Nr. 6. nbonnemenU'ßtdlnaungen: Abonnement-- Preis pränumerando! Lierteljährl. 3.30 Mk, monatl. 1.10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Well" 1V Pfg. Post. Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs< Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schtvedeu und die Schweiz. 31. Iahrg» erschein! täglich. Vevlinev Volltsblnkt. Die TnfertionS'GcbüIjr beträgt für die scchsgcspaltcne Koloncl. zcile oder deren Naum 00 Pfg.. uir politische und gewerlschastliche Pereius. und Bersnnmilungs-Aiizcigen 20 Pfg. „kleine Zsn-cigen", das scttgedrurkle Wort 20 Pfg.(zulässig 2 settgedruclie Worte), jede- weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasitelleiiain zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 2 Pfg. Worte über 1? Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nniiilner müssen bis 5 Uhr nachiiiittag- in der Expediiion abgegeben werden. Die Expeditioil ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Delegrainm- Adresse: „Sszialdemolirat Rcrlia". Zentralorgan der fozialdemokrati rd>en Parte» Deutfcblands. Redaktion: 8 LI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplak, Nr. 1983. Mittwoch, den 7. Januar Expedition: 8 LI. 68, lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moriiiplnsi, Nr. 1981. Noüerne„Kolonisatoren". T s i li g t a u, der Hauptort unseres ostasiatischen„Pacht"- gebietes ist heute eine Stadt, die von vielen deutschen Ge- meindeu ihrer vollendeten sanitären Einrichtungen halber be- neidet werden kann. Den Mitgliedern des Reichstags unterbreitet man alljährlich Bilder, die das Aufblühen Tsing taus deutlich veranschaulichen. Die Beamten und Offiziere die draußen sind, vermissen nichts von dem, was bei spielsweise in Berlin W geboten zu werden pflegt. Man bezeichnet das als einen Erfolg deutscher Koloni s a t i 0 n. Sehr mit Unrecht! Von einem Erfolg deutscher Kolonisation könnte man nur dann reden, wenn das Pacht gebiet aus sich heraus das geworden wäre, was es heute ist. Ein Blick in die Etats des Reichsmarine� amtes, dessen Lerlvaltung das Pachtgebiet untersteht, zeigt jedoch, daß die ganze Herrlichkeit geschaffen wurde auf Kosten der deutschen S l e u e r z a h l e r. Es ist keine Kunst, an Stelle eines chinesischen Dreck nestes eine moderne, komfortable Stadt erstehen zu lassen, wenn Deutschland das Geld dazu hergibt. Unter dieser Voraussetzung kann nian schließlich mitten in der S a h a r a ein Hotel mit G e frieranlagen bauen. Als kolonialen Erfolg darf man das aber sicher nicht buchen. Die absolut unverdienten Lorbeeren, die die Herren v. T i r p i tz und Admirat v. T r u p P e l für ihre kolonialen„Erfolge" in Ostasien eingeheimst haben, lassen den Gouverneur von Kamerun offenbar nicht schlafen. In D u a l a am Kamerunfluß soll ein S e i t c n st ü ck zu T s i n g t a u geschaffen werden— auch auf Kosten der deutschen Steuerzahler! Rur daß hier außerdem auch noch die Eingeborenen von ihren Wohnsitzen vertrieben werden sollen. Nicht etwa auf dem Wege der Gewalt, sondern auf dem Wege der„Enteignung". Die Eingeborenen werden nicht ihres Gebietes beraubt, so etwas machen die Koloni- satoron auf Kosten anderer Leute nicht, die Eingeborenen werden— enteignet. Sie bekommen etwas Geld und an anderer Stelle Grund und Boden angewiesen. Die ihnen neu angewiesenen Grundstücke sind zwar seit jeher Eigentum der Eingeborenen gewesen, aber deshalb kann man sie ihnen doch— anweisen. Nur sollte man sie ihnen nicht auch noch auf den Enteignungspreis a n- rechnen, sonst tvird aus dieser Enteigung eine glatte Beraubung. Unter der Bezeichnung:„Sanierung Dualas und anderweitige Ansiedelung der Ein- geborenen" hat der Reichstag 1 910 009 M. bereits bewilligt. Jetzt erst erfährt man, was alles hinter dieser so harmlos klingenden Bezeichnung sich verbirgt. Die Ein- geborenen, die sich dem Ackerbau zugewendet haben, wohnen ani Kamerunfluß. Dort haben sie ihre Bootsanlegestellen, sie treiben Handel und widmen sich der Fischerei. Werden sie von dem Fluß entfernt, dann büßen sie die ivirt schaftliche Grundlage ihrer Existenz ein. Als sich die Eingeborenen bereit erklärten, ihr Eigcntuni am Ufer des Äamerunflusses abzutreten, sind sie sich offenbar über die Tragweite dieser Zu- sicherung gar nicht klar gewesen. Später kamen ihnen die Folgen zuni Bewußtsein und sie zogen nun nicht bloß ihre Zusicherung zurück, sondern sie wandten sich auch mit einer Beschwerde schrift an den Reichstag. Die Petitionskommission, die sich mit der Beschwerde zu befassen hatte, beschloß, die Petition der Dualahäuptlinge, betreffend Aufhebung des Enteignungs- Verfahrens in Duala, dem Reichskanzler zur Er- w ä g u n g zu überiveisen. Damit ist aber den Eingeborenen nicht geholfen, denn die Verwaltung von Kamerun hält nicht nur an ihrem Plan fest, sie will im Gegenteil ihre Maßnahmen noch b e- schleunigen und verschärfen. Sie hält das deshalb für angebracht, weil auch eine Reihe von Persönlichkeiten der altangescssenen weißen Bevölkerung mit den Plänen der Vcrivaltung keineswegs einverstanden sind. Die Verwaltung schiebt diesen Weißen allerdings egoistische Motive unter, indem man sie der Bodenspekulation beschuldigt. Mit dem Gedanken dieser Bodenspekulation trägt sich aber auch die Verwaltung, die in einer umfangreichen Denkschrift selbst zugibt, daß sie nach erfolgter Sanierung den Grund und Boden teurer verkaufen will. Wir wollen keineswegs behaupten, daß der Widerspruch eines Teiles der Weißen auf ideale Motive zurückzu- führen sei, aber auch die Verwaltung ist von solchen Regungen keineswegs ini Uebermaß befallen. Der s p rin g e nd e Punkt in der ganzen Angelegenheit ist für uns der, daß die Eingeborenen der Grundlage für ihre Existenz beraubt und auf Kosten� der d e ut s ch e n S t e u e rz a h l er eine moderne Stadt erbaut»verde» soll, die aus eigenen Mitteln gar nicht unterhalten werden kann. Eine g l e i ß n e r i s ch- s ch ö n e Kulisse soll die Zustände im Innern verdecken. Die sofortige Enteignung der Eingeborenen wird von der Verwaltung wie folgt begründet: .Bei einer schnellen, folgerichligen und durchgreifenden Ver-. wirklichung des Ansiedelungsplanes werden sich die DualaS an! den Wechsel der Verhältnisse leichter gewöhnen, denn die Natur de- Negers findet sich mit gegebenen Talsachen rasch ab. Eine schnelle Verwirklichung des Planes wird ferner die fast gleichzeitige Verlegung sämtlicher Ortsteile mit sich bringen, also eine verschiedenartige Behandlung derselben nach Zeit und Umfang der Verlegung und damit auch das Empfinden ungerechter Maß nahmen bei dem einen oder anderen OrtSteil ausschließen." Diese gottvolle Beweisführung läuft auf den � lapidaren Satz hinaus:„Wenn allen gleichzeitig Unrecht geschieht, dann lvird es leichter ver »v u n d e n!" Wie aber, wenn sich die Neger weigern das Flußufer zu verlassen? Dann muß doch folgerichtig Waffenge>v alt angeivendet werden. Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß auf diese Weise Aufstände entstehen, die ungeheuere Opfer an Gut und Blut erfordern! Das Gebiet längs des Flusses soll künftig den Europäern vorbehalten bleiben. Dort ist geplant eine LO Kiloineter lange, 16 Meter breite Ring st ratze. 67 Kilometer einfache Stadt- wegc in einer Breite von 10— 12 Metern, eine Anzahl Brunnen, öffentliche Parkanlagen, Spiel- und Sportplätze, 20 Hektar Schmuckanlagen gärt- nerischer Art, Kioske, Bänke usw. Selbstverständlich auch Wasserleitung und Schwemmkanalisation, der Bau einer elektrischen Straßenbahn ist für später vor- behalten. Zwischen der Europäerstadt und den neuen Siede- lungen der Eingeborenen liegt eine 1 Kilometer breite Zone, die nicht bebaut»Verden darf. Die Verbindung der Wohn- stätten der Eingeborenen mit dem Fluß wird dadurch her- gestellt, daß einige Bäche und Wassergräben, die in den Fluß münden, ausgebaggert, teilweise verbreitert und damit für die Fahrzeuge der Eingeborenen fahrbar gemacht »verden. Die Koste» sind veranschlagt auf 5 696 999 M. Um»vclche Sulnme dieser Anschlag überschritten tvurde, läßt sich heute noch nicht annähernd berechnen. Die bereits bewilligten 1910000 M. sind in die obige Summe eingerechnet. Die ganze» Kosten gedenkt man aus die Kolonialanleihe zu decken. Für diese Kolonialanleihe mußte aber das Reich die Bürgschaft übernehmen, und deshalb haben die deutschen Steuerzahler ein erhebliches Interesse an der Ver- Wendung, denn für Verzinsung und Tilgung haftet letzten Endes die Reichskassc. Wir meinen, an dem einen Tsingtau haben»vir gerade genug, es ist nicht nötig, daß wir ain Kamerunfluß ein kostspieliges Seitenstück dazu bekominen, nur deshalb, weil einige Kolonialbeamte zeigen wollen,»vaS sie zu leisten vermögen, wenn die deutschen Steuerzahler das Geld dazu hergeben. Sravo! Die Telegramme ües Kronprinzen. Die.Frankfurier Zeitung" veröffentlicht folgende ihr von ein- geweihter Seite zugegangene Darstellung aus Straßburg: Die Ansicht, daß General v. Deimling und Oberst v. Reuter durch ei» Telegramm des Kronprinzen zu ihrer Haltung in der Zaberner Angelegenheit veranlaßt»vorden seien, hat hier bereits vor den Vorgängen zum 28. November an Boden gewonnen. Man hat sogar die Tatsache, daß die V e r a b- schiedung des Obersten v. Reuter rückgängig ge- macht wurde, auf ein Telegramm des Krön- Prinzen zurückgeführt, doch Ivar es stets unmöglich, festzustellen,»viewcit eS sich dabei um Kombinationen und lvielveit um Tatsachen handelte. Da nunmehr feststeht, daß der Kronprinz die durch ein Pariser Blatt verursachte Meldung von einem Telegramm an den Obersten v. Reuter nicht dementieren ließ, soll auch die Version veröffent- licht werden, die uns von eingeweihter Seite mitgeteilt wurde. Danach hat der Kronprinz an den General v. Deimling, nicht an den Obersten v. Reuter, zlvei Telegramme gerichtet. DaS erste datiert schon vor den Ereignissen vom 28. November und lautet: „Immer feste drauf! Friedrich Wilhelm, Kronprinz!" DaS zweite datiert vom 20. November und lautet kurz: „Bravo! Friedrich Wilhelm, Kronprinz." Als interessanteste Einzelheit sei noch erwähnt, daß General v. Deimling das erste Telegramm für eine Mhstifikalion nach dem Beispiele des Zahlmeistcraspiranten Wolter hielt und sich die Richtigkeit des Telegramms vom Telcgraphenamt be- stätigen ließ. Das erste Telegramm ist dementiert, das zweite nicht. Jeden- falls steht jetzt fest, daß der Kronprinz demonstrativ Partei für die Helden von Zaber n ergriffen und sich dainit in den denkbar schärf st en Widerspruch zum deutschen Volke gestellt hat und zu dem Votmn der überwiegenden Majorität des Reichstags. Die Stellungnabme des Kronprinzen ist um so schiverwiegender, als sie in einem Zeitpunkte erfolgt ist,»vo die Gerichte noch nicht gesprochen haben, die Möglichkeit also ge- geben tväre, daß die Stellungnahme nicht ohne Einfluß auf die Be- urteilung der Angeklagten bliebe. ES ist ja nicht zum erstenmal, daß der Kronprinz gegen die Politik der Reichsregierung frondiert, und erst recht nicht das erste mal, daß er den stürmischen Widerspruch der Vollsmassen heraus- 1 anstecken ließen! fordert. Mit der Beschimpfung der Sozialdemokraten als»Elende" debütierte der„junge Mann", den Bebel dafür in einer glänzenden Rede im Reichstag zur Verantlvortung gezogen hat. Dann kam das Beifallsklatschen zur Kriegshetze Heydebrands im Reichstag. die Erzwingung der Absetzung des Hauptmann-Festspiels und jetzt setzt der künftige Deutsche Kaiser dem allen die Krone auf und be- geistert sich für Taten, die selbst unter einem Bethinann ihre Verübcr vor das älriegsgericht führen. Die bürgerliche Presse ist wie vor den Kops geschlagen. Nur die„Post" stellt sich bedingungslos auf die Seite des Kronprinzen. Er verdient's. Die liberale Presse ist noch sehr zurückhaltend und hofft immer noch auf ein Dementi. Immerhin schreibt das „Berk. Tagebl.": „Erwägt man die Stellungnahme der berufenen Reichs- instanzen, dann unterliegt eS nicht dem mindesten Zlveifel, daß sich der Kronprinz in schroffen, und wie man wohl an- nehmen muß, in b e»v u ß t e n Gegensatz zum Kaiser und zum verantlv ortlichen Reichskanzler stellte, als er den kommandierenden General v. Deimling zum ungesetz- lichen Verhalten des Zaberner Militärs beglückwünschte und ihn zum Fortschreiten auf diesem Wege anspornte. Ein derartiges Heraustreten des Kronprinzen in den Streit der Meinungen, zu- mal mit der Spitze gegen bürgerliches Recht und für die militärische Willkür kann uninöglich toleriert werden." Schärfer schreibt die„Franks. Ztg.": „Als der Kronprinz vor Jahren in Oels seine kränkende Acußerung über die Sozialdemokratie tat, für die gar kein be- sonderer Anlaß vorlag, da mochte man ihn noch niit seiner Jugend entschuldigen. Die reiferen Jahre haben aber keine größere Zurückhaltung, sondern gerade das Bestreben einer stärkeren B e- kundung des persönlichen Wollens und MeinenS bei wichtigen Anlässen gezeigt, und zlvar, was das Besondere dabei ist, in g e»v 0 l l t e m Gegensatz z u den v e r a n t- >v ortlichen Regierungsstellen. Es liegt auf der Hand, daß die Häufung eines solchen persönlichen Eingreifens, die Etablierung einer Art Ncbenregierung, sehr bald zu schweren Konflikten führen müßte, wenn nicht mit 1- haltigerem Erfolge als bisher die»vünschenswerte und nach unseren staatlichen Einrichtungen gebotene Zurückhaltung wirklich erreicht wird." Als einzig wirksames Gegeninittel gegen dieses persönliche Ncbenregiment, daS uns nun zum persöirlichen Regiment hinzu beschert worden ist, bezeichnet die.Franks. Zeitung" ganz richtig die Stärkung des Parlaments. In der Tat kommt alles darauf an, daß der Reichstag aus dem Zaberner Skandal die nötigen Konsequenzen zieht. DaS bisherige Regierung S« fystem ist unerträglich, eines politisch reifen Volkes unwürdig. Es gilt jetzt ganze Arbeit zu leisten, in einem mit persönlichem Regiment und Nebenrcgiment, mit Bureau» kratenherrschaft und Militärdiktatur aufzuräumen. Die Gelegenheit ist günstig wie nie. Wird der Reichstag verstehen, die Gunst der Stunde zu nützen?_ Der Aufruhr in Zaber». Oberst v. Reuter will in Zaber» zur Selbsthilfe gegriffen haben, weil seine Leute andauernd den gröblichsten Beleidigungen ausgesetzt gewesen seien, ohne daß die Polizei zu ihrem Schutze eingegriffen habe. Wäre dem wirklich so gewesen, so hätte es nur einiger Reklamationen bei den Vorgesetzten der Zaberner Be- Hörden bedurft, um der angeblichen Lässigkeit der Zaberner Polizei- bchörde ein Ende zu machen. Aber der Zaberner Militärgewalligc dünkte sich für solche Beschwerden viel zu gut. Was sollte er lange mit der Feder oder auch nur der Quasselstrippe die Zeit vertrödeln— er hatte ja Bajonette und scharfe Patronen, lind er»rußte obendrein, daß der General v. Deimling ihm keinen Rüffel erteilen würde, wenn er den schneidigen Kriegsmann her- ausbitz. Als obendrein der Kreisdirektor sich weigerte, von ihm mit zusammengeschlagenen Hacken Befehle entgegenzunehmen, da ließ er einfach Munition verteilen, das Bajonett aufpflanzen und „ausschwärmen". Was die Mannschaften bei ihrer Razzia auf- griffen— sei es auch erst nach dem Einschlagen der Haustüren— das flog in den Pandurcnkellcr. Staatsanwalt und Richter hatten es schlichlich nur einer gnädigen Sultanslaune des Herrn Obersten zu danken, daß sie nicht auch in das finstere Loch gesteckt wurden. Denn»väre der Gestrenge ohne Ansehen der Person Verfahren, so hätte der Staatsauwalt, der sich ja dem flaumbärtigen Leutnant Schad gegenüber eine„herausfordernde Haltung" einzunehmen erdreistete, gleich den anderen dreißig Opfern des Reuterschen Staatsstreichs trotz Magenknurrens und Leibschneidens die Nacht im Pandurenkeller zubringen müssen! Und womit versuchte der selbstherrliche Gewaltmensch— so müssen»vir heute»vicderum. fragen— seinen ungeheuerlichen Rechtsbruch zu entschuldigen? Mit dem„Aufruhr" in Zabern? Ach nein: selbst die Militärzeugcn konnten heute auch nur bc- künden, daß manche Leutnants geneckt und gehänselt worden seien, indem„man"— wer es gewesen, war ja nie mit Sicher- heit festzustellen— ihnen höhnische Worte nachgerufen, gejohlt und gepfiffen habe. Und deshalb Kriegszustand in Zabern! Des- halb mehrere Tage lang die Ausschaltung der Zivilbehörden, die Terrorisicrung einer ganzen Stadt! Deshalb die Austeilung von 40 0(X> scharfen Patronen! Deshalb die brutale Freiheits- beraubung etlicher Dutzend Unschuldiger! Deshalb das Ge- lüften nach dem Blut der Bürger, denen man„Feigheit" vor- warf, weil sie sich von der„Verrücktheit" gewisser Militärs nicht Slöer mehr noch h- Sämtliche Zivilzcugen— mit■ einer einzigen befremdlichen Ausnahme— bekundeten übereinstimmend, daß zur Zeit her großen Militärattacke und der darauf fol- gcnden Masscnverhafüung überhaupt nicht gejohlt, gepfiffen oder geschimpft worden siei. Staatsanwalt, Richter, Rechtsanwälte, Kreisdirektoren usw. liezeugten übereinstimmend, daß während jenes legendären großen„Menschenauflaufs"(der aus Sl> Menschen, meist Kindern, bestand) überhaupt kein Lärm verübt worden sei. Ter ganze Gerickjtshof schüttelte den Kopf über den unbegreif- lichcn, unlösbaren Widerspruch zwischen den Aussagen der Militär- zeugen und der Zivilzeugen, unter welch letzteren sich doch so viele über jeden Verdacht«erhabene Standes- und Amtspersonen bc- fanden. Ta machte dir kriegerische Oberst v. Reuizr selbst einen verzweifelten Versuch zur Enträtselung des unentschleierbaren Rätsels. Auch er, so erklärte er, habe sich am 28. November in- mitten des Menschenhaufens befunden und selbst nichts von den Beschimpfungen und Beleidigungen der Offiziere vernommen, die von diesen bekundet worden seien. Also Oberst v. Reuter befindet sich inmitten einer„Volks- menge" von zirka 50 Kopsen, hört selbst keine Silbe und ist dennoch davon überzeugt, daß seine armen Offiziere im gleichen Augenblick von dieser Menge schändlich beschimpft wurden! S o also sah der Zaberner„Aufruhr" aus. So unerhört wurden die armen Leut- nants insultiert! Wer also zwanzig cider dreißig Schritte vom Tatort des Auf- ruhrs entfernt war, sah und hörte nichts. Nur die beleidigten Ossiziere selbst vernahmen die gräßlichen Schmähungen. Aber auch sie hörten sie nur so undeutlich, daß sie nie wußten, wer sie denn eigentlich insultiert hatte. Sonderbar, höchst sonderbar! Aber die Herren Leutnants ließen gleichwohl munter drauf los „verhaften", indem sie jeden„Verdächtigen" aufgriffen. Wer nur das Gesicht verzog, wer nur einem Leutnant etwas unbequem vor die Pedale geriet, wurde in den Pandurenkeller geworfen. Dabei arbeiteten die Musketiere kräftig mit dem Gewehrkolben, wobei sie auch mit Koseworten wie„Lumpenhunde" nicht kargten. Auch drohte man gelegentlich, diesen Lumpenhunden„das Bajonett durch die Kaidaunen zu rennen". Aufruhr in der Tat— aber nicht bei der Zivilkanaille! Um den Eindruck dieser empörenden Tatsachen zu verwischen, renommierten die Herren Militärs mit den Droh- und Schmäh- briefen, die sie erhalten hätten. Du lieber Gott, wenn wir all die agrarisch-antisemitischen Liebesepistel zählen und veröffentlichen wollten, mit denen die Redaktion des„Vorwärts" beglückt wird, so käme ein hübsches Quantum Stumpfsinn und Unflat zutage. Was haben also die 1400 Briefe und Karten zu bedeuten, die Herr v. Forstner erhalten hat. Was die alberne Faselei, die Herr v. Reuter aus seinem Briefschatz zum besten gab. Sie beweist nichts als die Verlegenheit der Herren Militärs. Uebrigens scheint Oberst v. Reuter wirklich bedenklich an Verfolgungs- i d e e n zu kranken, wenn er jetzt auch den Postbehvrden nach- sagte, daß sie ihm alle Schmähbriefe getreulich ausgehändigt, da- gegen die Belobigungsschreiben vorenthalten habe. Woher weiß der Mann denn das? Hat er sich etwa selbst Anerkennungsbriese geschrieben, die ihn nicht erreichten? Oder sollten ihm gar noch unbekannte Kronprinzentelegramme unterschlagen worden sein?! Der Stich ins Wespennest. Unser Artikel„Konservative Heuchelei" hat, wie wir er- warteten, in den Redaktionen der„Kreuz-Zeitung" und ihrer Milchschwester, der„Staatsbürger- Zeitung", unangenehmes Jucken verursacht und einige der in unserem Artikel ge- nannten Stützen der konservativen Partei auf den Plan ge- rufen. Als erster erschien der frühere Geschäftsführer der „Staatsbürger-Zeitung" und jetzige Direktor der Mundipan- Gesellschaft m. b. H-'I. H. Wilke aus Friedenau mit der folgenden Berichtigung: Sie brachten in Ar. 4 deS„Vorwärts" vom 5. Januar 1914 (Montags-Ausgabe) auf der ersten Seite des Hauptblattes einen Artikel„Konservative Heuchelei", worin Sie meiner in ebenso un- freundlicher wie wahrheitswidriger Weise gedachten. Hierzu erkläre ich folgendes: 1. ES ist unwahr, daß sich bei Aufgabe meiner Tätigkeit als Chefredakteur und Geschäftsführer der„Staatsbürger-Zeitung" ein Kasseumanko von 10000 M. ergab. 2. ES ist unwahr, daß ich aus der Kasse der„Staatsbürger- Zeitung" 10 000 M. als„Darlehu auf Gehalt",»Vorschuß" usw. entnommen habe. 3. ES ist unwahr, daß ich eS unterlassen habe, von der Ge- sellfchaft der»Staatsbürger-Zeitung" eine etwa erforderliche Ge- nehmigung einzuholen. 4. ES ist unwahr, daß ich als Geschäftsführer der Deutschen Bnrgerkunde G. m. b. H.(„Staatsbürger-Zeitung") irgend eine Hand- lung begangen habe, deren ich mich zu schämen und die das Licht des Tages zu scheuen hätte. Berlin-Friedenau, S. Januar 1914. Joh. Hermann Wilke. Der erste Unschuldige. Ihm möchten wir anheimgeben, ehe er uns wieder eine„Berichtigung" einsendet, sich beim Untersuchungsrichter in Moabit die Erlaubnis zu erbitten, Einsicht in das Aktenstück 34 J. 1943/13 Strafsache gegen Wilke wegen Untreue nehmet! zu dürfen. Weiter empfehlen wir ihm das Studium deS Artikels„Vorwärts- Klatsch" in der„Staatsbürger-Zeitung" vom 6. Januar, wo es heißt: Die Ausstreuungen über die„Staatsbürger-Zeitung" betreffen diese nicht direkt, sondern lediglich den Verlag Bürgerkunde G. m. b. H., dem vorübergehend die„Staatsbürger-Zeitung" ge- hörte. Hier sind seinerzeit einige Unregelmäßigkeiten vorgekommen, die durch Entlassung der schuldigen Personen gesühnt wurden. Tie„5ireuz-Zeitung" glaubt unsere Behauptungen über ihren Geschäftsführer Bruno S ch r o e t e r. der zu gleicher Zeit als Generalsekretär der deutsch-konservativen Partei fungiert, zil widerlegen, indem sie auf die Vertrauenserkläruug des Gesanltvorstandes der deutsch-konservativen Partei vom 13. März 1913 zugunsten Schroeters hinweist. Die damals vorgenommene Mohrenwäsche ist uns nicht ganz unbekannt. Um so mehr erfreut sind wir, daß die»Kreuz-Zeitung" droht, Herr Schroeter werde gegen uns die Staatsanwaltschaft an- rufen. Ob diese ihm sreilich den Gefallen tut, sich seiner an- zunehmen, erscheint uns noch recht zlveifelhaft. Denn wir erinnern uns, daß es trotz eingelegter Beschwerde die Staats- anwaltschaftsbehörde ablehnte, einzugreifen, als verschiedene der„Kreuz-Zeitung" verschwifterte Blätter gegen den Reichs- tagsabgeordneten Genossen Fischer die infamsten Verleumdungen aitsstreuten. Wenn also auch die Staatsanwaltschaft sich wahrscheinlich passiv verhalten wird, ein wiedergewonnener Busenfreund und „brauchbarer Mitarbeiter" des Generalsekretärs Schroeter, Herr Redakteur Ludwig Kühl aus Steglitz opfert das Porto für einen Einschreibebrief und reinigt sich und damit gleichzeitig auch seinen Kollegen Schroeter in einer„Berichti- gung" wie folgt: An den verantwortlichen Redakteur des»Vorwärts" Herrn Alfred Wielepp Berlin 81V. 68 Lindenftr. 69. In der vön Ihnen verantwortlich gezeichnete» Nummer 4 des „Vorwärts" vom Montag, den 5. Januar 1914, werden auf S. 1, Spalte 3, Absatz 3 und 4 im Artikel„Konservative Heuchelei" bc« stimmte Behauptungen über mich, beziehungsweise mein Ver- hältnis. zum Generalsekretär der Deutsch-Konservatipen Partei, Herrn Bruno Schroeter, aufgestellt, die sämtlich unzutreffend sind. Auf Grund des Z 11 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Be- richtiguug; 1. Es ist unwahr, daß ich jemals eine eidesstattliche Ver- sicherung des Inhaltes abgegeben habe, daß der Generalsekretär Schroeter in der Jahresrechnung die Ausgaben um 20 000 M. höher angegeben habe, als sie tatsächlich erfolgt seien, und daß er auf die Gehälter einiger seiner Angestellten 100 Proz. aufschlage und den Mehrbetrag für sich behalte. 2. Es ist unwahr, daß der genannte Herr mir mit Verhältnis- mäßig hohen Summen den Mund stopfte. 3. ES ist unwahr, daß Herr Schroeter mich aus meiner Stellung entlassen hatte, weil ich ein Liebesverhältnis mit einer Mitangestellten unterhalten haben soll und wegen Trunkenheit meinen Dienst vernachlässigt habe. Wahr ist, daß ich selbst meine Stellung am Hauptverein gekündigt habe. 4. Es ist unwahr, daß im Hinblick auf meinen Charakter all- gemein angenommen wird, daß Angriffe meinerseits auf Herrn Schroeter ein Erpreffungsmanöver darstellten. Wahr ist, daß ich nach vorübergehenden persönlichen Differenzen mit Herrn Schroeter nicht den mindesten Anlaß habe, Angriffe gegen die unantastbare Ehrenhaftigkeit dieses Herrn zu erheben. Redakteur Ludwig Kühl. Der zweite und dritte Unschuldige. Das zwingt uns— es tut uns sehr leid— unserer Mappe zeitgenössischer Doku- mente den folgenden an die„Staatsbürger-Zeitung" gerichteten Brief zu entnehmen: Berlin, den 28. Februar 1913. An den als Verantwortlichen Redakteur zeichnenden Herrn Bartel Berlin. Hafenplatz 9. Namens und in Vollmacht des Herrn Redakteur L u d w i g Kühl in Steglitz, Viktoriastr. 5, ersuche ich Sie ergebenst, auf Grund des K 11 des PreßgesetzeS um Aufnahme folgender Berichtigung: „In Ihrem Artikel:»In eigener Sache" in Nr. 50 der .Staatsbürger-Ztg." vom 28. Februar d. I. sind verschiedene Unrichtigkeiten enthalten. 1. ist dort der unterzeichnete Herr Wilhelm B e t t i n g e r nicht Liquidator der»St.-Ztg.", sondern deS Verlages Deutsche Bürgerkunde G. m. b. H. 2. handelt es sich bei den Artikeln, für die Herr Kühl verantwortlich ist, nicht um persönlich« und gehässige Motive, sondern darum, darzulegen, daß Herr Schroeter ein schwerer Schädling der konservativen Sache ist. 3. ist es u n w a h r, daß Herr Schroeter dem Herrn Kühl bezw. dessen Familie Wohltaten erwiesen hat. Wahr ist. daß Herr Schroeter von Herrn Kühl profitiert hat. indem er bei dessen verhältnismäßig niedrigem Gehalt beim Hauptverein der Deutschkonservativen etwa 109 Proz. als Auf- schlag für sich persönlich von den Geldgeber» der konser- vativen Partei erhob, so zwar, daß der Jahresabschluß an tat- sächlichen Ausgaben 23 909 M. aufwies, den Herren Geld- gebern aber von Herrn Schroeter mit 43 009 M. abschließend vorgelegt wurde. Der Chefredakteur der„St.-Ztg.", Herr Kühl, hat in wohlverstandenem Interesse der ganzen Richtung, die das Blatt vertreten hat, gehandelt. DaS weitere werden die von Herrn Kühl anhängig gemachte» Privatklagen zur Evidenz beweisen. Hochachtungsvoll ergebenst gez. Wilhelm Korn, Rechtsanwalt. Die„kleinen persönlichen Differenzen", die Herrn Kühl nach seiner uns gesandten Berichtigung nicht veranlassen, gegen die unantastbare Ehrenhaftigkeit des Herrn Schroeter Angriffe zu erheben, wurden, nachdem Herr Schroeter Kenntnis von der nicht veröffentlichteil Berichtigung Kühls an die„StaatSbürger-Zeitung" erhalten hatte, einen Monat später durch folgenden Brief behoben: Berlin, den 28. März 1913. Herrn Redakteur Ludwig Kühl Berlin-Steglitz, Viktoriastraße. Sehr geehrter Herr Kühl! Es hat bei mir schon seit längerer Zeit die Ver- mutung bestanden, daß seiner Zeit Entstellungen und Erfindungen von dritter Seile eS gewesen sind, die eine Trennung zwischen unS und aus einer gemeinschaftlichen Tätigkeit herbeiführten, in der Sie mir wertvolle Dienste geleistet hatten. Nachdem ich nunmehr die Gewißheit darüber erlangt habe, stehe ich nicht an, mein Bedanern darüber auszusprechen, daß ich dadurch eines brauchbaren Mitarbeiters beraubt wurde, während Sie zugleich auch wirtschaftlich geschädigt worden sind. Ich freue mich zugleich auch, daß sich mir jetzt die Möglichkeit geboten hat, zu erkenne», daß Sie sich der Angelegenheit einiger Nedalteure der„Kreuz-Zeitung" nicht aus Haß und Rachegefühl gegen mich angenommen haben, sondern aus Kamerad« s ch a ft li ch keit sür Standesgenossen, deren Interessen Sie durch mich geschädigt glaubten. Diese Stellungnahme kann Ihnen selbstverständlich nicht zur Unehre gereichen, sie ist vielmehr auch aus dem Grunde als besonders anständig zu be- zeichnen, als Sie für andere Ihre eigene Existenz aufs Spiel setzten, Ich hoffe, daß nunmehr alle Mißverständnisse end- gültig beseitigt sind und erkläre meinerseits gern, daß ich die zwischen uns schwebenden Streitfragen als erledigt betrachte. Ich werde Ihnen gern die Hand zu einer grmeinschaft- schastlicheu Mitarbeit wieder bieten. Mit ausgezeichneter Hochachtung Bruno Schroeter. Eine hübsche„freiwillige" Ehrenerklärung. Und da zweifle noch einer an der unantastbaren Ehrenhaftigkeit und Gesinnungstüchtigkeit dieser Stützen der konservativen Partei, — die jetzt wieder brüderlich vereint gegen die Sozialdemokratie zu Felde ziehen! politische Ueberftcht. Beginn der Landtagsarbeite» in Preußen. Am Donnerstag tritt der am 3. Juni vorigen Jahres gewählte Landtag zusammen. Zwar tvaren die„erlauchten, edlen und geehrten Herren" schon im Sommer auf einige Tage einberufen, aber die ganze Session bestand aus drei Sitzungen rein formeller Natur. Die eigentlichen Arbeiten sollen erst jetzt beginnen. Es verlautet, daß der König die neue Session entgegen allen bisherigen Gepflogenheiten nicht selbst eröffnen, sondern daß Herr v. Bethmann Hollweg die Thronrede verlesen wird. Ob Wilhelm II., wie die bürgerliche Presse mitteilt, der Er- öffnung deshalb fernbleiben wird, weil er nicht an sein Wahl- rechtsversprechen erinnert werden will, oder ob sein Nicht- erscheinen auf wirkliche Verhinderungsgründe zurückzuführen ist, wissen wir nicht. Das eine aber steht fest: Die Thron- rede wird keine neue Wahlrechtsvorlage ankündigen, sie wird über die Reform, die Wilhelm II. vor mehr als fünf Jahren als eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart bezeichnet hat, mit Stillschweigen hinweggehen. Das Junkertum hat auss neue bewiesen, daß es mächtiger ist als die höchste Stelle ini Staate, namentlich wenn ihm das verräterische Zentrunt zur Seite steht und wenn die Regierung zu schivach ist, es auf einen ernsthasten Kampf mit der konservativ- klerikalen Mehrheit ankommen zu lassen. Erst dann will die Regierung an die Wahlrechtsfrage herantreten, wenn die großen Parteien des Hauses sich über die Prinzipien einer Reform„klar" geworden sind. Auf das Volk, das sich mit überwältigender Mehrheit gegen das Drei- klassenwahlsystem und für die Uebertragung des Reichstags- Wahlrechts ausgesprochen hat, wird keine Rücksicht genommen. Die Wahlen haben zwar eine kleine Verschiebung nach links gebracht, aber diese Verschiebung ist leider so gering- fügig, daß sie den im Landtag herrschenden Geist unbeeinflußt läßt. Nach wie vor genügt die Abkommandierung einer kleinen Anzahl nationalliberaler oder Zentrumsabgeordneter, um, tvie wir das noch vor einem Jahre erlebt haben, selbst ein Votum zugunsten des direkten Wahlrechts und der ge- Heimen Stimmabgabe zu hintertreiben. Die beiden konser- vativen Parteien verfügen über 201 von den 443 Mandaten, es fehlen ihnen nur 2l an der absoluten Majorftät. Dieses Manko wird weit gemacht durch die unsicheren Kantonisten aus dem nationalliberaleu Lager. Eventuell leistet das Zentrum Helfersdienste. Und sind dann die Wahlrechts- anträge abgelehnt, dann posaunt inan in die Welt hinaus, daß das preußische Volk am Dreiklassenwahlsystem unentwegt festhalten will. Aber auch sonst sind die Aussichten für Fortschritte index ©esetzgeblliig sehr gering. Die Reform der inneren Verwaltung ist voraussichtlich eine der ersten Aufgaben, die den Landtag beschäftigen wird. Was dabei herauskommen wird, läßt sich hxute noch nicht übersehen, aber daß auf die wirklichen Bedürfnisse des Volkes keine Rücksicht ge- nommen wird, ist so gut wie sicher. Der dem Landtage unterbreitete Wohnungsgesetzentwurf ist ein typt- sches Beispiel dafür, wie man an äußeren Symptomen herumkuriert, sich aber ängstlich hütet, die Axt an die Wurzel des Uebels zu legen. Statt gesetzliche Maßnahmen gegen den Wucher in Grund und Boden zu schaffen, statt die bevorrechtigte Stellung der Hausbesitzer in den Gemeinde- Vertretungen zu beseitigen, um wenigstens für eine kom- munale Wohnungspolitik zugunsten der minderbemittelten Bevölkerungsschichten den Boden zu ebnen, hat die Regierung den Wünschen der Hausagrarier und ihres Anhangs in weitgehendstem Maße Rechnung getragen und das wenige Gute, das der Entwurf vom Jahre 1904 enthielt, gestrichen. Bei der Reform des Kommunal- abgäbe ngesetzes ist nian auf halbem Wege stehen geblieben, in den vielen Stadien seiner Vorberatung hat der Entwurf wiederholte Aenderungen erfahren, aber an den Forderungen der Großstädte ist die Regierung� achtlos vorübergegangen. Ueber ein anderes wichtiges Gesetz, das F i d e i k o in m i ß g e s e tz, ist bisher wenig in die Oeffent- lichkeit gedrungen. Festzustehen scheint nur, daß diese Vor- läge zuerst das Herrenhaus beschäftigen wird, und hier werden die Vertreter des alten und befestigten Grundbesitzes ihre Interessen schon zu wahren wissen. Ob niit der Verabschiedung dieser Gesetze und des Etats das Arbeitspensum des Landtags erledigt ist oder ob noch andere Aufgaben seiner harren, wissen wir nicht. Die in der vorigen Session gescheiterte Reform des Einkommensteuer- und deS Ergänzungssteuergesetzes wird ihn in absehbarer Zeit nicht wieder beschäftigen. Wozu auch? Die Regierung hat es nicht eilig, sie kann warten, denn sie schwimmt im Gelde und trotzdem erhebt sie die Steuerzuschläge ruhig weiter. Große Ausgaben sind es also, die ihrer Lösung durch den Landtag harren. Wenn trotzdem die große Masse der preußi- scheu Steuerzahler der Arbeit des Landtages nicht das Interesse entgegenbringt wie der des Reichstags, so liegt das an der Geringschätzung, die dies Parlament mit Recht in den weitesten Kreisen genießt._ Bethmann Hollwcg amtsmüdc. Die»Rheinisch-Westfälische Zeitung", die sich fast verzehrt vor Sehnsucht nach dem kommenden starken Mann, läßt Herrn v. Beth- mann Hollweg ernstlich amtSmüde sein.»Seine Uhr ist ganz von selbst abgelaufen, er ist müde geworden und ist seines Amtes nicht mehr froh"— so verkündet das Sprachrohr der Scharfmacher, ohne steiliw durchblicken zu lassen, woher ihm diese Wissenschaft kommt. Auch der angebliche Wunsch Bethmanns, nach seinem Rücktritt Statthalter der ReichZlande zu werden, soll sich nach der gleichen Quelle nicht erfüllen, vielmehr wird Graf Wedel durch einen General ersetzt werden. Der Kandidat der Alldeutschen für diesen Posten ist der General Frbr. v. Hoiningen. Als Nachfolger Bethmann Holl- wcgS wird neben dem Staatssekretär T i r p i tz der deutsche Bot- chaftcc in London. Fürst Lichnowsky, genannt, der das Verdienst bat— Regimentskamerad des Kaisers gewesen zu sein! Eröffnung des elsaß-lothringischcn Landtags. Strahburg(Elf.), 6. Januar. Tie feierliche Eröffnung der zweiten Tagung des Elsaß-Lothringischen Landtages fand heute morgen 11 Uhr int Kaiserpalast statt, nachdem zuvor für die katho- lischen und protestantischen Mitglieder der beiden Kammern Gottes- dienste abgehalten worden waren, denen auch die Spitzen der Re- gierung beiwohnten. In seiner Rede zur Eröffnung der zweiten Tagung des Land- tageS führte der Statthalter Graf Wedel u. a. aus, daß die finan- zielle Lage der Reichslande eine Beschränkung der Ausgaben not- wendig mache, die auch auf die Besserstellung der nicht etatmäßig angestellten Beamten, wofür im Nachtrag des Etats Vorschläge gemacht würden, nicht ohne Einfluß bleibe. Zur Besserung der finanziellen Lage werde eine baldige Reform der direkten Steuern in Erwägung gezogen. Die betreffenden Gesetze würden unver- züglich dem Landtage vorgelegt werden. Im Anschluß an die Er- Hebungen anläßlich des Wehrbeitragcs werde man sich ein Urteil darüber bilden können, ob eine Vermögenssteuer einzuführen sei. Ohne weiteres werde das Einkommensteuergesetz zur alsbaldigen Beratung gestellt werden. Neben anderen Fragen wie der Wieder- Herstellung rechtlicher Fähigkeiten lAngliederung der betreffenden Vorschriften des Lotte penal an die Vorschriften des Reiches), der staatlichen Kultusaufgaben usw., der Verfassung der Kirche Augs- burgischer Konfession und der reformierten Kirche, sei die bedrängte Lage des Winzerstandes für die Regierung Gegenstand ernstester Aufmerksamkeit. Außer einem Grundsteuernachlaß seien Maß- nahmen vorgesehen zur Bekämpfung der Rebschädlinge. Weiter wird auf die abgeschlossenen und vorzunehmenden Arbeiten der Rheinrcgulierung und des Ausbaues des Kanalnetzes hingewiesen. Schließlich äußerte sich der Statthalter zu dem Wunsche der Volks- Vertretung nach Vereinfachung der Verwaltung dahin, daß die Be- zirkspräsidicn nicht beseitigt werden könnten und die Bezirke als Selbstverwaltungskörpcr bestehen bleiben sollten. Doch wäre es möglich, die Befugnisse der Bezirkspräsidenten auf dem Gebiete der allgemeinen Landespolizei und der Gemeindeaufsicht zwischen dem Ministerium und den unteren Verwaltungsbehörden aufzuteilen. Nachmittags hielten beide Kammern des Landtages Sitzungen ab zwecks Bildung ihrer Bureaus und Kommissionen. Hierbei konnten die Kommissionen der Zweiten Kammer nicht gebildet werden, da noch über einen Antrag der Lothringer beraten werden soll, die Beratung des Etats in zwei Kommissionen vorzunehmen. In der Zweiten Kammer betonte der Alterspräsident B o u r- g e r in seiner Eröffnungsrede die politischen Schwierigkeiten, die zurzeit in Elsaß-Lothringen herrschten. Er wies darauf hin, daß Elsah-Lothringen als Glaeis betrachtet werde. Bei der Erwähnung der Zaberner Vorfälle bemerkte er, daß eine militärische Nebenregierung bestehe. Dem Reichstage müsse man deshalb dankbar sein für seine Stellungnahme zur Wahrung der elsaß-lothringischcn Interessen. Tie Schuld an der Zuspitzung der Verhältnisse trage allein die unzulängliche Verfassung. Eine Aendc- rung könne erst dann eintreten, wenn Elsaß-Lothringen mit den übrigen Bundes st aaten vollständig gleichberechtigt sei. Die Rede wurde mehrmals von Beifall unterbrochen. Dann wurde das alte Präsidium der Zweiten Kammer: Ricklin (Zcntr.), Labroise(Lothringer) und Bühle(Soz.) wiedergewählt. Eine behördliche Maßregelung wegen der politischen Ueberzeugung. Regierung und Scharfmachcrtum sind eifrigst bemüht, Material zusammenzubringen, um der organisierten Arbeiterschaft nachzu- weisen, daß sie Andersdenkende durch Anwendung terroristischer Mittel zu ihrer Ueberzeugung widersprechenden Handlungen zwingt. Tatsächlich verfahren die Behörden und Scharfmacher im stärksten Maße terroristisch. Folgender neue Fall von behördlichem Terro- rismus wird aus Pommern gemeldet: „Bei der Pommerschen Provinzial-Lcbcnsversicherungsanstalt war als technischer Leiter bis vor kurzem der Referendar a. D. Dr. Eulert angestellt. Dr. E. ist nach dem Zeugnis des Landes- Hauptmanns für die Provinz Pommern, Herrn v. Eisenhart- Rothe, ein tüchtiger Beamter, der„mit Eifer und Geschick an dem Ausbau der neu errichteten Anstalt mitgearbeitet und hier- bei ein beachtenswertes Organisationstalent bewiesen" habe. Eulert war völlig selbständig, er verfaßte Propagandaschriften, hielt Vorträge über die Provinzial-LebenSversicherung, nahm an den behördlichen Konferenzen teil, kurz, wurde so behandelt, wie eben nur tüchtige Beamte behandelt werden. Aber Eulert war eingeschriebenes Mitglied der sozialdemo- kratischcn Partei; solange er in der Beamtenstellung bei der Pro- vinzial-Lebensversicherungsanstalt in Stettin tätig war, hielt er sich so sehr zurück, daß die Behörde nur durch eine Denunziation der Versicherungsgesellschaft Friedrich Wilhelm in Berlin, bei der Eulert früher beschäftigt war, von seiner Parteistellung er- fuhr. Eulert wurde nun vor den Landeshauptmann v. Eisenhart- Rothe zitiert; dort mutete»ran ihm zu, er solle sich als Opfer sozialdemokratischer Ueberredungskünste hin- st e l l e n und, um seine Stellung zu retten, als bekehrter Sünder gegen die Sozialdemokratie kämpfen. 48 Stunden Bedenkzeit wurden ihm bewilligt.— Eulert lehnte ab, er wurde deshalb entlassen und ihm ein Zeugnis ausgestellt, in dem es heißt: „Herr Dr. Eulert ist am 1. Dezember 1913 aus dem Dienst des Provinzialvcrbandcs von Pommern ausgeschieden wegen seiner mir bei seinem Dienstantritt und während der Dauer seines Dienstverhältnisses verschwiegenen, erst jetzt durch einen Zufall bekanntgewordenen Zugehörigkeit zu einer politischen Par- tei, die unvereinbar ist mit der«Stellung eines mittelbaren Staatsbeamten." Sicher werden die eifrigen Materialsammler nicht versäumen, diesen neuesten behördlichen TerrorismuSfall mit in ihre Mappen aufzunehmen. Ter Segen des Zollwuchcrs. Nach der Meinung des preußischen Herrenhäuslers Graf von Mirbach ist die Landwirtschaft so schlecht gestellt, daß bereits die ländliche Krankenversicherung zahlreiche Grundbesitzer von Haus und Hof treiben wird. Dieses Klagelied von der Not der Land- Wirtschaft wird in der nächsten Zeit noch recht oft erklingen. Der Zeitpunkt rückt immer näher, an dem der neue Zolltarif zur Be- ratung gelangt, und deshalb werden die Agrarier mit immer größerem Eifer nachzuweisen suchen, daß sie ohne erhebliche Erhöhung der Schutzzölle rettungslos verloren sind. Demgegenüber steht fest, daß die Güterpreisc, die in den letzten Jahren fortgesetzt in die Höhe gegangen sind, immer noch steigen und in der letzten Zeit sind bei Verkäufen im Osten oft auf einen Schlag hundert- taufende Mark„verdient" worden. Die Güter sind sehr begehrte und preiswerte Handelsobjektc geworden. Folgende Beispiele aus der allerletzten Zeit beweisen die un- gcheuerliche Steigerung der Güterpreisc: Die etwa 19 Hufen umfassende Besitzung des Grundbesitzers Lietz in Groß-Zünder(Kreis Danzig) ging durch Kauf in den Besitz des Rentiers Pennet in Zoppot über. Ter Kaufpreis stellt sich auf S99 999 M.; vor 1% Jahren wurden für das Grundstück 389 999 M. angelegt. Mit einer Preissteigerung von ca. 299 999 M. in den letzten drei Jahren ging das 1688 Morgen große Rittergut Waldheim (Kreis Pr.-Eylau) in andere Hände über. Drei Jahre vorher hatte das Gut 629 999 M. gekostet; vor einem Jahre waren 665 999 Mark bezahlt worden, und jetzt wurde vom Rittergutsbesitzer Hüttenbach ein Preis von 818 999 M. entrichtet. lim 132 999 M. in den letzten sieben Jahren gestiegen ist der Preis des dem Gutsbesitzer Lingk in Freiwalde(kreis Mehrungen) gehörigen Gutes. Dieses kostete damals 168 999 M.; jetzt bezahlte Rentier Wippich in Rüssel etwa 399 999 M. Tie seinerzeit von den Gutsbesitzern Horstmann und Nordhoff für 189 999 M. angekaufte Besitzung ist jetzt, nachdem 79 Morgen Acker(deren Wert etwa 49 999 M. betragen dürfte) hinzugekauft worden sind, für 359 999 M. in den Alleinhesitz des Nordhoff über- gegangen. Die Preissteigerung beträgt also auch hier über 199 999 M. Mehr als 859 M. brachte der Morgen beim Verkauf des 295 Morgen umfassenden Grundstücks Dominiczak in Griffen(Kreis Thorn). Die Besitzung wurde an Gutsbesitzer Swierkis für 175 999 Mark verkaust. Vor fünf Jahren kostete sie 119 999 M. Mit einer P r e i S st e i g e r u n g von 79 999 M. in den letzten neun Monaten ging die Besitzung des Landwirts Torrn in Kutschelen(Kreis Pilllallen) in Größe von 119 preußischen Morgen für 419 999 M. in den Besitz des Pfarrers(I!) Gezork aus Gumbinnen über. Dorrn hatte vor neun Monaten 349 999 Mark bezahlt. In der Provinz Posen verkaufte der deutsche Landwirt Grünke sein 729 Morgen großes Gut Wunschheim-Hetzwalde an den Polen Nowicki in Nakel für 359 999 M. Innerhalb zwei Jahren hat Grünke 199 999 M.„verdient". In Posen kaufte die preußische Ansiedelungskommission das 3829 Morgen große Gut Wlokno(Kreis Obornik). Vor einiger Zeit hat der Besitzer Zmiedzinski 429 999 M. gezahlt. Im September verkaufte er das Gut an den Gutsbesitzer v. Woszlezic für 369 999 Mark und dieser veräußerte es an die Ansiedelungskommission für eine Million Mark. Mit einer Preissteigerung von 119 999 M. in den letzten 2,A Jahren verkaufte der Gutsbesitzer Zitzlaff sein SA Hufen umfassendes Grundstück in Kießling(Kreis Stuhm) für 359 999 M. an den Gutsbesitzer Hering in Kiefkehl. Das Gut Hammer bei Gollub(Kreis Briefen) ging für 499 999 Mark durch Tausch auf den Gutsbesitzer Anton Pazdorski aus Ostro- Witte über. Vor einem halben Jahre wurden für das Grundstück nur 335 999 M. bezahlt. Das Gut Richnau(Kreis Schlochau) ging aus dem Besitz des Landwirts Nelke für 145 999 M. in andere Hände über. Vor fünf Jahren waren für das Grundstück 75 999 M. bezahlt worden. Das Gut Klein-Wittfelde(Kreis Schlochau) des Gutsbesitzers Jagierski in Größe von etwa 1359 Morgen ist in den Besitz des Gutsbesitzers Dalbkermcier in Posen übergegangen. Jagierski hatte vor VA Jahren für das Grundstück 399 999 M. gezahlt. Jetzt er- zielte er einen Preis von 375 999 M. für das Gut. Gegen 699 M. für den Morgen ivurde erzielt bei dem Ver- kauf des Gutes Heinrichsdorf(Kreis Pr.-Holland). Der bisherige Besitzer Kuhn hatte vor einem Jahr für das Grundstück 299 999 M. angelegt. Jetzt erhielt er von dem Rentier Blumenau 222 999 M. In dieser Weise geht es schon seit Jahren. Viele Millionen sind infolge der durch den Zollwucher eingetretenen Preissteigerung den Agrariern in den Schoß gefallen. Der Güterschacher ist Trumpf! Alles will verdienen, Riesengewinne einheimsen. Und die neuen Besitzer, die die hohen Preise angelegt haben, werden bald schreien nach höheren Zöllen, nach vermehrtem„Schutz der nationalen Arbeit". Und wenn dann den Zollwucherern abermals(wie im Jahre 1892) der Raub gelingen sollte, wird der Güterschacher wiederum aufblühen und den Besitzern neue Gewinne bringen. Das arbeitende Volk aber muß die Zeche bezahlen. Militärischer Aufruhrprozeß. Kiel, 6. Januar.(Privat te legramm des„Vor- w ä r t s".) Ein militärischer Aufruhrprozeß wurde heute vor dem Kriegsgericht der ersten Matroseninspektion verhandelt. Die Ver- Handlung fand auf dem Fort Stosch bei Kiel statt. Angeklagt waren wegen militärischen Aufruhrs die Matrosenartilleristen Klippke, Weber, Langenbeit und Lickefett. Der Vorfall, der zu dem Prozeß führte, spielte sich am 19. November vorigen Jahres auf dem Fort Stosch ab. Der 22jährige Leutnant der Reserve Bohmsen machte bei der zweiten Kompagnie der ersten Matrosenartillerte-Abteilung eine Uebung. Als er etwas nicht in Ordnung fand, befahl er der Kompagnie, um 19, 12 und 2 Uhr anzutreten. Gleich beim ersten Antreten kam die ganze Äom- pagnie in Aufruhr. Die Leute sangen, pfiffen, johlten und ver- höhnten den Leutnant. Erst ein Oberleutnant vermochte die Auf- geregten zu beruhigen. Vier Mann wurden herausgegriffen und vor das Kriegsgericht gestellt. ES wurden verurteilt, Kipple als Rädels- führer zu drei Jahren vier Monaten Gefängnis, Weber zu zwei Jahren neun Monaten Gefängnis, Langenbeit und Lickefett zu je zweiJahren acht Monaten Gefängnis._ Kleine Ursachen, große Wirkungen oder: Tie ver- fehlte Denunziation. Aus dem technischen Versehen einer Druckerei möchten die .Kreuz-Zeitung' und die ihr verwandten Organe gern Beweis- material dafür machen, daß die Krankenkassenverwaltungen nichts als Hörige der sozialdemokratischen Parteiorganisation sind. Die„Kreuz-Zettung" berichtete, daß„Dienstherrschaften" in ihrem Verkehr mit der Charlottenburger Ortskrankenkasse Mit- teilungen � der Kasse erhalten haben, die den Aufdruck trugen: „Mitteilung d«s sozialdemokratischen Wahl- Vereins". Der Patriot, der diese Notiz der„Kreuz-Zettung" gesandt hatte, bemerkt hierzu:„Also in deren Händen sind wir und sollen unsere Mädchen in dieselben Kreise ziehen und wohl auch demnächst organisieren lassen.„Und die„Kreuz- Zeitung" stöhnt: „Sozialdemokratischer Wahlverein! daS würde in der Tat manches erklären!" Ja, es erklärt manches, von dem die unschuldige„Kreuz- Zeitung" keine Ahnung zu habe» vorgiP. Die Ortskrankenkasse Charlottenburg hat nämlich bei einem Drucker, der gleichzeitig Formulare für die Charlottenburger sozialdemokratische Partei- organisation herstellte, Drucksachen in Auftrag gegeben. Es bandelte sich um kleine Mitte ilungssormulare, die der Drucker im Satz für beide Besteller einheitlich anfertigte. Nur� ein anderer Kopf wurde dabei eingesetzt. Bei dem Versand an die Auftraggeber sind nun der Ortskrankenkasse irrtüm- lich einige MitteilungSformulare_ der sozialdemokratischen Parteiorganisation mit den von der Kasse bestellten Formularen zugestellt worden. Bei dem großen Austrag, den die Charlottenburger Orts- krankciikasje gegeben hatte, fielen diese wenigen Formulare, die sich in Form und Aufmachung von den Formularen der Kasse äußerlich nur wenig unterscheiden, bei der Kontrolle nicht auf. Einer der diensttuenden Beamten ergriff nun eins oder einige von den irrtüm- lich gelieferten Exemplaren, die dem sozialdemokratischen Wahl- verein Charlottcnburg gehörten und machte darauf seine amtlichen Mitteilungen. Durch diesen leicht erklärlichen Irrtum kam die„Kreuz-Zeitung" in die Lage, ihre politische Falschmünzerei zu betreiben. Türkische Mmeeresoemen. Aus K o n st a n t i n o p e l schreibt uns Genosse P a rv us: Kaum hat die Türkei etwas Geld in die Hand bekommen, so benützt sie es zum Ankauf eines Dreadnoughts. Die dringendsten Bedürfnisse der Staatsverwaltung bleiben unerfüllt, die Staats- einnahmen fast sämtlicher Wilajets gehen zurück, die Beamten- gehälter bleiben unausgezahlt. Trotzdem kauft die Regierung das kostspielige Panzerschiff. Denn ihre ganze Aufmerksamkeit ist auf einen nahen Krieg mit Griechenland gerichtet. Eifrig wird auch an der Reorganisation der Landarmce ge- arbeitet. Unter der Leitung des Generals Liman von San- d e r s soll bekanntlich ein Musterkorps geschaffen werden. Seiner Leitung werden auch die Militärschulen unterstellt. Ter deutsche General scheint es nun vor allem darauf abgesehen zu haben, unter den türkischen Offizieren eine strenge Musterung vorzunehmen, die gewiß nötig ist. MahmudMuktarPascha teilt in seinem Buch über den Feldzug zahlreiche Fälle mit, wo die Offiziere nicht nur vollkommene Unfähigkeit, Unkenntnis ihrer Aufgaben, Ratlosigkeit gezeigt haben, sondern direkt auskniffen und auf alle erdenkliche Weise sich um ihre Pflichten zu drücken suchten. General Liman wird viel zu tun haben, bis er diesen Augiasstall ausmistet. Ter deutsche General will aber noch weiter gehen und hat, um unter der Offizierschaft den harten Mannessinn zu kultivieren, einen Kampf gegen d a s H e i r a t e n der Offiziere eröffnet. Nach dcut- schem Muster sollen die Offiziersheiraten durch das Verlangen eines bedeutenden Vcrmögensnachweises erschwert werden. Das hat viel böses Blut gemacht und schon jetzt beinahe zu einem Offiziers- aufstand geführt. Andererseits werden von der Regierung wichtige Reformen des Militärdienstes geplant. Dieser soll in der Provinz stattfinden, wo die Aushebung geschieht, womöglich in der Nähe des Heimatsortes des Rekruten. Es wird damit eine Forderung erfüllt, die von den Arabern und Armeniern gestellt wurde. Sie bedeutet aber überhaupt für die bäuerliche Bevölkerung eine große Erleichterung des Militärdienstes. Dagegen sollen alle bis jetzt bestchcnden Einschränkungen der Militärpflicht, wie z. B. die Befreiung der Stütze der Familie, be- seitigt und der Militärdienst für die muselmanische Bevölkerung obligatorisch gemacht werden ohne Möglichkeit des Loskaufes wie bis jetzt. Für die n i ch t muselmanische Bevölkerung soll der Loskauf vom Militärdienst beibehalten werden. Man scheint es überhaupt darauf abgesehen zu haben, die Christen von der Armee fernzuhalten. Man kehrt also wieder zu den Traditionen deS alten Regimes zurück. Der Traum einer ottomanischen Einigung, einer politischen Verbindung aller nationalen Elemente des Reiches ist ausgeträumt. Die Militärdienstzeit soll verkürzt werden. Diese Maß- reget wird durch die Finanzen des Reiches diktiert. Außerdem soll dadurch der muselmanische Bauer versöhnt werden, dem man dt« ganze schwere Last des Militärdienstes aufbürdet. /llbanien. Neue Äomplikationen? Frankfurt a. M., 5. Januar. Der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantin opel: In der albanischen Frage steht eine Wandlung bevor, deren Folgen vorläufig nicht zu über- sehen sind. Die öffentliche Meinung Albaniens wünscht einen dem muselmanischen Glauben angehörenden Fürsten. Die alba- nischen Führer hielten wiederholt geheime Zusammenkünfte ab, wobei die Notwendigkeit einer solchen Wahl fast ein- stimmig Billigung fand. Die Aufmerksamkeit wurde auf den türkischen Kriegsminister Jzzet Pascha gelenkt, der außerdem einem vornehmen Geschlecht Albaniens ange« hört. Diesen nattonalen Kandidaten erhoben die albani- scheu Chefs auf ihren Schild. Sie traten mit Jzzet Pascha in Verbindung. Seine Bedingungen lauteten: Nicht Königreich, sondern Fürstentum und daß Albanien mindestens 19 Jahre unter der Kontrolle Oesterreich-Ungarns und Italiens verbleibe. Die Chefs nahmen diese Bedingungen an, worauf in Durazzo zur geheimen Wahl geschritten wurde mit dem Ergebnis, daß Jzzet Pascha ein st im m ig zumFürsten vonAlbanien proklamiert wurde. Eine geheime Deputation kam nach Konstantinopel, um Jzzet Pascha den Wunsch des albanischen Volkes zu übermitteln. Seine Demission als Kriegsminister steht hiermit in ursächlichem Zusammenhange, ebenso, daß Jzzet Pascha jedes weitere Kommando. wie dasjenige des türkischen Generalissimus, ablehnte. Jzzet Pascha wird sich, begleitet von der hier befindlichen albanischen Deputation, nächste Woche nach Valona begeben. China. Die innere» Schwierigkeiten. London, 6. Januar. Der„Daily Telegraph" meldet aus Peking, daß die Konimission der Verwaltungskonferenz die Auflösung des Parlaments und die Einberufung eines neuen im Sommer oder Herbst empfohlen hat. Dieser Beschluß bedarf allerdings noch der Bestätigung durch die Konferenz selbst. Es wird versucht werden, so viel als möglich auf bureaukratischem Wege zu reorganisieren, bevor das neue Parlament eingreifen kann. Besonders denkt man bei diesen Reformen an den Staatsschatz, der an der größten Knappheit leidet trotz aller Versuche, Gelder aus der Provinz zu er- halten. Letzte Nachrichten. Aus dem Frankfurter Stadtverordnetenkollegium. Frankfurt a. M., 6. Januar.(Privattelegramm de» „V o r w ä r t S".) In der heutigen Stadtverordnetenversammlung wurde Genosse Graes gegen den Widerspruch der Nationalliberalen zum zweiten Borsitzenden wiedergewählt Neuer Konfliktsstoff auf dem Balkan.,. Sofia, 6. Januar.(Meldung der Agence Bulgare.) Eine Mel- dung aus Athen, daß die griechische Regierung die angebliche An- Wesenheit bulgarischer Freischärler an der griechisch-bulgarischen Grenze zum Vorwand für ihren Entschluß genommen hat, in Maze» donien das neue Bandcngesetz sofort zur Anwendung zu bringen, erzeugt in allen Kreisen eine um so tiefere Erregung, als man weiß, daß diese Annahme einzig und allein auf die Vernichtung de» bul- garischen Elements abzielt. Damit fallen die letzten Bedenken und jedermann verlangt jetzt nach Repressalien, In den Fluß gestürzt. Görlitz, 6. Januar.(W. T. B.) Heute mittag fuhr in Moy» ein Offiziersbursche mit einem zweispännigen leichten Wagen in die hochgehende Rothwasser. Mann und Pferde rrtrankr», Ein Famikiendrama in Spanieu. Madrid, 6. Januar.(W. T. B.) In dem Marktflecken B erbegal erschoß der älteste Sohn des kürzlich verstorbenen Großgrundbesitzers P a l a c i o L wegen eines ErbschafiSstreite» eine Mutter und feine beiden Geschwister und ent- leibte sich sodann._ Katastrophe bei einer Weihnachtsbescherung. San Juan(Puerto Rico), 6. Januar. Im Stadttheater sollte eine Weihnachtsbescherung armer Kinder stattfinden. Als die Türen zum Theater geöffnet wurden, entstand ei« Gedränge, bei de« vier Kinder totgetreten und achtzehn schwer verletzt wurden. Eine Schiffskatastrophe in Nordamerika. London, 6. Januar.(W. T. B.) Die Zeitungen veröffentlichen ein Telegramm aus New Uork, daß bei dem Untergang einer Baris auf dem Fraserfluß in der Nähe des Forts George in Britisch Columbien 75 Personen ertrunken sind. Oeottr DoUHM ---■— Verwaltung Berlin.■■.—- Die Vertrlliiciismlimier-Wrsliimluiig für Südwesten und Westen findet nickt in Habels Brauerei, Bergmanusir. S/7, sondern bei AnaL, Bergmannstr. 07, statt. Kamm' und llaartcfimudiarbelter. Tonnerstag, den 8.' Januar, abends 8 Uhr, - bei Bringmann, Andreasstr. ÄV: eben»Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der am 1. und 2. Februar stattfindenden Konferenz der Kamm- und Haarschmuckarbciter Teutschlands. 2. Wahl der Delegierten, ll. Verbands- und Branchenangelegenheiten. — Tie Mitgliedsbücher find mitzubringen!> 81/9 Die Ortsverwaltnng. Verband der Jßaler, Saebierer, Anstreicher ete. Bureau: Melchiorstr. 28, Part. Arbeitsnachw.: Rückerstr.9 Fernspr.:Amt Moritzpl. 4787. LltlUll zlllllli. Fernspr.: Amt Norden 6703 Freitag, de» S. Januar ISIi, abends 8'/- Uhr: Sckilillsvkrsilmmlliiig der Lackierer im GewerkschaflShaus. Engcluser 15. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen.Julias Kaliski über:„Kriiis und deren Ursache». 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgeuheiteu. Wir erwarte», dag die Vertrauensleute sowie die Mitglieder vollzählig erscheinen. DM- Mitgliedsbuch legitimiert. Die Sektionsleitong. Achtung! Schuhmachermeister! Heute Mittwoch, den 7. Januar, von � bis 8 Uhr» findet die Wahl zum Qbermeister der Schuhmacherinnunq, Fisch erstr. Äü, statt. Erscheint alle Mann für Mann und gebt unserem Kollegen die Stimme. 231/4 Die Freie Vereinigung selbständiger Schuhmacher Berlins. In unseren Häusern Lichtenberg, Klttcrgntstr. SS LS, sind sofort: i Wohnung 2 Zimmer ilnd Küche m. ssi,- i Wohnung 1 Zimmer und Küche dl. 332,- zu vermieten. Außerdem zum 1. April 1011: 2 Wohnungen ä 3 Zimmer und Küche dl. SIS,- Die Preise verstehen sich inklusive elektrischer Beleuchtung, Warmwasserheizung, Badeeinrichtung. und Warmwasserversorgung. Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Auskunft im Kontor Rittergutstraße oder Sonntags beim Ver. walter Kegel, Eittergutstr. 25 III. 102/4* Mittwoch, 7. Januar Anfang 3'/, Ubr. Teutfches SchauivielhauS. PeterchenS Mondfahrt. Anfang 4 Uhr. Theater des Westens. TaS tapsere Schnciderlein. Ansang 6 Ubr. Eines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Aniaiig 6'/, Ubr. CinesNoll eudorf-Thcater.Varietä Lichtspiele. 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Ferdinand der Tugend- haste. Herrufetd. Was sagen Sie zu Leibusch? Reichshalle«. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnle. Antang 8'/, Ubr. Luisen. Deines Bruders Weib. Walhalla. Wollenbummler. Folies Caprice. Der Kuckuck. Manöverichwindel. Die Samuels. Admtralspalast. Die lustige Puppe. Ansang 8'/, Ubr. ReueS Bolkstbearer. Der Gras von EharolaiS. Antang 9 Mr. Berliner Eispalast. Eissport. CinesNollendorf-Theater.Variete- Lichtspiele. »» t Sternwarte, Lnvalidenstr. 57—62 Schiller-Theater 0. (W allner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Zwei Wappen. Donnerstag, abends 8 Uhr: König Lear. Freitag, abends 8 Uhr: König Lear. Schiller-Theater Cbarlottenbnrg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Andreas Hofer. Donnerstag, abends 8 Uhr: Meyer». Freitag, abends 8 Uhr: Meyer«. Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Das Programm der Hörsaal- Vorträge im I. Quartal 1914 ist er- schienen und kostenlos erhältlich. glIdT wpsbislQaU: 50 wilde Weiber Männer und Kinder. Der unersättliche Froschschlucker. -- Eintritt 50 PI.- Soldaten und Kinder S5 Pf. Tlieaier in der Köniigrätzer Straße Abends 7*/, Ubr: Die Kronbraut. Komödienhaus. Abends 8 Uhr, zum 75. Male: Hinter Manern. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mal. Seutsches XünstMsater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zco. Kasse: Nollendorf 1383. Mittwoch, 8 Uhr: Schirin und Gertraude. Donnerslag: Schirin und Gertraude. Freitag 8 Uhr: Aussührung der Elizabeth Duncan-Schule. 8 Uhr Residenz-Theater».. Hoheit— der Fron;! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterberg. Morgen u. s. Tage: Nohelt- der Franz! Sonntagnachm.: Schlafwagenkontrai. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Mittwoch u. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Oaa taptere Schneiderlein. Tbeater am tiollemiorlplatz 5. Allabendlich 8 Uhr: Freddy unn Teddy. DeatHchesSchanapielhan» 31/, Ubr: Peterchens Mondfahrt. 8 Uhr: Wer zuletzt lacht.... i stick- MelrnM. Theater. Zum 272. Male: Die Kino-Königin. Operette in 3 Alten. Kassenerössn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonnabendnachm.: Emilia Galotti. Sonntag, lt. Jan., nachm. 3 Uhr: Die kensebe Susanne. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Anatoie» Hochzelt. IOSE=THEATE| Große Frankfurter Str. 132.| Abends 8 Uhr: Der SciiOrzenjager. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Morgen: Der Scbürzenjilgcr. Sonnabend 4 Uhr: Hiinsel u, Gretel. j| ♦ Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonnabend den 17. Januar 1914 23. Stiftungsfest im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Mitwirkende: 208/1* Berliner Sangerclior(U. d. D. A. S.-B.) Chormeister Herr Fr. Bohte, Konzertsängerin Fr. M. Tube. Konzert-Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Herrn R. Hascheck. Anfang S1/* Uhr. Eintritt 50 Pfennige. ■ Programm gratis.-------- Grosser Ball Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. �gzxszxzszxxxxzz»| ♦| Vereinigte Berliner Volksbühnen. Lnlscn-Theater. s Walhalla-Theater. Täglich 8'/, Uhr: Täglich 8'/, Ubr: Deine» Urndcr» Weib. W'oikenbammler. Schausp. in 6 Bild, von E. Ritlers eld.| Posse in 3 Akten von Herta, Stein. Jb„Clon" ,m mm Maup.rstraßft 8?— 2 :: Berliner Konzerthaus MaucrstraBe 82.— ZimmerstraSe 90/91. Oroßes Idoppei-K.onzert! Musikkorps d. Garde-FBillier-Regiments Olrig. Obcrm. Hippel und Zlllerthaler und Tegernseer Musikanten, Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr.' IISellMlllSgS-K0llierl Srauerei Triedrichshain Täglich! Das größte originellste Bayer. Boekbier-Fest Mittwochs und Donnerstags: Elite-Tage. Zirkns Alb. Schumann. Heute Mittwoch, den 7. Januar, abends T'/a Uhr: Große Sport-Vorstellung mit dem phänomenalen Jannar-Pro gramm. Um 9'/, Uhr: Da» gr. An.stattangs- »tnck vom Turf in 7 Bildern: „Tipp" der Derby-Favorit 1914. Voig t- Theater Badstraste 58, Heute Mittwoch, den 7. Januar; lA! RomaM. Schauipiel mit Gelang in 8 Bildern v. Hildebrandt u. Keller. Kasieneröfin. 7 Uhr. Ansang 8'/. Uhr Heues Programm. ,peTsteii� BallettdivertiHsemcnt ausgeführt vom Ensemble des Alhambra-Theater,London Kostüme v. Paul Poiret, Paris, Willi Pantzer Co. j Yvette Akrobat. Sketch I Exz. Violinistin Robert Steidl und eine Kette hervorragender Kunstkräfto! Hänchen gestbttet! Neue Welt. Arnold Scholz. llascnbcide 108/114. Heute Mittwoch, den 7. Januar 1914: MM" BIlte-Tag."Mx Gr. Bockbier-fest In den bayrischen Alpen. 80 bayr. Mad'l! Anfang 7 Uhr. 6 Kapellen. Entree SO Pf. Im neuen Saal: Gpoßei* BALL. IFni�an�QinO* Mor£en Donnerstag, den 8. Januar: lUIftlUciye. Braten eines ganzen Ochsens. Hensleln ■bchiager;— Oer Stolz der drillen Konpsnie Einlacherfolc ohne � gfelchen sowie Bernhard Mtf rbitz u. die Janusr-Attraktionen! Varielebeginn 8 U.— Haristein 9J � U. J Metropol-Tlieater. Abends präzise 7 Uhr 55: nie Heise um die Erde in 40 Tagen. CasinosTheater Lothringer Stra-.e 37. Täglich 8 Uhr. Rur noch bis Donnerstag, den 15. Januar: Ferdinand der Tngendhafte. Freitag. 16. Jan.. zum 1. Male: „Die olle Webern". Sonnt. 4 U.: Geheimnisse v New York. Zirkus Busch. Heute Mittwoch, den 7. Januar, abends?>/, Uhr. Bon den vielen ganz neuen Programm-Numniern verdient Marino, der Bezwinger des Auto», die größte Aufmerksamkeit. Ferner das gr. Gala-Progr. U. a. nur noch wenige Tage: Kapt. Hallng mit seinen dressierten Seelöwen. Zum Schluß: „Pompeji�. Orig. Ausi'tattungs-Pantomime des Zirkus Busch m 5 glänz. Akten. Rilies Gaprice. Anfang präzise S'/.Uhr Der Kuckuck. Manöverschwindel. Die Samuels. LICHTJPIELE Bavarla-Hans Friedrichstr. Ecke Taubenst. Unter den Linden 21 Weinbergsweg 16—17 Moritzplatz Hasenhei de ReinickendorferstraBe 14. Schöneberg, HauptstraBe 44 Nur noch 2 Tage: Das famose Lustspiel „Engelein" von URBAN GAD. In der Hauptrolle ASTA NIELSEN Reiebsiiallen-Theater Stettiner Sänger Neu; No. 13! Urkomische Burleske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäß. Preisen: Bali. Gennania-PFachlsäle N., Chausseestr.llO. K.Richter. Jeden Mittwoch: Paut Mantheys lustige {Sänger. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Nachdem Freitanz. — Vorzugskarten gelten.— Jeden Donnerstag:' Grolles Miiitär-Streich-Kenzert Anschl. Familienkränzchen. ve«mtw. Redakt.: Alfred Wielevv. Neukölln. Inseratenteil verantw Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singers Co., Berlin LW. Hierzu Z Beilagen u. Unterhaltunnsbl. »r e i. Mm lies„prniidf Mm| Gewerkschaftliches. Manöver üer Koalitionsrechtsfeinöe. Jo länger die Kanipagnc für die Einschränkung des Koalitionsrechts dauert, um so weniger verhüllen die Scharf- macher ihre eigentlichen Absichten. Sie vergessen immer mehr, daß sie ausgezogen sind, angeblich um die bedrängten Arbeitswilligen zu schützen, und lassen immer deut- licher erkennen, daß es ihnen nur um ihren eigenen Vor- teil zu tun ist, und daß sie zu diesem Zwecke den GeWerk- schaften ihre Waffen aus den Händen nehmen wollen. In Wirklichkeit ist ihnen die Freiheit und die persönliche Ehre der Streikbrecher höchst gleichgültig. Sie sind vielmehr aus- schließlich darauf aus, den Organisierten jede, auch die f r i e 0 l i ch st e Beeinflussung der Unorganisierten unmöglich zu machen und verlangen deshalb unumwunden das Verbot d'es Strcikpostcnstehens schlechthin. Da es ihnen aber nun doch zweifelhaft erschien, ob an- gesichts der Zusammensetzung des Reichstages ein derartiges Verbot gesetzgeberisch in absehbarer Zeit durchzusetzen ist, suchen sie Mittel und Wege zu finden, um das gewünschte Ziel ohne Inanspruchnahnie der Reichsgesetzgebung zu er- reichen. Sie stellen sich auf den Standpunkt, daß das Streik- postenstchen im Grunde überhaupt nicht gestattet sei, da in den die Koalitionsfreiheit betreffenden Paragraphen der Reichs- gewerbcordnung von ihm nicht gesprochen werde. Dieser Auffassung steht nun allerdings die Tatsache ent- Segen, daß sowohl das Reichsgericht wie daS Preußische amniergericht ein Verbot des Streikpostenstehens für ungültig erklärt haben, aber das Unternehmertum betrachtet diese Ent- scheidungen keineswegs als unüberstcigliche Hindernisse, und erst vor kurzem meinte ein Mitarbeiter der„Kreuz- Zeitung" aus industriellen'Kreisen, man müsse die Frage erneut bis zur höchsten Instanz treiben. Er rechnete offenbar damit, daß auch die Obergerichte unter dem Einfluß der durch die scharfmacherische Agitation hervorgerufenen Stimmung stehen würden, der bekanntlich eine ganze Reihe von Straf- kammern in der letzten Zeit bei der Fällung von Urteilen über Streikvergehcn weitgehende Zugeständnisse gemacht haben. Doch noch weit einfacher als dem Mitarbeiter der„Krenz- Zeitung" erscheint der„Deutschen Tageszeitung" die Sachlage. Nach ihrer Meinung hat schon heute jedes Verbot des Streikpostenstehens Rechtsgültigkeit, und zum Bc- weise dessen beruft sie sich auf die bekannte Verordnung des Lübecker Senats vom Jahre 1900. Diese Verordnung ging, wie man sich erinnert, dahin, daß Personen, die planmäßig zum Zwecke der Beobachtung oder der Be- einflussung der Arbeiter einer Arbeitsstelle oder des Zuzuges der Arbeiter zu einer Arbeitsstelle an einem öffentlichen Orte sich aufhalten, mit Geldstrafe bis zu 129 M. oder nüt Haft bestraft werden. Das agrarische Organ erzählt uns nun, daß bei dem Erlaß dieser Verordnung sich natürlich ein gewaltiger Lärni erhoben habe, daß aber ein Antrag auf ihre Aufhebung in der Lübecker Bürgerschaft keine Zustimmung gefunden habe, und es stellt frisch, fromm und fr... öhlich fest, daß in- zwischen die Rechtsgiiltigkeit mehrfach a n c r- k a n n t worden sei. Tatsächlich ist genau daS Gegenteil richtig! Ein Lübecker Redakteur hatte öffentlich zuni Ungehorsam gegen die Verordnung ausgefordert. Das Reichsgericht sprach ihn am-1. Februar 1901 frei, da die Voraussetzung der Strafbar- kleines Feuilleton. Ter regierende Mars. Cr hat zu den Juristen gesagt:„Jetzt hört alle Jurisprudenz auf." Es lag ihm aus der Zunge zu sagen: Jetzt regiert Mars die Stunde. Er hat sichs aber noch vcr- kniffen. So ists richtig. Selten mag man einen so offnen Mann finden, wie den Zaberner Obersten, bei dem alle Jurisprudenz aufhört, wo sie bei uns anderen anfängt. Gerade für die stunde, in der dieser Kriegsmann seinen Mars einsetzt, wollen wir die Justitia haben, gerade für diese Stunde. Er denkt wie alle preußischen Militärs so: das mit der ThemiS ist ja ne nette Schohse. Wenn mein Schuster mir die Stiebeln versaut, bezahl ich nich, un_klagt er, dann ist da ein Jericht, vor dem kann ich meine Sache anbringen. Und dasselbe Gericht verknacki auch Kerle, denen das Sedangfest un sonne erhebenden Sachen nichts bedeuten und Streiker und überhaupt den Abschaum der Nation. Schön. Aber wenn's zum Klappen kommt, dann sind wir dran, dann hat daS Jericht nischt zu sagen, sonst wird's selbst injespunnr. Wenn's zum Klappen kommt... Und: jetzt hört alle Juris- prudenz auf... Nichts ist bezeichnender für diese, sagen wir, Denkweise. Hier fängt die Jurisprudenz an, gerade hier, nur hier, was nützt sie uns, wenn sie nicht hier, an dieser Stelle, einsetzte? Was das für eine Wirtschaft ist, die an die verantwortungs- vollsten Stellen so einen Menschen setzt, der die Leute, die er in einem Kriege zu schützen vorgibt, in Friedenszeitcn wie Feinde be- handelt, darüber mögen andere entscheiden.(Auch darüber, daß es für die Garde leicht ist, sich in Berlin beim Jeu und Nennen zu brüsten. Sie ist kein Kanonenfutter....) Aber wir wollen uns doch merken, daß es immer noch eine Menge gefährlicher Menschen in Deutschland gibt, die alles, alles über den Haufen werfen, wenn ihre Interessen drankomme». Dann gibt es auf einmal keine Gesetze mehr, kein Recht, keine Juris- prudenz— dann regiert KriegSgott MarS die Stunde. Das Prinzip geht herunter bis zu Jagow. Der dicke MarS stößt die Gerechtigkeit von ihrem«ockel, pflanzt sich auf, das Schwert in den Schlächterbänden, und wägt nicht, sondern schlägt. Die Gerechtigkeit ist tot, es lebe der Oberst!— Jedenfalls ist der Gegensatz gut herausgekommen. Denn sie haben nichts mileinander gemein. „Freiheit", das deutsche Edclschwcin. Bon einer„cpoche- machenden" Erfindung ist heule zu berichlen... Bekanntlich wird eS doch immer schwieriger für unsere Fabrikanten von Schubputz- und sonstigen Mitteln—: woher schöne und zugkräftige Namen für die neuen Fabrikate nehmen und nicht stehlen?— Alle Wörter, die sich mit ol, in, olio am Ende bilden lassen, sind längst„be- setzt",— und schon lange taust jeder Erfinder lieber ein Dutzend Kinder, als ein neues Haarwuchsmittel. Ihnen allen. Fabrikanten, Erfindern und Züchtern, hat jetzt ein gut deutscher Mann einen prachtvollen Weg zu schönen, neuen und dazu noch— ein Jubeln wird durch die Redaktion der„Täglichen Rundschau" gehen! � deutschen Namen gezeigt. �Wie man gleich sehen wird. Besagter Mann ist nämlich Schweinezüchter und suchte vor einiger Zeit einen Namen für seine neue Schweinerasse. Dabei kam er— so mutz man sich das vorstellen— ans den Gedanken—: wozu denn keit nicht gegeben sei, insofern als der Verordnung, die gegen den K 153 der Gewerbeordnung verstoße, die Rechtsgiiltigkeit fehle! Es ist bezeichnend, daß eins der Organe, die sich im Kampfe gegen die Koalitionsfreiheit der Arbeiter am lautesten gebärden, nicht einmal die wichtigsten Entscheidungen auf dem Gebiete des Koalitionsrechtes kennt. Aber im Grunde steht das Blatt des Herrn Ocrtel den Dingen innerlich ja auch vollkommen fern. Es beteiligt sich an der ganzen Hetze nur, um der Industrie den guten Willrn der Konservativen zu be- weisen, die gar zu gern die Partei aller der Leute werden möchten, die von den Ansprüchen der Arbeiterschaft eine Ein- schränkung ihres Besitzes fürchten. Der„Deutschen Tageszeitung" laufen, wie ihre lveiteren Erörterungen' zeigen, zwei Dinge vollständig durcheinander: die Rechtsgültigkeit eines prinzipiellen Verbots des Streik- Postenstehens und die Rechtsgültigkeit von Straßenpolizei- Verordnungen, die es der Polizei möglich machen, einzelne Per- sonen— also auch Streikposten— als angebliche Verkehrs- Hindernisse zum Verlassen ihres Platzes zu nötigen. Diese straßenpolizeilichen Bestimmungen sind natürlich ein außer- ordentlich schweres Hindernis für das Streikpostenstehen, und wenn sie, den Wünschen des Hansabundes entsprechend, noch weiter ausgebaut werden, können sie praktisch dazu führen, daß der Arbeiterschaft diese Waffe überhaupt geraubt wird. Es ist eine der wesentlichsten Aufgaben der Arbeiterschaft, diese Auslegung der Polizeivcrordnungcn zu bekämpfen; dabei aber kann sie trotz der Behauptungen der„Deutschen Tageszeitung" sich nach wie vor darauf berufen, daß das Streikpostenstehen durch höchstgerichtliche Entscheidung als erlaubt anerkannt ivorden ist._ Serlin und Umgegend. Die arbeitslosen Bäcker und Konditoren. Der Bäckerverband hatte am Dienstagvormittag eine Wer- sammlung der arbeitslosen Bäcker, Konditoren. Schokoladen- und Zuckerwarenarbeiter und Arbeiterinnen einberufen, die im großen Saate des Gewerkschaftshauses tagte. Daß die Arbeitslosigkeit bei den Bäckern und Konditoren nicht geringer ist als in vielen anderen Berufen, ist bereits durch die gestern von uns veröffentlichten Er- Hebungen des Bäckerverbandes dargelegt worden. Wie es besonders in Berlin aussieht, daS schilderte in der Versammlung der Referent H u l i t s ch k e. Seinen Ausführungen zufolge sind gegenwärtig in Berlin von etwa 7000 im Bäcker- und Konditorgewerbe Beschäftigten 1100 bis 1200 arbeitslos. Der ungeheuer große Prozentsatz der Arbeitslosigkeit hat verschiedene Ursachen. Zunächst ist zu berück- sichtigen, daß nach Abschluß der Weihnachtssaison in der Schokoladen- und Zuckerwarenfabrikation zahlreiche Entlassungen stattgefunden haben. Für den Bückerberus kommt dagegen in Betracht, daß in Krisenzeiten erfahrungsgemäß ein verstärkter Zu- ström von Lehrlingeu stattfindet. Aber auch in normalen Zeiten werden im Bäckergewerbe unverhältnismäßig viele Lehrlinge hcrangezüchtet. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung, die nicht iu einer Krisenzeit stattfand, gab es in Deutschland bei 146 000 im Bäckergewerbe Beschäftigten 41 400 Lehrlinge. Durch den ständigen Nachwuchs von Lehrlingen wird, wie der Referent aus- sührte, in fünf Jahren immer die jeweilige Zahl der Gesellen er- setzt, so daß durchschnittlich jeder Bäckergeselle mit dem 22. Lebensjahre für das Gewerbe überflüssig wird. So kommt es. daß die Bäcker auch iu Zeiten, wo keine Krise herrscht, unter umfangreicher und langdauernder Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Eine Arbeits- losigkeit von vier Monaten ist für den Bäckergesellen durchaus nichts Ungewöhnliches.— Das ungeheure Elend, welches die Arbcitslosig- keit mit sich bringt, kann nur beseitigt werden, wenn mau die Ursachen der Arbeitslosigkeit beseitigt. Die Versammlung forderte durch eine einstimmig angenommene Resolution die Einsührung der staatlichen Arbeitslosenversicherung. immer ausländiscbe Namen—, wählen wir doch lieber einmal irgend ein gut deutsches Wort. Eines, das vielleicht schon längst außer Kurs gekommen ist, aber doch einen guten Klang har. Er sann und sann—— und fand schließlich eines, dessen Jnhatt in Deutichland gar nicht existiert,(so daß also leine Ver- wechselungen vorkommen können!>, eine leere Wortattrappe gewisser- maßen,— eine werllose Hülse, die irgendwo auf dem bürgerlichen Schutthaufen lag und doch noch einen Inhalt bekommen konnte,— mit einem Wort, er fand den Namen„Freiheit". Und heute annonciert er bereits in landwirtschaftlichen Blättern:„Freiheit, das deutsche E d e l s ch w e i n e r st e r K l a s s e". Prima Rasse, enorm fett werdend! Der. deutsche Staatsbürger mag, wenn er' das liest, vielleicht zuerst einige Gedankenkongestionen kriegen. Aber das ist unnötig. Verwechselungen sind ja, wie gesagt, wirklich ausgeschlossen. Denn—: gesetzt den Fall, im Pommerschen sagte irgend ein kleiner Gütler und Tagelöhner:„Tut mir leid, aber ich perkanfe meine Freiheit noch nicht"-- nun, so ist doch ganz selbstverständlich, daß damit nie wirkliche Freiheit gemeint sein kann; wie sollte ein armer Teufel in Preußen zu so etwas kommen? Oder— ein anderer Fall: Annoncierte ein Großgrundbesitzer:„Echle Freiheit, vollfett, billig abzugeben"-- nun, dann ist die Sache bnnahe noch unzwei- dcutiger: echte Freiheit(im alten Sinne des Wortes) ist bekanntlich im ganzen Deutschen Reiche nirgendwo zu haben. Vorbildlich,— nein: epochemachend, so haben wir gesagt, sei die Erfindung des wackeren Schweinezüchters. Das wird man gleich zugeben, wenn man sich einmal überlegt, wieviel gut deutsche Worte in dieser Art zu verwenden sind. Wenn man z. B. eine neue Kohl forte„ Regier ungskun st" oder„Kanzler- tüchrigkeit" nennt, so ist eine Verwechselung schon deswegen unmöglich, weil solche Worte ja sonst überhaupt nicht geprägt oder gebraucht werden. Eine besonders fette Euren rasse könnte man gut„Preußische W a h l r e s o r m" nennen; eine Kartoffelsorte (aber cS müßte unbedingt die sein, die die garantiert größten Kartoffeln liefert!)„Bund der Landwirte", und so fort. Das Feld ist groß. Was ini übrigen noch das deutsche Edelschweiu„Freiheit" au- geht, fällt mir eben ein,-- so wird man eS nun vielleicht er- leben, daß das alte, schöne Lied von der„Freiheit, die ich meine", wieder aktuell' wird. Der Gedanke ist jetzt sogar nicht mehr tollkühn, daß es aus Agrarierversammluiigen gesungen'werden könnte. Man wüßte ja nun, welche Freiheit gemeint ist,-- so wie man von jeher gewußt hat, daß unsere Agrarier immer nur d i e Freiheit gemeint haben und meinen, die ihren Schweineställen zugiile kommr, mid die ihnen(aber ihnen allein!) möglichst viele Speckseilen und Würste liefert.... In diesem Sinne:„Koinm mit deinem Scheine, süßes Engels- bild...!" osw. Ist Rachitis eine Infektionskrankheit? Im allgemeinen hat man bisher die.engliiilie Krankheit" der Kinder für eine Störung des Kalkstoffwecbsels angesehen, vbgleich es nicht an Stimmen fehlte, die sie als Jnfektionskrankbeit ansprechen. Man hatte nun beobachtet, daß im Anschluß an bakterielle Jnfektionell Versuchstiere Verände- rungcn an den Enden(Diaplizcssii) der Röhrenknochen zeigten, die der Rachitis ähnelien. Dr. Joseph Kock iir Berlin hat diese Be- obachtungen vervollkommnet und seine Ergebnisse in der Berliner Medizinischen Gesellschaft mitgeteilt. Danach waren es die Rotlauf- oder Eryfipel-Streptococcen. deren Ansiedelung an den Knochenenden zu Verdickungen und Veränderungen sührteiv ganz wie sie das Bild Muiüllj, 7. Januar t9!4. Ferner fordert die Resolution dic Beschränkung der Lehrlingsznhl ans ein vernünftiges Maß und gesetzliche Verkürzung der im Gewerbe üblichen überlangen Arbeitszeit.« Bei der Aachener Spicgclmailiifattnr Röder, Meyer u. Cic. in Berlin-Hohenschönhausen befinden sich die Glasarbeiter seil Oktober im Streik. Die von der Orgaiiisation ausgestellten Streikposten wurden von der Polizei nicht geduldet, sie wurden ein- fach fortgewiesen und, als sie sich dem Gebot nicht fügten, sistiert. Eine Reihe von Strafbefehlcn folgte nach, über dic die Gerichte noch zu entscheiden haben werde». Wegen des polizeilichen Verbots des StreikpostensteheiiS wandte sich die Organisation beschwerdeführend an den Gemeinlevorstehcr von Hohenschönhausen als Polizeichef. Aber nutzlos. Da der Amts- Vorsteher den Arbeiiern das lliecht des Streikpostenstehens nahm, beschwerte sich der GlaSarbeiterverband am 6. Dezember 1913 beim Landratsamt des Kreises Niederbariiim. Das Landratsamt aber denkt: keine Antwort ist auch eine Antwort und erteilte dem Bc- schwerdeführer überhaupt keinen Bescheid. Eine Anrufung des Ministeriums des Innern am 13. Dezember 1913 hatte den gleichen Erfolg. Dem Herrn Minister wird mau also die Zunge noch lösen müssen. Deutsches Reich. Aussperrung i» der chemischen Fabrik„Union" zu Memel. Am 31. Dezember sind von genanilter Firma sämtliche Arbeiter, etwa 200 an der Zahl, ausgesperrt worden. Zwischen dem Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands und der Finna bestand ein Tarifvertrag, der am 31. Dezember abliei. Bei der Verhandlung tvollle die Firma nur ganz winzige Zugeständnisse machen. Den neuen, von der Firma vorgelegten Taris, lehnten die Arbeiter ab, sie wollten dann lieber ohne Tarif arbeiten. Ohne Vertrag will aber anscheinend die Firma nicht arbeiten lassen, sie hat darum sämtliche Arbeiter entlassen. Die Werbeagenten der Firma werden jedenfalls mit den bisher bei der Firma erzielten Akkordlöhnen bei der Suche nach Arbeits- willigen auf dem Plan erscheinen. Diese Löhne sehen nach außen sebr günstig aus, es muß aber beachtet werden, daß diese Löhne nur während der Saison erreicht werden und für Arbeiten in Frage kommen, die nur die gesundesten und kräftigsten Arbeiter verrichten können. Der wahre Standpunkt der Firma zu der Lohufrage ist aber schon daraus zu ersehe», daß sie nicht einmal eine Zulage von 30 Pf. pro Tag(verteilt aus die Dauer von 3 Jahren) bewilligen wollte. An alle Arbeiter wird daher das dringende Ersuchen ge- richtet, den Zuzug»ach Memel fernzuhalten. Ausland. Ter Kampf der österreichischen Buchdrucker. Aus Merau wird berichtet: Zwei von den sechs hier eiugetroffeneu Arbeitswilligen haben ihre traurige Tätigkeit bereits wieder eingestellt und sind am Frei- tag abgereist. Ein von der Streikbrecheragentur Gebrüder Koch An- geworbener hat die folgende Erklärung abgegeben: „Der Gefertigte erklärt hiermit, daß er sich mit den in Meran anläßlich der österreichischen Tarifrcvision ausgesperrten Buch« druckergehilfen solidarisch fühlt und aus diesem Grunde dic ihm durch den Agenten Koch aus Berlin unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und in betrügerischer Absicht verschaffte Kondition freiwillig verläßt. Der Gefertigte verpflichtet sich, von Meran abzureisen und während der Dauer des gegenwärtigen Tarif- kampfeS iu Oesterreich keine Kondition anzunehmen. Er erklärt sich ferner bereit, dafür zu wirken, daß über die Tätigkeit dcr� Slreikbrechcrvermittelung der Gebrüder Koch, ivelche unter dem gefälschten Titel einer„Nichtverbändler-Vereinigung" ein un- sauberes und unehrliches Handwerk zum Schaden der österreichischen Gehilfen wie auch der Unternehiner betreibt, tunlichst Aufklärung den deutschen Kollegenkreisen verschafft wird." Einer von den Arbeitswilligen, der bei ber Firma S. Pötzel- berger eingetretene Maschinenmeister Georg Schiebcl, wurde am der Rachitis aufweist. Ein endgültiger Schluß freilich läßt sich noch lange nicht auS diesen Experiineulen ziehen. Notizen. — I u I i u s F r e u n d, der crfolgtüchtige Coupletzwirncr dcS Metropoltheaters, der die kleinen und großen Ereignisse der Saison mit unermüdlicher Geschäftigkeit zu Witzrcvuen für die Lachwilligen verarbeitete, ist öl Jahre alt in Parlenkirchen an einem Darinleidcn gestorben. Er stammte ans Breslau und lvar anfangs Schau- spieler. Sein Tod ist ein harter Schlag fiirS Metropolthealer. — Vorträge. Die„II rania"-Vorträge Berliner Gelehrter finden in den Monaten Januar bis April ihre Fort- setzung; sie werden an den Dienstagen oder Freitagen in noch zwei gesonderten Vortragsreihen stattfinden, zu denen Abonne- rnentS zu sehr ermäßigten Preisen für jede Serie zu fünf Vorträgen ausgegeben werden. Es werden folgende Vorträge statt- finden: Prof. W a h n sch a f f e:„Wie unser.Heimatland entstand", Pros. Schwarzschild:„lieber die Physik der Sonne", Pros. F ritsch:„Die geistige Tätigkeit der Tiere bom Standpunkt des Anatomen und Physiologen", Prof. Glatzel:„Neuere Fort- schritte auf dem Gebiet der telcgraphischen Bildübertragung", Pros. Schmidt:„Die Forschungsinstitute aus dem Telegraphenbcrg bei Potsdam und ihre Tätigkeit", Pros. O. B a s ch i n:„Der atlantische Ozean, seine Eisverhältnisse und Schiffahrt", Pros. Dörpfeld: „Die Ausgrabungen homerischer Städte", Prof. Rubens:„Heber moderne Atomistik", Gerichtschemiker Jeserich:„Wissenschaft und Verbrechen", und Prof. Dr. B. Donath:„Dic Wissenschaft- lichcn Grundlagen der Bewegungsphotographie". In der unlängst gegründeten A k a d e m i s ch e n Monisten- gruppe Berlin hält am Freitagabend im Eafö Anstria, PotL- damer Str. 28, Dr. Otto Juliusburger einen öffentlichen Vortrag über die Mitarbeit der Gruppe an der»lonistischeii Bewegung. — K u n st a b e n d e. Stücke, die mit de:» Thema Mutterschutz und Sexualreform zusammenhängen, liest heute abend 8 llhr in der Gemäldegalerie Jassö, Margaretenstr. 8, Herbert E u l e n b e r g auS eigenen Werken vor: aus den Dichtungen„Alles mir Liebe". „Lob der Ehe",„HeriuaphrodisischeS Doppelleben" und„Brief eines heutigen Vaters an seinen Sohn". — D a S Urbild von Ibsens Volksfeind. HanS Landsberg weist in der„Voss. Zig." darauf hin, daß die von Ibsen im Volksfeind dramatisierte Geschichte des Badearztes Stockmann vielleicht mit Erinnerungen zusammenhänge, die in das Leben dcS demokratischen Dichters Alfred Meißner fallen und von diesem auch(allerdings erst nach Entstehung des Volksseind-DramaS) ge- druckt erzählt ivorden sind. MsitznerS Vaier war im Cholerajtchr 1831 Badearzt in Teplitz, halle die nahende Krankheit rechtzeitig ec- kannt, wirkte auf Schutzmaßregeln hin, erhielt dafür die Fenster ein- geworfen und mußte flüchten. — Eine schwedische Expedition nach Süd- amerika wird auf Betreiben NordenikjöldS von dem Göteborger Museum ausgerüstet. Sie soll hauptsächlich die bisher noch nn- bekannten südamerikanischen Jndianerstämme erforschen. — Der ll e b e r w i r b e l. Einen dreizehnten Rückenwirbel mit daran haftendem Nippenpaare, also einen Wirbel niebr als sonst der Mensch zählt, will der englische Forscher Charles Dawson bei den Eskimos entdeckt haben und er meint, dieser Wirbel- und Rippeurcichtunl hänge zusammen init der Arbeit im Kajak, die allerdings einen besonderen Widerstand der Wirbelsäule gegen ein lieber- maß von Schaukeln, Schwanken und Kippgefahr notwendig macht. Freitag früh wegen völliger Unfähigkeit entlassen und zur„gc- eigneten Verwendung" an den Scharfmacher Zech nach Innsbruck verwiesen. Ob er dort eingetroffen, entzieht sich unserer Kenntnis. « Die Buchdruckerei Julius Kitt lein in Ostrau sendet an reichs- deutsche Stadtverwaltungen ein auf einem Vervielfältigungsapparat hergestelltes Schreiben folgenden Wortlautes: Mähr. O st r a u, am 31. Dezembu 1913. Hochgeehrter. Stadtvorstand! Es dürfte Ihnen vielleicht auch auZ den dortigen Blättern Bekannt geworden sein, daß in Oesterreich seit einigen Wochen im Buchdruckergewerbe ein ungemein erbittert geführter Lohnlampf herrscht, der auf manches bisher blühende Unternehmen einen vielleicht vernichtenden Einfluß ausüben wird. Der Kampf wäre längst beigelegt, wenn nicht die sozialdemokratische Führung der streikenden Buchdrucker jede Einigung vereiteln würde. Eine Reihe von Buchdruckereien hat sich daher entschlossen, Nichtorganisierte Leute einzustellen. Da nun in unseren Blättern wiederholt über die große Arbeitslosigleit in Deutschland berichtet wurde, sind wir der Ueberzeugung. daß zahlreiche nichtorga- uisierte und derzeit arbeitslose Buchdruckergehilfen in deutschen Städten glücklich wären, wenn sich ihnen ein sicherer und gutbezahlter Verdienst bieten würde. Allein ich in meinem Betriebe konnte sofort 80 n i ch t- organisierte Buchdrucker in Arbeit nehmen. Diese Absicht läßt sich jedoch schwer verwirklichen, solange uns nicht die dortigen Stellennachweise, Arbeitsvermittelungen, die berufsmäßigen Ar- beitsvermittler und die Gehilfenherbergen, insbesondere jene der Buchdrucker bekannt sind. Ich wäre dem hochgeehrten Stadtvorstande zu außerordent- lichem Danke verpflichtet, wenn mir in dieser Hinsicht möglichst ausführliche Auskunft erteilt würde. Auch in der dortigen Stadt ist gewiß eine Buchdruckerherberge der Nichtorganisierten Gehilfen. Ich bitte schließlich noch um möglichst schleunige Behandlung meiner ganz ergebenen Anfrage. Hoffentlich gelingt es denr Herrn, 89 Nichtorganisierte deutsche Buchdrucker zu erwischen. Er wird sein blaues Wunder an diesen erleben. In Deutschland sind fast alle organisations f ä h i g e n Buchdrucker auch organisiert. Die brauchbaren Unorganisierten be- finden sich in Vertrauensstellungen, die sie der österreichischen Unter- nehmer wegen nicht aufgeben werden. Der kleine verbleibende Rest Unorganisierter besteht in der Hauptsache aus Elementen, wie sie die österreichischen Unternehmer durch freundliche Vermittelung des Herrn Koch in einigen wenigen Exemplaren ja schon kennen gelernt haben. Eine Druckerei, in der diese sich häuslich machen, kann der Prinzipal hinfort nur mit einer Waffe in der Hand— nämlich mit der Jnsektenpulverspritze— betreten. * Die Zahl der Tarifbewilligungen mehrt sich. Die„nützlichen Elemente", die Herr Koch nach Innsbruck sandte, haben dort Erfolg gehabt. Die Druckerei der„Jnnsbrucker Neuesten Nachrichten" hat den Tarif anerkannt._ Neue Bewegung der italienischen Seeleute. Der Zentralverband der italienischen Seeleute beabsichtigt, den- selben Tarifvertrag und dieselbe Dienstordnung, welche die Mann- schaften der„Sociota, Italiana" in ihren letzten Streik errungen haben, allen subventionierten Schiffahrlsgesellschaften Italiens auf- zuzwingen. Jetzt ist die Reihe an zwei andere Gesellschaften ge- kommen, die„Siciliana" und die„Marittima", die der Zentralverband aufgefordert hat, den Tarifvertrag zu unterschreiben; im Weigerungsfälle werden am 12. Januar 1914 die Mannschaften alle Schiffe dieser Gesellschaft verlassen. Die Reeder sind in großer Be- sorgnis und beraten den Plan, eine große Schutz- und Trutz- organisation zu gründen. Dieser Gedanke kommt den Herren aber etwas spät. Bis zum 12. Januar dürften die Reeder schwerlich or- ganisiert sein._ Der Kölner Polizeiprozeß. Heute beginnt vor der Kölner Strafkammer ein auf vier bis fünf Tage berechneter Beleidigungsprozetz gegen den verantwort- lichen Redakteur der„Rheinischen Zeitung", Genossen Soll- mann, der durch einen Artikel„Bakschisch", erschienen am 3. Ck- tob er 1913, den Polizeipräsidenten von Weegmann und die ihm unterstellten Beamten sowie Beamte der Kölner Staatsanwaltschaft beleidigt haben soll. Genosse Sollmann ist unter anderm wegen Beleidigung des Kölner Polizeipräsidenten mit 500 M. vor- bestraft. Die Anklage hat sich aus folgenden Vorgängen ent- wickelt: Am 30. September 1913 wurde vor der Kölner Strafkammer gegen den vom Amt» suspendierten Kriminalkommissar Hanne- m a n n verhandelt, der angeklagt der Bestechung war. Der Kri- minalkommissar verteidigte sich gegen die Anklage mit der Behaup- tung, daß die Annahme von Geschenken bei der Kölner Polizei aller Grade, namentlich aber bei den höheren Polizeibeamten üblich sei. Es sei ihm sogar ein Fall bekannt, daß sich ein Kommissar für eine Wirtschaftskonzession 1999 M. habe verschreiben lassen. Diese Tatsache sei später bei Gelegenheit einer anderen„schmierigen Sache" einem höheren Be- amten der Kölner Staatsanwaltschaft bekannt geworden, ohne daß dieser eingeschritten sei. Kriminalkommissar Hannemann wurde dann von der Anklage der Bestechung, obwohl er von einem Be- stohlenen 399 M. angenommen und an seine Beamten und sich ver- teilt hatte, freigesprochen. Das Reichsgericht hat inzwischen den Freispruch bestätigt. Die„Rheinische Zeitung" brachte dann am 3. Oktober den erwähnten Artikel, dem sie als Motto die eigenen Worte des Kriminalkommissars voranstellte,„er könne Hunderte von Fällen anführen, wo die Beamten von den höch- sten bis zu den niederen Graden Geschenke ange- nommen habe n". Da nun eine Verfügung des Polizeipräsidenten vorliegt, die die Annahme von Geschenken erlaubt, nur die Verteilung der Ge- schenke dem Polizeipräsidenten vorbehält, hieß es in dem Artikel weiter: „Die Kölner Polizei nimmt als» nicht nur' Geschenke an, sondern der Polizeipräsident billigt das System auch ausdrücklich und behält sich nur vor, höchstselbst über die Verteilung der Ge- schenke, die der Rechtsanwalt Buhr vor Gericht eine Art Trinkgeld nannte, zu befinden." Und es heißt dann iveiter in dem Aufsatze: „Besonder- die höheren Beamten nehmen Geschenke an, ja, daß bis zu den höchsten Graden eine offene Hand vorhanden ist. ... Wir wissen nicht, ob es im Kölner Polizeipräsidium außer den höheren und höchsten noch allerhöchste Grade gibt, aber er- fahren möchten wir gerne, von welchem Range an die Kölner Polizei„für eine Art Trinkgeld" nicht mehr empfänglich ist." Aus diesen Behauptungen sowie aus der weiteren, daß ein höherer Staatsanwaltschaftsbeamter von tausend Mark Schmier- geldern an einen Polizeikommissar Kenntnis erhalten habe, wird die Beleidigung hergeleitet. Bemerkenswert ist, daß der Artikel nur Behauptungen enthielt, die mit den gleichen Worten auch in den Gerichtsberichten alle bürgerlichen Blätter Kölns ge- standen haben. Besonders erbittert ist die Anklage über die satirische Form des Artikels, vor allem des einen Satzes: „Auch das bärbeißigste Gesicht unter dem blinkenden Adler legt sich in freundliche Falten, wenn es das Haupt des teuren Landesvaters in silberner oder goldener Prägung erblickt." Es wurde, nachdem eine Haussuchung in der Redaktion der „Rheinischen Zeitung" und in der Wohnung des angeschuldigten Redakteurs ergebnislos verlaufen war, eine umfangreiche Vorunter- suchung eingeleitet. Schon die Ergebnisse dieser Untersuchung sind derartig, daß die Behörde wohl bedauert, das Verfahren gegen den Redakteur eingeleitet zu haben. Die Verhandlung wird zweifellos intereffante Praktiken der Kölner Polizei zutage fördern. Daß die Schutzleute sich mit Bier und Zigarren trak- tieren lassen, wird ohne weiteres als wahr unter st ellt, und dabei scheint eine königliche Polizei auch nicht sonderlich viel zu finden. Schließlich ist das ja auch zu allgemein bekannt. Jnter- essanter ist, daß schon in der Voruntersuchung festgestellt ist, daß auch höhere Polizeibeamte(Kommissare und Inspektoren) für Geschenke zugänglich waren. So hat ein Kölner Wirt„aus Freude" über die Erlangung einer Wirtschaftskonzession dem Polizei- inspektor Kautz 199 M. geschickt. Es wird aber behauptet, daß der Betratz wesentlich höher gewesen sei. Mit Heiter- keit liest man in der Anklage, daß Kommissare und Polizeiinspek- toren mit nahezu allen Inhabern Kölner Vergnügungsetablissements „befreundet" waren und s i ch von diesen„Aufmerksam- leiten" erweisen ließen. In einem Falle erhielten die Polizeiinspektoren Kautz und Votsch von einem Cafetier je eine goldene Uhr mit Monogramm, wofür sie sich angeblich mit einem „wertvollen"— Barometer revanchierten. Die bekannte Kölner Millionärin Oelbermann benutzte ge- legentlich Kriminalschutzleute als Leibgarde. Sie rief einfach einen Kriminallommissar telephonisch in ihr Palais, und der Herr Kom- missar stellte dann der reichen Dame vier Kriminalschutzleute zur Bewachung ihres Palais zur Verfügung. Selbstverständlich in der „dienstfreien" Zeit, wie jetzt gesagt wird. Immerhin hat sich die Millionärin durch eine ansehnliche Geldspende und eine Kiste Zi- garren revanchiert. Von Reflektanten auf Wirtschaftskonzessionen wurde Polizei- beamten Wein in ganzen Handwagcnladungen ins Haus geschickt. Die Praxis, wie in Köln Wirtschaftskonzes- sionen erledigt wurden, wird den Mittelpunkt des ganzen Prozesses bilden. Es ist in Köln schon seit Jahren ein offenes Geheimnis, daß manche Konzessionen hohe Beträge, wenn auch nur als„Darlehen", gekostet haben. Eine be- „Ein Milizßhwärmer'. Von Karl Bleibtreu. III. Sein Ausflug in historische Statistik bekam dem Anonymus übel, hoffentlich kuriert ihn die Geschichtsstunde, die ich ihm gern erteile. Daß er mich sodann über das schlechte Ergebnis von Grants„Hämmern" belehrt, muh ich etwas dreist nennen, da er dies doch alles in meinem Buche las. Das gehört aber hier gar nicht Sache, deren Kern vielmehr darin beruht, daß Grants Milizen sich eine so ungeschlachte Blutarbeit aufbürden ließen und erst zu- letzt nach steten Mißerfolgen die Geduld verloren, ein Probchen wahrer Disziplin. Daß Lees„Offensive bei Scharpsburg versagte, scheint darauf hinzudeuten, daß der Kritiker weder me,n Buch noch ein anderes über den Bürgerkrieg las, sintemal Lee sich dort be- kanntlich in strenger Defensive hielt. Das Bedeutsame dieser Schlacht liegt in der erstaunlichen Tapferkeit der Untonsmilizen, die immer erneut in den Tod rannten, sowie in der beiipiellosen Marsch- und Gefechtsleistung der Südstaatlerbrigade A. Hill. An- pesichts solcher und unzähliger anderer Tatsachen reizt die feierliche Versicherung betreffs Gettysburg zum Lachen, daß auch Lees Heer „e'ne Begegnungsschlacht" nicht durchführen konnte und„mangelnde Beweglichkeit von jeher ein Kennzeichen ungeschulter Armeen" lvar. Siehe die„affenartige" Geschwindigkeit der französischen Revolu- tionSheere, keineswegs nur unter Bonaparte, wobei solche Kleinig- keiten wie A eberschreiten der Via Mala, Pichegrus Hollanderoberung im Fluge, Montrichards Gewaltmarsch, Lecourbes Alpenkletterei nebenherliefen. Siehe den unerhörten Gewaltmarsch Stolpen- Dresden, das pünktliche Eintreffen Neys bei Bautzen, das fabelhafte Herumwerfen der Marschsäulen bei Lützen, dem Muster einer Be- gegnungsschlacht, desgleichen viele Fälle 1814, siehe die abnorme Beweglichkeit des Preußenheeres am 18. Juni 181S, das fast ganz aus„linausgebildeten" bestand. Bezeichnend genug, daß dieselben Herren, die sonst stets über Napoleons Unfehlbarkeit spotten, sich uf seine Wahrsprüche berufen, wo es ihnen paßt. Wenn er sagte, eine junge Armee könne zwar eine starke Stellung nehmen, doch nicht die Absicht bis zu Ende durchführen, so erlebte er bei Mon- tereau und Craonne das Gegenteil. Bei Austerlitz und Jena gab es keine starken Stellungen, und daß er feine Absicht durchführte, verdankte er der Führung und nicht den„alten" Truppen. „Bleibtreu scheint nicht überzeugt, daß Kriegführen angreifen heißt." Nein, wirklich, solche Überzeugung»erschaffte ich mir nicht, wobei ich mich in guier, obschon buntgemischter Gesellschaft fühle, zu der, um mit dem Anonymus zu reden,„manch bewährter Held und Kriegsmann früherer Zeiten gehört". In meiner Einfalt dachte ich mir immer, daß alles seine Zeit hat, Offensive wie Defen- sive, daß Hannibal bei Nola und Zarma, Cäsar bei Abesia und Dyrrhachium, Wellington bei Torrcs Bedras, Talavara, Fuentas, Waterloo, Erzherzog Karl bei Regensburg und Wagram, Napoleon in der Völkerschlacht sich defensiv verhielten, weil sie mußten und die Umstände nicht für Offensive sprachen. Geradeso wechselten bei Lee„Stellungstaktik" und rücksichtsloses Vorwärts. Daß aber die beiderseitigen Milizen, deren Selbstschaffen der modernen Taktik der Kritiker einräumt,„meist" ins Schanzen verfielen, läßt sich aus keiner Schlacht nachweisen. Die einzigen, wo sich Erscheinungen im gemeinten Sinne abspielten, waren die vieltägigen„in der Wildnis" oder bei Spotsylvania unter eigentümlichen Verhältnissen, wo beide Parteien, sich mehr umklammernd, abwechselnd offensiv und defensiv verfuhren. Das Einbuddeln geschah stets im Sinne der Japaner,„um sich Stützpunkte für den Angriff zu schaffen". Derlei leere Einwände gleichen denen über die..Begegnungsschlacht" von Gettysburg, wo Lee lediglich am Starrsinn und Ungehorsam Longstraats scheiterte, im übrigen schon am ersten Tage unmittelbar mit allem Verfügbaren angriff, während die Stürme am zweiten und dritten Tage an Energie nie übertroffen werden können, wobei die Verteidiger teilweise das gleiche Lob ver- dienen, Milizen hüben und drüben. Wie es aber mit den„Be- gegnungsschlachten" am 14., 16., 18. August 1879 beiderseitig erging, möchten wir hier lieber nicht erörtern. Das waren die besten Re- gulärarmeen und dann rede man noch vou Gettysburg! Daß ihm Kuropatkins Russen als milizartige Gebilde und die Japaner als Drillsoldaten von echtem Schrot und Korn erscheinen, hat etwas Rührendes. Offenbar weiß er vom Geist der Samurai — als ob alle japanischen Offiziere Samurai wären!— so wenig wie vom japanischen Polkscharakter. Diesem steckt durch Vererbung das Kriegertum im Blute, verbunden mit religiöser Verehrung des Vaterlandsbegriffes, wonach der einzelne absolut nichts bedeutet und Opfertod für Japans Ehre so leicht fällt wie den Ameisen ihr Hingebungsinstinkt für den„Staat" ihrer Genossenschaft. Was man„Disziplin" nennt, ist hier einfach angeborener Genossenschafts- sinn, ein Altruismus, der sich freilich nur auf die japa- nische Staatsgemeinschaft beschränken will. Aus Tagebüchern japanischer Offiziere und eines Norwegers, der den Mandschurischen Krieg mitmachte, geht klar hervor, daß nichts den Japanern ferner liegt als„preußische" Disziplin. Offizier und Mannschaft sind eins, Standesunterschiede gibt es nicht, der Führer betrachtet sich als Bevollmächtigter des Volkes und setzt seine einzige Ehre darin, in Selbstverleugnung voranzuleuchten. Ein Band von Familien- liebe schmiedet Vorgesetzte und Untergebene zusammen. Hinzu tritt bei allen Japs eine naive Todesverachtung, bei einem so heiteren, lebensfrohen Völkchen doppelt heroisch. Einer sagte es deutlich: „Bei anderen heißt es Siegen oder Sterben, bei uns Siegen und Sterben." Tod fürs Vaterland wird als Ideal und höchste Gunst erstrebt, denn das beschert nicht nur dauerndes Familien- ansehen für die Nachkommen, sondern eröffnet Aussicht auf bessere Wiedergeburt. Die„Geister" hören nicht auf, für Japan zu wirken. Als man nach dem Chinesenkrieg die Halbinsel Port Arthur räumen mußte, defilierten die Abziehenden an den Grabstätten der Ge- fallenen vorbei:„Wir melden gehorsamst, daß wir bestimmt wieder- kommen." Bei der Siegesfeier in Tokio rapportierte Admiral Togo, die Hand an der Mütze, den Geistern der für Japan Gestorbenen: „Ich melde Euch, daß Japan jetzt das Meer beherrscht, diese Kunde kannte Kölnische Merwirtschaft, die das Stammlokal höherer Polizeibeamten ist, wird allgemein als„K o n z e s s i o n s f a b r i k" bezeichnet. Daneben ist die Zuwendung von Naturalien an Kölner Polizeibeamtc vielfach üblich. Wein, Wildbret, Delika- tessen, Süßigkeiten und ähnliche herrliche Dinge flogen den Herren von der Polizei ins Haus. Andererseits ließen es sich selbst hohe Polizeibeamte, die stolz erhobenen Hauptes mit klirren- den Sporen durch die Straßen schreiten, sehr gern gefallen, daß ihnen in gewissen Vergnügungsetabliffements, zu deren Gästen auch die Halbwelt gehörte, Zechen bezahlt wurden. Selbstverständ- lich ist das alles nur„aus Freundschaft" geschehen. Drei Kölner Polizeiinspektoren, die in den beliebtesten Kölner Vergnügungs- lokalen zu den Stammgästen gehören, sind in weiten Kreisen Kölns unter dem Spitznamen„Die heiligen drei Könige" be- kannt. Wie man sieht, gemütliche Zustände in der Stadt des Kar» nevals am Rhein. Eine der Wurzeln des ganzen Schmiergelderunfuges in Köln ist der Umstand, daß vor allem die Unterbeamten mit ihren geringen Spesen— 19 M. den Monat— bei ihren Untersuchungen nicht auskommen und deshalb Bestohlenen nahelegen, ihnen eine„Be- lohnung" zu gewähren. Die Wirkung ist natürlich, daß jemand, der Geld aufwendet, besser bedient wird als ein anderer, der nicht dazu in der Lage ist. Erheiternd ist, daß die Polizei sich bei der Geldannahme von keinerlei Vorurteilen leiten läßt. So hat sie »eulich auch von der„sozialdemokratischen" Konsum- Genossenschaft„Hoffnung" einen größeren Betrag an» genommen. Es soll in dem Prozesse ganzen Reihen höherer Be- amten nachgewiesen werden, daß sie hohe Geldgeschenke angenommen haben. Die Mehrzahl der bisher vernommenen Polizeibeamten haben auf die Frage, ob sie Geschenke angenommen haben, die Aus- sage verweigert. Unter diesen 28 Zeugnisverweigerern be- finden sich auch Beamte der Sittenpolizei. Das läßt wohl ohne weiteres erkennen, daß auch aus den Kreisen der Halb» Welt Polizeibeamten Geschenke zugeflossen sind. Zu der Verhandlung sind von der Staatsanwaltschaft und von der Verteidigung, die in den Händen der Rechtsanwälte Dr. M e r tz (Köln) und Wolfgang Heine(Berlin) liegt, bisher etwa 149 Zeugen geladen worden. Darunter befinden sich der Kölner Po» lizeipräsident, fünf Polizei- und Kriminalinspektoren, viele sonstige höhere Polizeibeamte, zahlreiche Kölner Brauereibesitzer und Wirte usw. Die„Rheinische Zeitung" hat wiederholt erklärt, daß sie aus Rücksicht auf die schlechtbezahlten Unterbeamten diese, soweit es an ihr liege, möglichst nicht in den Prozeß hineinziehen wolle. Auch sonst will der angeklagte Redakteur die Austischung von„Kleinigkeiten", wie sie in den vielen Naturauengeschenken usw. liegen, in dem Prozesse möglichst vermeiden. Er glaubt, seinen Stoß gegen dieses Geschenksystem allein durch die Heranziehung wichtiger Fälle führen zu können. Wir werden über den Prozeß berichten. der Totschlag in öer Koppen- straße, der in der Nacht zum 23. August sich ereignete und bei den dortigen Bewohnern großes Aufsehen erregte, bildete gestern den Gegen- stand der Verhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts I, welches unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dclkcskamp seine erste Tagung im neuen Jahre begann. Angeklagt ist der seit dem 23. August in Untersuchungshast sitzende Gastwirt Josef Mühlan, welcher beschuldigt wiro, rn der Nacht zum 23. August vor dem Hause Koppenstraße 199 den Schlächtermeister Stanislaus Sledz vorsätzlich getötet zu haben. Der Angeklagte ist am 9. Mai 1866 in Maisritzdors, Kreis Fraukenstein bei Glatz geboren, verheiratet und Vater zweier minderjähriger Kinder. Er ist seit dem Februar 1911 Inhaber des Hotels„Stadt Breslau" in der Koppenstraße 199. In dem gegenüberliegenoen Hause Koppenstraße 1 hatte der Schlächter» meister Stanislaus Sledz zu ebener Erde seinen Laden und im ersten Stock seine Wohnung. Dem?lngeklagten wird von zahl» reichen Personen, so besonders von Mietern des ihm gehörenden Hauses Kniprodestraße 114 das Zeugnis eines arbeitsamen und friedliebenden Mannes gegeben. Sein Hotel„Stadt Breslau" hat schon oft zu Klagen der Nachbarschaft Veranlassung gegeben, da es als Absteigequartier galt. Das Leben und Treiben in dem Hotel hatte auch dem Schlächtermeister E-ledz, der heranwachsende Töchter hatte, mehrfach zu Beschwerden Veranlassung gegeben. Dies toar auch am 21. August geschehen. Sledz hatte behauptet, von dem Fenster seiner Wohnung aus das unsittliche Treiben zweier Per- sonen in einem der Hotelzimmer wahrgenommen zu haben und verlangte von den Eheleuten Mühlan nachdrücklich, die„Klappe" des betreffenden Fensters zu schließen. Es kam darüber zu einem lärmenden Auftritt mit lauten Schimpsworten von beiden Seiten. wird Euch in Eurer Sphäre hochwillkommen sein." Daß man solcher Weltanschauung mit europäischen Disziplinbegriffen nicht beikommt, liegt auf der Hand. Ein Vorfall, den seinerzeit das „Mil. Wochenbl." selber berichtete, zeigt vollends, welche Kluft daS japanische Volksheer von preußischem Drill trennt. Eine Brigade sollte ein Fort nehmen, scheiterte aber mit ungeheurem Verlust. Höheren Befehl, nochmals Sturm zu laufen, lehnte die Truppe ein- fach ab, nach welcher glatten Gehorsamsverweigerung sie die Nacht ausruhte, über taugliches Verfahren beratschlagte und am nächsten Morgen durch plötzlichen Anlauf das Fort aus eigene Faust er- stürmte! Das preußische Militär wird hier wohl schaudernd bekennen, daß das, was e r Disziplin nenni, sich ausschließlich bei den „locker gefügten" Russen zu erkennen gab, die blind und taub, wie eine Hammelherde sich abschlachten ließen, jedem Befehl gehorsam, fern zeder persönlichen Initiative. Daß die Japaner heut mehr denn je den„Drill" bevorzugen, wird wohl eine hohle Unter- stellung sein, denn nach allem, was man weiß, gilt für sie das Wort General Fohs:„Der Franzose haßt die Kaserne und liebt das Feldlager". Jedenfalls darf man nie japanische Gepflogen- Helten zum Vergleich heranziehen, da deren Auffassung des Solda- tentums sich gänzlich vom Europäischen unterscheidet. Die all- gemeine Wehrpflicht begrüßte jeder Jaj als Standescrhöhung, da nun jeder wie ein Samurei Waffen tragen darf für Japans Volks- genossenschaft, deren„Kaiser" nur ein religiöses Sinnbild eine? altruistischen Ameisenstaates ist. Am Schluß erteilt mir der freundliche Milizfeind wieder ge- schichtlichen Unterricht. Vielleicht las er mein Werk über 1814 und will doch seine Weisheit an den Mann bringen. Die Landsturm- division Pnthod habe nichts Besonderes getan, übrigens seien cS zwei Divisionen gewesen, eine herrliche Korrektur, da die söge- nannte Division Amay volle— 899 Mann zählte, übrigen? gleich- falls aus Nationalgarden von Cherbourg und Rochefort bestand. Dagegen will ich ihn aufklären— er scheint mein Buch unfleißig studiert oder am Ende gar nur das offiziöse Buch seines Kollegen Janson gelesen zu haben—, daß sich ein paar Linienbataillone dabei befanden, die den Untergang teilten. Da aber die sogenann« ten Linientruppen Napoleons 1814 sich von Nationalgarden nur darin entschieden, daß sie sämtlich Uniform trugen, sonst die gleiche ungcdrillte Miliz, so hat dies wohl keine Bedeutung. Aus- drücklich bezeugt aber der Veteranengeneral Delort, der sicher hundertmal mehr Kriegserfahrung hatte als der anonhme Artikel- schreiber:„Da war keiner unter uns, der nicht mehr als seine Pflicht tat, doch die Sprache hat keinen Ausdruck für die National- garden, der Begriff„heroisch" ist ohne Kraft und Energie dqfür". Da ich mich auf wenige Worte beschränkte, hat der Ausfall. Puthod habe„18"(16) Geschütze gehabt,„was der Herr Bleibtrcu uns verschweigt", nur den Akzent der Böswilligkeit. Dagegen muß ich zugeben, daß meine Schätzung„achtfacher" Uebermacht nicht zu- trifft, denn von 26 499 Reitern mit 123 Geschützen, die sich am 25. März gegen die Franzosen tummelten, kamen gegen Puthod nur etwa 14 999 mit 73 Geschützen zur Verwendung. Dieser zählte aber laut Historiqua der 13. Husaren, deren 199 Säbel ihn be- Der Streit wiederhotte sickj am nächsten Abend— Freitag, den LL. August— und dauerte längere Zeit an. Gegen Uhr kam Sledz mit seinem 16jährigen Sohne Max aus seiner Wohnung heraus und ging einige Male die jloppenstratze hin und her. Gegen 12 Uhr traf Sledz mit einem ihm bekannten Eisenbahnrangierer Geletzka zusammen, ging mit ihm in das Schanklokal von Guissen- darf, Stralauer Platz 18/13, Ecke Koppenstrahe, wo er drei Glas Bier trank, und von dort nock) etwa% Stunden in das Restaurant «Zum Schultheiß", An der Schillingbrückc 1. Gegen l'A Uhr ging er von dort in Begleitung von vier Personen ourch die Koppen- straße seiner Wohnung zu und verabschiedete sich von ihnen vor dem Hause Koppenstraße 13. Sledz ging dann bis zu dem Hause des Angeklagten, Koppenstraße 133, wo er den Angeklagten und dessen Ehefrau an einem offonen Fenster ihrer im Erdgeschoß be- legenen Wohnung sitzen sah. Es kam sofort wieder zu einem er- regten Wortwechsel, in dessen Verlauf die Eheleute Mühlan aus der Wohnung in oen Hausflur an der Straße traten, Frau Mühlan stellte sich in die Nähe der Haustür, hinter ihr im Hausflur stand Mühlan. Nun soll Frau Mühlan beleidigende Aeußcrungen gegen Sledz gerichtet und dieser soll darauf erwidert haben:„Wenn ich mich nicht mehr bedächte, würde ich Ihnen eine in die Fr____ hauen!" I» diesem Augenblick soll der Angeklagte hinter der HauStiir hervorgesprungen sein und aus einem Browningrcvolvcr einen Schuß auf Sledz abgegeben haben, der diesen auch traf. Als Sledz auf den Angeklagten eindringen wollte, soll ihni die Ehefrau einen Schlag ins Gesicht und der Angeklagte einen Stoß vor die Brust versetzt haben. Gleichzeitig gab oer Angeklagte einen zweiten Schuß auf Sledz ab. Dieser versuchte noch über die Straße in� seine Wohnung zu gelangen, brach jedoch vor seinem Hause zusammen. Er wurde per Krankenwagen nach dem Krankcnhause am Friedrichshain übergeführt, starb jedoch schon auf dem Trans- Port dorthin an innerer Verblutung. Der Angeklagte stellt den Sachverhalt so dar, daß er sich in der Notwehr befunden habe und behauptet, daß Sledz seine Frau bor die Brust gestoßen und dabei angeblich ein offenes Schlächter- messer in der Hand gehabt habe. Der tödliche Schuß ist aus der allernächsten Nähe abgegeben worden. Nach der Tat hatte sich der Angeklagte ruhig in seine Wohnung begeben und den Revolver auf das Büfett gelegt. Der Angeklagte erklärt auf Befragen, daß er sich nicht im Sinne der Anklage schuldig gemacht habe. Er bestreitet auch, daß sein Lokal als Absteigequartier diente; diese Behauptung sei von Sledz erst aufgestellt worden, seitdem er im August 1912 seine Fleischwaren nicht mehr von Sledz bezog. Richtig sei es, daß er einmal wegen Kuppelei angeklagt gewesen; er ist aber in zweiter Instanz freigesprochen worden. Die Anklage stammte aus der Zeit, wo er erst kurze Zeit das Hotel übernommen hatte und mit dem Betriebe noch nicht genügend Bescheid wußte. Der Angeklagte behauptet weiter, daß seine Frau von dem Sledz fortwährend schikaniert wurde, der sie, wenn sie aus dem Hause trat, mit gemeinen Schimpfworten bedacht habe. Als am 23. August ein Herr und eine Dame aus dem Hotel kamen, habe Sledz aus seinem Fenster gerufen:«Der geht ins Hotel und hat keinen Boden in den Hosen." Er habe darauf geantwortet:„Kümmern Sie sich doch um Ihr Ge- schäst, damit die Mäuse nicht wieder in die Wurst kommen!" Es sind danin nach der Schilderung des Angeklagten noch mehrfach Hänseleien und Schimpfereien hin und her gegangen. In der kritischen Nacht sei Sledz mit seinem Sohn lange Zeit in der Koppenstraße hin und her gegangen und habe, wie ihm auch der Zeuge Mittag bestätigt habe, ein Messer bei sich gehabt. Sledz sei eine Kleinigkeit größer gewesen als er, aber sehr kräftig—„ein wahrer Herkules". Er selbst habe in jener Nacht— wie er behauptet. ohne eine bestimmte Absicht— mit seiner Frau von 13 Uhr an aus dem Fenster gesehen. Um 12*4 Uhr sei Sledz mit drei Männern aus einer Restauration in die Koppenstraße zurück» «kehrt. Sledz habe sich direkt an seine(des Angeklagten) Haustür gestellt, und da er gerade hinter der Haustür stand, ohne ober etwa dem Sledz aufzulauern, sei er hervorgetreten und habe ihm gesagt:„Was stellen Sie sich denn hierher? Stellen Sie sich doch vor Ihre Tür!" Sledz habe aeantlvortet: er könne stehen, wo er will, und der Angeklagte will dann zum Frieden gemahnt und gesagt haben:„Sind denn die ewigen Schikanen nötig? Wir hätten ja schon längst wieder bei Ihnen geholt, aber Ihre Schimpfereien hören ja nicht auf." Sledz sei dann etwas vom Hause weggegangen und er selbst sei wieder hinter die Haustür getreten. Als Sledz sich dann wieder an die Haustür stellte, sei seine(des An» geklagten) Frau herausgegangen und habe ihm auch wieder gesagt, warum er sich denn nicht an seine Haustür stelle. Darauf sei es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen beiden gekommen, weil Sledz behauptete, in dem Hotel herrsche ein unsittliches Treiben Und es würden nichi einmal die Jalousien der Fenster herab- gelassen, so daß die Kinder sogar alles sehen könnten. Die Frau habe darauf gesagt, daß, wenn ihre Kinder etwas sehen würden, was sie nicht sehen sollen, würde sie sie einfach wcgnebmen. Sledz habe dann auf seine heranwachsenden Töchter hingewiesen und die Frau mit Schimpfworten wie H... bedacht. Als dann die Frau gleiteten, nur 3133 Mann. Eine vier- oder auch nur dreifache Uebermacht genützt auch vollkommen, um den Ruhm zu begründen, den nicht etwa ich, sondern alle Historiker ausnahmslos den Nationalgarden zuerkennen. Ter Zar geriet außer sich über so unerhörte Tapferkeit und rief:„Ich muß diese Helden retten". Doch die wackeren Arbeiter und Bauern erschossen den Parla- mentär, einen französischen Emigranten, und wehrten sich bis zuletzt, S33 Cherbourger schlugen sich doch noch nach dem schützen- den Morast von St. Cloud durch, alle anderen wurden niederge- hauen, nachdem längst alle Patronen verschossen und die Bajonette verstumpft. Ihre Milizartillerie feuerte freilich anfangs sehr er- folgreich, doch mußte man sie bald zurücklassen, weil die ganze Bemannung und Bespannung unter der weit überlegenen Kanonade der russischen reitenden Batterien fiel. Wären die Vierecke also zuletzt wirklich nur von„33" Geschützen bearbeitet worden, so käme es aufs gleiche hinaus, da die eigenen längst verstummten. Das Reiterkorps Korft hatte 2233(nicht.1233") Säbel, die übrige Reiterei Langerons und die Sackens mindestens 4833. Unglaub- licherweise weiß der Kritiker nicht, daß sowohl Teile der leichten Gardercitcrei als die ganze Kürassierdivision Depcradowitsch ein- hieben, diese Unwissenheit verdoppelt sich durch den Satz, daß„erst zuletzt" Sackens Reiterei vorging, die schon um 2 Uhr zur großen Attacke überging, während„zuletzt" vor allem die Chevaliergardcn des Zaren sich im Morden hervortaten. Außerdem hatte der Kronprinz von Württemberg das Reiterkorps Pohlen und die Kürassierdivision Katow um 3 Uhr hierher entsendet; sie griffen also bestimmt noch ein. Acht Stunden lang wehrten sich die Landsturmmänner gegen erdrückende Uebermacht, von Kartätschen- Hagel überschüttet, halb von eigener Artillerie entblößt, sehr viel Reiter und Rosse tötend, so daß die Verbündeten nach beliebter Manier ihren eigenen Verlust verschwiegen. Danach darf man um so mehr von Miliztat reden, als die Nationalgarden sich un- vergleichlich braver und sogar geschickter schlugen, als die seit lange kampfgewohnten Truppen Marmont-Mortiers am gleichen Tage, deren 13333 Mann nur 12 333 Reiter gegenüberstanden. Viele Ruhmestage hat die französische Armee, dies aber ist ein Ehrentag der französischen Nation. Nie hat die Bedeutung des moralischen Faktors, den Napolean als 3:1 gegen das Materielle berechnete, sich klarer enthält. „Diese Proben dürften genügen, um Blcibtreus Argumente für Milizheere zu kennzeichnen." Diese Proben dürften genügen, um die Unbescheidenheit zu kennzeichnen, die mit lauter falschen Angaben auch noch Verdrehung der Argumente verknüpft. Denn episodische Heldentaten wären freilich kein Beweis für das Miliz- shstem. Diesen liefert eine ununterbrochene Kette von Tatsachen: Kämpfe der Lombarden, Flander, Schweizer, Dithmarschen gegen Feudalritterschaft und Soldateska, englische Puritanerrevolution, amerikanischer Befreiungskrieg, französische Revolutionskriege, Gambettas Volksaufgebote, vor allem der amerikanische Bürger- krieg. Nur vom letzteren handelte mein Aufsatz, alle An- und Ein- würfe werden das hierfür gewonnene Ergebnis nicht umstoßen. antwortete:„Warten Sie nur ab, ob Ihre Töchter vielleicht H.... werden," sei Sledz wütend auf sie zugetreten und habe sie am Halse gepackt. In oicsem Moment sei er zum Schutze seiner Frau hervorgetreten, habe mit dem Revolver den Sledz zurückstoßen wollen und dabei seien die Schüsse ohne sein Wollen losgegangen. Der Angeklagte bestreitet, die Absicht gehabt zu haben, auf Sledz zu schießen. Er bleibt auch dabei, obgleich der Vorsitzende ihm vor- hält, daß es doch auffällig sei, daß er in jener Nacht im kritischen Moment hinter der Haustür stand und auch noch hervortrat, ob- gleich nach seiner Bel>aupiung Sledz doch ein Messer bei sich trug. Ebenso sei es auffällig, daß er seinen Gegner nicht kräftig mit der Faust zurückgestoßen habe, sondern ausgerechnet den Revolver dazu benutzt habe.— Ter Angeklagte behauptet schließlich, daß er selbst einjehr friedliebender Mensch sei; Sledz dagegen sei ein chronischer Stänker, ein tückischer, hinterlistiger Mensch gewesen, der immer jemand habe haben müssen, mit dem er zankte. Nach den zwecks Beweisaufnahme zur Verlesung gebrachten Urteilen ist der Angeklagte s. Z. einmal wegen Kuppelei vom Schöffengericht zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt, von der Strafkammer aber freigesprochen woroen, weil die Strafkammer zwar sür festgestellt hielt, daß in dem Hotel in der Tat ein Pärchen abgestiegen war, aber dem Angeklagten glaubte, daß er es dem Pärchen nicht habe ansehen können, daß es das Hotel zu unsitt- lichen Ztvecken aufsuchte. Aussagen von Zeugen bestätigen die Angaben des Ange- klagten, andere hingegen lauten im Sinne der Anklage. Ucber den Ausgang des Prozesses, der mehrere Tage in An- spruch nehmen wird, werden wir berichten. Soziales. Aus dem Jnnungsschiedsgericht. (Sitzung vom 6. d. Mts.) 1. Arbeitsnachweis. Ein Kellner forderte vom Restauratcur Koch, Ldeon, eine Lohn- entschädigung für einen Tag in Hohe von 7 Mark. Der Kläger hatte vom Arbeitsnachweis des Kellncrvereins Moabit einen Schein erhalten, auf dem verzeichnet stand, daß er für fest und zu welchen Bedingungen engagiert sei. Er wurde jedoch nicht eingestellt. Ter Beklagte wendete ein, er habe eine größere Anzahl Kellner zur Auswahl vom Arbeitsnachweis ver- langt und dann auch 18 Kellner eingestellt, worunter sich der Kläger nicht befand. Das Gericht beschloß Vertagung, um den Arbeitsvermittler als Zeugen zu hören. Der Beweis hätte sich Wohl erübrigt. Ein Arbeitsnachweis kann lediglich die Gelegenheit zur Arbeit zu vermitteln haben. Dann entscheidet der Arbeitgeber über Annahme oder Nichtannahme. Anders in den Arbeitsnachweisen, wo es üblich ist, daß der Arbeits- Nachweis als Vertreter des Arbeitgebers engagiert. Zu solchen Arbeitsnachweisen gehört der Arbeitsnachweis der Kellner. So hat auch das Jnnungsschiedsgericht in der im„Vorwärts" Nr. 32S vom 13. Dezember 1913 mitgeteilten Klage entschieden. 2. Kaution. Ein Büfettier klagte gegen den Restauratcur Gnaß auf Aus- Zahlung einer Kaution von 500 Mark. Der Kläger war mit achttägiger Kündigungsfrist auf Prozente angestellt. Deshalb wurde die Klage wegen Unzustündigkeit zurückgenommen. Dennoch erscheint es sehr angebracht, auf die Sache einzugehen. Auffällig ist schon bei der Höhe der Kautionssumme die geringe Kündigungsftist. Noch eigenartiger berühren aher die Umstände, die zur Klage führten. Ter Kläger wurde krank und konnte auch eine entsprechende ärztliche Bescheinigung beibringen. Der Beklagte vertrat nun die Ansicht, der Kläger hätte für einen Ersatzmann sorgen müssen. Weil das nicht geschehen sei. halte er sich an die Kautionssumme. Denn im Bertrag sei ein Passus ent- halten:„Das Geld haftet für alle Fälle." Damit wird er wenig Glück haben. Es scheint aber, als ob er, im Bewußtsein des um- ständlichen und oft langwierigen Verfahrens vor den ordentlichen Gerichten, darauf spekulierte, daß der Kläger vielleicht doch lieber einen Teil der Kaution schießen läßt. Erst kürzlich stand derselbe Beklagte vor dem JnnungsschiedS- gericht. Damals forderte ein Kläger 23 M. zurück, die er nach Unterzeichnung des Vertrages an den Beklagten gezahlt hatte. Diese wurden ihm vorenthalten, weil er so vorsichtig gewesen war, ehe er die Kautionssumme zahlte, Auskunft einzuholen und durch diese rechtzeitig vor einer Unbesonnenheit bewahrt wurde. Dieser Kläger hat leider lieber die 23 M. eingebüßt, als vor das ordentliche Gericht zu gehen, wohin er dem Vertrage nach gehört. In allen Fällen, in denen Kaution gefordert wird, sollten die Betreffenden so vor- sichtig sein, die Deponierung des Betrages bei einer HinterlegungS- stelle zu verlangen. Dort ist das Geld gegen unlautere Eingriffe geschützt und bietet doch als Kaution jede gewünschte Sicherheit. Auf einen Teil der Kaution verzichten, heißt dem Kautions- unfug Vorschub leisten._ Gerichtszeitung. Der fehlende Ehering als Unsittlichkeit. Zu dem Thema„Kampf gegen die Unsittlichkeit" gehört ein Strafverfahren, welches seit mehreren Monaten bei dem Land- gericht I schwebt und sich gegen den Verleger Siegmund Äaulsohn, den Kaufmann Albert Gentzke und den Papierwarenhändler Simon Lew» richtet. Im Sommer v. I. erschienen bei dem Angeklagten Lewh zwei Kriminalbeamte und beschlagnahmten im Auftrage des Dezernenten bei der Staatsanwaltschaft I, Staatsanwaltsschaftsrat Heintzmann, eine Postkarte, welche die Unterschrift:„Bogel, fliagst zum Fenster 'nauS" trug. Auf die Bitte des L., ihm zu sagen, weshalb diese Karte cissentlich als unzüchtig anzusehen sei, betrachteten die Be- amtcn längere Zeit die Abbildung, konnten aber keine andere Er- klärung geben, als die, sie hätten den Auftrag, die Karte zu be- schlagnahmen, weshalb wüßten sie nicht. Die Karte zeigte eine am Fenster stehende weinende Frauensperson, die ein Wickelkind im Arm hält, während auf der Straße ein Mann zu sehen ist, der im Reiseanzug und mit einer Handtasche versehen, scheinbar in großer Eile ReißauS nimmt. Von den Rechtsanwälten Justizrat Holz und Georg Lew» I wurde schon in der ersten Verhandlung geltend gemacht, daß man, um eine„Unzüchtigkeit" in diesem harm- losen Bildchen zu finden, erst eine förmlich an den Haaren herbei- gezogene Kombination aufstellen müsse. Die Staatsanwaltschaft sehe diese„Unzüchtigkeit" in folgendem: Da das Bild der Frauens- verson keinen Trauring aufweise, so deute dies auf einen außer- ehelichen Verkehr hin. vor dessen Folgen, d. h. der Alimentations- Pflicht, sich der Vater durch die Flucht zu entziehen suche. Wie man in der Darstellung eines solchen, leider alltäglichen Vorganges eine „Unzüchtigkeit" erblicken könne, die geeignet sei, das„sittliche Empfinden eines normalen Menschen zu verletzen und Anstoß zu erregen", sei unerfindlich. Mit demselben Rechte könne man eher sagen, daß eine solche Darstellung sogar geeignet sei, erzieherisch zu wirken und die Moral zu fördern, da das Bild zeige, welches Schicksal eventuell einem jungen Mädchen bevorstehe, wenn es einen Fehltritt begehe. Die Strafkammer kam seinerzeit zu einer Verurteilung der drei Angeklagten zu kleinen Geldstrafen mit der Begründung, daß jeder Hinweis auf einen außerehelichen Verkehr auf einer Post- karte als unzüchtig anzusehen sei.— Auf die Revision der Vertei- diger hob das Reichsgericht das erste Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück. Bor der Strafkammer wiesen die Verteidiger wiederum darauf hin. daß man in jener Darstellung unmöglich etwas Unzüchtiges erblicken könne. In der Konsequenz müsse man schließlich dazu kommen, jede Abbildung, welche ein männliches und ein weibliches Wesen zeige, als unsittlich ansprechen, wenn nicht beide, womöglich in Reliefdruck, einen Trauring auf» weisen, da man auch hier ähnliche Konibinationen aufstellen könne. — Das Gericht gelangte jedoch wieder zu der Ansicht, daß die Karte als unzüchtig im Sinne des Gesetzes zu bezeichnen sei, da sie einen Hinweis auf einen außerehelichen und deshalb unsittlichen Verkehr enthalte. Von den Angeklagten wird gegen dieses Urteil nochmals Re- Vision eingelegt werden._ Wer ist Vorgesetzter der Missionare? „Der Geburtenrückgang in Teutschland, seine Bewertung� und Bekämpfung" lautete ein am 28. Oktober 1312 im„Kleinen Jour- nal" erschienener Artikel, der zu einer Anklage wegen Beleidigung der katholischen Missionare des Liheinlandcs gegeoen hat. Die am Montag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte An- klage richtete sich gegen den Verfasser des Artikels, prakt. Arzt Dr. Ferdinand Goldstcin aus Steglitz, und den verantwortlichen Redakteur Victor Noack. Ter inkriminierte Artikel kritisierte abfällig die sattsam be- kannte, vom Regierungs- und Medizinalrat Dr. Bornträger in Düsseldorf veröffentlichte Schrift über das Thema des Geburten- rückganges und glossierte die darin enthaltene Ansicht, daß eines der erfolgreichsten Mittel zur Bekämpfung des Geburtenrückganges die Tätigkeit der katholischen Missionare insofern sei, als diese eine intensive individuelle moralische Einwirkung auf die beiden Geschlechter und die einzelnen Stände ausüben und ihnen vor- halten, daß gemäß den Satzungen der Kirche die Erzeugung und Aufziehung der Kinder zur Pflicht zu machen und eine künstliche Beschränkung der Kinderzahl sündhaft sei. Es wurde in der Born- trägerschen Schrift u. a. auf die erfolgreiche Tätigkeit der katho- lischen Missionare nach dieser Richtung hin, insbesondere in Krc- feld, in Heisingen, Osterath und Essen-West hingewiesen. Der in- kriminierte Artikel knüpfte hier an und wandte sich in scharfer Weise gegen die Tätigkeit und„Arbeit" dieser Missionare, die aus ihren Klöstern herausgegangen, Mission betrieben und sich dabei sexuell betätigt hätten. Vor Eintritt in die materielle Verhandlung stellte der Vor- sitzende zunächst die Frage zur Erörterung, ob ein korrekter Straf- antrag vorliege? Die den Angeklagten zur Last gelegten Beleidi- gungen seien in der Nummer vom 28. Oktober 1312 cuthalten. Ein vom Erzbischof von Köln gestellter Strafautrag sei am 21. Februar 1913 eingegangen mit dem Bemerken, daß er von dem beleidigenden Artikel am 17. oder 18. Februar 1913 Kenntnis erhalten habe. Vorausgesetzt, daß der Erzbischof von Köln Antragsberechtigtcr sei, würde der Antrag rechtzeitig gestellt sein. Nun sei die sechsmonatige Verjährung für Preßvergehen durch eine richterliche Handlung am 1. März 1913 unterbrochen worden; bei Antragsdelikten finde eine solche Unterbrechung der Verjährung aber nur dann statt, wenn überhaupt ein ordnungsmäßiger Strafantrag vorliege.� Da handele es sich also um die Frage: war der Erzbischof von Köln der amt- lichr Borgesetzte der katholischen Missionare? In einer früheren Verhandlung habe der Staatsanwalt diese Frage bejaht, die Per- teidigung dagegen verneint. Das Gericht habe deshalb für nötig erachtet, von einer anerkannten Kapazität auf dem Gebiete des katholischen Kirchenrechts eine gutachtliche Aeußerung einzuholen und auf den Rat des Geheimräts Kahl den Geheimen Justizrat und Lehrer an der Universität Prof. Dr. Stutz in Bonn um eine solche ersucht. Das Gutachten dieses Sachverständigen, welches wissenschaftlich eingehend begründet ist, geht dahin, daß der Erz- bischof während der Missionstütigkeit der Ordcnslcute zweifellos als amtlicher Vorgesetzter anzusprechen sei, dagegen sei zu ver- »einen, daß der Erzbischof zu der Zeit, als der beleidigende Ar- tikcl erschien, der amtliche Vorgesetzte der in ihre Klöster schon längst wieder zurückgekehrten Patres gewesen sei. Zur Frage des Strafantrages ist noch zu erwähnen, daß nach- träglich noch Strafanträge eingegangen waren von dem Ordens- oberen der Franziskaner am 26. Mai 1913, von dem Superior des Ordens der Oblaten in St. Nicolaus-Capellen am 15. Juni 1913 und von dem Rektor des Jefuitenklosters Bonifaciushaus bei Em- merich gleichfalls am 15. Juni 1913— also schon nach Eintritt der sechsmonatigen Preßverjährung. Staatsanwalt Stelzncr vertrat den Standpunkt, daß der Erz- bischof, der berufen sei, das Amt der Missionare zu schützen, als Antragsberechtigter anzusehen sei, eventuell hätten die Strafanträge der Ordensvertreter als ordnungsmäßig zu gelten. Den Aus- führungen des Staatsanwalts traten der Angeklagte Dr. Goldstein und die Rechtsanwälte Dr. Münk und Dr. Herbert Fuchs in län- geren juristischen und kirchenrechtlichen Ausführungen entgegen; letzterer beantragte auch, die dem Angeklagten Noack entstandenen Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen. Das Gericht erkannte dahin: daß das Verfahren auf Kosten der Staatskasse einzustellen sei. Das Gericht hat aus Grund des überzeugenden Gutachtens des Geheimrats Stutz verneint, daß der Erzbischof von Köln zur Zeit, als der Artikel erschien, der amtliche Vorgesetzte der in Frage kommenden Missionare war; er war also nicht Antragsberechtigter und daher hat auch die erste richterliche Handlung die Preßverjährung nicht unterbrochen. Die Strafanträge der Ordensoberen sind gestellt worden zu einer Zeit, alS die Verjährung schon eingetreten tvau_ Beihilfe zur Desertion. Wegen Beihilfe zur Desertion ist vom Landgericht Zaber» am 18. September v. I. der Rentenempfänger August Guidat zu 3 Mo- naten Gefängnis verurteilt worden. Der Musketier Nidowitz hatte am 13. Juni 1313 seinen Truppenteil in Straßburg eigenmächtig verlassen und war fahnenflüchtig geworden. Er kam am 26. Juni in den Wohnort des Angeklagten, der nahe der Grenze liegt, an und teilte ihm mit, daß er fahnenflüchtig sei und nach Frankreich fliehen wolle. Nachdem der Angeklagte den Flüchtling durch Speise und Trank erquickt hatte, zeigte er ihm auf dessen Bitte einen Weg, der ihm die unbemerkte lleberschreitung der Grenze ermöglichte. DaS Gericht hat angenommen, daß der Angeklagte dem N. vor- sätzlich und wissentlich Beistand zur Desertion geleistet hat; eS bat aber, da weder selbstsüchtige noch politische Absichten vorlagen, die Mindeststrafe des Gesetzes als ausreichende Sühne angesehen. Die Revision des Angeklagten wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Ms aller Welt. Des Königs Nock. Des Königs Rock— notabene wenn ein Offizfer ln fljim steckt — ist ein heiliges Palladium. Er ist gegen jederlei Beschmutzung reinzuhalten. Er wird beschmutzt, wenn jemand lacht; ja, er wird sogar beschmutzt, wenn der Träger des Rockes glaubt, es könnte möglicherweise einer über ihn gelacht haben. Ein solch verdächtiges Subjekt mutz nach Ansicht des zur- zeit vor dem Kriegsgericht stehenden Leutnants Schab durch so». fortige Verhaftung unschädlich gemacht werden. Auf ein paar einzuschlagende Hanstüren kommt es ihm dabei nicht an. Ist doch des Königs 3iock, der reingchaUen werden mutz, beschimpft worden. Des Königs Rock— notabene wenn«in Offizier in ihm steckt — ist ein heiliges Palladium. Ein Schutzmann darf eine Hure wegen sittenpolizcilichcr Uebertrctung nicht festnehmen, wenn ein Leutnant sie begleitet, um sich von den Anstrengungen des Kasernenhofes zu erholen. Wenn ein Schutzmann es wagen würde, die unbußfertige Magdalena zu verhaften, machte er des Königs Rock verächtlich. Wenn aber ein Leutnant sich auf öffentlichem Markte dem Meistbietenden anpreist, so schändet er natürlich de» Königs Rock, der reingehalten werden muß, nicht. Und so wird auch das folgende, der«Franks. Ztg." entnommene Fleischmarkt. inserat dem Jnserievenden in seiner Karriere keinerlei Schaden tun: Vlariage. Aktiver Offizier. Emde 20, tu Keiner, aber angenehmer Garnison Süd- deutschlands, sucht als Kamerad chice junge Dame mit größerem Vermögen oder sicherer Rente beh. Heirat. Geordnete Verhältnisse. Weitgehendst Vorurteils- frei. Keine Verwandtschaft, daher übernimmt Korrespondenz ältere befreundete Dame, die, selb st Schwiegermutter eines Kameraden, durch eigene güirstige Verhältnisse über jeden Ver- dacht gewerbsmäßiger Vermittelung erhaben. Der Menschenhandel entehrt, wie das Inserat zeigt, in keiner Weise des Königs Rock. Denn sonst könnte doch die Schwieger- mutier eines anderen Offiziers nicht die Kupplerin machen. Und darum noch einmal: Des Königs Rock— notabene wenn sein Offizier darin steckt— ist ein heiliges Palladium. Zum Untergang des Dampfers„Oklahoma". Im New Zjorker Hafen trafen ain Dienstag fünf Vermißte von der Mannschaft des verunglückten Dampfers „Oklahoma" ein, die am Sonntagnachmittag von dem Dampfer„Gregory" der Booth-Linie in einem Rettungs- boot aufgefunden worden waren. Die Geretteten waren sechs Stunden bei bitterer Kälte auf dem Wasser um- Hergetrieben. In einem anderen Rettungsboot wurden von einem Zollkutter drei Mann tot aufgefunden, so daß mit den acht von der„Bavaria" Geretteten das Schicksal von 16 Mann von der 38 Mann starken Besatzung des Dampfers „Oklahoma" festgestellt ist. Die fünf im New A orker Hafen eingetroffenen Geretteten berichten, daß das Schiff ohne vorherige Anzeichen mitten- durchgebrochen ist. Das Wetter war sehr stürmisch, ungeheuere Seen schlugen über Bord, als das Schiff sich plötzlich mit dumpfem Krachen in der Mitte durchbog, anscheinend von zwei ungeheueren Wellen am Bug und am Heck in die Höhe gehoben. Die Maschinen arbeiteten mit voller Kraft und konnten nicht zum Stehen gebracht werden. Die Mannschaft stürzte, soweit ihr dies möglich war, an Deck, zwei Rettungsboote wurden flottgemacht; das erste schlug voll, wahrscheinlich das Boot, in dem der Zoll- kutter die drei Leichen fand. In dem anderen Boot mit den fünf Mann befanden sich beim Abstoßen elf Mann, von denen sechs bei wiederholtem Kentern des Bootes e r- tranken. Die fünf Geretteten befinden sich in einem be- jammernswertcn Zustande. Das„Wunder". Das Gericht in Laibach verurteilte am Montag die 28 jährige Johanna I e r o v s e k, die als Heilige auftrat und im K I o st e r von Wostike Verzückungsanfälle bekam, wobei sie angab, Blut zu schwitzen und von den Gläubigen als wundertätig gepriesen wurde, zu zehn Monaten Kerler. Nach dem Kloster fanden wahre Wallfahrten statt, so daß die Gendarmerie einschreiten mußte, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Nachforschungen ergaben, daß die„Heilige" sich in einem Schlachthause Blut besorgt halte, das sie zu ihren Vorführungen benutzte. Interessant ist es, daß die Angeklagte einen Empfehlungs- brief von dem Laibacher Bischof Dr. Jeglio an den Pfarrer von Wostike erhalten hat. Die Angeklagte hatte bei ihren Verzückungsanfällen den Gläubigen Mitteilungen aus dem Jenseits gebracht und diese dann zu Erpressungen und Be- trügereien ausgenutzt. Nexhäusers trauriges Ende. Auz Augsburg kommt die Meldung, daß der frühere Redakteur des„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker", Ludwig Rexhäuser, in den oberbayerischen Wäldern einen Selbst» Mordversuch verübt hat. Rexhäuser arbeitete in der Buch- druckerei seines Freundes Karl Gnirß in Radolfzell. Von dort verschwand er mit der Frau seines Chefs vor einiger Zeil. Vor wenigen Tagen haben nun beide im Walde Gift genommen. Das Mittel scheint aber nicht recht gewirkt zu haben, denn die Lebens» überdrüssigen erwachten wieder, und im halberstarrten Zustande irrren sie im hohen Schnee in den Bergen umher. Beide wurden mit erfrorenen Füßen im Krankenhause von Pfronten aufgenommen. Kleine Notizen. Beim Schlittschuhlaufen ertrunken. Auf dem Großen Teich in Neudörfel i�Böhmcm vergnügten sich zahlreiche junge Leute mit Schlittschuhlaufen. Plötzlich brach in der Mitte des Teiches, der dort fünf Meter tief ist, die Eisdecke ein.«sieben Leute stürzten ins Wasser und es gelang nur, einen von ihnen zu retten. Im Eise eingebrochen. Aus Königsberg i. Pr. wird berichtet: Der Fischer Unruh und seine zwei erwachsenen Söhne, die bei Zimmerbude das Eis des seekanals überschreiten wollten, sind durch das morsche Eis gebrochen und e r t r u n k c n. Von Einbrechern ermordet. Am Dienstag früh wurde der beim Erweiterungsbau des Kaiser-Wilhelm-Kanals angestellte Nacht- Ivächter Liberia von Einbrechern, die er beim Einbruch in eine Baubude überrascht hatte, erschlagen. Das blutige Drama in Wiedenbrück. Der 24 Jahre alte stellen- lose Joseph Schauerte, der in der Neujahrsnacht in Wieden- brück nach erregtem Wortwechsel seine Mutter und seine sieben Jahre alte Schwester ermordcrtc und seinen 20 Jahre alten Bruder verwundete und dann flüchtete, ist in der Nähe des Rittergutes Lützen bei Leipzig tot aufgefunden worden. igee««*«sssssssH Unserem Genossen Karl Guhl und seiner Frau, Genossin& Emma Guhl zur heutigen � silbernen Hochzeit die herz- lichfte Gratulation. Die Genossen d. Bezirks 817, 19. Abt. 6. Kreis. lSSSSSSSSSSS« iltgen � Herz- ,817, G Bad„Süd-Ost" 40 Manteuffelstr. 40 a, d. Oranlenslr. Alle Arten Bäder."ME Täglich: Rusfisch- römische und elektrische Bäder für Dame« und Herren. Lieserant sämtl. Kranken- kassen für Berlin und Vororte.* Allgemeine Orts- Krankenkasse Berlin-Pankow. Der Borftand der Kasse setzt sich nunmehr aus folgenden Personen zu« sammen: Karl Lubig, Vorsitzender, Otto Risimann, Stellvertreter, Benno Ullrich, Schriftführer, Paul Gosemann, Stellvertreter, Rechtsanwalt Hofer, Karl Wittmer, Hermann Lüdecke, Franz Fillinacr, Franz Bartels. ' Berlin-Pankow, 6. Januar 1914. Karl Liiblg, Vorsitzender, Berlin- Pankow, Kaiser- Friedrich- Straße 15. 266/11 Bader�e�en FicsfbeuLcn Ueberau erhältlich Ein Plckcl-en ausreichend für viele Bäder LEIkan Ertea 2.0.11.11., Berlli-Westewl toi Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Karl Jahn sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten, insbesondere den Mitgliedern des Wahlvereins zu Johannisthal, dem Fabrikarbeiter- verband, den Kollegen des Kohlen- säurewerkS Obersprce, dem Gesang- verein„Liederfreunde", den Musikern und dem Genossen Konschur für seine trostreichen Worte am Sarge unsern herzlichsten Dank. 17A Fr-u �iartda Jahn nebst Kindern. M.5 RUM>\v8 ?. WartenSte mit dem. tinkauf von Herren-- u. Kleidung auf unseren dem- nächTf beginnenden bsispieMios hillufm. Jmstefslus* JSsEStrerhüMif 1 Man beachfe die] j folgenden Inserate| iiteeieieiieeeiieesMeeeeoieaeeetteeteeeeaeitaateeeee BAIRIONN Spezialhaus größl-Mafislabes f. Herren- und Knaben-Kleidung MohrensfnJfs Kolonnaderv QrFranKfurteotr t15 . Trauer1. Magazin Kleider.hüte�c jr- Außerale fteöe"«c Farbige Konfektion in größtem Moßotabe Zu billigsten -Preisen— Weatmann Ziehung 13. u. 14. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genossin tau Luise Wisniewski Pücklerstr. 38, gestorben ist Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag. den 8. Januar, nachm. 2'/. Uhr, von der Halle des Zentralsriedhoss m Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 21V/7 Verstsnd. Verhand der Ireien Gast- und Sebankwirte Deotscbiands. Ortsverwaltung Schöneberg. Am 3. d. Mts. verstarb unser Mitglied Bert» Dalg Monmncntensti atze 31. Die Beerdigung findet beute Mittwoch, den 7. Januar 1914, nachmittags 3 Uhr, auf dem allen Thomas» Kirchhose in Neukölln, Hermannstraxe, statt. 73/t ver Vei-ittsaKd. DeutseherMelallarbeiter-Verband Verwaltungssteile Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Dreher �ildelm Qärtaef (Koloniestr. 122) am ö. d. M. au Lmigeiileiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung jindct am Dannerstag, den 8. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Sopbien-KirchhoseS, Freienwatder Slratze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 110/5 Die Ortsverwaltung. Deutscber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaitung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Haus- dien er Mnami Majewski am 5. Januar im Alter von 28 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle dcS städtischen Friedhofes, Seeiiratze, Ecke Müllerslratzc, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Biersahrer August Lladtkus am 3. Januar int Aller von 32 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den'7. Januar, nach- mittags 2st, Uhr, von der Leichen- Halle des Pauis-KirchhojeS, See- ftratze, aus statt. 61/5 Die Bezirk averwaltung. Verb. d.Sehneider,Sebneiderinnen u. Wäscbearleiter Deutscblands. - Filiale Berlin.■- Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, datz die Plätterin, Kollegin Frau �uzuste Krause am 4. Januar int Aller von 48 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 7. d. Mls., nachm. 3>/z Uhr, von der Halle des Zcntral-Fttedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 162/4 Die Drtsverwaltung. testma Mohrenstii GnFrankfiutep, sir.115./ iventur Nur ganz kurze Zeit! Ulster (früher 13.— bia 22.—) für Abendmüntsl Ifrüher 40.— bia 03.—) für Plüschmäntel Ifrüher 46.— bia 98.—) für 33a— Sealplüsch-Mohalr (früher 86. vis 125.—) für 45.— Pelzge futterte Mfintel (früher 76.— bia 120.—) für 42.54» Echte Pelzmäntel (früher 220— bia 315.—) für 100a— Sealbisam- Mäntel (früher 80"— bis 1200.—) für 454».— Kostüme bl� (früher 27.— bia 52.—) für 16a50 KostUme engl. Art (früher 23.— bia 59.—) für 10.— KostUme, Modelle ifrüher 78.— bia 250.—) für 42— ROcke, Blusen (früher 13.— bia 42.—) für 7.50 Auch für stilrfcate Figuren p aasende Stücke. Sonnabend geöffnet bis 9 Ahr abends Sonntags geOHaet 12—2 L'hr. -Verantwortlicher Rebckteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für im Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck mWerlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer St Go„ Berlin SW. Nr. ß. 31 Jahrgang. 2. ßtilugt des Jormürts" Knlmn WIKsM Mitwoch. 7. Januar l9l�. Ein„lohnenöer�����WD reeller Nebenerwerb*. Die„Nebenecwerbs"-Annoncen, die bei leichter Arbeit guten Verdienst in Aussicht stellen, wollen aus gewissen Jnferatenblättern nicht verschwinden. Immer wieder gehen uns Klagen darüber zu, daß Erwerbsuchende, die auf solche Offerten sich meldeten, bitter enttäuscht wurden. Und immer wieder sind wir genötigt, die Arbeitslosen vor verlockenden Anerbietungen dieser Art zu warnen und ihnen den dringenden Rat zu geben, daß sie ihre letzten paar Groschen lieber in der Tasche behalten. Denn daraus laufen ja die meisten„Nebenerwerbs"-Annoncen hinaus, daß der Erwerbsuchende zu allernächst noch Geld hergeben mutz. Vorher erhält er überhaupt keine klare Auskunft darüber, um was für eine Arbeit es sich handelt. Eine Handlungsgehilsin, die angesichts der ihr drohenden Stellungslosigkeit nach einem ehrlichen Nebenerwerb suchte und auf ein« bürgerliche Annonce einging, teilt uns ihre dabei gemachten Erfahrungen mit. Im„Berliner L o ka la n z e ig er" las sie im Dezember unter den„Kleinen Anzeigen" der offenen Stellen für Frauen, und zwar für kaufmännisches Personal, die folgende Annonce:„Nebenverdienst, dauernd für jedermann, leichte schrist- liche Arbeit. Offerten an Knaute, Hamburg, Schröderstiftstr. 10." Daß der besagte Herr Knaute seinen Namen nebst Wohnung angab, konnte gegenüber der sonstigen Anonymität, die bei„Neben- erwerbs"-Annoncen die Regel bildet, empfehlend wirken. Als aber die Handlungsgehilfin sich bei Knaute meldet«, ergab sich, daß auch er zunächst— Geld forderte. Er tat das durch einen in Maschinenschrift gedruckten Brief, unter den er handschriftlich seinen Namen„A l b i n Knaute" setzte. Darin schilderte er den Kampf ums tägliche Brot, und er mahnte dann: „Leben Sie keine Minute länger unter diesen drückenden Verhältnissen, suchen Sie sich einen lohnenden reellen Neben- erwerb. Ich biete Ihnen die Hand, greifen Sie zu, beginnen Sie noch heute mit meinen häuslichen, in einfacher Offerten- beantwortung bestehenden Nebenarbeiten. Säumen Sie nicht, es liegt an Ihnen, sich Ihre Position mit einem Schlage zu der- bessern, und ich verhelfe Ihnen dazu, stehe Ihnen mit Rat und Tat zur Seite und komme Ihnen weitgehendst entgegen." Nach einigen Hinweisen auf.guten Nebenverdienst" und„ge- sichertes Dasein" fuhr der Brief fort: „Diefer grundreelle Nebenerwerb ist für Sie eine dauernde, einträgliche Geldquelle, nur schriftliche und häusliche, vom Schreibtisch aus zu erledigende Tätigkeit, daher ganz besonders auch für Damen paffend, und doch können sie wöchentlich 1ö bis Lll M. verdienen." Und schließlich rückte Knaute mit seiner Geldforderung heraus: „Außer der für Sie so wichtigen, unentgeltlichen Instruktion erholten Sie gleichzeitig Anfangsmaterial, was ganz besonders wichtig ist, zum sofortigen Beginn der häuslichen Arbeit. Der geringe Preis für sämtliche Sachen beträgt nur 1,35 franko, den Sie recht bald einsenden wollen, damit Sie sofort beginnen können, denn jeder verlorene Tag wäre für Sie verlorenes Geld." Das klang ja sehr verlockend: Durch Nebenarbeiten wöchent- l i ch 15 bis 3t) M.! Aber warum sagte Herr Knaute nicht deut- licher, worin sein„lohnender reeller Nebenerwerb" bestand? Warum sprach er nur ganz allgemein von„in einfacher Offertenbeantwortung bestehenden Nebenarbeiten"? Wollte die Erwerbsuchende die„unentbehrliche Instruktion" haben, so mutzte sie 1,35 M. opfern. Dafür erhielt sie ja dann auch noch da» .Anfangsmaterial", das ihr als„ganz besonders wichtig" bezeichnet wurde.„Vertrauen gegen Vertrauen", hatte Knaute in dem Schluß seines Briefes gesagt. Die Handlungsgehilfin antwortete ihm mit der Bitte um Nachnahmesendung, und diese traf auch dann prompt ein. Was war der Inhalt der Sendung, die sie gegen Zahlung von 1,45 M.(einschl. Porto) empfing? Ein Druckheft enthielt die .Instruktion für Offertentätigkeit". Kurz und bündig wurde darin empfohlen, dasselbe zu tun, was Herr Albin Knaute tat. Man sollte annoncieren:„Wer häuslichen Nebenverdienst sucht, sende sofort seine Avesse an usw.". und dann die einlaufenden Offerten mit KnauteS„Anfangsmateriol" beantworten. Das„Anfangs- Material", das er beigefügt hatte, waren 10 Stück des oben mit- geteilten gedruckten Briefes. Durch solche Briefe soll man nach Knaute» Beispiel anderen Erwerb suchenden zunächst 1,35 M. abfordern, wofür dann natürlich auch ihnen eine „Instruktion" samt„Anfangsmaterial" übersandt werden mutz. Es fit leicht einzusehen, daß auf diese Weise die Zahl der Pfiffigen, die aus der Nebenerwerb suche anderer Leute sich selber einen bequemen Erwerb schaffen wollen, lawinenartig anwachsen würde. Rentabel ist das Geschäft nur für die ersten, die es treiben. Je mehr ihrer werden, desto rascher muß der Schwindelbau zusammenkrachen. In der„Instruktion stellt Knaute eine Berechnung an, wieviel bei dem Geschäft zu verdienen sei. Man bekommt sagt er, auf ein derartiges Inserat fast nie unter 5t) Anfragen, und von den An- fragenden bestellten zunächst 12, nach Mahnung weitere 8, macht 23 von 53. Das Inserat kostet 1L3 M., die Beantwortung von 53 Anfragen 1,53 M., sind zusammen 2,73 M. 23 Bestellungen a 1,35 M. ergeben 27 M. Einnahme: davon gehen ab jene 2,73 M., ferner die Kosten der 23 den Bestellern zu übersendenden, von Knaute zu beziehenden„Instruktionen" usw. mit 6 M., sind zu- sammen 8,73 M. Es bleibt dann aus dem Inserat ein Verdienst von 18,33 M., macht bei 13 Zeitungen 183 M. Verdienst— sagt Knaute. Darunter setzt er:„Verdienst in einer Woche", und fährt dann fort„Im Monat können 4 bis 6 Inserate erscheinen, also 4 X 183 M.— 732 M. V e r d i e n st in einem Monat." Man könne statt 13 Zeitungen 1333 benutzen und sich danach selber seine Verdienstmöglichkeiten berechnen, fügt er hinzu. Daß diese„In- struktion" bei manchen der Anfragenden, die sie für ibre 1,35 M. erwarben, auf fruchtbaren Boden fallen wird, erwartet Knaute bestimmt. El malt aus, daß auch an ihnen wieder noch zu verdienen sei. Von zehn entscheiden sich für diese„gewinnbringende" Offertentätigkeit mindestens einer, der dann durch Bestellung von .Instruktionen" neuen Verdienst bringe. Die Handlungsgehilfin, die sich über die Zeit der Siellungs- Parteiangelegenheiten. Vierter Kreis(Abteilung 11). Heute Mittwoch, abends 8Vz Uhr, findet im Lokal„Süd-Ost". Waldemarstr. 75, eine Versammlung statt Bortrag des Genossen Franke. Neukölln. Heute findet bei Bartsch. Hermannstr. 49. die Ver sammlung der Jugendsektion statt. Genosse W. Groger spricht über die 48er Revolution. Es darf wohl von allen jungen Arbeitern und Arbeiterinnen über 18 Jahre erwartet werden, daß sie zu dieser Versammlung erscheinen. Adlershof. Morgen Sonnabend, abends 7 Uhr: Flugblattver- breitung von den bekannten Stellen aus. Schmargendorf. Die zu Mittwoch, den 7. Januar angesetzte Mitgliederversammlung findet nicht statt. Der spätere Termin wird noch bekannt gegeben. Ferner werden die Genossen ersucht, sich an der am Sonntag, den 11. Januar, früh S1/� Uhr, vom Restaurant Waldkater, Warne- münder Str. 14—15 aus stattfindenden Flugblattverbreitung zu beteiligen. Wannsee. Sonnabend, den 13. d. Mts., abends 8 Uhr, im „Fürstenhof"(O. Ackermann), Versammlung des Wahlvereins. Genosse Witt spricht über Gemeindeangelegenheiten und die bevorstehenden Vertreterwahlen. Gäste willkommen. öerliner Nachrichten. öer Welt der Gegensätze. In Berlin WW wird seit einigen Tagen eine Millionenhochzeit gefeiert Für die reichste Erbin Deutsch- lands, die einzige Tochter des vielfachen Millionen-Ehepaares von Friedländer-Fuld am Pariser Platz ist ein Mann in der Person eines Engländers John Mifford. dein Sohne des bekannten Diplomaten Lord Redesdale, verschafft worden. Bereits am Sonntag veranstalteten die Eltern der Braut eine Vorfeier, am Montag, dem Tage der standesamtlichen Trau- ung, und am Dienstag, dem Tage der kirchlichen Trauung, waren ebenfalls große Festivitäten veranstaltet, deren Kosten sicher in die Hunderttausende gehen. Zum Sonntag waren 3CK) Personen geladen. Gekommen toaren die Spitzen der Berliner Gesellschaft, denn das Friedländersche Haus ist be- kannt dafür, daß dort das Beste vom Besten für den Gaumen spendiert wird. Und so kamen sie alle, die Minister, die Bot- schafter von England, Oesterreich, Japan, Rußland, der Türkei u. a. Die Hofgesellschaft und alles, was in der Finanz- und Handelsaristokratie einen Namen hat) selbst Jagow fehlte nicht. Natürlich waren auch Gäste mit hochklingendem Namen aus England— Verwandte des Bräutigams— erschienen. Das Souper war glänzend. Der Sekt floß in Strömen. Nach dem Essen wurde der Speisesaal in einen Theatersaal der- wandelt und unter Professor Max Reinhardts Leitung wurden einige Szenen aus dem„Sommernachtstraum" gegeben. Die bewährtesten Kräfte waren engagiert, selbst Grete Wiesenthal hatte man ihrer Tänze wegen eigens aus Wien kommen lassen. Nach der Vorstellung ging es mit Tanz und wieder mit Essen weiter. Ueber die Hochzeitsgeschenke wird berichtet: „Die Zwischenpause benutzten die Gäste, die herrlichen Hoch- zeitsgeschenke in Augenschein zu nehmen, die geschmackvoll in der kleinen Bibliothek arrangiert waren. Dieser Raum, der an das Zimmer Friedrichs des Großen in Sanssouci gemahnt, beher- bergte gar viele Kostbarkeiten; so ein goldenes Tischservice— das Geschenk der Eltern der Braut. Außerdem hat Herr v. Friede laender-Fuld seiner Tochter außer einem prächtigen Perlen schmnck das Haus Bcndlerstr. 6 geschenkt, das dem jungen Paare als ständiger Aufenthalt dienen wird. Lady Redesdale schenkte ihrer künftigen Schwiegertochter u. a. ein sehr wertvolles Toilcttcn-Neccssaire aus Gold, und von den übrigen Geschenk- gebern mögen Staatsminister Frhr. v. Rheinbaben, Sir Ernest Cassel in London, Baron Rothschild in Wien, Baron Goldschmidt- Rothschild, Baron Schey und Herr v. Weinberg in Frank- furt a. M. besonders erwähnt sein." Man sieht, selbst die Hochzeitsgeschenke repräsentieren den Wert von mehr als einer Million Mark. * Ein anderes Bild. Hoch im Norden wohnt eine Familie, bei der es infolge großer Arniut nach einem Bericht einer Re- Visionsdame der Berliner Waisenverwaltung so aussieht: H.s wohnen jetzt B.straße 14, Hof pari. Frau H. hat die Portiersstelle und dafür freie Wohnung, zwei Stuben und Küche. Ich fand die Wohnung unaufgeräumt und nur gerade genügend sauber: die Frau war auf den Treppen beschäftigt. H.s haben 6 Kinder, die alle körperlich verkümmert sind. Es ist ein unbeschreiblich trauriges Bild, diese Kinder zu sehen. Alle sind für ihr Alter weit zurück, körperlich ganz besonders. Artur H., für den vor allem Fürsorgeerziehung in Frage gestellt wurde, ist auch geistig zurück. Ter Junge ist 9 Jahre alt. aber nicht größer als ein fünfjähriges Kind: er hat einen enorni großen Kopf: seit einem Jahr kann er erst laufen, das Sprechen fällt dem Kinde sehr schwer, er macht bei jedem An- fang eines Satzes große Anstrengungen, es dauert immer längere Zeit, bis er ein Wort herausbringt. Artur ist dabei außergewöhnlich dick, sein Oberkörper ist fettgcpolstert. Der Junge ist sehr skrofulös, sein Ohr läuft ständig, auch ein Auge ist eitrig. Auch die Kinder von 6— 14 Jahren sind minderwertig entlvickelt. Das jüngste, sechsjährige, Kind, ist intelligent, hat aber so entsetzlich krumme Beine, daß es nur wackelt und nicht geht. An diesen traurigen Zuständen ist die Mutter dieser Kinder nicht schuldig, meines Erachtens. Die furchlbar traurigen Verhältnisse, eventuell auch falsche Ernährung sind die Ursache, daß die Kinder so voll- ständig in ihrer Entwickclung gehenimt werden. Die Frau erzählt, daß ihr Mann seit eineni halben Jahr nach ihrer Vcr- hciratung erkrankt und arbeitsunfähig ist; er soll nervenkrank sein: der Mann spielt auf Höfen Handharmonika und verdient dadurch etwas Weniges. � Bei solcher Armut ist es nicht erstaunlich, daß es den Kindern an der ihnen so nötigen Pflege und Nahrung fehlte. Frau H. ist eine fleißige Frau, ich stimme absolut nicht . � �, t mit den Ansichten der Frau B.(die für Fürsorgeerziehung des Ivsigkeit durch einen ehrlichen Nebenerwerb hinweghelfen wollte, einen Jungen ist) überein. Wenn auch die Wohnung zu wün» ist um 1.45 M. ärmer geworden. Richer wurde sie dafür um die scheu übrig ließ, so sind die Kinder doch sehr sauber am Kör- Erkenntnis, wie Knaute durch dre von chm empfohlene„Offerten- gehalten, ebenso in Wäsche. Die Betten sind sauber be- tätigkeit" bequem sich nährt. Sie will's ihm n i ch t na ch m a ch e n. zogen, ein Bezug hat oft wohl sechs verschiedene Flicken, was trotz der Lockungen des„Verdienstes von 732 M. in einem Monat", aber nur auf Fleiß und Sauberkeit der Hausfrau hinweist. den hier Knaute ausmalt. Sie will lfieber hungern als Die Wohnung war gut gelüftet, ich war zirka 1 Stunde in der KnauteS.lohnenden reellen Nebenerwerb" treiben. l H.schen Wohnung. Frau H. selbst sieht furchtbar elend«nd abgezehrt aus, die Frau arbeitet sich für ihre Kinder zu Tode; sie hängt an ihnen mit viel Liebe. Natürlich muß hier Aenderung geschafft werden.— Ter Frau die Kinder abzunehmen, wäre grausam, da sie sich für dieselben aufopfert. Vor allem wäre es wohl nötig, alle fünf Kinder, die älteste Tochter ausgenommeil, einem Arzte vorzu- stellen, der feststellen würde, was den Kinder nottut. Beson- ders beim jüngsten Kinde wäre vielleicht orthopädische Behand- lung noch erfolgreich durchzuführen. Frau H. wünscht sehr, ihren Kindern Lebertran geben zu können, eventuell auch andere Stärkungsmittel, sie hat aber nicht die Mittel dazu. Fürsorgeerziehung halte ich nicht für erforderlich, bitte aber die Waisendeputation sehr, den Kindern ihre Unter- stützung und Hilfe zuteil werden zu lassen." Das ist die Welt der Gegensätze. Dort Ueberfluß in Hülle und Fülle, hier Not und Elsnd, die Mutter kann ihren Km- der» nicht mal Lebertran kaufen. Und das nennt man göttliche Weltordnungl Pfadfinders Wintervergnügen. Der erhebliche Schneefall in den letzten Tagen hat bei alt und jung große Freude ausgelöst, war es hierdurch doch wieder möglich gemacht, sich in ungebundener Freiheit den. schönen Winter- Vergnügungen hinzugeben. Schlitten aller möglichen und unmög- lichen Art wurden schleunigst wieder hervorgeholt und hinaus ging es. um in den„Bergen" der Umgebung Berlin? dem Rodelsport obzuliegen. Ganz besonders war es natürlich unsere Jugend, die sich diese Gelegenheit zunutze machte, um im Kreise ihrer Allers- genossen einige fröhliche, Geist und Körper erquickende Stunden in der schönen Schneelandschafl zu verbringen. Bietet für die Arbeiter« jugend doch fast ausschließlich nur der Sonn- oder Feiertag Zeit, sich von den Fesseln der täglichen Fron und Ausbeutung los- zusagen und sich ganz den schönen Winterfreuden in der Natur hin- zugeben. Wer da geglaubt hatte, daß das Wetter einen dicken Strich durch alle schönen Freuden und Hoffnungen gemacht und alle Er- Wartungen im wahrsten Sinne des Wortes„elendig zu Wasser" hat werden lassen, der wurde bald eines anderen belehrt, wenn er in die Umgebung Berlins pilgerte. In den Müggelbeigen herrschte auch am letzten Sonntag noch ein verhältnismäßig regeS und munteres Treiben. Auf den selbst angelegten Rodelbahnen der« gnüglen sich Knaben und Mädchen, Männer und Frauen in zwang« loier Heiterkeit, ganz zu schweigen vom Neujahrstage, an dem daS Leben und Treiben dort draußen beinah lebensgefährlich wurde. Doch auch unsere„Jungdeutschlandbündler" sollten nicht fehlen. Für sie sind es aber nicht die Naturschönheiten, die sie hinaus- treiben, um sich an den Winterfreuden zu ergötzen, für unsere „Jungdeutschen" gilt es, auch im Winter„ihre Kriegstllchtigkcit" auszuproben. Ganz unbekümmert ließ das muntere Treiben der sportliebenden Jugend unsere kriegerischen Pfadfinder. Mancher von ihnen mag sicher mit gewissem Neid dem fröhlichen und un« gezwungenen Vergnügen der Rodler zugeschaut haben. Doch gab es für ihn dazu keine Zeit. Hatte er auf einen Augenblick seine militärische Erziehung vergessen, so wuide er schleunigst durch das Kommando des Führers unsanft aus seiner melancholischen Betrachtung gerissen und daran erinnert, daß militärische Zucht und Ordnung herrscht und es für ihn gilt, nach dem„Ferttv� auszuspähen, anstatt dem„Zivilistenpack" zuzusehen. Ganz putzig sah es aus. als ein forscher Leutnant(alias Forstner) in Uniform und mit Schlepviäbel in Begleitung seines Adjutanten, eines kleinen dicken, kriegsmäßig ausgerüsteten Knirpses, durch den hohen Schnee stolzierte, hin und wieder sich herablassend, mit ihm ein paar Worte .leutseligst" zu wechseln. Uns kann es schließlich nur recht sein, wenn die Leiter de? Jungdeutschlandbundes für das Empfinden und die Gefühle der Jugend so wenig Verständnis zeigen. Krankenkaffenfriede in Niederbarnim. Der Streit zwischen den Krankenkassen und Aerzten in Niederbarnim hat nunmehr sein Ende erreicht. Die Kassen- ärztliche Vereinigung des Kreises und der Landrat, der die Allgemeine Ortskrankenkasse des Kreises zunächst vertritt, haben folgende vorläufige Vereinbarung getroffen: Die Aerzte behandeln fortan die Kranken, ohne Bar- zahlung von ihnen zu verlangen, weiter. Es wird ein Ver- trag abgeschlossen, der rückwirkende Kraft hat für sämtliche Leistungen vom 1. Januar 1914 ab. Das von den Kranken an die Aerzte bereits gezahlte Honorar wird den Kranken zurückgezahlt. Sollte ein Vertrag zwischen beiden Parteien durch direkte Verhandlungen nicht zustande kommen, so unter- werfen sich die Parteien gemäß dem Berliner Abkommen von: 23. Dezember zwischen den Zentralorganisafionen der Kassen und der Aerzte einem paritättsch besetzten Schiedsamt unter einem unparteiisch beamteten Vorsitzenden, dessen Spruch beide Teile endgülfig verpflichtet. Der§ 370 der Reichsversicherungsordnung, der für den Kreis Niederbarnim am 23. Dezember proklamiert worden war und der statt der Krankenpflege und der sonstigen ärztlichen Behandlung die Gewährung einer baren Leistung gestattet, wird mit dem 6. Januar 1914 aufgehoben. « Mit dieser vorläufigen Vereinbarung find einige Schwierigkeiten beseitigt, aber lange nicht alle. Noch heute herrscht im Kranken- kassenwesen Niedcrbarnims ein Wirrwarr, wie nie zuvor. Es ist eingetreten, was wir vorausgesagt haben: Niemand weiß, woran er ist und wer sachgemäße Auskunft erteilen kann. Die sachverständigen Kassenangestelllen, welche das Kassenwesen am besten verstanden, sind beiseite geschoben. Sachgemäße Bekanntmachungen fehlen; wenn sie erscheinen, so werden Blätter benutzt, welche die große Masse der Mitglieder nicht liest. Auch auf den Arbeitsstätten könnten die Be- kanntmachungen angeschlagen werden. Die Tausende der f r e i lv i l l i g e n M i t g l i e d e r der Kasse, welche Aukklärung erheischen, werden von der Polizei zur Meldestelle.' von dort zur Auskunftsstelle und weil diese auch keine Informationen haben, nach dem Landratsamt geschickt. Solche Selbstverständlich- leiten als Höhe des Beitrages, Ort und Zeit der Einzahlung, sollten doch längst geregelt und den Beteiligten in leichtester Form bei der letzten Beitragszahlung in der allen Kasse bekanntgegeben worden sein; so aber stellen diese Belästigungen nicht entschuldbare Rücksichts- lofigkeiten dar. Nicht einmal in der Frage der Beitragserhebung ist ein befriedigendes llebergangsverhältniS geschaffen, indem teilweise die alten Kassen bis in die erste Januarwoche auf Grund ihrer Sta- tuten Beiträge erheben, und andererseits die Arbeitgeber bis dato noch keine Anweisung haben, von welchem Termin ab sie für die neue Kasse Beiträge in Abzug bringen sollen; welche unnötige Fülle von Scherereien wird dadurch bedingt. Wie die Gelder der Kassen unnütz vergeudet werden, mag die Tatsache zeigen, daß Adertausende von Marl für Mieten an die Hauswirte zu zahlen sind, trotzdem die K a s s e n l o k a l e einfach geschlossen worden sind. Entgegen dem in � größeren Orten vor handenen Bedürfnis regelrechter Nebenstellen bringt man in allen möglichen Behausungen Melde- und Zahlstellen unter; einzelne solcher Mietsverträge laufen noch bis zu neun Jahren. Daß man es verstanden hat, durch die Uebertragung der der- schiedcnen Funktionen auf die Polizei, die Gemeindeämter, die Kreis sparkasse und auf Privatpersonen die Mehrzahl der bisherigen A n g e st e l l t e n der Kassen ohne eine Mitteilung aufs Pflaster zu setzen, ist eine besondere Eigenheit einer sozialen Institution. Es scheint im Kreise Niederbarnim gezeigt werden zu sollen, wie es ge macht werden kann, etwa politisch mißliebige Personen los zu werden, Was haben da die Zusicherungen der Regierungsstellen für eine Be- deutung? Bislang ist es noch gar nicht abzusehen, wann die Kassen- Organe wie Borstand und Ausschuß in Funktion treten können, welche solchen Zuständen ein Halt zu bieten das Recht hätten. Ganz gleich, welches Ergebnis aus den Wahlen hervorgeht, hier sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer einmütig zusammenstehen, uni mit raschem Griff die Einrichtungen zu beseitigen, welche den beider- seitigen Jntereffen zuwiderlaufen; eS würde damit den Verantwort- lichen des jetzigen Zustandes zu zeigen sein, daß die Ausführung der Sozialgesetzgebnug nicht durch polizeimäßige weltfremde Lerfiigungen, sondern einzig und allein in der gemeinsamen rastlosen Arbeit aller Beteiligten im Rahmen der Selbstverwaltung geregelt werden kann Ist ei» Widerruf von geschloff encn Mietverträgen zulässig? Jetzt, zur Zeit des Abschlusses neuer Mietverträge, hört«um vielfach die Auffassung, daß Verträge innerhalb 24 Stun- den widerrufen werden können. Diese Ansicht i st unrichtig. Ist ein Vertrag erst einmal von beiden vertrag- schließenden Parteien unterschrieben, so ist er gültig. Tauchen beim Mieter nachträglich Bedenken über die Güte der Wohnung auf, glaubt er, baß der eine oder andere Fehler vorhanden ist, so kann er deswegen nicht widerrufen, nicht zurücktreten, auch nicht inner- halb 24 Stunden.— Ein unverzügliches Anfechtungsrecht ist dem Mieter nur gegeben in Fällen des Irrtums. Diese Fälle kommen bei Mietverträgen äußerst selten vor, so daß sich ein näheres Ein- gehen hierauf erübrigt. Auch die arglistige Täuschung gibt dem Mieter ein Anfechtungsrecht, das noch binnen Jahresfrist geltend gemacht werden kann. Mietet z. B. der Mieter Räume, die feucht sind, oder in denen häusige Störungen, etwa durch Maschinen- arbeit, vorkommen, und erklärt der Vermieter beim Mieten, die Wohnung ist trocken oder die Wohnung ist ruhig, obwohl er weiß, daß das nicht der Fall ist, so liegen die Voraussetzungen der An fechtung wegen arglistiger Täuschung vor. Die Fälle sind nicht selten, in denen der Mietvertrag nicht sofort, von beiden Teilen unterschrieben wird. Unterschreibt z. der Mieter ein Mictvcrtragsformular, und der Vermieter oder sein Vertreter erklärt, ich. schicke Ihnen den Vertrag mit meiner oder mit der Unterschrist des Wirts zu, so ist, solange der Vermieter noch nicht unterschrieben hat, der Widerruf des Vertragsantrags— um einen Vertragsantrag handelt es sich bis dahin— seitens des Mieters zulässig. Reden die Parteien aber überhaupt nicht über den Abschluß eines schriftlichen Mietvertrages, sondern vereinbaren mündlich die toesentlichen Bedingungen des Mietverhältnisses und bestätigen mündlich diese Abmachungen, so ist ein gültiger Mietvertrag zu- stände gekommen, für den dann neben dem mündlich vereinbarten die gesetzlichen Vorschriften gelten. Ein mündlich geschlossener Miet- vertrag gilt aber nur für die Dauer höchstens eines Jahres, selbst dann, wenn eine längere Zeitdauer verabredet ist. Man sehe sich beim Abschluß schriftlicher Mietverträge genau die Bestimmungen an, und lasse sich nicht durch Redensarten wie: das sei alles nur pro torma, abspeisen. Zum Beispiel die Be- stimmung des Formulars: Der Mieter versichert, daß die einge- brachten Sachen sein Eigentum sind, streiche man in Fällen, in denen man eine auf Abzahlung entnommene Einrichtung hat. Es besteht die Gefahr, in Fällen, in denen die Miete nicht gezahlt werden kann, bestraft zu werden. Will der Mieter ein Zimmer weitervermieten, so schreibe er dies in den Mietvertrag hinein und verlasse sich nicht auf eine mündliche Zusicherung. Diese ist, da in allen Vertragsformukaren das Gegenteil gesagt ist, ohne Rechts- bcdeutung. Soldaten statt Arbeitslose. Im Königlichen Schauspielhause waren gestern vormittag Sol- baten stundenlang mit dem Fortschaffen von Theaterrequisiten be- schästigt. Allgemein wurde die Frage aufgeworfen, was wohl diese Tätigkeit mit dem Dienst der Soldaten zu tun hat und wanim nicht Arbeitslose für diese Arbeit herangezogen worden sind? Das neue Formular für Unfallrentner. Uni gehen von vielen Seiten Klagen zu. die bestätigen, was wir bereits am Sonntag veröffentlicht haben. Weil die Unfallrentner nicht im Besitze eines neuen mit Trauerrand versehenen Formulares waren, wurde ihnen die Auszahlung der Rente verweigert. Diese Klage bezieht sich nicht nur auf die Nordöstliche Berufs- genossenschaft, sondern auch auf andere Berufsgenossenschaften, wie die der Feinmechanik, Papierverarbeitung usw. Es hätte doch eine Kleinigkeit sein müssen bei dem großen Beamtenapparat, den Renten- empfängern die Formulare so zeitig zur Verfügung zu stellen, daß sie allen Scherereien enthoben waren. Das Urteil eines Vertrauensarztes ist so leicht nicht zu er- schüttern. Ein gewöhnlicher Kassenarzt mag noch so tüchtig sein, bei abweichender Meinung ist der Herr Vertrauensarzt ihm.über". Kürzlich ist ein Vertrauensarzt der.Patria", jener in letzter Zeit mehrfach von uns erwähnten Kranken- und Sterbegeld-VersicherungS- bank. bei der Beurteilung eines Kranken in einen auffälligen Gegensatz zu dem Arzt einer Betriebskrankenkasse ge- raten. Ein Arbeiter, der dieser Betriebskrankenkasse angehört, litt nach Anficht des ihn behandelnden Kassenarztes an Influenza, wurde von ihm für krank und erwerbsunfähig erklärt und erhielt Krankengeld. Da der Kranke auch noch bei der.Patria" versichert war, so meldete er auch hier sich krank und rechnete nun auf Zahlung des ihm zustehenden Krankengeldes. Das gewährte man ihm auch, aber nicht sogleich vom Eintritt der Erkrankung ab, weil er zunächst für sein Geld ein ärztliches Attest besorgen und nachher bestimmungsgemäß noch wieder zwei Tage hingehen lassen mußte, bis sein Anspruch auf Krankengeld begann. Am zehnten Tage nach Eintritt der Erkrankung hatte er auf Anordnung des Vorstandes der Berliner Filiale der„Patria" sich einem dieser Ver- sicherungSbank dienenden Vertrauensarzt vorzustellen, und der nahm nun an ihm eine Untersuchung vor, nach deren Beendigung er ihn mit dem Trostwort entließ:„Na, es geht ja!" Sollte das heißen, daß der Kranke wieder gesund sei Z Wenn das die Meinung des Ver- trauensarztes war, so hätte bestimmungsgemäß der Kranke binnen zwei Tagen davon in Kenntnis gesetzt werden müssen. Als er aber am sechsten Tage nach der Untersuchung bei der Kasse vorsprach und anfragte, erhielt er die Auskunft, daß man jetzt erst ihm schriftlichen Bescheid geben werde. Noch an demselben Tage schickte dann die„Patria"- Filialdirektion eine Postkarte ab, die den Kranken benachrichtigte, daß nach Vertrauens- ärztlichem Gutachten er vom Tage der Untersuchung als gesund und erwerbsfähig gelte. Tatsächlich wurde ihm Krankengeld auch nur bis zu diesem Tage, im ganzen nur für sechs Tage seiner Krankheit, von der„Patria zugebilligt. Der Arzt der Betriebskrankenkasse aber blieb dabei, daß der Kranke weiter krank und erwerbsunfähig sei. Das tat dieser Arzt, als der vom Vertrauensarzi der. Patria" für gesund erklärte Kranke ihm die abweichende Meinung des Kollegen mit- teilte. Glücklicherweise war's ja kein Vertrauensarzt der Betriebs- krankenkasse, so daß der Kassenarzt nicht nach ihm zu fragen brauchte. Erst jetzt hat auch der Kassenarzt den Patienten für er- werbssähig erklärt. Nahezu zwei Wochen waren seit jener durch den Patria"-Arzt ausgeführten Untersuchung noch hingegangen, als der Arbeiter seine Erwerbsarbcit wieder aufnehmen durfte. Ein Einbruch in das Humboldtschloss in Tegel, der wahrschein- lich in der Neujahrsnachr verübt wurde, bescdäsiigt jetzt auch die hiesige Kriminalpolizei. Schloß Tegel gehört jetzt der verwiliveten Frau Hofmarschall v. Heinz geborene v. Bülow, die in Berlin in der Magdeburger Straße ständig wohnt. Es steht seit längerer Zeit schon unbenutzt, auch Dienerschaft war in der letzten Zeit nicht da. Diese Gelegenheit benutzten Einbrecher zu einem unerbetenen Besuch. Sie drückten an der Parsieite ei» Fenster ein, verschafften sich Zutritt und entkamen mit ihrer Beule unbemerkt auf demselben Wege. Was sie alles mitgenommen haben, läßt sich noch nicht sogen. Frau v. Heinz, die allein genaue Auskunft über daS, was sich im Schloß befinden muß, geben kann, ist vor Weihnachten zum Besuch ihres Sohnes nach Hannover gereist und noch nicht zurückgekehrt. Festgestellt ist bisher, daß u. a. Silbersachen, Messer, Gabeln, Teelöffel usw. fehlen, die wahrscheinlich alle das Bülowsche Wappen mit dem Zeiche» v. B. tragen. Das Wappen enthält den Vogel Bülow mit einem Ringe im Schnabel. Außerdem werden Elfenbeinfiguren vermißt, die die Gebrüder Humboldt zu einem Spiele benutzten, das damals sehr beliebt war, jetzt aber nicht mehr gespielt wird. Es find das sechs Zentimeter hohe Kegel und kreiselförmige Figuren. Der Einbruch wurde erst von einem Polizeibeamten, der einen Rundgang machte, entdeckt. Jugendheime. Zu unserer gestrigen Notiz über„DaS Jugendheim' sind die Adressen' einiger Jugendheime unrichtig angegeben. o befindet sich das HetW Berlin NW nicht mehr Wilhelmshavener Str. 21, sondern Siemensstr. 12, 2. Hof Part., das Heim in Tegel nicht mehr Schlieperstr. 30, sondern Bahnhof- 'traße 1 ö(im Hause des Tegeler Konsumvereins). Außerdem befinden sich»och Jugendheime in Wilmersdorf, Mannheimer Straße öl. Treptow, Beermannstr. ö, sowie Zehlendorf- Mitte, Teltower Str. 2. Gleichzeitig sei hierbei darauf hingewiesen, daß die Adresse des sugendsekretariats für Grotz-Berlin Berlin L W 08, indenstr. 2 I, lautet. Während der Eisenbahnfahrt vom Tode überrascht wurde gestern ein unbekannter Mann von etwa 30 Jahren. Er wurde in einem Abteil 3. Klasse eines Zuges, der um 0 Uhr auf dem Stctliner Bahnhof ankam, tot aufgefunden. Der Bahnhofsarzt konnte die Todesursache nicht feststellen, vermutet aber Herzschlag. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Der Ver- storbene ist etwa 1,72 Meter groß, bat rotes Haar und Schnurrbart und schadhaste Zähne und trug einen grauen Mantel mit Samt kragen, ein gestreiftes Jackett, schwarze Beinkleider, schwarze Schnür- schuhe und ein weißes Borhemdchen mit weißem Kragen und langem, 'chwarzem Schlips. Auf freiem Felde sterbend aufgrsundeu wurde in der vergangenen Nacht um 2'/, Uhr an der verlängerten Gunrherftraße zu Lichtenberg eine unbekannte Frau von etwa 40 Jahren. Sie starb schon während man einen Arzt herbeirief, wahrscheinlich an Entkräftung. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach der Halle in der Bornitzstraße gebracht. Die Frau ist etwa 1,SS bis 1,60 Meter groß, hat blondes Haar und trug eine schwarze Bluse, cmen blauen Rock, ein schwarzes Samtjackett, einen weißen Ltragen mit schwarzer Schleife, schwarze Strümpfe, braune Schnürschuhe, ein weißes Hemd, das E. H. gezeichnet ist, und eine schwarze Kappe, die innen rot gefüttert ist. Vorortnachrichten. Schöneberg. Aus der Stadwerordnetenversammlung. Zunächst fand die Ein- iihrung der neugewählten Stadlverordneten statt, unter denen sich die Genossen C zeminski, Eichelhardt. Bäumler, Küter und Molkenbuhr befanden. Als Vorsteherstellvertreier wurde wiederum Genosse Molkenbuhr gewählt. Hierauf wurde über einen Antrag der liberalen Fraktion verhandelt, der eine Besser- stellung der Militäranwärter verlangte. In der Begründung wurde betont, daß ein gutes Unteroffizierkorps das Rückgrat der Kommunen bilde. Hierzu sei eine Unterstützung der Gemeinden Groß-BerlinS unter einander erforderlich. Kämmerer M a ch a w i c z betonte, daß mit Berlin verhandelt worden sei, es habe sich hierzu wohlwollend verhalten. Eine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinden zur Besser- tellung der Mtlitäranwärter bestehe jedoch nicht. Schöneberg ei vielfach bereits über die Bezahlung des vollen Anfangsgehaltes ohne Verpflichtung der Diätarzeit hinausgegangen. Eine weitere Erhöhung würde die Finanzen der Stadt erheblich belasten, da damit eine generelle Neuregelung der AnstellungS- und Besoldungsverhältnisse für sämtliche Beamten verbunden wäre. Der Oberbürgermeister Dominikus mahnte in Rücksicht auf die inanziellen Folgen dieses Antrages zur Vorsicht. Genosse Küter meinte, man solle nicht eine bestimmte Kategorie herausgreifen, um diese finanziell besser zu stellen, sondern dabei besonders die Arbeiter, die am schlechtesten stehen, berücksichtigen. Genosse Bernstein hob hervor, daß, wenn eS in das Belieben der Gemeinden gestellt wäre, Militäranwärter anzustellen, so läge die Sache anders. Bei einer solchen Bevorzugung würden indessen die Zivilanwärter zurückgestellt. Wenn der Magistrat dem entgegen- trete, so könne man dies nur als richtig anerkennen. AuS Mangel an Beschäftigung sind auf den Neubauten im Be- reiche der Kanalisationsbetriebe eine Anzahl Arbeiter überflüssig ge- worden; für sie besteht die Gefahr der Entlassung. Genosse Bäum- ler erluchte darum, daß diese Arbeiter anderweitig untergebracht werden. Herr Wo lf-Zittelmann stellte die Behauptung auf, daß in den Bergwerksbetrieben Leute mir glänzenden Gehältern ver- langt werderr. Sowohl Genosse Molkenbuhr, wie auch der Liberale G o t t s ch a l k befürworteten die Weiterbefchäftigung der Arbeiter in städtischen Betrieben. Genosse M o h s hielt Herrn Wolf- ) ittelmann vor, daß er mit seiner Auffassung nur den„Berliner �okal-Anzeiger" zur Seite habe. Das hinderte natürlich Herrn Wolf- Zittelmann nicht, erneut zu behaupten, daß eine Arbeitslosigkeit nicht existiere. Ihm leuchtete Genosse Bernstein noch in der ge- wünschten Weise heim. Bernstein verwies besonders aufden Opfersinn der Groß-Berlmer Arbeiterschaft für die durch lange Arbeitslosigkeit in Rot und Elend geratenen Arbeitsbrüder und deren Familien. Nachdem Oberbürgermeister Dominikus eine zufriedenstellende Zusage gemacht, wurde die Vorlage gegen die Stimmen der Jatzow und Genossen angenommen. Der neugewählte Magistratsassessor Meyer aus Stettin hat die auf ihn entfallene Wahl abgelehnt, weil ihm bei seinem Beioldungsdienstalter einige Jahre nicht angerechnet worden sind. Es muß daher eine Neuwahl vorgenommen werden. Alsdann wurde dem Vertrage mit Charlottenburg betreffs Beleuch- tung der Geisbergstraße zugestimmt. Gegen den umfangreichen Bebauungsplan, den die Stadtgemeinde Schöneberg für das sogenannte Südgelände festgesetzt hatte, waren von einer Reihe von Interessenten Einwendungen erhoben. Diese Einwendungen konnten zum Teil durch eine geringfügige Aenderung des Planes erledigt werden. Die übrigen Einwendungen sind jetzl durch den Bezirksausschuß zu Berlin als unbegründet zurückgewiesen worden. Vteuköll«. Durch einen Sprung aus dem Fenster hat sich Montag abend die 67 Jahre alte Witwe Auguste Wuthe aus der Mainzer Str. 57 das Leben genommen. Frau Wuthe, die nach dem Todes ihres Mannes bei ihrem Sohne wohnte, war seit Jahren nervenkrank, und ihr Leiden verschlimmerte sich immer mehr. In einem Anfalle sprang sie vorgestern abend um 7 Uhr aus einem Fenster des Fllu'eS im vierten Stock auf den Hof hinab, wo sie mit zerschmettertem Schädel besiuuuiigslos liegen blieb. Schon nach' kurzer Zeit verschied die Schwerverletzte. Die Leiche wurde nach der Wohnung hinaufgebracht und dort belassen. Steglitz. Eiu Bauunfall ereignete sich gestern nachmittag bei Ausschachtungs- arbeiten auf einem Grundstück an der Kreuzung der Mariendorfer und Brllckensiraße. Dort wurde der 23jährige Arbeiter Franz Schüler. der in der Baugrube stand, von einer Ladung Mauersteine getroffen, die am Rande der Grube aufgeschichtet war und herabstürzte. Der Arbeiter wurde lebensgefährlich verletzt.. Wannsee. Die letzte Gemcindevcrtretersiüung beschäftigte sich des längereu mit der Verlegung der Chaussee Wannsee— Neubabclsberg bei Kohl- hasenbrück, wodurch drei Bahnübergänge beseitigt würden. Der Kreisausschuß verlangte von der Gemeinde einen auf insgesamt 100 000 M. veranschlagten Kostenzuschuß zu dem Ausbau der neuen Straße. Das wurde abgelehnt, weil von Kohlhasenbrück aus, das zu Wannsee gehört und zwei Vertreter in der Gemeinde hat, energisch Einspruch gegen die Verlegung der Chaussee erhoben wird, da durch diese Verlegung Kohlhasenbrück abseits der Straße liegen würde. Man propagier: vielmehr den Ausbau des sog. KönigswcgS, daS ist die frühere Hauptverkehrsstraße von Potsdam— Neubabels- berg über Zehlendorf nach Berlin. Dadurch würde aber Wannsee vom Fuhrwcrksverkehr abgeschnitten, was zwar von den Herren Villenbesitzern in der Gemeindevertretung und auch im Ort gewünscht wird, den kleinen Geschäftsleuten aber teuer zu stehen kommen würde. Letztere kümmern sich indessen nicht um die Gemeinde- Vertretung. Bei den im März stattfindenden Ersatzwahlen wäre Gelegenheit, auch hier einmal ein Wörtchen mitzureden. Reinickendorf- West. In dauernder Erinnerung aller Teilnehmer wird die Feier bleiben, die am Sonntag von der organisierten Arbeiterschaft Reinickendorfs anläßlich der Einweihung des neuerrichteten Arbeiter» jugendheims veranstaltet wurde. In großer Zahl waren die jugend- lichen Arbeiter beiderlei Geschlechts mit ihren Angehörigen erschienen. Die von Wärme durchströmte Festrede des Genossen Käufer, Rezitationen sowie Gesänge des Arbeitergesangvereins„Einigkeit" gestalteten die Feier zu einer würdigen und eindrucksvollen. Darauf begaben sich die Teilnehmer in das W a ch h o l d e r str a ß e 41 gelegene neue Heim, wo sie wiederum vom Gesangverein„Einigkeit" begrüßt wurden. Nach einem ssimmungsvoll vorgetragenen Prolog übergab Genosse Weidner den jugendlichen Arbeiterinnen und Arbeitern daS neue eigene Heim. Hell und freundlich sind die Räume, ein« ladend und anheimelnd die Einrichtung. Hier im eigenen Hem, werden sich die jungen Proletarier bei Spiel und Gesang erholen von des Tages Last und Mühen und sich anregen zu frischem, frohem Schaffen und Wirken. An den Erwachsenen, an den Arbeitereltem, an allen Freunden der arbeitenden Jugend liegt es nun, daS Errungene hochzuhalten. auszubauen, die Jugendlichen auf ihr Heim aufmerksam zu machen und zum regelmäßigen Besuch anzuhalten. Geschieht dies, so werden alle Änstrengungen von arbeiterfeindlicher Seite vermittelst Millionen von Stenergroschen die arbeitende Jugend ihrer eigenen Klasse zu entftemden, durch den festen, entschlossenen Willen der organisierten Arbeiterschaft ztl schänden werden. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Temvelhof. Donnerstag, den 8. Januar nachmittags S>/, Uhr, it» GemcindesitzuugSziinmer, Dorsstr. 42. NowaweS. Heute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, im Rathause. Diese Sitzungen stnv Sssentlich. Jever GemeiadcangeH»ri«e t> to, rechtigt, ihnen als Zuhörer bcizuwohnrn. Marltpretlc von Berlin am S. Januar 1V14, na» Ermitlelungen des kgl. Polizeipräsidiums. MaiS(mixed), gute Sorte 16,30—17,10, mittel 00,00—00,00. geringe 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,70—15,00, Richtstroh 0,00- 0.00. Heu 0,00-0,00. Marlthallenvreije. 100 KUogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linien 36,00— 80,00. Karlossew(Kleuihdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleilch, von der Keule 1,60-2,40. Rindfleilch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbsleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4.80—7.20. 1 Kilogramm Karoten ILO— 2.50. Aale 1.60—3,20. Zander 1.40-3.20. Hechte 1.40—2,80. Barsche 1,00—2,30. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,00—30,00. WttterungSüberncht vom«. Januar ms. Stationen LS P*" if Swinemde. 745® SS Hamburg 1744,®® Berlin|747(®® Franks. a.M 751® München 753;®® Wien|754:ffiS® Werl er 5 wolkig 4 bedeckt Icheiter 4 bedeckt 3 bedeckt Iwolkig c* »» i* Stationen 2£ - S jd i| s— 13 ?aparanda745!N i«lerSburg738O Scilly Aberdecn Paris ,60!»® 746®«® 754® Setter 2 heiter 1 bedeckt 7 halb bd, 6 wölken! 2 halb bd. 1- sk -22 —16 8 2 3 Wetterprognose für Mittwoch, den 7. Januar 1S1Z. Ziemlich wübe und nebelig mit Regen» und Schneefällen und fernere» westlichen Winden: Temperatur langsam sinkend. �. Berliner Setterbureau. WasserftaudS-Nachrichte» der LandeSanftall für Gewäsierlimde, mitgeteilt vom Berliner Setterburean Wasserstand Memel. TUsit P r e g e I. Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Strogen , Franksurt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Sasferltand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree» Spremberg') , Leeskow Weser, Münde» , Minden Rhein» Maximilians au , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel. Trier am 5. 1. CIN 142 108 69 150 157 273 400 360 211 263 106 201 138 seit 4. 1. om1) +27 0 +3 +30 +4 +37 +50 0 —13 —17 +7 -17 +1 »)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel.—■) Eisgang.— «) oberhalb der Stadt Eisstand.—') Treibeis. Allgemein -Uerlchieüenes Ornnow'sKaffee-Versd. Dresdaent.TO C|/innh Lindenstr. 105 • nioullSj»ci.nadScliiiit«M>IieMi. A iHoholireie Getränke Franz Abraham E»mb. MesBina-u.Römertrank-Kell. C.25.Bar{eIatr. La, Femsp. Kgst. 13708 Keiner, Otto, Gerichtstraßo 86. Paifiewareng., Tegel, BninowsUS F. Ziliat, Waldemarstr. 64 a. �FahPtchülQ Centr. Auto Techulkum Norden Prinzen-Alleo«2 43 CUuffcanchaie Tages- und Abend-Kursus EiMn» jeieneit. fmapatl« arati«. Arkona-Bad, Anklamer-8tr. 54, ~.......... Liefr. aller t Krank.- Kass. f~M Landsbeirentr. 107 CollnowaTr. 41. Neuköln Anzengruberstr. J5. iBadl [Liefe luod Frankfurt, 6r.Frkft.Str. 130. (Lieferant eämtl. Krankenkassen Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. K aiser-Friedrichs-Bad. UarU-Eh. Kur-Bad Treptow, Bouohestr. 18 I 109 SMlqaeUs LillilCUUuU Fritdricksl 8. Lief. s. Kui. Natlonal-Bad, Brunnonstr. 9. Bad Ostend [Oriirinal Luhlrtunin-Bad Wallstr. 70,71 früh. Mönsel Smtl. Bäder, auch, f. Krankenk. Passage- Bad Reforra-Ead, Wiener Str. 65. Reform-Bad Weißensee, LchdersUOt Scftiiier-Bao, MSlierslr.t53a. Silesia"fh'eli"he""sT Ranöacen, Güinmiiuarsn R. Bänke, Stralauer Str. 26. Berkbolz, Kopenickerstr. 70. Am E. Lange, Lrunneystr. 166 Liepe, Scböneberg, Gnmevildstr.SO. M ever# P 1 In., Be rii n e ra tr. 49— 50 H. Neusch, Breitest. 24, Spandau. J. Ch. Pollmanu, Lothringerstr. 60. M. Spranger, Reinickend.Str. 11. ßackeMjjjojjgoi� C.Adameck, Nklln., Jonasstr. 23 A.AIbat,blarkt5t.l2.1I,k«i»>et«lä»rf Albrecht,£., Fruchte tr. 29. Landbrotbäcker. Herrn. Albracht F. Andersch, Zionskirchstr. 17. R. Anderson, Thürlngerstr. 32 Asmns, Wllhn Ueetnmliailtrstr. 11. K. Aast, Dronthoimor Str. 40. Wllh* Hegge, Widofstr. 55,'6. Willy B6r, Stroms tr. 4«. Paul Berger, Mirbachstr- 20 P.Betbge,Nklln,Ksis.Fricitriekst.234 E. Beyer, Thornerstr. 6. Josef Brefka, Kirchhöfstr. 46/47 aMel.WMMZZ. Otto Eillepp, KuUaiea-AIlec 21 n. CO Reinh. Blenkle, Wiesen str. 19a' R. Block, Sotauerstr. 18. AIw. B.ämer, Romintonerstr. 40 Brotfabrik tfeinersdorfer Mühle F.Bockenkamp.Camphaasenst.S PeulBocbnlg.Pioksw.Görschstr.U Rudolf Brechliii,Ockerst. 3 üklla. F. Breitkopf, Exerzlerstr. 19 a. Waldemar Brose, üriesenerst. 3 Hermann BuB, Grünanerstr. 12. Ewald Budiler, Weserstr. 47. Ernst Buller, B rüsselers tr. 43. Onst. Böhm, Gubenerstr. 26 C. Büchner, Nordhausenerstr. 30 Alb. Dacfawllt. Karaerunerstr. 16. -- DevTtls Landbrot.KuileriiforferSir.as Pallw8»a«lt.44.W»liii»iiii-, E.EIIszbeilul. Faul Delly, Maritus�tcade Albert Deukewig, JiMonzkutr. 14 Dnliwa, Ferdinand Torellstr. 4 Otto Donath, Stolplschestr. 22. H. Domner, Dunckeratr. 78. RuttDuncker, Pankow, HthleiuLTl Fritj Elchler, Bastianstr. 18, W. Emst, Pücklerstr. 42. Frank Faul weiter, l(>DteiilIeI(tr.67. Carl. Feist, Friedcnstr. 101. Frledr-Flemmlng, Boxtisgeneritr.27. Paul Freitag, Stattgarterstr. 13. E. Frey er, Bliuaeaitr. 71. B. larknaatr. R.Friedrich, Marienburgerstr. 38. HelnrichFrlBter>Paako«r,Flora8t.50 Hob. Gebler, Wildenbruchstr. 63. F. George, WilbsInihsTenentr. 11. Fritz Glauner, Chausseestr. 80. Gumnlor, R. Posenerstr. 16. Wilh. Godt, Emdeneratr. 50. B.Oonslor, Treptow. Grätzstr. 65. O.Gört.WiufUtr.JLbr.i.jräie Rbm. OroBe-RhodeRoinickendorferst.OS Orofl-Bäckerei„Berolina" LW est. PaulOrlsard.Pankow.Fioraatr.lO. Paul Gärtner, Treskowstr. 44 A. Günther, Gr. Frankfurterst. 75 F.HHkr,Ver»r.W.«ehneIsrloabtrj«rsl.7 KarlHeldenreich,llünchencrst44 Karl Hennig, Stoinmetzstr. 74 Gast. HeintscheLUsTelbergerilt. 16. G.Henning, Scbmidtstr. 8s. Job. Hildebrandt, Rykestr. 81 Paul Hoope, Hermsdorferatr. 8 Hoppe,soieh!.krtmir«k,Ai»lbtrUt.69 P�usgen,Herfiirlli-tB.Licbt«lil»i9nt. L. Ihle, Geriehtsstr. 63. Max Jacob, Pflügerstr. 70-1. Bamh Jahn, Kesidcczst. 75, T.582 Relaldcemlorf, Hausorstr, 3. Paul Jarrasch, Sprengelstr. 3» Jendrayko, Immannelkirchstr. 10 Fr. Jendreyko, Ohmstr. 0. Max Jossa, Bsndolstr. 27. O. Jeska, ubanerstr. 1 B. Kanthak, Licbtenbergerstr.il Georg Kanpo, WilbelmtbiTtnsntt. 8. A. Kelb, Rostockerstr. 31. F. Kiesewetter, Scbivelbeiiierstr. 16. Frledr. Kllnder, Mirbachstr. 37 R. Klinke, Weißens., Lehderst. 120. kKludc, Besidenzst.lüo. KsiaickesJ. . Kleiner, Sehulstr. 101 WUNW��! Max Knlnert, Landab. Allee 2�' Friedrich Knop, Bodestr. 11 Paul KSbamldc.WiUi.Stalzestr.U A.Kosmehljh'kiln jDonsuitr-Sl-SS Erseheint 2 mal wöchentlich. BeziagsqMeMleii"y;ertzeBchw5sa| Shle�ichb��klufn BäcHsr- u. Conditoreien ..................... A. Kosubeck, Sparrstr. 4 Josef Kreil, Weserstr. 170 Alb. Kratky, Cadinerstr. 19. Landbr.-Bäck.Kröcher, Saalestr.SSa C. Kunze, Liebigstr. 1. Karl Hiinerle WfiitdLek. Max Kühl, Triftstr. U Felix Kynast, Dänenstr. 5. Bäckerei Eöasclier Kastanien-Allee 57 P. Lamla, Immannelkirchstr. 20 Ew. Liesegang. Danzigerstr. 42 Adolf Linde, l.irhtabg., WUhehiutr.75 Carl Lindenberg, Lycbsstratr. 4. H. Lühs, Heisickeiil-Ost, Ksmektsti.li Fritz Lungwitz, Hohcnlohestr. 3. W.Laxemaan,0.,GabrielMaxst.2 W. Megow, Liditenbg., GärtnenL 5 H.Harkgraf, Charl.jGoethestr.lO. R. Harkworth, Pflügerstr. 11. R. Haschier, Liebtesberg. Odentr. 27 r AntonMelynar,Lanci8btrgerst.l7 Alfred Hetzner, Fuldastr. 58/6 MUhUteff, Spandau, Blsnartkilr. 5. G. Mosler, Wsißenbnrgerstr. 42 E. Muhle, Manteuffelstr. 87 Max Huth, Falkcnsteiastr. 37 Carl Neuendorff, Sickingerstr.7G Wilhelm Ntklau, Malplaquetst. 6. Gustav Nielsen, Lindowerstr. 9 P. Nitschke, Cadinerstr. 4. Paul Otto, Danzigerstr. 31 RobertPStschke,Sprengclstr.4/5. J. 11. Fopp. AnesdestMOt, BeincksiiL-Oit. Herrn. Prager, Gr.Frankfurterst.O Fr, Prlbyl, Osnabrückerstr. 26. Richard Raascb, Weiohselstr. 64 FritjRichter jr-.Liebenwalderst.lS CioHfll Rekordbrotbückerel I■ ilibuGi SchuDcndorferst.23. O.RIewe,BaamicUav.,EuBieliaIa8t.87 C.ReiechreTlaist.53 Carl Schleich, O., Wfthlischst, 3 Wilh. Schmidt, lAebanwalderst. 10 Paul Schmoll, Amsterdamerstr.S. O.Schneider, NW.,E«iiu»etisg«lrl9. Willy Schneider, Melanchtonnr. 13. Gustav Schötisch, Dolzlgerstr. 31 Paul Schön, Kopenhagenerstr. 74. EborhardSchönwlese�.äderitHtr.5 Panl Schröder, Eeineredorferstr. 27 E. Schön, Kniproderatr. 8. W. 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C.Wackcrfaagcn.Fank.Brebsiestr.Cl Max Walter, Sebastianstr. 82 E. Weber, FmiiusLtS, KslsiclcsDd.-O. Karl Weinholz, Kameruners tr. 57 W.Wellnilt.Koptriiitiiiii. ütVahlbchlU? ArlhurWesser, SchlllerpromtnsdllS Clemens Welse, Jablonsklstr. 1 Otto Winkler, Nannynstr. 72. Fr. Wittig, Nordhausenerstr. 22. O. Wolsdiendorf, Wsldsiusntr. 23. Otto W oweriers, Oldenburgstr. 8 Zachau, G r.-Licht crf. ,Cäauiseit3Sa Paul Zaslrow, Stromstr. 33. M.Zeese, Immanuelkircbstr. 29 J.Zindler, Bschwg., Behringatr.9. Zühlke, Glatzerstr.7, Gürteist. 22a BerI.U.-8ugfiiir.A.l,tbiiiaaa,Gulcbtiit.35 J. Liszczinskl, Gerichtatr. 30. Mai fDÜIS FrPaPnkturt«:All,ee 170 F. Hertzog, Kottbuserstr. 7. O.liefleit�nÄÄIS llild«.Kei»lckendjrf-ffAiig.-Vlkl.-AU.8S W. Pade, Reinickendorf erstr. 119 H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Thcod.Po«achke,E.lIa«pUt.,Gr.K-AIIes A.Sprinkaiann,0bsehöDev.Balbaust.47 Büttner, A., Danzigerstr. 56. ggHföüspnjgtlM H.HoIts,Braimsbergorstr.4BeiDi3g. W. Liebreich, Jablonskistr. 4. Dlumen und Kränze O. 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F o r st n e r: Es kann ja gar keinem Zweifel unter- liegen, daß ich und daß auch der Herr Oberst beschimpft wurde. Hinter den Herrn Oberst wurde gerufen„seidenes Kaninchen",„Toteukopf" und ähnliche Ausdrücke.— Zeuge Hauptmann Voigt saß am Abend des 23. November in einem Zimmer des Hotels„Zum Karpfen" und bekundet, daß er bis ins Zimmer gehört hat, wie draußen die Menge brüllte, johlte und pfiff. Nach seiner Ansicht müßten auch Staatsanwalt Krause und Amtsgerichtsral Spiecker dies bestätigen.— Verhandlungsführer Kriegsgerichtsrat v. Jan: Nein, sie haben direkt das Gegenteil gesagt.— Zeuge Hauptmann Voigt: Es war ein derartiges Geschrei, daß ich sofort ans Fenster ging, um zu sehen, was draußen los war.— V e r- handlungssührer: Haben Sie das Eingreifen der verstärkten Wachen für gerechtfertigt gehalten.— Zeuge Hauptmann Voigt: Jawohl. Nach den Vorfällen, die schon an den Tagen vorher passiert waren, war das Eingreifen notwendig.— Verhandlungsführer: Hallen Sie auch die Verhaftungen für gerechtfertigt?— Zeuge: Ob man im einzelnen Fall den Richtigen gefaßt hat, weiß ich nicht. An sich war das Einschreiten des Militärs durchaus gerecht- fertigt. Es waren auch nicht nur Schulkinder, die geschimpft haben, sondern auch ältere Leute, meist Fabrikarbeiter. Ich hatte am 28. November das Gefühl, als ob es sich um eine b e- absichtigte Zusammen rdttung der Menge handelte, denn die Leute kamen wie auf ein verabredetes Zeichen von allen Seiten zusammen: währendes früher nur Frauen und Kinder waren, waren jetzt auch viele Erwachsene dabei.— Anklagevertreter Kriegs« gerichtsrat Oslander: ES ist ja ein unglaublicher Widerspruch zwischen den Aussagen dieses Zeugen und denen des Staatsanwalts Krause. Ich bitte wiederholt, die andern Zeugen auf diesen Wider- spruch aufmerksam zu machen und den Herrn Hauptmann nochmals zu fragen, ob er von dem Zimmer im Hotel das Gebrüll. Geschrei und Pfeifen der Menge so deutlich gehört hat. daß kein Zweifel möglich ist.— Zeuge Hauptmann Voigt: ES war ein regelrechtes Gejohle und Gepfeife. Als ich zum Fenster hinaussah, sah ich, wie zwei Offiziere einen Zivilisten abführten. Die Wache war noch nicht da, sondern kam erst später. Mein Kinderfräulein kam an diesem Abend ganz ver- ängstigt nach Hause.(Das Kinderfräulein wird telegraphisch als Zeugin geladen.) Mir selbst wurde Platz gemacht, weil man sagte, ich sei ein Hauptmann, der neu nach Zabcrn gekommen sei. ES war notwendig, daß Militär einschritt, um die Menge auseinander zu dringen.— Zeuge Staatsanwalt Krause: Ich kann eine Erklärung für diesen Widerspruch nicht geben. Wenn irgendein Irrtum bei mir möglich wäre, dann würde ich ihn auch zugeben. Aber es ist auch kein Irrtum über den Tag möglich, an denr ich meine Beobachtungen gemacht habe.— Verhandlungsf.: Nein, das war alles am 28. November und dieser Tag steht bombenfest, da ist keine Verwechselung möglich.— Zeuge Staatsanwalt Krause: Sofort, nachdem ich abends nach Haufe gekommen war, habe ich einen Bericht über die Sache geschrieben und in diesem steht dasselbe, was ich hier ausgesagt habe.— Ein militärischer Beisitzer: Vielleicht war der Krawall, während der Herr Staats- anwalt eine Dame, die sich an ihn gewandt hatte, nach Hause be- gleitete?— Zeuge Staatsanwalt Krause: Das ist möglich. Aber tch habe auch in dieser Zeit in eine Beobachtungen gemacht und auch die Verhaftungen gesehen. Ich bin allerdings schließlich weggegangen; was später gewesen ist, kann ich nicht wissen. Ich kann nur sagen, ich habe kein Johlen und Pfeifen gehört, das ist vollkommen ausgeschlossen. Ich hatte den Eindruck, daß die Offiziere irgendwie in Erregung geraten waren und deshalb so scharf gegen die Menge vorgingen. Eine andere Erklärung dafür hatte vb nicht. Ich habe erst später erfahren, daß die Aufregung der Offiziere vielleicht darauf zurückzuführen war, daß sie auf dem Nachhausewege von der Turnstunde beschimpft worden waren.— Angeklagter Oberst v. Reuter: Mir ist der Unterschied zwischen den Zeugenaussagen vollkommen verständlich, das alles ist immer sehr schnell gegangen. Die Leute fanden sich zusammen, schimpften, und wenn gegen sie vorgegangen wurde, liefen sie aus- einander. Das hat der Herr Staatsanwalt vielleicht im einzelnen nicht beobachtet. Aus dieiem Verhalten der Menge erklärt sich auch der von anderer Seite gebrauchte Ausdruck, den ich mir nicht zu eigen mache:„Mit dieser feigen Gesellschaft in Zabcrn ist doch gar nichts los!" Ich habe am 23. November, als sich die Vorfälle ereigneten, mitten in der Menge gestanden, und muß sagen, daß ich von meinem Platz aus das Schimpfen, das die Offiziere bekundet haben, auch nicht hören konnte. Es heißt nun, das Militär sei an jenem Abend sehr aufgeregt gewesen. Ich kann nur sagen, ich war nicht aufgeregt, ich habe nur meine Pflicht getan. Vielleicht waren die Herren Zivilisten aufgeregt.— Zeuge' G eri ch ts a sse s s o r Kries: Ich habe genau hingesehen, weil ich ausdrücklich einmal feststellen wollte, ob die Offiziere von der Bevölkerung belästigt wurden. Ich kann aber b e st i m m t bekunden, daß nichts gerufen wurde. Bei der zweiten Verhaftung schrien allerdings einige Frauen:„Gebt ihn heraus, er hat nichts gemacht". Der Verhaftete widersetzte sich auch seiner Verhaftung, aber von einem Brüllen erwachsener Personen habe ich nichts gehört.— Verhandlungsf.; Vielleicht wäre es eine ganz kümmerliche Erklärung für diesen Widerspruch, daß der Schall nur nach der Seite der Offiziere und nicht zu Ihnen gedrungen ist. — Zeuge Gerichtsassessor Kries: Leutnant v. Forstner ist nach der ersten Verhaftung durch die Menge gegangen und es hat ihn nie- mand beschimpft, das habe ich genau gesehen.— Vert. Rechtsanw. Grossart: Dann muß doch aber eine Menge da- gewesen sein.— Zeuge Gerichtsassessor Kries: Es war eine Menge Schuljugend.— Zeuge Hauptmann Voigt: Ich saß im Lokal„Zum Karpfen" und bin auf oas Geschrei ans Fenster ge- gangen. Das kann ich nur immer wiederholen. Zeugin Frau E i l i s hat am Abend des 23. November gesehen, daß ein fünfzehnjähriger Junge hinter dem Leutnant V. Forstner„Bettsch....* rief und dann weglief. Zwei Offiziere sind hinter ihm hergelaufen, und später ist eine Wache gekommen. Als die Wache kam, hat die Menge g e- lacht. Erst durch die W a ch e ist es eine größere Menschen- menge geworden.— Verhandlungsf.: Wie viel Menschen waren da?— Zeugin: Etwa fünfzig. � Verhandlungsf.: Wurde auch « eschimpft?— Zeugin: Es wurde gerufen:„Bettsch..... Wir nd doch nicht in Rußland, müssen wir uns denn alles gefallen lassen" usw., aber alles erst, als die Wache da war, vorher war es sehr ruhig. Als der Junge verhaftet wurde, sagten viele Menschen, der Junge hat ja gar nichts gemacht.— Anklage- Vertreter: War es nicht ein allgemeines Gebrüll und Geschrei?— Zeugin: Nein. Ich habe mich gewundert, wie ruhig die Menge blieb. Bei uns in der Pfalz wäre eS nicht so ruhig abgegangen. sHeiterkeit.) Zeuge Leutnant S ch w a m b a ch hat am 28. November abends gehört, wie die Menge fortgesetzt schrie und schimpfte. Vor allem wurde dem Leutnant v. Forstner gegenüber das Wort ge- braucht, das mit„Bett" anfängt. Die Beleidiger sind meist weg- gelaufen. Aus der Menge wurde uns zugerufen:„Denen wollen wir es aber zeigen!"— Verhandlungsf.: War das. Johlen und Schreien s e h r st a r!?— Zeuge: Jawohl, man hat es bis zur Schloßkaserne gehört.— Veihandlungsf.: Wurden Sie auch belästigt? — Zeuge; Nein, weil ich als Psaofiuder in Zabern bekannt war. — Die Zeugen Leutnants Höhle und Schäfer machen ähn- liche Bekundungen über das Johlen und Schreien der Menge. Den letzteren fragt der Verhandlungsführer: Waren die Offiziere aufgeregt? Zeuge: Nein, wir waren an die Vorgänge in Zabern schon g e- lv ö h n t.(Heiterkeit.)— Verhandlungsf.: Wurde geschimpft?— Zeuge: Jawohl, es wurde hinter uns her geschimpft und„Pfui" gerufen. Aber trotz allen Belästigungen war weder ein Gendarm. noch ein Schutzmann zu sehen. Einmal, als ein dummer Junge vor mir dreimal ausspuckte— i ck> weiß nicht, ob es aus Ab- ficht geschah— habe ich ihn gefragt, ob er vielleicht er- kältet sei(Heiterkeit), da lief er weg.— Zeuge Leutnant T ö g l e r bekundet ebenfalls, daß die Leute geschimpft und gejohlt hätten. Die Menge habe fast 10(30 Köpfe betragen.— Verhandlungsführer: Wir werden noch weitere Zeugen laden müssen, um diese Widersprüche aufzuklären.— Verl.; Das wird uns ja doch nicht gelingen.— Verhandlungsf.: Wir müssen es wenigstens versuchen. In der heutigen Sitzung, zu der der Andrang aus allen Teilen von Elsaß und Lothringen beinahe noch stärker ist, wird die Zeugen- Vernehmung forlgesetzt.— Zeuge Leutnant Bethke macht An- gaben über die Gründe, aus denen er Verhaftungen vorgenommen hat. Ich habe einen Mann festgenommen, der mir absichtlich den Weg vertrat.— Verhandlungsf.; Schimpfte er?— Zeuge: Nein. Aber er trat mir immer in den Weg. Ich befahl deshalb meinen Leuten, von der Waffe Gebrauch zu machen, nämlich den Kolben zu nehmen. Ein Mann wollte Reißaus nehmen, ein Musketier nahm ihn fest und am andern Tage zeigte er nnr noch die Kratzwunden, die der Verhaftete ihm beigebracht hatte.— Verhandlungsf.: Warum wurde dieser Mann festgenommen?— Zeuge: Aus einer Gruppe der Ansammlungen wurde uns zugerufen:„Diese Bestien!" Ich ließ die Leute festnehmen, von denen ich annahm, daß sie gerufen harten. Ein andermal habe ich einen jungenchMann festgenommen, der einer Gruppe angehörte, die uns verhöhnte und auslachte.— Verhandlungsf.: Wie viel Mann haben Sie im ganzen verhaftet? — Zeuge: Etwa sieben.— Verhandlungsf.: Was wurde ge- schimpft?— Zeuge:„Dreizehn-Mark-Offiziere!" Auf der Straße waren sehr viele Menschen, aber sehr wenig oder gar keine SicherhertSbeamten.— Verhandlungsf.: Früher haben Sie gesagt, Sie hätten den ersten Mann festgenommen, weil er Ihnen den Weg versperrte und sich über Sie lustig machte.— Zeuge: Jawohl, er drehte sich immer um und lachte uns aus. Die nächste Zeugin, Frau Evers, wohnt neben dem Hotel„Zum Karpfen" und bekundet, daß an einem Abend, als die Offizier» im Hotel waren, die Menge draußen schrie:„Dreizehn-Mark-Offiziere, Dreckschwob, Saupreuß, Blutsauger, die Hunde sollen erüskommen, wo ein Schwöb hmsch....., wächst kein Gras mehr". Und auch der Oberst sei beschimpft worden wie sonst, mit„seidenes Kaninchen", „Schloßgeist" usw.— Verhandlungsf.: Diese Schimpfereien waren also in Zabern an der Tagesordnung?— Zeugin: Ja- wohl, es war einfach furchtbar. ES wurde auch gerufen „Vivs la France".— Verhandlungsf.: Waren das Zaberner. die das riefen?— Zeugin: Die waren auch darunter. Die Offiziere wurden regelrecht verhöhnt. Ich habe gehört, daß sogar eine Prämie von 10 Mark ausgesetzt worden ist, für denjenigen, der den meisten Radau macht. Dann wurde mir erzählt, daß 200 Genoffen aus Mülhausen kommen sollten, um einen Krawall zu provoziere». Es wurde auch gesagt, es müßte südländisches Blut in die Sache hinein- kommen, dann erst würde sie richtig.(Die Zeugen, die das gehört und eS dieser Zeugin mitgeteilt haben, werden telegraphisch geladen.) Es war eine Schande, daß so eine Hetze in Zabern getrieben wurde. Ich habe das schon früher gesagt, eS aber auf Verlangen des Bürgermeisters zurückgenommen. Ich habe das getan nicht aus Ueberzeugung, sondern weil ich als alleinstehende Frau nicht in die Zeitung kommen wollte, womit mir der Bürgern, ei st er drohte. Er sagte, es sei garnicht so schlimm, die Zaberner wollten nur einmal kreischen, totgeichlagen hätte man den Leutnant v. Forstner niemals. Ich habe infolge meiner früheren Aussagen bereits schwere geschäfl- liche Schäden gehabt. Der Oberst v. Reuter ist ein herzensguter Mann. Ein Milchmann in Zabern, der früher in Köln bei ihm ge- dient hatte, stellte sich ihm auf der Straße einmal vor und der Oberst hat seine Freude darüber ausgesprochen, ihn auf der Straße ein Stück begleitet und als dem Milchmann ein Kind starb, hat der Herr Oberst einen sehr schönen Kranz geschickt und einen rührenden Brief. Zeuge Leutnant Brunswick: Der Wirt des Hotels«Zum Karpfen" erzählte mir, daß neun Arbeiter sich verabredet hätten, die Gaslaternen herunterzureißen und sich in der Dunkelheit auf die Offiziere zu stürzen.— Zeuge Kreisdirektor Mahl: Ich habe gestern nicht sagen wollen, daß der Herr Statthalter es mir ver- boten hätte, zu' dem Herrn Oberst hinzugehen. Er billigte nur in dem einen Spezialfall meine Auffassung, daß ich wegen des mir gegenüber angeschlagenen Äasernentons nicht zum Herrn Oberst zu gehen brauchte. Wenn ich das Militär einmal zu requirieren für notwendig gehalten hätte, so hätte ich selbstverständlich zum Herrn Oberst gehen müssen.— VerhandlungS- führer: Sie haben aber geiagt, der Herr Statthalter hätte Ihnen verboten, zu dem Herrn Oberst zu gehen.— Zeuge Kreisdirektor Mahl: Der Herr Statthalter wünscht festgestellt zu sehen, daß dies nicht ein allgemeines und unbedingtes Verbot war und er wünscht das schon mit Rücksicht auf das Verhältnis zwischen Zivil und Militär.— Anklagevertreter Kriegsgerichlsrat Osiander: Aber nach der Bekundung dieses Zeugen von gestern hat der Herr Statthalter es ihm ausdrücklich verboten, zu dem Herrn Oberst zu geben. Dies bleibt von dieser Berichtigung unberührt. Es folgt die Vernehmung der Musketiere, die seinerzeit den Leutnant Freiherrn v. F o r st n e r als Patrouille durch die Straßen begleitet haben. Sie bekunden, daß sie einen Mann festgenommen haben, der gerufen hatte:„Lump" und„Drecksack".— Verhandlungsf.: Haben Sie auch den richtigen Beleidiger arretiert?— Die Zeugen: Jawohl!— Verhandlungsf.: Waren viel Leute auf der Straße?— Die Zeugen: Zuerst war keiner da, dann aber kamen viele Leute und die habeir geschrien und gejohlt. — Als nächster Zeuge wird der achtzehnjährige Ackermann Kiefer aufgerufen, der zu den neun Leuten gehört, die von diesen Musketieren verhaftet worden sind.— Verhandlungsf.: Sie sind von einer Wache des Leutnants Freiherr» v. Forstner festgenommen worden?— Zeuge: Jawohl, aber ich habe nichts gemacht.— Verhandlungsf.: Haben Sie nicht gerufen„Dreckschwob" und„Drecksack"?— Zeuge: 3c c x».— Verhandlungsf.: Die Musketiere haben das aber ganz bestimmt gesagt.— Zeuge: Ich habe nichts gerufen und auch nichts gehört.— Die beiden Musketiere erklären: Das ist der Rkann, wir kennen ihn wieder, er trug eine grüne Schürze.— Zeuge Kiefer; Ich trug aber etne blaue Schürze!(Heiterkeit!)— Andere Jungen trugen eine grüne Schürze.— Zeuge Leutnant Freiherr v. Forstner: Ich kenne den Mann ganz bestimmt wieder.— Zeuge Kiefer: Ich habe aber nicht gerufen, ich bin verhaftet und dabehalten worden. — Verhandlungsf.: Am andern Morgen gab es aber Kaffee und Brot?— Zeuge Kiefer: Jawohl, aber nicht sehr viel(Heiterkeil). Außerdem durfte ich von 2 Uhr nachts bis morgens 9 Uhr nicht austreten.— Leutnant S ch a d: Ich hatte selbst die Wache und einer nach dem andern ist von den Leuten ausgetreten. Wir halten das Empfinden, daß das eigentlich gar nicht nötig war und daß sich die Verhafteten dadurch nur eine Abwechselung verschaffen wollten. — Zeuge Schlosser H a b er m a n n- Zabern ist ebenfalls festge- nommen worden.— Verhandlungsf.: Weshalb?— Zeuge: Das weiß ich nicht, ich habe nichts gemacht, lch wollte in die Fortbildungsschule.— Zeuge Leut- naut Fontram: Der Zeuge hat in frecher Weise gejohlt und gelacht.— Zeuge Leutnant S ch a m b a: Er hat, als wir ihn festnahmen, gesagt:„Euch wollen wir das schon zeigen."— Zwei Musketiere bekunden weiter, daß ein Arbeiter Aron von ihnen fest- genommen worden ist, weil er gerufen habe:„Dreckschwein, dreckiger Kerl." Außerdem habe er sich bei der Verhaftung widersetzt, um sich geichlagen und gekratzt.— Dieser Arbeiter Aron wird hierauf als Zeuge aufgerufen.— Verhandlungsf.: Sie sollen Dreckichwein ge- rufen haben?— Zeuge Aron: Das ist n i ch t w a h r. Ich kann Zeugen dafür stellen, daß das nicht wahr ist.— Verhandlungsf.: Sie sollen sich auch widersetzt und losgerissen haben?— Zeuge: 3iein.— Verhandlungsf.: Hat vielleicht ein anderer„Dreckschwein" gerufen?— Zeuge: Nein, es war überhaupt niemand da.— Verteidiger R.-A. Grossart: Da war es wohl ganz mäuschenstill?— Zeuge Aron: Ja.— Zeuge Schlosserlehrling K o l b ist ebenfalls verhaftet worden und behauptet gleichfalls, er habe nichts gemacht, er sei zur Wache gebracht worden und habe sich mit dem Gesicht gegen die Wand stellen müssen. Plötzlich sei Oberst v. Steuter gekommen und habe geiagt:„Runter in den Keller!" Um 1 Uhr nachts wurde der Zeuge erst vernommen.— Verhandlungsf.: Was haben Sie nun eigentlich gemacht?— Zeuge: Gar nichts.— Verhandlungsführer: Und was tat die Menschenmenge?— Zeuge-: Die brüllte!— Verhandlungsf.: Wer war denn mit drin in der Menge? — Zeuge: Ich kannte niemand.— Verhandlungsf.: Sagen Sie es doch nur, Sie haben es doch früher auch gesagt!— Zeuge: Der Redakteur Wiebicke war auch dabei. Zeuge Musketier Braun bekundet, daß er in das Haus einer Frau Heil eingedrungen sei, um dort den Schreiner Lewi fest- zunehmen, der geschimpft hatte. Er sei von der alten Frau Heil, die angeblich zu Tode erschrocken gewesen sei, so kräftig am Arm festgehalten worden, daß er am Weitergehen verhindert wurde. Zwei Zivilzeugen Litt und F r i t s ch bestreiten, daß sie Ver- anlassung zu ihrer Verhaftung gegeben haben. Der Zeuge Fritsch führt Beschwerde darüber, daß er, obwohl er an h e f l i g e in Durchfall gelitten habe, in der Nacht in den Keller ein- gesperrt worden sei und zum Austreten nicht herausgelassen wurde. Er wolle deshalb� den Oberst v. Reuter verklage».— Verhandlungsf.: Das können Sie aber hier nicht machen.(Heiterkeit.) Ein Ilijähnger Bursche namens Klemens bekundet, daß er verhastet worden sei, obwohl er nichts gemacht habe. Einer der Offiziere gibt dazu an, der Junge habe gelacht. Als preußischer Offizier habe er sich aber auf der Straße mit dem Jungen nicht herumschlagen wollen, deshalb sei die Festnahme erfolgt.— Zeuge Arbeiter Kaufmann ist schwerhörig, hat aber trotzdem das Johlen und Pfeifen der Menge gehört. Er will selbst n i ch t�gerufen haben und ist verhastet worden. Der Zeuge Sand ist verhaftet worden, weil er sich in einer Menge befand, aus der gejohlt und gepfiffen wurde.— Verhand- lungsführer: Haben Sie selbst gejohlt?— Zeuge: Nein, ich war nur auf die Straße gekommen um zu sehen, was los war. Zeuge Sergeant B r o n o w s k i: Leutnant Schad ließ scharf laden und forderte die Menge auf dem Schloßplatze dreimal auf, aus« einanderzugehen. Wir sollten vor allem niemand durchlassen. Da kam ein Mann mit einem Korbe. Ich sagte ihm, ich dürfte ihn nicht durchlassen; er sagte, er käme aus der Fabrik und wollte nach Hause. Ich glaubte ihm das nicht und gab erneut den Befehl, er solle zurückgehen oder ich würde ihn abführen lassen. Ich habe ihm den Befehl zwei- oder dreimal gegeben. Als er nicht gc- horchte, gab ich zwei Soldaten den Befehl, den Manu zur Wache zu bringen.— Verhandlungsf.: Haben Sie gehört. daß der Mann geschimpft hat?— Zeuge Bronowski: Nein, aber es wurde allgemein gejohlt und gepfiffen, die Menge wollte uns verspotten. Zeuge Arbeiter Meier ist der Mann mit dem Korb. Er be« kündet, daß er ohne jede» Grund festgcnommc« worden sei. Man habe ihn am Genick gepackt und Soldaten hätten zu ihm. als er nicht schnell genug ging, gesagt:„Lumpcnkerl, wollen Sie weitergehen!" Auf der Wache sei er in die Ecke gestellt worden. Er habe nach Hause gehen wollen, weil er Hunger hatte. Da habe man gesagt:„Ihr Lumpenhunde sollt ruhig sein!" Im Keller sei es vollkommen finster gewesen. Wenn man sehen wollte, hätte man erst Streichhölzer anzünden müssen. Erst am andern Morgen um 10 Uhr sei er verhört worden. Verhandlungsf.: Weswegen Sie verhaftet wurden, wissen Sie nicht? — Zeuge: 3!ein, ich habe nichts gemacht. Ich habe mich nirgends aufgehalten. Um 7 Uhr war ich aus der Fabrik gekommen und um 8�1lhr war ich schon im Keller.(Heiterkeit.)— Zeuge Musketier schlau hat einen Zivilisten, der verulkende Zurufe gemacht hatte, in ein Haus hinein verfolgt, in das sich dieser geflüchtet hatte.— Zeugin Frl. Heil bewohnt mit ihrer Mutter das HauS, in das der Musketier eingedrungen ist. Sie bekundet, daß dort nach dem Schreiner Levy gesucht wurde. Die Zeugin hat auch ge- sehen, daß der Mann mit dem Korb verhastet worden ist. Der Mann wollte nur durchgehen, aber man hat ihn nicht durchgelassen.— Verhandlungsf.: Die Mutter der Zeugin hat Strasantrag gegen Leutnant Schad wegen schwerem Haus- friedensbruch gestellt.— Vert. Rechtsanwalt Grossart: Warum war denn der Levy überhaupt auf die Straße gegangen?— Zeugin: Er hatte den Lärm gehört.— Vert.: Also war es auf der Straße doch nicht ruhig.— Zeugin: Er hörte nur die vielen Leute hin und her gehen.— Verhandlungsf.: Ein unparteiischer und ob- jektiver Zeuge hat bekundet, daß aus Ihrem Haus heraus geschimpft wurde.— Zeugin: Davon habe ich nichts gehört.— Zeuge Schreiner Levy bekundet, daß er verhaftet worden sei, aber nichts gc- rufen habe. Er kann sich nicht erklären, weshalb man ihn vor« hastet hat.— Ein Musketier: Das ist der Mann, der gerufen hat. Als ich auf ihn zuging, sprang er zur Seite. Wenn er nichts gemacht hätte, hätte er nicht zur Seite springen brauchen.— V i z e f e l d- webel Stall bekundete als Zeug«: Leutnant v. F o r st u« r awa auf de» Schloßplatz. Em ISjähoger Mau««ach» fhldtert Faxen und zischte. Der Herr Leutnant nahm den Mann f e st. Die Menge machte Miene, den Mann zu befreien. Fch griff daher zu. Kurz darauf kam die Patrouille und hat den Mann mitgenommen. Zeuge Kaufmann Krenzmeier: Als ich am 28. November über den Schloßplatz ging, schrien Frauen und Kinder laut hinter dem Leutnant v. Forstner her. Plötzlich drehte sich der Leutnant uin und nahm mich fest. Er brachte mich nach der Wache, wo ich bis zum anderen Morgen festgehalten wurde.— Verhandlungs- führer: Sie sollen hinter dem Leutnant Faxen und höhnische Zu rufe gemacht haben. Sie können darüber die Aussage verweigern. — Zeuge: Ich habe nichts gemacht.— Verhandlungsführer: Ver- schiedene Zeugen haben es aber gehört.— Zeuge:Jch habe auch nieineZeugen.— Zeuge Leutnant Frhr. v. F o r st n e r: Ich erkenne den Mann bestimmt wieder. Er stand auf der Straße, als ich in nieine Wohnung gehen wollte. Ich hatte die Patrouille bei mir. Er stand mit noch zwei Leuten da, und da hörte ich, daß von diesen Leuten„Bettsch....." gerufen wurde. Die beiden anderen liefen weg, dieser Zeuge blieb stehen und wurde fest- genommen. Oder gerufen hat, weiß ich nicht, aber einer von den dreien muß es gerufen haben.— Bert. Rechtsanwalt Grossart: Es ist wohl sehr häufig in Zabern vorgekommen, daß geschimpft wurde, und wenn die Leute festgenommen wurden, haben sie in liebenswürdigster Weise gesagt: ich bin eS nicht gewesen I sHeiterkeit.) Darauf tritt die Mittagspause ein. Zu Beginn der Nachmittagssitzung hatte sich vor dem Gerichts- gebäude eine große Menschenmenge angesammelt, Neugierige, die die Prozeßbeteiligten sehen wollten. Sie wurden von einem Schutz« mannsaufgebot in einiger Entfernung von dem Gerichtsgebäude ge- halten. Nachzutragen ist noch, daß auch an den Obersten v. Reuter, wie er in Uebereinstimmung mit dem Leutnant Freiherrn v. Forstner dem Gericht angegeben hat, eine Anzahl beleidigender Zuschriften gemeinsten Inhalts gekommen wären. Der Oberst erklärt, dabei die Beobachtung gemacht zu haben, daß die Postbehörde merkwürdigerweise Postkarten, in denen das Ver- halten der Offiziere gebilligt und gelobt wurde, nicht bestellte, während die Schmähkarten unbeanstandet zugestellt wurden. Der genaue Wortlaut eines zur Verlesung gekommenen anonymen Briefes lautet: Wenn Sie nicht schleunigst die Platte putzen und Elsaß- Lothringen für immer verlassen, so werden Sie wie tolle Hunde niedergeschossen. Mit den preußischen Hunden wird endlich einmal aufgeräumt und, was wir verlangen, endlich auch durchgesetzt werden: Elsaß den Elsaß« Lothringern I In längstens zwei Jahren wird Elsaß- Lothringen von Euch befreit sein und die Trikolore im Lande wehen, dazu wollen wir mit allen Kräften mithelfen. Jung und Alt werden wir der siegreichen und glorreichen französischen Fahne folgen. Die Franzosen werden Euch und Euren Kaiser wegfegen wie Spreu. Sehen Sie sich einmal die französischen Offiziere und Soldaten bei der Arbeit an, ihr Feuer, ihre Eleganz, ihr Elan und alle durch- drungen von dem Verlangen nach Revanche. Von diesen Euch über- legenen Truppen werdet Ihr Dummen und Feigen alle Reißaus nehmen. Vivs la France! Nieder mit Deutschland l— Das ist der Wahlspruch eines jeden guten Elsäffers. In der fortgesetzten Zeugenvernehmung bekundete der MuS« kotier Paß, daß ein Mann verhaftet wurde, der gesungen hatte.— Verhandlungsf.: Was hat er gesungen? Etwa ein schöne? Lied?— Zeuge: Das weiß ich nicht mehr.— Verhandlungsf.: Hatte er gejohlt und gepfiffen?— Zeuge: Nein. Ich habe nur gehört, daß er gesungen hatte.— Verhandlungsf.; Sie sollen abends aus der Kaserne wenig ausgegangen sein. Warum nicht, hatte das einen besonderen Grund?— Zeuge: Ich hatte kein Geld l Zeuge Konditorgehilfe Simon ist verhaftet worden. Auf die Frage des VerbandlungsführerS nach dem Grunde, erklärte er: weil ich in die Kaserne hineingeguckt hatte.— Verhandlungsf.: Weshalb taten Sie das.— Zeuge: Weil einer ab- Seführt wurde.— Verhandlungsf.: Sie sollen auch gesungen aben?— Zeuge: Nein, ich bin ohne jede Veranlassung v e r h a ft e t worden. Als ich auf die Wachtstube gebracht wurde, fragte ein Unteroffizier mich, was ich getan hätte. Ich sagte, ein Musketier Hütte mich auf Befehl eines Leutnants verhaftet. Wenn dieser jetzt sagt, ich Härte damals gesungen, hätte er es damals auch sagen müssen.— Zeuge Leutnant Bethge: Daß dieser Mann gesungen hat, weiß ich nicht, er ist festgenommen worden, weil mehrere gesagt hatten, er hätte gesungen.— Zeuge Leutnant Schäfer: Der Simon hielt sich fortwährend vor der Kaserne auf und benachrichtigte die andern Leute, die weiter entfernt an der katholischen Kirche standen, wenn Soldaten aus der Kaserne herausgingen. Ich habe das fünf« bis sechsmal genau beobachtet.— Zeuge Simon: D a S ist nicht wahr. Ich bin ein einziges Mal fortgelaufen und nicht wiedergekommen.— Zeuge Leutnant Schäfer: Ich habe es genau gesehen.— Zeuge Arbeiter Elsensohn: Leutnant Schad ließ mich verhaften, obwohl ich garnichts getan hatte. Eine Anzahl Kinder standen um uns herum und schrien Hurra, als ich festgenommen wurde. Da lief Leutnant Schad mit seinen Soldaten mitten in die Kindergruppe hinein, die auseinanderlief. Ich stellte den Leutnant zur Rede und sagte ihm, daß ich doch gar nichts gemacht hätte. Ich muß dann dem Gerichtshof noch mitteilen die schlechte Behandlung im Keller. Ich leide seitdem an einem Augenübel. — Verhandlungsf.: Wenn Sie einen Schaden erlitten haben, dann müssen Sie vor dem Zivilgericht klagen.— Zeuge: Ich als gedienter Soldat werde doch nickt etwas gegen das Militär unternehmen, ich bin nicht militärfeindlich gesinnt.— Angekl. Schad: Der Zeuge hatte, so glaube ich, eine Trompete in der Hand.— Zeuge: Das ist nicht wahr.— Verhandlungsf.: Ich glaube, das war ein anderer.— Zeuge Elsensohn: Ich habe gesagt, daß man mich nach Hause gehen lassen soll.— Angekl. Schad: Ick kann doch auf der Straße mit den Leuten kein Verhör anstellen, wenn sie verdächtigt waren, wurden sie festgenommen und aus die Wache gebracht.— Vert. Rechtsanw. Grossart: Wenn jemand festgenommen wurde, dann wollte kein Mensch etwas gemacht haben.— Musketier Her« mann hat einen Metzger Schall festgenommen, weil er gebrüllt und gejohlt habe. Er bekundet: Als Schall abgeführt werden sollte, sagte er: Ihr dreckigen Hunde, ich darf doch schrei'n!— Metzger Schall sagte als Zeuge: Ich wurde festgenommen, weshalb weiß ich nicht, ich habe nichts gemacht.— Zeuge Musketier Hermann: Das ist der Mann, der gebrüllt hat.— Zeuge Metzger Schall: Ich habe nicht geschimpft, aber ich bin beschimpft worden.— Ver« handlungsf.: Von wem denn?— Zeuge: Man hat Lump zu mir gesagt.— Verhandlungsf.: Wer denn?— Zeuge Schall: Der Ober st v. Reuter.— Angekl. Oberst v. Reuter: Ich entsinne mich allerdings, zu einem der Perhafteten, der in lässiger Haltung dastand, gesagt zu haben: Sie Lump, nehmen Sie die Mütze ab, steht man so vor einem preußischen Offizier in der Kaserne da?— Zeuge Gefreiter Dorr hat den Arbeiter Senkel festgenommen, weil er„dreckiger Schwöb' gesagt haben soll.— Verhandlungsf.: Haben Sie auch den Richtigen gesaßt?— Zeuge: Jawohl, er stand einen Schritt vor mir und wußte nicht, daß ich hinter ihm stand.— Verhandlungsf.: Waren da noch andere Leute?— Zeuge: Zwei, drei Jungen, die uns fortgesetzt belästigten, pfiffen und schrien. Ein Offizier sagte auch, daß sie mit Steinen geworfen hätten. Wenn wir sie festnehmen wollten, rissen sie aus. Wir find hinterher gelaufen, haben sie verfolgt und schließlich sind wir ihnen in den Rücken gefallen. Sie sprangen in ein großes Brunnenbassin, das leer war, und da haben wir sie herausgeholt.— Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Ossiander: Haben Sie gesehen, daß die Leute mit Steinen geworfen haben?— Zeuge: Ich selbst nicht, aber eine Patrouille hat es mir gesagt. Ich habe nur gesehen, daß die Jungen die Bewegungen in der Luft machten.— Zeuge Arbeiter Senkel: Ich wollte mir die Verhaftungen ansehen und wurde plötzlich selbst verhaftet. Ich fragte den Musketier warum. Er erklärte inir, ich hätte„dreckiger Schwöb' gesagt. Jch�be« stritt das entschieden, trotzdem wurde ich auf die geführt und in den Keller eingesperrt, und wie, so sperrt man keinen Hund ein. Verhandlungsf.: Haben Sie nicht am anderen Morgen Kaffee bekommen?— Zeuge: Den habe ich gar nicht getrunken.— Ver- handlungsf.: Wann sind Sie aufs Gericht geführt worden? Zeuge: Um>/z11 Uhr voriniltags, und da war ich noch von drei Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett begleitet. Ich habe nichts getan, ich hätte ja mit dem Schimpfen meinen eigenen Bater beschimpft, der auch ein Deutscher ist, das werde ich doch meinem Vater nicht antun.— Zeuge Gefreiter Dörr: Ich habe ganz genau ge- hört, daß Senkel„dreckiger Schwöb" gerufen hat. Ein Irrtum ist ganz ausgeschlossen.— Zeuge Arbeiter Senkel: Der Soldat stand nicht direkt hinler mir, sondern 10 Schritte von mir ent« f e r n t.— Verhandlungsf.: Haben andere gerufen„dreckiger Schwöb'?— Zeuge Senkel: Auch nicht. Es war überhaupt kein allgemeiner Lärm.— Zeuge Vizefeldwebel Pähl: Es war ein haarsträubender Radau, jeder Offizier wurde beleidigt, Pfui wurde gerufen, insbesondere taten sich einige halbwüchsige Jungen hervor. Es werden dann als Zeugen die drei jungen Burschen auf« gerufen, die von den Soldaten verfolgt wurden. Sie bestreiten, daß sie die Soldaten verhöhnt hätten, geben aber zu, gepfiffen zu haben.— Verhandlungsf.; Was haben Sie denn gepfiffen?— Die Zeugen geben an, daß sie ein Lied gepfiffen haben, lieber das Lied selbst aber machen sie ganz widersprechende Angaben. Der einzelne sagt, es wäre gewesen„Drunten im Tal', der andere„Morgen- rot, Morgenrot", der dritte„Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus?'— Eine Reihe weiterer Zeugen führt Be- schwerde über die Behandlung durch die Soldaten auf dem Trans- Port, die sie mit Kolben siestoßen hätten und ähnliche Dinge. Die Zeugen können aber nicht angeben, welche Soldaten das sind. Ein Zeuge Ehrhardt bekundet, daß er gestoßen und geschlagen und von einem Soldqjen mit Niederstechen bedroht worden sei, er weiß aber nicht, welcher Soldat in Frage kommt.— Anklagevertreter: Würden Sie den Soldaten absolut nicht wieder« erkennen?— Zeuge: Ich glaube nicht. Man hat uns gesagt, wenn wir uns auch nur rührten, würden wir niedergestoßen werden.— Zeuge Gefreiter Dörr: Ich war verantwortlich dafür, daß die Leute auf der Wache eingeliefert wurden. Es machten viele den Versuch, weg« zulaufen und da habe ich allerdings gesagt, ich würde von der Waffe Gebr auch machen und einem solchen Mann das Bajonett durch den Leib rennen. Zeuge Ehrhardt: Ich bin nicht weggelaufen und habe auch keine Veranlassung zu dieser Drohung gegeben.— Vert. R.«A Grossart: Wenn Verhaftete Anstalten machen, wegzulaufen, dann muß der Soldat nach seinen klaren Vorschriften von der Waffe Gebrauch machen. Verhandlungsführer Kriegsgerichtsrat v. Jan: Wir kommen nun zu der Frage, ob die Zeugen vereidigt werden sollen.— Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Ossiander: Die Musketiere müssen selbstverständlich vereidigt werden. Außerdem stelle ich den Antrag, alle Verhafteten zu vereidigen, es liegt kein gesetzlicher Grund vor, das zu verhindern. Wenn das Gericht diese Leute unvereioigt ließe, so würde es dadurch jetzt schon eine Vor- eingenommenheit gegen diese Zeugen zum Ausdruck bringen, die durch nichts gerechtfertigt ist.— Vert. Rechtsanwalt Grossart: Ich stelle die Vereidigung anHeim.— Nach längerer Beratung des Gerichts verkündet der Verhandlungsführer folgenden Beschluß: Jiy allgemeinen werden sämtliche Zeugen vereidigt. Nur bei einigen muß das Gericht eine Ausnahme eintreten lassen, und zwar bei solchen Zeugen, bei denen eine ganze Anzahl anderer Zeugen direkt das Gegenteil bekundet haben. Hier war eine offen- bare Unglaubwürdigkeit der Zeugen gegeben, die-sich durch Ver« eidigung strafbar machen würden. Zu diesen Zeugen gehören die Arbeiter Kiefer und Senkel und die drei jungen Burschen, die über oas Lied, das sie gepfiffen haben, so wider» sprechende Angaben machen.— Die Zeugen werden darauf in diesem Umfang vereidigt. Einige Zeugen, sowohl von den Verhafteten wie vcm den Musketieren, ändern vorher noch ihre bestimmt gemachten Angaben in einigen Punkten ab. Ein Tambour Seck bekundet nachträglich, gesehen zu haben, wie der Zeuge Elsensohn einen Leutnant ausgelacht habe.— Zeuge Elsensohn: Ich kann beschwören, daß ich nicht gelacht habe.— Verhandlungsführer: Auch dieser Widerspruch wird sich nicht auf« klären lassen. Hierauf wird die Verhandlung auf morgen vertagt. Auf An« trag des Anklagevertreters werden auf ihren ausdrücklich aus- gesprochenen Wunsch hin noch Rechtsanwalt V ö t t e r und Ge- richtsassessor Gärtner aus Zabevn geladen, um über die Vor- gänge vom 28. November auszusagen. Verteidiger Rechtsanwalt G r o s s a r t: Ich will nicht wider- sprechen, aber es hat doch keinen Zweck, auch die neuen Zeugen werden immer nur dasselbe bekunden, was wir schon gehört haben. /tos öer Partei. Nochmals Bebels Erbschaft. Durch die bürgerliche Presse läuft abermals eine Schwindelnotiz über die Erbschaft August Bebels. Danach soll sich bei der Zah« lung der Erbschaftssteuer durch die Hinterbliebenen Bebels heraus« gestellt haben, daß das hinterlassene Vermögen unseres verstorbenen Führers die Summe von 99S 000 M. betragen habe. Diese ganze Nachricht ist nichts anderes als eine bewußte Unwahrheit. Weder ist von Bebels Erben bisher eine Erbschaftssteuer gezahlt worden, noch wird eine solche in Zukunft entrichtet werden. Nach den gesetzlichen Bestimmungen des KantonS Zürich sind nämlich sowohl die Ehegattin eines Verstorbenen wie auch dessen Kinder und Eliern von der Zahlung der Erbschafls« steuer befreit. Die früher von der Parteipresse gebrachten Mitteilungen über die Höhe der Hinterlassen- schaft Bebels entsprechen in jeder Beziehung den Tatsachen._ Zum Fall B rupbacher. Der Präsident der Sozialdemokratischen Partei des KantonS Zürich. Genosse Manz-Schäppi, schreibt uns: „Nicht die Züricher Organisation hat den Ausschluß BrupbackerS abgelehnt, sondern eine Sektion derselben, der deutsche Verein Ein- tracht, deren Mitglied Brupbacher ist. Und das trotzdem das politische Komitee einstimmig den Ausschluß beantragte, und trotzdem dabei festgestellt wurde, daß Fritz Brupbacher ein ausgesprochener Anarchist ist und sich als fleißiger Mitarbeiter von anarchistischen Blättern betätigt. Der Verein Eintracht, der sich sonst immer das Zeugnis der Prinzipreinheit ausstellr, hat in diesem Falle vollständig versagt. Da nach unseren Parteistatuten der Ausschluß eines Mitgliedes lediglich Sache der Sektion ist, der es angehört, so steht leider der Gesamtpartei in dieser Sache keine Entscheidung mehr zu. Wenn im Schweizerischen Parteivorstand eine Minderheit, die durchaus nicht stark war, sich gegen den Ausschluß Brupbachers aus- sprach, so nicht darum, weil diese Brupbacher nicht für einen An- arckisten angesehen hat— darüber waren alle einig— sondern weil diese Genossen prinzipiell gegen jeden Ausschluß sind. Was die Bemerkung anbetrifft, daß bei einem Ausschluß Brup- bacherS der Spieß umgekehrt worden wäre und man den Antrag gestellt hätte, die rcligiös-sozialen Mitglieder auszuschließen, also die Pfarrer, die Parteigenossen sind, so sei nur gesagt, daß, wie daZ deutsche Parteiprogramm auch das unserige, die Religion als Privatsache erklärt, also von einem Ausschlüsse gar keine Rede sein kann.._ Das Kieler Stadtverordnctenkollegium. Wie uns ein Privattelegramm aus Kiel meldet, wurde am Dienstag in der Stadtverordnetenversammlung der sozialdemo- kratische Stadtverordnete Rindfleisch wieder als zweiter Stadt« verordnetenvorsteher gewählt. Außer zwei bürgerlichen Vertretern stimmten alle Bürgerlichen für den Sozial- demokraten._ polizeiliches, Gerichtliches usw. Vom Strafkonto der Arbeiterpresse. Im Jahre 1913 ist das Strafkonto gewaltig in die Höhe ge« gangen. Es fanden nämlich nicht weniger als 178 Preßpro- z e s s e ihre gerichtliche Erledigung, wobei in 12 Fällen die Frei« sprechung des Angeklagten zu erfolgen hatte. Das Gesamtopfcr stellt sich folgendermaßen dar: ES wurden verhängt 60 Monate soder 5 Jährest und eine Woche Gefängnisstrafe, sowie 21685 M. Geldstrafe! Diese zahlreichen zum Teil recht hohen Strafen beweisen deutlich daS scharfe Borgehen gegen die sozialdemokratische Presse auf Grund des geltenden.Rechts'. Die Justiz des Klassenstaates kommt auch ohne Ausnahmegesetze aus. Hriefkaften üer Redaktion. Die InNftUme e»rea>ft»nde findet Lindenftraße öS,«ora vier Zre»»c» — Fohrkudl—, woaentäglia oon«u, bis 7� Udr adcnd», konnodend», ton i'A diS 6 Uhr abends statt. Jeder Istr den Brieftaftcu bestimmten Änfrag« ist»In Bnchstadc«nd eine Zahl als Merkzeichen betznfügen. Briefliche«Iltwori wird nicht rrteUt. Anfragen, denen keine Adanaemcntsautttung detgefüg« ist, »erde» nicht»caniweriet.««ige Fragen trage man in der«drcchftnnde vor. W. 33. 100. Ja, falls im MietSvertrag, wie üblich, vorgesehen,— ®. H.(g. 105. 1. Ja. 2. Für die letzten vier Jahre könnlcn Alimente von Ihnen nachgefordert werden. 3. Fallg die Kosten bei Beendigung de» Prozesses festgesetzt worden sind, ist Verjährung nicht cingetrclcn.—(5. T. II. Leider nicht,— E. B. 1k. Falls eigenhändig geschrieben, mit Orlsbezeichnung, Datum und Unterschrift versehen, güllig. Gcrichlliche Bc- glaubigung nicht erforderlich.— 2 3Äcttende, Zluer 1000. Willen ent- scheiden wir nicht.— Friedrichsfelde 2«. Das ist zulässig. Der Um- tausch muß aber erfolgen, bevor zwei Jahre verstrichen sind.— R. D. 100. 1. und 2. Ja. 3. New.— P. V. 53. Nein. F. M. ISS. 1. Arzt, 2. Das ist möglich, aber äußerst selten erreichbar. — N. W. 28. 1. Der Klage auf Scheidung müßte erst eine Klage aus Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft vorausgehen. Em Scheidungs- grund ist erst gegeben, wenn die Frau mncrbalb Jahressrist, von Rechts« kraft deS auf Wiederherstellung lautenden Urteils ab gerechnet, nicht zurück- kehrt. L. Dem unschuldigen Teil. 3. Nur dann, wenn die Frau für allein schuldig erklärt worden ist. 4. Etwa 50 M, monatlich. 5. Ja, 6. Der Frau. 7. Nur dann, wenn vom Justizminister Bcsrciung voni Eheverbot bewilligt wird, 8. Richtet sich nach der Höhe des Objekls, das da! Gericht festsetzt, 9. Ja, wenn aber cm Geschlechlsverkebr stattfindet, kann die Frau deswegen aus Scheidung klagen, 10. Ansrage bei der Waisenverwaltung. — Gertrud 10 000. Ein derartiger Vertrag, der bei einem Notar ge- schlössen werden kann, unterliegt innerhalb zwei Jahren der Anfechtung seitens deS Gläubigers, falls die Forderung ausgeklagt ist. Tie Kosten des Vertrages richten sich nach der Höhe des Objekts.— P. Z. 1885. Falls in Ihrem Vertrage eine Kündigungsfrist oon drei Monaten drei Tagen oder von kürzerer Zell vereinbart ist, ist die Kündigung rechtzeitig geschehen.— Zl. N. 21. 1. Ja. 2. Sie sind dasür bastbar.— Nolvawcs 50. Nein.— P. P. 2. Für Nachweis- baren Schaden ist der Hauseigentümer ersatzpflichtig.— X. U- Z- Ja. — E. H 100. 1. Nur dann, wenn im Mietsvertrag vorgesehen, was in der Regel der Fall ist. 2. Der Jahrcsftempel für das Kalenderjahr beträgt 2 M. Die Entrichtung deS Stempels wird in einem Verzeichnis, welches der Hauswirt sührl, seitens der Steuerbehörde vermerkt.— G. L. 100. Lohn- anspruch besteht nur bis zu dem Mittwoch, an dem die Kündigungsfrist abläuft.— A. A. 100. Ein gesetzliches Erbrecht haben Sie als Pflege« lind nicht.— 33. M. Libauer Straße 5. l. Ja. 2. Ja, ins- besondere deswegen, da Sie in verstrichener Zeit wiederholt Ueber- stunden in dem genannten oder annähernden Maße gemacht haben. 3. Ig In geschlossenen PaKeten von der Mühle zur Küche Das erklärt, weshalb Quaker Oats frei ist von Staub und Unreinlichkeiten, es erklärt auch den wundervollen Geschmack. Lose ausgewogene Ware ist dem Staub und Schmutz der Strasse ausgesetzt. Quaker Oats ist vollkommen rein und staubfrei, das ist von grösster Bedeutung für die Gesundheit. Gratis-Löffel för Quaker Oats Konsumenten Quaker Oats Pakete enthalten Gutscheine, für welche wertvolle, schwer versilberte Löffel gänzlich kostenlos erhältlich sind. Quaker Oats gibt alle Nährkraft, welche man von einem Nahrungsmittel erwarten kann, und ist für wenig Geld erhältlich. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wieleyp. Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Glvcke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer St Co„ Berlin SW.