Kr.S. Hbonncmcnts-Bedingungen: Abonnements- Preis vränumerando: Vierteljährl. ZLo MI, monotl. 1,10 Mb, wöchentlich W Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags, nmnmcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 2.50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. kklchili» täglich. Verlinev Dolksblntk. Die TnIertionS'GetmI)r beträgt für die scchsgcspaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versimtmlungs-Anzeige» 80 Pfg. „Kleine Mnzeigcn", das fettgcdrinkie Wort 20 Pfg.(zuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellcnacsuchc und Schlafstellenaii. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über löBuch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer inLsfen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozialiUmoHrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SÄl. 68» Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS83. Dienstag, den v. Januar 1914. Expedition: SRI. 68, Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. ISLt. Die Ironöe. Jetzt geht die Uhr richtig! Es war ja gut uud schön, daß die Herren Konservativen Front gegen den Kanzler(und damit auch gegen S. M.) machten, weil der Längliche, Unzulängliche nicht voll und ganz die Militärdiktatur proklamierte, sondern ein paar belanglose Phrasen zur Wahrung des Gesetzes und so murmelte. Es war gewiß eine selbst für das Borussenland starke Leistung, daß der v. I a g 0 w das Banner der Opposition entfaltete und seine„Rechtsüberzeugung" entdeckte, die in so schroffem Widerspruch nicht nur zu der des Militärgerichts, sondern auch zur Politik der Regierung stand. Aber all dem fehlte doch die Pointe, die Spitze. Jetzt leuchtet sie hell vor den Augen des entzückten Deutschlands. Was dem Mut in der Brust die Spannkraft gab, was die Konservativen befeuerte und Herrn v. Jagow zum Ritt ins oppositionelle Land antrieb, das ivar das hehre Bewußtsein, den Kronprinzen an der Tete zu wissen. Nieder mit Recht und Gesetz, es lebe der Kronprinz! Das ist der Schlachtruf, mit dem die Triarier a. D. Sr. Majestät in die Schlacht ziehen. Und wirklich: Es lebe d er K r 0 n p ri n z! Er hat deni Obersten Reuter, dem Manne, der einen kleinen Aderlaß am Zivil für eine nicht gerade unerfreuliche Maßnahme be- trachtet, ein Telegramm gesandt, in dem er ihn beglück- wünscht und zu energischem Auftreten ermuntert. Er hat sich damit auf die Seite des Militärs gegen das Zivil, auf die Seite derer gestellt, die für ihre Taten zwar vor Gericht stehen, aber von der gesamten' Reaktion als Helden und Märtyrer gefeiert werden. Seine Stellungnahme gibt dem Konflikt erst seine volle Bedeutung.und macht diese zugleich auch dem Gleichgültigsten und Begriffsstützigsten ungeheuer klar. Die Herren Liberalen und Klerikalen waren schon ganz zufrieden. Gewiß, Bethmann war. jämmerlich gewesen, Herr v. Falkenhayn unerträglich. Die beiden hatten sie zu dem Miß- trauensvotum geradezu gezwungen. Es ging ja nicht anders. Aber dann kamen die offiziösen Beruhigungsnoten, kam die Verurteilung Forstners, die Anklage gegen den Obersten Reuter. Die Sache schien wieder ins Lot zu kommen. Be- ruhigt atmeten die bürgerlichen Oppositionshelden auf. Aber wieder einmal hatten die Schwachmütigen die Rech- nung ohne die Starken gemacht.' Die Junker und Militärs waren mit dieser Erledigung der Affäre nicht einverstanden, und sie haben sie glücklicherweise vor dem Versumpfen gerettet. Die Junker frondieren, die k 0 m ni a n d i e r e n d e n Gene- ralc laden Herrn d. Jagolv als einzigen Zivi- listen zu ihrem Festmahl, und der Kronprinz selbst stellt sich gegen die Regierung seines Vaters an die Spitze der junkerlich-militaristischcn Opposition. Die Zivilgewalt oder deutlicher gesagt die Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz, die die Helden des Mißtrauensvotums bereits gesichert glaubten, ist von einer selbstherrlichen SoldateSka mehr bedroht als jemals und wir, die Feinde der Ordnung, die Umstürzler und Reichsfeinde sind berufen, sie zu schützen. Es lebe der Kronprinz! Zweifelt jetzt noch jemand an der Indisposition Bethnianns, die man damals als offiziöses Märchen belächelte, als faule Ausrede, erfunden, um' den Unwillen des Reichstags zu besänftigen? Diese Indisposition bestand wirklich, Herr v. Bethmann ahnte die Fronde, er kannte das Telegramm des Kronprinzen und— es wurde ihm übel. Er war in- disponiert, die Furcht vor dem Kommenden raubte ihm die Besinnung und er„vergaß" die Kabinettsorder aus Donau- eschingen zu verlesen,„vergaß" die Wahrung von Gesetz und Recht unzweideustg als Ziel seiner Politik zu proklamieren und versicherte seine Solidarität mit dem Kriegsminister. D i e Furcht vor der Kamarilla ließ ihn schweigen- Jetzt wird er doch reden und die bürgerlichen Parteien werden begreifen, daß sie handeln müssen. Jahr für Jahr hat Deutschland seinen großen p 0 l i- tischen Skandal. Wir haben den Eulenburg-Skandal gehabt, den Kampf einer höfischen korrupten Kamarilla gegen die verantwortlichen Kanzler. Wir haben die Stürme gegen das persönliche Regiment erlebt und den offenen Konflikt zwischen Kanzler und Kaiser. Und jetzt proklamiert der Militarismus seine Selbstherrlichkeit, erklärt sich unter dem Beifallssturm der Junker und Scharfmacher als über und außer Gesetz und Recht stehend und findet Bestätigung nicht nur bei hohen Staatsbeamten wie Jagow, sondern auch bei dem Thron- solger. Verstehen endlich die bürgerlichen Parteien, daß die Skan- dale kein Zufall, keine Ungeschicklichkeiten, keine Uebergriffe einzelner sind, sondem die notwendige Folge des Regierungs- systems, der Herrschaft des persönlichen Regiments, der Bureau- kratie, des Militärs auf der einen, der Ohnmacht des Parlaments auf der anderen Seite? Werden sie endlich ein- sehen, daß diese Skandale, die nie abreißen, die sich auf immer höherer Stufenleiter wiederholen, die eine immer wachsende Desorganisation des ganzen Regierungsapparates offenbaren, nur die notwendigen Folgen des absolutistischen Systems sind? Werden sie sich damit begnügen, wieder ein paar Beruhigungs- Pillen zu verschlucken oder werden sie endlich den Kampf um die Macht aufnehmen, den Kampf um ihre eigene Macht, um die Macht ihres bürgerlichen Parlaments, und den Weg gehen, den ihnen die sozialdemokratischen Verfafsungs- anträge weisen? Ueber den Ernst des Konflikts können sich die bürger- lichen Parteien einer Täuschung nicht mehr hingeben. Wir sehen die offene Auflehnung des Militarismus nicht nur gegen die Grundlagen des bürgerlichen Rechtsstaates, sondern die Rebellion gegen seine eigene Militärgerichtsbarkeit. Wir sehen die obersten Reichsbehörden, ja den Träger der Souveränität selbst gelähmt durch den Widerstand, den ihnen die Inhaber des staatlichen Machtapparates, Bureaukratcn und Militärs, unter dem moralischen Beistand des Thronfolgers zu bereiten sich anschicken. Das deutsche Regierungssystem erweist sich unfähig, die Rechtsgrundlagen des Staates zu garantieren. Es ist bankerott. Wollen die bürgerlichen Parteien endlich diese Bankerotterklärung vollziehen, an seine Stelle die Herrschaft der Volksvertretung setzen? Sie selbst sind an den: Zusammenbruch mitschuldig. Sie selbst haben den militaristischen Größenwahn großgezogen. 'Jetzt stehen sie schaudernd vor den Konsequenzen. Das deutsche Offizierskorps ist in seiner großen Masse längst kein unpoliti- scher Körper mehr. Es ist politisiert, freilich nicht in dem Sinne, daß in ihm verschiedene Parteianschauungen herrschen wie im Volke, sondern es ist einheitlich ini reaktionärsten Geist, in Verachtung des Volkes und der Volksvertretung erzogen, durchtränkt vom Haß gegen die Sozialdemokratie, abhold jedem politischen Fortschritt, erfüllt von kriegerisch-imperialistischen Wünschen. Aus diesem Geiste sind die Vorfälle von Zabern entsprungen, nur ans ihm zu erklären. Und einem solchen Geiste erscheint die Unterstellung unter bürgerliches Recht freilich als unerhörte Zumutung. Daß der Kronprinz zu diesem Konflikt Stellung ge- nommen und wie er sie genommen, das wird niemanden außer dem liberalen Philister wundernehmen. Der freilich ist sehr betrübt, daß in diesen schlechten Zeiten sebst die Tradition des Kronprinzenliberalismus nicht inehr existiert, auf die er seine schönsten Hoffnungen zu setzen stets dumm genug war. Jetzt sind auch die Kronprinzen nicht mehr liberal, sondern alldeutsch und— schrecklich zu sagen— sogar antisemitisch, wenn auch bei dem deutschen Thronfolger der Antisemitismus durch seine Beziehungen zu Herrn Liman zugleich erklärt und gemildert erscheint. Aber eben darum sollte es auch dem deut- schen Philister endlich einleuchten, daß ihm Hilfe nicht von oben werden kann, daß er aus dem Skandal nur herauskommen kann, wenn er nachholt, was er allzu lange versäumt hat: Deutschland von der Herrschaft eines unmöglich gewordenen Regierungssystems zu befreien und die Bahn für demokratische EntWickelung endlich frei zu machen. Die Sozialdemokratie kann ruhig abwarten, ob her Ansturm der Fronde auch diesmal wie stets früher nur lässigen und halben Widerstand findet und so schließlich sein Ziel erreicht. Sie hat einen solchen Ausgang am wenigsten zu fürchten. Denn die Zersetzung, der das System anheiin- gefallen ist, läßt sich nicht mehr aufhalten, und wir siüd stark genug, um uns vor Schaden zu bewahren. Es ist eine Lebens- frage für das Bürgertum,, nicht für uns, ob es den Kanipf, den die übermütigen Frondeure ihm aufnötigen, führen will oder nicht. Die Sieger sind zuletzt, wie immer der Kamps ans- gehen mag, doch wir. das Verhängnis. Die„Kölnische Zeitung" gegen den Kronprinzen. Die„Köln. Ztg." schreibt über das Kronprinzentelegramm: Ob das wahr ist, wissen wir nicht; bemerkenswert ist aber, daß die „Frankfurter Zeitung" aus der Umgebung des Kronprinzen zu melden weiß, die Nachricht über die Absendung des Telegramms werde nicht dementiert werden. Trifft sie tatsächlich zu, so gilt von dem Eingreifen des dem Throne am nächsten stehenden„Dieners des Staates"— um an ein Wort Friedrichs des Großen zu er- innern—, das gleiche, was an der Haltung der Behörden zu rügen ist: der Mangel an staatlicher Auffassung und an Rücksicht auf das Gemeinwohl, die gerade bei diesen Behörden und gerade in dieser Umgebung an der Landesgrenze besonders empfindsam und bc- sonders entwickelt sein sollten. Sie werden überwuchert von dem Bestreben, das Gesicht zu wahren; eine Art falsch verstandener Ressortehre und bureaukratischer Eifersucht unterdrückt das Bc- wußtsein, daß diese Männer, Militärs wie Zivilisten, Diener des Staates, der Allgemeinheit sind und daß die öffentliche M c i- nung ein Recht hat, sich zu verbitten, daß sie mit ihren kleinlichen Häkeleien die allgemeinen Interessen schädigen. Auch wird man wohl keinen Fehl- schuß tun, wenn man behauptet, daß der Kronprinz den Offi- zieren, denen er den Rücken steifen zu sollen glaubte, keinen Gefallen getan hat, denn sie würden dadurch nur in einer Haltung bestärkt worden sein, die sie vor das Kriegsgericht und auch in Konflikt mit ihren Vorgesetzten, letzten Endes mit dem Kaiser, führen mußte. Wie dem aber auch sei, dieses Herein- ziehen des Kronprinzen in die leidige Angelegenheit bestätigt unsere Ansicht, daß über dem Worte Zabern eine Art Verhängnis lvaltet und daß es hohe Zeit ist, den Bann von Zabern zu brechen, bevor daraus noch mehr Unheil erwachsen kann. Der§aU Jagow erledigt! Ter kühne Stratege und Berliner Polizeipräsident b. Jagow kann nach wie vor in amtlicher Eigenschaft sich durch kuriose juristische Kritiken bloßstellen, ohne befürchten zu müssen, daß ihm deswegen auch nur ein Härchen gekrümmt wird. Wie das führende konservative Organ in Pommern, die„Poinnicrsche Tagespost", ans durchaus zuverlässiger Privatmeldung erfährt, beschränkt sich die ganze Aktion gegen Herrn v. Jagow auf eine amtliche Besprechung des Ministers des Innern niit dem Polizeipräsidenten.. Das Staats- Ministerium hat, wie das Blatt berichtet, sich mit der Sache überhaupt nicht befaßt; der Minister des Jnneni aber habe keine Veranlassung gesunden, gegen Herrn v. Jagow dienstlich vorzugehen, da seine publizistische Auslassung eine reine pri- vate Aeußerung gewesen sei. Jetzt regiert Mars Sie Stunöe!" Jetzt regiert Mars die Stunde— jetzt unbeschränkt der Offizierssäbel—, so dachte Oberst v. Reuter, als er in Zabern der Zivilgcwalt höchsteigenmächtig die Macht aus den Händen schlug und die Schreckensherrschaft der Bajonette etablierte. Mit welchem Schein von Recht er sich diese Gewaltherrschaft anmaßte, haben wir seiner Aussage nicht zu entnehmen vermocht, obwohl er sich stolz darauf berief, daß er die einschlägigen Bestimmungen vorher genau durchgelesen habe. Ob er eine verschimmelte Kabinetsorder von Anno Tobak für das oberste Gesetz gehalten hat oder was sonst— der Mann glaubte an sein Recht und schwört noch heute darauf. Trotz der Schwurzcugen Jagow und Romen hat der biedere Knasterbart für die Juristen nur die tiefste Ver- achtung. Als es ihm Zeit schien, Zivilbehördeil und Polizei bei- seite zu schieben und in einem friedlichen deutschen Städtchen wie in Feindesland zu Hausen, da begegnete er allen juristischen Bc- schwörungen mit dem soldatischen Machtwort:„Jetzt hört alle Jurisprudenz auf"— jetzt regiert Mars die Stunde! lind w i e regierte Mars! Mit der äußersten Schärfe sollten die auf Markt und Straßen kommandierten Mannschaften vor- gehen. Mit aufgepflanztem Bajonett und mit scharfen Patronen. Wehe denen, die sich der dreisten Gewaltherrschaft des gesetzes- verachtenden Obersten widersetzt hätten! Er hätte im starren Wahnsinn seines„Pflichtbewußtseins" Blut fließen lassen! Als ihm der Bezirksamtmann entgegenhielt:„Wollen Sie es denn wirklich zum Aeußcrsten kommen lassen?", da antwortete er:„Jawohl, es kann Blut fließen"." Ja, so fügte er hinzu, es könne unter Umständen sogar sehr gut sein, wenn Blut fließe, weil dann der Respekt vor dem Götzen Militarismus am raschesten wiederhergestellt werde. Eine rücksichtslose LandskncchtSnatur, dieser Mann. Eine Persönlichkeit, wie aus dem Rahmen des Zvjährigen Krieges ge> schnitten. Ein Mann nach dem Herzen unserer' Junker, deren Weltanschauung und Rechtsempfinden ja um ein paar.hundert Jahre hinter unserer Zeitrechnung zurückgeblieben ist. Und womit erklärte Oberst Reuter seinen sraatsstreichlerischen Gewaltakt? Hatte in Zabern Aufruhr gedroht? War auch nur eine schwere Kränkung des Militärs ungeahndet geblieben? Ach nein: etliche junge Offiziere, die sich inihliebig gemacht, die die Zivilbevölkerung beleidigt hatten, waren verschiedentlich„geneckt und gehänselt" worden, ohne daß ein Schutzmann oder Gen- darm gleich die Plempe gegen die Schuldigen, Kinder oder Halb- wüchsigen geschwungen hätten. Gegen Kinder und dumme Jungen erklärte der eisenfresserische Oberst den 5lrieg, gegen sie ließ er das Bajonett fällen und scharf laden, und wenn er dreißig er- wachsene Mannspersonen als Kriegsgefangene im Panduren- keller einlochen ließ, so geschah das„auf den bloßen Ver- dacht hin", wie die rechte Hand des Obersten, der die Exekution durchführende � Leutnant Schab selbst erklärte. Auf frischer Tat attrapicrte man keinen, denn, so entrüstete sich der zwanzig- jährige Leutnant Schab, die Bande war ja so„f e i g", daß sie keinen Kriegsmann ins Gesicht hinein zu beschimpfen wagte. Auf den„Verdacht hin" aber spundete man die Opfer in den Panduren- keller ein, bis sie schwarz wurden---- trotz aller Reklamationen und Proteste der Zivilbehördenj Freilich, diese ZivilbeHörden yatie der gestrenge Oberst schon längst im Magen. Zlvci-, dreimal hatten die. Zivilgerichkc über Keilereien zwischen Militär und Zivilisten abzuurteilen gehabt und jedesmal waren die Zivilisten dabei güt weggekommen. Die »lichter waren doch sicherlich- weder Staats- noch Militärfeinde, sondern durchaus loyale Beamte; aber die Zaberner Justiz pahte dem Herrn Oberst nicht. Ebenso wenig paßten ihm die Zivil- behörden, paßte ihm Schutzmannschaft und Gendarmerie. Alles schlappe, saumselige Kerle, ohne Begriff für die besondere Soldatenehre, für die Wertigkeit des jüngsten Leutnants, dagegen mit verdächtiger Nachsicht für die„Wackes" behaftet. Daß ein grüner Junge wie Forstner Rekruten beschimpfte, daß er für das Niederstechen„eines Wackes" eine Prämie aussetzte und die fran- zösische Fahne in der albernsten Weise beschimpfte— all das waren Dinge, die das Zivilpack von Zabern nichts angingen— aber wenn dem Forstner ein Junge„Bettsch....." nachrief oder jemand die Marseillaise pfiff, oder wenn sich gar eine„Volksmenge" von(wie Reuter heute aussagte) 40, S0 oder 100 Personen— darunter% Kinder und Frauen respektlos vor der Kaserne an- sammelte, dann mußte der bürgerliche Staat um- gestülpt, mußte die Gewaltherrschaft� des Sä b e l s etabliert werden. Oberst v. Reuter ist wegen Verletzung des% 132 angeklagt - worden. Das heißt wegen widerrechtlicher Anmaßung eines Amtes. In Wirklichkeit hat v. Reuter sich nicht widerrechtliche Befugnisse angemaßt, sondern— das wurde bereits am ersten Tage der Verhandlung zehnfach bewiesen— fortdauernd alle ordentlichen staatlichen Organe an ihrer Funktion verhindert. Es wäre also ganz zweifellos die Anklage des Hochverrats gegen ihn zu erheben! Ob das Kriegsgericht die volle Strenge des Gesetzes gegen diesen hochgestellten Rechtsverüchter und Staatsstreichler zur An- Wendung bringen wird? Oder ob der Vorstoß des Jagow, das 'Telegramm des Kronprinzen den beabsichtigten Einfluß nicht ver- fehlen werden? Wir werden es ja bald genug erleben. Etwas auffallend will es uns einstweilen immerhin erscheinen, daß der Vcrhandlungsführer es so aufzufassen beliebte, als ob die Zaberner Bevölkerung sich das Recht angemaßt habe, darüber zu entscheiden, ob die Zaberner Offiziere in den Straßen spazieren gehen durften 'oder nicht. Nein: das Recht auf die Straße hat ja erst die Schreckensherrschaft des Obersten v. Reuter rechtswidrig aberkannt, und zwar der Zivilbevölkerung! Was die Zaberner Bevölkerung— und zwar im Einvernehmen mit der großen Mehr- heit des ganzen deutschen Volkes!— forderte, war, daß ein Mensch von den Eigenschaften des Forstner schleunigst aus Zaber,: zu entfernen sei und daß der Bevölkerung der brutale Hohn er- spart werde, die Herren Leutnants säbelschleppend und mit V-Mann Patrouille durch die Straßen stolzieren zu sehen! „Blindlings, wie die K o s a k e n", haben nach der Zeugenaussage des Zaberner Staatsanwalts die Soldaten darauf los verhaftet. Ein Rechtsanwalt habe ihm gegenüber gemeint, .Idas Militär sei wohl verrückt geworden". Allerdings, es handelte sich in Zabern um Größenwahn— aber dieser Wahnsinn hat Methode. Es ist die junkerlich-militaristische Staatsauffassung, die diesen Wahnsinn gebar und ganz naturnotwendig gebären muß! Llopö Georges Neujahrspreöigt London, 3; Januar.(Eig. Ber.) Das Interview mit Lloyd George, das die„Daily Chro- viele" am Neujahrstage veröffentlichte, hat hier inannigfache '-Auslegungen erfahren. Was wollte der Schatzkanzler mit seiner Behauptung, daß dies seit 2l) Jahren die günstigste Gelegenheit sei, um die Rüstungsausgaben zu revidieren, wo doch sattsam bekannt ist, daß die Ausführungen des Marine- „Ein Nilizfihwärmer*. Von Karl Ble.sbtreu. II. Natürlich ärgert den Militär mein Hinweis auf Friedrichs des Großen KantonStekrüten/ nachdem„die Säulen der Infanterie" bei Prag und Kollin fielen, diese„admirabetn" Zopftpartaner zwölf- jährigen Drills. Die Rekruten seien' während des Krieges im Winterquartier scharf gedrillt worden. Ei, ei, also vier Monate höchstens! So viel könnte selbst das-Schweizer Milizsystem auf- bringen! Dies Herumgehen um den heißen Brei stößt also mit dem Kopf auf die von mir betonte Tatsache: diese so sehr Unge- drillten fochten am Spitzberg und Kuhgrund von Kunersdorf, an den Sübtitzer Höhen von Torgau in noch mißlicherer Gefechtslage mindestens so opfermutig, wie die Veteranen des ersten Feldzug- rjahres. Schlechte Haltung und Panik kamen nur bei Zorndorf vor, da? waren altgedrillte ostpreußische Regimenter. Auch der Einwand, mein Vergleich der amerikanischen Raun,- Verhältnisse mit 1812—1814 hinke, weil der Norden doch eben die bloß 150 Kilometer lange Strecke Washington-Richmond so lange -nicht bewältigen konnte, spottet seiner selbst und weiß nicht wie. Äu gutem Willen fehlte es den Unionsheeren wahrlich nicht, Schlacht folgte auf Schlacht, in einem Revier mächtiger Ströme, wo jeder Uebergang seltene Geschicklichkeit erforderte, auf der Westseite von Gebirgszügen und Pässen begrenzt, die jeder Offensive beiderseits besondere Schwierigkeiten in den Weg stellten. Nun wohl, im Herbst 1813 handelte es sich um eine viel kürzere Strecke, Bautzen-Torgau- Dresden, gegen welche damals die vereinten Hauptmächte Europas ihre Massen ansetzten� auf fteiem Gelände, wo nur einmal Blüchers Elbübergang-einige Anstrengung heischte. Doch trotz der aller- günstigsten Verhältnisse und steter Unterhöblung des strategischen Dreiecks Napoleons durch Niederlagen der Seitenheere behauptete er sich volle drei Monate. Hätte er sich aber wie Lee hinter Fluß- barrieren und Urwälder und dann hinter den Schanzsestungen Patcrsburg-Richmond zurückziehen können, so würde Napoleon den Kampf bis zum Mnter hingeführt haben, wo sich aus Verpflegungs- .-Rücksichten weitere Offensivstöße der Verbündeten verboten. Dann sing der Feldzug einfach im nächsten Jahre von vorn an. So allein ..verliefen die Operationen gegen Lee, die an sich auch nur. immer wenige Monate dauerten, aber bei Winteranfang vor unübersteig- lichen natürliche» Hindernissen ein Ende nahmen. Tie besten und teilweise gutgcführten Heere Europas hätten also, wie die Probe lehrt, nichts Entscheidendes erreicht trotz äußerster Begünstigung . der Lage, wenn Napoleon eine nahe feste Basis gehabt hätte wie Lee. Mit anderen Worten, keine Regulärarmee würde an Stelle . der Nordstaaten mehr vermocht haben. Hier macht nun der Milizhasser, einen ergötzlichen geschicht- ..lichen Exkurs gegen meine Ausorücke„eydrückenve Uebermacht der Verbündeten" und„milizartige Gebilde" des näpoleonischen Rekrütenaufgebots. Woher er die geradezu ungeheuerliche Fabel . hat, Napoleon habe schon im Frühjahr 1813 einen Stamm von „178 000 ausgebildeten Soldaten" gehabt, wissen die Götter. Wir kennen genau die lächerlich geringe Zahl von Tepotstämmen, die 1812 im ganzen Europa zurückblieben, die aus Rußland geretteten Trümmer wurden, nieist Offiziere und Unteroffiziere, in Rekruten- bataiüoiien untergesteckt oder als Alte Ggrde(ein Häuflein) ver« .«int. Sonst sind von alten französischen Truppen nur Marmonts ' Marineregimenter und das aus Pariser Polizei gebildete 37.. Leichte Ministers in der Guildhall im Monat November, als dieser neue Flottenlasten ankündigte, von, dem Kabinett einstimmig akzeptiert wurden? Hat der Ministerpräsident dies nicht, selbst gesagt? Hat sich Lloyd George, einer plötzlichen Eingebung folgend, an die Spitze der Linksliberalen gestellt, die sich nicht länger vor den Wagen des Imperialismus spannen lassen wollen? Oder redet er mit doppelter Zunge— gegen die Aufrüstung in der Oeffentlichkeit und dafür im Kabinett? Spielt er dasselbe Spiel wie vor zwei Jahren, als er sich als Friedensschwärmer stellte und dann plötzlich mit der Brand- rede hervorkam, die um ein Haar Europa in Flammen gesteckt hykte? Diese letzte Ansicht scheinen manche Liberale zu teilen. So hat zum Beispiel die linksliberale„Daily News", die den ganzen Rüstungsrninmel bisher stets konsequent bekämpft hat, noch keine Zeil gefunden, das Interview in ihrem redaktio- nellen Teile mit einer Silbe zu erwähnen. Und diese Ver- mutung, daß er ein Doppelspiel treibt, ist auch, sehr nahe- liegend. In den letzten paar Monaten hat die radikale Fronde, die in dem Flottenwahnsinn des Jahres 1909 und 1919 in Trümmer ging, ein Auferstehen erlebt und nun gilt es, diese Leute zu besänftigen� Und wer könnte diese ver- trauensseligen Liberalen besser mit honigsüßen Worten ab- speisen als gerade der Schatzkanzler?-Kann er sie doch heute noch mit dem Versprechen, den„freien Frühstückstisch" herzu- stellen, das heißt, die Steuern auf Zucker, Tee und ähnlichen Volksnahrungsmitteln abzuschaffen, erfolgreich betören, wo sein Chef öffentlich und bestimmt erklärt hat, daß er mit einer derartigen Steuerentlastung des Volkes absolut nicht einver- standen ist. Und weshalb sollte deni walisischen Zauber- künstler das gleiche Kunststück nicht in bezug auf den konimen- den Flottenetät gelingen? Unter- dem Druck der stetig zunehmenden Rüstungslasten hat sich das Komitee der linksliberalen Rüstungsprotestler rekonstruiert, allerdings unter anderer Führung, denn vielen, die früher die Sparsamkeit predigten, ist durch ein Pöstchen der Mund verstopft worden. Die liberale Protestbewegung etzte mit der Rede Churchills vom 19. November ein, als er erklärte:„Die gemessene und unausgesetzte EntWickelung der oeutschen Flotte und die Tatsache, daß viele große und kleine Mächte in der ganzen Welt gleichzeitig nwderne und große moderne Kriegsschiffe bauen, wird zweifellös von uns größere Ausgaben und Anstrengungen erfordern, als wir je zu .Friedenszeiten geniacht haben, und im nächsten Jahre wird es meine Pflicht sein, wenn ich dann für diesen wichtigen Teil ler Staatsverwaltung verantwortlich sein sollte, dem Parla- nient einen Etat zu unterbreiten, der wesentlich größer sein wird als die ungeheure Summe, die ursprünglich im laufenden Jahre genehmigt wurde." Darauf entstand ein lautes Murren in der liberalen Presse und auch in den Reihen der liberalen Konferenz wurde eine Reso- lution angenommen, in der es hieß,.daß man mit großer Besorgnis das beständige Anwachsen der Rüstungen beobachte, das unvermeidlich zur Vermehrung der Steuerlasten führen müsse. Ter Begründer der Resolution erklärte, daß der mäßige Ton der Resolution keineswegs den. großen Wider- willen der großen Masse der liberalen Parteimitglieder gegen die Churchillsche Politik widerspiegle. Dann käin die Depu- tation liberaler Parlamentsmitglieder, die am 16. Dezember den Ministerpräsidenten aufsuchte, um gegen die Vermehrung der Flottenlasten zu protestieren und die mit einem Rüffel heimgeschickt wurde. Es sind diese Leute, die das Komitee wieder ins Leben gerufen haben, das von den Konservativen spöttisch als der„Selbstnwrderklub" bezeichnet wird, weil man den Mitgliedern nachsagt, sie wollten das Land verteidigungs. los inachen. Das ist natürlich eine Verleumdung. Ter Stand- Punkt der Linksliberalen ist folgender: Wir treten für die fowi« das aus Spanien verpflanzte 22. Linie vorhanden gewesen, nebst den erst im Herbst verwendeten Polen und der.„spanischen" Dragonerdivision Milhaud. Das ist alles, auch die Rheinbunds- truppen, die sich übrigens(mit Ausnahme der Württemberger bei Bautzen) von vornherein unzuverlässig zeigten, waren Neuaus- Hebungen. Diese begannen erst Ende Januar, die Hauptaus- Hebung fand im Sommer statt, may kann sich also denken, wie „ausgebildet" die Rekruten Ende April ins Feuer rückten und die späteren.Hauptmassen im August. Die ganze Militärliteratur jener Zeit ist voll von Einzelheiten über die gänzliche Ungeübtheit dieses Volksaufgebots, in dem sich viele löjährige Knaben befanden. Da -niemand dies je bestritt, weiß der anonyme Generalstäbler es natürlich auch, er will bloß seinen unkundigen Leserü etwas vor- .inachen. 178 000. Ausgebildete im- Frühjahr, dabei bestand Napo- leons ganzes Heer nur aus 180 000, es ist zum Kranklachen. Hat denn der jtritiker keine Ahnung davon, daß Korps Lauriston und Oudinot.aus lauter mobilisierten Nationalgarden der Niederlande und vpn Pipmont, das große Korps Ney aus 40 000„Milchschwein- chen"(blutjungen Kouskribiertcn) und' die jungen Garden aus keinem anderen Kaliber bestanden? Napoleon und Ney aber, zwei klassische Zeugen, überboten sich in Lobsprüchen für eben diese impro- visierte Volksmiliz.„Nie habe ich die ftanzösische Bravour so be- wundert". Was Korps Ney bei Lützen, Korps Oudinot bei Bautzen leisteten, ist jeglichem Lobe zu groß und gerade Korps Lauriston, dem man schon wegen seiner zu schwachen Offizierkaders mißtraute, focht in Schlesien und bei Leipzig am bravsten. Nickit Marmonts Marineregimenter, sondern seine aus lauter„provisorischen" Miliz- regimentern bestehende Division Friederics focht am zähesten am 16., 18., 10. Oktober, ebenso Neys verhungerte arme Jungen. Möchte übrigens jemand auch noch die Unglanblichkeit zufügen, 1814 habe Napoleon-„ausgebildete" Truppen geführt? Dies war fürwahr ein Volksaufgebot im vollen Sinne des Wortes. Mar- mont erzählt in feinen Memoiren, er habe einen kleinen Rekruten, der unerschrocken im Feuer stand, angerufen:„Warum schießen Sie nicht?"„Ich möchte schon, doch man hat mich nicht gelehrt, wie man ladet." Gerade Korps Marmont hat damals Wunder getan, auch im Marschieren. Bei Laon sagte ein preußischer Offizier: „Nie stritt eine Infanterie so brav, wie hier die französischen Gar- den." Ach, diese sogenannten Jungen Garden waren lauter erst vor drei Wochen eingereihte Rekruten. Bei Montereau schrie Gene- ral Pajol:.„Man muß verrückt sein, mich, mit solchen Leuten attackieren zu lassen"-, aber er fiel beinahe selbst aus dem Sattel vor Erstaunen, als seine beherzten Larrdsturmreiter, von denen keiner ein Pferd ordentlich meistern konnte, alles über den Haufen warfen. Man bedenke wohl: im militaristischen Sinne klingen Worte wie„Miliz" und„Landwehr" noch zu vornehm für Napo- leons Heer von 1814 und größtenteils 1813, es war sozusagen Land- sturin. Indem wir obige Fälschung in ihrem vollen Umfang auf- decken, müssen wir aber erhettert festnageln, daß der Herr Kritiker das siegreiche Verbündetenheer zu den„ausgebildeten Soldaten" Napoleons im Gegensatz stellt wegen der„zahlreichen pveuhischen Neuformationen und Landwehr truppen". Ei, ei, und doch wurden gerade die Preußen mit den Franzosen fertig? Diese Frage hätte ich gar nicht angeschnitten, doch da man uns unfteiwillig so viel einräumt, so stehen wir gleich fest, daß mit Ausnahme des Augustfeldzugs in Schlesien überall die Landwehr, obschon immer nur ein Drittel der Korps, den Ton angab. Nicht mal Offiziöse wie General Friedrich leugnen, daß die 3. Ost- preußische Landwehr, oeren Bataillon FricciuS bei Leipzig sich un- sterblich machte, bei Dennewitz die wankenden Linientruppen in der Krise mit fortriß. Ebenso opferten- sich die beiden Neumärker Landwehrregimenter; dort sollen Wehrmänner das Pommerfche Vorherrschaft Englands zur See ein: die englische Flotte war nie stärker als sie zurzeit ist: es gibt daher keinen vernünftigen Grund, der Weitere-Mehrausgaben' für die Flotte rechtfertigen könnte. Daß diese linksliberale' Bewegung in der Tat eilte be- achtenswerte öffentliche Meinung hinter sich hat, steht nach den oben erwähnten Tatsachen außer allem Zweifel. Es fragt sich itui?) ob die Protestler genug Courage und genug Kraft haben, um sich durchzusetzen. Seit Jahr und Tag wird den liberalen Kleinbürgern und Arbeitern gepredigt, daß das Schicksal des Liberalismus von dem Bestand der jetzigen Re- gierung, von der endgültigen Annahme der Home Rule, der Verstaatlichung der Kirchs in Wales abhinge. Wenn einmal diese Refornien Gesetz wären, dann wäre die Bahn, für eine großartige demokratische EntWickelung frei. In diesem Jahre nun sollen die Früchte des Parlamentsgesetzes, nach dem die Lords jetzt zum dritten Male ihr Veto nicht einlegen können, eingeheimst werden. Ist es nun wahrscheinlich, daß zum Bei- spiel die walisischen Liberalen, deren ganzes Sehnen und Trachten seit einem Menschenalter auf die, Entstaatlichung der Kirche in Wales gerichtet ist, nun der Regierung schwierig- ketten bereiten werden, wo sie so nähe am Ziel sind? Ist es wahrscheinlich, daß Lloyd George, das Idol des walisischen Volkes, diese nationale Errungenschaft durch einen Kampf gegen die offenen Imperialisten im Kabinett aufs Spiel setzen wird? Die liberalen Imperialisten, an deren Spitze Asquith und Churchill stehen, wissen sehr wohl, woran sie sind. Wer sich unter die imperialistischen Wölfe begibt, muß mit ihnen heulen. In welchem Tone er heult, ist gleichgültig, aber Schritt halten mit ihnen muß er auf jeden Fall. Das Manöver, das der Schatzkanzler heute ausführt, ist nicht das erste dieser Art. Tie Taktik wird in späteren Zeiten einmal als der Lloyd-Georgismus bezeichnet werden./z Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 210/6 I>«i- Nach 30 Jahre langem schweren Leiden verschied in der Nacht vom 2. zum S. Januar mein innlg- geliebter Mann, unser Herzens- guter Schwieger-, Pflege- und Großvater, der Vergolder .Julius Borsdorf im 75. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am 7. d., nachm. 21/i Uhr. vom ThomaS- Kirchhose auS statt. 106A vis tieftrauernden Hinterbliebenen. TodeB-Ansetgre. Hiermit die traurige Nachricht, dag mein lieber Mann (Zeorg Becker nach langem Leiden entschlasen ist. 2921 Wwe. Becker. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 6. Januar 1214. nachmittag? 3�Uhr, von der Leichenhalledes Sophien-KirchhofS. Freienwalder Straße, aus statt. Deutscher Holzarheiterver Zahlstelle Berlin. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler lieorx Becker Soldiner Straße 3, im Lllter von 65 Jahren gestorben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Sophien-KirchhofeS, Freienwalder Straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 81/8 Die Lrtsverwaltung. Deutscher Metaliarbeiler-Yerbaiiij Verwaltungsstelle Berlin. Deil Kollegen zur Nachnchi, daß unser Mitglied, der Klempner Otto Nehrenheim Neukölln, Kaiser-Fricdrich-Itr. 8, am 3. d. M. an Herzleiden ge- starben ist. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 6. Januar, nach- mittags Ii/. Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- FriedhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 110/4 Bie Ortsverwaltung. ZeDtralverb.d.UaniUuDgs9ehilfen Bezirk GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Riclianl Schliewinski am 2. Januar nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist. 77/1 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachm. 2'/, Uhr, von der Halle des alten Thomas- FriedhoseS, Hermannftraße, auS statt. Um rege Beteiligmig ersucht Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter•ferbaoii. Bezirksverwaltung QroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Slrbeiter Otto Bake am 2. d. Mts. im Ällter von 30 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Januar, mit- tagS l'/z Uhr. von der Halle deSZentralsriedhoses mFriedrichS- selde auS statt. Den Mitglieder» zur Nachricht. daß unser Kollege, der Radfahrer V/ilkelm Lcdroder am 2. d. Mts. im Zllter von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des 2luserftehungs- Kirch- hoses in Weißensee aus statt. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Emst Krakowski am 31. Dezember im Aller von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 61/4 Die Bezirksverwaltung. Am Sonntag, den 4. d. Mts., entschlief nach kurzem schweren Leiden hinein lieber Mann, unser guter Sohn, Bruder und Schmie- gersohn, der Täschner 480b Otto l09 4,30. Wahlv. Wilmersdors 257,85. Niederbarnint aus Listen 1021,30 M,, darunter: L. 17227 16,60. L. 17230 9,40. L. 17145 11,65. L. 17112 6,—. L. 17115 11,75. L. 17119 15,20. L. 17122 3,10. L. 17130 3,—. L. 17309 2,50. L. 17312 10,—. L. 17547 3,30. L. 17550 4,—. L. 17553 0,75. L. 17558 4,70. L. 17257 2,75. L. 17260 11,—. L. 17264 5,60. L. 17270 3,—. L. 17275 4,10. L. 17003 20,—. L. 17006 21,45. L. 17009 7,—. L. 17012 6,—. L. 17019 6,05. L. 17024 18,35. L. 17032 5,50. L. 17042 12,60. L. 17049 7,50. L. 17055 12,85. L. 17058 8,10. L. 17063 12,50. L. 17068 1,—. L. 17071 9,—. L. 17074 29,15. L. 17077 1,50. L. 17626 6,30. L. 17146 5,—. L. 17113 1,50. L. 17116 10,10. L. 17120 4,85. L. 17124 0,40. L. 17305 10,75. L. 17310 2,50. L. 17314 8,-. iL 17548 1,65. L. 17551 1,-. L. 17556 3,50. iL 17583 4,10. L. 17258 5,25. L. 17261 3,—. L. 17265 0,50. L. 17273 1,55. L 17001 30,85. L. 17004 15,60. 2. 17007 2,70. L. 17010 16,25, L. 17013 6,30. L. 17022 5,-. L. 17027 10,70. L. 17038 4,30. L. 17046 3,—. L. 17051 7,50. L. 17056 9,20. L. 17061 5,60. L. 17065, 16,20. L. 17069 3,—. L. 17072 4,70. L. 17075 10,85. L. 17078 7,20. L. 17133 34,30. L. 17149 2,—. L. 17114 5.45. L. 17118 4,85. L. 17121 12,70. L. 17126 6,93. L. 17306 28,15. 2. 17311 2,75. L. 17546 15,—. L. 17549 4,80. L. 17532 5,35. L. 17657 15,50. L. 17256 10,55. L. 17259 9,20. 2. 17263 3,35. L. 17269 8,—. L. 17274 6,90. L. 17002 8,50. 0. 17005 4,45. L. 17008 3,40. L. 17011 12,30. L. 17013 17,-. L. 17023 4,50. L. 17029 16,05. L. 17044 4,50. L. 17047 6,65. L. 17053 11,15. L. 17057 10,75. L. 17062 9,40. L. 17067 3,50. L. 17070 4,70. L. 17073 14,70. L. 17076 0,70. iL 17079 4,45. 2. 17229 7,-. L. 17509 7,—. L. 17498 7,90. L. 17484 5,—. L. 17473 —,50, L. 17464 26,-. 2. 17228 14,50. L. 17504 11,—. L. 17495 5,05. L. 17482 1,70. L. 17472 1,80. L. 17462 7,—. L. 17510 3,90. L. 17501 3,—. L. 17485 14,15. iL 17475 7,—. L. 17466 4,20. L. 17461 4,30. L. 17144 Holzarbeiter der„L. V. G", Johannisthal 17,60. L. 17150 Stadt- verordnelenUsle von Kertzscher 114,75. L. 17301 Postneubau Dorothecnstraße 10,30. L. 17302 Möbelfabrik Linde, Romintencr Straße 4,50. L. 17016 Personal von Wilh. Frensladt, KommondantensNaße 17,65. L. 17026 Kolleg. bei Heinz, Lauter u. Co. 40,25. L. 17028 Koll. bei A. Scheffler 7,75. L. 1,039 Leistensabrik u. Schneidemühle, Alt-Stralau 36 12,55. L. 17050 von den Maschinisten n. Hansdieueni bei Kamitri, Schönhauser Allee 53,50. L. 17036 Koll. der Möbclsabrit»Berolina" 11.25. L. 17507 Schneider bei Holbers 7,45. L. 17486 Stulkatcure von Czarnikow 7,10. L. 17474 Zahlabcnd Schcurich. Heyniwaße 20,—. L. 17465 Tapezierer bei Dunsky 12,80. L. 17463 Arbeiter bei König. Küken u. Co. 23.10. L. 17080 8,65. L. 17081 9,20. L. 17082 16,25. L. 17083 16.50. L. 17084 5.05. L. 17092 5,--. L. 17094 12,50. L. 17095 13,70. L. 17096 2,80. L. 17098 5,75. L 17099 1,—. L. 17100 23,70. L. 17101 0,45. L. 17108 11,35. L. 17131 76,55. L. 17132 20,—. L. 17136 24,60. L. 17137 5,50. L. 17139 11,—. L. 17140 3,70. L. 17141 9,-. L. 17142 6,—. L. 17143 12,20. L. 17147 5,—. L. 17148 13,20. L. 17511 3,75. L. 17514 2,—. L. 17661 13,50. L. 17662 8,50. L. 17663 4,—. L. 17664 5,—. L. 17665 2,50. L. 17666 7,45. L. 17668 2,50. L. 17331 4,20. L. 17333 1,—. der allerhöchsten Stelle aus es unterlassen wird, ihren besonderen Willen kundzugeben. Sonst ober gilt in allem übrigen immer noch das geflügelte Wort:„Luxroma lex regis voluntai"—«de» Königs Wille ist oberstes Gesetz". Es wäre zu wünschen, daß die Fertigstellung des Neubaues der königlichen Bibliothek und der Akademie der Wissenschaften nicht etwa aus höfischen Rücksichten in höherem Maße beschleunigt wird, als die Güte der Arbeiten und die Zuverlässigkeit der bautechnischen Kon« siruktionen dies gestatten. Insbesondere erwarten wir, daß keine Vorsichtsmaßregeln dabei außer acht gelassen werden, die erforder- lich sind, um das Leben und die Gesundheit der den Bau vollendenden Arbeiter zu sichern. Die Zoppoter WohltätigkcitSvilla. Am 18. Dezember gab es im Zoppoter Schüyenhaus ein Wohltätigkeitsfest. Die Bürger des vornehmen Bades fühlten das dringende Bedürfnis, die Frau Krön- Prinzessin unter sich zu sehen, und es blieb ihnen schlechterdings nichts anderes übrig, als etwas zum Besten der Armen zu tun. Sie konnten, da die hohe Frau in Kürze Danzig für immer verlassen sollte, den Anblick des tiefen Elends der Armen nicht länger er- tragen. Ihre Rot ging ihnen furchtbar nahe, da des Kronprinzen« Paares Abschied von Danzig gar nicht mehr fern war. ES mutzte raich etwas geschehen. Im Verlauf deS reizenden Festes„äußerte die Llronprinzessin der Frau Bürgermeister Woldmann gegenüber ihr Wohlgefallen an der Danziger Bucht, insbesondere an Zoppot und Adlershorst", und somit war der Erfolg der humanen Veranstaltung so gut wie gesichert. Zwei Tage später besichtigte die Kronprinzessin, einer dringenden Einladung der Frau Bürgermeister Woldinann folgend, eine aus der sogenannten Zoppoter Scekante liegende Villa, die ihr bei ver- schiedenm Seefohrten in der Bucht„besonders angenehm ins Auge gefallen war", lieber alle Maßen von der Zweckmäßigkeit deö HauseS entzückt, setzte sich die Kronprinzessin gleich wieder i» das Auto, um ihren Gemahl zu hole». Natürlich war auch er von der Idee, in dieser Villa einen sommerlichen Aufenthalt zu nehme», sehr ein- genommen. Den Wohltätern hüpfte das gute Herz im satten Leibe. sie klatschten in die mildtätigen Hände, und am 31. Dezember hat sich die Zoppoter Stadtverordnetenversammlung für den Ankauf der Villa erklärt. Sie bat die hochherzige Entschließung dem Krön- prinzenpaar durch folgendes Telegramm bekannt gegeben:„Euren kaiserlichen und königlichen Hoheiten beehren sich die Unterzeichneten namens der Stadt Zoppot, ehrcrbietigsie Neujahrswünsche auszu- sprechen und gleichzeitig mitzuteilen, daß die Stadtverordneten- Versammlung dem MagistralSantrage betreffend die Villa einstimmig und mit freudiger Begeisterung zugestimmt hat." ' Die Bereitschaft der Zoppoter Bürger, den Annen in den Hütten zu helfen, krönte der Ankauf einer Villa für daS Kronprinzenpaar. So ist es überoll. Man hilft den Elenden notgedrungen und schenkt den Erlauchten mit freudiger Begeisterung. Man liest die leisesten Wünsche von ihren Lippen blitzartig, aber wenn die Not der Darbenden sich meldet, wird man kurzsichtig und schwerhörig und bringt� allenfalls zu einem Fest, bei dem die Nichtdarbenden glänzend profitieren. H«mor und Satire. Beim P a r s i f a l. Wie sie pilgern! Wie sie wallen, (Stündlich wachsen Preis und Zahl), Um ergriffen Parfifalen Anzubeten und den Gral. L. 17334 5,50. L. 17336 6,35. L. 17337 10,—. L. 17338 1.20. L. 17341 21,25. L. 17342 1,—. L. 17344 8,80. L. 17232 13,50. L. 17231 18,90. L. 17235 5,20. L. 17236 6,10. L. 17210 13,55. L. 17633 10,30. L. 17634 10,—. L. 17631 7,50. L. 17325 6,25. L. 17324 3,50. L. 17323 0,50. L. 17322 1,70. L. 17321 32,50. L. 17317 7,—. L. 17316 7,20. L. 17222 9,90. L. 17221 11,20. L. 17641 3,90. L. 17630 10,30. L. 17637 0,50. L. 17639 9,40. L. 17640 2,55. L. 17614 7.15. L. 17645 16,85. L. 17650 23,30. L. 17656 18,45. L. 17657 5,35. Ii. 17658 14,05. L. 17659 9,70. L. 17660 2,15. L. 17687 11,50. L. 17688 6,25. L. 17686 10.—. L. 17683 16,30. L. 17682 10,80. L. 17689 LIM. L. 17690 3.75. L. 17332 1—. 2.17031 8,—. 2.17033 3,50. 2.17034 11,—. 2.17035 1.40. 2.17037 6,—. 2. 17045 5,75. L. 17052 3,—, 2. 17086 2,—. 2. 17087 8,55. 2. 17088 0,50, 2. 17090 10,—. 2. 17091 13,73. 2. 17210 0,50. 2, 17193 3.—. 2. 17191 19,33. 2. 17185 0,50. 2. 17184 2,-. 2. 17183 1.—. 2. 17182 1,25. 2. 17181 3,75. 2. 17174 2,—. 2. 17172 2,—. 2. 17171 18,50. 2. 17286 2,10. 2. 17288 5,50. 2. 17289 2,10. 2. 17291 5,30. 2. 17292 1.80. L. 17296 0,80. L. 17297 2,—. L. 17298 1,50. 2. 17299 8,20. 2. 17226 3,50. Iii Summa 10151,98 M. Bisher sind veröffentlicht 249097,70 M. Dazu kommen 10151,98 M. I« Summa WS SsS,V8 M. Die Listen sind dort abzurechnen, wo sie entnommen sind. Die Listen 3151, 3643, 5785, 07(16, 6943, 0959, 7763, 81(>ii und 8273 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzu- halten. Gewerkschaftliches. Die Arbeitslosigkeit üer Hacker unö Konditoren. Vom Zentralverband der Bäcker und Konditoren ivird in der jüngsten Ausgabe seines Verbandsorgans das Ergebnis aus einer am 28. Dezember 1913 vorgenommenen Zöblung der Arbeitslosen und der Dauer der Arbeitslosigkeit veröffent- licht. Der Andrang aus dem Arbeitsmarkte ist wie in Zeiten niedergehender Konjunktur in allen Berufen auch hier anzu- treffen. Als besonderes Unglück im Gewerbe ist auch die große Zahl der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und der Arbeite- rinnen zu betrachten. Das Unternehmertum züchtet sich hier eine ständige Reservearmee heran, was dazu führt, daß all- jährlich Tausende dem erlernten Berus Valct sagen müssen. Beim Eintritt einer allgemeinen Gcschäftsftockung werden diese Berufsfremden wieder nach dem erlernten Berufe zurück- geworfen. Dadurch erfolgt eine riesige Anstauung der Ar- beitsuchenden auf dem Arbeitsmarkte. Räch dem„Reichs- arbeitsblatt" berichteten die Arbeitsnachweise für den Monat November über 10 174 Arbeitsuchende, gemeldet waren aber nur 5616 offene Stellen. Aus je 100 offene Cotellen entfielen 181 Arbeitslose. Nach dieser amtlichen Statistik waren in elf Monaten des Vorjahres 115 533 Arbeitsuchende vorhan- den. aber nur 73 814 offene Stellen waren gemeldet; es kamen in dieser Zeit auf je 100 offene Stellen 147 Arbeitslose. Als wertvolle Ergänzung dieser amtlichen Berichte dient nun die Erhebung der Organisation über die Tauer der Ar- beitslosigkeit. In den Verbandsorten wurden ermittelt 5908 Arbeitslose, darunter 3530 Bäcker und Konditoren, 1763 Arbeiterinnen und 615 Hilfsarbeiter mit zusammen 315 518 arbeitslosen Tagen. Tie Daner der Arbeitslosigkeit beträgt im Durchschnitt pro Person 53,4 Tage. Bei den Bäckern und Konditoren mit einer Gesamtzahl von 280 596 Tagen wird dieser Durchschnitt mit 78,5 Tagen weit überholt. Bon den befragten Personen waren 1439(davon 339 Arbeiterinnen) verheiratet, die zusammen 2265 Kinder unter 14 Jahren zu ernähren hatten. Wie im allgemeinen, so trifft auch hier zu. daß in� den Groststädten die Arbeitslosigkeit besonders groß ist. In Hain- bürg entfielen im Durchschnitt auf die Person 124, in Berlin Ganz erweicht von KundrpS Oualen lind leicht sinnlich angeregt Van den Blumenmädchen, zahlen Sie mit ächzendem Respekt. Betend sitzt der ganze Westen, Bauch an Bauch und SkaS' an NaS'. Dem Amfortas sein Gebresten Sicht verdächtig aus. Nu Spaß! Nur die Aktionäre schwitzen In der Menge mittenmang: Wird'S am Ende, Gott soll schützen, Doch ein Parsifallimang i Ratsch. Notizen. — Theaterchronik. Im Deutschen Künstlertheater erlebt Gerhart Hauptmanns neues Bühnenwerl„Der Bogen de» O d y s s e u s" am 17. Januar die Premiere.— Frank Wedekind» neues Stück„Simson" geht am 23. Januar im Lessing-Theater in Szene. — Vorträge. Am Donnerstag, den 8. Januar 1914, abend» 8 Uhr, spricht in der Psnchologischen Gesellschaft im Langenbeckhause, Ziegelstr. 10—11, Professor Johannes Dück aus Jnnsbruckr übe Ergebnisse seiner lvirtschaftspsychologischenVer» suche. Zutritt auch für Nichtmitglieder frei. — Ein geheimnisvolles Schlitten m c t a l l. Shackleton wird ans seiner nächsten Sndpolsahrt leine Holzschlittcu, sondern Schlitten ans einem neuen Metall verwenden, das erstaun- lich leicht und doch stark und widerstandsfähig wie Stahl ist. Welcher Art dies Wundermctall ist. verrät Shackleton nicht. Hoffentlich ist es wirtlich mehr als ein Mittel, von seiner Fahrt sensationell reden zu machen. — Ist die Nene Welt älter als die alte? Mit der Frage, ob die Neue Welt vor oder nach der alten gebildet wurde, befaßt sich jetzt eingehend die Harvard-Universität, welche im nächsten Frühjahr eine geologische Expedition nach Europa ausrüstet, um zu versuchen, einschlägiges Material, das zur Lösung obiger Frage bei- tragen könnte, zu sammeln. Die Expedition, an deren Spitze Prof. P. E. Raymond stehen wird, reist im April ab. Sie wird den ganzen Sommer mit geologischen Untersuchungen in Rußland, Schweden und Norwegen zubringen. — Er macht Schluß. Im„Staffelsteiner Tageblatt" hat ein Schuhmacher aus Prächting zum Jahreswechsel folgendes Inserat erlaflen:„Wer mich ab 1. Januar 1914 nochmals mit meinen Spitz- namen„Hortla",„Humps" oder.Backofenschuster" benennt, wird zur gerichtlichen Anzeige gebracht." — D e r V e r s u ch S s i s ch. Ein handgroßer, etwa zehn Zenti« meter langer Butt, der im Frühling letzten JahreS in der Elb- mündung unterhalb Brunsbütteler Hafen mit Marke versehen aus- gesetzt lvurde, ist bei Oldersum in der Ems gefangen lvorden, bat also die lange Strecke in wenig mehr als einem halben Jahre durchwandert. Räch den bisherigen Erfahrungen wandern Schollen- arten nur selten und nicht bis in große Entfernungen aus ihren Wohnplätzen ab. — Ter allgemeine Volks Unterricht in China. Der chinesische Unterrichtsminister Wang Tah-sieh hat de» obliga- torischen Voltsunterricht angeordnet und die einzelnen Provinzen angewiesen, für die Durchführung dieser entscheidenden Anoxdnunz zu sorgen. � 116, in Frankfurt a. M. III, in Stettin 116, in München 163 arbeitslose Tage. Unter den Befragten waren 1917 Personen gewerkschaftlich organisiert. Nebst der großen Lehrlingszüchterei in den Bäckereien und Konditoreien und der Beschäftigung einer sehr großen Anzahl von jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen in der Schokoladen- und Znckerwarenindustrie bildet mit die Ursache der großen Arbeitslosigkeit die lange Arbeitszeit. In den Bäckereien und Konditoreien ist durchgängig die siebentägige Arbeitswoche bei einer täglichen Arbeitszeit von zwölf und mehr Stunden anzutreffen. In«aisonzerten wird mit Ausnahme ganz weniger Betriebe die Mehrproduktion bei der gleichen Arbeiterzahl hergestellt unter Verlängerung der täg- lichcn Arbeitszeit. Hierbei wird den Unternehmern von den Behörden auf Grund der Bestimmungen in der Bundesrats- Verordnung in sehr liebevoller Weife entgegengekommen und die tägliche Arbeitszeit bis zu 16 Stunden gestattet. Die Organisation erhebt daher an den Gesetzgeber die Forderung, eine Verkürzung der Arbeitszeit in den Bäcke- reien und Konditoreien gesetzlich vorzunehmen. Nur dann ist es möglich, daß die Arbeitslosigkeit eingeschränkt werden kann, wenn gleichzeitig die Höchstzahl der beschäftigten Lehrlinge in den Betrieben herabgesetzt wird. So wie in diesem Gewerbe jetzt die Zustünde liegen, wird das ständige große Heer von Arbeitslosen keinen Rückgang, sondern noch eine Zunahme er- fahren. In welch unverantwortlicher Weise die Lehrlings- züchterei von den Bäckermeistern betrieben wird, geht ans nach- stehenden Zahlen hervor. In Württemberg werden bei den Jnnungsmeistern neben 1636 Gesellen 1732 Lehrlinge be- schäftigt; in Mecklenburg neben 567 Gesellen 473 Lehrlinge: in der Provinz Posen neben 666 Gesellen 866 Lehrlinge und im Königreich Sachsen neben 6824 Gesellen 4843 Lehrlinge. Ebenso liegt es in den übrigen Landesteilen, wo sich die Unter- nehmer scheuen, über die Lehrlingszahl der Oeffentlichkeit An- gaben zu unterbreiten._ Serlin und Umgegend. Tie Sonntagsruhe der Handlungsgehilfen. Am Sonnabend, den 20. Dezember, unternahm der Bezirk Berlin des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen wie in den Borjahren eine Nachtkontrolle zum Ztvccke der Feststellung der- jenigei, Firmen, die ihre» Angestellten die vorgeschriebene Sonn- tagsruhc nicht gewähren. War es uns in früheren Jahren möglich, eine größere Anzahl von Firmen der Gesetzcsübertretnng zu über- führen, so konnte in diesem Jahre festgestellt werden, daß die wiederholte Kontrolle Erfolg gehabt und einen großen Teil der früher bei Uebertretungen festgestellten Firmen veranlaßt hat, die gesetzlichen Vorschriften zu respektieren und die Angestellten pünkt- lich zu entlassen. Dennoch gab es auch in diesem Jahre eine Au- zahl Geschäftsinhaber, die ihr Personal nicht lange genug be- schästigeu können, denen auch der Sonntag nicht heilig genug ist, wenn eS gilt, durch die Ausnutzung der Arbeitskraft der An- gestellten den Profit zu mehren. Die Firma E. W. M a t h e s, Leipziger Straße, beschäftigte noch nachts 12�1 Uhr drei Angestellte.— Bei der Buchhandlung G s e l l i u s, Mohren- straße 52, arbeiteten zwischen 12 und 1 Uhr nachts noch sechs An- gestellte.— In der Lederwarenhandlung von Artur Otto, Friedrichstr. Oüa, arbeiteten drei Angestellte.— In der Schlächterei von Leopold Greilig, Kottbuser Damm 8. arbeiteten drei Verkäuferinnen. In allen diesen Fällen erfolgte polizeiliche Feststellung der Uedem ettuig, und zwar auf Veranlassung der kontrollierenden Mitglieder dcZ Zentralverbandes der Handlungsgehilfen. Bei der Blumenhandlung von Ko s che l, Charlottenburg, JoachimSthaler Straße, wurden vier Angestellte um 1 Uhr 10 Minute» entlassen, und zwar in dein Moment, wo die Kontrollkommission des Zentral- Verbandes auf der Bildfläche erschien. Besonderes Interesse hat die Feststellung bei der Firma M. L i e m a n n, Prenzlauer Str. 40, die um Ml noch dreißig Angestellte beschäftigte. ,Mit Hilfe zweier Schutzleute gelang es, dieser größeren Zahl von Angestellten die Sonntagsruhe zu verschaffen.— Die Spielwarenfirma G. Söhlke Aachs l., Markgrafciisir. 49, beschäftigte um 1 Uhr nachts noch zwölf Personen. Auf Veranlassung der Verbandskontrolleure wurde die Hälfte davon entlassen, die andere Hälfte mußte weiter- arbeiten und das Geschäftslokal wurde abgeschlossen, so daß der herbeigeholte Schutzmann keinen Einlaß fand. Die Anzeige wird erstattet werden. Die Firma zeichnete sich noch besonders dadurch aus, daß sie in den 14 Tagen vorher das Personal von 3 Uhr früh bis l Uhr nachts hat arbeiten lassen. Es wurde dann noch fest- gestellt und zur Anzeige gebracht die Buchhandlung Hermann Bahr, Linkstr. 43, die um 12 Uhr 40 Minuten noch drei An- gestellte beschäftigte. Ferner lvurde gearbeitet bei Richard Renz, Spielwaren- gcschäft, Potsdamer Straße, Ecke Karlsbad; Gebrüder Thiele, Hoflieferanten, Potsdamer Straße; Otto Bocklitz, Linkstraße, und zwar zwischen 12H und 1 Uhr nachts. Bei diesen drei Firmen war es leider nicht möglich, die Beendigung der Arbeitszeit herbei- zuführen. Diese Fälle zeigen jedenfalls, daß es immer noch Geschäfts- Inhaber gibt, die sich um die gesetzlichen Vorschriften nicht kümmern. Es sind das allerdings nur einige wenige von den sicher viel zahl- reicheren Firmen, die auch sonst die Vorschriften der Sozialgesetz- gebung nicht beachten. Hier würde die von den Handlungsgehilfen so dringend gewünschte Handelsinspektion wertvolle Dienste leisten können. Die Forderung nach Schaffung einer Handelsinspektion bat der Zentralderband der Handlungsgehilfen von jeher erhoben und er wird weiterhin dafür tätig sein, daß sie auch endlich ver- wirklicht wird, zum Segen der beteiligten Angestellten. Deutsches Reich. Ein Jubiläum im Bildhanerverband. In unseren Zentralverbänden ist wieder ein Jubiläum zu verzeichnen: vor 35 Jahren, zu Beginn des JahreS 1889, begann der neugewählte Vorstand des Unterstiitzungsvereins der Bildhauer seine Tätigkeit. Bestand die Organisation auch schon länger, seit 1881, so ist doch vom Jahre 1889, mit der Sitzverlcgung der Zentral- leitung von Stuttgart nach Berlin und der Wahl deS neuen Vor- standeS, ein flatterer organisatorischer Aufstieg zu verzeichnen. Damals, bei der Sitzverlegung, zählte der Verband 1999 Mit- glieder; die Mitgliederzahl stieg ständig, bis sie im Jahre 1900 mit etwas über 5000 ihren Höchststand erreicht hatte. Seitdem trat eine starke Krise im Gewerbe ein, hie auf die Organisation lähmend wirkte. Die große Aussperrung in der Holzindustrie 1907 zog auch das kleine Gewerbe der Holzbildhauer stark in Mitleiden- schaft. Vor allem aber hat die Stilrichtung in der Holzbildhauer- brauche viele Bildhauer beschäftigungslos gemacht und sie zu ander- tveitigcr Tätigkeit gezwungen. So kam es, daß der Verband heute nur noch rund 3800 Mitglieder zählt. Deshalb ist im Verbände auch schon viel die Frage ventiliert worden, ob der Anschluß an eine größere Organisation für die Berufsgenossen nicht praktischer sei, eine Frage, die dadurch einige Schwierigkeiten bekommt, weil im Verbände Holz- und Steinbildhauer vertreten sind, die bei der Auflösung der Organisation zwei anderen Verbänden zugeteilt werden müßten, die aber doch wiederum gleiche Berufsintcressen haben. Ehedem stand der kleine Verband der Bildhauer mit an der Spitze der deutschen Gewerkschaften. In den neunziger Jahren, zu einer Zeit, in der die übrigen Gewerkschaften erst stärkere ge- werkschaftliche Ansätze zeigten, waren die Bildhauer nächst den Buchdruckern prozentual am stärksten organisiert; 85 bis 68 Proz. der Berussgenossen gehörten der Organisation an. Die Finanzlage der Organisation zeigt auch ein anderes Bild. Bei der Uebergabe vor 25 Jahren betrug der Kassenbestand 15 756 M., jetzt beziffert er sich auf 151 159 M. Mit diesem Jubiläum der Organisation blickt der erste Vor- sitzende des Verbandes, Paul Dupont, auf eine 25jährige Tätigkeit als Vorsitzender des Verbandes und Redakteur des Fach- organs zurück. Dupont hat während dieser langen Tätigkeit die Organisation durch manche Fährnisse sicher hindurchgeleitet, und wenn eS ihm nicht vergönnt war, den Verband zu solchem Auf- schwung zu führen, wie ihn fast alle unsere anderen Organi- sationen in der Zeit genommen haben, so waren daran einzig und allein äußere wirtschaftliche und beruslich ungünstige Verhältnisse schuld. Die deutschen Gewerkschaften werden ihm und der tapferen kleinen Organisation ihre Anerkennung nicht versagen. Ms der Partei. Nochmals das Internationale Bureau. Genossin Rosa L u x e m- bürg sendet uns eine längere Polemik gegen die Ausführungen K a u t s t y s vom 24. Dezember über die Frage der russischen Einigung. Genossin Luxemburg wendet sich dagegen, daß Kautsky als Motiv für ihre Stellungnahme im Bureau unterstelle, sie hätte den Ausschluß der P. P. S. Lewitza von den Einigungsverhand- lmijjeir gewollt. Sie führt aus, sie sei nur aus praktischen Gründen für die Wiederherstellung der„alten Partei* in Rußland eingetreten, um das Zustandekommen der Einigkeit zu erleichtern. Genossin Luxemburg sucht diese Ansicht durch eine eingehende Dar- stellung der Partei- und Organisationsverbältnisie in Rußland zu stützen. Da die Frage durch den Beschluß des Internationalen Bureaus zunächst erledigt ist, das nunmehr die Aufgabe hat, über den eventuellen Zusammentritt der Einigungskonferenz und deren Zu- sammensetzung sich schlüssig zu machen, glauben wir von einer iveiteren Erörterung absehen zu können. Ein neues Parteisekretariat. Die Entwickelung der Parteiorganisation im Wahltreis Schwei nsurt-Haßfurt-Ebern hat einen sehr erfreulichen Fortschritt aufzuweisen. Eine zahlreich besuchte Wahlkreisgeneral- Versammlung in �chweinfurt beschloß, ein Parteisekretariat zu er- richten. Die zur Durchführung des Plans notwendige Beitrags- erhöhung von 30 auf 40 Pf. im Monat wurde mit allen gegen eine Stimme beschloffen. Nach einstimmigem Beschluß der Generalver- sammlung soll von einer Ausschreibung der Stelle abgesehen und der Genosse Säckler in Schweinfurt mit der Führung des .Sekretariats betraut werocn. Ausichluß aus der Partei. Mit den Ausschlußanträgcn der Parteiorganisation des Kreises Solingen gegen einige Führer des lokalistischen Industrie- arbeitervcrbandes beschäftigte sich am vergangenen Sonntag das niederrheinische Agitationskomitee. Das Urteil lautete gegen die Geschäftsführer Ein, Braun, Witte und den Arbeitersekretär E ck a r d t auf Ausschluß aus der Partei. Die vier Genannten hatten seit Jahren die Partei und einzelne Parteigenossen durch Artikel im lokalistischen„Stahlwarenarveitcr" in der gehässigsten Weise bekämpft. Gegen einen fünften Angeklagten wurde auf eine scharfe Rüge erkannt. Agitationserfolg. Bei der letzten Agitation, die die Partei- genoffen in der Stadt Bremen veranstalteten, wurden 660 neue Mitglieder für die Partei und 320 Abonnenten für die„Bremer Bürgerzeitung" gewonnen. polizeiliches, Gerichtliches usw. Das Wirken der schlesischen Justiz ist im Laufe des Jahres sehr oft der Gegenstand ernster Betrach- tungen draußen im Lande. Bei ihren Jahresrückblicken macht die schlesische Parteipresse regelmäßig kleine Zusammenstellungen dar- über, wie sich so in einem Jahre der Segen der Justiz angesammelt hat. Eine solche Auftechnung bringt auch die„S ch l« s i s ch e B e r g- wacht" und dieser entnehmen wir folgendes: Im Laufe des Jubel- johoes, das auch noch eine Amnestie brachte, wurden z. B. im schlesischen Bergarbeiterkreis Waldenburg an Strafen folgende ver- hängt: wegen Beleidigung durch die Presse über sozialdemokratische Redakteure rund 1500 M., wegen Beleidigung wurden außerdem über andere Genossen in Partei und Gewerkschaft 315 M. an Geld- strafen und vier Monat« Gefängnis verhängt. Ferner wurden wegen eines Reichstagswahlslugblattes zwei Genossen in einen MeineioSprozetz verwickelt und insgesamt zu 214 Jahren Zuchthaus verurteilt.— Bei den Prehprozessen verdient noch ein Hinweis besonderes Interesse. Ein Drittel aller Prozesse wurde ab- hängig gemacht wegen Artikel, die anstandslos in anderen Partei- blättern abgedruckt worden sind. Eine Verurteilung zu 150 M. erfolgte sogar wegen Abdruck eines Artikels aus einem bürg er- l i ch e n Blatt, das selbst völlig unbehelligt blieb. Soziales. Aus dem Gewerbe&ericht. Kammer 3. Bors. Dr. Graeffner.' Lohnverweigcrung. Zwei Putzer klagten gestern gegen die Firma Held u. Francke auf 3,70 bezw. 15,20 M. rückständigen Lohnes. Die Sache hatte schon das Schiedsgericht beschäftigt, war aber, da es wegen Stimmengleichheit zu keinem Spruch kam, dem Ge- Werbegericht überwiesen. Sie lag so: Dem Führer der Putzer- kolonne, Riedel, war der Fassadenputz eines Gebäudes zum Preise von 90 Pf. pro Ouadratmeter übertragen. Vorgesehen war Spritz- putz. Unterschrieben war der Vertrag auch von den Klägern. Die Versicherungsbeiträge zahlte die Firma, so daß sie unzweifelhaft trotz ihres Bestreitens als Arbeitgeberin in Frage kam. Nachdem die oberste Etage mit Spritzputz fertiggestellt war, verlangte die Bauleitung für die anderen Stockwerke Kammputz. Dieser er- fordert weit mehr Arbeit. Die Kläger wandten sich an ihren Kolonnenführer wegen höherer Bezahlung. Sie erhielten die be- ruhigende Versicherung, die Firma werde schon mehr bewilligen. In der Tat erhielten die Putzer, obgleich die Arbeit langsamer sortschritt, an mehreren Zahltagen ihren Lohn von 9 M. pro Tag ausbezahlt. Dadurch wurden sie in der Meinung bestärkt, daß die Firma einen Zuschlag zu dein ursprünglichen Preis gewähren wolle. An einem Sonnabend, nach erfolgtem Aufmaß, erhielt die Kolonne jedoch nur einen geringen Bruchteil des nach ihrer Mei- nung verdienten Lohnes. Eine gütliche Regelung kam nicht zu- stände. Darauf legten die beiden Kläger die Arbeit nieder und machten aus deni Klagewege ihre Forderung geltend. Sie ver- langten für den Kammputz 25 Ps. pro Ouadratmeter Zuschlag. Das ltzcricht verurteilte die beklagte Firma zur Zahlung von 17,48 bezw. 6,08 M. Im Vertrag, hieß es in der Begründung, sei zwar ein Einheitspreis, aber ausdrücklich für Spritzputz festgelegt. Es sei anzunehmen, daß eine Firma, wie die Beklagte, in ihre Verträge alles aufnehme, was sie zu fordern habe. Wenn der ver- einbarte Preis nicht nur für Spritz-, sondern auch für Kammputz gelten sollte, dann wäre das sicher im Vertrag erwähnt. Da nun Kämmputz einen Mehraufwand an Arbeit erfordere, als der Spritz- putz, mußte den Klägern ein Zuschlag zugebilligt werden. Dieser Zuschlag wurde jedoch in Rücksicht aus die ganz einfach gehaltene Ausführung nur auf 10 Pf. pro Ouadratmeter bemessen. Daß sich die Firma Held u. Francke wegen solcher Sache ver- klagen läßt, ist recht bezeichnend. Bedauerlich ist, daß das Gericht nur auf einen Zuschlag von 10 Pf. pro Ouadratmeter erkannt hat. Es hat, wie das bei Akkord- arbeiten leider häufig geschieht, den§ 316 des Bürgerlichen Gesetz» buchcs anscheinend übersehen. Diese Vorschrift geht dahin: Ist der Umfang der für eine Leistung versprochenen Gegen- leistung nicht bestimmt, so steht die Bestimmung im Zweifel dem- jenigen Teile zu, welcher die Gegenleistung zu fordern hat. Danach hatten die Arbeiter das Recht, die Höhe des Zuschlages zu bestimmen. Die Beklagte hätte zu beweisen, daß dieser Zu- schlag unangemessen hoch sei. Diesen Beweis hat sie nicht ange» treten und vermag ihn wohl auch kaum zu führen. Süddeutsche Scharfmacher. Der Bad.-Pfälz. Verband der Metallindustriellen mit dein Sitze in Dkmnheim hat an das Badische Ministerium des Innern eine Denkschrift gerichtet, um dasselbe gegen die Einführung einer Arbeitslosenversicherung scharf zu machen. Nach den Darlegungen dieser süddeutschen Scharfmacher würde die Einführung einer öffentlich-rechtlichen Arbeitslosenversicherung nicht nur jeder Berechtigung entbehren, sondern die zu diesem Zweck vorgeschlagenen Mittel würden zum Teil undurchführbar, zum Teil eine schwere Schädigung unseres Wirtschaftslebens,„die letzten Endes die Arbeiterschaft am eigenen Leibe empsinden müßte", zur Folge haben. Aber noch höher als den materiellen Schaden ver- anschlagen diese„Arbeiterfreunde" den Schaden, den die Arbeits- losenversicherung in ethischer und moralischer Beziehung der Ar- beiterklasse zufügen würde,„denn der Sparsamkeitstricb wird bei dem Arbeiter herabgemindert, wenn er weiß, daß er im Falle der Arbeitslosigkeit anderweitig gesichert ist; und die Selbstverant- ivortlichkeit des einzelnen sowie die persönliche Initiative werden noch mehr beeinträchtigt und zurückgedrängt werben, als es bereits durch die soziale Gesetzgebung geschehen ist. Es wird sich auf die Dauer kaum noch ein Arbeiter dazu herbeilassen, durch seine eigene Tüchtigkeit sich in erster Linie vor Arbeitslosigkeit zu schützen; er braucht das ja nicht mehr, wozu sich noch mehr anstrengen, wie es etwa speziell die Gewerkschaft erlaubt: die Arbeitslosenversicherung wirb ja schon gegebenenfalls für ihn sorgen!" Natürlich bestreiten die Scharfmacher, daß von einer ernst- lichen Arbeitslosigkeit als einer Gesamterscheinung gesprochen wer- den könne. Höchstens sei sie in den Städten für einzelne Berufe vorhanden. Und hier könne Abhilfe geschaffen werden durch Be- kämpfung der Landflucht, durch Ausbau der Arbeitsnachweise, bor allem aber, indem„den immer unvcöhüllter hervortretenden begehrlichen Tendenzen der organisierten Arbeiter ein nachdrückliches Halt geboten werde." Um die Arbeitsgelegenheit zu vermehren, sei es notwendig, daß Handel und Industrie gefördert werden, statt dem Unternehmertum von Jahr zu Jahr stärker« sozialpolitische Lasten aufzuerlegen. Mit großer Emphase wendet sich der Unternehmervcrband gegen die bayerische Regierung, die in einer Erklärung das Gentcr System empfohlen haben soll. Die geforderte Arbeitslosenvcrsiche- rung sei eine Progrcnnmfvrderung der Sozialdemokratie, die in ihrer Verwirklichung durch Schädigung der Industrie die Lage der Arbeiter noch weiter verschlechtern würde. Das scharfmacherische Unternehmertum will die Arbeitslosig- keit ausnutzen, um die Löhne zu. drücken und die Arbeiterorgani- sationen zu schwächen, um aus diese Weise den eigenen Profit zu steigern. Das ist der Grund der Aktionen der Scharfmacher gegen die Arbeitslosenversicherung. Tie heutige Produktionsweise bringt die Arbeitslosigkeit hervor. Die Nutznießer der kapitalistischen Produktionsweise müßten anerkennen, daß die Produktionsweise demnach unfähig ist, die Arbeiter zu ernähren, solange die schrankenlose Ausbeu.ungsmöglichkeit und anarchistische Pro» duktionsweise besteht. Weit entfernt davon Heulmeiern diese Scharfmacher aber über angebliche„sozialpolitische Lasten", die tat- sächlich nicht ihnen, sondern den Arbeitern auferlegt sind, und treten selbst gegen Arbeitslosenversicherung ein, um durch eine noch größere industrielle Reservearmee auf den Lohn drücken und den eigenen Profit erhöhen zu können. Besser könnten die Herren die Unsinnigkeit und Gemeingefährlichkeit der heutigen Produktions- weise schwer illustrieren. Ms Industrie und Handel. Die Expansion des Anilinkonzerns. Die seit dem Jahre 1005 bestehende Interessengemeinschaft zwischen der Badischen Anilin- und Sodafabrik, den Elberfelder Farbenfabriken vorm. F. Bayer u. Co. sjetzt in Leverkusen bei Köln) und der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in Treptow bei Berlin stellt eine innige großkapitalistische Vertrustung von gewerblichen Unternehmungen dar. Es ist bekannt, daß der so- genannte„Anilinkonzern" unter dem Schutze dieser Interessen- gcmeinschaft seine Rentabilität auf ein �anz ungewöhnlich hohes Niveau gesteigert hat und daß er vermöge seiner großen Papitalkraft und der gemeinsamen Ausnutzung aller Patente und technischen Errungenschaften, die innerhalb seines Machtbereiche? zustande kommen, gegenüber seiner Konkurrenz im In- und Aus- lande eine geradezu unangreifbare Position besitzt. Gegenwärtig beträgt das gesamte Aktienkapital bei der Badischen Anilin- und Sodafabrik 35 Millionen Mark, bei den Elberfelder Farben- fabrcken 36 Millionen Mark und bei der Treptower Anilmfabrik 14 Millionen Mark. Außerdem haben diese Gesellschaften ihre Betriebskapitalien noch durch Anleihen im Gesamtbetrage von 60,5 Millionen Mark verstärkt. Unter Einrechnung der offenen Reserven kommt man schließlich zu einer Kapital in asse von 215 Millionen Mark für den gesamten Konzern, wobei aber zu berücksichtigen ist, daß der Betrag der durch große Ad. schreibunyen, niedrige Bewertung von Vorräten usw.„ver- steckten" Gewinne und Reserven gerade bei diesen Unternehmungen ein sehr hoher sein dürfte. Die Interessen- gemcinschast zwischen den drei Werken beruht auf einem Vertrage, der im Prinzip die Selbständigkeit der einzelnen Gesellschaft nicht berührt. Die nach einheitlichen Grundsätzen zu ermittelnden Er- trägnisse der drei Gesellschaften werden zusammengeworfen und nach Abzug der Reserven usw. in der Weise aufgeteilt, daß Elber- seid 43 Zroz., Ludwigshafen 43 Proz. und Treptow-Berlin 14 Proz. vom Reingewinn erhalten. In den letzten drei Jahren betrug die Dividende der drei Gesellschaften: Dividende Jahr 1910 1911 1912 Proz. Proz. Proz. Elberfeld...... 25 25 28 Ludwigshafen.... 25 25 28 Treptow...... 20 20 23 Von der Entwickelung der Rentabilität erhält man ein un- gefähres Bild, wenn man sich vergegenwärtigt, daß im Jahre 1886 die Dividend� bei der Treptower Fabrik 7,5 Proz., bei den Elber- selber Werkew 4 Proz. und bei der Badischen Fabrik 15 Proz. be- trug. Gegenwärtig sucht der Konzern durch entsprechende TranS- aktionen einen Teil seiner hauptsächlichsten inländischen Abnehmer in völlige Abhängigkeit zu bringen. Mit dem Verein C h e m i- scherFabrikenzu Zeitz und mit den Chemischen Werken Albert soll der Anfang werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Stärkung der Position des Konzerns im Inlands auch seine Konkurrenzkraft am Weltmärkte noch weiter steigern muß. ES ist bezeichnend, daß die zum Konzern gehörenden Betriebe für das abgelaufene Geschäftsjahr trotz der Ungunst der Konjunktur im Textilgewerbe usw. ihren Aktionären bereits die gleichen fetten Dividenden wie im Vorjahre in Aussicht stellen können. 16 neue Kir(l)enau$tritt$ Versammlungen. Zur Eröffnung des preußischen Landtages und anläßlich des„AllgÄneinen Kirchensonntags"! Sonntag, den 11. Januar, mittags 12 Uhr pünktlich. » Tagesordnung: „Das Volk steht auf!" Krauerei Friedrichshain. I Kerliner Kockbrauerei, sshausseestr. 61. I Deutscher Hof, Luckauer Str. 15. I Spandau: Krauerei Pichelsdorf. Krauerei Köuigstadt, Schöuhauf. Allee 16-11 Katlfchmieders Festsäle, Kadstr. 16. Charlottenbnrg: 3 Lichtenberg:'�KnkfuüiA�.- s. Moaditer Gesellschaftshaus, Mirlefstraße. Etablissemeut Königshof, Külouikr. 37. Wilmersdorf: Neukölln: Hoppes Festsäle, frM»! Pharus-Säle, Müllerstr. 112.| Geloerkschastshaus, Eugelufer 15. I Steglitz-Lichterfelde: ZNAK 1 Weitzenfee: Schloß Mtihensee. Referenten: Redakteur Bergmann. Dr. A. Bernstein. Klara Böhm- Schuch. Dr. Brie. Stadtv. Brückner. Redakteur Däumig. Schriftsteller Anton Mischer. Adolf Hoffmann, M. d. A. Lily Jannasch. Otto Lehmann-Rnstbüldt. Hans Leust. Dr. Karl Liebknecht, M. d. R. Waldeck Manaffe. Walter Oehme. Heinrich PLus, M. d. R. Lina Reichert. Ernst Reuter. Regina Rüben. Schriftsteller Emil Unger. Dr. Westphal-Stuttgart. Die Geistlichkeit ist zur Diskussion eingeladen und hat ihr Erscheinen zugesagt.— Gegen 40000 Kirchenaustritte sind 1913 in Berlin erfolgt. Der Kirchenaustritt muß zu einer Volksbewegung werden, die uns von der Reaktion der Staats- und Polizeikirche und einer mittelalterlichen Jugenderziehung befreit.— Nieder mit der Reaktion! Es lebe der Freiheitskampf des Volkes! L8i/g. Die Uereinigten Komitees für Kirchenanstritt. n Ortsverwaltung Berlin. Bureau: Berlin C., Rosenthalerstr. 11/12, Restaurant Schilling. 8tmt Norden, 2438. s Achtung!- so/i* Wir einpsehlen bei Beranstalmng von Vergnügen usw. den geehrten Vorständen, Komitees und Taaiinliabcr» unsercn kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. 11/13. Geschäftszeit täglich von 10'/,— 1 Uhr mittag». Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Versügung. Der Borstand. NB. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist sür das 1. Quartal rot und tnuii mit dem Verbandsstempel versehen sein.'Alle andere tiegitimation ist ungültig und ist jojort anzuhalten. I Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den 7. Januar 1914, abends SVa Uhr: Bertranensmänner-Bersammlungen der Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Aufstellung der Kan- didaten für die Delegiertenwahlen zur Generalversammlung. 4. Verbandsangelegenheiten. Jede Werkstatt muß vertreten sei». Mitgliedsbuch und Bertrauensmännerkarte legitimiert. Versammlungslokale: ZifchUr. Rüdwesten und Westen: in Habels Brauerei, Bergmannstr. S/7. Süden: bei Gliesiug, Wassertorstt. öS. Küdnsten 1 u. II: ün Lokal Südost, Waldemarstr. 75. Osten I: bei Schwarz, Langcstr. 53. Osten II: bei Huth» Warschauer Str. kl. Osten III: bei Bergmann, Boxhagener Str. 2S. Oestllche Vororte: bei 95>. Schulz, Lichtenberg, Kronprinzen- ftrahe 47, Ecke Scharnivebcrslrage. Nordosten: bei Mertmann, Gr. Frankfurter Str. 16. Itosenthaler und Schünhanser Vorstadt: bei Büttner, Schwedter Strage 23. Weddlng und Moabit: bei KaczarowSki, Ziavenostr. S. WelNensee: im Prälaten. Lehderstr. 122. Abends K1/. Uhr. XcnkUlln: im Ideal-Kasino. Weichselstr. 8. Obarlottenbnrg: bei Thunack, Wiclandstr. 4. k�iickenmöbelbrancde bci Knörig. An der StraIaucrBrüSe3. Lautikckler. Bezirk I: Südwesten, Süden, Südosten bei Grasthoss, Admiralstr. 18o. Besirk L: Osten bei Bratner. Weidenweg 83. Bezirk 3; Korden und uürdlicbe Vororte bei Miesche, Kopenhagcner Str. 74. Bezirk 4: Oesundbrunnen, Wedding und Zloabit Lei Sachse, Lindower Str. 26. Bezirk 5: Keukülln bei Schenk, Rosenstr. 24. fVILbel- u. Stublpolierer sowie Mgazmarbeiter Osten: bei Boekcr, Weberstr. 17. Südosten: im Märkischen Hof, Admiralstr. 18o. Kordon: bei Günther» Brmmcnstr. 96. Mkikinktrumenten-Arbeiter sAtshaus�S�ai l�oclell- unä fabriktifcbler b« Waldt, w Dredhrier, Creppcngdänder- und Luxuamöbel- brand�e. Korden bei Töhling. Brunncnstr. 73. Osten bei Rosin, Gubener Str. 19. Südosten und Südwesten bei TiniuS» Rsticrstr. 123. Die Berlranensleutc aus den LuxuSmöbelwerlftätten gehen nach den Versammlungen der zuständigen Tischlerbezirte. SinfctZCt*«u Gewcrkschaftshanse, Engdluser 14/15, Saal 9. Perlmutt-, Born- u. Stdnnußarbetter um e Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 3. KilderrabmenmacKer um 6 Uhr bei WähHsch, Skalltzerstr. 22. Bodenlegcr 8 Uhr bei Hüll«, Nungcstrasje 9. Vergolder im Luisenstädtischeu Kasino, Oranienstr. 180. 8teUmad?er bei Hummel, Sophienstr. s. Jalousiearbeiter abends«>/, nhr, Rnngestr. so. stlascbinenarbdter, abends« nhr: Osten: bei Michaltseck, Petersburger Str. 84. Südosten, K'cukülln, Britz u. Treptow; bei Ehlert, Kottbuser Str. 19. Südwesten u. Westlieke Vororte: bei Zander Nächst., Gilschiner Str. 86. Korden: bei Kaczerowski, Raoensstr. 6. Korbmacher bei Max Krause, Mariannenplatz 8. KUrstenrnacber bei Krüger, Holzmarktstr. 63. Öcbirmmacber abds. 8 Uhr bei Knörig. Sln der Stralauer Brücke 3. Dienstag, den«. Januar: abends ü>/, Ubr in Hermcls Bereiushaus» «I'tvCNSI'veiier Holzmarktstr. 21. Donnerstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr: Laden- und Kontormöbelbrancbe bei Hcrmel, Holzmarktstr. 21. Dt« Ortsverwaltung. MaamCiUhH iiaiiiiiiiiiiiiiiiunifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiniiiiininiiuo Bei Verdauungsslärungon, Appet it- mangol, verdorbenem Magen, Sodbrennen, Bldhungen, Magendrücken und-Schw&ehe, Magenkrampf, Debol- keit mit Erbrechen, überhaupt Magenbeschwerdon sind Roiohsrs Magentropfen von nachweiSI. erprobter Wirkung u, wohl. tuend wie Balsam auf den kranken Magen. M.'-w7gectit'S..t1ellico" Wenn in deogerlen nicht erhältlich, durch Ütio K»Ivb«I,Serl>. 4Z.El,eiidahn»tr.«, Zidnmg 13. u. 14. Januar LWohlfahrts- otterle des Verein« Arbeiterlnneu-W Ohl» Anzahl der Lobo nur 10(9000 10000 5000 1 Los 1 Merk. Porto and Listo 20 Pf i Lose 4LV frauko Porto a. Liato auch unter Naehnahrae empfiehlt Carl Heintse, Serlls W. Unter den binden 3. £■ -£ * s s §§■ Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und -Afbeiterinnen Deutschlands ' Ortsverwaltnng Berlin.-------- Mittwoch, de« 7. Januar 1S14, adendS 8'/, in den Mustkersälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m: Mitglieder-Versammlung. Uhr. Tagesordnung: 1..Die Zentralificrung der Ortskrankenkassrn«. Referent: Kollege B a h l t e.— 2. Beralung über den NotstandSsondS.— L. Auf- stellung der Kandidaten zur BorstaudSwahl. Der Wichtigkeit der Dagesordnung halber ist daS Erscheint» aller Mitglieder dringend notwendig. 76/1 Der Vorstund. Bekanntmachung betreffend daS Ergebnis der Wahle» zum Borstand der Allgemeinen Ortskrankenkaffe für Berlm-M!arLendorf u. Umgeg. Aus Grund deS§ 14 der Wahlordnung wurde vom Vorstände das Tr« gebnis der am 29, Dezember 1913 stattgehabten Wahl der Versicherten- vertreicr wie solgt sestgestellt: Insgesamt sind abgegeben 27 Siimmen, die sämtlich al» gültig au» erkannt wurden. Davon haben erhalten Wahlvorschlag Nr. I 19 Stimme» ».».».118, ES find demnach gewählt: Vom Wahlvorschlag Nr. I: 4 Vertreter und zwar Nr. 1 bis 4, 8 Ersatzmänner und zwar Nr. 5 foi 12. Vom Wahlvorschlag Nr. II: 2 Vertreter und zwar Nr. 1 bis 2, 4 Ersatzmänner und zwar Nr. 3 bis 6. Von den wahlberechtiglcn Arbeitgebern ist nur ein gültiger Wahl« Vorschlag eingegangen, enthaltend 3 Vertreter und 6 Ersatzmänner, ein» gereicht durch Karl Vnechler, Berlin-Maricndors. beginnend mit: Karl Baechler, Schlossermeister, Berlm-Mariendors, Schöneberger Straße 37. Sämtliche Vertreter und Ersatzmänner gelten gemäß§ 9 der Kahl» ordnnng als gewählt und findet eine Wahl für Arbeitgcbcrvertreter nicht statt. Die Gültigkeit der Wahlen kann bis zum 26. Januar 1314 beim Vor» stand oder VersicherungSamt des Kreises Teltow angesochleu werden. Berliu-Marieudorf, den 4. Januar 1914. 266/7 vor Vorstund. Aug. Leih. Schrtstsühru. Jos. Marek, vorsttzock«, Dienstag, den 6, Januar 1914, abends 8V2 Uhr: in den Konzert- und Festsälen(früher Keller), Koppenstratze ÄS. Tagesordnung: Herein mit der Frau in die Gemeindeverwaltung! Referenten: Stadtv. Dp. Kurt Rosenfeld. Frau Klara Weyl. ifip"" Freie Diskussion."WW Wir erwarten, daß unsere Genossinnen vollzählig in dieser Ver- sammlung erscheinen. Es gilt, dafür einzutreten, daß die sehr un- zulänglichen Rechte der Frauen in der Gemeindeverwaltung er- wettert werden und den Wünschen nach Gleichberechttgung Auer- kennung verschafft wird. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Im Auftrage: Eugen Ernst, Lindcnstratze 2. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut» und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Ä™* 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12. RDUiHDIIÜ Aolle krastiae Qualität. I00 8liicl< « Z,- �svost�ZSiri- �ooasris.so«e>-. ono kieickel, See>in43> eisenbsknste. 4. H.Pfau, BaDdagist Direksenstraße 20 zwischen Babnboj Merandeeplatz und Polizeipräfidiui».— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.' Lieseranl iüt alle jrrankenkassen. KOK-* UKOfil Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(rulässlg 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pta.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen f ANZEIGEN für die nSchsteN'ummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstraste 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Tevvich«(Farbcnicbter) Kelegen- heitsfauf. Fabritlazer Matiernoft, Grotze Krantiurierstratze S. Flurcm- gang.„BorwärtS*lejer» 10 Prozent Schtrarabatt.___ "Iteppdeckctt�billtgss' Sabril i lSrotze Franlluri erstratze 9, Fluremgang. Gardtnenhans, Grotze Aranl- furterstratze 9. Kein Laden! Zinfwaschfäfier, Zober, Sitz« Wannen. Badewannen. Svezialiabrif Keichenbergerftratze 47. Leiern b Proz. Teilzahlung. Uhren. Goldwaren. Trauringe. Woche 1 Marl. Turm- stratze 16.________ 17QSA* Teppich-Thomas, Oranienilr. 44 farbfehlerhajte Teppiche ipottbMig; Gardinen, Steppdecken. Tischdecken halben Preis. Vorwärtslesern öProzent Extrarabatt. ISbR* Pfandleihhans Herinannplatz 6. Spottbilliger Bettenoertauj. Wäsche- verlauf. Gardinenverlaus. Teppich- verlaus. Goldwarenlager. 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Wk iU»�L»leratcnteÜ vcrcmtw,: Th. Glocke, Berlin, Druck u,Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer S- Co.. Berlin S\V, Ueberfahren und getötet. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern vormittag in der Hannoverschen Straße. Dort geriet ein Mann unter einem Postwagen, wurde überfahren und so schwer verletzt, daß er in der Charit« schon bald nach der Aufnahme star'b. Nach Papieren, die man bei dem Verunglückten fand, ist er ein 46 Jahre alter Arbeiter Wilhelm Fach. Ueber seine Wohnung und seine sonstigen persön- lichen Verhältnisse ist noch nichts bekannt. �iir 9900 M. Lose verloren. Einen«mangenehmen Verlust erlitt ein Fahrgast der Siraßen- bahn am Sonnabend, den 3. Januar. In einem Wagen der Linie 67 ließ er aus der Fahrt vom Alexanderplatz nach Wilmersdorf ein Paket liegen, das 3000 Lose der Wohlfahrtslotterie zum Besten der. Deutschen Schutzgebiete enthielt. straße 36, Hof parterre, und kann an den Wochentagen abends von 6— 0 Uhr, Sonntags von 1—0 Uhr besichtigt werden. Der Besuch der Ausstellung kann nur jedem Arbeiter empfohlen werden. Der Eintritt ist frei. Arberter-Bildungsschule. Die Teilnehmer des naturwisscn- schaftlichen Kursus treffen sich heute, Dienstag, abends L Uhr, in der Treptower Sternwarte, aber nur dann, wenn klares Wetter ist, das eine Beobachtung des Himmelskörpers ermöglicht. Billetts sind an: Eingang der Sternwarte durch die Genossen Krüger und Franke erhältlich. Kino-Ausschuft für Berliner Schulen. Veranlaßt durch Eingaben der Kino-Abteilung des Berliner Lehrerveretns, hat die städtische Schulbehörde ihre Aufmerksamkeit der Schul- und Jugendkinematographie zugewandt, und es ist unter Vorsitz des Stadt, und Kreisschulinspektors Dr. Häußler von Rektoren, Lehrer und Lehrinnen ein„K i n o- A u s s ch u ß fü r Berliner Schulen" begründet worden. Derselbe bezweckt die Pflege und Förderung des stehenden und des beweglichen Lichtbildes (Projektion und Kinematographie) zur Belehrung und Unterhaltung unserer Jugend sowie die Aufklärung über die Gefahren schlechter Kinovorführngen. Der Ausschutz hat sogleich mit positiver Arbeit begonnen und ein..Berliner Jug.endkino" eingerichtet, welches in größeren Kinotheatern für 10 Pf. Eintrittsgeld gute Jugendvorstellungen veranstaltet, zu denen die einzelnen Schulen besondere Einladungen erhalten. Die bisherigen Vorführungen fanden einen so großen Zuspruch, daß nur ein kleiner Teil der Berliner Gemeindeschulen dieselben besuchen konnte. Im neuen Jahre werden die Veranstaltungen planmäßig fortgesetzt, so daß jede Schule in Zeiträumen von 3-A Wochen eine Vorstellung hat. Es soll durch diese Vorführungen vorbildlich auf die andern Kino- tbeater eingewirkt werden; alle Jugendvorstellungen, die vom Aus- schütz als gut und einwandfrei anerkannt werden, sollen dieselbe Empfehlung erfahren wie die eigenen. Etwaige Ueberschüsse wer- den zur Veranstaltung von Freivorstellungen belehrenden Inhalts verwandt, die als Anfänge einer Berliner Schulkinematvgraphie gedacht find.— Anfragen nud Mitteilungen wolle man an den„Kino-Ausschuß für Berliner Schulen", Geschäftsstelle des Berliner Lehre rverc ins, C. 25, Alexanderstraße 41, richten. Erhängt aufgefunden wurde gestern nachmittag die in der Wormser Straße 0 wohnhafte Modistin Frau Teske. Zu Nachbars- leuten hatte sie wiederholt über Nahrungssorgcn geklagt. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht, Für geistig Schwache. Ter Erziehungö- und Fürsorgeverein hegt die Absicht, die An- regung zu geben zur Gründung eines Beschäftigungs- und Aus- bildungSheims für geistig Schwache, das die nicht oder nur schwer erwerbsfähig werdenden geistig Schwachen sammeln, dem Spott, der Verführung und dem Verkommen in der Ocsfentlichkeit entziehen und durch leichte Beschäftigung zu nützlicher Arbeit am leiten soll. Da es erwünscht wäre, die Notwendigkeit eines solchen Heimes auch zahlenmäßig darzutun, werden die Angehörigen, Erziehungs- und Unterhaltungsverpflichteten geistig schwacher Jünglinge und Mädchen ersucht, sich mit dem Verein in Verbindung zu setzen. Es kommen jedoch nur solche geistig schwache Personen in Betracht, die das 14. Lebensjahr überschritten und das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, die ferner infolge ihrer Schwäche nicht erwerbsfähig werden und für die darum entweder der vorübergehende Ausenthalt in dem geplanten Heim zur Ausbildung oder der dauernde Ver- bleib in demselben zur lebenslangen Beschäftigung und Versorgung erwünscht wäre. Das geplante Heim soll allen Gesellschaftskreisen dienen. Es soll sowohl zahlungsfähigen als unterstützungsbedürftigen Personen Aufnahme gewähren. Die Möglichkeit eines Einkaufs auf Lebens- zeit soll daher geschaffen und die Gewährung von halben und ganzen Freistellen erstrebt werden. Der Vorstand de? Vereins ersucht die Angehörigen usw, dem zweiten'Borsitzenden Herrn Rektor A. Fuchs, in den nächsten Wochen(bis spätestens 25. Januar 1914) nähere Angaben zu machen. Diese Angaben sind vorläufig völlig unverbindlicb und weiden eine streng vertrauliche. Behandlung erfahren. Sie dienen fürs erste nur der Statistik und den Vorarbeiten, werden aber später, sobald die Gründung eines solchen Heimes in Angriff go nommen werden kann, die Grundlage für die Weiterarbeit, ins' besondere für die Auswahl der Jugendlichen, bilden. Herr� Rektor A. Fuchs ist täglich von 12— 1 Uhr im Amtszimmer Stargarder Straße 9 und außerdem Dienstag und Freitag »on 6— 7 Uhr abends im Amtszimmer Auguststratze 68 zu sprechen. Mit Ballon und Flugzeug über Berg und Tal. Wem ist. wohl noch nicht das Sehnen angekommen, im Ballon oder im flinken Flugzeuge einmal die Welt aus der Vogelperspek- tive zu schauen? Dieses Sehnen erfüllt uns ein Vortrag, den Major Härtel-Leipzig in der Urania, Taubenstraße, am Sonnabend zum ersten Male hielt. Mit dem Vortragenden, einem gründlichen Kenner der Luftschiffahrt, machen wir zunächst eine Ballonfuchsjagd nach Schlesien. In farbenprächtigen Bildern ziehen Dörfer und Städte, Wälder und Wiesen an uns vorüber, nachdem wir uns vor Beginn der Reise aus eigenem über- zeugt haben, ob alle Vorbereitungen zur Fahrt so sicher getroffen sind, daß ein Unfall ausgeschlossen erscheint. Wir und mit unS alle die anderen kommen aus dem Staunen ob der ungeahnten Pracht und Mannigfaltigkeit der geschauten Natur nicht heraus. Das Staunen aber steigert sich zur Bewunderung, wenn der Vortragende uns auf einer Fahrt über die Alpen hineinversetzt in die grandiose Alpenwelt. Selbst bei 3600 Metern Höhe leuchtet uns aus der Tiefe das schneeige Weih der Gletscher entgegen, sehen wir den Nord-Süd-Expretz dem sonnigen Süden zustreben. Im zweiten Teile des Vortrages machen wir mit dem Vor trageirden, nachdem wir die Flugmaschine in ihrer Konstruktion kennen gelernt haben, eine Reise im Flugzeuge von Berlin bis Weimar. Unter uns erscheint das burgenge- schmückte Saaletal. Die Schönheiten des Thüringer Ländle aber winken uns vergeblich, bis ein Wirbel im Tale uns doch zwingt, eine Zwischenlandung vorzunehmen. Um einer zweiten Notlandung zu entgehen, schrauben wir uns nach dem Wiederaufstieg in größere Höhen empor und landen schließlich in der Goethestadt Weimar. Alles in allen« ein wunderbarer Luftflug, der noch dazu den Vorteil hat, daß auch ängstliche Gemüter ihn ohne Zittern und Zagen unternehmen können. Eins freilich muß man mit in Kauf nehmen, und das ist die vom Vortragenden etwas stark unterstrichene Be- deutung des Flugzeuges für den organisierten Massenmord. Berliner Aspl-Berein für Obdachlose. Im Monat Dezember nächtigten im Männerasyl 14 885 Personen, wovon 5755 badeten, im Frauenasyl 2873 Personen, wovon 712 badeten. Arbeitsnach- weis wird erbeten: für Männer und Frauen: Wiesenstr. 55/59. Die Wanderausstellung de» Avbeiter-Abstinenten-Bundcs, Aktionsausschuß Groß-Berlin, befindet sich zurzeit in der Graun Vorortnachrichten. Lichtenberg. Nun hat auch Herr Schott vom Kommunalfortschrittlichen Bürgerverein eine Erklärung abgegeben, die, bei aller Mäßigung im Tom, inhaltlich ein paar allerliebste Nasenstüber sowohl für die Plonz-Schachtel-Gruppe, als auch für Ntr. vom„L. Tgbl." bringt. Nicht ohne einiges Mißvergnügen steckt die Redaktion des Blattes diese reichlich verdiente Zurechtweisung ein und erklärt, daß die Angelegenheit damit für sie erledigt sei. Schmunzelnd könnten auch wir nun diesen Teil der Afsäre als abgeschlossen betrachten, wenn nicht aus einem Nachsatz auf diese Art der Erledigung ein ganz besonderes Licht siele. Daß Herr Stadtrat Koch seinen Re- dakteur jetzt zurückgepfiffen hat, verstehen wir sehr gut. Wieso aber für die Mittelstandsgruppe d-ie„Rücksicht auf die Staidtvcr- ovdnetenwahlen im Herbst" es geboten erscheinen lassen,„von wei- teren Veröffentlichungen über die letzten Stadtratswahlen Wstand zu nehmen", das will uns recht wenig motiviert erscheinen. Sollte die Umgehung der gesetzlichen Vorschriften, betreffend die Geheim- Haltung der Wahl, durch die Haus- und Grundbesitzerfraktion nicht doch ihre Wirkung getan haben und bereits ein unterirdischer Kanal gegraben sein, der die Wiedervereinigung der anscheinend so sehr erzürnten Brüder ermöglicht? Wir werden ja, noch ehe es Früh- ling geworden, Gelegenheit haben, zu sehen, wie weit sich unsere Vermutung als richtig erweist. Neukölln. Bei den am Sonntag vorgenommenen Stadtverordneten- Ersatzwahlen wurden die Genossen Robert Dichte und Ru° dolf Schulz ohne Gegenkandidaten gewählt. Arbeitslosenunterstützung. Der Magistrat erläßt folgende amtliche Bekanntmachung: „Zur Gewährung von Beihilfen an hilfsbedürftige Arbeits- lose beiderlei Geschlechts, welche seit mindestens einem Jahre hier wohnen und mindestens 8 Wochen arbeitslos sind, haben die städtischen Körperschaften einen Betrag zur Verfügung gestellt. Anmeldungen für die Beihilfen werden im alten Rathaus, Eingang Berliner Straße 62, 1 Treppe, Zimmer 506, in der Zeit von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr entgegen- genommen. Bei der Anmeldung ist die Jnvalidenkarte und ein Ausweis über die Dauer der Arbeitslosigkeit vorzulegen Von Montag, den 5. Januar 1914, ab können auch solche Personen Anträge stellen, die bereits eine Unterstützung erhalten haben und bei denen die geforderten Voraussetzungen noch zu- treffen." Morgen, Mittwoch, findet bei Bartsch, Hermannstr. 49, wieder eine der so beliebten Märchenvorlesungen statt. Anfang 5 Uhr. Ende H7 Uhr. Eintritt frei. Es wird gebeten, nur schulpflichtige Kinder zu schicken. Um recht zahlreichen Besuch ersucht die Kam- Mission. Schöneberg-Friedena«. Die Wahlen der Beisitzer zum Kausmanusgericht Schöneberg- Friedenau sinden am Sonntag, den 22. Februar 1914, nachmittags von 2)4 bis Uhr, im Rathaus zu Berlin-Schöneberg, Badensche Straße 59, Zimmer 53(Erdgeschoß), statt. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgehilfe, der bis zum Tage der Wahl das 25. Lebens- jähr erreicht bezw. überschritten hat, in Schöneberg-Friedcnau als Handlungsgehilfe beschäftigt ist und in der Wählerliste steht. Das Einkommen darf 5000 M. pro Jahr nicht übersteigen. Zur Ausübung der Wahl ist daher notwendig, daß sich die wähl- berechtigte,« Handlungsgehilfen in die vom Vorsitzenden des Kauf-, mannsgerichts aufzustellende Wählerlffte eintragen lassen. Diese Eintragung kann nur in der Zeit vom 4. bis zuin 17. Januar 1914 beantragt werden. Der Antrag ist entweder schriftlich an den Herrn Vorsitzenden des Kaufmanns- gerichts im Rathause, Badensche Straße 59, einzusenden oder münd- lich an den Wochentagen von 10—2 Uhr in der Gerichtsschreiberei des Kauftnannsgerichts, Rathaus, Badensche Straße 59, Zimmer 76 (Erdgeschoß), zu stellen. Der Antrag muß enthalten: des Antrag- stellers Vor- und Zuname, Wohnung und Stand und die Angabe der Beschäftigungsstelle. Es ist zweckmäßig, Nachweise beizufügen, die über Alter und Beschäftigungsstelle Auskunft geben(Geburtsurkunden, Militär- papiere, Zeugnisse der Polizeibehörde oder der Arbeitgeber). Wer nicht in der Wählerliste steht, verliert fein Wahl- recht! Darum beantrage jeder Handlungsgehilfe, der in Schöneberg oder Friedenau beschäftigt ist und die Wahlberechtigung besitzt, rechtzeitig seine Eintragung in die Wählerliste. Nähere Auskunft erteilt das Bureau des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen, Berlin, Münzstr. 20, und Gustav Becker, Schöneberg, Cheruskerstr. 14. Die neue Beleuchtungsanlage in der Martin-Lutherstraße ist nunmehr in Betrieb genommen worden. Die bisherige Mittel- beleuchtung reichte infolge der Baumpflanzungen auf der Mittel- Promenade für die seitlichen Fahrdämme und Bürgersteige nicht mehr aus. Die neuen Lampen sind daher unter Erhöhung der An- zahl von 26 auf 48 an geschmackvollen Masten auf den Bürger- steigen aufgestellt worden. Außerdem sind die alten Bogenlampen durch hochkerzige Flammenbogenlampen ersetzt worden, so daß die Martin-Lutherstraße jetzt eine der bestbeleuchteten Straßen Schöne- bergs ist. ltharlottenburg. Der städtische Seefischverkauf im Fleischschauamt, Spreestr. 30, der zu den Feiertagen geschlossen war. wird am Mittwoch, den 7. Januar, wieder eröffnet. Der Verkauf findet wie bisher Mitt- wachs, Donnerstags und Freitags von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachnnttags statt. Fricdrichshagen. Eine Liebcstragödie spielte sich vorgestern in der Friedrich- straße 88 ob. Der 26 jährige stellungslose Kaufmann M. Hintze versuchte feine Geliebte, die 22 jährige Anna Herbst, mit ei««em Revolver zu erschießen, indem er diesen dem jungen Mädchen vor die Brust hielt. Die H. hatte jedoch die Geistesgegenwart, den Mann beiseite zu drängen ui«d mit ihrer Mutter die Wohnung zu verlassen. Darauf schloß sich H.«in, und als die Polizei die Woh- nung öffnete, fand man H. nnt einer Kugel in der Brust tot auf. Tegel. Die Gründung eines Damcnchors bezweckt eine von« Vorstand des Arbeiter-Gesangvereins„Immergrün", Tegel, am heutigen Dienstag den 6. Januar, abei«ds 8)4 Uhr, nach dem Restaurant Müller, Berliner Straße 84, einberufene Zusammenkunft. Sanges- freudige Damen werden um ihr Erscheinen gebeten. Nolvawe». Der ortsübliche Tagclohn für gewöhnliche Tagcarbeiter ist von« Obcrversichcrungsamt neu festgesetzt worden und beträgt jetzt: Für männliche Arbeiter über 21 Jahre. 3. M.,. von.16 bis 21 Jahren 2,50 M., unter 16 Jähren 1,50 M.; für weibliche Personen über 21 Jahre 2 M., von 1.6 bis 21 Jahren 1,50� M., unter 16 Jahren 1,20 M. Dtesc' Festsetzung trat an«'1. Januar in Kraft; siV'giit vorbehaltlich etwaiger Aenderungen zunächst bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Trebbin(KreiL Teltow). Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurde von einem Schreiben des Herrn Haas« Kenntnis gegeben, in welchem dieser mitteilt daß er aus geschäftlichen Gründen an der Annahme des "tadtverordneteninandats gehindert sei. Alsdann wurden die neu- gewählten Stadtverordneten in. ihr Amt eingeführt. Zum Stadi- verordnetenvorsteher.wurde mit 10 gegen 7 Stiimnen, welch, letztere auf den Stadtverordneten Mibbeck entfielen, Stadtverordneter Häuseler,' zum Stellvertreter Stadtverordneter Drachholz gewählt. Als Protokollführer fungiert Herr Krüger, sein Stellvcrt-reteir ist Herr Siebecke. Schriftführer sind die Herren Hagen und Schulze. Der Wteilungskommisswn gehören an: 1. Abteilung: Thiele, Krüger, 2. Abteilung: Maaß, Jung, 3. Abteilung: die Genossen Schönsee und Richter. Als Tag der öffentlichen Sitzungen würde der Donnerstag und der Sitzungsbeginn auf abends 7 Uhr fest- gesetzt._: Jugendveranstalttmge». Baumschulenweg. Am Sonuabcnd. den 10. Januar, abends 8. Uhr, im Lokal von W. Eibe: Vortrag der Kenosfin Küthe DuNcker über:„Bus hat«ms die Schule siirS Leben mitgegeben." Sitzungstagc der Stadt- und Gemeindevertretungen. Pankow. Heute, den 6. Januar, abends 5 Uhr, im Rathause. Grünau. ÄilUvoch, den 7. Januar, abends b'/j Uhr, im Gemeinde- Amtsgebäude, Zimmer 2. Lichtenberg. Donnerstag, den 8. Januar, abends 6 Uhr, im Rathaus, Möllendorssstrage.■' Diese Sitzungen sind öffentlich Jeder Semeindeangetzörige ist de- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. §rauen-Leseabenöe. Friedrichöhagcn. Heute Dienstag, den 6., abends LH, Uhr, im Jugendheim, Friedrichftr. bv, 2. Hos, Part. linlS. Sriefkaften üer Reüattion. Die luriftiu»e e»rea>ft»n»e findet viudenftraSe so, vorn vier Lrelive» — Sadrftnill—, wochentäglich von zu, bis 7«-, Ubr abends, Sonnabends, do« 414 bis 6 Ubr abends flau. Jeder für den Brtefkaftrn»esitmmten«nfrage ist ein Buchstabe nnd ctne gabt als Merkzeichen beizufügen. Briefliche«ntwon wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnemrnisguttnuig beigefügt ist, oerdra nicht bcanlloortet. Eilige Fragen trage man in der Sbrechftnnde von E. G. III. Alle diese Stiftungen untcrslcben der Sttstungsdcputation des Magistrats, Berlin, Poststr. 16.— G. G. 37. Aguma-Werke, Friedr. Thür! u. Cie, Harburg a. E.— P. Z. 78. Alles Nähere erfahren Sie bei der toniglichen Eisenbahndireltion, Schöneberger Ufer 1—4. — Hans Grile. Erzherzog Frönz Ferdinand d'Esle.— I. 99. Nein. — P. St., Charlottcuburg. Die Anspnichssrlst belrägt eine Woche.— P. P. 199. 1. Unseres Erachtens ja. Reichen Sie die Beschwerde beim Vcrsicherungsamt, Amt Köllnischeu Park 3, ein.— P. 991. Soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, müssen Sie zahlen.— Jsralowttz, Brunnen- ftraste. Wir halten den Wirt sür schadeneffatzpflichlig.— P. W. 39. 1. Die Forderung ist verjährt. 2. Rein. 3. Einspruch'erheben innerhalb einer Woche, von der Zustellung ab gerechnet.— A. B. 199. 1. Nein. 2. Ja.— I. B. 199. 1. Wenn im Scheidungsurtcil Ehebruch mit Ihnen festgestellt«st, ist eine Heirat nur möglich, wenn Befreiung von dem Ehe- verbot erjolgt. Ein dahingehender Älnlrag Ist an das Landgericht, welches die Epe geschieden hat, zu richten,«md zwar frühestens ein Jahr von der RechtArast des Urteils ab gerechnet. Eine Verehelichung In der Weise,-wie Sie zum Schlust ihres Briefes erwähnen, macht die Ehe nichlig, autzerdem sind beide Teile strafbar. 2. Ja.— C.®.' 28, Melden Sie Ihre Forderung zu' den Konkursaktcn als bevorrechtigte Forderung an.— E. D. 112. Wenn Ihnen die Sachen noch nicht übergeben sind, kann ein Lcihvertrag mit EigentumZoorbehalt wirksam geschlossen werden. — H. I. Pankow. Nein.— Abt. 29. 1. Ja. 2. Mit Abiaus des Versicherungsjahres kann das Vcrsicherungsvcrhältnis gelöst werden. 3. Rein. — 1. Aus Verlangen der Mutter ja. 2. Nur dann, wenn der Vormund und die Kindesmutter und Ihre Frau zustimmen und die Behörde die Ehelichkeitserklärung genehmigt. 3. Auf. die Entbindungsloslen und aus den Schaden,- der durch die Schwangerschaft entstanden ist. Der Anspruch verjährt in 4 Jahren.— At. F. 33. Ja.— M. G. 59. 1. Wahrscheinlich würden Sie zum Eid kommen, da die Frau beweispslichtig ist. 2. VorauSstchtlich nicht. 3. Nein.— P. Tch.«4. Nur dann, wenn Genehmigung durch den Justizmintster erfolgt. Dem Antrag ist am besten ein amtsärztliches Zeugnis darüber beizusügen, daß Schwangerschaft nicht.vorliegt.— — A. M. 399. 2 M. sür das Kalenderjahr.— E. B. 31. 1. Fordern Sie nochmals, am besten durch eingeschriebenen Brief, den Wirt zur AuS- führung der Reparatur aus und drohen ihm an, daß Sic nach Ablaus der Frist die Reparatur selber ausjühren lassen würden und die. Kosten von ihm erstattet verlangen werden, Das können Sie. alsdann auch tun. Von der Miete dürsen Sie jedoch den verauslagten Betrag nicht kürzen.'Sie könnten dann nur besondere Klage erheben. 2. Wasser besorgen lassen und die etwa ausgewendeten Kosten vom Wirt erstattet verlangen. 3. Ja. 4.-Nein. — E. B. 39. Unverzüglich nach dem Ableben des ErblafferS.— O. S. 45. Nein.- Rich. 24 Nein.- R. B. 29. Wir halten den Postfiskus für ersatzpflichtig. Melden Sie Ihren Anspruti bei der Ober- postdircktion an.— C. M. 199. 1.- Dem Wirt oder Vertreter müssen Sie Zutritt gewähren. 2. Aus Lejragen können Sie lvahrheitSgemäß Aus- kunjt geben._ WtttcrungSüberstcht vom 5. Januar 1913. Statloaen LS Slvinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien ii ef 748 WSW 74g! WSW 7535» 762 S® 767!SA 762 NW Vetter 6 Regen 7|Regen 3bedcckt 4Rcgeit äbedeckt Sstvolkig w« -iü ä« mS> 6 6 4 2 — 1 4 Stationen *1 Z I ife |U Haparanda 746 Petersburg 748 759 Scilly Abcrdeen Paris 743 764 «II 8| NO Still W WSW Vetter bedeckt wölke»! bedeckt wölken! bedeckt tt 25 -17 10 1 4 Wetterprognose sür Dienstag, den 9. Januar 1913. Etwas kühler, zeitweise heller, später wieder unbeständig mit wieder- holten Niederschlägen und starken westlichen Binden. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Nachrtchten der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wettcrbureau Wasserstand M c m e l, Tilfit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen . Frankturt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden . Barby Magdeburg am 4. 1. em 363 188") Vgl4) 1425) 209*) 211°) 21 26) 194-) 56 —8 -116 215 162 seit 3. 1. cm1) +3 0 —12 +5 —3 —2 -14 +1- 410 —12 —10 —3 —6 Wasserstand Saale, Grochlitz H a v e t. Spandau") , Rathenow") Spree, Svremberg") , Beeskow Weser, Münden , Mmden Rhein. MarimilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main. Hanau Mosel, Trier am 4. 1. om .115 108 66 120 153 236 350 360 224 286 99 218 137 I-it 3. 1. om") 45 4» 0 46 42 424 4«2 -4 —25 —25 —6 -11 -11 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—") Untervegel.—•) oberhalb der Stadt Eisstand..—.*) schwaches Gründels in lJ, Slrombrclle.—») Treib» eis.—') Eisgang.— Die obere L c ine hat mittleres Hochwasser Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:Vorwärt»Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co.,- Berlin LW. Nr. 5. 31 Jahrgang. ZMlU des Awirts" Kermn Kximm »«sassaft nwt;, Dienstag. 6. Jannar 1914. Aur Kaufmannsgerichtswahl. Die Wahlen der Beisitzer zum Kaufmannsgericht finden statt a) für Handlungsgehilfen am Sonntag, den 13. Februar, d) für Kaufleute(Arbeitgeber) am Mittwoch, den 18. Fe- bruar. Es sind für jede der beiden Gruppen 180 Beisitzer zu wählen. Wer ist wahlberechtigt? Zur Teilnahme an diesen Wahlen sind berechtigt: a) solche Kaufleute, welche das 25. Lebensjahr vollendet, im Bezirke des Kaufmannsgerichts ihre Handelsniederf lasfung haben und mindestens einen Handlungsgehilfen oder Handlungslehrling regelmäßig das Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigen: b) solche Handlungsgehilfen, welche das 25. Lebensjahr vollendet haben und in dem Bezirke des Kaufmanns- gerichts beschäftigt sind, sofern ihr Jahresarbeitsver- dienst an Lohn oder Gehalt den Betrag von 500(1 Mk. nicht übersteigt. Den Kaufleuten im Sinne dieser Bestimmung stehen gleich die Mitglieder des Vorstandes einer Aktiengesellschaft oder eingetragenen Genossenschaft oder einer als Kaufmann geltenden juristischen Person, sowie die Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Zu den Handlungsgehilfen gehören nicht die pharmazeu- tischen Gehilfen in Apotheken, auch wenn sie nebenher kauf- männische Dienste leisten. Wählerlisten werden nur für die Kaufleute(Arbeitgeber) aufgestellt. Diese Wählerlisten liegen aus vom Donnerstag, den 8. Januar, bis einschließlich Mittwoch, den 11. Januar, an den Wochentagen von nachmittags 4 Uhr bis abends 7 Uhr, am Sonntage von 10 bis 1 Uhr im Wahlbureau, Poststr. 16 II, Zimmer 57. Diejenigen Arbeitgeber, die in die Liste eingetragen sind, sind durch Karte benachrichtigt worden. Diejenigen aber, die keine Karte erhalten haben, aber wahlberechtigt sind, müssen in der oben angegebenen Zeit ihre Eintragung beantragen. Da auf Grund der Verhältniswahl gewählt wird, kommt es auf jede Stimme an!_ Parteiangelegenheiten. Vierter Kreis.(Petersburger Viertel.) Am Sonntag, den 11. Januar, abends 6 Uhr, findet in den„P'-ochtsälen Des Ostens", Frankfurter Allee 1S1/1S2, ein Heiterer Abend statt. Mitwirkende: Fräulein Elsa Colmann, Lieder zur Laute; Herr Riehard Goltz, Wenn beide am Tage zusammen arbeiten, daen sollen sie auch abends gemeinsam spielen und sich bilden. Sich aneinander gewöhnen und gegenseitig achten lernen, ist die beste Erziehung' und bewahrt vor Fehlschlägen. Die Jugendheime stehen unter der Leitung pädagogisch geschulter Erwachsener. Die Jugendlichen habenMitbestinmmngs- recht. Arbeitereltern I Veranlaßt Euere erwachsenen Töchter und Söhne, in die Jugendheime zu gehen. Dort sind sie geschützt vor den Gefahren der Straße, des Alkohols und der Ver- dummung durch die Feinde der Arbeiter. Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Die Jugendbewegung ist ein not- wendiges Glied der Arbeiterbewegung überhaupt. Die Arbeiterjugendheime befinden sich in Berlin N, Brunnenstr. 70; 0, Gr. Frankfurter Str. 122/123; XV/. Wil- helmshavener Str. 21; Adlershof, Bismarckstr. 11; Köpenick, Schönlinder Str. 5; Charlottenburg, Volkshaus, Rosinenstr. 3; Friedrichshagen, Friedrich- straße 60; Johannisthal, Friedrichstr. 63; Lichtenberg, Dossestr. 22; Neukölln. Ideal-Passage und Nogat- straße 15; Ober-Schöneweide, Klarastr. 2; Tegel, Schlieperstr. 30; Tempelhof-Mariendorf, Kaiser- Wilhclm-Str. 76; Baumschulenweg, Ernststr. 24; R o s e n t h a l, Lindenallee 30; Pankow, Maximilian- straße 43a; Britz, Rugiusstr. 3. Der Eintritt ist frei. Rezitationen. sind noch zü lokalen. Billets inklusive Tanz und Garderobe ä 40 Pf, haben bei den Bezirkssührern und in den Bezirks- öerliner Nachrichten. Das Jugendheim. „Mein Heim ist meine Welt!" heißt es in einem alten Spruch. Für die Arbeiterjugend und ihre Heime kann dieser Spruch als Motto gelten. Ein Jugendheim bietet alles, wessen ein junger Geist bedarf. Die Schulweisheit reicht für einen jungen ins Leben tretenden Menschen nicht aus. Sein Geist möchte weiter hinaus, möchte schweifen durch die Gefilde der Wissenschaft und der Kunst. Und nicht nur ernstes Wissen und Genießen braucht ein junges Menschenkind— auch Geselligkeit: denn„nimmer widme dich einem allein", sagt Schiller. Die Räume im Jugendheim sind behaglich ausgestattet und eitel Lust und Freude herrscht in ihnen.... Da erschallt aus jugendlichen Kehlen ein frohes Lied. Da sitzen eifrige Spieler um das Brettspiel und schlagen manche heiße Schlacht, und nichts stört sie dabei. Dame, Schach und Halma er- fordern scharfe Kombinationsgabe und erziehen zur Selbst- Beherrschung und Ausdauer. Im Lesezimmer sitzen einige der jungen Denker, eifrig die Zeitung lesend oder ein Buch, das sie sich aus dem Bibliotheksschrank geholt haben. Dann ruft der Spielleiter zum gemeinschaftlichen Spiel, alles ordnet sich in freiwilliger Disziplin, und beim fröhlichen Spiel ver- gehen die Stunden viel zu schnell.— Ein anderer Abend ist dem ernsten Denken gewidmet. Ein Erwachsener, oder auch ein intelligenter Jugendleiter, hält einen Vortrag, andächtig lauschen die jungen Leute den Worten des Referenten und machen sich eifrig Notizen. Hat der Vortragende geendet, dann wird die Diskussion eröffnet und es werden Fragen gestellt— gewissenhaft werden sie beantwortet. Für Schüchterne ist ein Fragekasten angebracht. Der Jugendliche möchte alles erfahren und sich die Erfahrungen des Alters zu Nutze machen. Er denkt mit Goethe:„Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen!" An den langen Sommerabcnden und an den schönen Sonntagen zieht die junge Schar hinaus auf den Spielplatz und turnt und springt und übt Schlag-, Faust- und Fußball. Die jungen Mädchen spielen Tamburin und Gemeinsam werden dann Kreise gebildet und Plumpsack und Drittenabschlagen gespielt. Das stählt den Körper. Da spannen sich die Muskeln und weitet sich die Brust. Die öde Teilarbeit des Tages droht den Körper zu verkümmern; Be- weguugsspiele beseitigen diese Schäden. Auch Wanderungen werden unternommen. Wie in früherer Zeit die Handwerksgesellen, nur mit Bündel und Wandcrstab ausgerüstet, durch die Lande zogen, so streifen die Jugendlichen durch Feld und Wald, durch Hain und Flur, lassen alle Lokale links liegen und bereiten sich während der Rast auf Feld- kocheru selbst das Mahl. Solche Wanderungen sind billig und wirken erholend auf Geist und Gemüt. Auch Museen und Bildergalerien werden besucht; Aus dem Reiche der Dummheit. „Prophet Johannes" alias Kurpfuscher Weißenberg aus der Gleimstr. 42 hat, wie schon kurz im Gerichtsbericht der Sonntag- nummer gemeldet, einen gehörigen ersten Denkzettsl bekommen, nicht aus der vierten Dimension, sondern vom Schöffengericht in Spandau, das diesem„Heilmagnetiseur", Spiritistenvater und Engelmacher seine Gemeingefährlichkeit bescheinigte. Weißenberg besaß die Frechheit, wegen der wahrheitsgemäßen Darstellung seines gemeingefährlichen Treibens in mehreren Vorortzeitungen gegen den Verfasser dieser Artikel die Beleidigungsklage anzustrengen. Die Feststellungen des Gerichts ergaben die Richtigkeit der in diesen Artikeln behaupteten Vorgänge. Sie deckten sich mit dem, was auch der„Vorwärts" schon vor Monaten in mehreren Artikeln über die gemeingefährliche Tätigkeit des Weißenberg gesagt hatte. In der Gerichtsverhandlung erklärte dieser entweder entsetzlich dumme oder äußerst geriebene Schwindler, daß sich in seinen Geistersitzungen, die er in den„Königsälen" zu Berlin, in verschiedenen Berliner Privatwohnungen und in seiner„Liebeslaube" in Seegefeld bei Spandau veranstaltete, Fürst Blücher, Martin Luther, Papst Leo Xlll. und die Königin Luise zum Wort gemeldet hätten. Auch die von uns schon als Skandal bezeichnete gewalttätige Art, wie Weißenberg in seinen Sitzungen aus hysterischen Weibern«den Teufel austrieb", ist gerichtlich festgestellt worden. In der Urteils- begründung heißt es, das Gericht habe keinen Zweifel, daß Weißen- berg selbst seine„Heiltätigkeit" für Mumpitz hielt. Die religiösen Vorgänge in den Sitzungen seien empörend und unwürdig, sein Treiben müsse als demoralisierend und gemeingefährlich bezeichnet werden. Wird nun die Polizeibehörde, die sonst hinter jedem Dreck her ist, endlich diesem gemeingefährlichen Menschen die Schwindelbude zumachen? Gleichzeitig müssen aber dann auch die von Weißen« berg unter fremdem Namen ebenfalls in der Gleimstraße unter- haltenen verschiedenen„Filialen" geschlossen werden. Da die Dumm. heit nicht ausstirbt, hatte Weißenberg sehr starken Zuspruch und große Geldeinnahmen. Man darf sich nicht immer damit abfinden, daß die Dummheit am Geldbeutel gestraft werden müsse. Wo schwerer gesundheitlicher Schaden angerichtet wird, muß auch die Beschränktheit geschützt werden. Sonntags läuft Weißenberg, der auch einen„Verein dienendes Kreuz" unterhält, mit Klapphut, wallendem Mantel und gelbgeränderter, mächtiger Wunderbibel in die Gethsemanekirche, gefolgt von seiner Gemeinde. Dort sieht man ihn gewiß nicht ungern, angesichts der Tatsache, daß aufgeklärte Menschen der Kirche mehr und mehr den Rücken zukehren. Ein„Jnftitut für Stellunglose". Wir haben uns vor einem Jahre mehrfach mit einer söge- nannten„Grundmannschen Hausmission" befassen müssen, die ihren„Wirkungskreis" von Hamburg nach Berlin aus- gedehnt hatte und hier im Hause Lange Str. 4 2 einen recht flotten Betrieb unterhielt. Die Berliner Filiale machte durch Zei- tungsannoncen, die„sofort Beschäftigung" versprachen, die Stellung- losen auf sich aufmerksam, um dann den sich bei ihr meldenden Personen, die auf Arbeit rechneten, einen Handel mit An- sichtskarten zu empfehlen. Die Stellunglosen konnten die Ansichtskarten bei dieser„Hausmission" kaufen, wofür sie einen Preis zu zahlen hatten, der keineswegs billig war. Sie genossen dabei den Vorteil, daß sie ihre Ware in den von der„Hausmission" gelieferten Kuverts verkaufen durften, deren Aufdruck das Ganze als ein wohltätiges Unternehmen erscheinen ließ und die Stellung- losen dem besonderen Wohlwollen der Bevölkerung empfahl. Selbst- verständlich war den Stellunglosen, die durch Vermittelung dieses Unternehmens sich mit dem Ansichtskartenhandel über Wasser zu halten suchten, aller Erfolg zu gönnen und zu wünschen. Aber daß das Unternehmen kein Wohltätig keitSin st itut war und in erster Linie seinem Leiter samt den in die Filialen hineingesetzten Personen reichen Gewinn brachte, das mußten wir damals fest- stellen. Nachdem der„Vorwärts" in den„Hausmissions"betrieb hinein- Reisenwerfen, geleuchtet hatte, wurde der Aufdruck der Kuverts geändert. Doch war auch jetzt noch nicht für das kaufende Publikum daraus zu er- sehen', daß man es mit einem durchaus privaten Geschäft zu tun hätte. Das sogenannte„Institut für Stellung- l o s e", das aus der Berliner Filiale der„Grundmannschen Haus- Mission" hervorging, hat bis auf den heutigen Tag an der alten Stelle, im Hause Lange Str. 42, weitergeblüht. Leiterin ist jetzt eine Frau D r e w s, die an den zahlreichen, von ihr die Ansichtskarten beziehenden Stellunglosen recht hübsch zu ver- dienen scheint. In denselben Räumen, in denen früher die „Grundmannsche Hausmission" durch einen Herrn C. Meyer die für den Ansichtskarten-Hausierhandel geworbenen Stellunglosen ab- fertigte, sitzt jetzt Frau Drews und streicht Tag für Tag schmun- bisher zeftid das Geld ein, das ein Stellungloser nach dem anderen ihr uns geholfen. Wir sagen unseren herzlichsten Dank für Ihre liebe Mithilfe. Berlin O., Lange Str. 42. Das Institut für Stellunglose. Wohltäfigkeitsabteilung. I. A.: Drews. Dieser Aufdruck dürfte für die meisten Stellunglosen, die ihr Geld zu Frau Drews tragen und ihr die Ansichtskarten teuer bc- zahlen, die Hauptsache sein. Wissen möchten wir nur, worin d i e„W o h l t ä t i g k e i t" b e st e h t, die diese Frau Drews oder die etwa hinter ihr stehenden Personen in ihrem„Institut für Stellunglose" üben. Die Unterschrift„I. A.: Drews" kann auf die Vermutung bringen, daß sie„im Auftrage" handelt. Ist sie eine „Beauftragte" der alten„Grundmannschen Hausmission" oder be- treibt sie das Geschäft auf eigene Rechnung? Ein an uns gelangter Brief fragt allen Ernstes an, ob vielleicht eine Gewerkschaft diesen Ansichtskartenverkauf eingerichtet hctöe. Das ist selbstverständlich eine irrige Annahme, zu der die Verfasserin des Briefes sich durch den oben wiedergegebenen Hinweis auf die Stellunglosen hat ver- leiten lassen. Wir sehen uns genötigt, aufs neue öffentlich fest- zustellen, daß das sogenannte„Institut für Stellunglose" mit seiner angeblichen„Wohltätigkeitsabteilung" ein privates G e» s ch ä f t ist._ Die Krankeukassen i« Zeiten der Arbeitslosigkeit. Die Krankenkassenstatistik, die vom Berliner Statistischen Amt allmonatlich veröffentlicht wird, ergab für Anfang De- zember 1913 in Berlin 871525 Mitglieder, in Berlin und näheren Vororten zusammen 1045 148 Mitglieder. �Gegenüber November ist für Berlin ein Rückgang um 6476 Mit- glieder, für Berlin und Vororte ein Rückgang um 8343 Mit- glieder eingetreten. Im Dezember 1913 stand die Mit« gliederzahl unter derjenigen vom Dez e in b e r 1912, und zwar für Berlin um 22 585, für Berlin und Vororte um 23 353. Schon von Anfang Oktober 1913 an war die Mitgliederzahl unter die desselben Monats von 1912 ge- funken, und seitdem ist das Minus gegenüber dem Vorjahr mit jedem Monat größer geworden. Bei der Mitgliederzahl für Berlin blieben zurück der Oktober um 9475, der November schon um 17 678, der Dezember gar um 22 585 hinter denselben Monaten des Vorjahres, bei der Mitgliederzahl für Berlin und Vororte waren die entsprechen- den Ziffern 8851, 17 614, 23 353. Noch für Oktober und No- vember wirkten die Vororte teilweise ausgleichend, aber für Dezember hat auch das aufgehört. Sondert man die frei- willig Versicherten aus, so erzielt sich für diese kein Rückgang, sondern eine Zunahme. Um so stärker ist dafür der Rückgang bei den pflichtgemäß Versicherten, von denen wegen Arbeits- losigkeit viele ganz ausgeschieden, manckie zu den freiwillig Versicherten getreten sind. Auch die Sonderung nach Ge- schlechtern ergibt Unterschiede in der Bewegung der Mit- gliederzahlen. Wenn wir hier nur die pflichtgemäß Ver- sicherten berücksichtigen, so hat in 1913 der Rückgang gegen- über denselben Monaten von 1912 sich gezeigt in Berlin bei den Männern bereits seit Juli, bei den Frauen seit Oktober, in Berlin und Vororten bei den Männern gleichfalls schon seit Juli, bei den Frauen erst seit November. Für Dezember 1913 betrug bei den pflichtgemäß Versicherten'das Minus'gegenüber dem Dezember 1912 in Berlin 17 503 Männer. 9166 Frauen, zusammen 26 669 Mitglieder, in Berlin und Vororten 21491 Männer,"�577� Frauen(Wr haben die Vororte stark aus- gleichend gewirkt), zusammen 28 068 Mitglieder. ungeahnte Natur- und Kunstschätze bekommen die Jugend- bringt, um ihre Ansichtskartenkuverts nebst Inhalt zu kaufen. Auf lichen zu schauen, berufene Leute bringen sie dem Verständnis einem, im Hausflur ausgehängten Plakat bezeichnet sie ihr Ge- der Jugend näher. Gemeinsame Besuche von Theatern und schäft lediglich als..Verkaufsbureau" und gibt an, daß Stellunglose anderen Veranstaltungen wecken das Interesse für solche und Hausierer bei ihr Ansichtskarten und auch Briefpapier sowie Genüsse.! Wirtschaftsartikel zum Wiederverkau f erhalten. Aber auf den Soweit nicht für die jungen Mädchen besondere Abende, Kuverts, in denen die Ansichtskarten verkauft werden sollen, liest speziell für Handarbeit, eingerichtet sind, gelten alle Ver-, man: anstaltungen für beide Geschlechter gemeinsam, so sehr auch' Wir Stellunglosen bitten herzlichst, unS durch Kauf von An- manche Dunkelmänner darüber die Augen verdrehen mögen. I sichtskarten für den Preis von 10 Pf. zu unterstützen; damit ist Heber den Stand der städtischen Arbeiten wird aus dem Rathause berichtet: Im Versolg der Anordnungen des Magistrats wegen beschleunigter Ausführung städtischer Bauprojekte zur Linderung der herrschenden Arbeitslosigkeit hat. wie wir bereits berichtet haben, die Hochbaudeputation außerordentlich umfangreiche Neu- und Um. bauten in Angriff genommen. Ebenso hat auch die Tiefbaudepuiation für beschleunigte Durch. führung der von ihr ausgearbeiteten Projekte, für welche die Mittel bewilligt sind, Sorge getragen. Am Schleswiger Ufer zwischen Hansabrücke und Achenbach- brücke wird zurzeit ein neues Uferdeckwerk in Eisenbeton hergestellt. Die Arbeiten, die im Herbst begonnen wurden, werden voraus« sichtlich im Frühjahr fertiggestellt werden können. Der Bau der über die Eisenbahn im Zuge der Bornholmer Straße führenden Brücke ist im vollen Gange. Während des Win, ters werden die schwierigen Montagearbeiten ausgeführt. Ferner ist der Unterbau der Fußgängerbrücke über die Spree bei Station Bellevue, die als Ersatz für den jetzt innerhalb der Eisenbahnbrücke angebrachten Fußsteg dienen soll, in Angriff genommen und wird während der Wintermonate fertiggestellt werben. Gleichzeitig wird in den Werkstätten einer hiesigen Firma an der Eiscnkonstruktion für diese Brücke gearbeitet. Zurzeit sind auch noch die Arbeiten«m der Herstellung deS Jungfernsteges, einer Fußgängerbrücke über den GrotzschiffahrtS- weg in der Nähe der neuen Plötzenseer Schleuse im Gange. Die Ausführung fft soweit gediehen, daß die Brücke Anfang dieses Jahres fertiggestellt sein wird. Bei den vorgenannten Arbeiten sind zurzeit auf den Baustellen über 1000 Arbeiter täfig. Die großen Arbeiten, welche der Bau deS Westhafens mit sich bringt, werden hoffentlich demnächst in Angriff genommen wer- den können. Besonders zu erwähnen sind auch die Arbeiten für den Bau der Nord-Südbahn, welche neben der eigentlichen Herstellung der Bahn umfangreiche Verlegungen von Kanalisationsanlagen und anderen Versorgungsanlagen(Gas, Wasser usw.) bedingen.—. Damit ist noch nicht allzu viel getan. Es könnte viel mehr Arbeit geschaffen werden, wenn für alle die Bauten, die nötig sind, die Mittel bereitgestellt würden. Durch ein abrollendes Bierfasi erschlagen. Ein entsetzlicher Unglücksfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich am Dönhoffplatz. Bor dem Restaurant von Zimmer hatte ein mit vollen Fässern bcladener Bierwagen der Brauerei Böhmische? Brauhaus gehalten. Der Biersahrer Philipp Kaul aus der Lychener Straße 28 schaffte die Fässer gemeinsam mit dem Kutscher nach dem Keller, indem er die Fässer die steilen Treppen hinab- rollte. Dabei glitt er auf dem nassen Boden aus, stürzte rücklings die Treppe in den Keller hinab und das Faß fiel auf ihn. Der Unglückliche wurde fast vollständig zermalmt. Ter Brustkasten wurde ihm eingedrückt, die Beine zersplittert und der Schädel zer- trümmert, so daß der Tod unmittelbar darauf eintrat. Die Leiche wurde dem Schauhaus zugeführt. K.. der 33 Jahre alt war, hinter. läßt tiut Wils« mm Mehreren unmündigen Kind«» z. KMze des Lmiirls" Kttlim NcksM. Die Säbelöittatur vor Gericht. Straßburg, ö. Januar 1914. (Telegraphischer Bericht.) Der größte der militärgerichtlichen Prozesse, die sich an die Zaberner Vorgänge anschließen, hat heute früh vor dem Kriegsgericht der 30. Division begonnen. Die Verhandlung findet im großen Schwurgerichissaal des Landgerichts statt und dürfte drei Tage dauern. Alle Plätze im Zuhörerraum sind besetzt, der Zugang ist abgesperrt und der Einlaß findet nur gegen Einlrittskarten stall, die zum großen Teil von den Pressevertretern aus aller Welt in Anspruch genommen sind. Den Vorsitz in der Verhandlung führt General- major v. Pelen-Narbonne, Verhandlungssührer ist auch diesmal, wie schon in dem Prozeß gegen die Zaberner Rekruten und in der Verhandlung gegen den Leutnant v. Forstner der KriegSgerichlsrat v. Jahn. Die Anklage vertritt KriegsgerickUSrat v. O s i a n d e r Das KriegSininisterium in Berlin hat einen hohen Offizier zur Ver- Handlung entsandt. Der Angeklagte Oberst v. R e u t e r ist ein hochgewachsener, schlanker Mann mit scharfen, energischen Gesichtszüge!� und grauem Schnurrbart. Der zweite Angeklagte Leutnant Kurt s ch a d ist ein jugendlicher Offizier von kleiner Figur und mit einem Anflug von Schnurrbart. Als Zeugen sind geladen daS gesamte Offizierkorps des 99. Infanterieregiments, Dutzende von Unteroffizieren und Mannschaften dieses Regiments, eine große Anzahl von Beamten aller Zivilbehörden von Zabern und alle Zivilpersonen, die bei den Unruhen in dieser elsässischen Stadt in dem Pandurenkeller der Kaserne eingesperrt worden sind.— Die militärische Laufbahn des Obersten Friedrich Wolfgang v. Reuter ist solgende: Er ist am 8. März 18(30 in Koburg geboren, hat dem Kadettenkorps angehört und diese? am 12. April 1879 als Selektaner verlassen. Bis zum 7. Juli 188b ivar er Leutnant des 1. Gardefeldartillerieregiments in Berlin. Dann kam er als Sekondeleutnant nach Köln in das Regiment Nr. 6ö und sechs Jahre später nach Magdeburg in das Regiment 6(3. Als Hauptmann war er Lehrer an der Kriegsschule in Engers, als Major gehörte er dem 71. Infanterieregiment in Erfurt an, wurde 1893 nach Kassel versetzt, war dann vier Jahre Kommandeur der Kriegsschule in Glogau und führt jetzt das 99. Infanterieregiment in Zabern. Leutnant Kurt Sckad ist am 23. März 1892 in Hanau geboren. Nach der Feststellung dieser Personalien bringt Kriegsgerichtsrat Ofiander die Anklage ein. Sie lautet: Straßburg. 27. und 28. Dezember 1913. Gegen den Obersten v. Reuter, Kommandeur des Infanterie regimemS 99 und den Leutnant S ch a d im Regiment 99 wird Anklage erhoben, weil sie hinreichend verdächtig erscheinen, 1. Oberst d Reuter am Abend des 28. November 1913 in Zabern in fortgesetzter Handlung unbeftigt polizeiliche Exekutivgewalt übernommen zu haben, indem er das Publikum unter Androhung von Waffengebrauch zum Verlassen des Schloßplatzes und der Hauptstraße aufforderte und eigenmächtig den Platz und- die Hauptstraße durch Untergebene unter dem Befehl des Leutnants Schad säubern ließ; sodann dadurch, daß er die hierbei auf seinen Befehl festgenommenen Zivilpersonen vorsätzlich wider- rechtlich in den Keller der Schloßkaserne eingesperrt und bis zum folgenden Vormittag in Gewahrsam ge halten hat. Vergehen gegen die§§ 132(unbefugte Ausübung eines öffentlichen Amtes, Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geld- strafe bis zu 300 M.), 239(Frsiheitöberaubung, Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 2900 M.), 240(Nötigung, Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis 600 M.), 73(Zusammentreffen mehrerer strafbarer Handlungen, Anwendung desjenigen Gesetzes, welches die schwerste Strafart androht) Reichsstrafgesetzbuch und §§ 115(Mißbrauch der Dieustgeivalt, erhöhte Strafe für Täter oder Anstifter), 53(die erhöhte Freiheitsstrafe kann das Doppelte der für das betreffende Vergehen angedrohten Freiheitsstrafe er- reichen) und 54(Zusammenziehung zu einer Gesanilstrafe) Militär- strafgesetzbuch. 2. Leutnant Schad in verschiedenen selbständigen Handlungen zu Zabern am 26. November 1913 einen Bankbeamten widerrecht« lich durch Gewalt zu einer Handlung genötigt und zugleich des Gebrauchs der persönlichen Freiheit beraubt zu haben, indem er ihn für verhaftet erklärte, durch eine Patrouille abführen und nach der Schloßwache bringen ließ; sodann weiter in Ausübung des Dienstes am 28. November 1913 einen Schlosserlehrling vor- sätzlich körperlich mißhandelt und an seiner Gesundheit geschädigt zu haben, indem er ihm einen Schlag ins Gesicht versetzte, sodaß der linke untere Eckzahn abbrach; an demselben Tag in zwei Wohnungen in Begleitung von Patrouillen widerrechtlich einge- drungen zu sein. Vergehen gegen die§§ 123, 223, 240, 73, 74, 61 Reichsstrafgesetzbuch und 54, 55 Militärstrafgesetzbuch. ES folgt die Vernehmung der Angeklagten. Angeklagter Oberst v. Reuter (mit lauter und fester Stimme): Ich muß eines vorausschicken: Was meine Untergebenen, Leutnants, Unteroffiziere und Musketiere, getan haben, das haben sie lediglich auf meinen Befehl und meine Veranlassung getan und ich trage ganz allein die Verantwortung für da», was geschehen ist.(Mit besonderer Betonung): Diese Vcr antwortung nehme ich voll auf mich. Ich habe vor etwa einem Jahre das Regiment in Zabern übernommen. Ich bin mit der Empfindung nach Zabern gegangen, daß es für»sich, nachdem ich in verschiedenen Garnisonen des Reiches tätig gelveien war, von be- sonderem Interesse sein würde, hier an der Westgrenze auch einmal Dienst zu tun. Dieser Dienst ist ja in militärischer Hinsicht ein besonders interessanter Fall. Ich bin mit Sympathie für die Bevölkerung hierher gegangen. und hatte den Eindruck, als ob ich sehr bald große Kühlung mit der Zivilbevölkerung von Zobern bekomme» halle. ES war mir gesagt worden, daß früher hier Differenzen mit der Presse bestanden hatten. Ich bin daher zu den beiden Zeitungen in Zaber» gegangen und habe gebeten, wenn sie etwas über das Regiment erführen, erst doch bei mir anzufragen, iw würde ihnen gern Auskunft erteilen. Die eine Zeitung hat dreS auch loyalerweiie getan. Es hat sich nach meiner Meinung mit der Zell ein gutes Verhältnis heraus« gebildet. Ich bin dann für kurze Zeil nach Berlin auf die Schieß« schule gegangen. Ich war zufälllg einmal im Reichstag als der Abg. Noske sprach. Ich hatte dabei Veranlassung zu dem Gefühl, daß das. was er von schlechten Beziehungen zwischen Militär und Zivil- bevölkerung sagte, auf Zabern nicht zutreffe. Kurze Zeit nachdem ich wieder in Zabern war, erschien auf einmal im.Zaberner An- zeig«' ein Spottgedicht auf einen Offizier und zwar mit voller Ramensnennung. Der Offizier halte weiter nichts getan, als daß er einen Musketier einer fremden Gar- n i s o n feststellen ließ, da er den Unteroffizieren keine Ehrenbezeuguug geleistet hatte. Ich habe deshalb an die Redaktion geschrieben, sie hat sich entschuldigt, da sie niemand habe beleidigen wollen und ich dachte an eine vereinzelte Entgleisung. Kurze Zeit darauf wurde ein Hauptinann von der Zeitung angegriffen. Der HaupMiann hatte etneii Vostbeamteir ge« beten, deutsch mit ihm zu sprechen, und es sich in einem Rcslaurant »erdete«,»aß immer Streichhölzer mit französischer Aufschrift ausliegen. Der Hauptmann hat m i t mir darüber gesprochen. Obwohl niemand sonst dabei war, ist diese Unterhaltung im „Zaberner Anzeiger" erschienen. Ich versuchte festzustellen, toie das in die Zeitung gekommen sein ionntc, aber vergeblich. Ich ließ die Sache auf sich beruhen und eS wurde wieder still. Die Reibungen gingen aber nach einiger Zeit weiter. Es kam ein Flieger nach Zabern und ich bin selbst auf dem Flugzeug gefahren. Trotzdem tadelte ein Artikel iin„Anzeiger", daß beim Regiment ein Interesse für Flugzeuge nicht zu bestehen scheine. Nach den Manövern kamen Ivieder Artikel. Es wurde bemängelt, daß die Einjährigen auf einmal in der Kaserne wohnen mußten, und es wurde gesagt, es müsse ja jetzt ein sehr scharfer Herr an der Spitze des Regiments stehen. Na, wenn mir das nachgesagt wird, das lasse ich mir gefallen. Ich habe die Einjährigen allerdings in die Kaserne genommen, weil ich es im Interesse der Ausbildung im inneren Dienst für die erste Zeit für notwendig halte. Soweit meine persönliche Stellung in Frage kam, hatte ich immer noch das Gefühl, daß ich mit der Bevölkerung gut stände. Der Redakteur des„Zaberner Anzeigers' ist ja ein Sachse und gar kein Elsässcr und mit den E l s ä s s e r n waren Reibungen noch nicht vorgekommen. Ich habe Elfässer stets gern um mich gehabt und auch mit einfachen Arbeitern, die ich schätzen und achten gelernt habe, habe ich freund- schaftlich verkehrt. Ich habe keine Veranlassung gehabt, zu glauben. daß ein schlechtes Verhältnis bestehe. Einen anderen Eindruck habe ich allerdings bekommen von dem Verhältnis der Unter- o s f i z i e r e und M a n Ii f ch a f t e n zu den Zivilbchörden und speziell zu den Gerichtsbehörden in Zabern. Es hatte einmal eine Schlägerei zwischen Ziviliften und Mann- schaften stattgefunden, die Zivilisten wurden freigesprochen, während die Mannschaften verurteilt wurden. Die Manuschaiten sind im Ge- fühl ihrer Unschuld bis an das Reichs Militärgericht gegangen, haben aber ihre Strafe verbüßen müssen. Die Zivi- listen, die auch mitgeschlagen hatten, wurden nicht bestraft. Ain Neujahr 1912/13 gab es auf dem Schloßplatz eine Schlägerei zwischen Zivilisten und Soldaten. Die Soldaten wurden wegen inilitärischen Vergehens bestraft, die Z i v i l i st e n nicht einmal in Allklagezustand versetzt. Diese Vorgänge waren für mich der Anlaß, einen B r i e f an den Bürgermeister zu schreiben. Ick schrieb ihm, ich würde gegen meine Unteroffiziere und Mannschaften, wenn sie Veranlassung zu Schläge, eien geben sollten, streng vorgehen, ich wies aber darauf hin, daß die Mannschaften schon wegen ihrer Uniform leichter festzustellen seien als Zivilisten, und hielt es daher siir notwendig, daß die Schutzmannschaft dafür sorge, daß die Mann« schaften gegen die Angriffe von Zivilisten geschützt werden. Weiter habe ich ineinen Maimschaften allerdings gesagt, daß i n berechtigter Notwehr sie von ihren Waffen so energisch Gebrauch mache» sollten, daß die Beleidiger und Angreifer tatsächlich festgestellt werden können. Dann kam auf einmal ein Ersuchen von der Staatsanwalt- schaft in Zabern, es wäre in Pfalzburg gestohlen worden und Unter- offiziere meines Regiments seien des Diebstahls verdächtig; ich sollte eine Haussuchung bei den Unteroffizieren vornehmen. Ich habe es getan, weil ich annahm, daß die Staatsanwaltschaften mit solchen Anträgen immer sehr sorgfältig vorgehen. Es stellte sich aber heraus, daß kein Unteroffizier an dem Diebstahl beteiligt gewesen war. Das ganze Unteroffizierkorpö mußte aber sich durch den schweren Verdacht beleidigt sehen und ich nahnt Veranlassung, dein Oberstaatsanwalt in Colmar mitzuteilen, daß meine Unter offiziere gegen solchen Verdacht geschützt werden m ü s s e n. Es wurde nsir gesagt, ich brauchte einem solchen Er suchen der Staatsanwaltschaft nicht nachzukommen. Ich habe mir das hinler die Ohren geschrieben und werde es nicht wieder tun! Von einem Musketier wurde Strasantrag gestellt, weil ihn auf der Straße mehrere Leute beschimpft und geschlagen hätten. Die istaatsanwalt schaft vernahm ein Mädchen, das sagte, es hätte nichts getan und nun blieb die Sache liegen. Nach einigen Monaten frug ich an, wie die Sache stände und bekam keine Antwort. Endlich am 3. Dezember, also jetzt nach den Unruhen sind einige Leute verurteilt worden und zwar�zu ganzen 10 M. Geldstrafe. Dazu war ein Adjutant auf der wtraße beschimpft und beleidigt worden. Ich stellte Strafantrag, er schwebt noch. Es war mir auch aufgefallen, wenn ich meine Mannschaften abends fragte, was sie tun, warum sie nicht ausgnigen, daß sie dann sagten, sie blieben lieber in der Kaserne, sie wollten nicht in Ungelegenhelten kommen. Dabei sind es Rheinländer, die sich gern abends amüsieren. Im Manöver hat sich das Regiment gut gehalten und die Anerkennung meiner Vorgesetzten gefunden. Ganz besonders haben sich die jungen Leutnants ausgezeichnet. Trotz der größten Anstrengungen am Tage sind sie nachts frisch und fröhlich auf Patrouille gegangen und haben mir wichtige Meldungen gebracht. Es war eine Lust, das zu sehen, und ich kam mir deni Gefühl aus dem Manöver zurück, daß man mit diesen Leutnants alles machen kann, daß sie so sind, wie m a n Z' i e im Krieg braucht. Sie können sich denken, meine Herren Richter, daß ein gewisses warmes Gefühl der An Hänglichteil für diese jungen Offiziere nach dem Manöver sich bei mir eingestellt hat. Am 6. November 1913 erschien dann im„Zaberner Anzeiger' ein Anikel, in dem mitgeteilt wurde, daß der Leutnant Freiherr v. Forstner in der Jnstruktionsstunde gesagt haben sollte, wer einen WackeS»iedersiechc, bekomme von ihm eine Belohnung von 10 M. und ein Unteroffizier soll hinzugefügt haben, er würde uoch 3 M. extra dazugebe«. Die sofort angestellte Untersuchung ergab, daß der Leutnant Freiherr v. Forstner diese Aeußerungeu nur bedingungsweise getan Halle, sür den Fall, daß Sotdalen augegrifse» würden. Da- gegen inußte ich feststellen, daß wiederuin Man tisch asten über Vorgänge, die in der Kaserne sich abgespielt hatten, außerhalb der Kaserne gesprochen und sich mit ihren Beschwerden an einen Zeitungsredalteur gewandt hatten. Ich halte es bisher für aus- geschloffen gehalten, daß Soldaten von hinten herum sich mit Be- schwerden an einen Redakteur wenden, wo sie doch wissen, daß sie den«chutz der Vorgesetzten in hohem Maß ge- n i e ß e n, wenn ihnen irgend ein Unrecht geschieht. Von diesem Artikel im„Zaberner Anzeiger" nahm nun eine Heye in der Bevölkerung und eine dauernde Hetze deS.Zaberner Anzeigers" ihren Ausgang. Es wurde die Berieyung des Freiherrn von Forstner gefordert und Offiziere auf der Straße andauernd ge« hänselt und geneckt. Vor allem wuvde hinter dem Leutnant v. Forstner hergerufen„Bett...... I* und„Das sind die 10 Mark- Offiziere I" Die Schimpfworte mehrten sich, vor allem aber sammelten sich jedesmal, wenn Offiziere über die Straße gingen, Menschen an, die die Offiziere beschimpften und beleidigten. Ferner liefen bei den Offizieren a n o n y m e D r a h b r i e f e ein, die schwer beleidigende!! Inhalts waren. Es ivar z. B. gesagt, daß ein Elfässer der Briefschreiber sei, der bei unserem Regimcut gedient habe, uns aber auspncke und verachte. Wir wandten uns um Schutz an die Polizei und die Zivilverwaltung, nmßten aber sehr bald ein dauerndes Versagen der Polizei feststellen. Es drängte sich mir immer mehr die Ueberzeugung auf, daß ich die Sache selbst in die Hand nehmen müsse, weil sonst an die Wiederherstellung der Ruhe nicht zu denken sei. So kam der 27. November beran, an dem sich wieder Aufläufe, Ansammlungen und immer größere Belästigungen der Offiziere ereigneten. Ich gab deshalb dem Leutnant Schad den Auftrag, eventuell sehr scharf vorzugehen, die Schreier festzunehmen, da unser Antrag bei der Polizei, die Schreier festnehmen zu lassen, ganz wirkungslos geblieben war. Ich habe serner aus Anlaß der Tatsache, daß Soldaten außerhalb der Kaserne etwas weitergeplaudert hatten, mit m e i n e m R e g i m e n t ein sehr e r n st e s W o r t g e s p r o ch e n. Ich habe den Mann- schaften streng untersagt, irgend enoas.was im Dienst vorkommt, draußen zu erzählen. Kaum hatte ich diese Rede gehalten, als sie auch schon am nächsten Tage in der Zeitung stand. Da sagte ich mir, es ist notwendig, scharf vorzugehen, und daS geschah. ES machte auch Eindruck, denn ich brachte nun heraus, wer der Soldat war, der alles zum„Zaberner Anzeiger" brachte. Es war zu- fällig in e i n P f e r d e j u n g e, ein bis dahin v o n m i r sehr geschätzter Soldat, der nun der gesetzmäßigen Strafe verfiel. Am 28. November wurde mir abermals gemeldet, daß sich Menschen ansammelten und mitgeteilt, daß ein Leutnant gezwungen gewesen sei, einen Mann festzunehmen. Die Leutnants waren vom Turnunterricht gekommen und wieder beschimpft worden. Es herrschte große II n ruhe und großer Lärm auf den Straßen. Ich selbst sah, wie hinter einein Offizier Leute herschrien und eine große Menge hinter dem Offizier herlies. Wieder war k e in Schutzmann z u sehen. Jcki fragte mich jetzt, was zu tun ist, itild sagte mir, daß ich die Pflicht habe, meine Offiziere zu schützen und daß endlich Ruhe eintreten muß, unbedingte Ruhe. Ich halte inir am Tage vorher alle Bestimmungen durch» gelesen und auch höhere Stellen hatten die Bestimmungen genau angesehen. Ich war berechtigt und verpflichtet, bei Störung der öffentlichen Ruhe al» militärischer Befehlshaber für die unbedingte Herstellung derjlluhe zu sorgen, wenn die Zivilbehörde es an dem notwendigen Schutz fehlen ließ. Sobald aber für mich der Zeitpunkt meines selbständigen Eingreifens gekommen war, gingen alle Anordnungen zur Wieder- Herstellung der öffentlichen Ruhe von nur allein aus und die Zivilbehörde» hatten sich zu füge», bis die Ruhe wiederum hergestellt war. Verbandlungsf.: Wo steht das?— A n g e k l. Oberst v. Reuter: In den Vorschriften über den Waffengebrauch des Militärs.— Ve r Handlung« f.: Sie haben da eine Kabinettsorder aus dem Jahre 1820 im Auge: haben Sie sich über ihre Gültigkeit irgendwie Gedanken gemacht?— A ii g e k l.: Nein. Ich dachte, ich bin preußischer Soldat und was der König sagt, das gilt sür mich. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. G r o s s a r t: Bestehen denn irgend wclckie Bedenken gegen die Gültigkeit der Kabinettsorder? — Verhandlungsf.: DaS wird im Plädoyer auszuführen fein.— Angeklagter: Ich hatte das Gefühl, daß ein End« mit den ewigen Beschimpfungen der Offiziere gemacht werden müsse. Aber das war nur zu erreichen, wenn Ernst gezeigt wurde. Daher beauftragte ich den Leutnant Schad, alle Schreier festnehmei� die Seitengewehre auspflnnze» und es eventuell zum Enistfall kommen zu lassen. Wir wehrten un» dagegen, daß wir dauernd beschimpft und gehänselt wurden. Nun erteilte ich dem Leutilant(schad den Befehl zum Ausrücken. Die Straße war schwarz von Menschen, die Leute standen Kopf an Kopf und beschimpften die Soldaten. So schnell aber di« Menge sich zusammengefunden hatte, so schnell war sie auch aus« einandergelaufen, als das Militär Ernst zu machen schien. Verhandlungsf.: Wie groß war die Menschen« menge etwa?— Angekl.: ES können 40, 50, vielleicht auch 100 Menschen gewesen sein. Die Menge schrie laut. Ich habe mich an die Seit« meines Offiziers gestellt, um eventuell selbst den Befehl zum Schiesten zu geben, das wollte ich nicht einem so jungen Menschen allein über- lassen. Es kam aber nicht dazu, die Menschen liefen weg. Nach dieient Vorfall telephonierte ich an den Kreisdirektor, um ihm von dem Vorfall Mitteilung zu machen. Der KreiSdirektor aber war zu einem Diner nach Straßburg gefahren, es war niemand bei der Kreisdirektion da. Der Bürgermeister lag im Bett, also war von den obersten Behörde» niemand anwesend. Dann wurde mir ge- meldet, daß Leutnant Schad verschiedene Personen, etwa 30, fest« genommen hatte, darunter mehrere Mitglieder des Zaberner Gerichts. Ich ging zu diesen Herren in die Wachstube und fragte sie, weshalb sie sestgenoinmen ivurden. Landgerichtsrat Kalisch sagte mir, sie seien gerade vom Gericht gekommen und hätten gesehen, wie Sol- baten Leute festgenommen haben. Leutnant Schad hätte auch sie aufgefordert, iveilerzugehen, sie hätten aber nicht Folge geleistet, weil der Offizier nicht das Recht gehabi hätte, diese Anordnung zu treffen. Da habe ich dem Land- gerichtsrat gesagt:„Es tut mir leid. Herr Landgerichtsrat, aber der Herr Leutnant war im Recht und Sie i m II n r e ch t. Ich hatte ihm befohlen, dafür zu sorgen, daß niemand stehen bleibe und den Befehl mußte er ausfuhren. Da Sie stehengeblieben waren, mußte er gegen Sie vorgehen". Ich habe diese Herreu vom Ge« richt sofort entlassen. Die übrigen sestgeuoinmeiirii Personen aber konnte» wir nicht sofort entlassen. Wir durften sie mcht der Polizei übergeben, sondern mußten erst einmal genau feststellen, was sie denn getan hatten. Nur dadurch, daß wir jetzt einmal Ernst zeigten und daß die Leute merkte», daß es nicht damit ge- tan ivar, daß sie aufs Amtsgericht gebracht und daß ihnen da„Danke schön" gesagt werde, war es überhaupt möglich, daß Ruhe eintrat.(Mit besonderer Betonung): Ich bin fest überzeugt, daß ich nur dadurch, daß ich die Leute über Nacht in der Kaserne behielt, erreichte, daß keine Straße>t unruhen entstanden und e n dl l ch die Zivilbehörden eingriffen. Nur so war es möglich, Blutvergießen zu verhindern.— Verhandlungsf.: Haben Sie nicht mit dem Kreisamtmann gesprochen?— Angekl. Oberst v. Reuter: Jawohl. Der Kreisamtinann Großmann hat mich gefragt, ob ich es zum Blutvergießen kommen lassen würde. Ich sagte, jawohl, es kann Blut fließen und unter gewissen Be« dingungen ist es sogar sehr gut, wenn es dazu kommt, denn wir verteidigen das Ansehen und die Ehre der ganzen Armee und die stark erschütterte Autorität der Regierung. Ich habe mich mir Absicht so stark ausgedrückt, nicht aus Blutdurst, sondern iveil ich mir sagte: Sage ich dem Kreisaintmann, wir machen nur Spaß, dann geht er hin und sagt den Leuten, es sei nicht so schlimm— und dann werden die Unruhen niemals ein Ende nehmen. Ich hatte die Ueberzeugung, daß unser« Regierung die Zügel aufderErd« schleifen ließ. Nu» wird via« mich fragen, war»» ich di» verhaftetes«cht ...— einem Zimmer untergebracht habe. Es war aber lein Raum ,n der Kaserne frei, es stand nur ein Keller zur Verfügung Deshalb wurden die Verhafteten in den Keller gebracht und ein Posten davorgestellt. Dos hat mir leid getan, aber ich hatte keinen anderen Raum und die Verhafteten niusztcn untergebracht werden Wer Offiziere oder Mannschaften beleidigt, der mufz die Kon sequenzcn tragen! Bald kam ein Arbeiter zu mir und sagte, ich möchte doch seinen Jungen herauslassen, der hülle nichts zu essen Ich habe das abgelehnt und angeordnet, daß die Leute etwas zu essen bekommen• sie habe» auch Decken für die Nacht bekommen und sie wurden auf zwei Räume verteilt, so gut es eben ging. Bis L'/g ilhr nachts fanden Vernehmungen durch die Offiziere statt und am andern Morgen um 8 Ilhr ging es weiter. Der Leutnant Schad muß sich nach meiner Meinung auch berechtigt gehalten haben, in Häuser einzudringen, wenn aus den Häusern geschimpft wurde. Die Soldaten hatten Gewehre mit aufgepflanztem Bajonett mitbekommen, sie mußten sich eventuell gegen Angriffe verteidigen und Ernst machen, wenn sie nicht lächerlich werden wollten. Aber ich glaube, daß ich durch mein Vorgehen die Bevölkerung vor schwererem bewahrt und durchgescht habe, was ich wollte, nämlich, daß die Bevölkerung eingesehen hat, daß wir Soldaten nicht dazu da sind, uns beschimpfen zu lassen, daß die Staatsgeivalt gewahrt werden muß von der Zivil gewalt oder vom Militär, das ebenso ein Teil der Staatsgewalt ist, wie die Zivilbehörde. Die Zivil- behörde griff immer erst zu spät zu. Ich habe das Gefühl, daß wenn die Gendarmen einmal einen Schreier auf frischer Tat fest- genommen, ihn vor den Richter gestellt und er am nächsten Tag bestraft worden wäre, daß dann unser Einschreiten nicht notwendig gewesen wäre. So aber habe ich mit voller Abficht die Leute cinc» Tag in Haft behalten. Verhandlungsfiihrer: Herr Oberst, waren Sie sich b e w u ß t, daß Sie rechtswidrig handelten, als Sie die Leute f e st hielten?— Angekl.: Nein. Ich war Seiner Majestät dem Kaiser dafür verantwortlich, daß Gch li miner es verhütet wurde. Dazu aber war es erforderlich, daß ich die Leute nicht herausließ. Ich mußte sie dabehalten nach den Be- stimmungen des Gesetzes. Das Gefühl der Rcchtswidrigkcil habe ich absolut nicht gehabt und habe es auch heute nicht, ich habe vielmehr dem Gesetz und meiner Pflicht gemäß gehandelt, ich glaube, ich würbe in einem spätere» Fall nicht anders vorgehe».— Verhandlungsführer: Ist Ihnen nicht das Bewußtsein der Rcchtswidrigkeit gekommen, als Sie mit I u r i st e» sprachen?— Angeklagter: Nein. Ich habe den Juristen gesagt, jetzt hört alle Jurisprudenz auf, es lag mir auf der Zunge zu sagen: Jetzt regiert Mars die Stunde! Ich habe das aber nicht gesagt, ich habe jedoch auf Grund meiner eigenen Verantwortung entschieden und nach bestem Wissen ge- handelt. Was die Juristen für ihre Person sagten, das war für mich nicht maßgebend. Sie waren Partei und i ch handelte als Soldat.— Vertreter der Anklagebchörde: Ist es richtig, daß der Angeklagte nach dem Einschreileu des Militärs mit dem KreiSamtmann Großmann verhandelt und daß K r e i s a m t« mann G r o ß m a n n dem Angetlagten ausdrücklich die ganz bestimmte Zusicherung gegeben hat, daß er mit der g e- samten Gendarmerie lind allen Polizeidienern auf das a l l e r e n e r g i s ch st e einschreiten und jeden Menschen festnehmen werde, der sich auf der Straße irgendwie un- gehörig gegen eine Miliiärperson benähme. KreiSamlmann Großmann soll dabei erklärt haben, er biete jede Garantie dafür, daß die Ruhe und Ordnung auf der Straße wieder hergestellt werde, so daß ein Eingreifen des Militärs nicht mehr nötig sei. Darauf soll der Angeklagte Oberst SIeuter dem Kreisamtmann Großmanu erklärt haben, baß er damit einverstanden und zufrieden sei. Ich will nun wiiien, weshalb n a ch Jueier Zusicherung der Zivilgewalt und nach dieser Erklärung des Obersten Reuter, nachdem die Polizei- aussichr also wieder in die Hände des RcgierungsamtmanneS übergegangen war, trotzdem die Eingesperrten nicht frei- gelassen oder der Zivilgewalt übergeben wurden. — Angekl.: Es ist richtig, daß mir KreiSamtmann Großmann versprochen hat, dafür zu sorgen, daß die Straße gesäubert würde. ES waren denn auch in der Tat eine Zeitlang keine oder wenig Menschen auf der Straße. Allmählich liefen sie aber doch wieder zusammen, es blieben auch ziemlich viel Menschen stehen, aber sie hüteten sich wenigstens, in drohender Weise vorzugehen und die Offiziere weiter zu beleidigen, so daß ein Eingreifen mit der Waffe nicht mehr notwendig war. Aber davon konnte keine Rede sein, daß wir die Verhafteten ohne weiteres hätten freilassen können. Wir mußten doch beiürcklen, daß, sobald wir diese Leute wieder in Freiheit setzten, die Un« ruhen von neuem ausbrechen könnten.— Vertreter der Anklage: KreiSamtmann Großmann soll aber ausdrücklich die Garantie übernommen haben, daß die Festgenommenen, soweit dies notwendig war, im Amtsgerichtsgefängnis unter- gebracht würden und daß auch ihre Ueberfiihrung dorthin erfolgen werde, ohne daß allzu großes Aussehen erregt würde. Angekl.: ES ist nicht richtig, daß ich die P o l i z e i g e w a I t aus- drücklich an den Kreisamtmanu Grofiuwnn zurückgegeben hätte. Außerdem konnte für uns von einer Freilassung der Verhafteten gar keine Rede sein, solange sie nicht sämtlich von uns eingehend ver- nommen waren. Ich hatte mir jederzeit daS Recht vorbehalten, wenn es notwendig sein würde, dem Gesetz entsprechend mit Militürgewalt einzugreifen. Vorfitzender Generalmajor v. P e l e t- Narbonne: Dann ist eS wohl richtig, daß Sie daS V e r t r a u e n zur Polizei vollkommen verloren hatten?— Angekl.: Jawohl, vollkommen verloren. Damit ist die Vernehmung des Obersten Reuter beendet. Es folgt die Vernehmung des Leutnants Schad. Aus die Frage des BerhandlungSleiters erklärt er: Die Bevölkerung wollte uns die Straße verbieten, sie verhöhnte und beschimpfte uns, und die Polizei unternahm nicht das geringste. Wir waren vollkommen schutzlos, das Volk konnte johlen und brüllen, und wir sollten nicht mehr auf die Straße gehen. Da gab Oberst Reuter uns und besonders mir den Befehl, vor- zugehen, die Schreier festzunehmen und dann zu vernehmen. Zuerst habe ich den Bankbeamten Cahn festgenommen, der mich ausgelacht hatte.— Verhandlungsf.: Haben Sic denn gesehcn, daß Cahn ge- lacht hat?— Angeklagter Schad: Persönlich habe ich ihn nicht lachen sehen, aber ich hatte ihn in Verdacht, daß er gelacht hätte.(Heiterkeit.j Zwei meiner Leute wollen be- schwören, daß sie ihn haben lachen sehen. Das Johlen und Pfeifen der Menge wurde immer schlimmer, und deshalb befahl uns Oberst Reuter, wenn die Schreier in die Häuser flüchteten, auch dort einzudringen und die Leute festzunehmen. Ich hielt mich dazu für berechtigt, weil es sich ja um eine Festnahme ans frischer Tat handelte. Als wir die Straße säuberten, gingen die Arbeiter ruhig weiter, aber die Herren vom Gericht weigerten sich. Der Staatsanwalt nahm sogar eine herausfordernde Haltung ein. sHeiterkeit.) Laudgerichtsrat Kaiisch sagte mir, ich hätte ihm gar nichts zu sagen, und da habe ich ihn s e l b st v e r st ä n d l i ch f e st- genommen.(Heiterkeit.) Einer Körperverletzung habe ich mich nicht schuldig gemacht. Ich habe den Jungen, den ich verletzt haben soll, gar nicht angefaßt. Wir haben alle verhaftet, die wir im Verdacht hatten, »nS beleidigt zu haben. Denn die Bevölkerung war zu feige, n n S ins Gesicht hinein zu beleidigen. Die schlimmsten Elemente versteckten fich in der Menge, und wir waren deshalb auf Vermutungen angewiesen. Nachdem sie die Beleidigungen ausgestoßen hatten, liefen die Schreier in die Häuser hinein, und wir mußten sie natürlich dorthin ver folgen, um sie zu ergreifen. Ich habe sogar einige Haustüren einschlagen müssen. Verhaudliingsführer: Sie hatten also nicht das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit?— Angekl. Leutnant Schad: Nein, im Gegenteil, ich habe nach Recht und Gewissen gehandelt. Hierauf beginnt die Zeugenvernehmung und als erster wird Kreisdirektor Mahl aus Zaber» vernommen: Ich bin bei den ersten Vorgängen nicht dabei gewesen und überhaupt außerordentlich wenig über die ersten Vorgänge von Oberst v. Reuter instruiert worden. Man hat den KrciSdirektor, obwohl er der Chef der Polizei ist, völlig ignoriert. Eines Tages lief bei der Ortspolizeibehörde ein Brief des Obersten v. Reuter ein, worin um Schutz gebeten wurde gegen die lästigungen der Offiziere durch Zivilpersonen. Ich'ljabe daraufhin einen W a ch t m c i st c r beauftragt, für den notwendigen Schutz zu sorgen. Er hatte drei Gendarmen und drei Schutzleute z u r V e r fü g u n g. Es wurde auch bald wieder alles ruhig. Ich babe der Schutzmannichaft außerdem eingeschärft, gegen Ruhe störungen und Beleidigungen st r e n g vorzugehen. Den Bürger meister ersuchte ich, alle Polizeibeamten und Feuerwehrleute ständig bereitzuhalten, um eventuell, wenn es notwendig wäre, einzugreifen. Außerdem stellte ich dem Bürgermeister noch ciue Anzahl Gendarmen für den Schutz der Offiziere zur Verfügung. Es wurden besonders für die Zeit, wenn Leutnant von Forstner die Ronde halte, Un ruhen befürchtet. Eines Nachmittags wurde gemeldet, daß bei der Ortspolizei vom Oberst von Reuter ein Brief ein- gelaufen sei, indem er mit der Verhängung des Belagerungszustandes drohte. Es seien Offiziere von neuem belästigt und gehänselt worden. Ich antwortete, daß ich alle Anordnungen getroffen b ä t t e und t r e ff e n w ü r d e, um die Offiziere zu schützen; daS Recht, den Belagerungszustand zu verhängen, stände bei Seiner Majestät dem Kaiser. Diesen Brief bekam ich nach wenigen Minuten mit einer Bemerkung des Obersten zurück, daß sich neue Menschenmengen auf den Slraßen sammelten, daß die Gen darmen sofort eingreisen sollten und daß er über seine Rechte und Pflichten genau unterrichtet sei. Ich bin dann mit dem Bürgermeister zusammen durch die Straßen ge- gangen und wir haben uns die Menge angesehen Sie bestand zu drei Viertel» aus Frauen und Kindern. Die Polizei nahin etwa 20 Verhaftungen vor. Aufreizend wirkte es auf die Menge, daß die Offiziere, umgeben von atrouillen mit aufgepflanztem Bajonett die Straßen auf und ab marschierten und ostentativ den Säbel schleppen ließen. Leutnant v. Forstner tat cm übriges; er stand in der Litewka vor -einer Wohnung und rauckte eine Zigarette. Mit dem Obersten v. Reuter bin ich in diesen Togen nur sehr wenig zusammengetroffen. Als ich ihn einmal sah, begrüßte er mich in sehr schroffem Kasernenton.— Oberst v. Reuter(unterbrechend): Dagegen muß ich mich verwahren. Ich habe niemals dem Herrn Kreisdirellor gegenüber einen so schroffen Ton angeschlagen.— Zeuge: Selbst die Offiziere waren darüber entsetzt, wie der Herr Oberst mich anfuhr. Dabei bin ich ein sehr konzilianter Mann.— A n klagevertreter: Haben Sie gehört, daß aus der Menge heraus Vivs lalTrancs! gerufen wurde?— Zeuge: Zlein, aber ich habe ge- hört, daß die Marseillaise gepfiffen wurde. Oberst v. Reuler ersuchte mich wiederholt, ich sollte zu ihm kommen, mn mit ihm über die Maßnahmen zu sprechen. Das l e h n l e i ch ab. da der S t a t t- Halter mir ausdrücklich gesagt haue, daS brauchte ich nicht zu tun, wenn der Oberst etwas von mir wolle, solle er zu mir kommen. Ich habe dann nocb im Auftrag deS Statthalters eine Reihe von Maßnahmen getroffen. Ich habe die Gendarmerie noch weiter ver- stärkt und die Fabrikbesitzer auffordern lassen, auf ihre Arbeiter be- ruhigend einzuwirken. Vor allem sollten die Arbeiter am Abend zu Hause bleiben, obwohl am Abend in Zabern viel weniger los war, wie am Tage. Andererseits ließ ich die jungen Offiziere bitten, sich wenigauf derStraße zuzeigen. Oberstleutnant Sonntag als Vertreter des Obersten versprach mir das auch und es hat sehr gut gewirkt. Da kam ein heftiger Angriff im.Zaberner Anzeiger" auf den Oberst v. Reuter und diesen Artikel soll der.Zaberner Anzeiger" an seinem Geschäftslokal haben aushängen lasten. Es soll sich da ein Auflauf gebildet haben aus den Leuten, die den Artlkel lasen. Ich habe darüber eine Reihe von Gendarmen vernehmen lassen, alle Gendarmen hatten von dieser Anbestung keine Ahnung. Ich Hobe sofort mein möglichstes getan, damit die Plakate entfernt werden. An sich hatte ich ja nach dem Plakatgesetz keine gesetzliche Handhabe, die Be- seitigung zn verlangen. Jä, mußte eS mit Güte und Liebenswürdig- keit machen und habe es auch erreicht, daß der.Zaberner Anzeiger" die Plakate entfernt hat. Nachher, als der. Z a b e r n e r A n- zeiger" für das Militär verboten und den Sol- daten verboten wurde, in den Lokalen zu ver- kehren, wo er ausliegt, hat er allerdings den Artikel wieder ausgehängt und da hat man mir gesagt, jetzt werde man keine Rücksicht mehr nehmen. ES sind eine ganze Reihe von Artikeln erschienen, die ich nicht billige, was ich hiermit ausdrücklich sagen möchle. Aber ich konnte ihr Erfcheinen nicht verhindern. Umerstaatssekretär Mandel hat mir gleichfalls erklärt, daß wir k e i n e gesetzliche Handhabe hätten, um Hieraegen einzuichreiten. Am 12. November sollte in Zobern ein vom Rechtsanwalt Steber veranstalleter„Wackeskongreß" stattfinden. Ich habe auch hier durch Güte versucht, den Kongreß zu verhindern und glaube, daß ich damit etwas Gutes erreicht habe. Da Steber nicht zu veranlassen war, die Einberufung des Kongresses zurückzunehmen, so habe ich eS auf andere Weise versucht. Es bal nämtich keni Wirt ihm sein Lokal für den Kongreß gegeben. Dann war eine ganze Zeitlang Ruhe in Zabern, bis ain 2t). November ein LiebeSmahl der Offiziere stattgefunden haben soll, nach dem sich die Offiziere auf der Straße sehr laut benommen und Leutnant Schad gestolpert fem soll. An sich würde ich dabei gar nichts finden. Oberst von Reuter telepho- nierte mich an diesem Abend an, seine O'fiziere würden auf der Straße belästigt.— Verhandlungsf.: Halten Sie davon nicht schon auf andere Weise etwas erfahren?— Zeuge: Nein.— Verhandlungsf.: ES ist nur merkwürdig, wenn ein Offizier stolpert, erfahren Sie das sofort, wenn ober Offiziere belästigt iverden, dann nicht.— Zeuge Kreisdirektor Mahl: Ich habe es erst von Ober st von Reuter erfahren. Obwohl ich Gäste zn Haute hatte, ging ich sofort hinunter und hörte, daß der Bankbeamte Cabn von Leutnant Schad verhaftet worden sei. Ich habe weiter gesehen, wie Leutnant Schad mit einer Patrouille von vier Mann mit aufgepflanztem Seitengewehr aufundabging. Ich ging auf Leutnant Schad zu und forderte ihn auf, mit mir auf den menschenleeren Schloßplatz zu gehen und seine Patrouille zurück zu schicken. Er sagte aber, er sei beleidigt ivorden und hätte jemand verhaftet. Ich habe ihm gesagt, e r dürfe niemaild verhaften, und wenn er jemand auf frischer Tat festnehme, müßte er ihn sofort der Polizei übergeben, ich würde dafür sorgen, daß die Leute sofort dem ordent- lichen Richter vorgeführt werden.— Ein Beisitzer: Hatten Sie den Eindruck, daß Leutnant Schad bei diesem Gespräch betrunken war?— Zeuge; Jawohl, den Eindruck hatte ich.— Angekl. Leutnant Schad: DaS ist nicht wahr. Als ich an dem Abend dem Kreisdirektor von den Vorfällen Mitteilung machte, hat der Kreisdirektor zu den Leuten, die vor einer Wirtschaft standen, gesagt: Macht doch nicht so viel Lärm, geht nach HauS, und er hat auch mit dem Stock gedroht.— Zeuge Kreis- j direltor Mahl: Das ist mir gar nicht eingefallen, Izu drohen, im übrigen, wenn die Patrouille nicht ge» 'ivescnwäre, wäre niemand auf der Straße ge» Wesen. ES war am 27. genau so ivie am 28., die Leute sind erst auf die Straße gekommen, als sie die Trommeln hörten. — Angekl. Leutnant Schad: Ich habe beim LiebeSmahl etwas Wein getrunken, aber dann habe ich an einer Turnstunde teilgenommen und ich war in keinem Fall am Abend, während ich mir der Patrouille ging, betrunken.— Verteidiger R.-A. Grossart: Meint der Zeuge, daß Leutnant Schad betrunken oder angetrunken war? — Zeuge: Er war ordentlich angetrunken. Aber er hat der Uniform, daS will ich sagen, keine Unehre angetan, er hat eben cinc» über de» Durst getrunken.(Heiterkeit.) Ich sagte also dem Leul» nant Schad nochmals, daß er Leute nicht verhasten dürfe.— Vert. R.-A. Gcoffart: Sind denn die Verhafteten, wie Sie sagen, sofort in das Bezirksgefängnis eingeliefert ivorden und ist das besonders mit Cahn' geschehen?— Zeuge: Mit E a h n ist die einzige Ausnahme gemacht worden. Ich hatte die Ueberzeugung, daß mau iu Cahn den falschen Mann gefaßt hatte, Cahn stand da und heulte, er behauptete, nichts gemacht zu haben und auch ich hatte die Auffaffung, daß den Mann keine Schuld trifft.— Verhandlungsf.: Heulen tun sie alle nachher!— Zeuge: Jawohl, aber Cahn gehörte zu den Leuten, die vor der Wirtschaft standen und über die Patrouille gelacht haben. Der Jude stand vorn und wurde sc st genommen. Gelackt haben sie aber alle(Heiterkeit). Vert. R.-A. Groffarl: Es ist also festgestellt, daß Cahn gelackt hat.— Zeuge: Jawohl, aber was ist dabei?— Verhandlungsf.: Darüber müssen Sie schon uns da? Urteil überlassen.— Zeuge Kreisdireltvr M a b l: Am 27. November war ich in Straßburg bei Unterstaatssekreiär Mandel znm Diner. Der kommandierende General v. Deimling war auch da. Plötzlich kam ein Telegramm: „Aufruhr in Zaber» Ich wollte sofort nach Zabern fahren, aber da sagte Exzellenz Mandel: Sie kommen dock schon z n spät; jetzt i st alles passiert. Ich bebe w>ederholt gebeten, nach Zabern fahren zu können, aber Exzellenz Mandel ließ mich nicht fahren.— Anklagevertreter: Ist nicht auch tclephoniert worden?— Zeuge: Jawohl. Wir waren noch bei der Suppe und da wurde schon zum zweitenmal aus Zaber» antelephouieit.— Vorsitzender Generalmajor v. Pelet-Narboune: Also der Notschrei aus Zaber» wurde bei Tisch besprochen?— Zeuge Kreisdirellor Mahl: Jawohl. Es wurde nur über Zabern gesprochen. Der Präsideiil der Neichseiseiibabnen, der ebenfalls beim Diner war, wollte mir einen Ertrazug zur Ver» sügung stellen. Aber Exzellenz Mandel sagte: Bleiben Sic nur ruhig hier.— Vors. Generalmajor v. Pelct-Narbonne: Sie hatten also die Ueberzeugung, daß Sie nicht nach Zabern fahren brauchten, obwohl es dort nach Jhier Meinung hellichterloh brannte?— Zeuge Kreisdirektor Mahl: Herr Generalmajor! Unterstaats- lekretär Mandel ist mein Vorgesetzter; er hielt; meine Abreise nicht für nötig, damit war die Sache für mich er- ledigt. Auch der kommandierende General v. Deimling hatte den Eindruck, daß ich nicht zu fahren brauchte, denn er sagte: Herr Kreisdirek'or, trinket» wir beide auf den Frieden von Zaber»! (Heiterkeit.)— Verhandlungsf. Kriegsgerichtsrat v. Jan: Also mit anderen Worten: Sie sind nicht gefahren.— Zeuge Kreisdirellor Mahl: Nein, eS geht auch bei uns militärisch zu. Wenn es mein Borgesetzter nicht für nötig hielt, brauchte ich nicht zu fahren. Ich konnte außerdem in dem Moment nicht fortfahren, denn ich saß beim Diner und meine Frau war auch dabei. Außerdem glaubte ich, daß die ganze Sacke nicht so schlimm war. Es geht jetzt in Straßburg das Gerücht, UnterstaalSsekretär Mandel halte gesagt, ich soll fahren und ich hätte nicht gewollt. DaS ist aber ganz ver» kehrt. Angekl. Oberst v. Reuter: Es sind von dem Zeugen Auf« rufe erlassen worden. In diesen Aufrufen, die zur Beruhigung dienen sollten, steht aber tein Wort»nd keine Silbe davon, daß davor gewarnt wird, Offiziere zu belästigen. Das babe ich dem Herrn Kreisdirektor erst schreiben müssen und dann ist et erst ge« schehen.— Berhandlungssührer: Der erste Aufruf ist am 11. November ergauge». Meuwn Sie nicht, daß es schon srüher notwendig gewesen wäre, derartige Ausrufe zu erlassen?— Zeuge Kreisdirektor Mahl: Ich glaube nicht, daß das notwendig war. Ich habe alle- getan, was in meiner Macht stand, uin das Militär zu schützen. Wenn ich mehr getan hätte, als ich getan habe, so wäre ich kein Kreisdirektor, sondern ein Angstmeier. Wen» d»e Leute so viele Gendarmen auf der Straße sehen, ohne daß Unruhen sind, so wird darüber gelacht. Meine Kollegen sagten mir, ich hätte eher zu viel geran, als zu wenig. Am 29. No- vember halte ick dem Oberst v. Reuter im Auftrage des Unter» taatSsckretärs Mandel mitgeteilt, daß er keine p-lizeilichcn Rechte ausüben dürfe und sich aller Maßnahmen nach dieser Richtung enthalten müsse, da ich selbst die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und dafür die Verantwortung zu tragen habe. Trotzdem wurden noch am 30. November Leute verhaftet. Verhandlungsf.: Sie sind aber sehr bald entlassen worden. Zeuge; In einem Fall ist die Freilassung verweigert worden, weil man sagte, man muffe die Verhafteten erst vernehmen. Ich sagte. daß auch dazu kein Recht bestünde, und daß die Verhafteten sofort der Polizei zu übergeben seien. Man sagte daraufhin, der Oberst habe befohlen, die Leute immer erst zu vernehmen. Ich habe dann zugelassen, daß die Leute schnell vernommen werden und dann der Polizei übergeben werden und schließlich sind sie ins Bezirks» gefängniS gekommen. Am 1. Dezember kam Generalmajor Kühn nach Zabern und von nun an war der Kon» takt zwischen Militär und Zivilbehördcn wieder hcrgcstcllt. General Kühn hat meine Maßnahmen gebilligt und mir gesagt, daß auch der kommandierende General meine Matz nahmen gebilligt hätte. Ain Schluß find wir, um auch die äußerliche Uebeieinstimmung zwischen Mililär und Zivil zum Ausdruck zu bringen, zusammen durch die Straßen gegangen.— Verteidiger Rechtsanwalt Grossart: Ist der Herr Kreisdirektor nicht der Meinung, daß. wenn man am 28. November die eingesperrten Leute aus der Kaserne nach dem BezirkSgencht transportiert bätte, zweifellos eine Revolte ausgebrochen wäre?— Zeuge: Das ist ganz auSgcschlvficn. Dir Zabcrner Bevölkerung ist die ruhigste, die eS überhaupt gibt. — Vert.: Ein Beamter der Zaberner Polizei ist entgegengesetzter Ansicht. Angekl. Oberst v. Reuter: ES ist wiederholt gesagt worden, meine Offiziere seien ostentativ durch die Straßen gegangen. Meine Offiziere hatten ein gutes Gewissen und brauchten sich nicht zu ver« stecken. Wenn Leutnant v. Forstner von der Kaserne nach seiner Wohnung oder sich etwas kaufen ging, so war das sein gutes Recht. Charakteristisch daftir, wie empfänglich selbst gebildete Leute für das sogenannte ostentative Austreten der Offiziere sind, ist. daß jetzt Ver Staatsanwalt in Zabern sich darüber aufgehalten hat. daß unsere Danien, die doch jetzt in Zaber» auf sich angewiesen sind, zusammen Spaziergänge machen. Dabei haben sich unsere Damen nicht in der Stadt getroffen, sondern erst draußen. Trotzdem hat der Herr Staatsanwalt gesagt, eS sei nicht schön, wenn die Damen de« Militärs so ostentativ und ausreizend wirken. ES ist daS ein Beweis daiür, wie empfänglich man in Zaber» für dieses (Heiterkeit) angebliche ostentative Auhrclen ist.— Angekl. Leutnant Schab: Wir sind früher jeden Tag spazieren gegangen und keiner halte etwas dagegen. Erst später hat der Pöbel und das Bali uns die Straße verbieten wollen und das brauchen wir uns nicht gefallen zu lassen. Der Staatsanwalt in Zabern hat gesagt, ich hätte in jenen Tagen mit Absicht meine Dogge mit mir Herum» geführt, wahrscheinlich, um sie aus das Boll zu hetzen. Ich habe meinen Hund jeden Tag bei mir. Wenn ein Offizier beleidigt wird, ist er Mannö genug, sich zu verteidigen, und braucht fernen Hund dazu. In der am Nachmittag fortgesetzten Verhandlung erbiitet sich der Angeklagte Leutnant«chad daZ Wort zu folgender Erklärung: Ich babe heute Vormittag verschiedentlich daS Wort Pöbel gebraucht. Ich will bemerken, dah damit nicht die elsäisische Bevölkerung und die ruhigen Bürger von Labern gemeint fein sollten, sondern die Radanmächcr und deren pöbelhaftes Benehmen. Zeuge Oberwachtmcistcr Karig äutzert sich zunächst über die Vorgänge am 8. und S. November. Es waren da meistens Frauen und Kinder auf der Straße, die Männer standen hinten und oben. Es wurden zwei N e v o I v e r s ch ü s se und 5 Frösche abgefeuert. Wir sind gegen die Menge vorgegangen und haben sie auch zerstreut.— Bcrbandlungsf.: Sie scheinen sich aber viel Zeit genommen und große Geduld bewiesen zu haben. Wurden Sie denn nicht auch mit Steine» beworfen?— Zeuge: Ja- wohl! Ich selbst wurde von zwei Steinen getroffen. Ich habe den Tärcr orrfolgt, er lief in eine Wirtschast, ist mir aber entwischt. VerhandlungSf.: Am 27. und 28. November wurde eS nun ärger t — Zeuge: Jawohl, die Menge wurde größer und zahlreicher und es wurde gerufen, wen» de? Leutnant Freiherr v. Forstncr fort- geschafft würde, dann wollten sich die Leute beruhigen, sonst aber nicht. — Verhandlungsf.: Welwe Weisungen erhielten Sie vom Kreis- direktor?— Zeuge: Der Herr Kreisdireltor befahl uns, euer- g i s ch vorzugchen. Aber es waren ja nur Kinder und Frauen.— Verhandlungsf.: Wie kommt es, daß der Gendarm Miller sagt, der Kreisdirektor habe angeordnet, nicht so scharf vorzugehen.— Zeuge: DaS muß ein Miß- Verständnis sein.— Verhandlungsf.: Das ist aber wunderbar. — Zeuge: Ter Herr Kreisdirektor hat unS ausdrücklich aufgetragen, recht scharf vorzugehen und wer nicht gehorcht, sollte festgenommen werden.— Verhandlungsf.: Auch Offiziere haben gehört, daß Gen- darmen sagten, sie dürften nicht so scharf vorgehen.— Zeuge: Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Herr Kreisdireltor die Anweisung gegeben hat, scharf vorzugehen. Das kann ich b e- schwören.— Verhandlungsf.: Haben Sie das Plakat beim „Zabcrner Anzeiger' gesehe», in dem Oberst v. Reuter scharf an- gegriffen wurde und glauben Sie, daß eS dazu beigetragen bat, dag die Unruhen sich verstärkten? � Zeuge: Da« glaube ich nicht. Vertreter der tlnklage: Hab-n Sie Rufe:„Vivo k IVnncs 1' und gehört, daß die Marseillaise gepfiffen wurde.— Zeuge: Das wurde mir gemeldet.— Anklagevertreter: öie sagten, eS hätte keine Veranlassung bestanden, schon am Sonntag, den 16. November, jemand sestzultehmcn?— Zeuge: Nein.— Vertreter der Anklage: DaS Publtkum johlte und pfiff und heulte aber doch.— Zeuge: Das waren nur Kinder. Verhandlungsf.: Es müssen aber doch auch Erwachsene dabei gewesen sein.— Zeuges Die standen hinten und hetzten, haben aber nicht gerufen.— Vertreter der Anklage: Die Erwacüsenen waren also ganz mäuschenstill. � Zeuge: Nein, aber geschrien haben sie nicht.- Vert. RechtSanw. Grossart: In der Voruntersuchung wurden Sie z veimal vernommen, beim zweiten Mal sind Sie u m- gefallen.— Wie kommt das?— verhandlungsf.: Ich kann einen solchen Widerspruch nicht fe st st eilen.— Wenn nun dm vcrbastetcn Leute am 28. November auf die Polizei gebracht Word n wären, was wäre dann geschehen?— Zeuge: Dann wären Fluchtvirsuche unternommen worden, die zu Ausschreitungen geführt hätten.— Verhandlungsf.: Hat der Kreisdirektor Ihnen gesagt, Sie sollten unterschiedslos ohne Ansehen der Person vorgehen?— Zeuge: Jawohl.— Verhandlungsf: Ich denke aber. Frauen und Kinder sollten geschont wetden.— Zeuge: Der Kreisdireltor meinte natürlich nur Erwachsene.— Vert.: Ist es richtig, daß am 28. November die Erregung am größten und die Menge am zahlreichsten lvnr!— Zeuge: Ja. Es waren etwa tausend erregte Menschen.— Verhandlungsf.: Natürlich ist das nur eine oberflächliche Schätzung. Der Herr Oberst hat selbst nur von etwa 100 gesprochen.— Verteidiger: Ich will feststellen, daß die Verhafteten über ihre Verhaftung geradezu triumphierten und sich von den Soldaten hohulächelnd absührcn ließen und daß die Menge Zeichen der Sympathie gab.— Zeuge: Darauf. habe ich nicht geachtet.— Verteidiger: Sind von Ansang an alle Vorfälle regelmäßig bei der Gendarmerie angezeigt worden?— Zeuge: Es sind Anzeigen gekommen.— Verteidiger: Haben Sie auch sonst Mitteilung bekommen von Belästigung der Offiziere?— Zeuge: Nein, c-5 Ivurde nur von den Leuten der Wunsch aus» gedrückt, daß sich die jungen Offiziere nicht aus der Straße zeigen sollten, dann würde Ruhe eintreten.— Verteidiger: Es war also die Meinung der Leute, daß man gegen die Offiziere vorgehen müßte und nicht gegen die Menge?— Zeuge: Die Zivilbevölkerung hat es so ausgefaßt, als ob die Herren provozierten, weil sie immer mit der Hand am Säbel gingen.— Vors. General- major v. Pelet-Narbonnc: Mit einem Wort, die Bevölkerung hat nicht haben wollen, daß sich die Offiziere auf der Straße zeigten.— Zeuge: So habe ich eS nicht auf- gefaßt, man wendete sich nur gegen daS herausfordernde Benehmen der jungen Offiziere. — Verteidiger: Haben Sie das selbst festgestellt?— Zeuge: Nein Angeklagter Oberst v. Reuter: Es ist charakteristisch, daß wir uns nicht mehr auf der Straße zeigen sollten. Bon einem sonst ruhig denkenden Herrn, dem Schrift- leiter einer größeren Zeitung, babe ich Worte der Empörung darüber gehört und daß es unglaublich sei, daß von unseren Soldaten abends in der Kaserne das Lied„Ich bin ein Preuße' gesungen wurde. Wir sind doch preußische Soldaten und wenn abends in der Kaserne diese» Lied eingeübt wird, so ist das doch selbstverständlich. Ein derartiger Anspruch geht doch viel zu weit.— Zeuge: Gegen die älteren Offiziere hatten die Leute nichts, nur gegen die jüngeren. Zeuge RcgeerungS- und KrciSamtmann Großmannl Wir traten in Aktion, nachdem das Schreiben des Obersten v. Reuter eingelaufen war, daß wir für Ruhe und Ordnung sorgen sollten, sonst würde er den Belagerungszustand verhängen lassen. Ich ging auf die Straße und sah, daß Kinder etwas Lärm schlugen. Später wurde es allerdings böser; da gab der Herr Kreisdircktor die Anweisung, schärfer vorzugehen. Da wurde eS wieder friedlich. Erst Ende November meldete man mir, daß militärische Patrouillen mit aufgepflanztem Seitengewehr durch die Straßen ginge» und Leute vei haftet wurden. Ich bin aus die Straße gegangen und habe allerdings viel Verkehr gesehen, aber nicht mehr, wie an jedem Sonntagnachmitlag in Zabern ist. Auf der Straße war eigentlich noch weniger Verkehr, nur an den HauSiüren standen viele Menschen und an de» Fenstern, die sich alle das Schauspiel mit ansehen wollte» — Verhandlungsf.: Wurde nicht gejohlt?— Zeuge: Ich habe nichts davon gehört, sondern nur, daß gepfiffen wurde. Plötzlich meldete man mir, daß LandgerichtSrat K a h l i s cii verhaftet sei. Ich sab in der Gruppe' der Verhafteten auch noch den Herrn Staatsanwalt und fragte den Offizier, was er eigentlich mache. Er sagte, die Leute seien stehen geblieben. Ich antwortete, das fei doch nicht verboten. Darauf er- widerte er, jawohl, das sei verboten, er handele nach dem Befehl des Oderst. Ich habe dann nach Slraßburg telephoniert in das HauS des Uinerstaaisselreiärs Mandel, wo der Herr Kreis- direktor zum Diner war. Exzellenz Mandel kam selbst ans Telephon und ich teilte ihm mit. daß Patrouillen mit aufge- pflanztem Seitengewehr durch die. Straßen ziehen, Richter verhaftet haben und neue Unruhen zu befürchten seien. Ich sagte am Telephon, Exzellenz Mandel möchte zu erreichen suchen, daß der kommandierende General v. Deimling dem Obersten Anweisung gebe, die Patrouillen zurückzuziehen. Ich bin dann in die Kaserne zu dem Herrn Obersten gegangen.— Vcr- Handlungsführer: Da waren die Gerichtsbeamten wohl schon ent- lassen?— Zeuge: Ja. Ich bat den Herrn Oberst v. Reuter, d l e Patrouillen zurückzuziehen. Darauf sagte er, wenn ich deshalb gekommen wäre, dann hätte jedes weitere Verhandeln keinen Zweck. Ich sei nicht sein Vorgesetzter und er nicht mein Unter- gcbcner. Die Ziptlbe Hörden Hütten versagt, Gen- d a r in e r i e und Polizei seien machtlos, seine Offiziere würden in der unflätigsten Weise auf den Straßen beleidigt, er auch, er werde gegen jede Beleidigung vorgehen. Der Redakteur, der ihm vorgeworfen hätte, er habe gestohlen, laufe noch frei berum und säße noch nicht im Gefängnis. Der Schloßplatz sei voll Menschen, wenn es nicht anders würde, würde er schieben lassen. Ich sagte, daß ich zu ihm gekommen wäre, um dieses Unglück abzu- wehren. Darauf erwiderte er: „Ick kalte es viel eker für ein 6Uid*, wenn jetzt Blut fließt I" fAnhaltende Bewegung.) Er führte weiter aus, er sei c» der deutschen Armee und seinen Offizieren schuldig, der Uniform Achtung zu vorschaffen und auch dem Vaterland sei er eS schuldig nun einmal drcinzuschlagc», um die Fortsetzung der Beleidigungen zu hindern. Ich sah ein, daß ich nichts bei ihm erreiche, ich entnahm im Gegenteil seinen Dar- legungen, daß der Oberst zum äußersten entschlossen war Deshalb sagte ich nur noch, daß die Gendarmerie und die Polizeimann- schaften Anweisung erbalten würden, dafür zu sorgen, daß auch nicht einmal jemand auf der Straße stehen bleiben dürfe. Ich wollte nur das Aeußerste verhindern. Eine gesetzliche Grundlage für meine Maßnahmen hatte ich nicht.— Verhaudlungsführer: Wissen Sie nicht, daß nach gültigen Vorschriften jede Ansammlung auch von un- bewaffneten Menschen auf den Straßen verboten werden kann?— Zeuge: Nein, das war mir nicht erinnerlich. Ich gab sofort den Gendarmen die erforderlichen Anweisungen, die Patrouillen wurden aber nicht zurückgezogen. 12 Mann mit aufge- pflanztem Seitengewehr hielten den ganzen Fahrdamni besetzt, sodaß imr die Trottoirs freiblieben und zogen so die Straße entlang. Wer auf dem Fahrdamm war, mußte weg. Die Leute sind den Befehlen sofort nachgekommen. In einem Fall habe ich gefehen, daß e i n M a n n, der mit dem Rücken gegen die Soldaten st and, ohne weiteres verhaftet wurde. Verhandlungsf.: Ist es denn ausgeschlossen, daß der Mann vorher irgend etwas gemacht hatte?— Zeuge: Das hätte ich sehen oder hören müssen.— Verhandlungsf.: Der Herr Oberst erklärt, er habe die Worte vom Blutvergießen nur gesagt, um zu er« reichen, daß die Polizei energisch vorgehe.— Zeuge: Ich weiß natürlich nicht, au» welchen Gründen der Oberst die Aeußerung ge- tan hat, jedenfalls hat er sie getan und hinzugefügt, daß er andauernd Vorwürfe bekomme, er sei nicht scharf genug. Am nächsten Morgen wurden die Verhafteten in Begleitung von Mannschaften mit aufgepflanztem Seitengewehr in das Gericht ge- führt. An diesem Tage wurde mir gemeldet, daß Leutnant Schad mit seinen Leuten in ein HauS eingedrungen sei. Ich ging sosort hin und Leutnant Schad sagte zu mir, ein S ch l o s s e r l e h r l i n g, der daS Volk aufgewiegelt habe, sei in daS HauS geflüchtet und solle nun verhaftet werden. Ich fragte den Leutnant, wer die Polizcigewalt in Zabern hätte. Er sagte, er müsse auf Befehl deS Oberst einschreiten. Es stellte sich dann heraus, daß der Lehrling vorn in daS HauS hinein und hinten wieder heraiisgelaufen war.(Heiterkeit.) Ich ordnete an, daß der Lehrling, sobald er ergriffen War� dem Zivilrichter borgeführt werde. Damit war Leutnnnt Sckad zufrieden.— Vors. General« major v. Pelet-Narbonne: Ihre ausgiebige Hilfe haben Sie � also erst angeboten, als Oberst v. Reuter entschlossen war, schießen zu lassen? — Zeuge: Soweit in Zabern Gendarmerie stationiert war. war sie bereits zum Schutz de? Militärs tätig. Ich habe nun noch ein übriges getan und jedes Stehenbleiben verhindern wollen.— Vor- sitzender: Also, um das äußerste zu verhindern, haben Sie auch da? äußerste getan?— Zeuge: Jawohl. Im übrigen bin ich überzeugt, daß wen» die Patrouillen zurückgezogen worden waren, Ruh: eingetreten wäre. Die Leute sind nur deshalb herumgestanden, Iveil Patrouillen zu sehen waren. Angeklagter Oberst v. Reuter: Ich will nochmals unterstreichen, daß meine Worte vom Blutvergießen nur so gemeint waren, wie ich eS bereits gesagt habe. Den Ausdruck, daß ich Vorwürfe be- kommen hätte wegen meines noch nicht genug scharfen Vorgehens, will ich zugeben, in der Erregung gebraucht zu haben. Es war mir abr vollständig klar, daß ich die Verantwortung für alles, was ich anordne, habe, und es hat mir niemand zu befehlen, was ich in einer solchen Situation zu tun und zu lassen habe. Das kann nur ich allein beurteilen. Deshalb bin ich auch immer an Ort und Stelle gewesen, habe alles mit eigenen Augen gesehen und dann erst meine Entschlüsse gefaßt.— Verteidiger Rechtsanwalt Grossart: In der Presse ist wiederholt der Vorwurf erhoben worden, daß diese Vor- fälle politischen Motiven entsprängen, und eS ivurde zum Ausdruck gebracht, als wenn die Handlungen des Obersten v. Reuter ihre Spitze gerichtet hätten gegen die elsässische Bevölkerung. Ich möchte vom Zeugen wissen, ob auch er den Eindruck gehabt hat, daß der Oberst lediglich den Zweck verfolgte, die Ruhe herzustellen und die Offiziere zu schützen.— Zeuge: Was Oberst v. Reuter be- zweckte und aus welchen Motiven er handelte, weiß ich natürlich nicht. Zeuge Bürgermeister Kuöpfel- Zabern kann nur angeben, daß am 0. und 8. November viele Kinder und Neugierige auf den Straßen waren, vom Aufruhr aber nicht gesprochen werden konnte. Etwa 40 Kinder johlten und pfiffen. Ueber die Vorgänge vom 26. bis 28. November weiß der Bürgermeister nichts, weil er zu dieser Zeit krank war. Zeuge Amtsgcrichtsrat Tr. Spiccker: Als wir damals an einem der letzten Novembertage auf die Straße traten, kam Leutnant Schad auf uns zu und wir sahen dann, daß er in einen Wortwechsel mit Landgerichtsrat Kalisch geriet. Wir erklärten uns solidarisch und wurden festgenommen. Wir wurden dann in die Schlotzkaserne transportiert und dort trafen wir den Obersten v. Reuter. Wir machten ihn aus das Gesetzwidrige seines Vorgehen? aufmerksam, aber er erwies sich als völlig unbelehrbar und unzu- gänzlich und erklärte, er habe nur seine Pflicht getan und würde auch weiter seine Pflicht tun, komme, was da wolle. Die Autorität müsse hochgehalten werden, und wenn es ihm auch etwas schwer werde als Mensch, solche Maßnahmen zu ergreifen. Ich hatte den Eindruck, daß das Vorgehen des Obersten v. Reuter aus einer ganz besondere Staats- und Rcchtsanschauuug hervorgehe und daß er das Gefühl einer Rechtswidrigkeit seiner Handlungen absolut nicht hatte. Zeuge Staatsanwalt Krause: Am 8. November hatte mich Leutnant Freiherr v. Forstner um Schutz gegen Beleidigung er- sucht. Ich gab das Ersuchen an die Gendarmerie weiter, die das Notwendige veranlassen sollte. An sich interessierten mich die Vor- fälle schon deshalb, weil ich mich fragte, wie kommt eS, daß die sonst so ruhige Zaberner Bevölkerung auf einmal so aufgeregt ist. Ver- schiedene Leute sagten mir, es bestehe eine große Animosität gegen den Obersten v. Reuter und den Leutnant Freiherrn v. Forstuer. Offiziere und Unteroffiziere hätten sich bei ihnen über zu anstren- genden Dienst beschwert, und es seien auch zwei Selbstmorde von Unteroffizieren darauf zurückzuführen. Dazu kam, daß die Ein- jährigen plötzlich In der Kaserne wohnen mußten und daß Oberst v. Reuter zu einem Einjährigen, der viel im Ausland'studiert hatte, den Ausdruck„Franzoscnknops" gebraucht hatte. Das fanden die Bcivohner Zaberns unpassend und sie fanden es auch nicht richtig. daß der Oberst sie immer mit„Leute"! anredete. Sie waren der Meinung, daß mit„Leute" nur Mannschaften angeredet tvcrdcn dürfen und daß man, wenn man zum Publikum spreche, entweder „Bürger" sagen oder gar keine Anrede gebrauchen soll. Ich selbst sah ja darin nichts so Ungeheuerliches, aber einem Oberst, gegen den man sonst nichts gehabt hätte, hätte man das vielleicht auch nicht übel genommen.— Angeklagter Oberst v. Reuter: Solange ich beim Regiment bin, ist überhaupt kein Selbstmord vorgekommen. Das liegt vor meiner Zeit. Ich weiß sehr Wohl, daß wir viele Unter- osfiziere im Laufe des letzten Jahres verloren haben, aber sie wären sonst zu alt für die Zivilanstcllung geworden. Es mag sein, das« allerdings manche de» Abschied genommen haben, weil ihnen der Dienst zu streng war. Ob ich„Leute" oder„Bürger" sage, ist doch ganz gleich.„Leute" ist keine Beleidigung, und auch ich würde mich nicht beleidigt fühlen, wenn man„Leute" zu einer Gruppe sagen würde, in der ich mich befände. Den Ausdruck„Franzosen- knöpf" will ich nicht direkt bestreiten, aber er ist doch nicht vcr- letzend. Der Ausdruck„Wackcs" liegt mir ganz fern, ich habe ihn auch niemals gebraucht.— Zeuge Staatsanwalt Krause: Der Dienst war sicher streng, aber ich weiß auch, daß Oberst v. Reuter selbst derjenige Soldat war, der vom frühen Morgen bis zum späten Abend im Dienst war. Es ist in der Presse gesagt worden, die Bevölkerung sei chauvinistisch oder sozialdemokratisch verhetzt ge- Wesen. Ich bin es der Gerechtigkeit schuldig, zu erklären, daß das nicht richtig ist. Mau wird es verstehen, wie die Bevölkerung dazu kam, auf einmal au einem Worte Anstoß zu nehmen, an dem früher nicht so sehr Anstoß genommen wurde. Man war eben animos gegen den Obersten v. Reuter und den Leutnant v. Forstncr. Ohne diese Animosität und die Vorfälle, die sich vorher abgespielt hatten, wäre auch wegen des Ausdrucks„Wackes" es niemals zu so aufregenden Szenen gekommen.— Vcrhandlungsfiihrcr: Da ist wohl der„Zabcrner Anzeiger" an den Vorfällen schuld?— Zeuge: Auch das, wie viele Zeitungen schuld haben. Ich glaube aber, daß unter den Verhältnissen, die sich gegen den Herrn Obersten v. Reuter und den Leutnant v. Forstner herausgebildet hatten, die Geschichte auch ohne die Zeitungen sich so abgespielt hätte und zwar ist der Herd, von dem aus die ganze Bewegung geschürt wurde, nicht die Zeitung» sondern die Fabrik. In den Fabriken ivar der kurz vorher entlassene Jahr- gang tätig und insbesondere dieser Jahrgang sollte viel vom Lcut» uant v. Forstner wissen. Dieser Jahrgang ist dann auch an dgn Sonntagen mit den Fahrrädern aus der ganzen Umgebung ge- memschaftlich nach Zabern gekommen.— Verhandlungsf.: Es wurde ja auch alles, was sich in der Kaserne abspielte, hinausgetragen.— Zeuge: Jawohl. Die Ansammlungen in den letzten Tagen de» November waren gewiß der Zahl nach größer, aber die Leute standen nicht in geschlossener Menge, sondern m mehreren Trupps vor den Häusern und unterhielten sich darüber, was kommen würde. Tumnltulinten waren nur wenige, am meisten Leute kamen hin, um sich die Sache anzusehen. Es ist auch nichts schlimmes passiert, bis auf einmal in der Nähe der Wohnung des Leutnants v. Forstner ein Pistolenschuß fiel. Da herrschte einen Moment atemlose Spannung, weil man nun dachte, eS würde etwas passieren. Aber auch hier überzeugte man sich bald, daß nichts rrnsteS passierte und man glaubte auch nicht, daß jemand einen Schutz auf Leutnant v. Forstner hätte abgeben wollen. Dann kamen die fünf Frösche und da ging erst recht das Gelächter los. Man glaubte an einen Bubenstreich. Der verhaftete Bankbeamte Kahn bat mich um Schutz. Ich sagte, ich sei nicht kompetent, ich sei nur da, um Zivil» Personen zu bestrafen, wenn das notwendig sei, aber nicht, um sie zu beschützen.(Heiterkeit.) Ich verwies rhu au den kommandierenden General, da verneigte sich Herr Kahn, als ob er sagen wollte:„Ich danke Ihnen für diese Auskunft, die Ant- wort, die ich da bekomme, weiß ich schon." Auch am Freitag, den 28. November, herrschte absolute Ruhe. Es gingen Wohl Leute auf und ab, aber nicht mehr als sonst. Dagegen waren die Soldaten erregt, wohl weil sie beleidigt worden waren. Sie verhafteten links und rechts von uns. I ch habe von beleidigenden Rufen nichts g e h ö r t, es war ganz lautlos aus der Straße und geradezu eine gespensterhafte Ruhe., — Verhandlungsf.: Es soll aber ganz erheblich gejohlt worden sein. — Zeuge: Davon habe ich nichts gehört.— Verhandlungsf.: Haben Sie Gendarmen oder Polizisten im Dienst gesehen?— Zeuge: Darauf habe ich nicht geachtet. Ich hielt mich möglichst zurück. Ich hatte mit dem Regiment immer gut gestanden und wollte mit der Sache nichts zu tun haben.— Vert.: Stimmen die Feststellungen des„Zaberner Anzeigers" mit den Wahrnehmungen des Zeugen überein?— Zeuge: Was ich weiß, habe ich gesagt. Nachzuprüfen, ob das stimmt, mit dem, was ein anderer gesagt hat, ist Sache de» Gerichts.— Angekl. Leutnant Schad: Es ist zweifellos ge- johltun dgepfiffen worden.— Zeuge Staatsanwalt Krause: Nein.— Angekl. Leutnant Schad: Ich habe nur die Leute fest- genommen, von denen ich fest überzeugt war, daß sie gejohlt hatten. Von einer gespensterhaften Ruhe kann gar keine Rede sein.— Zeuge: Es tut mir ja leid, daß der Herr Leutnant Schad hier an» geklagt ist, denn er hat nur die Befehle seines Vorgesetzten aus- geführt. Außer einem H u h r u f habe ich nichts gehört. Es war lautlos und außerdem verhafteten die Soldaten blinälinFg wie die Kofchen auf den Strassen Petersburgs. Vielleicht glaubten die Soldaten Leute zu erkennen, die an den Tagen vorher Unruhe gestiftet hatten. Sogar ein Tauber wurde verhastet. Ein Rechtsanwalt sagte mir, das Militär fei wokl verrückt geworden, und er drohte damit, seinen Stadtratstitel niederzulegen. Am 2. Dezember kam General Kühn; er zog die Patrouillen ein und nun war alles ruhig. Auch beim Auszug des Regiments war von Animosität der Zaberner Bevölkerung gegen das Militär nichts zu bemerken.. Man hatte allgemein Mitleid mit den Soldaten. Die Bevölkerung war also nicht gegen das Militär verhetzt, es richtete sich immer nur alles gegen Leutnant v. Forstner und einige Leutnants, die provozierend mit Herrn v. Forstner durch die Straßen gezogen waren.— Verhandlungsf.: Einen Anlaß zum Einschreiten deS Militärs haben Sie also nicht gesehen?— Zeuge: Pein. Zeuge AmtSgerichtsrat Brand macht ähnliche Angaben wie Staatsanwalt Krause und bestreitet auch seinerseits, daß von der Menge gejohlt wurde.— Zeuge Adjutant Leutnant Ovar in bekundet, daß von der Menge fortwährend gerufen wurde:„Bett......*, und daß auch gepfiffen und gejohlt wurde. — Angekl. Oberst v. Reuter: Es kann gar nicht bezweifelt werden. daß die Menge johlte und pfiff. Das ist doch eine ganz ungezogene Form der Aeußerung.— Zeuge Leutnant Brunswick bekundet ebenfalls das Johlen und Schimpfen.— Verhandlungsf.: Was wurde geschimpft?— Zeuge:„Sauschwob" und„Saupreuß", aber so entfernt, daß, wenn man sich u m d r e h t e, die Beleidiger weg waren. Unter allgemeiner Spannung wird nun Leutnant Freiherr v. Forstner vernommen. Auch er bekundet, daß die Menge gerufen habe:„Betts.....",.Lumpensäcke" und ähnliches.— VerHand- lungSf.: Wer hat denn das gerufen?— Zeuge v. Forstner: Es waren gewiß auch Kinder darunter, aber meisten? Fabrikarbeiter von 18 bis 20 Jahren.— Verhandlungsf.: Sie sollen vor Ihrer Wohnung in herausfordernder Haltung eine Zigarette geraucht und mit gekreuzten Armen dagestanden haben.— Zeuge: Ich habe überhaupt nur einige Minuten vor meiner Wohnung gestanden und bin dann sofort in mein HauS hineingegangen.— Anklage- Vertreter: Wann haben die Schimpfereien angefangen?— Zeuge: Schon am 5. November. Von da ab wurde ich jeden Tag, wenn ich in den Dienst ging, Masiigi, und es wurde gerufen:„Vive Ta Francel",„Merte la Prusscl"(zu deutsch: Preußen ist ein Dreck!) ES wurde die Marseillaise gepfiffen usw. Polizei war nicht zu sehen.— Antlagevertretcr: Zuerst wurde wohl nur gerufen: ,.13-Mark-Leutnant" und„Wackes", und die Rufe wurden erst stärker nach der Veröffentlichung Ihrer Acutzerung�über die K-remdenlegion?— Zeuge: Ja, da wurde gerufen:„Saupreutz", „Bettsch.....",„Schwöb" und dergleichen mehr.— Anklagever- treter: Wie oft wurde das so gerusen t— Zeuge: 30- bis 40mal.— Verhandlungsf.: Sie haben auch anonyme Postsachen bekommen?— Zeuge: Ich habe 1400 derartige Postsachen erhalten(Heiterkeit). Äus Zabcrn allein 4M. In vorgerückter Stunde werden die Verhandlungen auf mor» gen. Dienstag, 9 Uhr früh, vertagt. Gerichtszeitung. � Zelot und Pharisäer. Tie„Tägliche Rundschau" berichtete: Wie man uns schreibt, hat in der vorigen Woche daS Schöffengericht Berlin-Tempelhof in einer Strafsache wegen Diebstahls es abgelehnt, auf die eidliche Aussage zweier im. übrigen einwandfreier Zeugen den Angeklagten zu verurteilen, weil beide Zeugen angaben, konfessionslos zu sein. Das Gericht erklärte,' es könne nicht wissen, welche Bedeutung der Eid noch für die konfessionslosen Zeugen haben könnte und beschloß aus diesem Grunde, die Sache zu vertagen und die Leumunds- zeugen des Angeklagten zu hören. Das Blatt verurteilt das Vorgehen des Gerichts. Es ist uns nicht möglich gewesen, festzustellen, ob in der Tat ein Gericht so wie geschildert, vorgegangen ist. Sollte es sich so ausgesprochen haben, so würde eine Ungeheuerlichkeit vor- liegen, gegen die jeder ohne Rücksicht auf sein politisches oder religiöses Bekenntnis Einspruch einlegen muß. Es wäre das eine gröbliche Beleidigung der Zeugen und eine unbegreifliche Mißachtung des Gesetzes und der Gewissensfreiheit. Es gebärt eine unerhörte, aufs schärfste zurückzuiveisende Bc- griffsvcrwirrung zu der Annahme, jemandes Eid fei minder- wertig, weil der Schlvörende konfessionslos ist. Wer von dieser Annahme ausgeht, beleidigt auch die religiös Gesinnten, denn er unterstellt ihnen, n u r aus Religiosität sagten sie die Wahr- heit, ohne Anrufen ihres Gottes würden sie lügen. Bedauerlich, daß der Schwur in Deutschland ein religi- öses Kleid hat und nicht einfach lautet:„Ich schwöre". Viel bedauerlicher aber der Zelotisinus und Pharisäismus, der darin liegt, jemandem die Glaubwürdigkeit abzusprechen, weil er nicht die Vorstellung von einem Gott hat, die der Richter behauptet zu haben. Diese Ungeheuerlichkeit sollte ein Ansporn sein für alle, die an einen Gott nicht glauben, aus der Kirche auszutreten. Ter Polizeileutnant in Borbereitung. Ein Sittenbild auS Berlin W. wurde in einer Verhandlung aufgerollt, die gestern mehrere Stunden die 4. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors Seligmann unter Ausschluß der Ccffentlichkeit beschäftigte. Angeklagt wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit im Sinne des Z 176 Abs. 3 und tätlicher Beleidigung war der 23 jährige Privatlchrer Curt Mathrs. Der ans guter Familie stammende Anklagte sollte auf Wunsch seiner Eltern Polizeileutnant werden. Während der Zeit, in der er sich auf das Aufnahmcexamen vorbereitete, beschäftigte er sich als Privatlehrer.— Wie die Beweisaufnahme ergab, wurde der Angeklagte häufig in Begleitung mehrerer 12- bis 14 jähriger Mädchen vom Typ der„Dauentzien-xirls" gesehen. Außerdem betätigte er sich, wie die Verhandlung ergab, als ei» recht gefährlicher Iugendverführer. Eines Tages hatte er die Bekanntschaft der 13 stihrigen Tochter eines in Friedenau wohnhaften höheren Be- amten gemacht. Er lud sie, die sich in Begleitung einer gleichalte- rigen Freundin befand, ein, mit nach seiner Wohnung zu kommen, »m ihnen die neuesten Klavierstücke vorzuspielen. Ter Angeklagte Ichlost dann das Zimmer hinter sich ab und verging sich dann an »en Mädchen in der von der Anklage behaupteten Weise. Ten Eltern der beiden Mädchen siel sofort das scheue und verlegene Wesen aus, sie forschten nach der Ursache. Die beiden Mädchen erzählten unter Tränen, was ihnen passiert war. Das Gericht sah als strafverschärfend an, daß sich der An- geklagte und auch seine Angehörigen nach Einleitung des Straf- Verfahrens in ganz unqualisizierbarer Weise gegen die Eltern der beiden Mädchen benommen hätten. Das Urteil lautete auf 13 Mo» natc Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Heiratsschwindler. Ein gemeingefährlicher Verbrecher, der sich in der Maske des Heiratskandidaten an heiratslustige ältere Madchen herangemacht batte, um sie dann, wenn er ihnen daS letzte Geld abgenommen hatte, dem Laster in die Arme zu führen, wurde gestern von der 3. Strafkammer des Landgerichts I auf längere Zeit unschädlich gemacht. Ter Angeklagte, der angebliche Pferdehändler Rudolf Frank, verbüßt zurzeit eine ihm wegen zahlreicher Heiratsschwindeleien zudiktierte Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 8 Monaten. Wie sich seinerzeit schon ergab, hatte der Angeklagte ein Dienstmädchen, nach- dem er der Vertrauensseligen ihre gesamten Ersparnisse abge- nommen batte, auf die Straße geschickt, wo sie für ihn Geld ver- dienen mußte. Eines Tages lief bei der Kriminalpolizei eine An- zeige ein, in der mitgeteilt wurde, daß Frank sich als gemein- gefährlicher Zuhälter betätige. Frank, der offenbar gemerkt hatte, daß er beobachtet wurde, war von diesem Augenblick an wie von der Bildfläche verschwunden. Schließlich gelang es durch eine List, ihn aus seinen Schlupfwinkeln hervorzulvcken. Ter Kriminalschutz- mann Wild verkleidete sich als Geldbriefträger und erschien als solcher in der Wohnung einer seiner Geliebten mit dem Hinweise, daß er eine Postanweisung zu bestellen babe, die aber nur an Frank selbst ausgezahlt werden dürfe. Der Beamte wurde aufgefordert, am nächsten Tage wiederzukommen. Ter Angeklagte ging auch in die Falle. Wegen der jetzt zur Anklage stehenden Strastatcu erkannte die Strafkammer auf 2 Jahre Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust und Neberweisung an das Arbeitshaus nach verbüßter Strafe. Ms aller Welt. Sturmverheeruugen in den Bereinigten Staaten. Seit Sonntag herrscht an der atlantischen Küste der Vereinig- ren Staaten ein schwerer Sturm, der mit einer G e s ch w i n. digteit von 80 bis S0 Dt eilen in der Stunde dahinbraust. Der Sturm trieb eine Flutwelle in die Hafenstädte U7r8 Badeorte. Am schwersten wurde SeaLright heim gesucht. Hier rissen die Wellen dieStraßenans und legten die Leitungen bloß. Bald versagte daher das elektrische Licht. Häuser wurden von ihren Grundmauern losgerissen und ins Meer ge- spült. Die Bevölkerung hat eine Panik ersaßt. Die obdachlosen Bewohner sanken in den Straßen auf die Knie und beteten um Aufhören des Sturmes. Auch brachen in der Stadt, wie man glaubt durch Brandstiftungen, mehrere Feuersbrün st e aus, die nur mit Schwierigkeit gelöscht werden konnten. Der Bürgermeister vereidigte einige Bürger als Polizisten und forderte sie auf: jeden, den sie beim Plündern ertappten, zu erschießen. Die Stadt, in der das Waffer zwei Fuß hoch steht, ist jetzt voll- kommen verlassen. In Atlantic City sind einige der vornehm st en Hotels am Strande eingestürzt. Die Strandpromenade ist vollständig zerstört und der berühmte Pier ist weggeschwemmt worden. Einige Meilen nördlich von Atlantic City sind zwei Kirchen und ein Hospital für blinde Kinder eingestürzt. Das Hospital stand zurzeit leer. Auch in L o n g b r a n ch ist der Pier zerstört worden. Die Bahnverbin- düngen mit Lonbranch und Seabright sind unterbrochen. Zahlreiche Personen sind obdachlos. Ter Sachschaden wird auf zwei Mil- lionen Mark geschätzt. In New Jork hat das Unwetter fünf Menschenleben gefor. dert. Drei Personen wurden durch von den Häusern herabfallende Gesteinsmaffen erschlagen; die beiden anderen, zwei Frauen, kamen auf eigenartige Weise nms Leben. Der Wind verfing sich in ihren Kleidern und schleuderte die eine vor einen Auto- omnibus, die ander« vor eine Straßenbahn. Beide wurden sofort getötet. »* • Ein amerikanischer Dampfer in Seenot. Wie aus New Dork gemeldet wird, hat der Petroleum. dampser„Oklahoma" am Sonntagabend sunkentelegraphisch um Hilfe gebeten, da er auf hoher See im Sinken sei. Auf die Hilferufe eilte zunächst der spanische Dampfer„Manuel Calvo" herbei, der aber die 44 Mann st a r k e B e s a tz u n g des Unglücks- schiffes nicht übernehmen konnte, da ihm seine in die stürm- gepeitschte See herabgelassenen Boote weggeschwemmt wur- den. Nach einem Montag morgen in New Uork eingelaufenen drahtlosen Telegramm des Hapagdampsers„Ba Varia", der an die Unglücksstelle eilte, sind von der Besatzung deZ Petroleumdampfers wahrscheinlich 24 ertrunken, acht Mann sind ge- rettet worden. Obwohl noch mehrere andere Schiffe zum Beistand herbeigeheilt waren, war doch die„Bavaria" allein imstande, Hilfe zu leisten. Sie nahm den Kapitän Gunter, mehrere Offi- ziere und Mannschaften auf; von der Übrigen Besatzung hat man keine Nachricht. Nach der Meldung der„Bavaria" ist der Dampfer„Oklahoma" nicht vollständig gesunken, sondern treibt, teilweise unter Wasser, hilflos dahin. Einsturzkatastrophe in der Pariser Untergrundbahn. Ein schweres Unglück hat sich am Sonntagnachmittag bei Bau arbeiten an derPariserUntcrgrunb- bahn zugetragen. In einer Galerie nahe dem Invaliden- bahnhofe waren etwa 30 Arbeiter in einer Tiefe von 1 5 M e» t e r n beschäftigt, als plötzlich ein E i n st u r z erfolgte. Mehrere Arbeiter wurden verschüttet. Erst gegen Mitternacht hatte man die e r st e Leiche geborgen. Im Laufe der Nacht fand man zwei weitere Leichen. Zwei Opfer des Unglücks konnten bisher nicht geborgen werden. Untergang eines norwegische« Dampfers. Wie eine telegraphische Nachricht aus Stavanger meldet, ist in der Nähe der dortigen Küste am Sonntagabend der norwegische Dampser„Espana" gesunken. An Bord des Schiffes, das mit einer Ladung Roggen von Stettin nach Bergen unterwegs war, befanden sich vierzehn Mann Besatzung, acht Mann sind ertrunken, die ü brigen sechs, darunter der Kapitän und der erste Steuermann, wurden gerettet. Der Tod auf der Bühne. Ein ungewöhnlicher Unfall ereignete sich am Sonntag abend während der Borstellung in einem kleinen Pariser Variete- t beater. Der Darsteller der Hauptrolle wollte gerade von der Bühne abtreten, als sich plötzlich aus den oberen Soffitten ein Brett löste und ihn mit der Kante so unglücklich an die Schläfe traf, daß der Schauspieler sofort tot zusammenbrach. DaS Blut spritzt« aus der getroffenen Arterie hoch auf und bespritzte die neben dem Unglücklichen auf der Bühne beschäftigten Schau- spieler. Des Publikums bemächtigte sich sofort eine ungeheure Panik, da die meisten glaubten, die Decke des Theater? stürze ein. Alles drängte nach den Ausgängen und eine Reihe von Zu- schauern erlitten in dem Gedränge schwer e�V erletzungen. Nur mit Mühe gelang es einigen beherzten Schauspielern, durch energisches Zuroden von der Bühne herab, das Publikum soweit zu beruhigen, daß daS Theater sich in aller Ruhe leeren konnte. Kleine Notizen. Unter Erdmassen begraben. Bei Kanalisationsarbeiten in Sagau stürzte Montagmittag eine hohe Schachtwand ein und begrub drei Arbeiter unter sich. Nur einer konnte gerettet werden. Vom Spiel in den Tod. Ein schweres Rodclunglück ereignete sich in der Klopsiockstraße in Stuttgart. Ein Taxameter bog von der Schwabstrahe in die Klopsiockstraße �cin, wo gerade Kinder rodelten. Einer der mit Kindern besetzten Schlitten fuhr direkt in den Taxameter hinein. Von den Kindern wurde ein elfjähriger Knabe sofort getötet, ein anderer Knabe und ein Mädchen schwer verletzt. Aus dem Hinterhalt erschossen. In Q u i d e r S b a ch bei Landstuhl wurde Sonntagabend der Lehrer W e s n e r aus dem Nach- hauscwege in der Nähe seiner Wohnung von zwei Männern hinterrücks erschossen. WeSner war 40 Jahre alt und Vater von sechs Kindern. Schwerer Grubenunfall. Auf Zeche Vollmond bei Langen- dreer wurden bei einem Sumpfbrande fünf Bergleute von giftigen Gasen überrascht und betäubt. Wäbrend es gelang. vier ins Leben zurückzurufen, konnte einer nur als Leiche geborgen werden.__ Marrn-rette von Berlin am 3. Januar 1614, nach Trmitlelunq-n de« tgl. Vojizeivräfidium«. Mai« fmixed), gute Sorte 16.60— 16,90, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14.70—15,00, Richtstroh 0,00- 0.00. Heu 7,00-7,20. Markthallenpreise. 100 Kilo gr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Svciscdohncn. Meitze 35.00—60.00. Linien 36,00—80,00. Kartofieln(Kleinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleitch 1.30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00, Kalbfleiich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,80— 7,20. 1 Kilogramm Karpscn 1 ,20— 2,50. Aale 1.60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00—2,20. Schleie 1.60—3.20. Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebse 3.00-30.00. Orts Krankenkasse der Luchtunder u.vem.Gtmrbe zu Berlin. Die neuen Satzungen nach den Be- stimmungcn der Reichsversicherung«- Ordnung haben am 5. Dezember 1913 die Genehmigung de« Königl. Ober» Sersicherungsamis Groß- Berlin er- halten und sind am 1. Januar 1914 in Krast gebeten. Druckexemplare können von den Mitgliedern im Bureau der Kasse, Stralauer Str. 7/9, II. Etage, in den Stunden von 8—1 Uhr in Empfang genommen werden. 266/8 st. Oottevmsnn, Vorsitzender. �peziaiarzt «lii-i,______ ff_ d f—___'.ifl X. SC Cfit I___- /Sr.��lX /SU* V«.»'IT-,k4r> III /f-irG». ifttS»nivS htt» WaS regt den Geist von neuem an. bringt Frohsinn und Schaffens- frellde wieder-- V Reiselust und Reisen! Wir wollen erfahren, wie die Welt in Wirklichkeit mit all dem Reichtum ihrer Naturschönhesten auS- liebt, und wie die Menschen daraus leben. Wer Zeit und Geld bat, der leift. Aber wie viele können dieses überhaupt und sollen sie eS sich vertagen'{ Rein!— Trete daher jeder mit unS getrost die Weltreist an und lerne die Macht der Natur, die Sitten und Gebräuche der verschiedenen .Nenschenrassen ohne Reisebeschwerden, teure Ausrüstungen und Reise- gelder kennen. Er kann alles im gemütlichen Heim für nur t5 Ps. pro Woche durch unsere illustrierte Zestschrist.Durch alle Welt" genietzen. Um der Reise besser soigen zu können, erhalten alle Abonnenten autzerdem m Lieserungen einen großen llniversal-Handatlas gratis. 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