz wie Schweden ebenso ein Beweis dafür, daß auch der kapitalistische Staat ein Volksheer schassen kann, wenn er nicht gerade an dem Maße von Rückständigkeit und Borniert- heit krankt, wie das junkerlich regierte Preuße n. Das Ideal, das Sie als Miliz bezeichnen, ist etwa das gleiche, das Jan res in seiner„annäe nouvelle" vorgeschwebt hat, das auch vom Standpunkte des Berufsmilitärs aus mit wenigen Aendcrungen in die Welt der Tatsachen übergeführt werden könnte. Nur eine Einschränkung muß ich. wenigstens für die heutige politische Lage im Hinblick auf den imperialistischen Zug machen, der in den nlaßgebenden Schichten aller europäischen Großstaaten vorherrscht. So- lange wir auf dem Gebiete des Pazifismus, auf dem Wege der Schiedsgerichte, auf dem der Organisation der Staatenwclt keine weiteren Fortschritte gemacht haben als gegenwärtig, so lange die Völker selbst, sogar in republikanisch regierten Staaten, keinen größeren Einfluß auf die Entscheidung über Krieg und Frieden errungen haben, ist ein ausgiebiger G r e n z s ch u tz unerläßlich. Es ist ausgeschlossen, daß ein einzelner Staat seine Grenzen von verhältnismäßig starken, dauernd aufrechrerhaltenen Stämmen entblößt, so lange ein einziger seiner Nachbarn sie mit kriegsbereiten oder doch annähernd kriegsbereiten Truppen bedroht. Solange also internationale Verabredungen hier noch keine Abhilfe gebracht haben, werden wir in den Grenzlanden auch für uns eine sirößcrc Kriegsbercitschast und damit eine Annäherung des Volksheeres an das stehende Heer gestatten müssen. Daß solche Abmachungen erstrebenswert sind, braucht nicht betont zu werden. Und noch einen Einwand mögen Sie mir gestatten. politische und soziale Entwickelungsfort- schritt, den ein Milizheer nach Ihrem Sinn bringen würde, ist ein sehr großer und kann kaum zu hoch eingeschätzt werden: die finanzielle Ersparnis aber wird nicht so bedeutend sein, wie man gemeiniglich glaubt. Das schweizer Wehr- system kostet aus den Kopf der Bevölkerung immer noch 11,5 M., das Schwedische etwa 16 M. Teutschland zahlt— und zwar 0 h n e die Marine zu rechneu— gegenwärtig alles in allem etiva 25 M. pro Kopf. Zwischen der schwedischen Leistung und unserer gegenwärtigen würde sich voraussichtlich der Ausgabenposten für ein Volksheer sehr verkürzter Dienst- zeit immer noch halten müssen. Tie gesamte Summe, die für die Verteidigungsfähigkeit Teutschlands anzuweisen wäre, würde daher gewiß an sich noch sehr groß sein. Freilich, wenn man auch nur 5 M. auf den Kopf ersparen würde, so machte das bei einer Bevölkerung von 67Millionen Seelen immerhin das anständige Trinkgeld von 335 Millionen Mark aus— ohne die bei der Flotte gleichfalls möglichen Ersparnisse zu rechnen. Wieviel Elend und Not könnte dairnt gelindert, welche sozialen Einrichtungen getroffen, wievielmehr auf die Schule und auf andere Kulturaufgaben verwandt werden! Ter Kampf um das Volksheer oder, wie Sie sagen, um die Miliz lohnt sich also wohl der Mühe, auch er ist ein Kampf um den Fortichritr menschlicher Kultur." Zu den Ausführungen des Herrn Gaedke wollen wir nur bemerken, daß die Sozialdemokratie, wie auch Jauräs in seinem Buche, neben dem Kampfe um die Miliz auch gleich- zeitig für die internationale Solidarität und Schiedsgerichte eintritt. Tas eine schließt das andere nicht aus. Tic Ver- wirklichuug der sozialistischen Milizidee kann aber nur von den Arbeitcrmassen mit den Mitteln des Klassenkampfes innerhalb und außerhalb des Parlaments erfolgen, das heißt mit Kampfmitteln, für die der bürgerliche Pazifismus nur sehr bedingt zu haben ist. Was die Kosten der Miliz anbe- trifft, so wollen wir hier nicht näher darauf eingehen, da hierzu erst die von Herrn Gaedke angeführten Vergleichszahlen nach- zuprüfen wären. Aber eine schon von ihm zugegebene Er- sparnis von rund einer halben Milliarde gegen die heutigen Rüstung-ausgaben wäre schon recht annehmbar. tzslbe Arbeit. Loudo», 29. Dezember.( P r i v a t t e l e g r a m m des „Vorwärts":) Ter Vorsitzende der amerikanischen See- mannsgewerkschaft, Andrew F u r u s e t h, hat dem Prä- sidentcu Wilson seine Demission als amerikanischer Vertreter auf der zurzeit in London tagenden internationalen Konferenz zur Sicherheit des Lebens zur See übersandt und ist nach Anierika zurückgekehrt. Als Grund der Demission wird angegeben, daß Furuscth mit den Beschlüssen der von den internationalen Reedern beherrschten Konferenz durchaus nicht einverstanden ist. Er suchte vor allem die Forderung durchzudrücken, daß jedes den Hafen verlassende Schiff für alle an Bord befindlichen Per- sonen genügend Rettungsboote und f ü r jedes Rettungsboot zwei seetüchtige M a- t r 0 s e n, die wenigstens drei Jahre zur See oder auf den großen Seen auf dem Verdeck gedient haben, führen müsse. Die Konferenz, die unter dem Eindruck der furchtbaren Titanic- Katastrophe ins Leben gerufen wurde, sprach sich jedoch für das unbestimmte Prinzip„Boote für alle" ans und ließ die Mannschaftsfrage beim alten. Die Forderungen Furuseths gehören zu den Bestimmungen der von den amerikanischen Seeleuten eingereichten und im Oktober im Senat infolge des Widerstandes der amerikanischen und europäischen Reeder in sehr verkümmerter Gestalt an- genommenen Vorlage, die allen Berichten zufolge in nächster Zeit Gesetz werden wird. Immerhin bietet das Gesetz, das ein Jahr später auch auf europäische Schiffe in amerikanischen Häfen zur Antvcndnng gelangen soll, den Seeleuten manche erheblichen Vorteile. Von Arbeiterseite ist schon früher die Befürchtung ausgesprochen tvordcn, daß die Londoner Kon- ferenz dem Zweck dienen sollte, die von amerikanischer Seite drohende nationale Gesetzgebung zu vereiteln. Sozialismus und Bildung. Brnffcl, Ende Dezember.(Eig. Ber.) Die sozialistische Gc- nossenschaft„Maison du Peuple", die im Laufe der Jahre zu einem immer bedeutenderen Faktor im Brüsseler Arbeiterlebcu anwuchs, hat ihre ivirtscbaNlicheMiision immer mehr zn einer allgemein kulturellen für das Proletariat erweitert, und ihre Fürsorge erstreckt sich nicdt nur aus den Verschleiß von gutem und billigem Brot, von Kohle, Fleisch und Stoffen, sondern auch auf die Zuwendung von geistiger Nahrung an die Arbeiter. Neben mancherlei Jnitialivc und male- riellen Unterstützungen für proletarische Kunst- und Bildungszwecke hat die sozialistische Genossenschaft nun auch das BildungS- heim errichtet, in dem die Bildungszentrale, die ihre Tätigkeit über ganz Belgien erstreckr, Sitz und Arbeitsstätte haben wird. Die Eröffnung dieses Hauses war daher esii Fest, das dem Gc- danken der Arbeilerbilduug. der proletarischcu GeisteSkultur gewidmet war. Daß einer der ersten aus dem Reiche des Geistes und der Kunst, Anatole Ffranee, gekommen war, diesen Gedanken in dichterisch gesteigerter Prägung zu verkünden, es rückhaltslos mit Frondeur- stellung des sozialistischen Kämpfers gegen die heutige Ordmtitg oder vielmehr, ivie er selber sagte,„Unordnung" der Dinge, zu tun, das gab der Feier noch schwingenderen Ton und Sinn. Die Feier begann mit einem Rundgang, zu dem die Partei die Delegierten und Parteifunktionäre, die Lehrer der Bildungszentrale usw. geladen hatte. Die erste, nur auf geladene Gäste beschränkte Versammlung. fand im Versammlungssaal des neuen Bildungsheimes statt. Unter den Festgästen und-Rednern befand sich auch E r n e st Solvay, der neuerdings, nachdem er bereits einmal Ivl) vvi) Fr a u k e u s 0 z ia listi s ch eu Bil d ung s zw e ck eu zugewendet hatte, eine Stiftung von einer Million für dieselben Zwecke machte. Sie wird, aus Vorschlag Va uderveldeS, der von der Spende in der Feftvcrsammlung Mitteilung machte, den Namen S 0 l v a y- S t i s t u n g für A r b c i t e r b t l d u n g" führen. Tie Bildungszentrale erhält von der Spende eine Jahressubvention von 30 000 Frank zur freien Verfügung für ihre Bildungsarbeit. Die Verwaltung der Stiftung ist dem Parle: sekretär V a n d e r sm i ssen, Vaudcrvelde und einem Ver- trauensmann Solvah's anvertraut. Nach einer kurzen Ansprache des Administrators des NvIkshauseS, Genossen O c t o r s, nahm V andervelde das Wort. Er erinnerte an den Ursprung der heutigen riesigen Genossenschaft, die— es war im Jahre 1882— mit einem Huudekarren, einem gemieteten Backofen und einem Kapital von einigen hundert Frank begonnen hat. Vom Spender der Million sagte Vanderveldc, daß er wohl kein Sli>zialist, oder wenigstens keiner in dem Sinne sei, dem wir den Begriff geben, daß er aber zu � jenen Männern gehöre, � die im Sozialismus einen wesentliche» Faktor jber sozialen Entwicklung der Gegenlvart erkennen.— Leider seien die Mittel, die die belgische Partei aus eigenem für ÄrbeiterbildUngSzwecke aussetzen könne, nur sehr gering und mit dem BtldnngSbudget der deutschen Partei etiva nicht zn vergleichen. Der Partei- vorstand kann die Bildungszentrale nur mit einer jährlichen Sub- vention von S00 Fr. dotieren; die ,�Prevohance Sociale" Hai 3000 Fr. bewilligt; die lokalen Ausschüjie haben im vergangeneu Jahr immerhin ein Budget von 10 000 Fr. erreicht. Auch die Gewerkschaftszentraleu, au die herangetreten tverden lvird, werden sicherlich ihre Pflicht erfüllen. Was uns mangelt, sagte Vanderveldc, sind mm die Kräfte für unsere Bewegung, die immer anwächst und unter dem Hebel leidet. Die Bildungszentrale wird diese Aufgabe erfüllen. Die wichtigste Ausgabe der Temoiratie ist die Erzieh u n g der Massen. Und sie braucht sie, schließt Vandervelde, nach einem Worte von Anatole Frauee, um sich die Gedanken derer anzueignen, die denken, und die Wissenschaft aller jener, die wissen. Von Beifall umbraust, steigt nun der greise Anatole Frauee auf die Tribüne. Er tvendet sich seinen Blättern zu und liest— den» Auaiolc France ist wie die meisten Dichter kein Redner— mit einer Stimme, die tveich und sanft aus dem Innern kommt, seine Rede: Eine neue Zeit ist angebrochen: das Proletariat reckt seine Hand nach der Wissenschaft, nach den Künsten aus und bemächtigt sich der Waffen des Gedankens und der Schönheit. EL ist ein Irrtum zu glauben, daß es eine Beleidigung der Wissenschaft sei, sie in de» Trubel der sozialen Kämpfe hineinzuziehen und von ihr keine Regeln für das Leben und Prinzipien für das Handeln zu verlangen. E heißt vielmehr sie ver rä t e u, wenn man es vermag, ihre Lehren sobald nicht in das praktische Leben überzuführen. Wir leben in einer Zeit, in der die sozialen Bedingungen in ihrer Gesamtheit noch vom Glauben und von Vorurteilen bestinmu werden, die mit der Wissenschaft nicht nur nichts zu tun haben. sondern ihr widersprechen. Diesen Geist der Autorität müssen wir auf allen Gebieten unseres Handelns durch den wissenschastlicheu Geist ersetzen. Die Unwisseicheit ist vor allem darum so verabscheuuugsivürdig� weil sie die Vorurteile großziehr. Wen» man die Geschichte betrachtet, siudet man allenthalben, daß das Elend, das seil Urzeiten auf der Menschheit lastet, in einer falschen Auslegung der Natur und in jenen Lehren ihre Ursache hat, die zum Weltall eine so unsinnige und grausame Erklärung geben. Nur die Wissenschaft ermöglicht nützliches Handeln. Und was ist denn alle Wissenschaft, wenn nicht Kenntnis der menschlichen Natur oder genauer, die Kenntnis der Beziehungen des Menschen zur Natur und der Bedingungen selbst des Lebens? Und es ist höchst notlvendig. die Bedingungen des Lebens so gut als möglich — oder so wenig schlecht als möglich— keimen zu lernen, damit wir uns den notwendigen allein unterwerfen und keinesfalls den ungerechten, harten oder demütigenden Bedingungen, die die Unwissenheit und der Irrtum uns ans- gezwungen haben. Ans die Beziehung von Kunst und Proletariat über- gehend sagt der Dichter: Ein fast unmerkliches, zartes und doch starkes Band führt von der Idee der Gerechtigkeit zur Idee des Schönen. Es ist eines der engherzigsten Vorurteile der dekadenten Bourgeoisie, zu glauben, daß sie das Kuiistgefühl gepachtet ha: und daß das P r 0 l e 1 a r i a i die Schönheit weder begreifen noch u c r st c h c 11 kann. Das Gegenteil davon ist richrig. Heute, in der k a p i t a l i st i s ch e n G e s e l I s ch a f t, welkt u n d st i r b t die Kunst. Ueber die Mission des Sozialismus für den Welt- frieden sagte Anatole France: Der Sozialismus ist der Frieden. Seine Aufgabe ist, die Herrschenden zu belehren, die unwissenden Massen au'- zuklären n nd die Völkex zu vereinen, die dic kapi. t a l i st i s ch c P 0 l i t i k unausgesetzt m i t f ü r ch t e r I i ch c u Zusammen st ößen bedroht. Die Herrschenden wollen im Grunde nicht den Krieg, sondern nur die Drohung des Krieges. Die Gefahr soll für immer entfernt aber doch immer gegenwärtig sein. Diejenigen, die die Kricgsgerüchte verbreiten. gtaSeit nur zur Hälfte ober gar nicht au sie. Aber sie haben ein Interesse daran, daß daS Volk daran glaube. Diese Interessen kennt Ihr, Genossen! Sie sind sinanzieller und politischer Natur. Ein Volk, das unter der Drohung des Kriegs und dcrZuvasionIebt, i st s e h r l e i ch t z n r e g i er c n. Es verlangt keine sozialen Reformen, es widerstrebt nicht den Rüstungen und Militärlieferungcn. ES zahlt ohne zu schachern, cS richtet sich daher zugrunde, und das ist ausgezeichnet für die sin an- z i c l l e n und industriellen S h n d i l a t e, die aus den patriotischen Schrecknissen eine Luelle reichsten Profits ziehen. Aber trotz des herrschenden Militarismus, trotz der Provokationen der Regierungen und der offiziösen Presse, werden sich die Völker allmählich zum Frieden einigen. Und das sind keine Träume oder Hirngespinste, denn unsere Hoffnung gründet sich auf soziale Tatsachen und die Grundgedanken d c S h i st 0 r i s ch c n Materialismus. Der Wettfriede wird kommen, nicht weil die Menschen besser werden, sondern weil eine neue Ordnung der Dinge, eine neue Wissenschaft, neue tv i r t s ch a f t l i ch e Kot- wendigkeiten den friedlichen Zustand notwendig machen werden. Nicht w i r sind die Träuiner und Illusionisten, sondern jene träumen und täuschen sich, die glauben, weil sie vom Militarismus und der brutalen Kolonisation leben, daß die gegenwärtige Ordnung— oder vielmehr Unordnung— ewig dauern wird. Aber glauben sie eS denn wirklich V Nein, sie zweifeln nicht, daß der Krieg nicht ewig dauern wird und sie wissen, wie man ihn töten und wer ihn töten wird. S i e w i s s e n, daß wir d a S Kriegsungeheuer mit dem Sozialismus töten iv erden, daß die Völkerproletariate sich vereinigen mid ein einiges Welt Proletariat bilden werden, daß nach dem bekannten Wort die Einigkeit der Ar- beiter der Friede der Welt sein wird. Der Sieg des Proletariats ist unausbleiblich. Er ist sicher, w e i l d i e N a t u r d e r D i n g e s e l b st und die Bedingungen des Lebens ihn gebieten und vorbereiten. Ein unbeschreiblicher Jubel folgte diesem sozialistischen Be- kenntnis des Dichters. DaS Wort erhielt dann die Vertreterin des Bildungsausschusses der franzc'sischen Genossenschaften, nach ihr der Obmann des Bildun.�sainsschusseS der deutschen Sozialdemokratie, Genosse Heinrich Schulz. Er be'K rußte die Gründung des sozialistischen BildungsheimS als einen f yvrlschritt der internationalen Arbeiterbewegung. Noch fremdartiger als die französische Sprache habe seinen Ohren die Mitteilu ng geklungen, daß ein Kapitalist für Arbeiter- bildungszweä e eine Million spende. In Deutschland gäben die Reichen ihr Geld nur zur Erdrosselung der Arbeiter- bewcgung i>> ihren Bildungsbestrebungen. Wenn aber auch der deutj chen Arbeiterbewegung Mäzene wie in Belgien nicht zur Verfügung stehen, darf sie gleichwohl von ihren„Millionen" sprechen... ES sind dies zum Beispiel die 4>/� Millionen ihrer ReichStagswähl er, die Millionen ihrer politischen und gewerkschaftlichen Anhänger, die rmS Arbeitergroschen aufgebrachten neun Millionen Mark für ArbeitSlosenimterstiitzung u. a. m.— Das„Kultus"- budget der sozialdemokratischen Partei Deutschlands beträgt an 1 Million Frai.4 pro Jahr. Im Verlauf von 14 Tagen haben Berliner Arveiter' 1'i Million für die Opfer der Arbeitslosigkeit auf- gebracht. DieS sir.d die«Millionen" der deutschen Arbeiter.— lieber die pro letariicheBildnngS arbeit sagte Schulz: Unsere BildungSart>eit zieht ihre Antriebe aus dem Klassen- kämpf, und die Bildmig, die sie schafft, ist eine Klassenkampf- bildnng, die dem Arbeiter die Ideale, die Notwendigkeit und Gesetz- mäßigk-it dieses Kampfes verstälidlich zu machen hat. Ihr Ziel ist die Förderung der Erkeiintni-S des Klassenkampfes und seiner Methoden, die dem Proletarier den Weg toeisen. aus der Unfreiheit deS Kapitalismus und der proletarischen Existenz hcrauszugelangen. Bei der Uebersetzung»ahm der Sekretär der belgischen BildungS- zentrale, Genosse D e M a n Gelegenheit, sich der Auffassung der deutschen Genoffen über Formen und Ziele der prolelarischen BildungSarbeit mit besonderem Nachdruck anzuschließen. Damit war die eine Festversammlung, in der eS auch an musikalischen Genüssen nicht fehlte, zu Ende.— Die zweite frei zu- gängliche, die im großen Fesiiaal des BolkShauseS stattfand. schloß sich immittelbar an. Auch hier nahmen unter dem Vorsitz De BrouckereS Vandcrveldc und Anatole France das Wort. Und auch hier wurde der Dichter von der Menge jubelnd begrüßt und gefeiert..____ Kechttgutschten für IM. Von Ir. jur. Traugott v. Jagow. I. I» Zachen: preußisches Wahlrecht. Gewisse Presse beruft sich auf Königswort, um Antastung bc- währten Wahlrechts bewirken zu können. Ministerpräsident hätte, statt mit Feuer spielen und Pöbel Zugeständnisse zu mache», energisch vor Rechte Sc. Majestät des Königs tretett muffen. König von Preußen ist souverän, kann daher in Souveränität auch nicht durch eigene Verpflichtungen beschränkt werden. Sonst Absturz in Demokratie. Ist somit unzulässig, daß König an sogenannte höchsteigene Versprechungen gebunden; erster Grundsatz, der übri- genS in Edikt vom 3. Februar 170-2 ausdrücklich anerkannt, das niemals aufgehoben, aber auch dann, wenn nicht mehr gültig sein sollte, in, Interesse Erhaltung Staates sofort gesetzlich wieder eingeführt werden müßte. Ist sonach zweifellos, daß König nicht nur nicht Versprechen zu erfüllen braucht, sondern nicht einmal darf, um nicht Anschein erwecken, daß Majestät Souveränität vor Ansprüchen Kanaille preisgeben. Politische Notwendigkeit sowie herrschender Rechtszustand fordert demnach, daß, gerade weil sogenanntes Versprechen auf Acnderuilg preußischen Wahlrechts vorliegt, selbiges niemals ge- ändert werden darf, um Grundlage Monarchie, Souveränität, nicht erschüttern. Woraus folgt, daß sogenanntes Versprechen, auf das sich ge- wisse Presse beruft, sicherste Bürgschaft für Erhaltung preußischen Wahlrechts darstellt. II. Zur Entziehung des Wchrbeitrags. Tie Verurteilung des Malte Ahasverus Freiherrn von Spar- Witz wegen Entziehung des Wehrbeitrags beruht auf falschen Voraussetzungen, worauf zweite Instanz geziemend Rücksicht zu nehmen haben wird. Ist selbstverständlicher Rechtsgrundsatz, daß erworbene Rechte nicht ohne Zustimmung Besitzer aufgehoben werden können. Land- tags-Rezeß vom 2g. Juli 1653(Mylius, Corpus Constitutionum Marchicarum VI, 1—3, S. 425 ff.) besagt ausdrücklich:»Wir Nie unsere„blauen Zungen" verprügelt werüen. Alle Beteuerungen der maßgebeirden Stellen, daß die Soldaten- mißhaiwlungcn weniger werden, finden im Volke wenig Glauben. Die von militärischer Seite erfolgten Feststellungen, daß im Lause der Jahre die Zahl der Verurteilungen wegen' Soldatenmißhand- lungen abgenommen hat, treffen nicht den Kern der Sache. Hin und wieder läßt doch ein Prozeß gegen Soldatenschinder er- kennen, daß sich hinter hohen Kasernenmaucrn und in verschwiege- nen Mannschaftsstuben Szenen abspielen, von denen die Ocffent- lichkeit wenig erfährt. Ein solcher Prozeß fand dieser Tage vor dem Kriegsgericht der Aufklärungsschiffe in Kiel statt. Angeklagt waren der Leutnant zur See Heiligcnstcdt und die Maschinisten- maate Mücke und Handrich, alle drei vom kleinen Kreuzer„Cöln". Ter Leutnant sollte sich Strafgewalt angemaßt haben dadurch, daß- er den Rekruten Strafaufgabcn zu erledigen aufgab, ferner soll er die Unteroffiziere mangelhaft beaufsichtigt und die Mißhand- lungen begünstigt haben. Mücke sollte sich in 41 Fällen, Handrich in 21 Fällen der Mitzhairdlung von Untergebenen schuldig gemacht haben, außerdem hatten sich beide noch in einer Anzahl von Fällen wegen der vorschriftswidrige» Behandlung von Untergebenen zu verantworten. Alle drei hatten Rekruten für den Kreuzer„Cöln" auszubilden und zwar in der verschwiegenen Redoute der See- fcstuug Friedrichsort bei Kiel. Das Treiben der Rckrutencrziehcr wäre wohl kaum au die Ocffentlichkeit gekoiumen, wenn nicht die Sozialdemokratie sich der Geprügelten angenommen hätte. Die „Schleswig-Holstcinischc Volkszeitung" hatte von den eigenartigen Erzichungsmethodeii iu der Rcdoute in Friedrichsort erfahren, machte die Oefscntlichkeit durch eine Notiz darauf aufmerksam und sprach zugleich die Hoffnung aus, daß den Quälgeistern das Hand- Werk gelegt werde. Da die„Schlcswig-Holsteinische Volksztg." sehr eifrig von den Marinebchördcn daraushin gelesen wird, ob sie irgend etwas gegen die Marine veröffentlicht, worauf man ihren Verantwortlichen vor den Strafrichter bringen kann, konnte auch diese Notiz nicht übersehen werden. Auf diese Art kamen die un- geeigneten Rekrutenerziehcr vors Kriegsgericht und die Iiekruten hatten es der sozialdemokratischen Zeitung zu verdanken, daß die Quälereien ein Ende nahmen. Vor Gericht standen zwei Gruppen von Zeugen, sechs Zivil- Personen, die in der Reooute beschäftigt waren und die Mißhand- lungen mit angesehen hatten und eine Anzahl von Rekruten. Die Zivilpersonen, es waren alles Arbeiter, sagten mit größter Sicher- hcit und Bestimmtheit vor Gericht aus, was sie von den Mitzhand- lungen gesehen hatten. Danach haben die Maate die Rekruten mit Ohrfeigen traktiert, ihnen Schläge ins Gesicht und Fusftritte versetzt, sie mit dem Seitengewehr auf das Gesäst geschlagen, ja mit den Füßen auf das Gefäß getreten, wenn oic Rekruten auf der Erde zum Zielen lagen. Em Arbeiter sagte aus, Mücke habe an einem Tage wenigstens 20 Ohrfeigen ausgeteilt und noch Fuß- tritte dazu. Ein Monteur erklärte, er habe an einem Tage bei jedem Schlage, den er gesehen habe, einen Strich an die Wand gemacht. Als er 7 Striche gemacht habe, habe er es aufgegeben, weiter Striche zu machen. Die Zeugen behaupteten auch ganz be- stimmt, daß der Leutnant oft das Schlagen habe sehen müssen; ein- mal habe Mücke die Rekruten im Beisein des Leutnants ins Ge- nick geschlagen. Ausfallend war das Verhalten der Rekruten vor Gericht, von denen etiva 25 als Zeugen geladen waren. Nur einige gaben bou vornherein zu, daß sie geschlagen worden seien. Erst im Laufe der Vernehmung wurde von vielen das Eingeständnis herausgeholt,.daß sie geschlagen worden seien, einer bestritt sogar etwas, was der An- geklagte Mücke schon zugegeben hatte. Jeder der Rekruten, der schließlich zugab, er sei geschlagen worden, erklärte aber daraus so- fort unaufgefordert, eS„habe nicht weh getan", oder„es sei nur Spaß gewesen", oder„es war nur eine Zurechtweisung, weil wir nicht aufgepaßt haben". DaS ging so weit, daß ein Rekrut cS als Spaß erklärte, trohdcm er wegen der erhaltenen Schläge geweint hatte. Zwei Rekruten, von denen der eine einen Schlag mit dem Seitengewehr auf die Nase erhalten hatte, daß sie blutete und der anders von dem Maaten mit den Füßen aufs Gefäß getreten war, als er zum Zielen an der Erde lag, wollten das auch als Spaß auf- gefaßt haben. Ja ein als Zeuge geladener Fähnrich machte sogar die kühne Aussage, die Rekruten seien sehr traurig gewesen, als infolge deS Artikels in der„Volkszeitung" der Maat Mücke von seinem Posten abgelöst worden sei. sie hätten gemeint, einen so guten Korporalschastsführcr bekämen sie nicht loiedcr. DaS Kriegsgericht sah in der Hauptsache nur die Fällc'als er- wiesen an, in denen die Angeklagten die Schläge zugegeben oder die Rekruten erklärt hatten, geschlagen worden zu sein. Tie anderen Fälle hielt das Gericht nicht für genügend ausgeklärt. Ter Leut- nant Heiligenstcdt wurde wegen mangelnder Beaufsichtigung zu 10 Tagen Kainincrarrest, der Maat Mücke wegen Mißhandlung in 6 Fällen, vorschriftwidrigcr Behandlung in 10 Fällen und Ungehorsams in 5 Fällen zu 3 Monaten(vrsängniS und der Maat Handrick wegen Mißhandlung in 3 Fällen und vorschriftswidriger Behandlung in 5 Fällen zu 5 Wochen Mittelarreft verurteilt. Nachgetragen sei noch, daß die Rekruten, wenn sie etwas nicht Friedrich Wilhelm pp. Gereden demnach, geloben und sagen zu, Für Uns, Unsere Erben und Nachkommen, crmeldete Unsere Ge- trewen Landständte sambt und sonders, bey Ihren Privilegien, Freyhciten, Wollhergebrachten Gerechtigkeiten, Besitz, Gewehr und Possession ungehindert und unbetrübet zu lassen, Sie auch insonder- hcit bey den Alten Churfürstl. Reversen und in specie bey den Rever- salen von Anno 1572 ao. 1602 ao. 1615 und die Rewinärkische und in- corporirte Ständte Veh Ihren Reversen de ao. 1611 und 1614, zu schütze» undt zu handthaben, nndt darüber iedcrzcit, stciff, fest und unverbrüchlich zu halten." Eben da wird verkündet,„es sollen auch keine Edicta, so denselben zuwiderlaufen, publizirt werden." Wichtigstes jener Privilegien aber ist Steuerfreiheit preußischen Adels. Danach widerspricht Wehrbeitragsgesetz, sofern Adel ein- bezinht, Landtags-Rezeß vom 26. Juli 1653, wonach keine Edicta, die benannten Privilegien widersprechen, jemals publiziert werden sollen. Wahrer Patriotismus, den preußischer Adel tausendfach mit Gut und Blut bewährt, verbietet mithin, durch Entrichtung, hin- sichtlich Adels rechtsungültigen Wehrbeitrags, Grundlage preutzi- scher Wehrkraft unterwühlen. Wenn sonach Freiherr von Sparwitz bei Veranlagung Wehr- beitrags angab, keinerlei beitragspflichtiges Vermögen und Ein- kommen besitzen, obzwar Eigentümer von 20 000 Hektar Landes, so machte derselbe im Sinne Landtags-Rezesscs vom 26. Juli 1653 durchaus richtige Angaben, weil eben sämtliches Vermögen und Einkommen auf Grund alten unaittastbaren Rechts nicht abgaben- pflichtig. Wenn dieser selbstverständliche Rechtsgrundsatz bezweifelt werden sollte, so ergibt sich unabweisbare Staatsnotwendigkeit, sofort in deutsche Reichsverfassung aufzunehmen. Selbiges umso- mehr geboten, als Deutsches Reich von Preußen, Preußen von märkischem Adel geschaffen, Reich also in sich zusammenfällt, wenn Urheber in heiligen Rechten angetastet. III. Ist das Koalitionsrecht erlaubt? Verbot Koalitionsrechtes, Aufhebung von Gewerkschaften, Konfiskation ihrer Vermögen wird von Umsturz heftig getadelt und an Reichstag und Reichsgericht appelliert. Uebersieht dabei, daß nach altem deutschen Reichsverbot jederlei Koalition schweres Ver- brechen, daß Leib; und Lebensstrafe angedroht wird denjenigen, welche,„wenn die Obrigkeit in Handwerkssachen etwas verordnet wußten, dies 10-, 50-, 100-, 150-, ja in einem Falle 200inal auf- schreiben mußten. Von demselben Gericht �lvurde der Maschinistenmaat Neumann von dem klein--» Kreuzer„Stralsund" zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Er hatte auf dem Fort Korügen bei Kiel Nckruten aus- gebildet und sie oabei auf die Nase und unters Kinn geschlagen, daß sie bluteten, nnd Olirfcigen und Stöße ins Genick ausgeteilt. Das Abschreibenlasseu scheint auf oen Forts an der Kieler Föhrdc eine beliebte Strasmaßregcl oder besser gesagt Quälerei zu sein, denn dieser Rekrutenerzieher hatte bis zu öOOnial abschreiben lassen, so daß einige Rekruten bis in die Nacht bei dieser Arbeit saßen, andere überhaupt nicht fertig wurden. Alle diese Rekrutenerzieher werden aber auch sürderhin die Fähigkeit zur Erziehung der jungen Leute besitzen, denn keinem wurde die Charge aberkannt. Tarin aber liegt eine der Ursachen der Soldatonmißhandlungen, daß man ruhig ungeeigneten Leuten weiter das so verantwortungsvolle Amt überläßt. poUtilcde(leberlickr. Hetze gegen die Gewerkschaften. Das Organ der Reichs- und frcikonservativcn Partei, „Das neue Deutschland" gebärdet sich äußerst ent- rüstet darüber, daß die Gewerkschaften ihre Gelder von der Deutschen Bank zurückgezogen haben, weil diese das Koalitions- recht nicht respektiert. Das Partcisprachrohr der Schlotjunker und Bankokratcn kleidet seinen Zorn in folgende Worte: „Eine angenehme Perspektive eröffnet sich: eine Tyrannei der sozialdemokratischen Gelder über die Banken, die Zentralen uniereS wirtschaftlichen Lebens. Was für Folgen kann das bei Ausbruch eines Krieges haben! Man hat diese Gewerk- schastsgelder die„neue tote Hand" genannt; es lägen hier wie beim Kirchen- und StistungSvermögen Ansammlungen größerer Kapi- talien vor, die dem allgemeinen Wirtschaftsleben entzogen seien. Der Vergleich aber ist grundfalsch, denn die Gclverkscbaflsgelder sind eben nicht aus dem Wirlichastsleben entfernt, sondern sie diene», nicht nur im hier besprocheneu Falle, sondern über- Haupt zur Störung des Wirtschaftslebens. Die alte tote Hand ist volkswirtschastlich schädlich, weil sie abgeschnürt ist vom WirtschaflSorganiSmus des Staates. Die GewcrkichaflS- gelder aber und ebenso die Kapitalien der Arbeiter-Konsum- genossenschasten. die Gelder der sozialdemokratischen Partei nnd der sozialdemosratischen„Volksfürsorge" sind gerade bc- stimmt, im destruktiven Sinne ständig in das WirischaftSleben ein- zugreifen. Man könnte diese Kapitalien viel besser als mit der Bezeichnung„tote Hand" mit dem Namen„drohende Faust" bc- legen. Und d a wehrt man s i ch i m m c r noch dagegen, die Gewerkschaftsverinögen hafte» zu lassen für die Schäden, die die Gewerkschaften im wirtschaftlichen Leben anrichten! Wer so wie die Gewcrkschafle» das wirtschaftliche Leben zu beeinfluffcn sucht, der darf nicht vom Staate künstlich hieb- und stichfest gemacht Ivcrdeu. Heute haben wir e i n A u s- nah mege setz zugunsten der Gewerkschaften: jede natürliche und juristische Perioir nämlich ist voll hast- bar für den Schaden. den sie anrichtet. nur die Ge- werkschaften genießen infolge ihrer NicbtrechlSfahigkeit das Privileg, mit ihrem Vermöge» die schärfsten Uebergnffe unter»i-hme» zu können, ohne dafür die Verantwortung tragen zu müssen. DaS ist eilt unerträglicher Zustand." Also her mit einem Ausnahmegesetz gegen die Gewerkschaften und gegen die organisierte Arbeiterschaft überhaupt. Aller Scharsmacheriveisheit letzter Schluß läuft schließlich auf diesen Rotschrei hinaus. Die Arbeiterschaft braucht sich durch solche Hetzereien nicht in das Bockshorn jagen zu lassen, sie hat aber alle Ursache, gerüstet und aus dem Posten zu sein, damit sie etwaigen Versuchen, Scharfmacherworte in Scharfmachertaten umzusetzen, energisch ent- gegentreten kann/ Kein Attentat auf den Zaberner Posten. Das offiziöse Wölfische Telegraphcnburcau meldet«ws Zabern: Die amtliche Untersuchung hat nunmehr er- geben, daß die am Freitagabend in der Dunkelheit gefallenen Schüsse nicht von diesseits des Kanals vor der Schloßkaserne kamen, sondern zweifellos auf der anderen Seite des Bassins gefallen sind, und>vie zuverlässig feststeht, von einem dort befindlichen Holzlager aus, welches zirka lüe» Meter entfernt ist. Vier Leute haben ausgesagt, daß sie gegen G1/« Uhr abends von diesem Holzlager her zwei Schüsse gehört und auch den Feuerschein wohl gesehen haben. In Anbetracht der Entfernung nnd der herrschenden Dunkelheit war es also gar nicht möglich, den jenseits des Kanals an der Schloß- oder bestraft, sich widersetze», verbotene Komplotts und Ausstand machen, aus der Arbeit treten, sich zusammen rottieren, diejenigen, so sich zu ihnen nicht gesellen, für unehrlich erkennen, und der- gleichen Bosheiten mehr vornehmen". War mithin höchste Zeit, daß lang geduldetem Unfug endlich gesteuert und geordneter Rcchtszustand wieder hergestellt. IV. Tie polizeiliche Auflösung des Reichstags. Soeben erfolgte Auslösung Reichstages durch Potizeigewalt, wird von Schreiern als ungesetzlicher Gewaltakt belästcrt. Wird außer Augen gelassen, daß nach Allgemeinem preußischen Landrccht niemand befugt, sich selbst Recht suchen, sondern in vorgeschriebenem Instanzenwege vorgesetzte Behörde submissest anzugehen. Reichstag stellt danach unzulässige Einmischung in Ordnung aller Angelegenheiten durch gotteingesetzte Obrigkeit dar, und ist, nach preußischem Rcchtsgrundsatz, unbefugte Selbsthilfe von Unter- tauen gegen Akte der Staatshoheit. Mithin jeder Zweifel ausgeschlossen, daß Reichstag gegen Ge- setze verstößt Unbestrittenes Recht der Polizei aber, gegen gesetzwidrigen Zu- stand einzuschreiten, folgt lückenlos aus Begriffsbestimmung Allge- meinen preußischen Landrcchts, daß Polizei Aufgabe zufällt, gesctz- liche Ordnung i» Staat aufrecht erhalten. V. Das Recht aus Liebe. Verhaftung vcrehclichtcr Schauspielerin Marie Rigault, weil freundliche Angebote Polizeileutnants zuständigen Reviers zurückgewiesen, wurde wegen Geschreis unbefugter öffentlicher Meinung aufgehoben. Gerichtsbehörde hat offenbar nicht beachtet, daß genannte Frauensperson, indem sie dienstlichen Befehl des Beamten, bei not- wendig gewordener Haussuchung, auch Herz und sonstig« Bcbalicr inkriminierten Körpers zu öffnen, sich Widerstandes gegen Staats- gewalt schuldig gemacht, der, wenn fortgesetzt, Gefahr herbclführt, daß zur Durchführung öffentlicher Rechtssicherheit bestellte Organe, gegen Gesetz und Titte, zu grausamem Zölibat verurteilt werden. Außerdem stellt sich Delikt als ideelle Vorbereitung emeS Ver- suches der Abtreibung am untauglichen Objctt dar. Verhaftung tvar somit begründet und ist unverzüglich wieder herzustellen. mauer patrouillierenden Posten zu sehen, und es ist ganz, ausgeschlossen, daß der Posten unter solchen Umständen von dem Holzlager aus hätte getötet werden können.— P o n einem Attentat auf den Posten kann somit keine Rede sein. Die reaktionäre Presse wird über diese amtliche Fest- stellung natürlich wieder vor Wut heulen. Ter Prozeß gegen tCberst Reuter. Die vor dem Gericht der 30. Division in Straßburg statt- findende Verhandlung gegen Oberst v. Reuter und Leutnant Schab ist nunmehr auf den 5. Januar vormittags 9 Uhr angesetzt und findet im Justizgebäude am Finkmattstadcn statt. Die Verteidigung der beiden Angeklagten hat Rechtsanwalt Dr. Grossart- Stratzbnrg übernommen._ Forstners Sekundanten. Die„Kreuz-Zeitung" entrüstet sich am Montagabend wieder auf nahezu drei Spalten über die Verurteilung des Leut- nants v. Forstuer. Ein alter Offizier kommt zu Worte, der angeb- lich 24 Jahre in Eliafi-Lothringen gestanden hat und der die un- gcheuerlichsten Geschichten über die Behandlung erzählt, der die Offiziere und die deutschen Beamten in den Reichslanden ausgesetzt sein sollen. Er bezeichnet es als einen großen Fehler, daß man den Diklaturparagraphen aufgehoben und dem Lande eine Verfassung gegeben habe. Als den einzig möglichen Ausweg bezeichnet er ein scharfes Borgehen gegen die Redaktcure, und zu diesem Zweck ver- langt er für die Offiziere das Recht, Stiafanträge stellen zu dürfen, ohne erst den vorge'chriebenen Instanzenweg einhalten zu brauchen. Zu den reichsländischen Richtern hat der«alte Osfizier" das Bcr- trauen, daß sie mit harten Gefängnisstrafen zugreifen werden. Ein anderer Mitarbeiter des Blattes macht einen Vorschlag, der wenigstens den Reiz der Neuheit hat. Nach dem Gesetz bleibt straf- frei, wer in Bestürzung, aus Furcht oder Schrecken gehandelt hat. Es wird nun klargelegt, daß der Leutnant v. Forstner diese Frage verneinen mutzte, wenn er noch länger Offizier bleiben wollte. Die Bejahung dieser Frage hätte nämlich erkennen lassen, daß es ihm an der nötigen Festigkeit gefehlt habe, und die Folge wäre gewesen, daß er deshalb seinen Abschied hätte nehmen müssen. Der Ver- fasser des Artikels schlägt nun vor, in das Gesetz mit einzufügen. daß die Neber schreitung der Notwehr auch dann nicht strafbar ist, wenn der Täter im Zorn gehandelt hat. Man muß gestehen, daß das eine sehr radikale Lösung all dieser Fragen wäre, die in der letzten Zeit aufgetaucht find. Ein Offizier könnte dann jemand auf der Straße niederschlagen, niederstechen oder totschießen, es könnte ihm nichts geschehen, wenn er nur glaub- Haft machen würde, daß er seine Handlungen im Zorn verübt habe! Daß ein derart verrückter Vorschlag überhaupt der Oeffent- lichkeit übergeben werden kann, beweist, daß die militaristischen Kreise, die hinter der„Kreuz-Ieitung" stehen und die Tag für Tag eine geradezu wahnsinnige Hetze entfallen, anfangen, jedes Augen- maß über die Tragweite ihrer Aeußerungen zu verlieren. Selbst- verständlich klingen alle Artikel, die die„Kreuz-Zeituilg" bringt, in die feierliche Versicherung aus, daß der Held Forstner zu Unrecht verurteilt sei._____ Tisziplinarvcrfahren gegen den Zaberner Kreisdircktor. Um die Behauptung der militaristischen Presse, die Zivil- Verwaltung in Zabern habe versagt, zu widerlege», hat der Kreisdirektor von Zabern die Einleitung eines Disziplinar- Verfahrens gegen sich beantragt. Das clsaß- lothringische Ministerium hat diesem Antrage stattgegeben und es wird sich nun feststellen lassen, ob an den militaristischen Behauptungen etwas Wahres ist. Der llmstand, daß der Kreisdirektor das Verfahren gcgest sich selbst beantragt hat, spricht dafür, daß er seiner Sache sicher ist. Jagow und das Staatsministeripm. Wie der«Berliner Lokal-Anzciger" meldet, hat der Polizei? präside nt v, Jagow, einer Aufforderung des Minister? des Innern entsprechend, dem Staatsministcrium eine eingehende schriftliche Darlegung über seiiie bekannte Zuschrift wegen der Verurteilung des Leutnants v. Forstncr zugchen lassen. Ein Politischer Ticbstahlsprozest. Gegen den polnischen Redakteur Franz K r y s i a k in Berlin ist ein Strafverfahren wegen Diebstahls und Hehlerei eingeleitet worden. Die polnische Presse veröffentlicht seit einiger Zeit Briefe und Akren- stücke, durch die der O st m a r k e n v e r« i n bloßgestellt wird. Von hakalistücher Seite kann man die Richtigkeit der veröffentlichten Schriftstücke nickt bestreiten, aber man behauptet, der genannte Redakteur habe sich auf strafbare Weise in den Besitz deS Materials gesetzt.__ Oeftermeb. Arbeitslosendemonstration in Wien. Wien, 29. Dezeinber. Die Gewerkschaftskommission Oesterreichs veranstaltete gestern in der Volkshalle eine Massenversammlung, die von der Regierung und der Ge- ntcindc Wien sofortige Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit forderte. Nach der Versammlung zog eine ungeheure Menschenmenge unter dcni Absingen von Arbeiterliedern und Entrüstungsrufen gegen Abgeordnete und gegen die herrschende Wiener Partei zum Rathaus. RiilUand. Abgcordnetcnimmunität. Als die sozialdemokratischen Dumaabgcordneten Tschcheidse und S k o b e l c w bei ihrer Rückkehr aus dem Auslände am 2l. De- zcmber die russische Grenzstation Wirballen passierten, wurden sie nicht nur von den Zollbeamten, sondern auch von den Gendarmen einer peinlichen �Visitation unterworfen. Der Gcndarmcrieoberst konfiszierte bei den Genossen einige Zeitungen in russischer Sprache und einige deutsche Schriften, darunter die Arbeitslosenstatistik des Berliner Mctallarbcitcrvcrbandes. Von sämtlichen Schriften hatten die Genossen nur je ein Exemplar sbci sich. Auf den Protest der so schmählich vergewaltigten Abgeordneten entgegnete der Gen- darmcricobcrst, er habe eine besondere Vorschrift vom Polizei- dcparicment in Petersburg erhalten. Indirekte Hecresvermehrung. Petersburg, 29. Dezember. Wie„Ruski Invalid" meldet, war die im Jahre 1912 angewandte Zurückhaltung aktiver U n t c r m i I i t ä r s ein günstiger Versuch hinsichtlich der Vorbereitung der Armee in den Wintcrmonaten. Gewöhnlich erfolgt die Entlassung zur Reserve zwischen dem 14. und 28. Nov., also anderthalb bis zwei Monate vor der gesetzlich festgestellten Frist. Nach derEntlassung beginnt dasEintreffen der Rekruten bei den Truppenteilen, was eine bedeutende Zahl geübter Unter- Militärs zur Ausbildung der Rekruten erforderlich niacht. Infolge- dessen bleiben die Truppenteile während der Wintcrperiode vom 14. November bis 14. April der ersten Uebungen der Rekruten j in ihren Beständen in sehr fühlbarer Weise geschwächt.' Solche Erwägungen haben im Z u s a m ni e n h a n g m i t dem Wachsen der Armeen wichtiger w e st- europäischer Staaten das Kriegsressort bewogen, zu der so glänzend bewährton Maßnahme des Vorjahres zu greifen, die die Kampftüchtigkeit der Armee ohne besondere Ausgaben bedeutend zu erhöhen gestattet. Der Kriegs minister beabsichtigt die Hinausschiebung der Entlassung zur Reserve auf gesetzgeberischem Wege zu einer be- ständigen Maßnahme zu machen, und fand es für nötig, diese Hinausfchiebung auf der Grundlage des Artikels 22 des Wehrpflichtgesetzes für das laufende Jahr an zuordnen, wozu die kaiserliche Genehmigung am 17. Dezember erfolgte, Ein solches Vorgehen des Kriegsministers würde die Dienstzeit des russischen Soldaten gleichsam auf Schleich- wegen um rund drei Monate verlängern. Das ist natürlich gleichbedeutend mit einer enormen Erhöhung des Mann schaftsbestandes der russischen Armee. Die gewaltigen Heeres Vermehrungen dieses Jahres in Deutschland und Oester reich werden die Dumamehrheit den militaristischen Wünschen geneigt machen. Die russische Maßnahme wird aber den deutschen Rnstungstreibern Anlaß geben, von neuem eine verstärkte„Sicherung" an der Ostfront zu ver lange». Rumänien. Sozialisten- und Judenhetze in Jaffy. Bukarest, 29. Dezember. Nach hier eingelaufenen Meldungen ist die Stadt I a s s y gestern der Schauplatz großer antisemitischer Ausschreitungen gewesen. Aus Anlaß einer von den Sozialisten einberufenen Versammlung, in welcher über die Judcnfrage re- feriert werden sollte, kam es zu großen Ausschreitungen. Die n a t i o n a l i st i s ch c n Studenten versuchten die Versammlung gewaltsam zu verhindern. Hierbei kam es auf der Straße zwischen Sozialisten und Juden einerseits und der nationalistischen Stu dentenschaft andererseits zu einer großen Schlägerei. Fortgesetzt ertönten Rufe:„Nieder mit den Juden", und die Juden selbst wurden von der Volksmenge mißhandelt. Schleunigst herbei gerufene Infanterie war in ihrer ersten Stärke den Tumultanten gegenüber machtlos und es mußten weitere zwei Kompagnien her beigcrufcn werden. Das Militär ging schließlich mit dem Bajonett gegen die Ruhestörer vor. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorge- nommen. In der Stadt herrschte große Aufregung, da die Ruhe störcr zahlreiche Fensterscheiben einwarfen und die Delegierten der Sozialisten, die zu der Versammlung hier eingetroffen waren, an der Abreise gehindert wurden. Schließlich wurde Kavallerie zu Hilfe gerufen. Die Unruhen dauerten bis spät nachts an. Mexiko. Will Hucrta abdanken? Mexiko, 27. Dezember.(Meldung des Reutcrschen Bureaus.) Die mexikanische Regierung hat ihren Vertreter in Washington beauftragt, bei dem Staatsdepartement gegen die Unterstützung zu protestieren, die die Amerikaner den Rebellen in Tampico und Mazatlan geleistet haben. Nach einem Gerücht, das von einigen Mitgliedern der hiesigen diplomatischen Korps für glaubhaft gehalten wird, soll der gegen- wärtige Justizministcr Minister des Auswärtigen und sodann Huertas Nachfolger werden. Hucrta werde aufangs des kommenden Jahres zurücktrcicn, um den Oberbefehl der Armee gegen die Rebellen zu übernehmen. Japan. Hungersnot. Tokio, 28. Dezember. Aus den Provinzen Aomori und Hokkaido kommen Einzelheiten über die Hungersnot, die eine Folge der gänzlichen Mißernte und der Ertragslosigkeit der Fischerei ist. Viele Taufende sind dem Hungertode nahe. Eltern verkaufen ihre Töchter an Mädchenhändlcr. Täglich kommen in Tokio Trupps Mädchen an, die entweder ins Aus land oder in das Aofhiwaraviertel gehen. Die Regierung hat sechs Millionen Zen als Unterstützungsfonds gegeben. Bus der Partei. Eine Konferenz der sozialdemokratische» Landtagsabgeordneten i» Thüringen wurde am Sonntag in Rudolstadt abgehalten. Gegen- wärtig sitzen in 8 Landtagen der neun Thüringer Vaterländer 37 so- zialdemokratische Landlagsabgcordnete: von diesen waren 29 er- schienen. Nach dem vom Genossen Leber- Jena erstatteten Snualionsberrcht ist seit der letzten Konferenz eine Verschlechterung des Landtagswahlrechts in zwei Staaten eingetreten.— Genosse Bock- Gotha referierte über die Trennung der Kirche vom Staat. Nach eingehender Debatte einigte man sich auf bestimmte Grundsätze, die von den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten in de» Thüringer Landtagen bei Behandlung dieser Frage maßgebend sein sollen.— Genosse K n a u e r- Sonnebcrg behandelte eingehend die Gemeindeordnungen in den Thüringer Staaten. Nach längerer Aus- spräche wurde eine Resolution angenommen, die sich gegen die seit Jahren bemerkbar machende Verschlechterung des StimmenrechteS wendet.— Die nächste Konferenz soll in Meiningen oder Gotha stattfinden. Ter Parteitag der P. P. F. Am zweiten Weihnachtstage wurden die Verhandlungen fort- gesetzt. Die von Biniszkiewicz vorgeschlagene und schon mitgeteilte Resolution wurde mit unwesentliche» Abänderungen angenommen. Sodann begann die Debatte über die G e w e r k s ch a f t s f r a g e. Sie dauerte bis gegen Mitternacht. Biniszkiewicz und Genossen arbeiteten auch hier gewaltsam auf den Separatismus los. Wieder- hott griff D 1) n m a>l t- Krakau in die Verhandlungen ein, un, vor einem solchen Beschluß zu warne». Seine Worte traten taube Ohren. Gegen Mitternacht wurde der Beschluß gefaßt, eine polnisch- sozialistische Gewerkschaft zu griinde». Die Organisation soll von vornherein als eine politische bei der Behörde angemeldet werden. Ein Statutenentwnrf war schon vorbereitet und wurde an- genommen. Auch wurde gleich der Vorstand für die neue„Gewerk- ichasl" gewählt. Klar ging aus den Worten der führenden Leute der P. P S. hervor, daß diese scparatistisch-gewerkschaftliche Orga- nisation nur de» Zweck hat, den politiicheii Separatismus zu stützen und das Weilererscheinen des„Dzierniik Robotniczy" zu ermöglichen. Ob sich die Arbeiter hierzu gebrauchen lassen werden, ist allerdings noch sehr zweifelhaft. Die Verhandlungen waren damit beendet. Verleumdung eines italienischen Parteigenossen. Rom, de» 27. Dezember.(Eig. Ber.) Der Abgeordnete von Verona II, Genosse T o d e s ch i» i iit von einem Triestiner Revolverblatr.,1�» oocka clol diavolo� beschuldigt worden, während seines Anfemhalles in Trieft die Entlassung ilalienischer Arbeirer verschuldet zu haben. Er hätte sie als Jrrcdentisten angezeigt, um an ihrer Stelle ihm befreundeten Personen Arbeit zu verschaffen. Auf die gemeine Anschuldigung des gemeinen Blattes nahm die Zeitung„Arena" in Verona in einem Artikel bezug. In der Folge wurde sie auch in der Kammer zur Sprache gebracht. Daraufhin klagte Todeschini wegen Beleidigung. Der Prozeß hat nun mit der Freisprechung des beklagten Blattes geendet. In der Urteils- begriinduilg heißt es, daß die Zeitung die Beleidigungen des Triestiner Blattes nicht wiedergegeben bat, sondern nur auf sie hingewiesen und dabei beklagt, daß man derartige Beschuldigungen gegen einen italienischen Abgeordneten erheben könne. Da nun aber die Mai- länder„Perseveranza" die Behauptungen des Triestiner Blattes zum Teil abgedruckt hat, hat nun Todeschini die„Perseveranza" ver- klagt, und ztvar wegen Verleumdung, wodurch der Beklagte in die Lage versetzt wird, den Wahrheitsbeweis seiner Behauptung zu er- bringen. Die Verleumdung stammt zwar aus einer Quelle, die wegen ihrer notorischen Unlauterkeit keine Beachtung verdient; da man aber die Sache in der italienischen Kammer aufgebauscht hat, mußte Genosse Todeschini durch die Klage seinen guten Namen schützen.__ Protestbewegung gegen die russischen Greuel. In A n, st e r d a ni fand am Sonn t a g eine Versammlung statt zur Gründung einer Kommission, die für die politischen Ge- fangenen Rußlands Geld sammeln und die russischen Gefängius- greüel mittels der Presse bekannt machen will, in Anlehnung an der- artige Bestrebungen in anderen Kulturländern. Im Ausschuß der Versammlung saßen außer dem ParteivorstandSmitglied W i b a u t auch die beideu bekannten Literaten Dr. Frederick van Eeden und Dr. Wissing. Genossin Henriette R o l a n d- H o l si führte für den Ausschuß das Wort. In der Versammlung waren auch die sozialdemokratischen Parlamentsmitglieder Hugenholtz, K l e e r e k o p e r, Dr. M e n d e l s und V l i e g e n anwesend, und weiter außer den Führerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung noch Dr. Le v l,. einer der namhaftesten Advokaten Hollands und Dr. van Hall, der Redakteur der ältesten und verbrettelsten Zeitschrift„De Gids". Es ist also zu erwarten, daß die Bewegung sich in Holland über weite Kreise ausdehnen wird. Letzte Nachrichten. Die französische Anleihe. Paris, 29. Dezember.(W. T. B.) � Der Senat setzte heute die Beratung der Gesetzesvorlage betreffend die zwei Budgetzwölftel fort. Fiuanzminister C a i l l a u x erklärte, er tverde vor dem Zu- standekommen der verzögerten französischen Anleihe nur solche An- leihen des Auslandes zulasse», die ein nationales Interesse dar- stellten und die nicht eine für den Geldmarkt gefährliche Höhe er- reichten.____ Die Armeesolderhöhung. Paris, 29. Dezember.(W. X. B.) Di- Dcputiertcnkammcr hat den Gesetzentwurf über die Soldcrhöhungen in der vom Senat abgeänderten Fassung mit 483 gegen 22 Stiimncn angenommen. Tie serbische Ministerkrise. Belgrad, 29. Dezember.(P. C.) Wie in gut� informierten Kreisen versichert wird, sind Ministerpräsident P a s ch i t s ch, der Minister des Inneren P r o t i s ch und der �inanzminister B u t s ch a entschlossen, aus ihrer Demission zu be- h a r r cu, da sie sich ihres hohen Alters wegen der schwierigen Stuf- gäbe der gegenwärtigen Situation nicht gewachsen fühlen. Trotzdem würde das Kabinett auch weiterhin nur aus Altradikalcn, jedoch jüngeren Politikern, zusammengesetzt bleiben. iM Kreisen b�r alt- radikalen Partei wird allgemein erklärt, daß an eine.luslösuug der Skupschtina nicht zu denken sei, da die Regierung über die absolute Majorität versiigt. � Attentnt auf einen ungarischen Reichstagsabgcordncten. Arad, 29. Dezember.(P.-C.) Heute vormittag schoß in der Gemeinde Kürtös der dortige Gemeindewirj Nikotau».Nladtn auf den Reichstagsabgeordnctcn Dr. Wladislaus Hanery in dem Moment drei Revolvcrschüssc ab, als sich Dr. Hauerh zur Sitzung des Ge- meinderats, dessen Mitglied cr ist, begeben wollte. Hanert) wurde nach Budapest übergeführt, doch ist sein Zustand kein kritischer, lieber den Grund des Attentats bestehen zwei Versionen. Nach der einen soll es sich um einen Akt der Eifersucht handeln, nach der zweiten soll Dr. Hanery die Frau des Gastwirts um ihr Vermögen von 100 009 Kronen gebracht haben. Ein englisches Kriegsschiff in mexikanischen Gewässern. London, 29. Dezember.(W. T. B.) Wie das Rcutcrsche Bureau erfährt, ist der englische Kreuzer„Laneaster" auf dw Meldung hm. daß bewaffnete Mexikaner die Grenze von Brittsch-Houduras über- schritten hätten, in den mexikanischen Gewässern cmgctronen und hat Matrosen und Seesoldaten gelandet, die bei der Ausrcchterhat- tung bcr Ordnung helfen und dafür sorgen sollen, daß das britische Gebiet nicht zu ungesetzlichen Zwecken mißbraucht wird. Aufstälidische Regimenter in Ehina. Peking, 29. Dezember. kW. T. B.) In Talifn in der Provinz Viiciliian haben am 8. Dezember drei Regimenter gemeutert, die Offiziere niedergeschossen, die Waffcnlager und eine höhere Schule überfallen und einen Lehrer, sowie mehrere Studenten und Bürger getötet; sie haben darauf im Namen SunjatsenS die Unabhängigkeit erklärt. Tie Meuterer errichteten in dem umliegenden Distrikt eine Schreckensherrschaft. Auch viele Personen wurden getötet oder ver- wundet, die Fremden aber geschützt. 14 Tage später ist Talisu von einer Abteilung loyaler Truppen wiedcrgenommen worden. Eine starke Truppcnmacht ist jetzt von Juennaiifu auf dem Marsche nach Talisu, um dort die Ordnung wiederherzustellen. Riesenbrand in Montreal. Montreal, 29. Dezember.(P. E.) Ein enormes Schaden- scuer hat einen großen Teil der alten französischen Stadt im Osten Montreals in Asche gelegt. Eine große Anzahl der alten arm- lichen Hütten ist zerstört und auch bereits zwanzig große Gebäude sind den Flammen zum Opfer gefallen. An einigen Punkten der bedrohten Stadtviertel entstand durch die Explosion von Gas- robren eine Panik. Die Löscharbeiten sind infolge der strengen Kälte sehr schwierig; daS Wasser, das aus den Rohren der Dampf- spritzen kommt, gefriert sofort, sowie es auf den gefrorenen Boden oder die Häuser aufschlägt. Gefährliche Schneestürme. Moskau, 29. Dezember.(W. T. B.) Bei der Station Ezekinc der Eisenbahn Moskau— Kursk sind sieben Personen im Schneesturm umgekommen. Feuerobrunst in Su» Sebastian. San Sebastian, 29. Dezember.(P.-C.) Eine heftige Feuers- brunst, die die Stadt schwer bedroht und deren Umfang noch nicht abzumessen ist, herrscht seit gestern abend in der Stadt. Ein aus uubekamiter Ursache ausgcbrochener Brand konnte infolge des starten Sturmes trotz angestrengter Bemühungen der Feuerwehr nicht gelöscht tvcrden und griff mit rasender Geschwindigkeit um sich. Die nächsten Opfer des Brandes waren das Stadtthcater und der Zirkus Pate, die völlig zerstört sind. Auch zwei in der Nähe liegende Cafes waren bald ein Raub der Flammen. Bisher lvarcu alle Bemühungen, dcni Feuer Einhalt zu tun, vergeblich,' da der Sturm noch immer weiter fortwütet. In bei Stadt herrscht furchtbare Erregung. Zahlreiche Menschen lassen ihre Habe im Stich und fliehen, nur mit dem Notdürstigsten ausgerüstet, an die Küste oder in den Hasen, um an Bord der Schiffe Zuflucht zu suchen. Die Zahl der Schiffe genügt jedoch bei weitem nicht zur Aufnahm« der Flüchtigen, und zahlreiche Menschen sind genötigt, ohne Schutz bei hesligem Sturm und. starker Kälte im Freien zu kampieren. Ortskrankenkasse für das Buclidruckgewerbe zu Berlin. Bekanntmachung betr. die'Wahlen der Vertreter und der Ersatzmänner zum Ausschuß der Kasse für die Zeit bis 31. Dezember 1917. Auf Grund des§ 71 der neuen Satzung sind für die Wahlperiode bis zum 31. Dezember 1917 in getrennter Wahlhandlung zu wählen: 15 Vertreter und 30 Ersatzmänner aus der Mitte der.Arbeit- geber und 30 Vertreter Versicherten. und 60 Ersatzmänner aus der Mitte der Die wählen am Mittwoch, den 18. Februar 1914, von 6 bis 9 Uhr abends. Im Papierhause, Dessauer Str. 2. Wahlberechtigt sind solche volljährigen Arbeitgeber, die für ihre versicherungspflichtig Beschäftigten Beiträge an die Kasse zu zahlen haben. Arbeitgeber, die selbst versichert sind, zählen zu den Arbeitgebern, wenn sie regelmäßig mehr als zwei Versicherungspflichtige beschäftigten; andernfalls zu den Versicherten. Das Wahlrecht ist in Person auszuüben. Für die Wählbarkeit stehen den Arbeitgebern bevollmächtigte Betriebsleiter, Geschäftsführer und Betriebsbeamte der beteiligten Arbeitgeber gleich. Die Arbeitgeber führen bis zu 100 versicherungspflichtig Beschäftigter für je angefangene 10, und wegen der über 100 hinausgehenden Zahl für je angefangene 20 Beschäftigte eine Stimme. .Mehr als 30 Stimmen kann kein Arbeitgeber führen. Die Arbeitgeber können sich von der Kusse bescheinigen lassen, wie viel Stimmen sie führen. Weder wählbar noch wahlberechtigt sind die Arbeitgeber unständig Beschäftigter als solche und Arbeitgeber, die mit der Zahlung der Beiträge im Rückstand sind; ferner Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Ersatzkasse sind, und deren eigene Rechte und Pflichten auf ihren Antrag ruhen. Wer als Arbeitgeber wählbar ist, kann die Wahl nur ablehnen, wenn er I. das sechzigste Lebensjahr vollendet hat. 2. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat; Kinder, die ein anderer an Kindesstatt angenommen hat, werden dabei nicht gerechnet, durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, das Amt ordnungsgemäß zu führen, mehr als eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt. Die Vormundschaft oder Pflegschaft für mehrere Geschwister gilc nur als eine; zwei Gegenvormundschaften stehen einer Vormundschaft, ein Ehrenamt der Reichsversicherung einer Gegenvormundschaft gleich, während der unmittelbar vorhergehenden Wahlzeit das Amt mindestens zwei Jahre geführt hat. Ein Arbeitgeber, der die Wahl ohne zulässigen Grund ablehnt, kann vom Vorsitzenden des Vorstandes mit Geldstrafen bis zu fünfhundert Mark bestraft werden. 3. 6. Die"Versicherten wählen am Sonntag, den 15. Februar 1914, von vormittags 9 bis nachmittags 2 Uhr, in folgenden Lokalen: VW. Schüler(Brauerei Patzenhofer), Turmstr, 25/26. V. Ballschmieders Festsäle, Badstr. 16. VO. Brauerei König Stadt, Schönhauser Allee 10. O. Prachtsälo des Ostens, Frankfurter Allee 151/152. SO. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. S. und SW. Bockbrauerei., Fidicinstr. 2. W. Saal der Scbloßbrauerei Schöneberg, Hauptstraße 122/124. Veukölln und Britz. B a r t s c h s P e s t s ä l e, N e uk öll n, Hermannstr. 49. Die Versicherten werden gebeten, die Wahl in demjenigen der vorstehenden Lokale, welches ihrer Wohnung am nächsten liegt, ztp vollziehen Wahlberechtigt sind alle volljährigen bei der Kasse versicherten Mitglieder. Das Wahlrecht ist in Person auszuüben. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist ebenfalls nur, wer bei der Kasse versichert ist. Die Wahl wird durch den Vorstand geleitet. Die Wahl ist geheim. Gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl, sowie nach den Bestimmungen der Wahlordnung, die der Kassen- Satzung im Anhang beigefügt ist. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Nicht wählbar ist 1. wer infolge strafgerichthcher Verurteilung die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eines Verbrechens oder Vergehens, das den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn das Hauptverfahren eröffnet ist, 2. wer infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Die wahlberechtigten Arbeitgeber und Versicherten werden hierdurch aufgefordert, Wahlvorsohläge, gesondert für die beteiligten Arbeitgeber und Versicherten, aufzustellen und von den Arbeitgebern spätestens bis Mittwoch, den 21. Janaar 1914, von den Versicherten spätestens bis Sonnabend, den 17. Jannar 1914 dem Vorstand einzureichen. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens je zehn Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe mit zusammen mindestens 30 Stimmen unterzeichnet sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wahlvorschlag, so wird sein Name nur auf dem zuerst eingereichten Wahlvorschlag gezählt und auf den übrigen Vorschlägen gestrichen. Werden mehrere Wahlvorschläge, die von demselben Wahlberechtigten unterzeichnet sind, gleichzeitig eingereicht, so gilt die Unterschrift auf demjenigen Wahlvorschlag, welchen der Unterzeichner binnen einer ihm gesetzten Frist von höchstens zwei Tagen bestimmt. Unterläßt dies der Unterzeichner, so entscheidet das Los. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal so viel Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter fortlaufender Nummer aufzuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien- und Vor- (Ruf-)Namen, Beruf, Wohnort und Wohnung zu bezeichnen.- Bei Versicherten sind auch die Buchnummer und auch der Arbeitgeber, hei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahl- Vorschlägen für Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wahlvorschlägen für Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur erforderlieh, soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 RVO. zur Ablehnung der Wahl befugt ist. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahlvorschlags und ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu bezeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschlags und, soweit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Der Wahlvorschlagsvertreter ist berechtigt und verpflichtet, dem Vorstand die zur Beseitigung etwaiger Anstände erforderlichen Erklärungen abzugeben. Der Vorstand hat die eingereichten Wahlvorschläge nach der Reihenfolge ihres Eingangs mit Ordnungsnummern zu versehen, zu prüfen und etwaige Anstände umgehend dem Wahlvorschlagsvertreter mitzuteilen. Die Anstände müssen spätestens zwei Wochen vor dem Wahltag beseitigt sein. Bis zu diesem Zeitpunkt können Wahlvorschläge auch zurückgenommen werden. Ist ein vorgeschlagener Bewerber nicht in der im§ 7 bestimmten Weise bezeichnet, so ist der Wahlvorschlagsvertreter zur Ergänzung der Bezeichnung aufzufordern. Koramt er der Aufforderung nicht rechtzeitig nach, so wird der Name des unvollständig bezeichneten Bewerbers in dem Vorschlag gestrichen. Wird eine Erklärung über Annahme der Wahl, soweit sie nach§ 7 erforderlich ist, trotz Erinnerung seitens der Vorstandes nicht oder nicht rechtzeitig vorgelegt, so wird der Namo des betreffenden Bewerbers ebenfalls gestrichen. Personen, die auf mehreren Wahlvorschlägen genannt sind, werden durch Vermittelung der Wahlvorschlags Vertreter zu einer Aeußerung darüber aufgefordert, welchem Wahlvorschlag sie zugeteilt zu werden wünschen. Erklären sie sich hierauf nicht rechtzeitig, so werden sie demjenigen Vorschlag zugerechnet, auf welchem sie an oberer Stelle vorgeschlagen sind. Stehen sie auf mehreren Vorschlägen an gleich hoher Stelle, so sind sie demjenigen zuzurechnen, welcher zuerst eingereicht wurde. Sind die Vorschläge gleichzeitig eingegangen, so entscheidet das Los. Auf den übrigen Vorschlägen sind diese Personen dann zu streichen. Enthält ein Wahlvorschlag mehr Bewerber als zugelassen sind, so werden diejenigen Vorgeschlagenen gestrichen, deren Namen den in der zulässigen Zahl vor ihnen Genannten folgen. Die Wahlvorschläge sind ungültig, wenn sie verspätet eingereicht werden» oder wenn sie nicht mit den erforderlichen Unterschriften versehen, oder wenn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenfolge aufgeführt sind, es sei denn, daß die Mängel rechtzeitig beseitigt werden. Die zugelassenen Wablvorsebläge liegen in der Zeit vom 2. bis 14. Februar 1914 im Kassenlokal Alexandrmenstr. 44 in den Kassen- stunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags zur Einsicht der Beteiligten aus. Die Stimmabgabe ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Es steht sowohl den Arbeitgebern wie den Versicherten das Recht zu, in den Kassenstunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags die Arbeitgebor- und Mitgliederverzeichnisse einzusehen und etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus dem Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnis ergebenden Wahl- und Stimmberechtigimg bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens vier Wochen vor dem Wahltag unter Beifügung von Beweismitteln geltend zu machen. Zum Wahlraum haben nur die wahlberechtigten Arbeitgeher und Kassenmitglieder Zutritt. Die Wahlhandlung bei der Wahl der Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten leistet je ein besonderer Wahlausschuß. Der Wahlausschuß ist befugt, die Wahl- und Stiinniborecbtigung jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Vordrucke zu Wahlausweisen können von den in Beschäftigung beflndlichen Versicherten im Kassenlokal bezogen werden, dieselben sind dann mit dem Vor- und Zunamen des Wählers zu versehen und vom Arbeitgeber zu unterzeichnen bez. zu unterstempeln. Berechtigte Mitglieder erhalten diesen Ausweis im Kassenlokal ausgefüllt. Der Wähler erhält einen der Umschläge, die mit dem Stempel der Kasse versehen und im Wahlraum bereit liegen, tritt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seineu Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag logt und übergibt hierauf den Umschlag unverschlossen unter Nennung seines Namens dem Vor- sitzenden oder dem von diesem bezeichneten änderen"Mitglied des Wahlausschusses. Dieser läßt die Abgabe des Umschlags in der zu fertigenden Abstimmungsliste vermerken und wirft dann denselben in die Wahlurne. Jeder Umschlag ist für die Aufnahme nur eines Stimmzettels bestimmt. Die Arbeitgeber mit mehrfachem Stimmrecht erhalten daher für jede Stimme, die sie haben und abgeben wollen, je einen Umschlag. Die Zahl der von ihnen abgegebenen Umschläge ist in der Abstimmungsliste zu vermerken. Wähler, die durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihren Stimmzettel eigenhändig m den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des Wahlausschusses zu übergeben, dürfen sich der Beihilfe einer Vertrauensperson bedienen, Ist der Namo eines Wählers in dem Arbeitgeber- und Mit- gliederverzeichuis nicht enthalten, so wird er zur Wahl nur zugelassen, wenn er in einer sämtliche Mitglieder dos Wahlausschusses überzeugenden Weise seine Wahlberechtigung nachweisen kann. Als Nachweis genügt in der Kegel für die Arbeitgeber die Quittung über die zuletzt gezahlten Kassenbeiträge, für die Kassen» mitglieder der obenerwänto Wahlausweis, das Quittungshuch oder eine vom Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung, daß der Betreffende am Tage der Wahl noch in Beschäftigung steht. Der Stimmzettel hat die Ordnungsnummcr des Wahlvorschlags zu enthalten, für den der Wähler stimmen will. Die Stimmzettel sollen von weißer Earbe und einer Größe von 10 X 8 cm sein. Stimmzettel, die von dieaen Bestimmungen abweichen. sind ungültig, wenn das Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht. Stimmzettel, die mit keinem der zugelassenen Wahlvorschläge übereinstimmen oder die oder deren Umschläge ein Merkmal haben, welches die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht oder die untershhrioben sind, sind ungültig. Dasselbe gilt von Stimmzetteln, die sich in einem nicht mit dem Stempel der Kasse versehenen Umschlag befinden. Ungültig ist ferner der Inhalt eines Stimmzettels, soweit er zweifelhaft ist. Befinden sich in einem Umschlag mehrere Stimmzettel, so werden sie, wenn sie vollständig übereinstimmen, nur einfach gezählt, andernfalls als ungültig angosohen. Zur festgesetzten Stunde wird die Wahl geschlossen. Nur die am Schluß der Wahlhandlung im Wahlraum anwesendeu Wähler dürfen dann noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Berlin, den 22. Dezember 1913. Der Vorstand, J. Ulcnz. Vorsitzender. Otto Wonltzki, Schriftführer. Sylvester-Punsch ä Flasche ä Flasche Punsch Royal Rum, Arrak, Glühwein u. Schlummer-Punsch-. kpiasche Ananas, Burgunder- Punsch Sherry ä Flasche l60 und 2S0 und l35 M. 800 und F® M. 4°° und 2'° Jamaika-Rum, Arrak, Kognak undVerschnitto daraus per'/. Fl. M. l.ßO an. — Eruuz. und deutsche Schaum weine.■ Jtowlen• Mosel, Bowlen• Extrakte, Tisch weine empfiehlt und versendet in bekannt ausgezeichneter Qualität Georg Andrea, Berlin c, Prenzlauer Str. 1-2. »Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Snspensortcn, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin H., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Lieferant für Krankenkass. Fachgem Bedienung. J. Baer Bä[iStr<26 Prinzi-Allee Herren- und Knaben- . 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Mitteilung betreffend die Krankenversicherung der Dienstboten und des.Hanspersonals in Berlin. Am 1. Haimar 1914 tritt das zweite Buch der ZleichSvetsicheningsorb» nung(Krankenversicherung) in Kraft. Dadurch werden auch alle in den Haushaltungen beschäftigten Personen kranlenverfichemngspslichlig. Der Dienstherr, welcher seinen Wohnsitz in Berlin hat, ist deshalb verpflichtet, die in seinem Haushalt gegen Entgelt(Gehalt oder Lohn) oder freie Wohnung und Kost beschäftigten Dienstboten, Kindersräulein, Erzieherinnen, HauH» danien oder Stützen des Haushalts. Austoärterinnen, Boten, Boiiiinen, Kutscher, Chauffeure nud Diener, sowie die von ihm mit der Hausreinigung beaustragteu Personen, Portiers und Portierssrauen, vom ersten Tage ihrer Beschäftigung an bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin. Klosterstr. 71/72. oder bei der seiner Wohnung am nächsten liegenden Zahl- und Bkeldeftelle binnen drei Tagen nach Beginn imd Ende der Beschästigung zu melden. Die Abmeldung kann unterbleiben, wenn die Arbeit für kürzere Zeit wie eine Woche unterbrochen wird und die Beiträge sortgezahlt werden. Für alle Meldungen sind die vom Kassenvorstande vorgeschriebenen Vordrucke zu benutzen, die unentgeltlich ausgehändigt werden. Befreiung von der Bersicherungspflicht. Auf Antrag der Dienst- herrschasten werden Dienstboten von der Versicherungspflicht befreit, welche an ihren Arbeitgeber bei Erkrankung Rechtsanspruch aus eine lliilerstlltzung haben, die den Leistungen der Kaste gleichwertig ist. Dabei ist Voraus- setzung: 1. daß der Arbeitgeber die volle Unterstützung aus eigenen Miltein gewährt. 2. dast seine Leistungssähigkeit sicher ist. 3. bah er den Antrag für seine sämtliche Dienstboten stellt, soweit sie vertraglich zur regelmäßigen Arbeit für mindestens zwei Wochen ver- Pflichtet sind. lieber den Antrag auf Befreiung entscheidet der Kast'envorftand Die Befreiung wirkt vom Tage deS Eingangs an. Wird der'Antrag ab- gelehnt, so entscheidet aus Beschwerde das Oberverficherungsamt endgültig. Der �Nachweis der Leistungsfähigkeit ist in der Regel durch Vorlegung des Steuerzettels zu erbringen. Estie Befreiung gilt nur für die Tauer des Dienstvertrages und für den Dienstboten, für den sie nachgesucht wird. Dementsprechend ist sie für jeden neu aufgenommenen Dienftbotru besonders zu beantrage». Der Beitritt zu dem in Berlin bestehende»„Abonnements» verein von Dienstherrschaften für kranke Dienstboten auf Gegen- seitigkeit" hat also nicht die Befreiung von der Versicherungs» Pflicht bei der Allgemeinen Lrtskrankenkasse der Ttadt Berlin zur F-olge, vielmehr Hat die Allgemeine Lrtskrankentasse der Stadt Berlin desseiinugeachtet das Recht, die Leistungsfähigkeit des Antragstellers nachzuprüfen, und die Dienstherrschaft Hot in allen Fällen für jeden angenommenen Dienstboten einen Befreiungs» antrag bei der Kaste zu stellen. Ten Dienstboten dürfen keinerlei Beitragsteile für den Abonnemrntsverein in Abzug gebracht werden, vielmehr hat die Dienstherrschast den HahreSbestrag an diesen Verein im Betrage von 36 M. allein zu tragen. Während die Mitgliedschaft bei dem Abonucments- verein nur jährlich gekündigt werden dars und die Beiträge an diesen Verein auch dann zu ieislen sind, wenn vorübergehend ein Dienitboie nicht gehalten wird, werde» von der Allgemeinen Orlskrankentaste der Stadt Berlin Beiträge nur bis zum Tage der vorschriftsmastig erfolgten Abmeldung des Dienstboten erhoben. Den Dienslherrschasten werden Legiliinationsscheine ausgehändigt, welche im Erkrankungssalle eines Dienstboten mit dem Ramen desselben auSzusüllen, von der Dienstherrschast zu unterzeichnen sind und dann zur Inanspruchnahme der Hilse eines im Slerzteverzeichnis ausgeführten Arztes berechtigen. 261/13" Jeder Arbeitgeber erhält auf Antrag unentgeltlich je ein Gxemplar der Sattung. des Strastenverzeichnistes, sowie ei» Arrzte- und Lieferantenverzeichnis. AllgtMtine Ortskraiikknkasse der Stadt Kertiii. Allgemeine OrtsKranhenKaffe für den Stadtbemk(säpenick. Bekanntmachung. Das Königliche Lberverficherungsamt Groß-Berlin bat, nachdem die zwischen dem unterzeichneten Vorstand und den Aerzen geführten Berhänd- lungen zu lemem Ergebnis geführt haben, der Allgemeinen Ortslrankcn. laste für den Stadtbezirk Cöpcnick gemäß K 370 der Reichsversicherungs. ordnung die Ermächtigung erteilt, statt der Krankenpflege oder sonst er» forderlichen ärztlichen Behandlung vom 1. Januar 1914 ab c i n c bare L e i st u n g zu gewähren. Diese Leistung ist bei ertvcrbSunsähigcn Mit- gliedern für jeden Tag der Hnanspruchnahme eines Arztes bis zu 1,01 Mk. festgesetzt. Die Barleistung wird neben dem satzungs- mäßigen Krankengelde gewährt und tritt an die stelle der ärzt- lichcn Behandlung und der Versorgung mit Arznei und mit kleineren Heii- Mitteln. Gleichzeitig wird bestimmt: 1. daß der Zustand dessen, der die Leistungen erhalten soll, auch anders als durch ärztliche Bescheinigung nachgewiesen werden darf. 2. die Kaste ihre Leistungen so lange einstellen oder zurückhalten dars, bis ein ausreichender Nachweis erbracht ist, 3. die Leiäungspsticht der Kaste erlischt, wenn binnen einem Jahr« nach Fälligkeit des Anspruchs lein ausreichender Nachweis er- bracht ist, 4. die Kasse diejenigen, denen sie ärztliche Behandlung zu gewähren hat, in ein Krankenhaus verweisen darf, auch wenn die Voraus- setzungeti des§ 184, Abs. 3 der Reichsversicherungs-Erdnung nicht vorliegen. Die Auszahlung der Barleistung ersolgt mit dem satzungs- mäßigen Krankengeld am Schlüsse jeder Krankheitswoche. Sollten die Bertragsvrrhandlungcn zwischen der Kaste und de» Aerzien bis zum 31. Dezember d. I. zu einer Einigung geführt haben, io tritt die Anwendung des jj 370 der R B L. nicht in Kraft. In diesem Falle erfolgt eine entsprechende Bekannt- machung. 261/19 Cöpcnick, den 29. Dezember 1913. Ter Vorstand Otto Nickel, Vorsitzender. Cöpenilt. Heute Dienstag, de» 3«. Dezember, abends Punkt 8 Uhr, i« Kaiferhof, Grünstr. 16: Allgemeine Versammlung sämtlichkr Kranhendafftnmitglitdtr und Arbritgebtr. Tagesordnung: Die VerlragsverHandlungen mit den Herren Aerzien, die wetteren Maßnahmen und die Anwendung deS§ 370 der R.V.L. Zu dieser Versammlung ersuchen insbesondere die freiwilligen Mitglieder wir sämtliche Kassemmlglieder— — und Arbeitgeber zu erscheinen Ter Vorstand Otto Nickel, Vorsitzender. RcdkU Hecht, InhJlIr.Selmeiier Stempel in bester Ausführung. i. Haut-, Harn-, Fraueuleide», nerv. Schwäche. Beinkranke jeder An. Ehrlich Hat»< Kuren in Bs. Nomsstl Untersuchung.. Fäden i. Hamuiw. Fnidtichslr. 8t, eSr„. Spt. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11—2. Honorar mähig. auch Tettzahl. Separates Tamcnzimmer. St. 343 30. lolirsius. 1. Ufj 6ewcrkrcbaftlicbc9. Boykott und yuftiz. In Düsseldorf standen im Frühjahr d. I. die organisierten Bäckereiarbeiter beider Richtungen— christliche wie freiorganisierte— in einer Tarifbewegung, die, wie so viele große Kämpfe in der Lebens- und Genußmittelindustrie, von der Arbeiterschaft am Orte durch Verhängung des Boykotts wirksam unterstützt wurde. Die„vereinigten Brotfabriken" machten aus dem Kampf der Arbeiter um bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen einen Kampf um die Organisation der Arbeiter, die sie vernichten wollten. Da ihre eigene Kraft dazu nicht ausreichte, beanspruchten sie die Hilfe der Justiz. Und so er- wirkten denn die„vereinigten Brotfabriken" bezw. ihre Auf- traggebcr vom Düsseldorfer Gericht eine jener bekannten einst- weiligen Verfügungen, wonach der Arbeiterschaft bei Straf- androhung jedwede Agitation für den Boykott in der Presse oder in Flugblättern verboten wird. Als trotzdem noch einige Inserate in der Presse erschienen, wurden Geldstrafen von 100(1 M. für jeden Fall verhängt, die die Düffel- dorfer Ortsgruppe des Bäckerverbandes und das Düsseldorfer Gewerkschaftskartell zahlen sollen, obwohl beide die in Frage kommenden Inserate gar nicht gezeichnet und auch nicht auf- gegeben hatten; die Lohnkommissiou und später die Boykott- kommission hatten die Inserate gezeichnet. Das Oberlandes- gericht Düsseldorf erklärte die Unterschrift„Lohnkommission" für belanglos; die Organisationen ständen damit in Zusammenhang: ein weiterer Beweis sei nicht erforderlich. Das Gericht wollte nun auch die von ihm der- hängten hohen Geld st rasen vom G e w e r k- schaftskartcll einziehen. Als der wiederholt vor- sprechende Gerichtsvollzieher die Kasse stets leer fand, wurde schließlich der Gewcrkschaftssekretär vor Gericht geladen und von ihm verlangt, das Vermögeusverzeichnis des Kartells anzugeben oder den Offenbarungs- cid zu l c i st e u. Als unser Genosse beides ablehnte, drohte ihm darauf der Richter sechs Monate Zeugnis- zwangs Haft an. Unser Genosse wurde schließlich durch den Gerichtsvollzieher vom Richter weg �ur Gerichtskasse abgeführt. Als man hier vergeblich versucht hatte, ihn um- stimmen, erklärte man schließlich den Haftbefehl für aufgehoben und ließ ihn gehen. Was nun weiter wird, bleibt abzuwarten. Der Prozeß bezw. der Einspruch der Arbeiter gegen die einstweilige Verfügung schwebt noch. Die Sache wird vielleicht erst nach Monaten entschieden. Wenn dieses System allgemeiner Rechtsgrundsatz werden sollte, kann so jeder gewerkschaftliche Kanipf, der auf den Boy- kott angewiesen ist, gerichtlich vereitelt werden. Was nützt es, wenn nach Monaten schließlich diese Verfügung aufgehoben wird; der Kampf ist bis dahin meist entschieden. Berlin und Qingcgcnd. Die Buchdrucker Oesterreichs befinden sich im Streik, da die Verhandlungen ergebnislos verlaufen sind und die österreichischen Prinzipale die Forderungen der Gehilfen init Gegenvorschlägen be- antworteten, welche Verschlechterungen der jetzt bestehenden Ab- machungen bedeuten würden. Der ArbeitSwilligen-Vennittler AdolfKochin Nieder-Schönhausea ist nun eifrig bemüht, Streck- brecher für Oesterreich anzuwerben. Wer sich auf Grund der in der „Morgenpost" und„VolkS-Zeitung" erlassenen Inserate bei dem Herrn bewirbt, erhält nachstehendes Schreiben, das verdient, nicht nur im Wortlaute, sondern auch in Orthographie und Interpunktion festgehalten zu werden: Betreffs Ihrer Bewerbung teile ich Ihnen mit, das die zu besetzenden Stellen in Außerhalb sind, und wenn«ie Unorgani- Klcines feuülcton, Hafts Baltisches. Hans Baltische! zeigt bei Paul Casfirer �rehr als dreißig Berliner Bilderbogen. Sie sind auf Leinwand gemalt sind haben zuweilen ein gar beträchtliches Format.saitd gebaut wurde. Der Bergarbeiterverband entwickelt sich wieder vorwärts, die„Christlichen" verbergen ihren Mitgliederschwund durch die Nichtveröffentlichuiig der Monats- abrechnungen._ Terrorismus-Material Tie Brauereiarbeiter der Brauerei Fiedler in Ruhland hatten sich dem Braucreiarbeiterverbande angeschloffc». Als Herr Fiedler dies erfahren, ließ er die Arbeiter zusammenkommen; einer � der Arbeiter mußte ein Statut des Verbandes herbeiholen und Herr Fiedler erklärte ihnen den Tatsachen zuwider, daß sie das nie herausbekommen können, was sie an den Verband zahlen: Dann stellte er die Arbeiter vor die Alternative: entweder sie hören aus zu arbeiten oder sie treten aus der Organisation ans. Ein Briefbogen wurde schnell zur Stelle gebracht; jeder mußte durch Unter- schrift seinen Austritt erklären. Ein Arbeiter mußte die Adresse an die Vcrbandszahlstellc schreiben, Herr Fiedler spendete die Briefmarke und so war die AuStrittserkläruug vollzogen. Ilnd da- bei ist Herr Fiedler selbst Mitglied des Boykottschutzverbandes deutscher Brauereien und pocht aus dessen schütz für den Fall, das; sich die Arbeiter den Äoalitionsraud nicht gefallen lassen sollten, welche Tntsache den verübten Terrorismus noch verwerflicher er- scheinen läßt.— Von diesem Terrorismusfall wird die Schars- machcr- und Rcichsverbandspressc wohl auch nicht mehr berichten. Bachemitische Moral. Uns wird nachstehende Erklärung mit der Bitte um ihre Vcr- offentlichung zugesandt: In dem Bericht der„Kölnischen VolkSzeitung"(Nr. 110S boin 20. Dezember 1913) über den Kölner Enzhklikaprozeß lese ich erst nachträglich: „Während der Vernehmung des Zeugen Heinrich Jmbusch erschien der als Zeuge geladene Dr. Karl Maria Kaufmann und konferierte, ohne sich beim Gerichtsvorsitzenden zu melden, ntit dem angeklagten Redakteur Wagner von der sozialdemokratischen „Bergarbette'r-Zcitung". Aus Veranlassung deS Vorsitzenden inußto der Zeuge Dr. Karl Maria Kaufmann den GerichtSfaal bis zu seinem Aufruf verlassen." An dieser Aufmachung ist kein wahres Wort. Dr. Karl Maria Kaufmann hat mit inir nicht konferiert, er kannte mich nicht einmal, Ich stand am Eingang der Verteidigcrbank nahe der Saaltür, als er an mich herantrat und fragte, ob ich mit Rechtsanwalt Heine in Verbindung stände. Aus dieser Frage ergibt sich schon, daß Dr. Karl Maria Kaufmann mich nicht kaiinte, denn sonst hätte sich die Frage doch erübrigt. Als ich feine Frage bejahte, bat er mich, meinem Verteidiger Heine zu jagen, er möge ihn bald veriichmen lassen, da er abreisen möchte. Der Vorsitzende hat auch Kaustnfttm nicht allein aufgefordert, den Saal zu verlassen, sondern diese Ans« forderung generell an alle gerichtet, die während der Veritehmimg eingetreten waren. Das ist der wirkliche Sachverhalt. Danach muß man sich doch fragen: Was veranlaßt die„Köln. VolkSztg.", Kaufmann fälschlich zu denunzieren, er habe mit mir ivährend der Verhandlung konferiert und auf Veraiilaffung des Gerichts- Vorsitzenden den Saal verlassen»nitssen. Ich glaube, Absicht und Zweck sind tinverkennbar. Kaufmann ist katholischer Geistlicher, gehört zu den OsterdienStagöleuteii und ist ein Gegner der bachemitischeit Richtung, lind weil die Bachemiten diesen verhaßten Mann auf legalem Wege nicht zur Strecke bringen können, suchen sie ihnt auf lind sehr schief. Wat du sagst, et hat unS tief scrührt, Doch in Zaber» is't»ich injeführt. Außerdem, du Schieß- und Haujnriste, War verkehrt die ganze faule Kisle. Äarutn redsie, Mann, so unermüdlich? Sei doch friedlich! Denn du kommst ja doch als starker Mann Noch ttich ran. Brauchst dazu ooch keenen Doktor jur, Dazu brauchst du deine Plempe nur. Also, Traujott, ntinin de Aase wech: Du hast Pech!_ Berliner. Notizen. — M u s i k ch r o n i l. Bei dein am Dienstag in der Nauen Welt ftattfindendeit Volkssinfoniekonzert wird statt des HofopernsängerS I, Bischoff Konzcrtsängcr O. Werth mitwirken. Eintrittskarten zu 50 Pf.(1. Parkett oder Balkon) und 30 Pf. (2. Parkett) sind in den Geschäften von Bergwald, Berliner Str. 56; Scidler, Vergstr. 42; Bluhm, Kaiscr-Friedrich-Str. 2V7: Juhl, Kaiser- Friedrich-Str. 247/48; Prochnow, Hermannftr. 69; den„Vorwärts"- Expeditionen Neckarstr. 2 nnd Siegfriedstr. 28/29, soivie an der Abendkasse zu haben. — D e r P a r s i f a l im D eu t s ch e n O p e r n h a us e beginnt am I.Januar bereits um 6 II Hr. ES finden zwei Pausen statt, die erste, nach dem ersten Akt, von 29 Minutcit, die zweite, nach dem zweiten Akt, von 40 Minuten Dauer. Während der letzleren tritt ein besonderes Restaurant in Funktion.(Äralskelche gefällig?) Nach dem Vorbild von Bayreuth wird jeder Akt durch drei Fanfareit draußen und drinnen etngeblasen. Die Türen bleiben dann(ebenso wie nach dem Vorspiell geschlossen und werden unter keinen Hin- ständen vor Schluß des Aktes wieder geöffnet. — lieber„Verbotene und konfiszierte Plakate", ein angesichts der vielbesprochenen Zensurverbote gerade sehr aktuelles Thema, wird der Kunstschriftsteller P. W e st h e i m am 7. Januar im Verein der Plakaifreunde einen Lichtbildervortrag halten. Der Vortrag beginnt um S'/o Uhr im großen Saale des Papierhauses, Dessauer«tr. 2. — Der S ch u tz v e r b a n d deutscher Schrift st eller bat energischen Einspruch erhoben in Sachen deS Plagiatprozeffes Rkeyerfcid gegen die Autoren des neuesten Schlagers deS Berliner Theaters„Wie einst im Mai". Besonders wird gegen das Urteil der 21. Zivilkaminer des königl. Landgerichts I protestiert, das dem Theaterdtrektor geradezu das Recht gibt, Ideen der ihm eingereichten Stücke zu benutzen. Der Verband verlangt demgemäß eine Aenderung des 8 13 des Urhebergesetzes, während uns ein zu weitgehender Jdeenschutz gefährlich erscheint und das Vorgehen des Berliner Theaters eher als Verstoß gegen die guten Sitten zu charakterisieren und zu verhindern wäre. — ShakletonS neue Fahrt. Erncst Shakleton teilt der „Times" mit, daß er durch die Freigebigkeit eines Freundes in der Lage ist, endgültig nächstes Jahr eitie Expedition zur Durchquerung des S ü d p o l a r k o n t i n e n t s zu unternehmen. diese Weise öeizukommen, ihn Sei seinen katholischen Borgesetzten m Verdacht zu bringen. Daß der Haß der Bachemiten besonders gegen den katholische�- Priester Dr. Karl Maria Kaufniann sehr groß ist, konnte � ich in er dreitägigen Verhandlung hinreichend be- obachten. Ich hat' S aber nicht für möglich gehalten, daß dieser Haß in einer ungemein abstoßenden Weise zum Ausdruck kommen könnt: es in der„Kölnischen Volkszeitung* geschehen ijt. Wenn bar grünen Holze geschieht, was soll man dann vom dürren erwarte!.. Theodor Wagner, Nev""»er„Bergarbeiter-Zeitung*. HusU Der Buchdruckerstrcik in Oesterreich. Seit«onnabcnd, an welchem Tage die Kündigungssrist abgc- laufen war, stehen in Oestarreich rund 10000 Gehilfen im streik. Etwa ein Drittel aller Gehilfen arbeitet ivcitcr, da eine große Anzahl Buchdruckercien den ihnen vorgelegten neuen Tarif anerkannt hat. Die Prinzipale, die an das Tarifamt der deutschen Buchdrucker ein Danktelegramm für die angebotene Vermittlung abgesandt hatten, haben, trotzdem schon über eine Woche wieder der- strichen ist, nichts mehr untcrlwmmen, was erkennen ließe, daß sie eine Vermittlung wünschen. Sie beschränken sich vielmehr darauf, die Ocffcntlichkeit mit Lügennotizen zu bombardieren, in denen die Gehilfenschaft beschuldigt wird, daß sie die Prinzipale entrechten wolle. Tie Gehilfen wehren sich natürlich dagegen und Iveisen in ihren Flugblättern darauf hin, daß bereits ein großer Teil der Prinzipale den Tarif anerkannt habe, ein Beweis dafür, daß die Forderungen der Gehilfen keine das Gewerbe schädigende sind. Ans zahlreichen Provinzstädten wird gemeldet, daß die Setzer in den allgemeinen Streik eintreten. Aus Klagenfurt, Troppau, Pilsen, Graz usw. wird gemeldet, daß die Zeitungen ankündigen, sie müßten ihr Erscheinen wegen des Setzerstreiks einstellen. Die polnischen Blätter in Krakau und Lemberg sowie einigen kleineren galizischen Drten beschlossen, ivegen des Streiks nur eine Zeitung von vier Seiten, die gemeinsam hergestellt wird, herauszugeben. Tie Buchdruckcrcihilfsarbciter und auch die Geschäftsdicner in den verschiedensten Orten haben sich mit den streikenden Buch- druckent solidarisch erklärt insofern, als sie es ablehnen, die Ar- bcit der Streikenden zu verrichten. Einen skandalösen Fall von Solidaritätsbruch berichtet aber unser Reichenbergcr Brudcrorgan, der dortige„Vorwärts". Eine Zeitung wollte ihr Blatt statt im Buchdruck auf zinkographischem Wege herstellen lassen. Tic Zinkographen, die diese Arbeit leisten sollten, und die in den se- p a r a t i st i s ch e n Litografika Bcseda organisiert sind, betrachte- tcn dies als Streikarbeit und lehnten diese ab. Ter Sekretär der Litografika Beseda ordnete jedoch kategorisch an, daß sie die Arbeit l e i st e n müssen. Bei einer an- deren Zeitung unterweist der Vorsitzende einer se- paratistischen Mcchanikerorganisation arbeits- willige Redakteure in der Anlcrnung a n den Setz- Maschinen. Damit wird den Arbeitern am deutlichsten gezeigt, »xlchcr Geist in der separatistischen tschechoslawischen Gewerkschafts- bcwcgung steckt. Sie Slltwe des erschlagenen Arbeiters lherrmann vor dem Oberverwaltungsgericht. Mit Säbelhieben auf einen harmlos seines Weges ziehenden Arbeiter loszuschlagen, muß ein Akt der Staats- boheit sein. Fiir die Folgen der Säbellzauerei darf weder ein Schutzmann bestraft noch ein Schutzmann oder der Fiskus sckxidenersatzpflichtiq gemacht werden. Das etwa war der In- halt des Konflikts, den der Berliner Polizeipräsident in der Schadenersatzklage der Witwe des Arbeiters Herrmann er- hoben hatte und über den gestern vor dem Oberverwaltungs- gericht verhandelt wurde. Ueber die Verhandlung, in der die ungeheuerliche, noch immer nngesühnte Tragödie Herrmann voll aufgerollt wurde, geht uns nachfolgender Bericht zu: Zur Zeit der sogenannten Moabiter Krawalle, ani Abend des 27. September 1910, wurde der Arbeiter.Herrmann aus der Wiclefstraß« mit schweren Körperverletzungen von zwei Männern iur Unfallstation gebracht. Von dort kam er ins Krankenhaus, wo er nach einigen Tagen verstarb. Sowohl die Strafkammer in ihrem Urteile in der Strafsache gegen Hagen und Genossen, wie auch der Vorsitzende des Schwurgerichts bei Verhandlung der Sache Frauc und Genossen in seiner Rechtsbelehrung an die Geschworenen be- rührten Feststellungen mit Bezug aus Hcrrmann und gingen dabei davon aus, daß Hcrrmann van zwei Schutzleuten in U-bcrschrcitung»hrrr Befugnisse mit dem Säbel niedergeschlagen worden sei, als er ruhig auf menschenleerer Straße seines Weges �Tic Witwe Anna Hertmann klagte im Z'vilprozeß gegen die Stadtgcmcinde Berlin und zweitens gegen den preußischen Fiskus, vertreten durch den Berliner Polizeipräsidenten, aus Schadenersatz durch Zahlung einer wöchentlichen Rente von 30 M. Sie machte ■ ItenbT ihr Mann sei, nachdem er an jenem Tage ruhig von der Arbeit heimgekehrt war. um 7� Uhr abends auf die Straße ge- aanaen um den noch nicht anwesenden löjährigen Sohn zu suchen. Auf der Straße sei er von zwei Schutzmännern, wie von anderen Personen beobachtet ivorden sei. mit Säbelhieben überfallen worden, auf die sein Tod zurückzuführen sei. Ihr Mann habe sich nicht am Krawall beteiligt und die Schutzleute hätten ganz ohne Grund gc- '"�Es kam dann, unter Aussetzung der Verhandlung gegen die Stadtgemeinde, vor dem Zivilgericht die Klage nur soweit zur Ver- Handlung, als sie sich gegen den Fi-kuS in Gemanhc.t des Gesetzes 00», 1. August 1909 über die Haftung des Staates sur die Amts- pslichtverletzungen von Beamten bei Ausübung der ofsen.lichen Ge- �Tie� iV. Zivilkammer vernahm verschiedene Zeugen und erklärte oan» den Klageanspruch der Witwe Hcrrmann gegen den preußi- schcn Fiskus dem Grunde nach für gerechtfertigt. Das Zivilgericht nahm an, daß der Tod Herrmanns lediglich auf Schädelverletzungen durch zwei unbekannt gebliebene Schutzleute zurückzuführen sei die sich friner Amtspflichtverletzung schuldig gemacht hätten. �as Gericht erachtete letzteres für erwiesen aus Grund der Aus- -bgen der Jordanschen Eheleute, die zur entscheidenden Zeit die Vorgänge auf der Straße vom Balkon ihrer im vierten stock in der 'Liclesstraße belegenen Wohnung aus beobachtet hatten. Herr "cordan hatte u. a. ausgesagt: Gegen 3 Uhr abends habe er einen ?ann von der Beuffelstraß« herkommen sehen. Er sei ruhig seines 'icges gegangen, und zur fraglichen Zeit sei der bctreftende Teil er Wiclefstratze bis zur Bcussclstraße menschenleer eivesen. Plötzlich sei von der Bcusselstraße aus ein Schutzmann intet ihm hergelaufen und habe ihm ohne weiteres eins mit dem Zäbet über den Kopf gegeben. Fast zur selben Zeit sei noch ein nderer Schutzmann hergelaufen und habe ihm m't dem Säbel über >c,t Kopf geschlagen. Das Blut sei heruntergelaufen und ein Un- ekannter habe den Geschlagenen ins Haus gefuhrt. Nachher hatten wci Männer einen Dritten aus dem Hau,c fortgeführt, �rau ordan hat im wesentlichen dasselbe beobachtet wie ihr Mann. Die leugen haben später auch die Blutfpuren festgestellt, die bis zum Ouergebäude führten., Das Zivilgericht sah diese auch schon im Strafprozeß abge- gebeneu Aussagen für ausschlaggebend an. De im die Aussagen anderer Zeugen über Vorgänge in der Mclefstraße an jenem Abend betrafen augenscheinlich nicht denselben Vorgang. Der Polizeipräsident legte für den Fiskus Berusllug ei». Außerdem erhob der Polizeipräsident den Konflikt, indem er die Einstellung des Verfahrens forderte. Er behauptete, es wäre nicht aufgeklärt, welche Vorgänge der Verletzung Herrmanns vor- ausgegangen seien, ob er sich nicht in der Masse der Tumultuanten befunden hätte, ob er nicht die Beamten vorher beschimpft oder tät- lich beleidigt habe, ob er ctiva gerade wghrend Räumung der Straße einer Schutzmannskette entgegengekommen sei oder dcrgl. Es stände auch nicht einwandfrei fest, ob Herrmanns Verletzungen auf einen Säbelhieb oder ein stumpfes Jlistrument oder— Fall oder Sturz zurückzuführen seien. Von den Gerichtsärzten, die die Obduktion vornahmen, habe der eine sDr. Straßmann) die Ver- letzung auf einen einzigen Säbelhieb zurückgeführt, während der andere(Dr. Strauch) verschiedene Vcrlctzungsursachen als möglich fiinstelle. Nach Lage der Dinge ließe sich eine Amtspflichtver- letzung unmittelbarer Staatsbeamter überhaupt nicht feststellen. Deshalb lägen die Voraussetzungen für die Erhebung ocs 5ion- fliktes vor. Außerdem sagt Herr v. Jagow in seiner Begründung noch: �Die Vorsitzenden der beiden Strafgcrichtshöfe(Strafkammer im Falle Hagen und Genossen und Schwurgericht im Falle Frauc und Genossen) haben zu dem Fall Herrmann, der außerhalb beider An- klagcsachen stand, Stellung genommen. Das Strafkammer- erkenntnis hat auf Seite 110 die Aussagen der Eheleute Jordan als festgestellt angesehen, durch die die weitestgehenden Gerüchte be- stätigt wurden, ohne daß die in Frage kommeiiden Schutzmänner ober Gegenzeugen gehört worden wären.— Der Aorsitzende des Schwurgerichts hat in seiner Rcchtsbclehrung an die Geschworenen ausgeführt, daß im Falle Herrmann, bei de inj: in friedlicher Manu ruhig seines Weges gekommen sei, mit einem Säbel niedergeschlagen wäre, derjenige nicht rechtswidrig gehandelt haben würde, der sich gegen eine solche Brutalität durch einen wohlgczielten Revolverschuß gewandt haben würde. Die Stellungnahme des Strafkammer- erkenntnisses und die persönliche Ausführung des Schwurgerichts- Vorsitzenden waren glicht geeignet, zur Ausklärung des noch völlig im Dunkeln liegenden Sachverhalts in Sachen Hcrrmann beizutragen. Sie hat vielmehr den künftigen Zeugen und auch der öffentlichen Meinung die Unbefangenheit genommen." So derselbe Herr Polizeipräsident über amtliche Funk- tionen richterlicher Beamter, der jüngst als Dr. jur. v. Jagow in einer von Rechtsunkenntnis und Mangel an Rechtsgefühl überquellenden Zuschrift in der„Kreuz-Zeitunq" dein Ober- kriegsgericht jjiittcilte, wie es„im Interesse der Staatshoheit" urteilen solle und wie das Kriegsgericht nach Herrn v. Iagows Diktat hätte urteilen müssen. Der Referent des Obervcnvaltungsgcrichts trug aus den Akten noch vor, daß die Herrmann beigebrachte Wunde eine 9 Zentimeter lange und 2 Zentimeter breite Kopfwunde war und daß der Schädel- knochen durchhauen war. Persönlich vertreten war der Polizei- Präsident vor dem Oberverwaltungsgericht nicht. Rechtsanivalt Dr. Kurt Rosenfcld führte als Vertreter der Witwe Herrmamr aus, aus Grund der bishvigeil Verbandlungen und Beweiserhebungen müßte der Konflikt als unbegründet ver- warfen werden. Nehmen wider Erwarten der Senat mit dem Polizeipräsidenten an, der Sachverhalt sei noch nicht völlig geklärt, so könnte die Entscheidung über den Konflikt höchstens ausgesetzt werden, bis das Kammergericht über die Berufung entschieden habe. Keinesfalls dürfte aber dem Konflikt stattgegeben werden. Eine weitere Beweisaufnahme erübrige sich indes, denn es fleht fest, daß Herrmann durch Polizeibcamte mit dem Säbel tödlich «erletzt worden sei, und daß die Beamten erheblich ihre Befugnisse überschritten hätten. So haben bereits drei Gerichtshöfe erklärt, die Strafkammer, das Schwurgericht und die Zivilkammer. So habe die Strafkammer im Hinblick auf den Fall Herrmann Seite 110 ausgeführt:..Es ist weiter auf Grund der Aussagen der Jordanschen Eheleute festgestellt, daß nach Säuberung der Straße ein Mann allein von der Beusselstraße in die Wiclcfstraße einbog und dann von einem Schutzmann, und darauf noch von einem anderen, geschlagen wurde, daß er blutend und jammernd zu Boden fiel. Tie Beamten hatten keinen Grund dazu; die Straße war menschenleer, und der Mann als hariiiloser Passant anzu- sehen. Gleichwohl haben die Beamten auf ihn eingeschlagen, und sie haben sich so eines argen Amtsmißbrauchs schuldig gemacht." Die Zivilkammer habe erklärt, daß zweifellos eine Amtsüberschrci- tung dargetan sei, weil die Beamten nicht berechtigt gewesen wären, von hinten mit blanker Waffe einzugreifen, wo der Mann ruhig dahinschritt. Unhaltbar sei die Kritik des Polizeipräsidenten über das Erkenntnis der Strafkammer und über die Rcchtsbc- lehrung der Geschworenen durch den Vorsitzenden des Schwur- gerichts. Künftigen Zeugen soll— nach Herrn v. Jagow— dadurch die Unbefangenheit genommen sein. Welch eine eigentümliche Auffassung von Gesetz und Gerichtsbarkeit zeige sich in diesen Aus- führungen des Polizeipräsidenten. Die Straskammer habe doch Stellung zu nehmen gehabt zu allem, was sich in jenem Prozeß ergab, und der Schwurgerichtsvorsitzende habe die Geschworenen belehren müssen. Jene beteiligten Richter hätten also nur ihre Pflicht getan, indem sie sich zu diesen Dingen äußerten. Trotzdem glaube der Polizeipräsident, jene Angrifse gegen sie richten zu dürfen. Er behandele sie nicht anders, wie er das>straßburger Kriegsgericht in seinem bekannten Schreiben an die..Kreuzzeitung" behandelt habe. Es dürfte dem hohen Gerichtshof naheliegen, die Richter gegen die durch nichts gerechtfertigten Angriffe des Polizei- Präsidenten in Schutz zu nehmen. Es sei darauf zu verweisen, daß die ausschlaggebenden Zeugen, die Jordanschen Eheleute, schon vor der Strafkammer genau so ausgesagt hätten. In diesem Zusammen- hange sei auch entschieden zurückzuweisen, wenn der Konflikts- bescvluß erkläre, daß die sozialdemokratische Presse es gewesen sei, die die Auffassung weiter getragen hätte, daß Herrmann als ruhiger Passant von hinten überfallen sei. Strafkammer und Schwurgericht hätten ja dasselbe angenommen. Was die Aussagen der Jordanschen Eheleute angehe, begründe übrigens die Straf. kammer ganz ausführlich, weshalb ihren Aussagen ausschlug- gebendes Gewicht beigelegt worden sei. Es waren von der Staats- anwaltschaft geladene Belastungszeugen. Erst nachdem sie jeman- den belastet hatten, seien sie zu den hier in Betracht kommenden Aussagen gekommen. Auf Grund dessen, was bereits feststehe, wäre der Konflikt zu verwerfen. Nur in einem Falle könnte er, der Anwalt, sich eine andere Stellungnahme des Gerichts denken. Nämlich dann, wenn der Senat mit Akten der Staatshoheit auf jeden Fall, in dem Sinne der Auffassuiig. wie sie der Polizeipräsident in seinem Kreuz- zcitungsbricf vertreten habe, rechnen würde. Er glaube aber nicht, daß sich der Gerichtshof der Aliffassung anschließen werde. Denn das käme ja auf eine Polizeianarchic heraus, wie sie das geltende Recht nicht kenne. Er bitte, den Konflikt als unbegründet zu verwerfen, damit in diesem überaus traurigen Falle die arme Witwe wenigstens zu der Entschädigung komme, die sich in Geld ausdrücken lasse. Das Gericht kehrte schon nach kurzer Abwesenheit wieder in den Verhandlungsraum zurück und verkündete, daß die Entschei- dung nusgesebt werde und den Parteien schriftlich zugehen werde. Die Tagesordnung sei stark besetzt und cS sei eine eingehende Be- ratung erforderlich. Die Publikation des Urteils erfolgt also lediglich durch spätere schriftliche Zustellung. Bemerken möchten wir noch, daß vorläufig Frau Herrmann auf Grund einer einstweiligen Verfügung nur 10 M. wöchentlich vom Fiskus erhält. Eue Industrie und Handel. Anarchie im Wirtschaftsleben. Die Handelskammer zu Hamburg gibt in ihrem zum Jahres- schluß erstatteten Bericht einen Ueberblick über die allgemeine Lage der Weltwirtschaft, der in diese bemerkenswerten Sätze austlingt: „Mau hat im Jahre 19Z3 mit einer rückgängigen Konjunktur zu rechnen gehabt, die vielleicht nur als eine Unterbrechung der günstigen ioirtschastlichcn Entwickclung der letzten Jahre aufzufassen ist. Zu übersehen ist allerdings nichr. daß in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern fast in allen Weltteilen, in denen sich die wirtschaftliche Lage gehoben hat, ein zu rasches Streben nach Wohlleben und ins- besondere in der deutschen Städte- und Staatsverwaltung ein unverhältnismäßig hoher Aufwand sich gezeigt hat Ter wirtschaftliche Aufschwung hat überall durch Aufschließung neuer Gegenden und zu rasche Entwickeluug der alten Welt ein so schnelles Tempo angenommen, daß die Schulden, die letzten Endes doch nur dadurch gedeckt werden können, daß Kapitalisten die betreffenden Werte kaufen, so anwachsen, daß der Berdauungs- Prozeß dieser neu geschaffenen Werte nicht gleichen Schritt mit ihrer Produktion halten konnte. Es fehlt trotz aller Statistiken ein Maßstab dafür, wie weit und wie schnell diese Entwickelung vernünftigerweise vor sich gehen kann, und es fehlt vor allem die Möglichkeit, die Staaten, Städte und Privatunter- nchmungen zu zwingen, sich nur iir einem gesunden Tempo zu entwickeln.. Die Handelskammer gibt also zu, daß der bürgerlichen Gc- sellschaft die modernen Produktivkräfte über den Kopf wachsen, und daß ihr die Mittel fehlen, die Produktion und ihre„Verdauung" vernunftgemäß zu regeln. Wie hilflos der Kapitalismus, die Anarchie der heutigen Wirtschaftsordnung, den Konsequenzen seiner eigenen Entwickelung gegenüberstchl, das drückte sich avcr weiter noch in den Ratschlägen aus, di j die Hamburger Handelskammer an ihre Feststellungen knüpft. Sie sagt:„Der Ruf zur Zurück- Haltung und Einfachheit kann nicht ernst genüg ertönen." Vom eigenen Haushalt bis zum Staatshaushalt werde man den Gc- sichtspunkt mehr in den Vordergrund zu rücken haben, nur so weit zu gehen, als die Geldmittel reichen. Der berühmte Ruf nach „altpreutzifcher" Sparsamkeit erscheint de»' hanseatischen Groß- kaufleutcii als der einzige Weg aus dem Dilemma. Und wie die „sparsamen" preußischen Junker, wollen sie bei den Arbeitern mit dem»sparen anfangen. Tie Hamburger Handelskammer In endet sich schroff gegen den Gedanken einer Arbeitslosenversicherung wie gegen jede Fortführung der Sozialpolitik, die sie mit den Ärgu- menten der konservativen Scharfmacher bekämpft. Dagegen ver- langt sie verschärften Arbcitswilligcnschutz„als Gegengewicht gegen die sozialpolitischen Lasten", sie beklagt die Besteuerung der Ver- mögen durch das Reich und wünscht einen Ausgleich für das Reichstagswahlrecht in Gestalt einer Ständevertretung. in der Handel und Industrie den Einfluß gewinnen sollen, der ihnen durch die sozialdcnwkratischc Vertretung der großen Städte angeblich entzogen ist.____ Soziales. Ans dem Gewerbegcricht. (Kammer 0. Vors.: Dr. Löwcnstein. Sitzung vom 29. Dezember.) I. Musikcrklagcn. 1. Fünf Musilcr hatten mit einem Kapellmeister Gruner ein Engagement abgeschlossen und sollten im„U. T.", Fricdrichstraße, spielen. Tie Kapelle gefiel der Direktion jedoch nicht. Sie löste ihren Vertrag mit Gruner, der mir unter der Bedingung in die Lösung gewilligt haben soll, daß die jetzigen Kläger von einem anderen Kapellmeister übernommen würden. In der Tat erhielt auch der Kapellmeister Seiler von der Direktion des„Ü. T." den Auftrag, bei den Musikern anzufragen, ob sie bereit wären, im Theater am Wcinbergweg zu spielen. Diese sagten zu, die Unter» redung endete mit den Worten:.. also abgemachtl Auf Hand» schlag." Aus dem Spia�n wurde jedoch nichts. Seiler, der schon eine andere Kapelle hatte, blieb in der Fricdrichstraßc, am Weinberg- weg konzertierte eine andere. Deshalb forderten die.Kläger von dem.Kapellmeister Seiler je eine cinmonntisc Gage, willigten aber schließlich in einen Vergleich von 35— 40 M. 2. In einem anderen Falle klagten elf Musiker gegen die „U. T." mit der Begründung, aus einem Vertrag, den die Be- klagte dem Kapellmeister Holländer(einem Sohne des bekannten Direktors vom Stcrnschen Konservatorium) angeboten habe, sei zu entnehmen, daß der Kapellmeister nur eine vorgeschobene Person und die„U. T.* in Wirklichkeit vertragschließende Partei sei. In dem Vertrag wird von dem Kapellmeister verlangt, daß er die mit den Musikern abzuschließenden Verträge der Direktion vorzulegen habe. Musiker, deren Spiel oder Verhalten mißfalle, müßten auf Wunsch sofort entlassen werden u. ä. in. Die Bestimmungen sollen freilich nur den Zweck haben, der Direktion ein Kontrollrecht zu gewähren, damit sie auch eine gewisse Sicherheit habe, daß den Musikern eine entsprechende Bezahlung zuteil werde. Das Gericht kam zur Klageabweisung. Der Kapellmeister Holländer sei durchaus als selbständiger Unternehmer anzusehen, gegen ihn sei die Klage zu richten gewesen. II. Ein militärisches Zeugnis mit einem Schmutzfleck. Ein Hausdiener forderte� von dem Oekonomen Schmücker von der Gardc-Pianier-Kantine Schadenersatz in Höhe von 42 M. Bei seinem Abgange erhielt er ein Zeugnis des Inhalts? ..... war bei mir vom 1. November bis 8. Dezember 1913 als Hausdiener beschäftigt,«eine Leistungen waren zufriedenstellend; im übrigen gebe ich persönlich gern Auskunft." Ein anderes Zeugnis— ohne den Schmutzfleck— hatte der Kläger bereits nach dem Vergleichstermin am 22. Dezember er» halten. Wegen des Schmutzfleckes war Kläger jedoch bereits an' zwei Stellen abgewiesen worden. Er verlangt deshalb den Schadenersatz. Der Beklagte glaubte seine Berechtigung, den Zusatz im Zeugnis damit dartun zu können: der Kläger sei wieder» holt, ohne geschlafen zu haben, früh morgens angetrunken zur Arbeit erschienen, ein Manko in seiner Kasse stünde möglicher- weise damit in Verbindung. Einen Beweis für seine Annahme vermochte der Beklagte nicht zu führen. Tagegen blieb die Mit- teilung des Klägers unwidersprochen, er habe von morgens 6 Uhr bis nachts 19 Uhr ohne jede Pause Tiensl tun müssen. Daö Gericht billigte dem Kläger 20 M. zu, die der Beklagte sofort zahlte. Glaut etwa der Oekonom, für den Kantinenbetrieb gelten die zugunsten der Angestellten erlassenen Schutzvorschristen nicht? Vielleicht geht der Gewerbeinspektor und der Staatsanivalt den Mitteilungen des Klägers über gesetzwidrig lange Arbeitszeit mal etwas nach._ Zuständigkeit des Kuappschafts-Lberversicherungsamts in Halle.» Ter„Reichs- Anzeiger* veröffentlicht in seiner letzten Nummer eine Verfügung des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe über die Zuständigkeit des Knappschafts-Obcrvcrsichc- rungsamts in Halle. Die Zuständigkeit ist danach wie folgt gc- regelt: I. ReichsgcsetEiche Aufgaben auf dem Gebiete der Kranken- w Versicherung. Das K.O.V.A. hat für die im Eingang der Bekanntmachung vom 19. Juni 1912— I. 4633, III. 4430— genannten Knappschaits- vereine, soweit sie dem Königlichen Oberbergamt in Halle be- aufsichtigt werden, sowie für den Knappschaftsverein der Wecke am Finoivkanal in Messingwerk bei Eberswalde und für den Wernigeröder Knappschaftsverein in Jlscnburg die Aufgaben ves Oberversicherungsamts nach§§ 370—375, 1502 Abs. 1 der Reichs. Versicherungsordnung(§§ 20—24 des KnappschaftsgesetzeS) wahr- zunehmen. Außerdem entscheidet es im Spruchvcrfahren an stelle der allgcmeineii Oberversicherungsämter bei Streit über Eriatzansprüche zwischen den bezeichneten Knappschaftsvercincii unter- einander oder zwischen einem dieser Vereine und cinein anderen Knappschaftsverein oder einer besonderen Kranienkassc(§ B des Knappschaftsgesetze») nach§§ 219. 220, 222, 500 der Reichs- bersicherungsordnung(§ 15 Ms. 1, 2 und 4 des KnappschaftS- gcsctzes), zwisch«, den bezeichneten Knappschaftsbcreinen und den Arbeitgebern nach§§ 221, 222, 500 Abs. 1 der Rcichsversichcrungs- ordnung(K 15 Abs. 3 und 4 des Knappschaftsgesetzes), zwischen den bezeichneten Änappschaftsvercincn und einer Gemeinde oder einein Armenvcrband nach KZ 1531—1533, 1544 der Rcichsvcrsicherungsordnung. II. Angelegenheiten der knappschaftlichen Bcrsichcrung. Dem K.L2V.A. obliegt für die unter I bezeichneten Knapp- schaftsvcreine die schiedsgerichtliche Entscheidung der Streitigkeiten nach Z 70 Abs. 2 des Änappschaftsgesetzcs in der Fassung der Bc- kanntmachungen vom 17. Juni und 30. Dezember 1912. Vorstehende Bestimmungen treten, soweit es sich um Maß- nahmen zur Durchführung der ZK 370 ff. der Rcichsvcrsicherungsordnung handelt, sofort, im übrigen mit dem 1. Januar 1914 m Kraft._ Und willst Tu nicht mein Bruder sein, s»--- Einen neuen Beweis christlicher Unduldsamkeit haben die .Christen" in Lberkirch(Baden) wieder erbracht. Tort fanden jetzt die Wahlen der Vertreter der Ortskrankcnkasse statt. Zu dieser hatten auch die freien Gewerkschaften eine Vorschlagsliste ein- gereicht. Da nun die freien Gewerkschaften ihre Mitglieder nicht fragen, ob sie Christ, Jude oder Heide sind, auch nicht, ob sie sozial- demokratische, zentrümliche oder sonstige politische Ueberzeugung haben, so befanden sich nnter de» vorgeschlagenen Vertretern auch Angehörige des katholischen Arbeitervereins von Oberkirch. Dar- über herrschte nun großes Entsetzen in den Reihen der maß- gebenden Personen dieses Vereins. Flugs setzten sich der Herr Präses und der Vorsitzende hin und versandten ein auf hekto- graphischem Wege hergestelltes Zirkular, das wichtig genug ist, einem Archiv über Terrorismus einverleibt zu werden. Das Zirkular lautet: Obk.. den 15. Dez. 1913. Katholischer Arbeiterverein Oberkirch. Bei der Vorbereitung zu den Krankcnkassentvahlen ersehen wir, daß Sie sich als Kandidat in die Liste der sogenannten .Freien Gewerkschaften" eingezeichnet haben. Da es mit den Grundsätzen der christlichen Weltanschauung durchaus un- vereinbar ist, sich als Vertreter von Freien Gewerkschaften aufstellen zu lassen, bitten wir Sie crgebenst, innerhalb 3 Tagen sich darüber zu äußern, ob Sic Ihre Namensunterschrift auf betr. Wahlvorschlag zurückzuziehen gedenken. Im Falle das nicht geschehen sollte, müßte Ihr Austritt aus dem„Kath. Ar- beitcrvcrcin" erfolgen. Der Vorstand: gez. Emil Braun. Der Präses: gez. Frz. Biedermann. Ter Präses Franz Biedermann ist der katholische Kaplan von Lberkirch. Was ist von der christlichen Weltanschauung un- vereinbar mit einer Vertretung von freien Gewerkschaften? Ter terr Kaplan müßte eigentlich als Vorsitzender eines politischen ereins— denn weiter ist ja ein katholischer Arbeiterverein nichts— wissen, daß die Aufgaben der Gewerkschaften lediglich auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete zu suchen sind, und daß sich diese auch ausschließlich nach dieser Richtung hin betätigen. Hier stempelt der Herr Präses die Wahlen zur Ortskrankenkasse zu politischen Wahlen und trägt so die Politik in den Verein hinein. Oder meint der Herr Präses, der Grundsatz:„Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein", gelte gegen den katholischen Arbeiter, der sich dem Gebot nicht fügen will: wer als Knecht geboren ist. soll Knecht bleiben! Gerichts-Zeitung. Unheilvolle Folgen eines Bisses.. Das Lebensschicksal eines durch recht eigeiltümliche Um- stände zum Verbrecher gewordenen Menschen wurde in einer Verhandlung aufgerollt, welche gestern die 11. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Aus der Irrenabteilung des Zellengefängnisses Moabit wurde der Händler Max H e ck e r t vorgeführt, um sich auf Grund einer von ihm selbst erstatteten Anzeige wegen Diebstahls im strafverschärfendcn Rückfalle zu verantworten. Der Angeklagte, der zwar schon auf der Schule sich als nicht besonders intelligent gezeigt hatte, hatte sich mehrere Jahre lang, ohste irgend wie mit den Gesetzen in Konflikt zu kommen, schlecht und recht ernährt. Eines Tages geriet er mit einem Bekannten, der an Lues(Syphilis) gelitten hatte, aber als geheilt aus dem Krankenhause entlassen wor- den war, in Streit, woher ihm jener in den l i n k e n T a u- men biß. Durch diese Bißwunde wurde, wie der Sach- verständige, Geheimrat Leppmann, bekundete, das furchtbare Krankheitsgikt auf den Körper des Angeklagten übertragen. Von diesem Zeitpunkt ab war H. w i e uinge- wandelt. Er vernachlässigte seine Arbeit, trieb sich umher und beging allerlei Straftaten, u. a. einen Raubanfall, der ihm eine mehrjährige Zuchthausstrafe einbrachte. Diese Strafe mußte jedoch wiederholt ausgesetzt werden, da H. im Zuchthause Tobsuchtsansälle erlitt und deshalb der Irrenanstalt uberwiesen werden mußte. Aus dem Zuchthause heraus erstattete er auch gegen sich eine Anzeige, in der er sich beschuldigte, im April 1910 ein Fahrrad ge- stöhlen zu haben. In der gestrigen Verhandlung machte der Angeklagte völlig den Eindruck eines Geisteskranken. Er schrie fort- während:„Nehinen Sie die Bilder weg, überall wo ich hin- komme, hängen Sie solche Bilder aufl" Da nach Ansicht des Geheimrats Leppmann Zweifel an der VerHandlungsfähigkeit des Angeklagten bestanden und außerdem ein Zeuge nicht erschienen war, kam das Gericht zu einer Vertagung der Ver- Handlung. Eine Wiederausnahme der früheren Verurteilungen sollte nunmehr von Amtswegen eingeleitet werden. Amtliche Bekanntmachung. In der Strafsache gegen den Redakteur Alfred Wielepp zu Neukölln wegen Beleidigung durch die Presse hat die 11. straf- kamnier des Landgerichts I zu Berlin in der Sitzung vom 20. Mai 1913 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Beleidigung durch die Presse zu einer Geldstrafe von 200 M.(zweihundert Mark), an deren Stelle im Nichtbeitreibungsfalle sür je zehn Mark ein Tag Ge- fängnis tritt, und zur Traaung der Koste» deS Verfahrens verurteilt. Gleichzeitig wird dem Präsidenten de» Königlichen Land- gcrichts in Göttingcn die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung auf Kosten des Angeklagten innerhalb vier Wochen nach Zu- stellung des rechtskräftigen Urteils durch einmalige Einrückung des verfügenden Teiles des Urteils in dem redaktionellen Teil der Zeitung„Vorwärts" öffentlich bekannt zu machen. Ferner wird angeordnet, daß der Artikel mit der Ueberschrift:„Tut nichts, der Streikende wird bestraft" aus der vierten Seite der ersten Beilage der Nummer 200 des„Vorwärts" vom 0. No- vember ISiz und derjenige Teil der Platten und Formen, auf welchen sich dieser Artikel befindet, unbrauchbar zu machen sind. Berlin, den 23. Dezember 1913. _ Der Erste Staatsanwalt bei dem Landgericht I. verantworllscher Redakteur:«lfr-v wielepp. Neukölln. Für den' Wert der Bodelschwingbschen Arbeiterkolonic. Ein gewerbsmäßiger Schwindler, der in der Rolle eines an- geblichen„Dr. Möbius, Redakteur an der Vossischen Zeitung" seit Jahren Betrügereien verübt, wurde gestern aus der Unter- suchungshaft der 3. Strafkammer des Landgerichts II vorgeführt. Es war dies der 40jährige in Köln geborene angebliche Jvurnalist Karl Möbus, der sich wegen Betruges im strafschärfenden Rück- falle zu verantworten hatte. Ter Angeklagte ist nicht weniger als 24 mal wegen Betruges, Bettelns, Landstreichens vorbestraft. Seine erste Betrugstrafe hat er als 20jähriger junger Mann erlitten, und seit dieser Zeit war er Stammgast in den verschiedenen Ge- fängnissen Süddeutschlands. Er kam dann nach Norddeutschland, wo er ebenfalls seinen alten Schwindlertrick verwandte und niehr- fach bestraft wurde. Nachdem er un Jahre 1912 zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden lvar, tauchte er wieder in Berlin auf. Er suchte Herren in besseren Stellungen, insbesondere Pastoren auf, denen er sich laut Visitenkarte als„Dr. Möbius, Redakteur an der Vossischen Zeitung" vorstellte. Er gab dann an, daß er in dieser Stellung nicht genug verdiene und deshalb eine andere Beschäftigung suche. Seinen Zweck, eine Unterstützung zu erlangen, erreichte er schließlich dadurch, daß er tränenden Auges und fast tonloser Stimme erklärte, daß er seit mehreren Tagen nicht ordentlich gegessen habe. Er erhielt von den Betreffenden auch aus Mitleid kleine Beträge bis zu 5 Mark. So erschien er u. a. auch bei den Schriftstellern v. Pritzbuer, Tr. Dämmert, Dr. Giese, bei dem Stadtrat Kriege! in Schöneberg, den Pastoren Grüneisen und Muß in Großlichterfclde u. a. Der Pastor Holl- mann in Nikolassee war etwas vorsichtiger und erklärte dem An- geklagten, daß er sich erst erkundigen»volle. An demselben Tage erhielt er dann von dem angeblichen Dr. Möbius eine Postkarte, auf welcher er kurz mitteilte, daß er seine UnterstützunH nicht mehr brauche, da er zu Hause Arbeit vorgefunden habe. Diese Schwindeleien gelangen dem Angeklagten deshalb so gut, da er stets im schwarzen Gehrock erschien und mit seinem dunklen Vollbart und goldenen Kneifer einen ernsten, vertrauenerweckenden Eindruck machte.— Vor Gericht war der Angeklagte in vollem Um- fange geständig. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob es ihm denn gar nicht möglich sei, sich auf anständige und ehrliche Weise zu er- nähren, erklärte der Angeklagte, daß er gern arbeiten wolle, ibm sei nur ein einziges Mal Arbeit angeboten worden, und das sei in den Bodclschwinghschcn Arbciterkolonien gewesen. Tas eine Jahr Gefängnis, das er kurz vorher verbüßt hatte, sei aber lange nicht so schlimm gewesen wie diese Arbeit. Das Gericht erkannte an, daß es für einen Journalisten, wenn er nicht völlig taktfest und makellos dastehe, äußerst schwer sei, eine Stellung zu erhalten. Trotz der vielfachen Vorstrafen seien dem Angeklagten deshalb noch einmal mildernde Umstände zugebilligt worden, um ihn vor dem Zuchthausc zu bewahren. Tas Urteil lautete auf 1 Jahr und 0 Monate Gefängnis._ Elternabende vor Gericht.* Weil die Schulinspektionen für Meißen, Lommatzsch, Nossen und andere Behörden eine Verordnung erließen, in der Schul- kindern und eben aus der Schule Entlassenen der Besuch von Konfirmandenfeiern verboten wurde, wenn diese nicht von den zu- stäudigen Geistlichen und Lehrern veranstaltete waren, lich das Gewerkschaftskartell von Meißen und Umgegend zu Elternabenden ein. Verschiedene Besucher dieser Elternabende erhielten nun Strafmandate. Sie beantragten gerichtliche Entscheidung. Tas Schöffengericht erkannte auf Freisprechung. Die Verordnung, hieß es, sei unwirksam, weil sie auf Grund des Schulgesetzes nur der Schulvorstand erlassen könne; zudem handle es sich um junge Leute, die aus der Schule entlassen seien und der Fortbildungs- schule noch nicht angehörten. Gegen das freisprechende Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein und nun wurde die große Staatsangelegenheit vor dem Dresdener Landgericht aufgerollt. Es legte Wert darauf, fest- zustellen, ob die jungen Leute, als sie an dem Elternabend teil- nahmen, schon in der Fortbildungsschule angemeldet waren. Trotz- dem dies nicht nachgewiesen werden konnte, beantragte der Staats- anwalt Aufhebung des Schöffengerichtsudtils und Bestrafung der Angeklagten nach Z 37 des sächsischen Volksschulgesetzes und der Verordnung der Schulinspcktionen. Die angeklagten Eltern der jungen Leute wurden zu je 5 Mark Strafe oder einem Tag Haft verurteilt, weil sie die Teilnahme ihrer Kinder an dem Eltern- abend geduldet hätten. Die Richter erster Instanz hatten aus- gesprochen, daß die Verordnung den in Sachsen bestehenden Ge- setzen nicht entspreche. Das Landgericht dagegen sah diese Ver- ordnung als zu Recht bestehend an. Die Vertreter der Verurteilten legten bereits Revision gegen das unhaltbare Urteil ein. Hu 5 aller CHelt. Die üdeibnaebtehatartrophe von Calumct. Ueber das erschütternde Unglück bei der Weihnachtsbescherunz der Bergarbeiterkinder von C a l u m e t im Staate Michigan, dem 00 Kinder, 15 Frauen und 5 Männer zum Opfer fielen, werden uns noch die folgenden Einzelheilen gemeldet: In Calnmet herrschte in den letzten Wochen bittere Not. denn seit Monaten wird in den großen Kupferminen gestreikt. Von einer Wohltätigkeits- organiiation war eine Weihnachtsbescherung für die Kinder der Streikenden vorgesehen, und zu ihr fanden sich in der Italienischen Halle wohl an die 600 Kinder mit 200 Erwachsenen ein. Die Weih- »ackitSlicder waren gelungen, jedes Kind sollte dann im Vorbeigehen seine WeihnachtSgabe empfangen. Die Prozession der Kleinen hatte gerade begonnen, als ein U n b e k a n n t e r mit allen Zeichen höchster Aufregung in den Raum stürzte.„ F e u e r I" schrie er mit aller Kraft, lief ein paar Schritte weiter, wiederholte den Alarmruf und ver- schwand. Von diesem Augenblick an herrschte im Saale nur noch ein wildes Chaos. Nirgends war ein Zeichen von Feuer zu erblicken, aber die Panik war da: schreiend und jammernd stürmte alle? zu dem einen Ausgang, zu der Tür, die auf eine schmale Treppe und dann nach einem langen Gange auf die Straße führte. Die Kinder weinten, die Eltern verloren den Kopf, stürmten ebenfalls zmn Ausgang, und»ach wenigen Sekunden war die Auf- regung so gewachsen, daß Männer und Frauen in der Angst um ihr Leben die Kinder iin Stiche ließen. Die Kleinen, von denen nur wenige das 12. Lebensjahr erreicht hatten, wurden bei dem wilden Gedränge erdrückt, zu Boden geworfen, und die trampelten über die Wehrlosen fort: zum Ausgang, hinaus! hinaus! An der Tür und auf der Treppe häuften sich die Körper der zertretenen und erstickten Kinder, bildeten ganze Hügel, über die die anderen hinweg- kletterten. AIS 5 Minuten nach Ausbruch der Panik Polizei und Feuerwehr am Platze erschienen, lvar es den©«muten unmöglich. durch das Treppenbaus einzudringen, weil der Zugang durch die Leichen buch st üblich versperrt war. DaS RettungS- werk begann und von der grauenhaften Szene an der Tür und im Treppenhaus wird man sich eine Vorstellung machen können, wenn man erfährt, daß die Feuerwehr au» den Leichenbergen noch an die 100 Kinder. Frauen und Männer lebend hervorzog. Fast alle Toten, mit Ausnahme der ganz kleinen Kinder, waren an Erstickung gestorben. Bei den kleineren Kindern stellte man schwere Knochenbrüche fest, die Schädeldecken waren eingetreten, und die Gesichter durch Absätze und Tritie so grauenvoll entstellt, daß die Kleinen an ihren Kleidern identifiziert werden mußte». Dabei gab e» manche Verwechselungen; immer wieder erschienen im Laufe der Nacht Eltern, die nach -._.„ nur den rcintönigcil,' edlen Geschmack und die Bekömmlichkeit erstaunt sei», die ______ gerade der einfachen Zubereitung zu verdanken find___ Inseratenteil verantw.: Th.Glvcke, Berlin. Druck u-Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co),"Berlin SW, 7 ruhigerer Ueberlegung in dem ihnen übergebenen entstellten Körper ihr Kind doch nicht iviedererkennen wollten, und die Leiche zurück- brachten. In einigen Fällen wurden Life Kint er gerettet, während Vater oder Mutter oder beide umkamen. U.i r den Toten fand man Geschwister oder Nachbarlinder, die lh fest an den Händen hielten. Augenzeugen erzählen Hk.mt einzelnen Müttern, die ihre Kinder verzweifelt cmporfji,cn ai um sie zu retten, bis beide in dem wilden Gedränge niedc-.. und untergingen. Die Szenen, die sich Vf.: er Halle abspielten, als die Panik überwunden und die E'"'i'itöeder zur Vernunft gekommen waren, spotten jeder Bcschreiormg. Nur wenige der Erwachsenen hatten nicht den Kopf verloren, aber ihre Bemühungen, die Masse zu beruhigen, blieben fruchtlos. Ein stämmiger Bergarbeiter hatte versucht, sich während der Panik an die Tür z» drängen und die Leute zu überzeugen, daß gar kein Feuer wäre; umsonst, er wurde niedergeworfen: gräßlich entstellt fand man seine Leiche. Eine Frau begann Klavier zu spielen und sich mit den in der Nähe weilenden Kindern zu unterhalten: von diesen Kleinen kam nicht ein einziges um. Die ganze Stadt sucht jetzt nach dem Manne, der den falschen Alarm hervorrief und von dem man nicht weiß, ob man es mit einem Verbrecher oder init einem Irrsinnigen zu tun hat._ Unwetter im Reiche. Aus den verschiedensten Teilen des Reiches werden heftige Schnee- stürme gemeldet. An vielen Orten sind durch daS Unwetter Ver- kehrsstörungen eingetreten und die t e l e p h o n i s ch e n und telegraphischen Verbindungen unterbrochen worden. In den Bayerischen Alpen sind so starle Schneemassen niedergegangen, daß der Schnee teilweise bis zu zwei Meter hoch liegt. Es wird befürchtet, daß in den nächsten Tagen die Flüsse starkes Hochwasser sührcn werden. Im Mosel- gebiet, Ivo gleichfalls große Schneemcngen niedergegangen sind, hat das nach den Schneesällen eingetretene Tauwetter die Mosel und ihre Nebenflüsse stark anschwellen lassen. In Trier stieg die Mosel seit Sonntag um zwei Meter und steigt noch andauernd. Wie aus Stuttgart berichtet wird, hat ein Orkan, der am Sonntag Württemberg heimsuchte, schweren Schaden angerichtet. In den StadtwNdern wurden dreitausend Festmeter Tannen- bä nitre umgeworfen. In RippoldSau wurde ein 17- jähriges Mädchen vom Sturm von der Brücke in den Fluß geworfen; es fiel auf den Kopf, so daß der Tod sofort eintrat. Auf der Unterelbe erschwerte das seit einigen Tagen Herr- schende Schneetreiben die Schiffahrt ganz ungemein. In der Elbe- mündung ist es zwischen dem Hamburger Dampfer„Helene Blumen- seid" und einem englischen Dampfer zu einem Zusammenstoß ge- konrmen, bei dem der Engländer schwere Havarien erlitten hat. Auch aus Oesterreich und Frankreich wird ein Wetter- stürz gemeldet. Durch Sturm und Schneemassen ist der Verkehr teilweise gestört._ Im Schneestnrm umgekommen. Ein schweres Unglück hat ein Schneesturni herbeigeführt, der am Sonntag das russische Gouvernement Saratow heim- suchte. Nach dem Unwetter, das den ganzen Tag an- gehalten hatte, sind in der Umgebung der Stadt Saratow zehn vom Jahrmärkte heimkehrende Bauern erfroren aufgefundeit worden. Tic Zahl der Opfer ist wahrscheinlich noch viel größer, denn zwanzig B a u e r n, die den Heimweg angetreten hatten, werden vermißt.___ Ein Racheakt? Die furchtbare Explosion chon Torre Annunziata, beider 14 Menschen nmS Leben gekommen sind, soll nach den neuesten Er- Hebungen verbrecherischen Ursprungs sein. Es handelte sich um eine jener heimlichen Fabriken von FeuerwcrkSkörpern, die in Süditalien so häufig sind, weil die hohe Abgabe auf Pulver- und Sprengstoffe sie äußerst rentabel machen. Die Fabrik war in einem Wohnhaus und arbeitete ganz besonders eifrig im Hinblich auf die Festtage. Das ganze dreistöckige Haus flog in die Lust. ES heißt nun. daß der B r u d e r deS Besitzers der Fabrik, ein gewisser Arnese. aus Rache die Explosion veranlaßt hätten Gegen ihn sagt seine eigene Mutter aus. Belastend fällt inS Gewicht, daß der Beschuldigte kurz vor der Explosion seine Geliebte in größter Aufregung aufgefordert hat, ans dem NnglückShause zu entfliehen. Kleine Notizen. Das Ende eines LiebcSromanS. In Meppen erschoß ein junger Techniker eine Verkäuferin und dann sich selbst. Grund: Unglückliche Liebe. Auf dem Scheiterhaufen. Auf furchtbare Weise hat in dem Mainzer Vorort H c ch t h e i m ein junger Landwirtssohn seinem Leben ein Ziel gesetzt. Er legte sich bei der Heimkehr vom Felde auf einen Strohhausen und zündete diesen an. Der Unglückliche verbrannte vollständig. DaS Motiv zu der Tat ist Schwermut. Ter Eiscnbahnnnsall bei Kochcin hat noch zwei weitere Opfer gefordert, da die beiden schwerverletzten Beamten in- zwischen ebenfalls verstorben sind. Tic AufräumungSarbeiten in dem Unglückstunnel gestalten sich sehr schwierig. Wasserstands-Nachrichten der LandeSanlla» für Gewässerkunde, milgeleill vom Berliner WeUerbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnsterdurg Weichsel, Thorn Oder, Ratlbor , Krosscn , Franksurt Warthe, Schriinm ... LandSberg stärkeren.-Netze, Vordamm Elbe, Leivnerttz , Dresden , Bardo . Magdeburg am 28.12. cm 326 288 288 164 244 244 246 186 66 61 —60 264 200 seit 27.12 cm1) —20 +28 +10 -H —2 —7 -2 4-11 +4 —4 _ 2 —12 -12 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spaiidaiifl . Rathenow') Spree, Sprcmberg') , BeeSkow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar. Hellbronn Main, Hanau Mosel, Trier am 28.12. cm 140 79 64 146 140 230 420 207 122 seit 27.12. emfl Äi 0 4-4 +50 +63 +6 4-27 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. Die Leine hat nach telegraphischer Meldung mittleres Hoch- Wasser, das jedoch am Oberlaus bcrcttS wieder zurückgeht. Der Wasser- stand betrug am Pegel Wispenstein heute morgen 337 cm. DS& Ausschne/i Silvetsterpnnscli. Einfachstes Rezept sür den wohlschmeckend- ften u. bekömmlichsten Silvesterpunsch. Man nehme 1'/, Flasche Santa Lucia-Wcin, nur Pjd. kalso 60 Gramm) Zucker,'/. Liter guten Aral, den Sast'/. Zitrone und 'I, Liter Wasser, wenn der Punsch leichter gewünscht wird, nach Belieben mehr Wasser. Alles bis zum Siedepunkt erhitzen, aber nicht kochen lassen. Preis der ganzen Zusamuienstelluilg nur zirka 2.65 M. Man wird über H.& P, Uder, Haupt-Niederlage der t k. österr. Tabak-Regie. Zigarren— Zigaretten— Rauchtabake. Xur für Wiederverkäufer zu Originalpreisen, Alleinverkauf der Fabrikate der Firma F.«F. Burrns 8t. Kreuz Größte deutsche Eauobtabakfabrikation. JahreHproduktlon über 3 OOO OOO Pfd. Rauchtabake. _ Zigaretten-Spezialität: I/AJgerienne._ Cigccreiffeu itiiiifliiliiliiliiiiij O/me,| :| fteuu| | imiiiiiiiimiiiiiiiiiiM Zjim Silvester empfiehlt Punsch, Rum etc. Wein- Großhandlung und Likör- Fabrik Jfpiatz Sello. In meinen Filialen Einzelverkauf zu Engrospreisen. 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Beginn der Vorstellung S'/.Uhr. Bis 6 Uhr und von lO3� Uhr halbe Kassenpreise. kM.-MMM. Theater. Zum 264. Male: Hie Killg-Sömgiv. Operette in 5 Allen Kasseneröffti. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. I.Januar(Neujahr), nachm.3Uhr: Dl« keusche Susanne. Rerlinerlim-Tris Adr- X euhttlln l.afanstr.74i Reiehshailen-Theater Siettmsr Sänger „Ziekenfeeens Kiinstler- Agentir und das Weihnachtsprogramm Ansang 8 Uhr. Am 31. Dezbr.: Große Silvester- Ulk-Soiree und Tanzkränzchen. Zirkus Alb. Schumann. Heute Dienstag, den 30. Dez.: abends 71/. Uhr: Gr. Gala-Vorstellung. bleu! U. a.: Neu! Original Utile Fred's mit ihren Akrobaten u. kunstreitenden Hunden. Xou! Therese Renz Neu! mit ihren dressiert. Elefanten 'und Ponnya u. d. übr. neuen Attraktionen. DV Um 9'/« Uhr; Das große Ausstattungsstück vom Turf in 7 Bildern: „Tipp" der Derby-Favorit Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: vis Reise um die Erde in 40 Tagen. Mittwoch. 31. Dezember(Silvester) abends präzise 7'/. Uhr: Die Reise um die Erde'in 10 Tagen. 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Deshalb hat das Oberversicherungsamt der Allgemeinen Ortskrankenkasse die Ermächtigung erteilt, statt der Krankenpflege oder sonst erforderlichen ärztlichen Behandlung vom 1. Januar 1914 ab eine bare Leistung zu gewähren. Diese Leistung wird an Stelle der ärztlichen Behandlung und der Versorgung mit Arzenei und mit kleineren Heilmitteln ge- währt. Den erwerbsunfähigen Mitglieder» sollen demnach f ü r jeden Krankhcitstag 6 2 Pfennige, also pro Woche 3. 6 4 M a r k neben dem Krankengeld gezahlt werden. Ob dieser Betrag ausreicht, wenigstens bei ernsten Erkrankungen, um Arzt und Apotheke zu zahlen, erlauben wir uns zu bezweifeln. Da ja ein einziger Besuch oder eine Konsultation schon 3 M. bezw. 1,69 M. verschlingt. Wo bleiben da die Medikamente. Es ist also auch hier wieder eine schwere Schädigung der wirklich kranken Mitglieder zu erwarten. Erwerbsfähig erkrankten Mitgliedern kommt der Luxus, sich ärztliche Hilfe zu verschaffen, noch erheblich teurer. Sie be- kommen diese 62 Pf. nur für jeden Tag, an welchem sie den Arzt konsultieren, müssen also jedesmal mindestens noch 1 M. darauf zablen. Dafür will man aber den Aerzten das Ausstellen der Krankenscheine und die Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit ab- nedmen. Und wer soll diese Tätigkeit übernetmen?— Die Orts- Polizeibehörde, Polizeiverwaltung oder der Amtsvorsteher des Wohn- ortes des Erkrankren. Das kann ja eine lustige Geschichte werden. Wie will der Ortspolizist die Krankheit feststellen? Besorgt das bei den weiblichen Mitgliedern seine Frau? Aber daS tollste kommt noch. Der OrtSpolizeibehörde bleibt es überlassen, wie sie sich die Ueberzeugung von der Krankheit und Er- werbsunfähigkeit der Mitglieder verschaffen will, und daß die Kasse ihre Leistungen so lange einstellen oder zurückhalten darf, bis ein ausreichender Nachweis erbracht ist. Welche endlosen Plackereien werden den kranken Mitgliedern daraus erwachsen? Und das alles bei bedeutend erhöhten Beiträgen. So ist auch hier wieder' die letzte Rettung— der Schutzmann. Aber die Kasse darf auch in diesem Falle die erkrankten Mitglieder gegen ihren Willen in Krankenhäuser verweisen. Letzlere Maßnahme wird, wo sie nicht neue Erbitterung erzeugt, wirkungslos bleiben, denn es ist eine alte Erfahrung, daß im Winter bei dem steten Mangel an Krankenhäusern eine weiter- gehende Unterbringung von Kranken fast unmöglich ist. Die ganze Sache gestaltet sich also jetzt folgendermaßen: Wer vom l. Januar 1914 ab die Krankenkasse Nlederbarnim in Anspruch nehmen will, mutz sich an die Ortspolizei behörde seines Wohnortes wenden. Dort wird ihm gegebenenfalls die erforderliche Bescheinigung in der Form eines Hauskrankenschemeö'erteilt. Bei längerer Krankheit muß er diesen Schein jeden Mittwoch erneuern. Ist der Mittwoch ein Feiertag, dann am Tage vorher. Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt an jedem Freitag in der Zahlstelle des Wohnortes. Diese von uns soeben gekennzeichnete Bekanntmachung muß durch die Gemeinde- und Gutsbehörden in orts- üblicher Welke ausgehängt werden und wollen die Mitglieder darauf besonders achten. In der gleichen Nummer deS Kreisblattes<28. Dezember 1913) werden auch die Vorschlagslisten zu den am 4. Januar stattfindenden Wahlen bekanntgegeben. Danach finden Arbeitgeberwahlen nur statt in den Bezirken 2, 8, 9, 19. 11, 12. 13 und 14. Für den S. Bezirk haben die Ardeitgeber überhaupt keinen Vorschlag ge- macht. Die Arbeitnehmerwahlen sind in'allen Bezirken, init Ausnahme des 3. und 6. Wahlbezirks, notwendig. Da sich zum Teil in den einzelnen Bezirken drei Vorschlagslisten gegenüberstehen und die Wahlen selbst aus Grund der Verhältniswahl stattfinden, heißt es alle Kräfte anzuspannen. Partei- Angelegenheiten. Roscnthal. Der erste Abend deS Einführungskursus:»Die wisseiiichafilichen Grün lagen der modernen Arbeiterbewegung" ist aus Montag, den 6. Januar 1914, abends pünktlich 8>/z Uhr. im Lokal von Barth, Prinz-Hemrich-Straße, Ecke Vikloriastraße. fest- gesetzt. Vortragender ist Genosse Wilhelm Wengels. Für die Vortragsabende des auf 5—6 Abende berechneten Kursus ist der Montag ausersehen. Ansang pünktlich 8>/z Uhr.— Außer den bereits angemeldeten Genossen und Genoisinnen werden sämtliche Mitglieder zu reger Teilnahme an diesem belehrenden Kursus auf- gefordert. Hcrmsdorf, Waidmannslust und Glienicke. Freitag, de» 2. Januar, abends 7 Uhr: Fluablatlverbreitung zu der am 4. Januar statt- findenden Krankenkassenwahl. LerUner Nachrichten. Christliche Slrbeiterfcinde. Liebet Eure Feinde! Segnet die Euch fluchen! So predigen die Hüter der christlichen Religion von den Kanzeln. In der Praxis geschieht das Gegenteil! Unsere Frommen begeifern uns in der lüdesten Weise, weil wir meinen, es dürfe nicht Sache des Staates sein, kirchliche und religiöse Genieinschaften aus allgemeinen Mitteln zu erhalten. Vor uns liegt ein Flugblatt, das an die evangelischen Männer und Frauen der Jmmanuelgemeinde gerichtet ist und das sich wendet gegen die Versanimluugen zum Austritt aus der Landeskirche, die von„Konsessionslosen und Genossen" ein- berufen gewesen wären. Viele hätten diese Versammlungen besucht, hätten den Irreführungen und Aufhetzungen der Redner geglaubt und sich leichtfertig von der Kirche ihrer Väter und Mütter losgesagt und seien aus der Kirche ausgetreten. Die „unparteiische" Tageszeitung der„Tag" hätte über die Aus- trittsversammlungen berichtet,„daß barbarischer Pöbel in den Versammlungen getobt habe" usw. Diesem blödsinnigen Bericht des sogenannten„unparteiischen" Ablegers des ..Lokal-Anzeigers"— Regierungsblattes— folgt nunmehr in recht jesuitischer Verdrehung eine Philippika gegen „Konfessionslose und Genossen". Man hört es nicht gern. � daß die Pastoren keine Kirchensteuern zahlen und auch wnsl steuerfrei sind, und begegnet diesem Einwand mit dem Hinweis, daß die Pastoren ihr Privatvermögen nach wie V« versteuerten. Das fehlte ja noch, daß das Privatvermögen der Geistlichen auch noch steuerfrei gelassen wird. Dann geht es aber gegen die Führer, die außerordentlich hohe Bezüge aus den Parteikasscn hätten. Wir glauben, daß die so- genannten Führer erheblich mehr Arbeitskraft im Dienste der Allgemeinheit aufwenden müssen als die Pastoren, daß sie aber jederzeit mit den Bezügen der Pastoren gern tauscheu ivürden: auch nicht entfernt reichen die Bezüge jener an die der Pastoren heran. Die Frommen von Immanuel haben entdeckt, daß die Genossen drei Begräbnisklassen hätten, und sie wollen die'c Behauptung mit der Zahl der Kränze beweisen, die gestiftet werden beim Tode verschiedener tätiger und bekannter Ge- nassen. Das sagen dieselben Leute, welche die verschiedenen Begräbnisklassen bei Beerdigungen eingerichtet haben und je nachdem die verschiedensten Gebühren erheben. Wie diese Frommen über die Arbeiterbewegung urteilen, auch das ist aus dem Inhalt des Flugblattes ersichtlich. Von den Beiträgen würden die Führer und Redner reichlich bc- zahlt, so daß ein sparsamer Führer es weit bringen könne, „wofür Beweise hinlänglich bekannt seien". Mit der letzten Bemerkung glauben sich unsere Frommen um den Beweis für ihre Behauptung herumdrücken zu können: es dürste ihnen schwer fallen, diesen Beweis zu erbringen. Uebcr Streiks heißt eS bezeichnenderweise in dem Flugblatt: „Meist sind diese«areils erfolglos; aber selbst wenn sie Er- folg beuten, die betörten und verhetzten Arbeiter haben während des Streiks längst ihre letzten Nolgroichen von der Sparkasse ge- holt, sind auf Monate hinaus beim Bäcker, Fleischer, Kohlen- und Grünkramhändler verschuldet. Die Lohnerhöhung währt nur kurze Zeil: Wird die Konjunktur aus dein Weltmaikt schlecht, so sinkt der Lohn unerbittlich tief und liefer. Aber diese Streiks sollen ja die Arbeiter „auspowern", sie„verelenden", unzufrieden und verzweifelt machen, dann er st können die Obergenossen sie recht gebrauche n." Die vorstehende Auslassung ist so recht charakteristisch für das Wesen der Kirche selbst. Die Kirche hat kein Verständnis für unser Wirtschaftsleben. Sie weiß nicht oder will es nicht wissen, daß unsere Gesellschaft von Klassenintcressen durchfurcht ist und daß diese Interessen zu Kämpfen führen, die je nach der Macht der Organisation mit Erfolg und Mißerfolg enden. Diese Kämpfe sind notwendig, da die Machthaber freiwillig nichts geben. Und es gibt selbst christliche Gewerkschaften, die sich diesen Kämpfen nicht ganz entziehen können, wollen sie ihre Mitglieder halten. Die Kirche aber erklärt diese Kämpfe um Besserstellung der Lebenslage der Arbeitermassen für Ver- hetzungen, ja sie verspottet die Arbeiter noch, welche in heißem Ringen kämpfen. Damit erklärt sich die Kirche aber für arbeiterfeindlich, verrichtet die Geschäfte der herrschenden Klassen und macht sich zum Schleppenträger der Ausbeuter. Und dann wundern sich ihre Anhänger, wenn Arbeiter von einer Gemeinschaft sich abwenden, welche die Rechte der Arbeiter mit Füßen tritt, sie verhöhnt und verspottet. Die Murtcr an der Arbeit. Razzien auf Korsetts und Seiden st rümpfe ver- anstaltet seit einigen Tagen die Berliner Polizei. Herr v. Jagow hat entschieden Humor. Er hält daucrnd die Lachmuskelu in Be- wegung. Auch sein Stolpern über den Hcldenjüngling in Zabcrn reizte ja eigentlich mehr zum Lachen als zu ernster Betrachtung. Man wulidert sich bei unserem Polizeipräsidenten schon über nichts mehr. Seitdem er in die Toilettengeheimnisse einer gewissen Künstlerin nicht einzudringen vermochte, hat er den Damen- toilctten den Krieg erklärt. Er kämpft gegen Theaterhüte, Hut- nadeln, Schleppen urö> nun auch noch gegen Korsetts und sei- dene Strümpfe, notabene wenn diese intimen Sächelchen in den Schaufenstern auf Wachs und Holz aufgezogen sind. Wie das Fachblatt der Korsettbranche mitteilt, war die Behörde von mucke- rischer Seite scharfgemacht worden gegen die Schaufensterdeko- rationen in Korsett- und Trikotagengeschäften. Woran kaum sonst jemand Anstoß nimmt, das beleidigt die Kreise, die überall Un- sittlichkeit schnüffeln, weil ihre Gedanken stets mehr im Trüben als im Reinen fischen. Es sind dieselben muckerischen Kreise, aus denen nicht allzu selten Sittlichkeitsverbrecher hervorgehen. Um den Anrcmpelungen vorzubeugen, hatten sich die betreffenden Ge- schäftssirmen freiwillig zu Aendcrungen in der Dekoration er- boten. Die Polizei war aber als Tugendwächterin damit nicht zufrieden und hat in den letzten Tagen durch uniformierte Be- amte die allzu wenig uniformierten Wachspuppen und hölzernen Damenbeine einfach aus den Schaufenstern entfernen lassen. Nach einer Meldung des„Lokal-Anzeiger" sollen polizeilicherseitS alle Schaufensterauslagen der Korsettgeschäfte photographiert wer- den. Das Regierungsblatt befürchtet wohl, daß die Polizeibeam- ten auch die tiefen Dekollctierungen der weiblichen Hofgesellschaft, darunter manchen wächsernen Busen, schamhaft verhüllen werden? Ach nein, in der Umgebung des GottesgnadentumS ist der Fleisch- markt erlaubt, oft direkt vorgeschrieben. Da traut sich Herr v. Jagow nicht ran. Der Schneefall, der in der Rächt zum Montag einsetzte, veremklßte die städtische Straßenreinigung zur Inbetriebsetzung von 66 Schneepflügen. Es wurden bis gestern früh 636 Mann zum Schneeschippen eingestellt und weil mehr Leute nötig waren, wurden die Arbeitsnachweise in Anspruch genommen. Es wäre wünschenswert, für zukünftige Fälle die Adressen der Depots bekanntzugeben, an denen bei Schnee- fällen die Arbeitseinstellungen erfolgen. Ter Arbeitsnachweis für Grost-Berli». Die Gemeinden Groß-Berlins sind in diesem Herbst zu- sammengetreten, um gemeinsame Maßnahmen zur Ver- bessern ng des Arbeitsnachweises zu erwägen. Die Konferenz führte zur Einsetzung einer Sonderkommission, welche mit der Ausarbeitung von Einzelvorschlägen betraut wurde. Diese hat in mehreren Sitzungen die Grundsätze für eine einheitliche Organisation des Arbeitsnachweises durchgesprochen und ihre Beratungen beendet. Zlin Anfang des nächsten Jahres wird eine neue Konferenz der Gemeinden einberufen werden, den Bericht der Kommission über ihre Arbeiten entgegennehmen und weitere Beschliisse fassen. Tie letzte Stadtverordnrtensitzung in diesem Jahre findet heute, Dienstag, statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Beratungsgegenstände: Berichterstattung über die Petitionen des Grundbesitzervereins Arnimplatz und Hinge- gend um Herstellung einer Fußgängerüberführung über die Ringbahn zur Verbindung der Malmöer und jOstader Straße, — sowie der Altpensionäre der Berliner Feuerwehr um Auf- besserung ihrer Lage.— Berichterstattung über die Vorbera- tung der Borlagen, betr.: die Hochbauten auf dem neuen Berliner Gemeindefriedhof in Buch-Karow.— und den speziellen Entwurf zum Neubau eines städtischen Dienst- und Wohngebäudes mit Steuerannahmestelle, und eines Gebäudes fiir eine Säuglingsfürsorgestelle und ein Armenamt an der Badstraße ICKIOa.— Vorlagen betr.: die Klassenbesetzung der Gemeindeschulen am 1. November 1913,— und die Gewährung weiterer 59 999 M. für freie Mittagspeisung bedürftiger Gemeindeschulkinder für das Rechnungsjahr 1913.— Beantwortung der Anfrage von Mitgliedern der Versammlung an den Magistrat: die von der Firma Eimens u. Halske bei Herstellung des Betons zur Tunnelsohle der Nord-Südbahn verwendete K i e s s o r t e betr. Zum Dienst kommandiert. Zur Bewältigung des Neujahrsbrieiverkehrs werbe« in diesem Jahre, entgegen einer anderen Pressemeldung, doch wieder eine Anzahl Soldaten beschäftigt werden. Die Verwendung der Unteroffiziere und der Mannschaften erfolgt jedoch nicht im Bestell- dienst, sondern im Innendienst beim sogenannten Rohsortieren. Kommandierungen zu diesem Postdienst sind verboten. Da- gegen schwingt die Post selbst den Kommandostab und läßt sich durch die Fernsprechämter die dienstfreien Telephonisten am 31. De- zember zuteilen. Der Zwangsdienst umfaßt je fünf Stunden und wird mit fünf Mark entlohnt. Trotzdem protestiert der größte Teil der Mädchen gegen diese Kommandierung, zumal verschiedentlich der Dienst mitten in der Silvesternacht endigt, sodaß die Mädchen dann dem Silvester- trubel der„besseren Kreise" schutzlos preisgegeben sind. Das Post- amt 87 in Moabit hat beispielsweise für den Silvesterabend von 8—1 Uhr eine Anzahl dienstfreier Telephonistinnen angefordert. Um 1 Uhr nachts ist der Dienst beendet und die Mädchen können dann sehen, wie sie durch den Straßentrubel hindurch nach Hause gelangen. Diese Zumutung ist skandalös zu nennen. Hoffentlich genügt dieser Hinweis, daß die Oberpostdireklion dem Postamt 87 und auch anderen Postämtern die verdiente Zurechtweisung erteilt und an Stelle der Mädchen Arbeitslose beschäftigt, deren eS in Berlin einige geben soll... Zurückstellungen von Mannschaften der Reserve. Tie Ersatzkommissionen der Aushebungsbezirke Berlin geben bekannt: „Die in Berlin wohnenden Mannschaften der Reserve, Landwehr, Seewehr, Ersatzreserve und Marineersatzreserve, welche auf zeitweise Zurückstellung bei notweirdigen Berstär- kungen oder Mobilmachungen bezw. bei Bildung von Ersatz- truppenteilen Anspruch machen, werden aufgefordert, ihre Gesuche unter Angabe ihrer Militärverhältnisse und der Nummern, unter denen sie in den Listen der Königlichen Be- zirkskomniandos I— VI Berlin geführt werden, im Laufe des Monats Januar 1914 beim Militärbureau des hiesigen Magistrats anzubringen. Die auf Zurückstellung Anspruch machenden und sich hier aufhaltenden ausgebildeten Landsturmpflichtigen des II. Auf- gebots haben ihre Gesuche unter Angabe der bisherigen Mili- , tärverhältnisse in der angegebenen Zeit ebenfalls bei dem bezeichneten B.urcau einzureichen.< � Die"bereits früher berücksichtigten Mannschaften haben ihre Anträge auf weitere Zurückstellung im Bedarfsfalle zu erneuern?'die nach dem 31. Januar 1914 eingehenden Ge- suche können nicht berücksichtigt werden. Die berücksichtigten Mannschaften werden nach Abhal- tung der Sitzung im April 1314 durch den„Lokalanzeiger" bekannt gemacht werden."_ So lebe» und sterben Proletarierkinder! Alljährlich hält in den Proletarierhäusern der Tod seine furcht- bare Ernte. Unter den Kindern der Arbeiterfamilien fordern hauptsächlich die Magen- und Darmkrankheiten zahlreiche Opfer. Bei dieser Krankheitsgruppe tritt mit greifbarer Deutlichkeit hervor, wie sehr Erkrankungen und Sterbefälle durch die soziale Lage bedingt werden. Lehrreiche Zahlen hierüber finden sich wieder in dem umfangreichen Jahrestabellenwerk über die BevölterungSvorgänge Berlins, das für 1911 vom Berliner Statistischen Amt vor kurzem fertiggestellt und veröffentlicht worden ist. Zwar trennen uns von 1911 jetzt bereits zwei Jahre, aber die Ergebnisse verlieren dadurch nicht an Interesse. Für die K i n d e r st e r bll i ch k e i t verdient übrigens gerade daS Jahr 1911 alle Beachtung, weil es den in Berlin schon seit mehreren Jahren andauernden Rückgang jäh unterbrach und wieder eine un- gewöhnlich hohe Zahl von Säuglingssterbefällen brachte. ES starben diesmal 7462 Kinder des ersten Lebensjahres, davon allein 2683 an Magen- und Darmkrankheitcn. Unter diesen 2683 waren nur 241, die mit Muttermilch ernährt worden waren, und nur 13, die eine Amme gehabt hatten. Zu denken geben schon diese Zahlen, vor allem der geringe Anteil der von Ammen ernährten Kinder an den Todesfällen der Magen- und Darm- krankheiten. Sondert man die in Anstalten jeder Art gestorbenen Kinder aus— eS waren 397—, so bleiben für die Magen- und Darmkrankheiten 2186 in Wohnungen gestorbene Kinder. Daß fast nur Prolctarierkinder von diesen Krankheiten hingerafft werden, zeigen die Angaben über die Größe der Wohnungen. Sic fehlen bei 84 Kindern, liegen vor bei 2192 Kindern. Danach bestand die Wohnung nur aus Küche bei 16 Kindern, aus einer Stube bei 1327, aus zwei Stuben bei 666, so daß allein 2999 von 2192 an Magen- und Darmkrankheiten zugrunde gegangenen Kindern zu Haushaltungen mit kleinen Wohnungen gehörten. Es folgten dann die Dreizimmerwohnungen mit 71 Sterbefällen, die Vier- Zimmer-Wohnungen mit 11, also die mittleren Wohnungen mit zu- sammen 82. Den Rest bildeten Fünfzimmerwohnungen mit 6 Sterbefällen, Sechszimmerwohnungen mit 3, Siebenzimmerwoh- nungen mit 2, also größte Wohnungen mit zusammen nur 11 Stcrbefällen. Sollen wir diesen Zahlen noch eine Erläuterung bei- tilge»? Wahrhaft entsetzlich war die II e b c r fü l l u n g mancher der Wohnungen, in denen diese Kinder hinstarben. Unter den 16 Wobnknchen waren 7 mit je zwei Bewohnern, 3 mit je drei, 6 mit je vier. 1327 dieser Säuglingssterbefälle wurden in Ein- zimmerwohnungen gezählt, und von ihnen beherbergten 44 Woh- nungen je zwei Bewohner, 298 je drei, 374 je vier, 271 je fünf, 179 je sechs, 99 je sieben, 31 je acht, 18 je neun, 8 je zehn, 3 je elf, 1 sogar vierzehn Bewohner.(Bei 1 Wohnung sehst die Angabe der Bewohnerzahl.) Von 666 in Betracht kommenden Zweizimmerwohnungen hatte nur 1 zwei Bewohner, 46 je drei, 142 je vier, 146 je fünf, 129 je sechs, 87 je sieben, 48 je acht, 36 je neun, 18 je zehn, 7 je elf, 7 je zivölf, 1 dreizehn, 1 vierzehn Bewohner. Auch bei den wenigen Dreizimmerwohnungen und sogar bei den Bier- zimmerwohnungen, in denen Säuglings durch Magen- und Darm- krankheiten weggerafft wurden, fanden sich meist hohe Bewohner- zahlen, daß man die Haushaltungen nicht zur hcmittcltcn Klasse wird rechnen dürfen. Bis zu vierzehn Personen in einer Wohnung von drei Zimmern, von nur zwei Zimmern, ja von nur einem e i n z ig e n Ii mm e r! Kann in solchen Höhlen ein Säugling gedeihen? Diese trockenen Zahlen entrollen Bilder so erschütternden Wohnungselends, daß die kühnste Phantasie kaum schlimmere ersinnen kann. Sie bedeuten eine furchtbare Anklage gegen die Gesellschaft, die alljährlich Scharen von Prole- tarierkindern einem frühen Tode zum Opfer fallen läßt. Bo» der Verminderung des Nachwuchses. Tie Bevölkerung Berlins wurde bei der für das Steuerjahr 1912/13 ausgeführten Personenstandsaufnahme anf 2 933 363 Per- soncn ermittelt. An dieser Gesamtzahl waren die über 14 Jahre alten Personen beteiligt mit 1 593 244, die unter 14 Jahre alten mit 449 119. Die U'n e r w a ch.s e n e n, bis zur Bollendung des schulpflichtigen Alters gerechnet, machten hiernach 216 pro 1999 der Gesamtbevölkerung aus. Ihre Anteilziffer ist in Berlin seit einer langen Reihe von Jahren im Rückgang, und be- sonders in den allerletzten Jahren hat die Abwärtsbewegung-sich sehr rasch vollzogen. Bei den Personenstandsaufnahmen für die letzten fünf Steuerjahre 1998/99 bis 1912/13 wurde ermittelt die Gesamtbcvölkerung auf 2 949 541, 2 921948, 2 913 448, 2 931 829, 2 933 363, davon waren über 14 Jahre alt 1579 565, 1565 117, 1562112, 1 384 417, 1593 244, unter 14 Jahre alt 469 976, 456 831, 451 336, 447 493, 449119. In dem Jahrfünft hätten die über 14 Jahre alten Personen zunächst eine Verminderung, dann aber wieder eine Vermehrung, so daß schließlich ihre Zahl um fast 14 999 höher als zu Anfang war. Dagegen hatten die' unter 14 Jahre alten Personen eine andauernde und so starke Verimnderung, daß ihre Zahl zuletzt um reichlich 29 999 unter derjenigen des Anfangs- jahres stand. Diese starke Verschiebung kommt noch' klarer zum Ausdruck in den pro 1999 der Gesamtbevölkerung berechneten Anteil- ziffern, die für die unter 14 Jahre alten Personen in den fünf Jahren 226, 226, 224, 229, 216 waren. Geht man noch weiter als nur um ein Jahrfünft zurück, so zeigt sich, daß die Abwärtsbewe- gung schon sehr viel früher bemerkbar geworden ist. Pro 1999 der Gesamtbevölkerung waren die unter 14 Jahre alten Personen bei den Personenstandsaufnahmen für 1892/93, 1992/93, 1912/13: 256, 235, 216, so daß � die Anieilziffer in 29 Jahren um ziemlich ein Sechstel sich ermäßigt hat. Diese Erscheinung kann Mehrere Ur- fachen haben. Sie ist zweifellos in erster Linie auf die seit Jahr- zehnten andauernde Geburten Minderung zurückzuführen, mitwirken kann aber eine Wehrung des Ueberschusses der Zuzüge erwachsener Personen, daneben auch eine Besserung der Sterblich- keitsziffern für die Altersklassen der Erwachsenen. In den aller- letzten Jahren freilich' dürfte die Geburtenmindcrung als stärkste Ursache ihre Wickung getan haben. Der große Andrang zur Kirchenaustrittscrklärung hat dazu ge- führt, daß zurzeit allein auf dem Amtsgericht Berlin-Mitte 12 richler- liche Beamte und 38 Attuare mit der Erledigung der Kirckien- auslrittserllärungen beschästigt sind. Viele Hunderte von Personen drängen sich stundenlang in den Wartehallen und Korridoren der Amtsgerichte. Landtagsabg. Ad. Hoffmann und Schriftsteller Lehmanu-Rußbüldt vom Komitee„Konfeisionslos" wurden gestern bei dem Amtsgertchtspräsidenten Herrn Herzog des Amts- gerichts Berlin-Mitte vorstellig und erhielten die Zusicherung, daß alles geschehen sei und weiter geschehen würde, um den zu erwartenden noch größeren Andrang der letzten beiden Tage des Jahres zu bewältigen. Die zur protokollarischen Ver- nehmung Geladenen werden gebeten, schnelle uud klare Antwort zu geben und sich der größten Ruhe zu befleißigen, um den Beamten ihre Aufgabe zu erleichtern. Wer in der kurzen Zeit keinen Tauf- schein. Konfirmationsfchein oder Heiratsurkunde(Familienstamiiibuch) herbeischaffen kann, muß sich mit einer Legitimation über seine Person versehen und kann seine Zugehörigkeit zu seiner bisherigen Konfession durch eidesstattliche Versicherung beurkunden lassen. Auf dem Amtsgericht Berlin-Wedding sind gestern allein gegen 1399 KirchenauStritte perfekt geworden. Wie eine hiesige Zeitung meldet, wird aus richterlichen Kreisen mitgeteilt, daß im Dezember bis zum 23. gegen 17 999 Austritte in Groß-Berlin erfolgten, am Sonnabend, den 28., find darauf weitere 8999 Personen gefolgt. ES sei nochmals darauf hingewiesen, daß daS Amtsgericht Neukölln sich bereit erklärt hat, auch am Dienstag und Mittwoch dieser Woche die Kirchenaustrittserklärungen entgegenzunehmen, für die nach seiner Geschäftseintcilung eigentlich erst Donnerstag, der t. Januar, in Betracht kommen könnte. Schwerer Fliegerabstuvz in Johannisthal. Gestern nachmittag kurz vor 4 Uhr ist in der Nähe des Flug- Platzes Johannisthal der junge Flieger Remus aus beträchtlicher Höhe abgestürzt. Sein Apparat, ein Ago-Doppeldecker, wurde voll- ständig zertrümmert, der Flieger selbst wurde schwer verletzt ins Kreiskrankenhaus Britz gebracht. Remus dient augenblicklich in der 1. Kompagnie der Fliegertruppen in Döberitz. Der Höhenmesser seines Apparates zeigte nach dem Absturz 1299 Meter an. Wie sich herausstellte, hat der Flieger, als er in steilem Gleitfluge nieder- gehen wollte, die Herrschaft über das Flugzeug, auf dein er nicht eingeübt war, verloren; der Doppeldecker geriet in stark schlingernde Bewegung und stürzte schließlich ab. Schweres Jahrstuhlunglück in Charlotteuburg. Ein folgenschweres Fahrstuhlunglück hat sich in der vergangenen Nacht im Hause Neue K a n t st r a ß e 3 in Eharlottenburg zu- getragen. Infolge Abreißens eines Bolzens der Seilbefestigung stürzte dort der selbsttätige Fahrstuhl aus der Höhe des vierten Stocks in die Tiefe. Der Jnsasie des Fahrstuhls, Dr. Phil. Wilhelm Bauer, Direktor bei der chemischen Fabrik Schering, erlitt bei dem Sturz so schwere Verletzungen, daß er in den Morgenstunden des gestrigen Tages im Krankenhaus Westend starb. Dr. Bauer stand im 44. Lebensjahre und hinterläßt eine Witwe mit zwei unmündigen Kindern. Im einzelnen wird uns über das Unglück solgendes mitgeteilt: Die Familie des Chemikers Dr. Bauer hatte Sonntag Besuch erhalten, der sich gegen Mitternacht wieder entfernte. Dr. Bauer begleitete die Gäste bis auf die Straße uud bestieg dann allein den selbsttätigen Fahrstuhl, um in seine Wohnung im vierten Stock zu fahren. Als der Fahrstuhl die vierte Etage erreicht hatte, riß Plötzlich die Seilbefestigung und im nächsten Augenblick schoß der Aufzug nach abwärts. Er schlug im Parterre mit großem Krach auf, so daß die Bewohner des Hauses aus dem Schlaf geschreckt wurden. Die Detonation war so stark, daß man an einen Hauseinsturz glaubte. Als man nachforschte, sah man Dr. Bauer im Fahrstuhl stöhnend liegen. ES wurde sofort die Charlottenburger Feuerwehr alarmiert, die aus der nahen Wache in der Suarezstraße schnell zur Stelle war. Die eiserne Tür des Fahrstuhls wurde aufgeschlagen, was viel Schwierigkeiten machte. Der verunglückte Chemiker konnte auf die an ihn gerichteten Fragen keine Antwort mehr geben und verlor bald völlig die Besinnung. Er hatte schreckliche Verletzungen davon- gelragen und wurde in einem OsfizierSaulomobil der Feuerwehr sofort nach dem Krankenhaus Westend gebracht, wo er aber, wie er- wähnt, nach einigen Stunden gestorben ist. Der Fabrstuhl wurde polizeilich geschlossen und versiegelt, bis eine Untersuchungs- kommission den genauen Tatbestand festgestellt hat. Auffällig ist bor allem, daß an dem Fahrstuhl auch die selbsttätige Fangborrichiung versagt hat._ Betriebsunfall auf der Hochbahn. Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern auf der Hochbahn zwischen den Stationen Schlesisches Tor und Oranienstraße. Aus dieser Strecke werden zurzeit Oberbauarbeiten ausgeführt. Hierbei passierte eS, daß zwei Achsen des mittleren Wagens des um 1 Uhr 48 Minuten von Warschauer Brücke abgehenden Zuges aus den Schienen sprangen. Ein Streckenarbeiter, der frühere Tischler Louis Müller, Culmstr. 32 wohnhaft, der auf das Signal des Postens beim Herannahen des ZugeS nicht aufgestanden, sondern in sitzender Stellung verblieben war, wurde vom Zuge erfaßt und getötet. Der Zugverkehr auf der Strecke Kotlbuser Tor— Warschauer Brücke wurde durch den Unfall mehrere Stunden unterbrochen. Billige und gute Theatervorstellungen. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß für unsere Theatervorstellung am 1. Januar 1914, nachmittags 3 Uhr, im Herrnfeld-Theater noch Karten in der Verkaufsstelle Nestau- ration Paersch, Oldenburger Str. 19, sowie bei Albin Mohs, Schöneberg, Ebersstr. 12a, zu haben sind. Preis 1,19 Bt. pro Karte. Der Bezirksbilduilgsausschutz Groß-Berlin. Die Kirchenbauer sind trotz der massenhaften Kirchenaus- tritte unentwegt an der Arbeit. Wie die„Bauwelt" mitteilt, steht in Groß-Berlin die Eröffnung von nicht weniger als fnil fnndd reißig neuen Kirchen bevor. Zum Teil sind diese Kirchen schon im Bau, zum Teil ist ihre Ausführung beschlossene Sache. Die meisten kommen in Vororten zu stehen, obwohl doch auch hier, ebenso wie in Berlin, die Kirchenaus- trittsbewegung starke Fortschritte macht, und selbst dasjenige Publikum, welches sich wohl nicht zuiii Austritt hat entschließen können, kein Bedürfnis fühlt, in die Kirche zu gehen. Nicht eine Notwendigkeit zum Bau neuer Kirchen liegt vor, vielmehr gehen die Verfrommungsprojekte nur von den Kirchenbdnzen und von einer kleinen Schar interessierter Privatpersonen aus. „Baut mehr'Krankenhäuser, nicht so viele Gotteshäuser", läßt Artur Schnitzler seinen menschenliebenden Arzt Professor Bernhardt sprechen. � Die Wahrheit dieser Worte wird man unter unserem von oben herab protegierten Kirchenreginient noch lange nicht erkennen. Tic Totschlagsaffärc in der Koppenstraße ioird vorauSsichilich schon in der am 3. Januar 1914 beginnenden Schwurgerichtsperiode des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerilbtödirektors D e l k e s- k a m p zur Aburteilung gelangen. Wegen Totschlags gemäß K 212 des Strafgesetzbuches ist der 47jährige Hotelbesitzer Joseph Mühlan angeklagt, der beschuldigt wird, in der Nacht zum 23. August d. Js. den Schlächtermeister Stanislaus Skedz vor- sätzlich gelötet zu haben.— Die zur Anklage stehende Tat bildet, wie schon, wiederholt mitgeteilt, den Abschluß einer Kette von fort- gesetzten Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten, der Besitzer des Hotels»Stadt Breslau" in der Koppenstraße 199 ist, und dem Schlächtermeister Sledz, der gegenüber eine Schlächterei betreibt. Bei einem Zusammenstoß zwischen den beiden Widersachern zog Mühlan eine Browningpistole und gab auf Sledz zwei Schüsse ab. Sledz wurde getroffen uud verstarb auf dem Transport nach dem Krankenbausc. Mühlan behauptet, daß'Sledz ihn iviederholt mit einem Schlächtermesser bedroht und er in Notwehr gehandelt habe. Bon seinen Verteidigern sind deshalb 49 Entlastungszeugen geladen worden, so daß die Verhandlung voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehme» dürfte, da auch von der Anklagebehörde zirka 59 Zeugen geladen worden sind. Anmeldung zur Stammrolle. Die im Jahre 1894 geborenen und d i e älteren jungen Männer, über deren Militärverhältnis noch keine endgültige Entscheidung getroffen ist, haben sich zur Aufnahme in die Rekrutierungsstammrolle in der Zeit vom 2. bis 15. Januar 1914, von vormittags L bis nachmittags 7 Uhr(Sonntags nur vorimttags) im Geschäftsraum ihres Polizeireviers persönlich zu melden und ihre Geburt-- oder Losungsscheine usw. mitzubringen. Vorüber- gehend abwesende Militärpflichtige sind von ihren Eltern, Vormünder», Lehr-, Brot- oder Fabrikherrn anzumelden. Wer die Anmeldung ver- säumt, wird mit einer Geldstrafe bis zu 89 M. oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Anträge auf Zurückstellung oder Befreiung von der Aushebung sind vor dem MusterungSgeschäfl, spätestens aber im MusterungS- termin anzubringen. Zwei chinesische Handtaschenräubcr wurden gestern verhaftet. Sie hatten versucht, einer Dame im Treptower Park die Handtasche zu entreißen.- Ein schwerer Straßenraub wurde in der Nacht zum Montag in der Kolomestraße begangen. Als das Ehepaar Reßler sich gegen l'/j Uhr nachts auf der Rückkehr nach seiner Wohnung im Hause Koloniesir. 43' befand, wurde es vor dem Grundstück Nr. 39 in der- selben Straße von zunächst vier, dann aber von etwa 39 jungen Burschen überfallen und seiner Barmittel in Höhe von 59,14 M. be- raubt. Die Eheleute wurden dabei schwer mißhandelt. Die Täter ergriffen die Flucht und konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Im städtischen Obdach plötzlich verstorben ist ein unbekannter Mann von etwa 69 Jahren. Er wurde gestern früh tot auf seiner Lagerstatt aufgefunden. Wahrscheinlich hat ein Herzschlag seinem Leben ein Ende gemacht. Bei sich hatte der Verstorbene Papiere auf den Namen eines Bäckergesellen Franz Ehlert. Ob der Tote dieser Mann ist und woher er stammt, weiß man nicht. Ein Arbeitcr-Mandolinistcnbuud ist kürzlich gegründet worden. Der Bund bezweckt den Zusammenschluß der Mandolinen- und Guitarrenvereine, um durch seine Tätigkeit daS Mandolinen- und Guitarrespiel zu Pflegen und durcb kunstgemäße Entwickelung der Literatur sowie der Fachmusikalien diese Instrumente zu befähigen, bei den Bestrebungen mitzuwirken, künstlerisches Verständnis in der Arbeiterschaft zu wecken und zu verbreiten. Die Geschäftsstelle des Vereins bepndet sich Gubener Str. 57 bei Robert Rieger. Die Ortsgruppe Berlin deS Arbeiter-RadfahrerbundeS„Solidarität" veranstaltet am Miltwock. den 3t. Dezember, abends 9 Uhr, in ObigloS Festsälen sfrüher Keller). Koppenstr. 29. eine Silvester- seier bestehend in Reigenfahren, humoristischen Aufführungen und Tanz. Eintritt inkl. Tanz 30 Pf. Vorort- INacbncbtem Neukölln. Zu dem Bolts-Sinfoilirtonzert am heutige» Abend in der«Reuen Welt", veranstaltet von der Stadtgemeinde Neukölln, sind noch Ein- laßkarten zu 30 und 50 Pf. in den Speditionen Neckarstr. 3 und Siegsriedstr. 23 zu haben. Mitwirkende sind: DaS Blüthncr-Orchester und Äonzer.tsänger Herr O. Werth. � Am 1. Feiertag ist beim Familicnabend m Bartichs Festialen eine Zigarrentasche gefunden worden. Der Verlierer kann dieselbe vom Genossen Franz BeyerSdorf, Weichselstr. 53, abholen. Ei» Opfer der Glätte wurde gestern mittag der 35 Jahre alte Arbeiter Fritz Klüger aus der Falksiraßc 8. Auf dem Wege zum Arbeitsnachweis glitt K. am Kotlbuser Tamm auS und fiel so un- glücklich hin, daß er sich nicht wieder erheben konnte. Er mußte noch dem Krankenhaus in Buckow gebracht werden, wo festgestellt wurde, daß er sich das rechte Bein gebrochen habe. DaS bereits dreimal mit großem Erfolg aufgeführte Weihnachts- Märchen:.Wie Klein-Else das Christkind suchen ging" wird infolge des großen Andranges, der bisher bei allen Vorstellungen herrschte, am Sonntag, den 4. Januar, wiederholt. Zu der Vorstellung, die um 4 Uhr beginnt und um 7 Uhr beendet ist, sind noch Billetts zum Preise von 10 Pf. für Kinder und 29 Pf. für Erwachssue an folgenden Stellen zu haben: Sekretariat, Neckarstr. 3; Restaurant Bartsch, Hcrmannstr. 49: Lietsch, WildenbrnÄstr. 36: Butenschön, Weisestr. 5; Ventz, Lichten- rader Str. 49; Franke. Pflügcrstr. 6; Bormann, Liberdastr. 15; Wurbs, Siemmetzstr. 99; Schneider, Weisestr. 64; Spedition Rohr, Siegfriedstraße. Die für die Mitwirkenden zum Donnerstag an- gesetzte Probe ist erst am Freitagiiachmittog 5 Uhr. Britz. Kommunaler Arbeitsnachweis. Die Gemeinde Britz beabsichtigt. am 2. Januar einen öffentlichen Arbeitsnachweis zu eröffnen. Die Sprechstunden sollen werktäglich nachmittags von 4—6 Uhr in den Räume» Chausseesir. 59 stattfinden. Vermittelt werden: gewerbliche Arbeiter und Arbeiterinnen, Gärtner, Gortcnarbeiter und-arbeite- rinnen sowie auch weibliches Dienst- und Hauspersonal aller Art. Die Vermittelung erfolgt durch eine weibliche Beamtin. Gebühren werden nur für die Vermittelung von Dienstboten nach auswärts von den Arbeitgebern erhoben. Ausgiebigen Gebrauch von dieser gemeinnützigen Einrichtung zu machen, liegt im Interesse der Arbeit- geber sowohl wie der Arbeitnehmer. Neuenhage«(OstbähnZ. Die Gemeindevertretung beschlußunfähig. Mit bedauerlicher Ein- inütigkeit blieb die Mehrzahl der bürgerlichen Vertreter der letzten Gememdevertretersitznilg fern. Warum? Wahrscheinlich war ihnen dre Abstimmung über die beiden sozialdemokratischen Anträge am Vorabend des Weihnachtsfestes unangenehm! Oder war ihnen die zu bewilligende Summe zu gering'und wollten sie mehr geben? Der erste Antrag verlangte die Unterstützung der arbeitslosen Gc- meindeangehörigen für die Zeit vom 1. Dezember 1913 bis 39. März 1914, nach 14 tägigcr Arbeitslosigkeit pro Woche 3 M. und für jedes Kind 59 Ps. extra. Die Gesamtninerstützling soll die Summe von 39 M. nicht übersteigen. Jedenfalls eine lächerlich gc- ringe Summe, noch dazu, wo 599 M. zur Arbeitslosenunterstützung in den Etat eingestellt sind. Der zweite Antrag verlangt die Ab- Haltung der Gemeindevertreterwahlen an gesetzlichen Ruhetagen.— Die Mehrzahl der Vertreter kam, immer noch nicht einsehen, daß die ungünstige Festsetzung jeder Wahl eine indirekte Bceiiislussung des WahlrestiltatS ist. AuS den privaten Mitteilungen der anwesenden Vertreter konnte man auf eine verabredete' Sache schließen und zu den obigen Gedanken kommen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Arbeiterschaft mutz zu ihrem Rechte kommen. Hohen- Schönhauseu. Zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Gemeinde- Vorsteher und unseren Genossen führte in der letzten Gemeinde- vertrctcr.sttzung ein Autrag der Schuldcputation zwecks Heber- lastuug von Schulräumen an verschiedene Vereine. Ter hiesige Arbeitcr-Turnverein„Frisch auf" war mit seinem Gesuch wegen Benutzung der Turnhalle abgewiesen worden, weil er sich Ar- be Turnverein nennt. Auch gehöre, so wurde betont, der Vorsttzende der sozialdemokratischen Partei an, ebenso wären Mit- g lieber in diesem Verein, deren Eltern aus der Landeskirche aus- ge�chieoen seien. Der Gemeindevorsteher berief sich dabei auf hie Verfügung des Kultusministers. Die sozialdemokratischen Ver- treter lictzcii der einseitigen Begründung eine gründliche Kritik angcdeihen, worauf der Antrag gegen die Stimmen der Sozial- demokrateie angenommen wurde. Durch die massenhaft erfolgten Einsprüche gegen' die Bcitragsordnung zur Kanalisation haben die Hausbesitzer, besonders die Inhaber" von Hochbauten, einen sehr hohen Gebührensatz zu entrichten. Um dem abzuhelfen, will man den Hausbesitzern durch eine neue Beitragsorduung entgegen- kommen. Allen bis zum 1. April 1911 angeschlossenen Anliegern soll demnach eine Ermäßigung von 59 Proz. zuteil werden, vor- ausgesetzt, daß auch gegen die neue Ordnung kein Einspruch er- hoben wird. Die Herabsetzung der Gebühren würde aus dem all- ' gemeinen Sieuersäcker'einen Zrkschüf:'von 467'699 M erfordern. Von sozialdemokratischer Seite wurde der Erfolg dieser Maß- nahmen' bezweifelt, weil von einem Teil der Grundbesitzer eine Bcitragspflicht überhaupt nicht anerkannt wird. Im übrigen habe die Kommune gar keine Verpflichtung, die Reallasten der Haus- und Grundbesitzer zu übernehmen. Die Bqrlage wurde gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Aus Anlag der Ein- stellung der Einfuhr russischen Fleisches durch Berlin wurde be- schlössen, den Vertrieb desselben am Orte aufzuheben. Im Anschluß hieran stellte Genosse Thiele einen Dringlichkcitsantrag, der 599 M. süc die Arbeitslosen im Orte forderte. Es sollen nach vicrwöchent- sicher Arbeitslosigkeit Familien ohne Kinder 19 M., mit Kinder 29 M. erhalten. Ter Gemeindevorstehcr wandte sich gegen den Antrag. Er bestritt, daß eine Arbeitslosigkeit besteht. Die Not könne gar nicht so groß sein, da ja der Arbeiter immer noch 79 M. pro Jahr in die Streikkasse zahlen könne. Einen besonderen Be- weis für das Wohlergehen der Arbeiter glaubte er zu erbringen mit dem Streit bei.der hiesigen Spiegelglasfabrik von Röder, Mcher u. Co., wo die Arbeiter trotz eines wöchentlichen Verdienstes von angeblich 45 M. streikten und gegen die Arbeitswilligen einen ungeheuerlichen Terrorismus verübten. Diese und»och ändere Behauptungen über Unbotmäßigkeit und Begehrlichkeit der Arbeiter wiesen unsere Genossen zurück. Insbesondere gab ihnen der Streik bei der angeführten Firma Gelegenbesi zu zeigen, wo tatsächlich Terrorismus geübt wird. Tie Bekanntgabe der Namen der Streikenden durch die Fabrikleitung an die Gemeindeverwaltung gebe übrigens zu denken. Nachdem der Gemeindevorsteher den bürgerlichen Herren den Vorwurf gemacht, daß sie ihn den Kamps gegen die Forderung der Linken ganz allein führen ließen, wurde der Antrag gegen die fünf Stimmen der Sozialdemokraten ab- gelehnt. Ein Antrag des Gemeindevorstehers, statt der Gabe ein Darlehen zu gewähren, wurde von unseren Genossen bekämpft. weil bei den heutigen Verhältnissen ein Arbeiter nicht in die Lage komme, ein Darlehn zurückzuzahlen. Kaulsdorf. Laut Beschluß der Geuieindevertretliug ist der Gemeindevorsteher verpflichtet, Eiitwohnern. die noch nicht ein Jahr am Orte wohnen, aber aus einer anderen Landgemeinde zugezogen sind, auf� Antrag daS Gemeindewahlrecht zu verleihen. Dieser Antrag muß bis zum 31. Dezember in den Händen deS Gemeindevorstehers fein. Die Parteigenossen wollen die Zugezogenen darauf aufmerksam macheu, daß sie die Frist nicht versäumen. Sichere sich ein jeder sein Wahl- recht. Nieder-Schönbausen, Nordend. Zweierlei Recht. Die Gemeindevertretung hatte in einer Sitzung dieses Jahres den Beschluß gefaßt, den hiesigen Bereinen zu Vor- trägen, Konzerten usw. die Aula des Lyzeums zu den festgesetzten Bedingungen zu überlassen. Eine Benutzung zu poliiischeti Ver- sammlungen sollte für alle Parteien ausgeschlossen sein. Mehrere bürgerliche Vereine haben auch bereits Veranstaltungen abgehalten. Der hiesige Hausarztverein, dem zum größten Teil Arbeiter angehören, stellte am 4. November gleichfalls an den Gemeinde- vorstand den Antrag, ihm zum 13. Siovember d. I. die Aula zu den üblichen Bedingungen sin: einen hygienischen V ortra 8 8U überlassen. Da das Thema für den Vortrag noch nicht endgültig festgesetzt werden konnte, so wurden dem Gemeindevorstand vre, verschiedene Themas vorgeschlagen, und zwar:«Nervenkrankheiten als Berufskrankheiten".«Hals-, Nasen- und Ohrenkrantheiten",„B-oeutuug undBekämpsuiig der GeschlechtSlrankheiten". Bereits am 7. November erhielt der Vorsitzende des HausarztvereinS folgendes schreiben: „Die Ucberlasiung der Aula des Lyzeums zur Abhaltung eines öffentlichen Vortrage» am 18. d. M. kann nicht in Russtcht gestellt werden, da bis zu diesem Tage eine endgültige Enstchetdung deS Kuratoriums für die höheren Schulen nicht zu erwarten ist, zumal die Angelegeyheit möglicherweise dem tömgl'chen P�vu'zml- Schulkollegium unterbreitet werden muß. Endlich»aq sechs Wochen kam die Antwort, datz das Kuratorium sich nicht in der �age sehe. die nachgesuchte Genehmigung zur Benutzung der Aula des Lyzeums zu erteilen. Nähere Gründe wurden nicht mitgeteilt. Wir wissen nicht, ob das Kuratorium auS eigener Entschließung zu der Zlblehnung dos Gesuches gekommen oder einem Zwange der Regierung gefolgt ist. DnS aber müßte sich das Kuratorium sagen, daß eine derartige Zurücksetzung der Arbeiterschaft Erbitterung'zu erzeugen geeignet ist. Kein Mensch wird es verstehen können, weshalb einem zum großen Teil aus Arbeitersamilien bestehenden Hausarztvereine zur Abhaltung eines hygienischen Vortrages dieselbe Aula veriveigcrt ivird,'die man anderen bürgerlichen Vereinen zur Verfügung stellt. Ans die Gründe der Ablehnung darf man jedenfalls gespannt sein. Der Bilduitgsausschuß veranstaltet am Mittwoch, 3t. Dezember, abends 9 Uhr. im Lokal von Liedemit sZnh. Perschke), Am Kirchplatz, eine JahreSwendefeier, bestehend aus einem künstlerischen Teil und großem Silvester-Ball. Die vorwiegend heiteren Vorträge, werden von Herrn E. Burmann sRezitatori und Herrn Dr. Heinz Sckall-Caspory(Lieder zur Laute) ausgeführt. Eintrittskarten zu dieser Veranstaltung sind bei allen Bezirkssührern und an der Abend- kasse zum Preise von 30 Pf. zu haben. Iitzungstage der Ttadt- und Gemeindeverordnete». Niederschöiihause«. Heute Dienstag, abends 6 Uhr, im Rathaus. Diese Sitzungen find öffentlich. Jever SemeinveangehSrige i» de- rechiigi. ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltunge«. tshnrlottenburg. An« uiorgigcir Mittwoch, abends stzIO Uhr, findet im Bollshaus, Rosinenslr. 3, eine Eilvesterjeier für die arbcituide Jugend statt. Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen nnd deren Angehörige sind freundlichst eingeladen._____ eingegangene Druckfchnften. Ter Mensch und dieV 9. Borschlage zu sinem Neichsgescüe über den Bollzug der Freiheitsstrasen und sichernde» Mnhnahnie».(Sonderheft I und ö zu Band 47 der Blätter für GesänginSlunde.) 84 S. C. Winter, Heidel- »erg. Erinnerungen eines Proletariers ans der revolutionären Arbeiterbewegung. Von I. Peukert. Kart. 3 M.— Das Bcfrciungs- wert der Phllosophic. Von W. Solowjefs. 10 Pf. Verlag dcS Sozialistischen Bundes, Berlin, Wrangclstr. 135. Marktpreise von Berlin am 27. Dezember 1913, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,60—16,90, mittel 00,00—00,00, geringe 00.00—00,00. Mais(runder), gute isorte 14,80—15,10. Richtstroh 0,00- 0,00. Heu 0,00-0,00. M a.r k t h a l I e n p r e i s e. 100 Kilogr. Erbjen, gelbe, znm Koch- 34,00— 50,00, Speis ebvbnen. weiße 35,00—60,00. Linien 36,00—80,0 Kartofieln(KiemhdI.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Kenlr 1,60—2,40. Rindfleisch, Panchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbsteiich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,60—7,26. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,50. Aale IchO— 3,20. Zander 1,40-3,20. Hechle 1,40—2,60. Barsche 1,00-2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,50—30,00. Witterungsübersicht vom 29. Dezember 1913. S Vetter *9 C* ti *k heiter'— 2t wolleitl!— 20 wolkig 5 bedeckt bedeckt -1 Wetterprognose für Dienstag, de» 3l>. Dezember 1913. Etwas kälter, zeilweise aufklarend, vielfach nebelig bei mäßigen nörd- lichen Winden z leine erheblichen Niederschlüge. Berliner Wetterbureau. Plauen, den 1. Dezember 1913. Gegenwärtig: 1. Amtsrichter Dr. Koch als Vorsitzender,. 2. Privatmann Gustav Otto Müller, 3. Rentier Moritz Ostar Wieprechi, in Plauen, als Schöffen, 4. Expedient Fischer als Gerichtsschreiber, In der Prioatklagesache 1. des Gesrästsführers Arno Wols in Kassel. Ob. Karlsw. 17/2. 2. des Kassierers Otto ZehmS in Berlin O 27, Milaftr. 5, 8. des Geschäftsführers Albert Hahn in Plauen, Paujaer Str. 95, 4. des Gauleiters Hugo Dreffcl in Plauen, Geibelstr. 60, (sämtliche vertreten durch Rechts- anwalt Hoimanil in Host Privatllägers, gegen 1. den Hücker Otto Winllcr iu Plauen, Oclsnjtzer Str. 59, 2. den Stickcr Richard Wilhcm Stier in Plauen, Hufelbrunner Str. 123, 3. den jetzigen Expedienten, srübcrcn Geschäftsführer Emil Richard Uhlig in Chemnitz. Körnerfw. 7/111, lzu 1 und 2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Claus in Plauen) Angeklagte, wegen Beleidigung. p.p. Hieraus schließen die Parteien folgenden Vergleich: Dir eingeklagten Winkler, Stier und Uhlig erklären, daß sie sich nach der heullgcn eingehenden Aussprache von der Unhallbarkeit ihrer gegen Wolf, ZcbmS und Hahn erhobenen Beschuldigungen überzeugt haben. Sie erklären insbesondere, daß sie gegen den Privolkläger Wolf den Porwuri irgendwelcher ehrenrühriger, gewerllchastsschädigender oder gar strafbarer Handlungen während seiner Tätiglett"als Geschäftsführer des Textilarbeiterocrbandcs Plaue» nicht erheben können. Der Angeklagte Uhlig und der Widcrbeilagte Dreffcl nehmen die gegensettiaen Beleidigungen zurück. Der Widerbcklagl« Hahn crilürt, daß er die viedc- wevdungcn in dem von ihm vcr- faßten Flugblatt-, durch das sich die sämtlichen r'lngellagtcn und Wider. Häger beleidigt sühlc», als zu weit- gehend zurücknehmen. Von den GerichtSlosten tragen die drei Angeklagten und die zip ei Widerbeklagten Hahn und Dreffel je ein Fünfteil. Eine Erstattung der außcrgcrichlltchcn Auslagen findet -.wische» diesen fünf Beteiligten nicht statt. Dagegen haben die drei Auge. klagten den Privatklägern und Wider. beklagten Wolf und ZchmS dir diesen erwachsenen notwendigen � Auslagen auslchließlich ihrer eigenen Gang. gebüdrcn zu erstatten und hafte» in- soweit als Gesamtschuldner. Die Zahlung der Kosten und Aus. lagen bat bis spätestens 1. März 1914 zu erfolge». Sobald die Angeklagten ihren Zahluiigspflichlen nachgekommen sind, verpflichte» sich die Prioattläger, die Privölklage» und Strajanlrägc wieder zurückzuziehen. Hieraus und nach Zahlung der aus die Prwatkläger lallenden Kosten habe» die Angeklagten die noch bestehenden Widerklagen zurückzu» ziehen. Die Prioatkläger erhalten die Bc- sugnis. vorstehenden Vergleich binnen vier Wochen nach Zustellung einer Abschrist davon an ihren Vertreter durch einmaligen Abdruck im»Vor- wärls" öffentlich bekannt zu machen. Tic Kosten hicrsür gehören zu den zu teilenden Gerichtskosten. Vorgelesen, genehmigt. . Schluß der Sitzung. Tie Parteien und die Zeugen werden entlassen. Dr. Koch. Fischer. Ausgefertigt aju 22. Dezember 1913. Der Gcrlchisschreibcr des k. Amts- gcrichtS Plauen� Siegel, gez. Apuar sonne. Hiesen Vergleich gebe ich bicrmit auf Grund der erteilten Ermächtiginui öffentlich bekannt. H°k in Badern, 27. Dezember 1913. Rechtsanwalt Hofmann. LpeÄslsrst ir ttiirn. u. prsuenloiöon— lirlich-Hats-Iürr(Danor 12 Tage). lutuntersuchung. Schnelle, sichere chnierzlose Heilung ohne Berufs- Störung. Mäßige Preise. 283/10 Dr. med. WockentaB, Friedrichsir. 125 �Oranienb. Tor) prechst, v. 8—8, Sonntags 9—11. 1 Todes-Anzeigen| Hiermit die traurige Nachricht, daß mein Vater, der Putzer iVilkelm Lonrad am 27. Dezember verstorben ist. Hubert Conrad. Die Beerdigung findet am Mitt» woch, den 31. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des'Zentral-FriedhofeS in FriedrichSfclbe aus statt. 29A ZoMömoitfStiÄMTOii! i.'.!. 4. Beri. Heicbsiagswaliikreis. Frankfurter Viertel. Bez. 260. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Putzer VVllkelm Cotirsd Langestr. 8, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung jindet am Mittwoch, den 31. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr. von der Leichenhalle des Zentral. Fried- hofcS in FricorichSscldc auS stall. Um rege Beteiligung eriuchl 219/13 Der Vorntand. veutsclsei' BäMdeilmesitisnll. �veigvsre!» Berlin. S»eI»tlon der Putzer. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Vüdelm Comä am Freitag, den 26. Dezember, im Alter von 74 Jahren vcr- storben ist. Ehre seinem Andenken k Die Bccrdigmig findet am Mittwoch, den 31. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhofeS in Friedrichsfcldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der VorBtaud. Arn 27. Dezember, morgens 12'/, Uhr, verschied nach schwerem Leiden, an Gehirnschlag, mein tieder Mann und guter Vater Karl Khappert Kürschner, D u n ck c r st r. 2a. Um stille Teilnahme bttten Harle Knapjjert geb. Artelt nebst«ohn. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Dezember, von der Leichenhalle des Georgen« Kirchhofes in Weißens«, Rölcke- ftraße, aus statt. SozIaltakratischerWahlYerelD I.tl.6.fi8r!.Reiclis!ags-Walilkreis. Am 27. Dezember verstarb unser Genosse, der Kürschner Kar! Kaappert Dunckerstr. 2a. Ehre seinen» Audcukcul Tie Bcerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Georgen-Kirchhoses in Weißens«, Rölckeslraße, aus statt. Um. rege Beteiligung ersucht 233/15 Der Vorntaud. DEDisclierRetaliaiiieiter-yepliaDil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Ättglled, der Werl- zeugmachcr Willi tienninx Skalauer Platz 8/9, am 27. De- zembcr an Lungenleidcn ge- storben ist. Ghre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des AudreaSgeineindc. KirchlwscS in Wilhelmsberg au« statt. 132/2 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deiitscliep Transportarbeiter-VeFbanl Bezirksverwaltung OroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bierfahrer Karl Zckrüder am 28. Dezember im Aster von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 31. Dezember, nachmittags 2>/, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirch- hoseS, Landsberger Allee, aus statt. De» Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Wilbelm Grasse am 26. Dezember iin Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ghre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute DicnStag. den 30. Dezember, nach, mittags 3 Uhr,, von der Halle des Anstalts- Friedhofes in Dalldorf aus statt. 75/14 Die Bezirksverwallung. Am 26. Dezember, nachmittags 31/, Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden»»ein lieber, guter Mann, unser treusorgendcr Bater, der Schleifer �Vildelm Grasse im Alter von 47 Jahre, t an Ge- birnnwetchimg in der Irrenanstalt Dalldort. Um stille Teilnahme bitten Zlarle Cirasse nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags um 3 Uhr, aus dem Anstalts- Friedhose in Dalldors statt. 409b ZentraJ-Verbaoii der Töpler 11. Berulspossen Deutseblaods. Filiale Oroß-Bcrlin. Nachruf. Am 24. Dezember verstarb unser Mitglied, der Kollege zugQLt Wannowski im Alter von 64 Jahren an Herzlähmung. Ghre seinem Andenken! 193/3_ Der Voratand. Am 28. Dezember, ntoigctiS 7 Uhr, verschied nach langem, schwe- rem Leiden unsere liebe Tochter. Schwester, Schwägerin u.Tante die Ww. Agnes Dauine geb. Ituchwald Im Namen der Hinterbliebenen Max Buchwald, Warschauer Str. 80. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 31. Dezember, nachmittags l«/t Uhr, von der Halle des Städtischen Zcnlraljriedhos« in FricdrichSfelde statt. Allen Bekannten, Kollegen mid Genossen zur Nachricht, daß am 27. Dezember, nachm. 31/, Uhr, meine liebe Frau Alarie Schubert geb. Hcnsel am Herzschlag verschieden ist. Die« zeigt liesbelrübt an Paul Wekukert. Restaurat., Eharlottcnburg, OlberSstraßc. Die Beerdigung findet Mitt- woch, nachm. 2 Uhr. vom Trauer- Hause aus nach dem neuen Luisen- Kirchhos, FürstciibnmnerWcg, statt Danksagung. Für die reichen Kranzspenden und viele» Beweise herzlicher Teilnahme bei herBeerdigung meiner lieben Frau Wllhclmine I.en nndosvHki sage ich allen Verwandten. Freunden und Bclannlcn, sowie den, Wahl- verein des 4. Kreises lind den Kollegen der Patzenhojer Brauerei meinen innigsten Dank. Georg Ke�aiKtowsK! 95a ncbst Sohn. HUMBOLDT-AKADEMIE 41■"-------- Ü Das neue Vorlesungs-Verzeichnis ist erschienen und in den Verkaufsbureaus und Buchhandlungen unentgeltlich zu haben. 288/8 j[ Besondere Beachtung verdienen die 4»(Gebühr für eine Belhe 1 Bark). Programiuo in den Bureaus aller Organisationen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir allen Teilnehmern, sowie der Direktion d-r Firma Fristcr K. Roßmann, dem Gesangverein „Vorwärts- und dem Ringsportverein „Jügendkrast" unseren herzlichen Dank. Wwe. Barle Blohter, 400b ncbst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise Herzlicher Teilnahme und Kranzspcnoeii bei der Beerdigung meines liebe» Mannes und guten Vaters sagen wir allen Verwandten und Bekannten, inSbc- sondere den Kollegen �der Städtischen Gasanstalt Gitschiner Straße, unseren herzlichsten Dank. 111a Ww. Auguste Passow ncbst Tochter. Danksagung. Für die Teilnahme und für die Kranzspenden bei der Bcerdigung meiner liebcnFmu.4nna'Werner sage allen Beteiligten hiermit herzlichen Dank. 6931 Anglist Werner, Steglitz, Arndtstraße 23. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspendcn bei der Bcerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter und Tochter I(ta Xtembke sagen wir allen Beteiligte», insbeson« dcre dem Pflanzcrvcrein Kolonie Johannisthal, ven Sängern sowie dem Genosse« Wieloch.und meinem Freunde Robert Dcnz, für die trost» reichen Worte, am Sarge der Eni- schlajencn, unsere» tiejeuipsuiideiicii Dank. 9531 Wtwcr Karl Lembke nebst Familie. Danksagung. Für die liebevolle TeUnahme bei der Einäscherung unseres lieben Sohnes, Bruders und Schwagers August Lckuursteiu sagen wir herzlichen Dank dein Vor- sitzenden des VolkLverbrennungS- Vereins Herrn Mcnning, den Kollegen der Firma Gtinhclach. den Mitgliedern der Wagenbaucrkassc, allen Vcr- wandle» und Bekannten. 11531 Familie Krüger. Anmt»- und Kranstiinderki von Roberl Heyer,' Inf).: P. GoHeta Mariannrnftr. 11. Tel. Mpl. 346 Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe SB. Oroße Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. 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Vriiizeristr. 31, Hos rechlZ Part. Geöffnet vou 10—1 und von 4>/»— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Osten: Robert A e n g e 1 S. Gr. grankjurterslr. 120. Geöffnet von 9—2 imd von 4—7 Uhr.— Richard H a ck e l b» I ch, "A-clerSburgerblatz 4(Laden). Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. 4L. Wahlkreis. Südosten! Paul Böhm. Laufitzerplatz. 14/15. Geöffnet von 9- 2 lind von 4—7 Uhr.- S.Wahlkreis: Leo Zucht. Lmmanuelfirchstr. 12(Hos). Gcossuet von 10—1 und von 4'/»— 7 Uhr. 8. Wahlkreis iBoabtt): Solomon Joseph, WilhclmShavencr Straße 48. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. W eildlng: I. H ö>i i i ch. Müllcrstr. 34a Ecke Utrechter Str., Lade» Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Kosenthaler und Ornnlenbnreer Vorstadt: A. Wolgast. Wattstraße 9. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Gesnudhrnnuen: Fischer. Lastianstr. 6. Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. SclUinhanser Vorstadt: Karl MarS, Greifenhazencr Str. 22. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. /AdlershoF: Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 50. Geöffnet von 7 Uhr morgen« bis 8 Uhr abends. Alt-Glienicke: Wlhelin Dürre, Köpenick« Etc. 6. Bannisehnlenneg: H. Hornig, Marienthalcr Str. 13, l. B ernau. Riintgental, Zepernick, Schiiitow, Schttu* brück und Buch: Heinrich B r o f e, Mühlenstr. 5. Laden. Bohnsdorf, Falkenborg und Falbeuhorst: Paul(Sc»(ch, BobiiSdors, GenosscriichaftShauS„ParadicS". � Gharl4»ttenbnrg: Gustav Scharnberg, SesenHcimer Str. 1. Ge- öffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Kichwaidc, NchmUckwlts: Oskar M a b l e, Stubenrauchflr. 99. klrkner, Ven-Zlttan: E m i l I w a n g. Scharntveberstr. 10. f'rcdersilorf-Petershagcn, Eggersdorf: S. H ü s t Iba r 1 H, PclerShagen.... Friedenau, ifftegllts, t4Udende, Grc>8» lilchterfeldc, Lankwitz:£. Berufet, Alsenfti'. 5 iu Sieglitz. Geöffnet von 10—1 und von 4'/z— 7 Uhr. Vrleilrlchshagen, Plchtenan, Bahnsdorf, Siehünelche. Bl.-Sichüncheck: Erms! W e r f m a n i», FrievrichSHagen, KSpe- nick« Straße 18. Grünau: Franz Kle i it. Friedrichftr. 10. Johannisthal. Bndow: Max Gon schür, Parkstr. 6. Karlshorst: Richard Stüter. Rödelstr. 9, II. Künigs-W nsterhausen, Wildau, Vlederlehute-: Friedrich Bau in au». BaHnHosstr. 8. Küpenick; Emil W ißler, Kietzerstr. 6, Laden. Geöffnet von motgeiiS 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg, Priedrlchsfelde, Uohenschünhanscn: Otto S e i f e I, Wartenbergstraße 1(Laden). Geöffnet von 8'/,— 2 und von 4'/,— 7 Uhr. Bahlsilorf, Kaulsdorf, Blesilorl: P. H e ß b e r g, KailkS- dors, Ferdinandstraße 17. Barlenilorf: Aiigusl Leip, Chailsseestr. 296, Hos. Barlenfelile: Eniit Weinert, Berliner Str. 114 II. Xenenhagen, Hoppegarton: Gustav L e y, Bolterstroße. Benkülln: M. H e I n r» ch» Neckarstr. 3. im Laden. Geöffnet von 9—1 »nid von 4— 7 Uhr; Neukölln. Britz: Rohr. Stegsriedstraße 28/29. Geöffnet von 7—1 und von 4—7 Uhr. h'ieder-Schünewelde: Wilhelm Unruh, Brückenftr. 10, II. Si on an o.A: Withetm J a p p e. Lutherstr. 2. Dber-Stchünen oide: Alfred Bnder, Wilhelmineiihosstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankow, Kioderscbünhausen, Vordonil, f'rz.-Buch- hoiz, Blankenburg: N i ß m a N>», Mühlenstr. 30. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Belnlckendorf- Ost, Wllhelmsrnh und Schünholz: P. G u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. Geöffnet von 10—1 ü. 4'/,— 7 Uhr. Kuniinelsbiirg. Boxhagcu, Stralau: A. R o s e n k r a n z. Alt« Boxbagen 56. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr.. � Geh enkendort b. KöntgS-WusterHansen: Ehr. H a n t I ch k e, Dorsstr. 10 Gehüneberg: Wilhelm Süumter, Marlin Lutherstr. 69, im Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Um. ISpaniiau, Konnenilauini, Staaken, Seegefeld nnd Faikenhagcu: Stöppel», Breitestr. 64. Geöffnet von 8 tthr morgens bis 8 Uhr abends. Leget. Borsigwalde, Wittenau, Waidiuannslast, Bcrmsdorf, Hoben- Venendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Paul Kieiia st, Borfigwalde, Ztäiijchstraße 10. Geöffnet von 10—1 und von 4'/,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm Bonoiv. Teltow, Berliner Str. 16. Tempeihof: Joh. K r o h n, Bornssiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz. Kiesholzstraße 412, Laden. Geöffnet bo» 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. W elüensee, Heinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, pari. Geöffnet von 10—1 und von 4>/,— 7 Uhr. Wilmersdorf. Halensec, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhetinsaiie 27. Tenthen, Blersdorf: Ernst H ü t t i g, Zeuthen, MierSdorjer Str. 14 Sämtliche Parteiliteratur soivie alle wiffeiischastltche» Berk« werden geliefert Sonntags sind die«nSgabestellen geschlossen. 5kSh im praktischen Gebrauch immer noch am billigsten! Urania-Salonoel garantiert rein amerikanisches Sicherheitspetroleum(wasserhell), größtmögliche Sicherheit gegen Explosionsgefahr.:: DAPOL garantiert rein amerikanisches Leuchtpetroleum. Die bewährten Marken der Deutseb-Ämerikan. Petroleum-Gesellschan Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Flg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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Ziichlermctnc!, Acker- ftraßc 54. Kein Warenkreditgeschäst. Leranttvorklicher Redakteur; Alfred Wielepp. Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: � Zimmer, möbliert, 18 Mark. Höchsteslraße 39, parterre, Rathsuß. Möblierte» Borderzimmer. 18.—" dermietbar Wrangelstrai.e 4. bochpart. Flurzimmer, Herrn, 16.—, Wäll demarstraße 40a, vorn II. f45 Möblierte» Laikonzimmer. Badcbenutzung, 17 Weichsclstraße 5. Mark. Gas, Sachse. rkl Möblierte» Zimmer sür 1 Herrn, oder Schlafstelle für 2 Herren zu oermielcn. Heyne, Landsberger- straße 36. 398b» Möbliertes Zimmer oder leer Oranienstraßc 13, vorn IV rechts. Schlafstellen. Schlafstelle. Herrn, 12.00, separat. Blumenslraße 76, vorn III rechts. Schlafstelle bei Frau Wetzki, Slrelitzerstraße 48, vorn 3 Treppen. Möblierte Schlasstelle Wattstr. 5, rechte Seite II. Frau Scheffler. f Schlafstelle Kaffee 14,—. Scheller. . möbliert. separat. Martgrasenstraße 75. 410b �rbeitsmarkl. StellenAestic he. Wirtschafterin sucht Stelle tags« über, auch bei Kindern, frühere Krankenpflegerin. Frau Pönicke, Gör- litzerstraße 66, vorn I. fS Besetzte Stellen in Benthe» O.-S. Die von uns ausgeschriebenen Stellen sind wie folgt besetzt worden: Parteisekretär Stefan Tuszynski- Bochum, Redakteur Richard Zlnderfch, Kattowitz. Gefchästssübrer Beruh. Steide!- Leipzig. Allen übrigen Bewerbern sür ihre Bemühungen besten Dank. 296/12 Ter Vezirtsvorstand. I. A.: Otto H ö r f i n g. �iiiiilig! üoiAsdeüöi. Wege« Streik oder Lohn- differenzen sind gesperrt: Für die Holzteiiten-Branche der Betrieb von Aug. König. Tettower Str. 4S/49. Das Beniner Ardenswilltgen- Dermttteluugoburenu». gelbe» »Handwerkerichuoverdaudes«. Ardeitsilachweis d. Stellmacher» iniimig und der WagenkaPri» kanten. Kaiser-Franz-Grenadier« Platz. t, 89/ 14* Zuzug ist streng ternzuhalten. Die Vrtsvervaituag Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbande». Berlin SW. Nr. 348 80. Illdrgavg. 3. KeilU Ks Jotmätls" iltrlinet DMIM. lirustaj, 30, Stitmlitc ID13. Aus der Berliner Arbeiterbewegung im Jahre 1913. 3u Beginn des Jahres nahmen die schwebenden Tarifvcrhand- lungcn der Bauarbeiter und der Holzarbeiter das allgemeine Intcr- eise in Anspruch. Die Borbercitungen im Unternebmerlager ließen für das kommende Frühjahr einen großen Kamps in diesen beiden Gewerben erwanen.— Das erste gewerlschaslliche Ereignis im Monat Januar war der am 6. ausgebrochene Streit der Fliesenleger, die sich gegen eine Arbeitsordnung wehrten, welche ihre Lohnverhältniffc vcr- schlechtern sollte. Die Parteigenossen von Teltow-Becskow befanden sich in der Agitation für die in diesem Kreise bevorstehende Ersavwabl zum preußischen Landtage, während die Parteiorganisation Preußens die allgemeine Landtagswahlagitation vorbereitete. Ter preußische Parteitag, der vom 6.— 8. in Berlin tagte, stellte die Richtlinien für den Landtagswahlkamps auf und legte die Taktik für den Wahl- rechtstampf fest. Nachdem es der energischen Tätigkeit der Sozialdemokratie ge lungen war, die Regierung zu veranlassen, gewisse Erleichterungen für die Einfuhr ausländischen Fleisches durch die Gemeinden zuzu- lassen, setzten die Agrarier eine lebhoste Agitation gegen diese Maß- nahmen ins Werk. Die Regierung schien geneigt, dem Vorstoß der Lcbensmittelwucherer Gehör zu schenken und die Fleischeinfuhr. welche ein weiteres Steigen der enorm hohen Fleischpreise ver- hindert hatte, zu unterbinden. Um der drohenden Gefahr eines ge- steigerten Fleischwuchers entgegenzutreten, verbreitete� die Partei- genossen am 10. ein Flugblatt und veranstalteten am Sonntag, den 12., eine Anzahl von Volksversammlungen, welche die Oeffnung der Grenzen für die Fleifcheinfuhr forderten und sich gegen die das Volk aussaugende Politik der Lebensmittelverteuerung durch Zölle wandten. Tie nächste Zeit zeigte ein Bild reger Gewerkschaftstätigkeit. Am 12. tagt« eine Konferenz des TextilarbeitcrvcrbandeS für den Gau Brandenburg. Am 13. und 14. hielten die im Deutschen Transportarbeiter verband organisierten Binnenschiffer der Elbe, Oder und märkischen Wasserstraßen eine Generalversammlung ab, welche Stellung zur Lohnbewegung nahm. Eine am 16. abgehaltene Versammlung der Gastwirtsgehilfen forderte die Regelung der Arbeitszeit und Einführung eines wöchentlichen Ruhetages durch Gesetz. � Tie Arbeiter der We'ßbierbrauereien beschloffen am 16., ihren Tarifvertrag zu kündigen. An demselben Tag traten die Vertragsparteien der Holz- industric zu erneuten Verhandlungen zusammen. Bei dieser Ge- lcgcnhcit stellten die Unternehmer ein für die Urbeiter unannehm- bares Ultimatum, was den Abbruch der Verhandlungen zur Folge hatte. Gleich darauf brachte die Fachzeitung der Tischlermeister und Holzindustriellen einen Aufruf zum Kampf, der die Unter- nehmer aufforderte, sich auf d«c Aussperrung einzurichten. Am 21. nahmen die Generalversammlungen der sechs Berliner Reichstagswahlkreise die Berichte vom preußischen Parteitag cm gegen. Zur Lohnbewegung der Binnenschiffer nahm am 26. und 27. eine Konferenz der Maschinisten und Heizer Stellung. Eine am 29. abgehaltene Konferenz der Gemeindevertretcr im Kreise Niederbarnim erörterte verschiedene wichtige Fragen der Ge mcindcpolitik. Aus Anlaß eines vom Reichstage beratenen Gesetzentwurfes über die Konkurrenztlausel forderte eine am 31. abgehaltene Ver- sammlung der Handlungsgehilfen unbedingtes Verbot der Kon- kurrcngklausel. Februar. Eine Handlung der Pietät sowie eine Ehrung eines von Freund und Feind' geachteten Parteiführers erfüllten die Genossen, indem sie am 2. auf dem Zentralfriedhos in Fricdrichsfelde die feierliche Enthüllung des Singrrdentmals vollzogen. f Mit der Lohnbewegung im Baugewerbe bctchäftigte sich der vom 8.-38. abgehaltene VrrbandStag der Zimmerer, welcher Stellung nahm zur Tar'fberatung. Am 9. protestierten zwei Versammlungen der Brauereiarbeiter gegen die beabsichtigte Einführung einer Biersteuer durch die Ge- meindc Berlin. Tie HerrenkonfektlonSschneider erklärten am 9. in zwei Ver- sammlungen, daß sie wegen mangelnder Zugeständnisse der Unter- nehmer mit dem Ergebnis ihrer Tarifverhandlungen nicht einver- standen sind. Der Streik der Fliesenleger wurde dadurch beendet, daß eine am 19. abgehaltene Versammlung den Einigungsvorschlägcn zu- stimmte. Mit der Tarifbcwcgung in der Holzindustrie beschäftigte sich am 13. wieder eine Versammlung der Berliner Holzarbeiter. Angc- sichts des drohenden Kampfes hatte ein Unparteiischer erneute Ver- Handlungen herbeigeführt, aber eine Einigung der Parteien wurde nicht erzielt. Der Unparteiische gab einen Schiedsspruch ab, den die Versammlung annahm. Die Arbeiter der Schuhindustrie eröffneten am 17. eine Be- wegnna für Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises und Aufbesserung der Löhne. Die Kostümschneider stimmten am 18. einem Tarif zu, der an� 1. März in Kraft trat. Eine am 23. abgehaltene Generalversammlung der Partei- »rgan>sation von Teltow-BeeSkow stellte die Kandidaten zur LFnd- tagSwahl auf uid beschäftigte sich mit der Reorganisationsfragc. Der Verband der Mpler, der sich längere Zeit in einer Tarif- bewegung befand, mit der sich zuletzt ein Kollegium von Unpar- teiischen beschästigt hatte, hielr vom 2ö.— 28. in Berlin einen Ver- bandstag ab, der im Interesse des Friedens den Schiedssprüchen der Unparteiischen zustimmte, obgleich sie hinter den Forderungen des Verbandes erheblich zurückgeblieben Ware». Gleichzeitig wurde bekannt, daß die Arbeitgeber die Schiedssprüche abgelehnt hatten. Der Verbandstag schloß mit der Aussicht auf einen schweren Kampf, den die Unternehmer denn auch bald darauf eröffneten. Die Bauklcmpner führten eine Lohnbewegung, die dadurch ihren Abschluß fand, daß am 27. eine Versammlung den Schieds- sprach des Einigungsamtcs annahm. Mi: einer- Polizeiaktion gegen die proletarische Fugendbcwc- gung ging der Monat Februar zu Ende. Zwölf unpolitische Ver- sammlungen für die Jugend waren am 28. einberufen. In Auf- sclhen erregender Weife trat die Polizei dem Bestreben, die arbei- tende Jugend aufzuklären, entgegen. Die meisten Versammlungen wurden, noch ehe sie begonnen hatten, aufgelöst und eine Anzahl jugendlicher Versammlungsbesuchcr sisticrt und mit Strafmandaten bedacht. März. Eine Heerschau der proletarischen Frauenbewegung war der am Tonntag, den 2. März, abgehaltene sozialdemokratische Frauentag. In einer größeren Anzahl von Versammlungen ltchen die Frauen und Mädchcp der Arbeiterklasse auf den Plan, nm hie Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts zu fordern und der Uederzeugung Ausdruck zu geben, daß ihre politische Gleichberechtigng nur durch die Sozialdemokratie erkämpft werden kann. Am 3. traten die HerrenkonfektlonSschneider in den Streik für bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Der Landtagswahlkampf in Berlin wurde am 7. durch Ver- sammlungen in mehreren Landtagswahlbezirken eröffnet, welche die Abgeordnetenkandt baten ausstellten. Derselben Aufgabe unterzog sich am 9. die Generalversammlung des Kreises Niedcrbarnim, die gleichzeitig zur Frage der Reorganisation der Groß-Bcrliner Parteiorganisation Stellung nahm. Die Ende Februar stattgehabte Polizeiaktion gegen die Jugend- Versammlungen gab Anlaß zu einer großen Protestversammlung, die am 5. März abgehalten wurde. Eine am 7. in Kellers Saal abgehaltene JAugendvcrfamntlnng rief die Polizei wieder �auf den Plan. Nach«chlnß der Versammlung wurden auf der Straße mehrere Sistierungen vorgclwmmcn, die später Gelegenheit gaben, das unberechtigte Vorgehen der Polizei vor Gericht zu beleuchten. Die Lohnbewegung der Fabrikschuhmacher wurde am 7. mit tcilweisen Erfolgen beendet. Am 19. begann die Aussperrung der Maler, zunächst in ge- ringem Umfange. Später nahm sie eine ciwas größere Aus- dehnung an. Der vom 19. bis 15. in Beel in abgehaltene Verbandstag der Steinschcr und Pflasterer erledigte die regelmäßigen geschäftlichen Angclcgenbeiten des Verbandes. Am 14. stimmte eine Generalversammlung der. Berliner Holz- arbciter dem Tarifvertrage zv, den die Vertreter der Parteien auf Grund des Schiedsspruchs veieinbart hatten. Der 18. galt wie immer der Ehrung der Märzgefallenen durch Niederlegung von Kränzen an den Gräbern im Friedrichshain. Am Abend des 18. hielten die sechs Berliner Wahlkrerfc Gencrplverfammlungen ab, welche der Bedeutung des Tages ge- dachten und die endgültige Aufstellung der Landtagskandidaten vor- nahmen. In der nächsten Zeit nahm dann die LandtagSwahl- agitat'on die Kräfte der listigen Parteigenossen in'Anspruch. Der Monat April wurde eingeleitet durch eine Protestaktion der Parteigenossen. Die Militärvorlage, welche kurz vorher bekanntgeworden war. forderte eine Heeresvermehrung um liö 999 Mann und Steigerung der Mi- litärausgaben um 1399 Millil>»ieii Mark. Gegen diese ungeheure Belastung des Volkes wurde am 4. ein Flugblatt verbreitet und am Sonntag, den 6., in 61 Boltsvcrsammlungcn protestiert. Am 9. konnte der Streik der HcrrcnkonfektionSschneidcr du�ch eine Vereinbarung beendet werden. Die Böttcher stimmten am 11. einem von den beiderseitigen Vertretern vereinbarten Tarifverträge zu und brachten damit ihre . Lohnbewegung zum Abschluß. Anläßlich der Aufstellung der LandtagSkandidaten lvaren in der Parteiorganisation Meinungsverschiedenheiten darüber� entstanden, ob die Organisation der Reichstagswahltreise oder die Genossen der betreffenden Landtagswahlbezirte über die Kandidatur zu cnt- scheiden hätten. Tie Differenz wurde durch eine am 13. abgehaltene außerordentliche Gencralversammlung von Groß-Berlin erledigt durch den Beschluß, datz die Kandidaten durch die Landtagswahl- bezirke aufzustellen und Protest« gegen die Kandidaturen durch die Generalversammlung von Groß-Berlin zu entschcidsn sind. Außer- dem beschloß die Versammlung eine Protestresolution jjegen die in letzter Zeit besonders stark hervorgetretene polizeiliche Schikanierung der proletarischen Jugendbewegung. Am 13. tagte eine Konferenz der Freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg. Sic nahm Stellung zu dem auf Grund der Reichsversicherungsordmfng herausgegebenen Muslerstatut. Am 13. begann der Streik der Handclogärtner in den Geschäften, lvelche die Foroerungcn nicht bewilligt hatten. Eine am 14. abgehaltene Bersamwlung der städtischen Arbeiter erhob Protest dagegen, daß sich die Berliner Stadtocrordnetcnver- sammlung gegen den Abschluß eines Tarifvertrages für die von der Stadt beschäftigten Arbeiter erklärt hatte. Am 16. und 17. tagte im Gewerkschaftshausc eine vom Trans portarbeiterverbande einberufene Konferenz der Automobilführcr, welche sich mit Berufsangelegenheiten und Organisationsfragen beschäftigte. Einen schmerzlichen Verlust erlitt die Partei und der Tabak- arbeitervcrband durch den am 29. erfolgten Tod des Genossen Max Kiesel. Am 22. erklärten die dem Deutschen Metallarbcitervcroandc angehörenden Rohrleger, sich dem von der Berliner Ortsgruppe des Allgemeinen Metallarbeilervcrbandes mit den Unternehmern vcr- cinbarten Tarifverträge anzuschließen. Damit war ein bedeutsamer Schritt zum Ausgleich der Differenzen getan, welche seit Jahr und Tag zwischen den beiden Gruppen der Rohrleger be- standen. Mit der Lohnbewegung der Binnenschiffer beschäftigte sich wieder eine am 26. abgehaltene Generalversammlung dieser Ar- beitergruppe. Die Zugeständnisse der Unternehmer wurden als nicht genügend erklärt. Eine kritische Beleuchtung der gelbe» Arbeiterbewegung unter- nahm Professor Weber-Hcidelberg in einem Vortrage, den er am 26. auf Veranlassung der Berliner Gewerkschaftskommission in einer Versammlung der gewerkschaftlichen Funktionäre hielt. Am 27. tagte eine Konferenz der BildnngSausschüssc Groß- Berlins. Sie gab die Richtlinien für die Bildungsarbeit innerhalb der Arbeiterschaft an. Außer den hier aufgeführten Veranstaltungen wurden im Laufe des Monats eine große Zabl von Versammlungen abgehalten, die der Landtagswalilnzitation dienten. Mai. Nachdem der 1., der Weftfeiertag des klassenbewußten Prole- tariats, in üblicher Weise begangen war, trat wieder die Tarif- bewegung im Baugewerbe in den Vordergrund des allgemeinen Interesses. Für das Berliner Baugewerbe hatten Verhandlungen vor dem Einigungsaint des Gewerbegerichts stattgefunden, deren Ergebnis, von den Arbeitern abgelehnt wurde. Nach erneuten Ver- Handlungen kam dann ein Schiedsspruch zustande, dem die Mit- gliederversammlungen des Bauarbeiterverbandes sowie die Tele- giertcnversammlungcn des Zimmererverbandes am 2. Mai zu- stimmten. Am 6. erklärten sich die Unternehmer für Annahme des Schiedsspruches. Damit war für Berlin der Friede geschlossen.— Zentrale Verhandlungen für das Reich wurden seit längerer Zeit unter Leitung von drei Unparteiischen in Berlin geführt, zwischen- durch fanden auch örtliche Verhandlungen in den einzelnen Tarif- gebieten statt. Anfang April waren die Verhandlungen beendet. Tie Unparteiischen hallen Schiedssprüche abgegeben. Vom 6. bis 19. wurden in Berlin die Verbands tage der Banarbriter und der Zimmerer abgehalten. Sie stimmten schließlich den Schiedssprüchen zu. Damit war der Kampf im Baugewerbe für diesmal vermieden. Am 9. beendeten die Arbeiter der Weißbierbraucreien ihre Lohnbewegung mit teilweisem Erfolge. Die LandtagSwnhlagitation fgnd am 15., dem»8 or abend der Wahl, ihren Abschluß durch eine Anzahl von Versammlungen, in denen ein letztes anfeuerndes Wort an die Wähler gerichtet wurde. Die am 16. vollzogenen II. wählen zum Landtag ürachien der Sozialdemokratie eine ansehnliche Vermehrung ihrer Stimmen. Durch das Ergebnis der Urivahlen war unser bisheriger Besitzstqnd an Berliner Mandaten gesichert und der Wahlkreis Schöneberg- Neukölln erobert. Einwendungen, die schon zu Ansang der Wahlbewegimg gegen die Kandidatur Julian Borchai'dts erboben worden waren, hatten die Einsetzung einer Untersuchungskommission zur Folge, deren Festslellungen die am 18. abgehaltene Generalversammlung des Bezirtsverbandes Groß-Bcrl>n zustimmte. Am 21. und 22. wurde in Berlin wieder ein Berbandstag der Maler abgehalten, der Stellung nahm zu den Schiedssprüchen, die nach erneuten Verhandlungen durch ein Kollegium von Unpar- teiischen abgegeben waren. Der Berbandstag stimmte den SchiedS- sprüchen zu. Damit war auch für das Malergewerbe eine Grund- läge des Friedensschlusses gegeben. In Berlin erfolgte gleich darauf die Wiederaufnahme der Arbeit. Ter 23. brachte eine Traucrkundc. Genosse Karl Butry, der feine Kräfte hauptsächlich im Tabakarbcitcrvcrbande an hervor- ragender Stelle betätigte, starb an diesem Tag«. Der Gedenktag der Gründung des Allgemeinen Deutschen Ar- beitcrvereins, die vor 59 Jahren erfolgte, wurde am 23. in 14 Vcr- sammlungen gefeiert. Am 23. stand der„Vorwärts" in der Person seines derzeitigen verantwortlichen Redakteurs Wachs vor Gericht. Er war am 8. November 1912 wegen eines Ausdrucks, der nach Ansicht des Ge- richts das preußische Abgeordnetenhaus beleidigt, zu einer Geld- strafe von 299 M. verurteilt worden. Das Reichsgericht hatte, der Revision der Staatsanwaltschaft nachgebend, den Prozeß nochmals an die erste Instanz verwiesen, die nun sechs Wochen Gefängnis über den Genossen Wachs verhängte. Die Jahresberichte der WahlvcreinSvorständc wurden am 25. in Niederbarnim und am 27. in den sechs Berliner Reichstagswahl- kreisen entgegengenommen. Juni. Am 3. fanden die Wahlen der Abgeordneten zum preußische» Landtage statt. Sie brachten uns, was ja schon nach dem Ausfall der Urirmhlen feststand, unsere bisherigen sechs Berliner Mandate und als neues Mandat das für Schöneberg-Neukölln. Außerdem fielen uns infolge eines Abkommens mit der Freisinnigen Volks- parte! die drei Mandate für Ober- und Niederbarnim zu. Wenige Tage später rietz der Tod wieder einige Lücken in den Reihen der alten Parteigenossen. Am 7. starb Genosse Sonnenburg in Friedrichshagen. Ihm folgte am 8. Karl Dietze und am 11. Heinrich Kloß, die schon unter dem Sozialistengesetz für die Partei gekämpft hatten. Am 8. tagte die Generalversammlung des Zentralwahlvereins für Teltow-Beeskow, welche den Jahresbericht entgegennahm und die Vorstandswahlen vollzog. Vom 9. bis 14. wurde in Berlin der Berbandstag der H»t- macher und Filzwarenarliciter abgehalten. Der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Groß- Berlins hielt am 15. seine Generalversammlung ab, wo der Jahres- bericht erstattet und im Lause der Debatte die Organtsatton und Presse besonders besprochen wurde. Am 23. wurde in einer Versammlung der Berliner Gewerk- schaftSkommission der Jahresbericht über die Entwickelnng des Ge- werkschaftslebcns gegeben. Dabei konnte festgestellt werden, daß die Mitgliedcrzahl der Berliner Gewerkschaften auf rund 312 999 gesttegen ist, sich also um 129 999 vermehrt hat. Eine rege Diskussion über den politischen Massenstreik hatte sich in der zweiten Hälfte des Monats Juni entwickelt. Sie knüpfte an eine in Wilmersdorf abgehaltene Versammlung an, wo der Referent Frank-Mannheim den Massenstreik als Kampfmittel im preußischen Wahlrechtskampf bcfürlvortetc. Im„Vorwärts" wurde diese Frage in einer Reihe vvn Artikeln behandelt. Juli. In den ersten Tagen des Monats wurde den Genossen wieder eine Trauerbotschaft verkündet. Am 6. Juli starb Fritz Zietsch, an dem sowohl die Partei wie die Gewerkschaft einen begabten Mitstreiter verlor. Die Fragen des volitisckcn Massenstreiks und des Wahlrechts- kampfes nahmen auch im Juli das lebhafteste Interesse in An- spruch. Sic wurden in vielen Versammlungen erörtert. Zunächst sprach Genosse Zubeil am 8. in einer Versammlung im vierten Wahlkreis über dies Thema, welches eine lebhafte Diskussion cnt- fesselte. Inzwischen waren die Stadtvcrordnetcnwählerlisten für Berlin ausgelegt. Ein am 11. verbreitetes Flugblatt forderte zur Einsicht in die Listen aus. Am 22. veranstaltete der vierte Wahlkreis zwei große Bcr- sammlungen, wo Rosa Luxemburg und Dr. Lcnsch über den po- litischen Massenstreik sprachen. August. Tie am 3. abgehattene Gencralve�ammlung des Bcrbanbes der sozialdemokratischen Wahloereinr Groß-Berlins setzte eine Kom- Mission ein, welche die Ursachen des. Abonnentenrückganges er- forschen und die bezüglich Acndcrnngcn im Abonnement ge- stellten Anträge beraten sollte. Auch die Frage der Reorganisation der Wahlvercine wurde behandelt und zur weiteren Erörterung in die Kreise verwiesen. Am 6. und 7. tagte im Gewerkschaftshause der Internationale Mctallarbeitcrkongrcß. Ihm folgte an den nächsten Tagen die außerordentliche Generalversammlung des Deutschen Metall- arbeitervcrbandes, welche einberufen war, um Stellung zu nehmen, zu dem Werstarbeitc rstteik. Sie beschloß, daß der Streik, weil er statutenwidrig angefangen, abzubrechen sei. Am 19. nahm die Gencralversammlung des Kreiswahlvereins für Niederbarnim Stellung zum Parteitag. Auch hier nahm die Debatte über den politischen Massenstreik einen breiten Raum ein. Am 12. veranstaltete der sechste Berliner Wahlkreis vier Vcr- sammlungen mit dem Thema:„Der politische Massenstreik". Die Arbeitslosigkeit hatte mit der Zeit einen immer größer werdenden Umfang angenommen, die wirtschaftliche Krise machte sich mit ständig wachsendem Druck bemerkbar. Deshalb berief die Gewerkschaftskommission am 13. sieben Arbeitslosenversammlungen ein, welche von Staat und Gemeinde Maßnahmen zup Arbeits- losenfürsorge forderten. Am 13. versetzte die Kunde vom Tode des Genossen August Bebel die gesamte klassenbewußte Arbeitersaft in tiefste Trauer. Die Berliner Parteigenossen veranstalteten nm 17. in einer größeren Zahl von Versammlungen eine würdige Gedächtnisfeier für den unvergeßlichen Führer, dessen Andenken in Millionen Arbciter- herzen für alle Zeit fortleben wird.« Wenige Tage später wurde das allgemeine Interesse auf eine Frage gelenkt, die schon vorher von einzelnen Genossen in kleineren Versammlungen erörtert worden war: Der sogenannte Gebär- streik. Damit diese Frage vom grundsätzlichen Standpunkt der Partei aus beleuchtet und geklärt werde, hatte der Zcntralvorstand von Groß-Berlin am 22. eine Bersammlung in der„Neuen Welt" veranstaltet, wo Klara Zetkin referierte und verschiedene im Vor- dergrund der Partei stehende Genossinnen und Genossen sich an der Diskussion beteiligten, die eine Woche später in demselben Saale fortgesetzt wurde. Stellung zum Parteitage nahmen am 24. die Generalvcr- sammlung des Kreise» Teltow-Beeskow und am 26. die General- Versammlungen der sechs Berliner Wahlkreise. Besonders wurde hier der politische Massenstreik sowie die Haltung der Fraktion zur Deckung der durch die neue Militärvorlage verursachten Kosten diskutiert. Lohnbewegungen der Linolcumlcgcr sowie der Kürschner(Pelz- brauche) wurden gegen Ende des Monats eingeleitet. September. Am 5. erlebte die Polizei in ihrem Kampf gegen die proletarische Jugendbewegung eine Niederlage. 24 jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen, die, der Teilnahme an. einer angeblich politischen Versammlung angeklagt, schon in erster Instanz freigesprochen tvaren, wurden auch iu der von der Staatsanwaltschaft angc- rufencn Berufungsinstanz freigesprochen. Am 11. erklärten die städtischen Arbeiter Berlins ihre Lohn- bewegung als abgeschlossen, da ihre Forderungen teilweise bewilligt waren., In einer am 12. abgehaltenen Bersammlung der Partei- ftinktionärc sollten die belgischen Genossen Huysmans uvL Vanbcrsiiiisscn über den volitischcn Massenstreik in Belgien sprechen. Unter Aistzrohuiift der Ausweisung hatte der Polizeipräsident die genannten Parteigenossen verhindert, zu reden. Ihre Vorträge wurden in der Versammlung vom Genossen Eichhorn verlesen und später als Broschüre veröffentlicht. Die Gruiidsteinlegung des Volkskunsthauses, welches die Neue Freie Volksbühne am Bülowplatz errichtet, wurde am 14. unter Beteiligung aller an diesem Kulturwerk intcrcssiertcn Korporationen vollzogen. Ter sogenannte Gcbärstreik wurde am 23. wieder in einer großen Versammlung des sechsten Wahlkreises diskutiert, wo Luise Zieh über das Thema:„Ter Geburtenrückgang" sprach, Dr. Alfred Bernstein als Korreferent auftrat und verschiedene bekannte Par teigcnossen sich an der Debatte beteiligten. Am 26. fanden fünf Fugendversauimlungen statt, die nicht von der Polizei behelligt wurden. Ten Bericht vom Parteitag nahm am 28. die Gencralversamm Imig des Kreiswahlvcreins von Niederbarnim entgegen. Am 28. wurde die Arbeitervertrctcrwahl zu der neu errich- tctcn Allgemeinen OrtSkrantenkassc der Stadt Berlin vollzogen. Die Liste der freien Gewerkschaften erhielt mit o7 Vertretern die überwiegende Mehrheit, während drei Vertreter auf andere Du ganisationen kamen. Oktober. Am I. traten die Glasarbeiter in den Streik, weil ihre For derungen bei der Tarifbcratung nicht bewilligt worden waren. Ter Verband der Schneider feierte am 1. das Jubiläum seines 2öjährigen Bestehens. Am 5>. wurde in Wilmersdorf ein Arbeiterjugendheim-eröffnet. — In Berlin wurde in zwei Sälen eine Feier für die schul- entlassene Arbeiterjugend abgehalten. Ein Streik der Etuisarbeiter wurde am ö. beschlossen, und die Bauarbeiter hielten an demselben Tage zwei Arbeitslosenversamm- lungen ab. Am 7. nahmen die Generalversaminlungen der sechs Berliner Wahlvereine den Bericht vom Parteitage entgegen. Gleichzeitig wurden die Kandidaten für die Ttadtvcrordnctenwahl aufgestellt. Am 8. nahmen die Glasarbeiter die Arbeit wieder auf, weil der Streik durch Vereinbarung beigelegt war. Am 12. hielt der Kartellverband für Sport- und Körperpflege 14 Volksversammlungen ab, um seine Bestrebungen in weiteren Kreisen zu propagieren. Eine am 12. abgehaltene Reichstonfcrenz der AnwaltSange- stellten beschäftigte sich mit den Gehalts- und Arbeitsverhältnissen dieser Angestelltengruppc. Ter Kommunalwahlkampf in Berlin wurde durch eine am 12. stattgehabte Flugblattverbreitung eröffnet. Tie Kürschner der Pelzbranchr beschloffen in zwei Versamm- lungen am 13. und 14., die Vorschlüge des Einigungsamtes ab- zulehnen, den Streit zu beenden und ohne Tarif zu arbeiten. Der Agitation für die Kommunalwahlen dienten eine grössere Zahl von Versammlungen, die am 14. abgehalten wurden. Auch in den folgenden Wochen fanden viele Kommunalwählcrversamm- lungen statt. Während das Bürgertum den Gedenktag der Bölkerschlacht bei Leipzig im Widerspruch mit den historischen Tatsachen als eine Ehrung der Fürsten feierte, veranstaltete die Partei am Sonntag, den 19., 34 Volksversammlungen, wo die Ereignisse des Jahres 1813 in ihrer wirklichen Bedeutung gezeigt wurden. Auch zwei Jugendorrsammlungen beschäftigten sich mit dieser Angelegenheit. Eine am 23. abgehaltene Bersammlung der Handelsangestell- tcn beschäftigte sich mit dem eine unzureichende Sonntagsruhe vorsehenden Gesetzentwurf und forderte völlige Sonntagsruhe im Handelsgewcrbc. Am 24. fanden in Neukölln zwei Arbeitslosenversamm- lungen statt. Das Komitee„Konfessionslos" propagierte den Austritt a«S der Laudeskirche am 28. in vier Versammlungen, denen später noch eine grosse Zahl gleichartiger Versammlungen folgten, die Tau- sende von Kirchenaustritten zur Folge hatten. Die am 29. abgehaltene Generalversammlung der Konsum- gcnosscnschaft Berlin und Umgegend nahm den Jahresbericht ent- gegen, der einen bedeutenden Fortschritt der Genossenschaftsbe- wegung konstatierte. November. Zu Anfang des Monats bctvauertc die Partei wieder den Tod von zwei verdienten Gemzssen. Am 3. starb Wilhelm Schröder und am 5. ritz der Tod Hermann Werner aus unserer Mitte. Am 9. fanden die Stadtverordnetenwahlen der dritten Abteilung in Berlin, Eharlottenburg und Schöneberg statt. In Berlin er- oberten wir neben 15 bisherigen Mandaten zwei neue. In Char- lottenburg wurden drei Mandate behauptet, in Schöneberg eben- falls drei und zwei neue Mandate wurden gewonnen. Am 16. tagte eine Frauenkonferenz für Groß-Berlin. Sie bc- schäftigte sich mit dem Problem des Geburtenrückganges und stellte Richtlinien auf für die Gewinnung weiblicher Parteimitglieder und die Förderung der Jugendbewegung. Eine am 16. abgehaltene große Bersammlung der Brauerei- arbeiter leitete eine allgemeine Lohnbewegung ein. In der Folge- zeit stellten Versammlungen der einzelnen Gruppen ihre For- derungen auf. Am 18. nahmen die Generalversammlungen der sechs Berliner Wahlvercinc die Geschäftsberichte der Vorstände entgegen. Am 21. protestierten drei Versammlungen der im Handels- gewerbc Beschäftigten gegen die völlig ungenügende Regelung der Sonntagsruhe durch den Gesetzentwurf der Regierung. In der am 23. abgehaltenen Generalversammlung des Per- bandcs sozialdemokratischer Wahlvercinc Groß-Bcrlins erstattete der Vorstand den Halbjahrsbericht. Tann wurde nach einem Re- ferat des Genossen Molkenbuhr eine Resolution angenommen, welche eine durchgreifende Arbeitslosenfürsorge von Reich, Staat und Gemeinde fordert. Am 23. und 24. tagte in Berlin eine Konferenz der Bürsten- und Pinsclmacher Teutschlands. Ein alter Mitkämpfer aus der Zeit des Sozialistengesetzes, Karl Bommer, wurde uns am 24. durch den Tod entrissen. Sechs Arbeitslosenbersammlungen, die am 25. stattfanden, zeig- tcn der Ocffcntlichteit den ungeheuren Umfang der Arbeitslosig- kcit und forderten Matznahmen zur Linderung derselben. Am 39. wurife in Moabit ein neues Arbciterjugendheim er- öffnet. Dezember. Nachdem die Bemühungen unserer Parteigenossen, eine Ar- veiislosenfürsorge aus öffentlichen Mitteln zu erlangen, an dem Widerstande der Vertreter des Bürgertums gescheitert waren, be- schloß am 2. die Berliner GcwertschäftSkommission, in Verbindung mit der Parteiorganisation, eine allgemeine Sammlung zur Weih- »achtsunterstübung der Arbeitslosen zu veranstalten. � Gegen die Uebcrgrisfe des Militarismus in Zabern und die Beschönigung derselben durch den Reichskanzler und Kriegs- minister protestierten 17 Volksversammlungen, die unter Massen- hafter Beteiligung am 7. abgehalten wurden. Die Bildung von Frauen- und Mädchcnchörcn wurde in drei Versammlungen am 8., 9. und 11. propagiert. Mit der am 23. veranstalteten Weihnachtsfeier für die Kinder der Arbeitslosen fanden die Ereignisse des Jahres einen harmoni- schen Abschluß. Wie sich bei dieser Gelegenheit die Arbeiter- solidarität und Opferfreudigkeit betätigt hat, um den notleidenden Klassengcnoffcn eine bescheidene Freude zu machen, so wird sich auch die Solidarität und Opfcrfrcudigkcit bekunden, wenn es im neuen Jahre gilt, die Angriffe der Reaktion auf die Rechte des Volkes abzuwehren und den grossen Kampf für die Befreiung der Arbeiterklasse weiterzuführen. Waren verlangten, die dieser nicht vorn im Laden halte. Während der Geschäftsmann die gewünschten Waren herbeiholte, entwendeten die jungen Leute, was sie erreichten konnten und verdufteten. Wahrscheinlich liegt der Anreiz zu den Diebstählen darin, daß die nationalen Jünglinge an keiner Veranstaltung der bürgerlichen Jugendwehr fehlen wollten und dazu das nötige Kleingeld brauchten. Die Lokalpresse, die sonst immer jede Veranstaltung der nationalen Jugendwehr ins beste Licht rückte, hüllt sich über diese Vorfälle in tiefstes Schweigen._ fraucn-Lereabende. Röntgental, Zepernick. Buch. Heute abend 8'/, Uhr im Lolal von Lange, Röntgental, Siemensstr. 19. Borwag der Gcnoisin Frau Matschte. Iugenäbexvegung. Jung-Zentrum. Die Jungmannschaft der Zentrumspartei ist, soweit sie den sogenannten„gebildeten" 51reisen angehört, in den Windthorst- bunden organisiert. Deren Zeitschrift ist das„Zentrum". Aber auch hier kam die Klage der Jugend, daß der Lesestoff„zu schwer" sei, und deshalb haben die Windthorstbunde nun noch ein Organ „Jung-Zentrum" geschaffen, trns vom 1. Januar 1914 in Köln(Jung-Zentrum-Vcrlag) erscheinen wird. Sein Programm lautet: „Was Jung-Zentrum will! Ganz allgemein gesprochen, will es die Jugend einführen in das Verständnis des politischen Lebens. Aber das soll nicht geschehen in der Form nüchterner Abhandlungen, trockener Darbietung staatsbürgerlichen und poli- tischen Wissens, sondern in gefälliger, lebendiger, leichtfatzlicher Darstellung. Des' weiteren soll diese Monatsschrift für unsere Jungmannschaft eine besondere Note bekommen: Kampf gegen links! Dem sozialdemokratischen Jugendorgan ., Arbciter-Jugend" mutz endlich auf Zentrums- seite auch eine politische Zeitschrift entgegen- ge st eilt werden, weit» nicht ferner vieles ver- säumt werden soll. Jung-Zentrum wird den Kamps aufnehmen! Ihn zu gutem Ende siegreich zu bestehen, wird es in seinem Grundton an Herz und Gemüt appellieren, als dem Mutterboden, auf dem allein der Idealismus gedeiht und sich hält. Jung-Zentrum will und wird unablässig aufrufen, an- feuern, stärken zum Kampfe gegen die feindlichen Mächte im Innern unseres Vaterlandes. Möge es zum„Jungsiegfried" in der Zentrumspartei werden." Damit hat der Klerikalismus in das grosse Netz, mit dem er Seelen für sich einfängt, eine neue Masche geknüpft. ES bleibt unsere Aufgabe, unsere Genossen in den schwarzen Gegenden die Arbeiterjugend für uns zu gewinnen, che sie dem„Jung-Zentrum" verfällt._. Aus der nationalen Jugendbewegung. In Nieskh. im Wahlkreise Rothenburg-Hoyerswerda, besteht eine nationale„Jugendwehr". Verschiedene junge Leute, die als „Soldaten" oder„Chargierte" der Jugendwehr angehörten, haben sich als recht dreiste Spitzbuben entpuppt. Sie verübten ihre Diebereien in einer Gärtnerei, in Buchhaiütlungen, Uhrengeschäften und anderen Läden. Tie Bürschchen gingen dabei so zu Werke, daß sie als Käufer auftraten und von dem Ladeninhaber immer KinefKaften der Redahtion. Sie Intiftlldie Spreqstuude findet Llndenstraße es, vor« vier Treppe» »» Sndrftnhl—, woipentä glich von 414 bis 714 Udr-bendS, Eonnabend«, don 414 bis S Uhr abendS statt. Jeder fstr den Brieftasten bestimmten«»frage ist ein Bnchstabe»nd eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht encilt. Anfragen, denen keine Adonnemeutsgutttnug beigefügt ist, oerden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage mau tu der Bprrchstnndr vor. W. G. 41. Ueber private Verhältnisse einzelner Parteigenossen Aus- kunst zu geben, ist nicht Ausgabe des Briestastens.— C. S. 33. Volks. lmderhorte des Vereins für Volksküchen und Volkskinderhorte, Berlin W 50, Schaperstr. 34.— A. B 32. Richten Sie das Gesuch an die Komman- dantur des von Ihnen gewünschten Regiments.— F. B. Kä. Geschäfts- stelle Berlin XIV 7, Dorotheenstr. 49.— G. 20. 1. 64 925 993 Personen nach der Zählung t 910. Davon 32 040 166 männlichen und 32 885 827 weiblichen Geschlechts. 2. Ja.— 91. B. Falls Sie im Prozeß unterliegen, sind Sic den beiden gegnerischen Anwälten gegenüber loslenzahlungspflichtig. Ein Recht, Ratenzahlungen zu verlangen, haben Sie nicht. Tic Anwälte würden aber voraussichtlich einem dahingehenden Ersuchen nachkommen.— H. L. 02. Etwa 120 M. monatlich. Ein Verrechnungsrecht wegen der Möbel kommt nicht in Frage.— H. G. 300. Das ist zulässig. Der Psändungsantrag ist unter Ueberreichung des Urteils beim Amisgericht zu stellen.— lg. K. 27. Nur dann, wenn grobe Undankbarkeit seitens Ihrer Braut angenommen werden kann, andernsalls nein.— A. B. 61. In fünf Jahren, so daß die Strasversolgung noch möglich ist — Aguma». Es sind verschiedene Avsragen cingelauscn, wie die Adresse der Aguma-Werke ist, in denen daS neue aus der Sojabohne hergestellte Volksnahrungsmittel Aguman fabriziert wird. Die Adresse lautet: Aguma- Werke, Friedrich Thörl u. Eie., Harburg(Elbe)." Das Aguman ist gegen- wäriig noch nicht im Handel zu haben.— B. G. 1. Nein. 2. u. 3. Ja. — M. S. 26. Nein.— T. M. 7. 1. Liebhaberlvert, im übrigen Sache des Geschmacks. 2. Ja.. 3. Die Unterhaltsllage ist nicht notwendig, wenn die Parieien sich außergerichtlich einigen. Eine Einigung ist im Jnieresse der Kostenersparnis zweckmäßig, falls Sie für den allein schuldigen Teil er- klärt sind. Ueber die Angemessenheit deS Satzes können wir nichts sagen, da Sie die Einkommens- und Bermögensverhalwisse nicht angegeben haben. — K. B. äl. Die Waisenverwallung.— C. T. 77. Wenn es sich lediglich um eine AuSlunst handelt, nein.— H. P. 16. 1. Nein. 2. Ja. — iS, 12. 2 M5 Zur Zahlung find Sie nur dann verpslichiei, wenn eine solche Berpslichiung im Mietsverirage auferlegt ist, was allerdings in der Regel der Fall ist.— H. 2. 11. Nein.—(?. ft. 101. Tie Kasse gc- hört zu denjenigen, die wir schon häusig als nicht empschlenSwert charakterisiert baden.— 91. 93. 100. 1. Ja. drei Vierteile. 2 Nein. 3. Ja. ein Vierteil. 4. Ja. 5. Beim Amtsgericht, NormundschaftZabteilung. in Anklam. 6. Den Antrag müssen Sie stellen, die Kosten find minimal. 7. Ja, vom gesamten Nachlaß. 8. und 9. Die gesamten genannten Sachen mit Ausnahme der Wrtschastsgegenslände, die etwa während der Ehe er- worden und von Ihnen bezahlt sind. 10. Nein, Schritte gegen den Er- zeuger kann nur der Vormund unternehmen.— E. Z- 1000. 1. Nein, jedoch lönute eine Ansechtungstlage daraus gestützt werden, falls nicht seil Kenntnis bereits mehr als 6 Monate verstrichen sind. 2. Falls die Ehe nach dem 31. 12. 99 geschlossen ist und kein Testament vorliegt, ein Vierteil des Nachlasses des Mannes— stA. M. 778. Nein. — 8. 15. 1. Auf Ihren Antrag auch für Sie allein bezüglich Ihres An« teils. 2. und 3. Ihr alleiniges Erscheinen genügt.— K.K. 85. 1. 6000 M. Sosern das Jahreseinkommen den Bewag von 900 M. nicht übersteigt, 20 000 M. 2. Ja, salls mehr als 6000 M. 3. Nein. 4. Die Adresse des Feuerbestattungsvereins ist Jcrwin, Urban ftr. 6.— H. W. 17. Nein.— O.<5. 26. Ihre Tochter beziehungsweise Sie haben keinen Anspruch.— W. K., Pappelallee. Anordnung der Fürsorgeerziehung ist nach Jbrcr Darstellung möglich. 2. Die Bestellung eines'Anwalts sür das Gerichts- v erfahren ist zulässig.— P. iH. fvder 5t.), Köpenick 100, Schritte erscheinen aussichtsivs, da der Anspruch verjährt ist. Sie könuicii sich äußerstenfalls mit dem sür den fraglichen Ort zuständigen deutschen Kon- sulat in Verbindung setzen.— F. B. 33. 1. und 2. Die Zinsen könnlen nur beansprucht werden, soweit nicht bereits Verjährung eingeirelen ist und sofern nicht elwa auS dem Verhalten Ihrer Frau bei der Anszablung, ins- besondere aus der Form der etwa ausgestellten Quittung ein Verzicht aus den Zinsanspruch zu solgern ist. Verjährt sind diejenigen Zinsimsprüche, die langer alS 4 Jahre zurückliegen. 3. Ja, für die Höhe des AnteüS und die Erbfolge kommt cvculuell oltes Erbrecht in Frage. Ob und inwielveit, läßt sich aus Ihrer T Erstellung nicht entnehmen— Rich. R. 1013. Eine dahingehende Polizeiverordmmg babcn wir nicht ermitteln föniicrt. Wir raten, falls ein Strasmandat eingeht, gerichtliche Entscheidung zu beanlrageii. — R. R. 10. Eine solche Polizeiverordnung beueht nicht. Jedoch konnte das Mitnehmen des Kindes untersagt werden, sojern dessen Sicherheit ge» sährdet erscheint. K. T. 28. Kursus in der Charitö vom 1. Oktober bis Ende März. Meldung zur Erlangung eines Vorprüsungszeugnisses bei dem sür Ihren Dobnort zuständigen Kreisarzt und demnächst bei dem Königs. Polizei- Präsidium Kosten ungefähr 300 M.—©. B. 100. Ihre Organisation, der Deutsche Meiallarbeiterverband. kann Ihnen anr besten beraten.— 9k. S. F. Bei der Deutschen Gesellschaft sür Mutter- und KindeSrecht Neukölln. Steinmetzstr. 113(Mittwoch 10—11 und Sonnabend 7— 8), er- sahreu Sie alles Nähere.— W. W. Internationale Schlaswagengescll- schast Berlin, Unier den Linden 57/58. Warenhaus Neujahrskarten mit Kuverts Dutzend H fk Pfennig ■von...---»n Wilhelm Stein Berlin N, Chausseestraße 70-71 rttt+tttü Neujahrsspitzen für Zigarren und Zigaretten Datsend JE Pfennig: von... OÖ7.... an W?" 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Verlagsanstalt Paul Singer L- Co., Berlm SW,