Kr. IT. flbonntments-Bcdingnngfn: Abonnemmts- Preis pränumerando! «ierteljährl. S,30 MI, mouatL 1,10 MI, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Sinzeine Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags» Tetlage„Die Neue Welt' 10 Pfa, Post- Tbounement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitmigz- Pretsiistc. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2L0 Marl, für das übrige Ausland . Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kumönien, Schweden und die Schweis. 31. Jahrg. vlchcinl lzgllch. Verliner VolksblAtk. vie snkertionz-eebilhs beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» gelle oder deren üiaum 80 Pm„ für politische und gcwcrlschaftlichc Äereins» und Lersnmmlungs-Slnzeigen 80 Psg, „Kleine Zinrcigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg,(zulässig 2 fettgedruckte Woric), jedes weitere Wort io Pfg. Stellengesuche und Schlafstelle;»». zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Worts Psg, Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Worte, Inserate fitr die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „ScziaMemokrat Rsrllo", Zcntralorgan der rozialdcmokratifchai Partei Dcutfcblands. Redaktton: 8Äl. 68, Lindcnstraesc 69. Fernsprecher: Amt Moriyplati, Nr. 1983. Dienstag, den 13. Januar 1914. Sxpedttlon: SM. 68» �.indenstvasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. Ein bürgerliches Trauerspiel. In dem bürgerlichen Trauerspiel„Die Helden von Zabern" bat sich der Vorhang über den zweiten Akt gesenkt. Der erste hatte mit dein schönen Schlußbild geschlossen, in dem die aufrechten Bürger mannhaft die große Schwurszene stellten, Recht und Gesetz zu schützen immerdar und gegen jeden. Der zweite wirkungsvollere Akt brachte das Gegenspiel. Schwertgeklirr erfüllte die Szene, im Triumph erschienen die Helden und die armseligen Beschützer von Recht und Gesetz enteilten entsetzt in alle Winde. Der Schauplatz des dritten Aktes ist wieder in den Reichs- tag verlegt und dort wird sich das Trauerspiel vollenden. Ter Schlußakt wird recht mäßig sein, denn für eine dramatische EntWickelung ist kein Raum mehr gelassen, der Ausgang schon nach dem zweiten Akt nicht mehr zweifelhaft und die Spannung dahin. Selten ist ein Parlament stärker und übermütiger pro- doziert worden, als der Deutsche Reichstag. Mit übergroßer Mehrheit hatte er der Entnistung über die Zaberner Vor- gänge Ausdruck gegeben. Die zaghaften Sühneversprechungcn des Kanzlers hatte er als völlig unzureichend abgelehnt. Seit- dein hat sich die feudale Kamarilla und die junkerliche Bureankratic sowie das Offizierkorps gegen diesen Beschluß erhoben. In ihrem Geiste haben die Militärrichter die Reuter und Schad und Forstner demonstrativ freigesprochen, haben sie und die anwesenden Generäle die Freigesprochenen beglückwünscht. Als Helden, als leuchtende Vorbilder werden die Gesetzesbrccher von den Spitzen der Bureaukratie und des Offizierkorps gefeiert und Sühne wird verlangt für das Ver- halten der Zivilbehörden, die die Polizei und Gendarmerie nicht rasch genug hauen und stechen ließen, weil die beschimpfte Bevölkerung von Zabern über den' Provokateur zu lachen wagte Der Frcispruch von Straßburg ist aber der feudalen Sippe, die Preußen und von da aus Deutschland regiert, noch nicht genug gewesen. Sic ist nicht zufrieden damit, daß das Osfizierkorps für sich das Recht in Anspruch nehmen darf, nach seinem Gutdünken an Stelle der Gesetze die Herr- schaft des Säbels zu setzen, sie besteht auf ihren Schein und verlangt die offene Demütigung und Erniedrigung des Reichstages. Deshalb der Vorstoß im Herrenhause, deshalb das freche Verlangen, den Reichstag zu einer beratenden Körperschaft zu erniedrigen, die zwar indirekte Steuern be- schließen, aber sonst das Maul zu halten hat. Der Sieg der Soldateska hat die Rcacktion berauscht. In dumpfem Groll lauerte sie schon lange auf den günstigen Moment, diesen Reichstag ihre Macht fühlen zu lassen, in dem 110 Sozial- dcmokraten sitzen imd der es gewagt hat, die finanziellen Rüstungslasten ein einziges Mal nicht nur den Armen, son- dcrn auch den Reichen aufzuerlegen. Jetzt scheint ihr der Augenblick gekommen. Und wie steht es mit der Gegenwehr? Desertion vor der Schlacht, das'ist die Gegenwehr des Bürgertums! Schon während der Prozesse war die Haltung der liberalen Presse erbärmlich. In diesem Reiche, in deni alljährlich Menschenopfer unerhört der Klassenjustiz fallen, in dem streikende Arbeiter wie Wild gehetzt werden, wo für die harmlosesten Aeutzerungen im Namen des Arbeits- Willigenschutzes die schwersten Gefängnisstrafen verhängt werden, wo das Aufsahren von Maschinengewehren bei jedem größeren Streik nachgerade selbstverständlich geworden ist, in diesem Lande jammert die liberale Presse bei dem Gedanken, daß Leute wie Forstner und Reuter am Ende ins Gefängnis sollen, weil sie die Verfassung außer Kraft gefetzt haben, gegen friedliche Bürger Maschinengewehre auffahren, sie ver- haften und einsperren ließen. Und der Oberst, der seinem heißen Wunsch nach Bürgerblut so offenen Ausdruck gibt, ist auch diesen Liberalen eine sympathische Erscheinung. Auf die frechen Provokationen der konservativen Presse antwortet die liberale mit demütigen Verbeugungen vor dem herrlichen Offizierkorps und sie ist empört über den Vorwurf, die ab- solute Komniandogewalt des Kaisers antasten zu wollen/ Und wie die Presse, so die Parteiführer. Vor einigen Tagen erklärte Herr v. P a y e r, der Führer der Fortschritts- Partei, Herrn v. Bethniänn für einen liberalen Besitzstand. Dieser Tapfere, der doch selbst für das Mißtrauensvotum ge- stimmt hat, zittert vor Angst, wer nach Herrn v. Bethmann kommen könnte. Am Ende gar. ein General, ein schneidiger Draufgänger— und dieser Gedanke genügt, um Herrn v. Payer erbeben zu machen. Denn für einen kampfunfähigen Feigling ist jede gegenwärtige Situation erträglicher als die künftige, die seine Angst ihm noch schreckensvoller als die augenblickliche ausmalt. Und so verzichtet der Fortschritts- mann in der Gegenwart auf jede wirksame Opposition aus Furcht vor einer zukünftigen. Kann es danach jemanden Wundern, wenn Herr B a s s e r- mann gerade am Tage des Freispruchs Herrn v. Bethmann preist und dessen Politik als nationalliberal feiert, so daß seine Rede eine einzige Bitte um Vergebung für das Mißverständnis des Mißtrauensvotums darstellt? Und der Feigheit entspricht die Zerfahrenheit und Rat- losigkeit. Während die Konservativen aufs Ganze gehen und, gestützt auf den Knauf des Säbels, ihre Macht als das einzig geltende Recht proklamieren, wissen die verwirrten und er- schreckten Liberalen überhaupt nicht, was sie sagen sollen. Selbst ihr„radikalstes" Blatt, das„Berliner Tageblatt", begnügt sich mit der Forderung, der Reichstag möge die ver- moderte Kabinettsorder von 1820 für ungültig erklären. Als wäre diese Order nicht schon längst ungültig und als käme es überhaupt bei diesem Konflikt auf diesen oder jenen gcsetz- lichen Vorwand für die Proklamierung der Gesetzlosigkeit an. Als würden die Militärrichter, auch wenn jene Kabinettsarder nie in den Archiven entdeckt worden wäre, nicht aus irgend- einem anderen Grunde den Freispruch gefällt haben. Die Gesinnungsgenossen der Jagow und Oldenburg werden sich durch solche Zwirnsfäden doch wirklich nicht fesseln lassen. ' Nein, bei diesem Konflikt handelt es' sich um Ernsteres und'Größeres. Es gilt, die Mach tdes Volkes zum W i d e r st a n d aufzurufen und zu organisieren gegen die Macht des Offizierkorps und der Bureaukratie. Mit Re- solutionen und Parlamentsbeschlüssen allein ist da verflucht wenig zu wollen und am wenigsten mit Parlamentsbeschlüssen, die nicht auf das Entscheidende zielen. Entscheidend ist aber einmal die Existenz der Militärgerichtsbarkeit selbst. Es ist lächerlich, von Militärrichtern zu verlangen, daß sie den Militarismus verurteilen sollen. Sic sind Richter in eigener Sache und Reuter wurde von Reuters freigesprochen. Nicht die Ungültigkeitserklärungen ohnehin ungiiltiger Ver- ordnungen, sondern Beseitigung der Militär- j u st i z, Unterwerfung des Offizierkorps unter das bürger- liche Gericht, das ist die nächste Forderung. Damit aber nicht genug. Der Oberst Reuter ist ja keine vereinzelte Erscheinung. Wie er, denkt und fühlt fast das ganze Offizierkorps. Den Beweis dafür erbringen ja die zahl- losen Solidaritätserklärungen. Und das kann ja auch gar nicht anders sein, solange das Offizierkorps eine privilegierte Kaste ist, die abgeschlossen vom Volke als bevorzugter Stand erhalten wird. Es kann nicht anders sein, solange dieses Offizierkorps aus Schichten rekrutiert wird, die der Volks- freiheit todfeind sind, solange es selbst in den Kadettenanstalten sozusagen auf die bürgerliche Freiheit dressiert wird. Das deutsche Offizierkorps betrachtet sich und muß notwendiger- weise sich bettachten nicht als Funktionär des Volkes, sondern als Schützer und Vorkämpfer der kleinen herrschenden Schicht von Junkern und Großkapitalisten. Deshalb bedarf es einer gründlichen Armeereform, einer umstürzenden De- mokratisierung unserer Hceresverfassung, der Verwandelung der Armee des obersten Kriegsherrn in ein wirkliches Volksheer. Die Forderung der Miliz muß er- hoben werden, nicht nur um Angriffskriege unmöglich zu machen, sondern auch um das Volk in seinen Rechten und Frei- heiten zu schützen. Die Macht des Reichstages kann nur ge- sichert werden, die Grundlagen von Reckst und Gesetz nur be- festigt»oerden, wenn endlich das Volk selbst auch die Verfügung über die bewaffnete Macht erhält. Gegen die Korn- mandogewalt des Kaisers, für das demo- k r a t i sch e Volksheer muß deshalb die Parole lauten. Das sind nun freilich Forderungen, die die liberalen Herrschaften nicht minder ängstigen, als sie die konservativen mit Abscheu erfüllen. Und daher ihre jämmerlkhe Haltung. Denn so oft sie mal aufmucken, so oft sie ihre alten Freiheits- sprüchlein hersagen, schielen sie mit scheuem Blick nach dem gefüllten Geldkasten und fühlen sich in ihrem Gewissen be- drückt. Denn sie meinen es ja nicht so bös, und im Grunde genommen haben sie vor nichts mehr Angst, als daß man ihre Phrasen allzuernst nehmen könnte. Das Wichtigste ist doch der Schutz der Kasse und den sichersten Schutz bietet doch das herrliche Kriegsheer. Und deshalb ist ihnen der Reuter eigentlich sympathisch, deshalb bewundern sie dessen„gerade soldatische Natur", und ihre ganze Differenz mit den Kon- scrvativen reduziert sich schließlich darauf, daß die Kopser- vativen die Reuters immer und überall in Funktion zu sehen wünschen, und die Liberalen nur dann, wenn es sich, um streikende Arbeiter handelt und Polizei und Gendarmeric wirklich versagt haben. Deshalb ist Herr v. Payer sür den augenblicklichen Bethmann und gegen den künstigen General. Haben wir also nicht recht, wenn wir dem dritten Akt des bürgerlichen Trauerspiels, der morgen im Reichstag beginnt, nicht allzuviel Interesse entgegenbringen? Lehreich wird er ja trotzdem werden. Und die Rolle, die wir Sozialdemokraten in diesem Akte zu übernehmen haben, wird nicht die undankbarste sein.•_ Englische preßstimmen über öas Straßburger Urteil. London, 12. Januar.(Privattelegram in des.Vor« wärts".) Die Verhandlungen vor dem Kriegsgerichte sowie die Verkündung der Urteile sind hier mit größter Aufmerksamkeit verfolgt worden. Man kann sagen, daß die„Times" das nüchterne Urteil des englischen Volkes lviedcrgeben, Ivenn sie heute in ihrem Leit- artikel schreibt:„Die drei Urteile sind zusammengenommen eine Verteidigung und fast eine Glorifizicrung der Aufführung der Offiziere." Doch mehr Beachtung als den Urteilen selbst, wird der ganzen militärischen Prozedur geschenkt, die in ganz England unbekannt ist. In England würden Offiziere, die sich eines Vergehens wie in Zabern schuldig machten, vor ein Z i v i l g e r i ch t gestellt werden, und ihre Verteidigung würde wahrscheinlich von den englischen Richtern als eine Erschwerimg des Deliktes betrachtet worden sein, da sie sich auf Lehren stützte, die der Freiheit de» Bürgers und der Wohlfahrt des Reiches zuwidenlaufen. „Daily News", die die englischen Verhältnisse mit den deutschen vergleichen, schreiben:„Der englische Offizier, der einen Zivilisten, der ihn auslacht, einsperrte, würde sich eine Klage wegen unrechtmäßiger Verhaftung zuziehen, und der Offizier, der das Blut eines Spötters vergösse, würde nach einem ordnungsmäßigen Prozeffe von dem gemeinen Henker gehängt werden." Daß sich da? deutsche Bürgertum infolge der Zaberner Ereig« nisse, die in England eine Revolution hervorgerufen haben würden, zu einem tatkräftigen Auftreten gegen die militärische Gewalt- Herrschaft aufraffen wird, daran glaubt hierzulande nach dem jämmer- lichen Rückzüge im Dezember auch nicht ein Mann. Und doch stünde, wie„Daily Chronicle" bemerkt, dem Reichstag in seiner finanziellen Kontrolle eine mächtige Waffe zu Gebote, dix den Engländern seinerzeit zum Siege über die Reaktion ver- Holsen hat. Die„Times" treffen wohl sicher den Nagel auf den Kopf, wenn sie schreiben:„Ueber die jetzige Lage in Deutschland freuen sich nur zwei Parteien und nur zwei haben das Recht, sich zu ftenen. Und zwar sind dies die unentwegten Befürworter des preußischen Feudalismus einerseits und die große und wachsende Masse der Sozialdemokraten andererseits." Die Vorgänge in Zabern haben auf das gesamte Ausland wie eine große Enthüllung gewirkt. Der Kurs der deutschen Wehrmacht ist infolge des jetzt offenbarten klaffenden Gegensatzes zwischen dem Volk und Militär gewaltig gesunken. Das Unan- genehme ist, daß wir dadurch zur Zielscheibe deS beißenden Spottes unserer Nachbarn geworden sind. Wie allgemein dieser Spott ist, ist daraus zu ersehen, daß selbst ein so militär- frommes Blatt wie„Daily Mail" seinen Leitartikel über Zaber» und die Straßburger Urteile„Das Gottesgnadentum der Obersten" betitelt..__ Der Kronprinz. London, 10. Januar.(Erg. Ber.) Die letzten Uebergrisfe de? deutschen Militärs haben bei den Engländern mehr Verwunderung als Kritik hervorgerufen� Man schüttelt die Köpfe und fragt sich, wie lange sich das hochzivilisierte Teutschland noch dieses barbarische Säbelregiment gefallen lassen wird. Für das Auftreten der Krone oder deren Verwandten findet man erst recht keine Erklärung. Ter Engländer verlangt von seinem Monarchen und dessen Familie vor allen Tingen, daß sie sich nicht in öffentliche Angelegenheiten mischen.„Ruhe ist die erste Monarchenpflicht," heißt es bei ihm. Und was die Offiziere anlangt, so müssen sich diese, wenn sie sich Meiter! Lricheivt in Mallen in den heutigen veriammlungen! außerhalb der Kaserne zeigen, deS bunten Kittels entledigen und sich wie Gcntlmen benehmen. Ein englischer Offizier, der einem Schufte rgcsellen mit dem Säbel über den Kopf hauen und Wütend hinter Kinder herlaufen würde, würde in seinem Vatertande alles andere als ein Gentleman sein. Eine interessante Studie über den Kronprinzen veröffentlicht die bekannte liberale Zeitung„The Dailh News and Leader". Ter Artikel entstammt der Fader des Chefredakteurs A. G. Gardiner und wir geben daraus mit cinigei« Milderungen folgende Stellen wider. „Aber(der letzte Streich des Kronprinzen) ist hauptsächlich des- halb bemerkenswert, weil er klarer als irgend etwas vorher seine Haltung in bezug auf das Verhältnis zwischen den zivilen und den militärischen Behörden in Deutschland kennzeichnet. Soll Deutsch- land, das in vieler Hinsicht das intellektuellste und höchst zivilisierte Land der Welt ist, unter einem militärischen Despotismus bleiben, oder soll es sich den Platz erobern, der ihm im ersten Gliede der demokratischen Gemeinwesen gebührt? Soll der Oberst v. Reuter, der sävelrasselnd auf dem Markte in Jabern seinen unreifen Offizieren befiehlt, Richter und andere ailgesehene Zivi- listen zu verhaften, wenn sie diese im Verdacht haben, daß sie lachen. das Symbol der souveränen Macht Deutschlands sein, oder sollen wir sie in den fünf Millionen S o z i a l i st e n suchen, die am Wahltage in Regimentern zur Urne marschieren, um das Recht des Volkes, sich selbst zu regieren, zu proklaniieren? Dies ist die ein- zigc Frag«, auf die es in Deutschland ankommt. Wir reden von der„gepanzerten Faust", als würde sie uns vor die Nase gehalten. Sie ist zu dem nützlichsten Theaterrequifit unserer Hetzpresse ge- worden. Uns aber ist die gepanzerte Faust Deutschlands nur ein Alpdruck; dem deutschen Volke ist sie eine grimmige Wirklichkeit. Und als der Kronprinz dem grotesken von Reuter, der auf dem Marttplotz in Zabern mit dem Säbel rasselte, seine Bravos tele- graphicrte, ließ er damit Deutschland wissen, daß sich der Thronerbe aus die Seite der gepanzerten Faust gegen das Volk stellte... Er(der Kaiser) kann nicht umhin, über die von seinem Sohn geschaffenen Schwierigkeiten, den gefahrvollen Besitz des Thrones zu behaupten, besorgt zu sein. Der Kronprinz wohnt noch in dem vor- hängrCisvollen Elysium..., in dem man annimmt, daß die zeitlichen Einrichtungen der Menschen eine göttliche und ewige Sanktion haben. Der Abgang aus diesem Elysium ist gewöhnlich ein schmerz- licher. Inmitten der französischen Revolution schrieb Katharina II. von Rußland an Marie Antoinette in den Tuilerien einen Brief, in dem sie sagte:„Die Könige sollten in ihrer Weise vorgehen, nn- «achtet des Geschreis des Volkes, wie der Mond, ungehindert durch das Bellen der Hunde, seine Bahn einhält." Es toar eine kühne Auffassung. Die Geschichte hat in Frankreich ihren Kommentar dazu gemacht. Eines Tages wird sie ihren Kommentar auch in Katharinens eigenem Lande machen. Man nimmt nicht an, daß das herausfordernde Be- nehmen im Reichstage, was es immer bedeuten mag, gegen England gerichtet war; denn eS ist ein Charakteristikum dieses lalinenhasten jungen Menschen, daß er für unser Land sehr schwärmt... Die Liebe für unsere Spiele und die Sitten unserer Landhäuser würde jedoch eine schwache Grundlage zur Errichtung des Vertrauens abgeben, wenn man die so uirbevecbenbare Persön- lichleir in Betracht zieht. Ueberdies würde es unsicher sein, Ver- trauen in einen Fürsten zu setzen, der mit seinem eigenen Volke nicht im guten Einvernehmen lebt. Wer sich zu Hause nicht ver- tragen kann, dem kann man auch draußen nicht trauen. Es ist natürlich möglich, daß Weisheit und nüchternes Urteil mit der Der- crNtivortlichkeit kouuncn werden und daß der Kronprinz alle Er- Wartungen täuschen wird. Aber nichtsdestoweniger können wir dem Krnser aufrichtigst ein langes Leben wünschen... Wenn er ein normales Lebensalter erreicht, wird Deutschland sein« Emanzi- Patron vollendet haben. Tann kann der Kronprinz auf den Thron kommen, und er wird nicht die Macht haben, Unheil an- zurichten. Aber dann wird er auch altern und aufgehört haben, Unheil anrichten zu wollen. Die Alternative ist ein Zusammenstoß wischen dem Thron und dem Volke. Zusammenstöße dieser Art enden stets nur in einer Weise." Arbeit für öen Reichstag. Ein früherer Offizier schreibt uns: In der Verhandlung gegen den Oberst Reuter und den Leutnant Schad sagte der Vertreter der Anklage, der die Angeklagten aller- dingS so eifrig verteidigt hat, als ob er ihr Rechtsanwalt wäre, u. a. in bezug auf den Leutnant Schad:„Er mußte ge- horchen, auch für den Fall, daß er Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Befehls seines Obersten gehabt hätte. Er hätte sich durch Wider- setzung unbedingt strafbar gemacht'. Wie ein Kriegs- gericht eine derartige Behauptung aufstellen kann, ist rätselhaft, denn sie steht in direktem Widerspruch zum§ 47 des Militär« strafgesetzbucheS. Er lautet: „Wird durch die Ausführung eines Befehls in Dienstsachen ein Strafgesetz verletzt, so ist dafür der befehlende Vorgesetzte allein verantwortlich. ES trifft jedoch den gehorchenden Untergebenen die Strafe des Teilnehmers: 1. wenn er den ihm erteilten Befehl überschritten hat oder 2. wenn ihm bekannt gewesen, daß der Befehl des Vorgesetzten eine Handlung betraf, welche ein bürgerliches oder militärisches Vergehen bezweckte." Hätte der Leutuant Schad die Ueberzeugung gehabt, daß die Befehle des Oberst gesetzwidrig gewesen wären, so hätte er den Gehorsam sogar verweigern müssen. Daß dies Herr Kriegsgerichtsrat von Osiander übersah, ist sonderbar. Der§ 47 des Militärstrafgesetzbuchs blüht überhaupt sehr im Verborgenen. In den Kriegsartikeln und im Fahnen- eid wird er einfach ignoriert. Sie erwecken in den Militärpersonen den gar nicht berechtigten Glauben, daß alle Befehle des Borgesetzten ohne Ausnahme zu befolgen seien. Im Fahneneid heißt es zum Beispiel, daß der Soldat„deren(des Vorgesetzten) Befehle ohne Widerrede und uii- verdrossen vollziehen müsse." Hier ist Arbeit für den Reichstag vorhanden. Er möge dafür eintreten, daß Kriegs- artikel und Fahneneid endlich einmal in Einklang mit dem Militär st rafge setzbuch gebracht werden. Eine solche Aendcrung hätte auch im gewöhnlichen Dienst nach Umständen ihre guten Folgen. Gesetzt, ein Rekrutenabrichter sagt zu dem Musketier Müller:„Wenn der Schulze vor Ihnen einen falschen Schritt hat, dann treten sie ihn fest auf die Knochen'." Da ein solcher Befehl gegen den zitierten K 47 verstoßen würde, hat der Müller sogar die Pflicht, in diesem Falle den Gehorsam zu verweigern. Unter den jetzigen Verhältnissen würden aber die meisten Soldaten den Befehl ausführen. Käme der§ 47 aber im Fahneneid und in den Kriegsartikeln klar zum Ausdruck, so würden die intelligenteren Soldaten merken, daß sie durchaus nicht die Automaten ihrer Vor- gesetzten sind. Außerdem müßten in der Jnstruktionsstunde die Grenzen der militärischen Gehorsamspflicht besprochen werden. Dabei käme der K 47 ganz von selbst zur Erörterung und zum Bewußtsein der Soldaten. Sehr charakteristisch ist auch folgende Frage, die ein Beisitzer an den als Zeuge vernommenen Staatsanwalt Kleinböhmer stellte: „Selbst wenn Sie glauben, daß das Militär sich widerrecht- l i ch Befugnisse zugelegt habe, halten Sie sich dann für befugt und berechtigt, Anordnungen des Militärs nicht Folge zu leisten?" Ter Staatsanwalt meinte darauf, das sei ein.« s ch>v i e r i g e R e ch t s f r a g e. Er halte sich in einem derartigen Falle zur Verweigerung des Gehorsams berechtigt. Ter Reichs- tag sollte auch dafür sorgen, daß die„schwierige Rechtsfrage" un- zweideutig dahin geklärt wird, daß dem Militär niemand Folge leisten muß, wenn es sich widerrechtliche Befugnisse heraus- nimmt. Würde der Glaube aufkommen, daß ihm dennoch Ge- horfam zu leisten wäre, so wäre das nichts als eine Erleich- terung des Staats st reich es. Dann käme es noch so weit, daß Reichstagsabgeordnete wegen Widerstandes gegen die Staats- gewalt eingesperrt werden müßten, wenn sie dem berühmten Januschauer Leutuant mit den zehn Mann nicht auf der Stelle parieren würden. Die Zaberner Geschichte hat endlich einmal drastisch gezeigt, wie es im deutschen„Rechtsstaat" und in der deutschen Armee aussieht. Sache des Reichstags ist es, normale Verhältnisse zu schaffen._ Zur Mißhanölung öes Koalitionsrechts. Auf leinen, Gebiet handgreiflicher als auf dem des Angriffs gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter zeigt sich das einseitige Aus- legen und Deuten deS Rechts zum Nachteil der Arbeiter und zum Nutzen der Unternehmer. Der Zentrumsabgeordnete'Dr. Lieber mußte schon im Juni 189S angesichts der Rechtsprechung auf dem Gebiete deS Koalitionsrechts erklären, daß„nicht gar selten haarsträubende Urteile" gegen Arbeiter wegen ihrer Koalitionsrechtsbetätigung gefällt seien und daß eine„geradezu himmelschreiende Parteilichkeit" vorliege, mit der die- selben Vergehen auf der einen Seite auf das härteste und auf der anderenSeite auf das mildeste geahndet werden. Wie würde der Ab- geordnete gar jetzt zu klagen haben I In der Tat, bei Anklagen gegen streikende Arbeiter„hört jede Jurisprudenz" auf, wenn man unter Jurisprudenz Ausübung von Gerechtigkeit oder Anwendung der Wissenschaft versteht, die ohne Ansehen der Person lediglich nach Maßgabe der Straftat gleichmäßig abmißt, ob und auf welche Strafen zu erkennen ist. Gilt es doch schon als eine Beleidigung Sr. Heiligkeit des Streikbrechers, wenn man sich vor seiner Frau räuspert. Aber Hintzebriider dürfen Streikende, die sich ihnen unbewehrt nahen oder die von ihnen überfallen wurden, erschießen und erstechen. ohne bestraft zu werden. Und während Arbeiter lediglich wegen der Ankündigung, streiken zu wollen, wenn ihre Forderung kein williges Ohr finde, wegen Nötigung, ja wegen ErpreffungsversuchS bestraft werden, können Unternehmer, ohne von der Staatsanwalt- schaft behelligt zu werden, durch Drohung mit Maßregelung, Brot- losmachung oder durch sonstige Nachteile den Austritt aus gewerkschaftlichen Organisationen, den Eintritt in Streikbrechervereine erzwingen und ungestraft und ungehindert kann das über angebliche Zwangsorganisation bei den Arbeitern sich heuchlerisch entrüstende Scharfmachcrtum Unternehmer, Händler usw. durch Aussperrung vom Warenbezug, durcki Materialsperre, Kreditentziehung und sonstige Praktiken zum Anschluß an Konventionen, Preisvereinbarungen und dergleichen Vereinigungen nötigen, sie tveiter dazu bestimmen, Ar- beiter aufs Pflaster zu Wersen, sie auszusperren, oder wenn sie streiken, ihnen keine Konzessionen zu mache». Immer schroffer, un- verhüllter nimmt die Klassenjustiz für da» Kapital Partei, und immer ungenierter stellen sich Polizei und Verwaltungsorgane mit ihren Maßnahmen in den Dienst ausbeuterischer Interessen. Trotz- alledem ruft daS Scharfmachcrtum nach weiterer Beschränkung des Koalitionsrechts, nach noch ausschweifenderer Förderung der Arbeiter- knebelung und des StreikbrecherschutzeS. Woher der fanatische Haß und das Gejammere der Unternehmer gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter? Es bedrohe den Prostt, vernichte das Gewerbe, mache die Industrie konkurrenz- unfähig.— So hörte man immer und so hört man nun mit be- sonderem Eifer von den Scharfmachern und ihren Agenten predigen. Wer nur einen Schimmer von Objektivität, von Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit aufbringen kann, wird und muß bekennen, daß nie- mals weniger Grund zu solchen Klagen vorlag als gerade jetzt. Seit der Aufhebung der Koalitionsverbote nahm Deutschlands Wirtschaft- liche Entwicklung eine ungeahnte, staunenerregende, im Auslände teilweise Bestürzung und Mißgunst verursachende, aufwärtsftrebeude Entwicklung. Handel und Industrie blühten empor wie bisher in keinem anderen kontinentalen Lande. Manche deutschen Ge- werbe beherrschen den Weltmarkt und riesenhafte Reichtümer häufen sich in den Händen der Befitzenden. In einer besonderen Schrift über Deutschlands wirtschaftliches Emporstreben entwirft Dr. Helffrich, Direktor der Deutschen Bank, ein fast märchen- Haftes Bild von dem Wachstum des Reichtums— der Reichen. Auf rund 10 Milliarden berechnet er die jährliche Reichtumszunahme des Deutschen Reiches. Und gerade in dem letzten Jahre ist der Reichtuin am stärksten gewachsen. Aber trotz der glänzenden industriellen EntWickelung, die olle Lamentationen über Erschwerung der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt schlagend widerlegt, sie ins Reich der Schauerlegenden verweist, lag das Scharsinachertum stets auf der Lauer, um das bißchen Koalitionsrecht wieder vollständig aufzuheben. eS durch Sonderbestimmungen zu erdrosseln. Dem Drängen der Arbeiterfeinde folgend, unterbreitete die Regierung bereits im Jahre 1873 und wiederum im Jahre 1874 eine Novelle, die eine Verschärfung des§ 163 der Gewerbeordnung und Bestrafung des Kontraktbruches herbeiführen sollte. Damals wäre auch die moralische Beeinflussung von Streikbrechern strafbar ge- wesen und das Höchststrafmaß von 3 auf 6 Monate erhöht worden. — Heute wird die moralische Beeinflussung als Nötigung und Be- leidigung interpretiert und exemplarisch bestraft— ohne gesetzliche Bestimmung. Die Novellen fanden keine Mehrheit. Dafür sorgten Verwaltung. Polizei und Rechtsprechung in jeder Hinsicht für die Erfüllung der scharfmacherischen Wünsche. Die Gewerkichaflen wurden für politisch erklärt. Damit hatte die Polizei ein Mittel erlangt, die gewerkschaftlichen Organisationen auf Grund der Bestimmung, daß politische Vereine mit einander nicht in Verbindung treten dursten, nach ollen Regeln der Kunst zu schikanieren. Sie machte davon den ausgiebigsten Gebrauch. Ein übriges besorgte das 1878 erlassene Sozialistengesetz. ES zertrümmerte die gewerkschaftlichen Organisationen, wenigstens in ihren äußeren Fonnen. Der Geist, der in ihnen lebte, war ja un« zerstörbar. Als 1890 daS Sozialistengesetz erlosch, bekamen die Ge- werkschasten wieder größere Bewegungsfreiheit. Sofort suchte die Berlepschsche Gewerbeordnungsnovelle eine Verschärfung deS§ 163 der Gewerbeordnung herbeizuführen. Für die in diesem Paragraphen umschriebenen Bergehen sollte für den Wiederholungsfall die Strafe im Mindestfalle ein Jahr Gefängnis betragen. Der Reichstag lehnte freilich diese Zumutung ab. Dafür belundete die Rechtsprechung ein immer besseres Verständnis für das Verlangen der Unternehmer und man paßte die vorhandenen gesetzlichen Be- stimmungen dem Verständnis liebevoll an. Bald daraus forderte der Zentralverband der Industriellen ein Verbot des Streikpostenstehens. Am 17. Juni 1897 hielt Wilhelm II. die bekannte Zuchthausrede in Bielefeld, wenige Monate später ersuchte der damalige Staatssekretär v. Posadowsky die Regierungen in einem vertraulichen Schreiben um Beschaffung von Material zur Begründung eines StreikbrecherschutzgesetzeS. Der Zentralverband spendete dafür 12 000-M. zu Händen des Herrn Staatssekretärs. Der mit den vereinten Bemühungen ans Licht geförderte Zuchthausgesetzentwurf bedrohte Streiksllnder mit 8- bis 6jährigen Zuchthausstrafen. Der Reichstag verscharrte den Entwurf. Ader der Haß und die Wut der Scharfmacher gegen das KoalitionS» recht glühte weiter. Seit einigen Jahren ist das Koalitionsrecht das Objelt der tollsten Angriffe und Verleumdungen. Unter denk Deckmantel eines sogenannten ArbeitSwilligenschutzes soll tatsächlich daS KoalitionS- recht stranguliert werden. Daß all die Angriffe auf das KoalitionS- recht unberechtigt sind, daß alle die gegen das Stteikrecht erhobenen Vorwürfe der Berechtigung ermangeln, daS beweisen über jeden Zweifel erhaben die Geschichte des Koalitionsrcchts und die Wirt- schastliche Entwicklung Deutschlands feit Beseitigung der KoalitionS- Verbote. Nicht Einschnürung des Koalitionsrechts, sondern Befreiung von allen Bestimmungen, die seinen freien Gebrauch verhindern. Aus- dehnung deS KoalilionsrechtS insbesondere auf die Landarbeiter und die der Gewerbeordnung nicht unterstehenden Arbeiter. Aufhebung des jj 153 der Gewerbeordnung und strafrechtlicher Schutz des KoalilionsrechtS der Arbeiter gegen diejenigen ist dringender erforder« lich als feine Ausübung hindern oder zu hindern suchen. politische Uebersicht. Eiu unausrottbarer Schwindel. Aus Zürich wird der bürgerlichen Presse wieder einmal telegraphiert, daß die Erben Bebels jetzt die Erbschaftssteuer im Betrage von 30 0(X> Frank bezahlt hätten und daß die Erb, schaft genau eine Million betrage. Obgleich erst vor lvenigcn Tagen die sozialdemokratische Presse in der nachdrücklich- sten Weise betont hat, daß ini Kanton Zürich eine Erbschafts st euervonKindernundEhegatteu der Erblasser überhaupt nicht bezahlt, also auch eine Erbschaft, wenn entferntere Verwandte nicht in Frage kommen, überhaupt nicht festgestellt wird— ist das Züricher Telegramm einmütig von der bürgerlichen Presse ohne Aus- nähme der Parteirichtung abgedruckt worden. Einträchtig mit der.�Deutschen Tageszeitung" bringt auch das„Berliner Tageblatt" diese Schwindelnachricht. Nach den bisher mit den bürgerlichen Nachrichten über die Bebelsche Erbschaft gemachten Erfahrungen erscheint es fast aussichtslos, der Schwindelei den Eiaraus zu machen, aber trotzdem luollen wir nochmals in aller Form feststellen, daß es erlogen ist, von einer Hinterlassenschaft von einer Million zu reden. Wir wiederholen, was früher schon des öfteren gesagt wurde, daß die Bebelsche Hinterlassenschaft noch nicht den dritten Teil der behach'teten Million beträgt. Tic pflaumenweichen Nationalliberalen. Als Redner über die Reichspolitik hatten sich die Arrangeure den„vielgeplagten, vielbeschäftigten und vielgemühten Führer Boss er- mann", um mit dem Vorsitzenden Herrn List �zu sprechen, verschrieben. Der Redner begann mit Zabern. Er bedauerte tief. daß die Zaberner Vorgänge nicht im Keime erstickt worden sind. Und nach dem, waS Herr Baffermamr weiter ausführte, steht eS außer allem Zweifel, daß diese Gefühlswallung echt ist. So unglaub- lich es klingen mag, die nationalliberale Fraktion'wird angegriffen. weil sie— zu liberal ist. ES war Herrn Baffermamr ein leichtes, nachzuweisen, daß nur ausgesuchte Bosheit derartige Vorwürfe gegen die Nationalliberaleir erheben kann. Da ist zunächst die clsaß- lothringische Verfassung, mit der gegen den staatserhaltendcn Geist gesündigt worden fem soll. Ob daS stimmt, läßt Herr Baffermann dahin gestellt. Es könne fein, daß die Verfassung ein Kon- struktionssehler sei. Aber die Nationalliberalen waschen ihre Hände in Unschuld. Nicht die Nationalliberalen, die Regierung hat die Initiative zu diesem Gesetz ergriffen, betonte Herr Basier- mann wiederholt mit besonderem Nachdruck. Und die politische Charakterlosigkeit dieses„Führers" ließ es zu. daß er aussprach, die Regierung hätte bei Beratung der elsoß-lothringischen Verfassung dem Reichstage gegenüber in manchen Punkten härter sein sollen! Der Redner verlangte ein schärferes Borgehen gegen die nationalistischen Tendenzen im Elsaß und kam dann auf die Bedeutung des bekannten Mißtrauensvotuins zu sprechen. Von einer Mißbilligung der Politik deS Kanzlers im ganzen könne gar keine Rede sein. Die Schwenkung, die daS ganze Bürgertum in der Beurteilung der Zaberner Vorgänge vollzogen hat, suchte Baffermann mit der Be- hauptung zu verdecken: die Gerichtsverhandlungen hätten die Haltung der Nationalliberalen gerechtfertigt. Welche Schlüsse Basiermann aus den Gerichtsverhandlungen gezogen hat. konnte man gleich darauf erfahren. Es müsse gesagt werden, sagt Bassermann, daß die Zivilbehörden'in Zabern zögernd, ja man könne sogen pflaumenweich vorgegangen seien. Dieser Aus- fassung entspricht auch seine Wertung des Urteils. Basier- mann erklärte, in dem Augenblick, wo die Zivilgewalt versagt habe, mußte der Oberst Reuter geradezu in den Glauben hinein gedrängt werden, daß er zum Eingreifen verp �lichtet sei. Dieses uneingeschränkte Bekenntnis zur Säbel- d i k t a t u r wurde von der Versammlung durch demonstrative» Beifall unterstrichen! Der Redner kam noch auf die konservative Interpellation im preußischen Herrenhaus zu sprechen und bekannte sich auch hier al» echter nationalliberaler Reaktionär.„An der Machtstellung Preußens im Deutschen Reich hallen auch w i r fest", meinte Bassermann. Die Bewunderung deS preußischen Absolutismus durch Baffermann ist so groß, daß er mit einer starken Biegung der historischen Wahrheit sogar von den„Verdiensten des preußiickien Adels um Armee und Volk" redete. Wieder einmal wurde offenbar. daß das Großbürgertum gegen die agrarische Schröpsung der breiten Massen an sich nichts einzuwenden bat. Was die Herren ein wenig unzufrieden macht, fit der Umstand. daß die Agrarier in ihrer unersättlichen Gier vergessen, daß das„selbstbewußte Bürgertum"— so drückte sich wie zum Hohn Herr Bassermann aus— auch einen Teil der Beute einheimsen möchte. Daß dem Bären daS Fell über die Ohren gezogen wird, finden die Agrarier und die Bourgeois ganz in der Ordnung, nur über die Verreilung sind sie nicht einig. In Konsequenz dieser Situation erklärt Baffer- mann, von einer Verfaffungsänderung aus Anlaß der Zaderncr Vor- gönge könne keine Rede sei«.__ Die.�kölnische Zeitung" gegen Baffermann. Die„Kölnische Zeitung" schreibt zum Ausgange de« Zabcruer Militärprozesses: „Die Gefahr von Grenzverwirruugen zwischen Zivil- und Militärgewalt ist durch die StraßburgerUrteile nicht gemäßigt, sondern vergrößert worden. Ts ist dringendste Forderung, daß schleunigst founeuklare Gesetzesbestimmungen ge- troffen werde», die allen zukünftigen Reuters jede Möglichkeit der Verschanzung hinter Recht-Zirrtümern unmöglich machen. Wären solche klaren und verfassungsmäßigen Bestimmungen vorhouden gewesen. so wären die Dinge gar nicht soweit gekommen oder aber eS hätte keine Freisprechung wegen Irrtums— gegen- wärtig verzeihlichen Jrrtunis!— über Grenzen der Militärgewalt erfolgen können. Also schuldiger als Gerichte, schuldiger sogar als der Oberst Reuter an dem Zaberner Verhängnis ist der lässige Gesetzgeber. Also selbst die so gemäßigte nationalliberale, rechts- stehende, offiziöser Beziehungen gewürdigte„Kölnische Zeitung" sieht sich genötigt, energisch von Herrn Basser- mqnn abzurücken, der ja von parlamentarischen Aktionen zur Sicherung von Gesetz und Verfassung gegen verbrecherische Anmaßungen des Militarismus nichts wissen will! Freilich wird sich erst zeigen müssen, ob die Ansicht der„Kölnischen Zeitung" für die Nationallibcralen maßgebend ist, oder die der Hehl und Basscrmann— denn die Beiden darf man ja nachgerade in einem Atemzuge nennen! Ei« neuer Wahlrechtsraub iu Rcufi j. L. Nachdem die Landtagswahlen nach dem verschlechterten Wahl» recht in Rcutz j. L. die Verdrängung der Sozialdemokraten aus dem Landtage ergeben haben, geht man nun auch dem Gemeindewahlrccht an den Kragen. Den neugewähltcn Abgeordneten ist eine Regie- rungsvorlage zugegangen, die das Fünf st immen Wahlrecht auch auf dieGeineinderatSwahlen ausdehnen will. Ten Gemeinden soll eS freigestellt werden, das Verhältniswahlsystem einzuführen, und wenn es die örtlichen Bezirke erfordern, auch daS Bezirtswohlsystem. Nach dem Ergebnis der Landtagswahlen zu urteilen, würde eS auch beim Verhältniswahlsystem den Sozial- demolraten kaum möglich sein, mehr als ein Drittel der Sitze zu erobern. Die Begründung des Entwurfes gibt unverhohlen zu. daß die Wahlrechtsverschlechterung den Zweck habe, die sozialdemokratischen Mehrheiten in einer Anzahl Gemeinden zu beseitigen. Proteste gegen die Ttrastburger Militärgerichtsurteile. Gelegentlich einer Protestversammlung gegen den drohenden Raub des Koalitionsrechts in Mannheim beschäftigte sich der Redner, Genosse Abg. Frank, vor allem mit den Urteilen der Straßburger Kriegsgerichte, durch welch« die Diktatur des Säbels proklamiert worden sei. In einer Resolution forderte die von 8000 Personen besuchte Versammlung Abschaffung der Mi- litärgerichtc und Ablehnung des Militäretats durch die Reichstagsabgeordneten, die für verfassungsmäßige Rechte eintreten. In einer zweiten Resolution wurde gegen die Be- schneidung des Koalitionsrechtes protestiert. Es wurde beschlossen, beide Resolutionen dem Reichstage zu übermitteln. Nach Zabern war gleichsalls eine Protestresolution einberufen worden, die sich mit den KriegsgerichtSurteklen beschästigen sollte. Der nicht sehr große Saal im Restaurant„Zum Salmcn" war überfüllt und viele Besucher fanden keinen Einlaß. Von der Aus- fichtSbchärde waren die beiden aus dem Straßburger Prozeß be- kannten Zeugen Regicrungsamtsmann Großmailn und Kreis- konunissar Müller erschiene». Der Abg. Genosse P e i r o t c s sprach über das Thema:„Militärdiktatur und Volksherrschaft". Er be- tonte, daß die Zivilverwalwng in Zaber» durchaus ihre Pflicht getan habe. Der Kamps gegen die Militärdiktatur könne nur durch Ver- Weigerung für militärische Zwecke im Reichstage geführt werden. Das fei der einzige ZMg. um den Hochmut des MlitariZmus zu brechen. Die Versammlung zollte dem Redner stürmischen Beifall. Einer Aufforderung des Parteisekretärs Hueber folgend, sich zu keinerlei Demonstrationen hinreißen zu lassen, ging die Lcrsamm- lung in vollster Ordnung auseinander. Vor dÄn Bersammlungs. lokal waren zahlreiche Schutzleute und Gendarmen postiert. Ter gewissenhafte Oberst Renter. Das offiziöse Depeschenbureau meldet: Nach Zeitungsnachrichten hat der Oberst v. R e u t e r in den Verhandlungen vor dem Kriegsgericht auS- gesagt, daß die Postbehörde in Zabern Karten mit beleidigenden Angaben an Offiziere unbeanstandet be- stellt habe, während die Karten, in denen das Verhalten der Offiziere gelobt wurde, zurückgehalten worden seien. Oberst v. Reuter hat einem Vertreter der Postöerwaltung gegenüber erklärt, daß er eine so schwere Beschuldigung gegen das Postamt in Zabern nicht habe aussprechen wollen, seine vor Gericht gemachte Aussage sei entstellt(? Anw. d. Red.) wiedergegeben worden: es seien aber in Wirklich- keit Unregelmäßigkeiten bei der Bestellung der fraglichen Sendungen vorgekommen. Die postseitig eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß bei der nach vielen Hunderten zählenden Menge der in Zabern für einzelne Offiziere eingegangenen Schmähkarten tat- sächlich einzelne Sendungen mit erkennbar beleidigenden Air- gaben, in der Hast des Betriebsdienstes der Aufmerksamkeit des Personals entgangen sind. Diese Fälle sind aber im Hinblick darauf, daß viele Hunderte von Schmähkarten in Zabern als unzulässig erkannt und zurückgesandt worden sind, als vereinzelte zu betrachten. Von den eben- falls zahlreich eingegangenen Zustimmungskarten usw. sind nur zwei vom Personal wegen Zweifels über die Zuläsfigkeit eines darin enthaltenen Aus- drucks zunächst beanstandet worden. Beide Zwrten sind aber auf Anordnung des Postamts den Empfängern aus- gehändigt worden, und zwar eine ohne jede Ver- spätung, die zweite auf dem nächsten Bestell- gange. Aus dieser Erklärung der Postbehörde ergibt sich also, daß auch diese Anschuldigung des staatsstreichlcrischen. Obersten jeder Begründung entbehrt. Wenn Oberst Reuter trotzdem— in welcher Form immer— den Postbehörden den Vorwurf einer illoyalen Handlung ihm gegenüber machte, so zeu�t das erneut von der großen Gewissenhaftigkeit dieses Kriegsmannes. Um in der Oeffentlichkeit und bei den Kriegsrichtern Stimmung gegen die Zivilbehörden zu machen, erhob Oberst Reuter eine ganze Reihe der schwersten Anschuldigungen gegen die verschiedensten Behörden. Staatsanwälte sollten Sachen zuungunsten des Militärs verschleppt und durch das Ersuchen um eine Haussuchung bei Unteroffizieren leichtfertig die Ebre des Unterosfizierkorps angegriffen haben: die Richter sollten Erzedenten gegen das Militär teils überhaupt nicht, teils nur zu allzu geringfügigen Geldstrafen verurteilt haben, die Polizeibehörde sollte„versagt" und die Postbeamten bei der Aushändigung der Postsachen parteiisch und launisch verfahren sein. Staatsanwälte und Richter haben ja bereits während der Verhandlung die Deplaciertheit und Irrigkeit der Reuterschen Angriffe zurückgewiesen, und jetzt stellt auch die Postbehörde fest, daß der überall Gespenster sehende Oberst seine Anklage völlig auf blauen Dunst hin erhoben hat und daß die Post- beamten auch nicht in einem einzigen der Hun- de r t e von Fällen ein Verschulden trifft! Auch dies Vorkommnis ist charakteristisch für die vor- schnelle Art des Herrn Obersten, sich die Urteile zu bilden! Es zeigt, was auf die Bekundungen dieses Herrn überhaupt zu geben ist. Aber die mit solchen Urteilen arbeitende Stimmungs- mache hat ja ihre Schuldigkeit getan! Königshuldigung«nd Arbeitslosenfürsorge. Auf einen sozialdemokratisthen Antrag ersuchte das Gemeinde- kollegium Würzdurg den Magistrat um Ausarbeitung einer Var- läge über Arbeitslosenversicherung. Der Magistrat beschloh aber. von der Weiterverfolgung der Angelegenheit vorläufig Abstand zu nehmen, bis die in Aussicht genommene gemeinsame Stellungnahme de» Bayerischen Städtetages zu dieser Frage erfolgt ist. Um nun für die Arbeitslosen etwas Greifbares zu erzielen, be- antragte Gemeindebevollmächtigter Genosse EndreS im Gemeinde- kollogium, in den Etat zum Zwecke der Arbeitslosenfürsorge bezw. Arbeitslosenversicherung 10 000 M. einzusetzen, unbeschadet der sich im bayerischen Städieverband ergebenden Verhandlungen. Uebcr System und Form solle gesondert verhandelt werden, und zwar so rechtzeitig, daß bis nächsten Winter eine endgültige Lösung der ArbcitslosenversicherungSfrage herbeigeführt werde. Sebwarzc und Liberale bekämpften jedoch in rührender Eintracht den Antrag und stimmten ihn zuletzt gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Eingänger nieder. Dieselbe Mehrheit bewilligte dann für Festlichkeiten bei einem Desuch des neuen bayerischen Königs 29 000 M.. also da? Dreifache dessen, was für die Arbeitslosen verlangt worden war._ Konferenz im Reichspostamt. Der Staatssekretär des Reichspostamles hat für den 17. Januar tine Konferenz von Vertretern aus Handel. Industrie und Land- wirlschaft berufen. Beratungsgegenstände sind: Postkredttbriefe, Wünsche für den Weltpostiongreß in Madrid. Mitteilungen auf dem Gebiete der Funkentelegraphie, Mitteilungen auf dem Gebiete der Kabeltelegraphi«._ Berichtigung. In die Artikel.Ein Milizschwärmer" schlichen sich einige Druckfehler ein. Die 181� vernichtete Milizdivision hieß, wie im früheren Aufsatz richtig stand, P a e t h o d, uicht„Puthod". öalkanfragen. Der Streit zwischen Rußland und Deutschland über die Stel- lvng des Generals Lima» v. Sanders hat mit einem Kompro- miß geendet. Der deutsche General wird Armeeinspekteur, be- hält aber nicht daS Kommando des ersten Armeekorps, das ein türkischer General übernimmt. Das Kommando über die Dar- d a n e l l e n und den Bosporus wird direkt dem Kriegs- minister unterstellt. Damit ist der Einwand Rußlands, daß dem deutschen General und dem Einfluß der deutschen Politik die„Freiheit der Dardanellenstraße" ausgeliefert worden sei, der Boden entzogen. Frankreich. Angriffe auf Caillaux. Paris, 12. Januar. Der„Figaro" richtet heute neu« An- griffe gegen den Finanzminister Caillaux. Er behauptet, daß Caillaux"Mehrere-gvoße umd kleine Banken. ersucht habe, ihm Geld für den Wahlfonds der radikalen Partei sowie für Preßbeeinflussungen zur Verfügung zu stellen- Diesem Ansuchen fei auch schon von einigen Bankinstitut«» Folge geleistet worden. So hätten die Leiter des Comptoir d'EScompte dem Finanzminister für die von ihm bezeichneten Zwecke 400 000 Fr. angeboten. Der Finanzmivister dementiert die Enthüllungen. Bulgarien. Die politische Krise. Sofia. 12. Januar. In der heutigen Sitzung der Sobranje ist ein Antrag eingebracht worden, in dem die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission gefordert wird, die eine Untersuchung der Geschäftsführung der Kabinette Geschow und D a n e w, besonders nach der Kriegserklärung, vornehmen soll. Nontenegro. Wahlen. Cetinje, 12. Januar.(28. T. B.) Gestern haben die©kupschtina. wählen stattgefunden. Bisher sind SO ZVablergcbnisse bekannt, von denen 46 zugunsten der Regierung ausgefallen find. 10 Wahl- ergebnisse stehen noch aus. China. Die Auflösung des Parlaments. Peking, 12. Januar. In seinem Erlaß erklärt Präsident Jüans chikai, die Auflösung des Parlaments sei deshalb erfolgt, weil es unmöglich sei. eine Beschlußfähig- keit zu erreichen. Ein zweiter Erlaß weist die Notwendigkeit nach, die das Parlament und die Wahlen betreffenden Gesetze umzuarbeiten. Die Wiedereinberufung des Par- laments nach Abändermig dieser Gesetze wird feierlich ver- sprachen.(?) Gleichzeitig wird der Verwaltungsrat beauftragt, des Ergebnis, seiner Erwägungen über die Organisation einer Kommission zur Abänderung derVerfassung vorzulegen._ Ein politisches Attentat. Schanghai, 12. Januar. Der Begründer und Leiter der Handelszeitung, Ho. wurde gestern nacht auf offener Straße in einem europäischen Viertel erschossen. Der Mörder wurde festgenommen. Das ist der e l f te M o r d in den letzten drei Monaten. Es liegt offenbar ein politischer Racheakt vor. Ho war dafür eingetreten, daß die Vorstadt Tschapci der curo- päischen Stadtverwaltung unterstellt würde. Mexiko. Ein Sieg der Rebellen. New Jork, 11. Januar. Eine Depesche auS Prefioio meloet. daß die mexikanischen Rebellen gestern um Sonnenuntergang O j i n a g a, das von Bundestruppen besetzt war, angriffen. Da diese nur SO Schuß für den Mann besaßen und ihre Niederlage unausbleiblich war, räumten pe den Platz. Der Höchstkomman- dierende. General M e r c a d o, überschritt den Rio Grande und ergab sich dem Befehlshaber der Bereinigten Staaten-Truppen; alle BundeStruppen versuchten dasselbe zu tun. hatten aber in der Dunkelheit Schwierigkeiten, so daß über den Verbleib des größten Teils von ihnen noch nichts bekannt ist. Räch diesem Erfolge sollen die Rebellen Herren des ganzen Nordens von Mexiko sein. /lue der Partei. Totenliste der Partei. In E l b i n g(Westpr.) starb am 9. Januar nach kurzem, schwerem Leiden der GewerkswaftSsekretär Hermann T r i l s e im Alter von 47 Jahren. Als Sohn eines Landarbeiters in Falkenberg i. Schl. verlor er schon frühzeitig Eltern und Geschwister und mußte sein Brot deshalb schon als Kind bei Bauern verdienen. Er erlernte das Schneiderhandwerk. Im Jahre 1890 kam er als Geselle nach Leipzig, wo er sich mit aller Kraft der gewerkschaftlichen und politischen Tätigkeit widmete. Infolge fortgesetzter Arbeitslosigkeit mußte er 18S2 Leipzig verlasse». In Götlingen und später in Kassel war er selbständig, doch bittere Not begleitete ihn auf allen Wegen. 1902 siedelte er nach Elberfeld als Gauleiter des Zentralverbandes der Schneider über. 1904 wurde er als Gewerkschaftssekretär nach Elbing berufen. Ein reiches Maß von Arbeit hat er hier für die östlichen Provinzen geleistet; auch aus kommunalem Gebiete als Stadt- verordneter in Elbing war er sehr tüchtig. 1907 kandidierte er für die Wahlkreise Danzig-Stadt, Graudenz und Marienwerder-Stuhm, seit 1912 für Elbina-Marienburg. Die Arbeiterschaft wird sein An- denken in Ehren halten._ Ms Industrie und Handel. Die Herrschaft der Spirituszrntrale. Nachdem die Spirituszentrale sämtliche Brenner und Sprit- fabrikantcn zum Anschluß gezwungen hat, geht sie nun mit ge- stärkten Kräften daran, sich die Abnehmer(das Destillatsurgewerbc) zu unterjochen. Di« Destillateure, die für die Deckung ihres Branntweinbedarfs allein auf die Zentrale angewiesen sind, hatte in den letzten Jahren schon genug unter der Steigerung de» Alkohol- Preises und dem damit zusammenhängenden Rückgang des Branni- weinkonsums zu leiden. Die Zentrale sucht nun offenbar Einfluß auf das Destrllateurgewcrbe selbst zu gewinnen. Ein Abkommen zwischen Spirituszenträle und Deslillateurorgantsationen, wonach die Destillateure den Alköholgehalt ihrer Erzeugnisse unter die Kontrolle der Zentrale stellen sollten� ist zwar vor einiger Zeit gc- scheitert. Die Zentrale ist aber stark daran interessiert, die Ver- dünnung der Branntweingetränke zu hindern, um den Rückgang des AEkoholvelbrauchs aufzuhalten. Sie sucht nun auf einem Umwege das gleiche Ziel zu erreichen. Sie will in das Dsstillatcur- gewerbe einen Keil trerben und wenigstens einen Teil der Destil, lateure zum unbedingten Anschluß zwingen. DaS Lockmittel soll die Gewährung besonderer Rabatte bilden. WaS der Geschäftsbericht der Zentrale Ende Dezember schon ankündigte, wird jetzt durch die Veröffentlichung der„Rabattasel" bestätigt; einzelne fügsame Destillateurderbände sollen begünstigt werden, In der .Rabattafel" heißt es: „Uebcr diese Rabattvergünstigung wird in jedem ein- zelnen Falle eine Vereinbarung zwischen der Destillateur- Vereinigung und der Spirituszentrale zu bewirken sein, wobei die Satzungen der Verein« sowie die tatsäck. lichen Erg ebnisse der Vereinsarbeit berück. sichtigt werden sollen." Mit einem der Abnehmerverbände, der zugleich der größte ist (dem„Verband deutscher Spiritus- und Spirituosemnteressenten"), hat die Zentrale bereits den geschäftlichen Verkehr abgebrochen. Selbstverständlich ist eS für ein Mo-nopolunternehmen wie die Spirituszentrale, daß sie die großen Abnehmer bevorzugt. Ra- battberechtigt sind nur die Abnehmer, „deren gesamter Branntwcinbedarf, auf ein volles Geschäftsjahr berechnet, n i ch t' we Niger als 1 0 0 0 0 L i t er reinen Alkohols beträgt und die ihren gesamten Bedarf au Branntwein aller Art, also auch an vollständig vergälltem(sog'. denaturierten) Branntwein, ausschließlich von der SpirituSzentrale gekauft und bezogen haben". In diesem Passus versolgt sie zugleich die Beseitigung des Zwischenhandels. Und durch derartig beschränkte RabattUxrgünstigmigen" glaubt die Zentrale vollen Ersatz für Preisermäßigungen zu schaffen, die durch die Größe der Kartoffelernte und die Höhe der Alkoholproduk- tiou geboten erscheinen! Letzte Nachrichten. Die Kabinettschwierigkeiten in Bulgarien. Sofia, 12. Januar. Einem Wunsche der oppositionellen Gruppe entsprechend, verlas in der heutigen Sitzung der Sobranje der Mi- nifterpräsident RadoSlawow die Erklärung des neuen Äa» binetts. Dieselbe erinnert zunächst an die tragischen Umstände, unter denen die gegenwärtige Regierung gebildet wurde, und kon- staftert sodann, daß keine Partei für sich allein in der neuen auf Grund des Systems der Proportionalwahle» gewählten Sobranje die Mehrheit habe; trotzdem weigere sich jede, an der Regierung teilzunehmen. Dadurch sei der Ministerpräsident gezwungen gewesen, nach- dem er dem König seine Demission unterbreitet hatte, neuerlich vor den Deputierten in der Sobranje mit seinen alten Mitarbeitern zu erscheinen in der Hoffnung, daß er die notwendige Unterstützung finden werde, um die dringendsten gesetzgeberischen Maßnahmen und die Bewilligung der Friedensverträge von Bukarest und Konstantinopel durchzusetzen. Die Regierung, so heißt es iu der Erklärung weiter, habe den Bukarest« Friedensvertrag mit von zwei Großmächten unterstützten Vorbehalten angenommen, diese Vorbehalte habe die Regierung nicht aufgegeben, ab« sie würde für die Revision dieses Friedens ausschließlich auf diplomatischem Wege arbeiten. Mit aller Energie weise« die in das Gebiet der Erfindungen gehörige Behauptung zurück, daß die gegenwärtige Regierung die Absicht habe, über Bulgarien im nächsten Frühjahre oder wann immer die Schrecken eines aeneu Kriege» heraufzu- beschwören; die Regierung sei entschlossen, die Initiative zur Ein- setzung einer parlamentarischen, aus Vertretern all« Parteien zu- sammengesetzten Kominission zur Untersuchung bet Ursachen der Schicksalsschläge, die Bulgarien betroffen hätten, zu unterstützen. Auf finanziellem Gebiete werde die Regierung zunächst verschieden« Gesetzentwürfe über die Zahlung der Reguifitionen unterbreiten. Der Staat werde auch eine Anleihe von 250 Millionen Frank abschließen müssen. Zur Hebung der Produktion deS Landes würde» wirffchastliche Reformen eingeführt werden; es werde Sorg« dafür getragen werden, die Fruchtbarkeit der ostthrazische» Gebiete in Ertrag umzusetzen, das Eisenbahnnetz auszugestalten und neue Höfen zu bauen. Die Erklärung beont weiter, daß die diplomatischen Be- Ziehungen zu den Nachbarn Bulgariens wiederhergestellt seien, aus- genommen zu Griechenland. daL die bulgarischen Kriegsgefangenen. die in den annektierten Gebiete» ihre Heünat haben, noch nicht ausliefern wolle. Nach Verlesung der Regierungserklärung stellte der Finanz- minister an die Sobranje das Ersuchen, bevor es in die Debatte über die Regierungserklärung eintrete, ein zw e i m o n a t i g c S Budgetprovisorium zu bewilligen, nicht für die gegen- wältige Regierung, sondern für den Staat. Hierüber entspann sich eine lebhaste Erörterung. Oeffentliehe politische Versammlungen. Das KoaMwnsrecht in Gefahr! Dienstag, den 13. Januar, abends 8% Uhr: OeffenMche Uolks Uersnmmwngen in folgenden Lokalen: Corom-NraMle, KommaudautellSr. 72 l Elyßam, Laudsberger Allee 10 I Urania, UrangelSr. KMl s KaSauien-Wäldchen, Sadstr. 15-16 Kock-Kranerei, Tempelhofer Kerg Eomenius-Sale, Memeler Ztr. 67> Union-Festsale, GreifsValder Ztr. 222 Uharns-Zäle, Miillerstr. 112 Gemrlischastshavs, Engelnfer 15> Koniert- und FeWe, KoppevSr. 29 j Nllhlmanns Ttjeat.,Slhöllhallstr Allee 117 j Maabiter Gesellschastshaus, Wiclefkr.?1 Referenten: Paul Barthel» Eugen Brückner, Adolf Cohen, Dr. Oskar Cohn, Karl Giebel, Gustav Link, Hermann Müller(Generalkommission), Hugo Pötzsch Adolf Ritter, Dr. Kurt Rosenfeld, Georg Schmidt, Hermann Silberschmidt. Lichtenberg-Friedrichsfelde Urachtsäle des Ostens, Frandf. Allee 151 1 Körger-Festsäle, Friedrichsfelde, Pn Cast Kelleone, Hanptstr. lInh. Tempey\ Allee 30 bei Ebersbach„Znm Kurfürsten", berliner Ztr. 102 im Stadtthealer, Friedrichstr. 6. Neukölln m Karllch' FestMe, Hemaunstr. 13. Prinzen- WeiHensee im„Schloß Meistensee". Referenten: Otto Büchner, Emil Girbig, Johannes Hast, Max Hecht, Karl Jahn, Emil Kloth, Franz Kotzke, H. Mahler. Tagesordnung: Mittwoch, den 14. Januar, abends 8 /z Uhr:- Adlershof>» QismMt. 10. stms Knlitmsrchl Nil die i>tt Huchichll. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins u. Umgegend. I. A.: Eugen Ernst. Gewerkschastskommissio,» Berlins n. Umg. J. Sl.: Alwin«örsten. stsbeiles-killliiiiMliiile. Dienstag, den 2t>. Januar, abends 8'/, Uhr, im S ch« l l o k a l, Grcnadicrstr. 37: General- Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Schulangelegenheiten und Anträge. 3. Verschiedenes. 6/3» JVIttgUecldbucb legitimiert. DM- Rückständige Beiträge müffeu bezahlt werden."Mg ■&/£n 6ieß$i äjden. 'Jofopfhamnen! Kein Nadclwecfa—I mehr! Sic braudien kein Geld dazu! t Wir»enden denselben kostenlos 6 Tage zur Probe nebst 20 ausgewählten SlCiken auf 10 doppelseitigen nadellosen Palhe-Platten. 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Neu erschienen: Tabellen über Zllsatzrtutez.Illvlilidenrtute Preis kart. 50 Pf. Zu beziehen durch X. Decker, Mülheim a. Rhein(Postsach). Die Invalidenversicherung erhielt durch die staatlich eingerichtete und im Januar 1912 in Krast getreten« Zusatz. Versicherung erst ihren vollen Wert. Die Zusatzversicherung ermöglicht dem Versicherten beliebige Erhöbung der Rente. Auch dürfen Personen, die kein» Jnvalidenmarken kleben und nicht versicherungspflichtig, aber vcrflchea rungsberechtigt sind, Zusatzmarkes« kleben. Aus diesen Tabellen ist z« er. sehen, wieviele Zusahmarke« zu kleben sind, um eine bestimmta Summe(Znsahrcnte) zu erlangen. Portoersparnis balber wolle mal» den Betrag für A. Decker an da» Postscheckamt Köln 16533 senden. Zahlkarten sind am Postschalter zu haben. öslb afentanwalfPr� Berlin N.WZI.Thurmstraße 3"* ks i bv*»;«s «.V.V;> n �:«£ i x t ♦ S} S«|«* � 1 v\ V»\ X x i XV: De? alle5 überragende der luve // estande zu 1> eisi liiUi�ext Prelaen wird fort iellos 'esetzt�» Jn. rtr� ßrtartto. Redakt.: Vis red Wielep», Neukölln. Inseratenteil venmtw.- Th. Siioife, Berlin. Truck u. Ve: lag: Vorwärts Buchdsu u. VerlagSanjtal s Paul S inge r äs To�BerlinLW. Hierzu 2 veilageu u. Unter Haltung»»� Nr. 12. 31. Jahrgang. t. Scilqe des„Soritiitls" Sttliittt Dienstag, 18. Januar 1914. Gewerksthastliches. Die /lrbeitslosigkeit in öer Metallinüuftrie. Die Erwerbstätigen in der Metallindustrie haben ganz erheblich mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Alle Berufsarten werden immer mehr und mehr von der schleichenden Krise er- griffen und die bedingte Folge sind weitere Arbciterentlassungen, Aussetzen oder verkürzte Arbeitszeiten.?!ach den Berichten der Arbeitsnachweise wurden im Monat November 1913 für sämtliche Berufe in der Metallindustrie 27 879 offene Stellen gemeldet, denen Arbeitsgesuche gegenüberstanden. Nur 25 492 Vermittelungen konnten erfolgen. In Wirklichkeit ist aber die Zahl der Arbeitsuchenden noch bedeutend größer, da nicht alle Arbeitslosen die Arbeitsnachweise benutzen. Im gleichen Monat des Jahres 1912 tvurden zwar ebenso viel Arbeitsgesuche festgestellt, jedoch hat sich die Zahl der offenen Stellen im Berichtsmonat um 41�7.» und die der besetzten Stellen um 40 0Ä1 vermindert. Auf 100 offene Stellen kamen im November 1913 309 Arbeitsuchende, gegen 218 im gleichen Monat des Jahres 1912 und 252 im Oktober 1913. Wie in den einzelnen Berufen die Steigerung der Arbeits- losigkeit vor sich gegangen ist, zeigt folgende Uebersjcht. Auf 100 offene Stellen kamen: im Nov. im Nov. im Okt. 1913 1912 1913 191 138 142 arbeitsuchende Gold« und Silberorbeiter S88 403 446„ Metallarbeiter(Gürtler, Drücker, Schleifer usw.) 364 213 265„ Bauschlosser, Anschläger 184 146 129„ Eleliromonteure, 302 175 202„ Klemvner u. Jnsiallateure, 866 418 658„ sonst.EisenarbeitersDreher, Hobler, Former usw), 374 202 307„ Maschinenschlosser, Mechaniker und Monteure. 396 498 293„ Graveure und Ziseleure, 620 362 424„ Maschinisten und Heizer, 269 219 204„ Schmiede aller Art, 275 147 208„ sonst. Metallarbcit.(übrige einschlägige Berufe), 286 161 213„ Metallarbeiterinnen. Daraus ersieht man, daß im Berichtsmonat nur bei den Graveuren und Ziseleuren gegen den gleichen Monat des Jahres 1912 eine Besserung eingetreten ist. die jedoch bei der geringen Anzahl Berufsangehörigcr in diesen Branchen ins- gesamt nicht ins Gewicht fällt. In allen übrigen Berufen hat sich die La'ge gegen beide Ber- gleichS zeitcn verschlechtert, in einzelnem sogar ganz beträchtlich. Die höchsten Verhältnis- zahlen haben die Eiscnarbeiter(Dreher, Hobler. Former usw.), die Maschinisten und Heizer und die Metallarbeiter(Gürtler, Drücker, Schleifer usw.) aufzuweisen, während die Elektro- monteure und die Gold- und Silberarbeiter die niedrigsten Verhältniszahlen zu verzeichnen haben. Ebenso ungünstig liegen auch die Dinge nach den An- gaben der übrigen im Metallgewerbe in Frage kommenden Organisationen. Bei ihren Arbeitslosenzählungcn wurden «i» arbeitslos ermittelt am Ort und auf der Reise. zu Ende Nov. zu Ende Nov. zu Ende Okt. 1913 1912 1913 Das Gesamtergebnis zeigt eine Zunahme der Ar- b c i t s l o s e n am Ort und auf der Reise gegen das Jahr 1912 von 9382 oder rund 30 P r o z. Auf die Mitglieder- zahl umgerechnet beträgt die Prozentziffer im November 1913 3,0 gegen 1,5 im Vorjahre. Absolut und prozentual die meisten Arbeitslosen hat der Deutsche Metall- arbeiterverband aufzuiveisen, der auch infolge seiner Größe die ausschlaggebende Organisation in der deutschen Metallindustrie ist. Im Verhältnis die wenigsten Arbeitslosen wurden zu allen drei Zeitpunkten im Christlichen Metall- arbcitcrvcrband festgestellt. Dies ist wohl darauf zurückzu- führen, daß genannter Verband die übergroße Mehrzahl seiner Mitglieder im Rheinland und in Westfalen hat und diese Landesgebiete gerade für die Metallindustrie die geringsten Arbeitslosenprozentziffern zu verzeichnen haben. Ferner darf nicht unerwähnt bleivcn. und wird dadurch wieder bestätigt, ditzß in der Regel bei Eintreten der Krise die Freiorganisierten zuerst entlassen werden. Am ungünstigsten sieht es in den großen Städten Berlin. Hamburg, Dresden, München und Nürnberg aus.. In der Verwaltungsstelle Berlin wurden allein im Deutschen Metall- arbeiterverband am Ende der dritten Dezemberwoche des vcr- flossenen Jahres 0039, gleich 6,8 der Mitgliedschaft als arbeitslos gezählt und während dieser Woche rund 40 000 M. an Arbeitslosenunterstützung verausgabt. Nach den bis jetzt vorliegenden Berichten hat im Monat Dezember das Heer der arbeitslosen Mitglieder wieder min- bestens u m 4—5 Tausend zugenommer, und alle An- zeichen deuten darauf hin, daß auch im neuen Jahre die Steigerung der Arbeitslosigkeit anhält, wodurch der deutschen Metall- arbeiterschaft eine recht trostlose Zukunft beschert wird. Serlin und Umgegend. Die Aussperrung in der Pianomechanikfabrik von Oskar Köhler N.-G., wellbe nrn 11. November 1913 erfolgte und durch welche 500 Arbeiter und Arbeiteriimen auf das Stratzenpflaster gesetzt wurden, besteht unverändert fort. Weil eine Gruppe von 12 Ar- beiterinnen am 7. November v. I. gezwungen waren. Verschlechte- rungen durch Arbeitsniederlegung abzuwehren, sperrte die Betriebs- letNing vier Tage später die ganze Arbeiterschaft aus. Es halte zunächst den Anschein, als sollte der Kamps schon am 26. Noveml-er beendet werden. Berhandlungen zwischen den Organisationsvertreiern und dem Fabrikausschutz mit der Direktion beseitigten zunächst die Differenzen, welche zum Ausstände der 12 Arbeiterinnen geführt hatten, und regelten auch die Einstellung der Ausgesperrten in einer Form, mit welcher die Arbeiterschaft einverstanden war. Letztere legte besonderes Gewicht darauf, datz bei der Einstellung unter keinen Ilmständen„gesiebt" werden dürfe. Das wurde auch, unter Bekräf- tigung durch das Ehienwort des Herrn Direktors Wege, festgelegt. Als die Einstellung am anderen Tage vor sich gehen sollte, verlangte der Obermeister T b u st— entgegen jeder Vereinbarung und trotz Ehrenwort des Herrn Direktor Wege— datz die Ausgesperrten truppweise auf dem Fabrikbof anzutreten hätten, wo dann durch die Meisterschaft eine Auslese slattsinden sollte. Diese Art der Ein- stellung, die lebhaft an einen Sklavenmarkt erinnert, lehnten die Ausgesperrten einmütig ab. Da eine sofort herbeigeführte Ber- Handlung kein anderes Resultat zeitigte und von Herrn Direktor Wege auf jede weitere Verhandlung verzichtet wurde, waren die Ausgesperrten zur Weiterfübrung des Kampfes gezwungen. In eingeweihten Kreisen heitzt es, datz der Betriebsleiter Thust nicht ganz unschuldig an dem Umfall des Herrn Direktor Wege tei und datz ohne sein Eingreifen der Kampf schon längst beigelegt wäre. Damit würde diesen Herrn also die Verantwortung treffen für die Opfer. die der Kampf beiden Parteien auferlegt. Er selbst allerdings wird persönlich wohl kaum davon berührt. Die Leidtragenden sind in diesem Falle die Herren Aktionäre, welche anstatt Dividende einzu- streichen, tbr Geld in Form von Rauchschwaden aus dem Fabrik- schornstein fliegen sehen. Denn un-ählige Teile, die bestimmt waren, den Instrumenten die herzlichsten Weisen zu entlocken, enden klang- los unter dem Kessel! Bei der Qualität der Rausteitzcr kein Wunder. Aber auch das weitz ein jeder Kenner der Verhältnisse, datz die Verlegenheit und die Verwirrung im Betriebe von Tag zu Tag grötzcr wird. Bei der weitgehenden Teilung der Arbeit im Köhlcrickien Betriebe ist es Grundbedingung, datz die einzelnen Branchen in genau abgewägtem Verhältnis zu ein- anderstehen, und gleichsam wie ein Räderwerk in- einander greisen. Wenn dann— ach so viele— Räder fehlen, dann versagt das Werk, wenn es nicht schließlich ganz zerstört wird. Trotz der Sympathie- beteuerungen sieht die Konkurrenz mit stillem Behagen die Wasser immer höher steigen, den Augenblick herbeisehnend-, wo sie die Erb- schaft der Firma antreten kann. Und dies alles, tveil man die Zeit für günstig hält, den Arbeitern„die Zähne zu zeigen". So steht es wörtlich in einer Zuschrift, die uns ein günstiger Wind auf den Tisch wehte. Dieselbe datiert vom 8. November— also drei Tage vor der Aussperrung— und war an die am Geschäft beteiligten Herren bestimmt. Die Absicht der Aussperrung war also/ d ie Organisation aus dem Betriebe zu beseitigen. Glaubt denn die Betriebsleitung im Ernst, datz ihr dies gelingen kann in einer Zeit, wo der Organisationsgedanke immer mehr an Ans- dehnung gewinnt? Es hietze das auch auf die tüchtigsten und geschicktesten Arbeiter verzichten, die überdies jahrzehntelang den Stamm des Betriebes bildeten. Es wäre ein aussichtsloses An- kämpfen gegen Verhältnisse, die mit der Selbstverständlichkeit eines Naturgesetzes sich Bahn brechen und ihren Platz behaupten werden. Wie lange wird es noch dauern, bis auch die armen verblendeten Proletarier, die sich setzt noch als Werkzeug gegen ihre Klassen- genossen gebrauchen lassen, welche traurige und entehrende Rolle sie spielen? Die Ausgesperrten aber habe» erkannt, Ivorauf es an- kommt. Dies kam auch in der letzten Versammlung derselben, die sich mit der jetzigen Situation beschäftigte, unzweideutig zum Aus- druck. Mit Genugtuung berichteten Arbeiterinnen und Arbeiter von den vergeblichen Bemühungen der Firma, sie durch Abgesandte zum Verrat zu bewegen. Ein Beweis, wie heitzbcgehrt die Arbeitskräfte sind. Aber auch darüber wurde berichtet, datz sich unter den Schutzleuten einzelne finden, die sich den Streikposten gegenüber gehässiger und aufreizender Bc- merkungen nickt enthalten können. Die geradezu musterhafte Ruhe und Besonnenheit dieser Posten läßt � allerdings jeden Versuch, Material zum Verbot des Streikpostenstehens zu beschaffen, scheitern. Man kennt den Zweck der Uebung. Lauter Jubel und allseitiges Bravo erschallte, als dann ein Kollege und eine Kollegin nach der andern im Auftrage ihrer Branchen erklärte:«Wir halten aus, bis uns die Hand zu einem ehrlicken Frieden geboten wird, und dazu ist die Grundbedingung die Einlösung. des Ehrenwortes, das der Direktor gegeben hat: Gesiebt wird nicht!" Kein Streikbrecher. Aus einem in Nr. 10 des„Vorwärts" ab- gedruckten Brief eines Herrn Keller in Prag könnte die Vermutung hergeleitet werden, datz der Berliner Maschinenmeister v. Roeden in Oesterreich Streikbrecherdienste geleistet hat. Das ist nickt der Fall. Roeden hat weder die Absicht gehabt, Streikbrecherdienste zu leisten, noch hat er es getan. Achtung, Buchbinder! An der Urabstimmung über den Antrag: „Umschauen ist verboten" beteiligten sich 2773 Kollegen und Kolleginnen. Die Frage beantworteten mit j a 1380, mit nein 1326 Abstimmende, 67 Stimmen waren ungültig. Der Zusatz zum § 5 Absatz a des Ortsstatuts:.Umschauen ist verboten" ist also mit 54 Stimmen Majorität angenommen. Deutscher Buchbiiider-Verband. Zahlstelle Berlin. Aus dem Flcischergewerbe. Der Fleischcrineister Franz Jonas, Langestratze 12, hat den Tarisverlrag des Zentralvetbandes der Fleischer anerkannt. Die Tariskommission der organisierten Fleischergesellcn. Deutsches Reich. Der Widerstandsfonds der Bankbeamten, der im Verbände deutscher Bankbeamten angesammelt wird, beträgt setzt nach einer Weihnachtssammlung von 5663,11 M. insgesamt 38 820,34 M. Für den Anfang ganz respektabel. Die Bankbeamten aber sollten in ihrer Opferwilligkcit nicht erlahmen, denn sie werden gleich den Ar- beiterorganisationen zu der Erkenntnis kommen, datz finanziell starke Organisationen nötig sind, die Interessen ihrer Mitglieder tatkräftig zu wahren._ In den Linke-Hoffmann-Wcrkcn, Lokomotiv- und Waggonbau« anstali in Breslau, sind sehr ernste Differenzen ausgebrochen, welche bereits bei den Stemmern zur Arbeitsniederlegung geführt haben. Die Linke-Hoffmann-Werke iverfen ganz kolossale Dividenden ab, wurden doch teilweise 35 bis 40 Proz. ausgeschüttet, im ver- gangenen Geschäftsjahr 16 Proz. Die Stundenlöhne der Schlosser und Dreher gehen herab bis auf 34 Pf., und die der Hilfsarbeiter bis auf 31 Pf. Trotz dieser sehr niedrigen Löhne hält die Firma die Verdienste der Belegschaft für zu doch und hat an den bestehen- kleines Zeuilleton. Fichte zum Straßburger Urteil. Mit unvergänglichen Worten hat der Philosoph Fichte die Klasse und die Jnstitutton, die in Zabern und Stratzburg triumphiert hat, gezeichnet. Folgendes hat ein Recht, jetzt wieder gebört zu werden: „Neben den Adel hin sticht sick ein beinah ebenso fürchterlicher Staat durch militärische Monarchien: das Militär. Durch eben das, was ihren Stand hart macht, die strenge Manneszucht und die mit Blut ge- schrieveiten Gesetze desselben an ibn angcfcsselt, finden sie in ihrer Er- niedrigung ihre Ehre und in der Ungestrasibeit bei Vergebungen gegen den Bürger und Landmann ihre Entichädigung für die übrigen Kasten desselben. Der verbatzte Halbbatbar glaubt mit der Montnr die sichere Ueberlegenhcit über den scheuen, von allen Seilen geschreckten Landmann anzuziehen, welcher nur zu glücklich ist, wenn er seine Neckereien, Beschimpfungen und Beleidigungen ertragen kann, ohne noch dazu von ibm vor seinen würdigen Befehlshaber geschleppt und zerschlagen zu werden.... Wenn ein Stand dem allgemeinen Gerichisbofe entzogen und vor einen besonderen geführt wird: wenn die Geietze dieses Gerichts- bofes von den allgemeineii Gesetzen aller Sittlichkeit sehr verschieden sind und mit stienger Härte bestrafen, was vor diesen kaum ein Fehler ist, und Vergehungen übersehen, die diese streng ahnden wüiden: so erhält dieser Stand ein abgesondertes Interesse und eine abgesonderte Moral und wird ein gefährlicher Staat im«taate. Wer den Verfiihiungen einer solchen Verfassung entgeht, ist ein um so edlerer Mann; aber er widerlegt nicht die Regel; er macht nur die Ausnahme." Diese Sätze sind hundert Jahre alt, aber sie leben wie heute gesprochen. Das bürgerliche 19. Jahrhundert konnte ihnen von ihrer lapidaren historischen Wahrheit nichts rauben. Die mittlere Linie. In dem Hause der Sezession ist am Sonntag eine Ausstellung von Malern und Bild- Hauern eröffnet worden, die sozusagen stolz darauf sind, die mittlere Linie zu marschieren. Der Fall dürfte einiger- matzen neu sein. Vom Künstler ging bisher die Sage, daß er als ein Drängender, ein Stürmender, ein Grenzenloser gelten wolle; daß er ein Ungewöhnlicher sein mochte, selbst wenn er es nicht war. Nun bescheidet sich plötzlich das Genie, und ist es zu- frieden, als Philister und Spießbürger ein Wassersüppchen zu wärmen. Der Nationalliberalismus, diese deutscheste aller Schlaf- krankheiten, hat auch die Kunst angesteckt. Man kann nicht sagen, daß er ihr besser bekommen wäre, als er im allgemeinen zu be- kommen pflegt: müde Gleichgültigkeit strebt gleichermaßen nach dem Brotkorb, wie nach dem Ruhm der Akademie. Es ist laug- weilig. Reines dieser Bilder kann uns packen; keines, wäre es nicht gemalt worden, bedeutete eine Verarmung der Welt. Die meisten sind uns längst bekannt; wir sahen sie im Ablauf der letzten Jahre hier und da, zumeist in Moabit. Sie sind also nicht verkauft worden; nun sollen sie auf der mittleren Linie dem gemütvollen Bürger, den Schlafröcklern, denen jegliche Revolution(auch die der Künste) ein Greuel ist, nochmals offeriert werden. Was geht das uns an, die wir die Kunst ehren, weil sie Eroberung und Leidenschaft, neues Sehen und'kühnes Wollen ist. Wir hassen die plätschernden Limonaden; uns ist der Irrtum lieber als eine halbe Wahrheit. Es verlohnt sich nicht, nach oem Kurfürstendamm zu gehen, um sich zu überzeugen, daß auch in der Kunst die„mitt- lere Linie" meist lahmt. Ii. Er. Der verschmähte Riescndiamant. Ein Engländer namens Bowler hat jüngst das unerhörte Glück gehabt, iij Transvaal einen Riefen- diamanten zu finden und ist nuit. wie man denken könnte, ein ge- mackter Mann. Hat er doch nicktS weiter nötig, als seinen kostbaren Fund für ein paar Milliönchen zu verkaufen, um alsdann von den Zi»sen leben zu können. So dachte Bowker auch, als er mit seinem Riesendiamauten in London ankam und ihn verkaufen wollte. Allein vorläufig bat er noch leinen Käufer für den prachtvollen Stein ge- funden. Alle Juweliere, denen er ibu vorgelegt bat. äutzern sich bewundernd über das Pracktsiück, allein mit dieser Bewunderung ist Herrn Bowker nicht gedient, vielmehr wäre ihm bar Geld lieber; aber soviel Geld wie der Diamant wert ist. will kein Juwelier daran wagen. In Paris und der Diamantenstadt Amsterdam bat Bowker die gleiche Erfahrung gemacht, und wenn nun nicht ein indischer Nabob oder ein amerikanischer Erzmilliardär helfend einspringen, steht er vor den beiden Möglichleiten, seinen kostbaren Diamanten zu be- halten oder ihn in'mehrere leichter verkäufliche Stücke zu zerlegen und so gewissetmatzen„auf Abbruch" zu verkaufen. Humor und Satire. Die Schicksalsfrage. Gar mancher beneidet die preußischen Geicklvoreiieit um die Tagegelder, die ihnen jetzt nach jeder Sitzung ausgezahlt werden. Er wird es nicht mehr tun. wenn er bört, datz eine Berliner Geickworenenbank dafür folgende Frage(ohne zu stocken) beant- Worten mutzte: „Ist der Angeklagte Werner Krause schuldig, im Dezember 1913 in Berlin-Mitte von dem Vorhaben des Entschlusses, gemein- ichaitlich mit einem oder mehreren anderen mit Gewalt gegen eine Person fremde bewegliche Sachen, nämsich eine Hand- tasche tnit Geld, der Verkäuferin Elise Schulzcndorj in der Absicht wegzunehmen, sich dieselbe rechtswidrig zuzueignen, durch Handlungen belätigt zu haben, welche einen Anfang der Ausführung dieses beabsichtigten, aber nicht zur Vollendung ge- kommenen Verbrechens entholten, zu einer Zeit, in welcher die Ver- hütung dieses Verbrechens möglich war, glaubhafte Kenntnis er- halten und es unterlassen zu haben, hiervon der Behörde oder der durch das Verbrechen bedrohten Person zur rechten Zeit Anzeige zu machen?"— 102 Worte! 210 Silben! 710 Buchstaben I Ohne zu stocken! — Und das alles für 5 M. Diäten!„Simplicissimus". Notizen. — Musikchronik. Das Berliner T o n k ii n st 1 e r o r ch e st e r veranstaltet am 16. Januar int Deutschen Hof einen Richard- Wagner-Abend. — Julius Meier-Gr aefe wird am Mittwoch, 23. Januar, abends 8 Uhr, im Kunstsalon Cassirer, Vikioriastr. 35, einen Vor- trag über das Thema„Kit n st oder Kunstgewerbe?" halten. — Berliner K u n st l e b e n. In der Münchener„Jugend" wird folgendes geredet:„Hat Ihr Sohn Erfolge in der Malerei?" —„Kolossal, er hat schon zwei Medaillen und drei— Polizei- strafen!" — Die Konkurrenz um den Gral. Die Wiener Kom« ponistin Mathilde von Kralik hat eine romantische Oper Am« f o r t a s komponiert, die auch den Gralstoff behandelt. — Hamlet s ii-r S ch w a ch k ö p f e. Der toitzige Komödien« schreiber Tristan Ber nard will den alten Shakespeare korri- gieren. Er schreibt jetzt„einen Hamlet, der von der Kompliziertheit und der ganzen Philosophie, die den Helden Shakespeares vcr- dunkell, frei fein wird l" Dieser Hamlet wird helle sein wie ein Kronprinz von Sachten. Aber warum ist Tristan Bernard nicht so ehrlich und„dichtet" nicht gleich für den Film? —• Eine Organisation bildender Künstler Oesterreichs, die sich Wirtschaftsverband nennt, wurde in Wien gegründet und ins Genossenschaftsregistcr eingetragen. Ihr Zweck ist die Förderung der Berufsinteresten und des gegenseitigcn Schutzes der Mitglieder. BeiouderS Rechtsschutz gegen Verleger und Nachdrucker soll gewährt, und es sollen für die Mitglieder ein Kunst« und Ansichtskartenverlag, eine NeklamevermittelungSstelle errichtet, es sollen Kunstiverke angekauft ivetdeu zur Sicherung ihrer Wert- steigeruiig für den Urheber, man will Auktionen veranstalten, die Material-, Modell- und Atelierbeschaffttng organisieren, Zoll- und Transportsachen erledigen usw. Schltetzlich soll auch Schadenversicherung vermittelt werden. — Brauer und Kunstmäcen. Karl I a c o b s e n, der Direktor der Carlsberg-Brauereien, der größte Brauer und der vor- nehmste Mäcen Dänemaiks, ist im Alter von 73 Jahren in Kopenhagen gestorben. Der Bierkonsum hat hier einmal dazu gedient, Kultur zu fördern. Wie schon sein Vater hatte Jacobsei: jun. seine Brauerei einem besonderen Fonds zur Förderung von Kunst und Wissenschast abgetreten und nur ein Gehalt als Direktor ve- zogen. Dem alten Jacobsen verdankte Dänemark den Wiederaufbau des abgebrannten Frcderiksborg, das das wunderbar reiche national- historische Museum beherbergt. Aus den Biertantiemen des jungen Jacobsen wurden wissenschastliche Unternehmungen mancherlei Art gespeist, Kopenhagen verschönert und vor allem die Ny Carlsberg- Glyptothek gegründet, die gehaltvollste Sammlung der Plastik des 19. Jahrhunderts, die auch schöne Antiken enthält. Hier kann man heute noch Arbeiten z. B. von Rodin besser vertreten finden als irgendwo in Deutschland. — 12000 Briese Tolstois. Die Witwe Leo Tolstois beabsichtigt, die Briefe ihres verstorbenen Mannes, deren Anzahl 12 090 betragen soll, herauszugeben. Insgesamt sollen sie ein Werk von 30 Bänden umsasien. ten, aber sehr bescheidenen Mkoriqireisen Abzüge von 10 bis 30 Proz. vorgenommen. Alle Versuche, die Äbmge zurückzunehmen oder zu ermähigen sind brüsk abgewiesen worden, wodurch unter der Beleg- schon eine starke Erbitterung Platz gegriffen bat. Ein Kampf ist fast unvermeidlich, daher bittet die Ortsverwaltung des Metall- arbeiterverbandes jeden Zuzug von Metallarbeitern aller Art sowie von Tischlern, Stellmachern, Malern und Rupferschmieden zu umer- binden. Breslau gilt als gesperrt. Geschäftspraktiken der Arbeitswilligenvermittler. Die Streilbrcchervermittler haben schlechte Konjunktur. Ihr Warenabsatz im Jnlande mutz n-rturgemätz ein sehr niedriger sein, weil in den letzten Wochen Streiks wenig geführt wurden. Schlietz- lich ist ihr Geschäftsansehen auch bei ihren Abnehmern, bei den Unternehmern, nicht gestiegen, wenn, wie es erst in den letzten Tagen wieder einmal geschah, vor Gericht nachgewiesen wurde, datz sie die Unternehmer offenbar betrügen, indem sie allerhand zusammen- gelesenes Volk für teure Spesen als qualifizierte Arbeiter ausgeben und den Unternehmern als Streikbrecher schicken.- In dieser Zeit schlechter Geschäftskonjunktur versuchen die Herren im Auslande Geschäftsverbindungen anzuknüpfen, damit deutsche Art auch dort eine Stätte findet. Eine Firma Linden- berg u. Meher aus Wandsbek bei Hamburg offeriert sich in Belgien einem geehrten Kundenkreis. Die gedruckten Brief- bogen der Firma machen den Eindruck, als ob es sich bei ihren Ge- schäftsabschlüssen um Wunder was für für Geheimnisse oder gar um ein lichtscheues Gewerbe bandele, was doch wohl nicht behauptet werden kann. Nicht nur steht in grohen Lettern am Briefbogen- köpf:„Streng vertraulich", sondern den Kunden wird auch die Weisung gegeben:„Im Interesse der Sache ist strengste Diskretion erforderlich. Es wird höflichst gebeten, bei Beantwortung dies- bezüglicher Schreiben keine P o st k a r t e n zu benutzen." Sonst unterscheidet sich das Anerbictungsschreiben von denen anderer Ar- beitswilligcnvermittler wenig. Es wird den Unternehmern ver- sprochcn, innerhalb 24— 48 Stunden jeden Betrieb mit zirka 1300 .Handwerkern und Arbeitern und eventuell mehr besetzen zu können. Fragt mich nur nicht wie! Jnteresiant ist nur die Be- hauptung in dem Schreiben, daß viele industrielle Unternehmungen sowie Arbeitgeberverbände Verträge auf Jahre hinaus mit der Firma Lindenberg u. Meyer abgeschlossen haben. Hoffentlich fahren die Unternehmer bei diesen Geschäftsabschlüssen so gut wie die Herren Arbeitswilligenvermittler. Dem Schreiben der Firma Lindenberg u. Meyer sind dann eine Reihe Anerkennungsschreiben bestreikter Firmen beigedruckt. So bedankte sich die Heucrstelle des Vereins Hamburger Reeder im Jahre 1900 für 1000 gelieferte Streikbrecher, die Getreidesseber- gescllschaft in Hamburg für 800 im Jahre 1941 überwiesene Streik- brecher, die Breitenburger Portlandzementfabrik in Lägerdorf für 800 Mann, die Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft für 300 Mann und so fort. Eine altrenommierte Firma also, die mit Anerkennungsschreiben vom Jahre 1907 bis in die Jetztzeit hinein aufwarten kann.— Wahrscheinlich sind die beiden Geschäftsinhaber gute Patrioten, die mit ihrer Geschäftserweiterung über die deutschen Grenzpfähle hinaus durch Streikbrecherlieferungen das Ansehen der deutschen Nation noch zu erhöhen trachten._ Eine Aussperrung in der Münchener Schuhindustrie? Die Verhandlungen vor den» Einigungsamte des Münchener Gewerbegerichts sind, wie in Nr. 2 des„Vorwärts" berichtet, an dem geringen Angebot der Ringfabrikanten gescheitert. Der Wortführer der Fabrikanten, ein Herr BayerSdorfer, erklärte damals, datz ihm ein tariflofer Zustand lieber sei, da auck der Tarifvertrag bis- her nickt die Ruhe und den Frieden in den Betrieben aufrechterhalten habe. Die beteiligte Arbeitersckaft hat denn auck beschlossen, datz sie vorläufig ohne Tarif weiter arbeiten und de» Eintritt einer besseren Konjunktur abwarten werde. Nun sandte der Fabrikanienring dem Schuhmachcrverbande ein Sckreiben des Inhalts,„datz der tarisloie Zustand weder für die Arbeitnehmer noch für die Arbeitgeber eine be- friedigende Lösung sei, weshalb sie darauf bestehen müssen, datz bis zum 14. d. M. neue Verträge abgescklosie» werden, daniit im beiderseitigem Interesse in de» Betrieben wieder Friede und geordnete Verhältnisse eintreten."... Sollte wider Erwarten diesem Voricklage nickt Folge geleistet werden, dann wären die Fabrikanten zu ihrem Bedauern gezwungen, ihre Betriebe stillzulegen.— Die OrganisaiionSleitung hat den Herreu Ringfabrikanten mitgeteilt, datz sie bereit fei, auck für die Zukunft einen Tarifvertrag obzuschlietzen, wenn er den berecktigten Interessen der Arbeitersckaft enispiickt. Es liegt also an den Herren Fabrikanten, wenn sie Ruhe und geordnete Verbältnisse in ihren Betrieben haben wollen, entsprechende Angebote zu macken. Ob sie ibre Drohung, ihre Betriebe zu sperren, wabrmacken werden, wird sich zeigen. Der Streik in der Sckuhfabrik M o n a ch i a sGebrüder Regensteiner), der Lieserantin der GrotzeinkaufSgesellichafl deuticker Konsumvereine, dauert nack wie vor fort I Es wird gut sein, den Zuzug von Fabrikschuhmachern und Stepperinnen nach München fernzuhalten._ wirtschaftlicher Wochenbericht. Der Kampf auf dem Ammoniakmitrkt und die chemische Industrie. Seit einiger Zeit bestand auf dem Ammoniakmarkte ein Kampf zwiscken den Herstellern von„künstlichem" und von„nalür- lichem" Ammoniak. Schwefelsaures Ammoniak wurde früher aus- schließlich als Nebenprodukt in Kotsbetrieben gewonnen. Bei der Verkokung von Kohle entstehen außer Koks und Leuchtgas bekanntlich eine Reihe von chemilcken Produktene Hälfte des Mehrgewinns bei der Verkokung auf die Nebenprodukte eiitiällt, unter denen Ammoniak an erster Stelle steht. Die Bergwerke streben daher nach immer rationellerer Ausbeulung der Nebenprodukte: von 1900 bis 1908 stieg im rheinisck-weftfälisckeii Kohlenbergbau die Kohlenproduktion um 40 Proz.. die Koksproduktion um 80 Proz.. die Ammoniakproduktion aber um 893 Proz.! Selbst für die grotzen � Bergbaubetriebe bildet der Kokereibetrieb mit seinen Nebenprodukten � die Grundlage der heutigen hoben Rentabilität. Die Verwertung deZ Haderschen Verfahrens mutz daher durch Erschwerung des Ammoniak- absatzes und Ermäßigung des Ammoniakpreises den Kohlenbergbau treffen. Die Fabrikanten von natürlichem Ammonial stehen diesem An- griff nickt unorganisiert gegenüber. Bereits seit 1893 besteht eine „Deutsche Ammoniak- Verkaufs- Vereinigung" G.m.b.H.(inBockum), die mit der„Deulsche nTeer-Verkaufs-Vereinigung" und der„Deutschen Benzolvereiuigung" von einem gememsamen Borstand einheitlich geleitet wird. Der Ammoniak-Vereinigung ge- hören als Mitglieder alle grotzen Bergbau- und Hüttenbeiriebe Rheinland-Wesisalens an, die Koks produzieren. Auch ist ihr der Verkauf der Ammoniakerzeugung mehrerer Gasanstalten und der könig- kicken BergwerkSdireklion im Ruhrgebiet übertragen. Ferner hat fie mit den„Oberscklesifcken Kokswerken und Chemi- schen Fabriken A.-G."chenresten wurden verhältnismäßig große MengenArsen nachgewiesen. Hops erklärt sich für unschuldig. Die vielen Gifte erklärt er für die Hundezucht und die Heilung erkrankter Tiere gebraucht zu habe». Weiter behauptet Hopf, die bei ibm gefundenen Kulturen von Cbolera-, Typbus- und anderen Bazillen nur zu Versuchszwecken aus Wien sich verschrieben zu haben. Er selbst habe von diesen Bazillen eingenommen. Er gesteht zu, daß er auch seiner dritten Frau Cholera- und T t> p h u s b a z i l l e n eingegeben habe. Er will das aber in einem Zustand geistiger Störung getan haben. Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Marktpreise von Berlin am 10. Januar 1914. nach Ermittelung«! deS tgl. PoltzeivräsidwmS. Mais(mixed), gute Sorte 16,90—17,00, Donau 16,00— 16,30. MaiS zrunder), gute Sorte 14,60—15,00. Richtstroh 4,80- 5,60. Heu 6,60—8,50. Martihallenvreis«. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 84,00—50,00. Sveilebobnen. weiße 35.00—60,00. Linien 36,00— 80,00. Koriofietn(Kiembdi.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule l.60—8.40. Rmdfleiich, Bauchfleilch 1,30—1.80. Schweinefleisch 1,40-2.00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40, Kutter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4.80— 7.20. 1 Kilogramm Karpien ILO— 2.50. Aale 1.60—3.20. Zander 1.40-3,20. Hechte 1.40—2,80. Barsche 1.00—2,30. Sckle,» 1.60— 320. Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Krebi» 3,00—30.00 Verwaltung Kerlin. Donnerstag, den 15. Januar 1914, abends K1/» Uhr: Beginn des dritten Oortragskurlus für Bonuniffionsroitglieder über„Geschichte, Theorie und Taktik der Gewerkschaften. Vortragender: Genosse Wiffell. Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags l'/z Uhr, in der Brauerei Jriedrichshain, am Friedrichshain: Versammlung aller ardeitstosen Hotzarlieiter Groß-Kerttns. Tagesordnung! Die große Arbettslojigkeit im Holzgemerbe. Referent: Genosse Wermuth. Osksr Wollburg Trauer» Magazin Berlin N., BrunnenstraBe SB Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. 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Januar, nachmittag» 3 Uür, von der Leichenhalle des neuen Jakobt- Kirch- Hofes, Neukölln, Hermannstraße, ans statt. 208/3 Um rege Beteiligung ersucht Vt»i> Ortskrankeiikasse der Gürtler zu Berlin. Am Sonnabend, den 10. d. M., verstarb insolge Herzschlags Plötz- lich der Angestellte Herr Max leska Luisenuser 32. Der Verstorbene war stets be- strebt, in treuer Pflichtersüllung seine ganze Krast der dem Ge- meinwohl dienenden Institution zu widmen. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den Xi. Januar, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Neuen Jakobikirchhosos in Neu- lölln, Hermannstrafie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 207/4_ Der Borstand. inYaliden-linterstützungskasse der Gürtler zu Berlin. Am 10. Januar er., oerstarb plötzlich und unerwartet unser langjähriger Schristsührer, der Käisenangestellte Herr Max 1'vska. Wir verlieren in ihm einen treuen und selbstlosen Kollegen, der jedem stets mit Rat und Tat zur Seite stand und die Jntei- essen der Mitglieder und der Kasse in uneigennützigster Weise wahr- genommen bat. Sein viel zu srüheS Hinicheiden bedauern wir lies und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Milttooch. den 14. Januar er., nachmittags 3 Uhr, von der Halle deS Neuen JakobikirchhoseS, Neu- lölln. Hermannstrafie, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 281 /12_ Der Borstand. Am Sonnabend, den 10. d. M., verstarb insolge Herzschlages Plötz- lich unser lieber Kollege, der Kossen� angestellte Herr o33b VesZLS Luisenuser 32. Der Verstoibeno hat sich durch sein offenes und gerades Wesen die Liebe und Achtung aller Kollegen erworben und auch bis zu seinem Todestage die Jntcr- essen derselben im Augestellten- ausschutz vertreten. Wir werden ihm ein dauerndes Andenken bcwnhuen. Die Beerdiiping findet am Mittwoch, den 14. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Jakobi-Ktrchhoses in Neu- tölln, Hermannstraße, aus statt. Die Angestellten der Orts-Krankenkasse der Gürtler zu Berlin. Verband der Bureauanptellten Ortsgruppe Grost-Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis daß der Kollege Kassenangcst.(O.-K.-K. d. Gürtler) ain 10. Januar an Herzschlag ver- starben ist. 46/1 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Millivoch, den 17. Januar, nach- 3 Uhr, aus dem Neuen Jakobi- Kirchhof, Hermannstraße statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutseber Ketailarbelter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Ziseleur Max Teske gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Januar, nach> mittags 3 Uhr, von der Leichen. halle des neuen Jakobi-Kirch. Hofes in Neukölln, Hermannstraße, auS statt. 110/12 Ferner starb unser Mitglied der Rohrleger <*em'K Grell Nieder-Schöneweidc, Berliner Straße 1>0 am 10. d. M. an Gallenblasen- leiden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags 3 Uhr. von der Leichen. halle des Gcmcinde-Friedhoses in Alt-Glienickc aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. SozialdemokratisEherWahlYerein I.d.4.Berl. Reichstagswahlkreis. Görlitzer Viertel. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Raroline Schmidcben gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 13. Januar, nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Zentral-FriedhoseS in FriedrichSsclde aus statt/ Um rege Beteiligung ersucht 210/6 I»en Vorstaml. Zentralverband der Steißarbeiter Zahlstelle Berlin. Am 9. Januar starb unser Kollege, der Marmorschleiser Rudolf Kaiser im 60. Lebensjahre an Lungenentzündung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dicnstagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Georgen- Kirch- Hofes in Wcißensce, Rölckestraße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 171/1 Oie Ortsverwallung. SozialdeniokratisctierWahlYErein Kreis Niederbarnim. Bezirk l-lchtenberc. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse kiebsi'll Westphal im 27. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet Mittwoch. nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle des Zenttat-Friedhoses in Friedrichssetde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 14/1 Tie Bezirksleitung. Deutseber Textiiarbeiterverband. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Weber Wilhelm Sible am S. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute DienStag, den 13. Januar, nach- mittags 3>/z Uhr. von der Halle des städtischen Zcntralsricdhoses in Friedrichssclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 195/1 Die Ortsverwallung. Beutseber Hoizarbeitemrband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Richard Westphal Lichtenberg, WilHelmstraße 18. im Alter von 26 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 14. Januar, nach. mittags 3 Uhr. von der Halle des Zentrat-Friedhoses in Friedrichs- selbe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/16 Die Ortsverwallung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowiedie überreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten VaterS sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Gutmann sowie den Ge- nassen des 3. Bezirks unseren herz- lichsten Dank. 11141 Frau Wohlfeld nebst Kindern. Arbeiter- Hadiahrer-Bund „Solidarität", Ortsgruppe Lichtenberg. Den Sporigenosscn zur Nach- licht, daß unser Vorsitzender Richard Westphal am 10. Januar nach langem schweren Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch. den 14. Januar, nachm. 3Uhr. von der Leichenhalle des Zentral- Fnedboses, Friedrichsseide, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 535b vor Vorstanö. Verband der fabrikarbeiter Beutscblands. Zahlstelle GroB-Brrlln. Am Freitag, de» 9. Januar, verstarb unser Mitglied Lustsv Birth tAniIiusabrit Treptow). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 13. Januar, nach- mittags 3 Uhr, vom Neuköllner Genieindesriedhof, Mariendorser Weg, aus statt. 56/3 Rege Beteiligung erlvartet Tie Ortsverwaltung. Allgemeine Kranken- und Sterbe- kasse der Metallarbeiter. V. a. G.— Filiale Steglitz. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Max Zubeil am 9. d. MlS. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute, Dienstag, den 13. Januar, nach- mittags B'/j Uhr, von der Leichen- balle deS Schöneberger Friedhofs, Maxflraße, aus statt. 110/lt Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Dank«aeanzr. Für die herzliche Teilnahme bei der Berrdigutlg unseres Kindes Betinut Scheidemann sagen wir allen Teilnehmern unseren herzlichsten Dank. 121A Karl Scheidemann und Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer tieben Tochter Hedwig/ sagen allen Freunden und Belannlen herzstchen Dank. 95A P. Grosser, Frau und Dochter. Hiermit die traurige Nachnchl, dag meine liebe Frau, unsere Schwester und Schwägerin ftau Anna Hünchen geb. Ackermann nach langem Leiden verstorben ist Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium m der Gerichtstr. 37/38, statt. Der trauernde Gatte 539b Hermann Hüncben. Danksagung. Für die anläßlich des Todes unserer unvergeßlichen Mutter in so reichem Ma> e uns erwiesene Teilnahme tage ich hiermit namens der Hinterbliebenen allen Freunden und Bekannten herz- lichsten Dank. b34b Berlin-Neuköllli, 12. Januar 1914. duslav Bauer. öhlmtn- nud hran'.bindrrr m Roberl Meyer, Ind.: P. Golletz Mariantirnstr. 3. Tel. Mpl. 346 Tort nritSuftsehlaneh und?utnpe. Badfahrer, welche die Kosten der Bereifung verringern, ohne Pnouniatikdefekte fahren und stets ein fahrbereites Kad haben wollen, fahren nur PneuRielaslieum, elastisch wie Luft, unbegrenzt in Haltbarkeit. Jahres-Garantie 20000 km, Verlangen Sie sofort per Karte kostenlose Zusendung von Prospekt 12. .m BRAUXSCHWEIG. 8/10» Bekanntmachung betreffend die Wahlen der Vertreter und der Ersatzmänner zum Ausschuß der Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. Für den Jnserat-mleil veraniw.: Th.Glockr.Berliv Drucks. Verlag: Vorwärt? Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co„ Berlin SW. Orts-Krankenkaff e der Optiker und vemandirn Grllikrbe tu Krrlin bis zum 31. Dezember 1917. Aus Grund de?§ 71 der Satzung find für die Wahlperiode bis 31. De. zember 1917 in getrennter Wahlhandlung zu wählen: aus der Mtlte der Arbeitgeber 30 Vertreter und 60 Ersatz. Männer,- aus der Milte der Versicherten 60 Vertreter und 120 Ersatz» männer. Die Arbeitgeber wählen am Montag, den 2. März 1914. von 5— 8 Uhr abends, im Kassen» lokal, Roscntbalcr Str. 40/41, 2. Hos I Treppe. Wahlbercchligt sind solche volljährigen Arbeitgeber, die für ihre ver. ficherungspfiichiig Beswästigtcn Beiträge an die Kasse zu zah.en haben. Arbeitgeber, die selbst versichert sind, zählen zu vcu 4trbellgebern, wenn sie regelmäßig mehr als zwei Bcisicherungspflichlige beschästigen: andcriijalls zu den Versicherten. Für die Wäblbarleit stehen den 4lrbeitgcbern bcooll- mäwtigle Betriebsleiter, Gcschästssührer oder Belriebsbeamte der beteiligten Arbeitgeber gleich. Die Arbeitgeber führen bis zu 100 verficherungspslichtig Beschäftigter sür je angefangene 10 und bezüglich der über 100 hinausgebendeu Zahl jür je angefangene 20 Bcichäjtigte eine Stimme. Mehr als 30 Stimmen kann lein Arbeilgebcr führen. Weder wählbar noch wahlberechtigt sind die Arbeitgeber unständig Be. schästigter als solche, und 4trbeitgeber, die mit der Zahlung der Beiträge im Rückstände sind; ferner Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Ersatz. kasse find und deren eigene Rechte und Pflichten auf ihren Antrag ruhen Wer als Arbeitgeber n ählbar ist, kann die Wahl nur ablehnen, wenn er 1. daS sechzigste Lebensjahr vollendet hat: 2. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat; Kinder, die ein anderer an Kindesstatl angenommen hat, werden dabei nicht mit» gerechnet; 3. durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, das Amt ordnungS» mäßig zu jähren; 4. mehr als eine Vormundschast oder Pflegfibasi führt. Die Vor» mundichajt oder Pstrgschast über mehrere Geschwister gilt„nr als eine: zwei Ecg>nvcrwundichastcn stehen einer Vonnundschaft, ein Ehrenamt der Reichsversichcrung einer Gegenvormundschast gleich; 5. während der unnntlclbar vorhergehenden Wahlzcit das Amt mindestens zwei Jahre geführt hat. Ein Arbeitgeber, der die Wahl ohne zuläsfigcn Grund ablehnt, kann vom Vorsitzenden des Vorstandes mit Geldstrafen bis zu jünsyundert Mark bestraft werden. Die Bersicherten wählen am Sonntag, den I. März 4914. von vormittags 9 bis nachmittags 4 Uhr in den„Arminhallcn", Kommandantcnstr. 58/59. Wahlberechtigt sind alle volljährigen, bei der Kasse versicherten Mitglieder. Das Wahlrecht ist in Person auszuüben. Die Wahl wird durch den Vorstand geleitet. Die Wahlen sind geheim. Gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl sowie nach den Bestimmungen der Wahlordnung, welche einen Bestandteil der Kassen- satzung bildet. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Nicht wählbar ist, 4. wer insolge slinigertidtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Be. lleidung öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eines Bcr- brechens oder Vergehens, das Den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn daS Haupt. verfahren eröffnet wird? 2. wer insolge gcrickitlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Die wahlberechtigten Arbeitgeber und Bersicherten werden hier. durch ausgesorden. Wahloorschläge gesondert sür die biteiliglen 4Irbcit. geber und Versicherten auszustellen und spätestens bis Sonnabend, den 31. Januar 1914. dem Vorstand einzureichen. Die Wahlvorschläge der Wahlberechtigten müssen von mindestens 10 Wahl« berechtigten der beireffenden Gruppe mit zusammen mindestens 30 Stimmen unterzeichnet sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wahloorschlaa, sa wird sein Nome nur aus dem zuerst eingereichten Wahlvorschlage gezählt und auf de» übrigen Vorschlägen gestrichen. Sind mehrere Wahl» Vorschläge, die von demselben Wahlbercchliglen unter eichnet sind, gleich» zeitig eingereicht, so gilt die Uliterschrist aus demjenigen Wahlvoi schlage, welchen der Unlerzeickmer binnen einer ihm gesetzlen Frist von höchstens zwei Tagen bestimmt. Unterlägt dies der Unterzeichner, so jentschcidct das Los. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal soviel Bewerber benennen» als Berti rtcr zu wählen find. Die einzelnen Bewerber sind unter sorl» laufender Nummer aufzuführen, welche die Reih, ntolge ihrer- Benennung ausdrückt, und nach Familien- und Vor- lRus-) Namen, Beruf, Wohnort und Wohnung zu bezeichnen. Bei Versicherten rst auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahtoorschlägen sür Ver» sicherte ist von jeoem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Vablvorschlägcii sür Arbeit» ebcr ist eine wiche Erklärung nur ersorderlich, soweit ein vorgeschlagener fewcrbcr nach§ 17 der Rcichsversichcrungsordnung zur Ablehnung der Wahl besugt ist. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter des Wahlvorschlags und ein Stellvertreter sür ihn aus ver Mitte der Unterzeichner zu be« zeichnen. Ist dies»Hierblieben, so gilt der erste Unterzeichne als Per« treter des Waklvorhhlags und, soweit eine Reibcnsolge erkennbar ist, der zweite als sein Slclloertreier. Der Wahlvorichlagsvertreter ist bercchtiat und verpflichtet, dem Vorstand oie zur Beseitigung etwaiger Anstände ersorderlichc» Ertlärungcn avzugeben. Die Wühler können die Arbeilgebcr- und Mitglicdcrverzeichuiffe in der Zeit vom>4. bis 31. Januar 1914 im Kassenlokal einsehen. Einsprüche gegen die Richtigkeit derselben sind bis zum gleichen Tage bei dem Vor- lande einzulegen. Ist der Name eines Wählers in dem Atbeiigeber- und Mitglieder» veizeichnis nicht entbalten, so wird er zur Wahl nur zugelassen, wenn er in einer sämiliche Mitglieder des Wahlausschusses überzeugenden Weise seine Wahlberechtigung nachweisen kann. Ais Nachweis genügt außer dem W idlausweis« in der Regel jür die Arbeitgeber die Ouiltung über die zuletzl gezahlien Kaffenbeiträgc. sür die Kassenmitglicdcr die Mitgliedstartc oder eine vom Arbeitgeber ausgestellte Leichernigung, daß der Betreisende am Tage der Wahl noch in Beschäftigung steht. 5 ie zugelassenen Wahloorschläge liegen ebenfalls im Kassenlokale biS zum 14. Februar t914 zur Einsicht der Beteiligten aus. Wir verweisen im übrigen aus die in der Satzung abgedruckte Wahl. ordnung. 267/3 Berlin, den 10. Januar 1914. Ter Borstand. Max GntMchc, Vorsitzender. F. Ileniann, Schristsührer. -------------- n lt. 12. 81 IchtMg. ZKkilU ki Jurmärts" fitrlin« WKsM Dievstag, 13. Javvar 1914. Wtwoch: �ahlabenä für Groß-Bcrlin. Parteiangelegenheiten. Achtung, Versammlungsleiter! Die Leiter der heutigen Versammlung werden gebeten, wenn sich vor, während oder nach der von ihnen geleiteten Versammlung irgendwelche b e- sondere Zwischenfälle ereignen, diese noch am Abend sofort der Redaktion des„Vorwärts" durch besonderen Boten zu niclden. Dritter Wahlkreis. Für die Bezirke 216 bis 220a der dritten Abteilung und für die Bezirke 227 bis 229 der 6. Abteilung findet ein gemeinschafllicher Zahlabend mit einem Vortrag bei Augustin, Oranicnstr. 103, statt. Für die Bezirke 213 bis 218 der 9. Abteilung findet der gemein- schaftliche Zahlabend im Vereinshaus„Süd-Ost", Melchiorstrasie 15, statt. Vortrag des Genossen Breiksch über»Die proletarische Jugend- bewegung". Die Bezirke 221 bis 223 der 1. Abteilung halten ihren Zahl- abend bei Müller, Alexandrinenstr. 32, ab. Vortrag des Genossen Adolf Ritter. Charlottenburg. Mittwoch, den 11. Januar, findet ein g o- meinsamcr Zahlabend der zweiten Gruppe im Volkshaus statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Gruppen- angelegenheiten. 8. Gruppe. Am 11. Januar Versammlung bei Ahrens, Ans- bacher Str. 11. Vortrag:„Vertritt die Kirche das wahre Christen- tum?" Anfang pünktlich 9 Uhr. Vorher Beitragszahlung. Lichtenberg. Morgen Mittwoch, abends pünktlich 8'/z Uhr, kom- binierler Zahlabend der 11. Abteilung im Cafe Bellevue. 1. Vortrag des Genossen Redakteur Mermuth. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. Lichterfelde. Zu dem am Mittwoch stattfindenden Zablabcnd wollen alle Genossen erscheinen, um Stellung zu den bevorstehenden Gemeindcwablen zu nehmen. Treptow-Baumschulenwcg. Die Genossinnen und Genossen vom Ortsteil Treptow treffen sich heute Dienstag, abends T'/a Uhr in ihren Bezirkslokalen und gehen gemeinsam zu den Berliner' Protest- Versammlungen. Für den Ortsteil Baumschulenweg findet später eine Versammlung statt. Johannisthal. Am Mittwoch, den 11. Januar, abends O'/., Uhr im Arbeiterheim, Friedrichfir. 60: Mitgliederversammlung des Mahl- Vereins, in welcher die Gemeindeverireter einen Bericht über ihre Tätigkeit geben werden. Die Bibliothek ist um 8 Uhr geöffnet. Gäste haben Zutritt. Schu'.argeudorf. Am Mittwoch, den 11. d. M., abends S1/» Uhr, im Restaurant Türk, Hubertusbader Str. 8: Mitgliederversammlung. Ter Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Alt-Glienickc. Mittwoch, den 11. d. M.. abends 8 Uhr: General- Versammlung im Restaurant Rodenbusch, Rudower Str. 51. TagcS- ordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Mahl eines Vorsitzenden. 1. Verschiedenes. Die Wahlvereins- bibliothek befindet sich im neuen Jugendheim, Grünauer Str. 7, parterre. Bücherausgabe ist Dienstagabends von 8—9, Sonnlag- vormittags von 11—12. FricdrichShagcii. Am Mittwoch, den 11. Januar, abends 8'/- Uhr, in Lerches Fesli.älen,�Fpiedrichstt. 112: Gemeinsamer Zahl- abend. Auf der Tagessrhnung steht ein Vortrag des Genofiezi Dr. Fr. D i e d e r i ch über„Georg Büchner". Lichtenrade. Morgen Mittwoch, den 11. Januar, abends L'/z Uhr, Mitgliederversammlung im Wirtsbaus Lichtenrade. Bohnsdorf. Die Bohnsdorfer Arbeiterschaft wird ersucht, sich an der Protestversammlung in Adlershof am Mittwoch, den 11. Januar, zu beteiligen. Abfahrt vom Bahnhof Grünau 8 Uhr 23 Min. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet deshalb am Mittwoch, den 21. Januar, statt. Spandau. Morgen Mittwoch, abends S'/j Uhr, gemeinschaftlicher Zahlabend für die Bezirke 1—1 bei Zettel, Bismarckstr. 6. Für die übrigen Bezirke Zahlabend in den Bezirkslokalen. öerliner Nachrichten. In der Börse. Von außen gesehen, macht das imposante Börsengebäude in der Burgstraße eher den Eindruck eines Museums, als den eines kapitalistischen Wuchertempels. Drinnen aber, im Innern der weiten Hallen, feiert die TpekulationSwut der privile- gierten Kapitalbesitzer täglich ihre wildesten Orgien; wird mit einer Leidenschaftlichkeit und Energie um„die Schätze, die der Rost und die Motten zerfressen", gerungen, als gälte es die Welt aus den Angeln zu heben. Wer um die Mittagszeit in der zivvlften Stunde von der Galerie des Börsensaales(Eingang Neue Friedrichstraße, Entree 35 Pf.) den wcchselvollen Gang des Börsenspiels beobachtet, macht die Augen weit auf, wenn er sieht, welche rohen Kräfte das innere Getriebe der kapitalistischen Gesellschaft, der„göttlichsten Ordnung der Dinge" zusammenhalten.— Der riesige Versammlungsraum der Berliner Börsenmäuner zeichnet sich aus durch prosaische Nüchternheit; nirgends ist etwas von Freundlickkeit, Schmuck oder dergleichen anzutreffen. In gewissen Abständen ist der große Saal mit fast geschmack- losen Holzbänken versehen. Jeder der Plätze ist durch ein kleines' Emailleschild für eine bestimmte Person reserviert. Zu Hunderten haben sich die Vertreter des Finanzkapitals und die Berufsmakler verschiedener Art eingefunden. In regelloser, lärmender Unordnung schwirren sie hin und her, die ttzpischen Börsenjobber: dazwischen eilen Depeschcnboten, Briefträger und sonstige dicnstvaren Geister. Immer lauter wird es. Das Börsengeschäft hat seinen Anfang ge- nommen. Ans dem tosenden Lärm werden jetzt einige brüllenden Stimmen hörbar. Mehrere dichte Gruppen haben sich gc- bildet, in deren Mitte auf erhöhtem Postament einer der Börsenmänner Aktien ausbietet. Der Kurs seiner Papiere soll unter allen Umständen in die Höhe gehen. Taruni schreit er, brüllt wie ein kriegerischer Indianer und schlägt init den Armen einen wilden Takt dazu. Andere schreien dagegen oder dafür, jeder sucht die Stimme seines Gegners niederzubrüllen— der ganze weite Raum erdröhnt, erzittert unter der Wucht des orkanartigen Geheuls. Und nun hat sich in der Mitte des Saales ein Börsen- mann auf die Bank geschwungen. Mit lautem Organ preist er den hohen Wert seiner Papiere an, brüllt, daß ihm das Blut in schweren Wellen zum Kopfe'steigt, und als wolle er die Kraft seiner Stimmbänder erproben. Das geflügelte Wort vom Börsenlöwcn ist keine leere Phrase, cS- findet hier mehr als einmal seine treffende Bestätigung. Der Höhepunkt des Börscnkanipfes ist bald überschritten. Nur noch an wenigen Punkten� flammt die Spekulationswut empor. Aber die sensationelle Spannkraft ist längst erschöpft und schon beginnt der Geldtempel sich zu leeren. Das Börsenspiel ist zweifellos innerhalb der kapitalistischen Gesell- schaftsordnung die brutalste Form des Handels. Je höher das Objekt, der Gegenstand bewertet wird, um den der Kampf geführt wird, desto schärfer platzen die widerstreitenden Interessen aufeinander. Gelten im kapitalistischen Handel moralische oder persönliche Rücksichten herzlich wenig, so besitzen sie in der Börse überhaupt keinen Kurs. Die Profitgier der Großen ist schon seit jeher stärker gewesen als die der Kleinen. Und fo führt im Börsensaal das Gesetz der kapitalistischen Kon- kurrenz die unbeschränkte Herrschaft. Die Viehzählung, die am 1. Dezember 1913 ausgeführt wurde, hat für Berlin keine erhebliche Aenderung des Bestandes an Vieh gegenüber der Zählung von 1912 ergeben. In 1913 erstreckte die Zählung sich auf Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen; außerdem wurde mit ihr eine Zählung der Obstbäume verbunden. Das bemerkenswerteste Ergebnis ist die Fortdauer der Verminderung des Pferdebestandes, die ja angesichts der immer weiteren Vermehrung der Automobile nicht wundernehmen kann. Unter 39 952 Grundstücken Ber- lins waren 6373 niit den hier angegebenen Vieharten, und beteiligt waren daran 19 295 Haushaltungen. Gezählt wur- den 45 448 Pferde, 12 444 Rinder, 4815 Schafe, 8942 Schweine, 498 Ziegen. Sondert inan aber den Vieh- und Schlachthof mit seinem Bestand an Rindern, Schafen, Schweinen aus, so bleiben 11 489 Rinder, mir 43«chafe, 2992 Schweine. In den fünf Jahren von 1998 bis 1913 haben die Pferde sich von 51 947 auf jetzt nur noch 45 448 vermindert. Nach wie vor hat aber Berlin eine noch recht beträchtliche Rindviehhaltung, weil der Milchbezug direkt aus Molkereien immer noch sehr beliebt ist. Die meisten Rinder finden sich in den äußeren Stadt- teilen, die sich ja eher für Molkereibetriebe eignen. Aber selbst in den inneren Stadtteilen fehlen sie nicht ganz. Auch die Schweinezucht blüht noch immer in Berlin, gleichfalls be- sonders in den äußeren Stadtteilen, hauptsächlich aus dem Gesundbrunnen, auf dem Wedding, in der Oranienburger Vorstadt, im nördlichen Teil des Königsviertels. Die mit der Viehzählung verbundene O b st b a u m z ä h l u n g ergab 12 542 Obstbäume, wovon allein 5798 im nördlichen Teil des Königsviertels standen. Dieser Stadtteil ist noch am wenig- sten bebaut und hat in seineni Gebiet zahlreiche alte Lauben- kolonicn. Auf Königsviertcl folgen in weitem Abstände Ge- sundbrunnen mit Wedding, wo nur noch 1281 und 838 Obst- bäume gezählt wurden. In der Schöncberger Vorstadt, dem villengesegneten Westen Berlins mit dem Tiergartenrand, fan- den sich 861 Obschcmme.-. � s ü> Mehr Kinderschutz 1 Die Notwendigkeit, dem ökrnedics sehr dürftigen Kiuderschutz- gesetz mehr Beachtung zu verschaffen, wird wieder durch den fol- gcnden Fall schlimmer Ausnutzung eines noch fchulpflich- tigen Knaben dargetan. Cs handelt sich um einen jetzt vier- zehnjährig gewordenen Schüler der 33. Berliner Gemeindeschule in der Friedcnstratzc. der erst zu Ostern 1911 die Schulpflicht voll- enden wird, aber schon in den letzten Monaten des Jahres 1913 sehr flott erwerbstätig sein und oft weit über die im Kinderschutz- gcsctz zugelassene Zeit hinaus arbeiten mußte. Das Buttcr-undFettwarcn-Engrosgeschäft von Otto Jocrgcs in der Neuen Königslrahe beschäftigte ihn als Mitfahrer, der in Berlin und Vororten mit zur Kundschaft fuhr und enttveder den Wagen beauffichtigte, während der Kutscher die Ware ablieferte, oder auch selber an der Warenablieferung sich beteiligte. Bei der Annahme des Knaben soll vereinbart worden sein, daß er an allen Wochentagen um 3 Uhr seinen Dienst anzu- treten und dann„nur" drei Stunden zu arbeiten hätte. Das wäre ja in Einklang gewesen mit dem Kinderschutzgefetz, das einem Arbeitgeber gestaltet, über 12 Jahre alte fremde Kinder an allen Wochentagen bis drei Stunden und während der Schulferien bis vier Stunden zu beschäftigen..Es scheint aber, daß hier der Arbeit- geber sich sehr wenig darum gekümmert hat, wie lange der Knabe tatsächlich beschäftigt wurde und für ihn arbeiten mußte. Der Kutscher sagte dem Knaben bald, er solle schon um 143 Uhr kom- men, und dabei blieb es dann. Dauerte danach die Arbeit nur bis Z46 Uhr? Der Knabe gibt an, daß er, obwohl der Weg zwischen Geschäft und Wohnung keine Viertelstunde betrug, vielleicht nie vor 7 Uhr nach Hause gekommen sei. Nicht selten sei es schon nach 8, nach 9 und manchmal sogar, schon nach 19 Uhr gewesen, wenn er daheim anlangte. Die Polizei, bei der der Arbeitgeber die Beschäftigung des Knaben anzumelden hatte, und die Schule, die von Zeit zu Zeit durch Befragung des Knaben die Arbeits- dauer zu kontrollieren suchte, waren und blieben in dem Glauben, daß er nur drei Stunden beschäftigt sei..Da er fleißig und nicht unbegabt ist und sich nach wie vor auf den besseren Plätzen in der Klasse behauptete, so fiel auch seinen Lehrern nicht auf, daß der bedauernswerte Junge fast Tag für Tag der Erwerbs- tätigkeit den größten Teil seiner Unterrichts- freien Zeit opfern mußte. Seine Schulaufgaben erledigte er in Hast, teils nach dem Mittagessen, bis zum Aufbruch zu seiner Erwerbstätigkeit, teils nach der Heimkehr von ihr am Abend; bei zu später Heimkehr aber manchmal erst am anderen Morgen, wo er sich dann frühzeitig aus dem Schlaf reißen mußte. Der Knabe hat bis kurz vor Weihnachten diesen Mitfahrerposten bei der Firma Otto Joerges gehabt, hat bei jedem Wetter umherkutschieren müssen und ist nicht selten bis in die sinkende Nacht hinein unterwegs gewesen. Cr wohnte bisher bei seiner Mutter. die von ihrem Mann seit dem vorigen Jahr geschieden ist, aber den Jungen bei sich behalten hatte. Sie scheint in einer der- artigen und so langdauernden Beschäftigung eines noch schulpflichtigen Kniies keine Ueberbürdung gesehen zu haben. Erst als der Knabe um Weihnachten zu seinem Vater übersiedelte, wurde diesem bekannt, wie arg sein Sohn ausgenutzt worden war.— Welchen Lohn hatte er für die nicht täglich dreistündige, sondern an manchen Tagen fünf-, sechs-, siebenstündigc Arbeit erhalten und seiner Mutter heimgebracht? 3,50 Mark pro Woche zahlte ihm Herr Joerges, dos macht pro Tag noch keine 60 Pf. Selbst bei„nur" dreistündiger Arbeit gäbe das einen Lohn von.noch nicht 20 Pfennig pro Stunde; aber bei der meist sehr viel längeren Arbeitsdauer darf man den Lohn pro Stunde auf kaum mehr als 10 Pfennig schätzen. Hat denn Herr Jocrgcs gar keine Ahnung davon gehabt, wie überaus billige Arbeiter die noch schulpflichtigen 5lnaben waren, die er beschäftigte und mit 3,50 Mark pro Woche äblöhntc? Der Knabe, von dem wir hier reden, ist nicht der einzige noch schulpflichtigen Alters, den die Firma Joerges als Mitfahrer benutzte. Ein anderer, der bei ihr eine gleiche Stellung hatte, soll noch nicht 13 Jähre all sein. Es tut not, daß Herr Joerges mal eine kleine Lektion darüber erhält, wie sehr in seinem Betrieb die Vorschriften des Kinder schutzgcsctzes verletzt worden sind. Die Beschästi- gung fremder Kinder ist, wie schon oben gesagt, nicht über drei Stunden hinaus erlaubt. Sie darf, wenn der Unterricht um 1 Uhr endet und danach eine mindestens zweistündige Pause verstreichen mutz, nicht vor 3 Uhr beginnen. Auch dürfen die Kinder, wenn sie am Abend beschäftigt werden, nicht über 8 Uhr hinaus arbeiten. Gegen alle diese Schutzvorschriften ist in dem Betrieb der Firma Joerges verstoßen worden. Dem Geldbeutel der Firma wird das gewiß sehr gut bekommen sein, da sie dabei an Arbeitslohn gespart hat, aber der Körper- und Geijtescntwickclnng der Kinder dürste cs fühlbaren Schaden gebracht haben. Dergleichen wäre nicht möglich, wenn wir ein besseres Kinderschutzgefetz als das jetzt geltende hätten. Ein völliges B erbot der Erwerbs- tätigkeit schulpflichtiger Kinder ist der bcsic Kinderschutz. Ortskrankenkafse sttiedcrbarnim. Im Niederbarivimer Kreisblatt vom Sonntag, den 11. Januar, veröffentlicht das Vcrsichcrungsamt das Resultat der Ausschuß- Wahlen vom 4. Januar cr. Gewählt sind 19 Vertreter der Arbeit- geber und 39 Vertreter der Versicherten. Wie wir bereits mitteil- tcn, haben die Arbeitgber im 6. Stimmbezirk(Tegel) keinen Wabl- Vorschlag gemacht, so daß für diesen Bezirk ein neuer Wahltermin angesetzt werden muß. Auch im 2. Wahlbezirk(Stimmbczirkc Wandlitz, Stolzenhagen, Malz, Nassenheide, Friedrichsthal, Lanic, Sachscnhausen, Schmachtenhagen und Wensickendorf) ist eine Arbeit- nöhmervcrtrcterwahl nicht zustande gekommen, da in cinein Stimm- bezirk eine Wahl seitens der Versicherten nicht stattgefunden Hai. Hier mutz ebenfalls noch einmal gewählt werden. Die Gültigkeit der Wahlen kann innerhalb 2 Wochen angefochten werden. Dies- bezügliche Anträge müssen beim Versicherungsamt erfolgen. Gewählt sind als Vertreter der Arbeitgeber(dein Berufe nach): 1 Ackerbürger, 2 Amtsvorsteher, 1 Betriebsleiter, 1 Bürgermeister, 1 Bureauvorsteher, 6 Fabrikbesitzer, 1 Gärtnerei- bcsitzer, 2 Handwerksmeister, 2 Inspektoren, 1 Prokurist und 1 Werftbesitzer. Insgesamt 19. Als VertrcterderVersicherten: 2 Arbeiter, 1 Bäcker, 1 Brenner, 1 Buchhalter, 1 Drechsler, 2-Dreher, 1 Elektrotechniker, 1 Filialleiter, 2 Former, 1 Gasinspekior, 1 Gummiarbctter, l In- spektor, 1 Klemvner, 2 Lagerhalter, 2 Maschinenarbcitcr, 1 Maurer, 1 Metallbrcnncr. 1 Sattler, 3 Schleifer, 3 Schlosser, 1 Schriftsetzer, 1 Spediteur, 1 Stoßer, 1 Töpfermeister, 1 Walzer, 1 Weber, 2 Werk- meister«1 Zigarixenarbeiter uvb'1 Zimmerpplicr. Insgesamt 39. Ob der Ausgang dieser Wahlen besonders glücklich genannt werden kann, mutz die Zukunft lehren. Zweifelhaft erscheint cs immerhin, ob die Wünsche der organisierten Arbeiter bei der Zu- sammensctzung dieses Ausschusses befriedigt werden können. Auch unter den Vertretern der Versicherten besinden sich noch Leute, deren Stellung im wirtschaftlichen Leben eher ein Zusammengehen mit den Arbeitgebervcrtrctcrn vermuten läßt. Und daß diese Herren ihrer ganzen Position nach bemüht sein werden, im Jnter- esse der Mitglieder zu wirken, glaubt doch am Ende niemand, der sich diese Liste genauer ansieht. Nach Ablauf der Einfpruchsfrist müssen die Wählen zum Vorstand angesetzt werden. Hoffentlich gelingt es, diese Institution so zusammenzusetzen, daß eS möglich ist, den ganzen Schutt wieder zu beseitigen, der durch die Organi- satton der neuen Kasse von dem Versicherungsamt Niedcrbarniick zusammengefahren worden ist. Die bisher f r e i w i l 1 i g e n M i t g I i« d« r der in der Kreis- krankcnkasse aufgegangenen Ortskassen dürfen nicht versäumen, bis spätestens 29. Januar cr. ihre Anmeldung bei der KreiSkrawken- kaffc, Friedrich-Äarl-Ufcr 5, zu bewirken. ES ist aber bei dem großen Andrang ratsam, nicht erst in der letzten Stunde— von 9 bis 1 Uhr sind die Bureaus geöffnet— zu kommen. Die Mel- düngen können auch schriftlich erfolgen. Formulare— weihe Farbe!— sind in den Meldestellen zu haben. Rückporto ist beizufügen. Auf der Meldung muß auch die Adresse uud die Klasse vermerkt sein. An Beiträgen sind zu zahlen: Stufe I wöchentlich 0,27 M. „ n„ 0,57„ „ III„ 0,84. . IV„ 1,11. . v. 1,41„ '„ VI„ 1,68. An Krankengeld wird gewährt: Stufe I pro Tag 0.50 M. II m IV v vi i- 1,80 2,— 2,50 Der Kaiser als Holzhacker. Die bürgerliche Presse hat herausgeschnüffelt, daß der Kaiser ein neues Tätigkeitsseld sich erschlossen habe; er habe sich als Holzhacker betätigt. Man lese nur die neueste Entdeckung: „Wer in der jüngsten Zeit bei klarem Wetter den Park Sanö- souei durchstreifte, der konnte in dein Parkteil unweit der Frei- treppe unterhalb der Maulbeerallee interessante Beobachtungen inachen. Der Kaiser, der auf die Beweglichkeit und Widerstands- sähigkeit des Körpers den größten Wert legt, hat in Ueberein- stimnumg mit seinen Leibärzten mehrere Wochen hindurch eine ArbeitSkur durchgemacht, die zwar große Anforderungen an ihn stellte, aber auch die erwarteten Wirkungen zur Folge hatte. Mitte Dezember begab sich der Kaiser, so oft er sich in Potsdam aufhielt, Tag für Tag um die Mittagszeit in die Park- gegend bei den neuen Hofgärtnerhäusern, um hier mit einem von der Horgartenverwaltung gestellten Arbeiter gemeinsam schwere Holzarbcitrn zu verrichten. Starke Holzstückc wurden gespalten, Stammstiicke und Aeste zersägt, und schließlich trug der Kaiser mit seinem Partner das zerkleinerte Holz noch auf den Stapel. Manchmal kam auch die Kaiserin und' sah ihrem Gemahl zu, der es mit seiner Kur sehr ernst nahm. Das tägliche Pensum wurde genau kon- t r o l l i e r t, und der Mitarbeiter des Kaisers durfte am Abend das verarbeitete Quantum mit nach Haufe nehmen. Manchmal setzte auch der Kaiser nach dem Diner die Holzarbeit fort. In Potsdam erzählt man sich eine nette Anekdote darüber: Als einmal in der MittagZstunde der Kaiser die Axt beiseite gestellt und sich entfernt hatte, erschien eiligst ein Beamter auS dem Palais. Auf seine Frage, ob der Kaiser noch hier sei, erhielt er von dem einfachen Manne zur Antwort:„Majestät macht gerade Mittag, aber nach dem Essen kommt er wieder." Ab und zu wurde auch ein Adjutant eingeladen, mit Hand an- zulegen. Erst in der letzte» Zeit stellte der Kaiser sein„Training" ein. Der alte Holzfäller im Park war natürlich auf seinen Partner nicht wenig stolz." Der„Lokal-Anzeiger" weist sogar zu berichten, dast der Kaiser mit„wuchtigem Schlag dicke Holzkloben gespalten hätte,»dast Späne und Splitter geflogen seien". Es ist sicher anerkennenswert, wenn der Kaiser nebelt den Regierungs- geschäften auch noch Zeit zum Holzhacken findet. Wenn das zum Vergnügen geschieht, mag das ja gehen; würde der Kaiser diese Arbeit aber zum Broterwerb treiben müssen, würde er bald merken, was für eine miserable und schlechtlohnende Arbeit das Holzhacken ist.___ Späte Trauer. Der konservative Volksverein des Kreises Niederbarnim nahm am 7. Januar nach einem Vortrage des früheren Abgeordneten Major a. D. Strosser folgende Entschließung einstimmig an:„Mit lebhafter Befriedigung nimmt die heutige Generalversammlung des konservativen BolkSvereinö des Kreises Niederbarnim Kenntnis davon, dast der Kreisvereinsvorstand kein Mittel unversucht gelassen hat. die drei Landtagsmandale des Wahlkreises Oberbarnim, Eberswalde, Niederbarntin und Lichtenberg den bürgerlichen Parteien zu erhalten. Die Generalversammlung spricht gleichzeitig ihr Bedauern darüber auS, dast die Liberalen die Anträge der Konservativen abgelehnt und der größere Teil der liberalen Wahlmänner durch ihr Verhalten bei der Stichwahl die drei Mandate der Sozialdemokratie überliefert haben." Wir glauben es den Konservativen im Kreise Niederbarnim gern, dast ihnen der Verlust der LandtagSmandate schmerzt. Aber pe werden es schon mit diesen» Bedauern bewenden lassen müssen. Pädagogische Sprechstunde. Für die Angehörigen von taubstummen, er- täubten, schwerhörigen oder sprachgestörten Kindern im vorschulpflichtigen Alter hält mit Genehmigung der Schuldeputation der Direktor der Taubstummenschule und Inspizient der Berliner Schwerhörigenschulen S ch o r s ch in seinem Amtszimmer. Markusstr. 49, jeden Freitag von 11 bis 1 Uhr eine pädagogische Sprechstunde ab. Ein Kindesmord wurde gestern in der Marienstraste entdeckt. In dem Hause Nr. 26 mietete sich anr Montag voriger Woche eine 82 Jahre alte KöchinD Antonie Kazmicrczak bei einer Frau G.. die Zimmer auch auf Tage vermietet, ein. Schon nach drei Tagen zog sie wieder aus. Das Zimmer blieb seitdem unvermietet. Gestern wurde nun Frau G. durch einen üblen Geruch auf den Kleiderschrank aufmerksam. Als sie nachsah, fand sie in dem Spind eine Holzkiste, die die Leiche eines neugeborenen Knaben barg. Das Kind war mit Leinwandstreifen erdrosielt. Die Leiche fing schon an zu ver- Wesen. Es wird vermutet, daß die Köchin sie in der Kiste mit- gebracht hat, um sich ihrer in dem eigens zu diesem Zweck gemieteten Zimmer zu entledigen. Vermißt wird seit dem 5. Januar der 17jährige Arbeiter Fritz Ctamp, der bei seinen Eltern in der Rethelstraste 9 in Treptow gewohnt hat. Man nimmt an. dast dem jungen Menschen ein Unglück zugestoßen ist, und bitten die Eltern um Siachricht. Der Vermistte ist 1,63 Meter groß, schlank, hat braune Augen und war bekleidet mit grauem Ulster, schwarzem Jakett und Weste, gestreifter Hose, steifem schwarzen Hut, Stehkragen und schwarzweist gestreiftem Selbstbinder. Erschossen hat sich gestern nachmittag in dem Hause Planufer 24 der 47 alte Suhmachcr Wilhelm Bielke aus der Reichenberger Straße. Der Mann war schon seit längerer Zeit stellungslos. Seme Leiche wurde- nach Feststellung der Todesursache dem Schauhause überwiesen. Straßensperrung. Die Neue Wilhelmstraste ist von der Dorotheen- straste bis zur Straste Unter den Linden wegen Pflasterarbeiten vom Ll. d. M. ob bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Die Anfahrt zum Hotel„KönigShof" bleibt frei. Verlöre». Am Sonnabendnachmiltag zwischen 4 und 4>/, Uhr hat der Schlosser Ärtur Kupfer auf dem Wege vom Restaurant Äönigsberger Lotraste 2S. woselbst er seine PerbandSbciträge bezahlte, nach der Petersburger Straste ein Portemonnaie mit seinem Wochen- lohn verloren. Der ehrliche Finder wird höflichst gebeten, dasselbe in der„Vorwärts"- Spedition, Groste Frankfurter Straste 120, ab- zugeben._ Vorortnachrichten. SchSneberg. Ein Kesseltreiben gegen die Allgemeine Ortskrankenknsse wird gegenwärtig von einigen zurückgewiesenen Aerzten und Zahnärzten, von Anhängern deZ Rosenowschen Abonnementsvereins. sowie der freikonservativen Fraktion Jatzow-Zittelmann unternommen. Der Borstand deS Dienstboten-KraukenversicherungsvereinS von Dienst- Herrschaften auf Gegenseitigkeit zu Berlin wendet sich mit einer Er- klärung gegen die Schöneberger Ortskrankenkasse, in der eS als un- gesetzlich bezeichnet wird, dast von der OrtSkasse fast sämtliche Anträge auf Befreiung der Dienstboten von der Zwangsversicherung ab- gelehnt worden seien. Die Mitglieder des Vereins haben daher er- sucht, gegen jeden erfolgten ablehnenden Bescheid Beschwerde beim VerjicherungSamt zu erheben. In einem an die Dienstherrschaften versandten Anschreiben werden eine Reihe Behauptungen aufgestellt, die. wie man uns mitteilt, unwahr find. Be- sonders scheint die Leitung des Dienstbotenvereins zu kränken, dast eS der Vorstand der OrtSkrankcnkasse verftavoen hat, die Beiträge für die Dienstboten niedriger zu ben, essen, ohne dast die Leistungen herabgesetzt wurden. Als auch diese Tatsache bekannt wurde, verschrieben sich die Herren vom Abonnementsverein für ihre Versamlung Herrn Mugdan, der noch retten sollte, was zu retten war. Aber auch dieser Kämpe mustte bald die Stätte seiner Wirksamkeit verlassen, ohne sonderlich etwas ausgerichtet zu haben. Der Erfolg der ganzen Aktion war ein stärkeres Eintreten der Dienstboten in die Allgemeine OrtSkranken- lasse. Das Schöneberger Verstcherungsamt hat dem Vorstand der Ortskrankenkasse Geldstrafe angedroht, wenn er die Befrciungs- oiiträge der Herrschaften in Bausch und Bogen erledige. Von einer solchen Erledigung kann ganz und gar nicht gesprochen werden; der Borstand der Kasse hat die einzelnen Fälle genau geprüft, um die Dienstboten gemäss der gesetzlichen Bestimmung in jeder Be- ziehung sicher zu stellen. Er sieht daher den weiteren Entscheidungen des Oberversicherungsamtes mit Ruhe entgegen. Was den sogenannten .Aerzte"konflikt anlangt, so sei festgestellt, dast die Allgemeine Orts- krankenkasse bisher bei annähernd 23 OVO Mitgliedern 288 Aerzte hat, da- von waren 62 im Orte. Jetzt ist die Zahl auf 400 erhöht worden, so dast bei den annähernd 28 000 Mitgliedern auf jeden Arzt 700 ent- fallen. Der jetzige Zustand entspricht den zwischen dem AuSschust der Aerzte und der Generalversammlung der Kasse angenommenen Verträgen. Von einem Aerztekonflikt könne daher nicht gesprochen werden. Sine Hetz«, die an Schärfe nichts zu wünschen lätzt, inszenieren die Zahnärzte und zwar deshalb, weil die Kasse eine eigene Zahnklinik eingerichtet hat. Dast sich Eigeninteressen mit Allgemeininteresien nicht vereinbaren, ist für jeden objektiv Urteilenden ohne weiteres klar. Zuguterletzt hat die fteikonservative Fraktion Jatzow einen Antrag an die Stadtverordnetenfraktion gestellt, der am 19. Januar zur Beratung stehen soll. In demselben wird die Errichtung einer Landkrankenkasse verlangt. Die Antragsteller wollen durch diesen Antrag erreichen, dast die Aerzteschaft„vor Not und Elend bewahrt bleibe". Wir zweifeln daran, dast die Stadtverordnetenversammlung ernstlich auf diesen Antrag eingehen wird. Charlottenburg. Die städtischen Seefischvcrkäufc im Fleischschauamt, Spree- straste 27— St), sind am 7. d. M., wieder ausgenommen worden. Da der bisherige Unternehmer anderweil verpflichtet worden ist. sind die Verkäufe einem bekannten Geestemünder Fischgrosthändler übertragen worden. Sie finden wie bisher allwöchentlich regelmässig Mitlwochs, Donnerstags und Freitags von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nach- mittags statt. Der Unternehmer wird nur beste und frischeste Ware zum Verkauf stellen, deren Güte einer laufenden sachverständigen Prüfung unterliegt. In der vergangenen Woche herrschte an samt- lichen 3 Verkaufstagen solcher Andrang, dast die Vorräte grösstenteils schon gegen mittag ausverkauft waren. Neukölln. Dir körperliche Erziehung des Kindes. Ueber dieses Thema werden auf Veranlassung des Magistrats durch die Aerzte der städtischen Säuglingsfürsorgkstellen in den Monaten Januar und Februar d. I. öffentliche Votträge gehalten. Es bietet sich hier für alle Mütter Gelegenheit, Belehrungen allgemeiner Natur über die Pflege der Säuglinge sowie die Behandlung und Erziehung der Kinder von ärztlicher Seite zu erhalten. Wir verabsäumen deshalb nicht, ganz besonders auf diese Vorträge hinzuweisen und den Besuch derselben wärmstens zu empfehlen. Es finden folgende Vorträge statt: 1. 1ö. Januar cr. t„Das Kind an der Brust". 2. 22. Januar er.:„Das Flaschenkind". 3. 29. Januar er.:„Die Pflege des Kindes im ersten Lebensalter". 4. 5. Februar cr.:„Das Kind im Spiclalter"(2.-6. Jahr). 6. 12. Februar cr.:„Das Schulkind"(1. Teil). 6. 19. Februar cr.: „Das Schulkind"{2. Teil). Der erste, dritte und vierte Bortrag werden von Dr. M. Cohn, der zweite, fünfte und sechste Vortrag von Dr. H. Rothmann gehalten. Die Vorträge finden abends 8—9 Uhr statt im Rathause. Ein- gang Berliner Str. 61, 1 Tr., alter Sitzungssaal. Der Zutritt ist unentgeltlich. Volkstümliche Borträge über Rechtsfragen des täglichen Lebens. Der vierte von der öffentlichen Rechtsauskunftsstelle der Stadt Neukölln veranstalteten Vorträge findet am Freitag, den 16. Ja- nuar 1914, abends 8Vz Uhr, in Neukölln, altes Rathaus, 1 Treppe. statt über„Die Krankenversicherung" I.Teil. �Vortragender: Magistrats- assessor Lange.) Eintritt frei. Lankwitz. Ja der Geaieindevertretersitzung stand ausser Mitteilungen nur ein Beratungsgegenstand auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung. Da diese Praxis schon längere Zeit angewendet wird, wendete sich Genosse Radike gegen die Gepflogenheit des Gemeinde- Vorstehers, der Gemeindeangelegenheiten meistens ohne die Mit- Wirkung der Vertretung erledige, so dost für diese nichts zu tun übrig bleibe. Radike verlangte, dast die Beratungsgegenstände der nichtöffentlichen Sitzung auch öffentlich bekannt gegeben werden, damit die Einwohner wenigstens hiervon Kenntnis erhalten. Redner verwies u. a. auf die reichhaltigen Aufgaben, die von den Ver- tretungen anderer Gemeinden erledigt werden. Der an sozialdemo- kralische Vertreter noch immer nicht gewöhnte Gemeindevorsteher wies die Angriffe als nicht zur Tagesordnung gehörig zurück mit der Bemerkung, dast ja die Freizügigkeit boftehe; wenn dem Gemeindevertreter Radike die Tätigkeit nicht genüge, möge er nach einer Gemeinde ziehen, von deren Bertretung mehr erledigt werde. Das könnte dem Lankwitzer Gemeindevorsteher, der völlig von der Denkweise unserer ostelbischen Junkdr befangen ist. passen. Auf seinen frommen Wunsch wird er wohl noch etwas warten müssen. Statt dessen must die werktätige Bevälkernng von Lankwitz bei den komnrenden �Nemeindevertreterwahlen für eine Ber- stärkung des sozialdemokratischen Einflusses auf die konrmmralen Zu- stände ihres Ortes Sorge trogen. Eine Entgegnung auf diele Airwürfe liest der Gemeindevorsteher nicht zu, aber geschenkt wurde sie ihm nicht, wenn dies auch nur erst in der nichtöffentlichen Sitzung möglich war. Mit Unterstützung einiger bürgerlicher Vertreter stellte Gen. Radike den Antrag(nach der Lankwitzer Geschäftsordnung sind dazu vier Vertreter notwendig): „Die Punkte der nichtöffentlichen Sitzung sind der Presse bekannt zu geben." Die Geschäftsführung der Gemeindeangelegenheiten durch den Gemeindevorsteher wurde von verschiedenen Vertretern heftig ge- tadelt. Der Antrag wurde jedoch, da die Mehrheit hinter dem Vor--, steher stand, gegen die 4 Stimmen abgelehnt. Der einzige Punkt der öffentlichen Sitzung, Befreiung der Beamten und Lehrer von der Krankenversicherung, wurde nach kurzer Debatte angenommen. Nach demselben soll es dem Gemeindevorstand überlassen bleiben, ob im Fall der Erkrankung den Beamten das Gehalt oder da? Krankengeld weitergezahlt wird. Ein Gegenantrag, den Beamten ihr Gehalt weiter zu zahlen, wurde gegen 5 Stimmen abgelehnt. «panda». Bus deu Spandaner Musterwerkstätten. Eine Ueberraschung ist den Arbeitern der königlichen Gewebrfabrik zuteil geworden, indem jetzt bekannt wird, dast die Kantine der Gewehrfabrik eine Privat- einrichtung deS Direktors ist. Zugleich wird aber auch den Staatsarbeitern von oben herab immer mehr zum Bewusttsein gebracht, dast die Arbeitcrausschüsse vollständig bedeutungslos sind. Infolge Beschwerden der Arbeiterschaft der Gewehrfabrik über Lieferung minderwertiger Lebensmittel usw. ivandte sich der Arbeiter- ausschust Ende Oktober an das Kriegsministerium und bat um Empfang einer Kommisfion zwecks Vorbringung von Beschwerden über Kantinenangelegenheiten. DaS KriegSministcrium bat es nicht für nötig gehalten, die Kommission zu empfangen, dafür aber den Arbeitern der Gewehrfabrik durch Aushang eineir Bescheid zukommen lasten, in dem es u. a. heistt: .... Die Kantine ist eine Privateinrichtung de? Direktors, für die weder das Institut noch die Heeresverwaltung eine Haftung übernimmt. Der Direktor haftet für seine Person und mit seinem Privatvermögen für die Kantinenverwaltung. Schon aus diesem Grunde lann dem ArbeiterauSschust, dem keine Haftung zugemutet werden kann, ein Mitbestimmungsrecht nicht eingeräumt werden.— Der ArbeiterauSschust steht dem Direktor beratend zur Seite, inso- weit dieser aber bei seinen Entscheidungen die Ansichten und Wünsche der Arbeiterschaft einholen und berücksichtigen will, muh ihm über- lassen bleiben." Da haben sich nun die Arbeiter der Kgl. Gewehrfabrik mit den erhaltenen Gratisbiermarken bei Kaisers Geburtsfeiern usw. immer einen patriotischen Rausch angetrunken und waren der Meinung, dast das Geld hierfür teils aus ihnen zustehenden Ueberschüssen der Kantinen- lasse, teils aus Zuwendungen der Heeresverwaltung bestehe. Jetzt stellt es sich heraus, dast die Verabfolgung der Gratisbiermarken nur eine Spende des Direktors ist, um den Patriotismus zu beleben. Es mutz doch eine selbstverständliche Pflicht der Militärverwaltung sein, in allen Kantinen der Königlichen Institute den Arbeiter- ausschüssen ein Mitbestimmungsrecht einzuräumen. Die Verwendung der Ueberschüsse im Interesse der Staatsarbeiter must aber allein den Arbeiterausschüssen überlassen werden. Oder ist es schon so schlecht um den Patriotismus bestellt, dast die Staatsarbeiler nur noch durch Verabreichung von Biermarken zur Teilnahme an patriotischen Festen zu bewegen find Z Nowawe». Notstandsardciten. Die Gemeindevertretung hat bekanntlich be» schlössen, entsprechend den Forderungen der vom Sozialdemokratischen Wdhiverein eingereichten Petition gegen die groste Arbeitslosigkeit am Orte geeignete Mastnahmen zu treffen. Sie bewilligt« vorerst 1000 M. zur Voönahme von Notstandsarbeiten, bei denen in erster Linie Familienväter, die längere Zeit am Orte wohnen. Beschäftigung finden sollen. Nachdem in einer Konferenz der zuständigen Kom- Mission mit dem Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells und den OrganisatioitSvertretern die Zahl der Arbeitslosen und deren Berufs- Zugehörigkeit festgestellt ist, soll mit den in Aussicht genommenen Erdarbeiten sofort begonnen werden. Es wollen sich daher diejenigen Arbeitslosen, vor allem Familienväter, die gewillt sind zu arbeiten, umgehend beim Friedhofsinspektor F. Rank. Goethestr. 29, melden. Als Arbeitsgerät ist. wenn möglich, eine Schippe mitzubringen. Bernau. Mit de« unvermeidlichen Kaiserhvch eröffnete der Vorsitzende Schmeichel die erste Stadtverordnetenversammlung in diesem Jahr. AlSdann wurden die wieder- resp. neugewählten Stadtverordneten, darunter die Genossen Schneider und Sasse eingefübrt. Als Vorsteher wurde Schmeichel mit 14 Stimmen gewähtt,' 8 Stimmen erhielt der Stadtverordnete Willmann. Zum stellvertretenden Vorsteher wählte die Versammlung einstimmig Herrn Dreesmann- Pennig und als Schriftführer wurde der Stadtvet ordnete Gruban mit 14 Stimmen gegen 8 Stimmen, welche auf Genoffen Helbig entfielen, gewählt. Unsere Genossen waren mit der bisherigen Leitung des Vorstehers nickt einverstanden, sie vereinigten aus diesem Grunde ihre Stimmen auf den Stadtverordneten Willmann. Dafür rächten sich die Gegner, indem sie den Genossen Helbig nicht wieder als Schriftführer wählten. Die Magistratsvorlage betreffend die Uebernahms einer Meldestelle und Auszahlung von Kranken« geldern für die Allgemeine Ortstrankenkaffe Niederbarnim im Rathause wurde einstimmig abgelehnt. Es wurden alsdann drei Mitglieder für die Schuldeputation gewählt. Genosse Helbig gab namens unserer Genossen die Erklärung ab. dast sie sich an der Wahl nicht beteiligen würden, weil Mitgliedern, welche sie als Mitglieder für die Schuldeputation geeignet halten. die Bestätigung versagt werde. Die Etat- und Rechnungsprüsungs- kommission wurde gleichfalls neu gewählt, derselben gehören die Genossen Helbig und Knöschke an. Nach einer Magistralsvorlage soll das Ankleben von Zetteln an die hiesigen Anschlagsäulen an einen Privatunternehmer Holzhausen auS Berlin für einen Pacht- preis von 340 M. jährlich und zwar bis zum 31. März 1917 ver- pachtet werden. Unsere Genossen sprachen sich dagegen aus und verlangten, dast das Ankleben von Zetteln in der bisherigen Weise von einem von der Stadt damit beauftragten Arbeiter geschehe» solle. Die Vorlage wurde jedoch mit 14 gegen die 3 Stimmen unserer Genossen angenommen. Potsdam. Ein nächtlicher Automobilunfall ereignete sich vorgestern kurz nach 12 Uhr vor dem Stadtschlost. AuS der Schlotzstraste kam eine Pferde- droschte Nr. 3, während vom Bahnhof sich in schnellster Fahrt ein Automobil näherte. Bei dem raschen Tempo konnte es nicht mehr ausweichen und es kam zu einem Zusammenfiost, wobei die Droschke stark beschädigt wurde. Zwei Insassen, ein Herr und eine Dame, erlitten leichtere Verletzungen und wurden zu einem Arzt gebracht. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Neukölln. Donnerstag, den 15. Januar, nachmittags 5 Uhr, im Rathanse, Berliner Str 63. Ober-2chöneweide. Heute Dienstag, nachmiUags 5 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums. Bohnsdorf. Heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, un Lokal von M. Schulze. All-Glienicke. Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags 1 Uhr. bei Sohn, Grünauer Str. 5b. Tagesordnung: Die Ansiedelung der Gartenstadt. Diese Sitzungen find SssenUich. Jeder Semeindrangehörige t» be- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Ms aller Welt. Seftien. UnfeE römischer Korrespoirdent schreibt unS: Seit der Metzelei von ifloccagorga haben die Truppen Order, bei den Konslitten zwiichen Landarbeitern und Grundibofitzern, die in der Provinz Rom an der Tagesordnung sind, nicht mehr von den Waffen Gc- brauch zu machen. Auch soll nach Kräften ihre Verwendung zur blossen Sicherung des privaten Eigentums vermieden werden, da es sich hier ja stets um strittig« Eigentrmrstitel. um von den Groß- grundbesitzern usurpierte Gemeindeländereien handelt. Tic Gc- walttat von Palicmo zeigt nun. daß die Besitzer bereit sind, selbst Gewalt anzuwenden, wenn ihnen die Regierung die Truppen zu diesem Zweck verweigert. In P a l r a n o in der Provinz Rom herrscht seit Monaten eine lebhafte Agitation unter den Landarbeitern, bei der es sich um Geltendmachung von Weide, und Holzrechten, nm die Forderung weniger unmenschlicher Pachtverträge und um die Befreiung von gewissen Abgaben dreht, mit denen die Großgrundbesitzer die Bevölkerung willkürlich belasten. Als Grundbesitzer kommen in Paliano vor allem der Für st Colouna und die Gebrüder Tucci in Betracht. Alle Be- sitzer hatten es abgelehnt, mit der die Agitation leitenden römischen Arbeiterkammer zu verhandeln. Sie hatten es so weit getrieben. den Landarbeitern die Arbeitswerkzeuge entziehen zu lassen. Am 8. Januar zog nun eine große Temorrstration, in deren Zug sich viele Frauen und Kinder befanden, unter dem Rufe:„Brot und Arbeitt" vor das Rathaus. Ohne daß irgend ein äußerer Anlaß — und wäre es auch nur ein Steinwurf gewesen— die Besitzer provoziert hätte, wurde auf die friedliche Menge aus dem Hause Tucci plötzlich einSchußabgegeben, dereinvierzehn- jähriges Mädchen tot niederstreckte. Als sich der Onkel des Kindes über die Leiche beugte, wurde auch er v o n einer Kugel durchbohrt, so daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. Angesichts dieser Gewalttat bemächtigte sich der Menge eine solche Wut, daß sie, anstatt an ihre Sicherheit zu deirken, sich wie rasend gegen die Tür des Palastes Tucci warf. Inzwischen fuhren die beiden Brüder Tucci fort, ihre Jagdgewehre zu laden und auf die Menge zu feuertr. Glücklicherweise machte ein Dienstmädchen der Tucci den Eingang fordernden Polizisten, die mit Hilfe der Soldaten die Demonstranten verdrängt hatten, die Tür auf. Die Polizei fand die beiden Brüder, wie sie weiter in blinder Wut ihre Mordwaffen entluden. Man mußte sie ge- w a l t's a m entwaffnen, worauf sie sich ruhig verhaften ließen. Nur durch Hinzuziehung der Kavallerie gelang es, die Bluthunde vor dein gerechtfertigten Zorn der Menge zu schätzen. Das Ergebnis der Blutarbeit waren 31 Verwundete und ein Toter. Von den Verletzten liegen vier im Sterben. Acht weibliche Personen befinden sich unter den Opfern, darunter ein Mädchen von 3, eins von 12 und zwei von 14 Jahren. Bei der ruchlosen Roheit der Tat darf es nicht verwundern, wenn man am nächsten Morgen das Erbbegräbnis der Familie Tucci beschädigt, seine Marmorsäulen zerbrochen fand.— Am 9. Januar hat in einer großen Proteswersammlung Genosse Morgari zur Menge gesprochen. Die Verhandlungen mit den Besitzern stich jetzt, nachdem Blut geflossen ist, in gutem Gange. In dem Prozeß gegen die Brüder Tucci wird die römische Arbeiter, kämm er in Vertretung der Opfer als Privatkläger auftrete». Tom gemordeten Kinde hat man ein fei erlieh SZ Leichenbegängnis bereitet. Das Ministerium des Innern hat S00 Lire für die be- dürftigen Familien der Opfer geschickt. Acht Personen von Wölfe» gefressen. Ein schreckliches Ende haben, nach einer Meldung aus Odessa, acht Personen gefunden, die einen Ausflug in die Umgebung von G r o d n o machten. Auf ihrem Wege wurden sie von einem RudelhungrigerWölfeüberfallen und konnten sich der Angreifer nicht erwehren. Ueber- reste der Kleidung und Knochen der Verunglückten wurden später gefunden. Es ist anzunehmen, daß alle acht Ausflügler den Bestien zum Opfer gefallen sind. Die Hochflut an der Ostseeküste. In der letzten Nacht ist das Hochwasser an der Ostseeiüste etwas zurückgetreten und fällt noch ständig. Durch die plötzlich einsetzende Kälte ist das Eis tragfähig geworden, so daß man sich mit den in den Fischerdörfern eingeschlossenen Be- wohnern in Verbindung setzen konnte. Menschen schei- nen erfreulicherweise nicht umgekommen zu fein, jedoch ist der Sachschaden ein ganz gewaltiger. Die an sich schon arme Fischerbevölkerung ist durch die Flut noch tiefer ins Elend gestoßen worden. Die Häuser sind zum Teil eingestürzt oder drohen einzustürzen. Das Vieh ist in den Fluten umgekommen. In den Gärten sind die Obstkulturen vernichtet; kurz: die Bewohner sehen mit banger Sorge der Zukunft entgegen. Zu den weiteren Rettungsarbesten sind in die von der Flut betroffenen Dörfer Militärabteilungen abgegangen. * Die Hochwassergefahr in Süddeutschland ist durch das Frostwetter in, Moment etwas weniger groß. Sowie jedoch ein Witterungsumschwung kommt, find, da neuerdings große Schneemassen niedergingen, Ueberschwemmungen zu be- fürchten. In C a n n st a t t hat das Hochwasser des Neckar am Sonntag z w e i O p f er gefordert. Der Fischer Käfer versuchte in Gemein- schaft mit dem Maurer L a u st e r e r und dem Feldhüter Oberer im hochgehenden Neckar zu sischen. Dabei wurde das Boot über eine Wehranlage geschleudert und umgeworfen. Laustcrer «nd Oberer ertranken. Erdbebenkatastrophe auf einer japanischen Insel. Ein starker vulkanischer Ausbruch hat nach einem Tele- gramm aus T o k i o auf der Insel S a k u r a s ch i m a statt- gefunden. Die Stadt Kagoschima und die um- liegenden Dörfer stehen in flammen. Es wird befürchtet, daß der Katastrophe zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen sind._____ Eine ganze Familie erfroren. Nach einer Meldung aus Inner fand eine deutsch-russische Familie, deren arbeitsfähige Mitglieder auf einem Rittergut be- schäftigt waren, ein tragisches Ende. Die siebenköpfige Familie wanderte, um das Fahrgeld zu sparen, zu Fuß nach der Heimat. Unterwegs wurden sie von einem eisigen Schnee st urm überrascht und vom Wege abgetrieben. Alle sieben Pe rsonen. Das jüngste war erst ein Jahr alt. Ein weiteres Opfer der Kälte wuöde in Hermsdorf im Erzgebirge der Kunstmaler Werner Hi e ck m a n n aus Freiberg. Er wurde von Spaziergängern am Sonntagnachmittag neben seinerStäffeleiimWaldeerfrorenaufgefunden. Hieckmann hatte am Mittwoch noch im Kurhanse zu Hermsdorf gespeist und war in den Wald gegangen, um zu malen. Auf Gastspielreisen. Bei zwei schweren Einbrüchen, die von unbekannten Dieben in Saarbrücken und in Dresden begangen wurden, machten die Spitzbuben reiche Beute. In Saarbrücken drangen die Diebe in der Villa des mehrfachen Millionärs S t e x Roth und ließen aus dem Schreibtisch 50000 Mark in Tausend- markscheinen mstgehen. Die Diebe hatten es anscheinend auf das ko st bare Silberzeug abgesehen und bereits mit- gebrachte Säcke damit gefüllt, als einer von ihnen den Schreibtisch aufbrach und das Geld fand. Die Diebe ergriffen so eilig die Flucht, daß sie unterwegs drei Tausendmark- scheine verloren. Um ihre Spuren zu verwischen und den Polizeihunden die Arbeit unmöglich zu machen, streuten sie Pfeffer in die Futztapfen. In Dresden wurde in der Zeit von Sonnabend'abend bis Montag früh in der Seestraße, im belebtesten Teile der Stadt, in ein Juweliergeschäft ein Einbruch verübt, wobei den Dieben Gold- und Silbersachen im Werte von 60000 bis 7 0 0 0 0 M a r k in die Hände sielen. Die Diebe bohrten vom Keller aus den Boden des Geschäftslokals an und schufen mst Stemmeisen und Zentrumsbohrern ein breites Loch, durch das sie in den Geschäfteraum kletterten. Es handelt sich offenbar um internationale russische Einbrecher, denen eine Reihe von schweren, in letzter Zeit verübten Einbrüchen zu- geschrieben wird.___ Kleine Notizen. Opfer der Arbeit. Beim Eisenbahnbau Meinerzhagen-Olpe lösten sich in dem Tunnel kurz vor Meincrzhagen große G e- st eins massen und begruben vier Arbeiter. Einer der Verschütteten war sofort tot. während die übrigen schwer verletzt wurden. Lustmord an einem zehnjährigen Mädchen. Im Kellervanm eines Hauses in Tübingen fand man die Leiche der zehn- jährigen Irma Des sauer, der Tochter einer Witwe. Zweifel- los liegt L u st m o r d vor. Als der Tat verdächtig wurde der 28 Jahre alte Hausknecht Karl Maier aus Unteriesingen der- hastet. Mater soll bereits ein Geständnis abgelegt haben. Schreckenstat einer Schutzmannsfrau. In Kattowitz er- schoß die Frau des Polizeisergeanten Kade ihr zweijähriges Kind und sich s e l b st. Kade hatte wegen Untreue der Gattin die Scheidung beantragt. Nach dem Sühnetermin begaben sich beide in die gemeinschaftliche Wohnung, wo die Frau die Tat aus- führte. Ein hintcrlassener Brief nennt Scham über daS Vorgefallene als Beweggrund. Massenvergiftungen in der englischen Marine. 60 Matrosen der Marinestatwn in Devenport sind am Sonntag nach dem Genuß eines Fischgerichts unter VergiftungSerscheinungen erkrankt. Der Zustand einiger der Erkrankten ist ä u ß e r st b e- d e n k I i ch. Snefkaften Üer Redaktion. %it lartstilche 6>t(Aftu»c finde« Ltndenftraftc 6», vor» vier XrcWtit — Natzrkuil—, w»«en«ägltch»»» 4�, did 7hi Uh»«dends, emnafecnds, »»« 4H bis 6 Uhr adendi» statt. Jeder für de» Brtrstastra bestimmten Anfrage ist ein»nchstadr«nd eine Zahl als Merkzciihrn drtzafügen. Briefliche Antwoet mird nicht erteilt. Aufrage», denen leine Abonnementsquittnng beigefügt ist. ,rrd-» nicht»cantwortet. Eilige Fragen trage man tn der«»rechftnnde dar. A. B. 50. Zu erfahren aus dem Deutschen Schulichiffverein in Bremen oder dem Verein.Seefahrt" in Hamburg.— E.<>. 100. In der Stadt Mölln(Ratzeburg) wird ein Grabmal gezeigt, das dem angeblich 1350 gc< storbencn E. gesetzt sein soll.— Atz. 8. 1885. 1. Berliner Adreßbuch. 2. Band, Teil 2, Seite 285 finden Sie viele einschlägige Zeitschristen ausgesührt. 2. Private Institute empfehlen wir prinzipiell nicht. WasserftaudS-Nackrichten der LandeSanfialt für Gewäflcrtund«. mitgeteilt vom Berliner Wetterburemi »)+ bedeutet Wuchs.— Fall.-•) Unterpegel.-i•) SiSstand.— H Oberhalb der Stadt Eisstand.— 5) EiStreiben auf f, Siro mbreiw.— ') Treibeis.—') Oberhalb der Brücke Eisstand.--") Höchster Wasserstand; 352 cm am 11. um 5 Uhr morgens. Die Nogat ist insolge von EiSNand nach Meldung der LandeSanstali sür Gewässerkunde biS gestern aus 5.00 m am Pegel Marienbmg gestiegen, d. i. 1.7 m über AusuferungShöhe und 0.0 m über Mitielhochwafser.— Auch am Ober r Hein und an einigen Neben. flüssen dcS Rheins, besonders am Neckar und an der M o s e l, find er- hebliche Anschwellungen emgctreicn, die jedoch am Oberlaus schon wieder im Ruckgange begriffen sind._ SÄitterungöubersicht vom 18. Januar 1014. «taflonen iE, -- d i? Swlnemde.>776ONO Hamburg 776iN Berlin 774)0 Franks. a.M!77MO München 771» Wien 772 NNW Setter 7 bedeck! :i Tchnee Äedeckt IfSchnee O'bedeckt 1 wolkenl mm d* Ä Ii i? Ml. •7 1—3 -5 —5 —9 9 Cttattanen Haparanda Petersburg 7i Scillh Aberdeen Paris 12 i« 778 SW 8g NW 77O|0SD SSO Still 779 770 ti wolkenl Schnee wolkig bedeckt bedeckt ! -10 —Ist 4 4 0 Wetterprognose für Dienstag, den 15. Januar 1014. Vielfach heiter, aber noch veränderliches Frostwetter mit leichten Schnee» fällen und mäßigen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. D ienS tag, 13. Januar 1914. Anlang 6 llbr. Eines Palast am Zoo. Variete. Lichtspiele. ANlang 0% Uhr. EiucsNollendorf-Dheater.Daricis' Lichtspiele. Ansang 7 Ubr. Opernhaus. Parfisal. Ansang TI, Ubr. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. «gl. SchauipielhanS. Hans Lange. ziönlggrätzer Strafte. .Nönia Richard AI. stsirkuö Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Slniang 8 Udr. Urania. Wie unser Heimatland cnt- stand. Hörsaal: Pros. Dr. Lindner: Das Mikrobenlebcn i» unseren hei mischen Gewässern. Seffiiift. Pogmvlion. Reue« BoltStdrater. Der Gras von CharolaiS. Dcntiches Opernhaus. Undine. Slammeripiele. Wetterleuchten. Deutsches Schausptelhau». Wer zMetzl lacht. Lnitchiribaus. Tie spanische Fliege. MontiS Operetten. Die verbotene Siadt. Deutsches Künstler- Theater. Schirm und Gertrude. Schiiler O. Moral. Schiller Charlottenburg. Das Ihr wollt. Theater am Rollendorfplatz. Freddh und Teddy. Theater des Westens. Volciiblut. Bertiner. Wie einst im Mai. «omödienhaus. Hinler Mauern. «leliics. Jettchen Gebert. Trianou. Slnaioles Hochzeit. To».«». Di« Tangopimzessm. Residenz. Hoheit— der Franz. Meiropot. Die Reise um die Weil in 40 Tagen. Friedrich. WtlhelmstädtischeS. Die Kinolönigin. Roie. Der Schürzenjäger. tiafinv. Ferdinand der Tugend- haste. Herrnfeld. Was sage»«ie zu Leibusch? Reichsvalleu. Stettwer Sänger. Winiergarteu. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnle. Ansang 8'lt Ubr. Luisen. Deines Bruders Weib. Walhalla. Wolleabummler. Stdm,rat«pataft. Die lustige Puppe. Folie» Capricr. Der Nuckuck. Ranöverschwtndel. Die Samuels. Aniaug 9 Mr. Berliner Eispalast. Eissport. EinesNollendorf.Theater.Bariets- Lichtspiele. '.' »ternmarte. Luvalidenstr. 57—02 5ediIIei'-7vestei'0.A� > Theater. DienStag, abends S Uhn Zl«»r»l. Mittwoch, abends S Uhr: Haaemanns Töchter. Donnerstag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der Ittgt, Sehlller-Theater Chab,2�w' Dienstag, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Mittwoch, nachmittags 31/, Uhr: GUta von BerÜchingen. Mtttvoch, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt, Donnerstag, abends 8 Uhr: Meyers. BentacheiiSchaatipleihaaa AddS 8 Uhr: Wer zuletzt lacht l Abends 7'/. Ubr: Kömx Richard HI. Komödienhaus. Abends 8 Uhr: Hinter Manern. Berliner Ttaealer. Abend» 8 Uhr: Wie etnat Im Mal. 8 Uhr 8 Uhr. Hoheit— der Fruit;! Mufilalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Winterbcrg. Morgen u. s. Tage: Hoheit- der Franz! Sonntagnachm.: SchlatwagenkDntrgj. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblnt. ®6b. 4 ll.: Das tapfer« Schneiderlein. Sonnt, nachm. 3'f, Uhr: Gräfin FHI. Beutsches Jtänstlertheater Sozietät. Hornberger Strate 70/71, am Zoo. Kaste: Nollendorf 1383. Dienstag, 8 Uhr: Zum 25. Male: Schirin und Gertraude. Mittwoch, 8 Uhr: Glaube and Heimat. OSE=THEATE| Grotze Frankiurler Str. 132. Der SchU rssenjäger. Posse mit Ges. u. Tanz i. 3 Akt. --»> Mufit v. Walter Zacher. Ansang 8 Uhr: Mittw.: Der SehürNenläger. Sonnabend 4 Uhr: SchneewracEea. URANIA Ta2S/e49"tr Dienstag 8 TThr; G-eheimrat Prof. Dr. Wahnschaffe: Hörsaal 8 TJhr: Prof. Dr. Lmdner: Das Mikrobenieben in nnsercn heimischen Gewässern. Theater am Nollendorlplatz l Abends 8 Uhr: Freddy nnd Teddy. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Friedr.-Vilheliiistädl Theater. Zum 278. Male: Die Kino- Königin Operette in 3 Alten. Kassenerössn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonntag, den 18. Januar, nachmittags 3 Uhr: Die Haubenlerche. Reiehshallen-Theater Stettiner Sänger Neu: No. 13! Urkomische Burleske. Anfang 8 Uhr. Sonntng nachm. 3 Uhr zu ermätz. Preisen: Eine Hochzeit in derNOlierstrsBe. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Cintsen-Theater. I Walhalla-Theater. 8V,U.: De Ine» Ilraders Weib. Heute zum letzten Male: Schauw. in O Bil d. v. Ernst Bitterseid„Woibenbammler." und Hedwig Eaurths-Mahler. j Posse in 3 Atten von Herm. Stein.; Jk«01«°' —— MaiiArstrnßfl 82.— 2 :: Berliner:: Konzerthaus ManerstraSe 82.— Zimmeratrale 90/91. Crroßes Doppel- Konzert! Mosikkorps Kalser-Franz-Garde-Gronad.-Regts. Oirig. Oberm. A. Becker. Tegernseer nnd Ztllerthaler Hnstkanton, Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pt Anfang 8 Uhr, w oehentagen; Gr. Hachmittags-Ronzert bei freiem Eintritt, Arnold Scholz. Neue Welt. Hazenhelde 108/114. Heute Dienstag, den 13. Januar: Elite-Tag! l>amen- Prämiier ung! PrAmllert wird der tiefste mMid! Rflckenansschnitt. 8 bare Deldpreize 30, SO, 80 31. Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Anfang 7 Uhr. 80 bayr. Had'l. Entree SO Pf. O Kapellen. , Dlttwoch, den 14. Januar 10l4: VoranzeiQBt Elite-Tag! Große Eitra-Präffliierung! Prämiiert wird der längste Hausschlüssel. 3 bare Keldpretae: 80, SO, 10 Hark. Site i. Stenn. Heute Dienstag, den 13. Januar, abends 71/, Uhr: Große Sport-Vorstellung. U. a.: Ceven-Trnppe L/ukt-Zahnakt. Therese Kenn dress. Elefanten u. Ponnys. Original Lilttie Pröda kunstreiUmde Hunde. "Dir. Alb. bchnniaun Schul- u. Freiheitedressuren. u. das übrige Glanz-Programm. Dar- Dm Oft, Uhr:-«H Das Tagesgespräch von Berlin Die neue grelle Ausstattung in 7 Bildern: »Tipp" dar Oerby-Favorlt 1914. Yvette. Robert Steidl. Willi Pantzer Co. Hau- Plng■ Chien- Truppe, Paris-Trio. Charlene u. Charlene. Farben-Ballett Wysto n. Whyss. Robert u. Robert. Borden u. Slol. „Persien" Ballottdtvertissement Kostüme v. Paul Poiret, Paria. Rauchen gestattet! Tel.: Ltitiow 2757 Rleaen- Lachst arme! Hartstein Der Stolz llKoinpognIe Kommen I Sehen! jubeln I tmd das nr. Januar-Progr. n. a. Bernhard Httrbita Oskar Schwarz mit ecinen 6 American Girls. Varleiibeginn 8 U,— Hartstein S1/,)!. Raaehen gestattet. Zirkus Busch. Heute Dienstag, bot 13. Januar. abends 7ft, Uhr: Die neuen groften Januar. Atträktionen. Harinn��S." Zlnvellna Dressnr-Akt .Im Kindergarten». Baronin K. Sadaja, Schulreiterin. 3 Renards, Gymnast. Lust-Akt. Zum Schluß: „Pompeji". Orig. Ausftattungs-Pantomiiue des ZirkuS Busch in 5 glänz. Akten. Irislion-Ideatei'. TägNch abends 8 Uhr: Anatelen Hochzeit. Der nnerahttllche Halbstündlich eine Mahlzeit lebender Fische und Frfisehe. Cola Experimente: ins dem Jenseits WE" Eebcnd! Ohne Extra-Entree. CasinosTheater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Donnerstag. den 18. Januar: Ferdinand der Tageadhaste. Freitag. 18. Jan.. zum 1. Male: „Die olle Weher«-. Sonnt. 4 U.: Geheimnisse». He» Vork. Mm Caprice. Anfang präzise Bft.vhr Der Knchncfc. IHanBverachwIndel. Die Samuels. Schwarzer Adler, Stankfurtet Chaussee 5. Dienstag. 13. Januar: Gastspiel des Boigt-Theaters: Zapfenstreich. Drama in 4 Atten von F.A.Bcfterle!n. Kassenerössn.? Uhr, Ansang 6lU Uhr- 4. Vr-ttMch.Sudd-utsche (230. Köuigi. Kreuß.) Klassenlstterie I. Klaff« I. ZiehungStag 12. Januar 1913 Vomnttaz '21 nf jede aejogene Nummer sin»»wei«reich Hobe «Kcwiuu««efalleu, und zwar je einer auf die Los« «reicher Nummer in de»»etdeu Abtetlunzeu l u. II. Nur die Gewinne über bo M. sind w Llauimern beigefügt. (Ohne Gewähr A. Et.-A. f. Z.)(Nachdruck verbaten) 9 1« 174 278 363 89 943 1078 279 322 666 897 2238 483 604 702 8617 846 47 4067 364 703 S31 5333 615 83 96 750 989 6311 39 öS 691 750 7131 211 384 405 661 628 33 817 54(100) 64 8107 512 58 642 733 899 6060 264(200) 301 577 650 78 10047 299 461 684 746 64 959 11058 101 97 249 309 463 689 706 987 1 2403 29 93 600 906 44 46 67 1 3262, 411 16 634 88 861 06 14074 180 693 ISOOO 123 63 242 484 89 727 41 996 1 8130 61 413 59 909 43 1 7216 32 678 842931 18184 799 844 948 1 8223(200) 302 662 963 2 0642(100) 55 925 21017 599 890 903 2 2155 83 417 69 735 876 86 2 3 075 129 263 604 40 641 712 64 72 834 35 24116 31 76(100) 602 2 5304 09 691 619 71 702 902 55 26027 37 43 76 604 661 818 2 7037 48 79 209 76 328 36 601 629 909 2 8165(100) 390 419 84 92 635 36 749 2 6 029 233 00 417 620 700 841 901 2 30122 812 31048 135 361 449 66 626 67 833 908 3 2043 180 863 971 33050 63 184 336 432 608 694 964 3 4081(100) 390(100) 849 972 97 3 5 497 641 838(3001 3 8011 244 744(100) 824 928 3 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Vreußisch Südde«tsche (330, Königt. Pr-uß.) Klassenlott-rie 1. Klaffe 1. Ziehungstag 12. Januar 1914 Nachmittag Stuf jede«ezogeue Nummer sind»wei«letch Hobe tSewiune«efalleu, und»war je einer auf die Lose gleicher Nummer tu de» beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über SV M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 640 1216(100) 69 463 513 724 72056 352 65 426 631 62 769 841 3038 118<100) 21 361 473 716 43 47 933 42 60 4257 64 395 515 56 683 967 5043 89 244 499 675 641 896 0542 49 65 772 963 944 7012 406 61 65 69 638 986 5069 323 463 674 762 927 93 0090 103 17(100! 76 366 437 66? 665 756 966 10315 41 11053 11000) 437 577 905 1 2044 93 474 723 (100) 51 13410 963 14064 291 900 62 16159 369 402 549 56 610 86 839 97 16028 118 321 50 406 567 1 7272 397 402 873 909 69 79 1 8334 639 53 1 9026 276 471 816 910(100) 20 2 0079 115 628 47 718 904 21192(100) 668 72 668 950 2 2280 301 522 2 3069 208 342 666 718 76 865 999 2 4329 656 942 2 5234 317 697 629 768 967 2 6030 303 75(100) 450 685 907 57 2 7 316 607 2 8037 94 308 612 750 886 2 6491 695 731 68 828 950 3 0050 108 60 384 517 793 831 60 31081 371 725 838 32017 210 27 94 409 67 642 662 818 95 911 46 72 33278 365 763 3 4371 402 62 701 3 5243 81 430 94 653 3 6089 247 58 629(100) 696 771 87 3 7389 615 800(100) 20 938 3 8337 500 718 873 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