Ar. 7. HbonnementS'Ikdingungen: HBonnrmciUä.�ieiS»tänmncranbo: Slerldiä�tL s�U Ml., nionaü. t,10 Ml, wöchentlich 23 Spfg. fcet WS HanZ. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- nnuuner mit illustrierter Sonnlags- Beilage.Die Neue Veit" 10 Pfg. Pojl- ilbonnemew: I.tll Marl pro Monat. Ewgekagen in die Post-ZeitungS- Vreisliite. Unter Kreuzband ,>>: DeuN'chland und Ociterrcich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat VostabonnemeniS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Bumänicn, Schweden und die Schweiz. Ad Jahrg. Crldiiint täglich. Verlinev VolksblAtk. Sie TnfertionS' Gebühr Beträgt für die sechsgeipaltene Kolonel. zeUe oder deren Ram» vu Pfg., für politische und gcwerlschasUiche Lerem-. und LcrsamintungS-Anzcigeii A Pfg. „Ateinc Anreigen", da-, fettgedruiue Wort A Pfg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und SchwsslcUenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts P,'g.«orte über 15 Buch- siaben zählen sür zwei Worte: Inserate für die nächste Numiner müssen bis i> Uhr nachmittags in der Ervedition abgegeben werden. Die Expedition i>i bi» 7 Uhr abend- geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soziajit(in«l1 Abgeordnete und haben damit beinahe die absolute Mehrheit. Tie 21 Stimmen, die ihnen fehlen, werden ihnen im entscheidenden Moment von dem rechten Flügel der Nationalliberalen oder auch voni Zentrum zugeführt werden. 'Zwar haben die Parteien der Rechten durch den Ausfall der Wahlen eine kleine Schlvächung erfahren, aber nichts loäre verkehrter, als daraus etwa aus bessere Aussichten sür eine Wahlreform zu schließen. Für dieUebertragung des Reichstags wahlrechtsaus Preußen ist im Landtage eine Mehrheit nicht v 0 r h'a n d e n, ja es ist sogar fraglich, ob in diesem Parlament ein Votum sür die Beseitigung der indirekten Wahl und die Einführung der geheimen Stimmabgabe erzielt werden kann. Gewiß, wenn man aus den Programmen der einzelnen Parteien Schlüsse ziehen will, dann könnte man 2-12 Stimmen für diese äußerst bescheidene und in keiner Weise befriedigende Reform heraus- rechnen. Aber was sind den bürgerlichen Par- t e i e n Programme'� Papierne Forderungen, die sie jeden Moment preiszugeben bereit sind. Haben wir es doch noch bei den letzten Wahlrechtsdebatten erlebt, daß neben 18 Nationalliberalen 43 Mitglieder des Zentrums, d. h. etwa die halbe Fratlion, bei der Abstimmung fehlten! Eine solche Situation aber kann sich tagtäglich wiederholen, denn das Fehlen dieser LI„Volksvertreter" beruhte nicht auf Zufall, sondern es war inir Absicht herbeigeführt, um nach außen den Anschein zu erwecken, als ob nickt einmal für das direkte Wahlrecht und die Beseitigung der öffentlichen Stimmabgabe eine Mehrheit zu haben iei. Ob solcher niederträchtigen Verräterei und erbärmlichen Feigheil eines Teiles der Bourgeoisie kann sich das Junker- tum und kann sich die Regierung ins Fäustchen lachen. Ist das für sie dock) der beste Beweis, daß sie auch bei ihren Alten- taten gegen das Volk von dieser Seite nichts zu be- fürchten haben. Und an Anschlägen aus die winzigen Rechte des Volkes wird es aucki das neue Abgeordnetenbaus nicht fehlen lassen. Tie Geschichte des preußsichen Junkertums lehrt, daß es in demselben Maße, wie seine Position iiii Reichstage geschwächt ist. die Tribüne des Dreiklassenparlaments für seine volksverräterischen Pläne mißbraucht. Unzweideutig hat der Reichstag den reaktionären Vorstößen gegen das K 0 a l i t i 0 n s r e ch t eine Absage erteilt. Um so planmäßi- ger wird im Landtage die Hetze einsetzen. Hier sind die Konservativen nicht wie im Reichstage isoliert, sondern sie finden eine Stütze an dem in Preußen besonders starken rech- teil Flügel der Nationalliberalen und vermutlich auch, bei einem Teil des Zentrums. Demi dieses wirft in Preußen, wo es dank dem TreiklassenwaHHystem um die Wiederwahl nicht besorgt zu sein braucht, seine demokratische Maske ab und zeigt sich in seiner wahren Gestalt, in der Gestalt einer durch und � durch reaktionären arbeiterfeindlichen Partei, die sich von den j konservativen Gesinnungsgenossen nur durch größere Heuche- lei unterscheidet. Man erinnere sich der Vorgänge vom Jahre 1899, wo in beiden Häusern des Landtags gleichzeitig der Ruf nach Schutz der Arbeitswilligen erschallte und im Anschluß daran dem Reichstage die Zuchthausvorlage unterbreitet wurde. Wenn man sich diese Vorgänge vergegenwärkigt und wenn man weiter bedenkt, wie im vorigen Jahre im Abge- ordnetenhanse von konservativer Seite ausdrücklich eine neue Zuchtbausvorlage gefordert wurde, dann weiß man, was die. Glocke geschlagen hat. j Aber auch an Anregungen auf Erlaß eines neuen A u s- 1 n a h m e g e s e tz e s gegen die Sozialdemokratie fehlt es nicht. Noch kein Jahr ist Verslossen,- seitdem die Arnim und'Lt a r d 0 r f f offen ein neues Sozialistengesetz gefordert haben. Und die Regierung hat nicht den Mut ge- habt, diesem dreisten Ansinnen auch nur mit eine in Worte entgegenzutreten. Völlige Unterdrückung des Volkes! Das ist das Ziel, das den preußischen Junkern vor Augen schwebt. Dazu die g c i st i g e K ncbe ln ng der Massen mit Hilfe des Zentrums. So wirö der Boden vorbereitet, um dem Volke neue Lasten aufzubürden und auch das Letzte aus ihm herauszupressen. Ein Parlament, dessen Ausgabe sich in diesem Programm erschöpft, hat natürlich kein Interesse daran, behördlichen Uebergrisscn entgegenzutreten. Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus. Tie preußischen Verwaltnugs- behörden sind Fleisch vom Fleische und Geist vom Geiste des preußischen Junkertums, und deshalb findet der Staatsbürger beim Dreiklassenparlament keinen Schutz gegen noch so fla- graute Gesetzesverletzungen der Verwaltungsorgane. Im Gegenteil, infolge der Billigung ihres Verhaltens durch die Landtagsmehrheit und infolge der Passivität der Regierung, die oft genug sogar sich der gesetzwidrig handelnden Beamten annimmt, werden diese nur noch mehr angefeuert, die von ihnen beschrittene Bahn weiter zu gehen, damit der preußische Staatsbürger immer und immer wieder daran erinnert wird, daß Sie ncrzahlen fein einziges Recht und M a u l h a l t e n seine c r st e Pflicht ist. Aber das preußische Volk hat es satt, immer nur Amboß zu sein und sich von seinen Ausbeuterii regieren zu lassen. Das Volk ist reis, selbst seine Geschicke in die Hand zu nehmen und sich von dem auf ihm lastenden Joch zu befreien. Mögen die Junker nird Junkergenosseii sich noch so fest hinter dem Wall des Dreiklassenparlaments verschanzen. Auch dieser Wall wird kapitulieren. Der Kanipf gegen das Dreiklassenwahl- s h st e m b l e i b t n a ch w i e V 0 r die wichtigste Auf- g ajb e des preußischen und des deutschen Volkes. Und je ungünstiger der Bode n im Dr e i k l a s s'e n- Parlament ist,� je weniger sich die g e s e tz- gebenden. Körperschaften auf ihre P f l ich t b e- sinnen, das feierliche Versprechen des Königs v 0 m 29. Oktober 1998 zu erfüllen, desto mehr wird der Kampf außerhalb des Parlaments verlegt werden müssen. Diesen Kampf energischer als je zu führen, das ist das Gelöbnis, das das Proletariat in dem Moment ablegt, wo seine Feinde sich zu neuen Aktionen rüsten, zu Aktionen nicht im, sondern gegen die Interessen der Massen. Das füsilierte Lachen. Tie Straßburger Verhandlung vom Wiittmoch zeigte die Kriegs- Vorbereitungen des Obersten v. Reuter gegen die Zaberuer Jugend von einer neuen Seite. Nicht genug damit, daß der schneidige Kommandeur 4b 000 scharfe Patronen hatte austeilen und das Bajonett aufpslanzen lassen, um„Volksansammlungen" von„40, 50 oder 100 Personen" zu Paaren zu treiben, er hatte auch die A! aschin engewehre in kriegsmäßigen Zu st and setzen lassen! Man würdige diese weitausschauende Strategie des Zaberncr Kriegsgewaltigen. Zabern zählt im ganzen 8000 Einwohner. Aus der Sirahe bewegten sich, selbst zu den Zeiten des schlimmsten„Aufruhrs", 50 bis 100 Personen, zum größten Teil Kinder und Frauen. Mit diesem Feind glaubte er es mit zwei Bataillonen, mit Bajonetten und den jllcinkalibrigen allein nicht ausnehmen zu können, dazu benötigte er auch der Maschinen- gewehre! Und er war fest entschlossen, seine gesamte Kriegs- Maschinerie gegen die Zaberner Weiblichkeit und Jugend spielen zu lassen, wenn ihm der Zeitpunkt dazu gekommen schien. Was aber Oberst v. Reuter als Widersätzlichkeit und Aufruhr betrachtete, das wurde am Mittwoch durch die Zeugenaussagen der zivilbehördlichen Personen abermals klassisch gekennzeichnet. Der gestrenge Herr Oberst wollte nicht einmal dulden, daß Menschen aus der Straße stehen blieben oder daß jemand das Gesicht zu einem Lachen verzog. Jede lächelnde Miene war ihm ein Symptom des aufrührerischen Geistes, den er nun einmal mit Feuer und Schwert, mit Bajonetten und Maschinengewehren aus- zurotten entschlpffen war. Wer lachte, sollte nötigenfalls füsiliert werden. Offenbar empfand man das Lachen in Zabern um so empörender, als sich diese„feige Bande" durch keinerlei Provoka- tionen zu Unbesonnenheiten hinreißen ließ. Die wiederholten Aeußerungcn der Offiziere von der feigen Lande verrieten nur den Acrger der tatenhungrigen Soldateska, die gar zu gern ein- mal mit„blauen Bohnen" unter die Lerne gepfeffert hätte, da man sich ja nun schon einmal durch Austeilung scharfer Patronen und Bereitstellung der Maschinengewehre sür ein Massaker eingerichtet hatte. Und die Maschinengewehre waren ja bereits vor dem 28. November schußbereit gemacht worden, also vor jenem Tage, der dem Obersten V.. Reuter den Vorwand zur Etablierung seiner militaristischen Gewaltherrschaft gab. Auch am Mittwoch wieder bekundete eine lange Reihe von Zeugen, Staatsanwälte, Richter, Bezirkskommissare, Gendarmerie- Wachtmeister, sowie zahlreiche Zivilpersonen, daß von irgendwelchen Exzessen in Zabern gar keine Rede hätte sein können. Selbst nach den: Zeugnis alter Polizeibeamten ist die Erregung der. Massen erst nach den rechtswidrigen Anmatzungenj des Militärs zu beobachten gewesen. Wären die Leutnants nicht so provozierend mit der Hand am Säbelgriff,' mit ihren Patrouillen mit aufgepflanztem Bajonett hinter sich, durch die Straßen stolziert, hätte Leutnant Forstner sich nicht immer in so verächt- licher Gebärde dem Publikum präsentiert, so wäre es nicht einmal zu jenen Verbalinjurien gekommen, auf die sich der ganze„Auf- rühr" nach dem Ergebnis der Zeugenvernehmung reduzieren läßt. Was es mit dem„Aufruhr" auf sich hatte, bewies die Aussage jenes Polizeiwachtmeisters, der da erklärte, daß auch am 28. No- vember eigentlich überhaupt kein Auslauf vorgekommen sei und daß die ausschwärmenden Patrouillen erst m ü h s a m einen Passanten aufstöbern mußten, um ihn dann v e r- hasten zu können! Aber Oberst v. Reuter und seine Leute (und seine Hintermänner in Straßburg und anderswo) wollten nun einmal ein Exempel statuieren und die Souveränität der militärischen Allgewalt beweisen. Charakteristisch für den militä- rischen Uebermut ist das bisher unwidersprochen gebliebene Wort des Obersten v. Reuter, daß ein preußischer Landrat ganz anders gegen den Pöbel vorgegangen sein würde, als so ein schlapper elsässischer Kreisdirektoe. Am besten, so sollte sich nach der Zeugen- aussage Oberst v. Reuter geäußert haben, wäre es, wenn der Bürgermeister von Zabern selbst einmal eingesperrt würde. Schade, daß das Stadtoberhaupt krank war, sonst hätte ihm am Ende das Vergnügen blühen können, selbst in den Pandurenkeller zu wandern. Und wie tief der Riß zwischen Militär- und Zivilbchörden geht, wie geflissentlich von den Herren Militärs Verdächtigungen gegen die Zivilbehörden ausgestreut iverden, das bewies die Aussage des Gendarmcriehauptmaniis Schotte. Schotte war— die Organisation unserer Gendarmerie ist ja ein unsägliches und nn- seliges Zloitterding— der militärische Vorgesetzte der militärisch organisierten Gendarmerie des Zaberner Distrikts. Aber die Vcr- fügung über die Gendarmerie stand dem Krcisdirektor zu, einem Beamten, der etwa Landratsrang einnimmt. Schotte hatte also die militärische Aussicht, aber der Kreisdirektor das a m t- liche Verfügungsrecht über die Gendarmerieberittc. Und dieser Gendarmerieoffizier Schotte behauptete nun, daß die Gen- darmen von ihrem Vorgesetzten, dem Kreisdirekwr, nicht nur zu ausnahmsweise mildem Vorgehen gegen die Zaberuer veranlaßt, sondern auch noch in- Sachen ihrer Zeugenaussagen, dahin bearbeitet worden seien, daß sie nichts die Zivilbehörden Bloßstellendes aus« sagen sollten. Dem Kreisdirektor wurde also von dem Gendär- meriehäuptmann nichts geringeres, als ein' schwerstes Dienst» verbrechen, als die Zeugenbeeinflussung der ihm unterstellten Beamten vorgeworfen! Und nachher erst rückte dieser die Zivilbehörden.frondierende Gendarmerieofsizier mit der Erklärung heraus, daß die bekreffenden Gendarmen selbst ihm gegenüber den Versuch einer solchen Beeinflussung entschieden bestritten hätten! Mit welch gewagten Mitteln die Verteidigung der Reuiee und Schad operiert, bewies die Aussage eines Arbeiters Hirsch. Dieser Kronzeuge der Angeklagten erzählte eine wundersame Geschichic von einem„Unbekannten", der ihm die vertrauliche Mitteilung ge- macht habe, daß„G e n 0 s s e n" aus Mülhausen und E 0 l- mar eintreffen würden, um die Geschichte erst in Schivung zu bringen. Selbst der Verhandlungsführer sah sich zu der Frage veranlaßt, ob der Zeuge nicht etwa selbst den Eindruck gehabt habe, daß eö sich um einen schlechten Scherz gehandelt habe. Der Zeuge gab dann auch zu, daß es sich wohl um„bloßes Geschwätz" gehandelt haben könne, wenn ee auch den Eindruck gehabt häite, daß etwas Wahres an der Geschichte sein könne. Solche Mätzchen können natürlich bei allen Normalen nur mitleidige Heiterkeit erregen, ein Lachen, das durch keine Reuter- scheu Maschinengewehre zum Schweigen zu bringen ist! „Die feige Gesellschaft in Zabern". In der Verhandlung vor dem Kriegsgericht hat Oberst von Reuter feiner Verwunderung Ausdruck gegeben, daß die jungen Leute auf der Straße in Zabern ausrissen, wenn das Militär gegen sie vorgehen wollte. Er erwähnte an einer Stelle, daß von anderer Seite— wohl eine in der jungen Offiziere— der Ausdruck gebraucht sei:„Mit dieser feige i> Gesellschaft in Zabern ist doch gar nichts los." Wunderbare militaristische Gedankengänge I Der Oberst v. R e u ie r muß zugeben, daß er erklärt habe, jetzt sei es an der Zeit, daß in Zabern Blut fließe. Der Oberst v. Reuter läßt feine Leutnants— die natürlich nicht feige sind— durch M a n n s cha f t e n mit n u f g e- pflanzte m Bajonett begleiten. Der Oberst v.- R e u t e r gibt den Befehl, daß scharfe Patronen verteilt werden. Ter Oberst v. Reuter läßt all« die, die nicht ausreißen, verhaften und in den Pandurenkeller stecken. Ter Oberst v. Reuter ist so mutig, einem wehrlose» Verhafteten zu sagen: Sie Lump, nehmen Sie die Mütze ab, steht man so vor einem preußischen Offizier in der Kaserne da? Untergebene des Oberst V. 31 cuter setzen Prämien sür das Niederstechen elsässischer„Wackcs" aus. Ein Untergebener des Oberst v. Reuter— der heldenhafte Herr v. Forstner— schlägt einen wehrlosen Krüppel mit dem Säbel über den Kopf. Andere Untergebene des Oberst v. Reuter drohen m i t Nieberstechen, wollen Verhafteten bei evcntl. Fluchtversuchen das Bajonett durch den Leib rennen. Untergebene des Oberst V. Reuter Hausen tu Fabern, daß ein Staatsanwalt vor Gericht aussagt, die Soldaten ver- hafteten blindlings wie d i c Ä o s a k c n i n d e n S t r a ß e n Peterburg s. Für alle die Heldentaten und für viele andere übernimmt Oberst v. Reuter die volle Verantwortung und crllärt. daß seine Untergebenen lediglich auf seine Veranlassung und seine Verantwortung gehandelt haben. Und doch sind die Militaristen über die feige Gesellschaft in Zabern verwundert. Ob die übergroße Mehrheit des Voltes die wunderbare Auffassung teilt? Steuerkonflikt zwischen Herren- Haus unS �bgeorönetenhaus. Aus Wien wird uns vom 5. Januar geschrieben: Tie politische„Lage" in Testerreich, die sonst in gleichmäßiger Langeweile in der Frage besteht, ob das arme Abge- ordnetenhaus leben können wird oder öerrecken muß, ist Plötz- lich beinahe aufregend geworden: es ist nämlich zwischen den Heiden Häusern des Reichscates ein Streit entstanden, der in gewissem Abstände an dem Konflikt zwischen Unterhaus und Oberhaus über das Budget des Lloyd George entstanden ist und unter dessen zielbewußter Führung mit einem Siege der Genleinen und dauernder Tepossedierung des Oberhauses ge- endet hat. Ter interessante Konflikt, der sich in dem so reaktionär-wohlgeordneten deutschen Parlamentarismils nicht er- eignen kann, verdient immerhin Bedeutung, weshalb seine Borgeschichte geschildert werden muß. Tas österreichische Abgeordnetenhaus würgt seit etwa füu Jahren an einer Steuerreform, welche Reform natürlich �in neuen Steuern und Erhöhungen alter Steuern besteht. Im Wesen handelt es sich um eine kräftige Erhöhung der Sätze der Branntweinsteuer: weiterhiu um eine Erhöhung der oberen Stufen der Einkommensteuer: daneben, mehr als Aus- putz, auch um einige bescheidene Lurusstcuern(Abgaben von Schaumwein, Automobilen, Gewinnen bei Rennwetten). Tic einfach» Sache komplizierte sich infolge der Eigentümlichkeit der österreichischen Verhältnisse durch zwei Umstände. Erstens mußte das Abgeordnetenhaus, das Steuererhöhuugen inner- lich sehr abgeneigt ist— bei der Unbeliebtheit des Staates kann das Steuerzahlen in Oesterreich natürlich nur eine ver- haßte Sache sein und das Bewilligen neuer Steuern nicht volkstümlich werden—, um für die Bewilligungen gefügig zu werden, gleichsaiu unter Druck gesetzt werden. Tas ge- schal) dadurch, daß das Gesetz, womit die Gehalte der Staats- angestellten(Beaniten und Tiener) erhöht werden und für die Beamten die Zeitvorrückung eingeführt wird, mit den Steuervorlagen verknüpft wurde: derlei absonderliche Ber- knüpfungen sind in Oesterreich gar nicht selten, und man besitzt für sie sogar eine technische Bezeichnung, spricht mit einem Ausdrucke des ungarischen Küchenlateins von einem„Junk- tim". Tiefes Beamtengesetz ist nun tatsächlich seit einein Jähre von beiden Häusern beschlossen, die Regierung hält es aber beharrlich zurück und will es nicht herausgeben, bevor die „Bedeckung" zur Stelle gebracht ist: sie hält das Parlament gleichsam unter Belagerungszustand. Tiefer Zustand ist auch recht fühlbar geworden, denn die natürlicherweise sehr unge- duldig gewordenen Beamten— in Oesterreich, dem ausge- sprochenen Beamtcnstaate, eine große Macht innerhalb der Wählerschaft— bestürmen das Haus, die Steuern ja nur ungesäumt zu beschließen. Wie es unter diesen Verhältnissen um die Sachlichkeit der Beratung stand, kann man sich schon vorstellen. Tie zweite Komplikation rührt von dem Verhältnis der Kronländer zum„Reiche" her. Diese Länder(siebzehn an der Zähl) stecken bis über die Ohren in Schulden. Die Aus- gaben steigen unausgesetzt, und die eigentlichen Steuerguellen hat alle der Staat in Besitz genommen, wonach den Ländern im Grunde nur das sogenannte Zuschlagsrecht übriggeblieben ist: sie dürfeir auf die direkten landesfürstlichen(staatlichen) Steuern Landeszuschläge legen, die in den Landesorduungen mit zehn Prozent in Aussicht genommen waren, aber in manchen Ländern schon fast die volle staatliche Höhe erreichen (zum Beispiel legt Böhmen iL Proz. Umlage auf). Um der Notlage der Länder abzuhelfen, die insbesondere darin fühlbar wird, daß diese die Gehälter der Volksschullehrer zu bestreiten haben, hat sich der Staat vor einem Jahrzehnt entschlossen, den Ländern Zuschüsse zu leisten, ihnen also aus den Erträgnissen gewisser Steuern, insbesondere der Branntweinsteuer und der Personaleinkommenstener, Ueberweisungen zu gewähren. Das olles hat das Zustandekommen der neuen Steuergesetze sehr erschwert und daS Abgeordnetenhaus schien unter der Last des öfteren zusammenzubrechen. Uni so mehr als die Schlußver- Handlung, die in der Herbsttagung begann, von einer Obstruktion, der der Ruthenen, bedrängt war. Diese jüngste der öfter- reichischen Nationalitäten, die eigentlich erst seit der Ein- führnng des allgemeinen Wahlrechtes sichtbar geworden ist, will in Galizien eine Reformierung des Landtages erzwingen. und als Zwang auf die widerstrebenden Polen und aus die allzu saumselige Regierung benutzt sie die Obstruktion im Abgeordnetenhause—„Wirkungen in die �ierne", die eben nur in Oesterreich möglich sind. Aber der Wille zum Leben, der jeder Kreatur eignet, hat über alle Fährnisse gesiegt: und wenn gleich unter schmerzlichem Gestöhn, unter mannigfachen Rei- Hungen und Stockungen hat das Abgeordnetenhaus den ganzen Komplex der Stcuervorlagen vor Jahresschluß zu Ende ge- bracht. Vor Jahresschluß loar deshalb nötig, weil das Be- amtengesetz mit Beginn des neuen Jahres in Kraft treten soll. Allerdiirgs gesck)ah die Fertigstellung sebr knapp am Jahres- ende, nämlich um Mitternacht des Z». Dezember. Item hätte dos Herrenhaus, wie es seine verfluchte Pflicht und Schuldig- keit gewesen wäre, am Silvestertage Ja und Amen sagen können, und die Sache wäre in Ordnung gewesen, alles wäre rechtzeitig zustande gekonimen. Nun sind aber die�Herrenhäusler stutzig geworden und „machen Geschichten". Sie wollen zeigen, daß sie auch da sind, und haben die Vorlagen, die das Werk unsäglicher Muhe und der mannigfaltigsten Kompromisse sind, an vielen Punkten geändert. Zuerst haben sie bei der Äutomobilsteuer die Be- steuerungsskala geändert und die Besteuerung der großen, vor- nehmen Autos verringert. Dann haben sie, einem Diktat des ' ihnen stamm- und gesinnungsverwandten Jokeykluds folgend. die Gebühr für die Gewinne beim Totalisator um ein Drittel herabgesetzt. Am meisten haben sie in der Einkommenssteuer- Novelle gewütet. Da haben sie die von den Sozialdemokraten im Abgeordnetenhause durchgesetzte Erhöhung des Existenzminimums(daß die Befreiung von der Ein- kommensteuer, statt wie bisher bis 1200, nun bis löllll Kronen Ginkommen reiche) beseitigt. Der Beschluß ist im Abgeord- netenhause nur mit einer Stimme Mehrheit durchgegangen: da er nicht nur von der Regierung, sondern auch von den deutschbürgerlichen Regierungsparteien bekämpft wurde, die den Sozialdemokraten den Erfolg nicht gönnen wollten, und aus Scheelsucht ihn, obwohl sie„im Prinzip" dafür waren, un- ausgesetzt begeiferten, hat sich das Abgeordnetenhaus in der zweiten Verhandlung, als es über die Abänderungen des Herrenhauses abstinimte. gefugt, und, wieder aber nur mit einer Stimme Mehrheit, wenn auch der verkehrten, die Erhöhung zurückgenommeu. Dagegen hat es alle übrigen Abänderungen des Herrenhauses zurückgewiesen. Darunter befinden sich Beschränkungen der Bucheinsicht, die jetzt einge- führt wird, uin den immer ärger wuchernden Steuerdefrau- dationen einigermaßen zu steuern, und der Erhöhung der Steuern der unteren Einkommen, die nun der eigentliche Streitgegenstand ist. Tas Abgeordnetenhaus hat nämlich die Einkommen unter zehntausend Kronen bm der Er- höhung freigelassen, die Erhöhungen erst bei dieser stufe be- gönnen. Die Herrenhäusler wollen aber das„Prinzip" durch- setzen, daß nicht bloß die Wohlhabenden und Reichen, sondern daß alle mehr zahlen sollen, und so haben sie die Erhöhung schon von der ersten Stufe an, bei den Einkommen von 1200 Kronen beschlossen. Finanziell ist die Sache ohne Be- dcutnng(die ganze Erhöhung des Herrenhauses, die sich in bescheidenen Grenzen hält, würde dem Staate noch keine Million Kronen tragen): aber als prinzipieller Gegensatz ist sie von großer Wichtigkeit. Denn die Herrcnhäusler erklären offen, daß sie die„Gleichmäßigkeit" der Besteuerung als der Allgemeinheit des Wählrechtes ent- sprechend erachten, daß wegen der Gleichheit des politischen Rechtes den Millionären keine Erhöhung der Steuer zuge- mutet werden kann, wenn nicht auch den Armen eine Erhöhung aufgelastet wird.(Und das bei gleichzeitiger Erhöhung der Branntweinsteuer, die nur die Allerärmsten tragen!) Tie Herrenhäusler wollen, wie ihr Wortführer offen bekannte, den breiten Massen„zu fühlen geben", daß das allgemeine Wahlrecht sie verpflichte, auch den Großteil aller neuen Steuern auf ihre Schultern zu nehmen. So schwach nun das Abgeordnetenhaus geworden ist, dagegen loehrt es sich, und der Konflikt ist da. Uebec den Ausgang des Konfliktes ist ein Ztveisel un- möglich: wenn das Abgeordnetenhaus festbleibt— und es ist kein Grund denkbar als Hörstens die Feigheit der Bürger- lichen, warum es nachgeben sollte—, muß das Herrenhaus mit seinen Forderungen, die nur dem Hochmut entspringen, abge- wiesen werden und glatt unterliegen. Was natürlich für das Machtverhältnis zwischen beiden Häusern, das sich sehr zu- Ungunsten des demokratischen Hauses verschoben hat, sehr nütz- lich wäre. Vorläufig ist eine gemeinsame Konferenz von Tele- gierten beider Häuser, die in der Gesckstistsordnuiig bei Diffe- renzen zwischen beiden Kammern vorhergesehen ist, in Aus- ficht genommen, aber es ist auch gar nicht ausgeschlossen, daß sich das Herrenhaus vernünftiger zeigt als die Drahtzieher und am Mittwoch, wo es entscheiden soll, dem Beschlüsse des Abgeordnetenhauses ohne Aenderung beitritt. Auch dann wird es ein Erfolg des Abgeordnetenhauses sein. Kommt es aber zu dem Konflikt, den die Ueberheblichkeit der„Kavaliere" heraufbeschworen hat, so wird seine ersprießliche Frucht in jedem Falle das Wachsen der Abneigung gegen diese erste Kammer sein, in der die„geborenen Gesetzgeber" es unter- nehmen, dem Willen des von der Gesamtheit des Volkes be- rufenen Abgeordnetenhauses übermütig und Herausfordernd entgegenzutreten._ Der Stich ins Wespennest. Tie sonderbar« Rolle, die in unserem gestrigen Artikel der Redakteur Ludwig Kühl mit seiner Berichtigung an uns und in der Berichtigung seines Rechtsbeistandes an die„Staatsbürger- zeitung" spielt, unterstreicht Herr Kühl noch, indem er uns eine neue Berichtigung einsendet. Herr Kühl, der unsere Leser offenbar nach den ihm politisch nahestehenden Lesern der„Kreuz- zeitung" einschätzt, schreibt: „Auf Grund des 8 11 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung: In der von Ihnen verantwortlich gezeichneten Nummer 6 des„Vorwärts" vom 7.� Januar 1914 wird in dem Artikel„Ter Stich ins Wespennest" auf Seite 2,«Palte 2 hinter dem Text meines Berichtigungsverlangens an die„Staatsbürgerzeitung" vom 28. Februar 1913 glossierend bezw. kommentierend gesagt. daß meine persönlichen Differenzen mit dem Generalsekretär Herrn Bruno Schroeter einen Monat später durch dessen«eine Ehrenerklärung für mich in sich schließenden) Brief voni 28. März 1913 behoben worden wären, nachdem Herr schroeter Kenntnis von jener Berichtigung erhalten hätte. Das ist unzutreffend und führt zu falschen Schluß. folgerungen. Wahr ist, daß diese Differenzen bereits am Mittwoch, den 26. März, in einem wegen wechselseitiger Beleidi- gung für Herrn Schroeter und mich anberaumten Termin vor dem Schiedsmann zu Steglitz behoben wurden, und zwar durch offene Aussprache, die alsbald dazu führte, daß die, wie ich unter meinem Eide bekunden werde, von einem eljemaligen Angestellten des HauptvereinS der Deutsch-Konfervativen erstmalig aufgestellte Behauptung von der angeblichen Differenz beim Jahresabschluß und von den 106 Proz. Aufschlag auf die Gehälter zugunsten des Herrn Schroeter als absolut haltlos dar- getan wurde, und zwar nach deni beglaubigten Ergebnis der vom vereidigten Bücherrevisor bewirkten Revision. An demselben Tage noch schlössen wir daraufhin einen Sühnevergleich, und der von Ihnen zitierte Brief des Herrn schroeter an mich war ledig- lich der Ausfluß der Sühncverhandlung. Redakteur Ludwig Äuehl." Äußer Herrn Kühl hat wohl jeder Leser unseres Artikels ohne weiteres herausgefunden, daß in der Zeit zwischen der Abfassung der Berichtigung an die„Staatsbürgerzeiiung" und der Niederschrift der Ehrenerklärung des Herrn Schroeter verschiedene Tinge hinter den Kulissen gespielt haben müssen; sagt doch KühlS Rechtsbeistand am Schlüsse der Berichtigung an die„Staats. bürgerzeitung":„Das wettere werden die von Herrn Kühl an- hängig gemachten Privatklagen zur Evidenz erweisen." Die Versicherung KühlS, daß er das, waS er behauptet, auch beeiden wird, macht auf uns riefigen Eindruck. Was auf Kühlsche Behauptungen in preßgcsetzlichen Berichtigungen zu geben ist, zeigen ja die veröffentlichten Proben. politische Ueberstcht. Der Skandal. DaZ Sehnen der bürgerlichen Presse nach amtlicher Aufklärung über die Kronprinzen-Telegramme bleibt ungestillt. Die„Franks. Leitung" hält auch gegenüber den schüchternen DemenlierungS- versuchen ihre Nachrichten über die beiden Telegramme an den General v. Deimling ausdrücklich aufrecht. Auch der Wortlaut: „Immer feste draus" sei im wesentlichen richtig. Die„Nordd. Allg. Zeitung" aber schweigt in allen Tonarten. Auch über die doch wirklich dringenden Maßnahmen, die die Regierung zu treffen gedenkt, um dielen ewigen Uebergriffen des persönlichen Neben* regimcntS ein für allemal ein Ende zu machen,. verlautet nicht das geringste. Dagegen wissen Straßbnrger Zeitungen zu melden, daß General v. Deimling in kurzer Zeil straßburg verlassen werde. Der Statthalter Graf Wedel habe, nachdem der Kaiser zunächst den Vorschlägen de? kommandierenden Generals v. Deimling zugestimmt hätte, sein eigenes E n t l a s s u n g s g e s u ch und daö des Staatssekretärs Frhrn. Zorn von Bulach, sowie der UnleistaatS- sekretäre angekündigt, falls der Zivilbehörde nicht recht ge- geben werde; dies müsse in der Form geschehen, daß das Regiment 9g von Zabern entfernt und daß General v. Deimling versetzt werde. Gegenüber dieser Absicht aller obersten Spitzen der Zivilverwaltung, ihre Entlassung zu nehmen, habe der Kaiser, noch bevor der Reichskanzler in Donaueschinge n ein getroste» war. seine Entscheidung im Sinne de» Statthalters getroffen: als Herr v. Beihmann Hollweg ankam, war die Sache bereits erledigt und er hatte sich vergebens bemüht. Deshalb konnte denn auch Herr v. Bulach erklären, die Demission sei nicbt mehr nötig. Ob diese Darstellung richtig ist und Herr v. Deimling Straß- bürg verlassen wird, muß freilich abgewartet werden. Aber allzu lange sollte die Regierung die Oeffentlichkeit wirklich nicht mehr auf Aufklärung warten lassen.___ Maximen ä ia Krupp. Der Patriotismus ist manchmal ein sehr rentable» Geschäft. Von der Firma Krupp weiß nian, daß sie Panzerplatten zu einem bedeutend niedrigeren Preise nach dem Auslände verkaufte als den, den sie von dem eigenen geliebten Vaterlande verlangte. Zu denen, die an den näbrenden Brüsten der Heeres- und Marineveiwaltung saugen, scheint nach einem uns vorliegenden Zirkular einer Straß- burger Nahrnngsmiltelscibrik auch die bekannte M aggi-Ges ellschaft in Singen(Baden) zu gehören. Tiefe Siraßburger Konkurrenzfirma der Maggi-Fabrik teilt in genanntem Zirkular glaubhaft mit. daß die deutsche Heeres- und Marineveiwaltung in recht eigen- artiger Weise von der Maggi-Gesellschafl gerupft worden sei. Und zwar aus folgende Art: Die Maggi-Grsellichaft stellt die bekannte«uppenwürze her und lieferte diese wenigstens bisher auch an die Heeres- und Marine- Verwaltung zur Verpflegung der Mannschaften. Aber nicht etwa zu dem Preise, den Händler und Großabnehmer bezahlen, sondern viel teurer. In dem uns vorliegenden Zirkular wird folgende Preis- tobelle aufgemacht: In 25 Kilo- In 10 Kilo- In Flaschen Korbflaschen Korbflaschen Nr. ö Außer- Bruttopreis halb laut Preisliste p. IcA 3,56 M. 3.70 M. 4.30 M. Armee und ab 7 Proz. Marine Robait laut Preisliste„„ 0,25 0,26„ 0,33„ Nettopreis. p. kg 3,25 M. 3,64 M. 4,47 M. Nettopreis für Armee und Marine...,4,—„ 4.25„__ 6,—„_ Mithin Ueberpreis für Armee und Marine. p. kg 0.75 M. 0,71 M. 1,58 M. in Prozenten..... 23 Proz. 20 Proz. 34 Proz. Zu diesen Ziffern bemerkt daS Zirkular: „Di« Gesamnumme der auf diese Weise von der Maggi» Firma allein beim deutschen Heere und der kaiserlichen Marine zuungunsten der MannschaftS Verpflegung er- zielten hohen Heb er preise beträgt schätzungsweise jährlich in i n d e st e n S 100 000 Mark." Die Stroßburger Konkurrenzfirma behauptet, diese Feststellungen Wiederboll gemacht und die Maggi-Firma zur Beleidigungsklage auf- gefordert zu haben. Man habe aber weder geklagt noch die Be- schuldigung zu entkräften vermocht. Da bei der Heereö- und Marincverwaltung bisher allerhand möglich geweien ist, so muß man»ach den Beschuldigungen der Siraßburger Firma gegen die Maggi-Geiellschast annehmen, daß der MiliiärfiskuS sich auf Kosten der Steuerzahler und zum Schaden der Soldaien um Hunderttausende von Mark hat betuppen lassen. Die Oeffeiillichkeil hat ein Interesse daran, zu wissen, ob die Be- schuldigungeii der Siraßburger Firma auf Tatsachen beruhen und. wenn ja, ob die Militärverwaltungeii noch geschäftliche Beziehungen mit der Maggi-Firma unterhält. Sozialdemokratische Laudtagskandidatur. An Stelle de» verstorbenen Genossen Riem-Dresden, der Ab- geordneter des zweiten ländlichen Wahlkreises in der Zweiten Kammer des sächsischen Landtages war, wurde in einer Sitzung der in Betracht kommenden Parteiorganisationen einstimmig Genosse Gustav Zwahr, Gauleiter des TexiilarbeiterverbandeS in NeugerSdorf— dem Hauptort des Kreises— gewählt. Zwahr kan« Vidierte bereits bei der letzten Haupiwahl in einem Wahlkreise des Bezirks Zwickau.— Von den bürgerliweii Parteieil ist bisher nur soviel bekannt, daß die Naiionalliberalen und Freisinnigen auch dies- mal— wie bei der vorigen Wahl— eigene Kandidaten aufstellen. Ter Wahlkampf dürfte infolge der eigenartig gelagerten Verhältnisse ebenso heftig wie inleressanl werde». Unsere Partei ist gerüstet und fertig mit dem Agitations- und Organii'ationSplan. „Unpolitisch?" Der KreiS-Krieg. erverband Neu markt in Schlesien hielt am letzten Sonnlag leine übliche JahreSvertammlung ab. Diele sandle nach einem Rückblick aus die Vorfälle in Zabern und deren Behandlung im Reichstage nachstehendes Telegramm an den ÄriegSmii'ister v. Falkenhayn ab: Neuniarkt, den 4. Jan. 1914. Die heute hier versammelten Vertreter der Vereine deS Kreis-KriegerverbandeS Reumarkt in Schlesien sprechen Euer Exzellenz ihre dankbare Zustimmung aus zu der c n e r g l s ch e n Abwehr der gehässigen und aufregenden An- griffe gegen das Heer gelegentlich der Behandlung der Zaberner Vorfälle im Reichstage. Sie danken sür die scharfe Z u r ü ck w c i s u» g aller Versuche, das Heer zu demo- kransieren und für die Betonung deS RechtS und die Pflicht unserer Wehnnacht, sich gegen Beichimpfunge» und Beleidigungen mannhaft zu schützen. Der Vorsitzende: Graf von Carmcr- Zieierwitz." Nun behaupte noch einer, die Kriegervereine sind unpolitisch: Erledigtes RcichstagSmauda,. Wie gemeldet wird, hat der RcichStagSabgeordnete Graf v. Brudzewo-Mielzynsl, sein Mandat niedergelegt. Dadurch wird im Kreise Samter-Birnbaum-Schwerin-Obornik äter Posenscher ReichStagSwahllreis) eine Ersatzwahl i'ölig. Bei der letzten Wahl wurden 16 857 polnische, 13164 konservative, 1084 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Arbeitsloscnfürsorgc. Die Arbeitslosenfürsorge der Stadt Frankfurt a. M., über deren Vorbereitung wir schon berichtet haben, ist inzwischen in Kraft getreten. Ledige Arbeitslose erhalten eine tägliche Unterstützung von 7v Pf., Verheiratete von 1 M. Für jedes Kind werden 15 Pf. ge- währt, bis zum Höckistbetrage von 60 Pf. Wer laufend Armen- Unterstützung bezieht, hat keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. ebenfalls Gelegenheitsarbeiter nicht. Gleichzeitig hat der Magistrat für Noistandsarbeiten gesorgt. Wer nach seiner Berufsausbildung und seinen Kräften zur Verrichtung von Notstandsarbeiten fähig ist. hat diese zu verrichten. Bei Weigerung hat er ebenso wie der, der sich weigert. Arbeiten, die ihm nachgewiesen werden, anzunehmen, keinen Anspruch auf Unterstützung. Stellen, die durch Streik oder Aussperrung frei geworden sind, braucht niemand anzunehmen. Von der Unterstützung ist ausgeschlossen: wer aus anderen Quellen (Unterstützung aus Gewerkschaflskassen) ein tägliches Einkommen von 2 M. hat. Die Arbeitslosenfürsorgs soll der Vorläufer für eine städtische Arbeitslosenversicherung sein, deren Emrichlung noch die städtischen Behörden beschäftigt. Am Dienstag fand in D ü s f e l d o r s eine sehr stark besuchte Arbeitslosenversammlung statt. Die von der Stadt bisher unter- nomniensn Schritte zur Linderung der Arbeitsloiennol wurden als völlig ungenügend bezeichnet. Nach der Versammlung zog ein grofzer Teil der Arbeitslosen vor das Nathans und rief dorr nach Brot und Arbeit. Dann wollten die Arbeitslosen vor die Qber» bürgermeisterwohnung im Schlofj Jägerhof ziehen, ein starkes SchutzmannSaufgebot trieb aber die Hungernden auseinander. Beginn des Itraffcldzuges in Neu-Kamerun. - Aus Kamerun ist die drahtliche Meldung des G ouvernementS eingegangen, dag der Tod des Oberleutnants v. Raven nunmehr feine Sühne gesunden bat. v. Raven war am l2. Oktober vorigen Jahres beim Vorgehen gegen das zwei Tagemäiiche nordwestlich von Nola am Sanga gelegene Dorf Nguku, dessen Häuptling Gobola schon der französischen Verwaltung dauernd Schwierigkeiten gemacht hatte, von den Eingeborenen durch einen Lungenschuß getötet worden, während bei derselben Gelegenheit Bezirksrichter Dr Seger durch einen Schuß in den rechten Oberschenkel verwundet worden war. Auf die Nachricht von diesen Er- cignissen ist der Leiter des Bezirks Mittel-Sanga-Lobaye, Haupt- mann v. Puttkamer, sofort von Mbaiki ausgebrochen, um die aus- ständischen Dörfer zu unterwerfen. Er eroberte mit der 6. Kom- pagnie der Schutztruppc am 18. Dezember das Hauptdorf Nguku nach hartnäckigem Widerstand und begann sofort die Verfolgung des fliehenden Gegners. Aus unserer Seite wurden zwei Soldaten vertoundet, die Verluste des Gegners waren bedeu- t e n d. Ein weiteres Vorgehen scheint noch gegen die Häuptlinge nördlich und nordöstlich von Nguku erforderlich, soweit sie sich der Aufstandsbewegung angeschlossen harten. Wir teilten vor einigen Tagen mit, daß auch der Kommandeur der Schutztruppe von Kamerun mit einer starken Truppenmacht zu einer auf sechs Monate berechneten Expedition in die neuen Gebiete abmarschiert ist. Auch er wird natürlich bald den Ein- geborenen mit blauen Bohnen die Hochachtung vor deutscher Kultur beibringen. Ein preußisches Fideikommißgesey. Dem preußiscbcn Hmenhaus ist der Entwurf eines Fideikommiß- gesetzes zugegomzen. Er siebl eine Reihe Bestimmungen vor. die einer mir dem Gemeinwohl nichl vereinbaren Errichtung von F'dei» kommissen vorbeugen iollen. Das Ziel wird aber nichl erreicht, wenn nichl erhebliche Aenderungen dcS Entwurfs vorgeiiommen werden. Von jeder Beschränkung in bezug aus die fideikommisiarische Bindung von Mald ist. abgesehen. Für die Verwendung. von landwirtschastlich ge- nutzlen Gcländen in Fideikommissen ist eine Mindestgrenze vonZOO und eine Höchstgrenze von 2500 Heklar vorgeschrieben. Die Emchlung von Fideikommissen in Bezirken, wo die sideikommissarische Bindung von Grund und Boden bereilS eine überlriebene Ausdehnung gewonnen bal, soll unterbleiven. Damit die fidei- kommissarische Bindung den öffentlichen Jnleressen, insbesondere der inneren Koloniiaiion und der Enlwickelung von Gemeinden und anderen öffemlicken Korporationen nickt hindernd im Wege steht, ist vorgesehen, daß von Fideikommissen Gelände verkauft werden kann. Endtick soll die Aufhebung von Fideikommissen er- leichtert werden.— Der Entwurf tut atio dem sideikommißlüsternen Großgrundbesitz nickl wehe, und die Herrenhäusler dürsleu sich bemühen, die Vorlage uock mehr abzufchwächeu. Wieder ein Spionageprozeß. Wegen Vergebens gegen das Gesetz, betreffend den Verrat mili- tärischcr Geheimnisse, waren die Handelsickülerin AnysaS aus Riga, der Filmsckauspieler Kiehn und das Stubeninädcken FincE aus Char- loltenburg angeklagt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeil stall. Auch die Urteilsbegründung wurde unier Aus- sckluß der Oeffenltickkeit bekannt gegebe». Das Urieil lautete gegen die Angeklagte Aulisas und gegen den Augektaglen Kiebn auf je ein Jahr Gefängnis unler Anrechnung von je drei Monaten der er- litlenen Untersuchungshaft und gegen die Angellagte Finck auf zwei Monate Gefängnis, die als verbüßt erachtet wurden. England. Chamberlains endgiiltiger Rücktritt. London. 7. Januai!. Joseph Ehamberlain hat in einem Briese seinen Wählern in Birmingham mitgeteilt, daß er sich bei Gelegenheit der nächsten allgemeinen Wahlen von der p a r l a- in entarischen Tätigkeit zurückziehen werde. Er be- dauere, seinen Wahlkreis, den er 87 Jahre vertreten habe, auf- geben zu müssen, meine jedoch, daß Birmingham einen jüngeren Mann brauche, der an den parlamentarischen Kämpfen einen tätigeren Anteil nehmen könne. Als Nachfolger Joseph Chamber- lains werden seine«ohne, Austen Ehamberlain oder Rcville Ehamberlain, genannt. Schweden. Mandatsuiedcrlcgung eines sozialdemokratischen Abgeordneten. Der sozialdemokratische Abgeordnete für Helsingborg. Genosse Christieruson. hat sein Mandat zur Zweiten Kammer niedergelegt, weil er in der Militärfrage mit seiner Parteiorganisation in Konflikt geraten ist. Chrisliernson war früher scharfer Antimililarist und er hat im Reichslage manchen glücklichen Hieb gegen die Nachäffmig des preußisckcil Drills gefübrt. Herr Siauff ist aber ein kluger Mann, als er nach seiner Uebcrnallme der Regierung vor 2 Jahren die LandcsverteidiguugSkoinmiision einsetzte, berief er auck Christiern- sou in diese Kommission. Dieser ist nun während der Kommiisions- arbeiten zur Ueberzeugung gekominelr. daß man weder.eiilivassiien" wie das Parteiprogramm verlangt, noch Herabietzung der Uebungs- zert vornehmen kann, wie seine sozialdemokratischen Kollegen in der Kommission es fordern, sondern eine Verlängerung der Uebungszeil der Infanterie, insbefoiidere durck Einführung der Winterausbildung, durchführen müsse, wenn den Zwecken der Landesverteidigung ge- dient werden soll. Die größte Parteiorganisation seines Wahlkreises hat sich mit der Angelegenheit befaßt und in einer Resolution ihre gegenteilige Auffassung niedergelegt. Unser Genosse hat daraus die Koniegiicuzen gezogen und sein Mandat niedergelegt. Diese eigentlich ganz selbstverständliche Hallung eineS jeden Ab- geordneten, insbesondere eines Sozialdemokraten, bat der bürgerlich redigierten Presse reichlichen Stoff zu Kannegießereicn geliefert. Natürlich ob der Unterdrückung der Meiliungsireihett in der Sozial- demokratte. Davon kann aber selbstverständlich gar keine Rede sein. ' Sozialdemolraiische Abgeordnete haben von ihren Organisationen die Mandate erhalten unter Voraussetzung, daß sie die Politik der Sozialdemokratie vertreten. Wie lange das gegenseitige Vertrauens- Verhältnis fortbesteht, darüber zu entscheiden, kommt lediglich der Partei und ihren Vertretern zu. Chrisliernson hat mit seiner Mandiitsniederlegung nur gezeigt, daß ihm als«ozialdemokrat mehr am Vertrauen seiner Wähler als a>n Mandat gelegen ist. Albanien. Ein Putschversuch. Valona. 7. Januar. Gestern abend ist hier der Dampfer „Meran" von Konstantinopel aus eingetroffen; an Bord befanden sich zweihundert Soldaten und sechs türkische Offiziere, welche die Absicht hatten, bei Nacht zu landen und die Bevölkerung aufzuwiegeln, um I z z e t Pascha zum Fürsten von Albanien zu proklamieren. Die provisorische Regierung ließ sofort im Einverständnis mit der Kontrollkommission und den holländischen Gendarmerie- offizieren die Türken festnehmen. Das Ereignis hat einen tiefen Eindruck hervorgerufen. Ueber die Stadt ist der B e l a g e r u n g s z u st a n d ver- hängt worden._ Ein Dementi Jzzet Paschas. Wien. 7. Januar.(W. T. B.) Der Konstantinopeler Korrc- spondent der„Neuen Freien Presse" befragte den früheren Kriegs- minister Jzzet Pascha über das Gerücht von seiner Proklamation in Durazzo. Der General erwiderte wörtlich: Davon weiß ich gar nichts. Sic können melden, daß ich der Sache gänzlich fernstehe, ich habe ein amtliches Dementi betreffs meiner Person bereits veranlaßt. Ich besitze wohl Güter in dem jetzigen griechischen Südalbanien und Verwandte und Freunde in Rordalbanien. Mit Essad Pascha, namentlich seit seinen Heldentaten in Skutari,'stehe ich in freundschaftlichem Briesivechsel, ich habe aber t e i n c n p o l i- tischen Ehrgeiz, sondern will nur nach 10 Dienstjahren wieder ausruhen und Europa besuche». Um meine Enthebung habe ich selbst nachgesucht, well ich infolge von Rücksichten auf die alten Kameraden der geplanten Hceresreform nicht' im Wege stehen wollte. Ms öer Partei. Zur Maifeicrfragc. 'Eine Konferenz für den Wahlkreis Bochum- Gels ew- kircheu nahm zum Punkt Maifeier 1914 folgende Beschlüsse an: 1. Die diesjährige Maifeier soll an einem Orte als Zentralfeier stattfinde:!. 2. Festliche Abendveranstaltungen in einzelnen Orten sollen nicht Veranstaltet werden. 3. Ort und Zeitpunkt der großen Deranstältung zu bestimmen wird dem Ausschuß überlassen. Begründet wurde der. Autrag mit dem Hinweis, daß der dernon- strative Charakter der Maifeier die Zusammenziehung- der Teil- nehmer zu einer geschlossenen Masse erfordere. Borussisches ans der Nordmark. Am ö. Januar sollte auf Veranlassung unserer Genossen in Flensburg der Leiter der sozialdeniolratischen Partei Dänemarks, Vizepräsident des FolkethingS, Genosse Staunrng auS Kopenhagen, in Flensburg einen Vortrag halten/ in dein er Vergleiche zwischen dem preußischen und dem dänischen Wahlrecht ziehen wollte. Der Regierungspräsident in Schleswig hat, wie das bei der cchtpreußischen.Verwaltungspraris in«chleswig-Hvlsteiu nicht weiter erstaunlich ist, das.Auftreten des dänischen Sozialdemokraten in Flensburg, u n t e r s.a g t. Die sozialistische Einigkeit in England. London, 6. Januar.(Eig. Ber.) Die anläßlich der Londoner Sitzung des Internationalen Bureaus gefaßten Einigungsbefchlüsse sind prompt durchgeführt worden. Die drei Fraktionen haben ihre Vertreter zu dem gemeinsamen Komitee, das die nächsten Schritte unternehmen soll,' gewählt, und die. erste Sitzung des Komitees hat bereits stattgefunden. Es nennt sich„Komitee für sozialistische Emigungsdemonstrationen". ES wurde beschlossen, g e- m e i n s a m e E i n i g u u g s d e m o n st r a t i o n e n ig London, Manchester, Leeds. Cardiff, Neweastle,. Birmingham, und Glasgow zu veranstalten. Tic erste soll im Anschluß an den Parteitag der Arbeiterpartei Ende dieses Monats in Glasgow' stattfinden, die übrigen an den folgenden Sonntagen, so daß die.Kampagne ani 15. März, also kurz vor den Ostcrkonfereuzen der B. S. P. und I. L. P„ die das letzte Wort haben, abgeschlossen wäre. Es wurde vereinbart, daß jede Demonstration von einem gemeinsamen Komilee der lokalen Parteiorganisationen vorbereitet werden solle. Wo sich die lokalen Genossen nicht einigen können, da wird die respektive Zentralorganisation einschreiten. Einheltsbestrebuiigeu in der Schweiz. Einen weitere» Schritt zur Einheit der Partei haben nun auch die beiden Arbeiter- Sängerverbände in der Sckweiz gemacht. Der eine davon, der ältere, ist der Verband schweizerischer Grütli- inännercköre. der Ende 1912 161 l Mitalieder zählte, und der andere ist der Schweizerische Arbeiler-Sängerbund mit 3058 Mitgliedern, die zum großen Teil den Arbeiler-BHdungsvereiuen augebören. Die Zentralvorstände beider Verbände baben nun beschlossen, ivenigstens mir der gemeinschaftlichen Herausgabe des GeiangsstoffeS den An- fang zu machen und so auf eine Verschmelzung der beiden Verlags- geschälte»u einer Verlagsgememschaft hinzuwirken. Weiter soll im Jahre 1917 ein gemeinschaftliches Arbeitersängerfest abgehalten werden, während bisher jeder Verband sein eigenes Sängerfest ver- anstaltete. So ist der Ansang zur Verschmelzung der beiden Arbeiler-Sängcrvcrbände gemacht, deren Zustandekommen dem Ge- danken der weiteren Vereinbeitlichung der schweizerischen sozial- demokratischen Partei ebenfalls förderlich sein würde. Parteilitcratur. Ein Vvrwärts-Wand- und Adreihkalendrr für dnZ Jahr 1914 ist von der Buchdruckerei Vorwärts herausgegeben worden. Ter Kalender, dessen vorzügliche Ausstattung rückhaltlos anerkannt l verde» muß, unterscheidet sich vollständige von dem landläufigen Kalendermaterial. Er bringt auf jedem Blatt historisch- Taten. die der Kultur- und Parreigeschichte entstammen, ohne den sonst üblichen dynastischem und kirchlichen Äalenderballast. Wichtige statistische und andere Angaben über politische und wirtschaftliche Frage», über alle Zweige der Arbeiterbewegung und viele der sozialistischen Gedankenwelt entspringende Sinnsprüche und Dichter- worte sind auf der Rückseite der einzelnen Datumblätter zu finden. Düe geschmackvolle in Buntdruck ausgeführte Rückwand machr den Kalender zu einem Zünmerschmuck, der rn jjder Arbgiterlvqhnurrg seinen Platz zu erhalten verdient. Ter Verlag hat mit diesen: Kalender ein dem Fühlen und Tente» der Arbeiterschaft ent- sprechendes Werl geschaffen, dem die weiteste.Verbreitung zu wünschen ist. Ter Preis des in großem Format mir schönem, klaren Druck gehaltenen Kalenders(Blattgröge 19:.11 Zentimeter) beträgt 1,50 M. polizeiliches, Gerichtliches usw. Prehprozeß. Bei den Ortskrankenkaffenwahlen. die in den letzten Wochen in Kempten und im bayerisehen Algäu stattfanden, haben die Christlichnationalcn die Agitation gegen die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratie in de? rüdesten Form betrieben. Be« sonders hat sich dabei der christliche Arbeitersekretär Ben gl in Kempten hervorgetan. Tie„Schwäbische V o l k sz e i t n n g" in Augsburg hatte deshalb das Gebaren des christlichen Führers einer Kritik unterzogen, die allerdings für diesen nicht sehr schmeichel- Haft ausgefallen ist. Bengl klagte deshalb wegen Beleidigung und der Verantwortliche der„Schwäbischen Voltszeitung", Genosse Simon, wurde wegen formaler Beleidigung zu 5 0 M. ßi c 1 d- st rase verurteilt. Mus Znöustrie unö yanöel. Eine neue Lücke im Zolltarif. Der Zenrralverband der Weinhändler Rordde.utschlandS schreibt uns: Eine neue Lücke im Zolltarif ist vor einiger Zeit� entdeckt worden, und schon sind weile Kreise dabei, um für ihre Beseitigung bei der Ausstellung des nächsten Zolllorifcs zu sorgen. So brackie vor kurzer Zeit die„Korrespondenz für Volkswirtschaft" einen längeren Artikel, der sich mit dem deutschen Weinzoll befaßte und natürlich behauptete, daß dieser viel zu niedrig wäre, und daß es uubeirnigt notwendig sei, gegenüber Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und einigen kleineren Weinausfuhrländern ...einen anständigen Zollfchutz für unsere Weinprodukte herauszu- holen. Dieser ist eine absolute Voraussetzung für die weitere Existenz unserer Weinproiduzenren.. Sollte er sich nicht erreichet: lassen, dann wüßten wir tatsächlich nicht, wofür wir dann eigentlich noch„nationale" Handelspolitik treiben; dann können wir uns gleich überhaupt dem Auslande ausliesern". Wenn der tempera» mentvolle Schreiber dieser Ausführungen einmal einen Blick in chas neueste„Statistische Jahrbuch für daS Deutsche Reich" getan hätte, so hätte er auf Seite 148 finden können, daß jetzt schon der eingeführte auslänidische Wein mit einem Zoll von 45 Proz. seines Wertes im Durchschnitt belastet ist. Bei den billigen Marken steigt die Zollbelastung sogar auf 100 Proz. und mehr des Wertes Jeder Unbefangene wird das sicherlich als einen ganz„anständigen Zollschutz" bezeichnen müssen. Der Ber- fasser irrt auch' vollkommen, wenn er meint, durch eine Berteue- rung der ausländischen Weine den Absatz der deutschen Gewächse heben zu können. Der Konsum, deutscher Weine ist in den letzten fahren deswegen etwas zurückgegangen, weil einmal die Ernten nicht sehr ergiebig waren. und weil außerdem die Vorschriften des Weingesetzes von 1909 das Verschneiden und da» Zuckern der Weine, das für viele deutsche Gewächse absolut notwendig ist, außerordentlich beschränkt haben. Wenn der ausländische Wein verteuert wird, so wird es dem Publikum durchaus nicht einfallen, nun zu den saueren, einheimischen Gewächsen überzugehen, sou- .dern es wird stall Wein andere Getränke bevorzugen und Wein» Handel und Weinbau werden das Nachsehen haben. Alle- Treibereien auf Erhöhung der Weinzölle und womöglich noch schärfere Vor- schriften für Weinbau- und Weinhandel kommen immer nur den iwenigen, in der Regel kapitalkräftigen Weingutsbesitzern zugute, welche hervorragend gute Qualitätsweine erzeugen und hierfür natürlich Liebhaberpreise erzielen können. Der kleine Winzer aber wird durch diese Politik genau so geschädigt wie der Wein» Handel und der Wcinkonsument. Rückgang des Stahlvcrbrauchs. Der Dezsmberversand deS Stahl« werksverbaudeS'weist mit 450 000 Tonnen einen abermaligen Rück- gang gegen den Vormonat(462 195 Tonnen) und den Dezember des Vorjahres(527 450 Tonnen) auf. Der Rückgang betrifft wiederum Nur Halbzeug und Formeisen, während der Versand an Eisenbahn» Material stieg. Gerade das spricht aber für einen starken Konjunktur« rückgang in der Privaündustrie. Letzte Nachrichten. Aus der elsaß-Iothriiigischeu Kammer. Strahbnrg i. Elf., 7. Januar.(W. T. B.) In der heurige» Nachmittagssitzung der Zweiten Kammer des clsaß-lothringische» Landtages erklärte sich die Regierung zur Beantwortung der Jnterpellätion betreffend die Vorgänge in Zaber» und des B a u a r b e i t c r st r c i k s in Mülhausen in der kommenden Woche bereit.— Untcrstaatsiekrctär K o e h l e r verbreitete sich über den HaushaltSetal, und betonte, daß die gegen- wärtigc Finanzlage schlechter denn je sei, infolge der erhöhten Mehrausgaben für 1913 und der Abwanderung des Kapitals ins Ausland. Andererseits nehme das Reich immer mehr der indirekten Steuern an sich, so daß wohl nur die direkten Steuern ein« Besserung der Finanzlage erboffen ließen. Die Regierung habe daher erwogen, ob nicht die Einschätzung zu dem Wehrbeitrage die Grundlage zu einer Steuerreform bieten sollte. In der Debatte erklärten die Abgeordneten Marh (Zentrum) und Bochle(Soz.l, daß an der Abwanderung des Kapitals ins Ausland die Maßnahmen des llnterstaatssckreiärs Mandcls schuld seien, ebenso der. Wehrbeitrag. Eisenbahnerstreik in Südafrika. Londou, 7. Januar.(P r iv a t t e l eg ra m m d es„Vor. wärt S".) Eine Massenversammlung der Eisenbahner in Pretoria sprach sich gestern für den Generalstreik auf allen Staatsbahnen der Südafrikanischen Union aus. Der Streik soll morgen, Donners- tag, beginnen und würde, falls sich alle Eisenbahner daran bc- teiligten, 3 5 0 0 0 Mann umfassen. Die Ursache des Kampfes ist iij der von der Regierung seit einiger Zeit befolgten Politik der Einschränkung des Betriebes zu suchen. Die Regierung sucht diese Notwendigkeit unter Hinweis auf die jetzige schlechte finanzielle Lage des Betriebes zu begründen. Um zu sparen, sind Hunderte von Arbeitern entlassen worden, vielen anderen droht das gleiche Schicksal. Tie Arbeiter erklären, daß die Entlassungen absolut ungerechtfertigt sind und versichern, daß die Werkstätten der Eisen- bahnen mit Arbeiten überhäuft und sich der ganze Lokomotiv- und Wagenpark in einem äußerst verbesserungsbedürftigen Zustande befinden. Tie Arbeiter haben das Empfinden, als ob die Re» gierung die finanzielle Lage nur hervorhebt, um die Löhne herabdrücken zu können. So wird zum Beispiel ein Fall zitiert, tvo. ein Manu entlassen tvurde, aber gleich darauf lvieder zu einem geringeren Lohne angestellt wurde. Die Eisenbahner sind der Meinung, daß ihnen die Regierung jetzt wegen ihrer solidarischen Haltung wälirend des Goldgräberstreiks heimzahlen wolle. Auch trifft die Regierung militärische Vorbereitungen im großen Stile, insbesondere häuft sie an strategischen Punkten Munition und Waffen an. Wie es heißt, sollen auch Streikbrecher unter militari� schem Schutz importiert werden, falls die Bergarbeiter sich den Eisenbahnern anschließen würden. Nach einer Korrespondenz der„Daily Mail" sehnen sich viele Persönlichkeiten in Johannisburg nach einem o f f e n e n K a m p f e mit der Arbeiterschaft. Bezeichnend für die jetzige Situation ist auch die gestrige Erklärung Bothas/daß die Re, gierung in der nächsten Parlamentssession ein Gesetz zum Schutze der Arbeitswilligen einbringen werde. » Pretoria, 7. Januar.(W. T. B.) An alle Uiiterverbände de» Eisenbahnarbeiterverbandes erging der förmliche Befehl, den Au«. stand um Mitternacht beginnen zu lassen. Nach Schluß der heule vormittag abgehaltenen Sitzung des Ministerrats reisten die Minister Smutö und Malan sowie der Chef der Polizei eiligst nach Johannisburg. Die Regierung hat ihre Maßnahmen zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung vervollständigt, Verwaituug Kerlin.— Vergolder! Uhr, Montag, den 12. Januar, abends SVi im Gewerkschaftshans, Saal 1: Brau eben»Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Lranchenkommisjion. 8. Wahl der Delegierten zur Genewloenaminlung sür IZIZ. 81/10 l>ie Ortsvcrwaltang. Allgemeine Ortskrankenkaffe für Uomames u. Umg. Dom 1. Januar 1914 treten folgende Beitrags- und Klasienverände- rungen in Kraft, von denen unsere vcrehrlichen Arbeitgeber und Versicherten gefl. Notiz nehmen loollen. Für An- und Abmeldungen dürfen nur noch die geschriebenen Formulare verwendet werden. vor Vorst«»«!. Bekanntmachung betreffend die Wahl des Bor- standes der Orts- krankenkasse für das Manrergewerbe s;u Berlin. Gemäg K 27 der Wahlordnung geben wir den beteiligten Arbeit- gebcrn und Versicherten hiermit be- koimt, dag von feiten der Ausschuß- Vertreter der Llrbeitgeber und Ber- sicherten nur je ein Waylvorschlag zum Lorstand mit der höchst zu- lässigen Vcrtretcrzahl eingegangen ist. Die Wahlvorschläge werden den Beteiligteii bis zunr 1Z. Januar 1914 auf Wunsch im Kasfenlokal, Berlin 0. 54. Zophienstr. 6, werltäglich von 9— 1 Uhr zur Einsicht vorgelegt. Da nur je cw Wahlvorschlag ein- gegangen ist, gelten die Borgeschla- genen als gewälilt. Ausechtuiigen gegen die Gültigleit d?r' Wahl sind bis zum 20. Januar 1914 bei dein unterzeichneten Bor- stand oder beim BersicherungSamt der Stadt Berlin. Abteilung sür Kraulen- und Unjallversichcrung, au- zubringen. 4S0b Berlin, den 7. Januar 1914. Der Borftand der Ortskraukeiikafsc sür daS tvlaurergewerbe zu Berlin. A Daehne, G. Lehmphul, Vorsitzender. Schristjührer. von der Kasse vor-� 26S/12> ReukersWerke K e r ft e ii,! - Z Lände« Mark■ Buchhandlung Vorwärts Ziehung 13. u. 14. Januar Wohlfahrts- lotterie des Vereins Arbeiterinnen-Wohl* Anzahl der Lose nur 100000 l! 10000 U 5000 I Los 1 Mark, Porto and Liste 20 Pf 5 Lose J.80 M,, fraako forto u. L'ste auch unter Naehnahnie empfiehlt Carl Hemtze, Berlin W. Unter den Linden 3. M atentanwalt Pr!llwitz| Berlin N.W.21.Thurmstraße3�. SINGER Familien- Nähmaschinen sind die vollkommensten! Neue Spezial-Apparate für- den Hausgebrauch. SINGER CO. 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MoutiS Operetten. Die verbotene Stadt. Deutsches Künstler- Theater. schirm und Gertraude. Schiller O. König Lear. Schiller Charlottenburg. Meyers. Theater am Nollendorfpta«. Freddh und Teddy. Theater des Westens. Dolenblut. Berliner. Wie einst im Mar. KomödieiihauS. Hinter Mauern. Steines. Jcitchcn Gebert. Driauou. Analoles Hochzeit. Dvaiia. Die Tangopiinzessin. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reise um die Well in 49 Tagen. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Die Kinokönigin. Roie. Der Schürzenjäger. Kasino. Ferdinand der Tugend- hafte, Herrufcld. WaZ sagen Sie zu Leibusch? Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. tlpollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnie. ilnfatig S1/, Ubr. Luisen. Deines Bruders Weib. Walhalla. Wollenbummler. Folies Cavrice. Der Kuckuck. Manöoerjchwindel. Die Samuels. Admiralöpalast. Die lustige Puppe. Aniang 8'/, Ubr. Neues Bolkstvearer. Der Gras »on Charolais. Ansang 9 Uhr. Berliner Eispalast. Eissport. CinesRollendorf-Dheater.Bariete- Lichtspiele. '.' Sternwarte, Jnvalidenstr. S7— S2 Sdiiiler-Theater 0. (W allner-Tlicatür). Donnerstag, abend! 8 Uhr: KUnls I-ear. Freitag, abends 8 Uhr: Kiinig: l.c.i r. Sonnabend, abends 8 Uhr: HaMomanjns Töchter. Sctiiller-Theatsr Cliarlotteiiburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ziemer«. Freitag, abends 8 Uhr: Zlez-er«. Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Jangfrau von Orleans. Msehes Künstlertheater Sozietät. NSrnberge: StraBa 70171, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Donnerstag. 8 Uhr: Sch Irin und(xertraude. Freitag 8 Uhr: Aufführung der eiirabolk nunean-SoduIo. Sonnabend: Lohirin und llortraudo. 8 Uhr 8 Uhr. 1 Hoheit— der Franz! Musilalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterbcrg. Morgen u. s. Tage: ltokoit. dor ssranr! Sonntagnachm.: Seklawagonlionlrol. Iheater des Westens. 8 Uhr: Dolenhint. Mittwoch ii. Sonnabend nachm. 4 Uhr Das tapiere Schneiderfein. Tbeater m Nolleoiiorfplaiz l Allabendlich 8 Uhr: Freddy mh Teddy. OcattiebesSehansp ieihaat, 8 Uhr: Wer zuletzt lacht.... l fdsaiei'ialiel'WgMki'Zli'aös Abends VI, Ubr: König Richard III. Komödienhaus. AbendS 8 Uhr: Hinter Hauern. kM.-WMM. Tliealer. Zum 273. Male: Die Kino-Hönixin. Overette in 3 Alten. Kasfencrostn, 7 Uhr. Aus. 8 Uhr. Soniiabcndnachm.: Emilia Galotti. Sonntag, lt. Jan., nachm. 3 Uhr: Die heasche Susanne. 0SI-THEATEI Großer Alpen-Ball zugunsten, des Baufonds Sonnabend, den 10. Januar in den Gesamträumen der Brauerei Friedrichshain (am Königstor). Beginn 9 Uhr abends. — Preis 4er Karts im Vorverkauf 75 Pfennig.= 1, Zu haben in allen Zahlstellen. 155/1 Srauerei Triedrtehshain Täglich: Das größte originellste Bayer. Bockbier-Fest Mittwochs und Donnerstags: EBite-Tage. Jk»«Ion" MPiipp«ti*aR« 82—7 Große iiranfiuncr Str. 132. Abends 8 Uhr: Der Schärzenjöger. Posse m. Gesang u. Tanz in 3 Akten. Morgen: Der 8chürzcnjäKcr. Sonnabend 4 Uhr; Hansel u, Grete!. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: AnatoieM Hochzeit. M ßiötps tiislöaWs: 50 wilde Weiber Männer und Kinder. Der unersättliche Froschschlucker. -- Eintritt 50 Pf.-- Soldaten und Kinder Pf. :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraSe 82,— ZimmerstraBe 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Husikk. Kalser-Alexander-Garde-Gren.-Regte. Dirig. Kgl. Musikdir. Brase. und Tegernseer nnd Zilicrthalcr Hnsihanten, Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Fi Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gf. NSCllMlllAg8-«llNie!'l Arnold Scholz. Neue Welt. HuHcnhcidc 108/114. Heute Donnerstag, den 8. Januar 1914; dite-Tag:. Bockbier-Test Braten eines ganzen Ochsen. Im neuen Saal: Großer BALL. SO bayr. Had'l! 5 Kajielleu. Tanz-Rad. Anfang 7 Ehr. Entree SO Pf. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wie einst Im Hai. Betanttt. Redait.: Alfred Wirlepp, Neukölln. Lnferatentell veraniw. Th. Glocke. L-rli». Druck u. Verlag:«orwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer öd Co.. Berlin SV/. Hierzu 3 Beilage» u. Unterhaltungsbl. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Walhalla-Theater. Täglich 8'/. Uir: Woikenbnmmler. Posse in 3 Akten von Heim. Stein. Enisen-Theatcr. Täglich 8'/. Uhr; Deines Bruders Weih. Schausp. in 6 Bild, von G. Ritterseid. URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Hit Ballon und Fingzeug über Berg and Tal. Das Programm der Hörsaal- Vorträge im I. Quartal 1914 ist erschienen und kostenlos erhältlich. ttollto Donnerstag, den 8. Januar, abends T'/a, Uhr: Gr. Gala-Vorstellung. Original Little Fred's mit ihren Akrobaten u. kunsfc- reitenden Hunden. Therese Renz mit ihren dressiert. Elefanten und Ponnvs n. d. ühr. neuen At traktionen. Um 9'/, Uhr:-HM Das grobe Ausstattungsstück vom Turf in 7 Bildern «Tipp« der Derby-Favorit 1914. Zirkus Büsch. Heute Donnerstag, den 8. Januar, abends VI, Uhr. Nur noch 4 Tage! KapL RuSängs Phänomen. Scclöwcn- snsemblc. Marino, der Bezwinger des Autos, sowie Austreten aller großen Januar-Attraktionen. Zum Schluß: „Pompeji«. Oria. Ausilattungs-Pantomime des Zirkus Husch in 5 glänz. Akten. Miss Gaprice. Anfang präzise S1/, Uhr Der Kncknck. Manöversch windel. Die Saniuols. Mstropol- Theater. Abends präzise 7 Ubr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. CasinosTheater Lothringer Ilrage37. Täglich 8 Uhr. Nur noch beute Donnerstag, den 15. Januar: Ferdinand der Cngendhafte. Freitag. 18. Jan.. zum 1. Male: „Die olle Webern". Sonnt. 4 U.: Geheimnisse v New York. Berliner Praler-Thealer Kastanien-Allee 7/9. Donnerstag, den 8. Januar: Gastspiel des Boigt- Theaters. Nomant. vochauipiel mit Gesang m 6 Bildern o. Hildebrandt u. Keller. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ansang 8�< Uhr �6� Neues Programm. ,Perslen4 Balicttdlvcrtisscment ausgeführt vom Ensemble des Alhambra-Theater, London Kostüme v. Paul Poiret, Paris, Willi Pantzer Co. Tvette Akrobat. Sketch| Exz. Violinistin Robert Steidl nnd eins Kette hervorragender Kunstkrätte! Hänchen gestattet! iConcrrdinfeslsfi'e 64 Andreasstra&se 64 L Jeden Donnerstag u Sonntag: 'Soiree der Hoffmann-Sanger Ai�'ang 8 Uhr. Nach der ßöirce: Frel-Tanz. ' Vorzugskart, haben Gültigkeit Reicbsittllen-Theater Stettiner Sänger Neu: No. 13 l Urkomische Burleske. Ansang 8 Uhr. .< Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermaß /!>m Preisen: DI Eine Hochzeit in OSl derMöliepsiraUe. HcHsltin ■tchiager;— EerS)c!z der dMtlin Kompusnie EinLachertofg ohne r!eicktn sowie Bernhard Mörbitz u. die Januar-Attraktionsn 1 Varietebeginn b U.— Hartstein 81. U. Adr. Neukölln l,cr Bergwerks» Produkte dadurch fast lahmgelegt wird. Der Kölner Polizeiprozeft. Infolge des großen Iftnfangcs des Prozesses findet er im Schivurgerichtssaale statt. Um 9 Uhr wird die Verhandlung unter dem Vorsitz des Lond- gerichtsdirektors Kcwer eröffnet. Beim Aufrufen stellt sich heraus, daß einige der»vichtigstcu Zetigen ausgeblieben waren und sich wegen Krankheit entschuldigen ließen. Ter sehr stark belastete Polizeiinspektor Kant;(jetzt in Hannoverl brnint ein gcrichtsärztliches Attest bei, daß er toegen dos plötzlichen Todes seiner Frau au einer seelischen Depression leide und nicht vernehmungsfähig sei. Da seine Vernehmung von allen Seiten als unumgänglich notwendig erklärt»vird,»vird beschlossen, den Hau- noverschen Polizeipräsidenten telephonisch gn bitten, Kautz zu ver- anlassen, einige Stunden am Gericht zu erscheinen. Ausgeblieben kleines Feuilleton. Die gerettete repulflitanische Hochwohlgeborenheit. Wer die Politik Deutschlands miterlebt, vergißt nur allzuleicht, daß zum Deutschen Reich auch leibhaftige Republiken gehören. Es ist darum ein»oahrer Segen, daß man mitunter in eindringlicher Weise daran erinnert»vird. In der Republik eines ehrbaren Kauftnanns, in der freien Stadt Hftmburg, trug sich jüngst folgende Geschickte zu: Wenn ein Schriftstück zur Kenntnisnahme zugleich den Senatoren und den Mitgliedern oer Bürgerschaftskommissionen gesandt wurde, schrieb der Schreiber infolge höherer Weisung hinter den Rauten des Senators„h o ch to o h i g e b o r e n", hinter den Namen der BürgerschaftSabgeordiieten aber nichts. Das mißfiel nun mit einigem Recht den Mitgliedern der Bürgerschaft und sie gestatteten sich darum zu bemerken, daß man in Zukunft derartige� Schriftstücke freundlichst für alle Beteiligten in gleicher Weise adressieren möge. Ov' die— Gleichförmigkeit durch eine A u s d eh n u n g das„hochwohlgeboren" oder durch eine völlige Beseitigung dieses lächerlichen Prädikats erreicht »verden sollte, überließen sie dem Ermessen eines hohen Senats. Es sei ihnen nicht angenehm, fügten sie hinzu, auf dem Brief- Umschlag durch den Schreiber gesellschaftlich distanziert zu werden. Dieses letzte Argument schlug durch wie eine tletutalibrige Gewehrkugel, med der Senat führte eine ivahrhaft segensreiche Reform ein: Wenn nunmehr ein derartiges Schriftstück zirkulieren soll, schreckt der Schreiber die Namen der Senatoren mit„hoch- »vohlgeboren" aus den Ilmschlag. Haben, die Hoctuvohtgevoren-cn das Ding alsdann gesehen, trägt er e-s sorgsam in sein Zimmer zurück, steckt es in ein anderes Kuvert imo schreibt die Namen der Bürgersck)ajtsuiltglieder ohne hochwohlgeboren darauf. Ilnd so brauchen diese Herren sich nicht mehr auf dem Briefumschlag ge- sellschafttich distanzieren zu lassen. Ist der große Zug, den die deutschen Republikaner aiit Leibe haben, nicht ivahrhaft herzerquickende Eine vorgeschichtliche Zicdelung in der Mark. Ein bemerkcns- werter vorgeschichtlicher Fund ist vor kurzem in der Villenkolonic Höhcitbcrgc bei Klein-Schönebeck im Kreise Nicdervarnim gemacht worden. Bei der Regulicruitg einer Straße wurden zahlreiche Tonscherpen und eine ganze Reihe von Stellen entdeckt, die die Ilcbcrreste und Spuren von vorgcschichttichcn Häuscrgrltndrissen darflellcn. Ter Prahistoriker Busse-Woitersdorf hat nun die Fund- stelle genau untersucht und festgestellt, daß es sich hier um eine voi geschichtliche»icdcluiig handelt. In einem Umkreise von etwa 180 Metern wurden unter der Erdoberfläche zahlreiche schwarze Erdgrubcn und dazwischen große Mengen von Tonscherben aus- gefunden, Tie kleineren Gruben sind Pfahllöchcr vorgeschichtlicher Häuser, die größeren Gruben, in denen sich mit Tonschcvbcn ver- mengte Asche, einige ganze Töpfe und Tierknoehen befanden, stellen Kochgruben dur. Am Südcndc der Sircrße wurden die vollständigen Grundrisse zlveier Wohnstätten freigelegt. Vor jedem Hause be- fand sich eine Kochgrube; auch Ueberreste von Waudbekleidung wurden vorgefunden."Zweifellos hat die Ansiedelung eine große Aus- dehnung gehabt, deren Ilutfang heute leider nicht mehr festzustellen ist,»vcil die Straße, aus der der Fund gemacht worden ist, von bebauten Grundstücken abgeschlossen wird. Ruch der Feststellung der Sachverständigen handelt es sich um eine menschliche Ansisdc- lu»g aus der Zeit zwischen dein 9. und 12. Jahrhundert vor Christi Geburt. Das geht ans den Formen und Verzierungen der ge- fttndencn Gefäße und der Tonschcrben hervor, die die charakte- ristischen Merkmale ans der Bronzezeit aufweisen. An der Klein- Schönebecker Gemeindcgrcnze ist schon vor einiger Zeit ein großes Gräberfeld entdeckt»vorden. Aus die Existenz dieser prähistorischen Siedclungen und Grabstätten»viesett auch mehrere alte Sagen hin, die sich bis in die neueste Zeit in jener Gegend erhalten hatten. Ein Kunstplan in den Tagen der Pariser Kommune. Dieser Tage ist in Petersburg der fraiizösiiche Pianist R a o u l P u g u o ge- slorben, ein in den großen Konzertsälen aller Länder sehr geschätzter Künstler seines Fachs. Der Anfang seiner Laufbahn fiel in stürmische Zeilen. Er schloß sich der Pariser Kommune an und war in den Maitagen von>871 drei Wochen lang Direktor der Großen Oper. Eine Pariser Zeitung frischt die Erinnerung an diese Tätiglett wieder auf: Pugno halte sich als Neunzehnjähriger zum Busenfreund einen Nachbarn erkoren, der neben dem Musikantiquariat setiies Varers am Omai des Orfevre-s wohnte. Besagter Nachbar tvar der berühmte Eudes, der General der Kommune. Auf diele Bekanntschaft ist cS zurückzuführen, daß der blutjunge Pugno vom 2. bis zum Ll>. Mai 1871 Direktor der Oper gewesen ist. Er hat damals den Versuch gemacht, der Musik«inen großen Dienst zu leisten. Er war von ÄmtSwegen mit der Ausgabe betraut worden, zum Besten der ver- wiindetcn Kommunarden ein Konzert zu veranstalten, und wollte bei diesem einen Akt der„Arnnde" von Gluck zur Aufführung bringen. Als er zu diesem Zweck daS Originalmanuskript einsehen wollte, erfuhr er, daß die Partitur sich in den Tuilerien befand. Sie war dorthm von dem Kapellmeister der Oper Gevaert im Juni»870 auf Befehl des Kaisers gebracht morden, der den Wunsch hegte. Glucks Meister- werk in einer Neueinstudierung aus die Bühne zu bringen. Die Partitur ivar seither in den Tuilerien geblieben, und Gevaert weigerte sich enlschiedeit, das kostbare Manuskript dem von der Kom- munc ernannten Dirctior der Oper attszulieseni. So war Raoul Pugno aus eine Abschrift der Partitur der„Armidc" angewiesen, die Gevaert besorgt hatte, die aber weit entfernt war, eine getreue Ab- schrist der Originalhandschrift darzustellen, das Pugno denn auch be- stimmte, von seinem Plaue abzusehen. Pugno hat später von diesen Sturmtagen seiner Jugend nichts mehr wissen mögen. Er opferte die Erinnerung an seine Begeisterung für die Sache der Kommune auf, um in den Konzertsälen der Bourgeoisie daS Podium erobern zu können. Denn den politischen Revolutionär, mag er ein noch so großer Künstler sein, duldet sie da oben nicht. Notizen. — Ein Jubiläum der Natnrheilbelvegnng. DaS Jubiläum des fülifundzwaiizigjährigen Bestehens beging am 1. Januar lOU der Deutsche Bund der Vereine für naturgemäße Lebens- itnd Heilweise, in dessen 920 Vereinen in allen Teilen des Deutschen Reiches, Oesterreichs und her Schweiz gegen 160 000 Anhänger der Naturheilkunde zusammengefaßt sind. — Kunst chrouit. Der Bildhauer Jos. Pallenbcrg in Düffel- docs erhielt von der Stadt La Plala den Auftrag, für den dortigen Stadtgarlcn zehn Tiere aus der PanipaS-Fonnation zu modellieren und aufzubauen. Die Skelette der ausgestorbenen Tiere befinden sich im Museum zu La Plata. — V cer tr ä g c. Im Sozialwisieuschaftlichen Verein spricht in der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule am Freitagabend Prof. Dr. Auhagen über„Kultur- und Wirtschaftsbilder aus Rußland". — Eine w d h I f c i l c Ausgabe von Richard Wag. ncrs Schriften erscheint in wenigen Tagen bei Hesse u. Becker (Verlag in Leipzig), umfaßt 14 Bände, iil von dem Wagncrforscher Dr. Julius Kapp bearbeitet, enthält viele Bildn'sse, Abbildungen und Nachoildungcu von Handschriften, und kostet 10 M. In demselben Vorlage»verden in einiger Zeit auch W a g u c r s„G c s a m. melte Brief c" herausgegeben. — D i e Echtheit der M o u o L i s a. Das amtliche Gutachten über die Echtheit dcS Lconardoschcn Gemäldes, das nun wieder im Louvre hängt, wird im neuesten Hefte der„Kuustchronik" inu- geteilt. Es stellt die Merkmale zusammen, auf Grund deren das Gemälde als das im August»911 gestohlene erkannt worden ist und saßt sein Urteil in den Worten zusammen: Die vielfachen be- schriebeneu Kennzeichen, die in ihrer Gesamtheit daS Aller des Ge- mäldes beweisen und unmöglich in vollkommener Weise nachgeahmt sei» können, überzeugen uns von der Jdemtitäl des uittcrsuchten Bildes mit dem Originale Leonardos. Der Wert des Gemäldes, dessen außerordentliche Bedeutung notorisch feststeht, ist aus einige Millionen zu schätzen. -Ein H i n a n S to u r f der D r a rn e n V e r f i l in e r. Sigurd Ibsen hat die Angebote der französischen Firma Patbö Freies und einer schwedischen Fabtil auf Verfilmung der Dramen seines Vaters ans künstlerischen und nationalen Gtuuden abgelehnt. Tie tünstlerischen Gründe sind das Bemerkenswerte der Ablehnung. — D c t Vergnügen kviu:' Sc haben. In t r Münchener„Jugend" wird erzählt: Als ich das letzte Mal in Berlin war, sehe ich Unter den Linden, wie etil größerer Junge einen kleinereit ganz jämmerlich verhaut. Ich wende uiich darauf an den größeren und saget„Wenn ich jetzt dein Vater war', ich würde d r aber eine ganz kräftige Portion verabfolgen." Daraus komnil prompt die Antwort!„Tet Bergniigen kör.n' Se haben, meine Olle iL Witwe t" ist ferner der Direktor Holländer vom Ameeikailischen Vre- gnügungepart, der zu 300 M. Geldstrafe tierarteilt wird, ferner der tirtminalinspektor Landschulz, einige Gastwirte niiid der Ztadt- verordnete jlommerzienrat Bardenhaucr. Der Gerichtsarzt soll diese plötzlichen Gekrankungen untersullien.— Die üdrigen(sengen ivcrden bis auf zehn bis Donnerstag früh entlassen.— Der Landgerichtspräsident und ein Dezernent der Regierung wird während des ganzen Prozesses anwesend sein. Der inkriminierte„Backschisch"-Llrtikcl und die Berichte über den Hannemann-Prozes; werden verlesen. Der Angeklagte de- zeichnet sich als Verfasser des Artikels und erklärt, ihn auf Grund der Ergebnisse des Hannemann-Prozesses verfaszt zu haben. Ihm sei schon seit längerer Zeit bekannt gewesen, dcch manches faul sei >u der Kölner Polizei, und er habe die Behörde zum Einschreiten veranlassen wollen. Die Gerichtsberichte über diesen Prozesi seien in allen Blättern gleichlautend erschiene». Der Vorsitzende hält dem Angeklagten die außerordentlich scharfe Form des Artikels vor.— Aiigcklagtcris Ich habe nicht das Bewußtsein allzu großer Schärfe gcl>abt. Personen have ich nicht beleidigen wollen, sondern ich wollte nur das System kritisieren.— Im Weitergn Verlauf seiner Vernetzmung gibt Sollmann eine Erklärung ab, wonach ihm eine Beleidigung der Staatsanwaltschaft völlig fcrugelegei, habe; die betreffend?. Wendung, die in allen bürgerlichen Blättern gleich- lautend erschienen sei, beruhe auf einem Mißverständnis.- Der Vorsitzende vcmerkt, daß somit die Behauptungen gegen die Staats- auwaltschaft zurückgenommen seien, freilich sei auch damit die Ab- netzt cingestauden, diese Behörde zu beschuldigen.— Angeklagter: Das bestreite ich entschieden. Das gebrauchte Wort vom Luder- gcruch bezieht sich nur auf die Polizei. Sollnimm führt dann aus, daß nach seiner Meinung die tzöheren Polizeibeamten so besoldet iviirde», daß sie nicht nötig hätten, Wc schenke anzunehmen.— Vorsitzender: Das gilt doch nur für Geschenke, die sich als Be- slcchungen darstellen.— Angeklagter: Von solchen habe ich ühcr- tzaupt nicht gesprochen; mein Artikel richtet sich gegen die offizielle Annahm» von Geschenken. Ich verstehe nicht, Ivie der Polizei- Präsident Strafantrag stellen kann, wenn das an sich»ach seinen eigenen Verfügungen gestattet ist. Ueber die entsprechenden Vor- schriflen entspinnt sich eine längere Auseinandersetzung. Soll- man» weist cö entschieden zurück, mit der Wiedergabe der Worte von den„höckisten Beamten" auf eine Bestechlichkeit des Polizei- Präsidenten hingezielt zu haben; das sei bei den Verhältnissen dieses Herrn geradezu absurd. Der Angeklagte iveist noch darauf hin, daß fast alle Beamte in der Voruntersuchung ihr Zeugnis verweigert hätten. Tann wird mit der Zeugenvernehmung bc- gönnen.— Alle Beamte erhalten die Erlaubnis zur Aussage. Der erste Zeuge ist Kriminalkommissar Hannemann, der vom Amte suspendiert ist. Er erklärt, daß er dem Artikel der„Rheim- scheu Zeitung" völlig fernstehe. Als er sich in der Voruntersuchung geweigert habe, Namen zu nennen, sei ihm mit Zwangsmatzregeln gcdroiit worden. ES sei ihm bekannt und aktenmäßig festgestellt, daß Polizeibeamte Gelder angenommen hätten, aber niemals sei dagegen eingeschritten.— Aus die Frage, ob er selbst Gescbcnke angenommen habe, verweigert der Zeuge die Aussage. Hannemann erzählt dann Einzelheiten über die Annahme von Geschenken. Ein Wirt habe, aus die zechenden Polizeibcamten hinweisend, gesagt: „Da sitzen die heilige» drei Könige." (Stürmisch» Heiterleit.) Ter nächste Zeuge ist der Polizeipräsident tz. Wregman», der höchst unsichere Angaben macht. Es sei ihm unmöglich, alle l>00 Beamte zu überwachen, aber er habe oft genug zum Ausdruck gebracht, wie er über nicht genehmigte Annahme von Geschenken denke. Gerade seinen Inspektoren habe er die betreffenden Miniiterialversügungen eingeschärft. Kani ihm Rechtswidriges zu Ohre», so sei gegen die betresfenden Beamten ein Disziplinar- verfahren eingeleitet oder Anzeige bei der Staatsanwrrltschast ge- macht tvorden.— Auf den Einwurf des Verteidigers Dr. Mertz, daß dann wohl meist diejenigen Bürger, die derartiges von den Beamten behauptete», unter Anklage gekommen seien', damit be- schuldigte Beamte als Zeugen auftreten konnten, meint der Polizei, Präsident: Das kann mahl manchmal geschehen sein. Er fühlt iiai durch den Ton des Artikels und auch durch den Vorwurf be- leidigt, daß er ein Korruptionssystem billige. Ter Kriminalschntzmann Böhme, der nächste Zeuge, ver- weigert die Aussage mit der Begründung, daß er in einem Tis- ziplinarversahren stehe. Der Zeuge Kriminalschutzmann Koffbaucr gibt an: Er wisse von eineui Falle, Ivo auf eine unerlaubte Weise SRI Mark unter die Beamten verteilt worden seien. Aus die Frage, ob er selber Geschenke angenommen imbe, verweigert der Zeuge die Aussage.— Rechtsanwalt Heine: .Herr Präsident, Sie sehen also, was sich für Dinge ereignet haben, ohne daß Sie Kenntnis hatten.— Polizeipräsident v. Weegmann schlveigt. Die Verhandlung wird daraus abgebrochen und auf Tonucrs- tag vormittag 0 lthr vertagt. Soziaies. Aerzte und Krankenkassen. Jw Stettin ist es zu einem Friedensschluß zwischen den Aerzten und den Krankenkassen gekommen. Die von de» Kassen neu an- gestellten Aerzte werden ihres Amtes enthoben und müssen ab- gesunden werden. Diesen Aerzten ist vertraglich ans zehn Jahre hinaus ein Einkomm»» von 8000 M. pro Jahr zugesichert. Da es sich Ulli etwa 20 Aerzte handelt, müsssn zum Zwecke der Abfindung ertiebliche Summen aufgawcudet Warden. Tie Einigung in Stettin lag einzig im Interesse der dort ansässigen Aerzte, die sämtlich dem Leipziger Verbauo migehöreu. Um so mehr verwunderlicher ist nun e>ue Mesdung der„Deutschen Tageszeitung", wonach der Handelsminifter ausnahmslos alle Vcrsicheruugsämter aufgefordert hat, dahin zu wirken, daß sämtliche Kassen sich an der Aufbringung dieser.Wösten beteiligen. Gleichzeitig wird den Kassen angedrolit, van die Verweigerung des Beitrages und der etwa daraus sich cr- nebrnde Mangel des Bertragsschlusses den Aufsichtsbehörden leine Veranlassung gebe» werde, den Kassen die Anwendung des 8 370 der Rcichsversicheruugsordnuug zu gesiattcu. Wenn ein solcher Erlaß ergangen sein sollte, dann würde er in der Rcichsversicherungsordnung kenie Stütze finden. Die Kassen jinh hoch nicht Hern Leipziger Verband tributpftichtig. Antrag aus Erhöhung der Unfallrentc— ein Betrugsversuch. Eins wichtige Entscheidung für Unfallverletzte fällte am Mon- tag die Berufungsstrafkammer in Erfurt. Der 71 Jahre alte Land- Wirt Kobert aus Heiligenstadt hatte schon 1808 und 1003 Unfälle erlitten, für deren Folgen er von der Landioirtschastlichen Berufs- gcnosscnschafl 20 Proz. Unfallrente erhielt. Im August 1010 stürzt« Kobert abermals; cr erlitt Hierbei eilt«« Schädelbruch und Arm- vcrletzunge». K. machte daraufhin Ansprüche ans eine Erhöhung der Unfallrentc geltend. Ter Kreisausschuß lehnte den Antrag av, überwies den Verletzten aber dein städtischen Krankenhaus in Heil igen fladt, wo ihn der praktische Arzt Dr. Koppen untersuchte. Sonderbarerweise wurde nun gegen den Antragsteller auf höhere Rente Anklage wegen BetrugSversuchs erheben. Das Schöffen- gcricht Heiligenstadt verurteilte ihn zu 1t Tagen Gefängnis und das Landgericht Aordljausen als Berusungsinstanz bestätigte das Urteil. Auf die Revision des Angeklagte» wurde das Urteil auf- gehoben und die Sache dem Landgericht Erfurt zur nochmaligen Prüfung überwiesen, weil keine genügenden Beweise für die be- hauptete Simulation vorlägen. In der wiederholten Verhandlung vor der Sirafkammer in Erfurt wurde nun festgestellt, daß die Bcrussgenossenschaft ihre Ansicht, der Angeklagte simuliere Gedächtnisschwäche, aus die Aus- sagen zweier Polizisten stützt, die diese Wahrnehmung bei früheren Vernehmungen Roberts gemacht haben wollen. Auch Dr. Koppe« vom Heiligcnstädter.Krautcnhaus meinte, daß grobe Simulation vorliege. Tagegen hatte der Kreisarzt bei seiner Untersuchung des Unfallverletzten dessen Erioerbsumähigkeit auf 30 Proz. ein- geschätzt; der Antrag auf Erhöhung der Rente war von ihm also als berechtigt anerkannt worden. Obwohl der Staatsanwalt Verwerfung der Berufung bcan- tragte, kam das Gericht zur Freisprechung des Angeklagten. Es erachtete als erwiesen, daß der Angeklagte infolge des Unfalles vom Jahre 10l0 einen Anspruch aus Erhöhung der Rente gehabt habe, weil tatsächlich vermehrte schädliche Unsallsolgen bestanden hätte».-T- Diescr Prozeß eröffnet ja recht angenehme Aussichten für die Unfallverletzte». Wer also den Antrag auf höhere Rente stellt, weil er glaubt, eine Verschiimmerung seines Zuftandes rechtfertige dieses Verlange», muß risticrcn, von de» Berussgenossenschafteir als Betrüger vor Gericht geschleppt zu werden. Wie muß dann das Verhalten der Berussgenoffensckastcn eingeschätzt werden, die mit Hilf» der sincffcnrcichen Rentenquetschen den„Nachweis" so oft zu führen versuchen, daß den Unfallverletzten gar nicht die „hohe" Rente gebühre, die sie doch mit Fug und Recht erhalten? Gerichtszeitung. Ist eine in de» Garten verlegte Lerfaulmlung eine Versammlung unter freiem Himmel? Bei einer wichtige» Entscheidung des Oberderwaltungs- gerichts, die der erste Senat am Montag fällte, handelte es sich um die Auslegung des§ b des Vereinsgesetzes, welcher bestimmt: i »Eine Versammlung, die in eineui geschlossenen Räume veranstaltet wird, ist nicht schon desahlb als Versammlung unter freiem Himmel anzusehen, tveil außerhalb des Ver- sammlungsraumes befindliche Personen an der Erörterung teilnehmen oder weil die Versammlung in einen m i t dem Versammlungsraum zusammenhängenden umfriedeten Hof oder Garten verlegt wird." Der Genosse Leese hatte bei der Polizeiverwaltung von Neudamnl gemeldet, daß am 1. Mai 1918 um 2 Uhr nachmittags im Lokal des Hotels Äaiserhos zu Neudamm eine öffentliche politische Versammlung stattfinden werde. Er erhielt die entsprechende Bescheinigung. Als der Veranstalter bei der herrschenden Hitze die Versammlung im umfrie- d e t e n Garten des Hotels abhalten wollte, wo eine Rednertribüne aufgebaut war und wo sich zur bestimmten Zeit bereits die Versammlungsteilnehmer aufhielten, Uetz der zur Ueberwachung erschienene Polizeibeamte dies nicht zu. Der Einberufer eröffnete dann im Saal, wohin ihm etiva 20 Personen folgten, die Versammlung und verlegte sie dann nach dem Garten. Nach Beginn des Referats durch den Parteisekretär Schmidt löste der Polizeibeamte die Versammlung im Garten ans, weil er die Ler- sammlung als eine solche unter freie vi Himmel an sah, zu der eine polizeiliche Erlaubnis,"nicht bloß Anmeldung, erforderlich gewesen wäre, die nicht erteilt sei. Vergeblich beschwerte sich Leese beim L a n d r a t und beim Regierungspräsidenten in Frankfurt a. d. Oder. Beide Beschwerdcinstanzeu beriefen sich ans die Darstellung der Polizeibeamten von den Vorgängen und be- tonten, daß danach anzunehmen sei, daß es von vornherein an einer ernstlichen Absicht, die Versammlung in einem geschlossenen Raunte abzuhalten, gefehlt hätte. Dafür spreche schon das Vorhandensein einer Tribüne im Garten. Leese klagte nunmehr gegen den Regierungspräsidenten beim O b e r v e r w a l t il n g s g c r i ch t. R e ch t s a n w. D r.' H u g o Heine m a n n als Vertreter des Klägers betonte in der Verhandlung am 5. Januar unter anderem, daß hier unbedingt die Verlegung einer Ver- sammlung in einen unifriedeten Garten im Sinne des K 8 des Vereinsgesetzes vorliege. Die Versammlung sei unzweifel- hast für den geschlossenen Raum geplant gewesen. Man habe aber bei der herrschenden Hitze mit der Möglichkeit einer Ver- legung in den Garten gerechnet. Die dazu nötige Tribüne im Garten habe man vorher errichten müssen, weil es sich um den Himmelfahrtstag handelte und einer Errichtung der Tribüne an diesem Tage die FciertagSbestimmungen entgegen standen. Das Oberverwaltungsgericht gab der Klage statt und entschied, daß die Auslösung der Versammlung zu Unrecht erfolgt sei.— Gründe: Allerdings seien Versammlungen in einem umfriedeten Hof oder Garten a n s i ch Versammlungen unter freiem Himmel. Sie seien aber dann als solche Versammlungen im Sinne des Z7 nicht anzusehen, wenn der Ausnahmefall des Z 8 vorliege. Dieser liege hier aber vor, da nach Annahme des Gerichts die Versammlung e r n st hast für den Saal in Aussicht ge- nommen und angemeldet worden sei und es den Einberufern nur mit Rücksicht auf die Witterungslage wünschenswert er- schienen sei, sie in den Garten zu verlegen. Diese ernste Absicht vorausgesetzt, finde eine Verlegung in den Garten oderHof im Sinne deSZ8auch dann statt, wenn die Eröffnung gar nicht c r st im Saale stattgefunden habe, sondern sofort inl Garten erfolgte. Rudolf Schlldkrant vor Gericht. Die»iiehrsack) erörterte Affäre des Schauspielers Rudolf Schild- kraul, die kürzlich zu einer vokübergeheiideu Berhastunq des Künstlers geführt hatte, beschäftigte gestern die 130. Ableitung des Schöffengerichts Berliu-Mitle. Tie Anklage, ans die sich Herr Schild- kraut zu verantworten halle, lautete aus Bedrohung mit einem Ber- drecheu, wörtliche und tätliche Beleidigung und Körperverletzung. Nach der Anklage soll der Angeklagte am 25. Oktober 1010 den Ren» baiiten des Teulscheu Thealers Oskar v. Kujawa an dein Schalter des Thealers mit erhobene», Stock bedroht und dabei die Worte gebraucht haben:„Du Hund verfluchter. Du iäßr mich hier stehen? Ich schlage Dich rot Et soll ihm dann ein Aktenstück a» den Kops geworseii und mit dem Stock in die Fensterscheiben geschlagen haben, sa daß diese zertrümmert wurden und die Glassplitwr dem Ron- donteii ins Gesicht flogen. SoweitBeleidigiuigen vorlagen, sind diese dicrch Zurücknahine des SlrafantrageS lnzwischeii erledigt, nachdem Herr Schildlraitt dcin�Slrafanlragslcller eine Sühne von 300 M. bezahlt hat.— Rudolf S ch i l d l r a u t stellte die Vorgänge wie folgt dar: Die ganze Sache spielte sich wenige Tage vor meiner Abreise nach Amerika ab. Ich hatte eineu einjährigen Urlaub von der Tireklio» erhalten und es lag mir daran, die Abrechnung über das im Gange bessndliche Schuldemilgungsverfahreu, bei welchem es sich um eüie Summe von 23000 M. handelte, zu erhallen. Ich hatte den Rendanten ersucht, die Abrechnung zu einem be- stimmten Tage fertigzustellen. Als ich an jenem Tage wieder hinkam, war die isache noch nicht in Ordnung und da stieg mir die Galle ins Blut. Der Rendant faß in einem Verschlage, dessen Tür gesperrt tvar, cS kam zu einem Wortwechsel und als Herr v. K. zu mir sagte:„Ich habe keine Zeit für Sie", da nahm icbjin inen Stock uild schlug in der Erregung des Augenblicks sämtliche ischeiben des Verschlagcs entzwei.— Der als Zeuge vernommene Rendant v. Kujawa. der seit vier Jahren am Deutschen Theater ist, betonte, daß der bon Herrn Schildkraut verlangte Auszug außerordentlich schwierig herzustellen war. Er habe Herrn Schlldkrant ans seilt wiederholtes Verlangen nach dem Auszug gesagt: Wenden Sie sich an die Direktion; wenn diese niir den Auftrag gibt, fall Ihr Ver- langen erfüllt werden. Schlldkrant habe dies für eine Ranküne gehalten, sei an den Schalter herangetreten, habe ihm dos Aktenstück an den Kops geworfen und unter den angesübrteir Schimpsworten die Scheiben entzwei geschlagen. Einige Glassplirter seien ihm ins Gesicht geflogen und er habe ein Sibmerzempfindeil gehabt.— Der Ämtsanwalt beantragte, den Angeklagten nur der tabrlässigen Körperverletzung für schuldig zu erklären, da nach seiner Ansicht die Bedrohung und das Wersen mit dein Aktenstück gleichialls als wörtliche und tätliche Beleidigung qitfzufasseit sei und für diese der Antrag zurückgenoinmeii sei. Das Gcricht verurteilte Herrn Schlldkrant wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 3 0 M. Geld- strafe eventl. 6 Tagen Gefängnis. Das Ende einer Silvestcrfeicr. Eine schwere A utomob il katast rophe, bei der eine Person getölei und zwei andere schwer verletzt worden waren, lag einer Anklage ioegeii fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu- gründe, welche gestern unter Borsitz des Landgerichtsdirektors Schmidt die I. Straskammer des Landgerichts l beschäftigte. Aus der llntersuchungsliaft wurde der f. Z. nach England geflüchtete Kraftdrofchkenführer Otto Baumgort vorgeführt. Am Reujahrs-- morgen v. I. ereignete sich am Kcmperplatz ein Zusammcnjwst zweier Automobildroschken, bei melcheiu das eine Fahrzeug gegen die Bordschivelte geworfen und völlig umgekippt wurde, so daß die Räder»ach oben stauden. Insassen der verunglückten Droschke ivare» der Kapitänleutnant v. S. und zwei Tamcii. mit denen v. S. Silvester gefeiert hatte. Am schwersten verletzt war eine Frau Schtoanm, die einen iomplizierten Beckenbruch erlitten Halle. wie sich im Krankenhause herausstellte. Trotz des dringende» Av- ratens des behandelnden Arztes Dr. Katzeusteiii verließ Frau S. vorzeitig das Krankenhaus Zwei Tage»ach ihrer Entlassung ver« schlimmcrtc sich plötzlich ihr Zustand und ebe der Arzt herbei- gerufen werden koimte, trat der Too ein. Als Todesursache kam. wie die Sachverständigen Medizinal rat Dr. Flotten und Professor Strauch bekundeten, eine Tromvose in Frage, die eine Eiilbolie zur Folge hatte.— Als Ursache dieses tlnglnckss alles kam der jetzige Angeklagte Baumgart in Frage, der s. Z., nachdem er gesehen hatte. lvas er angerichtet hatte, nach England flüchtete. Er war m London etwa ein holves Jahr als Führer eines Autoonmivus in Stellung. Er kam oaim wieder nach Dewtschlano zurück, wo er auf Grund des hinter ihm erlassenen«teckbriefs verlmslet wurde. — Die Anklage erblickt die Fahrlässigkeit des Angeklagteil darin, daß er anstatt mit seiner leeren Droschke langsamer zu fahren. versucht lmtte, in übermäßig schnellem Tempo an der anderen be» setzten Autadroschkc vorüverzukommen.— Bor Gericht machte Rechtsanivalt Dr.«chwindt für den Angeklagten als strafmilocrnd geltend, daß es sich hier um einen der in dem ljastenden Großstadtverkehr fast üblichen«traßennnfälle handele, die mehr aus die Ber» kettung unglücklicher Umstände als auf die Schuld des eiozelne:« zurückzuführen seien. Es handele sich dabei»m Entschlüsse, die irr Bruchtellen von oetunden gefaßt werden müssen und deren Trag- loeite man in dem Augenblick der Gefahr vielleicht nicht ganz er- kennen könne. Das Gericht kam auch zu der Äiysicht. daß die Fahrlässigkeit des Angeklagten keine allzu große sei, immerhin sei ber dem Unglück ein Menschenleben vernichtet»nd zwei Personen schwer verletzt worden. Deshalb habe das Gericht ans!) Monate Gefängnis erkannt. /tos aller Welt. Mel verpflichtet. Obenan unter den österreichischen Herrenhäuslern, die es nicht dulden wallen, daß die Leute mit einem Einkoinmen unten 1000 Kronen im Jahre von der E i» k o in m e n st euer frei bleiben. steht der Herr Vizepräsident des Hauies, Eher der Verfassungspartei. Mitglied mehrerer deutscher Herrenhäuser und Offizier der öfter- reichischen und deutschen Armee Fürst Max Egon Fürsten» Heeg, der Gastgeber Wilhelms U. und sein intimer Freund. Der Herr Fürst braucht für irgend welche Zwecke Geld und dtescm Um- stand verdankt man einige Kenntnis seines Vermögens. Er will auf einig« ferner badischen Güter eine Anleihe von 22 M i l l i« onen Mark aufzunehmen geruhen und gibt im Prospekt den Wert bloß dieses Teilbesitzes auf 94. 3 Millionen Marl an. Vom österreichischen Staat beziehen Seme Durchlaucht gnädig 311 340 Kronen jährlich an SchnapsdrennerlicbeSgabe — aber wer 1500 Kronen im Jahre verdient, soll der Ebre nicht verlustig gehen, zu diesen Bezügen des Donaueschingers direkt bei- tragen zu dürfen. Ter Slbschlusi eines Familiendramao. Der Schlußakt eines tragischen Familiendramas hat sich am Dienstag in W a n n h e i m abgespielt. Im lAerbft des- vorigen Jahres versuchte die Frau des Metallarbeiters Fr e hier ihre beiden Kinder zu ermorden. Bei einem Kinde g e l a u g der Mord, das andere fchiver- verletzte konnte geheilt werden. Die Frau, die m einer geistigen Verwirrung handelte, nahm sich selbst das Leben. Jetzt hat der Metallarbeiter F r e y t e r das damals lebengebliebene Kind ermordet und sich dann aus dem Friedhof am Grabe seiner Frau eine Kugel durch den Kopf gejagt, die seineu Tod herbeiführte. Kleine Notizen. Umue uschliche Berwandte. In der sianzösischeu Oriichaft Olivet, 10 Kilometer von Orleans elitserilt. wurde eine S8iabrige. Frau sowie deren 33jähriger>sohn verhastet. Tie beiden UtMteincheti. hielten eine entfernt« Verwandte namens Marie Turw seit 20 Jahren gefangen. Man fand die Sermfte mir Ketten an die Wand geschlossen aus einem armseligen Strohlager liegen. Ter Verstand der Ledauernswerlcn ist voll- komme» zerrüttet. Tie Beweggründe der scheußtrchcu Tat still» E r b s ch a s t s st r e i t i g k e i l e n. Explosion in einer Pulverfabrik. In der dem sranchsiichen Staate gehörenden Pulverfabrik zu V e n g e s bei Tison sind durch eine Explosion zwei Arbeiter getötet und mehrere ver- letzt worden. Ein Teil der Fabrikanlage» wurde zerstört. Das Schiffsunglück in Britisch- Eolumbien. Nach neuereil Nachrichten sind bei dem gestern unter„Letzte Nachrichten" gemeideten Untergang einer Bark aus dem Fraserfluß nicht 75, sondern 25 P e r s o ü e n ertrunken. Schneesturm in Rußland. Bei dem letzten Schneesturin, der daS russische Gouvernement S a r a t o w heimsuchte, sind 50 P e r i o n e n ums Leben gelommen. Nach amllicheu Nachrichten sind die Sturmverwüstungen außerordentlich groß. Auch aus den anderen Wolgabezirke» kommen Meldungen, die von starken Schneesturm- Verheerungen berichten. Viele Menschen sind in dem Schneetreiben umgelommen, jedoch liegen hierüber noch keine genauen Nach- richten vor. Ms Eine Sektion für üie Ireunöe öes Schnee� fchippens. Vor kurzem erschien in deutscher Uebersetzmig ein Buch, in dem die Amerikanerin Jane Addams von den Kämpfen er- zählt, die sie als Sozialrcformerin von ernstem Willen und cnt- schlossener Tatkraft auf dem dornigen Boden der Stadt Chicago zu bestehen hatte. ES heißt„Zwanzig Jahre soziale Frauenarbeit in Chicag o", und seine Lektüre wäre all den deutschen Frauen und Damen zu empfehlen, die ihren spielerischen Dilettantismus auf den verschiedensten Gebieten der Wohl- tätigkeit und der Armenpflege spazieren führen und diese Be- tätiguüg als praktische Sozialpolitik ausgeben. Hier soll nur auf eine Stelle des Buches aufmerksam gemacht werden, die ein aktuelles Interesse besitzt. Jane Addams erzählt van einem Bürgerbund, der unter anderem eine Kommission zur Behandlung des Problems der Arbeitslosigkeit einsetzte, die in der Mitte der neunziger Jahre in Chicago einen gewaltigen Umfang angenommen hatte. Es wurden alle möglichen Unterstützungs- arnrichtungen durchgeführt, Stellen für Arbeitsvermittelung wur- den eröffnet, loo die Frauen Näharbeit bekamen, und für die Männer richtete man einen Straßenkehrerdienst ein. Jane Addams erkannte bald, daß der an sich anerkennenswerte Versuch, bei einer derartigen Krisis schnelle Abhilfe zu schaffen, die Ge- fahr der Lohndrückcrci heraufbeschwört. Diese Bedenken aber wur- den von ihren Freunden nicht geteilt, und sie trat schließlich aus der«traßenrciniguiigskommission aus, weil sie daran verzweifelte, den übrigen Mitgliedern begreiflich zu machen, daß für die Kom- Mission nicht die Straßcnreinigung, sondern die Hilfe für die Ar- beitSlosen das Wesentliche wäre. Ein Spezialfall, von dem sie dann weiter berichtet, vcroient gerade jetzt besondere Beachtung. Wir lassen die Frau selbst sprechen: „Ein Buchhalter aus der Versandabteilung eines großen Ge- schästs, den ich seit langer Zeit kannte, hatte, wie so viele Leute in diesem Jahre, seine Stellung verloren. Er kam vier- oder fünf- mal auf die Unterstützungsstelle, die im Hull-Haus eingerichtet war, um Hilfe für seine Familie zu erbitten. Ich wies ihn eines Tages auf die Arbeitsgelegenheit bei den Entlvässerungsanlagen bin und gab ihm zu verstehen, baß, wenn irgendwo Arbeit zu haben wäre, er es damit versuchen müßte, ehe er um Unterstützung bäte. Der Mann antwortete, er hätte immer nur im Hause gearbeitet und könnte Arbeit im Freien, im Winter nicht aushalten. Ich bin noch in der Erinnerung dankbar, daß ich, ivenn ich mich auch an meine Vorschriften hielt, wenigstens nicht streng ivar, weil ich meiner Sache nicht sicher lvar. Er suchte nicht wieder Unterstützung nach, sondern arbeitete zwei Tage als Erdarbeiter bei der Kanal- anlag«. Dort holte er sich eine Lungenentzündung und n a ch c i» e r W o ch e w a r c r t o t. Ich habe die beiden kleinen Kinder, die er hinterließ, nie aus den Augen verloren. Aber ich knnn sie nicht ansehen ohne das schmerzliche Bewußtsein, auf ihre Kosten gelernt zu haben, daß man das Leben nicht in bestimmt« Regeln einzwängen kann; daß die Fähigkeit, einem Menschen in schwierigen Lagen zu helfen, nur aus der Kenntnis feines Lebens im Zusammenhang mit seinen Lebensgewohnheiten hervorgeht." Von der Amerikanerin könnten die Leute lernen, die das Schneeschippen als einen vollwertigen Ersatz für eine Arbeitslosen- Versicherung ansehen, und die sich darüber entrüste», daß sich nicht alle Beschäftigungslosen in Berlin zu dieser ebenso gut bezahlten lvic gesunden Tätigkeit gedrängt haben. Wir haben allerdings nicht die Hoffnung, daß sie der Lehre zugänglich sind. Das beweist uns anl festen das Beispiel des„Berliner Lolal-AnzeigerS". Er hat am Sonntag in seinem lokalen Teil die Scharfmacherweise von der Faulheit der Arbeitslosen weiter gesungen, obwohl er auf seiner politischen Seite einen ihm anscheinend aus Regierungskreisen zugegangenen Artikel veröffentlicht hatte, der zwar die Versicherung ablehnte, sich aber doch wenigstens zu dem Zugeständnis aufschwang, daß es nicht angehe, die Arbeitslofenfrage als eine Arbeitsscheuen- frage zu behandeln und auseinandersetzte, wie man unmöglich einem an heiße Fabrikräume gewöhnten Arbeiter die Tätigkeit in Wind und Wetter zumuten könne. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" muh in seinen mannigfachen gottgewollten Abhängigkeiten gelegentlich auch solche Auslassungen bringen, aber er sorgt schon dafür, daß ihr Eindruck bei seinen geduldigen Lesern schnell wieder durch die Wiedergabe der Ansichten seiner weniger geduldigen Geldgeber verwischt wird. Die Irauenwahlrechtsdewegung Großbritanniens. Aus London wird uns geschrieben: Das Jahr 1913 fing für die Fraucnwahlrechtsbcwegung in Großbritannien mit großen Verheißungen an und endet mit einer deutlich wahrnehmbaren Erschlaffung der Bewegung. Aber dieses Ermatten bedeutet nicht, daß es um die Bewegung schlechter steht, daß die Zahl ihrer Anhänger abgenommen hat. ES ist nur die Erschöpfung»ach einer gewaltigen Anstrengung, di« sich in jeder Bewegung wiederholt: man kann nicht immer in diesem Tempo leben. Verschiedene andere Umstände babcn auch dazu beigetragen, daß die Bewegung nichi mehr den früheren breiten Platz in der Oeffentlichkeil einnimmt. So hat die Regierung in dem im vergangenen Jahre erlassenen„Satz- und Maus-Gesetz" einen nicht unwirksamen Knebel für die streitbaren Frauenrechtlerinnen gefunden. Ferner hat in den letzten Monqten der erbitterte Kampf in Dublin fast allein die Aufmerksamkeit der breiten Masse m Anspruch genommen. Aber die WahlrechtSbewcguna der Frauen ist keineswegs tot; im geeigneten Augenblick wird sie sich wieder mit ganzer Kraft offenbaren. Im Anfang des Jahres konzentrierten die Freunde des Frauenwahlrechts ihre ganze Kraft auf die W ahl recht S- v or l a g e, die im Januar im Unterhause diskutiert wurde. Die Vorlage selbst brachte den Frauen nichts, aber die Regierung, die sich in der Frage des Frauenstimmrechts nicht einig ist, hatte versprochen, sich vor dem Beschluß der Volksvertretung, wenn diese durch ein Amendement(Zusatz) der Vorlage irgendeine Form de» Frauenstiiumrechts einverleiben sollt«, zu beugen und die also ver- änderte Bill zu der ihrigen zu machen. Da» erste und notwendigste Amendement betraf die Auslassung de» Wortes„männlich" in der ersten Klausel, die mit den Worten begann:„Jede männliche Person soll berechtigt sein..." Fiel diese Einschränkung, so stand dem Fraucnstiinmrccht in einer der vorgeschlagenen Formen die Bahn offen. Aber wie ein Blitze aus hertcrem Himmel kam am 28. Januar die Erklärung dcS«peaters, daß,„wenn wesentliche, während der Komitecberatungen gemachte Abänderungen die Form und den Inhalt der Vorlage so beeinträchtigen, daß daraus für praktische Zwecke eine neue Vorlage wird, eine neue Borlage eingebracht werden mutz". Diese Erklärung machte die am folgenden Tag einsetzende Debatte über das erwähnte Amendement zu einer reinen akademischen Plauderei. Tie Regierung zog die ganze Vor- lag zurück und Herr Asquith erklärte, daß die Regierung in der nächsten Parlamentssession der Debatte und Annahme einer nicht- offiziellen Frauenstimmrcchtsvorlage die Wege ebnen wolle. Die öer zrauenbeweg „Vorwärts" Nr. 7.— Donnerstag, den 8. Januar 1914. parlamentarische Situation hat sich inzwischen nicht verändert, wenn auch die Frauenstimmrechtsvorlage des Herrn Dickinson im Mai des Jahres mit 2M gegen 219 Stimmen in zweiter Lesung unterlag. Diese Vorlage war ziemlich demokratisch; sie wollte nicht nur den Witwen und unverheirateten Frauen, sondern auch den Frauen der jetzigen Wähler das Stimmrecht geben. Der Minister- Präsident sprach dagegen, aber der Minister des Acußeren Sir Edward Grcy unterstützte die Vorlage mit warmen Worten und sagte, die ganze Tcndenz des modernen Lebens und der Erziehung führe zum Fraucnstiminrccht. ES kann wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß es in erster Linie die Gewalttätigkeiten der Suffragetten, die gleich nach dem Fiasko der Regierungsvorlage wieder ausbrachen, waren, die der Dickinsonschen Bill den Garaus machten. Der Terrorismus hatte viele erbittert und sie bestimmt, sich entweder der Stimme zu enthalten oder gegen die Vorlage zu stimmen. Allerdings bc- stand angesichts der von Herrn Asquith im Januar abgegebenen Erklärung keine Aussicht, daß die Vorlage angenommen werden würde, selbst wenn sie glücklich die zweite Lesung passiert hätte. Aber eine Bewegung, wie die der Frauen, kann es sich nicht gut leisten, cilw moralische Schlappe zu erleiden. Die Gewalttätig- leiten der Suffragetten nahmen nach dem parlamentarischen Miß- erfolg einen sehr heftigen Charakter an. Ein von dein Schatz- kanzler gemietetes Haus in Walton Heath wurde in Brand gc- steckt. Das gleiche Schicksal erfuhr ein Restaurant in Kew Gardens. Die Zahl der Brandstiftungen nahm einen großen Ilmfang an. In der Sankt Pauls-Kirche fand man eine Bombe. Nun ging die Polizei mit großer Schärfe gegen die streitbaren Frauenrccht- lcrinnen vor. Frau Paukhurst, die Führerin der Suffragetten, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Tic Polizei drang in das Bureau ihrer Organisation ein, verhaftete die anwesenden Beamten der Sozialpolitischen Union und beschlagnahmte die vorgefundenen Dokumente. Die Beamten wurden zu längeren Frei- heitsstrafen verurteilt. Die Regierung machte auch einen kecken Versuch, das Organ der Union zu unterdrücken, der aber an dem entschlossenen Auftreten der organisierten Arbeiterschaft bald scheiterte. Vorher hatte die Regierung die sogenannte„Katz- und Maus-Vorlage" durch das Parlament gepeitscht, die es ihr er- möglichte, die gefaugeneu Frauen, die sich bisher durch den Hunger- streik aus der Haft befreit hatten, zu entlassen, um sie, nachdem sie von den Folgen des Hungerstreiks genesen waren, so lange immer wieder einzusperren) Ivie es die Strafbauer erlaubt. Frau Panthurst ist auf Grund dieses Gesetzes, das von viele» bekannten Männern und Frauen im Lause des Jahres scharf verurteilt worden ist, schon verschieden« Male freigelassen und wieder ein- gesperrt worden. Zurzeit befindet sie sich in Paris aus freiem Fuße. Die schändliche Weise, in der England seine politischen Gc- fangen«» behandelt, hat der Idee des Hungerstreiks immer mehr Ausdehnung verschafft. So hat sich zum Beispiel der Genosse Connolly in Dublin durch den Hungerstreik aus dem Gefängnis befreit. Er war für rein gar nichts verhaftet worden, und da er sich keiner Schuld bewußt war. weigerte er sich hartnäckig, Bürg schaften für sein künftiges„gutes Betragen" zu geben. Daraus behielt man ihn in dem Gefängnis zu Mountjotz. Wir waren zufällig dabei, als ihm der Genosse Shceh» Skeffington, dessen Frau die irische Frauenbewegung leitet, den Rat gab, zu„Hunger- streiken". Die nichtmilitanten Fraueiistimmrechtsorganisationen unternahmen im Juli einen erfolgreichen Propagandazug durch ganz England. Sie nannten ihn eine Frauenstimmrechts- pilgerfahrt. Von allen Teilen zogen die Frauen agitierend durch das Land auf London zu, wo die Propagandisten zu einer großen Demonstration zusammentrafen. Unter ihnen befanden sich viele im öffentlichen Leben hoch angesehene Frauen.— Aller Erwartung ist jetzt aus die Frauenstimmrcchtsvorlage in der kom- inenden Session gerichtet. Die Aussichten, daß sie nngeiiomiiien werden wird, scheinen nicht ungünstig zu fei», so weit man jetzt urteilen kann. Vielleicht würden die Lords eine demokratische Maßregel verwerfen. Aber das wäre für die Liberalen bei dem Herannahen der allgeineineii Wahlen gerade ein Grund, ihre An- nähme im Unterhause zu erwirken und sie mit ins neue Parlament hinüberzuschlcppc», um sich so der Wahlunierstützung der intelli- gcntesten und tatkräftigsten Frauen zu versichern. Vielleicht dankt auch der amtSmüde Asquith vor den nächsten Wahlen ab. um dem frauciifrcundlichcn Sir Edward Grey Platz zu machen, der jeden- falls der nächste liberale Ministerpräsident sein wird. 3n üen Kasematten zu stfatuj. Von einein russischen Genossen wird uns geichrieben: In der grauen Eintönigkeit unserer tagiäglichen Kleinarbeit dürfte eS erwärmen und erheben, wenn wir uns der Kämpferinncn erinnern, die nicht geschichtliche Legende geschaffen hat, nicht ferner Vergangenbeit angehören. Die Frauen und Mädchen. deren Name» wir hier nennen wollen, leben zusammen mit uns und haben zusammen mit ims gekämpft und gewirkt. Mit mancher von ihnen haben wir vielleicht— wer weiß— irgendwo auf einer größeren Versammlung zusammen den Morien eines Redners ge- lauscht, vielleicht Blicke gelauscht, Worte gewechselt... Schulter an Schulter standen wir vielleicht noch beieinander, von einem Ge- danken beseelt und berauscht,— aber welche von diesen Mädchen und Frauen werden wir je im Leben wiedersehen? Alle diese Fronen sind mit uns einig im Ziel, manche von ihnen haben i» ihrer Tätigkeit auch genau dieselben Mittel angewendet wie wir gestern, heute und morgen. Sie aber mußten sich vor dem Gericht eines Lande» verantworten, das schon die einfache Angchörigkeit zur sozialdemokratischen Partei mit Katorga (Zwangsarbeit) und nackifolgender lebenslänglicher Änsiedlung„sühnt". Andere von diesen Frauen habe» sich an der terroristischen Bewegung beteiligt; aber bei einigermaßen geregelten politischen Zuständen wäre die terroristische Bewegung im Lande überhaupt nicht ent- standen, Wir wolle» hier neimzehn unvergeßliche Frauennamen nennen— ein LerzeichniS der Katorga-Arrestailtinnen von den Kasematten zn Akatuj. Sechs davon sind„lebenslängliche": Maria Spiridonow, Alexandra JSmailowitstd, Fanny Kaplan, Anastasia Bitzcnko, Nadeibda Terenljefi und Pauline Glacker- mann. Der Gesundheitszustand aller dieser„Lebenslänglichen" ist ein derartiger, daß. wenn man sie in den nächst«» paar Jahren nicht befreit, keine von ihnen längere Zeit aushalten wird; sie sind alle schwer krank, Maria Spiridonow leidet an der Kehl- kopfschwindsucht; sie verliert oft die Besinnung. Auch Fanny Kaplan ist ernst krank. Ein zarteS, wunderbar edles, durchgeistigtes Gesicht; große, weit geöffnete Augen— die aber nichts sehen... Fanny ist im Gefäligmö vollständig erblindet. Als sie bald nach ihrer Ver- Haltung in Kiew erkrankte, war sie noch ziemlich leicht zu retten, sie mußte nur einem guten Augenärzte in Behundlung gegeben werden — was selbstverständlich nicht geschah I Man kann sie sogar jetzt noch retten! Wer aber loird sich ihrer annehmen V Handelt eS sich doch um eine Bagatelle wie das Augenlicht einer Katorga- Arrestantin, die in Bambengeschichlen verwickelt war und die zudem noch— was nicht minder schlimm— eine Jüdin ist. An die Dunkelheit hat sie sich gewöhnt, aufrecht und mit sicherem Schritt geht sie in der Kammer auf und ab. Auch die anderen drei „Lebenslänglichen" sind krank. Der GefängniSarzt wohnt 30 Werst von�Äkatuj entfernt und kommt ielten ins Gefängnis; ein Kranken- Haus gibt es da nicht. Die Namen der 13„Terminierten" sind folgende: Antonina Gibenkoff, 1ö Jahre Katorga. Ihr Mann, ein ehemaliger Oberst auS Wladiwostok, ist jetzt ebenfalls auf Katorga in AlexandrowSk. Schon vor langer Zeit erhielt sie die»prinzipielle" Einwilligung, nach dem ,♦ Gefängnis ihre» Manne» abtransportiert zu werden, der zuständige Gouverneur verweigert aber ibre Aufnahme.— Alexandra Schumiloff, 1ö Jahre Katorga. Lungentuberkulose. War typhuSkranl und hatte Gift genommen; wurde„gerettet", die Speiseröhre blieb verbrannt.— Alvina Schöiiberg, Lettin. 15 Jahre Katorga.— Wjera Swetloff, (1 Jahre Katorga. die im nächsten Jahre abgelaufen sind. Sie wurde in den Prozeß der Mililärorganisation zu TifliS verwickelt.— Natalie Jürgens, 4 Jahre Katorga, Ende— 1914; Grund der Verurteilung: Arbeit in einer geheimen Parteidruckerci. Elisabeth FarmakowSki, 3 Jahre Katorga für Flucht vom Ansiedelungsgebietc. Rahel Levynsohn, 3 Jahre Katorga. Katherine Biebergall, 8 Jahre Katorga. Anna Pigitt, 8 Jahre Katorga. Wera Stoltertolt, 15 Jahre Katorga, Alexandra Machweladse, 3 Jahre Katorga. Eugenia Kletschoff, 8 Jahre Katorga. Marie Bardinkoff, 10 Jahre �Katorga. Die Gefangenen werden in den GefüngniSwerkstätten beschäftigt; sie müssen nähen, stricken usw. Im fernen, wüsten Sibirien erlischt in unsäglichen Oualen, in mittelalterlicher Folter ein blühendes Menschenleben nach dem an- deren, Frauen und Mädchen von sagenhafter Energie und oftmals großer geistiger Begabung, Wer von diesen neunzehn wird noch den blauen Himmel sehen und das sonnige Licht— hinter den Mauern der zarischen Kasematten?... Heimarbeit irnü Zrauenstimmrecht. An dem kürzlich in Washington abgehaltenen, aus allen amerika- nischen Staaten beschickten. Frauentongreß kamen neben den dürger- lichen Frauen zwei Arbeiterinnen zu Worte, die in packender Weise ihr sozialistisches Glaubensbekenntnis ablegten und den Standpunkt der proletarische» Frau zur Geltung brachten, Tie Wäscherin Margaret H i n ck l e y, eine geborene Jrländerin, kennzeichnete die Gründe, mit denen die Senatoren de» Staates New Sork das Frauenstimmrecht verweigert haben. Sie erllärten, die Frau habe ihre Stätte am häuslichen Herde, uno zitierten sogar die römische Geschichte, um uns zu beweisen, daß die Kleinode der Frau, wie die der Mutter der Gracchcn, ihre Kinder seien. Männer und Frauen von Amerika: das Heim der Wäscherei- arbeiterin ist für 16 bis 17 tstunden täglich über einer Maschine, inmitten einer höllischen Hitze. Ist dort ihr Platz? lind ihre Kinder? Wie sieht es um den Frieden des Heims und die Familie. ivciiii man für 6 Dollar die Woche arbeiten und Irotz allem am- ständig bleiben soll? Was Wunder, daß die Kloaken unserer Städte voll sind von den Leibern von Tausenden meiner Arbeits» sclnvestern, die nicht imstande waren, von 8 Dollar wöchentlich zn leben, die das Gesetz zuläßt, und daß sie den anderen, den leick» tcrcn Weg gewählt fyiben! Der Mann bedient sich seines Wahl» rechts, um die Frau niederzuschlagen, und die moderne Cornelia macht künstlich« Blumen in einer Höhle, in der die Tuberkulose brütet, das Gros zn 20 Pf. Männer Amerikas, gebt uns das Stimmrecht, damit wir imstande sind, für uns selbst und für euch zu sorgen! Gebt uns den direkten Einfluß deZ Stimmrechts, und die Frauen unseres Landes werden zum erstenmal eine ernsthafte Lebciisaussicht haben. Die zweite Rednerin. die schwindsüchtige Rose WinSlow. erklärte:„Ich bin eine einfache Weberei arbeiterin. Manchmal habe ich seidene Strümpfe für andere gelvcbt und mußte selbst in durchlöcherten Strümpfen gehen. Lassen Sic mich hier sagen: da» Werk des christlichen Vereins junger Mädchen und anderer Wohl- täligkeitseinrichtungen. die große Summen für Arbeiterinnen» zwecke sammeln, ist nicht die Lösung unseres Problems. Wir haben keine Sympatbie für die philanthropischen Arbeiterinnenbeune, die allzuoft nur für den ausbeuterischen Unternehmer arbeiten: den »lillionenreichen Geschäftsmann, der solche Einrichtungen unterstützt, weil er es billiger findet, als anständige Löhne zu zahlen. Frauen dieses Landes, tretet in unsere Kampfesreihen»i den Zeiten des Streiks! Schließt eure Wohltätigkeitseinrichtungen, löst die Klubs auf, Ivo man oie sparen lehrt, die von einem nn- genügenden Lohne leben müssen, wo man denen Turnunterricht erteilt, die ein überlanger Arbeitstag schon ausgemergelt hat. Die Arbeiterin dieses Landes ist nur eine ermattete Maschine. Aber sie verschmäht Ihre Wohltätigkeit, sie �braucht Ihre Ratschläge nicht, sie will Gerechtigkeit und daö Stimmrecht, um sie selbst mit ihren proletarischen Brüdern zu verwirklichen. Geben Sie ihr das Stimmrecht und sie wird schon selbst ihr Haus i» Ordnung bringen können!"—_ Zrauenberufe. Frauen als Rechtsanwälte. Vor dem Lisiabouer Gerichtshöfe erschien, nach einer Meldung von..lu« suifraßii" lürzlich zum erstenmal eine Frau als Anwalt, Obwohl das porlugiesische Gesetz Frauen weder vom Rcchtsstudium noch von der Ausübung des An- waltSberms ausschließt, ist Frl. Dr. O u i n t a n i l l a die erste Por» tugieiin. die diesen Beruf ergriffen hat. DaS englische Gesetz gestattet wohl den Frauen das ReckitS- studium, aber bei dem Versuch, die Amvaltichast auszuüben, stoßen sie aus den Widerstand der Anwaliskorporaliou, Vor dem Londoner AppellationSgerichishos erschienen vor einigen Wowen vier Frauen. die gegen die Enlscheidung der I-uw sooiety(Rechtsgesellschoft) Be- rufnng einlegten, Sie waren, trotz vorzüglicher absolvierter Studien, nur weil sie Frauen sind, nicht zur Advokatur zugelassen worden. Eine von ihnen, Miß Bebb, wies darauf hin, daß sie bereits von einer angeiehenen Anwaltsfirma aufgenommen sei, falls ihr die Be- Hörde die Ausübung deö Berufes gestatte. Ihre Klage wurde jedoch zurückgewiesen, der AnwallSberuf bleibt den englischen Frauen bis auf weiteres verschlossen. Gegen das Zölibat der Postbcamtinnen. Die weiblichen An« gestellten des MoLlauer Postamtes wandten sich mit einer Eingab« an den Cbes der Post- und Telegrophenver Wallung W. PochwiSnew um Aufhebung des Rundschreibens vom Jahre 1912, wodurch den Beamtinnen des Post- und Telegraphenrefforts das Heiraten verboten loird. DaS Rundilbreiben begründet daS Verbot damit, daß die verheirateten Beamtinnen öfter krank seien als die unver- heirateten. Diese Begründung wird in der Eingabe ftir unzutreffend erklärt. ES wird betont, daß die Folge deS HeiralSvcrbotS Ber- fall der Sittlichkeit und die freie Ehe unter den Beamtinnen fei. Weibliche BricftrSzer im Thüringer Wald. In der Gemeinde Martinroda bei Ilmenau ist jetzt die dortige Postagenturstelle einer jungen, unverheirateten Dame übertragen worden. Auch die Ort«- bestellung der Postsendungen wird durch einen weiblichen Brief« träger erledigt. Nur der Verkehr zwischen der Postagentur und dem Bahnhof Martinroda wird durch einen männlichen Briefträger besorgt._ die ßrauen in öer Partei« Ter Schweizerische Arbeiterinnonverband hält am 26. Januar in Zürich seine diesjährige D e I e g i e r t e n v e r s a m m I u n g ab, die sich in der Hauptsache mit der Frage des Weiterbeftandes oder der Auslösung des Verbandes zu beschäftigen Iicchen wird. Gegen idie Auslösung des Verbandes ist hauptsächlich der Züricher Ar- beiterinncnvercin; während der Zentralvorstand des Verbandes in Basel sowie mehrere Arbeiterinnenvcreine(Basel, Bern, Winter. thur, Chur usw.) für dessen Auflösung sind, und zwar au» finanziellen wie ZweckmäßigkeitSgründen. Bekanntlich hat sich mit dieser Frage auch der letzte sozialdemokratische Parteitag in Aarau be- schästigt. sie aber zur weiteren Prüfling an die Parteileitung zurückgewiesen.— Der Zentralvorstand des Acbeiterinnenverbandes hat den diesjährigen Schweizerischen sozialdemokratischen F r a u e»- tag aus Sonntag, den S, März, festgesetzt. Mitarbeit der Zrauen in der Gemeindeverwaltung. -Tie Engherzigkeit, mit der man von bürgerlicher Teite seit icber die Mitarbeit von Frauen in der städtischen Armenpflege bekämpft bat, ist erst kürzlich wieder recht krag in die Erscheinung getreten, als es galt, ein Mitglied in die Berliner Armendirektion zu wählen und die bürgerlichen Vertreter es ablehnten, dies Ehren- etmt einer Frau zu übertragen, die sich seit Jahren in der Armen- Pflege bewährt hat.— Im.Hinblick auf dieses Vorkommnis hatte die Parteileitung von Groh-Bcrlin eine Versanrnrlnng einberufen mit dem Thema:„Herein mit der Frau in die Gcmeindevertrc- tung". Die Versammlung, die am Dienstag im ehemals ftcller- fchcn Saal in der Koppcnftraßc tagte, war sehr stark besucht, und zwar fast ausschlicglich von Frauen. Ter erste Referent, Stadtverordneter Dr. Rosenfeld, begründete unsere Forderung der Mitarbeit von Frauen in der kommunalen Armenpflege, indem er ausführte, daß die Frauen für diese Tätigkeit ganz besonders geeignet seien. Er verwies dar- auf, daß in der kirchlichen Armenpflege in erster Linie Frauen tätig sind. Die evangelische Kirche beschäftigt auf diesem Gebiet t i 000 Schwestern und in der katholischen Kirche arbeiten 24 000 Ordensschwestern in der Armenpflege. Auch in den bürgerlichen Wohltätigkeitspercinen, die sich der Armenfürsorge widmen, sind es Frauen, die an diesem Werk arbeiten. Theoretiker und Prat- tiker aus dem Gebiet der kommunalen Armenpflege haben längst anerkannt, daß die Mitarbeit der Frauen sehr wertvoll ist. Wer einen Blick in die Armenverwaltung wirst, der muß anerkennen, daß die Frauen für diese Tätigkeit ganz besonders geeignet sind. Schon für die Recherchen im Haushalt der Armen sind Frauen besser geeignet als Männer. Zwei Drittel der Almosenempfänger Berlins gehören dem weiblichen Geschlecht an. Sic tverden natür- lich einer Frau lieber ihr Herz ausschütten und ihr Leiden schildern als einem Mann, und die Frau wird dafür auch mehr Verständnis haben als der Mann. Auch in den weiteren Phasen der Armen- Verwaltung ist die Mitarbeit der Frauen sehr nützlich. Wer kann es besser verstehen als eine Frau, Ordnung in den Haushalt der Armen zu bringen. Aber trotz der anerkannten Vorzüge, welche die Frauen für die Armenpflege ganz besonders geeignet erscheinen läßt, wird der Mitarbeit der Frauen von bürgerlicher Seite imgrcr noch Widerstand entgegengesetzt. Man fürchtet, die Frauen würden in der Bewilligung von Unterstützungen zu weit gehen. Mag sein, daß diese Befürchtung eine gewisse Berechtigung hat. Wer die Frauen wollen ja nicht allein in der Armenpflege entscheiden; sie wollen ja nur mitarbeiten als Mitglieder der Kommissionen, die in der Mehrheit aus Männern bestehen. Es würde durchaus nicht schaden, wenn mehr Weichherzigkeit und Mitgefühl in die Armen- Verwaltung einzögen. Sind denn die Männer, die heut in der Armenverwaltung arbeiten, alle besonders geeignet für diese Tätigkeit? Stadtrat Münsterberg hat ja einmal ertlärt, daß es an geeigneten Männern mangelt. Anstatt aber geeignete Frauen zur Armenpflege zu berufen, nimmt man lieber ungeeignete Männer.— Im Bericht des Armenamtes der Stadt Colmar für 1890 heißt es, daß höchstens ein Drittel der männlichen Armen- Pfleger die Porzüge haben, die bei den Frauen zu finden sind, und das Armenamt hofft, daß auch bei den Herren Armenpflcgern sich das gleiche Pflichtgefühl ausbilden möge, welches die Frauen in der Armenpflege betätigen. Es ist also kein Zweifel, daß die Frauen für die Armenpflege besonders geeignet sind.-Deshalb müssen sie auch als vollberechtigte Mitglieder in die Nrmenverwältung aufgenommen werden. In Berlin aber hinkt man, wie ans anderen Gebieten, so auch auf diesem Gebiet hinter anderen Städten nach. Ter Redner besprach die Kämpfe, welche unsere Genossen in der Berliner Stadtverord- nctenversammlung seit 1896 geführt haben, um die Mitarbeit von Frauen in der Armenpflege durchzusetzen. Es ist schließlich er- reicht worden, daß in den Armenkommiffionen Frauen als gleich- berechtigte Mitglieder neben den Männern sitzen und sich gut bc- währt haben. Aber die Zahl der Frauen in den Kommissionen ist noch recht gering. Im Jähre 1904 hatten die Armeniommissionen 8241 männliche und 37 weibliche Mitglieder. Im Jahre 1911 saßen unter 4744 Männern 157 Frauen in den Armenkommiffionen. Der letzte Jahresbericht zeigt ein ähnliches Verhältnis. Aber nicht allen Armenkommissionen gehören Frauen an. Nur in 91 von den 414 Armenkominissioncn sitzen Frauen, und zwar in 42 Kom- Missionen eine Frau, in 32 Kommissionen je 2 und in 17 Kom- Missionen je 3 Krauen. Es herrscht eben noch ein großes Vor- urteil gegen die Mitarbeit der Frauen sowie gegen alle neuen Elemente in den Kommissionen, namentlich wenn sie der Arbeiter- klaffe angehören. Während in den Armcndirektioncn von 32 preußischen Städten bereits Frauen sitzen, will man in Berlin keine Frau in die Armen- dircktion aufnehmen. Seit 1912 kämpft die sozialdemokratische Stadtvcrovdnctcnfraktion Berlins für die Zulassung von Frauen in die Arme»dircktion. Als 1913 infolge des Todes eines Mit- gliedes der Armendirektion eine Neuwahl vorzunehmen war, schlug der Wahlausschuß wieder einen Mann vor. Unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung erhoben dagegen Widerspruch. Sie schlugen Frau Gern dt vor, die sich als Vorsitzende cinci: Armcnkommiffion seit Jahren bewährt hat. Nun bekam der?lils- schuß juristische Bedenken gegen die Wahl einer Frau. Er ersuchte den Stadtsyndikus um ein Gutachten. Der erklärte, daß keine juristischen Bedenken beständen. Trotzdeni schlug der Ausschuß unter dem Widerspruch der Sozialdemokraten wieder einen Mann vor, der dann auch, mit 55 Stimmen gewählt wurde, gegen 38 Stim- mcn, welche aus Frau Gerudt sielen. Hierauf haben unsere Ge- »offen, uni die Wahl von Frauen in die Armendirektion zu er- möglichen, den Antrag gestellt, die Zahl der Bnrgcrdeputicrten in der Armendirektion um drei zu erhöhen. Dieser Antrag wird in nächster Zeit in der Sladwerordnetenversammlung zur Verhandlung kommen. Die Liberalen werden dann Gelegenheit haben, zu zeigen, ob sie, die zahlreiche Frauen zu Wahlschlepperdienüen gebraucht haben, den Frauen die Fähigtcit absprechen werden, in der Armen- dircktion mitzuarbeiten. Man darf den Frauen diese Fähigkeit nicht absprechen, denn in Deutschland arbeiten bereits 18 090 Frauen in der kommunalen Wohlsahrtspilcge.— W't wenden uns an die Männer und Frauen des klassenbewußten Proletariats, um unser Vorgehen zu unterstützen. Kämpft unsere Fraktion Arm in Arm mit den Frauen des Berliner Proletariats, dann muß es gelingen, den Frauen die Pforten der Armcnverwaltung zu öffnen, um den Aermstcn der Armen zu Helsen.(Beifall.) Die zweite Rcfercntin, Genossin Klara Weyl, führte aus. daß die Frauen an den Fragen der Kommunalpolitik das gleiche Interesse habest wie die Männer, und daß es eine Reihe kommunaler Angelegenheiten gibt, welche die Frauen in höherem Grade interessieren a!s die Männer. Zunächst ist die Krankenhaus- pflege zu nennen. Tie Krankenhäuser werden von unbemittelten Frauen mehr als von Männern in Anspruch genommen, und wenn sie nicht zahlen können,, wird die Armenvcrwaltung in Anspruch genommen. Dasselbe gilt von den Kindern. Tie öffentliche Für- sorge für die Gebärenden ist eine Frage, die den Krauen sehr nahe- geht. Die städtischen Krankenhäuser haben nur etwa 100 Betten für Wöchnerinnen zur Verfügung. Das ist völlig unzureichend. Auch für die Wöchnerinnen, die im eigenen Haushalt entbunden werden, muß Fürsorge getroffen sein. Unsere Forderung gebt dahin, daß die Hebammenhilse den Unbemittelten unentgeltlich und nicht in der Form von Ariner.unterstützung zuteil wird. Auch müssen den Wöchnerinnen Hauspflegerinnen gestellt werden, damit die Frauen nicht gezwungen sind, vorzeitig das Wochenbett zu verlassen, um ihrer.Hausarbeit nachzugehen.— Tic Frage der Heimstätten interessiert die Franc» ebenfalls in hohem Grade. Wir haben Heimstätten für Männer, aber nur wenige für Frauen und die Heimstätten für Frauen werden nur ungenügend in An- spruch genommen. Nicht, weil es nur wenig kranke Frauen gibt, die der Pflege in einer Heimstätte bedürfen, sondern weil die meisten Frauen, von der Sorge für den Hanshalt und die Familie in Anspruch genommen, nicht Zeit haben, in eine Heimstätte zu gehen. Man muß den leidenden Frauen die Zeit uno Ruhe zur Heimstättenpslege geben, indem ihnen eine Pflegerin gestellt wird, die den Haushalt in der Zeit versieht, wo sich die Frau in der Heimstätte befindet. Wir haben eine Heimstätte für Wöchne- rinnen. Da sollen Frauen nach der Entbindung Ausnahme finden. Wer die Zahl der Betten ist so gering, daß Frauen, welche um Aufnähme nachsuchen, manchmal 6 bis Ü Wochen warten müssen, che sie aufgenommen werden können. Also die Zahl derjenigen, die von dieser Einrichtung Gebrauch machen können, ist nur sehr gering.— Seit sieben Jahren haben wir eine kommunale Säug- lingsfürsorge. Doch wie wenig vermag sie zu tun angesichts des großen Elends, welches auf diesem Gebiet in Berlin herrscht. Manches könnte besser werden, wenn Frauen in der Säuglings- fürsorge in größerer Zahl mitarbeiten würden.— Eine Angelegenheit, die ebenfalls die Frauen in hohem Grade interessiert, ist die Fürsorge für die dem Säuglingsalter entwachsenen Kinder. Die Gemeinde unterstützt Krippen und Kinderhorte, aber bei weitem nicht in ausreichendem Maße. Tie Gemeinde müßte selbst Krippen, Kinderhorte und Kindergärten in genügender Zahl errichten und denen zur Veriügung stellen, die sie brauchen. Haben wir doch etwa 75 000 Kinder in Berlin, die, während die Eltern der Erwerbs- arbeit nachgehen, unbeaufsichtigt und so den schwersten körper- lichen und sittlichen Gefahren ausgesetzt sind.— Von großer Bedeutung für die Frauen ist auch die Frage der Schule. Hier handelt es sich namentlich um die unentgeltliche Gewährung der Lernmittel und der Speisung der Schulkinder. Die Speisung der bedürftigen Schulkinder, die jetzt vom Verein der Kindervolksküchen als Wohltätigkeit geübt wird, müßte von der Stadt übernommen und jedem als Recht gewährt werden.— Ferner sind die Frauen interessiert an den seit einigen Jahren von der Sladt cingerich- teten Ferienspielen der Schulkinder, sowie an der für Berlin immer noch offenen Frage der Waldschulen. Auch die geforderte Arbeits- losenfürsorge durch die Stadt geht die Frauen n». Ebenso sind sie interessiert an der Frage der kommunalen' Lebensmiitelvcr- sorgung. Die Frauen, die ehrenamtlich mitarbeiten in der Gemeinde, tun es mit Freuden. Von den Männern kann man das nicht immer sagen. Von ihnen nimmt so mancher ein kommunales Ehrenamt nur deshalb an, weil er bei Wtehnung, den geltenden Bestimmungen gemäß, in der Steuer herausgesetzt werden kann. Die Frau, die sich an der Armenverwaltung beteiligt, bringt für ihre Arbeit die Freudigteit, zu helfen, und das gute Herz mit. Es ist bis jetzt noch keine Beschwerde gekmuinen, daß von den 170 Frauen, die in der Armenpflege mitarbeiten, übermäßige Unterstützungen gegeben werden. Das aber muß anerkannt wer- den, daß die Frauen freudiger und deshalb schneller arbeiten wie die Männer, die es sich manchmal gar zu lange überlegen, ehe sie HilfsHedürftigkeit eines Armen feststellen. Nicht nur mehr Frauen, sondern mehr Angehörige der Arbeiterklasse müssen wir in die kommunale Wohlfahrtspflege hineinbekomme». Zur Mitarbeit in der Waisenfürsorge können gar nicht genug Frauen heran- gezogen werden. Dazu ist die Frau viel geeigneter als der Mann. — Bei dem ncuerrichteten Wohnungsamt der Stadt Berlin ist den Frauen ebenfalls Gelegenheit zur Mitarbeit gegeben. Auch das ist ein Gebiet, aus dem die Frauen erfolgreich wirken können.— Nicht nur in die Armendirektion, sondern auch in die Waisen- depuiation gehört eine Frau.— Wenn wir die Frauen zur kom- munalen Mitarbeit heranziehen, so ist das auch deshalb wichtig, tveil, wenn wir Frauen ein Wahlrecht erringen, es zuerst das kommunale Wahlrecht sein wird. In verschiedenen Kleinstaaten gibt es schon ein Gemeindewählrecht der Frauen; es muß endlich auch in Preußen eingeführt werden.(Lebhafter Beifall.) Da sich zur Diskussion niemand meldete, schloß der Vorsitzende Ernst die Versammlung mit dem Ersuchen, die hier erörterten Bestrebungen unserer Stadtverordneten zu unterstützen. die Sreslauer Justiz gegen die Arbeiterbewegung. Im September 1913 tagte in Breslau der 21. Anwaltstag. der in der Jahrhunderthalle begrüßt Ivurdc. Zu dieser Tagung hatte auch einer unserer bekanntesten Verteidiger, Justizrat Mam- r o t h, in der reichhaltigen Festschrift einen Rückblick auf Brcs- lauer Gerichtszustände in alter und neuer Zeit geschrieben. Tarin erklärte er, daß besonders die Amtsführung des später als Reichs- gerichtsrat verstorbenen Landgcrichtsdircktors Freitag, die Recht- sprechung in Breslau in weiten Kreisen in den Ruf eines wahren SchreckensregimentS brachte. Diese Richtung ist geblieben. Ries doch Herr M u n d r t> einem Redakteur der„BoltSwacht" zu, daß höhere Beamte und Offiziere, die den Schutz der sozialdemokratischen Presse nachsuchen, Schweinehunde seien, und daß er die neugierigen Nachbarn, die sich als Zuschauer bei der Beerdigung einer bekannten Gc- nosiin hinstellten, als' Janhagel und arbeitsscheue Faulenzer bezeichnen müsse. Ein anderer Gcrichtsvorsitzendcr, Herr Landgcrichtsrat Flenck, erklärte im September 1913:„Was sagt man bloß zu dieser Kanaille!" So die Ausdrucksweisc von Richtern gegen Arbeiter. Der streikende Arbeiter hingegen, der sich die geringste Inkorrektheit gegenüber Arbeits- willigen erlaubt, muß sich von den Brcslaucr Richtern auf Tage und Wochen ins Gefängnis schicken lassen. Die Richter aber, die die Arbeiter doch an formeller Bildung überragen sollen, traktieren andere Mitmenschen mit Ausdrücken wie„Kanaille",„Schweine- lninde", Janhagel" und„Faulenzer", ohne daß man bisher auch nur von einer disziplinaren Bestrafung dafür gehört hätte. Die verantwortlichen Redakteure der„Volkswacht" werden seit Jahren wegen Beleidigung dritter zu monatelangcii Gefängnis- strasen, die in ganz Deutschland Aussehen erregen, verurteilt, ob- gleich sich die„Votkstvacht" niemals derartige Ausdrücke erlaubt, wie sie Breslauer Richter in Ausübung ihres Amtes gebrauchten. Ter bekannte Herr Mundrh erklärte in eiuent Prozesse gegen den Redakteur Genossen Förster bei der Urtetlsverkündigung, daß das Gericht„leide r" habe aus Freisprechung erkennen müssen. Als der Arbeiter H. den Kassierer des Konsumvereins„Vorwärts" durch ein Flugblatt gröblich beleidigt hatte, wurde er in erster Instanz freigesprochen mit der Begründung,„daß Belcrdigungcn unter Sozialdemokraten so üblich sind". Erst das Landgericht hob dieses famose Urteil aus. Sehen wir uns nun die Strafen an, die im Jahre 1918 gegen Sozialdemokraten und Gewerkschaftler wegen ihrer Be- tätigung in der modernen Arbeiterbewegung von Breslauer Rich-- tern erkannt wurden. So haben wir insgesamt festgestellt: 33 Monate, 31 Wochen und 19 Tage Gefängnis, 1 Woche Haft»nd 2449 M. Geldstrafe. Auf Vollständigkeit kann unsere Ausstellung keinen Anspruch erheben, da wir nur die Strafen znsainmcnstcllcn konnten, die durch die Partciprcffc bekannt wurden. Aus die Presse, die„V o l k s w a ch t", entfallen von dein obige» Konto: 3 Monate Gefängnis und 1550 M. Geldstrafe. Die Partei ist mit 2 Monaten Gefängnis und 160 M. Geldstrafe an dem Gc- samtkonto beteiligt. Mit 26 M. Geldstrafe belastete die Ar bei- t c r- I u g c n d b c w c g u n g das Strafkonto und 20 M. entfalle» auf die Sportvereine der Arbeiterschaft. Ten Löwenanteil an dem'Gesamtkonto haben auch in diesem Jahre wieder die Gewerkschaften. Obgleich keine großen Streiks stattfanden, entfallen doch aus sie 28 Monate, 31 Wochen und 19 Tage Gefängnis; 1 Woche Haft und 693 M. Geldstrafe. Meist handelte es sich WM Streikjustiz, um den Schutz der Arbeitswilligen. Wir haben uns der Mühe unterzogen, das gewerkschaftliche Strafkonto in einzelne Straftaten zu trennen. Da finden wir zunächst die Vergehen gegen den K 158 der Gewerbeordnung(„Nötigung",„Terrorisinus" usw.) mit 12 Monaten, 14 Wochen und 9 Tagen Gefängnis und 136 M. Geldstrafe gesühnt. Dieser Paragraph ist direkt ein Ausnahmegesetz zur Hinderung der Rechte der Arbeiter und zum Schutze der Arbeitswilligen geworden. — Zu 6 Monaten Gefängnis war der Fabrikarbeiter P r z y b i l l cr verurteilt worden. Er soll bei einem Streik in einer chemischen Fabrik einen Arbeitswilligen„genötigt" haben. Obgleich dein letzteren nicht ein Haar gekrümmt worden ist, hielt das Gericht ein halbes Jahr Gefängnis für angemessen. Ter Vorsitzende der dritten Strafkammer, Landgcrichtsrat Flenck, sagte bei dieser Gelegenheit:„Ich bin der Meinung, daß wir gar keine schärferen Bestimmungen gegen den Tcrrorismus brauchen. Wir kommen mit den bestehenden Bestimmungen ganz gut aus, die ja mehr- jährige Gefängnisstrafe zulassen. Wenn aus hohe Strafen erkannt wird und mehr Anzeigen erstattet werden, erübrigen sich neue Gesetze." Dieser Ausspruch war bezcicknie�d für den Geist, der am Breslauer Gericht herrscht.— Wie richtig Herr Flenck Sie Sach- läge beurteilt, beweist die folgende Verurteilung. Zwei Tapezierer hatten zu einem Arbeitswilligen gesagt:„Na warte, dich werden wir schon kriegen!" Anfang September 1913 wurden sie zu 2 M o n a t e n und 6 Wochen Gefängnis verurteilt..— Ter Heizer fiel) m a n n traf während des Schiffer- jtrcits einige Arbeitswilligen, denen cr sriodtich entgegentrat mit dem Bemerken:„Na, wo nwllt Ihr denn hin?" Er wurde ver- haftet und einen vollen Monat in II n t e r s u ch u n g s- hast behalten, weil die Schiffer bei den Behörden allgemein als „unsichere Kantonisten" gelten. Am 6. Oktober 1913 bestrafte ihn das Schöffengericht wegen„versuchter Nötigung" mit 20 M. Geld- strafe. Die Strafe galt als verbüßt durch die lauge Unter- suchungshaft.— Diese tvenigcn Beispiele dürften beweisen, was in Breslau alles als Tcrrorismus angesehen ivird. Beleidigungen, die im gewerkschaftlichen Kampfe gefallen sind, wurden mit 6 Monaten, 11 Wochen und 10 Tagen Gc- fängnis und 320 M. Geldstrafe gesühnt.— Während des Backe r- strciks im Mai 1913 wurden Flugblätter verbreitet, durch die, sich die Bäckermeister gekränkt fühlten. Wegen öffentlicher Beleidigung wurde deshalb ein bisher unbestrafter Bäckergeselle zu der harren Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt.— Im Verlaufe einer ruhigen Auseinandersetzung hatte der Dreher T scher» er zu einem Arbeitswilligen gesagt:„Tu brauchst doch wirklich nicht den Streikbrecher zu machen; wenn der Streik zu Ende ist, jagt man Dich sowieso davon, wenn die alten Leute wieder eingestellt werden." Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Beleidigung zu 30 M. Geldstrafe; das Landgericht erhöhte die Strafe auf 2 Wochen Gefängnis. Sehr harte Strafen sind gegen Gewerkschaftler gefällt worden, die sich an Arbeitswilligen tätlich vergriffen hatten. Ein Schiffshcizcr und ein Bootsmann hatten einem arbeitswilligen Maschinisten mit einem Stocke einige Schläge versetzt. Sie er- hielten dafür 6 Monate und 4 Monate Gefängnis.— Auf 4 Wochen Gefängnis wurde gegen cincn Bäcker erkannt, der einem Arbeitswilligen eine Ohrfeige gegeben hatte. Gerade Breslau ist ein Schutbeispiel dafür, daß nicht der jetzt wieder geforderte erhöhte Schutz für Arbeitswillige, sondern ein Schutz der Arbeiter, insbesondere ein Schutz ihres Koalitions- rechts, nötig ist. WttterungSüberiicht vom 7. Januar 1914. Si-Nonai lA S!-- SZl II =1 Oettex ii t*ac tsi All 5? Swinemde.; 7 49l®NS Hamburg 754 NN® Berlin 75t W Franks. a.Ml7.57W München 759® Wien ,754® Uwolkig i 1 4 bedeckt 1—1 bedeckt 1 Duln't 5 bedeckt Iwoltig Gtatwnen Havaranda!7b3'NW I 2 Nebel Pelersburg 750 WNW 1 � div.ee—14 2 cillo 1768, NW| 2 halb bd. 6 Aberdee» i7ü3.S/z Uhr: Wichtige Flugblaitverbreitung von den bekannten Stellen aus._ öerliner Nachrichten. Weihnachtsgeschenke. Während die große Masse am Hungertuchc nagt, weiß die besitzende sllasse nicht, was sie"mit dem Ueberfluß an- fangen soll. Die„National->jeitung" weiß Einzelheiten zu berichten über Weihnachtsgeschenke, die in diesen Kreisen gegeben wurden, die ganze Vermögen kosteten. Sie erzählt: „Der Spender einer Perlenkette im Werte von 270 000 Mark kann sicher sein, nicht so bald vergessen zu tvcrden. Nach Angabe einer bekannten hiesigen Hofjuwelicrfirma soll der Käufei dieser Kette in den Kreisen der rheinischen Großindustrie zu suchen sein. Gar nicht so sehr weit hinter diesem Preis bleibt ein Zobel inantel zurück. der aus dem Lager eines Hoslürscknerineistcrs Unter den Linden stammte. Sein Käuscr muß jedenfalls unter der schlechten Konjunktur nickt sehr gelitten haben, wenn er für das prächtige Pelzwerk nahezu 70 000 M. auswerfen konnte. Weit entfernt von altpreußiscker«varsanikeit zeigte sich auch ein schlesiscker Aristokrat, der seine Galtin diese Weihnackten mit einer PellwäschcgarniMr für 38 000 M. überraschte. Was muß das für ein Gemisch von wunderbaren Spitzen, kostbaren Leinen und seidenen Bändern sei», das einigermaßen diesen Preis rechtfertigt! Daß man besser auf ihm schläft, ist nicht anzu- nehmen; aber eine schöne junge Frau inmitten der anmutigsten Brüsseler und Madeiraspitzen ist gewig ein reizender Blick. Nein, ganz dumm war der Mann nicht, der seiner Frau dieses Geschenk machte. Bei der gleichen Firma, einem Wiener Wäiche- und Kon« fekiionshaus in Berlin, erstand ein Käufer zu Weihnachten eine Tischdecke im Werte von 4500 Mark. Man sieht, es gibt noch genug reiche Leute in Berlin und man braucht um einen zu geringen Er- trag der Wehrsteuer nicht bange zu sein. Da kann es auch nicht überraschen, wenn man bort, daß auch für Nichtigkeiten horrende Preise bezahlt werden. In einer Bijoulerie-Frrma Unter den Linden wurden für ein Paar Schuhsch»allen 200 Mark ausgegeben, für einen Taschenkalender, im Porte- monnaie zu tragen, die gleiche Summe, und für eine Haar- spange mit unechten Steinen sogar 400 M.! Man kann cS auch nicht sparsam nennen, wenn bei einem Lederhändler in der Lenne- slratze für ein Reisenecessaire für eine Dame 3000 M. bezahlt wurden. Kostbare Kristallflaeons mit goldenen Deckel» und das feinste sämische Lcder rechtfertigen zur Geniige diesen Preis, Ungemein kostbar waren auch die Blumenarrangements, die zu Weihnachten verschickt wurden, um so kostbarer, als der ganze Glanz nach ein paar Tagen verwelkt und keine Spur mehr von'einer heileren Existenz zeugt. Orchideen- undRoken- körbe von 400 M. waren nack Angabe eines bekannten Blumen- geschäfis Unter den Linden durchaus keine Seltenheit. Und uniere Kleinen? Auch da mag man beruhigt sein. Ist das notwendige große Portemonnaie da, fehlt auch nicht die Ge- legenheil zum Luxus. Sehr on vogue waren letzten Weihnachten als schönstes Spielzeug zierliche! l e i n e Automobile, die allerdings den recht anständigen Preis von 175 Mark kosten. Auch reizende kleine Unterhallungsspiele waren für den gleichen Preis erhältlich. Man steht, auch Kindern kann nian recht kost- spielige Geschenke machen." Und die Kreise, die derartig mit dem Gelde umherwerfen können, schreien am lautesten über die Begehrlichkeit der Ar- bciter, verlckngen Gesetze gegen die aufstrebende Arbeiterschaft, um so desto leichter den Profit steigern und das Proletariat ausbeuten zu können._ Zur Verpachtung städtischen Laubengeländes. Aus dem Rathause wird folgende Rechtfertigung verbreitet: Zu den in der Vorstanossitzung des Vereins Berliner Wohnungs- micter gegen die Grundeigentumsdeputation der Stadt Berlin er- hobcnen Vorwürfe, die Verpachtung von Laubengelände betreffend, teilen wir folgendes mit: „In der Veröffentlichung der Korrespondenz wird behauptet, daß die Stadt Berlin das Gencralpächtertum großziehe und dadurch übermäßige Pachtpreissteigerungen systematisch herbeiführe. In- solgcdessen sei es den unbemittelten Leuten unmöglich, sich ein Stück Land zu ihrer Erholung zu pachten. Während man für die Pacht früher, im Jahre 1897, für die Rute des Laubengeländes 10 Pf. gezahlt habe, sei es jetzt aus 3 M. hinaufgetrieben. Tie Gencral- pächter erheben von den Kolonisten Pachtpreise, die oft bis zu 100 Proz. die von ihnen an Berlin gezahlten Pachipreife über- steigen. Dazu käme nock) der Zwang, den die Generalpächter da- durch ausübten, daß sie von den Unterpächtcrn die Benutzung der von ihnen eingerichteten Kantinen verlangten. Annähernd drei Millionen sollen die Unterpächter für ihre Laubenkolonien aus- geben und zwei Millionen davon in den Säckel der Stadt Berlin fließen. Alle diese Angaben widersprechen direkt der Wahrheit. Die Stadt Berlin hat sich allerdings dazu entschließen müssen, das Laubcngelände, welches in der Hauptsache im lllorden und Süd- osten(Treptow) liegt, an Generalpächter zu vergeben. weil eine Verpachtung an einzelne. Kolonisten, eine derartige Ar- beitsvermehrnng für die Stadt bedeuten würde, daß ihr dadurch nur Schaden erwachsen würde. Selbst bei dem jetzigen System bringt die Verpachtung des Laubengeländes der Stadt Berlin keine finanziellen, Vorteile, denn selbst dort, wo die höchsten Pachtpreisc gezahlt werden, übersteigen die Gemeindegrundsteuern den Pacht- ertrag. Bei den in Berlin gelegenen Grundstücken würde auch, falls eine Veranlagung zur Grundsteuer stattfinde, diese höher sein als der erzielte Pachtpre's. Daß die Pachipreife gestiegen sind für die Rute des Lauben- geländes ist allerdings richtig. Diese Steigerung beruht zum Teil in den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen und zum anderen auf den Preissteigerungen der Generalpächtcr und der Landpacht- gcnossenschaften, denn diese haben sich gegenseitig bei den Lfscnt- lichen Ausbietungen zu überbieten bestrebt. Der Pachtpreis ist verschieden, je nach Lage und Beschaffenheit des Geländes. Der niedrigste Pachtprcis pro Rute beträgt rund 35 Pf., der höchste Pachtprcis beläuft sich auf 1,50 M. pro Rute, und nur in einigen Ausnahmefällen werden auf besonders günstig gelegenem Gelände in Treptow 2 M. bis 2,25 M. bezahlt. Nun sollen die General- Pächter von den Kolonisten Pachtpreise erheben, welche bis zu 100 Proz. die von ihnen selbst gezahlten Pachten übersteige». Der Wert dieser Bebauptungen richtet sich von selbst, wenn man den Ertrag, welchen Berlin aus der Verpachtung und welchen die Ver- Pächter aus der Weiterverpachtung von den Kolonisten erzielen, vergleicht. Die Stadt hat durch. Umfrage bei den Kolonisten festgestellt, welche Beträge sie an die Generalpächter zu zahlen haben. Dabei hat sich ergeben,. daß die Gesamtsumme 96 439 M. beträgt. Dieser Zahl steht gegenüber ein Ertrag von 82 959 M.. welcher Berlin von den Generalpächtern gezahlt wird. Die Behauptung daß Berlin aus der Verpachtung feines Laubengcländes zlvei Millionen bezöge, beruht also nicht nur auf Ucbcrtreibung, sondern direkt auf Unwahrheit. Es ist außerdem noch zu berücksichtigen, daß die Generalpächter von dem Gelände den Kolonisten für ihre Kinder Spiel- und Freiflächen zur Ver- fügung stellen und einen Teil des Geländes auch nicht immer ver- mietet haben; dazu kommt noch, daß sie außerdem noch Flächen für die Wege freilassen müssen. Wie hoch demnach der Gelvinn der Generalpächter ist, kann sich jeder selbst berechnen. Schließlich ist auch noch zu erwähnen, daß die Grundeigentumsdeputation es den Generalpächtern vertraglich untersagt hat, auf dem von ihr verpachteten Laubcngelände Kantinen einzurichten und zu unter- halten oder einen gastwirtschaftlich ähnlichen Betrieb. Selbst der Verkauf von Flaschenbier ist verboten." Die Rechtfertigung der Grundeigentumsdeputation gegen die erhobenen Vorwürfe ist sehr fadenscheinig; sie trifft vollkommen daneben. Bei der Verpachtung von Laubengelände sollten mehr soziale Gründe maßgebend sein und nicht rein fiskalische, wie das heute leider der Fall ist. Und Fiskalismus ist nur maßgebend. Es ist und bleibt ein Krebsschaden, lvenn an Generalpächtcr ver- pachtet wird, die ihrerseits wieder an Unterpächter und diese erst an Kolonisten verpachten. Es muß sich da ein Ausbeuiungs- und Abhängigkeitssystem schlimmster Art entwickeln. Alan rede unö doch nicht ein, daß es unmöglich sei, die Parzellen direkt zu ver- pachten. Diese Verpachtungen könnten stich an der Hand eines Lageplanes entweder im Rathause oder an Ort und Stelle gegen sofortige Zahlung des Pachtpreises vollziehen.. Man hat ja schließlich einige Monate Zeit zum Verpachten. Gewiß ist es bc- qu einer für die Verwaltung, nur mit einigen wenigen General- Pächtern zu tun zu haben; aber schließlich ist städtisches Gelände nicht dazu da, einigen Generalpächtern Vorteile zuzuschanzen und der Verwaltung Bequemlichkeiten zu verschaffen. Dann die Be- merkung, daß die Stadt von der Verpachtung keine Vorteile hätte, loci! mehr Grundsteuer gezahlt werden müsse, als Pacht einkäme. Als ob diese Grundsteuer nicht auch gezahlt werden müßte, wenn das Gelände unberpachtet bliebe. Drollig ist die Reiiüvaschuitg der Generalpächter, deren Vor- teile sehr gering seien. Der Magistrat weiß offenbar nichts von den Klagen der Kolonisten über die eigenartigen Praktiken bei dem Vermessen; daß oft mehr Quadratmeter Landfläche verpachtet werden, als das gesamte Gelände enthält. Endlich der Himveis auf das Verbot der Kantinen und des Verkaufs von Flaschenbier durch die Pächter. Gewiß, dieses Verbot ist in den Verträgen enthalten; aber auch nur auf dem Papier. In der Praxis sieht es anders aus. Das ging so weit, daß vor einigen Jahren in Treptow städtisches Gelände von städtischen Beamten und zustänoigen Dezernenten in— einer Kantine verpachtet wurde. DeS genügt wohli Nach alledem liegt alle Veranlassung vor, daß mit den jetzt in Berlin geltenden Grundsätzen bei Verpachtung städtischen Ge- ländes endlich gebrochen wird und mehr vom) sozia len Ge- sichtspunkte aus die Verpachtung städtischen Besitzes erfolgt. Die Bahnhöfe der Nordsüdbahn. In dem Verfahren zur Feststellung des Planes für die städtische Untergrundbahn wären die Bahnhöfe Wedding und Gneisenaustraße allsgeschaltet worden, weil für diese Strecken Abänderungsplänc eingereicht werden sollten. Es handelte sich dabei im ivesentlichen um die Wcitcrführuiig der Nordsüdbahn nach Neukölln oder Teinpelhof und um eine Anschlußlinie vom Wcdding nach dem Gesundbrunnen. Diese neuen Pläne sind inzwischen fertiggestellt und, wie der Polizeipräsident be- kannt gibt, auch bereits geprüft worden. Gemäß dem Gesetze über die Kleinbahnen und Privatanschlußbahncn müssen die Pläne jetzt bis zum 20. Januar im Bureau der Abteilung 10 des Berliner Polizeipräsidiums am Alcxandcrplatz zu jeder- manns Einsicht ausliegen. Einwendungen sind schriftlich ein- zureichen. Besonders die Gemeinden Neukölln und Tempel- Hof werden die neuen Pläne sehr eingehend prüfen, und. wenn sie ihre Interessen nicht genügend gewahrt glauben, Einspruch erheben.___ Die erste Stadtvcrordnetensitznug im neuen Jahre findet heute statt. Zu Beginn der Sitzung werden die lvieder- beztv. ueugewählteu Stadtverordneten" eingeführt und verpflichtet. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadwcrordnetcn-Bcrsamm- lung, die jetzt 45 Mitglieder zählt, konstituierte sich am Dienstag von neuem und wählte ihren alten FraktionSvorstand in der Person des Genossen Hugo Heimann als Vorsitzenden. Genossen Bernhard Bruns als Stellvertreter und Kassierer, und Genossen Dr. Hermann Wehl als Schriftführer wieder. Die Armendirektion als Rentcnempfängerin. Aus der Invaliden- und Altersversicherung hat die Stadt Berlin schon eine lange Reihe von Jahren hindurch beträchtliche Einnahmen gehabt. Jahr für Jahr sind in zahlreichen Fällen die Rentenbeträge den Empfangsberechtigten teilweise vorenthalten worden, weil die Gemeinde für aufgewendete Armenpflegekosten einen Ersatz aus den Reuten beanspruchte. In den letzten zehn Etatsjahren wurden aus dem Gebiete Berlin an die Berliner Armendirektion folgende Rentenbeträge überwiesen: 102 740 M., 132 988 M., 116 229 M., 141099 M.. 163 895 M.. 201 129 M. 231897 M., 239 328 M.. 306 975 M.. 302 833 M.. zusammen 1 930 113 M. in einem Jahrzehnt. Das sind recht hübsche Summen, die da aus den Renten der Arbeits- und Erwerbsunfähigen zur Entlastung der Armenpflege verwendet wurden. Die Steigerung dieser Beträge ist im letzten Jahrzehnt nur zweimal unterbrochen worden, in 1905 und dann wieder in 19l2. Die Lehre» der Frau Pastor. Recht eigenartige Erfahrungen mit der christlichen Hilfe mußte eine im Kirchspiel der G c t h s e m a n e g e m e i n d c wohn- hafte 64 Jahre alte Witwe machen, die am Donnerstag vor Weih- nachten bei der Frau Pastor R c h w a l d in der Gcthscmaucstrqße trcgcn Gewährung von Lebensmittelmarken ays dem Liebcsfonds der Gethsemanegekreinde vorsprach. Die alte, nach einem uns vorgelegten ärztliche, r Attest völlig arbeits- unfähige, an schwerer Neuralgie le wende Frau, bei der Symptome einer äußerst weit vorgeschrittenen Arteriosklerose, verbunden mit Herzkrankheit zeigen, wurde von der Frau Pastorin einem ein- gehenden Verhör unterzogen. Schließlich entspann sich zwischen der jungen Frau Pastor und der armen Alten etwa der folgende Dialog:„Ich denke, ausbessern könnten Sic tvohl noch.. Ja,.ja, wenn es heißt arbeiten. Nur nicht arbeiten. Wie alt sind Ste?" „64 Jahre."„Na. unsere Ausbesserm ist 70 Jahre. Ausbesserinnen werden immer verlangt." Schließlich wurde der alten Frau ge- sagt, daß bei ihr recherchiert werden würde. Am 1. Weihnachts- feiertage erschien denn auch in Wwesenheit der alten Frau— seit Jahren erhält sie in einer verloandten Familie an dem Festtage Mittagbrot— am Nachmittage ein Herr im Hause, der sich bei einer Bewohnerin über die Bedürftigkeit der Bittstellerin erkundigte. Bis heute aber wartet die Alte vergeblich auf Hilfe und will nun auch dankend verzichten. Schwer gekränkt fühlt sich die arme Frau aber durch den Vorwurf, daß sie nicht arbeiten wolle. Wie sie uns durch vorgelegte Inserate nachwies, hat sie sich trotz ihres leidenden Zustandes bemüht, durch Ausbessern einige Groschen zu verdienen. Aber, so klagte sie: Die Zeiten sind schlecht. Bei dem Warten auf die erhoffte christliche Hilfe wäre die Frau, wenn nicht sonst Rat geschafft wäre, längst verhungert. Ter unzulängliche Dispositionsfonds. Der Magistrat bat bei der Stadtverordnetenversammlung eine Erhöhung deS Dispositionsquantums um 200 000 M. beantragt. Für diese für unvorhergesehene Fälle zur Verfügung gestellte Position sind iin Erat 1913 600 000 M. vorgesehen. Die Summe ist durch das Zusammentreffen verschiedener außerordent- licher Anforderungen nahezu aufgebraucht worden. Insbesondere sind hier die Aufwendungen für die B e s ch a f f u n g v o n M e s o- thorium und Radium, für den Erweiterungsbau der Volksbadeanstalt an der SchrllingSbrücke und die Ausschmückung von Straßen und Plätzen an- läßlich des RegierungSjubiläumS des Kaisers zu erwähnen: Kosten, die übrigens alle schon von den Gemeinde- behörden genehmigt find. Da indessen noch weitere Bewilligungen aus diesem Fonds für das laufende Rechnungsjahr erforderlich werden, so ist seine Verstärkung notwendig. Diese soll au§ dein Uebcrschuß des Vorjahres, der sich bekanntlich nach dem JahreS- abschlug auf über 12>/z Millionen Mark beläuft, entnommen werden. Kirchenaustritt und Amtsgerichte. Bei der großer, Anzahl der Altmeldungen, aus der Landes- kirchc auszutreten, hätte man erwarten können, daß die zuständigen Amtsgerichte sich auf schnellere Abfertigung des Publikums eingerichtet hätten, dem, schließlich sind auch die richterlichen Per» sonen des Publikums wegen da und nicht umgekehrt. Einige Amtsgerichte haben nach Möglichkeit für schnellere Abfertigung gesorgt, andere Gerichte wieder nicht. So sahen wir uns gestern den Geschäftsbetrieb auf dem Amtsgericht Berlin-Wedding an. Wir konnten feststellen, daß Personen, die bereits um 10 Uhr an- wesend ivaren, um 12 Uhr mittags noch nicht abgefertigt Waren. Es warteten um diese Zeit nock; etwa 50 Personen auf dem Korridor nnd neue kamen hinzu. Es muß dringend verlangt werden, daß diesem unnützen Warten ein Ende gemacht wird und entsprechende Maßnahmen getroffen Werden. Die Zahl der Kirchenaustritte in Groß-Berlin im Jahre 1913 wird auf 40 000 angegeben. Für 1912 veranschlagte man 10 000 und die amtliche Statistik stellte nachher auch 8922 Austritte der Evangelischen fest, wozu die„Germania" ca. 1000 Austritte der Katholiken zugab. Von den 10 000 Austritten des JahreS 1912 erfolgten in Versammlungen nur 1700. Da im vergangenen Jahr in Versammlungen 7000 Austritte eingeleitet /wurdm, so ergibt dieselbe prozentuale Steigerung ca. 40 009. Diese Schätzung deckt sich mit den der„Nationalzeitung" gemachten Angaben ans rich» t er lichen Kreisen, wonach in diesem Dezember bis zum 23. allein auf Amtsgericht Berlin-Mitte 17 000 Austritte erfolgten. Es Wurde ferner festgestellt, daß 1913 auf Amtsgericht Charlotten» Burg allein gegen 2300 Uusirittc ctfalgtcn, in Neukölln 5600, in Köpenick windestenK ILM. vorauasichtllch eröer gegen 2000. In Skeukölln erfolgten am dritten Weihnachtöseiertag allein gegen 1000 Austritte, der Andrang war so stark, daß zwei Frauen ohn mächtig wurden. Die oft gehörte Behauptung aus kirchlichen Kreisen, dag die Anmeldungen zum Kirchenaustritt in der Mehr- zahl nicht vollzogen werden, wird in der„Wilmersdorfer Zeitung" durch S t i m in e n aus dem N i ch t e r ft a n d wiocrlegt. Es heißt dort:«Zur K i r ch c na u s t r i t t s b c w e g u n g. Wir haben uns der Mühe unterzogen und sind mit einer Anfrage, betr. den Prozentsah derjenigen, die ihren angekündigten Austritt auS der Landeskirche wirklich vollzogen haben, an mehrere Amtsrichter der Gerichte Groß-Berlins, die die offiziellen AustrittSerklärungen entgegennehmen müssen, herangetreten. Die Auskünfte, die wir erhielten, lassen das Bild der Austrittsbewegung in seinem ganzen Ernste erscheinen. Etwa 90 P r o z. der in den öffentlichen An- kündigungen bekanntgegebenen Austrittswilligen treten binnen kurzer Zeit tatsächlich durch die allein gültige Erklärung vor den zuständigen Amtsrichtern aus. Unter diesen Ausgeschiedenen sind gerade der bessere Arbeiterstand und der Mittelstand am meisten vertreten. In allen solchen Fallen, wo die Austretenden sich in ejn Gespräch einlassen, ist ferner wahrzunehmen, daß eine Gegner- schaf! gegen die Ncligion an sich kaum besteht. In vielen Fällen werden sogar gerave religiöse Beweggründe für den Austritt als maßgebend genannt. Natürlich ist ein erheblicher Teil auch aus reiner Verneinung und direkt aus Religionshaß bei der Sache. Vorwiegend ist jedoch die Unzufriedenheit mit dem inneren und äußeren Zustand der organisierten Landeskirche." Von einem Postwagen überfahren und getötet wurde, wie wir berichteten, vorgestern in der Hannoverschen Straße ein nnbeknmiter Mann. Es ist jetzt gelungen, seine Persönlichkeit festzustellen. Der Verstorbene ist ein 46 J'hre alter Arbeiter Wilhelm Fach, ein Jung- geselle, der zuletzt in der Grünthaler Straße 71 wohnte. Das Unglück geschah dadurch, daß Fach als er vom Bürgersteig auf die Straße gehen wollte, an der Bordschwelle stolperte und gerade vor die Räder des Postwagens fiel. Das rechte Hinter- und Vorderrad gingen Über den Bedauernswerten hinweg und verletzten ihn so schwer, daß er bald nach der Ausnahme in der Charils verstarb. Kassenmitglieder der Niederbarnimer Kasse werden darauf hingewiesen, daß Mitglieder, die Unterstützung er- heben, genau auf die Lobnllasse und den für diese Klasse geltenden Unterstützungssatz achten mögen. Kranke, die sich beklagten, daß auf dem Krankenschein der Unterstützungssatz einer niedrigeren Lohn- klaffe stand, wurden ansgesordert, eine Bescheinigung des Arbeit- gebers über den Verdienst' einzureichen. Um Kranken unnütze Wege zu ersparen, werden wir. gebeten darauf hinzuweisen, daß hie be- treffenden Kranken die geforderten Bescheinigungen gleich mit- zubringen haben._ Ein„lohnender reeller Nebenerwerb". In dem Artikel über diests Thema(1. Januar, Nr. 6, 2. Beilage) sind ein paar Druck- fehler zu berichtigen. Statt„bürgerliche Annonce" muß gesetzt werden„bezügliche Annonce". Nicht von„1000 Zeitungen", sondern von„100" spricht der„Neoenerwerbs"-Mann in seiner„Instruktion". Ter Schankwirt Franz Schultz, O. 34, Eckertstr. 18, bittet uns mitzuteilen, daß in seinem Lokal kein Verbano der Prostituierten tagt, ihm ist auch von der Existenz eines solchen nichts bekannt. Rudolf Kindt, der sich als Geschäftsführer dieses Verbandes aus- gibt und das Schultzsche Lokal als Tagungslokal angegeben hatte, ist geistestrank und befindet sich zurzeit wieder in einer Heil- Anstalt. In den drei Wochen, die Rudolf Kindt auf freiem Fuße war/hat er den Namen des Herrn Schultz mißbraucht. (, 16 neue KirchenanStrittsversummlungen finden am Sonntag, den 11. Januar, pünkil. mittags lüUbr, in Berlin und Vororten statt mit der Tagesordnung:„Das Volk steht ans!" Am gleichen Tage werden im Reiche eine ganze Reihe entsprechender Versammlungen veran- staltet. Die Lokale für Berlin und Umgebung sind im Inseraten- teile bekanntgegeben worden. Im Berliner Aquarium beginnen jetzt die bor etwa vier Monaten abgelegten Eier der„W andelnden Blätter" auszukriechen. Die verhältnismäßig großen, jungen Tiere sind in einem besonderen kleinen Glaskasten ausgestellt und fallen besonders dadurch auf, daß sie in ihrer ersten Jugend rot gefärbt sind. Nach einigen Tagen nehmen sie allmählich nach reichlicher Nahrungsaufnahme, die namentlich in Eichen- und Psidiumblättern besteht, die grüne Farbe der Eltern und des Laubes an. Hassent- lich gelingt es, aus den sehr zahlreichen Eiern, die hier abgelegt worden sind, recht viel Nachzucht zu erhalten, denn diese, zu den Heuschrecken gehörigen südasiatischen Insekten gehören stets zu den bewundertsten Stücken des Jnsektariums; übertrifft ooch ihre Mimikry, d. h. ihre Nachahmung der Blätter durch Farbe und Form, immer wieder die Erwartung der Beschauer. Der Bockbicrtrnlikl in der„Neuen Welt", Hasenheide, hat wieder begonnen. Wie seit Jahren ist der große Saal mit Alpen- dekorationen ausgestaltet. Das Bestreben, in der Bockbierzelt bayri- fches Leben und Treiben m die Reichsbauptstadt zu verpflanzen, wird hier dadurch zu erreichen versucht, daß bayrische Musiktapelleii die„nötige Stimmung" unter den Besuchern wachrufen. Die mufi- kaliichen Darbietungen werden zuweilen durch besondere Einlagen unterbrochen. Mir entsprechenden Vorrichtungen wird„Alpenglühen" sowie„Gewitier im Gebirge" erzeugt. Als besonderes Anziehuirgs- mittel des weiblichen Elements wirken die allwöchentlich vec- anstalletcn Dameuprämiierungen, wobei abwechselnd einmal die „engsten Taillen", die„größten TunikaS", die„dicksten Damen" usw. prämiiert werden._ vorortnachrichten. kharlottenburg. Fiirsorgcamt für Lungenkranke. Eine wirksame Bekämpfung der Tuberkulose, der gefährlichsten aller Volkskranlheilen, die oft schon in wenigen Wochen zum Tode führen kann, oft aber auch Jabrzebnte dauert, ist nur möglich, wenn man sich über ihr eigentliches Wesen völlig klar ist. Sie ist besonders bei engem Zusammenleben der Gesunden mit einem Kranken ansteckend und kann außer durch den Auswurf der Tuberkulösen, in dem der Ansteckungsstoff bauplsächtich einhalten ist, durch die Milch perlsüchtiger Kühe übertragen werden. Zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Äranlhett liegen oft Monate, ja sogar Jahre. Je früher ein Erkrankter in geeignete Behandlung kommt, desto günstiger sind die Aussichten auf Heilung der Krank- beit. Daher sollte sich jeder, bei dem Erscheinungen wie Mattigkeit, Auswurf usw. austreten, unverzüglich vom Arzt untersuchen lasten. In jedem Haushalt ferner� in dem ein Fall von Tuberkulose vor- koinmt, müssen folgende Punkte beachtet werden: eine sachgemäße Sammlung und Beseitigung des Auswurfs. Verhinderung des engen ? Zusammenlebens, besonders des Zusammenschlafens von Ge« unden und Kranken in einem Zimmer oder gar in einem Bett, unter Umständen Unterbringung des Kranken in einer Heil- stälte, ferner Kräftigung schwächlicher und gefährdeter An- gehöriger, zumal der Kinder und fortlaufende Beobachtung und Üntersuchung aller Familienmitglieder. Alle diese Maß- nahmen leitet für die Bewohner von Charlottenbug daS städtische Fürsorgeamt für Lungenkranke im Verein mit dem' Vater- ländischen Frauenvere n vom Roten Kreuz ein, wo sich jeder un- entgeltlich untersuchen lassen kann. Eine ärztliche Be- Handlung findet in dem Fürsorgcamt nicht statt: bereits in ärzt- sicher Behandlung stehende Kranke werden nur im Einverständnis Mit dem behandelnden Arzt untersucht. Alle Tuberkulösen und alle Faunlien, in denen ein Fäll von Tuberkulose ist, sollten sich da- her an das Fürsorgeamt für Lungenkranke im Cecilienhaus. Berliner Straße 137, wenden. Dort finden täglich von lOty, bis 1 Uhr Sprechstunden statt, für Männer Montags und Donnerstags, für Frauen Dienstags und Freitags, für Kinder Mittwochs und Sonnabends. Elternverem für freie Erziehung. Auf vielseitigen Wunsch findet am Sonntag, den 18. Januar, im VockShause, Posinenstr. 3 igroßer Saal), nochmals eine Märchenaufführung statt. Zur Auf- fuhrung gelangt das Märchen vom„Fischer un sine Fru", große» Märchenspiel in vier Bildern mit Gesang und Reigen nach einer älteren Fabel von Lertholo Schröder, gespielt von 50 Kindern der Mitglieder. Anfang nachmittags 4 Uhr. Eintritt für Er- wachsene 30 Pf., für Kinder, 10 Pf. Nach der Ausführung gemüt- liche» Beisammensein. Billett» sind zu haben bei Kunschke, Weimarer Str. 21; Harnecker, Zigarrcngeschäft, Helmholtzstr. 24; Grätz, Spreestr. 56; Vorwärts-Spedition. Scsenheimerstr. 1; Konsumniederlage, Wallstr. 23, und im Volkshause, Rosinenstr. 2 l'Stehbierhalle). Vom Mittwoch, den 14. d. M. ab finden unsere Spielnachmittage wieder jeden zweiten und letzten Mittwoch im Monat, nachmittags von 3 bis 6 Uhr/ im Bolkshause statt, gleich- zeitig ist am Mittwoch, den 14., Bühnenprobc für die im Märchen mitwirtenden Kinder. Zur Beschleunigung von Desinfektionen durch die Cbarlotten- burger städliscve Desinfektionsanstall sAmt Wilhelm 427) empfiehlt eS sich stets, die Anstalt um Vornahme der Desinfektionen unmittelbar zu eriucben, ohne die polizeiliche Anzeige bei dieser abzuwarten. ES wird dadurch viel an Zeil gespart, was im Interesse der Angehörigen deS Kranken oder des Toten liegt. Die polizeiliche Mitteilung dient der Anstalt nur zur Festsetzung oder Nichlsestietzung von Gebühren, je nach der Art der gemeldeten Er- krankung. Jtcukölln. Volkstümliche Vorträge. Der nächste der von der Stadt Neukölln veranstalteten Vorträge findet heule, Donnerstag, den 8. Januar, abends 8�3 Uhr, in der Aula der Realschule, Boddiusu. 34 41, statt. Herr Ferdinand Nicolai- verlin wird einen seiner Neisevorlräge halten und zwar wird uns der diesmalige Vortrag, der sich„Mit Kamera und Film durch Spanien" betitelt, im Fluge durch daS rvmaittiscbe Land mit seinen maurikcben Baudenkmälern, seinem interessanten Volksleben führen. 120 Lichtbilder werden den Vortrag erläutern. Der Eintritt ist vollkommen kostenfrei. Kindern sowie Schülern ist, auch in Begleitung Erwachsener, der Zutritt nicht gestattet. Weissensee. Die Konkurseröffnung der Weißeuseer Bank dürfte nunmehr erfolgen. Nachdem der Liquidationsvorschlag der Gemeinde vcn der Geiwssenschaftsversammlung in seinen wichtigsten Punkten abgelebnt worden ist, haben sich die Sparer und Sparvereine entschlossen. oen Konkurs anzumelden. Täglich fanden Versamm- lnngen der Sparer und Sparvereine statt, in denen die Versam- melten sich selbst trösteten und zur Besonnenheit ermahnten; auch Beauftragte der Bank unternahmen solche Versuche. Nachdem die letzte Hoffnung, wenigstens vor dem Weihnachtsfest eine Abschlagszahlung zu erhalten, sich nicht erfüllt hat. wollen sich die Sparer auf. weitere Versprechungen nicht mehr einlassen. Am Montag hat bereits eine beauftragte Kommission von sech» Mann cen Konkurs angemeldet. Aus den Aufkündigungen der Spar- vereine lvar ferner zu ersehen, daß man noch Regretzansprüche an die Gemeinde stellen will; wie letzteres begründet werden soll, ist nicht recht ersichtlich. Daß die Gemeinde für die hergegebenen Gelder sich Sicherheiten ausbedungen hat, die in vielen Fällen noch sehr zweifelhaft sind, ist doch selbstverständlich und ebenso selbstverständlich ist, daß da» aus diesen Sicherheiten genommene Geld im Besitz der Gemeinde verbleibt. Ais jetzt ist die Weißen- seer Bank im Verzuge mit den Zinsen, AmortisationS- und Vee- walrungskosten der»ergeliehenen Summe von 1640 000 M., die doch sonst schließlich von der Allgemeinheit getragen werden müßten. Wie die Gemeinde bei einem Konkurse der Weißenseer Bank fahren wird, ist noch nicht abzusehen. Britz. Auf den öffentlichen Arbeitsnachweis, der am 1. Januar hier in Britz im Einwohnermeldeamt, Ehausieestr. 50, eröffnet worden ist, sei noSmals hingewiesen. Die Sprechzeit ist täglich nachmittags von 4—6 Uhr. Alle Arbeitgeber und HanSsrauen werden ersucht, bei Bedarf von Arbeilskräslen jeder Art sich an diestn Nachweis zu wenden. Die Vermittelung ist kostenlos. Arbeiter, Arbeilsburschen. Gärtner, Dienstmädchen, Waich- und Reinmachfrauen sind bereits gemeldet und können auf telepbonischen Anruf jederzeit vermittelt werden. Telephonamt Neukölln 1651—1554. Ober-Schöueweide. Am Sonnabend, den 10. Januar, beraiistaltet der Jugendausschuß einen Kunstabend im Restaurant„Blumengarten" unter Mit- Wirkung des.Männerchors Fichle-Georginia 1870 Berlin"(Mitglied deS D. A.-S.-B). Chormeister: Th. Gervais, sowie de» Cello-Solisten Herrn Armin Liebermann; am Harmonium: Herr A. Haensgen; Rezitation: Herr Direktor Julius Türk vom Stadttheater Neukölln. Beginn pünktlich 8>/z Uhr. Eintritt 50 Pf. inkl. des nachfolgenden Tanzes; für Abonnenten der„Arbeiter-Jugend" 25 Pf. Auf guten Besuch wird gerechnet. jkalkberge- Rüdersdorf. Ei» Zusammenstoß zweier Benzol-Straßcnbahnzügc der Schön» eicher Straßenbahn ereignete sich am Montag. Tie beiden Loko- motiven wurden vollständig demoliert und mußten außer Betrieb gesetzt werden. Auch die Anhänger wurden erheblich beschädigt. Einige Paffagiere erlitten leichtere Verletzungen. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll einen Maschinensührer treffen. Herzfelde. Recht sonderbare Zustände kamen bei der Ansschußtvahl zur Allgemeinen Orlskrankenkaffe Niederbarnim in dem benachbarlen Reh- s e l d e vor. Don wurde das Wahlkomitee von einigen neunmal- klugen Leuten, mit dem Pfarrer an der Spitze, gebildet. Dieie Herrschasten ließen überhaupt nicht nach der Wahlvorschlagsliste Rr. 3(also der unsrigen) wählen, da diese angeblich„nicht in ihren Akten vorbanden" war. Erst energische Vorhaltungen des dortigen VerlrauensmanncS belehrten die Herren eines Besseren. Aber davon, — daß auch den der Krankenkasse angehörigen Frauen das Wahlrecht zusteht, ließ sich das Wahlkomitee abiolut nicht überzeugen. Die Frauen wurden einlach nicht zur Wahl zugelassen! Auch im benachbarte» Hennickendorf trugen sich vcischiedene Dinge zu, die nicht mit den gesetzlichen Borschriften in Einklang stehen. So wurde beispielsweise von zwei Arbeitein, die beide An- gehörige der OrtSkranlenkasie des Kreises Riederbarnim sind, der eine zur Stimmabgabe zugelassen, der andere hingegen als nicht wahlberechtigt zurückgewieien. Es scheint, als ob das Wahlkomitee die Wahlvorichriften überhaupt gar nicht gelesen hat. Oraniendurg. Schwer verbrüht wurde am Mittwochmorgen das vierjährige Söhnchen der Arbeiter Schrammichen Eheleute Hierselbst. Jägeistr. 7 wohnhaft. Der kleine Junge war bei seinem Spielgefährten, bei einer in demselben Hause wohnhaften Familie Daleske anwesend. Nachdem Frau DaleSke, die bei der Wäsche war, einen Eimer mit kochendem Waffer in der Küche niedergesetzt halte, verließ sie auf kurze Zeit die Wohnung. Die spielenden Kinder kamen dem Gefäß zu nahe und warfen eS um. Hierbei ergoß sich der heiße Inhalt so unglücklich über den kleine» Schramm, daß er am ganzen Körper Brandwunden davontrug. Auf das Geschrei der übrigen Kinder kam die Mutter des Jungen hinzu, die ihr bewußtloses Kind sofort zu einem Arzt schaffte. An seinem Aufkonimen wird gezweifelt. Spanda«. Dem städtischen Ardeitsuachwcis wird von der organisierten Ar- beiterschaft immer noch ein berechtigtes Mißtrauen entgegen gebracht, da die städtischen Körperschaften die Arbeiter von der Verwaltung de» Nachweises vollständig ausgeschloffen haben. Trotzdem ist es erforderlich, daß sich jeder Arbeitslose auf dem städtischen Arbeits- nachwcis eintragen läßt, damit der Magistrat steht, wie groß die Arbeitslosigkeit gegenwärtig ist. In der hiesigen Presse wird denn auch schon jetzt die bestehende Arbeitslosigkeit bezweifelt, da sich an- geblich nicht genügend Arbeitslose zur Beseltigung der Schneenlassen gemeldet haben. Der„Anzeiger für daS Havelland" berichtet sogar, daß die Slraßenbabndirektion nicht genügend Arbeitslose zu diesem Zweck vom städti'che» Arbeitsnachweis erhalten konnte. An dem betreffenden Morgen hällen sich von den in beträchtlicher Zahl auf dem Arbeitsnachweis eingefundenen Arbeitslosen erst nach nachdrücklichem Hinweis des Vorstebers auf die sich bietende Arbeitsgelegenheit 40 Mann zur Schneebeieitigung nach dem Straßenbahndepol begeben. Als ihnen dort 35 Pf. Stundenlohn angeboten wurden, hätten allesamt, un- willig die Arbeit abgelehnt und unter unflätigen Redensarten das Grundstück verlassen, um sich wieder nach dem Ärbeirsnaö�lveiS zri begeben. Die genannte Zeitung bar e» aber unterlassen, ihren Lesern mitzuteilen, daß nicht die Arbeitslosen, sondern die Slraßenbabn- direktion die Schuld an diesem Vorkommnis trägt. Während die städtische Straßenreinigung nämlich für die Beseitigung des Schnees einen Stundenlohn von 44 Pf. zahlte, zahlte die städtische Straßen- bahn für dieselbe Arbeit nur 35 Pf. Mit Recht waren deshalb die Arbeitslosen empört über die bekannte Sparsamkeil des Straßenbahndireklors auf Kosten der Arbeiter. Ein großer Teil�.der Arbeitslosen stellte sich denn auch der Verwaltung der Straßen» reinigung zur Verfügung. Außerdem wurde von den Arbeitslosen die Vorlegung des Sieuerzettels verlangt, um zu kontrollieren, ob sie auch die Steuern bezahlt hätten. Diejenigen Arbeiter, die mit den Steuern im Rückstände waren, lehnten die Arbeit ab, weftfie der Meinung waren, daß ihnen die Steuern vom Lohn abgezogen würden. Einem jungen Menschen sollen denn auch tatsächlich. die Steuern vom Lohn abgezogen worden sein, Titzungstage der Ztadt- und(Äcmeindcvertretuugcu. Lankwitz. Heute Donnerstag, abends 6 Uhr, im Raihaussaalc. Steglitz. Freitag. S. Januar, abend» K Uhr, im Ratbausiaalc. Spandau. Heute Donnerstag, nachmittag» i'l4 Uhr, im neue» Rathause. Ticsc Sitzungen sind öffentlich� Jeder Gcmcindcangehörige i» be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Deutscher Arbeiter- Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend. Montag: Freie Sängerjchajt(Abieilung Frauenchor), TernbeUjof. Berliner S trage 41/42, Becker.— Männerchor Frobsinn, Berlin. Eltsabethkirchstr. 14, Römer.— Solidarität, Berlin, Oeanienstr. 103, Witwe Augustin.— Vorwärts, Friedricesseldc-Karlshorst, Berliner Str. 38, Sudbrinl. Dienstag: Abteilung Fraucnchor Neukölln, Bergstr. 132, Pafsage-Festsäle,— Allegro, Lausitzcr Straße 3,' Grabcrt.— Analreon, Berlin, R» icheiibcrger Straße 8», Nitschke.— Berliner VollSchor, Berlin, Langestr. 38, Aula.— Luiscrrst. Männcrchor, Berlin, Kommandantcnstr. 62, Beckers Fcstsäte.— Männerchor Lanlwitz-Südcnde, Lanlwitz, Piktoriastr. 42/43, GesellschastS- Haus.— Namenlos, Berlin, Andrcasslr. 21, Andreas-Feslsäle.— Nord-Ost- Lyrania, Berlin, Franksurter Allee 166, Füislenbcrg.— Schuhmawer, Berlin, Au der stralaucr Brücke 3, Knörich.— Unverzagt, Berlin, Lrcdowstr. 11, Müller.— Vorwärts-Frohsinn. Lichtenberg, Hauptstr. 85, Eweleit.— Wcddinger Harmonie, Berlin, Pascwaller Str. 3, Prevvernau. — Maibund, Wittenau/ Hauptstr. 56, Schulz.— Frauen, und Mädchen- chor Norden. Berlin, Trijtstr. 63. Iuul.— Frauen- und Mädchcnchor Esten, Berlin, Landsberger Allee 155, Nümann. Mittwoch: Licdeslust Gusow-PIalkow, Berlin, Langestr. 65, Nowak.— Sängerschaft des Gemcindearbeiter-Berbandcs, Berlin, GewerkichastShäus, Engel« ujcr 15. Tonnerstag t Britz, Britz, Chausseestr. 97, Becker.— Einigkeit, Staaken. Berliner Straße 44, Kriädrg.— Fichlc-Georginia, Berlin, Ohmstr. 2, Klubhaus.— Freie Sängerichast, Tempelhof, Berliner Str. 41/42, Becker.— Freier Männerchor, Wilhelmsruh. Walderscellr. 5, Miehlbrodt.— Groß-Lichterselder Männerchor, Groß-Lichterfelde. Bäkeslr. 22, Gesellschastshaus.— HilarrtaS, Berlin, Lychencr Str. 3, Maa».— Hoffnung, Spandau, BiSmarckstr. 8, Madetzt».— Kreuzberger Harmonie, Berlin, Fichtestr. 29, lllaabe.— 2crche, Berlin. Borrwolmer Str. 7. Tüßmllch.— Lichtcnberger Männerchor, Lichtenderz, Turrschmrdtstr. 45, Kern.— Liedersreund, Pankow, Breite« stroßc 14, Türkisches Zelt.— Liedertafel 1913, Neukölln, Hermannflr. 49, Bartsch.— Männerchor Friedenau-Steglitz, Steglitz, Ahorirstr. 15a, Schell- hasc.— Männerchor Süden, Berlin, Urbanstr. 93, Kutscher.— Morgen- grauen, Berlin, Roicntbaler Str. 11/12, Rosenthaler Hof.— Olrimvia, Berlin, Blumenstr. 10, Alt-Bcrlim— säugerableilrmg I. Gau Bertin, Bertin. Oranicnstr. 180, Kasino.—-säiigerchot Vorwärts, coüd-Ost, Berlin, Waldemarstr. 75. BereinShauS.— Sängerchor Äedding, Berlin, Triststr. 63, Funke.— Schöneberger Männerchor, Schoneberg, Meininger Str. 8, Neue RathauSsäle.— Zukuujt, Nl-d-r.Schönhausen, Eichenstr. 12, Kappe.— Frauen- und Mädchenchor Süden, Berlin, Engeluscr 1, Hedmann. Freitag: Arbeiter-Gesangverein Mariendors, Mariendorf, Chausseestr. 27, Löwen- Hägen.— Berliner Sängerchor, Berlin, Engeiuser 15, GewerkichasrühauS. — Berliner LolkSchor, Berlin. Langestr. 31, Aula.— Boxbagen-Ruinmele- bürg, Lichtenberg, Hauptstr. 2. Bellcvue— Charlottenburger Liedertafel, Charlottenburg, Rostnenstr. 3, VotkshauS.— KastioirlsgehUjeit, Berlin, Große Hamburger Str. 18/19, Vcrbanbsdaus.— Geiundbrunncr Harmonie, Berlin,'Prinzenallce 33, Schmidt.— Glasarbeiter, Berlin, Neue Jakob- ftraße 26, Sängerheim.— Hutmacher- Gesangverein Einigkeit, Berlin, Schönhauser Allee, Psefferbxrg.— Kupserschmiede Berlin, Am Königs- graben 2, Schulz.— Liegeriasei West, Berlin, Lützowstr. 1U/1I2, Viktoria- Brauerei— Männerchor Moabit, Berlin, Beuffelstr. 22, Volkmann.— Männerchor Neukölln, Neukölln, Bergstraße, Passagercstaurant— Männerchor Rcinickendors-Osl, Reinickendorf, Residenzftr. 124. Sadäu.— Männerchor D eigenste, Wcißensee, Roelckc. Ecke.Pistoriusitraße, Balzer.— Neu erwacht. Berlin, Jnvaiidenstr. 1, Harmonie.— Putzer. Berlin, Rosenthaler Straße 11/12, Schilling.— Sängeriran-, Berlin,' Strausbei ger Str. S. Mann.— Tertilia, Berlin, Langestr 30, Rovotnick.— Töpfer, Berlin, Königs graben 2, Schulz.— Transportarbeiter, Berlin, Andreas str. 21, Borgmann.— Thpographia, Bertin. Ohmstr. 2. Klubhaus.— WilmerS- dorfer Männerchor, Wilmersdorf, Lauenburgischeslr. 20/21, Schilling.— Ober-Schönewcide, Rathausstragc, BercinShauS. Sonnabend: FreiheitSklänge, Borsigwalde, Schubartstr. 39, Schulze. Jugendveranstalmnge». Neukölln. Heim I, Jdealpajsagc. Heule Donnerstag: Vor- trag des Herrn Dr. Walter Fürst über:„Frelligralh und seine Zeit."— H e i m 1 1, N o g a t st r. l 5. Mädchenabend. Martendorf. Donnerstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr: 1. Vortrag vom Schachkursuo. Vortragender: Herr Rosipka.— Sonntag, den 11. Januar, 6 Uhr: Voltsliederabend. Gesang- und Musikvorträge.— Montag, den 12. Januar: Musit- und Gesangsabend.— Dienstag, den 13. Januar: Mädchenabend.. Marktpretie von Berlin am S. Jannar 1914- nach Ermittelungen de» kgt. PoiizeivräjidiumS. Mai»(mrxed). gute Sorte 15,80—19,20, mittel 00,00—00,00, geringe 00,00—00,00. Mai» r runder), gute Sorte 14,50—15,00, Richtstroh 4,80- 5,00. tzeu 6,40— 7,6a. Martthallenvrerje. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sveiscbobnen. weiße 35.00—60.00. Linien 38,00— 80,00. Karloffew(Kiemddi.) 4,00—7,60. 1 Kilogramm Rindsteisch, von der Keule IM— 2.40. Rindsteisch, Bauchsteisch 1.30—1.80. Schweinestcisch 1,40—2,00. Kalbsteiich 1.40—2,40. Hammelsteiich 1,50—3,40. Butler 2,40—3,00. 60«tuck Eier 4,80— 7,20. i Kilogramm Kannen 1,20—2,50. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechle 1.40—2,80. Barsche 1,00—2,20. Schiere 1.60—320. Bleie 0,80—1.60 60 Stück Krebie 3.00— 30.00 ____ 60 Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Berlagsaustalt Paul Singer Li Co, Berlin SW. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Für den .u. 31.»«. 3. Keilllge des Joriirtf lerllner NolksdlM. Die Säbelöittatur vor Gericht. Straßburg, 7. Januar 191t. (Telegraphischer Bericht.) Der Andrang zur heutigen Sitzung ist beinahe noch stärker, wie an den beiden vorhergehenden Tagen. Auch vor dem GerichtZgebäude stehen zahlreiche Neugierige, um die Anfahrt der Prozeßbetciligten interessiert zu verfolgen. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden Generalmajor v. P c l e t- Narbonne loerden auf Antrag des Ncvlreters der Anklage Kriegsgerichlsrat Osiander noch als Zeugen, geladen die weiteren drei Gcrickitsbcamten, die am Z8. No- vembM von den Soldaten verhaftet wurden: Landgericktsrat italisch, LandgerichtSrat Behmelmann und Staatsanwalt Kleinböhmer. So- da'�n gelangt zur Verlesung die Aussage deS Gendarmeriewachtmeisters Z'tiü l l e r- Zabern. der gestenr wegen Krankheit kommissarisch ver- Nammen worden ist. Er bekundet, daß Anfang November vom Kreis- direktor Gendarmen zur Unterstützung derPolizci zugezogen wurden und Saß sie den Austrag erhielten, die Zivilbevölkerung zur Ruhe zu er- -mahnen. Die G e n d a r m e n sind auch unausgesetzt tätig >g e w e s e n und haben verschiedene Verhaftungen vor- -genommen. Am lt. November wurden auch auswärtige Gendarmen zur Verstärkung herangezogen. Später beruhigte sich die Bevölkerung wieder und deshalb hat der Kreisdireklor an- geordnet, jetzt nicht mehr so scharf vorzugehen. Am 28. November l»ot der Zeuge nur die Festnahme des Landgcrichtsrat Kalii'ch in der Stähe beobachten können und gehört, daß der Staatsanwalt .Kleinböhmer den Soldaten sagte, ihr Vorgehen sei ungesetzlich. An diesem 28. November hat der Kreisdirektor an- geordnet, sehr scharf vorzugehen und von diesem Tage an herrschte dann auch vollkommene Ruhe. Zu lebhaften Auseinandersetzungen und einer erregten Szene führte hierauf die Aussage des Kreiskommissars Miillcr-Zabern: Am f. November herrschte auf den Straßen Zaberns ein sehr lebhafter Verkehr, der sich aber daraus erklärte, daß am Vormittags dieses Sonntags die Wahl der Vertrauensmänner zur Orts- Krankenkasse stattfand. Deshalb ivaren viele Leute von aus- wärts nach Zabern gekommen, um ihrer Wahlpflicht zu genügen. Ich habe damals gehört, daß Leutnant v. Foistncc auf dem Wege zur Kaserne belästigt lvorden sei.— Verhandlungsf. Kriegsgerichts- rat v. Jan: Nur belästigt?— Zeuge Kreiskommissar Müller: Ja- wohl, das heißt, er soll von Kindern belästigt worden sein.— Verhandlungsf.: Wurde Ihnen nicht mehr berichtet?— Zeuge: Nein. ES lief dann ein Brief ein. der als.sehr eilig bezeichnet und an den Bürgermeister gerichtet war. Da dieser krank war. öffneten wir den Brief. Er war von dem Obersten v. R e u t c r. der darin mitteilte, daß wir fiir Ruhe und Ordnung sorgen müßten, sonst würde er von seinem Recht Gebrauch machen und den Belagcrungszustaiid verhängen lassen.— Verhandlungsf.: Wie weit war die Belästigung der Offiziere gegangen? Sie haben früher mehr«uögcsngt!— Zeuge(in großer Erregung): Ich habe allerdings den Eindruck gehabt, als wenn meine Aussage iu der Voruntersuchung vor dem Kriegsgerichts rat Oslander in eine bestimmte Richtung gedreht werden sollte. Ich habe das auch sofort dein Herrn Kreisdirektor dienstlich gemeldet.— Auklageverlrelcr Kriegsgerichtsrat Dr. Osiander(gleichfalls erregt): Ich verbitte mir zunächst diese Unterstellung des Kreiskonimisfars. Ich habe keine Ver- onlassung gehabt, seine Aussage irgendwie zu drehen. Das ist mir gar nicht eingefallen, ich habe nur meine Pflicht getan und weise diesen Vorwurf mit aller Entschiedenheit zurück.— Zeuge Kreiskommissar Müller: Ich habe wiederholt Anlaß genommen mich dagegen zu wenden, daß mir Worte in den Mund ge- l e g t tv u r d c n. die ich niemals gesagt hatte.— Ver- bandlungSf.: Da hätten Sie ja das Protokoll nicht zu unterschreiben brauchen.— Zeuge: Ich habe mich auch dagegen gewehrt und mich mit clem k)errn Kriegsgerichtsrat richtig herumgestritten. — Anklagevertreter KricgSgerichtsrat Osiander: Ich beantrage, den Protokollführer als Zeugen zu vernehmen. Das ist ja unerhört! — VelhandlungSf.(zum Zeugen): Sic haben damals gesagt, es seien hinter dem Leutnant v. Forstuer Kinder hergelaufen, die in i t Steinen nach ihm geworfen hätten.— Zeuge: Ich weiß nicht, ob ich das gesagt habe.— Verhandlungsf.: Schließlich ist es ober doch wesentlich, ob ein Offizier mit Steinen beworfen wird. So gut Sie eS damals gesagt haben, so gut müßten Sie es doch auch heute sagen. Vorsitzender Generalmajor v. P e l e t- Narbonne: Einen solchen Steinwurf vergißt man doch nicht!— Verhandlungsf.: Wollen Sie heute bestreiten, daß Sie damals gesagt haben, es seien hinter dem Leutnant v. Forstner her Steine gelvorfen worden?— Zeuge: Die Möglichkeit gebe tch zu.— Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Osiander: Da wird mir ja direkt der Vornmrf der Protokollfälschung gemacht! Bitte mich doch gegen diesen unerhörten Vorwurf in Schutz zu nehmen. Das ist doch ein ganz u n e r h ö r t e s B e° nehmen!— Zeuge Kreiskommissar Müller: Nachdem der Brief des Obersten v. Reuter bei uns eingelaufen war, hat der Kreis- direktor angeordnet, daß allePoli'zeibeainten undFeuer- wehrlcutc b ereitgehalten werden sollen, um jederzeit in Aktion treten zu können. Der Kreisdirektor wünschte durchaus, daß energisch vorgegangen werde. VieleLeute sammelten sich inderNäheder Wohnung des Leutnants v. Forscher. Es wurde gejohlt und ein- mal auch gerufen ,,Vive la France!1' Während die Feuerwehrleute den Schlauch anschraubten, stand Leutnant v. Forstuer in der Nähe und rauchte leine Zigarette. Er sah sich die ganze Sache mit an. Darüber waren die Feuer- wehrleute sehr empört und der Branddirektor sagte mir, er befürchte, daß seine Leute nicht mebr parieren würden. Ich habe dem Brand- direkior gesagt, daß er sich mit dem Kreisdirektor in Verbindung setzen und ja immer seinen Instruktionen gemäß bandeln soll.— Verhandlungsf.: Wann war das alles:— Zeug«; Am 9. November. — Verhandlungsf.; Ist auch am 19. November gejohlt und gepfiffen worden?— Zeuge: Ja.— Verhandlungsf.: Das haben Sie in der Voruntersuchung nicht gesagt, also kann Ihre Aussage doch wohl von dem Herrn Kriegsgerichtsrat Osiander nicht so sehr beeinflußt worden iein.— Zeuge: I ch hatte doch diesen Eindruck.— Verhandlungsf.; Was wurde gerufen und gepfiffen?— Zeuge: ES wurden Bemerkungen auS der Menge gemacht, gelacht, Beifall gerufen, einzelne Rufe waren nicht zu hören.— Verhandlungsf.: Waren denn am Sonntag oder am Montag mehr Leute da?— Ieuge: Am Sonntag viel mehr.— Verhandlungsf.: War die Situation am Montag niibt doch b e d e n I- l i ch e r als am Sonntag?— Zeuge: Das will ich nicht sagen. Es waren immer viel Frauen nnd Kinder dabei, vor allein viele Neugierige auch aus den besseren Kreisen, die sich die Sache ansehen wollten.— Verhandlungsführer: Haben Sie die Frösche platzen gehört?— Zeuge: Am Sonnlag einen Frosch in der Nähe der Franziskanerlirche. Rmjffionwg babc ich gar nichts dergleichen gehört.— Verhandlungsf.:>sind am Montag die Gendarmen mit Steinen beworfen worden?— Zeuge: Das habe! ich nicht gesehen. Vom Dienstag an war die Gendarmerie verstärkt� und da war alles ruhig. Am 26.-28. November war ich fortgesetzt' in der Stadt. Wenir man den richtigen Moment verpaßte, war alles vorbei und nichts mehr zu sehen, noch zu hören. Am 23. No- vember kam der Sohn des Redakteurs Wisbicke zu mir und sagte, es wäre viel los und der Herr ÄreiSdirektor wäre nicht da. Als ich ans den Schloßplatz kam, fragte ich den jungen Wiebicke, was los fei, denn es zeigte sich dasselbe S t r a ß e n b i l d wie s o n st. Es Ivaren mir die Rt i l i t ä r p a t r o u i l I e n zu sehen. Ich setzte mich nun mit dem Ärei samtmann Groß mann in Verbindung und ging mit ihnr in die Kaserne zum O b e r st e n v. Reuter. Äreisamtmann Großmann bat den Obersten, die Patrouille» zurückzuziehen. Tarauf drehte sich der Oberst um uud sagte: Wenn Sic deshalb gekommen sind, dann sind wir gleich fertig! Herr Großmann sagte nun. daß die Be- völkerung nur unruhig sei, weil das Militär fortgesetzt durch die Stadt ziehe. Wenn es zurückgezogen würde, würde auch Ruhe ein- treten. Oberst v. Reuter aber sagte: Meine Ossiziere werden fort- gesetzt beleidigt und können nicht ruhig nach Hause gehen, ich selbst habe das am eigenen Leibe erfahren. Tie Zivilvcrwaltung schütze das Militär nicht, also werde er es selbst tun und er setzte hinzu: Jetzt habe ich das Kominando! Herr Großmann sagte darauf, er befürchte ein Unglück, und auf diese Worte Hin sagte der Oberst v. Reuter:„Ich betrachte es viel- mehr als ein Glück, trenn jetzt ßlut fließt.4' Herr Großmann bemerkte darauf, daß die Leute ja nichts machten, sondern nur herumstehen, was er nicht verhindern könne. Da antwortete Oberst v. Reuter:„Gerade dieses Herumstehen will ich unter allen Umständen verhindern, ich will auch nicht, daß die Leute lachen. Wenn das weiter geschieht, werde ich schießen lassen!" Herr Graßmann sagte daraui, daß das Militär doch nicht ein- schrcilen werde, wenn sich die Leute ruhig verhalten nnd er bequemte sich schließlich, um schlimmeres zu verhüten, dazu, zu erklären, er werde dafür sorgen, daß die Leute nicht stehen bleiben. Dann bin ich während der ganzen Zeit mit Herrn Großmann durch die Straßen gegangen, wir haben da eine voUkommen grundlose Vcrhastuug gesehen.— Verhandlungsf.: Haben Sie denn auch den Mann varher beobachtet und wissen Sie, ob er vorher auch nichts gemacht hat?— — Zeuge Kreiskommissar Müller: Der Mann stand dicht v o r mir, plötzlich kam die Patrouille und nahm ihn fest. Er hat nichts gemacht, nichts gerufen, ich habe nichts gehört. Ob er vielleicht gelacht oder die Miene verzogen bat, das weiß ich nichl.— Verhandlungsführer: Am 3. Dezember ist ein Aufruf er- schienen, wer hat ihn veranlaßt und verfaßt?— Zeuges Veranlaßt hat ihn der Herr ÄreiSdirektor, verfaßt ist er von dem(rckadtsekretär nnd von mir.— Äerhandlungsführcr; Dieser Aufruf war zweifei- las sehr energisch. Wissen Sie sonst noch etwas anzugeben?— Zeuge: Von besseren Bürgern Zaberns ist»nr die Ver- in n l u n g geäußert worden, als ob das Militär auf den 28. November vorbereitet gewesen sei. Der Pandurciikcllcr soll schon am Tage vorher ausgcräiinit lvorden sein und außerdem begründet man in der Zaberncr Bevölkerung diese Ansicht mit dem übermäßigen Aufgebot an militärischer Bereitschaft, mit der ßereitsteUung der JVIarchlnengewehre, Außerdem sagte daS Dienstmädchen eines Haupmanns, im Parole- buch habe schon vorher gestanden, daß die Maschinengewehre bereit- zukalten seien, und ein Offfziersbnrsche erzählte, Leutnant v. Forstuer hätte gesagt, cS würde blaue Bohnen geben. Bert. R.-A. G r o s s a r t: Wenn in dieser Weise fortgefahren wird, daß hier angegeben wird, was ein Bursche nnd was ein Dienstmädchen gesagt hat, dann können loir in drei Wochen noch hier sitzen.— Anklagevertreter: Ich beantrage trotzdem, diese Per« fönen zu laden, denn eö fall alles aufgeklärt werden.— Verteidiger R.-A. Grossart: WaS hat das alles mit der Sache gegen den Obersten v. Reuter zu tun, z. B. wenn Leutnant v. Farstner wirk- lich gesagt hätte, cS sollte blaue Bohnen geben?— An- geklagter Oberst v. Reuter: Daß solche Gerüchte auf- kommen konnten, ist mir ganz begreiflich. Als die c r st e n Unruhen waren, hatte ich angeordnet, daß die Waffen zu verstärken und die Maschinengewehre bereitzuhalten sind. Es war alles in Ordnung. Die Maschinengewehre waren bereitgestellt lvorden, um einzugreifen, wenn dies notwendig sein würde. Wir haben erwartet, daß. Wenn dieie Nolwendigken sich ergeben würde, der KreiSdirektor auf uns zurückgreifen würde. Wir mußten bereit sein. Als Ruhe eintrat, wurde die Verstärkung der Wachen zurückgezogen. Als aber am 26. November erneut Unruben ausbrachen, ließ ich die Wachen wieder verstärken und die Maschinengewehre wieder bereitstellen, wie es meine Pflicht ist. Ich habe die Offiziere belehrt, daß wenn wieder mit neuen Unruhen zu rechnen wäre, von der Waffe Gebrauch gemacht werden müßte. Wenn die Kreisdirektiou es unterlassen würde, uns rechtzeitig auf diese Notwendigkeit hinzuweisen, dann war ich gesetz- mäßig verpflichtet, anö eigener Machtvollkommenheit eiiizugreifen. An welchem Tage das geschehen würde, konnte kein Mensch wissen und war von uns auch nicht zu hoffen. Aber daß es möglich war, wenn wieder neue Unruhen ausbrechen würden, darüber kannte leider GotleS kein Zweifel bestehen und daß da der eine oder andere junge Mann etwas erzählt, ist menschlich begreiflich. Da wird wohl nur ein Wort gefallen sein. Aber es ist nicht richtig, daß es gerade am 28. November eintreten sollte. Wir haben uns gefreut über die Ruhe am 27. November und hätten unS noch mehr gefreut, loenn eö auch am 28. ruhig geblieben wäre. Wir hatten nur ein Interesse, unseren Dienst zu tun nnd gar kein Interesse und keine Neigung, anStelle unseres Dienstes Polizeidienst zu leisten. Daß wir es tun mußten, ist uns schwer geworden, aber eS war nicht zu ändern. Von Vorberatungen fiir den 28. November kann absolut keine Rede sein.— Verhand- lungssührer: Ist der Pandurerikellcr vorher geräumt worden?— Angekl. Oberst v. Reuter: Jawohl, wir hatten uns ja den Kopf zer- brachen, wohin wir mit den Verhafteten gehen sollten.— Zeuge Adjutant Leutnant Schäfer: Der Keller stand seit zwei Manaten leer, er war schon lange vorher ausgeräumt worden. Die Bezeich- nung Pandurenkeller ist aus der Luft gegriffen, es ist auch lein Kohlenkcller, sondern ein vollkommen sauberer Ran nr. Ein militärischer Beisitzer: Ist es richtig, daß der Kreisdirektor die Anweisung zur Verstärkung der Gendarmerie erst gab, nachdem der Brief des Obersten v.� Reuter mit der Androhung des Be- lagerungszustandes eingelaufen ivar?— Zeuge Müller: Ja! lim die V o r e i n g e n o m m e Ii h e i t des Obersten v. Reuter gegen die Zivilbchörde zu illustrieren, muß ich weiter mitteilen, daß der Oberst nach meinen Informationen zum Zeugen Gerb gesagt haben soll, ein preußischer Landrat würde die Sache ganz anders machen; man solle den Kürgermeister nur einmal einsperren, dann würde es gleich gehen.(Die Ladung des Zeugen Gerb wird in Aussicht genommen.) Zeuge Polizeiwachtmeister M u tz s ch k e r- Zabern; An den ersten Tagen bestand die Menge meist aus Neugierigen» Frauen und Kindern und sogar Frauen mit Ittudern auf dem Arm. Vom 19. November ab siandcu freilich auch erwachsene Männer auf der Straße, die nicht gehorchen wollten, es wurden deshalb von der Polizei zwei Leute arretiert. Darauf kam ein Raufbold und entriß diese beiden Berhaiteten den Händen der Polizei. Dafür haben wir den Raufbold f e st g e n o in m e n.(Heiterkeit.) Ich war sehr erstaunt darüber, daß so etwas in Zabern passieren konnte. Verteidiger: Wieso erstaunt, wenn es nur Frauen nnd Kinder und Neugierige waren, so war doch nichts zu befürchten.— Zeuge Mutzschler: Vor dem Brief des Ob er st V.Reuter ist niemals eine dienstliche Anzeige bei der Polizei über Belästigungen der Offiziere durch Zivilpersonen eingelaufen. Am 28. November lvaren überhaupt keine Leute aus der Strafe. Eine Militärpatrouille mußte erst Passanten suchen, sie fand schließlick einen Mann nnd nahm ihn mit.(Heiterkeit.) Wenn die Patrouille nicht auf der Straße gewesen wäre, so wäre überhaupt kein Mensch aus der is t r a ß e gewesen. Am 39. November ivar in Zabern Kirmes nnd da waren viel, viel mehr Menschen auf der Straße nnd altes war ruhig. Ricktig ist, daß die Feuerwehrleute sich geweigert haben, ordentlich zu spritzen. Sie hatten angst, verwichst zu werden.— Verhandlungsf.; Ist nach den Polizisten und Gendarmen nicht mit Steinen geworfen worden?— Zeuge: I ch weiß es nicht, wir haben das nicht so schlimm aufgesaßt. Zeuge Polizeidiener Deutsch schildert die Vorfälle iu ä h n- l i ch e r Weise, ohne daß er bestimmte Angaben machen kann. Zeuge Beigeordneter G nutz-Zabern bekundet, daß am 29. November eine seiner Türen von Soldaten ein- getreten wurde, die ans der Verfolgung eines Lehrlings sich be- fanden. Er habe die Situation am 29. November so aufgefaßt, daß er glaubte, das Militär würde gegebenenfalls ernst machen. Infolgedessen habe er den Leuten den Rat gegeben, die Straße zu verlassen. Von Unruhen hat der Zeuge nichts bemerkt. Zeuge Redakteur H i l l i o t vom Zaberner„Wochenblatt" hat als provozierend empfunden, daß die Offiziere immer mit der Hand am Säbel auf der Straße gingen. Am 28. November wollte ich zur Post gehen, die Soldaten ließen mich nicht durch. Ich sagte, ich habe ein Recht, zur Post zu gehen. Da wurde ich gepackt, fortgeschleift und scftgchaltcn. Erst als die Gendarmen dazwischentraten, wurde ich freigelassen.— Verhandlungsf.: Sie haben deshalb Strafanlrag wegen Miß» Handlung, Nötigung und Freiheitsberaubung gegen den Obersten v. Reuter und den Leutnant Schad gestellt?— Zeuge: Jawohl. Am 29. war ich dabei, als die Tür bei dem Beigeordneten Guntz eingetreten wurde.— Bert. RechkSanw. Grossart: Ist es richtig, daß Oberst v. Reuter sich mit Ihnen in Verbindung gesetzt und Ihnen gesagt hat. wenn Sie irgend etwas vom Regiment erführen, möchten Sie vorher mit ihm sprechen, damit die Sache rechtzeitig aufgeklärt und nicht in der Presse ausgeschlachtet werde? — Zeuge: Jawohl. Zeuge Kriegsgerichtssekretär Frömmelt war Protokollführer, als Kreiskommissar Müller durch den Kriegsgerichtsrat Osiander vernommen wurde.— Verhandlungsf.: Der Zeuge LkreiSkommissar Müller behauptet, daß vom KricgSgerichtsrat Osiander versucht worden sei, ihn zu beeinflusse».— Zeuge Frömmelt; Der Zeuge Müller hat seine Aussage sehr zögernd gemacht, sodass Kriegs- gerichtsrat Osiander wiederholt fragen mußte, um über- Haupt eine b e st i in m t e Antwort zu bekommen.— Verhandlungsf.: Sie können die Aussage Veriveigern, wenn das Protokoll nicht richtig zustande gekommen ist.— Zeuge Frommelt: Der Zeuge Müller hat sich so geäußert, wie eS in dem Protokoll sieht. Der Herr Kriegs» gerichtsrat hat gerade ihn besonders genau vernommen. Verhandlungsf.: Hat der Zeuge Müller gesagt. daß Leutnant v. Forstner mit Steinen beworfen worden ist?— Zeuge: Jawohl,� das hat Müller gesagt.— Anklagevertreter Kriegs- gerichtsrat Osiander: Ist es richtig, daß ich dem sdreiskommissar A n t w a r t c n in den Mund gelegt habe?— Zeuge Frömmelt: Nein.— Anklagevertreter Osiander: Habe ich seine Aussage nach einer bestimmten Richtimg gedreht?— Zeuge: Nein. Sie, Herr Kriegsgerichlsrat, haben nur die notwendigen Fragen gestellt.— Änklagevertretcr Osiander: Sind die Antworten richtig ins Protokoll hincingekainmen?— Zeuge: Jawohl.— Anklagevertreter Oisiandcr: Ist überhaupt nur das geringste an dem Wortlaut der Aussagen geändert worden?— Zeuge: Nein. Ich hatte aber die Empfindung, als ob Kreiskommissar Müller nicht richtig mit der Sprache heraus wollte.— Anklagevertreter Offiander: Sind die Protokolle vorgelesen worden?— Zeuge: Ja.— Ein militärischer Beisitzer: Hatten Sie den Eindruck, daß die Vernehmung des KreiökommissarS Müller durch den KriegSgerichtSrat Osiander in eine bestimmte Richtung lanciert werden sollte?— Zeuge: Nein, das ist ganz ausgeschlossen.— Zeuge Kreiskommissar Müllo.r: Kann der Zeuge Frömmelt bestätigen, daß ich wieder- holt daS Diktat deS KriegSgerichtsratS Osiander beanstandet und iviederholt gesagt babc: So habe ich nicht ausgesagt. worauf Herr Osiander erividcrtc: Sie haben doch so ausgesagt! — Zeuge Frommelt: DaS ist nicht wahr!— Zeuge Kreiskommissar Müller(sehr erregt): Jawohl, das ist wahr!— Verhandlungsf.: Warum haben Sie dann das Protokoll unterschrieben?— Zeuge KreiSkoinniissar Müller; Fünf Minuten nach der Vernehmung habe ich meinem Vorgesetzten von diese» Vorgängen Mitteilung gemacht.— Verhandlungsf.: Das ist wieder einmal so ei» merkwürdiger Widerspruch. Zeuge Kreiskommissar Müller: Es lvurde auch gesagt, daß ich bekundet hätte, am Sonntag seien wiederholt Frösche abgebrannt worden. Dem habe ich widersprochen, denn es ist nur ein einziger Frosch in der Nähe der Franziskanerkirche abgebrannt worden und das habe ich auch gesagt.— Verhandlungsf.: So steht es ja richtig im Protokoll. Ist das Protokoll richtig oder nicht?— Zeuge Kreis- kommisfar Müller: Ich kann nur wiederholen, ich habe den Ein- druck gewonnen, daß meine Aussagen nach einer bestimmten Richtung gclenkl werden sollten. Zenge G e n d a r m e r i e h a u p t m a n n Schotte ist Gen- darmeriechef auch für den Bezirk Zabern. Nach seiner Meinung, die er auch dem KreiSdirektor Mahl mitgeteilt hat, war es empfehlenswert, Militär zu reqnierieren gegen die Unruhen. Kreisdirektor Rkahl habe dies abgelehnt mit der Be- merkung: Das wäre ja dann eine Blamage für die G e n d a r m e r i c.— Verhandlungsf.: Was ist Ihnen sonst auf- gefallen?— Zeuge: Daß die berittenen Gendarmeu die-Zmal die Karabiner zurückließen. Sonst ist eö nämlich Vorschrift. daß bei jeder Requiericrung nach auswärts wegen Unruhen oder ivtreiks der Karabiner mitzunehmen ist. Hier aber wurden die Karabiner zu Hause gelassen, das geschah auf Veranlassung des KreiSdircklorS. Außerdem wurde mir lion dem Bcrittfiihrer gemeldet, daß er dcni Krcisdireklor Mitteilung gemacht � habe von dem Plakat des„Zaberner Anzeigers". Der Kreisdirektor habe ihm Vorhaltüngen gemacht, weshalb er das Plakat nicht heruntergerissen habe. Der Beriltsührer antwortete, er habe sich dazu nicht für berechtigt gehalten. Darauf habe ihm Kreisdirektor Mahl befohlen, sofort für die Beseitigung des Plakats Sorge zu tragen. Ich muß auch noch sagen, daß nach Informationen meines Dislriltsichreiberö, der jetzt in Zabcrn ist, der K r c i S d i r e k t o r Mahl am letzten Sonntag, den 4. Januar, die Gendarm e n einzeln z u j i ch b e st e l l t. i h r e B e r- n e h m u il g mit ihnen durchgesprochen und ihnen Anweisung gegeben hat, wie sie hier aussagen sollen. (Anhaltende Bewegung.— Der DistriktSschrciber Döring wird so- fort telegraphisch geladen.)— Zeuge Gendarmeriehauptmann Schotte: Dann soll KreiSdirckior Mahl den Gendarinen gesagt haben, sie sollteil nicht sagen, daß angeregt»vordcn sei, daß die Zivilverwaltnug Militär requiriere.— VerhandluugSf.: Wir lvcrden auch die Gendarinen als Zeugen vernehmen. — Bert. NechtSonw. Grossart: ES Ivird siw auch hier wieder zeigen, daß wie schon oft in diesem Prozeß, SluSsiigc gegen Aussage steht. So etwas gibt nieinand gern zu.— Zeuge Gendarmeriehauptmann Schotte; Früher war mir gesagt worden, die KreiSdireklion hätte angeordnet, die berittenen Gendarmen sollte» ihre Pferde zu Hause lassen. Ich habe darauf hin angeordnet, daß die Pferde wenigstens gesattelt im Stall stehen müssen, daniit sie jederzeit bereit ständen. Zeug« Oberlehrer Bruck wurde aus Antrag her Ver» teidigung geladen.— Bert. Rechtsanwalt Grossart: Ist es richtig, daß in den Straßen ZabernS ein derartiger Radau war, daß Sie gesagt haben: es ist h ö ch st e Zeit, daß da« Militär einschreitet.— Zeug Bruck; Eine Aeußernng in diesem Sinne habe ich tatsächlich g e t a it. Das Vorgehen des Militärs war mir durchaus verständlich. Tie Oifizierc waren in im- glaublicher Weise belästigt worden. Dann wird als Zeugin das Kinderfräuloin des H a u p t ni a i! n ö Voigt. Fräulein Beile, vernommen: Am Abend des 28. November war die Menge feindselig gegen die Offiziere, sie benahm sich wie eine Horde, daß man es sich schlimmer gar nicht denken kann. Hauptsächlich waren Männer darunter, aber auch Kinder, die mit Kol geworfen haben. Die Gendarmen sind merkwürdigerweise nicht eingeichrillen. — Der nächste Zeuge»st der A r b c i t e r H i r s ch, der angibt, daß er am 28. November in Zabern mit einein Mann, dessen Name er nicht weiß und von dem er auch niemals mehr etwas gehört hat, stch unterhaltcn hat. Der Mann sei an ihn herangetreten und babe ihn gefragt, ob er auch ei» Arbeiter sei.— Berdandlnngs- ftihrer: Hat er nicht gefragt, ob Sie auch ein Genosse sind? — Zeuge; Rein, ob ich ein Arbeiter bin. Er hat hinzugefügt, r« würde» einige Genossen ans Mühlhauseu und Kolmar erwartet, die würden die Sache ganz anders machen, die hätten mehr südländisches Blut in den Ädern. Die Genossen seien aber nicht gekommen, weil ihnen die E i s e n b a h n b r I l e lS nicht ausgehändigt worden seien.— Bcrhaudlungsf.: Hallen Sic den Eindruck, daß das alles U u s i n n war, oder waren Sie der Meinung, daß es wahr war?— Zeuge: D a S kann ich sehr schlecht beurteilen. Es war ein jüngerer Mann, der mir das sagte, vielleicht hat er etwas geichwätzt, aber ich glaube, daß etwas Wahres daran gewesen ist.— Zeuge Oberlehrer Bruck: Ich will nachträglich noch erklären, daß auf dem Schloßplatz Leute standen, die aufpaßten, wenn Offiziere aus der Kaserne herauskamen, und die dann de» anderen Leuten zugcrusen haben: Sie kommen, sie lammen! Zeuge Volksschullehrer Röhl war als Reserveunter- offizier damals eingezogen und bekundet, gesehen zu habe», wie Oberst v. Reuter aus dein Schloßplatz eine Auiptache an die Leute hielt, sie sollten sich ruhig benehmen, die Schuldigen aber würden bestraft werden. Der Zeuge hat weiter gehört, daß einmal ein Mann tief:„Der Teufel soll alle Schwoben holen i— VerhandlungSs: War die Menge auf dem Schloßplatz ruhig, als der Obcpst die Ansprache hielt?— Zeuge: Nein, als der Oberst zur Ruhe mahnte, wurde geschrien und gejohlt.— VerhandlungSs.: Im„Karpfen" haben ja die Offiziere gesessen. Am Nebentisch sollen Zivilpetsone» gesessen und immer einer nach dem audercit ostentativ gesagt haben: „.Jo suis Alsuciun 1" Das war so 12 bis 15 mal hinlereinander. •— Zeuge: Ich habe es nicht gehört.— Zeuge Assistenzarzt Voigt hat den„ Leutnant v. Forsiner auf der Roude begleitet. Hintec uns liefen johlende Menschenmengen, etwa 150 bis 200 Mann. ES wurden gegen uns hühnercigroßc Steine geworfen, einer flog sogar über die Kasernenmauer. Junge Burschen drängten sich be- sonders dicht an de» Leutnant v. Forstner heran und wurden von den Soldaten zurückgestoßen.— VerhandlungSs.: Waren auch Kinder dabei?— Zeuge; Höchstens 20. Die Steine wurden mit einer derartigen Wucht geworfen, daß Kinder umer 14 bis 16 Jahren kaum die Werfer gewesen sein können. ES waren auch nur wenige Frauen dabei, sondern haibwüchsige Burscheu und ältere Männer.— VerhandlungSs.: SSicv.el Steine wurden ungefähr geivorfen t— Zeuge: Etwa 20.— VerhandlungSs.: Haben Sie Gendarmen oder Polizisten gesehen?— Zeuge: Nein, sie müßten denn ganz hinten hinter der Menge gestanden haben, so daß wir sie nicht sehen konnten. Ich will noch sagen, daß ich nicht den Eindruck hatte, als ob Leutnant Schab betrunken gewesen wäre.— — Berbandlungsf.: Haben Sie noch andere Belästigungen einPfunden?— Zeuge; Drei Tage, bevor wir aus Zabern vcrlcgl wurden, rief mir ein Junge nack:„Muß i denn, muß i denn zum Städte hinausl" Ich drehte mich um. � aber da war der Junge schon weg.— Verteidiger: Wie dachten Sie über die Tätigkeit der Gendarmen?— Zeuge: Sie halten den beste» Wille», aber es gelang Ihnen nichts gegen die Menge.— VerhandlungSs.: Sind die Gendarmen auch einmal grob geworden gegen die Menge?— Zeuge: Nein, sie waren nicht allzu euergisch. Zeuge Bankkassierer Cohn: Ich war mit meinen Freunden am 20. November im Hotel zum„Karpfen". � Wir hörten Lärm und traten heraus. Da sah ich den Leutnant Schad mit vier Mann, die Seitengeivehr ausgepflanzt hatten, aus und ab gehen, plötzilch kam er auf uns zu und erklärte unch für v e r h a f t e t. Er sagte, wenn ich Widerstand leistete, würde er von der Waste Gebrauch machen. Ich mußte mit ihm ohne Hur und ohne Mantel über den Schloß- platz gehen bis zum Wachtlokal. Dort fragte ich den Leutnant, iveshalb ich verhaftet worden sei. Er sagt«, einer aus meiner Gruppe hätte gelacht. Wer gelacht habe, das könne er nicht fest- stellen, er habe mich hcrauSgegriffe» und damit fei die Sache erledigt. Jch�bat um sofortige Einleitung einer Unterinchung. aber er sagte, die Sache sei erledigt. Ich wurde dann von einem Polizisten abgeholl und auf die Polizeiwache ge- bracht. Etwa 10 Minuten war ich auf der Kaserueuwache gewesen und eine Bierteistunde wurde ich auf der Polizeiwache festgehalten und zwar wurde ich freigelassen erst auf persönliche Lermiiteinng des KreiSdireklorS Mahi.— Berbandlungsf.: Haben Sie gelacht? — Zeuge: Ich betone ausdrücklich, daß ich nicht gelacht habe, daß ich keinc� Bewegung gemacht habe und daß ich dem Leutnant Schad zu feinem Vorgehen nicht den g e r i n g st e» Anlaß gegeben habe.— VerhandlungSs.: ES werden Zeugen bekunden, daß Sie gelacht haben.— Zeuge Cahn: Ich kann beschwören, daß ich nicht gelackt habe.— Veiband- lungsf.: Sie haben Sirafantrag gestellt gegen Leutnant Schad wegen Freiheitsberaubung. Nötigung, widerrecktlicher Verhaftung und MitzbrauchS der Dienstgewalt.— Zeuge: Jawohl,— Anklagevertreter: Früher haben Sie gesagt: Sie wären herausgetreten, weil draußen ein Geheul gewesen wäre. Heute sprechen Sie nur von einem Lärm.— Zeuge: Ich habe immer nur von Lärm ge- sprocken.— Bert.: Ist in Ihrer Umgebung gelacht worden? — Zeuge: I» der Gruppe, in der ich stand, wurde nickt gelacht.— Vert.: Wo denn sonst?— Zeuge: DaS weiß ich nicht. An dem Abend standen überall Leute auf der Straße. — Verl.: Ist es richtig, daß die Veranlassung für den Leutnaut Schad zu seinem Eingreifen war, daß jemand gelacht batle?— Zeuge: In meiner Nähe habe ich keinen Menschen lachen sehen. Ich will ja noch sagen, der Oberst v. Neuler hat mir gesagt, ich hätte mir offenbar aus der Festnahme nichts gemacht. Ich hätte midi triumphierend abführen lassen und die Menge hätte mir Zeicken ge- geben. Auf der Wache soll ich höhnisch gelacht haben. Meine Herren, das ist nicht wahr!— Oberst v. R e u l e r: Ich habe ans der Wacke gesehen, ivie dieser Herr ganz langsam ging, so daß ich das Gefühl hatte, er wollte zeigen, ihm sei die ganze Sache Wurscht. DaS ist mein Eindruck gewesen.— Zeuge: Ich kann Ihnen sagen, es war mir nicht zum Lache», es war mir zum Heuleu zumute. Di« Sache hat mich so deprimiert, daß ich vor dem gesamten Publikum über den Schloßplatz ohne Hut und ohne Mantel gehen mußte, so daß mir weiß Galt nickt zum Lacken war.— Bert.: Die Offiziere hätten manchmal auch lieber geheult, als sie so beschimpft und mil Sleinen beworfen wurden.— Eö werden dann die vier Musketiere vernommen, die Leutnant Sckad begleitelen. Sie bekunden, daß nach ihrer Meinung der Zeuge Eabn eine lächelnde Miene gemacht habe. Einige Freunde des Zeugen Cahn bekunden dagegen, daß nach ihrer lieber- zeugung Eahn nicht gelacht habe. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Zu Beginn der N a ch in i t t a g s s i tz u u g meldet sich als Zeuge Erster Staalöaiiwalt Wrttinann aus Zaber» und wünscht ver- noimnen zu werden.— VerhandlungSs.: Worüber?— Erster Staatsanwalt Wittmann: Herr O b e r st v. R e u t e r hat hier be- hauptel, die Staatsanwaltschaft in Zaber» hätte versagt, und er hat weiter erklärt: Mit welchen Mittel» gearbeitet werde, sehe man daran, daß selbst gebildete Leute und sogar ein Staats- anwalt sich darüber aufgehalten hätten, daß sich die Offiziers- damen in Zabern provozierend auf der Straße bewegten. Dem- gegenüber erkläre ich: Die Slaatsanwallsckart in Zabern bat stets ihre Pflicht getan. Der Vorwurf wegen des Ver- Haltens der O f f i z i e r S d a m e n betrifft mich p e r s ö n l i ck. Zu meiner persönlichen Onalifikation sage ich, daß ich mit Leib und Seele Soldat bin Ick habe 30 Jahre im Militärverhältnis gestanden, ich bin 32 Jahre Landwehroffizier gewesen und i» diesem Jahre ehrenvoll verabschiedet worden. Beim Regierungsjubiläum Seiner Majestät des Kaisers habe ich allerhöchste Gnadenbeweise bekommen. Seit 15 Jahren bin ich Vorsitzender eines Kriegervereins und seit drei Jahren Vorsitzender eiiieS Bc- zirkskricgerbundes. Man kann mir also nicht imputieren, daß ich nicht militärfreundlich wäre. Eines TageS bekam ich einen Brief, der gestempeli war:„Zweites Oberrheinisches Infanterie- regiment Nr. 99. Persönlich." Truppenübungsplatz Oberhof. 22. Dezember 1913. An den Kaiserlichen Ersten Herrn Staatsanwalt ur Zabern. Einem Herrn des Regiments ist bekannt gelvorden. daß Ew. Hochwohlgeboren einer Zivilperson die gemeinsamen Spaziergänge einiger Offiziersdamen als provozierend bezeichnet habe» sollen. Bevor das Offizierskorps dienstlichen Gebrauch davon macht, bitten wir Ew. Hochwohlgeboren dienstlich, hier- her Mitteilung zu machen, wie stch die Sache verhält. Hochachtungsvoll usw." Das ist ein dienstliches Schreiben des Regiments. es berührt mich persönlich. Das war für mich eine Ehren- angelegenheit und eine solche erledigt man nicht auf dienst- lichem Wege, sondern nach meinen Erfahrungen dadurch, daß der Kavali-r dem Kavalier gegenüber tritt, respektive daß eine Ausgleichsperson geschickt wird. Da diese? Schreiben eine versteckte Drohung enthielt, die darin zu suchen ist, daß gesagt wird,„ehe das Regiment hiervon dienstlich Gebrauch macht", so sagte ich mir: drohen lasse ich mir nicht und ich schickte meiner vorgesetzten Behörde hierüber cincn Bericht. DaS hielt ich für absolut notwendig. Nun muß ich sagen, daß es allerdings meiner Frau aufgefallen ist, daß die Damen der Offiziere in der Zahl von 8 oder 9 zu- samme» auf die Straße gingen und zwar immer, wen» die Fabriken geschlossen wurden. Ich sagte, das sei sehr unvorsichtig von den Damen, die Bevölkerung von Zaber» könnte darin etwas Provo- zierendes erblicken und den Dame» Unannehmlichkeiten bereiten. Ich meinte, daß den Damen etwas nachgerufen werden könnte oder so ähnlich. Anscheinend hat der Herr Oberst die Sache so auf- gefaßt, als ob ich gesagt hätte, die Damen wollten provozieren. Das lag mir s e l b st v e r st ä n d l i ch absolut fern.— Ber- handlungSf.: Das wäre ja auch sonderbar.— Erster Staatsanwalt Wittmann: Mo ich schickte das Schreiben an das Regiment zurück. Tadurck fühlte sich anscheinend der Herr Oberst verletzt, er schickte mir eine Bermittelungsperion. der ich sagte, ich häite mich persönlich dem Regiment gegenüber nicht zu verantworten. Wenn oer Herr Oberst eine Beschwerde über mick zu führen wünsche, dann möge er sich an meine vorgesetzte Dienstbehörde wenden. Ich sagle aber auch, daß ichffelbstuerständlick keinen Anstand nähme. zu erllären, daß mir jeder Subjektivismus m dieser Sache ferngelegen habe, und daß ich lediglich objektiv gesagt habe: die Damen begehen da eine Unvorsichtigkeit und es könnte vielleicht auf das gewöhnliche Volk provozierend wirken. DaS ist eine Kritik, die ich mir wohl erlauben darf. Es wird über Zabern außerordentlich viel gesprochen und ich muß ganz entschieden das Recht in Anspruch nehmen, das zu lagen. Der Herr Oberst scheint ja auch nichts darin gesunden zu baben, denn ick habe seitdem Nickis mehr gehört. Für mich war das also eine er- l e d i g t e Ehrensache, und diese erledigte Ehrensacke bringt der Herr Oberst hier vor.— Verteidiger Recktsanwalr Grossart: WaS Oberst v. Reuter gesagt hat. war zu seiner Verteidigung absolut notwendig. Es war hier gesagt worden, daß viele sckon im Austreten der Offiziere eine Provokalion erblickten und zum Beweis dafür, ivie empfindlich selbst ge- bildete Leute in Zabern dafür sind, hat Oberst v. Reuter den Fall erwähnt, daß sogar gebildete Leute in dem Spazierengehen der Offiziersdamen ein« Provokation erblickt haben. Mehr ist nicht ge- sagt worden und wenn mehr hineingelegt wird, so muß ich das als gehässige Anfeindung zurückweise». Wenn der Herr Erste ivlaats- anwalt gerecht denkt, wird er mir zugeben, daß das. was Oberst v. Reuter in seiner zarten und korrekten Form gesagt hat, notwendig war, um hier eine Stimmung zu zerstreuen. Ich finde eö beute noch merkwürdig, daß, wenn die Damen der Offifiere. die doch ihrer Männer jetzt beraubt sind, miteinander spazieren gehen, man darin ein« Provokation findet. DaS ist meine Ansicht alS bescheidener BiirgerSmann.— Erster Staatsanwalt W i t t m a n n: Ich kann die Art und Weise, wie Herr v. Reuter diese» Fall bebandelt hat, nicht für richtig halten.— Verhandlungsführer: Für uns ist die Sache ober ganz unerheblich.— Erster Staalsanwalt Witt man«: Wenn derartige erledigte Ehrensälle hier vorgebracht werden, so muß ich mich meiner Haut wehren.— Bert. Recklsainv Grossart: Das ganze Audi- lortuin wird mix zustimme», wenn ich sage, daß gerade von selten eines Vertreters der Staalsaiiwallsckasl hier Dinge vorgelragen worden sind, die lediglich Stimmung macken sollen, es ist lediglich Geschwätz der Bevölkerung mitgeteilt ivorden, eö wurden Sacken ge'agt, die direkt aus der Luft gegriffen waren. Es war die Pflicht des Angeklagten dagegen auszutreten.— Zeuge Slaalsoinvalt Krause: Auch ich muß mich gegen das abfällige Urteil wenden, das Ober st von Reuter über die Staatsanwaltschaft gefällt hat.— Er hat die Staatsanwaltschaft in Zabern gewissermaßen in einen Gegensatz gebracht zu preußischen Staatsanwaltschaften.— Anklageverireter Kriegsgericktsrat Oslander: Ich habe an diese» Dingen gar kein Jntcress», das sind ganz persönliche An- gelegenheiien.— Zeuge SlaatSanw. Krause: Ich bin als Zeuge hier und in meiner Abwesenheit hat Oberst v. Reuter m i ch a ii g e g r i f f e n. Es wäre richtiger gewesen, wenn er irr meiner Gegenwart seine Angriffe wiederholt hätte. Er weiß genau. daß die Pf alz burger Diebstähle von mir bearbeitet worden sind.— Angekl. Oberst V. Reuter: Ich bin juristisch nicht gebildet. Ich habe daS angegeben, was ich für notwendig hielt. Als Regimenlskommandeur mußte ich das Ansehen meiner Unter- offiziere wahren. Daher habe ich mich mit einer Beschwerde an die Oberslaalsanwaltschaft in Kolniar geivendet. Daraushin ist mir gesagt worden, daß ich gar nicht nötig gehabt hätte, der Aufforderung zur Durchsuchung der Schränke meiner Unteroffiziere nachzukommen. — VerhandlungSs,: Herr Oberst, es kann keinem Zweifel unter- liegen, daß Sie diesem Ersuchen der Staatsanwaltschaft nachkommeir mußten.— Angetl. Oberst v. Reuter: Aber gerade in der Durch- suchung der Schränke meiner Umerosfiziere erblickte ich die Kränkung. — VerhandlungSs.: ES kann darin eine Beleidigung des Unter- offizierkorpS nicht erblickt werden. Jeder Mensch kann in den Ver- dacht kommen, daß er etwas Strafbares begangen hat. Eine Beleidigung des ganzen Unteroffizierkorps hat der Swars- anwaltichaft sicher fern gelegen.— Angeklagter Oberst v. Reuter: Und seit meiner Beschwerde hatte ick da» Empfinden, daß Staatsanwalt Kraus« mit meiner Porsorr gewisserinaßen unzufrieden ist.— Zeuge Staatsanwalt Krause: Inwiefern?— Angekl. Oberst v. Rcurer: Gewiß, sie haben mich noch gegrüßt und wir haben auch in der Gesellickaft mir einander geiprochcn. aber ich hatte die Empfindung, daß Herr Krause mir diese Sache nachgetragen hat.— Zeuee �Staatsanwalt Krause r Oberst v. Reuter wird mir zugeben müssen, daß ich die ganze Sache. so behandelt habe, wie ick sie korreklerwelse behandeln mußte. Ich habe nachher auch wiederholt mit ihm gesprochen.— Angekl. v. Renter: Das ist richlig.— Zeuge StaatSanw. Krause: Weiß Herr Oberst v. Reuter, daß ich als Oberleutnant der Reserve wegen dieser Zache Schritte getan habe?— Angekl. Oberst v. Renter: Nein.— Bert. Rechtsanw. Grossart: Die ganze Sache ist höchst barmlos. Der Oberst lvar der Ansicht, daß der gegen die Uitterosfiziere aus- gesprochene Verdacht nicht genügend begründet gewesen sei,«ine: Änsfasiung. die sich später als nicht ganz ungerechtfertigt heraus- gestellt hat. Er hat seinem innern Gefühl Ausdruck gegeben,»idenr er von der OberstaalSanwallschait Kolmar Schutz jür seine Unter- offiziere verlangt hat.— Zeuge StaatSanw. Krause: Oberst: v. Reuter bat diese Dinge hier vorgebracht, ohne mir vorher dovoir etwas zu sagen. Dabei wußte er. daß ich hier als Zeuge ver- noimnen werde» würde. Ich kann doch verlangen, daß ich in diesem Fall davon Milleikung erhalle.— VerhandlungSs. � DaS ist jetzt geschehen und es ist alles aufgeklärt.— Zeuge Staatsanwalt Kraute: Jawohl, aber erst auf meine Vcranlassiuig. Es könnte hier der Anschein entstehen, als befände ich mich in einer gewissen Animofität gegen den Obersten v. Reuter. Das ist nicht der Fall.— Staalsanwalt Krause verliest den Bericht, den er auf die Beschwerde des Obersten an die Oberstaatsanwaltschaft irr Kolmar erstattet hat. In diesem Bericht kommt in bezug auf da» UnrerosfizierkorpS in Pfalzburg der Satz vor:„Weil mir desim fchleckler Ruf bekannt ist".— Staatsanwalt Kraule: Ich möchte nur sagen, daß ich nickt voreingenommen gegen Oberst v. Reuter: bin und daß es auch nicht richtig ist. daß ich die Unteroffiziere so ohne weiteres und grundlos verdächtigt hätte. Dann hätte i>� anderweitige Schritte getan und mich an daS Militärgerich gewandt. Angekl. Oberst v. R e u t e r: Ich bitte, daß der Herr Staats- anwalt den Satz loiederholt, in dem von dem schlechten Ruf der Unteroffiziere in Pfalzburg gesprochen wird.— Zeuge Staatsanwalt Krause(liest):„Tie Anficht des Regiments, daß Unter- osfiziereil im allgemeinen ein Diebstahl weniger zuzutrauen wäre. wie anderen Menschen des gleichen Niveaus, teile ich nicht. Eine Ausnahme mit dem Psolzbnrger Unteroffizierkorps zu machen. liegt keine Beranlasiung vor. zumal mir dessen schlechter Ruf bekannt lo a r."— Angekl. Oberst v. R e u t e r: Ich habe dem nichts binzuzusügen! Zeuge Stoatsauwalt Kleinbvhmer: Auch ich muß mich ver- wahren gegen den Borwurf, daß die Staatsanwaltschaft in Zabern versagte. Derartige Angriffe gegen eine SlaalSanwallsckaft müneu hier im Gericktssaal widerlegt werden.— VerhandlungSs.: Sie be- streiten also, daß zu diesen Angriffen ein Grund bestünde.— Zeuge: Ja- wohl.— BcrhonMungSf.: Sie sind ja nun am 28. November bei der Verhaftung deS LandgerickstSratS Kaiisch zugegen gewesen?— Zeuge Staatsanwalt Kleinböbnier: Ich kam vom Gericht und sah eine Reihe von Menschen, die anscheinend aufgeregt ein Thema erörterten. ch hörte, daß kurz vorher von einer P a t r o u i l l e unter der llhrung eines Leutnants aus einem Hause ein Bürger mitten aus seiner Familie herausgeholt wurde. Das wurde mir von den Gerichtsbeamten be- st ä t i g t. Der Bruder eines Rechlsanwalts, so sagte man mir. wäre gleichfalls um ein Haar verhaftet worden, ein Leutnant halte ihn angefahren. Wir besprachen diese Boi fälle. Ich ging neben dein LandgericktSrat Kalisch und hinter uns unsere Kollegen. Wir sahen, wie eine Patrouille mit ausgepflanztem Seitengewehr die Straße hinauslief. Ich sah dann, wie vom Schloßplatz her ei» Offizier, den ich für Leutnant v. Forstner hielt, quer über die Straße ging. An einer Straßeneck« sah ich. wie er plötzlich rechts herübersprang itnd aus ein er kleinen Gruppe von vielleicht drei oder vier junge» Leute» eine» am Kragen packte, sich um- drehte und ihn sofort den dort erschieneiien Soldaten übergab, die ihn fortschleppten. Als ich mich umdrehte, stand wie aus dem Boden gewachsen ein Offizier vor mir mit einer ganzen Anzahl Soldaten herum. Durch dieses natürliche Hemmnis waren wir ver- bindert weiter zu gehen und als der Offizier sagte:„Weitergehen!" Da sagte LandgericktSrat Kaiisch: „Tas ist ja unglaublich, daß man in dieser Weise angefahren wird und zwar ohne jeden Grund I" Ick glaube, er sagte auch:„Wir wollen einmal sehen, ob wir da nicht stehen bleiben dürken." ES kain darauf zu einem kurze» Wortwechsel zwischen LandgerichlSrat Kalisch und dein Leutnant, der darauf drcFe st nähme des Herrn Kalisck befahl. Ein Soldat legte ihm die Hand aus die Sckulter, und Kalisch ging sofort mit. Ich hörte, wie ein Bekannter mir zurief:„Kalisch geht. Herr Staatsanwalt, gehen Sie mit!" Ick gab meinem E r jl a u n e n u n d ll n m u t über diese Arretierung Ausdruck und sagle zu dem Offizier: Tas ist ja unerhört. Er sah mich aber gar nicht an, sondern gab den scharfen Befehl: „Nehmen Tie den Mann auch fest!" Darauf sagte ich: Sie wollen mich sestn-'i.nen und abführen lassen? Und nun stellte ickmickvor. Darauf sagte der Leutnant: „Hätten Sie sich gleich vorgestellt, so hätte ich nrcht den Befehl zur Abtüchrung gegeben!"(Heiter- keit.) Ick erwiderte da, auf:„To etwas war doch noch nicht da, Leute ohne Grund festnehmen zu lassen." Der Leutnant berief sich darauf, daß er auf Befehl handele. Ich fragte ihn. ob sein Befehl etwa dahingehe, alle Leute festzunehmen, die sich nicht vorstellen'i (Heilerkeit.) AmISgerichtSrat S p i e ck e r. der hinter mir gina, sagte nun. wir sollten mit Kalisck in die Kaserne geben und versuchen, den Oberst zu sprechen I» diesem Augenblick iah ich drüben vor dem Hotel„Karpfen" Gäste aufgeregt und gestilulierend, aber nicht übermäßig laut mite,„ander sprechen. Jinmcrtiin halte ich daö Gefühl, als ob die Sacke kritisch wäre. Der dienstluende Lsfiiizier benahm fick außerordentlich schneidig. Die Goldaten lauerten nur darauf, rieb betätigen zu können. Da sagte ich zu Spiccker: Wir wollen lieber dort drüben die Leute beruhigen, sonst tann es schlimm werden. Wir sagten ein paar Worte zu ihnen, die Lerrte gingen sofort ins Nestau- rant zurück. Daraus sagte Ämtsgericht-Zral Spielker: Wir sollten jetzt in die Kaserne gehen. Wir gingen hin und baten den Oberst v. Neuter uni eine Unterredung. Während»vir»varteten. kamen die Landgerichtsräte Kalisch und Behmelmann, dieser ivar gleichfalls sestgenommen worden, bereits die Treppe herunter. Jetzt er- schien Oberst v. Neuter. Herr Kalisch beichiverte sich über die Fest- nähme. Der Oberst sagte darauf zu Herrir Kalisch und auch zu n»ir, daß er jede Kritik und jede Belehrung ablehnen müsse. Darauf sagten»vir dann, da seien wir ja überflüssig nnd der- abichiedelen uns. Rur AmlSgerichtSrat Spiecler blieb zurück und Verhandelle mir dein Herrn Oberst weiter. Bor der Schloß- k a s o r n e sah ich den Herrn Landgerichtspräsidenten in Begleitung eines ltandgerichtsrats und des StaatSamvaltS Krause kommen. Sie standen dann beisammen und besprachen die Borfälle. Ich sah, daß wieder eine Wache Aufftellniig nahm und ich sagte den Herren: Wir»vollen l i e b c r lv e i t e r g e h e n, sonst nehuieu sie uns nochmals fest! (Heiterkeit.) Darauf gingen»vir fort. Ich muß noch sagen, daß als itmrdgerichtsrat Kalisch verhastet wurde, der ganze Schloßplatz voll- ständig meuschculecr war. Es stand kein Mensch darauf.— Ver- handlungSfüvrer: Hätten Sie sich auch gelveigert, weiterzugehen. «venu das Militär von der Zivilbehörde requiriert worden»värs S — Zeugs: Dann natürlich mcvt.— Lerhandiungss.: Ist Ihnen be- ckannr, daß Widerstand gegen die bewaffnete Macht strafbar»st?— Zeuge: Aber nur, wenn der Wasscugedrauch in rechtmäßiger Ausübung des Dienstes geschieht. Ich muß bemerken, daß ich eine Requirierung des Miliiärö für ganz ausgeschlossen geHallen habe.— Bert. RecktSanw. Grossart;_ War Jbnen bekannt, daß in Zabern Offiziere beschimpft nnd daß Steine»»ach ihnen gelvorfen worden»varen?— Zeuge: Von Ansammlungen halte ich erfahren, aber cS»varen meist halb- wüchsigc Bursche», die sich durchaus ruhig verhielten.— Ein»mlitä- rlicher Beisitzer: Sie sagten aus, Sie hüllen aus dem ganzen Ver- hallen des Militärs schließen müssen, daß das schlimmste bevor- stände. Glauben Sie, daß das Militär in Zabern in Ausübung seines Dienstes gehandelt hat?— Zeuge: Nein. Ich glaube das nicht, vielinehr hat sich clas jVliUtär ckie �)oli2eige>valt angemaßt. Derselbe Beisitzer: Woraus schließen Sie. daß das Militär widerrechtlich»ich diese Befugnis angemaßt habe?— Zeuge; Ich nehme an, daß ein ViechtSgrund für diese AuSübling der Waffen- geioalt nicht vorlag, weil weder von Belagerungszustand die Rede war, noch man sonst annehmen koniite, daß Requirierung des Militärs durch die Zivilbehörde in Frage kommen konnte. Ich wußte, daß sich Kreisdirektor Mahl die größte M ü h e gab. Ausschreitungen zu verhindern und daß er unter keinen Umständen die Handhabung der PolizerbesilgiiiS abgeben wollte. Er glaubte, daß»eine Macht ausreiche, um die öffentliche Ruhe zu sickern.— Ein Beisitzer: Selbst wenn Sie glaube»,, daß das Militär sich widerrechtlich Befugnisi» zugelegt hat. halten Sie sich dann mr befugt und berechtigt. Anordnungen des Militärs nicht Folge zu leisten.— Ze»tge: DaS ist eine sehr schwierige Ncchisfrage. über die man geteilter Meinung sein kann. Jedenfalls halle ich jetzt vx post mich für berechtigt, einer solchen Aufforderung des Militärs nicht nachzukommen. Zlngellagter Lentnam Schad: Der Borfall ivar anders. Ich forderte eine Gruppe von Arbeitern aus,»veiterzugehen. Sie stand allerdings in der Nähe dieser GerichiSpersoiien. Darauf sagte Staatsanwalt Kleinböhmer:.Ich bleibe hier stehen", und nahm eine heraussorderude Haltung an. Ich mußte das für eine Aufforderung an da? Boll halten, in einen Besohlen nicht mehr nachzu« kommen. Wenn es einem erlaubt»st. stehsn zu bleiben. dann mi»ß es auch anderen erlaubt sein. Da aber die Herren anständig angezogen ivaren.»oollte ich sie zunächst nicht festnehme»» lassen, sondern ließ sie durch einen Gendarmen auffordern, weiterzugehen. Dem Gendarmen aber sagle LandgerichlSral Kalisch:.Sie haben mir gar nicht« zu sagen". Daraus erfolgle seine Festnahme. Herr Kleinböhmer kam zu mir und sagte:.Ich bin Staatsanwalt". Darauf sagte ich zu ihm:.Warum haben Sie sich nicht gleich vorgestellt, dann wäre alle« gut I" Herr Kleinböhmer antwortete, er hätte nicht nölig. sich mir aus der Straße vorzustellen. Der nächste Zeuge, Landgerichtörat Behmelmann, der gleichfalls verhaftet wurde, gibt dieselbe Schilderung wie Staatsanwalt Kleinböhmer. Er bekundet noch. daß ein Zabemer Bürger rief:„Rur einer kann uns helfen, da« ist unier Kaiser!"— ikandgerichtSrat Kalisch. der hierauf vernommen wird, gibt ebenfalls dieselbe Schilderung der Vorgänge»vie SlaaiSanwalr Kleinböhmer. Jhin erschien besonders auffallend der Gegensatz zwischen dem Hin- und Herlaufen der Soldaten nnd der Ruhe, die auf' der Strafze herrschte. Di« ausreizende und verhetzende Schreibart des»Zaberner Anzeigers" hat er entschieden mißbilligt nnd die Zeitung abbestellt. Er hat sich für b e r e ch t i g i gehalten, dem unberechtigten Verlangen des Leutnants»»ich» Folge zu leisten, und erklärt, heule«ine gewisse Genugtuung darüber�zn haben, daß er so gehandelt hat.— Zeuge R e ch» s a niv a l l S ck a u s s l e r- Zabern bekundet, daß auch er an dem Abend mit den Richtern auf der Straße war, es war kein Lärm zu hören, keine Menge zu hören und die l�uke der Zaberner Bevölkerung zu bewundern. Zeuge Rechtsanwalt Fetter halte sich besonders Vorgenommen, daraus zu achten, ob eiwas loö sein und ob Leutnant v. Forstner belästigt»verde» würde. Er ha» gesehen, daß vollständige Ruhe und keine Veranlassung für da« Militär zum Einschreiten war. Er hat auck gesehen, wie ein junger Mann von hinten verhastet wurde ohne j e d e>» Grund und er war über die k>Uf- und Rechtlosigkeit der Zivilbevölkerung lehr empört. Berhaudlungss.: Der junge Mann, der festgenommen wurde, soll hinter dem Leutnant v. Forstner Faxen und höhnijcho Gebärden gemackt haben.— Zerige: Das ist nicht wahr, ich habe geimu hiirgeschci» und bin überzeugt, daß der Mann vollkommen unschuldig war.— Zeuge Leutnant Freiherr V. K o r st n e r: ES waren drei junge Leute. Einer riet:„Bejisch...." Als ich hin' zukam, sind zlver weggelaufen, der dritte stand noch da. er hatte die Hände in den Tasche»»ind machte Kehrt, indem er»agre. er habe nickrö gemach» Daraus»vurde er festgenommen.— Zettge Over- lebrer Bruck: Die Aussagen der Herren Sckaufflep und Fetler sind mit meiner Aussage durchaus verträglich. Die Lerne sind eben iveggelauie» und daher haben die Zeugen nichlS mehr geieben. — Zeuge Reckiisanw. S ch a u t s l e r: Ich nmss ganz enlsch>eden be- tonen, daß niemand weggelaufc» ist,»vcil niemand da war.— Zeuge Oberlehrer Bruck: ES bat mir so ge'chienen. Herr Fetter kam viel später als ich und dann war es ebei: schon Vorbei. Zeuge Gerichts rosere» dar Gärtner hat gleichfalls die Verhaftung eines jungen Burschen mit angesehen, der seiner Meinung nach nichts getan hatte. Das einzige,»vas er getan hatte, war, dass er etwas nahe an dem Leutnant Freiherrn v. Forstner vorbei g,ng. Insgesamt hat der Zeuge ö Berhaftungen gesehen. die seiner Meinung nach absolut nicht gerechtfertigt waren. Ich bin der Meinung, daß das MUtär das Volk aufreizen wollte. Es war an sich gar mchtS los, die Leute liefen immer erst aus die Straße, wenn die Patroullleu anmarschiert kamen.— Verhand- lungssührer: Früher haben Sie gesagt,»»ach Ihrer Meinung seien die jungen Offiziere vorgeschickt worden, um durch ihre anmaßende Haltung das Publikum zu reizen.— Zeuge: Das war meine Mei- nung.— Hierauf wird eine Reihe von Musketieren vernommen, die ähnliche Bekundungen machen,»vie die bisher vernommenen Sol- baten und zivar über das Verhalten der Menge. Weiter wird eine Anzahl Personen vernommen, die verhaftet worden waren und die in gleicher Weise, wie bisher schon öster, bestreiten, sich irgendwie einer strafbaren Handlung schuldig gcniacht zu haben. Es wird dann zur Vernehmung der Gendarmen geschritten und zlvar zu- nächst erörtert, od 5»reisdirektor Mahl sich eine Z c u g e>» b e e i n. flussung habe zuschulden kommen lassen.— Zeuge Gendarmeriewachtmeister L o h j e: Mir ist pon einem Kamera- den erzählt»vordei», der Kreisdirektor hätte die Gendarmen zu sich bestellt, um sie zu ersuchen, auszusagen, daß ilach ihrer Ansicht die Gendarinecie genügt hätte. Gendarinerie- obcnvachtuieister Karig sagte zu»nir, er inüsse heute abend um 7 Uhr in dieser Angelegenheit zum Kreisdirektor kommen und in demselben Sinne hätte Kreisdirektor Mahl mit dein Wachtmeister Schmidt und dem Wachtmeister Steiner gesproche»».— Zeuge Kreis- direktor Mahl: Die ganze �oache ist mir neu. Es ist voll- kommen ausgeschlossen, daß ich zu Gendarinen gesagt habe, sie sollten bekunde»», daß die Gendarmerie nach ihrer Meinung zur Aufrechterhaltung der Ruhe genügt hätte. Es ist richtig, daß ich»nit dem Geicharmedeabenoachtmeistcr Karig gesprochen habe, aber nicht wegen dieser Verhandlung hier, sondern um mich iin allgemeinen zu orientieren� über Einzelheiten, die ich nicht mehr in Erinne- rung hatte. Ich habe allen Gendarmen gesagt:„Wenn ihr vor Gericht koinmt so sagt selbstverständlich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, ich habe ihnen aber auch gesagt, sie diirfcn nichts verschweigen. Wem» hier bekundet worden ist, ich sei sogar in die Wohnung des Oberwachtmeisters gekomme»», so ist das richtig; aber auch das geschah nicht»vegc» dieser Verhandlung, sondern»vegen des vor einigen Tagen gefallerien Schusses.— Ber- handlnngssührer: Sehr lvesentlich»väre es ja, ob Sie de»» Gendarmen gesagt haben, sie sollten hier aussagen, daß die Geridanncne nach Ihrer Meinung genügt haben ivürde.— Zeuge Kreisdlrektor Mahl: Das wird durchaus bestritten, das loäre ja eine völlig ungehörige Zeugenbeeinflussung.— Vcrhandlungsführer: Wenn Sic als Zeuge hier angegeben bätten, Sie erinnerten sich einzelner Taten nicht, so würden»vir Ihnen das in keiner Weise übelnehmen.— Vorsitzender Generalmajor v. Pelet-Rorbonne: Weshalb hielten Sic es für notweirdig, Ihren Untergebenen ein- zuschärsen. daß sie die Wahrljeik sagen sollten?— Zeuge Kreisdirektor Mahl: Nur. damit>nan nicht sagen könnte, ich hätte die Zeugen zu beeinflussen gesucht. Mau muß in solchen Fälle»» sehr vorsichtig sein. Zeuge Wachtilldster Schröder: Ich fvar am letzten Sonntag i>» Zabern. Dabei erzählte mir Wachtmeister Schulidt, der Kreis- direktor Mahl hätte die Gendarmen zu sich bestellt, um ihnen An- Weisung zu geben,»vas sie aussagen sollten. Sie sollten nicht sagen, daß die Gendarinerie der Polizeibehörde unterstellt war und sie sollten auch nicht sagen, daß Wachtmeister Döhring den Kreisdirek- tor daraus aufmerksam gemacht hatte, daß Militär requiriert werden müßte.— Vcrhandlungsf.: Weshalb hat Ihnen Schmidt das alles erzählt?— Zeuge: Wohl»seil er darin eine Zeugenbeein- flussung sah.— Zeuge Kreisdirektor Mji h l; Das ist ganz ausgeschlossen.— VerhandlungSf.: Wollen Sie beschlvören. daß Schmidt das gesagt hat?— Zeuge Schröder: Jawohl.— Ver- handlungSf.: Wollte vielleicht Schmidt dem Kreisdirektor eivws anhängen?— Zeuge: Das kam» ich nicht sagen.— Ze»tge Kreis- direktor Mahl: Ich habe den Gendarmen gegenüber gesagt, daß energisch eingegriffen»verde» sollte. da»n»t das Militär keinen Grund zum Einschreite» habe. Vielleicht hat Wachtmeister Schmidt das falsch ausgefaßt.— Zeuge Wachtmeister Lohse: Schmidt hat von einer Zeugenbeeinflussung des Kreisdirektors gesprochen. Er hat aber hinzugesetzt, der Kreisdirektor hätte mit allen Gen- darmen gesprochen, nur nicht mit ihm, und zwar hätte der Kreisdirektor o s s c»» b a r Angst vor i h m gehabt, denn Tchmidt stände sich mit den Offizieren gut. Wachtmeister Schmidt Ivird vom Berhandlungsführer ein- dringlich ermahnt, die Wahrheit zu sagen. Vor seiner Vernehmung müsse»» Gendarmeriehaupüuann Schotte und KreiS direktor Mahl den Saal verlassen, damit dieser Zeiige nickt»n Gegenloart seiner Vorgcs'tzten verl»om«»en wird. Der VerHand« lungsführer sagt zu»hm: Sie»nachcn sich für Ihr ganzes Leben »»»»glücklich, wenn Sie»»nter dem Eid die Unwahrheit sagen. Sagen Sie ohne Ansehen der Person aus. aber um Gottcsiville»» nicht. um jemand etivas anzuhängen. Hat der Kreisdirektor mit sehnen gesprochen, wie Sie aussagen sollen?— Zeuge Wachtmeister S ch m i d t: N e i n. Ich war am letzte», Sonntag mit Döring in der Stadt zusamlnen und habe ihm nur gesagt, daß der KreiS- direktor den Gendarmen gesagt hat, daß sie streng de! der Wahrheit bleiben sollen.— Berhandlungssührer: Habe», Sie»nit Schröder und Lohse über die Sache gesprochen?— Zetige: Ja.— Verhairdlungs- führer: Haben Sie diesen Zeugen etnxis von einer Zeugenbeeinflussung durch Kreisdirektor Mahl gesagt?— Zeuge: Rein.— Verhandlungsführer: Was haben Sie denn eigentlich ciesen beiden gesagt?— Zeuge: Wir haben nur über die Zaberner Vorfälle gesprochen. Von einer Zc»igenbeeinflussu!»g habe ich nichts gesagt.— Verhandlungsführer: Wachtmeister Lohse bekundet, Sie hätten gesagt, daß der Kreisdirektor mit Jhi»e» gesprochen haben sollte. Sie sollten aussagen, die Gendarinerie hätte genügt, um oie Ordnung ausrecht zu erhalten.— Zeuge Wachtmeister Schmidt: Das muß ein Irrtum oder ein Mißverständnis sein.— Vcrhandlungsführer: Nach den Bekundungen des Wachtmeisters Säiröder haben»sie gesagt, der Kreisdirektor hätte gesagt, Sie sollten nicht aussagen, daß Sie der Ortspolizeibehörde unterstellt tvarcn.— Zeuge Schmidt: Auch das ist nicht»vahr. Verhandtungsf.: Haben Sie das dem Wachtlneister Schröder gesagt oder haben Sie wenigstens zu ihm gesagt, der Kreisdirektor hätte so etwas zu ihm gesagt?— Zeuge: Das muh ein Missvcr- ständnis sein.— Verhandlnugöf.: Schröder erklärt uns weiter, daß Sie nichts davon sagen sollte», daß Sie d-n Kreisdirektor darauf aufmerksam gemacht haben, die G e n d a r m e r i c reiche nicht aus und es müsse Militär requiriert »verden. Zeuge Wachtmeister Schröder: Schmidt hat mir gesagt. das sollte vertuscht werden, das sollten wir Nicht sagen.— Ver- handlungsf.: Ist denn ein Mißverständnis»imglich? Zeuge Schröder: Na. viekkeicht i st ei»» Mihverständ»,»s möglich!— Zeuge Schmidt: Es ist richtig, daß ich daiuals dem Kreisdirektor gesagt habe, es müsse Militär requiriert»verde,,, »nenn»vir nicht ausreichen.— Nerhandlungss.: Diese Tatsache ist also richtig.— Zeuge Schmidt: Ja.— Vcrhandlungsf.: Sollten Sie das verichiveigen und hat der Kreisdirektor Ihnen das gesagt? Zeuge Schmidt: Nein. Vors. Generalmajor v. Peiet- N a r d o n n e: Sind Sie von anderen Vorgesetzten be» e i n f l u tz t worden?— Zeuge Schmidt: Nein, von nie», andern Zeuge Wachtmeister Lohse: Der Wachtineister Schmidt hat ausdrücklich von Zcugendeeinflussuugen des Kreisdirektors gesprochen uird er hat auch gesagt, alle seien gertifc»,. nur er nicht. bei iknn i>t ei nickt versuckt worden, weil der kreisdirektor vor ibm warum, habe ich nicht gesagt.— Vetbandlungsf.: Weshalb wurden Sie denn nicht gerufen?— Zeuge Schmidt: Wohl weil der Her: Kreisdirektor selbst meine Versetzung beantragt hat.— Anklage Vertreter: Wachtmeister Schmidt hat de»», Major Uhde gegenübc geäußert aus die Frage,»varuin sie am 9. November so tatenlos da gestanden und nicht eingegriffen hätten, daß sie die Weisung d kommen hätten, nicht so scharf vorzugehen.— Zeug Schmidt: Darüber habe ich niemals mit Major Uhde gesprochen. — Verhandlungsf.: Ueberlcgen Sie sich das genau.— Zeug Schmidt: Nein, ich habe darüber nicht mit Major Uhde gesprochen. — Verhandlungsf.: Auch nicht mit Major Rabe?— Zeuge: N e» n. — Verhandlungsf.: Dann werden Sie morgen de,n Major Uhd. gegeirübergestelli»verde»».... Wachtmeister Döring wird ebenfalls gefragt, ob Kreis direktor Mahl irgend eine Beeinflussung seiner heutigen Anssag. versucht habe.— Zeuge: In! e i n e r W e i se.— Verhandlung» führer: Laben Sie dem Kreisdirektor gesagt, nach Ihrer Anffä. reichten die Gendarme,» nicht aus, es müßte Militär requirien werden?— Zeuge Döring: Ich habe gesagt, wenn»vi• nicht auskomme n, dann muß Militär requiriert werde,' Darauf sagte der Kreisdirektor, wir wollen sehen, daß wir d Sache selber machen können.— Verhandlungsftihrer: Hat sick dcc Kreisdirektor bei Ihnen nach bestimmten Datei» erkundigt?.— Zeuge: Reim Der letzte Zeuge in der heutigen Verhandlung ist Wachtmcist, Steiner, der energisch bestreitet, daß der Äreisdivektor ihn in irgend einer Weise zu beeinflussen gesucht habe. Bevor die Gcirdarmen über die tatsächlichen Vorgänge in» November in Zabern selbst vernommen»nerdcn, wird die Verhandlung auf morgen(Donnerstag) vertagt. Oeuvic s» u c 4 u w y vi ü y i uy nie wi t y q j u y i. Verhandlungsf.: Na. hören Sie mal. einer von Euch muh doch... Zeug« Schmidt: Ich habe nur gesagt, daß ich nicht gerufen wurde, Hriefkasten üer Reüaktion. Die lutlftifae L»«aft»m>e stndet Llndcüstrsße SV, vorn vier Dleppen — Falirstuh»—, wociientigllll, ooti bis TVj Mit adcuoS, Sonnabends. ,o»«>.» bis L Ubr abends stau. Jeder für den Brieflafte» bestimmten«lnsragc ist ein Bniiisiabe und eine Zahl a»S Merkirtlben bcizusUgen.«rtesitchc»ntwori »ird nicht erteil,. Antragtu, denen keine Abonnementsantttnng dcigrftig« tst. ,crd-» nicht beantwortet, üfiliflk grasen trage man in der Svrcchftnnde bor. M. B. Auf den 18. Mai.— W. B. 100. Zlauma-Werke, F. Tbörl u. Eis., Harburg(Elbs).— Streitfrage 100. Mich.— I. D. IL. Verein für Feuerbestattung. Berlin. Breitestr. 5.— I. M. T. Ersuche,. Sie um Auskunst beim Deutschen Schrckschiffvereln in Bremen oder bei dem Verein„Seesahrt" ü» Hamburg.— C. I. 23. 1. und 2. Kursus in der Charit« vom 1. Oktober bis Ende Mär,. Meldungen zur Erlangung eine« VoiprüsungSzcugnlsscS bei dem sür Ihren Wohnort zuständigen KretSarz' und demnächst bei dem Kgl. Volizeivrästdmm.<>. Nein.— O. W. 1 Im Beruf,— im Ami. Ausspruch Bismarcks: Ein brav-S Pferd stirb! i» den Sielen(im Gffchirr).-- G. 2. 1. 1. Aus dem Jnlernatidnalen Kongreß tssv»n Paris. 2. l. Mai ISA). Th. R. 55. Nein. — 31. U. 24. 1. Wenden Sie sich an die Armcnvcrivaltung in Lichicu- berg. 2. Welche Gegenstände elnhalrbar sind, läßt sich nicht beurteilen, da Sie«in Verzeichnis Ihrer Sachen und die Anzahl Ihrer Fainilicnangchörigen nicht angegeben haben. Tic Miete ist psändbar- it. Der Wirt kam, vhnc locitcre Mahnung die Exmissionsktagc erheben, i. Ein Uebereignungsvertrag bcieiiigt das Pfandrecht des Wirts nicht.— K. U. Str. 1S00. Sie können bei dem zuständigen Amtsgericht gegen den PjändungSbcschluß Beschwerde erheben.— H. W. 3«. Auskünste zu dem Zwecke, um gesetzliche Bestimmungen zu umgeben, können»vir nicht erteilen.— K. 105. Sie können sich beim Minister des Innern weiter be» schweren.— 3l. R. 22. Rur dann, wem» im Niietsoertrag vorgesehen. — v. 11. Unseres Er» Mens ist die Frage unerheblich Nur müßte die Klage dem wirtlichen Geschäftsführer zugestellt werden. Wer Geschäfts. sichrer der Geicchchust ist, erfahr«»» Sie durch Rachsrage beim Amtsgericht, RegisterabteUuug.- Z. K. 2, 24. 1. Ja. 8. Die LandeSversicherungs» anstalt ist verpflichtet, mindestens die Hölste zu zahlen.— 2. Z.«0. Nein.— B. G. 10 1. Tie Ausführung der gesamten Baulichkeiten brauchen Sie nicht zu dulden.— P. H. 08. Ja.— P. J> 06 Ja.— H. M. 34. Ein Zurückbehaltungsrecht an dem Klaoier steht Ihnen nur dann zu. ivemi Sic zur Zeit der Perpjändung und Uebcrgabe keine Kennt- nis davon hatten, daß das Klavier Eigentum der Tochter»var.— Zl. H. 25. Ihre Angaben reichen nicht aus, komm»»» SU in die Sprechstunde. — 8k- K. 40. 30. Sie können die Bestimmung selber treffen und zwar nach tz v Abs. 2 des Fsuerbestattungsgelctzes.— M. H. 87. 1. und 2. Der Schaden ohne Rücksiwt aus die Höhe, sofern cm Verschulde», des Dienstmädchen« vorliegt. Liegt jedoch zwischen Schadcnsverursachung und Abzug bereits eine Lohnzahlulig. sa»st der Abzug unbegründet. 3. Amts- gcricht. i. Wende» Sie ffch qn die Buchhandlung Vorwärts. 4S. 179. Eine solche Kündigung kann zurückgewiesen werden, was jedoch unverzüglich nach Empfang geschehen muß.— I.«Ä. 7. Di- Darstellung reicht nicht aus, kommen Sie in die Sprechstunde.— P. P. 4000. I WIM il. Bpauerei- uJiililen- arfteiteru. verw.Berulsgenom Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß der Kol. Rescrocsahr«r pkiHpp Kau! (Böhmisches Brauhaus) am Montag, den 5. Januar, durch Unsall ums Leben kam. Gbr« seinem Andenken: Die Beerdigung crsolgt heute nachmittag 4 Uhr aus dein Himmel- sadrts-Kirchhos. Nordend, Blanken- jcldcr Straße ll. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwattung. LpeÄslsrzd vi'.»tzVoolivatuO, ssriviti'iek»«»'. 1LS(Ormuend. Tor) für Syphilis, Kam- u. 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Die Beerdigung iwdct am Donnerstag, den 8. Januar, nachmittags l! Uhr, von der Halle des Gemeiirde-Zriedhoses in Marzahn aus statt. 237/1 Ilm rege Beteiligung ersucht Tie Trtsdeirtoaltung. Mrateited der Zimnierer Deülsc-tiiands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 10. Den Berussgenosscn zur Nach- richt. daß unser langjähr. Mitglied Beroharti Mennig anf Montag, den lö. d. M., verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 8. d. M.. nach- mittags 3';- Uhr, von der Leichenhalle des'Sebastian- Kirchlioses, Reinickcndors, Humbvldtstraßc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 251/1»t'i- Vor�tanA. Geulzeke." kal�rbeilkrvsriianii. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen- arbcitcr August Feiimann Grünauer Straße 32, im Alter von 56 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung jindet am Freitag, den 9..Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Emmaus-Kirchhoses in Neukölln, Hcrmanniirast-'. aus statt. 81,11 Die Qrtsverwaltnng. Am Monlag. den 5. d. M., ent« schlief nach langem Leiden mein innig geliebter Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder u. Schwager, der Kreissägenschncider August Felimaim im Alter von 56 Lahre». Wwe..AiiKust« Fellmanu ncöst Kindern. Beerdigung: Freitagnachmittag 3 Uhr von der Halle des Emmerns- Kirchhose? in Neukölln, Hermann- ftraße, aus.' 193ö liinner-GeÄMereill.kamealgz' Zlm Sonntag, den 1. d. Mts.. i verstarb Plötzlich unser isanges- bruder, der Schuhmachermeister �uxust Marzi im 64. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Ver- itorbenrn ein treues uud lang- jähriges Mitglied und werden sein Andenken stets in Ehren halten. 491b ver Torstand. Tie Beerdigung findet am Freitag, den 9. d. M., nachmittags 2=/( Uhr. aus dem Christus-Kirchhof, Maricndors, Lichtenrader Chaussee, statt. Die Sänger werden gebeten, sich pünktlich daielbst einzusindcn. D.O. Allen Freunden und Bekannten die traurige'Nachricht.Jmjz unsere geliebte Tochter und Schwester ttechvig ürosser nach langem Leiden im Alter von 11 Lahren entschlafen ist. Tie trauernden Eltern nnd Sthweftcr 14 L t Ii?. Beerdigung: Sonnabend, nach- mittags 3 Uhr, auf dem Zentral- Friedhos in Fricdrichsselde. 48S& Für sie vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranz'penden bei der Beerdigung meines lieben Mannes tage ich hiermit allen Freunden und Verwandten, dem Herrn Redner, dem Wahlvercin des vierten Kreises. dem Sängerchor, der Direktion unl> den Kollegen der Brauerei Teutonia und den Mietern der Häuser Lange- siraß« 26 nnd 21 meinen tiejgesühltcn Dank. 88A Witwe Marie Lange, Langeltrasze 20. WffM'-hv,-' j-.i'st Ms/WW? Brauchen Sie Geld? Dankfagttng. Für die viele» Beweise herzlicher Teiinabme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter und Tochter 125a SColsky geb.£ggebi*echt sagen wir allen Teilnehmern uud Belannlen unseren herzlichen Dank. Hie trauernden Hinterbliebenen. :cC oj OJ TS) en CL* OJ cu tu Wo bekommen Sie noch schnell Wohlfahrtslose 1 M.? W© könnei] Sie noch schnell gewinnen? Ziehung schon 13. und 1 4. Januar 10000. S000. 2000. 1000* z. B. bei 1 ILos 1 JS., 5 Lose nur I.CO M., 11 l,osc lO II. Porto und Liste 25 Pf. Xachuahme, 20 Pf. teurer Emil Haase» Berlin, Alt-Moabit 84a X Ohne jede inzahlung Pianos Plüsel u.d Harmoniums < erstklassiges Fabrikat v vielfach prämiiert, u. a.; Berliner Gewerbe- Ausstellung 1896 Berliner Musik-Fachausstellung 1006 S sowie £ S gegen kleine monatl. Teilzahlung. Für jedes Instrument gewähre ich langjährige Garantie. 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Dezember 1913 stattgesundcncn Wahl der-Arbelt- gebcr sür den Ausschust der Allgemeinen Lrtskrantenkasic>nr Berlin/ Tempclhos wurden ins- gesamt 180 Stimmen abgegeven, von denen 6 ungültig waren. -Aus Line I cnlsielcn 10 und auf Liste II 134 Stimmen. ES sind mithin gewählt i Von der Liste 1 die Herren Albart Csorge. Kar! Schuiiilllng. Jakob Flieg. August Müller; von bei; Liste II die Heiren Gustar Thielicke. Gustav Pelschke. Otto LorUir.g. Ernst Kriegler. Wilhelm Neukranr, Willi Hildebrandt Otto Becker, Heinrich Winter. Viktor Hampe. Roberl Tudlien. Gustav Schoelske. 266,13 Die Gülligleit der Wahl kann innerhalb einer Woche nach der Be- ,'anntzabe des Ergebnisses angesochl-n werden. Anfechtungen sind bel vem Vorstand der-Allgemeinen Di IS« krankcnlasse sür Scrlin/Tcmkvlbof oder bei dem Vcrsichcrnngsamt an- zubringen. Bcrlin/Tcmpclhos, 6. l. 191 l. Ter Vorstand dcr AUgemeintn Ortsdrunkeu- hasse für KerÜll/TempelHof. Jlldert George, 1. Vorsitzender. M WeieoWoea - Die- Wochenschrift für Arbeiterfamilien wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. Jedes Wort 10 Pfennig. Das tettgednickte Wort 20 Pfg.(r.ulässlg Zfctigedruckte Worte). St&lengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit in Si; als 15 Buchstoben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Kummer werden in den Annahme- stellen für Berlin bis I(Ihr. für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Tevlstchc(Fciöcuiehlet) ftidegen- teitsfauf. Fabrillagev Mauerhoji, Greiz- Franksurva-strasze 9. Flnreln- gang...Vorwäpt.�lesern 10 Prozent Erhnrabatt.________ Steppdecken vstligg Fabrik Greste Franisurterstrasta, 9, Flnremgang. ' ststardinci'haris. Greste Frank- surtcrstraste Jl c in Laden!__ 5iitftunid)friTi.er, Zober, Sitz» wannen. Baoenxnmen. Lvezialiabrik Rcichenberacritraxc 17. Leiern 5 Proz. Dcilznlilnng. tlhrru. Goldwaren, Trauringe. Woche 1 Mark. 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