I Ur.N. t 5 Pfennig)( 5 Pfennig) flbonnements-Bcdi ngu ngcn: Ebomtfmentä- Preis pränumeran�e: Vierte.'jShrl. Z.M Mi., moncrtl. 1,10 Mi., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Han». Einzelne Swnuner ö Pfg. SonmagS. numnier mit illiistriericr Sonniag»- Beilage.Die Neue Seit* 10 Pfg. Post. iZbonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Pofi-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn ilSO Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat Poftabonnemeni» nehmen am Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. Ofditlnt täglich. 31. Jahrg. Die TnlertlonS'Gebilbr Beträgt für die Icchsgcspaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bcrsainmlnungs-Anzcigen«0 Pfg. „Kleine Anreizen", das scttgedrulkte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wntere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedeS weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buch- staben zählen iür zwei Worte. Inserate slir die nächste Nummer müssen bis I» Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Tie Expedition tjh bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adreffe: „Sosssllttllloltist sttlii»-. Zcntralorqun der fozialdcmokratt feben Partei Dcutfchlando. Redaktion: STl. 68, Lindcnftraße 69. Kernsprecher: Amt Moritiplnn, Nr. RifSZ. Montag, den 12, Jannar 1914. Expedition: 8Äl. 68, LindenttraOe 69. Kerniprechrr: Amt Moritiplat,. Nr. IUK4. Arbeiter! Sie Reaktion, toll geworben, schreitet zum konzentrischen Angriff auf Sie volksrechte. Rüstet zur Gegenwehr! Erscheint vtenstag mastenhaft n unseren Versammlungen! Recht wirb Recht bleiben! Ueber Thema haben die preußischen Lords am Sonn- abend nicht sprechen wollen. Obwohl Zabern der Anlaß siir ihren Vorstoß gegen den Reichstag und den Reichskanzler bildete,„widerstand" Graf Aorck P. Wartenburg mit schöner Selbstüberwindung der Versuchung, auf die Angelegenheit einzugehen, weil das gerichtliche Verfahren noch nicht abge- schlössen sei, und Herr v. Bethmann Hollwcg folgte diesem Beispiel und beschränkte sich aus die allgemeine europäische Redewendung: Recht wird auch dort Recht blei- ben, ebenso>vie überall im Deutschen Reiche. Es erscheint uns zweifelhaft, ob für ihn, als er das Wort »griff, noch die Gründe zur Zurückhaltung vorhanden waren, aus die sich sein geschätzter Herr Vorredner berufen konnte. Wahrscheinlich besaß er bereits Kenntnis von der Frei- sprechung des Obersten und seines Leutnants, und er lies nicht mehr Gefahr, durch eine Erörterung der Tinge, die mit Zabern zusammenhängen, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen. Aber wir nehmen an, daß es dem Angeklagten von Berlin hoch willkommen war, über den Angeklagten von Straßburg schweigen zu dürfen, denn die Freisprechung der Offiziere bedeutet, von alleni sonstigen abgesehen, die Verurteilung des deutschen Reichskanzlers. Man muß sich der Reden erinnern, die Bethmann Holl- weg in der ersten Halste des Dezembers im Deutschen Reichs- tage gehalten hat. Am 3. Dezember sagte er: ... Wenn später der RegimentSkonimandeur, um die Ossi- ziere vor weiteren Beschimpfungen zu bewahren, einen Zug auf den Schloßplatz rücken und diesen säubern ließ, so lag hierzu eine formelle gesetzliche Befugnis nicht vor. Doch ist diese Maßregel lediglich aus dem Bestreben entstanden, �Schlimmerem vorzu- beugen. Zu den Verhaftungen lag eine gesetzliche Befugnis nicht vor, insoweit es sich nicht um Festnahmen auf frischer Tat gehandelt haben sollte, in welchem Falle allerdings die Festgenommenen so- fort an die Polizeiorgane hätten abgegeben werden müssen. Am 4. Dezember: Von der Räumung des Schloßplatzes und den Verhaftungen habe ich doch ausdrücklich gesagt, daß sie im Gesetz keinen Grund finden. Am l 2. Dez e m b e r: Ich habe am ersten Tage der Jntcrpellationsdebatte für die Armee das Recht vindiziert, sich gegen direkte Angriffe zu wehren. Das ist gesetzliches Recht, meine Herren! Ich habe des weiteren ausdrücklich gesagt, daß von einem gewissen Zeitpunkte ab die militärischen Maßnahmen, soweit die Untersuchung bisher geführt worden ist, eine Uebcrschrcitung der gesetzlichen Schranken bc- deutet. Wo bleibt denn da der Vorwurf, daß ich das Recht nicht gehütet hätte? Bewegen sich nun die Ausführungen, die der Reichs- kanzler vor der deutschen Volksvertretung gemacht hat, auf dem Boden jenes von ihm im Herrenhause als unantastbar bezeichneten Rechtes, oder ist das Urteil des Kriegsgerichtes der 3<). Division das Recht, das Recht bleiben wird? Die Frage wird Herrn v. Bethmann Hollweg im Reichstage vor- zulegen sein, und mit Spannung darf man seine Antwort er- warten. Auf jeden Fall aber ist er um das Bündel, das er aus seinen Schultern trägt, nicht zu beneiden. Zu dem for- Mellen Mißtrauensvotum der überwiegenden Mehrheit des Reichstages und der deutlichen Absage, die ihm trotz seiner de- und wehmütigen Rechtfertigungsrcde die preußischen Lords erteilt haben, ist nun auch noch seine Desavouierung dilrch ein kriegsgerichtliches Urteil-gekommen. Bald kann man mit dem armen Schlucker Mitleid empfinden. Tie einzige Ausrede, die ihm gegenüber dein Straß- burger Urteil noch bleibt, ist die, daß auch er, der deutsckse Reichskanzler und preußische Ministerpräsident, die berühmte Kabinettsorder von 1820 ebensowenig gekannt hat wie die Vorschrift über den Waffengebranch des Militärs vom Jahre 1899. Wir werden keinen Anstand nehmen, ihm in dieser Beziehung unbedingt Glauben zu schenken, aber seine allgemeine Stellung kann durch dieses Be- kenntnis der Unwissenheit nicht gestärkt werden. Das Zugeständnis, daß es innerhalb des Militärrechtes dem Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten unbekannte Bestimmungen gibt, die mit der Verfassung und den bürger- licheil Gesetzen nicht in Einklang zu bringen sind, hätte nur dann einen Wert, wenn der verantwortliche Minister gleickp zeitig seine Bereitwilligkeit zu erkennen gäbe, dem Rechte der VersassunggegendasRechtdes Militärs und die kaiserliche Koinmandogewalt zum Siege zu verhelfen. Das aber kann von einem Manne nicht erwartet werden, der es am Sonnabend vor dem preußischen Herrenhause als seine Hauptpflicht bezeichnet hat, zu verhindern, daß au der Organisation des preußisch-deutschcu Heeres auch nur ein Titelchen geändert werde. Ten Kampf gegen die kaiserliche Kommandogewalt der- mag ein Minister mit Aussicht auf Erfolg überhaupt nur dann aufzunehmen, wenn er das Parlament hinter sich weiß und sich ausschließlich als dessen Vertrauensmann fühlt. Ein Kanzler, der den Parlamentarismus verabscheut und sich den preußischen Junkern gegenüber verpflichtet, jede Erweiterung der Rechte der Volksvertretung zu verhindern, darf sich nicht wundern, wenn ihm ein Kriegsgericht rechts und links hinter die Ohren schlägt. Was vom Reichskanzler gilt, gilt aber auch vom Parla- ment. Will es die Verfassung wirklich stabilisieren, so muß es der Koinmandogewalt zu Leibe rücken. Durchaus mit Recht hat der Graf Uorck v. Wartenburg Vergleiche mit der eng. lischen Revolution des 17. Jahrhunderts gezogen. D i e Engländer erkannten, daß die Verfügungs- freiheit des Königs über die Armee eines der tv e s e n t l i ch st e 11 Hindernisse für ihre Freiheit war. Rur befindet sich der Graf insofern iu einem Irrtum, als er anzunehmen scheint, daß bei der Mehrheit dcS Deutschen Reichstages ähnliche Stimmungen vorhanden wären, wie in den beiden sogenannten langen Parlamenten des ersten und des zweiten Karl. Die bürgerlichen Parteien wollen ja den Parlamentarismus ebensowenig wie ihn Herr v. Bethmann Hollweg will, und durchaus konsequent ver- wahren sie sich gegen den ungeheuerlichen Vorwurf, als be- absichtigten sie, der kaiserlichen Koinmandogewalt ein Härchen zu krümmen. Solange dieser Zustand dauert, wird sich noch manch einer blamieren, der— mag er nun mit der erleuchteten Ver- nunft eines Ministers begabt sein oder nur einen be- schränkten Untertanenverstand besitzen— Rechtsgrundsätze, die er aus dem bürgerlichen Gesetz und der Verfassung ableitet, für ewig und unantastbar erklärt. Ein italienisches Urteil. Rom, 11. Januar.(Pribattclegramm des„Vor- ivärts".) Der bürgerlich radikale„Messagere" kommentiert die Straßburger Urteile und bezeichnet diese als unheilvoller wie den Äöslincr Dammbruch, da die Reaktion das Deutsche Reich mit größerer Heftigkeit übcrschloemmt als die Nordsee. Für den deut- scheu Liberalismus ist der Tag der Urteilsverkündung ein schlvarzer Tag, der die juristische Bindung für das Militär aufhebt und jedem Obersten freistellt, die Bevölkerung versäbeln und arretieren zu lassen. Hierdurch sowie durch die Rede Uorcks ini Herrcnhause werde der Konflikt zwischen Herrenhaus, Abgeordnetenhaus, Hos und Militär einerseits und dem Volke andererseits weiter verschärft. Das Endresultat werden 150 Sozial dcmo- k r a t e n im nächsten Reichstag sein. Strafrechtliches und Staatsrechtliches. 1. Ein Jurist schreibt uns: Das Kriegsgericht der dreißigsten Division hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß der Oberst von Reuter berechtigt war, die Gültigkeit der Kabinettsorder vom 17. Oktober 1820 anzu- nehmen. In diesem Fall hatte es also nur darüber zu entscheiden, ob die Voraussetzungen gegeben waren, die die Kabinetts- order für das selbständige Eingreifen der MilitärbeseHlsHaber verlangt. Sie erteilt dem Militär das Recht, ohne Aufforderung der Zivilbehörden einzuschreiten„zur Unterdrückung innerer Unruhen und zur Ausführung der Gesetz e". Nun ist„innere Unruhe" ein Begriff, den das Strafgesetzbuch des Deut- scheu Reiches nicht kennt. Aber wir dürfen ohne weiteres den Begriff des Aufruhrs als identisch ansehen. Unter Aufruhr versteht das Strafgesetzbuch eine öffentliche Zusammenrottung, bei der mit vereinten Kräften einem Vollstreckungsbeamten oder den zu seiner Unterstützung zugezogenen Personen oder Mannschaften der bewaffneten 50 lacht in der rechtmäßigen Ausübung ihres Amtes oder ihres Dienstes durch Gewalt oder Bedrohung mit Gewalt Widerstand geleistet wird, oder bei der mit vereinten Kräften unter- nommen wird, durcki Gewalt oder Drohung eine Behörde oder cincii Beamten zur Vornahme oder Unterlassung einer Amtshand- lung zu nötigen.. Von einem Auffuhr in diesem Sinne konnte in Zabern keine Rede sein. Zum mindesten nicht vor dem Zeitpunkt, an dem sich der Oberst von Reuter der. Alleinherrschaft bemächtigte. Es war niemandem, der sich in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes oder Dienstes befand, Widerstand geleistet worden, und ebensowenig hatte man einen Beamten durch Gewalt oder Drohung zur Vornahme oder Unterlassung einer Amtshandlung genötigt. Tie Voraussetzung der Kabincttsordcr, daß innere Unruhen au?» gebrochen sein müssen, war also nicht erfüllt, und der Oberst, der angeblich dem Rock des Königs zugefügte Beleidigungen als innere Unruhen behandelte, konnte nicht freigesprochen werden. II. Zweite Vorbedingung für die Autonomie de? Militärs im Sinne der Knbinettsordcr ist die Ueberzcngung des Militärbefehls- Habers, daß die Z i V i l b e h ö r d e n milder Anforde r u n g militärischen Beistands z u lange gezögert haben. Da der Militärbefehlshaber bier nach„Pflicht und Gewissen" hau- dein soll, ist nlleö in sein subjektives Ermessen gestellt, und es ist natürlich nicht nachweisbar, daß er die Ucberzeugung vom Bcr» sagen der Zivilbehörden nicht besessen habe. Immerhin aber hatte das Gericht die Pflicht, zu untersuchen, ob der Angeklagte bei der Prüfung des Sachverhalts die nötige Sorgsalt hat walten lassen. Es ljat eine derartige Untersuchung zwar vorgenommen, sich aber bei der Findung und Begründung seines Urteils so gut wie an»- schließlich auf die militärischen Zeugen gestützt. Eine Berück- sichtigung der Zivilzcugen hätte eine Verurteilung des Obersien zur Folge haben müssen. III. Das wichtigste ist und bleibt die Fessstellung, daß der Herr von Reuter die Kabinettsorder von 1820 für rechtsgültig auer« kennen mußte. Sie ist, wie sich aus der Begründung des Urteils ergibt, in der vom 23. März 1899 datierten„Vorschrift über den LLafsengebrauch des Militärs und seine Mitwirkung zur Unter- drückung innerer Unruhen" erneut dein Offizierkorps zur Kenntnis gebracht und als bindend hingestellt worden. Daraus folgt zweierlei: a) Für die preußischen und nichtpreußischcn Kontingente des deutschen Heeres bestehen in einer so wichtigen Frage, wie es die Verwendung der Truppen bei der Unterdrückung innerer Unruhen ist. ganz verschiedenartige Vorschriften, denn die Verordnung von 1899 gilt nur für die preußische Armee. Zwar hat der Artikel 61 der ReichSverfaffung die gesamte preußische Militär- gesetzgebung inklusive der zu ihrer Ausführung, Erläuterung oder Ergänzung erlassenen Reglements, Jnslruttionen und Reskripte im Reiche eingeführt, aber dieser Artitel bezieht sich nur aus diejenigen Bestimmungen deS Preußischen Militärrechts, die vor der Pubtt- kation der Perfassung des Norddeutschen Bundes in Kraft getreten sind. Es ergibt sich also der unerhörte Zustand, daß die Bevölkerung und die Zivilvenvaltung von Elsaß-Lothringen zu dein in dem Lande garnisonierenden Militär in ganz verschiedenartigen rechtlichen Beziehungen stehen, je nachdem es sich um preußische oder nichtprcußische Truppenteile handelt. b) Immerhin ist hie Unerlräglichkeit dieser Verhältnisse eine Lappalie gegenüber der Tatsache, daß die Preußische Verordnung vom 23. März 1890 in Widerspruch mit den Gesetzen steht. Durch Artikel 36 der Preußischen Ncrfassung ist die Ka- binettsorder von 1820 unwirksam geworden. Nichtsdestoweniger hat sie die vom preußischen Kriegsmiimster gegengezeichnete Verordnung von 1899 zu einem Bestandteil des preußischen Militärrcchts gc- macht. Tie Frage mag aufgeworfen werden, ob das OffizierkorpS zur Beachtung dieser Verordnung überhaupt verpflichtet ist. Ihre Beantwortung hängt davon ab, ob sie als„gehörig verkündet" aner- kannt werden muß. Kein Zweifel aber kann darüber bestehen, daß jeder Offizier sich an die Befehle dcS Königs gebunden hakt und ihnen gegenüber Verfassung und Gesetz als Bagatellen bebandelt. Ausgabe des Parlaments wird sein, der Verfassung auch im Militärrccht die nötige Anerkennung zu verschaffen, die Berörd- nungcn, Verfügungen usw. einer gründlichen Revision zu unter- ziehen, mit anderen Worten die I a i s e r l i ch c und königliche K 0 in m a n d 0 g e w a l t in den Rahmen d c S Rechts- st a a t s zu bringen. öackschisch. Denn seit Preußen durch die November» tat des Jahres 1818„gerettet" worden, hat die vordem nie angezweifelte Integrität des preußi- scheu Bcnniteiistandes. in den niedrigsten wie höchsten Sphären, aufgehört, etwas Selbstver- ständliches zu sein. L 11 d Iv i g W a l e s r 0 d c 1861. Wie Geschützdonner das Kleingewehrfeuer überdröhnt, so lenkt der Prozeß gegen den forschen Obristen von Zabern die Auftnerk- samkeit von einer anderen Gerichtsverhandlung ab, die zu gleicher Zeit in Ä ö l n stattfindet. Gleichwohl ist sie nicht von geringerem Interesse, denn während dort dem preußischen Militarismus ein Freibrief aus Rechts- und Fricdcnsbruch ausgestellt worden ist, stehen hier preußische Polizeibcamte in all ihrer kläglichen Blöße am Pranger, und Soldateska lote Polizeska sind doch die Grund- Pfeiler des preußischen Gcwaltstaatcs. !Tm den Begriff Backschisch dreht eZ sich in Köln. Der bravste und loyalste Spießbürger, der mit durchgedrückten Knien im Parademarsch durchs Leben marschiert und von allen gottgewollten Autoritäten Augen rechts! macht, kennt des Wortes Bedeutung und weiß, daß es aus der Türkei stammt und außerdem in Rußland heimisch ist. Wer bei den kleinen und großen Machthaber» dieser Länder etwas erreichen will, für den ist der Backschisch des Sesam, öffne dich! zu allen Türen. Wer eine Konzession oder Autoritation haben will, wer eine Turchstöberung seines Gepäcks bei der Zoll- revision scheut, wer nach einem Orden geizt, wer ein Bordell er- öffnen möchte, wer bei der Vergebung von Lieferungen begünstigt zu sein strebt— der Backschisch führt zum ersehnten Ziele, nur daß, sobald es sich um hochmögende Paschas oder Minister handelt, der Backschisch kein Trinkgeld mehr ist, sondern eine recht runde Summe von Zehntausenden oder gar Hunderttausenden. Wenn der oben genannte brave deutsche Spießbürger von diesen ausgedehnten Korruptionssümpfen in fremder Herren Länder Kunde erhält, schwenkt er entrüstet das Ende seiner baumwollenen Zipfelmütze und lenkt zur Beruhigung seines aufgeregten Gemüts den Blick auf den preußischen Beamten. Der ist gottlob! aus anderem Holz geschnitzt, kernfest und auf die Dauer, ein Mann mit blauen Augen, blondem Schnurrbart und einem Herzen, lauter wie Gold. Gewiß, er hat seine Eigenheiten, der preußische Beamte, aber das sind in den Augen des loyalen Spießers nur die Fehler seiner Tugenden: wo der aalglatte und geschmeidige Staatssklave in der Türkei oder in Rußland die Hand zum Empfang von Backschisch krümmt, da ballt der preußische Bureaukrat, grob und barsch wie er nun ein- mal ist, die Faust und hält sie dem verdutzten Fremdling vors Ge- ficht. Aber dafür ist er ehrlich unantastbar und der letzte preußische Nachtwächter verdient den ehrenden Beinamen, mit dem einst Robespierre sich brüstete: O'lncorruptible, der Unbestechliche. Wenn darum jemand preußischen Beamten und gar königlich preußischen Polizeibcamten den Vorwurf der Bestechlichkeit zu machen wagt, kann das nur in seines finsteren Herzens Verleumderdrang ein böser Sozialdemokrat sein, und in der Tat war es das sozialdemo- kratische Organ Kölns, die„Rheinische Zeitung", die behauptete, daß ein großer Teil der Kölner Polizei sich zu Geldgeschenken und anderen Präsenten nicht gerade ablehnend verhalte. Der Amts- genösse v. Jagolos, der Polizeipräsident v. Wegeinann, las den Artikel, schlug wutentbrannt mit der Faust auf den Tisch,.rollte nlit den Augen, griff zum Telephon und rief, tiefdurchdrungen von der Redlichkeit deZ„blanken Ehrenschildes" seiner Untergebenen, die Staatsanwaltschaft an. Prompt wurde gegen den Verantwort- lichen der„Rheinischen Zeitung", den Genossen S o l l m a n n, Anklage wegen Polizcibeleidigung erhoben. Der Prozeß läuft vor der Straftammer und da hat er die Pastete— nicht der Sozialdemokrat freilich, sondern der Polizeipräsident. Denn obwohl die Verhandlungen ihr Ende noch nicht erreicht haben, ist, allein durch die Aussagen der Polizeibeamten und der Zeugen der Staats- anwaltschaft, einer der ausgedehntesten Sümpfe bloßgelegt worden, die in den letzten Jahren zum preußischen Himmel emporstanken. Eine knappe Musterprobe aus dem VerhtmdlungSbericht schon zeigt auch minder ahnungsvollen Gemütern, wie in Köln der Hase läuft: Vorsitzender: Ist Ihnen bekannt, daß Polizeibeamte sich für dienstliche Handlungen haben Geschenke machen lassen? Zeuge Krimi»alfchutzmann L e m p I c: Ja I Vor- sitzender: Wollen Sie darüber Aussage machen? Zeuge: Nein. Vorsitzender: Haben Sie selbst Geschenke ange- nomme»? Z c u g e: In eineni Falle ja! V o r si tz e n d e r: Das ist lvohl der Fall, in dem Sie disziplinarisch bestraft worden sind? Zeuge: Ja. Vorsitzender: Außer diesem Fall ist kein anderer vorgekommen? Zeuge: Ich möchte meine Aussage - verweigern. Ei, ei! Hm, hm! Aber das ist sozusagen noch gar nichts, denn außerdem wurde festgestellt, daß Polizeiinspektoren und -kommissare nicht nur an Wein- und Sektgelagen aus Kosten der Wirte ihres Reviers teilnahmen und sich von einem Restaurateur wldene Uhren schenken ließen, sondern daß auch ihre Frauen ..Frühstückskürbchen" erhielten, die hübsch und zweckentsprechend mit Hundertmarkscheinen garniert waren. Wollte jemand eine Konzession haben, schickte er dem Herrn Polizeiinspektor hundert, hundcrtfünfzig Flaschen Wein; war aber der Gesuchstellcr nicht geneigt, sich dem herrschenden Brauch anzupassen, so erschien wohl die Frau Polizeiinspektor bei ihm und pumpte ihn um fünf blaue Lappen an. In einer Wirtschaft ließen sich die Polizeigewaltigen stets Speise und Trank in reichlicher Fülle trefflich schmecken, aber statt zu zahlen, fanden sie sich mit Trinkgeldern ab, und auch hier wußte der Wirt, warum! Ja, noch weit bedenklichere Dinge kamen zur Sprache. Ein Kriminalwachtmeister berichtete von einem minderjährigen Mädchen, das in einem Kölner Bordell steckte und von der Berliner Polizei reklamiert wurde. Das Mäbchen aber sonnte sich in der Gunst eines reichen Herrn, und da diesem die Tausendmarkschcine locker in der Tasche saßen, wußte er zu er- reichen, daß die Kölner Polizeibehörde nach Berlin meldete, die Gesuchte sei unauffindbar! In demselben Köln hat sich ein Ttaatsantvalt einmal in öffentlicher Verhandlung resigniert dahin ausgelassen, daß„die Polizeideamten von den Gerichten stets in Schutz genommen" würden, aber in diesem Fall, angesichts der erdrückenden Fülle von Bllveiscn, kann daS Ende des Prozesses nichts anderes sein als was schon sein Ansang war: ein zer- schmetternoer Skandal für die Polizei. Allerdings ist es kaum mehr als ein Zufall, wenn hier der Beweis für die Bestechlichkeit einer Anzahl höherer und niederer Polizciorgane auf der ganzen Linie geglückt ist. Vorfälle, die sinst hier und da ans Tageslicht gedrungen sind, weisen darauf hin, daß es auf diesem Feloe auch anderwärts faul ist im Staate Dänemark. Ueberraschcn kann das kaum, denn auch unerhörte Borgänge, wie sie in Köln aufgedeckt wurden, sind lediglich Aus- wüchse des Systems, unter dem Preußen-Teutschland seufzt und stehen sogar mit den unerhörten Vorgängen in Zabern in ur- sächlichem Zusammenhang. Wo Militär und Polizei mit so sou- beräner Machtvollkommenheit ausgestaltet sind wie in dem preu- ßischen Deutschland, müssen sie zu allerhand Ausschreitungen kommen. Wie die Broschüre des braven L e b e r e ch t alias Adolf Stein unlängst auch den moralisch angefaultestcn Leutnant allen Ernstes als Halbgott feierte, so hat man auch schon von seiner Majestät dem Schutzmann gesprochen. Aber beide nehmen eigentlich in unserer herrlichen Rechtsordnung den Rang von Halbgöttern ein: wer über einen Leutnant lacht, gegen den werden wie in Zabern Bajonette und Maschinengewehre aufgeboten, wer einen Schutzmann scheel ansieht, der fliegt wie in Breslau, im Namen des Königs ins Loch. Gleichen aber Schutzleute Halb- göttern, so sind Polizeikommissare oder gar-inspektoren Götter schlechthin, nicht etwa Diener deS Gesetzes oder Angestellte des Volkes wie in England, bewahre! Unerreichbar thronen vielmehr diese preußischen Olympier in den Wolken und mit einem Heben, einem Senken der Brauen getvährcn sie, versagen sie. Was Wunder, daß da die gewöhnlichen Erdenkinder, die mit Anliegen den Göttern nahen, sie mit dem Weihrauch von Importen und mit anderen Opfcrgabcn günstig zu stimmen suchen und Sekt, Wein und finanziell dekorierte„Frühstückskörbchen" auf dem Altar der Polizei niederlegen. Es ist nicht erstaunlich, oaß es so ist. es wäre erstaunlich, wenn eS anders wäre! Weil eben in Preußen oft genug die Willkür der Polizei an die Stelle von Recht und Gesetz tritt, darum sind solche Fälle wie in Köln möglich. Auch dieses Uebel strömt aus aller Ucbel Onelle: aus der Unfreiheit und Rechtlosigkeit des Volkes, denn ein freies Volk räumte ebenso radikal mit Offizieren auf, die des Bürgers Blut aufs Straßenpflaster fließen lassen wollten, wie mit Polizisten, die des Bürgers Geld in ihre Taschen fließen lassen. politische Ueberflcht. Ein neues Pronnneiamcnto. In der„Straßburger Neuen Zeitung", einem der führen- den fortschrittlichen Organ? Elsaß-Lothringens, schreibt der bekannte elsassische Politiker Dr. Weil: „An dem Ausgange des Strafverfahrens hatte kaum jemand von denen gezweifelt, die der viertägigen Verhandlung gefolgt waren. Unbegreiflich und in den Annale» bürgerlicher Rechts- pflege unerhört ist es, daß der Verhandlungsleiter einem hohen Berivaltungsbeamten ohne jeden Grund unverblümte Verleitung zum Meineid nachsagte. Wenig erfreulich ist es, daß der Bor- sitzende General zu der gleiche« Zeit, in der in Stra-Zburg das Urteil gesprochen wurde, dem Polizeipräsidenten von I a g o w »nd dem Freunde deS Kronprinzen, Herrn v. Oldenburg« I a ii u s ch a u, das von ihm selbst gesprochene Urteil mitteilte Wochenfilm. ,,. Dieweil bcS Menschen Fürrecht Lachen ist. Rabelais. Berlin NO., 10. Januar 1914. Sehr geehrte Redaktion! Ich hätte gern schon mal eher wieder an Ihnen geschrieben. Aber eS ging eben nicht. Von wegen der Steuererklärung nämlich, wo bis zum 20. Januar eingereicht werden mutz. Herrgott, war das eine Sauarbeit für einen mehrfachen Hausbesitzer wie unser- einen. Davon habt Ihr roten Zeitungsfritzcn mit Eurer Arbeiter- bagage gar keine Ahnung. Weil nämlich diesmal neben die gewöhn- liche Steuer auch noch die VermögenSzuschlagsteuer und der Wehr- beitrug berechnet werden mußten. Himmeldonnerwetter, habe ich da schwitzen müssen; der Schädel hat mir ein paar Tage gebrummt von das viele Rechnen. Ich werde doch nicht so ein Rindvieh sein und zuviel Steuern zahlen! Das gibts bei mir nicht, wo man so schon genug blechen muß. Wenn daS man bloß mit dem General- pardong feine Nichtigkeit haben tut, sonst bin ich und wohl noch mancher anständige Bürgersmann der Gelackmeierte. Indem daß man nämlich bei früheren Steuererklärungen manchmal manches aus Versehen mit Willen vergessen tat, wo nun jetzt bei die Wehr- beitragsnachschnüffelei rauskommen kann. Au Backe, da käme ein mächtiger Haufen Zaster an Strafgeldern für Steuerhinterziehung raus. Na, die Regierung wird ja so anständig sein und an den Gencralpardong nicht tippen, aber ehrlich gestanden, besonders ge- mütlich war mich die letzten Tage nicht zu Mute. Doch schließlich sind wir ja das sogenannte staatserhaltende Element, und die Bc- Hörde wird uns doch nicht ganz und gar vor den Kopf stoßen wollen. ES kommt nämlich eine mächtige Stange Geld raus, wo ich jetzt mehr Steuern berasseln muß und es wurmt mir mächtig, daß unsereins jetzt die Kosten für die letzte Hceresvermehrung allein tragen muß und die Arbeiter und sonstige Gesellschaft nichts zu zahlen brauchen, wo sie doch auch durch unser starkes Heer geschützt werden. Na, es bleibt mich eben nichts weiter übrig, wie ich schon in früheren Briefen an Sie ankündigte, vom 1. April an die Mieten aufzuschlagen. Aus seine Kosten muß der Geschäftsmann ooch kommen. Und ich freue mir, daß Sie in Ihrem Blatt schon uitteilen muhten, daß es die Hauswirte wo anders auch so machen. Und damit kann man sich schließlich auch mit dem Wehrbeitrag aussöhnen und ich hoffe, daß damit mit die sogenannte direkte Bc- stcuerung Schluß gemacht wird und das nächste Mal Steuern ge- macht werden, wo auch die Arbeiter gleich von vornherein mit gefaßt werden. Denn sich mit die freche Bagage von wegen die Mietspreiserhöhung rumzuschlagen, ist auch kein Vergnügen nicht. Wegen die Zaberner Geschichte, den Obersten Reuter und so haben Sie in Ihrem Hetzblatte ja wieder mal keine schlechte Lippe riskiert. Na ja, es ist vielleicht manchmal ein bißchen zu haarig da unten hergegangen, aber die Wackesbande sind auch keine an- genehmen Mitteleuropäer gewesen. Und auf unser Militär lasse ich dessentwegen noch lange nichts kommen. Unsereins ist doch auch Soldat gewesen und weiß, daß man sich von das Zivilisten- pack nichts gefallen zu gelassen braucht, wenn man den bunten Rock anhat und ein Käsemesser an seiner Seite trägt. Später denkt man ja wieder ein bißchen anders darüber, aber ich bin auch als liberaler Bezirksvereinsschriftführer ein guter Kriegervereins- kamerad geblieben und den Respekt vorS Militärische wird uns Deuffchen schon als Kindern in die Wiege eingeimpft. Und� ich habe schon liberale Redakteure gesehen, die ganz glücklich waren, wenn mal eine Ekzellcnz oder ein Flügeladjutant bei irgendeine Gelegenheit leutselig mit sie gesprochen haben. Ich bedaure nur, daß ich keinen Jungen habe. Zum Reserveleutnant müßte der es mindestens bringen und sollte es mich sonst was kosten. Deswegen kann man als liberaler Politiker doch dafür sein, daß die adligen Offiziere nicht so sehr bevorzugt werden und daß das anständige Bürgertum, wo den nötigen Draht dazu hat, ins Offizierkorps mehr zur Geltung kommt. Dafür sind wir Deutschen doch„das Volk in Waffen", wie das so schön heißen tut. Als überzeugter Fortschrittsmann muß ich natürlich auch dafür eintreten, daß die Söhne unserer gebildeten und besitzenden jüdischen Mitbürger Offizier werden können, wenn sie nicht gar zu krumm und o-beinig und plattfüßig sind. Aber das könnt Ihr Milizfatzken nicht der- stehen. Das mit Eurer Miliz würde überhaupt einen schönen Salat geben, wo jeder Habenichts und Hungerleider Offizier spielen könnte. Da sind mir denn doch Leute wie der Oberst Reuter lieber. Dadrum muß ich Sie auch mein größtes Mißfallen aus- sprechen, daß Sie über die Kronprinzentelegramme solchen Radau geschlagen haben. Nu, wenn schon! Lassen Sie ihn doch telegra- phieren:„Immer feste drauf!" und:„Bravo!" Denn erstens hat der olle Blücher, wovor Sie doch in Ihre Jahrhundertartikel auch Respekt hatten, schon gesagt:„Immer feste druff!" und zweitens ist der junge Mann doch mit Leib und Seele Soldat und mit seinem Papa wird er sich auch wieder vertragen. Wir liberalen Männer haben überhaupt immer etwas für Kronprinzen übrig gehabt. Ich kann Sie sagen, so'ne Rührung ist an unserm Stammtisch über- Haupt nicht dagewesen, als an dem Abend, wie wir seinen Abschieds- besehl an sein Regiment gelesen haben. Es ging uns direkt an die Nieren, wo es heißt:„EL wird mir verflucht schwer" und„mit dem heutigen Tage trage ich meine Jugend zu Grabe". Wir wurden alle ganz fuchtig, als der Oberlehrer Knifflich meinte, der Krön- prinz wäre doch mehr auf Reisen, auf der Jagd und auf dem Launtenisplatze gewesen als beis Regiment. Ich persönlich kann Seine Kaiserliche Hoheit sehr gut leiden und ich habe ihn auch bei der Neujahrsparole ganz genau angesehen, denn da muß ich immer und herzliche Glückwünsche daran knüpfte. Das Vertrauen in die militärische Rechtspflege und seine Begleiterscheinungen haben sehr gelitten. Nach dem Urteil stellt das Militär eine dauernde Gefahr für den inneren Frieden und die Bürgerschaft dar. Die deutsche Frage, zu der der Fall Zabern sich ausgewachsen hat, wurde zur Ehrenfrage aller deutschen Bürger. DaS clsaß-lothringische Volk vertraut darauf, daß in schwerer Stunde der deutsche Reichstag zu ihm halte. Am Danke von Elsaß-Lothringen wird es nicht fehlen." Das ist das würdige Gegenstück zu der so richtigen Vor« aussage des Freispruchs durch den Herrn M e d i c u s. Das beleuchtet greller als alles andere den Geist, der diese Militär- richter erfüllt hat. Sie depeschieren an Herrn v. Jagow, weil er es war, der jene Rechtsüberzeugung zuerst formulierte, die sie leitete. Sie depeschleren ihm und kümmern sich den Teufel darum, daß in der„Nordd. Allg. Ztg." ein paar schlich- lerne Worte gegen seine Einmischung zu lesen standen. Da haben unsere Liberalen schon gehofft, daß Herr v. Jagow, der Beamte, der gegen die Regierung obstruiert, gerügt würde. Hat sich was! Herr v. Jagow ist heute der gefeierte Held der Reaktion, der geehrte Gast der kommandierenden Generale und des Kronprinzen, er ist stärker und mächtiger als der Herr v. Bethmann und kann seinen Vorgesetzten wirklich etwas Pfeiscn. Und die Militärrichter gratulieren Herrn v. O l d? n« bürg. Auch der ist ein Mann so recht nach ihrem Sinn. Hat er doch das Wort gesprochen von dem„Leutnant und zehn Mann". Und zweifelt jemand, daß ein Wunsch brennender ist in dem Herzen so mancher der Herren als der. daß das Kommando erschalle, das die ganze Rasselbande zuni Wallotbau hinausjagt? Keinem von ihnen würde das Be- wußtsein der Rechtswidrigkeit kommen, und fände sich nach dem Erempel von Zabern dann noch ein Ankläger, um den Freispruch brauchte ihnen nicht zu bangen! Zentrum und Konservative. In der Beurteilung der jüngsten Ereignisse gehen vor- läufig die Brüder vom schwarzblaucn Block nock? auseinander. Die„Germania" befaßt sich am Sonntag in einem langen Leitartikel niit dem Straßburger Urteil, das sie als j u r i- st i s ch völlig unhaltbar bezeichnet. Ueber die Art, wie der Anklagevertreter seines Amtes waltete, schreibt das Zentrurnsblatt: „Die Art und Weise, wie der Kriegsgerichtsrat Dr. O s i a n- d e t als Anklagevertreter seine Anklage vor dem Kriegsgericht „begründete", hat sckon zu allerlei juristischen Bedenken Ver» anlassung gegeben. Allerdings soll die Staatsantoaltschaft, als deren Vertreter vor dem Militärgericht ein.Kriegsgcrichtsrat auftritt, die„objektivste Behörde der Welt" sein, sie soll ebenso wie das Gericht die belastenden und entlastenden Momente ge- nau prüfen und gegeneinander abwägen, aber nicht nur in juti« stischer, sondern auch in talsächlicher Beziehung. Die Anklage- rede des KriegsgerichtSrats Dr. Osiauder stützte sich aber fast aus- schließlich auf die militärischen Entlastungszeugen, wäbrend die bürgerlichen Belastungszeugen, unter denen sich auch Mitglieder des Landgerichts von Zabern befanden, LandgeriwtSräte. Staatsanwälte usw., mit ihren Zeugenaussagen keine Berücksichtigung fanden. Wie das ganze Verfahren vor dem Kriegsgericht in Straßburg den Eindruck machte, als sollte allein die Zivil» bevölkerung und Zivilverwaltung von Zabern für die bedauerlichen Vorgänge verantwortlich gemacht werden, s« frug auch Kriegsgerichtsrat Dr. Osiauder immer wieder: Wo war die Zivilaewalt? So gestaltete sich seine«Anklagerede" mehr zu einer Anklage gegen die Zivilbehörden von Zabern und zu einer Verteidigungsrede für die milita- rischen Angeklagten." Und das zweite führende ZentrumSorgan. die„Köln. Volksztg.", warnt die Konservativen sehr eindringlich vor einer Ueberspannung des Bogens und schreibt gegen den Vorstoß im Herrenhaus: „Diese Art Preußengeist lehnt allerdings die Mebrheit des Reickstages, das Zentrum und auch ein Teil der süddeutschen Konservativen ab. Es kommt einem manchmal vor, als ob g e- wisse konservative Kreise, durch die Rückschläge ihrer Politik nervös gemacht, Gespenster sähen und von einer Art Verfolgungswahn befallen seien. Die Konservativen dabei sein. Und da hat er denn das Publikum auch so freundlich gegrüßt. Dabei bin ich auch in die„Woche" gekommen und in den „Weltspiegel". Ich stehe gleich neben dem Kopfe von dem berittenen Schutzmannspfcrde. Ich bin aber gar nicht stolz darauf. Und damit muß ich noch auf etwas zu sprechen kommen, wo ich Ihnen schon früher mal drüber geschrieben habe, was mir aber von neuem wieder mächtig geärgert hat. Besagtes betrifft nämlich den Kirchenaustriti. Erst an diesem Sonntag sind da wie- der eine Meng« Versammlungen gewesen. Meine Frau ist gestern extra in die Kirche gegangen, weil da überall gegen den Kirchen- austritt gepredigt werden sollte. Aber voll sei es drin nicht ge- Wesen, hat sie gesagt. Aber der Herr Pastor hat sehr schön ge- sprachen von wegen Taufen, Trauen, Konfirmation, kirchliche Gnadengüter und so. Aber die es hören sollen, vor allem die Arbeiter, die haben es nicht gehört. Die waren eben nicht da. Und das ist ein Skandal. Denn wo soll das hinführen? Ganz abgesehen davon, daß das Volk Religion haben muß, weil es sonst noch viel mehr wie in Sodom und Gomorrha zugehen würde, wie das jetzt schon der Fall ist, kann uns anständigen und sogenannien religiösen Leuten der Kirchenaustrittunsug noch teuer zu stehen kommen. Anständige Bürgersleute können nicht aus der Kirche austreten. Die einen nicht von wegen die Berwandtschafi und Bekanntschaft, die anderen nicht wegen die Kundschaft und die Stellung, dann aber auch nicht wegen die Kinder, wenn die mal Beamte oder sowas werden sollen oder einen Beamten heiraten können. Da muß man Rücksichten nehmen, wenn man eben auch kein Mucker zu sein braucht und über die Jungfrau Maria und so weiter schon so manchen Witz gerissen hat. Aber wenn immer mehr Arbeiter und sonstiges Gesindel aus der Kirche auS- treten, und es werden in Berlin daS bald über 50 000 sein, wer soll dann die Kirchensteuern bezahlen? Da wird doch die Synode, wenn die Moneten knapp werden, die Kirchensteuern erhöhen. Und wer muß blechen? Natürlich wir anständigen Bürger. Und wir müssen, wie ich oben in meinem Gegenwärtigen ausgeführt Hab«, schon gerade genug bluten. � Ich bitte mir also aus, daß Sie Ihren Parteigenossen, die den Kirchenaustrittsrummcl mitmachen, aufs Dach steigen. Wozu haben Sie in Ihrem Programm den Satz: „Religion rst Privatsache". ES ist Ihre verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, dafür zu sorgen, daß das Programm gehalten wird. Ich Hab« wahrhaftig keine Lust, noch höhere Steuern zu bezahlen und erwarte von Ihnen, daß Sie diesem Unfug ganz energisch ent- gegentreten. Glauben kann meinetwegen jeder, was er will; aber für andere Kirchensteuern zu bezahlen, das fällt mir nicht im Traume ein. Womit ich verbleibe mit der Ihnen gebührenden Hochachtung Friedrich Wilhelm Schulz«, Rentier und Hausbesitzer. Brart. täuschen sich, wenn sie meinen, daß heute noch mit dem La n d r a t und mit dem Polizeigeijt allein konservative Politik gemacht und konservative Erfolge erzielt werden können. Vor Schritten aber, wie sie der jetzige Antrag im preußischen Herrenhaus darstellt, kann nicht sriih und nicht eindringlich genug gewarnt werden im Interesse Preußens und im Interesse des Wiedererstarkens und Wachsens des konservativen Gedankens in ganz Deutschland." Solche gelegentliche Mahnungen werden aber dos Zen- truin nicht abhalten, in der Praxis überall für die Stärkung ihrer konservativen Bundesbrüder einzutreten. Tie schüchterne Regierung. Wie die„Tägliche Rundschau" hört, ist eine Veröffentlichung der Schritte, die gegen den Polizeipräsidenten v. I a g o w unter- mmnnen wurden, ntcht zu erwarten. Die Regierung rechnet da- mit, daß die Angelegenheit im preußischen Landtag zur Sprache kommen wird und dort wird sich dann auch oie Regierung dazu äußern. Die Erfüllung der Hoffnungen radikaler Blätter, die von einer sirengen Maßregelung des Herrn v. Jagow redeten, dürfte nicht eintreten. Auch wir glauben, daß Herr v. Bcthmann heute den Herrn Dr. jur. v. Jagow ungefähr ebenso gerne anfaßt wie heißes Eisen. Aber bitte.' In einer Provinzialversammlung des Bundes der Land- Wirte in Breslau griff � der Bündlerführer Aus dem Winkel- Logau die Regierung heftig an. Eine Regierung mit derart sckstvächlicher. schwankender Haltung könne nicht führend sein: der geliebte Kaiser soll uns führen— so rief der Bündler den versammelten Agrariern zu. Ter folgende Redner Dr. Diederich Hahn wurde noch etwas massiver. Er beschuldigte die Regierung des Liebäugelns mit den Sozial- demokraten(!) und behauptete, daß die gegenwärtige Reichstags Mehrheit die Mehrheit des Volkes nicht mehr hinter sich habe. Der Redner ließ durdb blicken, daß eine Auflösung des Reichstages unter solchen Umständen eine dringende Notwendigkeit sei und daß die Reaktionäre gute Geschäfte machen würden mit einer Wahlparole, in deren Mittelpunkt stehen müßte die Erhaltung der monarchischen Gesinnung, die Erhaltung der nationalen Arbeit und die Zusammenfassung der schassenden Stände. Auch wir sind durchaus dafür, daß durch eine Reichstags- auflösung dem deutschen Volke Gelegenheit gegeben werde, sein Urteil über die jüngsten Ereignisse zu sprechen. Hoffent- (ich wenden die Junker ihren großen Einfluß aus. um dieses Ziel zu erreichen._ Verringerung der Arbeitsleistung. Wie die„Nordd. Allg. Ztg." bekanntgibt, ist für die Hof- c o u r e n insofern eine Neuerung getroffen worden, als zur Abkürzung der großen Cour die Damen der Offiziere zur zweiten Cour eingeladen worden sind. Die angestrebte Kürzung der Couren wird nun auch noch dadurch erbeblich gefördert werden, daß von jetzt ab auf Allerhöchsten Befehl die Defilierenden nicht mehr zwei Verneigungen machen sollen, sondern nur eine den Majestäten gemeinsam geltende Verbeugung machen werden. Diese Neuerung ist auch insofern zu begrüßen, daß dadurch für die Zukunft mehr Zeit für das Regieren zur Verfügung steht. Die Krise in Bulgarien. Sofia, 11. Januar. Da die Bauernbündler entgegen den Erwartungen der Regierung dieser jede Unter- stützung verweigern, so daß die Regierung auf eine Ver- trauenSvotum der Sobranje nicht rechnen kann, findet heute abend ein Kronrat statt, in dem über weitere Schritte beschlosien wird. Vorausstchlich dürfte sich die Notwendigkeit ergeben, die Sobranje aufzulösen. Hierfür wird der Verlauf der morgigen Sobranje- sitzung maßgebend sein. Auflösung des ckwesifcken Parlaments. Peking, 11. Januar. Ein Erlaß des Präsidenten Duan- schikai ordnet die Auflösung des Parlaments an. Die /lrmee hurra! Was, das heißt Leben t Im Elsaß besiegen drei Offiziere ein ganzes Volk und laufen dabei noch Gefahr, wegen ihres Heldentums eingesperrt zu werden. Ja, wenn es keine Richter in Straßburg gäbe! Alle, wie sie sind, waren sie aus Preußen importiert, so daß sich die Angeklagten hauptsächlich während der Rede des mili- tärifchcn Staatsanwalts wie zu Hause fühlten. Und nach einem solch unbezweifelbaren Sieg Preußens im schlappen Süden redet unser Dorck von Wartenburg noch von preußischer Demütigung? Am Ende wegen der elsaß-lolhringischen BundeSratsstimmei!? Glaubt denn der Herr Graf, die würden gegen Preußen abgegeben? Da braucht man ja nur einen Leutnant neben die faule Zibilblase zu stellen und dann hat fichS. Wäre noch schöner, wenn ein Statt- Halter anders instruieren wollte, als im Offizierskasino für gut gehalten wird. Jetzt, wo das Recht auf dan Abschuß der Canaille vom KreigSgericht anerkannt ist, wird man mit der Verfassung schnell fertig werden. Wenn Ihr Kerls lacht, laffe ich scharf schießen. Pardon, nicht ich; ich bin ja selbst leider Angehöriger de§ Bürgerstandes, der sich in Zabern so feig benahm, daß nicht einmal Maschinengewehre in Aktion treten konnten. Durch seine Schuld ist den Osfiziercn und Mannschaften die außerordentlich günstige Gelegenheit entgangen, die Durchschlagskraft ihrer Geschosse am menschlichen Körper zu de- obachten. WaS soll man von einem Menschenschlag halten, wo die Kerls nur den Eindruck erwecken, als ob sie lachen wollten? Nicht einmal ein männliches Lachen, das man mit einem ordentlichen Patronenschuß beantworten kann. Und statt der erwünschten Un- ruhen nach dem Freispruch, statt Husarenattacke und DelagerungS- zustand eine schwächliche Ruhe in ganz Straßburg, daß cS einen reizte, irgend so einem feigen Kerl erst recht„WackeS" zuzubrüllen. Wackcs! Elsässisches Schwein! Maschinengewehrfutter! Nun, es wird sich schon alles finden, wenn wir die nächste Stadt verhaften und den Bürgermeister vorS Kriegsgericht stellen. Man ist, selbst als gewöhnlicher Zivilist, ganz irr vor Freud«, solch große Zeiten miterleben zu dürfen. Als ich las, der Herr von Reuter habe zu einein gemeinen Arbeiter gesagt:„Sie Lump, wie können Sie vor mir bequem stehen!" da erst fühlte ich, nun kommt eine andere Zeit. Und als der Anklagevertreter die Anklage fallen ließ, weil unser Herr von Reuter sich keines Vergehens be- wüßt gewesen sei. da brach eine neue Aera der Gerechtigkeit(wer lacht, wird erschossen!!) an. Das soll uns einmal das Ausland nachmachen. Da? find Eigenarten, die nur in Prenßen wachsen. Wenn sich jetzt nicht bald das prophetische Wort vom Reichstag und dem Leutnant mit den zehn Mann verwirklicht, dann ist die Re- gierung wirklich unfähig. Die Sozialdemokraten schlägt man einfach nieder, und wir Bürgerlichen lassen unL mit einem Hoch auf den Kaiser abführen. Von den Türe», die m Zaberner Bürgerhäusern eingeschlagen Ver Streik in Südafrika. Johannesburg, 11. Januar. Die Stadt gewinnt das Aus- sehen einer Stadt im Belagerungszustand. Kavallerie, Infanterie und Polizei ist überall zu sehen. Truppen- kontingente sind an den strategischen Punkten aufgestellt. Eine Versammlung der Streikenden forderte die Regierung auf, sofort zu demissionieren, und richtele an die englische Regierung die Bitte, die Verwendung von Truppen nicht zu gestatten. /tos Broß'öerlin. Zur öie Grunörechte der Arbeiter. Hunderttausende von Flugblättern wurden gestern von unseren Parteigenossen verbreitet, in welchen der Kamps für die Grundrechte der Arbeiter, für das Koalitionsrecht, mit aller Entschiedenheit ausgenommen wird. Es wird aus die große Gefahr aufmerksam gemacht, die durch eine Verschlechte- rung des Vereinigungsrechts für die Arbeiter entsteht und es wird mit Recht eine Erweiterung dieses Rechtes gefordert. Die herrschenden Klassen sind draus und dran, die Arbeiter- klassen noch mehr zu knebeln, um den Unternehmern das Aus- beutungsprivilegium um so ungehinderter genießen lassen zu können. Da muß jeder ehrliche Arbeiter auf die Schanzen, inuß Front machen gegen diese Angriffe und den Kamps mit- kämpfen für Erweiterung der Rechte der Arbeiterschaft. Diesem Zwecke dienen eine Anzahl Versammlungen, die am Dienstag und die folgenden Tage in Groß-Berlin stattsinden. Diese Versammlungen zu wichtigen Kundgebungen für die Grundrechte der Arbeiter zu machen, ist Ehrenpflicht eines jeden gerecht denkenden Arbeiters. Tie angekündigten Demonstrationen für und wider die Kirche hatten gestern in Groß-Berlin viele Tausende auf die Deine ge- bracht, aber nicht— für die Kirche. Noch in den letzten Stunden war seitens der Geistlichkeit und ihrer Anhänger eine ziemlich rege Agitation entfaltet worden, um mit dem„allgemeinen Kirchen- sonntag" einen großen Schlag gegen die Austrittsbcwegung zu führen und mit Zahlen renommieren zu können. Es ist, wie vor- auszusehen war, ein Schlag ins Wasser geworden. Allenfalls in den inneren Stadtteilen, wo die besten Berliner Pfarrpfründen sind, war eine schwache Zunahme des Kirchenbcsuches zu bemerken, die aber in keinem Verhältnis stand zu dem, was wohl die Kirche ersehnt und erwartet hatte. In den Vorstädten mit ihrer über- wiegenden Bevölkerung der unbemittelten Kreise waren die Kirchen genau so voll und so leer wie an allen übrigen Sonntagen. Von oben herab war die Parole ausgegeben, die Austrittsbewegung nicht anzugreifen. Dennoch konnten es sich viele Geistliche nicht ver- kneifen, die Abtrünnigen in recht scharfer Tonart abzukanzeln. Sie weinterten über die„Verirrung", malten Schreckbilder der unvcr- meidlichen Folgen an die Kirchenwand und gingen hausieren mit dem längst nicht mehr zuglrästigen Paradestück der kirchlichen Liebcstätigkcit, fanden aber natürlich kein Wort für die in Jahr- Hunderten aufgespeicherten und heutzutage unerträglich gewordenen Sünden des Kirchenregiments, das unter dem Deckmantel des „wahren Christentums" Arm in Ann mit der Gewaltherrschaft marschiert, mit den Feinden des Volkes. Was die Kanzelredner verschwiegen, das besorgten gründlichst die Referenten in den IL Volksversammlungen, die in Berlin und einigen großen Vororten unter dem Weckruf„Das Volk steht auf" tagten. Gerade die Demonstrationsmache der Kirche hatte die Kirchcngegner massenhaft auf den Plan gerufen. Als cS aus den Kirchenportalen spärlich sickerte, waren die Versammlungssäle fast schon überfüllt. Die liberalen Pastoren suchten vor dem KirchenauLiritt zu warnen, wobei manche offen zugaben, mit dem heutigen Kirchenregiment selber unzufrieden zu sein. Einige weiße Raben unter den.Herren können aber an dem Wesen der heutigen(Staats- kirche nichts ändern. Die Herren sprachen teilweise recht tcmpe- ramentvoll, einige erkannten sogar den hohen sittlichen Wert der Arbeiterbewegung an. Es wurde aber entgegnet, daß diese Herren Kirchenvertreter nicht den Typ der Staatskirche darstellen. wurden, sind sämtliche erreichbaren Splitter als heilige Reliquien an monarchisch denkende Untertanen verkauft worden, mit der In- schrist:„Erst die Türen, dann die Schädel!". Meiner juckt schon nach einem strammen Leutnantshieb. Künftighin wird keiner sich loyal und patriotisch nennen dürfen, der nicht von einem frischen Leutnant die Bluttaufe erhalten hat. Erst wenn sie tmS einmal ordentlich zusammengeschlagen hat, sind wir von der Schlagfertig- keit der Armee überzeugt. Solange es keinen Krieg nach außen gibt, muß der rechtlich denkende Bürger sich der Armee zur Ver- fügung stellen. Kopf herhalten, StaatSerhaltendcr, nur der Vater- landZlose zieht ihn feig zurück. Das Militär hat das Recht be- kommen, Teutschland als Glacis zu behandeln. Jeder Nuschko ein Glacicist! Nur über unsere Leiber darf eine Felddienstübung gehen. Oder über die Leiber unserer Frauen und Töchter. DaS souveräne, allein seligmachende, alles ringsum niederschlagende, siegreiche Militär Hurrai Hurra! Hurra! Ein Vaterlandsfreund. Musik. Deutsches Opernhaus, Charlottenburg. Eugen d'AlbertS Mustkdrama Tiefland, das nach längerer Unterbrechung wieder einmal gegeben wurde, gehört zu > den wertvollsten und erfolgreichsten deutschen Bühnenwerken aus dem letzten Jahrzehnt. Diese Dorftragödie teilt mit Mascagnis Cavalleria rusticana und LeoncavalloS Bajazzo eine ziemlich ver- wandte stoffliche Sphäre. Die Musik d'AlbertS, wenig unerhebliche Anklänge an den jungitalienischen„Verismus" ausgenommen, strebt jedoch mit Glück darüber hinaus. Die Deklamation im Sinne Wagners ist durchweg gewahrt, ohne daß deshalb auf das melodische Element verzichtet wurde. Dieses spricht besonders an im Orchcsterpart, der farbig gewoben ist und sowohl vem Lokal- kolorit wie der Psychologie der Handlung charakteristisch gerecht wird. Die musikalische Leitung besorgte Kapellmeister Rudolf K r a s s e l t mit der ihm eigenen Sicherheit. Die beiden Haupt- Partien des Dramas wurden diesmal von zloei neuen Solokrästen gegeben. Marie H ö s l sang als Gast die Martha. Sie ver- verfügt über einen klangvollen Mezzosopran, und ihr von einer deutlichen TextauSsprache trefflich unterstützter Vortrag hat künstlerische Reife. Schauspielerisch kommt sie in der allerdings komplizierten Rolle nicht viel über gute Routine hinaus. Alfred Goltz(Pedro) bringt eine meist hell und shmpatisch klingende Tenorstimme mit, die nur noch zwischen tieferen Lagen an auS- gleichender Kraft gewinnen müßte. Das dramatische Spiel ist zu loben. Reizvoll in Erscheinung und Gesang offenbart sich EI- friede Dorp als Nun. Den Sebastiano gab Eduard Schüller allzu nüchtern. DaS Tanzlied war jeooch eine gute Leistung. ek. Die orthodoxen Geistlichen waren auf den Rat des Generalsuper» intendenten den Versammlungen ferngeblieben. In den Vorräumen zu den Versammlungen ließ die Kirche „Warnungen vor dem Kirchenaustritt" verteilen, deren ausgesucht ungeschickter Inhalt auf keinen Denkenden Eindruck machen konnte. Den Vorteil vom„allgemeinen Kirchensonntag" hat also nur die Austritisbewegung gehabt. Es wurden 2343 Austrittserklärungen abgegeben. Spekulation auf Stettungslose. Ein niederträchtiger Bursche, der armen stellungslosen Leuten die letzten Groschen abgenommen hat, ist in der Person eines 22 Jahre alten„Arbeiters" Johann Czerwinski aus Danzig fest- genommen worden. Einer seiner Schwindeltricks bestand darin» jungen Leuten auf der Straße aufzulauern und sie anzusprechen» ob sie Arbeit suchten, wenn sie das bejahten, so stellte er sich ihnen als Garagemeister einer größeren Automobilfabrik vor und erzählte ihnen, daß er Automobilwäscher suche, die in seiner Fabrik einen Wochenlohn von 42 M. bezögen. Tie Arbeitslosen waren natürlich mit Freuden bereit, eine so günstige Stellung, die ihnen wie ge» funden kam, anzunehmen. Der„Garagemeister" sagte ihnen dann, daß sie zur Ausübung ihrer Tätigkeit vor allen Dingen eine Leder- hose brauchten, die nun einmal zum Wagenwaschen gehöre und ohne der es nicht gehe. Er erbot sich aber sogleich, da die Stellung- suchenden natürlich nie im Besitz einer solchen Hose waren, bei der Anschaffung dieses Kleidungsstückes behilflich zu sein. Zunächst meinte er, daß auch lvohl eine gebrauchte genügen werde und machte sich mit ihnen auf den Weg zu einem Trödler. Tie ganze Er- zählung geschah aber nur, um die Leute sicher zu machen, denn schließlich kam er doch dahin, daß eine neue Hose am besten sei. Er ging dann mit den Leuten nach dem Alexanderplatz, weil er in beiden Warenhäusern die Verkäufer der Auwmobilartikel kenne, da er ständig bei ihnen kaufe und dieserhalb auch niedrigere Preise bezahle. Um diese zu erzielen mußte sein Begleiter natürlich draußen warten. Nachdem sich der Gauner das Geld für die ..Lederhose" hatte geben lassen, ging er in eins der Warenhäuser hinein, um eS durch einen anderen Ausgang wieder sofort zu ver- lassen und mit der Beute zu verschwinden. Hatten die harmlosen Leute schon kein bares Geld mehr, so erbot er sich bereitwilligst, den Betrag für sie auszulegen, ließ sich aber zum Unterpfand deren Wertsachen, oft auch ihre ganzen Koffer geben. Diese brachte er dann in ein Restaurant und stellte sie unter. Wenn nun sein Opfer draußen auf seine Rückkehr wartete, ging er wieder zu dem Lokal, holt- das Pfand ab und ging damit schnurstracks zu einem Trödler und versetzte es. Schon seit November v. I. waren Be- amte des Kriminalkommissars Kuhn hinter dem Gauner her. Sie verständigten auch die Pförtner der Warenhäuser. Diese paßten auch genau auf und so gelang cS vorgestern, den langgesuchten Gauner zu erwischen. Ein Pförtner schöpfte Verdacht und hielt den Mann fest, bis zwei Kriminalbeamte, die schon hinter ihm her waren, erschienen und ihn verhafteten. Auf dem Polizeipräsidium wurden dem alten Schwindler 14 dieser Fälle nachgewiesen, die er auch einräumte. Wahrscheinlich hat er aber noch eine ganze JJicihe derartiger Betrügereien auf dein Kerbholz. In den einzelnen Fällen erbeutete er Beträge bis zu 100 M. Geschädigte, die noch keine An» zeige erstattet haben, wollen sich im Zimmer 1l)3 des Polizei» Präsidiums oder auf ihrem Polizeirevier melden. Eine Licbestragödie. In große Aufregung versetzt wurden gestern abend die Be- wohner des Hauses Bandelstr. 4. Dort verletzte die 34 Jahre alte Lageristin Luise Röhl vorn Luisenufer 46 ihren Geliebten, den 3ö Jahre alten Apotheker Hugo Cohn aus der Bandelstr. 4 durch einen Schuß in den Kopf und tötete sich, nachdem sie noch eine Kugel abgefeuert hatte, die ihr Ziel verfehlte, selbst durch einen Schuß in den Rund, lieber die Tragödie geht uns folgender Be- richi zu: Der Apotheker Cohn unterhielt seit mehr als zwei Jahren mit der Lagaristin Röhl ein Liebesverhältnis. Das Mädchen war öfter stellungslos und erhielt von ihrem Geliebten eine monatliche Unier- stützung von 86 M. Nach Angab« des Apothekers war er im Laufe der Zeit zu dem Entschluß gekommen, daß er die Geliölite nicht heiraten könne. Dies teilte er auch dem Mädchen mit, daS von einer Lösung des Verhältnisses jedoch nichts wissen wollte. Gestern hatte er ihr einen Rohrpostbrief geschrieben und darin seinen Eni- schlutz ihr nochmals mitgeteilt. Daraufhin begab sich die Lageristin mit ihrer Scluvester nach der Wohnung des Cohn, traf diesen aber: nicht an, weil er bei seiner Mutter weilt«. Erst abends kurz nach 6 Uhr suchte er sein Zimmer, ein möbliertes Flurzimmer im dritten Stock des Hauses, das er erst seit acht Tagen bewohnte, auf. Auf der Treppe wurde er von beiden Schwestern empfangen, und alle drei begaben sich in sein Zimmer. Cohn und seine Geliebt-: baten deren Begleiterin, sich zu entfernen, weil sie allein sprechen wollten. Di« Unterredung drehte sich um die Lösung des Verhältnisses, und als beide etwa eine halbe Stunde miteinander ge- sprachen hatten, wollten sie zusammen heruntergehen. Fräulein Röhl hatte noch nicht abgelegt. Während nun Herr Cohn seinen Mantel anzog, erbot sich seine frühere Geliebte, scheinbar ganz ruhig, ihm zu helfen. Kaum war sie jedoch hinter seinen Rücken getveien, als sie einen bisher versteckt gehaltenen Revolver hervor- zog und mit der rechten Hand einen Schuß aus Cohn abgab, der ungefähr einen Finger breit vor dem Ohr die Wange streifte und dann in den Kopf eindrang. Als sich jetzt der Getroffene znr Wehr setzt«, feuerte das Mädchen einen zweiten Schuß ab, der in die Tür ging. Jetzt richtet« sie die Waffe auf sich selbst. Cohn, in der Mei- nung, daß sie weiter auf ihn schieße, drängte sie zur Tür hinaus und schlug sie zu. In demselben Augenblick krachte der dritte Schuß, mit dem sich das Mädchen durch einen Schuß in den Mund entleibte. Sie fiel auf dem Korridor leblos nieder, während ein Teil ihrer Boa zwischen die Tür geklemmt wurde. Auf die Schüsse und den Lärm Cohns hin waren die Hausbewohner herbeigeeilt, die sofort einen Arzt holten, der bei dem Mädchen aber nur noch den Tod feststellen konnte und dem Apotheker einen Verband anlegte. Fabritbrand. Ein gefährlicher Fabrikbrand kam gestern (Sonntag) abend kurz nach 6 Uhr in der N o st i z st r a h e 30 im Südwesten Berlins zum Ausbruch, Auf dem Grundstück befindet sich die Seifenfabrik von Spielhagen G. m. b. H., die ihrq Fabrikations- und Lagerräume in einem langgestreckten eineinhalb, iiöckigen Gebäude untergebracht hat. DaS Feuer entstand im rechten Flügel in der im Parterregeschoß gelegenen Siederei und war, als eS bemerkt wurde, durch eine TranSmissionSöffnung auch schon auf den ersten Stock übergesprungen, wo die Seifenschneiderei und ein großer Lagerraum liegt. Der Löschangriff erfolgte mit 7 Schlauch- leitungen. und zwar drangen die Rohrsühror über zwei mechanistbe Leitern und mehrere Steckleitergänge gegen das �euec vor. In verhältnismäßig kurzer Zeit gelang es den Löschmannschaften, den Brand zum Stehen zu bringen. Die bollständige Ablöschung mit den Aufräumungsarbeiten zog sich aber bis in die Nachtstunden hinein hin. Die Ursache des Feuers konnte nicht ermittelt werden, Die Sturmflut. Köslin, 11. Januar. Hierher ist die Nachricht sielangt. daß es der hundertköpfigen Einwohnerschaft von Damterort gelungen sei, sich einen Weg nach dem benachbarten Dorfe Steinort zu bahnen: dort sei sie von den Steinorter Fischern hilfsbereit aufgenommen worden. XTbeater* Montag, 12. Janaar 1914. Ansang 6 vbr. (fiurS Palast am Zoo. Variete Lichtspiele. Anfang ZV, Mr. CineSNollendorf-Theater.ZZarieto Lichtspiele. Ansang 7 Mr. Lperahaus. Parstfal. Anfang 71;, nsr. Deutsches. Hamlet. Lessing. Peer(Kynt. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumau». Galavorstellung Aniang 8 lldr. Urania. Mit Ballon und Flugzeug über Berg und Tal. Kgl. Schausvielbaus. Der kraus manu von Venedig. Deutsches Opernhaus. Fidelio. tlöniggraver Ttrafie. Die kkron� braut. Samuieripiele. Frühlings Er wachcit. Deutsches Schauspielhaus. Wer zuletzt lacht. Susiipielbaus. Die spanische Fliege. MantiS Operetten. Die verbotene Stadt. Deutsches Künstler- Theater. Aufsührung Elizabeth Duncau schule. Schiller«. König Lear. Schiller Charlottenburg. Meyers. Theater am Nollendorfplay. Freddy und Tcddh. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mal. ktomödienhaus. Hinter Mauern. «leiiicS. Jettchcn Gebert. Triano«. Anatoles Hochzeit. Tlioiia. Die Taiigoprinzclsut. Residenz. Hoheit— der Franz. Mctropol. Die Reise um die Well in 40 Tagen. Friedrich. Wilhelmstädtisches. Die Kinolönigin. Rose. Der Schürzenjäger. tlasino. Ferdinand der Tugend hafte. Herruseld. Was sagen Sie zu Lcibusch? Reichshallru. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitälen. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnie. Anfang S>/. Ubr. Luisen. Deines Bruders Weib. Walhalla. Wolkcnbummlcr. Folies Cavrice. Der Kuckuck. Manöverschwindel. Die Samuels. Anfang 8'/, Ubr. NcueS Bolksthrater. Krämer. Anfang S Adr. Admiralspalast. Die luitige Puppe. Berliner Eispalast. Eissport. CiuesNollendorf-Theitter.Varicts- Lichstpiele. »» » Sternwarte, Jnvalidenstr. S7— S2 Michael KöPeuiScr Str. 60/61. 49Sb- Lieferant aller Krankenkassen. :: Erstklassige Briketts:: 1000 Stock M. S. Halbsteine M. 0.80, Gaskoks 1 I M. 1.75, Steinkohlen M. 1.75. ■' V Brennholz.■■[ {Michel-Brikett-Veitrieb I Xenkölln.TelephonlslOj Knesebeckstr. 14S. fiuctifiandiüng Vorwärts lilndensitr. 69. f und in Preußen. Preis 20 Pf. Ein unentbehrlicher Ratgeber für alle, die aus der Kirche auszu. treten beabsichtigen oder die Uber das geltende Kirchensteuerrecht Auskunft wünschen. Auch durch die..Vorwärts"- Ausgabestellen zu beziehen. Stoffe fDr eic9. Wanzüge, Paletots Meter 11.5,7,9 Kostüm- und Ulsterstoffe Mtr. Jg. 3, 4,§ Persianer ümt. Plüsche 130 ÄJÄ.?50�0 Seiden-Seal FrimaSr 3115 fiamentncheHeter K. 3,4,5 Tuchlagsr Koch& Seeland G. m. b. H. 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Bezirk Belnickendorf Ost: Provmzstr. 74, bei Otto Brückner, Donnerstag, den 22. Januar. Bezirk IKentrnra:{Bartenftr. 10."�;06, bei Hermann Dusedean, Donnerstag, den 22. Januar. Bezirkest ist 24 Seiten stark und bringt neben dem illustrierten Kauplroman weitere Novellen, Erzählungen, Aufsätze,Skizzen und Notizen aus allen Wissensgebieten, zum Test mit Bildern. Eine kleine Ecke in jeder Nummer—„Scherz und Satire"— sorgt fürsLachen. Wöchentlich erscheint einSeft zum Preise von l v Pfennig. Mit dem letzten Äest jedes Äalbjahresbandes liefert der Verlag den Abonnenten einkünstlerischausgeführtesBild(Wandschmuck)vollstäudiggratis. Parteigenossen und Genossinnen! Werbt mit uns für eine weitere Einschränkung der Schundliteratur! Abonniert Eure Romanbibliothek „In Freien Stunden" und agitiert bei Euren Freunden, in Seim, Werkstatt und Fabrik für sie! Im ersten Kalbjahr 1914 gelangen folgende Romane zum Abdruck: Der Amerika-Iohann. Ein Bauernroman von Felix Moeschlin. Mit 69 Bildern von Mar Fabian.— Asmus Sempers Jugend» land. Der Roman einer Kindheit von Otto Ernst. An kleineren Beiträgen sind u. a. in Aussicht genommen: Pauls merkwürdigste Nacht. Von Friedrich Kebbel.— Chinesische Tugenden. Von E. Osten.— Heilwirkung der Fußbäder. Von Dr. Otto Gotthilf.— Männliche„Kindermädchen" unter den Wirbeltieren(illustriert). Von Dr. Georg Stehli.— Und viele andere Aufsähe und Erzählungen. Der Unterzeichnete bestellt bei der Buchhandlung„Vorwärts", Lindenstr.(39"_,. ,, „In Freien Stunden" nebst einer Gratis-Kunstbeilage zum Preise von 10 Pfennig wöchent- lich frei ins Äaus. Name:_______—-- Ort:. Wohnung: Dieser Bestellschein kann auch dem Zeitungsbolen mitgegeben werden. aanimniiiopiin� "verantw. Redakteur: Ernst Reyer, Skrgütz. Infetdetrtcil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Beklag: iSorwärtsBuchdr.». Verlagsanstalt Paul Singer ä: C., Berlin SW. Hierzu 1 Beilege. m UM,« WM i>es Awirls" Krrlim MsM i,.-..»».«« Der Gberjt vor öer Zronöe. Einst wollte ich mit öen Sozialüemokraten fertig werten, jetzt werbe ich nicht mal mit dir fertig. der Revolver. Von Hermann Wagner. ES lvar schon lang- meine Absicht, jene Leute, denen meine bürgerliche Existenz ein Rätsel ist, darüber aufzuklären, wovon ich lebe. Die Verwirklichung dieser Absicht ist mir nachgerade zu einem Bedürfnis geworden, das länger ungestillt zu lassen mir nicht rat- sam erscheint. Es ist, so denke ich, hohe Zeit, daß den Gerüchten über Art und Höhe meines Einkommens ein Ende bereitet werde. Nicht nur der fanatische Drang. Wahrk?cit und Licht über meine Person zu verbreiten, auszusprechen, was ist, und es womöglich ohne zu stottern auszusprechen— nein, auch persönlicher Stolz, pure Sxlbstachtung treiben mich dazu. Ich will nicht länger als einer gelten, den die Steuerbehörde » priori aus ihren Kalkulationen ausschaltet! Und wenn ich schon zugebe, daß Raub und Erpressung die Ouellcn sind, aus denen ich schöpsc, so will ich doch auch betont wissen, daß sie sich lohnen I » Welchem System, welcher Lebensmaxime ich meine Erfolge verdanke? Schon in früher Jugend sah ich ein, daß, wenn ich vorwärts kommen wollte ich weniger auf meine Intelligenz als auf die Dummheit der anderen bauen müsse. Nicht daß ich bescheidener- oder zaghafterweisc meine Intelli- genz jemals zu niedrig eingeschätzt Härtel Aber wie winzig, so sagte ich mir, ist all deine Geriebenheit, wenn du fte mit den riescnhasten Dimensionen des Stumpfsinns der anderen vergleichst! Mußte es nicht lukrativer sein, sich anstatt an jene, gleich im vorhinein an diesen zu halten? « Trotzdem waren die ersten Schritte, die ich in dieser Richtung nnternabm, mehr ein Stolpern als ein Gehen, und das kam daher, daß ich die richtige Art, der Dummheit an den Leib zu rücken, noch nicht gefunden hatte. Naiverweis- versuchte ich mich zuerst an den Dingen des kleinen Lebens. So vergeudete ich eine Menge geistiger Kraft an Objekten, die ihrer unwürdig waren, indem ich fälschte und stahl, und wenn ich es auch knapp verhindern konnte, daß man mich einsperrte, so mußte ich doch einschen, daß die Dummheit, so groß sie auch sein mochte, mir in allem, was kleinlich, eng und gegenständlich war, uncnd- lich überlegen blieb. Was sollte ich tun? Da die Dummheit im kleinen nicht zu fassen war, gab es nur eine Möglichkeit, ihr beizukommen: den Krieg im großen. Was lag da näher als der Gedanke, daß ich die Finanz- oder die politische Karriere einschlagen mußte? Ganz gewiß wäre mir kein Manko an Skrupellosigkeit hinder. lich gewesen, mich in der einen oder der anderen Weise hervor zutun, und ich zweifle auch heute noch nicht, daß ich einen ge- riebenen Bankdirektor oder einen noch vorurteilsloseren Rcichsrats- abgeordneten und im Anschluß an beide sicher einen noch nie da gewesenen balkanischen Ministerpräsidenten abgegeben hätte. Leider fehlte mir damals als einem kleinen Agenten, der auf Dorfen, gefälschte Viehnährmittel vertrieb, jede Gelegenheit zu einem Anschluß. So griff ich denn kurz entschlossen zu einem Notbehelf und wurde Literat. Es war kein Mißgriff, den ich da tat. Denn wenn es auch äußerlich als pompöser gelten mag, etwa in Serbien Minister zu sein, so ist es sicherlich schon in Bulgarien lukrativer, sich von der Publizistik zu nähren. Das heißt, es hat auch einmal Zeilen gegeben, in denen ein Literat nur von dem letüc, was er schrieb. Es waren sehr magere Zeiten, und die Rechnung damals war ebenso schübig wie einfach: der X griff den 2) an und bekam dafür vom Verlag zwölf Heller pro Zeile. Für eine derart entwürdigende Zumutung hätie ein T von heute nur ein Lächeln des Mitleids: er lebt schon lange nicht mehr von dem, was er schreibt, sondern von dein, was er nicht schreibt! Oder ist die Rechnung nicht viel einfacher und glatter, sich vom D dafür bezahlen zu lassen, daß man den Angriff auf ihn unter- läßt? Reden ist Silber, �schweigen ist Gold. Und die Menschen sind nicht allein dumm, sondern auch eitel und feig, und um mit ihnen fertig zu werden, darf man sich nur nicht scheuen, aus ihrer eigenen Haut jene Riemen zu schneiden, mit denen man sie fesselt. v elcher fln die Herren Hurger! Noch schluchzt Ihr, weil mau bei dem guten, Dem braven Forstuer hart eutschied Und Euer Herz will schier verbluten, Weil es von Reuter leiden ficht. Doch nun kam nach den bösen Wintern Des Mißvergnügens doch der Lenz: Der Reuter trat Euch in den Hiutcrn, Jetzt wird er sicher Exzellenz! Er haute die Zivil-Crapüle, Nun lächelt mild von Falkenhayn Und segnet ihn in dem Gefühle: O selig, ei» Soldat zu sein! Doch Ihr, Ihr Herrn im Burgerkittcl, Erst zahlt Ihr all' die Herrlichkeit, Tann könnt Ihr lahmgehann im Spittel Lobpreisen Deutschlands große Zeit. Sie ritten gegen Euch Attacken, Sie sperrten Euch iu's Hundeloch. Macht alles nichts. Ihr schlagt die Hacken Zusammen und dann zahlt Ihr doch! Sie schreiten frech mit Sporcnrasseln Durch Eure Arbeit, Enre Welt, Ihr rettet sie aus den Schlammasseln Mit Evern Töchtern, Eucrm Geld! Ihr küßt die Hand, die Euch geschlagen, Ihr leckt den Stiefel, der Euch trat, Ter Säbel fährt Euch in den Magen, Ihr lächelt:'S ist halt cm Soldat! So füttert Euer» Popanz weiter, Er frißt Euch schon mit Haut und Haar, Auf einmal habt Ihr tausend Reuter, Wo bisher nur ein eiuz'gcr war. Der Hütt' ja den Verstand verloren, Wenn er de« Rock des König? trägt Und Euch nicht um die Eselsohren Die Fetze« Eurer Recht« schlägt! Ratich. Pin Interview mit öem Zürsten Metternich. Leute, die in diesen Tagen der Familiengruft derer von Metter- nich nahe kamen, flohen erbleichend und schlotternd, denn sie hörten aus der stillen Versammlung hochscliger Fürsken und Grafen ganz deutlich ein vergnügt meckerndes Lachen. Nicht von der Art, wie es in Zaber»(nach einem Regierungserlaß eines Königs aus der Dynastie ManethoS um 2ll>0 v. Chr., dessen Wort- laut noch heute auf einer Pyramide bei Gizeh zu lesen ist) mit langsamem Rösten über einem offenen Feuer bestrast wurde, sondern ein durchaus staatserhaltcndeS, monarchisch gesinntes Lachen, wie es z. B. dem Kaiser im Landwirtschaftsrat entgegen- tönt, wennn er von'nem rausgeschmisscnen Pächter erzählt. Natürlich ist eS Themen« Wenzel Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg, der in seiner pompösen Fürstengrust sich das Lachen nicht verkneifen kann, seit er weiß(durch irgendwelche himmlische Polizeispitzel),>velch prächtig« Früchte sein« Bemühun- gen vom 1ö. Oktober ISA heute noch tragen. Daß mitten im Frie- den«in Oberst eine halbe Stadt verhasten lassen und trotzdem frcigesproch«» werden konnte, weil der Oberst im besten Glauben gehandelt habe, das ließ sich das größte Reaktionsgenie bei Lob- zeiten nicht träumen. Wir nahmen natürlich Veranlassung, unseren Vertreter zu dem verstorbenen Herrn Staatskanzler zu schicken, und Durchlaucht hatte die Freundlichkeit, ihm folgende Mitteilungen zur Verfügung zu stellen:„Was die KabinettSorder(hier konnte Durchlaucht«in mun- tcrcs Lachen nicht unterdrücken) anlangt, so erinnere ich mich noch genau meines Briefes vom 15. Oktober 1820. Ich beschwor Seine Majestät, sich vor den vaterlandslosen Burschen in Acht zu nehmen, die in ihrer Berräterei so weit gingen, mit dem Gedanken einer deutschen Reichsgründung zu spielen. Jawohl, mit solchen Ge- fahren kämpften wir damals und hatten dabei nicht einmal die Rückenstärkung durch bürgerliche Reichstagsfraktionen, die immer im richtigen Augenblick umfallen, che sie gefährlich werden können. Wir waren nur auf unsere Polizei angewiesen, die allerdings ihr Meisterwerk lieferte: in drei Jahren hatte sie alles wegverhaftct, was in der Lage wo«, einen selbständigen Gcdan.'-.l' zu produzieren. Wir hatten erreicht, daß die Monarchen nur von den An- gehörigen so edler Geschlechter umgeben waren, daß Leren Alter schon jede gedankliche Betätigung ausschloß. Das ist das einzige, lvaS Ihr von uns übernommen habt. Ja, wie ich anerkennend sagen muß, Ihr habt durch die Erfindung der-nationalliberalen Partei dies Prinzip in weitere Kreis« getragen. Ihr habt dadurch jeden Gedanken im wohlhabenden Bürgertum von Grund aus unmöglich gemacht und so dem monarchisch«» Gedanken jeden W«g geebnet. Familienzwiste. Just die Geschichte der Hohenzollern lehrt ja, wie unvermeidlich sie sind, mit welcher Sicherheit und Gesetzmäßigkeit sie wiederkehren. Sorgen wir schleunigst dafür, daß sie für den Kurs unserer Politik ihre Bedeutung verlieren. „Stetigkeit der Politik" ist ja ein Schlagwort aller guten Patrioten. Gut, sichern wir die Stetigkeit, indem wir die Mög- lichkeit ausschalten, daß irgendein Thronwechsel sie künftighin erschüttern kann. Sorgen wir auf diese Weise dafür, daß Wilhelms II. auch heute ja noch so aktueller Wunsch vom Jahre 1388 Beachtung finden kann: daß keine Zeitung mehr Grund und Anlaß hat. sich mit den Vorgängen im Hause Hohenzollern zu beschäftigen. das Lieö vom braven Mann. Wie die Zeitungen melden, hat ein Berliner Bürger dem Magistra: Berlin eine Stiftung von 5 Millionen Marl zur Verfügung gestellt, um(etwa in der Herrschaft Lanke) eine Walu- schule für Berliner Kinder zu errichten. Nach dem Urteil von Schulsachverständigen dürften auS den Zinsen diese« großen Kopi- tals etwa 800 bis 400 Kinder jährlich der Wohltat der Stiftung teilhaftig werden können. Man braucht keinen Strich von dem Grundsatz zu weichen, daß die Hilfsbedürftigen nicht mit Wohltaten gefüttert werden sollen, sondern auf Recht ein Anspruch haben; man kann so zu- verlässig wie nur immer möglich davon überzeugt sein, daß das furchtbare Weltmeer des Elends nicht durch persönliche Akte der Menschenliebe trockengelegt melden kann, und man wird doch mit Freuden einräumen müssen, daß hier eine Handlung geschehen ist, die der höchsten Anerkennung wert ist. Das mißtönende Gesckrei unserer industriellen Magnaten nach Erdrosselung der Arbeiterbewegung; dieses Geschrei, das zugleich so brutal und so jammervoll dumm ist. weil es die Bourgeoisie immer wieder den Schröpstünsten der Junker aus- liefert und weil ein moderner Industriestaat ohne eine kraftvoll organisierte Arbeiterbew-gung überhaupt nicht gedacht werden kann— dieses Geschrei also erfüllt immer wieder die Scharf- macherpresse der schwerreichen Leute. Wenn man aber von viel- fachen Millionären hören will, die gemeinnützige Stiftungen großen Stils schaffen oder geschaffen haben, muß man sein Ohr immer noch am ehesten nach Amerika wenden. Unsere Millionär« verraten zwar eine lebhafte Sehnsucht nach allerhand Titeln und Orden; nach dem Bürgerruhm aber, ihrem Vaterland genützt zu haben, verlangt ihre Seele durchaus nicht. Ganz im Gegenteil hat der Krupp-Prozeß gelehrt, daß ein« mil- lionenschwere Firma sich selbst dann nicht scheut, den Staat zu korrumpieren, wenn der Staat ihr bester Auftraggeber ist. Wie sollte auch dieselbe Gesellschaft zu einem Dienst an ihrcni Volk bereit sein, die ihre hart arbeitenden Volksgenossen sesseln möchw. um sie desto sicherer ausbeuten zu können? Aus dieser allgemeinen geistigen Disposition unserer Millio» näre erwachsen dann die blamablen Dinge, die wir immer wieder erleben. Als Liliencron gestorben war, mußte für die Witwe gesammelt werden. Das ein'achste Anstandsgefühl krümmt sich bei diesen immer wiederholten Sammlungen für verdiente Männer oder ihre Angehörigen. Aber das Anstandsgefühl unserer Millio- näre krümmte sich gar nicbt. Ganz im Gegenteil: es erschien in allen Zeitungen ein Bettelaufruf, unter dem die schwersten gol- denen Namen standen. Es wäre für die unterzeichneten Herr- schasten eine Läpperei gewesen, das bißchen Geld zusammenzu- bringen, das die Witwe Liliencrons sichergestellt hätte. Wer Liliencron war ein Dichter, und selbst die schwärzeste Verleumdung kann unseren Millionären nicht nachsagen, daß sie zur deutschen Kultur besonders lebhafte Beziehungen unterhalten. Wenn eS nun aber einen gebe, den zu Ehren sie den Staub des Weges küssen? Dann sind sie auch noch die gleichen. Als kürzlich eine Million für ein Bismarckdenlmal fehlte, sah man wieder die schwersten Millionäre den Bcttelsack vor der Oeffentlichkeit schwin- gen. Nicht einmal für den„Heros des Jahrhunderts" langte es zu einem entscheidenden Griff in die eigene Tasche. Also die Kabinettsorder, dies erfreuliche Produkt der Karls. bader Beschlüsse, besteht natürlich heute noch zu Recht. Ich mutz aber dem sonst recht erfreulichen Obersten von Reuter doch den Vor- Wurf machen, daß er seine historischen Studien zu sehr beschränkte, sonst hätte er einen Regimentsbefehl des Herzogs von Alba aus dem Jahre 1567 finden müssen, in dem ihm das nötig« Verhalten klipp und klar vorgeschrieben war. Tort heißt es ganz deutlich:„soll jeder Bürger, so nicht ein Pfund Goldes zahlt, auch sein HauS und Weib d«m Soldaten offen erhält, insonderheit auf geneigtes Fragen der Herren Offizier« frei antwortet: Ich bin ein bürgerliche,: Lump!, gevierteilt, fein HauS dem Boden gleich gemacht, feine Kinder nach Preußen vertrieben und fein Weib öffentlich aus- geboten werden." Und hat der Herr von Reuter einen Buchstaben von diesen weisen und gerade im Elsaß so sehr angebrachten Vor- schriften befolgt? Nein, leider nein! Dafür hätt' ich ihn ver- urteilt! Und Sie(so wandte sich Durchlaucht ausS leutseligste an unseren Vertreter) Sic. der Sie so flink mit Papier und Feder bei der Hand sind, gehören auch schon längst auf einen ordentlich temperierten Scheiterhaufen, denn laut Beschluß der Heiligen In- quisition unter dem Porsiy des Generalinquisitors Torqucmada vom Jahr 1483 ist Lesen und Schreiben Teufelswerk und wird mit Perlust der ewigen Seligkeit und öffentlicher Verbrennung am Spieß bestraft! Beiz. Dunkelheit. Von Waller von Molo. Die staubige Landstraße schlich, in vielen Krümmungen und Windungen den Hindernissen und Unebenheiten de« Bodens fol- gend. durch die goldgelben Felder, bis sie sich im Walde verlor. Der Abendwind flutet« in rhythmischen Wellen über die Nehren, die reichen Segen trugen, und sang in den Bäumen am Wegrain. Weiße Flecke sahen aus dem Grün der Wälder, das schon hier und da die Farben des Herbstes zeigte. Die einsamen Baucrnhöie träumten im Sonntagabend und fingen aus ihren Giebelscitcn die letzten rötlichen Lichter, die die sinkende Sonne achtlos in den Wald warf.— Die kleine mittelalterlich« Dorftirch« schlief aus ihrov Erdhügel, inmitten der sprossenden Felder und all der Schlum- mernden, die das Leben überwunden hatten und die den Gottes- acker füllten, daß dessen niedere Umfmdigungsmauern unter dem schweren Drang der modernden Knochen zu bersten drohten. DaS graue Baitd der Landstraße war leer und verschwamm. Nur dort, wo der Feldweg kreuzte, sprang ein Hase aus und zeichncte seine zierliche Spur in den Staub. Die Sonne sank tiefer und tiefer. In langsamem, schwerem Trott ton eine Bestalt zum „Während in den Theatern für die Kinder Weihnachts- und Märchcnspiele die freudenbringende Zeit begleiten, bietet M. R. den großen Kindern in der Festhalle eine prunkvolle Schau dar", fängt ein H. S. an. t „Religiöse Stimmungen und der Schatz der Volksmärchen und Sagen sind mehr als alles andere Gemeingut des Volkes. Man begreift, daß aus dem Bedürfnis, den relativ engen Zirkel der rein literarisch Interessierten zu verlassen und in Konkurrenz mit den großen VergnügungSmSchten der modernen Menschheit zu treten, Max Reinhardt und sein Dichter Vollmöllcr sich gerade jenen Kreis der religiösen Vorstellungen sin diesem Fall der katholischen, als dem Zuge zu Mystik und Wunderglaube am entgegenkommendsten) und des Märchens für ihre Zwecke der großen Pantomime dienstbar machten. Man tut Veranstaltungen wie diesen unrecht, wenn man sie literarisch nimmt, sogar schon wenn man sie als Kunst betrachtet. Man muß ihnen von der anderen Seite beizukommen versuchen. Man muß sie als Bundesgenossen im Kampf gegen das durch Zirkus, Varietes und Kino völlig verflachende Geschmacksniveau der Menge ansehen. Immer hat e§ ja diese beiden Arten öffentlicher theatralischer Veranstaltungen gegeben: die Volksbelustigung und -erbauung und die literarische Bühne. Eines kann nicht am andern gemessen werden." Diese Cchauerpantomime hat keinen künstlerischen oder gar literarischen Wert und ist trotzdem ein Bundesgenosse gegen die Ge» schmacksvcrflachung des Volkes? Und das mit Hoftheaterprcisen? Seltsame Logik! Und noch 3 Spalten lang gehtS dann fein um jedes künstlerische Urteil herum, immer mit den süßesten Tönen der Ergriffenheit. In der„Frankfurter Zeitung"— nicht in den „Stimmen aus Maria-Laach"! Ja, wir erleben heute noch Wunder! Kaöiner Kacheln. Es ist ein nicht mehr ungewöhnliches Mittel, sich des Besuchs Wilhelms II. zu versichern, indem man, sei eS ein Aquarium,«in Untergrundbahnhof oder eine Synagoge, ein öffentliches Gebäude mit Kadiner Kacheln auslegt und dann den gekrönten Fabrikanten zur Besichtigung einlädt. Diese im Brand etwas mißratenen, in der Farbe nicht ganz getroffenen und im Ornament vornehm lang- weiligcn Kacheln haben sich bereits zu einem Symbol ausgewachsen und wessen heimischer Herd von ihnen gemauert ist, dessen Loyali- tat kann nicht in Frage gezogen werden. Von Kabinen kommen diese Erzeugnisse eines mehr kunst- freudigen als- sinnigen Monarchen. Aber dieser neueste Kulturort Deutschlands beschränkt sich nicht nur auf die Produktion solch schätzenswerter Byzantinismen, nein, mich die geschmackvollste Fürstenverehrung hat dort eine Stelle gefunden, die man als wahrhaft hervorragend bezeichnen müßte, auch wenn ihr letzter, zu Stein gewordener Hurraschrei nicht ein Kaifer-WilhelmS-Ge- dächtnisturm wäre, errichtet zur ewigen Erinnerung an die ver- bluffende Tatsache, daß ein Wilhelm sich einmal LS Jahre lang als Instrument des Herrn gefühlt habe. Denkmäler bei Lebzeiten sind vor allem bei den Fidschi- insulanern beliebt, in deren heiligem Hain sofort bei der Geburt eine? HäuptlingSsohncs ein mit Zylinder und anderem Kriegs- schmuck gezierter Pfahl errichtet wird. Ob die Anregung zu dem Kadiner Wilhelmsturm in unserer kolonienfrohen Zeit von dort kam. weiß ich nicht; möglich ist eS schon, wenn man sich des ManneS erinnert, in dessen ordensgeschmückter Brust der Gedanke sich zur Tat gestaltete, nämlich deS Herrn von Etzdorf. Vor einem knappen Jahr hat er sich aufs vorteilhafteste bckanntgemacht durch die Art, wie er dem Kaiser über Kadiner Verhältnisse da» berichtete, was dem Monarchen am angenehmsten klang. Daß sich nachher alle» als unrichtig herausstellte, scheint Wilhelm II. seinem getreuen Diener nicht übelgenommen zu haben, wie denn auch die Kosten der Berichtigung(Roter Adler vierter Klasse. AnschaffungSwert 2.30 M.) nicht allzuschwer ins Gewicht fielen. Jetzt aber dürfte auch die letzte Verstimmung zwischen Fürst und Fürstendiener gc- wichen sein, da es dem letzteren huldvollst erlaubt wurde, auf deS Kaisers eigenen Grund und Boden, zu de» Kaisers Ruhm, de» Kaisers Ehrenturm zu errichten. vom Jahrmarkt öes Lebens. Zabern und öie waffentechnlk. Die Vorgänge in Zabern mit ihrem Drum und Dran geben nicht nur dem Satiriker Gelegenheit, seinen Witz an diesem band- baren Stoffe zu prüfen. Nicht nur der Geschichtsschreiber wird das Kriegslage! von Zabern als ein Musterbeispiel deutscher Bürger« freiheit unter Wilhelms II. Negierung in seiner Chronik buchen, auch der Kriegswaffentechniker wird aus den Vorgängen in Zabern mancherlei Anregungen schöpfen. Zabern ist ein Städtchen mit einer Bevölkerung von rund 8000 Einwohnern— Säuglinge, Krüppel und Kran?« mit ein- gerechnet. Diese 8000 Einwohner lachten über den Leutnant Forstner. Sie waren also Reichsfeinde und Rebellen und mußten„zur Strecke gebracht" werden. Um da? zu er- reichen, ließ Oberst v. Reuter 40 000 scharfe Patronen an seine Mannschaften verteilen. Es ergibt sich also auS dieser Tatsache, daß der heutige Stand der Wasfentechnik eZ nur ermöglicht, mit fünf scharfen Patronen einen Rebellen— Säuglinge, Krüppel und Kranke mit eingerechnet— niederzustrecken. Die Ausgaben pro Rebellen sind bei dem schlechten Stande der Finanzen entschieden zu hoch. Ter Waffentechnik bleibt daher das Problem zu lösen, wie mit geringeren Unkosten der gleiche Nutzeffekt zu lösen sei. Zur Prüfung dieser für unser Vaterland äußerst wichtigen Frage wird daher, wie wir aus sicherster Quelle erfahren, in den Neichsetat für 1014 ein NachtragSctat von 23S 462 Mk. eingesetzt werden. Bis zur völligen Lösung des Problems ist der Herr Justizminister erbötig» ein Notgesetz einzubringen, da» das Lachen in Gegenwart preußischer Leutnants bei Todesstrafe verbietet. Er etabUert sich! In dieser Woche wird der sächsische Kronprinz flügge, b. h. er wird 21 Jahre alt und hat sich nach dem Königlichen Haus- gefetz zu„etabliere n". Damit er sich standesgemäß einrichten kann, erhält er aus der Staatskasse einen„EtablierungZheitra-g" von 38 542 Mark. Doch damit kann man natürlich nicht weit kommen, und so wird denn von jetzt ab dem flügge gewordenen jungen Manne ein jährlicher Zuschuß von 125000 Marl gezahlt. Wenn er sich verheiraten muß, erhält er zur noch- maligen standesgemäßen Einrichtung einen weiteren„Etabsierungs- beitrug" von 75 000 Mark. Wenn der junge Mann sich auch etwas einschränken muß, so kann er doch in einer einigermaßen gesicherten Position sich auf daö mühevolle Amt des LandeSvaterS vorbereiten. Zunächst wird er— er ist doch 21 Jahr« alt und kein Prolete— als geborener Gesetzgeber in die sächsische Erste Kammer der Ständeversammlung eintreten. Trinkt Moselwein! Die Sekte der Butzenschetbenlyriker, Sauflieder singenden An» gedenkenS, fristet noch immer ihr sorgloses Dasein. Eine ihrer alleweil feuchtfröhlichen Zierden ist der verflossene Redakteur de» „Kladderadatsch" und BiSinarckbarde Johannes Trojan. Neben. amtlich besang er die Rhein, und Moselweine-> etwa wie der HauSpoete der selig entschlummerten„Goldenen 110" Röcke und Hosen besang. Sotane Reklamedichterei verpflichtet zu keinem Funken Talent, aber sie mag wohl recht einträglich sein; denn Herr Fcdor von Zobeltitz, Romanschreiber von Profession, tummelt seinen Musengaul ja an der Futterkrippe französischer Se'tlelle- reie»— zum größten A erger aller deutschen Schaumwcinsabri- kanten. Trojan ist doch patriotischer. Er besingt ausschließlich Rhein- und Moselmarken. Neulich hat er im„Berliner Tageblatt" für den„Dreizehner" eine«warme Lanze" eingelegt. Ihm leiht er seine Zunge, so oft ihm leckere Tropfengebinde gratis uiS» franko ins Hau? fliegen. Dai Gutachten läßt da nicht auf sich warten— und die schlauen Nebdauern wissen eS schon als Reklamefanfare nutzbringend zu verwertem Und die Firma Moss« hat auch ihren Profit dabei, denn sie bereichert ihre Jnseratenplantagen. So wäscht eine Hand die andere— Geld stinkt nicht. Geld erfreut de» Menschen Herz. Noch einmal also: Der Spender der 5 Millionen Mark wird in allen Parteilagern die verdiente Anerkennung finden. Von unseren reichen Leuten im allgemeinen aber darf man mit einem Wort aus„Wallenstcins Lager" sagen: DaSdenktwie— ein Keifensicder. Zaberner Lehren. DaZ hat nun jeder wohl kapiert, Dazu gehört nicht viel: Der Leutnant ist's, der uns regiert, Und stramm steht das Zivil. Luch lehrte der Prozeß uns scharf, Wenn alles man ermißt, Was man von nun ab nicht mehr darf Und was verboten ist. Drum— wenn'S auch etwas strenge kling'.!— Daß du das Lächeln läßt. Wenn etwa dich was komisch dünkt— Denn sonst nimmt man dich fest! Und daß du nicht den Unfug treibst Und etwa gar zu Zwein Ein Weilchen sinnend stehen bleibst Denn sonst sperrt man dich ein! Sehr bös auch ist'S, wenn du gut hörst Und gar am Ende noch. Was du gehört hast, auch beschwörst— Dann fliegste gleich ins Loch! Vor allem sei kein ArbeitSmann, Der blau im Kittel srieit, Denn wer nichr seinen Gehpelz an, Wird einfach abgeführt I Und wer dagegen schreiben will Beschwerden oder so— Des Reiches Kanzler braucht sie still Und gern für den— Papierkorb. K n u x. das Vunüer. E» gibt noch immer harmlose Gemüter, die da meinen. daS Feuilleton habe nichts mit der Politik zu tun in den Zeitungen. Merken nicht, wie der Kapitalismus in der Kunst, vielleicht in seiner widerlichsten Gestalt, unter der harmlosen Maske der„Mode", die bürgerliche Presse wie im Fluge vor sich auf die Knie zwingt. Das paktiert dann mit dem Tango und mit dem Kino genau so elastisch wie mit der neuesten Malerei, mit dem„Expressionismus". Im Theater ist Herr Max Reinhardt Mode, ob er nun mit Richard Strauß und Hugo von Hofmannsthal oder mit Karl Pollmöller assoziiert auftritt. Ein Mann, der die tüchtigsten Mitglieder seiner Bühne(vielleicht als Reklame für das Deutsche Theater?) an den Kintopp abgibt und ein Märchensiück von Maeterlinck, zu unkennt- lichcn Fetzen vcrschnipfelt, auf allen Provinzbühnen herumzerrt, müßte die Kritik doch mindestens zu einigem Mißtrauen nötigen. Aber nur allzu willfährig wurden die Phrasen der Reklame von der bürgerlichen Presse weitergegeben, und als Reinhardt und der von ihm angestellte Vollmöller mit ihrer katholisch aufgeputzten Zirkuspantomime, dem Mirakel, herauskamen, erreichte der Reinharbtrummel feinen Höhepunkt. In Dresden machte der Hof ostentativ Propaganda für die Kirche im Zirkus, und die Pfaffen zählen die Uebertritte zum Katholizismus nach vielen Hunderten. Wie die kapitalistische Presse auf diese» als Kunst kostümierte Geschäftsuntcrnehmen reagiert, zeigt« sich kürzlich in Frankfurt am Main recht belehrend. Tie sonst so kritisch strenge und anti- klerikale„Frankfurter Zeitung" tönt zu der Wcihnachts- (!) Aufführung wie die Schalmeien der Hirten von Bethlehem so süß. Vorschein, ein müder Mensch, der noch immer seine Bahn zog, der- weil schon die Sonne, die Ewige, zur Ruhe ging. Der schwarze Punkt ward größer und kam der Höh« näher, unablässig folgte der Mann der einsamen Straße; beim Gefälle schrumpfte und bei der Steigung wuchs der Menschenfleck. Doch auch von der anderen Seite, wo die Straße aus dem Walde trat, kam Leben daher. E» war ein« Gruppe Bauern mit zwei öder drei Weibern, die jetzt im Sonntagsstaat den Heimweg suchten. Tie Köpfe waren wirr vom Dunst und Rauch in der engen WirtSstube, wo sie gesessen hatten, seit die Messe zu Ende gewesen. Di« ganze Breite der Straß« nahmen sie ein mit ihren schweren Tritten und dem stickigen Geruch der alten Truhen, in denen ihre Feiertags!! eider während der Woche ruhten. .Ja, ja," sagte die alte Sckiadin und wackelte mit dem silber. weißen Kopf; sie sprach von ihrem medizinischen Nebenberuf: „keine sonst kann„abwenden" wie ich, und ich kann's auch niemand lehren. AnS Köpfend' vom Kranken stellen und ein schnellcS Vater- unser beten, ohne Amen, und dann schnell hinterdrein ein Vater- unser und dreimal daS Kreuz machen und zweimal Amen sagen, das hat noch jeden gesund gemacht, dem ich'? getan Hab'. Slbcr die Augen darf man nicht vom Kranken lassen, sonst Hilft'S nicht." Der Kornbauer wollte noch immer nicht glauben:„Und wenn die Gesundheit dann nicht kommen will, so Hilft'S erst recht nichts?" Tie Schadin bekreuzigte sich„Um Jesu willen! Du bist auch so ein Neumodischer, der nichts glaubt." Der Kornbaucr war ängstlich besorgt, kein„Ncumodiscber" zu sein:„Geh' ich'leicht nicht geradeso in die Kirchen wie Ihr? Geb' ich nicht geradeso meine Eier und Butter dem geistlichen Herrn wie Ihr?" eiferte er und faßte den Hollensteiner beim flatternden Rock.„Tu sag'. Tu mußt's ja wissen, als Vorbeter!" Der Hollensteiner hielt die ausgegangene Pfeife mit den braunen Zehnen fest und wiegte den Kops. Erst ein Rippenstoß de» Korn- baner» löste seine Zunge. „Na ja, ist ja wahr." begann er politisch, als einer, der sich'S als armer K'einhäuSler mit einem Großbauern nicht verderben durfte,„da kann kein Mensch nicht gegen Dich aussagen. Aber Du solltest in der Kirchen bei der Predigt nicht so ungläubig drein. schauen: denken iz was anders als dreinschauen! Ich Hab' mir'» erst heut' denkt, wie Du Dir den Kopf kratzt hast, als der Herr Pfarrer gesagt hat:„Sorget nicht ängstlich für Euer Leben, wai Ihr ess n werdet, noch für Euren Leib, waß Ihr anzi-ben werdet! Ist nicht da« Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels: sie säen nicht, sie ernien nicht, sie sammeln nicht in die Scheuer, und Euer himm- lischer Vater ernähret sie." Gewohnheitsmäßig, in gleichem Tonfall, wie er zu beten gewohnt war. wenn er an der Spitze eines Leichenzuges zog, hatte er die Sätze de» Evangeliums in die Dämmerung geleiert und sah nun mit scheu abwartendem Blick unter den Wimpern seiner Augen hervor aus den Kornbauer. Der war vor Ausregung krebsrot geworden. „Alle Achtung und Demut vor dem geistlichen Herrn: aber wer gebet denn mir Geld und ein Gewand, wenn ich nicht selber mein« Scheuern füllen tat?" Sie zogen schweigend weiter, stolpernde Flecke im Wend, bi» der Winller Sepp, der erst vor drei Wochen geheiratet hatte und doch schon drei Buben hatte, stehen blieb und auf die dunkelnde Straß« zeigte:„Wer ist denn da?" Die Gestalt war näher gekommen und war darum besser zu unterscheiden: wie sie mit langsamen Schritten der Gruppe der Bauern entgegenzog, erwieö sie sich als ein alter, hagerer Mann, der einen Werkelkasten über der schiefen Schulter trug. „Die Gendarmen sollten schärfer aufpassen; geradeso hat der ausgesehen, der meine Erdäpfel vor zwei Jahren vom Felde ge- stöhlen hat," murrt« der Kornbauer. Der Winkler Sepp blies die breit« Brust aus und pfiff ein uralt Soldatenlied, da» er in der Großstadt beim Militär gelernt hatte; eS wollte nicht recht gelingen, weil ihm der Weindunst im Schädel saß, so hob er einen Stein aus und schmiß ihn nach den Krähen am fernen Woldrand. Sie blieben sitzen. Dann nahm er den Sengstschmied unter den Arm und brüllte einen Juchzer durch die stille Abendluft. Der Hollensteiner schlug in die hornharten Hände:„Habt's schon recht, Buben, seid'» nur lustig!" Nun halten sie den Fremden, der. verschlossen wie die nahend« Nacht, herankam, fast erreicht und begannen ihn zu mustern. Ein langer, zausiger Bart flog um die mageren, sonnver- brannten Wangen, der Leierkasten schlug dmmps bei jedem der müden Schritte auf. Am linken Arm trug er einen zusammen. geplappten Sessel, und ein kugelrunder brauner Kopf mit glänzen. den schwarzen Augen sah auS dem bis oben zugeknöpsten groben Lodcnrock, auf dem eine militärische Denkmünze schwankt«. „Haderlump, hergelaufener!" knurrte der Kornbauer. Ohne die gaffenden Blicke der Bauern zu beachten, zog der alte Mann an ihnen vorbei; dem finsteren Tann entgegen, auS dem die Bauern kamen. „Guten Abend, der Herr!" grüßte der Sengstschmied, mit höhnischem Lächeln und beleidigender Demut. Der alte Mann gab keine Antwort, seine Blicke hingen im Staub der Straße; er sah trostlos und ergeben drein. »Ist Dir'leicht's Maul zugewachsen?" schrie der Winkler. Vom alten Kirchlein 6er begann die W-ndglocke zu läuten. daß sich die zitterigen Klänge über die Felder schwangen und mit dem Abendwind davonzogen. Rosiwlden sank die Sonne über dem Rand der Berge und lieh dunkle,'satte Farben dem fernen Wald. Die Bauern rissen die Hüte vom Kopf, mit der hastigen, von Kindesbeinen geübten Bewegung, die, ohne zu denken, Verrichtun- gen des Glaubens unternimmt. Di« alte Schadin zog klappernd die Holzperlcn des Rosenkranzes durch ihre Zahnlücken und hielt die Hände gefaltet. So standen sie schweigend, derweil die friedliche Glocke weiter» schwang und die Grillen am Wegrain ihre eintönige Weise sangen. Als sie fertig waren, sagte der Kornbauer:„Hat der Lump viel- leicht kein' Herrgott?" Der alte Mann war weitergegangen, den Hut auf dem Kopf. Er achtete nicht aus die Rufe der Bauern. „Hut runter!" brüllte der Kornbaucr. sonst hau' ich Dtr'n runter!" Ter Fremde wendete sich nicht um und ging gleichmäßig weiter. Auch als ein spitzer Stein neben ihm in den Sand saust«, drehte er nicht den Kopf. „So eine Tedsünd' für ein' Christenmenschen." jammerte die alte Sckiadin,„nimmt den Hut nicht ab beim heiligen Abendläuten!" Der Wind hob einen Zipfel vom Rock de» alten Manne», daß eine rote gestickt« Gurdbinde sichtbar wurde. „Ah, ist'S um die Zeit!" johlte der Winkler,„ein.Roter", ein Sozialist 1" „Einer, der kein Herrgott hat und'S Geld von den andern will?" schrie der Kornbaucr.„Wart, Haderlump, verdächtiger." Und gebückt fuhr er mit den Händen in den Straßengraben nach Wurfsteinen. Vorher schrie er noch einmal:„Hut'runterl* Schon flogen andere Steine und trafen. LautloS fiel der alte Mann zu Boden, während de? kleine Affe, der bisher aus dem Lodenrock de» Alten gesehen hatte, auf die Straß« sprang und grinsend in den mißsarbigen Feldern das Weite suchte. „Marie und Joses." kreischte die Schadin.„Mannerleut' Ihr habt'S ihn'troffen!" Noch standen sie mit den zackigen Steinen in den Händen« die Hüte unter den Armen eingeklemmt. „DaS muß Dein Stein g'wesen seilt, Sengstschmied!" ntut« melte der Winkler. „Und Deiner ch' auch!" gab der zurück. Mit Holpern unv Beten kam die alte Schadin zum Gestürzten, der regungslos lag. In dünnem Bach floß das Blut au» dse Stirnwunde. Mit ihren zitterigen, gichtifchen Fingern nestelt« dt« Alte am Halse de» Gestürzten herum. Di« Abendglocke Nong friedlich. DaS alte Weib schrie auf. Der geöffnete Rdk de» Bewußt. kosen ließ im letzten Licht des Tage» eine kleine Blechtafel sehen. die über der Brust hing. Mit weihen, verkratzten Lettern stanttz gerade noch zu lesen, aus dem schwarzlackierten Grunde:„Man bittet um milde Gaben für den taubstummen Ludwig Huber� Veteranen von Custozza". Jäh sank die Nacht, die Mendgsocke klang weiter. ..Vll dem, toii3 Z>aZ Herz erfreut— sagt der ReTIametrcmpeter Trajan so unbändig tiessinnig— muß uns ja in unserer Zeit ganz besonders gelegen sein." WaS wcisi der weinsclige„Kladde- rada!sch"-Onkel a. D. von Warnemünde und das Moffcblatt auch !>on Noltselend. Ja, wenn die Arbeiter weder Brot noch Milch haben, warum trinken sie dann nicht Trojans echte Moselmarke?! Schmerzlose Hehanölung. Tie Mordtochnik ist um eine neue bedeutsame Erfindung de- reichert worden. Die bisherigen Versuche, Bomben aus Luftschiffen oder Flugzeugen auf Kriegsschiffe zu werfen, sollen gezeigt haben. dag die Bomben nur wenig Schaden anrichten. Der österreichische General T i l s ch k e r t hat daher eine neue Bombe kon- struiert, die in ihrem Kerne 3 0 Kilogramm Thermit und ö 0 K i l o g r a in m Arsenik enthält. Bei der Explosion ent- wickelt das Thermit eine so ungeheure Hitze, daß das Arsenik sich in ein ä u ß e r st giftiges Gas verwandelt. Die entwickelten Gase verbreiten sich durch den Luftzug über das ganze Teck, dringen durch alle Oeffnungen und betäuben und töten alles, was sie auf ihrem Vernichtungszuge finden. Ein von der menschenfreundlichen Erfindung entzückter Herr v. S. preist in der„B. Z. a. M." sie also: ..Der Tod soll rasch und schmerzlos erfolgen, so daß die neue Bombe in gewisser Hinsicht humaner wirkt, als die jetzigen Geschosse, die aus den Geschützen der- feuert werden." Ter Gemütsathlet hat noch vergessen, zu erwähnen, daß die neue Bombe im Gebrauch auch sparsam wirkt. Alle die recht überflüssigen Ausgaben für S a n i t ä t s w c s e n, V n V a l i d e ii p e n s i o n und dcrgl. würden sich bei obligatorischer Einführung der neuen Bombe erübrigen. Etwas für tzerrn v. Sethmann. Ein nachahmenswertes Beispiel hat allen staatlichen Finanz. gcuics der mexikanische Rcbellcngeneral Villa gegeben. Zur Auf- frischung seiner erschöpften Kriegskasse hat er mit dem Präsidenten des, amerikanischen Kinematographentrnsts Aitwin einen Vertrag abgeschlogen, wonach er sich verpflichtet, gegen entsprechende Hono- ricruiig den Operateuren des Trusts wöchentlich eine bestimmte Anzahl kriegerischer Szenen vor das Lbjektiv zu bringen. Das ist geradezu ein Fingerzeig des Himmels. Wir können der ReichSregierung nur empfehlen, diesem mexikanischen Vorbild nachzueifern und bedeutende Zeitereignisse auf den Film zu bringen. Wenn man bcispielsiveise die Zaberner Vorgänge durch einen Operateure kurbeln ließe und die Kientöppe zum Staatsmonopol Machte, kämen ivahrscheinlich Summen ein, die die Erhebung des Wehrbeiirags— laß rinnen die Träne, laß rinnen!— überflüssig 'nacht. Hoffentlich gedenkt man bei der finanziellen Ausbeutung dieses genialen Vorschlages auch des Schreibers und Entdeckers der zeitgemäßen Idee! Nur nicht so tun. Ein Deutsch-Bölkischer hat sich in einer mitteldeutschen Uni versitätsstadt einen langen Abend im Hotel geödet, weil er in den Weizgiiügungsinseraien der örtlichen Zeitungen nur recht zweifel Raste Anpreisungen vorfand. Seinen Schmerz über den Tiefftand der Kultur klagt er in der„Staatsbürger-Zeitung", die auch unter ihrem neuen Herrn Rudolf Lebius— die Herrlichkeit hat bald ein Ende— unentwegt in deutsch-völkischer Kultur macht. Und Wie schauen die edlen Genüsse aus, die in der gleichen Rummer die„Staatsbürger" ihren 3000 Lesern anpreist? Ein Inserat, das den vierten Teil des Vergnügungsanzeigers aus- macht, preist das 3-Nächte-Tanzen im„R a t t e n s ch l o ß" an. »Fledermaus",., St a ch t f a l t e r", ,. W e i d e u h o s", „S ch l e m m e r k e l l e r" und andere Erholungsstätten von den Anurengungen deutsch-völkischer Kultur sorgen für reichliche Aus- Wahl.„Stach der Ankündigung eines einigermaßen annehmbaren Konzerts oder Vortrages oder dergleichen" wird man auch hier vergeblich suchen, es müßte denn fein, daß man Mr. Meschugge kultivieren will. Die Sturmflut. Die bereits gemeldet worden ist, hat die letzte Sturmflut der Ostsee, die vor drei Tagen einsetzte, einen furrUbaren, noch gar nicht zn übersehenden Schaden angerichtet. Turch diese Katastrophe, der schwersten seit dem Jahre 1872, sind an der ganzen Ostseekiiste, namentlich am Stettiner Haff uird an der Rügenwalder Bucht, Hunderte von Fischer- und B a u e r n s a m i l i e n auf das schwerste geschädigt und zum Teil gänzlich ruiniert worden. Ter Viehbestand ist vernichtet und die Leute haben die Häuser geräumt, die der unwiderstehlich heranbransenden«oee zum Opfer gefallen sind. Kiislin, 11. Januar. Das gestern zur Rettung der durch das Hochwasser bedrohten Einwohner von Damkerort ausgesandte Misttär wurde von der Station Schübben-Zanow mit Wagen ab- geholt. Die Mannschaften versuchten von Wussecken aus über Eventin-Al'bau nach dem Knasterwald vorzudringen. Da das Wasser aber gestiegen war und die dünne Eisdecke brach, so der- sanken die Mannschaften bis zu den Hüften in den Fluten. Die Mannschaften mußten deshalb die Nacht über in Repkow und Wussecken einquartiert werden. Einem Fischer und einem Jour- nalistcn gelang es, bis zum Laascr Vorwerk und der Hütte des Tagelöhners Prohl vorzudringen, der seit Tagen von aller Welt abgeschnitten ist. Vom Prohlschen Hause aus drangen beide über die überschwemmte Landzunge zwischen dem Buckower und Ja- niünder See weiter vor, indem sie aus allen Vieren krochen, um nicht in der dünnen Eisdecke einzubrechen. Das ganze Laaser Vorwerk war bis ans ein Haus geräumt. Das Wasser stand fuß- b o ch in den Stuben. Einem Dceper Eigentümer war es ge- lungen, mit seinem Sohne nach vierstündiger, mühevoller Arbeit, bis an den Hals im Wasser watend, nach Damkerort vorzudringen. Sie fanden dort auf der höchsten Düne die ganze Einwohnerschaft vor. Diese hatte die Nacht in dumpfer Verzwcif- luug, in dem westlichen Gehöft des Dorfes zusammengepfercht, ver- wrackt. Gegen''�ben Ahr morgens kehrte der E'�-mtümer in eine? Boot unter großen Schwierigkeiten nach Laase zurück. Infolge des großen Zuflusses aus dem Buckowcr See steigt das Wasser deS Jamunder Sees andauernd. Falls der Wind von Osten nach Weste» unispringen sollte, dürfte die Situation für Laase sehr gefährlich werden. Heute früh versuchte das Militär, bis Laase vorzudringen. was ihm aber nicht gelang. Der Rand des Sees, auf dem die Boote liegen, ist eingefroren, so daß diese nicht gebrauchsfähig sind. — Aus K o l b e r g wird gemeldet, daß ein Teil der Strand- Promenade von der See weggerissen ist. Tic Pcrsante zeigt Hoch- Wasser, ist jedoch im Fallen begriffen. Die Watdenfelsschanze, die stark ins Meer vorspringt, ist von den Verheerungen nicht so stark mitgenommen wie bei der letzten Sturmflut. Bis Rügenwalder- münde ist die Telephonvcrbindung gestört. Man kann daher nichts über Verheerungen an der dortigen Küste erfahren. Bericht«nrS Augenzeugen. Ein Augenzeuge gibt von den Verheerungen des Hochwassers an der Ostseeküste folgende Schilderung: Ich fuhr heute nach- mittag mit der Strandbahn über Groß-Möllcn nach Nest. Schon hier standen alle Wiesen in der Nähe der Chaussee zu beiden Seiten derselben unter Wasser. Die Chaussee selbst war wasserfrei. In Stest standen die Häuser nach Deep zu schon im Wasser. Der Weg wurde jetzt gefahrvoll. Verschiedentlich brach ich sußtief e i n. Ich versuchte bis Deev scrzudringen, iaoch erwies sich dies als gänzlich unmöglich. Das Wasser aus der Jamunder Seite war zu- gefroren und auch bei Puddensdorf und Wussecken schien der See zugefroren zu sein. Bei Nest und Groß-Möllen war Treibeis. Ich wandte mich dann der Ostsee zu, die bereits stark zurückgetreten ist. Es herrscht bedeutende Brandung, doch war dic See nicht mehr so reißend wie gestern und vorgestern. Ich versuchte nach Laase zu kommen, mußte jedoch vor Deep umkehren. Aus dem Tief, bis zu dem ich kam, strömte viel Wasser in die Ostsee zurück, ein Zeichen, daß das Wasser aus dem Jamunder Se zurückflutet. Der Sturm war wesentlich abgeflaut, es wehte nur ein leichter Nordostwind. Viele Badehütten sind weggeschwemmt. Von den Dünen sind stellenweise Stücke von 10 bis 20 Meter weggerissen. Die Groß-Möllcncr Badeanstalten sind sehr beschädigt. Die Strand- terrassen sind vollständig mit Sand überzogen. Durch angc- schwemmte Sandmassen ist der Strand erhöht worden. Auf der Strandbahn nach Groß-Möllen herrschte starker Verkehr. Bei Streitz ist ein Wagen entgleist, jedoch sind Personen nicht verunglückt. Von der Rettungsexpedition des Infanterieregiments Nr. öl sind zehn Mann mit dem Leutnant in den Jamunder See eingebrochen, so daß sie bis zum Hals im Wasser standen. Von Damkerort konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Spiel unö Sport. Wie die Jünger Jahns agitieren wollen! Jungdeutschland jubiliert über die großen Erfolge von 1913! Fahrpreisermäßigungen, LKi-Millionensonds, Militärquarticre usw haben den vaterländischen Turnern und Sportlern große Vorteile gebracht. 1914 sollen nach einer neuesten Verfügung des preußischen Kultusministers, der sich die Kultusministerien der anderen Bundes- staaten anschließen werden, auch die Schulen für den Jungdeutsch- landbund mobil gemacht werden, damit in einigen Jahren die gesamte deutsche Jugend milttärfromm und vaterländisch erzogen ist. Wenn dann die alte Generation ausgestorben ist, dann ist freie Bahn für die Reaktion und alle Rückschrittler können auss atmen: Lieb Vaterland, magst ruhig sein... Di« Berliner Turner sind aber auf den Geschmack ge- komnien. Die behördliche Gnadensonne und der Bannstrahl gegen die Arbeiterturner genügt ihnen noch nicht. Sie möchten gar zu gern, daß die Berliner Arbeiterschaft, und besonders die Arbeiter- fügend, durch erhöhten Druck der Behörden vollends in den Jung- deutschlandbund hineingepreßt wird. Um zu diesem Ziel zu ge- langen, soll nun auch von den Turnern Terrorismus- Material für die Scharfmacher gesammelt werden. Der größte Verein des Jungdeutschlandbundes, die Berliner Turner schaft, leidet trotz des Korruptionsfonds und der 3000 M. aus der Bleichröderstiftung noch an Geldmangel. Der Beitrag sollte deshalb auf 1 M. bis 1,20 M. pro Monat erhöht werden, was die zum großen Teil aus Arbeitern bestehenden Mitglieder dieses Vereins aber mit lebhafter Entrüstung ablehnten. Nun soll eine lebhaste Agitation unter der Berliner Bevölkerung eingeleitet werden, um die Mitgliederzahl bedeutend zu erhöhen. Das ist das gut« Recht des Vereins, aber die Art und Weise, wie dies geschehen soll, gibt zu lebhaften Bedenken Anlaß. Im neuesten Mitteilungs- blatt dieses Vereins, das uns zur kritischen Würdigung übersandt wurde, ist folgendes zu lesen: „Agitiert auf Euren Arbeitsstätten für den Verein in jeder freien Stunde... Erwidert mir nicht: Ja, wir dürfen es nicht wagen, denn in unserer Fabrik sind nur Genossen, denen wir nicht einmal zu sagen wagen, daß wir Turner sind, denn die Turnerschaft ist als recht patriotisch bekannt und steht in dem Ruf, arbeiterfeindlich zu sein... Glaubt es mir, unsere Leitung kennt nicht den Terrorismus, unter dem Ihr vielfach ans Eurer Arbeitsstätte leidet, deshalb müßt Ihr es erzählen... Auf zur nächsten Hauptversammlung und mitgearbeitet die Wege ebnen, die uns eine Agitation fiir den Verein möglich machen." Das hat gerade noch gefehlt! Nicht genug, daß die Jung- deutschlandbündler alle Vorteile genießen, die ihnen als Kampf- organisation gegen die Arbeiterschaft zustießen, wollen sie nun auch noch Terrorismusmaterial sammeln. Und dann hoffen sie, mit dem Terrorismuswauwau die große Masse derer zu gewinnen, die nun einmal nicht alle werden. Wie uns weiter mitgeteilt wird, haben die Mitglieder seit Jahren gegen die Beteiligung an Hurrafeiern, gegen die üblichen Festgottesdienste usw. protestixrt, jedoch wurden die Opponenten stets scharf von Vorstandsscite zurückgewiesen, so daß sich die frei- heitlichcn Elemente mehr und mehr zurückzogen. Nun hofft man, daß durch eine Veröffentlichung dieses neuesten Streiches im„Vor- wärts" vielleicht doch noch eine Aenderung eintritt. Diese Hoff- nung erscheint uns höchst zweifelhaft, denn der Zweck des Jung- deutschlandbnndcs ist ja eben der Kamps gegen die Arbeiterschaft und die„Erziehung zu vaterländischer und militärbcgcisterter Stimmung", wie es in jeder Nummer der„Deutschen Turnzeitung" zu lesen ist. Deshalb kann allen Arbeitern in diesen Vereinen auch nur aufs neue der alte Spruch zur Beherzigung empfohlen werden: „Bleib bei Deinen Genossen, so wirst Du nicht verstoßen!" Vaterländische Bauchtänze. Unser deutsches Bürgertum hat wahrlich seine Glanzperiode überstanden, wo der Männerstolz vor Königsthronen und ein festes Rückgrat gegenüber den Herren von und zu noch zu den sogenannten Bürgertugenden gehörten. Aber gegenüber den deutschen Turnern sind unsere Spießbürger doch nianchmal noch Helden. Was die„Deutsche Turnzeitung", das Verbandsorgan der Deutschen Turnerschaft, an Byzantinismus, Militärvcrhcrrlichung und-- Denunziation der Arbeiterturner an die Behörden leistet, stellt selbst die Kriegcrvercinc in den Schatren. Tie Folge ist, daß die deutschen Turnvereine sich gegenseitig durch Hurrafeiern, vaterländische Theaterstücke usw. zu"überbieten suchen, um die Gunst hoher und höchster Herrschaften zu gewinnen. Man lese z. B. folgende Aufforderung in einer der letzten Nummern der „Deutschen Turnzeitung": „Unser Verein, der sehr b e st r e b t ist, das beson- ders den oberen Gesellschaftsschichten in hiesiger Stadt fehlende Interesse für unsere gute Sache wachzurufen, will ein historisches aus der Zeit der Befreiungskriege handelndes dramatisches Werk zur Vorführung bringen. Zu diesem Zwecke benötigen wir Uniformen, vornehmlich Lützowscher Jäger(Körner, Friesen usw.). Wer von unseren Brudervereinen könnte uns derartige Uniformen billig leihweise überlassen? UnKre Geldmittel sind beschränkt, eine Anregung, wie die gedachte, hier aber dringend er- wünscht." Also den„oberen Gesellschaftsschichten" soll das„fehlende Interesse" für das Turnen beigebracht werden, aber beileibe nicht etwa durch Propagierung der großen Vorteile des Turnens für die Volksgesundheit— darauf pfeifen die„oberen Ge- sellschaftsschichten"—, sondern durch ein großes hurrapatrionsches Speftakelstück mit Äricgsbcgcisternng, Königsanhochung und dem Schlußrefrain: Teutschland, Deutschland über alles! Oder täuschen wir uns? Will man vielleicht i:n Turnvater Jahn darstellen, wie er im Gefängnis sitzt und nicht einmal an das Sterbebett seiner Kinder eilen darf? Das sind die Epigonen Jahns von heute? Brutal nach unten gegen die Bestrebungen der Arbeiterschaft, und vaterländische Bauchtänze in allen Vcrciätionen, um ine Gunst der„oberen Ge- sellschaftsschichten" zu erringen. Das Sechstagerennen verboten! Von wem? Diesmal nicht von der Polizei, sondern vom— Kultusministerium. Besteht da so für die AusstellungS- hallen am Zoo irgend ein Einspruchsrecht des Ministeriums gegen Veranstaltungen aller Art in diesen Räumen, und nun erst, nach- dem die Polizei ihre Erlaubnis gegeben hat, auch alle Verträge ab- geschlossen und alle Vorbereitungen getroffen sind, tritt plötzlich das Kultusministerium dazwischen. Man wird es ja nicht gerade zu be- dauern haben, wenn der Berliner Sechstagerummel, der unter Hintansetzung wirklichen Sports immer mehr zu einer nächtlichen Orgie der IVIV-Welt ausartete, endlich aufhört. Trotzdem ist die Art und Weise, wie hier die Behörde eingreift und großen wirt- schaftlichen Schaden anrichtet, nicht zu billigen. Das Einspruchs- recht, wenn es überhaupt zu Recht besteht, hätte viel früher aus- geübt werden müssen. Fußballrcsultate. Borussia gegen Fichte 17 2: 1 für Borussia. Fichte 3 gegen Neuhellas 3. 0 für Ncuhellas. Vorwärts gegen Rummelsburg 1: 0 für Rummelsburg. Fichte 7 gegen Schöneberg 3: 1 für Fichte 7. V. S. B. gegen R. B. C. 4: 0 für R. B. C. Nlemania gegen Liberia 11: 0 für Alemania. Fichte 17 2. Mannfch. gegen Adler 3. Mannfch. 4; 0 für Fichte 17. Sperber 1 gegen Stralauer Ballspielklub 2: 1 für Sperber. Rüstig-Vorwärts gegen Neukölln 7: 2 für Neukölln. Tempelhof-Mariendorf gegen Rapid 17:1 ftir Tempelhos-Maricndorf. Fichte 5 gegen Fichte 4 2: 1 für Fichte 5. Fichte 7 gegen Frohauf 4:0 für Fichte 7. Fichte 7 2. Mannsch. gegen Freie Sportvereinigung 2. Mannsch. 2: 2. /tos aller Welt. Schneesturm in Nustland. Seit zwei Tagen wütet ein furchtbarer Schneesturm über Petersburg. Er droht sich für die Stadt zu einer Katastrophe aus- zuwachsen. Es ist während der letzten Tage nicht mehr möglich ge- Wesen, die Leichen Verstorbener zu beerdigen, da die Kirchhöfe unter einer Schneelast liegen, deren Beseitigung durch Menschen- Hand fast unmöglich ist. Ueber 40 000 Soldaten sind damit bc» schäftigt, wenigstens die Hauptstraßen der Stadt für den absolut notwendigen Passanten- und Wagenvcrkehr frei zu machen. In der Provinz hat das Schneetreiben bereits bO Opfer an Menschenleben gefordert. Ter Eisenbahnverkehr und die Kommunikationen sind vielfach gestört. Zahlreiche Ortschaften sind fast völlig in Schnee begraben. Der Passagier- und Güterverkehr mit Reval mußten vollständig eingestellt werden. In der Nähe von Riga sind zwei, unweit Pskow sieben Eiscnbahnzüge im Schnee stecken geblieben. Die Verbindungen von Kronstadt mit der Küste sind ebenfalls unter» brachen. Alle in Petersburg einlaufenden Eisenbahnzüge treffen mit großen Verspätungen ein. Drohende Hungersnot in Japan. Eine Depesche aus Tokio meldet, daß in den nordöstlichen Pro» vinzen Japans infolge großer Ueber schwemmungcn die Ge» fahr einer Hungersnot besteht. Ganz besonders bedroht ist die Pro- vinz Hokaido; für die gesamte, etwa 9 Millionen Menschen betra- gende Bevölkerung der Probinz ist die Lage verzweifelt. Bergwerksunglück in einer amerikanischen Mine. In der Rock Castle-Kohlenmine in der Nähe von Birmingham in Alaska wurden bei einer Erplosion oWeißeund? schwarze rbeiter getötet. Im Augenblick der Explosion befanden sich über 20» Kohlenarbeiter in dem Bergwerksschacht, jedoch konnten sie sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Als Ursache der Er- plosion wird Selbstentzündung von Kohlenstaub angenommen. Kleine Notizen. Explosion in Lerida. Bei einer Explosion von Dynamit, das in der Nähe eines Feuers getrocknet wurde, wurden vier Ar» beiier getötet und 15 verletzt, darunter mehrere schwer. Paris ohne Licht. Am Sonnabend gegen 7 Uhr versagte in Paris für kurze Zeit die elektrische Beleuchtung im Innern der tadt. Besonders das Viertel um die Madelainc-Kirche war vollkommen in Dunkel gehüllt. Die Ursache war in, einem Defekt an der großen Dynamomaschine zu suchen, der indessen nach einer guten Viertelstunde wieder behoben war. kW Arlieitrrsekretär. Die Stelle des Arbeiterstkretärs in Bamberg ist ab 1. März, evcntl ab 1. April neu zu beietzen. Mit dem Posten ist die Bcrichtcrstattunq für den lokalen Teil der Parteipresse verbunden. Ansangsgchall 2290 Mark, Dicnstjahre können cvcnll. in Anrechnung kommen. ES wird nur auf eine tü-HIige Kraft, die auch rednerisch begabt ist. refleklierk. Offerten bis längstens 1. Februar an Johann Steitz, Bamberg, Färbergasje ß.___________________ Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß unser lieber Sohn, Bruder und Schwager, der Tischler Richard We�tplial, Berlin-Lichtenberg. Wilhelmstrage 18, nach langem, schwerem Leiden am III. Januar im Alter von 27 Jahren sanft verschieden ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Ww. Marie Marquardt, Rudolf Wcstpbal. Wilhelin Tcnzin. Helene Tcnzi», geb. Westphal. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des ZeniralfriedhosS in Friedrichsselde aus statt. �rbeiter-�säkanrer-kunä„öolilklität". Gau 9. Unseren Genossen schmcrzbcwcgt zur Nachricht, daß das Mitglied deS Gauvorftandes, Genosse Richard Westphal am 10. Januar(allst verschieden ist. Wir verlieren in ihm einen treuen, nimmermüden Genoffen. Sem Tod reißl eine schweie Lücke und trauernd flehen wir an der Lahre dieses lieben Freundes. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Letchenholle des städtischen ZenlratfriedhoseS in Friedrichs- selbe statt. Wir ersuchen um rege Beleiligung Der Gauvorstand: I.?l.: W. Teinert. Ter Bezirksvorstand: I.A.: I. Ulbrich. Verantwortlicher Redakteur: Ernst Meyer, Steglitz. Für den Jnjeralemeit veranuo.: Tb. Glocke, xlerUn. Druck u. Vertag. Vorwarl»«vucyoruckerei u. Verlagsaniialt Paul Äinger u.Eo., Berlin KM