Ar. 10. flbonoementS'Redingungen: UbsimemsntZ- Preis vränumercmdlü Piertcljährl. Z�o Ml, monatl. l.10 Ml, wöchentlich 2S Pfg. frei ms Haus. Einzelne Nummer ö Psg. Sonntags- nununer mit illustrierler Sonntags- Peilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Posl- Rldoimement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. PoftabonnementZ nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. Numänien, Schweden und die Schweig. 31. Jahrg. erscheint Isgilch. Vevlinev Volksblatt. Die Insertion!- LebiHif kieträgt für die sechsgespaltene Kolonel- Zeile oder deren Raum«0 Pfg, für politische und gcwerlschaftliche Pereins- und Pcrsnmmlunqs-Anzeigen:« Pfg „Kleine slnreigen", das icitgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlasftcllemun zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über>5 Buch. Itaben zählen für zwei Worte, Jnierale ür die nächste Rummer müsse» bis » Uhr nachmittags in der Erpedision abgegeben werden. Die Exvedision ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdemohrat Rerün", Zentralorgan der fozialdeniokrat» fchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplaff- Nr. 1983. Sonntag, den 11. Januar 1914. Expedition: 8M. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moriffplah. Str. 1981. Triumph öer Solöatesta! Sravo, Reuter! öravo, ßorstner!§este örauf! Strasburg i. E., 10. Januar. Ju dem Prozeß .qc.qeu Oberst v. Reuter und Leutnant Schad wurde heute vormittag um 10% Uhr das Urteil verkündet. Beide Angeklagten wurden freigesprochen. Tic Kosten des Verfahrens hat der Fiskus zu tragen. Straßburg, 10. Januar. Ju der Bcrnfungs- Verhandlung vor dem Obcrkriegsgericht gegen Lcut- nant Freiherr» v. F 0 r st n c r wurde der Angeklagte freigesprochen. Wenn heute der„entschiedene" Liberalismus reichliche Wchmutszähren vergießt, so ist diese Trauer nicht unsere Trauer. Der 10. Januar 1011, der Tag der Doppel- frcisprechung militärischer Gesepcsvcrächtcr, ist kein„tües ater", kein schwarzer Tag, sondern ein Tag der Klärung, der frisch- fröhlichen Entscheidung, der alle Nebel zerreißt und den Ab- solutismus unserer Soldateska mit beißendem Hohne mani- festicrt und proklamiert. Hie schrankenloses Willkürrcgiment der Bajonette, auf die eine trntzige reaktionäre Sippe sich stützt— hie das entrechtete Volk, dem man die Fetzen der Lcrsassung hohnlachend vor die Füße wirst. Ein unverrückbarer Tatbestand, eine saubere Entscheidung, deren sick das Volk nur steuen kann. Auch der Blindeste weiß jetzt, wo und wie. Auch der letzte im Volke weiß jetzt, daß das ganze Ach und Weh nur in einem Punkte zu kurieren ist: durch die rücksichtsloseste Erkämpfutlg der VoWrechtc. Hier hilft kein liberales Gewinselc und Geflenne mehr, hier können nur bc- freiende Taten helfen l * Daß die Reuter, Schad und Forstner am Sonnabend freigesprochen werden würden, stand für jeden nicht ganz Gehirnvernagcltcn nach dem Strafantrag des kriegsgerichtlichen Anklägers fest. Hatte dieser Ankläger doch bereits den Kern der Anklage fallen lassen und nur wegen eines Neben- Moments sieben und drei Tage Gefängnis beantragt. Da wußte man ja ganz genau, welche Behandlung dieser humo- ristischc Vcrlegenhcitsantrag erfahren würde. Und daß der Forstner mit derselben Elle gemessen werden würde, verstand sich von selbst. Ursprünglich hatte man vielleicht der kochenden Volksseele das kleine Sühnopfer bringen wollen, aber nach dem totalen Zusammenbruch— zwar nicht der Anklage. Wohl aber unseres heldenhaften Bürgertums— hielt man auch die kleinste Scheinkonzession für überflüssig. Nicht als Verurteilte, sondern als die Helden des TageS, als die hochverdienten Bahnbrecher der nacktesten Säbcldiktatnr gehen die drei Offiziere aus dem Fegefeuer des Kriegsgerichtsverfahrens hervor, stürmisch beglückwünscht von den hohen Offizieren und den Herren Generälen! Wie hätte das auch anders kommen können nach den wilden Drohungen und Einschüchterungen der Junkerkamarilla, nach dem Pronunzianiento des Kronprinzen- Günstlings Dr. juris v. Jagow und nach dem famosen Kronprinzen- Telegramm. Während die Absolutisten alle Minen springen ließen, verkroch sich das deutsche Bürgertum verzagt ins Mauseloch. Unsere Militaristen hätten ja Schlappstiefcl sein müssen, hätten sie sich da nicht die Losung ihres Sturmbocks zu eigen machen wollen:„Jetzt hört alle Jurisprudenz aus! Jetzt regiert Mars die Stunde!" * Wo ein entschlossener Wille ist, da findet sich auch allemal ein Weg. Die„juristische" Deduktion war ja so ftwchtbar einfach. Man brauchte nur das Vorliegen des„Aufruhrs" in Zabern anzunehmen und die Reuter, Schad und Forstner waren aus allen Nöten. Sie handelten dann in der„Not- wehr" und diese Notwehr entschuldigte die gröbsten Verfassung� Verletzungen, die unglaublichsten Exzesse. Ilm aber den„Aufruhr" anzunehmen, genügte einfach die Ignorierung aller unbequemen Zeugenaussagen und die Sonderwertung und Aufbauschung der paar Bekundungen von Zivilzcugen, die in den Kram paßten. Was zahlreiche unbescholtene Bürger Zaberns bekundet hatten, was die Nichter, Staatsanwälte. Zivilbehörden, Referendare. Gendarmen und Schutzleute unter ihrem Eide erklärt hatten, schob man souverän beiseite. Nach all diesen Aussagen waren keine bedenklichen Ausschreitungen in Zabern vorgekommen, waren die„Unruhen" erst durch das gesetzesverächtcrische Vorgehen des Militärs, durch die unerträglichen Provokationen der Herren Leutnants hervorgerufen worden. Hatte doch sogar ein Referendar er- klärt, daß auf ihn das Vorgehen des Militärs den Eindruck der beabsichtigten Provokation gemacht habe. All das schlug man in den Wind. Man konstatierte einfach Aufruhr und Notwehr. Nicht nur etwa„Putativnotwehr", sondern faktische Notwehr. Ja. dem Säbelhelden Forstncr attestierte sogar das Urteil, daß die Art seiner Notwehr, die Niedcrsäbelung des hinkenden Schuhmachers, eine durchaus angemessen: gewesen sei. z- Auf die Vorgeschichte der Affäre ging man mit keinem Wort, keinem Gedanken ein. Daß der Forstner die Rekruten trotz ausdrücklichen Dicnstvcrbotes„Wackes" geschimpft hatte, daß er eine Prämie auf einen Totschlag gesetzt hatte, war dem Kriegsgericht offenbar eine Bagatelle. Der Hcldenjüngling Forstner hatte dafür ja die— nach Bethmann Hollweg!— „schwere Strafe" von sechs Tagen Stubenarrest erhalten. Daß die Zaberncr Bürger das fortgesetzte provozierende Treiben des Forstner und gleichaltriger Kollegen als blutigste Beleidigung empfinden mußten— was ging das die militäri- scheu Richter an! Der„vornehmste Rock" mußte geschützt werden— mit dem Kolben, dem Säbel, dem Bajonett, mit Maschinengewehren, mochte der Äürgcrrock auch bespuckt werden. Köstlich ist die Stelle aus dem Urteil gegen Reuter, daß die Offiziere als„Träger d. Staatsgewalt und der Staats Hoheit zu schützen" seien. Der Schutz der Ehre des Rekruten und des Bürgers kam nie in Frage, und die ordentlichen Staatsbehörden,, die Oberst Reuter mit.gepanzerter Faust bei seitc stieß, galten dem Kriegsgericht offenbar nicht als„Träger der Staatsgewalt und der Staatshoheit". Die Herren Offiziere dürfen sich über Verfassung und Gesetz rücksichtslos hinweg» setzen— das Volk, seine Behörden, seine Richter, seine Vcr- fassung sind vogelftci! 4° 5!ach der Verfassung,, die die militärischen Vefugniffc genau umschreibt und an die Gesetze bindet, durste Oberst v. Reuter nun und nimmermehr das Banner des militärischen Willkür- regiments in Zabern aufpflanzen. Er tat es dennoch, ohne auch nur den dürftigsten Schein eines gesetzlichen Vorgehens vorzuschützen. Es fiel ihm ja gar nicht ein, etwa den Be- lagerungszustand zu verhängen. Er warf sich zum Gebieter der Stadt, zum Herrn über Leben und Tod auf„ans eigenem Recht." Schon seine Aufreizungen der Offiziere zum„schärfsten Vorgehen", zum„Zurstreckcbringen" etwaiger Beleidiger, zum Mitführen der geladenen Waffe waren eklatante Gesctzesvcr- letznngcn. Um toievicl mehr erst seine Kriegserklärung an die Bevölkerung, das Ausschwärmen seiner kriegsmäßig ausge- rüsteten Mannschaften, seine Hausfriedensbrüche, seine gcsetz- losen Verhaftungen und Freiheitsberaubungen! Und wäre der„Aufruhr" von Zabern tausendmal etwas anderes gewesen, als ein Spuk seiner überreizten Phantasie, so hätte er nienmls das Recht zu seinem Vorgehen gehabt! Aber über all diese gesetzlichen Schranken setzte sich das Kriegsgericht ohne Bedenken hinweg. Unter Berufung auf den angeblichen Sinn von allerhand Kabincttsorders prokla- mierte es die Ungültigkeit von Verfassung und Gesetz! Und das Kriegsgericht schloß sich der unglaublichen Auf- fassung gewisser Offiziers- und Junkerkreise an. daß für das Militär nickt Verfassung und Gesetz maßgeblich seien, sondern Kabinettsorders, die jedes gesetzlichen Charakters entbehren und ungültig sind, soweit sie mit Verfassung und Gesetz kolli- dicren! Daß solche Auffassungen, solche Zustände in Preußen- Deutschland überhaupt möglich sind, liegt an dem unerträg- lichen Dualismus zwischen Rechtsstaat und Absolutismus, den unser Bürgertum bisher feige und würdelos geduldet hat! * Jetzt jammert unser„entschiedener" Liberalismus zum Gotterbarmen über den militärgerichtlich sanktionierten Ab- solutismus, der Gesetz und Verfassung in Scherben schlägt. Nun predigt er den heiligen Kreuzzng gegen solchen Absolutismus, nun ruft er das Parlament auf zur Sichcrstellung der Volks- rechte. Wo hatte dieser„Liberalismus" denn seine fünf Sinne und seine Courage, als es noch an der Zeit war, diese Staats- streichlerci zu verhüten? Wo blieb seine Tatkraft, als in letzter Stunde, im Dezember des vorigen Jahres, die Sozial- demokratie das Bürgertum zum Kampfe gegen Gewalt- streichler und Militärabsolutlsten aufrief?' Wo blieb er auch nur, als die viertägige Verhandlung in Straßburg, die deut- lich das Kommende verriet, auch der ärgsten Schlafmütze den Ernst der Stunde klarmachen mußte. Aus Furcht,„in ein schwebendes Verfahren einzugreifen", wälzte er sich traumselig in den. Pfühlen, indes die ganze reaktionäre Meute das wüsteste Kesseltreiben gegen Volk und Volksrechte unternahm. Und da sollen wir jetzt an den heiligen Ernst, den eilt- schlosscncn Kampfesmnt des liberalen Spießertums glauben? Tie Soldateska triumphiert. Sic kann triumphieren, kann sich ihres Sieges übermütig srcuen. Tie bürgerlichen Freiheitshelden werden den Absolutisten kein Haar krümmen. Trotzdem: Wir brauchen den„schwarzen Tag" des Junker- triumphes nicht zu begreinen. Tic Freisprechungen vom 10. Januar werden wie eine Schlachtfansarc in die Sticklust unserer Tage hineinschmettern. Dieser Tag wird der Sozial- demokratie, der einzigen Vertreterin der Volksrechte, Hundert- tausende neuer Kämpfer werben. Diese blaue Woche von Straßburg ist die prächtigste Vorarbeit für unsere rote Woche. Wenn jetzt wieder ein Telegramm naa, Zabern fliegt: „Bravo", so mögen die Deimling, Reuter und Genossen glau- den, daß dies Bravo auch uns aus dem Herzen kommt! Eine militaristische Verdrehung. Herr Oberst a. D. G ä die schreibt uns: In Ihrer Nummer 8 vom 9. Januar 1911 beschäftigen Sie sich auch mit dem längst in Staub zerfallenen Leichnam der Kabinettsorder vom 17. Oktober. 1820. Sie weisen nach, daß sie nicht nur durch das Gesetz vom 29. März 1897, sondern vor allen Dingen durch den unzweideutigen Wortlaut des Artikels 9ö der Vcrfassungsurkunde aufgehoben sei, der als M i l i t ä r g e j c tz Bestandteil der deutschen Verfassung geworden ist. Es bedarf indessen dieses juristischen Scharfsinnes gar nicht, um den klaren Tatbestand festzustellen, den die Presse unserer Uebermilitaristen mit einem ungewöhnlichen Maße von Dreistigkeit zu verdunkeln bestrebt ist. Maßgebend für den Oberst v. Reuter war ausschließlich die Garnisondien st Vorschrift vom 1 ü. März 1902, die mit allen Deckblättern, insbesondere denen vom Dezember 1999, aufgeschlagen vor mir liegt. Sie enthält in den Ziffern 118— 139 die Bestimmungen für die Wachen über Festnahme und Waffen- gebrauch und außerdem in Ziffer 131 und in der im Jahre 1999 neu eingefügten Ziffer 191» besondere allgc- meine Bestimmungen über den Wnffciigcbrauch. Bei Ziffer 191 ist ausdrücklich aus die Anlage I verwiesen und diese Anlage enthält lediglich das Gesev über den Wafscngcbranch des Militärs vom 29. März 1837 und die Verordnung vom 17. August IWö zur Ausrcchterhaltung der öffentlichen Ordnung. In einer Fußnote wird außerdem aus die Vorschrift über den Waffengebrauch des Militärs vom 23. März 1899 verwiesen, mit keinem Wort dagegen die Kabinettsorder vom 17. Oktober 1829 erwähnt oder irgendwie oder irgendwo auf sie Bezug genommen. Nach diesen klaren Bestimmungen der Garnisondienstvorschrift ist dem Militär aus Wachen und P 0 st e n sowie bei Patrouillen der Gebrauch der Waffe aus eigenem Rechte nur gestattet, wenn es angegriffen oder mit einem Angriffe bedroht loird oder Widerstand findet; wenn es zur Ablegung der Waffen oder anderer gefährlicher Werkzeuge auffordert und dieser Aufforderung nicht sofort Folge geleistet wird; wenn bei Festnahme der bereits Verhaftete entspringt oder den Versuch dazu mocht; nötigenfalls zum Schutz der seiner Bewachung anvertrauten Personen oder Sachen. Festgenommen darf jemand nur werden, wenn er bei einer strafbaren Handlung betroffen wird; wenn die Fest- nähme zum Schutze der oben erwähnten Personen erforderlich ist, bei einem Angriffe auf die Wachen und Posten. Aber hierzu sind nur die zum Wachtdienst kommaudicrien Ofsiziere und Soldaten berechtigt. Alle festgenommenen Personen werden nach der nächsten Wache gebracht und von dort durch die sofort benachrichtigte Polizei abgeholt. Eine V e r n e h m u n g dieser Personen durch das Militär, ihre Aufbewahrung im Pandurciikeller ist also nach den ganz klaren Bestimmungen schlechthin gesetzwidrig. Zur Durchsuchung von Wohnungen behufs Fest- nähme einer Person sind die Wachen nur auf Ersuchen eines militärischen Gcrichtsherrn, des R i ch t e r s, der Staatsanwaltschaft oder deren Hilfsbeamten bc- rechtigt, sonst nur bei Verfolgung ans frischer Tat. Endlich sagt Ziffer 131» wörtlich: Für die öffentliche Sicherheit haben die Zivilbehörden mit eigenen Kräften zu sorgen. Hiernach konnte sich Oberst v. Reuter über die Grenzen seiner Befugnisse nicht der geringsten Täuschung Kingeben« er mutzte wisse« und er hat gewußt, daß er sich die polizeilichen Exekutivdefugnisse der Zivilbehörden nicht anmaßen durfte; er durfte nicht den Schloßplatz räumen, nicht jeden dort ruhig stehenden Menschen verhaften lassen, war überhaupt nicht berechtigt, Ansammlungen zu verbieten, durch die die Wache nicht bedroht wurde; er durfte seinen Ofifzicrcn nicht befehlen, in die Wohnungen einzudringen, durfte nicht Personen verhaften lassen, die angeblich zehn Minuten früher gelärmt oder geschimpft oder mit Steinen geworfen hatten. Ihm und seinen Wachen stand im wesentlichen nur das Recht der Notwehr zu, das jeder Staatsbürger gegen eine u n- mittelbare Tätlichkeit oder unniittclbare Beleidigung besitzt. Selbst die Begleitung seiner— nicht im Dien st befindlichen— Offiziere durch Patrouillen kann als Amtsmißbrauch angesehen werden. Er hätte mit gleichem Rechte auch die Köchinnen der verheirateten Offiziere auf ihren Einkaufsgängen durch vier Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten umringen lassen dürfen. Wenn ein Jurist— man muß hinzufügen: natürlich ein Militär- jnrist— wie Carl Endres dem Militärbefehlshabe: das Recht zu- spricht, das ihm auch der Anklagevertreter in Zabern zuzubilligen scheint, aus eigener Machtvollkommenheit einzuschreiten, wenn für feine Auffassung— im Falle Zabern für die Auffassung eines offenbar nervös überreizten Gehirns— die bürgerlichen Behörden mit ihrem Ersuchen zu lange zögern, so zeugt das nur von der bodenlosen Befangenheit, Unwissenheit und Oberflächlichkeit dieser Leute. Sie halten es nicht einmal für erforderlich, irgendeine Gesetzcsstcllc für ihre Auffassung anzuführen— nach dem bewährten Grundsätze: sie volo sie jubeo, sit pro ratione voluntas. Ebenso abwegig wäre es, den Leutnant Schad vom Haus- friedensbruche loszusprechen, weil er dem Befehle seines Obersten hätte gehorchen müssen. Das Militär strafgesetzbuch bestimmt ausdrücklich, daß den gehorchenden Untergebenen die Strafe des Teilnehmers trifft, wenn ihm bewußt gewesen, daß der Befehl seines Vorgesetzten ein Verbrechen oder Ver- gehen bezwecke. Daß der Hausfriedensbruch im vorliegenden Falle ein Vergehen war, mußte Leutnant Schad aber wissen, da ihm die Garnisondienstvorschrift bekannt sein mußte. In einem Berliner Blatte finde ich die Behauptung, daß die ominöse Kabinettsorder vom 17. Oktober 1820 in der Vorschrift vom 23. März 1890 enthalten sei, die in der Anlage I der Garnisondienstvorschrift und zwar in einer un- scheinbarenFußnotezwaran gezogen, aberweder ihrem Wortlaute noch ihrem Inhalte nach mit- geteilt ist. Sic ist bezeichnenderweise nur„zum Dienst- gebrauch" bestimmt. Insoweit sie aber nicht nur auf den Bereich des Heeres be- schränkt ist, sondern in die staatsbürgerlichen Rechte der Bürger eingreift, ist sie nach Artikel 106 der Preußischen Verfassung ohne weiteres null und nichtig, da sie nicht„in der vom Ge- setze vorgeschriebenen Form bekannt gemacht worden" ist. Sie durfte daher auch von dem Kriegsgericht in Straßburg seinem Urteil nicht zugrunde gelegt werden, da es nach Artikel 36 der Verfassung„keiner anderen Autorität als der des Gesetzes unter- warfen ist". Daß aber eine Vorschrift über den Waffengebrauch, über Ver- Haftungen, Haussuchungen und dergl. in die Rechte der Bürger eingreift, ist ohne weiteres klar. Weil die Verordnung von 1899 nicht— wie auch immer— publiziert ist, müssen wir daraus schließen, daß die für sie verantwortlichen Behörden ein sehr schlechtes Gewissen gehabt haben und sich ihrer Ver- fassungslvidrigkeit voll bewußt gewesen sind. Sie ist ein neuer Beweis für das Bestreben des Militarismus, im Wege geheimer Verordnungen und kautschukartiger Bestimmungen die Macht der Kommandogewalt weiter und weiter auszudehnen unh jeden Rechtsschutz des Bürgers ihr gegenüber, ja jede Möglichkeit des Widerstandes gegen dreisteste GcsetzeSverletzungen unmöglich zu machen. Wir leben unter einer Militärdiktatur! Ich will auch kein Hehl daraus machen, daß selbst einzelne Bestimmungen der G a r n i s o n d i e n st v o r s ch r i f t vom Jahre 1902, zum Beispiel die über das Recht zu Haussuchungen, in der Unbeschränkthcit ihrer Fassung dem Artikel 36 der preußischen Ver- faffung und anderen Gesetzen widersprechen und daher u n- gültig sind. Der Kampf gegen die gefährlichen Ausschreitimgen des Militarismus hätte von Parlamenten, die sich ihrer Pflicht gegen das Volk und gegen die Gesetze bewußt sind, schon längst mit aller Entschiedenheit und auf jede Möglichkeit hin aufgenommen werden müssen, wenn nicht die jämmerliche Angst vor den Folgen eineS Konfliktes die bürgerliche Mehrheit von mannhafter Tat ab- schreckte. Das Heer ist in der Tat nach den drohenden Worten des Herrn v. Falkenhayn eine„furchtbare Waffe" in den Händen der Machthaber und es macht uns alle zu elenden Knechten! Die Aufnahme öes Urteils. Die klatschende Ohrfeige mitten ins Gesicht wird selbst von der liberalen Presse mit gebührender Demut quittiert. Nur für die Zukunft bittet die„V o s s i s ch e Zeitung" um den nötigen Kontakt zwischen Zivil- und Militärbehörde(als wäre der hauende Säbel nicht gerade genug„Kontakt") und um etwas mehr Rechts- schütz der Bevölkerung. Kaum daß das„Berk. T a g e b l." eine Lippe riskiert: „Ueberall da, wo nian dem Deutschen Reiche nicht wohl will. darf heute mit Fug und Recht Freude und Genugtuung herrschen; der Scherbenhaufen in Elsaß-Lothringen wächst und wächst, so daß man heute schon in Zweifel sein kann, ob noch viel zu zerschlagen übrig bleibt." Wenn aber das Blatt fragt, wenn das alles Rechtens ist im Deurschen Reiche, wer ist dann vor einem Kolbenstoß oder einer Kugel noch sicher, wenn er nicht selbst durch„des Königs Rock" geschützt wird und sich damit trösten will, es sei nicht Rechtens, so dünkt uns das ein schwacher Trost. Denn wenn es nicht Recht ist, so ist es eben Macht, und darauf kommt es a n. Vor dem Machtkampf aber scheut auch das liberale Bürger- tum in Deutschland feige zurück. Schärfer schreibt, wie uns ein Privattelcgramm meldet, die.Franks. Ztg.": „Von jedem armen Schlucker verlangt man, daß er weiß, ivaS Recht und Unrecht ist, und wenn er gegen einen Straf- Paragraphen verstößt, so schickt man ihn mikleidslos ins Gefäng- nis. Der preußische Oberst aber, der eine ganze Kette Gesetzes- Widrigkeiten begehen kann, braucht die selbstverständlichsten Dinge über die Grenzen seiner Machtbefugnisse nicht zu wissen. Wenn ihm das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit fehlt, so spricht das Urteil ihn frei und die Richter beglückwünschen ihn. Aber diese empörende Ahnungslo fi gleit beschränkt sich nicht auf den Obersten; seine vorgesetzten Stellen haben ihm Instruktionen gegeben und damit das ganze Urteil erst möglich gemacht. Das ist der Geist des modernen deutschen Militaris- m u s, der sich in diesen Instruktionen kundgibt, und der von den Gesinnungen feiner hoben Vorbilder Scharnhorst und Gneiscnau durch eine Welt geschieden ist. Diesem Militarismus das Be- wußtsein der Rechts Ividrigkeit beizubringen, ist eine Notwendigkeit, die sich am Ende des Straßburger Prozesses jedermann aufdrängen muß. Aber das sind ja doch nur Worte, und das weiß die konservative Presse sehr genau. Deshalb begrüßt jic das Urleil mit einem Jubelausbruch. Unsere Rechisauffassung. Mnmphiert die „Deutsche Tageszeitung", ist jetzt vom Gericht anerkannt. Oberst v. Reuter, der„gewissenhafte und tapfere Offizier", wird als Held gefeiert und die„Deutsche Tagcsztg." hat auch darin sicher recht, daß sie meint: „Wir glauben, daß heute unzählige Patrioten, daß vor allem das gesamte deutsche Offizierkorps die frei- gesprochenen Kameraden von ganzen! Herzen und mit dem Gefühle einer freudigen Befrie- d i g u n g b e g l ü ck lv ü n s ch t." Ebenso schreiben alle anderen konservativen und scharfmacherischen Blätter. Sie begnügen sich nicht damit, den Triumph des Militarisnius zu feiern, sie gehen zum Angriff auf die Zivilverwaltung über, die alle Schuld an den Zaberner Vorfällen tragen und verlangen übereinstimmend die B e s e i t i- gung der elf äs fischen Verfassung, die Wiederhcr- stellung der Diktatur. So spiegelt sich auch in-diesen Zeitungsstimmen die unge- heure Kluft wider, die zwischen Herrschenden und Beherrschten besteht. * französische Preßstimmen. Paris, 10. Januar.(Privattelcgramm des„Vorwärts".) Der „T e m p s" nennt das Straßburger Urteil eine Jurisprudenz ohnegleichen. Das Urteil bedeute die Verkündung der absoluten und unbegrenzten Oberherrschaft des Säbels über die bürgerliche Autorität. „JournaldesDebats" schreibt:„Es handelte sich nicht um Rechtsfragen, sondern um das Prestige des Militärs. Wenn der Kaiser oder die Regierung die Situation anders be- urteilt hätten, wäre Forstner von Anfang an aufgehalten worden. Aber man wollte nicht den Anschein erwecken, vor dem Zivilzuweichen. So wie die Frage vor einem Militärgericht gestellt war, mußte sie zugunsten der Offiziere entschieden werden." die Erlauchten gegen Sie Kerls! � Das war gestern ein Tag, den die Junker loben werden! Triumph auf allen� strategischen Linien— im okkupierten Ausland wie im Herzen Borussiens, im preußischen Herrenhaus. Hier war ein Antrag des junkerlichen Theoretikers Graf Aorck von Wartenburg anzunehmen— gestellt ist da schon angenommen, hier wird nichts „unnütz" beantragt!—, der die Regierung ersucht, jeder Verschiebung der staatsrechtlichen Verhält- nisse zum Nachteil der historisch und durch — sein Schwergewicht begründeten Stellung Preußens entgegenzuwirken. Mit anderen War- ten, das Reich sollte getadelt werden, daß es solche Attentate geschehen lasse, der Reichstag, daß er sie unternimmt, die Re- gierung, daß sie ihnen nachgibt. Denn das behauptet Herr Gras Aorck allen Ernstes: daß dank der Schwäche und der Konzessionen der Regierung die Demokratie marschiere und das„uns allen so teure Preuße n", wie der Berichterstatter Graf B e h r den Junkerstaat ja nicht ohne Grund nennt, zu verrunjenieren drohe. Konzessionen der Regierung! Wie beweist sie Herr Vorck? Zunächst wird der Reichstag nach Noten vermöbelt. Die Wehrvorlage habe er entstellt, die Hundertjahrfeiergesin- nung der-- Wählerkreise(!) vermissen lassen und er lasse sich gebrauchen, der Demokratie den Umweg in die Einzelstaaten um die königliche Gewalt und die geborenen Gesetzgeber herum zu eröffnen. Die Einführung der kurzen Anfragen, besonders aber der Mißtrauensvoten im Reichstag sind dem Herrenhaus höchst zuwider— was braucht man sich um die Souveränität des Hauses der„Kerls, die auch» Diäten wollten", zu kümmern. Aber vielleicht geht dem Reichstag doch mal die Geduld aus und er klopft dieser gelinden Un�geniertheit mal ein paar drüber! Daß die elsässischen Bundesratsstimmen nur gegen Preußen gezählt werden, daß der Reichstag beim Toleranz- antrag und beim Skandal der ochsenköpfischen Verfassungs- losigkeit seine Stimme erhob— alles Beweise, daß man auch hier wieder nicht so wollte wie die preußischen Partikularisten. die dem Reichsparlament nur eine Rolle gönnen: Immer neue Blutopfer für das Reutervolksheer, immer neue forstner- stellen für die jungen Herren, immer neue Verbrauchssteuern zu bewilligen! Ja, die Steuerfrage— das ist der Quell allen Schmerzes. Der„kriegskontributionsgleiche" W e h r b e i- trag, der die Vermögen der Ergänzungssteuer erschließen wird, die Abwälzung eines Teils der neuesten Rüstungs- kostenvermehrung auf die Besitzenden— das ist die schlimmste Sünde des Reichstags. Ter Steuerbote treibt die Herren Feudalen zur hellen Empörung— alles andere ist nur Bei- werk. Das Portemonnaie der Besitzenden, sagte Heydebrand, dürfe nickst einem demokratisch gewählten Parlament ausge- liefert werden und darum das herzenswarme Lob- lied auf das elendeste aller Wahlsysteme, darum läßt man die preußische Königskrone hell die deutsche Kaiserhelmzier überstrahlen und darum nichts von der Reichs- Vereinheitlichung— es sei denn, daß die letzten Reste von Nichtpreußentum auf die oder jene Methode beseitigt werden, am besten wohl ans d i e Methode, die nach der Straßburger Militärzjustiz Recht ist. Und Recht wird Recht bleiben— sagt Herr B e t h m a n n. Denn auch er sprach. Noch inniger preußisch wie sonst schon. Hier war er Preuße, hier durfte ers sein. Im Reichs- tag aber ists fürchterlich, wie Herr Vorck mit Entsetzen schilderte. als er im Gegensatz zur Willensmeinung der Volksver- tretung gegen die Säbelherrschaft rundheraus erklärte, daß diese winzige Schicht der herrschenden Junker das„Volksheer" als entscheidendes Mittel gegen das Volk selbst erhalten wolle. erhalten müsse in ihrem engsten Privatinteresse.... Und was hatte Herr Bethmann darauf zu sagen, der Mann, der vor einem halben Jahre das höchste Vertrauen des Reichstags be- gehrte und leider erlangte! War er sich bewußt, daß er die höhere Einheit des Reiches gegen seine von seinem Vorgänger Hohenlohe gekennzeichneten Erzfeinde zu verteidigen, die An- griffe auf den Reichstag kurzweg als weit über die Zustän- digkeit der geborenen und ernannten Gesetzgeber hinaus- gehende Unziemlichkeit zurückzuweisen gehabt hätte? Da wäre er schneller fertig, als nach dem schönsten Mißtrauensvotum! Lange und langweilige Bettachtungen im Sinne nicht der Geschichte etwa, sondern der Lesebuchgeschichten, um zur Freude der Erlauchten den preußischen Sklavendrill als den Urgrund deutscher Reichsherrlichkeit zu erweisen. Nur ein paar schüchterne Bemerkungen über den Reichsgedanken— von selten gehörter Enttiistiing des Mnsterparlaments übertönt— und dann: reines Herrenhaus! Tie preußischen Bundesrats- stimmen werden schon stramm insttulert, uns kann keiner, das Reichstagswahlrccht für den Preußen- l a n d t a g— ein absolut ungangbarer Weg. Aber freilich, selbst der Kanzler, der rundheraus dieArmee unddieMachtderHoh enzoller n als Aus gleich gegen das R e i ch S t a gs w a h l r e cht erklärt, scheint ein- zusehen, daß diese innere istrnktur Preußens nickst ewig als letzter vereinzelter Fels im Meer der Zeit stehen bleiben Wird:„Dieser geschichtliche Ruf Preußens wird noch Jahr- zehnte überleben"— so gering taxiert selbst der oberste Beamte den Erfolg der Anstrengungen der Junkerwehr in all ihren Graden.... Bald versöhnt er die Kollegen vom Großgrundbesitz wieder etwas durch das Bedauern über die An- spann ung der Besitz st euern für das Reich, bald ärgert er sie wieder durch das Bekenntnis zur elsässischen Verfassung, dann freut man sich wieder über die Nullifi- zicrung der Rechte des Reichstags samt der glorreichen Rüstungskommission, für deren Kritik er dann wieder nur den Reichstag zuständig erklärt. Mit einigen Falkenhayn- sätzen über das Heer, das kein Parlamentsheer sein dürfe, und einem so schwungvollen Prenßenbekenntnis. wie es nur den Nutznießern dieses Staatsgedankens noch gelingen mag, hott sich der Redner ein paar Bravi— aber der Antrag wird trotz einiger Oberbürgermeister und trotz dem Prinzen Schönaich und dem alten Häseler. die von Bethmanns Rede befriedigt sind und den Antrag für überflüssig halten, mit 185 gegen 20 Stimmen namentlich angenommen. Tie Opponenten sagten, man könnte das im Lande als ein Miß- trauensvotum ansehen, das man einem anderen Haus an- biete. Aber schnoddrig wie immer sagt der v. B u ch: Mögen gewählte Häuser solckie Rücksichten auf die Leute nehmen (wenn sie nur feste zahlen!). Nett ist es, daß die Staats- sekretäre Lisco und Kraetke durch Sttmmenthalwng gegen ihren Chef demonstrierten. Wittern sie Morgen- luft?_ politische Uebersicht. Eine neue preustischc Kulturtat. In Preußen-Deutschland ist wieder einmal NordschleSwig an der Reihe. In diesem Landstrich an des Reiches Nordgrenze bot die glorreiche preußische Staatskunst schon so manche Bravour- arbeit geleistet. Bekannt sst den Lesern des„Vorwärts", daß Genosse Stauning aus Kopenhagen in einer von sozialdemokratischer Seite ein- berufenen öffentlichen Versammlung über das dänische Wahlrecht reden sollte und daß die Regierung in Schleswig unter Zustimmung des Obcrpräsidenten den Gebrauch der dänischen Sprache in der Versammlung verboten und die Ausweisung des Genossen Stauning angedroht hat, falls er in der Versammlung erscheinen sollte. Tie Ausweisung ist zur Tat geworden. Die Versammlung hat am Freitagabend stattgefunden. Eine an das Ministerium des Innern gerichtete telegraphische Beschwerde war bis zur Versammlung noch nicht beantwortet. In der Versammlung am Freitag verlas Genosse Michelsen die Rede, die der Genosse Stauning halten wollte, in deutscher Sprache. So kam unser Genosse Stauning doch zu Motte. Sein« Rede enthielt nichts Staatsgefährliches, sondern eine sachliche, lebhaft« Schilderung der politischen Zustände, besonders des Wohlrechts, in Dänemark. Nach der Verlesung der Rede sprach der Genosse Adler-Kiel, der daS preußische Wahlrecht geißelte, das solche kulturwidrige Maßnahmen möglich mache. Nach der Adlorfchen Rede stellte sich Genosse Stauning. der unbekannt in die Versammlung gekommen war, den Tausenden von Versa mm- lungsbesuchern vor. Ein unbeschreiblicher Jubel brach los. Zu. gleich aber bereitete sich eine dramatische Szene vor. Ein Kriminal- becrmter trat auf die Bühne und überreichte dem Genossen Stauning eine Ausweisungsorder, nach der er binnen 24 Stunden die Stadt Flensburg und das preußische Staatsgebiet zu verlassen habe, widttgenfalls er zwangsweise über die Grenze geschafft werden würde. Falls er ohne Erlaubnis in das preußische Staatsgebiet zurückkehren werde, würde er Haftstrafe zu gewärtigen haben. Als Genosse Stauning mit dem Polizeibeamten das Lokal ver» ließ, wurde ihm von der Versammlung eine brausende Ovation dargebracht. Mit dem Zuge nachts gegen 12 Uhr verließ Stauning den ungastlichen preußischen Boden. Die preußisch« Regierung hat damit wieder das preußische System dem Spott aller zivilisierten Völker ausgeliefert, aber auch von neuem die Lehre in die Köpf« aller denkenden Staatsbürger gehämmett, wie notwendig der Kampf um ein freies Wahlrecht in Preußen ist. Fortschrittlicher Wahlrechtsanirag im Abgeordneten« Hause. Die fortschrittliche Fraktion des preußischen Abgeordneten- Hauses hat in einer Sitzung beschlossen, ihren alten Wahl» rechtsantrag auch in dieser Session wieder einzubringen und zugleich, wie im vorigen Jahre, einen Eventualantrag auf geheime und direkte Wahl zu stellen. Die betreffenden Anträge lauten: „Hauptantrag: DaS Haus der Abgeordneten wolle be- schließen, die königliche Staatsregierung zu ersuchen, noch in dieser Session einen Gesetzentwurs vorzulegen, durch den 1. unter Abänderung der Artikel 70, 71, 72 und 112 der preußischen Ver- fassungsurkunoe für die Wahl zum Abgeordnete nhouse das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe zur Einführung gelanat; 2. zugleich aus Grund der Ergebnisse der letzten Volkszählung und entsprechend den Grundsätzen des Gesetzes vom 27. Juni 1860 eine anderweitige Feststellung der Wahlbezirke für die Wahlen zum Abgeoronetcnhause herbeigeführt und die Gesamtzahl der Abgeordneten neu bestimmt wird. Eventualantrag: Für den Fall der Ablehnung des Hauptantrages: Das Hau? der Abgeordneten wolle beschließen, die königliche Staatsregierung zu ersuchen, unter Abänderung der Attikel 70, 71. 72 und 112 der preußischen Verfassungs- Urkunde für die Wahl zum Abgeordnetcnhause das allge- meine und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe zur Einführung zu bringen." Der sächsische Landtag tritt am Dienstag, den 13. Januar, nach dreiwöchiger Pause wieder zusammen. Die Zweite Kammer hat in den fünf Wochen, die sie vor Weihnachten tagte, erst einen sehr kleinen Teil ihrer Arbeiten erledigt. Vom Etat find wenige und nur minder wichtige Kapitel heraus. Da in dieser Tagung wenig Gesetze und davon nur einige von größerer Bedeutung vorliegen, hat es sich die sozial- demokratische Fraktion zur Aufgabe gemacht, eine möglichst gründ- liche Einzclbcratung des Etats und Rechenschaftsberichts zu ver- anlassen. Zu einer speziellen und eingehenden Besprechung und Kritik der sächsischen Politik wird in erster Linie daS Kapitel des Ministeriuins des Innern.Gelegenheit bieten. STnTiiI zu ctncr Erörterung deS Verhältnisses der Abgeordneten zu den Behörden und zur Regierung wird ein Lorstoß geben, den neuerdings die Konservativen in der Presse gegen den Minister des Innern unternommen haben. Der Grund ist darin zu suchen, daß ein konservativer Abgeordneter im.unmittelbaren Verkehr mit einer Amtshauptmannschaft ziemlich patzig behandelt wurde und der Minister in einer Kammersitzung die Behörde mrkr Hinweis auf formelle(mittelalterliche) Bestimmungen deckte. Wenn einem oppositionellen Abgeordneten so etwas passierte, fanden die Konser- vatiben das bisher ganz in der Ordnung. Nun aber besinnen sie sich plötzlich darauf, daß der Abgeordnete am Ende doch etwas mehr ist, als ein sozusagen notwendiges Uebel. Die Debatte über diesen wichtigen Gegenstand kann recht interessant werden. Von bedeutsameren gesetzlichen Vorlagen sind noch zu erledigen: ein neues Eisenbahngesetz, das vornehmlich Klein- und Straßen- bahnen betrifft; ein neues Knappschaftsgesetz, an dem die Berg- avbeitcr Sachsens großes Interesse haben, das aber weit hinter ihren berechtigten Wünschen zurückbleibt; ein Pfarrerbesoldungs- gcsetz, das den Geistlichen neue Vorteil« zuschanzen soll. Der Dresdner Univcrsitätsrummel, der inszeniert wurde, um die Ab- ficht der Regierung zu vereiteln, die die Dresdner Technische Hoch- schule der Leipziger Universität angliedern wollte, wird den Land- tag sicher auch beschäftigen. Und dann sind noch eine große Anzahl Initiativanträge der Fraktionen unerledigt. So die sozialdemokratischen An- träge zur Steuerreform, Beseitigung der indirekten Steuern, Sicherung des Koalitionsrechts, Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der Eisenbahnarbeiter, Aushebung der Ersten Kaminer, Einführung einjähriger Legislatur- und Budgetperiodcn und Ein- führung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts in den Gemeinden. Die Bürgerlichen haben„T e r r o r i s m u s"- Anträge ein- gebracht. Damit auch der Humor nicht fehle, beantragen die Konservativen u. a., daß der Verkauf des»Berliner Tageblatts" auf den königlich sächsischen Bahnhöfen verboten werde. Das Blatt hatte sich diesen Sommer nicht ganz„korrekt national" benommen, als der große Rummel in Leipzig vor sich ging. Di« Nationalliberalen haben sich feit Jahren auf eine Ver- einfachung der Eisenbahnvevwaltuug verbissen. Viel ist bisher bei diesen Bemübungen nicht herausgekommen. Di« Bur«aukralie sitzt gerade im Eisenbahnbetriebe äußerst fest. Die Freisinnigen wollen die Frage des Trusts und der Handelspolitik aufrollen. Rechnet man dazu die etwa 450 Petitionen, zu denen jeden Tag neue kommen und von denen auch erst wenige erledigt sind, so ergibt sich ein erkleckliches Arbeitspensum, das in etwa vier Monaten bewältigt werden soll. Von den Petitionen richten sich eine größere Zahl gegen das vor einigen Jahren geschaffen« Wassergesetz, das im allgemeinen große kulturelle Bedeutung, aber doch auch sehr viele, besonders kleine Besitzer an Wasserläufen treffend« Härten hat. Heil Ullstein, dem Kronprinz Heil! Alle Achtung! Der Kronprinz ist gut beraten. In seiner Umgebung weiß man, wie man die— mit Respekt—„demokratische" Presse zu behandeln hat. Gestern schickte man einen Adju- tanten oder so in die Redaktionen und die Herren Redakteure be- stätigten dem Kronprinzen sofort seine edlen Intentionen. Heute hat gar ein Ullstein-Kuli die Ehre gehabt, vom Kronprinzen selbst empfangen zu werden und von ihm zu hören, daß seine militäri» schen Vorgesetzten mit ihm stets zufrieden waren. Man denke, ein Interview mit dem Kronprinzen! Welche„Ueberzeu- gung" kann einer solchen„Information" widerstehen? Die Kon- kurrenz ist geschlagen. Der Mosse-Wolff hatte ja nur den zarischsn Ministerpräsidenten, Ullstein aber den Kronprinzen! Masse ist totunglücklich! Was nützt es, daß er alles totschweigt(man denke, Aeußerungen des Kronprinzen!), Ullstein ist ihm doch über. Was wird jetzt Mosse anstellen, um wieder in die Höhe zu kommen. Und welche politische Ueberzeugung wirb dazu nötig sein? Eine Militärdebatte im bayerischen Landtag. In der Fortsetzung der Beratung des Militäretats machte am Sonnabeno der Kriegsminister in der bayerischen Abgeordneten- kammer verschiedene Ausführungen, die durch ihren Ton sich auf- fällig unterschieden von seiner Haltung in der vorigen Session. Damals verteidigte er gegen Angriffe des Zentrums die Partei- politische Neutralität und Unabhängigkeit der Armee. Auf die Anfrage, wie er sich zu der Agitation der Militärfanatiker stelle, die nach neuen Wehrvorlagen brängen, bezog er sich auf die wieder- holte Erklärung des Ministerpräsidenten gegen weitere Rüstungen und begnügte sich mit der Bemerkung, daß mit der letzten Heeres- Vorlage ein gewisser Abschluß erreicht und ihm nichts davon bekannt geworben sei, es würden zurzeit weitere Heeresvermehrungen an maßgebenden Stellen erwogen.— Auf die Borfälle in Zabern ein- zugchen, lehnte der Kriegsminister ab, sprach aber seinen Dank einem bauernbünblerischen Redner aus, weil er warme Worte für die schwierige Lage unserer Soldaten im Elsaß gefunden habe. Am Freitag hatte Genosse Profit den Fall eines Obersten in Zweibrücken zur Sprache gebracht, der einen Zentrums- journalisten auf der Straße geohrfeigt hatte, weil ihn dessen Zeitungsartikel aufgeregt hatten. Profit hatte es einen Akt der Feigheit genannt, wenn ein Bewaffneter einen Unbewaffneten mißhandele. Am Sonnabeno gab der Minister zlvar zu, daß der Akt der Selbsthilfe des Obersten unzulässig sei, fand aber das Vor- gehen begreiflich und bis zu einem gewissen Grade entschuldbar, da der Oberst nach Lage der Dinge vor Gericht keine Aussicht auf Erfolg gegen die Preßangriffe gehabt hätte. Diese Erklärung, die auch in Bayern das militärische Faustrecht einführt, rief nur bei den Sozialdemokraten lebhafte Unruhe hervor, obwohl es sich um einen Zentrumsjournalisten handelte. Sehr erregt protestierte der ll inister gegen oen Vorwurf der Feigheit und erntete dafür bei den Liberalen einen Bravoruf. Einberufung des württembergischen Landtages. Stuttgart, 10. Januar. Der württembergische Landtag ist zu einer voraussichtlich bis in den Juni fich erstreckenden Session auf Mitt- woch, den 21. Januar, einberufen worden. Zur Charakteristik der„Friedrich Wilhelm". In der letzten FreitagSnummer veröffentlichten wir eine unS von der Lebensversicherungsgesellschaft„Friedrich Wilhelm" zugesandte sogenannte Berichtigung, Daß sie der Pommerschen Provinzial-Lebensversicherungsanstalt keine Mitteilung über die politische Gesinnung des bisherigen technischen Leiters dieser An- statt, deS Genossen Dr. Eulert, gemacht habe. Daraufhin sendet uns Genosse Eulert eine Zuschrift, in der eS heißt: Die vom„Vorwärts" auf Ersuchen der„Friedrich Wilhelm" gebrachte Berichtigung, wonach die„F. W." mich bei dem Landes- Hauptmann der Provinz Pommern nicht denunziert habe, entspricht nickit den Tatsachen. Ter Sachverhalt ist folgender. Ich bin vom I. Oktober 1908 bis 1. Dezember 1911 bei der„Friedrich Wilhelm" tätig gewesen. Als sie zu Beginn des Jahres 1911 von meiner Tätigkeit für Partei und Gewerkschaft erfuhr, ließ sie mir durch rinen ihrer Beamten mitteilen, ich köuue denken, was ich wolle, irgendwelche Verhetzung der Angestellten im Bureau würde jedoch meine Entlassuuq zur Folge haben. Auf Anraten meines dama- ligen Spezialchefs bewarb ich mich während des Frühlings und Sommers 1911 um einen Posten bei der öffentlichen Lcbensver- sicherung, den ich am 1. Dezember 1911 als technischer Leiter der Pommerschen Anstalt erhielt. Mein Zeugnis lautete:„Er hat unseren Anforderungen stets genügt. Sein Ausscheiden erfolgt auf eigenen Wunsch. Während meiner Tätigkeit bei der Pommerschen Anstalt bin ich politisch für die Partei nicht hervorgetreten und habe mich auf die Zahlung meiner Beiträge beschränkt. Niemand auf der Behörde wußte von meiner politischen Gesinnung. Dagegen habe ich es nie versäumt, in Wort und Schrift u. a. auch die „Friedrich Wilhelm", die ich ja so gut kannte, zu bekämpfen. In letzter Zeit wurde die„Friedrich Wilhelm" vom Verbände öffent- licher Lebensversicherungsanstalten und vor allem der öffentlichen Schlesischen Anstalt dadurch bekämpft, daß die von ihr gewonnenen Kriegervereine vor den vielen„sozialdemokratischen" Einnehmern und Kassierern der„Friedrich Wilhelm" gewarnt wurden. Mit dieser Behauptung versuchte der Vorsitzende des öffentlichen Ver- bandes. Kapp, die Häupter der Kriegervereinsbewegung von der Ge- fahr, die durch den zwischen dem Kriegerbunde und der„Friedrich Wilhelm" geschlossenen Begünstigungsvertrag den Kriegervereinlern drohte, zu überzeugen und damit den für die„Friedrich Wilhelm" äußerst günstigen Vertrag zu hintertreiben. In dieser Lage schrieb die„Friedrich Wilhelm" an Kapp:„Wenn der öffentliche Verband bezw. die Schlejische Anstalt die Be- hauptungen wegen der sozialdemokratischen Ein- kassierer der„Friedrich Wilhelm" nicht unter- läßt, sieht sich die„Friedrich Wilhelm" gezwun- gen, öffentlich bekannt zu machen, daß der tech- nische Leiter einer öffentlichen Anstalt, also ein höherer Beamter, früher in der Partei eine ge- wisse Rolle gespielt hat und jetzt noch organisiert ist." Daraufhin fragte Kapp bei den öffentlichen Anstalten an, wel- cher technische Leiter das wäre. Befragt, konnte ich die Richtigkeit der Angaben der„Friedrich Wilhelm" nur bestätigen. Nach meiner Entlassung teilte mir der Dezernent der Pommerschen Anstalt mit, daß ihm bereits vor Eingang des Kappschen Briefes in Berlin auf dem Bureau des öffentlichen Verbandes mitgeteilt sei, daß ich dieser Sozialdemokrat sei. Diese Wissenschaft hätte de? Verband von einem Beamten der„Friedrich Wilhelm". Daß ich in Stettin or- ganisiert gewesen bin, muß die„Friedrich Wilhelm" nur durch Schleichwege erfahren haben. Ich hatte mich nur beim Vorstande angemeldet und zahlte meine Beiträge persönlich beim Partei- sekretär ein. Wenn auch die„Friedrich Wilhelm" nicht tatsächlich geschrieben hat, Dr. Eulert ist der sozialdemokratische technische Leiter, so hat sie die Sache doch so geschoben, daß man mich er- Mitteln konnte. Denunziation bezw. Drohung mit einer Denun- ziation liegt also doch vor._ Ter Stich ins Wespennest. Nun sieht sich auch der Generalsekretär des Hauptvereins der Deutsch-Konservativen endlich veranlaßt, uns auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes eine Berichtigung zu schicken. Er schreibt: Es ist unwahr, daß ich jemals in einer Jahresrechnung einzelne Posten zu hoch habe angeben lassen und es ist unwahr, daß ich auf Gehälter von Angestellten jemals einen Aufschlag erhoben und ihn für mich verwendet habe. Wahr ist, daß ich auf eine vor mehr als Jahresfrist eriolgte derartige Andeutung eines entlassenen Angestellten hin von mir durch den Bücherrevisor Hermann Klatt, Berlin 8 29, Urbanstr. 48, Uli, Portal I, eine besondere Revision veranlaßt worden ist, die nicht nur die völlige Unrichtigkeit der erwähnten Behauptung ergeben, sondern wie die bei unserer Zentralstelle üblichen regelmäßigen Revisionen festgestellt hat, daß unsere Buchführung und unier Kassenwesen in vollständiger Orb- nung sind und den Grundsätzen kaufmännischer Gewissenbaftigkeit entsprechen. Wahr ist ferner, daß ich mit den Einzelheiten der Buch- und Kasieniübrung überhaupt nichts zu tun habe, sondern daß diese in den Händen besonderer Beamten liegen. Ich habe auch niemals von einer bei der königlichen Staats- anwaltschaft gegen mich eingegangenen Strafanzeige Kenntnis er- langt, noch habe ich jemals Veranlassung gehabt, unbequemen An- klägern den Mund zu stopfen. Berlin, den 10. Januar 1914. Bruno S chr o eter, Generalsekretär des Hauptvereins der Deutsch-Konfervaiiven. Wir sind nach dem Preßgesetz gezwungen, Berichtigungen ohne Rücksicht auf ihre Richtigkeit aufzunehmen. Da die „Kreuzzeitung" eine Klage gegen uns angedroht hat, wird ja der Ausgang des zu erwartenden Prozesses völliges Licht in diese Angelegenheft bringen. Druckfehler. In dem gestrigen Leitartikel„Her mit dem Koalttionsrecht!" ist ein sinnentstellender Druckfehler, den die meisten Leser wohl schon selbst korrigiert haben, enthalten. Der von Bismarck unter dem 10. Februar 18SS dem preußischen Landtage vorgelegte Gesetzentwurf galt nicht, wie zu lesen ist, der»Aufhebung der Koalitions bestreb un gen", sondern der Aufhebung der .KoalitionS beschrünkungen". Gewerkschaften und politische Aktion in England. t Aus London wird uns geschrieben: Im vergangenen Jahre haben einige der größten britischen Gewerkschaften Abstimmungen über die Frage der politischen Be- tätigung vorgenommen. Diese Abstimmungen wurden durch das Gewerkschaftsgesetz des Jahres 1913 notwendig gemacht, das das durch das Osborne-Urteil vernichtete Recht der Gewerkschaften, sich politisch zu betätigen, mit manchen Einschränkungen Wiederher- stellte. Vor allen Dingen kann nach dem neuen Gesetz eine Ge- werkschaft nur dann Politik treiben, wenn sich zuvor die Mehrheit ihrer abstimmenden Mitglieder in geheimer Urabstimmung dafür erklärt hat. Dann dürfen die Kosten der politischen Aktion nicht wie bisher aus allgemeinen Mitteln bestritten werden, sondern aus einem besonderen politischen Fonds, und serner kann sich jedes Mitglied durch schriftlichen Protest von der Zahlung des politischen Beitrags befreien. Viele Organisationen haben daS Resultat der Urabstimmung, die das Gesetz verlangt, noch nicht veröffentlicht. Doch die vorliegenden Daten gestatten schon einen ziemlich genauen Ueberblick über die neue Lage. Von den Mitgliedern der Bergarbeiterföderation erklärten sich 261 000 für und 194 000 gegen die politische Aktion der Föderation. Die Mehrheit, die dafür stimmte, betrug mithin 67 000; wenn man die nicht stimmberechtigten Jugendlichen abzieht, so be- teiligten sich 81 Proz. der erwachsenen Mitglieder an dieser Ab- stimmung. Das Resultat der Abstimmung unter den Webern wurde vor einigen Tagen bekannt gegeben. ES lautete: für die politische Aktion 89 158, dagegen 75 893; die Mehrheit betrug mithin 22 265. 89 Proz. der Mitglieder stimmten. Weit schwächer war die Beteiligung in der Gewerkschaft der Bureauangc stellten, die 10 578 Mitglieder hat. Von diesen stimmten nur 22,7 Prozent, und zwar 1844 mit Ja und 540 mit Nein. Auch bei den Spinnern be- teiligten sich nur 34.9 Prozent an der Abstimmung. Für die politische Aktion der Gewerkschaft traten ein 4826 Mitglieder. dagegen stimmten 3376; Mehrheft 1450. Eine starke Beteiligung wies hingegen wieder der Verband der Burcauange st eilten der Eisenbahnen aus, der 22 832 Mitglieder zählt, von denen über 74 Proz. stimmten, und zlvar stimmten 15 496 für und 1340 gegen die politische Betätigung des Verbandes. Dieser Verband hat eine überaus starke sozialistische Mitgliedschaft. In der Ge- lverkschaft der Schiffsbauer, die im letzten Jahre der Arbeiter- Partei mit 20 110 Mitgliedern angeschlossen war, erklärten sich 7446 für und 5487 gegen die politische Aktion. Bei den Maschinen- b a u e r n, die zur Zeft der Abstimmung 154 000 Mitglieder hatten, war die Beteiligung wiederum schwach. 20 586 stimmten für und 12 740 gegen die politische Betätigung. Die Mitglieder der Nationalen Union der Dockarbeiter(12 000 Mitglieder im letzten Jahre) erklärten sich mit 4078 Stimmen gegen 501 für die politische Aktion, und das Resultat der Abstimmung in dem Ver- band der Eisengießer(17 836 Mitglieder) lautete: 6850 für und 2576 gegen die politische Aktion. Es ist bei der Verschiedenartigkeit des Materials äußerst schwer, den Prozentsatz der politisch interessierten, der politisch indifferenten und der einer politischen Unabhängigkeit der Arbeter- schaft abgeneigten Elemente in der britischen Gewcrkschaftsbeive- gung genau anzugeben. Di« erwähnten Organisationen umfassen über ein Drittel der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Groß- britanniens, und nichts steht der Annahme entgegen, daß die in den oben erwähnten Abstimmungen zutage getretenen Meinungs- verschiedeheiten in gleichem Grade auch in der ganzen Gcwerk- schaftsweit des Landes anzutreffen sind. Nach den obigen Ziffern scheint es, daß etwa 40 Proz. der Gewerkschafter für die politische Betätigung der Gewerkschaften(natürlich im Sinne der Arbeiterpartei) eintreten, und daß 30 Prozent dagegen sind, in den meisten Fällen wohl, weil sie die liiberäle oder die konservative Partei unterstützen. Die übrigen 30 Proz. sind Indifferente, Minderjährige oder Mitglieder, die nicht im Lande weilen, von denen die Maschinenbauer viele Tausende haben. Wie bei aller Bewertung statistischer Angaben kann die mangelnde Be- kanntschaft mit den durch die Ziffern veranschaulichten Tatsachen zu den schiefsten Urteilen führen. Nichts wäre zum Beispiel falscher als anzunehmen, daß die Syndikalisten, von denen in den letzten Jahren so viel geredet worden ist, einen beträchtlichen Bruch- teil der 296 453 Gewerkschafter bildeten, die sich in den genannten neun Organisationen gegen die politische Aktion der Gewerkschaften ausgesprochen haben. Die Syndikalisten spielen in dieser Oppo- sition eine kaum nennenswerte Rolle. Der Widerstand kommt viel- mehr von den Gewerkschaftern, die in der konservativen und namentlich in der liberalen Partei politisch organisiert sind, jeden- falls aber für die Kandidaten der bürgerlichen Parteien stimmen, wie die ParlamentSwahlcn deutlich beweisen. Zrantreich. Ein Angriff auf Caillaux. Paris, 10. Januar. Der„Figaro" hatte vor einigen Tagen den Finanzminister Caillaux beschuldigt, daß er anläßlich der Erbschaftsangelegenheit einer Familie Prion, bei der es sich angeblich um viele Millionen handelte, versucht habe, von dem Vertreter dieser Familie mehrere Millionen für den radikalen Wahlfonds zu erlangem Finanzminifter Caillaux stellt« dieser Behauptung das entschiedenste Dementi entgegen. Heute erklärt nun der„Figaro", daß es sich nicht um eine Familie Prion, sondern um eine Familie Prieu handle. Südafrika. Dir Unterdrückten wehren sich. Jagersfonteiu, 10. Januar. Die Erhebung der eingeborenen Arbeiter, die dem Basuto stamme angehören, wurde durch den Tod eines Basutos veranlaßt, der, wie behauptet wurde, an den Folgen eines Fußtritts starb, den er von einem Weißen erhalten hatte. De BasutoS verweigerten gestern die Arbeit, bewaffneten sich und verlangten die Verhaftung des Weißen. Der Verwalter der Ein- sriedigung, in der die BasutoS wohnen, versuchte vergeben? zu ver- Mitteln. Die Basutos zerstörten alles, waS ihnen unter die Hände kam, rissen auch die Einfriedigung nieder und raubten das Geld, das zur Bezahlung der Gehälter bestimmt war. Jetzt bewaffneten sich alle Weißen mit Flinten und anderen Waffen, Als die Basutos die Einfriedigung verließen, um die Stadt zu stürmen, verlegten ihnen die Weihen den Weg. Die Basutos griffen an, woraus die Weißen Feuer gaben. Mehrere Basutos sielen. Die BasutoS schienen von Toll- Heft ergriffen zu sein. Sie versuchten beständig, gegen die Stadt vorzudringen, wo die Frauen und Kinder in ihrer Gewalt gewesen wären. DieWeitzen mutzten immer wieder auf die Andringenden feuern. Schließlich wurden die Basutos bis zu ihrer Reservation zurückgetrieben. In der Stecht folgte eine Panik, da die Frauen wußten, daß Tausenden von Basutos nur 150 Weihe gegenüberstanden. Viele Frauen mit ihren Kindcrn flüchteten in Fuhrwerke» aller Art nach Fauresmith, während bewaffnete Männer von den Feldern hcrangaloppierte« oder in Automobilen eintrafen, um den Weihen zu helfen. Heute vor- mittag traf eine Abteilung Truppen mit zwei Geschützen ein. In der Reservation der BasutoS herrscht jetzt Ruhe, Letzte Nachrichten. Das Hochwasser in den Ostseeprovmze». Köslin, 10. Januar.(W. T. B.) Reisende melSen au» Stolpemünde, daß dort das Wasser bis zur Hauptstraße vor- gedrungen ist. Die Häuser in unmittelbarer Nähe d«S Häsens find stark gefährdet. Falls der Sturm weiter. anhält, erscheint die Lage sehr gefahrvoll, da der Stolpefluh den ganzen Ort durchfließt und das Flußwasser durch die Wogen der Ostsee zurück- gedrängt wird, so daß es unheimlich steigt. Sehr böse sieht es in dem Städtchen L e b a aus. Das Kurhaus schwebt in Gefahr, jeden Augenblick von den Wogen hinweggerissen zu werden, da die Düne, auf der es steht, bereits zum Teil unterspült ist. In K ö S I i n hat sich der Schneesturm etwas gelegt, die gesamte Garniso» hat den Befehl erhalten, sich wachzuhalten, um im Notfall nach Damker- ort abzumarschieren. Von dort hat man bis jetzt noch keine Nachricht. Hochwasser in Belgien. Berviers, 10. Januar. Im Tale der Vesdre stich Hundert e vonHäuscrnüber schwemmt, die Bewohner flüchten in die oberen Stockwerke, die Verluste sind bedeutend. Dolhai» steht zur Hälfte unter Wasser, der Gileppe ist über die Ufer getreten. Schneeverwehungen in Russlaub. Petersburg, 10. Januar.(SB. T. B.) I» dem Gebiet der Nordwestbahnen habe» überall starke Schnecvevwehimge» stattge- tefunden, der Paffagier- und Wagenvcrkehr mit Reval war 4 Stunden unterbrochen. In der Nähe von Riga stich zwei Bahnzüge im Schnee stecken geblieben. In Pskotv haben sich sieben Züge angesammelt, die Verbindung von Kronstadt mit der Küste ist unterbrochen. Alle nach Petersburg gehenden Züge haben Verspätung Die Porstädte und Dörfer bei Petersburg sind völlig eingeschneit. In den Straßen der Residenz ist der Verkehr durch Schneemassen erschwert. Jriedrichsfrassc 110-112 passage- Kaufhaus Str.10-13 Str. 75-76 am i)önho|fplatz 3b fast allen Abteilungen zurückgesetzte Daren und andere hervorragend günstige Gelegenheitsposten. Zlein verkauf an Diederverküufer! Weiß- Batist mit imitier- Klöppelspitzen, halsfrei oder geschlossen zu tragen Blusen d 85. 1.60, 190 Blusen 1 CfJ Barchent ,,, A.v-rV/ Blusen 1 7C QOC schwarzer Satin JL./•_/} Kleiner- n. Setöenstoffe Blusenflanelle, BanmwoUe, hell ge- or streift..................... OD Pf. Bedruckter Woll-Musselin SOpl Blusenstoffe, schwere, wollhaltige«yz-v Qualitäten................... /V/Pf Blusenflanelle, reine Wolleund Halb- Qrv wolle, zum Teil mit Seidenstreifen...-SkJ Pf. Kostümstoffe, gemustert Q/-v 1 qc •der gestreift, 130 cm breit..-/V/Pf., l.Z J Crepe de Chine Illusion nn reine Seldey einfarbig............-/U PI. Moderne Blusenseide 1 oc gestr. Taffef, Messal. u. 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Obwohl dazu nicht der geringste Anhalt vorhanden war, wurden die S t r e i k e n° den als„feige Mordbuben" verdächtigt. Die gesamte Zen° trums- und Scharfmacherpresse beinächtigte sick der �ache und schrie sie als schwere Streikausschreitung in alle Welt hinaus. Wahrscheinlich würde jener nächtliche Mord jetzt auch als Material siir die Scharfmacher zur Beschränkung der jioali- tionsfreiheit dienen, wenn nicht soeben— nach fast zwei Jahren— Licht in die dunkle Affäre känie. Unter dem dringenden Verdacht, den Arbeitswilligen um die Ecke gebracht zu haben, sind nämlich die eigene Frau des Er- mordeten und deren Liebhaber verhaftet war- den! Das Pärchen war sich in die Haare geraten und beide beschuldigten sich in Gegenwart von Nachbarn der verbreche- rischen Tat. Dadurch ist die Sache gerade noch rechtzeitig aufgeklärt worden, und die Scharfmacher dürfen den„Fall" ruhig aus ihren Akt?n streichen. Vorläufig muß man allerdings die Erfahrung machen, daß d i c Blätter die früher die S t r e i- kenden dieses Mordes beschuldigten und sich in Hetzartikeln iibcrbotcn, sich über die neue Wendung der Sache fast voll st än big ausschweigen! Dieser Aus- gang paßt ihnen scheint es, ganz und gar nicht. öerlin und Umgegenö. Aus dem Cafshausgewerbe. DaS Gase Kronprinz, Friedrichstr. 101, ist gesperrt wegen des rigoroien Vorgehens, das der Unternehmer Herr Paul beliebte. Gleickizeilig gesperrt sind das Cafe Pfeiffer, Alt-Moabit 12«, das Cafö Tivoli, Inhaber H a a s e m a n n. Bergmannstr. 109, die Kondiiorei P i e tz s ch. Neue Königstr. 4, Cafs Fried, Belle- Alliance-Platz 9 und das Cafs T e e tz, Belle-Alliance-Str. 81, wegen Nichtanerkennung der Organisation und des Arbeitsnachweises. Be- sonders Herr Pfeiffer in Moabit, Alt-Moabit 12«, hält es für zweckdienlich, sortgesetzt gewerbsmäßige Slellenvermittlcr in Nahrung zu setzen. Die genannten Betriebe beabsichtigen lediglich eine Um- gehung des Tarife s und ersuchen wir deshalb die organisierten Gehilfen, in diesen Betrieben keine Arbeit anzunehmen. Zwcigverein der Cafs-Angestellten. Deutsches Neich. Die Tarifverträge im Baugewerbe. Im November vorigen Jahres wurde bereits auf die Per- zögerung hingewiesen, welche die Unterzeichnung der Tarifverträge für das Baugewerbe leider erfahren hat. Dabei wurde mitgeteilt, daß man von einer erheblichen Anzahl von Verträgen, dit von den örtlichen Vertragsparteien unterzeichnet wurden/ überhaupt nicht wisse, wo sie geblieben seien. Und es wurde dabei der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Unterzeichnung mit einer gewissen Ab- ficht venu Arbeitgebcrbund für das Baugewerbe verschleppt würde. In dpr„Deutschen Arbeitgeberzeitung" wurde von Unternehmer- (Arbeitgeberbundes-lSeite daraus geantwortet, daß die Bcrschlep- pung zum größten Teil an den Beanstandungen liegb, die von den Gewerkschaften zu den vorgelegten Verträgen gemacht würden. Da- bei wurde natürlich verschwiegen, daß es neben einigen aus for- mellen Gründen erfolgten Beanstandungen in der Hauptsache solche sind, die aus grundsätzlichen Bedenken der Gelverkschaftcn erfolgt sind gegen vorgenommene Aenderungen des Vertrages, bei denen den Arbeitgebern nicht das geringste Recht zur Seite stand. Ueber die Frage nach dem Verbleib einer Anzahl von Vcr- trägen schwieg man sich ruhig aus. Es wurde nur mitgeteilt, daß insgesamt bei dem Arbcitgeberbundesvorstand 208 Tarifverträge eingegangen seien, von denen 44 genehmigt und 164 entweder beanstandet wurden oder- noch nicht geprüft werden konnten. Daß das nicht alle Verträge gewesen sind, die von den örtlichen Parteien linterzeichnet waren, und daß tatsächlich an einigen Stellen, wahr- scheinlich durch die Bezirtsarbeitgeberverbandsvorstände, solche Vcr- träge absichtlich zurückgehalten werden, wollen wir an einem Fall nachweisen: In Augsburg ist nämlich der Vertrag längst unterzeichnet. Er ist sogar gedruckt im Gebrauch der Parteien am Orte. Aber an den Arbeitgebcrbund ist dieser Vertrag nach einer von dem Bund angefertigten Ausstellung noch nicht gelangt. Wo ist der Vertrag geblieben? Besteht überhaupt für eine Organisation das Recht der Zurückhaltung des von den örtlichen Parteien unterzeichneten Vertrages? Die nächste auf 'den 20. Januar angesetzte Sitzung des Haupttarifamts wird auch über diese Frage zu cutscheiden haben. Am 6. und 7. Januar sind nun ö« Verträge für nachstehende Gebiete endgültig unterzeichnet wurden: Altdamm, Backnang, Beiersdorf, Barth, Bremen, Bütow, Colditz, Danzig, Ebersbach, Eberswalde, Eckcrnfövde, Emmendingen, Eßlingen, Fauerndau, Frenzburg-Richtenburg, Frcudcnstadt, Fürstenberg, Gertz R., Gelenau, Geyer, Göppingen, Grimma, Hecklingen, Heidenheim, Heiligenstadt, Heilbronn, Helmstedt, Holtenau, Kappeln, K.-Wuster- hausen, Lauenburg-Elbe, Ludwigshafen, Möhringen, Mutzschau, Ncrschau, Neustadt i. H., Osterburg, Oehringen, Querfurt, Radegast, Ratzeburg. Röthe, Salach, Stabe, Stargard i. P., Stettin, Swine- münde, Trebsen, Trier, Tüningen, Weichau, Würzen, Würzburg, Zörbig, Zuffenhausen, Zwickau. Von der Unterzeichnung ausgeschlossen sind wiederum 47 Ver- trage. Darunter befinden sich auch 7 Bezirksverträge für das rheinisch-westfälische Industriegebiet, die bereits zum zweiten Male von beiden Seiten beanstandet worden sind. Zu den 47 Verträgen liegen insgesamt 86 Beanstandungen vor, von denen die GeWerk- schaften zu 28 Punkten, der Arbeitgebe?hund zu 34 Punkten solche erhoben haben, und 3 Beanstandungen von beiden Seiten berühren dieselben Punkte. Aus dieser Zusammenstellung ersieht man, daß der Arbeitgeberbund gar keine Ursache hat, sich über die Bean- standungen der Gewerkschaften aufzuregen, und die Schuld an der Verschleppung der Unterzeichnung der Tarifverträge ihnen aufzu- bürden. Hoffentlich gelingt es noch vor dein 1. April d. I. eine größere Anzahl von Verträgen zur endgültigen Verabschiedung zu bringen. Sonst steht zu erwarten, daß aus Anlaß der aus diesem Zeitpunkt vertraglich vorgesehenen Lohnerhöhung sich manche ernstliche Difse- rcnzfälle ergeben webdew. Ausland. Die österreichischen Buchdruckprinzipale in der Klemme« Die von den gewerbsmäßigen Streikbrecheragenten vermittelten reichsdeutschen Rausreißer scheinen bei den österreichischen Buch- druckuniernehmern doch nicht den Beifall gefunden zu haben, wie man nach ihren Veröffentlichungen annehmen müßte. Jetzt be- mühen sich die Herren Geschäftsleiter schon persönlich nach Berlin, um durch eigene Anschauung sich von der Zuverlässigkeit der Anzu- werbenden zu überzeugen. Von diesen Herren werden die Arbeits- willigen natürlich nicht in so obflurcn Räumen empfangen, wie von den Nachfolgern Hintzes. Nein! Im Vestibül des hochvor» nehmen Hotels„Exzelsior" in der Königgrätzer Straße zu Berlin nötigen die Vertreter des„Prager Tageblatts" die Geladenen in die feudalen Klubsessel und versprecken ihnen das Paradies auf Erden, wenn sie gewillt sind, bei ihnen in Stellung zu treten. Speziell auf Maschinensetzer haben sie es abgesehen, weil die Herren Redakteure, die jetzt an den Maschinen tätig sind, wohl doch im Laufe der Zeit tu dieser Tängleii ein Haar gesunden haben. Wie diese Arbeii der akademischen Arbeitswilligen aussieht, geht aus einer im„Veleslavin"(dem böhmischen Buchdruckergehilfenorgan) abgedruckten Seite des„Prager Tageblatts" hervor, die von Fehlern wimmelt. Da ist es denn verständlich, daß die Vertreter�dieses Blattes in Berlin tüchtigen Maschinensetzern«0 M. Wochenlohn mit monatlicher Kündigung und bei zufriedenstellenden Leistungen mehrjährigen Kontrakt und Lebensstellung versprechen. Die beiden Herren klagen dem vorsprechenden„Arbcitslvilligen", wie undankbar ihr früheres Personal ist. Es wäre ohne jeden Grund in den Streik getreten, nur weil sich die Firma nicht den Arbeitsnachweis der Gehilfen aufzwingen lassen will. Nach Er- ledigung des Streiks werde das Personal neu zusammengestellt und nur der„anständige" Teil des früheren Personals wieder ein- gestellt; die Hetzer und diejenigen, die bisher gewissermaßen das „Gnadenbrot" erhalten haben, bleiben draußen. Daß her Streik den Unternehmern nicht billig konrnit, sondern jetzt schon weit meTir oelr-'e* als die neuen Fordmmgcn der Arbeiter auf Jahre hinaus betragen, geht aus der Aeußcrung des einen Vertreters herbor, daß das.„P rager Tageblatt" bis jetzt schon einen Schaden von zirka 200 000 Krön e n hat. Da die Herren Geschäftsleiter des„Prager Tageblatts" aber noch wenig Erfahrung im Streikbrccherfang haben und nicht so blindlings jede„Kraft" engagieren, wie die Keiling, Koch usw.. so ist ihre Tätigkeit in Berlin wenig erfolgreich gewesen. Sic wer- den überdies von organisierten Buchdruckern genassühri. Auch ein Teil der deutschen Prinzipale gibt sich redliche Mühe, ihren österreichischen Kollegen unter die Arme zu greisen. � Nicki nur, daß sie versuchen, Arbeiten fertigzustellen, sondern einzelne geben auch ihreAdress« in Inseraten als Deckadresse für Streik br eckerfang her. * Den kleinen Unternehmern im österreichischen- Buchdruck. gelverbe. die sich von den Scharfmachern zum Losschlagen gegc»� die Gehilfen bewegen ließen, droht jetzt auch noch eine andere� Gefahr. Von einem gewissen Herrn Keller in Prag, der sich auch mit Vermittelung von Streikbrechern beschäftigt, wurde, wie die„Wiener Arbeiterzeitung" berichtet, einem an die Firma Gebr. Stiepel in Reichenberg gesendeten Streikbrecher der fostwndc interessante Brief zur Besorgung an einen der Teilhaber der Firma mitgegeben: Prag, 6. Jänner 1914. Hochwohlgeborenen Herrn Ingenieur Heinrich Stiepel Reichenberg. Unter Bezug aus unser Telephongespräch sende Ihnen mit diesem Briefe den Maschinenmeister v. Roeden und bin bemüht, Ihnen weiteres Personal zu beschaffen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen und dem Herrn Kommerzienrat eine andere Angelegenheit vortragen. Als Herr Generaldirektor Prinzhorn der„Elbcniühl" im Herbst bei uns war, erzählte er uns von seinem und Ihrem Plane, die großen Provinzzeitungen zu einer gemeinschaftlichen Gesellschaft zu verschmel- z e n. Der Prospekt ist damals von Dr. M c r c h nicht sehr günstig aufgenommen worden. Unter dem Eindruck jüngster Ereignisse sind jedoch alle Herausgeber viel fusions freundlicher geworden und es drängt sich uns der Gedanke auf, daß cS zwcckmäßig wäre, eine prinzipielle Entscheidung über die Idee letzt schon durchzuführen, bevor der Streik zu Ende geht, weil Pcrsonalersparungen, die dadurch erzielt werden könnten, mitten im Arbeiissrieden die größten Schwierigkeiten machen würden, nach einer hoffentlich glücklichen Beendigung des Lohnkampfes sich aber einfach dadurch lösen würden, daß die Arbeiter, die spontan gekündigt haben, einfach nicht wieder aufgenommen werden. Die projektierte Aktiengesellschaft hat für uns wegen der enormen Steuerlast wenig Vorteil, uns wäre eine weniger kosi- spielige Art des Zusammenschlusses lieber. Wir versprechen uns davon eine Verbilligung und Verbesserung der Nachrichtenorgauk sation, ferner einen Zuwachs von Lithographie- und Chromb- druckarbeit für Ihren Betrieb, da bei uns solche Einrichtungen fehlen, aber ein konsulnkräftiger Kundenkreis vorbanden ist. Haben Sie die Güte, mich wissen zu lassen, ob Ihnen und dem Herrn Kommerzienrat eine Besprechung(persönliche) der Angelegenheit erwünscht wäre. Natürlich muß Herrn Prinz- h o r n eine Beteiligung reserviert werden. Mit besten Empfehlungen an Sie und an Ihren geehrten Herrn Bruder, auch von Dr. Mercy, bin ich HoÄchtungsvoll ergeben Keller. Wird der in diesem Schreiben angeregte Zeitung st ruft der großen böhmischen Blätter zur Tatsache, dann dürften die Herausgeber der kleinere� Zeitungen nichts zu lachen haben. Es wird ihnen zwar die Genugtuung bleiben, mit- geholfen zu haben, die Arbeiter im Buchdruckgcwerbe zu schädigen. Aber sie werden zugleich auch erfahren, daß sie s e I b st die Bildung eines großen Zeitungstrustes erlcich» Meines Ieuilleton. Gericht. Das Recht erhub die Klage. Der Richter hieß Gewalt. Das Recht wies ihm die Wage, Die Hand ums Schwert gekrallt. Gewalt vernimmt die Klage, Hat ihm das Schwert entwandt Und schlägt ihm frech die Wage In Scherben aus der Hand. _ It. D. Der Regenschirm. Kurfürstendammszene. Ein Auto hält im Schneegestöber. Aus dem Kinopalast, der mit Glühbirnen funkelt, wie mit Brillanten ein AllerweltSlicbchen, stürzt eine feuerrote Uniform mit ungeheuren, goldenen Fangichnüren an den Schlag. Seine Majestät der Porlier. Hinierher flitzl lauf den Beinen eines uniformierten Boys) ein au'gespannler Regenschirm. Eine junge Dame steigl aus; in kostbarem Mantel, teurem Hut. Der Schirm beschützt sie. Eine ältere Dame steigt aus; in noch kostbarerem Mantel, noch teurerem Hut. Der Schirm bemüht sich, beide zu decken. Ein Abbe steigt aus; schwarz, asketisch. Typ: Pater FiluziuS; nur vornehmer. Viel vornehmer. Ter Schirm, offenbor mangelhaft instruiert, schwankt; verläßt die beiden Damen, die noch ihre Kleider ordnen. Man sieht ihm an, wie er angstvoll nachdenlt: muß er nichr.... einen Diener der Kirche.... Er steuert auf ibu zu. Da.... Ein junger Offizier steigl aus. Als Letzter. Und nur. hat die Ratlosigiard als„Anziehungskraft" von Fiedler der jugendliche Cellist Enrico Mainardi vorgZtubrt, ein Künstler, an dem vor allem die Kraft uno Kernigkeit der Bogemiihrung nuställt, mit der er als Romane natürlich auch eine zarte Weichheit, eine fast weibliche Innigkeit der Empfinduiig verbindet. In Hauseggers Konzert debütierte der in München gebildete Rheinländer Rudi Stephan als Komponist mit einer, wohl absichtlich frei-modern „Mufil für Orchester" betitelten Tondichtung, der eines jener un- geschriebenen Programme zugrunde liegen mag, wie sie den jungen Komponisten vielfach selbst noch dunkel vorzuichweben pflegen. Und doch erfreut an dieier Münk eine temperamentvolle Frische in der Dulchsührulig der freilich allzu barocken Einfälle, die durch ein von den neuen Franz'oien(Dulas, Fl. Schmitt usw.) inspiriertes Orchester- gewand noch grotesker anmuten Wenn man's nicht wüßte, daß auch Ernst Boche noch ein Jugendlicher ist. man würde ihn nach seinem „Sinionischen Epilog zu einer Tragödie", der zweiten Novität des Hansegger-Abends fast für einen behäbigen Akademiker halten: so gemessen schreitet seine Thematik einher, io bedächtig, ach, allzu be- bächtig wird das Molivmateriat durchgeführt. Wie selbstsicher doch Hugo Wolfs„Italienische Serenade" zwischen den beiden tastenden Novitäten wirkte! Als dann Hausegger die dritte Leonorenouvertüre und die achte Sinfonie Beethovens mit seiner wahrhast fortreißenden Leidenschaft dirigierte, da stieg in mir nur der eine Wunsch auf, S. v. Hausegger möge recht bald unter die„allererstklassigen" Berliner Dirigenten gerechnet und der Ehre teilhaftig werden, unsere Philharmoniker zu dirigiere», dies Orchester der vollendeten künstlerischen Geschlossenhett. o. Humor und Salire. Ein M e d i c u s. Der Oberkriegsrat Medicus Versteht sich sonderbar aufs jus. Daß erst der Richter prüfen muß, Hält er für überlebten Stuß. Es schuf ihm wütenden Verdruß, Daß Leutnant Forstner brummen muß. Er bringt die Sache schon in Schutz: Umsonst ist er nicht Medicus. Absolut- und TerrorismuS Ist MedicuS das suimmitnjus. Pst Notizen. — Freie Volksbühne. Für die Mitglieder der Freien Volksbühne ivird jetzt im Neuen Volksthealer Ger hart Haupt- manns„Michael K r a m e r" aufgeführt, dies Drama der weisen Menschengüte, das berufen ist, sührender Lehrer zu rastlosem ernsten Schaffen und Wachsen zu sein, ein Lehrer, an dem die besten Lebenskräfte ausflamme», dem die Jugend unverlöschlich dankt und der doch gerade den, dessen Anlagen er über alles hoch einschätzt und den er vor allem leiten möchte, nicht an sich ziehen kann,— dies Drama des Vaters, der den störrisch verschlossenen, verquält hinirreudeu Sohn als einen Verlorenen aufgibt und der nun an der Leiche des nm Weltekel zugrunde Gegangenen in starkem Selbstrichten auS durchwühltem Innern das Evängelium der Menschengläubigkeit her- ausarbeitet: daß kein Mensch ein Verlorener ist,— dies Drama, in dem das Engbesondere bedeutunqSvoll ins Weitallgemeine empor- wächst: bis zu Höben, wo alles Wissen vom Sinn des Lebens in großen fragenden Gesühlen endet, die wie erregte Schöpferkraft auf- tönen. Die Aufführung, in den Hauptrollen in der guten Besetzung vom vorletzten Herbst(Herr Licko als Michael Kramer, Martha Angerstein als Michaline. Robert Aßmaim als Arnold Krämer) ver- lief würdig und ivirkungsvoll. sick. — Vorträge. Institut für Meereskunde, Georgen- straße 34—36. Montag, den 12. Januar, Dr. A. Rsihl-Berlin: Erster Vortrag der Reihe: Die Welthäfen und ihre wirtschaftliche Stellung. Dienstag, den 13. Januar. Dr. H. Spethmann-Berlin: Dke deutschen Nordseebäder. Freitag, den 1«. Januar, Professor W. Laas-Berlin: Große Oel- Motorschiffe. Beginn 8 Uhr abends. Eintrittskarten 25 Pf. — Eine Neuerung für ArbeiterbibliothekS- k a t a l o g e. In dem soeben ausgegebencil Bücherverzeichnis des Arbeiter-Bildlingsvereins Wien(Wien V, Rechte Wienzeile 97) fiiiden wir eine für Bibliotbekskataloge bemerkenswerte Ncilening. Zu den Büchergruppen nämlich sind Einleitungen gesetzt, die den Benutzer der Bibliothek über die trennende und schreckende Grenze des Fremden und Stummen, das die Kataloge anfangs für ihn haben mögen, hinwegbringen sollen. Der Charakter der Büchergruppen wird in großen Zügen verdeutlicht und eine Reihe Werke wird gekenn- zeichnet Man hofft, durch diese von Rudolf Neuhau« geleistete Arbeit auf das Lesebedürfnis steigernd einwirken zu können. Tcrt und damit zur Untergrabung 6er eigenen E x i st e n z beigetragen haben! Der Eisenbahnerstreik in Südafrika. London, 10. Januar.(Privattelegramm des»Vor- wärt s*.) Johannesburg erwarb sich vor dem Burenkriege den Namen„Die Lügenstadt". Anscheinend will sie sich auch diesmal diesen Ruf nicht streitig machen lassen. Es laufen hie» Meldungen über angebliche Dhnamitattentate der Streikenden ein, die offen- bar erfunden sind. Man darf auch nicht vergessen, datz ein grosser Teil der Londoner Presse die engsten Beziehungen zu den sudafrika- nischen Goldmagnaten unterhält, dass zum Beispiel der jetzige Chef- redakteur des„Times" früher Redakteur des schamlosen Kapita- listenblattes„Johannesburger Star" war, gegen das sich im Juli vorigen Jahres die ganze Wut des Volkes richtete. Die meisten Nachrichten aus Johannesburg sind daher mit Vorsicht aufzunehmen. Als Beispiel der kapitalistischen Berichterstattung sei erwähnt, dass ein Passus in einem Reutertelegramm, der davon sprach, dass der Sekretär der Eisenbahner, Poutsma, in einer Massenversammlung erwähnt habe, die Streikenden sollten sich ruhig verhalten und sich nicht provozieren lassen, von fast allen Blättern unterdrückt wurde. Man scheint es darauf abgesehen zu haben, von vornherein die g e- waltsame Niederwerfung des Streiks zu recht- fertigen. Dass die südafrikanische Regierung die friedliche Arbeits- cinstellung mit Gewalt zu unterdrücken entschlossen ist, beweist die unmotivierte V e r h a st u n g von Streikführern. Unter den zehn Verhafteten befinden sich der Sekretär der Eisenbahner und der Sekretär der Arbeiterpartei. Gestern drang die Polizei in das Bureau der Eisenbahner ein und beschlagnahmte den Geld- schrank sowie viele Dokumente. Der Gewerkschaftsbund verlangt die Freisetzung der Verhafteten, widrigenfalls der General- streik aller Berufe erklärt werden soll. Morgen soll auf dem Marktplatz in Johannesburg, dem Schauplatz der blutigen Szenen vom Juli vorigen Jahres, eine Massenversammlung abgehalten lverden. Die Regierung hat bereits eine gewaltige Militärmacht mobilisiert; so wurde zum Beispiel heute in Pretoria eine Prokla- mation veröffentlicht, nach der im ganzen 6000 Mann unter Waffen gerufen werden. Der Streik in Südafrika. Der Preis des Mehls ist in Johannesburg um einen Schilling in die Höhe gegangen. Die vorhandenen Vorräte dürsten 18 Tage reichen. Die Witbank-Kohlengruben wurden infolge des Streik» ge- schlössen, da keine Güterwagen zur Beförderung der Kohlen zur Verfügung stehen. Die Polizei verhaftete eine Anzahl der Streikführer unter der Beschuldigung der Aufreizung zum Aufruhr. Der Verhaftung eines Streikführers in einer Versammlung widersetzte sich die Menge und die Polizei musste in diesem Falle unverrichteter Sache abziehen. Fn einer schnell einberufenen Versammlung wurde ferner die Frei- , lassung der Verhafteten gefordert. Wird diese nicht genehmigt, dann droht der Ausbruch des Generalstreiks. Eine neue Sturmflut an öer Gflseetüste. Kaum hat sich die Bevölkerung der deutschen Ostseeküste von den Schrecken der letzten Sturmflut erholt und schon wieder kommen Melduussen von einem neuen verheerenden Unwetter, das teilweise die jüngste sehr- umfangreiche Ueber- schwemmung weit übertrifft. Während die Sturmflut vor wenigen Tagen nur vereinzelte Menschenleben kostete, besteht jetzt die Befürchtung, daß in dem Stranddorfe Danikerort ein großer Teil der Einwohner- schaft unis Leben gekommen ist. Ueber die Katastrophe erhalten wir folgende Nachrichten: Köslin, 10. Januar. In der vergangenen Nacht hat die Ostsee den Landweg zwischen der See und dem Bukower See an drei Stellen zerrissen. Der Bukower See steigt schnell. Die Ort- schaft Damkerort steht völlig unter Wasser. Aus den Fluten ragen höchstens noch 2 bis 3 Dächer hervor. Ueber das Schicksal der ungefähr 160 Köpfe starken Bevölkerung ist noch nichts bekannt. Zwischen dem Jamunder und dem Bukower See ist eben- falls ein großes Stück Land von den Fluten fortgerissen worden. Von Köslin ist Militär zur Hilfeleistung abgegangen. Köslin, 10. Januar. Bei Funkenhagen drang die See drei Meter weit in die Düne ein. Bei Sorembohm steht die D o r f st r a ss e an der Küste vollständig unter Wasser; ein grosser Teil der Gehöft« muhte von den Einwohnern der- lassen werden. Auch das Strandhotel Junghans mutzte vollständig geräumt werden. Für die Gehöfte besteht Einsturzgefahr. Bei Bauerhufen wurde die hohe Düne vollstänvig weg- gerissen. Bei Nest steht die Landstrasse nach Grossmöllen unter Wasser, jedoch kann die Strandbahn verkehren. Die Windstärke schwankt jetzt zwischen acht und neun. Bei Deep steht die über die Tief führende Brücke vollständig unter Wasser. Laase ist vom Verkehr gänzlich abgeschnitten; die Ein- wohner können seit zwei Tagen keine Post erhalten, da der Verkehr auf der Jamunder See mit Lebensgefahr verknüpft ist. Die Ostsee durchbrach auch hier die Düne an vier Stellen. Damkerort ist vollständig hinweggespült. Wir viele von den Einwohnern noch am Leben sind, weiß man nicht; nur durch das Fernrohr kann man erkennen, daß die Dächer der Hänser von der See umspült werden. Von Köslin aus find 200 Mann Militär zur Hilfeleistung entsandt worden. Der Landstrich zwischen Jamun- der und Bukower See steht vollständig unter Wasser, so dass nur ein einziger See vorhanden ist. Auch bei N e u w a s s e r steht ein Gehöft unter Wasser. Die Landwege sinl> dort ebenfalls überflutet. KöSlin, 10. Januar. Aus Nest kommt soeben die Nachricht dass sämtliche Häuser des Dorfes nnter Wasser stehen. Es besteht auch hier die Gefahr, dass die Einwohner die Häuser räumen müssen. Infolgedessen hat sich die Verwaltung der elektrischen Straßenbahn veranlasst gesehen, Wagen nach Nest zu entsenden, die die Einwohner mit ihrer Habe aufnehmen sollen. Das Fischerdorf Nest liegt auf einem halben Kilometer breiten Landstreifen zwischen der Ostsee und bem Jamunder See. Königsberg i. Pr., 10. Januar. Der gestrige Schneesturm hat namntlich in den Niederungsgegenden und an der Küste wieder schwere Schäden angerichtet. Aus P i l l a u wird berichtet: Das Hochwasser hak hier die höchste Steigmarke erreicht, die Einfahrtsdämme und Brücken sind überschwemmt. Im Tief herrscht gewaltigeSee.das Wasser bedroht an einigen Stellen die am Ufer stehenden Häuser. Die Mole an der zweiten Torpedobootsbatterie ist aus fünf Meter durchbrochen, das Wasser bedroht die Festung, die zwei Meter unter dem Wasserspiegel liegt. Man versucht der drohen- den gefahrvollen Ueberschwemmung durch Steinaufschüttungen zu begegnen. Die Spiererchoje ist nach der Stadt getrieben worden und die Badeanstalt fast gänzlich fortgeschwemmt; 150 Menschen sind damit beschäftigt, zu bergen, wa» zu bergen ist. Danzig, 10. Januar. Der gestrige Sturm hat sowohl in Dan- zig und Umgebung wie auch am, ganzen Meeresstrande furchtbar gewütet. Am K a i h a f e n sind die Uferbefestigungen neben der Kaimauer auf etwa drei Meter Länge ein- gestürzt, in den Seebädern sind die Badeanstalten zum größten Teile weggerissen worden; am meisten Schaden hat der Sturm bei der Stadt Z o p p o t angerichtet. Die Fluten haben auch Teile des im Februar verunglückten Flugzeuges„We st Preußen" an den Strand gespült und zwar die Gondel und Teile der Tragflächen. Die Halbinsel H e l a ist von der See an mehreren Stellen durchbrochen worden. Pubig, 10. Januar. Die Ortschaft Karwenbruch droht ein Opfer des Hochwassers zu werden. Die Wellen gehen hoch darüber hinweg und die Menschen sind in Gefahr. Heute ist ein Extrazug mit 34 Marincmannschaften sowie der freiwilligen Putziger Feuer- wehr zur Hilfeleistung nach Karwenbruch abgegangen. Der Putziger Strand ist vollständig weggespült. Die Promenade ist teilweise ab- gestürzt. Rostock i. Mcklg., 10. Januar. Durch das Hochwasser der Warnow ist heute früh der Fischer- und Gerberbruch derartig überschwemmt, daß daselbst zur Beförderung von Personen wieder Kähne in Tätigkeit treten mußten. Kiel, 10. Januar. Das Hochwasser überflutete gestern in den Abendstunden alle niedrig gelegenen Teile am Hafen. Die Straßenbahn muhte an verschiedenen Stellen den Verkehr ein- stellen. Die Bewohner am Hasen treffen eiligst Vorbereitungen zum Schutze gegen das noch immer steigende Wasser. *« * Auch aus dem Binnenlande wird aus den verschiedensten Gegenden Hochwasser, hervorgerufen durch die starke Schneeschmelze der letzten Tage, gemldet. Im S v r e e- wald steht die Villenkolonie Burg völlig unter Wasser. Der Neckar, die Mosel und die L a h n führten Hoch- Wasser und sind über die User getreten. In einigen am Neckar gelegenen Ortschaften, so in Stuttgart, Eßlingen. H e u b a ch und Plochingen, ist das Wasser in die tiefer- gelegenen Häuser eingedrungen. Mus öer Partei. Ein sozialdemokratischer Bizebürgermeistcr. Der Gcmemderat der steiermärkischen Provinzialbauptstadt Graz hat gegen einige extreme Geldsackvertreter unseren Genossen Äuiobsky zum Vizebürgermeister gewäblt. AuiobSty trat sein Ami mit einer Rede an, in der er den Deutschnationalen vorhielt, daß die Hebung der sozialen Lage der breiten volksm offen die wert- vollst« nationale Arbeil ist. Mitteilung. Zur Beantwortung zahlreicher Anfragen sei mit- geteilt, dass i>>e Zeitschrift»Die L e> e" ein privates Unternehmen ist, daS weder von einem sozialdemokratischen Verlage heraus- gegeben wird noch irgenvwie unter parteigenössischec Konlrolle steht. Soziales. Behördliche Revolte in Leipzig. Das Oberversicherungsamt in Leipzig hat die von der Kasse gegen die beiden rechtswidrigen Verfügungen des Ver- sicherungsamtes eingelegten Beschwerden zurückgewiesen. Die erste Verfügung betraf das V e r b o t der Abhaltung der Ausschußsitzung im Gewerkschaftshaus. Nach der Reichsversicherungsordnung(Z 3l Abs. 3) ist«ine solche Verfügung schon deshalb rechts- und gesetzwidrig, weil das Aufsichisrecht sich lediglich aus EinlMltung der Statuten und des Gesetzes bezieht, aber kein Statut oder Gesetz so hirnrissig ist, die Ab- Haltung der AuSschußsitzungen im Gewerkschaftshaus zu ver- bieten. Das ist auch vom preußischen Oberverwaltungsgericht gegenüber einem ähnlichen Rechtsbruch durch eine andere Be- Hörde in ständiger Rechtsprechung, z. B. in der Entscheidung vom 21. Oktober 1909, anerkannt. Dos Oberversicherungsamt kehrt sich aber nicht daran. Es anerkennt selbst, daß „weder eine einzelne Satzungs- noch Gesetzcsvorschrift durch die Wahl des Versammlungsraumes verletzt wird". Aber, meint es, der„allgemeinen Tendenz des Gesetzes" widerspreche es nicht, das Verbot zu erlassen, weil den nicht auf dem Boden der freien Gewerkschaften stehenden Gewerkschaften„nicht zu- gemutet werden" könne, das Gewerkschaftsl>aus zu betreten. Eine krassere Auslegung von Recht und Gesetz und eine parteiischere Betrachtung der Verhältnisse ist wohl schwer denkbar. Genau so unberechtigt ist die Zurückweisung der Be- schwerde gegen Einsetzung des sozialistenfresserischen Rechts- anwalts Professor Dr. Wörner zum Zwangsvor- sitzenden der Krankenkasse gegen ein Jahresentgelt von 6000 M. Nach dem Gesetz darf auf Widerspruch zum Zwangsvorsitzenden kein Arbeitgeber bestellt werden. Dr. Wörner ist aber Arbeitgeber nach dreifacher Richtung: als Rechtsanwalt, als Mitinhaber von Wörners Verlag und als Beschäftiger von Dienstboten. Damit findet sich das Oberver- sicherungßamt wie folgt ab: Die Rechtsanwaltschaft übe Dr. Wörner nicht selbst aus, sondern lasse sich durch zwei an- dere Rechtsanwälte vertreten. Läßt sich Dr. Wörner in seiner Anwaltstätigkeit vertreten, so betreibt er sie dennoch. Als Anwalt muß er, solange er mcht sich hat löschen lassen, ein Bureau halten. Ob die Burcaubeanitcn von ihm allein oder in Kompagnie gehalten werden, ändert seine Arbeitgeber- gualität nicht. Der Wörnersche Verlag bedarf nach dem Be- schluß überhaupt„keiner besonderen Hilfskräfte". Wunderlicher Verlag, der keinerlei Personal gebraucht. Ein Dienst- mädchen und ein Kinderfräulein habe Dr. Wörner endlich allerdings versichert. Aber da nach 55 329 Abs. 3 R.V.O. als Arbeitgeber im Sinne des§ 329 nicht gelte, wer nur Dienst- boten oder unständige Arbeiter beschäftige, stehe auch das seiner Einsetzuna als Kasienvorsitzenden nicht entgegen. Wes- halb das Kinderfräulein ein Tienstbote sein soll, setzt der Be- schluß nicht auseinander. Die Bemängelung des Riesen- gehalts von 6000 M.(bisher wurden 1500 M. gezahlt) für den Vorsitzendenposten sei hinfällig, sagt das Oberversicherungs- amt. 6000 M. seien angesichts der Vorbildung, der wissen- schaftlichen und sozialen Stellung Prof. Dr. Wörners sowie angesichts seiner„verantwortungsreichen Mühewaltung" „durchaus angemessen". Ei freilich 6000 M. Gehalt unter Fortzahlung während einer achtwöchentlichen Mil'tärübung und 4 Wochen Ferien sind„durchaus angemessen". Denn nicht das Oberversicherungsamt, sondern arme Arbeiter haben die Kosten aufzubringen und nach Ansicht der Herischenden Klasse ist ja die sogenannte Sozialversicherung geeignet, aus den mehr als 5 Proz. Reichseinkommensteuer, die durch sie den Ar- heitern auferlegt sind, fette Pfründen für Sozialistenfresser zu schaffen. Eine nette„soziale" Gesetzgebung.» Nach 14iährigrr Tätigkeit schuldlos auf die Straße gesetzt. Ein Akt empörenden Verhaltens gegenüber einer langjährigen Angestellten kam vor der ö. Kammer des Berliner Kaufmanns- gerichts zur Verhandlung. Der Fall betraf eine Lageristin L., die 14 Jahre in der beklagten Waschcfabrik von Artur Samulon tätig war. Durch anonyme Mitteilungen war auf sie der Verdacht de» Diebstahls von Wäsche gelenkt. Eines Abends erschienen in der Wohnung der Klägerin zwei Angestellte der Firma, hielten„Haus- suchung" bei ihr ab und„beschlagnahmten" einen Posten Wäsche. Frl. L. hatte diese Wäsche im Lause der Zeit bei der Firma gekauft und gab auch im Gefühle ihrer Unschuld die Wäsche ruhig mit. Am nächsten Tage erklärte ihr der Chef, er wolle die Sache auf sich beruhen lassen, wenn sie sofort austrete. Damit»war aber die Klägerin nicht einverstanden. Sie wartete tagelang auf Nachricht von der Firma, indessen sie erhielt weder eine Mitteilung noch stellte man ihr ihre Ausweispapiere und ein Zeugnis zu. Am 15. Septemfber v. I. reichte Frl. L. die Klage beim Kaufmanns- gericht ein. Unmittelbar nach Empfang der Klage stellte die Firma Strafantrag wegen Diebstahls. Bis zur Erledigung dieses Ver- fahrens setzte das Kaufmannsgericht die Verhandlung aus. Die bedauernswerte Lageristin wurde glänzend freigesprochen. Die be- schlognahmte Wäsche hatte die Angeklagte gekaust. Die Verlesung des Urteils machte auf das Kollegium des KausmannSgerichts großen Eindruck. Das Schicksal der Klägerin, auf deren Zügen das monatelange Martyrium deutlich zu lesen war, erregte im Gerichtssaale allgemeines Mitgefühl. Auf drin. pcndes Anraten des Borsitzeichen erkannte der Beklagte das Gehalt für einen Monat an, der Klägerin wurde aber freigestellt, wegen der nicht ausgehändigten Papiere eine Schadenersatzklage einzu- reichen. Wie die Klägerin noch erwähnte, ist eine andere Angestellte» die auch über 10 Jahre in Stellung war, unter ähnlichen Umständen grundlos auf die Strasse gesetzt worden. Dir Preiserhöhungen der Arzneitaxe. Die alljährlich im Januar erfolgende Neuausgabe der amt- lichen deutschen Arzneitaxe zeigt diesmal besonders viele Preis- erhöhungen. Für 464 Arzneimittel ist der Mindestpreis für eine verordnete Menge eines Stoffes, und betrage diese auch nur ein Milligramm, von 5 Pf. auf 10 Pf. erhöht, für gewisse als heil- kräftig geltende Salze ist dieser Mindestpreis sogar auf 50 resp. 125 Pf. erhöht worden. Das gilt auch für Waren, von denen das ganze Kilo beim Einkauf nur 55 Pf. kostet, z. B. Zinkvitriol. Auch für die sogenannten Spezialitäten sind die Preise beträchtlich erhöht worden. Die Taxpreise für Pastillen und Tabletten sind dann etwas herabgesetzt, wenn die verordnete Menge mehr alS 10 Stück beträgt. Vielleicht sollen die Apotheker dadurch mehr zizr Selbst- anfertigung dieser Pastillen und Tabletten veranlaßt werden, ein Erfolg, der aber schwerlich dadurch erreicht werden wird. Die Nachttaxe von 50 Pf., die bisher bei Verabfolgung von Arzneien in der Zeit von 0 Uhr abends bis 6 Uhr morgens zu zahlen war, ist jetzt für die Monate Oktober bis März inkl. bis 7 Uhr morgens verlängert und nur für die Sommermonate wie bisher bis 6 Uhr morgens belassen worden. Diese verschiedenen Taxerhöhungen sind namentlich für die Krankenkassen eine bedeutende Mehrbelastung; andererseits erhöhen sie das Einkommen der gegenwärtigen Apothekenbesitzer, für die nicht allein die Tageseinnahme steigt, sondern auch der Verkaufs- wert ihrer Apotheken. Denn diese Taxerhöhung ermutigt zahl- reiche nicht besitzende Apotheker, Apotheken zu taufen und die Mehr« forderungen der bisherigen Besitzer zu bewilligen, bis sie die Mehr- Forderungen für erhöhte Hypothekenzinsen zu gleichen Klagen ihrerseits veranlassen. Diese Klagen über die Unmöglichkeit, mit der bestehenden Arzneitaxe auszukommen, erheben die Apotheken- besitzer zeitweise schon seit etwa 50 Jahren, und mit Hilse von Konnexionen gelang eS ihnen immer nach ein bis zwei Dezennien- wieder eine mehr oder weniger ansehnliche Erhöhung der Arznei- taxe von dem betreffenden Minister zu erreichen. Dann hören die Klagen wieder auf, der Apothekenbetrieb wird wieder rentabel, bis die vermehrten Lasten jür die höher bezahlten Apotheken veran- lassen zu klagen, daß die Taxsätze den neue» Verhältnissen nicht mehr genügen, daß sie notwendig erhöht werden müßten, und da die Apothekenbesitzcr ja allgemein gut konservative Leute sind und gute Konnexionen haben, so hat auch Herr von Dallwitz ebenso wie seine Vorgänger ein menschliches Rühren ihnen gegenüber gezeigt und wieder einmal ihren Wünschen entsprochen. Die Apothekenbesitzer stellen ja sonst an seine Tätigkeit keine weiteren Ansprüche. Zwar erklären weiter sehende Fachmänner, dass das keine Lösung der Frage der Arzncibrschaffung ist, datz hierzu vielmehr eine Reform der gesamten Arznrivcrsorgung nötig ist, die jetzt grösstenteils von grossen pharmazeutisch-chemischen Fabriken, die nicht nur die Pastillen und Tabletten liefern, sondern die eigentlichen Fabrikationsstellen für alle Medikamente sind. Sie besorgen die Dosierung, Abfassung und Verpackung der meisten ver. ordneten Medikamente, so daß dem Apotheker nur die Vcrabfolgung derselben an die Patienten übrig bleibt. Die Apotheken sind also heute nur Abgabe- und BertcucrungSstcllcn der von den Aerzten verordneten Arzneien, nicht die Produktionsstellen. Diese von Zeit zu Zeit immer wiederkehrenden Taxcrhöhungen der Arzneiwaren bilden für den einzelnen wie für die Krankenkassen eine schwer drückende Mehrbelastung. An die so notwendige Neuregelung dieser Verhältnisse der Her- stellung und Verabfolgung der Arzneien macht sich die Regierung aber nicht heran._ Untcrnehmerschwindcl. Eine bewußt schlechte Sache kann gewöhnlich auch nur mit schlechten Mitteln verteidigt werden. Und je schlechter die Sache, um so skrupelloser sind ihre Wortführer in der Wahl der Mittel. Das gilt auch von dem Kampf der Stahlmagnaten gegen eine» besseren Hüttcnarbeiterschutz. Nrnh Behauptungen der Unternehmer soll sich die Einführung der dreigeteilten Schicht an Stelle der jetzt übliche» zwei Schichten zu je 12 Stunden im Hochofenbetrieb nicht durchführen lassen» weil dann 60 606 Arbeiter mehr eingestellt werden müßten. Eine solche Zahl leistungsfähiger Kräfte sei aber nicht zu beschaffen.— Ganz abgesehen von der UnHaltbarkeit des Arguments liegt in den Zahlenangaben eine bewußte Irreführung der öffentlichen Meinung. Nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich(34. Jahrgang, Seite 82) stellte sich die mittler: Belegschaft sämtlicher deutscher Hockwfenbetriebe im Jahre 1011 auf insgesamt 47 546. Ungefähr drei Piertcl davon arbeiteten in der Wechselschicht. Demnach wären, wenn man den Einwand der Unter» nehmer gelten lassen will, bei Einführung der dreifachen Schicht im Hochofenbetrieb höchstens 18 000 neue Arbeitskräfte erforderlich. Wie kommen die Unternehmer nun zu der Zahl von 60 000, wenn sie nicht ganz bewußt darauf ausgingen, mit ihren falschen An- gaben irrezuführen? Natürlich ist die Zahl von 18 000 auch noch zu hoch gemessen, denn eine Anzahl Arbeitskräfte wird durch Mechanisierung deS Betriebes ersetzt. Gegen den besseren Hutten- arbeiterschutz gibt es nur eine wirkliche Schwierigkeit: die Profit- sucht des Kapitals. Mus aller Welt. Die Gerechtigkeit siegt! Mit banger Sorge sah man den Verhandlungen gegen den Oberst v. Reuter und seinen Leutnant S ch a d und der Be» rufungsverhandlung gegen den Leutnant v. F o r st n e r entgegen. Handelte es sich doch um nichts weniger als darum, ob wir noch daS Land der vollendetsten Rcchtsgaranticn seien. Aber— Gott sei Dank!— die Gerechtigkeit hat einen glänzenden Sieg davongetragen. Alle drei sind sie— wir haben eine angebotene Wette gewonnen— freigesprochen worden. Noch in späten Tagen wird man singen und sagen von diesen Urteils- sprächen, die bewahrheiten, daß das Recht siegen mutz, wenn auch die Welt darüber zugrunde geht. Die alte schon ziemlich zerschlissene Legende, daß es noch Richter in Berlin gebe, kann ruhig auf den Kehricht ge° warfen werden. Wenn man in Zukunft von einem unvermuteten Sieg der Gerechtigkeit reden wird, muß inön schon sagen: E s gibt noch Kriegsrichter in Straßburg! Nur auf eines haben trotz aller Vorsorgen die Kriegsgerichte leider keine Rücksicht genommen. Wer ersetzt— wenn auch die entstandenen Gerichtskosten erfreulicher Weise dem Fiskus auf- erlegt wurden— den Angeklagten die ihnen sonst entstandenen Unkosten, wer entschädigt sie für die Seelen quälen, die die so schnöde Angeschuldigten während der letzten Wochen durchleben mußten. Da ist also ein Mangel, dem unbedingt abgeholfen werden muß. Wenn auch ob der besonderen Verdienste der drei Krieger der preußische Ministerpräsident sie als Kandidaten für das Herrenhaus in Vorschlag bringen wird, darüber hinaus muß das deutsche Volt eine öffentliche Ehrung der Herren vor- nehmen. Das einzig Richtige ist in diesem Falle: eine Na- tionalspende! Jeder kann da zu seinem Teile beitragen, die Liebe und Bewunderung ob der Zabcrncr Heldentaten zum Aus- druck zu bringen! Spenden werden von uns gern entgegengenommen. Die Leiche im Reisekorb. Einem wahrscheinlich an einer Wiener Halbweltdame verübten Kapitalverbrechen ist man nach einem Telegramm aus B u d a p e st dort auf die Spur gekommen. Am Ufer des Ofener Donaukanals fanden Kutscher am Sonnabendnachmittag einen aus dem Wasser herauSragenden v e r- schlossenen Reisekorb. Man öffnete den Korb und fand in ihm die Leiche einer etwa 30 Jahre alten Frau, die offenbar ermordet worden ist. Die Polizei wurde sofort verständigt und nahm eine Untersuchung vor; sie glaubt, daß es sich um eine Halb- Weltdame aus Wien handelt, da der Reisekorb, wie der jüngste an ihm befestigte Eisenbahnlaufzettel beweist, in Wien mit der Bestimmung nach Budapest aufgegeben worden ist. Der Chauffeur eines Lohnautomobils sagte, nachdem er die Leiche besichtigt hatte, aus, daß die Ermordete gestern abend mit einem Zuge aus Wien auf dem Budapest er Ostbahnhofe angekommen sei und sich von ihm im Automobil nach Ofen habe fahren lassen. Ueber die Persönlichkeit der Toten und den etwaigen Mörder konnte die Polizei bisher noch nichts ermitteln._ Ein Mörder auf Bestellung. Aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten kommt eine ganz absonderlich klingende Mär. Am 19. Dezember v. I. fand man in Berwick im Staate Illinois die Leiche eines Deutschen namens L i ch t e n f e l d, der in guten VermögenSverhältniisen gelebt hatte. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß Lichtenfels sich für 30 Dollar einen Mann geworben hatte, um s i ch von diesem erschießen zu lassen. Lichtenfeld war lebens- überdrüssig geworden und entschloß sich daher, das ihm verhaßte Leben von sich zu werfen. Jndesie» war er zu religiös, um den Selbstmord mit seiner Auffassung zu vereinbaren, da er für sein Weiterleben nach dem Tode fürchtete. Um aus diesen Skrupeln herauszukommen, verkehrte er einige Zeit lang in den Kneipen der Stadt und suchte sich einen Mann, der für wenig Geld die„Arbeit" auf sich nehmen sollte, ihn zu erschießen. Diesen fand er am 19. Dezember und zahlte ihm 30 Dollar. Der Mörder konnte noch nicht festgenommen werden. Geistlicher und Schnapsverkanfer. Eine treffliche Illustration zu dem innigen Verhältnis bo» Frömmigkeit und Schnaps berichtet unser römischer Korrespondent aus der Ortschaft S e t t i n o in der Provinz Turin. Ein dort wohnender Geistlicher namens F o r m i c a ist wegen h c i m l i ch c n Verkaufs von Schnaps angezeigt worden. Der Geistliche verkaufte den Schnaps in kleinen Mengen, natürlich ohne eine Konzession zu haben, und ohne die betreffende Abgabe zu ent- richten. ES scheint, daß der Schnapsvertrieb schon seit längerer Zeit florierte._ Kleine Notizen. Ter Tod in der Grube. Durch niedergehende Gesteinsmassen wurde in der„Mathildcngrube" bei L i p i n c i. Oberschl. der Berg- mann Kirchner getötet. Ein anderer Arbeiter litt sebr schwere Verletzungen.— Auf Schacht II der Gewerkschaft Dönges bei Dörn- dorf wurden durch niedergehendes Mauerwerk ein Mann getötet. zwei schlver und einer leicht verletzt. Opfer des Berufes. Auf dem Güterbahnhofe in I n st erb u r g wurde der ISjäbrige Eisenbahnarbeiter Richter von einem Rau- gierzuge überfahren und so schiver verletzt, daß er im Kranken- Hause st a r b.— Ein gleiches Schicksal erlitt auf dem Bahnhofe P i l l a u der Bahnarbeiter Eisenblättcr, der, infolge des heftigen Schneetreibens von einer Lokomotive überrascht, über- fahren mW getötet wurde. Schwarze Blattern in Wien. Wegen Erkrankung an schwarzen Blattern würde Freitagabend ein Bäckerlehrling des Bezirks Ottakrmg m das Franz-Josephs-Spital eingeliefert. Hilfskasie der Graveure, Ziseleure und der«. Bernfsgrnoflen in Brrltn lagt jeden zweiten Wontag im Monat, abcudS von S— 10 Uhr, im Restaurant Lulienuicr 1. Allgemeine Familirnsterbekassr. 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Verband der Sozialdemokratischen Wahlvcreine Berlins und Umgegend. Dienstag, den 13. Jannar, finden in Berlin zwölf Ber- sammlnngen statt mit der Tagesordnung: Freies Koalitionsrecht und die Hetze der Scharfmacher. Desgleichen am selben Tage drei Versammlungen in Lichtenberg- Friedrichsfelde und je eine Versamm- lung in Neukölln, Köpenick und Pankow. Mittwoch, den 14. Jannar, ist Zahlabcnd in Groß-Berliu. Am selben Abend ist je eine Versammlung in Adlers- Hof, N o w a w e s und W c i fi e n s e e. Weitere Koalitionsrechtsversammlungen werden statt- finden am: Oranienburg. Herzfelde. K a l k b e r g e- R ü d ers- dorf, Zeuthen- Eichwalde. Britz. Alt-Glienicke, Charlottenburg, Lankwitz, Martendorf, Nieder- Schöne weide. T e m p e l h 0 f. Trebbin. Steglitz-Friedenau. Der Aktionsausschuß. Zweiter Kreis. 4. Mteilung: Gemeinschaftlicher Zahlabend der Bezirke 24, 25, 26, 27 und 28 bei 2 Brich Markgrafenstr. 73. Fortsetzung des Vortrags des Genossen Zubeil über:„Verfassung". Dritter Kreis. 3. und 6. Wteilung: Am Mittwoch, den 14. Jw nuar, bei Witlve Augustin, Oranienstr. 163: gemeinschaftlicher Zahl abend. Vortrag des Genossen Hans Weber über:„Ter Kampf um die Macht". Steglitz. Die Bibliothek des Wahlvercins bei Echellhase, Ahornstr. 15a, ist von jetzt ab wieder jeden Montag von 8—4) Uhr abends geöffnet. Treptow. Baumschulenweg. Die Flugblattverbreitung findet für Treptow-Baumschulenweg, heute, Sonntagmorgen, nicht statt. Britz-Buckow. Der Zahlabend am 14. d. M. fällt ans, da am gleichen Tage, abends S'A Uhr. im Lokal Lindenpark(Hufenbeck), Ehausseestr. 18, Generalversammlung stattfindet. Tagesordnung: 1. Bericht des Gesamtvorjtandes und der Kommissionen. 2. An- träge zur Kreisgeneralvcrsammlung und Wahl der Delegierten. 3. Verschiedenes. Dienstag, den 13. d. AS Uhr, Flugblattverbrcitung von den bekannten Stellen aus. Friedenau. Am 26. d. Mts. findet eine öffentliche Versammlung statt. Aus diesem Grunde findet der Zahlabend am Mittwoch den 14. Januar, abends S'/a Uhr. gemeinsam, bei Klawe, Handjery- strafe 66/61. statt. Genösse Richter berichtet über seine Tätigkeit im Gemeindeparlament. Grünau. Mittwoch, den 14. d. M., abends 9 Uhr, Mitglieder Versammlung. Tagesordnung: Bericht des Gemeindevertrcters Gen. Mitzner. Diskussion. Stellungnahme zur bevorstehenden Neuwahl. Verschiedenes. Nieder-Schöneweidc. Die Protestversammlung findet nicht am Montag, den 12. Januar, sondern am 19. Januar, abends SÄ Uhr im Lorelei-Restaurant, Berliner Strafe 161, statt. Berlin-Buchholz. Am Mittwoch, de» 14. Januar, bei Kähne Gemeiniamer Zahlabend. Vortrag der Genoisin Klara Bohm-Schuch über: Die sexuelle Aufklärung unierer Jugend.— Di« Genossen aus Blankenburg und Karow werden ersucht, sich auch daran zu beteiligen. Gäste willkommen. Marienfelde. Mittwoch, den 14. Januar, abends SA Uhr, Mib gliederversaminlung des Wahlvereins bei Schuster, Kirchstraße. Tagesordnung: Staat und Kirche. Referent Genosse Reuter, Halen sec. Roscnthal. Am Montag, den 12. Januar, pünktlich SA Uhr, im Lokal von Frau Barth, Prinz-Heinrich-Stratze, Ecke Viktoria» strafe: BorrragskursuS:„Die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung".(2. Abend.)— Teilnehmerkarte 6,56 Mark. Svandau. Am Dienstag, den 13. Januar, abends 7 Uhr, findet von sämtlichen Bezirkslokalen aus eine wichtige Flugblatt- Verbreitung statt. Wir fordern alle organisierten Arbeiter Spandaus auf, sich daran zu beteiligen. Ferner findet am Freitag, den 16. Jannar, abends 8 Uhr, in der Brauerei Pichelsdorf eine Protest Versammlung gegen das geplante Attentat der Scharfmacher auf die Arbeiterorgani» sationen statt.' Der Kartellausschutz. Der Parteivorstand. Serlmer Nachrichten. /lgitation für Sie Kirche. Am Freitag teilten wir mit, daß an diejenigen, welche ihren Austritt aus der Kirche angemeldet haben, von kirchlicher Seite ein Flugblatt versandt wird, welches zum Bleiben in der Kirche auffordert.— Inzwischen hat sich herausgestellt/ daß sich die Kirche nicht nur an die Austrittswilligen wendet, sondern vielmehr eine große Agitation gegen die Austritts- bewegung ins Werk setzt. Gestern wurde im Osten Berlins ein Flugblatt von Haus zu Hyus verbreitet. Gerechte und Ungerechte wurden wahllos damit bedacht. Den Enipfängern des Flugblattes wird in fettem Druck die Mitteilung gemacht: „Am 11. Januar wird iu sämtlichen Kirchen Berlins über das Thema:„Was haben wir an unserer Kirche?" gepredigt. Bitte, besuchen Sic und Ihre Angehörigen doch ja diesen Gottesdienst!" Die evangelische Kirche hat sich also zu einer planmäßigen Gegenagitation gegen die Austrittsbewegung aufgerafft. Ein Beweis, daß ihr der Erfolg dieser Bewegung recht unangenehm ist. Von allen Kanzeln in Berlin wird nun am heutigen Sonntag den gläubigen Hörern mit salbungsvollen Worten nahegelegt werden, was sie nach Ansicht der Geistlichen von der Kirche haben. Sollte dies in demselben Sinne geschehen, wie es der Verfasser des Flugblattes tut. dann haut die ganze kirchliche Propaganda daneben und wird ihren Veranstaltern nichts nutzen. Das Flugblatt zählt nämlich, wie das am Freitag von uns skizzierte Druckwerk, alles mögliche auf, was| die Kirche angeblich für das irdische und leibliche Wohl der � Menschen getan hat und tut. Doch darauf koinnit es, wenn■ von der Austrittsbewegung die Rede ist, weniger an. In der Hauptsache ist doch die christliche Kirche, oder sie soll es wenig- stcns sein, eine Gemeinschaft von Menschen, die das christliche' Glaubensbekenntnis zur Grundlage ihres Denkens und Hau- delns machen. Im Glauben an den Gott, wie er im christ- lichen Glaubensbekenntnis dargestellt wird, soll die Kirche in erster Linie das geistige und seelische Leben ihrer Anhänger beeinflussen und sie auf das von ihnen erhoffte jenseitige Leben vorbereiten. Das ist der Kernpunkt, um den es sich auch bei der Austrittsbewegung handelt. Wer mit voller Ueberzeugung zum christlichen Glaubensbekenntnis, zu der christlichen Anschauung von Gott und Welt steht, wem die religiöse Betätigung Herzensbedürfnis ist, der wird sich durch keine Agitation zum Austritt aus der Kirche bewegen lassen. Aber die große Masse derer, die dem Nanien nach Mitglieder einer Kirchengemeinschaft sind, glauben längst nicht mehr an die grundlegenden Lehren der Kirche, sie halten die christliche Anschauung von Gott und Welt für falsch, für überwunden durch die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung. Diese Un- gläubigen, die innerlich mit der Kirche gar nichts gemein haben, sollen so konsequent sein, auch das äußere Band, welches sie ohne tatsächliche Berechtigung noch mit der Kirche verbindet, zu lösen. Will denn die Kirche diese Ungläubigen, die innerlich gar nicht zu ihr gehören, durchaus' behalten? Nach dem Flugblatt scheint es so, denn von dem Glauben, der doch die erste Vor- bedingung für die Zugehörigkeit zur Kirche sein sollte, ist nicht die Rede. Traut die Kirche der Macht ihres Glaubens so wenig, daß sie sich in ihrem Kampf gegen die Austritts- beioegung gar nicht mehr auf sie beruft? Genügt der Kirche wirklich schon die rein äußere Zugehörigkeit zu ihr und die gelegentliche Inanspruchnahme eines Geistlichen bei Taufen, Trauungen und Todesfällen? Ist dein so, dann handelt ja die Kirche gegen den Geist ihres Stifters, der das unbedingte Bekenntnis zu seinen Lehren von seinen Anhängern forderte und das Wort aussprach:„O, daß du kalt oder warm wärest. Da du aber lau bist und weder kalt noch warm, so will ich dich ausspeien aus meinem Munde." Wenn also die Kirche den Willen ihres Stifters erfüllen wollte, dann müßte sie die Lauen, das heißt, diejenigen, die ihr nicht gläubigen Herzens angehören, von sich stoßen und nicht erst warten, bis die Lauen von anderer Seite zur Konsequenz aufgerufen werden. Also: Die Gläubigen soll die Kirche behalten. Tic Nichtgläubigen aber sollen die Kirchengemein- schaft verlassen, denn ihr Verbleiben in derselben.wäre Heuchelei und Unaufrichtigkeit. » Während in den Kirchen von den Kanzeln gegen die Austrittsbewegung gesprochen wird, wird in 16 Versamm- lungen nach Kirchenschluß das Wesen der heutigen Staats- kirche daogeton werden. Die Versammlungen sind gestern im Inseratenteile angezeigt worden. In einer Anzahl Versamm- lungen wollen Geistliche sich zur Diskussion stellen. Die Untcrtunnelung der Linden. Das Projekt der Linden-Untertunnelung ist in der Stadt- derordneten-Versammlung vom 8. d. Mts. von neuem erwähnt worden. Von zuständiger Stelle wurde erklärt, es sei zu hoffen, daß das Projekt demnächst ins Reine kommen werde. Die Linden- Untertunnelung ist von der grötzten Wichtigkeit für die gesamte Verkehrsbewegung zwischen dem Süden und dem Norden; denn die Hemmung durch die Straß« Unter den Linden bedeutet beinahe ein« Unterbindung des Verkehrs. Sie berührt nicht nur die städti» schen Straßenbahnlinien, sondern in besonderem Maße mich die der Großen Berliner Straßenbahn. Bekanntlich schwebt die An- gelegenheit der Linden-Untertunnelung schon seit Jahren. Sie hatte längere Zeit geruht, weil nicht feststand, an welcher Stelle das neue Opernhaus gebaut werden sollte. Nachdem Bestimmung darüber getroffen ist, daß das neue Opernhaus am Königsplatz erbaut wird, ist dos Projekt seitens der städtischen Verivaltung wieder ausgenommen worden, und es wurde gegen Ende 1912 ein neuer Entwurf eingereicht. Nach längeren Verhandlungen mit den staatlichen Instanzen mußten wiederholt Umarbeitungen des Entwurfs vorgenommen werden, weil einmal die Tunnelhöhe nur für die üblichen Straßenbahnwagen angenommen war, wäh- rend verlangt wurde, daß der Tunnel auch für zweigeschossige Wagen zugängig gemacht werden solle. Da infolgedessen die Tunnelsohle tiefer zu liegen kam, so wurde dadurch auch die Rampenlänge größer. Weitere Umarbeitungen waren notwendig wegen der cm der Universität geplanten Neubauten im Kastanien- Wäldchen, die in ihren Flügelbauten eingeschränkt werden mußten, um die Uebersichtlichkeit über die Ausfahrt auf der Nordseite— in der Dorothcenstrvße— nicht zu beeinträchtigen. Schwieriger gestalteten sich die Verhältnisse auf der Südseite. Hier handelte es sich darum, ob die Straßenbahn auf dem jetzigen Wege durch die Französischestrahe und die Straße Hinter der Katholischen Kirche oder durch die Behrenstrahe und deren Ver- längerung zwischen Opernhaus und Hcdwigskirche in den Tunnel geführt werden könnte. Die südliche Tunnelmündung soll näm- lich auf dem freien Platz am Festungsgrabcn gegenüber der Ost- seit« des Opernhauses angelegt worden, um den Straßendamm für den Verkehr frei zu halten. Es sind 4 Projekte aufgestellt worden. Bei genauer Durcharbeitung hat sich das Projekt als ausführbar erwiesen, daS die Zuführung aller Straßenbahnen nach dem Tunnel durch die Französischestraße und die Straße Hinter der Katholischen Kirche vorsieht. Eine Dienstanweisung. Ein« neue„Dienstanweisung für Arbeiter und Arbeiterinnen des städtischen Vieh- und Schlachthofes" stand in der letzten Sitzung des Kuratoriums für den Vieh- und Schlachthos zur Beratung. Eine Reihe Abänderungsanträgc, die schon vergeblich vom Arbeiter- ausschutz gestellt waren, wurden von unseren Genossen wieder auf- aufgenommen. Der Wunsch, Arbeiter durch den Zentralnachweis Gormann- straße anzunehmen, ist vom Magistrat schon durchbrochen, was Wunder, daß die Behauptung, der Zentralnachweis könne den An- forderungen meist nickst nachkommen, genügte, um diesen Wunsch unerfüllt zu lassen. Die Forderung des Arbeitsausschusses, an Stelle der eintägigen Kündigungsfrist bk 14tägige zu setzen, wenigstens für diejenigen Arbeiter, welche vier Wochen dort sind, wurde abgelehnt. Diejenigen, welche fünf Jahre in Arbeit sind, sollen nicht mehr von den einzelnen Betriebsleitern, sondern nur von der Direktion entlassen werden können. Im§ 3 wurde die Bestimmung über die„angemessene Haltung" und die„gebührende Achtung", mit der Vorgesetzte bei ihrem Eiffcheinen von Arbeitern zu begrüßen sind, vernünftigerweise gestrichen. Es wäre auch für einen städtischen Betrieb gar zu possierlich gewesen, wenn etwa die Reinig-ungskolonnen mit den Händen an der Hosennaht oder bei höheren Vorgesetzten mit präsentiertem Besen hätten Front machen müssen. Beim»neuen Präsentiergriff" hätte es' leicht passieren können, daß der Inhalt des Besens den„Geehrten" ins Gesicht geflogen wäre. Der Z 4 schreibt unter anderem vor, daß die Arbeiter mit dem Glockenschtage an der Arbeitsstätte sein müssen; der Himvcis, daß Arbeiter, wie z. B. die Dungarbeiter, 29 Minuten zur Erreichung der Umkleideräume, für Umziehen und Säuberung(Waschen) not- wendig hätten, konnte nur erreiche», daß gnädigst fünf Minuten Frist gewährt wurden. Das schlimmst« aber leistete sich die Mehrheit beim§ 5. Hier wurde jene Scharsmacherbestimmung hineingebracht, welche im Jahre 1961 sogar die Gewerbeiiispcktoren zum Protest gegen den Zentralverband der Industriellen veranlatzte. Der Hinweis, daß selbst der doch geWitz reaktionäre Dr. Metier in seinem Koin- mentar zu§ 9 des Lohnbcschlagnahmegesetzcs dies für Recht«- Hinderung und gegen die guten Sitten verstoßend bezeichnete, nützte nichts. Es lag ein Gemcindebeschluß vor und der müsse zur Ausführung gebracht iverden. Auch gegen Logik und Vernunft. Im§ 8, der von„Rückgabe der Bekleidungsstücke" in sauberem Zustande spricht, gelang es wenigstens durch Einschieben des Wortes„möglichst" zu verhindern, daß ein schikanöser Vorgesctzier Dungkleider chemisch gereimgt zurückverlangt. Im§ 19 wurde neben der schriftlichen Anzeige bei Einberufungen zu militärischen Uebungen auch noch die Möglichkeit einer protokollarischen Mit- teilung vorgesehen. Eine Reihe anderer Wünsche wurde glatt ad- gelehnt. Ein Antrag unserer Genossen, daß Arbciterentlassungcn, die im Namen des Kuratoriums ergehen, auch dem Kuratorium vorgelegt werden, soll eist auf seine„Berechtigung" geprüft wer» den. Merkwürdige Logik! Konkurs aus Schikane. Ueber das Vermögen des Stadtverordneten Genossen Hetz schold ist bekanntlich Konkurs eröffnet, nicht weil Hetzschold mehrere Gläubiger hätte, nicht, weil der eine Gläubiger, den Hetzschold in- folge de? Bäckerstreiks vom Jahre 1964 hat, durch den Konkurs zu seiner Befriedigung gelangen will, sondern lediglich um die Aus- Übung des Mandats des den Bäckermeistern verhaßten Mannes zu erschweren. Ist das nach dem Gesetz zulässig? Nein. Zunächst kann cS nicht zweifelhaft sein, ob beim Vorhandensein nur eines Gläubigers Konkurs eröffnet werden darf. Das widerspricht dem Wesen des Konkurses, der die gleichmäßige Befriedigung aller Gläubiger zum Ziel hat. Diese Ansicht vertreten auch heute noch hervorragende Kommentatoren, so Seuffert, Endemönn, Moisner. Heilmann. Indes, schließt man sich auch der Buchstabenauslegung an, daß ein Gläubiger genüge, so ist doch Voraussetzung, daß dieser Gläubiger wegen Sicherstellung durch den Konkurs interessiert ist. DaS nimmt auch daS Reichsgericht in seiner Entscheidung vom 11. Januar 1884 (Bd. 11 S. 46) an. Hier aber liegt solch Interesse nicht vor. Hetzschold ist wiederholt gepfändet und hat wegen der aus dem Flugblattprozeß für Herrn Lude herausgeschlagenen Forderung von 6666 M. im Jahre 1911 den OffenbarungScid geleistet. Hier kann also der Antrag auf Eröffnung des Konkurses nur den Zweck haben, Hetzschold politischen Schaden zuzufügen. DaS ist Schikane. Nack, Z 226 B. G, B. ist aber die Ausübung eines Rechts(auch das auf Konkurseröffnung) unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen. Deshalb dürfte der Beschwerde gegen die Konkurseröffnung bald stattzugeben sein. Die Acrztinnen in Berlin. Die Zahl der toeiblichen Aerzte wächst langsam aber stetig. So zählt mau nach der amtlichen Zusammenstellung der Kreisärzte allein in Berlin jetzt schon 83 Aerztinne», die praktizieren und auch natürlich approbiert sind. Von diesen Aerztinnen geben 22, also zwei Drittel, eins oder mehrere Fächer als ihre Spezialität an. Am meisten sind dabei Kinder- krankhciten vertreten. Nicht weniger als 11 Aerztinnen be» fassen sich hiermit im besonderen, zum Teil auch in Verbin- dung mit Frauenleiden. Kinderkrankheiten allein behandeln fünf Aerztinnen. Frauenleiden als ihr besonderes Gebiet be- zeichnen fünf Aerztinnen. Innere Leiden iverden als Spc- zialität dreimal angegeben, Haut- und Geschlechtsldiden sowie Nervenleiden je zweimal, je einmal vertreten ist auch die Ungenheilkunde nnd die Orthopädie. Mit der Geburtshilfe befassen sich außerdem im ganzen zwölf Aerztinnen. Zivei bezeichnen diese als ihre Spezialität. Zum Vorfidcndcn der Allgemeinen Ortskrankcnkassc in Berlin wurde der Kommerzicnrat Max Simon und zu dessen Stellvertreter Reichstagsabgeordneter Bauer einstimmig gewählt. Die Verzweiflungstat eines Stellungslosen rief gestern abend in der Fricsenstraße Aufsehen hervor. Der Handlungsgehilse Hermann Köhler aus der Fricsenstraße 5 war schon seit Monaten stellungslos. Alle seine Bemühungen, wieder Beschästi- gung zu erhalten, blieben fruchtlos. So hatte er bald unter Nahrungssorgen zu leiden, die von Tag zu Tag schlimmer wurden. Schließlich wußte der Unglückliche keinen anderen Ausweg, als in den Tod zu gehen. Gestern abend gegen 7 Uhr schoß sich der Lebensmüde vor seiner Wohnung eine Rcvolverkugel in die Brust. Ins Herz getroffen, brach K. tot zusammen. Die Leiche wurde nach dem Schauhaus gebracht. Ein schwerer Straßcnunfall ereignete sich gestern nachmittag am Küstriner Platz. Gegen �6 Uhr lief der 19jährige Schüler Artur Bobruwitz, der Sohn des in der Langestr. 56 wohnen- den Heizers B., beim Ueberqueren des Fahrdammcs an der Ecke der Königsberger Straße blindlings gegen einen Flaschenbierwagcii und wurde überfahre». Der Knabe erlitt schwere innere nnd äußere Verletzungen und wurde in bewußtlosem Zustande nach der Unfallstation in der Warschancr Straße gebracht, wo ihm die Not- verbände angelegt wurden. Von dort aus wurde der Verunglückte in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus Frie- drichshain geschafft._ Ter Unfall bei Löwe. Zu dem Unfall bei der Firma Ludw. Löwe wird uns folgende» mitgeteilt: Die Ursache de« Unfalls ist in einem Konstruktionsfehler der Tür zu suchen. Die Tür ist ungefähr 3fta Meter hoch und wiegt 14 Zentner. Sie läuft oben auf 2 Rädern, in tvclche eine Schieue greift, unten ruht die Tür auf. Da die Hitze die Tür, ausdehnte und keine Schutzichiene angebracht war, fiel sie bei dem Bemühen der Arbeiter, dieselbe von der Stelle zu schieben, aus der Laufichieue und mußte umfallen. Dabei ist noch zu bemerken, daß der Neubau. indem da« Unglück geschah, erst seit dem 29. Dezember 1913 in Betrieb ist._ Betriebsstörung auf der Hochbahn. � Im Hochbahnbetrieb trat gestern vormittag in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 9� Uhr vor- mittags eine Betriebsstörung ein. Zwischen den Stationen Möckern. brücke und Gleisdreieck war bei einem Zug ein Motordefekt eingc- treten, so daß dieser die Strecke sperrte. Die Insassen wurden deshalb zur nächsten Station geleitet und der Verkehr zwischen Gleisdreieck und Hallesches Tor so gut es ging, in großen Abständen durchgeführt. Erst gegen?L1v Uhr gelang es, de» defekten Zug cmszuraiiHiercn und in das Depot zu bringen.- Der Verkehr zwischen der Warschauer Brücke und dein Halleschen Tor wurde nicht unterbrochen. Verloren hat ein Arbeitsloser am Sonnabend, den 10. Januar. am Hermannplatz eine Brieftasche mit Verbandsbuch, Invaliden- tarie usw. Der ehrliche Finder wird gebctech dieselbe im Verband der Barbiere, Linienstr. 73, abzugeben oder unfrankiert einzu- senden. Zu dem Unfall eiueS Fahrers vom Böhmischen Brauhaus, über den wir in Nr. ö berichteten, wird uns mitgeteilt, daß der tödlich verunglückte Philipp Kaul sogenannter„Vizefahrer" war. Er hatte den Auftrag erHaltens eine Tonne Bier in dem Restaurant von Ziemer am Dönhoffplätz abzuliefern, das ein Ausschank des Böhmischen Brauhauses ist. Es wurde aber nicht dafür gesorgt, daß den Mann, der erst vor kurzem als Aushilfe eingestellt worden war, ein Mitfahrer begleitete. Die frühere Angabe, daß er einen Begleiter bei sich gehabt und mit diesem zusammen das Bier ab- geliefert habe, ist irrig. Als Kaul allein die schwere Tonne in den Keller hinunterschaffen wollte, entglitt sie ihm. und bei dem Ab- iturz erlitt er tödliche Verletzungen, denen er sofort erlag. Es soll im Böhmischen Brauhaus, so wird uns versichert, schon öfter vor- gekommen sein, daß ein„Vizefahrer" ohne Beistand eines Mit- fahrers eine Bierlieferung ausführte. Gegen die Verschlechterung des Koalitionsrechts veranstaltet der Zentralverband der Handlungs- g e h i l f e n morgen Montag, den 12. d. M t s., abends Z'/z Uhr, in den Germania-Festsälen, Chaussee- st r a ß c 110, eine große öffentliche Kundgebung, zu welcher der Genosse Rechtsanwali Dr. Hugo Heinemann das Referat übernommen hat. Gleichzeitig soll die Versammlung den Auftakt zur Agitation für die am 15. Februar in Berlin stattfindenden Kaufmannsgerichtswahlrn bilden. Genosse Georg Ucko wird über das Thema:„Auf zum Kampf um das Kaufmanns- geriwt!" sprechen. Die Tagesordnung der Versammlung ist von so großer Bedeutung, daß wir annehmen, die organinerten Hand- lungsgehilfen und Gehilfinnen werden für einen Massenbesuch der Kundgebung Sorge tragen. Verlöre«. Am 7. Januar morgens zwischen 7 und ViS Uhr ist auf der Stadtbahn zwischen Börse und Bellevue in einem Halenscer Zuge im Nichtraucherabteil 3. Klasse eine schwarze Handtasche mit einer goldenen Damenuhr verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird um Abgabe gebeten an Wolfs, Lychener Straße 26, 3. Portal, vorn 3 Treppen. Kleine Nachrichten. Ein Handtaschenräuber entriß am Freitag abend vor dem Hause Stülerstr. 2 einer Frau E. mit einem kräf- tigen Ruck die Handtasche, in der sich u. a. 150 M. bares Geld befand. Die Beraubte schrie laut auf und der Räuber ergriff die Flucht. Die Tasche mit dem Inhalt warf er jedoch auf der Flucht weg. Sie wurde gefunden und konnte>der Beraubten wiedergegeben werden.— Aus Furcht vor Erblindung hat der 76 Jahre alte frühere Malermeister Josef Schwad aus der Lübecker Straße seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht. Vorortnachrichten. Iieukölln. Feuer in den Neuen Berliner Messingwerke«. Ein größeres Schadenfeuer kam gestern morgen gegen 3Vz Uhr in d en Neuen Berliner Messingwerken Wilh. Borchert jr. G. m. b. H in der Bergstr. 89 91 zum Ausbruch und beickiäfligte die Neuköllner Feuerwehr mehrere Stunden lang. Als die Löichchge unter Führung des Branddirektors Pozdziech anrückiem stand dos Laboratorium .und eiu"Teil, der G i e ß e re r. mit dem dariibcriiegrnden Dachstuhl in Flammen. Um ein weiteres Umsichgreifen deS Feuers zu der- hülen, wurde sofort mit mchieren Schlauchleitungen Wasser gegeben und es gelang auch, den größten Teil der Gießerei zu hallen. Tie Lvscharbeiten waren erst gegen 8 Uhr beendet; mit den Auträumungsarbeiten halte die Wehr noch den ganzen Vor- mittag über zu tun. Der Schaden beträgt nach ober- flächlicher Schätzung 20 000 bis 30 000 Mark, ist aber durch Versicherung gedeckt. Eine-Betriebsstörung tritt bei der Firma nicht ein. lieber die Ursache des Feuers konnte Bestimmtes noch nicht ermittelt werden, doch vermutet man, daß der Brandherd im Labo- ratorium gelegen hat.— Während die Feuerwehr aus dieser Brand- stelle noch mit dem Ablösche» der Brandreste beschästtgl war, er- folgte neuer �eueralarni nach der B e r g st r a ß e 10. Es rückte sofort der vierte Löschzug aus. und außerdem entsandte der Brand- direktor einen Teil der Mannschaften von der Brandstelle in den Messingwerken. Wie sich herausstellte, brannte auf dem Hof des Grundstücks eine Auiomobilgarage. Die Flammen konnten in kurzer Zeit unter Benutzung einer Schlauchleitung erstickt werden.— Frei- lag abend hatte die Neuköllner Feuerwehr längere- Zeit in der Bergstraße 29 zu tun. wo in der st ä d t i s ch e n Gärtnerei die Inneneinrichtung der HeizungSanlage im Treibhaus brannte. Steglitz. Die Mittelschule beschlossen. Die erste Gemeindevertretersitzung dieses Jahres wurde vom Bürgermeister Buhrow mit dem Wunsch eröffnet, daß die wirtschaftliche Stagnation im neuen Jahre nach- lassen möge und daß im folgenden Jahre auch für die Stadt Steglitz wieder bessere Zeiten eintreten möchten. Ob es sich bei dem Worte„Stadt" um einen falschen Zungenschlag handelte, oder ob der Bürgermeister mit dem Jahre 1915 die Stadtwerdung in „bedrohliche" Nähe rücken sieht, läßt sich nicht entscheiden.— Der einzige Tagesordnungspunkt von Wichtigkeit war der Antrag auf Errichtung von Mittelschulen. Da in der Zwischenzeit die bürgerliche Opposition umgefallen war, konnte sich der Referent, Schöffe Jochem, auf die Verlesung des Antrages beschränken mit dem Hinzufügen, daß die zuständigen Ausschüsse zugestimmt hätten. Der Antrag fordert, am 1. April 1914 eine Mittelschule zu er- richten und" das Schulgeld für Einheimische auf 60 M., für Aus- wärtige auf 90 M. jährlich festzusetzen. Als Einschreibcgcld sollen 2 M. erhoben und auf die erste ischulgeldrate angerechnet werden. Die Freistellen betragen 10 Proz. Ein Redner der Linken suchte noch einmal nachzuweisen, daß die Mittelschule eine unbedingte Zkotwendigkeit für den Mittelstand sei. während Herr Barsikow den Umfall der Grundbesitzerpartei mit Sparsamkeitsgründen be- mänteln mußte. Weil die Gemeinde im Falle der Ablehnung neue höhere und Volksschulen bauen müsse, hätten sie ihre Bedenken gegen den Antrag fallen lassen. Das Schulgeld für Auswärtige beantragte er jedoch auf 120 M. zu erhöhen. Herr Gädke vertrat nochmals seinen prinzipiell ablehnenden Standpunkt. Da jedoch die Annahme sicher sei. so stelle er noch zwei Zusatzanträge, um allen befähigten Volksschülern die Mittelschule zugängig zu machen, und zwar 1. neue Mittel- und Oberklassen zu errichten, und 2. die Frei- stellen aus 25 Proz. zu erhöhen. Für die Sozialdemokraten sprach Genosse Aßmann. Er lehne die Vorlage aus Prinzip ab. Sei es schon schlimm genug, daß die Erwachsenen in Staat und Gemeinde in drei Klassen geteilt würden, so sei es noch bedauerlicher, daß auch die Kinder nunmehr in drei Klassen, in höbere, Mittel- und Volksschüler, eingeteilt würden. Wir forderten Schulen mit ein- heitlicher Grundlage und müßten deshalb diese neue Klasienschule » ablehnen. Das gebiete auch die Rücksicht auf die Volksschule, deren Niveau dadurch herabgedrückt werde. Daß 95 Proz. der deutschen Bolksschullehrer gegen die Mittelschule seien, solle man auch nicht übersehen. Die Hoffnungen� des Mittelstandes, daß i h m die Mittelschüler nach beendeter Schulzeit zuströmen würden, teile er nicht; im Gegenteil glaube er, daß die Mittelschüler sich für zu gut halten würden, um ein Handwerl zu lernen. Von dem an- geblichen„Schrei nach der Mittelschule' in Steglitz habe niemand etwas gehört, nur von einigen Personen sei die Sache cntriert worden. Das finanzielle Resultat werde sich auch anders gestalten als die Denkschrift es darstelle; aus dem Neberschuß werde ein Zu- schuß werden.— Bei der Abstimmung erklärten sich mit den So- zialdcmokraten nur die Herren Gädke und Radtkc gegen den An- trag. Die Zusatzanträge Gädke wurden abgelehnt. Das Schulgeld für Auswärtige wurde aus 100 M. erhöht und im übrigen die Vor- läge des Gemeindevorstandes angenommen. Eharlottenburg. Schwer verunglückt ist vorgestern der Bierbrauer Franz Rother, der in einer Brauerei in der Danckelmannstraßc beschäftigt ist. Als R. in einem Schuppen Biertonncn auflud, glitt er aus und ein ge- fülltes Faß von einer halben Tonne Inhalt fiel auf ihn. Der Brauer erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und innere Quetschungen und wurde in bewußtlosem Zustande nach dem Krankenhause Westend geschafft. Rodcn von Baumstümpfen in der städtischen Forst Jungfern- Heide. Die Parkverwaltung der Stadt Charlottenburg gestattet unentgeltlich das Ausroden von Baumstümpfen in der Jungfernheide. Da es sich um Stümpfe von Kiefern handelt, welche ein gutes Brennholz abgeben, so wird von dieser Erlaubnis ausgiebig Gebrauch gemacht. Erlaubniskartcn zum Ausroden der Stümpfe sind uncnt- geltlich im Forsthaus Königsdamm zu erhalten. Schöneverg. Ein gefährlicher Kindcrfreund treibt gegenwärtig in Schöne- berg sein Unwesen. Es handelt sich um einen 35jährigen, elegant gekleideten Mann, der es auf zehn- bis zwölfjährige Mädchen ab- gesehen hat. Er versteht es, sich in vertrauenerweckender Weise den Kindern zu nähern und sie durch allerhand Versprechungen an sich zu locken. Gestern verschleppte der Unhold mehrere Schule- rinnen in das Haus Koburger Straße 7 und versuchte, sich dort an den Kindern zu vergehen. Glücklicherweise wurde der Wüstling teils durch die Mädchen selbst, teils durch das Hinzukommen von Hausbewohnern an der Ausführung von Verbrechen verhindert. Mehrere größere Schülerinnen erstatlcten Anzeige. Leider waren die Nachforschungen nach dem Wüstling bisher erfolglos. Obcr-Schöncweide. Der beschlossene Bortragskursus über:„Die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung" beginnt am Montag, den 12. Januar, abends S'A Uhr, bei Rabe. Vortragender ist der Genosse Emil Eichhorn. Das Thema des ersten Abends lautet: „Tie Begriffe Sozialismus und Sozialdemokratie." Zur Deckung der Unkosten sind pro Abend 10 Pf. zu entrichten. Arbeitslose können kostenlos an diesem Kursus teilnehmen. Es wäre sehr er- wünscht, wenn diese Veranstaltung recht rege besucht würde. Marienfelde. Ans der Gemeindevertretung. Die OrtSzeitung brachte nach dem letzten Schneefall einen Artikel über mangelhafte Straßen- reinigung. Ter Vorsteher war davon nicht erbaut, er betonte, d'ß er bei Wiederholungen solcher Publikationen seine dem Blatt zugesagte Unterstützung zurückziehen würde. Der Antrag aus bessere Bewässerung des EislaufplatzeS, der zum zweiten Male zur Beratung stand, wurde wieder abgelehnt. Eine längere Debatte entspann sich bei dem Antrag der Gemeinde Mariendorf über Be- teiligung an den Ausgaben, die zur Pensionierung eines früheren Amtsbaurats erforderlich sind. Bei der Loslösung der Gemeinde Maricnfelde' von Mariendorf und Bildung eines eigenen Amts- bezirks hatte sich die hiesige Gemeinde vertraglich verpflichtet, zu der Pensionierung des Baurats beizutragen, wenn derselbe bis zum Jahre 1916 im Dienst bleibt. Mariendorf hat nun aber schon im vorigen Jahre die Pensionierung vorgenommen. Da der Vertrag nicht innegehalten worden ist, wurde die Zahlung abgelehnt; die Angelegenheit soll nunmebr aus dem Klagewege ausgetragen -werden Zum 4. April- Zollen»n der Bolksschule ein Lehrer und ejne Lehrerin, an der höheren Schule ein wissenschaftlich gebildeter Lehrer angestellt werden. Es wurde dann noch beschlossen, dem Turnverein„Jahn" die Schulturnhalle unentgeltlich zu überlassen; ob der Arbciterturnverein das gleiche Entgegenkommen findet, dürste zweifelhaft sein. Spandau. Spandau Großstadt. In der ersten Sitzung der Stadtverord- neten am Donnerstag teilte Oberbürgermeister Koeltze mit, daß die Stadt die Einwohnerzahl von 10 00 0 0 überschritten habe und somit in die Reihe der Großstädte eingetreten sei. Als 100 000. Ein- wohner' sei der Sohn des Schlossers Meißner, Secburgcr Straße 22, ermittelt worden, dem ein Geschenk von 300 M. zuteil werde. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsteher: Lüdicke, 2. Vorsteher: Prager, 1. Schriftführer: Berlin, 2. Schriftführer: Habbcn. Die erste Vorlage betraf Bewilligung von 8500 M. aus der Hcerstraßen-Anleihe zur Ausbesserung der Heerstraße. Genosse Pieper sprach seine Verwunderung darüber aus, daß für die Heer- straße, die kaum fertiggestellt sei, schon wieder Geld nachbewilligt werden müsse. Die Arbeit scheine nicht ordnungsmäßig ausgeführt worden zu sein, ferner müsse die nötige Beaufsichtigung des Bau- amtes gefehlt haben. Die Vorlage gelangte zur Annahme. Zur Beschaffung von Wilton-Feuerungen für die Generatoren der sieben Bertikalösen wurde die Bewilligung bis zu 29 000 M. aus dem Reservefonds der Gasanstalt beantrag:. Stadtv. Kambach empfahl die Vorlage zur Annahme, da für die Gasanstalt alle Neuerungen eingeführt werden müßten, um alle Vorteile ausnutzen zu können. Genosse Pieck, der sich bei organisierten Hamburger Gasanstaltsarbeitern über die Bewährung des neuen Systems Aus- kunft geholt hatte, sprach sich dahin aus, daß sich die Wilton-Feue- rung dort sehr gut bewährt habe. Man könne dazu das aller- schlechteste Feuerungsmaterial verwenden. Die Arbeit sei ebenfalls etwas leichter, und in einem Jahre macke sich die Anlage vollauf bezahlt. Redner wandte sich dann gegen die vom Stadtv. Kambach seinerzeit gemacküe Wahrnehmung, daß die Arbeiter in der Ham- burger Gasanstalt viel intensiver zur Arbeit herangeholt würden wie in Spandau. Eine genügende Anzahl Meister und Vorarbeiter auf der hiesigen Gasanstalt sorgten schon dafür, daß von den Ar- heitern alles herausgeholt werde, was herauszuholen ist. Der Vor- läge wurde zugestimmt, lieber das Gesuch der hiesigen Zahlstelle des Verbandes der Steinsetzer um: 1. Inangriffnahme von Stein- setzerarbeiten, 2. die Unternehmer vertraglich zur Beschäftigung hiesiger Arbeiter zu verpflichten, 3. Uebertragung der Arbeiten an leistungsfähige Unternehmer, 4. Zahlung des ortsüblichen tarif- mäßigen Tagclohnes von 85 Pf. pro Stunde an die von der Stadt beschäftigten Steinsetzer referierte Genosse Pieck. Redner empfahl bei der jetzigen großen Arbeitslosigkeit die schleunige Jnangriff- nähme von Steinsetzerarbeiten. Die Arbeiten dürften nur solchen Firmen übertragen werden, die auch pünktlich am Sonnabend den tarifmäßigen Lohn bezahlen. Scharf zu verurteilen sei es, daß die Stadt, welche die Unternehmer verpflichtet, den tarifmäßigen Lohn zu bezahlen, selbst einige Steinsetzer mit 49 und 55 Pf. Stunden- lohn beschäftigt, obwohl der tarifmäßige Stundenlohn 85 Pf. be- trägt. Das liege daran, weil in der Tiefbaudeputation kein So- zialdemokrat sitze. Die Straßenreinigungsdeputation, in welcher ein Sozialdemokrat sei, habe für Schneeschippen 44 Pf. die Stunde bezahlt, während die Straßenbahn, in deren Deputation kein Sozialdemokrat sei, für dieselbe Arbeit nur 35 Pf. die Stunde gegeben habe. Redner stellte den Antrag, das Gesuch dem Maglistrat zur Berücksichtigung zu überweisen. Genosse Pieper ersuchte darum, dem Steinsetzerverband entgegenzukommen, der die Unter- nehmer für die Herstellung guten Straßenpslasters haftbar machen wolle. Die Straßen seien manchmal in so miserablem Zustande, daß man sich wirklich schämen müsse. Beschlossen wurde, zu 1 das Gesuch dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen, zu 2 und 3 die Verdingungsbedingungen einer noch zu wählenden Kom- Mission zu überweisen, zu 4 Uebcrgang zur Tagesordnung. Für die Anschaffung von Gaszählern wurden debattelos 25 000 Mark aus dem Gaszähler-Reservefonds bewilligt und für die Her- stellung von HauSanschlüsien und Netzerweiterungen 10 000 M. aus dem Reservefonds der Elektrizitätsanstalt. Die Zuschlagserteilung aus Herstellung der elektrischen Licht- anlage im Neubau der 3. Gemeindeschule an die hiesige Firma R. Marzahn, welche 10 Proz. teurer ist wie eine auswärtige Firma, rief eine längere und heftige Debatte hervor. Die Mitglieder der Liberalen Fraktion und diejenigen der Kommunalen Vereinigung gerieten scharf zusammen und sagten sich manche Schmeichelei. Erstcre wollten dem hiesigen Unternehmer den Zuschlag erteilen, während sich letztere dagegen aussprachen. Genosse Pieck trat mit Rücksicht aus die große Arbeitslosigkeit und im Interesse der Arbeiterschaft dafür ein, daß dem hiesigen Unternehmer der Zuschlag erteilt werde. Redner machte sich dann lustig über die Kommunale Vereinigung, die wieder gegen ihre zehn Gebote ver- stoßen habe; alsdann wandte er sich scharf gegen den„Anzeiger für das Havelland", der als angeblich liberales Blatt in bezug auf das Schneeschippen jetzt unter die Scharfmacherblätter gegangen sei. Genosse Pieck legte gegen eine derartige infame Verdächtigung der Arbeiterschaft Protest ein. Die Vorlage wurde angenommen. Das Gesuch von sechs Stratzenbahnangestellten um Nach- zahlung der Alterszulagen wurde auf Antrag des Genossen Pieck genehmigt und dem Brückenwärter Quast, der 22 Jahre von der Stadt beschäftigt wurde, vom Magistrat aber ohne Pension entlassen worden war, ein Ruhegeld bewilligt. In der hierauf folgenden geheimen Sitzung erklärten sich die Stadtverordneten nach scharfer Debatte damit einverstanden, daß dem Architekten Heinel die Anstellung auf das ihm vor längerer Zeit zum Verkauf angebotene Waldgelände einschließlich der Rustwiesen bis 1 Juli 1914 verlängert wird, wenn er weitere 5000 M. als Kaution bei der Stadthauptiasse binterlegt; diese ver- fallen zusammen mit den bereits gezahlten 10 000 M. als Reugeld, sobald das Angebot nicht bis zu dem genannten Termin ange- nommen wird. Verna». In einer von über 799 Personen besuchten Versammlung sprach Genosse Robert Schmidt' über:„Die Bedeutung der Kranken- kassenwahlen für die Arbeiter." Redner gab in großen Zügen ein anschauliches Bild von der Sozialversicherung und ging dann auf die Krankenversicherung und die Vertreterwahl ein. Mit einer Auf- forderung, der Sache der freien Gewerkschaften zum Siege zu ver- helfen, schloß der Referent seinen mit lebhaftem Beifall ausgc- nommenen Vortrag. In der sehr regen Diskussion kam der Un- Wille über die zurzeit bestehenden Zustände in der Niederbarnimcr Krankenkasse zum Ausbruch. Als Erfolg der Versammlung ist die große Wahlbeteiligung anzusehen. 976 Wähler übten in Bernau ihr Wahlrecht aus. Slowaioe«. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung gab der von Anwodnern einiger auf Klein-Glien cker Gebiet liegender Straßen gewünschte Anschluß ihrer Grundstücke an das hiesige Kanaliiolions» netz iowie die Auinabme der?tiederschlagswäs!er der Aiigustastraße Veranlassung zu Betrachtungen über die Machtbefugnisse eines Amis- voistehers. Nach Mitteilung des Syndikus Gotisch ist die Durch- fübrung des in der Novcindersiyung vorigen Jahres gefaßten Be- schlusscS, dem Wunsche der Nachbargeincinde aus Abführung der Niederschlagsivösser der Augnstastraße seitens unserer Gemeinde statt- zugeben, deshalb nicht möglich, weil der Amisvorsteher in Klein- Gtienicke den Ausbau der Slraße, die der Terraingesellichaft Neu- babelsberg gebort, untersagt und damit auch die gewünschten Kanalisationsanichlüsse unmöglich gemacht hat. Welche Gründe den Herrn Amisvorsteher zu seiner Haltung bewogen haben mögen, konnte der Berichterstatter nicht angeben; er bedauerte jedoch lebhast. daß die von der Gemeinde bewicsenc Bereittvilligkeil, dem Wunsche der Nachbargemeinde und der Terraingeiellschafl nach saniiären Ver- besserungen entgegenzukommen, auf dieie Weise gelohnt wird. Die Redner gaben pteichiallö ihrer Cn'.rüstuiig über die Vereitelung des Planes Ausdruck, um- so mehr, als die. Tcrmuigeiellscvaft nach dem ergangenen Verbot des Ausbaues die Straße gesperrt und so den Anwohnern der Heine- und der anderen Srroßen die bequeme Ver- bindung mit dem Babnhof Neubabelsberg abgeschnitten hat. Es wurde allgemein verlangt, daß bei sernerem Entgegenkommen der Terraingesellichaft gegenüber zur Bedingung gemacht wird, daß Sperrungen neuer Srraßen nicht stattfinden dürfen. Aus Antrag des Gemeindevertreters Nathan wurde schließlich Vertagung dieses Punkres und eine Ortsbesichligung beschlossen.— An EratSüber- schrertungen wurden 1050 M. bewilligt und zwar für die Straßen- Verwaltung wegen erhöhter Ausgaben infolge des großen Schneefalls 200 M. und für das Lyzeum 850 M. Jugendveranstaltunge». Lankwitz. Heute Sonntag, mittags ll,\ Uhr: Partie nach Schlachten- see— idwnniee. Treffpuntt Bahnhos Lichtcrsetde-Ost. Für N'chzügler'1,2 Uhr Babnhos Lichterseldc-West. Fahrgeld 20 Pf.— Sonntag, den w.. Januar: Besuch deS Schiller-Thcalers Charlollenburg. NachmittagSvorslellung: „König Lear". Billetts zum Preise von 40 Pf.(inkl. Garderobe) tonnen bis Dicnsiag, den 13. d. Mts., bei Herrn Löhme bestellt werden. §rauen-Leseabenüe. Friedenau. Montag Uhr bei Klawe, Handjerhstr. S0/6l. Vortrag der Genossin Käthe Duncker über:„Verelendung des Prolelariats". Lantrottz. Moniag bei Schul». Mllhlenstr. 21. Bortrag des Genossen Dr. Schütte über:„Heinrich Heine". Roseuthal. Dienstag 8V, Uhr im Lokal des Genossen Gust. Milbrodt. ZSaiderseestr. 5. Vortrag der Genossin OUllie Baader-Neulölln über:„Die Schule".(Letzter Abend 4_ Briefkasten üer Reüattion. Dt« luttmiAt Eoteaftunte«>»»« Liadenftrahe es. vom vier Treppe,. - Fahrftvhl—, woaent-glia, van so, dt» 70, Uhr»drnd», Eouaapends. von 40, dl» 6 Uhr abends lratt. Jeder Orr den Brtettafte» delnmmee» anfrage >« et» Bnchlinde un» eine Saht ata Meitze, aen veizntNgen.«rieft»he flneuj»» nur» nicht erteilt anfragen, denen tetne ÄhannementSannnlng»e, gefügt tft. itth'a»ich, dcanlwarict. tkttige Kragen trage»an»»»er Sorrchfinudr»ar. P. lOO. 1. a. 2. Ja. 3. Nur mit Zustimmung dcZ Vorstandes der Innung._ piarkrvretle von Berlin am S.Januar lvlt. nach Ermitteiungen deS tgl. PoltzewräsidiumS. Mais(rnired), gute Sorte 16,90—17,00, mittel 16,00—16.30. geringe 0,00—0.00. Mais runder), gute Sorte 14.69—15,00. Richistroh 4.80- 5,20. Heu 6,40— 7,8o. Markldatlenoreiie. 100 Kilogr. Erbten, gelbe, zum Kochen 34.00—50.00. Sveitebobnen. weise 35.00— 60.00. Linien 36,00—80.00. Kariosieln(Kteinddül 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Nmdftettch. von der Keule 1.60—2.40 Rindileiich. Bauchfleiich 1,30—1,80. Schwemesieilch 1,40—2,00. Kalbtieiich 1,40—2,40. Hammctfleiich 1,50—2,40. Butter 2.40—3,00. 60 Stück Eier 4,80— 7.20. l Kilogramm Karv'en ILO- 2,50. Aale 1.60— 3,20. Zander 1.40-3,20. Hechle 1.40—2.80.«arnbe 1,00—2,20 Schleie 1,60—3.20. Bleie 0.80—1.60. 60 Stück krebie 3,00—30.00. SSaifersiands-Naetzrichten der LandeSantlali tür Gewätiertunde. mitgeteilt vom Berliner Weiierburrau ') 4- bedeutet Such«.— Fall.—*) Unierpegel.—•) Oberhalb dar Stadt EiSstand.—') Treibeis. Jfur noch. Montag, Dienstag, 2S11 belSDiellOS Mittwoch- fijillicjeni Preisen. Diverse Posten Kinder-Kleider Kostüm-Röcke Blusen fetzt durch' weg M. . Konfektion 0/o Tag- und Abend-Mäntel, Kostüme, Besuchs- und Gesellschattskxider unter Preis. Diverse Posten Seid. u.Tüll-BIusen Morgenröcke, Jupons Kinder-Kleider Jetzt durchweg OranienstP: 165— Gehe OanlenpL M. 5jeipziqerstA *±-2.— 6cke TItarkqrafenstni S.m. b. 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Januar 1014. Llin Ministcrtiscki: v. B c t h m a n u H o kl w cg, Tr. B e s e- l e r, Frhr. v. F a l k e n h a y n usw. Präsident v. Wedel eröffnet die Sitzung gegen lUi- Uhr. Zur Beratung steht folgender Antrag des Tr. Graf Uorck Vau Warten bürg und Genossen; »Das Herrenhaus wolle beschließen: die königliche Staats- rcgierung zu ersuchen, im Reiche dahin zu wirken, daß der Stellung Preußens, auf die es seiner Geschichte wie seinem Schwergewichte nach Anspruch hat, nicht dadurch Ab- b r u ch geschieht, daß eine Verschiebung der staatsrechtlichen Verhältnisse zuungunsten der Einzelstaaten Platz greift." Graf v. rirnim-Boitzenburg. Graf ll. Behr-Behrcnhoff. v. Beseler. v. Buch-Carmzow. Dr. v. Dziembowski. Dr. Hille- brandt. Graf zu Hoensbrocch. Graf v. Kctsscrlingk-Neustadt. v. jtlitzing-Charlottenhof. Graf v. Mirbach-Sorquitten. Graf v. Plettenbcrg-Lenhausen. Tr. Reinke. Freiherr v. Richthofen- Tamsdorf. Fürst zu Salm-Horstmar. Herzog Ernst Günther zu«chlcswig-Holstein. Graf v. Seidlitz-Sandreczki. O. Dr. Graf v. Zedlitz und Trützschlcr. I) Graf v. Zieten-«chwerin. Berichterstatter Graf von Bchr-Behrcudorf öeantragi namens der Kommission, dem Antrage zuzustimmen. Es ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht des Herren- bauses, seine warnende Stimme zu erheben und jetzt zu der- langen, daß die Stellung Preußens auch wirklich gewahrt werde. (Beifall.) Graf Jorck von Wartcnburg: Die Hoffnung, daß das Jahr 1913 als ErinnernngSjahr an die Befreiungskriege einen Aufschwung des nationalen Gefühls im Gefolge haben werde, hat sich nur zum geringen Teil erfüllt. Freilich war im ganzen Lande überall eine erfreu- lichc patriotische Gesinnung wahrzunehmen. Aber die berufene Ver- tretnng des deutschen Volkes ließ leider jene Gesinnung vermissen, die in den� Wählerkreisen lebendig war. Es kam zu widerwärtigen Debatten bei der Wchrvorlage. Die Kostendeckung ist nicht ohne bedenkliche staatsrechtliche Kon- sequenzen zustande gekommen, weil jede Gelegenheit von der im Reichstage herrschenden Demokratie dazu benutzt wurde, die Macht des Reichstages auf Kosten der Verbündeten Re- gierungen und des Kaisers zu vergrößern. Ferner machte sich im Reichstage das Bestreben geltend, die einzelstaatliche Ver- fassung, Verwaltung und Gesetzgebung zu beeinflussen. Auf dem Ilmwege über das Reich will man sich der Herrschaft der Einzel st aaten bemächtigen. Das zeigt das unablässige Drängen auf die Demokratisierung des Wahlrechts. Die Verbün- deten Regierungen sind auf dem Wege fortgesetzter Konzessionen. Deshalb soll der eingebrachte Antrag der preußischen Regierung in letzter Stunde ein vidennt consules(Ihr seid gewarnt) zuzurufen. Wir wollen ferner auch nicht, datz der Reichstag sich anmaßt, durch ein Mißtrauensvotum über den Bestand des preußischen Ministe- riums zu entscheiden(Sehr wahr!), an dem sich mit Ausnahme der Konservativen das ganze Haus und leider auch die Natiouallibe- ralen beteiligt haben. Wir bedauern ferner, daß in der clsaß- lothringischen Verfassung eine Bestimmung aufgenommen wurde, daß die elsatz-lothringischen Stimmen nur dann gelten sollen, wenn es gegen Preußen geht.(Hört! hört!) Wir haben dies als schwere Kränkung empfunden,(«ehr richtig!) Dies steht in schnei- dendem Widerspruch zu der historischen Stellung Preußens, wie sie unsere Bäter erkämpft haben. Die Demokratie, die das durchgesetzt hat, geht darauf aus, Preußen zu demolieren. (Lebhafte Zustimmung.) Der Reichstag hat ferner wiederholt in Allgelegenheiten der Einzelftaaten eingegriffen, so in Sachen des Toleranzantrages, des mecklenburgischen Ver- fassungsstrcites, des D i ä t e n b e z u g e s für die Reichs- tagsabgeordneten, die gleichzeitig Mitglieder des preußischen Land- tages sind. Hierdurch wird geradezu eine Mediatisierung der Einzelstaaten angebahnt. Ja, angesichts der entgegenkommenden Haltung der Verbündeten Regierungen muß man sogar von einer partiellen Kapitulation vor drr Demokratie sprechen. Vor Jahres- frist hat der Staatssekretär des Innern die Vorbereitimg eines Wohnungsgesetzes in Aussicht gestellt, falls Preußen ein solches nicht einbringt, und der preußische Finanzminister hat auf dem Wege der Aussührungsanweisung zum Wehrbeitrag eine Art De- kkaration für die preußische Ergänzungssteuer eingeführt, obwohl die preußische Gesetzgebung eine solche nicht kennt. Die Ausdehnung der Reichsgesetzgebung, die Schaffung neuer Reichsbehördcn hat mittelbar die Steigerung eines sehr wesentlichen unitarifcheil Faktors, der kaiserlichen Gewalt, zur Folge gehabt. Dagegen mich zu wenden, liegt mir fern. Ich meine aber, der König von Preußen verliert mehr als der Kaiser ge- Ivinnt, wenn der Einheitsgedanke mißbraucht werden soll zum Bor- teil demokratischer Machtgelüste und zum Schaden der preußischen Monarchie.(Lebhafte Zustimmung.) Der Reichstag ist ferner da- zu übergegangen, in die Exekutive einzugreifen und sich eine Stellung anzumaßen, die eine leichte Analogie mit derjenigen des französischen Konvents hat. Ich erinnere an die kleinen An- fragen, die überwiegend Gegenstände der Exekutive betreffen. Zwar hat der Reichskanzler seinerzeit erklärt, daß sie nur insoweit beantwortet werden sollen, als sie staatlich zweckmäßig seien, aber das muß wohl überall der Fall gewesen sein(Heiterkeit), denn mir ist nicht erinnerlich, datz die Beantwortung in irgendeinem Falle abgelehnt worden wäre. Neuerdings ist eine Anfrage eingegangen, die die kaiserliche Exekutivgewalt direkt berührt. Sic betrifft das angebliche Verbot eines Regimentskommandeurs an seine Unter- gebenen, eine bestimmte Zeitung zu halten. Ta� Streben der Urheber solcher Anfragen geht offenbar dahin, das preußische Heer allmählich zu einem Parlamentshecr zu machen. (Sehr wahr!). Ich erinnere auch an die Anträge der Budget- kommissio» des Reichstags über die Uniformierung der Armee, über die Verringerung der Burschen(Hört! hört!), über den Aus- tausch zwischen bestimmten Offizierskorps.(Hört! hört!) Das sind alles Eingriffe in den Oberbefehl des Kaisers, und die Regie- rung hat mehr oder weniger entgegenkommende Er- ilärung'en abgegeben.(Zuruf: leider!) Hierher gehört auch die R ü st u n g s k o m m j s s i o n und der Initiativantrag des Reichstags auf Milderung des§ 197 des Militärstrafgesetzbuchs an- läßlich des Falles in Erfurt. Wenn die Regierung solchen Be- strebungcn geaenüber Nachgiebigkeit zeigt, so mutz das zur Untergrabung der Subordination in de'r Armee führen. (Lebh. Zust.) Die Leute brauchen sich ja nur auf Umwegen an Parlamentarier oder Zeitungen zu wenden(Sehr richtig!). Fürst Bismarck hal, als seinerzeit Eugen Richter sich in den Betrieb der Militärwerkstätten einmischte, sich ausdrücklich verwahrt gegen die shsiematischen Versuche, die kaiserliche Kommandogewalt einzu- scfiränkcn. Diesen Präzedenzfall hat die Regierung 1913 nicht ge- nügcnd beachtet. Aus den Zaberner Fall will ich nicht ein- gehen, da das gerichtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen und ein Urteil daher nicht minder verfrüht wäre, als das, das der Reichstag gefällt hat.(Sehr wahr!) Hervorheben möchte ich »ur, daß es als provozierend betrachtet worden ist. wenn Offiziers- damen, die wahrscheinlich Beschimpfungen durch die Menge fürchteten, gemcinscbaftlich spazieren gingen und wenn in der Kaserne das Preußenlied gesungen wurde, als nicht provoziereird aber, daß die Marseillaise auf der Straße gesungen und gepfiffen wurde.(Hört! hört!) Vor allem sind wir dem Reichskanzler sehr dankbar für sein mannhaftes Eintreten für die Armee, das wahrlich erschwert wurde durch das unwürdige Toben der demokratischen Mehrheit. (Lebh. Bravo!) Solche Lärmszencn kommen sonst nur in roma- nischen Ländern vor, wo die wichtigsten Entscheidungen über Lebens- intcressen der Länder nicht von gereiften Staatsmännern, sondern von Volksversammlungen gefällt werden, deren Zusam- mensetzung vielleicht sonst schätzbare Eigenschaften, aber nicht gerade eine Auslese der Intelligenz garantiert.(Heiterkeit.) Solchen Impulsen darf unsere Armee nicht ausgeliefert werden. Die Demokratie übersieht bei ihren Bestrebungen, daß von einer Herrschaft des Parlamentarismus bei uns nicht die Rede sein kann, daß es dem hauptstädtischen Pöbel nie gelingen kann, durch Demonstrationen etwas zu erreichen, daß der preußische Staat nicht gewillt ist, sein Eigenleben zu opfern. Preußen hat, geleitet von seinem heldenhaften König und dem größten Staatsmann, das Reich gemacht, dessen historische Grund- lagen nicht verrückt werden dürfen. Ich schließe mit den Worten Kon ig Wilhelms l., die ich im analogen Falle zur Nachahmung empfehle:»Meine Minister besitzen mein Vertrauen und ich weiß ihnen Dank, wenn sie dem verfassungswidrigen Streben des Ab- geordnetenbauses nach Machterwcitcrung entgegentreten.(Lebh. an- haltender Beifall und Händeklatschen.) Ministerpräsident von Bethmann Hollweg: Der lebhafte Beifall, den Herr Graf v. Uorck gefunden hat, zeugt davon, von wie starken Empfindungen die Ueberzeugnng hier getragen wird, daß die führende Rolle, die Preußen bei der Be- gründung des Reiches gehabt hat, fortwirken muß im gesamten weiteren Leben des Reiches. Als preußischer Ministerpräsident kann ich den deutschen Reichskanzler nicht bor der Türe st e h e n l a's s e n, sondern empfinde mit erhöhter Intensität die Beziehungen der Reichspolitik zur preußischen Politik, wenn die Sache des einen Teils mit so großem Nachdruck hier geführt wird. Das D e u t s ch e R e i ch ist eben kein unitarisch organisiertes Staatswesen. Der kompliziertere und kunstvollere Bau unserer staatlichen Einrichtungen hat von Anfang an Schwierigkeiten mit sich gebracht, die anderwärts unbekannt sind. Die früher gehegte Befürchtung, daß der führende Staat im Reiche den Ueberfchutz seiner Macht in zentralistischen Bestrebungen ausnutzen werde, hat sich als unbegründet erwiesen. Alle Rechte und Reservate der ver- kündeten Staaten sind von Preußen stets unter weitherzig st er Auslegung ein paar strittiger Punkte gewahrt worden. Das hat dazu geführt, datz die Dynastien in Deutschland so starke Stützen des Einheitsgedankens geworden sind und datz Preußen in schwierigen Situationen im Bundesrat stets Unterstützung gefunden hat. Der vorliegende Antrag glaubt nun, datz in der tatsächlichen Entwickelung des Reichs ein unitaristischer Zug zu erblicken wäre, der ins- besondere die Stellung Preußens bedroht. Auch das sind alte Sorgen und alte'Anklagen. (Lebh. Widerspruch.) Ich erinnere daran, wie leidenschaftlich schon Fürst Bismarck über diese Fragen gesprochen hat. Für ihn war der Grundgedanke, daß die unbedingte Vertretung des Reichs- gedankens oberste Pflicht Preußens ist auch im Hinblick auf die reale Macht Preußens. Er hat immer betont, daß dem Reichs- kanzler die preußische Wurzel nicht abgeschnitten werden kann und daß die Reichsgcwalt nicht auf das Gebiet der preußischen Staatshoheit übergreifen dürfe. Diese Grundlage ist u n b e r- ändert geblieben.(Stürm. Widerspruch.)— Lassen Sie mich nur aussprechen: Sie muß auch uiwerändcrt bleiben im Interesse des Reichs.(Beifall.) Noch heute ist es undenkbar, daß das Verhalten des Reichs- kanzlcrs in wichtigen Fragen das Einverständnis des preußischen Staatsministcriums entbehren könnte, wie das Fürst Bismarck 1897 betont hat. Fürst Bismarck hat in seiner unvergleichlichen Staats- kunst den Dualismus Preußens und Deutschlands überwunden, indem er niemals die Frage ignorierte, was ist für Preußen er- sprießlich und andererseits bei seiner preußischen Politik niemals aus dem Auge verlor,>vas ist fiir das Deutsche Reich ersprießlich. Es gilt, unvermeidliche Reibungen nach Möglich- k e i t zu mildern. Die Aufgabe Preußens ist hierbei immer verantwortungsvoller und schwieriger geworden. Die Anfeindungen Preußens sind dauernd gewachsen, seitdem die Erinnerungen an die nationalen Kampfjabre, an das. was das Reich Preußen verdankt, in den Hintergrund getreten sind, gegen die materiellen Interessen der Gegenwart. Die Parteien sind vielfach zum Aus- drück von wirtschaftlichen und sonstigen Interessengemeinschaften ge worden und schieben die Vertretung der staatlichen Interessen der Rcgierung zu. Die Disparität der parlamentarischen Zustände im Reich und in Preußen infolge der verschiedenen Wahl- rechte hat sich immer mehr verstärkt und die Stellung der Rcgierung, die mit beiden Parlamenten zu arbeiten hat. ist damit immer schwieriger geworden. Der fortgeschrittene Liberalismus will bekanntlich das Problem dadurch lösen, daß er die parlamen- tarischen Zustände in Preußen und im Reich gleichmachen will. Das ist ein absolut ungangbarer Weg. (Lebh. Beifall.) Nun zu den faktischen Ausführungen des Herrn Grasen von Dorck. Die Aeußerung des«taatssekvetärs des Innern über das Wohnungsgesetz konnte schon deshalb keine Drohung gegen Preußen sei», weil zu jener Zeit im preußischen Staatsministerium die Ausarbeitung eines Wohnungsgesetzes bereits beschlossen war.— Dann sagte Graf Jorck, bei den Steuer gesehen des Reichs im ber- gangcnen Jahre seien die Verbündeten Regierungen eine Kapitu- lation eingegangen. Ich will auch offen bekennen, daß die Eni- Wickelung der Reichsfinanzen zu einer Anspannung der Besitz- steuer zugunsten des Reiches geführt hak, die auch ich bedauere. (Lebhaftes Hört! hört! rechts.) Aber es ist wohl zweckmäßiger, über diesen(liegenstand einmal ausführlich für sich zu sprechen.— Graf Dorck sprach dann von den Resolutionen des Reichstages bei der Wehrvorlage und tadelte die entgegenkommenden Erklärungen des Kriegsministers. Aber ich kann die Vorwürfe gegen die Ver- Kündeten Regierungen doch nur gelten lassen, insoweit diese ans derartige Resolutionen des Reichstages tatsächlich etwas veranlaßt haben. Das ist nicht geschehen. Durch die elsaß-lothringische Ver- fassung ist allerdings eine Verschiebung der Machtvcr- hältnissc innerhalb des Bundesrats zu- Ungunsten Preußens durch die drei neuen clsässischen Bundesratsstimmen herbeigeführt.(Lebhaftes Hort! hört! rechts.) Aber ich bitte doch zu bedenken, daß der König von Preuße» und der Deutsche Kaiser ein und dieselbe Person ist, welche sowohl die reichsländischen wie die preußischen Stimmen instruiert.— Kurze Anfingen an die Regierung im Reichstag waren immer schon mög- lich, nur ihre zeitliche Beschränkung ist weggefallen. Ich kann die Versicherung geben, daß ich dies mit allen Mitteln zu verhindern wissen werde, daß aus der Beantwortung solcher kurzen Anfiagen ein Uebergriff in die Exekutive oder Recht- s p r c ch u n g erfolgt.(Lebhafte Zustimmung.) Die Anträge nach Interpellationen haben keinerlei staatsrechtliche Bedeutung. Datz ich diese meine Ansicht durch die Tat z u b c- kräftigen weiß, glaube ich in den l e tz t e n W 0 ch e n b e lo i e s e n z u haben.— Die Rüstungskommission ist lediglich eine Kommission, die der Reichskanzler eingesetzt hat zu seiner Information..... Ein Kontrollrecht über die Verwaltung steht ihr natürlich nicht zu. tZurus rechts: Vorläufig!) Sie bildet auch kein Novum, ich erinnere an die Borsenenquetc, das sogenannte Fleischparlament usw.— Ueber Z a b c r n werde ich nicht sprechen. Recht wird auch dort Recht bleiben, wie überall im Deutschen Reich. Aber es ist mir in den letzten Wochen eine hohe Genugtuung gewesen, zu sehen, wie das ganze preußische Volk ans Herz ge- packt wird, sobald an der Ehre der Armee gerührt wird.(Leb- hafte Zustimmung.) Ich ersehe das aus unzähllgcn Zuschriften, die ich aus allen Ständen, vornehmlich von einfachen Leuten, erhalte. Das preußische Volk sieht in seiner Armee die stärkste Stütze für Ordnung und Recht. Dies VolkShccr, geführt von scineiu König, intakt zu erhalten gegen alle Angriffe, ist der Leidenschaft- liche Wunsch jedes verfassungstreuen Preußen.(Lebhaftes Bravo!) Das Preuße»tum mutz unter allen Umständen hoch und un- versehrt erhalten bleiben, nicht gegen das Reich, sondern für das Reich. Bismarck erzählt davon, daß König Wilhelm I. bei�dcr schleswig-holsteinischen Episode vorwurfsvoll gefragt habe:„Sind Sie denn nicht auch ein Deutscher?" Derselbe Gedanke kommt mir unwillkürlich, wenn Sie mich fragen»sind Sie denn nicht auch ein Preuße". Da�Teutschc Reich wird kräftig bleiben, wenn wir beide Fragen jederzeit mit einem überzeuguagsvollen Ja be- antworten.(Lebhaftes Bravo!) Auf Antrag des Fürsten Hatzfeld wird die Debatte gc- schlössen. Graf Zlorck von Wartenburg: Ich vermag zwar nicht zuzugeben, daß ich mich in meiner Kritik geirrt hatte, schöpfe aber aus den Schlußworten des Herrn Reichskanzlers für die Zukunft die beste Hoffnung und ich glaube, er wird auch mir glauben, daß ich nicht nur ein Preuße, sondern ein ebenso guter Deutscher bin.(Lebhaftes Bravo!) Präs. Graf Wedel: Die Abstimmung wird eine namcnt- liche fein. Oberbürgermeister Äörtc° Königsberg: Ich bitte dringend, davon abzusehen. Eine solche namentliche Abstimmung würde in weiten Kreisen dahin gedeutet werden können, daß mit diesem Beschluß einer Unzufriedenheit gegen die Haltung Ausdruck gegeben werden sollte, die die Staats- rcgierung bisher in gewissen Beziehungen betätigt hat. Ich würde in einem solchen Falle nicht mit Ja stimmen können.(Lachen rechts und große Unruhe.) Professor Reiucke- Kiel: Auch ich würde dann gegen den Antrag stimmen, weil die Er» klärung des Reichskanzlers mich voll befriedigt haben. Stabtdirektor Tramm-Hannover: Mit den Ausführungen des Herrn Aorck v. Warten bürg bin ich du rchau s. einverstanden gewesen. Aber eine namentliche Abstimmung würde aufgefaßt werden als ein Votum für oder gegen den Reichskanzler.(Zurufe rechts: Nein, nein!) Graf Jorck von Wartcnburg: Ich habe ja parlamentarische Mißtrauensboten ausdrücklich für unzulässig erklärt. Ich beabsichtig« aber das Gegenteil. Prinz Schönaich-Carolath: Vielen Llusführnngen des Grasen Uorck kann ich z u st i m m c n. Im Lande lvird aber ziveifellos die Abstimmung als ein Borstoß gegen den Reichskanzler angesehen werden. Deshalb wird ein großer Teil meiner Freunde gegen den Antrag stimmen.(Zuruf rechts: Das wollen wir ja nur erfahren!) v. Buch: Was die Leute im Lande sagen, sollte uns gleichgültig sei«. Wir wolle» eine solche Rücksicht den Parlamenten überlassen, dir auf Wahlen beruhen.(Sehr richtig! rechts.) Präs. v. Wedel: Die Abstimmung muß eine namentliche sein, wenn sie von mehr als 15 Mitgliedern bcantvagt wird. Das ist geschehen. Der Antrag Uorck v. Wartcnburg wird hierauf mit 1S5 gegen 20 Stimmen, bei 3 Stimmenthaltungen (von Becker, Kraetke und Dr. Lisco) angenommen. Mit Nein stimmt die Mehrzahl dar anwesenden Oberbürgermeister, Professor Reiucke, Herr v. Meudelsohn, Prinz Schöriaieh-Earolath, Graf Hacseler, Graf Hniten-Czapski und Dr. Dernburg. Die nächste Sitzung anzuberaumen wird dem Präfidcnten überlassen. Schluß m Uhr. Au den Kaufmannsgerichtswahlen. Die sieben Arbeitgeberbeifitzer, welche bisher dem Kauf- liianusgericht angehörten und nicht zur Fahne der Groß- industriellen schwören, haben es dein Verein der Berliner Kaufleute und Industrieller sowie den mit diesem vereinigten Verbänden der Großindustrie besonders angetan. In einem versandten Zirkular klagen sie ganz erheblich darüber, daß durch die sozialdemokratischen Arbeitgeber dfi Interessen der Grvßkaufleute nicht genügend vertreten wer- den. Namentlich im'Ausschuß für die Abgabe von Gutachten hätten diese Arbeitgeber ihre sozialpolitischen Ansichten sehr häufig zugunsten der Arbeitnehmer in die Wagschale ge- worfen. Deshalb ergeht die dringende Bitte an die Groß- kaufleute, sich in die Wählerlisten eintragen zu lassen, damit dieser Zustand bei den nächsten Wahlen beseitigt tosröe. Auch wir richten an alle Kaufleute und Gewerbetreibende, Zigarrcnhändler, Destillateure usw., solvcit sie einen Verkäufer oder Lehrling beschäftigen, wenn auch nur zeitweise im Jahr, das dringende Ersuchen, sich in die Wählerlisten ein- tragen zu lassen; denn nur dann können sie am 18. Februar ihr Wahlrecht ausüben. Es gilt, die Bcstrebunzgcn der Groß« industriellen zuschanden zu machen. Die Listen liegen nur noch bis zum Mittwoch, den 14. Januar, Poststraßc 16, von 4— 7 Uhr aus; darum ist es hohe Zeil, iür die Eintragung Sorge zu tragen. das neue Ziöeikommißgesetz. Dem preußischen Herrenhaus ist. wie schon gemeldet wurde, ein Gesetzentwurf über die Familienfideiiommisse und über die Aalnilien-Stiftungen zugegangen, der 197 Paragraphen umfaßt. Nach den statistischen Erhebungen vom Jahre 1912 ist in Preußen das Verhältnis des Fideikmnmißbcsitz zur Gesamtfläche des Staates 7 vom Hundert, und die landwirtschaftlich benutzte Fideikommitzfläche zu der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Staate 4,9 vom Hundert. 46,6 v. H. der Fideikommißfläche ist Wald bestand, das sind 13,8 v. H. der gesamten Waldfläche Preußens. Die Fideikommisse hatten im Jahre 1912 einen Gruichstcucr-Rein ertrag von 29 92H0S7 M. oder 6,7 v. H. des Gruudsieuer-Rein Ertrags des Staates. Die Fideikommißbildung bezweckt bekanntlich, gewisse Vcr mögensobjekte, meistens Großgrundbesitze, Rittergüter usw., für alle Zeiten unveräußerlich einer bestimmten Familie vorzubehalten, und nach einer bestimmten Verordnung vererben zu lassen. Zur Rechtfertigung der Familien-Fidcikommissc wird in der Begrün dung hervorgehoben: Gerade in der Gegenwart, wo so viele Ved Hältnisse auf die Lockerung und Auflösung der weiteren Familien gemcinschaft hinwirken, müsse dem Staat daran gelegen sein, Ein- richtungen zu fördern, die auf eine Festigung dieser Gemeinschaft abzielen. Schon dieses sittlich-politische Interesse des Staates rechtfertigen die Beibehaltung eines Rechtsgebildcs, das bei zweck- entsprechender Ausgestaltung besonders geeignet erscheine, den Familien auf der Grundlage eines beständigen Familienvermögens ein festeres Gefüge zu geben. Hierzu trete aber noch ein wichtiger wirtschaftspolitischcr Grund: die Aufgabe nämlich, der Gefahr entgegenzutreten, daß der land- und forstwirtschaftliche Grund- besitz unter dem Vordringen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu einem bloßen Spekulations- und Handelsobjekt wird. Die Er- Haltung eines sachgemäß bewirtschafteten Großgrundbesitzes aber sei, abgesehen davon, daß der Großgrundbesitz dem Staate wert- volle Kräfte für die immer steigenden Anforderungen freiwilliger gemeinnütziger Betätigung, insbesondere auf dem Gebiete der Selbstverwaltung, zuführt, aus volkswirtschaftlichen Gründen von entschiedenem Nutzen für das GemeinwcM. Infolge der grundsätzlichen Unteilbarkeit und Unverschuldbarkeit des fideikommissari- schcn Grundbesitzes bilden die Fideikommisse zudem einen wert- vollen Schutz gegen die fortschreitende Ueberschuldung des länd- lichen Grundbesitzes, sowie gegen eine der Notlage des Besitzers entspringende unwirtschaftliche Zerstückelung des Grund und Bodens. Vor allem aber werde durch die fideikommissarische Bin- dung der Großgütcr eine planmäßige Forstwirtschaft begünstigt, die für den Staat heute erhebliche Bedeutung habe. Der ganzen Eigenart deS Fideikommißrechts entspreche eS aber, daß die Er- richtung von Familien-Fideikommissen dem Großgrund- besitz vorbehalten bleiben müsse. Der Entwurf will die Gewähr dafür, daß Familien-Fideikommisse nur aus Groß- grundbesitz errichtet werden, dadurch schaffen, daß er für den zum Familien-Fideikommiß zu widmenden land- und forstwirtschaft- lichen Grundbesitz eine INindestfläche von 366 Hektar und ein reines Mindesteinkommen von 16 666 M. verlangt. Sehr interessant ist auch folgende Stelle in der Begründung: Soll das Grundfideikommiß dem Fideikommißbesitzer aber eine führende Stellung auf wirtschaftlichem Gebiet verschaffen und seine Teilnahme an den öffentlichen Verhältnissen seiner engeren Heimat anregen, so darf der zum Fideikommiß gewidmete Grundbesitz nicht, wie es nach geltendem Recht zulässig ist, vollständig zersplittert sein und sich nicht auf weitauSeinander liegende Landesteile verteilen, die viel- leicht nach ihrer geschichtlichen EntWickelung und Eigenart sehr ver- schieden find. Nach dem Entwurf soll deshalb grundsätzlich nur solcher landwirtschaftlicher Grundbesitz zur fideikommissarische» Bindung zugelassen werden, der eine wirtschaftliche Einheit bildet. Für die Bindung forstwirtschaftlicher Grundstücke soll dies Erfordernis nicht gelten. Roch wicht ein jeder soll sich dieses Ausnahmerecht zunutze machen können. In der Begründung heißt es deshalb weiter: Eine zeitgemäße Neuordung deS FideikommißwefenS muß darauf Bedacht nehmen, daß die Befestigung des Großgrundbesitzes mit den auf Erhaltung und Mehrung der Bauern- und Kleinsiedler- stellen gerichteten Gesetzen und Verwaltungsmaßnahmen in Ein- klang gesetzt wird. ES müsse nur bei der Neuordnung des Fidei- kommißwesenS im Auge behalten werden, daß einerseits ein über- mäßiges Anwachsen der Fideikommisse auf Kosten deS mittleren und kleinen Besitzers nicht geduldet werden darf und daß anderer- seit» mehr als bisher die Möglichkeit geboten werden muß, Fidei- kommißländereien zu AnsiedelungSzwecken heranzuziehen. Der Entwurf verlangt deshalb, daß zu jeder fideikommissarische» Bin- dung von Grundbesitz die staatliche Genehmigung, und zwar in der Regel die Genehmigung deS König», einzuholen ist. DaS gelte auch für die Vergrößerung durch unentgeltliche Zuwendungen und für de« entgeltlichen Erwerb weiteren Grundbesitzes auS Fidei- kommißmitteln. Zur weiteren Sicherung gegen ein Ueberhandnehmen sidei- kommissarischer Mndungen stellt das Gesetz leitende Gesichtspunkte für die Bindung landwirtschaftlichen Grundbesitzes fest. Vor allem gelte eS, der Gefahr vorzubeugen, daß die Fideikommißbildung zur Entstehung von Latifundien führt. Es könne nach den Er- gekniffen der Fideitommiß-Statistik nicht bestritten werden, daß in den Landesteilen, wo der gebundene Besitz eine den Staats- durchschnitt weit übersteigende Ausdehnung erlangt hat, die allzu starke Einengung des freien Besitzes nicht sowohl durch eine über- große Zahl kleiner und mittlerer Fideikommisse als durch eine übermäßige Ausdehnung einzelner Fideikommisse von aus- sprochenem Latifundiencharakter bewirkt ist. Der Entwurf bemitzt daher die höchste zulässige Fläche, über die der landwirtschaftlich genutzte Teil des zum Fideikommisse gewidmeten Grundbesitzes nicht hinausgehen darf, auf 2S66 Hektar. Der Entwurf bestimmt weiter, daß, wenn bereits 16 vom Hundert der landwirtschaftlich genutzten Fläch« eines Kreises gebunden find, die Widmung weiteren Grundbesitzes zu einem Fideikommisse grundsätzlich unzu- lässig sein soll. Auf diese Weise soll einer Schädigung der inneren Kolonisation ei» wirksamer Riegel vorgeschoben sein. Die Bedürfnisse, denen die Gcldfideikommisse dienen, sollen fortan nur noch durch Familien-Stiftungen er- reicht werden. Der Entwurf beseitigt daher für die Zukunft die reinen Geldfideikommisse; er gestattet aber, daß mit einem Grundfideikommiß Kapitalien verbunden werden, jedoch darf der Ertrag auS dem nicht zum Betrieb der Land- und Forstwirtschaft bestimmten Fideikommitzvermögen den vierfachen Betrag des Jahreseinkommens auS dem land- und forstwirtschaftlichen Grund- besitz nicht überschreiten. DaS Gesetz hat also, wie auch in der Begrün- dung zugestanden wird, den Zweck, die Stellung des Junkertums in Preußen zu stärken, oder, wie die Begründung sich ausdrückt, den„leistungsfähigen Groß- grundbesitz" zu erhalten. ES bildet in dieser Hinsicht lediglich eine. Ergänzung zur jetzigen„vaterländischen Wirtschafti- und Zollpolitik", die mit anderen Mitteln denselben Zweck verfolgt. Deshalb werden nur einige nebensächliche, allzu widersinnige Un- gereimtheitea des jetzigen FtdelkowmißwejeuS korrigiert,«u dessen eigentlichem Charakter aber nichts geändert, sondern vielmehr die Rechtsgrundlage der Fideikommißbildung durch verschiedene neue Gesetzesbestimmungen verstärkt. Die hohe Regierung sieht in dem neuen Fideikommißgesetzentwurf eben nichts als ein probates Mittel, den feudalen Großgrundbesitz zu stützen und seine Macht' stellung in Ostelbien künstlich zu konservieren— als Gegengewicht gegen die demokratische Strömung. So wird denn auch das neue Gesetz, dessen Annahme in Anbetracht des reaktionären Charakters des Preußischen Landtags kaum zweifelhaft ist, die Neugründung großer Land-Fideikommisse, die in den letzten 56 Jahren enorm zugenommen hat, nicht im geringsten hindern. Was in Frankreich schon durch die große Revolution beseitigt worden ist, das erfährt im sonderbaren Kulturstaot Preußen 1914 eine neue gesetzliche Fundamentierung. Eine prächtige Persiflage auf die preußischen Kulturzustände. Der Kölner Polizeiprozeß. In der heute fortgesetzten Beweisaufnahme kommt zunächst wieder zur Erörterung, daß verschiedene Zeugen der Ladung sich zu entziehen gesucht hätten. Geladen sind von der Vertcioigung zwei Brüder Licht, von denen der eine ein ärztliches Attest ein- gereicht hat, daß er erkrankt sei und seine Vernehmung selbst am Krankenbett mit seelischen Qualen verbunden wäre. Der andere Zeuge, Friedrich Licht, ist auch nicht erschienen und die Firma, bei der er beschäftigt ist, teilt mit, daß er einen Tag vor der Zu- stellung der Ladung verreist und sein Aufenthalt unbekannt sei/ — Rechtsanwalt Heine: Die Finna stellt die Bespannung für die Gefangenentvagen. Der Zeuge soll Kautz geschmiert haben. Es ist äußerst verdächtig, daß dieser Zeuge schleunigst abgereist ist. — Der Zeuge Jakob I s o l a, Sekretär des Kölner Rennvercins. bekundet, daß der Rennverein jährlich 366 M., seit 1912 596 M. der Polizei zmoendet zu dem Zweck, eine schärfere polizeiliche Ueberwachung des Buchmacherhims herbeizuführen.— Nächster Zeuge ist der Schausteller Otto Walter: Herr Thiele sagte mir einmal, die Herren von der Polizei hätten so gegessen und ge- trunken, daß es nicht mehr schön ist.— Auf eine Frage des Ver- tcidigerS, ob dem Zeugen Ungesetzlichkeiten bei Ausübung der Kon- zession auf dem amerikanischen Vcrgnügungsplatz bekannt sind, er- widert bes Zeug«: Herr Holländer hat die Wirtschaftskonzessionen, die er weitergibt. Einige andere haben selbst Konzessionen, an andere vermietet er wieder. Sie haben den Vertrieb aber auf eigene Rechnung.— A n g e k l.©oll mann: Wurde in Wirtekreisen viel darüber gesprochen und sich darüber aufgehalten, daß Holländer, der frisch nach Köln aus Galizien gekommen war. so rasch so viele Konzessionen bekam, während andere Leute auf die Erteilung einer Konzesston so lange warten mußten?— Zeuge: Jawohl, daS wurde sehr abfällig besprochen.— A n g e k l.©oll- mann: Hat der Zeuge Walter sich an den Polizeiinspekwr Kautz wegen einer Konzession für ein„Trotwir Roulant" gewandt?— Zeuge: Ich wollte eine Konzession für vorübergehenden Aus- schank von Getränken, wie das üblich ist, aber Inspektor Kautz sagte, eher läuft der Rhein den Berg hinauf, als daß Sie diese Konzession bekommen. Holländer aber erhielt ohne weiteres eine volle Konzession.— Vors.: Vielleicht war inzwischen ein größeres Bedürfnis entstanden?— Vert. Rechtsanwalt Heine: Nun, im Vergnügungspark war Wohl sonst keine Gelegenheit zum Trinken, so daß noch ein Bierausschank notwendig war!(Heiterkeit.)— A ng e kl. S o l l ma nn: Hat dem Zeugen ein Herr Soor gesagt, ihm sei zur Beschaffung einer Tanzkonzession eine größere Summe abverlangt worden?— Zeuge Walter: Jawohl. Er sagte, er wolle jetzt eine Tanzkonzession zur Erweiterung seines Ge- schäftes verlangen, aber man verlange 6666 M. dafür und das sei ihm zu viel. Rechtsanwalt Heine beantragt die Vernehmung eines Fräuleins Martha Friedrichsohn, die einen Fall bekunden werde, in dem zwei mittellose Dienstmädchen bestohlen wor- den waren und die mit der Ermittelung betrauten Beamten sich von ihnen je 25 M. zahlen ließen, die sie für' sich behielten, ohne das Nötige über die Diebstähle zu ermitteln. Dieser Fall sei für die Verteidigung von Wichtigkeit, da die Beamten sich in diesem Fall nicht denken konnten, daß es sich hier um Personen handle, die etwas hergeben könnten, wie bei Frau Oeldermann(der Frau eines Millionärs), die 26 M. hergeben konnte.(Heiterkeit.)— Ein Möbeltransporteur August S ch m i d t: Er ist 1968 bis 1969 Expedient bei der Firma Licht gewesen und hat die Bespannung der .Karnevalswagen gestellt. An einem Weihnachtsabend erhielt er den Auftrag, drei Prösentkörbe mit Briefen zu Polizeibeamten zu tragen, deren Namen er nicht kennt. Durch Befragen nach der Wohnung der betreffenden Be- amten wird festgestellt, daß der eine von diesen Körben zum In. spektor Kautz, der andere zum Inspektor V o t s ch getragen wurde.— Angel I. Sollmann: Kann sich der Zeuge sonst über den Verkehr der Firma mit den Polizeibeamten äußern?— Zeuge: Einmal kam einer der Chefs in das Geschäft herunter und sagte:„DaS war wieder eine schwere Nacht, da ist ordentlich gesoffen worden mit den Polizeiinspektoren, daS hat wieder Hunderte gekostet!" Kaufmann Vogt gibt an, daß es üblich sei, daß Bauunter- nehmer an die Polizcibeamten Geschenke geben, damit nicht so viele Strafmandate erlassen würden. Er führt verschiedene Fälle an, wo Schutzleute Geschenke erhielten.— Vert. Rechtsanwalt Heine: Die Verteidigung wünscht nicht, daß Schutz- leut« durch die Verhandlung belastet werden. Wenn die armen Teufel von Schutzleuten bei ihrem elenden Gehalt Schmiergelder annahmen, so ist das viel milder zu beurteilen, wie die Schmiererei bei den Herren Beamten.— Zeuge Vogt hat auch erfahren, daß von Bauunternehmern Wechsel von Polizeibeamten diskontiert wurden. Er erhebt gegen mehrere Polizeikommissare den Vor- Wurf der Konzessionsschiebung und bezichtigt einen des Meineids. — Der Vorsitzende weist diese Ausfälle als ungehörig zurück. — Staatsanw. D a h m: Ich bitte den Zeugen zu befragen, ob er nicht in dieser Angelegenheit wegen wissentlich falscher An- schuldigung zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wurde, welche Strafe im Wiederaufnahmeverfahren auf 9 Monate er- mäßigt wurde.— Zeuge: Das zweite Mal erfolgte die Ver- urteilung wegen Beleidigung.— Die Verteidigung verzichtet nun auf die weitere Vernehmung dieses Zeugen.— Beisitzer Landgerichtsrat R' e d i n g e r: Diese Methode mutz ein Ende haben, daß die Verteidigung Zeugen, wenn sie versagen, ver- schwinden läßt.— Vert. Rechtsanwalt He ine protestiert auf das schärffte dagegen, daß ein beisitzender Richter derart seiner unfreulichen Gesinnung Ausdruck gebe und die Verteidigung an- greife. Das stehe nicht im Einklang mit der Stellung der Bei- sitzer.— Staatsanwalt Sah in: Ich muß Protest erheben gegen die Behauptung von elenden Gehältern der Schutzleute. Die Bezahlung ist eine den Verhältnissen der Schutzleute durchaus an- gemessene.— Auch Polizeipräsident v. Weeg mann protestiert ebenfalls gegen die Wendung von der elenden Bezahlung oer Schutzleute. Stach einigen weiteren Vernehmungen, die nichts Wesentliches ergeben, wird die weitere Verhandlung aus Dienstag vertagt. Der Montag bleibt für zahlreiche kommissarische Vernehmungen frei. �_ /»US Industrie und Handel. Eine Viertel« illiarde Dividende haben insgesamt 264 Aktien- gesellschaften der deutschen Montanindustrie in den ersten elf Monaten deS Jahres 1913 ausgeschüttet. DaS gesamte Aktienkapital dieser Gesellschaften stellte sich am Schlüsse des letzten Geschäftsjahres auf 2223,3 Millionen Mark, das bedeutet gegen daS Vorjahr eine Steigerung um 136 Millionen Mark. Die Summe der verteilten Dividende erhöhte jich von 269,8 auf 241,5 Millionen Marl. Hiernach ergibt sich im Durchschnitt eine prozentuale Steigerung de< DividendenerlrageS von 16,6 auf 16.9 Proz. In den einzelnen Gruppen der Montangesellschaften entwickelten sich die Dividenden« ergebnisse folgendermaßen: Zahl der Aktienkapital Dividende Gesellschaften in Mill. Mark in Proz. 1911/12 1912/13 1911/12 1912/1» Steinkohlenbergbau 35 397,37 462,49 9,3 11,5 Braunkohlenbergbau 46 196,63 269,15 9,7 16,3 Erzbergbau... 11 35.63 35,88 9.1 9.8 Kalibergbau... 29 257,23 268,65 7,5 7,4 Salzbergbau... 11 26,76 26,76 9,3 7,9 Sonstiger Bergbau 12 72.66 82,66 7,8 16,6 Hüllen, gemischle Betriebe.... 66 1119,66 1 264,78 11,1 ll.7 Eine Verminderung deS Dividendenertrages brachte daS letzt« Jahr nur für den Kali- und Salzbergbau. Kaffee, Tee, Kakao. Der Kaffekonsum geht zurück. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Vorliebe für das arabische Getränk im Nieidergang begriffen ist. Dagegen verdient die Tatsache Er- Mahnung, daß der geringere Verbrauch von Kaffee zeitlich zu- sam'inenfällt mit der im Rahmen der Reichsfinanzreformen vom Jahre 1969 neu eingeführten Kasfeesteuer. Der Konsum von Tce hat sich innerhalb der letzten Jahre etwa auf gleicher Höhe gehalten, die Verbrauchsmenge von Kakao ist nicht unerheblich gestiegen. In den Jahren 1968 und 1912 stellte sich der Verbrauch der drei genannten Importartikel auf den Kopf der Bevölkerung in Kilo- gramm: 1968 1912 Kaffee..... 3,63 2,58 Tee..... 0,66 0,06 Kakao..... 0,52 0,81 Im entsprechenden Verhältnis dazu bewegte sich die Einfuhr dieser Waren. Der Import von Kasfee ist gegen 1911 um 158 275 Doppelzentner zurückgegangen, während sich innerhalb der gleichen Periode die Einsuhr von Tee um 4446 Doppelzentner, diejenige von Kakao um 16 253 Doppelzentner gehoben hat. Gerichtszeitung. „Politik zwischen den Zeilen." Wegen Uebertvetung des Reichs-VereinSgesetzt» hatten sich gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Tempelhof der Maschinen- avbeiter Lieske und der Maler Sellheim zu verantworten. Am 12. Oktober 1912 fand im„Hofjägerpalast" eine vom„Kartell- verband Groß-Berlin für Sport und Körperpflege" einberufene öffentliche Versammlung statt, in der Lieste über„Jungdeutschland. bund und Arbcitersportbcwegung" referierte. Der die Versammlung überwachende Polizeileutnant empfand das Referat als„politisch". Es erhielten dann Lieske als Einberufer und Sellheim als Leiter Strafmandate von je 16 M., weil sie eine öffentliche Versammlung zur Erörterung politischer Angelegenheiten nicht vorher angemeldet hätten. Vor dem Amtsgericht, dem die Sache zur Entscheidung vorgelegt wurde, erklärte der Angeklagte Lieske, daß sein Referat den Gegensatz zwischen- Jungdeutschlandbund und Arbeitersport- bewegung habe zeigen wollen, um die Arbcitersportvcreine zu fördern. Er habe an einem geschichtlichen Rückblick auf 1813 und die folgende Zeit auch dargelegt, warum die Arbeitersportvereine sich an der Jahrhundertfeier nicht beteiligen könnten. Der Bor- sitzende, AmtsgerichtSrat Kehler, unterbrach ihn mit der Bemerkung, da habe er sich doch schon auf das politische Gebiet begeben. AuS den Akten verlas er die von dem Polizeileutnant gemachte Be- kundung, daß LieSke gesagt habe, die Jungdeutschlandbcwegung wolle toankende Kronen stützen. Polizrileutnant Pukah gab vor Gericht sich alle Mühe, im Anschluß an seine Zeugenaussage den „sozialdemokratischen Sinn" des ganzen Referats darzutun. Der geschichtliche Rückblick habe betont, daß nach 1813 König und Regie. rung die erhofften Freiheiten nicht gegeben hätten. Redner Hab« die ganze nationale Sportbewegung als Träger des rohaliftischen Gedankens bezeichnet und habe gemahnt, das agitatorisch auSzu- nutzen. Als überwachender Polizeileutnant müsse man, fuhr hier der Zeuge fort, auch auf daS achten, was„zwischen den Zeilen" zu hören sei. Bei einem von sozialdemokratischen Anschauungen erfüllten Milieu müßten solche Worte im Sinne der sozialdemo- kratischen Bewegung wirken. In diesem Sinne habe er sie auf- gefaßt. Die Auffassung des Polizeileutnants wurde vom Staats- anwalt von Staa dahin erweitert, daß die Arbeitersportverein« an sich den Zweck hätten,, die Arbeiter nicht nur für den Sport, sonocrn auch für politische Betätigung zu gewinnen. Er hielt die 16 M. Geldstrafe für angemessen. Der Bertridigcr Rechtsanwalt Kurt Rosenfrld beantragte Freisprechung. Was der Polizeileutnant im Hinblick auf daS„Milieu" sich gedacht und„zwischen de« Zeilen" zu bemerken geglaubt habe, könne für das Gericht nicht maßgebend sein. Nur um das, was Lieske gesagt habe, handle es sich. Vor welcher Zsthörerschaft er es gesagt habe, sei ganz gleichgültig. DaS Vereinsgesetz mache keinen Unterschied zwischen sozialdemokratischer oder einer anderen Zuhörerschaft, und auch das Gericht werde nicht zweierlei Recht anwenden wollen. Gegen die Auffassung, daß schon der Hinweis auf die monarchische Gesinnung des Jungdeutschlandbundes eine Erörterung politischer Angelegenheiten sein soll«. führte der Verteidiger auS, daß der Jungdeutschlandbund, wenn er auch vom Staat auS seinem Millionenfonds gefördert werde, noch nicht zu einer Einrichtung der staatlichen Ordnung werde. Gegen den Verteidiger nahm der Vorsitzende den Polizeileutnant in Schutz. und auch das Urteil gab dann der Auffassung des Polizeileutnants Recht. Der Strafbefehl von je 16 M. gegen beide Angeklagt« wurde ausrecht erhalten. Schon in der Wahl des Themas fei, so führte die Urteilsbegründung aus, ein Gegensatz zum Ausdruck gebracht. Das wäre nicht nötig gewesen, wenn lediglich der Sport gefördert werden sollte. Der Hinweis auf die Notwendigkeit der agitatorischen Ausnutzung des Gegensatzes zwischen Jungdeutschlandbund und Arbeitersportverein« zeige, daß die Versammlung auch eine Ein» Wirkung in antimonarchischem Sinne bezweckt habe. Hiermit aber sei„zweifellos" eine politische Tendenz der Versammlung gegeben. Heiratsschwindel unter Beihilfe der Ehefrau. Vor dem Schöffengericht Hannover wurde am Freitag ein eigenartiger Heiratsschwindel zur Sprache gebracht. Ein 24 Jahre alter verheirateter Sattelputzer knüpfte mit einer 32jährigen Ar» beiterin ein Liebesverhältnis unter Heiratsversprechen an und lockte ihr ihre Ersparnisse ab. Di« Frau des SattelputzerS kannte dies Verhältnis und gerierte sich der betrogenen Arbeiterin gegen- über als Logisgeberin ihres Mannes. DaS Gericht verurteilte den Heiratsschwindler zu neun, seine Ehefrau wegen Beihilfe zu einen Monat Gefängnis. Der„gute Ruf" SudermannS. Ter Privatdozent und Direktor des Königlichen Hostheater» in Hannover Dr. Theodar Lessing erhielt von dem als„Manuskript gedruckten" noch uiiveröfsentlichtem Stück des Schriftstellers Suder- mann„Der gute Ruf" Kenntnis durch den Intendanten des Hof» theaters. Diese Kenntnis benutzte Lessing, um dem Herausgeber der„ischaubübne" Jakobsobn eine Kritik über das Stück zu senden, die auch den Inhalt des Stücks angab. Jakobsohn veröfseiitlichte diese Kritik vor der Ausführung. Das Landgericht Berlin I ver- urteilte darausbin Dr. Lessing zu 166, Jakobsohn zu 266 9W, Geldstrafe wegen Verstoßes gegen§ 39 des Urheberrechtsgesetzes. Das Reichsgericht verwarf am Freitag die von Dr. Lessing Segen sei« Bernrteilnug eingelegte Revision, üdod�en-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. LpcrnhauS. Sonntag und folgende Tage: Parsisal.(An- fang 7 Udr.) Königl. Schauspielhaus� Sonntag: Der Schlagbaum. Montag: Der Älluftuann oon Venedig.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: ßanS Lange. Mittwoch: Minna von Barnhelm. Donnerstag: Wilhelm Teil. Freitag: Der Schlagbaum. Sonnabend: 1812. Sonntag: Kolberg. Montag: Die Neuvermählten. Die zärtlichen Verwandten.(Ansang 71/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der Kausmann von Venedig. Mon« tag: Hamlet. Dienstag: Der Kaufmann von Venedig. Mittwoch: Ein SominernachtStraum. Donnerstag: König Lear.(Anfang 7 Uhr.) Frei- tag: Viel Lärm um nichts. Sonnabend: König Lear. Sonntag: König Lear. Montag: Der Kaufmann von Venedig.(Ans. VI, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Wetterleuchten. Montag: Frühling» Er- wachen. Dienstag: Wetterleuchten. Mittwoch: Torquato Talso.(Anfang 7>/z Uhr.) Donnerstag: Die Pariserin. Freitag: Androllu» und der Löwe. Sonnabend: Wetterleuchten. Sonntag: Die Pariserin. Montag: Wetterleuchte».(Ansang 8 Uhr.) Lesstng-Tbeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Professor Bernhard!. Abends: Pygmalion. Montag: Peer Gynt.■(Ansang �l|, Uhr.) Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Pygmalion. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Der Erbförster. Freitag: Peer Gynt.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonnabend und Sonnlag: Pygmalion.(Anfang 8 Uhr.) Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Der Erbsörster. Montag: Wozzek. Leoncc und Lena.(Anfang VI, Uhr.) Berliner Theater,«sonntagnachmittag 3 Uhr: Bummelftudcnteu. Allabendlich: Wie einst im Mai.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgrätzer Strafie.Sonntag: König Richard IN. Montag: Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: König Richard IN. Mittwoch: Die Kronbraut.(Anfang 8 Uhr.) Donnerstag: König Richard III. Freitag: Brand. Sonnabend, Sonntag: König Richard IN. Montag: Die fünf Frankfurter.(Anfang 71/, Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Biberpelz. Abends: Schirin und Gertraude. Montag: Gastspiel Duncan- schule. Dienstag: Schirin und Gertraude. Mittwoch: Glaube und Heimat. Donnerstag und Freitag: Schirin und Gertraude. Sonnabend und Sonn- tag: Der Bogen des OdvssenS.(Ansang VU Uhr.) Montag: Schirw und Gertraude.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Schauspielhaus. sonntagnachmittag 3 Uhr: Romeo und Julia. Allabendlich: Wer zuletzt lacht.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches OPeruhauS. Sonntag: Parsival.(Anfang 6 Uhr.) Mon- tag: Fidelw. Dienstag: Undinc. Mittwoch: Parsisal.(Ansang 7 Uhr.) DonnerStfW: Zar und Zimmermann. Freitag: Der Freischütz. Sonn- abend: Mandragola. Sonntag: Parsisal.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Manon LeScaut.(Ansang 8 Uhr.) KoniödteuhauS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Filmzaubcr. Allabendlich: Hinter Mauern.(Anfang 8 Uhr.) Luftsvielbaus. Sonntagnachmittag S'l, Uhr: Hosgunst. Mab endlich: Die spanische Flieg«.(Ansang 8 Uhr.) Theater de» Westens. Sonntagnachmittag 3>/. Uhr: Gräfin Fifi. Allabendlich: Polcnblut.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabendnachmittag 3 Uhr: DaS tapfere Schneiderlein. Thalia- Theater. Allabendlich: Die Tangoprmzessin.(Ansang 8 Uhr.) Refidenz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schlaswagcn- kontrolleur. Allabendlich: Hoheit— der Franz.(Ans. 8 Uhr.) Trlanon-Theater. sonntagnachnnttag 3 Uhr: Untreu. Die Brief- tasche. Allabendlich: AnatoleS Hochzeit.(Ans. 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Angele, die Lore. Sittliche Forderung. Allabendlich: Jettchen Gebert.(Anfang 8 Uhr.) Dchiller-Theater O. Sonntagnar mittag 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Abends: Rosenmontag. Montag: Konig Lear. Dienstag: Moral. Rtitt- woch: Hasemanns Töchter. Donnerstag: Weh' dem, der lügt. Freilag: Die Stutzen der Gesellschaft. Sonnabend: König Lear. Sonntag: McycrS. Montag: Weh' dem, der lügt.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Cbarlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Andreas Hofer. Abends: Wenn der neue Wein blüht. Montag: Meyers. Dienstag: Was ihr wollt. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Götz von Berli- chingen. Abends: Weh' dem. der lügt. Donnerstag: Meyers. Freitag: Weh' dem. der lügt. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert. abenbs: Meyers. Sonntag: Weh' dem, der lügt. Montag: WaS ihr wollt.(Ansang 8 Uhr.) Reue» BoltStheater.(Neue Freie Vollsbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der ledige tzof. AbendS: Der Gras von CharolaiS. Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag: Der Kaiferjägcr. Freitag mid Sonn- abend: Michael Kramer.(Anfang 8'/, Uhr.) Walhalla-Thcatrr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Preciosa. Abends, Montag und Dienstag: Wolkenbummler. Donnerstag bis Montag: Tango- fieber.(Ansang 8'/, Uhr.) Aiontis Operetten-Theater- Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dic Fledcr- maus. Allabendlich: Di« verbotene Stadt.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tbeater. Allabendlich: Der Schürzenjäger.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Lenore. Theater am Nollendorfplatz. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Allabendlich: Freddh und Teddy.(Ansang 8 Uhr.) Urauia-Theater. Sonntagnachmittag S Uhr: Mit dem«Imperator' nach New Dort. Abends und Montag: Mit Ballon und Flugzeug über Berg und Tal. Dienstag: Wie unser Heimatland entstand. Mittwoch: Mit dem Imperator nach New Jork. Donnerstag bis Sonntag: Mit Ballon und Flugzeug über Berg und Tal. Montag: Unbestimmt.(An- sang 8 Uhr.) Luisen-Theatrr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Heimat. Allabendlich: Deines Bruders Weib.(Anfang 81/« Uhr.) Kasino-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Geheimnisse von New Jork. Allabendlich: Ferdinand der Tugendhafte.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: Der Kuckuck. Äanöverfchwindel.(An- So mittag 3 Uhr: nsana 8 Uhr.) Allabendlich: Hart« Allabendlich: Die sang S'l, Uhr.) Friedrich-Wilhelmstüdtisches Theater Die keusche Susanne. Allabendlich: Die Kinokönigin. Apollo. Sonntagnachm. 3 Uhr: Spezialitäten. stein, der Stolz der dritten Kompagnie,(«nf. 8 Uhr.) Mctropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr:'S Nullerl. Reise um die Erde in 40 Tagen.(Ansang 7.5ö Uhr,) Wintergarten. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich: Sprziali- täten.(Ansang 8 Uhr.) Reichslrnllen-�' Stcttiner Sänger. Gebr. Herrufrld-t Leibusch?(Ansang 8 Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. ZtrkuS Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung. Admiralspalaft. Eisballett: Die lustige Puppe.(Ansang 8'/« Uhr.) Berliner Eispalast. Eissport.(Ansang 3 Uhr.) EineS Palast an: Zoo. Varietä-Lichtspiele. Täglich: 6 Uhr. Eines Nolle» dorf- Theater. Varietö-Lichlspiele. Täglich: 67, und 9 Uhr. a uqr.j n-Tbeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr sowie allabendlich: r.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 77. Uhr.) :rnfeld Theater. Allabendlich: Was sagen Sie zu -a <1/ Unserem langjährig. Vertreter ch G im Reichstage, dem Genossen sv t Fritz Zubeil% G zu seinem 66. Geburtstage tv � die beste» Glückwünsche. � yy Mehrere Parteigenassen � <0 lies Kreises. 521b«p Todes-Anzeigen| hiermit die traurige Nachricht, I daß mein lieber Mann und Herzens- | guter Vater Paul Strempel am Donnerstag, den 8. Januar, sanft entschlasen ist. 5l4b Dies zeigen ttesbetrübt an Ick» kStncmpel nebst Sohn Skalitzerstr. 143. Die Beerdigung findet am Montag, den l2. Januar, nach- mittags 3 Uhr. von der Halle des Zeniralsriedhoses in FriedrichSselde auS flatl. | Sozialtlemokralischer Watilverein 1 jl. i l Berl. Reielista�walilkreis. Ten Mitgliedern zur Nachricht. dajj unser Genosse, der Gastwirt Paul Ltrempel Bezirk 141, gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Montag. den 12. Januar, nachmittag 3 Uhr, von der Halle dcS Zentral-Fried« hoses in FriedrichSselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Iber- Voi-ütsnck. SozialdemokralistoWahlverai! i. i 4. ßerl. Reichstagswalilkreis Sti alaucr Viertel. Bezirk 335 II. Den Mitgliedern zur Nachricht. dan untere Genossin, Frau /Narie Schmidt >13.» ge- Fried: ichsselder Straße > iloiben ist. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung findet am I Dienstag, den 13. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle I des Zentralsricdhoss in Friedrichs- | sclde aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 1 213/8 l>op Vorotniid. 0/8 BeDtseber Bauarbeiterverband. Ztoeigvcrein Berlin. Am S. Januar starb unser Mitglied, der Maurer ttermaun Neumann .(Bezirk Lichtertetde). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung smdct am Montag, den 12. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhoses in Lichterselde-Ost, Langestraße, aus statt. 143/6 Der Torstand. Oeutseber Transportarbeiter-Verbanii. Bezirksverwaltung GroB-ßerlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Müllkulschcr August Halspap am 6. d. Ml«, im Atter von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. Januar, vor- mittags 97, Uhr, von der Halle 61/7 Die Bezirksverwaltung. Deutseber Metallarbeiter-Verband Verwaitungseteile Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mtglied, der Schlosser Atax Zubeil Friedenau, Blankenbergstraße 2, am 9. d. M. an Lungenleiden ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Januar, nach- mittags 37, Uhr. von der Leichen- balle des neuen Schöneberger Friedhofes in Schöneberg, Max- straßc, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Oswald Woblkeld am 8. b. M. an Lungenb inten. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Lonntag. den 11. Januar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Gemcinde-Friedhose» in Ncutölln, Mariendorser Weg, au« statt. 113/13 Rege Beteiligung wii d erwartet. » r b r z» I. Ferner starb unser Mitglied die Kollegin �nna Kurzweg Ravenösiraße 7. Ehre ihrem Andenke»! Die Orteverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Luise Henschke sagen wir allen Verwandten und Be» kannten sowie dem 349. Bezirk unseren herzlichsten Dank. (itast»v Kennchko und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter sagen wir allen Teilnehmern, insbesondere den Ge nossinnen und Genossen unser» lief gesühiten Dank. 136Ä R. Wisnrwski nebst Tochter, Pückterstr. 38. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hin'cheidcn mei- ncr guten Mutter sage ich aus diesem Wege allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen ttejgesühlteslcn Dank. 136a ATartba Dalg, Monumentenstr. 31. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines neben, un- vergeßlichen Mannes A u g a w t der Bcc Fellmann sage ich allen Verwandten, Bekannte», sowie dem Meister, Kollegen u. Kolleginnen der Firma E. Jalob meinen herzlichsten Dank 533b Tie trauernde Witwe nebst Söhnen Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, BrnderS und Schwa- ger§ sage ich allen Belciligten, Be- kannten. Verwandten sowie den Kollegen der Tischlerei Schild meinen herzlichsten Dank. 115A Witwe Helene Majewski. Spezialarzt I>r. med. WockenknB, Frledrichstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- Störung. Mäfiige Preise.* Sprechet, v. b-8, Soantogs 9—11. Ordentliche General-Yersammlang der Kravken- o. Kegrabniskasse der Seifensieder n. Kerufs- genoffen;n Kerlin am Sonntag, den 8. Februar 1914, vormittag 13 Uhr, im Restaurant Wollschläger, Landsberger Straße 89. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Borstandswabl. 4. Bor- trag: DaS neue krankenoersicherungs- gesetz. 5. Verschiedenes. Zahlreichen und pünttlichen Besuch erwartet 281/7 Oer Vorstand. I. A.: Karl Gcisler, Käpenickerstr. 123. Em wertvolles Rezeptbuch zur billigen und reellen Selbftbereitung iiinnMiiiiiiiiiiiiiniMiniiiminiin aller Liköre, Branntweine, echter Kräutcrbittcr, Punsche ulw. in gehaltvoller Qualität vollkommen originalgetreu mtt den berühmten Original- Reichel- Essenzen I nmsoust u vorlolrci von Otto Reichel, Berlin 2, Eisenbahnstr. 4 oder in den Drogerien erhältlich w« Reichel-Essenzen vorrätig Oeneral-Versammlnnc: der Liepnerfche» Sterbe-«. Kranken- Unterstüvungskasse Nr. 2». am Tieustag. d. SV. Januar 1V1I, abends 87, Uhr, im Kaffenlokal, Linienstr. 8. Tagesordnung: 1. RechenschastSbericht der Revisoren. — 2. Wahl eincS Vorstehers und eines Stellvertreters.— 3. Wahl eines Revisors und eines Stellver- treters.— 4. Verschiedenes. 529b Der Vorstand. Allgemeine Orts- Krankenkasse Neukölln. Bekanntmachung. Aus Grund der stattgesundenen Wahlen hat der Kasscnvorstand sich neu konstituiert. ES fungieren alS Kassenvorsitzender: Herr Ludwig Gcschlvindncr, alS stellvertretender Vorsitzender: Herr Max Heinrich, als Schrislsührcr: Herr Wilhelm Ritter, alS Beisitzer: Herr Hermann Schieritz, Herr Georg Rambow, Herr Wilhelm Schröder, Herr Otto Labowski, terr Paul Molsa und err Karl Sielaff. 266/23 Neukölln, den 8. Januar 1914. Oer Kassenvorstand. Gcschwindner, Ritter, Vorsitzender. Schriftführer. Vereinshaus Südost Melchiorftrafte IS. Kleiner Saal und Vereins- zimmer noch einige Tag- frei. Bekanntmachung der 267/1 AllgtMtillkll Ortskraukkn itasfe Serliv-Friedtuiill Rheinftrastc S. Die aus Grund unseres nach Z 95 der Satzung ersolgten Wahl-ÄuS- Ichreibens hier sristgemäß ein. gegangenen gülligen Wahlvorschläge für den Vorstand enthalten im ganzen nur soviel wählbare Z Werber, wie Vertreter zu wählen sind. Die aus Mittwoch, den 14. Januar 1914, scstgcsetzte Wahl de« Vorstandes findet demnach nicht statt, da nach der Bestimmung deS§ 9 der Wahl ovbnung die vorgeschlagenen Be Werber als gewählt gelten. Hiernach gelten nunmehr nach Ab lauf der gesetzlichen EinspruchSstist als gewählt sür die Vertteter der Arbeitgeber: die Herren Max David. sobn, Anton Habermann, Wilhelm Moser; sür die Vertreter der Ver- sicherten: die Herren Friedrich Bauer. Walter Ullrich, Otto Ackermann, Paul Merscburger, Hermann Sonnen- schein, Georg Lorenz. Bcrlin-Friedenau, 13. Januar 1914. Bauer, Ullrich, Boisitzender. Schristsührer. Südeisbabn Drbanstraße vis-a-vis 532b d. Franzer-Kaserne ish eröffnet. Sterbekasse eheinatipr Pflugseber Arlieiter(HKaStfe Sonntag, den 35. Januar 1914, vormittags 97, Uhr pünktlich: veueralversammluiig im.VeretnShauS Berliner Mufiker", Kaiscr-WilhAm-Str. 31(srühcr ISm). Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 4876* 2. Bericht der Revisoren. 3. Ncuwahicn von VorstandSmit- gliedern(2. Vorsitzender und 1. Schrift- sührer). 4. Neuwahl der Revisoren. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Oer Vorstand. I. A.: G. Wcgner. Bekanntmachung der Zvnuv�Mteiikuze der Sebnhmacher-StiRung (Zwangs-Jnmmg) i« Berlin betreffend die Wahlen der Vertreter und der Ersatzmänner zum Ausschuß. Aus Grund dcS S 46 der neuen Satzung sind sür nie Wahlperiode vom l. Januar 191,4 bis zum 31. De- zember 1917 in getrennter Wahl- haiidlmig zu wählen IS Vertreter und 30 Ersatz� männer aus der Mitte der Arbeitgeber, 30 Vertreter und 00 Ersatz- männer auS der Mitte der Arbeitnehmer. Die Wahl findet statt am Montag, de«!2S. Februar 1014. im In- »ungshause, Fischerstraße 25. sür die Arbeitgeber von 4 bis 7 Uhr nachmittags, sür die Aibeitnehmer von 7 bis 13 Uhr nachmittags. Die Wahl wird durch den Vorstand geleitet, ist geheim und es wird naw den Grundsätzen der Verhältniswahl sowie nach den näheren Bestimmungen der der Satzung beigesüglen Wahl« Ordnung gewählt. Die wahlberechtigten Arbeitgeber und Versicherten werden hiermit aus- aesordert, Wahloorschläae. gesondert sür die beteiligten Arbeitgeber und Versicherten, vier Wochen vor dem angesetzten Wahltag, also spätestens bis zum 26. Januar 1914, an den unterzeichneten Vorstand, Berlin, "17, einzureichen. Auch find daselbst etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wahl- und Stimm- bcrechtigung einzusehen und geltend zu machen. Die Stimmabgabe sür die Wahl- Vorschläge ist gebunden. Aus Grund der Bekanntmachung im„Vorwärts" vom 28. 12. 1913 und im„Schuhmacher- Meister" (Schuhmacher-Zeiwng) vom 4. 1. 1914 find die neuen Satzungen genehmigt und erschienen. Soweit fte durch persönliche Uebermittelung den Kassen- Mitgliedern noch nicht übergeben sind. können dieselben im Kassenlotal. Fricdrichsgracht 17, in den Kassen- stunden von 8 bis 1 Uhr entgegen- genommen werden. 266/13 Berlin, den 11. Januar 1914. Oer Vorstand. JakobEgc, R. Schenk, Vorsitzender._ Schristsührer Kranzspenden sowie sämtliche ßtuinetiatTatigetnetitö liefert schnell und billig Oanl Gross, Lindenstr.CB, Tel. Mpl. 7.�3 xikSh Abhandlungen und Vorträge! zur sozialistischen Bildung. � Herausgegeben 248/19* i von Iflax Grnnwald. Heft 0: und die Bon Conrad Haenisch.\ Bf 4w*w Pres» 40 Vf. WMWMWWWWWMMO German Enorm billiger Verkauf von 30600». Kindn-tah KonMlon Iliizzeii-Mel"'" schieden. Besätzen, 45—60 cra lang Kittel- An zücfe Kleine —-»Ä I75 1" 33. f5!'5 Kinder-Kleidchen buanats 125 750375 Waschstoffen, 45— 60 cm lang J I<*1 Mädchen- Blusen 190 750325 für 6—12 Jahre........*" w Mädckn-Kleider»"«5*75 60-100 cm lang........ L*1? AmerlKon. Kleider K" k" 60— SO cm............? 100 ü Bieg, ffasci-Kleider B75(575175 60—.100 cra.... durchweg w II# Knaben-Änzüge 135 175£75 versch. Formen, 3—8 Jahre 1 Ä lä Spiel-Anzüge Qg 195 775 für 3— 8 Jahre....... Uw PI- 1 mt 150 100 250 JSO 375 ß75 flinerlKan. flnzüje 7".t-.»«; für 3 bis 6 Jahre......." 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Körperverletzung hatte sich vor dem Gebäude des Landgerichts, in dem die Berbandlung stattfand, eine ungebeure Menschenmenge versammelt. Die Polizei balte kolossale Absperrungen vorgenommen und es war ein starkes Polizei- aufgcbot zu sehen. Der Zuhörerroum des großen Schwurgerichts- iaaleS ward überfüllt und auf den Korridoren drängten sich Per- Ionen, denen es zwar gelungen war, durch die Absperrung in das Gebäude zu gelangen, die aber Zutritt in den Saal nicht mehr finden konnten. Unter atemloser Spannung verkündete sofort nach Eröffnung �r Sitzung durch den Porsitzer.den Generalmajor v. Pelet- dtarbonne der Verhandlungsführer KriegSgerichtSrat v. I a n das (MeU: Bride Angeklagte, Oberst v. Reuter und Leutnant Tchad werden von der gvnzen Anklage freigesprochen. Zur Begründung führte der Verhandlungsführer aus: Der Leutnant Freiherr v. Forstner hatte Mitte Oktober in der In- struktionsstunde die Aeußerunp über die WockeS getan. Er war dann einige Zeit auf Urlaub und kam Anfang November in die Kaierne zurück. Bald darauf wurden die ersten Beschimpfungen laut:„Wackes, 19 Mark, 13 Mark' usw. Am 8. November ent- stand vor der W o h n u n g des Leutnants v. Forsiner ein M e n s ch e n- a u f l a u f. Der Hausbesitzer befürchtete, es würden die Läden eingeschlagen werden. Die Leute gaben ihrem Unwillen lauten Ausdruck. Am nächsten Tage wurden weitere Rufe laut: »Sauschwob, Drcckichwob" usw. Leutnant v. Forstner war im Hotel .Zum, Karpfen'. Oberst v. Reuter kam hinzu und suchte die Menge zu beruhigen. Er richtete einige Worte an die Menge, die keinen Erfolg haire». Es wurde ihm zugerufen:„Du bist gerade so ein Sauschwob!' Am nächsten Tag. am Sonntag, den 9. November, hatte Leutnant v. Forstner Gottesdienst. Dem KreiSdirekior war dies bekannt. Ebenso war ihm bekannt, daß an diesem Tage die VertrauenSmännerwahlen zur Ortslrankenkasse stattfanden. Trotzdem waren keine SichcrhcitSbcamtcn zur Stelle, als Leutnant v. Forstner am Nachmittag dieses TogeL seinem Dienst nachging. Es folgten ihm etwa 150 bis 200 Personen in einem nicht zu großen Abstand. Die Menge brüllte und johlte und gegen den Leutnant v. Forsiner und seinen Begleiter wurden mindestens 29 mal große Steine geworfen. Die Steine wurde» mit großer Gewalt geworfen, so daß sie nicht von Kindern geworfen sein können. Die Z e u g i n G ö r k e bat bekundet, wie sich die Menge verhalten hat. Später war dann die Gendarmerie benachrichtigt worden. Als die Menschen bis vor die Kaserne vorgedrungen waren, wurde laut ge- rufen, und die Leute Ivarfen Steine bis über die Kasernenmauer. An diesem Abend, nachdem der Angeklagte Oberst v. Reuter den Kreisdirektor um Schutzmaßnahmen gebeten hatte, kam es zu großen Ansammlungen in der Nähe der Wohnung des Leutnants v. Forsiner. Diese Ansammlungen sind von dem Zeugen Friseur Arnstadt berichtet worden, er hat uns gesagt, welches Gaudi Zabern an diesem Abend hatte; es wurde gejohlt, gebrüllt und gepfiffen. Die SicherheitSbeamlen schritten nur insoweit ein, daß sie die Offiziere vor Tätlichkeiten bewahrten. Wenn auch eine Zeitlang die Ansammlungen harmlosen Charakter hatten und es genügte, daß die Feuerwehr spritzte, so genügte dieS nicht mehr jetzt, denn es wurden viele Steinwürfe abgegeben, es wurden auch Flaschen geworfen und ei ir Schutzmann wurde beinahe getroffen. Diese Ansammlungen sind zweifellos zurückzuführen auf die v e r- hetzenden Artikel des.Zaberner Anzeigers'. So oft er erschien, brachte er gehässige Artikel und ließ sie sogar öffent- lich anschlagen. Am Montag, den 19. November, ereigneten sich wieder Ansammlungen, und zwar werden diese Unruhen als die bedenklichsten bezeichnet. ES waren etwa 1999 Leute auf dem Schloßplatz, die Großen hetzten die Kleinen auf. Ter Oberst versuchte, die Menge zu zerstreuen, und er benachrichtigte die KreiSdireklion. Die Kreiödirektion bot die Gendarmerie auf, diese konnte aber die Leute nicht vertreiben. ES wurden nachher noch Schüsse abgefeuert und Frösche losgelafien. Deshalb ordnete der Oberwachtmeisier an, daß die Gendarmen die Pferde holen sollten. Sie stiegen zu Pferde und ritten gegen die Menge vor. Die Antwort waren Steinwürfe. Der Gendarmerieoberwachtmeister wurde zweimal getroffen. Er nahm dann eine Festnehmung vor, der Mann widersetzte sich und hat später einen Straf- befehl in Höhe von 19 Mark erhalten, gegen den er gerichtlichen Einspruch erhoben hat. Am nächsten Tage erschien im.Zaberner Anzeiger' ein beruhigender Artikel und nun war alles wieder gut. Immerhin wurde auch jetzt noch einmal ein Unterosfizier in der Dunkelheit von unbekannten Männern über- fallen. Die Ansammlungen richteten zweifellos ihre Spitzen gegen das Militär. Die Ruhe, die eine Zeitlang eintrat, war darauf zurückzuführen. daß Ober st v. Reuter im Urlaub war. Trotz der äußeren Ruhe aber wurden die Offiziere weiter belästigt und es wurde gerufen: Sauschwob, Dreckschwob, Bctlsch..., vivo la Franoo, niord la Prusse! Auch Oberst V. Reuter wurde als er zurückkam, beschimpft mit Rufen.Schloßgeist. Totenkopf, seidenes Kaninchen usw." Am 29. November wollte Leutnant v. Forstner einen Kameraden besuchen. Als er auf die Straße kam, wurde er von einer joblcnden Menge umgeben. Leutnant Swad meldete das dem Oberst v. Reuter. Oberst v. Reuter sagte, er solle einige der Schreier sestiiehmen. Es ivnrde ein Bäcker festgenommen und genau iestgeslellt, daß er einen beleidigenden Zuruf gemacht hätte. Oberst v. Reuter befahl nun dem Leuriiani Schad noch einmal auszurücken. Vor dem Hotel„Zum Karpfen' sab Leutnant Swad eine lachende Gruppe sieben und er nahm den Bankbeamten Kahn fest. Kahn bestreitet, daß er gelacht hat, die Musketiere aber haben es bekundet. Oberst v. Reuter telephonierte nun an die Kreisdircktion und ersuchte um Einschreiten. Nun- inehr kamen Sichcrhritsbc»»lte, vorher war niemand zu sehen Am 23. November hallen die Offiziere nachmittags Turnstunde. Sowohl der älteste teilnehmende Offizier wie der wachhabende Leutnant waren der Ansicht, es würden dabei wieder beleidigende Zurufe fallen. Der älieste Offizier ordnete daher an. daß die Offiziere ge- schloffen nach Hause gehen sollten. Halbwüchsige Bursche begrüßten die Offiziere mit Pfeifen, es wurden auch Rufe laut Dreckschwob und ähnliche. ES wurde darauf einer festgenommen, von dem genau f e st st e h t, daß er gerufen hatte. Nun begaben sich die Offiziere auf den Schloßplatz und über die nun folgenden Bor- gänge gehen die Aussagen weit auseinander. Auf der einen Seite sagen Staatsanwalt Krause und die anderen Zeugen, es wäre alles ruhig gewesen und da« Militär wäre zu Unrecht eingeschritten. Dem stehen gegenüber die eidlichen AuS- sagen der beteiligten Offiziere, des Oberlehrers Bruck und der Frau EverS. DaS Gerich» hat versucht, sich ein Bild zu machen. Dabei mußte besonderer Wert gelegt werden auf die Aussage des Oberlehrers Bruck. Dieser Zeuge hat einen ruhigen und überlegten Eindruck gemacht und er hat sich davor gehütet, zuviel zu sagen. Er' ist ein absolut zuverlässiger Zeuge, der an der Sache nicht das geringste Interesse hat. Er war hesser imstande, sich in die Lage der Leutnants zu versetzen, weil er in der Nähe der Kaserne wohnt und Zeuge der täglichen Beschimpfungen der Offiziere war. Er hat auch positive Angaben gemacht über seine Wahrnehmungen und eS ist nicht ausgeschlossen, daß den anderen Zeugen diese positiven Wahrnehmungen entgangen sein können, be- sonders weil fesisteht, daß der Lärm inziner von Pausen unterbrochen wurde, in denen alles still war. Die Offiziere sind, wie Oberlehrer Bruck und Frau Evers bekundet haben, wiederholt belästigt worden und nach Ansicht dieser Zeugen war daS Einschreiten des Militärs gerechtfertigt. Auch Staatsanwalt Krause bat gehört, daß ein junger Buriche sagte: Jetzt wird der Leutnant kommen, wenn er vorbei- geht, werde ich Bettsch..... rufen. Amtsrichter Brand hat nachher gehört, wie von einem jungen Burschen tatsächlich dieser Ausdruck fiel. ES sind dann eine ganze Anzahl von Festnahmen erfolgt. Es ist von besonderem Wert festzustellen, daß zweifellos diese ersten Fest- nahmen durchaus berechtigt waren. Ueber diese Festnahmen hat sich das Publikum aufgeregt, und wenn es vorher schon nicht ruhig war. so wurde die Unruhe durch diese Festnahme noch erheb- lich vergrößert. Leutnant Schad rückte mit der Wache aus und half den Offizieren bei der Festnahme von Leuten, die da» Militär be- schimpften. Als er in die Kaserne zurückgekommen war, wurde das Johlen noch stärker und Oberst v. Reuter befahl ihm nunmehr, die Straße zu räumen, mit seinem Zuge vorzurücken, die Trommeln wirbeln zu lassen und die Unruhestifter festzunehmen. Leutnand Schad tat da§. Bei Ver- lesung der Aufforderung zum Auseinandergehen hat Oberlehrer Bruck deutlich gehört, wie ein Buriche sagte:„Halt die Schnute I" ES ging dann der Zug des LeutnaniS Schad vor. und der Schloßplatz wurde gesäubert. ES wurde eine ganze Reihe von Leuten festgenommen, die sich nach Ansicht der Offiziere und Soldaten Beleidigungen hatten zuschulden kommen lassen. Später ging Leutnant v. Forsiner nach Hause und wurde wieder beschimpft. Es erfolgten dann wieder Festnahnien. die neue Unruhen beim Publikum auslösten. Die Wache rückte wieder vor, und es wurden nochmals Personen festgenommen, darunter LandgerichtsratSrat Ka lisch. Die festgenommenen Leute wurden in der Kaserne festgehalten und vernonimen, und zwei Gerichtsoffiziere waren bis in die Nacht hinein init den Vernehmungen beschäftigt. Am nächsten Tage wurden die verhafteten 29 Personen dem Amtsgericht vorgeführt. Nachgeholt muß werden, daß Kreisamtmann Großmann, nachdem ihm mitgeteilt worden war. daß Militär eingeschritten war, sich mit dem Kreiskommissar Müller zum Oberst v. Reuter begeben halte, um mit ibm Rücksprache zu nehmen. Er hatte gesagt, daß er bisher auf ein Einschreiten der Zivilbehöide vergeblich gewartet und nun- mehr selbst die Polizei in seine Hände genommen habe. Er fügte eine strenge Drohung hinzu, aber wie er glaubhaft angegeben hat, nur um zu erreichen, daß die Zivilgewalt Ansammlungen auf dem Schloßplatz verhindert. DaS ist der Sachverbalt, den da« Gericht festgestellt hat. Zur Würdigung dieses Tatbestandes muß betont werden, daß ein qanz erhebliches staatliches Interesse dafür besteht, die Träger der Staatsgewalt und der Staatshoheit zu schützen. Offiziere sind solche Träger der Staatshoheit. Tie tragen des Königs Rodt und sind höhere Porgesetzte in unserem Heere, daS jederzeit bereit iein muß, für den Bestand und die Ehre des Staates einzutreten. Wenn Schutzleute in Uniform beleidigt werden, so wird ohne weiteres Osfizialllaqe erhoben und eS werden ganz empfindliche Strafen gegen die Beleidiger verhängt. In den Tagen sind nun, wie festgestellt wurde, Offiziere dauernd und häufig beleidigt und beichimvit worden. Daß die Offiziere belästigt worden sind, hat Oberst v. Reuter am 9. November der Polizei- Verwaltung in Zabern schriftlich mitgeteilt und hinzugefügt, wenn dieie Belästigungen und Ansammlungen auf dem Schloßplay nicht aufhören würden, dann würde er den Be- lagerungszustand erklären. Eine solche Verhängung des VelagerungSzustandeS wäre lemerleits zweifellos recbtUcb unzulässig gewesen. Immerhin mußte der bürgerlichen Behörde klar werden daß der Garnisonskommandeur den Zustand für unerträglich ansah und das strengste Vorgehen geboten war. Das Gericht Hai nun den Eindruck gewonnen, daß einmal keine Klar- heit und Uebereinstimmnng zwischen der Kreis- direkiion und dem Bürge rmei st cramt über die Handhabung der Polizeigewalt bestand. Das Vor- gehen der Polizeiverwaltung konnte die erwähnten Be- schimpfungen und Belästigungen nicht verhindern. Charakleiistisch hierfür ist die Bekundung des Zeugen Mahl: Ich kann doch nicht hinter jedem Offizier einen Polizisten herschicken. DaS Gericht ist der Uebcrzeugung, daß bei einem rechtzeitigen und energischen Vorgehen gegen die Schreier den Uebclständen hätte abgeholfen ivcrden können. Statt dessen begnügten sich alle SicherheitSbcamicn damit, die Offiziere vor direkten Tätlichkeiten zu schütze n. Erst am 2. Dezember 1913 wurde ein Aufruf veröffenilicht. in dem vor einer Belästigung der Offiziere gewarnl wurde, während in den vorherige» Aufrusen davon nick» die Rede war. Am 26. November teilte Oberst v. Neuier dem Kreisdirektor telepbonisch mit, daß wieder Belästigungen slallsäiiden und daß zwei Zivilpersonen vom Militär festgenommen seien. Trotzsem war, als die Offiziere die Turnstunde verließen und tat- sächlich beschimpft wurden, kein SicherheitSbeamtcr auf der Straße und das Gericht konnte sich der Ansicht nicht ver- schließen. daß die Polizei damals tatsächlich versagt hat. Der Angeklagte Oberst v. Reuter stützt sein Vorgehen aus die Vor- schristcn über den Waffengebrauch des Militärs, die Vor'christen sür die preußische Armee, die von allet höchster Stelle unier Gegenzeichnung des Kriegsministers vom 23. März 1899 verfügt ivurden. Es war zunächst zu prüfen, ob Oberst v. Reuter berechtigt war. sich auf diese Vorschriften zu berufen. Da konnte es in erster Linie keilten, Zweifel unterliegen, daß jede Militär- Person s i ch an die ihr erteilten Vorschriften un- bedingt zu halten bat tiiid ibreRechtSgültigkeit nicht nachzuprüfen hat. Ebenso wie jeder Soldat seine militärstraf« rechtlichen Besliminungen gleichsam im Tornister mit ins Ausland irägl, so gelten auch hier im Reichslande für die preußischen Truppen die preußischen Vorschriften genau so wie iiir die löniglich iächsisiven Truppen im Reichslnnde die sächsischen Vorschriften gelten. Hier kömien auch slaatSicchtliche Bedenken gegen die Vorschrmen nicht erhoben werden. Die älteren Bestimmungen über den Waffengebrauch sind teils Gesetze, teils Reskripte im Sinne des Art. 61 der Reichs- Verfassung. Dieie Gesetze und Reskripte sind durch elsaß-lothringisches Gesetz vom 23. Januar 1872 in den R>ichslanden in Kraft getreten. Das kurz darauf erlassene Gesetz vom 28. März 1872 cnlbäkt keine Bestimmungen darüber, ob ein Handeln des Militärs zur Auf rechte rhaltung der öffentlichen Ordnung ohne Requisiton der Zivilbehörde zulässig ist. Die Gegner führen die französische Verfassung von 1848 an. Gegen deren Gültigkeit spricht der Umstand, daß sie durch Ein- sührung der Reichsverfassung als beseitigt gelten mutz. Der Simr vom Artikel 61 der RcichSverfassung war, daß alle Militärverord- nungen, die für die preußische Armee in Geliung sind, im Reichs- lande auch gelten müssen. Nachdem gegen die Anwendbarteil dieser Vorschrislen kein Bedenken besteht, war zu prüfen, ob im vorliegeiidcn Falle ihre Anwendung erforderlich und notivendig war. Daö Gericht war der Ansicht, daß die Vorschriften nicht n u r v o n e i n e in einn, aliaeit kurz vorübergehenden Zustand der Unruhe sprechen wollten, sondern daß auck eine längere Störung der öffentlichen Ruhe durch Ausschreitungen in frage kommt. Gerade durch ein lang andauerndes Versagen der Polizei ist eine Art Selbstbilse des Militärs um so mehr geboten. Der KreiSdireltor war durch Androhung des Belagerungszustandes gewarnt und durch Mitteilung von der Verhaftung zweier Zivilpersonen von der Absicht des Militärs, selbst zuzugreifen, unterrichtet worden. Die Ansicht des Angeklagten Oberst v. Reuter, die Kräfte der Zivilbehörde reichten nicht aus, um die Ruhe wieder herzustellen, wird durch die erwähnte Aussage deS Kreisdirektors Mahl über die Unmöglichkeit des Schutzes der Offiziere gegen die Beleidi- gungen bestätigt. Nachdem am 28. N o v e m b e r die Festnahme einiger Täter, die den Offizieren Schmähruse und Beschimp- fungen zugerufen hatten, stattgefunden hatte, lag die W i c d e r k e h r solcher an Landfriedensbruch grenzenden Ausschreitungen durchaus im Bereich der Möglichkeit. Oberst v. Reuter befand sich den fortgesetzten Angriffen auf die 6hre seiner Offiziere gegenüber in einer Hrt Notstand. Das Einschreiten des Militärs wurde denn auch nicht nur van Miliiärpersanen für gerechtfertigt angesehen, sondern auch von einer Reihe von Zivilzeugen. Wenn hier Zweifel obwalten lönnien, so mußte aus anderen Gründen unbedingt Freisprechung erfolgen. Die Offiziere sind berufsmäßige Beamte im Sinne des Gesetzes. Die Anwendung der Bcamicnparagraphen war daher geboten, weil Oberst v. Reuter als Garnisonsältester gehandelt hat, dem die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung oblag und dem dieses Geschäft von der Heeres« Verwaltung in eigene Verantwortung übertragen iv a r. Der Oberst beruft sich gerade darauf, daß er die Fest- Haltung der Verhafteten im Kasernenkeller als GarnisonS- ältester angeordnet hat. Zu beiden Vergehen aber ist das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit erforderlich. Dieses Bewußtsein wird von dem Obersten v. Reuter bestritten. Er sagt vielmehr, und das wird von Zeuge» unterstützt, er habe gehandelt, durchdrungen von dem Bewußtsein, er sei zu seiner Handlungsweise berechiigt. Er hat sich Kraft seiner Dienstvorschriften an die Ttelle.ä der Polizei gesetzt und hatte nun dieselbe Befugnis wie diese. Zu den unter Anklage stehenden Vorgehen gehört das Bewußtsein der unbefugten Amts- anmaßung. Selbst wenn eine unbesugle Amisanmaßung vorliegen sollte, so fehlt es hier dem Obersten v. Reutsr an dem Bewußliein der unbefugten Amtsanmaßung. Oberst v. Reuter bat angeordnet, daß die Plätze und Siraßen zu räumen sind, er hat die Festnahme» fast ausnavmslos gebilligt in der berechtigten Annahme, daß jeder der Festgenommenen einen Grund hierzu durch Gesetzesverleyung oegeben hatte. Eine widerrechtliche Nötigung oder vor- iätzliche, unberechtigte Verhaftung durch Mißbrauch seiner Dienstgewalt liegt daher nicht vor, weil die Berechtigung zur Festnahme schon aus jj 127 Sti afprozeßordnung gegeben war, denn die Täter sind fast sämtlich auf frischer Tat fest- genommen worden. Aber selbst sür den Fall, daß Unschuldige verhaftet worden sind, hat Oberst v. Reuter in einem straflos machenden Irrtum gehandelt. Vereinzelte Mißgriffe lassen sich niemals ganz vermeiden, so bedauerlich sie an sich sind. DaS Bewußtsein der Rechtswidrigkeir hat daher dem Angellagten Obersten v.Reuter auch für die FreiheitS- beraubung gefehlt. Es wird dann dem Oberst v. Renter noch vor-. geworfen, er habe die Festgenommenen nach der Unterredung mit dem KreiSamlmann Groß mann nicht länger in Hast behalten dürfen. Oberst v. Reuter bciont dagegen, er habe auch nach dieser Unterredung die Polizeiverwaltung nicht aus den Händen gegeben und eine Ueberführung der Gefangenen nach dem Zivilgewahrsam hätte zu schwersten Ausschreitungen und eventuell zu Blutvergießen führen müssen. Das ist von Zeugen auch ausdrücklich bestätigt worden. ES gehört zu den Pflichten der öffentlichen Gewalt, Zusammenstößen vorzubeugen und das Gericht ist der Ansicht, daß ein schuldhaftes Zurückbehalten hier nicht vorliegt. Der zweite Angeklagle Leutnand Schad ist der FreiheitS- beraubung im Falle Kahn angeklagt. Er hat gesagt, er habe sich zur Festnahme berechtigt gehalten,' da er gesehen habe, daß Kahn gelacht halte. DaS haben auch die Musketiere bekundet. Entgegen der Aussage des KreisdireklorS Madl hat das Gericht sür festgestellt erachtet, daß von einer Trunkenheit deS Leutnants Schad an jenem Abend leine Rede sein kann. Es fehlte auch ihm das Bewußt- sein der Rechts Widrigkeit seines Vorgehens und somit die subjektive Voraussetzung für dos Vorliegen einer strafbaren Hand- iung. Dasselbe gilt für die drei Fälle vckn Hausfriedens- bruch. die ihm zur Last gelegt werden. Leutnant Schad war wachhabender Offizier und als solcher dienstlich mit der Festnahme von Personen beauftragt, die sich Gesetzwidrigkeiten zuschulden lammen ließen. In allen drei Fällen glaubte Leutnant Schad zu seinen Maßnahmen berechtigt zu sein aus Grund der Garnisondienstvorschristen. Endlich ist Leutnant Schad angeklagt, am 28. November in Ausübung des Dienstes den Schlosserlcbrling Kornmann vorsätzlich körperlich mißhandelt und an der Gesundheit geschädigt zu haben, indem er ihm mit der Hand einen Schlag ins Gesicht versetzt habe, so daß der linke untere Eckzahn Korn manns abbrach. Kornmann be- kündet unter Eid, daß der Angeklagte Leutnant Schad ihm von hinten einen Stoß gegeben habe und ihm dann mit der rechten Hand ins Gesicht schlug. Weitere Zeugen konnte er nicht benennen, sie sind auch nicht festgcstellr worden. Der Angeklagte bestreitet ent- schieden die Täterschaft und sagt, er würde es ruhig zugeben, wenn er eS gemacht hätte. Das Gericht hat keine Veranlassung, seinen Angaben keinen Glauben zu schenken, um so mehr als sein dienstliches Verhallen als einwandfrei bestätigt ist. Das Gericht hatte Zweifel, ob doch nicht bei Kornmann eine Personal- Verwechselung vorliege, eS kann sich möglicherweise auch um einen Unteroiftzier handeln. Das Gericht hat Zweifel auch insoweit, als ein Eckzahn durch einen Schlag mit der flachen Hand kaum ab» gebrochen werden kann. Es steht daher Behauptung gegen Be« Hauptung, und das Gericht hat in dubio pro reo für den Angeklagten auch, in diesem Punkt entschieden.— Die Angeklagten waren daher in allen Punkten freizusprechen. Das überfüllte Auditorium nahm die Freisprechung teils mit lebhaften Bravorufen,, teils mit Zischen auf. — Die Freigesprochenen Oberst v. Reuter und Leutnant Schab wurden von c!en anvvesencien Koben Offbieren und Mitgliedern der Generalität Ubhaft beglück- wünfcbt. Leutnant§orstner freigesprochen. Straßburg, 10. Januar. (Telegraphischer Bericht.) Vor dem Obcrkriegsgericht des Straßburger Armeekorps begann heute morgen unter starkem Andrang die Berufungsverhandlung in der Sache gegen den Leutnant Freiherrn Günther v. Forstner vom Lg. Jnfanteric-Regiment wegen des Säbelhiebes, den er am srühen Morgen des 2. Dezember v. I. in Dettweiler bei Zabern gegen den Fabrikschuhmacher Blank, von dem er sich beschimpft glaubte und der sich gegen seine Festnahme durch die Soldaten wehrte, versetzt hat, wodurch Blank eine 10 Zentimeter lange Wunde erhielt,.die ihn 8 Tage lang arbeitsunfähig machte. Vor und in dem Gerichts- gebäude sind von der Polizei strenge Absperrungen vorgenommen. um den Andrang im Gerichtsgebäude selbst zu vermeiden. Der Zuhörerraum ist bis auf den letzten Platz besetzt. Den Vorsitz im Oberkriegsgericht führt Oberst Mengelbier. Vcrbandlungs- führer ist Obeikriegsgerichtsrat Stud, die Anklage verlritt Kriegs- gerichtsrat Johns. Leutnant Frhr. v. Forstner bat sich diesmal einen militärischen Verteidiger genommen, den Dragonerriitmeister Köhler aus Hagenau. Ein Dezernent des Kriegsministeriumö und zahlreiche Offiziere wohnen der Verhandlung bei.— Der Verhandlungsführer teilt zunächst für die mililäriswen Richter die Vorgeschichte des Pro- zesies mir. Bekanntlich marschierte Leutnant v. Forstner am Morgen des 2. Dezbr., zur Zeit, als die Fabrikschuhmacher von Dettweiler zur Arbeit gingen, mit einer Truppe auf Uebung durch den Ort Dettweiler. Er wurde erkannt und es wurden ihm Schimpsworte wie Betlsch---- usw. nachgerufen. Cr wollte die Rufer festnehmen lassen, sie flüchteten aber in der noch herrschenden Dunkelheit in die Häuser.. Nur Blank, der infolge einer Lähmung stark hinkt, konnte eingeholt lverden. Er soll dem Fahnenjunker Wieb zugerufen haben:.Warte Du Junge, Du wirst noch gemetzl". Der Leutnant befahl dem Fahnenjunker, Blank zu arietieren, dieser schlug um sich, bekam den einen Arm frei und da von Forstner befürchtete, daß Blank auf ihn einschlagen könnte, habe er ihn durch einen Säbelhieb unschädlich gemacht. Blank ließ sich daraus ohne Widerstand abiühren. Er wurde zum Bürgermeister gebracht, der ihn alsbald in Freiheit setzte. Der Verhandlungsführer läßt das lliteil verleien. wodurch das Kriegsgericht der 30. Division zu Straßburg am 19. Dezember v. I. den Angeklagten Leutnant Freiherrn v. Forstner wegen gefähr- licher Körperverletzung und rechtswidrigen Waffengebrauchs zu der gesetzlichen Mindeststrase von 43 Togen Gefängnis verurteilt hat. Die Anklage ist. wie bekannt, aus den 223 und 223a ReichS- strafgesetzbuches(gefährliche Körperverletzung) und 8 149 Militär- stcafgesetzbuches(rechtswidriger Waffengebrauch) erhoben. Ter An- geklagte Leutnant Freiherr v. Forstner hat das Urteil des Kriegs- gerichts seinem ganzen Umfange nach angefochten, weil er sich nicht schuldig fühlt. Bei der Feststellung der Personalien des Angeklagten werden diesmal seine beiden Disziplinarstrafen bekannt gegeben: eme geringfügige Strafe wegen einer unerlaubten Reise von Zabern nach Siraßburg und sodann die wegen des Ausdrucks„Wackss" perhängte Disziplinarstrafe, die blsher auch dem'Reichstag nicht mit- geleilt worden war, es waren fecks Cage Stubenarrest, weil der Angeklagte, entgegen dem Regimentsbefehl, der den Ge- brauch des Wortes.Wackes" elsäisischen Soldaten gegenüber unter- sagt, dieses Wort wiederholt zu seinen Untergebenen gesagt hat. Es folgt die Vernehmung des Angeklagten, der ebenso wie in der ersten Verhandlung Notwehr geltend macht und sich aus den Befehl seines Vorgesetzten, des Obeisten v. Reuter beruft, dafür zu sorgen, daß Beleidiger festgenommen werden können.(In der Kriegs- gerichtsverhandlung hatte Oberst v. Reuter als Zeuge angegeben, daß er den Offizieren aufgetragen hat, so schneidig ivie möglich vor- zugehen, ein preußischer Offizier dürfe sich nichts gefallen lasten: er habe auch dem besonders oft belästigten Leutnant v. Forstner empfohlen, seine Pistole stets bei sich zu tragen und gegebenenfalls von den Waffen Gebrauch zu machen: er habe tveiter den Offizieren gesagt, sie müßten befürchten, vor ein Ehrengericht gestellt zu werden, wenn sie nicht im richtigen Moment seiner Instruktion folgten; den Unteroffizieren und Mannschaften balle der Oberst besohlen, daß si bei Angriffen auf sie von der Waffe energisch Gebrauch machen und gegebenenfalls die Angreifer zur Strecke bringen müßten. In seiner Verantwortung erklärte Angeklagter weiter, daß der Schuhmacher Blank ihn beleidigt habe. Zu der Verhandlung sind dieselben Zeugen geladen, wie zu der kriegsgerichtlichen Verhandlung in dtr vorigen Instanz, also Oberst v. Reuter, der Fabrikschubmacher Blank, Fahnenjunker Wieß und eine Anzahl Musketiere und Zivilzeugen. Während der Verkündigung des freisprechenden Urteils über den Obersten v. Reuter und den Leutnant Schab wurde die Verhandlung gegen den Leutnant v. Forstner ausgesetzt, einmal, weil Oberst v. Reuter als Zeuge im Prozeß gegen den Leutnant v. Forstner vernommen wurde und dann, weil der Vorsitzende des Oberkriegsgerichts, Oberst Menget- bier militärischer Beisitzer im Prozeß gegen den Ober st en v. Reuter und den Leutnant Schab war. Nach dieser Pause wurde in der Vernehmung des Angeklagten fort- gefahren, der angibt, in Bestürzung und Putativnotwehr gehandelt zu haben. Es folgte eine eingehende Schilderung der vor dem Kriegsgericht bereits erörterten Talbestande. Die Zeugen waren die gleichen und sie bekundeten den Vorfall in gleicher Weise, nur etwas weniger bestimmt. Nach zweistündiger Dauer Würde die Beweisaufnahme beschlossen und Verteidiger Dragonerrittmeister Köhler begründete die Be- rufung: Der Angeklagte Leutnant v. Forstner fühlie sich bedroht. Es war ihm gemeldet worden, daß Blank gesagt hatte:.Warte Du Junge, jetzt wir st Du gemetzt!" Der bisher von einer gewissen Presse als armer kranker Mann geschilderte Schuster Blank ist ein kräftiger Mann und er schlug kräftig um sich. Er schlug dem Fahnenjunker Wieß ein paar ins Genick. Merkwürdiger- ivcise hat Blank durch seinen Eid erhärtet, daß er nicht die Absicht gehabt habe, dem Leutnant etwas zu tun. Ich glaube das nicht. Im übrigen kommt es darauf nicht an, sonderir nur darauf, was Leutnant v. Forswer in diesem Augenblick für einen Eindruck hatte. Es war vollkommen dunkel, slocksinsie»« Nacht. Die Beleidigung hatte der Leutnant gehört, da fiel ihm seine In- st r u k t i o n eilt, scharf vorzugehen und die Waffe zu gebrauchen. Er nahm an. daß Blank gesagt hat:«Warte, sttzt wirst Du gemetzt", er griff instinktiv zum Degen und wollte den Mann unfähig machen zu einem weiteren Angriff. Wc»n auch nicht von Notwehr gesprochen werden kann, so hat der Angeklagte doch in Bestürzung gehandelt und zwar aus Furcht, daß der S ch u st e r aus ihn l o s st ü r z e n könnte. Darüber smd wir uns doch alle klar, daß wenn der Mau» den Offizrer augefaßt oder gar geschlagen hätte, der Leutnant v. Forst ner niemals wieder hätte vor die Front treten können. Dies genügt zu dem Tatbestand der Putativnotwehr. Der Angeklagte hat dies in der ersten Verhandlung bestritten, aber aus menschlich begreiflichen Gründen, er wollte nicht als feige erscheinen. Taiinchlich mußte der Angeklagte von Blank den Eindruck haben, daß der Angriff ihm gelte und daß er genau so wie der Fahnenjunker Wieß hätte Schläge bekommen können. Der An- geklagte befand sich wegen der Instruktionen seines Kommandeurs in einem Gewissenskonflikt. Er mar unbedingt verpflichtet, dem Befehl seines Vorgesetzten zu folgen und auf Befehl feines Vorgesetzten auch eine Ucbertreiung zu begehen. Er«st d>.>nn straflos, strafbar ist er nur. wenn er auf Befehl ein Vergehen im Sinuc des Strafgesetzes vegehr. Ich w i t l nicht sagen, daß die Anweisung den Angeklagten zu seiner Handlung genötigt oder gezwungen habe, aber sie hat ihn im enr- scheidenden Moment in seiner Entscheidung beeinflußt. Man kann es dem jungen Offizier nicht vekargen, wenn er die Gehorsams- Pflicht als die wichtigste Pflicht ansieht und den Instruktionen seines Vorgesetzten nachkonimt. Die bedeutungsvollste Pflicht bat er eben zuerst erfüllt, und wenn jemand strafbar ist. so nur der Vorgeietzte des Angeklagten, Oberst v. Reuter, der soeben vom Klriegsgericht frei- gesprochen wurde. Selbst Professor van Calker, der im Reichs- tage das berühmte Wort„alles kovilt" gesprochen hat, erklärt in seinem Kommentar zum Miliiärstrafgeietzbuch, dal! auck in friedens-eiten ein Soldat auf KefeKl feines Vorgelebten eventuell auck eine l�ecktsxvidrigkeit begeben mul! und in den meisten Fällen Bestrafung nicht eintreten kann, weil der Soldat feiner Instruktion gemäß handelt. Subjektiv entfällt also der Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung. Putativnotwehr liegt vor, wenn jemand irrtümlich einen Angriff erwartet. Der Angriff braucht sich nicht auf die Person zu beziehen, er kann auch die Ehre bedrohen, denn auch die Ehre muß geschützt werden, nicht nur Leben und GemndHeit. Es ist ganz gleichgültig, ob Blank den Leuinant hat schlagen wollen, es kommt nur darauf an, ob der Angeklagte in dem Moment den Eindruck gehabt hat, daß der Schuster auf ihn losschlagen wollte. Dazu war nur ein Moment nötig und für diesen einen Moment mußte sich der An- geklagte verteidigen. Der Angeklagte hatte nur noch ein paar Männchen bei sich. Es war dunkel, er halte den Ruf gehört:„Jetzt wirft Du gewetzt!" Vor mir liegen Ibvv Schmähbriefe, eine Aus- wähl davon haben wir dem Gericht übergeben. Ich glaube, der Angeklagte hat sich in diesen Tagen in einem ganz besonderen Zu- stand der Erregung befunden. So werden preußische Offiziere sonst nicht behandelt. Ich bitte, dem Angeklagten das wiederzugeben, was er von ihnen erwartet: seine Ehre I Angeklagter Leutnant Freiherr v. Forstner: Ich habe den Worten meines Verteidigers nichts hinziizufügen. Anklagevertreter KriegSgcrichtsrat Jans: An sich bietet die zur Anklage stehende Tat nicht den geringsten Anlaß zu irgendeiner besonderen Beachtung durch die öffentliche Meinung. Das kann jedem Menschen auch passieren. Jeden- falls ist die Fe st nähme des Blank durch den An« geklagten nach den gesetzlichen Bestimmungen in einwandfreier Weise erfolgt. Der Augeklagte bat durch den beabsichtigten scharfen Säbelhieb den Schuster Blank am Kopi verletzt. Damit ist an sich der Talbestand der Körperverletzung durch ein gefährliches Werkzeug gegeben. I�otwekr liegt zweifellos nickt vor, denn ein gegenwärtiger Angriff war nickt vorbanden. Wenn von Notwehr keine Rede sein kann, dann aber auch nicht von einem straflosen Exzeß in der Notwehr. Der Angeklagte behauptet nun, geglaucht zu haben,«r würde von dem Schlüter Blank angegriffen und er habe dieses Maß ieiner Verteidigung für erforderlich gehälien. Es liegt somit Putativiiotwehr voK Was der Verteidiger hierüber gesagt hat, taim ich nur unterstreichen. Das Kriegsgericht Hot leider nur in sehr kurzer Weise Stellung ge- nommen. Die Feststellungen der ersten Instanz beleuchten nicht hin- reichend die ganze damalige Sachlage. Es steht fest, daß Blank, nachdem er festgenommen war, sich heftig gegen seine Festnahme gesträubt hat. Er wurde von vier Soldaten festgehalten und trotz- dem ist es ihm gelungen, sich loszureißen. Er hat dabei auch die Hand erhoben und tatsächlich ist er einen Schrill auf Leutnant v. Forstuer zugegangen. Es ist ferner der Zeuge Blank gegenüber dem angeklagten Leutnant zweifellos ein erheblich stärkerer Man». Wenn man nun noch hinzunimmt die Meldung des Fahnenjunkers Wieß an Leutnant v. Forstner, daß Blank gejagt habe:„jetzt lvirst Du gewetzt!" und daß Blank dabei mit der Hand in die Tasche ge- griffen hat, so muß man anerkennen, daß der Angeklagte in dem Moment geglaubt hatte, Blank würde sich auf ihn stürzen und ihm an die Kehle springe». Nun ist allerdings dafür, ob Maß und Art der von dem Angeklagten gewählten Verteidigung richtig war, nicht maßgebend die Ansicht des Angeklagten, sondern nur die ganze Sachlage. Aber auch da bin ich überzeugt, daß nach der objektiven Sachlage Art und Maß-der vom Angeklagten angewandten Verteidigung absolut erforderlich war. Dem Angeklagten standen allerdings mehrere Soldaten, 6 bis 8, zur Verfügung und der Angeklagte selbst gibt an, daß er 11 Soldaten bei seinem Abmarsch noch bereit gehabt hätte. Blank ist aber ein kräf-iger Mann, während fäml- liche Musketiere, die dabei waren, das Gewehr in der Hand hatten und daher nicht in der Lage waren, so kräftig zuzufassen, wie es unter normalen Umständen möglich gewesen wäre. Außerdem war es dunkel und es standen viele Leute herum. Vorher schon war der Ruf ertönt:«Verrecken mußt Du!" Damit ist bewiesen, daß die Menge dem Angeklagten nicht gerade freundlich gesinnt war. Die objektive Sachlage war also, daß es unter den vorhandenen Um- ständen gcscheken konnte, daß die Menge den Blank unterstützte. Ich halte deshalb den Begriff der Putativnotwehr für durchaus gegeben und beantrage die Freisprechung. Ich bin in der angenchme» Lage, als Anklagevertreter auch einmal für einen Angeklagten ein gutes(Hort einlegen zu Können und sogar seine frdfpreebung zu beantrage«. Ich weiß auch, daß ich mich mit einem Teil der öffentlichen Meinung wahrscheinlich in Widerspruch setzen und nicht den Beiiall dieser Seile finden werde. Das kann mich aber als Vertreter der Anklage- behörde nickt abhalten, eine derartige Freisprechung zu beantragen, wie sie nach meiner Ueberzengung dem Ergebnis der Beweis- ausnähme und dem Gesetz entspricht. Ick glaube auch, daß wenigstens die Zuhörer, hier im Saale von hier den Eindruck mit fortnehmen werden, daß unter gleichen Umständen auch jeder Musketier und jede Zivilperson freigesprochen worden wäre. Es gilt eben gleiches Recht für alle. Nach etwa halbstündiger Beratung verkündete der Verhandlungs- führer, Oberkriegsgerichlsrat Stud. das flrteil; Der Angeklagte Leutnant Günther Freiherr v. Forstner vom Infanterieregiment 99 wird freigesprochen. Das Oberkriegsgericht hat noch einmal den ganzen Vorgang an seinem geistigen Auge vor- überziehen lassen. Schon lange vor dem 2. Dezember 1912 ist der Angeklagte, so führt die Begründung weiter aus. dauernd von der Bevölkerung in der geineinsten Weise belästigt und beschimpft worden und er hat unzählige anonyme Schmähbriefc erhalte». Der An- geklagte ist dadurch schließlich in einen Z u st a n d geraten, der ihn aufs A'eußerste gereizt hat, und ihn überall Gefahren sehen ließ, die vielleicht gar nicht vorhanden waren. Am 2. Dezember 1913 ist der Angeklagte am Schluß eines kricgS. starken Zuges seines Regiments durch Dettweiler gezogen und da war er auch wieder der Gegenstand von Belästigungen durch die Bevölkerung. Um endlich einen dieser Gesellen zu fassen, hat der Angeklagte die letzte Gruppe seiner Soldaten zur Verfolgung der so- fort verschwindenden Gestalten ausgeschickt. Der Fahnenjunker Wieß ist dann zurückgekommen und hat dem Angeklagten einen Mann be- zeichnet, der gesagt hatte:„Jetzt wirst du gemetzr", und der Fahnen- junker hat gefragt, ob er den Mann verhaften soll. Darauf hat Leutnant v. Forstner angenommen, daß er hier einem gefährlichen Burschen vor sich habe und seine Festnahme angeordnet. Natürlich hat der Mann. der das Wort vielleicht gar nicht gesprochen hatte, sich aus Leibeskräften gewehrt und erklärt:«Ich brn es nicht gewesen, laßt mich los oder ich haue Euch in die Fresse." Darauf wurde er gefaßt. Er hat um sich geichlagen und gestoßen und der Fähnrich hat einige Schläge ins Genick bekommen, vielleicht unabsichtlich. Jedenfalls hatte er seinen Befehl und er hat infolge- denen den Mann am linken Arm festgehalten. Auch die anderen Soldaten haben ihn festgehalten. Das Oberkriegsgericht ist der An- ficht, daß Blank ein außerordentlich kräftiger Mensch ist. Er bekam den einen Arm frei, obwohl ihn mehrere Leute festhielten. Der Angeklagte hat gesagt, daß Blank eine verdächtige Bewegung gemacht hat und er habe auch gehört, daß man die Messer gebrauchen wolle. Der Angeklagte war an i ich schon gereizt und in der Verfassung, daß er überall Angriffe befürchten mußte. Er hat nun geglaubt, daß Blank seine Bewegung gegen ihn mache und bat plötzlich den Säbel herausgezogen und dem Blank eins über den Kopf gegeben. All das war das Werk eines Augenblicks und es fragt sich, od Leutnant v. Forstner strafbar ist, oder ob ihn d-r Schutz der Notwehr zuzubilligen ist. Das Oberkriegsgericht ist der Ansicht, daß Leutnant v. Forstner annehmen konnte, es würde ein Angriff auf ihn erfolgen. Er konnte nicht warten, bis ihm das Messer zwischen den Rippen saff, sondern er mußte sofort zuschlagen. Nrm hat das Oberkriegsgericht auch angenommen, daß nicht nur Putativttorwehr in Frage kommt, sondern daß bei dieser Notwehr der Angeklagte auek nickt etwa durcb die Art feiner Verteidigung die Grenzen der j�otwekr überfcbritten bat. Er hat dem Blank mit dem Säbel eins Über den Kops gegeben, er hatte aber keinen scharfen Säbel bei sich, sondern ieine ungeschliffene Dienstwaffe. Allerdings hat der Hieb die 51opfhaul des Blank durchtrennt, aber die Wunde brauchte nicht genäht zu worden und ist jetzt wieder völlig verheilt. viefe Art der Verteidigung war nacb der Anficht des Oberkriegsgericbts durchaus angebracht, um den Mann von seinem Angriff gegen den Angeklagten abzu« Halten, der auch den Erfolg für sich gehabt hat. Blank ist nicht nennenswert trank gewesen, er hat nach 8 Tagen wieder seine Arbeit verrichten können. Das Oberkricgsgenckt billigt dem Angeklagten den Schutz des Z 53 des Strafgesetzbuches zu und er wird srei- gesprochen. Auch Leutnant v. Forstner wurde VON den anwefenden Offizieren lebhaft be- glüchwünfcht. DaS Urteil wurde von dem überfüllten Auditorium lautlos aus« genommen._ Versammlungen. Verband der Hausangestellten. Am 8. Jnnuw fand die Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin statt. Frl. Lücke gab den Kassenbericht für das Jahr 1913, der in Einnahme und Zlusgabe mit 8088,94 M. balancierte. Es wurden insgesamt 8738 Beitragsmarken vertauft. Unter den Ausgaben befinden sich 249,16 Mark für Rechtsschutz und 578,20 M. für Krankenunterslützung. In der Rechtsschutzvertretung sind 48 Erfolge zu verzeichnen, wo» durch für die Mitglieder die«umme von 696,18 M. gewonnen wurde. Der Ttäigkeitsbericht erbrachte den Beweis, daß die Lei- tung ständig bemüht war, für die Fortbildung der Mitglieder zu sorgen. Die Mitgliederzahl war in den letzten Jahren ständig ge- stiegen; sie ist im letzten Halbjahr leider etwas zurückgegangen und bettägt jetzt 676. Im Anschluß an die Berichte wurde mitgeteilt» daß Frl. Lücke ihr Amt im Auskunftsbureau des Verbandes per 1. Januar 1914 gekündigt habe. Zur Neuwahl des Vorstandes erklärte auch Fräulein Arndt, die langjährige Leiterin der Bcr» liner Hausangestelltenorganisation, daß sie nicht wieder zur Wahl stehe. Sie halte es ebenso wie Fräulein Lücke wegen der leider nun seit Monaten herrschenden Differenzen zwischen Ortsleitung und Zentralleitung für zweckmäßig, zurückzutreten. Diese Mit» teilungen wurden von den Anwesenden mit großem Bedauern auf- genommen. In der Diskussion sprachen dieses viele Kolleginnen aus. Fräulein B a a r wies auf die Verdienste hin, die sich Fräu- lein Arndt und Fräulein Lücke in der Hausangestelltenorgani- sation erworben haben. Fräulein Arndt habe seit dem Jahre 1899 die Organisation unter den schwierigsten Verhältnissen zu halten verstanden und sei durch ihre jcdcrzeitigc Hilfsbereitschaft weit über die Zahl der Verbandsmitglieder hinaus allen, die sich an sie wandten, eine treue Beraterin gewesen. Ihre reiche Erfahrung habe sie stets zum Nutzen der Kolleginnen verwenden können. Ebenso habe sich Fräulein Lücke durch die häufige Vertretung der Kolleginnen in Streitfällen und durch die Rat- und Auskunft- erteilung bei den Dienstboten Berlins gkoßc Verdienste erworben. Ihre gute Kenntnis der Gesetze, besonders des Gesinderechts, sei für manche Hausangestellte von Nutzen gewesen. Fräulein B a a r bedauert, daß sich die Differenzen derart zuungunsten der Organi- sation zuspitzen konnten. Diese Ausführungen wurden von ccr sehr gut besuchten Versammlung mit starkem Beifall aufgenommen. Beide Kolleginnen wurden von den Mitgliedern wiederholt ausge- fordert, ihre Posten zu behalten, doch erklärten beide bestimmt, daS Amt nicht wieder annehmen zu können, da sie sich bei den jetzt be- stehenden unleidlichen Verhältnissen gesundheitlich aufreiben. Die Neuwahl des Vorstandes ergab mit 32 gegen 17 Stimmen bei einer Anzahl Stimmenthaltungen die Wahl von Frau Karoline Busch als 1. Bevollmächtigte. Für die Geschästsführerin an Stelle von Fräulein Lücke vereinigten sich die meisten Stimmen aus Frau Lungwitz. Nach Schluß der Versammlung drängten sich die Mitglieder an den Vorstandstisch, den beiden Kolleginnen noch ein Abschiedswort zu sagen. Man erkannte, daß beide bei den meisten Kolleginnen sehr beliebt waren. liLmeningsüderfid,« vom 10. Januar 1»I1. Wetterprognote für Sonntag, den II. Januar 1914. Ziemlich beiler. etwas kühler bei frischen nordösUichen Winden; kcme oder unerhebliche Niederschläge. Berliner S e tt erb«r« au. Oeff entliehe politische Versammlungen. ilno loalitionsrecht Gefahr! Dienstag, den 13. Januar, abends Uhr: Oeffentliche Uolks Uersnunniungen in folgenden Lokalen: Corona-Prachtsäle, Kommllndantknßr. 73 1 Elylium. laildsbrrger Allee I Zlranill, Wrangelstr. w-ll l KaKameil-Willdcheil, Kadßr. 13-lK Dock-Krauerei, Tempelhofer Kerg eolkeuius-Säle, Memeler 5tr. 67 llmou-Feksäle, Greifsuialdtr Ztr. 223 Pliaras-Zale, Müllerstr. M Gmerkschastshaus, evgelllfer tö| ÜMjert- und FestlSte, Koppeustr. 39> puhlmanus Theat., Zchöchzuler Allee 117> Msabiter Gesellschaftshans, Wiclefstr. 31 Referenten: Panl Barthel. Euaen Brückner, Adolf Cohen, Dr. Oskar Cohn, Karl Giebel, Gustav Link, Hermann Müller(Gencralkoinmission), Hugo Pötzsch Adolf Ritter, Dr. Kurt Rosenfcld, Georg Schmidt, Hermann Silberschmidt. Lichtenberg-Friedrichsfelde MiHhmrfo Slßit 14 prachtlüle des Ostens, Franl-f. Allee 151! Körger-Festsiile, Friedrichsfelde, Prinzen- 14 4- IM V m f MLII �IlllUIIVf Eafß Kelleone, Kavptstr.(Juh. Tempel)> Allee 30 abends 8'/? Xthvt bei Ebersbach„Znm KarfürSen", Kerliuer Ztr. 103. Köpenick im Ztadtthealer, Friedrichstr. 6. Adlershvf m Gksestschnstshans. Sismrckstr. 10. Neukölln m KurW Festsäle, hermaunstr. 43. WeiHensee im„Schloß Meißenfre". Referenten: Otto Büchner, Emil Girbig, Johannes Hast, Max Hecht, Karl Jahn, Emil Kloth, Franz Kotzke, H. Mahler. Tagesordnung: |m» KMimrchl ml die Sehe te Hnfmiich� Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins u. Umgegend. I. A.: Eugen Ernst. Gewerkschaftskommission Berlins n. Umg. L. A.: Alwin Kürste». ZentralverbandderHausangestellten r V,. Versammlcng in den Eoronl>-Pracl>tsiileu, Kommandantcnslr. 72 l. Z'ortrag rinn ,>>> C>'er/z Ubr._ 48/1 Achtung!"HZU MT* Achtung! ßcrufS'Clfauffeure aller Branchen Am Montag, de» Vi. Januar 1014, abends 8 Uhr, in der Neuen Philharmonie, Äöpenicker Str. 96: Große östtiillichk Nersainmlmig. Tagesordnung: l dir foibtnuntn In Srnts�ijaesirerr an dir zrsrd- grbrudra Koyrrschastr» 2. DiSiussion. ZM- Zu dieser Versammlung lind alle Bernfs-�ührer von Tro ctiien-, G>schäits-, Last, und Privat. Auiomodilc» sowie die Mitglieder oller Chanffcur-Brreinc sreundlichi! eingeladen. jlollcgen! Zeigt, daß Ihr jür Eure lehr bercchligicn Forderungen an die gcsetzgcbci�den Korpcrschastcu starkes Jnteresie habt. Benutzt den Abend als eine Kundgebung dasür. m, Erscheint in Massen:"Mi» SI/S I>l««oKtlvn I V im n. r. V.(J. A.: A. Becker.) Verdsvil der 8elineider. Zelineidemnen und Meliesrlieiler Leukeklsndz. Seballianstraß« 37/38. Filiale llcrlin. Tel. Amt Montzvlatz 3737. tfülltärbranche. H&tmsi Montag, den 13. Januar, abends 81/, Uhr. in den Arminhalleu, Kommandantcnstr. 58/53: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Unsere Forderungen an die Arbeitgeber«nd die Pflichten der Kollegen. Äieserent: Kollege Kunze.— 2. Verschiedenes. Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet Die Kommission. I» Verwaltung Herlin. Donnerstag, den 15. Januar 1914, abends 8Va Uhr: Beginn des dritten Vortragskurlus für Hommlffionsroitalieder über„Geschichte, Theorie und Taktik der Gewerkschaften". Vortragender: Genosse Wissel. Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags l'/a Uhr, in der Brauerei Friedrichshain, am Friedrichshain: Versammlung aller arbeitslosen Holzarbeiter Groß-Keriins. Tagesordnung: Die große Arbtitsloligkeit im Holzgemerbe. Rcscrcnt: Genosse Wermuth. Montag, den IS. Januar 1914, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshausc, Engelufcr 15. gr. Saal: I�litgliecier-Verkammlung für alle in der Ortskrankenkasse für Tischler und Pianoforiearbeiter der- sicherten Verbandskollegen. Tagesordnung: 1. Dortrag de» Ztadtvcrordnetcn Kollegen Haiti Höslre über das Thema: Rechte«nd Pftichten der Krankenkassenmitglieder«»ter den seit dem 1. Januar lvll geltenden neuen Besiimmunge». 2. Stellung- nähme zu der am 23. Februar stattfindenden Ausschußwahl. Mitgliedsbuch des Verbandes legitimiert.> Herren»Konfektion! Am Montag, den IS. Januar, abends«>/, Uhr, bei Rcgul. Bischolstr.<2: 162/5 Muilg für die laiidjlMmeli Kollegeii. Vollzähliges Erscheine» erwartet Tie Lommtino». Vergolder! Montag, den IS. Januar, abends 8'/« Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 1: Brancbcti-Vcrfainniliiiig. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Branchmkommission. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammiung sür 1914. 81/14 vle Ortaverwaltnng. Achtung! Allgemeine Ortskranken- kaffe Spandau. Wir machen hiermit nochmals aus unsere Bekanntmachung vom 22. De- zember 1913. betresscnd die Ummeldungen der Arbeitgeber sür sämtliche bei ihnen bereits Beschasligte, nach Namen, Geburtstag und Ort, Betuf, Ver- dienst, ob verheiratet, ledig oder verwitwet, ausmeitsam. In Frage kommen die Arbeitgeber der Allgemeinen OrtSkrankenkasse, der Ortskrankenkasse der Handwerker, der der Tischler, der der Zimmerer und der der Schuhmacher. Bei denjenigen Arbeitgebern, die unserer Aufforderung nicht umgehend nachkommen, werden wir sür alle Beschästigleu die höchste—!h— Klaffe) soweit es sich um die jetzige 1. Klasse bandelt, in Anrechnung bringen. Für die Festsetzung der Beiträge gUt folgendes: Lehrlmge aller Art, ohne Engelt, gehören zur �.-Klaffe und haben 16 Pf. Beiträge zu entrichten. Für Beschäftigte einschl. der Lehrlinge, die bis 1,59 M. verdiene«, I. Klaffe 24 Ps. die bis 2,30 M. verdienen die bis 3,59 M. verdienen die bis 4.59 M. verdienen die über 4,59 M. verdienen 267/2 II.„ 48 III.. 72. IV.. 96. ,V.. 120. Oer Vorstand. O. Weber, Vorsitzender. Gewerksehaftshaus | Sockbier-Unstieh. i i i | Treffpunkt des Berliner Sänger-Chors. bei der , Frntp. Kngst. BrockM/sWalsenbriiekel J Wir empfehlen den verehrlichen Vereinen und Gewerkschaften | unsere mit elektrischer Beleuchtung versehenen Schiffe zu I Ausflügen usw. unter äußerst günstigen Bedingungen. I „tak»Kai inerter1 ■ Kontor C. 2, A. d. Stralauer Brlli Dr. Simmel Special-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 19—2, 6—7. SonnlsgB 10—12. Tätowierung entfernt Dr. Schttnemann Spezialarzt für Hautkrankheiten Berlin 8., OranienstraBe 139. non 000 □□□ Theater und Vergnügungen . Gesang in 3 Akt. Abends 8 Uhr: Der Gchärzenjäger. Mont. u. solg. Tage: Her SohiirzenjSg er Fnedr.-Viltielmstäilt Theater. Zum 276. Male: Die Klno-Kttnlgln. Operette in 3 Alten. Kassenerössn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die kcnsche Snsanne. URANIA Ta2m9.tr- Sonntag 5 Uhr: Mit d.„Imperator" nach New York. (Kleine Preise). 6 Uhr: Hit Ballon nnd Flugzeug über Berg und Tai. Montag 8 Ubr: Hit Ballon und Flugzeng über Berg nnd Tal. ZOOLOO ischer Garten Täglich ab 4 Uhr; C&rojtas Konzert. 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Nachmittags die pantomimischen Burlesken: Der Dorfbarbier und Schneider Fips. In beiden Verstellungen: Austreteu aller großen Zpezialitäten. Abends 7',, Uhr: „ftimpsj!". Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Anatolee» Uochcelt. HrbeiteMMIdunasschule. Sonntag, den 18. Januar 1914: 23. Stiftungs-Fest in Obiglos Pestsälen, Koppenstraße 29. Hans Sachs-Abend unter Mitwirkung erster Künstler. Tortrag des Reichstags-Abgeordneten Eduard Bernstein: „Hans Sachs nnd seine Zelt." liieder zur Lunte: Dr. Heinz Schnll-Caspary. Rezilationeo: Bans Werder(Deutsches Theater) Zur Aufiühruug gelangen: 1. Dum heLOe Elsen.] 3.' Das böse Weib(mit Worten, 2. Der tote Hann.| Kräutern n. Steinen g-utzumachen) In Szene gesetzt von Fritz Witte-Wild. Eröffnung 6 Uhr. Beginn 7 Uhr. Nachdem: FCStsBöIIe Billetts a 60 Pf. sind in der Schule, Grenadierstr. 37, und in folgenden Geschäften zu haben: Gottfr. 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Eintritt SO Pf. Morg.: Gr. Konzert des Bert. Männer-Gesangvereins Anfang'/»4 Uhr. Chorm. P. Thomas. Brauerei Friedrichshain. Am Kbnigstor. Größter Konzertsaal Berlins. Heute Sonntags Stimmungsvollstes Bockbier- Fest auf der Alm! größte Sehenswürdigkeit Berlins. Der rühml. bekannte Festwirt Schorscb Ehrengruber. 4 Kapellen— 100 Oberbayern Münchener Hetz— 20 bayr. Madien Alpenzauber— Schneetreiben A Mords-Oandl. Anfang 5 Uhr. Entree 50 Pf. Wochentags 30 Pf. Hlttwoch s E 1 1 1 e- T a g. 2 Pferde-Wettrennen. Donnerstag: Elite-Tag. Geschenkhagel und Ueberraschungen. Margen Montag: Extra-Konzert des Rheinischen Männer- Gesangve reine und des Blttthner-Orcheeters. Metropo!- Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. 's Wuilerl. Heichshailen-Theater Stettiner Sänger Heule nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: Eine Boehzeit in der MiiUersiraße und das andere große Programm. Abends 8 Uhr: No. 13! Zirkus Alb. Schumann. Heute Sonntag, den 11. Jan.: 2 gr. 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Januar 1014: YOfanZBIQB. ppäniiieruoi liez tiefsten RlJekeiiaiissehüittes. 3 bare Geldpreise 50, 80, äO H. Oemntwortlicher Redakteur: Alfred Wieleyp.' Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th.Glocke.Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u. VerlägSanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW. it. io. 3i. ioitja«j. 5. Dtüllge des Hsmillts" Kerlilltl UsIIlsIllllü. s°M«g.ii.z«>.-.tisi3. Pnrtei- lind GkVkrkschafisgkllojst«! > Uui eine schleunige Abrechnung zu ermöglichen, bitten wir, die «och ausstehenden Listen so schnell als möglich abzurechnen. Es gingen ferner ein: Deutsch«. Buchbinder-Bcrvand, Zahlstelle Berlin: L. 7297 Kartophot 10,—. L. 7299 Schauer 8.7S. 2. 8982 Schob 21.—. L. 8986 Schmitz 7,40. L. 8991 Werner 12,80. L. 9023 Auer. Abt. Korlonagen 18, S5. Vom Verband der Lithographen und SteindruSer: L. 3060 Stuhlmann 5,—. L. 3669 13,80. iL 3683 Steindrucker Rucks 2.50. L. 3700 Steindrucker Gebr. Hcllmann 4,60. L. 3607 Kartographen Iul. Straube 3,80. L. 3709 Steindrucken Schwerdlscger& Co. 23,25. L. 3687 gesammelt durch Mehlis 4,60. Nachzahlung aus L. 3639 1.50. L. 3733 Chcmt- graphen R. Masse 5,75. L. 3741 Steindrucker von Kraatz äJM. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiler, 6. Rate: Gaswcrl Schinargen- dors L. 3334 1,60. Qrtsbureau L. 3147 2,80. Kanalisation L. 3240 10,10. Engl. Gaslverle L. 3314 3.—. Stadl. Strabenbabn L. 3254 11,63. Sektion Charlottenburg L. 3286 3,50. L. 3356 0,90. L. 3365 2,95. L. 3367 5,75. L. 3368 20,50. Seition Neukölln L. 3426 4,10. L. 3429 2.—. Sektion Schöneberg L. 3343 2,—. Differenz zu L. 3160 0,70.(Vom Gaswerk Schmargendori: anstatt L. 3289 25.15 muß es heiffen L. 3331 16,35 und L. 3289 8,80, zusammen durch die Post eingesandt 25,15.)— Verband der Brauerei- u. Mühlenalbeiter u. vcrw. Derujsgen., Zahlst. Berlin. Brauerei Psefferberg L. 6514 durch Wemschenk 2,45. L. 6515 durch Riet- pietsch 4,65. Brauerei Spandauerberg L. 6524 durch Rauch 9,80. Kindl- Brauerei L. 6523 durch Bliese 4,75. Hochschulbraucrei L. 6531 durch Moser 3,70. Schi-ltheib-Braucrei. Abt. II, L. 6540 durch Gotthardt 14,20. L. 6542 durch Radlke 10,50. Abt. Lichterseide, L. 6543 durch Letz 6,10. Deutsche Bierbrauerei L. 6548 durch Kirstein 8,25. Brauerei Bötzow L. 6551 durch Bredow 36,95. Sladtbrauerei L. 6557 durch Mitulsli 7,—. L. 6558 durch Leischow 6,—. Gcnossenschastsbrauerci Alt-Stralau 2. 6564 durch Lüdtke 7,95. Rialzfabrik Spandau 2. 6573 durch Maetschle 6.50. Brauerei Mcrse L. 6586 durch Gembitzki 2,—. Schnittmühle L. 6591 durch Schcrenbcrger 1,—. Deutscher Transportarbeiter-Verband L. 7041 1,—. L. 7106 Mitfahrer der Konsumgcnoffensch., 2. Rate 46,50. L. 7131 5,—. 2. 7148 5,—. L. 7516 3,40. L. 7615 1,50. 2. 7643 12,50. L. 7645 1,—. L. 7648 11,—. L. 7573 1,—. 2. 7734 0,40. L. 7768 1,40, 2. 7812 4.—. 2. 8048 1,—. L. 8053 1,—. 2. 8067 1,—. 2. 8178 3,—. 2. 8228 1,—. 2. 8260 0,50. L. 8274 1,—. 2. 8289 0,95. L 8190 20,—. 3. Kreis aus Listen 68,80. Darunter: 2. 19420 6,—. L. 19227 1,75. 2. 19231 0,25. 2. 19459 0,25. L. 19464 23,35. 2. 19465 11,90. 2. 19467 1,70. 2. 19468 5,—. Sievertsin, Alte Jakobilr. 65, 2. 19466 12,85. L. 19164 2,25. 2. 19219 2,50. 2. 19221 1,—.— 4. Kreis aus Listen 300,—. Darunter: Arbeitsloser Stützbcckcr 1,—.— 6. Kreis aus Listen 71,25. Diverse 93,15. Gesammelt im Lokal von G. Sauer, Neukölln, Reulerstr. 80 6,40.— Unterkonimission Tcmpeihoj aus Listen 17,75. Verband der Bureauangestellten aus Listen 14,50. 2. 3049 Cheni. Fabrik llkaspc Weißensee 8,70. Weihnachts- seier der Firma 2. Mosert Aachs., Ritterstrasie 10,—. Verband der Tabakarbeiter 6,05. Verband der Glaser auf Listen 72,25. August Löffler 4,70. L. 3882 Bureauangcstcllte 3,—. Verband der Kürschner cils Listen 41,60. Verband der Bäcker und Konditoren Restsumme auf Listen 494,30. In Summa 1691,75 M. Bisher sind veröffentlicht 259 249,63 M. Dazu kommen 1691,75 M. In Summa 260 041,43 M. Die Listen sind dort abzurechnen, tvo sie entnommen sind. Die Listen 3151, 3643. 5785. 6706, 6948, 6959, 7763, 8105, 7113, 7695. 8646, 8651, 8112, 8201, 8266, 8294, 8324, 8369. 8668 und 8273 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzu- halten. Snfjpos-. SerUnef fischler' u. Cffr liefern direkt an Private als Spezialität; lipe Ein-, Zwei- u. Disi-Zimii-EinoiÄisi in erstklassiger Aasführung za konkurrenzlos billigen Preisen. Schlakzimmer: M. 219, 287. 377, 465, 581, 695, 898, 1061 bis 2500 Wohnzimmer: 81. 231, 224, 469, 550 bis 1 800! Herrenzimmer:81. 209,258, 485, 6;e6i»s2600 Speisezimmer: M. 296, 322. 440, 61 9 bis 3000 I Neuzeit! Küchen:«.51, 58, 75, 1 29, 1 66, 248 Ständiges Lager von ca. 500 Einrichtungea Enorme Answahl bis zum Auserlesenstem � Illustr. 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